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Leichtbau

Konstruktiver Glasbau
Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 1/29

Inhaltsverzeichnis
Vorwort ...................................................................................................................... 3
1. Geregelte Bauprodukte ..................................................................................... 4
a) Floatglas: Herstellungsprozess und physikalische Eigenschaften ...................... 4
b) Veredelungsprodukte: Herstellung, physikalische Eigenschaften ....................... 6
ESG – Einscheiben-Sicherheitsglas ............................................................................... 6
ESG-H – heißgelagertes ESG ........................................................................................ 7
VSG – Verbund-Sicherheitsglas ..................................................................................... 7
MIG – Mehrscheiben-Isolierglas ..................................................................................... 8
c) Aluminium ................................................................................................................. 9
2. Nicht geregelte Bauprodukte .......................................................................... 10
TVG – Teilvorgespanntes Glas......................................................................................10
Chemisch vorgespanntes Glas ......................................................................................10
VG - Verbundglas ..........................................................................................................10
3. Normen und Technische Regeln (geregelte Bauarten)................................. 11
a) E DIN 18008-1 ...........................................................................................................11
b) E DIN 18008-2 ...........................................................................................................14
c) TRPV (zukünftig DIN 18008-3) .................................................................................15
d) TRAV (zukünftig DIN E 18008-4) .............................................................................16
e) Grundlagen für die FE-Berechnung, Lastabtragungsmechanismen....................18
4. Nicht geregelte Bauarten................................................................................. 19
a) Betretbare Verglasungen (zukünftig DIN 18008-6) ................................................19
b) Begehbare Verglasungen (zukünftig DIN 18008-5) ................................................19
c) Aussteifende Verglasungen ....................................................................................20
d) Structural Glazing - Geklebte Glaskonstruktionen ................................................20
5. Ausführung ....................................................................................................... 21
a) Kantenbearbeitung ..................................................................................................21
b) Begrifflichkeiten.......................................................................................................21
6. Zustimmungsverfahren ................................................................................... 22
a) ZiE – Zustimmung im Einzelfall ..............................................................................22
b) ABZ – Allgemeine Bauaufsichtliche Zustimmung .................................................23
c) ABP – Allgemeines Bauaufsichtliches Prüfzeugnis ..............................................23

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7. Weitere Anwendungen von Glasbauwerken .................................................. 24


a) Glasbauwerke mit globalem Lastabtrag.................................................................24
b) Übersicht nicht geregelter Bauprodukte und Bauarten im Glasbau ....................24
8. Bauphysik ......................................................................................................... 25
a) Brandschutz .............................................................................................................25
b) Wärmeschutz ...........................................................................................................26
c) Schallschutz .............................................................................................................28

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Vorwort

Das Skript stellt im Wesentlichen eine thematisch sortierte, textliche Zusammenfassung der
in der Vorlesung verwendeten Folien dar. Es wird deshalb vollständig auf Bilder, Skizzen und
Grafen verzichtet, da diese in sehr umfangreicher Weise den vorliegenden Folien der
Vorlesung entnommen werden können.
Der interessierte Leser wird dabei gemäß der Literaturhinweise auf weiterführende Literatur
verwiesen.

Hamburg, den 01. November 2010

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1. Geregelte Bauprodukte

a) Floatglas: Herstellungsprozess und physikalische Eigenschaften


Das im Bauwesen verwendete Glas ist ein Schmelzprodukt aus
Sand, Soda und Kalk.
(Silizium, Natriumoxid, Calciumoxid)
Glas ist amorph. (gestaltlos, im Gegensatz zu kristallin)
Glas wird auch als eingefrorene, unterkühlte Flüssigkeit bezeichnet,
da die chemische Anordnung der eines flüssigen Stoffes entspricht.
Aufgrund der großen Viskosität haben die Moleküle beim Gefrieren "keine Zeit
gehabt" sich einem Feststoff gleich anzuordnen. Das Verhalten entspricht jedoch
dem eines Feststoffes.
Glas besitzt keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern einen
Transformationsbereich (500 – 550 °C). Oberhalb dieses Bereiches wird Gla s als
Flüssigkeit, darunter als Feststoff bezeichnet, innerhalb des Bereiches verhält es
sich zähflüssig mit hoher Viskosität.
Ältestes Glasrezept:
600 v. Chr. Tontafelbibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal
60 Teile Sand
180 Teile Asche aus Meerespflanzen
5 Teile Kreide
Zusammensetzung gemäß DIN 1249-10 "Flachglas im Bauwesen"
vom 08/1990
• 70 – 74 % SiO2 Siliziumdioxid (Kieselsäure)
• 5 – 12 % CaO Calciumoxid
• 12 – 16 % Na2O Natriumoxid
• 0–5% MgO Magnesiumoxid
• 0,2 – 2 % Al2O3 Aluminiumoxid
Zusammensetzung gemäß DIN EN 572-1 "Basiserzeugnisse aus Kalk-Natronglas
vom 01/1995
• 69 – 74 % SiO2
• 5 – 12 % CaO
• 12 – 16 % Na2O
• 0–6% MgO
• 0–3% Al2O3
Glasarten entsprechend der unterschiedlichen Herstellverfahren:
• Gussglas – nicht durchsichtiges, im Walzverfahren hergestelltes Flachglas
• Fensterglas – gezogenes Flachglas
• Profilbauglas – üblicherweise U-förmiges aus Steg und Flanschen
bestehendes geformtes Glas
• Floatglas – im Floatverfahren hergestelltes Spiegelglas
bei praktisch allen im Bauwesen verarbeiteten Gläsern handelt es sich um
Floatglas

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Bandmaß: 3,21 m x 6,0 m (bis 12 m Breite als Sondergröße möglich)


Floatverfahren:
• Schmelzen der Rohstoffe bei etwa 1560 °C
• Läutern, wobei durch Einblasen von Gasen unerwünschte Fremdstoffe in der
erschmolzenen Masse entfernt werden
• Bei 1100 °C aufgeben auf ein Zinnbad. Das Glas wir d in einem
kontinuierlichen Vorgang auf das Zinn aufgegeben und abgezogen
• Beim Abziehen vom Zinnbad besitzt das Glas eine Temperatur von ~ 600 °C
Das spezifische Gewicht von Glas beträgt nur 1/3 dessen von Zinn
Der Schmelzpunkt von Zinn liegt bei 238 °C
Die Dicke des Glases wird durch Walzen und die Geschwindigkeit, mit der das Glas
abgezogen wird, eingestellt
Im ungestörten Zustand würde sich eine Glasdicke von 7 mm einstellen
Es diffundieren einige Zinnatome in das Glas, so dass bei Gläsern die Zinnbadseite
und die Gas- bzw. Luftseite unterschieden werden
Typische Glasdicken: 3 – 4 – 5 – 6 – 8 – 10 – 12 – 15 – 19 mm
Eigenschaften
• Gewicht: 25 kN/m3 ~ 1/3 Stahl
• E-Modul: 70 000 N/mm2 ~ 1/3 Stahl
• Querdehnzahl: 0,23
• Temperaturdehnzahl: 9 ⋅ 10-6 K-1 ~ ¾ Stahl
• Druckfestigkeit: 700 N/mm 2

• Zugfestigkeit: 45 N/mm2 (charakteristische Festigkeit)


• Glas ist extrem spröde, bis zum Bruch ideal elastisch, besitzt also keinen
plastischen Bereich
Die Zugfestigkeit ist beim Glas im Besonderen eine statistische Größe, die von
folgenden Parametern wesentlich abhängt:
• Oberflächenbeschaffenheit (Tiefe und Häufigkeit von Mikrorissen)
• Scheibengröße (die Wahrscheinlichkeit von tieferen Rissen steigt mit
zunehmender Scheibengröße)
• Belastungsdauer (Das Risswachstum wird in den unbelasteten Zeiten
unterbrochen)
• Spannungsverteilung (es kommt nur dann zum Bruch wenn an einer Stelle
des Glases die Beanspruchung größer als die Beanspruchbarkeit ist)
• Luftfeuchte (hängt mit der Rissausheilung zusammen)
Im unbelasteten Zustand kann es zur Rissheilung kommen. In Anwesenheit von
Feuchtigkeit bilden sich neue chemische Verbindungen, die zu einer Ausrundung
des Rissgrundes führen.
Theoretische Zugfestigkeit SiO4-Tetraeder: 10 000 N/mm2
Theoretische Zugefestigkeit von Flachglas: 7 000 N/mm2
5%-Fraktile bei Prüfung nach DIN 52 300: 45 N/mm2

