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Vorlesung Nr.

Lehren

24.1.2017

PD Dr. Svenja Möller


Lehren in der Erwachsenenbildung:
Didaktische Perspektiven

PD Dr. Svenja Möller


Inhalt der Vorlesung

1. Didaktik als Handlungswissenschaft


2. Didaktik und Methodik: Grundlagen
3. Entwicklung didaktischer Ansätze in der
Erwachsenenbildung
4. Dimensionen didaktischen Handelns in der
Erwachsenenbildung
5. Didaktisches Handeln in der
Erwachsenenbildung: Praxisbezüge
6. Perspektiven didaktischen Handelns unter
veränderten institutionellen Bedingungen
PD Dr. Svenja Möller
1.

Didaktik als
Handlungswissenschaft

PD Dr. Svenja Möller


Gegenstandsfelder der Didaktik

1. Wissenschaft vom Lehren und Lernen


2. Theorie oder Wissenschaft vom Unterricht
3. Theorie der Bildungsinhalte
4. Theorie der Steuerung von Lernprozessen
5. Anwendung psychologischer Lehr- und
Lerntheorien

(Vgl. Friedrich W. Kron Grundwissen Didaktik. München 1993, S. 43).


PD Dr. Svenja Möller
2.
Didaktik und Methoden:
Grundlagen

PD Dr. Svenja Möller


Didaktische Ebenen des
Vermittlungs-/Aneignungsfeldes

Zielsetzung

Lehrende Lernen Lernende

Geschlecht ; Lernerfahrung; Alter


Lehren
Lehrerfahrung ;Alter Geschlecht ;Anzahl

Methoden /
Medien

Gegenstände

Themen ; Intentionen

bildungspolitischer und institutioneller


Kontext
Didaktik: Definition 1

Der Begriff Didaktik [umschließt] Ziele,


Inhalte und Methoden des Lehrens und
Lernens sowie deren Bedingungen und die
Evaluation.“

(Raapke, Hans-Dietrich. „Didaktik der Erwachsenenbildung.“ In: Ders.


Wolfgang. Schulenberg (Hg.). „Didaktik der Erwachsenen-bildung.“
Handbuch der Erwachsenenbildung Bd. 8. Stuttgart 1985, S. 18.
Hervorhebungen im Original
PD Dr. Svenja Möller
Didaktik: Definition 2

„Didaktik gilt entweder als Expertenkönnen oder


ein Talent, über das Leute mit viel Erfahrung in
der Lehre wie selbstverständlich verfügen.
Didaktik scheint immer etwas ‚dazwischen’ zu
sein, zwischen Lehrenden und Lernenden,
zwischen dem lernenden Subjekt und dem
verobjektivierten Inhalt. Unter wissenschaftlichem
Anspruch spricht man von der Didaktik gern als
einer Vermittlungswissenschaft.“
Raapke, Hans-Dietrich. „Didaktik der Erwachsenenbildung.“ In: Ders./ Wolfgang.
Schulenberg (Hg.). „Didaktik der Erwachsenenbildung.“ Handbuch der
Erwachsenenbildung Bd. 8. Stuttgart 1985, S. 18.
Didaktisches Handeln nach Flechsig 1
„Zum einen legt er, anders als beispielsweise ‚Lehren’ nicht
fest, wer an der Organisation von Prozessen des Lehrens und
der Wissensvermittlung im Einzelfall beteiligt ist und wer diese
Prozesse trägt. Er umfaßt somit ‚heterodidaktisches’ und
‚autodidaktisches’ Handeln. …

Zum anderen weist der Begriff ‚didaktisches Handeln’ darauf


hin, dass es dabei nicht nur um unmittelbares Lernen und
interpersonales Handeln geht, sondern auch um mittelbares
und indirektes, z.B. die Gestaltung und Organisation von
Lernorten, die Entwicklung von Lernmaterialien und Medien,
die Einrichtung von Programmen und das Evaluieren und
Zertifizieren von Kursen. …
Didaktisches Handeln nach Flechsig 2

Drittens stellt der Begriff den Tätigkeitsaspekt des Wei-


terlernens heraus, d.h. den Umstand, daß es handelnde
Subjekte (‚Lerner’) sind, die letztlich darüber entscheiden,
ob und in welchem Maße Lernen stattfindet. …

Viertens schließlich stellt der Begriff des didaktischen


Handelns eine gewisse Absicherung gegenüber einer rein
individualistischen oder gar individualpsychologischen
Betrachtung von Sachverhalten der Weiterbildung dar. …
 
  PD Dr. Svenja Möller
Didaktisches Handeln nach Flechsig 3

Allgemein gesprochen geht es bei didaktischem Handeln


im Bereich der Weiterbildung darum, individuelle,
kollektive und institutionelle Prozesse und Strukturen unter
dem Gesichtspunkt zu analysieren, zu konzipieren und zu
realisieren, die darauf ausgerichtet sind, Lernen und
Lehren sowie Wissensüberlieferung und
Wissensaneignung zu beeinflussen.“
 
