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DIE GRIECHISCHE PHILOSOPHIE

VON TORSTEN SCHWANKE

HERAKLIT FRAGMENTE

Gewidmet der großen Artemis von Ephesos…

Obwohl dieses Wort ewig wahr ist, sind aber Menschen nicht in der Lage, es zu verstehen, wenn sie
es zum ersten Mal hören, oder bevor sie es überhaupt gehört haben. Denn wenn alle Dinge in
Übereinstimmung mit diesem Wort sind, scheinen die Menschen, als hätten sie keine Erfahrung mit
ihm, wenn sie spielen mit Worten und Taten, wie ich dargelegt, und teilen jedes Ding nach seiner
Art und zeigen, wie es zu machen ist, was es ist. Aber andere Menschen wissen nicht, was sie tun,
wenn sie wach sind, auch wenn sie vergessen, was sie im Schlaf tun.

Obwohl der Logos allgemein ist, leben die Vielen, als ob sie eine eigene Weisheit hätten.

In Bezug auf die Größe der Sonne: Sie hat die Breite eines menschlichen Fußes.

Wenn das Glück darin besteht, die Freuden des Körpers zu genießen, sollten wir Ochsen glücklich
preisen, wenn sie kommen, um Bitterklee zu fressen.

Die Sonne ist, wie Heraklit sagt, jeden Tag neu.

Wenn alle Dinge beim sich drehen rauchen würden, würden die Nasenlöcher sie unterscheiden
können.

Was sich vereint, die feinste Einstimmung geht auf Dinge in entgegengesetzten Richtungen, und
alle Dinge werden durch Streit.

Für ein Pferd, einen Hund und einen Mensch gibt es unterschiedliche Freuden; Esel haben lieber
Stroh als Gold, da Esel Essen süßer finden als Gold.

*
Erfassungen: Dinge, ganze und nicht ganze, was zusammengezogen und was auseinander gezogen
ist, die harmonischen und die unharmonischen. Das Eine besteht aus allem Gemachten, und alle
Dinge sind ausgegangen von ihm.

Jedes Tier wird getrieben mit einem Schlag auf die Weide.

Um diejenigen, die in die gleichen Flüsse steigen, immer unterschiedliche Wasser fließen.

*
Schweine haben mehr Freude am Schlamm als am reinen Wasser.

Die unter den Menschen praktizierten Geheimnisse sind unheilige Geheimnisse.

Wenn es nicht um Dionysos geht, dass sie einen Umzug tun und singen schändliche phallische
Hymnen, die meisten würden schamlos wirken. Aber Hades ist der gleiche wie Dionysos, zu dessen
Ehren sie verrückt sind und toben.

Was kann man vor der, die niemals untergeht, verbergen?

Viele beherzigen nicht solche Dinge, wie diejenigen, die sie tun, noch erkennen sie sie, wenn sie
unterrichtet werden, wenn sie denken, dass sie sie tun.

*
Wenn du nicht erwartest das Unerwartete, wirst du es finden; denn es ist schwer und wird nur
schwierig zu suchen sein.

Zu wissen nicht, wie zu hören ist, wissen sie nicht, wie man sprechen soll.

Oder besser gesagt, um sich auszuruhen: zu leben und verurteilt zu sein, wenn sie geboren sind,
wollen sie die Kinder hinter sich lassen, um mit ihren Kindern sich wiederum zu erfüllen.

Alles, was wir sehen, wenn wir wach sind, ist der Tod, so wie alles, was wir im Schlummer sehen,
ist der Schlaf.
*

Diejenigen, die nach Gold suchen, graben viel in der Erde und finden wenig.

Du würdest den Namen der Gerechtigkeit nicht kennen, wenn diese Dinge nicht wären.

Götter und Menschen ehren diejenigen, die von Ares getötet wurden.

Große Todesfälle gewinnen größeres Erbe.

Man zündete ein Licht für sich selbst in der Nachtzeit, als er starb, blieb er aber am Leben. Der
Schläfer, dessen Vision erlosch, leuchtet bei den Toten; er, der wach ist, leuchtet vom Schlaf.

Es erwarten Menschen, wenn sie sterben, die Dinge, wie sie aussehen, das konnten sie nicht
träumen.

*
Die meisten von ihnen halten sich an Phantasien. Aber Gerechtigkeit wird die Handwerker der
Lügen und die falschen Zeugen überholen.

*
Denn selbst die besten von ihnen wählen vor allem eines anderen unsterblichen Ruhm unter den
Menschen, die meisten von ihnen sind wie Tiere übervoll.

Diese Welt, die für alle gleich ist, hat nicht einer der Götter oder Menschen gemacht. Aber sie war
immer da, ist und wird sein: ein immer lebendiges Feuer, mit Maß angezündet und mit Maß
ausgehend.

Die Transformationen des Feuers: erstens das Meer; und das Meer ist die Hälfte der Erde, und der
Wirbelwind...

Das Meer ergießt sich, und wird mit der gleichen Menge gemessen, bevor es zu Erde wird.

*
Der Allweise ist nur Einer. Er ist nicht bereit und willens, mit dem Namen Zeus genannt zu werden.

Und es ist ein Gesetz auch, dem Rat eines Weisen zu gehorchen.

Sie hören, aber sie verstehen nicht, wie Gehörlose. Von ihnen zeugt das Sprichwort: "Immer fehlen
sie.“

Männer, die die Weisheit lieben, müssen Fragen stellen in sehr vielen Dingen.

Denn es ist der Tod, dass die Seelen zu Wasser geworden sind, und der Tod, dass das Wasser zu
Erde werde. Aber das Wasser kommt aus der Erde; und aus Wasser ist die Seele.

Schweine waschen sich im Schlamm und Hühner im Staub.

Thales, nach einigen Meinungen, scheint der erste Student der Astronomie, eine Tatsache, die
sowohl Heraklit als auch Demokrit bezeugen können.

In Priene lebte Bias, der Sohn des Teutamas, der von mehr Wert als der Rest ist.

Das Lernen von vielen Dingen heißt noch nicht, dass man lehren kann; sonst wären Hesiod und
Pythagoras und Xenophanes und Hekataios gute Lehrer gewesen.

Weisheit ist eine Sache. Sie ist der Gedanke, durch den alle Dinge sind, durch den alle Dinge
gelenkt werden.

Homer verdient es, mit einem Stock vom Spiel genommen und geschlagen zu werden, und
Archilochos ebenso.

Übermut braucht Äußeres, noch mehr als ein Haus in Brand.


*

Die Menschen müssen für ihr Recht auf ihren Mauern kämpfen.

Reise auf jedem Weg, du wirst doch die Grenzen der Seele nicht finden, so tief ist ihr Maß.

Heraklit sagte, dass das Denken eine heilige Krankheit ist und dass dieser Anblick täuscht.

Lasst uns nicht nach dem Zufallsprinzip Vermutungen anstellen über die wichtigsten Dinge.

Bios: Name des Bogens ist das Leben, obwohl seine Arbeit der Tod ist.

(Bios, homerisches Wort für Bogen, Bios, das Leben)

Einer ist zehntausende für mich, wenn er der Beste ist.

Die Zeit ist ein spielendes Kind, indem es die Figuren eines Brettspiels setzt; die königliche Macht
ist ein Kind.

Der Weg des Schreibens ist krumm und gerade.

*
Der Weg nach oben und nach unten ist ein und derselbe.

Das Meer ist das reinste und das unreinste Wasser. Der Fisch kann es trinken, und es ist gut für ihn;
dem Menschen ist es ungenießbar und schädlich.

Sterbliche sind Unsterbliche und Unsterbliche sind Sterbliche, der eine lebend, der andere tot, und
Sterben ist ein Anderes Leben.

Dass sie auferstehen und sehen die wachen Hüter der Lebenden und der Toten.
*

Der Blitz ist es, der alles lenkt.

Heraklit nennt das Feuer Wille und Übermaß.

Das Feuer im Voraus wird beurteilen und verurteilen alle Dinge.

Gott ist Tag und Nacht, Sommer und Winter, Krieg und Frieden, Übermaß und Hunger; aber er
nimmt verschiedene Formen an, wie Feuer, wenn es mit Gewürzen vermischt ist, nach dem
Geschmack eines jeden Namens.

*
Der Menschen Meinungen sind Kinderspielzeug.

Die meisten sind im Widerspruch zu dem, womit sie am meisten verbunden sind – das Geld, das das
Universum regiert - und was sie jeden Tag zu erfüllen haben, scheint ihnen fremd.

Wir sollten nicht handeln und sprechen wie Kinder unserer Eltern: das heißt, in der Art und Weise,
die uns überliefert ist.

Diejenigen, die schlafen, sind Gehilfen in dem, was in der Welt vorgeht.

Der Tod des Feuers ist die Geburt der Luft, und der Tod der Luft ist die Geburt des Wassers.

Die Art des Menschen hat keine Weisheit, sondern Gottes Art hat Weisheit.

Man wird ein Baby von Gott, so wie ein Baby von einem Menschen.

Wir müssen wissen, dass der Krieg ist für alle bestimmt und dass Streit Gerechtigkeit ist und dass
alle Dinge sind durch den Streit gekommen.
*

In den Worten des Heraklit: Fürsten der Lüge!

Der schönste Menschenaffe ist hässlich im Vergleich mit einem Menschen.

*
Die weisesten Menschen, im Gegensatz zu Gott, erscheinen als Affen in Weisheit und Schönheit
und Liebe.

Es ist schwer, mit des Herzens Wünschen zu kämpfen. Was auch immer es zu erhalten wünscht,
kauft es auf Kosten der Seele.

Aber der größere Teil der göttlichen Dinge entkommt der Anerkennung wegen des Mangels an
Vertrauen.

Der Narr wird bei jedem Wort flattern.

Und es ist die gleiche Sache in uns, den Lebendigen und den Toten, wachen und schlafen, jung und
alt; die ersten werden die letzten, und die letzten werden die ersten sein.

Die Wachenden haben eine gemeinsame Welt, aber die Schlafenden wenden sich jeweils einer
eigenen Welt zu.

Alles ist ein Austausch mit dem Feuer, und des Feuers mit allen Dingen, wie Waren gegen Gold und
Gold gegen Waren getauscht werden.

Nach Heraklit ist es nicht möglich, zweimal in denselben Fluss zu steigen, noch ist es möglich, eine
tödliche Substanz zweimal zu berühren. Aber dank der Schnelligkeit und Geschwindigkeit des
Wandels, zerstreuen sich die Dinge und kommen wieder zusammen, oder vielmehr kommen sie
zusammen und gehen nicht wieder, später zwar, aber nicht gleichzeitig, sie bilden sich und lösen
sich und nähern sich und scheiden.

*
Und die Sibylle mit rasenden Lippen stieß Worte hervor, freudlos, unparfümiert, sie erreichte mehr
als tausend Jahre mit ihrer Stimme, durch den Gott in ihr.

Der Herr, dessen das Orakel von Delphi ist, spricht weder, noch versteckt er die Bedeutung, aber er
gibt ein Zeichen.

Die Sonne wird nicht überschreiten ihr Maß; wenn sie es tut, werden die Furien, die Dienerinnen
der Justiz, sie heimsuchen.

*
Am besten ist es, Torheit zu verstecken.

Leichen sind, als wenn Mist geworfen wird.

Hunde bellen bei jedem, den sie nicht kennen.

Seelen riechen im Hades.

Wenn es keine Sonne gäbe, trotz der anderen Sterne wäre es Nacht.

Die Zyklen: von diesen ist die Sonne Kommandantin und Aufseherin, für die Ermittlung der
Veränderungen und für die Jahreszeiten, die alle Dinge durchführen.

Ich suchte mich selbst.

Für Gott ist alles schön und gut und gerecht, aber die Menschen halten einige Dinge für falsch und
einige für wahr.

In Bezug auf den Umfang eines Kreises sind Anfang und Ende häufig.

*
Was haben sie gedacht oder welche Weisheit haben sie? Sie folgen den Dichtern und nehmen die
Menge als ihren Lehrer und wissen nicht, dass die Vielen schlecht sind und nur Wenige gut.

Heraklit sagte, dass Homer ein Astronom gewesen.

Heraklit hatte Hesiod angegriffen, weil der einige Tagen gut und andere Tage schlecht nannte, weil
er nicht erkannte, dass die Natur eines jeden Tages dieselbe ist.

Augen und Ohren sind schlechte Zeugen der Menschen dafür, dass die Barbaren Seelen haben.

Von allen, deren Diskurse ich gehört habe, gibt es nicht einen, der erkannte, was weise ist,
abgesehen von all dem erreichten.

*
Es ist nicht besser für Menschen, dass sie alles, was sie möchten, auch bekommen.

Es ist die Krankheit, die die Gesundheit angenehm und gut macht; der Hunger der den Reichtum
gut macht; die Müdigkeit, die die Ruhe gut macht.

Gut denken ist die größte Exzellenz; und Weisheit ist es, zu handeln und zu sprechen, was wahr ist,
und alles wahrzunehmen nach seiner Art.

Das Denken ist allen gemeinsam.

*
Diejenigen, die mit Verständnis sprechen, müssen festhalten, was allen gemeinsam ist, wie eine
Stadt an ihrem Recht festhält, und noch stärker. Denn alle menschlichen Gesetze werden durch die
göttlichen eingeführt. Gott herrscht so viel wie er will, und reicht für alle Dinge, die zu retten sind.

Der Logos der Seele erhebt sich.

Erkenntnis seiner selbst und Besonnenheit sind gut für alle Menschen.

*
Ein Mann, wenn er betrunken ist, wird von einem bartlosen Knaben geführt, er stolpert und weiß
nicht, wo er die Schritte hinsetzen soll mit seiner feuchten Seele.

Ein trockener Lichtschimmer ist die klügste und beste Seele.

Heraklit sagte, dass der Charakter eines Menschen sein Schicksal ist.

Die Grenzen der Dämmerung am Abend sind der Große Bär und gegenüber dem Großen Bären der
Wächter des hellen Zeus.

Die Epheser täten gut daran, sich zu erhängen, jeden erwachsenen Mann von ihnen, und die Stadt
zu verlassen, mit den bartlosen Knaben; denn sie haben Hermodorus, den besten Mann unter ihnen,
verjagt und gesprochen: Wir werden niemanden, der am besten ist, unter uns haben wollen, wenn es
ein solcher ist, der also an anderer Stelle und unter anderen sein soll.

Die Natur liebt es, sich zu verstecken.

Das schönste Universum ist ein Ausfegen von Kot nach dem Zufallsprinzip.

Auch das Gerstengetränk wird getrennt, wenn es nicht umgerührt wird.

Kaltes wird warm, und was warm ist, kühlt ab; was nass ist, trocknet, und das Ausgedörrte wird
befeuchtet.

Pythagoras, der Sohn des Mnesarchos, verfolgte die Untersuchung weiter als alle Menschen, und
was er aus diesen Zusammensetzungen gewonnen hat, beanspruchte für sich, eine Weisheit aus
seinem eigenen Inneren: viel Lernen, ein schlichtes Handwerk.

EPIKUR
ODER
DIE HÖCHSTE LUST
Bei mir hier fühle du dich gut:
Die LUST ist hier das Höchste Gut!

Der Garten reizt den Hunger nicht,


Er stillt ihn! Hier ist kein Verzicht.

Wer um das Morgen trägt nicht Sorgen,


Geht mutig, freudig in das Morgen.

Beneide nicht! Die Gütigkeit


Verdient ja keinen bösen Neid.
Der Böse kehrt ins Nichts zurück,
Je mehr er sich ergötzt am Glück.

Vier Medizinen nimm zur Hand:


Die Gottheit schreckt nicht den Verstand;
Leg ab die Bangnis vor dem Tod;
Das Gute Antwort gibt der Not;
Und sei bereit an allen Tagen,
Das Übel sollst du leicht ertragen.

Den guten Menschen sollst du lieben


Und niemals seinen Geist betrüben,
Leb immer unter seinen Augen
Und müh dich, seinem Geist zu taugen.
In allem irdischen Geschehen
Tu so, als würde er dich sehen.

Bei der Begierde frage dich:


Was folgt daraus denn einst für mich?
Was, wenn Begierde sich und Willen
Und Wünschen einmal gar erfüllen?
Und was, wenn die Begierde nicht
Erfüllt wird? Also denke schlicht.

Such morgen besser noch zu leben


Als heut. Du sollst dein Bestes geben.

Ob uns die andern loben werden?


Entscheiden sollen das auf Erden
Die lieben andern Leute selber.
Du aber werd vor Neid nicht gelber,
Wenn man dich nicht lobt oder weil
Man andre lobt. Du such dein Heil!

Der Weisheit-Liebe-Schönheit Dreiheit,


Die suche nur, dann kommt die Freiheit.

Die schlechte Angewohnheit wollen


Und alle unsre Laster sollen
Wie alte Feinde wir verjagen,
Die plagen uns seit vielen Tagen.

Die eigene Natur nicht quäle,


Berede leise deine Seele,
Berede leise die Begierde,
Begierde still mit Zierrats Zierde,
Sofern sie dir nicht schaden kann,
Die schädliche lehnt ab der Mann.

Mit Weisen sprich von hohen Sachen,


Zu gleicher Zeit du sollst auch lachen,
In Ordnung halte deine Wohnung.
Verhalte dich mit milder Schonung
Und nütze deine Fähigkeiten,
Verkünde in der Welten Weiten
Mit Lachen und mit frommer Leisheit
Die Einsicht, die geschenkt Frau Weisheit.

Ein Staat in Aufruhr ist nicht glücklich,


Unglücklich wird auch augenblicklich
Die Wohnung, wo in Zwistigkeit
Hausmann und Hausfrau sind im Streit,
Unglücklich ist auch stets die Seele
Und immer selbst das Herz sich quäle
Und immer jene Seele leidet,
Die in sich mit sich selbst sich streitet.
Den Streit entferne aus der Brust,
Sonst findest nie du süße Lust.

Schön ist es, Gutes zu bekommen,


Doch Gutes tun ist einem Frommen
Noch schöner, solche Herrlichkeit
Und Lust bereitet Dankbarkeit.

Du kannst leben nicht in Lust


Ohne Weisheit in der Brust,
Ohne Wissen in dem Schädel,
Sei besonnen, sittsam, edel.
Edel aber und besonnen
Und gesittet in den Wonnen
Und vernünftig in der Brust
Bist du nur, genießt du Lust.

Keiner schaut das Schlechte an,


Wählt es dann als schlechter Mann.
Nein, geködert wird der Schlechte,
Schlechtes er als Gut sich dächte.
Wem das Schlechte gut gefallen,
Wird in großes Übel fallen.

Was sie selbst sich vorgenommen,


Das tun selbst nicht die Unfrommen.
Eine Scheinlust lockt die Toren
Und so an den Trug verloren,
Schwach gefesselt von Genuss,
Von dem flüchtigen Erguss
Eitler Scheinlust Toren lenzen,
Sehen nicht die Konsequenzen.
Kleine eitle Lustempfindung
Ohne jede Überwindung,
Ob man auch verzichten könnte,
Ohne dass man sich verbrennte,
Schaden bringen sie im Lande
Und die öffentliche Schande,
Und weil sie sich nicht gedulden,
Bringen sie sich in Verschulden
Und erlangen Spott der Dichter
Und die Strafe strenger Richter.
Doch die Weisen, die die Lust
Mit der Weisheit in der Brust
Nach der Weisen Art genießen,
Keine Schmerzen draus ersprießen,
Die Besonnenheit bewahren
Und sich hüten vor Gefahren,
Nicht der Lust zum Opfer fallen,
Lassen sich die Lust gefallen
Schöner als Poeten dichten,
Weil sie auf die Lust verzichten!

Seelen haben Lust und Schmerzen,


Fühlen Schmerz und Lust im Herzen,
Weil sie Schmerz und Lust am Leibe
Fühlen gleich dem feinen Weibe.
Lust macht fröhlich eine Seele,
Schmerz die Seele aber quäle.
Doch der Ursprung, liebes Weib,
Liegt begründet in dem Leib,
Wirkt auch auf den Leib zurück,
Seelenqual und Seelenglück.
Aber Wonnen oder Schmerzen
Größer sind im Seelenherzen
Als sie jemals sind im Leib,
Glaub mir das, du liebes Weib.
Denn im Leibe spürt man nur
Gegenwärtige Natur,
In der Seele aber auch
Des Vergangnen Schattenhauch
Und der Zukunft Hauch und Schatten.
Lehren doch der Weisheit Gatten,
Daß der Körper Schmerz empfindet,
Doch wer Seelenschmerzen findet,
Leidet mehr als der am Leib,
Glaub mir das, du liebes Weib.
Wenn die Seele nämlich denkt,
Über ihr das Unheil hängt,
Daß die Schmerzen ewig seien,
Welcher Gott kann sie befreien?

Weder Unmaß roten Weines


Und das Weib, und sei’s ein feines,
Sei sie reizend oder keusch,
Und auch nicht Genuss von Fleisch,
Sie erwecken nicht die Lust,
Sondern Weisheit in der Brust,
Die Vernunft, die die Erscheinung
Recht beurteilt, leere Meinung
Abweist und besonnen wählt
Und den Schritt gemessen zählt.
Ursprung allerhöchster Lust
Die Vernunft ist in der Brust,
Die Vernunft als Allgesetz,
Nicht Gelehrter Wortgeschwätz,
Die Vernunft in ewger Jugend
Ist die Mutter jeder Tugend.
Denn Vernunft lehrt diese Kunst:
Ist nicht Lust und ist nicht Brunst
Ohne die Gerechtigkeit,
Edle Selbstbesonnenheit.
Doch das Leben in der Tugend
Ist in Alter oder Jugend
Ganz unmöglich ohne Lust,
Ohne Freude in der Brust.

Wer lebt in holder Freundlichkeit,


Wohlwollen findet er bereit
Und wird im Leben Liebe finden,
So lebt er ruhig, ohne Sünden.
Und so kann seine Seele ruhn
Und Falsches braucht er nicht zu tun.

Die Freundschaft tanzt in dieser Welt,


Den Freund mit ihren Händen hält,
Die Freundschaft fordert auf den Weisen,
Die Göttin Freundschaft hoch zu preisen!

Der immer an sich selber denkt


Und niemals seinem Nächsten schenkt,
Ein wahrer Freund kann der nicht sein.
Wer nur an andre denkt allein
Und dient, was immer jene treiben,
Wird Freund dir nicht auf Dauer bleiben.

Beim Essen so wie auch beim Trinken,


Ja bei des roten Weines Blinken,
Schau du, mit wem du isst und trinkst
Und wem du mit dem Becher winkst.
Denn ohne Freundschaft gleicht das Leben
Mit allem Fleisch und Blut der Reben
Der Fütterung von wilden Wölfen.
Laß dir von Göttin Freundschaft helfen!

Du lebe still und tief verborgen,


Gott gibt dir Hoffnung für das Morgen!

Zieh du dich in dich selbst zurück


Und finde in dir selbst das Glück,
Bist du gezwungen, nicht allein,
Vielmehr bei dummem Volk zu sein.

In deinem Leben tu du nichts,


Was scheut die Helligkeit des Lichts,
Was scheut der weisen Männer Tadel,
So lebst du würdig deinem Adel.

Doch wenn du etwas heimlich tust


Und nicht mehr in der Seele ruhst
Und lebst im Innern voller Sorgen,
Die Untat bleibe nicht verborgen,
So wirst du stets voll Unruh bleiben
Und stets der Stachel wird dich treiben,
Daß man die Untat wird entdecken,
Was würde dich zutiefst erschrecken.

Natur lehrt, was uns das Geschick


Zuteilt an Unglück oder Glück,
Für unbedeutend dies zu halten.
So lehren es die weisen Alten,
Daß stets der Glückliche betrachte,
Was Unglück sei, das Glück nicht achte,
Daß der Unglückliche bedenke,
Was immer auch das Glück ihm schenke,
Sei flüchtig und vergänglich, eitel.
Ruht Weisheit dir auf deinem Scheitel,
Verschwende, Weiser, nicht den Blick
Und schau nicht nach dem eitlen Glück.
Was immer dir das Schicksal schenkt,
Frau Weisheit nur den Weisen lenkt.

Frau Weisheit ist uns Führerin,


Denn sie besitzt den wahren Sinn
Und trägt die Kunst in ihrer Brust
Und kennt den Weg zur wahren Lust,
Frau Weisheit nur vertreibt die Trauer,
Frau Weisheit schenkt dir Lust auf Dauer!

Denk an den Tod, den Flug zu Sternen,


Klug ist es, von dem Tod zu lernen,
Willst du es lernen, fromm zu sterben,
So wirst du wahre Weisheit erben.

O Freundschaft! In der Todesstunde


Bekenne ich mit meinem Munde:
Groß sind die Schmerzen meines Leibes,
Doch denke ich des schönsten Weibes,
Der Göttin Freundschaft, voller Schaudern,
Wie schön wärs doch, mit dir zu plaudern!

Durch die Natur des Menschen bist


Du sterblich zwar, o Mensch, doch ist
Durch die Vernunft und Weisheit dir
Gegeben Leben für und für,
Du schaust, was war und ist und sein wird,
Ein Leben Gottes, welches dein wird!

Der Mensch, damit er nicht verschlimmert,


Der gute Mensch, der Edle kümmert
Um Freundschaft sich in stiller Leisheit
Und um die makellose Weisheit.
Die Freundschaft steht vielleicht ihm näher,
Die wahre Weisheit steht doch höher.

Bei aller Arbeit kommt Profit,


Nachdem man schwer sich abgemüht.
Allein der Weisheitssucher findet
Schon, wenn die Weisheit er ergründet,
Gewinn in allem seinem Mühen,
In seinem für-die-Weisheit-Glühen.
Genuss ist nicht die Folge nur
Der Einsicht in die Gottnatur,
Erkenntnis und Genuss, sie kommen
Im gleichen Augenblick den Frommen!

Ich sage dir: Frau Weisheit liebe,


Ergründe du in Weisheitsliebe
Das Allgeheimnis der Natur,
Den Elementen auf der Spur.
Im Kloster der Chloride du
Alleine findest Seelenruh.

Ich möchte lieber offen schreiben


Und immer bei der Wahrheit bleiben,
Ob auch die Welt nicht applaudiert,
Als wie ein Affe ganz vertiert
Zu feiern nichts als die Erscheinung
Und Oberflächlichkeit der Meinung
Und mitzutanzen in dem Trubel,
Beklatscht von hohler Narren Jubel.

Die Menge hab ich nie begehrt,


Die Pöbelmenschen ungelehrt,
Denn was dem dummen Volk gefällt
Und wozu applaudiert die Welt,
Das habe ich nie gut geheißen.
Die Einsicht eines frommen Weisen
Ward von den Narren nie begriffen,
Die lieber sich den Dummkopf griffen.

Zuschauen mag ich im Theater


Der Welt und preisen auch den Vater
Für das Mysterium des Weines
Und für die Kunst des schönen Scheines.
Doch Dichterkriegen und Kritik
Von Kritikastern weist zurück
Mein Geist, der nicht dran denken mag
Bei meines Freundes Trinkgelag.

Was willst du denn von Philosophen,


Die weise sind wie Kammerzofen
Und Schmerzen nicht zu lindern wissen?
Der Arzt tut Heilkraut in das Kissen,
Des Philosophen Lehre soll
Des Trostes voll sein, übervoll
Der Kraft zur Heilung, wahrlich, weiland
Frau Weisheit war ein großer Heiland.
Frau Weisheit sollst du liebend bleiben,
Sie wird den Schmerz aus dir vertreiben.

Wir sehen doch, dass dieses Leben


Chaotisch ist und mitgegeben
Dem Leben ist Unwissenheit
Und Torheit und Begierlichkeit
Und Angst und Sorgen. Vor dem Sturm
Des Chaos stehe fest der Turm
Der Weisheit! Mit Gelassenheit
Betrachte die Begierlichkeit
Und schau des Schicksals dumme Launen
Gelassen an. Was ist zu staunen?
Der Narr hat Schmerzen in der Brust,
Frau Weisheit nur schenkt wahre Lust.

Wer ist wohl stärker als der Mann,


Der betet Gott als Vater an
Und ohne Angst dem Tod begegnet
Und der von Weisheit ward gesegnet
Und hat erkannt des Lebens Spiel
Und seines Lebens höchstes Ziel
Und der von Kindheit an und Jugend
Gesucht die Frömmigkeit und Tugend
Und der das Gute immer tut
Und Güte nennt das Höchste Gut,
Dem Schicksal aber nicht vertraut,
Den Launen nicht der Schicksalsbraut
Vertraut, die manche nennen Herrin,
Der Aberglaube preist die Närrin.
Sich selber prüft der weise Mann
Und schaut sich seine Fehler an,
Bereut, bekennt und bessert sich
Und so veredelt er sein Ich.
Nicht Zufallsgott, nicht Schicksalsgöttin,
Frau Torheit nimmt er nicht zur Gattin,
Frau Weisheit nur mit Leidenschaft
Liebt er, der voll der wahren Kraft.

Zu Gott zu beten, Gott zu preisen,


Das ist die Weisheit aller Weisen,
Nicht etwa, weil Gott zürnen würde,
Wenn wir mit aller unsrer Bürde
Nicht vor den großen Vater treten,
Den Herrn und Schöpfer anzubeten,
Nein, weil es logisch konsequent ist,
Ob Gott dir auch nicht evident ist,
Dass Gott das Höchste Wesen ist,
Was du der Gottheit zubemisst,
Ist die erhabne Leidenschaft
Und schöpferische Zeugungskraft!

Der ist nicht töricht, der die Götzen


Verwirft der Hexen und der Metzen,
Nein, töricht ist der dumme Tropf,
Der nach des Narren hohlem Kopf
Und seiner irrgegangnen Meinung
Und Kleben an der Welterscheinung
Der Gottheit Wesen definiert
Und sich in Narretei verliert.
Des Pöbels närrisches Geschwätz
Ist doch kein göttliches Gesetz,
Ist nichts als Vorurteil und Meinung
Und Kleben an der Welterscheinung.

Die Gottheit, ja, die Gottheit preise


Mit aller frommen Kunst der Weise
Und preise die Unsterblichkeit
Der Gottheit, die Glückseligkeit
Der Gottheit, geb ihr keine Art,
Die niemals sich harmonisch paart
Mit göttlicher Unsterblichkeit
Und göttlicher Glückseligkeit.
Was sich harmonisch läst vereinen
Mit beiden Arten dieser einen
Allgottheit, schreib der Gottheit zu,
Sie sei allein dir Seelenruh,
Ruh in der Gottheit Ewigkeit
Und Ewigen Glückseligkeit!
Der Weise liebt der Gottheit Wesen,
Der Weise weiß sich auserlesen,
Der Gottheit Wesen nahzukommen,
So ist verheißen es den Frommen.
Den Frommen will die Gottheit führen,
Die Gottheit möchte er berühren,
Er möchte mit der Gottheit rein
Verbunden und zusammen sein.
Der Weise ist der Gottheit Freund –
Die Gottheit ist des Weisen Freundin!

EPIKTET
ODER
DIE HEILIGE TUGEND

Hast du dir etwas vorgestellt,


Was deinem Geiste nicht gefällt,
So sage gleich mit weisen Worten:
Vorstellungen von solchen Sorten,
Vorstellung ist es nur, sonst nichts.
Der Prüfung deines Geisteslichts
Dann unterziehe die Vorstellung
Und denke dir bei der Erhellung:
Ob der Vorstellungen Gestalt
In deiner eigenen Gewalt,
Ob du auf sie, die dich erfasst,
Doch keinen eignen Einfluss hast.
Ist die Vorstellung ganz und gar
Von dir selbst unbeeinflussbar,
So sage als ein weiser Mann:
Das geht mich weiter gar nichts an!

Zuerst entferne die Begierde,


Denn willst du einer Zierrat Zierde
Und steht es nicht in deiner Macht,
Daß es dir werde zugebracht,
Unglücklich wirst du immer sein,
Begierde bringt des Unglücks Pein.
Was du erlangen aber könntest,
Was wert wär, dass du dafür brenntest,
Das dich noch nicht begehrlich fand,
Das Gut ist dir noch unbekannt.
Abneigung walten lass und Trieb,
Begehre ruhig, was dir lieb,
Doch wähle aus das wahre Glück
Und halt vom Unheil dich zurück
Und sei in allem sachte, sacht,
Und traue auf der Tugend Macht.
Bei allem, was dein Seelchen freut,
Was Nutzen schafft, dein Herz erneut
Erfüllt mit Lust und was dir lieb
Und was Genuss ist deinem Trieb,
Erwäge mit dem Geiste nur
Das wahre Wesen der Natur:
Denn liebst du eine Rotweinflasche,
So sage dir: Nach Wind ich hasche,
Was ist das, was ich liebe? Das
Ist nichts als ein fragiles Glas.
Und liebst du ein sehr schönes Weib
Und liebst du ihren Wonneleib,
Denk an die menschliche Natur
Und sage dir im Geiste nur:
Der Schönheit ist die Zeit verderblich
Und dieses schöne Weib ist sterblich.
Ist dieses Weib dann nicht mehr da,
Sagt doch dein Geist zur Gottheit Ja.

Es schrecken nicht die Dinge selber,


Allein die Meinung macht dich gelber,
Daß dieses Ding entsetzlich sei.
Der Weisen Weistester war frei,
Den Tod selbst schrecklich nicht zu finden.
Bangst du vorm Tod in deinen Sünden,
Ist schrecklich dir des Tods Erscheinung,
So ist es nichts als deine Meinung.
Und stößt du auf ein Hindernis,
Das dich betrübt mit Finsternis,
So klage keinen andern an.
Verwirf die Meinung nur als Mann,
Dass dieses Hindernis sei schlimm
Und das es sei aus Gottes Grimm.
Der Tor klagt immer andre an,
Sich selbst verklagt der weise Mann,
Der an der Weisheit Anfang steht.
Wer auf der Weisheit Gipfel geht,
Klagt niemals einen andern an
Und ehrt sich selbst als weisen Mann.

Auf fremden Vorzug sei nicht stolz.


Es wäre doch so dumm wie Holz
Ein eingebildet eitles Pferd:
Wie schön ich bin! Was bin ich wert!
Doch diese Narren du verhöhne:
Wie ist doch meine Stute schöne!
Stolz auf die Schönheit deiner Stute,
So ist dem Narren nur zumute.
Vorstellung richtig zu gebrauchen
Und nicht in Wahnsinn einzutauchen,
Sei du allein auf solches stolz.
Bei allem andern sag: Was solls!

Wenn du auf einer Seefahrt bist,


Das Schiff jedoch im Hafen ist,
Du gehst, um Wasser dir zu holen,
Da findest du vor deinen Sohlen
Wohl eine Muschel oder Zwiebel.
Jedoch bewahre dich vor Übel
Und denke immer an das Schiff,
Das Schiff stets in Gedanken triff,
Ob dich der Kapitän schon ruft.
Wenn dich der Kapitän beruft
Zurück aufs Schiff, so eile eilig.
Und so auch, willst du leben heilig,
Wenn du wie eine Muschel findest
Ein schönes Weib, dich an sie bindest,
Sie liebst mit ihrem Purpurmündchen,
Und wenn du liebst ein kleines Kindchen,
Dann lass das alles nur zurück,
Ruft dich der Kapitän zum Glück
Ins Schiff, und schaue dich nicht um.
Bist du ein alter Mann, nicht dumm,
Entferne niemals dich vom Hafen,
Im Hafen sollst du wachsam schlafen,
Mit einem Beine schon im Grab,
Bald fährt das Schiff gen Heimat ab!

Bei allem, was dir je begegnet,


Schau, wie du wirst von Gott gesegnet.
Aus allem sollst du Nutzen ziehn
Und innerlich im Geist Gewinn.
So siehst du eine von den Schönen
Und reißt es dich zu heißem Stöhnen
Auf ihrer weißen Brüste Hügeln,
So sollst du dich in Reinheit zügeln.
Begegnet dir ein schweres Amt,
So plötzlich Kraft in dir entflammt.
Begegnet dir ein Ungemach,
Dir Unglück, Leiden, Spott und Schmach,
So plötzlich kommt zu dir Geduld,
Du duldest alles voller Huld.

Sag nie: Ich habe was verloren!


Erweise dich als neugeboren.
Ging dir verloren deine Wohnung,
So schone dich mit milder Schonung
Und suche das als neues Glück:
Dem Vater gab ich sie zurück!
Und ist dein kleines Kind gestorben,
Im Mutterschoße dir verdorben,
So glaube weiter an das Leben:
Ich hab es Gott zurückgegeben!
Und ging dein schönes Weib verloren,
Erweise dich als neugeboren:
So wie ich durfte sie erlangen,
So ist sie nun von mir gegangen,
Der Herr gegeben hats dem Frommen,
Dem Weisen hats der Herr genommen,
Ich weihe die Geliebte Gott,
Das Weib, den Odem im Schamott.
Sind Menschen oder schöne Dinge
Geliehen dir, so fröhlich singe,
Behandle sie nach ihrer Art,
Als Pilger auf der Pilgerfahrt.

Fortschreiten willst du in der Tugend?


Sei ruhig, wenn dich dumme Jugend
Für einen Ungelehrten hält
In allen Dingen dieser Welt.
Auch lächle, wenn die Toren toben
Und sie dich über Maßen loben.
Dir soll vor Lorbeerkränzen grauen,
Du sollst dir selber nicht vertrauen.
Denn wisse, es ist gar nicht leicht
Für den, der Weisheit schon erreicht,
Daß er die Dinge dieser Welt
Zugleich im Auge fest behält.
Das Weltkind weiß von Weisheit nichts,
Die Welt verschmäht der Sohn des Lichts.

Vergiss nicht, dass du dich im Leben


Verhältst, wie wenn beim Blut der Reben
Und Fleisch beim Gastmahl du zu Gast,
Man reicht dir Speise, jeder prasst,
Du aber nimm davon bescheiden.
Doch wenn des Fleisches Augenweiden
Vorübergehen ungenossen,
Das tragen Weisheits-Weggenossen
Geduldig, tapfer, ehrenhaft.
Kommt nicht zu dir der Rebensaft,
So sehr es dürstet auch den Frommen,
Die Traube will und will nicht kommen,
So lächle du voll sanfter Huld
Und üb dich heilig in Geduld.
Genauso halt es mit dem Weib
Und ihrem Augenweiden-Leib
Und mit der Ehre und dem Ruhm.
Willst du in Gottes Heiligtum
Und Säule sein in Gottes Tempel,
Die Weisen nimm dir zum Exempel,
Zwar bot man ihnen zum Genuss
Das Fleisch und auch des Bechers Kuss,
Sie aber blieben bei dem Fasten.
Nicht die, die mit dem Fleische prassten,
Nein, die im Fasten sich nicht schonen,
Die werden bei der Gottheit wohnen!

Bedenke doch, o Mensch, o hör,


Im Welttheater ein Akteur
Bist du und spielst im Weltbetrieb
Die Rolle, die der Dichter schrieb.
Mal ist das Stück sehr kurz, sehr bang,
Mal ist das Stück sehr froh, sehr lang.
Du sollst den Eremiten spielen?
So frage nicht nach andern Zielen.
Den Waisen sollst du Vater sein?
So lass den Waisen nicht allein.
Sollst nicht des Nächsten Weib begehren,
Die Himmelskönigin verehren,
Was immer auch der Dichter wolle,
Akteur, spiel herrlich deine Rolle.
Dein Amt ists einzig, gut zu spielen.
Doch nach des Welttheaters Zielen
Du frage kritisch nicht als Richter,
Denn das entscheidet nur der Dichter.

Der Tod soll dir vor Augen schweben,


Denkst du an ihn in deinem Leben,
So wirst du nichts Vulgäres denken
Und nicht in Schande dich versenken
Und keine Frau zu sehr begehren,
So lehren es die Weisheitslehren.

Du willst ein Freund der Weisheit sein?


So stelle dich schon darauf ein,
Die Narren werden dich verlachen
Und grimmige Grimassen machen
Und werden böse dich verspotten:
Frau Weisheit soll dich wohl vergotten
In einer liebenden Extase?
Was trägst du doch so hoch die Nase?
Du dulde nur der Spötter Spot
Und tu, wozu beruft dich Gott.
Denn tust du fleißig Gottes Amt,
Ob dich der Frevler auch verdammt,
Sie, die dich einst so laut verlacht,
Verspottet mit des Herzens Nacht,
Wenn Gott erfüllt dir dein Begehren,
Dann werden sie dich noch verehren!
Doch weichst du von der Weisheit Weg
Und gleitest auf dem schmalen Steg
Und folgst den Sündern und den Spöttern,
Sie werden dich zuletzt zerschmettern!

Freund, wenn es einmal dir begegnet,


Daß du, um von der Welt gesegnet
Zu werden, dich nach außen wendest,
Sogleich die Innenwelt beendest
Und einen Schatz verloren hast,
So werde selbst dir wieder Gast
Und sammle dich in innrer Sammlung
In einer liebenden Versammlung.
Willst du, dass man dich weise nennt,
Als Dichter-Denker dich erkennt,
Wer spricht dir diese Würde zu?
Ich bin ein Weiser, sag dir du!

Primat in aller Frömmigkeit,


Dies wisse du, ist dass du weit
Und hoch von deiner Gottheit denkst:
O Gottheit, die du alles lenkst
Und gut und ganz gerecht regierst
Und mütterlich durch Vorsicht führst
Und die du mich berufen hast,
Ich sei in Ewigkeit dein Gast,
Ich will in alles ja mich schicken
Und immer voller Demut nicken.
Es wird zuletzt vollkommen gut,
Du, Gottheit, bist mein Höchstes Gut.

Es ist in jedem Falle Pflicht,


Das ändert auch der Denker nicht,
Trankopfer darzubringen Gott
Und Speiseopfer ohne Spott
Nach frommer Weise unsrer Väter,
Rein wie die Quintessenz, der Äther,
Gleichgültig nie und willenlos,
Nie lieblos, nie gedankenlos,
Nie müßig, nie wie der nichts schafft,
Nicht opfernd über deine Kraft.

Ein meisterhaftes Vorbild wähle


Und folge ihm mit deiner Seele,
Ob du bist in Geselligkeit,
Ob du allein in Einsamkeit.

Gott! Führe mich, ich liebe dich!


Vorsehung Gottes! Führe mich!
Wohin ich gehen soll auf Erden,
Was ich noch werden soll im Werden,
Ich folg dir, Gottheit, unbedingt,
Dir, Gottheit, meine Seele singt!
Wer alles Leid geduldig trägt,
Dem wird der Name beigelegt
Des Philosophen, Theologen.
Drum, Freundin, Gott ist mir gewogen,
Es wird ja, wie es Gott beliebt,
Ob mir mein Feind den Tod selbst gibt,
In meinem Blut sein Messer rötet,
Er doch nicht meine Psyche tötet.
Die Psyche hat mir Gott gegeben
Und schenkt sie mir im Ewgen Leben.

LUKREZ VON DER NATUR DER DINGE

„Muse der Weisheit, singe die epikuräische Lehre,


Aber im dunklen prophetischen Ton poetischen Wahnsinns!“

ERSTER GESANG

Große Mutter von Roma, o Wonne der Götter und Menschen,


O geliebte Venus, die du die segelnden Sterne
Lässt am Himmel wimmeln, die weithin reisenden Häupter,
Und gibst fruchtbare Erde für alle lebendigen Wesen,
Die ist von dir allein konzipiert für ewige Zeiten,
Durch dich allein sind aufgestiegen die Sonnen des Himmels,
Einzig von dir, o Schöpferin Göttin, sind sie gekommen,
Auch der stürmische Wind, der vertreibt die finsteren Wolken,
Nur durch dich trägt die Erde die vielen duftenden Blumen,
Nur durch dich die Wasser der unergründlichen Tiefe
Lächeln und auch die hohlen Räume des heiteren Himmels
Glühen mit diffusem Glanz für dich, heilige Venus!
Nämlich wie bald kommt der Frühling mit dem Antlitz des Tages
Und die schöpfrischen Lüfte wehn aus dem milderen Westen,
Erste Vögel der Lüfte umhüpfen dich heiteren Herzens,
Nehmen voraus deinen schöpfrischen Willen, göttliche Mutter,
Und es springen die wilden Herden auf glücklichen Feldern
Oder sie schwimmen in begrenzenden Wildbächen fröhlich.
Wieder vom Zauber ergriffen, folgen dir alle Geschöpfe,
Wohin immer du gehst, der Geschöpfe Führerin,Venus,
Und von dort durch Meere und Berge und reißende Bäche,
Durch die grünen Häuser der Vögel und Ebenen eilend,
Mit dem Funken der verlockenden Liebe im Busen,
So erschaffst du ewige Generationen, o Göttin,
Arten um Arten. Und du allein vergoldest den Kosmos,
Ohne dich ist nichts je auferstanden im Lichte,
Um zu erreichen die glänzenden Küsten des seligen Lichtes,
Oder etwas freudig geboren und Schönes geboren,
Dir allein ich weihe meine gedichteten Verse,
Wie ich vermute, dass komponiert die gewaltige Schöpfung,
Das will ich singen für Memmius, den du zum Bruder gewollt hast
Mir und zum treuen Genossen voll Gnade in jeglicher Stunde,
Darum wahrlich, o heilige Göttin, gib meinen Worten
Einen unsterblichen Charme! Und lass uns rechtzeitig ruhen
An dem Meere, lass ruhen die wilden Werke des Krieges,
Du allein hast die Macht der öffentlichen Befriedung
Und den sterblichen Menschen zu helfen, da sie die Regeln
Und die wilden Werke der Schlacht des grausamen Mars tun,
Der wie oft gegen deinen Busen schleudert die Kraft und
Ist zugleich übermannt von der ewigen Wunde der Liebe,
Der mit den Augen und der rasselnden Kehle gesunken,
Wirft den Blick mit offenem Mund auf die Göttin der Schönheit,
Weidet an deinem Liebreiz seine gierigen Augen
Und sein Atem hängt an deinen kusslichen Lippen,
Du erfüllst ihn von oben mit deinem heiligen Körper!
Gieße von diesen deinen Lippen zärtliche Worte
Ewigen Friedens für die Römer, herrliche Dame!
Denn in einer ruhlosen Jahreszeit hier in dem Staate
Kann ich meine Arbeit nicht ohne Beschwerde erfüllen
Noch den berühmten Spross des Hauses Memmius preisen.
Während der Menschheit Länder liegen kläglich zerkleinert
Vor den Augen aller durch die Religionen,
Die das Haupt erheben möchten hoch in den Himmel,
Finster auf die Sterblichen schauend abscheulich und grausam,
War es ein Grieche zuerst, der gewagt, vor den Religionen
Stolz zu erheben die Augen, zu widerstehen dem Terror,
Wenn die Ehre der Götter droht mit zückenden Blitzen
Und der ominöse Himmel droht mit dem Donner,
Diese Götter beschämte er, rieb mit wütender Wonne
Unerschrocken sein Herz und öffnete weit der Natur Tor.
So hat er seinen Willen und kräftige Weisheit gewonnen,
Und so ging er vorwärts der Ferne entgegen, ging jenseits
Brennender Mauern der Welt und wanderte weit durch das Weltall,
Um von dort als ein Erobrer zu bringen Berichte,
Welche Dinge und welche nicht zum Sein steigen können
Und mit welchem Recht wird der ganze Umfang beschrieben,
Jener Grenzstein des Weltalls, der so tief in der Zeit hängt.
Darum liegen die Religionen jetzt unter den Füßen,
Und uns sterbliche Denker erhebt der Sieg in den Himmel.
Ach, ich weiß, wie schwer es ist, in Hexametern fließend
Schön zu sagen die dunklen Entdeckungen seliger Griechen,
Da ich in meiner Bettler-Sprache finden muss Worte
Und Begriffe, die passen zu der Fremdheit der Sache.
Aber du belohnst mich und die erwarteten Freuden
Heiliger Freundschaft lassen mich reden und Mühsal ertragen
Und geduldig stets durchwachen die sternklaren Nächte.
Und so such ich unter den Wörtern, dass ich im Liede
Dir am herrlichsten kann entwölken den Lichtglanz der Weisheit,
Und dir nennen den Kern des Seins in der Mitte des Weltalls.
Und die Anderen bitt ich um wahrhaftiges Urteil,
Unverstopfte Ohren und kindliche Einfalt des Geistes,
Frei von Sorgen, damit auch diese meine Geschenke,
Angeordnet für dich mit aller eifrigen Arbeit,
Du nicht verachtest, wenn ich beweise das höchste Gesetz der
Götter und Himmel, ursprüngliche Keime entfalte,
Wie die Mutter Natur alles schafft und vielfach gestaltet,
Alles fördert, wohin die Auflösung führt an dem Ende.
Darum habe ich mir auch ersonnen den trefflichen Namen
Schöpferischer Atome oder der Samen der Dinge
Oder Urkörper, ursprünglich für die Gesamtheit des Weltalls.

ZWEITER GESANG

Ach, ich fürchte, vielleicht du denkst, dass wir uns ergeben


Einem gottlosen Weg zu dem hohen Reich der Gedanken.
Aber es ist die Religion, die öfter gezüchtet
Faule Gottlosigkeiten der Menschen, so muss ich bekennen.
War es doch einst in Aulis, da die erkorenen Führer,
Und an erster Stelle der Helden war der Griechen Berater,
Die befleckt Dianas Altar, der Königin-Jungfrau,
Mit der Tochter Agamemnons, stinkend ermordet.
Da sie spürte den Rosenkranz um die Glieder der Jungfrau
Und die Lüfte flatterten leise auf jeglicher Wange
Und am Altare stand opfernd der trauernde Vater
Und der Priester, der neben ihm das Messer verborgen,
Und die Leute weinten bei Iphigenias Anblick.
Nun mit stummen Schrecken und mit sinkenden Knieen
Fiel sie und konnte nicht das in Anspruch nehmen, was einzig
Einem Könige gab den heiligen Namen des Vaters.
Wieder richtete sie sich auf, und zitternde Mädchen
Trugen sie auf den Altar und dort mit festlichem Ritus
Und mit Hochzeitschören, Hymenäus, o Hymen,
Ohne Sünde die Jungfrau, doch von Sündern geopfert,
Und ein Elternteil hat sie getötet am bräutlichen Tage,
Gab das eigene Kindchen hin als Opfertier, wehe,
Dass die Schiffe bekommen gnädige Winde nach Troja.
Das sind der alten Religionen freche Verbrechen.

DRITTER GESANG

Nun ist es Zeit auch, dass du kommst, mein Bruder im Geiste,


Von den Terror-Geschichten der Wahrsager sollst du nun hören,
Lass uns brechen den Zwang! Wie viele Träume uns narren,
Träume, die sie zusammenbrauen als Pläne des Lebens,
Alle Probleme zu lösen auf der Basis von Ängsten.
Aber ich weiß es besser! Wenn die Menschen nur wüssten
Von dem sicheren Ende der Krankheiten, wären sie mutig,
Widerstünden unbesiegt wie durch gewaltige Waffen
Religiösen Irrtümern und der Wahrsager Täuschung.
Jetzt noch gehören ihnen Instrumente und Schicksal,
Menschen müssen mit ewigen Schmerzen fürchten den Tod noch.
Denn was die Seele ist, wollen sie in Wahrheit nicht wissen,
Ob sie bei der Geburt beginnt, ob bei der Empfängnis,
Ob bei unserem Tode mit uns wird sterben die Seele,
Oder wird sie besuchen die Schatten und nächtlichen Höhlen
In dem Hades oder durch eine Vorsehung Gottes
Kommen sie wieder als Tiere, wie einst Ennius sagte,
Der als Erster vom schönen Helikon Lorbeer gepflückt hat
Und den Lorbeerkranz von lichtem langährigem Laube
Machte als Erster bekannt den italienischen Stämmen.
Aber Ennius kündet des Acherons düstres Gewölbe,
Wenn er auch bekennt in seinen ewigen Versen,
Dass sich dort drunten weder Seele noch Körper ergehen,
Sondern nur Phantome, seltsam schimmernde Schatten,
Und er sagte, wie einst aus diesen Gefilden gekommen
War der Geist Homers zu ihm mit salzigen Tränen
Und den Quell der Natur offenbarte mit mystischen Worten.
Dann auch sagt man uns, dass die ewigen Geister verschlossen
Ihre Sinne in den Himmeln, dem Gottesgesetz nach,
Wandern sie auf den Bahnen von Mond und Sonne und Sternen
Mit den Mächten, die alles Leben bestimmen hier unten.
Aber die meisten mit vernünftigen Augen erblicken
Das was der Geist tut und das was die Seele durchführt auf Erden,
Dass die Erde so schrecklich, dass wir benötigen Pausen
Sinnlosen Schlafes, bis wir erwachen, geplagt von der Krankheit,
Bis wir letztendlich sehen und hören offenbar nur noch
Tote! Ihr Gebein in der Erde, vollbusiger Mutter!

VIERTER GESANG

Dies ist auch der Grund, dass diejenigen, die statt des Stoffes
Als den Ursprung der Dinge nehmen das Feuer an, daraus
Ganz allein wird gebildet die kosmische Summe, dies aber
Heißt, gewaltig vom wahren Ursprungs-Grund zu verfallen.
Und von diesen Denkern der Hauptführer ist in dem Kampfe
Heraklit, der weltberühmt für das Dunkel der Rede
Unter den albernen, aber nicht bei den ernsthaften Griechen,
Die nach der Wahrheit suchen. Denn die Dummköpfe lieben
Und bewundern und verehren nur das Versteckte
Unter verzerrten Worten, halten für Wahrheit den Irrtum,
Wenn der Irrtum nur süßlich kitzelt die Ohren der Dummen.
Oder wenn fein bearbeitet Sätze reizend geschminkt sind!
Wie aber, frag ich, können die Dinge denn so variieren,
Dass aus Feuer Einzelnes wird und Reines gebildet?
Nein, kein Geist würde helfen bei der Kondensation des
Feuers oder des Feuers Verdünnung, wenn alle die Teile
Sich erhalten, des Feuers eigne Natur ist ein Nichts nur!
Wird die Hitze schärfer zusammengedrückt mit den Teilen,
Milder wieder, wenn geschieden oder verstreut sind
Diese Teile, dann kannst du schwanger werden vom Nichtsein,
Dass aus dem Grunde etwas werde, viel weniger aber
Könnte eine Vielzahl von Dingen die Erde gebären,
Wie auch nicht das Feuer, das dichte oder das seltne.
Dies auch: Nehmen sie eine Lücke an in den Dingen,
Kann der Brand kondensieren und werden übrigens selten.
Aber solche Gegensätze des Denkens sie sehen
Aufsteigend gegen sie, ungern nur verlassen die Lücke
Sie, die ungemischte in Sachen, die steil sich dann fürchten
Und verlieren den Weg der Wahrheit. Sie haben zu sehen,
Dass, wenn von den Dingen wir nehmen die innere Leere,
Alle Dinge sind dann kondensiert und aus allen
Wird ein Körper geschaffen, der nicht Macht hat, der Pfeil hat
Schnell von sich selber geworfen irgendwelche Gesetze,
Wenn das Feuer wirft sein Licht, seine Wärme um, geben
Sie dir Beweise ihrer Teile, die nicht kompakt sind.
Aber wenn sie denken vielleicht wie andere Weise,
Feuer durch Kombinationen könnte abgeschreckt werden
Und verändern die Substanz, sehr gut dann! Und siehe,
Aus dem Feuer wird alles und kein Teil hilft da weiter,
Wärme wird dann ganz und alles wird gehen zugrunde,
Und es hätte dann doch aus dem Nichts sich der Kosmos gebildet.
Aber die Änderungen des Nichts an all seinen Grenzen
Doch bedeutet sofortigen Tod dessen, was da gewesen.
Und so muss etwas fortbestehen, unverletzt bleibend,
Mitten in der Welt, damit die Rückkehr zu Nichts wird
Und, von der Null geboren, Überflüsse gedeihen.
Da nun in der Tat es die sichersten Gremien hier gibt,
Welche halten ihre Art von Ewigkeit immer,
Ein und dasselbe, nach dessen Gehen und Kommen im Innern,
Nach geänderter Reihenfolge, Dinge im Wechsel,
Alle körperlichen Substanzen werden verwandelt,
Es sind an dir diese Ur-Körper, sie sind nicht aus dem Feuer.
Nutzlos wäre es, sollte etwas weggehen, manches
Werden hinzugefügt und manches werden verändert,
Wenn noch alle bewahrten die Natur ihrer Wärme.
Alles, was es geschaffen, wäre immer noch Feuer.
Aber die Wahrheit glaube ich also: Stellen gibt’s, deren
Reibungen und Bewegungen von den Körpern und Formen
Feuer erzeugen und sich auf Bestellung verändern,
Diese haben die Natur der Sachen geschaffen,
Und danach wird nichts mehr gerne schießen und fließen,
Auch was sonst immer Macht hat, ihre Körper zu senden
Und mit Wirkung zu berühren empfindliche Sinne.

