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Justus - von - Liebig - Schule

Heisterbergallee 8 - 30543 Hannover

Inventar Nr. des Buches:?VT.|.C?_l

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pfleglich zu behandeln. Eintragungen, Randbemerkungen u.a. dürfen
nicht vorgenommen werden. Bei Verlust oder Beschädigung des Buches
wird die Justus-von-Liebig-Schule Schadenersatz verlangen.
Fachbibliothek Grün
Herausgegeben von Alfred Niesei

Alfred Niesei (Hrsg.)

Bauen mit Grün


Die Bau- und Vegetationstechnik des
Landschafts- und Sportplatzbaus
Mit Beiträgen von Harm-Eckart Beier, Hans Jürgen Krems, Alfred Niesei,
Gerhard Osburg, Heiner Pätzold, Karl-Bernhard Prasuhn,
alle Fachhochschule Osnabrück
Gartenentwürfe von Herbert Keller, Fachhochschule Osnabrück
Mit 709 Abbildungen und 174 Tabellen im Text und im Anhang
2., neubearbeitete Auflage

Blackwell Wissenschafts-Verlag - Berlin 1995


Oxford • Edinburgh • Boston • London • Melbourne • Paris • Wien • Yokohama
Blackwell Wissenschafts-Verlag GmbH Blackwell Science, Inc.
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1, rue de Lilie, F-75007 Paris 290-2 Nase Totsuka, J-Yokohama

Anschriften der Verfasser:


Prof. Dr. Ing. H.-E. Beier, Fachbereich Landespflege, Prof. Dr. G. Osburg, Fachbereich Landespflege,
Erdbau, Bodenmechanik Landschaftsbau/Technisches Zeichnen
Prof. i. R. Dr. rer.hort. Herbert Keller, Prof. Dipl.-lng. H. Pätzold, Fachbereich Landespflege,
Fachbereich Landespflege, Freiraumplanung Landschaftsbau/Sportplatzbau
Prof. Dipl.-lng. H. J. Krems, Fachbereich Landespflege, Prof. Dipl.-lng. K.-B. Prasuhn, Fachbereich
Betonbau/Statik/Stahlbeton Landespflege, Wegebau/Vermessungstechnik
Prof. Dipl.-lng. A. Niesei, Fachbereich Landespflege, Fachhochschule Osnabrück, Am Krümpel 33,
Landschaftsbau/Baubetriebe D-49090 Osnabrück

1. Auf läge 1989, erschienen im Verlag Paul Parey, Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch
Berlin und Hamburg begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung,
des Nachdrucks, des Vertrages, der Entnahme von Abbil-
dungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfil-
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Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben, auch
Bauen mit Grün : die Bau- und Vegetationstechnik des bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten. Eine Ver-
Landschafts- und Sportplatzbaus / Alfred Niesei (Hrsg.). Mit
Beitr. von Harm-Eckart Beier... Gartenentwürfe von Herbert vielfältigung dieses Werkes oder von Teilen dieses Werkes
Keller. - 2., neubearb. Aufl. - Berlin ; Oxford [u. a.]: ist auch im Einzelfall nur in den Grenzen der gesetzlichen
Blackwell-Wiss.-Verl., 1995 Bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundes-
(Fachbibliothek Grün) republik Deutschland vom 9. September 1965 in der Fas-
ISBN 3-8263-3023-4 sung vom 24. Juni 1985 zulässig. Sie ist grundsätzlich ver-
NE: Niesei, Alfred [Hrsg.]; Beier, Harm-Eckart gütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Straf-
bestimmungen des Urheberrechtsgesetzes.
© 1995 Blackwell Wissenschafts-Verlag, Berlin
Einbandgestaltung: Rudolf Hübler, D-12683 Berlin, unter
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Verwendung der Abbildung von Herbert Keller
Warenbezeichnungen usw. in diesem Buch berechtigt auch Herstellung: Goldener Schnitt Herstellungsservice
ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, daß Rainer Kusche, D-76547 Sinzheim
solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Marken- Schrift: Borgis Times Roman
schutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und Druck: Druckerei Aumüller KG, D-93057 Regensburg
daher von jedermann benutzt werden dürften. Bindung: Buchbinderei Spinner, D-77833 Ottersweier

ISBN 3-8263-3023-4 • Printed in Germany Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier


Vorwort zur 2. Auflage
Schneller als erwartet wurde die Neu- prüft und dem neuesten Stand der Überarbeitung und die Neufassung von
auflage dieses Buches notwendig. Aus Technik angepaßt. drei Kapiteln ermöglichte.
dem Autorenteam ist Prof. Hans-Die- Meinen Mitautoren sage ich wieder- Das Werk möge weiterhin so viel
ter Schmidt ausgeschieden. Die bisher um meinen herzlichen Dank, insbeson- Anklang finden wie bisher und allen
von ihm bearbeiteten Kapitel wurden dere aber den Kollegen Krems und Pät- behilflich sein, denen Bauen mit Grün
neu bearbeitet und zwar das Kapitel zold dafür, daß sie die Aufgabe der eine Lebensaufgabe und/oder eine Le-
Holzbau von Prof. Heiner Pätzold, das völligen Neubearbeitung zweier Kapi- bensvision ist.
Kapitel Metallbau von den Professoren tel übernommen und in kurzer Zeit
Hans Jürgen Krems und Heiner Pät- erledigt haben.
zold und das Kapitel Entwicklungs- und Auch dem Blackwell Wissenschafts- Osnabrück, im Januar 1995
Unterhaltungspflege vom Herausge- Verlag gilt der Dank des Herausgebers
ber. Alle anderen Kapitel wurden über- und der Autoren, weil er die gründliche Alfred Niesei

Vorwort
Bei der Gestaltung und Anlage von pri- arbeitung durch den Herausgeber dieses die bau- und vegetationstechnischen
vaten und öffentlichen Freiräumen ver- Werkes, denn unser Kenntnisstand hat- Zusammenhänge und Regeln für die
schiedenster Art nimmt die Pflanze eine te sich ständig und bisweilen sprunghaft verschiedenen Elemente einer Freian-
besondere Stellung ein. Häufig be- verändert. Der Rahmen der Schriften- lage systematisch darzustellen und an
stimmt eine einzige Pflanze, ein Baum reihe setzte der notwendigen Informa- einem Beispiel zu verdeutlichen. Dar-
in einem Innenhof die Atmosphäre die- tion allerdings sehr enge Grenzen. So aus ergibt sich ein Standardwerk ins-
ses Raumes. Gleiches gilt auch für den entstand der Gedanke, die »Gartentech- besondere für Landschaftsarchitekten
Eindruck, den der Betrachter von Fuß- nik« in einem größeren Werk zu behan- und Ausführende des Landschafts- und
gängerzonen gewinnt. Nicht der Belag deln. Wenn dieses Werk nun unter dem Sportplatzbaues. Weil auf dem zur Ver-
dieser Flächen, sondern die Baumper- Titel »Bauen mit Grün« erscheint, dann fügung stehenden Raum nicht alles in
sönlichkeiten, die Solitärpflanzen oder soll damit deutlich gemacht werden, daß der erwünschten Tiefe behandelt wer-
das Ensemble von Gehölzen, Stauden alles Bauliche, das die Gestalt einer Frei- den konnte, werden ergänzende bzw.
und Sommerblumen bestimmen das anlage formt und seine Nutzung in viel- vertiefende Ausführungen in der Reihe
Gesicht dieser Stadtlandschaft. Doch fältiger Form häufig erst ermöglicht, »Pareys Fachbibliothek« erscheinen.
das Wachsen der Pflanze ist ohne das letztlich zu einer Harmonie mit der Dem Verlag Paul Parey danke ich sehr
Zusammenspiel mit der Technik häufig Pflanze gelangt. Das Gebaute, das sich herzlich für seine Geduld, die gute Zu-
nicht möglich. In der Praxis geht es also in seiner dienenden Funktion häufig un- sammenarbeit während der Erstellung
darum, Technik und Pflanze in einem ter der geformten und aufbereiten Erde und die hervorragende Ausstattung des
sinnvollen Miteinander zu vereinen. Be- verbirgt und in stützender oder auch Werkes.
vor die Pflanze ihr Wachstum beginnen zunächst gestaltgebenden Funktion die Meine Mitautoren haben sehr viel
kann, sind im kleinsten Hausgarten, in Pflanzenstandorte erst schafft, tritt da- Mühe und Zeit geopfert in einer Phase,
der öffentlichen Grünanlage, in Wohn- bei immer mehr zurück. Die Pflanze in der die Hochschulen eine Überlast in
siedlungen, Kleingartenanlagen oder wird häufig das allein prägende Ele- Forschung, Entwicklung und Lehre zu
auf Friedhöfen bauliche und technische ment. tragen haben. Sie haben meinen beson-
Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß Der Begriff »Bauen mit Grün« wurde deren Dank verdient.
die Pflanze wachsen und gedeihen geprägt von Landschaftsgärtnern, die Das Werk möge allen, die sich dem
kann. sich von anderen Bauausfuhrenden da- Arbeiten mit Grün verbunden fühlen
Im März 1939 veröffentlichte Rudolf durch unterscheiden, daß sie sowohl mit oder beruflich damit befaßt sind, hilf-
Schatz in der Reihe »Gärtnerische Be- toten Baustoffen als auch mit der le- reich sein. Angesprochen sind alle in-
rufspraxis« im Verlag Paul Parey das benden Pflanze umgehen. Unterneh- teressierten Gartenliebhaber, Auszubil-
Heft »Gartentechnik«. Es war auf 118 men des Landschafts- und Sportplatz- dende, Studenten, Architekten, Land-
Seiten, wie der Autor schrieb, zwar eine baues betrachten aus der historischen schaftsarchitekten und Landschaftsgärt-
gedrängte, aber doch erschöpfende Be- Entwicklung heraus grüngeprägte Frei- ner.
handlung aller bei der Ausführung von anlagen als geschlossenes landschafts-
Gartenanlagen vorkommenden techni- gärtnerisches Gesamtwerk.
schen und gärtnerischen Arbeiten. Der Alle baulichen und pflanzlichen Lei-
Erfolg dieses Heftes ist an fünf Aufla- stungen unterliegen jedoch technischen Osnabrück, im Januar 1989
gen abzulesen. Die fünfte Auflage die- Regeln. Die Autoren dieses Werkes ha-
ses Heftes war dann eine völlige Neube- ben daher den Versuch unternommen, Alfred Niesei
Inhalt

1 Einführung (A. Niesei) 13 2.3.2.2 Zusammenfassung 31


2.3.3 Schäden als Folge falscher
1.1 Regeln der Technik 14 Bodenbeurteilung -
1.2 Der Hausgarten K 15 »Überreaktionen« des Bodens 32
1.2.1 Das Programm 15 2.4 Bodenanalyse 33
1.2.2 Das Grundstück und der Plan des 2.4.1 Problembereiche 34
Hauses 15 2.4.2 Zeitpunkt, Umfang und Art der
1.2.3 Der Entwurf des Gartens 16 Untersuchungen 34
1.3 Die verschiedenen Gesichter eines 2.4.2.1 Zeitpunkt der Untersuchungen 34
Gartens 17 2.4.2.2 Umfang der Untersuchungen 34
1.3.1 Zufahrt 17 2.4.2.3 Art der Untersuchungen 34
1.3.2 Wege- und Platzflächen 18 2.4.3 Bodenerkundung 36
1.3.3 Sichtblende zwischen Zufahrt und Sitz- 2.4.3.1 Durchführung der
platz am Wohnzimmer und unter der Voruntersuchungen 36
Pergola 18 2.4.3.2 Genaue Untersuchungen mit
1.3.4 Stützmauer am Sitzplatz 18 technischen Aufschlußverfahren 36
1.3.5 Wasserbecken 18 2.4.3.3 Darstellung der Ergebnisse 39
1.3.6 Pergola 18 2.4.4 Probenahme 39
1.3.7 Treppen und Beeteinfassungen 18 2.4.4.1 Verfahrensfragen, Kennzeichnung,
1.3.8 Boden, Rasen und Pflanzung 18 Benennung, Güteklassen 39
1.3.9 Einfriedigung 21 2.4.4.2 Probengröße und Anordnung der
Entnahmestellen 40
2.4.5 Ermittlung der Bodenkenngrößen 40
Erdarbeiten (H.-E. Beier) . . . 23 2.4.5.1 Korngrößenverteilung 41
2.4.5.2 Wassergehalt 46
2.1 Bauen mit Erde - Bauen auf Erde . . 24 2.4.5.3 Zustandsgrenzen und Konsistenz 49
2.2 Der Baustoff »Boden« 24 2.4.5.4 Korndichte und Kornwichte 51
2.2.1 Die Entstehung des Bodens 24 2.4.5.5 Dichte und Wichte 52
2.2.1.1 Gestein und Fels 24 2.4.5.6 Porenanteil und Porenzahl 59
2.2.1.2 Boden 25 2.4.5.7 Sättigungszahl 60
2.2.2 Boden - ein Stoffgemisch 26 2.4.5.8 Organische Substanz 61
2.2.2.1 Die feste Phase 26 2.4.5.9 Lagerungsdichte und bezogene
2.2.2.2 Die flüssige Phase 28 Lagerungsdichte 61
2.2.2.3 Die gasförmige Phase 29 2.4.5.10 Proctordichte und Verdichtungsgrad -
2.2.2.4 Wechselwirkungen zwischen den Proctorversuch 61
Phasen 29 2.4.5.11 Scherfestigkeit und Zusammen-
2.2.3 Begriffe 30 drückbarkeit 62
2.2.4 Normen, Richtlinien, Merkblätter . . . 30 2.4.5.12 Verformungsmodul und Bettungsmodul -
2.3 Die Beanspruchung des Bodens und Plattendruckversuch 63
seine Reaktion 30 2.4.5.13 Kapillare Steighöhe 64
2.3.1 Beanspruchung - »Aktionsgrößen« . 30 2.4.5.14 Wasserdurchlässigkeit 64
2.3.1.1 Arbeitsschritte beim Bauablauf . . . . 30 2.4.5.15 pH-Wert 64
2.3.1.2 Witterung 30 2.5 Bewertung der Bodenkenngrößen -
2.3.1.3 Nutzung der Anlage 30 »Bodensynthese« 64
2.3.2 Auswirkungen beim Boden - 2.5.1 Vorgaben aus dem Objekt 64
»Reaktionen« 31 2.5.2 Gesichtspunkte für die Bewertung der
2.3.2.1 Betrachtung der einzelnen Boden kennwerte 65
Aktionsgrößen 31 2.5.3 Bewertungskomplexe 65
6 Inhalt

