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4 KOMPLETTE SONGS AUF CD + NOTEN/TABS IM HEFT

C m it
D
RED HOT CHILI PEPPERS SPIDERGAWD PASCOW DAVID GILMOUR
Snow (Hey Oh) Ritual Supernatural Silberblick & Scherenhände I Put a Spell on You

Heft Nr. 225 Ausgabe 2/2019 das magazin für gitarristen und bassisten

B 41248 F
G6131-MY
MALCOLM YOUNG
SIGNATURE
Special
DER MOTOR AR
VON AC/DC BL ACKST
ARTISAN D
IRE
HANDW

DIRE STRAITS
NILE RODGERS ns n
Rival So
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· MJ GUITARS the Horiz
Mastercaster „Blackie“ Bring Me
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· TAYLOR GUITARS a n n e S h aw Taylo
Jo
Grand Pacific 717e & 517e n
· FRIEDMAN Golden Pearl Soilwork
· SCHECTER cker n
KM-7 MK-III TBB Artist Jason Be
Soen n

D: € 6,90
A: € 7,90
B: € 8,10
L: € 8,10
E: € 9,50
I: € 9,50
CH: SFR 12,00
 live in concert
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DAS IDEALE WEIHNACHTSGESCHENK

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DAS NEUE ALBUM ‘REDEMP TION’
AB SOFORT IM HANDEL ERHÄLTLICH
INTRO

DANKE & AUF Foto: Frank Ockenfels

WIEDERSEH’N
Der aktuelle Katalog!

M
anch ein Abschied fällt schwer. Baby weiterhin gebührend schaukeln. Ein
Dieser hier fällt mir besonders Trostpflästerchen mag außerdem sein, dass Jetzt kostenlos bestellen!
schwer. Doch bevor das große ich die Redaktion künftig als freier Mitarbeiter Alternativ einfach im Online-Blätterkatalog
Rätselraten angesichts dieser weiterhin unterstützen werde. So ganz los seid blättern: über 500 Seiten mit vielen Videos,
kryptischen Eröffnung beginnt, ihr mich noch lange nicht!
erfahrt ihr es geradeheraus: Nach Ohne allzu sentimental werden zu wollen,
tagesaktuellen Preisen und natürlich mit
über zwölf Jahren am oberen muss ich an dieser Stelle wenigstens ein paar vielen Deals. www.musicstore.de
Ende der Redaktionscrew mache kurze Danksagungen loswerden: zuvorderst
ich mich – durchaus mit mehr als nur einer an unseren Verleger Thilo M. Kramny, der mir
Träne im Augenwinkel – auf zu neuen Ufern. über all die Jahre sein Vertrauen geschenkt
Was mir den Abschied zumindest ein wenig und natürlich die Mittel bereitgestellt hat, um
leichter fallen lässt, ist der Umstand, dass unser geliebtes Magazin am Laufen zu halten;
ich mein Lieblingsheft vertrauensvoll in die zwotens an das – verzeiht mir bitte das abge-
erfahrenen Hände von Marcel und Stephan nutzte Wort – stets geile guitar-Redaktions-
übergeben kann. Die beiden werden – und team, unsere freien Mitarbeiter, Anzeigenleu-
das ist so sicher wie das Schlussvibrato eines te, Grafiker und alle anderen Beteiligten;
jeden anständigen Gitarrensolos – unser aller sodann an alle Geschäftspartner und -freunde
sowie Musiker, die ich kennenlernen durfte;
und nicht zuletzt an euch – unsere Leser!
Und bevor die Flennerei doch noch los-
geht: Macht’s gut – und haut rein!

Dr. Jürgen Ehneß


Scheidender Chefredakteur

@ SocialMedia:
Facebook: Instagram: Youtube: „guitar-WhatsApp“:
guitarmagazin guitarmagazin guitar Magazin +49 163 / 0802790

professional GmbH
Istanbulstr. 22-26 · 51103 Köln · Tel: 0221 8884
0
Inhalt 2
2019

Interviews/Storys
34 Rival Sons
38 Greg Howe
42 Avatasia
44 Jason Becker
46 Spidergawd
50 Soilwork 64
54 Soen Legends-Special: Nile Rodgers
56 Pascow
58 Bring Me the Horizon 46 82
62 Joanne Shaw Taylor

Workshops
64 Legends-Special: Nile Rodgers
74 Masterpiece:
Dire Straits – Dire Straits
82 Riffalong: Michael Jackson
88 Guitar-Cosmos: Mein Name ist Bond
90 New Generation Shred: Keith Merrow Story: Spidergawd Riffalong: Michael Jackson

94 Bluescafé: Josh White – „One Meat Ball“

Songs
147 Red Hot Chili Peppers –
„Snow (Hey Oh)“
154 Spidergawd – „Ritual Supernatural“
164 Pascow – „Silberblick & Scherenhände“
Titelfoto: Christopher Przybilla

171 David Gilmour – „I Put a Spell on You“

74 147
Masterpiece: Dire Straits – Dire Straits Song: Red Hot Chili Peppers

4 2 /19
INHALT

Test & Technik


98 Guitars & Stars: Peter Green & Gibson Les Paul
100 Guitar-Dreams: Gretsch G6131-MY
Malcolm Young Signature Jet (E-Gitarre)
106 Guitar-Dreams: Taylor Guitars
Grand Pacific 717e & 517e (Akustikgitarre)
110 Guitar-Dreams: MJ Guitars Mastercaster „Blackie“:
Interview mit Matthias Jabs & Test (E-Gitarre)
Guitar-Dreams: Gretsch G6131-MY
Malcolm Young Signature Jet 100 116 Guitar-Dreams: Meckbach/Bazaniak
Parlor Malina (Akustikgitarre)
120 LTD SN-1000HT (E-Gitarre)
122 Schecter KM-7 MK-III TBB Artist (E-Gitarre)
124 Aria PRO II PE-350 (E-Gitarre)
126 Harley Benton Mighty-5 TH (Verstärker)
128 Guitar-Dreams: Blackstar
Artisan-Serie (Verstärker)
134 Kolumne: Handwired
136 Aguilar Tone Hammer 700 (Bassverstärker)
Test: Schecter
KM-7 MK-III TBB Artist (E-Gitarre)122 138 Electro-Harmonix Grand Canyon (Effekt)
140 Friedman Golden Pearl (Effekt)
141 Wampler Faux Tape Echo V2 (Effekt)
142 Korg Rimpitch-C2 (Stimmgerät)

Rubriken
3 Intro
6 guitar-CD + Downloads
7 CD-Booklet

Guitar-Dreams: Blackstar Artisan-Serie (Verstärker) 128 8


22
guitar-News: Aktuelles & Verlosungen
Tourdaten
26 Rezensionen: CD, Vinyl & DVD/Blu-ray
31 guitar-Abonnement
93 Pickup – zu gewinnen: Hagstrom H-II NT
144 Händlerverzeichnis
146 Charleys Bluestalgia/Anzeigenindex/Impressum

93
Pickup – zu gewinnen:
Hagstrom H-II NT

5
CD-INHALT & DOWNLOADS

Songs zum Mitspielen


LSONG LSONG LASSIC
ORIGINA ORIGINA GUITAR-C

Red Hot Chili Peppers Spidergawd Pascow David Gilmour


„Snow (Hey Oh)“ „Ritual Supernatural“ „Silberblick & Scherenhände“ „I Put a Spell on You“ inkl. Mica Paris,
Stadium Arcadium (2006) V (2019) Jade (2019) TV-Show für Channel 4 (1992)
Tracks 2 – 6 Tracks 7 – 8 Tracks 9 – 10 Tracks 11 – 15
Seite 147 Seite 154 Seite 164 Seite 171

Die Bassnoten zu den Songs findet ihr im Download-Bereich unter www.guitar.de

Workshops zum Mitspielen Download

Um wirklich allen Wünschen


gerecht zu werden, findet ihr
alle Soundfiles (Songs und
Workshops) auf der beiliegenden
guitar-CD und zum Download
unter www.guitar.de.
Das Download-Passwort für
diese Ausgabe lautet:

chilischoten

Wie geht’s?
MASTERPIECE auf www.guitar.de gehen
Dire Straits – Dire Straits In der oberen Menüleiste
Tracks 22 – 28 Seite 74 „Download“/„Heft-Downloads“
anklicken
Ausgabe „02/2019“ eingeben
Passwort „chilischoten“ eingeben

GUITAR-COSMOS
Mein Name ist Bond
Tracks 35 – 39 Seite 88

NEW GENERATION SHRED


Keith Merrow
Tracks 40 – 44 Seite 90

LEGENDS-SPECIAL RIFFALONG: BLUESCAFÉ


Nile Rodgers Michael Jackson Josh White – „One Meat Ball“
Tracks 16 – 21 Seite 64 Tracks 29 – 34 Seite 82 Tracks 45 – 47 Seite 94

+2 Bonussongs zum Download Abo-Bonussong

Stone Sour Green Day Neil Young


„Bother“ „When I Come Around“ „The Old Laughing Lady“
Stone Sour Dookie Neil Young
(2002) (1994) (1968)

Noten/TABs + Soundfiles zum Download (nicht auf der CD!) Nur für Abonnenten

6 2 /19
BOOKLET

CD-Booklet

Das Booklet der guitar-CD könnt ihr


ausschneiden oder auch im Netz unter
www.guitar.de downloaden!

euer persönlicher
Gitarrenlehrer

Orlando Pellegrini 2
ist mit seiner jahrzehn- 2019
telangen Erfahrung als
Studiomusiker und Gi-
tarrenlehrer der Häupt- RED HOT CHILI PEPPERS
ling der guitar-CD und Snow (Hey Oh)
euer persönlicher Gi-
tarrenlehrer. Auf der CD und im Download- SPIDERGAWD
Paket (www.guitar.de) zu dieser Ausgabe Ritual Supernatural
findet ihr die zugehörigen Soundfiles zu al-
len Wokshop-Beispielen und vier komplette PASCOW
Songs. Neben Stücken, die unser CD-Team Silberblick &
um „Pelle“ extra für euch eingespielt hat, Scherenhände
sind zumeist auch ein oder zwei Songs in
ihrer vom Künstler aufgenommen Original- DAVID GILMOUR
version enthalten. Ihr erkennt sie am Label I Put a Spell on You
„Originalsong“. Ein „guitar-Classic“ rundet
die Song-Abteilung ab.
CD-Booklet
2/19 Nr. 225 Red Hot Chili Peppers · Spidergawd · Pascow ·David Gilmour

1. Intro

RED HOT CHILI PEPPERS LEGENDS-SPECIAL GUITAR-COSMOS


Snow (Hey Oh) Nile Rodgers 35. Begrüßung
2. Info 16. Bsp. 1 ..............................(120 bpm) 36. Bond-Theme
3. Song ..................................(105 bpm) 17. Bsp. 2 ..............................(120 bpm) 37. Bsp. 1 ................................(94 bpm)
4. Bsp. 1 ..................................(75 bpm) 18. Bsp. 3 ..............................(110 bpm) 38. Bsp. 2 ................................(94 bpm)
1/19 Nr. 225 Nile Rodgers · Dire Straits · Michael Jackson
5. Bsp. 2 ..................................(75 bpm) 19. Bsp. 4 ..............................(115 bpm) 39. Bsp. 3 ................................(94 bpm)
6. Playalong L/no bass ..........(105 bpm) 20. Bsp. 5 ..............................(120 bpm)
21. Bsp. 6 ..............................(114 bpm)
NEW GENERATION SHRED
SPIDERGAWD 40. Bsp. 1 ..............................(250 bpm)
Ritual Supernatural MASTERPIECE 41. Bsp. 2 ..............................(245 bpm)
7. Info Dire Straits – Dire Straits 42. Bsp. 3 ..............................(150 bpm)
8. Song ..................................(162 bpm) 22. Bsp. 1a ............................(139 bpm) 43. Bsp. 4 ..............................(150 bpm)
23. Bsp. 1b Lick 1 ..................(139 bpm) 44. Bsp. 5 ..............................(150 bpm)
24. Bsp. 1b Lick 2 ..................(139 bpm)
PASCOW 25. Bsp. 2 ................................(60 bpm)
Silberblick & Scherenhände 26. Bsp. 3 ..............................(120 bpm) BLUESCAFÉ
9. Info 27. Bsp. 4 ..............................(106 bpm) Josh White –
10. Song ................................(190 bpm) 28. Bsp. 5 ..............................(152 bpm) „One Meat Ball“
45. Song & Begrüßung
46. Bsp. 1 ................................(70 bpm)
DAVID GILMOUR RIFFALONG 47. Bsp. 1 ................................(70 bpm)
I Put a Spell on You Michael Jackson
11. Info 29. Bsp. 1 ..............................(119 bpm) 48. Outro
12. Song ................................(137 bpm) 30. Bsp. 2 ..............................(140 bpm)
Fin Costello/Redferns

13. Solo Takte 1 – 16..............(137 bpm) 31. Bsp. 3 ..............................(118 bpm)


14. Solo Takte 17 – 32............(137 bpm) 32. Bsp. 4 ..............................(130 bpm)
15. Playalong no guitar ..........(137 bpm) 33. Bsp. 5 ..............................(119 bpm)
34. Bsp. 6 ..............................(120 bpm)

7
NEWS

Hexenalarm bei Kirstein


Das Musikhaus Kirstein präsentiert mit den Gibson Ol' Witches fünf
Einzelstücke, die von Gibsons Custom-Shop in Nashville exakt nach
den Vorstellungen und Spezifikationen des Musikhauses Kirstein
gebaut wurden. Allen gemein ist ein Heavy-Aged-Finish inklusive
ebenfalls gealterter Gold-Hardware. Als Vorbildmodelle kommen die
Klassiker zum Einsatz: 1958 Les Paul Standard, 1961 SG Standard,
Flying V Standard, 1963 ES-335 und 1958 Explorer – da bleibt kein
Auge trocken. Die Specs entsprechen, so das Musikhaus Kirstein, dem
bekannten Standard.
www.kirstein.de/Gibson-Ol-Witch-Custom-Shop/

Andechser Musikwoche
im Kloster Andechs
Vom 30. April bis 4. Mai 2019 wird im Kloster Andechs der Frühling
begossen. Musikalische Größen wie LaBrassBanda oder Henrik Frei-
schlader sind zu Gast und heizen den Frühling an: Fünf Tage mit je
einem bestimmten Genre stehen auf dem Programm – und jeden Tag
werden zwei Geheimtipps für die Headliner eröffnen können. Bewer-
bungen für die Opener-Slots können bis 31. Januar 2019 eingereicht
werden: www.andechser-musikwoche.de/bewerben
Alle weiteren Infos sowie Ticktes gibt's natürlich auch auf der
Homepage.
www.andechser-musikwoche.de

Kamera läuft,
Ton ab!
Nicht nur für Videofilmer, sondern
auch für alle Musiker interessant ist
das neue Zoom QsN-4K-Kamera-
Modell. Damit lassen sich nicht nur Vier neue Bassbrüllwürfel
Audio-, sondern auch Videosignale
aufnehmen. Zwölf spezielle Szenen- Peavey hat die neue Produktreihe der portablen, leichtgewichtigen
einstellungen machen es möglich, bei nahezu allen Lichtverhältnissen MAX-Bass-Amps vorgestellt. Innovatives Merkmal ist die angewin-
gute Aufnahmen zu produzieren. Das in Verbindung mit der Ton- kelte Schallwand, die eine gezielte Soundausrichtung ermöglicht. Die
qualität von 24 Bit/96 kHz soll aus dem QsN ein ideales Werkzeug Serie besteht aus vier Modellen. Der MAX 100 bietet einen 10-Zoll-
zum Recording von Auftritten, Live-Streams oder Übungssessions Lautsprecher mit 100 Watt, der MAX 150 beinhaltet eine 12-Zoll-
machen. Ein 150-Grad-Weitwinkelobjektiv soll dabei für eine opti- Box mit 150 Watt und der MAX 250 umfasst einen 15-Zoll-Speaker
male Bildqualität sorgen. Der One-Touch-Aufnahme-Modus sowie mit 250 Watt. Zudem wird das Modell MAX 208 mit zwei Speakern
das farbige LCD ermöglichen sekundenschnelles „Ready to Go“. Der und 200 Watt angeboten. Die Preise rangieren zwischen 199 und 449
Preis beläuft sich auf 296 Euro (UVP). US-Dollar.
www.zoom-na.com www.peavey.com/maxbass/

8 2 /19
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100% made in Bavaria

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$EJHELOGHWH0RGHOOH
/HDGHU3URIHVVLRQDO +3'3 /HDGHU&ODVVLF +&25
NEWS

Vielfalt für Metaller


Die neuen Axion-Label-Varianten aus dem Hause Ibanez bieten Viel-
falt im harten Sektor. Verschiedene Mensuren (Bariton oder Stan-
dard), mit oder ohne Multiscale, mehrstreifige Wizard-Hälse, ge-
flammte oder deckend lackierte Decken stehen zur Auswahl, ebenfalls
12 virtuelle Verzerrer Bareknuckle-Aftermath- und die Fluence-Varianten von Fishman.
Das alles gibt’s dann je nach Ausführung in einer knackigen Preis-
Mit Multidrive Pedal Pro hat Audified eine interessante Effektkol- range von 999 bis 1.299 Euro.
lektion legendärer Effektpedale als Software veröffentlicht. Zu der www.ibanez.de
Sammlung an Verzerrern zählen 808-Scream, 9-Scream, B-Drive, O-
Drive, S-Drive, One-Distortion, BAT-Distortion, XXL-Distortion, M-
Distortion, F-Fuzz, M-Fuzz und T-Booster, die Bodentreterklassikern
von Ibanez, Boss, Electro-Harmonix Big Muff, MXR Distortion+ und
weiteren nachempfunden wurden. Für den Soforteinstieg warten 32
Presets. Der Preis beläuft sich auf je 69 US-Dollar.
www.shop.audified.com

Gitarren- & Bassbau-Workshops


bei Stratmann
Bereits seit der Mitgründung von Formentera-Guitars im Jahr 1988
bietet Thomas Stratmann Workshops für Instrumentenbau an. Seit
2003 auch in Deutschland: Hannover, um genau zu sein. Die Work-
shops bieten jedem, unabhängig von Vorbildung und handwerklichem
Geschick, die Möglichkeit, sich sein eigenes Custom-Instrument zu
schreinern. Bis zu vier Teilnehmer werden unter professioneller An-
leitung vom rohen Holz bis zur Endmontage begleitet. Sämtliche
Handgriffe müssen dabei selbst ausgeführt werden, sogar das Wickeln
der Tonabnehmer!
Der Kurs läuft über zwei Wochen, täglich von 10 bis 19 Uhr – mit
Tone from Hell Pausen, versteht sich. Durch die teilweise Einbeziehung von Wochen-
enden und Feiertagen werden für die Teilnahme nur acht bis zehn
Klingen wie Dimebag Darrell auf dem legendären Pantera-Album Urlaubstage benötigt. Die Kursgebühr inklusive der erforderlichen
Cowboys from Hell – mit der neuen CFH-Collection für Amplitube Materialien beträgt 3.300 Euro. Um die Unterbringung müssen sich
von IK Multimedia soll das kein Problem sein. Teilnehmer separat kümmern, bei der Vermittlung bietet Thomas
Das Plug-in stellt exakt das Equipment zur Verfügung, das Dime- Stratmann gerne seine Hilfe an.
bag auch im Studio genutzt hat. Da wären zwei Amps: Der darrell
100, basierend auf dem Randall RG100, und der 120 CFH Jazz-Amp, VIER KURSE SIND FÜR 2019 ANGESETZT:
der auf dem Roland JC 120 aufbaut. Kurs 1: 4.2. bis 17.2.
Weiter geht es mit den Cabinets Darell 412, dessen Vorbild der Kurs 2: 29.4. bis 12.5.
Randall 412JB ist, und dem JP Jazz CFH, der besagten Roland JC 120 Kurs 3: 1.7. bis 14.7.
zum Vorbild hat. Des Weiteren stellt das Plug-in fünf Effektpedale wie Kurs 4: 7.10. bis 20.10.
den Furman PQ-3, das Dunlop Cry Baby und den Rocktron Hush IIB
zur Verfügung. Weitere Infos sowie die Anmeldung findet ihr unter
www.ikmultimedia.com www.stratmann-gitarren.de

10 2 /19
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NEWS

Auf die Bühne mit


Baton Rouge
Zum 20. Jubiläum der Tübinger Akustikgitar-
renmarke Baton Rouge verlosen die Kollegen
einen Live-Slot auf der Musikmesse 2019.
Teilnehmer bewerben sich mit einem Video
von sich und ihrer Baton Rouge – egal, ob

The Beatles – Jubiläumsedition Fingerstyle, Singer-Songwriter oder Jazz-Gi-


tarrist. An- und Abreise sowie die Übernach-
tung sind natürlich mit dabei.
des White Albums Alle Informationen gibt’s unter
http://bit.ly/BRfrankfurt2019
Wenig überraschend folgt auf die letztjährige Jubiläumsedition von Sgt. Pepper’s Lonely
Hearts Club Band nun also, wieder pünktlich zum 50. Jahrestag der Erstveröffentlichung,
das neu gemixte (eigentlich selbstbetitelte, aber seit jeher sogenannte) White Album. Und
erneut waren weite Teile des elitäreren Fan-Zirkels bereits vorab in Aufruhr: Während
sich der Normalkonsument über einen ausgewogeneren und transparenteren Stereomix
von Giles Martin freuen soll, sieht der Purist darin unweigerlich ein Sakrileg, obgleich
die Unterschiede weniger ins Gewicht fallen als bei der „neuen“ Sgt. Pepper’s und so
manch schönes Detail der Aufnahme deutlicher hervortritt.
Mit Spannung erwartet wurde hingegen von allen Seiten das Bonusmaterial: Die von
George Harrison damals in Mono gemischten Esher-Demos, seit Dekaden nur als Bootleg
kursierend, bekommt man im 3-CD-Set oder der aufwändig – samt der nachgedruckten
Foto- und Posterbeilagen – verpackten 4-LP-Box, nun ebenfalls in Stereo. Wer etwas
tiefer in die Tasche greifen möchte, erhält für rund 135 Euro das opulentere Paket in
Form eines hochwertigen Hardcover-Buchs mit einer berauschenden Menge an Fotos,
nachgedruckten Original-Lyrics und ausführlichen Liner-Notes zu allen Songs.
Nun dient das Ganze aber nicht zuletzt als Verpackung für sechs CDs, die neben ge-
nanntem Material noch zusätzlich alternative Versionen aller Album-Tracks sowie der
aussortierten oder erst später veröffentlichten Songs auf den zusätzlichen drei Silberlin-
gen liefern. Etliches davon war bis dato selbst in hartgesottenen Sammlerkreisen unge-
hört, die 27-Minuten-Version von „Helter Skelter“ bleibt aber, wie zahllose weitere Auf-
nahmen, weiterhin unveröffentlicht. Eine eher obligatorische Beigabe ist die Blu-ray mit
den Mono- und Surround-Mixen des Albums.
Dieter Ehneß
Effektpedale 2 –
watt vor die Füße
Über Effekte zu reden, wird nie langweilig. Uns
zumindest nicht, und so ziehen wir im zwei-
ten Teil unseres Effektgeräte-Specials wieder
pedalrelevantes Zeug aus dem Hut. Neben den
bekannten Namen aus der Industrie kommen
viele kleine Boutique-Hersteller zu Wort –
Mundpropaganda-Geheimtipps, die man auf
dem Schirm haben sollte. Obendrein gibt’s ein
Special über Amps, die ideal als Plattform für
Pedale funktionieren. Ebenso nehmen wir die
C Getty Images

Pedalboards ausgewählter Künstler unter die


Lupe. Ein Glossar rundet die Sache informativ
ab. Ab sofort erhältlich unter:
www.ppvmedien.de

12 2 /19
NEWS

MEETS

ROCK ANTENNE
rockt Hessen
bald auch auf UKW im Radio

F
Auf diesen Frequenzen ür die Rockfans in Hessen haben wir
pünktlich zum Start ins neue Jahr
rockt es bald: ganz besonders gute Nachrichten, denn
· Gießen (88,0 MHz) schon ab dem ersten Quartal 2019 gibt
· Kassel (104,1 MHz) es den besten Rock nonstop auf vier
· Marburg (104,9 MHz) neuen UKW-Frequenzen zu empfangen.
· Wetzlar (100,5 MHz) In Gießen, Kassel, Marburg und Wetzlar
dröhnt dann der Gitarren-Sound durch
die Rockradios. Das Team des Senders freut
sich bereits riesig über die neuen Frequenzen:
„Seit langem haben wir in Hessen viele
Rockfans. Aus diesem Grund verbreiten wir
seit diesem Jahr unser Programm auch auf
DAB+ in ganz Hessen. Dass wir nun auch über
Michael-Sagmeister- neue UKW-Frequenzen die Rockfans von Kas-
sel bis Wetzlar rocken werden, ist für unser
Modelle bei FGN Team und die Hörer eine große Freude. Wir
danken vor allem der LPR für das Vertrauen in
FGN bietet aktuell zwei Special-Edition-Mo- uns und unser Programm. Mit ROCK ANTEN-
delle an, die den Spezifikationen von Michael NE gibt es in Hessen jetzt ein echtes Rockpro-
Sagmeisters Gitarren nachempfunden sind. gramm, das zu einer weiteren Programmviel-
Sie hören auf den Namen Masterfield Semi falt in diesem wichtigen Bundesland beiträgt“,
Acoustic und Neo Classic LS-30. so Guy Fränkel, Geschäftsführer und Pro-
Beide Modelle sind nach Sagmeisters Vor- grammdirektor von ROCK ANTENNE.
gabe mit Seymour-Duncan-Pickups, einem Karlheinz Hörhammer, Vorsitzender der
SH-1 am Hals und einem SH-4 am Steg, be- Geschäftsführung der Unternehmensgruppe
stückt, ein handsigniertes Zertifikat von Mi- ANTENNE BAYERN ergänzt: „Die DAB+ und
chael Sagmeister liegt bei. die neue UKW-Verbreitung in Hessen ist ein
Die Gitarren sind ab sofort bei allen FGN- extrem wichtiger Baustein für unser natio-
Flagship-Stores und Stützpunkthändlern er- nales Konzept, um ROCK ANTENNE zu
hältlich. Der empfohlene Verkaufspreis liegt Deutschlands Rockprogramm Nummer eins
bei 2.199 Euro für die Masterfield Semi re- auszubauen. 2019 rocken wir somit nicht nur
spektive 1.999 für ihre Schwester Neo Classic den Süden (Bayern und Baden-Württemberg)
LS-30. Michael Sagmeister ist ein internati- und den Norden (ROCK ANTENNE Hamburg),
C Rock Antenne

onal renommierter Gitarrist und unterrichtet sondern setzen einen wichtigen Akzent in der
zudem als Professor für Jazz-Gitarre an der Mitte Deutschlands – in Hessen. Ich wünsche
Hochschule für Musik in Frankfurt. Karlheinz den neuen Hörern viel Spaß mit dem Pro-
www.fgnguitars.de Hörhammer gramm und dem Team nur das Beste.“

14 2 /19
NEWS

Neue Blackstar-Studio-Modelle

Weniger ist mehr – das gilt vor allem im Stu- in der Vorstufe – Crunch für klassische Rock- eine ECC83. Die KT88 liefert massig Head-
dio, und so präsentieren sich Blackstars neue und Blues-Sounds. Der Amerikaner im Reigen room, womit sich der Studio 10 KT-88 Lieb-
Studiomodelle mit weniger Röhren denn ist der Studio 10 6L6. Er hat eine 6L6-End- habern dynamischer, moderner Clean-Sounds
je. Der Sound dürfte dennoch stimmig sein, stufenröhre und eine ECC83-Vorstufenröhre und fokussierter High-Gain-Overdrives emp-
wenn man sich die bisherigen Amps der Kol- – glasig-clean bis amerikanisch-fett war die fiehlt. Darüber hinaus bietet die patentierte
legen aus Northhampton/UK anschaut. Inspi- Devise. Die Overdrive-Schaltung kommt übri- ISF-Funktion die bekannte Flexibilität in Sa-
riert wurden die drei Studio-10-Combos von gens von Blackstars mehrfach ausgezeichne- chen Gesamtsoundabstimmung.
US-amerikanischen und britischen Klassikern, tem HT-Drive-Pedal. Der Preis für die drei Kollegen beläuft sich
so der Hersteller. Der Studio 10 EL34 ist da- Der Letzte im Bunde ist der Studio 10 KT88 auf je 772 Euro (UVP).
bei klassisch britisch ausgerichtet und setzt – angetrieben von einer mächtigen KT88 in
auf eine EL34 in der Endstufe und eine ECC83 der Endstufe. Vorne sitzt wie bei den Kollegen www.blackstaramps.com

JOANNE SHAW TAYLOR


RECKLESS HEART
Das neue Album ab 15.03.2019

„Ein umwerfendes Talent“ – Jools Holland


„Ein kommender Superstar“ – The Express
„Killer Licks und mitreißende Soli“ – Sunday Times
„Sie macht Bluesrock wieder cool“ – Sunday Mirror

Tour:
26.02.19 Köln, Yard Club
27.02.19 Aschaffenburg, Colos-Saal
28.02.19 München, Ampere
02.03.19 Reichenbach, Die Halle
03.03.19 Dortmund, Piano
04.03.19 Berlin, Frannz Club
06.03.19 Bremen Lagerhaus
07.03.19 Osnabrück, Rosenhof
08.03.19 Hamburg, Markthalle
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NEWS

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Der schnellste Weg zu einem sauberen Gitarrensound?
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Grund verlosen wir jeden Monat ein Saitenpaket von
GURT DES MONATS
Dean Markley.

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Saitenstärke. Schaut einfach auf www.deanmarkley.
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Um an der Verlosung teilzunehmen, füllt bis 20.2.2019


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Rubrik „News/Gewinnspiele“ aus oder schreibt eine Post-
karte/einen Brief mit der Antwort 20.2.2019 (Datum des
Poststempels) an:

PPVMEDIEN GmbH, Redaktion guitar,


Diesen Monat verlosen wir den Luxury Buf-
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Kroko-Optik daher. Robustes Sattlergarn
Mitarbeiter der PPVMEDIEN GmbH und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen; verleiht dem Gurt eine markante Kontur.
der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.
Der Contour Croc Black ist 7 cm breit und
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Wenn ihr diesen Gurt gewinnen wollt, füllt bis zum 20.2.2019
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stempels) an
PPVMEDIEN GmbH, Redaktion guitar, Stichwort „Gurt des
Monats 2/19“, Postfach 57, 85230 Bergkirchen.

Mitarbeiter der PPVMEDIEN GmbH und deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen;
der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

guitar- -Kanal
Auf unserem redaktionseigenen Youtube- aus dem „guitar-Warehouse“ werden von
Kanal „guitar Magazin“ werden regelmäßig unseren Redakteuren Marcel und Stephan
aktuelle elektrische und akustische Gitarren, sowie Chefredakteur Jürgen moderiert.
Verstärker und Effekte vorgestellt. Außer-
dem gibt es immer pünktlich zur Veröffent- Schaut vorbei unter der Adresse:
lichung der jeweils neuen guitar acoustic
und guitar ein entsprechendes Heftvorstel- www.youtube.com/user/
lungsvideo, in dem wir euch die Highlights guitarredaktion/videos
des aktuellen Heftes präsentieren. Dazu
gibt’s Hinweise auf Gewinnspiele, Neues oder gebt direkt bei Youtube „guitar Ma-
aus der Instrumentenwelt und Allgemein- gazin“ ein. Dort findet ihr alle Inhalte und
wissen – alles auf einem Kanal. Die Videos könnt dem Kanal auch folgen.

18 2 /19
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NEWS

Udo Lindenberg
Das Vermächtnis der Nachtigall (1983-1998)
Die Captain Guitar Lounge
In der deutschen Pop-/Rock-Landschaft ist Udo Lindenberg eine Le-
ist umgezogen gende, und das völlig zu Recht. Die Liste seiner Verdienste ist lang
und gipfelt fast unweigerlich in der Feststellung, dass der Mann mit
Nur vier Kilometer von der alten Location entfernt hat die Cap- dem Hut die deutsche Sprache in der Rock-Musik salonfähig gemacht
tain Guitar Lounge ihr neues Zuhause: Auf 350 Quadratmetern hat. Das ist doch schon mal was. Leider spielt der Wahl-Hamburger
ist ein Eldorado für Gitarren-Nerds mit dem gewissen Wohl- keine Gitarre, aber – und das ist ein sehr betontes Aber – die Saiten-
fühlambiente entstanden. Neben dem vergrößerten Werkstatt- männer in seinem Panikorchester muss man kennen. Langzeitbassist
bereich für Amps und Gitarren ist auch der Showroom deutlich Steffi Stephan ist schlicht eine Bank, und unter den Gitarristen dürfte
gewachsen. Und so stehen über 100 Vintage- und Pre-owned- vor allem Carl Carlton den meisten Lesern kein Unbekannter sein.
Gitarren und ebensoviele Verstärker zum Antesten bereit. Das Und auf Udos Album Keule (1982) spielte gar George Lynch mit.
wollen der Captain und seine Crew nun ausgiebig mit euch fei- Als Lindenberg 1983 von Telefunken/Teldec (die sich umstruktu-
ern: Am Samstag, dem 9. Februar 2019, findet die große Einwei- rierten) zu Polydor wechselte, war er bereits eine feste Größe und
hungsfeier statt. Ab 10 Uhr gibt’s neben Live-Musik allerhand hatte sich mit Scheiben wie Alles klar auf der Andrea Doria (1973),
zu sehen und zu quatschen, das eine oder andere Bier oder auch Votan Wahnwitz (1975), Ball Pompös (1974) oder Udopia (1981) selbst
ein Tässchen Kaffee. ein Denkmal gesetzt. Doch Schluss war da noch lange nicht. Von
1983 bis 1998 veröffentlichte Lindenberg 17 (!) Studioscheiben, die
MIT VON DER PARTIE SIND: allesamt in der vorliegenden Box enthalten sind,
· Rusty Stone live and alone bis er nach Zeitmaschine (1998) von Polydor
· Thomas Lutz und Chris Kodalik Duo zu Sony ging. Auch wenn darunter ein paar
· Evans & Harley Trio Durchhänger sind, bietet der Zeitraum einige
· Electrified Soul große und mehrere mindestens hörens-
werte Udo-Alben. Odyssee (1983, inklu-
SAVE THE DATE! sive „Sonderzug nach Pankow“), Götter-
Captain Guitar Lounge hämmerung (1984) und Phönix (1986, mit
Moosfeldstr. 17 „Horizont“) sind etwa unverzichtbar im Lin-
82275 Emmering denberg-Kanon.
www.captain-guitar-lounge.de Daneben gibt’s massig Schräges und Unge-
wöhnliches (wie etwa das seiner Mutter ge-
widmete Hermine von 1988 mit Liedern
aus den ’30ern), das nicht im-
mer zündet, meist aber einen
ganz eigenen Reiz entfaltet.
Hinzu kommen zwei echte Rari-
täten: Neben dem hier erstmals
im CD-Format vorliegenden I
Don’t Know Who I Should Be-
long to gibt es nun Casanova als
Version mit englischem Gesang.
Alle Alben wurden für die Box
remastered. Eine weitere Scheibe
mit Raritäten, eine DVD mit Musik-
videos, ein Poster und ein sehens-
C Getty Images

wertes Hardcover-Buch runden das Paket


ab. Da kann man nur hauchen: Keine Panik,
alles klar auf der Andrea Doria ...
Jürgen Ehneß

20 2 /19
TOURDATES

Black Stone Cherry Ripe & Ruin


23.07.19 Bochum, Matrix 28.03.19 Köln, Tsunami
24.07.19 Karlsruhe, Substage 29.03.19 München, Zehner
25.07.19 Nürnberg, Hirsch 30.03.19 Stuttgart, Kellerclub
31.03.19 Frankfurt, Nachtleben
02.04.19 Hannover, Lux
Farmer Boys 03.04.19 Berlin, Musik & Frieden
13.03.19 Nürnberg, Der Cult 04.04.19 Dresden, Groovestation
14.03.19 Magdeburg, Factory 05.04.19 Hamburg, Molotow
15.03.19 Dresden, Beatpol
16.03.19 Konstanz, Kulturladen
28.03.19 Trier, Ex-Haus Pascow
29.03.19 Essen, Turock 25.01.19 Neunkirchen, Gebläsehalle
30.03.19 Coesfeld, Fabrik (Release-Party) TEDESCHI TRUCKS BAND
17.04.19 Hannover, Faust
18.04.19 Jena, Kassablanca
Joe Bonamassa 19.04.19 Zürich, Dynamo (CH)
12.05.19 Hamburg, Barclaycard Arena 20.04.19 Freiburg, Waldsee
14.05.19 Düsseldorf, 22.04.19 München, Strom
Mitsubishi Electric Halle 23.04.19 Stuttgart, Universum
15.05.19 Baden-Baden, Festspielhaus 24.04.19 Erlangen, E-Werk
17.05.19 Münster, Halle Münsterland 25.04.19 Köln, Gloria
18.05.19 Stuttgart, Porsche Arena 26.04.19 Berlin, SO36
20.05.19 München, Olympiahalle
27.04.19 Hamburg, Uebel & Gefährlich
28.04.19 Leipzig, Conne Island
Rockin’ the Blues
Festival 2019
Rainbow
feat. Jonny Lang, Walter Trout, Kris Barras
Memories in Rock
23.05.19 Berlin, Huxleys Neue Welt
12.06.19 München, Olympiahalle
25.05.19 Köln, Carlswerk Victoria MONSTER TRUCK
29.05.19 München, Backstage Werk MOTORJESUS
30.05.19 Frankfurt, Batschkapp
02.06.19 Hamburg, Markthalle
In Extremo IN EXTREMO
„Carpe Noctem“-Burgentour 2019
31.05.19 Leinefelde-Worbis, Burg
Scharfenstein
Devin Townsend
04.04.19 Berlin, Passionskirche 28.06.19 Oranienburg, Schloss
07.04.19 München, Freiheiz 09.08.19 Ranis, Burg Ranis
09.04.19 Köln, Kulturkirche 10.08.19 Klaffenbach, Wasserschloß
10.04.19 Hamburg, Gruenspan 23.08.19 Hanau, Amphitheater
24.08.19 Creuzburg, Burg Creuzburg

Monster Truck
03.05.19 Köln, Kantine Madrugada
04.05.19 Frankfurt, Gibson 17.02.19 Hamburg, Docks
06.05.19 München, Backstage Werk 20.02.19 Köln, Carlswerk Victoria
17.05.19 Berlin, Huxleys Neue Welt
18.05.19 Hamburg, Uebel & Gefärhlich KADAVAR
Tedeschi Trucks Band
05.04.19 Winterbach/Stuttgart,
Foreigner Salierhalle
30.06.19 Künzelsau, Carmen Würth Forum 14.04.19 Bochum, Ruhrcongress
02.07.19 Flensburg, Flens Arena 15.04.19 Hamburg, MehrTheater
03.07.19 Lübeck, Kulturwerft Gollan
04.07.19 Büren, Freigelände am
Jesuitenkolleg Hartmann
06.07.19 Ulm, Klosterhof Wiblingen w/ „Hands on the Wheel“-Tour
The IP Orchestra 31.01.19 Weiher, Live Music Hall
09.07.19 Mainz, Zitadelle w/ 01.02.19 Calw, Saal 51
The IP Orchestra 16.02.19 Dortmund, Blue Notez Club
12.07.19 Gelsenkirchen, Amphitheater w/
The IP Orchestra
15.07.19 Berlin, Zitadelle

22 2 /19
The Once THE LAZYS
07.02.19 Hamburg, Nochtspeicher
08.02.19 Berlin, Badehaus
10.02.19 Köln, Die Wohngemeinschaft
13.02.19 München, Milla

Long Distance Calling


04.04.19 Ludwigsburg, Scala
05.04.19 Köln, Kulturkirche
06.04.19 Hamburg, Altona

LONG DISTANCE CALLING


Motorjesus
01.02.19 Berlin, Cassiopeia
02.02.19 Leipzig, Hellraiser

The Intersphere 9(5$*521Ζ1*(11/-&'(./Ζ1.(5$$56&+27%(020)(67


24.01.19 Wilhelmshaven, Pumpwerk 1225'.$'(9(*+(/1/$067(5'$00(/.:(*68*$5)$&725<1/3267(1
25.01.19 Dortmund, Piano JOE BONAMASSA 2'(16('.)5<'$$/%25*'.%(7$&23(1+$*(1'.)=:
26.01.19 Wuppertal, LCB '257081''(72:(5%5(0(1'(/8;+$1129(5'(%$67$5'
261$%5ž&.'(1$&+7/(%(1)5$1.)857'()2580%Ζ(/()(/''( 
30.01.19 Ulm, Roxy
/8;25&2/2*1('( 67$'70Ζ77(.$5/658+('( %/$+%/$+725Ζ12
31.01.19 Marburg, KFZ
Ζ7 0$*12/Ζ$0Ζ/$12Ζ7 *$6:(5.:Ζ17(57+85&+ 52&.
+286(6$/=%85*$7 $5(1$:Ζ(1$7 675200ž1&+(1'( 
+Ζ56&+1ž51%(5*'( 87&211(:Ζ7=/(Ζ3=Ζ*'( .1867+$0%85*'(
Rock Meets Classic %($732/'5(6'(1'( 086Ζ. )5Ζ('(1%(5/Ζ1'(
27.02.19 Passau, Dreiländerhalle Z7+8/6$'220

96*2 ;/,
01.03.19 München, Olympiahalle
02.03.19 Nürnberg, Arena Nürnberger
Versicherung
03.03.19 Frankfurt am Main,
Jahrhunderthalle
06.03.19 Zürich, Hallenstadion (CH)
08.03.19 Regensburg, Donau-Arena
09.03.19 Ingolstadt, Saturn Arena
10.03.19 Berlin, Tempodrom
12.03.19 Kempten, bigBOX Allgäu FARMER BOYS
14.03.19 Neu-Ulm, Ratiopharm Arena
15.03.19 Würzburg, s. Oliver Arena
16.03.19 Ludwigsburg, MHP Arena

The Lazys
„Tropical Hazards“-Tour 2019
21.02.19 Köln, Blue Shell
22.02.19 Osnabrück, Bastard Club
23.02.19 Hannover, Lux
24.02.19 Hamburg, Hafenklang
26.02.19 Berlin, Musik & Frieden
27.02.19 Leipzig, Naumanns
28.02.19 München, Orangehouse
01.03.19 Würzburg, Cairo HAKEN

Haken
19.02.19 Köln, Essifgabrik
20.02.19 Frankfurt, Batschkapp
21.02.19 Hamburg, Uebel & Gefährlich
26.02.19 Berlin, Columbia Theater
04.03.19 Leipzig, Conne Island ‘59 Sound
06.03.19 Stuttgart, Im Wizemann
07.03.19 München, Backstage Halle 0T-HJOOHUKLSLYOpS[SPJO
(KYLZZLU\U[LY!^^^JTZT\ZPJUL[
23
TOURDATES

ERIK COHEN DEWOLFF

JACK SAVORETTI

SPIDERGAWD LARKIN POE

Spidergawd Young Fast Running Man RPWL Larkin Poe


09.03.19 Dortmund, FZW 01.02.19 Kaufbeuren, Roundhouse 08.04.19 Bremen, Meisenfrei 14.03.19 Stuttgart, Universum
10.03.19 Bremen, Tower 02.02.19 Viechtach, Altes Spital 09.04.19 Hamburg, Logo 17.03.19 Hamburg, Knust
13.03.19 Hannover, Lux 06.02.19 Landshut, Rocket Club 14.04.19 Reichenbach, Artrock-Festival 01.04.19 Frankfurt, Zoom
14.03.19 Frankfurt, Nachtleben 11.02.19 München, Cucurucu 16.04.19 Berlin, Maschinenhaus
15.03.19 Bielefeld, Forum 16.03.19 Cham, L.A. Livestyle 18.04.19 Isernhagen, Bluesgarage Manfred Mann’s Earth Band
16.03.19 Köln, Luxor 29.03.19 Regensburg, Tiki Beat 22.04.19 Pratteln, Z7 (CH) + Glenn Hughes
17.03.19 Karlsruhe, Stadtmitte 22.04.19 Stelle, Klimperkasten 23.04.19 Stuttgart 06.09.19 Zirkus Krone, München
20.03.19 Winterthur, Gaswerk (CH) 23.04.19 Emden, Café Einstein 25.04.19 Oberhausen, 07.09.19 Luisenburger Festspiele,
21.03.19 Salzburg, Rockhouse (A) 24.04.19 Düsseldorf, Brause Vereinsheim Zentrum Altenberg Wunsiedel
22.03.19 Wien, Arena (A) 25.04.19 Köln, Torburg 26.04.19 Aschaffenburg, Colos-Saal
23.03.19 München, Strom
03.05.19 München, Vereinsheim
27.09.19 Freising, Lindenkeller Samantha Fish
26.03.19 Nürnberg, Hirsch 24.05.19 Hamburg, Fabrik
Schwabing
27.03.19 Leipzig, UT Connewitz 25.05.19 Dortmund, Piano
28.03.19 Hamburg, Knust Jamie Lawson 26.05.19 Nürnberg, Hirsch
29.03.19 Dresden, Beatpol 17.04.19 München, Technikum 27.05.19 München, Strom
30.03.19 Berlin, Musik & Frieden
DeWolff 18.04.19 Stuttgart, Im Wizemann
02.04.19 Eggenfelden, Rossstall 19.04.19 Frankfurt, Batschkapp
03.04.19 Frankfurt, Nachtleben 20.04.19 Berlin, Columbia Theater
Obscura 04.04.19 Osnabrück, Club Bastard 22.04.19 Hamburg, Fabrik
01.02.19 München, Backstage 06.04.19 Braunschweig, Eule 26.04.19 Köln, Kantine
02.02.19 Nürnberg, Z-Bau 07.04.19 Kiel, Orange House
17.02.19 Aarau, Kiff (CH)
18.02.19 Wien, Arena (A) Jack Savoretti
19.02.19 Leipzig, Conne Island Erik Cohen 03.05.19 Frankfurt, Batschkapp
20.02.19 Berlin, Lido 14.03.19 Hamburg, Hafenklang 04.05.19 München, Muffathalle
21.02.19 Hamburg, Logo 15.03.19 Münster, Café Sputnik 12.05.19 Berlin, Huxleys Neue Welt
22.02.19 Oberhausen, 16.03.19 Saarbrücken, Kleiner Klub 14.05.19 Hamburg, Docks
Kulttempel 06.04.19 Kiel, Orange Club 15.05.19 Köln, Live Music Hall

24 2 /19
REZENSIONEN

Echter Punk Motör-Lizzy-Maiden-Retro

Platte
n
Mona des
ts

Pascow Spidergawd
Jade V
(Rookie Records) (Crispin Glover Records)

Ein neues Pascow-Album ist vor allem anderen: erfrischend. Angesichts Die vier Musiker aus Trondheim sind die pure Energie. Hört man genau
der Trittbrettfahrer, die mit glattgeschliffenem, radiotauglichem Pop-Punk hin, dann schwitzt auch Spidergawd V Motörhead, Lizzy, Sabath, frühe
auf Masse schielen, kommen die vier Rheinland-Pfälzer noch authen- Maiden und MC5 aus jeder Poore. Doch im direkten Vergleich zu vielen
tischer rüber, als sie sowieso sind. Auf Grund ihres unbestreitbaren Retro-Kollegen imitieren Spidergawd nicht, sie erschaffen ihren eigenen
musikalischen Könnens bewegt sich das Quartett spieltechnisch fernab Sound – ihre eigene Rock-Identität. Das ist rar dieser Tage. So rar wie
des Dilettantismus der End-’70er-Punks und fährt einen wunderbar das Baritonsaxofon von Rolf Martin Snustad, das bei genialen Stampfern
dreckigen und doch melodischen Gitarrensound, der energisch in den wie „Twentyfourseven“ und „Knights of CGR“ (Sabbath lassen grüßen!)
Arsch tritt. Zuweilen gibt’s Ska-Anklänge („Marie“), selten wird der Fuß stramm über einen Hiwatt gejagt wird, um mal als Rhythm-, dann wieder
vom Gas genommen („Die Backenzähne des Teufels“, „Wunderkind“). als Lead-Instrument zu brillieren. Gitarrist und Sänger Per Borten liefert
Die Texte wiederum sind vom Feinsten: intelligent, engagiert und ohne dazu satte und vor allem geschmackvolle Zerre, die sich aus einbre-
Blatt vorm Mund, ohne dabei plump zu werden. Sänger Alex findet dabei chenden Hiwatt-, Dr-Z- und Matchless-Boliden speist. Seine Soli intoniert
treffsicher den passenden Ton, kann zwischendurch auch sanfter, läuft der Hendrix- und Moore-Fan mit viel Live-Vibe, ausreichend Kante und
aber zur Bestform auf, wenn er seine rotzige Seite präsentiert. Dazu ist Spannung, sodass auch Double-Leads nie zum Selbstzweck geraten. Es ist
überraschend viel Gastgesang zu hören: Bei der Hälfte der Songs sind nicht zuletzt der einzigartig treibenden Rhythmusfraktion Kenneth Kapstad
weibliche Stimmen mit an Bord. Die neue Scheibe gibt’s als CD und Vinyl, (d) und Hallvard Gaardløs (b) zu verdanken, dass auch Album Nummer fünf
jeweils in einer regulären und einer Special-Edition. schon jetzt als eines der Highlights 2019 gehandelt werden darf.

je mth

Coverversionen Bluesrock Prog

John Mellencamp Joanne Shaw Taylor Soen


Other People’s Stuff Reckless Heart Lotus
(Republic/Universal Music) (Sony) (Silver Lining/Warner)

Der Titel legt es nahe: Auf seinem neuen (etwas Mit ihrem sechsten Studioalbum Reckless Heart Mit Lykaia fanden die Schweden ihren eigenen
kurz geratenen) Album hat John Mellencamp hat die britische Bluesrock-Gitarristin voll ins Stil. Auf Lotus gehen sie den eingeschlagenen
Fremdvorlagen aufgegriffen. Der Heartland- Schwarze getroffen. Der Mix aus Blues, Rock und Pfad konsequent weiter und bestechen weiterhin
Rocker vereint dabei Coverversionen, die er zwi- Soul, bei einigen Songs wie „In the Modd“ gemixt mit vertrackten und lyrischen Riffs und großen
schen 1993 und 2018 teils für Tribute-Scheiben, mit etwas Southern-Rock, geht direkt ins Ohr und dynamischen Kontrasten. Seinen Einstand an der
Soundtracks oder eigene Platten aufgenommen bleibt da erstmal. Dank Joannes energetisch- Gitarre gibt der Kanadier Cody Ford, der die Lücke,
hat und ihnen seinen Stempel aufdrückte. Dabei vibrierender Stimme, den langen, improvisierten die sein Vorgänger Marcus Jidell hinterlassen hat,
geht er mal mehr in Richtung Country, mal zieht und größtenteils live eingespielten Soli und einer mit Bravour zu füllen weiß. Das Riffing ist nach
es ihn zum Irish-Folk, mal erinnert er gesang- unglaublichen musikalischen Bandbreite ein unver- wie vor voller Nuancen und weiß auch beim hun-
lich an Tom Waits, mal tönt er bluesiger. Unter wechselbares Album. dertsten Durchlauf zu begeistern. Das Gitarrensolo
anderem Jimmie Rodgers, Robert Johnson, Pete in Titeltrack „Lotus“ gehört zu den ganz großen
Seeger, Merle Travis, Stevie Wonder und Mickey Momenten auf der Platte. Insgesamt gibt sich Lotus
Newbury lieferten Vorlagen, die nun aber ganz in der Produktion moderner und druckvoller, aber
nach Mellencamp klingen. auch etwas eingängiger und monumentaler als
noch der Vorgänger. Bestleistung!

