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Aristoteles-Universität Thessaloniki

Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie


Wintersemester 2019
Berberoglu, P. / Perperidis, G. / Sadecki, S.

Γερμανική Γλώσσα I
Deutsche Sprache I

Thessaloniki 2019
Wichtige Informationen

Γερμανική Γλώσσα I – Deutsche Sprache Ι


Wintersemester 2019

Themen-schwer-  Zwischenmenschliche Beziehungen


punkte  Tourismus
 Wohnen
Grammatik und  Wiederholung: Genus und Artikel, Prono-
Syntax men, Präpositionen, Perfekt, Präteritum,
Negation
 Vertiefung: Adjektivdeklination, Wort-
stellung im Haupt- und Nebensatz, Infini-
tivsätze, Relativsätze, Verben mit Präpo-
sition (Auswahl)
Schriftlicher Aus-  Formelle und informelle Mail
druck  Zusammenfassung
 Kommentar/Reaktion auf einen Forums-
beitrag, eigene Meinung äußern
 Einführung ins Argumentieren und Erör-
tern (linear)
 Ausdruck der eigenen Meinung
Mündlicher Aus-  Kurze Texte mündlich wiedergeben
druck  Eigene Meinung äußern und mit anderen
austauschen
 An einer Diskussion teilnehmen

Die Abgabe von drei (3) offiziellen Hausaufgaben während des Se-
mesters ist für alle Studierenden des laufenden 1. Semesters Voraus-
setzung zur Teilnahme an den schriftlichen und mündlichen Prüfun-
gen im Januar/Februar 2020.
Zwischenmenschliche Beziehungen
Best friends forever: Wie man Freundschaften pflegen kann
von Fiona Rohde

Freunde sind etwas Wunderbares. Deshalb sollte man eine Freundschaft 1


auch pflegen - aber wie geht das eigentlich? Was machen Menschen
richtig, die ein Leben lang eng verbunden sind?

"Freundschaft ist immer ein Geben und Nehmen", erklärt der Berliner
Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger. "Man sollte sich darüber im Kla- 5
ren sein, dass man Freundschaften auch gestalten und pflegen muss. Das
gilt nicht nur in guten Zeiten, sondern auch in Krisenzeiten. Hier zeigt
sich meist, wer ein wahrer Freund ist und wer nicht." Dabei muss man
nicht Übermenschliches leisten, um eine Freundschaft zu erhalten. "Letztlich reicht es, wenn wir
uns pro Woche ein bis zwei Stunden Zeit füreinander nehmen, uns verabreden und uns ehrlich er- 10
kundigen, wie es dem anderen geht", sagt der Experte. "Je mehr wir bereit sind, uns dem anderen
zu öffnen und mitzuteilen, desto mehr gewinnt die Freundschaft an Tiefe." Wie man eine Freund-
schaft pflegen und ihr Tiefe geben kann, dazu kommen hier fünf Tipps vom Experten!

1. Tipp: Interesse zeigen


"Freundschaften leben immer vom Interesse am anderen", sagt Experte Dr. Wolfgang Krüger. 15
Echtem Interesse. "Wir sollten nicht nur fragen: Wie geht es dir? Sondern wir sollten auch fragen:
Was beschäftigt dich? Was ist schon lange dein Lebensthema und wie kann ich dich dabei unter-
stützen?" Aufmerksamkeit ist der Schlüssel, denn aus Erfahrung weiß jeder: Ein Freund, der wirk-
lich zuhören kann, ist Gold wert.

2. Tipp: Nachfragen 20
Abgesehen von unseren Sandkastenfreunden aus Kindertagen kennen wir viele Freunde nur halb,
weil wir sie erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben. Von unserer Kindheit wissen sie oft
nichts. Das kann man ändern, so der Experte. "Warum setzt man sich nicht mit seinen Freunden
zusammen und schaut sich alte Kindheitsfotos an, erzählt Geschichten, damit der andere einen
Einblick in die eigene Welt bekommt?" 25

3. Tipp: Wertschätzung mitteilen


"Warum teilen wir dem besten Freund oder der besten Freundin nicht mit, was wir an ihr schätzen,
was die fünf Eigenschaften sind, die wir nicht mehr missen wollen? In einer Partnerschaft ist man
mit Liebesbekundungen immer sehr aufmerksam und erfinderisch", sagt der Experte. " Unter guten
Freunden sollte man sich auch öfter sagen, was man aneinander schätzt und mag. Deshalb einfach 30
mal der besten Freundin eine Nachricht oder einen kleinen Brief schreiben."

4. Tipp: Gruppen bilden


"Leider kann man aus Zeitgründen nicht immer jeden Freund einzeln treffen. Deshalb sind Freun-
deskreise wichtig, mit denen man zusammen schöne Dinge unternimmt, zum Beispiel, indem man
ins Kino geht." „Freundschaften brauchen auch gemeinsame Erlebnisse“, betont der Experte. Sein 35
Tipp: "Einfach mal so ein Treffen unter Freunden organisieren. So bekommt man mehrere Freunde
auf einmal unter einen Hut und das Gruppenerlebnis sorgt für gemeinsame, schöne Momente.
Nichts verbindet mehr!"

5. Tipp: Konflikte offen angehen


Probleme und Streitigkeiten kommen in jeder Freundschaft vor. Hier sagt der Experte: "Wenn ei- 40
nen schon länger etwas an dem anderen stört, muss man es geschickt ansprechen, sonst zieht man
sich auf Dauer zurück und die Freundschaft dünnt langsam aus." Hier macht, wie so oft, der Ton
die Musik. "Wichtig ist hierbei eine diplomatische Streitkultur, indem man beispielsweise die
beste Freundin fragt: 'Ich treffe mich wirklich gerne mit dir, aber zwischendurch gehst du immer
an dein Handy und telefonierst. Ich empfinde das als störend. Wie siehst du das?'" 45
Studie über Einsamkeit
Soziale Kontakte verlängern das Leben

1 Laut einer Studie ist Einsamkeit genauso ungesund wie Rauchen. Soziale Beziehungen haben
demnach einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Während gesundheitliche Risikofaktoren
wie Rauchen, Übergewicht, starker Alkoholkonsum und geringe körperliche Aktivität allgemein
bekannt sind, werde der ähnlich starke oder gar stärkere Einfluss der sozialen Bindungen auf die
5 Lebensdauer in der Bevölkerung interessanterweise kaum zur Kenntnis genommen.

a) Ein weit gespanntes soziales Netz dagegen verringerte die Sterberate um die Hälfte, so die For-
scher. „Wer mit einer Gruppe verbunden ist und sich für andere Menschen verantwortlich fühlt,
der achtet auch mehr auf sich selbst und geht weniger Risiken ein“, so Julianne Holt-Lunstad, Lei-
terin der Studie.

10 b) Es zahlt sich also zusammenfassend aus, in eine gesunde Beziehung zu investieren. Positive So-
zialkontakte – wie vor allem in einer Partnerschaft – fördern die Gesundheit und verlängern das
Leben. Wenn also Konflikte bestehen und sich Paare auseinanderleben, dann ist es Zeit, etwas zu
tun!

c) Der positive Einfluss sozialer Beziehungen kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen entfal-
15 ten, sagt Holt-Lunstad. Dazu zähle der beruhigende körperliche Kontakt genauso wie die Möglich-
keit, eine als sinnvoll empfundene Tätigkeit gemeinsam auszuüben, in einer Beziehung eben.

d) Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beziehung romantischen, freundschaftlichen oder familiären
Ursprungs ist. Unter den Probanden befanden sich auch einige Singles, die enge Freundschaften
oder Familienbande pflegten und keine romantische Beziehung führten. Gleichzeitig zeigt die Stu-
20 die, dass diese zwischenmenschlichen Beziehungen in jedem Alter wichtig sind.

e) Wer intensive Kontakte zu Verwandten, Freunden und Bekannten pflegt, lebt länger. Das bestä-
tigt eine neue Studie. Danach sind mangelnde soziale Bindungen genauso ungesund wie das Rau-
chen von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit.

Bringen Sie die Absätze in die richtige Reihenfolge. Der Anfang ist vorgegeben.
1 = _e_ 2 = ___ 3 = ___ 4 = ___ 5 = ___
Wieso sich Menschen in neuen Beziehungen verändern
Wer frisch verliebt ist, verbiegt sich mitunter. Woher kommt es, dass Menschen sich in neuen 1
Beziehungen verändern und wann geht die Anpassung sogar zu weit?

Wenn wir jemand Neues kennenlernen und umwerfend finden, wollen wir uns nicht nur aus-
schließlich von unserer besten Seite zeigen, sondern auch Vertrauen, Verbindung und Nähe
herstellen. „Am Anfang ist es in jeder Beziehung so, dass wir noch nicht wissen, wie der oder 5
die andere zu uns steht, und wir uns bemühen, zu beeindrucken und zu gefallen“, erklärt
die Beziehungsexpertin Andrea Bräu.
Aus der Leseratte wird dann plötzlich eine Sportskanone, weil man den*die anderen so gern
behalten will und Gemeinsamkeiten verbinden, während Unterschiede trennen – zumindest
gefühlt. Bräu: „Deshalb sind wir bereit, wenn wir eine Beziehung mit einem anderen Men- 10
schen beginnen, uns so stark anzupassen.“ Das gelte übrigens für sehr viele Menschen.
So sieht es auch Paarberaterin Birgit Natale-Weber: „Wenn die Liebe frisch ist und die
Schmetterlinge im Bauch tanzen, will man gefallen und Vertrauen aufbauen.“ Anpassung sei
ein erster Ausdruck von Liebe und Zuneigung. „Wir zeigen uns von unserer besten Seite und
das bedeutet, so viele Gemeinsamkeiten wie möglich zu haben.“ Also weg mit Büchern und 15
Bier, her mit Badminton und Zitronenwasser!

Doch wie das nun mal so ist mit dem Verliebtsein, es dauert eben nicht ewig. „Sobald der o-
der die andere erobert ist und der Alltag einzieht, legt sich dieses Verhalten. Das Gefühl der
Sicherheit tritt ein; später kommt Bequemlichkeit hinzu“, sagt Birgit Natale-Weber. Die be-
rauschende Hormonflut ebbt ab, das zarte Pflänzchen des Vertrauens wächst – und parallel 20
dazu sinkt das Bedürfnis, unbedingt der*die einzig wahre Traumpartner*in für den*die ande-
ren sein zu wollen.