 
Flechsig, K.-H. (1989): Ebenen didaktischen Handelns in der Weiterbildung. In:
Grundlagen der Weiterbildung Praxishilfen. GdW-PH. Dezember 1989. Neuwied:
Luchterhand, S. 4. PD Dr. Svenja Möller
3.
Entwicklung didaktischer
Ansätze in der
Erwachsenenbildung

PD Dr. Svenja Möller


Didaktische Begründungen von
Lehr- Lernprozessen in der Erwachsenenbildung

1. Prämissen didaktischen Handelns


(Anthropologie – Psychologie –
Sozialisation)

1. gesellschafts- und
bildungstheoretische
Implikationen

1. bildungspolitische und institutionelle


Kontexte
PD Dr. Svenja Möller
Wichtige didaktische Ansätze
in der Erwachsenenbildung

1. Bildungstheoretische-kritische Didaktik
2. Curriculumtheoretische Didaktik
3. Identitätstheoretische Didaktik
4. Konstruktivistische Didaktik
5. Subjektwissenschaftliche Didaktik
5. Transformative Ansätze
PD Dr. Svenja Möller
Bildungstheoretisch-kritische Didaktik:

1. werden die gesellschaftlichen Bedingungen


und ihre Auswirkungen auf die Menschen in
Lehr-Lernprozessen als „Hintergrund-
information“ berücksichtigt

2. Werden die gesellschaftlichen Bedingungen


selbst zum Lerngegenstand. Lernende stehen
in einem dialektischen Prozess mit der
Umwelt
PD Dr. Svenja Möller
Deutungsmusteransatz, interaktionistische,
konstruktivistische Didaktik:

Konzentration auf individuelle Entwicklung


und die Verbesserung individueller
Reflexionsfähigkeit.

Gesellschaftliche Bedingungen werden


berücksichtigt, insofern sie die Lernfähigkeit
des Menschen beeinflussen.

Lernende werden als „Subjekte“ angesehen


und ihre Fähigkeit, über den eigenen
Lernprozess zu bestimmen, wird anerkannt.
Subjektwissenschaftlich
begründete Didaktik

• Subjektive Begründungszusammenhänge, die


auf die Erweiterung individueller Handlungsfähigkeit
zielen, sind Ausgangspunkt didaktischen Handelns
• Das Fehlen subjektiver Lerngründe kann zu
Lernwiderständen und Lernverweigerung führen
• Die Rolle der Lehrenden bewegt sich zwischen
Vermittlung von Wissen und der Unterstützung von
Aneignungsbemühungen der Lernenden

PD Dr. Svenja Möller


Transformatorisch begründete Didaktik

• Zielsetzung: Durch Lernen sollen die Menschen


gesellschaftlich handlungsfähig und kritikfähig
werden
• Die Lehrenden sollen sie auf diesem Weg
unterstützen, ihre eigene Handlung wird mit den
Zielsetzungen des transformatorischen Lernens
begründet
• Die Lehrenden werden als „facilitator“ betrachtet

PD Dr. Svenja Möller


Theoretische Verortung didaktischer Ansätze
in der Erwachsenenbildung/1

bildungs- identitäts- konstrukti- Subjekt- Transformativ


theoretisch- theoretische vistische wissen- e Ansätze
kritische Ansätze Ansätze schaftliche
Ansätze Ansätze

Menschenbil Entwickelte Individuali- Individuali- Handlungs- Gesellschaftlich


d Persönlichkeit sierung sierung fähiges handlungsfähige,
Subjekt entwickelte
Persönlichkeit
Gesell- Demokratie Modernitätskri Kommunika- Demokratie Demokratie
schaftsbild se tionspartner
Theoretischer Bildungs- Symbolischer Konstruk- Kritische Bildungs-theorie/
Bezug theorie/ Interaktionism tivismus Psychologie/ kritische
kritische us kritische Theorie/Theorie
Theorie Theorie des komm.
Handelns
Zielsetzunge Aufklärung/ Biographizität Kreativität subjektiver Aufklärung/Bild
n Bildung Weltauf- ung/Weltaufschl
schluss uss
Theoretische Verortung didaktischer Ansätze
in der Erwachsenenbildung/2

Lernen Weltbegreifen Reflexion Erleben Aneigenen Aneignen,


: Verstehen Weltbegreifen/
der Dialektik gesellschaftliche
von Theorie Handlungs-
und Praxis fähigkeit

Lehren Erschließen Reflexion Anregen/ Partizipation Partizipation/


Ermöglichen Kooperation Kooperation

Inhalte Gesellschaft- Generative Soziokultur Subjektiv Gesellschaftlich


liche Themen begründete begründete
Schlüssel- Schlüsselfragen Schlüsselfragen
fragen und ihr gesell- und ihr
schaftlicher individueller
Bezug Bezug

Didaktische Ansätze (Nach Siebert 2003; Faulstich/Zeuner 32008; Ergänzungen: C.Zeuner)