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26 2 /19 = Geniestreich = Volltreffer = Durchschnitt = Netter Versuch = Puh ...


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REZENSIONEN

Black-Metal-Symphony Alternative Wege Thrash-Meddel

Behemoth New Model Army Dust Bolt


I Loved You at Your Darkest Night of a Thousand Voices Trapped in Chaos
(Nuclear Blast) (Attack Attack Records) (Napalm Records)

Vier Jahre sind seit Behemoths The Satanist NMA-Boss Justin Sullivan war schon in der Neun Tracks Thrash einer Band, die ihre Stärken
vergangen. So viel sei gesagt, die Black-Metal- Vergangenheit für Überraschungen gut, doch nun in einem seit 30 Jahren erschlossenen Genre neu
Wurzeln des polnischen Vierers sind wieder deut- haben er und seine Truppe sich selbst übertroffen: definiert. Speziell der neue Silberling Trapped in
lich vertreten. Atmosphäre wird nach wie vor groß Die Briten haben das seit Jahrzehnten bewährte Chaos klingt anders. Ehrlich. Aufs Wesentliche
geschrieben. Das Riffing wirkt indes etwas belang- Publikum-Mitsingen bei Live-Gigs auf ein neues reduziert. Die Platte ist völlig entschlackt, dafür
los, dafür aber umso eingängiger. Das Schlagzeug Level gehoben und ein Publikum textsicherer Fans gibt’s mehr Mosh-Parts. Der Hardcore hat ein paar
hat nach alter Black-Metal-Manier wieder ordent- zur Aufnahme-Session geladen (sicherheitshalber deutliche Spuren auf der Platte hinterlassen. Alles in
lich zu tun und ballert und blastet so einiges raus. wurden Textblätter verteilt). Das Ergebnis gibt’s allem klingt das ganz schön oldschool und selbst-
Der Produktion hat man einiges an „Räude“ einge- nun als Packung mit 2 CDs und einer Bonus-DVD sicher. Spätestens mit „Dead Inside“ zergrooved
haucht, was gerade Fans der alten Schule erfreuen – ungewohnt, aber faszinierend, auch wenn sich das Quartett den Zuhörer. Abwechslungsreich ist
dürfte. Glatt poliert wurde nur so weit wie nötig. der Effekt im Verlauf der Scheibe etwas abnutzt. sie, die neue Scheibe. Ob sie jedem reinen Thrash-
Alles in allem hat man sich auf nachvollziehbare Die Songauswahl ist gelungen, und der Fan freut Jünger hundertprozentig einfließt, bleibt aber abzu-
Songstrukturen und starke Hooks konzentriert. sich beispielsweise über „The Charge“, „Green warten. In Sachen Produktion wurde hier der Nagel
An die vorpreschende Wut des Vorgängeralbums and Grey“, „Eleven Years“ oder „Purity“. Momentan auf den Kopf getroffen. Fett, präsent und nicht zu
kommt man hier nicht ganz heran, aber das war ist das Teil exklusiv über den NMA-Online-Shop aalglatt. Einfach dynamisch.
vielleicht auch gar nicht das Ziel. erhältlich (shop.newmodelarmy.org).

pz je pz

Rock-Rock Rock-n-Roll-Punk Brachial-Metal

Smoke Blow Massive Wagons Legion of the Damned


Demolition Room Full Nelson Slaves of the Shadow Realm
(Pias) (Earache) (Napalm Records/Universal)

Das Phantom der deutschen Punk/Hardcore-Szene Soll noch mal einer sagen, aus England käme nix Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die
schlägt wieder zu. Völlig unerwartet melden sich mehr außer Hipsterbands! Das, was sich diese Niederländer in den vergangenen Jahren immer
die Kieler Smoke Blow mit einer neuen Platte Kollegen aus dem nordenglischen Carnforth auf beliebter werden. Zu Recht, denn mit Alben wie
zurück. Zwar ohne neues Material, aber mit der die Fahne geschrieben haben, ist eine sympa- dem Vorgänger Ravenous Medicine haben Legion
zweitbesten Variante: einem live im Studio einge- thische Adrenalinspritze aus straightem Hardrock, of the Damned ihren Führungsanspruch im Thrash-/
trümmerten Best-of-Album. Und das hält genau Bar-Rock, abgeschmeckt mit einer Prise Punkrock. Death-Segment klar formuliert, mit Slaves of the
das, was es verspricht, und bringt die Essenz „Under No Illusion“ hätte auch gut und gerne auf Shadow Realm wird dieser nun fest zementiert.
dieser einzigartigen Chaoten auf den Punkt. Zu den dem letzten Airbourne-Album Platz gehabt, mit Songs wie das stampfende „Charnel Confession“
wuchtigen Neueinspielungen von „Alligator Rodeo“ „Billy Balloon Head“ zerlegt man jede Kneipe, und oder das rasante „Warhounds of Hades“ wirken
oder „Dark Angel“ (immer noch eine Mörder- bei „Robot (Trust in Me)“ legt man selbige vorher auf das erste Ohr recht einfach strukturiert, doch
Hookline) lässt sich das heimische Wohnzimmer noch schnell trocken. Hier sind straighte Riffs, zün- wer genauer hinhört, entdeckt jede Menge kleiner
genau so gut auseinandernehmen wie einst der Pit dende Partyrefrains und schneidende kurze Leads spieltechnischer Schweinereien, die es in sich
im Club. Falls sich die Chance bietet, ein Exemplar Programm. Wer damit nix anfangen kann, bestellt haben. Brutalisten müssen umgehend zugreifen.
von Demolition Room abzugreifen: Bitte umge- sich am besten Pfefferminztee statt Bier.
hend zuschlagen, da streng limitiert. Deutschland
braucht diese Band. Punkt.

tk mth tk

28 2 /19
REZENSIONEN

Party-Rock Akustisch-wie-elektrisch-Rock Blues

Reverend Horton Heat Samavayo Reverend Rusty & the Case


Whole New Life Vatan Rough Times
(Victory Records) (Noisolution) (Stone Music)

Das Texaner Trio Reverend Horton Heat hat sich Fuzz-Gitarren aus Berlin – seit 2000 drückt das Trio Der Blues bildet die Basis, von der aus das
bereits seit den Achtzigern dem Rockabilly ver- Samavayo verzerrte Stoner-Riffs aus den Boxen. Münchner Trio Reverend Rusty & the Case unter-
schrieben. Klar, dass sie ihr Handwerk inzwischen Weniger Kyuss als Sabbath, sind die Riffs aus wegs ist. Reverend Rusty Stone als Anführer an
mehr als ordentlich verstehen. So kommt die neue zwar bekannten, dafür aber nicht minder leckeren der Gitarre (und dem Gesangsmikro) hantiert
Langrille wieder mit elf flott groovenden Party- Zutaten gekocht und größtenteils im moderaten gerne (und gekonnt) mit Slide und Wah-Wah-
Rockern mit typischen Rockabilly-Licks, Contra- Tempo angelegt. Die Kompositionen sind trotz Pedal, greift auch mal zu Banjo oder Mandoline
Walking-Bass und treibenden Drums daher – inklu- intensiver Betätigung aller drei Instrumentalisten und variiert dadurch schon das Klangerlebnis. Von
sive dem geradezu ikonischen Elvis-Cover „Viva gerade genug gehalten, um dem Ozzy-mäßig Boogie und New-Orleans-Inspiriertem (mit Bassist
Las Vegas“. Die cleanen Gretsch-Klänge stehen getragenen Gesang seinen Platz zu lassen. Schön Mr. C.P. an der Tuba!) bis zu Italo-Western- sowie
prägnant im Mix, der leicht rauchige Gesang setzt auch, dass sowohl Bass als auch Schlagzeug im Chuck-Berry/Bo-Diddley-Verwandtem reicht die
die lockere Stimmung perfekt um. Eine abso- Mix gebührend zur Geltung kommen, haben sie Stilpalette, wobei stets knackige Riffs und ein-
lut runde Rockabilly-Partyscheibe für die nächste doch einen nicht unwesentlichen Anteil an der nehmende Melodieläufe auf den sechs Saiten die
Tanz-Fete ganz ohne Ausfälle. wuchtigen ’70s-Wirkung der Songs. dominierende Rolle spielen.

ap ap pro
REZENSIONEN

Alternative-Prog Deluxe-Melo-Death Melodic-Death-Metal

The Aqualung Soilwork Omnium Gatherum


Fragments [EP] Verkligheten The Burning Cold
(Eigenvertrieb) (Nuclear Blast) (Century Media)

Mit einer mittleren Überraschung warten The Das hier ist der Status des skandinavischen Modern Melodic-Death-Metal in seiner Reinform. Nicht ganz
Aqualung aus Osnabrück auf: Hier zeigt der Metal 2019 – weniger zu loben, wäre vermessen. so verspielt wie manch anderer Genre-Kollege,
Nachwuchs nachdrücklich, dass er musikalisch mit Soilwork kombinieren flottes Geknüppel („Arrival“) deswegen aber nicht schlecht. Die Melodien sind
den ganz Großen mithalten kann. Das Quartett bie- mit hardrockigem Groove („Bleeeder Despoiler“) einfach zu verfolgen und lassen dem Zuhörer Zeit,
tet ein rundum überzeugendes Gitarren-Alternative- und unfassbar catchy Melodien („Stålfågel“). In in Songs und Stimmung einzutauchen. Allerdings
Paket, zeigt dabei praktisch keine Schwächen, Flames und alle anderen dürften gerade verzwei- bedient man sich hier durchaus bekannter Muster.
sondern punktet im Gegenteil durch Fantasie, felt in den Headstock beißen, so raffiniert sind die Dass man es mit gestandenen Musikern zu tun
überzeugende Gitarrenarbeit und Bodenhaftung Songs. Chefgitarrist David Anderson packt immer hat, hört man sofort. Je nach Song hätte man
trotz deutlichen Prog-Einschlags. Sehr angenehm wieder ein Slide aus, was oft Elektronik ersetzt, etwas an den überpräsenten Synth-Sounds sparen
hebt sich die ausdrucksvolle, aber nie nervige und der neue Schlagzeuger Sebastian Thusgaard können. Davon abgesehen, ist die Platte für das
Stimme von so mancher Konkurrenzproduktion bringt hörbar frischen Wind ins Genre des Melo- Genre auffällig abwechslungsreich ausgefallen. Am
ab. Respekt! Death, denn das sind Soilwork trotz Modernität Mikrofon meint man Johan Hegg von Amon Amarth
immer noch. Kein Song wie der andere, stets zu vernehmen: sehr ähnlicher Stil, bei Omnium
andere Sounds – anhören und Interview auf Seite aber ebenso passend. Für Fans sicher eine tolle
50 lesen! Platte. Für Neuhörer ein solides Album, aber auch
nicht die Neuerfindung des Rades.

je nie pz

Schlager-Disco-Rock Classic-Rock Southern-Rock

Christian Steiffen Nazareth The Steel Woods


Gott of Schlager Tattoed on My Brain Old News
(It Sounds/Rough Trade) (Frontiers) (Thirty Tigers)

„Jetzt bin ich hier, und hier ist Party – auch wenn Die schottischen Nazareth zählen zu den Die neue Scheibe der Tennesseeans ist die wahr-
hier keine ist.“ Meint der Typ das ernst? Diese Hardrockbands der ersten Stunde, auch wenn sie scheinlich beste Scheibe, die Lynyrd Skynyrd uns
Frage ist am Ende völlig egal. Eines ist sicher: Trotz in Sachen Bekanntheit immer etwas hinter Kollegen bis heute schuldig blieben. Im Ernst: Was die
aller Blödeltexte setzt Herr Steiffen seit Jahren wie Deep Purple oder Led Zeppelin zurückblieben. beiden Bandchefs Wes Bayliss und Jason „Rowdy“
auf extrem gutes, handwerkliches Songwriting, Seit Originalsänger Dan McCafferty 2013 aus Cope an Songmaterial, Vibes und teuflisch guten
eine Topband und eine satte ’70er- und ’80er- gesundheitlichen Gründen das Mikro an den Nagel Licks raushauen, ist Topliga-Material. „All of These
Hommage-Breitwandproduktion. Die Gitarren sind hängte, macht die Band mit Carl Sentance weiter, Years“ ist ein grandioser Opener, „Old News“ ist
hier mal funky, mal Country und auch mal „spa- der auch auf dem aktuellen Album ordentlich und eine nachdenkliche Ballade, die neben ihrer runden
cky“, aber „das Leben ist wie der Wind“ – um in bester Nazareth-Tradition abliefert. Die Songs und atmosphärischen Komposition auch noch ein
Herrn Steiffen zu zitieren. Wer auf die ’70er- und gehen von groovig schleppend („Never Dance with intelligenter Abgesang auf Trumps Amerika ist.
’80er-Phase von Carpendale, Maffay und Udo the Devil“) bis treibend flott („State of Emergeny“), Und dann schaffen es die Vögel auch noch, Pettys
Jürgens mit schmutzig-ironischen Texten steht, machen Laune und sind erste Sahne produziert. „Southern Accents“ und Sabbaths „Changes“ so
der bekommt hier die Vollbedienung. Für Leute, die Starkes Spätwerk! gut zu covern, dass man buchstäblich Pipi inne
zum Lachen in den Keller gehen, ist diese Platte Augen hat. Wer auf Blackberry Smoke, Lynyrd
nix, alle anderen werden einen Heidenspaß haben! Skynyrd und Co. steht, kommt an dieser Platte
nicht vorbei.

mth ap mth

30 2 /19
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REZENSIONEN

Grunge-Väter Rotzrockduo Nicht nur für Hippies

Green River The Pearl Harts Don Stevenson


Dry as a Bone (1987) / Rehab Doll (1987) Glitter and Spit Buskin’ in the Subway
(Sub Pop) (Motor Entertainment/Edel) (Sireena/Broken Silence)

Für das Radio- und MTV-Publikum begann Grunge Rockbands im Duoformat sind eher die Ausnahme Don Stevenson trommelte einst in der einfluss-
Anfang der ’90er, in Wirklichkeit jedoch schon – die basslose Kombination aus Gitarre und reichen Bay-Area-Kultband Moby Grape, wechselte
Mitte der ’80er. Und zwar mit der Grunge-Keimzelle Schlagzeug kann auch schiefgehen. Dass den nun für seine Soloplatte Buskin’ in the Subway aber
Green River, bei denen unter anderen Jeff Ament Pearl Harts der Spagat zwischen Minimalbesetzung an die Gitarre und weiß auch da zu beeindrucken.
und Stone Gossard (beide später Temple of the und fettem Sound gelingt, ist ihrer hör- und spür- Die früheren Grape-Kollegen Peter Lewis und
Dog, dann Pearl Jam), Mike Arm und Steve Turner baren Energie zu verdanken, die sie auf ihrem Jerry Miller gaben Gastspiele, als Stevenson im
(beide später Mudhoney) sowie Bruce Fairweather Debütalbum eindrucksvoll unter Beweis stellen. Studio nicht nur Westcoast-mäßig drauflos rockte,
(später Mother Love Bone) spielten. Green River Und der Stimme von Sängerin/Gitarristin Kirsty, die sondern immer wieder mal auch Blues und Folk
hatten bereits alles, was Grunge auszeichnet: Sie an PJ Harvey und Brody Dalle erinnert. Musikalisch (sowie noch dezenter Country und Funk) in seine
waren talentiert, roh und dreckig, hatten einen orientieren sich die beiden Ladys am riffbetonten ausgereiften Songs einfließen ließ und alles jeweils
starken Punk- und einen leichten Metal-Einschlag Classic-Rock der ’70er – eher roh als filigran, was traumhaft homogen verschmolz. Handgemacht,
und brachten den Rock dorthin zurück, wohin er ihnen ausnehmend gut zu Gesicht steht. erdig, ehrlich, zeitlos – nicht nur Alt- und Neo-
gehört: in versiffte Proberäume und Auftrittskeller. Hippies zu empfehlen.
Die beiden Alben gibt’s nun inklusive Bonustracks
als Wiederauflagen. Genial!

je je pro

Simpel und roh Crossover Pub-/Pop-Melodien

Deaf Wish Callejon Billy Bremner


Lithium Zion Hartgeld im Club Singled Out
(Sub Pop) (Century Media/Sony) (Cherry Red)

Hypnotisch und monoton dröhnen die Powerchord- „Judgement Night“, Kreuzüber und Co. – die Billy Bremner? Genau, der singende Gitarrist, der
Salven der australischen Noise-Rocker aus den Älteren werden sich noch an die Neunziger Jahre bei Rockpile mitmischte, da aber meist im Schatten
Boxen. Dabei ist der Sound alles andere als erinnern, als sich Sprechgesang und harte Riffs von Dave Edmunds und Bassist Nick Lowe stand,
glattpoliert, sondern dreckig und roh. Gemessen zum ersten Mal miteinander vereinen. Hip-Hop mit denen er auch sonst oft zusammenarbeitete.
an der Spielzeit von Lithium Zion, wirken die und Rap haben sich längst als fester populärmu- Er gehörte einige Zeit den Pretenders an, lebt seit
Songs unterm Strich sehr ähnlich und repetitiv. sikalischer Bestandteil etabliert, speziell das Genre langem in Schweden und ist gelegentlich noch
Sowohl Tempi als auch Grooves und Arrangements Deutschrap erlebt derzeit einen wahren Boom. live unterwegs. Singled Out vereint frühe Singles,
der einzelnen Tracks gehen allesamt stark in Und weil Callejon noch nie durch musikalische die er auch teils als Billy Murray herausbrachte,
die gleiche Richtung. Einzige Abwechslung bie- Berührungsängste aufgefallen sind, kann das erste und Demos mit handfestem Pub-Rock. Zugleich
tet sich zunächst an den ständig wechselnden zeitgemäße Deutschrap-meets-Metal-Album nur beweisen sie aber auch sein Händchen für catchy
Lead-Sängern. Mal ertönt eine Männer-, mal eine von dem Düsseldorfer Fünfer kommen. Covers von Popmelodien.
Frauenstimme. Gerade die drei Schlussnummern „Palmen aus Plastik“ oder „Arbeit nervt“ sind per-
„Birthday“, „Afraid for You“ und „Through Smoke fektes Futter für die kommende Open-Air-Saison,
to Just Smoke“ brechen aber aus diesem Trott aus der Überflieger ist jedoch „Porn from Spain 3“
und trauen sich, anders zu sein. Gerade hier zeigen featuring K.I.Z. und Ice-T. Grober Spaß, der keinem
sich die Stärken von Deaf Wish. wehtut.

lml tk pro

32 2 /19 Jürgen Ehneß (je), Nico Ernst (nie), Tom Küppers (tk), Lukas Lautenbacher (lml), Natalie Meyer (nm),
Alexander Pozniak (ap), Philipp Roser (pro), Marcel Thenée (mth), Philip Zeppenfeld (pz)
REZENSIONEN

Reggae/Pop/Indie Bluesrock

AMO
das neue Album
ab 11. Januar 2019
Tash Sultana Sari Schorr
Flow State Never Say Never
(Mom and Pop Music) (Manhaton Records/H’Art)

Lang erwartet, erscheint endlich das erste Tash- Die New Yorkerin Sari Schorr setzt auch auf
Sultana-Album. Der Stil ist der gleiche, nur plät- ihrem zweiten Soloalbum auf Bluesrock der
schert das alles etwas dahin. Ohne Frage, die eher britischen Prägung, was allein schon durch
Songs sind Tash Sultanas Stil ohne Probleme die gelungene Übernahme von Bad Companys
zuzuordnen, dennoch scheint der Biss etwas zu- „Ready for Love“ deutlich wird. Mit Never Say
gunsten der Radiotauglichkeit gewichen zu sein. Never betont die so beseelt wie kraftvoll röhrende
13 Songs sind inklusive Intro und Outro zu hören. Ausnahmevokalistin (auf der Bühne ist sie eine
Die Produktion fängt den dezent kantigen Live- Naturgewalt!) die rockigere Seite ein wenig stärker.
Jam- und Low-Fi-Charakter ein, das braucht das Ihr neuer Gitarrist Ash Wilson hat bluesige, rockige,
Album auch. Flow State ist geradlinig, abwechs- aber auch einschmeichelnde Saitenläufe gleicher-
lungsreich, kokettiert hier und da mit Fingerstyle- maßen in petto, Neu-Keyboarder Bob Fridzema
Techniken à la Calum Graham („Blackbird“) und kennt man von King King. Schorr kann man live wie
ist in sich sinnvoll. Etwas Innovation im Vergleich auf Platte nur wärmstens empfehlen.
zum vergangenen Repertoire wäre trotzdem schön
gewesen. Für mehr als drei „g“ reicht es leider
nicht.

pz pro

Old-School-Fusion Brachial-Metal

Carol Knauber & Local Heroes The Bottle Rockets


at Gadgets Bit Logic
Simple but Easy (Bloodshot)
(Swinging Banana Records)

Als Mittelstands-Roots-Rocker preist ihr Label


Wie erkennt man einen echten Workaholic? Er ver- Blue Rose die seit drei Dekaden aktiven Bottle
öffentlicht zwei Alben auf einen Schlag. Der Bonner Rockets an. Das ist keineswegs abschätzig
Gitarrist Carol Knauber widmet sich mit Simple zu werten, die Storyteller beweisen bei ihren
but Easy dem gitarrengeprägten Oldschool-Fusion Alltagsbeobachtungen Witz, Nachdenklichkeit und
der ’80er-Jahre und legt mit Rhythm & Breath eine scharfe Wahrnehmungsgabe. Meist musi-
gleich mit dicken Bläserarrangements und einer ziert das US-Quartett entspannt vor sich hin; es
ordentlichen Prise Funk nach. Dabei legt der GIT- kann eine gewisse Country-, aber auch Southern-
Absolvent eine stilsichere und elegante Spielweise
an den Tag, die vor Selbstbewusstsein und gutem
Jamband-Affinität nicht leugnen, hat mehr mit
Outlaws wie Waylon Jennings oder Kollegen wie
Je tz t
Ton nur so strotzt. Aufdringlich wird die Musik
nie, sondern bewegt sich gekonnt im gehobenen
John Hiatt als mit Nashville-Pop im Sinn. Dazu set-
zen John Horton und Brian Henneman gitarristisch vo r be st el le n
Easy-Listening-Bereich, jedoch auch immer mit auch die eine oder andere (Twang-)Duftmarke.
dem nötigen Maß an Stilsicherheit und Komplexität. (Auc h al s ex klus iv e
Auch Parallelen zu Genregrößen wie Jeff Beck und
Mike Stern sind zu ziehen. Box- Se t Ed it io ne n
er hä lt lic h)
lml pro

33
INTERVIEW Scott Holiday/Rival Sons

Maximal zehn Gitarren


Wer auf Retrorock moderner Machart steht, liegt bei den Rival Sons aus Long Beach
goldrichtig. Das Quartett, das mit Feral Roots am 25. Januar sein sechstes Studioalbum
seit der Bandgründung 2009 vorstellt, ist nicht längst kein Geheimtipp mehr. Das
beweisen nach Tourneen im Vorprogramm von Deep Purple und Black Sabbath
inzwischen gut gefüllte Hallen als Headliner. Wir sprachen mit Gitarrist Scott Holiday
über die Entstehung des Albums und die zugehörigen Sounds.
C Warner Music

34 2 /19
Scott Holiday/Rival Sons INTERVIEW

A
us dem erneut von Dave Cobb im RCA Form einfacher Notizen auf unseren Smart- dabei zu den Songs, aber es kommt auch vor,
Studio A in Nashville produzierten phones – also vergleichsweise einfach. Schließ- dass er den Gesang in einem separaten Auf-
neuen Album der Rival Sons Feral lich gab es noch drei Studio-Sessions, die je- nahmedurchgang nochmals einsingt. In der
Roots stechen neben den Vorabveröff- weils etwa eine Woche dauerten. Regel brauchen wir zwei bis drei Takes.
lichungen „Do Your Worst“ und „Back „Too Bad“ ist beispielsweise schon im ers-
in the Woods“ das soulige „Stood by Wie nimmt ein neuer Titel bei den Rival Sons ten Take auf der Aufnahme gelandet, inklusi-
Me“, der von den Toms getriebene typischerweise seinen Anfang? ve Gitarrensolo. Mein Solo war nicht wirklich
Groove von „End of Forever“ sowie Meist ist es entweder eine erste Idee von Jay geplant, enthielt aber bereits eine schöne Un-
die herrlich melodische Abschlusskomposition oder mir – das ist der Startpunkt für den Song. terteilung und ansprechende Progressionen.
„Shooting Stars“ aus den neuen Songs heraus. In meinem Fall kann es sich um ein einzelnes Ich schlug vor, es nachträglich noch einmal
Dazu darf man sich bereits auf eine Headliner- Riff oder auch eine Kombination von Riff, einzuspielen. Aber Dave Cobb sagte, dass ich
Tour im Frühjahr freuen. Strophe und Refrain handeln. Und von dort das auf keinen Fall tun sollte, weil einfach
geht es weiter: Im ständigen Austausch ergän- die Stimmung genau richtig war. In solchen
Scott, ihr seid dafür bekannt, eure Kompo- zen wir ein Intro und die anderen fehlenden Fällen ist es tatsächlich Gold wert, einen Pro-
sitionen direkt im Studio zu erarbeiten und Teile. Wir sind beide recht erfahren bei der duzenten zu haben. Wir selbst sind unsere al-
jährlich ein Album aufzunehmen. Nun gab es Songkomposition, also können wir auf dieser lergrößten Kritiker und haben immer etwas zu
zwei Jahre Pause … Basis weiterarbeiten. nörgeln.
Scott Holiday: Diesmal war es tatsächlich ganz
anders, denn wir haben sechs bis acht Monate Und wie wächst ein solcher Song dabei heran, In welche Richtung wolltet ihr denn das Al-
an den Kompositionen gesessen. Bei uns war wie er es beispielsweise im Proberaum tun bum führen?
viel los: Wir haben den Labelwechsel zu At- würde? Nun, stilistisch kann ich das tatsächlich gar
lantic Records hinter uns und waren knapp Nun, das passiert in einem gewissen Bereich nicht festmachen, denn es ist immer noch ein
13 Monate mit Black Sabbath und selbst als durch den Austausch zwischen Jay und mir. Album der Rival Sons. Andererseits haben wir
Headliner unterwegs. Einerseits achten wir sehr darauf, dass eine mit jedem neuen Album bestimmte neue Wege
Wir haben die verbleibende Zeit zwischen Songidee, die wir letztlich aufnehmen, gut beschritten. Grundsätzlich gibt es immer jede
den Touren genutzt und besonders eng zu- genug für ein Album ist. Andererseits ist es Menge Rock’n’Roll, aber in diesem Fall auch
sammengearbeitet. Das Fundament für Feral aber die Live-Erfahrung, die einen Song bei eine gewisse progressive Note. Ich meine zu-
Roots haben wir in einer gemeinsamen Woche uns weiter wachsen lässt. Auf der Bühne sind dem, dass wir kompositorisch und bezüglich
in einem alten Haus an einem See in Tennes- die Songs wilder und inspirierter. Wir reisen des Klangs mehr auf den Punkt gekommen
see gelegt. Dort haben wir über das Album- mit diesen Liedern um die Welt. Indem wir sie sind und gleichzeitig auch mehr gewagt haben.
konzept gesprochen und mit unseren Instru- dem Publikum präsentieren, erhalten sie ein Der Opener „Do You Worst“ ist direkt ein
menten die ersten Ideen ausgearbeitet. Leben, denn zwischen Band und Publikum typischer Rival-Sons-Titel. Ganz bewusst,
In der Folge haben Jay [Buchanan, voc] gibt es ja eine Interaktion. Wir erfahren un- denn hier wollen wir den Hörer abholen. Dem
und ich an diesen und weitere Ideen zu Hause sererseits, was den Fans gefällt, was wiederum Fan soll klar werden: Das ist die Band, die
gefeilt. Ich selbst wohne in Kalifornien, Jay zu Handlungen bei uns führt. zwei Jahre lang kein Album gemacht hat, die
hingegen in Tennessee. Wir standen in stän- auf ein Majorlabel gewechselt ist und die mit
digem Austausch über das Internet oder in Habt ihr denn mehr Material als die neuen elf Black Sabbath auf Tour war. Er soll den Ge-
Songs aufgenommen? danken begraben, dass wir uns verkauft und
Oh ja, wir arbeiten immer an mehr Titeln. Al- eine seichte Scheibe abgeliefert haben. Wir
lerdings schließen wir nur jene Songs kom- wollen unsere Hörer direkt ins Boot holen, ehe
plett ab, von denen wir meinen, dass sie auf sie im weiteren Verlauf auch ein paar neue
dem Album landen werden. Das ist ein län- Seiten von uns kennenlernen.
gerer, mehrstufiger Prozess. Letztlich gibt es
eine Anzahl von Songs, aus denen wir wählen „Stood by Me“ sticht für mich unter den
müssen. Darunter gibt es die 100-Prozent- Songs hervor!
Kandidaten. Dann gibt es Titel, die noch etwas Danke! Den Titel haben wir im legendären
poliert werden müssen, und solche, die gut Muscle Shoals Studio in Alabama aufgenom-
sind, aber die noch einiger Arbeit bedürfen. men [Rolling Stones, Lynyrd Skynyrd, Bob
Und schließlich gibt es Songs, die wir in der Dylan]. Dort haben wir zwei Tage verbracht.
Hinterhand behalten, falls wir gegebenenfalls Der Titel war bereits in nahezu einem Tag im
auf sie zurückkommen möchten. Kasten. Für mich fühlt sich der Song so an, als
Ist die finale Auswahl dann getroffen, wird wäre er durch das Studio inspiriert.
sie in der Folge komplettiert. Ein möglicher
Grund für diese spezifische Auswahl kann Bemerkenswert sind auch Background-Ge-
beispielsweise sein, dass ebendiese Songs gut sänge gegen Ende des Albums.
zueinander passen. Neben Jay gab es bei den Aufnahmen zwei
Background-Sängerinnen, deren Stimmen wir
Kommt es auch vor, dass eine Idee der Band mehrmals übereinandergelagert haben. Und
nicht gefällt und auf diese Weise aus der Aus-
wahl fliegt? FERAL ROOTS
Das gab es definitiv bei unseren früheren Al-
ben, ist bei Feral Roots jedoch nicht passiert.
Ich führe das auf die intensive, fokussierte Zu-
sammenarbeit zwischen Jay und mir zurück. Echter Rock’n’Roll
mit allen wichtigen
Wie habt ihr die Songs aufgenommen? Zutaten: dreckige
Wir haben die Titel gemeinsam im Studio Gitarren, klassischer
eingespielt – in einem Raum. Das Gesang, treibende
ist unsere Basis. Auch Jay singt Grooves.

35
INTERVIEW Scott Holiday/Rival Sons

für „Shooting Stars“ gab es sogar ein- Welche Bands gefallen dir?
en Gospelchor. Auch Dave [Beste, b] Wir haben ja das Glück, auf eine große An-
hört man auf einigen Titeln, während zahl an Künstlern zurückblicken zu können.
ich nur im Gang-Chor von „Do Your Mir gefiel viel: Sly & the Family Stone, Cream,
Worst“ vertreten bin. Led Zeppelin, Jimi Hendrix, The Doors, Pink
Floyd – und ich kann dir noch hundert weitere
Wann wusstest du, dass Retrosound dein Namen nennen.
Ding ist?
In meiner Jugend war das der Sound des … durchweg Künstler aus den Sechzigern und
Rock’n’Roll. Wenn du als Zehnjähriger Siebzigern.
Led Zeppelin, Guns N’ Roses, AC/DC oder Ja, aber nicht ausschließlich. Ich lasse mich
auch Radiohead hörst, denn mischst du das auch von Bands der Neunziger oder neueren
zusammen. Ganz schlicht könnte man sa- Musikern beeinflussen. Jack White beispiels-
gen: Ich mag Rock’n’Roll und Gitarren. weise ist großartig. Das ist eben nicht nur
Aber mir gefallen auch andere Stile wie Retro, sondern ein eigenes Ding.
Soul, Blues, R’n’B und Metal. Mit dem
Älterwerden und bestimmten Projekten Allzu viele Gitarrensoli hört man nicht auf
als wachsender Musiker beginnst du dann, Feral Roots.
dich mehr über Klangfarben auszudrücken Stimmt, ich bin kein Fan von Griffbrettakro-
und nach einem Sound zu suchen, der batik, obwohl ich großen Respekt vor den Vir-
dir für eine Band gefällt. tuosen unserer Zunft habe. Ich betrachte die
Bei den Rival Sons gab es die Gitarre eher als Farbpinsel und Textur. Es geht
Idee, den Rock’n’Roll wieder ein mir eher um Stimmung als um Skalen und
Stück zurückzubringen – genauer Geschwindigkeit.
gesagt den „Roll“. Im Radio liefen zu
dieser Zeit vor allem Alternative und Machst du dir bei der Komposition Gedanken
Heavy Metal und natürlich Hip-Hop über die Klangfarbe eines Titels? Immerhin
und Pop. Die Leute nannten Cold- gibt es neben den Gitarren- auch Keyboard-
play, Metallica oder die Foo Fighters Sounds!
Rock’n’Roll. Alles wirklich großar- Diese Sounds kommen von Todd [Ögren]. Er
tige Bands, aber das verstehe ich ist zwar kein offizielles Bandmitglied, aber
nicht unter Rock’n’Roll. Entspre- unser hochgeschätzter Live-Keyboarder. Und
chend fungierten die Klassiker da hat er natürlich auch auf dem neuen Al-
für mich als Referenz. bum gespielt.
Was deine Frage betrifft: Ich habe oftmals
eine klangliche Vision eines Titels im Kopf,
noch bevor dieser fertig komponiert ist. Auf
diese Weise ist beispielsweise das Riff zu „Do
Your Worst“ entstanden. Das Riff und dieser
Oktave-Sound entstanden also gewisserma-
ßen in einer Symbiose. Entsprechend suche
ich mir den passenden Sound, bevor ich eine
solche Idee dann aufnehme.
Bei anderen Titeln experimentiere ich eine
ganze Weile mit den Klangfarben. Im Aus-
tausch mit Jay gibt es zudem auch oft eine
intellektuelle Diskussion zur Komposition. So
„ALLES WIRKLICH legen wir beispielsweise fest, ob die Gitarre
eine Gegenmelodie zum Gesang spielen, ob es

GROßARTIGE einen Keyboard-Sound geben oder wie der


Background-Gesang verlaufen soll. All diese

BANDS, ABER
Dinge passieren während der Ausarbeitung
der Songs, aber eine feste Regel gibt es nicht.

DAS VERSTEHE Magst du uns zum Abschluss noch ein wenig


zu deinem Equipment sagen?

ICH NICHT UNTER Klar. Live setze ich zwei Orange-Cus-


tom-50-Verstärker ein, zwischen denen
ich wechsle. Einer ist clean eingestellt,
ROCK’N’ROLL“ der andere verzerrt. Oft spiele ich direkt in
die Verstärker, in anderen Fällen unterstützen
mich meine Pedale. Was Verzerrer betrifft,
habe ich den Hellbender und das Modell Bog
von Deep Trip auf meinem Pedalboard [www.
deeptripland.com]. Meine weitere Pedalaus-
wahl wechselt hingegen häufig. So habe
ich gerade mein Board, das ich noch für die
Studioaufnahmen eingesetzt habe, ausein-
andergenommen. Bob Bradshaw stellt mir

36 2 /19
Scott Holiday/Rival Sons INTERVIEW

gerade ein neues Set-up zusammen und setzt


dabei auf eine Lösung mit etlichen Loops. Ich
wollte einmal wieder neue Klänge, denn das
inspiriert mich. Grundsätzlich möchte ich un-
sere Sounds in möglichst guter Qualität rüber-
bringen, eben wie ein gut gemaltes Bild. Und
bei dieser Farbauswahl helfen mir die Pedale.

Dann nenn’ uns noch ein paar weitere Pedale …


Ich habe eine Reihe von Oktave- und Octave-
Fuzz-Pedalen, die ich einsetze, beispielsweise
den EHX Micro POG. Auf Feral Roots hört
man auch regelmäßig den Bass Micro Synthe-
sizer von EHX. Ebenfalls regelmäßig setze ich
kurze Slapback-Echos sowie einen Hall aus
dem Strymon Flint ein. Auch einige schöne
Pedale von Earthquaker Devices kamen zum
Einsatz. Aber mit dem neuen Rack ändert sich
das ja nun … Es wird natürlich immer noch
nach Rival Sons klingen, aber die Farbpalette
dennoch ein wenig ändern.

Wie sieht es bei den Gitarren aus? Füllen mittlerweile die Hallen (v. l.): Dave Beste (b), Jay Buchanan (voc), Scott Holiday (g),
Ich habe auf dem neuen Album neue Gitarren- Mike Miley (d)
modelle eingesetzt, die aus der Hand von Doug
Kauer stammen [www.kauerguitars.com]. Da eine Penguin aus dem Gretsch-Custom-Shop, Besitz von Dave Cobb eingesetzt. Auch auf
gibt es einerseits das Modell Banshee, dass einige Modelle des französischen Herstellers Tour habe ich eine ganze Menge Gitarren da-
sich an der Gibson Firebird orientiert, und Meloduende [www.meloduende.fr] sowie ein bei. Zuletzt waren es neun Stück, und im Stu-
das Superchief Semi-Hollow-Modell, verglei- Prototyp einer Hollow-Version der Yamaha dio kamen nun noch fünf Stück dazu. Da wird
chbar mit einer ES-335, aber mit versetzten Revstar, die es noch nicht zu kaufen gibt. man sehen, was möglich ist. Sagen wir mal:
Cutaways. Die rote Superchief hörst du auf Weiterhin habe ich eine Supro Martinique Mehr als zehn Gitarren sollten es nicht sein!
fast jedem Song der Platte. Hinzu kommen Deluxe sowie einige Vintage-Modelle aus dem Ulf Kaiser

37
INTERVIEW

Komponist, nicht Gitarrist


Seit mittlerweile 30 Jahren ist der US-amerikanische Gitarrist Greg Howe in den
iStudios und auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Und das nicht nur für seine
Soloscheiben,isondern eben auch für so Größen wie Michael Jackson oder Justin
Timberlake. Auf seinemineuen Album Wheelhouse steht allerdings voll seine meisterlich
gespielte Kiesel-Strat im Mittelpunkt. Wir sprachen mit dem symphatischen Profi über
Gitarrentheorie,i-praxis und natürlich das richtige Feeling.

N
amen für Instrumentalsongs zu
finden, ist nicht so ganz leicht.
Haben die Titel deiner Songs für
dich eine tiefere Bedeutung?
Greg Howe: Die Namen kommen
nach der Entstehung der Songs.
Rhythmen und Akkorde lösen bei
mir Assoziationen für Stimmun-
gen aus, so dass sich jeder Song selbst
definiert. Die Titel sind also nicht zufäl-
lig gewählt, kommen aber erst hinterher.
Der Titel Wheelhouse [umgangssprach-
lich: „Fachgebiet“] bezieht sich darauf,
dass ich mich bei diesem Album in meine
Komfortzone, auf mein „Fachgebiet“ der
Instrumentalsongs, zurückgezogen habe,
nachdem ich sehr hart an der Zusammen-
stellung eines neuen Vokalprojekts gear-
beitet habe.
Maragold war eigentlich ein gelun-
genes Projekt mit einer sehr guten und
gutausehenden Sängerin, eine Band mit
viel Potential. Leider gab es interne Span-
nungen, die wir nicht lösen konnten. Ich
habe aber die feste Absicht, in Zukunft
wieder mit Gesang zu arbeiten. Bis es so
weit ist, schreibe ich Instrumentals, was
mir aufgrund meiner langjährigen Erfah-
rung nicht allzu schwer fällt.

Bei all der Virtuosität lassen sich die


einzelnen Parts deiner Songs recht gut
voneinander trennen, fast wie bei Vo-
kalsongs in Intro, Strophe, Refrain. Wie
schaffst du es, dass deine Songs nicht wie
ein einziges langes Solo klingen?
Ich begrüße es, wenn Hörer meine Musik
C Fred Morledge

so wahrnehmen. Es ist ein Spagat zwi-


schen dem zu setzenden musikalischen
Statement und der Erfüllung der Erwar-
tungshaltung der Gitarrenfans. Um ehr-

38 2 /19
Greg Howe INTERVIEW

'HLQ:HJ]XP
lich zu sein, sehe ich mich selbst in ers- und 5] in der XII. Position und gestalte
ter Linie nicht als Gitarrist, sondern als damit Licks. Mittlerweile weiß ich, wel-
Komponist. Wäre Gitarre spielen auf der
Welt verboten, würde ich dennoch Musik
ches Arpeggio über welchen Akkord ge-
spielt welche Klangfarbe hervorbringt. %HUXIVPXVLNHU
machen. Die Gitarre ist nur zufällig das
Instrument, mit dem ich mich ausdrücke.
Auch wenn ich das CAGED-System
nicht wirklich studiert habe, so fällt Å3URIHVVLRQDO
Beim Schreiben steht für mich der
Song im Mittelpunkt und dient nicht nur
meine Betrachtungsweise des Griffbretts
doch in dieselbe Kategorie.
*XLWDU3URJUDP´
als Entschuldigung zum Shredden. Oft
höre ich Musik in meinem Kopf, die nur Wie wichtig ist für dich Harmonielehre
nach ganz wenig oder gar keiner Gitarre beim Komponieren und beim Spielen?
verlangt. Drei der Nummern des Wheel- Mir hat das Wissen um Harmonielehre
house-Albums sind ursprünglich tatsäch- und Musiktheorie Wege zu mehr Kre-
lich Vokalsongs, die ich für das Album ativität eröffnet. Manchmal wünschte
dann umgeschrieben habe. ich, ich wäre glücklich genug mit dem,
was ich jetzt kann und weiß, aber ich
Wie hast du deinen Stil entwickelt? brauche dann doch den Kick des Neuen,
Gastdozent
Wie so viele habe ich mit der Pentatonik da mich das Unbekannte inspiriert und
Guthrie Govan
begonnen, die ich dann nach Gehör auf reizt. So arbeite ich kontinuierlich an
dem gesamten Griffbrett zu finden ver- Themen, einschließlich der Musiktheorie, im PGP
sucht habe. Ich war aber schon immer die ich bisher noch nicht erkundet habe.
von Spielern fasziniert, die ein gutes Ge-
spür für Notenwahl und Linienführung Wie sieht dein Übeplan heute aus, wie
hatten. Als ich mehr über Harmonielehre hat er sich im Laufe der Jahre geändert?
erfuhr und mit den Stufenakkorden expe- Nun, von den „Acht-Stunden-Übe-Ein-
rimentierte, habe ich für mich entdeckt, heiten“ musste ich mich in dem Moment
wie ich bestimmte Klangfarben per Ar- verabschieden, als ich bei meinen Eltern
peggio erzeugen und festnageln kann. auszog. Heute versuche ich mir Zeit da-
Ich nutze hauptsächlich die Vier- für zu nehmen, wann immer es geht, was
klangsarpeggios mit Grundton auf der aber gerade auf Tour nicht leicht ist. Eine
A-Saite. Möchte ich beispielsweise über meiner Eigenarten ist es, dass mich zwar
einen C-Moll-Vamp die große Sexte [A] unheimlich viele verschiedene Genres be-
als Klangfarbe herausarbeiten, nehme ich einflussen, ich aber versuche, sie nicht zu
das Am7b5-Arpeggio [A-C-Eb-G, von C kopieren.
als Grundton gedacht: große 6, kleine 3 Statt Joe Pass oder Wes Montgomery
widerzugeben, versuche ich, ihr Spiel-
gefühl mit meinem eigenen zu mischen.
Dasselbe gilt für Malmsteen oder Van Ha-
len. Cooles Zeug, aber ich möchte nicht
genau so klingen, sondern das, was mich Als 12- oder 24-monatiges
an ihrem Spiel begeistert, in mein Voka-
bular einarbeiten. Üben ist für mich ei- Teilzeitstudium
gentlich spielen. Deshalb nehme ich mir
gerne einen backing track oder anderen Präsenzunterricht
musikalischen Hintergrund und probiere
darüber neue Ideen aus. Ich versuche mir in kleinen Gruppen
immer einen Teil der kindlichen Begeiste-
Hat wenig Zeit zum Üben: rung zu behalten und Gitarrespielen nicht
Greg Howe zu einem puren Job mutieren zu lassen.
Internationale
Gastdozenten
Wie lange brauchst du denn, um eine
neue Idee in dein Spiel einzuarbeiten?
Das variiert und hängt ganz von der Idee Nächster Kursstart:
ab. Scott Henderson sagte mal, es dauert April & Oktober 2019
zwischen acht Monaten und einem Jahr,
bevor sich eine neue Idee vollkommen in
seinem Spiel etabliert hat. Das mag bei Vorbereitungsworkshop:
komplexen Licks auch bei mir zutreffen,
ich bin aber auch schon über Ideen ge- 03.02.19 -> Jetzt anmelden!
stolpert, die noch am Abend ihrer Ent-
K AN
deckung fester Bestandteil meines Voka- ER
N
N

bulars wurden.
A

Wo holst du deine Ideen her?


VOM

AM T

Einer, der mich doch dazu verleitet, ge-


UL
ST

nauer hinzuhören und zu transkribieren, AA H


TLI C
C HEN S
ist John Scofield. Es scheint, als würde er
zu jeder Zeit das Richtige spielen. Wenn
ZZZSURÀVWXGLXPGH
39
INTERVIEW Greg Howe

ich mir eigene Licks ausdenke, starte ich


immer beim Rhythmus und der äußeren
Form, der Kontur. Die singe ich dann so
lange mit Scat-Gesang vor mich hin, bis
sie mir gefällt.
Dabei geht es nicht um die exakten
Töne, noch nicht mal um die Tonart, nur
um die Form, die Höhen und Tiefen. Erst
wenn mir diese „Achterbahn“ gefällt, su-
che ich nach passenden Tönen, um die
Form mit Inhalt zu füllen. Die Ideen ent-
stehen also erst im Kopf, und dann versu-
che ich, sie aufs Griffbrett zu übersetzen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Kie-


sel, und wie sieht dein weiteres Equip-
ment aus?
Nachdem ich schon mit Fender, ESP und
Laguna gearbeitet habe, dachte ich mir:
„Eigentlich hast du genug Gitarren, du
brauchst kein Endorsement.“ Es ist ja
auch schön, die Freiheit zu haben, ein-
fach mit der Gitarre zu spielen, auf die
man am meisten Lust hat. Kiesel, damals
noch Carvin, blieben aber hartnäckig und
schickten mir eine 22-Bund-„Superstrat“
mit Humbucker und Vintage-Tremolo.
Ich verliebte mich in den Jimi-Hendrix-
Stevie-Ray-Vaughan-Sound und die
Haptik des Halses.
Wir spendierten der Gitarre dann 24
Bünde mit Evo-Gold-Bundstäbchen und
haben das Volumenpoti etwas weiter weg
von den Saiten platziert, da ich die komi-
sche Neigung habe, beim Spielen mit dem
kleinen Finger aus Versehen das Poti zu-
zudrehen. Was meine Verstärker betrifft,
so fühle ich mich mit zunehmendem Al-
ter mehr und mehr zu den Geräten alter
Schule hingezogen.
So ist der Prototyp, den ich mit DV
Mark entwickelt habe, aufgebaut wie ein
alter JTM45. Es ist ein handverdrahteter
20-Watt-Vollröhren-Amp ohne Effekt-
weg, der den puren, „spanky “ Ton liefert.
Die Verzerrung kommt aus meinem Carl-
Martin-Lick-Box-Signature-Pedal.

Welche Tipps kannst du jungen Gitar-


risten mit auf den Weg geben?
Erstens: Liebe das, was du tust. Wenn
das Erlernen und Spielen des Instruments
deine Leidenschaft ist, hast du automa-
tisch deine Chancen auf Erfolg erhöht.
Zweitens: Nutz’ jede Gelegenheit, um Hartnäckiger Hersteller: Carvin ließen nicht locker, bis Greg seine Gitarre hatte
mit anderen gemeinsam zu musizieren. In
der heutigen Zeit können wir eine gro-
ße Zahl von Wohnzimmergitarristen auf
WHEELHOUSE
Youtube bewundern. An sich ist daran mich aber trotzdem auf neue Gedanken
nichts verkehrt, aber nur mit einer echten und Ideen bringt.
Band mit echtem Drummer und Bassisten Viertens: Trau’ dich, deinen eigenen Gerlernt ist gelernt:
kann man Musizieren richtig erleben. Du Weg zu gehen. Nur weil keiner so spielt Greg Howe tobt
musst rausgehen und es tun. wie du, heißt das nicht, dass du alles sich auf seinem
Drittens: Hör’ dir so viel Musik un- falsch machst. Eventuell sind die Lösun- Spielfeld gehörig
terschiedlichster Art an wie möglich. Ich gen, die du für dein Spiel gefunden hast, aus und bietet
höre sehr viel Musik, die nichts mit dem sogar dein Alleinstellungsmerkmal. den Fans genau
zu tun hat, was und wie ich spiele, die Jörg Hartig das, was sie hören
wollen.

40 2 /19
c h .
einf a
m e h .
r
vid e os ! TESTS

in
maga z


ROCKSTARS,
GEAR, BACKLINES

KONZERTE!
Die guitar-Redaktion ist ständig auf Achse, um euch
cooles Videomaterial zu liefern. Neue Gitarren, Amps
und Pedale, die ihr auf dem Schirm haben solltet,
Interviews und Workshops mit namhaften Musikern
und Meistergitarristen, Gear-Reviews, Tests,
Hintergrundwissen und und und ... all das findet ihr WORKSHOPS
auf unserem Youtube-Kanal „guitar Magazin“.

REPORTAGEN

www.youtube.com/user/guitarredaktion
INTERVIEW Avantasia

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„Holt doch mal Bon Jovi“


Vorsicht, Spaßgefahr – wer sich mit Tobias Sammet und Sascha Paeth von
Avantasia unterhält, kommt ums Blödeln nicht herum. Dabei handelt es sich
um ernsthafte Musiker, die die Band seit über zehn Jahren fast alleine tragen.
Und für guitar auch mal das Nähkästchen aufmachen. Bagger, Bruce Dickinson,
der Wendler und Goldtops? Geht alles!