„Nachdem die Verliebtheitsphase – man sagt immer zwischen drei Monaten und drei Jahren,
je nach Beziehungsstruktur – zu Ende ist, lerne ich den oder die anderen richtig kennen und
erlebe, wie er oder sie mit Situationen und Menschen und auch mit mir umgeht“, sagt An- 25
drea Bräu. „Meistens gehen die Menschen, wenn sie sich in einer Beziehung sicher fühlen,
wieder dazu zurück, wie sie eigentlich sind und zeigen ihr wahres Gesicht.“ Und dann wird es
erst so richtig spannend. Kommen der Sportfreak und die Leseratte wirklich dauerhaft mitei-
nander aus?
Das hängt unter anderem davon ab, ob genug grundsätzliche Gemeinsamkeiten vorhanden 30
sind. Gegensätze mögen sich in vielerlei Hinsicht durchaus anziehen und gut ergänzen, aber
es braucht eben auch ausreichend Stabilität, Vertrauen, Nähe und Verständnis. „Unser wah-
res Gesicht zeigen wir im Alltag. Und dann fängt eine Beziehung erst richtig an“, sagt auch
Birgit Natale-Weber.

Ein gewisses Maß an Anpassung und Veränderung zu An- 35


fang einer neuen Liebe ist also ziemlich normal und natür-
lich. Grundsätzlich ist es aber ratsam, sich auch in neuen
Beziehungen so weit wie möglich selbst treu zu bleiben.
Neue Interessen mit dem*der Partner*in erkunden und
entdecken ist super und kann bereichernd sein. Aber 40
letztlich gilt eh: Wenn dich jemand wirklich gernhat, dann
genau so, wie du bist.
Co-Parenting: Wenn Freunde gemeinsam Kinder kriegen
Von Martina Kind

So können auch jene eine Familie gründen, denen dieser Wunsch bislang versagt 1
blieb.

Vor sieben Jahren wünschten sich Christine Wagner und ihre langjährige Freundin
Miriam Förster ein Kind. Im Gegensatz zu vielen anderen homosexuellen Paaren fragten
sie zunächst nicht nach dem „Wie“. Viel wichtiger war ihnen das „Wer“ – wer sollte der 5
Vater sein? Denn für Wagner und Förster war klar: Das Kind musste einen Vater haben.
Also machten sie sich auf die Suche. Sie arbeiteten Kontaktanzeigen in einschlägigen
Zeitschriften ab, besuchten eine Kinderwunschgruppe im Regenbogenfamilienzentrum.
Nichts passte. Wo könnte man noch fündig werden? „Dort, wo es so gut wie alles gibt: im
Internet“, dachte sich Wagner. Und gründete mit ihrer damaligen Partnerin kurzerhand 10
familyship.org, eine Plattform für Menschen mit Kinderwunsch. Heute ist die 36-jährige
Ärztin aus Berlin Mutter einer fünfjährigen Tochter.

„Du hast einen Kinderwunsch? Bist du womöglich Sin-


gle, lesbisch oder schwul? Hier lernst du Menschen
kennen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie 15
gründen möchten“ – heißt es auf der Startseite von Familyship. „Freundschaftlich“, das
betont Wagner auch immer wieder im Gespräch. Denn darum gehe es bei „Co-Paren-
ting“, einem in Deutschland kaum bekannten Familienmodell, bei dem sich zwei oder
mehrere Menschen nicht als Liebespaar zusammentun, um ein Kind zu bekommen und
es gemeinsam großzuziehen. Wörtlich übersetzen könnte man dieses Modell mit „ge- 20
meinsame Elternschaft“. „Bei Familyship spielt der soziale Faktor eine große Rolle. Es
geht wirklich darum, gemeinsam eine Familie aus Mutter, Vater, Kind zu gründen“, sagt
Wagner.

In den USA oder in Großbritannien florieren Online-Portale wie Familyship schon seit
Langem. In Deutschland sind sie noch recht neu. Deshalb fragen sich viele: Eine Familie 25
per Mausklick, mit einem Fremden – wie soll das funktionieren? „Im Grunde nicht viel an-
ders als Online-Dating“, erklärt Wagner. Menschen mit Kinderwunsch melden sich auf
der Seite an und legen ein Benutzerprofil an. Dort können sie auch wählen, welche Rolle
sie innerhalb der Familie spielen möchten. Wollen sie etwa regelmäßig für das Kind da
sein und sich an seiner Erziehung beteiligen oder eher im Hintergrund bleiben? Männer 30
können sich auch als Yes-Samenspender registrieren. Das bedeutet, dass sie ihre Identi-
tät preisgeben müssen und das Kind weiß, wer sein biologischer Vater ist. Wonach Mit-
glieder genau suchen und welche Vorstellung sie von einem idealen Familienleben ha-
ben, können sie zudem in einem Textfeld auf ihrem Profil ausführlich darlegen. „Wer sich
sympathisch ist, kann sich schreiben, telefonieren, im besten Fall treffen. Was danach
passiert, liegt nicht in unserer Hand. Wir bieten mit Familyship lediglich eine Kontaktplatt- 35
form“, erklärt die Gründerin.

Zu glauben, dass sich überwiegend Schwule und Lesben für Co-Parenting interessierten,
sei ein Trugschluss, sagt Wagner: „Unter unseren Mitgliedern, aktuell sind es knapp
4000, befinden sich auch jede Menge heterosexuelle Singles.“ Dennoch sei die Plattform
in erster Linie für gleichgeschlechtliche Paare entwickelt worden. „Zu Beginn hat es einen 40
richtigen Andrang gegeben. Es war, als hätte man nur auf uns gewartet“, erinnert sich die
36-Jährige. Mit der Zeit aber meldeten sich auch immer mehr heterosexuelle Männer und
Frauen an.

Kann eine gemeinsame Elternschaft auf freundschaftlicher Basis auf Dauer überhaupt
funktionieren? „Bislang gibt es noch keine Untersuchungen, die sich mit den Auswirkun- 45
gen von diesem oder ähnlichen Familienmodellen beschäftigt haben“, sagt Petra Thorn,
Sozial- und Familientherapeutin in Frankfurt. Das wollen die Soziologinnen Almut Peu-
kert, Mona Montafek und Christine Wimbauer von der Humboldt-Universität in Berlin än-
dern. In einem aktuellen Forschungsprojekt untersuchen sie das Thema.
„Grundsätzlich würde ich als Familientherapeutin sagen, dass es darauf ankommt, dass 50
sich die Erwachsenen im Vorfeld gut miteinander absprechen, und dass sie ähnliche
Werte und Vorstellungen haben. Sie müssen ihre Bedürfnisse klar formulieren und schon
vorher wissen, wie sie mit ihrer Familie umgehen und mit ihr auftreten wollen“, erklärt
Thorn. Sie glaube aber nicht, dass es Probleme für die Entwicklung des Kindes gebe –
solange die Eltern stets souverän mit ihrer Situation umgingen und dies auch früh ihrem 55
Kind vermittelten.
Thorn sieht im Co-Parenting auch Vorteile. So kümmerten sich gleich mehrere Erwach-
sene, die sich bestenfalls allesamt gut verstünden und respektvoll miteinander umgingen,
gleichermaßen um ein Kind. Was Thorn von Online-Plattformen, die fremde Menschen
zu einer Familie vereinen, halte? „Heute haben wir das Internet, das eine sehr hohe Be- 60
deutung in unserer Gesellschaft hat. Das definiert ja nicht eine Familie, sondern dient als
Medium bei der Suche nach ihr.“

Gianni Bettucci, den Vater ihres Kindes, lernte Wagner vier Wochen nachdem ihre Seite
online gegangen war, kennen. „Er war einer der ersten Männer, der sich auf Familyship
angemeldet hat“, erzählt sie. Das erste Mal verabredeten sie sich in einem Café, später 65
gingen sie immer öfter zusammen aus, fuhren gemeinsam in Urlaub, lernten Freunde
und Familie kennen. Während dieser Zeit ging die Beziehung von Christine Wagner in
die Brüche. Der Wunsch nach einem Kind blieb.
„Es dauerte ein Jahr, bis Gianni und ich uns entschlossen haben, es zu probieren.“ Mit
Hilfe von künstlicher Befruchtung zeugten sie ihre Tochter Milla. Das war 2013. Mittler- 70
weile ist Milla fünf Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihrer Mutter, ihrem Vater und dessen
Lebensgefährten in einer großen Wohnung in Berlin. Das Sorgerecht teilen sich Wagner
und Bettucci.
„Wir funktionieren wie eine normale Familie. Wir frühstücken zusammen, besprechen un-
seren Tag, verbringen viel Zeit miteinander. Einmal im Jahr machen wir einen Familienur- 75
laub“, erklärt Wagner. Probleme gebe es keine. Im Gegenteil – für sie als Eltern sei die-
ses Konzept sehr entspannt. „Wir teilen uns die Zeit mit Milla untereinander auf. So hat
jeder am Wochenende auch mal einen Abend frei. Ich fühle mich manchmal wie eine
Teilzeit-Alleinerziehende.“
Und das Kind? „Für Milla ist alles ganz normal. Wieso sollte es auch nicht? Sie kennt es 80
ja nicht anders“, sagt Wagner. Hin und wieder wundere sie sich, warum ihre Eltern nicht
Händchen hielten oder – wie andere – heirateten. Aber diese Gedanken seien schnell
wieder verflogen. „Wir sagen ihr, dass wir uns zwar liebhaben, aber uns nicht lieben. Das
akzeptiert sie so.“
Liebe(r) im wirklichen Leben – der Gegentrend zum Online-Dating

Trotz oder gerade wegen des Booms des Online-Datings findet ein Gegentrend statt: 1
Dienstleistungen, die auf Begegnungen im «Real Life» setzen, erhalten wachsenden Zu-
spruch.

