Sie sind auf Seite 1von 63

Über dieses Buch

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei – eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.

Nutzungsrichtlinien

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.

Über Google Buchsuche

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http://books.google.com durchsuchen.
/

153880
VERZEICHNIS

DER

RÖMISCHEN PROVINZEN

AUFGESETZT UM 297.

HERAUSGEGEBEN VON

THEODOR MOMMSER

MIT EINEM ANHANGE

VON

KARL MÜLLENHOFF.

AUS DEN ABHANDLUNGEN DER KÖNIGL. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN


ZU BERLIN 1862.

MIT EINER KARTE.

BERLIN.
GEDRUCKT IN DER DRUCKEREI DER KÖNIGLICHEN AKADEMIE
\C DER WISSENSCHAFTEN. _ _
* ' .863. . %lh AZU

IN COMMISSION BEI F. Dt'MMLER'S VERLA GS- BUCHHANDLUN G


HARRWITZ UND GOSSMANN.
Gelesen in der Akademie der Wissenschaften am 11. August 1862. Die Seitenzahl bezeichnet
die laufende Pagina des Jahrgangs 1862 in den Abhandlungen der philosophisch-historischen
Klasse der Königl. Akademie der Wissenschaften.
In demselben BaDde, worin ein Blatt des echten Gaius siebzig Jahre hin
durch gedruckt zu lesen war, ohne dafs es Jemand las, in Scipione Maffeis
opuscoli ecclesiastici (hinter dessen istoria teologica delle dottrine della
divina grazia. Trento 1742. fol.), ist auch aus einer anderen ebenfalls der
Veroneser Capitularbibliothek gehörenden Handschrift ein Verzeichnifs der
Provinzen des römischen Reiches nebst einigen Anhängen abgedruckt (1),
das noch keiner von den bisherigen Forschern auf diesem Gebiet berück
sichtigt hat und das auch ich nicht kannte, als ich im Jahre 1853 das dem
Kalender des Polemius Silvius eingelegte analoge Verzeichnifs herausgab.
Nachdem ich darauf aufmerksam geworden, habe ich doch dessen Wieder
abdruck nicht vornehmen wollen , ohne vorher die Handschrift eingesehen
zu haben; wozu ich in diesem Jahr Gelegenheit fand und zugleich Ursache
mich dieses Entschlusses zu freuen, denn Maffei hat an mehreren Stellen
wesentlich geirrt. Ich gebe nun, was die Handschrift bietet, ohne bei den
von mir nach Vergleichung des Originals verworfenen Lesungen Maffeis oder
den bei ihm sich findenden Lücken weiter zu verweilen, zugleich mit den
Bemerkungen, die durch diese Documente veranlafst worden sind.

(') p. 84. Daraus wiederholt in den opere vol. XI (Venedig 1790) p. 159.
Abhandlungen der philos.-histor. Kl. 1862. Nr. 8. A
490

Es sind zehn Blätter in Quart , mit Capitälschrift etwa des siebenten


Jahrhunderts, zu Maffeis Zeit losgelöst, jetzt als fol. 246-255 eingeheftet
hinter dem uralten Codex der Hieronymischen Ubersetzung der Bücher der
Könige ( 2 ), zu dem sie nach Maffeis Vermuthung ursprünglich gehört ha
ben. Fol. 246-249, 247-248, 252-255, 253-254 hängen zusammen,
250 und 251 sind einzeln. Fol. 250 und 251 sind am Schlusse bezeichnet
jenes mit g XXXI, dieses mit XXXI, fol. 255 mit XXXII. Die ersten neun
Blätter gehören einer Handschrift des Julius Honorius an, zu deren näherer
Untersuchung die Zeit nicht reichte und die auch nach den vorliegenden
Proben keine werthhafte Ausbeute verspricht (3) ; ich gebe hier die Beschrei
bung der einzelnen Blätter.

f. 246 quae sunt ippodes taprobanaes ilefantinae theoros carpatos cipros


rodos omnes iter suum agentes
f. 247 reuertuntur ad suum .... sub humo sie currens
f. 248 ut uiriditas eius .... ieromices cati cauci cerissi
f. 249 usippi quadi bacci .... sirmium mursa siscia
f. 250 [Jluuius danubius nascitur ex alpibus] procedens geminatur hoc
est efficiuntur duo .... egeum caspium ionium. Das Eingeklam
merte ist alte Ergänzung.
f. 251 / uas insulas habet oceanus septemtrionalis influit in mare
tirrenum
f. 252 ubi insula rode currit milia .... capraria fortunacae (so) insulae
egilio
f. 253 cossura ynara . . . ab scitia usque ad merorem
f. 254 peruenit ad experides Explicit cosmografia iuli caesaris.

(*) N. 2. Maffei beschreibt ihn a. a. O. opusc S. 62 fg. = opp. XI, 85 fg.


(*) Die Handschrift gehört nach den vorliegenden Proben der zweiten Handschriftenklasse
des mittleren Textes, der sogenannten cosmographia lulii Caesaris an (B bei Karl Pertz
de cosmographia Eihici S. 35 fg.). Beispielsweise werden die Worte Tannessi insula, Solis
perusta insula (p. 691 ed. Gronov. 1722), die in der ältesten mit dem Namen des Julius
Honorius bezeichneten Recension zwischen Hippopodes insula und Taprobane insula erschei
nen, in der Veroneser Handschrift f. 246 wie in allen übrigen der zweiten und dritten Klasse
vermifst; andrerseits steht in dieser f. 250 hoc est efficiuntur duo (p. 695 Gron.), wie in
den älteren Familien, während die dritte, der sogenannte Ethicus, liest et effecti duo
(p. 715 Gron.).
491

Darauf folgt sofort und von derselben Hand das folgende Stück, das
ich wörtlich wiedergebe, wie ich es gelesen habe, nur die Worttheilung der
Handschrift nicht weiter berücksichtigend und durch Hinzufügung der Inter-
punction und der Ordnungszahl der Diöcesen und Provinzen die Verglei-
chung mit der unten folgenden Bearbeitung dieses Katalogs erleichternd.

f. 254 r. Incipit eiusdem nomina prouinciarum omnium.


(I) Diocensis orientis habet prouincias numero XVIII: (1) libia
superior, (2) libia inferior, (3) thebais, (4) aegyptus iouia,
(5) aegyptus herculea, (6) arabia, (7) item arabia augusta liba-
nensis, (8) palestina, (9)fenicen, (10) syriae cohele, (11) augusta
eupatenses, (12) cilicia, (13) isauria, (14) tupus, (15) mesopota-
mia, (16) osroaena.
f. 254 v.
(II) Diocensis pontica habet prouincias numero VII; (17) bitinia,
(18) cappadocia, (19) galatia, (20) päplagonia nunc in duas
diuisas, (21) diosponius, (22) pontus polemiacus, (23) armenia
minor, (24) nunc et maior addita.
(III) Diocensis asiana habet prouincias supra scribtas Villi: (25) phan-
filia, (26) frigia prima, (27) frigia secunda, (28) assa, (29) lida,
(30) caria, (31) insuluae, (32) Jisidiae, (33) ellespontus.
(IV) Diocensis traccae habet prouincias numero VI: (34) europa,
(35) rodope, (36) tracia, (37) emossanus , (38) scitia, (39) m/«'a
inferiori.
(V) Diocensis misiarum habet prouincias numero XI: (40) dacias,
(41) mfr/a superior margensis, (42) dardania, (43) macedonia,
(44) tessalia, (45) priantina, (46) priualentina, (47) epiros noua,
(48) epiros uetus, (49) cr<;/a.
(VI) Diocensis pannoniarum habet prouincias numero VII: (50) />an-
raon/'a inferior, (51) fauensis, (52) dalmatia, (53) ualeria, (54)
pannonia pannonia superior, (55) noricus pariensis, (56) noricus
mediterranea.
(VII) Diocensis brittaniarum habet prouincias numero VI: (57) pri-
mam, (58) secundam, (59) maxime caesariensis , (60) aelauiae
caesariensis.
A2
492

f. 255 r.
(VUI) Diocensis galliarum || habet prouincias numero VDZI: (61) betica
prima, (62) betica secunda, (63) germania prima, (64) germania
secunda, (65) sequania, (66) lubdunensis prima, (67) lubdunensis
secunda, (68) alpes graiae et poeninae.
(IX) Diocensis biennensis habet prouincias numero VII: (69) bien-
nensis, (70) narbonensis prima, (71) narbonensis secunda, (72)
nouem populi, (73) aquitanica prima, (74) aquitanica secunda,
(75) a/pe« maritimae.
(X) Diocensis italiciana habet prouincias numero XVI: (76) beteiam
histriam, (77) Jlaminiam, (78) picenum, (79) tusciam umbrenam,
(80) apuliam calabriam, (81) licaoniam, (82) corsicam, (83) a/-
pe* cotias, (84) re#a.
(XI) Diocensis hispaniarum habet prouincias numero VII: (85) ie/i-
cam, (86) lusitaniam, (87) leartaginiensis, (88) gallecia, (89)
tharraconensis, (90) mauritania tingitania.
(XII) Diocensis africae habet prouincias numero VII: (91. 92) pro-
consularis bizacina zeugitana, (93) numidia cirtensis, (94) numi-
dia miliciana, (95) mauritania caesariensis, (96) mauritania tabia
insidiana.
Felix saeculum (*).

Gentes barbarae quae pullulauerunt sub imperatoribus.


Scoti picti calidoni rugi heruli saxones camari crinsiani amsiuari angri
angriuari fleui bructeri cati burgunziones alamanni sueui franci gallouari
iotungi armilausini marcomanni quadi taifruli hermundubi uandali sarma-
tae sciri carpi scitae gothi indii armeni horrol (5) palmoerni mosoritae mar-
meritae theui ( 6 ) isaur I friges persae.

Item gentes quae in mauretania sunt.


Mauri gensani mauri mazazeses mauri baueres mauri bacautes celti-
tibari turini ausitani calpitani cantabri enantes.

(4) Felicitas saeculi oder saeculi felicitas ist gewöhnlich auf Kaisernlünzen des dritten
Jahrhunderts. (s) Das zweite o nicht ganz sicher; dann fehlt ein Buchstab.
(6) Eher theui als theut.
493

Nomina ciuitatum trans renum fluuium quae sunt.

Usiphorum tuuanium nictrensium nouariil (7) casuariorum. istae omnes


ciuitates trans renum informulam belgicae primae redactae. trans castellum
montiacesenam LXJCK leugas trans renum romani possederunt. istae ciui
tates sub gallieno imperatore a barbaris occupatae sunt, leuga una habet
mille quingentos passus.
Explicit. •

Den ersten Theil dieser merkwürdigen Urkunde habe ich in der fol
genden Untersuchung eingehend erörtert und ihn nachgewiesen als das älte
ste aller auf uns gekommenen Verzeichnisse der diocletianischen Diöcesen
und Provinzen, wahrscheinlich geflossen aus dem ursprünglichen um das
J. 297 aufgesetzten Schema. Der Abschreiber ist mit grofsem Unverstand
verfahren, wie aufser den argen Fehlern besonders die Summirungen der Pro
vinzen jeder Diöcese zeigen: bei diesen sind nämlich nicht die Provinzen,
sondern in der Regel die vorkommenden Hauptwörter gezählt. Interpola
tion indefs zeigt sich nicht und auch Lücken finden sich nur wenige. — Die
Bearbeitung des zweiten Theils, der auch aus einer werthvollen Urkunde
geflossen sein mufs , aber weit mehr gelitten hat, hat auf meine Bitte Herr
Prof. Müllenho ff übernommen.
Die Diöceseneintheilung stellen wir zunächst zusammen mit derjenigen
des Silvius und der Notitia dignitatum so wie mit derjenigen , die sich für
den Orient aus Hierokles ergiebt, bei dem freilich der Name der Diöcese
mit dem der jedesmal ersten Provinz der Diöcese in den Ausgaben confun-
dirt erscheint, so dafs nur selten beide sich vorfinden, in der Regel der
eine oder der andere fehlt.
VEK. SILV. HOT. DIGPf. H1EROCLES.
(8) Oriens Oriens 42-56 Oriens
1. Orientis
{(10) Aegyptus Aegyptus 57-64 Aegyptus
2. Pontica (9) Pontus Pontus 31-41 Pontus
3. Asiana (7) Asia Asia 20-30 Asia
4. Thraciae (6) Thraciae Thraciae 1-6 Thracia

(T) Das letzte i unsicher.


494

VER. SILV. NOT. DIGN. HIBROCLES.


{Dacia 14-19 Z>acm
5. Moesiarum
Macedonia 7-13 Macedonia
( (5) Illyricum

6. Pannoniarum Illyricum
7. Brittanniarum (11) Brittannia Brittanniae
8. Galliarum
(2) Galliae Galliae
9. Viennensis
10. Italiciana (1) J/afta ltaliae
1 1 . Hispaniarum (4) Hispania Hispaniae
12. Africae (3) Africa Africa

Über die Abweichungen ist zu bemerken:


Zu 1 .) Im Veroneser Verzeichnifs umfafst die Diöcese Orientis Aegypten
mit, während dies in den beiden Katalogen des Silvius und der Notitia eine
eigene Diöcese bildet. Dies kann nur dahin verstanden werden, dafs die
Diöcese Aegypten nicht bei der ersten Diöceseneintheilung geschaffen, son
dern erst später aus der Diöcese Oriens abgezweigt ist ; und dafür sprechen
auch andere Spuren. Placidus, eponymer Gonsul im J. 343, wird in einer
Inschrift aufgeführt als comes Orientis, Aegjpti et Mesopotamiae (8) , und
noch in einer Verordnung der Kaiser Valentinianus und Valens wahrscheinlich
vom J. 365 erscheint der comes Orientis als amtlich thätig in Aegypten ( 9 ).
Darum ist es auch wohl nicht zufällig, dafs in Polemius breviarium tem-
porum(i0) die Diöcesen sont ganz wie in seinem Provinzenverzeichnifs, jedoch

(s) Orelli 3191 = I. N. 2618. Der echte, namentlich durch Accursius und Morillon
beglaubigte Text ist: M. Maecio Memmio Furio Baburio Caeciliano Placido c. v., pontifici
maiori, auguri publica p. R. Quiritium, quindecemviro sacris faciendis, correctori Venetiarum
gt Histriae, praefecto annonae urbis sacrae cum iure gladii, comiti ordinis primi, comiti
Orientis, Aegypti et Mesopotamiae, iudici sacrarum cognitionum [/er/io], iudici iterum ex de-
legationibus sacris, praefecto praetorio et iudici sacrarum cognitionum tertio, consuli ordina-
rio, patrono prestantissimo regio Palatino posuit. Das erste tertio ist fehlerhafter Zusatz des
Steinmetzen. Placidus war praef. praet. 344 (C. Th. 12, 1, 37), praef. urbi 346. 347. Vgl.
Rossi Annali 1849 p. 341 und Borghesi ßullett. 1850 p. 141.
(') C. Th. 12, 1, 63: intra Aegyptum deprehensos per comitem Orientis erui e latebris
mandavimus. Nicht mit Recht denkt Gothofred hier an den comes commerciorum oder, wie
er ändern will, comilatianorum per Orientem et Aegjrptum.
(I0) p. 275 meiner Ausg.
495

mit Weglassung von Aegypten aufgeführt werden ; er wird dort einer älteren
Quelle gefolgt sein. — Übrigens liegt die Verwaltungsgeschichte dieses
Districts noch sehr im Dunkel. Ohne Zweifel ist er ursprünglich Immediat-
bezirk des praef. praetorio Orientis gewesen. Denn da sich Immediatbezirke
der übrigen drei praefecti praelorio nachweisen lassen, ist nicht zu glauben,
dafs dem vornehmsten von allen allein ein solcher von Hause aus gefehlt
haben soll. Wenn er aber einen gehabt hat, mufs dies, wie bei seinen
Collegen in Gallien und Illyricum, eben derjenige gewesen sein, von dem
er den Namen trug. Diese Immediatverwaltung mufs sich aber nicht bloß
auf den Orient im eigentlichen Sinn, sondern auch auf Aegypten und Meso
potamien mit erstreckt haben; denn wenn gleich diese Districte von Haus
aus eine gewisse Selbstständigkeit gehabt haben mögen, worauf sowohl die
eben erwähnte Titulatur führt als unten zu erörternde in unserm Verzeichnifs
begegnende Spuren, so können doch Aegypten und Mesopotamien zu der Zeit,
in der das Veroneser Verzeichnifs entstand , eigene Diöcesen nicht gewesen
sein , da sie sonst eben als solche aufgeführt sein würden. Wie indefs sich
sehr bald das Bestreben der Regierung zeigt diese Immediatverwaltung der
höchsten Reichsbeamten thunlichst zu beschränken, wie der Immediat-
sprengel des gallischen Präfecten dem Vicar der sieben Provinzen unterstellt,
derjenige des illyrischen durch Errichtung des macedonischen Vicariats ge
schmälert wird, so ist es auch im Orient geschehen und zwar, wie es scheint,
durch völlige Aufhebung der Immediatverwaltung des praef. praet. Orientis
und Übertragung derselben auf einen neuen von ihm abhängigen Beamten.
Dieser begegnet zuerst unter dem Namen vicarius Orientis (eigentlich wohl
vicarius Orientis Aegypti et Mesopotamiae) in Verordnungen vom Jahre
325 Nicht lange nachher mufs für diesen Vicarius eine Titel- und Rang
erhöhung stattgefunden haben und erscheint er umgewandelt in jenen comes
Orientis Aegypti et Mesopotamiae oder gewöhnlicher comes Orientis schlecht
weg; dieser kommt, so viel ich finde, zuerst vor in jener Inschrift des Placi
er C. Th. 12, 1, 10 = C. Iust. 11, 49, 1. C. Th. 12, 1, 12 = C. Iust. 10, 38, 5.
Die Amtsbezeichnung vicarius Orientis ist in der ersten Stelle ausgefallen, in der vierten
in vicarius urbis verdorben; wefshalb Böcking (not. dign. or. p. 125) sie überhaupt ange
zweifelt hat. Aber die zweite und dritte Belegstelle schützen sie hinreichend; sie sind von
einander unabhängig und können nicht wohl in einer so eigenthümlichen Titulatur durch
zufälligen Irrthum zusammentreffen. Es wird darum bei der Ausführung Gothofreds zu
C. Th. 12, 1, 12 stehen zu bleiben sein.
496