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Bestimmung der Biegezugfestigkeit gemäß DIN 52 300 – Teil 3 im Vierschneiden-


Verfahren bei dem über 200 mm ein konstantes Moment aufgebracht wird
oder im Doppelring-Biegeversuch gemäß DIN 52 300 – Teil 2
Neben dem üblichen Kalk-Natron-Silicatglas ist das nächsthäufigst verwendete Glas
das BoroSilicatglas. Es unterscheidet sich in erster Linie in dem nur halb so
großen Temperaturausdehnungskoeffizienten. Bei dem Glas handelt es sich um ein
Bauprodukt, dass es in den meisten Fällen nicht geregelt ist. Im Bauwesen wird
dieses Glas meistens dann eingesetzt wenn das Glas hohe brandschutztechnische
Anforderungen erfüllen muss.

b) Veredelungsprodukte: Herstellung, physikalische Eigenschaften


ESG – Einscheiben-Sicherheitsglas
Das Floatglas wird auf eine Temperatur von etwa 600 °C aufgeheizt und dann
beidseitig durch kalte Luft abgeblasen, wozu das Floatglas auf Rollen aufliegt.
Durch die Abkühlgeschwindigkeit ist die Oberfläche bereits erstarrt, während das
Glasinnere noch flüssig ist. Wenn sich dieses flüssige Innere nun infolge der
weiteren Abkühlung zusammenziehen will, wird dies durch die bereits erstarrte Hülle
daran behindert. Infolge dieser gegenseitigen Behinderung wird die Hülle mit
verkürzt (zusammengedrückt) während das Innere gegenüber einer ungestörten
Abkühlung gedehnt ist.
Diese eingeprägten Vorspannungen verteilen sich parabolisch über die Glasdicke.
Die Dicke der eingeprägten Druckspannung an der Oberfläche beträgt etwa 20 %
der Glasdicke.
Die eingeprägte Vorspannung beträgt an der Oberfläche etwa 100 N/mm2. Dadurch
sind die Mikrorisse überdrückt. Sofern die Einwirkungen nicht größere Spannungen
als die eingeprägten Vorspannungen erzeugen, kommt es somit nicht zum
Risswachstum. Die eingeprägten Zugspannungen im Inneren betragen etwa
35 N/mm2. Die charakteristische Biegezugfestigkeit beträgt 120 N/mm2.
ESG zerspringt bei Schädigung in kleine (~ 1 cm2), stumpfkantige Krümel. Im
Kantenbereich ist die Vorspannung geringer, so dass ESG gegenüber
Kantenverletzungen empfindlich ist. Wenn an einer Stelle einer beliebig großen
Scheibe eine Schädigung hervorgerufen wird, zerspringt immer die gesamte
Scheibe, da das Kräftegleichgewicht der eingeprägten Spannungen gestört ist.
Zuschneiden, Bohren und Kantenbearbeitungen müssen somit vor dem thermischen
Vorspannprozess stattfinden.
ESG besitzt aufgrund des kleinkrümligen Bruchbildes nur eine geringe
Resttragfähigkeit.
ESG kann bis zu einer Dicke von 19 mm gefertigt werden.
Thermisch vorgespannte Verglasungen sind auf Kantenverletzungen hin zu
überprüfen. Scheiben mit Kantenverletzungen, die tiefer als 15 % der Scheibendicke
in das Glasvolumen hineinreichen, dürfen nicht eingebaut werden.

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ESG-H – heißgelagertes ESG


Im Glas kommen NiS- (Nickelsulfid-) einschlüsse vor, die bei ESG (und nur bei
diesem Glastyp, auch nicht beim TVG) zum Spontanbruch führen können.
Der Heißlagerungstest, auch Heat Soak Test (HST) genannt, nimmt diesen
Spontanbruch vorweg, so dass bei richtig durchgeführtem HST zuverlässig über
99 % der Scheiben mit NiS-Einschlüssen aussortiert werden können.
Ein solches Glas wird als ESG-H bezeichnet und ist als eigenes Bauprodukt
eingeführt.
Das NiS besitzt einen um 50 % größeren Wärmeausdehnungskoeffizienten als Glas
(14⋅10-6 gegenüber 9⋅10-6). Dies bewirkt zunächst, dass sich bei dem Abkühlvorgang
nach dem thermischen Vorspannen (geschieht bei 600 °C) ein Hohlraum um das
NiS bildet. Bei der thermischen Vorspannung erfolgt das Abkühlen so schnell, dass
das NiS zunächst als α-NiS (stabil bei > 380 °C) verbleibt und sich erst im Laufe der
Zeit (üblicherweise 1 bis 2 Jahre) durch einen allotropen Umwandlungsprozess, der
mit einer 4 %igen Volumenvergrößerung einhergeht, in das β-NiS umwandelt.
Die Volumenvergrößerung führt dazu, dass zunächst der entstandene Hohlraum
ausgefüllt wird, weshalb die ersten Spontanbrüche erst nach einer gewissen Zeit
eintreten. Erst die Volumenvergrößerung noch darüber hinaus führt dazu, dass das
NiS Druck ausübt. Sofern sich der Einschluss in der Zugzone des ESG befindet
führt dieser Druck zum Spontanbruch.
Die Geschwindigkeit der Umwandlung ist u.a. von der chemischen Zusammen-
setzung der NiS-Einschlüsse sowie von der effektiven Umgebungstemperatur
abhängig. Die Bruch-Zeit-Kurve ist neben der Geschwindigkeit der Umwandlung
zudem von der Größe des Einschlusses, vom Ort des Einschlusses und von den
tatsächlichen Zugspannungen im Glas abhängig.
Herstellung von heißgelagertem Einscheiben-Sicherheitsglas nach Bauregelliste A
Teil 1 Anlage 11.4 von 2002/1:
Glastemperatur muss mindestens 4 Stunden zwischen 290 und 300 °C betragen
Dies wird durch eine Erstprüfung des Ofens,
eine kontinuierliche Eigenüberwachung
sowie jährliche Fremdüberwachungen gewährleistet.

VSG – Verbund-Sicherheitsglas
Verbundglas, bei dem im Fall eines Bruchs die Zwischenschicht dazu dient,
Glasbruchstücke zurückzuhalten, die Öffnungsgröße zu begrenzen, eine
Restfestigkeit zu bieten und das Risiko von Schnitt- Stichverletzungen zu verringern.
Verbundsicherheitsgläser sind geregelt nach DIN EN ISO 12543.
In der Bauregelliste eingeführt sind nur Verbundsicherheitsgläser, deren Glastafeln
mittels einer PVB-Folie (Polyvinylbutyral-Folie) untereinander verbunden sind.
Die Folie dient im Falle eines Glasbruchs dazu:
• Bruchstücke an der Folie haften zu lassen,
• die Öffnungsgröße zu begrenzen,
• eine Restfestigkeit zu bieten,

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• und das Risiko von Schnittverletzungen zu verringern.