FÜNFTER GESANG

Hier ist zu sagen, dass alle Dinge, außer dem Feuer,


Und nicht wahr ist, was an der Zahl ist aller der Dinge,
Was vorhanden, außer dem Feuer, wie es der Kerl sagt,
Der scheint verrückt vor Wahnsinn! Für den Mann aber selber
Vor den Sinnen stehen der Sinne grausame Kämpfe,
Das haut um, wenn sonst auch alles allein durch den Glauben
Und durch die guten Werke bekannt ist, er nennt es das Feuer,
Wenn er denkt, die Sinne können wahrnehmen Feuer,
Denkt er, dass sie nicht voll Bezug sind zu allem dem andern,
Nach wie vor spürbaren, klargestellten fühlenden Sinnen.
Das ist für mich ein Gedanke, unfähig, voller Verrücktheit.
Wovon sollen wir sprechen? Was denn sonst als die Sinne
Könnte auseinander halten Irrtum und Wahrheit?
Außerdem, warum denn nicht weg mit dem allem? Man möchte
Einzig nur die Wärme ermöglichen, aber verweigern
Feuer, alles andre zu sein, erlauben der Glut sie?
Unter gleicher Bedingung des Wahnsinns – oder so scheint es!
So die Sachen der Dinge, wer auch immer sie festhält,
Um das Feuer und aus dem Feuer die Summe zu werden,
So auch, wer die Luft nennt Zeuger des Anfangs der Dinge,
Alle haben den Wahnsinn, wer auch immer gehalten
Hat das Wasser für den Schöpfer der Dinge, die Mutter
Erde soll die Schöpferin sein der tausend Geschöpfe,
Diese wandern die breite Straße fern von der Weisheit.

SECHSTER GESANG

Füge auch jene Denker hinzu, die machen den Urstoff


Zwiefach, durch die Mischung von Luft und Feuer, der Erde
Mit dem Wasser, und füge hinzu, dass wachsen die Dinge
Aus den Vieren: Feuer und Luft und Erde und Regen.
Davon der Erste ist Empedokles, Akragas' Weiser,
Den geboren der Insel Dreieck von allen den Ländern,
Bohrend in ihre Küste, um welche herum fließt in Strömen
Und in mächtigen Kurven zur Bucht des Ionischen Meeres,
Spritzend das Meeressalz aus ihren graugrünen Wellen.
Hier nun türmen weiter durch die Meerenge Wogen,
Schnelles Meer sich scheidet von der Grenze der Küste
Italienischen Festlands. Hier den Abfall herauswürgt
Die Charybdis, und hier Ätna Drohungen rumpelt,
Neu, wie Furien, seine heißen Flammen zu sammeln,
Wie bei erneuerter Kraft, um einen Brand zu erbrechen,
Aus der Kehle rülpst er, neu zu tragen den Himmel
Und die heiligen Blitze. Für viele scheint diese Insel
Eine mächtige Insel und wunderschön allen den Menschen,
Reich in allen den guten Dingen und sicher befestigt
Mit der gnädigen Stärke des Heroen, und nie hat
Etwas andres besessen sie als Namen und Würde,
Nichts ist, das heiliger wäre, wunderbarer, zu lieben
Ist der wahre Mensch. So weit und rein die erhabne
Göttermusik erklang in seinem seligen Busen,
Dass er hob die Stimme, erzählte von Ruhm und von Ehre,
Knapp nur scheint er das menschliche Liebeslager zu schaffen.

SIEBENTER GESANG

Doch der Mann und die bekannte Bearbeitung seines


Seines Themas – er ist berühmt und wenige gleichen
Seiner Weisheit – der als Entdecker viel stattliche Wahrheit
Gab, als käme sie aus des Herzens eigenem Tempel,
Heilige Antworten gab und Fundamente, gesunde,
Besser als je die Pythia hat geweissagt den Menschen
Von dem Dreistuhl des Nabels und dem delphischen Lorbeer,
Noch in der Angelegenheit der Ur-Elemente
Hat er Ruinen gebildet, und große Männer, ja wahrhaft
Große Männer warens, für sie ist der Fall doch recht schwierig:
Ersten, weil sie verbannt die Leere in allen den Dingen,
Sie noch ordnen Bewegungen an und ermöglichen Dinge,
Weich und locker zu sein und strukturiert existierend,
So wie Luft und Tau und Feuer und Erde, die Tiere
Und das Getreide, ohne Beimischung innerer Leere
Bleiben die Wesen inmitten ihres äußeren Rahmens.
Zweitens gibt es zu denken ohne sichtbares Ende
In den Körpern bis auf wenige, ihre Zerschlagung
Hat auch Pausen gegründet in all dem lebendigen Wandel,
Nicht das Mindeste halten sie in den Sachen und Dingen.
Wenn wir auch den Grenzpunkt von irgendeinem Geschöpfe
Denken, ist es das, was unseren Sinnen das Letzte
Ist, wobei du Vermutungen anstellen kannst, weil die Dinge
Ohne äußersten Grenzpunkt der Markierung erscheinen,
Aber sie haben auch sicher ihr Mindestes.. Nun, diese Denker,
Diese Philosophen schreiben den Dingen zu Keime,
Weiche ursprüngliche Keime, die wir zu sehen vermögen
In der Geburt des sterblichen Körpers, in der Gesamtheit,
Da muss die Summe der Dinge wieder zu Null werden, oder
Von der Null geboren Überfluss müsste gedeihen
Auf ein Neues. Du siehst, die Lehre ist fern von der Wahrheit.
Und daneben sind auch die Stellen unter sich alle
Doch in vielerlei Hinsicht Gifte und Feinde für jeden,
Darum ihr Kongress wird sie zuletzt auch vernichten
Oder sie fahren auseinander, wie wir im Sturm sehn
Auseinander fliegen Regen und Winde und Blitze.
So auch, wenn alle Dinge erschaffen von vier Elementen
Und sich alles wieder auflöst in vier Elemente,
Wie kann man die Vier ursprüngliche Keime dann nennen,
Dinge, die über die Dinge selbst gedacht werden, Dinge
Durch die Retroversion, ursprüngliche Keime von ihnen?
Immer abwechselnd beide zeugen, im Austausch begriffen
Der Natur von jeher. Aber denkst du den Rahmen
Dir des Feuers, der Erde, der Luft und des Wassers,
Kann der Tau in einer solchen Weise entstehen,
Wenn nicht zurücktretend durch die Vermischung ihrer Naturen,
So von diesen kann keine Welt geschaffen sein, oder
Irgendein Wesen Atem haben ohne sein Lager:
Denn in freier Wildbahn Kongress der wechselnden Haufen
Jedes Ding in seiner eignen Natur wird erscheinen,
Luft wird spürbar gesehen und wird werden verwechselt
Mit der Erde zusammen, Hitze vermischt mit dem Wasser.
Aber ursprüngliche Keime in die Dinge zu bringen,
Die Geburt muss eine latente, ungesehene Größe
Oder Qualität sein, einige wichtige Körper
Lasst sich verwirren und vermindern, die Sache zu schaffen
In dem rechten Befinden ganz nach der eigenen Weise.
Aber diese Männer beginnen vom heiligen Himmel
Und des Äthers Feuer, und von dem Anfang sie heucheln,
Dass das Feuer sich wird in den Winden drehen der Lüfte,
Und als nächstes, dass aus der Luft der Regen gezeugt ist,
Und die Erde gezeugt vom Regen, und weiter dann alles
Geht in umgekehrter Richtung, zurück von der Erde
Steigt die Feuchtigkeit, dann die Luft, und schließlich die Hitze,
Und so nie ist Waffenstillstand im dauernden Austausch,
Möglichkeiten gibt es, vom Himmel zur Erde zu kommen
Und von der Erde zu steigen zu der ätherischen Sternwelt.
Dies kann man nicht an allen Keimen tun, keinerlei Weise.
Seit dem Unveränderlichen muss es da etwas noch geben,
Dass nicht alles völlig zunichte werde beschleunigt.
Denn die Änderungen des Nichts an all seinen Grenzen
Nur bedeutet sofortigen Tod des vorher gewesnen.
Darum, weil jene Dinge, die bisher ich erwähnte,
Leiden einen veränderten Zustand, müssen sie stammen
Von was anderem, jeweils nicht konvertierbarem Wesen,
Sonst die Dinge kehren zurück ins völlige Nichtsein.
Warum nicht vielmehr voraussetzen, da ja der Körper
Ist auf solche Weise eingerichtet, geordnet,
Dass, wenn vielleicht das Feuer alle die Körper erschaffen,
Diese Dinge durchgeführt werden aufgrund einer kleinen
Weniger starken Zurückgezogenheit, oder auch anders,
Nämlich hinzugefügt werden wenige dingliche Körper,
Werden Bewegungen und die Reihenfolgen geändert,
Arbeitest du dem Wind in der Luft und allem, was immer
Untereinander ausgetauscht wird mit allen den Körpern?
Aber Fakten und Beweise sind auf der Hand doch,
Sagst du, dass wird alles wachsen in Winden der Lüfte
Und von der Mutter Erde genährt, es sei denn, die Zeit ist
In dem Jahre, die Saison für günstige Stunden
Mit genügend Regen, wo die Bäume sich wälzen
Unter dem Einweichen ihres Füllstoffs durch das Gewitter.
Und die Sonne, für ihren Anteil, sie fördert, gibt Wärme,
Keine Körner, noch Bäume, noch atmende Dinge erwachsen.
Also sagst du, und wahr, es sei denn, die festere Nahrung
Und die Feuchtigkeit weichen und rekrutieren die Männer,
Welche dann würden ihre Rahmen lassen verkümmern
Und das Leben auflösen aus dem Tau und den Knochen.
Denn aus Zweifel rekrutiert und gefüttert wir werden
Durch bestimmte Dinge, wie andre Körper von anderm.
Denn in vielerlei Hinsicht sind die vielerlei Keime
Allen gemeinsam, viele Dinge vermischt mit den Sachen,
So ist es kein Wunder, dass daher die Taucher der Dinge
Werden genährt von Tauchern der Dinge. Und weiter, oft spielt es
In beträchtlichem Ausmaß mit den anderen Körpern,
In den Positionen, in denen ursprüngliche Keime
Sind miteinander verbunden, und welche Bewegungen weiter
Sie sich geben und unter sich erhalten, denn diese
Keime tun zusammen Himmel und Meere und Länder,
Ströme, Sonnen, Korn und Bäume und atmende Dinge,
Aber noch mehr durchmischt sie in verschiedenen Modi
Mit den Tauchern der Dinge, und immer, wenn sie sich bewegen.
Nein, du siehst hier in meinen Versen, den Versen der Weisheit,
Viele Elemente, sie sind in vielerlei Welten,
Wenn du auch jeglichen Vers bekennen musst, alle die Worte
Voneinander sind unterschieden, sowohl in dem Sinne,
Wie auch im Klang des Tones, die Elemente desgleichen
Können durch Änderungen der Reihenfolge alleine
Alles bringen. Aber die, die sind die Ur-Keime aller
Dingen, haben die Macht und Kraft, in Kombinationen
Mehr und mehr zu funktionieren, die Taucher der Dinge
Können so wiederum von den Ur-Keimen werden geschaffen.

ACHTER GESANG

Wollen wir nun auch übernehmen die Geistes-Kontrolle


Über die homoeomeria des Weisen Anaxagoras,
So von den Griechen genannt, doch unsre Sprache der Bettler
Kennt kein passendes Wort in italienischer Zunge,
Wenn auch das Denken des Anaxagoras selbst nicht zu schwer ist
Zur Erklärung. Also zuerst spricht Anaxagoras
Von der homeomeria der Dinge, er denkt sich
Knochen minutiös gebildet aus winzigen Knöchlein,
So auch minutiös das Fleisch aus Fleischstückchen winzig,
So wird auch das Blut aus Blutstropfen sammelnd gebildet,
Und die Erde wird betoniert von Erdklumpen winzig,
Feuer aus Feuer geschaffen und Gewässer aus Wasser,
Vortäuschend Sachen dergleichen mit dem Rest aller Dinge.
Doch er räumt keine Leere ein im Innern der Dinge,
Auch nicht eine Grenze für schneidende Körper nach unten.
Darum auch scheint er mir auf beiden Konten zu fehlen
Und zu irren nicht weniger als die vor ihm gewesnen.
Diese Keime, die er vortäuscht, sind zu gebrechlich,
Wenn sie als Ur-Keime eingerichtet sein sollen jeher
Mit der gleichen Art nämlich, wie die Dinge an sich sind,
Arbeiten und zugrunde gehen eben wie jene,
Haben keine Bordsteinkanten vor der Vernichtung.
Denn was wird gegen Griff und Gedränge dauern im Weltall
Unter den Zähnen des Todes? Das Feuer? Feuchtigkeit? Lüfte?
Aber was dann? Das rote Blut? Die weißlichen Knochen?
Niemand, dünkt mich, als alles, was sein wird im ewigen Kosmos
Ist im Grunde so sterblich wie das, was wir da markieren
Mit Gewalt vor unseren Augen, es umkommen sehend.
Aber meine Berufung ist es, die obern Beweise
Zu benennen, dass sie nicht wieder fallen zum Nullpunkt,
Auch nicht beginnen bei Null. Die Lebensmittel jetzt wieder
Werden verzehrt und nähren gut den menschlichen Körper,
Es ist an dir, die Venen, das Blut und die weißlichen Knochen
Und das Mark wird von Partikeln im Gegensatz klüglich gebildet,
Oder wenn sie sagen, dass alle die Mittel des Lebens
Sind gemischte Suvstanzen, mit sich selber vereinigt,
Kleine Einrichtungen sinds von Mark und Knochen und Venen
Und von Teilchen des Blutes, da ist jegliche Nahrung,
Feste oder flüssige, muss man sich vorstellen können
Wie gemacht und gebildet, die Dinge, anders gemischte,
Knochen und Mark und Wundsekrete und Teilchen des Blutes.
Auch wenn alle Stellen, die aufwachsen grad von der Erde,
Sind zunächst in der Erde, und die Erde als Mutter
Muss Verbindung schaffen mit Fremdsubstanzen der Erde.
Welche im Frühling blühen im Ausland fern von der Erde.
Übertrage das Argument, und fein du verwende
Selbige Worte. Wenn Flammen dann und Rauchqualm und Asche
Noch im Holze lauern ungesehen, das Holz dann
Muss Verbindungen schaffen dann mit fremden Substanzen,
Welche entspringen aus dem Holz. Genau hier verbleibt dann
Eine gewisse schlanke Bedeutung von schleichender Wahrheit,
Welche Anaxagoras nimmt zu sich, der meint, dass die Dinge
Lauern durchmischt mit allen anderen Dingen der Schöpfung,
Während man doch nur kommt, um zu sehen, von denen die Körper
Überschreiten den ganzen Rest in Anzahl und Summe,
Und hier liegt doch mehr auf der Hand und an vorderer Seite,
Eine Vorstellung ists, vom wahren Grunde verbannte.
Denn dann würde es sich doch treffen, dass Kerne der Körner
Sollten oft, wenn zwischen der Macht der Steine sie knirschen,
Geben ein Zeichen von Blut oder irgend etwas Geschaffnem,
Das in unserem menschlichen Körper zugeführt werde,
Und dass Felsen, der reibt den Felsen, bringt blutigen Moder.
Ebenso sollten die duftenden Kräuter oft hergeben Tropfen
Süßmilch, aromatisiert wie vom Euter der Schafe.
In der Tat doch sollten wir herausfinden können,
Wenn die bröckelnden Erdklumpen geben Kraut und Getreide,
Alle Arten sind minutiös verteilt auf dem Boden;
Schließlich sollten wir im gespaltenen Holze auch finden
Asche und Rauch und gut versteckte Stücke des Feuers.
Aber die Tatsachen lehren, dass dieses gar nicht der Fall ist,
Es ist an dir zu wissen, dass Dinge mit Dingen vermischt nicht
Solcherlei Weise, aber Samen, in vielerlei Dingen,
Die in vielerlei Hinsicht durchmischt sind, die lauern in Dingen.
Aber oft passiert es auf himmlischen Hügeln (du sagst es),
Dass benachbarte Spitzen der hohen Bäume sich reiben,
Einer gegen den andern, schlagen im polternden Süden,
Bis dass alles im Feuer steht mit der Blüte der Flamme. -
Gute Samen, doch Feuer ist nicht im Holz inbegriffen,
Aber viele sind die Samen der Hitze, wenn nämlich
Reibend sie zusammenfließen in glühenden Strömen,
Sie beginnen die Brände in den Wäldern der Erde.
Während, wenn die Flammen umgearbeitet liegen
In den Wäldern und die Feuer gespeichert im Holze,
Können sie nicht allzeit für unsichtbar werden gehalten,
Sondern würden über allen Abfall des Dickichts
Sich verbreiten und niederbrennen die Büsche. Jetzt siehe
(Auch wenn wir wenig Platz nur haben für solcherlei Thema)
Wie die anderen Angelegenheiten sind mächtig
Und in welchen Positionen die Ur-Keime gleichfalls
Sind zusammengebunden? Und was für Bewegungen gleichfalls
Sie auch geben, erhalten untereinander? Wie also
Auch das Gleiche, wenn verändert, kann selbst den Körper
Ausziehen aus magmatischen und aus holzigen Dingen.
So wie diese Worte selbst vorgenommen nun werden
Mit Veränderung ihrer Elemente, der Lettern,
Wenn wir auch kennzeichnen mit den Namen deutlich und wahrlich
Die magmatischen und die holzigen Dinge. Noch einmal,
Wenn du annimmst, was auch immer du siehst mit den Augen,
Unter allen sichtbarn Objekten, kann es nicht wahr sein,
Außer du würdest vortäuschen der Materie Körper,
Körper der Natur – durch deine vergebliche Arbeit
Werden untergehen für dich die Keime der Dinge:
Körper, eintreffend, werden lauthals lachen, wie Männer,
Auseinander von einem Krampf des Frohsinns geschüttelt
Oder befeuchtend mit salzigen Tränentropfen das Barthaar.

NEUNTER GESANG

Es ist süß, auf dem mächtigen Meere die Winde


Rollen über die Wasserwüste, und auf dem Lande
Eins ums andre sind die Ängste der Wehen zu sehen,
Nicht, dass wir fröhliche Freude haben, sondern der Mensch soll
Also geschlagen sein, vielmehr ist es süß zu bemerken,
Welche Übel wir uns ersparten und lästiges Böses;
Wiederum süß ist es, diesen mächtigen Streit zu betrachten,
Da Armeen kämpfen drüben über den Ebnen,
Wir nicht teilhaben an der Gefahr, aber nichts gibt es
Mehr, als die stattliche Höhe zu halten der heiteren Ebne
Oder der Hochebne, auch von den Weisen immer zu lernen,
Wo du fein von unten immer zu Männern darfst aufsehn
Und darfst sehen, wie sie überall wandern, alle verstreut sind
In der einsamen Suche nach der Straße des Lebens;
Sind Rivalen im Genie, sind neidisch der Ehre,
Drücken sich durch Tage und Nächte gewaltiger Mühen
Auf die Gipfel der Macht, von dort die Welt zu beherrschen.
Elende Köpfe der Menschen! Ach verblendete Herzen!
In wie großen Gefahren, welchem Dunkel des Lebens
Werden verbracht die uninformierten menschlichen Jahre!
Nicht, dass sie die Natur an sich erahnen, erkennen,
Suchend weiter nach nichts als dass die Schmerzen entweichen,
Von dem Körper die Leiden getrennt, und die Augen genießen
Angenehme Genüsse, fern von Sorgen und Ängsten!
Daher sehen wir auch, dass unsere Leiden des Leibes
Brauchen weniges ganz, nur solche Medikamente,
Die die Schmerzen nehmen hinweg, und können daneben
Streuen diese unter gewisse köstliche Speisen.
Dankbarer ist es zu Zeiten, (Mutter Natur schuf nicht Künste,
Mutter Natur schuf nicht Luxus), wenn da in Wahrheit sind keine
Goldenen Bilder von nackten Jünglingen neben den Hallen,
Die mit den rechten Händen halten die flammenden Lampen,
Tragen die Lichter für das gesellige Abendgelage,
Und wenn das Haus nicht glänzt mit goldenfarbigem Glitzern,
Ebensowenig mit Silber, und Leiern erklingen
Und überm Kopfe befinden sich die vergoldeten Decken,
Aber man lagert gesellig mit Freunden im weichlichen Grase
An dem Flusse voll Wasser, unter den Ästen des Baumes,
Fröhlich zu aktualisieren den Rahmen des Körpers,
Wenn das Wetter ist lachend und die Zeiten des Jahres
Streuen auf das Grün des Grases die duftenden Blumen.
Auch wird nicht so eilig kommen das hitzige Fieber,
Wenn auf dem Wandteppich abgebildete Schönheit zu sehen
Oder auf purpurnen Mänteln, es ist, als lägst du im Bette
In den Armen der Heißgeliebten. Darum, da Schätze
Oder Ruhm und Ehren eines Amts der Regierung
Uns nichts bedeuten für diesen unseren Körper, so rechnen
Wir sie auch zu den Nichtigkeiten für unsere Seelen:
Wir bewahren vielleicht, wenn wir sehen deine Legionen
Schwärmen auf dem Marsfeld, mitreißend grimmiger Mimik,
Beide Seiten mit großen Hilfen gestärkt und mit Pferden
Und unter gleichen Bedingungen ausgerüstet mit Waffen,
Gleichermaßen inspiriert von den Freuden des Kampfes;
Oder wir sparen, wenn wir sehen die schwärmenden Flotten
Und die Bereitstellung ihrer hinab auf die Wasser des Meeres:
Dann, durch solchen Umstand beschämt, die Religionen
Werden verblassen und fliehen deine Gedanken, o dann wird
Die Befürchtung des Todes lassen dein Herz ohne Sorgen.
Aber wenn wir beobachten, wie die Pracht endlich sinkt und
Alles war nur eine Posse und ein spöttisches Sportfest,
Wahrheit wäre des Menschen Angst, auf den Fersen die Sorge,
Schrecken nicht diese Töne von Waffen und wildesten Schwertern,
Aber unter den Königen und den Fürsten der Erde
Mischt es sich unerschrocken und eingeschüchtert sind alle
Mit dem Glanz von Gold und Pomp der purpurnen Mäntel,
Kannst du dann bezweifeln, dass dieses ist irgend ein Etwas
Außer der Kraft des Denkens? Aber daneben das ganze
Leben ist nur Arbeit in der Dunkelheit, nämlich
So wie die Kinder fürchten und scheuen sich alle Erwachsnen
Im unsichtbaren Dunkel, dass wir selbst manchmal fürchten
In das Licht zu schauen so vieler Dinge, da ist kein bisschen
Furcht mehr bei den Großen als was für Ängste heucheln die Kinder,
Schaudernd über alle wird die Finsternis kommen!
Dieser Terror sodann, die verfinsterten Geister,
Nicht mit den Fackeln bewahren den Lichtglanz der jungen Aurora,
Ebensowenig mit glitzernden Pfeilen zerstreun sie die Sonne,
Sondern es gilt Natur und ihre Gerechtigkeit einzig.

ZEHNTER GESANG

O du Mann, der zuerst in solchem Dunkel erhoben


Also klar eine Fackel in die Höhe, erleuchtend
Alle profitablen Enden des irdischen Menschen,
O ich folge dir, Herrlichkeit du der herrlichen Griechen,
Stelle meine Schritte genau in die Fußstapfen, deine,
Folge dem Eindruck und der Spur deines seligen Weges -
Weniger wie gespannt eine Palme des Siegs zu besitzen
Als vielmehr eine glühende Sehnsucht aus ewiger Liebe,
Die du schlucken solltest – dass ich dich nachahme, Weiser!
Wer kann behaupten, dass er sich mit Schwänen vergleiche
Oder im Rennen mit jungen Knaben mit taumelnden Beinen
Oder der starken Kraft des Pferdes? Vater und Finder
Ewiger Weisheit, der du bringst die Gebote des Vater
Jove und schreibst diese Blätter, deine berühmtere Seele
Ist wie die Bienen, die aus Blumen saugen den Honig,
Wir ernähren uns gut von deinen goldenen Sprüchen,
Der du uns redest von göttlicher Würde des ewigen Lebens.
Wenn nur einer gedacht hat über den Plan deines Geistes,
Der von Gott entsprang, wie der Geist beginnt zu verkünden
Die Natur, der sieht auch die Schrecken des menschlichen Hirnes
Auseinander fliehen und sieht die Mauern der Welten
Stürzen und sieht in der gesamten Leere des Kosmos
Alle Universen in Bewegung und Wandel.
Und wir steigen hinan zu majestätischen Göttern
Und betreten die Wohnungen ihrer ewigen Ruhe,
Die nicht Wind noch Regenwolkenschauer erschüttern
Und nicht der Schnee im Frost erstarrt kann schaden dem Himmel
Mit dem weißen Sinken der Flocken. Ungetrübt, Himmel,
Über den Dächern lachst du fernhin diffuser Beleuchtung.
Und die Natur gibt das Ganze, und nichts kann im Weltall
Rauben der Natur die innere Ruhe der Seele.
Aber nichts in meiner Vision erscheint von dem Hades
Und dem acherusischen Feuersee, wenn auch die Masse
Mich nicht mehr hindert, über alles die Blicke zu richten
In die ewige Leere des Nichts. In all diesen Dingen
Einige neue göttliche Freuden und zitternde Ehrfurcht
Mich durchschauern, so dass die Macht deines heiligen Wesens
Deiner Natur, so klar und so in Begrenzungen endlich,
So von allen Seiten sich nackt auf die Menschen gelegt hat!

ELFTER GESANG

Und nun habe ich schon gesagt und die Arten gelehrt der
Samen aller Dinge, und wie sie verschieden getaucht sind
In verschiedene Formen, und selber huschen sie weiter,
Die mit Einer Bewegung hin auf das Ewige zielen,
Und in welchem Modus von ihnen sind Dinge geschaffen,
Jetzt aber nach diesen Dingen soll mein Vers, wie mir dünket,
Die Natur des Geists und der Seele verdeutlichen allen,
Dass sie fahren fort von der Furcht vor dem Acheron drunten,
Hals über Kopf, die so verwirrt unser menschliches Leben
Mit den finsteren Tiefen, übergießend das Ganze
Mit dem schwarzen Tode und lässt nicht auf Erden bestehen
Eine flüssige Freude und unbeflecktes Vergnügen.
Denn das ist es, was manchmal Männer und Frauen behaupten,
Dass sie mehr noch den Tartaros fürchten, die Herrschaft des Todes,
Als die Krankheiten oder ein armes Leben in Schande,
Wissen sie doch, dass die Substanz der Seele das Blut ist
Oder besser gesagt der Wind, gefällts euren Launen,
Und so müssen sie wissen nichts von der Wissenschaft unser,
Du magst gute Kenntnis auch haben von dem, was dem Tod folgt,
Dass sie mehr für den Ruhm und die Ehre wirken auf Erden
Als für den Glauben. Was sind aber solcherlei Leute?
Exilanten, fern von der Heimat, Flüchtlinge ruhlos,
Fern von den Augen der Menschen und belohnt mit dem Übel,
Tief in jedem Elend erniedrigt, aber sie leben,
Sind die Elenden, wo auch immer sie hinkommen, aber
Überall geben sie Sühneopfer den heiligen Ahnen,
Schlachten die schwarzen Schafe und opfern den Göttern der Tiefe,
Bieten den Göttern Ruhm und Ehre und Herrlichkeit, bitter
Fallen sie dann und wenden sich schärfer gegen den Glauben.
Darum ists eine sichere Prüfung des sterblichen Menschen
In den Zweifeln umhergewirbelt, schau, wie die Menschen
Sind inmitten der Widrigkeiten, denn allein in der Not ist
Hörbar die wahre Stimme, gezaubert hervor aus dem Busen,
Wird die Maske abgelegt, zeigt sich das wahre Gesicht erst.
Aber die Begierden wieder und wieder und Wollust!
Welche Kraft der Elenden an dem Rand des Gesetzes!
Kriminelle Minister und verbündete Feinde!
Tage und Nächte mit gewaltigsten Mühen sich mühend,
Um zu den Gipfeln der Leistung ungebunden zu streben!
Diese Wunden des Lebens in nicht geringerem Anteil
Werden entsetzt zuletzt, wenn sich öffnen die Schrecken des Todes!
Immer sehen wir wildes Wollen und Ungnade böse,
Fern vom sicheren Leben und alle Süße verdrängend,
Wie gekrümmte Formen stehn vor den Toren des Todes.
Während die Menschen wollen davor ins Ferne entfliehen,
Angetrieben vom falschen Terror sich weithin entfernen,
Häufen sie ein Vermögen an mit dem Blute der Bürger.
Sie verdoppeln ihre Reichtümer, habgierig, geizig,
Häufen Leichen auf Leichen und lachen ein grausames Lachen
Bei dem tristen Begräbnis ihres eigenen Bruders,
Voller Hass und Angst vor den Tafeln ihrer Verwandten,
Ebenso durch den selbigen Terror sind sie vom Neid voll,
Schauen zu den Hohen, da vor den eigenen Augen
Jener Mann ist ein Adliger, sehen, dass Menschen auf Erden
Werden gegürtet herrlich mit dem Gürtel des Ruhmes,
Während sie sich im Dreck und in der Finsternis wälzen;
Einige gehen zugrunde nur für Statuen, Titel,
Oft in hohem Grade sind sie vor den Schrecken des Todes
Hasserfüllte Feinde des Lebens und himmlischen Lichtes,
Greifen die Menschheit an und sind die Ursache ihrer
Eignen Zerstörung mit einem Herzen voll finsterer Kälte!
Diese vergessen, dass die Todesfurcht Kummer bereitet,
Diese Angst vor der Pest in ihrem Schamgefühl kränkt sie,
So zerbrechen die treuen Bande der Freundschaft der Männer
Und die Menschen verlieren alle Ehrfurcht und Glauben,
Mitten im schlimmsten Gemetzel von Kriegen und Terror. Schon lange
Ist der Verräter im Land. Und die lieben heiligen Eltern
Suchen, wie sie vermeiden des ewigen Acheron Abgrund.
Sie sind wie die Kinder und fürchten und scheuen Gespenster
Blind in der finsteren Dürsternis. Dass wir manchmal uns fürchten
Auch im hellsten Tageslicht vor den Dingen des Todes,
Keinen Deut weniger furchtsam als die Kinder es heucheln,
Wenn sie der Schauder überkommt in den finsteren Nächten.
Dieser Terror und diese dunklen Nächte des Geistes
Schwinden nicht mit den Fackeln des Sonnenaufgangs am Morgen,
Werden auch nicht zerstreut von des Morgenrots glühenden Pfeilen,
Sondern nur die Natur und ihre Gerechtigkeit rettet!

ZWÖLFTER GESANG

Nämlich der Tod ist uns nichts, noch geht er uns an im geringsten,
Da die Natur des Geistes ist sterblich ewige Zeiten.
Also, wie in den Zeiten, die vor uns sind eilig vergangen,
Fühlen wir keinen Hauch vom Übel, wenn rings in der Runde
Kamen zum Kampf nach Roma die karthagischen Heere,
Und die Zeiten, erschüttert durch Turbulenzen des Krieges
Unter den luftigen Küsten niederhängenden Himmels
Schaudernd und zitternd, und die gesamte Menschheit bezweifelt,
Sie bezweifelt, auf wen das Imperium solle nun fallen,
Wasser und Land, und also, wenn wir hier nicht mehr leben,
Wenn sie kommt, die Scheidung unserer Seele vom Leibe,
Dadurch wir sind zu einem einzigen Staate gestaltet,
Wahrlich, nichts ist für uns, dann ist uns nichts existent mehr,
Das kann geschehen, nichts bewegt dann unsere Sinne.
Nein, nicht wenn die Erde verwechselt wird mit dem Meere
Und das Meer mit dem Himmel. Wenn dann nicht die Gefühle
Fühlen die Energie der Seele, des Geistes Naturkraft,
Nach der Scheidung der geistigen Seele vom Körper,
Doch nichts ist es mit uns, dass wir in den irdischen Banden
Leben in der dauernden Ehe von Körper und Seele,
Dadurch wir gestaltet zu einem einzigen Staate.
Und auch wenn die Zeiten nach dem gesammelten Tode
Sehen die Sachen unserer Formen und legen sie ab dann,
Auch an Ort und Stelle im Hier und Nun, und wenn wieder
Wird uns gegeben werden das Licht des Lebens, o wieder,
Dieser Prozess wird uns nicht beschäftigen, das ist auch eitel,
Wenn dann einmal das Selbst die Nachfolge unseres Sinnes
Auseinander gebrochen hat. Und im Hier und im Heute,
Wenig genug ists, Eitles, mit dem wir selbst sind beschäftigt.
Waren wir vordem dennoch, das betrifft unsre Seele,
Litten wir Wunden und Seenot. Solltest du richten die Blicke
Rückwärts hinab in den Abgrund aller gestrigen Zeiten,
Diese unermessliche Zeit ist vielfältig, denke,
Wie die Bewegungen sind der Materie. Könntest du dies auch
Glauben und geben mir einen Kredit: So oft sind die Samen
(Davon sind wir heute lebendig) der Alten gespendet
In der selben Reihenfolge, wie heutigen Tages.
Doch das können wir nicht, das Bewusstsein rufen zurück durch
Die Erinnerung daran. Denn es ist einst gewesen
Eine Zwischenpause des Lebens, und weit sind und breit sind
Die Bewegungen überall hin gewandert aus diesen
Unseren Sinnen. Denn wenn das Wehtum, das Ach und das Wehe
Sind vielleicht bestimmt, dann muss der Mann, der es leidet,
Diesen Fluch ertragen. Er muss hier sein auf Erden,
Hier zu dieser Zeit. Der Tod vervollkommnet dieses,
Er verbietet das Leben, er will nicht dem Publikum dienen,
Er verachtet solche Pflege. Gewährt ist zu wissen,
Dass es nichts für uns an dem Bruder Tod gibt zu fürchten,
Das ist kein Unglück für den Menschen, der nicht mehr lebendig,
Der hat das gleiche Wesen, als ob er nie wär geboren,
Wenn der unsterbliche Tod genommen das irdische Leben.

DREIZEHNTER GESANG

Daher, wenn du ein Mann bist, siehe, da musst du trauern,


Wenn der Mensch ist nun tot und mit dem Körper verrottet,
In der Erde beerdigt, oder er stirbt in den Flammen
Oder im Rachen des Löwen. Es klingt nicht wahr, dass hier unten
Funktioniert noch der unsichtbare Stachel des Herzens,
Doch er leugnet, dass er glaubt Gefühl nach dem Tode.
Denn er, bild ich mir ein, gibt nichts darauf, was er redet,
Auch was er voraussetzt, und er scheitert am Leben,
Um sich mit all seinen Wurzeln aus dem Leben zu reißen
Und sich weg zu werfen, das Selbst in weitere Ferne,
Vortäuschend, dass er den Rest hier hinter sich habe gelassen.
Nämlich wenn man im Leben ist, wie farbige Bilder,
Aber der Körper ist tot, von Hunden und Geiern zerrissen,
Er erbarmt sich seines elenden Zustandes, teilt nicht
Etwas davon, das Entfernen seines Selbst ist genug ihm
Von dem Körper, der weg geschleudert, so stellt er sich vor sein
Selbst und seine eigenen Sinne, die neben ihm stehen,
Dass er trauert, dass er ist sterblich geboren, kein Zeichen
Gibt es im wahren Tod von einer lebenden Seele,
Einem zweiten Ich, das lebendig ist, sondern die Trauer
Über den ewigen Tod wird ganz die Seele zerstören,
Oder wird stehen da, beweint, das Selbst wird dann liegen,
Staub oder Asche. Wenn es ein Übel ist, etwas vom Bösen,
Tot zu sein durch den Rachen und als Beute zu zucken
In den Zähnen der wilden Bestien, kann ich nicht sehen,
Warum soll man nicht brennen in Flammen und braten auf Kohlen
Oder ertrinken in Honig oder im Eise erfrieren
Oder erstarren im Frost und in dem Bade ertrinken
Oder mit Erde beschwert sein, zu Staub zerkleinert von oben.
Nicht mehr siehst du das traute Heim, die beste der Frauen,
Auch nicht die Söhne mehr, die gaben dir Küsse im Vorfeld
Und mit stiller Freude rührten die Seele des Vaters.
Du sollst nicht schnell mehr sein im Unternehmen geschäftig,
Auch nicht der Wärter mehr sein von deinen Mägden im Hause.
Unglücklich, sagen sie, denn eine feindliche Stunde
Hat genommen von dir das Elend des irdischen Lebens,
Aber sie fügen hinzu: Doch nicht mehr bleibt auf der Erde
Eine Sehnsucht nach deiner Seele bei trauernden Menschen.
Wenn du mit Verstand nur wahrnehmen würdest die Wahrheit
Und den Maximen folgen, die dich würden befreien,
Deinen Zustand des Menschen voller Angst, Gram und Elend!
Ja doch, so wie du hier bist, so wirst du schlummern im Tode,
Sagen sie, so wirst du schlafen in ewiger Ruhe,
Losgelöst von jedem wüsten Stich der Skorpione.
Aber wir, wir werden dich beweinen, ah weh uns,
Der du vor uns auf dem Scheiterhaufen gemacht wirst
Eine Urne voll Asche, und kein Tag wird uns sehen
Ohne ewigen Kummer tief in dem Herz unsres Busens!
Aber frage den Trauernden, was die Bitterkeit solle,
Dieser Mann sollte fallen in eine ewige Trauer,
Wenn denn schließlich die Sache ist nur Schlummer und Ruhe?
Wenn die Seele und die Form sind zusammen gesunken
In den Schlummer, dann verlangt kein Mensch mehr die Seele
Oder sein Dasein. Nun schläft dieser Schlummer für immer,
Ohne Wunsch und Verlangen nach jener eigenen Selbstheit,
Sondern für alle ist es wichtig, zur Ruhe zu kommen.
Aber nichts zu schaffen, diese Urkeime selig
Unsere Glieder durchstreifen zu diesem Zeitpunkt im Fernen,
Fern von ihrer eignen Bewegung, von Sinnen erschaffen,
Da, wenn er aus dem Schlummert aufschreckt, der Mann an dem Morgen,
Sammelt er seine Sinne. Der Tod ist um uns nur wenig,
Wenn wir könnten weniger sein als ein seliges Nichtsein,
Denn es kommt im Todesfall die Zerstreuung der Menge
Der Materie, und kein Mensch erwacht von dem Schlummer,
Wenn ihn einmal befallen die eisige Pause des Lebens.
Dieses auch so oft die Seelen der Menschen verkünden,
Liegend auf ihren Sofas, halten die Becher mit Wein sie,
Ihre Häupter schattiert von schiefen Kränzen der Myrte:
Kurz ist diese Frucht der Freude dem elenden Manne,
Bald, o bald wird er uns verlassen, danach aber kann er
Nicht zurückgerufen werden. - Als ob es doch, wahrlich,
Waren ihre Blüten des Bösen im größeren Tode,
Lästermäuler, gespaltene Zungen, trocken vom Durste,
Oder sie scheuern sich wund an ihrem Brechen des Bundes.
Aber noch einmal, wenn die Natur, die ewige Mutter,
Sollte plötzlich senden heimische Stimmen ins Ausland,
Dann wird sie selber gegen uns schimpfen mit folgenden Worten:
Sterblicher, was hast du solche große nagende Sorge,
Dass du an der Krankheit Beschwerden erliegen wirst endlich?
Warum immer den Tod beklagen und traurig beweinen?
Denn wenn dein Leben, vor der Empfängnis und nach deinem Tode,
War dir dankbar und nicht all seine Güte und Tugend
Wurde aufgehäuft, um wie durch ein Sieb dann zu fallen
Und vergeblich umzukommen, warum, o Seele,
Wie ein Trunkner vom Festbankett verlässt du die Halle,
Voll beladen mit Leben? Warum nicht mit der Weisheit
Nimmst du jetzt, du Narr, die Ruhe, die du verdient hast?
Aber wenn alles, was du im irdischen Leben genossen,
Ist verschüttet, verloren, dein Leben ist nun für ungut,
Warum suchst du ein neues Leben, was wiederum werde
Faul zugrunde gehen und fallen vergeblich ins Nichtsein?
Warum nicht eher selber ein Ende machen dem Leben,
All der Arbeit? Denn allen kann ich entwickeln und finden,
Freude ist nichts. Und alle Dinge sind immer das gleiche.
Und obwohl dein Körper noch nicht von Falten bedeckt ist,
Falten und Runzeln mit den Jahren, doch ist dein Körper
Abgenutzt, die Dinge bleiben doch immer die gleichen,
Auch wenn du gehst, zu erobern die ewigen Zeiten
Mit der Länge des Lebens, wenn du unsterblich bist, Seele - -
So spricht Natur. Was ist unsre Antwort, wenn die Natur hier
Fordert gerade Entsprechendes, in die Worte sie legt die
Wahre Ursache jeder Aktion? Man muss sich beschweren,
Reifer an Jahren und älter geworden, und bitter beklagen:
Armer Teufel, sein Tod ist bitter mehr als glückselig.
Dann wird Natur nicht mehr mit Recht ihn beschimpfen und schreien:
Fort mit deinen Tränen und deinem erstickenden Jammer,
Du Hanswurst! Noch hast du gehabt die Summe des Lebens
Und der Freuden des Lebens, aber immer begehrst du,
Was nicht zur Hand ist, und verachtest vorhandenes Gutes,
Aber das Leben hat sich weg gestohlen, es rutschte
Unvollendet und fruchtlos zu dir. Und eh du‘s erraten,
Hat sich neben deinem Haupte der Tod aufgerichtet
Und du kannst nun nach Hause gehen, lebensatt, trunken
Von dem prächtigen Fest des Lebens, du gebe nun alles,
Was dem Alter fremd ist, auf, mit heiligem Anstand,
Mache Raum für deine Söhne, du musst nun hinunter! -
Richtig, so bild ich mir ein, so würde sie streiten, die Mutter,
Richtig schimpfen und sich gürten: Wenn denn die Alte
Nachgibt der neuen Menge und repariert die Geschlechter.
Doch kein Mensch wird übergeben dem dunklen Abyssus
Oder dem schwarzen Tartaros. Denn es müssen die Sachen
Gehen, damit die After-Generationen erblühen,
Aber auch diese werden ihr Leben schließen und folgen,
Wie der Tote ist, so werden die Generationen,
Entweder schon gefallen, oder sie fallen in Zukunft.
So eine Sache steigt von einer zur anderen ständig,
Und zu genießen das einfache Leben ist keinem gegeben,
Aber allen der bloße Gebrauch. So blicke zurück doch:
Nichts ward uns von den Ahnen weitergegeben, den Alten,
Als die ewige Zeit, und als wir wurden geboren,
Mutter Natur stellt dies auf wie einen Spiegel der Seele,
Wenn die Zeit wird sein, und wir sind tot und verschwunden.
Und was gibt es denn da so Schreckliches, um es zu fürchten?
Ach, was ist da so traurig, so unermessliche Trauer?
Ist es nicht heiterer, jenseits zu sein, wie erquickender Schlummer?
Wahrlich, wahrlich, all diese Qualen im Acheron drunten
Und die Folter der Hölle, sie sind hier schon auf Erden,
Da ist kein Tantalus, der betäubt wird von sinnlosem Terror,
Wie der Mythos erzählt, wo hängen die Felsen in Lüften.
Sondern im Leben vielmehr die leere Götterfurcht fordert
Alle Sterblichkeit, jeder fürchtet das Herbstglück des Zufalls.
Auch nicht fressen die Geier an des Tityus Leber,
Nieder geworfen in den Acheron, nichts ist zu finden
Da für sie in den ewigen Zeiten der Hölle,
Neugierig auszuschauen nach diesem mächtigen Busen.
Aber enorm wird er die irdische Scholle erweitern,
Der für die ausgebreiteten Glieder neun Hektar benötigt,
Ja, die ganze Erde! Er wird nicht sein in der Lage,
Zu den ewigen Schmerzen auch noch das Essen zu tragen,
Seines Fleisches Speise für immer. Uns aber ist es
Tityus, der von den Geiern zerrissen wird an der Leber,
Hingeworfen in Liebe, der ängstlich nagende Angst frisst,
Dessen Probleme sind ungestillte Begierden der Liebe,
Die ihn zerreißen! Wir haben hier vor unseren Augen
Sisyphus in dem Mann, der tut die Arbeit des Volkes,
Der im Ruhestand ist ein gebrochener, düsterer Mann nur.
Denn mit all der Arbeit einen leeren Namen zu suchen,
Auch bei dem allem und immer auf der Suche befunden,
Eine Welt der Mühsal zu ertragen, das ist es,
Mit den Schultern den Berg hinauf den Felsen zu wälzen,
Der doch von dem Gipfel immer wieder wird stürzen
Und kopfüber stürzt hinab in die ebene Ebne.
Dann werden immer undankbare Geister gefüttert,
Werden gefüllt mit guten Dingen, doch nichts sie befriedigt,
Ebenso sind für uns die Jahreszeiten des Jahres,
Wenn sie wiederkommen und ihre Nachkommen bringen
Mit den Früchten des Lebens. Meine Einbildung ist es,
Auszugießen, wie jene Jungfrauen in der Geschichte,
Wasser in ein Sieb, und unbefriedigt für immer.

VIERZEHNTER GESANG

Tartaros, mit dem Aufstoßen aus dem Munde des Anstiegs


Seiner schrecklichen Hitze, nirgends ist Tartaros, nirgends
Kann er sein in der Tat, doch in diesem Leben sind Ängste
Vor Vergeltungen einfach und vor Buße und Sühne
Vor den bösen Taten, da ist der Kerker, der Sprung da
Von dem furchtbaren Felsen der Schande, die blutigen Streifen,
Hier sind die Henker und das Gestell des Todes aus Eiche,
Hier sind die eisernen Roste und das Pech und die Fackeln!
Auch wenn dies nicht vorhanden ist, noch die menschliche Seele,
Mit der Angst im Gewissen und dem Stachel im Fleische
Und der Geißel auf dem Rücken, noch sieht man die Krankheit,
Manche Namen von Krankheiten, welche das Ende der Pinie
Immer sein kann und fürchtet damit nicht die selbigen Strafen,
Aber werden schwer nach dem Tode. Die ewige Wahrheit
Ist: Das Leben des Narren ist die Hölle auf Erden!
Dies gilt auch für dein höheres Selbst, und wenn du auch manchmal
Wiederholen möchtest: Siehe, der gütige Ancus
Sieht die Sonne mit seinen Augen, getaucht in die Dinge,
Der ist ein besserer Mann als du, du wertloses Arschloch!
Viele andere Könige auch und Fürsten der Regel
Danach sind untergegangen, nachdem sie schwankend beherrschten
Mächtige Völker. Und er, der ebnet die Straße des Meeres,
Der gab seinen Legionären die Straße des Durchgangs
Längs der Tiefe, und wie zu überqueren die Teiche
Sind des Salzwasser, lehrte er sie im Gange, verachtend,
Trampelnd mit seiner Kavallerie auf der Straße des Meeres,
Unterm Gebrüll der See, und ergossen die höhere Seele
Von dem sterbenden Körper, als ihm das Licht ward genommen.
Scipios Sohn auch, dieser Donnerhammer des Krieges,
Horror von Karthago, gab seine Knochen der Erde,
Wie auch die niedrigsten Mägde in den Häusern der Herren.
Die Erfinder von Wissenschaften und bildenden Künsten,
Auch die Kameraden der helikonischen Damen,
Unter denen Homer vor allen erhoben den Zepter,
Auch Homer liegt im Schlummer bei dem Rest der Gebeine.
Dann auch Demokrit, als das Feld gereift war zur Ernte,
Da ermahnte ihn sein Gedächtnis, er schwand in die Ferne,
Mit dem selbst geopferten Kopfe ging er zum Tode.
So auch Epikur ging, und seine Lampe des Lebens,
Die ihn führte, den Mann voll Genie, zum Gipfel der Weisheit
Über die menschliche Rasse hinaus. Erlösche die andern,
Göttliche Sonne, im Äther gezeugt, die anderen Sterne!
Willst du also, wie andere Narren, klagen zu gehen?
Du, für den das Leben so gut wie tot war auf Erden,
Während du lebtest und schautest, der im ewigen Schlummer
Großmütig hat verschwendet den Großteil der Dauer des Lebens,
Schnarchtest, auch wenn du wachtest, wolltest vom Tage nichts sehen,
Diesem Stoff, der die Träume gebiert, die Heimsuchung Geistern
Durch den sinnlosen Terror, noch oft du wolltest entdecken,
Was ist los mit dir, wenn du wie ein närrischer Bursche
Angerempelt entlang von vielem Gedränge dich kümmerst,
Wanderst um den runden Kokon mit schwimmender Weisheit.
Wenn die Menschen auf selbige Weise wie auch die Geister
Fühlen die Belastung, von ihrem Gewichte ermüdet,
Könnten sie auch die Ursachen kennen, woher es gekommen,
Warum so groß die Haufen von Krankheit und Unglück den Herzen,
O nicht auf diese Arten würden sie leben ihr Leben,
Wie wir jetzt sie sehen so sehr, die wissen nicht, was sie
Wollen auf Erden und suchen etwas immer und ewig
Wie einen Wechsel des Ortes, als ob das die Lasten vermindert.
Jener Mann, dem sein Haus erkrankt ist und endlich erloschen,
Fort von den prächtigen Zimmern und den hohen Renditen,
Fühlte sich wahrlich nicht besser im Ausland als in der Heimat.
Rennen fuhr er zusammen mit seinen gallischen Ponys,
Bis zu seiner Villa, er wurde verrückt, wie in Eile
Hilfe suchend seinem brennenden Hause. Sofort er
Gähnte, so bald sein Fuß die eigene Schwelle berührte,
Oder schläfrig erlischt er im Schlaf und sucht das Vergessen
Der Vergesslichkeits-Krankheit, oder er hastet hinüber
Und bekümmert sich wieder um die Heimatstadt. Derart
Jeder Mensch flieht vor sich selbst, vor der Seele in Wahrheit,
Wie es der Fall ist, der kann er auf keinen Fall je entkommen,
Wohl oder übel er spaltet sich, er verabscheut sich selber,
Krank, sehr krank, errät nicht den Grund der schrecklichen Schmerzen!
Aber er sollte sehen das, o jenes vor allem,
Alles andere zu verlassen und nur zu studieren
Die Natur der Dinge, die göttliche! In der Debatte
Ewiger Zeit und nicht nur einer flüchtigen Stunde,
Von dem Nachlass der Sterblichen und von den sterblichen Resten,
Irdischen Überresten nach dem ewigen Tode.
Und wenn alles gesagt, was böse Lust sagt vom Leben,
Unterwirft uns das Sterben, und so schrecklich verstörend,
In Gefahren und Warnungen, einem sicher fixierten
Ende, bleibt doch des Lebens Ende gewiss und gesichert.
Scheue den Tod nicht! Wir müssen gehen, Gerechte zu werden!
Außerdem werden wir sein mit den gleichen Geräten beschäftigt,
Immer und ewig, überhaupt sind wir an sie ewig gebunden,
Und es gibt keine neue Freude, die könnte man schmieden
In dem Leben danach. Doch während das, was voll Sehnsucht
Wir uns ersehnen, uns fehlt, das gut scheint, besser als alles,
Danach wird, wenn wir sie berührt haben, anderes kommen,
Neue Sehnsucht, gleich einem ewigen Durste des Lebens
Greift uns Caritas! Zweifelhaft ists, was Fortuna
In den künftigen Zeiten durchführen kann und was weiter
Uns der Zufall bringt und welche Probleme des weitern
Uns erwarten. Doch die Verlängerung unseres Lebens
Nimmt uns am meisten von des Todes ewigen Zeiten.
Keinen Moment wir können pflücken vom Baume des Lebens,
Um die Äonen des Zustands des Todes so zu verkürzen.
Darum, o Mensch, sollst du dein eigenes Leben erfüllen,
Lebe, wie viele Generationen du leben kannst, denn es
Wartet der ewige Tod auf dich, er wartet noch immer,
Und wer gestern vom irdischen Licht ist geschieden,
Wird nicht länger im Tod sein als der morgen verscheidet,
Denn die Lebenszeit zählt nicht in dem ewigen Tode.

FÜNFZEHNTER GESANG

Ich, ich wandre hinaus, gedeih in stabilen Gedanken,


Auf die pfadlosen Lieblingsplätze pierischer Musen,
Schritte, die keiner vorher gegangen. Ich bin voller Freude,
Zu dem Brunnen der Unbefleckten dorthin zu kommen,
Um das Wasser tropfen zu lassen, neue Blumen zu pflücken,
Diesem Kopfe eine signalisierende Krone
Schön zu flechten, von Bereichen, wo nie noch die Musen
Haben bekränzt die Schläfen eines Musenpropheten,
Gehe nach rechts in die Runde, den Verstand zu verlieren
Durch die Ketten der Angstreligion, des Wahnsinns des Glaubens,
Um als nächstes, im Bezug auf Themen so dunkel,
Transparente Lieder zu dichten, die alle berühren
Mit der Muse Charme und Zauber, so möchte es scheinen,
Dieses ist nicht ohne vernünftige Gründe des Denkens,
Nämlich Ärzte, wenn sie versuchen, den Kindern zu geben
Gegen die Übelkeit Wermut, unappetitliche Tränke,
Sie berühren den Rand des Kelches mit zuckrigen Säften
Und dem Gold des Honigs, des süßen Seimes der Waben,
Dass das gedankenlose Zeitalter törichter Kinder
Überredet wird in Bezug auf die schmeckenden Lippen,
Und in der Zwischenzeit sie beginnen, nach unten zu schlucken
Bittere Medizin des Wermuts, die leichthin Betörten,
Seien sie aber so nicht betrogen, sondern vielmehr so
Sollen erstarken sie erneut mit neuer Gesundheit.
So auch habe ich jetzt, da meine Lehre der Weisheit
Bitter scheint und voller Traurigkeit Irdischgesinnten,
Die es nicht haben in der Hand, die närrische Menge
Ist entsetzt von der Wahrheit, also wünschte mein Geist sich,
Meine Lehre euch im schönen Gesang zu erklären
Sanfter Sprache der Pieriden und süßer als Zucker,
Meinen Gesang zu berühren mit dem süßen Nektar der Muse,
Wenn durch solches Verhalten glücklich ich könnte bewahren
Deinen Geist auf meinen Verszeilen, bis du zu lernen
Wüsstest den Sinn und die göttliche, die Natur aller Dinge.