Wer heute Single ist, dem tut sich online eine schier endlose Auswahl an potenziellen
Partnern auf. Es wäre ohne Probleme möglich, sich an jedem Wochentag zu einem Date 5
zu treffen – wenn nicht sogar zu zwei Dates täglich.
Nach nur fünf Jahren – damals startete Tinder – klagen Singles auf Foren und in ver-
schiedenen Medien über Online-Dating-„Burnout“: zu viele oder zu wenige Matches,
ein grosser zeitlicher Aufwand, Enttäuschungen beim ersten Treffen, weil die Person
sich anders verhält oder aussieht, als man es sich vorgestellt hat. Und so wächst der 10
Wunsch, einen Menschen im echten Leben und nicht via virtuelle Kommunikation ken-
nen zu lernen. Statistiken zeigen: Bei den 16- bis 25-Jährigen nimmt die Nutzung von
Dating-Apps bereits ab.

Es verwundert deshalb nicht, dass entsprechende neue


Angebote entstehen wie etwa «Sensual Speed Dating», 15
das die beiden Zürcherinnen Livia Maag und Elena
Rutman zu Beginn dieses Jahres ins Leben gerufen ha-
ben. Maag sagt: «Das oberflächliche Beurteilen, das
langwierige Hin- und Herschreiben und die oft ernüch-
ternden Dates haben mich ermüdet. Elena Rutman und 20
ich haben uns etwas gewünscht, wo man sich ganzheit-
licher und authentischer kennen lernen kann.»

Bei «Sensual Speed Dating» treffen jeweils je fünf Frauen und Männer aufeinander, die
sich in insgesamt fünf Runden abchecken – und zwar mit allen Sinnen. So finden die
ersten drei Runden des Kennenlernens mit verbundenen Augen statt; man berührt sich 25
etwa an den Händen, lauscht der Stimme des anderen, schnuppert seinen Duft. Erst in
der vierten Runde werden einem die Augen geöffnet. Maag sagt: «Es braucht zwar ein
bisschen Überwindung, aber danach ist diese Erfahrung sehr bereichernd – egal, was
dabei rauskommt. Unsere Teilnehmer haben alle von einer sehr inspirierenden Erfah-
rung gesprochen, weil sie halt echt ist.» Und aus den Treffen seien auch einige erfolg- 30
reiche Dates entstanden, fügt Rutman an.

Den Trend des Kennenlernens im realen Leben hat auch die Schwei-
zer Dating-App „Meet“ aufgeschnappt. Das Konzept: Online werden
lediglich die Bilder des anderen abgecheckt, eine Unterhaltung findet
nicht statt, sondern es wird direkt ein Treffen im echten Leben verein- 35
bart. Marcos Lopez von „Meet“ sagt der «Nordwestschweiz»: «So wird
vermieden, dass vor dem ersten Date zu hohe Erwartungen geschürt
werden und sich grosse Enttäuschungen einstellen.» Die Idee scheint – wie «Sensual
Speed Dating» – einem Bedürfnis zu entsprechen: Laut Lopez haben bereits nach ei-
nem Monat «Meet» 750 Treffen in der Deutschschweiz stattgefunden. 40
Kinderreiche Familien: Gibt es in Deutschland kaum noch
Von Peter Kurz

Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Frühere Fa- 1
milienmodelle funktionieren nicht mehr. Für die Bevölkerungsentwicklung hat das spür-
bare Konsequenzen.

Kinderreichtum – früher war das mal ein Normalzustand. Von den 1933 geborenen
Frauen bekam noch jede Dritte drei oder mehr Kinder, bei der aktuellen Generation hat 5
sich diese Zahl halbiert, und fast jede fünfte Frau bleibt kinderlos.
Die Ursachen liegen auf der Hand: In einer Gesellschaft, in der es anders als früher
selbstverständlich und manchmal auch wirtschaftlich notwendig ist, dass auch die Frau
einer Erwerbsarbeit nachgeht, wird eben dieses Modell umso schwerer zu verwirklichen
sein, je mehr minderjährige Kinder zu betreuen sind. Weil aber viele Frauen in der mo- 10
dernen Gesellschaft nicht auf das traditionelle Familienmodell (Mann als „Haupternäh-
rer“) setzen mögen, kommt es zu der geschilderten Entwicklung.

Für Akademikerinnen schließt sich das Zeitfenster schnell


Akademikerinnen bekommen ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 32 Jahren. Dadurch wird
aber das Zeitfenster für weitere Geburten deutlich kleiner. Selbst wenn es dann noch den 15
Wunsch nach drei und mehr Kindern gibt, lässt dieser sich aufgrund des fortgeschritte-
nen Alters kaum mehr umsetzen.
Kinderreichtum wird in der Gesellschaft stark in Verbindung mit Menschen aus bildungs-
fernen Schichten gebracht. Das wiederum trägt zur gesellschaftlichen Stigmatisierung
von kinderreichen Familien bei. 20

1,4 Millionen Familien mit drei und mehr Kindern


Derzeit gibt es in Deutschland 1,4 Millionen kinderreiche Familien, in denen sieben Millio-
nen Menschen leben. Nicht mitgerechnet sind Mehrkindfamilien, in denen Kinder aus
früheren Partnerschaften der Eltern unter einem Dach zusammenkommen. Mit kinderrei-
chen Familien sind diejenigen gemeint, bei denen die Eltern drei oder mehr leibliche Kin- 25
der haben. Hier liegt Deutschland mit seinen 16 Prozent im europäischen Vergleich im
unteren Mittelfeld. In Norwegen (33 Prozent) Finnland (29 Prozent) und Schweden (27
Prozent) ist der Anteil erheblich höher. Irland ist Rekordhalter mit 36 Prozent. Am ande-
ren Ende der Tabelle liegen Spanien mit 11, Italien mit 12 und Portugal mit 15 Prozent.

Die Wohnsituation ist einer der Hinderungsgründe 30


Das Wohn-Thema scheint bei der Frage, ob Eltern das Wagnis einer kinderreichen Fami-
lie eingehen, eine große Rolle zu spielen. Gerade in Großstädten ist der Wohnraum
meist auf Familien mit zwei Kindern ausgelegt. Das führt zu einer im Ergebnis drasti-
schen Verteilung der Wohnfläche: Mehrkindfamilien (also fünf Köpfe und mehr) leben im
Schnitt auf einer Wohnfläche von rund 134 Quadratmetern, während Paare ohne Kinder 35
etwa 99 Quadratmeter für sich zur Verfügung haben. Was könnte helfen, dass Kinder-
wünsche realisiert werden? Hier ist die Politik gefragt: Wünschenswert wären Verbesse-
rungen der Infrastruktur für Familien vor Ort, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
sowie mehr Wohnungen mit fünf oder sechs Zimmern.
Synonym und Be-
Eigenes Beispiel mit dem je-
Artikel Nomen Plural deutung auf Grie-
weiligen Wort
chisch

Zeit

Tipp

Interesse

Aufmerksamkeit

Erlebnis

Ding

Kontakt

Einfluss

Netz

Bindung

Lebensdauer

Konflikt

Vertrauen

Zuneigung

Gemeinsamkeit

Alltag

Verständnis
Faktor

Vorfeld (im)

Wert

Vorstellung

Bedürfnis

Stadtrand

Streitigkeit

Gegenteil (im)

Boom

Dienstleistung

Begegnung

Auswahl

Kontaktanzeige

Profil

Aufwand

Enttäuschung

Trend

Wagnis
Sinn

Konsequenz

Normalzustand

Ursache

Durchschnitt (im)

Schicht

Vergleich (im)

Synonym und Be-


Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Verb/Aus-
Verb/Ausdruck deutung auf Grie-
druck
chisch

pflegen

Im Klaren sein

leisten

zuhören

mitteilen

sorgen für AKK

unternehmen

schätzen
zur Kenntnis nehmen

verringern

fördern

führen zu DAT

Kontakt knüpfen zu/mit

sich verändern

umgehen mit DAT

Vertrauen aufbauen

sich anpassen an AKK

Familie gründen

fündig werden

Schmetterlinge im
Bauch haben

sich anmelden

sich leisten

sich beteiligen an DAT

im Hintergrund bleiben

sich melden

sich absprechen
sich kümmern um AKK

In die Brüche gehen


(Beziehung)

abnehmen

sich ermüden

sich einstellen

auf der Hand liegen

sich umsetzten

Synonym und Be-


Adjektiv deutung auf Grie- Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Adjektiv
chisch

eigen

gemeinsam

störend

erfinderisch

bekannt

gespannt

verantwortlich

schädlich

ewig

wahr
ratsam

treu

langjährig

regelmäßig

gleichgeschlechtlich

fremd

wachsend

potenziell

verschieden

echt

entsprechend

vergangen

stark

spürbar

kinderlos

minderjährig

fortgeschritten

kinderreich
Tourismus
Urlaub 2019: Warum Sicherheit wieder wichtiger wird

Sicherheit ist zu einem der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl des Urlaubszieles ge- 1

worden. Zu denken ist an die letzten Terroranschläge, den Vulkanausbruch auf Bali, die

Pleiten von großen Airlines. Die unvorhersehbaren Ereignisse werden gefühlt immer

mehr, was die Reisenden natürlich verunsichert.

[ 1 ] Da ist zum einen der finanzielle Aspekt: Bei Reisen geht es um viel Geld, das un- 5

ter Umständen verloren ist, wenn die Airline, bei der der Urlauber einen Flug gebucht hat,

pleitegeht. Doch der Schaden ist natürlich noch größer: Der Urlaub ist die schönste Zeit

des Jahres. Wenn sie nicht in ihr Urlaubsziel reisen können, dann erwarten die Kunden

Optionen, wohin sie sonst reisen können. Die wenigsten wollen einfach ihr Geld zurück,

sondern sie wollen Alternativen – einen neuen Flug, einen neuen Urlaub. 10

[ 2 ] In diesem Fall möchten die Menschen jemanden, der sich um ihre Belange küm-

mert und ihnen hilft, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Mittlerweile schulen große Rei-

severanstalter sogar eigens zu diesem Zweck sogenannte Krisenhelfer. Diese werden

sofort losgeschickt, wenn etwas passiert. Und weil immer häufiger Kunden auch bereit

sind, mehr für ihre Sicherheit zu zahlen, wird heutzutage wieder vermehrt bei den großen 15

Reiseveranstaltern gebucht, die eine gewisse Sicherheit garantieren können.