2.5.3.1 Bodenbenennung 65 3.2.2 Plastische Eigenschaften 91


2.5.3.2 Bearbeitbarkeit 66 3.2.2.1 Konsistenzzahl 91
2.5.3.3 Verdichtungsverhalten, 3.2.2.2 Bewertung von Oberboden aus den
Durchwurzelbarkeit 66 plastischen Eigenschaften 91
2.5.3.4 Frostempfindlichkeit 66 3.2.3 Wasserdurchlässigkeit 92
2.5.3.5 Tragfähigkeit und Standfestigkeit 67 3.2.3.1 Die Wasserbewegung im Boden 92
2.5.3.6 Wasserdurchlässigkeit, Kapillarität und 3.2.3.2 Laboruntersuchungen 92
Schichtenaufbau 67 3.2.3.3 Felduntersuchungen 92
2.6 Verbesserung der 3.2.3.4 Bewertung aus der Durchlässigkeit . . . . 93
Bodeneigenschaften 69 3.2.4 Grundwasserstand 94
2.6.1 Hauptaufgaben der Boden- 3.2.4.1 Felduntersuchung 94
verbesserung 69 3.2.4.2 Wertung aus dem
2.6.2 Verfahren der Boden- und Untergrund- Grundwasserstand 94
verbesserung 69 3.2.5 Gehalt an organischer Substanz 94
2.6.3 Darstellung ausgewählter Verfahren . . . . 69 3.2.5.1 Humusformen und chemisch-
2.6.3.1 Vorgaben und Arbeitsablauf 69 biologische Vorgänge im Boden 94
2.6.3.2 Bodenverbesserungsverfahren und 3.2.5.2 Laboruntersuchungen 95
Zusatzstoffe 69 3.2.5.3 Felduntersuchungen 95
2.6.3.3 Wirkungsweise und Anwendung der 3.2.5.4 Bewertung aus der organischen
Verfahren 1.1 bis 2.2 70 Substanz 95
2.6.3.4 Ermittlung der Menge des 3.2.6 Bodenreaktion 96
Zusatzmaterials bei der mechanischen 3.2.6.1 Der pH-Wert als Kennwert 96
Bodenverbesserung 72 3.2.6.2 Labor- und Felduntersuchungen 96
2.7 Durchführung von Erdarbeiten 74 3.2.6.3 Zeigerpflanzen 97
2.7.1 Organisation der Erdbaustelle 74 3.2.6.4 Wertung der Bodenreaktion 97
2.7.2 Begriffe des Erdbaus 74 3.2.7 Nährstoffgehalt 97
2.7.3 Bauablauf und Arbeitsweisen 75 3.2.7.1 Die Bedeutung der Nährstoffe 97
2.7.3.1 Bauablauf 75 3.2.7.2 Laboruntersuchungen 98
2.7.3.2 Baumethoden im Abtrags- und 3.2.7.3 Zeigerpflanzen 98
Auftragsbereich 75 3.2.7.4 Dünger und Düngerformen 98
2.7.4 Erdbaugeräte 78 3.2.7.5 Wertung der Nährstoffversorgung 98
2.7.4.1 Geräte für das Lösen und Laden 78 3.3 Allgemeine Anforderungen an den
2.7.4.2 Geräte für das Lösen, Fördern und Oberboden 99
Einbauen 78 3.4 Verbesserungsmöglichkeiten 99
2.7.4.3 Geräte für das Fördern 79 3.4.1 Verbesserung der
2.7.4.4 Geräte für das Verdichten 79 Wasserdurchlässigkeit 99
2.7.5 Wechselwirkungen zwischen 3.4.2 Verbesserung der
Erdbaugerät und Boden 81 Wasserhaltefähigkeit 99
2.7.5.1 Auswirkungen bei Geräten zum Lösen, 3.4.3 Verbesserung der Belastbarkeit 100
Laden, Fördern und Einbauen 81 3.4.4 Veränderung der Bodenreaktion 100
2.7.5.2 Auswirkungen bei Verdichtungs- 3.4.5 Veränderung des Gehaltes an
geräten 81 organischer Substanz 100
2.7.6 Hinweise zur Wahl der Geräte 82 3.4.6 Veränderung des
2.7.6.1 Geräte für Lösen, Laden, Transportieren Grundwasserstandes 100
und Einbauen 82 3.4.7 Veränderung der plastischen
2.7.6.2 Geräte für das Verdichten 83 Grenzen 100
2.7.7 Regenerierung zwischenzeitlich 3.4.8 Verbesserung des Nährstoffgehaltes . . . 101
belasteter Flächen 84 3.4.9 Regeneration von gestörten Oberböden . 101
2.7.7.1 Allgemeine Hinweise 84 3.5 Beispiele für die Bewertung von Böden . 101
2.7.7.2 Bearbeitungsmöglichkeiten 84 3.5.1 Bewertung aus der Kornverteilung 101
2.8 Anwendungsbeispiel für den 3.5.2 Bewertung aus den plastischen
Hausgarten K 85 Eigenschaften 104
3.6 Ausführung von Oberbodenarbeiten 106
3.6.1 Abräumen des Baufeldes 106
3.6.1.1 Gewinnen von wiederverwendbarem
3 Bodenarbeiten (A. Niesei) se Aufwuchs 106
3.6.1.2 Boden von nicht wiederverwendbarem
3.1 Normengrundlagen und Begriffe 87 Aufwuchs 106
3.1.1 Normengrundlagen 87 3.6.1.3 Entfernen von Baustoffresten
3.1.2 Begriffe 87 und Verunreinigungen 106
3.2 Voruntersuchung von Boden und 3.6.1.4 Entfernen von ungeeigneten
Standort 88 Bodenarten 106
3.2.1 Kornverteilung und Einteilung in 3.6.2 Oberbodenabtrag und
Bodengruppen 88 Oberbodenlagerung 106
3.2.1.1 Laboruntersuchungen 89 3.6.3 Unterbodenbearbeitung 107
3.2.1.2 Felduntersuchungen 89 3.6.4 Oberbodenauftrag 107
3.2.1.3 Bewertung von Oberboden aus der 3.6.5 Oberbodenverbesserung und
Korngrößenverteilung 90 Düngung 107
Inhalt 7

3.6.6 Oberbodenbearbeitung 107 4.12.2 Betonieren bei Hitze und Frost 127
3.6.6.1 Lockerung 107 4.12.2.1 Betonieren bei höheren
3.6.6.2 Planum 108 Temperaturen 127
3.6.6.3 Oberflächenschutz durch Einsaaten 108 4.12.2.2 Betonieren bei kühler
3.7 Anwendungsbeispiel für den Witterung und Frost 127
Hausgarten K 108 4.12.3 Nachbehandlung und Erhärtung 127
4.12.3.1 Vorbeugende Maßnahmen
gegen Schwindschäden 128
4.12.3.2 Schalungsfristen nach DIN 1045 128
Beton (H. J. Krems/H. Pätzold) . . . . 111 4.13 Betonstahl 128
4.13.1 Sorteneinteilung 128
4.1 Allgemeines 111 4.13.2 Betonstabstahl 129
4.2 Normengrundlagen und 4.13.3 Betonstahlmatten 129
Bestimmungen 112 4.13.3.1 Baustahlgewebe 129
4.3 Begriffliche Abgrenzung und 4.13.3.2 Listenmatten 129
Unterscheidung 112 4.13.3.3 Lagermatten 129
4.4 Bindemittel 113 4.13.4 Verlegen der Bewehrung 129
4.4.1 Zement 113 4.13.4.1 Allgemeine Angaben 129
4.4.1.1 Herstellung von Zement . . . . 113 4.13.4.2 Biegen 130
4.4.1.2 Zementarten 113 4.13.4.3 Betondeckung 130
4.4.1.3 Zementeigenschaften 113 4.13.4.4 Stababstände 131
4.4.1.4 Bezeichnung, Lieferung und Lagerung . 1 1 4 4.13.4.5 Verankerungen (Zugstäbe) 131
^ttöermtteleinwirkung auf Metalle 115 4.13.4.6 Stöße 132
4.5 Betonzuschlag 115 4.13.4.7 Verlegeregeln für Baustahl matten 132
4.5.1 Gestein 115 4.13.4.8 Verlegeplan 132
4.5.2 Kornzusammensetzung 115 4.13.4.9 Überdeckungsmaße für Baustahl-
4.5.2.1 Allgemeines 115 gewebe-Lagermatten 132
4.5.2.2 Sieblinien 116 4.13.4.10 Schneiden und Biegen von Matten . . . . 133
4.5.2.3 Siebversuch 116 4.13.4.11 Abstandhalter 133
4.5.2.4 Körnungsziffer K 116 4.14 Schalung 133
4.5.3 Lieferung von Betonzuschlagstoffen . . . 118 4.14.1 Schalmaterial: 133
4.5.4 Zusammenstellung und Verbesserung 4.14.2 Schalungsbehandlung 134
von Zuschlaggemischen 118 4.14.3 Schnellspreizen aus Asbestzement . . . . 1 3 4
4.6 Anmachwasser 119 4.15 Sichtbeton 134
4.7 ßetonzusätze 119 4.15.1 Zuschlagkörnungen für Sicht- und
4.7.1 Betonzusatzmittel 119 Waschbeton 135
4.7.2 Betonzusatzstoffe 119 4.15.2 Beton-Oberflächenausbildung 135
4.8 Betoneigenschaften (Normalbeton) . . . 119 4.16 Arbeits- und Dehnungsfugen 135
4.8.1 Frischbeton 119 4.16.1 Arbeitsfugen 135
4.8.1.1 Konsistenzmaße 120 4.16.2 Dehnungsfugen 136
4.8.1.2 Mehlkorngehalt 120 4.16.3 Fugenbänder 136
4.8.2 Festbeton 120 4.17 Betonverwendung in betonschädlichen
4.8.2.1 Druckfestigkeit 121 Böden und Wässern nach DIN 1030
4.8.2.2 Zementgehalt 121 (Auszug) 137
4.8.2.3 Wasserzementwert 121 4.18 Ausschreibung und Abrechnung von
4.9 Betongruppen B l und B II 122 Beton und Stahlbetonarbeiten nach
4.9.1 Beton B l 122 DIN 18331 (Auszug) 137
4.9.2 Beton BII 122 4.19 Anwendungsbeispiel für den
4.10 Betonherstellung 122 Hausgarten K 138
4.10.1 Technologische Beziehungen 122
4.10.2 Ermittlung des erforderlichen
Wassergehalts 123 5 Mauerwerksbau (H. J. Krems) 139
4.10.3 Entwurf von Betonmischungen 124
4.10.3.1 Rechengang 124 5.1 Wichtige DIN-Normen und
4.10.3.2 Beispiele zum Entwurf von Bestimmungen 139
Betonmischungen 124 5.2 Mauerwerk aus künstlichen Steinen 140
4.10.4 Überprüfung des Zementgehalts der 5.2.1 Mauersteine 140
ausgeführten Frischbetonmischung . . . . 125 5.2.1.1 Mauerziegel nach DIN 105 140
4.10.5 Ermittlung der Mischerfüllung 125 5.2.1.2 Kalksandsteine nach DIN 106 142
4.10.6 Mischen des Betons 125 5.2.1.3 Hüttensteine nach DIN 398 142
4.10.6.1 Baustellenbeton (Ortbeton) 125 5.2.2 Mauermörtel 143
4.10.6.2 Transportbeton 126 5.2.2.1 Bindemittel 143
4.11 Betonprüfung 126 5.2.2.2 Sand 144
4.11.1 Eignungsprüfung 126 5.2.2.3 Mörtelzusätze 144
4.11.2 Güteprüfung 126 5.2.2.4 Mörtelherstellung 145
4.11.3 Prüfungen am Bauwerk 127 5.2.2.5 Werkmörtel 146
4.12 Betonieren und Nachbehandlung 127 5.2.3 Mauerkonstruktionen 146
4.12.1 Betoneinbringung und -Verdichtung . . . 127 5.2.3.1 Einschaliges Mauerwerk 147
8 Inhalt