SECHZEHNTER GESANG

Dieses Verlangen ist es, das Venus für uns gewirkt hat,
Daraus erzeugen sich alle Verlockungen brennender Liebe,
Daraus zum ersten rieselten in die Herzen der Menschen
Tropfen der Freuden und Wonnen, die wir ehmals genossen,
Das ist durch kühle Pflege uns gut gelungen. Und wahrlich,
Zwar du hast sie geliebt, doch jetzt ist sie ferne, verschwunden,
Doch die Idole von ihr sind noch in der Nähe des Mannes,
Und ihre süßen Namen umschweben das innere Ohr dir.
Aber es obliegt dir, diese Bilder zu fliehen,
Dich erschrecke die Ferne derer, die die Liebe genährt hat,
Wende nun an andere Stelle deine Gedanken,
Lass an die Lüfte fließen deinen glühenden Sperma,
Innen in dir gesammelt, in diversen Kanälen,
Auch sind deine Gedanken noch mit der Liebe beschäftigt,
Halte das für lautere Freude, speichre die Pflege
Deines Selbst und ertrage die unvermeidlichen Schmerzen!
Siehe, wie das Eitergeschwür kommt durch nährende Gifte,
Größer wird das Leben mit hartnäckig werbender Liebe,
Und von Tag zu Tage die Leidenschaft lodert in Flammen,
Und das Wehe des Herzens wird schwerer Stunde für Stunde,
Außer, du wirst mit neuen Liebespfeilen zerstören
Jene ehemaligen Wunden der Liebe, und heilen,
Während sie noch frisch sind, frei von der wandernden Runde
Nach der freiheitlich wandernden, freiheitlich liebenden Venus,
Oder du gießest schweres Blei an die andere Stelle
Der Tumulte deiner Gedanken fliegender Liebe.
Tu nicht, wie der Mensch, der sich fernhält von fruchtbarer Liebe,
Diesem fehlen die Früchte der Venus, nein, du sollst nehmen
Diese Freuden, frei von Strafe, die Freuden der Venus,
Ungemischt für die Sterblichen und die krank an der Psyche,
Ja, für die Herzenskranken von der schmachtenden Liebe!
Ja, in diesem Moment zu besitzen den Segen der Venus
Heißt, dass auf- und absteigt der hitzigen Liebenden Wärme,
Unruhig, unsicher, nicht zu restaurieren vermag man,
Was man zuerst genossen hatte mit Augen und Händen.
Jene Teile, die sich zusammen drücken, stets fester,
Körperliche Schmerzen der Kreaturen, die Zähne
Beißen oftmals die Lippen, die Zungen peitschen mit Küssen,
Mund auf Mund und Atem in Atem, die selbige Freude
Ist das nicht ohne Vermischung, doch darunter sind Stiche,
Welche provozieren den Mann zu böser Verletzung,
Wo auch immer es ist und woher entstanden für ihn sind
Bittere Keime des Wahnsinns! Aber mit sanfter Berührung
Venus dämpft die qualvollen Schmerzen inmitten der Liebe,
Und die Beimischung zärtlichen Streichelns bereitet Vergnügen,
Einzudämmen die Bisse der Leidenschaften. Sie hofften,
Dass durch die liebenden Körper, in denen die Seele gefangen,
Könnten die hitzigen Flammen der feurigen Liebe verlöschen!
Aber der Natur Proteste sind alle ganz anders,
Nämlich die gleiche Liebe ist die einzige Sache,
Davon, je mehr wir haben, desto mehr wir verbrennen
Unsere Brust mit heißen Wünschen. Für Essen und Trinken
Innerhalb unserer Eingeweide sorgt wohl die Liebe,
Da sie kann stoppen bestimmte Teile, und so wird auch leichter
Das Verlangen nach Wasser übersätigt und Speise.
Aber siehe vom menschlichen Antlitz und blühender Schönheit
Nichts dringt in unserer Körper Rahmen, es still zu genießen,
Und wir sparen fadenscheinige Bilder der Götzen,
Aber entschuldigen unsere Hoffnung, vom Winde verwehte.
So wie wenn die Durstigen suchen im Schlummer zu trinken,
Aber das löschende Wasser wird nicht gewährt ihrer Kehle,
Um die Hitze in ihren inneren Gliedern zu stillen,
Aber nach den Götzen der Flüssigkeit strebt man vergebens
Und mit eitler Mühe, und man dürstet auch noch beim Schlucken
In der Mitte des Wasserfalles, so in der Liebe
Venus täuscht die Liebenden mit den schönsten Idolen.
Aber sie können nicht ihre Lust befriedigen, stillen
Ihr Verlangen, mit einem einzigen Blick auf den Körper,
Können auch nicht mit ihren Fingern die Handflächen reiben
Oder andere Extremitäten, während sie streunen
Unsicher über den ganzen Körper, dann aber endlich
Mit den Gliedern verflochten, genießen jungfräuliche Blumen,
Ihre Körper sind süße Vorzeichen schärferer Freuden,
Venus ist etwa bereit, in die Ackerfurche zu säen
Eines Weibes, begierig, deren Körper zu öffnen,
Dass sich vermischen die Sklaven der Venus mit Mündern und Atem,
Atem mit Atem vermischend und beißend mit Zähnen auf Lippen,
Aber ohne Erfolg, da sie machtlos, in seufzender Ohnmacht
Abreiben irgend etwas, übergeben, durchdringen
Mit dem gesamten Körper in Körper und oftmals
Scheinen sie zu kämpfen und streiten im Kriege der Liebe,
Also eifrig hängen sie in den Netzen der Venus,
Während ihre Glieder zusammen schmelzen, bezwungen
Durch die Gewalt der Freuden und Wonnen! Aber wenn schließlich
Wollust, in der die beiden gesammelt, brachte sich selber,
Kommt eine kurze Pause in die tobende Hitze,
Aber dann kommt der Wahnsinn mit den höchsten Renditen
Und die alte Raserei aufs Neue besucht sie,
Wenn sie die einmal gesucht und sehnten sich, sie zu erreichen,
Aber sie wissen nicht, was alle ohnmächtig finden,
Nämlich den Kunstgriff, um zu unterwerfen die Flüche.
Und in diesem ungewissen Zustand verkümmern
Sie mit unsichtbaren Wunden. Hinzugefügt werden
Wunden, sie verschwenden Befugnisse, Arbeiten schwinden,
Und hinzugefügt werden ihre vergeblichen Jahre,
Die verschwenden sie, unter einem andern ist Abruf,
Ihre Aufgaben werden vernachlässigt, und sie verschmachten,
Ihre ehrlichen Namen bleiben als Denkmal der Krankheit,
Ihre Güter im babylonischen Teppich verschwinden.
Aber duftende Salben und hübsche sykonische Schuhe
Lachen an ihren Füßen, und wie ihr sollt euch gewiss sein,
Große Smaragde von grünem Schein sind an goldenen Ringen,
Reichen Meeres purpurnes Kleid, das ständig zerschlissen,
Schäbig wirds, sie sind mit dem Schweiß der Venus gebadet,
Und die wohlverdiente Eigenschaft ist für das Stirnband,
Schleier und Mäntel und schöne alidensische Kleider
Oder von keischer Insel. Und besetzte Bankette,
Seltene Kostbarkeiten, alles ist reichlich bereitet.

SIEBZEHNTER GESANG

O die mit mächtigem Busen schöne Lieder kann bauen,


Muse, würdig der Majestät der Funde der Weisheit!
Oder wer ist in Worten so stark, dass er einrahmen könnte
Jene Passform der Anpreisung für die Wüsten von ihm, der
Hat uns vererbt und hinterlassen herrlichen Lobpreis,
Den er mit seiner eigenen Brust gesucht und entdeckt hat?
Es soll keiner der Sterblichen, dünkt mich, vorrätig sein, denn
Wenn das Muss der Bedürfnisse seinen Namen gerufen,
Durch die nun erst bekannte Majestät erst verlangt von
Diesen höheren Dingen, dann war er wohl ein Gott! Ja,
Höre mir zu, illustrer Memmius, er war ein Gott! Ja,
Der als Erster gefunden hatte die Pläne des Lebens,
Diesen Plan nun nennt man die göttliche Philosophia,
Listenreiches Handwerk, aus solchen mächtigen Wellen,
Aus der mächtigen Dunkelheit, denn da ankert das Leben
In Oasen so heiter, angesichts herrlicher Klarheit.
Aber vergleiche die alten Entdeckungen göttlicher Männer,
Anderer Findungen: Siehe, nach des Mythos Erzählung
Ceres gibt den Sterblichen Korn und Getreide des Brotes,
Aber des Bacchus Blut wird geboren von Trauben der Reben,
Wenn auch das Leben vielleicht ist ohne Wein auch zu leben,
Schon als Bericht nun sprechen vom Weine einige Völker.
Aber das Wohlbefinden des Menschen, unmöglich war es
Ohne den kostenlosen Busen. Warum dann mehr noch
Dieser Mann erscheint uns zu Recht als ein Gott aller Weisheit,
Kommen von ihm die Süßigkeiten des Lebens, die Ferne
Aber verteilte über bevölkerungsreiche Domänen,
Was beruhigt jetzt die Gemüter der Menschen. Und glaubst du,
Dass des Herkules Arbeiten übertreffen den selben,
Bist du weiter von wahren Gründen entfernt in der Ferne.
Was denn, was uns schaden könnte, der mächtige Rachen
Ist des nemäischen Löwen oder arkadischen Ebers
Hauer oder der kretische Stier, das Untier des Minos,
Oder die lernäische Hydra mit giftiger Vipern
Köpfen oder im Sumpfe die stymphalidischen Reiher
Oder der Hund des Hades, der Cerberus drunten bei Kore?

ACHTZEHNTER GESANG

Siehe, die Fremdlinge in den stymphalidischen Sümpfen


Also beleidigten fürchterlich uns und die schnaubenden Rosse
Auch des thrakischen Diomedes, die atmeten Feuer
Aus den Nüstern und rannten entlang der bistonischen Zonen
Und der ismarianischen! Und die giftige Schlange
War die Furcht der heftigen Gucker, Hüter der goldnen
Äpfel, der glänzenden Äpfel der hesperischen Mädchen.
Rund um den Baumstamm mit enormer Größe geschlungen,
O was wiederum könnte uns zufügen schreckliches Unheil
Längs der Atlantikküste und des Abfalls vom Meere?
Hier wo keiner von uns kommt nah und keine Barbaren
Triumphieren, der Rest von diesen Monstern getötet,
Wenn auch am Leben, unüberwunden. Welche Verletzung
Können sie bringen? Keine, denk ich. Die Welt übersättigt
Ist jetzt auch voll von Schwärmen wilder Tiere, auch jetzt sind
Alle besorgt vor den Schrecken, die Wälder erfüllen
Und die mächtigen Berge und die heiligen Haine
Und die Tiefen, das ist generell ganz zu vermeiden.
Aber damit der Busen gespült wird, welch ein Konflikt dann,
Was für Gefahren sind in unserem eigenen Busen?
O dann wie groß und begeistert sind die Sorgen der Wollust!
Diese teilen die Menschen verzweifelt! Höllische Ängste!
Siehe den Hochmut und die Begierde und lüsterne Geilheit!
O wie groß ist die Schlachtung in diesem Gefolge!
Siehe, die Ausschweifung! Siehe, mächtiger Faultiere Rassen!
Daher der Mensch, der unterworfen diese Gefahren
Und aus dem Geiste vertrieben die Bestien durch Worte und Werke,
Der ist nicht arm und elend. Oh, und ist es nicht schicklich,
Ihn des Ranges gleich mit den Göttern zu würdigen? Göttlich
Ist er umso mehr, als er stets gewohnt war zu geben
In Bezug auf die unsterblichen Götter im Himmel,
Viele Äußerungen tat er mit seiner göttlichen Zunge,
Und von ihm erfahren wir alle das Wesen des Weltalls!

NEUNZEHNTER GESANG

Es war Athen zuerst, die glorreiche Herrin im Namen,


Welche gegeben den unglücklichen Kindern der Menschen
Körbe der Ernte und ein neu geordnetes Leben
Und verordnete Staatsgesetze, sie war die erste,
Die dem Leben gab süße Genüsse, als sie gezeugt hat
Einen Mann von herrlicher Herzensweisheit, der ausgoss
Alle Weisheit aus seinem Wahrheit sprechenden Munde,
Deren Herrlichkeit, wenn er tot ist, lebt sie noch heute,
Nur aufgrund der Entdeckungen dieses göttlichen Mannes,
Renommiert bei den Alten und erhaben im Himmel!
Denn als er sah, dass beinah alles, was brauchen die Menschen,
War bereit, den Sterblichen ganz zur Hand, und das Leben,
Wie es nur ging, das Leben wurde gegründet, gesichert,
Dass die Männer Herren werden in Ehre und Lobpreis,
Eminent auch die stattlichen Söhne, Kinder des Ruhmes,
Aber dass sie dennoch im Herzen hatten die Qualen
Und die ängstlichen Herzen, die das Leben verärgern,
Ohne Rast und Ruhe erfüllt mit den Qualen des Geistes,
Schwärmend notgedrungen mit wütenden Leidensbeschwerden,
Dann aber hat er, der Meister, wahrgenommen, das wäre
Jenes Schiff, das arbeitete für die Flüche, und alles,
Was ihr drinnen war Teil der Qualen, weil er‘s gesehen,
Dass das Schiff war so rissig und undicht, in keinerlei Weise
Könnte es jemals gefüllt bis zum Rande werden, zum Teil auch,
Weil er merkte, dass es von schlechtem Geschmack war verdorben
Und verschmutzt, was immer es in sich trug. Und der Mann nun,
Jener Meister, mit seinen Wahrheit sprechenden Worten,
Hat gereinigt die Brüste der Menschen und gab die Gesetze
Schöner Lust und grausigen Terrors, und hat dann erhoben
Uns das Höchste Gut, wohin wir uns alle bemühen,
Und er zeigte den Weg, wobei wir kommen vielleicht vom
Ursprung in die Quere, ein wenig geschnittenen Weges,
Und was von Qualen bei allen der Sterblichen Dingen
Aufgesprungen und huschte verschlagen, ob es aus Zufall
War oder Höherer Macht, von welcher aus Toren sind Weise
Doch geworden und Kämpfer des Kampfes. Und er erwies sich
Als der Mann, der am meisten vergeblich die Arbeit der Menschheit
Rollte in ihren Schoß mit den grimmigen Wellen der Pflege.
Nämlich so, wie die Kinder sich alle fürchten und scheuen
In dem augenlosen Dunkel, so sind wir manchmal
Voller schrecklicher Furcht vor dem Lichtglanze so vieler Dinge,
Die kein Deut mehr zu fürchten, als was heucheln die Kinder,
Schaudernd würde es über sie in der Dunkelheit kommen.
Dieser Terror sodann, die Geistesfinsternis schwindet
Nicht mit den Fackeln des Lichtes bei dem Aufgang der Sonne,
Ebenso wenig vor glitzernden Pfeilen der Jungfrau Aurora,
Nur vor dem Aspekt der Natur und ihren Gesetzen,
Darum werde ich fortfahren, schöne Verse zu weben,
Durchgeführt ist meine Aufgabe hier in den Versen.

ZWANZIGSTER GESANG

Nun hab ich dir gesagt, dass das weltweit große Gewölbe
Sterblich ist und dass ausgebildet ist droben des Himmels
Rahmen, der rechtzeitig ward geboren, und was muss auch immer
Darin gehen und notgedrungen weiter noch gehen,
Das hab ich alles entwirrt, was bleibt, das solltest du nehmen
Neben diesem. Ein für allemal, um in den Wagen
Einzusteigen, den renommierten, die Winde entstehen,
Sie sind besänftigt, so ist alles wieder in Ordnung.
Die da waren, sind nun verändert, vom Zorne beruhigt,
Alle andern Bewegungen gehn durch die Himmel und Erden,
Worauf die Sterblichen richten die Blicke, die ängstlichen oftmals
Mit den Zitter-Gedanken, die demütig oft ihre Meinung
Haben aus Frucht vor den Gottheiten, die sie drückend zerquetschen
Auf der Erde, weil ihr Unwissen groß ist über die wahren
Kosmischen Ursachen, und das zwingt sie, getreu zu erhalten
Alle Dinge im Imperium herrschender Götter
Und die Königsherrschaft einzuräumen den Göttern.
Aber jene Menschen, welche sehr wohl gelehrt sind,
Dass die Gottheiten führen ein langes sorgloses Leben,
Wenn auch mittlerweile sie sind mit Plänen beschäftigt,
So kann es weitergehen, und von höheren Dingen
Über uns an ätherischen Küsten beobachtet, wieder
Kehrt man zurück zu den Ängsten und beeilt sich, die alte
Religion der Götter und Göttinnen wieder zu stiften,
Strenge Meister, aber allmächtig. Unglückbeladen,
Unwissend, was man kann und was nicht, die törichten Menschen,
Und mit welchem Recht man sich ihrem Umfang verschrieben,
Ihren Grenzsteinen, die so so tief in die Zeiten gehängt sind.
Darum desto mehr sind sie zum Wandern getragen
Mit verbundenen Augen auf den unteren Gründen.
Memmius, du mit deinen Gedanken wirst dies bespucken,
Du treibst fern von dir die Gedanken alle, die unwert
Sind der heiligen Götter und fremd ihrer seligen Ruhe,
Dann wird der Heilige oft die Majestäten verehren
Jener hohen Götter und Göttinnen, die sind nicht schädlich,
Wie in deinen Gedanken gebildet, nicht ist das höchste
Wesen des Gottes der Götter so empört wie im Zorne,
Um den Durst nach Rache zu suchen, sondern weil du dich
Plagst mit der Vorstellung falscher Götzen und Götteridolen,
Aber die Himmlischen ruhen immer in heiterer Ruhe,
Rollst du auch die mächtigen Wellen von Zorn über Zorn auf,
Dennoch wirst du mit einem ruhigen Busen betreten
Tempel und Schreine der Gottheiten, und du wirst fähig sein, deine
Ruhige Ruhe anzunehmen und wissend zu wissen
Diese Bilder, die sich aus ihren heiligen Körpern
Eingebildet in dem Verstand der gläubigen Menschen,
Wie der weise Sprecher ihrer göttlichen Formen.
Welche Art von seligem Leben aber danach kommt,
Das ist an dir, es zu sehen. Aber ferne von uns sei
Irgend ein Grund, der könnte dieses Leben vertreiben,
Vieles aber bleibt noch, um verschönert zu werden
In polierten Versen, allerdings hab ich schon vieles
Vorgestellt und ausgestellt, und siehe, da ist das
Gottesgesetz und alle reinen Aspekte des Himmels,
Um begriffen zu werden. Da gibt es Unwetter-Zeiten
Und die elektrischen Blitze, um besungen zu werden
Wegen dem, was sie tun, und aus welcher Ursache immer
Sie sind heran getragen, damit du müssest nicht zittern,
Abzuzirkeln die Regionen des prophetischen Himmels
Für die Omen, o ihr töricht verstockten, ihr Sünder,
Selbst woher die fliegende Flamme ist zu uns gekommen,
Oder in der Hälfte des Himmels stellt es sich ein, wie
Durch ummauerte Orte, wie sie sich schlängelte, oder
Man kann sagen, dass die Gottheit behauptet die Herrschaft,
So wird es weiter beschleunigt, worüber keinerlei Weise
Wissen die Ursachen Männer und denken sich Götter am Werke.
Handle, o Kalliope, meine genialische Muse!
Wonne der Sterblichen und o Freudenmädchen der Götter,
Weise auf meinen Kurs hin, wie ich das Rennen gefahren
Bis zur ruhmreichen weißen Linie des obersten Zieles,
Dass ich mit Signalen bekomme die Krone des Lobes,
Meine Führerin, o Kalliope, mit dir zusammen!

DIOTIMAS REDE IN PLATONS SYMPOSIUM

Und nun nehme ich meinen Abschied von euch, aber ich möchte euch eine Geschichte des Eros
erzählen, die ich von Diotima von Mantineia, einer weisen Frau, weise in diesem Gebiet und in
vielen anderen Arten von Wissen, die in den Tagen der Vorzeit, als die Athener opferten wegen dem
Kommen der Pest, hielt die Krankheit zehn Jahre lang auf. Sie war meine Lehrerin in der Kunst des
Eros, und ich sollte euch wiederholen, was sie mir sagte, beginnend mit den Reden des Agathon, die
fast das selbe sagen, wenn nicht ganz dasselbe, das ich von der weisen Frau gehört, als ich sie
befragte, ich denke, dass dies der einfachste Weg ist, und ich werde beide Teile mich, so gut ich
kann, in Anspruch nehmen. Wie du, Agathon, vorgeschlagen, muss ich zunächst von dem Wesen
und der Natur des Eros sprechen, und dann von seinen Werken. Zuerst sagte ich zu ihr in fast den
gleichen Worten, die er an mich gerichtet, dass der Eros ein mächtiger Gott war, ebenso schön, und
sie zeigte mir, wie ich bewies, dass durch meinen eigenen Auftritt Eros weder schön noch gut ist.
"Was meinst du damit, Diotima," sagte ich, "ist Eros dann böse und übel?" "Stille", rief sie, "muss
dass, was kein Übel ist, gleich schön sein?" - "Natürlich nicht", sagte ich. "Und ist das, was nicht
ratsam ist, gleich ignorant? Siehst du nicht, dass es eine Mitte zwischen Weisheit und Unwissenheit
gibt?" - "Und was kann das sein?" sagte ich. "Die richtige Meinung", sagte sie, ", die, wie du weißt,
unfähige Angabe von Gründen ist nicht Wissen, denn wie kann Wissen ohne Grund sein? noch
einmal, Unwissenheit kann nicht erreichen die Wahrheit, sondern es ist offenbar etwas, was einer
mittleren Ebene zwischen Unwissenheit und Weisheit angehört." - "Wohl wahr", antwortete ich.
"Bestehe nicht darauf," sagte sie, "dass das, was nicht schön ist, notwendigerweise schlecht ist, oder
was nicht gut ist, dass es böse ist, oder schließe, dass, weil Eros nicht schön und gut ist, er daher
schlecht und böse sei, denn er ist in einem bedeutenden Zwischenraum." - "Nun", sagte ich, "Eros
ist sicherlich von allen angesehen als ein großer Gott." - "Von denen, die wissen, oder von denen,
die nicht wissen?" - "Von allen." - "Und wie, Sokrates", sagte sie mit einem Lächeln, "kann Eros
bestätigt werden, ein großer Gott zu sein, durch jene, die sagen, dass er nicht ein Gott überhaupt
sei?" - "Und wer sind diese?" sagte ich. "Du und ich sind zwei von ihnen", antwortete sie. "Wie
kann das sein?" sagte ich. "Es ist durchaus verständlich," antwortete sie, "denn du selbst würdest
anerkennen, dass die Götter in glücklichen Verhältnissen leben, natürlich würdest du sagen, dass
jeder Gott glücklich ist, nicht wahr?" - "Sicher", antwortete ich. "Und du würdest von den
Glücklichen meinen, die die Besitzer sind aller Dinge, sind sie gut oder gerecht?" - "Ja." - „Und du
gibst zu, dass Eros, weil er in Not ist, die guten und schönen Dinge begehrt, wegen denen er in Not
ist?" - "Ja, das sage ich." - "Aber wie kann er ein Gott sein, wenn er keinen Anteil am Guten oder
Schönen hat?" - "Unmöglich." - "Dann siehst du, dass du auch die Gottheit des Eros leugnest."

"Was also ist Eros?" fragte ich, "ist er sterblich?" - "Nein!" - "Was denn?" - "Wie im ersten Fall ist
er weder sterblich noch unsterblich, sondern ein Mittelding zwischen den beiden." - "Was ist er,
Diotima?" - "Er ist ein großer Dämon, und wie alle Dämonen, ist er in der Mitte zwischen dem
Göttlichen und dem Sterblichen." - "Und was," sagte ich, "ist seine Macht?" - "Er vermittelt",
antwortete sie, "zwischen Göttern und Menschen, Er nimmt für die Götter die Gebete und Opfer der
Menschen an, und vermittelt den Menschen die Befehle und Antworten der Götter, er ist der Mittler,
der die Kluft, die sie teilt, überbrückt, und so ist in ihm alles miteinander verbunden und durch ihn
besteht die Kunst des Propheten und Priesters, ihre Opfer und Geheimnisse und Zauber, und alles,
Prophetie und Beschwörungsformel, die den Weg zu Gott nehmen, der mischt sich nicht mit dem
Menschen, aber durch die Eros kommt alle Vereinigung, und unterhält sich Gott mit dem
Menschen, ob er wacht oder schläft, durch die Weisheit, das ist die geistige Erkenntnis, und alle
andere Weisheit, wie die von Kunst und Kunsthandwerk, ist allgemein. Nun sind diese Dämonen
aber Zwischenmächte, vielfältige, und einer von ihnen ist Eros " - „Und wer", sagte ich, "war sein
Vater, und wer seine Mutter?" - "Die Geschichte", sagte sie, "wird einige Zeit dauern, dennoch
werde ich sie dir sagen. Am Geburtstag der Aphrodite war ein Fest der Götter, an dem der Gott
Poros oder Reichtum, der der Sohn von Metis ist, einer der Gäste war. Als das Fest vorüber war,
Penia oder die Armut, wie die Art und Weise ist bei solchen Gelegenheiten, kam an die Tür, um zu
betteln. Jetzt Reichtum, der trunken war von Nektar (es gab keinen Wein in diesen Tagen), ging in
den Garten des Zeus und fiel in einen tiefen Schlaf, und Armut angesichts ihrer eigenen
bescheidenen Verhältnissen, begehrte ein Kind von ihm, und dementsprechend legte sie sich an
seine Seite und empfing den Eros, der zum Teil, weil er von Natur aus ein Liebhaber des Schönen
ist, und weil Aphrodite selbst schön ist, und auch, weil er an ihrem Geburtstag geboren wurde, ist
ihr Anhänger und Begleiter. Und wie seine Herkunft ist, so ist auch sein Glück. In erster Linie ist er
immer schlecht, und alles andere als zart und schön, wie sich viele es von ihm vorstellen, und er ist
rau und schmutzig, und hat keine Schuhe, auch ein Haus zum Wohnen, auf der nackten Erde
ausgesetzt liegt er unter freiem Himmel, lebt auf der Straße oder an den Türen der Häuser und ruht
dort, und wie seine Mutter ist er immer in Not. Wie sein Vater, dem er auch teilweise ähnelt, ist er
immer begierig nach dem Schönen und Guten, er ist mutig, unternehmungslustig, stark, ein
gewaltiger Jäger, immer spinnend einige Intrigen oder andere, scharf im Streben nach Weisheit,
fruchtbare, ein Philosoph zu allen Zeiten, schrecklich wie ein Zauberer, Magier oder Sophist. Er ist
von Natur aus weder sterblich noch unsterblich, aber lebendig und florierend in einem Moment,
wenn er in vielen ist, und tot in einem anderen Moment, wieder wegen der Natur seines Vaters.
Aber immer vieles in Strömen ausfließt von ihm, und so ist er nie in Not und nie in Fülle, und
außerdem ist er in der Mitte zwischen Ignoranz und Wissen. Die Wahrheit der Sache ist die: Kein
Gott ist ein Philosoph oder Sucher nach Weisheit, denn er ist bereits weise, auch nicht jeder Mann,
der klug ist, sucht nach Weisheit. Auch nicht die Unwissenden suchen nach Weisheit. Denn hier ist
das Übel der Unwissenheit, dass er, der weder gut noch weise ist, dennoch mit sich zufrieden ist. Er
hat nicht den Wunsch, da er keinen Mangel fühlt." - "Aber, die dann, Diotima," sagte ich, "die
Liebhaber der Weisheit sind, wenn sie weder die Weisen sind noch die Toren?" - "Ein Kind kann
diese Frage beantworten, "antwortete sie,"sie sind diejenigen, die in einer Mitte zwischen den
beiden sind; Eros ist einer von ihnen. Denn Weisheit ist eine sehr schöne Sache, und Eros ist von
der schönen Art, und damit Eros ist auch ein Philosoph oder Liebhaber der Weisheit, und ein
Liebhaber der Weisheit ist in einer Mitte zwischen den Weisen und den Toren. Und dieses von
seiner Geburt ist die Ursache, denn sein Vater ist reich und klug, und seine Mutter arm und töricht.
Solches, lieber Sokrates, ist die Natur des Dämons Eros. Der Fehler in der Vorstellung von ihm war
sehr natürlich, und wie ich von dem, was du sagtest, mir vorstelle, ist aus einer Verwirrung der
Liebe und der Geliebten, an die du denkst, die Vorstellung entstanden, dass Eros schön ist. Denn die
Geliebte ist die wirklich schön und zart, und perfekt, und gesegnet; aber das Prinzip des Eros ist von
anderer Art, und ist, wie ich es beschrieben habe."

(Fragment)

THEOGNIS VON MEGARA

Asche, böse Worte, außer der Jahrszeit gesprochen,


Wenn die Leidenschaften den Thron usurpieren von Grund auf,
Viele ruinierten. Ungerecht Leidenschaft ist und
Nach dem freien, transistorischen Stoße von Gna…...

II

Unser Staat ist schwanger, zu produzieren in Eile


Einen rohen Rächer des schlimmsten Missbrauchs an Menschen!
Die Gemeinen bisher erscheinen nüchtern im Geiste,
Aber die Vorgesetzten sind korrupt und verblendet.
Nein, die Regel der Edelleute, der tapfern und hohen,
Nie erlangt den Frieden und die harmonische Ordnung.
Ach, der hochmütig arrogante Vorwand der Toren,
All der Schwachköpfe, all der Unverschämten und Schlechten,
Die Gerechtigkeit haben und Wahrheit beiseite gewiesen
Durch die schlauen Schiebereien von Hochmut und Habgier!
Das sind unsre Ruinen, o Kumus, träume du nimmer
(Ruhig und ungestört, wie du scheinen magst in den Nächten)
Den zukünftigen Frieden und die sicheren Staaten.
Blutvergießen und Krieg wird früher folgen und später,
Stell dir nie vor, dass ein Land wird erbaut durch gerechte Gesetze,
Dass es deinen Geboten vertraue sein elendes Schicksal,
Um von einer einzigen Hand erneuert zu werden!

III

Lass du keine Überzeugungskunst laden zum Platze


Deines Vertrauens schlaue Köpfe und niedrige Basis!
Wer kann Antwort geben? Ist ihre Hilfe vergebens,
Wenn Gefahren drohen und deine Feinde angreifen?
Und den Segen, den die Götter zahlen in Kopfgeld,
Werden sie diesen Segen mit einem Freunde wohl teilen?

Nein! Die wogenden Wellen mit Getreidekorn zu bestreuen,


Jene Oberfläche der Hauptkultivierten, ist keine
Ehrliche Aufgabe mehr, ist eitel, ist völlig vergeblich,
Wie der Anbau von Verbündeten, denn diese Toren
Sind nur flatterhaft, sind nur unproduktiv wie die Meere!

Das sind alle niedern Verstandes, nimmer in Ruhe,


Immer mit neuen Forderungen aufdringlich pressend.
Eine neue Anspannung oder Anfrage, neue,
Bis, mit einer Ablehnung eines Letzten der Menschen,
Sie verleugnen die Pflicht gegenüber vergangenen Zeiten.

Mutige, tapfere Herzen aber sind leicht zu bekommen.


Und Getreue sind leicht zu erlangen, die ehrlichen Menschen,
Die die Schuld nicht leugnen und vergessen den Dank nicht!

IV

Niemals mit einem Schuft oder einem Feiglinge handle,


Meide ihn, Kurnus, als Verräter, als räudigen Rüden!
Diese Freunde und liebevollen Genossen, bedenke,
Sie sind bereit zur Freundschaft, wenn du schlemmest und zechest,
Diese einfachen Freunde schrumpfen in schwierigen Zeiten!

Für den klugen Intellekt die wichtigste Arbeit


Ist es, eine gemeine Seele so recht zu erfassen,
Keine Arbeit ist schwerer, denn der Toren sind viele,
Silber und Gold durch Berührung machen unrein den Reinen,
Also trenne die Reinen und entsorge die Krätze,
Ignoriere die Arbeit und die schweren Verluste.

Aber des Freundes Herz, das geringe und das erwachsne?


Freundliche Oberfläche mit einem Kern aus Verachtung!
Von all den Trügereien, mit denen das Schicksal verfluchte
Unsre einfache schlichte Art, ist das Schlimmste von allen:
Jenseits der Ruhe in ruinöser Freundschaft zu leben,
Das ist unter allen andern am schwersten erkennbar.

Männer- und Frauen-Herzen kannst du nimmer versuchen


Und erproben zuvor wie die Rinder, willst du sie kaufen.
Auch dem Menschengeist, der Vernunft, wenn du sie behandelst,
Können Betrügereien zu solchem Zwecke entströmen.
Phantasie verrät uns und unterstützt den Betrüger.

V
Ich beachte die Regel, das Maß und die herzliche Neigung
Allerseits, und du nimm die gerade Linie, Lieber,
Die im einzigen Zweck und Design fixiert und fundiert ist.
Lerne, mit glücklichen Gaben, Geschenken, fröhlich zu feiern
Und zu zivilisieren und zu würdigen Staaten.
Nicht verbünde dich mit der unzufriedenen Mannschaft,
Auch nicht mit Stolzen und mit Willkür-Herrschern nur selten.

VI

Der großzügige, tapfere und gemeinsame Ruhm ists,


Der von Zeit zu Zeit begegnet Lob oder Tadel.
Die Vulgären passieren unbeachtet, sie fliehn nicht
Vor der Kränkung in irgendeiner Form, vor Skandalen.
Am glückseligsten sind diejenigen, Lebende, Tote,
Derer selten gedacht wird. Das ist das Mindeste aber.

VII

Keine teuren Opfer noch teure Opfergeschenke


Können den Plan der Mächte des Himmels ändern, mein Lieber,
Was auch immer das Schicksal verordnet, Gefahr und Verwundung
Oder Tod, ist vorherbestimmt, und nichts kann das hindern.

VIII

Für die Menschennatur bleibt nichts als die göttliche Hoffnung


Von den Gottheiten allen, denn der Rest ist entflogen,
Abgereist ist der Glaube, Wahrheit und Ruhm sind gestorben,
Alle Grazien, meine Freundinnen, auch sind entflohen!
Ach, der spärlichen Exemplare Leben, es lohnt nicht,
Ach, es schrumpfte zu nichts, es ist die Erde gestorben!
Aber während ich lebe und sehe die Leuchten des Himmels,
Bleibt die göttliche Hoffnung, und nie hat sie uns verlassen
Oder wäre entflohn von der Welt. Die höchsten Bereiche
Meiner Hingabe sind es, die göttliche Hoffnung zu ehren.
Hekatomben werden geschlachtet, verbrannt auf Altären,
Wenn den Göttern allen wieder gehuldigt wird werden,
Lass die göttliche Hoffnung da sein, ja, mit der Hoffnung
Werden, mein Freund, die Opfer von Tieren enden auf Erden.
Unverschämtheit und Ungerechtigkeit, jedes Verbrechen,
Raub und Unrecht, kann für kurze Zeiten gelingen,
Aber sie werden rasch zerfallen und so auch die Menschen,
Die auf krummen Wegen und Hohlwegen irren auf Erden.

IX
Kumus, erfahre und lern und bedenke die einfache Wahrheit:
Bringe deinen guten Humor der Menschheit dar, Lieber,
Und die Menschennatur, nimm sie an, so wie du sie findest!
Eine Mischung aus Zutaten ist sie, aus guten und schlechten,
Das sind wir alle, doch sind wir das Beste, was da ist zu haben.
Selbst die Besten werden defekt befunden. Die andern,
Zur gemeinsamen Nutzung, auch sind ähnlich den Besten.
Nehmen wir an, es wäre anders beschlossen vom Schicksal,
Wie dann könnten die Geschäfte der Erde bestehen?

Ich habs ziemlich untersucht und wirklich verstanden,


Dass kein Mensch ist ganz Böser, noch vollkommener Guter.
Auch sind wir ja nicht gleichmäßig weise. In jedem der Fälle
Wirken Gewohnheit und Zufall, der Ort und die Stunde,
Auf den Menschen. Das ist die Art der menschlichen Rasse.

Ach, die Götter senden Verblendung, irre zu führen


Jenen Mann, den Vermögen verraten und Schicksalen narren,
Der ist prädestiniert, anheimzufallen dem Tode.
Wohlstand, Fürsorge, Reichtum, Verblendung, so finden wirs immer,
In Verbindung mit einem armen und dürftigen Geiste,
Die sind immer kombiniert mit Dreistigkeit, Frechheit!

Zürne nie mit Menschen gemeiner Art, die bewegt sind


Von verächtlichen groben Begierden, verhöhn ihre Wünsche
Und verachte in eiliger Rede all ihre Sorgen.

Zeus hält ewig die Waage, und die Götter verleihen


Allen Menschen Reichtum oder Armut, ja Elend!

XI

Lernen und Reichtum der Weisheit und der strebenden Suche


Leider ist unzureichend, um die Geister zu stillen.
Eine Begierde der Begierde zurückbleibt doch immer,
Etwas bleibt übrig, wegen dem wir nicht ruhn können friedlich,
Und das Letzte, was uns stets als das Beste erschienen,
Unbekanntes ists oder Nicht-Besessenes leider.

XII

Ach, die täglichen Ehen, die sie schließen auf Erden,


Wo das Geld ist alles, einzig nur für den Wohlstand
Männer freien und die Frauen werden genommen!
Jener Kerl, der Raufbold, der im Reichtum gediehen,
Kann seinen Nachkommen weitergeben ein stattliches Erbe.
So wird alles vermischt, das Edle mit dem Gemeinen!
XIII

Ha, ein Kind zu zeugen, ist einfach, doch es zu lehren


Die Moral und die Sitte, will uns nur wenig gelingen,
Törichte weise zu machen und Gottlose heilig zu machen,
Das hat die Wissenschaft dieser Welt doch niemals verstanden.
Und die Söhne des Gottes der Heilkunst? Wenn ihre Künste
Könnten heilen perverse Herzen und sündige Herzen,
Dann verdienten sie wohl die enormen Löhne. Doch wahrlich,
Unsere Geister sind nicht zusammengesetzte, kompakte
Einheit von Wort und Tat. Nein, leider, die menschliche Kunst hat
An der Menschennatur keinen Anteil, wir sind wie die Wilden.
Hass aufs Laster, die Angst vor der Schande, der Scham und der Sünde,
Das sind Dinge, die der Natur nur aufgepropft werden.
Anders könnten ja Frauen und würdige Väter verbessern
In den Herzen der Kinder jeden Fehler und Mangel.
Doch wir sehen, wie sie immer enttäuscht werden, leider,
Und kein Plan noch Kunstgriff unsrer menschlichen Klugheit
Kann die Leidenschaften berichtigen oder den Willen.

XIV

Du nun steigst in die Höhe, über Länder und Meere


Wirst du getragen auf den triumphierenden Flügeln,
Deine mächtigen Schwingen sind Musik und Gedichte,
Und dein einfacher Name, mit den Lettern geschrieben,
Wird geweht in die ganze Welt und wird einst vernommen
Bei Banketten und Festen, wird bejubelt, besungen,
Wird gehört und bewundert. Der Lüfte Modulationen
In den Flöten und zärtliche Stimmen der Jungen und Schönen
Rezitieren deine Verse in künftigen Zeiten.
Wenn dann in der finsteren Grabzelle drunten verschlossen
Deine Gestalt vermodert und deine unsterbliche Seele
Wandert entlang der tristen Küsten des Styx und der Lethe,
Bleibt dein Gedächtnis dennoch, frisch und jung wirst du bleiben,
Aufgezeichnet, und auferstehen in blühenden Mündern,
Wirst bekannt sein auf Kontinenten und Inseln im Meere,
Wo nur immer bewahrt wird die Sprache der griechischen Rasse!

Keine starken Fähigkeiten eines Rennpferdes hast du,


Aber ich sehe den Siegeszug der ätherischen Muse,
Die wird deinen Ruhm tragen über Länder und Meere,
Einen prachtvollen, einen unvergänglichen Namen!
Das ist der herrliche Lorbeerkranz, den du wirklich gewonnen,
Fest wie die Erde und unsterblich wie droben die Sonne!

Aber für alles dieses – keine Liebe geerntet!


Nicht ein Zeichen der Aufmerksamkeit, der liebenden Sorge!
Irre und verachtet und behandelt als Kindchen,
Und von Tag zu Tag mit leeren Worten betrogen!
Merke! Gerechtigkeit und gesunder Menschenverstand sind
Doch die besten Segnungen, die die Götter verleihen.
Jeder Mensch hat seine Aufgabe. Streben doch alle
Nach dem Begehrenswerten und was ihnen Wollust bereitet.

Wie ein feuriger Renner von erobernder Rasse


Ist an den schmutzig-gemeinen Wagenlenker gebunden,
Halt ichs mit der Verachtung, und manch einen Tag meines Lebens
Hab ich begehrt, am kotigen Straßenrand niederzubrechen!

XV

Für einen edlen Geist das schlimmste Elend der Erde,


Schlimmer als das trübselige Alter oder die Krankheit,
Ist die bittere Armut. Vor der Armut zu fliehen,
Ach, von einer hohen Felsenspitze ins Meer, es
Gäbe einen schönen Ausweg, nach unten zu springen!

Denn in der Armut, lieber Kyrnus, verzichten wir gänzlich


Auf die Freiheit in Wort und Tat, in Körper und Seele,
Handlung und Denken sind völlig gebunden, gefesselt.
Lass mich fliehen, lieber Kyrnus, noch einmal entfliehen,
Weit wie die Grenzen des Landes und weinroten Meeres,
Fliehen vor diesen Verstrickungen! Denn mit solch einer Aussicht
Ist der Tod das heilige Feuer der letzten Befreiung!

XVI

Stolze und unterdrückende Herrschaft zerstörte den Zustand


Der Magnesier. Und so war es das Schicksal von Smyrna.
Smyrna die Reiche! Das Imperium aller der Großen!
Wir werden folgen, früher oder später, mein Lieber.

XVII

Während ich trank die geheime Quelle des geistigen Lebens,


O wie war meine Vorstellungskraft voll heiliger Klarheit!
Aber jetzt ist es trübe! Denn jetzt trinke ich nicht mehr,
Sondern hänge über einen anderen Flussrand!

XVIII

Ich beneide nicht diese prächtige Feier der Toten,


Diese stattlichen Wagen, dieser Teppiche Purpur,
Lieber bleib ich zurück mit meinem billigen Wagen
Und dem unsterblichen Jubel in dem innersten Busen!
Denn ein Bett von Dornen – oder ein lüsternes Lager -
Das ist gänzlich gleichgültig doch der seligen Toten.

XIX

Jetzt, in der Mitte der Reise, überprüft ihre Stärke


Droben die lichte Sonne, pausierend, die wandernde Stolze,
So nun wollen wir speisen. Denn das Essen und Trinken
Ist das Beste von allem, was das Herz kann ersinnen.
Lass auch kommen das formschöne junge spartanische Mädchen
Mit den nackichten Armen und der reizenden Aura,
Uns zu salben und Kränze für unsre Haare zu flechten.
Trotz der Systeme und Regeln der kränklichen Narren -
Lass uns mutig sein und entschlossen, den Rotwein zu trinken!
Ob der Stern des Hundes steigt oder sinkt – lass uns trinken!

XX

Mein Gehirn wird schwindlig, wirbelt und stürzt von dem Rotwein!
Meine Sinne sind nicht mehr meine eigenen Sinne!
Meines Zimmers Decke und Wände wanken und schwanken!
Ich wills versuchen, vielleicht noch stehen fest meine Füße?
Ich will mich zurückziehn mit den restlichen Sinnen,
Denn ich fürchte die Ohnmacht in Handlung und lallender Zunge!

XXI

Ach, die weltlich Gesinnten und die Weltweisen alle,


Voller Ignoranz und Arroganz, voll Verachtung
Allen Talenten gegenüber, außer den eignen,
Denken, Weisheit ist das, ist ihre eigene Weisheit.
Aber nein! Die Lehren sind Betrug nur und Unrecht,
In der Tat, sie sind nicht tief und sind auch nicht ewig.
Viele kennen die Lehren. Doch ein besserer Wille
Lieber verbietet einigen, ihre Künste zu üben.
Manche nämlich haben Geschmack am Wahren und Schönen,
Andre aber haben Geschmack an Torheit und Tollheit!

ARISTIPP VON KYRENE

Die frühesten Quellen zu Aristipp sind Xenophon, Platon und Aristoteles. Die wichtigsten der
späteren antiken Quellen sind Diogenes Laertios (vor allem zum Leben und ethischen Ansichten),
Eusebios von Caesarea (zu den ethischen Ansichten) sowie Plutarch, Sextus Empiricus und
Eusebios von Caesarea (zu den erkenntnistheoretischen Ansichten).
Generell lassen sich die Berichte über Aristipp nicht immer leicht von denen über seinen
gleichnamigen Enkel trennen. Was aber schwerwiegender ist, ist die Tatsache, dass in vielen
Testimonien von den Kynikern, nicht speziell von Aristipp oder anderen Philosophen die Rede ist.
Ob die Ansichten der Kyniker schon Aristipp zuzuschreiben sind, oder erst später in der heute
erhaltenen Form entstanden, ist eine in der Forschung äußerst umstrittene und nur mehr schwer zu
klärende Frage. Bis zum 20. Jahrhundert war man der Ansicht, dass ersteres zutrifft. 1916
widersprach Evangelos Antoniadis dem und führte die Lehre der Kyrenaiker auf Aristipp den
Jüngeren und andere Nachfolger Aristipps zurück. Aristipp selbst sei mehr ein praxisorientierter
Lebenskünstler, als ein Philosoph gewesen. Bis heute werden beide Ansichten vertreten.
Die Lebensdaten Aristipps sind nur ungefähr bekannt. Aus Angaben des Diogenes Laertios hat man
erschlossen, dass er spätestens um 430 vor Christus geboren wurde. Laut Diodor hat er 366 vor
Christus noch gelebt. Plutarch berichtet von einem Treffen mit Platon, als dieser sich zum dritten
Mal in Syrakus aufhielt (360 vor Christus). Ob die Angabe, er sei während der Regierungszeit
Dionysios II gestorben (also vor 356 vor Christus), eine Erfindung ist, ist umstritten. Man nimmt
an, dass Aristipps bis in die 350er Jahre vor Christus gelebt hat.
Der Vater des im nordafrikanischen Kyrene geborenen Aristipp hieß Aretades, die Mutter Mika. Er
soll anlässlich eines Besuchs der Olympischen Spiele den Sokrates-Schüler Ischomachos getroffen
haben, dessen Berichte ihn veranlassten, nach Athen zu gehen, um Sokrates selbst kennen zu lernen.
Er gehörte dort einige Zeit zu den Schülern des Sokrates und hatte wohl auch Kontakt zu Platon. In
seinem weiteren Leben verließ er Athen, um auf eigene Rechnung umherzuziehen. Seine Reisen
brachten ihn vermutlich mehrmals nach Syrakus, in Korinth soll er eine Beziehung zu der
bekannten Hetäre Lais von Korinth gehabt haben. Einmal soll er Schiffbruch erlitten haben, darüber
hinaus geriet er in persische Gefangenschaft und soll auch einmal aus Kyrene verbannt worden sein.
Wann er nach Kyrene zurückgekehrt ist und dort seine Schule gegründet hat, ist unbekannt.
Für seinen Unterricht verlangte Aristipp als erster der Sokrates-Schüler eine Bezahlung. Sein
Verhältnis zu Platon, Antisthenes und Xenophon dürfte schlecht gewesen sein, das zu Aischines von
Sphettos dafür gut. Zu seinen Schülern zählten unter anderen seine eigene Tochter, die Philosophin
Arete von Kyrene, und Antipater von Kyrene. Nach Aristipps Tod übernahm seine Tochter Arete die
Leitung seiner Schule. Auch sein gleichnamiger Enkel und Sohn seiner Tochter Arete, Aristipp der
Jüngere, wurde später ein bekannter Vertreter der kyrenaischen Philosophie.
Was den Charakter Aristipps betrifft, berichten die Quellen von seiner heiteren Natur, seiner
Beherrschtheit und seiner Fähigkeit, in allen Lebenslagen, in Freude und in Not, eine distanzierte
Gelassenheit zu bewahren. Luxus und Unterhaltung gegenüber soll er nicht abgeneigt gewesen sein,
ohne sich davon oder von anderen abhängig zu machen. Bekannt ist Aristipps Ausspruch über seine
Beziehung zu Lais: „Ich habe sie, aber sie hat mich nicht.“ Oft wird dies mit einer angenommen,
selbständig-unabhängigen Grundeinstellung Aristipps gegenüber Personen, Dingen und Gefühlen in
Zusammenhang gebracht. Horaz spricht in Bezug auf Aristipp von einer Kunst, sich nicht den
Dingen, sondern die Dinge sich zu unterwerfen.
Diogenes Laertios hat im 3. Jahrhundert widersprüchliche Informationen über die bereits damals
verlorenen Schriften Aristipps gesammelt. Ein erstes bei ihm zu findendes Schriftenverzeichnis
zählt 23 Titel auf, ein zweites nur 12 (wobei 6 Titel in beiden Verzeichnissen zu finden sind). Unter
den erwähnten Schriften befinden sich sowohl Dialoge, als auch Traktate. Auch ein Brief an seine
Tochter Arete, eine Geschichte Libyens und so genannte Diatriben werden erwähnt. Einige Autoren,
so Diogenes Laertios, berichten hingegen, dass Aristipp nie Schriften verfasst hat; dies wird heute
als eine Fehlinformation angesehen. Die im Corpus der Sokratiker-Briefe erhaltenen Briefe -
darunter einer an seine Tochter Arete - und die Schrift „Über die Üppigkeit der alten Zeit“ sind
Fälschungen aus späterer Zeit. Fälschlicherweise zugeschrieben wurde ihm die Schrift „Über die
Naturphilosophen“. Laut Diogenes Laertios haben sowohl Speusippos als auch Stilpon einen Dialog
nach Aristipp benannt.
Die Beiträge der verschiedenen Vertreter zu der Lehre der Kyrenaiker sind in einigen Fällen nur
schwer und oft überhaupt nicht auseinanderzuhalten, da in den antiken Berichten nicht selten von
„den Kyrenaikern“ insgesamt die Rede ist. Dies betrifft insbesondere Aristipp, seine Tochter Arete
und seinen Enkel Aristipp den Jüngeren. Was ihre Nachfolger betrifft, so sind immerhin etliche
Stellen überliefert, in denen berichtet wird, inwiefern sie von der Lehre ihrer Vorgänger
unterschiedliche Ansichten vertreten haben.
Es liegen verschiedene Berichte darüber vor, welche Teilbereiche der Philosophie die Kyrenaiker
behandelt haben. So sollen sie die Beschäftigung mit den Problemen der antiken Physik abgelehnt
haben, da Erkenntnisse auf diesem Gebiet, wenn überhaupt möglich, ohne jeglichen Nutzen für den
Menschen wären. Widersprüchlich sind die Berichte darüber, ob die Kyrenaiker auch auf die
Beschäftigung mit dialektischen (logischen) Fragen verzichtet haben. Zentraler Bereich ihrer
Beschäftigung war jedenfalls die Ethik, die sie in angeblich in fünf Teilbereiche teilten:
Erstens, von dem, was zu erstreben und was zu meiden ist; zweitens, von den Empfindungen;
drittens, von den Handlungen; viertens, von den Ursachen (hier ging es wohl auch um physikalische
Fragen); fünftens, von den Beweisen (hier ging es wohl auch um logische Fragen).
Man vermutet aufgrund dieser Auflistung, dass Physik und Logik auch von den Kyrenaikern
behandelt wurden, allerdings wohl hauptsächlich insofern es sich um ethisch relevante Fragen
handelte. So ging es im ethischen Teilbereich „Von den Ursachen“ wohl auch um Physik, im
Teilbereich „Von den Beweisen“ wahrscheinlich auch um Logik. Etliche Testimonien behandeln die
Erkenntnistheorie der Kyrenaiker.
Zur kyrenaischen Erkenntnislehre ist ein ausführlicher Bericht von Sextus Empiricus erhalten.
Zentral ist folgende These: „Allein die Empfindungen (Pathos) werden erkannt und sind untrüglich,
von den Dingen, die die Empfindungen hervorgerufen haben, ist dagegen keines erkennbar und
untrüglich.“ Dass verschiedene Menschen die gleiche Aussage über die Beschaffenheit eines Dings
tätigen und dass sie die Dinge mit „gemeinsamen Wörtern“ bezeichnen, ändert nichts an dieser
Tatsache. Nach Ansicht der Kyrenaiker seien zuverlässige Aussagen über die Beschaffenheit der
Dinge unmöglich und die Dinge unerkennbar.
Das Zustandekommen von Empfindungen ist nach kyrenaischer Ansicht ein körperlich-seelischer
Vorgang. Durch die Einwirkung äußerer Gegenstände oder Geschehnisse werden im Körper des
Betroffenen Bewegungen ausgelöst, die über die Sinnesorgane in die Seele übermittelt und dort als
Empfindungen registriert werden. So sollen die Kyrenaiker statt Sätzen wie „Ich sehe etwas
Weißes“, Sätze wie „Ich werde geweißt“ bevorzugt haben, um deutlich zu machen, dass einem
bestimmten Gegenstand nicht die Eigenschaft „weiß“ zugesprochen werden kann. Oder in
allgemeiner Form: „Ich werde von etwas in einer bestimmten Weise bewegt.“
Die Eigenschaften gut und schlecht sind nach den Kyrenaikern nur an Empfindungen zu finden.
Ihre erkenntnistheoretischen Ansichten schließen ja schon aus, dass Dinge als gut oder schlecht
bezeichnet werden können. Gute Empfindungen seien aber gleichbedeutend mit lustvollen (hedone)
und schlechte mit schmerzlichen. Das Gute ist für die Kyrenaiker also die lustvolle Empfindung,
das Schlechte die schmerzvolle Empfindung. Eine Bestätigung dessen sei, dass „die Lust allen
Lebewesen erwünscht ist, der Schmerz dagegen zurückgewiesen wird.“ Das höchste Gut und das
„Ziel all unseres Tuns“ (Telos) ist demnach die Lust, das größte Übel ist der Schmerz.
Physikalisch gesehen seien Lust und Schmerz Bewegungen. Sanfte Bewegungen würden als
lustvoll, rauhe Bewegungen als schmerzhaft verspürt. Sextus Empiricus berichtet von einem dritten
Zustand in dem keine der beiden Bewegungen, also weder Lust noch Schmerz verspürt würden.
Im Gegensatz zu den anderen zeitgenössischen philosophischen Strömungen setzten die Kyrenaiker
den Zustand der Glückseligkeit (Eudaimonía) nicht mit dem Ziel alles Tuns gleich. Die Eudaimonie
wäre ein dauerhafter Zustand ewig sich aneinander reihender Lustempfindungen, ein Zustand der
nach den Kyrenaikern nur äußerst schwer zu erreichen ist. Erreichbares Ziel hingegen seien
einzelne, zeitlich begrenzte Lustempfindungen. Wodurch Lustempfindungen hervorgerufen werden,
war den Kyrenaikern übrigens egal, etwa ob durch gesellschaftlich anerkannte oder von der
Gesellschaft nicht akzeptierte Handlungen. Sie unterschieden nicht zwischen unanständiger und
anständiger Lust.
Die als höchstes Gut angesehene körperliche Lustempfindung sahen die Kyrenaiker als einen
körperlich-seelischen Prozess an. Ein von außen kommender Impuls ruft im Körper eine Bewegung
hervor, die an die Seele weitergeleitet und von dieser als lustvoll empfunden wird. Laut Diogenes
Laertios haben sie daneben eine minderere, rein seelische Form der Lust anerkannt (seelische
Lustempfindungen nannten sie: chara), wie zum Beispiel das Vergnügen am Wohlergehen des
Vaterlands und Kunstgenüsse.
Da für die Kyrenaiker die Lust das höchste Gut war, schrieben sie anderen Dingen nur einen Wert
zu, insofern sie zum Lustgewinn beitragen. Als Beispiele werden Reichtum, Freundschaft und
Einsicht genannt. So lässt etwa die Einsicht erkennen, wie eine Situation lustvoll gestaltet werden
kann. In manchen Fällen sei beispielsweise einzusehen, dass es besser ist, gesellschaftliche
Konventionen einzuhalten, obwohl diese willkürlich seien.
Auch empfiehlt die Einsicht, bestimmte Gefühle wie Neid, Verliebtheit und Aberglaube zu meiden,
da sie mit Schmerz verbunden sind und Lustempfindungen verhindern. Die genannten Gefühle
entstünden als Folge leerer Einbildungen. Von diesen leeren Einbildungen, könne man sich durch
Einsicht befreien. Etwa wenn man einsieht, dass Neid die Einbildung ist, man müsse etwas haben,
was ein anderer besitzt; oder dass Verliebtheit die Einbildung ist, man könne nicht ohne die
Gegenwart und Zuneigung einer Person auskommen; oder dass Aberglaube die Einbildung ist, man
sei mächtigeren und Strafen verhängenden Wesen untergeordnet. Eine andere Art von Gefühlen
bilden hingegen beispielsweise Kummer und Angst (Phobie). Solche Gefühle seien keine leeren
Einbildungen, sondern kommen „auf natürliche Weise“ (physikalisch) zustande. Laut Cicero waren
die Kyrenaiker aber immerhin der Ansicht, man könne Kummer oft vorhersehen und vorbeugende
Maßnahmen treffen. So sprachen sie von einem gewissen Vorhersehen. An anderer Stelle ist
überliefert, dass sie nicht nur solchermaßen ein mentales Training, sondern auch körperliches
Training (Askese) empfahlen.
Aristipp von Kyrene soll als erster den Begriff der Menschlichkeit in die Philosophie eingeführt
haben und hat laut Xenophon und Plutarch einen Kosmopolitismus vertreten.
Aristipp stellte die körperliche Lust über die seelische. "Ich besitze die Hetäre Lais, bin aber nicht
von ihr besessen... Denn die Begierden zu beherrschen und ihnen nicht zu unterliegen, ist am
besten."
In der Neuzeit könnten manche Äußerungen Rousseaus von Aristipp inspiriert sein. Auch Jeremy
Benthams Lehren vom Glück enthalten deutliche Anklänge an Aristipps Vorstellungen vom guten
Leben ("Eudaimonia"). Eine Nähe zu gegenwärtigen hedonistischen Strömungen wird man
hingegen als äußerlich ansehen müssen.
Der Grund, dass der Name Aristipp heute in Deutschland noch einige, wenn auch meist wenig
bestimmte Erinnerungen wachruft, dürfte darin liegen, dass Christoph Martin Wieland ihn zum
Helden seines bedeutenden Briefromans „Aristipp und einige seiner Zeitgenossen“ gemacht hat, der
zu einem guten Teil der Aufklärung des 18. Jahrhunderts seine Stimme verlieh. In der einen oder
anderen Weise wirkt das von Wieland dem aristippischen Lebensstil gesetzte Denkmal in der
Rezeption der Antike und in Teilen der deutschen Literatur fort. Wenn die Wieland-Rezeption nach
seinem Tode auch zurückging, so haben doch Kenner später gern bei ihm Rat geholt.
Man hat darauf hingewiesen, dass die aristippische Lebenskultur viele Jahrhunderte später,
vielleicht in etwas affektierterer Form, eine gewisse Entsprechung in der Welt der französischen
Salons des 18. Jahrhunderts gefunden hat. Man zitiert dazu einen Satz Montesquieus, der als
Zusammenfassung dessen, was auch Aristipps charakterliche Veranlagung gewesen sein könnte:
„Meine Maschine ist so glücklich zusammengesetzt, dass ich von allen Gegenständen lebhaft genug
ergriffen werde, um sie zu genießen, nicht lebhaft genug, um darunter zu leiden.“
Zwei antike Hermen, auf denen jeweils ein Mann und eine Frau dargestellt sind, wurden von
einigen Forschern als Aristipp und seine Tochter Arete angesehen. Eine der Hermen befindet sich in
Berlin, die andere im Musée Antoine Vivenel in Compiègne.
Im Palazzo Spada in Rom befindet sich eine sitzende Statue, die eine verstümmelte Inschrift trägt.
Diese beginnt mit ARIST, wird dann unleserlich und lässt Platz für ungefähr vier Buchstaben. Der
letzte Buchstabe ist wieder leserlich und ein S. Es könnte sich also um Aristippos, aber auch um
Aristoteles handeln.
Arete von Kyrene (geboren um 400 vor Christus, gestorben um 330 vor Christus) war eine
griechische antike Philosophin. Innerhalb der Philosophiegeschichte zählt man sie zu den
Kyrenaikern.
Der Vater Aretes war der Philosoph und Begründer der kyrenaischen Schule, Aristipp von Kyrene,
ihr Sohn war der Philosoph Aristipp der Jüngere. Arete wurde von ihrem Vater unterrichtet und
folgte ihm als Schuloberhaupt. Sie selbst war die Lehrerin ihres Sohnes Aristipp dem Jüngeren. Ihre
Schriften sind verloren und auch die Testimonien (antike Berichte zu Leben und Lehre) sind äußerst
rar. Letztere findet man beispielsweise bei Diogenes Laertios, Eusebius von Caesarea, Clemens von
Alexandria, Theodoret, Themistios, Aelian und Strabon. Erhalten ist ein Brief, den ihr Vater Aristipp
auf dem Sterbebett an sie schrieb. Vermutlich ist er nicht authentisch, doch hat der Autor vielleicht
einen wirklich geschriebenen Brief als Vorlage genutzt.
Um erst in späterer Zeit erfundene Informationen handelt es sich wahrscheinlich bei Angaben, die
besagen, dass sie 35 Jahre lang in attischen Schulen und Akademien Naturphilosophie und
Moralphilosophie unterrichtet, 40 Bücher geschrieben und 110 Schüler gehabt haben soll.