[ 3 ] Sehr gefragt ist Griechenland, besonders bei Familien. Gute Hotels dürften dort

ziemlich früh ausgebucht sein. Aber auch die Türkei kommt zurück. Sie war bis vor weni-

gen Jahren aus deutscher Sicht Reiseland Nummer Zwei und ist dann zwischenzeitlich

auf den fünften Platz zurückgefallen. Aktuell liegt sie wieder auf Platz Drei. Das Preis- 20

Leistungs-Verhältnis dort scheint für die deutschen Touristen zu stimmen und mehr und

mehr Deutsche dort gute Erfahrungen gemacht. Viele kehren jetzt zurück. Und auch das
Reiseziel Ägypten wächst. Die Menschen verstehen inzwischen: Terror kann überall pas-

sieren, und in den touristischen Regionen ist es dort seit zwei Jahren ruhig. Angesichts 25

der Anschläge in Europa haben die Menschen gelernt, mit der Gefahr umzugehen – so

makaber das klingt.

[ 4 ] Dabei spielt die demografische Entwicklung eine Rolle. Viele ältere Menschen

wollen eine lange Anfahrt vermeiden, einige wollen lieber einen Kurzurlaub machen. Und

andere können sich zwei Wochen Portugal einfach nicht leisten. Schwarzwald oder auch 30

die Bayerischen Alpen sind bei ihnen hoch im Kurs – und natürlich Nord- und Ostsee.

[ 5 ] Früher war es wichtig, ständig erreichbar zu sein und alles online zu posten. Mitt-

lerweile liege der Fokus wieder darauf, sich von und für die Arbeit zu erholen. Luxus ist

es jetzt, nicht mehr erreichbar zu sein.

Aufgabe zum Text:


Welcher Satz passt in welche Lücke? Ordnen Sie zu!

a) Nicht zuletzt wird auch das eigene Land bei den Deutschen immer beliebter.

b) Sicherheit ist ein vielschichtiges Thema, die Menschen machen sich um viele Dinge Sorgen.
c) Bei den Deutschen steht jetzt allgemein im Urlaub wieder mehr die Erholung und nicht das
Erlebnis im Vordergrund.

d) Bei den Buchungstrends zeichnet sich ebenfalls eine Präferenz für sichere Destinationen ab.

e) Und schließlich ist da noch die Krise, die während des Urlaubs eintreten könnte, in Form von
Krankheit oder einem Unfall zum Beispiel.
Reisestile kurz gefasst
1 Sommerzeit ist Urlaubszeit. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, arbeitsfreie Zeit zu gestalten. Wir
haben uns einige Szenarien angesehen und geben – nicht ganz erst gemeinte – Interpretationshil-
fen, was einen auf diese oder jene Art reisenden Touristen charakterisiert.

Schnell buchen, richtig relaxen: ___ versprechen die ultimative Entspannung. Für alle, die sich gerne
5 zurücklehnen und anderen die Arbeit überlassen. Oder für jene, die das ganze Jahr über fleißig waren
und nun endlich wirklich entspannen wollen, zum Beispiel in einem Luxus-Club. Wohin ist nicht so
wichtig, weil die Ressorts ohnehin überall gleich aussehen.

Das genaue Gegenteil sind ___. Am besten in unwirtliche, natürliche Gegenden und das möglichst
ohne vorherige Planung. Das Motto: Der Job ist langweilig genug, da sollte wenigstens der Urlaub
10 spannend sein. Positiv daran ist, dass die Person Eigeninitiative zeigt und nicht vor Herausforderun-
gen zurückschreckt.

Das Ganze funktioniert natürlich auch weniger drastisch. Bei ___ sind Flug, Hotel und Veranstaltun-
gen gebucht, aber es geht dennoch in die Wildnis. Zum Beispiel auf Safari. Ideal für alle, die gerne ei-
nen Hauch von Abenteuer erleben, es aber schließlich doch lieber bequem haben.

15 Beim ___ steht der soziale Aspekt im Vordergrund. Wichtiger als das Ziel ist, wer mitfährt. Lustig
wird es ja überall von selbst, solange man mit den richtigen Leuten unterwegs ist. Solche Urlauber
sind Teamplayer und wollen auch in der Freizeit nicht auf den Freundeskreis verzichten.

Am anderen Ende der Skala steht der ___. Die Motivation: Das ganze Jahr schlagen wir uns mit Vor-
gesetzten, Nachbarn und der Familie herum. Da will man wenigstens in den Ferien seine Ruhe. Diese
20 Sichtweise suggeriert einen Einzelkämpfer, der wirkliche Erholung nur allein in der Ferne findet, was
wiederum Organisationstalent und Mut erfordert.

Die Familie kommt im Alltag doch immer zu kurz. Deshalb bekommt sie im ___ ungeteilte Aufmerk-
samkeit. Das vermittelt im besten Fall soziale Kompetenz und einen starken Rückhalt. Oder, wenn
man nach drei Wochen Familienzwist wieder in der Arbeit erscheint: Die Freude, wieder möglichst
25 viel Zeit in der Firma verbringen zu dürfen.

Der aufgeklärte Bildungsbürger nutzt jede Gelegenheit, um sich weiterzubilden oder sich zumindest
auf gehobenem Niveau unterhalten zu lassen. Was gibt es Schöneres, als im Urlaub neue Eindrücke
zu sammeln? Eine ___ vermittelt Wissensdurst und Lernbereitschaft. Oder gepflegte Langeweile.

Auf dem Land regieren Stechmücken, schlechtes Essen und Langeweile. Ballungszentren hingegen
30 sind für den urbanen Reisenden die Kulturzentren der Welt. ___ sind für ihn die einzig sinnvolle
Art, seinen Urlaub zu verbringen. Das Image dazu: modern, fortschrittlich und immer am Puls der
Zeit.
Der Urlauber, der sich auf ___ begibt, möchte sein gewohntes Umfeld verlassen. Das bedeutet: Ich
will Neues entdecken und bin aufgeschlossen gegenüber Fremdem und Unbekanntem. Oder: Mein
35 Job ist so schlimm, ich muss möglichst weit weg!

Das Gegenteil davon ist der ___. Das Gute liegt so nah, warum in die Ferne schweifen? Auch das ei-
gene Land hat viel zu bieten! hat nebenbei den Vorteil, sich nicht mit fremder Sprache und Kultur
herumschlagen zu müssen. Das kann man als Konservatismus auslegen, oder als Traditionsbewusst-
sein und lebhaftes Interesse an der eigenen Kultur.

40 Warum überhaupt vom schönen Zuhause flüchten? Während des ganzen Jahres findet man sowieso
nie die Zeit, das eigene Heim mit seiner Anwesenheit zu würdigen. Und Reisen zu organisieren berei-
tet überdies nur Stress. Wieso also nicht den ___ verbringen? Das muss nicht notwendigerweise als
faul interpretiert werden. Wenn alle ständig auf Reisen sind, ist das beinahe schon nonkonformis-
tisch.

45 Bei der ___ ist der Weg das Ziel. Nicht die Destination, sondern die Reise steht im Vordergrund. Da-
bei ist alles organisiert und ein Schiff ist schön übersichtlich. Anders ausgedrückt: ein mobiler
Cluburlaub. Was das bedeutet? Der Tourist lässt sich gern treiben – aber nicht ziellos.

Aufgabe zum Text: Welche Reiseart ist jeweils gemeint? Ergänzen Sie:

Abenteuerreisen
einsame Urlaub
Familienurlaub
Fernreisen
Kreuzfahrt
Kulturreise
organisierten Abenteuerreisen
Pauschalreisen
Städtereisen
Urlaub daheim
Urlaub in der Region
Urlaub mit Freunden
SANFTER TOURISMUS
Mit diesen Tipps reisen Sie nachhaltiger
Reisen und Nachhaltigkeit mögen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammenpassen, schadet 1
doch schon allein die Anreise dem Klima. Doch ein paar einfache Tricks können den Urlaub nach-
haltiger gestalten. Wir verraten, was von der Planung bis zum Verhalten vor Ort wichtig ist

Die Reise nachhaltig planen


Egal welche Urlaubsform, ob Ent- 5
spannung, Kultur oder Action, wichtig
ist die Frage, wie weit dafür tatsäch-
lich gereist werden muss. In den
meisten Fällen erfüllen Ziele in
Deutschland oder im europäischen 10
Ausland, diese Wünsche genauso
gut, wie Fernziele. Es gilt also zu hin-
terfragen, ob die Entspannung wirk-
lich nur an einem Strand in Mexiko
eintritt, oder ob dies nicht auch an der deutschen See oder dem Mittelmeer klappen kann. Eben- 15
falls grundlegend für die nachhaltige Urlaubsplanung ist die Relation zwischen Dauer der Reise
und Entfernung zum Urlaubsland. Eine Woche mit dem Mietwagen durch Südafrika ist weder er-
holend, noch steht sie im Verhältnis zur klimaschädigenden Flugreise dorthin.

Nachhaltig wirtschaftende Unterkünfte buchen


Bei der Auswahl einer nachhaltigen Unterkunft spielen gleich zwei Faktoren eine Rolle. Zum ei- 20
nen gilt es die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten und zum anderen die lokale Wirtschaft
zu unterstützen, denn auch das zählt zum nachhaltigen Reisen. Wer sich vor Ort eine Unterkunft
suchen möchte, sollte darauf achten, dass diese von Ortsansässigen geführt wird und die lokale
Bevölkerung beispielweise in Form von Arbeitsplätzen an den Übernachtungen wirtschaftlich be-
teiligt ist. All-Inclusive-Angebote können für Gastgeberländer hingegen gar schädlich sein, da sie 25
die einheimische Bevölkerung zu einem erheblichen Teil von den Einnahmen aus dem Tourismus
abschneiden.