dus, der einige Jahre vor seinem Consulat 343 dieses Amt bekleidete, und
in einer Verordnung vom J. 342 (12). Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs mit
dieser Rangerhöhung zugleich Mittelinstanzen in der Art geschaffen wurden,
dafs die bisher von dem vicarius Orientis direct ressortirenden Provinzialstatt-
halter theilweise zunächst an Zwischenbeamte gewiesen wurden. So mag
der praefectus Aegypti damals gleichsam Vicarius des Comes für die ägyp
tischen Provinzen geworden sein ; und gewifs gehört hieher auch der einzig
in einer Verordnung vom J. 349 erwähnte Vicarius von Mesopotamien (,3).
Der comes Orientis, Aegypti et Mesopotamiae hatte also eine Mittelstellung
zwischen dem praefectus praetorio und dem vicarius; er hing allerdings
von jenem ab , aber er hatte unter sich theils im eigentlichen Orient Provin-
zialstatthalter, theils aber auch für Aegypten und Mesopotamien zwei Vicare,
und eben dies war die Ursache, wefshalb ihm ein anderer Titel als der ge
wöhnliche des Diöcesenvorstehers gegeben werden mufste. Nicht lange da
rauf trat eine neue Änderung ein, die diese Mittelstellung des comes Orientis
wieder aufhob : das Vicariat von Mesopotamien ging ein und dessen Pro
vinzen traten wieder unmittelbar unter den Comes; die Diöcese Aegypten
dagegen wurde selbstständig und der Präfect von Aegypten den Vicarien
der praef. praet. gleich, ja im Rang über sie gestellt. Wann dies statt
gefunden hat , ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen , aber einerseits nach
dem J. 365, da in diesem wir den comes Orientis noch in Aegypten be
schäftigt finden, andrerseits vor dem J. 386, da das spätestens in diesem
Jahr redigirte Verzeichnifs des Silvius Aegypten als eigene Diöcese kennt.
Vielleicht gehört hierher, dafs der Barbarus Scaligers die Augustalität datirt
vom J. 367 (14); die Zeit wenigstens ist durchaus angemessen für eine der
artige administrative Umgestaltung. — Unzweifelhaft also stellt das Vero-
neser Verzeichnifs hier die ursprüngliche Ordnung dar.

C. Th. 12, 1, 33.


(") C. Th. 8, 4, 4; vgl. Böcking not. dign. or. p. 125. Ein vicarius praefecti prae
torio war der hier genannte also nicht, aber ein vicarius comitis und allerdings ein Diöcesen-
vorsteher.
(1*) Eo anno, sagt derselbe p. 84, introivit Talianus in Alexandria primus Augustalius
f-'I hat. Febr. Die Handschrift hat dazu von erster Hand die in den Ausgaben fehlende
Überschrift der Seite: initium Augustaliorum qui et praesites. Docb zeigen die Verordnungen
den Titel praefectus Augustalis erst von 382 an; noch 380 findet sich praefectus Aegypti
(Gothofred not. dign. p. 24).
497

Zu 5. und 6.) Die Diöcesen Mocsien undPannonien des Veroneser Ver


zeichnisses kommen unter diesem Namen in keinem anderen Verzeichnisse
vor(15); der Sache nach aber ist diese Eintheilung keine andere als die
in der notitia dignitatum hervortretende des Orientalischen und des occiden-
talischen Ulyricum. Die Diöcese Moesien ist genau das orientalische Illyri-
cum , dem die not. dign. zwei Diöcesen — Macedonia und Dacia — , einen
eigenen praef. praetorio und einen Vicar — der Diöcese Macedonien —
giebt; die Diöcese Dacien also wird unmittelbar unter dem praef. praetorio
von Ulyricum gestanden haben. Ebenso ist die Diöcese Pannonien genau
das occidentaliscbe Ulyricum, welches die not. dign. aufführt als eine der
drei unter dem praef. praet. Italiae stehenden Diöcesen , ohne einen Vicar
davon zu nennen , ohne Zweifel ebenfalls , weil diese Diöcese unmittelbar
unter dem praef. praet. Italiae stand. Dieselbe wird sogar wenigstens an
einer Stelle noch mit dem alten Namen Pannonia bezeichnet (16). Bemer-
kenswertb ist noch, dafs, während die Provinzialstatthalter sonst durchaus
nach Diöcesen aufgeführt werden , dies im orientalischen Ulyricum nicht ge
schieht, sondern bier Macedonia und Dacia unter dem Namen Ulyricum
zusammengefafst werden. — Keine andere administrative Eintheilung als die
eben geschilderte können auch Rufus Festus und der silvische Katalog vor
Augen gehabt haben, da sie der Zeit nach zwischen das Veroneser Verzeich-
nifs und die Notitia fallen. Wenn also der silvische Katalog die Diöcesen
Moesien und Pannonien als Ulyricum zusammenfafst , so wird nun die von
mir schon früher (17) ausgesprochene Vermuthung zur Gewifsheit, dafs dessen
Redacteur die Immediatbezirke des praef. praet. Illyrici und des praef.
praet. Italiae mit dem Sprengel des Vicars von Macedonien combinirt hat,
wie ähnlich, nur in kleinerem Mafsstab, zum Beispiel die Proconsularpro-
vinzen, obwohl administrativ aufserhalb der Diöcesen stehend, doch darin
der nächstliegenden Diöcese zugezählt werden. Das Ulyricum des Silvius
ist also nicht eine Administrativprovinz, sondern ein Complex von dreien,

{") Doch erscheint derselbe Sprachgebrauch in dem der constantinischen Zeit sehr nahe
stehenden valesischen Fragment hinter dem Ammian, wo § 9 Pannonia, § 18. 21 JUoesia
offenbar die Diöcesen bezeichnen. Hier steht auch Orient § 5. 18 so, dafs darunter Aegyp
ten mit verstanden scheint.
( ) Occ. p. 6 v. 14: per Pannoniam (correctorem) unum Saviae. P. 5 v. 11 ist wohl
ror Pannoniae entweder per Pannoniam oder per Ulyricum ausgefallen. .»
(") Polemius Silvius S, 262.
Abhandlungen der philo*. -histor. Kl. 1862. Nr. 8. B
498

und eigentlich nur ein geographischer Begriff ähnlich wie das Illyricum der
Notitia. — Wenn dagegen Rufus Festus zuerst wie Silvius dem ganzen Illy
ricum 17 Provinzen zuschreibt und sodann zehn derselben ohne weiteren
Beisatz, die übrigen sieben als Diöcese von Macedonien aufführt (,8), so
sind augenscheinlich jene zehn die Immediatprovinzen der beiden praefecti
praetorio, die Diöcesen Dacia und occidentalisches Illyricum der Notitia,
diese sieben der Sprengel des Vicars von Macedonien. — Die wesentliche
Differenz des Veroneser Verzeichnisses von den jüngeren Berichten besteht
demnach darin, dafs das orientalische Illyricum oder die Diöcese Moesien
dort noch einen Sprengel bildet, dagegen schon bei Rufus Festus getheilt
erscheint in die Immediatdiöcese Dacia und den Sprengel des Vicars von
Macedonien , oder mit einem Worte , dafs das Veroneser Verzeichnifs den
letzteren nicht kennt. Es scheint nicht, dafs der Vicar und die Diöcese von
Macedonien vor Rufus Festus (um 369) erwähnt werden. Die Annahme
aber, die ich schon früher der herrschenden Ansicht gegenüber ausgeführt
habe, dafs die administrative Trennung des orientalischen und des occiden-
talischen Illyricums nicht erst mit der Theilung des Reiches begonnen hat,
sondern bereits der constantinischen Ordnung angehört (19), findet in dem
Veroneser Katalog ihre schliefsliche Bestätigung. Für dessen höheres Alter
zeugen übrigens auch sehr bestimmt die von den später üblichen abweichen
den und an die ältere Reichstheilung sich anschliefsenden Diöcesennamen.
Zu 8. und 9.) Die gallischen Provinzen werden im Veroneser Ver
zeichnifs als zwei Diöcesen Galliarum und Viennensis aufgeführt, ebenso
wie in der Not. prov. Gall., nur dafs in dieser die letztere provinciae Sep
tem heifst; dagegen fafst das Verzeichnifs bei Silvius beide Diöcesen zusam
men und ebenso verfährt die Notitia Dign., die sogar beiden Diöcesen einen
und denselben Vicar der 'sieben Provinzen' vorsetzt und defshalb auch den
Sprengel desselben bald Galliae, bald VII provinciae nennt (20). Die Er-

(fS) c. 8: habet Illjrricus Septem et decem prooincias: Pioricorum duast Pannoniorum


duat, Vaieriam, Saviam , Dalmatiam, Moesiam , Daciarum duas; et in dioecesi Macedoniae
sunt Septem: Macedonia, Thessalia, Achaia, Epiri duae, Praevalis et Creta. Damit stimmen
Verordnungen von 370 und 376 (Polem. Silvius S. 262 A. 19).
(") Polem. Silvius S. 260.
(*°) Galliae heifst er im ersten Kapitel, VII provinciae p. 13 v. 16, unter welcher Rubrik
die siebzehn Provinzen aufgeführt werden.
499

klärung hievon hat Böcking (21) gegeben: die Diöcese Galüae war ur
sprünglich der Immediatbezirk des praef. praetorio Galliarum und ist erst
später dem Vicar der sieben Provinzen oder der Diöcese von Vienna mit
unterstellt worden. Wann diese Erstreckung seines Sprengeis stattgefunden
hat , finde ich nicht — wahrscheinlich fällt sie ziemlich früh und lange vor
Abfassung der Not. Dign. Keineswegs aber wurden die beiden Diöcesen,
auch als sie unter demselben Vicar standen , betrachtet als rechtlich mit ein
ander verschmolzen ; denn die Not. prov. Gatt, aus Honorius Zeit unter
scheidet noch ebenso wie der Veroneser Katalog.
Zu 10.) Auch im Veroneser Katalog wird wie in der Not. Dign.,
trotz der zwei Vicarien ltaliae und urbis Romae, Italien behandelt als eine
Diöcese.
Nach allen Seiten also ergiebt sich die Diöceseneintheilung des Vero
neser Katalogs als die ursprüngliche oder doch der ursprünglichen unter allen
bekannten am nächsten stehende, nicht blofs in dem schärferen Hervortreten
der beiden illyrischen und der beiden gallischen Sprengel, sondern vor allem
in dem Fehlen der, wie oben gezeigt ward , erst im Laufe des vierten Jahr
hunderts gebildeten Diöcesen Aegypten und Macedonien. Auch die Zahl der
Diöcesen, welche in dem Veroneser Katalog zwölf ist, ist allem Anschein
nach diejenige, welche bei der Anordnung der Diöcesen festgestellt ward. —
Die Ordnung der Diöcesen ist einfach geographisch.
Was die einzelnen Provinzen anlangt, so wird es angemessen sein die
selben nach den eben erörterten Diöcesen zusammenzustellen mit den ana
logen Verzeichnissen bei Silvias, in der Notitia und bei Hierokles und daran
die erforderlichen Bemerkungen anzureihen.

I. Dioecesis Orientis. Erste Hälfte, später Diöcese Aegypten.


VBR. 8ILV. , . KOT. DIGN. HIER0CLB9.
1. Libya superior 106. Libya pentapolis Libya superior 63. AijSujjj t% ivw
2. Libya inferior 1 05. Libya sicca Libya inferior 64. A/ßwjs rij; xotoj
3. Thebais \QA. Thebais Thebais 61. ®rßcuäo$ 7% lyyurTa
4. Aegyptus lovia 102. Aegyptus Aegyptus 57. AtVwmax%
(2I) Zur not. dign. Occ. p. 476. Nur darin kann ich nicht beistimmen, dafs noch zur
Zeit, wo die not. dign. abgefafst wurde, die Diöcese Gallien (im engeren Sinne) in gewisser
Weise Immediatsprengel des praef. praet. gewesen sein soll.
B2
VBR. SIL.V. NOT. DGIN. HIEROCXES
5. Aegyptus Herculia 1 03. Augustamnis Augustamnica 58. Kvyoüara. a
— 107. Arcadia Arcadia 60. 'Apxa&(a$
— — — 59. AvycuVra. ß'
— — — 62. Qrjßa&cg tijs avw

Tax 4. und 5.) Die Namen Aegyptus lovia und Aegyptus Herculia
finden sich nur hier; sie rühren augenscheinlich her von Diocletian und
Maximian und gehören sicherlich dem ursprünglichen diocletianischen Diö-
cesen- und Provinzenschema an. Dafs sie unmittelbar nach Maximians Sturz
mit den späteren offenbar diesen entsprechenden Namen Aegyptus und
Augustamnica — d. h. das westliche und das östliche Unterägypten — ver
tauscht worden sind, ist möglich, aber nicht nöthig anzunehmen ; denn die
cohors prima lovia und cohors prima Herculia und ähnliche Benennungen
erscheinen noch in der Notitia und die Benennung Augustamnica begegnet
zuerst in einem Erlafs vom J. 342 (22). Vor dieses Jahr aber mufs der Ve-
roneser Katalog nothwendig gesetzt werden. Dafs Aegyptus lovia das
eigentliche Aegypten ist, Aegyptus Herculia die spätere Augustamnica,
folgt aus der geographischen Ordnung; auch ist es angemessen, dafs Dio
cletian, zu dessen Reichstheil Aegypten gehörte, die Provinz, in der die
Hauptstadt lag, nach sich, die minder ansehnliche nach seinem Collegen
genannt hat.
Die von Arcadius , dem Sohne Theodosius I. benannte Provinz Ar
cadia fehlt im Veroneser Verzeichnifs wie bei Ammian (23). Die Angabe
des Eustathius (24), dafs diese Landschaft früher Heptanomis geheifsen habe,
ist wenigstens insofern falsch, als es eine römische Provinz dieses Namens
nie gegeben hat, sondern der fragliche Bezirk erst durch Theodosius I. ad
ministrativ selbstständig geworden ist, also gewifs von Haus aus den Na
men Arcadia geführt hat. Die Reihenfolge der Provinzen ist, wie schon
bemerkt, die geographische.

C. Th. 12, 1, 34.


(fs) 22, 16, 1. Vgl. Böcking not. dign. or. p. 517.
(") Zum Dionysios v. 251. Ihm folgen Franz C. I. Gr. III. p. 322 und Marquardt 3,
1, 221.
501

Zweite Hälfte, später Diöcese Oriens.