PLATON UND DIE MATHEMATIK

Keiner kommt in den Tempel der Göttlichen Weisheit,


Der nicht mathematisch gebildet vom heiligen Platon!

Der altgriechische Philosoph Platon aus dem 5. Jahrhundert vor Christi Geburt schrieb ein Buch
namens „der Staat“. Darin spricht er über Gerechtigkeit und was ein gerechter Staat wäre. Aber er
spricht darin auch über Mathematik. Er entwickelt ein System mathematischer Wissenschaften.
Gegenstand dieser Wissenschaften ist das „koinon mathema“, das heißt, das „gemeinsame Wissen“.
Dieses Wissen muss in allen Wissenschaften und in der Technik berücksichtigt werden, wenn diese
Bereiche wissenschaftlich sein sollen. Dieses gemeinsame Wissen leitet Platon von dem Axiom der
Rationalität ab, das besagt: Jeder Gegenstand des Wissens muss zweite Dinge aufweisen, nämlich
Einheit und Bestimmtheit. Mathematik wird so zur Lehre, wie das Viele oder Mannigfaltige zu
einer Einheit verbunden werden kann. Damit erfüllt die Mathematik auf exakte Weise die
Forderung der Vernunft, die Einheit und Bestimmtheit der Dinge darzustellen.
Diese platonische Mathematik hatte eine doppelte Zielsetzung: Erstens war sie die Reflexion des
Denkens über sich selbst, und zweitens war sie die Grundlage alles theoretischen und technischen
Wissens. Im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt nahmen die Philosophen des jungen
Christentums diese Idee Platons auf und entwickelten daraus die „Sieben freien Künste“, das heißt:
Grammatik, Rhetorik, Logik, Arithmetik Geometrie, Musik und Astronomie.
Nachdem das Römische Reich von den wilden Germanen der Völkerwanderung kurz und klein
geschlagen war, wanderte die platonische Mathematik in den Nahen Osten aus. Syrische Christen
hatten die Werke Platons ins Arabische übersetzt. Als dann im siebten Jahrhundert die arabischen
Muslime den Nahen Osten militärisch eroberten, entstand eine arabische Philosophie, in die die
platonische Mathematik mit einfloss. Damals bemühte sich der Islam, die „Offenbarung Gottes“ im
Koran mit der menschlichen Vernunft in Harmonie zu bringen. Später verabschiedete sich der Islam
von der Vernunft und somit auch von der platonischen Mathematik und zog sich zurück auf einen
sklavischen Gehorsam dem Koran gegenüber.
Interessant ist, dass die platonische Mathematik im lateinischen Westen mit der Bibel harmonisiert
werden konnte und im arabischen Osten mit dem Koran. Die Elementarität dieser vernünftigen
Wissenschaftlichkeit ward im Judentum, im Christentum und im Islam aufgenommen. Somit bildete
die platonische Mathematik eine gemeinsame Grundlage, auf der sich Juden, Christen und Muslime
verständigen konnten, wenn sie auch über ihre Heiligen Bücher uneins waren. So kann die
platonische Mathematik den Orient und den Okzident miteinander versöhnen. Die platonische
Wissenschaftlichkeit der Vernunft muss in allen Disziplinen entwickelt werden. Dabei müssen sich
die verschiedenen Disziplinen untereinander austauschen. So wird von vielen Denkern ein Dialog
zwischen Philosophen und Mathematikern gewünscht.
In Platons Buch vom Staat stehen einige der berühmtesten Formulierungen der platonischen
Philosophie. Da unterscheidet Platon zwischen dem Liebhaber der Wahrheit und den Liebhabern
von beliebigen Meinungen. Die Wahrheit ist nur Eine, beliebige Meinungen sind viele. Der Satz:
„Du hast deine Wahrheit, ich hab meine Wahrheit“ ist Unsinn und zeigt nur, dass man die absolute
Wahrheit mit Meinungen des Zeitgeistes verwechselt. Dann gibt Platon ein Gleichnis: Die
Menschen sitzen in einer Höhle und schauen auf die Höhlenwand. Hinter ihnen brennt ein Feuer.
Hinter dem Feuer bewegen sich Gestalten. Die Menschen sehen nicht die wirklichen Gestalten,
sondern nur die Schatten der Gestalten. So sind die irdischen Dinge nur Abbilder der himmlischen
Urbilder, der geistigen Ideen in Gott. Gewöhnliche Menschen sehen nur die irdischen Abbilder, aber
Philosophen erkennen im Geist die himmlischen Urbilder. Dann spricht Platon über die
Regierungsformen. Wenn ein guter König herrscht, ist es eine Monarchie. Wird die Monarchie
pervertiert, wird sie zur Tyrannei. Wenn eine Gruppe von Fürsten herrscht, ist es die Aristokratie.
Wird diese pervertiert, wird sie zur Oligarchie. Wenn die Menge des Volkes herrscht, ist es eine
Demokratie. Wird diese pervertiert, kommt es zur Anarchie oder Pöbelherrschaft. Die Geschichte
verläuft nach Platon zyklisch. Die Monarchie sinkt herab zur Aristokratie, diese sinkt herab zur
Demokratie, diese artet aus in Anarchie, dann kehrt die Ordnung der Monarchie zurück. Platon hielt
es für besser, der Staat werde von Einem Weisen regiert, als von einer Menge von Narren. Im
Anschluss an diese Gedanken entwickelt Platon seine Logik oder Dialektik als die Kunst des
vernünftigen Denkens.
Nicht nur viele Mathematiker und Informatiker berufen sich auf die antike Logik des Platon und
seines Schülers Aristoteles, sondern auch die Philosophen und Theologen des jungen Christentums.
Als das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion geworden war, wurde die Platonische
Akademie geschlossen. Die Platonisch-Aristotelische Logik kam durch Übersetzungen arabischer
Christen in den jüdischen und muslimischen Kulturkreis des Nahen Ostens und befruchtete dort die
islamische und jüdische Philosophie. Mit diesen islamischen und jüdischen Philosophen setzten sich
im katholischen Mittelalter die großen katholischen Philosophen des Abendlandes auseinander. So
kam das Wissenschaftskonzept und die Logik und Mathematik der Antike in den lateinischen
Westen und wurde an den großen Universitäten studiert.
Die Verbreitung der platonischen Mathematik und Logik über verschiedene Kulturräume und
Geschichtsepochen, die untereinander sehr verschieden waren, zeigt die große Elastizität der
platonischen Wissenschaft. Für 1000 Jahre nahm sie die Logik des Aristoteles in sich auf. In der
christlichen Spätantike und im katholischen Mittelalter wurde die Logik des Aristoteles mit dem
Denken des Neuplatonismus verschmolzen, so auch in der arabischen Philosophie. Die platonische
Mathematik war also eine Denkmethode, um die Antike, das Judentum, das Christentum und den
Islam untereinander dialogfähig zu machen. Die Rationalität, die Vernünftigkeit der griechischen
Logik bringt Menschen unterschiedlicher Glaubensbekenntnisse ins Gespräch und ist ein Gegengift
gegen Fanatismus und Religionskriege.
Nicht nur die Mathematiker haben sich die platonische Mathematik zum Muster genommen,
sondern auch die heidnischen Philosophen der Spätantike. Des weiteren war sie die Grundlage der
islamischen Philosophie von Avicenna und Averroes. In der jüdischen Philosophie verwandte sie
Moses Maimonides. In der katholischen Philosophie des europäischen Mittelalters verwandte sie
Albert der Große, auch genannt Doctor Universalis, der Schutzpatron der Naturwissenschaftler, und
Thomas von Aquin, auch genannt der Engelgleiche Thomas.
Dieses große Interesse an Platons „communis mathematica scientia“ macht es zu einem dringenden
Anliegen, den Gründen nachzugehen, die diese Wissenschaftstheorie so attraktiv machte. Es wäre
sinnvoll, Platon erneut zu lesen im Hinblick auf ein modernes Mathematikverständnis. Es wäre
auch sinnvoll, die moderne Informatik ins Gespräch zu bringen mit der Logik des Aristoteles.
Die mathematische Universal-Wissenschaft Platons wurde in die Konzeption der Sieben Freien
Künste eingebracht. Man kann sie auf diese Formel bringen: Es ist die Reflexion des Denkens über
die rechten Urteilskriterien. Auf welche Urteilskriterien kann die Theorie der Wissenschaft gestützt
werden? Was garantiert die wahre Rationalität der Wissenschaften?
Was ist das Ziel, das Platon mit seiner Universal-Mathematik verfolgt? Er will, das wir in der
Erkenntnis, im Handeln und im Produzieren vernünftig vorgehen und nicht beliebig. Die meisten
Menschen wenden die Kriterien rationalen Handelns an, aber da sie diese Kriterien nicht kennen,
gebrauchen sie sie nur aus dem Zufall der Intuition heraus.
Ein solches Wissen, dass über die Kriterien der Vernunft aufklärt, nennt Platon „koinon mathema“,
das heißt, ein „gemeinsames Wissen“. Die Disziplin, die dieses Wissen methodisch ordnet, heißt auf
lateinisch „communis mathematica scientia“ oder auch „mathesis universalis“. Mathematik bedeutet
auf Griechisch: zum Wissen gehörig. Es geht nicht nur um Rechenaufgaben, sondern um ein
vernünftiges Leben.
Platon suchte die Wissenschaft der Wissenschaften und nannte diese Fundamentalwissenschaft
mathematisch. Es geht darum nicht nur um Quantitäten. Das Mathematikverständnis, in dem es nur
noch um Quantitäten geht, ist ein Produkt des neuzeitlichen Rationalismus. René Descartes sagte:
Ich denke, also bin ich. Dieser neuzeitliche Rationalismus hat wenig gemeinsam mit der
platonischen Vernunft.
Es geht bei den platonischen Mathematik aber auch nicht um eine esoterische Zahlenmystik, wie
der moderne Zeitgeist der Esoterik gerne behauptet. Nein, sondern Platon weist einfach nach, dass
man etwas nicht denken kann, wenn es nicht erstens mit sich selbst identisch ist und es zweitens
von anderem unterschieden ist. Identifizierbarkeit und Unterscheidung sind Grundforderungen
rationalen Denkens. Denken ist ein Akt der Unterscheidung.
Wenn man reflektiert über die Bedingungen, die es dem Denken ermöglichen, seine Arbeit der
Unterscheidung zu tun, kann man daraus erschließen ein gut strukturiertes und hoch differenziertes
Wissenschaftssystem. Dabei werden zuerst die Begriffe mathematischer Gegenstände angewandt.
Wie lässt sich etwas unterscheiden von etwas anderem? Zuerst muss es ein Eines sein, das mit sich
selbst identisch ist. Es muss ein Ganzes sein, dass von anderem unterschieden ist. Das Ganze hat
Teile, die als Teile des Ganzen einander gleich sind, aber untereinander verschieden. Es gibt also
beim Erkennen eines Dings zu bedenken: Die Einheit, die Identität, die Verschiedenheit, das Ganze,
die Teile, Gleichheit, Ähnlichkeit, Kontinuität, Anfang, Mitte und Ende. Das sind Kriterien, an
denen man sich bei der Erkenntnis orientieren sollte.
Wer einen Ton hören will, muss ihn als Ton in seiner Identität wahrnehmen, er muss ihn von
anderen Tönen unterscheiden, er muss seinen Anfang, seine Dauer, sein Ende wahrnehmen. In der
Mathematik tut man das Gleiche. Nur in der Mathematik untersucht man, was Identität,
Unterschied, Anfang und Ende an und für sich ist.
Die platonische Mathematik ist also ebenso eine allgemeine wie auch eine besondere Wissenschaft.
Als allgemeine Wissenschaft ist sie die Anwendung der rationalen Kriterien auf alle möglichen
Erkenntnisgegenstände.

EPILOG

Widme dich, o Student des mathematischen Denkens,


Deinem Schöpfer und der göttlichen Intelligenz!

EPICHARMUS VON SYRAKUS FRAGMENTE

Epicharmus von Syrakus lebte zwischen 485 und 467 vor Christus. Er schrieb Komödien, in denen
philosophische Ansichten gelegentlich satirisiert wurden; aber diese haben keinen Wert für die
Philosophie, und einige der angeblichen Zitate sind offensichtliche Fälschungen: Die Fragmente 1-6
sind fast sicher geschmiedet zur Unterstützung der Behauptung, dass Plato von Epicharmus
plagiiert hat.
1. Aber die Götter waren immer da, es fehlten sie nie; und diese Dinge ("das Göttliche") existieren
immer in einer ähnlichen Form und durch dieselben Ursachen.

B Aber immer noch wird gesagt, dass das Chaos war als der erste der Götter geschaffen worden.

A Wie kann das sein? Es ist unmöglich, ein "erstes" Ding von etwas zu sein und als Etwas zu
kommen.

B Dann gab es keine erste Sache, die kam?

A Bestimmt nicht! Noch eine Sekunde, auf jeden Fall von diesen Dingen (dem Göttlichen), von
dem wir jetzt so sprechen; aber sie waren immer da.

2. Angenommen, zu einer ungeraden Zahl oder zu einer geraden, wenn du magst, will man einen
Kiesel hinzufügen oder aber einen von den bereits bestehenden dort wegnehmen: denkst du, dass
die Zahl die selbe bleibt?

B Nein, natürlich nicht.

A Und wenn man ferner, wenn man will, zu einer Elle ein anderes Maß der Länge hinzufügt oder
eine Länge von dem, was vorher war, abschneidet: bleibt das erste Maß bestehen?

B Nein.

A Jetzt betrachte die Menschen auf diese Weise: man nimmt einen weiteren Abfall weg, und alle
sind im Prozess der Veränderung die ganze Zeit. Aber das, was seine Natur ändert und nie im selben
Zustand bleibt, muß auch jetzt anders sein als das, was sich geändert hat. So warst du und war ich
gestern andere Männer, und wir sind wieder andere Menschen, und wieder werden wir andere in der
Zukunft sein und niemals dieselben nach demselben Gesetz des Logos.

3. Ist Flötenblasen eine Tätigkeit?

B Natürlich.

A Ist eine Flöte denn ein Mensch?

B Keineswegs.

A Komm, lass mich sehen: Was ist ein Flötenbläser? Was glaubst du, was er ist? Ein Mann, oder
nicht?

B Natürlich, ein Mann.

A Glaubst du nicht, dass es das gleiche auch mit dem Guten ist? Das Gute ist die Tätigkeit an sich;
aber wer es gelernt hat und kennt es, dann wird er gut. Denn wie ein Flötenbläser ist, der das
Flötenblasen gelernt hat, oder ein Tänzer, der das Tanzen gelernt hat, oder ein Weber, oder in jedem
solchen Beispiel, was auch immer du willst: er selbst ist nicht sein Handwerk, sondern er ist der
Handwerker.

4. Eumaeus, Weisheit ist nicht nur in einer Sache, sondern alles, was lebt, hat auch Erkenntnis.
Denn die weibliche Gruppe der Hühner, wenn du genau beobachtest, wird nicht gebären lebende
Nachkommen, sondern sitzt auf Eiern und bewirkt, dass sie das Leben haben. Aber die Natur allein
weiß, wie es mit dieser Weisheit ist, denn sie ist von selbst gelehrt.

5. Es ist gar nicht bemerkenswert, dass wir so von diesen Dingen sprechen und uns selbst Freude
machen und uns von Natur aus gut begreifen. Denn der Hund scheint auch sehr schön der Hündin
und der Ochse der Kuh und der Esel sehr hübsch der Eselin und sogar das Schwein der Sau.

6. Wie stelle ich mir das vor? Nein, ich weiß das ganz gut, dass es eines Tages wieder diese Worte
von mir geben wird. Und jemand wird sie nehmen und das Metrum abstreifen, das sie jetzt haben,
und wird geben ihnen ein Purpur-Gewand geben, das sie mit feinen Phrasen bestickt ist; und er, ein
Mann, schwer umzuwerfen im Ringen, wird zeigen, dass der Rest einfach umzuwerfen ist.

7. Nun, aber ich tue all diese Dinge unter Zwang; Und ich denke, niemand ist bereitwillig gut für
nichts und wieder nichts oder akzeptiert bereitwillig die Bedrängnis.

8. Epicharmus sagt, die Götter sind Wind, Wasser, Erde, Sonne, Feuer, Sterne; aber ich bin zu dem
Schluss gekommen, dass für uns die einzigen nützlichen Götter Silber und Gold sind.

9. Es war vereinigt und getrennt, und es ging zurück, woher es kam, Erde zu Erde, der Atem nach
oben. Was ist schwer? Nichts!

10. Was ist denn die Natur der Menschen? Geblasene Blasen!

11. Ich will nicht sterben; aber tot zu sein, das macht mir nichts aus!

12. Der Geist sieht und der Geist hört; alles andere ist taub und blind.

13. Halte dich nüchtern und denke daran, misstrauisch zu sein: dies sind die geschmeidigen Gelenke
der Intelligenz.

14. Es ist schwierig, gut über ein schlechtes Thema zu sprechen: Kaum sind die Worte gesprochen,
da schon der Fehler erscheint.

16 Xenophanes sprach das, was unwahrscheinlich und doch wahr ist, nach der Aristotelischen
Metaphysik.

16. Das, was früher zwei Männer sagten, ich, ein Mann, bin genug begabt, es auch zu sagen: Der
Charakter des guten Menschen ist sein gutes Schicksal, aber für einige Menschen das schlechte.

17. Die beste Nahrung für die Sterblichen auf ihrer Pilgerschaft ist ein frommes Leben.

18. Das Beste, was ein Mensch haben kann, ist meiner Ansicht nach die Gesundheit.

19. Ein Sterblicher sollte sterbliche Gedanken denken, nicht unsterbliche Gedanken.

20a. Manchmal war ich im Haus dieser Männer, manchmal war ich im Haus jener Männer.

20b. Wisse, wie er einen anderen Mann behandelt!

21. Wenn ihr von Natur aus fromm seid, könnt ihr nach dem Tode nicht leiden; dein Geist wird oben
im Himmel überleben.
22. Nichts entgeht dem Göttlichen: das musst du erkennen. Gott selbst ist unser Aufseher, und
nichts ist ihm unmöglich.

23. Richte deine Gedanken recht aus, ob du nun eine lange Zeit oder eine kurze Zeit lebst.

24. Bürgschaft zu leisten ist die Tochter der Torheit, Verlust des Geldes ist die Tochter der
Bürgschaft.

25. Wenn du einen reinen Geist hast, bist du rein in deinem ganzen Körper.

26. Wenn du Weisheit suchst, reflektiere in der Nacht.

27. Alle ernsten Gedanken werden in der Nacht besser entdeckt.

28. Du bist nicht fähig zu sprechen: Du bist nur unfähig zu schweigen.

29. Eine Hand wäscht die andere Hand: Gib etwas, und du kannst etwas bekommen.

30. Du bist nicht großzügig: Du hast ein Laster, du genießt es zu geben.

31. Gegen einen Schurken ist Schurkerei keine nutzlose Waffe.

32. Die Praxis gibt mehr Ergebnisse als eine gute natürliche Begabung, meine Freunde.

34. Wer würde mich nicht beneiden, meine Freunde? Es ist offensichtlich, dass ein Mann, der nicht
beneidet, keinen Mangel hat. Man sieht einen Blinden, wenn man ihn sieht, aber niemand beneidet
ihn.

35. Die Tugend der rechtschaffenen Frau wird ihren Mann nicht verletzen.

36. Die Götter verkaufen alle guten Dinge zum Preis der Mühe.

37. Unglückliche, achtet nicht auf das Weiche, damit ihr nicht hart werdet!

38. Geh zu deinen Nachbarn in einem hellen Kleid, und du wirst von vielen betrachtet, Intelligenz
zu haben, obwohl möglicherweise du keine hast.

39. Du bist ganz gut in Worten, aber schlecht in der Tat.

40. Natürliche Begabung ist am besten, und das zweitbeste ist es zu lernen.

41. Der Weise sollte vorher denken, nicht danach.

42. Zeige dich nicht schnell zum Zorn über Kleinigkeiten.

43. Nicht Emotionen, sondern Intelligenz sollte oben sein.

44. Niemand redet zu Recht im Zorn.

44a. Der intelligente Mensch ist würdig der Ehre. Dies ist, wie es ist: Eigentum, ein Haus, absolute
Regeln, Reichtum, Kraft, Schönheit, wenn sie einem Mann ohne Intelligenz zukommen, werden sie
lächerlich.
44b. Lüste für Sterbliche sind wie gottlose Piraten: denn der Mann, der von Lüsten gefangen wird,
ist direkt in einem Meer der Lüste ertrunken.

45. Der Mann, der gar nicht unglücklich ist und einen Lebensunterhalt hat, gibt noch nichts Schönes
und Gutes seiner Seele, ich nenne ihn nicht glücklich im Geringsten, sondern eher einen Hüter von
Waren für jemand anderes.

46. Wer am wenigsten sündigt, der ist der beste Mann; denn niemand ist unschuldig, niemand ist
schuldlos.

Aus dem "Epicharmus" von Ennius

47. Ich dachte in einem Traum, dass ich tot wär.

48. Der Körper ist Erde, aber der Geist ist Feuer.

49. Die Elemente sind: Wasser, Erde, Atem und Sonne.

50. Dieses Feuer der Seele ist von der Sonne abgeleitet.

51. Und die Sonne ist ganz Geist.

52. Die Mutter Erde hat alle Rassen in allen Ländern geboren und nimmt sie wieder zurück: sie ist
es, die Nahrung gibt.

52a. Sie wird genannt Ceres, weil sie die Ernte bringt.

53. Das ist Jupiter, von dem ich spreche, den die Griechen Luft nennen; der Wind und Wolken und
danach Regen und von Regen Kälte und danach Wind und wieder Luft bringt. Deshalb sind diese
Elemente, die ich euch nenne, Jupiter, denn mit ihnen hilft er allen Sterblichen, Städten und Tieren.

54. Der "Epicharmus" von Ennius nennt die Mondin auch Persephone, weil sie gewöhnlich unter
der Erde ist.

Der "Canon" von Axiopistus

55. Epicharmus gab den höchsten Rang unter den Mitteln der Weissagung den Träumen, weil es
nicht möglich ist, durch freie Wahl zu träumen.

Die "Republik" von Chrysogonus

56. Das Leben für die Menschheit hat großen Bedarf an Berechnung und Zahl. Wir leben nach
Berechnung und Zahl; diese konservieren die Sterblichem.

57. Das Gesetz des Logos steuert die Menschheit recht und bewahrt sie immer. Der Mensch hat
Berechnung, aber es gibt auch den göttlichen Logos. Aber der menschliche Logos ist aus dem
göttlichen Logos entsprungen, und er bringt jedem Menschen seine Mittel des Lebens und seine
Erhaltung. Der göttliche Logos begleitet alle Künste und lehrt die Menschen, was sie für ihren
Vorteil tun müssen; denn niemand hat irgendeine Kunst entdeckt, sondern es ist immer Gott.

„Chiron“
58. Und trinke eine doppelte Menge von warmem Wasser, zwei Halb-Maße.

59. Geburt im achten Monat ist unmöglich.

60. Ein kämpferischer Widder kann gezähmt werden, indem man die Hörner an den Ohren
langzieht, wo sie sich kreuzen.

61. Gebrechen der Hoden und Genitalorgane können durch die Anwendung eines Kohlblattes
nützlich behandelt werden.

62. Die Anwendung eines Wildkohlblattes genügt gegen den Biss eines wütenden Hundes, aber es
ist besser, Silphium-Saft und Essig hinzuzugeben; Hunde sterben auch daran, wenn ihnen Wildkohl
mit Fleisch gegeben wird.

„Kochen“

63. Zur Hälfte der Zeit.

„Epigramm“

64. Ich bin eine Leiche. Ein Leichnam ist Mist, und Mist ist Erde. Wenn die Erde ein Gott ist, dann
bin ich nicht eine Leiche, sondern ein Gott.

„An Antenor“

65. Die Römer schrieben Pythagoras als Bürger ein.

PYTHAGORAS

Es war ein Mann hier, Pythagoras, ein Samier von Geburt, der Samos und seine Herrscher geflohen
war und hasste ihre Tyrannei und lebte im freiwilligen Exil. Obwohl die Götter weit weg waren,
besuchte er die Region des Himmels, in seinem Kopf, und was die Natur der menschlichen Vision
verweigert, hat er mit seinem inneren Auge genossen. Als er jedes Thema durch konzentrierte
Gedanken betrachtet hatte, teilte er es weithin in der Öffentlichkeit mit, die stummen Massen
lehrend, das den Wundern seiner Worte zuhörte, über den Ursprung der unendlichen Weiten des
Universums und die Ursache der Dinge und was die physische Welt ist, was die Götter sind, wo der
Schnee entsteht, was der Ursprung des Blitzes ist, ob Jupiter oder die Sturmwinde, die den Donner
aus Wolken bringen, was schüttelt die Erde, nach welchen Gesetzen sich die Sterne bewegen, und
was sonst verborgen ist; und er war der erste, der die Portion Tierfleisch am Tisch kündigte; die
erste Stimme, weise aber nicht darin, er glaubte es zu sagen zum Beispiel in Worten wie diesen:

„Der du ein Mensch bist, stoppe, den Körper mit gottlosen Lebensmitteln zu entweihen. Es gibt
Kulturen, es gibt Äpfel an den Zweigen mit Gewicht, und reife Trauben an den Reben es gibt
schmackhafte Kräuter; und die, die mild und sanft durch die Flammen wiedergegeben werden
können; und es mangelt nicht an Milch oder Honig duftend aus dem blühenden Thymian. Die Erde,
verschwenderisch ihres Reichtums, versorgt dich mit sanfter Nahrung und bietet dir Nahrung, ohne
zu töten oder Blut zu vergießen.
Fleisch befriedigt den Hunger des wilden Tieres, aber nicht alle von ihnen, da Pferde, Schafe und
Rinder von Gräsern leben, aber die, die wild und ungezähmt sind: Armenische Tiger, reißende
Löwen und Wölfe und Bären, die ihr Fressen mit feuchtem Blut genießen. Oh, wie falsch ist es,
dass Fleisch aus Fleisch gemacht wird; um einen gierigen Körper zu mästen, einen anderen Körper
zu schlucken; dass eine Kreatur durch den Tod eines anderen Geschöpfes lebt! Also unter solchem
Reichtum, den die Erde gibt, die Große Mutter, bist du nicht glücklich, wenn du reißt mit
grausamen Zähnen klägliche Wunden, was an der Zyklopen Praxis erinnert, und du kannst deinen
unersättlichen Appetit nicht erfüllen und deinen unruhigen Hunger, es sei denn, du zerstörst andere
Leben?

Aber das ehemalige Zeitalter, dass wir das goldene nennen, war zufrieden mit den Früchte von den
Bäumen und den Kräutern, die Mutter Erde produzierte, und hat nicht verunreinigt seine Lippen mit
Blut. Da sind die geflügelten Vögel ihren Weg durch die Luft in Sicherheit geflogen und die Hasen
gewandert ohne Angst zwischen den Feldern, und seine eigene Leichtgläubigkeit fing nicht den
Fisch am Haken: alles war frei von Betrug und furchtlos jeder Arglist und mit Frieden erfüllt. Aber
sobald jemand, wer auch immer er war, der Autor von etwas Unpassendem, beneidete die Beute des
Löwen und stopfte seinen gierigen Bauch mit fleischiger Speise, hat er den Weg dem Verbrechen
geebnet. Es kann sein, dass die ersten Waffen warm waren von der Tötung der wilden Tiere, aber
das wäre genug gewesen: Ich gebe zu, dass Kreaturen, die nach unserer Vernichtung trachteten,
getötet werden durften, ohne dass es eine Sünde war, aber während sie getötet wurden, sollten sie
nicht auch noch gegessen werden.

Von da verbreitete sich die Bosheit weiter, und es wird vermutet, dass das Schwein das erste
Verdienst der Schlachtung hatte, weil es die Samen mit seiner breiten Schnauze ausgräbt und
zerstört jede Hoffnung auf Ernte. Die Ziege wurde zum Tode geführt, an den rächenden Altar, für
die Reben des Bacchus. Diese beiden haben gelitten für ihre Verbrechen! Was haben dir die Schafe
getan, die stillen Herden, geboren, den Menschen zu dienen, die uns in vollen Eutern süße Milch
bringen, die uns ihre Wolle geben, um weiche Kleider zu machen, die uns von ihrem Leben mehr
geben, als sie uns gewähren, indem sie sterben? Was haben dir die Ochsen getan, ohne Arglist oder
Betrug, harmlos, einfach, geboren, Arbeit zu ertragen?

Es ist wirklich undankbar und nicht würdig der Gabe von Mais, das man in einem Moment seine
Arbeiter tötet, die die Arbeit getragen, deren Hals mit seiner Axt fällt, die dazu beigetragen haben,
sich wendend gegen die harte Erde, so oft wie die Erde eine Ernte ergab. Es ist nicht genug, solche
Übel begangen zu haben: sie nennen der Götter Verbrechen und glauben, dass die Götter Freude
haben an der Tötung von leidenden Ochsen! Ein Opfer von außergewöhnlicher Schönheit und ohne
Makel, das Opfer geschmückt mit Bändern und Gold, wird vor dem Altar positioniert und hört,
ohne zu wissen, auf die Gebete, und sieht das Korn, daran es gearbeitet hat, um es zu produzieren,
verstreut zwischen den Hörnern, und man schlug es tot, befleckend das Messer mit Blut, das es
bereits mit den Augen, gefangen, in dem klaren Wasser reflektiert hat.

Unmittelbar inspizieren sie die Lunge, von der noch lebenden Brust gerissen, um von dort den
Willen der Götter zu erfahren. Auf diese Art, so groß ist der Hunger des Menschen nach verbotenen
Lebensmitteln, wollt ihr euch nähren, o Menschen! Tut es nicht, ich bitte euch, und konzentriert
eure Gedanken auf meine Ermahnungen! Wenn ihr das Fleisch der geschlachteten Rinder in euren
Mund nehmt, wisst und fühlt, dass ihr eure Mitmenschen verschlingt!

Jetzt, da ein Gott meine Lippen bewegt, werde ich folgen, mit dem gebührenden Ritus, dem Gott,
der diese Lippen bewegt, und zeigen mein geliebtes Delphi und den Himmel selbst, und gebe die
Aussprüche des erhabenen Geistes. Ich werde sprechen von mächtigen Angelegenheiten, nicht von
früheren Größen ergründet, Dingen, die lange verborgen waren. Ich habe Freude an den fernen
Sternen auf Wanderschaft: Ich verlasse die Erde und ihre dumpfen Räume und erfreue mich, die
Wolken zu reiten; zu stehen auf den Schultern des mächtigen Atlas, nach unten auf die Menschen
aus der Ferne zu schauen, die hier und dort wandern, ohne Wissen, ängstlich, voll Angst vor dem
Tod; zu lesen das Buch des Schicksals, und ihnen diese Ermutigung zu geben!

O Spezies, indem ihr eure Angst vor der Kälte des Todes betäubt, warum fürchtet ihr den Styx,
warum fürchtet ihr die Geister und leeren Namen, die Sachen der Dichter, die Gespenster einer
Phantomwelt? Glaubt nicht, dass ihr Böses leiden müsst, ob eure Körper von den Flammen des
Scheiterhaufens verzehrt werden oder durch verschwenderisches Alter! Die Seelen sind frei vom
Tod, und immer, wenn sie ihre vorherigen Wesen verlassen haben, leben sie in neuen Wohnstätten
und bewohnen, was sie erhalten haben. Ich selbst (denn ich erinnere mich) war Euphorbus, der
Sohn des Panthous, der zum Zeitpunkt des trojanischen Krieges lebte, in dessen Brust der schwere
Speer des kleineren Atriden Menelaos gebohrt wurde. Ich erkannte, den Schild hatte ich auf meinem
linken Arm, vor kurzem getragen, im Tempel der Juno in Argos, der Stadt Abas!

Alles ändert sich, nichts stirbt: der Geist wandert, hat seine Ankunft hier oder dort, und besetzt, was
für ein Körper ihm gefällt, vorbei an einem wilden Tier, in einen Menschen kommend, von unserem
Körper dann in ein Tier, aber nie zerstört. Wie biegsames Wachs, mit neuem Design geprägt, er ist
nicht mehr, was er war; nicht die gleiche Form behaltend; er ist aber immer noch ein und derselbe.
Ich lehre, dass die Seele immer gleich ist, aber wandert in verschiedenen Formen. Also, sage ich als
Seher, hört auf, verwandte Seelen heimatlos zu machen, in bösen Schlachten: lasst euch nicht euer
Blut von Blut ernähren!

Da ich auf dem weiten Ozean in Angriff genommen haben und volle Segel in den Wind gegeben,
sage ich, es ist nichts im ganzen Universum, das bestehen bleibt. Alles fließt und wird als ein
flüchtiges Bild gebildet. Die Zeit selbst auch gleitet in ihrer ständigen Bewegung, nicht anders als
ein Fluss. Denn weder den Fluss noch die schnelle Stunde kann man stoppen: aber wie nötigt die
Welle die Welle, und wie der Stand der Welle wird durch die kommende Welle gejagt, so flieht die
Zeit, und ebenso folgt Zeit, und sie ist immer neu. Denn das, was war, wird zurückgelassen, und
was kommt, wird bald nicht mehr zu sein, und jeder Moment wird erneuert.

Ihr seht die Nächte sich zum Tag neigen und brillantes Licht der Dunkelheit der Nacht folgen. Der
Himmel hat eine andere Farbe, wenn alle müden Dinge in Ruhe sind, um Mitternacht, als wenn
helle Luzifer erscheint auf seinem weißen Stern und ändert sich wieder, wenn Aurora, die Heroldin
der Morgenröte, färbt die Welt, die sie dem Phöbus vermacht. Der Schirm des Gottes selbst ist rot,
wenn er von unter der Erde aufsteigt, und immer noch rot, wenn es unter der Erde wieder sich
verbirgt: aber er ist auf dem Zenit weiß, weil die Atmosphäre reiner ist, und er entweicht weit von
die Ansteckung der Erde. Und Diana, der Mond, kann niemals die gleiche oder eine ähnliche Form
haben und ist immer weniger heute als morgen, wenn ihre Kugel wachsen wird, größer, bis sie
schwindet.

Seht ihr nicht, dass das Jahr vier Aspekte zeigt, die durch es einen Anschein unseres Lebens hat?
Denn das Frühjahr, in seinem neuen Leben, ist zart und mit Saft gefüllt und wie ein Kind: dann sind
die Triebe frisch und wachsend, zart, ohne Substanz, die Bauern sind voll Hoffnungen. Dann ist
alles blühend, das freundliche Land ist ein Aufstand der bunten Blumen, aber die Blätter sind noch
nicht stark. Ab dem Frühling ist das Jahr stärker geworden, bewegt sich in den Sommer und wird zu
einem mächtigen Mann: keine Saison ist robuster oder noch größer, als diese, oder reicher. Der
Herbst kommt, wenn die Glut der Jugend vergangen ist, reif und weich, zwischen Jugend und Alter,
einer Streuung von Grau auf der Stirn. Dann des Winters Zittern, mit ins Stocken geratenen
Schritten, seine Haare ausgefallen, oder, was er noch hat, ist weiß geworden.

Und unser Körper selbst ist immer rastlos, sich zu ändern: Wir werden morgen nicht sein, was wir
gestern waren oder was wir heute sind. Es gab eine Zeit, als wir in unserem ersten Mutterleib
verborgen waren, nur der Samen und das Versprechen eines Menschen: die Natur hat ihre
geschickten Hände aufgelegt und war nicht bereit, in unserem Körper begraben zu werden, eng in
unserer Mutter geschwollenem Bauch, vertrieben aus unsere Heimat, in die leere Luft. Geboren in
das Licht, das Kind lag da, kraftlos: aber bald kletterte es auf allen Vieren wie ein wildes Tier, dann
nach und nach durch ein Traggeschirr unterstützt, stand es unsicher auf wackeligen Beinen. Ab
diesem Zeitpunkt wurde es stark und schnell und gab der Jugend seine Spannweite.

Wenn die mittleren Jahren auch geleistet werden, das Leben nimmt den Weg nach unten zum
rückläufigen Alter. Milon, der Athlet, ist alt geworden, er weint, wenn er diese schwachen und
schlaffen Arme sieht, die einst wie die von Herkules waren, eine feste Masse des Muskels. Helena,
die Tochter des Tyndareus, weint auch, wenn sie eine alte Frau wird, die Falten im Spiegel sieht,
und fragt, warum sie zweimal verwüstet wurde. Die Zeit verschlingt alles, und du, neidisches Alter,
verbrauchst alles, und langsam an ihnen nagt es mit den Zähnen nach und nach, und alles kommt
zum ewigen Tod!

Selbst die Dinge, die wir Elemente nennen, bleiben nicht. Trage deine Konzentration herbei, und ich
werde dich in den Änderungen unterrichten, die passieren. Das ewige Universum enthält vier
generative Zustände der Materie. Von diesen zwei, Erde und Wasser, sind schwer und sinken tiefer
unter ihrem eigenen Gewicht. Den beiden anderen fehlt die Schwere, und wenn sie nicht gedrückt
werden, suchen sie die Höhe: Luft und Feuer, reiner als Luft. Obwohl sie im Raum verschieden
sind, doch sind sie alle voneinander abgeleitet und lösen sich ineinander auf. Erde, schmelzend,
wird erweitertes Wasser, klar: die Feuchtigkeit, verfeinert, macht eine Änderung zu Wind und Luft:
dann an der Luft, verlierend weiter Gewicht, in den höchsten Regionen scheint es wie Feuer, dem
verfeinertsten von allen. Dann kehren sie zurück, in umgekehrter Richtung, die gleiche Reihe von
Veränderungen enthüllend. Das Feuer kondensiert, verwandelt sich in dichte Luft und das Wasser,
und Wasser, zusammengezogen, erstarrt zur Erde.

Nichts behält seine eigene Form, und die Natur, die Erneuererin der Dinge, erfrischt eine Form mit
einer anderen. Glaubt mir, es stirbt nichts im Universum als Ganzes, aber es ändert sich und ändert
sein Aussehen, und was wir geboren werden nennen, ist ein Anfang, der etwas anderes ist, als das,
was es vorher war, und sterben heißt ebenfalls, einen früheren Zustand zu beenden.

Ich für meinen Teil hätte gedacht, dass nichts für lange dauert mit dem gleichen Aussehen. So
änderte sich das Zeitalter von Gold zu Eisen, und so die Geschicke der Orte veränderten sich. Ich
habe selbst gesehen, was einst festes Land war, Meer wurde. Ich habe die Erde aus dem Wasser
gemacht gesehen: und Muscheln liegen weit vom Meer entfernt, und ein alter Anker hat sich auf
dem Gipfel eines Berges gefunden. Der Berg, der unten Ansturm der Gewässer hat, war einmal eine
Ebene in einem Tal, und Hügel wurden von der Flut zum Meer gewaschen. Die Marsch wurde zu
ausgedörrtem Sand entwässert, und was einmal durstiger Boden war, mit einem Sumpfbecken
gefüllt.

Hier erzeugt die Natur frische Quellen und verschließt sie und die Flüsse, durch tiefe Erdbeben
freigesetzt, brechen hervor oder trocknen aus und Wasserbecken. Also, wenn der Lykos durch einen
Abgrund in der Erde verschluckt wird, taucht er weit weg wieder auf, wiedergeboren, aus einer
anderen Quelle. So verschlungen, als versteckter Strom fließend, entsteht der mächtige Erasinus
wieder in den Bereichen von Argos. Und sie sagen, dass der Mysus, beschämt seiner Herkunft und
seinen ehemaligen Ufer, jetzt an anderer Stelle fließt, wie Caicus. Des Amenanus Strömen am
laufenden Band geht manchmal durch sizilianischen Sand, zu anderen Zeiten ausgetrocknet, seine
Brunnen sind blockiert. Der Anigrus, einst trinkbar, jetzt mit Wasser fließt, dass du würdest nicht
berühren wollen, da, wenn wir nicht allen Glauben an die Dichter leugnen, die zweigebildeten
Zentauren wuschen ihre Wunden dort, durch den Bogen von Herkules behandelt. Ist der Hypanis,
geboren in den skythischen Bergen, nicht zu bitterem Salzwasser ruiniert, das einmal süß war?
Antissa und Pharos und das phönizische Tyrus wurden vom Meer umgeben: von denen nicht eines
jetzt ist eine Insel. Die ehemaligen Siedler von Leucas lebten auf einer Halbinsel: jetzt die Wellen
sie umkreisen. Von Zancle wird auch gesagt, dass es mit Italien verbunden war, bis die Wellen die
Grenze weggespült, und die Tiefsee schob das Land zurück. Wenn du nach Helice und Buris suchst,
Städten von Achaia, wirst du sie unter dem Wasser finden, und Matrosen sind daran gewöhnt, auch
jetzt, die untergetauchten Städte mit ihren versunkenen Mauern weisen darauf hin.

Es gibt einen Hügel in der Nähe von Troezen, wo Pittheus regierte, steil und baumlos, der einst der
flachste offene Raum auf der Ebene war und ist jetzt ein Hügel. Denn seltsam, die wilde Kraft der
Winde ist irgendwo in dunklen Höhlen voll Sehnsucht gefangen, zu atmen und vergeblich
kämpfend, um die freiere Weiten des Himmels zu genießen, da es keine Lücke in ihrem Gefängnis
gibt als Ausgang für den Atem, erweitert und auf den Boden quillend, wie ein Mann, der eine Blase
aufbläht, oder ein von einer doppeltgehörnten Ziege genommenes Ziegenleder. Die Schwellung
blieb dort und hat das Aussehen eines hohen Hügels, von langen Jahrhunderten verfestigt.

Obwohl viele Instanzen, wie ich gehört habe und mir bekannt ist, mir in den Sinn kommen, werde
ich nur noch ein paar berichten. Ist kein Wasser, das neue Formen erhält? Dein Strom, gehörnter
Ammon, ist Kälte am Mittag und Wärme am Morgen und Abend, und sie erzählen von den
athamanischen Feuern, diese im Holz zu löschen, indem sie ihre Wasser darüber gießen, wenn der
Mond mit seiner kleinsten Mondsichel schwindet.

Die Kikonen haben einen Fluss, dessen Wasser getrunken wird, wenn die lebenswichtigen Organe
zu Stein werden, und dass die Dinge ändert zu Marmor, wenn es sie berührt. Crathis und Sybaris,
hier in der Nähe von unserem eigenen Land, machen Haare wie Bernstein oder Gold: und was noch
erstaunlicher ist, so gibt es Ströme, die Macht haben, nicht nur den Körper zu verändern, sondern
auch den Geist. Wer hat nicht schon von den widerlichen Wellen von Salmacis gehört und von den
äthiopischen Seen? Wer benetzt seine Kehle mit diesen, ist entweder verrückt geworden oder fällt in
einen fremden tiefen Schlaf.

Wer stillt seinen Durst am Clitor-Brunnen, meidet den Wein, und nur genießt er reines Wasser, sei
es aufgrund eines Stroms im Wasser, das heißen Wein bewirkt, oder ob, wie die Eingeborenen
behaupten, Melampus, des Amythaon Sohn, als er gerettet hatte die dementen Töchter von Proetus
vor dem Wahnsinn, mit Kräutern und Beschwörungen, warf die Überreste dessen, was ihren Geist
gereinigt hatte, in seine Quellen, und die Antipathie dem Wein gegenüber wurde hinter in seinen
Gewässern gelassen. Die Strömung des Flusses Lyncestius hat die entgegengesetzte Wirkung, so
dass, wer auch nur mäßig davon trinkt, stolpert, als ob er betrunken sei von reinem Wein. Es gibt
einen Ort in Arkadien, die Alten haben ihn Pheneus genannt, dem mißtraut man für seine
doppeltnatürlichen Gewässer: hüte dich vor ihnen in der Nacht, betrunken zu sein in der Nacht, ist
schädlich: am Tag können sie getrunken werden, ohne Schaden. So, Flüsse und Seen können eine
gewisse Macht haben oder ein Hafen.

Es gab eine Zeit, als Ortygia auf den Wellen schwamm, jetzt ist es fixiert, und die Argo-Besatzung
fürchtete die Symphlegaden und den Schaum ihrer tosenden Wellen, Inseln, die jetzt dort
bewegungslos stehen, und die den Winden widerstehen.

Und der Aetna, der mit seinen schwefligen Öfen glühend, war nicht immer voll Feuer und nicht
immer in Flammen stehend. Denn wenn die Erde ein Wesen ist, das lebt, und an vielen Orten
Öffnungen hat, die Flammen auszuatmen, kann sie ihre Luftwege so oft ändern, wie sie sie
verschiebt, kann sie diese Höhlen öffnen und andere schließen. Oder, wenn schnelle Winde in den
tiefen Höhlen beschränkt sind, und Felsen gegen Felsen schlagen oder gegen das Material, das die
Samen des Feuers enthält, der Aetna fängt an, aufzusteigen aus der Reibung, da werden die Höhlen
kalt gelassen werden, wenn der Wind stirbt. Oder, wenn es bituminöse Substanzen sind, die Feuer
aufnehmen und gelben Schwefel, mit wenig Rauch brennend, dann, wenn der Boden nicht mehr
reichen Brennstoff liefert oder Nahrung für die Flammen und ihre Kraft versagt nach langen
Jahrhunderten der Erde, wird die Natur valles erschlingen und wird dieser Hungersnot nicht
standhalten, und verlassen, wird ihr Feuer sie verlassen.

Es ist eine Geschichte von Männern im hyperboräischen Pallene, die Kleidung verwenden, ihre
Körper in weichem Gefieder, durch Eintauchen neunmal in der Minerva Becken: für meinen Teil
kann ich es kaum glauben: auch die Frauen von Skythien sollen üben die gleiche Kunst, beregnen
zu lassen ihre Körper mit magischen Flüssigkeiten.

Allerdings, wenn das Vertrauen nur in bewährter Dinge gelegt wird, sehen sie nicht, dass, wenn
Leichen verwesen, aufgrund von Zeit oder Schmelzwärme, sie erzeugen winzige Kreaturen?
Begraben die Schlachtkörper von geopferten Stieren, es ist ein bekanntes Experiment, in den
Graben, wo man sie hingeworfen hat, und Blumen nippende Bienen werden geboren hier und da
von den fauligen Innereien. Nach dem Brauch ihrer Mutterkörper häufig sie die Felder bearbeiten,
und arbeiten in der Hoffnung auf Ernte.

Ein Kriegs-Pferd in die Erde begraben ist die Quelle der Hornissen: Wenn du die hohlen Krallen
von Landkrabben entfernst und setzt den Rest unter den Boden, wird ein Skorpion, mit seinem
geschwungenen und bedrohlichen Schwanz, von den Teilen entstehen, und die Raupen, die ihre
weißen Kokons weben, auf unkultivierten Blättern, etwas beobachtet von den Landwirten, ändern
sich in Schmetterlingsform, dem Symbol der Seele.

Schlamm enthält die generativen Samen von grünen Frösche und erzeugt sie ohne Beine, ihnen bald
Beine zum Schwimmen gebend, und zur gleichen Zeit, mit den Hinterbeinen länger als ihre
Vorderbeine, so dass sie fit, sind lange Sprünge zu machen. Das Jungtier, das eine Bärin gerade
produziert hat, ist nicht ein unges, aber ein kaum lebender Klumpen Fleisch: die Mutter gibt ihm
einen Körper, indem sie daran zu lecken beginnt, und formt ihn in eine Form, wie sie selbst hat.
Siehst du nicht, wie die Larven der honigtragenden Bienen durch die hexagonalen wächsernen
Zellen geschützt sind, als gliederlose Körper geboren und später erst die Beine erwerbend und noch
später die Flügel?

Wer würde es glauben, wenn er es nicht wüsste, dass Junos Vogel, der Pfau, der die Augen trägt wie
Sterne an seinem Schwanz; und Jupiters Adler seine Blitzkeile trägt; und Cythereas Tauben, alle
Vogelarten, sind von der Innenseite eines Eies geboren? Es gibt diejenigen, die glauben, dass, wenn
die Wirbelsäule zersetzt, im Grab bestattet, menschliches Mark eine Schlange bildet.

Und doch diese Kreaturen erhalten ihren Anfang im Leben von anderen: es gibt einen, ein Vogel,
der sich erneuert und reproduziert von selbst. Die Assyrer nennen ihn den Phönix. Es lebt nicht von
Samen und Kräutern, aber von Tropfen Weihrauch und dem Saft der Pflanze Kardamom. Wenn er
fünf Jahrhunderte lang gelebt hat, baut er ein Nest für sich selbst in den obersten Zweigen einer
wiegenden Palme, nur seinen Schnabel und Krallen verwendend. Sobald er mit Kassia-Rinde und
glatten Spitzen von Narde, Zimt und gelber Myrrhe gefüttert ist, setzt er sich an die Spitze und
endet sein Leben unter dem Parfüm.

Sie sagen, dass aus dem Körper des Vaters ein junger Phönix wiedergeboren wird, dazu bestimmt,
die gleiche Anzahl von Jahren zu leben. Wenn das Alter ihm gegeben hat Kraft, kann er Lasten
tragen, dann erhellt er die Zweige der hohen Palmen mit dem schweren Nest, und andächtig trägt er
seine eigene Wiege, welche seinem Vater das Grab war, und um die Stadt von Hyperion zu
erreichen, des Sonnen-Gottes, durch die klare Luft legt er sich vor den heiligen Türen von
Hyperions Tempel nieder.
Wenn etwas aber zu bestaunen ist, in diesen Neuheiten, könnten wir bestaunen, wie die Hyäne
ändert ihre Funktion, und einen Augenblick zuvor eine Frau ist, von hinten von einem Mann
genommen, ist jetzt ein Mann. Auch das Tier, das Chamäleon, gespeist durch Wind und Luft, nimmt
sofort die Farbe dessen an, was es berührt.

Das besiegte Indien gab Luchse dem Bacchus der traubenförmigen Reben, und sie sagen, dass, was
auch immer ihre Blase aussendet, verändert sich zu Stein und verfestigt sich beim Kontakt mit der
Luft. So Korallen auch härten sich das erste Mal, wenn die Luft sie berührt: es ist eine weiche
Pflanze unter den Wellen.

Der Tag endet, und Phöbus wird seine müden Pferde im tiefen Meer baden, bevor meine Worte
allen gerecht werden, die in neue Formen übersetzt wurdem. So sehen wir die Zeiten sich ändern,
und diese Nationen erwerben Macht und jene werden rückläufig. So Troja, das an Männern und
Reichtum so groß war und seit zehn Jahren Krieg führte, könnte so frei von ihrem Blut sein, es wird
erniedrigt und zeigt nur antike Ruinen jetzt und statt Reichtum Ahnengräber. Sparta war berühmt,
das große Mykene blühte, und Cecrops war die Zitadelle von Athen, und Amphion war groß in
Theben. Sparta ist ein wertloses Land jetzt, das stolze Mykene ist gefallen, und was ist das Theben
des Ödipus aber jetzt als bloß noch ein Name, was ward Athen von Pandion gelassen, außer ein
Name?

Schon jetzt gibt es ein Gerücht, dass Rom, der Dardaner, aufsteigt, durch des Tiber Gewässer,
geboren in den Apenninen, und verlegt seine Masse, die Gründung von großen Dingen. So wächst
es, es ändert sich die Form, und eines Tages wird es das Kapitol einer ganzen Welt sein! So, wie
man sagt, sagen es die Seher und die Orakel, die unser Schicksal erzählen. Wie ich auch daran
erinnere, als der trojanische Staat fiel, sagte Helenus, der Sohn des Priamos, zu einem trauernden
Aeneas, der seine Zukunft unsicher sei: Sohn der Göttin, wenn du vorsichtig in acht nimmst das,
was meiner Meinung nach ich prophezeie, Troja nicht ganz zugrunde gehen, während du lebst!
Feuer und Schwert bereiten den Weg vor dir: Du gehst, wie ein Mann, dem Lager entfernt von
Pergamon, bis du ein fremdes Land findest, für deine Kinder und Trokas Kinder, als dein Vaterland.
Ich sehe auch jetzt noch eine Stadt, für phrygische Nachkommen bestimmt, als die keine größer ist,
oder soll je sein, oder war in vergangenen Zeiten.