D
as neue Album Moonglow hat zwar der Plan, dieses Album besonders dynamisch gemeint. Diesmal war’s eigentlich recht ent-
den typischen Avantasia-Sound, aber zu machen. Dennoch ist das in sich geschlos- spannt – obwohl: Mit Tobi muss ich arbeiten.
dennoch haben die Songs jetzt mehr sen, und als ich es gerade gehört habe, dachte [lacht] Nein, zwischen uns beiden gibt’s ei-
Luft, und es gibt weniger Zuckerguss ich mir: Das ist wie eine Reise in eine andere gentlich gar keine Probleme, wir spielen uns
wie Chöre über allem. Und mit „Ma- Welt. Darauf bin ich sehr stolz. die Bälle zu. Genauso ist das mit Miro, wenn
niac“ ist euch ein bockstarkes Cover ich da sage: „Ich möchte hier etwas anders“,
eines ’80er-Songs gelungen. Woher Auch das Artwork ist sehr ausgefeilt und er- dann meint der nur: „Ok, mache ich anders.“
kommt dieser Mut zur Vielfalt? zählt einen Teil der Geschichte. Also, Hand
Tobi Sammet: Ich gehe da gar nicht so ana- aufs Herz: Wann macht ihr endlich mal einen Die Kombination aus Synthies, Streichern und
lytisch ran; ich mache einen Song, und dann Film aus den Storys? Gitarren wird im Sound immer ausgefeilter.
den nächsten. Außerdem bin ich jetzt vierzig, Tobi: Das ist nicht mein Anspruch. Auch wenn Mir sind vor allem die Celli bei „Ravenchild“
und irgendwann wird man gelassen genug, die das alles Konzepte sind, ist doch jeder Song ein und „Alchemy“ aufgefallen. Das klingt wie ein
Dinge einfach passieren zu lassen. Und wenn Poesiestück für sich, das auch alleine funktio- eigenes Instrument.
ich der Meinung bin, da müssen jetzt keltische nieren muss. Wenn du aber einen Film machst, Sascha: Genau, man kann’s nicht mehr rich-
Harfen rein oder auch mal ein World-Music- musst du den Spannungsbogen so stricken, tig orten. Wenn ich da die Gitarren einspiele,
Part, dann mache ich das. Ich wollte aber nie dass er für einen Film geeignet ist. Das sind dann habe ich schon viel von den unteren
irgendwas machen, damit es wegen billiger verschiedene Welten, und ich finde, das funk- Frequenzen rausgenommen, damit noch ein
Effekthascherei in der Promotion gut klingt, tioniert eigentlich nirgends richtig. Das hat da- bisschen Strich zu hören ist.
also zum Beispiel sagen: Hey, wir haben da mals funktioniert, als es noch keine Filme gab
noch einen Bagger rückwärts fahren lassen und Wagner mit viel Pathos zehn Stunden lang Du hattest ja schon zum letzten Album alles
C Nuclear Blast, Getty Images

und in die Musik eingebaut. etwas mit Musik erzählen konnte. auf Kemper umgestellt und dir dafür aus dei-
nen Rectis und Marshalls eigene Profile er-
Stellenweise klingt das fast nach Filmmusik ... Sascha, du hast beim letzten Mal erzählt, im stellt. Blieb’s denn diesmal dabei?
Tobi: Absolut! Ich bin ein großer Fan von Studio musst du Produzent, Kindergärtner Sascha: Weitgehend. Einiges ist aber tat-
Danny Elfman, und Miro [Michael „Miro“ Ro- und Psychologe sein – war’s denn diesmal sächlich Eleven [Protools-Plug-in von Avid].
denberg], der viele unserer Keyboards arran- auch so schlimm? [Siehe guitar 2/2016] Und bei den Gitarren ist's nach wie vor fast
giert, auch. Alles war erlaubt, aber es war nie Sascha Paeth: Ach, das war eher global immer eine Duesenberg, aber nicht mehr nur

42 2 /19
Avantasia INTERVIEW

die 49er, sondern die Star Player mit den F- Tobi: Das hat Mille so entschieden, denn sein es Leute, mit denen ich gerne arbeiten würde,
Löchern, auch bei den Downtunings. Die typischer Gesang ist immer sehr fauchend auf Bruce Dickinson zum Beispiel. Aber solange
klingt sehr frisch, hat fast so einen leichten der letzten Silbe, daher kommen diese Über- Iron Maiden permanent touren, haben die
Strat-Knall und ist ein bisschen offener als die lappungen. Ich hatte das auf den Demos im keinen Bock auf sowas.
49er. Für manche Sounds, beispielsweise bei Stakkato gesungen, und das hat Mille dann
„Lavender“, habe ich aber eine alte Goldtop auch ganz schön ins Schwitzen gebracht. Wir Ihr habt es mit den letzten drei Alben jeweils
mit Soapbars verwendet. hatten schon 2010 darüber geredet, mal zu- auf Platz zwei der deutschen Charts ge-
sammenzuarbeiten, bei Edguy war das ja auch schafft. Klappt’s diesmal mit der Eins?
Neben euch beiden arrangiert ja auch Micha- schon mal der Fall. Nun hat es endlich auch Tobi: Da steckst du nicht drin. Wenn jemand
el „Miro“ Rodenberg kräftig mit. Und ihr habt mit Avantasia geklappt. wie Helene Fischer in der Woche veröffent-
ihn auch live immer dabei. licht, hast du keine Chance. Ich würde mich
Tobi: Ja, am Anfang habe ich das mal gemacht Gibt es da im Studio eine Liste mit Häkchen zwar freuen, und vielleicht wäre meine Mama
und Keyboard gespielt, aber dabei kam ich mir dahinter? Den oder den Sänger hätte ich noch noch ein bisschen stolzer. Aber im Prinzip
komisch vor. Du hörst ein 60-köpfiges Orches- mal gerne? ist mir das egal. Wer weiß denn in 30 Jahren
ter, und da stehen nur drei Jungs auf der Büh- Tobi: Nein. Man hat natürlich Träume von noch, wer 2019 die Nummer eins war?
ne. Das ist ja fast wie bei Michael Wendler, Leuten, mit denen man mal arbeiten möchte, Nico Ernst
wenn der Möbelhäuser eröffnet. Obwohl, ich und wir registrieren auch, was die Fans sich
weiß gar nicht ob der das macht. in sozialen Medien wünschen. Dinge wie:
Sascha: Wahrscheinlich. Holt doch mal Jon Bon Jovi! Das basiert aber
Tobi: Was soll der sonst machen? alles auf meiner privaten Plattensammlung
und dem, was die Sänger mir bedeuten. Ich
Wo wir schon bei live sind: Warum nicht mal möchte das nicht zu einer Effekthascherei ma-
wie viele Bands zuvor mit Orchester auf Wa- chen, weil die Leute sagen: Hol’ mal Arnold
cken? Schwarzenegger oder Bugs Bunny. In erster
Tobi: Das reizt mich nicht so. Ich finde das Linie steht immer der Song im Vordergrund,
schön, ich mag auch die Instrumente, und es der Sänger muss dazu passen. Natürlich gibt
war auch immer ein erhabenes Gefühl, wenn
wir mit dem Babelsberger Filmorchester auf-
genommen haben und 60 Leute wie ein In-
strument klingen. Aber live empfinde ich das
immer mehr als Show-Zinnober und nicht als
etwas, das dazu beiträgt, dass das Soundbild
besser wird.
Sascha: Ich fand die Idee damals mit den zwei
Bühnen aber ganz gut ...

Du meinst, mit Savatage und Transsiberian


Orchestra auf Wacken 2015?
Sascha: Genau. Wir hatten das ja auch mal
angedacht, wenn du dich erinnerst?
Tobi: Ach, mit Avantasia war das angedacht?
Sascha: Nein, mit mir hat Holger das bespro-
chen [Holger Hübner, Co-Chef von Wacken].
Ich finde das total offensichtlich, wenn du
zwei so große Bühnen hast und die auch noch
verbinden kannst. Sie haben das dann aber
mit Transsiberian Orchestra gemacht, und das
ist ja auch völlig in Ordnung.

Ein Trademark sind neben der Orchestrie-


rung bei Avantasia die Gastsänger. Wie
kommt da zum Beispiel so ein Blues-
artiges Call-and-Response wie mit
Mille Petrozza von Kreator in „Book
of Shallows“ zustande, das mit Hansi
Kürsch so gut harmoniert? Überlegst du dir
das beim Schreiben?

MOONGLOW

Bombastsound mit
weniger Zucker-
guss – dynamisches
Songwriting auf der
neuen Avantasia.

43
INTERVIEW Jason Becker

„ICH DENKE IN GITARRE“


Die Geschichte von Jason Becker, so tragisch sie sein mag, ist letztlich die eines
Triumphes. Denn trotz seiner kompletten Lähmung durch ALS ist der ehemalige
Rockvirtuose nach wie vor als Musiker aktiv – und bringt jetzt sein erstes Album
seit Jahren heraus. Wir konnten ihn persönlich zu Triumphant Hearts befragen.

N
ormalerweise sind E-Mail-Interviews Triumphant Hearts ist deine erste Veröffent- ein. Das braucht Zeit, aber ich weiß, was ich
für einen Musikjournalisten ein Ärger- lichung seit 2012. Wie sah die Arbeit daran tue. Das Ziel ist klar, und ich weiß, wie ich
nis. Das Format lässt keinen Raum für aus? Konntest du dank deiner technolo- dorthin komme. Ich habe sehr gute Samples
Spontaneität, und so ist man oft nur gischen Hilfsmittel alleine komponieren und und kann damit jedes Instrument simulieren.
Übersetzer von polierten Antworten. arrangieren? Von da aus arbeite ich weiter.
Im Falle von Jason Becker liegt die Sa- Jason Becker: Ich habe daran sechs Jahre ge- Oder ich benutze eine alte Aufnahme aus
che jedoch anders. Der Kalifornier, der arbeitet – auch wenn ich einiges schon ge- den Zeiten, als ich noch spielen konnte. Aber
in den späten Achtzigern drauf und schrieben hatte, als ich jünger war. Eye-Rea- in jedem Fall versuche ich dann, verschiedene
dran war, die Gitarrenwelt im Sturm zu er- ding-Technologie funktioniert für mich nicht. Layer übereinanderzulegen und unterschied-
obern, kann nämlich nicht mehr spielen oder Zumindest nicht das letzte Mal, als ich es aus- liche Timings, Phrasierungen und Instrumente
sprechen. Schuld daran ist die degenera- probiert habe. Daher kann ich nicht wirklich auszuprobieren.
tive Nervenkrankheit ALS, die 1989 bei ihm an irgendetwas alleine arbeiten. Ich benutze
diagnostiziert wurde – mitten in den Auf- das Augensprachesystem, das mein Vater Das Album enthält eine große Bandbreite an
nahmen zum David-Lee-Roth-Album A Little erfunden hat, um meinen Leuten zu sagen, Stilistiken – von Klassik über Heavy-Rock bis
Ain’t Enough. Heute sitzt er wegen des unheil- was sie zu tun haben. Es ist zeitintensiv, aber Funk. Hast du das bewusst so konzipiert?
baren Leidens, das vor allem durch Stephen schneller als jede andere Methode. Nicht bewusst. Das war einfach das Ergebnis
C Paul Haggard, Ross Pelton

Hawking einer breiten Öffentlichkeit bekannt Das Komponieren beginnt meistens in dessen, was ich immer tue: die Musik zu ma-
wurde, gelähmt im Rollstuhl. Bewegen kann meinem Kopf, während ich im Bett liege. chen, die mir gerade in den Kopf kommt, und
er nur noch seine Augen, jegliche Kommuni- Manchmal kommen eine Melodie oder Ak- dabei all die Genres zu benutzen, die ich liebe.
kation läuft daher über eine spezielle Buchsta- korde einfach aus dem Nichts. Dann bitte ich Für mich muss ein Album nicht einen Stil ha-
bentafel. Mit ihrer Hilfe kann er jedoch nicht meistens meinen Vater, ein paar Akkorde zu ben. Für Triumphant Heart wollte ich meine
nur immer noch Musik machen, sondern auch spielen. Er oder ein anderer Pfleger geben eigene Geschichte in meinen Worten erzählen,
unsere Interviewfragen beantworten. dann die Noten in Logic auf dem Computer weil ich mich niedergeschlagen gefühlt habe.

44 2 /19
Jason Becker INTERVIEW

glücklichen Teenager-Gitarrenjahre und mei-


ne Jahre als Komponist Revue passieren lasse.
Für „We Are One“ wollte ich etwas Fun-
kiges finden, das den Prince-Vibe repräsen-
tiert. Und die beiden Rock-Stücke haben wir
damals mit der David-Lee-Roth-Band ge-
schrieben und gespielt, nur haben sie es nicht
auf A Little Ain’t Enough geschafft.

Hat sich die Art, wie du komponierst, seit dei-


ner Krankheit geändert? Stellst du dir Musik
immer noch auf dem Griffbrett vor?
Ich glaube nicht, dass sich mein Ansatz ge-
ändert hat. Ich schreibe immer noch auf die
gleiche Art und Weise, nur dauert es jetzt viel
länger. Ich habe beim Komponieren immer das
Griffbrett vor Augen. Ich denke in Gitarre.
Ich probiere auch viele andere Instrumente
für jeden Part aus und wähle aus, was ich am
meisten fühle – und dann suche ich einen
großartigen Musiker, der es spielt. Ich will im-
mer noch, dass meine Musik etwas hat, das
alle möglichen Menschen anspricht und sie
etwas fühlen lässt. Ich wollte in meiner Mu-
sik schon immer eine gewisse Schönheit und
Herzenswärme transportieren. Manchmal pas-
siert das mit einem großartigen Gitarrensolo,
manchmal einer Violine und manchmal einer
schönen Stimme, die genau die richtigen No-
ten mit dem richtigen Feeling singt.

Hast du bereits Pläne für ein neues Projekt?


Auf keinen Fall! Ich werde immer Material ha-
ben, aber jetzt will ich erstmal entspannen. Es
„Ich wollte in meiner Musik hat Jahre gedauert, dieses Album zu produzie-
ren, und es war eine riesige Menge an Arbeit,
schon immer eine gewisse Energie, Zeit, Blut, Schweiß und Tränen, die
da hineingeflossen ist. Dazu hatte ich noch
Schönheit und Herzenswärme mit einer Lungenentzündung zu kämpfen und
mit langen, quälenden Perioden des Wartens.
transportieren“ Jetzt, wo es endlich fertig ist, bin ich bereit
für eine Pause. Momentan helfe ich meinem
Freund Mike Bemesderfer, einem fantastischen
Sänger, sein Album herauszubringen.

Verfolgst du noch die aktuelle Gitarrenszene?


Als ich an dem Song gearbeitet habe, wurde oder haben an ihrer eigenen Musik gearbeitet, Nicht wirklich. Nachdem ich an meinem eige-
er aber immer hoffnungsvoller. Ich habe mich aber diejenigen die geantwortet haben, haben nen Kram gearbeitet und die restlichen Dinge
tatsächlich glücklich und triumphierend ge- mir dann ihre Soli geschickt. Dann kam für erledigt habe, die ich so tun muss, ist der Tag
fühlt, als ich ihn geschrieben hatte. mich die gigantische Aufgabe, die Parts von eigentlich herum. ALS verschlingt eine Men-
Als Prince starb, wollte ich etwas Funkiges 13 der besten Gitarristen der Welt zu editieren. ge Zeit, und wenn du ein Album komponieren
schreiben, um ihm die Ehre zu erweisen. Die Das war natürlich überhaupt kein Druck! Ich und produzieren willst, verbraucht das all die
klassischen Stücke sind drauf, weil ich einfach kenne die meisten dieser Jungs – einige besser Kreativzeit, die du zur Verfügung hast. Aller-
immer klassische Musik geliebt habe. Ich mag als andere –, aber ich liebe sie alle und bin so dings versuche ich mir immer Zeit zu nehmen,
die Mischung mit der E-Gitarre und ich lie- dankbar für ihr gefühlvolles Spiel. wenn mir Fans ein Video zum Anschauen
be Gitarrensoli. Für mich ist es sinnvoll, die schicken. Mann, es gibt ein paar fantastische
Musik zu veröffentlichen, die man im Herzen Auf dem Album finden sich allerdings auch Spieler da draußen!
hat und die einen zu einer bestimmten Zeit viele Spuren von dir selbst, die du in den Michael Wagner
anspricht. Das habe ich versucht – und nicht Achtzigern und Neunzigern aufgenommen
etwa, ein Konzeptalbum zu machen. hattest. Wie hast du die ausgewählt? TRIUMPHANT HEARTS
Ich wollte mein Lieblingssolo des Cacophony-
Du hast eine beeindruckende Liste an Gästen Albums Go Off! benutzen und einen anderen
von Guthrie Govan bis Joe Bonamassa auf Song drumherum bauen. Ich hatte auch ein Ein Album, in das
deinem Album. Wie kam die zustande? Stück, das ich einmal für Cacophony ge- Jason Becker sein
Ich habe einfach jeden Gitarristen, den ich schrieben, aber nie benutzt hatte. Daraus ist ganzes Herzblut hat
liebe, gefragt, ob er an meinem Album mit- dann „Once Upon a Melody“ geworden. Beim fließen lassen –
wirken will. Über die Spieler habe ich nicht Schreiben entwickelte es sich in ein Story- veredelt durch zahl-
viel nachgedacht, ich habe einfach meine artiges Stück, in dem ich meine jungen Jahre, reiche hochkarätige
Favoriten ausgesucht. Einige waren auf Tour das Abhängen mit meinen Freunden, meine Gastauftritte.

45
STORY Spidergawd

„WENN ICH DEN MATCHLESS


SUPERCHIEF 120 SPIELE,
REISSE ICH IHN KOMPLETT AUF“
Regelmäßigen Lesern ist diese Rockgranate aus Norwegen schon in guitar begegnet.
Für all diejenigen, die diese Band noch nicht auf dem Zettel haben, gilt: Steht man auf
energiegeladenen Seventies-Retrorock, kommt man an dieser Band nicht vorbei. Punkt.

P
er Borten ist bei Spidergawd Gitarrist, auch Lead-Position parallel und im Wechsel Bands, die bei uns allen einen prägenden
Produzent, Songwriter und sympa- mit Per Borten and Leadgitarre. Eingebettet in Eindruck hinterlassen haben. Weitere große
thischer Gear-Nerd in Personalunion. die Tradition großer Vorbilder wie MC5, frühe Vorbilder waren die US-amerikanische Indie-
C Spider Kim, Thor Egil Leirtrø, Per Borten

Mit Ausnahme-Drummer Kenneth Motörhead, Thin Lizzy, Black Sabbath, Iron Rockband Morphine, in deren Sound das Saxo-
Kapstad (unter anderem Motorpsy- Maiden und Blue Cheer, feuern hier vier Aus- fon eine zentrale Rolle spielte. Zudem liebe ich
cho), Halvard Gaardløs am Bass und nahmemucker und Musikfreaks ihren „Spider- die Musik von John Coltrane und Ornetta Cole-
Rolf Martin Snustad am Baritonsax gawd-Sound“ ab. Doch ist diese Aufzählung man. Seither träumte ich davon, einmal eine
komplettiert sich diese Rock’n’Roll- großer Vorbilder überhaupt statthaft? Band zusammenzubekommen, in der das Saxo-
Ausnahmetruppe. Ein Saxofon in einer Rock- fon eine solch tragende Rolle spielt. Der Witz
band? Ja, das geht, das geht sogar so gut, dass Tragende Rolle fürs Sax ist, dass einige Leute, wenn sie Spidergawd das
das Baritonsax komplett die Position einer „Ja, auf jeden Fall. Ich bin nun 40. Und das ist erste Mal hören, nicht glauben wollen, das da
zweiten Gitarre einnimmt – und zwar glei- die Musik, mit der wir mehr oder weniger alle ein Baritonsaxofon zu hören ist. Nähme man
chermaßen im Wechsel in der Rhythm- wie begeistert aufgewachsen sind. Das sind die das Sax aber komplett aus dem Mix heraus,

46 2 /19
Spidergawd STORY

klänge der gesamte Bandsound plötzlich sehr eine norwegische Grammy-Nominierung ein- Und längst ist Retrorock nicht das einzige
linear und zu komprimiert.“ heimste. Seither stemmen die Norweger jedes musikalische Feld, das der 40-Jährige haupt-
Jahr ein neues Album heraus und gehen beruflich beackert.
Das „Motörhead-Phänomen“ anschließend auf Tour. Ein hoher Anspruch, „Ich produziere über das Jahr verteilt in
Doch erst mit der Gründung von Spidergawd den man im Studio wie auch live an sich und meinem Studio sehr viel Popmusik. Das macht
in 2013 wurde der Traum einer Rockband mit an seinen Sound stellt. zwar nicht so viel Spaß wie meine Rockmusik,
Saxofon Wirklichkeit. Gottseidank, denn sonst „Ich fühle mich geehrt, mit solch großar- aber man kann davon leben. Am meisten be-
wäre der Welt heute der „Spidergawd-Sound“ tigen Musikern in einer Band spielen zu kön- reitet es mir jedoch Freude, wenn ich in
vorenthalten geblieben. Wie aber entsteht die- nen. Viele wissen das vielleicht nicht, aber meinem Studio Jazzbands aufnehmen kann.
ser spezielle Spidergawd-Vibe? unser Drummer Kenneth nimmt das Songwri- Jazzmusiker scheren sich einen Scheiß, ob
„Wenn wir zusammen im Studio sind, neh- ting und den Sound dieser Band sehr ernst. Ich nun irgendwelche Effekte, Drumcomputer
men wir neue Songs alle zusammen live auf. kenne viele Retrorockbands hier in Norwegen, oder Keyboard-Sequenzer eingeflogen kom-
Da gibt es keine Klicks und kein Metronom, zu die ihren Sound und ihre Band eher als eine men. Die setzen sich ins Studio, und dann zo-
dem gespielt wird. Und bevor wir überhaupt Art Comedy-Veranstaltung betrachten. Das ist cken die live ein. Das ist am Ende gut oder
ans Aufnehmen denken, bringt unser Drum- bei uns anders. Es wäre nicht fair gegenüber nicht so gut. Ich muss zu Beginn einfach nur
mer Kenneth Kapstadt erst einmal Ordnung in Kenneth, der eine sehr klare Vorstellung von richtig mikrofonieren, und dann kann man die
alle meine wirren Songideen, die ich zuvor in seiner musikalischen Vision hat, daraus eine spielen lassen. Es ist mir jedes Mal eine
meinem verrückten Hirn erdacht habe. Im An- halbherzige Comedy-Nummer zu machen. Er Freunde, Jazzmusikern bei der Arbeit im Stu-
schluss spielen wir uns warm. Kenneth ist ei- war es zum Beispiel, der das komplette, letzte dio zuhören zu können.“
ner der wenigen Ausnahmedrummer, die ich Spidergawd IV-Album produziert hat.“ Wenn es um Pers eigenen Gitarrensound
kenne, die in der Lage sind, das – wie wir es geht, dann verfolgt der Mann an den sechs
nennen – Phil-,The-Animal‘-Taylor-Timing zu Pop, Jazz und Retrosound Saiten eine klare Strategie: Amps und Booster,
spielen. Das bedeutet, dass ich mit meine Gi- Dabei läßt Borten an dieser Stelle gerne mal und das mal satt.
tarrenparts immer leicht zurückgelehnt hinter unter den Tisch fallen, dass er selbst in Sachen „Guter Gitarrensound beginnt bei mir im-
der Eins spiele. Kenneth wiederum schafft es, Gitarrensound, Produktion und Arrangement mer mit einem aufgerissenen Verstärker. Man
durchgehend vor den Gitarren zu spielen. Hört einen großen Anteil am Spidergawd-Gesamt- sollte als Gitarrist meiner Meinung nach im-
man sich die frühen Motörhead-Alben an, Sound hat. mer erst einmal schauen, dass man seinen Stil
dann hat Phil Taylor immer versucht, beim
Energielevel und seinem technischen Können
absolut am Limit zu spielen. Das führte dazu,
dass die Band auf ihren ersten Alben einen
ganz besonderen Drive hatte. Kenneth ist in
der Lage, dieses ,Motörhead-Phänomen‘ bei
allen Spidergawd-Songs zu reproduzieren.“

Thin-Lizzy-DNA im Solo
Sobald das Feeling im Studio stimmt, wird ge-
meinsam aufgenommen. Warum aber hört man
bei einem Song wie „Ritual Supernatural“ glei-
chermaßen die Thin-Lizzy-DNA heraus und hat
dennoch das Gefühl mit einem frischen, neuen
Rock-Sound versorgt zu werden?
„Wir nehmen zwar die Songs grundsätzlich
zusammen auf, doch das Beste für mich als „Neue Songs
Gitarrist beginnt eigentlich, wenn ich am Ende
nur noch meine Soli einspielen muss. Das ma- nehmen wir
che ich dann alleine im Studio. Dafür nehme
ich mir Zeit, und die beginnt, wenn alle ande- im Studio
ren schon längst das Studio verlassen haben.
Der Song ,Ritual Supernatural‘ stammt übri- gemeinsam
gens genauso wie der Song ,Avatar‘ auf dem
neuen Album aus der Feder unseres Bassisten live auf“
Halvard Gaardløs. Beim Solopart eines Songs,
und das gilt eigentlich für alle meine Soli,
stelle ich mir immer eine Gesangsstimme vor.
Bei diesem Song versuche ich mir vorzustel-
len, wie das eine Gesangsstimme bei einem
Thin-Lizzy-Sound intonieren würde.
Abgesehen davon, ist es kein Geheimnis,
dass ich ein großer Gary-Moore-Fan bin. Es ist
für mich sehr inspirierend, mir vorzustellen,
wie sich ein Gitarrentandem wie Moore und
Gorham damals solchen Doppelgitarren ge-
widmet hätte.“
Arbeitsethos wird bei den Trondheimern
groß geschrieben. Dabei verwundert es wenig,
dass das ursprüngliche Motorpsycho-Neben-
projekt von Drummer Kenneth Kapstad schon
2014 mit dem Erstling Spidergawd I direkt

47
STORY Spidergawd

Spidergawd (v. l.):


Rolf Martin Snustad (sax),
Per Borten (voc, g),
Kenneth Kapstad (d),
Hallvard Gaardløs (b)

auf seiner Gitarre beherrscht. Erst das Spiel, Grund betreibt er seit Jahren mit dem Soer- habe die noch ein klein wenig zusammen mit
und dann kommen die Effekte dran. Darauf garden Studio im Herzen seiner Heimatstadt einem Pickup von Frank Stavem getuned. Da-
lege ich sehr viel Wert. Mein Haupt-Amp ist Trondheim ein komplett auf analogen Sound mit hier keine Missverständnisse aufkommen:
seit Jahren ein 1970er Custom Hiwatt 100 mit zugeschnittenes Studio. Da überrascht seine Der ursprüngliche P-90-Pickup in der May-
einer entsprechenden SE-4123-Hiwatt-Box. etwas verdutzte Reaktion auf die Frage nach bach war klasse, aber jetzt klingt sie noch gei-
Live ist das mein Haupt-Amp, der speziell dem Einsatz von Profiling-Amps live oder im ler! Ich habe schon überlegt, ob ich das mal
durch die 4x12”- Box seine satten Mitten ent- Studio wenig. der Firma Maybach so weitergebe. Die wären
faltet. Ich mikrofoniere die Hiwatt-Box mit „Ach, du meinst diese grünen Kisten, die überrascht, was wir noch so aus ihrem Alba-
einem Shure KSM 313 – und das live wie im alle Sounds von allen Amps dieses Planeten troz-Modell herausgeholt haben.“
Studio. Das Shure geht dann in einen aufge- enthalten sollen? Ich habe diese Dinger schon Auf der nun bald anstehenden Spider-
rissenen Preamp wie den Chandler EMI Abbey ein paar Mal hier bei Gitarristen live gesehen gawd-Tour 2019 wird es noch eine weitere
Road Clone. Mit dem Pultec Tube EQ hole ich und gehört. Die klingen scheiße. Also für mich Überraschung geben – ein bis dato absolutes
dann die Treble/Presence-Abteilung zurück in funktionieren die nicht. Wie soll das denn Novum im Live-Sound der Band, das uns Per
den Mix. Mein wichtigster Booster ist seit Jah- auch bitte klappen? Du hast bei Gitarren und aber jetzt schon verrät. „Wir werden zum
ren der blaue Fulldrive 2 von Fulltone. Alle Verstärkern fast ausschließlich analoge und ersten Mal einen zweiten Gitarristen mit auf
anderen Booster kommen und gehen, dieser physikalische Komponenten, die am Ende zu Tour nehmen. Auf diese Weise können wir
bleibt. Zusätzlich zu meinem Hiwatt kamen einem guten E-Gitarrensound beitragen. Das zum ersten Mal Double-Lead-Gitarren und
noch zwei Dr.-Z-EZG-50-Amps und ein kann man für meine Ohren nicht digital nach- Double-Leads mit dem Saxofon live transpor-
Matchless Superchief 120 im Studio bei den bilden.“ tieren. Das ist etwas, bei dem wir im Vergleich
Aufnahmen zu Spidergawd V hinzu. zu den Studioalben live immer Abstriche ma-
Die Amps von Dr. Z hört man auf dem Al- Norwegen trifft auf Tschechien chen mussten.“
bum bei allen Begleit-Riffs auf dem Album. Dass Per bei seinem eigenen Sound genau Wer dieser neue Live-Gitarrist sein wird,
Und weil der Amp ein Röhren-Rectifier ist, der hinhört, merkt man auch, wenn man ihn nach will Per noch nicht verraten. Aber schon jetzt
von sich aus ein bisschen komprimiert, habe seinen „Neuzugängen“ in seinem bewährten sei allen Retrorock-Fans ans Herz gelegt, das
ich keine zusätzlich Kompressoren eingesetzt Gitarren-Areal fragt. Hauptsächlich findet Gastspiel der sympathischen Trondheimer im
– das mag ich eh nicht. Der Dr. Z schneidet man dort neben seinen Ästen aus der norwe- März dieses Jahres auf gar keinen Fall zu ver-
nicht so wie der Matchless Superchief 120. gischen Custom-Schmiede von Frank Stavem passen!
Dieser besitzt einen wahren ,Matchless-EQ‘!“ meist nur ältere Gibson-Modelle. Dennoch ha- Marcel Thenée
ben es für Spidergawd V am Ende doch noch
Analog aus Überzeugung zwei neue Gitarren auf das Album geschafft. SPIDERGAWD V
„Er liefert mir den passenden Sound bei mei- „Ich bin völlig begeistert von meiner neuen
nen Soli im Stile von Adrian Smith. Wenn ich Furch D 35 SR. Die klingt wirklich bestechend
diesen Amp spiele, reiße ich ihn komplett auf! nach den von mir bevorzugten Akustik- Mit einer DNA aus
Der Gain-Regler steht dabei höchstens auf Sounds. Furch bauen wirklich klasse Instru- Motörhead, Lizzy,
halb elf. Der Hiwatt wiederum mich wiederum mente. Maiden und Moore
mit allen Hendrix/Stoner-Sounds, da die bei- Ansonsten habe ich eine Maybach SG für schmieden die Nor-
den Tube Rectifier sonst implodieren, wenn mich entdeckt. Die Firma kommt ebenfalls aus weger einen eigenen
ich auf meinen U.F.O-Pedal trete.“ Per ist ein Tschechien, und diese Gitarre klingt jetzt un- Sound, der süchtig
Analogmann aus Überzeugung. Nicht ohne glaublich zusammen mit meinem Hiwatt. Ich macht.

48 2 /19
Spidergawd STORY

Pers Gear
Pers Board
1970 Custom Hiwatt 100 Amp
Dr. Z EZG 50 Amp (2 x) Polytune TC Electronic
Matchless Superchief 120 Amp Full-Drive 2 Fulltone
SE 4123 Hiwatt Speaker Cabinet Big D HomeBrewElectronics
Fireburst Diamond Pedals
Furch Akustikgitarre D 35 SR U.F.O Homebrewelectronics
Maybach Albatroz modified by Frank Stavem (Stavem mic) Wahzoo Voodoo Lab
Stavem (blue) – 2 Humbucker, 1 Singlecoil, Fünfwegeschalter Phase 100 MXR
Stavem (gold) („meine Les Paul“) Micro Vibe Voodoo Lab
Stavem (light blue) long scale, gleiches Set-up wie die blaue El Capistan Strymon

49
STORY Soilwork

Auf Realitätssuche mit Slide und dicken Saiten


Nach Night Flight Orchestra kommen Soilwork. David Andersson, Musikchef beider
Bands, hat offenbar ein stressiges Jahr hinter sich. Zwischen den so verschiedenen
Sounds wechselt er aber leicht. Jetzt auch mit tatkräftiger Unterstützung, bitte hinsetzen,
eines neuen Schlagzeugers.

N
achdem David Andersson den Sound Auch als so erfahrener Musiker wird David mehr Sorgen um die Zukunft und hat auch
seines Night Flight Orchestras per- aber immer noch vom jeweiligen Instrument mehr Angst als zu der Zeit, als man 25 war. Es
fektionierte (siehe guitar 7/2018), beeinflusst: „Ich war zwar noch nie ein reiner geht auch darum, wie man der Realität entflie-
stand ein neues Album der Melodic- Metalhead, aber wenn ich für Soilwork eine hen kann, ohne sich selbst dabei zu verlieren.“
Death-Band Soilwork an, mit welcher heruntergestimmte Gitarre mit dicken Saiten Für letzteres würden die meisten Gitar-
der Gitarrist seit 2013 unterwegs ist. in die Hand nehme, verändert das ganz natür- risten wohl fröhliches Drauflosschrubben vor-
Locker-flockiger Rock bis Funk, und lich mein Spiel.“ Die Ernsthaftigkeit vieler schlagen, bei David funktioniert das aber
dann gleich wieder fiese Riffs mit Soilwork-Themen macht dann aber doch den nicht: „Ich spiele schon so lange, da ist Üben
ernsten Themen? Für David ist das kein Wi- Unterschied aus: „Beim Songwriting muss ich sehr langweilig. Aber ich liebe das Songwri-
derspruch: „Für mich ist das, als ob ich einen versuchen, eine bestimmte Einstellung anzu- ting, und wenn ich wirklich inspiriert bin,
Schalter im Kopf umlege.“ nehmen. Bei Night Flight Orchestra können kann ich schon mal für einen ganzen Tag die
Er muss nicht lange nachdenken, wie er als wir uns von so ziemlich allem inspirieren las- Zeit vergessen.“ Ganz ohne Rahmen bringt
Musiker die Unterscheidung zwischen dem sen, ganz egal, ob Rock, Funk oder Disco. Bei das aber für Soilwork nichts: „Ein Ziel war
'80er-AOR von Night Flight Orchestra und Soilwork muss man schon etwas ganz Be- auch, das Album noch skandinavischer als
C Nuclear Blast, Getty Images

dem knackmodernen Metal von Soilwork stimmtes wollen.“ sonst zu machen. Die meisten von uns Schwe-
trifft: „Ich bin schon mit ganz verschiedener In diesem Fall war das vor allem die Suche den haben so eine bestimmte melancholische
Musik aufgewachsen, habe dann Musik stu- danach, was Realität bedeutet, denn dieses Grundstimmung in allem, was wir tun. Ich
diert und dort auch Klassik und Jazz gespielt. Wort hat auch die Bedeutung des Albumtitels glaube, wir haben davon noch mehr auf dieses
Und dann habe ich noch in einigen seltsamen Verkligheten im Schwedischen: „Das ist das Album gepackt.“ So gibt es auch cleane, fast
Coverbands gespielt“, erklärt der Schwede sei- Thema des Albums: Was ist Realität, was stille Passagen – die auch nicht immer kurz
nen weiteren Werdegang. nicht? Wenn man älter wird, macht man sich darauf klischeehaft von einem Blastbeat zer-

50 2 /19
Soilwork STORY

Hintern getreten. Normalerweise nimmt man


für ein Metal-Album ja zuerst die Drums auf,
und der Schlagzeuger geht dann. Sebastian
wollte aber die ganze Zeit dableiben und hat
dann noch einige rhythmisch interessante
Percussions beigesteuert. Wir haben dann so-
gar manche Schlagzeugpassagen neu aufge-
nommen, weil sich das Arrangement anders
entwickelt hatte.“ Bei allem Gitarristengewit-
zel über unsere fellgerbenden Freunde kann
man sich diese Arbeitsweise durchaus mal als
Beispiel nehmen.
Ganz klassisch ist David aber beim Werk-
zeug – Kemper und Konsorten mag er nicht.
Da kam es gerade recht, dass Thomas „Plec“
Johansson das Album produzieren sollte:
„Thomas ist ebenfalls Gitarrist und ein guter
Freund von mir. Er hat eine tolle Verstärker-
sammlung, und wir haben die Amps dauernd
gewechselt und für jede Spur versucht, einen
neuen Sound zu finden. Früher haben wir die
grundlegenden Rhythmus-Tracks aufgenom-
men und dann einen anderen Sound für den
Rest genommen. Das war etwas formelhaft.
Diesmal gibt es keine zwei Songs mit dem-
selben Sound.“
Weil David „kein großer Fan“ von Profi-
ling-Amps ist, will er die neuen Stücke live
SOILWORK (v. l.): Sylvain Coudret (g), Björn Strid (voc), mit einem Grundsound aus der Röhre und ei-
David Andersson (g), Markus Wibom (b), Bastian Thusgaard (d) ner Handvoll Pedale umsetzen – welche, war
zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht ent-
schieden. Zwischen den Fingern bleibt alles
hackt werden. Neben dem Titeltrack gibt’s mit einen Text, und ich schreibe die Musik dazu. beim Alten: Diverse ESP-Gitarren, vor allem
„Stålfågel“ (deutsch: Stahlvogel) einen zwei- Auf diesem Album gibt es alle möglichen Va- eine Vintage Plus, sind die Gitarren der Wahl.
ten schwedisch betitelten Song, bei dem Arch- rianten davon.“ Trotz der verschiedenen Sounds ist Davids
Enemy-Sängerin Alissa White-Gluz Growls Klassisch jammen ist für den musikalischen Spiel aber auch innerhalb der Monster-Distor-
beisteuert. Auch das ist erfrischend: Der weib- Chef von gleich zwei Erfolgsbands aber nicht tion und der Keller-Tunings des Modern-Me-
liche Gaststar darf nicht nur cleanen Zucker- mehr drin: „Wir haben beide viel zu tun, und tal unverkennbar. Schon im Intro des Albums
guss verteilen. Und das, obwohl die Nummer leider kommen wir nicht mehr dazu, im selben gibt es Passagen, bei denen die Gitarre schein-
recht hymnisch und ein echter Anspieltipp ist. Raum zusammen zu schreiben.“ bar keinen genau definierten Anschlag hat,
Die Ernsthaftigkeit von Soilwork stammt Frischen Wind in diese Kooperation brachte und das ist – wie fast alles bei David – kein
vor allem von Sänger und Haupttexter Björn Sebastian Thusgaard – früher Live-Drummer Digitaltrick: „Ja, ich spiele bei Soilwork schon
Strid, mit dem sich David in nun sechs Jahren und nun vollwertiges Bandmitglied. Sein Vor- immer viel mit Slide“, bestätigt der Schwede
aber mehr als zusammengerauft hat. „Meis- gänger Dirk Verbeuren war schon 2016 von den Verdacht von guitar. Und nicht nur in den
tens kommen wir mit verschiedenen Sachen Megadeth angeheuert worden. Mit erst 26 Leads ist das so: „Es gibt immer auch im Hin-
getrennt voneinander an. Ich schreibe ja auch Jahren und viel Können brachte Thusgaard tergrund echte Slide-Gitarren. Ich finde, das
Texte, und manchmal komme ich sogar mit vor allem eines mit: „Er kam mit jeder Menge ist eine schöne Möglichkeit für eine Orches-
meinem kompletten Song an. Oder Björn hat Energie im Studio an und hat uns alle in den trierung, auch wenn daran noch nicht viele
Leute gedacht haben.“ Ein bisschen stolz ist
David ganz offenbar, auch wenn er sonst über
seine Technik selten groß den Mund aufmacht.
Etwas lässt er sich dann aber doch noch
dazu entlocken: „Die meisten Menschen hal-
ten das vielleicht für Keyboards, aber im Stu-
dio habe ich nur noch einen Ringmodulator
verwendet.“ Ein Way-Huge-Modell von Jim
Dunlop wa’s in diesem Fall.
Nico Ernst

VERKLIGHETEN

Mehr schwedische
Melancholie und
Slide-Gitarren gibt’s
auf Soilworks
neuestem Album.

51
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INTERVIEW Soen

G
lückwunsch zum Einstieg bei Soen Wie sieht dein musikalischer Hintergrund aus? Heimatland zu treffen. So machen wir das von
und zu eurem neuen Album Lotus! Du Mit 14 Jahren habe ich angefangen, Gitarre nun an. Wir zeigen uns gegenseitig Riffs auch
bist ja Kanadier – wie sind Soen auf zu spielen. Mein Vater war ein guter Blues- über das Internet. Das Ganze so abwickeln zu
dich aufmerksam geworden? Gitarrist. Er und ein paar meiner Freunde ha- können, ist das Schöne an der heutigen Welt.
Cody Ford: Martin [Lopez, d] sah sich ben mich dazu gebracht anzufangen, und es
auf Instagram nach einem neuen Gi- wurde schnell zu einer Sucht. Wie lange hast du gebraucht, um die Setlist
tarristen um und stolperte über mein Kurze Zeit später bin ich zum Metal gekom- zu lernen?
Profil. Ihm gefiel was er sah, weswe- men. Schließlich nahm ich ein Musikstudium Ich hatte drei Monate, das Set für die erste
gen er sich bei mir meldete. Zuerst dachte ich, in Ottawa auf. Dort studierte ich vier Jahre an Show im August zu lernen. Allerdings sollte
das alles wäre nur ein Scherz und dass es nicht der Carleton University. Bis zu dem Zeitpunkt, ich in dieser Zeit auch Material für das neue
der echte Martin Lopez wäre. Ich war ja seit als ich Soen beitrat, habe ich mein eigenes Album schreiben, weil sie schon mit den
meiner Teenager-Zeit ein Fan von ihm. Material geschrieben und war auch schon be- Aufnahmen angefangen hatten. Es war eine
Als ich mir aber sicher war, dass es sich um reit, ein neues Metal-Projekt zu starten. Dann wahnsinnige Zeit, ich hatte quasi rund um die
den richtigen Martin Lopez handelte, schrieb hat Martin mich kontaktiert, was sich als Uhr eine Gitarre in der Hand. [lacht]
ich ihm eine Mail, und er fragte mich, ob ich ziemlich gutes Timing bezeichnen lässt. Das waren durchgehend fünf Stunden am
daran interessiert sei, Soen beizutreten. Ich Tag, in denen ich nur die Songs gelernt habe.
sagte: „Aber klar!“, ohne zu wissen, was ich Du lebst also noch in Kanada? Die Jungs haben mir auch ein paar Videos
tun müsste oder ob ich nach Schweden um- Ja, das tue ich. Jedes Mal, wenn wir eine Show geschickt, in denen sie mir einige der Riffs
ziehen müsste. Aber es war so eine unglaub- oder eine Tour spielen, fliege ich nach Schwe- zeigten. Da sie aber sehr beschäftigt sind,
liche Gelegenheit, dass ich bereit war, alles den, wo ich ein paar Tage mit den Jungs pro- lernte ich das meiste nach Gehör. Es war sehr
Mögliche zu tun. Danach habe ich ein Be- be. Anschließend geht es zu den Gigs. Anders herausfordernd, aber wenn man einmal ein
werbungsvideo für sie zusammengestellt. Um war es bei den kanadischen Shows, weil es paar Nummern gelernt hat, fängt man an, die
ehrlich zu sein, war das alles ziemlich surreal. möglich war, den Rest der Band in meinem Feinheiten und Nuancen zu erkennen. Nach

POETISCHE RIFFS
Soen galten lange als Alternativdroge zu Tool, fanden aber mit
Lykaia ihren eigenen Sound, den sie mit ihrem neuesten Album Lotus
zementieren. Dazu kommt ein Personalwechsel an der Gitarre.
Marcus Jidell verließ die Band aufgrund anderer Verpflichtungen und
wurde durch den 28-jährigen Cody Ford ersetzt.
C Silver Lining

54 2 /19
Soen INTERVIEW

und nach wurde alles etwas leichter, weil ich Auch bei den Texten habe ich etwas geholfen, Verstärker für einen größeren Gitarrensound
mit ihrem Stil vertrauter wurde. Es war aber da Englisch meine Muttersprache ist und sie auch zusammenmischten.
trotzdem schwierig. [lacht] mich baten, ein paar Dinge zu editieren. Das Was Gitarren betrifft, kam für die härteren
habe ich natürlich gerne getan. Parts meine PRS Custom 22 zum Einsatz und
Hast du Tipps, wie man eure Songs lernen kann? für die Solos meine Fender American Deluxe
Das tolle an den Songs ist, dass viele im Stan- Was sind deine persönlichen Highlights auf Strat. Das war eine wirklich coole Erfahrung,
dard-Tuning sind. Es gibt auch eine Menge of- Lotus? und ich habe durch die Arbeit mit David
fene Saiten, Hammer-ons, Pull-offs und spezi- Ich liebe „Martyrs“. Jemanden im dazugehö- Castillo viel gelernt. Ich stelle mir gerade das
elle Tapping-Licks – alles mit Leersaiten. Das rigen Video zu haben, der eine Drag-Version notwendige Equipment zusammen, mit dem
erlaubt einem, die Leersaiten ausklingen zu von einem selbst spielt, ist sehr interessant. ich all diese Sounds live abrufen kann, damit
lassen, während man andere Dinge spielt. So [lacht] So etwas hätte ich nie im Leben er- es so klingt wie auf dem Album.
bekommt man eine richtig schöne Klangfarbe. wartet. Das war schon sehr cool, aber auch
Ich selbst bin Gitarrenlehrer und lehre andere Songs genieße ich sehr, wie etwa die Die Musik von Soen lebt von dynamischen
meinen Schülern, dass sie so viel wie möglich langsameren Nummern. Ich glaube aber, ehr- Kontrasten. Wie setzt du das auf der Bühne
nach Gehör lernen sollen. Die ersten ein, zwei lich gesagt, nicht, dass ein Song auf dem Al- mit deiner Backline um?
Jahre sind dabei am schwierigsten. Danach bum schwächer ist als andere Titel. Ich bin der Für Soen verwende ich einen Kemper, weil du
wird es mit der Zeit einfacher. Ansicht, dass es ein sehr starkes Album ist, so jedes mögliche nur vorstellbare Amp-Mo-
mit dem Soen wirklich ihren Stil gefunden ha- dell verfügbar hast. Auch unser Tontechniker
Was waren deine Beiträge zum Songwriting? ben. Während es mit vorherigen Alben immer mag es wirklich, dass ich ihn benutze, weil er
Eine Menge der Lead-Spuren und alle Solos wieder eine Menge Vergleiche mit Tool oder ihm das Mischen unglaublich erleichtert.
auf dem Album. Außerdem ein paar Riffs und Opeth gab, was auch fair ist, klingt Lotus für Das Verstärkermodell für die harten
Nuancen. An vielen Songs wurde schon ge- mich wirklich nach Soen. Sounds ist dabei ein Soldano. Für die schnel-
arbeitet, als ich in die Band eingestiegen bin. leren Solos benutzten wir einen EVH 5150 und
Wie würdest du ein typisches Soen-Riff cha- für die Clean-Parts einen Fender Reverb. Ich
rakterisieren? mag auf jeden Fall echte Verstärker, aber das
Soens Riffs sind heavy, aber aus melodischer Ganze ist wirklich praktisch und funktioniert
Sicht sehr interessant. Wenn ein Riff heavy, so weit wirklich gut. Außerdem habe ich ein
aber voller interessanter Nuancen ist, kannst Endorsement von Empress Effects aus meiner
du dich wirklich hineinversetzen und es mehr- Heimatstadt Ottawa. Ich werde mir eines ihrer
mals anhören, ohne dass dir die kleinen Fein- Echosystem-Pedale zulegen, das für mich das
heiten auffallen. Wenn du es aber etwa zum Herz meiner Delay-Sounds wird.
dreißigsten Mal anhörst, fällt dir auf einmal Daneben kommt bei mir nur noch ein Vo-
eine bestimmte Note oder ähnliches auf. lume-Pedal zum Einsatz. Ich bin aber immer
In den Riffs kommen viele interessante noch dabei, das ganze Rig zusammenzustel-
Intervalle, wie Nonen, Terzen oder auch der len. Dabei versuche ich, was Pedale betrifft,
Tritonus vor, der die Dinge etwas dissonant alles minimalistisch zu halten und viele der
macht. Ein weiterer Teil des Soen-Sounds ist Effekte aus dem Kemper zu verwenden.
auch die Phrygisch-Dominant-Skala, die aber
nicht ausschließlich gespielt, sondern ledig- Würdest du dich als Gearhead bezeichnen?
lich in bestimmte Passagen eingearbeitet wird. Ich würde sagen, ich bin dabei, einer zu wer-
den. [lacht] Vor einem bis anderthalb Jahren
Dein Solo im Song „Lotus“ ist fantastisch. war ich noch nicht mal ansatzweise so tief in
Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du dem Thema Equipment wie heute. Heute liebe
es eingespielt hast? ich es, von der Arbeit nach Hause zu kommen
Eine Menge Dinge. Während dieser Zeit muss- und Pedal- und Amp-Videos anzuschauen.
te ich etwa dieses Solo schreiben und dazu das Equipment ist wie ein weiterer Arm. Es hilft
Set für die erste gemeinsame Show in Wacken dir, dich selbst auszudrücken und die Dinge
lernen. Meine Hände waren müde, ich hatte frisch zu halten. Ich versuche immer, der bes-
monatelang mehrere Stunden am Tag gespielt, te Musiker zu sein, der ich sein kann. Dazu
weswegen ich körperlich sehr verbraucht war. muss man so vielseitig wie nur möglich sein,
Der Song schrie aber förmlich nach einem viele verschiedene Stile spielen können und
gefühlvollen Solo, also gab ich ihm, was er auch verstehen, wie man bestimmte Sounds
brauchte. Es ist eine sehr emotionale Nummer, erzielt. Ich werde also definitiv zum Gearhead.
also musste das Solo dem Song entsprechen. Ich habe auch schon eine stattliche Samm-
Wenn ich schreibe, höre ich Ideen in lung an Pedalen zusammen, und es ist kein
meinem Kopf und versuche, sie nachzuspie- Ende in Sicht. [lacht]
len. Mal ist das schwieriger, mal leichter, aber Lukas Lautenbacher
das Solo ist wirklich gut geworden, was mich
sehr stolz macht.
LOTUS
Welches Equipment habt ihr im Studio ver-
wendet?
Viele meiner Gitarren-Parts habe ich tatsäch-
Soen (v. l.): lich in Ottawa aufgenommen. Ich spielte sie Schon auf seinem
Stefan Stenberg (b), direkt ein, und als ich nach Schweden kam, ersten Album mit der
Lars Åhlund (keys), haben wir alles reamped. Im Studio hatten wir Band hat Cody nicht
Joel Ekelöf (voc), einen Diezel VH4, einen Mesa/Boogie Rectifier nur Leads und Soli,
Marcus Jidell (g), und einen EVH 5150 III, mit denen wir viele sondern auch einige
Martin Lopez (d) der Gitarrensounds aufnahmen und dafür die Riffs beigesteuert.

55
INTERVIEW Pascow

ZURÜCK ZU DEN BASICS


Mit den kleinen Punkerkids aus dem Kuhkaff, als die sie mal angefangen haben,
haben PASCOW anno 2019 nicht mehr viel zu tun. Mittlerweile füllen die
Saarländer auch die größten Clubs der Republik, und ihr sechstes Album
Jade gilt als eine der am sehnsüchtigst erwarteten Veröffentlichungen des Jahres.
Was die beiden Gitarristen Alex und Sven bei dieser Platte dazugelernt
haben, erzählen sie uns selbst.