Eine möglichst klimafreundliche Anreise


Flugreisen sind die klimaschädlichste Form der Fortbewegung. Es gilt also immer zu überlegen,
ob sich das angepeilte Ziel nicht auch per Zug oder Reisebus erreichen lässt. Denn der umwelt- 30
freundlichste Weg, um in den Urlaub innerhalb Europas zu kommen, ist der Reisebus, dicht ge-
folgt von der Bahn. Sollte es sich nicht vermeiden lassen zu fliegen, ist es möglich den eigenen
CO₂-Ausstoß über Organisationen wie Atmosfair zu kompensieren. Pro Flug wird ein entfer-
nungsabhängiger Preisaufschlag erhoben, der in Klimaschutzprojekte fließt.
Nachhaltige Fortbewegung vor Ort 35
Was für die Anreise gilt, ist auch im Urlaubsland zu bedenken. Statt einem Mietwagen, wird die
Destination mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkundet, so lassen sich Land und Leute auch gleich
besser kennenlernen. Wenn sich das Netzwerk aus Bussen und Bahnen vor Ort nicht zum Rei-
sen eignet, besteht vielleicht über die Unterkunft die Möglichkeit sich mit Touristen, die eine ähnli-
che Route planen, zusammenzuschließen und dann nur einen Mietwagen zu buchen, anstatt 40
zwei. Falls möglich, sind ausgedehnte Fahrradtouren oder Wanderungen natürlich die nachhal-
tigste Form das Urlaubsland zu entdecken.

Rücksichtsvoll vor Ort leben


Im Urlaubsland sollten ähnliche Regeln wie zu Hause gelten, besonders beim Thema Energie-
sparen. Denn auch wenn der Hotelpreis fix ist, ist das keine Entschuldigung exorbitant lange zu 45
duschen oder das Licht unnötig brennen zu lassen. Klimaanlagen sind zudem wahre Klimasünder
und sollten bestenfalls gar nicht benutzt werden oder nur in kurzen Intervallen.

Das richtige Ausflugsangebot finden


Bei der Auswahl der Freizeitaktivitäten sollten die natürlichen Gegebenheiten des Urlaubslandes
bedacht werden: Golfen in wasserarmen Regionen oder der Besuch einer Show mit exotischen 50
Tieren, deren Lebensraum ein ganz anderer ist, wären beispielweise überdenkenswert. Zudem
sollte bestenfalls ein lokaler Touranbieter engagiert werden. Die Guides kennen sich nicht nur
meistens besser aus, sondern werden auch direkt finanziell an der Buchung beteiligt. Gleiches
gilt, wenn Sie Souvenirs auf Straßenmärkten oder in kleinen Läden kaufen und in einheimischen
Restaurants anstatt in bekannten Ketten essen gehen. Letzteres fördert nicht nur die Wirtschaft 55
im Urlaubsland, sondern eröffnet auch die Möglichkeit landestypische Gerichte und die Gast-
freundschaft der Einheimischen kennenzulernen.

Nachhaltige Begegnungen vor Ort


Die Begegnungen mit anderen Kulturen gehört zu den meistgenannten Gründen für das Reisen
und auch das lässt sich nachhaltig umsetzen. Dazu zählt beispielsweise die rechtzeitige Informa- 60
tion über die Gepflogenheiten im Urlaubsland, damit eine Begegnung mit der Bevölkerung auf
Augenhöhe stattfinden kann. Seien Sie vor Ort sensibel für die Lebenswelt der Menschen und re-
flektieren Sie Ihr eigenes Verhalten: Trage ich angemessene Kleidung, begegne ich den Einhei-
mischen mit Respekt, verhalte ich mich an Sehenswürdigkeiten angebracht? Feinfühligkeit ist
auch beim Thema Fotografie gefragt. Es ist verständlich, dass Fotos eine tolle Erinnerung an 65
diese so andere Kultur sind, aber dennoch sollten die Einheimischen vorab um Erlaubnis gebeten
und deren "Nein" akzeptiert werden. Oder wie fänden Sie es, wenn ein Tourist Sie ungefragt in
Ihrem Alltag ablichten würde?
Die Schattenseiten des Tourismus
Jahr für Jahr bricht die Tourismusbranche ihre eigenen Rekorde, mittlerweile reisen 1
jährlich gut 1,3 Milliarden Menschen um die Welt. Doch vielerorts ächzen Bewohner und
Umwelt unter der Last der Menschenmassen.

Es ist wieder diese Zeit im Jahr. Gerade sind in vielen Teilen der Welt besonders viele
Menschen verreist und tummeln sich als Touristen in Bangkok, am Mittelmeer oder auf 5
einem Kreuzfahrtschiff.
In Deutschland etwa macht dem ADAC Reisemonitor zufolge mittlerweile jeder Dritte
zwei Urlaubsreisen im Jahr, die mindestens fünf Tage dauern. Jeder Sechste macht sogar
noch mehr solcher Urlaube. Die Deutschen reisen immer öfter und immer weiter – und
damit sind sie nicht allein. 10
Die enormen Zuwächse im Tourismus ergeben sich aus immer mehr Flügen zu immer
niedrigeren Preisen sowie mehr Menschen, die sich Urlaube leisten können, etwa in In-
dien oder China. Reisten 1995 noch 531 Millionen Menschen in andere Länder, so waren
es im vergangenen Jahr gut 1,3 Milliarden.

Die Welt ein Dorf 15


Ob eine Backpackertour durch Südame-
rika, Tauchen auf den Philippinen oder All-
Inclusive-Urlaub in der Türkei - dank Billig-
fliegern, Airbnb & Co ist heutzutage fast alles
möglich. Dass Freunde auf Instagram nahezu 20
live mitverfolgen können, wer gerade welche
Destination aufsucht, spielt laut Tim Freytag,
Professor für Humangeographie an der Uni
Freiburg, eine wichtige Rolle.
"Reisen ist so zum wesentlichen Bestandteil 25
unserer Selbstdarstellung geworden", sagt
er. Bei manchen Urlaubern dränge sich gar
der Eindruck auf, dass sie ihr Reiseziel nach
seiner "Instagram-Tauglichkeit" aussuchten,
und Fotos und Videos zu posten dann ihre Hauptbeschäftigung sei. 30

Diagnose: Touristifizierung
An touristischen Top-Destinationen gehen die auswärtigen Besucher, die sich vor bekann-
ten Kulissen auf Selfies verewigen, der einheimischen Bevölkerung jedoch schon längst
auf die Nerven - so etwa in Venedig, wo von Kreuzfahrtschiffen stündlich tausende Passa-
giere von Bord gehen. 35

Auch die Mallorquiner haben genug von überfüllten Stränden, Wassermangel und ange-
trunkenen Gästen aus dem Ausland - im Herbst 2017 organisierten die Inselbewohner die
bislang größte Demonstration gegen Massentourismus.
Insbesondere Städtereisen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. "Die Folge ist,
dass In manchen Vierteln Wohnraum rar und Mieten teurer werden", erklärt Humangeo- 40
graph Freytag. Die Nutzungsstrukturen änderten sich ebenfalls, die Geschäfte passten
sich die Bedürfnisse der Touristen an.
Freytag: "Die sogenannte Touristifizierung hat einen vergleichbaren Effekt wie die Gentri-
fizierung. Ärmere Bewohner werden verdrängt, und die Wohnviertel werden immer ho-
mogener." 45

Auf Kosten der Umwelt


Nicht zuletzt sind da auch noch die Folgen
für die Umwelt. Tourismusforscher Jürgen
Schmude zufolge ist Tourismus für circa fünf
Prozent der globalen Emissionen verantwort- 50
lich und treibt somit den Klimawandel
mit voran. "Besonders An- und Abreise,
die immer häufiger mit dem Flugzeug bestrit-
ten werden, sorgen für wachsenden CO2-
Ausstoß. Ausgleichszahlungen, die man als 55
Fluggast inzwischen bei vielen Airlines täti-
gen kann, werden übrigens kaum genutzt."
Vor Ort könnten und würden Touristen na-
türlich ebenfalls ökologische Schäden anrich-
ten, etwa durch Müll, übermäßigen Wasserverbrauch, Skifahren oder unvorsichtiges Tau- 60
chen. Auch der Kreuzfahrt-Tourismus sei alles andere als nachhaltig, so der an der Lud-
wig-Maximilians-Universität München tätige Professor.

Der Traum vom "sanften" Tourismus


Bleibt die Frage, was gegen die Folgen des Massentourismus getan werden kann.
Schmude erklärt: "Es gibt kein Patentrezept, aber grundsätzlich müssen Politik und Reise- 65
veranstalter immer im Blick behalten, wo die kritische Grenze eines Ortes ist. Man kann
dann versuchen, die Nebensaison zu stärken oder die Anzahl der Quartiere zu beschrän-
ken."
Wenn die Handlungsmöglichkeiten schon jetzt begrenzt sind, wie wird dann die Zukunft
aussehen? Im Jahr 2030 soll es noch einmal doppelt so viele internationale Touristen ge- 70
ben wie heute. "Das könnte ein großes Problem werden, auf das bislang niemand eine
Antwort hat. Zwar werden auch neue Urlaubsziele hinzukommen, aber die werden die
wachsende Zahl von Touristen nicht auffangen."

Trotz der alarmierenden Prognose wehrt sich Humangeograph Freytag dagegen, Touris-
mus nur negativ zu sehen. Denn die Branche sei weiterhin wichtig etwa für die Entwick- 75
lung bestimmter Regionen und den kulturellen Austausch.
Jeder Urlauber habe es zudem selbst in der Hand, im Rahmen seiner Möglichkeiten nach-
haltiger zu reisen, Stichwort "Sanfter Tourismus" oder "Ökotourismus". Wie wäre es
also mit einem Wanderurlaub im Harz, und zwar in der Nebensaison?
Wie funktioniert AirBnB? Verständlich erklärt
von Tim Aschermann

Wie läuft die Buchung ab? 1


 Bei AirBnB werden Zimmer, Wohnungen und Häu-
ser vermietet. Die Unterkünfte lassen sich je nach
Angebot für einen Tag, mehrere Wochen, oder
auch für Monate buchen. 5
 Ähnlich wie eBay, stellt AirBnB nur eine Vermittlungs-Plattform dar. Zum Preis für
die Unterkunft kommt demzufolge stets eine Service-Gebühr hinzu. Dafür kümmert
sich AirBnB im Fall der Fälle um Probleme.
 Haben Sie auf der Webseite von AirBnB eine passende Unterkunft gefunden, kön-
nen Sie eine Anfrage für die Buchung stellen. Wird die Anfrage vom Eigentümer 10
bestätigt, können Sie den Preis für die Buchung über AirBnB bezahlen.

Wie sicher ist AirBnB?