Andere Führer werden mächtig, durch die langen Jahrhunderte, aber einer, geboren aus dem Blut
von Julus, wird sie zur Herrin der Welt machen. Wenn die Erde von ihm profitiert hat, genießen die
himmlischen Regionen ihn, und der Himmel wird sein Ziel sein.

Diese Dinge, ich erinnere mich gut, prophezeite Helenus dem Aeneas, als Aeneas die ererbten
Götter getragen, und ich bin froh, dass die Mauern, von seinen Nachkommen, aufsteigen, und dass
die Griechen zu eines Trojaners Verstärkung es erobert.

Jetzt (damit ich nicht zu weit abschweifen und vom Kurs abkomme, und vergesse, meine Pferde zu
ihrem Ziel zu zielen), der Himmel, und was auch immer unter ihm ist, seine Form ändert, und die
Erde, und was ist auf ihr. Wir auch, die ein Teil des Universums sind, weil wir nicht nur Fleisch
sind, sondern in Wahrheit geflügelte Geister, können in die Familie der wilden Kreaturen kommen
und in den Köpfen der Tiere gefangen werden.

Wir sollten erlauben diesen Wesen, in Sicherheit zu leben, und Ehre geben, dass die Geister unserer
Eltern oder Brüder oder derjenigen, die uns mit einer anderen Bindung verbunden, sicherlich
Menschen, vielleicht Tiere bewohnt haben: und nicht füllen unsere Bäuche, als ob wir auf einem
Fest des Thyestes wären! Was böses sie ersinnen, wie gottlos sie bereiten sich, menschliches Blut zu
vergießen, die mit dem Messer an des Kalbes Hals reißen und hören ungerührt auf sein Blöken,
oder ein Kitz töten, um es zu essen, das wie ein Kitz schreit, oder sich ernähren von einem Vogel,
den sie selbst gefüttert haben! Wie weit fällt das hinter tatsächlichen Mord? Wohin führt der Weg
von dort aus?

Lasst den Ochsen pflügen oder schulden seinem Tod bis ins hohe Alter: die Schafe lasst Wolle
geben, gegen die Kälte des Nordwinds zu schützen: lasst die Mutterziegen euch geben das volle
Euter zum Melken! Wurden mit Netzen und Fallen, Schlingen und der Kunst der Täuschung Tricks
gemacht, um die Vögel nicht mit Leimruten oder das Reh gefangen zu halten, so dass sie mit
gefiederten Seilen erschrecken oder verbergen Widerhaken in tückischem Köder. Tötet sie, wenn sie
euch schaden, aber auch dann lasst es genug sein, sie zu töten. Lasst euren Mund von ihrem Blut
frei, genießt milderes Essen!“

EMPEDOKLES

Höre, Pausanias, höre, du Sohn des Weisen Anchitos!

Wenige Möglichkeiten sind nur zu wissen den Menschen.


Alles zu wissen ist Lüge. Und überrascht wird so mancher,
Stillt die Seele und lebhafte Wünsche. Nachdem sie gesehen
Ihren winzigen Anteil am Leben, das kürzere Schicksal,
Werden wie Rauch sie hoch gehoben und huschen von dannen.
Meinen sie doch, sie seien voll Chancen, gesegnet vom Zufall,
Werden nur hin und her getrieben. Aber sie rühmen
Ihre große Vision des Ganzen, des ewigen Weltalls.
Aber auf diese Weise werden die Dinge erkannt nicht,
Nie von Menschen gehört, noch von den Geistern ergriffen.
Du nun, der hierher gekommen, sollst lernen, mein Lieber,
Aber nicht mehr lernen als ein Sterblicher je kann erkennen.
Du bewahr diese Lehren in deinem hörenden Herzen.

Aber nehmt den Wahnsinn von der Zunge mir, Götter,


Segnet die heiligen Lippen mit der Klarheit der Quelle!
Vielumworbene, weiß erstrahlend jungfräuliche Muse,
Dir will ich mich nähern. O eile und komme doch zu mir
Und mit milder Frömmigkeit zügle den Wagen des Liedes,
Dass es rechtmäßig werde, dass die Menschen es hören,
Deren Leben nur währt einen Tag. Es soll mich die Lust nicht
Treiben nach dem Lorbeer des Ruhmes, Gesänge zu zupfen
Und sich unter die irrenden Menschen töricht zu wagen.
Sprich über heilige Dinge in gebundener Rede,
Banne die Profanen von der Zinne der Wahrheit.
Aber komm, o Muse, jeder Weise will wissen,
Wie sich alles offenbart. Und mit sehenden Augen
Wollen wir sehen und wollen hören mit hörenden Ohren,
Schmecken, wie gut die Wahrheit ist, und mit der Zunge verkosten.
Überprüf die Beweise aller Glieder des Ordens,
Weise hin auf die Offenbarung jeglichen Dinges.

Aber die Niedern misstrauen stets dem Hohen und Starken,


Dennoch kennen sie die Zusagen unserer Muse,
Wenn ihre Worte einmal gesiebt werden durch deine Seele.
Und nun höre die vierfache Wurzel aller der Dinge.
Weißglänzend leuchtet Zeus, und Hades bringt Leben der Erde,
Und der Nestis Tränen betauen die sterblichen Menschen.

Elemente! Ich nenn sie die unerschaffenen Kräfte.

Mehr will ich dir nicht sagen. Es gibt doch keinen Geburtstag
Für die sterblichen Dinge und keinen Ruin in dem Tode,
Aber Vermischung gibt es und Austausch von Mischungen gibt es,
Und Geburt ist ihr Name bei den Menschen der Erde.

Aber wenn im Menschen, im Tier, im Vogel, im Busche


Diese Elemente vermischen sich, so sie gelangen
In das Reich des Lichts, Geburt nennens törichte Menschen,
Wenn sie vergehen, nennen sie's Schicksal des Todes, obwohl doch
Das nicht das Rechte ist, ich werde nicht zustimmen solchem.

Narren! Ihre Gedanken brüteten kurz über Eiern,


Die darauf vertrauen, das Nichts sei je Etwas geworden
Oder ein Etwas wäre, das je ganz zu Nichts sei geworden.

Denn aus Nicht-Seiendem kann nicht Seiendes werden, also


Kann das Seiende nicht zerstört werden, dass es zu Nichts wird.
Nein, kein Auge kanns sehen und kein Ohr kann es hören,
Körper werden es sein, wo immer sie stehen und gehen.

Und das All ist nicht Überfülle und ist auch nicht Leere.
Nämlich in dem All gibt es keine Leere, woher denn
Käme irgend ein Etwas, das nähert sich unseren Sinnen?

Nein, kein weiser Mann träumt Torheit im wissenden Herzen,


Dass nur während des Lebens, was man Leben nennt menschlich,
Wir unser Sein besitzen und gut sind oder sind elend,
Und noch ehe wir als Sterbliche werden verdichtet
Und nachdem wir aufgelöst wurden als sterbliche Menschen,
Seien wir reines Nichts gewesen, sagen die Narren.

Nämlich Liebe und Hass waren stark von jeher und immer,
Diese bleiben auch in den folgenden Zeiten, ich denke,
Niemals werden die Zeitalter dieser beiden entleert sein.

Ich will aber nun dir eine zweifache Wahrheit berichten.


Einmal kommt aus dem Vielerlei das Eine ins Leben,
Einmal aus dem vergehenden Einen kommen die Vielen.
Zwiefach die Geburt ist und doppelt der Tod ist der Dinge,
Nämlich einmal wird die Versammlung bringen das Viele
In Geburt und Tod, und dann, was auch immer gewachsen
Durch die Teilung, fliegt es auseinander im Sterben.
Diese lange Reihe von Austausch niemals wird enden.
Ist es im Einen nun, dann ist es vereint durch die Liebe,
Ist es das Viele, ist es durch Unfrieden, Hass und Zerstreuung.
Und soweit es das Eine noch ist, vereint durch die Liebe,
Und soweit die Vielen wieder wachsen zur Einheit,
So sie entspringen aus der urzeitlichen Streuung des Einen,
Haben sie eine Geburt und haben ein Datum des Todes.
Und soweit die lange Reihe des Austausches nimmer
Endet, soweit wie die ewigen Götter und Göttinnen droben
Um den Kreis der Welt sie sich ewig im Wechsel bewegen.
Aber komm! Und hör meine Worte! Erkenntnisse bilden
Dich und machen stark deine Seele. Bevor ich gesprochen,
Ich benannte das rechte Ziel meiner wissenden Worte.
Jetzt will ich dir aber eine zweifache Wahrheit berichten,
Nämlich jetzt kommt von Vielem das einige Eine ins Leben,
Jetzt aber aus dem vergehenden Einen kommen die Vielen.
Feuer und Wasser und Erde und die Höhe der Lüfte!
Bricht ihr geschlossener Kreis auseinander, die tödliche Streitmacht
Sie zerstreut, und doch bleibt in ihrer Mitte die Liebe,
In der Länge und Breite und Höhe und Tiefe die Liebe!
Seht sie mit der Vernunft und seht sie nicht mit den Augen
Staunend, denn angeboren ist die ewige Liebe
Und bleibt in den Gliedern der Menschen für immer gegründet.
Durch die Liebe denken die Menschen Gedanken der Liebe,
Perfektionieren sie die künstlichen Werke der Einsicht,
Nennen sie Göttin Aphrodite, Wonne der Wonnen!
In den Elementen mit Geschwindigkeit läuft sie,
Aber kein sterblicher Mann hat jemals die Liebe ergründet.
Aber nun höre meine Beweise, die unwiderlegbar.
Siehe, die Elemente besitzen die einige Stärke
Und den selben Ursprung, jedes regiert seinen Pflichtkreis,
Jedes Element waltet nach dem Modus ihm eigen,
Herrschend erobern sie im Laufe der kreisenden Zeiten.
Und für diese gibt es keine Geburt und kein Ende,
Denn sie waren immer und gehen nimmer verloren.
Wenn sie nicht waren, wie ward dann das ewige Weltall?
Wie aber könnten jemals sie ruiniert werden, nichtig,
Da von den Elementen nichts Existierendes leer ist?
Nein, sie sind Alles, und jetzt sind sie natürlich zusammen,
Miteinander sind sie jetzt dieses, jetzt jenes, geboren
Und so immer und ewig fort in Ewigkeit drunten.

Fest umklammere du die Lieblichkeit ewiger Liebe!

Liebe und Hass regieren in den organischen Welten.

Und der weltweite Krieg der ewigen Zwei ist erkennbar


Auch in der Masse der menschlichen Glieder, ich will es dir zeigen:
Wenn zwei Menschen sich zu Einem in Liebe vereinen,
Nehmen die sterblichen Glieder an die leiblichen Formen,
Und das Leben ist eine Frühlingsblume. Verwelkend,
Durch den perversen Hass werden leibliche Glieder vernichtet.
Aber sie wandern weit und breit und nach oben und unten
An den Stränden, an den schrecklichen Ufern des Lebens.
So ist es auch mit Dickicht und Bäumen und schwimmenden Fischen,
Die da leben in den kristallenen Wassern der Tiefe,
Und so ist es auch mit dem Vieh, das auf Berghängen weidet,
Und mit Wasservögeln, die baden im bläulichen Meere.

Aus den Elementen ist alles, was Augen erblicken.

Aber komm, meine Worte sollen lieblich erklingen,


Wenn dein breiter Haufen über allem vergessen
Sollte, was geziemt den elementaren Gebilden.
Siehe, da ist die Sonne, die warme, die Helligkeit spendet,
Siehe die ewigen Sterne, für immer durchtränkt von dem Lichte
Und der flüssigen Wärme und der Ausstrahlung droben,
Siehe den Regen in Strömen schauern, den dunklen und kalten,
Wie von der Erde ausströmt aller Fruchtbarkeit Grünkraft.
All dies wird durch den Zorn an Formen vielfältig gespalten,
Aber durch Liebe nähert man sich und sehnt sich nach einem.
Denn aus den Elementen ist alles Knospe geworden,
Alles was war oder ist oder sein wird im ewigen Weltall,
Alle Bäume und Männer und Frauen und Tiere und Vögel
Und die Fische, die nähren sich in den tiefen Gewässern,
Götter haben sie ausgezeichnet mit Leben und Würde.
Diese leben alle, und da sie natürlich zusammen
Sind und miteinander, empfangen sie neue Gesichter
Durch Vermischung und dauerhafter Veränderung Wandel.

Bernsteinfarbene Sonne und Meer und Erde und Himmel


Jedem sind freundlich mit allen einzelnen Teilen, die Pfeile
Werden fern gejagt und zerstreut in der Sterblichen Weltkreis,
So auch die Dinge, die die meisten versuchen zu mischen,
Sind von Aphrodites und Eros' Gnaden vereinigt.
Aber feindlich sind die Dinge, welche die meisten
Voneinander unterscheiden, in der Geburt und
Auch in ihrer Vermischung und wenn in den Formen der Form sie
Wollen sich nicht vermischen, sie bleiben einsam und elend,
Bleiben so nach dem Ratschlag ihres Vaters, des Hasses.

Künstler, also die Männer, die ihr Handwerk verstehen,


Bilden durch die Vernunft mit schönen Formen und Farben
Lichte Tempelfiguren, und mit den Händen ergreifen
Pinsel und Palette sie mit Rotton und Goldton
Und sie mischen die Farben harmonisch, mal besser, mal schlechter,
Und so bilden sie unzählige Mode-Modelle
Und mit allen Dingen bevölkern sie künstliche Welten
Und mit Bäumen und Männern und Frauen und Tieren und Vögeln
Und mit Fischen, die sich nähren in tiefen Gewässern
Und mit ewiglebenden Göttern zu Lobpreis und Ehre.
Dereart, und lass in deinen Busen die Torheit nicht kommen,
Derart ist die Erschaffung aller der sterblichen Dinge
Durch die himmlischen Mächte geboren und sichtbar den Menschen.
O bewahre gut diese Weisheit, du hast sie vernommen,
Hör in meinem Lied die Göttin und ihre Geschichte.
Lass uns gemeinsam besteigen die Gipfel des Denkens
Und vollkommen wandeln den Weg, den noch keiner gegangen.

Was gesagt werden muss, das muss man ein zweites Mal sagen.

In dem Gegenzuge die Zyklen erobern die Zeiten


Und es schwinden die anderen immer noch, Wachs gleich zerschmelzend
Ist der eine, der andre ist von ältestem Schicksal,
Diese leben alle, und da sie natürlich zusammen
Sind und miteinander, die Menschen werden, die beiden,
Werden zahllose Völkerstämme haariger Biester.
Während des Schönen Auftrag der Liebe alle vereinigt,
Durch den Hass des Krieges wird alles Schöne zerrissen.
Und soweit das Eine kommt von den vielerlei Dingen
Und die Vielen wachsen wieder zusammen zu Einem,
Die entsprungen sind der urzeitlichen Streuung des Einen,
Soweit haben sie eine Geburt und ein Datum des Todes.
Und es endet nicht dieser lange Austausch und Wechsel,
Endet nicht, so weit die Götter den Weltkreis bewegen.

Zwar man kann erkennen die raschen Glieder der Sonne


Und die Kraft der zottigen Erde, die Brüste des Meeres,
Aber siehst du, wie alles vertieft in harmonischer Einheit?
Fest gegründet steht die gerundete Kugel des Weltalls
Freudenreich in der umliegenden Einsamkeit endloser Leere.

Weder Fraktion noch Kampf ist unziemlich kosmischen Gliedern.

Jene Kugel des Weltalls an allen Seiten ist endlos,


Freudenreich in der umliegenden Einsamkeit endloser Leere.

Von der Rückseite dieser Kugel schwingen nicht Arme,


Sie hat keine Füße und Schenkel, nicht Form und Gestaltung
Nährender Glieder, auf allen Seiten Kugel, und liebt sich.

Doch nach schrecklichem Streit kamen wieder wächserne große


Glieder innerhalb jener Kugel, blühende Rosen
Blühten zu ihrem eigenen Ruhm, als die Zeiten gekommen
Nach dem schrecklichen Streit, wieder Zeiten kamen der Liebe,
Von der Liebe kommen Gelübde und alle Gebote.

Siehe, eins nach dem andern erbebten die Glieder der Gottheit.

Die Union bindet zwei verschiedene Wesen zusammen.

Es ist, wie wenn der Lab des süßen Feigenbaumsaftes


Bald gerinnt zu weißer Milch und eilig sich bindet.

Also binde du deine Mahlzeit mit kochendem Wasser.

Aber eile zurück, ich will nun zurückkehren, Bruder,


Auf den Weg des festlichen Lieds, wie ich früher gesagt hab,
Will mich entleeren jeden Ausflusses meiner Gedanken.
Wenn nun unten der letzte Abgrund zu hassen begonnen
Und die Lieblichkeit schöner Liebe ward nicht gewonnen
In dem wirbelnden Zentrum der Masse, siehe, dann sammeln
Alle Dinge ums Zentrum herum erneut sich zur Einheit,
Plötzlich und willig, alle Bereiche vereint und verbunden,
Und aus ihrer Vermischung wird in die Fremde ergossen
Eine Vielzahl von Völkerstämmen sterblicher Dinge.
Doch viel Ungemischtes bleibt noch unterm Gemischten,
So wie der Hass sich noch in der Scheune hält in der Höhe.
Denn nicht alle sind schuldlos des Hasses Beute und Opfer
Drüben in den Kreisen des All an den äußersten Grenzen,
Aber zur Hälfte abgetrennt im Inneren blieb er,
Halb war er bereits entfernt aus den Gliedern des Weltalls.
Immer mehr schlich er weg und floh, und kam immer näher,
Innen bedrückend die Zärtlichgesinnten, voll göttlicher Sehnsucht
Nach untadelig schöner Lieblichkeit. Dort wuchsen eilig
Alle sterblichen Dinge, die ehmals zu sein pflegten ewig
Und unsterblich, und das einzig Reine und Pure
Wurde gemischt im Austausch der Wege erneuerten Lebens,
Und aus ihrer Vermischung ward in die Fremde ergossen
Eine Vielzahl von Völkerstämmen sterblicher Dinge,
Die in allen Formen gestrickt, ein Wunder zu schauen.

Und als die Dinge zusammen kamen, begann nun der Vater
Hass seinen Sitz in der Höh auf der äußersten Kante zu nehmen.

Erde durch Erde vergrößert die Form und Äther durch Äther.

Komm, ich werde dir nun die vier Urzeitlichen nennen,


Daraus stieg die Erscheinung der Dinge, die jetzt wir gewahren,
Nämlich Erde und feuchte Lüfte und rauschende Meere
Und im Äther Helios, der den Globus erleuchtet.

Dass die schwarzen Tiefen der Erde endlos, dass voll sei,
Übervoll der weiße Äther, das schwatzen die Zungen
Einiger wenig denkender Toren mit plappernden Mäulern,
Narren, die doch vom Weltall haben nur wenig gesehen.

Herrlich strahlend ist Helios und Selene glänzt zärtlich.


Siehe, die Flammen der Sonne, die gesammelten, schieben
Sich umrundend durch die gewaltigen Räume des Himmels.
Und die Strahlen der Sonne erleuchten den zärtlichen Vollmond
Und es dunkelt unter dem Monde die Erde, die große,
Wie aber ist die Breite der silberäugigen Mondin?
Lichtstrahlen fallen auf die breite Scheibe des Mondes.
Gegen den Olympos zurück schleudert Helios Strahlen,
Furchtlos ist das Antlitz des herrlich strahlenden Titan.
Rund um die Erde dreht sich die Scheibe voll fremdestem Lichte.
Selbst als kreise ein Schiff, so ist die äußerste Runde.
Denn in Richtung der herrlichen Kreise des Herrn, ihres Gottes,
Schaut die mütterliche Erde von Antlitz zu Antlitz.
Aber Nacht wirds auf Erden von Strahlen sinkender Sonne.
Mutter Nacht, du Einsame mit den erblindeten Augen!

Iris vom Meere bringt Sturmwinde oder mächtigen Regen.


Feuer sprang nach oben mit einer zerreißenden Eile.
Manch ein loderndes Feuer brennt unten unter der Erde.
Manchmal sind die Lüfte erfüllt und manchmal sind leer sie.
In die Erde versank der Äther mit mächtigen Wurzeln.
Und der Mutter Erde Schweiß sind des Ozeans Wasser.
Salz wuchs solide, aufgezogen durch Strahlen der Sonne.

Leider sah ich auch Köpfe ohne Hälse gewachsen,


Arme fielen von den Schultern, kahl nackte Arme,
Durch die Stirn sah ich dringen starre glotzende Augen.
Und in Isolation die Glieder wanderten einsam,
Hin und her, um gerecht zu werden ersehntem Vereine.
Aber jetzt, wie Gott mit Göttin sich mischt und vereinigt,
Diese Glieder fielen zusammen, wo sie sich trafen,
Manche Geburt ward daneben gezeugt von hässlichen Zeugern
In der endlosen Reihe von stets variierendem Leben.
Kreaturen mit unzähligen Händen und Füßen!
Manche wurden mit zweierlei Stirn und Busen geboren,
Einige mit des Mannes Gesicht auf dem Körper des Ochsen,
Einige mit der Gestalt des Mannes, den Köpfen von Ochsen,
Mischformen des Zusammenseins von tiefem Geheimnis,
Manchmal wie Männer, manchmal wie busenwuchernde Weiber.

Aber jetzt komm, jetzt höre wie die lodernden Feuer


Keime ins Leben geführt, die wölbten sich erst in den Nächten,
Wurden von Männern und Frauen voll Mitleid beweint und bejammert,
Ach das ist nur ein Märchen, das sieht und kennt seine Spuren.
Erst stiegen bloße Erdklumpen mit unhöflichem Eindruck,
Erdklumpen, die ihren Anteil hatten von Wärme und Wasser.
Diese wurden durchs Feuer (Im Aufwärts-Eifer erreichten
Sie die verwandten Feuer im Himmel) zur Höhe geschossen,
Wenn sie auch noch nicht die Formen enthüllt hatten ihrer
Reizenden Glieder, darum soll ein Mensch doch nicht weinen
Über diese geheimen Glieder, gemeinsam den Männchen.

Separat ist die Geburt der menschlichen Glieder,


Teilweise männliche Glieder und teilweise weibliche Glieder.
Liebessehnsucht kommt, den Sehenden dran zu erinnern.
In die sauberen Leiber werden die Samen ergossen,
Sind es kalte Samen, dann werden Mädchen geboren,
Sind es heiße Samen, dann werden Knaben geboren.
O hinein in der Aphrodite gespaltene Wiese!
Wärmere Leiber aber mit wärmeren Bäuchen geworden
Mütter von Knaben sind, und dass die Männer sind dunkel,
Kommen weitere handfeste Männer und zottige Männer.
Und am zehnten Tage des achten Monats des Zyklus
Wird das Blut des Weibes weißlich wie flüssiger Eiter.
Zweimal er bestieg das Lager auf weichlichem Lammfell.

Manchem fehlt des Glaubens Mark, da sind immer noch Zweifel,


Wie aus der Elemente liebevollen Vermischung
Kommen von Erde und Wasser, von der Luft und der Sonne
Viele Formen und viele Farben der sterblichen Dinge
Und so sind sie geworden, sind ins Dasein gekommen,
Jedes gestrickt und gerahmt von Aphrodites Betörung.
Lob den hohen Bäumen, den Fischen in salzigen Fluten!
Aphrodite, nach des Regens Erguss auf die Erde,
Eifrig erwärmt die Erde, dann gibt sie der Erde das schnelle
Feuer, dass die wachsende Erde fest werden könne.
Kypris führt auch die stummen Schwärme von laichenden Fischen.
Und die Tiere, im Innern kompakt und im Äußeren lose,
In der Aphrodite Händen die Formen bekommend,
Sie erhielten ihre Schwammigkeit nur durch die Liebe.
So ist es mit den Muscheln an den schweren Gestaden,
Den Bewohnern des Ozeans, des von Muscheln gekränzten,
Oder mit den steinharten Schildkröten, da kannst du merken,
Hart ist die äußere Kruste, weich sind die inneren Teile.
Bäume trugen ausdauernd Obst und ausdauernd Blätter,
Überladen mit Früchten alle kreisenden Jahre,
Seit dem Tag, da sie angeblasen fruchtbare Lüfte.
Große Olivenbäume legen grünliche Eier.
Dann auch sehen wir langsam die roten Granatäpfel reifen
Und es wachsen die Äpfel, die an Apfelsaft reichen.
Aber der edle Wein ist Wasser, im Holze gegoren,
Viele Fragen strömen aus der Rinde des Rebstocks.
Auf dem gleichen Stoff auf stabilen Gliedmaßen wachsen
Haare, Laub, und Schuppen von Fischen und Federn von Vögeln,
Steife Haare, scharf durchbohrende, Borsten des Schweines.

Denk dir einen Mann, im Begriff, eine Lampe zu zünden


Flammenden Feuers gegen die Winterkälte der Nächte,
Seine geile Laterne schirmend vor stürmischen Winden,
Und obwohl er sie schützt vor dem Blasen des wehenden Windes,
Ihre Strahlen pfeilen nach außen, die dünnen und feinen,
Und mit unermüdlichen Strahlen leuchtet der Himmel.
So war es auch, als das urzeitliche Feuer verborgen
Lag in der Runde der Pupille des Auges, geschlossen,
Lag in hauchdünnem Schleier, göttliche Poren durchbohrend,
Und so hielt es uns weit entfernt von den Tiefen des Wassers,
Während das Feuer brach nach außen, das dünne und feine.
Jene sanfte Flamme des Auges schuf uns der Zufall,
Wenig nur hat sie von den irdischen Teilen des Menschen.
Nämlich den Menschen hat Aphrodite, die göttliche Liebe,
Anerschaffen die schönen unermüdlichen Augen.
Aphrodite schmiedet mit den Schrauben der Liebe.
Eine Vision wird immer von zwei Augen geboren.

Wisse, alle Dinge sind aus Emanationen.


Süßes ergriff das Süße und Bittres flog auf das Bittre,
Saures ist dem Sauren entsprungen und Hitze ritt Hitze.
Wasser wird sich gut mit dem roten Weine verbinden,
Aber mit Öl will sich das keusche Wasser nicht mischen.
Aphrodite ist wie wenn man Zinn mit dem Kupfer vermischte.
Mit dem Flachs ist vermischt der silbrige ältere Samen.

Und die schwarze Farbe der Tiefe des Flusses kommt alles
Aus dem Schatten, man kann das auch sehen im Hohlraum der Höhle.

Mit den Händen Aphrodite formte Gebilde


Und zum ersten Mal fingen sie an, zusammen zu wachsen.
Siehe die Erde mit den breiten Schmelztöpfen, Mutter,
Von acht Teilen bekam sie zwei von der leuchtenden Nestis,
Von Hephästos vier. Von dort kamen weißliche Knochen,
Glücklich durch Klebstoff der Harmonie und Schönheit verbunden.
Und nachdem die Erde lag im vollkommenen Hafen
Aphrodites verankert, traf sie der rote Hephästos,
Und der Regen und der Äther, allgnädige Mächte,
Wenn auch Teile der Erde manchmal weniger waren,
Manchmal ein wenig mehr als die ihrigen, kamen aus diesen
Unser menschliches Blut und alle Formen des Fleisches.
Ohren, die fleischlichen Zweige, gleichen den Glocken des Tempels.

Alles wird einatmen, alles wird ausatmen. Und über alle


Ebenen Flächen der unblutigen Rohre des Körpers
Wird sich das Fleisch erstrecken, und an den offenen Rissen
Werden sich unzählig viele entlang der äußersten Rinde
Langweilen, aber das lebendige Blut bleibt im Innern,
Für die Luft ist frei geschnitten worden ein Durchgang,
Und von hier aus kommt aus den dünnen Blutrückwärtsströmen
Jene Luft mit dem Rauschen einer brüllenden Düne,
Aber wenn sie dann wieder weiter leitet die Ströme
Und die Luft im Gegenzug ausatmet, ists wie ein kleines
Mädchen, spielend mit der Flöte von glänzender Bronze.
Denn solange immer die Öffmung der länglichen Rohre
Werden durch ihre hübschen Finger gehalten, verschlossen,
So stürzt dann auch innerhalb der nachgiebigen Masse
Silbriges Wasser, und das kann dann die Welt nicht bewahren
In dem Gefäße. Aber der Lüfte Eigengewichte
Fallen im Inneren tief in die unzähligen Löcher,
Halten die Lüfte in Schach, bis dann das kindliche Mädchen
Aufdeckt die verdickten Lüfte und freispricht die Sätze,
Wie wenn einer die Wahrheit des Wassers verschüttet bestimmend
Und in die Führung ruft, wenn nachgibt die Luft. Und so ist es,
Wenn in dem schlanken Bauch von des Mädchens eherner Flöte
Wasser liegen und die Fingerspitzen des Mädchens
Führen das Rohr und den Schlauch. Und dann die Lüfte von außen
Kommen nach innen, gedrückt, sie halten zurück dann das Wasser
Über des gurgelnden Halses weithin offenen Torweg,
Wenn das hübsche Mädchen besitzt die Spitze der Flöte,
Bis sie dann wieder lockert ihr schlankes niedliches Händchen,
Ganz im Gegenteil, um Platz zu machen und weise
Auszugießen das untere Wasser, die Luft sinkt nach unten.
So ists auch mit dem dünnen Blut, das treibt unsre Glieder,
Wenn die Ströme eilen zurück nach innen, dann rauschen
Luftströme auf, und wenn weiter geleitet die Sprünge, die Luft dann
Atmet im Gegenzug aus entlang der selbigen Weise.

Schnüffelnd mit Nüstern von wilder Tiere Gliedmaßen, zärtlich


Streifend mit schlanken Füßen entlang den zärtlichen Gräsern:
So bekamen die Dinge Anteil von Düften und Atem.

Alle Dinge denken, allein durch den Zufall des Willens.


Und die Leichtesten noch im Stürzen schlagen zusammen.
Mit dem strömenden Blute, springend zurück zu dem Herzen,
So das Herz wird genährt, so herrscht die Allmacht des Herzens
Über die Männer rufenden Denkens, denn siehe, das Blut regt
An und das Herz allein kontrolliert die Gedanken der Männer.
Denn mit der Männer Sparsamkeit wächst die Vernunft ihres Denkens,
Nach der körpereigenen Sparsamkeit und nach dem Staate.
Denn von Aphrodite vermischt sind alle die Dinge,
Und durch Charis die Männer denken, sind froh oder traurig.
Und soweit die Sterblichen sich verändern am Tage,
So in der Nacht ihres Denkens kommt die Veränderung gleichfalls.
Durch die Mutter Erde ists, dass die Sterblichen da sind,
Und durch den himmlischen Vater Äther, den strahlenden Äther,
Und durch das keusche Wasser und durch das verzehrende Feuer,
Und durch die göttliche Liebe und die dämonischen Kriege.
Wenn auf einem Geiste ruht das feste Vertrauen,
Wird er immer voll Neigung sein und Fleiß des Bestrebens.
Du wirst an ihnen sehen, dass all diese Dinge gehören
Dir und sind für immer dein, des Dieners. Zudem auch
Sollst du von manchem eine erfüllte Zunahme machen,
Weil sie schon für sich selbst allein im Kerne gewachsen
Nach der Natur eines jedem Menschen, dem Wesen entsprechend.
Aber wenn du für die anderen schauen wirst, wirst du
Nur erreichen leere Schätze, gemein und unzählig.
Wie die Menschen auch sein mögen, die für immer und ewig
Blähen die Seelen auf mit lebhaften Wünschen, o diese
Werden dich zügig verlassen mit den kreisenden Jahren.
Aber bei aller Sehnsucht sei auch eilig die Rückkehr
Zu der Menschen eignem urzeitlichen Bette. Denn wisse,
Alle Dinge sind vorsätzlich, haben Anteil am Denken.

Du sollst Meister werden jeden Medikamentes,


Welches jemals erschaffen wurde zur Heilung des Kranken
Und des Alters. Für dich allein kommt alle Erfüllung,
Du wirst stillen die Macht der unermüdlichen Stürme,
Beben der Erde und das verderbliche Beben des Meeres,
Ja, und wenn du willst, sollst du erwecken die Kräfte
Und beobachten ihre Rache, die wilde und schrille,
Ehe du dich zu ihnen gesellst. Bewirke den Wechsel
Schwarzer Trockenheit, sind die Jahreszeiten dem Volk gut,
Und die lange Trockenheit in der Hitze des Sommers,
Du sollst ernähren auch die Bäume auf dem Gebirge,
Wenn sie unten den Äther einatmen. Du sollst im Hades
Liebevoll winken der Macht der umgekommenen Menschen.

O ihr treuen Freunde, die in der mächtigen Stadt wohnt


Längs der gelben Akragas in der Akropolis, Freunde,
Ihr Verwalter der guten Werke und Taten der Liebe,
Ehrwürdig-freundlich gebt ihr Zuflucht geflüchteten Fremden,
Alle begrüßend. O ihr Freunde! Aber zu ihr geh ich selig
Als ein unsterblicher Gott jetzt, nicht mehr ein sterbliches Männchen,
Allen genehm und gut geehrt von jeglicher Seite
Und gekrönt mit goldener Krone und blühendem Kranze.
Wenn zu den Scharen von Männern und Frauen ich komme als Heiland,
In die blühenden Städte, werde ich suchen Gebete,
Tausende folgen, sie fragen mich nach dem Heilsweg, ersehnen
Meine Orakel, andere hören mein heilendes Reden,
Suchen heilende Worte gegen die Übel, die Krankheit,
Allzu lang sind sie alle schon durchbohrt von den Schmerzen.
Aber warum nicht fordern, was ich geben kann wahrlich
In den großen Dingen? Übertreffe ich weit nicht
All die andern sterblichen Männer, Tote erweckend?
O ihr treuen Freunde! Ich weiß fürwahr mit dem Worte,
Was ich reden werde, das ist die göttliche Weisheit,
Aber ohne Ruhe die Menschen sind alle die Tage
Und sind gewesen in unerbittlichen Kämpfen des Glaubens,
Bis die ewige Wahrheit ihren Busen erreichte.

Da ist das Wort des Schicksals, eine alte Verordnung,


Ewige Götter haben dieses eilig beschlossen
Und beschworen mit festen Eiden: Wer immer ein Geist ist,
Der hat von alters eine Lebensdauer unendlich,
Wenn er sich aber aufgeopfert dem ewigen Übel
Oder falsch geschworen mit der Lüge der Zunge,
Muss er wandern müde dreimal zehntausend Jahre
Weit entfernt von den Heiligen und muss wieder geboren
Werden in der Zeit in verschiedenen sterblichen Formen,
Immer sich ändernd auf dem Lebensweg, unruhig immer,
Denn jetzt die Lüfte jagen ihn weiter zum schäumenden Meere
Und das tobende Meer speit ihn an den Sandstrand des Ufers,
Dann die Erde speit ihn aus zu der strahlenden Sonne,
Daher kommt er wieder zurück in die wirbelnden Lüfte.
Jeder bekommt vom andern, was sie alle verabscheun.
Und auch ich bin jetzt gezählt zu der wandernden Menge,
Bin ein Vagabund und ein Flüchtling unter dem Himmel,
Bin dem Schicksal gehorsam in den schwärmenden Kämpfen.
Charis aber verabscheut das unerträgliche Schicksal.
Ich war schon einmal ein Knabe und war schon einmal ein Mädchen,
Ich war Blume und Vogel und ein Fisch in den Wellen.

Ach, ich weinte und jammerte, sehend die Fremdheit der Orte.
Ach, von welchem Ruhm und von welcher Glückseligkeit bin ich
Auf die Erde gefallen, mich unterm Volk zu bewegen!
Und dann kamen wir unters Dach einer finsteren Höhle.
Und wir kamen leider in öde freudlose Länder,
Wo die Truppen des Schlachtens und Krieges herrschten mit Schrecken,
Wo wir geschrumpft von Krankheit und obszönem Verfaulen,
Wo wir von schwerer Arbeit belastet wie Becher voll Wasser,
Durch die tristen Fluren bummelnd. Alles ist sinnlos.
Da gabs die schwarze feuchte Erde, die heilige Mutter,
Dort erschien mir die Jungfrau in dem Kleide der Sonne,
Aber auf Erden herrschte der blutige Krieg bis zum Grabe
Und es gab Chaos und Übel und Hast und sinnlose Arbeit,
Alle Menschen mit schwarzen Haaren in großer Verwirrung
Und die süßesten Mädchen waren sich sicher des Todes.
Und da herrschten Wachsen, Verfaulen, Schlaf und Erwachen,
Ruhe und Aktivität und Ruhm der Lorbeergekrönten,
Lärm und Stille, und vorherrschend war die Sprache der Mutter.
O ihr Sterblichen! O ihr armen Söhne der Trauer!
Ihr seid aus solchen Bedingungen nur wie Seufzer entsprungen!

Für die Toren machte Gott die verschiedenen Formen.


Alles in der Natur ist im Wandel, umhüllt sind die Seelen
Mit den verschiedenen Tuniken ihres sterblichen Fleisches.
Aber die würdigste Wohnung für die Seele des Menschen,
Wenn sie schon leben muss in der Form eines tierischen Körpers,
Sind die majestätischen Löwen, Tiere, die schlafen
Formschön auf der Erde an dem Fuße der Berge.
Aber wenn sie in Form von schön beblätterten Bäumen
Leben, ist die Eiche die würdigste Form für die Seele.

In dem goldenen Zeitalter war nicht Ares der Herrgott,


Auch nicht Zeus, der Vater der Götter, auch nicht Saturnus,
Auch nicht Poseidon, sondern es herrschte die Königin Kypris!
Diese haben die Menschen mit heiligen Opfern beruhigt,
Opferten nur gemalte Bilder lebendiger Wesen
Oder mit süßem Wohlgeruch die teuersten Salben
Oder sie brachen das süße Opfer zerriebener Myrrhe
Oder des duftenden Weihrauchs, gossen den Wein auf die Erde,
Opferten goldenen Honig, den sie mit Blut nicht vermischten,
Keine Stiere wurden geschlachtet am Opferaltare,
Unter den Menschen ward es angesehen als Übel,
Leben zu töten und ihre köstlichen Glieder zu essen.

War nun unter den vielen Menschen einer ein höchster


Mann von ausgedehntem Wissen, mit reichem Verständnis
Und ein Meister verschiedener Werke der Kunst und der Weisheit,
Der den ganzen Umfang und die Reichweite suchte
Der Vernunft, ein solcher gedieh in seltener Zeit nur.

In dem goldenen Zeitalter waren zahm alle Dinge


Und voll Sanftmut gegenüber den sterblichen Menschen,
Alle Tiere und Vögel waren mit Menschen befreundet
Und die freundliche Flamme brannte schön für den Menschen.
Du unsterbliche Jungfrau, o Muse, du könntest geruhen,
Diesen unseren armen menschlichen Sorgen zu geben
Eine Pforte zu deiner Seele, mehr noch, o Muse,
O Kalliope mit der schönen lieblichen Stimme,
Sei mir nah, wenn ich singe Gedanken der seligen Götter.

Wohl dem Mann, der gesichert hat sein reiches Vermögen


Göttlichen Denkens! Ach, erbärmlich der Mann, dessen Pflege
Ist die Finsternis eitler törichter Spekulationen!

Zwar wir sehn es vielleicht nicht mit den sterblichen Augen,


Zwar wir können es nicht begreifen mit menschlichen Händen,
Hände und Augen erkennen es nicht, doch der Pfad zu der Wahrheit
Kommt allein durch den Glauben in die Köpfe der Menschen.

Es ist nicht geschmückt mit menschenähnlichen Kopfe,


Von den Schultern schwingt sich nicht die Verzweigung der Arme,
Es hat keine Füße und keine Schenkel und ist nicht
Aus den Elementen gemischt, doch ist es lebendig,
Ist der heilige Geist, der unaussprechlich und einzig,
Der durchs Universum pfeilt mit schnellen Gedanken.

Aber das große Gesetz, dem alle beugen sich müssen,


Ist das Urteil des Äthers und des strahlenden Himmels.

Wollt ihr nicht mehr den großen Lärm der Schlachtung von Tieren?
Wollt ihr denn nicht sehen, gedankenlos, wie ihr dahin lebt,
Wie ihr einander zerreißt in Ermangelung jeglicher Weisheit?

Weh euch! Der Vater erhöht für den Schlag des grausamen Todes
Seinen eigenen Sohn und bringt ihn als Gabe zum Opfer,
Schlitzt ihm die Kehle auf als Opfer zu lauten Gebeten,
Ein verblendeter Narr ist der Vater! Die elenden Opfer
Flehen zu ihrem Zerstörer. Aber taub ist der Vater
Seinem kläglichen Stöhnen, seinem elenden Jammern.
Sondern er schlitzt ihm die Kehle auf und bereitet zuhause
Eine schreckliche Opfermahlzeit. So greift der Vater
Seinen Sohn und die Mutter schlachtet die eigenen Kinder
Und die eigene Leibesfrucht, fressen ihr eigenes Fleisch auf!

Weh mir, dass nicht einst ein unbarmherziger Tag mir


Hat mein Leben getötet, ehe die Lippen verkünden
Mussten die monströsen Verbrechen der Schlachtung der Kinder!
Dummkopf, halte zurück die Hände vom Lorbeer des Phöbus!
Ihr erbärmlichen Narren, ihr ganz elenden Toren,
Haltet die Hände zurück von den Bohnen, dem Wohnsitz der Ahnen!
Weder erfreuen die Sünder die Tempel des Vaters Kronion
Noch der rächenden Göttin Hekate heilige Hallen.
Frevler, es kommt von euren bösen Taten nur Unheil,
Darum sollt ihr das Leben verbringen in ewigen Schmerzen!

Aber die Seher der Ewigkeit und die Sänger der Hymnen,
Ärzte der Naturmedizin und die Häupter der Menschheit
Sollen dahin kehren, woher gekommen die Götter,
Und dort ausgezeichnet werden in Ehren vom Himmel.
An dem eigenen Herd und in der kultischen Feier
Mit den unsterblichen Göttern in trauter Vereinigung lebend,
Werden die Heiligen schließlich erlöst von den irdischen Schmerzen.

PARMENIDES

Pferde tragen mich immer so weit, als es wünscht meine Seele,


Und so brachten sie mich und stellten mich auf den berühmten
Weg der Göttin, die mit eigenen Händen den Mann führt,
Die aus sich selbst alle Dinge weiß. So ward ich getragen,
So haben weise Rosse meinen Wagen gezogen,
Mädchen wiesen den Weg mir. Die Achse glüht in der Narbe,
Denn es waren runde wirbelnde Räder am Ende,
Mädchen vermittelten mir ihr Licht, ließen sinken den Schleier,
Gaben Töne wie Flötentöne, die Töchter der Sonne.
Ich ging von ihren Gesichtern, verließ die nächtliche Wohnung.
Dort gibt es Pforten der Möglichkeiten, Nächte und Tage,
Oben mit einem Türsturz und unten mit steinerner Schwelle,
Hoch in der Luft, sie werden von mächtigen Türen geschlossen,
Und die Gerechtigkeit hält die Schlüssel, diese zu öffnen.
Mädchen bitten mit Überredung und zärtlichen Worten,
Ohne Einwand den Riegel von den Toren zu lösen.
Dann, als die Türen wieder waren verschlossen, sie wiesen
Weit mir den Weg, die dreisten Scharniere schwangen nach hinten,
Waren mit Nieten und Nägeln befestigt. Grad durch sie führten
Auf dem breiten Wege die Mädchen Pferde und Wagen.
Und die Göttin begrüßte mich freundlich und nahm meine Hände
Freundlich mit ihren Händen und sprach zu mir diese Worte:
Herzlich willkommen, Knabe, in meiner himmlischen Wohnung,
Kommst du zu mir mit dem Wagen, gelenkt vom unsterblichen Führer.
Das ist nicht Zufall, sondern Recht und Gerechtigkeit ist es,
Die dich schickte auf diesen Weg der heiligen Reise.
Dieser Weg unterscheidet von ausgetretenen Pfaden
Törichter Menschen sich. Und so sollst du alles auch lernen,
Unerschütterlich in dem Herzen die Wahrheit bezeugen,
Anders als die Meinungen sind der sterblichen Menschen,
Gibt es in ihnen doch überhaupt keinen wahrhaftigen Glauben.
Du wirst diese Dinge lernen, beurteilen musst du
Die Erscheinung der Dinge, den Schein, den verehren die Leute,
Du aber gehe den Dingen auf den Grund als ein Pilger.

Komm jetzt, ich möchte dir sagen, und höre meine Gedanken,
Trage sie weiter. Es gibt zwei Möglichkeiten des Denkens.
So die erste Überzeugung: Seiendes ist es
Und unmöglich kann es ein Nichtseiendes auch sein.
Wahrheit ist dieses Gedankens höchste Führerin. Aber
Eine andere Überzeugung ist es, dass Nichts ist,
Dass das Etwas ein Nichts ist, unglaubwürdigerweise,
Denn zu wissen ein Etwas, das Nichts ist, unmöglich ist dieses.

Das ist nämlich eins: Was man denken kann und was sein kann.

Das muss sein, was man denkt und was ausgesprochen soll werden,
Unmöglich ist es ein Seiendes und ein Nichts auch. Dies ist es,
Was ich dir sage, denke drüber nach, mein Geliebter.
Untersuche die eine und die andere Meinung.
Sterbliche sollen wissen und nicht spazieren im Zweifel,
Zögernd nicht führen das wandernde Denken ins Innre des Busens,
Dass sie getragen werden wie taube erblindete Menschen.
Unwissend ist die Masse der Menschen, die nämliche Sache
Ist und ist auch nicht in ihren verschleierten Augen,
So gehn sie in entgegengesetzte Richtungen immer.

So können nie auch bewiesen werden nichtseiende Dinge.


Halte zurück dein Denken von dieser Art der Gedanken,
Auch nicht aus Gewohnheit werfe dein Auge auf diese
Hinterhältigen Spuren oder die durstigen Ohren
Oder die herrschende Zunge. Widerlege die Meinung
Auf subtile Art durch das Wort der Göttin der Wahrheit.

Aber ein Weg ist da für uns, der rechte der Wege,
Davon zu sprechen, nämlich vom Seienden. Darin ist Inhalt,
Seiendes, Unerschaffnes, Unverwüstliches, Einssein,
Unbeweglichkeit und Vollkommenenheit, Ewiges, Alles,
Auch wars immer schon da und wird es immer auch da sein,
Nun ists, alles auf einmal, kontinuierliches Dasein.
Welchen Ursprung deines Daseins willst du sonst suchen?
Wie und aus welcher Quelle würde erhöht sonst dein Leben?
Das lass ich nicht zu und das will ich dir auch nicht sagen,
Dass du aus dem Nichts gekommen wärest, das Nichts ist
Nicht, man kann es nicht denken, man kann vom Nichts auch nicht sprechen.
Falls du aus dem Nichts kämst, wie wär es notwendig gewesen,
Dass du später entstanden oder früher entstanden?
Daher ist überhaupt ein Seiendes oder alles ist nichtig.
Auch wird die Macht der Wahrheit nicht leiden, dass etwas entstehe
Neben ihr in irgendeiner Weise. Und darum
Wird die Gerechtigkeit ihre Bande nimmer verlieren,
Oder nichts mehr werden lassen oder vergehen.
Ists oder ist es nicht? Gewiss, es ist, wie es sein muss,
Dass wir den falschen Weg als undenkbar legen beiseite,
Aber der richtige Weg ist realistisch und wahrhaft.
Wie also kann auch Seiendes sein in kommenden Tagen
Oder wie kann es entstehen? Wenn es aus Nichts ist geworden
Und im Nichts auch vergeht, so ist es alles nur nichtig.
Aber das Seiende ist nicht teilbar, ist immer sich gleichend,
Nicht gibts an einem Orte mehr davon als am andern,
Nicht wirds mehr oder weniger, da doch alles erfüllt ist.
Darum hält alles zusammen das Seiende, was in Kontakt ist
Mit dem Sein. Auch ist es unbeweglich in Banden
Mächtigster Ketten, auch ohne Anfang und auch ohne Ende,
Seit es Werden und Vergehen gibt, treibts in der Ferne,
Wahrer Glaube wirft es nicht weg, das ewige Dasein,
Es ist immer dasselbe und verweilt in sich selber
Und es liegt in dem Eignen stets an der selbigen Stelle.
So ists an seiner Stelle bleibend. Notwendigkeit hält es
In den gewissen Banden der Grenze auf jeglicher Seite.
Darum ists nicht unendlich, auch brauchts nichts. Wär es unendlich,
Würde es alles stehen in Notwendigkeit. Es ist
Eins, was existiert und was gedacht wird im Denken.
Denn Gedanken können nichts finden, das nicht ist etwas,
Dem sind sie verlobt. Und wahrlich, es ist auch nicht anders,
Denn das Schicksal hat es angekettet ans Ganze,
Unverrückbare. Diese Dinge haben den Namen,
Darum glauben die Sterblichen, dass die Dinge auch wahr sind,
Nämlich Werden und Vergehen, Sein oder Nichtsein,
Wechsel des Ortes oder Änderung leuchtender Farbe.
Wo also ist die entfernteste Grenze, ist es vollendet
Und vom Zentrum in alle Richtungen ist es vollendet
Wie die Masse einer abgerundeten Kugel.
Nicht ists irgendwo kleiner oder größer woanders,
Denn es ist nicht mehr hier oder weniger dort, denn
Es ist unverletzlich, sich gleich in jeglicher Richtung,
Und ist beschränkt auch innerhalb seiner eigenen Grenzen.
Hier soll ich schließen meine vertrauenswürdige Rede
Und Gedanken über die Wahrheit. Lerne nun kennen
Du der Sterblichen Meinungen, leihe dein Ohr nun dem Irrtum.
Von zwei Formen sprechen in ihren Köpfen die Toren,
Das ists, wo sie in die Irre gehn von der Wahrheit.
Nämlich sie weisen entgegengesetzte Substanzen zu jedem,
Voneinander unterschiedne Markierungen, nämlich
Auf der einen Seite das Feuer des Himmels, das leichte,
Dünne, in jeder Richtung das Gleiche, aber nicht gleich der
Dunklen Nacht, dem kompakten schwergewichtigen Körper.
Ich aber sage dir die gesamte Anordnung, Liebling,
Dass kein Sterblicher dich kann übertreffen in Weisheit.

Jetzt werden alle Dinge benannt nach Lichtschein und Dunkel.


Und die Dinge stehen unter der Leitung von einem
Dieser beiden. Alles ist voll von Licht oder Dunkel.
Aber da hat das eine nichts zu tun mit dem andern.

Und du kennst den Ursprung von allem, die heilige Höhe,


Alle Zeichen am Himmel und die prächtigen Werke
Von der glühenden Sonne klaren lodernden Fackel
Und woher sie kam, und du sollst ebenfalls lernen
Über die wandernden Taten des runden Gesichtes des Mondes
Und die Herkunft des Mondes, sollst auch kennen den Himmel,
Der uns umgibt, und wie er entstand und die Grenzen der Sterne.

Lern, wie die Erde, der Mond und die Sonne, der Himmel entstanden,
Allen gemeinsam, und die Milchstraße und der Olympus,
Wie entstanden sind die glühenden Mächte der Sterne.

Engere Kreise, mit ungemischtem Feuer erfüllte,


Um sie herum die Nacht, und in der Mitte der Binsen
Ist ihr Anteil an Feuer. In der Mitte der Kreise
Ist die heilige Gottheit, leitet alle die Dinge,
Leitet die Zeugung und die Schmerzen der Wehen nach Regeln,
Treibt das weibliche Wesen in die Arme des Mannes,
Treibt das männliche Wesen an den Busen des Weibes.

SEX IN PLATONS REPUBLIK

Für Männer, geboren und erzogen, wie für Bürger, ist der einzige Weg, meiner Meinung nach, im
rechten Rückschluss auf den Besitz und die Verwendung von Frauen und Kindern, der Weg, auf
dem wir ursprünglich begonnen haben, als wir sagten, dass die Männer die Hüter und Wächter der
Herde sind.
Das ist wahr.
Nehmen wir weiter an die Geburt und Erziehung unserer Frauen nach einer ähnlichen oder fast
ähnlichen Regelung; dann werden wir sehen, ob das Ergebnis im Einklang steht mit unserem
Entwurf.
Was meinst du?
Was ich meine, kann in der Form einer Frage gestellt werden, ich sage: Sind Hunde in Männchen
und Weibchen unterteilt, oder sind sie beide zu gleichen Teilen auf der Jagd und im Wachen tätig
und bei den anderen Aufgaben der Hunde? Oder müssen wir anvertrauen den Männchen die
gesamte und ausschließliche Pflege der Herden, während wir lassen die Weibchen zu Hause, mit der
Vorstellung, dass die Lager zu hüten und ihre Welpen zu säugen Arbeit genug für sie ist?
Nein, sagte er, sie gleich zu stellen; der einzige Unterschied zwischen ihnen ist, dass die Männchen
stärker und die Weibchen schwächer sind.
Aber kann man verschiedene Tiere für den gleichen Zweck nutzen, es sei denn, sie sind gezüchtet
worden und in der gleichen Weise geführt?
Man kann es nicht.
Dann, wenn Frauen die gleichen Pflichten haben wie Männer, müssen sie die gleiche Erziehung und
Bildung bekommen?
Ja.
Die Ausbildung, die den Männern zugeordnet wurde, war Musik und Gymnastik.
Ja.
Dann müssen Frauen Musik und Gymnastik und auch die Kriegskunst erlernen, sie müssen wie die
Männer darin belehrt werden?
Das ist die Schlussfolgerung, nehme ich an.
Ich hätte eher erwartet, sagte ich, dass einige unserer Vorschläge, wenn sie durchgeführt werden,
ungewöhnlich erscheinen und lächerlich.
Kein Zweifel.
Ja, und die lächerlichste Sache von allen wird der Anblick von Frauen nackt in der Palästra sein
beim Training mit den Männern, vor allem, wenn sie nicht mehr jung sind; sie werden sicherlich
nicht eine Vision von Schönheit sein, ebenso wenig wie die begeisterten alten Männer, die trotz der
Falten und der Hässlichkeit weiterhin häufig den Gymnasien beiwohnen.
Ja, ja, sagte er: nach den heutigen Vorstellungen würde der Vorschlag lächerlich zu denken sein.
Aber dann, sagte ich, als wir festgestellt haben, um in unserem Geist zu sprechen, müssen wir keine
Angst vor den Scherzen der Witze haben, die gegen diese Art der Innovation gerichtet werden;
wenn sie von Frauen-Kenntnissen sowohl in der Musik und Gymnastik und vor allem auch über
ihre Rüstung und das Reiten auf den Pferden sprechen!
Sehr wahr, antwortete er.
Doch nachdem wir begonnen, uns auf die unebenen Stellen des Gesetzes zu begeben, zur gleichen
Zeit bat der Herr, einmal im Leben ernst zu sein. Vor nicht langer Zeit, wie wir daran erinnern,
waren die Herren der Meinung, die immer noch in der Regel bei den Barbaren empfangen wird,
dass der Anblick eines nackten Mannes lächerlich und unsachgemäß war für die Hellenen; und als
Erste die Kreter und dann die Lakedämonier führten den Brauch ein, der Verstand des Tages könnte
ebenso diese Innovationen verspotten.
Kein Zweifel.
(...)
Zuerst also ist es die Frage, im Scherz oder im Ernst genommen, so lass uns ein Verständnis über
die Natur der Frau bekommen: Ist sie in der Lage, den Austausch ganz oder teilweise in den
Handlungen der Männer zu üben oder gar nicht? Und ist die Kunst des Krieges eine jener Künste, in
der sie sich üben kann oder nicht? Das wird der beste Weg sein, der Beginn der Untersuchung, und
wird wahrscheinlich zum schönsten Ergebnis führen.
Das wird deutlich der beste Weg sein.
Sehen wir erst einmal die andere Seite und beginnen mit dem Argument gegen uns; auf diese Weise
wird die Position des Gegners nicht unverteidigt sein.
Warum nicht? sagte er.
Dann lass uns eine Rede in den Mund unserer Gegner legen. Sie werden sagen: Sokrates und
Glaukon brauchen keine Gegner, sie zu überführen, denn die bei der ersten Gründung des Staates
gaben den Grundsatz, dass jeder eine Arbeit seiner eigene Natur geeignet tut. Und sicher, wenn ich
mich nicht irre, ein solches Eingeständnis wurde von uns gemacht. Und ist nicht die Natur von
Männern und Frauen sehr unterschiedlich? Und wir werden antworten: Natürlich ist sie das. Dann
werden wir gefragt, ob die den Männer und die den Frauen zugewiesenen Aufgaben nicht anders
sein müssen, und wie angenehm sie der unterschiedlichen Natur sind? Sicherlich sollten sie. Aber
wenn ja, ist es nicht eine schwere Inkonsistenz zu sagen, dass Männer und Frauen, deren Naturen so
ganz anders sind, die gleichen Aktionen ausführen sollten? Welche Verteidigung machen wir für
uns, mein guter Herr, gegen jeden, der diese Einwände bietet?
Das ist keine einfache Frage zu beantworten, so plötzlich gefragt; und ich will und ich weiß, ich
bitte dich, den Fall auf unsere Seite zu ziehen.