5.2.3.2 Zweischaliges Mauerwerk 147 6.3.2.2 Baurundholz - Nadelholz nach


5.2.3.3 Rohbaurichtmaße 147 DIN 4074 T2/1958 180
5.2.3.4 Mauerverbände, -köpfe und 6.3.2.3 Bauschnittholz - Nadelholz nach
-versätze 148 DIN 0474/1989 180
5.2.3.5 Bögen 152 Stammaufteilung 180
5.2.3.6 Stürze . . . 153 Schnittholzeinteilung 180
5.2.3.7 Verfugen 154 Holzzuschnittmaße 182
5.2.3.8 Putzen 154 6.3.3 Sperrholz nach DIN 68705 183
5.3 Mauerwerk aus natürlichen Steinen 157 Furnierplatten 183
5.3.1 Natursteine 157 Tischlerplatten 183
5.3.1.1 Hartgestein 159 Hartfaser- und Dämmplatten 183
5.3.1.2 Weichgestein 160 Holzspanplatten 183
5.3.2 Gewinnung und Bearbeitung 161 Holzwolle-Leichtbauplatten 183
5.3.3 Verbandsregeln 162 6.3.4 Brettschichtholz 183
5.3.4 Mauerwerksarten 164 6.4 Holzschutz 184
5.3.4.1 Trockenmauerwerk: 164 6.4.1 Schadeinflüsse 184
5.3.4.2 Mörtelmauerwerk 165 6.4.2 Vorbeugende bauliche Maßnahmen . . . . 185
5.3.4.3 Verblendmauerwerk 165 6.4.2.1 Begriff 185
5.4 Sichtschutzwände 165 6.4.2.2 Schutzmaßnahmen 185
5.4.1 Freistehende Wände 165 6.4.3 Vorbeugender chemischer Holzschutz . . 1 8 6
5.4.2 Ausgesteifte Wände 165 6.5 Holzverbindungen 187
5.5 Mauerköpfe 167 6.5.1 Zimmermannsmäßige Verbindungen . . . . 188
5.5.1 Hauben und Abdeckplatten 167 6.5.1.1 Längsstöße 188
5.5.2 Rollschichten 167 6.5.1.2 Quer- und Eckverbindungen 189
5.6 Dossierung/Anlauf 167 6.5.1.3 Verkämmungen 190
5.7 Ausführung von Mauerwerk 6.5.1.4 Schrägverbindungen 191
bei Frost 167 6.5.2 Verleimungen 191
5.8 Gründung 168 6.5.3 Mechanische Verbindungen 192
5.8.1 Baugrund 168 6.5.3.1 Dübelverbindungen 192
5.8.1.1 Gewachsener Boden 168 6.5.3.2 Stabdübel und Bolzen 195
5.8.1.2 Fels 168 6.5.3.3 Nagelverbindungen 195
5.8.1.3 Geschütteter Boden 168 6.5.3.4 Nagelverbindungen mit Stahlblechen und
5.8.2 Baugrundverhalten 168 Stahlblechformteilen 196
5.8.2.1 Setzungen 168 6.5.3.5 Klammerverbindungen 196
5.8.2.2 Grundbruch 168 6.5.3.6 Holzschraubenverbindungen 199
5.8.2.3 Kippen und Gleiten 168 6.6 Flächenhafte Holzverarbeitung 199
5.8.3 Flächengründungen 168 6.6.1 Schalungen 199
5.8.3.1 Streifenfundamente 169 6.6.2 Blockwände (Blockverbindungen) 200
5.8.3.2 Punktfundament 169 6.6.3 Schindelverkleidungen 201
5.8.3.3 Plattenfundament 169 6.7 Anwendungsbeispiele 202
5.8.3.4 Senkbrunnengründung 169 6.7.1 Pergolen 202
5.9 Anwendungsbeispiele für den 6.7.1.1 Begriff, Zweck 202
Hausgarten K 169 6.7.1.2 Normen, Richtlinien 202
6.7.1.3 Baustoffe 202
6.7.1.4 Richtmaße 202
6.7.1.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktion . . . . 202
Holzbau (H. J. Krems/H. Pätzold).. 175 a) Stützenfuß 202
b) Stützen/Pfetten 202
6.1 Eigenschaften 175 c) Pfetten/Sparren 202
6.1.1 Aufbau des Holzes 175 d) Anbindungen 203
6.1.2 Bautechnische Eigenschaften 176 e) Oberflächenbehandlung 204
6.1.2.1 Holzfeuchte, Schwinden, Quellen 176 f) Anwendungsmöglichkeiten 204
6.1.2.2 Elastizität- und Schubmodul 6.7.2 Zäune und Wände 204
nach DIN 1052 177 6.7.2.1 Begriff, Zweck 204
6.1.2.3 Festigkeit 177 6.7.2.2 Normen, Richtlinien 204
6.1.2.4 Härte 177 6.7.2.3 Baustoffe 204
6.2 Holzarten im Bauwesen y 178 6.7.2.4 Richtmaße 204
6.2.1 Wichtige Holzarten und ihre 6.7.2.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 204
Eigenschaften 178 a) Rundholz- und Halbrundholzzäune . . . 204
6.2.2 Holzfehler ^ 178 b) Bretter-(Bohlen-)Zäune und -Wände . . 204
6.3 Holzabmessungen 178 6.7.3 Türen und Tore 205
6.3.1 Rohholzsorten/Handelsklassen 178 6.7.3.1 Begriff, Zweck 205
6.3.1.1 Holzausformung 178 6.7.3.2 Normen, Richtlinien 205
6.3.1.2 Festmeterermittlung 179 6.7.3.3 Baustoffe 205
6.3.1.3 Handelsklassen für Rundholz . . . 179 6.7.3.4 Richtmaße 205
6.3.1.4 Stärkeklassen für Langnutzholz 180 6.7.3.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 205
6.3.2 Bauholz 180 a) Latten- und Brettertüren 206
6.3.2.1 Begriffe nach DIN 1052 180 b) Rahmentüren 206
Inhalt 9

6.7.4 Flächen mit Holzbefestigung 206 7.5.3 Türen, Tore 219


6.7.4.1 Begriff, Zweck 206 7.5.3.1 Zweck 219
6.7.4.2 Normen, Richtlinien 206 7.5.3.2 Richtlinien, Vorschriften 220
6.7.4.3 Baustoffe 206 7.5.3.3 Werkstoffe 220
6.7.4.4 Richtmaße 206 7.5.3.4 Richtmaße 220
6.7.4.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 206 7.5.3.5 Konstruktionsbeispiele 220
a) Holzdecks 206 7.5.3.6 Drehtür und Gitterfüllung 221
b) Paneele 206 7.5.4 Rankgerüste und Lauben 221
c) Holzpflaster 206 7.5.4.1 Zweck 221
6.7.5 Palisaden 207 7.5.4.2 Richtlinien, Vorschriften 221
6.7.5.1 Begriff, Zweck 207 7.5.4.3 Werkstoffe 225
6.7.5.2 Normen, Richtlinien 207 7.5.4.4 Richtmaße 225
6.7.5.3 Baustoffe 207 7.5.4.5 Konstruktionsbeispiele 225
6.7.5.4 Richtmaße 207 7.5.5 Glashäuser, Anbauhäuser 225
6.7.5.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 207 7.6 Normen 226
6.7.6 Stege, Anleger 208
6.7.6.1 Begriff, Zweck 208
6.7.6.2 Normen, Richtlinien 208
6.7.6.3 Baustoffe 208 8 Wegebau und Oberflächen-
6.7.6.4 Richtmaße . 208 entwässerung (K.-B. Prasuhn) 227
6.7.6.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 208
6.7.7 Lauben, Pavillons, Schutzhütten . 209 8.1 Baugrundsätze 227
6.7.7.1 Begriff, Zweck 209 8.1.1 Anforderungen an Verkehrsflächen 227
6.7.7.2 Normen, Richtlinien 209 8.1.1.1 Planerische Anforderungen 227
6.7.7.3 Baustoffe 209 8.1.1.2 Bautechnische Anforderungen . . . 229
6.7.7.4 Richtmaße 209 8.1.2 Begriffsbestimmungen 230
6.7.7.5 Ausführungsbeispiele, Konstruktionen . . . 209 8.1.2.1 Untergrund . . 230
6.8 Normen und Richtlinien 210 8.1.2.2 Unterbau 230
8.1.2.3 Oberbau 231
8.1.3 Bodenverhältnisse 231
8.1.3.1 Tragfähigkeit 231
7 Metallbau (H. Pätzoid) 211 8.1.3.2 Frostempfindlichkeit 232
8.1.4 Tragschichtbauweisen 234
7.1 Metallverarbeitende Gewerke 211 8.1.4.1 Ungebundene Tragschichten 234
7.2 Schmiedearbeiten 211 8.1.4.2 Gebundene Tragschichten 236
7.2.1 Formgebung 211 8.2 Bauweisen 237
7.2.2 Verbindungen 212 8.2.1 Wassergebundene Decken und
7.2.3 Werkstoffe 212 Einfachbauweisen 237
7.3 Metallbauarbeiten 213 8.2.1.1 Begriffsbestimmung 237
7.3.1 Formgebung 213 8.2.1.2 Anwendungsbereich . 237
7.3.1.1 Spanlose Umformung 213 8.2.1.3 Baustoffe 238
7.3.1.2 Spanende Formgebung 213 8.2.1.4 Ausführung 238
7.3.2 Verbindungen 213 8.2.1.5 Schotterrasen 238
7.3.2.1 Lösbare Verbindungen 213 8.2.2 Pflaster 239
7.3.2.2 Nichtlösbare Verbindungen 214 8.2.2.1 Natursteinpflaster . . . 240
7.3.3 Werkstoffe 215 8.2.2.2 Betonsteinpflaster . . . 245
7.3.3.1 Stahl 215 8.2.2.3 Pflasterklinker 250
7.3.3.2 Nichteisenmetalle 215 8.2.2.4 Holzpflaster 251
7.4 Oberflächenschutz 216 8.2.3 Plattenbeläge 251
7.4.1 Ursachen, Wirkungen 216 8.2.3.1 Platten aus Naturstein 252
7.4.2 Schutzmöglichkeiten 216 8.2.3.2 Betonsteinplatten . . . 254
7.4.2.1 Metallische Überzüge - 216 8.2.3.3 Rasengittersteine . . . 257
7.4.2.2 Organische Überzüge 217 8.2.4 Betondecken 259
7.4.2.3 Kunststoffüberzüge 217 8.2.4.1 Baustoffe 259
7.5 Beispiele für die Anwendung im 8.2.4.2 Ausführung 260
Landschaftsbau 217 8.2.5 Asphaltdecken (Bituminöse Decken) . . . 261
7.5.1 Geländer, Handläufe 217 8.2.5.1 ^ Baustoffe (Bituminöse Bindemittel) . . . . 261
7.5.1.1 Zweck 217 8.2.5.2 Makadambauweise und Oberflächen-
7.5.1.2 Richtlinien, Vorschriften 217 schutzschichten 262
7.5.1.3 Werkstoffe 217 8.2.5.3 Heißeinbau von Asphalt 264
7.5.1.4 Richtmaße 217 8.2.6 Randausbildungen 267
7.5.1.5 Konstruktionsbeispiele 217 8.2.6.1 Anforderungen an Rand-
7.5.2 Gitter, Abgrenzungen 218 einfassungen 267
7.5.2.1 Zweck 218 8.2.6.2 Begriffsbestimmungen 268
7.5.2.2 Richtlinien, Vorschriften 218 8.2.6.3 Ausführung von Rändern 268
7.5.2.3 Werkstoffe 218 8.3 Oberflächenentwässerung 272

i
7.5.2.4 Richtmaße 219 8.3.1 Entwässerungsgrundsätze und
7.5.2.5 Konstruktionsbeispiele 219 Begriffsbestimmungen 272
10 Inhalt

