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UNIVERSITÄT KAISERSLAUTERN

Massivbau und Baukonstruktion


Betonierbarkeit von Betontragwerken Seite 1 - 5
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schnell Stand: 25.06.2003

1. Einfüllen und Rütteln des Betons


1.1 Betoneinfüll- und Rüttelöffnungen bei Balken, Wänden und dicken Bodenplatten
Abstand AE:
Abstand AE = 1,5m bei enger Bewehrung (bei Fallhöhe
F ≤ 2,0m 2 – 2,5 m bei normaler Bewehrung z.B. in mattenbewehrten
2,5m bei normaler Bewehrung
Betonier- Wänden
DE + 4cm (bei Fallhöhe DE + 6cm schächte)
F ≤ 2,0m) 1 – 1,5 m bei enger Bewehrung z.B. in Kreuzungsbereichen von
Unterzügen und in Querträgern von Hohlkastenbrücken

DE + 6cm
DE + 4cm

Schlauchdurchmesser (Nennweite) DE:


10 ; 12,5 ; 15 ; 18 ... Vorzugsmaß
40–60cm

Rüttellücken Betoneinfüllöffnungen Bei Fallhöhen F über 2 Meter müssen Schächte für Betonierrohre
vorgesehen werden. Die Rohre sollen bis ca. 20 cm über den
Schalungsboden bzw. die horizontale Schüttfuge geführt werden. Als
Betonierrohre werden z.B. Kunststoff-Abschnitte verwendet. Gelegentlich
ist auch der Gebrauch von Schlauchtrichtern und unterschiedlichen
Schlauchlängen vorteilhaft.

Beispiel: Betoniergünstige Bewehrungsführung


Betonierschächte F > 2.00

schlecht gut

Rüttelschlitz Rüttelschlitz
∼ 20

gut
Treibschalung
schlecht
40–60mm

Spannglieder
schlecht

1.2 Rütteln des Betons


1.2.1 Innenrüttler
Tabelle 1: Wirkungszonen und Anwendungsbereich von Innenrüttlern

∅ des Abstand der Abstand Die Rüttellücken müssen von Bewehrung und
Einbauteilen frei sein, damit der Rüttler
Innenrüttlers Eintauchtiefe vom Rand Anwendung ungehindert und ohne Berührung mit der
DR [mm] AR1 [cm] AR2 [cm] Bewehrung in den Beton eingeführt werden kann.

Feingliedrige und
< 40 25 10 stark bewehrte
AR2 AR1
Bauteile
AR2

Standardrüttler auf der


40 – 60 40 – 60 20
AR1

Baustelle ∅ 57 mm DR

Wird selten
> 60 70 35 eingesetzt, da schwer
zu handhaben

1.2.2 Oberflächenrüttler
Wird bei horizontalen und leicht schräg geneigten Flächen eingesetzt. Die Rüttelwirkung reicht i.a. nur bis zu Schichtdicken von
höchstens 20 cm (nach dem Verdichten) aus.

1.2.3 Schalungsrüttler
Die beschränkte Einwirkungstiefe ist zu beachten. Schalungsrüttler nicht direkt auf die Schalung montieren z.B. Prallplatten auf
Gurte montieren. Wirkung der Rüttler mit Bauteildicke und Abstand der Rüttler abstimmen.
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1.3 Besondere Hinweise


1.3.1 Zur Sicherung (geradlinige Führung) von Betonierschächten und Rüttellücken können während der Bewehrungarbeiten Rohre
und/oder Kanthölzer als Schablone eingesetzt werden.

1.3.2 Bei schrägen Bauteilen (z.B. Stegen von Hohlkästen) kann es zweckmäßig sein, zur Führung der Rüttler Rinnen (beispielsweise
aufgeschnittene Rohre/[-Profile) zu verwenden.