Dies sind die Einwände, Glaukon, und es gibt viele andere, einen von der Art, die ich vor langer
Zeit vorausgesehen; es machte mich ängstlich und zurückhaltend gegen das Gesetz über den Besitz
und die Pflege von Frauen und Kindern.
Beim Zeus, sagte er, das Problem zu lösen, ist alles andere als einfach.
(...)
Als nächstes werden wir unsere Gegner fragen, wie, in Bezug auf eine der Beschäftigungen oder
Künste des bürgerlichen Lebens, die Natur einer Frau sich unterscheidet von der eines Mannes?
Das wird ganz gerecht sein.
Und vielleicht wird er antworten, dass eine ausreichende Antwort auf die Frage sofort zu geben
nicht einfach ist; aber nach ein wenig Nachdenken gibt es keine Schwierigkeiten.
Ja, vielleicht.
Nehmen wir also an, dass wir ihn einladen, uns in der Argumentation zu begleiten, und dann
können wir hoffen, ihm zu zeigen, dass es nichts Besonderes in der Verfassung der Frau ist, die sie
in der Verwaltung des Staates beeinträchtigen würde.
Mit allen Mitteln.
Lass uns sagen zu ihm: Komm jetzt, und wir werden dir eine Frage stellen: wenn du von einer
begabten Natur oder einer nicht in jeder Hinsicht begabten sprachest, wolltest du damit sagen, dass
ein Mann eine Sache einfach schwer erwerben kann und ein anderer leichter; ein wenig Lernen wird
den einen führen, sehr viel zu entdecken; während der andere, nach viel Untersuchung und
Anwendung, kaum mehr erfährt, als er vergisst; oder wieder: Meintest du, dass der eine einen
Körper hat, der ein guter Diener seine Meinung ist, während der Körper des anderen ist ein
Hindernis für ihn? Meintest du nicht diese Art von Differenzen, die die Menschen unterscheidet
nach der begabten oder unbegabten Natur?
Niemand wird das leugnen.
Und kannst du jedes Streben der Menschheit erwähnen, in der das männliche Geschlecht nicht alle
diese Gaben und Qualitäten in einem höheren Grad als das weibliche hat? Brauche ich Zeit zu
vergeuden im Sprechen von der Kunst des Webens und der Bereitung von Pfannkuchen und
Marmelade, in der die Frauenwelt wirklich groß ist, und in dem von einem Mann geschlagen zu
werden absurd ist?
Du hast ganz recht, antwortete er, bei der Aufrechterhaltung der allgemeinen Unterlegenheit des
weiblichen Geschlechts: Obwohl viele Frauen in vielen Dingen überlegen sind vielen Männern,
aber im Großen und Ganzen, was du sagst, ist es wahr.
Und wenn so, mein Freund, ich schon sagte, es gibt keine spezielle Fähigkeit der Verwaltung in
einem Zustand, den eine Frau hat, weil sie eine Frau ist, oder die ein Mann kraft seines Geschlechts
hat, aber die Geschenke der Natur sind gleich verteilt in beiden; alle Bestrebungen der Männer sind
die Bestrebungen von Frauen auch, aber in allen von ihnen ist eine Frau schlechter als ein Mann.
Sehr wahr.
Dann sind wir berechtigt, alle unsere Inszenierungen über Männer zu verhängen und keine von
ihnen über die Frauen?
Das wird so sein.
Eine Frau hat eine Gabe der Heilung, eine andere nicht; eine ist eine Musikerin, und eine anderer
hat keine Musik in ihrer Natur?
Sehr wahr.
Und eine Frau hat eine Neigung zum Turnen und zu militärischen Übungen und eine andere ist
unkriegerisch und hasst Gymnastik?
Ganz sicher.
Und eine Frau ist eine Philosophin, die andere ist eine Feindin der Philosophie; eine hat Geist, die
andere ist ohne Geist?
Das gilt auch.
Dann eine Frau hat das Temperament eines Vormunds und eine andere nicht. War nicht die Auswahl
der männlichen Erziehungsberechtigten durch Unterschiede dieser Art festgelegt?
Ja.
Männer und Frauen also gleichermaßen besitzen die Eigenschaften, die ein Vormund zu haben hat;
sie unterscheiden sich nur in ihrer vergleichbaren Stärke oder Schwäche.
Offensichtlich.
Und die Frauen, die solche Eigenschaften haben, sollen als die Gefährtinnen und Kolleginnen von
Männern gewählt werden, die ähnliche Eigenschaften haben und denen sie in Kapazität und im
Charakter ähnlich sind?
(...)
Das Gesetz, sagte ich, das die Fortsetzung von diesem und von allem, was vorausgegangen ist, ist
von folgendem Inhalt, dass die Ehefrauen der Erziehungsberechtigten Gemeineigentum sind, und
ihre Kinder sind Gemeineigentum, und kein Elternteil kennt sein eigenes Kind, noch ein Kind seine
Eltern.
Ja, sagte er, das ist eine viel größere Bewegung als alles andere; und die Möglichkeit als auch der
Nutzen eines solchen Gesetzes ist unbestritten.
Ich glaube nicht, sagte ich, dass es Streitigkeiten über die sehr große Nützlichkeit des
Gemeineigentums an Frauen und Kindern gibt; die Möglichkeit ist dennoch etwas ganz anderes und
wird häufig angefochten werden.
Ich denke, dass ziemlich viele Zweifel über beides erhoben werden können.
Es bedeutet, dass die beiden Fragen kombiniert werden, antwortete ich. Nun meinte ich, dass du das
Dienstprogramm zugibst; und so dachte ich, ich sollte von einem Programm von ihnen entkommen,
und dann gäbe es nur die eine Möglichkeit.
Aber der kleine Versuch wird erkannt, und deshalb mögest du bitte eine Verteidigung von beiden
Gesetzen geben.
Nun, sagte ich: Ich nehme mein Schicksal an. Doch tu mir einen kleinen Gefallen: lass mich meine
Meinung sagen mit dem Traum als ein Tagträumer, der in der Gewohnheit des Schlemmen selbst
beharrt, wenn er allein zu Fuß geht. (...) Jetzt fange ich an, jetzt verliere ich den Mut, und ich
möchte, wenn du gestattest, die Frage der Möglichkeit zur Zeit übergehen. Unter der Annahme der
Möglichkeit, des Vorschlags, werde ich jetzt gehen zu fragen, wie die Herrschenden durchführen
werden diese Regelungen, und ich werde zeigen, dass unser Plan, wenn er ausgeführt wird, der
größte Vorteil für den Staat und die Erziehungsberechtigten haben wird. Vor allem dann, wenn du
nichts dagegen hast, werde ich mit deiner Hilfe die Vorteile der Maßnahme bemühen; und im
Folgenden die Frage der Möglichkeit.
Ich habe nichts dagegen; fahre fort.
Erstens glaube ich, dass, wenn unsere Herrscher und ihre Hilfsmittel diese Namen verdienen, die sie
tragen, muss es die Bereitschaft geben, der einen oder anderen Befehlsgewalt zu gehorchen; die
Erziehungsberechtigten müssen sich den Gesetzen fügen, und sie müssen auch in allen Details, die
ihnen anvertrauten werden, den Geist imitieren.
Das ist richtig, sagte er.
Sie, sagte ich, die ihre Gesetzgeber sind, nachdem sie ausgewählt wurden, die Männer sind, werden
nun die Frauen wählen und nehmen sie; sie müssen so weit wie möglich ihrer Natur nach bei ihnen
sein; und sie müssen in normalen Häusern leben und sich treffen zu gemeinsamen Mahlzeiten,
keine von ihnen wird etwas haben, das speziell ihr eigenes ist; sie werden zusammen sein und
zusammen gebracht werden und werden bei gymnastischen Übungen verknüpft. Und so werden sie
durch die Notwendigkeit ihrer Natur gezogen werden, um Geschlechtsverkehr miteinander zu
vollziehen der Notwendigkeit entsprechend. Das ist ein starkes Wort, nicht wahr?
Ja, sagte er, Notwendigkeit, nicht geometrische, sondern eine andere Art von Notwendigkeit, die die
Liebhaber kennen, und die überzeugender und einschränkender auf die Masse der Menschheit
wirkt.
Es stimmt, sagte ich, und dies, Glaukon, wie alles andere, muss nach einer geordneten Weise
vorgehen; in einer Stadt der Seligen ist Zügellosigkeit eine unheilige Sache, die die Herrscher
werden es verbieten müssen.
Ja, sagte er, es sollte nicht zugelassen werden.
Dann eindeutig ist das Nächste, was sein wird, die Ehe im höchsten Grade heilig zu machen, und
das, was für die meisten von Vorteil ist, gilt doch als heilig?
Genau.
Und wie können die Ehen heilig gemacht werden? Das ist eine Frage, die ich an dich stelle, weil ich
in deinem Haus Jäger sehe, und der edleren Art von Vögeln nicht wenige. Nun, ich bitte dich, ich
sag mal, hast du jemals auf ihre Paarung und Aufzucht geachtet?
In welcher Hinsicht?
Darum, in erster Linie, obwohl sie alle guter Art, sind nicht einige besser als andere?
Wahrlich.
Und wirst du alle züchten, gleichgültig, oder kümmerst du dich um die Besten, nur sie zu züchten?
Um die Besten.
Und siehst du auf die ältesten oder die jüngsten, oder wirst du nur diejenigen von reifem Alter
nehmen?
Ich wähle nur diejenigen von reifem Alter.
(...)
Darum, habe ich gesagt, ist das Prinzip bereits festgelegt, dass das Beste aus beiden Geschlechtern
sollte mit den Besten so oft wie möglich vereint sein, und die Unteren mit den Untergeordneten so
selten wie möglich; und dass danach die Nachkommen der einen Art von Vereinigung, aber nicht
der anderen, zur Welt kommen, sofern sich die Partei in erstklassigem Zustand gehalten halt. Nun
ist diese Treiben ein Geheimnis, das nur die Herrscher kennen, oder es kommt eine weitere Gefahr,
dass unsere Herden, die Wächter genannt werden, ausbrechen in Revolutionen.
Sehr wahr.
Hätten wir nicht besser bestimmte Festivals, an dem wir gemeinsam die Bräute und Bräutigame
zusammen bringen und die Opfer dargebracht werden und geeignete Hochzeitslieder von unseren
Dichtern gesungen werden: und die Zahl der Hochzeiten ist eine Frage, die in das Ermessen der
Herrscher gelegt werden muss, deren Ziel es ist, den Mittelwert der Bevölkerung zu bewahren? Es
gibt viele andere Dinge, die sie zu prüfen haben, wie die Auswirkungen von Kriegen und
Krankheiten und etwaigen gleichartigen Geschehnissen, um, soweit dies möglich ist, den Staat
davor und Groß und Klein zu bewahren.
Gewiss, antwortete er.
Wir müssen eine geniale Art der Lose wählen, die die weniger Wertvollen bei jeder Gelegenheit
zusammenzubringen wissen, und dann werden sie ihr eigenes Unglück und nicht die Herrscher
beschuldigen.
Um sicher zu sein, sagte er.
Und ich denke, dass unsere mutige und bessere Jugend, neben ihren anderen Ehrungen und
Chancen, größere Einrichtungen zum Verkehr mit Frauen bekommen müsste; ihre Tapferkeit wird
ein Grund sein, und solche Väter sollten so viele Kinder wie möglich haben.
Wahrlich.
Und die richtigen Offiziere, ob männlich oder weiblich oder beides, denn die Ämter sind von
Frauen als auch von Männern besetzt worden -
Ja -
Die richtigen Offiziere sollen die Nachkommen der guten Eltern im Stift aufnehmen oder
aussteigen lassen, und sie werden sie mit bestimmten Ammen, die in einem eigenen Viertel wohnen,
versehen; aber die Nachkommen der Unteren oder der Besseren, wenn sie die Chancen verformen,
werden an einen geheimnisvollen, unbekannten Ort gebracht werden, wie es sein sollte.
Ja, sagte er, was getan werden muss, wenn die Rasse der Wächter rein zu halten ist.
Sie werden für ihre Erziehung zu sorgen haben, und werden sie den Müttern in den Schoß legen,
wenn sie voll Milch sind, wobei möglichst darauf zu achten ist, dass keine Mutter ihr eigenes Kind
erkennt; und anderen Ammen in die Obhut gebracht, wenn mehr Frauen benötigt werden. Fürsorge
wird auch geachtet werden, dass der Prozess der Säuglinge nicht langwierig wird; und die Mütter
müssen nicht aufstehen in der Nacht oder andere Schwierigkeiten bestehen, sondern es werden über
alle diese Art der Sachen Ammen und Betreuerinnen wachen.
So werden die Frauen unserer Erziehungsberechtigten bei einer leichten Buße ein leichtes Spiel
haben, wenn sie Kinder haben.
Darum, sagte ich, so soll es sein. Lass uns aber füllen das Schema. Wir sagten, dass die Eltern
sollten in der Blüte des Lebens sein?
Sehr wahr.
Und was ist die Blüte des Lebens? Kann es nicht als ein Alter von etwa zwanzig Jahren in dem
Leben einer Frau, und von dreißig bei einem Mann definiert werden?
Welches Jahr willst du enthalten?
Eine Frau, sagte ich, mit zwanzig Jahren könne damit beginnen, Kinder für den Staat zu gebären,
und sie weiterhin, bis zu vierzig Jahren, gebären; ein Mann kann mit fünfundzwanzig beginnen,
wenn er den Punkt, an dem der Puls des Lebens schlägt, schnellsten durchlaufen hat, und auch
weiterhin Kinder zeugen, bis er fünfundfünfzig ist.
Sicherlich, sagte er, sind das bei Männern und Frauen die Jahre der Blüte der physischen als auch
der geistigen Vitalität.
Jedem über oder unter den vorgeschriebenen Altersgruppen, der an den öffentlichen Hochzeiten
teilnimmt, muss gesagt werden, dass er eine unheilige und ungerechte Sache tut; das Kind, von dem
er der Vater ist, wenn es ins Leben kommt, wird unter der Schirmherrschaft der anderen stehen, die
Opfer und Gebete darbringen, der hochzeitlichen Priesterinnen und Priester und der ganzen
Gesellschaft, dass die neue Generation besser sein kann, die so konzipiert sind und besser und
nützlicher sind als ihre Eltern gut und nützlich waren, während sein Kind sonst wird ein
Nachkomme der Finsternis und seltsamen Lust sein.
Sehr wahr, antwortete er.
Und dasselbe Gesetz wird eintreten innerhalb der vorgeschriebenen Alter, die eine Vereinigung mit
einer Frau in den besten Jahren ohne Zustimmung der Herrscher nicht gelten lassen; denn wir
werden sagen, dass er sonst erhebt einen Bastard für den Staat, nicht zertifiziert und ungeweiht.
Sehr wahr, antwortete er.
Dies gilt jedoch nur für diejenigen, die innerhalb der festgelegten Alter zeugen: dass wir es ihnen
ermöglichen, nach Belieben zu zeugen, es sei denn, dass ein Mann seine Tochter oder seiner Tochter
Tochter oder seine Mutter oder seiner Mutter Mutter heirate; und Frauen, auf der anderen Seite,
sollen nicht heiraten ihre Söhne oder Väter oder Söhne der Söhne oder den Vater ihres Vaters und so
weiter in beide Richtungen. Und wir gewähren alles, unter Begleitung der Genehmigung mit
strengen Befehl, jeden Embryo zu verhindern, der so ins Leben kommt, zu sehen das helle Licht;
und wenn jede Kraft ein Weg der Geburt ist, müssen die Eltern verstehen, dass die Nachkommen
einer solchen Vereinigung nicht aufrechterhalten werden können, und vereinbaren es entsprechend.
Das auch, sagte er, ist ein vernünftiger Vorschlag. Aber wie werden sie wissen, wer Vater und wer
die Töchter, und so weiter?
Sie werden es nie erfahren. Die Art und Weise wird diese sein: Zählend ab dem Tag der öffentlichen
Hochzeit, der Bräutigam, der verheiratet war, wird alle männlichen Kinder, die in dem siebten und
zehnten Monat später geboren werden, seine Söhne nennen, und die weiblichen Kinder seine
Töchter nennen, und sie werden ihn Vater nennen, und er wird deren Kinder seine Enkel nennen,
und sie werden die Alten Großväter und Großmütter nennen. Alle, die zu der Zeit gezeugt wurden,
da ihre Väter und Mütter zusammen kamen, nennen sie ihre Brüder und Schwestern, und diese
werden aufgerufen, wie ich schon sagte, dass Mischehen verboten sind. Dies ist jedoch nicht als ein
absolutes Verbot der Heirat von Brüdern und Schwestern zu verstehen; wenn die Menge sie
begünstigt und sie die Sanktion des Pythischen Orakels erhalten, wird das Gesetz es ermöglichen.
Ganz richtig, antwortete er.
Das ist das System, Glaukon, wie die Hüter unseres Staates ihre Frauen und Familien gemeinsam
haben. Und jetzt willst du das Argument gezeigt bekommen, dass diese Gemeinschaft im Einklang
mit dem Rest unseres Gemeinwesens steht, und auch, dass nichts besser ist, nicht wahr?
(...)
Hauptsächlich, sagte ich; aber ich frage dich noch einmal: Soll eine Familie im Namen nur
bestehen; oder sollen sie in all ihren Handlungen getreu dem Namen sein? Zum Beispiel in der
Verwendung des Wortes Vater, wäre die Pflege eines Vaters impliziert und die kindliche Ehrfurcht
und Pflicht und Gehorsam ihm gegenüber, die das Gesetz befiehlt; und der Verletzer dieser
Pflichten ist zu betrachten als eine gottlose und ungerechte Person, die nicht in der Hand Gottes
oder des Menschen viel Gutes zu erhalten hat? (...)
So, sagte er, und nichts anderes; denn was ist lächerlicher, als die Namen der Familienbande nur mit
den Lippen auszusprechen, ohne in ihrem Geiste zu handeln?
Dann in unserer Stadt soll die Sprache der Harmonie und Eintracht öfter herrschen als in jedem
anderen Staat. Wie ich bereits beschrieb, wenn einer gut oder schlecht ist, das universelle Wort ist
„gut“ oder „schlecht“.
Höchst wahr.
Und passend zu dieser Denkweise und diesem Sprechen, werden wir nicht sagen, dass sie ihre
Freuden und Leiden gemeinsam haben?
Ja, so werden sie.
Und sie werden ein gemeinsames Interesse an der gleichen Sache haben, die sie gleichermaßen
„meine eigene“ nennen, und mit diesem gemeinsamen Interesse ein gemeinsames Gefühl der
Freude und der Schmerzen haben?
Ja, weit mehr als in anderen Staaten.
Und der Grund dafür, die allgemeine Verfassung des Staates, wird sein, dass die Wächter eine
Gemeinschaft von Frauen und Kinder haben?
Das wird der Hauptgrund sein.
Und diese Einheit des Gefühls, das wir angenommen, das höchste Gut zu sein, wie es in unserem
eigenen Vergleich eines wohlgeordneten Staat auf das Verhältnis vom Leib und seinen Gliedern
genannt ist, wenn sie von Freude oder Schmerz betroffen werden gemeinsam?
Das haben wir anerkannt und ist sehr richtig.
Dann wird die Gemeinschaft von Frauen und Kindern unserer Bürger eindeutig die Quelle für das
höchste Gut des Staates?
Ganz sicher.
Und das stimmt mit dem anderen Prinzip überein, das wir bekräftigen, dass die Wächter nicht
Häuser oder Grundstücke oder anderes Eigentum haben sollen; ihr Lohn ist es, ihre Nahrung von
den anderen Bürgern zu erhalten und dass sie keine privaten Ausgaben haben; denn wir
beabsichtigten, ihnen den wahren Charakter des Erziehungsberechtigten zu erhalten.
Richtig, antwortete er.
Sowohl die Gütergemeinschaft als auch die Gemeinschaft von Familien, wie ich sage, neigen dazu,
dass sie wirklich Erziehungsberechtigte erzeugen; sie werden nicht die Stadt in Stücke reißen durch
unterschiedliches "mein" und "nicht mein", die jeder Mann behauptet, der in einem separaten Haus
seines Eigentums lebt mit einer separaten Frau und Kindern und privaten Freuden und Schmerzen;
aber alle werden so weit beeinträchtigt werden, wie sie durch die gleichen Freuden und Schmerzen
gehen, weil sie alle einer Meinung sind über das, was in der Nähe und in der Liebe zu ihnen steht,
und damit sie alle zu einem gemeinsames Ende neigen.
Gewiss, antwortete er.
(...)

DIE WELTSEELE

Die Weltseele (lateinisch anima mundi, griechisch psyche tou pantos) ist ein religiöses und
naturphilosophisches Konzept. Es beruht auf der Vorstellung einer Analogie zwischen der
Gesamtheit des Kosmos und dem Menschen. Das Universum als Makrokosmos soll analog zum
Menschen, dem Mikrokosmos, strukturiert sein. Als Lebens- und Bewegungsprinzip wird für beide
eine Seele angenommen. So wie man sich einen einzelnen Menschen als beseelt und von seiner
Einzelseele belebt vorstellt, so wird der Kosmos als lebendiger, mit einer eigenen Seele
ausgestatteter Organismus aufgefasst.
Der Begriff „Weltseele“ wurde von Platon geprägt. In seinem Dialog Timaios entwarf er eine
Theorie der Beseelung der Welt. Er bezeichnete die Weltseele als selbstbewegt; in ihrer
Eigenbewegung sah er ihr Hauptmerkmal. Als notwendig betrachtete er sie aus zwei Gründen.
Erstens hielt er ein Prinzip, auf das Bewegung generell zurückgeführt werden kann, für erforderlich;
in seinem Spätwerk Gesetze betonte er, die Weltseele sei die Ursache aller Bewegung in der Natur.
Auf sie führte er die Bewegungen am Himmel ebenso wie diejenigen auf der Erde zurück. Zweitens
benötigte er die Weltseele als das Prinzip, vermittels dessen er die im Kosmos waltende Vernunft
mit der Weltmaterie verband.
Nach dem im Timaios erzählten Mythos hat der Weltschöpfer die Weltseele zusammen mit dem
Kosmos erschaffen. Aus verschiedenen Mischungen schuf er die Weltseele. Dank dieser
Mischungen enthält die Weltseele Elemente von allem und wird dadurch in die Lage versetzt, alles
wahrzunehmen und zu erkennen. Ihr steht die Herrschaft über den Weltkörper zu, so wie der
Einzelseele des Individuums die Herrschaft über dessen Körper. Die Weltseele durchdringt und
umgibt den Körper des Kosmos, seine Materie. Sie ist die vermittelnde Instanz zwischen der rein
geistigen Ideenwelt und dem physischen Weltkörper.
Allerdings bedarf die Weltseele nach der platonischen Naturphilosophie zur geordneten Bewegung
der Vernunft, des Geistes (Nous). Der Geist, der im Timaios vom Weltschöpfer repräsentiert wird,
lenkt als übergeordnete Instanz die Weltseele von außen. Damit stellt sich die Frage, ob die
Weltseele auch über eine eigene Vernunft verfügt oder ob sie von sich aus unvernünftig wäre, aber
sich dank fremder Lenkung dennoch stets gut verhält.
Plutarch vertrat eine dualistische Position: Da in der sinnlich wahrnehmbaren Welt Gutes mit
Schlechtem gemischt ist, nahm er zwei entgegengesetzte Prinzipien (archai) und einander
widerstreitende Kräfte (dynameis) an. Eine der Kräfte führt in die richtige Richtung, die andere in
die verkehrte. Die negative Kraft kann sich normalerweise nur unter dem Mond, also insbesondere
auf der Erde, auswirken; der über dem Mond gelegene Himmelsbereich ist eigentlich frei von
Schlechtigkeit. Plutarch identifizierte das negative Prinzip mit der Urseele, der Seele im Urzustand.
Diese sei von Natur aus unvernünftig, bewege sich ungeordnet und werde nur dank der Herrschaft
der ordnenden Vernunft auf das Gute ausgerichtet. Plutarch betrachtete die Weltseele als
unauflöslich mit der ihr zugehörigen, von ihr beseelten Weltmaterie verbunden.
Im Neuplatonismus hingegen wurde die Weltseele zu den vollkommenen Elementen der geistigen
Welt gezählt. Sie galt als die unterste der drei hierarchisch geordneten „Naturen“ oder, wie man
später zu sagen pflegte, Hypostasen, welche die geistige Welt ausmachen. Plotin meinte, die
Weltseele unterscheide sich von den Einzelseelen dadurch, dass sie ständig auf den Geist (Nous)
ausgerichtet und immer mit ihrem Körper verbunden sei, während die Ausrichtung der Einzelseelen
Veränderungen unterworfen sei. Indem die Weltseele den Kosmos beseele, verleihe sie ihm quasi
göttliche Qualitäten.
Aristoteles lehnte das platonische Konzept der Weltseele ab und verwarf insbesondere die
Vorstellung, dass sie nicht nur bewege, sondern auch selbst in ständiger Bewegung sei.
Von dem platonischen Konzept abgeleitet, aber stark abgeändert war die Auffassung der Stoiker von
der Beseelung der Welt. Sie nahmen ein aktives, den ganzen Kosmos durchdringendes feuriges
Prinzip, das Pneuma, an. Damit verbanden sie die Vorstellung, die Welt sei ein beseeltes,
unsterbliches, göttliches Lebewesen, dem sie Sinne und Vernunft zuschrieben. Die Einzelseelen
betrachteten sie als Teile der Weltseele. Für die Stoiker war die Weltseele jedoch nicht wie im
Platonismus eine eigenständig existierende geistige Substanz mit einem bestimmten Rang und einer
besonderen Aufgabe in der hierarchischen Weltordnung, sondern nur ein bestimmter Aspekt einer
einheitlichen, körperlich gedachten Welt.
Der stark vom Platonismus beeinflusste jüdische Denker Philon von Alexandria wsollte die
Wltseele nur als Metapher gelten lassen. Bei den verschiedenen Strömungen der Gnosis fand das
Konzept keinen Anklang, nur der Manichäismus nahm es auf. Die Manichäer betrachteten die
Weltseele jedoch nicht wie die Platoniker und die Stoiker als von Natur aus dem Weltkörper
zugeordnet, sondern hielten ihren Aufenthalt in der materiellen Welt für das Ergebnis einer
Katastrophe, das ebenso wie bei den Einzelseelen durch Erlösung rückgängig zu machen sei.
Unter den Kirchenvätern fällt Augustinus durch sein positives Verhältnis zum Gedanken einer
Beseeltheit der Welt auf. Er hält ihn für eine kühne Hypothese, die weder mit Vernunftgründen
beweisbar noch aus der Bibel abzuleiten sei, aber möglicherweise zutreffe. Boethius bekannte sich
in seiner Schrift vom Trost der Philosophia ausdrücklich zur Idee der „alles bewegenden Seele“ der
Welt.
Im 9. Jahrhundert bekannte sich der neuplatonisch orientierte christliche Philosoph Johannes
Scottus Eriugena zur Idee der Belebtheit der ganzen Welt.
Im 11. Jahrhundert übernahm der in Spanien lebende jüdische Philosoph Solomon ibn Gabirol im
Rahmen seiner Rezeption des Neuplatonismus auch die Vorstellung einer Weltseele.
Im 12. Jahrhundert wurde das Weltseele-Thema erneut aufgegriffen. Der Platoniker Wilhelm von
Conches, der den Timaios kommentierte, nannte die Weltseele eine belebende „natürliche Kraft“
und schrieb, sie sei zugleich mit der Welt geschaffen worden. Er brachte sie – eine schon in der
Antike auftauchende Überlegung – vorsichtig mit dem Heiligen Geist in Zusammenhang.
Allerdings identifizierte er sie nicht ontologisch mit dem Heiligen Geist (was wegen dessen
Ungeschaffenheit theologisch problematisch wäre), sondern ließ die Frage ihres Verhältnisses zur
dritten Person der Dreifaltigkeit ausdrücklich offen. Der einflussreiche Theologe Bernhard von
Clairvaux bekämpfte die Gleichsetzung der Weltseele mit dem Heiligen Geist nachdrücklich.
Nikolaus von Kues setzte sich im 15. Jahrhundert in seinem Werk von der gelehrten Unwissenheit
mit der platonischen Auffassung von der Weltseele auseinander. Er betrachtet die Weltseele als
„universale Form“, die den Dingen innewohne, aber nicht eigenständig außerhalb von ihnen
existiere. Er setzt sie nicht mit dem Heiligen Geist gleich, sondern hält sie für dessen „Ausfaltung“.
Sein Zeitgenosse Marsilio Ficino teilt die platonische Überzeugung von der Beseeltheit der
gesamten Welt, ebenso wie auch Giovanni Pico della Mirandola, doch halten sich diese Denker von
einer pantheistischen Deutung dieses Konzepts fern. .
Giordano Bruno war ebenfalls der Meinung, dass man in allen Dingen Seele und Leben antreffe und
dass die Seele als Form aller Dinge überall die Materie ordne und beherrsche. Er betont stärker als
seine Vorgänger den Aspekt der Immanenz Gottes in der Welt. Der Weltseele, die er als die
allgemeine Form des Weltalls bezeichnet, schreibt er eine „universale Vernunft“ zu, welche er mit
der Wirkursache des Weltalls gleichsetzt. Er meint, die Weltseele sei überall, doch sei ihre
Allgegenwart in einem geistigen Sinne zu verstehen, nicht körperlich oder der Ausdehnung nach.
Im 17. Jahrhundert wird im Zuge der sich verstärkenden Mechanisierung des Weltbilds die
herkömmliche panpsychistische Naturauffassung der Naturphilosophen von prominenten Denkern
und Wissenschaftlern radikal verworfen oder einfach ignoriert. Damals beklagte der Dichter John
Donne in einem Gedicht den Tod der Weltseele.
Im Zeitalter der Aufklärung wird die Weltseele meist als Phantasievorstellung betrachtet. Ein
Verteidiger des Weltseele-Konzepts war jedoch Salomon Maimon. Er hielt die Weltseele für eine
von Gott erschaffene Substanz und deutet sie metaphysisch als endliche Universalform. Dieses
Verständnis der Weltseele ist nach seiner Ansicht mit dem naturwissenschaftlichen Kenntnisstand
seiner Zeit kompatibel.
Schelling griff den Begriff „Weltseele“ auf und machte ihn sogar zum Thema seiner Schrift Von der
Weltseele. Allerdings verstand er ihn nur als Metapher für ein organisierendes Prinzip, das nach
seiner Auffassung die organische und die anorganische Natur kontinuierlich verbindet und die ganze
Natur zu einem allgemeinen Organismus verknüpft. Den antiken Philosophen schrieb er eine
Ahnung von diesem Prinzip zu, die sie dazu veranlasst habe, an eine Weltseele zu denken. Goethe,
der Schelling schätzte und dessen Schrift über die Weltseele kannte, benannte sein Gedicht
„Weltschöpfung“ unter dem Einfluss Schellings in „Weltseele“ um. Auch in seinem Gedicht „Eins
und Alles“ nahm Goethe auf die Weltseele Bezug: „Weltseele, komm, uns zu durchdringen!“ Dabei
ging es ihm um die Erfahrung der Einheit und Lebendigkeit der Natur.
In der Literatur der Romantik, in der „Seele“ zu den Schlüsselbegriffen gehört, kommt der
Ausdruck „Weltseele“ öfters vor, besonders bei Novalis.
Der russische Religionsphilosoph Wladimir Solowjew knüpfte an gnostische Vorstellungen an,
indem er einen Absturz der Weltseele annahm; sie sei aus dem Mittelpunkt der All-Einheit des
göttlichen Daseins heraus in die Peripherie der geschöpflichen Vielheit gefallen. Damit habe sie
sich ihrem eigenen Wesen entfremdet und die gesamte Schöpfung in die Unordnung hinab gezogen.
Aus dem dadurch hervorgerufenen Chaos sei das Böse entstanden, dessen Frucht das Leid sei.
Carl Gustav Jung bezog das Weltseele-Konzept auf das den einzelnen Seelen gemeinsame
„kollektive Unbewusste“.
Künstlerisch wird die Weltseele als nackte Göttin dargestellt, deren Kopf von einem Sternenkranz
umgeben ist. Sie steht auf einer Weltkugel, mit einem Fuß im Meer und einem Fuß auf der Erde
stehend. Die rechte Brust ist mit einem Stern, die linke mit einer Sonne verziert, die Scham mit
einem Mond.

SOPHIAS TÖCHTER

Theano
Theano wird in antiken Quellen als Pythagoreerin und als Frau des Philosophen Pythagoras von
Samos bezeichnet. Sie lebte im späten 6. und noch im frühen 5. Jahrhundert vor Christus. In der
römischen Kaiserzeit galt sie als Muster weiblicher Tugend.
Erstmals erwähnt wird Theano bei dem Philosophen Dikaiarchos, der in der zweiten Hälfte
des 4. Jahrhunderts und im frühen 3. Jahrhundert vor Christus lebte. Er bezeichnet sie nicht als
Gattin, sondern als Anhängerin des Pythagoras. Im 3. Jahrhundert v. Chr. berichtete der Dichter
Hermesianax, Pythagoras habe sie leidenschaftlich geliebt. Als Ehefrau des Philosophen wird sie in
Quellen der römischen Kaiserzeit bezeichnet.
Die Angaben über ihre Herkunft stammen aus Quellen der römischen Kaiserzeit. Einer der
Überlieferungen zufolge war sie Kreterin, nach einer anderen stammte sie aus Kroton (Süditalien),
nach einer weiteren aus Metapont in der Basilicata. Ihr Vater war ein Pythagoreer namens
Brontinos. Die meisten Quellen, die ihre Ehe erwähnen, berichten, dasss sie die Frau des Pythagoras
war, der sich um 530 in Süditalien niederließ und zunächst in Kroton, später in Metapont lebte. Sie
hatte Kinder mit ihm, einen Sohn Telauges, eine Tochter Myia, eine zweite Tochter Damo.
Für die Nachwelt wurde Theano eine legendäre Gestalt, eine Verkörperung weiblicher
Weisheit und Tugend. Zu diesem Ruf trugen vor allem die ihr zugeschriebenen pseudepigraphen
Briefe bei, die in der römischen Kaiserzeit verbreitet waren. Sieben davon sind erhalten geblieben;
von diesen sind fünf an Frauen gerichtet. Sie handeln von den Aufgaben einer Ehefrau und Mutter,
von einer angemessenen Reaktion auf einen vom Ehemann begangenen Ehebruch, von
Erziehungsfragen, wobei vor Verwöhnung der Kinder gewarnt wird, und vom Umgang mit dem
Gesinde. Die Gruppe der drei längeren Briefe (an Eubule, Nikostrate und Kallisto) ist in mehreren
Handschriften überliefert, die der vier kurzen, die wesentlich später entstanden ist, nur in einer.
Außer den Briefen wurden Theano auch Schriften über philosophische Themen vor allem aus dem
Bereich der Tugendlehre zugeschrieben, von denen außer ihren Titeln wenig bekannt ist, sowie eine
Spruchsammlung; überliefert sind einzelne Sprüche Theanos sowie die in syrischer Übersetzung
erhaltene Spruchsammlung „Rat der Theano“.
Im 14. Jahrhundert berichtete der byzantinische Geschichtsschreiber Nikephoros Gregoras,
die Kaiserin Eudokia Makrembolitissa, die im 11. Jahrhundert lebte, sei eine zweite Theano genannt
worden. Aus dem Zusammenhang ist ersichtlich, dass Theano noch im Mittelalter als Muster einer
vorzüglich gebildeten Frau galt.
Wieland veröffentlichte 1789 seine Studie „Die Pythagorischen Frauen“ mit einer
Übersetzung von drei Theano zugeschriebenen Briefen, die er für echt hielt. Wieland äußerte sich
enthusiastisch über die angeblichen Briefe der Pythagoreerinnen und besonders über Theanos
Tugend.
In Herders „Zerstreuten Blättern“ und in seiner Schrift „Gott. Einige Gespräche“ (1787) tritt
eine Gesprächspartnerin namens Theano auf, deren Namen er an die antike Pythagoreerin
anknüpfend wählte.

Aspasia

Aspasia (geboren um 470 vor Christus in Milet; gestorben um 420 in Athen) war eine griechische
Philosophin, Rednerin und Frau des Perikles.
Aspasia von Milet (in der heutigen Türkei) gründete in Athen einen philosophischen Salon,
in dem sie nicht nur Gastgeberin war, sondern auch eine geschätzte Rednerin. Eigene Werke sind
von Aspasia nicht erhalten, auch wenn in Platons Dialog Menexenos eine Rede Aspasias
wiedergegeben wird. Aus den Aufzeichnungen anderer Philosophen und Zeitzeugen geht hervor,
dass die hochgebildete Frau vermutlich Kontakt zu den neuen philosophischen Strömungen aus
Ionien hatte. Sokrates, Sophokles, Euripides, Phidias und die Elite der damaligen Zeit hatten in
ihrem Haus verkehrt. In Platons Menexenos beruft sich Sokrates auf Aspasia als seine Lehrerin der
Rhetorik. Anderseits wird Aspasia von antiken Komödienverfassern, insbesondere vom berühmten
Aristophanes, als Hetäre dargestellt und herabgesetzt. Nach Plutarch soll sie Thargelia von Milet
zum Vorbild genommen haben.
Plutarch ist es auch, der berichtet, dass sie von einem gewissen Axiochos abstammte und aus
Milet kam. Aspasia hatte einen unehelichen Sohn mit Perikles, der den Namen seines Vaters erhielt.
Aufgrund des so genannten Bastardgesetzes von 451 vor Christus, wonach nur aus der Verbindung
attischer Bürger das volle Bürgerrecht entspringen konnte, blieb Perikles der Jüngere, der später
einer der Athener Feldherren war, zunächst davon ausgeschlossen. Die Verbindung zwischen einem
Athener und einer Milesierin war rechtlich gesehen ein Konkubinat und widersprach der attischen
Gesellschaftsstruktur. Daher kommt die Annahme, sie sei des Perikles Geliebte, seine Hetäre
gewesen. Dem üblen Gerede folgte die Anschuldigung, sie sei für den Ausbruch des Samischen
Aufstandes (441 vor Christus) verantwortlich gewesen, und eine Anklage durch den
Komödiendichter Hermippos, der sie der Kuppelei beschuldigte. Perikles selbst konnte nur mit
Mühe einen Freispruch erreichen. Ob sie wirklich für den Aufstand verantwortlich war, ist
unbekannt, genügend politischen Einfluss hatte sie aber..
Nach des Perikles Tod (429 vor Christus) lebte Aspasia mit Lysikles, einem Anhänger des
Perikles, der als Schafhändler arbeitete, bis zu ihrem Tode weiter in Athen. Dieser ist durch sie ein
angesehener Mann geworden.
Der griechische Schriftsteller Iakovos Rhizos Nerulos widmete ihr eine in archaisierendem
Griechisch geschriebene Tragödie in Versen Aspasia (1813).
Aspasias Leben und ihre Beziehung zu Perikles waren auch Gegenstand zahlreicher
belletristischer Werke: vor allem Wieland: „Aspasia oder Die platonische Liebe“.

Hipparchia

Hipparchia (geboren um 340 vor Christus in Maroneia in Thrakien) war eine Anhängerin der
kynischen Philosophie.
Sie stammte aus einer reichen Familie in Thrakien und war die Schwester des Metrokles. Sie
heiratete Krates von Theben, einen der bedeutendsten Vertreter der Kyniker, und nahm den
entsprechenden Lebensstil an, der den kynischen Ideen zufolge von Bedürfnislosigkeit und Nähe
zur Natur geprägt war.
Sie stritt für das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung und Bildung. Diogenes Laertius
berichtet von einem Streitgespräch zwischen ihr und dem Philosophen Theodoros, in dem sie ihr
Recht, das Studium der Philosophie zu betreiben, bekräftigt.
Vielfach wurde ihr als Kynikerin ein schamloser Lebenswandel nachgesagt. So sagte der
Kirchenvater Augustinus, Hipparchia habe mit Krates den Geschlechtsverkehr auch in der
Öffentlichkeit vollzogen, da beide der Ansicht gewesen seien, dass Konventionen und öffentliche
Meinung für persönliches Handeln ohne Bedeutung sei und es keinen Unterschied mache, ob eine
Tat privat oder in der Öffentlichkeit ausgeführt werde.
Krates gestaltete die Heirat als eine schwere Prüfung, ob sie auch bereit sei, sein
„hündisches“ Leben mit ihm zu teilen:
Nach der Überlieferung war Hipparchia eine vornehme junge Dame aus reichem Haus, um
die sich jüngere und reichere Bewerber bemühten. Als sie darauf bestand, den Krates zu heiraten,
entblößte dieser vor ihr seinen buckligen Rücken und legte seinen Ranzen samt Stecken und Kutte
auf den Boden: „Das ist mein Hausrat, und wie schön ich bin, hast du gesehen. Also überlege es dir
gut, damit du nicht nachträglich Grund hast, dich zu beklagen“. Aber sie ließ sich nicht
abschrecken. „Ich könnte auf der ganzen Welt keinen reicheren, keinen schöneren Gatten finden; du
kannst mich führen, wohin du willst.“
Da führte er sie zur Säulenhalle, und dort, an diesem bevölkerten Ort, am helllichten Tag,
legte er sich neben sie und hätte sie vor aller Augen entjungfert, sie war so gefasst wie er, wenn
Zenon nicht schnell seinen Mantel über sie geworfen hätte, um die beiden vor dem Gaffen der
umstehenden Menge zu beschützen.
Leontion

Leontion war eine im späten 4. und frühen 3. Jahrhundert vor Christus lebende, durch Schönheit,
Geist und hohe Bildung ausgezeichnete athenische Hetäre.
Sie war eine Anhängerin, auch Geliebte des griechischen Philosophen Epikur. Sie traute
sich, die Philosophie Epikurs in einer, in gutem Attisch verfassten Schrift gegen Theophrast zu
verteidigen, und wurde daher literarisch von Cicero und Plinius dem Älteren attackiert. Diogenes
Laertios erwähnt, dass Epikur Briefe an sie richtete, und liefert auch ein knappes Bruchstück.
Ein Freund Epikurs, Metrodoros, pflegte mit Leontion ein intimes Verhältnis und hatte mit
ihr auch einen Sohn. Eine Tochter Leontions namens Danae war eine Vertraute der seleukidischen
Königin Laodike; diese ließ später Danae wegen eines Zerwürfnisses ermorden.
Dass Cicero Leontions Stil Lob zollte und dass sie auch sonst nicht völlig der Vergessenheit
anheimfiel, lässt auf eine hochintelligente Frau schließen.