Eine einfache PVB-Folie ist 0,38 mm dick. Für absturzsichernde Verglasungen sind
zweifache (0,76 mm), für Überkopfverglasungen vierfache (1,52 mm) Folien üblich.
Zur VSG-Herstellung erfolgt zunächst ein Vorverbund mittels Walzendruck unter 35
bis 70 °C. Der eigentliche Verbund dauert etwa 3-7 Stunden und geschieht im
Autoklaven bei 140 °C und 14 bar Druck.
Die Folie muss nach Prüfung nach DIN EN ISO 527-3 mit einer Geschwindigkeit von
50 mm/min und einer Prüftemperatur von 23°C folgend e Eigenschaften aufweisen:
• Reißfestigkeit: > 20 N/mm²
• Bruchdehnung: > 250 %
Die Verbundwirkung nimmt mit zunehmender Temperatur und mit zunehmender
Belastungsdauer ab.
Verwendete Zwischenschichten:
Gießharz: es besteht keine Verbundwirkung, wird insbesondere für Schallschutz,
oder bei gebogenen Verglasungen verwendet.
PVB (Polyvinylbutyral): Reißfestigkeit > 20 N/mm2, Bruchdehnung > 250 %
Ein VG mit PVB wird VSG genannt
Der Schubmodul sinkt oberhalb von etwa 10 °C, so da ss dort die anzunehmende
Verbundwirkung sehr stark abfällt.
Schallschutzfolien (SI-Folien): dabei handelt es sich um nur leicht veränderte PVB-
Folien mit verbesserten Schallschutzeigenschaften
EVA – Ethylen-Vinylacetat : Die Schubsteifigkeit bleibt auch bei höheren
Temperaturen noch erhalten. Diese Folie wird insbesondere bei Solarmodulen
verwendet.
SGP – SentryGlasPlus: Bei dieser Folie handelt es sich eher um eine Platte. Der
Schubmodul ist etwa 100 mal so hoch wie bei einer PVB-Folie. Die
Temperaturbeständigkeit und Resttragfähigkeit dieser Folie ist wesentlich höher.
Die Folie wird dort verwendet, wo die Verbundwirkung statisch mit zum Ansatz
gebracht werden soll.
Bei der Verarbeitung muss auf eine hohe Planität der Glastafeln geachtet werden,
da die Verbundplatten nicht so flexibel wie andere Zwischenschichten sind.
MIG – Mehrscheiben-Isolierglas
gemäß DIN 1286 wird luft- und gasgefülltes MIG unterschieden.
Es wird hergestellt indem zwei Scheiben an einen Randverbund geklebt werden.
Man unterscheidet Randverbünde aus üblichen Alu-Abstandshaltern und TPS
(Thermo Plastic Spacer).
Alu-Abstandshalter sind mit einem Trocknungsmittel versehen, das eindringende
Feuchtigkeit bis zu einer gewissen Menge aufnehmen kann.
Nachteile sind die gute Wärmeleitfähigkeit von Aluminium sowie die nur geringen
aufnehmbaren Verformungen der aufgeklebten Scheiben.

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TPS werden auf eine der zu verbindenden Scheiben aufgespritzt. Vorteile sind die
guten Dämmeigenschaften und das gutmütige Verhalten bei starken
Durchbiegungen der aufgeklebten Scheiben sowie insbesondere die Einfachheit
durch das Aufspritzen bei ungewöhnlichen Formen. TPS-Abstandshalter werden
sehr oft auch als „warme Kante“ bezeichnet.
Das im Scheibenzwischenraum (SZR) beim MIG eingeschlossene Gasvolumen
muss dicht abgeschlossen sein, um u.a. ein Eindringen von Feuchtigkeit zu
verhindern, was die Wärmedämmeigenschaften extrem reduzieren würde.
Durch das eingeschlossene Gasvolumen sind beide Scheiben am Lastabtrag von
äußeren Einwirkungen beteiligt und es entstehen dadurch innere Einwirkungen
(Klimalasten).
Das Produkt aus Volumen und Druck stellt bei gleichbleibender Temperatur eine
Konstante dar.
Die Klimawechselprüfung nach DIN 52344 kontrolliert u.a. die Gasdichtigkeit.
Durch Temperatur- und Druckunterschiede zwischen Herstellung und Einbauort
entstehen Belastungen im Isolierglas. Bei Einbau von Isoliergläsern in hoher
Höhenlage werden deshalb entweder Ausgleichventile im Randverbund eingesetzt,
die vor-Ort geschlossen werden oder es wird der zu erwartende Druck im SZR im
Werk eingebracht, sodass das Isolierglas vor-Ort entlastet ist.

c) Aluminium
Aluminium wird aus Bauxit über die Elektrolyse gewonnen. Reines Alumium (Rein-
bzw. Reinstaluminium) mit einem Aluminiumgehalt von über 99% wird im Bauwesen
aufgrund der geringen Festigkeit nicht verwendet. Höhere Festigkeiten, höhere
Duktilitäten, bessere Schweißbarkeit und besseren Korrosionswiderstand erreicht
man durch zusätzliche Legierungselemente. Im Bauwesen werden daher Aluminium-
Legierungen eingesetzt.
Mechanische Eigenschaften von Aluminium:
Elastizitätsmodul E = 70000 N/mm²
Schubmodul G = 27000 N/mm²
Querdehnzahl µ = 0,3
Linearer Temperaturausdehnungskoeffizient αth = 23 * 10-6 1/°C
Dichte ρ = 2700 kg/m³
Das Werkstoff-Gesetz von Aluminium-Legierungen unterscheidet grundsätzlich von
dem von Stahl. Je nach Aushärtungsgrad besitzt es einen längeren oder kürzeren
anfänglichen quasi linearen Verlauf. Die Steigung dieses Verlaufes entspricht dem
Elastizitätsmodul von E = 70000 N/mm². Nachdem quasi linearen Verlauf folgt ein
nichtlinearer Bereich.
Ein Fließplateau wie beim Stahl bildet sich nicht aus, sondern ein stetig ansteigender
Verlauf bei der die Steigung mit der Größe der Dehnung abnimmt und schlussendlich
zum Versagen führt.
Wie bei Stahl hat man bei Aluminium-Legierungen eine 0,2%-Grenze eingeführt.

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2. Nicht geregelte Bauprodukte


TVG – Teilvorgespanntes Glas
In der DIN EN 1863 ist die Prüfung der Bruchstruktur beschrieben, durch sie wird
sichergestellt, dass die Vorspannung nicht zu groß ist:
Bruchstücke, auf die eine CD passt, gelten als unkritisch.
Der Test erfolgt an einer Testscheibe mit den Maßen 360 x 1100 mm2.
Bruchstücke kritischer Größe < 1/5 der Gesamtfläche
Bestimmung der charakteristischen Festigkeit gemäß der Vierpunktbiegeversuche
Die DIN ist in Deutschland nicht eingeführt. TVG ist somit kein geregeltes Baupro-
dukt. In den Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen (AbZ) werden zusätzliche
Anforderungen dadurch gestellt, dass die Bruchstruktur an Testscheiben der
tatsächlichen Bauteilgröße zu bestimmen sind.
Der Herstellprozess entspricht dem des ESG, wobei die Abkühlgeschwindigkeit
verlangsamt ist.
Charakteristische Biegezugfestigkeit: 70 N/mm2
Die eingeprägte Vorspannung beträgt zwischen 35 und 50 N/mm2. Diese kann
spannungsoptisch, zerstörungsfrei gemessen werden. Eine Messung ist dabei
jedoch nur auf der Zinnbadseite möglich.
Das TVG weist im Gegensatz zum ESG ein gutes Resttragverhalten auf und wird
somit insbesondere für Überkopfverglasungen verwendet.
Bei der Rissbildung von TVG zeigt sich häufig ein deltaförmiges Auffächern etwa
10 cm vor dem Rand und insbesondere ein Abknicken der Risse unmittelbar vor
Erreichen der Glaskante, so dass es zum Abplatzen von Kanten kommt.
Thermisch vorgespannte Verglasungen sind auf Kantenverletzungen zu prüfen.
Scheiben mit Kantenverletzungen, die tiefer als 15 % der Scheibendicke in das
Glasvolumen eingreifen, dürfen nicht eingebaut werden.
TVG kann im Allgemeinen nur bis zu einer Dicke von 12 mm gefertigt werden.