N
ach eurem letzten Album Diene der Die neue Platte Jade habt ihr wieder mit Kurt wir es auch bei den alten Songs mal mit Klick
Party habt euch mit Lost Highway Ebelhäuser produziert. Wie gestaltete sich die probiert, aber das hat oft den Charme zerstört.
einem ambitionierten und schonungs- Zusammenarbeit diesmal? Langsam anfangen und schnell aufhören
losen Filmprojekt gewidmet. Eine der Swen Pascow: Kurt hört sofort, wenn zwei Gi- war mal quasi Stilmittel bei uns. Oder unsere
Kernfragen war, ob ihr es schafft, die tarren nicht zusammenpassen. Es kam sogar etwas schiefen Melodien. Da gab es hier und
Band und das normale Leben unter ei- schon vor, das wir für Melodien die Klamp- da wirklich heiße Diskussionen mit Kurt, ob
nen Hut zu kriegen - wie ist der Stand fe auf den Song gestimmt haben, also quasi das überhaupt tonal passt. Bei diversen Licks
heute? knapp daneben. Dadurch passt das dann wirk- musste Swen ihn erst überzeugen, dass das
Alex Pascow: Wir haben es tatsächlich hinbe- lich hundertprozentig, und es klingt richtig schon richtig so ist.
kommen, uns etwas besser zu strukturieren, geil. Was solche Details angeht, ist Jade echt Swen: Bei der Melodie am Ende von „Sturm,
was feste Probetermine und langfristigere nochmal ein Satz nach vorne. Als Kurt sich der durch Erlen zieht“ hatte ich ihn dann so
C Kay Özdemir, Andreas Langfeld

Planungen angeht. Dass es früher diesbezüg- allerdings während der Aufnahmen überlegt weit, dass er zugegeben hat, dass er es einfach
lich etwas chaotischer zugegangen ist, war hat, wir müssten das jetzt auf Klick spielen, nicht schnallt. [lacht] Ich musste ich ihm den
durchaus mal Teil des Plans. Als ich beispiels- haben wir erstmal dumm geguckt. Das hatten Teil echt ein paarmal zeigen und erklären.
weise noch kein Vater war, hat mir das auch wir ja noch nie geübt. Alex: Bevor da jetzt ein falscher Eindruck ent-
durchaus gefallen. [lacht] Aber hätten wir das Alex: Nach drei Tagen Kampf haben wir dann steht: Wir haben von Kurt wirklich jede Men-
nicht in etwas besser zu überlebende Bahnen aber erkannt, das ein Metronom auch ein ge gelernt. Beispielsweise hat er uns schon
gebracht, dann würde es die Band heute wohl Freund sein kann. Wenn man sich drauf ein- bei der ersten gemeinsamen Platte Alles muss
nicht mehr geben. lässt. [lacht] Bei den Proben für die Tour haben kaputt sein klargemacht, wie wichtig Tight-

56 2 /19
Pascow INTERVIEW

Punk-Brüder (v. l.): Swen Pascow (g), Ollo Pascow (d), Flo Pascow (b), Alex Pascow (voc, g)

ness ist. Das fängt damit an, das du vor je- Akkorde, Swen macht die schönen Schnörkel. völlig unbedarft und dankbar, das sich Swen
dem Take neu stimmen musst. Oder das Thema Lasst uns das mal andersherum angehen: Was und Kurt da immer so leidenschaftlich drum
Bundreinheit. Was haben wir nicht an Instru- kann der eine, was der andere auf keinen Fall kümmern. Ich brauche ja nur einen Sound.
menten ausgesiebt, von denen wir jahrelang kann? Aber ich will nicht unerwähnt lassen, dass
dachten, die wären doch völlig in Ordnung. Swen: Worum ich Alex schon immer beneide, ich fast das komplette Album mit meiner al-
Das sind die Feinheiten, die halt wichtig sind. ist seine lockere Anschlagshand. Das kann der ten SG eingespielt habe. Die ist sonst immer
wirklich megagut, da ziehe ich echt meinen rausgeflogen, aber diesmal hat sie es auf die
Schon erstaunlich, was man nach einem hal- Hut vor. Platte geschafft.
ben Dutzend Platten noch dazulernen kann, Alex: Ich habe ja nie ein Geheimnis daraus ge-
oder? macht, das Swen klar der Bessere von uns bei- Hast du die neu einstellen lassen und geputzt?
Alex: Ich sag’s mal so: Wir haben die Erkennt- den ist. Deswegen könnte ich da jetzt stunden- Alex: Eins hat sich nicht geändert: Ich habe bis
nis nie gesucht, aber uns auch nicht dagegen lang aufzählen. Aber dass er es beim Song- heute noch keine einzige Gitarre geputzt. Aber
gewehrt. Aber man muss erst mal begreifen, writing immer wieder schafft, meine Ideen für ich habe meine mal in den Service gegeben.
wie wichtig solche vermeintlichen Kleinig- Melodien umzusetzen, ist noch wichtiger. Er Aber der Techniker hat sich dann wegen dem
keiten ist. Ich habe das große Problem, dass verleiht dem Ganzen die Farbe. ganzen Dreck beschwert.
ich immer einen Finger an der Greifhand ein Swen: Genau, der meinte, er müsse sich erst
bisschen ziehe, wenn ich im Reinhaumodus Wie sieht es mit den technischen Details von gegen Tollwut impfen lassen. Aber klar, wir
bin. Und das hört Kurt und stoppt mich dann. Jade aus? Was habt ihr diesmal an Equipment haben noch nie materialschonend gespielt,
Das hat mich wahnsinnig gemacht. Da spielst eingesetzt? und daran ändert sich auch nichts mehr. Wenn
du immer den einen selben Powerchord, und Swen: Ich habe den Fehler gemacht, zu viele die Gitarre kaputt ist oder die Mechaniken
nicht mal für den reicht es. Amps und Boxen von zu Hause mitzubringen, nach einer kleinen Kollision zwischen Alex
Und irgendwann merkst du, dass du dann und mir fast einen Bruch geschleppt. Nach- und mir verbogen sind, geht sie halt in die
auch nicht mehr diesen ultraverzerrten Sound dem wir dann alles ausprobiert hatten, haben Werkstatt.
brauchst, damit es fett klingt. Das war ein Ziel wir fast die komplette Platte mit einer 4x12- Alex: Also ja, grundsätzlich setzen wir uns in-
mit Jade. Wir wollten so wenig wie nötig dop- Box und zwei Verstärkern eingespielt. Ein zwischen intensiver mit unserem Handwerks-
peln, aber das, was wir einspielen, voll auf den Friedman BE 100 und einen 15-Watt-Laney- zeug auseinander und kümmern uns dann.
Punkt. Röhren-Amp aus Kurts Fundus; die Box war Tom Küppers
von Bogner.
Bei „Schmutzigrot“ habt ihr das beispielswei- Für die Rhythmussounds haben wir über- JADE
se extrem gut hingekriegt. Knallt, aber eben wiegend eine meiner Les Pauls genommen, ab
nicht wegen der Verzerrung. und an eine halbakustische Framus von Kurt.
Alex: Da muss ich zugeben, das ich schon beim Die klang schön transparent, echt toll. Die
Komponieren einen Klang in dieser Art im einzelnen Sounds haben wir dann durch un- Makelloser Punk mit
Kopf hatte. Nicht ganz The Police, aber knapp terschiedliche EQ-Einstellungen an dem Amps perfekt verzahnten
drüber würde ich das nennen. selber und verschiedene Zerrgrade erreicht. Gitarren und ohne
Und keine Bodentreter. Blatt vorm Mund –
Ansonsten habt ihr beide euch nach der be- Alex: Ich suche nicht nach einem Sound, ich Deutschlands beste
währten Methode aufgeteilt. Alex brät die lasse suchen! [alle lachen] Nein, ich bin da Punkband!

57
INTERVIEW Bring Me the Horizon

LIVE-SOUND
MIT KEMPER UND MARSHALL
Bring Me the Horizon sind schon lange nicht mehr die Deathcore-
Band, die einst vor gut zehn Jahren die Herzen der Teenager und jungen
Erwachsenen erobert hat. Mit dem neuen Album Amo beenden sie
den radikalen Schritt in eine neue musikalische Welt. Wir sprachen mit
Gitarrist Lee über den minimalistischen Einsatz seiner Gitarre und die
Diskrepanz zwischen den Live-Auftritten und der Musik im Studio.

W
er ins Münchner Zenith gekom- mich nicht immer dazu gezwungen fühlen, in
men ist, um Bring Me the Horizon jedem Song heftige Gitarrensounds einfließen
zu sehen, der kann Zeuge einer zu lassen. Beim neuen Album habe ich einfach
kleinen Zeitreise werden. Die Men- das gemacht, worauf ich Lust hatte!“
schen tragen bunte T-Shirts mit Die Genre-Veränderungen zeigen sich auch
Neonfarben und Monstern darauf, bei seinem Equipment. Auf der Bühne hat er
viele tragen Emo-Haarschnitte, eine ungewöhnliche Amp-Kombination: Ei-
die vor Jahren modern waren. Die nen Kemper und einen Marshall-Tube-Amp.
Fangemeinde der einstigen Deathcore-Band „So kann ich zwischen den Sounds wechseln.
scheint sich nicht verändert zu haben. Als die Spiele ich was Experimentelles, bei dem die
Band dann beginnt, werden die Fans nicht ent- Gitarre nicht immer wie eine Gitarre klingen
täuscht. Der Sound ist fast wie früher – obwohl soll, kommt der Kemper zum Einsatz. Bei den
die Band sich auf ihren Studioalben längst von härteren Songs, wenn es nach einer geilen Gi-
härteren Klängen verabschiedet hat. Die Licht- tarre klingen soll, nehme ich den Marshall 800
show ist überwältigend und die Stimmung mit- und den JTM45 für die Clean-Sounds.“
reißend – bis auf die wenigen Songs, bei denen Und auch der Rest der Band musste sich
Synthesizer und elektronische Beats im Vorder- anpassen. Drummer und Keyboarder haben
grund stehen. digitale Pads, aber auch echte Instrumente auf
Zwei Stunden vorher: Wir treffen Gitarrist der Bühne. Neues und altes Equipment zu nut-
Lee Malia im Backstage-Bereich, um über das zen, heiße, mit der Zeit zu gehen, erklärt Lee
neue Album zu sprechen. Bei der Listening- Malia die Verwandlung.
Session zuvor wird deutlich, dass die Band mit „Der Kemper hat zum Beispiel beim Fuzz
dem neuen Album Amo einen musikalischen diesen speziellen, digitalen Klang. Den be- Bring Me the Horizon (v. l.):
C Carry Coal Records, Getty Images

Entwicklungsprozess abschließen wird: weg kommt man nicht aus einem Pedal raus. Beim Jordan Fish (keys),
von den Metal- und Deathcore-Klängen, die sie Song „Mantra“ [Single-Auskopplung] laufen so
einst berühmt gemacht haben. Hin zu Alterna- live zwei Sounds zusammen. Ich habe mein Oliver Sykes (voc),
tive-Rock und -Metal mit vielen elektronischen normales Gitarrensignal und das Fuzz-Pedal,
Matt Nicholls (d),
Elementen. Die neuen Songs könnten zum und dazu kommt dann der Kemper mit dem
größtenteils problemlos in einem Club laufen. Fuzz obendrauf. Deshalb hab ich zu MIDI ge- Lee Malia (g),
Als wir Lee Malia damit konfrontieren, hat die- wechselt, um beide Sounds zusammenkommen
ser keine Lust, sich zu rechtfertigen: „Ich will zu lassen. Oft dominiert der Kemper. Das ist Matt Kean (b)

58 2 /19
Bring Me the Horizon INTERVIEW

sehr kompliziert, aber es funktioniert. Ich wollte


moderne und klassische Sounds kombinieren.“
Im Studio hat Lee Malia trotzdem mit tra-
ditionellem Gear experimentiert. Er wirkt ge-
löst und entspannt. Und er scheint zu hundert
Prozent hinter der musikalischen Entwicklung
von Bring Me the Horizon zu stehen. Diese
zeichnete sich bereits in den vorherigen Alben
ab, scheint aber im neuen Album ihren Höhe-
punkt gefunden zu haben.
Tatsächlich verbindet sich die alte und neue
Identität der Band in keinem Song so deutlich
wie bei „Mantra“. Das war auch der Beweg-
grund. „,Mantra‘ ist einer der härteren Songs,
mit dem wir die Fans langsam an das Album
heranführen wollten. Wir wussten: Das wird
unser Comeback-Song“, erklärt Lee Malia.
Auf dem Album Amo gibt es auch einen
reinen Akustiksong namens „I Don’t Know
What to Say“. Hier kam eine Epiphone-Mas-
terbuilt zum Einsatz. „Wir haben sie schnell
im Studio benutzt. Sie hat sich gut angehört.
Wir haben einfach das Mikro davorgehalten, Lee Malia setzt nicht nur auf Epiphone, sondern hat sogar drei Signature-Modelle (v. l.): Limited
und das war’s. Fünf Minuten. Es hat sich di- Edition Lee Malia RD Custom Artisan, Les Paul Custom Artisan und Explorer Custom Artisan
rekt richtig angehört. Ich erinnere mich nicht

59
INTERVIEW Bring Me the Horizon

mehr an das Tuning, aber es war ein Open-


Tuning. Es klingt fantastisch.“ Dazu tragen
auch die Streicher bei, die dem Song zusätz-
liche Dramatik verleihen.
Was ist bei all den gezähmten Sounds aus
Lee Malias Saitenstärke geworden? Früher war
der Gitarrist bekannt dafür, besonders starke
Saiten zu verwenden. Die vielen tiefge-
stimmten Songs haben es erfordert. „Die neu-
en Songs sind höher gestimmt. Ich habe sie-
ben verschiedene Gitarren mit verschiedenen
Stärken. Aber so krass wie früher ist es nicht
mehr. Seit Neuestem habe ich neben Gibson
und Epiphone auch eine Fender Strat.“
Der Opening-Track „I Apologize if You Feel
Something“ überrascht mit seiner dyna-
mischen Struktur. Minutenlang sind keine In Lee Malias Racks finden sich neben einem Kemper (linkes Rack) auch diverse
Gitarrenklänge zu hören, der Song baut Span- Marshall-Topteile
nung auf, bis er explodiert. Diese Struktur
haben viele Songs auf dem neuen Album. Für
Lee Malia hängt das damit zusammen, dass sie
sich keine Grenzen gesetzt haben. „Der Klang
muss zu dem Song passen, nicht zu dem, was
man von einer Rockband erwartet. Wir haben
viel experimentiert mit dem Kemper und auch
mit einem E-Bow, und ich bin froh, dass wir es
gemacht haben.“
Es gibt sogar einen Song, der mit dem
Druck, harte Klänge zu produzieren, abrech-
net. „Heavy Metal“ heißt er – und ist der stär-
kste Song auf dem Album. Er ist ehrlich,
kommt mit einem Doom-Riff daher und rech-
net mit der Vergangenheit der Band ab. „Es
geht um Kids, die auf Instagram posieren und
unter ihre Bilder dann schreiben, wir seien
keine Metaller mehr. Er klingt wie Stoner-
Rock, hat aber auch poppigere Elemente. Und
das ist der Punkt: Wir wollen die Musik ma-
chen, mit der wir uns wohlfühlen. Der Song ist
also ein sarkastisch gemeintes Statement.“
Eines ist klar: An diesem Song wird sich so-
wohl die enttäuschte als auch die begeisterte
Fangemeinde aufreiben. In der Schublade unter dem Kemper: Hall vom Feinsten – das Cathedral-Pedal von
Es ist tatsächlich schwer vorherzusagen, Electro-Harmonix (r.)
wie die Fans auf das neue Album reagieren
werden. Dass Bring Me the Horizon wenige
Monate vor der Veröffentlichung auf Tour ge-
hen, spricht für sich. Nochmal die alten Fans
anheizen, zeigen, was die Band draufhat. Es
bleibt fraglich, ob und wie viele Fans zur Tour
von Amo kommen werden.
Es bleibt nur zu hoffen, dass den Jungs aus
Sheffield, Yorkshire, der Spagat zwischen neu-
en und alten Klängen auch gelingt, nachdem
sie mit den neuen Songs alle Brücken zu ihrer
musikalischen Vergangenheit niedergebrannt
haben.
Natalie Meyer

AMO

Musikalisch gereift
und in neuem
Fahrwasser. Ob die
Fans mit der Band
mitwachsen, bleibt Untere Reihe (v. r.): MW Fuzzytone, EHX Soul Food (modded by JHS), Klon-Clone, Boss GE-7;
abzuwarten. obere Reihe (v. r.): T-Rex Fuel Tank Goliath, 2 x TC Electronic Sentry Noise Gate

60 2 /19
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INTERVIEW Joanne Shaw Taylor

B
evor wir über dein neues Album spre-
chen – ist es wahr, dass Joe Bonamassa
dir eine Gitarre von sich geschenkt hat?
Joanne Shaw Taylor: Na, so kann man
das nicht sagen. Er hat mir vielmehr
eine Gitarre vor der Nase wegge-
schnappt und sie mir dann aus Mitleid
doch überlassen. [lacht] Vor Jahren
fand ich eine Albert Collins Signature Telecas-
ter in New York und wollte sie kaufen, aber
sie war zu teuer. Joe Bonamassa kam dann mit
mir, um den Preis runterzuhalten. Das hat er
geschafft – und dann hat er sie gekauft und
behalten. Allerdings hat er sie dann irgend-
wann doch rausgerückt.

Was bevorzugst du? Fender oder Gibson?


Mittlerweile beides. Eine Telecaster wird nie
wie eine Les Paul klingen und andersrum. Es
sind zwei völlig verschiedene Sounds. Wer
unterschiedliche Gitarrenklänge haben will,
sollte nicht aus Eitelkeit oder Liebe zur einen
oder anderen Marke auf eine bestimmte Gitar-
re verzichten.

Bei Pedalen bist du hingegen minimalistisch


und stehst nicht so auf Abwechslung, oder?
Ja, ich habe vor allem einen Tube Screamer
und ein Clean-Boost-Pedal. In meiner Jugend
hab ich in Chorus, Delay und Fuzz investiert.
Aber das ist vorbei. Ich brauche weniger Ge-
päck zum Reisen. Das ist angenehm.
Und es gibt einfach zu viel Auswahl. Das
ist für mich zu überwältigend. Loop-Pedale
oder Delays sind okay. Ich habe keine Lust, in
dieses Hasenloch zu fallen. Und dann bist du
drin und fällst und fällst. Wenn du The Edge
bist, ist das was anderes. Mir bereiten diese
ganzen Pedale nur Kopfschmerzen. Eine schö-
ne Gitarre und ein cooler Amp sind vor allem
das, was ich brauche.

Der Opener „In the Mood“ erinnert dank dem


Keyboard stark an Southern-Rock, andere
Lieder strotzen vor souligen Gesangseinlagen
oder antreibenden Blues-Rhythmen. War das
deine Intention bei dem Album?
Ich habe viele verschiedene Musikrichtungen,
die ich gerne höre. Blues, Rock und Soul sind
meine Hauptlieben. Ich wollte schon immer
so viel davon wie möglich in meine Musik
einbringen. Ich finde, das ist mir gelungen.
Nur mit Gitarre
und Amp
Man hört es am besten beim namensgebenden
Song „Reckless Heart“.

Definitiv! Hast du das Gefühl, dass du dich


deshalb ein bisschen verändert hast?
Ja, ich meine, man verändert sich immer von Joanne Shaw Taylor ist quasi ein alter Hase
Album zu Album. Dazwischen liegt meist viel
Zeit, viel passiert. Doch ja, ich habe defini-
im Gitarrenuniversum. Sie hat diverse Preise
tiv das Gefühl, dass es mir vorher noch nie für ihr Können an der Gitarre abgeräumt und ist
so konkret gelungen ist, es hörbar zu machen,
C Sony Music, Christie Goodwin

welche verschiedenen Stilrichtungen mir als Britin zur gefragten Bluesrockerin in Amerika
wichtig sind, und sie relativ gleichberechtigt geworden. In diesen Tagen veröffentlicht sie
einzubringen.
ihr sechstes Studioalbum Reckless Heart – ein
War das dein Ziel?
In gewisser Weise schon. Unterbewusst wahr-
musikalischer Balanceakt zwischen Blues, Rock
scheinlich. Ich habe zwischen 15 und 20 und Soul, verfeinert mit etwas Southern-Rock.

62 2 /19
Joanne Shaw Taylor INTERVIEW

Songs für das Album geschrieben und mich


dann für die besten entschieden. Im Nachhin-
ein scheint es klar zu sein, warum. Während
des Entstehungsprozesses war das allerdings
nicht so deutlich absehbar.

Mit „Jake’s Boogie“ gibt es sogar einen rein


akustischen Song auf dem Album. Das ist
auch ungewöhnlich für dich.
Ja, das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich
einen Song komplett allein und akustisch ein-
gespielt habe. Ich glaube, ich habe mich vor-
her nie getraut. Ich meine, ich besitze noch
nicht mal eine Akustikgitarre. Bei dem Song
habe ich eine Guild gespielt. Im Studio habe
ich viele Songs auf ihr geschrieben. Das war
eine neue Inspirationsquelle und hat die Songs
auch verändert.

Du hast überhaupt keine akustische Gitarre?


Nicht fürs Lagerfeuer, für Urlaub, Reisen und
so weiter?
Nein. Ich habe nie ein Modell gefunden, das
zu mir gepasst hat. Wenn ich eine gebraucht
habe, habe ich mir sie einfach irgendwo aus- Ob Paula oder Tele – Joanne steht auf beides
geliehen. Mein Vater hat auch unglaublich
viele akustische Gitarren. Im Gegenteil. Ich hatte noch nie so eine nahe
Beziehung zu einem Produzenten. Ich konnte
Er hat dir ja auch die Gitarre an sich näher- mir mehr Zeit nehmen. Und manchmal habe
gebracht … ich ihm einfach unfertige Songideen geschickt
Oh ja, das hat er! Ich bin mit zwei E-Gitar- und wollte seine Meinung dazu wissen. Er war
risten aufgewachsen: mit meinem Bruder und also im Songwritingprozess mit eingebunden.
meinem Vater. Klar waren die irritiert, als Das habe ich wirklich noch nie gemacht, und
ich plötzlich keine Lust mehr auf klassische es war auch nur möglich, weil wir so ein gutes
Gitarre hatte, sondern E-Gitarre lernen wollte. Verhältnis zueinander haben.
Von acht bis 13 hab ich auf Nylonsaiten ge-
spielt, dann hat’s mir gereicht. Die elektrischen Du hast mal wieder sehr lange, coole Solo-
Shred-Sounds meines Bruders klangen lauter Parts, die sehr improvisiert klingen. Wie hast
und hörten sich nach mehr Spaß an. Als mein du das geschafft?
Vater mir dann seine Steve-Ray-Vaughan- Wir haben vieles live mit der Band aufgenom-
Sammlung zeigte, war es um mich geschehen. men. Wenige Sachen haben wir überarbeitet,
Wir lebten aber in so einem kleinen Dorf, dass aber nicht viel. Spontan klingt alles besser, da
es so oder so etwas Besonderes war, Gitarre zu ist dann mehr Liebe drin. Der Drummer bringt
spielen. Egal, welches Geschlecht man hatte. mich mit seiner Energie an einen bestimmten
Punkt; das Zusammenspiel ist einfach viel an-
Also war es dir lange gar nicht bewusst, dass genehmer.
es wenige Gitarristinnen gibt?
Oh ja. Ich habe nicht viel darüber nachgedacht. Wie bereitest du dich auf deine langen Soli
Als ich anfing, zu touren, fiel mir auf, dass die vor?
Leute schnell auf mich aufmerksam wurden. Ich werde älter, und meine Hände werden
Ich dachte, es liegt an meinem Alter, weil ich widerspenstiger. Vor allem im Winter und
damals noch sehr jung war. Bald musste ich auf Tour muss ich ein paar kleine Aufwärm-
feststellen: Es liegt an meinem Geschlecht. übungen machen. Da ist es für mich genau-
Gleichzeitig war mir klar, dass ich nie wür- so wie für Anfänger wichtig, nicht den Spaß
de singen können wie die großen Bluesstars. Es daran zu verlieren. Solche Übungen sind oft
gibt nicht viele weibliche Stimmen im Blues. nicht so spannend – ich versuche sie dann im-
Und deshalb habe ich mich ein Stück weit von mer mit kreativen Ideen zu verbinden.
ihm entfernt. Aber mir macht das nichts aus, Natalie Meyer
und ich denke auch nicht allzu viel darüber
nach. Und ich denke, dass die Musikbranche RECKLESS HEART
nicht der einzige Bereich ist, in der es kein
Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern
gibt. Im Journalismus ist es doch auch nicht
anders. Zumindest ist es jetzt gerade das erste
Mal, dass mich eine Frau interviewt. [lacht] Wie ihre Vorbilder
der alten Schule hat
Zurück zum Album: Der Produzent Al Sutton Joanne Shaw Taylor
ist ein guter Freund von dir. Hat das die Arbeit den Blues inhaliert –
an der Musik schwieriger gemacht? das hört man.

63
LEGENDS-SPECIAL

64 2 /19
Nile Rodgers LEGENDS-SPECIAL

TRA

21
CK
16 –

DER FUNKY
SOUND
DES POP
Ein Mann, eine Fender Stratocaster namens
„The Hitmaker“, unzählige Welthits, der
bekannteste Gitarrensound des Planeten, Mitglied
sowohl der Rock and Roll Hall of Fame als auch
der Songwriters Hall of Fame und über
500 Millionen verkaufte Alben – willkommen im
Universum des Nile Rodgers!

A
m 19. September 1952 wird in der Programms, jammt dort sogar mit Jimi
Lower East Side, New York City, ein Hendrix und gründet kurze Zeit später seine
Junge geboren, der die Popkultur wie erste Band New World Rising. Hier mischen
kein anderer Gitarrist beeinflussen Nile und seine Kollegen Rock, Blues und Jazz.
wird. Seine Mutter Beverly Goodman In der Retrospektive betrachtet, ein im-
ist erst 14, aber schon in diesem mens wichtiger Schritt, denn spätestens ab
zarten Alter eine schillernde Person den glorreichen ’80ern ist Rodgers „Hans-
im Big Apple der ’50er Jahre. Nile dampf“ in allen Genregassen. Die dabei erwor-
Rodgers Sr. – seines Zeichens ein benen Skills und der gute Ruf seiner Combo
versierter Percussionist – legt dem verhelfen ihm zum Sprung ins Profilager. Der
kleinen Nile den Groove quasi in die Wiege. Job im Musikensemble der Sesame Street, die
Allgemein ist die Kindheit Rodgers’ recht später auch als deutsche Lizenz unter dem Ti-
unkonventionell für das prüde Amerika Mitte tel Die Sesamstraße die Kinder diesseits des
des vergangenen Jahrhunderts, denn sein Atlantiks erfreut, ist ein extrem wichtiger
Stiefvater Bobby Glanzrock, eine außerge- Meilenstein in Niles Karriere und bringt ihm
wöhnliche Erscheinung – oft beschrieben als postwendend parallel dazu einen Platz in der
eine Art Andy Warhol – hat ebenfalls nichts Hausband des legendären Apollo Theater ein.
mit dem Spießbürgertum am Hut. Glanzrock Dort spielt er hinter Größen wie Ben E. King
und Goodman heiraten 1959, und obwohl sie oder Aretha Franklin.
Nile ein wirklich kreatives Umfeld bieten, in Als sich die ’60er Jahre dem Ende zunei-
dem Kunst und vor allem Musik groß ge- gen, pilgert Rodgers neben ungefähr 400.000
schrieben werden, öffnen sie ihm auch das weiteren Musikfans in die Catskill Mountains
dunkele Tor zur Welt der Drogen. Neben Jo- (nordwestlich von New York City): Woodstock
hann Sebastian Bach, James Brown oder Billie ist eine Revolution und das erste Megaereignis
Holiday regiert Heroin das Tagesgeschehen. der Popgeschichte. Nile inspiriert dieses Hap-
Rodgers verfällt zum ersten Mal mit 13 Jahren pening später zu einem seiner größten Hits:
den illegalen Substanzen. „We Are Family“ von Sister Sledge.
In jenen Tagen ist Rodgers einer der ge-
Der Urknall fragtesten Sessionmusiker am Hudson River
Glücklicherweise kommen zwei Jahre später und bekommt ständig neue Offerten. Eine da-
C Getty Images

die sechs Saiten ins Leben des musikbe- von ist 1970 die der Big Apple Band, deren
geisterten Teens und verändern für immer sei- musikalischer Direktor und Bassist Bernard
ne Laufbahn. Er lernt mit Ted Dunbar und Edwards sofort die Chemie zwischen ihm und
Billy Taylor im Zuge des NYC-Jazzmobile- dem knapp sechs Wochen jüngeren Gitarristen

65
LEGENDS-SPECIAL Nile Rodgers

spürt. Die Big Apple Band besitzt eigentlich Bsp. 1 Le Freak TRACK 16
schon die drei Grundpfeiler des späteren Chic-   
Sounds: Funk, Jazz und frühen Disco-Versatz- 
stücke.   

Kreative Geister  

Das Duo versteht sich im Laufe der Jahre im-


mer besser, schreibt zusammen Songs und
kommt 1977 mit einer bahnbrechenden Idee              
                   
leger um die Ecken Manhattans gesneakt. Ihre         

Symbiose aus Musik und Image hört auf den


Namen Chic und ist so genial wie einfach:
Man nehme die Anonymität von Kiss (ohne  

Gesichtsbemalung, versteht sich), den Desig-


nerlook von Roxy Music, eine Tonne Musika-
lität und lasse diese drei Elemente in aussage-  
kräftigen Bildern, mitreißenden Grooves und             
                 
Hooklines ineinander verschmelzen.        

Nile und Bernard treffen mit diesem Mix


den berühmten Nagel auf den Kopf und lan-
 
den postwendend einen Deal mit Atlantic Re-

cords. Ihr selbstbetiteltes Debüt erscheint kur-
ze Zeit später und enthält mit „Dance, Dance,
Dance (Yowsah, Yowsah, Yowsah)“ und „Eve-
rybody Dance“ zwei US-Club-Play-Nummer-                      
                      
eins-Hits. „Dance, Dance, Dance (Yowsah,                       

Yowsah, Yowsah)“ wird sogar für einen Gram-


my nominiert, und Chic (1977) erhält dadurch
eine Goldauszeichnung.

Der kometenhafte Aufstieg trägt nicht nur
eigene, sondern auch „fremde“ Früchte, denn
bei Rodgers und Edwards flattern zahllose An-
       
fragen für Songwriting-, Produktions- und                        
                       
Arrangementjobs ein. Kurzerhand gründen die
Beiden die Chic Organization Ltd., die ihren

Extrem lässig, elegant und ... äh: chic: Chic

66 2 /19
Nile Rodgers LEGENDS-SPECIAL

kompletten musikalischen Output verwaltet.


Ganz oben auf der Agenda steht jedoch die
Fertigstellung des Zweitlings, der 1978 unter
dem klangvollen Namen C’est Chic erscheint.
Auf dieser Scheibe findet sich neben der
Top-ten-Single „I Want Your Love“ auch ein
Stück, das Chic über alle Genregrenzen hin-
weg zu Superstars emporhebt: „Le Freak“ er-
reicht alleine in den USA den ersten Platz der
US Billboard Hot 100, der US Hot R&B/Hip-
Hop Songs, der US Dance Club Songs und der
US Cash Box Top 100.

Harte Nuss
Der Megahit soll später als einzige Dreifach-
platin-Single in der Historie von Atlantic Re-
cords eingehen. Neben dem immensen Erfolg
des Stücks ist es auch ein Paradebeispiel für
den süchtig machenden Funk-Groove Nile
Rodgers’, der, wenn man das Hauptthema her-
unterbricht, aus lediglich einem Akkord be-
steht. Diese Simplizität, der sauber cripspe
Stratocaster-Klang und die exakt auf die
Drums gespielten, abgedämpften vier Sech-
zehntelnoten, die bei ihrem Aufwärtsanschlag
weitere Sechzehntel zwischen den Downstro-
kes produzieren, sind Zutaten der Magie in
Niles Spiel. Der Gitarrenpart dieses Tracks
macht auch eines mehr als deutlich: Rodgers
kann mit viel Gefühl und wenigen Noten eine
weitaus größere Message erzeugen als so
Echte Macher: Bernard Edwards (l.) und Nile Rodgers mancher Shredder, bei dem es hauptsächlich
um inflationäre Anschläge geht. „Le Freak“ ist
der berühmte (kompositorische) „Wolf im
Schafspelz“, denn was auf dem Papier fast wie
Bsp. 2 We Are Family TRACK 17 eine Anfängerübung aussieht, ist in der Reali-
        tät für viele eine harte Nuss.

   
    Rodgers und Edwards ruhen sich jedoch
 nicht auf ihren Lorbeeren aus und starten,
 
nachdem die Kampagne zu C’est Chic beendet
ist, in ihr nächstes Projekt. Acht Songs, die
Produktion und natürlich ihr instrumentaler


           
Beitrag zu Sister Sledges We Are Family steht
            im proppenvollen Stundenplan des Duos. An-
gestachelt vom damaligen Atlantic-Records-
Präsidenten Jerry Greenberg, sind Nile und
Bernard Feuer und Flamme für die neue Auf-
gabe und nehmen aus dem Gespräch mit
Greenberg die komplette Blaupause für die



 Platte mit. Interessanterweise haben Chic die
Damen der Gesangstruppe Kathy, Debbie, Joni
 und Kim Sledge noch nie persönlich getroffen
             
und kennen lediglich ihre beiden vorangegan-
genen LPs. Von August bis November 1978
wird arrangiert, aufgenommen und gemixt.
 
Als die Gesangs-Takes an der Reihe sind,
legt die damals erst 19-jährige Kathy Sledge
ihre kompletten Parts für das Album in einem
            
             Sitz auf die Magnetbänder und verzückt damit
Nile und Bernard dermaßen, dass die zwei
New Yorker im Studio The Power Station, das
einem gewissen Tony Bongiovi (dem Onkel
des späteren Rocksuperstars Jon Bon Jovi) ge-
hört, noch mehr Energie in ihre Arbeit legen.

 Als We Are Family im Januar 1979 er-
scheint, ist sich die Chic Organisation Ltd. si-
        cher, dass sie einen Hit landen. Die Vermutung
      
– obwohl das bei der Stilsicherheit unserer

67
LEGENDS-SPECIAL Nile Rodgers

Protagonisten nicht wirklich eine Überra- Bsp. 3 Upside Down TRACK 18


schung Ende der 1970er ist – verwandelt sich
       
in Realität. Nile Rodgers blickt knappe vier

   
   
Dekaden nach der Veröffentlichung auf We

Are Family als sein insgesamt bestes Werk zu-
sammen mit Bernard Edwards zurück. Das Ti-  
telstück „We Are Family“ lebt neben dem
herausragenden Gesang der Sledge-Schwester
selbstverständlich vom einzigartigen Groove,


den Nile und Bernard prominent an ihren
  
sechs beziehungsweise vier Saiten erzeugen.            
           
Obwohl Rodgers seine markanten Trade-         
    
marks dauerhaft einsetzt, geht er doch eine
ganze Schippe relaxter zu Werke und gibt den
Sisters eine eigene Note. Insgesamt wirft die
LP drei veritable Hitsingles („We Are Family“,


„The Greatest Dancer“, „Lost in Music“) ab, als


Chicschon wieder voller kreativer Ideen zu-                            
   
rück im Kontroll- und Aufnahmeraum von
The Power Station ankommen.

Höchstleistungen  

Bereits am 30 Juli – also nur ein halbes Jahr


nach We Are Family – steht Risqué (1979) fer-
tig gepresst in den Plattenläden. Es ist schon
fast gespenstisch, zu welch quantitativen und   
           
vor allem qualitativen Höchstleistungen Rod-            
        
gers und Edwards in kürzester Zeit in der Lage      
   
sind. Mit Risqué vergrößern Chic nicht nur
ihre Sammlung an Gold-Singles und Platin-
alben, sondern inspirieren mit dem Nummer-
eins-Hit „Good-Times“ (US Billboard Hot 100,
US Hot R&B/Hip-Hop Songs und US Cash Box
                           
Top 100) Superstars wie Queen, Blondie, The    
Clash oder die aufstrebenden Australier INXS,
in deren Karriere Nile später noch eine ge-
wichtige Rolle einnehmen wird.
Darüber hinaus werden Chic mit diesem
Lied zu einer der ersten gesampleten Bands
überhaupt. Die Sugar Hill Gang verwendet
den Track „Good-Times“ für ihren eigenen
Song „Rapper’s Delight“ und landet mit Hilfe
der Rodgers/Edwards-Komposition ebenfalls
einen Chart-Erfolg.

Das Ende einer Ära


Obwohl unsere Helden im Sommer 1979 allen
Grund zur Freude haben, ereignet sich 18 Tage
vor der Veröffentlichung von Risqué ein fol-
genschweres Ereignis. Die „Disco Demolition
Night“ am 12. Juli, die zwischen zwei Base-
ballspielen der MLB im Comiskey Park Stadi-
on in Chicago, Illinois, von aufgebrachten
Rockfans veranstaltet wird, schlägt im ganzen
Land Wellen. Der Höhepunkt des fragwür-
digen Events ist die Sprengung von abertau-
senden Disco-Platten mitten auf dem Spiel-
feld. Die Explosion hinterlässt dabei einen
großen Krater inmitten des Baseball-Feldes,
weswegen die zweite Paarung des Abends ver-
schoben werden muss.
Dass Disco die USA zu Ende der Dekade
spaltet, untermauert auch der Fakt, dass im
Gegensatz zu den durchschnittlich 15.000 Be-
suchern der Chicago White Sox an diesem „hi-
storischen“ Abend über 50.000 Menschen ins
Stadionrund strömen, die im Anschluss an die
Detonation das zerstörte Feld stürmen. ?????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????

68 2 /19
Nile Rodgers LEGENDS-SPECIAL

Die Sterne stehen für Chic auf dem Weg ins


neue Jahrzehnt also alles andere als gut –
dank ihres Arbeitspensums bekommen sie da-
von jedoch wenig mit, denn eines ihrer besten
Werke wartet darauf, geschrieben, produziert
und aufgenommen zu werden. Das schlicht
Diana (1980) betitelte zehnte Studioalbum der
Mowtown-Legende Diana Ross wird in nur
vier Monaten fertiggestellt und geht später als
mit großen Abstand erfolgreichste Ross-LP in
die Annalen der Popgeschichte ein.
Obwohl Nile und Bernard zusammen kom-
ponieren und natürlich ihre Stamminstru-
mente einspielen, sitzt Rodgers zum ersten
Mal alleine hinter den Reglern des Kontroll-
raums – was ihm später die Karriere retten
wird. Anfang 1980 ist „Disco sucks“ allerdings
immer noch voll im Gange, und Diana ist mit
dem Endresultat extrem unzufrieden, da sie
schlichtweg um ihre Status im Musikzirkus New Yorker Ikonen: Wichtige Freundschaft:
fürchtet. Öl ins Feuer gießt auch der New Yor- Nile mit Blondie-Sängerin Debbie Harry Nile (M.) mit David Bowie (r.)
ker DJ Frankie Crocker, der Ross den totalen
Exodus bescheinigt. zu werden. All das geschieht hinter dem Rü- heber von Megahits wie „I’m Coming Out“,
Diana Ross remixt die komplette Scheibe cken der Chic Corporation Ltd., die sogar mit „My Old Piano“ oder dem in allen wichtigen
unter Mithilfe von Motown-Engineer Russ dem Gedanken spielt, ihre Namen aus den Märkten (außer Deutschland und England) an
Terrana, streicht Instrumente und nimmt Credits streichen zu lassen. die Spitze der Charts schießenden „Upside
schließlich ihren kompletten Gesang neu auf, Dies geschieht zum Glück nicht, und die Down“ genannt, in dem Rodgers zum (vorerst)
um ja nicht mit Disco in Verbindung gebracht beiden Songwriting-Cracks werden als Ur- letzten Mal in seiner „traditionellen“ Form
und auf derart hohem Verkaufsniveau in die
Saiten greift.
Neben den Hits, der „Disco-sucks“-Bewe-
gung und den gerade beginnenden ’80ern ma-
Bsp. 4 Let’s Dance TRACK 19 chen sich bei Nile langsam, aber sicher ein
ernsthaftes Drogenproblem und bei Bernard

der Wunsch nach einem normalen Familien-

leben breit. Vertraglich sind sie noch zu vier
 
Platten für Atlantic Records unter dem Chic-
Banner verpflichtet, die sie mit Real People
(1980), Take It Off (1981), Tongue in Chic


       
(1982) und Believer (1983) abliefern. Ein Out-
















side-Projekt wird in dieser finalen ersten
        Chic-Epoche trotzdem noch „zwischendurch“
in Angriff genommen: das mit Gold überzo-
gene Solodebüt Kookoo (1981) von Blondies
  Debbie Harry.
Apropos Solodebüt: Rodgers veröffentlicht
seinen Einstand als leading man knapp ein
halbes Jahr vor dem Ende von Chic mit
              
               Adventures in the Land of Good Groove (1983)
              
               und fällt damit, da Disco inzwischen die un-
              
coolste Sache des Globus ist, ordentlich auf
die Nase.


Lieber gleich das Original
Zwischen dem Soloflop und dem Chic-Schwa-
nengesang trifft Nile im Hinterzimmer eines
Clubs David Bowie, der nach vier Scheiben
     
      mit Tony Visconti einen kreativen Produzen-
     
      tenwechsel benötigt. Bowie schwebt Großar-
tiges vor, denn er möchte einen fulminanten
Einstand für EMI, die ihm für die damalige
Zeit unglaubliche 17,5 Millionen US-Dollar
  
auf den Verhandlungstisch legen, in die Plat-
tenläden stellen. Sein Fokus für das spätere
Let’s Dance (1983) liegt nur auf einer einzigen
     
      Prämisse: Single-Hits!
     
      Die Songs schlummern zwar schon in der
Schublade, um daraus Chartbreaker (mit über-

69
LEGENDS-SPECIAL Nile Rodgers

NILE RODGERS’ EQUIPMENT


GITARREN
Fender Stratocaster „The Hitmaker“
Fender Classic Series ’72
Nile (l.) mit John Taylor (Duran Duran) Telecaster Thinline
Gibson Barney Kessel Custom
Gibson Custom L-5 CES
Guitarman Plexiglass
Coral Sitar
AMPS
Fender Hot Rod DeVille 410
EFFEKTPEDALE
Boss DD-3 Digital Delay
Ibanez CS9 Stereo Chorus
Mad Professor Snow White Autowah
Live Aid 1985 (v. l.): Tom Bailey, Nile, Madonna

arbeiteten Melodielinien und griffigen, sofort Grammy Awards 1984 muss sie sich gegen gefragtesten Produzenten in der prägendsten
zündenden Arrangements) zu zaubern, braucht Michael Jacksons Thriller (1982) geschlagen Dekade der Popkultur.
es dringend jemanden wie Nile Rodgers – und geben. Ganz nebenbei verhelfen Rodgers und Ab Let’s Dance ist Rodgers ein Dauergast
wer ist schon besser als das Original? Bowie mit Let’s Dance noch einem aufstre- in den Aufnahmeräumen des Who’s who des
Die beiden Ausnahmekünstler verstehen benden Bluesgitarristen aus Dallas, Texas, gesamten Biz. Neben Madonnas weltweitem
sich schier blind und hämmern David Bowies zum Durchbruch im Mainstream – sein Name: Kassenschlager Like a Virgin (1984), das mit
erfolgreichste und gleichzeitig bedeutendste Stevie Ray Vaughan. über 21 Millionen Einheiten zum meistver-
LP in 17 Tagen auf Magnetband. [Diese Mei- kauften Album ihrer gesamten Karriere avan-
nung spiegelt nicht die Meinung der Redakti- Keine Option ciert und die New Yorkerin als Megastar mani-
on wider – die Red.] Let’s Dance ist bis auf die „Let’s Dance“ ist in vielerlei Hinsicht einer der festiert, starten 1984 zwei fantastische Kolla-
Platzierungen in den US Billboard 200 und in wichtigsten Tracks in Nile Rodgers’ illustrer boration. Zum einen legt Nile Hand an einen
den japanischen Oricon Charts in den Haupt- Laufbahn. Er schüttelt damit quasi mit einem Song von INXS und stutzt „Original Sin“ in-
märkten ein Garant auf den ersten Platz. Saitenanschlag „Disco sucks“ vom Griffbrett, klusive Backing-Vocals von Daryl Hall zu
Mit Krachern der Marke „Modern Love“, nachdem Mixer Bob Clearmountain aus einer einem Hit. Da die Zusammenarbeit fantastisch
„China Girl“ und dem als Auskopplung und Laune heraus ein Dotted-Delay darauflegt und funktioniert, lassen Michael Hutchence, An-
Namensgeber alles überschattenden „Let’s Nile nur noch einzelne Akkorde spielt. Dieses drew Farriss & Co. gleich einen Großteil der
Dance“ knallt die Langrille alles weg, was ihr simple Thema bleibt bei jedem sofort in den restlichen LP The Swing (1984) im Big Apple
während der kompletten Albumkampage in Gehörgängen kleben, und unser geschasster von Nile Rodgers produzieren. Bewusst oder
den Weg kommt. Okay, fast alles, denn bei den Disco-Hero ist von jetzt auf gleich einer der unbewusst stellen sich in diesen Sessions die

Bsp. 5 Get Lucky TRACK 20


 

 
NILES „KUNDENSTAMM“ 
(AUSZUG)
 

Avicii Jeff Beck


  

Bryan Ferry Keith Urban


Carl Cox Madonna            
                
Daft Punk Michael Bolton                               

David Bowie Mick Jagger


David Lee Roth Nervo
Debby Harry Nicky Romero  
Depeche Mode Norma Jean Wright
Diana Ross Peter Gabriel
Duran Duran Sheena Easton
Grace Jones Sister Sledge             
                        
INXS The B-52’s                         

70 2 /19
Nile Rodgers LEGENDS-SPECIAL

71
LEGENDS-SPECIAL Nile Rodgers

Gitarrenduett: Nile (l.) mit Keith Urban

Geballte Soul-Funk-Power (v. l.): Nile Rodgers,


Stevie Wonder und Pharrell Williams

Weichen für den späteren INXS-Sound, der Pharrell Williams, große Chöre und die coolen 2018 veröffentlicht er nach über einem Vier-
die Australier knappe sechs Jahre später zur Beats respektive elektronischen Spielereien teljahrhundert sogar wieder eine Chic-Schei-
X-Kampagne (1990) und mit dem Jahrhun- von Daft Punks Guy-Manuel de Homem-Chri- be. It’s About Time verneigt sich dabei gleich-
dertwerk Kick (1987) im Aufgebot auf Sta- sto und Thomas Bangalter. zeitig vor Rodgers’ Vergangenheit, ist jedoch
dionlevel emporschießt. fest im Hier und Jetzt verankert und liefert
Zum anderen beginnt die bis zum heutigen Zeitloser Gitarrist dazu noch einen Ausblick auf die Zukunft –
Tag beständige On-off-Beziehung mit Duran Anfang 2019 ist Nile Rodgers trotz seines Al- denn die Symbiose aus handgemachten und
Duran, nachdem Nile „The Reflex“ (1984) für ters von 66 Lenzen immer noch einer aus dem elektronischen Arrangements ist eine perfekte
die Single-Auskopplung der Engländer re- erlauchten Kreis von Leuten, die nicht nur Teil Gratwanderung zwischen den beiden Extre-
mixt. „The Reflex“ klettert auf Platz eins der des Zeitgeistes sind, sondern diesen höchst- men. Man darf sich übrigens schon auf sein
US-Single-Charts und legt den Grundstein für persönlich darstellen. Egal, ob man seine Fea- gemeinsames Album mit dem tragisch ver-
die nach einer Figur des Science-Fiction-Klas- tures bei den berühmtesten DJs, sein die Deka- storbenen DJ Avicii freuen, das fertig gemixt
sikers Barbarella benannten Birminghamer in den überdauerndes und stets stylisches Gitar- auf einer Festplatte in Niles Katakomben
den USA. Inspiriert durch diesen gemein- renspiel, sein Händchen als Produzent oder schlummert und nur darauf wartet, den ge-
samen Wurf, wird Rodgers gleich für das kom- seine schier unsterblichen Songs als Beispiel samten Planeten erneut das Grooven zu leh-
mende Arena (1984) verpflichtet. hernimmt – Nile ist einer der wichtigsten Cha- ren.
Später wird Rodgers bei Duran Duran nicht raktere der gesamten Popkultur und hat diese Text: Chris Franzkowiak
nur im Stuhl hinter dem Mischpult, sondern zudem maßgeblich geprägt. Noten & Soundfiles: Tobias Mertens
auch als aktiver Songwriter und natürlich Gi-
tarrist in Erscheinung treten. Notorious (1986),
Paper Gods (2015) sowie alle Projekte, welche
die Kreativköpfe dazwischen realisieren, zeu-
gen von der Magie im Studio. Für den Video- Bsp. 6 Get Lucky TRACK 21
clip der Paper-Gods-Leadsingle „Pressure Off“  

 
tritt Nile sogar neben Simon Le Bon, Nick 
Rhodes, John Taylor und Roger Taylor als ei-
ner der Akteure vor die Kamera.  
2015 darf der Diskokönig auch wieder un-
geniert seinen Funky-Style auf dem Fretboard
  

seiner Fender Stratocaster ausleben. Zu ver-            


danken hat er diese wiedergewonnene Freiheit                          
     


    

    

    

    

 



 

der inzwischen auf dem gesamten Planeten                                              

dominierenden EDM-Welle, deren Stars Rod-


gers und die Chic Corporation Ltd. als Götter
des Dancefloors verehren.  