1.3.3 Bei hohen Bauteilen sind Einfüll- und Rüttelfenster erforderlich (Absprache mit der Baustelle).

1.3.4 Betonieren an Aussparungen


≤AR1
Der Beton wird auf einer Seite eingefüllt und verdichtet bis er auf der
gegenüberliegenden Seite austritt. Entsprechend sind
Betoneinfüllöffnungen, ggf. Betonierschächte und Rüttellücken vorzusehen.
In großen Einbauteilen, z.B. horizontal liegenden Ankerplatten, sind i.d.R.
Einfüll- und/oder Rüttelöffnungen vorzusehen.

1.3.5 Betonieren von Schrägen

Schrägen mit Steigungswinkel α ≤ 25° können i.d.R ohne Rückenschalung


betoniert werden. Bei steileren Böschungen muss mit der Baustelle und
dem Betoningenieur Rücksprache genommen werden.
α

2. Bewehren
2.1 Zwangspunkte
2.1.1 Einbauteile
Bild 1
• Anpassung der Stababstände
Bei Einbauteilen mit Kopfbolzendübeln
oder Ankern sind die Stababstände auf
die Bolzen- bzw Ankerabstände abzustimmen
• Berücksichtigung von Toleranzen
• Anpassung der Biegeform (Bild 1) Bewehrung Fugenband
z.B. bei Fugenbändern
• Anpassung der Betondeckung (Bild 2).
Bei Ankerschienen muss nom c ≥ 3.0 cm
z.B. die Betondeckung ≥ der Bild 2
Ankerschiene sein. Spannglied
nom c ≥ 3.0 cm

2.1.2 Bewehrungsgeometrie
• Biegeradien
• Bruttostabdurchmesser 1.)
≥ 1,15 x Nennstabdurchmesser Bewehrung Ankerschiene

1.) Verzinkte Stahlteile nur bis 40° C Umgebungstemperatur.


Abstand zu Spanngliedern ≥ nom c 3.0 cm
2.2 Mindeststababstände
Sofern nicht größere Abstände für Betonierschächte erforderlich sind (s. Pkt. 1.1) gilt folgendes:

2.2.1 Horizontale, u n t e n liegende Bewehrungsnetze


• Bei ≤ 2 Bewehrungslagen sind die Mindeststababstände (lichte Abstände) gemäß DIN 1045 - 1, Abs. 12.2 einzuhalten.
2.)
Bei kreuzweiser Anordnung müssen die Mindeststababstände in der oberen Lage auf DK +1 cm vergrößert werden.
• Bei > 2 Bewehrungslagen sind die Mindeststababstände in allen Bewehrungslagen auf DK +1 cm zu vergrößern.
Außerdem sind Rüttellücken gemäß Pkt. 1.2 vorzusehen.
Die Eisen der zweiten Lage dürfen nicht auf Lücke gelegt werden.
• Bügel sind als eine Bewehrungslage zu betrachten, wenn ihr lichter Stababstand ≤ DK +1 cm beträgt.
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• Falls sich nach DIN 1045 – 1, Kap. 12.8, keine größeren Abstände ergeben, gelten obige Regelungen auch im Bereich
von Stößen.

2.2.2 Horizontale, o b e n liegende Bewehrungsnetze


• Bezüglich der Mindeststababstände gilt das unter 2.2.1 Gesagte. Darüber hinaus sind stets Rüttellücken und
gegebenenfalls Betoneinfüllöffnungen/Betonierschächte gemäß 1.1 und 1.2 vorzusehen.

2.2.3 Bewehrungsnetze bei Wänden


• Bei Wänden gilt sinngemäß das unter Pkt. 2.2.1 Gesagte.

2.2.4 Stützenbewehrung
• Bei einlagiger Bewehrung sind die Mindeststababstände gemäß DIN 1045 - 1, Kap. 12.2, einzuhalten.
• Bei mehrlagiger Bewehrung sind die Stababstände in allen Lagen auf ≤ DK
2.)
+1 cm zu vergrößern.
• Bügel sind als eine Bewehrungslage zu betrachten. Wenn ihr lichter Stababstand ≤ DK +1 cm beträgt.
• Falls sich nach DIN 1045 – 1, Kap. 12.8, keine größeren Abstände ergeben, gelten obige Regelungen auch im Bereich
von Stößen.