VER. SILV. NOT. DIGN. HIEROCLES.
6. Arabia — 6. Arabia 55. liaXatfrrivYis y
1. Arabia Augusta — 8. Palaestina sa- 56. 'Agaßtag
LibanensiS lutaris
8. Palaestina 85. Syria Palae- 1. Palaestina 53. riaAaj<rT/v»is
stina
9. Phoenice 86. Syria Phoenice 2. Phoenice 51. QoivIkvis
10. Syria Coele 84. Syria Coele 3. Syria 4 6. Zvqiag a
1 1 . Augusta Eu- 9 1 . Euphratesia 1 1 . Euphratensis 48. Etty£aT»)<7ias
phratensis
12. Cilicia 88. Cilicia 4. Cilicia 42. KiAjxiac a'
1 3. Isauria 87. Isauria 7. Isauria 45. 'Icavoiac
14. Cyprus 89. Cyprus 5. Cyprus 44. KuV^ou r5j? v»[<j"oii
1 5. Mesopotamia 90. Mesopotamia 1 4 . Mesopotamia 50. M£!T07roTa^iia?
16. Osroena 92. Hosdroene 13. Osrhoena 49. 'O<r^o))^?
93. Sophanene
— — 9. Palaestina se- 54. naAcu<rriviß /3'
cunda
— — 10. Phoenice Liba- 52. $om">c>)? A*/3a-
ni v>]<nas
— — 12. Syria salutaris 47. Si^ia? /3'
— — 15. Cilicia secunda 43. KiAix/as /3'
Zu 6. und 7.) Dafs die beiden Arabien bei Silvius nur durch Verseben
ausgefallen sind, babe ich bereits früher gezeigt (2S). Die im Veroneser
Verzeichnifs zuerst und schlechtweg Arabia genannte Provinz ist, wie schon
die geographische Folge zeigt, die südliche an Aegypten angrenzende mit
der Hauptstadt Petra: sie führt denselben Namen noch in der Notitia,
heifst dagegen bei den Schriftstellern der justinianischen Zeit, Prokop und
Hierokles, Palaestina tertia (26). Die zweite ist die Provinz von Bostra,
(**) Polem. Silv. S. 265, wo überhaupt die über diese Provinzen sonst vorhandenen Nach
richten zusammengestellt sind.
(26) Hierokles 55 : 'Eira^la Tla^aurrlvr^ y' — - iroXete t: Ulrga u. s. w. Prokop de aedif.
5, 8: tv ht Tri T«>.a fjiev 'Agaßt'qt, vCv ht IW.aia-nV»; TfiVri xa>.ov\tkvr\ .... 0^09 .... Xtva.
Durch ein Versehen identificirt Böcking zur not. dign. or. p. 139. 345. 373
502

welche unter sehr verschiedenen Namen auftritt. Im Veroneser Verzeich-


nifs heifst sie Arabia Augusta lAbanensis , welcher Name sonst nicht vor
kommt, aber ganz passend erscheint, da sie in früherer Zeit füglich die
spätere Provinz Damascus oder Phoenice Libani mit umfafst haben kann(27).
In Concilacten von 381 wird sie provincia Bostron genannt. Nach Hiero
nymus erhielt sie nicht lange vor 390 den Namen Palaestina salutaris, unter
dem wir sie in der Notitia finden. Bei Hierokles und in Justinians Nov. 102
endlich erscheint sie wieder unter dem alten Namen Arabia, wogegen die
Provinz von Petra, die früher unter diesem Namen auftritt, unter Justinian,
wie gesagt, Palaestina tertia genannt wurde.
Zu 11.) Der volle Name Augusta Euphratensis, zu vergleichen mit
Augustamnica, findet sich wohl nur hier.
Zu 15. und 16.) Bei der sonst unverkennbaren geographischen .Ord
nung der Veroneser Liste fällt es auf, dafs Mesopotamien und Osroene nicht
an Coelesyrien und Euphratensis (Kommagene) angeschlossen sind, sondern
für sich stehen , auch das fernere Mesopotamien den ersten Platz einnimmt.
Sicher hängt dies zusammen mit dem Titel, den der Vorsteher dieser grofsen
Diöcese führt: comes Orientis, Aegypti et Mesopotamiae und mit dem
oben (S. 496) gegebenen Nachweis, dafs wenigstens eine Zeitlang er zwei
Unterstatthalter gehabt hat, den Präfecten von Aegypten und den Vicarius
von Mesopotamien ; unser Verzeichnifs trennt in der Aufzählung deutlich
diese drei Sprengel.
Dafs Sophanene wie in der Not. dign. und bei Hierokles so auch in dem
Veroneser Verzeichnifs fehlt, während das des Silvius die Landschaft auf
fuhrt, wird wohl nur daher rühren, dafs sie nicht als eigentliche römische
Provinz betrachtet ward, da ihr Vorsteher den Titel satrapa führte. Auch
sagt Justinian ausdrücklich, dafs bevor er im J. 536 hauptsächlich aus dieser
Landschaft die Provinz Armenia quarta bildete, dieselbe unter Satrapen

Arabia der Notitia (Provinz von Petra) mit der Arabia der justinianischen Zeit (Provinz
von Bostra), andrerseits die Palaestina salutaris der Notitia (Provinz von Bostra) mit der
Palaestina tertia (Provinz von Petra) Justinians. Vgl. noch die Verordnung von 409 (C.
Tb. 7, 4, 30) : per primam, secundam ac tertiam Palaestinam.
(27) Arabia Augusta und Libanensis als zwei gesonderte Provinzen aufzufassen ist defs-
balb nicht möglich, weil die Provinz Phoenice Libani nachweislich erst nach 381 errichtet
ist (Silvius p. 258).
503

gestanden habe und nicht in Provinzialform organisirt gewesen sei (2S). Da


gegen fehlen die vier Provinzen Palaestina secunda, Phoenice Libani, Syria
talutaris und Cilicia secunda in den älteren Verzeichnissen defshalb, weil
sie erst nach 381 eingerichtet worden sind (29).

II. Dioecesis Pontica.


VER. SILV. MOT. DIGN. HIEBOCLB8
i7.Bithynia I7.Bithynia 1. Bithynia 31. [Bt&wlae]
18. Cappadocia 101. Cappadocia 6. Cappadocia 36. KamraSoKlas a
prima
19. Galatia [74. Galatia in der 2. Galatia 34. TaKarlas a
Diöcese Asid]
20. Paphlagonia 98. Paphlagonia 3. Paphlagonia 33. Ila<pXayo)iiag
nunc in duas
divisa
2 1 . Diospontus 95. Pontus Ama- 8. Helenopontus 38. 'Ektvoitövrov
sia
22. Pontus Pole- 94. Pontus Pole- 9. Pontus Pole- 39. növrov FIoAe-
miacus miacus momacus
23. Armenia minor 99. Armenia minor 10. Armenia prima 40. 'Aofuruxt a
24. Armeniamaior 100. Armeniamaior — —
nunc addita
— 96. Honorias 4. Honorias 32. 'Octifta£os
— — 7. Cappadocia 37.Ka7T7raoWas /G'
secunda
— — 5. Galatia salu- 35. raAa-nas <ra-

— — 10. Armenia se- 41. 'kyxsvias ß'


cunda
■ • •
Zu 19.) Dafs Galatia sowohl in einer Urkunde von 341 wie in der
Notitia unter den politischen Provinzen erscheint, die Versetzung dessel
ben in die Diöcese Asia bei Silvius also nur entweder auf einer ephemeren
(") Not. 31 c. 1 § 3. Polem. Süv. S. 263. Die gen/es der Erlasse C. Iust. 1, 29, 5.
7, 63, 5 bezeichnen eben dies Gebiet. Vgl. Procop de aed. 3, 1.
(M) Polem. Silv. S. 258.
504

Grenzverschiebung der beiden Diöcesen oder auf einem Versehen beruhen


kann, habe ich früher schon bemerkt (30). Übrigens ist die geographische
Ordnung hier verletzt: sie verlangt Cappadocia Galatia Bitbynia oder Bi-
thynia Galatia Cappadocia.
Zu 20.) Von einer Theilung der Provinz Paphlagonien ist weiter nichts
bekannt, als dafs gegen das Ende des 4. Jahrhunderts die Provinz Honorias
aus drei bis dahin paphlagonischen und drei bis dahin bithynischen Städten
gebildet ward (31). Dies mag der Urheber dieser Notiz gemeint haben, die
übrigens offenbar Nachtrag eines späteren Schreibers ist.
Zu 21.) Der westliche Theil von Pontus mit der Hauptstadt Amasia,
gewöhnlich von der Mutter Constantin des Grofsen Helenopontus genannt,
erscheint im Veroneser Verzeichnifs unter dem mir unverständlichen Namen
Diospontus. Die Vermuthung Kieperts, dafs diese Bezeichnung dem
Aegy])tus Iovia analog gebildet sei , ist ansprechend ; aber alle übrigen neu
gemachten Provinzialnamen auch in den griechischen Reichstheilen sind
lateinisch gebildet.
Zu 23. und 24.) Armenia minor erscheint schon in der früheren
Kaiserzeit als eigene Provinz in dem Gomplex der Landschaften des inneren
Kleinasiens, die damals in der Regel unter einem Statthalter combinirt
waren (32). Der silvische Katalog kennt dasselbe noch ungetheilt (33) ; aber
unmittelbar nach dessen Abfassung, die um 385 fallen mufs, ist diese Pro
vinz, wahrscheinlich gleichzeitig mit Kappadokien und Galalien, getheilt
worden, da die Armenia secunda bereits in einer Verordnung von 386 ge
nannt wird (34). Nach den übereinstimmenden Angaben von Hierokles und
Justinians in der einunddreifsigsten Novelle war Armenia prima die nörd
liche Hälfte des früheren Kleinarmenien mit den Städten Sebasteia, Seba-
stupolis, Nikopolis, Koloneia und Satala, Armenia secunda der südliche

(30) Polem. Silv. S. 263.


(31) Justinian nov. 29 c. 1, wogegen Malalas (1. 14 p. 365 Bonn.) hier -wie überall alle*
verwirrt. Böcklng zur not. dign. or. p. 129.
(3a) In einer Inschrift des Titus (Henzen 6913) erscheint ein Legat von Galatia, Cap
padocia, Pontus, Pisidia, Paphlagonia, Lycaonia, Armenia minor.
(3S) Ebenso setzt Basilius 375. 377 die Städte Koloneia uud Sebasteia nicht in Arme
nia I., sondern in Kleinarmenien an (epp. 195 [312]. 263 [74]).
(") C. Th. 13, 11, 2 =» C. Iust. 11, 47, 10. VgL C. lust. 8, 10, 10 vom J. 420: per
ulramque Armeniam und 12, 60, 10: dux utriusque Armeniat.
505

mit der Hauptstadt Melitene. Justinian bildete bei der Reorganisation Arme
niens 536 (3S) aus der westlichen Hälfte der bisherigen Armenia I. und eini
gen von den pontischen Provinzen abgetrennten Districten seine Armenia n.,
aus der früheren Armenia II. seine Armenia III. Diese beiden Districte be
fanden sich auf dem rechten Enphratufer. Dagegen haftet der Name Grofs-
armenien bekanntlich an dem transeuphratensischen Gebiet, das im Ganzen
genommen wohl von den Römern abhängig, aber nur zeitweise und vorüber
gehend als Provinz organisirt war. Was unter dem römischen Grofsarmenien
in späterer Zeit verstanden ward, erfahren wir aus dem angeführten justinia
nischen Reorganisationspatent vom J. 536: nach demselben ward die neue
Provinz Armenia prima gebildet theils aus einigen von dem polemonischen
Pontus und der früheren Provinz Armenia I. abgezweigten Districten, haupt
sächlich aber aus dem transeuphratensischen Gebiet mit den Städten Justi-
nianopolis als Metropole (früher Bizana, Leontopolis (36)) und Theodosiu-
polis; und die Vergleichung zweier anderer Erlasse Justinians (37) läfst keinen
Zweifel daran, dafs dieser Kern der neuen Armenia prima, das transeuphra-
tensische Armenien eben die ältere Armenia magna oder inierior war. —
Nach Prokops glaubwürdigem Bericht kam dieser Theil Armeniens durch
Cession des letzten Königs Arsakes und Vertrag über die Theilung des Lan
des mit den Persern um das Jahr 441 an Theodosius II., der dort die Stadt
Theodosiupolis anlegte oder doch nach sich benannte (38). Dieselbe Cession
wird gemeint sein mit den Worten des Veroneser Verzeichnisses, die sich
selber als Zusatz ankündigen: Armenia maior nunc addita; sie sind also,
ebenso wie der andere Paphlagonien betreffende Zusatz, in der Zeit der
theodosischen Dynastie beigefügt worden. Provinz aber ist Grofsarmenien,
nach der ephemeren Institution Traians(39), nicht unter Theodosius II,
sondern erst wieder unter Justinian geworden, wenn auch nicht erst durch
den oben angeführten Erlafs von 536, sondern bereits einige Jahre frü
her (40); sowohl das Fehlen Grofsarmeniens bei Hierokles, der sicher unter

(34) Nov. 31.


(36) Diesen Ort erwähnt aufser der angeführten Novelle auch Prokop de aedif. 3, 4. 5.
Die Lage ist unsicher; vgl. Mannert 5, 2, 182.
(") C. Iust. 1, 29, 5. Nov. Iust. 8 § 23 vgl. § 22. 43.
(**) Prokop de aedif. 3, 1. 5. Tiltemont 6, 93. Gibbon ch. 32.
(39) Henzen 6947.
(*°) Denn schon die Novelle 8 vom J. 535 kennt den Statthalter von Grofsarmenien.
Abhandlungen der philos.-hislor. Kl. 1862. Nr. 8. C
506

Justinian, aber vor 535 schrieb, wie auch die Verordnungen Justinians,
welche Grofsarmenien in den Gesetzen mit dem übrigen Reiche gleichstel
len (41), zeigen bestimmt darauf hin, dafs das Land bis auf Justinian nicht
eigentliche Provinz gewesen, sondern sei es von einem Satrapen wie Sopha-
nene, sei es sonst in abweichender Weise verwaltet worden war (42).
Uber die um 400 entstandene Provinz Honorias ist schon bei Paphla-
gonien gesprochen worden. — Cappadocia secunda und Galatia salutaris
bestanden 381 noch nicht, dagegen wenigstens die erstere schon 386
Dafs sie in den beiden älteren Verzeichnissen fehlen, ist in der Ordnung.

III. Dioecesis Asiana.

VEU. 8ILV. NOT. DIGPf. HIEROCLES.


25. Pamphylia 78. Pamphylia Pamphylia 27. flau^uAiof
26. Phrygia prima 80. Phrygia prima Phrygia Pacatiaha 22. Qavyutf Huxa-

27. Phrygia se- 81. Phrygia salu- Phrygia salutaris 26.$ovyias'%aXov-


cunda taris
28. Asia 72. Asia Asia 20. 'Ao-iac
29. Lydia 75. Lydia Lydia 23. AvSiag
30. Caria 76. Caria Caria 30. K«£ia?
31 . Insulae 83. Cyclades Insulae 29. NriVcov
32. Pisidia 79. Pisidia Pisidia 24. Tlmhas
33. Hellespontus 77. Hellespontus Hellespontus 21. ' EtäriG-irovrov
— 73. Lycia Lycia 28. Avxtas
— 82. Lycaonia Lycaonia 25. kvx.aov'ias
Zu 26. und 27.) Die Benennung Phrygia secunda scheint nur hier,
diejenige Phrygia prima nur hier und bei Silvius vorzukommen. Doch
werden beide Provinzen überhaupt selten genannt.
Die alte Provinz Lycia ist im Veroneser Verzeichnifs sicher nur durch
Schuld der Abschreiber ausgefallen. — Lycaonien, obwohl bereits in In-

(*') Ed. 3 vom J. 534 und Nov. 21 vom J. 536.


Dafs Silvius 385 Armenia maior unter den Provinzen aufführt, beweist gegen die
obigen Aufstellungen nichts; er thut dasselbe mit Sophanene, welche Landschaft auch erst
durch Justinian als Provinz organisirt worden ist (S. 502).
(") C. Tb. 13, 11, 2 j welche Stelle Polem. Silv. S. 258 übersehen ist.
507

Schriften der früheren Kaiserzeit in dem Complex derjenigen Landschaften


des inneren Kleinasiens, die damals als Gesamm (Statthalterschaft constituirt
waren (44), gesondert aufgeführt, wurde doch erst einige Zeit vor 373 eine
selbständige Provinz (4S) und fehlt darum in dem Veroneser Verzeichnifs.
Die geographische Ordnung ist in dieser Diöcese sehr zerrüttet, wahr
scheinlich durch Schuld des Abschreibers, denn die Rangfolge ist noch viel
weniger beobachtet.

IV. Dioecesis Thraa'ae.

VER. RVFV8 c. 9. 8 U.V. NOT. DIGN. HIER.


34. Europa 6. Europa 70. Europa 1. Europa
35. Rhodope 5. Rhodope 7 1 . Rhodopa 4. Rhodopa 2. 'Poio7r>)e
36. Thracia 1. Thracia 66. Thracia 2. Thracia 3. Qqcckyis
prima
37. Haemimontus 2. Haemimon- 67. Thracia 3. Haemimon 4. A/jOUiwrou
[emossanus] tus secunda tus
38. Scythia 4. Scythia 69. Scythia in 6. Scythia 6. Xkv&iu?
ferior
39. Moesia infe- 3. Moesia infe 68. Moesia in 5. Moesia se 5. MvtIuc
rior rior ferior cunda

Wie man sieht, stimmt namentlich Rufus genau überein mit dem Ve
roneser Register. Der Redacteur des silvischen Verzeichnisses hat durch
ein Versehen, das ich früher vergeblich anders zu erklären versucht habe,
die Provinzen Haemimontus und Scythia doppelt gesetzt, theils unter diesen
richtigen Namen an der falschen Stelle in Illyricum, theils unter den falschen
Namen Thracia secunda und Scythia inferior in der richtigen Diöcese
Thracien.

O Henzen 6912. 6913.


(*s) Basilius ep. 138 (8) vom J. 373 : 'IkÖciok ttoXic soti rifc TlitrtSias to iJttv wn>Miii> uträ
rrju fuyUmft t[ irquitt,, vvv Sf xai avTrj irgOKaSyTat uifevc, o ix Stcccpofucv xrr,nctTwv o-jvayJ$tv
iirapyjac IBIck oixovoplav ISiEaro. Tillemont 5, 99.

C 2
508

V. Dioecesis Moesiarum.

VER. RVFVS c. 8 SILV. HOT. DIGN. HIER.