Große Fans sind auch das französische


House-Duo Daft Punk, die mit Nile 2014 „Get
Lucky“ komponieren. Der Track landet in über
     
50 Charts der Erde auf Platz eins und atmet                                                   
                    
die Luft früher Chic-Werke. Groovige Gitar-       
renlinien treffen auf den souligen Gesang von

72 2 /19
Nile Rodgers LEGENDS-SPECIAL

N
ile Rodgers’ Hitmaker ist die wohl
meistgehörte Gitarre der Welt. Auf
den ersten Blick ist es eine reguläre
Fender Stratocaster in Olympic-White
mit einigen kosmetischen Verände-
rungen – auf den zweiten jedoch ein
Mysterium, dessen Reproduktion den
Fender Custom Shop Jahre kostete.
Der Sound der Hitmaker ist ein Zusammen-
spiel aus vielen Puzzleteilen: Die Basis bilden
ein extrem leichter 1960er-Hardtail-Body aus
Erle (inklusive Abziehbild „With Sychronized
Tremolo“) und ein extrem dünner 1959er-
Ahornhals mit ungewöhnlich dünner Kopf-
platte – wir haben es also, streng genommen,
schon bei den ersten beiden „Bausteinen“ mit
einer „Partscaster“ zu tun.
Vor dem Blick auf die Elektrik sticht sofort
das verchromte, aus Messing gefertigte Pick-
guard ins Auge. Dieses Aftermarket-Teil sieht
nicht nur sehr stylisch aus, sondern zieht aus
dem Magnetfeld der drei Singlecoils eine er-
hebliche Portion der Höhen. Daraus resultiert
ein für eine Strat ungewöhnlich bassiger und
angenehm runder Klang.
Ein nicht zu vernachlässigendes Element
sind die extrem schweren Stimmmechaniken,
die dem schmalen Headstock metallische Mas-
se verleihen. Zu guter Letzt sind die 1969er-
Pickups, der Fünfwegeschalter und die (nor-
malerweise bei Gibson zu findenden) Speed-
knobs der finale Beweis, dass Niles Hitmaker
eine komplett aus Einzelteilen zusammenge-
baute Stratocaster ist.
Natürlich spielt auch die Lackierung einen
nicht unerheblichen Rolle im Hitmaker-Gefü-
ge, denn hier kommen gleich zwei unter-
schiedliche Nitrozelluloselackmischungen für
Hals und Body zum Einsatz.
Wie kam Rodgers überhaupt zu diesem
Stratocaster-Rätsel? Der Sage nach erstand er
sie 1973 auf Anraten von Bernard Edwards in
einem Gitarrenladen in Miami Beach, Florida.
Dafür tauschte der New Yorker seine Gibson
Barney Kessel Custom ein und bekam dafür

The Hitmaker
die Hitmaker und einen Restbetrag. Rückbli-
ckend eines der besten Geschäfte der Musik-
geschichte, denn die Hitmaker spielte in Niles
Händen bis heute einen Betrag von ungefähr
zwei Milliarden US-Dollar an Plattenverkäu-
fen ein und ist darüber hinaus maßgeblich für
die Entwicklung seines Funk-Styles verant-
wortlich.
Nile Rodgers ist nach wie vor fest davon
überzeugt, dass seine Hitmaker ein wirklich
einzigartiges Instrument ist. Das diese Mei-
nung nichts mit gewöhnlichen „Gitarren-Mo-
jo“ zu tun hat, durften auch die Masterbuilder
des Fender Custom Shop am eigenen Leib er-
fahren, als eine auf 100 Stück limitierte Tri-
bute-Edition auf der Agenda stand. Die Auf-
schlüsselung der Hitmaker dauerte mehrere
Jahre, bis sie als Replik im Januar 2014 auf
der NAMM Show in Anaheim, Kalifornien,
dem Publikum präsentiert wurde.

73
MASTERPIECE Dire Straits – Dire Straits

TRA

28
CK
22 –

DIRE STRAITS
DIRE STRAITS
1978 erschien das erste Dire-Straits-Album und erhob den bis
dato relativ unbekannten Mark Knopfler auf einen Schlag in den
Gitarrenolymp. Zu einzigartig war sein plektrumloser Picking-Stil
zu eingängigen und groovigen Songs wie „Sultans of Swing“
und „Down to the Waterline“ – und zu bewegt ist die Geschichte
des Albums, die wir euch hier erzählen.

Album
Produktion: Muff Winwood
Studio: Basing St. Studios, London
Aufnahme: 13. Februar bis 5. März 1978
Veröffentlichung: 10. Oktober 1978
Label: Warner Bros.

Tracklist
1. Down to the Waterline
2. Water of Love
3. Setting Me Up
4. Six Blade Knife
5. Southbound Again
6. Sultans of Swing
7. In the Gallery
8. Wild West End
9. Lions

Besetzung
Mark Knopfler: Gesang, Gitarre
John Illsley: Bass, Gesang
David Knopfler: Gitarre, Gesang
Pick Withers: Schlagzeug
C Getty Images

74 2/17
Dire Straits – Dire Straits MASTERPIECE

75
MASTERPIECE Dire Straits – Dire Straits

Bsp. 1a Down to the Waterline TRACK 22


       

   
   


 
 


     



     



     



     



     

   


   
    
    


 

           
           
           
           
           

     
     
  

D
ienstag, 2. Mai 1978: In der Hamburger
Musikhalle steht eine englische Gruppe
auf der Bühne, die noch kein Album Bsp. 1b Down to the Waterline (Licks) TRACK 23 + 24
auf dem Markt hat. Die Zuschauer


 
wirken ein wenig ratlos, zumal nach

Augenzeugenberichten die Tontech-

niker des Haupt-Acts Styx den Sound 
der Vorgruppe verhunzen. Nach dem  
Hamburger Gig, der dritten Show ihrer
Europa-Tour, brechen die US-Superstars die
Konzertreise übrigens ab. 
  

Samstag, 28.10.1978: Erneut sind die Dire



Straits an gleicher Stätte in der Hansestadt    
     
live zu erleben, diesmal allerdings als Head-   
 
liner – und das Publikum liegt den New-
comern zu Füßen. Da ist ihr selbstbetiteltes

Debütalbum seit drei Wochen auf dem Markt

– und hat in der vom Punk geprägten Musik-
 
welt wie eine Bombe eingeschlagen.
Die vorab erschienene Single „Sultans of
Swing“ war zu dem Zeitpunkt zwar schon ein 
halbes Jahr auf dem Markt, aber weitestge-
   
hend unbemerkt geblieben. Erst als der so    
     
unwiderstehlich groovy rollende Song 1979  
nach der späteren Veröffentlichung in den
USA und der Dauerrotation dort im Vereinig-
ten Königreich noch einmal auf dem Markt
geworfen wurde, hielt er weltweit Einzug in Knopfler, sein Bruder David an der zweiten „Wir haben ihm das Band eigentlich nur in die
die Charts: Rang acht verzeichnete das Quin- Gitarre, John Illsley am Bass und Drummer Hand gedrückt, um zu erfahren, was er von
tett in den heimischen UK-Charts, Platz acht Pick Withers bereits auf eigene Faust für ein den Songs hält“, erzählte Withers 1981. „Doch
in den USA, in Deutschland blieb man auf fünf Songs umfassendes Demo in den Londo- er nahm ‚Sultans of Swing' sofort in die Rota-
Nummer 20 stehen. Dabei handelte es sich be- ner Pathway Studios aufgenommen und dem tion seiner Sendung Honky Tonk – Charlie
reits um die dritte Veröffentlichung des Titels: einflussreichen BBC-Moderator Charlie Gillett hört sich wirklich alles an, was er bekommt,
Die Urfassung hatten Sänger/Gitarrist Mark in die Hand gedrückt. und er hat den Ruf, Dinge in Gang zu setzen“,

76 2 /19
Dire Straits – Dire Straits MASTERPIECE

Der Weg zur


mitreißenden
Performance

Ähnlichkeit durchaus vorhanden: Mark (l.) und David Knopfler

Bsp. 2 Water of Love TRACK 25 Thorsten Skringer zeigt, wie


 
  
 man es schafft dem Zuhörer mit


  

 

seinem Solo die Begeisterung
in die Augen zu treiben. Für die
 
richtige Übungsatmosphäre
sorgen 5 groovigen Playalongs
 




 
   
aus seiner CD „Over The Line“.

 

ISBN 978-3-937841-93-9
22,95 EUR


                 
                
              
              
    

 

     






                 
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MASTERPIECE Dire Straits – Dire Straits

so Withers. Auch im Falle Dire Straits: Phono- Bsp. 3 Six Blade Knife TRACK 26
gram Records wurde hellhörig und bot der

Band umgehend einen Plattenvertrag beim

Sublabel Vertigo an.

Kein Geringerer als der damals vielgefragte    
Muff Winwood, einst an der Seite seines Bru-
der Stevie bei der Spencer Davis Group als
Bassist tätig und später hochrangiger Platten-
   


firmenmanager bei Island und CBD, wurde mit
der Aufgabe betraut, die Debüt-LP der 1977
   
gegründeten Gruppe zu produzieren. Wozu        
 
unter anderem eine Neuaufnahme von „Sul-
tans of Swing“ gehörte, die es dann in die in-
ternationalen Hitparaden schaffte. Vom ersten


Demo schafften es übrigens auch das in eini-
gen Ländern als Single ausgekoppelte „Water
of Love“, „Down to the Waterline“ und „Wild
West End“ auf das Album, während „Sacred    

Loving“ aus David Knopflers Feder auf der


          
Strecke blieb – möglicherweise die erste Saat
der späteren Spannungen innerhalb der Band
und der Frustration beim jüngeren der beiden
Architektensöhne, der sich während der Auf-
nahmen für das dritte Dire-Straits-Opus Ma-   

king Movies Mitte 1980 verabschiedete.

Akustische Anfänge  
 
   
Dire Straits, das war im Grunde von Anfang
     
an die Band des Ausnahmegitarristen Mark          
    
Knopfler, in dessen Schatten seine anfangs
drei Mitstreiter wenig Raum zur Entfaltung
hatten. Der wie Bruder David in Glasgow ge-
   

borene und in Newcastle aufgewachsene Mark


Knopfler (geboren am 12. 8. 1949) hatte auf
der Akustikgitarre begonnen. „Mein Vater hat-

te für das Instrument viel Geld hingeblättert,
das es bei uns wahrlich nicht im Überfluss 
           
gab“, erzählte Knopfler vor einigen Jahren im               
   
guitar-Interview. „Ich wagte damals deshalb
nicht, ihn um einen Verstärker zu bitten, weil
ich wusste, dass er ihn sich nicht würde leisten
können. Also habe ich es mit einem Radio als
Verstärker versucht und das durchgeblasen.“
Mit seiner Akustikgitarre zog Knopfler
durch die Folk-Clubs in England, und „dabei
lernte ich, wie Fingerpicking funktioniert“. Als
Kind habe er Skiffle gehört, dazu die Shadows
– „ich hatte eine EP von ihnen“ –, Ricky Nel-
son und die Everly Brothers. „Über Ricky Nel-
son lernte ich James Burton kennen, bei Elvis
Presley hat mich Scotty Moore beeindruckt“,
erinnerte sich Knopfler später. „Ich war sechs
oder sieben Jahre alt, als ich anfing, Platten zu
kaufen, und dann der Wunsch wuchs, Gitarre
zu spielen – und eine rote Gitarre wollte ich
schon immer wegen der Shadows und Hank
Marvin!“ Später entdeckte er den Blues und
Folk, „und aus der Mischung dieser beiden
Spielarten mit dem Rock’n’Roll entwickelte
ich dann meinen eigenen Stil des Gitarren-
spiels“.
Ein Jahr lang studierte der ambitionierte
Musiker Journalismus und heuerte in Leeds
bei der Yorkshire Evening Post an. „Ich habe
Nachrichten verfasst und bearbeitet, vor allem
aber Gerichtsreportagen geschrieben – das hat
mir richtig Spaß gemacht, weil es mit dem
wirklichen Leben zu tun hatte. Über Musik Von Anfang an ganz eigener Sound: die Dire Straits mit Mark Knopfler (vorne r.)

78 2 /19
Dire Straits – Dire Straits MASTERPIECE

Eine Band um eine rote Strat herum (v. l.): John Illsley, Mark Knopfler, Pick Withers, David Knopfler

durfte ich relativ wenig machen, weil ich zu sollte. Nach seinem Umzug nach London 1973 bettet war. Er lotste Illsley zu den Cafe Racers,
der Zeit nur Juniorreporter und ein älterer stieg Knopfler bei der Pub-Rock-Band Brewers um wenig später mit seinen zwei WG-Mitbe-
Kollege der Musikkritiker war, der mir gele- Droop ein. Das mit ihnen 1973 eingespielte wohnern eine gemeinsame Band an den Start
gentlich mal eine Platte zum Besprechen über- Album The Booze Brothers (mit Dave Ed- zu bringen. Als Schlagzeuger holte der Chef
ließ.“ Allerdings: Der letzte Artikel, den er für munds als Gast an Banjo und Mundharmoni- Pick Withers dazu, den er von Brewers Droop
die Evening Post verfasste, war ein Nachruf ka) blieb unveröffentlicht, bis 1989 ein fin- kannte und der in den Rockfield Studios als
auf Jimi Hendrix. diger Kleinlabelbesitzer entdeckte, dass da der Hausschlagzeuger bereits mit Größen wie
spätere Dire-Straits-Boss mitgemischt hatte, Dave Edmunds, Bert Jansch oder Magna Carta
Lehrer mit Pub-Rock und das Teil doch noch veröffentlichte. gearbeitet hatte. Nach dem bereits erwähnten
Bereits 1970 fertigte der Musiker, der nach der Seine Brötchen verdiente Knopfler danach Demo, welches das Quartett am 27. Juli 1977
Zeitungszeit seinen Lebensunterhalt drei Jahre drei Jahre lang als College-Lehrer, während er aufgenommen hatte, spielten sie im Rahmen
lang als Englischlehrer verdiente, ein erstes in Pub-Bands spielte, zuletzt The Cafe Racers. einer BBC-Session mit „Southbound Again“,
Demo mit einem selbst verfassten Song Als sein Bruder David ebenfalls nach London „Six Blade Knife“ und „In the Gallery“ drei
(„Summer’s Coming My Way“) an, bei dem übersiedelte und eine WG mit einem Bassisten weitere Songs ein, die kurz darauf auf ihrem
Steve Phillips die Rhythmusgitarre bediente, namens John Illsley aufmachte, zog Mark Debütalbum landen sollten. Bei einer dritten
der Knopfler einst profundere Blues-Kennt- ebenfalls mit in die Sozialwohnung im Londo- Session Anfang November schließlich ent-
nisse vermittelt hatte und später in dessen Ne- ner Scherbenviertel Deptford ein, weil er nach stand der spätere Albumtrack „Setting Me Up“.
benprojekt The Notting Hillbillies auftauchen einer Scheidung nicht gerade auf Rosen ge- Als „Erfinder“ des Bandnamens gilt ge-
meinhin Withers, der damit auf die anfäng-
liche Finanzknappheit der vier Musiker an-
spielte. Erstmals gefallen sein soll der Name
Bsp. 4 Southband Again TRACK 27 übrigens bei einer Probe in der Küche ihres

    Freundes Simon Cowe, der als Gitarrist bei
 den Folk-Rockern Lindisfarne spielte.
  
 Clean und ausgefeilt
 
Nachdem der Plattenvertrag bei Vertigo unter
Dach und Fach war, zog Muff Winwood mit
den Dire Straits für die Zeit zwischen dem


                        23. Februar und 5. März 1978 schließlich in


die Basing Street Studios in der britischen
             
                    Hauptstadt ein. Inhaltlich widmete der aus-
   
schließliche Songlieferant Mark Knopfler Re-
miniszenzen an Newcastle („Down to the Wa-
terline“, „Southbound Again“), verkannte
  Künstler (In „In the Gallery“ geht es um den
Vater seines zeitweiligen Mitstreiters Steve
Phillips und eine Galerie in Leeds) und miss-
                glückte Beziehungen.
    Winwood setzte mit einer relativ cleanen
            
                    wie ausgefeilten Produktion einen klaren
klanglichen Kontrapunkt zu den damals

79
MASTERPIECE Dire Straits – Dire Straits

Ein wenig Albert Lee (aber auch Chet Atkins, seines Bruders David – und der effizienten wie
entfernt auch Ry Cooder) war aus Knopflers unauffällig-auffälligen dynamischen Tromme-
Gitarrenspiel herauszuhören, stimmungsmäßig lei von Withers, der mit hintergründigen „Mini-
und von der Entspanntheit her erinnerte Explosionen“ auf Hi-Hat und Snare das Laid-
manches an J. J. Cale – und doch war die back-Feeling kontrastierte. Völlig unzeitgeistig
Gruppe bereits mit ihrem ersten Werk unver- war es, was das Londoner Quartett da spielte –
kennbar, hatte quasi aus dem Stand einen so- was wiederum den Reiz nur steigerte.
fort identifizierbaren Sound entwickelt. Und „Muff Winwood nahm im Grunde ein Live-
das, ohne vorher jahrelang durch die Clubs des Album ohne Publikum auf, das inklusive Hül-
Vereinigten Königreichs oder Festland-Euro- le und Cover gerade mal 12.500 Pfund kostete
pas getourt zu sein! Natürlich prägte Mark und sich in den ersten neun Monaten nach
Knopfler mit seiner Gitarre (je eine rote Fender Erscheinen acht Millionen Mal verkaufte“,
Stratocaster von 1961 und von 1962 sowie blickte Dire-Straits-Manager Ed Bicknell spä-
eine schwarze Telecaster Thinline und eine ter auf das erfolgreichste Album des Jahres
1938 National Style O14) und seiner Stimme 1978 zurück, das der Band eine ebenso furiose
die ersten Songs maßgeblich. wie vergleichsweise kurze Karriere bis 1995
Doch viel ihrer Wirkung entfalteten sie eröffnete.
nicht zuletzt dank des stetigen, immer auf den Philipp Roser
Punkt kommenden Rhythmusgitarrenspieles Noten & Soundfiles: Tobias Mertens

Bsp. 5 Sultans of Swing TRACK 28


   
 


angesagten rauen bis rotzigen Klängen, die  

bei vielen jüngeren Acts gefragt waren.


Was die Dire Straits auf ihrem gleichna-
 


migen Debüt anboten, war kein Punk, ge-


     
schweige denn der damals aufkommende Me-         
        
tal, weder Glam-Rock noch Disco, die zu jener         
  
Zeit angesagt oder im Abklingen waren – und
die Londoner trafen damit offenbar einen
Nerv. Genauer gesagt: mit Knopflers flie-
ßenden Gitarrenmelodien, dem entspannten


Feeling der Scheibe und ihrer vielfältigen sti-


listischen Mischung. Denn die reichte von ein- 
 




gängigen Nummern mit Gassenhauerquali-
täten wie „Sultans of Swing“ über knackigen
Bar-Boogie („Setting Me Up“ mit einem jaz-    
zigen Unterton beim Schlagzeug) oder eine
Country-Soul-geschwängerte Nummer wie
„Six Blade Knife“ bis zu relaxten Schleichern
vom Schlage „Water of Love“.

Wie einst Aschenputtel


Dire Straits verkörperte eine ganz eigene ver-
zinkte Vermengung von Rock, Blues, Folk und
Country, die britische Antwort auf Americana,
wie es ein Kritiker später einmal nicht ganz un-   

zutreffend beschrieb – schließlich gab es sei-         
    
nerzeit den Begriff Americana noch gar nicht.
Es waren jedenfalls Töne, wie sie zu jener Zeit
alles andere als angesagt waren, zumindest bei

den führenden UK-Magazinen – und offenbar


befriedigten die Dire Straits damit doch ein
Hörbedürfnis vieler Musikfans, wie die sich
nach einer kurzen Anlaufphase rasant entwi-
ckelnden Verkaufszahlen bewiesen.
Und die internationalen Medien sprangen
auf den Überraschungs-Act an: „Die Dire
Straits bedienen das wachsende Bedürfnis
nach schlichter Rockmusik“, beschrieb damals
beispielsweise der Spiegel den „sanften Gipfel-     
 
sturm“ der Band und bezeichnete deren ra-
santen Aufstieg als „Aschenputtel-Story“.

80 2 /19
Dire Straits – Dire Straits MASTERPIECE

81
RIFFALONG Michael Jackson

RIFFALONG: MICHAEL JACKSON


TRA

34

CK
29 –

Gitarren für den King of Pop


Michael Jackson war über Jahrzehnte der unumstößliche „King of Pop“ und
scharte exzellente Musiker und Performer um sich. Die Crème de la Crème
der Gitarrenszene durfte sich auf den Hits des Megamusikers verewigen.
Wer Michael Jacksons Songs als reine „Synthie-Mucke“ abtut, liegt falsch.
Denn in seinen Songs ist spannende Gitarrenarbeit im Pop-Kontext an allen
C Getty Images

Ecken und Kanten zu hören.

82 2 /19
Michael Jackson RIFFALONG

Bsp. 1 „Off the Wall“ TRACK 29


       

   
   

 


        

Off the Wall 1979




       
       
        „Off the Wall“ entstammt Michael
Jacksons gleichnamigem, fünf-
tem Soloalbum und markiert den
 
wirklich großen Durchbruch für
das Ausnahmetalent und seine
Solokarriere. Auf diesem Album
wirkten mehrere in der Musiksze-
ne bekannte Studiogiganten wie
         Larry Carlton, Marlo Henderson,
Phil Upchurch, Wah Wah Watson
und David Williams mit. Das Al-
bum zeigt starke Bezüge zu Funk,
R&B und Motown-Musik und der
Genre-typischen Gitarrenarbeit.
In „Off the Wall“ spielt David
            Williams eine spannende und in
           
            sich verwobene Gitarrenfigur. Die
eine Gitarre spielt Molldreiklän-
ge, die andere Single-Notes mit
abwechselnd klingenden und
Palm-Mute-Tönen. Dieses Riff
eignet sich hervorragend zum
Üben von 16tel-Synkopen. Spielt
am besten eine der beiden Passa-
gen in einen Looper ein und fügt
die andere live hinzu.

83
RIFFALONG Michael Jackson

Bsp. 2a „Beat It“ TRACK 30

   


 
   

 

   

  
 
Sacrament (2006)


 

Thriller 1982





Mit „Beat It“ ging der King of


Pop neue Wege und bewegte sich


in den Gefilden der Rock-Musik.


Der Approach des Albums Thril-
ler war, etwas zu kreieren, das
       
den Kids zu dieser Zeit besonders 
  
gefiel – und sich vom puren
Funk zu entfernen. Im Gegensatz
zur Vorgängerplatte wollten  
Jackson und sein Produzent
Quincy Jones Gitarrenhelden
engagieren, die der breiten Masse
bekannt waren, und keine nur in
der „kleinen“ Musikszene umtrie-
 

bige Studiomusiker.  

Für die Gitarristen Steve

Lukather und Eddie Van Halen


ist die Beteiligung bis heute eine
oft zitierte Referenz in Inter-
views. Während Steve Lukather
an mehreren Songs des Albums
als Bassist und Gitarrist mit-
wirkte, war Eddie Van Halens       

Soloauftritt in „Beat It“ einmalig  
und wurde häufig diskutiert. Er
selbst erzählt die Story so, dass
ein Anruf von Quincy Jones für
sein Mitwirken sorgte. Laut Bsp. 2b „Beat It“ TRACK 30
Eddies Worte war das Ganze ein
unbezahlter Gefallen. 
   
Das Beispiel zu „Beat It“    
umfasst das Main-Riff mit der    
charakteristischen Lead-Gitarre. 
Stimmt eure Gitarre dafür einen
  
Halbton tiefer, und los geht’s!
   


           
           

           
           

84 2 /19
Michael Jackson RIFFALONG

Weit mehr als nur Pop: Durch Eddie Van Halens (l.) Solo bekam „Beat It“ eine völlig neue Dimension

Bsp. 3 „Billy Jean“ TRACK 31



  

  
 
  

   
   
   

   
  

Thriller 1982
Beteiligt an der Produktion des      
       
Songs „Billie Jean“ war Greg     
Philinganes, der später für lange
Zeit Tour- und Studiomusiker der
Band Toto wurde. Bemerkens-
wert ist, dass nahezu alle Toto- Synthesizer zu hören ist, live Das Instrumental-Riff zeigt einen leitende Rolle als Gegenpart zur
Mitglieder (siehe auch Lukather, aber häufig von den Gitarristen typischen Einsatz der Rhyth- Stimme. Es gilt vor allem, die
Steve Pocaro, David Paitch) an mitgespielt wurde. Versucht, musgitarre in Bridge-Parts. Die Passagen bei Jackson zu 100
Michael-Jackson-Produktionen die Dreiklänge möglichst kurz Gitarre in den Jackson-Produk- Prozent akribisch korrekt zu
mitwirkten. zu spielen. Es eignet sich auch tionen übernimmt eher selten spielen, da auch er selbst einen
Unser Beispiel zeigt einerseits der Einsatz der Fingerpicking- eine tragende, sondern oftmals perfektionistischen Anspruch an
das Main-Riff, bei dem zwar ein Technik. im musikalischen Kontext eine sich stellte.

85
RIFFALONG Michael Jackson

Bsp. 4 „Dirty Diana“ TRACK 32


  


   



   

          
               

 



Bad 1987 

Fünf Jahre nach Thriller ver-


öffentlichte der detailversessene
Perfektionist Michael Jackson  
         
sein neues Werk Bad. Er ver-      
folgte damit weiter den An-
spruch, die zur entsprechenden
Zeit weltweit gehypten Top-
Gitarristen zu engagieren. Nach-
dem Steve Stevens bei Billy Idol
gerade raus war, bekam er die
Chance, im Jackson-Zirkus mit-
zuwirken. Wie schon bei Thriller
blieb der Einsatz der Gitarre
innerhalb der Produktion dem-
entsprechend Rock-artig.
Das Riffing in der Strophe ist
pentatonischer Natur und gar
nicht so leicht, wie es zunächst
für den einen oder anderen
erscheinen mag. Die Wechsel
zwischen Palm-Mutes und klin-
genden Schlägen müssen genau
sitzen. Der Chorus klingt fast
gegensätzlich, wie eine zwei-
te Melodie zum Gesang. Man
tendiert leicht dazu, die Silben
„Dirty Di – an – a“ inklusive der Bad 1987
Verzögerung auf der letzten Silbe
rhythmisch mitspielen zu wollen.
Im Beispiel 5 ist die Gitarre des
Aus der Live-Riege Instrumental-Parts im Song
der Jacko-Gitarristen: „Smooth Criminal“ (vom Album
Jennifer Batten Bad) zu hören. Die Rhythmik
ist etwas vertrackt. Solltet
ihr Probleme mit der exakten
Ausführung komplexerer 16tel-
Synkopen haben, hilft wie so oft
Bsp. 5 „Smooth Criminal“ TRACK 33 langsames Üben.
  
Gerade wir Gitarristen müs-
sen uns bei solchen Synkopen

auch genau überlegen, ob wir

 
 
  die Noten mit einem Down- oder
Upstroke anschlagen. Es emp-
fiehlt sich grundsätzlich, alle
Achtelnoten („1-und-2-und-3-

 



 
  und-4-und“) mit einem Down-
            stroke und alle Achtel-off-Noten
     
  („One-e-and-a-Two-e-and-a...“)
mit einem Upstroke zu spielen.

86 2 /19
Michael Jackson RIFFALONG

fis). Wer sich fragt, wie ein sus4


oder sus2 entstehen: Bildet den
einfachen Dreiklang und ersetzt
die Terz durch die Sekunde (in
unserem Fall fis statt gis), und es
entsteht ein sus2-Akkord. Wenn
ihr statt der Terz die Quarte spielt
(in unserem Fall a statt g#),
kreiert ihr einen sus4-Akkord.

Text, Noten & Soundfiles:


Tobias Mertens

Reihte sich ebenfalls in


der Riege der Jackson-
Dangerous 1991 Gitarristen ein: Slash

Auf Dangerous wirkte kein


Geringer als Guns-N’-Roses- Bsp. 6 „Black or White“ TRACK 34
Gitarrist Slash mit, der sich mit
einem fulminanten Gitarrensolo   
auf „Give into Me“ in die Reihe 
der Supergitarristen im Jackson- 
Produktions-Clan verewigt hat.    
„Black or White“ war die erste
Single des 1991 erschienenen Al-


bums Dangerous. Die Gitarre in


 
dem Song wurde von dem Pro-              
             
duzenten Bill Bottrell gespielt.              
 
Studiogitarrist Tim Pierce spielte  
die Heavy-Guitar in der Bridge.
Das Beispiel aus „Black or
White“ ist ein auf E-Dur basie- 

render Dreiklang, der um die
Quarte und die Sekunde erweitert
wird. Der erste hörbare Akkord
ist ein Esus4 (h-e-a), der zweite  
Akkord die zweite Umkehrung              
             
von E-Dur (h-e-gis) und der              
 
dritte Akkord ein Esus2 (h-e-  
WORKSHOP Guitar-Cosmos
N
DOW L

O AD
CD/
GUITAR-COSMOS

TRA

39
CK
35 –

Mein Name ist Bond


Hallo liebe Gitarrenagenten da draußen im
Guitar-Cosmos! Ich darf euch zu unserer heutigen
Mission begrüßen. Der Auftrag lautet: Tarnung der
Erkennungsmelodie des Agenten 007.

%VS -DPHV%RQG3DUWDUU+HUPDQQ6NLEEH TRACK 37

E 5 E5 !5
Hermann Skibbe G  55 5 ? 5 5 ?
5 5 5 5
µ µ
Hermann Skibbe arbeitet seit über 25 Jahren
im Musik- und Kreativbereich, und das meist P.M. P.M.

g
mit einer Gitarre in den Händen. Er hat Musik
für etliche preisgekrönte Kino- und Fernseh-    
   
produktionen komponiert, namhafte Künstler    

produziert und steht regelmäßig mit seiner


Band SKIBBE sowie mit dem Projekt Rock-The-
E 5 E5
BigBand als Gitarrist und Sänger auf der Bühne.
G 55 5 5
? ?
5 5 5 5 5
µ µ

S
o, ich hoffe, unsere Mission hat euch P.M. P.M.
neugierig gemacht! Im Prinzip ist damit

g
ganz gut umrissen, worum es in die-
  
sem Workshop geht – nämlich um drei   
    
verschiedene Wege, das weltbekannte
James-Bond-Motiv auf der Gitarre zu
interpretieren. Und alle drei sind ziem-
E 5 E5 !5
lich rockig, das kann ich versprechen.
G 55 5 5 5
5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5
µ µ µ µ
Vorher will ich aber noch einige Hinterge-
danken meinerseits erläutern, die Strategie zu
dieser Mission sozusagen. Das ganz große Ziel P.M. P.M. P.M. P.M.

g
eines jeden Musikers sollte oder könnte doch
sein, alles spielen zu können, was er im Kopf    
und auf dem Herzen hat. Oftmals verliert sich    
           
dieses Ziel jedoch beim Üben, wenn wir uns
beispielsweise zu sehr in Etüden verstricken –
manchmal so sehr, dass wir beim Spielen klin- E 5 E5 5 B 
gen, als würden wir üben. Wem ist das nicht G 55 5 5 5 B
=
5 5
5 5 5 5
µ µ
schon mal passiert?
Oder wir verlieren uns in einer Fremdmis-
sion, in einem Engagement als saitenschwin- P.M. P.M.

g
gender Dienstleister und spielen dort Sachen,
die weit entfernt davon sind, was wir spielen     
würden, wenn wir dürften, wie wir wollten. 
 

 
  
 
Wie dem auch sei, wichtig ist ab und an, in-
nezuhalten und in uns hineinzuhören. Ich bin
mir sicher, da schwingt und klingt es auch bei Gerade bei uns Gitarristen habe ich oftmals Es beginnt mit den Kinderliedern: Hier wird uns
euch gewaltig, und in jedem von uns brodelt den Eindruck, dass die Finger immer wieder mehr oder weniger unser Tonleitersystem mit
ein eigenes Süppchen. Und wir sollten dieses mal die Kontrolle übernehmen und bestim- den Halbtönen „eingepflanzt“. Es gibt Kulturen,
Süppchen in regelmäßigen Abständen auf un- men, was gespielt wird. Man trainiert seine die mit Vierteltonmusik hantieren, ich glaube
serem Griffbrett kochen. Kabinettstückchen und will sie natürlich auch aber, wenige Menschen schaffen es, diese zu
Wenn wir unser persönliches Musikvoka- zeigen, das ist legitim – aber es sollte nicht der verstehen, wenn sie mit Halbtönen aufgewach-
bular auch auf dem Griffbrett parat haben, Hauptansatz beim Musizieren sein. Jeder sen sind. Die musikalische Prägung beginnt
sind wir dem großen Ziel, das, was wir in uns Mensch trägt seine eigene Musikschatztruhe früh und gewinnt in der Pubertät dann meist
Getty Images

hören, auch spielen zu können, einen großen mit sich herum; die ersten Schmuckstücke eine entscheidende emotionale Tiefe. So war es
Schritt nähergekommen. Und einen großen werden wahrscheinlich schon im Mutterleib jedenfalls höchstwahrscheinlich bei mir; anders
Schritt in Richtung künstlerische Selbstbe- dort hineingelegt – aber so weit oder gar wei- ist es nicht zu erklären, dass ich mich beim An-
stimmung sind wir so auch gegangen. ter will ich jetzt gar nicht gehen. hören bestimmter Alben von Judas Priest pha-

88 2 /19
Guitar-Cosmos WORKSHOP

%VS -DPHV%RQG3DUWDUU+HUPDQQ6NLEEH TRACK 38

E
G  5
5 5 5 5 5 5 5
5 5 5 5 5 5 5 5
1/2 1/2

g          
 

E
G   5
5 5 5 5 5
5 5 5 5 5 5 5 5
1/2

g       
   
James Bond beim Nahkampf

007-Thema abgespeichert. Schon immer hat


E mich die Akkordfolge fasziniert, die in den
G Filmen in unterschiedlichsten Variationen

5 5 5 5 5 5 5 5
5 5 5 5 5 5 5 5
aufgegriffen wird. Wie viele geniale Dinge ist
sie eigentlich ganz simpel – und wie viele er-
1/2 1/2 folgreiche Dinge ein Streitfall. Der Komponist

g
Monty Norman wurde vom Arrangeur John
Barry verklagt, weil diese Akkordfolge von
         
  ihm stammen würde: ein Moll-Akkord, dessen
Quinte erst zur kleinen Sexte, dann zur großen

E
Sexte wird, um auf gleichem Wege wieder zu-

G     B
rückzukehren.
5 5 5
Bei dem Led-Zeppelin-Klassiker klingt
5 5 5 5 5 5 5 5
5 zwar keine Mollterz mit, aber eine Verwandt-
1/2
schaft dieser beiden Themen, auch in ihrer
1/2
Wirkung, ist ohne Zweifel vorhanden. Mit die-

g
ser Verwandtschaft habe ich ein wenig gespie-
    lt und das Bond-Thema in ein Hardrock-Riff
      
übersetzt (Bsp. 1). Ein gutes Intro für mein
Bond-Arrangement, denn man erkennt nicht
unbedingt sofort, was hier gespielt wird.
%VS -DPHV%RQG3DUWDUU+HUPDQQ6NLEEH TRACK 39 Der zweite elementare Bestandteil des

G  :: 5 5
Filmthemas ist natürlich das legendäre
E 5 5 E5 5 5 5 5 5
Twang-Gitarrenthema, komponiert von Mon-
5 5 5 5 5 5
µ µ µ µ
ty Norman (Bsp. 2). Das funktioniert auch
ohne die Akkordfolge, dafür aber mit Distorti-

:
P.M. P.M. let ring let ring on und Rock-Attitüde. Dann geht’s zurück zu

:
einem Picking, das wieder auf den legendären

g
     









Changes Em-Emb6-Em6-Emb6 basiert (Bsp.
3). Die D-Saite bitte leicht mit dem Handbal-
len muten – nur Mute sage ich immer – und
die restlichen Töne klingen lassen, dann funk-

²²²²²²²²²²²²²²²²²²²²²
::
tioniert das auch mit Verzerrung.
E
1. 2.

5 5 E5 ' E'
Die Audioaufnahmen sind ein Live-Mit-
G 5 5 5 5 5
µ µ µ
schnitt meiner Band. Ab und zu nehmen wir

²²²²²²²²²²²²²²²²²²²²²
diese Geheimmission mit auf die Bühne, ge-

:
let ring let ring w/bar mixt mit weiteren, teils frühkindlichen Schät-

:
zen aus meinem Fundus, nämlich den Themen

g
     von Pippi Langstrumpf und Peter Gunn. Und
 
   siehe, höre und staune – es funktioniert. Das
Video ist verlinkt auf der guitar-Homepage
www.guitar.de. Viel Spaß damit!
senweise fühle wie mit 17. Ihr kennt das Gefühl verknüpfen. Das klingt jetzt vielleicht ein we- Also, liebe Goldfinger da draußen, ich
sehr wahrscheinlich. nig abgespaced, aber überlegt doch bitte selbst hoffe, ihr seid gerührt und nicht geschüttelt
Ich habe jedenfalls irgendwann damit be- mal, was da alles in eurem Hinterstübchen von diesem Workshop. Ich würde mich jeden-
gonnen, die Musik aus meinem eigenen „his- lauert. Und wie viel davon ihr sofort auf euer falls sehr freuen, wenn ihr neben 007 auch
torischen“ Fundus auf die Gitarre zu übertra- Instrument übertragen könntet. Das ist nicht eure eigenen Film- und Musikthemen auf-
gen. Eigentlich eine naheliegende Idee, aber immer einfach, aber immer lohnend. greift. Und denkt daran: Man rockt nur ein-
aus welchen Gründen auch immer: Bei mir hat Wahrscheinlich sind auch bei euch einige mal. Aber das sein ganzes Leben lang.
es eine Weile gedauert, diese beiden Welten zu Filmmusikklassiker wie zum Beispiel das Text, Noten & Soundfiles: Hermann Skibbe

89
WORKSHOP New Generation Shred
N
DOW L

O AD
CD/
NEW GENERATION SHRED

TRA

44
CK
40 –

Riff-Meister mit
sieben Saiten
Keith Merrow ist ein wahres Arbeitstier und kann
mit verschiedenen Bands, Soloplatten und als Komponist
und Produzent auf vielfältige Expertisen verweisen.
In dieser Workshop-Folge nehmen wir die musikalischen
Tobias Mertens
Tobias Mertens ist Drummer, Gitarrist, Ton-
Werke des aus Portland stammenden Ausnahmegitarristen
techniker und Songwriter aus Hamburg. genau unter die Lupe.
Er ist Autor für die Magazine guitar, Drum-
heads!! und Soundcheck und hat für viele Bsp. 1 Titan TRACK 40
Künstler live und im Studio gearbeitet. Auf
   
seiner Website www.tobias-mertens.de und    
seinem Youtube-Kanal www.youtube.com/    
tobiasmertens1991 findet ihr jede Menge 
weitere Musik und Informationen über Tobias.    




K
eith Merrow begann im Alter von zwölf
Jahren mit dem Gitarrespielen. Seine

musikalischen Einflüsse zu dieser Zeit 
   
waren Black Sabbath, Judas Priest und
        
Iron Maiden. Allerdings war seine ers-
te Gitarre eine Akustik mit Nylonsai-


ten. Doch der Drang zum elektrischen
Soundideal war so groß, dass er sich
schließlich eine E-Gitarre kaufte. Er versuchte,
das Spiel von Tony Iommi zu kopieren, und
 
legte neben dem Gitarrenspiel den Fokus auch
auf den Sound des Instruments. Keith Merrow
ist weitestgehend ein Autodidakt und hat sich  
 

dem Metal-Genre verschrieben.    

 


Keith ist vor allem als Riff-Master bekannt.
Viele seiner Solosongs enthalten weder Hoch-
geschwindigkeits-Shred noch Lead-Gitarren. „Titan“ (Bsp. 1) kommt mit einem phrygischen der tiefen A-Saite daher, das komplett mit
Doch das macht seine Musik nicht weniger Sound daher. Die Bendings machen das Riff Palm-Mute gespielt wird. Die zugrundelie-
wertvoll – auch für die Shredder unter uns. erst wirklich fett und einzigartig. Auch wenn genden Akkorde sind Amadd9 (Takt 1 bis 4),
Denn Merrow versteht es, Songstrukturen mit sich die Bendings am besten über genau einen Fmaj7add11 (Takt 5 bis 8) und Emadd13 (Takt
Riffs zu kreieren, die genug Abwechslungs- Ganzton erstrecken sollten, ist eine leichte 9 bis 12). Das Riffing ist wie eine Art Call-
reichtum und Komplexität aufweisen. Dissonanz, wenn man nicht ganz korrekt ben- and-Response, da ein krasser Gegensatz zwi-
Vor allem aber sind seine Songs einfach det, kein Problem. schen treibenden Palm-Mutes und offenen
gute Metal-Songs, die auch ohne musikalische Merrow gilt als Siebensaiterspezialist, den- Akkorden vorliegt. Vor allem die Wechsel zwi-
Verirrung im Kontext von Arch Enemy, Behe- noch habe ich mich entschlossen, wenigstens schen diesen beiden „Welten“ müssen sauber
moth oder Gojira zu hören sein könnten. dieses Riff für die „Normalgitarristen“ unter und akkurat sein. Auch wenn die Akkorde
euch für eine sechssaitige Gitarre zu transkri- nicht viele Noten enthalten, sind die Stretches
Ganzton-Bendings bieren. Die folgenden Beispiele sind dann auf einem breiteren Siebensaiterhals umso he-
The Arrival (2009) ist Merrows erstes Solo- Sieben-String-Monster-Riffs. rausfordernder. Schließlich sollen die Töne bei
album in voller Länge. Der Vorgänger Lone- den gebrochenen Akkorden durchklingen und
Zwei Soundwelten
C Schecter

star Transcend ist ein Release verschiedener nicht versehentlich abgedämpft werden.
vorher veröffentlichter Youtube-Video-Per- „The Arrival“ (Bsp. 2) vom gleichnamigen Al- Der Einfluss cineastischer Musik in Keith
formance-Songs. bum kommt mit einem schnellen Riffing auf Merrows Songs wird im Intro deutlich. Das

90 2 /19
New Generation Shred WORKSHOP

Bsp. 2 The Arrival TRACK 41




   

 



 
  


  

                   





 
  


  

                   

    


 
  


  

                   

Bsp. 3 Spice Dealer TRACK 42 KEITH MERROW






geboren am 4. Mai 1980,
 
stammt aus Portland, Oregon (USA)
Diskographie:
Lonestar Transcend (solo, 2009)
The Arrival (solo, 2009)

  


 
 
 Awaken the Stone King (solo, 2011)
Hive of Mutation (solo, 2011)
       
Retrospecial (solo, 2012)
  

 
  
      
Conquering Dystopia
(mit Conquering Dystopia, 2013)
  
Samudra (Gastauftritt bei Kartikeya,
2017)
The Deep Longing for Annihilation
 (mit Alluvial, 2017)

 
 Gitarren:
   Schecter Keith Merrow KM-6,
    
     Keith Merrow KM-7
   
    

gesamte Album hat einen futuristischen Ap- Picking beizubehalten. Besonders die kurzen Keiths treuer Wegbegleiter Jeff Loomis gab
proach. Merrow bezieht sich gern auf seine Legatopassagen sollten mit der rechten Hand auf diesem Song übrigens einen „shred-sensa-
Vorbilder John Williams und Dany Elfman aus kräftig angeschlagen werden, und der Mittel- tional “ Gastauftritt.
der Filmkompositionsecke. finger sollte das Hammer-on und anschlie-
ßende Pull-off kraftvoll ausführen. 16tel-Läufe
Hammern und sliden Die String-Skips zwischen Saite 7 und 5 in Im favorisierten Drop-A-Tuning auf seiner
„Spice-Dealer“ (Bsp. 3) vom Soloalbum Retro- Takt 2 sind durch die Hammer-ons und den Schecter-Siebensaiter KM-1 klingt das vom
special (2012) enthält ein groovendes 12/8- Slide auch bei dem treibenden Tempo gut aus- selbstbetitelten Album der Band Conquering
Riff, das auf der H-Phrygisch-Dominant-Skala führbar, wobei der rückwärtige Slide von Dystopia stammende „Tethys“ (Bsp. 4) melan-
basiert. Übt das Riff langsam und mit ge- Bund 7 auf Bund 6 herausfordernd sein kann. cholisch wie Nevermore und rhythmisch trei-
nauem Fokus auf die klingenden und die Hier müsst ihr unbedingt den Druck auf dem bend wie Gojira. Grundlegend basiert das Rif-
Palm-Mute-Töne. Versucht, ein Alternate- Finger beibehalten, ohne zu verkrampfen. fing auf stehenden Moll-add9-Akkorden in

91
WORKSHOP New Generation Shred

Bsp. 4 Tethys TRACK 43


 

 




 
 



 
 
      

 


 
 

 







  
       


 
 
Neben seinen Solowerken hat Keith
Merrow auch Scheiben mit Conquering

Dystopia und Alluvial veröffentlicht  

     



identischer Greifart. Rhythmisch liegt ein
16tel-Dreier-Verschieber in Form von gehal-
tenen punktierten Achtelnoten vor, die mit
einem Palm-Mute-16tel-Lauf in den nächsten
Akkord geführt werden.
 

In Takt 1 und 2 ist ein gebrochener


Amadd9-Akkord zu entdecken. Der 16tel-Lauf    
  
beinhaltet den Grundton A mit der Quarte D.  
 
Takt 5 und 6 sind identisch zu den ersten bei-
den Takten, bis auf die zusätzliche Sexte F
(Bund 8).
In Takt 3 und 4 liegt ein G#madd9-Akkord
Bsp. 4 Colony TRACK 44
mit anschließendem 16tel-Lauf mit Grundton
   
A und kleiner Sekunde B vor. In Takt 7 und 8 
wiederum finden wir einen Cmadd9 und
Hmadd9 mit abschließendem 16tel-Lauf mit    

den Tönen C, G#, F, A und H.


Insgesamt lässt sich ein Bezug zur Harmo-
nisch-Moll-Tonleiter herstellen. Der Akkord
  

G# und der abschließende 16tel-Lauf in Takt 


8 (H-Phrygisch-Dominant) bestätigen dies
 
 
 
 
 
 
grundlegend, wobei der G#-Akkord streng ge-
nommen ein verminderter sein müsste. Auch 
      
die kleine Sekunde in Takt 4 (Bund 1 auf Saite                 
             
   
A) widerspricht zwar dem Harmonisch-Moll-
Bezug, kann aber als chromatische Note be-
trachtet werden. Annihilation (2017) klingt durch die Akkorde Bei Fragen und Anregungen kontaktiert mich
mit #5 (C+G# und C#+A) in den Takten 1 und gern über meine Mail-Adresse tobiasmertens-
Arpeggios 2 dissonant. Takt 3 besteht aus den arpeggier- music@gmail.com. Über positives Feedback
Alluvial ist die neueste Band von Merrow und ten Akkorden Fmadd9 und Asdim. würde ich mich natürlich auch freuen. Schaut
dem Gitarristen Wes Hauch, der wie Loomis Insgesamt sind hier Bezüge zur Chromatik darüber hinaus gerne auf meinem Youtube-
bei Conquering Dystopia die Lead-Funktion und zur Ganzton-/Halbtonleiter zu erkennen. Channel vorbei.
innehat. Das Beispiel des Songs „Colony“ Gerade die Grundtöne von Fmadd9 und Asdim Text, Noten & Soundfiles:
(Bsp. 5) vom Album The Deep Longing for passen in die Ganzton-/Halbtonleiter in H. Tobias Mertens

92 2 /19
PICKUP

HAGSTROM
H-II NT
60th Anniversary
Einen echten Klassiker im
neuen Kleid gibt’s dieses Mal
zu gewinnen – Hagstroms
runderneuerte H-II NT 60th
Anniversary. Klar, dass man sich
zum Geburtstag frisch macht,
und so kommt dieser Klassiker
mit Erlenkorpus, Mahagoni-
Hals und Resinatorwood als
Griffbrettmaterial.
Zum neuen Finish kommt
auch eine neue Ausstattung
mit Lundgren-Pickups und
Graph-Tech-Ratio-Tunern! Den
Test zur aktuellen H-II findet ihr
in guitar 1/2019.

Rock’n’Roller-Herz, was
begehrest du mehr?

Der Gewinn wurde uns


freundlicherweise von
der Firma Musik Meyer zur
Verfügung gestellt.

Die EVH Black/White aus guitar 12/18 An der Verlosung könnt ihr online unter www.guitar.de teilnehmen, oder indem ihr Einsendeschluss ist der 20.2.2019 (Datum des Poststempels).
hat gewonnen: eine Postkarte, einen Leserbrief, eine Statement-Karte oder einen Abo- oder Mitarbeiter der PPVMEDIEN GmbH und deren Angehörige dürfen nicht
Arne K. aus Hagen. Testabo-Coupon mit an folgende Adresse schickt: teilnehmen; der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
PPVMEDIEN GmbH, Stichwort „Marshall“, Postfach 57, 85230 Bergkirchen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

93
WORKSHOP Bluescafé N
DOW L

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CD/
TRA

47
CK
45 –
BLUESCAFÉ

Freakadelle ohne Brot


„ONE MEAT BALL“
Howdy! Heute beschäftigen wir uns zur Abwechslung
mal mit einer nicht ganz lupenreinen Blues-Nummer, die
aber auf der Gitarre dermaßen viel Spaß bringt, dass kein
akustischer Gitarrist an dieser Akkordfolge vorbeikommt.
In den ’60er Jahren hat der Engländer Davy Graham
mit seinem Song „Angie“ (nicht zu verwechseln mit der
gleichnamigen Stones-Nummer) einen Meilenstein für alle
Rainer Wöffler nachfolgenden Gitarreros gesetzt.
ist Sammler und Fachmann für akustische
Saiteninstrumente aller Art; der Blues fließt 1 TRACK 46
%VS  + L
durch seine Adern. Seit einigen Jahren spielt

55 ::
A A­  
er hauptsächlich mit Tanja Wirz im Duo RED
 = BB  5  5 5
G 5 5 5 5 5
5 5 5
HOT SERENADERS und unterrichtet nebenbei
5 5 5 =
5
für die Mediterranean Music School.

g

     
  

D
ie gleichen Harmonien wie in dem    

Blues-Stück, das wir uns heute zur   
Brust nehmen, wurden für viele Rie-
senhits der Musikgeschichte geplün-
dert, wie „Fever“ von John Davenport,

55 ::
A A­  
„Hit the Road Jack“ von Ray Charles,
  5
G = 5
BB
5 5 5 5 5 5 5
5 5
„900 Miles“, „Windy & Warm“ oder
5 5 =
5
auch „One Meat Ball“.
Die Urfassung stammt aus den '50er Jahren 5
des vorletzten Jahrhunderts und geht auf eine

g
englische Ballade namens „One Fish Ball“ zu- 
     
  
rück. Ein paar Jahrzehnte später hat ein Itali-    

ener eine Operette mit dem schönen Titel Il   
Pesceballo daraus gemacht, bevor Josh White
in den späten '40ern des letzten Jahrhunderts
das Stück bekannt machte.

55 :: 5 5
Die Story handelt von einem kleinen Kerl, A A­ 

= BB 5 5 55
G
der mit 15 Cents in der Tasche ein Lokal zu
5 5 5 5
5
finden versucht, um seinen Hunger zu be-
kämpfen. Aber er findet leider nur ein Restau- 5 5 5
rant, das ihm für dieses Geld einen einzigen

g
Fleischklops serviert. Und auf die Frage nach     
etwas Brot flippt der Ober auch noch aus und 


 


brüllt: „Für nur einen Fleischklops wird kein 
  
Brot serviert!“
Denkt bitte bei der Präsentation von Blues-
Songs dieser Art daran, dass euer Publikum
hierzulande wohl eher schlecht die Story nur
M 
aus eurem Vortrag verstehen kann. Ein paar
55 4 ? 55 55 55 55 55 55
lockere Erklärungen, worum es in derlei Songs G 4 ?
5
geht, bringt euren Zuhörern viel mehr Spaß!

M
Los geht’s mit der berühmten Harmoniefol-
C Getty Images

ge Am, Am/G (Am mit G im Bass), F und E.

g
      
Für das G im Bass habt ihr ja den kleinen       
Finger frei, das tiefe F wie üblich mit dem lin-
ken Daumen greifen, und dann auf dem E7 

94 2 /19
Bluescafé WORKSHOP

ONE LYRICS
MEAT BALL

Now the little man, he walked up and


down
To find an eatin’ place in town
He read the menue through and through
To see what 15 cents could do
One meat ball, one meat ball,
All he could afford was one meat ball.

He told the waiter near at hand


The simple diner he had planned
And the guests were startled one and all
Just to hear that waiter loudly call
One meat ball, one meat ball,
This gent here wants one meat ball.

