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Wissenschaftlicher Schreibstil Veröffentlicht am 27/07/2018. Zuletzt geändert am 13/02/2020.

Wissenschaftlicher Schreibstil – ein Muss für jeden Studenten.

Jedes Studium hat seine ganz eigene Fachsprache, die man in jedem Buch und jeder anderen
Veröffentlichung sehen kann. Dazu kommt der allgemeine wissenschaftliche Schreibstil. Spätestens bei der
Bachelorarbeit oder Masterarbeit wird es wichtig, dass man diese Wissenschaftssprache nicht nur versteht,
sondern auch selbst beim Schreiben anwenden kann. Dieser Artikel erklärt, wie man sich in
wissenschaftlichen Texten richtig ausdrückt. Ein wissenschaftlicher Schreibstil grenzt sich klar durch
bestimmte Regelungen von der Alltagssprache ab.

1. Wissenschaftlicher Schreibstil: Füllwörter vermeiden


Wissenschaftliche Texte sind gespickt mit Informationen. Um daher in einer Bachelorarbeit, Masterarbeit
oder Dissertation bei einer begrenzten Seitenzahl all die notwendigen Informationen unterzubringen, muss
man diese genau und unmissverständlich auf den Punkt bringen. Der Schreibstil im Studium muss daher
möglichst präzise und eindeutig sein. Es bringt nichts, inhaltslos um eine Aussage herumzuschreiben, nur um
eine Seite voll zu bekommen. Vielmehr sollte man vor der Abgabe der Abschlussarbeit solche Textstellen
oder unnötigen Füllwörter streichen, damit die zentralen Aussagen im Vordergrund stehen.

Typische Füllwörter sind zum Beispiel: also, wohl, halt, in der Regel, gewissermaßen, eben, doch, durchaus,
anscheinend, gewiss, oder nämlich. Meist sind Füllwörter unpräzise oder wertend, und sollten schon aus
diesem Grund entfallen.

2. Wissenschaftlicher Schreibstil: Verständlicher Satzbau


Für den Leser müssen die Sätze logisch und verständlich sein. Verschachtelte Konstruktionen, die über
mehrere Zeilen gehen, erschweren die Lesbarkeit und sollten in kurze, einfachere Sätze umformuliert
werden.

Beispiel:
Der Autor, der sein Werk 1956 erstmalig veröffentlichte, stieß mit seinen Aussagen, die
gemeinhin als provokant bezeichnet wurden, einen öffentlichen Disput, an dem sich zahlreiche
führende Wissenschaftler beteiligten, an.

1956 veröffentlichte der Autor sein Werk erstmalig. Aufgrund seiner provokanten Aussagen
stieß er einen öffentlichen Disput an. Zahlreiche führende Wissenschaftler beteiligten sich
daran.

3. Wissenschaftlicher Schreibstil: Präzise Wortwahl


Gleiches gilt für die Wortwahl: Diese sollte treffend sein und keine Zweideutigkeiten zulassen. Floskeln,
Metaphern und umgangssprachliche Begriffe haben in einem wissenschaftlichen Text nichts zu suchen.

Beispiele:
Das Werk des Autors ist so vielseitig wie ein bunter Strauß Blumen.
Die Diskussion zu seinem Werk dreht sich im Kreis.
Der Autor erscheint als typischer Besserwisser.
4. Wissenschaftlicher Schreibstil: Objektivität

Eines der wichtigsten Kriterien für ein wissenschaftliches Arbeiten ist die Objektivität. Daher gilt es auch
beim Schreiben, sich neutral auszudrücken und seine eigene, subjektive Meinung außen vor zu lassen.
Bestimmte Formulierungen sollte man daher im wissenschaftlichen Schreibstil vermeiden.

Dies gilt für eine persönliche Ausdrucksweise, in der man in einer Ich- oder Wir-Form schreibt. Stattdessen
sollte man eine passive Position einnehmen und vom Verfasser oder Autor der Arbeit schreiben. Viele
Satzkonstruktionen lassen sich auch umformulieren, in dem man das Passiv verwendet, wie das folgende
Beispiel zeigt.