40. Dacia 2. Dacia 60. Dacia Dacia ripensis 1 5. [Jlajcias] Trot
ha [7r0Ta|LU0u]
A\. Moesia supe- 1. Moesia 52. Moesia su- Moesia prima 18. Mi/mas
rior Margensis perior
42. Dardania 3. Dacia 58. Dardania Dardania 1 6. Aa£<W('a$
43. Macedonia 4. Macedonia 64. Macedonia Macedonia 7.Max£oWas a'
44. Thessalia 5. Thessalia 65. Thessalia Thessalia 9. 0£<7<raAta?
45. Achaia (46) 6. Achaia 63. Achaia Achaia 10. 'EAAa'oV
^•youv 'Amatas
46. Praevalitana 9. Praevalis 5t. Praevalis Praevalitana 17. njejQaAsw?
47. Epiros nova 7. Epirus b \.Epirus nova Epirus nova 13. v£a? 'H7rEi£0ti
4 8. Epiros vetus 8. Epirus 53. Epirus ve- Epirus vetus 12. TraAaias 'H-
tus 7TEI(}0U
49. Creta 10. Cre/a 62. Creta Creta 1 1. Kotfni«
59. Haemi-
montus
6 1 . Scythia
Macedonia 8. MawoWas
salutaris ß'
Dacia medi- 1 4. Aaxia? jus-
terranea
19. Ilayfocia?

Zu 40. und 42.) Dafs die beiden Dacien, die Rufus unter den illy
rischen Provinzen aufführt, keine anderen sind als die Provinzen Dacia und
Dardania des Veroneser und des silvischen Verzeichnisses , geht theils da
raus hervor, dafs Dardania bei ihm fehlt, während er in der Gesammtzahl
und sonst durchaus mit dem Veroneser Verzeichnifs übereinstimmt, theils
aus den vorhergehenden Worten: per Aurelianum translatis exinde Ro-

(*6) In priantina steckt entweder Achaia oder es ist Dittographie des folgenden priua-
lentina und Achaia ist ausgefallen.
509

manis duae Daciae in regionibus Moesiae ac Dardaniae factae sunt(Ar).


Es wurden also den aus dem transdanuvianisohen Dacien auswandernden
Römern Wohnsitze theils in Obermösien , theils in Dardanien angewiesen
und daher von Obermösien unter Diocletian die Provinz Dacia schlechthin
oder auch Dacia ripensis abgezweigt , Dardania aber defshalb auch bezeich
net als Dacia mediterranea. Zu diesen Benennungen pafst es, dafs ein
Schreiben vom J. 321 an den praeses Daciae ohne weiteren Beisatz ge
richtet ist (48) , dagegen der Grenzkommandant in diesem Strich bereits
364 dux Dadae ripensis heifst (49). Nach Abfassung des silvischen Ver
zeichnisses und vor Abfassung der Notitia wurde dann die Provinz mit
dem Doppelnamen Dardania und Dacia mediterranea getheilt in Darda
nia und Dacia mediterranea , welche letztere Provinz bereits 386 genannt
wird (50).
Zu 41.) Die Benennung Margensis für Obermösien ist passend,
kommt aber nicht weiter vor. Wahrscheinlich soll sie erinnern an den Sieg
Diocletians, durch den er seine Herrschaft begründet hat, über Carinus
am Margus.
Uber die von Silvius hierher versetzten Districte Haemimontus und
Scythia ist bei der vorigen Diöcese, über Dada mediterranea bei Dacia
ripensis gesprochen worden. Macedonia salutaris ist eine der neuesten
Provinzen der Notitia und wahrscheinlich zugleich mit den ähnlich benannten
Districten im Orient und Pontus um 386 entstanden.
Die Reihenfolge der Provinzen in dieser Diöcese ist geographisch,
aber sie geht erst an der Ost-, dann an der Westseite der Halbinsel hinab,
springt also von Achaia auf Praevalis, die Provinz von Scodra.

(*7) Die Worte ac Dardaniae, die in den gangbaren Ausgaben als Glossem bezeichnet
sind, finden sich, wie mir 0. Jahn mittheilt, in allen Handschriften. Vgl. auch den Aus
schreiber des Rufus Jordanis de regn. succ. p. 233 Mur. : Aurelianus (Daces) in Moesia
collocaoil ibique aliquam partem Daciam rnediterraneam Daciamque ripensem constituit et
Dardaniam iunxit.
(*s) G. Th. 2, 19, 2. Aus dem Ort der Subscription Serdica möchte ich nichts schliefsen,
als dafs der Kaiser sich damals dort aufhielt.
(*') C. Th. 15, 1, 13.
(60) C. Th. 1, 32, 5.
510

VI. Dioecesis Pannoniarum.

VER. RVFV8 c. 8. STLV. NOT. DIGN.


50. Pannonia in 3. Pannonia 49. Pannonia se- 1 . Pannonia secun-
ferior cunda da
51. Savensis 6. Savia 57. Savia 2. Savia
52. Dalmatia 7. Dalmatia 47. Dalmatia 3. Dalmatiae
53. Valeria 5. Valeria 50. Valeria —
54. Pannonia su- 4. Pannonia 48. Pannonia pri- 4. Pannonia prima
perior ma
55. Noricus ripen- 1. Noricum 55. Noricus ripen- 6. Noricum ripense
sis [pariensis] sis
56. Noricus medi- 2. Noricum 56. Noricus medi- 5. Noricum mediter-
terranea terranea raneum
Die Verzeichnisse stimmen alle überein, nur dafs in dem jüngsten
aus nicht recht klaren Gründen (51) die Valeria fehlt. — Die Ordnung des
Veroneser Katalogs ist nicht mehr geographisch, sondern folgt, wie über
haupt in den occidentalischen Diöcesen, dem Range: voran stehen der
Consul von Unterpannonien und der Corrector von Savia und es folgen die
Praesides. Diesen Titel mufs hiernach auch der nirgends sonst erwähnte
Statthalter von Valeria geführt haben.

VII. Dioecesis Brittanniarum.


VER. RVFVS c. 6. *SILV. NOT. DIGN.
57. Prima 3. Britannia pri- 1 08. Britannia pri- 3. Brütannia pri
ma ma ma
58. Secunda 4. Britannia se- 109. Britannia se- 4. Brütannia se-
cunda cunda cunda
59. Maxima Cae- 1. Maxima Cae- 111 Maxima 1 . Maxima Caesa-
sariensis sariensis riensis
60. Flavia Caesa- I.Flavia 110. Flavia 5. Flavia Caesari-
riensis ensis
— — MI. Valentia 2. Valentia
Die im J. 369 eingerichtete Provinz Valentia fehlt, wie billig, in
den beiden älteren Verzeichnissen. — Die Ordnung folgt ohne Zweifel auch

(51) Polem. Sily. S. 258.


511

hier wie im ganzen Occident dem Range der Stadfhalter ; wobei freilich an
genommen werden mufs, dafs der Provinz Maxint a Caesariensis , die zur
Zeit der TSotitia eben wie die neugebildete Provinz Valentia unter einem
Consular stand, noch ein blofser praeses vorgesetzt war, als das Veroneser
Verzeichniis aufgenommen ward. Übrigens sind meines Wissens über die
Lage dieser britannischen Provinzen , abgesehen von den Fälschungen des
sogenannten Richard von Cirencester, keine Nachrichten vorhanden.

VIII. Dioecesis Galliarum.


VER. RVFVS c. 6. SILV. HOT. DIGN.
6 1. Belgica prima 7.Belgica 24. Belgica prima Belgica prima
62. Belgica secundti 8. Belgica 25. Belgica secunda Belgica secunda
63 Germania prima 5. Germania 26. Germania prima Germania prima
64. Germania se- 6. Germania 27. Germania se- Germania secunda
cunda cunda
65. Sequania 4. Maxima Se- 32. Maxima Sequa- Maxima Sequano-
quanorum norum rum
66. Lugdunensis 1. Lugdunensis 28. Lugdunensis Lugdunensis pri-
prima prima ma
67. Lugdunensis se- 2. Lugdunensis 29. Lugdunensis se- Lugdunensis se
cunda cunda cunda
68. Alpes Graiae et 3. Alpes Graiae 33. Alpes Graiae Alpes Poeninae et
Poeninae Graiae
— — 30. Lugdunensis Lugdunensis ter-
tertia tia
— — 31. Senonia Lugdunensis Se-
nonia
Die beiden Provinzen Lugdunensis tertia und Lugdunensis Senonia
kennen weder der Veroneser Katalog noch Rufus noch selbst Ammian,
der zwischen 383 und 390 an seinem Werke schrieb und in demselben (52)
die gallischen Provinzen genau wie der Veroneser Katalog aufzählt. Sie er
scheinen zuerst in dem vor 386 abgefafsten Katalog des Silvius, sind also
wahrscheinlich um 385 eingerichtet. — Die Provinzen sind im Veroneser

(M) 15, Ii.

»
512

Verzeichnifs so geordnet,'* dafs die vier unter Consularen stehenden den An


fang machen und darauf die vier präsidialen folgen ; denn wenigstens bis
319 hat auch Lugdunensis prima unter einem Präses gestanden (53).

IX. Dioecesis Viennensis.

VER. RVFVS. SII-V. HOT. DIGN.


69. Viennensis l.provinciaVien- 17. Viennensis Viennensis
nensis
70. Narbonensis 3. Narbonensis 18. Narbonensis Narbonensis prima
prima prima
71. Narbonensis — 19. Narbonensis se- Narbonensis se-
secunda cunda cunda
72. Novem populi 4. Novempopula- 22. Novempopulana Novem populi
na
73. Aquitanica pri- 5. Aquitania 20. Aquitania pri- Aquitania prima
ma ma
1 A. Aquitanica se- (».Aquitania Ii. Aquitania se- Aquitania secunda
cunda cunda
75. Alpes mariti- 1. Alpes mariti- 23. Alpes maritimae Alpes maritimae
mae mae
Das älteste und die beiden jüngsten Verzeichnisse stimmen überein ;
ohne Zweifel ist also diese Theilung der Diöcese Vienna in sieben Provin
zen zurückzuführen auf die diocletianisch-constantinische Ordnung. Es
kann nur als ein abgekürzter und ungenauer Ausdruck betrachtet werden,
wenn noch im vierten Jahrhundert die beiden Narbonenses und die beiden
Aquitanien als einfache Provinzen betrachtet und demnach die ganze Diöcese
als die 'der fünf Provinzen' bezeichnet wird (54). — Die Einrichtung der
(") Cod. Theod. lt, 3, 1. Consular 372: Vat. fr. §. 37.
('*) So z. ß. in der Inschrift des Consuls von 363 Henzen 6471, in der Noiitia in dem
Titel der rationales und so w. ; vgl. Gothofred zu C. Th. 16, 10, 15 und Böcking zur Not.
Dign. Occ. p. 47U flg. Wie man dazu kam, sieht man aus Ammian 15, 11, 13— 15; in
seiner proaincia Aquitanica sind beide Aquitanien zusammengefaßt, obwohl es aufser Zwei
fel ist, dafs diese damals längst eine Doppelprovinz bildeten. Dafs beide Bezeichnungen
Septem provinciae und Quinque provinciae gleichzeitig und als gleichbedeutende im Gebrauch
gewesen sind, ist gewifs; ob die beiden Narbonensis und die beiden Aquitanien in irgend
einer Beziehung gemeinschaftliche Verwaltung gehabt haben oder der letztere Ausdruck als
blofs abusiver anzusehen ist, steht dahin.
513

Narbonensis secunda hat man bisher, da Rufus sie ausläfst (5i) und sie
unter den bisher bekannten Quellen zuerst in den Acten des Concils von
Aquileia 381 auftrat (55), in die Zeit zwischen 369 und 381 gesetzt; dies
ist jetzt widerlegt durch das allen anderen Spuren zufolge beträchtlich
ältere Veroneser Verzeichnifs. Eine gewisse Unterstützung findet dasselbe
noch in der geographischen Lage der beiden Narbonenses , die nicht an ein
ander stofsen, sondern durch die langgestreckte Provinz von Vienna ge
schieden werden. Wenn die Doppelprovinz gleich bei der ersten Zer
stückelung der alten provincia Narbonensis entstand, so ist es nicht auffallend,
dafs zwei nicht an einander stofsenden Districten die Namen Narbonensis I
und II. gegeben wurden; wäre dagegen die Provinz Narbonensis II. jüngeren
Ursprungs, so könnte sie nur gebildet worden sein aus Gemeinden der bis
herigen Viennensis oder der bisherigen Seealpenprovinz oder aus Stücken
von beiden und würde die Benennung Narbonensis II. durch nichts sich
rechtfertigen. Sonach scheint angenommen werden zu müssen, dafs Rufus
Festus diese sehr kleine Provinz vergessen hat. — Die Ordnung des Verone
ser Verzeichnisses ist wiederum Rangordnung: die Provinz Vienna steht unter
Consular, die sechs übrigen unter Präsides.

X. Dioecesis Italiciana.

VER. SILV. NOT. DIGN.


76. Venetia Histria 7. Venetia cum Histris 1. Venetia
77. Flaminia 4. Flaminia 4. Flaminia et Picenum
annonarium
78. Picenum 5. Picenum 6. Picenum suburbicarium
79. Tuscia Umbria 2. Tuscia cum Umbria 5. Tuscia et Umbria
80. Apulia Calabria 10. Apulia cum Calabria 9. Apulia et Calabria
81. Lucania 1 1 . Bruttia cum Lucania 10. Lucania et Britta
82. Corsica 16. Corsica 17. Corsica . •

(34) Die in unseren Ausgaben c. 6. gangbare Lesung (sunt in Gallia cum Aquitania et
Britanniis provinciae decem et oclo: Alpes mariliinae, provincia Viennensis, Narbonensis,
Novempopulana , Aijuitaniae duae) ist auch diejenige aller guten von O. Jahn verglichenen
Handschriften. Auch die Gesaramtzahl der achtzehn Provinzen müfste um eine erhöht werden,
wenn man zwei Narbonenses annimmt.
(") Polem. Silv. S. 257.
Abhandlungen der philo*. -histor. Kl. 1862. Nr. 8.
514

VER. S1LV. NOT. DIGS.


83. Alpes Cottiae 8. Alpes Cottiae 1 1 . Alpes Cottiae
84. Raetia 12. Raetia prima 12. Raetia prima
1. Campania 7. Campania
3. Aemilia 2. Aemilia
6. Liguria 3. Liguria
9. Samnium 14. Samnium
14. Sicilia 8. Sicilia
15. Sardinia 16. Sardinia
13. Raetia secunda 13. Raetia secunda
— — 15. Kaieria
Der an dieser Stelle offenbar defecte Zustand des Veroneser Ver
zeichnisses verhindert aus demselben weitere Schlüsse zu ziehen ; nur das
scheint mit Sicherheit aus ihm zu erhellen, dafs die Theilung Raetiens in
prima und secunda nicht der ursprünglichen diocletianischen Ordnung an
gehört, sondern erst später nachgefolgt ist. Das bis jetzt bekannte älteste
Zeugnifs für die Theilung der Provinz ist der Katalog des Silvius; denn dafs
die Kaiserbiographen der diocletianisch-constantinischen Zeit von Raetiae
sprechen (56) , verbürgt dieselbe nicht mit hinreichender Bestimmtheit. —
Die Ordnung ist wiederum nach dem Rang gemacht: von den aufgeführten
neun Statthaltern sind die vier ersten Correctoren mit consularischem Rang
oder Consulare, die zwei folgenden Correctoren vom Range des Perfectissi-
mats, die letzten drei Praesides.

XI. Dioecesis Hispaniarum.


VER. RVFVS c. 5. SILV. NOT. DIGN.
85. Baetica 5. Baetica 42. Baetica 1. Baetica
86. Lusitania 3. Lusitania 43. Lusitania 2. Lusitania
87'. Karthaginiensis 2. Karthaginensis 4 1. Carthaginensis 5. Carthaginensis
88. Gallaecia 4. Gallaecia 44. Gallaecia 3. Gallaecia
89. Tarraconensis 1. Tarraconensis 40. Tarraconensis 4. Tarraconensis
90. Mauritania 6. Mauretania Tin- 46. Tingitana 6. Tingitania
Tingitana gitanica
45.insulaeBaleares 7. Baleares
(•*) Vita Pert. c. 2 ; Probi c. 16. Vgl. Marquardt 3, 1, 101.
515

Die Provinz der Balearen ist, da sie in den beiden ältesten Verzeich
nissen fehlt, erst zwischen 369 und 386 eingerichtet worden (57). — Die
Ordnung folgt wieder den Rangklassen: die beiden ersten Provinzen stehen
unter Consularen, die vier letzten unter Praesides; denn auch Gallaecia,
das in späterer Zeit ebenfalls unter einem Consular stand, erscheint noch bei
Rufus als praesidial.

XII. Dioecesis Africac.

VBR. RVFVS c. 4. SILV. NOT. DIGH.