8.3.2 Oberflächenprofilierung (Neigung von 10.2.2.7 Dichtungen mit Kunststoff- und


Verkehrsflächen) 274 Kunstharz-Bauteilen 317
8.3.2.1 Mindestgefälle 274 10.2.2.8 Sonstige Dichtungen (Metallbecken) 318
8.3.2.2 Längliche, wegeförmige Flächen 275 10.3 Wasserzu- und -abfluß,
8.3.2.3 Platzflächen .276 Wasserspiele 319
8.3.3 Entwässerungseinrichtungen 10.3.1 Wasserzufluß 319
(Abläufe) 278 10.3.1.1 Druckloser Wasserzufluß 319
8.3.3.1 Hof- und Straßenabläufe 278 10.3.1.2 Druckleitungszufluß 320
8.3.3.2 Kastenrinnen 280 10.3.1.3 Druckerzeugung 320
8.3.4 Rohrleitungen 281 10.3.2 Wasserabfluß 321
8.3.4.1 Grundlagen 281 10.3.3 Wasserreinigung 322
8.3.4.2 Rohre 282 10.3.4 Wasserspiele, -bewegung und
8.3.4.3 Ausführung von Kanalisations- -beleuchtung 323
arbeiten 284 10.4 Wasseranlagen im Druckwasser-
8.4 Anwendungsbeispiel »Wegebau« für den bereich 324
Hausgarten K 287 10.5 Einrichtungen für Wasserpflanzen . . 324
10.6 Beispiele für Wasseranlagen 324
10.6.1 Wasserflächen-Anordnung 324
10.6.2 Funktion von Wasseranlagen 324
9 Treppen (G. Osburg) 290 10.6.2.1 Natürliche oder natürlich wirkende
Wasseranlagen, Wasserlauf 324
9.1 Begriffe 290 10.6.2.2 Gebaute (architektonische) Wasser-
9.2 Steigungsverhältnis 290 anlagen Brunnen und Schöpfbecken 325
9.2.1 Steigungsformeln 290 10.7 Anwendungsbeispiele für den
9.2.2 Steigungsbezogene Stufen- Hausgarten K 326
abmessungen 291 10.7.1 Brunnen im Süd-West-
9.3 Stufenarten 291 Bereich 326
9.3.1 Knüppelstufen 292 10.7.2 Pflanzbecken im Süd-Ost-Teil 327
9.3.2 Palisadenstufen 292
9.3.3 Stellstufen 292
9.3.4 Winkelstellstufen 293
9.3.5 Legstufen 293
11 Pflanzarbeiten (A. Niesei) 329
9.3.6 Winkellegstufen 294 11.1 Pflanzen 329
9.3.7 Blockstufen 294 11.1.1 Gehölze 329
9.3.8 Plattenstufen 297 11.1.1.1 Anzuchtformen und spezielle Gruppen
9.4 Gründungen 298 von Gehölzen 330
9.4.1 Unstarre Gründungen 298 11.1.1.2 Bewurzelung 332
9.4.2 Starre Gründungen 298 11.1.1.3 Sortierung, Bündelung und
9.4.2.1 Vollfundamente 299 Kennzeichnung 333
9.4.2.2 Streifenfundamente 299 11.1.2 Stauden und Wasserpflanzen 334
9.4.2.3 Plattenfundamente 299 11.1.3 Ein- und Zweijahrsblumen 334
9.4.2.4 Freitragende Konstruktionen 300 11.1.4 Blumenzwiebeln und Knollen 334
9.5 Seitliche Treppenbegrenzungen 300 11.2 Pflanzentransport 334
9.5.1 Baurechtliche Bestimmungen 300 11.2.1 Pflanzenschädigung beim Transport 334
9.5.2 Begrenzungsfreie Treppen 300 11.2.2 Folgen der Transportschäden . . . . 334
9.5.3 Treppengeländer 300 11.2.3 Maßnahmen zur Vermeidung von
9.5.3.1 Treppen mit Wangen 300 Transportschäden 334
9.5.3.2 Treppen mit Stabgeländer 302 11.3 Pflanzarbeit 336
9.6 Anwendungsbeispiel für den Hausgar- 11.3.1 Bodenvorbereitung und
ten K 304 Bodenzustand 336
11.3.2 Pflanzzeit 337
11.3.3 Durchführung der Pflanzung 338
11.3.4 Sicherung der Pflanzen 340
10 Wasseranlagen (H. Pätzoid) 307 11.3.4.1 Verankerung 340
11.3.4.2 Schutz vor Austrocknung 343
10.1 Natürliche Gewässer 307 11.3.4.3 Schutz gegen Wildverbiß 343
10.1.1 Fließgewässer 307 11.4 Fertigstellungspflege 344
10.1.2 Stillgewässer 308 11.5 Anwendungsbeispiel für den
10.2 Künstliche Gewässer und Hausgarten K 346
Wasseranlagen 308
10.2.1 Die Herstellung der Hohlkörper 308
10.2.2 Die Dichtung der Hohlkörper 308
10.2.2.1 Dichtungsbahnen 308 12 Saat- und Rasenarbeiten
10.2.2.2 Bitumen-Dachbahnen-Dichtung 311 (A. Niesei) 347
10.2.2.3 Asphaltmastix-Dichtung 313
10.2.2.4 Beton-Dichtungen 314 12.1 Rasentypen . . . 348
10.2.2.5 Sperrputz 316 12.1.1 Zierrasen 348
10.2.2.6 Ton-Dichtungen 316 12.1.2 Gebrauchsrasen 348
Inhalt 11

12.1.3 Strapazierrasen 348 12.10.3 Beregnen 364


12.1.4 Landschaftsrasen 348 12.10.4 Düngen 364
12.2 Rasengräser 348 12.10.5 Mähen 364
12.2.1 Bestimmungsmerkmale von Rasen- 12.10.6 Begrenzen 364
gräsern und Rasenungräsern 348 12.10.7 Leistungen der Fertigstellungspflege bei
12.2.1.1 Blätter 348 Fertigrasen 364
12.2.1.2 Wuchsform 350 12.11 Anwendungsbeispiel für den
12.2.1.3 Blütenstand 351 Hausgarten K 364
12.2.2 Gräserbeschreibung 351
12.2.2.1 Rotschwingel 351
12.2.2.2 Schafschwingel 351
12.2.2.3 Kammgras 352 13 Entwicklungs- und Unter-
12.2.2.4 Lieschgras 352 haltungspflege (A. Niesei) 366
12.2.2.5 Deutsches Weidelgras 352
12.2.2.6 Wiesenrispe 353 13.1 Begriffe 366
12.2.2.7 Rotes Straußgras 353 13.1.1 Entwicklungspflege 366
12.2.2.8 Flechtstraußgras 354 13.1.2 Erhaltungspflege 366
12.2.2.9 Jährige Rispe 354 13.2 Art und Umfang von Pflege-
12.2.2.10 Gemeine Rispe 354 leistungen - Allgemeines 366
12.2.2.11 Gemeine Quecke 355 13.3 Maßnahmen bei Pflanzflächen 367
12.2.2.12 Wolliges Honiggras 355 13.3.1 Entfernen verdrängender Pflanzen 367
12.3 Sortengräser 355 13.3.2 Bodenpflege 367
12.4 Krauter und Leguminosen 356 13.3.2.1 Bodenlockerung mit Beseitigen uner-
12.5 Regelsaatgutmischungen 356 wünschten Aufwuchses 367
12.6 Handelsanforderungen 356 13.3.2.2 Mulchen 367
12.6.1 Klassifizierung, Einfuhr und Vertrieb von 13.3.2.3 Beseitigen unerwünschten Aufwuchses
Rasensaatgut 356 ohne flächige Bodenlockerung 368
12.6.1.1 Saatgutkategorien 356 13.3.2.4 Beseitigen unerwünschten Aufwuchses
12.6.1.2 Anerkennung von Saatgut 357 durch Ausmähen 368
12.6.1.3 Sortenordnung 357 13.3.3 Wässern 368
12.6.1.4 Artenverzeichnis 357 13.3.4 Düngen 368
12.6.1.5 Saatguteinfuhr 357 13.3.4.1 Düngen von Bäumen und Gehölzen . . . . 368
12.6.2 Mischung von Saatgut 358 13.3.4.2 Düngen von Landschaftsgehölzen 368
12.6.2.1 Allgemeine Festlegungen zu 13.3.4.3 Düngen von Stauden 368
Saatgutmischungen 359 13.3.4.3 Düngen von Rosen 368
12.6.2.2 Mischungsgenehmigung 359 13.3.5 Pflanzenschnitt 368
12.6.2.3 Kontrolle des 13.3.5.1 Schneiden von Gehölzen 368
Mischvorgangs 359 13.3.5.2 Schneiden von Stauden 369
12.6.2.4 Kennzeichnung der 13.3.5.3 Schneiden von Rosen 370
Saatgutmischung 359 13.3.6 Pflanzenschutz 370
12.6.2.5 Verschließung der Packung 360 13.3.7 Winterschutz 370
12.6.2.6 Handel mit Kleinpackungen 360 13.4 Pflegemaßnahmen bei Rasen und
12.6.3 Handelsanforderungen 361 wiesenähnlichen Flächen 370
12.6.3.1 Grundsätzliche 13.4.1 Mähen 370
Festlegungen 361 13.4.1.1 Schnittzeitpunkt, Schnitthöhe und
12.6.3.2 Spezielle Anforderungen 361 -anzahl 370
12.7 Fertigrasen , 361 13.4.1.2 Mähertypen 371
12.8 Ansaat 362 13.4.1.3 Schnittgut und Laub 372
12.8.1 Bodenverhältnisse und 13.4.2 Düngen 372
Bodenvorbereitung 362 13.4.3 Wässern 373
12.8.1.1 Bodenverhältnisse 362 13.4.4 Regenerationsmaßnahmen 373
12.8.1.2 Bodenvorbereitung 362 13.4.4.1 Vertikutieren (Senkrechtschneiden) 373
12.8.1.3 Bodenverbesserung 362 13.4.4.2 Schlitzen 373
12.8.1.4 Düngung 362 13.4.4.3 Löchern 373
12.8.1.5 Lockerung und Planum 362 13.4.4.4 Sanden 373
12.8.2 Saatarbeit 362 13.4.5 Maßnahmen gegen Moos und
12.8.2.1 Zeitpunkt der Saat 362 Fremdartenbesatz 374
12.8.2.2 Saatgutmenge 362 13.5 Die Pflege im Garten K 374
12.8.2.3 Saatvorgang 363 Normen 374
12.9 Verlegen von Fertigrasen 363
12.9.1 Verlegezeitpunkt 363
12.9.2 Transport und Lagerung 363
12.9.3 Verlegen 363
12.10 Fertigstellungspflege 363 14 Zäune und Gitter
12.10.1 Abnahmefähiger Zustand von (G. Osburg) 375
Rasenflächen 363
12.10.2 Leistungen der Fertigstellungspflege bei 14.1 Rechtliche Grundlagen 375
Saatrasen 363 14.1.1 Landesbauordnungen 375
12 Inhalt

14.1.2 Nachbarrechtsgesetze 375 14.4.2.4 Füllelemente aus Holz auf Stahlpfosten


14.1.3 Ortsbausatzungen 376 und Stahlquerriegeln 385
14.1.4 Bundesbaugesetz 376 14.4.3 Rahmenzäune 387
14.2 Gestaltungsmerkmale 376 14.4.3.1 Holzrahmenzäune 387
14.2.1 Konstruktive Gestaltungselemente . 376 14.4.3.2 Zäune mit Stahlrahmen 387
14.2.1.1 Rahmenlose Gitter 376 14.5 Stahlzaun-Konstruktionen 388
14.2.1.2 Rahmengitter 376 14.5.1 Stabgitter 388
14.2.2 Formale Gestaltungskriterien 376 14.5.1.1 Rahmenlose Stabgitter 388
14.2.3 Zaunführung 377 14.5.1.2 Rahmengitter 388
14.3 Material- und Materialschutz 377 14.5.2 Maschengitterzäune 390
14.3.1 Holz 377 14.5.3 Drahtzäune 390
14.3.1.1 Querschnitte, Güteklassen, 14.5.3.1 Knotengitter und Knotengeflechte . . . 390
Holzarten 377 14.5.3.2 Maschendrahtzäune 391
14.3.1.2 Materialstärken 378 14.6 Anwendungsbeispiel für den
14.3.1.3 Vorbeugender chemischer Hausgarten K 392
Holzschutz 378
14.3.1.4 Konstruktiver Holzschutz 378
14.3.2 Stahl 379
14.3.2.1 Stahlquerschnitte 379 15 Schutz der Vegetation bei
14.3.2.2 Materialstärken 379 Bauarbeiten (A. Niesei) 396
14.3.2.3 Korrosionsschutz 379
14.4 Konstruktionsformen von 15.1 Allgemeine Schutzmaßnahmen . . 396
Holzzäunen 379 15.2 Schutzzäune 396
14.4.1 Zäune mit waagerechten 15.3 Stamm- und Astschutz 396
Füllelementen 379 15.4 Schutz des Wurzelbereiches 396
14.4.1.1 Zäune aus Rundhölzern und 15.5 Aufgrabungen und Fundamente . 397
Halbrundhölzern 379 15.6 Wegebeläge im Wurzelbereich 398
14.4.1.2 Schnittholzzäune 379 15.7 Maßnahmen bei Grundwasser-
14.4.1.3 Holzfüllungen auf Stahlpfosten . . . 382 absenkungen 398
14.4.2 Zäune mit senkrechten Füllungen . 383 15.8 Hinweise auf Vorschriften 399
14.4.2.1 Halbrundholzzäune 383
14.4.2.2 Schnittholz-Zäune 384 Anhang 401
14.4.2.3 Füllung und Querriegel aus Holz auf
Stahlpfosten 385 Stichwortverzeichnis 455
1 Einführung A. Niesei