Chemisch vorgespanntes Glas


Das Glas wird dazu in eine Lauge gegeben, in der die vorhandenen Na-Ionen durch
größere Ka-Ionen ersetzt werden. Dies führt in der unmittelbaren Oberfläche zu
eingeprägten Vorspannungen von etwa 150 N/mm2.
Das Glas spielt im Bauwesen keine wesentliche Rolle.

VG - Verbundglas
Ein Aufbau bestehend aus mehreren Glastafeln, die durch eine oder mehrere
Zwischenschichten miteinander verbunden werden.

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3. Normen und Technische Regeln (geregelte Bauarten)

a) E DIN 18008-1
Begriffe und allgemeine Grundlagen
Diese Norm regelt Begriffe, das Sicherheitskonzept, Einwirkungen und die
erforderlichen Nachweise.
Materialkenngrößen
Üblicherweise wird Kalk-Natronsilicatglas eingesetzt. Borosilicatglas wird
vorwiegend eingesetzt wenn spezielle brandschutztechnische Anforderungen ans
Glas bestehen.

Glasart E-Modul Querdehnzahl Temperaturausdehnungskoeffizient


EG νG αT
N/mm² 10-6/°K
Kalk- 70 000 0,23 9,0
Natronsilicatglas
Borosilicatglas 60 000 0,20 6,0
Einwirkungen
Zusätzlich zu den Einwirkungen der DIN 1055 sind bei Isoliergläsern noch
Druckdifferenzen zwischen dem Scheibenzwischenraum und der umgebenden
Atmosphäre zu berücksichtigen. Folgende Einwirkungskombinationen sind zu
berücksichtigen.

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Innendruck im Scheibenzwischenraum (SZR)


kN kN
p 0 = 0, 012 ⋅ ∆H m − ∆p met + 0,34 ⋅ ( ∆T + ∆Tadd )
m 2
K ⋅ m2
Schubverbund
Bei der Spannungs- und Verformungsermittlung von VG bzw. VSG darf ein günstig
wirkender Schubverbund nicht angenommen werden. Wirkt sich der Schubverbund
ungünstig aus, ist er voll anzusetzen. Dies ist dadurch begründet, dass eine
Zwischenfolie aufgrund verschiedener Einflüsse (wie z.B. dauerhaft Belastung oder
Temperatur) ihre Schubsteifigkeit fast vollständig verliert.
Gleiches gilt für den Randverbund.

Widerstandswerte für den Nachweis der Tragsicherheit für linienförmig gelagerte


Verglasungen

Glaserzeugniss charakteristische (Widerstands-)Bemessungswerte


Zugfestigkeit Einwirkungsdauer
alle Angaben in N/mm² kurz mittel ständig
Gussglas 25 17,5 10,0 6,3
Drahtglas 25 17,5 10,0 6,3
Float 45 31,5 18,0 11,3
TVG 70 46,7 46,7 46,7
Emailliertes ESG-Glas 70 46,7 46,7 46,7
ESG 120 80,0 80,0 80,0

VSG aus
Gussglas 25 19,3 11,0 6,9
Drahtglas 25 19,3 11,0 6,9
Float 45 34,7 19,8 12,4
TVG 70 51,3 51,3 51,3
Emailliertes ESG-Glas 70 51,3 51,3 51,3
ESG 120 88,0 88,0 88,0

Bei planmäßig unter Zugbeanspruchung stehenden Kanten (z.B. zweiseitig


linienförmiger Lagerung) von Scheiben ohne thermische Vorspannung dürfen
unabhängig von deren Kantenbearbeitung nur 90 % der charakteristischen
Biegezugfestigkeit angesetzt werden.

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Die Unterkonstruktion muss hinreichend steif sein, so dass die Durchbiegung


< L/200 ist.
Es ist auf eine zwängungsfreie Montage zu achten (Montageungenauigkeiten und
Temperaturausdehnung einplanen)
Vermeidung des direkten Kontaktes von Glas mit Baustoffen, deren
Oberflächenhärte gleich oder größer der von Glas ist (Mohssche Ritzhärte 6),
Talg: 1, Diamant: 10, Weichaluminium ist für konische Punkthalter verbreitet.
Ein Glas-Glas sowie ein Glas-Metall-Kontakt ist zu vermeiden.
Die Lagerung von Verglasungen erfolgt durch Glasklötze stets statisch bestimmt.
Auch 300 kg schwere Verglasungen werden nur links und rechts auf je einen
Kunststoff- oder Holzklotz aufgesetzt.
Bei Ganzglaskonstruktionen sollten statisch bestimmte Systeme verwendet werden,
damit man die Kräfte an jeder Stelle seines Glases kennt. Bsp.: Bei der Ausführung
eines Anschlusses einer Verglasung mit 6 Punkthaltern bildet einer ein Festlager,
einer ein Horizontallager und alle anderen vier in Scheibenebene Loslager. Die
Montageungenauigkeit eines solchen Punkthalters normal zur Scheibenebene kann
zu maßgebenden Spannungen und zum Bruch führen.
Vermeidung von Zwangsbeanspruchungen durch unplanmäßige Belastungen
⇒ statisch bestimmte Systeme

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b) E DIN 18008-2
Linienförmig gelagerte Verglasungen
Zurzeit geregelt in den Technischen Regeln für linienförmig gelagerte Verglasungen
(TRLV). Verglasungen, die mehr als 10° von der Vertikale n abweichen werden als
Horizontalverglasungen bezeichnet.
Anwendungsbedingungen für Horizontalverglasungen:
• Bei einer Stützweite > 1,2 m ist eine allseitig linienförmige Lagerung
erforderlich
• Die Scheiben müssen eben (nicht gebogen) sein und dürfen nur ausfachend
eingesetzt werden
• Die Lagerung hinsichtlich Windsoglasten muss ebenfalls linienförmig sein.
• Die Scheiben dürfen außer im Bereich der Linienlagerung keine Bohrungen
oder Ausschnitte aufweisen
Zulässige Scheibenaufbauten:
• Einfachverglasungen aus VSG aus Float, VSG aus TVG
• MIG mit unterer Scheibe aus VSG aus Float, VSG aus TVG
Es sind folgende Einwirkungen zu berücksichtigen:
• gemäß DIN 1055 (Wind-, Schnee- und ggf. Verkehrslasten)
• Klimalasten durch Druckdifferenzen im eingeschlossenen SZR von MIG
• Bemessung der unteren Scheibe von MIG für den Ausfall der oberen
Scheiben
Monolithische Verglasungen oberhalb einer Einbauhöhe von 4 m müssen wenn Sie
grob brechend sind (z.B. Floatglas, TVG) vierseitig linienförmig gelagert werden,
wenn Sie hingegen Einscheiben-Sicherheitsglas sind heißgelagert sein (ESG-H).
Annahmen bei der Berechnung:
• Die linienförmige Lagerung von Verglasungen wird üblicherweise als
unverschieblich und gelenkig angesehen.
• Ein günstig wirkender Schubverbund von VSG-Scheiben darf nicht angesetzt
werden.
Im Glasbau ist neben dem Nachweis der zulässigen Spannungen meist auch ein
Durchbiegungsnachweis erforderlich. Für linienförmig gelagerte Verglasungen ist
die Durchbiegungsbeschränkung auf 1/100 der Stützweite begrenzt.
Auf die Begrenzung der Durchbiegung kann verzichtet werden, sofern
nachgewiesen wird, dass unter Last noch ein Mindestglaseinstand von 5 mm
verbleibt und die Anforderungen an die Durchbiegungen der Isolierglashersteller
nicht überschritten wird.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 15/29

Nachweiserleichterungen für allseitig linienförmig gelagerte Vertikalverglasungen


aus Isolierglas
• Fläche ≤ 1,6 m2
• Glaserzeugnis Floatglas, TVG, ESG/ESG-H, VSG
• Einbauhöhe ≤ 20 m über Gelände
• Scheibendicke ≥ 4 mm
• Differenz der Scheibendicken ≤ 4 mm
• Scheibenzwischenraum ≤ 16 mm
• Charakt. Wert der Windlast ≤ 0,8 kN/m²

c) TRPV (zukünftig DIN 18008-3)