 Auf AirBnB hat jeder Vermieter ein eigenes Profil, das er mit Texten und einem Bild
ausfüllen kann. Zusätzlich werden die Vermieter von den Gästen bewertet, was die
Seriösität weiter erhöht. 15
 Der Vermieter erhält das von Ihnen gezahlte Geld erst 24 Stunden nach Ihrer An-
reise von AirBnB ausgezahlt. Selbst wenn es zu einem Betrug oder einem Fehler
kommen sollte, haben Sie also genug Zeit, um die Buchung bei AirBnB zu rekla-
mieren. Ihr Geld ist somit relativ sicher.

AirBnB als Tourismus-Anbieter? 20


Seine Wohnung auf AirBnB temporär zu vermieten, ist preislich höchst attraktiv: Wer etwa
in Berlin eine Wohnung mit Platz für vier Personen vermietet, kann demnach mit 632 Euro
pro Woche rechnen. Das ist deutlich mehr als ein angenehmer Nebenverdienst.

AirBnB ist aber längst zum globalen Tourismus-Anbieter geworden. Denn ein großer Teil
der AirBnB-Vermieter sind eben nicht mehr Privatleute, die einen Teil der eigenen Woh- 25
nung mit Fremden teilen - sondern Profis. So kommt es auch, dass AirBnB allein in Berlin
mehr als 38 500 Betten im Angebot hat. Zum Vergleich: Die gesamte Tourismusindustrie
bietet in Berlin 139 000 Übernachtungsplätze.

Geteilte Zimmer, bei denen nur einzelne Schlafplätze vermietet werden, spielen bei Air-
BnB kaum noch eine Rolle. Mit 58 Prozent macht das Vermieten ganzer Wohnungen oder 30
Häuser inzwischen das Kerngeschäft von AirBnB aus. Die Firma ist heute ein globaler
Tourismus-Anbieter, konkurriert mit Hotelketten und großen Plattformen wie Booking.com.
Deshalb hat AirBnB überall auf der Welt Ärger mit städtischen Behörden. Ferienwohnun-
gen gelten als Gewerbe und können somit nicht ohne Weiteres in Wohngebieten eröffnet
werden. Viele Metropolen haben daher inzwischen mehr oder weniger strenge Regeln be- 35
schlossen, um das AirBnB-Geschäft einzudämmen. AirBnB selbst weicht der Kritik an sei-
nem Geschäftsmodell aus. "Für die Einhaltung lokaler Regeln sind die Gastgeber selbst
verantwortlich", sagt AirBnB.
Synonym und Be-
Eigenes Beispiel mit dem je-
Artikel Nomen Plural deutung auf Grie-
weiligen Wort
chisch

Urlaubsziel

Pleite

Reiseveranstalter

Krisenhelfer

Reiseland

Preis-Leistungs-Ver-
hältnis

Anfahrt

Kurzurlaub

Buchungstrend

Interpretationshilfe

Entspannung

Luxus-Club

Ressort

Motto

Wildnis

Ferne

Urlaubsform
Urlaubsplanung

Entfernung

Flugreise

Unterkunft

Ortsansässiger

Übernachtung

All-Inclusive-Angebot

Gastgeberland

Preisaufschlag

Route

Fahrradtour

Wanderung

Klimasünder

Ausflugsangebot

Touranbieter

Guide

Souvenir

Gastfreundschaft
Begegnung

Gepflogenheit

Sehenswürdigkeit

Feinfühligkeit

Schattenseite

Tourismusbranche

Kreuzfahrtschiff

Zuwachs

Backpackertour

Billigflieger

Destination

Touristifizierung

Passagier

Inselbewohner

Massentourismus

Fluggast

”sanfter” Tourismus

Nebensaison
Quartier

Region

Wanderurlaub

Vermittlungs-Platt-
form

Servive-Gebühr

Seriösität

Tourismusindustrie

Übernachtungsplatz

Hotelkette

Ferienwohnung

Gastgeber

Synonym und Be-


Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Verb/Aus-
Verb/Ausdruck deutung auf Grie-
druck
chisch

denken an

buchen

pleitegehen

sich kümmern um

in Schwierigkeiten
stecken
eine Erfahrung ma-
chen

mit etwas umgehen

sich etwas leisten

hoch im Kurs stehen

etwas online posten

sich erholen

im Vordergrund ste-
hen

relaxen

sich zurücklehnen

jemandem etwas
überlassen

vor etwas zurück-


schrecken

einen Hauch von


Abenteuer erleben

unterwegs sein

sich mit etwas herum-


schlagen

suggerieren

zu kurz kommen

am Puls der Zeit

aufgeschlossen sein
„Warum in die Ferne
schweifen? Sieh, das
Gute liegt so nah“
(nach Goethe)

flüchten von

etwas würdigen

sich gern treiben las-


sen

etwas kompensieren

auf Augenhöhe

reflektieren

jemanden um Erlaub-
nis bitten

jemanden / etwas
ablichten

ächzen

sich tummeln

sich verewigen

jemandem auf die


Nerven gehen

von Bord gehen

etwas selbst in der


Hand haben

etwas reklamieren
Synonym und Be-
Adjektiv deutung auf Grie- Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Adjektiv
chisch

unvorhersehbar

ausgebucht

makaber

erreichbar

arbeitsfrei

ultimativ

unwirtlich

drastisch

ungeteilt

fortschrittlich

nonkonformistisch

übersichtlich

nachhaltig

klimaschädigend

klimafreundlich

entfernungsabhängig
rücksichtsvoll

überdenkenswert

landestypisch

meistgenannt

rechtzeitig

sensibel

angemessen

weltweit

wesentlich

auswärtig

stündlich

überfüllt

meistbesucht

übermäßig

unvorsichtig

temporär

preislich

global
Wohnen
_________________________________________________________________
Eine WG gründen – Die Grundlagen
1 Es müssen nicht immer „die eigenen vier Wände“ sein. Kostengünstiger lebt es sich als
Student in einer WG. – Und du willst also eine WG gründen? Prima Idee! Bevor es aber
mit der WG-Gründung und der Suche nach der passenden Wohnung losgeht, solltest Du
Dir erste Gedanken zu Deinem Vorhaben machen. Denn Wohngemeinschaften können in
5 der Praxis sehr unterschiedlich ausfallen. Von der reinen Zweckgemeinschaft, die einfach
günstigen Wohnraum sucht, bis zur WG unter Freunden, die viel Zeit miteinander verbrin-
gen, sind die Unterschiede riesig. Und wie findet man die passenden Mitbewohner über-
haupt?

Wie sieht eine geeignete Wohnung aus?

10 Die perfekte Wohnung für eine WG-Gründung hat mehrere ungefähr gleich große Räume,
von denen keiner ein Durchgangszimmer ist. Sprich: Bad und Küche sollten nicht ge-
rade so liegen, dass Du bei Deinem Mitbewohner durchs Zimmer musst – egal wie eng
und gut eure Freundschaft ist! Im Idealfall bleibt sogar ein Raum übrig, der als Gemein-
schafts- und Gästezimmer genutzt werden kann. Alternativ eignet sich aber auch
15 eine Wohnküche als Ort für gemeinsame Aktivitäten. Praktisch ist eine bereits ausge-
stattete Küche, so fallen weniger Anschaffungen an. Eines der WG-Zimmer hat einen
Balkon? Dann klärt im Vorfeld, ob der Zimmerbewohner damit einverstanden ist, wenn die
Mitbewohner häufig durch sein Reich spazieren, um den Balkon zu nutzen. Das Schöne
an einer WG: Die Einrichtung deines eigenen Zimmers ist ganz dir überlassen – nur wie
20 ihr Gemeinschaftsräume dekorieren wollt, solltet ihr gemeinsam beraten.

Gründest Du eine Zweck- oder Freundes-WG?

Suchst Du Mitbewohner, die als Familienersatz herhalten sollen, oder geht es Dir haupt-
sächlich darum, dass jemand die Miete mit Dir teilt? Das solltest Du Dir im Vorfeld gut
überlegen, denn wenn Du gerne gemeinsame Kochabende organisieren willst, Deinen
25 Mitbewohnern aber höchstens mal auf dem Flur begegnest, ist Frustration vorprogram-
miert. Hier zeigen wir Dir Vor- und Nachteile der zwei Extremformen:

Freundes-WG
1. _____
30 2. _____
3. _____
4. _____

Zweck-WG
1. _____
35 2. _____
3. _____
4. _____

Die Realität spielt sich meist zwischen diesen zwei Extremen ab. Die meisten entschei-
den sich für eine gesunde Mischung: Gemeinsame Aktivitäten finden zwar regelmäßig
40 statt, sind aber kein Zwang. Es ist für alle in Ordnung, wenn die Zimmertür auch mal tage-
lang zu ist. Und dass jeder seine Lebensmittel selbst kauft und sein eigenes Fach im
Kühlschrank hat, ist dann auch selbstverständlich. Die Vorstellungen des Zusammenle-
bens und gewisse Grundregeln pendeln sich oft auch erst nach dem Gründen der WG
ein.
45 Wie sehen die idealen Mitbewohner aus?

Wie Dein perfekter Mitbewohner aussieht, hängt von Deinen Gewohnheiten ab. Wie
stehst Du zu Sauberkeit, Privatsphäre und häufigen Besuchen? All diese Dinge soll-
test Du im Vorfeld mit den Anderen abklären. Es kann hilfreich sein, wenn ihr ungefähr im
gleichen Alter seid und euch in einer ähnlichen Lebensphase befindet. Ein 20-jähriger
50 Student wird nur selten mit einer 38-jährigen Mitbewohnerin glücklich, die jeden Tag um 8
Uhr morgens zu ihrem Vollzeitjob geht. Achtung: Die beste Freundin qualifiziert sich nicht
automatisch als ideale Mitbewohnerin. Nur weil ihr Freunde seid, heißt das nicht, dass ihr
auch das gleiche Verständnis eines sauberen Badezimmers habt. Freundschaften kön-
nen im worst case sogar an Spannungen und Streitereien zerbrechen, wenn die Er-
55 wartungen aneinander und das Zusammenleben in der WG nicht erfüllt werden.
Man sollte sich schon bewusst sein, dass in einer WG ganz unterschiedliche Vorstellun-
gen von Wohnen aufeinanderprallen. Einer der größten Reibungspunkte ist sicherlich der
gemeinsame Putzplan – sich an den zu halten, erfordert viel Disziplin! Wer in eine WG
zieht, sollte also eine gewisse Grundtoleranz mitbringen, kein Putzteufel sein. Und zu ler-
60 nen, Kompromisse einzugehen, ist sicherlich eine der wichtigsten Charaktereigenschaf-
ten, die ein zukünftiger Mitbewohner mitbringen sollte.
Aber aus Erfahrung lässt sich sagen: In vielen Fällen gründet man eine WG als Fremde
und verlässt sie Jahre später als gute Freunde.