91. proconsularis 1. proconsularis 34. proconsularis Africa
Zeugitana
9*2. Byzacena 3. Byzacium 36 Byzacium Byzacium
93. Numidia Cir- 2. Numidia 35. Numidia Numidia
iensis
94. Numidia mili- 4. Tripolis 37. Tripolis Tripolitana
! . ciana
95. Mauritania 6. Mauretania Cae- 39. Mauritania Mauritania Cae
Caesariensis sariensis Caesariensis sariensis
96. Mauritania ta- 5. Mauretania Siti- 38. Mauritania Si- Mauritania Siti-
biainsidiana fensis tifensis fensis
Die Verzeichnisse weichen in der Theilung nicht ab; nur giebt das
älteste den Provinzen theilweise andere Namen. Zeugitana, das in der
Handschrift nach Byzacena folgt, mufs offenbar zu proconsularis gezogen
werden. Das eigentliche Numidien ferner wird hier unterschieden als Cir-
tensis von Numidia Tripolitana; denn ich wüfste nicht, was anderes in dem
verdorbenen miliciana stecken könnte (s8). Dies ist also wesentlich die alte
ptolemäische Eintheilung Numidiens in das Gebiet von Cirta und die west
lich gegen Kyrene zu sich erstreckende Numidia nova (59). Mauritania
tabia insidiana ist auch wohl nur verschrieben aus Mauritania Sitifensis,
so dafs tabia falsche Wiederholung des voraufgehenden tania ist. — Die

(") Vgl. Söcking zur Not. Dign. Occ. p. 459.


(S8) Subventana (Orostus 1,2 p. 30 Hav.) Hegt noch weiter ab und Umitanta, woran
man denken könnte, ist wohl passend, aber nicht weiter beglaubigt.
(") Ich habe darüber in den epigraphischen Analekten No. 20 (Leipz. Ber. 1852.
S. 215 flg.) gehandelt.
D2
516

Ordnung folgt dem Range : die erste Provinz ist proconsular, die beiden fol
genden sind consular, die letzten drei präsidial. .
Fassen wir die in dieser Urkunde vorliegenden im Einzelnen erörter
ten Alterszeugnisse zusammen, so ist zunächst augenscheinlich, dafs sie die
diocletianisch-constantinische Reichstheilung darstellt. Die beiden Reichs
hälften sind zwar nicht äufserlich geschieden wie in der Notitia , aber es fol
gen doch auf die fünf orientalischen die sieben occidentalischen Diöcesen
und zwar mit der bemerkenswerthen Verschiedenheit, dafs die Provinzen in
jenen geographisch, in diesen nach dem Rang der Statthalter geordnet sind.
Zurückgeführt wird sowohl die Zerstückelung der alten gröfseren Provin
zen wie die Einsetzung der Vicarien , das heifst die Einrichtung der neuen
Mittelbezirke, der Diöcesen auf Diocletian (60), ohne dafs die Epoche dieser
wichtigen Umwandlung sich genauer bestimmen liefse. Alter also als Dio
cletian kann unsere Urkunde nicht sein ; und dasselbe bestätigen auch eine
Reihe einzelner Indicien. Die Namen der beiden Aegypten Iovia (4) und
Herculia (5), vielleicht auch der Name Diospontus (60) gehen zurück auf
die Kaiser Diocletian und Maximian, von denen jener wahrscheinlich im
J. 295/6 Aegypten unterwarf; der Beiname von Obermösien Margensis (41)
vielleicht auf die zwischen Carinus und Diocletian 285 gelieferte Entschei
dungsschlacht: der der pannonischen Provinz Valeria (53) auf Diocletians
Tochter, Galerius Gemahlin Valeria (61J; der der britannischen Flavia Cae-
sariensis (60), vielleicht auch der einer anderen britannischen Provinz Ma-
xima Caesariensis (59) auf den Caesar Flavius Constantius (62) , der be
kanntlich durch die Uberwindung des Allectus im J. 296 Britannien dem
Reiche zurückgewann. Dies sind aber auch die jüngsten Spuren, die ich
habe auffinden können (63). Keine sichere Spur begegnet von Constantinus:
die Hauptstadt Numidiens heifst Cirta, nicht Constantia (93), die Pro
vinz von Amasia Diospontus , nicht Helenopontus (21). Es fehlen nicht

(60) Lactantius de mort. persec. c. 7: provinciae in frutla concisae, multi praesides et


plura officio singulis regionibus ac paene iam civitatibus incuöare, item rationales multi et
magistri et vicarii praefeiUorum.
(") Victor Caes. 40, 10.
(M) Vgl. Mannen Geogr. 2, 2, 115.
(63) Ich sehe dabei ab von den Notizen über die Theilung Paphlagoniens und die Er
werbung von Grofsarmenien, die sich selber als Zusätze ankündigen.
517

blofs alle Provinzen, welche zwischen der Abfassung des silvischen Katalogs
und derjenigen der Notitia errichtet sind (Palaestina IL, Phoenice Libani,
Syria salutaris, Cilicia IL, Cappadocia IL, Galatia salutaris, Macedonia
salutarte, Dada mediterranea) , sondern auch sieben Provinzen , die jener
ältere Katalog aufführt: die britannische Provinz Valentia, eingerichtet
369, die ägyptische Arcadia und die pontische Honorias, die nicht vor
384 eingerichtet sein können, ferner in Gallien Lugdunensis III. und
Lugdunensis Senonia, in Italien Raetiall., in Spanien die Balearen, deren
Einrichtungszeit sich nicht näher feststellen läfst; endlich die beiden erst
nachträglich eingerichteten Diöcesen Aegyptus und Macedonia. Lugdu
nensis I. und Gallaecia erscheinen noch unter Praesides, nicht wie später
unter Consularen; endlich die Provinz von Pelusion noch unter ihrem alten
Namen Aegyptus Herculia, nicht unter dem neueren Augustamnica, der schon
342 sich findet. — Vor 342 ist das Verzeichnifs also auf jeden Fall geschrieben;
aber es ist nichts im Wege und vieles spricht dafür, dafs es unmittelbar nach
der Einrichtung der neuen Diöcesen, im J. 297 oder bald nachher, aufgesetzt
und eben nichts anderes ist als das nach dieser wichtigen administrativen Um
gestaltung officiell in Umlauf gesetzte neue Diöcesen- und Provinzenverzeich-
nifs, das eben darum noch an nicht wenigen Stellen damals gangbare und
späterhin abgekommene Benennungen aufzeigt. — Auf jeden Fall ist das
Veroneser Verzeichnifs das älteste, das wir besitzen. Rufus Festus, der we
nigstens reichliche Auszüge aus einem solchen giebt, schrieb unmittelbar
nach dem Abschlufs des Friedens mit den Gothen 369 ; er kennnt noch
nicht die in diesem Jahr errichtete britannische Provinz Valentia. Das
des Silvius mufs, wenn es ganz folgerichtig redigirt ist, 385 oder 386 auf
gesetzt sein ; denn die Honorias kann nicht älter sein als das J. 384 , in
dem Honorius geboren ward , und 385 waren Aemilia und Liguria noch
eine Provinz, während andrerseits CappadociaW. und ArmeniaW., die bei
Silvius noch fehlen, bereits 386 genannt werden (64). Die Notitia digni-
tatum aber ist bekanntlich nicht lange nach Gildos Tod 398 abgefafst.

(6*) So ist nach den jetzt vorliegenden Daten die Polem. Silv. S. 257 gegebene Zeit
bestimmung schärfer zu begrenzen. — Übrigens bemerke ich schliefslicb, dafs ich bei dieser
ganzen Untersuchung von den Berichten des Malalas abgesehen habe; trotz der genauen
Detaillirung, in die dieser Scribent seine dreisten Fictionen öfter einhüllt, kann über dessen
gänzliche Unbrauchbarkeit kein Zweifel sein.
518

Das Ergebnifs dieser Untersuchung ist anschaulich dargelegt in der


beigefügten Karte, die ich Hrn. Kieperts Freundlichkeit verdanke. Zu
Grunde liegt derselben das Veroneser Verzeichnifs ; doch sind auch die spä
teren Modificationen bis auf Justinian in dieselbe eingetragen worden.

Über den Anhang zu dem Provinzialverzeichnifs von 297.

Von Prof. MÜLLENHOFF.

Die dem eben mitgetheilten diocletianischen Provinzialverzeichnifs


angehängte geographisch-historische Notiz mufs vor dem letzten Viertel des
vierten Jahrhunderts aufgezeichnet sein, weil noch die Hunen ungenannt
bleiben und die Goten am Ende der deutschen Völkerreihe am weitesten
gegen Osten, über dem Pontus stehen. Die Überschrift gentes barbarae
quae pullulaverunt sub imperatoribus , wenn sie nicht unvollständig über
liefert ist, wird daher erst von einem Copisten herrühren, der nach dem
Untergang des Römischen Westreichs schrieb und auf die Kaiserzeit als ver
gangen zurückblickte. Ihm oder seinen Vorgängern und Nachfolgern wird
man die Entstellung mancher Namen und die Verwirrung in der Aufzählung
Schuld geben müssen , wenn diese auch rätselhaft und mir wenigstens uner
klärlich bleibt. Nur finde ich keinen Grund, welcher an Interpolationen
und Zusätze von späterer Hand zu denken zwänge.
Nach dem Schlufssatz hatte der Verfasser des Stückes die turbulenten
Zeiten des dritten Jahrhunderts, wo unter Gallienus die Verwirrung des
Reichs durch die von allen Seiten hereinbrechenden Barbaren ihren Höher
punkt erreichte, hinter sich. Er wollte ein Verzeichnifs der damals das
Reich beunruhigenden Völker geben und schrieb als die Erinnerung daran
noch rege und lebendig war, aber doch so spät dafs was er über den Ver
lust eines ansehnlichen Gebiets jenseit des Rheins berichtet, schon einiger-
mafsen fabulos lautet. Nach den Daten und Nachrichten die uns zu Gebote
stehen würde man sonst die Aufzeichnung wol gegen oder um die Mitte des
vierten Jahrhunderts setzen, doch sind jene, namentlich für das dritte Jahr
hundert, so spärlich und abgerissen, dafs man aus ihrem Stillschweigen
nicht füglich gegen das Alter des Stückes schliefsen darf, dies also gern
mehr in den Anfang des Jahrhunderts fallen kann.
519

Die Aufzählung beginnt im äufsersten Nordwesten mit den unabhän


gigen Keltischen Stämmen deren Angriffen das römische Briltannien ausge
setzt war. Die Scoti , die in unsern Quellen erst seit 360 vorkommen
(Zeufs 567 f., über die Weltkarte des Augustus S. 14. 38), mögen mit den
Picten und Caledoniern, wenn nicht früher, doch schon zu den Zeiten des
Carausius genannt sein. Darauf beginnt die Reihe der Deutschen Völker,
die von Norden her das Reich befehdeten, höchst auffallend mit Rugi,
Heruli. Die Heruler erscheinen zuerst im dritten Jahrhundert unter den
gotischen Haufen, die von der untern Donau und dem Pontus her unter
Gallienus und Claudius die griechisch-thrakische Halbinsel überschwemmten,
wenig später auch als Seefahrer und Plünderer im Westen in Gallien in Ge
sellschaft der Chavionen und später im Anfang des fünften Jahrhunderts,
auch der Sachsen (Zeufs 477 f.). Ihr Ausgangspunkt liegt im Innern der
Ostsee. An der Ostsee zwischen Oder und Weichsel safsen auch nach Ta-
citus und Ptolemaeus die Rugen. Auch im südlichen Norwegen gab es
einen Stamm dieses Namen, altn. Rygir, den Jordanes kennt. Nie aber
werden Rugen unter den seefahrenden Völkern im Westen genannt, und in
Gemeinschaft mit den Herulern und den später auch im Verzeichnifs vor
kommenden Sciren treten sie erst im fünften Jahrhundert an der mittlem
Donau auf. Vor der Mitte dieses Jahrhunderts werden sie seit Tacitus und
Ptolemaeus niemals sonst erwähnt. Dennoch könnten sie sich schon im
dritten oder zu Anfang des vierten Jahrhunderts bemerklich gemacht haben.
Julius Honorius, dessen Karte dem vierten Jahrhundert angehörte (Welt
karte S. 7 ff.), führt die Heruli zwischen Marcomanni, Mannii — was eine
blofse Dittographie der zweiten Hälfte des vorhergehenden Namen zu sein
scheint — und Quadi auf. Vielleicht waren die Heruler, Rugen und Sci
ren, nachdem die Semnonen-Sueven und Burgundionen von der mittleren
Oder gegen die obere Donau und den Rhein vorgedrungen , schon mit dem
vierten Jahrhundert in die von jenen verlassenen Sitze eingerückt, um dann
im Lauf des fünften das ehemalige Gebiet der Marcomannen und Quaden
und die Donau zu erreichen. Auf keinen Fall wage ich es bei der Unzu
länglichkeit unserer Nachrichten jene Namen einfach als einen Zusatz von
späterer Hand zu beseitigen , wenn sie auch augenscheinlich an eine falsche
Stelle geraten sind.
520

An die Caledoni knöpfen nur die Saxones richtig an, d. h. die deut
schen Nordseevölker die seit dem Ende des dritten Jahrhunderts und na
mentlich im vierten Brittannien und die gallischen Küsten beunruhigten und
mehrmals auch mit den Picten und Scoten zusammengenannt werden (Zeufs
381 f. 490 f.). Die Reihe von Saxones bis Cati d.i. Catti, Chatti ergibt
eine zusammenhangende Gruppe von Völkern des nordwestlichen Deutsch
lands, unter denen nur die Crinsiani rätselhaft bleiben und auffallender
weise die Franken fehlen. Diese stehen später im Verzeichnifs nebst Gal-
lovari, die in Cattovarii , Chattuarii herzustellen sind , — wenn auch sonst
regelmäfsig in diesem Namen der sogenannte Bindevocal unterdrückt wird, —
mitten unter den Völkern des südwestlichen Deutschlands. Sie sollten
zwischen Saxones und Camari d. h. Camavi, Chamavi stehen. Chattuarier
und Chamaven waren Nachbarn und fast unzertrennliche Genossen , beides
fränkische Stämme (Zeufs 334 — 337). Chamavi qui et Franci stellt die
Tab. peut. im dritten Jahrhundert an den untern Rheiulauf. Sie übergeht
die Chattuarii und ebenso die Saxones, hat aber dafür oberhalb der Cha
mavi über der Rheinmündung noch die Chaci d. i. Cbauci, die das Verzeich
nifs ebensowenig kennt als die Frisen. Auf diese könnte man bei den cor-
rupten CRINSIANI raten, zumal da nicht nur die Namenform Frisiavones
Frisaevo (Zeufs 138), sondern auch Frisiaus d. i. Frisiavus vorkommt,
Mommsen röm. Schweiz taf. fig. 3, neues rheinisches Mus. 11, 52: Sextus
Valerius Genialis — civis Frisiaus. Allein Chaucen und Frisen sind wol mit
unter die Saxones begriffen. So lassen sich die Crinsiani auf keinen der sonst
so wohl bekannten Völkernamen dieser Gegend mit Sicherheit zurückführen.
Die Tab. peut. hat zwischen Chamavi und Cbauci gleichfalls einen ganz cor-
rupten, ähnlich aussehenden Namen CHREST1NI, worin Zeufs mit vieler
Wahrscheinlichkeit Cherusci vermutete. Aber auch an die Cherusker
möchte ich bei Crinsiani deshalb nicht denken, weil das Volk das Tacitus
schon in der Germania als sehr herunter gekommen schildert später aus der
Geschichte verschwindet ; denn die Erwähnungen bei Panegyrikern und Po
eten (Zeufs 383 f.) scheinen blofse Phrase zu sein und auf der römischen
Karte figurierte es nur noch als Antiquität (Weltkarte S. 1. 11 f.). Freilich
könnte es auf diesem Wege gerade in das Verzeichnifs gekommen sein. Der
Verfasser hat eine Karte zur Hand gehabt; denn die Flevi neben den Bru-
cteri lassen sich nicht anders erklären als die Hieromices unter den orien
521

talischen Völkern bei Julius Honorius (Weltkarte S. 11), der einen Flufs-
namen für einen Völkernamen nahm. Zieht man die Franci Cattovari noch
hierher, so werden von der Lippe und dem nördlichen Rheinarm, dem Fle-
vus an bis hinüber zu der Weser alle Völker so vollständig aufgeführt, dafs
für die Flevi keine andre Vermutung übrig bleibt, ja dafs selbst die Crin-
siani durch Dittographie aus dem folgenden Amsivari entstanden sein
könnten, wie darauf wieder Angri Angrivari folgen. Die Bructerer wohnten
an der Lippe, die Chamaven und Angrivarier nach Tacitus in der Germania
nördlich über ihnen. Amsivarii und Angrivarii aber sind im Grunde das
selbe Volk : Angrivarii ist der rein geographische Name der Anwohner der
Weser oberhalb der Chauken oder spätem Friesen, und Amsivarii nur eine
speciellere, wie es scheint gleichfalls geographische Benennung für eine Ab
teilung des Volkes (Haupts Zeitschrift 9, 226 ff.). Sonst werden uns im vier
ten Jahrhundert nur Amsivarii genannt (Zeufs 342, Haupt 9, 238 f.), und
zwar in einem Fragment des Sulpicius Alexander, wie in unserem Verzeich-
nifs, in Verbindung mit Chatten, in der Notitia dign. neben Bructerern.
Da die Angrivarii ( ' ) in den übrigen Quellen nach Tacitus erst wieder mit
Karl dem Grofsen auftauchen , ist das Zeugnifs des Verzeichnisses für die
Fortdauer des Namen in der Zwischenzeit von besonderem Interesse. Da
gegen möchte man jetzt auch in dem VAPII • VARII der Tab. peut. neben
Chaci Uberreste beider Namen sehen , statt wie bisher nur den einen oder
den andern, Weltkarte S. 4. Mit den Bructerern schliefst die Tab. ihre
Francia ab. Wir werden im dritten Absatz des Verzeichnisses noch die Na
men der Völker finden, die den Raum zwischen diesen, den Chatten in
Hessen und den Angrivariern an der Weser ausfüllen.
An die Chatten reihen sich, sobald man von den Franci Gallovari
absieht, die nächsten Namen in bester Ordnung an. Nur wären die Ala-
manni besser vor den Burguudionen genannt. Denn jene treten im dritten
Jahrhundert zuerst am mittlem Rhein in der Maingegend auf und auch im
vierten Jahrhundert, als sie sich schon am obern Rhein bis zum Bodensee
festgesetzt haben, reicht ihr Name noch nordwärts bis in die Lahngegend,
ja vielleicht bis nach Hessen hinein (Zeufs 310 f.). Die Burgunden aber
hatten gegen das Ende des dritten Jahrhunderts im Rücken der oberrhei-