Well the little man he felt ill at ease


And he said: „Some bread, Sir, if you
please!“
And the waiter hollered down the hall
„You gets no bread with one meat ball!“

Now the little man, he felt very bad,


Cause one meat ball was all he had

55 ::
A A­  
 
And in his dreams he hears that call:
5
G = BB 5 5 5 5 5 5 5 „You gets no bread with one meat ball!“
5 5 = 5
5 5 5 5
ausruhen. Achtet darauf, dass der Groove
während des Breaks in Takt 7 nicht verloren

g

     





 
geht. Klopft immer ordentlich laut mit dem

  
Fuß, dann kann nix passieren.
Für Beispiel zwei habe ich zur Auflocke-
rung einen Thumbroll im Bass eingebaut. Das
bringt einen ordentlichen Zuwachs an Groove

55 ::
A A­   in euer Spiel. Beim F muss dann der Daumen
= BB  5  5 5
5 5 5
von der tiefen E-Saite auf die D-Saite hüpfen.
G 5 5 5 5 5
=
Das erfordert etwas Übung, damit das so
5 5 5 5 klingt, als ob beide Saiten nebeneinander lie-
gen würden.
Bis dahin passiert nicht viel, aber beim E7

g

     
   könnt ihr dann mal richtig die Sau rauslassen.
   
 Ich habe ein paar Beispiele als Grundwort-
  
schatz für solche Stellen aufgeschrieben.
Denkt euch selbst noch jede Menge Effekte

Gleiche Akkordfolge:

55 :: 5
A A­  
 5
Davy Graham
= BB 5 5 5 55
G 5 5 5 =
5 5 5 5

g

    
  
   

  

55 :: 5 5
A A­   A

G = 5
BB
5 5 5 5
5 55 '
'
'
5 5 5 = '
5

g

     
   
    
 
  

95
WORKSHOP Bluescafé

1 TRACK 47
%VS  + L

4   5 5 5 55


G  = = 55 = 55 55 = 55 55 = E5
5 :
5 5
5 5 5 = 5
5 5 = 5 5 5
= 4
full full

g
        
      
   
 
   

  8))))))))))))))))
G = 55
= 5
= 55
5:
55 = 555 55
= 5
=
B
5 5 5 
5
8))))))))))))))))
g
    
    
    

  

 
G = 55 5
= 555
:
55 = 555 55 5
= ?
5 5
5 = 5 5  =
Josh White mit Banjo 5

g
aus, die man an dieser Stelle einbringen kann.     
    
Im Takt 2 darf das Riff auf der H-Saite richtig    

losknallen. Hier solltet ihr wieder unter die     
Saite langen und es ordentlich scheppern las-
sen. Erst die H-Saite zweimal am dritten Bund
  4
nach oben ziehen, dann ohne nochmaliges

G = 55 = 55 55 = 555 55 = E5
5:
Anschlagen das Bending wieder nachlassen,
= 5  = 5
5 5 5 5 5 5 5
dass der Ton am dritten Bund wieder klingt.
Weiter geht’s mit einem Pull-off: Der klei- 5 5
ne Finger zieht den Ton ohne Anschlag der
rechten Hand ab, so dass das C am ersten 

g
    
Bund klingt. Hier wird es dem einen oder an-      
   
deren etwas an Kraft im kleinen Finger fehlen,  
      
aber nach ein paar Tagen werdet ihr schon
merken, wie euer kleiner Mitspieler an Kraft
und Ausdruck gewinnt.
In Takt 4 macht sich ein Triller ganz gut –
= =  =  = 5 5
55 55 55 55 55 55
G 5 5: 5 5 E5
praktisch eine Folge von Hammering und
= 4
5 5 5 5 5
Pull-off in schneller Folge. Auch hier gilt es,
etwas Kraft einzusetzen. Wer dicke Saiten
full
spielt, muss hier mehr arbeiten, wird aber mit

g
einem besseren Ton belohnt.       
      
Sehr effektvoll wirkt der 6. Takt – hier bitte 
   

auf der tiefen E-Saite möglichst über die kom-   

plette Länge bis zum zwölften Bund rutschen.


Es erfordert einige Übung, den zwölften
Bund über diese Distanz zu treffen, aber der 
5
G 5 5 5 5 =  5 5 '
'
Effekt ist garantiert. Wer darüber hinaus auf-
? 5 '
GGGGGGG

rüsten will, der kann probieren, den Slide


nicht mit dem Mittelfinger, sondern mit dem B '
linken Daumen zu spielen. Oder mit dem lin- full

g
ken Zeigefinger falsch herum über das Griff-
GGGGGGG

    
  
brett langen. Das sieht dann richtig toll aus.  
 
Achtet aber bitte am Lagerfeuer darauf, dass
ihr ordentlich im Licht sitzt.
Wer ganz hart drauf ist, der kann so einen die Menge mit solchen Gitarrentricks unter- hen, damit die Leersaite klingt, und wieder auf
Slide auch mit dem linken Ellbogen probieren. halten hat. den dritten Bund hämmern.
Zu sehen ist das Ganze auf einem Video von In Takt 8 wird das altbekannte Riff des Viel Spaß mit „One Meat Ball“ – und denkt
Furry Lewis. Der Mann hat noch in einer „Hoochie Coochie Man“ auf der tiefen E-Saite dran: Als Musiker sollte man den anderen im-
Medicine-Show gelernt, mit der er auf einem gespielt. Erst die leere E-Saite anschlagen, mer „eine Mahlzeit voraus“ sein!
offenen Wagen auf dem Dorfplatz stand und dann auf den dritten Bund hämmern, abzie- Euer Rainer

96 2 /19
Bluescafé WORKSHOP

97
GUITARS & STARS

G
ibson startete die Les-Paul-Reihe im
Jahr 1952, und obwohl inzwischen 66
U I TA Jahre alt, ist die „Paula“ nach wie vor
G eine Ikone in der Welt der E-Gitarren.

R
Les Paul – mit bürgerlichem Namen

S
Lester William Polfus – war sowohl
ein Pionier der Aufnahmetechnik als
auch ein hervorragender Country- und

S
T Jazz-Gitarrist. Schon in den ’40er Jahren hatte
ARS er mit Solidbody-Gitarren experimentiert, in-
dem er einen Gibson-Gitarrenhals sowie zwei
selbstgebaute Tonabnehmer nebst der rest-
lichen Hardware auf ein zehn mal zehn Zenti-
meter starkes Kiefernvierkantholz schraubte.
Ziel war es, sowohl die bei verstärkten
Akustikgitarren unweigerlich auftreten-
den Rückkopplungen (Feedback) zu ver-
meiden, als auch ein besseres Sustain und
einen helleren Klang zu erhalten. Links und
rechts befestigte er die Hälften einer auseinan-
der gesägten Epiphone-Hollowbody für besse-
res Aussehen und leichtere Spielbarkeit.
Um 1946 herum stellte er das „The Log“
(deutsch: Holzklotz, Baumstamm) genannte
Instrument bei Gibson vor, doch dort zeigte
man kein Interesse, im Gegenteil – O-Ton Les
Paul: „Die lachten sich krank über meine Gi-
tarre.“ Erst als Fender 1950 mit der Esquire
und der Broadcaster (später in Telecaster um-
benannt) die ersten Solidbody-Gitarren auf
den Markt brachte und damit sofort großen
Erfolg hatte, begann Gibson, ein eigenes Mas-
sivholzmodell zu entwickeln. Man konnte Les
Paul als Namensgeber gewinnen, sein Beitrag
beschränkte sich jedoch auf das Tailpiece so-
wie die goldene Lackierung, welche die Wer-
tigkeit des Instruments unterstreichen sollte.
Im Frühjahr 1952 erschien die erste Les-
Paul-Gitarre in Gold (deshalb die inoffizielle
Bezeichnung Gold-Top) mit einer auf den
Mahagonikorpus aufgesetzten konturierten
Ahorndecke, einem eingeleimten Mahago-
nihals mit Palisandergriffbrett, zwei P-90-
Singlecoils und einem Trapezsaitenhalter mit
Stop-Bar aus Stahl, bei dem die Saiten unten
durchgeführt wurden. Sie war sofort sehr er-
folgreich; im ersten Jahr wurden direkt mehr
als 2.000 Exemplare verkauft. Der Preis lag
mit 210 Dollar ungefähr 20 Dollar über dem

PETER GREEN
der Fender Telecaster. Die Trapezkonstruktion
erwies sich allerdings als unpraktisch, weshalb
sie Ende ’53 durch die „Stud-Bridge“-Tail-
piece-Kombination ersetzt wurde, auch be-

Gibson Les Paul kannt als „Wraparound-Bridge“. 1955 bekam


die Gold-Top die noch heute verwendete Kom-
bination von „Tune-o-matic“-Bridge und
Stop-Tailpiece, ’57 wurde sie mit den neu ent-
Mit der ersten Les Paul startete Gibson 1952 die wickelten Humbucker-Pickups ausgestattet.
Trotzdem gingen die Verkäufe drastisch
Produktion einer Gitarre, die sich im Lauf der zurück; die Gitarre brauchte ein Update. An-
Jahre zur absoluten Ikone entwickelt hat. Einer der stelle der unkonventionellen goldenen Lackie-
rung erhielt die Les Paul 1958 das traditio-
herausragendsten Paula-Spieler der ’60er Jahre war nellere Sunburst-Finish. Das ließ die Verkaufs-
zahlen erst einmal ansteigen, doch 1960 wa-
zweifellos Fleetwood-Mac-Gitarrist Peter Green. ren sie schon wieder abgesunken, und Gibson
C Getty Images

entschloss sich zu einer radikalen Änderung


des Designs. So entstand die SG mit ihren cha-
rakteristischen zwei Cutaways, die allerdings
bis 1963 noch als Les Paul verkauft wurde.

98 2 /19
Peter Green & Gibson Les Paul GUITARS & STARS

Greens ’59 Les Paul Peter Green zu Fleetwood-Mac-Tagen Gary Moore mit der Green-Paula

Die zwischen 1958 und ’60 gebauten Sun- gefühlvolles Gitarrenspiel in der zweiten Hälf- herum installiert, was aber ohne die Manipu-
bursts sind als Les Paul Standard bekannt, te der ’60er Jahre sagen. Der englische Blues- lation mit dem Magneten keine große Auswir-
Gibson selbst verwendete diesen Begriff aber gitarrist war 1966 der Nachfolger von Eric kung auf den Sound gehabt hätte.
erst 1960. Damals kostete eine „Burst“ 280 Clapton bei John Mayall’s Bluesbreakers, doch Ein hervorragendes Beispiel sowohl für
Dollar, heute muss man gut das Tausendfache weniger als ein Jahr später stieg er aus und Greens Gitarrespiel als auch seinen Signature-
dafür hinlegen. Da in den knapp drei Jahren gründete Fleetwood Mac. Mit ihnen hatte er Sound ist die Nummer „The Supernatural“
nur circa 1.700 Stück gebaut wurden, zählen eine Reihe von Welthits, doch mit dem zuneh- vom 1967er Bluesbreakers-Album A Hard
sie heute zu den gesuchtesten und teuersten menden Konsum psychedelischer Drogen ent- Road, seinem einzigen mit der Band. In dem
E-Gitarren, mit Preisen bis zu 500.000 Dollar. fernte er sich immer weiter von der Band (und Song bietet er viele lang klingende Töne mit
Nicht ganz unschuldig daran ist Eric Clapton, der Realität) und verließ diese im Mai 1970. meisterhaft kontrolliertem Feedback an, was
der 1966 mit John Mayall’s Bluesbreakers auf Mitte der ’70er verbrachte er einige Zeit in drei Jahrzehnte später Carlos Santana dazu
dem sogenannten Beano-Album (Blues Brea- psychiatrischen Krankenhäusern; erst Ende inspirierte, die Nummer für sein Comeback-
kers with Eric Clapton) der damals völlig un- des Jahrzehnts begann er wieder, Musik zu Album zu übernehmen.
populären Les Paul Standard ganz neue machen und Platten zu veröffentlichen. Was Als Peter Green 1970 Fleetwood Mac ver-
Sounds entlockte und sie damit zur Wunsch- allerdings psychedelische Drogen und be- ließ, verkaufte er seine ’59er Les Paul – sowie
kandidatin vieler Gitarrenkollegen machte – stimmt auch die daraus resultierende Behand- eine ’61er Strat und eine Les Paul Junior – an
Peter Green (Fleetwood Mac), Paul Kossoff lung mit Psychopharmaka und Elektroschock- den damals blutjungen Gary Moore. 1995 ver-
(Free), Jimmy Page (Led Zeppelin), Duane All- therapie bei ihm angerichtet haben, ist in öffentlichte der als seine elfte Studioprodukti-
man (Allman Brothers), Mick Taylor (The Rol- einem 2003 gefilmten Interview zu sehen. on das Tribute-Album Blues for Greeny. Im
ling Stones), Michael Bloomfield (Paul Butter- Green hatte seine berühmte ’59er Les Paul selben Jahr kam es auch zu einem gemein-
field Blues Band), Joe Walsh (James Gang, Mitte der ’60er Jahre gekauft. Ihr einzigar- samen Auftritt der beiden; ein entscheidendes
Eagles) und später Billy Gibbons (ZZ Top), tiger, leicht nasaler Ton resultierte aus einem Erlebnis für Green, denn der Applaus moti-
Slash (Guns N’ Roses), Mark Knopfler, Lenny Fehler beim Hals-Pickup. Dort war – entweder vierte ihn, seine Karriere – nach einem Viertel-
Kravitz und noch viele mehr, alle griffen be- werkseitig oder bei einem Service – der Ma- jahrhundert psychischer Probleme – fortzuset-
vorzugt zur ’59er-Sunburst-Les-Paul und gnet irrtümlich verkehrt herum und somit mit zen. 2006 verkaufte Gary Moore die ’59er Les
machten speziell Exemplare dieses Baujahrs umgekehrter Polarität eingebaut worden, was Paul an den Gitarrensammler Melvyn Franks;
zum heiligen Gral der Gitarrenwelt. im Zusammenspiel mit dem Stegtonabnehmer der Kaufpreis soll über eine halbe Million Dol-
1968 ließ Gibson die Les Paul Standard für den charakteristischen Out-of-Phase-Sound lar betragen haben. 2014 wurde sie von Metal-
kurze Zeit wieder auferstehen, erstaunlicher- erzeugte. Auch wurde der Hals-PU mit den lica-Klampfer Kirk Hammett gekauft.
weise aber als Gold-Top mit P-90-Pickups. Polepieces nach unten, also ebenfalls verkehrt Vinzenz Flunker
Auf Bestellung war sie ab 1972 mit Sunburst-
Lackierung und ab ’74 auch mit Humbuckern
erhältlich. 1976 wurde sie dann wieder ins
feste Programm aufgenommen, und sie ist bis WEITERE GIBSON-LES-PAUL-SPIELER:
heute erhältlich. Inzwischen sind rund 260
verschiedene Les-Paul-Modelle, Signature- Billy Gibbons (ZZ Top), Joe Perry (Aerosmith), Paul Kossoff (Free), Jimmy
Serien und Limited-Editions entstanden, und Page (Led Zeppelin), Gary Moore (Thin Lizzy, solo), Peter Frampton (Humble
ein Ende ist noch nicht abzusehen. Pie, solo), Zakk Wylde (Ozzy Osbourne, Black Label Society)
Oft kopiert, doch nie wirklich erreicht – das
könnte man über Peter Greens eloquentes und

99
GUITAR-DREAMS E-Gitarre

C Christopher Przybilla

Gretsch G6131-MY Malcolm Young Signature Jet

Volles Brett voraus!


Gretsch haben ein Einsehen: Nach der streng limitierten Custom-Shop-Version
für schlappe 10.000 Dollar gibt’s nun die „Standard“-Version für vergleichsweise
schmales Geld. Röhre ab!

100 2 /19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

I
n Gitarristenkreisen wird gern diskutiert, der schwört zumeist auf Peter Green oder Gary Herrgott (sucht euch aus, welchen) den Kol-
gestritten und auch mal sinnlos palavert. Moore. Auch wer der härteste Hund an der ben, die Nockenwelle, die Einspritzdüse, ja
Da geht’s um Pickups, Amps, Gitarren, Lead-Gitarre ist, wird gern und ausgiebig dis- quasi den ganzen verdammten Motor aus dem
Pedale, Saiten, Kabel, Pleks. Aber na- kutiert – mitunter sehr emotional, also zumin- bestgeöltesten Rock’n’Roll-Train aller Zeiten
türlich auch um Gitarristen, um ihren dest hier in der Redaktion. Geht’s dann aber – AC/DC.“ Und wer schon mal in der Kirche
Sound, ihren Ton, und das was sie un- um die Jungs, die das Ganze zusammenhalten, war, weiß, dass es eine Zeit zu trauern gibt
verkennbar macht. David Gilmour ist der dann ist man sich einig: Die absolute Rhyth- und eine Zeit zu feiern. Gretsch haben sich
Chef des Bending-Abteilung, und wenn’s musmaschine war AC/DCs Malcom Young. letzteres auf die Fahne geschrieben und servie-
um stratige Bluessounds geht, dann ist Stevie Wären wir in der Kirche, würde der ren trotz eines traurigen Hintergrunds eine
Ray immer noch die Königsklasse, die es zu Rock’n’Roll-Priester vielleicht folgendes sagen: Gitarre, die Malcolm gefallen hätte. Und vielen
erreichen gilt. Wer auf Les-Paul-Sounds steht, „Vor etwas mehr als einem Jahr nahm der aus der Gitarristengemeinde sicher auch …

101
GUITAR-DREAMS E-Gitarre

Die Gretsch G6131-MY folgt selbstredend der Duo-Jet-Form der MY-Signature ist wie ihr te sowie die Zargen wurden schwarz lackiert;
ikonischen Gretsch mit nur einem Pickup, die Vorbild hohl, lediglich die Brücke sitzt auf die Decke hat man in Natur belassen, ein
Malcolm quasi ausschließlich spielte. Mit einem massiven Stück Holz. Dabei handelt es wenig Töner scheint beigemischt zu sein. Die
dieser Gitarre, .013er-Saiten, einem Marshall sich nicht um einen Sustainblock, sondern Decke hat in jedem Fall ein hauchdünnes
oder Wizard im Nacken und der wahrschein- vielmehr eine Verbindung zwischen Decke Finish, was der Gitarre sofort eine eingespiel-
lich rhythmisch tightesten rechten Hand und Boden. Eine ähnliche Funktion dürften te Aura verpasst – sehr angenehm!
schob der ältere der Young-Brüder die ge- die vier Streben haben, die sich direkt am Der Hals geht am 15. Bund in den Korpus
samte Combo vor sich her. Hals und unter dem Steg-Pickup befinden. über, dank der typischen großzügigen Cut-
Trotz dieser Verstrebungen ist die G6131- aways ist die Erreichbarkeit der hohen Lagen
Hohl und hart MY akustisch ziemlich laut, was angesichts kein Problem. Lediglich der Halsfuß ist recht
Bereits der erste angeschlagene Akkord lässt der Hohlräume nicht wahnsinnig verwunder- kräftig und mitunter im Weg. 22 spiegelblank
erahnen, warum das mit dieser Gitarre viel- lich ist. Überdies spricht sie schnell an, ihr polierte Jumbo-Bünde plus ein Nullbund
leicht besser ging als mit jeder anderen. Die Attack und ihre Ansprache sind von gnaden-
loser Spritzigkeit, Akkkorde springen einem
direkt ins Gesicht. FAKTEN
Als Basis dient ein massiver Mahagoni-
korpus, der bis auf die erwähnten Verstre- Gretsch G6131-MY
bungen und die Brückenverstärkung ausge- Malcolm Young Signature Jet
höhlt wurde. Obendrauf sitzt eine Decke aus
Herkunft Japan
gesperrtem Ahorn, dreilagig in diesem Fall.
Gut erkennen kann man das an den Pickup- Korpus Mahagoni, chambered
Fräsungen, die hier – wie beim Vorbild – zu Hals Mahagoni
zwei Dritteln unbesetzt sind. Die Ausfrä- Halsprofil U-Profil
sungen wurden dabei nicht „korrekt“ ausge- Griffbrett Ebenholz
führt, sondern besitzen den gleichen Schlanz
Griffbrettradius 12”
wie beim Original. Auch die Schraubenlöcher
der ehemals montierten Pickups sind vorhan- Bünde 22 Jumbo
den – durchaus detailverliebt, darf man fest- Mensur 24,6”/62,5 cm
halten. Pickups TV Jones Power’Tron
Eingespielte Aura Regler Volume, Tone, Master-Volume
Schalter -
Der Hals besteht wie auch der Korpus aus
Mahagoni, das Griffbrett besteht aus Eben- Hardware Gretsch ’60s Jet Tremolo,
holz, der Lagenmarkierung dienen die Schaller M6
Gretsch-typischen Offset-Thumbnail-Inlays. Linkshänder nein
Weinrote Sidedots im cremefarbenen Griff- Internet www.gretschguitars.com
brett-Binding bieten zusätzlich Orientierung. Verkaufspreis 3.139,- € inkl. Koffer
Das Hals-Binding findet seine Fortsetzung am
Korpus in Form eines vierlagigen Exemplars Preis-Leistung
rund um die Decke. Hals- und Korpusrücksei-

102 2/19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

103
GUITAR-DREAMS E-Gitarre

104 2/19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

sorgen für bequeme Bespielbarkeit respektive solchen, dann kann mit den jeweiligen Vo- die Saiten hinter der Brücke stets kräftig
nahezu identische Sounds von Leer- und lumes das Mischverhältnis der Pickups zuei- mitschwingen, beinahe wie eine integrierte
gegriffener Saite. Der Sattel dient hier ledig- nander geregelt werden; das Master-Volume Halleinheit. Ohne Amp stört mich persönlich
lich der Führung der Saiten. regelt, wie der Name erahnen lässt, die Ge- das zwar ein wenig (ein Stück Stoff dazwi-
samtlautstärke des zuvor eingestellten Sounds. schen gestopft, wirkt Wunder), am Amp ist
Am Amp Exkurs beendet: Offene Akkorde im ange- davon nichts zu hören – und es gehört halt
Rein akustisch tönt die G6131-MY spritzig- crunchten Bereich, Boogie-Shuffles und auch so, wenn man’s dem Chef gleichtun
frisch mit viel knackiger Attitüde, aber erst durchaus auch beißende Solo-Lines sind hier will. Oder es zumindest versucht.
am Amp – gerne britischer Abstammung kein Problem, die schüttelt die G6131-MY-
respektive mit diesem Soundideal – lebt sie quasi einfach aus dem Ärmel. Dabei ver- Das bleibt hängen
richtig auf. Gerade im Bereich des leichten sprüht sie durchweg einen Hauch von Mal- Malcolm Young ist in meinen Augen zweifel-
Crunch, also da, wo bereits erste Overdrive- colm, was sich jetzt zugegebenermaßen ko- los der beste Rhythmusknecht aller Zeiten
Anteile ins Spiel kommen, sich die Kompres- misch anhört, aber AC/DC-Riffs auf dem Teil, gewesen, und das hier ist das adäquate Werk-
sion aber noch im Rahmen hält. Hier haut das ist ’ne ganz andere Hausnummer als auf zeug: gnadenlos ehrlich, auf das Nötigste
einem die Malcolm-Gretsch so dermaßen eine einer Paula oder so. Ehrlich gesagt, ist das reduziert und dabei voller Bombensounds, die
vor den Latz, dass es eine wahre Pracht ist. gar kein Vergleich … auf den Gitarristen und seine Spielweise
Der TV-Jones-Power-Tron, kontrolliert Interessant ist auch, dass ein Riffarbeiter reagieren – was will man mehr? Ein Ham-
durch ein Volume-, ein Tone- und das wie Malcolm niemals das Vibrato samt Rol- merteil, das noch immer einen Haufen Geld
Gretsch-typische Master-Volume-Poti, lebt ler-Bridge ersetzt hat, schließlich ist das so kostet, dafür aber einen enormen Spaßfaktor
und schafft richtig was weg. Kleine Anmer- nicht unbedingt eine wahnsinnig robuste mitbringt. Und etwas günstiger als die
kung am Rande: Das Masterpoti ist in dieser Konstruktion. Allerdings ist zu vermuten, Custom-Shop-Variante ist sie dann ja doch.
Gitarre redundant, es gibt ja nur einen Pick- dass diese zumindest ihren Anteil am perkus- Schönet Ding!
up. Hat man eine Gretsch mit mehr als einem siven Grundtenor der G6131-MY hat. Zumal Stephan Hildebrand

105
GUITAR-DREAMS Akustikgitarre

TAYLOR GUITARS
Grand Pacific 717e & 517e

Taylor und die


Traditionals
C Christopher Przybilla

106 2 /19
Akustikgitarre GUITAR-DREAMS

Kaum ein Jahr ist es her, dass Taylor samt Master-


Luthier Andy Powers die Deckenbeleistung im Hause
quasi auf den Kopf gestellt respektive aus dem X ein
V gemacht haben – das V-Class-Bracing war das
Kernelement der 2018er-Gitarren. Nun gibt’s den
Nachschlag. Andy war wohl wieder langweilig, warum
also nicht einfach nochmal von vorn anfangen …

I
n der Welt der Gitarren und ihrer Gitar- gewisse Ähnlichkeit zur Gibson J-45 etwa ist
risten ist vieles anders, als man das vom nicht ganz von der Hand zu weisen.
Rest der Welt so kennt. Relic-Optik ist so Zumal die Grand Pacific eben das charak-
etwas, das man einem Nichtgitarristen teristische Merkmal, die abgerundeten Schul-
kaum erklären kann; schließlich kauft der tern, hat. Logo, dass man sich da nicht an
sein Auto ja auch nicht mit Absicht ver- eine D-18 erinnert fühlt. Laut Andy ist die
dellt und voller Rost. Der Gitarrist an sich „neue“ Korpusform dabei nicht einmal die
auch nicht, aber bei Gitarren, da macht neueste, denn die ersten Instrumente, die das
man gern eine Ausnahme. Oder bei Verstär- V-Class-Bracing implemetiert bekamen, wa-
kern – da ist der Heilige Gral auch schon ein ren Prototypen dieser Baureihe.
paar Jährchen alt, und ja, es gibt hier auch Da fragt man sich, warum die Taylors
mehr als einen Gral; ihr wisst was ich meine. nicht gleich die komplette Gitarre schon 2018
Gitarristen sind irgendwie eigen, aber auch veröffentlicht haben. Dies wiederum ist recht
liebenswürdig. Was man nun nicht mit Fug schnell erklärt, denn ein neues Modell mit
und Recht von jeder anderen Instrumenta- neuem Bracing ist nicht unbedingt die Kunst,
listengattung behaupten kann. wenn man denn so flapsig formulieren darf
In diesem durchaus traditionell ange- – womit soll man dieses Instrument denn
hauchten Umfeld gibt es aber immer wieder vergleichen?
Leute, die einfach ohne Schere im Kopf zu Implementiert man das Bracing in ein
Werke gehen (und das ist bitte bildlich zu bestehendes Modell, dann ist dessen Effekt
nehmen, gell). Andy Powers hat dies schon wesentlich offensichtlicher. Im Falle des
mit der konsequenten Implementierung des V-Class-Bracings so offensichtlich, dass auf
V-Class-Bracings in die Taylor-Produktpalette lange Sicht alle Tayors mit dieser Bracing-
getan. Die neuen Grand-Pacific-Instrumente Architektur ausgestattet werden.
bilden insofern eine Neuheit, als diese Kor-
pusform im Taylor-Reigen bisher nicht exis- Die Neue im Stall
tiert hat. Die „Grand Pacific“ getaufte neue Warum nun aber die neue Korpusform?
Korpusform erinnert auf den ersten Blick an Die Antwort lautet Bluegrass. Powers’ Vater
eine Round-Shoulder-Dreadnought, eine war Zimmermann, und sein Tipp an den

107
GUITAR-DREAMS Akustikgitarre

kleinen Andy war: „Wenn du fünf Platten


gehört hast, dann ist Mittag. Dann nochmal
vier, und du hast Feierabend.“ Wenn der
Tippgeber dann Bluegrass hört, kann man
sich den musikalischen Effekt auf Powers
Junior in etwa vorstellen. Und Andy geht’s
wie den meisten von uns: Die Gitarrensounds
auf den Alben, die wir lieben, denen wir
nacheifern, sind schlicht nie nur eine Gitarre
oder eine Gitarre samt Amp.
Bei jeder Studioaufnahme ist der Sound
die Kombination aus Gitarrist, Gitarre, Mikro,
Preamp, Konsole, dem Mix und letztlich dem
Mastering. Und mit keiner Gitarre aus dem
Taylor-Sortiment könne man, so Andy, die-
sen traditionellen Sound erzeugen, denn der
Taylor-Sound war präzise, trennscharf und
auf virtuoses Spiel ausgelegt. Der Bluegrass-
Player griff typischerweise nicht zu einer
Taylor. Bis jetzt, muss man sagen, denn Po-
wers ist ein echter Treffer gelungen.
Die Details
Vorliegen haben wir die beiden Modelle 717e
und 517e der Builder’s Edition. Diese unter-
scheiden sich vorrangig in der Optik und der
Holzkombination. Die 717e setzt auf Boden
und Zargen aus Palisander, die Decke ist aus
Fichte. Die 517e besteht aus Mahagoni, ihre
Decke ebenfalls aus Fichte. Selbstredend sind
sämtliche Hölzer massiv und, kann man
kaum anders sagen, echt verdammt attraktiv
gemasert. Überhaupt ist gesamte äußere Er-
scheinung in meinen Augen ein Volltreffer,

denn hier gibt’s keinen Hochglanz und keine


augenscheinlichen Inlays; hier gibt’s Holz
und das dazugehörige Feeling pur.
Die Teile haben die Aura eines lange und
liebevoll eingespielten Instruments. Maßgeb-
lich zu diesem eingespielten Eindruck tragen
das neue Halsprofil (compound carved) sowie
die angenehm abgerundeten Griffbrettkanten
bei. Da sich die Handhaltung der Greifhand
beinahe zwangsläufig verändert, wenn man
sich durch die Lagen nach oben bewegt,
ist das daran angepasste Halsprofil ein nahe-
liegender Schritt. Nur draufkommen muss
man eben.
Das Griffbrett selbst besteht aus Ebenholz,
das im Taylor-eigenen Sägewerk und Forst-
betrieb hergestellt und bereitgestellt wird.
Auch wenn es zur Taylor-Philosophie gehört,
den Gitarristen darzulegen, dass Ebenholz
nicht zwangsläufig schwarz (in der Tat ist nur
knapp ein Zehntel des Baumes schwarz),
sondern durchaus wild gemasert ist, hat man
sich hier für die schlichte schwarze Variante
mit angenehm dezent gehaltenen Inlays ent-
schieden. Ein schwarzer Tusq-Sattel, eine
kompensierte Stegeinlage und die gekapsel-
ten, dauergeschmierten Mechaniken, die mit
dem Taylor-Logo versehen sind, runden die
Sache mit der Hardware und den Zutaten
geschmackvoll ab. Das „e“ im Namenszusatz
bedeutet das Vorhandensein eines Pickups,
in diesem Fall des hauseigene Expression
System 2 – altbekannt und bewährt. Schön

108 2 /19
Akustikgitarre GUITAR-DREAMS

nach vorne gebracht haben, haut einen die


Grand Pacific einfach mal generell um. Kaum
zu glauben, dass Gitarren dieser Qualität in
großen Stückzahlen hergestellt werden. Her-
gestellt werden können, muss man sagen,
denn beiden Gitarren merkt man sofort an,
dass hier ein begnadeter Gitarrenbauer
Schwert und Feder geführt hat.
Die Grand Pacific reagiert dynamisch auf
den Gitarristen, ihr Ausschwingverhalten ist
einfach nur grandios, die Bespielbarkeit flüs-
sig und die Handhaltung aufgrund der Er-
gonomie des Halsprofils vollkommen ent-
spannt. Man denkt schlicht nicht mehr
darüber nach, sondern spielt einfach. Kann
man von einem Instrument mehr verlangen?
Nun ja, mehr ist immer schön, und auch
die Grand Pacific überzeugt durch ein sattes
Sustain, eine in sich ruhende Tonentfaltung.
Die Töne werden aber – und das ist neu im
Taylor-Universum – weniger akkurat im
Sinne von präzise wiedergegeben. Jeder Ton
verbindet sich mit dem nächsten, die ange-
schlagenen Töne verweben sich zu einem
Klanggeflecht echter Tiefe. Dies wird vor
allem im direkten Vergleich mit einer Build-
er’s Edition K14ce etwa. Die Grand Pacific
spricht quasi die gleiche Sprache, nur ihr
Timbre ist weicher, wärmer und somit tradi-
tioneller.
Das bleibt hängen
Es ist wenig sinnvoll, um den heißen Brei
herumzureden – die Grand Pacific ist ein
äußerst durchdachtes und gleichzeitig inspiri-
erendes Instrument. Die neue Korpusform
auch, dass man hier kein Riesenloch in die werden die druckempfindlichen Piezo- steht dem Taylor-Portfolio ausgezeichnet zu
Zarge sprengt; das Expression System 2 Kristalle hier hinter der Stegeinlage, statt Gesicht. Mir persönlich gefallen das schlichte
kommt mit drei Bohrungen für drei Regler – darunter positioniert. Understatement und die klangliche Melange
Volume, Bass, Treble – aus. aus Tradition und Moderne – ein Spagat, den
Kleine Nebeninfo: Da sich der Steg einer Ran an die runde Schulter momentan kaum einer so gut hinbekommt.
Gitarre durch die Schwingung der Saite nicht Wow, was soll man sagen? Wo die erste Andy, wie immer eine echte Freude!
auf und ab bewegt, sondern eher eine, wenn Generation der V-Class-Gitarren wohl am Stephan Hildebrand
auch minimale, Kippbewegung vollführt, stärksten die Taylor-typischen Eigenschaften

FAKTEN FAKTEN
Taylor Guitars Grand Pacific 717e Taylor Guitars Grand Pacific 517e
Herkunft USA Herkunft USA
Boden/Zargen Palisander, massiv Boden/Zargen Mahagoni, massiv
Decke Fichte, massiv Decke Fichte, massiv
Hals Mahagoni Hals Mahagoni
Griffbrett Ebenholz Griffbrett Ebenholz
Steg Ebenholz Steg Ebenholz
Sattelbreite 44,5 Millimeter Sattelbreite 44,5 Millimeter
Bünde 20 Medium Bünde 20 Medium
Mensur 64,8 cm/25,5” Mensur 64,8 cm/25,5”
Pickup Taylor Expression System 2 Pickup Taylor Expression System 2
Regler Volume, Bass, Treble Regler Volume, Bass, Treble
Mechaniken gekapselte Mechaniken, Mechaniken gekapselte Mechaniken,
verchromt verchromt
Internet www.taylorguitars.com Internet www.taylorguitars.com
Empf. VK-Preis 3.399,- € inkl. Koffer Empf. VK-Preis 3.199,- € inkl. Koffer

Preis-Leistung Preis-Leistung

109
GUITAR-DREAMS E-Gitarre

Manuel Köhler
C

MJ Guitars Mastercaster „Blackie“

DIE MAGIE LIEGT


IM DETAIL
Mit MJ Guitars hat Matthias Jabs nicht nur einen eigenen Laden in München, sondern
auch eine eigene Gitarrenmarke. Im Interview erläutert der Scorpions-Lead-Gitarrist,
wie er das Model Mastercaster konzipiert hat.

110 2 /19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

Exakt! Ich fand schon immer die CBS-Strats,


die Hendrix Ende der ’60er spielte, einfach
chic. Dazu kommt natürlich die Tatsache, dass
es einen Ausgleich für den um zwei Bünde
verlängerten Hals geben muss. Abgesehen da-
von, klingt es selbstverständlich besser, wenn
mehr Holz an einer Gitarre ist.

Wann hattest du eigentlich die Idee zum


Tone-Knob der Mastercaster?
Ich habe damit natürlich nicht das Rad in Sa-
chen Potiknöpfen neu erfunden, aber es ist
eine sehr praktische Detaillösung. Stell’ dir
mal folgendes Szenario vor: Du spielst auf der
Bühne einen Song, deine Hände schwitzen,
und du willst den Push-Pull-Poti mit den rut-
schigen Vintage-Style-Buttons bedienen.
Das wird in the heat of the moment zu einer
fast unlösbaren Aufgabe. Selbst jetzt ist das

M
atthias Jabs hat mit den Scorpions Realität geht das natürlich nicht, da unsere schon eine arge Fummelei, wenn man’s denn
über 100 Millionen Platten ver- Songs in verschiedenen Stimmungen geschrie- überhaupt schafft. Bei meinem Knob gehe ich
kauft, den Globus x-fach umrun- ben wurden. Ein wichtiges Element dafür sind einfach mit dem kleinen Finger drunter, und
det und ist der einzige deutsche die von Boris Dommenget handgewickelten im Bruchteil einer Sekunde ist der Master-
Saitenvirtuose, der sowohl mit Masterbucker, die per Switch zu echten buster N von Singlecoil in den Humbucker-
Fender als auch Gibson Signature- Singlecoils werden. Das wird durch zwei kom- Mode geschaltet.
Modelle veröffentlichte. Seit über plett voneinander getrennte Spulen möglich.
zehn Jahren besitzt Matthias nun Bei regulären Tonabnehmern wird nur eine Die fertigen Mastercasters werden - was Sai-
seine eigene Boutiquemarke, die er exklusiv Seite des Doppelspulers abgeschaltet, und man tenlage, Pickup-Höhe und Tremolozug angeht -
über seinen in München beheimateten Shop erhält einen Kompromiss. Eine weitere coole genau nach deinen Vorgaben eingestellt.
MJ Guitars vertreibt. Wir sprachen mit dem Sache an den Dommenget-Pickups ist, dass sie Das Set-up ist halt so, wie es mir gefällt – ist
Lead-Gitarristen von „Germany’s Finest“ über zwar einen sehr hohen Output besitzen, dabei ja auch meine Signature-Gitarre. [grinst] Viele
die Entwicklung der Mastercaster. aber sehr klar bleiben und jede einzelne Saite Spieler bevorzugen sicher eine flachere Sai-
auch mit viel Gain transparent abbilden. Die tenlage. Ich hingegen brauche immer etwas,
Matthias, in deiner Karriere hast du schon ei- Masterbucker bekommt man übrigens auch wo ich so richtig schön reingreifen kann.
nige Gitarren technisch wie optisch designt. einzeln bei mir im Laden zu kaufen. Einfach über die Strings zu gleiten, ist nicht
Angefangen bei der Gibson E90 über den di- By the way: Der Winkel des Bridge-Pickups so mein Ding. Mein Spiel besitzt ziemlich
rekten Vorgänger der Mastercaster, die Fen- der Mastercaster ist kein Zufall, denn wir viel Kraft und ist beileibe keine Streichelei!
der Matthias Jabs Signature Stratocaster. suchten für die beiden Funktionen des Master- [schmunzelt]
Matthias Jabs: Hinter der Entwicklung der buckers B die perfekte Ausrichtung. Die Spaß beiseite: Die meisten Leute, die sich
Jabocaster steckte damals dieselbe Idee, die Schwierigkeit dabei war, genau den Sweetspot eine Mastercaster kaufen, kommen mit diesen
später zur Mastercaster führte. Das Klangspek- zu treffen, damit Singlecoil und Humbucker Einstellungen sofort klar. Kürzlich ging erst
trum einer regulären Strat ist für Musik, wie ohne Klangverlust ihren vollen Ton entfalten. ein Exemplar an einen Kunden in Singapur. Er
wir sie bei den Scorpions spielen, einfach zu Boris und ich suchten einen ganzen Tag da- ist von seiner Mastercaster total begeistert und
eng gestrickt. Mit ihrer Originaltonabnehmer- nach, indem wir bei einer Testgitarre, bei der hat mit ihr ein cooles Unboxing-Video für
bestückung kannst du damit herrliche Sounds man den Masterbucker B drehen und die Posi- Youtube gedreht.
erzeugen – im Studio kommt bei mir aber fast tion mittels installierten Maßstabs exakt be-
immer zusätzlich eine Explorer zum Einsatz. stimmen konnte, unterschiedliche Postionen Apropos Kundschaft: Bei MJ Guitars kaufen
Deswegen brauche ich für die Bühne natürlich ausprobierten. Mit jeder nur erdenklichen Nei- auch gerne deine Musikerkollegen ein – mit
eine Instrument, das beide Charakteristiken in gung nahmen wir während dieser Phase Takes welchen Sechssaitern konntest du ihnen eine
sich vereint. Als Mensch besitzt man schließ- auf. Am darauffolgenden Tag verglichen wir Freude machen?
lich nur zwei Hände und kann damit leider nur alle Tapings und ermittelten daraus unsere Fa- Joe Bonamassa verliebte sich in eine ’76er
eine Gitarre spielen. [schmunzelt] voriten, die im nächsten Schritt mit dem Funk- Gibson Firebird, Richie Sambora in die gol-
Rückblickend kam die Fender der Intention, strat und dem Masterbucker N in den verschie- dene Mastercaster, Pink kaufte eine Akustik-
die ich verfolgte, schon sehr nahe. Die denen Kombinationen harmonieren mussten. gitarre, und Keith Urban nahm gleich zwei
Mastercaster ist die logische Fortführung der Das Schöne bei den final gewählten Schalt- Explorer mit und möchte jetzt eine Master-
Jabocaster, denn sie bietet nicht nur mehr möglichkeiten ist, dass man – im Gegensatz zu caster. Am liebsten hätte er ein eingespieltes
Schaltmöglichkeiten, sondern besitzt im Ge- herkömmlichen ST-Modellen – mit den zwei Exemplar aus einem meiner Tour-Rigs, aber
gensatz zu den 22 Bünden der Strat 24. Die Volume-Potis immer noch etwas mehr am diesen Wunsch konnte ich ihm bisher noch
zwei zusätzlichen Frets sind deswegen so wich- Sound mischen kann. Ich frage mich übrigens nicht erfüllen.
tig, da für die Tracks, die ich im Studio mit der schon seit jeher, warum Leo damals standard- Bis Ende 2018 brauchte ich alle Gitarren
E90 aufgenommen habe, der Hals mit den 22 mäßig zweimal Tone und nur einmal Volume selbst, da fast identische Rigs auf den ein-
Bundstäbchen schlichtweg zu wenig Platz bot. verbaute – für mich ergibt das, obwohl seine zelnen Kontinenten, auf denen wir in diesem
Erfindung natürlich unantastbar ist, irgendwie Jahr spielen und spielten, unterwegs sind oder
Die Mastercaster vereint nun in sich dein keinen Sinn. gerade von dort zurückreisen. Für mich selbst
gesamtes Gitarrenwissen, das du dir in den lasse ich aktuell zwei neue Mastercaster mit
inzwischen vier Dekaden in der Rock’n’Roll- Das Kopfplattendesign der Mastercaster ist Zebra-Finish bauen, damit auch wirklich alle
Champions-League angeeignet hast. an einen späten ’60er/’70er ST-Headstock Equipmentzusammenstellungen identisch und
Ich könnte mit einer Mastercaster theoretisch angelegt. Hast du die Größe wegen dem Mehr up to date sind.
ein komplettes Scorpions-Set spielen. In der an Masse respektive Sustain gewählt? Chris Franzkowiak

111
GUITAR-DREAMS E-Gitarre
C Christopher Przybilla

C Christopher Przybilla

Schriftzug auf der Kopfplattenrückseite

112 2/19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

MJ Guitars Mastercaster „Blackie“

Unendliche
Sound-Weiten
Kurze Zeit nach unserem relaxten Gespräch mit Matthias
Jabs klingelt der Paketbote mit der heiß ersehnten
Sendung von MJ Guitars. Passend zur von Matthias
während des Interviews gespielten Mastercaster, verrät
der Lieferschein, dass als Testmodell exakt dieselbe
Gitarre in der Umverpackung schlummert.

B
ei handgefertigten Custom-Instru- Abgerundet wird das Package durch Abalo-
menten spielt die Präsentation eine ne-Dots und eine MJ-Intarsie aus Abalone/
nicht zu vernachlässigende Rolle. Mother of Pearl am 12. Bund.
Denn sind wir mal ehrlich, man kauft Die Mastercaster trägt ihren Namen schon
damit auch immer etwas Mojo, und alleine wegen ihres Looks und der tadellosen
Jabs punktet gleich in Sachen Koffer. Verarbeitung (inklusive perfekt abgerichteter
Mit einem in den USA handgefertigten Bundstäbchen) zu Recht.
G&G-Custom-Case mit Black-Tolex- Darüber hinaus ist die Gitarre exakt nach
Überzug liegt man immer richtig. Natürlich Matthias’ Vorgaben eingestellt und könnte so,
ist er außen wie innen mit MJ-Guitars-Bran- wie sie hier im Koffer ruht, auch zufällig aus
ding versehen und zaubert einem das erste einem der Tour-Rigs des Scorpions-Lead-
zufriedene Lächeln ins Gesicht. Gitarristen gezogen worden sein. Saitenlage,
Neben der absolut coolen MJ Mastercaster Pickup-Höhe und Zug des Schaller-Lock-
im „Blackie“-Finish gibt es im G&G-Koffer meisters – alles stimmt!
selbstverständlich noch einiges an Case-
Candy: das per Hand ausgefüllte und von Für die komplette Setlist
Matthias Jabs und Gitarrenbauer Boris Dom- Unter ihrer „Haube“ schlummert eine extrem
menget signierte „Certificate of Authenticity“ ausgefuchste Verdrahtung, welche die Mas-
(inklusive eingeklebtem, signiertem Matthias- tercaster in einem Augenblick von „Wind of
Jabs-/Mastercaster-„Blackie“-Foto), ein in Change“ in „Blackout“ verwandelt. Um damit
Deutschland handgefertigtes Klotz-Matthias- vertraut zu werden, braucht es keine fünf
Jabs-Rockmaster-Kabel mit drei Metern Minuten, um alle Konfigurationen des Fünf-
Länge, drei Jabs-/Scorpions-Picks, ein MJ- wegschalters zu verinnerlichen:
Guitars-Lanyard und die Inbusschlüssel für
das Schaller-Lockmeister. Insgesamt also ein Position 1: Bridge-Humbucker
sehr feines Package! Position 2: Bridge-Humbucker & Middle-
Singlecoil
Meisterhafte Handwerkskunst Position 3: Bridge als Singlecoil & Middle-
Die MJ Mastercaster „Blackie“ selbst ist Singlecoil
ohne Zweifel eine der schönsten schwarzen Positon 4: Middle-Singlecoil & Neck
ST-Modelle auf dem Markt! Angefangen (Singlecoil oder Humbucker)
beim mittels Lackbeigaben auf Vintage ge- Positon 5: Neck (Singlecoil oder Humbucker)
trimmten, herrlich geflammten Ahornhals,
der mit seiner ’70s-Kopfplatte und dem Me- Der am Hals verbaute Masterbucker N
dium-D-Profil ein ganzes Stück mehr Masse wird mittels des Push/Pull-Potis im Tone-
liefert als herkömmliche ST-Hälse, über den regler gesplittet. Push/Pull oben: Singlecoil,
hauchdünn mit Nitrolack und auf Hochglanz Push/Pull unten: Humbucker – janz einfach.
handpolierten Body, dessen Konturen etwas Interessant ist bei beiden Masterbuckern,
schlanker als beim kalifornischen Vorbild dass Jabs und Boris Dommenget, der die
ausfallen, bis hin zu Hardware und Pickups. Pickups per Hand wickelt, einen Weg gefun-

113
GUITAR-DREAMS E-Gitarre

den haben, dass hier wirklich zwei vollwertige ter und einer Allrounderin für jegliche Live-
Tonabnehmer in einem Gehäuse stecken. Der und Studioeinsätze geschaffen.
normalerweise beim Split eines Humbuckers
entstehende Lautstärke- und Soundverlust Traumhafte Bespielbarkeit
existiert beim Masterbucker N schlichtweg Egal, ob man mit Matthias’ Set-up (Saiten-
nicht – eine tolle Sache! lage, Tonabnehmerhöhe) oder eigenen Ein-
Ein absolut geniales Feature ist der stellungen spielen möchte, die Justierungen
Mini-Toggle, der sich zwischen den beiden sind „Superstrat“-typisch schnell umgesetzt.
Volume-Potis befindet. Mit ihm kann der Der Medium-D-Hals lässt sich sowohl bei
Masterbucker am Steg vorbei an der kom- groovigen Rhythmen als auch bei schnellen
pletten Verdrahtung direkt zur Klinkenbuchse Soloeinlagen fantastisch bespielen.
geschaltet werden – egal, in welcher Konfi- Die Mastercaster fühlt sich dabei nicht wie
guration oder Position des Fünfwegschalters eine frisch aus dem Custom Case gezogene
man sich gerade befindet. Gerade für Power- Gitarre an, sondern wie ein Instrument, dass
Balladen, bei denen sich ultracleane und mit viel Liebe und Geduld jahrelang einge-
verzerrte Passagen abwechseln, ist diese spielt wurde.
Möglichkeit ein wahrer Segen.
Abseits von Matthias nutzte beispielsweise Das bleibt hängen
Richie Sambora während seiner packenden Mit der MJ Mastercaster bieten Matthias
Performance von „I’ll Be There for You“ bei Jabs und Boris Dommenget ein enorm
der Bon-Jovi-DVD Live at Madison Square durchdachtes, hervorragend gefertigtes und
Garden (2008) die Mastercaster für diesen chices (neben der „Blackie“-Variante ist sie
Zweck. in unzähligen Finish-Optionen erhältlich)
Boutiqueinstrument an. In der Mastercaster
Sprung über Genregrenzen stecken inzwischen vier Dekaden an Praxis-
Lässt man Hardrock, AOR, Power-Balladen erfahrung auf dem Rockolymp, und das
und Metal-Elemente einmal beiseite, wird merkt man bei allen Details der Gitarre. Da
schnell deutlich, dass die Mastercaster den- es sich bei der Mastercaster um Einzelanfer-
noch in so gut wie allen Stilrichtungen tigungen handelt, kann sich der Käufer im
glänzt. Funk ist dabei genauso möglich wie Vorfeld auch das Halsprofil aussuchen. Viel-
Stoner-Rock, Indie-Pop oder Country. Matthi- seitige Musiker sollten bei entsprechendem
as Jabs und Boris Dommenget haben damit Budget unbedingt einen Testlauf in München
den großen Spagat zwischen einer perfekt auf bei MJ Guitars starten!
den Namensgeber zugeschnittenen Sechssai- Chris Franzkowiak

Tonregler mit Umschalthilfe (Push/Pull) MJ-Intarsie am 12. Bund Lockmeister: läuft!

114 2 /19
E-Gitarre GUITAR-DREAMS

FAKTEN Einfach los


MJ Guitars Mastercaster „Blackie“
Herkunft
Korpus
Deutschland
alte deutsche Erle
singen!
Hals europäischer Ahorn;
carbonverstärkt
Halsprofil Medium-D
Griffbrett Ahorn
Griffbrettradius Compound-Radius
Halsbreite Sattel: 43 mm;
12. Bund: 54 mm
Bünde Jumbo Dunlop 6150 (Gibson)
Mensur 65 cm/25,59”
Pickups Bridge: Masterbucker B
(Humbucker-Singlecoil-
Kombination; Mitte: Funkstrat
(umgekehrte Polarität); Hals:
Mastercaster N (Humbucker-
Singlecoil-Kombination)
Regler 2 x Volume, 1 x Ton (Push/Pull)
Schalter Fünfweg, Mini-Toggle
Hardware Schaller Lockmeister,
Kluson Die-Cast
Gewicht 3,8 kg
Linkshänder ja (auf Anfrage)
Internet www.mjguitars.de
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115 bestellung@ppvmedien.de
GUITAR-DREAMS Akustikgitarre

Meckbach/Bazaniak Parlor Malina

Ahorn über alles


Martin Meckbach weiß, wie man Gitarren baut, und ist auch in der Lage,
dieses Wissen weiterzugeben. Bester Beweis ist die Parlor Malina aus den Händen
Mark Bazaniaks, die dieser während seiner Ausbildung bei Martin gefertigt hat.