Aufgabe zum Text:


Ordnen Sie oben zu, welche Vor- und Nachteile zu welcher WG-Form gehören!

1. Die Anonymität kann auch mal nerven – wer sind Deine Mitbewohner eigentlich?
2. Die Privatsphäre bleibt manchmal auf der Strecke.
3. Du hast immer jemanden zum Quatschen, es wird nie langweilig.
4. Du hast zu Hause Deine Ruhe und niemand kritisiert es, wenn Du Dich zurück-
ziehst.
5. Geteilt wird nur das Nötigste – Flur, Bad, Küche.
6. Ihr habt eine gemeinsame Haushaltskasse, von der ihr Lebensmittel und Co. kauft.
7. Jeder beschäftigt sich selbst in seinem Zimmer.
8. Mehrmals wöchentlich finden Koch- oder Serien-Abende statt.
In dieser Business-WG wohnen 50 Mitbewohner zusammen
Du glaubst, WGs seien nur was für Studenten? Früher vielleicht. Heute wohnen auch 1
viele Berufstätige auf diese Weise – in so genannten Business-WGs. Unser Autor Mi-
chael hat in einer vorbeigeschaut, die zu den größten in ganz Deutschland gehört.

Mit einer gekonnten Handbewegung schlägt Norman Eier auf, an diesem Sonntagmor- 5
gen gleich 30-mal. Er macht Rührei daraus, garniert mit Schnittlauch und Feta-Käse. Es-
sen darf das Deutschlands größte Business-WG: In der „WG4U“ wohnen 50 Leute.

Deutschlands größte WG: 25 Duschen, 22 Toiletten – und ein Fitnessraum


Business-WGs sind Wohngemeinschaften, in denen Berufstätige zusammen leben. In
der XXL-WG in Düsseldorf leben und arbeiten 20 Frauen und 30 Männer auf sechs Eta- 10
gen. Sie sind Unternehmensberater, Manager, Vertriebler, Architekten, Anwälte, Piloten
und Lehrer, im Schnitt um die 30 Jahre alt. Sie teilen sich 25 Duschen, 22 Toiletten, zwölf
Kochfelder, fünf große Kühlschränke, vier Waschmaschinen, zwei Fernsehräume, eine
Sauna, einen Fitnessraum und eine Dachterrasse. Die Düsseldorfer Business-WG dürfte
damit die größte der Republik sein. Es steht fest: Waren Wohngemeinschaften früher nur 15
etwas für Studierende, entschließen sich heute immer mehr Berufstätige dazu.

Der typische Bewohner ist gefragte Fachkraft – und Single


Was musst du mitbringen, um ein typischer Business-WG-Bewohner zu sein? Du solltest
am Anfang deiner beruflichen Karriere stehen, privat Single sein, natürlich neu in der
Stadt – und auch nur so lange bleiben, bis du woanders eine bessere Stelle gefunden 20
hast. „Business-WGs sind die passende Lebensform für die digitalen Arbeitsnomaden
unserer Zeit“, sagt Hans-Peter Müller, Soziologieprofessor an der Humboldt-Universität
zu Berlin. Die Bewohner seien meist „hochgradig flexibel“, „vorzüglich ausgebildet“ und
„individualisiert“. Anders gesagt: In Deutschlands Business-WGs wohnen gefragte Fach-
kräfte. 25

Alle Zimmer jahrelang belegt


Wohnungssuche ist stressig – man konkurriert mit vielen anderen Bewerbern um die
besten Wohnungen und oft hat man auch nicht so viel Zeit für die Suche. Die Anbieter
von Business-WGs machen sich diesen Stress bei der Wohnungssuche zunutze und lo-
cken mit möblierten Zimmern und kurzen Kündigungsfristen. In der Düsseldorfer Busi- 30
ness-WG etwa liegt diese bei nur bei einem Monat. „Diese Flexibilität ist ein wichtiges
Verkaufsargument“, sagt Hausverwalterin Patricia Dickhaus. Kein Zimmer habe in den
vergangenen Jahren leer gestanden, berichtet sie.

So viel kostet dich ein Zimmer in einer XXL-Wohngemeinschaft


Ein fertig eingerichtetes Zimmer, schnelle Ein- und Auszugsmöglichkeiten – das alles hat 35
seinen Preis: Für zweckmäßig eingerichtete Zwölf- bis 20-Quadratmeter-Zimmer zahlst
du jeden Monat zwischen 660 und 890 Euro Miete. Nebenkosten für Strom und Internet
sind im Preis enthalten. Und das nutzen viele bis tief in die Nacht: Einige der Düsseldor-
fer Bewohner sitzen manchmal auch noch um 2 Uhr über ihren Projekten – in einer Busi-
ness-WG ist die Gefahr groß, sich zu überarbeiten. Die Grenzen zwischen Privatem und 40
Beruflichem vermischen sich leicht in einer solchen Lebensform.

Hohe Fluktuation – viele Kontaktmöglichkeiten


Angekommen in der WG kannst du nicht nur innerhalb des Hauses neue Leute kennen
lernen und Kontakte knüpfen. In Düsseldorf gibt es auch mit den ehemaligen WG-Be-
wohnern regelmäßige Treffen. Und auch die fallen groß aus: Seit Eröffnung im Herbst 45
2010 haben immerhin fast 300 Berufstätige in der WG4U gelebt.
Das bedeutet auch, dass die meisten Bewohner nicht lange dort wohnen: Im Schnitt ver-
bringt ein Bewohner gerade einmal anderthalb Jahre in der WG. Ein bis zwei Zimmer
wechseln jeden Monat ihren Besitzer.
Im Moment wird in der Düsseldorfer WG übrigens gebaut, weitere 15 Zimmer sollen bis 50
Jahresende dazukommen. Dann sollen 65 Leuten unter einem Dach leben. Eine Kleinig-
keit erinnert dabei übrigens noch an eine Studentenbude: Geschirr spülen musst du dort
per Hand – eine Spülmaschine gibt es nicht.
Was es mit den neuen „Serviced Apartments“ auf sich hat
Mehr Komfort durch Dienstleistungen bieten sogenannte Serviced Apartments. In den 1
USA ist diese Wohnform längst üblich, jetzt will ein Unternehmer dieses Konzept nach
Deutschland bringen.
Der Unternehmer Michael Ries beschäftigt sich vorrangig
mit Wohnungen für Studenten, Geschäftsreisende und dem 5
Bau geeigneter Apartments. Nun plant der 51-jährige Chef der
Pantera AG in Ratingen sogenannte „Serviced Apartments“.
Darunter versteht man Wohnungen, bei denen es zusätzliche
Dienstleistungen wie etwa Versorgung mit Essen, Einkaufs-
hilfen oder Concierges gibt. Zielgruppe dieser aus den USA 10
stammenden Wohnform sind Menschen ab 65. Michael Ries
ist überzeugt vom Erfolg solcher Projekte.

WELT: Herr Ries, warum setzen Sie vorrangig auf sogenannte Serviced Apartments?
Michael Ries: Für mindestens zwei wachsende Zielgruppen sind Serviced Apartments
ideal: Zum einen für Geschäftsreisende, Trainees oder Consultants, die bei längeren Auf- 15
enthalten weit von zu Hause kein Hotel möchten oder durchgängig bekommen. Sie profi-
tieren von einer persönlich-individuellen Atmosphäre und zumeist deutlich günstigeren
Kosten. Daneben verändert aber auch der demografische Wandel die gesamte Gesell-
schaft. Die Gruppe der sogenannten Best Ager ab 60 Jahren setzt auf neue Formen des
Zusammenlebens. Und wir stellen die notwendige Infrastruktur zur Verfügung. 20
WELT: Wie wollen Best Ager denn wohnen?
Ries: Viele möchten beizeiten ihr Eigenheim verlassen, das häufig am Stadtrand oder au-
ßerhalb liegt. Das ist für die meist noch allein dort wohnenden Eltern inzwischen überdi-
mensioniert. Auch sind nötige Instandhaltungen oder Garten- und Pflegearbeiten heraus-
fordernd. Die Best Ager suchen dann nach innerstädtischen Wohnungen mit vielleicht 25
zwei oder drei Zimmern, die hochwertig ausgestattet und gestaltet sind, barrierefrei und
mit flexiblen Serviceangeboten konzipiert. In der Umgebung sind Einkaufsmöglichkeiten,
Gastronomie sowie Medizin-, Freizeit- und Kulturangebote wichtig, die einfach zu errei-
chen sind. Kurzum: Sowohl Singles wie auch Paare wollen in diesem Alter immer häufiger
vorausschauend ein Zuhause wählen, in dem sie möglichst langfristig wohnen können. 30
WELT: Wo realisieren Sie solche Apartments aktuell?
Ries: Wir sind in Deutschland derzeit mit Serviced Apartments an 16 Standorten aktiv,
überwiegend für Geschäftsreisende, die mehrere Wochen oder gar Monate in der Stadt
sind. In NRW sind das Düsseldorf, Leverkusen, Hürth und nun für Best Ager Ratingen bei
Düsseldorf. 35
WELT: Welche Rolle spielen Serviced Apartments auf der Expo Real in München?
Ries: Ich denke, eine große. Denn wenn Märkte funktionieren, werden die Akteure am
Markt aktiv. Wir gehen davon aus, dass es derzeit in Deutschland knapp 30.000 solcher
Wohnungen gibt. In den kommenden zehn Jahren dürfte sich diese Zahl verdreifachen,
davon sind auch die meisten Experten überzeugt. Das ist ein Markt, der sich enorm entwi- 40
ckeln wird.
WELT: Wer wird denn die Service-Funktionen übernehmen, Sie selber?
Ries: Nein, da haben wir nicht die notwendige Kompetenz. Hier gibt es spezialisierte Un-
ternehmen aus dem In- und Ausland.
UMFRAGE
KURZ VOR DEM START DES NEUEN WINTERSEMESTERS STELLT SICH
FÜR VIELE DIE FRAGE, WO SIE IN ZUKUNFT LEBEN WERDEN

1 Im Oktober beginnt für viele Studierende das erste Semester. Doch nachdem die Frage
nach dem Studienplatz geklärt ist, stellt sich meist schon die nächste Frage. Und zwar
die nach der Unterkunft. Was gibt es für Möglichkeiten? Und was sind deren Vor- und
Nachteile?