1.1 Regeln der Technik 14 Kleingärten, Friedhöfe, Grünzü- Jeder Freiraum soll später im Rah-
1.2 Der Garten K 15 ge, Straßengrün, Außenanlagen an men der Aufgabenstellung eine be-
1.2.1 Das Programm 15 Schulen, Kindergärten und Kran- stimmte Funktion erfüllen. So soll z.B.
1.2.2 Das Grundstück und der Plan kenhäusern. ein Hausgarten einen Sitzbereich auf-
des Hauses 15
1.2.3 Der Entwurf des Gartens . . 16
• Freiflächen in Wohnsiedlungen in weisen, er soll durch Wege erschlossen
1.3 Die verschiedenen Gesichter
Form von Hausgärten, Grünflächen sein, vom Nachbarn oder von der vor-
eines Gartens 17 und Freizeitanlagen an Reihenhäu- beiführenden Straße nicht eingesehen
1.3.1 Zufahrt 17 sern, Wohnblocks und Hochhäusern werden und natürlich in Erweiterung
1.3.2 Wege-und Platzflächen . . . . 18 sowie Dachgärten in diesem Bereich. des Wohnhauses einen grünen Raum
1.3.3 Sichtblende zwischen Zufahrt • Sport- und Freizeitanlagen in ver- bilden, in dem sowohl schöne Blumen
und Sitzplatz am Wohnzim- schiedensten Formen. zu betrachten als auch Rasenflächen
mer und unter der Pergola . . 18 • Gestaltung und Erhaltung der Land- vorhanden sind, die bespielt werden
1.3.4 Stützmauer am Sitzplatz . . . 18 schaft, oft in Verbindung mit Maß- können. Oder ein Freiraum im Rahmen
1.3.5 Wasserbecken 18
1.3.6 Pergola 18
nahmen des Straßenbaues, des Was- des Stadtgrüns soll eine Vielzahl schat-
1.3.7 Treppen und Beet-
serbaues, der Land- und Forstwirt- tiger, sich gegenseitig nicht störender
einfassungen 18 schaft, des Bergbaues, der Industrie, Sitzbereiche aufweisen, ein anderer
1.3.8 Boden, Rasen und des Gewerbes aber auch mit Freizeit städtischer Freiraum wiederum soll auf
Pflanzung 18 und Erholung. dem Wege in die freie Landschaft Spiel-
1.3.9 Einfriedigung 21 Unsere Mitbürger sind sich ihrer Um- und Liegewiesen, Fuß- und Radwege,
welt, der ihr drohenden Gefahren, aber Anlagen zum Freizeitsport und leicht
auch der in ihr ruhenden Möglichkeiten bzw. nur selten zu pflegende Strauch-
zur Hebung der Lebensqualität sehr be- und Baumpflanzungen aufweisen. So
Das Anlegen und Pflegen von Gärten wußt geworden. vielfaltig wie die Aufgabenstellung ist,
ist so alt wie unsere Kulturgeschichte. Ein grünes Bauwerk ist das Produkt so vielfältig sind auch die Gestaltungs-
Gärten waren schon immer Zeichen verschiedenster Aktivitäten auf unter- mittel, derer sich der Landschaftsarchi-
und Ausdruck einer Kultur und Spiegel schiedlichsten Ebenen der Planung, Ge- tekt bei seinem Entwurf bedient. Wich-
der Gesellschaft. Die Kunst, Gärten zu staltung und Ausführung. Im Vorfeld tigstes Gestaltungsmittel sind dabei im-
gestalten und anzulegen, - die »Gar- geht es darum, zunächst einmal das Be- mer die Pflanzen. Doch sie sind in der
tenkunst« - war auch immer Teil der dürfnis und das Programm für einen Regel nur die Krönung eines Bauwer-
jeweiligen Stilrichtung. Entsprechend grünen Freiraum, für eine Eingrünung kes, zu dessen Erstellung vorher oft vie-
unterschiedlich waren die Formen und oder einen gestaltenden Eingriff in die le technische Aufgaben zu lösen sind,
Stilmittel. Objekte der Gartenkunst wa- Landschaft festzustellen und zu defi- die sowohl der formalen Gestaltung die-
ren der kleine Garten als Gartenhof nieren. Dieser Prozeß, der sich je nach nen als auch aus technischen Gründen
oder Atrium und der Landschaftspark, Bedeutung des Objektes oft über Jahre notwendig sind. Da sind Wege, Plätze,
der die Landschaft zu einem Kunstwerk hinweg erstreckt, bei dem betroffene Spiel- und Sportplätze zu planen und
machte. Bürger beteiligt werden und neben der zu bauen, Höhenunterschiede durch
Das Aufgabengebiet, das sich heute Erkundung und Sicherung aller rechtli- Böschungen oder Mauern zu überbrük-
der Garten- und Landschaftsgestaltung chen Belange insbesondere auch für die ken, Treppen oder Rampen vorzusehen,
sowohl von der Planung (Gestaltung) Finanzierung der Baumaßnahme selbst Wasserflächen oder Springbrunnen an-
als auch von der Ausführung her dar- und der Folgekosten gesorgt werden zulegen, Gartenräume auch mit Hilfe
bietet, umfaßt alle Freiräume außerhalb muß, ist nicht Gegenstand dieses Bu- von Mauern oder Sichtschutzzäunen zu
der Wohnung und Arbeitsstätte bis in ches. Wir wollen an der Stelle des Ge- bilden, für das Ableiten von überschüs-
die freie Landschaft hinein. Es sind ins- samtablaufes beginnen, an der die Auf- sigem Wasser ist zu sorgen, das Gelände
besondere: gabe der Realisierung einer Bauaufgabe nach gestalterischen oder technischen
mit Grün gestellt ist. Die Realisierungs- Notwendigkeiten zu formen, der Boden
• Innerstädtische Freianlagen in Form phase nimmt ihren Anfang mit dem Ent- so herzurichten, daß Pflanzen gut dar-
von Bürgerparks, Freizeitparks, Fuß- wurf und endet mit der Übergabe des fer- in wachsen können und vieles andere
gängerzonen, Kinderspielbereiche, tigen Bauwerkes an den Bauherrn. mehr. Der Garten- und Landschafts-
14 Einführung

architekt sowie der Unternehmer des Tab. 1.1/1 Landschaftsbau


Landschafts- und Sportplatzbaues, der
diese Objekte als Gesamtwerk ausführt,
Vegetationstechnik Bautechnik
müssen dabei den Umgang mit diesen
Baustoffen und Bautechniken beherr- DIN Geregelter Bereich DIN Geregelter Bereich
schen. Jeder Baustoff bietet ja ein ande-
res Bild und die gleiche Situation läßt in ATV ATV
der Regel verschiedene Lösungsmög- 18 299 Allgemeine technische Vertrags-
lichkeiten zu. Es ist die Aufgabe des 18 320 Landschaftsbauarbeiten bedingungen für Bauleistungen
Planers, aus der Fülle der gestalteri- 18300 Erdarbeiten
schen und technischen Möglichkeiten Fachnormen - FN 18303 Baugrubenverkleidungsarb.
die Lösung herauszuarbeiten, die unter Vegetationstechnik im 18 306 Abwasserkanalarbeiten
Landschaftsbau 18315 Oberbauschichten m. bit.
Abwägung aller gestalterischen, techni- (DIN 18 915/18920) Bindemitteln
schen und finanziellen Einflußfaktoren 18915 Bodenarbeiten 18316 Oberbauschichten m. hydraul.
die geeignete ist. Das gilt für Objekte 18916 Pflanzen und Pflanzarbeiten Bindemitteln
jeder Größe, also für Hausgärten, 18917 Rasen- und Saatarbeiten 18317 Oberbauschichten ohne
Kleingärten oder Wohnstraßen ebenso 18918 Ingenieurbiologische Siche- Bindemittel
wie für Freizeit- und Sportanlagen. rungsbauweisen 18318 Steinpflasterarbeiten
18919 Entwicklungs- und Unterhal- 18330 Mauerarbeiten
tungspflege von Grünflächen 18331 Beton-und Stahlbetonarb.
18920 Schutz von Bäumen, Pflanzen- 18332 Natursteinarbeiten
1.1 Regeln der Technik beständen und Vegetations- 18 333 Betonwerksteinarbeiten
flächen bei Baumaßnahmen Fachnormen - FN
Bei aller Freizügigkeit in der Gestaltung 18035 Blatt 4 Sportplätze - 18 035 Blatt 5 Sportplätze -
sind Planer und Ausführende gebun- Rasenflächen Tennenflächen
den an die technischen und physikali-
schen Eigenschaften der Baustoffe, die
sie verwenden. Wenn vom Baustoff
Holz bekannt ist, daß er in Abhängig- Unter Vegetationstechnik versteht schneller der neuesten Entwicklung an-
keit von seinem Feuchtegehalt »arbei- man Bauleistungen, die mit der Pflanze gepaßt werden können. In der ATV wird
tet«, also quillt oder schrumpft, und nur als Lebewesen direkt oder indirekt zu dann nur noch bestimmt, daß für die
eine begrenzte Lebensdauer hat, dann tun haben, also z.B. die Bodenarbeiten, Stoffe und Leistungen eine oder meh-
muß das in alle Überlegungen bei der die die Voraussetzungen zu optimalem rere Fachnormen gelten. So ist das auch
Gestaltung, technischen Detaillierung Wachstum schaffen, die Rasen- und bei der ATV DIN 18320 »Landschafts-
und Ausführung einbezogen werden. Pflanzarbeiten selbst, die Leistungen bauarbeiten« geregelt. Da unsere Er-
Ebenso typische Eigenschaften und der Fertigstellungspflege und die Un- kenntnisse laufend zunehmen, ändern
Grenzen der Einsetzbarkeit haben auch terhaltungspflegeleistungen. sich natürlich auch diese Normen. Von
alle anderen Baustoffe, die in die- Tabelle 1.1/1 führt wichtige Normen einem Fachmann erwartet man, daß er
sem Buch vorgestellt werden. auf, die das Gesamtwerk des Land- mit allen einschlägigen Normen und den
Das bürgerliche Gesetzbuch, das schafts- und Sportplatzbaues direkt be- neuesten Erkenntnissen auf seinen Tä-
Strafgesetzbuch und die Bauordnungen treffen. Bei diesen Normen unterschei- tigkeitsgebieten vertraut ist. Für den
verlangen, daß die »anerkanten Re- den wir: grünen Fachmann sind das sehr viele
geln der Baukunst« beachtet werden. ATV = Allgemeine Technische Ver- Normen, wie der Leser in den nachfol-
Zu diesen anerkannten Regeln der Bau- tragsbedingungen und FN = Fachnor- genden Kapiteln feststellen kann.
kunst oder auch der Bautechnik gehö- men Die in diesen Kapiteln aufgeführten
ren insbesondere die DIN-Normen, die Allgemeine Technische Vertragsbe- technischen Grundsätze, die sich aus
der »Normenausschuß Bauwesen (NA- dingungen (ATV) sind DIN-Normen, den Materialeigenschaften ableiten,
Bau)« Des Deutschen /nstitutes für die in der Verdingungsordnung für Bau- gelten für Objekte jeder Art. Holz ver-
Normung (DIN) für das Bauwesen auf- leistungen (VOB) im Teil C zusammen- hält sich im Hausgarten nicht anders
stellt und laufend der neuesten Entwick- gefaßt sind. Sie regeln einmal den ver- als in einer Sportanlage, Pflanzen sind
lung anpaßt. Unter 18000 überhaupt tragsrechtlichen Rahmen einer Baulei- im Kleingarten nicht anders zu behan-
bestehenden Normen betreffen etwa stung, z.B. was eine Nebenleistung ist deln als im Freizeit- und Sportpark.
1000 das Bauwesen. Aufgabe der Nor- und wie eine Leistung abzurechnen ist Gleiches gilt für den Boden, für Stei-
men ist es, Baustoffe und Bauweisen zu (siehe dazu NIESEL, Der Baubetrieb ne, Metalle oder die Grundsätze des
vereinheitlichen und einheitliche Festle- im Garten- und Landschaftsbau, Bd. 2, Wegebaues. Auf der Planungsstufe
gungen z. B. für Zusammensetzung, Ei- Verlag Paul Parey). Zum anderen ent- werden an den Planer bei größeren Ob-
genschaften, Maßtoleranzen, Prüfver- halten sie Festlegungen über die Be- jekten, wie z.B. Bezirkssportanlagen,
fahren zu treffen. In den Kapiteln dieses schaffenheit von Baustoffen, die bei der Freizeitparks, Gartenschauen, Frei-
Buches wird immer wieder auf die ein- Ausführung verwendet werden sollen, anlagen an Hochschulen u. ä. weiterge-
schlägigen Normen verwiesen werden. und Regeln für die Ausführung der Lei- hende und höhere Anforderungen auf
Im Gesamtwerk des Landschafts- und stung selbst. Weil diese Regeln und den Feldern der Erschließung, Ausstat-
Sportplatzbaues unterscheidet man zwi- Festlegungen sehr umfangreich sein tung, Ver- und Entsorgung gestellt, als
schen bautechnischen und vegetations- können und damit den Umfang der sie in diesem Buche dargestellt werden.
technischen Leistungen. Unter Bautech- VOB sprengen würden und zudem bis- Sportbauten verlangen eine spezielle
nik versteht man alle Bauleistungen in weilen infolge neuer wissenschaftlicher Beschäftigung mit den Bauweisen zur
Verbindung mit toten Baustoffen, deren Erkenntnisse relativ schnell veraltern, Herstellung von Rasen-, Tennen-,
Endprodukt ein unveränderliches Bau- werden sie heute in der Regel aus ver- Kunststoff- und Kunstrasenfeldern so-
werk mit vorher genau festgelegten Di- fahrenstechnischen Gründen der Nor- wie deren Ausstattung, Ver- und Ent-
mensionen und/oder Eigenschaften ist. mung in Fachnormen niedergelegt, die sorgung. Wir haben uns für dieses Buch
Der Garten K. 15