Hypatia

Hypatia von Alexandria (geboren um 355 nach Christus in Alexandria; gestorben März 415 in
Alexandria) war eine griechische spätantike Mathematikerin, Astronomin und Philosophin. Von
ihren Werken ist nichts erhalten geblieben, Einzelheiten ihrer Lehre sind nicht bekannt. Sie
unterrichtete öffentlich und vertrat einen mit kynischem Gedankengut angereicherten
Neuplatonismus. Als Vertreterin einer nichtchristlichen philosophischen Tradition gehörte sie im
überwiegend christlichen Alexandria der bedrängten heidnischen Minderheit an. Dennoch konnte
sie lange unangefochten lehren und erfreute sich hohen Ansehens. Schließlich wurde sie aber das
Opfer eines politischen Machtkampfs, in dem religiöse Gegensätze instrumentalisiert wurden. Ein
aufgehetzter christlicher Pöbel brachte sie in eine Kirche, ermordete sie dort und zerstückelte ihren
Leichnam.
Der Nachwelt blieb Hypatia hauptsächlich wegen der spektakulären Umstände ihrer
Ermordung in Erinnerung. Aus feministischer Sicht erscheint die Philosophin als frühe, mit
überlegenem Wissen ausgestattete Vertreterin einer emanzipierten Weiblichkeit und als Opfer einer
frauenfeindlichen Haltung ihrer Gegner.
Über Hypatias Leben und Werk liegen nur spärliche Nachrichten vor. Die wichtigsten
Quellen sind:
Sieben an Hypatia gerichtete Briefe des Neuplatonikers Synesios von Kyrene, der sie
außerdem in weiteren Briefen und in seiner Abhandlung „Über das Geschenk“ erwähnt. Als Schüler
und Freund Hypatias war Synesios sehr gut informiert. Da er am Neuplatonismus festhielt, aber
zugleich Christ war und Bischof von Ptolemais wurde, ist seine Sichtweise relativ wenig von
Parteinahme in den religiösen Konflikten geprägt.
Die Kirchengeschichte des Sokrates von Konstantinopel (Sokrates Scholastikos), der ein
jüngerer Zeitgenosse Hypatias war. Ungeachtet des religiösen Gegensatzes schildert Sokrates die
Philosophin respektvoll und verurteilt ihre Ermordung nachdrücklich als unchristliche Tat. Auf
seinen Angaben fußen die meisten Darstellungen späterer byzantinischer Geschichtsschreiber, die
aber die Vorgänge zum Teil anders bewerten als Sokrates.
Die nur fragmentarisch erhaltene Philosophische Geschichte des Neuplatonikers Damaskios,
die im Zeitraum 517–526 nach Christus entstanden ist. Damaskios war ein entschiedener Anhänger
der alten Religion und Gegner des Christentums. Er neigte zu kritischen Urteilen über die
Kompetenz von Philosophen, die seinen Maßstäben nicht genügten, und auch seine Bemerkungen
über Hypatia lassen eine abschätzige Haltung erkennen.
Die Chronik des ägyptischen Bischofs Johannes von Nikiu. Johannes, der im 7. Jahrhundert
schreibt, also aus großer zeitlicher Distanz berichtet, billigt Hypatias Ermordung und ergreift
vorbehaltlos für ihre radikalen Gegner Partei.
Der Hypatia gewidmete Artikel in der Suda, einer byzantinischen Enzyklopädie des 10.
Jahrhunderts. Dort sind Angaben unterschiedlicher Herkunft und Qualität unkritisch
aneinandergereiht. Der Verfasser des Suda-Artikels verwertete Nachrichtenmaterial aus der
Philosophischen Geschichte des Damaskios und wahrscheinlich auch aus einer weiteren spätantiken
Quelle, der von Hesychios von Milet angelegten Sammlung von Literaten-Biographien, die heute
bis auf Fragmente verloren ist. In seiner Darstellung ist legendenhafte Ausschmückung erkennbar.
Hypatias Vater war der Astronom und Mathematiker Theon von Alexandria, der letzte
namentlich bekannte Wissenschaftler im Museion von Alexandria, einer berühmten staatlich
finanzierten Forschungsstätte. Hypatia wurde um 355 geboren, zum Zeitpunkt ihres Todes war sie,
wie der Chronist Johannes Malalas berichtet, bereits eine „alte Frau“, etwa sechzigjährig. Sie hatte
das ganze Leben in ihrer Heimatstadt Alexandria verbracht. Bei ihrem Vater erhielt sie eine
mathematische und astronomische Ausbildung. Später beteiligte sie sich an seiner astronomischen
Arbeit. Wer ihr Philosophielehrer war, ist unbekannt; es kommt aber Antoninos, ein Sohn der
Philosophin Sosipatra, in Betracht.
Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung begann sie, selbst Mathematik und Philosophie zu
unterrichten. Nach Angaben der Suda verband sie rhetorische Begabung mit einer umsichtigen,
durchdachten Vorgehensweise. Sokrates von Konstantinopel berichtet, von überall seien Hörer zu
ihr gekommen. Manche ihrer Schüler waren Christen. Der berühmteste von ihnen war Synesios, der
im letzten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts bei ihr sowohl Philosophie als auch Astronomie studierte.
Damaskios berichtet, Hypatia habe den Philosophenmantel getragen und sei in der Stadt unterwegs
gewesen, um öffentlich zu unterrichten und allen, die sie hören wollten, die Lehren Platons und des
Aristoteles oder auch jedes beliebigen anderen Philosophen auszulegen. Hypatia hatte aber keinen
aus öffentlichen Mitteln finanzierten Lehrstuhl inne. Man interpretiert die Formulierung des
Damaskios im Sinne eines Unterrichts auf offener Straße. Die überlieferte Darstellung von Hypatias
Lehrweise rückt die Philosophin äußerlich in die Nähe des Kynismus, ebenso wie der Hinweis auf
ihren Philosophenmantel, ein Kleidungsstück, das man mit Kynikern zu assoziieren pflegte.
Damaskios lässt durchblicken, dass er Hypatias öffentliches Auftreten missbilligte. Er war
der Meinung, dass Philosophieunterricht nicht in der Öffentlichkeit und nicht jedem, sondern nur
entsprechend qualifizierten Schülern erteilt werden sollte. Möglicherweise hat er bei seiner
Darstellung von Hypatias Tätigkeit karikierend übertrieben. Jedenfalls kann man seinen Worten
entnehmen, dass sie philosophische Themen, die man sonst in geschlossenem Kreis unter
einschlägig Gebildeten zu erörtern pflegte, einer relativ breiten Öffentlichkeit unterbreitete.
In diese Richtung weist auch eine in der Suda überlieferte Anekdote, wonach sie einem in
sie verliebten Schüler ihr Menstruationsblut als Symbol für die Unreinheit der materiellen Welt
zeigte, um ihm die Fragwürdigkeit seines sexuellen Begehrens drastisch vor Augen zu führen.
Die Geringschätzung des Körpers und der körperlichen Bedürfnisse war ein Merkmal der
neuplatonischen Weltsicht. Wenn auch die Anekdote möglicherweise erst im Zuge der
Legendenbildung entstanden ist, mag sie einen wahren Kern haben; jedenfalls war Hypatia dafür
bekannt, vor einem bewusst provozierenden Verhalten nicht zurückzuschrecken. Dies ist ebenfalls
ein Indiz für ein kynisches Element in ihrer philosophischen Haltung: Kyniker pflegten kalkuliert
zu schockieren, um Erkenntnisse herbeizuführen.
Neben dem Lehrstoff, den Hypatia der Öffentlichkeit vermittelte, gab es auch Geheimlehren,
die einem engeren Schülerkreis vorbehalten bleiben sollten. Dies ist aus der Korrespondenz des
Synesios ersichtlich, der gegenüber seinem Freund und Mitschüler Herkulianos mehrfach an das
Gebot der Verschwiegenheit erinnert und Herkulianos vorwirft, sich nicht daran gehalten zu haben.
Dabei verweist Synesios auf das Schweigegebot bei den Pythagoreern; die Vermittlung von
Geheimwissen an unqualifizierte Personen führe dazu, dass solche eitlen und verständnislosen
Hörer ihrerseits das Vernommene in verzerrter Form weitergäben, was letztlich eine Diskreditierung
der Philosophie in der Öffentlichkeit bewirke.
Sokrates von Konstantinopel schreibt, Hypatia sei in der Umgebung hoher Beamter
aufgetreten. Sicher ist, dass sie zum Umkreis des römischen Präfekten Orestes gehörte.
Hypatia blieb ihr ganzes Leben unverheiratet. Die Angabe in der Suda, sie habe sich mit
einem Philosophen namens Isidoros vermählt, ist auf einen Irrtum zurückzuführen. Damaskios
erwähnt ihre außergewöhnliche Schönheit.
Im Rahmen ihrer naturwissenschaftlichen Arbeit befasste sich Hypatia auch mit
Messgeräten. Dies ist aus der brieflichen Bitte des Synesios ersichtlich, sie möge ihm ein
Hydroskop schicken, womit offenbar ein Aräometer gemeint war. Ob das Instrument zur Erfassung
und Beschreibung der Himmelskörperbewegungen, das Synesios bauen ließ, nach Anweisungen
Hypatias konstruiert wurde, ist umstritten.
Hypatia wurde im März 415 ermordet. Die Vorgeschichte bildete ein primär politischer und
persönlicher Konflikt mit religiösen Aspekten, mit dem sie ursprünglich nichts zu tun hatte.
Schon in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts war es in Alexandria zu starken Spannungen
zwischen Teilen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und Anhängern der alten Kulte gekommen,
die zu gewalttätigen Ausschreitungen mit Todesopfern führten. Im Lauf dieser
Auseinandersetzungen wurde die Minderheit zunehmend zurückgedrängt. Der Patriarch Theophilos
von Alexandria ließ Kultstätten zerstören, insbesondere das berühmte Serapeum, doch der
heidnische Unterrichtsbetrieb wurde, wenn überhaupt, nur vorübergehend beeinträchtigt.
Die religiös-philosophische Weltanschauung der Gebildeten, die an der alten Religion
festhielten, war ein synkretistischer Neuplatonismus, der auch Teile des Aristotelismus und stoische
Gedanken in sein Weltbild integrierte. Diese heidnischen Neuplatoniker versuchten, die
Verschiedenheiten der überlieferten philosophischen Systeme durch eine stimmige Synthese der
philosophischen Traditionen zu überbrücken, und erstrebten damit eine einheitliche Lehre als
philosophische und religiöse Wahrheit schlechthin. Von der Synthese ausgenommen war nur der
Epikureismus, den die Neuplatoniker insgesamt verwarfen und nicht als legitime Variante der
griechischen Philosophie betrachteten.
Zwischen dem heidnischen Neuplatonismus und dem Christentum bestand ein schwer
überbrückbarer inhaltlicher Gegensatz. Synesios, der zugleich Christ und Neuplatoniker war,
versuchte eine Harmonisierung. In Konfliktfragen gab er aber letztlich der platonischen Philosophie
gegenüber den Glaubenslehren den Vorzug. Die religiös orientierten nichtchristlichen Platoniker,
welche die geistige Basis für einen Fortbestand heidnischer Religiosität in gebildeten Kreisen
schufen, erschienen den Christen als prominente und hartnäckige Gegner.
Zu Opfern von Verfolgung und Vertreibung wurden Personen aus diesem heidnischen Milieu
aber nicht wegen ihres Festhaltens an ihrem religiös-philosophischen Weltbild, etwa bei der
Vermittlung herkömmlicher Bildungsinhalte an Schüler, sondern wegen ihrer Kultpraxis. Seit
Jamblichos von Chalkis schätzten und praktizierten viele Neuplatoniker die Theurgie, eine rituelle
Kontaktaufnahme mit den Göttern zum Zweck des Zusammenwirkens mit ihnen. Aus christlicher
Sicht war das Zauberei, Götzenkult und Beschwörung teuflischer Dämonen. Radikale Christen
waren nicht bereit, solche Praktiken zu dulden, zumal sie davon ausgingen, dass es sich um einen
böswilligen Einsatz von Zauberkräften handle.
Neben den Konflikten zwischen heidnischen und christlichen Einwohnern von Alexandria
gab es zugleich auch unter den Christen schwere Zerwürfnisse zwischen Anhängern
unterschiedlicher theologischer Richtungen sowie Auseinandersetzungen zwischen Juden und
Christen. Damit vermischten sich politische Gegensätze sowie Machtkämpfe, zu deren Hintergrund
auch persönliche Feindschaften gehörten.
Den Ausgangspunkt der Ereignisse, die schließlich zu Hypatias Tod führten, bildeten
handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen Juden und Christen, die eskalierten und zahlreiche
Todesopfer forderten. Der Patriarch Kyrill von Alexandria, der seit Oktober 412 amtierte, war der
Neffe und Nachfolger des Theophilos, dessen Kurs religiöser Militanz er fortsetzte. Kyrill
profilierte sich zu Beginn seiner Amtszeit als radikaler Gegner der Juden. Ein in seinem Sinne
tätiger Agitator namens Hierax schürte den religiösen Hass. Als er bei einer Veranstaltung des
Präfekten Orestes im Theater auftauchte, beschuldigten ihn die anwesenden Juden, er sei nur
gekommen, um einen Aufruhr anzuzetteln. Orestes, der zwar Christ war, aber als oberster
Repräsentant der Staatsmacht für den inneren Frieden zu sorgen hatte, ließ Hierax festnehmen und
sogleich öffentlich unter der Folter befragen. Daraufhin bedrohte Kyrill die Anführer der Juden.
Nach einem nächtlichen Angriff der Juden, die dabei viele Christen getötet hatten, organisierte
Kyrill einen umfassenden Gegenschlag. Seine Anhänger zerstörten die Synagogen und plünderten
die Häuser der Juden. Jüdische Einwohner wurden enteignet und aus der Stadt vertrieben. Die
Behauptung des Sokrates von Konstantinopel, es seien sämtliche in Alexandria lebenden Juden
betroffen gewesen, scheint allerdings übertrieben zu sein. Es gab auch später eine jüdische
Gemeinde in Alexandria. Ein Teil der Vertriebenen kehrte zurück.
Johannes von Nikiu, der die Vorgänge aus der Sicht der Parteigänger des Patriarchen
schildert, beschuldigt Orestes der Parteinahme für die Juden. Diese seien bereit gewesen, Christen
anzugreifen und zu massakrieren, weil sie sich auf die Unterstützung des Präfekten hätten verlassen
können.
Das eigenmächtige Vorgehen des Patriarchen gegen die Juden forderte die Autorität des
Präfekten heraus, zumal Angriffe auf Synagogen gesetzlich verboten waren. Es kam zu einem
erbitterten Machtkampf zwischen den beiden Männern, den höchsten Repräsentanten des Staates
und der Kirche in Alexandria. Dabei stützte sich Kyrill auf seine Miliz. Zur Verstärkung seiner
Anhänger trafen rund fünfhundert gewaltbereite Mönche aus der Wüste ein. Zu diesen militanten
Mönchen hatte Kyrill ausgezeichnete Beziehungen, da er früher einige Jahre unter ihnen gelebt
hatte. Im Milieu der analphabetischen Mönche herrschte eine bildungsfeindliche Einstellung und
radikale Intoleranz gegenüber allem Nichtchristlichen; sie hatten schon den Patriarchen Theophilos
bei der Verfolgung religiöser Minderheiten tatkräftig unterstützt. Die Parteigänger des Patriarchen
behaupteten, der Präfekt schütze Gegner des Christentums, weil er mit ihnen sympathisiere und
selbst insgeheim ein Heide sei. Die fanatisierten Mönche traten dem Präfekten, als er in der Stadt
unterwegs war, offen entgegen und forderten ihn mit Beschimpfungen heraus. Ein Mönch namens
Ammonios verletzte Orestes durch einen Steinwurf am Kopf. Darauf ergriffen fast alle Begleiter
des Präfekten die Flucht, sodass er in eine lebensgefährliche Lage geriet. Seine Rettung verdankte
er herbeieilenden Bürgern, welche die Mönche verjagten und Ammonios ergriffen. Der Gefangene
wurde verhört und starb unter der Folter. Daraufhin lobte Kyrill öffentlich den Mut des Ammonios,
verlieh ihm den Namen „der Bewundernswerte“ und wollte für ihn einen Märtyrerkult einführen.
Damit fand er aber bei der christlichen Öffentlichkeit kaum Anklang, da der tatsächliche Hergang
der Auseinandersetzung allzu bekannt war.
Nun entschied sich Kyrill für ein Vorgehen gegen Hypatia, die sich als Angriffsziel eignete,
da sie eine profilierte heidnische Persönlichkeit im engeren Umkreis des Präfekten war. Nach dem
Bericht des Sokrates von Konstantinopel, der glaubwürdigsten Quelle, wurde das Gerücht
verbreitet, dass Hypatia als Beraterin des Orestes diesen zu einer unnachgiebigen Haltung ermutige
und damit eine Versöhnung zwischen der geistlichen und der weltlichen Gewalt in der Stadt
hintertreibe. Hierdurch aufgestachelt, versammelte sich eine Schar christlicher Fanatiker unter der
Führung eines gewissen Petros, der in der Kirche den Rang eines Lektors innehatte, und lauerte
Hypatia auf. Die Christen bemächtigten sich der alten Philosophin, brachten sie in die Kirche
Kaisarion, zogen sie dort nackt aus und töteten sie mit „Scherben“ („Dachziegeln“). Dann rissen sie
den Leichnam in Stücke, brachten seine Teile an einen Ort namens Kinaron und verbrannten sie
dort.
Johannes von Nikiu präsentiert eine Version, die hinsichtlich des Ablaufs mit der des
Sokrates weitgehend übereinstimmt und nur im Detail etwas abweicht. Nach seiner Darstellung
wurde Hypatia zwar in die Kirche Kaisarion gebracht, aber nicht dort getötet, sondern nackt in den
Straßen der Stadt zu Tode geschleift. Die Folge sei eine Solidarisierung der christlichen
Bevölkerung mit dem Patriarchen gewesen, da er nunmehr den letzten Rest des Heidentums in der
Stadt vertilgt habe. Johannes von Nikiu, dessen Bericht wohl die offizielle Position der Kirche von
Alexandria wiedergibt, rechtfertigt den Mord mit der Behauptung, Hypatia habe den Präfekten und
die Stadtbevölkerung mittels satanischer Zauberei verführt. Unter ihrem Einfluss habe der Präfekt
nicht mehr am Gottesdienst teilgenommen. Den Lektor Petros, den unmittelbaren Anstifter des
Mordes, beschreibt Johannes als vorbildlichen Christen.
Kaum glaubwürdig ist die Schilderung der Vorgeschichte bei Damaskios, der behauptet,
Kyrill habe, als er zufällig am Hause Hypatias vorbeigefahren sei, eine Menschenmenge bemerkt,
die sich davor versammelt hatte, und daraufhin aus Neid auf Hypatias Popularität beschlossen, sie
zu beseitigen.
Für Orestes bedeutete der Mord eine spektakuläre Niederlage und er büßte viel Ansehen in
der Stadt ein, da er weder die mit ihm befreundete Philosophin schützen noch die Täter bestrafen
konnte. Zwar wurde gegen die Mörder Klage erhoben, doch ohne Folgen. Damaskios behauptet,
Richter und Zeugen seien bestochen worden. Eine Gesandtschaft des Patriarchen begab sich nach
Konstantinopel an den Hof des oströmischen Kaisers Theodosius II., um dort die Ereignisse aus der
Sicht Kyrills zu schildern. Etwas später jedoch, anderthalb Jahre nach Hypatias Tod, konnten die
Gegner des Patriarchen ihm einen schweren Schlag versetzen, denn es gelang ihnen, sich in
Konstantinopel durchzusetzen. Kaiserliche Verordnungen vom September und Oktober 416 legten
fest, dass künftig Gesandtschaften an den Kaiser unter Umgehung des Präfekten nicht mehr erlaubt
seien und dass die Miliz des Patriarchen verkleinert und fortan der Kontrolle des Präfekten
unterstellt werde. Demnach verlor diese Truppe den Charakter einer Miliz, die der Patriarch nach
Belieben verwenden und sogar gegen den Präfekten einsetzen konnte. Diese kaiserlichen
Maßnahmen hatten allerdings nicht lange Bestand, schon 418 konnte Kyrill die Befehlsgewalt über
seine Miliz zurückgewinnen.
Die Darstellung des Damaskios, dass Hypatia sowohl die Schriften Platons als auch die des
Aristoteles auslegte und überhaupt über jeden beliebigen Philosophen dozierte, weist sie als
Vertreterin des zu ihrer Zeit vorherrschenden Synkretismus aus. Man ging von einer in den
Grundzügen einheitlichen Lehre aller damals als seriös geltenden philosophischen Richtungen aus.
Die verschiedenen Richtungen, ausgenommen der verachtete Epikureismus, wurden unter dem
Dach des Neuplatonismus zusammengeführt. Dass Hypatia Neuplatonikerin war, wird in der
neueren Forschung nicht mehr bezweifelt. Sokrates von Konstantinopel stellt ausdrücklich fest, sie
habe der Schule angehört, die Plotin begründet hatte, und dies war die neuplatonische.
In der Suda werden ihr mehrere Werke – alle mathematischen oder astronomischen Inhalts –
zugeschrieben: ein Kommentar zur Arithmetik des Diophantos von Alexandria, ein Kommentar zu
den Kegelschnitten des Apollonios von Perge und eine Schrift mit dem Titel „Astronomischer
Kanon“. Unklar ist, ob das letztgenannte Werk ein Kommentar zu den „Handlichen Tafeln“ des
Astronomen Ptolemaios war, wie meist angenommen wird, oder ein eigenes Tafelwerk Hypatias.
Es ist keine einzige konkrete mathematische, naturwissenschaftliche oder philosophische
Aussage überliefert, die Hypatia mit Sicherheit zugeschrieben werden kann. Allerdings hat ihr Vater
Theon in der ältesten Handschrift des von ihm verfassten Kommentars zu Ptolemaios’ Almagest bei
der Überschrift zum dritten Buch angemerkt, es handle sich um eine „von der Philosophin Hypatia,
meiner Tochter“ durchgesehene Fassung. Unklar ist, ob damit gemeint ist, dass sie den Text der
Almagest-Handschrift, die Theon für die Erstellung seines Kommentars verwendete, auf Fehler
durchgesehen hat, oder ob sie korrigierend in den Text von Theons Kommentar eingegriffen hat. Im
Kommentar sind Spuren einer Überarbeitung erkennbar, die möglicherweise anzeigen, dass sie
wirklich an diesem Werk ihres Vaters beteiligt war.
Vermutungen über sonstige Werke, die Hypatia verfasst haben könnte, sind spekulativ,
ebenso wie Versuche, in den überlieferten Texten der Arithmetik des Diophantos und anderer Werke
Spuren ihrer kommentierenden oder bearbeitenden Tätigkeit zu finden.
Schon zu ihren Lebzeiten genoss Hypatia einen legendären Ruf. Synesios rühmte sie
überschwänglich und erwähnte in einem an sie gerichteten Brief ihren großen Einfluss, der sie zu
einem gewichtigen Faktor im öffentlichen Leben mache. Sokrates Scholastikos schrieb in seiner
Kirchengeschichte, sie habe die Philosophen ihrer Zeit übertroffen und sei wegen ihrer
Tugendhaftigkeit allgemein bewundert worden. Dass sie in Alexandria außerordentlich verehrt
wurde, bezeugt auch ein durch die Suda überlieferter Bericht. Daher erregte ihre Ermordung großes
Aufsehen und wurde auch von einem Teil der christlichen Geschichtsschreiber verurteilt. Der
arianische Kirchengeschichtsschreiber Philostorgios nutzte die Gelegenheit, seine theologischen
Gegner, die Anhänger des Konzils von Nicäa, für den Mord verantwortlich zu machen. Auch im
lateinischsprachigen Westen wurde der Vorgang bekannt: Ein Kapitel der unter Cassiodors Leitung
kompilierten Kirchengeschichte Historia ecclesiastica tripartita ist dem Schicksal Hypatias
gewidmet. Diese Version folgt der Darstellung des Sokrates von Konstantinopel, gibt aber
abweichend von dessen Bericht an, die Philosophin sei mit Steinen getötet worden.
Dem Dichter Palladas wird traditionell ein Lobgedicht auf Hypatia zugeschrieben, von dem
fünf Verse in der Anthologia Palatina überliefert sind.
Der wohl auf einer verlorenen spätantiken Darstellung fußende Bericht des Johannes von
Nikiu aus dem 7. Jahrhundert, der den Mord rechtfertigt, gibt die Sichtweise von Hypatias
kirchlichen Feinden wieder. Sie erscheint darin als kriminelle Magierin, die mittels Schadenzauber
schweres Unheil über die Stadt gebracht hat. Daher habe sie getötet werden müssen, zur Strafe für
ihre Verbrechen wie auch zum Schutz der Einwohner. Johannes gehörte der koptischen Kirche an,
die Hypatias Gegner Kyrill zu ihren bedeutendsten Heiligen zählte und die Möglichkeit eines
Fehlverhaltens dieses Kirchenvaters nicht in Betracht zog.
Im 14. Jahrhundert berichtete der byzantinische Geschichtsschreiber Nikephoros Gregoras,
die Kaiserin Eudokia Makrembolitissa, die im 11. Jahrhundert lebte, sei „eine zweite Theano und
Hypatia“ genannt worden. Aus seinen Worten ist zu ersehen, dass Hypatia im mittelalterlichen
Byzantinischen Reich als Muster einer vorzüglich gebildeten Frau fortlebte.
Der protestantische Kirchenhistoriker Gottfried Arnold beurteilte in seiner Unparteyischen
Kirchen- und Ketzer-Historie die Rolle des Patriarchen als verbrecherisch. Im 18. Jahrhundert
wurde das Schicksal Hypatias unter dem Gesichtspunkt der damaligen Gegensätze zwischen
Katholiken und Protestanten sowie zwischen Vertretern der Aufklärung und der katholischen Kirche
thematisiert. Für Voltaire war Hypatia eine vom Klerus beseitigte Vorläuferin der Aufklärung.
Eine Einschätzung von Hypatias philosophischen, mathematischen und astronomischen
Leistungen ist angesichts der sehr ungünstigen Quellenlage spekulativ und problematisch. Man
betont, dass Hypatia ihren Nachruhm den Umständen ihres Todes verdanke, nicht ihrem
Lebenswerk. Eine Gegenposition zu dieser skeptischen Einschätzung ihrer Bedeutung ist in der
feministischen Forschung anzutreffen. Ihr Schicksal erscheint als Beispiel dafür, „wie man mit der
weiblichen Intellektualität und wie man mit weiblicher Autorschaft umzugehen pflegte“. So wie
Hypatias Leichnam zerstückelt wurde, so sei auch ihre Lebensleistung durch die Überlieferung
zerstückelt worden. „Sie der Vergessenheit zu überantworten, war Kalkül.“
Die Aussage des Philostorgios, Hypatia habe ihren Vater in der Mathematik und Astronomie
weit übertroffen, bietet einen Anhaltspunkt für die in moderner wissenschaftlicher und
nichtwissenschaftlicher Literatur vertretene Meinung, sie sei zu ihrer Zeit auf diesen Gebieten
führend gewesen. Mit der Betonung ihrer wissenschaftlichen Qualifikation verbindet sich bei
manchen modernen Beurteilern die Ansicht, ihr Tod markiere einen historischen Einschnitt: das
Ende der antiken Mathematik und Naturwissenschaft und insbesondere der Beteiligung von Frauen
an wissenschaftlichen Bestrebungen.
Charles Leconte de Lisle schrieb ein Hypatia-Gedicht, das in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts viele Leser fand, und das kurze Drama Hypatie et Cyrille (1857). Er verherrlichte das
Ideal einer Verbindung von Weisheit und Schönheit, das er in Hypatia verwirklicht sah.
Nach Hypatia ist der Asteroid Hypatia benannt, der am 1. Juli 1884 von Viktor Knorre an
der Berliner Sternwarte entdeckt wurde. Auch der Mondkrater Hypatia trägt ihren Namen. Nördlich
des Kraters befinden sich Mondrillen, die Rimae Hypatia („Hypatia-Rillen“) heißen. 2015 wurde
der Exoplanet Hypatia nach einem öffentlichen Wettbewerb nach Hypatia benannt.

PLOTINS HYMNEN AN DIE GÖTTLICHE SCHÖNHEIT

HYMNE AN DIE SCHÖNHEIT


1

Das Schöne beruht größtenteils


Auf den Wahrnehmungen der Augen,
Es beruht aber auch auf denen der Ohren,
Wie bei den Zusammenstellungen von Wörtern
Und in der Musik.
Denn auch Melodien und Rhythmen sind schön.
Steigen wir von der sinnlichen Wahrnehmung weiter aufwärts,
So gibt es auch schöne Einrichtungen,
Taten, Zustände, Wissenschaften,
Endlich eine Schönheit der Tugend.
Ob es noch eine höhere Schönheit gibt,
Wird sich im weiteren Verlaufe zeigen.
Was ist aber die bewirkende Ursache davon,
Dass Körper als schön erschaut werden,
Dass die Ohren den Tönen
Als schönen Tönen ihre Zustimmung geben?
Und was im weiteren mit der Seele zusammenhängt,
In wiefern ist das eigentlich alles schön?
Und sind weiter alle diese Dinge
Durch ein und dasselbe schön,
Oder gibt es eine besondere Schönheit bei einem Körper
Und wieder eine besondere bei einem anderen Gegenstand?
Und was sind denn eigentlich diese verschiedenen
Oder diese eine Schönheit?
Denn die einen Gegenstände sind nicht an sich selbst schön,
Zum Beispiel die Körper,
Sondern durch Teilhabe an der Schönheit,
Andere dagegen sind an sich selbst Schönheiten,
Wie es das Wesen der Tugend ist.
Auch erscheinen dieselben Körper
Bald schön, bald nicht schön,
So dass ihr Sein als Körper verschieden ist
Von ihrem Sein als schöne Körper.
Was ist denn nun das,
Was hier diese bestimmte Eigenschaft der Körper ausmacht?
Dies muss nämlich der erste Gegenstand
Unsrer Untersuchung sein.
Was ist es also,
Was auf die Augen der Beschauer einen Eindruck macht,
Was sie auf sich zieht, sie fesselt
Und sie an seinem Anblick Gefallen finden lässt?
Haben wir dies gefunden,
So können wir es vielleicht als Vorstufe
Zu einer erfolgreichen weiteren Betrachtung gebrauchen.
Nun wird fast von allen behauptet,
Dass die Symmetrie der Teile zu einander
Und zum Ganzen,
Dazu noch schöne Färbung
Die Schönheit für die Wahrnehmung der Augen ausmacht,
Und für sie, wie überhaupt für das gewöhnliche Bewusstsein,
Ist Schönsein so viel wie symmetrisch
Und an gewisse Maßverhältnisse gebunden sein.
Bei dieser Voraussetzung kann aber folgerichtiger Weise
Nichts Einfaches,
Sondern nur das Zusammengesetzte schön sein,
Die einzelnen Teile werden an und für sich nicht schön sein,
Sondern nur insofern sie in ihrer Beziehung zum Ganzen bewirken,
Dass dieses schön ist.
Und dennoch müssen, wenn das Ganze schön ist,
Auch die einzelnen Teile schön sein.
Denn es kann doch nicht aus Hässlichem bestehen,
Sondern die Schönheit muss alle Teile ergriffen haben.
Ebenso werden für die Anhänger dieser Annahme
Die schönen Farben sowie auch das Sonnenlicht
Als einfache und solche Dinge,
Die ihre Schönheit nicht in Folge der Symmetrie haben,
Außerhalb des Schönheits-Bereiches liegen.
Wie soll dann das Gold schön sein?
Oder wodurch der Blitz,
Der in der Nacht gesehen wird?
Desgleichen wird auf dem Gebiete der Töne
Das Einfache nicht in Betracht kommen,
Obwohl oftmals von den Tönen einer schönen Melodie
Jeder einzelne musikalische Ton
Auch an und für sich schön ist.
Und wenn nun ferner, ohne dass die eine Symmetrie geändert würde,
Dasselbe Gesicht bald schön, bald nicht schön erscheint,
Muss man da nicht sagen,
Dass das Schöne noch in etwas anderem
Als dem Symmetrischen besteht
Und dass das Symmetrische selbst
Durch etwas anderes schön ist?
Und wenn man nun im weiteren
Sich zu den Einrichtungen und schönen Reden wendet
Und auch hierbei das Symmetrische
Als Grund des Schönen hinstellen wollte,
Wie kann bei schönen Einrichtungen, Gesetzen,
Kenntnissen und Wissenschaften
Von Symmetrie die Rede sein?
Wie können Gegenstände der Theorie
Zu einander in symmetrischen Verhältnissen stehen?
Etwa weil eine Übereinstimmung zwischen ihnen stattfindet?
Doch hat auch das Schlechte seine Gleichartigkeit und Übereinstimmung.
So stimmt zum Beispiel mit der Behauptung,
Maßvolle Selbstbeherrschung sei Einfalt,
Jene andre Behauptung überein,
Die Gerechtigkeit sei eine edle Gutmütigkeit.
Beide Behauptungen stehen miteinander in Einklang
Und entsprechen sich.
Nun ist Schönheit der Seele jedwede Tugend
Und zwar eine solche,
Die der wahren Schönheit viel näher steht
Als die im Vorigen erwähnten Arten derselben.
Aber sind sie symmetrisch?
Doch weder als Größen,
Noch als Zahlen,
Obgleich es mehrere Teile der Seele gibt.
Denn in welchem Verhältnis soll
Die Zusammensetzung oder Mischung der Teile
Oder Vorstellungen zu einander stehen?
Und worin soll die Schönheit
Der in sich selbst als ihrer Einheit
Versunkenen Vernunft bestehen?

Wir wollen nun den Faden der Untersuchung


Wieder von vorn aufnehmen und bestimmen,
Was eigentlich das ursprüngliche Schöne
An den Körpern ist.
Denn es gibt ein solches,
Was sich gleich beim ersten Anblick wahrnehmen lässt.
Die Seele bezeichnet es so als etwas ihr längst bekanntes,
Sie erkennt es wieder als etwas ihr zusagendes,
Sie tritt gleichsam in harmonische Beziehung zu ihm.
Trifft sie dagegen auf das Hässliche,
So wendet sie sich ab,
Sie erkennt es nicht an
Und weist es von sich
Als ihrem Wesen fremd und widersprechend.
Unsere Behauptung geht nun dahin,
Dass die Seele ihrer eigensten Natur nach
Und zur besseren Wesenheit
Im Reich des Seienden gehörig,
Wenn sie etwas Verwandtes
Oder eine Spur des Verwandten erblickt,
Sich freut,
In heftige Bewegung gerät,
Den gesehenen Gegenstand in Beziehung zu sich setzt,
Sich ihres Wesens wieder bewusst wird.
Was besteht also für eine Ähnlichkeit
Zwischen dem diesseitigen und dem jenseitigen Schönen?
Doch wenn eine Ähnlichkeit besteht,
So mögen sie ähnlich sein.
Auf welche Weise ist beides schön?
Durch Teilhabe an der Idee, behaupten wir,
Ist das Diesseitige schön.
Alles Gestaltlose nämlich,
Dessen natürliche Bestimmung darin liegt,
Gestalt und Idee aufzunehmen, ist,
So lange es ohne Vernunft und Idee bleibt, hässlich
Und außerhalb der göttlichen Vernunft befindlich,
Und zwar ist dies das schlechthin Hässliche.
Hässlich ist aber auch das,
Was von der gestaltenden Vernunft nicht durchdrungen ist,
Indem die Materie sich nicht durchweg gestalten ließ.
Indem nun die Idee herantritt,
Fasst sie das, was aus vielen Teilen
Durch Zusammensetzung zu einer Einheit werden soll,
Zusammen,
Führt es zu einer realen Zweckbestimmtheit
Und macht es zu Einem
Durch innere Übereinstimmung,
Da sie selbst Eins war
Und auch das zu Gestaltende Eins werden sollte,
Soweit dies bei seiner ursprünglichen Vielheit möglich ist.
Auf ihm, wenn es bereits zur Einheit zusammengefasst ist,
Thront nun die Schönheit
Und teilt sich den Teilen wie dem Ganzen mit.
Trifft sie aber auf ein schon von Natur Eines
Und aus ähnlichen Teilen Bestehendes,
So teilt sie sich bloß dem Ganzen mit.
Es verleiht zum Beispiel irgend eine natürliche Beschaffenheit
Oder auch die Kunst
Bald einem ganzen Haus mit seinen Teilen,
Bald einem einzelnen Stein die Schönheit.
So entsteht also der schöne Körper
Durch seine Teilhabe an der
Von den Göttern kommenden Schönheit.

Die Schönheit wird aber erkannt


Durch ein besonderes dazu bestimmtes Vermögen,
Welches vollkommen befähigt ist
In seinem Bereich zu urteilen,
Sobald die übrige Seele seinem Urteil beipflichtet.
Vielleicht aber entscheidet auch die Seele selbst darüber,
Indem sie den wahrgenommenen Gegenstand
Nach der ihr innewohnenden Idee bemisst,
Deren sie sich bei der Beurteilung bedient,
Etwa wie man sich eines Richtscheits bedient,
Wo es sich um das Gerade handelt.
Wie aber stimmt das Körperliche
Mit dem Unkörperlichen zusammen?
Wie bemisst der Baumeister
Ain außer ihm befindliches Haus
Nach der ihm innerlichen Idee des Hauses,
So dass er es als schön bezeichnet?
Doch wohl, weil das außer ihm befindliche Haus,
Abgesehen von den Steinen,
Nichts als die innere,
Zwar durch die äußerliche materielle Masse geteilte,
Aber trotzdem sie an der Vielheit zur Erscheinung kommt,
Dennoch ungeteilte Idee ist.
Wenn nun auch die sinnliche Wahrnehmung
Die den Körpern innewohnende Idee erblickt,
Wie sie die gegenüberstehende gestaltlose Natur bewältigt
Und zur Einheit verbindet,
Und die Gestalt,
Welche auf andre Gestalten in feiner Weise aufgetragen ist,
So fasst sie jenes Vielfache
Zu einer Totalität zusammen,
Hebt es empor
Und setzt es in Verbindung
Mit der bereits vorhandenen ungeteilten Idee im Innern
Und führt es ihr als etwas übereinstimmendes,
Verwandtes und befreundetes zu:
Wie es für einen rechtschaffenen Mann
Ein erfreulicher Anblick ist,
Wenn auf dem Antlitz eines Knaben
Eine Spur von Tugend erscheint,
Die mit der Wahrheit in seinem Innern übereinstimmt.
Die Schönheit der Farbe
Ist einfach durch Gestaltung und Bewältigung
Des der Materie anhaftenden Dunkeln
Mittelst Hinzutreten des unkörperlichen
Von Vernunft und Idee ausgehenden Lichts.
Daher denn auch das Feuer
Gegenüber den anderen Dingen der Körperwelt
An sich schön ist,
Weil es im Verhältnis zu den übrigen Elementen
Den Rang einer Idee einnimmt,
Denn es ist nach oben gerichtet,
Es ist der dünnste von allen übrigen Körpern,
Gleichsam der Übergang zum Körperlosen,
Das Feuer allein nimmt nichts andres in sich auf,
Während es selbst alles andre durchdringt,
Denn die Dinge werden warm,
Das Feuer aber wird nicht kalt,
Es enthält die Grundfarbe
Und die anderen Dinge entlehnen von ihm die Färbung schlechthin.
Es leuchtet also und glänzt,
Als wäre es selbst eine Idee.
Das Feuer freilich,
Welches die Materie nicht bewältigt,
Mit seinem matten bleichen Licht,
Ist nicht mehr schön,
Weil es ja gewissermaßen nicht an der Idee der Färbung
In ihrer Gesamtheit teil hat.
Die inneren, nicht in die Erscheinung tretenden Harmonien der Töne,
Welche diejenigen hervorbringen,
Die wir mit unserm Ohr vernehmen,
Erschließen hiermit zugleich auch der Seele
Das Verständnis des Schönen,
Indem sie an einem Anderen
Ihr eignes Wesen zur Erscheinung kommen lassen.
Allerdings liegt es mit im Wesen
Der vernommenen Töne,
Dass sie sich nicht nach absolut idealen
Zahlenverhältnissen bemessen lassen,
Sondern nur in soweit idealen,
Als sie dazu dienen,
Der Idee zur Bewältigung der Materie zu verhelfen.
So viel von dem Schönen,
Das auf den Sinneswahrnehmungen beruht,
Welches ja doch nur ein Abbild ist,
Ein Schattenriss,
Der sich gleichsam in die Materie verlaufen hat,
Sie schmückt
Und uns bei ihrem Anblick
Mit Entzücken erfüllt.

Über die ferneren Stufen der Schönheit nun,


Welche der sinnlichen Wahrnehmung
Nicht mehr zu schauen vergönnt ist,
Welche vielmehr die Seele
Ohne Sinneswerkzeuge schaut und denkt,
Müssen wir unsre Betrachtung
Von einem höheren Standpunkt aus anstellen,
Indem wir die sinnliche Wahrnehmung
Hier unten zurücklassen.
Wie aber bei dem Schönen der sinnlichen Wahrnehmung
Niemand über dasselbe sprechen konnte,
Der es weder selbst gesehen
Noch als schön wahrgenommen hatte,
Etwa Leute, die blind sind von Jugend auf,
So können ganz in derselben Weise
Auch nicht von der Schönheit schöner Einrichtungen
Diejenigen sprechen, welche die Schönheit derselben
Oder der Wissenschaften und andrer derartiger Sphären
Nicht empfunden haben,
Noch von dem Licht der Tugend diejenigen,
Welche nicht einmal eine Ahnung davon haben,
Wie schön das Angesicht der Gerechtigkeit
Und der maßvollen Selbstbeherrschung ist,
Dass weder Morgen- noch Abendstern so schön sind.
Sondern man muss das selbst geschaut haben auf dem Weg,
Auf welchem die Seele derartiges schaut,
Und muss bei dem Schauen in Freude
Und staunendes Entzücken geraten sein,
In noch viel höherem Grad
Als bei den früheren Schönheitsstufen,
Da man es ja hier nunmehr
Mit der wahren Schönheit zu tun bekommt.
Denn das muss die Empfindung sein
Bei allem was schön ist:
Verwunderung und liebliches Staunen,
Sehnsucht, Liebe und freudiges Entzücken!
Das können empfinden
Und empfinden in der Tat auch bei dem,
Was sich nicht mit leiblichen Augen sehen lässt,
Man möchte sagen, alle Seelen,
In höherem Grade allerdings diejenigen unter ihnen,
Die liebesfähiger sind,
Wie ja auch alle an schönen Körpern Gefallen finden,
Aber nicht in gleicher Weise davon ergriffen werden,
Sondern einige ganz besonders,
Von denen man dann im eigentlichen Sinne sagt,
Sie lieben.

Nun müssen wir unsre Fragen


Auch an diejenigen richten,
Die von Liebe zum Übersinnlichen erfüllt sind.
Was empfindet ihr bei sogenannten schönen Einrichtungen,
Schönen Sitten, maßvollen Charakteren,
Überhaupt bei den Werken und Zuständen der Tugend
Und bei der Schönheit der Seelen?
Was empfindet ihr,
Wenn ihr euch selbst als schön in eurem Innern erblickt?
Wie kommt es, dass ihr da in lauten Jubel ausbrecht
Und in heftige Bewegung geratet,
Dass ihr euch sehnt,
Von den Banden des Körpers befreit,
In Liebesverkehr mit euch selbst zu treten?
Denn das ist in der Tat die Empfindung derer,
Die in Wahrheit von Liebe ergriffen sind.
Was ist aber der Gegenstand einer derartigen Empfindung?
Keine Gestalt, keine Farbe, keine Größe,
Sondern die Seele,
Die selbst farblos ist
Und das reine, farblose Licht der Weisheit
Und übrigen Tugenden an sich hat,
Wenn ihr entweder an euch selbst
Oder an einem andern Hochherzigkeit,
Gerechte Gesinnung,
Lautere Weisheit erblickt,
Tapferkeit mit ihrem ernsten Angesicht,
Würdevollen Anstand und züchtiges Wesen,
Das empor blüht an einer ruhigen,
Von keiner Woge,
Von keiner Leidenschaft bewegten Stimmung,
Über dem allen aber
Die gottgleiche Vernunft hervorleuchten seht.
Und weshalb nennen wir nun das,
Indem wir es bewundern und lieben, schön?
Nun, es ist offenbar
Und gibt sich, ohne dass man dem widersprechen kann,
Als das wahrhaft Seiende zu erkennen.
Aber was ist es in seinem wahrhaften Sein?
Etwa schön?
Allein noch hat sich aus der Untersuchung nicht ergeben,
Durch welchen Zug seines Seins
Es die Seele liebenswürdig macht.
Was ist das, was an allen Tugenden hervorleuchtet wie Licht?
Willst du einmal das Gegenteil nehmen
Und das gegenüber halten,
Was an der Seele Hässliches vorkommen kann?
Vielleicht ist es für das Ergebnis unsrer Untersuchung
Von Belang zu wissen,
Was eigentlich das Hässliche ist
Und warum es als solches erscheint.
Nehmen wir also eine hässliche,
Zügellose und ungerechte Seele,
Vollgepfropft mit sinnlichen Begierden,
Eine Seele voll Unruhe,
Voll feiger Furcht, voll kleinlichen Neides,
Was sie auch denken mag
Immer nur in niedrigen
Und vergänglichen Gedanken sich ergehend,
Stets hinterlistig auf Seitenpfaden schleichend,
Eine Freundin unreiner Genüsse,
In ihrem Leben nur von körperlichen Einflüssen abhängig,
Eine Seele, die am Hässlichen ihre Lust findet:
Werden wir nun nicht sagen,
Dass eben diese Hässlichkeit
Wie ein ihr ursprünglich fremdes Übel
An sie herangetreten ist,
Welches sie schändlich verunstaltet,
Sie unrein gemacht,
Sie mit dem Bösen gleichsam durchtränkt hat,
So dass sie kein reines Leben,
Keine reine Empfindung mehr hat,
Sondern durch die Vermischung mit dem Bösen
Ein verschwommenes,
Vielfach vom Tode durchdrungenes Leben führt,
Nicht mehr das sieht, was eine Seele sehen soll,
Nicht mehr im Stande ist, bei sich selbst zu bleiben,
Weil sie stets zum Äußerlichen,
Irdischen und Dunkeln hingezogen wird?
So als unrein,
Indem sie sich von den ersten besten Lockungen
Der sinnlichen Eindrücke hinreißen lässt,
In inniger Durchdringung mit dem Leibe,
In vielfachem Verkehr mit dem Materiellen,
Das sie in sich aufnimmt,
Hat sie durch die Vermischung mit dem Schlechten
Ein ganz andres Aussehen angenommen;
Gleichsam wie wenn einer sich in Schlamm
Oder Schmutz eintaucht
Und nun nicht mehr seine ursprüngliche Schönheit erscheinen lässt,
Sondern mit dem gesehen werden muss,
Was von dem Schlamm und Schmutz sich an ihm festgesetzt hat.
Ihm ist also das Hässliche
Durch das herantretende Fremdartigen gekommen
Und wenn er wieder schön werden will,
Muss er durch mühsames Waschen und Reinigen
In seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren.
So könnte man mit Recht sagen,
Die Seele sei hässlich geworden
Durch ihre Vermischung, Verbindung
Und ihr Hinneigen zum Körper und der Materie.
Und es ist dies eine Hässlichkeit für die Seele,
Nicht mehr rein und lauter zu sein,
Wie für das Gold, noch in der Schlacke zu stecken.
Erst wenn man die Schlacke entfernt,
Bleibt das Gold übrig
Und ruht losgelöst von allem andern in seiner
In sich selbst versunkenen Schönheit.
So auch die Seele.
Erst wenn sie losgelöst ist von den Begierden,
Mit denen sie in Folge ihres zu innigen Verkehrs
Mit dem Körper behaftet ist,
Wenn sie befreit ist von den übrigen Leidenschaften,
Gereinigt von dem,
Was sie in ihrer Verkörperung an sich hat,
Und allein bleibt,
Pflegt sie alle Hässlichkeit
Der schlechteren Natur abzulegen.

Es ist ja eben, wie der alte Spruch lehrt,


Mäßigung, Tapferkeit,
Überhaupt jede Tugend ist eine Reinigung,
So auch die Weisheit selbst.
Deshalb wird auch mit Recht
In den religiösen Weihen
Dunkel darauf hingedeutet,
Dass der Ungereinigte auch in des Hades Behausung
Im Schlamme liegen müsse,
Weil das Unreine durch seine Schlechtigkeit
Mit dem Schlamm etwas Verwandtes hat,
Wie ja auch die Schweine mit ihrem unsaubern Leibe
An derartigem Gefallen finden.
Was wäre auch wohl die wahre Besonnenheit andres,
Als den Verkehr mit sinnlichen Vergnügungen abzuweisen,
Sie als unrein
Und eines reinen Menschen unwürdig zu fliehen?
Die Tapferkeit ist Furchtlosigkeit vor dem Tode.
Der Tod aber ist das Getrenntsein der Seele vom Körper.
Davor fürchtet sich der nicht,
Der seine Freude daran findet, allein zu sein.
Die Seelengröße ist
Das Hinwegsehen über das Irdische.
Die Weisheit ist das Denken
In seiner Wegwendung von der Welt hier unten,
Das Denken, welches die Seele zu dem Höheren empor führt.
Ist nun die Seele geläutert,
So wird sie zur Idee, zur reinen Vernunft,
Schlicht unkörperlich, geistig
Und ganz vom Göttlichen durchdrungen,
Von wo aus die Quelle des Schönen kommt
Und alles dessen, was mit ihm verwandt ist.
Empor geführt zur Vernunft,
Ist die Seele schön in möglichster Vollkommenheit.
Vernunft und was von der Vernunft ausgeht,
Ist die der Seele ursprüngliche, eigene Schönheit,
Die nicht als etwas Fremdes an sie herantritt,
Weil die Seele dies allein in Wahrheit ist.
Deshalb sagt man auch mit Recht,
Das Gut- und Schönwerden der Seele
Sei ein Ähnlichwerden mit Gott,
Weil von ihm aus das Schöne
Und der bessere Teil des Seienden kommt.
Oder vielmehr das Seiende ist die Schönheit,
Die andere Natur aber ist das Hässliche.
Es ist aber das Hässliche und das ursprünglich Böse identisch,
So dass umgekehrt jenes zugleich gut und schön,
Richtiger: das Gute und die Schönheit ist.
Auf gleiche Weise also hat man
Das Schöne und das Gute,
Das Hässliche und das Böse zu suchen.
Als das Erste ist demnach die mit dem Guten
Identische Schönheit zu setzen.
Von ihr geht die Vernunft aus als das schlechthin Schöne.
Durch die Vernunft ist die Seele schön.
Das andre, was an Taten und Handlungen schön ist,
Ist es durch die Gestaltung der Seele.
Auch in der Körperwelt wird das,
Was den Namen des Schönen verdient,
Durch die Seele dazu gemacht.
Da sie nämlich etwas Göttliches,
Gleichsam ein Teil des Schönen ist,
So macht sie alles das schön,
Was sie berührt und bewältigt,
So weit dieses im Stande ist, es aufzunehmen.
7

Wir müssen also wieder emporsteigen zum Guten,


Nach welchem jede Seele sich sehnt.
Wenn es jemand gesehen hat,
So weiß er, was ich sagen will mit der Behauptung,
Es sei schön.
Als das Gute muss es erstrebt werden
Und das Streben muss darauf gerichtet sein.
Man erreicht es, wenn man nach dem Oberen aufsteigt,
Sich zu ihm hinwendet und das ablegt,
Was man beim Herabkommen angelegt hatte,
Wie ja auch diejenigen, die zur allerheiligsten Handlung
Der Mysterien sich anschicken,
Der Reinigung bedürfen,
Ihre Kleider ablegen
Und im Untergewand herangehen,
So lange bis man bei dem Hinaufsteigen allem ausgewichen ist,
Was dem Göttlichen fremd ist,
Und mit seinem alleinigen Selbst
Auch das Göttliche in seiner Alleinheit schaut
Als lauter, einfach und rein,
Als das, wodurch alles bedingt ist,
Worauf alles hinblickt,
In welchem alles lebt und denkt.
Denn es ist die Ursache des Lebens,
Der Vernunft und des Seins.
Welche Liebesglut wird aber nicht der empfinden,
Der dies zu sehen bekommt,
Wie wird er sich nach der innigen Vereinigung mit ihm sehnen,
Wie wird ihn das Staunen der Wonne durchzittern!
Denn nach dem Göttlichen als dem Guten
Sehnt sich auch derjenige, der es noch niemals gesehen hat.
Wer es aber gesehen hat,
Der bewundert es wegen seiner Schönheit,
Der wird mit freudigem Staunen erfüllt,
Der gerät in Schrecken, der ihn nicht verzehrt,
Der liebt in wahrer Liebe
Und in heftiger Sehnsucht,
Der verlacht alle andere Liebe
Und verachtet das, was er früher für schön hielt.
Das ist etwa die Empfindung derer,
Welchen eine Erscheinung von Göttern
Zu Teil geworden ist
Und die nun nichts mehr wissen wollen
Von der Schönheit der anderen Körper.
Was wird der erst empfinden,
Welcher nun gar das absolut Schöne sieht
In seiner an und für sich seienden Reinheit,
Ohne fleischliche körperliche Hülle
Um rein zu sein,
An keinen Raum der Erde oder des Himmels gebunden.
Denn das ist ja alles etwas abgeleitetes und gemischtes,
Nichts ursprüngliches,
Sondern von jenem ausgehend.
Wer also jenes sieht,
Welches den Reigen aller übrigen Dinge eröffnet,
Welches in sich selbst ruhend mitteilt
Und nichts in sich aufnimmt,
Wer dann in seinem Anblick verharrt und es genießt,
Indem er ihm ähnlich wird,
Was sollte der noch für ein Schönes bedürfen?
Es ist ja eben selbst die Urschönheit,
Welche als das recht eigentlich Schöne,
Auch die es lieben,
Schön und liebenswürdig macht.
Es ist ferner das Ziel für den größten
Angestrengtesten Wettkampf der Seelen,
Das Ziel aller Mühen,
Nicht unteilhaftig zu bleiben des herrlichsten Anblicks.
Selig, wer es erreicht hat,
Wer zum Schauen des seligen Anblicks gekommen ist;
Unselig fürwahr dagegen, bei wem dies nicht der Fall.
Denn nicht der ist unselig,
Der um den Anblick schöner Farben und Körper kommt,
Der weder Macht noch Ehre noch Kronen erlangt,
Sondern wer dies Eine nicht erlangt,
Um dessen Erreichung man
Auf alle Kronen und Reiche der ganzen Erde,
Auf dem Meere und im Himmel verzichten muss,
Ob man das Irdische mit Verachtung verlassend,
Den Blick auf jenes gewandt,
Zum Schauen gelangen möge.

Aber auf welche Art und wie soll man das auffassen?
Wie soll man die unsagbare Schönheit sehen,
Die gleichsam im innersten Heiligtum bleibt
Und nicht herauskommt,
Dass sie auch ein Uneingeweihter zu sehen bekäme?
So gehe denn und kehre ein
In sein Inneres, wer es vermag.
Er lasse draußen,
Was der Blick des Auges erschaut,
Er sehe sich nicht um nach dem,
Was ihm vormals als Glanz schöner Leiblichkeit erschien.
Denn wenn man die leibliche Schönheit erblickt,
Muss man nicht in ihr aufgehen wollen,
Sondern im Bewusstsein, dass sie nur Schatten
Und Schemen zeigt,
Zu dem flüchten, dessen Abbild sie ist.
Denn wer heranliefe, um sie als etwas Wahrhaftes zu umfangen,
Etwa wie eine schöne Gestalt,
Die auf dem Wasser schaukelt –
Jemand, der eine solche umfassen wollte,
Heißt es in einem bekannten, sinnreichen Mythos,
Versank in die Tiefe der Flut
Und ward nicht mehr gesehen, –
Der würde, wenn er sich an dem Schönen der Sinnenwelt festhielte
Und nicht davon losließe,
Ganz in derselben Weise zwar nicht leiblich ,
Doch geistig in dunkle,
Der Vernunft unerfreuliche Tiefen versinken,
Würde dann blind im Hades leben
Und hier und dort mit Schatten verkehren.
„Auf, lasst uns fliehen zum geliebten Lande der Väter!“
Wollen wir uns lieber zurufen.
Aber wohin geht die Flucht
Und wie wollen wir ins offne Meer gelangen?
Wie es Odysseus andeutet, will ich meinen,
Der von der Zauberin Circe oder von Kalypso wegeilend
Keinen Gefallen am Bleiben fand,
Obgleich sein Auge im Anblick der Lust schwelgte
Und er sinnliche Schönheit vollauf genoss.
Vaterland aber und Vater sind für uns dort,
Von wo wir gekommen sind.
Und wie geht unsre Fahrt und Flucht vor sich?
Nicht zu Fuß sollen wir hinwandern,
Denn die Füße tragen uns von einem Land zum andern.
Wir brauchen uns nicht nach einem Fuhrwerk mit Rossen
Noch nach einem Schiff zu Meere umzusehen,
Sondern das alles muss man lassen und gar nicht sehen,
Man muss sein Auge gleichsam schließen,
Man muss ein andres dafür eintauschen und eröffnen,
Das alle besitzen,
Dessen sich aber wenige bedienen.

Was sieht nun jenes innere Auge?


Sofort bei seinem Auftun
Kann es noch nicht das allzu Helle ertragen.
Daher muss man die Seele selbst gewöhnen,
Zuerst auf eine schöne Lebensweise zu blicken;
Dann auf schöne Werke,
Nicht Werke wie die Künste sie zu Wege bringen,
Sondern wie sie von guten Männern ausgehen.
Dann betrachte du die Seele derer, die gute Werke vollbringen.
Wie willst du aber sehen, welche Schönheit
Einer guten Seele eigen ist?
Ziehe dich in dich selbst zurück und schaue,
Und wenn du dich selbst noch nicht als schön erblickst,
So nimm, wie der Bildhauer,
Der an dem, was schön werden soll,
Bald hier, bald da etwas wegnimmt und abschleift,
Bald hier glättet, bald dort säubert,
Bis er an seinem Bilde ein schönes Antlitz zu Stande bringt,
Auch du alles das weg, was überflüssig ist,
Mache das Krumme wieder gerade,
Reinige das Dunkle und lass es hell werden,
Kurz, höre nicht auf zu zimmern an deinem Bilde,
Bis an dir der göttliche Glanz der Tugend hervorleuchtet,
Bis du die Besonnenheit erblickst,
Die auf heiligem Grunde wandelt.
Wenn du das geworden bist
Und dich selbst siehst
Und rein mit dir selbst verkehrst,
Ohne dass dich weiter etwas hindert,
So selbsteinig zu werden,
Ohne dass du in deinem Innern eine weitere Beimischung
Zu deinem Selbst hast,
Sondern ganz du selbst bist,
Wahrhaftiges Licht,
Ein Licht, weder durch Größe bemessen
Noch durch Gestalt in enge Schranken gezwängt,
Noch andrerseits zu maßloser Größe ausgedehnt,
Sondern schlicht unendlich,
So dass es über alle Maßbestimmung
Und alle Quantität hinaus ist –
Wenn du siehst, dass du dazu geworden bist
Und du bereits die innere Sehkraft erlangt hast:
Dann fasse Mut für dich selbst,
Schreite von da aus weiter vor,
Du bedarfst keines Führers mehr,
Und schaue unverwandten Blicks vor dich hin.
Denn nur ein solches Auge sieht die ganze volle Schönheit.
Wenn es aber, den Blick durch Laster umflort
Und ungereinigt oder schwach,
Zum Sehen sich anschickt,
Indem es in weibischer Feigheit
Das allzu Helle nicht ertragen kann,
So sieht es gar nichts,
Auch wenn ein andrer ihm das an sich Sichtbare zeigen wollte,
Was vor ihm liegt.
Denn ein dem zu sehenden Gegenstand verwandt
Und ähnlich gemachtes Auge
Muss man zum Sehen mitbringen.
Nie hätte das Auge jemals die Sonne gesehen,
Wenn es nicht selber sonnenhaft wäre;
So kann auch eine Seele das Schöne nicht sehen,
Wenn sie nicht selbst schön ist.
Darum werde jeder zuerst gottähnlich und schön,
Wenn er das Gute und Schöne sehen will.
Zuerst wird er bei seinem Emporsteigen
Zur Vernunft kommen
Und wird dort alle die schönen Ideen sehen,
Und er wird sagen, dass die Ideen das Schöne sind.
Denn alles ist durch sie schön,
Durch die Schöpfungen und das Wesen der Vernunft.
Was darüber hinaus liegt, nennen wir die Natur des Guten,
Welche das Schöne als Hülle vor sich hat,
So dass sie, um es kurz zu sagen, die Urschönheit ist.
Unterscheidet man das Intelligente,
So werden wir die Intelligenz der Schönheit
De Welt der Ideen nennen,
Das darüber hinausliegende Gute
Quelle und Prinzip der Schönheit.
Oder aber wir werden das Gute
Und die Urschönheit als identisch setzen.
Dort jedenfalls liegt die Schönheit.

HYMNE AN DIE INTELLIGENZ DER SCHÖNHEIT

Da wir behaupten, dass derjenige,


Welcher zum Anschauen
Der übersinnlichen Schönheit gelangt ist
Und die Schönheit des wahren Geistes empfunden hat,
Auch im Stande sei, den Ursprung dieser
Und den Ursprung des göttlichen Verstandes
Mit seinen Gedanken zu erfassen,
So lasst uns zu betrachten
Und für uns selbst auszusprechen versuchen
(Soweit dergleichen auszusprechen möglich ist),
Wie jemand wohl die Schönheit des Geistes
Und jener übersinnlichen Welt erschauen mag.
Denken wir uns zwei Marmorblöcke
Neben einander liegen,
Den einen roh und ungestaltet,
Den andern bereits von der Kunst bewältigt
Und zum Bilde eines Gottes,
Etwa einer Muse oder Charis,
Oder eines Menschen, aber nicht eines beliebigen,
Sondern eines von künstlerischer Hand
Sehr schön gestalteten, geformt,
So dürfte der von der Kunst zur schönen Gestalt erhobene
Offenbar schön sein,
Nicht weil er ein Marmorblock ist –
Sonst wäre ja auch der andere in ähnlicher Weise schön –
Sondern von der Idee her,
Welche die Kunst ihm eingebildet hat.
Diese Idee nun hatte nicht der Stoff,
Sondern sie war, und zwar noch ehe sie in den Stein kam,
Im Geist des Bildhauers,
Und in ihm nicht, sofern er Augen und Hände hatte,
Sondern weil er ein Künstler war.
Es wohnte also in der Kunst diese weit höhere Schönheit;
Doch ging nicht diese in den Marmorblock ein,
Sondern indem jene bleibt,
Eine von ihr ausgehende geringere;
Und auch diese blieb nicht rein in sich selbst
Und gehorchte dem Willen des Bildners nur insoweit
Als der Stein der Kunst nachgab.
Wenn aber die Kunst das, was sie hat und ist, bildet –
Und sie bildet das Schöne nach dem Begriff dessen, was sie bildet –
So ist sie in höherem und richtigerem Maße schön,
Weil eben im Besitz der Schönheit der Kunst,
Die jedoch noch größer und herrlicher ist
Als sie nach außen hin erscheint.
Soweit sie nämlich in den Stoff eingehend sich ausgedehnt hat,
Um soviel ist sie schwächer
Als die in sich selbsteinig verharrende.
Denn alles sich Ausbreitende gibt etwas von seinem Wesen auf:
Die Stärke von der Stärke,
Die Wärme von der Wärme,
Überhaupt die Kraft von der Kraft,
So auch die Schönheit von der Schönheit;
Und jedes schöpferische Prinzip
Muss an und für sich besser sein als das Geschaffene;
Denn nicht der Mangel an musikalischer Begabung
Macht den Musiker,
Sondern die musikalische Kunst,
Desgleichen die sichtbare Gestalt
Die vor der Sinnenwelt liegende.
Verachtet aber jemand die Künste,
Weil sie in ihren Schöpfungen die Natur nachahmen,
So ist zuerst zu sagen,
Dass auch die Schöpfungen der Natur Nachahmungen sind;
Sodann muss man wissen,
Dass sie die Erscheinung nicht schlechtweg nachahmen,
Sondern aufsteigen zu den Gedanken,
Aus denen die Natur stammt;
Dann, dass sie auch aus dem Eigenen vieles hinzutun.
Sie fügen nämlich als im Besitz der Schönheit
Allem Mangelhaften etwas hinzu,
Wie denn auch Phidias den Zeus
Nach keinem sichtbaren Gegenstände gebildet hat,
Sondern so wie Zeus aussehen würde,
Wenn er einmal vor unsern Augen erscheinen wollte.

Doch lassen wir die Künste.


Die Dinge aber, deren Werke sie nachahmen sollen,
Das sogenannte Naturschöne wollen wir betrachten:
Die vernünftigen und vernunftlosen Wesen alle
Und besonders diejenigen von ihnen,
Welche der Bildner und Künstler
In vorzüglichem Grad zu Stande gebracht,
Indem er die Materie bewältigte
Und ihr die ideale Gestalt, welche er wollte, gab.
Was ist nun die Schönheit in diesen?
Woher stammt, frage ich, die glänzende Schönheit der Helena,
Dieses viel umstrittenen Weibes,
Oder anderer Frauen,
Die an Schönheit der Aphrodite gleichkamen?
Ja, woher die der Aphrodite selbst
Oder irgend eines andern schönen Menschen oder Gottes,
Die wir etwa zu Gesicht bekamen
Oder auch nicht bekamen,
Deren Schönheit uns aber in die Augen fallen würde?
Ist dieses denn nicht überall die Idee,
Welche von dem Schöpfer auf das Geschöpf übergeht,
Sowie sie auf dem Gebiet der Künste
Nach unserer früheren Behauptung
Von den Künsten übergeht auf das Kunstwerk?
Wie also? Schön sind die Kunstwerke
Und der die Materie beherrschende Begriff,
Und der im Schöpfer,
Nicht in der Materie wirksame Begriff,
Dieser erste und stofflose sollte nicht Schönheit sein?
Ja, wenn die Masse, insofern sie Masse war, schön war,
Dann müsste der schöpferische Begriff,
Eben weil er nicht Masse war, nicht schön sein;
Wenn aber, falls in der gleichviel ob kleinen
Oder großen Masse derselbe Gedanke waltete,
Dieser die Seele des Beschauers in gleicher Weise bewegt
Und stimmt durch seine eigene Kraft,
So ist die Schönheit nicht der Größe der Masse beizumessen.
Ein Beweis dafür ist auch dies:
So lange sie außer uns ist, sehen wir sie nicht,
Sobald sie inwendig geworden,
Hat sie uns bereits affiziert.
Sie geht durch die Augen ein
Nur als Idee,
Wie könnte sie das sonst bei einem so winzigen Gegenstande?
Mit hineingezogen wird aber auch die Größe,
Nicht groß in der Masse,
Aber durch die Idee groß geworden.
Die schöpferische Ursache
Muss entweder hässlich oder indifferent
Oder schön sein.
Wäre sie hässlich, so würde sie nicht das Gegenteil bewirken;
Wäre sie indifferent, warum sollte sie denn lieber
Das Schöne als das Hässliche hervorbringen?
Aber in Wahrheit ist die Natur,
Die das Schöne so hervorbringt,
Viel früher schön;
Wir indessen, die wir nicht gewöhnt sind
Oder nicht verstehen, in das Innere zu schauen,
Jagen dem Äußern nach, ohne zu erkennen,
Dass das Innere die bewegende Ursache ist;
Gerade wie wenn jemand, der sein eigenes Bild erblickte
Und nicht wüsste, woher es kommt, diesem nachjagte.
Es beweist außerdem, dass das Erstrebte ein anderes
Und die Schönheit nicht in der Größe zu finden ist,
Auch die Schönheit in den Wissenschaften
Und Beschäftigungen und überhaupt in den Seelen.
Da ist es denn in der Tat eine größere Schönheit,
Wenn du an jemandem die Weisheit schaust
Und bewunderst, ohne auf sein Antlitz zu blicken;
Mag dies immerhin hässlich sein,
Lass du nur die ganze äußere Erscheinung bei Seite
Und suche die innere Schöne an dem Menschen.
Fühlst du dich aber noch nicht bewogen,
Einen solchen Weisen schön zu nennen,
Dann hast du dich auch noch nicht beim Blick in das Innere
An deiner eigenen Schöne erfreut.
So würdest du dann freilich in solchem Zustand
Jene vergebens suchen,
Denn du wirst sie suchen mit hässlichem
Und nicht mit reinem Sinn.
Darum gehen auch die Reden über dergleichen Dinge nicht alle an;
Hast aber auch da dich schon als schön erblickt, so denke daran.