C Christopher Przybilla

116 2 /19
Akustikgitarre GUITAR-DREAMS

G
röße, so heißt es, sei nicht alles. Was bereits bei Öffnen des Koffers auf der Ge- attraktiv geflammten Ahornstücken und in
nur bedingt auf eine Leberkässem- winnerseite: geflammtes Ahorn, Ebenholz, bekannter Bauweise zusammen, nämlich
mel zutreffen mag, stimmt meines Mahagoni, feine Fichte – edel geht die Welt bookmatched. Optisch werden die Hälften
Erachtens zumindest für Gitarren; zugrunde! gerne voneinander abgegrenzt, etwa durch
Dreadnought kann schließlich jeder. Konzipiert und entwickelt hat dieses Mo- einen Splint, ein Herringbone- oder Abalone-
Dieses ein wenig pauschale Abur- dell Gitarrenbaumeister Martin Meckbach, Purfling. Nicht so hier – Bazaniak und Meck-
teilen der wohl beliebtesten und am gefertigt hat es sein Lehrling Mark Bazaniak. back setzen auf die pure Schönheit herrlich
weitesten verbreiteten Gitarrenform Und der scheint einiges gelernt zu haben, gewachsenen massiven Ahorns.
sei dem Autor verziehen, denn dieser hat sein denn an Malina stimmt schlicht alles: Hand- Diesem Prachtexemplar von Boden setzen
Herz vor Jahren an die Parlor verloren. Deren ling, Bespielbarkeit, Klang, Optik und Verar- sie eine feingemaserte europäische Fichten-
direkte Ansprache und zumeist knackigeres beitung sind über alle Maßen erstklassig und decke entgegen; die Zargen bestehen, passend
Attack machen Fingerpicking und Slide-Licks bieten keinen Grund für Tadel. Eines der zum Boden, ebenfalls aus geflammtem
prägnanter und durchsetzungsfähiger, wenn Highlights ist zweifelsohne der Boden. Wäh- Ahorn. Als Zierelement rund um Decke
die Parlor auch in Sachen bloßer Lautstärke rend man diesen bei der Vorgängerin namens respektive Boden zieht sich ein Mahagoni-
meist die zweite Geige spielt. Die Bazaniak- Nick einteilig fertigte, bleibt man hier eher Binding, das seine optische Fortsetzung in
Meckbach-Kooperations-Parlor-Malina ist klassisch und fügt den Boden aus zwei einem schmalen dreieckigen Zierelement am

117
GUITAR-DREAMS Akustikgitarre

unteren Korpusende findet: dem Zargenstoß, aber mehr als gerecht – die Gotohs laufen
dort, wo sich die Zargen treffen. wahrlich wie geschmiert. Zumal die äußere
Natürlich ist das nicht das einzige Erscheinung dieser Mechaniken hervorragend
Schmuckelement, denn rund um die Mahago- mit der des Instruments harmoniert,
nipassagen finden sich dezente Spaneinlagen moderne Typen hätten meinem ästhetischen
in Schwarz und Ahorn. Die perfekte optische Empfinden nach eher Gegenteiliges
Ergänzung dazu ist der sattbraune Mahago- bewirkt. Ein weiteres Argument gegen den
nihals, der unter anderem dank einer de- vermeintlichen Luxus moderner Mechaniken
zenten Ebenholzkappe am Halsfuß mit ist deren mitunter höheres Gewicht im
schlichtem Understatement punktet. Passend Vergleich zu offenen Typen. Und angesichts
dazu, gesellen sich ein Ebenholzgriffbrett des kleinen und ungemein leichten Korpus
satt-dunkler Tönung und eine Brücke aus von Malina wäre das wahrscheinlich zu viel
ostindischem Palisander. Letzterer haben des Guten gewesen.
Mark und Martin die klassische Pyramiden- Um den äußeren Eindruck zu komplettie-
form verpasst. Als idealen Abschluss der ren, seien noch die 20 Neusilberbünde im
hinreißenden Optik darf man die schlichte Inlay-freien Griffbrett erwähnt, allesamt
Kopfplatte mit Palisanderfurnier und de- perfekt bearbeitet, sprich entgratet, abgerich-
zentem Meckbach-Logo betrachten. tet, verrundet und poliert – ein Traum. Und
nicht anders erwartet.
Wie geschmiert
Selbstredend kommen für ein Instrument Pflicht oder Kür?
dieser Bauart nur offene Mechaniken Ob die Verarbeitung die Pflicht und der Klang
in Frage, in diesem Fall Gotoh 510 in die Kür darstellen, darüber kann man streiten.
vernickelter Ausführung und mit Butterbean- Sicherlich bedingt das eine das andere, und
Knöpfen. Freilich, diese Art von Mechanik der beste Klang nützt wenig, wenn man das
bietet nicht unbedingt den reibungslosen Instrument nicht gerne in die Hand nimmt.
Komfort gekapselter und dauergeschmierter Bazaniak und sein Meister Meckbach haben
Mechaniken, ihrer Aufgabe werden sie hier hier auch klanglich ganze Arbeit geleistet,
Der Boden aus zwei Stücken geflammten
Ahorns, ohne Abgrenzung zusammengefügt

118 2 /19
Akustikgitarre GUITAR-DREAMS

denn die kleine Parlor spielt derart frisch


und lebendig auf, dass es eine wahre Pracht
ist. Freilich, dass sie spritzig ansprechen und
mit einem präzisen Attack ins Rennen gehen
würde, das durfte man erwarten, dass sie
aber aus diesem kleinvolumigen Korpus ein
derartiges Klangerlebnis zaubert, davon war
nicht auszugehen.
Überraschend ist hier die schiere
Lautstärke, die dieser Korpus zu erzeugen
in der Lage ist. Erst bei hartem Strumming
kommt sie an ihre Grenzen und beginnt
zu dröhnen. Wer hingegen knackiges
Fingerpicking oder saftige Blues-Licks und
Slide-Linien im Repertoire hat, der findet hier
eine ideale Gespielin. Brillante Höhen ohne
Spitzen paaren sich mit kräftigen Mitten und
straffen Bässen, die eher in Richtung tiefer
Mitten schielen, was letztlich nur heißen soll,
dass sie jeglichen Mulm außen vor lassen,
dafür mit Straffheit und Definition punkten.
Beeindruckend ist darüber hinaus der
Dynamikbereich, den die Malina anzubieten
in der Lage ist – je nach Gusto, sprich
Anschlagsstärke und -position, changiert
sie zwischen zarten Streicheleinheiten und
staubtrockenem Blues.
Das bleibt hängen
Eine echte Meisterleistung, vom Lehrling
gefertigt – klingt komisch, hier geht’s
aber auf, denn die Meckbach-Bazaniak-
Kooperation ist ein Paradestück dafür, was
Talent und dessen Anleitung und Förderung
erschaffen können – in diesem Fall eine
Mördergitarre, der nichts, aber auch gar
nichts Negatives nachzusagen ist. Zumindest
dann nicht, wenn man Parlor-Fan ist. Die
Verarbeitung, die Materialien, der Klang und
– das ist kaum in Geld aufzuwiegen – der
vermittelte Spielspaß, die ungetrübte Freude
am Instrument, all das rechtfertigt letztlich
den Preis von knapp 4.500 Euro. Chapeau,
die Herren, ein tolles Instrument!
Stephan Hildebrand

FAKTEN
Meckbach/Bazaniak Parlor Malina
Herkunft Berlin, Deutschland
Boden/Zargen geflammter Ahorn, massiv
Decke Fichte, massiv
Hals Mahagoni
Griffbrett Ebenholz
Steg Palisander; Einlage: Knochen
Sattelbreite 44 Millimeter, Knochen
Bünde 20 Medium
Mensur 63,0 cm/24,8’’
Mechaniken Gotoh 510, Butterbean-Knöpfe
Linkshänder auf Anfrage
Internet www.gitarren-meckbach.de
VK-Preis 4.495,- € inkl. Koffer

Preis-Leistung

119
TEST & TECHNIK E-Gitarre

LTD SN-1000HT

Erfrischend anders
Vergleichsweise klassisch, geradlinig, aber mit moderner
Elektronik gibt sich das LTD-Modell SN-1000HT. Ein geradliniges
Instrument, zu dem sich im umfassenden Katalog des Herstellers
kein wirkliches Pendant findet.

A
ls Teil der SN-Serie (Snapper) nimmt härter bei der Akkordarbeit und dem Spiel
die Testgitarre konstruktiv klare An- von Einzelnoten zu. Die oberen Lagen lassen
leihen an die Stratocaster. Hier wurde sich trotz angeschraubter Konstruktion gut
ein ergonomisch geformter, deckend erreichen. Die Ergonomie stimmt generell,
schwarz-schimmernd lackierter Erle- denn die Gitarre hängt ausgewogen am Gurt
Korpus mit zwei Cutaways und einem und schmiegt sich gut an den Spieler an.
einlagigen schwarzen Schlagbrett Gleichzeitig sorgt der hauchdünn lackierte
mit einem Ahornhals verschraubt. Hals sorgt für eine natürliches Spielgefühl.
Auf dem Pau-Ferro-Griffbrett finden sich 22 Die flache Hipshot-Bridge ist bestens für
extrabreite saubere eingelassene Bünde. abgedämpfte Spieltechniken geeignet. Hier ist
Statt Vintage-Vibrato oder Floyd Rose schlicht kein Material „im Weg“, und es gibt
gibt es zur Abwechslung mal einen herrlich keine beweglichen Teile, welche die Stim-
flachen Hipshot-Steg mit Saitenführung mung gefährden. Auch der Lautstärkeregler
durch den Korpus, der sein Gegenstück auf ist ergonomisch günstig platziert. Er lässt sich
der nicht abgewinkelten Kopfplatte in haus- jederzeit mit dem kleinen Finger der Spiel-
eigenen Klemmmechaniken findet. hand erreichen.
Die Elektronik ist eher atypisch für diesen
Gitarrentyp und gleichzeitig voll auf Rock Klang
getrimmt: Zum Einsatz kommen zwei ge- Trocken spricht die SN-1000HT schnell an.
wachste, passive Humbucker aus dem Hause Sie zeigt ein ausgewogenes Schwingverhalten
Seymour Duncan. Am Steg arbeitet der kräf- und klingt gleichzeitig erfreulich offen – ganz
tige Pegasus mit Alnico-5-Stabmagneten so, wie man es sich von einer entsprechenden
(Gleichstromwiderstand: 12,5), der laut Her- Konstruktion wünscht. Den Härtetest
steller ursprünglich für Instrumente mit er- absolviert das Instrument natürlich am
weitertem Tonumfang konzipiert wurde. Sein
Partner ist das Modell Sentient, ebenfalls mit
Alnico-5-Stabmagneten, aber einem deut- FAKTEN
lich niedrigeren Ausgangspegel (Gleich-
stromwiderstand: 7,8). Die Steuerung LTD SN-1000HT
erfolgt über zentrale Lautstärke- und Herkunft Südkorea
Tonpotis sowie einen Dreiwegeschalter. Korpus Erle
Der Ausgang ist LTD-typisch in der
Decke ohne
Zarge zu finden. Die gesamte Hardware ist
schwarz ausgeführt, was insbesondere in Hals Ahorn, eingeschraubt
Kombination mit der lediglich dünn und Halsprofil dünnes U
transparent lackierten Halsrückseite und der Griffbrett Pau Ferro (Santos Palisander)
ebenfalls hell belassenen Kopfplatte einen Griffbrettradius 13,78“
schönen Kontrast liefert. Der Halsstab ist bei
Sattelbreite 42 mm
diesem Modell übrigens an der Korpusseite
über eine Aussparung zugänglich. Bünde 22 XJ: 2,5 x 2 mm
Mensur 64,8 cm/25,5”
Praxis
Pickups 2 x Seymour-Duncan-
Im Unterschied zu den meisten anderen Humbucker: Pegasus (Steg),
LTD-Gitarren dieser Preisklasse weist Sentient (Hals)
die in Südkorea gefertigte SN-1000HT Regler Volume, Tone
ein recht kräftiges U-Halsprofil auf. Schalter Dreiweg-Klingenschalter
Dazu ist die Saitenlage ab Werk Hardware Hipshot, String-thru-Body,
nicht besonders flach eingestellt. LTD-Klemmmechaniken
Es handelt sich also nicht um eine Linkshänder nein
Flitzefingergitarre, die sich fast von
Internet www.espguitars.com
selbst spielt. Vielmehr muss man hier
für den richtigen Ton schon etwas Empf. VK-Preis 1.188,81 € (ohne Koffer)
arbeiten, was das Instrument mit einem
Preis-Leistung
größeren Dynamikumfang belohnt. Fast
automatisch langt man hier auch etwas

120 2 /19
E-Gitarre TEST & TECHNIK

Verstärker, in diesem Fall einem bild als straff oder perkussiv. Dieser Eindruck
Randall RM100. Die Tonabnehmer setzt sich auch an stärker verzerrten Kanälen
transportieren einen fetten, eher fort. Für mich ist der ausgangsstarke Stegton-
runden Klangcharakter. Crispe abnehmer damit eher für akkordbetonte Riffs
Strat-artige Cleansounds sollte man oder für stehende Töne geeignet, weniger
hier nicht erwarten. jedoch für Metal-typische Stakkatos. Gleich-
Nutzt man jedoch einen geeigneten wohl ist die nötige Definition durchaus vor-
pegelfesten Kanal, so gelangt man handen.
insbesondere mit dem Halstonabnehmer Der Halstonabnehmer liefert in diesem
oder in der Mittelposition zu ansprechen- Kontext einen warmen singenden Soloton.
den fülligen, sauberen und dynamischen Mit dieser Abstimmung dürfte die SN-1000HT
Sounds, die genug Definition für bei typischen Rockgenres, klassischem Metal,
Pop- und Rocksounds aufweisen. Der aber auch in Kombination mit Fuzz-Pedalen
Stegtonabnehmer klingt für diese sowie bei tiefen Stimmungen bestehen. Be-
Aufgabe etwas zu nasal. merkenswert ist schließlich noch der effektive
Schade ist, dass der Wahlschalter Klangregler, mit dem sich der Sound deutlich
keine Zwischenpositionen kennt, im Höhengehalt regulieren lässt.
obgleich die Tonabnehmer dies
prinzipiell ermöglichen würden. Das bleibt hängen
Wer fit mit dem Lötkolben ist, Die SN-1000HT ist ein Spezialist im
sollte hier mit wenig Aufwand ESP/LTD-Produktsortiment. Sie kombiniert
einige zusätzliche Klang- eine Strat-artige konstruktive Basis mit
variationen aus dem Instrument kräftigen Tonabnehmern, Hipshot-Steg
herauskitzeln können. und Klemmmechaniken. Ein Instrument,
Im Crunch-Bereich punktet das sich damit für den Einsatz im Rock
die SN-1000HT mit guter Spiel- geradezu aufdrängt. Gleichzeitig ist das
dynamik. Die Grundtendenz ist Instrument weder eine Vintage-Replika
satt, füllig, mittenbetont und noch eine Shredder-Powerstrat noch ein
rund. Für eine eventuelle Höhenbe- Metalinistrument – vielmehr lädt die Gitarre
tonung ist hier der Verstärker zustän- so wichtig zum Reinhauen ein. Erfrischend
dig. Doch selbst dann geht es mit diesem anders eben.
Instrument eher in Richtung kräftiges Klang- Ulf Kaiser

121
TEST & TECHNIK E-Gitarre

Schecter KM-7 MK-III TBB Artist

Mehr als Metal


Die Zusammenarbeit von Schecter und dem Ausnahmegitarristen
Keith Merrow geht in die dritte Runde und beschert uns nicht
nur optisch ein echtes Schmankerl. Im Vergleich zu den beiden
Vorgängermodellen wurden einige drastische Änderungen
umgesetzt, um den ERG-Markt (extended range guitars) zu
bereichern.

K
ernstück der vorliegenden Siebensai- Hipshot-Ibby-Bridge geführt und passieren
ter von Schecter ist der neunstreifige, auf ihrem Weg zwei Fishman-Fluence-Keith-
durchgehende Hals aus Wenge, Ama- Merrow-Custom-Humbucker. Diese wiederum
ranth (Purplewood) und Ahorn, der werden nur von einem Volume-Poti verwaltet,
zusätzlich mit Carbonstäben verstärkt daneben finden sich der Pickup-Wahlschalter
wurde und eine unglaublich stabile und ein Dreiwege-Miniswitch zur Auswahl
und steife Basis bildet. In Kombina- der zur Verfügung stehenden Pickup-Voicings
tion mit den angeleimten Korpus- (PAF/KM-Custom/SC).
flügeln aus Sumpfesche und der Burl-Decke Am Gurt zeigt sich eine leichte Tendenz
ergibt sich ein wertiger, sehr solider Aufbau. zur Waagerechten, mit einem vernünftigen
Die mittig gefügte Decke wurde in transpa- Gurt und der Anschlagshand in Spielposition
rentem „Black Burst“ matt lackiert und mit ist das aber kein Problem. Trotz ihrer verlän-
einem schwarzen Binding versehen, während gerten Mensur fühlt sich die Gute angenehm
der transparent und offenporig lackierte Rest handlich an, nicht zuletzt weil der MK-III
des Instruments den Blick auf die Holzkons- zusätzlich zum üblichen Rippenspoiler ein
truktion zulässt. genereller Radius an Front- und Rückseite
Die spitz zulaufenden Korpushörner un- spendiert wurde. In der Mitte noch 40 Milli-
terstreichen die moderne, aggressive Formen- meter dick, werden es zum Rand hin sport-
sprache, während die Kopfplattenform vom liche 26 Millimeter.
Markenstandard abweicht und an die op-
tische Variante der MK-II angepasst wurde.
Einzeln betrachtet, vielleicht etwas eigenwil-
lig, in der Gesamtheit mit den von Hipshot FAKTEN
gefertigten Griplock-Mechaniken und dem
Einsatz von Rändelschrauben anstelle der Schecter KM-7 MK-III TBB Artist
üblichen Flügel passt das aber alles sehr Herkunft Südkorea
stimmig ins Gesamtbild. Die Saiten werden,
Korpus Sumpfesche mit Burl-Decke
teils mit leichtem seitlichen Winkel, über
einen kompensierten Sattel aus dem Hause Hals Wenge/Ahorn/Amaranth mit
Carbonverstärkung,
Ernie Ball geführt und überspannen eine
durchgehend
Mensur von 673 Millimeter. Das sorgt für
straffen Saitenzug und ordentlich Definition Halsprofil Ultra-Thin „C“
im tiefen Register, ohne die Greifhand zu sehr Griffbrett Ebenholz
zu strapazieren. Griffbrettradius 12”-16” Compound
Bünde 24XJ Edelstahl
Nur ein Poti
Mensur 26,5”/673 mm
Die hat auch sonst leichtes Spiel auf dem
Pickups Fishman Fluence Keith Merrow
Ebenholzgriffbrett, die akkurate Bundbearbei-
tung und sauber verrundete Griffbrettkanten Custom
spielen sich ganz hervorragend. Nicht so Regler Volume
wirklich astrein sind allerdings die Lack- Schalter Dreiwege-Pickup-Schalter,
kanten zum Griffbrett hin: Am Testinstru- Dreiwege-Voicing-Schalter
ment finden sich zwei kleine Abplatzer und Hardware Hipshot-Griplock-Tuner,
besonders in den höheren Lagen eine nicht
Hipshot-Ibby-H-Bridge
besonders sauber nachgearbeitete Bruch-
kante. Stört nicht beim Spielen, muss aber Gewicht 3,4 kg
auch nicht sein in dieser Preisklasse. Linkshänder nein
Zur Lagenkennung sind seitlich fluoreszie- Internet www.schecter-guitars.de
rende Dots angebracht, auf der Front finden Koffer nicht im Lieferumfang
sich zarte Aluminium-Inlays in Kreisform,
Preis 1.699,- €
und der Zugang zum Halsspannstab ist pro-
blemlos unterhalb des 24. Bundes möglich. Preis-Leistung
Korpusseitig werden die Saiten durch eine

122 2 /19
E-Gitarre TEST & TECHNIK

Zusammen mit der Ibby-Bridge ergibt sich Mutes knallen mit einer Präzision aus den
eine nahezu perfekte Auflage für die rechte Boxen, wie man es nur selten erlebt.
Hand – ergonomisch großartig gelöst, kann Alle Sounds bilden sich wunderbar plas-
hier ordentlich losgehämmert werden. Das tisch aus; unterstützt durch das hervorra-
Halsprofil ist nicht das schlankste auf dem gende Sustain, bleiben gehaltene Töne lange
Markt, fühlt sich aber auch für Rennhals- stehen, um dann kontrolliert in ihre Obertöne
erprobte Autorenhände sofort hervorragend umzukippen. Wer es so richtig wissen will,
an und bietet beste Unterstützung. Einzig die schraubt das Tuning in den Keller und nimmt
Saitenlage ist out of the box nicht ganz opti- sich einen vernünftigen Booster zu Hand.
mal, zwar durchaus vernünftig spielbar, aber Hier sind im KM-Mode jetzt stringent
da wäre noch was gegangen. klare, fast kalte, mechanische Sounds mach-
bar (junge Generation aufgemerkt!), während
Erfolgreiche Mission der PAF-Mode auch diejenigen bedient, die es
Im akustischen Check präsentiert sich ein nicht ganz so modern mögen, aber dennoch
sonorer, ausgewogener Klang mit bester tief unterwegs sein wollen. Naturgemäß ist
Saitentrennung und flotter Ansprache, das auch auf Anhieb; hier erklingt freilich keine der High-Gain-Betrieb im SC-Mode mit ver-
Sustain ist beachtlich und klingt gleichmäßig Vintage-Strat, aber der sehr stringente, auf- stärkten Nebengeräuschen gesegnet, das
aus. Da Keith Merrow ein absoluter Verfech- geräumter Singlecoil-Sound schneidet sich Ganze hat aber durchaus noch einen hohen
ter der passiven Tonwandlung ist, darf man ohne zu großen Lautstärkeabfall und mit Praxiswert. Besonders effektbeladene Flächen
gespannt sein, was Fishman da aus dem Hut prägnanten Höhen sauber durch. Wenn los- im Background wissen zu überzeugen.
gezaubert hat, um einen Künstler seines For- gerockt wird, bleibt das Klangbild grundle-
mats zu überzeugen. Also erstmal ein paar gend erhalten. Die Reaktion auf die Arbeit Das bleibt hängen
cleane Töne zur Einstimmung aus dem Amp am Volume-Poti ist generell sehr gut, und der Alles in allem bleibt ein absolut stimmiges
gekitzelt und wild an den Kippschaltern ge- Ton lässt sich schön aufklaren und zum Instrument mit solider Konstruktion, hervor-
werkelt. Für Keith war es bei der Entwicklung sanften Clean runterregeln. ragenden Tonabnehmern und sehr gutem
wichtig, das Spielgefühl eines passiven Ton- Während in gemäßigten Gefilden das Handling, das eine enorme tonale Vielfalt
abnehmers zu erhalten, aber auf verschiedene PAF-Voicing mein persönlicher Favorit ist, bietet. Die dritte Ausbaustufe der Keith Mer-
Soundmodi zurückgreifen zu können. Missi- sieht das im modernen High-Gain-Bereich row Signature überzeugt auf ganzer Linie
on erfolgreich abgeschlossen! Was da aus den schon ein wenig anders aus. Ja, geht auch und ist nicht nur im modernen Metal behei-
Boxen dringt, ist durchgehend brauchbar und super im PAF-Mode, wenn es so richtig mo- matet. Die verlängerte Mensur kann durchaus
klingt richtig gut. dern werden soll, ist das KM-Voicing aber neue Klangwelten eröffnen und neue Impulse
Im PAF-Mode sind die Anschläge nicht eine echte Granate. Single-Note-Linien fräsen setzen, also sei hiermit auch den Kollegen
ganz so agressiv im Vordergrund, ebenso ist sich mit unglaublicher Klarheit und Präsenz aus gemäßigten Gefilden durchaus ein per-
der Bassbereich breiter aufgestellt als im in den Mix, die Saitentrennung ist noch sönlicher Test empfohlen.
KM-Custom-Mode. Der SC-Mode überzeugt immer auf sehr hohem Niveau, und Palm- Markus Kaffka

123
TEST & TECHNIK E-Gitarre

Aria Pro II PE-350

Exotische Schönheit
In der wichtigsten Dekade der Popkultur war Aria eine
Hausnummer unter Topbassisten wie Cliff Burton (Metallica) oder
John Taylor (Duran Duran). Neben den kultigen Viersaitern führt
Aria auch eine Reihe chicker E-Gitarren – eine davon ist die Aria
Pro II PE-350.

I
m Leben beginnt alles mit dem richtigen schmiegt. Insgesamt ist die Gestaltung sehr
Funken Inspiration. In 1940ern erhielt gut gelungen. Einzig und alleine die goldenen
der Japaner Shiro Arai Besuch. Vor sei- Potiknöpfe passen nicht so ganz ins Gesamt-
ner Wohnung stand einer seiner Freunde bild, aber diese lassen sich schnell und un-
samt klassischer Gitarre. Shiro erwartete, kompliziert durch mannigfaltig angebotene
ein paar in Japan populäre Koga-Instru- After-Market-Produkte ersetzen.
mentals zu hören.
Stattdessen flogen ihm die Noten Ohne Grate
eines Stücks von Johann Sebastian Bach um Verarbeitungstechnisch ist die Aria Pro II für
die Ohren. Arai verliebte sich in diesem Mo- ihren geringen Verkaufspreis wirklich auf
ment so sehr in die sechs Saiten, dass er hohem Niveau angesiedelt. Das Binding an
beschloss, am Folgetag sofort seine erste Body und Hals ist ohne jeglichen Grat einge-
Classic-Flattop zu kaufen. setzt, und die Bundstäbchen sind für diese
In den kommenden Jahren sammelte Shiro Klasse enorm gut abgerichtet.
Arai allerhand an Geschäftserfahrung in Ein paar Abstriche sind allerdings trotz-
Sachen Musikalienhandel und gründete dem zu finden. Die Kreuzschlitze der Schrau-
schließlich 1956 die Arai Co., INC. 1963 än- be des D-Saitenstimmwirbels sind rundge-
derte er den Namen seiner Firma in Aria dreht, was nicht weiter ins Gewicht fällt, da
(„expressive Melodie“), den er erstmals 1958 schnell und kostengünstig zu ersetzen. Der
für eine Exportserie an klassischen Gitarren Lackplatzer oberhalb des Toggle-Switches ist
verwendete. dagegen ärgerlich, dank Garantie aber auch
zu verschmerzen.
Frische Ansätze
Anno 2019 blickt die japanische Firma auf
eine reiche Geschichte zurück und bietet in
seiner Produktpalette alles von Nylonsaitern FAKTEN
über die Kultklassiker aus den ’80ern bis zu
Aria Pro II PE-350
frischen Modellen an.
Eine Sechssaiter der preisbewussten PE- Herkunft China
Serie, die zu Verkaufspreisen zwischen 379 Korpus Linde
(PE-350) und 519 Euro (PE-TR1; PE-TR2) Hals Mahagoni, eingeleimt
angeboten wird, ist unser Testmodell. Auf Halsprofil C-Profil
den ersten Blick bekommt man eine ganze
Griffbrett Palisander
Menge für die 379 Euro: ein Palisandergriff-
brett, einen eingeleimten Mahagonihals und Griffbrettradius 12”
einen leichten Lindekorpus, der die PE-350 Halsbreite Sattel: 44 mm;
ein ganzes Stück leichter macht als her- 12. Bund: 53 mm
kömmliche LP-Modelle. Bünde 22 Jumbo
Dazu besitzt die Aria Pro II einen Mensur 62,8 cm/24,75”
interessanten Design-Mash-up aus Pickups 2 x AMH-1C Humbucker
altbekannten Elementen, wie etwa den
Regler 2 x Tone, 2 x Volume
Pearloid-Trapezintarsien, der hauseige-
nen Aria-Original-SPT-Bridge (einer Schalter 3-Wege-Toggle-Switch
Tune-o-Matic-Konstruktion, bei der Hardware Aria Original SPT Bridge & QH
durch Schlitzschrauben an der Ober- Tailpiece, gekapselte Chrom-
seite die Höhe justiert werden kann) stimmmechaniken
und dem sehr stylischen QH-Tailpiece. Gewicht 3,6 kg
Bei der Korpusform finden sich im Linkshänder nein
Gegensatz zum US-amerikanischen Vor- Internet www.ariaguitarsglobal.com
bild geschwungenere Linien, ein Heelcut,
Empf. VK-Preis 379,- €
um bequem in höchsten Lagen zu spielen,
sowie ein ergonomischer Bellycut, durch den Preis-Leistung
sich die PE-350 perfekt an den Körper an-

124 2 /19
E-Gitarre TEST & TECHNIK

Im Lieferumfang sind neben dem Instrument lichen Genres möglich. Wegen ihres transpa-
ein Gitarrenkabel, das owner’s manual und renten Sounds ist sie auch ein fantastisches
zwei Inbusschlüssel enthalten. Der größere ist „Eingabegerät“ für Klangarchitekten, die
für den Halsstab, der kleinere für die Böck- entweder ihr Signal durch ein ausuferndes
chen eines nicht vorhanden Vibrato-systems. Pedalboard, ein Standalone-Muliteffektboard
Wahrscheinlich bekommen alle Aria-E-Sechs- oder direkt per Interface in eine der be-
saiter das gleiche Package in den Karton kannten Software-Peripherien jagen.
gelegt, was den Miniinbus erklären würde. Kurzum also ein solider Begleiter für Büh-
Alles in allem also ein solides Gesamtpaket ne oder (Home-)Studio, der sich darüber
zum kleinen Kurs. hinaus nicht wie eine frisch ausgepackte
Gitarre, sondern wie ein alter eingespielter
Allroundtalent Freund anfühlt – und das ist ein Novum in
Pickups sind bei Budgetgitarren zum größten dieser Preisklasse!
Teil immer der Punkt, an dem der Budenzau-
ber des coolen Looks nicht mehr zieht und Das bleibt hängen
man bei der Unter-500-Euro-Kategorie auf Mit der Aria Pro II PE-350 ist der japanischen
den Boden der Tatsachen befördert wird. Hier Traditionsfirma ein großer Wurf gelungen.
punktet die Aria mit ihrem AMH-1C-Humbu- Trotz des Verweises auf einen US-amerika-
cker-Set allerdings enorm! Glasklare Klänge nischen Klassiker besitzt sie genug Eigenstän-
im Clean-Bereich und differenzierte Saiten- digkeit und Wiedererkennungswert. Die Ver-
wiedergabe bei High-Gain-Einstellungen im arbeitung ist bis auf die zwei angesprochenen
Overdrive-Kanal sind möglich. Makel tadellos und herausragend für die
Dazu liefert sie noch reichlich Sustain und Budgetkategorie.
lässt sich dank des top gefertigten Halses Das verbaute AMH-1C-Humbucker-Set ist
butterweich spielen. Selbst das ab Werk aus- eine der bestklingenden Pickup-Ausstat-
gelieferte Set-up ist super, denn es wurde die tungen in ihrer Kategorie und rundet das
goldene Mitte gewählt – sprich nicht zu hoch positive Gesamtbilde der Aria Pro II PE-350
und nicht zu flach. Hier sollte jeder in Win- ab. Wenn in Zukunft die Qualitätskontrolle
deseile seine perfekte Einstellung finden. ab Werk noch etwas strenger wird, kann man
Stilistisch ist die PE-350 überall zu Hause. gut und gerne fünf von fünf Punkten verge-
Von Pop und Funk über Classic-Rock bis hin ben.
zu hartem Metal sind mit ihr alle erdenk- Chris Franzkowiak

LET’S FLY –
WITH YOU AND
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Kabelsalat war gestern: Der FLY-16
überträgt PA-Audiosignale kabellos
und bietet dir maximale Flexibilität!
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125
TEST & TECHNIK Verstärker

Harley Benton Mighty-5 TH

Tolles Paket
Die Hausmarke des uns allen bekannten Musikfachgeschäftes aus dem schönen Treppendorf spaltet
seit jeher das Lager der Musikmachenden. Aber wieso eigentlich?

E
ntgegen so mancher Vor- in der Endstufe sowie einer sowie einen 8-Ohm- und nicht zu leichtgängig, die Klin-
urteile sollte wie bei allen 12AX7 in der Vorstufe mit ein- 16-Ohm-Boxenausgang, jeweils kenbuchse packt ordentlich zu.
anderen Herstellern auch gebauter Leistungsreduktion sind mit einem eigenen Minischalter Da wir es hier mit einem
bei der Thomann-Haus- eine ordentliche Kampfansage. zur Leistungsdrosselung (Power- Verstärkerlayout zu tun haben,
marke Harley Benton am Beschäftigen wir uns aber erst Attentuator) von 5 auf 1 und das ohne Gain-Regler auskommt,
Ende das erzielte Ergeb- mal mit dem mechanischen Auf- sogar 0,1 Watt. Einen Effektweg sprich die Vorstufe nicht direkt
nis zählen. Von einem bau. Die 3,2 Kilogramm leichte sucht man vergebens, man be- heiß angefahren werden kann,
günstigen Preis hinge- Kiste besteht vollständig aus halte aber immer Preisklasse und geht der Wunsch nach Verzer-
gen sollte man sich keinesfalls Metall, für ausreichend Belüf- puristisches Konzept im Auge. rung zwingend mit einer deutlich
auf eine falsche Fährte locken tung ist umlaufend gesorgt. Der mechanische Aufbau erhöhten Lautstärke einher, und
lassen. Nahezu jeder von uns Obenauf finden wir einen klapp- wirkt wertig und entspricht au- da kommt die Leistungsreduktion
hat mit hochpreisigen Instru- baren Metallgriff für den ein- genscheinlich der Qualität der ins Spiel.
menten und Equipment bereits fachen Transport, untendrunter Konkurrenz. Die Potis laufen Im Testfeld finden wir eine
schlechte Erfahrung gemacht, vier angeklebte Gummifüße. rund und gleichmäßig und sind 1x12er-Box mit Celestion-Vin-
wie ebenfalls auch sehr gute im Achtung, die Füße sind nicht
„Low-budget“-Bereich. Es kommt ausreichend hoch, um den Amp
eben wie so oft vor allem auf die über den Koffergriff einer klei-
Erwartungshaltung an. nen Box zu stellen; da muss
Aber welche Erwartungen nebendran Platz geschaffen
stellt man eigentlich an einen werden, was allerdings bei einer
„Bedroom-Amp“? Er sollte in Stellfläche von rund 20 x 14
sozial verträglichen Lautstärken Zentimetern kein echtes Problem
einen ordentlichen Sound zur sein sollte.
Verfügung stellen und ein or-
dentliches Spielgefühl vermitteln, Wertiger Aufbau
dazu klein und leicht sein und An der Front finden wir einen
ausreichend Anpassungsmög- beleuchteten Power-Schalter, den
lichkeiten für verschiedene Klinkeneingang sowie drei Potis
Sounds bieten. Und so viel sei an mit Chickenhead-Reglern für
dieser Stelle vorweggenommen: Volume, Treble und Bass. Die
129 Euro für eine Class-A-Voll- Rückseite bietet eine Kaltgeräte-
röhrenschaltung mit einer EL84 buchse für die Stromversorgung

126 2 /19
Verstärker TEST & TECHNIK

Overdrive-Bereich, hier sollte ein breit gefächertes Spielfeld,


jeder fündig werden. ohne aber die grundlegenden
Unabhängig von der Tonab- klanglichen Eigenschaften ver-
nehmerbestückung der verwen- leugnen zu können.
detem Gitarren macht die kleine Klingt so weit alles nach
Kiste einfach Laune, und die einem vernünftigen Multitalent,
angebotene Dynamik und der einzig ein Effektweg ist hier
vorhandene Headroom unterstüt- nicht vorhanden. Je nach per-
zen ausdrucksstarkes Spiel ohne sönlichem Geschmack ist so der
viel Kompression oder Mulm. Einsatz von Modulationseffekten
Besonders schwachbrüstigen limitiert, aber eventuell ist da
Singlecoils kann mit dem Bass- ja schon ein weiterer Plan in
regler noch etwas auf die Sprün- der Schublade eines findigen
ge geholfen werden, und zu fett Ingenieurs.
klingende Humbucker werden
effektiv verschlankt. Das bleibt hängen
Dem warmen und lebendigen Für die Proberaumsession mit
Grundtimbre des Amps stehen vollbesetzter Band reichen die
nicht unbedingt die final glit- Leistungsreserven freilich nicht,
zernden Höhen und der straffe ein kleiner Jam mit dem Bas-
Bass der teils um ein vielfaches sisten ist aber sicher drin. Zu
teureren Konkurrenz zur Verfü- Aufnahmezwecken im Studio
gung, auch die Verzerrung ver- oder als kostengünstiger
fügt nicht über die letzten fein- Übungs-Amp für die heimischen
tage-30- sowie eine 2x12er-Box Gitarre ist hervorragend. Bleibt gliedrigen Nuancen, aber es lässt vier Wände wird hier nicht nur
mit Celestion-G12M-Greenback- noch zu erwähnen, dass sich sich wirklich gut und vielseitig dem Einsteiger ein tolles Paket
Bestückung. An beiden Boxen Nebengeräusche und Rauschen mit der kleinen Kiste arbeiten. zum absoluten Spitzenpreis an-
fällt im 5-Watt-Betrieb die un- absolut in Grenzen halten. Ab circa 13 Uhr kippt der geboten. Persönliches Antesten
glaubliche Lautstärke auf, die Sound dann langsam und sachte sei unbedingt empfohlen. Bleibt
von der EL84 in der Endstufe frei Mittige Ausprägung in Richtung Overdrive. Nicht nur zu sagen: weiter so! Mit
gemacht wird – so viel also zu Generell könnte man den Sound zuletzt ist die Auswahl der Effektweg darf der bei mir ein-
„sozial verträglich“ ... schnell die als eher nachgiebig bezeichnen. verwendeten Box natürlich von ziehen.
Leistungsreduktion auf 1 Watt Präsenzen und Brillanz halten enormer Bedeutung und bietet Markus Kaffka
umgestellt. Schon sehr schön, sich dezent im Hintergrund, über
aber immer noch zu laut, um die allem schwebt eine warme, mit-
Endstufe bei aufgerissener Laut-
stärke in die Sättigung zu fahren.
tige Ausprägung. Da die
Zweibandklangregelung jedoch $UFKWRS7XEH*XLWDU$PS
Erst bei 0,1 Watt ist eine in einem recht breiten Frequenz-
maximale Aussteuerung im
Wohnbereich wirklich möglich,
spektrum ansetzt, ist eine indi-
rekte Einflussnahme auf das
,FKELQNOHLQ
und hier kann ein vernünftiger
Overdrive-Sound generiert wer-
Mittenspektrum spielend mög-
lich. Reißt man Treble beispiels-
PHLQ.ODQJLVWUHLQ
den, der für rockige Gefilde ge-
nügen dürfte. Wenn es mal etwas
weise voll auf, wird sprichwört-
lich die Decke von den Boxen
VROOQLHPDQGGUDXIVSLHOHQ²
mehr sein soll, verträgt sich der
Amp sehr gut mit vorgeschal-
gezogen, und das Klangbild klart
merklich auf, ohne jedoch das
QXU'XDOOHLQ
teten Zerrpedalen sowie Boostern Grundtimbre allzu sehr in die
und reagiert feinfühlig auf Spiel- Knie zu zwingen oder nagelnde
technik und eingegebene Dyna- Höhen in den Vordergrund zu
mik; auch die Interaktion mit der schieben. Ob im Clean- oder ‡ 'HLQ*UR‰HU&OHDQHU
5|KUHQVRXQG
FAKTEN ‡ /HLFKWH%HGLHQXQJ
Harley Benton Mighty-5 TH ‡ *UR‰HU+DOO
Herkunft China
‡ 6WXGLR/LQH$XVJDQJ
Klasse Vollröhrenverstärker mit Leistungsumschalter 5W/1W/0,1W
‡ );:HJ
Vorstufe 12AX7
Endstufe EL84 ‡ 0LQLPDOH0D‰H
Front On/Off, Input, Bass, Treble, Volume ‡ 0LQLPDOHV*HZLFKW
Rückseite Output 8 Ohm und 16 Ohm, jeweils mit
Leistungsumschalter, Kaltgerätebuchse
Maße 205 x 127 x 140 mm
Internet www.thomann.de /HUK^PYLKI`
VK-Preis 129,- € ;OVTHZ9L\LUaLOU

Preis-Leistung

ZZZUHXVVHQ]HKQGH
+RWOLQH  
127
5HEHQVWUDVVHD)UDQNIXUWDP0DLQ
GUITAR-DREAMS Verstärker

Blackstar Artisan-Serie

Gelungene Neo-Klassiker
Vor über zehn Jahren veröffentlichte Blackstar seine erste Amp-Serie und sorgte damit für
C Christopher Przybilla

Furore. Die tollkühnen Kisten, die sowohl klassische britische als auch US-amerikanische Sound-
Geschichte enthalten, werden in England konzipiert und in kompletter Handwired-Methode zu einem
sagenhaften Preis-Leistungs-Verhältnis in Asien gefertigt. Nachdem die Artisan-Amps im eine ganze
Liste prominenter Liebhaber gefunden haben, ist es Zeit für einen Übersichtstest über die Serie.

128 2 /19
Verstärker GUITAR-DREAMS

Z
unächst zur Begriffsklä- maßen auch die Pflicht, dieses mit Werkzeug. Was Blackstar uns Devise. Dennoch bietet der Amp
rung: Blackstar hat nichts weiterzutragen, was Neuentwick- also an die Hand gibt, sollen auf den zweiten Blick mehr to-
mit dem fulminanten lungen zum Teil nicht gerade Verstärker sein, die nicht nur in nale Vielfalt, als angesichts sei-
Requiem David Bowies zu einfach macht. Mit Blackstar Handarbeit und mit einer bestens ner aufgeräumten Bedienfront
tun. Die Firma um Bruce haben wir nun die Möglichkeit, nachvollziehbaren und wart- zunächst anzunehmen ist. Zwei
Keir und Ian Robinson unsere Kreativität vollkommen baren Handwired-Bauweise ge- Kanäle mit je einem Volume-
ist seit etwa zehn Jahren frei auszuleben.“ fertigt sind, sondern die auch als und Tone-Regler sowie High-
ein etablierter Stern am Der Ansatz Blackstars liegt Werkzeuge fungieren, mit denen und Low-Sensitivity-Input-
Firnament der Amp-Hersteller. also zwischen einem respekt- wir klangästhetisch präzise zu Buchsen – dieses Konzept kommt
In einem Interview im Jahr 2008 und würdevollen Umgang mit Werke gehen können. Sind wir einem von vielen klassischen
verriet uns Robinson: „Wie du dem Kanon des klassischen Ver- gespannt. Röhren-Amps der Sechziger
weißt, arbeiteten sechs Mitglieder stärkerbaus und einer fortschritt- Jahre bekannt vor.
unseres Teams ursprünglich beim lichen Denkweise. Der Ausdruck Die beiden Kanäle bedienen
renommierten ,King of British Artisan, wie sich die hier zu Artisan 15 sich jeweils einer grundverschie-
Amplifiers‘. Die Arbeit für eine besprechende Serie nennt, steht Head & Combo denen Vorstufenröhre sowie
so traditionsreiche Firma bietet im Deutschen für Handwerker Der Artisan 15 ist der traditio- eines 5-Watt/15-Watt-Umschal-
dir zum einen ein enormes Erbe, sowie im weitesten Sinne auch nellste Vertreter der Artisan- ter für die Endstufenleistung,
gleichzeitig hat man gewisser- für den kunstfertigen Umgang Serie. „No Gimmicks“ ist hier die was zusammen interessante

129
GUITAR-DREAMS Verstärker

Klangvarianten ergibt. Die Vor- des ersten Vox AC15 war im Jahr Beide Sounds wurden natürlich zungsfähige und lebendige
stufe des einen Kanals operiert 1958). mit einer Singlecoil-bestückten Sounds, die Freude bereiten.
mit einer EF86-Röhre im Pento- Und tatsächlich klingt es auch Gitarre realisiert. Zwar ist für Metal-Sounds keine
denbetrieb, was im 5-Watt-Mo- so: Einzeln lassen sich im ersten Wer mit dem Kleinen losro- Mittenabsenkung möglich, und
dus den kleinen Fender-Tweed- Kanal authentische Sounds à la cken will, sollte aufgrund der die EZ81-Gleichrichterröhre
Amps der frühen Fünfziger Jahre Derek and the Dominos realisie- Vintage-korrekten niedrigen komprimiert auch etwas zu
entspricht. Der andere Kanal ren – Clapton nutzte die ganzen Gain-Reserven dann besser eine weich für fiese Palm-Mutes, aber
geht mit einer ECC83-Röhre im Siebziger hindurch einen 5-Watt- Humbucker-Gitarre oder gleich dafür hat Blackstar ja auch eher
Trioden-Modus zu Werke, was in Tweed-Fender –, während der ein Zerrpedal vorschalten. Hier die Series One angelegt.
Kombination mit der 15-Watt- zweite Kanal durchaus Hank- liefert der Amp vor allem im Klassische NWoBHM-Sounds
Endstufen-Variante dem Konzept Marvin-Sounds im Stile der gepatchten Modus – also wenn sind aber absolut möglich – und
eines AC15 entspricht, der ja guten alten Shadows nachahmen man die High- und Low-Inputs natürlich großartige Blues- und
auch noch knapp aus den Fünf- lässt – um etwa den nächsten beider Kanäle mit einem Patch- Classic-Rock-Klänge sowie herr-
ziger Jahren stammt (Vorstellung Tarantino-Streifen zu vertonen. Kabel verbindet – durchset- liche fuzzige Indie-Töne. Die

FAKTEN
Blackstar Artisan 15 (Topteil und Combo)
Herkunft Vietnam
Leistung 15 Watt / 5 Watt
Kanäle 2
Röhrenbestückung 1 x EZ81, 2 x EL84, 2 x ECC83, 1 x EF86
Speakerbestückung 1 x Celestion G12 Vintage 30 (beim Combo)
Regler Ch1: (Tone, Vol), Ch2: (Tone, Vol)
Schalter 15W / 5W
Impedanz (4 Ohm, 8 Ohm, 16 Ohm)
Anschlüsse Inputs: 2 x Low, 2 x High
Maße 60,9 x 25,18 x 20,85 cm
Gewicht 12,5 kg
Internet www.blackstaramps.com
Empf. VK-Preis 2.021,81 € (Head), 2.616,81 € (Combo)

130 22
1 /19
/18
Verstärker GUITAR-DREAMS

beiden EL84-Endröhren schlagen wartet neben der bekannten,


hier jederzeit harmonisch zu und gemeinhin als britisch bekannten
komprimieren bereits bei erträg- ECC83-Triodenschaltung mit
lichen Lautstärken. einem vollen Dreiband-EQ sowie
Darüber hinaus ist interes- einem zusätzlichen Gain-Regler
sant, dass die High- und Low- und einem Bright-Switch auf.
Sensitivity-Inputs der beiden Dies erhöht die Flexibilität des
Kanäle weitaus weniger drama- Amps massiv und lässt sowohl
tische Klangcharakteristika auf- die Einzelverwendung der Kanäle
weisen, als das bei echten Vin- als auch deren Kombination zu.
tage-Amps der Fall ist – die Darüber hinaus lässt sich
Inputs sind also um einiges mittels einer Umschaltung von
brauchbarer, und das Experimen- 30 auf 10 Watt des EL84-Endstu-
tieren mit ihnen beschert durch- fenquartetts im Prinzip jede
aus verzückende Resultate. heute anzutreffende Live- und
Studioversion meistern. Man FAKTEN
könnte bemängeln, dass der
Artisan 30 Artisan keinen Effektweg besitzt Blackstar Artisan 30 (Topteil und Combo)
Head & Combo – doch scheint Blackstar hier Herkunft Vietnam
Ähnlich wie der Artisan 15 auf- ganz im Gegenteil eine Entwick- Leistung 30 Watt an 8 Ohm / 10 Watt
gebaut, teilt sich der Artisan 30 lung herausgeahnt zu haben, die
Kanäle 2
in zwei brückbare Kanäle mit heute in vollem Gange ist: Im-
jeweils eigenständigen Vorstu- mer mehr Gitarristen verwenden Röhrenbestückung 4 x EL84, 1 x EF86, 1 x ECC83
fendesigns auf. So verfügt der Low-Watt-Amps mit gutem Speakerbestückung 2 x Celestion G12 Vintage 30 (beim Combo)
eine Kanal wieder über ein ame- Headroom um ihre Pedale mittels Regler Ch1: (Tone, Vol),
rikanisch gefärbtes, brummelig- ausgefuchster Pedalboards und Ch2: (3-Band EQ, Gain, Vol)
bluesiges EF86-Pentodendesign, moderner Switching-Systeme in Schalter Ch1: 5-Weg-Bass-Shape
dass mittels Volume- und Tone- reinster Interaktion mit dem Ch2: 2-Weg-Voice-Shape, Power, Standby, 10W / 30W
Knöpfen justiert werden kann. Röhren-Amp auszufahren. Impedanz (4 Ohm, 8 Ohm, 16 Ohm)
Ein zusätzlicher Bass-Shape- Wen das interessiert oder wer
Anschlüsse Inputs: 2 x Low, 2 x High
Schalter lässt darüber hinaus aus nicht schon längst im Looper-
fünf verschiedenen Resonanzfre- Himmel seine Looping-Louie- Maße 72 x 53 x 26 cm
quenzen wählen, welche die Runden dreht, kann sich bei Gewicht 41 kg
Basswiedergabe an die jeweilige Youtube auf dem Kanal von Internet www.blackstaramps.com
Gitarre oder Spielweise anpass- „That Pedal Show“ schlau ma- Empf. VK-Preis 2.319,31 € (Head), 3.092,81 € (Combo)
bar machen. Der andere Kanal chen. (Aber Vorsicht: Die Jungs

131
GUITAR-DREAMS Verstärker

bringen einen auf allerhand viel stein für seine Technik- und ziger und Sechziger Jahre. Wie angepasst werden. So einfach
zu gut klingende Ideen!) Röhrenleidenschaft gelegt. Bruce es bei der Artisan-Serie program- kann das sein!
und ich haben auch beide einen matisch ist, wird auch hier der Das Ganze klingt umwerfend.
Studienabschluss in Elektronik- Brückenschlag zwischen ameri- Mit den amerikanischen Sounds
Artisan 100 Wissenschaften auf der Salford- kanischen und britischen Sounds lassen sich sowohl die Stones-
Head University in Großbritannien.“ vollzogen. So bietet der Voice- Live-Aufnahme namens Get Yer
Bruce Keir, der technischer Di- Das Zitat ist deshalb erwähnt, Regler zwei amerikanische- Ya-Ya’s Out! klanglich hervorra-
rektor Blackstars, wuchs in einer weil es einen nachvollziehen Sounds – jeweils als Low- und gend nachstellen als auch eine
alten BBC-World-Radiosendean- lässt, wie man auf so eine geni- Medium-Gain-Variante – sowie wunderbare Bodentreterbasis für
stalt in Malaysia auf. Sein Vater ale Schaltung kommt, wie sie der zwei britische Sounds, die an die brummelig-fette Classic- bis
war dort ein leitender BBC-Ra- Artisan 100 beherbergt. Der Amp Plexis Mitte und Ende der Sech- Stoner-Rock-Sounds legen. Und
dioingenieur. Sein Kollege Ian bietet vier Inputs, zwei Volumes ziger Jahre angelegt sind. bei den beiden Plexi-Sounds
Robinson erläuterte uns gegen- und einen Dreiband-EQ – das Zu betonen ist hierbei, dass muss man eh keine großen Worte
über im Jahr 2008: „Als Bruce kennen wir von vielen klas- nicht nur der Anteil an Verzer- verlieren: Von Robin Trower bis
als kleiner Junge seinen ersten sischen Topteilen. Doch der rung und das Frequenzspektrum Manic Street Preachers sowie
Verstärker bauen wollte, meinte Blackstar, obwohl ein totaler an die jeweiligen historischen von den Stooges bis Eric John-
sein Vater zu ihm, er solle sich Vintage-Style-Amp ist, legt noch Vorlagen angepasst sind, sondern son ist alles möglich. Und ja, der
ein paar Teile aus dem Ersatzteil- einiges obendrauf: Er bietet dass beim Betätigen des Reglers Artisan 100 besitzt keinen Ef-
lager zusammensuchen und quasi eine Best-of der belieb- auch die Dämpfung und die fektweg und auch kein Master-
loslegen. Damit war der Grund- testen Amp-Sounds der Fünf- Gegenkopplung der Endstufe Volumen.