einen engeren Rahmen gesetzt und ver- spiel einen Hausgarten gewählt, weil tergarten und einige Obstbäume. Au-
weisen daher auf die entsprechende er überschaubar ist und auf kleinem ßerdem soll der Garten nicht allzuviel
Fachliteratur für Sport- und Freizeitan- Raum die verschiedensten Baustoffe an- Arbeit machen. Aber auch die vage
lagen u.a. gewendet werden können. Die Grund- Vorstellung eines Wasserpflanzenbek-
Die Entwurfs-ideen des Planers und sätze der Anwendung von Baustoffen kens mit Fischen und eines schattigen
Gestalters werden nach den in diesem und der Weg der Entscheidungsfindung Platzes unter einer Pergola werden laut.
Buch behandelten Regeln im Rahmen ist bei kleinen und großen Objekten Neben der Zufahrt zur Garage muß
der Ausführungsplanung detailliert. De- gleich. Auf die Notwendigkeit einer er- noch ein Einstellplatz für einen zweiten
taillieren bedeutet, daß in Ausführungs- weiterten und vertieften Beschäftigung Wagen vorgesehen werden. In Verbin-
zeichnungen genau festgelegt wird, wie mit weiteren Baustoffen und Bauver- dung mit dem Bastelraum hinter der
das jeweilige Bauwerk oder die Pflan- fahren wurde bereits hingewiesen. Garage wird ein Platz im Freien erwar-
zung ausgeführt werden soll. Die De- tet, damit dort die Reparaturen an Fahr-
tailplanung ist dann die Grundlage für rädern etc. ausgeführt werden können.
die Aufstellung eines Leistungsver- 1.2 Der Garten K.
zeichnisses, in dem positionsweise die
1.2.2 Das Grundstück und der
Einzelleistungen beschrieben werden,
1.2.1 Das Programm Plan des Hauses
die dem ausführenden Unternehmer
übertragen werden sollen. Dieser ermit- K. ist Diplomingenieur und als Hoch- Das Grundstück liegt am Ende einer
telt im Rahmen einer Ausschreibung schullehrer tätig. Er ist verheiratet und kurzen Stichstraße mit einem Wen-
den Preis, für den er diese Leistung er- hat fünf Kinder. Das Grundstück hat er dehammer (siehe Lageplan). Durch die
bringen kann (siehe dazu Niesei, Der sich selbst gesucht, das Haus selbst ent- Stadtplanung ist eine Straßenhöhe und
Baubetrieb im Garten- und Landschafts- worfen. Jetzt setzt er sich mit einem gleichzeitig Sockelhöhe vorgesehen, die
bau, Teil 2, Verlag Paul Parey). Vom Landschaftsarchitekten in Verbindung, etwa 1,5 m über der ursprünglichen
Unternehmer wird während der Ausfüh- denn um das Haus soll ein schöner Gar- Geländehöhe liegen. Der Grundriß des
rung erwartet, daß er die von ihm ver- ten entstehen. Der Bauherr und der Hauses ist in den Gartenplänen (Abb.
langte Leistung auf Übereinstimmung Landschaftsarchitekt setzen sich nun 1.2.3/1 und 3) enthalten. Der Bau-
mit den Regeln der Technik überprüft. zusammen und formulieren das Pro- herr hat dabei seine Vorstellung von
An Hand eines konkreten Beispiels gramm. In diesem Falle war es der zwei unterschiedlichen Ebenen zwi-
wollen wir in diesem Buch darstel- Wunsch des Bauherrn, einen Bereich schen dem belebteren Küchen- und
len, wie sehr Gestaltung und Technik für die Kinder zu haben, der in der Nähe Eßzimmerbereich und dem Ruhebe-
zusammengehören und über welches der Küche liegt, und einen zweiten inti- reich des Wohnzimmers verwirklicht.
Rüstzeug Planer und Ausführende ver- meren Bereich für die Erwachsenen Der Ausgang aus dem Eßzimmer liegt
fügen müssen, um ein solches Bauvor- in Verbindung mit dem Wohnzimmer. deshalb drei Stufen höher als der Haus-
haben zu realisieren. Wir haben als Bei- Die Hausfrau wünscht sich einen Kräu- zugang und der Ausgang aus dem Eß-

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16 Einführung

zimmer. Als Baumaterial wurden weiße


Kalksandsteine für die Mauern und
Schieferplatten für das Dach verwen-
det.

1.2.3 Der Entwurf des Gartens


Die Lage des Grundstückes und die
Lage des Hauses im Grundstück und
das gemeinsam mit dem Bauherrn auf-
gestellte Programm sind die Vorgaben,
aus denen sich auf dem Zeichenpapier
der Entwurf des Landschaftsarchitekten
entwickelt. Die ersten Entwurfsskizzen,
die mit dem Bauherrn besprochen wer-
den, nennt man Vorentwurf. Aus ihm
entwickelt sich dann unter Abstimmung
mit dem Bauherrn, Nachbarn und Bau-
behörden der Entwurf. Die Pläne (Abb.
1.2.3/1-3) zeigen eine solche Entwick-
lung.
In der formalen Lösung dieser Auf-
gabe kann es sehr verschiedene Alter-
nativen geben, denn jeder Landschafts-
architekt hat seine eigene Handschrift.
Ob aber nun eckig oder rund geplant
wird, wichtig ist vor allem, daß die Funk-
tionen stimmen, daß also Zugang und
Zufahrt zum Hause richtig angeordnet
sind und eine leichte Orientierung er-
lauben, daß der oder die Sitzplätze an
der richtigen Stelle liegen und der Gar-
ten sinnvoll erschlossen ist. Neben den
schon erwähnten Vorgaben für den Ent-
wurfist dann häufig auch noch das Geld
ein begrenzender Faktor, der die Mate-
rialauswahl und damit auch die Form
Die verschiedenen Gesichter eines Gartens 17

Abb. 1.3/1

des Gartens, aber auch seine Inhalte Eßzimmer liegt ein erster Sitzplatz. verschiedensten Elemente besitzt, die
mitbestimmen. Natursteinmaterialien Ein zweiter Sitzplatz ist dann unter ei- der Erschließung, der Raumbildung, der
sind teurer als Kunststeinmaterialien wie ner Pergola in einer Mauerecke ange- Höhenüberwindung, der Herstellung ei-
z. B. Betonplatten und Materialien im ordnet. Wasserpflanzenbecken und ein ner Wasserfläche, der Schaffung ver-
Kleinformat sind teurer als solche im Staudenbeet bereichern diesen Garten- schiedener Pflanzenstandorte und auch
Großformat, wie z. B. Betonrechteck- teil. Die übrige Fläche ist ein großer der Dekoration dienen. Ein Blick in an-
platten. Großformate lassen sich auch Spielrasen, der von einem Kranz aus dere Gärten zeigt uns, daß dort die unter-
schneller und damit billiger verlegen. Blütengehölzen und kleinkronigen Bäu- schiedlichsten Materialien benutzt wur-
Aus all diesen Vorgaben entstand men eingefaßt ist. den, um die gleiche Aufgabe zu lösen.
nun dieser Entwurf, mit dem sich der Pergola und Wohngarten sind dann Auch für diesen Garten kann es die ver-
Bauherr einverstanden erklärte (Abb. wiederum durch einen Weg verbunden, schiedensten Materialien und Bauwei-
1.2.3/3). der durch Stauden und niedrige Ge- sen geben, um die gestellte Aufgabe zu
Die schmale Zufahrt verbreitert sich hölze begleitet ist. erfüllen. Eine erste Aufzählung soll die
hinter einem zur Straße hin abschir- Fülle der Möglichkeiten erkennen lassen.
menden Beet, damit dort wunschgemäß
ein zweiter Wagen parken kann. Sicht- 1.3 Die verschiedenen
blenden schirmen den erhöhten Sitz- Gesichter eines 1.3.1 Zufahrt
platz vor dem Wohnzimmer von der Gartens Hier kann z.B. gewählt werden zwi-
Einfahrt ab und begrenzen einen klei- schen
nen Gartenhof, der zu diesem Sitz- Der Gartenplan, über den bisher ge- — Natursteinpflaster als Mosaik-,
platz und zu dem Wohnzimmer gehört. sprochen wurde, ist ein zweidimensio- Klein-, Mittel- oder Großpflaster in
Rechte Garagenwand und die zweite, nales Gebilde, d.h. man kann die Ge- verschiedensten Natursteinmateria-
etwas versetzte Sichtblende bilden dann staltung des Gartens nach Länge und lien,
die rechte und linke Begrenzung für den Breite ablesen. Um auch die Höhe, die — Natursteinplatten rechteckig oder
Zugang zum Eingangshof, der durch ei- dritte Dimension, aus dem Plan ablesen polygonal in verschiedenen Natur-
nen Zaun und eine Toranlage gegen- und sich vorstellen zu können, muß steinmaterialien,
über Zufahrt und Straße abgeschlossen man schon eine gute Vorstellungskraft — Betonsteinpflaster in verschiedenen
wird. Mit dem Eingangshof beginnt also besitzen. Weil aber nur wenige Men- Größen, Formen, Farben und Ober-
schon der Wohnbereich der Familie, schen sich eine dreidimensionale Vor- flächenstrukturen, mit und ohne
denn dieser Hof ist gleichzeitig auch stellung machen können, hilft man mit Verbund, mit und ohne Fase,
schon der Bastelplatz für die Kinder. Perspektivzeichnungen nach. Jetzt zei- — Betonplatten in verschiedenen Grö-
An den Eingangshof schließt sich dann gen sich auch dem Laien die Räume, ßen, Farben, Oberflächenstrukturen
hinter dem Hause ein langgezogener die sich der Landschaftsarchitekt vorge- mit und ohne Fase,
Beeren-, Krauter- und Gemüsegarten stellt hatte. Mit den Räumen werden — Klinkerpflaster in verschiedenen
an, der durch die bepflanzte Böschung aber auch schon die Strukturen sicht- Größen, vom Mosaik- bis zum Ver-
zum dahinterliegenden Grundstück be- bar, die die einzelnen Teile des Gartens bundpflaster, in verschiedenen Far-
grenzt wird. Die größte Fläche gehört besitzen werden (Abb. 1.3/1-7). ben, mit oder ohne Fase, flach oder
dem Wohngarten an der NO-Seite des Wenn wir uns nun diesen Garten an- hochkant verlegt in verschiedensten
Hauses. Direkt am Ausgang aus dem sehen, dann stellen wir fest, daß er die Mustern,
18 Einführung

Abb. 1.3/2

— Holzpflaster rund oder eckig — Sichtblenden aus Holz z. B. in Form — Pfosten aus Holz, Stahl, Naturstein
— Bitumenbeläge mit unterschiedli- von Palisaden, Lamellen- oder oder Kunststein,
cher Herstellungsweise und Oberflä- Flechtzäunen, senkrecht oder waa- — Pfetten oder Rahmen aus Holz oder
chenstrukturen, gerecht gegliedert, fein- oder grob- Stahl in verschiedensten Profilen,
— Betonbefestigungen als größere ge- strukturiert, — Auflagehölzer aus Holz oder Kunst-
schlossene Flächen mit unterschied- — Sichtblenden aus anderen Materia- materialien.
lichen Oberflächenstrukturen. lien, wie z.B. Asbestzement- oder
In Verbindung mit dem Belag sind dann Kunststoffplatten oder -profilen. 1.3.7 Treppen und
noch die Randbegrenzungen zu überle- Beeteinfassungen
gen, die jeweils von der gewählten Art
1.3.4 Stützmauer am Sitzplatz Der Höhenunterschied zwischen der
der Befestigung abhängen, aber auch
Aufgaben der Wasserführung im Zu- Hier kann man denken an eine Terrasse vor dem Wohnzimmer und
sammenhang mit der Entwässerung der — mehr oder weniger stark struktu- dem Gartenhof soll hier durch eine
Verkehrsflächen erfüllen. rierte Betonmauer, Treppe überwunden werden. Außer-
— Ziegelmauer, dem sollen die Blumenbeete etwas hö-
— Natursteinmauer, her als der Plattenbelag liegen. Als Lö-
1.3.2 Wege- und Platzflächen sungsalternativen bieten sich hier an
— Palisaden- oder Bahnschwellen-
Bis auf die Bitumenbeläge und Beton- mauer. — Stellstufen aus Naturstein- oder Be-
befestigungen können alle Beläge ge- tonplatten,
wählt werden, die schon für die Zufahrt — Legstufen aus Naturstein oder Be-
1.3.5 Wasserbecken ton,
aufgeführt wurden.
Für den Bau von Wasserbecken gibt es — Palisadenstufen aus Holz oder Be-
verschiedene Bauweisen, die wiederum ton,
1.3.3 Sichtblende zwischen von der Form und von der Gestaltung — Blockstufen aus Beton, Naturstein
Zufahrt und Sitzplatz am abhängen, also z.B. davon, ob niveau- oder Holz.
Wohnzimmer und unter gleich oder aus dem Boden gehoben
der Pergola gebaut werden muß. Man kann denken 1.3.8 Boden, Rasen und
an Pflanzung
Auch hier gibt es die verschiedensten — Becken aus Stahlbeton,
Entscheidungsmöglichkeiten. — Fertigbecken aus glasfaserverstärk- Für den Rasen kann sich der Bauherr
— Geschlossene oder durchbrochene tem Kunststoff, entscheiden zu einem
Mauern aus Naturstein, Klinker oder — Wasserbecken mit Foliendichtung. — Zierrasen,
Kalksandsteinen, — Gebrauchsrasen,
— glatte oder strukturierte Betonmau- — Spielrasen.
ern, 1.3.6 Pergola Für die Pflanzung gibt es natürlich auch
— Sichtblenden aus Betonfertigteilen Unterschiedlichste Materialien lassen die unterschiedlichsten Alternativen;
in verschiedensten Formen und hier viele gestalterische und technische man kann eine sehr einfache natur-
Oberflächenstrukturen, Möglichkeiten zu, so z.B. nahe Stauden- und Strauchpflanzung
Die verschiedenen Gesichter eines Gartens 19