Technische Regeln für die Bemessung und die Ausführung punktförmig gelagerter
Verglasungen (TRPV)
Halter, die den Randbereich einer Verglasung U-förmig umschließen werden als
Randklemmhalter bezeichnet. Halter mit zwei Tellern, die über einen Bolzen, der
durch eine durchgehend zylindrische Glasbohrung geführt wird, miteinander
verbunden sind, werden als Tellerhalter bezeichnet.
Tellerhalter mit Kugel- und Elastomergelenken werden im Allgemeinen durch eine
AbZ oder europäische Zulassungen geregelt.
Lochbohrungen sind nur in thermisch vorgespannten Glastypen zulässig.
Durchbiegungen müssen kleiner als 1/100 der Stützweite sein.
Es dürfen Linienlagerung und Punkthalterungen kombiniert werden. Es müssen
Punkthalter- und Randabstände eingehalten werden (siehe TRPV).
Im unbeschädigten Zustand wird die Beanspruchbarkeit der Verglasungen durch die
Lochbohrungen erheblich reduziert, da sich die maximalen Spannungen am
Lochbohrungsrand befinden, an dem die eingeprägten Vorspannungen jedoch ein
Minimum annehmen.
Im beschädigten Zustand können die Bolzen oder Stifte die VSG-Scheibe über die
Verbundfolie mechanisch halten und somit die Resttragfähigkeit wesentlich
verbessern.
Klemmhalter bestehen nur aus Klemmflächen, durchbohren die Scheiben also nicht.
Es ist eine Mindestklemmfläche von 1000 mm2 einzuhalten.
Statischer Nachweis:
• Lasten gemäß DIN 1055
• Dazu ist immer eine FE-Berechnung erforderlich, die meist durch Vorgaben
einer AbZ oder TRPV verifiziert werden muss
Die Resttragfähigkeit ist ohne Versuche und AbZ nachgewiesen wenn die
Bedingungen der Tabelle 1 der TRPV erfüllt sind.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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d) TRAV (zukünftig DIN E 18008-4)


Technische Regeln für absturzsichernde Verglasungen (TRAV)
Aufnahme der üblichen Einwirkungen ohne Rissbildung (statischer Nachweis ist
also auch bei absturzsichernden Verglasungen immer erforderlich)
und drei weitere glasspezifische Nachweise:
• Sicherheit gegenüber der Verletzung einer anprallenden Person
(beispielsweise infolge eines Sturzes)
• Absturzsicherheit der Person (Rissbildung zulässig)
• Sicherheit Dritter gegenüber herabfallenden Bruchstücken.
Nachweis der Tragfähigkeit unter stoßartigen Bedingungen:
• durch experimentellen Nachweis (Bauteilversuch: Pendelschlagversuch mit
50 kg Zwillingsreifen mit 4 bar Luftdruck.
• durch vorliegende Ergebnisse von Bauteilversuchen anderer BV (Gutachten
auf Vergleichsbasis)
• durch Tab. 2 der TRAV
• mittels Spannungstabellen, Anhang C der TRAV
Für Verglasungen, die nicht in den Geltungsbereich der TRAV fallen ist weiterhin
eine ZiE (Zustimmung im Einzelfall) oder ein ABP (Allgemeines, bauaufsichtliches
Prüfzeugnis) erforderlich.
Glaseinstand bei allseitiger Lagerung: 12 mm
Glaseinstand bei zweiseitig linienförmiger Lagerung: 18 mm
Kategorie A:
Raumhohe Festverglasungen, die Holmlasten aufnehmen müssen
Zulässige Scheibenaufbauten:
• Einfachverglasungen aus VSG,
• MIG mit der Angriffsseite aus VSG
• MIG mit der Angriffsseite aus ESG und der Absturzseite aus VSG
Fallhöhe: 900 mm
lichte Öffnung < 300 mm ⇒ Nachweis der Stoßsicherheit kann entfallen
Kategorie C:
Verglasungen, die keine Holmlasten aufnehmen
• C1: Geländerausfachungen, die an mindestens zwei gegenüberliegenden
Seiten punkt- / linienförmig gelagert werden.
• C2: Unterlichte im Sinne der TRLV
• C3: Kategorie A mit vorgesetztem Holm

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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Zulässige Scheibenaufbauten:
• Einfachverglasungen aus VSG
• Einfachverglasungen aus ESG-H bei allseitiger linienförmiger Lagerung für
C1 und C2
• MIG für C3 gemäß Kategorie A
• MIG mit der Angriffsseite aus ESG oder VSG für C1 + C2
Fallhöhe: 450 mm
lichte Öffnung: < 500 mm ⇒ Nachweis kann entfallen
Kategorie B:
Eingespannte Glasbrüstungen mit durchgehendem Handlauf
Abtragung der Holmlasten über den Handlauf – auch bei Ausfall eines
Brüstungselementes
Zulässige Scheibenaufbauten:
• VSG
Fallhöhe: 700 mm
lichte Öffnung < 500 mm ⇒ Nachweis kann entfallen
Beim statischen Nachweis muss im Falle, dass die Kanten geschützt sind, der
Ausfall einer Glastafel des VSG berücksichtigt werden. Sofern die Kanten
ungeschützt sind, ist der Totalausfall einer VSG-Scheibe statisch zu
berücksichtigen. Die zulässigen Spannungen dürfen in beiden Fällen um 50 %
erhöht werden.
Bei trapezförmigen Scheiben ergibt sich die maximale Spannung stets in der
stumpfen Ecke.
Vergleichbare Konstruktionen:
mit angelenktem Handlauf (Handlauf wird mittels Punkthalter angeschlossen,
verbindet jedoch ebenfalls alle Verglasungen miteinander)
mit zwei Punkthalterreihen unten, die eine der Einspannung ähnliche Lagerung
darstellen.
Unterkonstruktion – gilt für alle Kategorien:
Schraubenabstand zur Befestigung der Glashalteleisten:
< 300 mm, Auszugskraft > 3 kN
bzw. nachzuweisen 10 kN/m

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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e) Grundlagen für die FE-Berechnung, Lastabtragungsmechanismen


Alle beanspruchungserhöhenden Einflüsse sind exakt abzubilden:
• Glasbohrungen
• Ausschnitte
• Einspannungen
• Exzentrizitäten
• Deformationen der Stützkonstruktion
• Toleranzen
• E-Module und Dicke der elastischen Zwischenlagen
Es sind im Lagerungsbereich (Punkthalter, untere Einspannung) möglichst
Volumenelemente und Kontaktelemente zu verwenden. Für die Scheiben selbst
reichen in der Regel Schalenelemente aus.
Die Lastabtragung muss der tatsächlichen Ausführung entsprechen, darauf
hinwirken, dass auch die Ausführung keinen Spielraum für unterschiedliche
Lastabtragungen lässt.
Elastische Zwischenlagen:
• EPDM 400 N/mm2 (auf der sicheren Seite, hohe Steifigkeit)
• POM 3000 N/mm2 (auf der sicheren Seite, hohe Steifigkeit)
• Silikon 10 N/mm2
• Vergussmörtel Epple 31
• Hilti HIT-HY 4000 N/mm2

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 19/29

4. Nicht geregelte Bauarten

a) Betretbare Verglasungen (zukünftig DIN 18008-6)


Statischer Nachweis:
• Aufnahme der üblichen Einwirkungen ohne Rissbildung
• Einzellast von 1,5 kN je Person an ungünstigster Stelle,
Aufstandsfläche 10 x 10 cm2
• Schnee- und Windlasten brauchen in den meisten Fällen nicht mit den
Verkehrslasten überlagert zu werden
Weitere spezifische Nachweise:
• Durchsturzsicherheit der stürzenden Person
• Sicherheit der stürzenden Person gegenüber Verletzung
• Sicherheit gegenüber herabfallender Bruchstücke (Gefährdung Dritter)
Zulässige Scheibenaufbauten:
• Obere Glasscheibe: VSG oder ESG (wegen der Verletzungsgefahr)
• Untere Glasscheibe: VSG (wegen der Resttragfähigkeit)

b) Begehbare Verglasungen (zukünftig DIN 18008-5)