(') Über die Anglevarii der Notit. dign. s. Zeufs 496 Anra.
Abhandlungen der philos.-hislor. Kl. 1862. Nr. 8. E
522

nischen Alemannen, durch Rhön und Spessart nördlich sich an die Chatten
anscbliefsend, am mittlem Main bis gegen Jaxt und Kocher hin Fufs gefafst
(Zeufs 311 f. 465 ff.). Diese Aufstellung hatte der Verfasser des Verzeichnisses
bei seiner Aufzählung schon vor Augen , und daraus folgt dafs er wenigstens
ein Menschenalter nach Gallienus (f 26H) schrieb. Dafs die Suevi von den
Alamanni unterschieden werden , darf nicht auffallen. Nur verhält es sich
damit anders als mit den Suevi die die Tab. peut. nördlich über den Ale
mannen (Zeufs 308. 328) und Julius Honorius (Weltkarte S. 8) neben Lan-
gobardi aufführen. Wir haben es hier mit keiner alten Reminiscenz und
Uberlieferung zu tun, sondern die Suevi sind die nachmaligen Schwaben,
dieselben mit den Jotungi oder, wie der Name richtiger geschrieben wird,
Juthungi (Zeufs 312 ff.). Der richtige Zusammenhang ergibt sich erst wenn
die Franci Gallovari mit einander zwischen Suevi und Jotungi entfernt wer
den; und je notwendiger dies ist, je deutlicher zeigt sich dafs auch jene
beiden Namen zusammengehören und dafs wir vollkommen berechtigt waren
die Gallovari in Cattovari, Chattuarii zu verwandeln. Jotungi bestimmt
erst die Suevi näher. Es ist der im vierten und fünften Jahrhundert fast
allein übliche Name für das Volk , für den erst seit dem sechsten Jahrhun
dert (bei Procop und Jordanesj wieder der alte Generalname eintritt, um in
eingeschränkter Bedeutung nun an den nobilissimis ac vetustissimis Sueborum
des Tacitus haften zu bleiben. Für die Fortdauer des alten Namen in der
Zwischenzeit gibt das Verzeichnifs abermals ein wertvolles Zeugnifs, dem
Ammians 16, 10 nuntiis indicantibus Suevos Raetias incursare nicht gleich
kommt.
Die Reihe setzt sich dann weiter durchaus richtig mit Armilausini,
Marcomanni, Quadi längs der Donau fort, gerade wie bei Julius Honorius
auf Suevi Langobardi folgen Tutuncii (1. Jutungi) Burgundiones Armilausini
Marcomanni (Manni Heruli) Quadi Sarmatae, und ähnlich auf der Tab. peut.
ALAMANNIA • ARMALAVSI • M,A,R„CdO,MA,Ni NI • QiVvAtDvgi • i • DUR
für die Armalausi oder Armilausini, die bisher nur aus der Tab. und Julius
Honorius bekannt waren , kommt jetzt das Verzeichnifs als drittes Zeugnifs
hinzu , und dies allein würde hinreichen um sein Zeitalter ungefähr zu be
stimmen. Sie sind ins heutige Riefs zu setzen oder etwas weiter abwärts
an der Donau, den Schwaben-Jnthungen im Rücken, südlich von den Bur
gunder Nur so konnten diese bei Honorius zwischen Tutuncii (Jutungi)
523

und Armilausini gestellt werden. Die Stellung der Vanduli und Jutugi aber
auf der Tab. peut., so weit sie nicht durch den blofsen Mangel an Raum be
dingt ist, ist gerade umzukehren, weil offenbar der Zeichner um nach den
DURi, d. i. den Hermunduri, die er dem langgestreckten Zuge seiner Karte
folgend nach den Quadi angesetzt hatte, noch zwei an jene sich anschlie-
fsende Namen aus dem innern Deutschland anzubringen und mit diesen nicht
zuweit nach Osten zu kommen, rückwärts gieng zu den nächst vorhergehen
den Namen: es sollten die HermuuDURi•ivtvgi• vandvli in dieser Folge im
Rücken der Armalausi, Marcomanni, Quadi stehen. So aber weist die
Stellung der Völker, wo die Jutugi noch ganz den Platz der alten Semno-
nen einnehmen , auf die Zeit ihres Vordringens gegen den römischen Limes
zwischen Rhein und Donau im dritten Jahrh., vgl. Weltkarte S. 4. Die
Marcomannen und Quaden in Böhmen und Mähren , die sich an die Armi
lausini anreihen, verschwinden mit dem fünften Jahrhundert, da die Quaden
als Sueben mit den Vandalen nach Spanien ziehen und die Uberreste der
Marcomannen sich unter die nachrückenden Heruler und Rugen verlieren.
Ganz gegen alle Ordnung aber folgen nun im Verzeichnifs die Tai'fali
— denn so ist ohne allen Zweifel Taifruli zu emendieren — , eine Abteilung
der Westgoten (Zeufs 433) in Dacien an der untern Donau, die aller Wahr
scheinlichkeit nach von der dakischen Ebene oder Steppe in der Moldau
oder Bessarabien ihren Namen hatte (vgl. J. Grimm GDS. 194, Zeufs 390).
Auf die Marcomanni und Quadi sollten die HermunDUBI — d. i. DURI —
folgen. Die Aufzählung, die von den Suevi Jotungi an der Donau folgte,
greift mit ihnen, gerade wie auf der Tab. peut., ehe sie weiter flufsabwärts
geht, nur noch einmal zurück ins innere Deutschland zu den Westnachbarn
der Chatten, den nördlichen Nachbarn der Burgundionen und Marcomannen.
Ganz ebenso werden die Hermunduren auch im (Jj«jue^<T|0iÖs r»js <>% (Weltkarte
S. 43*) aufgeführt:
Tequavwv tSvrt xai cnroixiai tlclv t, Mafttopiavoi, BaqSovhot (1. BavSovAol,
Bav&Xoi), KovaS[^i]oi, Bf£i<W (]. BsvtSet Venedi), 'E^juov&t/Aoi.
Hier sind Marcomannen und Quaden, Vandiler und Wenden zwei Völker
paare hüben und drüben der Gebirge, an denen Elbe Oder und Weichsel
entspringen, die Dio auch OvavSaÄtxu op») nennt, und die Hermunduren sind
zuletzt weiter aus dem Innern nachgeholt. Es sieht diese Notiz fast wie ein
von einer römischen Wreltkarte abgerissener Fetzen aus, und ich glaube
E2
524

noch immer dafs bei der Ausarbeitung jenes merkwürdigen Denkmals jü


disch-christlicher Gelehrsamkeit die römische Karte benutzt ist. Dafs man
bei der Auswahl der Ttqpavuv £-9^»] xai diroutlat sich auf den Völkercomplex
des südöstlichen Germanien beschränkte, deutet vielleicht auf eine Zeit wo
die Erinnrung an den markomannischen Krieg noch lebendig war. Honorius
übergeht die Hermunduri, und mit dem fünften Jahrhundert weicht das alte
hieratische Namencompositum dem jüngern Patronymicum Thuringi (Zeufs
353 f.), so dafs damit abermals ein die Zeit der Abfassung des Verzeichnis
ses beschränkendes Datum gegeben ist.
Den nun folgenden Namen Vandali könnte man, da die Sarmatae
sicherlich nur die Jazygen, die Sarmatae des Am miau an der Theis sind, auf
die Abteilung des Stammes beschränken , die unter dem Königsgeschlecht
der Astinge im Lauf des markomannischen Krieges sich innerhalb des Ge-
birgs im Norden von Dacien mit Bewilligung der Römer niedergelassen hatte
und später zu Anfang des fünften Jahrhunderts nach Spanien und Afrika
zog. Allein da das Verzeichnifs die Vandali unmittelbar auf Hermunduri
folgen läfst, so mufs man den Namen auch noch im Gebiet der obern Oder
und Weichsel ausgedehnt denken, wie ihn der ^tafxt^icfxoi; , Dio und ohne
Zweifel auch die Tab. peut. nach der vorhin hergestellten Ordnung kannten.
Die Tab. peut. führt aufserdem noch Lupiones (Sarmate) d. i. Lugiones, die
südliche Abteilung des vandilischen Stammes, \eytuvtf bei Zosimus 1, 67,
Lugii oder Lygii bei den ältern Römern , zu der auch die astingischen Van-
dalen an der obern Theis gehörten, besonders auf zwischen Sarmate vagi,
Solitudines Sarmatarum, Amaxobii Sarmate und Venadi Sarmate, Alpes
Bastarnice, Blastarni, wie ähnlich der &a/«£«<r|Uo? die Bav&ovXot und BeviSol
verbindet. Auch nach einer Notiz bei Jordanes aus der ersten Hälfte des
vierten Jahrhunderts (Zeufs 353. 448, Weltkarte S. 34 f.) sollen die Van-
dalen im Westen an die Markomannen , im Norden sogar an die Hermun
duren gegrenzt haben, im Süden und Osten an den Hister und die Goten.
So wunderlich dies lautet, so mangelhaft auch der Urheber der Notiz über
die Lage der genannten Völker gegen einander orientiert war, so ist doch
soviel gewis dafs eine solche Abgrenzung nie gegeben wäre, wenn nicht der
Name der Vandalen noch in das Gebiet der Oder reichte. Die Vandali
Silingi, die mit den Astingen zu Anfang des fünften Jahrhunderts nach Spa
nien aufbrachen, haben zweifelsohne bis dahin unverrückt in ihren alten
525

Sitzen, wo schon Ptolemaeus sie kennt, in Schlesien oder wie Zeufs 455
meint in der Oberlausitz gesessen. Auf diese Weise erklärt es sich auch
allein dafs das Verzeichnifs von den Hermunduren zunächst auf die Vaudalen
und dann erst auf die Sarmaten kommt. Reichten nemlich die Vandalen
nicht mehr nördlich über das Gebirge hinaus, so verlangte die natürliche
Ordnung, die durch den Lauf der Donau vorgezeichnet war, sobald die
Aufzählung von den Hermunduren dahin zurückkehrte , dafs die Sarmaten
die nächsten und unmittelbaren Nachbarn der Quaden zuerst und vor den
Vandalen im innern Lande genannt wurden. Die früher ausgesprochene
Vermutung aber, dafs schon im vierten Jahrhundert die Heruler, Rugen
und Sciren von der Ostsee weiter gegen Süden vorgerückt und in die Reihe
der das römische Reich bedrohenden Völker eingetreten waren, gewinnt nun
nicht wenig an Wahrscheinlichkeit durch die Nennung der Sciren. So wie
das Verzeichnifs sie aufführt, dürfen wir sie uns neben den Vandalen auf der
Nordseite der Karpaten, ungefähr in der Stellung die die Tab. peut. den
Bastarnen gibt, denken. Von hieraus konnten sie sehr wohl um 381, nach
dem Abzuge der Goten aus der Ebene über dem Pontus, in Gemeinschaft
mit Karpodaken und Hunen Einfälle ins römische Gebiet über die Donau
machen (Zeufs 487), mit den Herulern und Rügen, ihren Nachbarn und
Genossen , dem Attila Heerfolge leisten und nach dem Sturz der hunischen
Macht, wenn nicht schon früher nach dem Abzuge der Vandalen, ins nörd
liche Ungarn einrücken, um endlich unter Odovaker nach Italien auszuziehen
und dem römischen Reich ein Ende zu machen. Plinius nennt sie zuerst an
der Ostsee und Ptolemaeus kennt sie hier als 'Pqvtik?^ioi d. i. nach Zeufs
schöner Verbesserung TovqxtXsioi, Turcilingi, in gleicher Ausdehnung mit
den Rugen zwischen Weichsel und Oder: die Turcilingi sind nur die könig
liche Phyle der Sciren, wie die Astinge oder Hasdinge der Vandalen. Was
dann noch die nächsten Namen des Verzeichnisses betrifft, so sind die Car-
piscitae natürlich zu zerlegen in Carpi, Scythae und nicht als Compositum
wie KaoToSaticu zu nehmen. Carpi ist der alte, schon dem Ephorus (Scym-
nus v. 801) bekannte Name für die dakischen Gebirgsstämme und Scythae
der besonders im dritten Jahrhundert zur Zeit des grofsen 'scythischen Krie
ges nach dem Vorgang der Griechen auch bei Römern übliche Collectivname
für die ganze Masse deutscher und nicht deutscher Völker über dem Pontus
und der untern Donau. Nur das vornehmste Volk, die Goten werden noch
526

besonders genannt, aber abgesehen von den vorweg an unrechter Stelle er


wähnten Ta'ifali nicht weiter speciabsiert in Greutunge und Tervinge , Ost-
und Westgoten, und Gepiden. Wir müssen das Volk für die Zeit der Abfas
sung des Verzeichnisses in der ganzen Ausdehnung seiner Macht, die es mit
dem scythischen Kriege gewonnen hatte, von der Wallachei und Donau bis
östlich zum Don herschend denken.
Bei dem nächsten Namen kann man zweifeln ob man ihn zu den euro
päischen oder schon zu den asiatischen zählen soll. Denn da die Inder am
Ganges und Indus dem römischen Reich nie gefährlich geworden sind, so
werden die Indii unserer Aufzeichuung zu emendieren sein. Von den Goten
am Pontus und Don gerät die Vermutung zunächst auf die Sindi bei Phano-
goria am Bosporus Cimmerius, die Strabo p. 495 zuletzt nennt. Das
Völkchen ist aber zu klein und unbedeutend als dafs man es im Verzeichnifs
berücksichtigt finden dürfte. Eine einleuchtende Verbesserung weifs ich nicht.
Man darf vielleicht auf Venedi, Vinidae raten. — Deutlich aber weisen die
nächsten, entschieden asiatischen Namen in die Zeiten des Valerian und
Gallienus, des Odenathus und der Zenobia. Die auf die Armenii folgenden
HORRO/ sind unzweifelhaft die Osrhoeni, aus der Landschaft von Edessa-
Orrhoe zwischen Armenien und Coelesyrien, wohin der dritte Name Pal-
moerni d. i. Palmyreni führt. Dagegen findet sich für Mosoritae keine
irgend sichere Anknüpfung an einen bekannten Namen : die Mosynoeci am
Pontus sind wieder zu unbedeutend um in Betracht zu kommen. Die Mar-
meritae führen dann nach Afrika, wenn die Marmeridae in der Marmarica
zwischen Cyrene und Aegypten gemeint sind und der Name nicht verderbt
ist: sie müsten dann einmal diese Provinz beunruhigt haben, was nur soviel
ich weifs von den Blemmyern berichtet wird, Vopisc. vit. Aurelian, c. 33. 41 ,
Prob. c. 17. 19. Offenbar ist die Ordnung der Namen hier wieder gestört.
Die Theui könnten eher Medi als etwa Thyni, Bithyni sein, und sie schlös
sen sich so an die zuletzt genannten Persae an. Die Isaurer empörten sich
unter Gallienus und machten sich unabhängig: Claudius und Probus züchtigten
sie, aber ohne wie es scheint sie völlig zu unterwerfen: um die Mitte des
vierten Jahrhunderts beunruhigten sie wieder Kleinasien (Treb. Poll. trig.
tyr. c. 25, Vopisc. vita Prob. c. 16. 17, Zosim. 1, 69. 70, Ammian 14, 2).
Von der Teilnahme der Pbryger an diesen Unruhen wird nichts gemeldet,
doch ist kein Grund das Zeuguifs des Verzeichnisses anzuzweifeln.
527