Abb. 1.3/3

Abb. 1.3/4
20 Einführung

Abb. 1.3/5

Abb. 1.3/6
Die verschiedenen Gesichter eines Gartens 21

Abb. 1.3/7

wählen oder aber auch den Garten mit gelzäune mit Stahl-, Holz- oder Be- dem man durch die Art der Konstruk-
vielen schönen anspruchsvollen Pflan- tonpfosten, tion möglichst wenig Angriffspunkte für
zen füllen. Auf die Art des Rasens und — Drahtzäune verschiedener Maschen- schädigende Einflüsse und damit Zer-
der Pflanzung muß bei der Aufberei- arten mit Holz-, Stahl- oder Beton- fall bietet, als auch auf chemischem
tung des Bodens reagiert werden, d.h. pfosten, Wege, indem man z.B. eine Haut über
es muß jeweils der für die Pflanzen ge- — Stahlprofilzäune als Systeme. das bedrohte Material zieht und so
eignete Standort geschaffen werden. Alle hier erwähnten Materialien sollen Schädlinge oder schädigende Einflüsse
dem Bauherrn viele Jahre lang Freude fernhält oder diesen durch abtötende
bereiten, d. h. gut aussehen, ihre Funk- Stoffe keine Lebensmöglichkeiten gibt.
1.3.9 Einfriedigung tion ohne Beeinträchtigung erfüllen Für Rasen und Pflanzung gilt, daß sie
und lange haltbar sein. Nun wissen möglichst gesund heranwachsen und
In Deutschland sind wir es gewohnt, wir aus unserer Lebenserfahrung, daß bald das Bild ergeben sollen, das sich
unseren Garten einzufriedigen. Auch alles Gebaute und jeder Stoff zuneh- Planer und Bauherr vorgestellt haben.
hier gibt es eine breite Palette von Mög- mend verwittert, rostet oder zerfällt. Da wir es hier mit Lebewesen zu tun
lichkeiten, u.a. Diesen Zerfallsprozeß kann man durch haben, müssen die verschiedensten
- Holzzäune mit verschiedenen Profi- entsprechende Schutzmaßnahmen we- Kulturmaßnahmen wie z.B. Düngung,
len und Anordnungen, z.B. Senk- sentlich verzögern. Das kann sowohl Wässerung oder Bodenlockerung deren
rechtlattenzäune oder Kreuzsprie- auf konstruktivem Wege geschehen, in- Leben erhalten und fördern.
2 Erdarbeiten H.-E. Beier

"U fcauen mit Erde - Bauen auf 2.4.4.2 Probengröße und Anordnung 2.6.3.2 Bodenverbesserungsverfah-
Erde 24 der Entnahmestellen 40 ren und Zusatzstoffe 69
2.2 Der Baustoff »Boden« 24 2.4.5 Ermittlung der Boden- 2.6.3.3 Wirkungsweise und Anwen-
2.2.1 Die Entstehung des kenngrößen 40 dung der Verfahren
Bodens 24 2.4.5.1 Korngrößenverteilung 41 1.1 bis 2.2 :. 70
2.2.1.1 Gestein und Fels 24 2.4.5.2 Wassergehalt 46 2.6.3.4 Ermittlung der Menge des
2.2.1.2 Boden 25 2.4.5.3 Zustandsgrenzen und Zusatzmaterials bei der
2.2.2 Boden - ein Stoffgemisch . . 26 Konsistenz 49 mechanischen Boden-
2.2.2.1 Die feste Phase 26 2.4.5.4 Korndichte und Kornwichte 51 verbesserung 72
2.2.2.2 Die flüssige Phase 28 2.4.5.5 Dichte und Wichte 52 2.7 Durchführung von
2.2.2.3 Die gasförmige Phase 29 2.4.5.6 Porenanteil und Erdarbeiten 74
2.2.2.4 Wechselwirkungen zwischen Porenzahl 59 2.7.1 Organisation der Erdbaustelle 74
den Phasen 29 2.4.5.7 Sättigungszahl 60 2.7.2 Begriffe des Erdbaus 74
2.2.3 Begriffe 30 2.4.5.8 Organische Substanz 61 2.7.3 Bauablauf und Arbeits-
2.2.4 Normen, Richtlinien, 2.4.5.9 Lagerungsdichte und bezo- weisen 75
Merkblätter 30 gene Lagerungsdichte 61 2.7.3.1 Bauablauf 75
2.3 Die Beanspruchung des Bodens 2.4.5.10 Proctordichte und 2.7.3.2 Baumethoden im Abtrags-
und seine Reaktion 30 Verdichtungsgrad - und Auftragsbereich 75
2.3.1 Beanspruchung - Proctorversuch 61 2.7.4 Erdbaugeräte 78
»Aktionsgrößen« 30 2.4.5.11 Scherfestigkeit und Zusam- 2.7.4.1 Geräte für das Lösen und
2.3.1.1 Arbeitsschritte beim mendrückbarkeit 62 Laden 78
Bauablauf 30 2.4.5.12 Verformungsmodul und 2.7.4.2 Geräte für das Lösen, Fördern
2.3.1.2 Witterung 30 Bettungsmodul - und Einbauen 78
2.3.1.3 Nutzung der Anlage 30 Plattendruckversuch 63 2.1 A3 Geräte für das Fördern . . . . 79
2.3.2 Auswirkungen beim Boden - 2.4.5.13 Kapillare Steighöhe 64 2.7.4.4 Geräte für das Verdichten . . 79
»Reaktionen« 31 2.4.5.14 Wasserdurchlässigkeit 64 2.7.5 Wechselwirkungen zwischen
2.3.2.1 Betrachtung der einzelnen 2.4.5.15 pH-Wert 64 Erdbaugerät und Boden . . . . 81
Aktionsgrößen 31 2.5 Bewertung der Bodenkenn- 2.7.5.1 Auswirkungen bei Geräten
2.3.2.2 Zusammenfassung 31 großen - »Bodensynthese« . . 64 zum Lösen, Laden, Fördern
2.3.3 Schäden als Folge falscher 2.5.1 Vorgaben aus dem Objekt . . 64 und Einbauen 81
Bodenbeurteilung - 2.5.2 Gesichtspunkte für die Bewer- 2.7.5.2 Auswirkungen bei Verdich-
»Überreaktionen« des tung der Bodenkennwerte . . 65 tungsgeräten 81
Bodens 32 2.5.3 Bewertungskomplexe 65 2.7.6 Hinweise zur Wahl der
2.4 Bodenanalyse 33 2.5.3.1 Bodenbenennung 65 Geräte 82
2.4.1 Problembereiche 34 2.5.3.2 Bearbeitbarkeit 66 2.7.6.1 Geräte für Lösen, Laden,
2.4.2 Zeitpunkt, Umfang und Art 2.5.3.3 Verdichtungsverhalten, Transportieren und
der Untersuchungen 34 Durchwurzelbarkeit 66 Einbauen 82
2.4.2.1 Zeitpunkt der Unter- 2.5.3.4 Frostempfindlichkeit 66 2.7.6.2 Geräte für das Verdichten . . 83
suchungen 34 2.5.3.5 Tragfähigkeit und Standfestig- 2.7.7 Regenerierung zwischenzeit-
2.4.2.2 Umfang der Unter- keit 67 lich belasteter Flächen 84
suchungen 34 2.5.3.6 Wasserdurchlässigkeit, 2.7.7.1 Allgemeine Hinweise 84
2.4.2.3 Art der Untersuchungen . . . 34 Kapillarität und Schichten- 2.7.7.2 Bearbeitungsmöglich-
2.4.3 Bodenerkundung 36 aufbau 67 keiten 84
2.4.3.1 Durchführung der 2.6 Verbesserung der Boden- 2.8 Anwendungsbeispiel für den
Voruntersuchungen 36 eigenschaften 69 Garten K 85
2.4.3.2 Genaue Untersuchungen mit 2.6.1 Hauptaufgaben der Boden-
technischen Aufschluß- verbesserung 69
verfahren 36 2.6.2 Verfahren der Boden- und
2.4.3.3 Darstellung der Ergebnisse . . 39 Untergrundverbesserung . . . 69
2.4.4 Probenahme 39 2.6.3 Darstellung ausgewählter
2.4.4.1 Verfahrensfragen, Kennzeich- Verfahren 69
nung, Benennung, Güte- 2.6.3.1 Vorgaben und Arbeits-
klassen 39 ablauf 69
24 Erdarbeiten

2.1 Bauen mit Erde - Erdzeitalter Periode Unterteilung Gestein


Bauen auf Erde (Beginn)

Straßenbau, Tief- und Hochbau, Kanal- Archaikum


Algonkium Präkambrium Kristalline Schiefer
und Wasserbau, Landschaftsbau und
(4500 Mio.)
das spielende Kind im Sandkasten be-
nutzen alle mit mehr oder weniger gro- Paläozoikum Kambrium Tonschiefer, Phyllit, Quarzit
ßem Erfolg den Baustoff Erde, um aus (Erdaltertum) (570 Mio.)
ihm ein Bauwerk zu schaffen (Straßen- Ordovizium Tonschiefer, Quarzit
damm oder Sandburg), in ihm zu bauen (500 Mio.)
(Einschnitt, Baugrube, Zierteich) oder Silur Kieselschiefer, Alaunschiefer,
auf ihm ein Bauwerk zu errichten (Haus, (440 Mio.) Kalkstein
Straßendecke, Gehölzpflanzung). Über- Devon Unterdevon Quarzite, Diabase
all fallen damit bewußt oder unbewußt (405 Mio.) Mitteldevon Tonschiefer, Grauwacke, Kalkstein
Oberdevon Kalkstein, Diabas
Erdarbeiten an und wird Erde - der Bo- Karbon Unterkarbon Tonschiefer, Grauwacke
den - als Baustoff oder als Gründungs- (350 Mio.) Oberkarbon Schieferton, Sandstein, Steinkohle,
ebene für ein Bauwerk, also als Bau- Granit
grund verwendet. Perm Rotliegendes Schieferton, Sandstein, Konglomerat,
Wird nur die oberste Bodenschicht (285 Mio.) Magmatite
bearbeitet, spricht man von Oberboden- Zechstein Kalkstein, Gips, Anhydrit, Steinsalz,
arbeiten (Kap. 3), die jedoch in vielfa- Kalisalz
cher Hinsicht die gleichen Überlegun-
Mesozoikum Trias Buntsandstein Sandstein, Schieferton, Gips, Salz
gen erfordern wie die bautechnischen
(Erdmittelalter) (230 Mio.) Muschelkalk Kalkstein, Mergel, Gips, Salz
Erdarbeiten. Keuper Schieferton, Sandstein, Gips
Sämtliche in oder auf dem Boden Jura Lias Schieferton
stattfindenden Tätigkeiten beanspru- (195 Mio.) Dogger Sandstein
chen den Boden gegenüber der bisheri- Malm Schieferton, Kalkstein
gen Nutzung anders (meist stärker: Bau- Kreide Unterkreide Schieferton
werkslasten, Gerätegewicht) und wirken (137 Mio.) Oberkreide Sandstein, Schreibkreide
sich damit verändernd auf das ursprüng-
liche Bodengefüge aus. Känozoikum Tertiär Alttertiär Kies, Sand, Ton, Braunkohle
Dadurch kommen, ausgelöst durch (Erdneuzeit) (67 Mio.) Jungtertiär Kies, Basalt, Phonolith
Quartär Pleistozän Geschiebelehm, Bänderton, Löß,
die Aktion der Bautätigkeit, Reaktionen Kies, Sand
des Bodens zustande. Die Aktionen (Art (1,5 Mio.) Holozän Auelehm, Flußkies
und Umfang der Arbeiten, Größe des
Bauwerks, Nutzung der Flächen) sind Abb. 2.2.1 .1/1 Gliederung der Erdgeschichte; bautechnisch wichtige Gesteine Mittel-
überwiegend bekannt und faßbar. Um europas
die Reaktionen des Bodens - also sein
Verhalten, die Auswirkung der Bauwei-
sen, seine Eignung als Baustoff oder
Baugrund einschätzen zu können, müs-
sen Wertmaßstäbe bekannt sein. Die- 2.2.1 Die Entstehung des Ablagerungs- oder Sedimentgesteine be-
se Maßstäbe müssen nicht nur Fragen stehen aus Teilen älterer Gesteine, die
nach der Eignung beantworten lassen, Bodens
eine Verfestigung erfahren haben. Nach
sondern auch nach der Wirtschaftlich- Das Baumaterial des Erdbaus - Boden der Art der Verfestigung werden unter-
keit der Gesamtmaßnahme. Die erfor- bzw. Fels - besteht aus Gestein. schieden:
derlichen Maßstäbe können aus einer Trümmersedimente oder klastische
Vielzahl von Bodenkenngrößen ermit- Sedimente, aufgebaut aus Gesteinstei-
telt werden. Ihre Interpretation führt 2.2.1.1 Gestein und Fels
len mit Bindemitteln, die vorwigend kle-
schließlich zur Beurteilung der Wech- Das Ausgangsmaterial Gestein ist nach bend (physikalisch) wirken;
selwirkung Bauwerk/Bauarbeiten - Bo- seiner Entstehung in drei Gruppen ein- chemische Sedimente, entstanden
den. zuteilen, die zu verschiedenen Zeiten aus wässrigen Lösungen in chemischem
der Erdgeschichte entstanden sind Prozeß und
(Abb. 2.2.1.1/1). organogene (biogene) Sedimente, im
2.2 Der Baustoff »Boden« wesentlichen aus organischen Bestand-
Erstarrungsgesteine (auch Eruptivgestei- teilen oder durch Lebewesen aufgebaut.
Zunächst soll das Baumaterial der Erd- ne oder Magmatite genannt) sind aus im
arbeiten - nicht »Erde«, sondern »Bo- Erdinneren vorhandener flüssiger Ge- Umwandlungsgesteine oder metamorphe
den« oder »Fels« - in seiner Entstehung steinsschmelze (Magma) entstanden. Es Gesteine sind aus bereits vorhandenen
und grundsätzlichen Zusammensetzung werden nach dem Entstehungsort un- Gesteinen entstanden, die durch ho-
erläutert, zur besseren gegenseitigen terschieden: Tiefengesteine, Oberflä- hen Druck und/oder Temperatur - z. B.
Verständigung Begriffsbestimmungen chengesteine und Ganggesteine. Zu- durch Verschiebungen der Erdkruste -
gegeben und die »Regeln« vorgestellt sammensetzung der Schmelze und Ab- umgewandelt worden sind.
werden, nach denen die Untersuchun- kühlungs- (Erstarrungs)dauer führen zu Einen Überblick über die verschiede-
gen des Bodens und die Ausführung unterschiedlicher Gesteinsbildung. Er- nen Gesteine liefert Abb. 2.2.1.1/2.
der Erdarbeiten vorgenommen werden starrungsgesteine bilden die härteste Liegen Gesteine in kompakter, fest
müssen. Gesteinsgruppe. gebundener Form vor, werden sie als
Der Baustoff »Boden« 25