FAKTEN
Blackstar Artisan 100 (Topteil)
Herkunft Vietnam
Leistung 100 Watt
Kanäle 2
Röhrenbestückung 4 x EL34, 3 x ECC83
Regler Volume 1, Volume 2, Bass, Middle, Treble, Voice,
Presence
Schalter Power, Standby, 10W / 30W
Impedanz (4 Ohm, 8 Ohm, 16 Ohm)
Anschlüsse Inputs: 2 x Low, 2 x High
Maße 74,1 x 30,0 x 22,7 cm
Gewicht 23 kg
Internet www.blackstaramps.com
Empf. VK-Preis 2.378,81 €

132 2 /19
Verstärker GUITAR-DREAMS

Wer diesen Sound in 100 Watt sind die Oversized-4x12-Boxen


starker, EL34-getriebener und mit Celestion Vintage-30-
handverdrahteter Reinkultur Speakern ausgestattet, die Ge-
möchte, der ist eh entweder häuse sind in verzapfter Bauwei-
Purist oder hat längst die besten se aus massivem Birkensperrholz
Power-Soak-Boxen und Pedal- gefertigt.
Looper daheim stehen. Der Arti- Die Artisan-Serie ist ein ge-
san 100 verfügt mit dem Voice- lungener Neo-Klassiker mit au-
Regler über genau das Feature, thentischem Vintage-Ton sowie
das er benötigt – der Rest ist elegant eingestreutem Potenzial,
(Sound-)Geschichte. das zum Experimentieren einlädt
und mit dem man stets gerüstet
Das bleibt hängen ist. Für jüngere Gitarristen bieten
Die Artisan-Serie von Blackstar die Amps darüber hinaus eine
ist zu Recht ein gefeiertes Trio. wunderbare Basis, um sich in der
Nicht umsonst spielen Rose Tat- Thematik Röhren-Amp einen
too, New Model Army, Manic Überblick zu verschaffen – dies
Street Preachers, die Stooges, die sowohl im Handling mit den
Backyard Babies, Pat Travers, flexibel einsetzbaren Kanälen
Ted Nugent, Billy Gibbons, Ri- und Reglern als auch beim Blick
chie Sambora und viele weitere auf die handverlötete Platine.
seit Jahren Amps aus dieser Langlebig und Tuning-
Serie. Außer dem 100-Watt- freundlich sollten die englisch-
Bolliden gibt es die Amps sowohl vietnamesischen Amps auf jeden
als Combo- als auch als Topteil- Fall sein.
varinate. Wie auch die Combos Johnny Strabler

FAKTEN FAKTEN
Blackstar Artisan 412 (gerade und schräg erhältlich) Blackstar Artisan 212
Herkunft Vietnam Herkunft Vietnam
Belastbarkeit 240 Watt Belastbarkeit 120 Watt
Impedanz mono 4/16 Ohm, stereo 2 x 8 Ohm Impedanz mono 4/16 Ohm, stereo 2 x 8 Ohm
Speaker 4 x Celestion Vintage 30 Speaker 4 x Celestion Vintage 30
Maße 76 x 82 x 36 cm Maße 71,5 x 56,88 x 26,3 cm
Gewicht 49 kg Gewicht 21,9 kg
Internet www.blackstaramps.com Internet www.blackstaramps.com
Empf. VK-Preis 1,545,81 € Empf. VK-Preis 950,81 €

133
TEST & TECHNIK Kolume: Handwired

PRO & CONTRA


PTP/HANDWIRED
Es ist ein uraltes Thema. Bei Marshall diskutiert man seit 1973 und bei
Fender seit Mitte der Achziger. Bei Mesa/Boogie war das nie ein Thema,
fast von Anfang an wurden hier Platinen verwendet.
Wo liegt also das Problem? Warum sollen Amps, die Point-to-Point-Handwired
aufgebaut sind, besser sein als Verstärker mit einer Platine? Der Captain
von der Captain Guitar Lounge weiß Bescheid. Captain, bitte!

G
rundsätzlich bauen die Hersteller und an der Dicke der Kupferbeschichtung weichgekochte Lötstelle zusätzlich, der
Verstärker mit Platinen, weil es gespart wird. Thermische Belastungen, Übergangswiderstand erhöht sich, und
billiger ist. Platinen können in wie es sie nun einmal in röhrenbetrie- die Lötstelle wird noch mehr erhitzt. Am
einem Bestückungsautomaten mit benen Geräten gibt, führen zu Leiter- Ende heizt die Röhre nicht mehr und
Bauteilen bestückt und anschlie- bahnbrüchen, die oft nicht permanent überträgt dann natürlich kein Signal. Das
ßend in einem automatischen sind und dann lange Fehlersuchen nach kann man ein paarmal nachlöten, am
Lötbad gelötet werden. Das geht sich ziehen. Erschütterungen beim Trans- Ende ist die Leiterplatte dann verbrannt,
natürlich viel schneller, als jedes port und Vibrationen der Lautsprecher und die hauchdünnen Leiterbahnen sind
Bauteil von Hand einzubauen und alles setzen den billigen Leiterplatten ebenso abgerissen. Dann wird die Reparatur auf-
mit Kabeln zu verbinden. Das ist ja auch zu wie unzulänglich befestigte Bauteile, wändig und teuer.
okay; ohne diese Technologie gäbe es die förmlich aus den Lötstellen heraus- Ein weiterer Quell steter Freude in
keine Computer, keine Videorekorder und vibriert werden. Platinenverstärkern sind die Verbin-
keine bemannte Raumfahrt, denn mit der Dazu kommen oft noch Fehler in der dungen zwischen den Platinen. Oft wer-
althergebrachten Bauweise wären die Ge- Konstruktion. Hängende Endstufenröh- den Flachbandkabel im Lötbad mit einge-
räte viel zu groß und kaum realisierbar. ren in eingelöteten Print-Sockeln machen schwallt, danach die Platinen an vorge-
C Getty Images, Jörg Medwed

Und wenn Platine und Bauteile von guter früher oder später immer Ärger. Die Hitze frästen Stellen auseinandergebrochen
Qualität sind, sind auch Zuverlässigkeit der Röhre steigt nach oben, erwärmt den und im Chassis verschraubt. Das geht su-
und Haltbarkeit kein Problem. Sockel, und die Lötstellen geben irgend- perschnell, man muss beim Verstärkerbau
Schwierig wird’s, wenn beim Material wann auf. Als erstes kommt es zu Kon- überhaupt nicht mehr löten, die Platinen
Kompromisse gemacht werden, wenn an taktproblemen an den Pins der Röhren- sind untereinander schon verbunden.
Werkstoff und Dicke der Leiterplatten heizung. Der hohe Strom erwärmt die Diese Flachbandkabel weisen allerdings

134 2 /19
Kolume: Handwired TEST & TECHNIK

viel zu kleine Querschnitte auf, um den Die Summe dieser Einflüsse der Bauteile
Heizstrom von Endstufenröhren zu über- und der Verkabelung sorgt für den wei-
tragen. Und mechanisch haben die dün- chen, runden Ton ohne scharfe, klinische
nen Drähtchen den rauen Bedingungen Höhenanteile, wie sie häufig in gün-
in einem Combo-Verstärker auch nichts stigen, platinenbasierenden Verstärkern
entgegenzusetzen. anzutreffen sind.
Die zweitschlechteste Methode, Plati- Aber auch wo „Handwired“ drauf-
nen untereinander zu verbinden, sind steht, werden oft Kompromisse gemacht,
Steckverbindungen, wie sie billig aus der vorrangig in der Bauteilauswahl. Auch
Computerfertigung zu bekommen sind. bei manchen Boutique-Herstellern ist da
Auch diese Steckverbinder haben ther- nicht alles echt, was die tolle Vintage-
misch und mechanisch auf Dauer keine Style-Bedruckung der Bauteile vorgau-
Chance und führen oft zu Ausfällen der kelt. Andererseits gibt es Verstärker, de-
Verstärker. ren Bauteile auf Platinen wohnen und die
Wer sehen will, wie man es richtig trotzdem hervorragend klingen und von
macht, schaut sich einen Mesa/Boogie Handverdrahtung im Captain Buddy Amp höchster Zuverlässigkeit sind.
an. Egal, ob der Verstärker aus den An- Mit diesen Informationen kann jetzt
fangstagen oder aus der aktueller Ferti- das verwendete Kabelmaterial von großer jeder für sich entscheiden, wie viel Geld
gung stammt, die Jungs in Petaluma ha- Bedeutung. ihm die Zuverlässigkeit und der Klang
ben kapiert, wie man es machen muss. So Der größte Unterschied im Klang zwi- eines Verstärkers wert sind, denn eines
viel Qualität kostet seit jeher gutes Geld, schen PTP- und platinenbasierenden Ver- muss klar sein: Es war schon immer ein
aber Mesa hat die Platinenbauweise nicht stärkern liegt jedoch in der Bauteilaus- bisschen teurer, einen guten Ton zu
nur aus Kostengründen gewählt, sondern wahl. Die für die automatisierte Verstär- haben! Fragen, Anregungen und Kritik
weil die Komplexität der Verstärker bei kerproduktion verwendeten Bauteile wie immer an captain@captain-guitar-
gegebenem Platzangebot kaum anders zu müssen von Bestückungsautomaten ver- lounge.de.
realisieren ist. Und auch die JVM-Serie arbeitet werden können. Dazu werden die Jörg „Captain“ Medwed
von Marshall ist solide konstruiert, und Bauteile mit den Beinchen in Pappstrei-
so kommen kaum Reparaturen zu uns in fen eingeklebt, sogenannten Gurten, in
die Werkstatt, obwohl die Amps tausend- denen sie dann von einer großen Rolle
fach im Umlauf sind und die erste Serie automatisch zugeführt und bestückt wer-
schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. den. In jüngster Zeit werden von einigen
Neben der Zuverlässigkeit gibt es für Firmen sogar SMD-Bauteile (Surface
die Sound-Freaks aber noch einen ebenso Mounted Devices) für Röhrenverstärker
wichtigen Grund, sich für frei verdrahtete verwendet. Die sind noch viel kleiner und
Verstärker zu entscheiden: Handverdrah- haben keine Drahtbeinchen mehr, die
tete Verstärker klingen besser, sagt man. durch eine Bohrung in der Platine ge-
Nun ist Klang ja eine rein subjektive steckt werden müssen. Diese Minibauteile
Angelegenheit, der man messtechnisch sind oft nur einige Quadratmillimeter
nicht auf den Grund gehen kann. Fakt ist, groß, werden von Automaten auf die Pla-
dass die alten Verstärkerlegenden von tine geklebt und dann kopfüber im Löt-
Marshall, Fender oder Vox, deren Sound bad mit der Platine verlötet.
uns immer noch in den Bann zieht und Bedenkt man nun, wie unterschied-
für viele das Maß der Dinge darstellt, alle lich ein Astron-Kondensator im Vergleich
Point-to-Point verdrahtet waren. zu einem Mullard-Mustard-Kondensator
Einen Einfluss auf den Klang haben klingt, obwohl sie wenigstens ansatzwei-
hier schon mal die Verlegung der Kabel se die gleiche Konstruktion aufweisen,
und das Kabelmaterial selbst. Die signal- verwundert es nicht, dass sich so ein
führenden Leitungen wurden meist flach SMD-Kondensator aufgrund seiner
auf dem Chassis verlegt, denn die Nähe Bauweise komplett anders verhält.
zum masseführenden Blech wirkt wie Natürlich hat er nominell die glei-
eine Abschirmung, was das Nebenge- che Kapazität, so wie sie der
räuschverhalten verbessert. Nicht zu ver- Stromlaufplan vorgibt. Mitent-
nachlässigen ist jedoch die Kapazität die- scheidend für den Klang sind
ser Leitungen gegen Masse und auch zu- allerdings die parasitären Bau-
einander. Zwei voneinander isolierte Lei- teilwerte. Den größten Einfluss
ter bilden immer eine Kapazität, deren hat hier die Induktivität von Wi-
Höhe von der Größe der gegenüberste- ckelkondensatoren, die je nach Zu-
henden Flächen und vom Material der leitung und Bauform bis zu 100 nH betra-
Isolierung abhängt und die mit dem Ab- gen kann. Bei höheren Frequenzen macht
stand abnimmt. sich diese Induktivität deutlich bemerk-
So hat also jede signalführende Lei- bar und wirkt wiederum als Tiefpass.
tung zum Chassis eine mehr oder weniger Und natürlich weisen auch Widerstän-
große Kapazität und wirkt dabei wie ein de je nach Bauform unterschiedliche para-
Tiefpass: Hohe Frequenzen werden abge- sitäre Kapazitäten und Induktivitäten auf,
schnitten. Für möglichst originalgetreue die den Frequenzgang beeinflussen. Und
Nachbauten der klassischen Verstärker von in Platinen eingelöteten Transforma-
sind demnach die Leitungsverlegung und toren wollen wir gar nicht reden.

135
TEST & TECHNIK Bassverstärker

Aguilar Tone Hammer 700

Leicht und laut


Die New Yorker Amp-Schmiede Aguilar präsentiert mit dem neuen Tone Hammer 700
die leistungsstärkste Variante der Tone-Hammer-Serie mit satten 700 Watt.

R
ein äußerlich hat sich Ausstattungsmäßig präsentiert Master-Regler zu sein: Steht die Höhen sowie semiparametrische
beim Tone Hammer 700 sich die Tone-Hammer-Serie Ausgangsläutstärke auf Null, Mitten, regelbar von 180 Hz bis
im Vergleich zum bereits schlicht und ohne Schnörkel. Ihr leuchtet auch die Clipping-An- 1 kHz. Die Regler haben weder
etablierten 500er-Modell Einsatzgebiet dürfte daher vor zeige nicht auf, egal, wie sehr Markierungen noch eine Rastung
wenig geändert. Das allem auf der Bühne zu finden man die Vorstufe überfährt. in der Nullstellung; man muss
Gehäuse ist minimal sein. Es gibt nur einen Input, der sich auf sein Gefühl verlassen.
größer geworden, die über ein Pad mit -10 dB und Den Ohren vertrauen Der EQ macht eine große
Knöpfchen sind gleich einen Gain-Regler verfügt. Zur Eine Übersteuerung des Preamps Bandbreite an Sounds möglich
geblieben, aber unter der Haube Transistorvorstufe gehört eine schadet dem Verstärker übrigens und bleibt dabei immer im musi-
stecken jetzt 200 Watt mehr. Und Clipping-LED, die seltsamerweise nicht und kann durchaus gewollt kalisch brauchbaren Territorium.
dabei ist das Gewicht lediglich am anderen Ende der Frontplatte sein; hier sollte man letztlich Der Grundsound des TH700 ist
um etwa 200 Gramm gestiegen. unter dem Master-Regler sitzt. seinen Ohren vertrauen. Die druckvoll und dynamisch mit
Damit bietet der Tone Hammer Laut Hersteller leuchtet sie rot verbaute Vorstufe ist identisch leichter Mittenbetonung und
700 vermutlich das aktuell beste auf, sobald man die Vorstufe in mit der des populären Tone- unaufdringlichen Höhen, eher im
Verhältnis von Gewicht zu Leis- die Übersteuerung treibt. Aller- Hammer-Pedals. Der Dreiband- Vintage-Bereich angesiedelt und
tung auf dem Markt. dings scheint dies abhängig vom Equalizer bietet Bässe und bleibt somit in der für Aguilar
Wie von seinen kleineren
Geschwistern gewohnt, ist die
Verarbeitung über jeden Zweifel
erhaben. Das Gehäuse wirkt trotz
des geringen Gewichts hochwer-
tig und stabil. Das Design ist
aufgeräumt, edel und selbsterklä-
rend. Die relativ kleinen Regler
sind griffig und bieten einen
guten Drehwiderstand, um ein
ungewolltes Verstellen zu ver-
meiden. Auf die Möglichkeit, das
Topteil in einem Rackgehäuse zu
verschrauben, wurde verzichtet.
Eine spezielle Tasche bietet
Aguilar für den Tone Hammer
700 noch nicht an, aber er sollte
einwandfrei in die Tasche des
Aguilar AG 700 passen.

136 2 /19
Bassverstärker TEST & TECHNIK

rate“ auf „mute“ geschaltet wer- licheren Vertretern ihrer Zunft.


den, wobei der hinten ange- Und obwohl sie temperatur-
brachte Tuner-Ausgang weiter- gesteuert sind, springen sie von
hin ein Signal für lautloses Stim- alleine an, sobald der Amp ein
men liefert. Zwei helle blaue paar Minuten eingeschaltet ist.
LEDs informieren über den Dazu müssen weder ein Ins-
Betriebszustand des Amps. trument noch eine Box ange-
schlossen sein. Auf größeren
Schlicht & effizient Bühnen und im Proberaum dürf-
Die Rückseite zeigt sich so te das niemanden stören, aber
schlicht und effizient wie die beim heimischen Üben, bei ru-
Vorderseite. Neben dem Tuner- higeren Sessions oder im Studio
Out gibt es zwei Speakon-An- ist es nicht ideal.
schlüsse für Boxen, den Netzan-
typischen Klangtradition. Ein und den D.I.-Out. Über die Plat- schluss und den An/Aus-Schal- Das bleibt hängen
Drive-Regler steuert die APS- zierung an der Frontseite kann ter. Eine kleine, aber interessante Dieser Verstärker ist ein Arbeits-
Schaltung, bekannt aus dem man diskutieren; auf keine dieser Besonderheit: die Sicherung ist tier mit puristischer Ausstattung,
Tone-Hammer-Pedal, die hier Buchsen braucht man im Live- so ausgelegt, dass der Amp mit enormer Leistung bei minimalem
jedoch im Zusammenspiel mit Einsatz permanenten Zugriff, 100 bis 240 Volt und mit 50 oder Gewicht und dem Aguilar-
Gain und Equalizer unterschied- und daher wären sie auf der 60 Hertz betrieben werden kann. typischen Klang. Als einziger
liche Abstufungen und Charakte- Rückseite eventuell besser aufge- Damit eignet er sich für alle kleiner Schwachpunkt unter
ristiken an Verzerrung erlaubt. hoben. Der Pegel des Effektweges Bühnen dieser Welt. beachtlich vielen Stärken erweist
Diese Schaltung verändert laut ist zudem für professionelle Die beiden Boxenanschlüsse sich das etwas laute Lüfterge-
Aguilar die Verstärkungsstrukur. Rackeffekte ausgelegt, daher erlauben beliebige Kombinati- räusch. Insgesamt überzeugt der
Was sich etwas kompliziert und ergibt es wenig Sinn, diesen onen von Speakern, solange eine TH 700 als gelungene Leistungs-
technisch anhört, klingt in der vorne zu platzieren. Für den Gesamtimpedanz von 2,67 Ohm erweiterung der sehr populären
Praxis vielseitig und sehr über- Rackeinsatz konzipierte Geräte nicht unterschritten wird. Tone-Hammer-Serie, die nicht
zeugend. Von sauberen Clean- haben ihre Anschlüsse in der Was an den Vorgängern der ohne Grund von Größen wie
sounds über leicht angezerrte Regel auf der Rückseite. Tone-Hammer-Serie oft kritisiert Gary Willis, John Patitucci und
Vintage-Klänge bis hin zu richtig Praktisch dagegen ist die wurde, wiederholt sich leider bei Ronda Smith gespielt und pro-
aggressiver Vollzerre ist alles frontseitige Platzierung des Pre/ unserem Testgerät. Die beiden motet wird.
möglich und lockt zum Experi- Post-Schalters für das D.I.- Lüfter gehören zu den aufdring- Michael Poganiatz
mentieren. Signal, denn diesen möchte man
auf der Bühne durchaus verfüg-
Richtig laut bar haben. Schaltet man ihn auf
Am Ende dreht man die ge- Pre, bleibt das D.I.-Signal von
wünschte Lautstärke am Master- Gain, Drive und EQ unberührt.
Regler auf, und hier zeigt sich, Somit kann man sich seinen
was der Tone Hammer 700 in Bühnensound unabhängig davon
sich hat: Er kann laut, richtig einstellen, was an den Mischer
laut! Für dieses Topteil sind rausgeht. Der D.I.-Ausgang
keine Bühne zu groß und kein klingt genauso sauber und
Proberaum zu überfüllt. Auf der druckvoll, wie man es von
Frontplatte finden sich noch die Aguilar erwartet. Mit einem
Anschlüsse für den Effekt-Loop kleinen Taster kann von „ope-

FAKTEN
Aguilar Tone Hammer 700
Herkunft USA
Leistung 700 Watt an 2,67 Ohm oder 4 Ohm, 350 Watt an 8 Ohm
Regler Gain, Drive, Bass, Mid Level, Mid Frequency, Treble, Master
Schalter Power, Input Pad (-10 dB), D.I. pre/post, Groundlift, Mute
EQ-Regelbereich Bässe: +/-17 dB @ 40 Hz
Mitten: +/-16 dB @ 180 Hz - 1 kHz
Höhen: +/-14 dB @ 4 kHz
Anschlüsse Input, Effektloop (4 dBu), D.I.-Out (-20 dBu), Tuner-Out,
2 x Speaker-Out (Speakon)
Netzspannung 100 bis 240 Volt, 50 oder 60 Hz
Maße 30 x 23 x 8 cm
Gewicht 2,22 kg
Internet www.aguilaramp.com
Verkaufspreis 1.179,- €

Preis-Leistung

137
TEST & TECHNIK Effekt

Electro-Harmonix Grand Canyon

Echos aus der Tiefe


Mit dem Canyon zeigte EHX im letzten Jahr ein Delay-Pedal, das in seiner Preisklasse ungeahnte
Vielfalt bot und bietet. Nun schiebt der nimmermüde New Yorker Hersteller die größere Version nach.

D
er Grand Canyon legt in Es gibt vier stabile Hauptregler, rechten Ausgang des Pedals jedoch um einen Miniaturtaster
jeder Hinsicht etwas zum die auf der rechten Seite um die verteilt. Schließlich gibt es den mit fünf LEDs ergänzt wird. So
Funktionsumfang des Effekttypauswahl und zwei klei- Expression-Modus, mit dem man wählt man zwischen neun Takt-
Canyon (guitar 6/2017) ne Stiftpotentiometer ergänzt eine Parametersteuerung durch unterteilungen: 16tel-, Achtel-
drauf: mehr Effekttypen, werden. Direkt regelbar sind der das optionale Expression-Pedal und Viertelnoten in geraden,
Stereoausgänge, Spei- Effektpegel, der Grad der Rück- aktiviert. triolischen und punktierten
cherbarkeit und einen kopplung und natürlich die Besondere Aufmerksamkeit Varianten.
Eingang für ein Expressi- Delay-Zeit. Wechselt man per kommt der Delay-Zeitsteuerung
on-Pedal. Das robuste Gerät fällt Miniaturschalter auf den reinen zu, deren Anpassung an das Alles erreichbar
größer aus und erfordert zum Loop-Modus, sind stattdessen der Songtempo oft erwünscht ist. Grundsätzlich ist der Grand
Betrieb das mitgelieferte Netzteil. Pegel des Direktsignals, der des Diese Aufgabe erledigt man per Canyon so konzipiert, dass alle
Zwei Fußtaster erlauben das Ein- Loops generell und hinzuge- Tap-Tempo-Fußschalter, der hier Funktionen direkt erreichbar
und Ausschalten des Effekts so- fügter Overdubs sowie eine Fade-
wie die Vorgabe des Tempos per out-Zeit steuerbar.
Tap-Funktion beziehungsweise Weitere Miniaturtaster sorgen
die Steuerung des integrierten für praxisnahe Ergänzungen: So
Loopers mit bis zu 16 Minuten gibt es die Möglichkeit, den
Aufnahmezeit, der sich sogar Effekt nur für die Dauer zu akti-
gleichzeitig zu den Effekten vieren, in der man den Fußschal-
nutzen lässt. Ein externer Fuß- ter drückt. „Tails“ hingegen sorgt
schalter mit bis zu drei Tasten dafür, dass Echos auch nach dem
lässt sich ebenfalls ergänzen. Deaktivieren ausklingen können,
Das Bedienelemente fallen während „Ping Pong“ diese ab-
etwas kleiner als im Canyon aus. wechselnd auf den linken und

138 2 /19
Effekt TEST & TECHNIK

sind. Lediglich zwei alternative durch den Hersteller, etwa eine ger, Slapbacks und sogar eine Im einen Fall wird das Echo um
Betriebsarten werden durch Drü- Manipulation der Echofilterung, Effektvariante mit Nachhall – die entsprechende Tonhöhe trans-
cken und Halten des Ping-Pong- der Modulationsgeschwindigkeit mit einer Hallfahne von bis zu poniert, während der Pitchshifter
Tasters im entsprechenden Ef- oder einer Rückwärtswiedergabe fünf Minuten! Klassische und im anderen Fall in der Rückkopp-
fektmoduls aufgerufen, wobei die im Looper, lässt sich auch an- rhythmische Delays sind in allen lungsschleife liegt, immer wieder
LED dann blinkt. wenderseitig eine Parameterbe- Facetten vorhanden: sauber und aufs Neue angewandt wird und so
Über einen gerasterten Enco- wegung programmieren. Diese klar, mit mehreren Abgriffen, Tonhöhenkaskaden und Arpeg-
der wählt man zwischen den kann sogar sämtliche sechs Reg- gefiltert und per Bitcrusher an- gios hervorbringt.
zwölf Modi Echo, Mod, Multi, ler umfassen und mit einzelnen gerauht, aber auch als Emulati- Kurzum: Hier fehlt mit der
Reverse, DMM, Tape, Reverb, Start- und Endpunkten versehen onen von Eimerkettenschal- Ausnahme dynamisch agierender
Pitch, Shim, Sample & Hold, werden. Damit werden selbst tungen und Bandechos – letztere Delays so gut wie nichts.
Drum und Doubler, die über je komplexe Klangveränderungen sogar mit regelbarem Bandleiern
zwei ausgewählte Parameter möglich. und einer Verzerrung. Das bleibt hängen
verfügen. Der Aufdruck der Die Looper-Modi (mit und In einer weiteren Bandecho- Mit dem Grand Canyon zeigt
Effektkategorien und Parameter ohne Echeffekt) schließlich nut- nachbildung (Drum) wird mit EHX einen üppig ausgestatteten
fällt für meine Begriffe zu klein zen den Tap-Tempo-Taster zur vier virtuellen Tonköpfen und Delay-Effekt, der sich am Markt
aus. Ein Display hätte die Über- Bedienung. Dabei gibt es eine markanter Filterung gearbeitet. geschickt zwischen dem belieb-
sicht mit Sicherheit verbessert, Reihe praxisnaher Funktionen: Dabei bietet ein alternativer ten Canyon und den teureren
das Gerät aber vermutlich auch Overdub, Rückwärtswiedergabe, Modus die Möglichkeit, mit nur Midi-fähigen Mitbewerbern von
deutlich verteuert. das Löschen einzelner Takes drei Tonköpfen Taktarten wie 3/4 Boss, Eventide und Strymon
Der Speichervorgang ist sowie ein mögliches langsames und 6/8 zu realisieren. platziert. Das Pedal liefert alles,
denkbar einfach: Man hält den Ausblenden. Für Spezialeffekte stehen was der Canyon kann, und mehr.
Encoder schlicht länger gedrückt. Rückwärtsechos, der Multitap- Hier erhält man eine wirklich
Speicherbar ist ein Preset pro Hallfahne satt Modus mit bis zu 31 Rückwür- famose Auswahl an Echoeffekten
Kategorie, das auch die Zuwei- Die Auswahl an Delay-Effekten fen, eine Sample-&-Hold-Varian- aller Art, die man per Tap-Tem-
sung des Expression-Pedals um- ist umfassend und dürfte mit te und der beliebte Shimmer- po-Taster effektiv an das Song-
fasst. Eine Midi-Schnittstelle wenigen Ausnahmen jeden Gi- Effekt bereit. Erweitert wurde der tempo anpassen kann. Auch
fehlt dem Gerät, sodass eine tarristen beglücken. Die tech- Oktaveffekt aus dem Canyon ohne Midi profitiert man bei
Umschaltung nur direkt am nische Qualität ist sauber und (hier Pitch), der nun freie Ton- dieser Vielfalt von der Speicher-
Gerät oder über einen externen bietet Delay-Zeiten von bis zu höhenänderungen um bis zu drei barkeit des Grand Canyon, der
Fußtaster möglich ist. drei Sekunden. Das Angebot Oktaven ermöglicht – bei Bedarf die 120 Euro Aufpreis zum
Apropos Expression-Pedal: umfasst Dopplungen, Modulati- sogar mit zwei Stimmen. Auch Canyon allemal wert ist.
Neben sinnvollen Vorgaben onsklänge wie Chorus und Flan- hier gibt es zwei Betriebsarten: Ulf Kaiser

Û7+('(9,/,6
,17+('(7$,/Û

7+('(9,/6)25.
-3%DVVPLW1ROO
(OHNWURQLNXQG
QXU.J
*HZLFKW

FAKTEN
Electro-Harmonix Grand Canyon
Klasse Bodeneffektpedal
Effekttypen Delay in 12 Varianten, Looper
Presets/User 13 User-Presets
Stromversorgung Netzteil (mitgeliefert)
Maße 12,1 x 10,2 x 5,7 cm
Internet www.ehx.com
Empf. VK-Preis 269,- €

Preis-Leistung
ZZZXZLQVWUXPHQWVFRP
3HQ]LQJ

139
TEST & TECHNIK Effekt

F
riedman spricht von einem Diodenclipping recht gering
„Transparent Low Gain ausfallen.
Overdrive Pedal“. Die Bei gut aufgedrehtem Ton-
Aufgabenstellung: den regler und inaktiver Höhenabsen-
Crunch- oder den bereits kung fällt tatsächlich der viel-
stärker verzerrten Kanal zitierte Vorhang: Der Sound
eines vorhandenen Ver- Friedman Golden Pearl erscheint offener und moderner.
stärkers weiter auf Touren
bringen. Das stabil verarbeitete
Pedal aus US-amerikanischer
Fertigung bietet einen Fußschal-
Immer an Neben zusätzlicher Verzerrung
wird er im Attack definierter und
im Bass fokussierter. Gleichzeitig
wird der Klangcharakter des Ver-
ter mit True-Bypass-Funktion Dave Friedman hat mit dem BE OD einen stärkers nicht auf den Kopf ge-
und bewegt sich schaltungstech- stellt. Dazu fehlt die markante
nisch irgendwo zwischen Booster
Bestseller gelandet, das als Pedal sich klanglich Mittennase des grünen Klassikers.
und Overdrive. am berühmten BE-100 orientiert. Der Golden Das Ergebnis gefiel mir in der
Regelbar sind die drei Para- Tat so gut, dass der Golden Pearl
meter Ausgangspegel, Gain so-
Pearl soll nun bereits angezerrte Verstärker auf eigentlich ständig eingeschaltet
wie Klangfarbe per Tonregler. Trab bringen. blieb. Hier erhält der Verstärker
Hinzu kommem zwei dreistufige einen überaus willkommenen
Schalter. Einer aktiviert eine Extrakick.
abrundene Höhenbedämpfung in mittelkräftigen Overdrive, der in Flexibilität ebenso wie die zwei-
zwei Intensitäten. Das ist durch- Kombination mit dem Lautstär- stufige Höhenabsenkung. Der Das bleibt hängen
aus sinnvoll bei bissigen Verstär- keregler den Verstärker auf Tou- Tonregler greift dabei effizient Da läuft Dave Friedman mal
kern wie alten Marshalls oder ren bringt. Das gelingt mit guten im Höhenbereich zu. eben ein wunderbarer Overdrive
auch, um einen geschmeidigeren Ergebnissen und reicht von blue- Noch überzeugender ist die aus den Händen. Der Golden
Soloton zu erreichen. sig-dynamischen Sounds bis Wirkung vor Crunch- und Gain- Pearl empfiehlt sich als gewinn-
Schalter 2 bestimmt die Art zum Hardrock-Crunch im letzte- Kanälen. Auch hier ist das Zu- bringende Klangverbesserung
der Verzerrung: In der Mittelstel- ren Drittel des Gain-Reglers. Die sammenspiel von Volume- und und zusätzlicher Anheizer für
lung fungiert der Golden Pearl Umschaltung der Verzerrungs- Gain-Regler für die Klangfarbe Röhrenverstärker aller Art. Wer
als Booster. Alternativ lässt sich einheit beziehungsweise auf den verantwortlich, während die sich etwas mehr Gain, Präsenz
ein LED-Clipping wählen, dass Boost-Modus liefert weitere Unterschiede zwischen LED- und und Definition wünscht, seinen
insonbesondere vor Clean- und Grundklang aber möglichst un-
dezenten Crunch-Kanälen für verändert erhalten möchte, sollte
eine ausgewogene Verzerrung FAKTEN hier einen näheren Blick riskrie-
sorgt, während das Diodenclip- ren und den Golden Pearl im
ping eher vor stärker verzerrten Friedman Golden Pearl Vergleich mit anderen Boostern
Verstärkern mit etwas mehr Gain Herkunft USA und Overdrives in den Hörver-
und Sättigung punktet, ohne Klasse Bodeneffektpedal gleich schicken. Oft genug geht
dabei Defintion zu verlieren. Effekttypen Overdrive
es dabei nicht primär um zusätz-
liche Gain-Reserven, sondern um
Klang Effekte gleichzeitig 1
ein Endergebnis, bei dem der
Ich testete den Golden Pearl vor Presets/User keine verzerrte Rhythmus- oder Solo-
einem Fryette 100/CL. Am An- Stromversorgung Netzteil 9-18 Volt sound am Ende oftmals schlicht
fang stand die Anwendung vor Maße 12 x 6 x 6 cm besser als vorher ausfällt. 189
einem Clean-Kanal, für die dieses Internet www.friedmanamplification.com
Euro für ein solches Tuning sind
Pedal in erster Linie nicht ge- nicht unbedingt ein Schnäpp-
Empf. VK-Preis 189,- €
dacht ist. Dennoch ist das Ergeb- chen, aber für das Resultat völlig
nis ansprechend: Man erhält Preis-Leistung
angemessen.
einen aufgeräumten leichten bis Ulf Kaiser

140 2/19
Effekt TEST & TECHNIK

Wampler Faux Tape Echo V2

Analog aus USA


Seit einigen Jahren kann man sich über Neuzugänge im Bereiche der Echoeffekte wirklich nicht
beklagen. Wampler mischt seit 2008 mit dem Faux Tape Echo mit, das nun in Version 2 vorliegt.

D
ie Neuauflage des in den phonen Ein- und Ausgängen, die Empfehlung – von Country bis Intensität dezente oder auffällige
USA gefertigten Faux an die Gehäuserückseite gewan- Rockabilly. Bei kurzen Verzöge- Schwankungen der Tonhöhe ins
Tape Echo simuliert dert sind. Einstellungen zu spei- rungszeiten gefallen mir die Klangbild. Einzig eine regelbare
wie der Vorgänger ein chern, ist nicht vorgesehen. modulierten Chorus-Effekte, leichte Verzerrung hätte ich mir
Bandecho, dessen mar- während ich für Flangersounds noch gewünscht. Aber auch hier
kanten Klang wir alle so Wie’s klingt andere Pedale bevorzuge. hat der Hersteller mitgedacht,
schätzen, mit einer Kom- Zuallererst: Die Klangqualität des Bemerkenswert ist das Zu- denn die Echos ab 600 Millise-
bination aus digitalen Effektes ist beeindruckend au- sammenspiel von Tonfilter und kunden sind tatsächlich bewusst
und analogen Komponenten. Das thentisch und weist einen herr- Rückkopplung. So hat man die klanglich angerauht.
violette, robuste Metallgehäuse lich warmen, stets analogen Auswahl zwischen klassisch Bei allem Vintage-Charme ist
bietet gleich sechs Regler zur Grundton auf. Dabei sind die bedämpften Rückwürfen, die die eingesetzte Technik modern.
Effektkonfiguration: Delay Mix typischen Filterungen gut regel- auch bei langen Wiederholungs- Wampler legt besonderen Wert
für den Effektpegel, Delay für bar und führen zu Echos, die werten nicht stören. Sie erzeugen auf ein unverfälschtes Original-
die Verzögerungszeit, die auf bis auch bei hohen Repeat-Einstel- Patina und lassen sich hinauf bis signal. Statt die Wandlung zu
zu 800 Millisekunden verlängert lungen gefällig ineinander lau- zu sich aufschaukelnden, atmos- durchlaufen, wird es dem Effekt-
wurde, Repeats für die Anzahl fen. Je nach Reglerstellung erge- phärischen selbstoszillierenden signal zugemischt. Digital ar-
der Wiederholungen, Tone für ben sich tolle Delaysounds, die Klangkaskaden nutzen. Umge- beitet übrigens nur die Verzöge-
die Klangfarbe sowie eine Sek- schnell passend zum Songtempo kehrt lassen sich die Rückwürfe rungsschaltung, da sich Wampler
tion zur zyklischen Modulation gestaltet werden können. Auch aber auch im Bassbereich sinn- nicht mit den Kompromissen
der Verzögerungszeit – regelbar die Slapbacks sind erstklassig voll ausdünnen. Die Modula- analoger Verzögerungsschal-
in der Intensität und der Ge- und für ’50s-Sounds eine echte tionsschaltung bringt je nach tungen zufriedengeben wollte.
schwindigkeit. Gleichzeitig sind die Filterung
Die Delay-Zeit selbst ist ne- und die Modulation analog. Ein
ben dem Regler über einen neu- FAKTEN True-Bypass gehört zum guten
en Taster zusätzlich zwischen Ton, bringt aber mit sich, dass
ganzen, halben und Viertelnoten Wampler Faux Tape Echo Echofahnen bei Deaktivieren des
sowie Triolen umschaltbar und, Klasse Bodeneffektpedal Effekts nicht ausklingen können.
wie gehabt, im Tempo über einen Effekttypen Bandechosimulation
angenehm geräuscharmen Tap- Das bleibt hängen
Effekte gleichzeitig 1
Tempo-Fußtaster definierbar. Das Faux Tape Echo V2 klingt
Delay- und Modulationszeit Presets/User keine schlicht hervorragend. Wer Wert
werden durch eine helle rote und Stromversorgung 9V-Netzteil (optional) auf gut klingende Vintage-Echos
eine grüne LED visualsiert. Ein Maße 8,9 x 11,4 x 6 cm legt und nicht auf den Komfort
weiterer geräuscharmer Fuß- Internet www.wamplerpedals.com einer flexiblen Temposteuerung
schalter aktiviert/deaktiviert den verzichten möchte, sollte hier
Empf. VK-Preis 259,- €
Effekt. unbedingt einen näheren Blick
Dabei arbeitet das Faux Tape Preis-Leistung riskieren.
Echo V2 weiterhin mit mono- Ulf Kaiser

141
TEST & TECHNIK Stimmgerät

Korg Rimpitch-C2

Stimmung im Schallloch
Korg legen mit dem Rimpitch-C2 die Messlatte für Akugitarrenstimmgeräte dieses Mal nicht höher,
sondern ins Schallloch. Der Rimpitch ist angetreten, die Clip-on-Stimmis das Fürchten zu lehren.

E
in Gitarrist verbringt kompensiert werden muss, und die korrekte Funktion aber einen oben in Richtung Musiker
die Hälfte seines Lebens so weiter. In diesem kompromiss- Pickup und eine Gitarre mit Klin- ausgerichtet. Die Installation
damit, seine Gitarre zu behafteten Umfeld kommt eine kenanschluss. Der überzeugte (sofern man das überhaupt
stimmen. Die andere verstimmte Gitarre als echtes Akustiker guckt hier in die Röhre, so nennen will) ist ein Witz.
Hälfte verbringt er damit Problem hinzu. findet aber bei den Anklipp- Packung auf, Batteriedeckel
out of tune zu spielen.“ Wenn wir die Physik nicht Stimmgeräten zahlreiche Exem- auf (der ist mit dem Gehäuse
Ein nicht ganz ernst zu ändern können (und das können plare. Die haben nur alle ein verbunden, geht also nicht
nehmender Spruch, der – wir nicht), die Gitarre stimmen Problem: So richtig gut schaut’s verloren), CR1620-3-Volt-
freilich überspitzt – die Kompro- können wir. Und in Sachen nicht aus, wenn oben an der Flachzelle rein und auf die
misse rund um unser Lieblings- Stimmgerät hat sich in den ver- Kopfplatte so ein Klopper hängt. Decke gesteckt – fertig ist die
instrument auf den Punkt bringt. gangenen Jahren einiges getan: Laube. Ein Druck auf die einzige
Die Gitarre ist als System schlicht Stimmpfeifen von anno Tobak Sicher platziert Taste aktiviert den Rimpitch.
alles andere als perfekt. Die kennt vielleicht noch der eine Der Rimpitch-C2 löst dieses Der Stimmvorgang erfolgt in
Berechnung der Bundstäbchen- oder andere, „Gib mal ’n A“ Problem auf elegante Weise: Er chromatischer Weise, Halbtöne
abstände folgt einer bestimmten kennt man auch. Die Rack- und besitzt eine Krümmung, die ihn werden durch eine #-Symbol
Formel, die wiederum nur in der Boden-Tuner unter anderem von dank dreier Gummi-Pads sicher angezeigt. Ein Eb-Tuning würde
Theorie, also für die perfekte Korg, etwa die DTR-Reihe oder am unteren Schalllochrand einer dann wie folgt angezeigt:
Saite, gilt. Die gibt’s aber nicht, die Pitchblack-Boliden fürs Pe- Akustikgitarre platziert. D# - G# - C# - F# - A# - D#.
denn jede „echte“ Saite hat eine dalboard, waren und sind noch Die Status- und Info-LEDs Die Standardeinstellung ist
gewisse Steifigkeit, die wiederum immer heißbegehrt, brauchen für sind dabei selbstredend nach A = 440 Hertz; wer hier entspre-

FAKTEN
Korg Rimpitch-C2
Herkunft Vietnam
Typ Stimmgerät für die Schalllochplatzierung
Strom CR1620-3V-Knopfbatterie
Schalter Netz/Calib-Taste
Referenztonhöhe 438-445 Hz
Stimmbereich E2 (82,41 Hz) – E7 (2637,02 Hz)
Internet www.korg.com/de
Empf. VK-Preis 26,- € inkl. Knopfzelle

Preis-Leistung

142 2 /19
Stimmgerät TEST & TECHNIK

Der Lehrer
für zuhause

chend anders kalibrieren möchte, ist man das gewohnt. Dank ähn-
betätigt schlicht erneut die Netz- licher Technik wie auch bei den
taste, woraufhin im Bereich von Clip-on-Stimmgeräten sind dem
438 bis 445 Hertz in 1-Hz- Rimpitch Nebengeräusche und
Schritten kalibriert wird. Muckerkollegen recht egal, ihn
Beim Deaktivieren des Rim- interessiert die Schwingung der
pitch mittels gehaltener Netztaste Decke. Uns übrigens auch.
merkt sich das Gerät die gewähl-
te Kalibrierung, lediglich beim Das bleibt hängen
Entfernen der Batterie zwecks Stimmgeräten teilen allesamt
Batteriewechsel springt das Gerät das Los der nützlichen Helfer:
wieder auf den 440-Hz-Standard Man kann kaum ohne sie, zu Bass üben mit dem individuellen Trainings-
zurück. Der Stimmbereich reicht Liebhaberobjekten werden sie
von E2 (82,41 Hz) bis E7 meist auch nicht. Aber, und programm Bass Fitness: In nur 10 Minuten täglich
(2.637,02 Hz) und sollte so für jetzt kommt das große Aber: werden rechte und linke Hand, das Rhythmus-
die allermeisten Fälle ausreichen. Es ist von Vorteil, dass sie
Für Basser reicht’s nicht weit einem für verhältnismäßig gefühl und die Griffbrettsicherheit effektiv trainiert.
genug hinab. Wer sich einen wenig finanziellen Einsatz ein
Akustikbass anschafft, wählt großes Gefühl von Sicherheit
diesen ohnehin meist mit Pre- vermitteln können. Denn ISBN 978-3-941531-33-8
amp, was eine Klinkenbuchse mit gute Stimmung ist nicht nur 19,95 EUR
sich bringt. Somit kann der ge- im zwischenmenschlichen
neigte Bassist auf einen anderen Bereich eine tolle Sache. Der
Tuner ausweichen. Rimpitch-C2 ist ein feine Idee
Die Anzeige ist hell genug, und seinen Preis ganz einfach
bei korrekter Stimmung leuchtet wert. Schnieke!
das zentrale Element grün auf, so Stephan Hildebrand

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Guitars@no-1.de 31224 Peine BACKBEAT MUSIC Herrn Peter Grünebaum Fax 0 68 97 / 56 97 69
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Fax: 0 34 61 / 21 05 95 www.no-1.de Tel.: 0 51 71 / 16 555 Hauptstr. 13 Lethmather Str. 89 uwe.sicks@sixandfour.de
musicshopmer@t-online.de Fax: 0 51 71 / 12 792 46244 Bottrop www.sixandfour.de
58239 Schwerte
www.musicshop-merseburg.de Tel. 0 20 45 / 40 26 80
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Königstr.  1-3 www.musik-kiste-peine.de mail@backbeat-music.com service@musik-gruenebaum.de Stage & Studio
22767 Hamburg Hüttenbergstr. 46
Tel.: 040 / 35 54 51-0 66538 Neunkirchen
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JustMusic Berlin Fax: 040 / 35 54 51-51 Tonart Tel. 0 68 21 / 91 99 28
Am Moritzplatz Jöllenbecker Str. 50 Fax 0 68 21 / 91 99 29
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www.musicpoint-berlin.de info@martinsmusikkiste.de 63322 Rödermark
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www.martinsmusikkiste.de Tel.: 0 60 74 / 68 06 343 74549 Wolpertshausen
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Fax 02 21 / 88 84 25 00 Fax: 0 60 74 / 68 06 344 Tel.: 0 79 04 / 97 110
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Geschäftsführung Thilo M. Kramny
REDAKTION
Chefredakteur (verantwortlich für den redaktionellen Teil)

DIE ANDERE SEITE (I) Dr. Jürgen Ehneß, juergen.ehness@guitar.de


Stellvertretender Chefredakteur
Marcel Thenée, marcel.thenee@guitar.de
Redaktion
Stephan Hildebrand, stephan.hildebrand@guitar.de
as manche nicht wis- hungen, beim zweiten Mal eben- Alexander Pozniak, alexander.pozniak@guitar.de

W
sen, ich dafür umso falls durch Glück. Der Vater (und Philip Zeppenfeld, philip.zeppenfeld@guitar.de
Natalie Meyer, natalie.meyer@guitar.de
mehr: Ich bin seit gefragter Studiomusiker) unseres
vielen Jahren auf der zweiten Leadgitarristen hatte bei Regelmäßige redaktionelle Mitarbeiter
Nico Ernst, Chris Franzkowiak, Chris Hauke, Stefan Helferich, Markus Kaffka,
anderen Seite. Auf „Rainbow Eyes“ auf Long Live Ulf Kaiser, Sascha Krüger, Tom Küppers, Lukas Lautenbacher, Ben Liepelt, Tobias
der anderen Seite der Rock’n’Roll die wunderbare Flöte Mertens, Philipp Opitz, Orlando Pellegrini, Michael Poganiatz, Jens Prüwer, Isabell
Raddatz, Philipp Roser, Dr. Hans Joachim Schäfer, Adrian Schüller, Bolle Selke,
Glasscheibe im Ton- gespielt. Und so bekamen wir ir- Hermann Skibbe, Frank Thiessies, Christof Leim, Michael Wagner, Martin Weiß,
studio nämlich. Früher gendwie in den damaligen Union Rainer Wöffler
(komisch, dieses Wort taucht bei Studios in München wertvolle ANZEIGEN
mir immer häufiger auf …) kannte Studiozeit für unsere eigenen Ti- Anzeigengesamtleitung (verantwortlich für den Anzeigenteil)
David M. Kramny
ich den Regieraum meistens nur tel, einfach so. Anschließend wur-
Anzeigenverkauf
von ehrfürchtigem Hineinspähen den wir dann beim Bandwettbe- Ramona Jänicke, ramona.jaenicke@guitar.de
in denselben. werb einer großen Münchener Anzeigenabwicklung/Produktion
Als Gitarrist bin ich überhaupt Tageszeitung als beste Nach- Felix Marquardt, dispo@guitar.de
nicht gerne zu Studioaufnahmen gegangen. wuchsband Süddeutschlands entdeckt, und Büro USA Joe Statuto
Selbstzweifel wahrscheinlich. Es ist ja auch nochmal ab ins Union. Ich bin dann immer 603 Haven Lane, Clarks Summit, PA 18411 - USA
Phone: +1 570 587–4734, Cellphone +1 570 604–1111
nicht einfach, auf Knopfdruck das Beste in- wieder in recht gute Studios reingerutscht als jostat@hotmail.com
nerhalb eines Mini-Zeitfensters abzurufen, Studiomusiker, obwohl ich als Gitarrist nicht Büro Japan Japan Music Trade Co., Ltd.
das dann „für immer“ Bestand haben soll. Bei besonders vielseitig (-saitig) war. Aber wahn- 4th Floor, Gakki-Kaikan, 2-18-21,
Auftritten verschwindet alles in den Spiral- sinnig gutaussehend. Und bescheiden! Soto-kanda, Chiyoda-ku, Tokyo 101-0021,
Phone: +81 3-3251-7491, Fax +81 3-3251-8744
nebeln des Rock-Universums, außer jemand Ganz wichtige Erfahrungen habe ich auch
Büro China Melanie Xu
macht Live-Aufnahmen, was ich normaler-