Beispiel:
Ich habe in der Arbeit herausgearbeitet, dass…
-> In der Arbeit wurde herausgearbeitet, dass…

5. Wissenschaftlicher Schreibstil: Fachbegriffe in Maßen


Ein bestimmtes Fachvokabular ist in jeder Wissenschaft geläufig und dient der Kommunikation unter
Fachleuten. Daher sollte es auch verwendet werden, um in der Bachelorarbeit oder Masterarbeit zu
zeigen, dass man diese Fremdwörter versteht und richtig verwenden kann. Allerdings gilt es, auf
solche Fachbegriffe nur in Maßen zurückzugreifen. Schließlich soll die Abschlussarbeit trotz
Fachterminologie noch verständlich bleiben. Beim Schreiben sollte man daher immer im Hinterkopf
behalten, wer der Leser ist. Der Text sollte nicht nur für den Betreuer als Fachwissenschaftler
geschrieben werden, sondern auch für einen Laien und Nicht-Fachmann nachvollziehbar sein.
Spezifische Fachbegriffe bedürfen daher einer kurzen Erklärung.

Wissenschaftlich schreiben: Kurz und Knapp


Dinge, die einen wissenschaftlichen Schreibstil ausmachen
• kurze und prägnante Sätze nach dem „Ein Gedanke, ein Satz“-Prinzip
• sachliche, distanzierte Ausdrucksweise, d. h. wenige Adjektive, keine Ausschmückungen
• Konstruktionen zur Strukturierung von Gedankengängen („Zum Einen,… zum Anderen“, „daraus
folgt, dass…“)
• Verben statt Substantive (Auch, wenn der Nominalstil in der Wissenschaft weit verbreitet ist: Verben
lassen einen Text lebendiger und verständlicher wirken)

Dinge, die du beim wissenschaftlichen Schreiben vermeiden solltest


• Bandwurmsätze, die das Nachvollziehen von Gedankengängen erschweren
• Füllwörter (z. B. „sozusagen“, „wohl“)
• Wörter, die das Argument abschwächen (z. B. „im Prinzip“, „gewissermaßen“)
• Verallgemeinerungen und Übertreibungen (z. B. „immens“, „enorm“, „heftig“)
• Wortmonster (z. B. „Ernteausfallversicherungsgeschäft“)
• vielfaches Aneinanderreihen direkter Zitate (besser: indirektes Zitieren)
• exzessive Verwendung von Anglizismen
• zu viele Abkürzungen
• „Ich“-Konstruktionen wie „In dieser Arbeit vergleiche ich die Theorien xy…“ (besser: Passiv-
Konstruktionen wie „Diese Arbeit dient dem Vergleich der Theorien xy…“, „Im Folgenden werden
die Theorien xy verglichen.“)
Formale Struktur wissenschaftlicher Texte
Wissenschaftliche Texte folgen einer formalen Struktur. Musst Du eine wissenschaftliche Hausarbeit oder
Bachelorarbeit schreiben, solltest Du Dich beim Aufbau der Arbeit an folgendes Schema halten:

• Deckblatt (Titelblatt)
Die erste Seite ist das Deckblatt. Bei einer Hausarbeit gehören folgende Punkte auf die erste Seite,
sofern nicht anders vorgegeben:
Name von Uni, Institut, Semester, Dozent und Seminar
Titel der Arbeit
Dein Name, Adresse, Matrikelnummer und Abgabedatum
Auf dem Titelblatt steht keine Seitenzahl.
• Inhaltsverzeichnis
Das Inhaltsverzeichnis bildet Deine Gliederung versehen mit Seitenzahlen ab.
• Einleitung
Die Einleitung soll dem Prüfer Lust auf das Weiterlesen machen. Damit ist sie quasi die Visitenkarte
für Deine Arbeit. Du umreißt die Forschungslage und arbeitest problemorientiert auf Deine
Fragestellung hin.
• Hauptteil
Der Hauptteil ist das Herzstück Deiner Arbeit. Hier arbeitest Du Dich in Unterkapiteln an der
Forschungslage entlang und entwickelst Deine eigenen Thesen. Den roten Faden darfst Du nicht aus
den Augen verlieren: Achte darauf, dass Deine Kapitel logisch aufeinander aufbauen.
• Fazit
Das letzte Kapitel Deiner Arbeit ist ein Fazit. Hier fasst Du Deine wichtigsten Ergebnisse pointiert
zusammen und ziehst ein Resümee.
• Eigenständigkeitserklärung
In der Eigenständigkeits- oder auch Plagiatserklärung versicherst Du mit wenigen Zeilen, dass Du
die Arbeit selbst und ohne fremde Hilfsmittel verfasst hast und dass Zitate als solche kenntlich
gemacht worden sind. Darunter setzt Du Deine Unterschrift.
• Literaturverzeichnis
Hier führst Du die gesamten Quellen auf, die Du in Deiner Arbeit zitiert hast.