2.) DK = Größtkorndurchmesser:
Im Normalfall ist DK = 32 mm. Soll in Ausnahmefällen ein Beton mit anderem Größtkorn verwendet werden (z.B.
16 oder 8 mm), muss dies auf dem Bewehrungsplan deutlich vermerkt werden.

3. Hilfsmittel zur Unterstützung und


Fixierung der Bewehrung

3.1 Stehbügel, Unterstützungskörbe, S-Haken und Montagebügel


3.1.1 Platten

System 1: Stehbügel Schnitt 1-1


1a) Querbewehrung auf Tragstab 2

1 Tragstab 1 1.)
nom cv 3.)

1.)
Tragstab 2 Tragstab 1

∅dbr
ds
∅dbr
d

b1
nom cv 3.)

s2
s1 s1
1
Mindestens 3 Lagerstäbe
außerhalb von dbr

1b) Querbewehrung unter Tragstab 2

Tragstab 2 Tragstab 1 1.)


1.) Falls möglich, aus oberer Lage.
Evt. statisch mit ansetzen
∅dbr ds 2.) Wenn vorhanden, Schubbügel als
b1 Abstandhalter mitbenutzen.
3.) nom cv = Verlegemaß

s2
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System 2: Unterstützungskörbe

Tragstab 2
1.) Falls möglich, aus oberer Lage.
Evtl. statisch mit ansetzen

3.)
2.) Wenn vorhanden, Schubbügel als

nom cv
Abstandhalter mitbenutzen.
3.) nom cv = Verlegemaß
3.)
4.) Beschädigung durch Überlastung
Unterstützungskorb 2.) s4 verhindern
4.)
s3 Korrosionsschutz

Tabelle 2: Stehbügel

d [cm] ∅ ds [cm] b1 [cm]

Sonderlösung bei d > 200 cm:


bis 15 10 20 1.) ∅ 28 knicksicher mit Beton ausgesteift
2.) stahlbaumäßig aus Profilstahl
15 -30 12 20 Evtl. statischer Nachweis erforderlich
30 – 50 14 25

50 – 100 16 25
100 – 125 20 30

125 – 150 25 35

150 - 200 28 40

Tabelle 3: Abstände der Tragstäbe und Stehbügel (Unterstützungskörbe) in cm (Richtwerte) für einlagige Bewehrung (begehbar)

System 1 System 2
∅ Tragstab 1
max s1 max s2 max s3

bis 6 mm 50 cm 50 cm 50 cm

8 -14 mm 50 cm 50 cm 50 cm

16 mm 70 cm 70 cm 50 cm

20 mm 90 cm 100 cm

∅ für Tragstab 2 wie


25 mm 100 cm 100 cm
Tragstab 1

28 mm 120 cm 200 cm

Hinweis: 1.) Bei dicken Fundamentplatten sind die Stehbügel stets gegen Umkippen zu sichern (Kartenhauseffekt).
2.) Bei Verwenden von Fließbeton muss die obere Bewehrung zusätzlich horizontal an geeigneten Festpunkten
rückverankert werden. (Hinweis auf Plan erforderlich)
3.) Bei der Berechnung der Höhe der Stehbügel sind die effektiven Stabdurchmesser zu berücksichtigen.
∅ eff. ∼ 1,15 x Nennstabdurchmesser
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3.1.2 Wände

Ansicht 1,00 Anmerkung:

nom cv S – Haken dürfen bei Tragstäben mit ds ≤ 16


mm entfallen, wenn min c ≥ 2 ds (DIN 1045 – 1,
Abs. 13.7.1.11). In diesem Fall und stets bei
1,00 geschweißten Betonstahlmatten dürfen die
Montagebügel
50

1 Stck/m² Stäbe in Druckrichtung außen liegen.


1,00

50

1,00
Montagebügel

∅ ds [mm] d [cm]
d
Grundriss 8 bis 25
10 25 – 50
ds
12 50 – 75
14 75 - 100
3.)
S – Haken ∅ 6 IV, falls s4
statisch keine größeren ∅
erforderlich