Es gibt also auch in der Natur


Einen Begriff der Schönheit,
Das Urbild der in sichtbarer Gestalt erscheinenden;
Aber schöner als der in der Natur
Ist der in der Seele,
Von dem auch der in der Natur stammt.
Am hellsten strahlt natürlich der in einer reinen Seele,
Welcher sich auch bereits in Schönheit manifestiert.
Denn nachdem er die Seele geschmückt hat
Und ihr Licht gebracht vom Lichte
Der größeren ursprünglichen Schönheit,
Veranlagt er selbst, in der Seele verbleibend,
Nachzudenken über das Wesen
Des voraufliegenden Gedankens,
Welcher sich nicht mehr einem andern mitteilt,
Sondern in sich selber verharrt.
Deshalb ist er auch nicht einmal Gedanke,
Sondern Schöpfer des ersten Gedankens,
Indem die Schönheit in der seelischen Materie wohnt.
Und dies ist die Vernunft, die ewige,
Zeitlich unveränderliche Vernunft,
Da sie nicht von außen her zu sich selbst gekommen ist.
Unter welchem Bilde nun konnte man diese begreifen?
Denn ein jedes wird von einem geringeren hergenommen werden.
Aber freilich muss man das Bild des Geistes
Vom Geist hernehmen
Und nicht von einem Bilde,
Ähnlich wie man zur Bezeichnung des Goldes überhaupt
Dies oder jenes Gold nimmt.
Dabei muss man, falls das genommene nicht rein ist,
Es reinigen, faktisch oder begrifflich,
Und zeigen, dass nicht alles dies Gold ist,
Sondern nur dieses bestimmte hier innerhalb der Masse.
Das gleiche gilt auch bei dem Bild
Des reinen Geistes in uns
Oder wenn man will bei den Göttern,
Nach der Beschaffenheit des in ihnen wohnenden Geistes.
Denn ehrwürdig sind die Götter alle und schön
Und ihre Schönheit ist unendlich.
Aber was ist es, wodurch sie so schön sind?
Nur die Vernunft
Oder vielmehr die in ihnen sich zur Erscheinung auswirkende Vernunft.
Nicht also weil sie schöne Körper haben, sind sie schön –
Denn schöne Körper machen das Wesen der Gottheit nicht aus –
Sondern gemäss der Vernunft
Sind sie eben Götter.
Demnach sind sie nicht heute weise, morgen töricht,
Sondern stets weise
In ihrer ruhigen, beständigen, reinen Vernunft
Und erkennen nicht eigentlich das menschliche Wesen,
Sondern ihr eigenes Wesen
Und alles, was die Vernunft sieht.
Von den Göttern aber schauen die Himmelsbewohner
(Denn sie haben Muße) beständig
Und wie von fern die Dinge in jenem Himmelsraum
Durch Emporheben ihres Hauptes;
Und alle die Bewohner dort,
So viele ihrer auf ihm und in ihm ihren Wohnsitz haben,
Weilen überall in jenem Himmelsraum.
Denn alles ist dort Himmel
Und die Erde ist Himmel und das Meer
Und die Tiere und Pflanzen und Menschen:
Alles himmlisch in jenem Himmel.
Und die himmlischen Götter
Verschmähen die Menschen nicht,
Noch irgend etwas der dortigen Dinge,
Weil sie von dort sind,
Sondern den ganzen Umkreis und Raum
Durchdringen sie in erhabener Ruhe.

4
Auch das „leichte Leben“ ist dort anzutreffen
Und die Wahrheit ist ihnen Mutter
Und Amme und Sein und Nahrung,
Und sie sehen alles,
Nicht als die werdenden ,
Sondern als die seienden,
Und sehen sich in andern;
Denn alles ist klar und durchsichtig,
Nichts dunkel oder widerstrebend,
Sondern jeder ist jedem offenbar nach innen
Und durch alles hindurch,
Denn Licht zu Licht heißt es dort.
Es hat auch jeder jedes in sich selbst
Und wiederum sieht er in dem andern alles,
So dass überall alles und alles
Alles ist und jedes alles
Und unermesslich der Glanz;
Denn jedes an ihnen ist groß,
So auch das Kleine groß
Und die Sonne dort die Gesamtheit der Gestirne
Und jedes Gestirn wieder Sonne und alles.
An einem jedem ragt ein anderes hervor,
Es zeigt aber zugleich alles.
Hier ist auch reine Bewegung,
Denn sie stört auf ihrem Gang
Nicht eine andere von ihr verschiedene Bewegung,
Auch die Ruhe wird nicht erschüttert,
Weil sie nicht getrübt wird durch Unbeständigkeit;
Und das Schöne ist schlechthin schön,
Weil es nicht nur im Schönen ist.
Ein jeder schreitet nicht wie auf fremdem Boden,
Sondern eines jeden Stätte ist er selbst, was er ist,
Und da sein Lauf sich nach oben richtet,
Geht sein Ausgangspunkt mit,
Und nicht ist er selbst ein anderes
Noch der Raum ein anderes.
Denn auch das Substrat ist Vernunft
Und er selbst ist Vernunft,
Etwa wie man auch diesen sichtbaren
Lichtartigen Himmel ansehen könnte
Als Erzeuger dieses aus ihm kommenden Lichtes.
Hier nun in der Sinnenwelt
Geht wohl ein anderer Teil aus dem andern Teil hervor
Und jeder Teil bleibt allein für sich;
Dort aber geht aus dem Ganzen immer jeder Teil hervor
Und doch ist immer zugleich der Teil und das Ganze.
Zwar erscheint er als Teil,
Aber das scharfe Auge erblickt ihn als Ganzes,
Ein Auge, wie es Lynkeus gehabt haben muss,
Der nach der Sage ins Innere der Erde sehen konnte.
Für das Schauen dort oben gibt es keine Ermüdung,
Keine Sättigung und kein Aufhören;
Denn es war ja kein Mangel vorhanden,
Nach dessen endlicher Erfüllung man Genüge hätte,
Noch auch Mannigfaltigkeit oder Verschiedenheit,
Dass etwa dem einen nicht gefallen könnte
Was dem andern gefällt:
Unermüdlich, unerschöpft ist alles.
Doch gibt es Unerfülltes in dem Sinne,
Dass die Erfüllung nicht zur Verachtung des Erfüllenden führt;
Denn im Anschauen vergrößert sich das Schauen,
Und wer sich selbst
Und das Gesehene als unendlich schaut,
Folgt damit nur seiner eigenen Natur.
Ferner bringt das Leben, wenn es rein ist,
Niemandem Ermüdung;
Und wer das beste Leben lebt,
Was sollte den ermüden?
Das Leben aber ist Weisheit,
Eine Weisheit, die durch Nachdenken
Keinen Zuwachs erhält,
Weil sie immer vollständig war,
Auch keinen Mangel erleidet,
Dass es der Forschung bedürfte,
Sondern es ist die erste und ursprüngliche,
Von keiner andern abgeleitete,
Ja, das Sein selbst ist die Weisheit.
Darum ist keine größer
Und die Wissenschaft als solche
Thront dort neben der reinen Vernunft
In der Weise, dass sie mit einander in die Erscheinung treten,
Wie man in einem Gleichnis etwa
Die Dike zum Dis gesellt.
Denn alle dergleichen Dinge sind dort
Wie durch sich selbst
Und in sich selbst sichtbare Bilder,
So dass der Anblick ein Genuss
Überglücklicher Beschauer ist.
Der Weisheit Größe nun und Macht
Möchte jemand schauen,
Weil sie alles Seiende in sich befasst
Und geschaffen hat
Und alles ihr folgt
Und sie selbst alles Seiende ist
Und alles mit sich verbunden hält
Und mit ihm eins geworden ist:
Kurz, das Sein da droben ist die Weisheit.
Aber wir sind zu jenem Verständnis
Noch nicht hindurchgedrungen,
Weil wir die Wissenschaften
Für Erzeugnisse der Spekulation
Und für ein Konglomerat
Aus wissenschaftlichen Prämissen halten,
Und das trifft doch nicht einmal
Für die irdischen Wissenschaften zu.
Sollte jedoch hierüber jemand in Zweifel sein,
So wollen wir diese vor der Hand lassen;
Was aber jene Wissenschaft betrifft,
Bei deren Anblick auch Platon sagte:
Sie ist nicht eine andere in einem andern –
(Aber wieso, das ließ er uns offen zu suchen
Und zu finden, wenn anders wir uns solcher Rede würdig achten) –
Damit also machen wir vielleicht besser den Anfang.

Also alle Produkte der Kunst wie der Natur


Bringt eine Weisheit hervor
Und die Werkmeisterin der schaffenden Tätigkeit
Ist überall die Weisheit.
Und wenn in der Tat jemand unmittelbar
Nach der Weisheit schafft,
So mögen ja die Künste dieser Art sein.
Aber der Künstler wendet sich doch wiederum
Zur Weisheit der Natur,
Nach der er Künstler geworden,
Zu einer Weisheit,
Die nicht aus Theorien zusammengesetzt,
Sondern ganz in sich eins ist,
Nicht aus vielen Stücken zu einer Einheit zusammengefasst,
Vielmehr aus der Einheit zu einer Vielheit aufgelöst ist.
Setzt jemand diese als die erste,
So mag es genügen,
Denn wie sie aus keinem andern stammt,
So ist sie auch nicht in einem andern.
Wenn sie aber Vernunft in der Natur anerkennen
Und als die Quelle dieser die Natur nennen,
So werden wir fragen: woher hat sie dieselbe?
Sagen sie: von einem andern,
Was ist jenes andere?
Sagen sie: aus sich selbst,
So werden wir dabei stehen bleiben.
Kommen sie aber auf die Vernunft,
So ist hier zu betrachten,
Ob die Vernunft die Weisheit erzeugt hat;
Und wenn sie es zugeben, woher?
Wenn aber aus sich selbst,
So muss sie notwendig selbst Weisheit sein.
Die wahre Weisheit ist also Sein
Und das wahre Sein Weisheit,
Und der Werth kommt dem Sein von der Weisheit
Und weil es von der Weisheit herrührt,
Ist es wahres Sein.
Deshalb sind alle Wesenheiten,
Welche die Weisheit nicht in sich tragen,
Zwar Wesenheiten,
Weil um einer gewissen Weisheit willen entstanden;
Aber weil sie die Weisheit nicht in sich enthalten,
Sind sie nicht wahre Wesenheiten.
Es ist also nicht anzunehmen,
Dass die Götter oder andere überglückliche Wesen da droben
Wissenschaftliche Grundsätze schauen,
Sondern alles, was man dort nennt,
Sind schöne, ideale Bilder,
Wie sie sich etwa jemand vorstellt
In der Seele eines weisen Mannes,
Aber nicht aufgezeichnete Bilder
Sondern seiende.
Daher nannten auch die Alten die Ideen
Seiendes und Wesenheiten.

Es gebrauchten auch, scheint mir, die ägyptischen Weisen,


Sei es durch die sorgfältigste Erwägung,
Sei es durch einen gewissen Instinkt darauf geführt,
Zur Mitteilung ihrer Weisheit
Nicht Schriftzeichen als Vermittler von Worten und Lehrsätzen,
Sondern sie machten Bilder
Und jeden einzelnen Gegenstand
Fassten sie in die Umrisse eines Bildes
Und zeigten dann in den Tempeln
Bei Entzifferung desselben,
Dass ein jedes eine gewisse Wissenschaft und Weisheit sei
Und zwar in seiner zu Grunde liegenden Totalität,
Nicht aber das Resultat eines Nachdenkens
Oder einer Überlegung.
Erkannte später jemand das aus jener Totalität des Wesens
Hervorgegangene Bild,
Wie es sich bereits in einem andern
Aus sich gleichsam herausgewickelt hat
Und sich selbst in der Entwickelung kundgibt
Und die Gründe, weshalb so, herausfindet,
Dann gestand er die Weisheit zu bewundern,
Wie sie, ohne die Gründe ihres Seins zu fassen,
Doch dem nach ihr Geschaffenen eine solche Existenz verleiht.
Dass also dies Schöne,
Das infolge einer Untersuchung kaum
Oder überhaupt nicht zur Erscheinung kommt,
Sich so, wenn es jemand ausfindig macht,
Vor der Untersuchung und Überlegung verhalten
Und vorhanden sein muss,
Wie etwa – denn ergreifen wir an Einem großen Ganzen
Was ich meine, das wird dann auch auf alles Einzelne passen.
7

Was also dieses Weltall betrifft,


Das doch, wie wir zugeben,
Von einem andern
Und zwar in dieser Gestalt erschaffen ist,
Sollen wir da etwa annehmen,
Der Schöpfer habe bei sich überlegt,
Dass die Erde und zwar solcher Gestalt
In der Mitte dastehen müsse,
Dann das Wasser sowohl das auf der Erde
Als das übrige der Reihe nach bis zum Himmel,
Dann alle lebenden Wesen
Und zwar jedes in der Gestalt
Soviel davon jetzt vorhanden,
Dazu mit diesen inneren und äußeren Organen,
Dass er dann eines jeden Ordnung bei sich festgestellt
Und so Hand ans Werk gelegt habe?
Aber ein solches Überlegen war doch weder möglich,
Denn woher sollte sie dem kommen,
Welcher dergleichen niemals gesehen hat?
Noch konnte er nach einem andern Muster arbeiten,
Wie jetzt die Werkmeister arbeiten
Mit Gebrauch von Händen und Füssen,
Denn später entstanden auch erst Hände und Füße.
Bleibt also nichts übrig,
Als dass zwar alles in einem andern ist,
Dass aber, da ein Zwischengebiet zwischen dem Sein
Und dem Geschaffenen sich nicht findet,
Gleichsam plötzlich ein Abbild und Symbol
Jenes in die Erscheinung trat,
Sei's aus sich selbst heraus,
Sei's unter Mitwirkung der Seele
(Denn auf diesen Unterschied kommt gegenwärtig nichts an)
Oder einer gewissen seelischen Kraft.
Gewiss also war von dorther dies alles zusammen
Und existierte dort in schönerer Weise;
Denn die Dinge hier und nicht jene sind gemischt.
Doch werden sie gewiss von Anfang bis zu Ende
Durch Formen gebunden:
Zuerst die Materie durch elementare Formen,
Dann schließen sich wieder andere Formen an die Formen,
Daher es auch schwer ist, die Materie zu entdecken,
Die unter vielen Formen sich verbirgt.
Da jedoch auch sie gewissermaßen eine letzte Form ist,
So ist dies All ganz Form und alles Formen;
Denn auch das Urbild war Form;
Es schuf aber dieses geräuschlos,
Weil alles Schaffende Sein und Form ist.
Deshalb geht die Schöpfung auch so mühelos vor sich;
Auch erstreckte sie sich auf alles, da sie ja alles ist.
Nicht also gab es ein Widerstrebendes
Und auch jetzt gewinnt sie die Herrschaft
Gleichwohl über die einander widerstrebenden Dinge;
Aber für sie gibt es auch jetzt noch keinen Widerstand,
Da sie ja alles ist und bleibt.
Und ich glaube, wenn wir die Urbilder
Und das Sein und die Form zugleich wären
Und die gestaltende Kraft uns
Als unser Wesen eignete,
Dann würde auch unser Schaffen ohne Mühe den Sieg gewinnen;
Aber der Mensch, wie er nun einmal ist,
Schafft eine von seinem Wesen verschiedene Form.
Denn der Mensch, wie er jetzt geworden,
Hat aufgehört, das All zu sein;
Aber wenn er aufgehört hat, Mensch zu sein, sagt Platon,
Dann schwingt er sich auf und regiert die ganze Welt;
Denn eins geworden mit dem Ganzen schafft er das Ganze.
Jedoch, wovon die Rede war,
Du kannst einen Grund angeben,
Warum die Erde sich in der Mitte befindet und rund ist
Und warum gerade hier die Ekliptik;
Dort aber wurde nicht, weil es so sein musste,
Ein solcher Beschluss gefasst,
Sondern weil's so ist, wie es ist, darum ist es so auch schön.
Da war gleichsam vor dem Syllogismus der Schlusssatz,
Der sich nicht erst aus den Prämissen ergab;
Denn nicht aus Folgerung und Untersuchung
Ergeben sich die Dinge,
Sondern vor aller Folgerung und Untersuchung;
Denn alles dieses: Schluss, Beweis, Bestätigung
Sind abgeleitete Dinge.
Und da es auch Prinzip ist,
So ergibt sich daraus alles
Und zwar auf diese Weise;
Auch heißt es sehr richtig,
Man solle nicht die Ursachen der Ursache suchen,
Zumal einer solchen zweckbestimmten,
Welche identisch ist mit dem Zweck;
Dasjenige aber, welches Ursache und Zweck ist,
Das ist alles in allem,
Mangellos und ohne Aufhören.

Es ist also die Urschönheit,


Und zwar ist sie ein Ganzes und überall ganz,
Damit auch nicht an einem einzigen Teil
Die Schönheit mit einem Mangel behaftet sei.
Wer also wird sie nicht schön nennen?
Denn das ist sie doch sicherlich nicht,
Was sie nicht ganz ist,
Sondern nur einen Teil davon
Oder auch diesen nicht einmal hat.
Oder wenn jene nicht schön ist, was denn sonst?
Denn das vor ihr Liegende will nicht einmal schön sein.
Was aber zuerst und ursprünglich
In die Erscheinung tritt,
Dadurch dass es Form und Anschauung
Der reinen Vernunft ist,
Ist eben dadurch auch wundervoll anzusehen.
Daher auch Platon, um dies zu bezeichnen,
Seinen Weltschöpfer auf etwas
Unserer Anschauung näher liegendes blicken
Und mit Rücksicht hierauf sein Werk gutheißen lässt,
Indem er zeigen will, wie wundervoll
Die Schönheit des Urbildes und der Idee sei.
Denn bei jedem Gegenstand unserer Bewunderung,
Der nach einem andern gemacht worden,
Geht die Bewunderung auf dasjenige zurück,
Wonach er gemacht worden ist.
Wenn uns dieses selbst nicht zum Bewusstsein kommt,
So ist das kein Wunder.
Wissen ja auch die Liebenden,
Die Bewunderer irdischer Schönheit, nicht,
Dass es um jenes willen geschieht,
Und doch geschieht es deshalb.
Dass Platon aber jenes „er bewunderte“
Auf das Urbild bezogen wissen will,
Zeigt Platon deutlich,
Indem er geflissentlich im Verlauf der Rede hinzufügt:
Er bewunderte sein Werk
Und wollte es dem Urbild noch ähnlicher machen.
So deutet er die Schönheit des Urbildes an
Dadurch, dass er das aus jenem entsprungene Schöne selbst
Als ein Abbild jenes Urbildes bezeichnet.
Was wäre auch sonst, wäre jenes nicht die Überschönheit
In ihrer unbegreiflichen Schönheit,
Schöner als diese sichtbare Schöne?
Daher haben die Tadler dieser sichtbaren Schönheit kein Recht,
Oder nur insofern als diese nicht jenes Ideal erreicht.

Lasst uns also diese Welt,


In der jeder Teil bleibt, was er ist, ohne Konfusion,
In unsern Gedanken als ein Ganzes auffassen,
Soweit möglich, in der Weise, dass im bunten Wechsel der Erscheinungen,
Die von außen wie von dem Rand einer Kugel umschlossen werden,
Dem Bild der Sonne und aller Sterne zumal
Der Anblick der Erde und des Meeres
Und aller lebenden Wesen folgt,
Gleichsam wie auf einer überall sichtbaren Kugelfläche,
Und es wird in der Tat uns alles zu Gesicht kommen.
Nehmen wir in der Seele die hellleuchtende Gestalt einer Kugel an,
Die alles in sich befasst, bewegt oder ruhend,
Oder zum Teil ruhend, zum Teil bewegt.
Indem du dieses festhältst,
Nimm ein anderes Bild,
Von dem du alles Stoffliche abgestreift hast, in dich auf;
Nimm auch alles Räumliche
Und jede Vorstellung von Materie weg
Und versuche nicht eine andere nur der Masse nach kleinere Gestalt zu fassen,
Sondern rufe Gott,
Der die Vorstellung, die du hast, geschaffen hat, an
Und bitte ihn zu kommen.
Er wird kommen in seiner Pracht mit allen Göttern,
Die in ihm sind,
Als ein einiger und alle befassend,
Wie auch jeder einzelne alle in sich befasst
Zu einer Einheit;
Verschieden nur sind sie in ihren Kräften
Und doch wieder alle eins in jener einen großen Kraft,
Oder vielmehr der Eine ist sie alle zusammengenommen.
Denn er selbst erfährt keine Verminderung,
Wenn alle jene erzeugt werden;
Zusammen sind sie alle und doch wieder jeder für sich
Auf einem räumlich nicht getrennten Standpunkt,
Ohne jegliche sichtbare Gestalt,
Denn sonst würde der eine hier der andre dort sein
Und jeder nicht ganz in sich selbst;
Auch hat er nicht andere Teile für andre oder sich selbst,
Noch ist jedes Ganze dort eine geteilte Macht
Und etwa nur von solchem Umfang,
Als sie abgemessene Teile hat.
Es ist Macht schlechthin, ins Unendliche sich erstreckend,
Mit seinen Wirkungen,
Und insofern ist jener groß,
Als auch seine Teile unendlich sind.
Und wo wäre irgend etwas zu nennen,
Wo jener nicht schon zuvor wäre?
Groß also ist auch dieser sichtbare Himmel
Und alle Kräfte an ihm insgesamt,
Aber größer wäre er
Und gar nicht zu sagen wie groß,
Wenn nicht an ihm ein geringes Maß von Körperlichkeit haftete.
Gleichwohl möchte jemand groß auch die Kräfte des Feuers
Und anderer körperlichen Dinge nennen,
Aber darin verrät sich schon die mangelhafte Kenntnis
Der wirklichen Kraft,
Wenn wir den äußeren Vorgang betrachtend sagen:
Sie brennen und zerstören und reiben und wirken mit
Bei Entstehung der lebenden Wesen.
Aber diese Dinge hier zerstören,
Weil sie auch zerstört werden,
Und erzeugen, weil sie selbst entstehen;
Die Kraft dort aber hat ausschließlich das Sein und das Schönsein.
Denn wo wäre das Schöne des Seins beraubt zu finden?
Denn wo das Schöne aufhört, da hört auch das Sein auf.
Darum ist auch das Sein begehrenswert,
Weil es dasselbe ist wie das Schöne,
Und das Schöne liebenswert, weil es das Sein ist.
Was nutzt es aber zu untersuchen,
Welches des andern Ursache sei,
Da die Natur nur Eine ist?
Denn dieses Pseudo-Sein hier
Bedarf eines von außen herzugebrachten schönen Scheinbildes,
Damit es auch schön scheine und überhaupt nur sei,
Und insoweit nur ist es, als es Teil hat an der Schönheit der Idee,
Und je mehr es Teil genommen, desto vollendeter ist es,
Denn nur der Idee eignet in höherem Grade
Die Schönheit an sich.

10

Deshalb bricht auch Zeus,


Der ja der älteste ist von den Göttern,
Die er selbst anführt,
Zuerst auf zum Anschauen der intelligenten Welt,
Sie aber folgen,
Die andern Götter und Geister und Seelen,
Welche diese Dinge zu sehen vermögen.
Sie aber erscheint ihnen von einem unsichtbaren Ort her
Und hoch über ihnen aufgehend leuchtet sie herab auf alles
Und erfüllt es mit ihrem Glänzen
Und scheucht die niederen Seelen auf,
Und diese wenden sich, nicht im Stande zu schauen,
Wie man nicht in die Sonne sehen kann;
Die einen werden von ihr empor gehalten und schauen,
Die andern geraten in Verwirrung,
Je weiter sie von ihr entfernt werden.
Indem aber die, welche es können, schauen,
Blicken sie alle auf dieselbe und auf ihren Reichtum,
Nicht aber gewinnt ein jeder dieselbe Anschauung,
Sondern der eine sieht unverwandten Auges
Die Quelle und Wesenheit des Gerechten hervorleuchten,
Der andere wird mit der Anschauung
Des besonnenen Maßhaltens erfüllt,
Doch nicht in der Weise, wie die Menschen sie in sich haben,
Wenn sie überhaupt sie haben.
Denn diese hier ist in gewissem Sinne
Eine Nachahmung jener,
Die dort aber,
Unter allen den ganzen Umkreis derselben sozusagen beschreibend,
Wird schließlich vollkommen von denen gesehen,
Welche schon vieler deutlichen Anschauungen
Teilhaftig geworden sind.
Es schauen also die Götter
Ein jeder einzeln und jeder zugleich
Und auch die Seelen, die alles dort schauen,
Und aus dem All entstanden sind,
So dass sie selbst alles von Anfang bis zu Ende umschließen,
Und sie sind wahrhaft dort
Soweit es zu ihrer Natur geworden ist dort zu sein,
Oft sind sie auch ganz und gar da,
Wenn sie sich nämlich gar nicht losgesagt haben.
Indem dieses also Zeus schaut
Und wer unter uns von gleicher Liebe getrieben wird,
Ist er das in allen Dingen zur vollendeten Erscheinung kommende
Schöne in seiner Ganzheit
Und hat Teil an der dortigen Schönheit;
Denn alles glänzt von dort hervor
Und erfüllt die dort Angekommenen,
Dass sie selbst schön werden,
Wie es wohl geschieht, dass Menschen,
Die hoch hinaufsteigen in Regionen,
Wo die Erde gelbe Farbe hat,
Die Farbe des Elements annehmen,
In dem sie sich bewegen.
Farbe aber ist dort die gleich einer Blüte
Sich ansetzende Schönheit,
Oder vielmehr alles ist dort Farbe
Und Schönheit lief von innen heraus,
Denn die Schönheit ist nicht anderes
Als von außen sich ansetzendes.
Aber denen, die nicht das Ganze sehen,
Erscheint nur die Oberfläche als etwas schönes,
Die aber, welche ganz und gar gleichsam berauscht
Und von Nektar trunken sind,
Denn die Schönheit durchdringt ja die ganze Seele,
Gehen nicht als bloße Zuschauer davon.
Denn nicht ist der Schauende außerhalb,
Noch auch das Geschaute außerhalb,
Sondern der Scharfsichtige hat das Geschaute in sich,
Und wenn er es hat, weiß er es meistenteils nicht
Und schaut es wie ein Äußeres,
Weil er es wie ein Angeschautes ansieht und ansehen will.
Denn alles, was jemand als ein sichtbares schaut,
Sieht er von außen.
Aber man muss es in sich selbst übertragen
Und anschauen wie Ein Ganzes
Und anschauen wie sich selbst,
Gleichsam wie jemand, der hingerissen von einer Gottheit,
Dem Phöbus oder einer Muse,
In sich selbst die Anschauung der Gottheit bewirkt,
Wenn er die Kraft hat, die Gottheit in sich selbst zu sehen.

11
Bringt aber jemand von uns,
Unvermögend sich selbst zu schauen,
Von jener Gottheit zum Schauen ergriffen,
Es zu einer Anschauung,
Dann bringt er sich selbst zur Anschauung
Und schaut ein schöneres Bild seiner selbst.
Lässt er jedoch jenes Bild, obwohl es schön ist,
Und geht er ganz in sich selbst zurück,
Ohne mehr eine Trennung wahrzunehmen,
Dann ist alles zugleich eins mit jener Gottheit,
Die in aller Stille herbeigekommen,
Und er ist mit ihr eins, soweit er kann und will.
Wendet er sich aber wieder zur Zweiheit,
Dann ist er, falls er rein bleibt,
In seiner nächsten Nahe,
So dass er auf die obige Weise
Sich wieder mit ihr vereinigen kann,
Wenn er sich wieder zu ihr wendet.
Bei der Hinwendung hat er diesen Gewinn:
Anfangs wird er seiner selbst inne
So lange er ein anderer ist;
Eindringend aber in das Innere hat er das Ganze,
Und den Blick nach rückwärts aufgebend
Aus Furcht vor der Entzweiung, ist er immer dort,
Und wenn er begehrt etwas als ein anderes zu schauen,
Stellt er sich aus sich selbst heraus.
Es muss aber, wer dies lernen will,
Dasselbe in stets anhaltender Forschung
Wie in einem Abriss genau erforschen,
Und nachdem er gelernt hat, worin er sich versenkt,
Und sich überzeugt hat,
Dass er sich in einen preisungswürdigen Gegenstand versenkt,
Muss er sich nunmehr ganz in das Innere versenken
Und statt zu schauen die Anschauung eines andern werden,
Strahlend, wie er von dort kommt
In reinen Gedanken.
Wie mag indessen jemand in der Schönheit sein
Ohne sie zu sehen?
Nun, so lange er sie sieht als ein anderes,
Ist er noch nicht in der Schönheit,
Ist er sie aber geworden,
Dann ist er gerade so am meisten in der Schönheit.
Geht nun die Schönheit auf ein Äußeres,
So darf das Schauen kein anderes sein,
Als das, welches mit dem geschauten Gegenstand eins ist;
Dies ist aber gleichsam ein Innewerden
Und Empfinden seiner selbst,
Verbunden mit der Scheu,
Dass man in dem Bestreben, mehr zu schauen,
Von sich selbst abfalle.
Man muss aber auch jenes beachten,
Dass die Empfindungen des Übels
Größere Eindrücke hinterlassen,
Aber geringere Erkenntnisse,
Die da durch den Eindruck gleichsam herausgeschlagen werden.
Denn die Krankheit gibt mehr einen schlagartigen Eindruck,
Die Gesundheit aber, welche ruhig bei uns weilt,
Ein stilles Verstehen ihrer selbst,
Denn sie wohnt bei uns als unsere Hausgenossin
Und wird mit uns eins;
Jene aber ist etwas fremdes und nicht heimisches,
Und dadurch ganz wahrnehmbar,
Dass sie uns immer etwas anderes zu sein scheint;
Das uns eigentümliche jedoch sind wir selbst,
Wir werden es nicht gewahr.
Sind wir aber wie oben angegeben beschaffen,
Dann sind wir von allen am meisten uns unserer selbst bewusst,
Indem wir das Wissen von uns
Und uns selbst zu einer Einheit gebracht haben.
Dort oben indessen, wenn wir am meisten
Nach der Vernunft und begrifflich erkennen,
Glauben wir nicht zu wissen,
Indem wir auf den Eindruck eines inneren Sinnes gewiesen sind,
Welcher meint, nicht gesehen zu haben;
Denn der hat nicht gesehen
Und dürfte auch dergleichen niemals sehen.
Das Misstrauen also hegt die sinnliche Empfindung,
Der andere aber, der Geist ist der Schauende;
Oder falls auch jener misstrauen sollte,
Dann dürfte er auch nicht an seine eigene Existenz glauben,
Denn allerdings kann er,
Auch aus sich selbst herausgestellt
Wie ein sichtbarer Gegenstand,
Mit leiblichem Auge sich nicht sehen.

12

Doch es ist gesagt, wie jemand als ein anderer


Und wie als er selbst dieses tun kann.
Wenn er nun also geschaut hat,
Sei es als ein anderer, sei es als er selbst,
Was vermeldet er?
Nun, dass er eine Gottheit gesehen habe,
Die mit einem schönen Sohn kreiste
Und in sich alles erzeugt hat
Und zwar ohne die Wehen der Geburt;
Denn froh über ihre Sprösslinge
Und voll Bewunderung für ihre Kinder
Trägt sie alles in sich
Und freut sich über ihren eigenen
Und über ihrer Kinder Schönheitsglanz;
Er aber, während schön sind und schöner, die in ihm verharren,
Trat allein von den andern als Sohn nach außen hervor.
An ihm als dem letzten Kind
Ist auch wie in einem Spiegelbild zu sehen,
Wie groß der Vater
Und die bei dem Vater verbleibenden Brüder sind.
Er aber behauptet nicht umsonst, vom Vater gegangen zu sein,
Denn nunmehr gibt es eine andere Welt,
Die schön geworden als ein Abbild des Schönen,
Auch ist es wider alles Recht,
Dass das Bild des Schönen und des Seins nicht schön sei.
So ahmt er also das Urbild in allen Stücken nach.
Denn auch das Leben hat er
Und das Sein als Nachahmung,
Desgleichen die Schönheit als von dort stammend;
Er hat auch die ewige Dauer als Abbild,
Oder soll er das Bild bald haben, bald nicht,
Da doch das Bild nicht durch die Kunst hervorgebracht wird?
Durchaus aber ist es von Natur ein Bild,
Soweit als nämlich das Urbild bleibt.
Daher haben diejenigen Unrecht,
Welche die sichtbare Welt,
Während die unsichtbare bleibe,
Für vergänglich halten
Und ihre Erzeugung ansehen
Als aus einem Rathschluss des Schöpfers hervorgegangen.
Denn die Art einer solchen Schöpfung
Wollen sie nicht verstehen, noch wissen sie,
Dass soweit jene leuchtet
Auch die andere niemals aufhört,
Sondern dass diese denselben Ursprung hat wie jene;
Denn sie war und wird ewig sein.
Inzwischen müssen wir diese Bezeichnungen notwendig anwenden,
Wenn wir uns verständlich machen wollen.

13

Der Gott also, der gebunden ist,


Immer derselbe zu bleiben
Und der seinem Sohne die Herrschaft über dieses All abgetreten –
Denn es ziemte sich für ihn,
Der jene Herrschaft abgegeben,
Nicht eine jüngere als er selbst und eine spätere zu erstreben,
Da er mit der Schönheit gesättigt ist –
Nachdem er also dies aufgegeben,
Ordnete er seinen eigenen Vater sich selbst über
Und dehnte sich bis zu ihm hin nach oben aus;
Dann ordnete er wieder das,
Was von dem Sohn her bereits begonnen
Zu einem Anderssein überzugehen,
Um nach ihm zu existieren.
So ist er zwischen beide getreten,
Einmal dadurch, dass er sich durch sein Anderssein
Von dem Oben losgerissen hat,
Dann dadurch, dass er sich fernhält von der Fessel,
Die ihn herabzieht zu dem, was nach ihm ist:
Er steht zwischen einem besseren Vater
Und einem geringeren Sohne.
Aber da sein Vater größer ist,
Als dass man ihn schön nennen könnte,
So blieb er selbst ursprünglich schön,
Obwohl schön auch die Seele ist;
Aber er ist schöner auch als diese,
Weil sie eine Spur seiner selbst ist,
Und dadurch eben ist sie zwar schön ihrer Natur nach,
Noch schöner aber, wenn sie dorthin blickt.
Wenn nun die Weltseele,
Um ein bekannteres Wort zu brauchen,
Wenn nun die Aphrodite selbst schön ist,
Wer ist jener?

GESPRÄCH ÜBER DIE SEELE

PLATON UND AUGUSTINUS

AUGUSTINUS
Verehrter Meister Platon, neulich sagte mir eine christliche Matrone namens Elisabeth, sie glaube,
die Seele sei vor der Empfängnis bei Gott gewesen. Das hat mich bewogen, dich zu einem Gespräch
über die Seele einzuladen.
PLATON
Ja, fürwahr, hochweiser Augustinus, deine Matrone Elisabeth hat meine Vision verstanden. Es ist
meine Vision, dass die Seele vor der Zeugung durch den Mannessamen und der Empfängnis im
Uterus der Mutter bereits lebte. Wie du weißt, nennt man das Präexistenz der Seele. Ich hatte die
Vision, dass die Seele, die auf griechisch Psyche heißt und einem Schmetterling verglichen wird,
vor ihrer Inkarnation in einem himmlischen Reich war, das ich den Himmel der ewigen Ideen
nenne. Dort schaute die Seele die Götter des Himmels, dort schaute die Seele die Ideen der
Schönheit, der Wahrheit, der Güte und der Liebe. In diesem Himmel der Ideen war die Seele von
aller Ewigkeit. Es gibt keinen Anfang der Seele, sie hat weder Anfang noch Ende, sie ist
unsterblich, sie ist ewig.
AUGUSTINUS
Wenn nun die Seele von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert und lebt, so muss man sie ja Gott nennen.
Und so viele Myriaden Seelen es gibt, so viele Götter gäbe es dann auch. Dann wären Zeus und die
zwölf Götter des Olymp nicht alles, dann gäbe es Myriaden Götter. Aber was wir Gott nennen, ist
der Ursprung von allem, die Ursache aller Bewegung, das ewige Sein, das Höchste, das Absolute,
was alles umfängt und erfüllt und zugleich übersteigt, und darum kann es nur einen Gott geben.
Was Alles ist, Alles durchdringt, alles umgibt, alles übersteigt, kann man nur als Einheit denken.
Credo in Unum Deum – ich glaube an den Einen Gott. Wenn es aber nur Einen Gott gibt, der
Ursprung von allem Lebendigen ist, können die Seelen nicht ewige Götter sein, sondern müssen
irgendwie abgeleitet sein von diesem Gott. Die Seele ist also nicht göttlich und ewig. Was aber nicht
göttlich ist, das ist Geschöpf, was nicht ewig ist, das hat einen zeitlichen Anfang. Wir Christen
bekennen den Schöpfergott – Creator ex nihilo – der alles geschaffen hat, die sichtbare und die
unsichtbare Welt. Gott ist der Schöpfer der unsichtbaren Seele und der Schöpfer des sichtbaren
Leibes. Wenn Mann und Frau sich in Liebe vereinigen, werden sie zu Mitschöpfern mit dem
Schöpfergott und so bereitet der Schöpfer den Leib. Die Seele wird im Augenblick der Zeugung und
Empfängnis von Gott aus dem Nichts geschaffen und in den Keim des Körpers im Schoß der Mutter
eingehaucht oder, wie unsere Dichter sagen, in einem Kuss Gottes mitgeteilt.
PLATON
So leugnet ihr die Existenz der Idee der Seele?
AUGUSTINUS
Nein, wir behaupten, dass der allwissende Gott die Seelen alle in seinem Geist vorhergewusst hat.
Die Ideen der Seelen sozusagen existierten im Geist Gottes. Wenn wir deinen Schüler Aristoteles zu
Rate ziehen wollen, so ist die Seele die geistige Form des Körpers, aber der ewige Logos ist die
geistige Form der Seelen. Der Logos oder Christus, der allein präexistent ist, ist die Form der
Seelen, darum wir sagen, dass jede menschliche Seele von Natur aus christlich ist, denn sie ist im
Bild und Gleichnis Christi geschaffen von Gott dem Vater aus dem Nichts und im Geiste Gottes
eingehaucht in den Körper.
PLATON
Nun, wie die Seele in den Körper kommt, da sind wir unterschiedlicher Meinung. Ich hatte von den
alten Weisen Ägyptens die Lehre vom Sündenfall der Seele vernommen. Da die Seele in der
glückseligen Anschauung der Ideen war oder, wenn man so will, die himmlischen Götter geschaut
hatte, nun aber offensichtlich in der finsteren Materie unglücklich und unwissend ist, musste ich
notwendiger Weise auf einen Sündenfall der Seele schließen. Denn dass Zeus so grausam wäre, die
glückselige Seele aus dem Ideenhimmel aus purer Bosheit in das Elend der finsteren Materie zu
verbannen, das zu denken, verbot mir meine Ehrfurcht vor dem Gott, denn ich die Güte nannte.
Worin genau der Sündenfall der Seele bestand, wurde mir von meinem Daimonium nicht offenbart.
Aber es muss sich im Himmel eine Tragödie ereignet haben.
AUGUSTINUS
Uns berichten die Heiligen Schriften der Hebräer von einem Sündenfall am Anfang der Menschheit.
Der Mensch ist ursprünglich von Gott sehr gut geschaffen worden, als Mann und Frau, beide
Abbilder Gottes. Und sie lebten in Harmonie mit Gott, in Harmonie untereinander, in Harmonie mit
der Natur. Gott gab ihnen nur ein einziges Gebot. Aber verführt von einem bösen Geist übertraten
sie das einzige Gebot Gottes. Sie kamen so in den Zustand der Trennung von Gott, das nennen wir
Sünde. Die Menschen untereinander kamen in einen Zustand des Brudermordes. Und auch die
Natur geriet durch den Fall des Menschen in den Bereich des Krieges, der Vergänglichkeit und des
Todes. Das ist der Sündenfall der ersten Menschen, und seitdem lebt die Menschheit im Bereich der
Sünde. Die Sünde wird von Generation zu Generation weitergegeben. Jede Seele, die geschaffen
wird und in einen Körper kommt, gerät in den Einflussbereich der Sünde. Zwar ist die Seele von
Gott gut geschaffen, aber durch die Umweltverschmutzung der Erbsünde neigt die Seele zum
Bösen. Diese Erbsünde wird hinweggenommen durch das Bad der Wiedergeburt, das Sakrament der
Taufe. Darum sollen nach dem Befehl des Meisters Jesus alle Menschen getauft werden. Einzig die
Seele der Jungfrau Maria war voll der Gnade, von ihrer Empfängnis an von der Erbschuld befreit,
denn der Logos wollte von einer makellosen Jungfrau geboren werden.
PLATON
Wie dem auch sei, die Seele ist mit dem Leib verbunden. Aber dieser Leib ist das Verließ der Seele.
Der Körper ist ihr Kerker. Solange sie im Körper ist, lebt sie in der Verbannung, ist sie fern von der
himmlischen Heimat. Ja, der Leib ist der Sarg der Seele. Darum übt sich der Philosoph in den Tod
ein. Ja, Philosophieren ist Einübung ins Sterben. Im Tod scheidet sich die Seele vom Körper und
fliegt in die Freiheit. Auch der Philosoph erhebt sich über die körperliche Schönheit und schwebt
hinan zur geistigen Betrachtung der göttlichen Schönheit.
AUGUSTINUS
Dagegen halten wir Christen den Leib für gut. Der Schöpfer hat den Leib geschaffen. Der Logos hat
einen menschlichen Leib angenommen. Wir empfangen den Leib Christi im Abendmahl. Die
körperliche Vereinigung von Mann und Frau besiegelt das Sakrament oder Mysterium der
christlichen Ehe.
PLATON
Ihr erklärt die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau zu etwas Göttlichem? Ich dagegen
bevorzuge die keusche Knabenliebe, da der Weise den schönen Jüngling mit keuscher
Bewunderung für seine Schönheit liebt, ohne sexuelle Begierde zu erfahren. Allein die
philosophische Liebe, die man nach mir auch platonische Liebe nennt, ist der Seele wahrhaft
würdig. Der Philosoph liebt nur mit den Augen die Schönheit des Lieblings und mit den Ohren
lauscht er der Seele des Lieblings und der Schönheit der Tugend. Jede Begierde und sexuelle
Vermischung ist dem Philosophen ein Gräuel. Denn diese Art von Liebe macht den Menschen den
Tieren ähnlich.
AUGUSTINUS
Wir erkennen zwei Lebensweisen, sich mit der Liebe Gottes zu vereinigen. Die erste ist die heilige
Ehe. Aber du musst sie nicht vergleichen mit den Bordellen im Hafen von Korinth. Die christliche
Ehe lebt in aller Keuschheit die wechselseitige selbstlose Hingabe als einen Spiegel der Liebe
Christi zu seiner Braut Kirche. Die andere Lebensweise ist die der Jungfräulichkeit. Die Jungfrau
verzichtet auf einen sterblichen Ehemann, um sich mit dem Bräutigam Jesus zu vermählen. Auch
wir haben weise Männer, die ehelos leben in einem mystischen Verlöbnis mit der Weisheit Gottes.
PLATON
Ich weiß, wie schwer es ist, die Leidenschaften zu zügeln. Ich weiß nicht, ob ich die Apathie mein
Ideal nennen soll. Ich meine, in der Seele sind drei Kräfte. Die erste ist die Leibseele, sie gleicht
einem wilden Hengst, es sind die Triebe und stürmischen Leidenschaften. Die zweite Kraft ist die
Geistseele, auch sie gleicht einem Hengst, einem edlen Ross. Die beiden Pferde ziehen den Wagen
der Seele. Auf dem Wagen der Seele steht der Jüngling Wagenlenker, das ist die Vernunft des
Menschen, sie muss die beiden Pferde lenken. Wenn das Ross der Leidenschaften nicht von der
Vernunft gezügelt wird, reißt es den Wagen der Seele in den Abgrund.
AUGUSTINUS
Ja, wenn ich sage, Leib und Seele sind von Gott sehr gut erschaffen, dann muss ich doch dazu
sagen, dass die Seele den Leib regieren soll und nicht umgekehrt. Nun, auch ich behaupte drei
Kräfte in der Seele, nämlich Erkenntnis, Gedächtnis und Willen. Die Erkenntnis geschieht mithilfe
der Vernunft des Menschen und bezieht sich auf die göttliche Weisheit als ihr Ziel. Das Gedächtnis
erinnert sich an alle gewonnenen Erkenntnisse und bewahrt sie in der Seele. Das Wollen geschieht
durch den menschlichen Willen und bezieht sich auf die göttliche Liebe als ihr Ziel. Ich bin der
Meinung, von diesen dreien ist der Wille die wichtigste Kraft. Aber ich gebe auch zu, dass man
darüber streiten kann, denn wir haben in der Kirche auch Gelehrte, die die Vernunft über den Willen
stellen.
PLATON
Was aber macht die Schönheit der Seele aus? Die Tugend ist die Schönheit der Seele. Und was ist
Tugend? Es gibt drei Tugenden und eine vierte. Die Tugenden heißen Weisheit, Starkmut und Maß
und die vierte ist die Gerechtigkeit. Das könnten wir nun auch auf einen gerechten Staat beziehen,
aber bleiben wir beim einzelnen Menschen. Die Weisheit ist die Tugend des Geistes, Klugheit,
Erkenntnis und Vernunft. Starkmut, Mut oder Tapferkeit ist die Tugend des Herzens, das Gegenteil
von Kleinmut und Verzweiflung. Das Maß, das Maßhalten, die Mäßigung oder wenn du willst,
Selbstbeherrschung und Keuschheit ist die Tugend des Leibes. Die Gerechtigkeit nun verwirklicht
sich, wenn diese drei Tugenden verwirklicht sind. Ein Mensch mit einem klugen Geist, einem
mutigen Herzen und einem keuschen Leib ist ein Gerechter.
AUGUSTINUS
Ich stimme dir vollkommen zu. Wir Christen anerkennen diese menschlichen Tugenden, die man
auch Kardinaltugenden nennt. Aber wir kennen noch drei weitere Tugenden, die wir die theologalen
oder göttlichen Tugenden nennen, nämlich den Glauben an Gott, die Hoffnung auf den Himmel und
die selbstlos schenkende Liebe. Und von diesen Tugenden, die von Gott der Seele eingegossen
werden, ist die Liebe die größte. Glauben verwandelt sich in Schauen, Hoffnung in Erfüllung, allein
die Liebe bleibt in Ewigkeit.
PLATON
O die Liebe! Meine Philosophie ist eine Philosophie für Liebende. Die Liebe ist auch bei uns
Griechen ein Gott, Eros, der älteste der Götter, wie die Dichter sagen. Alles, was ich über Eros
weiß, hab ich von der Priesterin Diotima gelernt. Sie sagte: Eros ist nicht Gott und nicht Mensch,
sondern ein guter Dämon, ein Mittler zwischen den Menschen und den Göttern. In der Präexistenz
im Ideenhimmel schaute die Seele die Idee der Schönheit. Als die Seele in den Kerker des Körpers
kam, trank sie von der Lethe, dem Fluss des Vergessens, und vergaß die Idee der Schönheit. Allein
Philosophen und Künstler tranken nur einige Tropfen von der Lethe, sie erinnern sich noch
einigermaßen gut an die göttliche Schönheit. Wenn nun auf Erden die Seele einen schönen Liebling
sieht, erinnert sich die Seele langsam wieder an die himmlische Idee der Schönheit. Dann wachsen
die Flügel der Seele wieder. Eros nämlich, der Dämon, ist die Liebe zur Schönheit. Diotima spricht
von einer Himmelstreppe zur göttlichen Schönheit. Zuerst liebt der Mensch die körperliche
Schönheit des Lieblings. Dann beginnt er, die seelische Schönheit des Lieblings zu lieben, die in der
frommen Tugend besteht. Dann lernt der Mensch, die Tugend an sich zu lieben, die Güte und
Frömmigkeit. Und von dort steigt die Seele auf zur Idee des Wahren, Guten und Schönen, bis er die
göttliche Schönheit in ekstatischen Visionen schaut, welche die Dichter Aphrodite Urania nennen,
die Himmelskönigin. Und das allerhöchste Ziel der Liebe ist die Gutheit, die höchste Gottheit, in
deren Schau die Seligkeit der liebenden Seele besteht.
AUGUSTINUS
Wir kennen diese Liebe und nennen sie den aufsteigenden Eros. Aber wir vervollkommnen diese
Liebe durch die herabsteigende Agape. Jedoch, mein geliebter Platon, immer wenn ich Eros höre,
muss ich an den platonischen Mythos von Eros und Psyche denken.
PLATON
Psyche war ein Mädchen, schön wie Aphrodite. Der Jünglingsgott Eros verliebte sich in Psyches
Schönheit. Eros stieg vom Himmel herab, um sich mit Psyche zu verloben. Er gab ihr ein Gebot, sie
solle nicht begehren, den unsichtbaren Gott zu schauen. Doch von ihren älteren Stiefschwestern
verführt, übertrat sie das Gebot. Eros kehrte ohne Psyche in den Himmel zum Vater Zeus zurück.
Psyche suchte nun ihren himmlischen Geliebten. Sie musste manche Prüfung bestehen. Ja, sie
musste hinabsteigen zum Hades. Wenn ihr nicht des Eros Mutter, die himmlische Aphrodite,
geholfen hätte, sie wäre nie ans Ziel gelangt. Aber Aphrodite führte sie schließlich nach vielen
Prüfungen zu ihrem Sohn im Himmel. Und dort feierten in einer himmlischen Hochzeit Eros und
Psyche die mystische Ehe.
AUGUSTINUS
Und darin ist soviel Wahrheit! Denn der aufsteigenden menschlichen Liebe muss die herabsteigende
göttliche Liebe entgegenkommen. Und das ist das Mysterium des Christentums, dass die göttliche
Liebe herabstieg vom Himmel auf die Erde, um sich mit der menschlichen Seele zu verloben und
sie heimzuholen zur himmlischen Hochzeit. Diese herabsteigende Liebe nennen wir nicht Eros,
sondern Agape. Dies tun wir, damit wir nicht missverstanden werden. Denn die Hetären in den
Freudenhäusern von Korinth berufen sich auch auf Eros und meinen mit Eros Unzucht, Hurerei und
Ehebruch. Wir sprechen aber von der göttlichen, selbstlos schenkenden Liebe. Und dennoch sagen
unsere Mystiker: Jesus ist unser Eros! Jesus ist der Bräutigam der Seele! Unser Eros ward
gekreuzigt! Unser Eros ist auferstanden!
PLATON
Sprechen wir von der Befreiung der Seele. Wie wird Psyche erlöst? Ich sehe keinen anderen Weg
der Erlösung als den der Erkenntnis. Die Psyche muss weise werden. Sie muss mit den Augen der
Liebe alles immer tiefer durchdringen, bis sie zur Schau der göttlichen Ideen hindurchdringt. Dann
erkennt sie ihr verlorenes Paradies. Dann streift sie alle weltlichen und materiellen Fesseln ab und
schwingt sich mit den Flügeln der Liebe zur Schönheit geistig auf in den Himmel, ins Elysium. Der
Tod wird diese Befreiung vollenden. Nur die Seele, die auf Erden schon allen Staub von sich
abgeschüttelt hat, kommt nach Elysium. Die fleischlich gesinnten Seelen kommen entweder in den
Hades oder sie werden wiedergeboren.
AUGUSTINUS
Ich würde sagen, das ist Pelagianismus, denn diese Häresie lehrt, der Mensch könne aus eigener
Kraft selig werden. Aber die katholische Offenbarung Gottes sagt, dass alle Menschen Sünder sind
und nur gerettet werden können durch den Retter und Erlöser Jesus Christus. Der nahm alle Sünden
auf sich und starb und ist auferstanden und macht und gerechtfertigt vor Gott aus reiner Gnade
durch den Glauben, der in der Liebe tätig ist. Und diese Gnade des Erlösers wird uns im Sakrament
der Taufe zuteil und in den anderen Sakramenten, vor allem der Eucharistie. Die Kirche feiert
sieben Sakramente. Aber man könnte das betende Lesen der Heiligen Schrift quasi das achte
Sakrament nennen. Also: Die Seele kann nur durch den Erlöser erlöst werden. Wer sich der
Erlösung verweigert, wird verdammt. Wer die Erlösung annimmt, kommt entweder direkt in den
Himmel oder er geht zuvor durch eine Phase der Läuterung und kommt dann in den Himmel. Eine
Wiedergeburt lehrt die göttliche Offenbarung definitiv nicht, sondern, wie der weise Paulus sagt:
Wir sterben einmal und dann kommt das Gericht.
PLATON
Nun lehrte aber der weise Pythagoras, die Seele wandere von Körper zu Körper. Darum aßen die
Pythagoräer keine Bohnen, denn die Bohnen waren Sitz der Ahnen. Auch der göttliche Mann
Empedokles lehrte die Metempsychose oder Reinkarnation. Wie ich auch einige Juden von diesem
Glauben flüstern hörte.
AUGUSTINUS
Ich weiß, ich kenne diese mystische Synagoge. Auch am Indus fabeln sie von der Wiedergeburt.
Kann aber eine greise Seele wieder zu einer kindlichen Seele werden? Kann eine menschliche
Geistseele zu einer animalischen Tierseele oder gar einer vegetabilen Pflanzenseele werden? Die
eine einmalige Seele ist die eine einmalige Form diesen einen einmaligen Leibes. Der Mensch ist
nicht allein die Seele mit verschiedenen zufälligen Leibern, sondern der Mensch ist diese einmalige
Einheit von Leib und Seele. Weil der Mensch die Einheit von Leib und Seele ist, darum lehren wir
nicht allein die Unsterblichkeit der Seele, sondern auch die Auferstehung des Fleisches.
PLATON
O Unsterblichkeit der Seele! Sokrates sagte, die Seele ist das Lebensprinzip des Leibes. Und was an
sich ein Lebensprinzip ist, kann nicht sterben. Auch umfasst die Seele ja den unendlichen Kosmos.
Die Seele bewegt sich frei von Raum und Zeit. Sie kann die Ewigkeit umfassen in ihrer Meditation.
Darum ist die Seele der Ewigkeit gemäß.
AUGUSTINUS
Ich stimme dir vollkommen zu. Dazu kommt, dass die Seele ein substanzielles eigenständiges und
immaterielles Wesen ist. Beim Zerfall des materiellen Körpers kann das immaterielle und
eigenständige Wesen der Psyche nicht mit zerfallen.
PLATON
Wie wollen wir aber das ewige Ziel der Seele nennen? Wir Griechen nennen es Elysium. Und
unsere griechischen Dichter singen Oden an die Freude, die Tochter aus Elysium. Elysium ist ein
himmlischer Garten, eine vollkommene Gegenerde. Dort leben die unsterblichen Seelen mit den
himmlischen Nymphen und schauen den Tanz der Ideen und die Schönheit der unsterblichen Götter.
AUGUSTINUS
Wir nennen die ewige Heimat Paradies. Nach der Auferstehung des Fleisches werden die erlösten
unsterblichen Seelen in ihren auferstandenen unsterblichen Geistleibern schauen von Angesicht zu
Angesicht die Urschönheit der Urgottheit. Sie werden schmachten nach dem Genuss der Gottheit
und werden befriedigt von der Liebe Gottes. Aber sie werden nicht so schmachten, dass sie
unglücklich werden, denn sie werden ja befriedigt. Aber sie werden auch nicht so befriedigt, dass
sie des Himmels überdrüssig werden, sondern sie werden auch ewig schmachten. Und so wird die
Seele im Geistleib hineingesogen in das Liebesspiel der dreifaltigen Liebe der Einen Gottheit.
PLATON
Nun haben wir aber genug philosophiert. Lass uns eine Flasche Wein köpfen.
AUGUSTINUS
Ja! Ich bin kein Abstinenzler, ich trinke gerne Wein, aber nicht zuviel, wie es sich für einen Bischof
gehört.