Die nun im zweiten Absatz folgenden mauretanischen Namen bedürfen


einiger Besserung, aber ihre Herstellung ist leicht und, wie ich glaube,
ganz sicher. Die Aufzählung folgt der Richtung von Westen nach Osten
und schreitet dann , unvermittelt durch ein neues Lemma , nach Spanien
hinüber. Bei den zuerst genannten Mauri gensani etwa an die herodotischen,
später verschollenen Gindanes in der Syrtengegend zu denken wäre verkehrt.
Ich zweifle nicht dafs die Mauri gensani durch genzani (vgl. oben Burgun-
ziones) auf Mauri Vgentiani zurückzuführen sind. Die Quinquegentiani
oder nationes Quinquegentanae nach Aurelius Victor de Caesar. 39, '22 (vgl.
39, 39) verheerten und plünderten das römische Afrika zur Zeit des Carau-
sius (c. 290), bis Maximian sie besiegte, nach Tillemont (Bruxelles 1732,
4, 12) im J. 297, Eutrop. 9, 22. 23. Scaliger zum Eusebius p. 243 hielt
sie für Bewohner der Pentapolis Cyrenaica. Ich habe schon zur Weltkarte
5. 7 Anm. bemerkt dafs die richtige Stelle sich für sie aus dem Julius Ho-
norius ergibt, der sie zweimal erwähnt, einmal p. 18 unter den Städtenamen
zwischen Hippo regius, Russicade, Culli, Saldis und Rusuccurru, Tipasa,
Caesarea, das andremal p. 21 unter den Völkern zwischen Barzufulitani
(Sufetulani? Gazaufulitani?), Fluminenses (Flumenpiscenses? in der Maure-
tania Sitifensis, Böcking notit. dign. occ. p. 630) und Bures (Baniuri? (1 )),
Mazices. Die Quinquegentiani sind danach in die Mauretania Sitifensis zu
setzen. In den Mauri mazazeses sind dann die Mazices oberhalb Caesarea
nicht zu verkennen, ebensowenig die Barbari (Macenites Barbari itin. An
tonin. p. 2; vgl. Ptolem. 4 , 1, 10 Oveqoveig) oder Barbares bei Honorius in
den Mauri bavares und die Bacuates in Mauri bacautes, beide in der Tingitana,
so dafs wenn wir nicht die deutlich indicierte Ordnung aufgeben, der kleine
Stamm der Bavares in der Gegend von Auzia (Renier nr. 3579; vgl. Pto
lem. 4, 2, 9 Ovußa^), worauf Mommsen aufmerksam machte, nicht füglich
in Betracht kommen kann. Sind aber die Quinquegentiani richtig herge
stellt, so ist damit ein zweites Datum gewonnen das beweist dafs das Ver-
zeichnifs mindestens ein Menschenalter nach Gallienus Tode abgefafst ist.
Ob nun ein Lemma , etwa 'item gentes quae in Hispania sunt3, aus
gefallen ist, oder ob Flüchtigkeit oder welche Ursache sonst es verschuldet

(') Mommsen erinnert an Tubursicubure (Tubursicu Numidorum oppidum bei Honorius


p. 19), dessen Einwohner auf Inschriften bei Orelli nr. 3691 Thibursicenses Bure, bei Matte!
mus. Veron. 462, 1 Thib. Bure heifsen.
528

hat dafs spanische Völker unter der Rubrik von Mauretanien aufgezählt
werden, — bei der Benutzung einer Karte liefse sich solche Flüchtigkeit
denken, — mufs dahin gestellt bleiben. Die Aufzählung geschieht ohne
feste Regel und Ordnung: zuerst die Celtiberi aus dem innern Lande, dann
die Turini — wobei man eher an die Astures im Nordwesten, als etwa an
die Turtitani, Turdetani im Süden, in der ganz romanisierten Baetica wo
der alte Volksname frühe untergeht, denken darf, — dann die Ausitani,
Ausetani im nordöstlichsten Winkel an den Pyrenäen, darauf die Calpitani
d. i. Carpetani wieder aus der Mitte, die Cantabri aus dem Norden darüber,
endlich noch enantes, die sich schwerlich irgendwo unterbringen lassen.
Seltsamer aber als diese Confusion ist die Aufzählung dieser Völker über
haupt, da Spanien wie es scheint von allen Provinzen des römischen Reichs
die einzige war, wo während der greuelvollen Zeiten des dritten Jahrhun
derts Ruhe und Friede herschten. Hier könnte man am ersten an einen
gedankenlosen Zusatz von späterer Hand denken oder auf die Vermutung
kommen, dafs uns nur ein Excerpt aus einer Schrift vorläge, in der in ganz
anderm Sinne von jenen Völkern die Rede war, als worauf hier der Zu
sammenhang führt. Allein bei dieser Annahme würde die Verwirrung, die
in den übrigen Teilen der Aufzeichnung neben der im grofsen und ganzen
doch durchstehenden Ordnung herscht, doppelt unerklärlich sein, weil man
sich von dem Inhalt und der Beschaffenheit der supponierten Schrift schlech
terdings keine Vorstellung machen könnte ; und um über Zusätze und Inter
polationen des Verzeichnisses entscheiden zu können , müfsten wir über das
dritte Jahrhundert zusammenhängender und besser unterrichtet sein , als es
leider der Fall ist. Wie es sich mit der Aufzählung der spanischen Völker
verhält, bleibt rätselhaft. Höchst auffallend ist dann auch das Stillschweigen
über die Bagaudae, den Bundschuh der gallischen Bauern um 286. Die
Aufzeichnung, wenn die Schlufsnotiz über das Maafs der Leuga, die ähnlich
z. B. auch bei Isidor etym. 15, 16 vorkommt, nicht erst von einem schul
gelehrten Abschreiber herrührt , scheint nicht in Gallien , sondern , da an
Spanien oder eine andre Provinz nicht zu denken ist, in Italien von einem
gemacht zu sein , der ein specielles Interesse an der deutschen Völkerwelt
nahm und davon auch eine speciellere Kenntnifs besafs, was sich in eigen
tümlicher Weise wieder im letzten Absatz zeigt.
529

Nach gutem altem Sprachgebrauch werden hier wie bei Tacitus civi-
tates, einzelne politisch -selbständige und abgeschlossene Volksgemeinden
von den gentes in umfassenderem Sinn, von denen bisher die Rede war,
unterschieden. Die Usiper und Tencterer hatten zu Caesars Zeit am Nieder
rhein, von der Lippe bis zum rechten Rheinarm sich niedergelassen, und
auch die Tubanten befanden sich in dieser Gegend nach Tacitus ann. 13, 55.
Hier trifft sie noch Drusus. Als aber Tiberius nach Drusus Tode die Regu
lierung der neuen Provinz in die Hand nahm, mufs er die drei Völker
schaften genötigt haben südlich über die Lippe in das Land der Sugambern,
die er total aufhob, hinauf zu ziehen. Hier safsen sie im ersten Jahrhundert
an der Ruhr und Sieg, vielleicht selbst noch über den Westerwald hinaus,
wo ehemals ubisches Land vacant war, während ihr altes Gebiet nördlich
von der Lippe agri militum usui sepositi nach Tacitus a. a. O. geworden
waren. Nach Tacitus und Ptolemaeus werden nur noch die Tubantes wieder
genannt in der Notit. dign., und früher bei Nazarius. Auf der Karte des
Julius Honorius (Weltkarte S. 11) standen die Üsipi mit manchen andern
Völkern des nordwestlichen Deutschlands wie es scheint nur als Antiquität.
Auf unserm Blatte aber finden wir die ganze Gesellschaft noch einmal wieder
vollständig beisammen. Die civitas Usiphorum, Tuvanium statt Usiporum
(oder Usipiorum: Usipi in den Hss. des Tacitus, oCvnrot die Griechen,
aber genus Usipiorum Martial 6, 60; Usipetes bei Caesar, Florus und ann.
1, 51 ist keltische Pluralbildung), Tubantum sind klar, aber auch die civitas
NICTRENS1VM ist zweifelsohne die civitas Tencterorum oder Tenctren-
sium? An welches Volk sonst könnte man neben Usipern und Tubanten
denken? Ptolemaeus nennt freilich ungefähr in demselben Striche Ne^te^sW?,
aber dieser Name ist corrupt, wenigstens in der Flexion, und sonst uner
hört. Zeufs 113 Anm. erinnerte dabei an den Enterigau zwischen Hunte
und Weser und vermutete danach 'Evre^saveg, womit die Flexion nicht besser
wird ; auch stimmt die Lage des Gaus nicht mit der Stellung des Volks bei
Ptolemaeus. Wer wird also einen durchaus unsichern, obscuren Namen
benutzen, wo die Herstellung aus einem wohl bekannten und bewährten
ebenso leicht ist? Der vierte Name der Reihe novaßii/ war dann allem An
schein nach ein Compositum auf -varii d. h. eigentlich Verteidiger, dann
Inhaber, Besitzer. Von dem ersten Wort des Compositums ist wie es
scheint nur die letzte Silbe übrig geblieben. So zahlreich aber auch die
Abhandlungen der philos.-histor. Kl. 1862. Nr. 8. F
530

Composita dieser Art und so bekannt gerade die Völkernamen zwischen


Rhein und Weser sind , so findet sich doch für das überlieferte novarii
keine Anknüpfung, wenn man nicht auf die schon einmal erwähnten Chat-
tuarii, CaUovari zurückkommen will. Die nach ..novarii genannten Ca-
suarii (richtiger Chasuarii) aber kennen Tacitus und Ptolemaeus, und zwar
wohnten sie nach Tacitus im Rücken der Chamaven und Angrivarier.
Ptolemaeus, dessen Karte hier in eine heillose Verwirrung geraten ist (Haupts
Zeitschrift 9, 23-2), setzt sie östlich von den Tencterern. Auf jeden Fall
gehört darnach das Volk ins innere Westfalen, und fafst man nun alle fünf
Namen zusammen, so wird damit gerade der Raum ausgefüllt sein, den die
Aufzählung des ersten Absatzes von der römischen Grenze am Rhein und
Main bis zu den Bructerern über der Lippe, den Angrivariern an der Weser
und den Chatten in Hessen über den Alemannen frei liefs.
Dies Gebiet oder diese fünf civitates sollen nun einmal in formulam
Belgicae primae redactae zum römischen Reich gehört haben, aber unter
Gallienus von den Barbaren besetzt sein. Da die fünf Völker selbst zu den
Barbaren gehörten, so klingt die Nachricht etwas sonderbar; noch sonder
barer und fabuloser, weil es keinem Zweifel unterliegen kann, dafs die
Römer seit August bis auf Gallienus eine Occupation im untern Germanien
jenseit des Limes nicht wieder versucht haben. Die Nachricht ist auch in
sofern confus , als die Provinz Belgica prima nicht an den Rhein reichte —
es müste Germania prima heifsen — und erst unter Diocletian eingerich
tet wurde. Die Römer hielten seit August die Völker an der Grenze in
einer gewissen Abhängigkeit, aber davon redet unser Gewährsmann nicht.
Alexander Severus begann im dritten Jahrhundert seine Feldzüge vom Rhein
aus, aus einem Briefe seines Nachfolgers Maximin (Capitolin. vit. Maxim,
c. 12) aber sieht man dafs es sich um blofse Razzien zur Sicherung der
Grenze handelte: per quadraginta milia (das sind ohne Zweifel nur acht
deutsche Meilen, nicht achtzig wie in einigen Büchern steht) Germanorum
vicos incendimus cet. Gallienus selbst von Valerian an den Rhein geschickt
beschränkte sich darauf die Ubergänge zu bewachen, w efoV r£ 707 fxtv
ixwXvs i:t^aioZ<T^fai , rjj $s xai iiaßalvevcn (ivrerärTtTc »ctA. Zosim. 1 , 30.
Dennoch kann die Nachricht nicht ganz aus der Luft gegriffen sein. Die
Angabe lautet zu bestimmt: trans castellum Montiacesenam lxxx leugas
trans Renum Romaiii possederunt. Das castellum Montiacesenam ist ohne
531

Zweifel das castellum Mogontiacense (1 ). Achtzig Lengen, 120 Mp. sind


'24 deutsche Meilen und soviel beträgt in gerader Richtung ungefähr die
Entfernung von Mainz- Castel bis zur obern Lippe d.i. bis zur äufsersten
nordöstlichen Grenze des Gebiets, das etwa die unterworfenen fünf civitates
inne hatten. Diese Ubereinstimmung kann nicht zufällig sein oder auf
blofser Conjectur beruhen ; es mufs der Nachricht etwas wahres , tatsäch
liches zu Grunde liegen und hier sehe ich nur eine Möglichkeit.
Valerian bestellte den Postumius als transrhenani limitis ducem et
Galliae praesidem, Pollio XXX tvr. c. 3. Als dieser sich unter Gallienus
zum Kaiser aufwarf, stützte er sich vornemlich auf celtische und fränkische
Hilfsvölker (Pollio vit. Gallien, c. 7). Es heifst dann von ihm 'submotis
omnibus Germanorum gentibus romanum in pristinam securitatem revoeavit
imperium', Pollio XXX tyr. c. 3, und von seinem Nachfolger Lollianus
'plerasque Galliae civitates, nonnulla etiam castra, quae Postumius per
septem annos in solo barborico aedifieaverat, quaeque interfecto Postumio
subita irruptione Germanorum et direpta fuerant et incensa, in statum ve-
terem reformavit', Pollio XXX tyr. c. 5. Die Geschichte des Postumius
und seiner Nachfolger bis auf Tetricus spielt am untern Rhein, in Mainz
und Cöln. Hier suchten sie sich festzusetzen und eine Macht zu grün
den, wenn nicht alles triegt, durch Verbindung germanischer und gallisch
römischer Elemente. Wenn je, so sind damals die Mainz und Cöln gegen
über wohnenden fränkischen Völker (vgl. Tac. histor. 4, 37. 64) unterworfen
oder, wie wohl wahrscheinlicher, freiwillig in eine nähere Verbindung mit
der römischen Herschaft am Rhein getreten. Später kann in keiner Weise
davon die Rede sein. Von Probus Feldzügen unter Aurelian declamiert
einer bei seiner Thronbesteigung : testes Franci inviis strati paludibus, testes
Germani et Alamanni longe a Rheni submoti littoribus, Vopisc. vit. Prob,
c. 12. Als Kaiser hatte Probus nur mit den Alemannen am obern Rhein
zu tun, und was er da gewonnen, war alsbald wieder verloren. Die Pane-
gyriker kennen nur den Rhein als Reichsgrenze.

(') Mogontiacensis ciritai heifst Mainz bei Salvian de Gubernat. dei VI p. 123 Baluz.
und Hieronymus Epist. 91 ad Ageruchiam.

F2
532

Auf dies merkwürdige Völkerverzeichnifs lassen wir hier noch ein


andres, zwei hundert Jahr jüngeres, nicht minder merkwürdiges Stück der
Art folgen , das zwar schon mehrere male gedruckt ist , aber bisher weder
in rechter Übersichtlichkeit vorliegt, noch richtig bestimmt ist.

Die fränkische Völkertafel.

A Sangaller Hs. 732 p. 154, aus dem IX. Jh., Abschrift einer Aufzeichnung vom
J. 810; vgl. Merkel lex Alamannorum p. 8. 23.
B Pariser Hs. 4628 A. aus dem X. Jh. und Ottobonian. 3081 aus dem XV. Jh.
C Vatican. 50Ö1 der langobardischen Gesetze, BL 140, aus dem XIII /XIV. Jh.
D Paris. 609 aus dem Anfang des IX. Jh.
E Hs. von La Cava der langobardischen Gesetze aus dem Anfange des XI. Jh.
F Beichenauer Hs. 229 in Karlsruhe aus dem Ende des VIII. oder Anfang des
IX. Jh. : der Aufzeichnung sind zwei chronologische Notizen über die Zerstörung
von Chieti (urbs Teatina) und einer urbs Uncitana durch die Franken in den
J. 802 und 806 angehängt.
Nennius historia Britonum c. 17 nach dem Harlejan. 3859 im British museum aus
dem XI. Jh.; bcdefghi = Stevensons Hss. bei San-Marte BGKLN PRa.
1. INCIP1T GENERATIO REGUM.
2. PRIMUS REX ROMANORUM ALANEUS dictus est.
3. Alaneus genuit Papulo.
4. Papulus genuit Egetium.
5. Egetius genuit Egegium.
6. Egegius genuit Siagrium,
7. per quem Romani regnum perdiderunt.
1 — 7. dieien ganzen Abschnitt übergehen CDEF Nennius; doch s. zu 2.
1. ITEM DE BEGIBUS BOMANOBUM B.
2. ANALEU A. dictus est fehlt A. Allanius dictus est B. vgl. zu 8 Muljus E,
Alaneus F, Alanus Nennius, Alaneus zu 14.
3. Analeus A, Allanius B. Pabolum B.
4. Pabolus B. genuit fehlt B. Egegium A.
6. Fadiru At Siagrium B.
7. et ipsum Romani perdiderunt A.

8. TRES fuerunt fratres unde sunt gentes:


9. Erminus Inguo et Istio frater eorum.
8. 9. Tres fuerunt qui dicti sunt primus Ermenius, secundus Ingo, tertius Escio.
inde adereverunt gentes XIII. B. Tres fuerunt fratres ex quibus gentes XIII. C.
533

Qni fuerunt qui gentes gennerunt? resp. tres fratres Ermenus Igngus et Scius. D.
M u [jus rex tres filios habuit, quorum nomina hec sunt: Armen Tingus Ostjus.
singuli genuerunt quaternas generacjones. E. Alaneus dictus est homo, qui
genuit tres filios, id est Hisisione, Ermenone et Nigueo. F. Primus homo
venit ad Europam de genere Iafeth Alanus cum tribus filiis suis, quorum nomina
sunt Hessitio (Hessicio b Hisicion ei Ysicion g Usicion h) Armeno (Armenio b
Armenon ehi Armenion gf) Negue (Negno e Neguo/fA Neugio i). Hissitio «
autem habuit filios quattuor: hi sunt Francus Romanus Britto Albanus (Roma
nus Alemannus et Brito a quo primo Brittannia habitata est ce Francum Ro
man um Alamannum et Brutonem i). Armenon autem habuit quinque filios:
Gothus Valagothus Gebidus Rurgondus Langobardus. Neugo autem habuit tres
filios: Wandalus Saxo Boguarus (Boguarus Targus cdefgi). Nennius.