Statischer Nachweis:
• Beim statischen Nachweis kann die oberste Glastafel angesetzt werden, der
Nachweis ist aber bei einem Ausfall der obersten Glastafel zu erbringen. In
diesem Fall können die zulässigen Spannungen um den Faktor 1,5 erhöht
werden
• Übliche Nutzung durch planmäßigen Personenverkehr
• Es ist die Einzellast auf eine Aufstandsfläche von 50 mm x 50 mm an
ungünstigster Stelle aufzubringen
• Es darf keine Verbundwirkung angesetzt werden
• Die Durchbiegungen sind auf 1/200 der Stützweite zu begrenzen
Keine brandschutztechnischen Anforderungen

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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Bauteilversuche zum Nachweis der verschiedenartigen Überkopfverglasungen

nicht betretbar betretbar begehbar


Organisation, Landesgewerbeamt Berufsgenossen- DIBt-Mitteilung
Merkblatt Baden-Württemberg schaft 2/2009
(LGA-BW) GS-Bau 18
Fallkörper 4 kg-Stahlkugel 50 kg- 40 kg-
Glaskugelsack Stahltorpedo
Fallhöhe 3m 1,2 m 0,8 m
Standzeit 24 Stunden 15 min. 30 min.
Flächenlast 2/3 Regelschneelast 1 kN auf ½ Verkehrslast
10 x 10 cm2 1kN-Punktlasten
+ Stahlkörper
Scheibenauf- VSG VSG VSG aus min. 3
bauten ESG – VSG Glastafeln
von oben VSG - VSG oberste ESG
nach unten oder TVG
Das Tragverhalten im geschädigten Zustand ist bis heute nur experimentell
beherrschbar. Es gibt keine abgesicherten Berechnungsansätze.

c) Aussteifende Verglasungen
Es sind umfangreiche Versuche und Berechnungen erforderlich. Ein eigens für ein
konkretes Bauvorhaben benötigtes Sicherheitskonzept ist dazu zu erstellen und mit
der Obersten Bauaufsichtsbehörde vor den Versuchen abzustimmen.

d) Structural Glazing - Geklebte Glaskonstruktionen


In den USA ist diese Art seit etwa 40 Jahren verbreitet.
Die Verklebung ist entweder werksseitig aufzubringen, oder es sind auf der
Baustelle vergleichbare Werkstattbedingungen zu schaffen.
Bei allen nachfolgend aufgeführten Typen nach ETAG Nr. 002 wird die
Windbeanspruchung durch die Klebewirkung abgetragen.
• Typ I: Eigengewicht (EG) wird mechanisch abgetragen
Haltevorrichtung im Versagensfalle
• Typ II: EG wird mechanisch abgetragen, keine Haltevorrichtung
• Typ III: EG wird über Klebung abgetragen
Haltevorrichtung im Versagensfalle
• Typ IV: EG wird über Klebung abgetragen, keine Haltevorrichtung
Bei MIG oder VSG ist nur Typ I oder Typ II verwendbar.
In Deutschland kann ab einer Einbauhöhe von 8 m nur Typ I verwendet werden,
unterhalb von 8 m ist auch Typ II zulässig.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 21/29

Vorteile von geklebten Verglasungen:


• Optisches ebenes, ungestörtes Erscheinungsbild
ohne Ansicht von Halteleisten
• Keine Verschattung von Randbereichen
• Optimale Temperaturverteilung
• Leichte Reinigung
• Wirtschaftlichere Auslegung gegenüber punktgehaltenen Verglasungen, da
nicht Spannungen am Lochbohrungsrand maßgebend werden.
Generelle Einschränkungen für Verklebungen:
• Als Klebstoffe sind nur Silikone zulässig
• Die Verklebung muss linienförmig sein
• Die Verklebung muss unter definierten Bedingungen erfolgen.
Je dünner die Klebfugendicke, desto höher ist die Klebfugensteifigkeit und somit die
Beanspruchbarkeit.
Die Zugspannungsverläufe sind nicht konstant über den Querschnitt verteilt (lokale
Maximalwerte liegen bis zu 440 % über dem Mittelwert).
Adhäsionsbruch:
(Adhäsion: Haften gleich oder verschiedenartiger Stoffe aneinander)
Kohäsionsbruch: nicht zulässig
(Kohäsion: die innere Festigkeit des Klebstoffes)
Das Verhältnis von Fugenhöhe zu Fugenbreite sollte min. 1:1 betragen, 3:1 jedoch
nicht überschreiten
Die Mindestfugenbreite für Structural Glazing-Verklebungen sollte 6 mm betragen

5. Ausführung
a) Kantenbearbeitung
Terminologie der Glaskanten gemäß DIN 1249 - 11
KG Geschnitten (glatt gebrochen, unbearbeitet)
KGS Gesäumt (Ränder gebrochen)
KMG Maßgeschliffen (durch Schleifen der Kantenoberfläche
KGN Geschliffen (mattes Aussehen, keine Ausmuschelungen)
KPO Poliert (Kantenoberfläche durchsichtig und glatt)

b) Begrifflichkeiten
Üblicherweise besteht ein Rahmen, in den eine Verglasung eingesetzt wird aus
einem Glasfalzanschlag an den die Scheibe geschoben wird. Die andere Seite von
der aus die Scheibe eingesetzt wurde wird durch eine im Nachhinein angebrachte
Glashalteleiste geschlossen.
Als metallischen Glaseinstand bezeichnet man die Einstandstiefe der Glaskante
gegenüber dem metallischen Rahmen (Glasfalzanschlag)
Höhere Robustheit als Metalltragwerke, da immer vom möglichen Versagen eines
Glasbauteils auszugehen ist.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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6. Zustimmungsverfahren
Um Bauprodukte verbauen zu dürfen müssen nicht nur die Bauprodukte genormt
sein, sondern auch die zugehörigen Bauarten. Unter Bauarten versteht man die Art
und Weise wie und zu welchem Zwecke das jeweilige Bauprodukt verwendet
werden soll.
Geregelt: Es besteht eine Übereinstimmung mit den bekannt gemachten
technischen Regeln.
Nicht geregelte Bauprodukte und Bauarten dürfen trotzdem ausgeführt werden,
sofern eine ZiE, ein ABP oder eine ABZ erteilt wird.

a) ZiE – Zustimmung im Einzelfall


Eine ZiE wird von der Obersten Bauaufsicht des Bundeslandes, in dem das
Bauvorhaben ausgeführt wird, erteilt. Die Zustimmung ist auf die eine spezielle
Anwendung des Bauvorhabens beschränkt (Einzelfall) und lässt sich nicht auf das
Bauprodukt oder die Bauart übertragen.
Ablaufschema einer ZiE:
• Beschreibung durch den Antragsteller
Der Antragsteller (z.B. Bauherr) fragt bei einem Prüfinstitut an und schickt
diesem die Angabe des Bauvorhabens, des Bauherrn, des Bauproduktes
und der Bauart, die Zusammenstellung sämtlicher relevanter Zeichnungen,
Beschreibung der vorgesehenen Materialien, die Angabe der vorgesehenen
Nutzung sowie vorhandene statische Nachweise.
• Beratung des Prüfinstituts
Das Prüfinstitut schätzt das Gefahrenpotential bei Glasbeschädigung ab,
stellt das „Funktionieren“ der Glaskonstruktion fest, gibt ggf.
Verbesserungsvorschläge, erarbeitet einen Nachweiskatalog zur
Resttragfähigkeit, Qualitätskontrolle und sonstigen Anforderungen
• Antrag auf ZiE
Vorlage der Beschreibung des Antragstellers und des ausgearbeiteten
Prüfprogramms des Prüfinstituts
• Anmerkungen der zuständigen Obersten Landesbaubehörde
Bewertung der vorgeschlagenen Prüfungen und Vorgehensweisen, eventuell
Definition weiterer Anforderungen
• Erfüllung der Anforderungen (Bauteilversuche)
Je nach Prüfprogramm: Versuche zur Glasfestigkeit, Versuche zur
Resttragfähigkeit etc., Ausarbeitung einer zusammenfassenden
gutachterlichen Stellungnahme durch ein anerkanntes Prüfinstitut
• Erteilung einer ZiE
Schriftliche, auf die konkrete Glaskonstruktion beschränkte Erteilung einer
ZiE, eventuell unter Vorbehalt bzw. mit weiteren Anforderungen
(Qualitätskontrolle)
Es handelte sich in der Vergangenheit um ein sehr verbreitetes Verfahren im
Glasbau. Noch vor wenigen Jahren hatte etwa 50 % sämtlicher ZiEs der Obersten