5 Befindet sich die Stadt, in der man studiert, in erreichbarer Nähe des Elternhauses, bietet
es sich natürlich an, weiterhin bei den Eltern zu wohnen. Das bringt in erster Linie den
Vorteil gesparter Mietkosten. Allerdings muss man dafür zum Teil lange Fahrzeiten in
Kauf nehmen. Außerdem dürfte vielen Studenten bei dieser Möglichkeit das Bedürfnis
nach Freiheit und Unabhängigkeit zu kurz kommen.

10 Eine Alternative zum Leben bei den Eltern sind Wohngemeinschaften oder WGs. Es ist
eine der beliebtesten Wohnarten deutscher Studenten. Laut statista.com hat sich im Jahr
2013 rund ein Drittel aller Studierenden eine Wohnung mit anderen Mitbewohnern geteilt.
Das bringt den Vorteil einer Kostenersparnis gegenüber ei-
ner eigenen Wohnung und man ist direkt vor Ort. Ein wichti-
15 ges Auswahlkriterium bei der WG-Wahl sollten jedoch auf
jeden Fall die Mitbewohner sein.

Trotz Wohnungsnot in vielen deutschen Studentenstädten


und hohen Mietpreisen wohnten 2013 rund 18 Prozent der
Studierenden alleine in einer eigenen Wohnung. Das
20 schafft natürlich Privatsphäre und Unabhängigkeit, jedoch
auch hohe Kosten und die Gefahr des Alleinseins.

Möchte man dem Alleinsein entkommen, ist ein Studenten-


wohnheim wohl die ideale Möglichkeit. Dies sind Gebäude,
in denen Zimmer ausschließlich an Studenten zu günstigen Preisen vermietet werden.
25 Allerdings muss dort in Kauf genommen werden, dass man sich zum Beispiel Küche oder
Bad mit anderen Mietern teilen muss. Zudem ist es meist sehr schwer, einen Platz im
Studentenwohnheim zu erhalten, weshalb man sich schon relativ früh bewerben sollte.

Eine letzte Wohnmöglichkeit sind Studentenverbindungen, in denen allerdings nur we-


niger als ein Prozent aller deutschen Studierenden organisiert sind. Auch in Verbindun-
30 gen wohnen mehrere Studenten kostengünstig zusammen. Allerdings ist die Aufnahme
in Studentenverbindungen meist an gewisse Pflichten gebunden und auch nach seiner
Studentenzeit muss man zur Finanzierung der Verbindung beitragen.
Leben im Hotel Mama wird bei Studenten ganz normal

1 Immer weniger Studenten in Deutschland können sich eine Wohnung leisten – wenn sie
überhaupt eine finden. Das dominante Modell ist heute ein anderes. Und: Viele leben
auch bei den Eltern, mancherorts sogar eine Mehrheit der Studenten.

Die erste eigene Wohnung – das war für Generationen von Akademikern oft eine prä-
5 gende Erinnerung an ihre Studienzeit. Mit der Einschreibung wurden Möbel gekauft, ein
französisches Bett, ein Küchentisch, zwei Stühle, ein Schreibtisch, Schränke, ein Dusch-
vorhang, eine Garderobe. Ein Mietvertrag wurde unterschrieben. Die Eltern waren oft das
letzte Mal involviert, wenn es darum ging, die Rechnung für die Einrichtung zu bezahlen.
Und heute? Heute brauchen viele Studenten keinen Duschvorhang mehr, auch keinen
10 Küchentisch und Stühle, denn all das ist schon längst vorhanden. Schränke hat vielleicht
der Vormieter dagelassen, und ein großes Bett passt oft auch nicht auf die paar Quadrat-
meter. Das ist die Realität in Wohngemeinschaften. Die WG ist zur üblichen studenti-
schen Wohnform in Deutschland geworden, und zwar fast überall.

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat Studenten danach gefragt, wie sie
15 wohnen, und die Angaben mit einer Befragung aus dem Jahr 2003 verglichen. Die Ver-
änderungen zwischen damals und 2018 sind signifikant und für den relativ kurzen Zeit-
raum bemerkenswert: Damals wohnten noch 35,8 Prozent der Studenten in einer eige-
nen Wohnung, allein oder mit ihrem Partner und Kind zusammen. Heute sind dies gerade
mal noch 26,9 Prozent. Dagegen wohnen 30,8 Prozent in WGs; damit ist die Wohnge-
20 meinschaft das am weitesten verbreitete Wohnmodell unter Studenten; 2003 lag der
Wert noch bei 21,9 Prozent.

Dabei ist der Mietpreis oft nicht einmal das Hauptkriterium dafür, dass die jungen Leute in
WGs ziehen. Die Wohnungen, für die sich Studenten interessieren, sind schlicht rar ge-
worden. Bis vor zehn Jahren waren etwa in Berlin Wohnungen in fast jeder Größe verfüg-
25 bar. Heute sind gerade die kleineren, zwischen 30 und 60 Quadratmetern kaum noch zu
bekommen. Bei den üblich gewordenen Massenwohnungsbesichtigungen findet sich im-
mer jemand, der mit seinen Referenzen aus Sicht des Vermieters Studenten aussticht.
Das Wohnen in WGs ist also auch ein Zwang, dem die Studenten notgedrungen unterlie-
gen. Zumal ihre Zahl in den 15 Jahren stark gestiegen ist: Von rund zwei Millionen auf
30 2,8 Millionen.

Gestiegen ist unter ihnen auch der Anteil jener, die bei den Eltern wohnen bleiben: Von
22,4 Prozent auf 25,2 Prozent. Das klingt nicht nach viel – doch an einigen Orten ist der
Wert regelrecht explodiert. So lebten, um nur ein Beispiel zu nennen, in Hannover 2003
nur knapp 19,4 Prozent bei den Eltern, heute sind dies 34,5 Prozent.
35 Die Entwicklung ist aber nicht nur finanziell zu erklären. So hat die Shell-Jugendstudie
nachgewiesen, dass das Verhältnis zwischen den Eltern und ihrem Nachwuchs noch nie
besser war als heute. Ausziehen erscheint da nicht mehr zwingend und wird nicht mehr
als Resultat eines notwendigen Abnabelungsprozesses gesehen. Zudem hat die Zahl der
Hochschulen seit 1990 stark zugenommen.

40 Dadurch, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Nähe des Elternhauses eine Uni
gibt, mag auch die Entfernung zur Uni mittlerweile eine Rolle spielen: Inzwischen wohnt
kein Student rechnerisch mehr weiter als 59 Kilometer von der nächsten Hochschule ent-
fernt. Etwa 50 Kilometer – das ist offenbar für viele die Distanz, die sie täglich maximal
auf sich nehmen wollen, wenn sie dafür zu Hause wohnen können. So hat der Anteil je-
45 ner, die bei den Eltern leben, gerade unter den Studenten zugenommen, die bis zu 50 Ki-
lometer vom Studienort entfernt leben. Und zwar von 51 Prozent auf 62,6 Prozent.
Und in WGs wohnt es sich vielerorts auch nicht mehr günstig. In München etwa beträgt
der durchschnittliche Zimmerpreis 560 Euro. Laut einer Erhebung des Moses-Mendels-
sohn-Instituts aus dem Jahr 2016 betrug der Preis für ein WG-Zimmer in Deutschland im
50 Schnitt 349 Euro. Damals bedeutete das gegenüber 2015 schon ein Plus von 19 Euro.
Die Entwicklung verläuft also rasant. Abhilfe könnte nur ein Bauprogramm schaffen – ei-
nerseits von kleinen Wohnungen, andererseits von Wohnheimen. Letztere hätten den
Vorteil, dass die Studenten nicht mit anderen Geringverdienern konkurrieren müssen.
Synonym und Be-
Eigenes Beispiel mit dem je-
Artikel Nomen Plural deutung auf Grie-
weiligen Wort
chisch

Anschaffung

Anteil

Aufenthalt

Ausstattung

Bleibe

die eigenen vier Wände

Dienstleistung

Eigentümer

Einrichtung

Elternhaus

Gemeinschaftsraum

Infrastruktur

Innenstadt

Kaution

Lage

Mietpreis

Mitbewohner
Möbel

Nachbarschaft

Nachwuchs

Nebenkosten

Putzplan

Stadtrand

Streit

Unterkunft

Wohngemeinschaft

Wohnheim

Wohnungsmangel

Wohnungsnot

Zielgruppe

Zusammenleben

Zweck

Synonym und Be-


Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Verb/Aus-
Verb/Ausdruck deutung auf Grie-
druck
chisch

Anschluss finden an
auf der Strecke bleiben

auf sich nehmen

ausziehen

besichtigen

den Haushalt machen

einziehen

gründen

in der Lage sein

in Kauf nehmen

Kompromisse eingehen

konkurrieren um

Kontakt knüpfen zu/mit

leerstehen

locken

mieten

renovieren

Rücksicht nehmen auf

sanieren
sich begegnen

sich bewerben um

sich leisten (können)

sich teilen

sich zuückziehen

umziehen

unter einem Dach woh-


nen

vereinsamen

vermieten

Zeit miteinander ver-


bringen

zu kurz kommen

zwingen

Synonym und Be-


Adjektiv deutung auf Grie- Eigenes Beispiel mit dem jeweiligen Adjektiv
chisch

ausgestattet

barrierefrei

belegt

bevorzugt
eingerichtet

entscheidend

geborgen

geeignet

gefragt

gemütlich

komfortabel

kostengünstig

kurzfristig

langfristig

möbliert

obdachlos

passend

qualifiziert

rar

verfügbar

vorrangig

zweckmäßig