10. Erminus genuit


11. Gotos [Walagotos] Wandalus Gipedes et Saxones.
12. haec sunt gentes V.
10 — 12. Ermeno und seine Nachkommen nehmen in F und bei Nennius die zweite
Stelle ein nach 16 — 18.
10. Primus Ermenius BC. Ermenus D. Armen E. De Ermenone nate sunt ge-
nerationes V. F. Ab Arinenone (secundo filio Alani def) autem quinque Nennius.
11. Gothos A. Gothos Walagothos Gippedios et Saxones B. Butes Gualangutos
Guandalos Gepidos Saxones C. Gotos V:: ::ndalos Gebeteos et Saxones D.
Gothos Guandalos Brjgjdos Saxones E. Gothi Uualagothi Cybedi Burgundio
et Langobardos F. Gothi Walagothi Gebidi Burgondi Langobardi Nennius.
12. fehlt BCDEF Nennius.

13. Inguo frater eorum genuit


14. Burgundiones Thoringus Langobardus Baioarius.
15. haec sunt gentes IV.
13 — 15. bei F Nennius nach 10 — 12 an der dritten Stelle.
13. Ingo BC. Ingus D. Tingus E. frater eorum fehlt BCDE. De Nigueo
nate sunt generationes quattuor F. A Neguio vero (Negno autem tertio filio
def) quattuor Nennius.
14. Loringus A. Burgundiones Thoringos Langobardos et Baoweros B. Burgun
diones Turingos Langobardos Baioeros C. Burgundiones Toririgos Longibardos
et Bawarios D. Tuscos et Longobardos Burgondiones Bajoarjos E. id est
Uuandalos Saxones Baioarios et Toringus. istas XIII generationes omnino non
separantur. F. Boguarii Uandali Saxones et Taringi. istae autem gentes sub-
divisae sunt per totam Europam. Alanus autem ut aiunt fuit filius Fetebir filii
Ougomun filii Thoi filii Boib filii Simeon filii Mair filii Aurthach filii Oth filii
534

Abir tili! Rea filii Ezra filii Izrau filii Baath filii Tobaath filii Iovan fili! laphet
— filii Adam, filii dei vivi. hanc peritiam inveni ex traditione veterum, qui
incolae in primo fuerunt Britanniae. (einige Hss. fügen noch hinzu: Brittones
a Bruto dicti. Brutus filius Hisittonis [Hisicionis b], Hisition Alanci, Alaneus
filius Reae, filiae Silviae Reae, filiae Numae Pamphilii, filii Ascanii cell.) Nenniut.
1">. fehlt BCDEF Nenniut.

16. Istio frater eorum genuit


17. Romanos Brittones Francus Alamannus.
18. haec sunt gentes IV.
16 — 18. bei F Nennius an der ersten Stelle vor 10 — 15.
16. Escio BC. Sciut D. Host jus K. frater eorum fehlt BCDE. De Hisisione
nate sunt generationes quattuor. F. Ab Hisitione autein (Hisicione primogenito
Alani ef) orte sunt quattuor gentes Nennius.
17. Brictones A C, Francos et (et fehlt C) Alamannos BCDE. id est Romanos
Francos Alamannos et Brittones F. Franci Latini Alban! (Alemanni cefi) et
Britti (Bruti b Bryttones i) Nennius. Den Text des Nennius kürzte Hugo
von Flauigny (Mou. hist. Germ. SS. VIII, 314) ab: Iafeth genuit Iohan, Iohan
Labath — Fetuyr Alanum qui primus venit ad Europam cum tribus filiis suis
Ysichion Armeuon Neugio. Ysichion genuit filios IV, Francum a quo Franci,
Romanum a quo Romani, Alamannum a quo Alamanni, Britonum a quo Brit
tones. Armenon V genuit filios, Gothuin a quo Gotbi, Walagothum a quo
Walagothi, Cibidum a quo Cibidi , Rurguudum a quo Burgtindi, Langobardum
a quo Langobardi. Neugrio IV babuit filios, Bogarum a quo Bogari, Wanda-
lum a quo Wandali, Saxonem a quo Saxones, Taringum a quo Taringi. et ab
Alano patre dicti sunt Alani. hae gentes per totam Europam divisae sunt.

Als J. Grimm im Anhang der deutschen Mythologie 1835 s. XXVII f.


zuerst auf diese Völkertafel aufmerksam machte, kannte er nur die Aufzeich
nung C und die bei Nennius. Es entgieng ihm, dafs Graff im ersten Bande
des althochdeutschen Sprachschatzes 1834 s. 497 das Stück 8 — 17 aus der
Sangaller hs. A hatte abdrucken lafsen. Später wurde von Guerard in den
notices et extraits des mss. de la bibliotheque du roi, tom. XIII (Paris 1838)
2, 62 ff. (64) der Text ß nach Paris. 4628 A. und in Haupts Zeitschrift für
deutsches Alterthum 1 (1841), 561 f. E gedruckt und C nach der hs. wie
derholt. Durch eine Anmerkung im achten Bande der Mon. hist. Germ, zur
Chronik des Hugo von Flavigny wurde dann (1848) D bekannt und auch A
BCEum] die Stelle des Nennius nach dem Harlejan. dort wieder abgedruckt.
Noch später ist durch Mone in seiner Zeitschrift für Geschichte des Oberrhein«
535

2 (1851), 256 die interessante Aufzeichnung F ans Licht gekommen. Die


Geschichte des Denkmals ist darnach in der Hauptsache vollkommen klar.
A enthält allem Anschein nach bis auf einige Verderbnisse den verhält-
nismäfsig ältesten Text , nicht B, obgleich der Unterschied zwischen beiden
Aufzeichnungen gering ist. Man mufs nur annehmen, dafs in A, etwa nach
gentes in z. 8, die Gesammtzahl der von den drei Brüdern abstammenden
Völker ausgefallen ist. So erklärt es sich dafs einerseits in B und C die Zäh
lung der einzelnen Gruppen unterlafsen wurde, während andererseits E (s.
zu 8. 9.) und F sie beibehielten oder voraussetzen , und zwar F neben der
Gesammtzahl, s. zu 14. Aufserdem kennt B mit den übrigen Aufzeichnungen
nicht die müfsige Wiederholung des 'frater eorum' z. 9. 13. 16; dafs z. 8 fra-
tres in B fehlt, ist natürlich nur Verderbnis. C und D übergiengeh dann den
ersten Abschnitt von den römischen Königen z. 1 — 7 vollständig , D setzte
auch die zz. 8. 9. in die katechetische Form um und gab jede Zählung auf.
Dagegen ward in EF und bei Nennius der Name des ersten römischen Kö
nigs beibehalten und dieser zum Vater der drei Brüder gemacht. Denn dafs
in Analeus Allanius Muljus Alaneus Alanus (s. zu 2) ein und derselbe Name
steckt, wird niemand läugnen , und damit fällt die vor dem bekanntwerden
der andern Aufzeichnungen so wahrscheinliche Vermutung J. Grimms
(Myth. Anh. XXVIII) , dafs der Alanus des Nennius 'unbedenklich und
durch baare Verwechselung der ersten Schriftzüge aus Manus d. h. dem Man-
nus des Tacitus entstanden' sei, dahin. Der Text F ist derjenige der dem
Nennius vorlag. Der dritte Bruder, unter dessen Nachkommen in F die
Romanen und Franken voran, die Britten wie bei Nennius (z. 18) zuletzt
stehen , hat hier die erste Stelle erhalten und die Burgunden und Lango
barden sind dem Ermin , die Vandalen und Sachsen dagegen dem Inguo zu
geteilt. Die Veränderung mag in Italien, wohin die der Aufzeichnung an
gehängten chronologischen Notizen (s. oben über die Hss.) weisen, vorge
nommen und der Text dann durch brittische Mönche nach Wales gelangt
sein. Aus dem Nennius aber schöpfte im XI Jh. der gelehrte Verfasser des
Duan Albanach (H. Leo in Haupts Zeitschrift 2, 534) und zwar aus einer
Hs., in der schon wie im Harlejan. und andern der Alamannus durch den
schottischen Albanus verdrängt war und Hessicio oder Isicion für Hessitio,
Hisitio geschrieben stand. Irgend einen Wert aber kann man weder dem
Zeugnis des welschen Gedichts, noch dem des Nennius mit H. Leo (de car
536

mine in S.Patricii laudem p.32, Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik 1844,


I, 848 f.) beilegen. Ahnlich wie Nennius zu F, verhält sich unter den
übrigen Texten nur C zu B, s. zu 8. 9. 10. 16. Dafs D ebenso wie E und F,
die beide von einander unabhängig sind, unmittelbar aus einem vollständigen
Text abgekürzt ist, wenn auch von der generatio regum keine Spur in D
übrig ist, wird wenigstens wahrscheinlich durch das Fehlen der Walagoti z.
II, worin D mit E übereinstimmt. E legt ausdrücklich (z. 8. 9) den drei
Brüdern nur quaternas generaciones und nicht dem Ermin, wie ABCF,
fünf bei, und bedenkt man dafs der Gegensatz von Goti und Walagoti schief
ist, dafs die Tafel sonst für keinen der andern Stämme Unterabteilungen
angibt, dafs vielmehr die gleichmäfsige Einteilung in Gruppen von vier
Namen ganz ihrer ursprünglichen Anlage zu entsprechen scheint, so gelangt
man auf die Vermutung dafs E und D auf einen altern Text zurückgehen
als uns in AB vorliegt. Allerdings müssen die Walagoti sehr früh einge
schoben sein, als die Ostgoten noch in Italien waren, da der Name, der nur
hier und sonst nirgend vorkommt, doch unzweifelhaft auf Walahgoti d. i.
italische Goten zurückzuführen ist. Aber die ungenaue Unterscheidung,
die den Westgoten den Gesammtnamen des Stammes läfst und damit sie als
das Hauptvolk desselben hinstellt, könnte auch in Gallien erst gemacht sein,
als die Macht der Ostgoten bereits zerfiel. Ich habe nun schon in den göt-
tingischen gelehrten Anzeigen von 1851 (Stück 17. 18. S. 174) die Tafel eine
fränkische genannt und die Zeit ihrer Abfassung ungefähr zu bestimmen ge
sucht. Die nähere Begründung mag hier folgen.
Gleich die generatio regum führt auf den Standpunkt und ungefähr
auch schon auf den Zeitpunkt, von wo aus die Tafel entworfen ist. Wie
hier z. 7, wird die letzte Herschaft der Römer in Gallien auch von Gregor
von Tours 2, 27 als ein regnum aufgefafst, da er den Syagrius, den Chlodo-
vech 486 besiegte, einen rex Romanorum nennt. Es werden danach auch
die Vorfahren, die die generatio dem Syagrius beilegt, als diesem ähnliche
römische Gewalthaber von Gallien aufzufassen sein. Auch ist in dem Ege-
gius z. 5. 6, obgleich die Hss. AB beide in der Entstellung der Namen
merkwürdig übereinstimmen, der Vater des Syagrius, Aegidius, der sowohl
die Westgoten als auch die unter Childerich vordringenden Franken noch im
Zaume hielt, ja über diese sogar acht Jahre lang als König geherscht haben
soll , nicht zu verkennen , und der angebliche Vater der Aegidius , Egetius
537

z. 4. 5. wird niemand anders sein als Aetius, dessen Namen man öfter Agetius
oder Agecius, zumal in Gallien, geschrieben findet. Uber Aetius hinaus aber
will sich für die ersten Glieder der generatio keine Anknüpfung finden, wenn
man sich nicht etwa bei dem Allanius bis zum Kaiser Julianus verlieren will,
der den Franken Toxandrien einräumte ; allein soweit und selbst über Aetius
reichte das Gedächtnifs der spätem Zeit gewifs nicht hinauf. Es ist daher
eher anzunehmen dafs bei der genealogischen Anreihung, die für Aetius und
Aegidius entschieden falscb ist, die chronologische Ordnung nicht durchweg
innegehalten ist. Für den Papulus oder Pabolus z. 3. 4. sehe ich wenigstens
keinen Rath, wenn er nicht der römische comes Paulus ist, der nach dem
Tode des Aegidius (464) im Bunde mit den Franken unter Chilperich in der
Loiregegend um Angers zuerst mit den Westgoten , dann gegen die Sachsen
unter Audovacrius kämpfte und in diesem Kampfe fiel, Gregor Turon. 2, 19.
In einer 'chronique inedite qui entre beaucoup de choses d'une faussete extra
vagante semble contenir quelques notices plus exactes et d'un certain interet',
will Fauriel (histoire de la Gaule meridionale 1, 289) gefunden haben dafs
dieser comes Paulus der Sohn eines Bretonenhäuptlings Allan war, den die
Chronik zugleich als König der Römer bezeichne. Die 'chronique' scheint
darnach nur auf unsre dürftige Aufzeichnung hinauszulaufen. Aber gewifs
ist Allan, Allanius ein keltischer Name und die Annahme, dafs der primus
rex Romanorum unsers Denkmals und sein Sohn im fünften Jh. zu den letz
ten Stützen der römischen Macht in Gallien gehörten, nicht abzuweisen.
Dafs nun die Völkertafel von Gallien aus vom Standpunkt des fränki
schen Reichs um 520 entworfen ist , erhellt sobald man nur von der letzten
Gruppe z. 16 — 18, der Nachkommenschaft des Istio ausgeht. Hier sind alle
zum Reich des Chlodovech gehörenden Völker vereinigt: die Romanen im
innern Gallien, die Brittonen in der Armorica — Semper Britanni sub Fran-
corum potestate post obitum regis Chlodovechi fuerunt, sagt Gregor von
Tours 4, 4 — , dann die Franken und Alamannen. Die Nachkommenschaft
des zweiten Bruders, des Inguo z. 13 — 15 aber begreift aufser den Burgun-
den und Thüringen, deren Reiche erst Chlodovechs Söhne in den Jahren
534 und 528 zerstörten, auch noch die Langobarden, die niemals den me-
rovingischen Franken unterworfen waren. Es sind demgemäfs auch die Bur-
gunden und Thüringe noch als unabhängige Völker zu denken. Da aber
neben den Langobarden nicht mehr die Heruler, deren Herschaft an der
Abhandlungen der philo*. -hittor. Kl. 1862. Nr. 8. G
538

Donau jene unter ihrem König Tato um 510 zersprengten, genannt werden,
sondern an ihrer statt vielmehr die Bajuvarier, so ergibt sich für die Abfas
sung der Tafel der oben angegebene Zeitpunkt und damit auch das älteste
Zeugnis für die Baiern, deren erste Erwähnung man bisher bei Jordanes
c. 55 fand. Fällt die Abfassung hienach noch in die letzte Lebenszeit Theo
dorichs des grofsen, so ist es nicht glaublich dafs der ursprüngliche Text
z. 11 die Ostgoten als Walagoti von den Westgoten als Goti unterschied,
vielmehr jener Name nach den vorhin entwickelten Gründen für einen etwas
spätem Zusatz zu halten. Die Nachkommenschaft des Ermin, des ersten
Bruders z. 10 — 12 umfafst die äufserste Reihe deutscher Völker, aufser den
Goten in Italien, Südfrankreich und Spanien die Vandalen in Africa, deren
Reich 534 fiel und die so ein neues Datum für das Alter der Aufzeichnung
abgeben , dann die Gepiden in Dacien , die 567 den Avaren und Langobar
den erlagen, endlich die Sachsen in England und an der Weser, wenn an
diese schon zu denken ist. Die nordischen Stämme sind übergangen.
Nach alledem beruht die Einteilung der Tafel auf einer politischgeo
graphischen Ordnung und Stellung der Völker wie sie nur um 520 und weder
zehn Jahr früher noch zehn Jahr später stattfand. Sie ist gemacht wie die
der mosaischen Völkertafel und schon weil Franken Alamannen Romanen und
Britten zusammengeworfen werden, hätten Merkel (de republ. Alaman. 1, 7)
und andre sich billiger Weise nicht darauf, wie auf ein Zeugniss für die
Stammverwandschaft der Völker, berufen sollen. Aber der Verfasser grün
dete sein künstliches Gebäude auf die Namen der drei Brüder, die die west
lichen Germanen nach Tacitus und Plinius als ihre göttlichen Ahnherren
verehrten und in alten Liedern besangen. Ein solches Lied oder doch der
Nachklang eines solchen mufs noch durch den Mund der Franken zu ihm ge
drungen sein, und seine Aufzeichnung hat dadurch einen Wert gewonnen,
der ihr von der Seite der Völkergeschichte in gleichem Mafse nicht zukommt.
*