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 23/29

Bauaufsichtsbehörden mit dem Glasbau zu tun. Durch die Ausweitung der


Geltungsbereiche der Richtlinien und Normen ändert sich dies gegenwärtig.
Im Merkblatt G2 des Landesgewerbeamtes von Baden-Württemberg sind die
wesentlichen Anforderungen an zustimmungspflichtige Vertikalverglasungen
zusammengestellt.
Ansatz der Verbundwirkung von PVB-Folien für Gebrauchstauglichkeit in
Ausnahmefällen möglich (Bsp: Schneelast – da nur bei niedriger Temperatur
möglich)

b) ABZ – Allgemeine Bauaufsichtliche Zustimmung


Die ABZ wird vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) erteilt und gilt
deutschlandweit.
Die ABZ gilt für eine bestimmte Bauart oder ein bestimmtes Bauprodukt.
Es werden umfangreichere Bauteilprüfungen als bei der ZiE vorgenommen.
Ist im Glasbau insbesondere für folgende Bauprodukte bzw. Bauarten verbreitet:
• TVG
• Punktgehaltene Vordächer
• Punkthalter
• Brandschutzverglasungen

c) ABP – Allgemeines Bauaufsichtliches Prüfzeugnis


Die Beurteilung erfolgt anhand von allgemein anerkannten Prüfverfahren. Es lässt
sich somit nur auf bestimmte Anwendungen übertragen.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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7. Weitere Anwendungen von Glasbauwerken

a) Glasbauwerke mit globalem Lastabtrag


Beispiele:
• Glas-Stahl-Tragwerk
• Glasfachwerk
• Netzschalen
• Gitternetzkuppel
• Tonnenschale
• Fachwerkbogen
• Ganzglasdach
• Glasstützen
• Glasrohre: werden vorgedrückt mit innenliegendem Zugband, um bei
exzentrischer Last Zugspannungen zu verhindern
• Trogbrücke in Stahlglas-Bauweise
Glasträger:
• Keine Resttragfähigkeit beim Bruch aller Scheiben
• VSG geringere Festigkeit als Summe der Einzelscheiben (-25 %)
• Balken geringere Festigkeit als Platten (-25 %)
• Glasschwerter sind grundsätzlich kippgefährdet
• Bis heute gibt es keine Bemessungsnorm
• Es gibt keine zulässigen Spannungen

b) Übersicht nicht geregelter Bauprodukte und Bauarten im Glasbau


Hängende Verglasungen
Hinterspannte Fassaden
Seilnetzwände
Unterspannte Scheiben
Faltwerk
gebogen gespanntes Glas

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
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8. Bauphysik
a) Brandschutz
Glas selbst ist nicht brennbar und stellt somit keine Brandlast dar.
Brandschutzverglasungen sind nicht geregelte Bauprodukte (momentan existieren
etwa 120 Brandschutzglastypen mit ABZ)
Eine Brandschutzverglasung schließt immer auch den Rahmen, die Dichtungen und
Befestigungsmittel mit ein. Eine Scheibe alleine stellt noch keine
Brandschutzverglasung dar.
prEN 13501-2 stuft die Verglasungen nach folgenden Eigenschaften ein:
• E: keine Übertragung des Brandes durch Flammen oder heiße Gase
(entspricht den bisherigen G-Verglasungen)
• EW: Hitzestrahlung bleibt für einen Zeitraum unter einem bestimmten Wert
(< 15 kW/m2)
• EI: maximale Hitzebarriere zum Schutz von Menschen (∆T < 140 °C)
(entspricht den bisherigen F-Verglasungen)
Alte Einteilung:
• feuerwiderstandsfähig: G30 – G120 (Drahtglas)
• feuerhemmend: F30
• hochfeuerhemmend: F60
• feuerbeständig: F90 – F120
Der eigentliche Brandschutz der Verglasung wird durch eine oder mehrere
Zwischenschichten aus Natrium-Silicat (Wasserglas) erzielt.
Das Wasserglas durchläuft unter Wärmeentwicklung einen chemischen,
endothermen Prozess, bei dem Energie verbraucht wird. Sobald die chemische
Umwandlung in einer Schicht vollendet ist, beginnt sie in der nächsten Schicht. Die
Floatscheiben zwischen denen die Wasserglasschichten angeordnet sind, sind
häufig extrem dünn (1,5 bis 2,6 mm), damit die Gesamtdicke begrenzt bleibt. Die
Dicken der Wasserglasschichten betragen üblicherweise zwischen 1,5 und 5 mm.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 26/29

b) Wärmeschutz
Beschichtungssysteme, Berechnung des Ug-Wertes, allgemeine
Wärmeschutzberechnung
Der Wärmefluß setzt sich aus folgenden Anteilen zusammen:
• Wärmeleitung: Energie wird mit Hilfe von Materie transportiert, ohne dass
die Materie selbst transportiert wird
• Konvektion: Energie wird mit der Materie transportiert
• Strahlung: Energie wird unabhängig von Materie transportiert
funktioniert somit auch im Vakuum
Maßnahmen zur Verminderung des Wärmeflusses:
• Wärmeleitung: Die Wärmeleitung im Glas stellt eine Konstante dar und kann
somit nicht verändert werden. Dickere Glasscheiben wären
unwirtschaftlich. MIG reduziert die Wärmeleitung, da die
Materie im eingeschlossenen SZR viel geringer ist. Mit
größerem SZR wird die Wärmeleitung weiter reduziert.
• Konvektion: Schwerere Edelgase (Argon, Krypton, Xenon) verringern die
Konvektion erheblich. Da die Konvektion neben der Art der
Moleküle auch mit ihrer Beweglichkeit zu tun hat, steigt die
Konvektion mit zunehmendem SZR an. Es gibt somit
zusammen mit der Wärmeleitung ein Optimum für den SZR
von etwa 12 mm
• Stahlung: wird durch Beschichtungen praktisch eliminiert.
Die Strahlung setzt sich aus folgenden Anteilen zusammen:
• Reflexion: Eine Erhöhung durch spezielle Schichten (Gold, Silber, Kupfer,
sowie Oxide wie Titan und Silizium) ist möglich.
Reflexionen werden durch die abrupte Änderung der Materialeigenschaften,
d.h. des Brechungsindexes verursacht. Weicht man die Grenze durch
periodische Strukturierung der Oberfläche auf, kann die Reflexion auch von
8 % auf unter 1 % verringert werden.
• Absorption: Erhöhung der Absorption durch eisenhaltiges Grünglas. Sie
fangen die Wärmestrahlung der Sonne ein ⇒ Scheibe wird wärmer.
Für Solarmodule wird Weißglas verwendet,
da 1. die Strahlung besser durchgelassen wird und
2. das Glas kühler bleibt, was die Effektivität von Solarmodulen steigert.
• Transmission: Die Strahlung geht ungehindert durch die Materie hindurch.
Wärmeschutzschicht:
• Glas
• Bismuthoxid 30 nm
• Silber 10 nm die eigentliche Reflexionsschicht
• Schutzschicht 2 nm
• Bismuthoxid 30 nm

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 27/29

Das Sonnenlicht setzt sich aus folgenden Anteilen zusammen:


• UV-Licht (< 380 nm)
UV-B und UV-C wird vom Glas stark absorbiert und dabei in
Wärmestrahlung umgewandelt
(kaum Bräunung und Hautkrebs hinter der Scheibe),
UV-A (ab 320 nm) wird durchgelassen
• Sichtbares Licht (380 – 760 nm)
wird vom Glas nur schwach absorbiert und dabei in Wärmestrahlung
umgewandelt. Den größten Anteil stellt die Transmission dar, weshalb Glas
als durchsichtig bezeichnet wird.
• Wärmestrahlung (> 2000 nm)
wird vom Glas überwiegend reflektiert (Treibhauseffekt)
Glas lässt die Wärmestrahlung nicht direkt durch, ein Großteil wird jedoch im Glas
absorbiert und sorgt für eine Erwärmung der Scheibe und wird schließlich von der
Oberfläche wieder abgestrahlt.
Farbfilter ermöglichen die selektive Absorption nicht nur im sichtbaren
Wellenlängenbereich, so dass auch beispielsweise Durchlässigkeit im UV-Bereich
als auch im IR-Bereich erzielt werden kann.
Die Energie der Sonnenstrahlung besteht zu
• 4 % aus UV-Licht
• 45 % aus sichtbarem Licht
• 51 % aus kurzwelliger Wärmestrahlung
Der Gesamtenergiedurchlassgrad – setzt sich zusammen aus dem
Transmissionsgrad und dem sekundären Wärmefluss.
1,0 bedeutete, dass die gesamte Energie durchgelassen würde.
Einfachverglasung 0,87
Doppelverglasung 0,8
Dreifachverglasung mit zweifacher selektiver Beschichtung 0,5
Sonnenschutzverglasung 0,35
Bei etwa 86 W/m2 halten sich bei modernen Gläsern (UG = 1,1) Wärmegewinne und
Transmissionsverluste die Waage.
Wärmeleitfähigkeit steigt mit zunehmender Dichte an:
• Kupfer 394 W/(m⋅°K)
• Glas 0,8 W/(m⋅°K)
• Holz 0,12 W/(m⋅°K)
• Dämmstoffe 0,025...0,07 W/(m⋅°K)
Spezifische Wärmekapazität:
• Luft 1000 J/(kg⋅°K)
• Wasser 4200 J/(kg⋅°K)
• Glas 800 J/(kg⋅°K)
Bei älteren Zweifach-Isolierverglasungen haben Wärmeleitung und Konvektion etwa
1/3 Anteil am Wärmeverlust, die Strahlung etwa 2/3.

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Skript – Leichtbau/Konstruktiver Glasbau WS 2010/2011
TUHH Seite 28/29

Beschichtungsverfahren:
Hardcoatings können auf jeder Glasfläche aufgebracht werden, da sie als Gas,
Pulver oder Flüssigkeit pyrolytisch bei 800 °C mit dem Glas verbunden werden und
daher sehr stabil sind. Meist sind es ein-zwei Schichten, z.B. aus TiO2, SnO2, F,
SiOC und Mischungen aus Fe-, Cr- und Co-Oxid, die für Wärmeschutz und
Sonnenschutz eingesetzt werden.
Softcoatings werden im Magnetron-Verfahren hergestellt (Sputtern). Sie sind nicht
so haltbar wie hartcoatings und werden daher nicht der Witterung ausgesetzt,
sondern für Gebäudeinnenräume oder in SZR verwendet. Die Vielfalt an Farben und
Funktionswerten ist größer und die Transparenz höher als jene von hardcoatings.
Sputtering: Im sogenannten Magnetron-Verfahren wird eine Edelmetallschicht
"offline", also nach dem Produktionsprozess, durch Vakuum-Kathodenbestäubung
("Sputtering") auf ein Floatglas aufgebracht
Berechnung des U-Wertes:
Der Ug-Wert einer Isolierverglasung lässt sich gemäß DIN EN 673 rechnerisch
bestimmen
Das Verfahren ist jedoch so kompliziert und beruht auf so vielen unsicheren
Annahmen, die man als Eingangsparameter festlegen muss, dass die Ug-Werte in
der Praxis gemäß DIN EN 674 oder DIN EN 675 im Versuch bestimmt werden.

c) Schallschutz
Maßnahmen zur Verbesserung, Berechnung
Die Einheiten folgen einer logarithmischen Bewertung
Eine subjektive Verdoppelung der Lautstärke entspricht einer Zunahme des
Schalldruckpegels von beispielsweise 40 dB auf 50 dB
0 dB Hörschwelle 20 µPa
15 dB leichter Wind 120 µPa
50 dB angeregtes Gespräch 6,5 Pa
75 dB Straßenverkehr 110 Pa
100 dB Presslufthammer 2000 Pa
110 dB lautes Konzert 7000 Pa
130 dB Schmerzgrenze 60 000 Pa
Schalldruckpegel (dB) = 10⋅lg (p2/p02) = 20⋅lg(p/p0)
Bewertetes Schalldämmmaß: dB ist von der Frequenz abhängig, üblicher
Frequenzbereich: 100...3150 Hz
Das Resultat einer akustischen Prüfung ist ein Spektrum bestehend aus 16 Werten
Zulässiger vom Ort abhängiger Lärm vor den Fenstern
Industriegebiet 70 dB (A)
Gewerbegebiet 65 dB (A), nachts 50 dB (A)
Mischgebiet 60 dB (A), nachs 45 dB (A)
Wohngebiet 55 dB (A), nachts 40 dB (A)
reines Wohngebiet 50 dB (A), nachts 35 dB (A)
Kurgebiet, Krankenhäuser: 45 dB (A), nachts 35 dB (A)

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Schalldämmmaß R (Rw) – schalldämmende Eigenschaften des Fensters


Standard-Schallpegeldifferenz (DnT) – schalldämmende Eigenschaften eines
Fensters in einer konkreten Einbausituation
Der Index "w" steht für weighting – gewichtet oder bewertet
dB (A) ist eines von mehreren sog. bewerteten Schalldämmmaßen
Übertragungswege:
Glas, Rahmen, Fugen, Anschluss ans Mauerwerk
Verbesserung des Schallschutzes beim Glas durch:
• Vergrößerung des SZR
• Asymetrischer Scheibenaufbau – Biegeschwingungen führen zum Einbruch
der Schalldämmung in gewissen Frequenzbereichen, deshalb verschiedene
Scheibendicken der ISO-Gläser, damit Resonanzen vermieden werden
(welche Scheibe außen ist, ist unerheblich)
• Dicke der Scheiben (große Masse), insbesondere für tiefe Frequenzen
(Straßenlärm)
Beispiele:
8 – 16 – 4: 36 dB
10 – 16 – 4: 37 dB
8 – 16 – 8SI: 42 dB SI: VSG mit Schallschutzfolie
14 SI – 16 – 8 SI: 51 dB
Es können Schallschutzwerte bis zu 56 dB erreicht werden (große Scheibendicken,
schweres Gas (Argon) und asymmetrischer Scheibenaufbau)
Es ist einfacher eine gute Schalldämmung im hohen Frequenzbereich zu erzielen
als im tiefen (dazu wird Masse benötigt)
Der Rahmen spielt im Bereich von 30...40 dB keine große Rolle
Bei Schalldämmung von über 39 dB sind unbedingt zwei Dichtungen in zwei
Ebenen erforderlich (gut schließend, also mit hohem Anpressdruck)
Das bewertete Schalldämmmaß der Wand sollte mindestens 10 dB höher als das
bewertete Schalldämmmaß des Fensters sein
Schalldämmung des Fensters um 2 dB höher planen, um den Schall zu
berücksichtigen, der durch die Wand dringt
Theoretisch schwächt eine offene, 1 mm breite Fuge ein Fenster mit einem
bewerteten Schalldämmmaß von 51 dB um 18 dB auf 33 dB! Die Schalldämmung
ist also um den Faktor 8 verschlechtert.
Berechnung des Schalldämmmaßes eines aus mehreren Teilen
Rges = R’w1 - 10⋅log[1+(A2/Ages)⋅(10^((Rw1-Rw2)/10)-1)]

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