Wissenschaftliches Schreiben – die 5 wichtigsten Schritte:


• Die Planungsphase: Musst Du eine wissenschaftliche Hausarbeit schreiben, solltest Du zunächst das
Thema eingrenzen. Anschließend verfasst Du eine Kurzbeschreibung, die die inhaltliche und
zeitliche Planung umfasst. Außerdem suchst Du Dir einen Betreuer und besprichst mit ihm Dein
Wunschthema.

• Die Recherche: Wissenschaftliches Schreiben erfordert umfangreiches Hintergrundwissen. In der 2.


Phase geht es deshalb um die Literatursuche und -auswahl. Du solltest Dir im Klaren darüber sein,
welche Bücher, Internetseiten oder andere Medien nützliche Inhalte zu Deinem Thema liefern
können. Anschließend sichtest Du Dein Material, schreibst Wichtiges heraus und wertest es aus.

• Die Struktur: Das Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit setzt eine sinnvolle Struktur des
Themas voraus. Ordne Dein Material und entwirf eine Arbeitsgliederung. So hast Du einen
Überblick beim Schreiben der wissenschaftlichen Hausarbeit.
• Die Rohfassung: Das Schreiben der wissenschaftlichen Hausarbeit kann langwierig sein. Deshalb
kommt es zunächst darauf an, Deine Gedanken strukturgemäß auszuformulieren. Lass beim
Schreiben der wissenschaftlichen Hausarbeit die sprachlichen und stilistischen Fragen erst einmal
außer Acht und konzentriere Dich auf das Wesentliche, nämlich den Inhalt und Dein Fachwissen.

• Die Überarbeitung: Zum Schluss kannst Du Dich dem sprachlichen Stil Deiner Arbeit widmen und
überprüfen, ob Du vielleicht etwas vergessen hast. Wissenschaftliches Schreiben setzt auf klare,
einfache Sätze, Fachbegriffe sollten allerdings nicht fehlen. Hast Du beim Schreiben der
wissenschaftlichen Hausarbeit Fußnoten gesetzt und ordnungsgemäß zitiert? Achte zudem auf
Grammatik-, oder Rechtschreibfehler. Auch das Layout Deines Textes sollte den Anforderungen
entsprechen.

Das Layout Deiner Arbeit sollte in der Regel diesen Vorgaben folgen:

• Seitenrand: oben und unten je 2 bis 2,5 cm, links und rechts etwa 2,5 bis 3,5 cm
• Seitenzahlen: unten zentriert oder unten rechts. Das Deckblatt ist Seite 1, die Seitenzahl erscheint
jedoch nicht auf der Seite
• Schriftgröße und -art im Fließtext: 12 pt Arial oder Times New Roman, Blocksatz
• Zeilenabstand: 1,5-zeilig
• Kapitelüberschriften: 14 pt Fettdruck, danach zwei Zeilen Abstand
• Unterkapitelüberschriften: 12 pt Fettdruck, anschließend eine Zeile Abstand
• Fußnotentext: 10 pt Blocksatz, 1,0-zeilig, die Fußnoten selbst werden hoch gestellt
• Hervorhebungen: kursiv setzen
• Personennamen: können in Versalien („Kapitälchen“) gesetzt werden
• Zitate: Kurze Zitate sollten in Anführungsstrichen gesetzt werden, längere Zitate zur
Übersichtlichkeit in Blocksatz, 1,0-zeilig, circa 1 cm Einzug links
• Für Gedankenstriche typografische (–) und keine Trennstriche (-) verwenden
• Neue Rechtschreibung verwenden
• Punkte bei mehr als 3-ziffrigen Zahlen in Dreierschritten von rechts (zum Beispiel 1.000)