Gesteinsart Widerstandsfähigkeit

schwer verwitternd leicht verwitternd wasserlöslich


(witterungsbeständig) (witterungsempfindlich)

Tiefengestein Granit, Syenit, Biorit, Gabbro -


Oberflächengestein Pophyr, Basalt, Diabas, Liparit
Ganggestein Lamprophyre, Aplit, Pegmatit in angewittertem und gelockertem
Kornverband, Sonnenbrenner
geschieferte Gneis, Glimmerschiefer, Phyllit,
Gesteine (regionalmetamorph) Marmor, Quarzit, Grauwacke
Kontaktmetamorphe Gesteine Hornfels, Knotenschiefer

klastische Sedimente Konglomerate, Sandsteine mit Konglomerate, Sandsteine mit


Kieselsäure oder kalkigem tonigem Bindemittel
Bindemittel (Schieferton, Mergelstein,
Tonschiefer)
chemische Sedimente Dolomit, Kalkstein Mergelstein Salze, Gips, Anhydrit
organische Sedimente Kieselschiefer (Steinkohle) Braunkohle

Abb. 2.2.1.1/2 Einteilung der Felsgesteine

Fels bezeichnet. Die Eigenschaften und tauen der oberen Bodenschicht, so kann ßigen Zusammenhang. Zur Ablagerung
das Verhalten von Fels (oder Felsge- diese über dem noch gefrorenen Unter- kommt es, wenn die Transportenergie -
stein) werden in der Felsmechanik be- grund ins Fließen geraten (Solifluktion). und damit meist die Fließ- oder Wind-
schrieben. Weiterhin wird Gestein durch fließen- geschwindigkeit - zu gering wird. Am
des Wasser, Wind und Eis (Gletscher) Ablagerungsort wirken nun physikali-
2.2.1.2 Boden abgetragen. sche und chemische Vorgänge auf das
lockere Material ein (Diagenese) und
Boden entsteht aus den vorgenannten Transport der Gesteinsteile: verdichten und verfestigen es. Damit
Gesteinen durch folgende vier Vor- Ist die Strömungsenergie des Wassers ist der Prozeß der Gesteinsbildung er-
gänge: oder des Windes größer als die Schwer- neut eingeleitet, der durch Epiroge-
kraftwirkung auf die Gesteinsteile, wer- nese (Schwingungen der Erdkruste),
Verwitterung (Zerstörung) des Felsge- den die abgetragenen Teile abtranspor- Tektonik (Bewegungen und Kräfte, die
steins oder Ausgangsgesteins: tiert. Dabei erfahren sie beim Zusam- den Bau der Erdkruste erzeugen) und
Die Verwitterung wirkt auf dreierlei Art: menstoß mit anderen Teilen weitere Metamorphose (Umwandlungen der
durch mechanische Verwitterung: Zerstörungen oder werden poliert. Gesteine durch Erdkräfte unter der
Frostsprengung (Eisdruck in wasserge- Erdoberfläche) vollendet wird. Je nach
sättigten Poren und Spalten); Insolation Ablagerung der Gesteinsteile (Sedimen- »Transportmittel« bilden sich unter-
(Entstehen von inneren Spannungen tation): schiedliche Ablagerungen. Windver-
durch große Temperaturschwankun- Die Abtragung, der Transport und die frachtete (äolische) Sedimente sind we-
gen); Salzsprengung (Kristallisations- Ablagerung stehen in einem gesetzmä- gen der geringen Transportenergie des
druck bei der Bildung von Salzen);
durch chemische Verwitterung: Oxi-
dation (z. B. Umwandlung von Sulfiden
in Sulfate); Hydrolyse (z.B. Umwand-
lung von Feldspat zu Ton); Lösungsbil-
dung (Auflösung wasserlöslicher Mine-
rale, z.B. Kalk durch Wasser);
durch organogene Verwitterung: die
Zerstörung des Gesteinsgefüges durch
Wurzeln und tierische Lebewesen; den
Entzug von Nährsalzen aus dem Boden
durch Wurzeln.

Die mechanische Verwitterung bildet


vorwiegend die groben Bestandteile des
Bodens (Geröll, Kies, Sand bis hinab
/um Schluff), die chemische und orga-
nogene Verwitterung vorwiegend die
feinsten Bodenbestandteile (Ton).

Abtragung des Gesteins (Erosion):


Infolge der Schwerkraft stürzen an Steil-
hängen oder Böschungen angewitterte
Gesteine herab. Kommt es zum Auf-
26 Erdarbeiten

Windes feinkörnig, locker (z.B. Löß, 2.2.2 Boden - ein Stoffgemisch nung der festen Bodenteilchen) und da-
Flugsand) und nach Körnung sor- mit die Größe der Poren ab. Daraus
tiert. Eisverfrachtete (glaziale) Sedimen- Boden enthält nicht nur die aus Ge- ergeben sich ein bestimmtes Verhalten
te sind dagegen nicht kornsortiert stein entstandenen unterschiedlich gro- zum Wasser (Kapillarität, Durchlässig-
(z.B. Geschiebemergel, ein Gemisch ßen Mineralbestandteile, die feste Mas- keit, Plastizität und Stabilität) und eine
aus Korngrößen von Ton bis zu me- se, sondern auch zahlreiche zwischen bestimmte Festigkeit (Scherfestigkeit,
tergroßen Blöcken) und durch den ihnen angeordnete verschieden gro- Durchwurzelbarkeit).
Eisdruck stark verdichtet. Wasserver- ße Hohlräume, die Poren. Diese können
frachtete (fluviatile) Sedimente sind in mehr oder weniger stark mit Wasser ge- Bodenarten
Richtung Mündung des Wasserlaufs zu- füllt sein. Der restliche Porenraum ent- Folgende drei Gruppen der Lockerge-
nehmend feinkörniger. hält Luft. steine werden unterschieden:
Alle vier genannten Vorgänge kön- Boden besteht damit nicht aus einem mineralische Böden aus groben Kör-
nen gleichzeitig wirksam sein, um aus homogenen Material (sog. Einphasen- nern, sog. nichtbihdige oder rollige
dem Felsgestein ein Lockergestein, den system, das nur aus einem Stoff besteht). Böden (z. B. Kies);
Boden zu bilden. Dabei können zusätz- Er enthält im Normalfall drei Stoffe mineralische Böden aus feinen und
lich organische Bestandteile auf oder in (Phasen): feste Masse (feste Phase), Was- feinsten Körnern, sog. bindige oder
den Boden geraten. Die unterschiedli- ser (flüssige Phase) und Luft (gasförmi- haftfeste Böden (z.B. Ton);
che Intensität der Verwitterung, der Ab- ge Phase) und stellt ein Dreistoffgemisch organogene (organische) Böden ohne
tragung, des Transports und der Ab- oder Dreiphasensystem dar. bestimmte Teilchengröße (z.B. Torf).
lagerung können zu einem wesentlich Hieraus kann sich in zwei Grenzfäl- Diese Gruppen können in unter-
inhomogeneren, d.h. ungleichartigeren len ein Zweiphasensystem bilden: im schiedlicher Mischung auftreten (Abb.
Aufbau des Bodens gegenüber dem völlig ausgetrockneten Zustand besteht 2.2.2.1/1).
des Ausgangsgesteins führen. Böden Boden nur aus fester Masse und Luft,
auch aus dem gleichen Ausgangsgestein im völlig wassergesättigten Zustand nur Bindungskräfte und Strukturen
haben damit erwartungsgemäß unter- aus fester Masse und Wasser. Zwischen Zwischen den Körnern der nichtbindi-
schiedliche Eigenschaften. Diese In- diesen Grenzfällen verändert sich die gen Böden treten lediglich Reibungs-
differenz wird zusätzlich durch den na- Mischung der drei Phasen laufend in un- kräfte auf. Derartige Böden bilden eine
türlichen Pflanzenbewuchs sowie die terschiedlicher Schwankungsbreite. sog. Einzelkornstruktur, die nur durch
Bodenbearbeitung bzw. -nutzung ver- Damit kann Boden keine unveränder- das Gewicht der Körner und ihre äu-
größert. Nicht außer acht gelassen wer- lichen, konstanten Eigenschaften wie z. B. ßere Belastung zustande kommt. Die
den dürfen auch die heutigen langfri- Beton oder Stahl bestimmter Güte be- Körner verbinden sich nicht unterein-
stigen Umwelteinflüsse, die z.B. durch sitzen, sondern er muß sich entspre- ander (Abb. 2.2.2.1/2).
den »sauren« Regen zu einer Zunahme chend der Mischung der drei Phasen Die feinen Teilchen der bindigen Bö-
der Metallöslichkeit im Boden fuhren verändern. Das Verhalten des Bodens den werden durch Haftkräfte, die sog.
und ebenfalls Bodeneigenschaften ver- wird dabei primär von der Zusammen- Kohäsion miteinander verbunden. Die-
ändern. setzung der festen Phase geprägt. Je se Kräfte entstehen durch elektrische
Die Umwandlung von Gestein zu nach Bodenart wirken sich darüber hin- Anziehung der Teilchen und durch das
Böden ist systematisch in Abbildung aus Veränderungen des Bodenwasser- Bodenwasser (Kap. 2.2.2.2). Die Struk-
2.2.1.2/1 dargestellt. bzw, -luftgehaltes auf das Gesamtsy- tur kann je nach Entstehung des Bodens
Der aus Felsgestein gebildete Boden stem beträchtlich aus. Die drei Phasen waben- oder flockenförmig sein (Abb.
stellt ein sog. Lockergestein dar, das stehen damit in Wechselwirkung zuein- 2.2.2.1/3).
keine feste chemische oder kristalline ander. Zwischen den organischen Bestand-
Bindung besitzt und nur durch physi- teilen treten sowohl Kohäsion als auch
kalische Komponenten einen gewissen 2.2.2.1 Die feste Phase ein mechanisches Verhaken auf. Die
Zusammenhalt erfährt. Wirkungen der organischen Eigenschaf-
Das Verhalten und die Eigenschaften Von der Zusammensetzung der festen ten überwiegen bei einem Bodenge-
der Böden werden durch die Bodenme- Masse hängt im wesentlichen die Struk- misch, wenn der Volumen-Anteil der
chanik beschrieben. tur des Bodens (die räumliche Anord- organischen Substanz am Gesamtge-
Der Baustoff »Boden« 27

sondern treten als Gel oder leimartiger


Stoff auf oder haben faserige Formen.

Die Kornoberfläche bei Sand- und Kies-


körnern kann rauh, porös oder glatt
poliert sein. Bei Schluffkörnern ist sie
Wabe Flocke entsprechend der Kristallform glatt.
Tonminerale sind glattflächig und zu-
Abb. 2.2.2.1/2 Einzelkornstruktur Abb. 2.2.2.1/3 Waben- und Flocken- dem meist mit einem dünnen Wasser-
struktur film überzogen (Kap. 2.2.2.2). Die Fe-
stigkeit der Einzelkörner kann recht
unterschiedlich sein. Die Bestandtei-
le des Schluffes, Sandes und Kieses
weisen die Prismendruckfestigkeit der
jeweiligen Ausgangsgesteine auf, die
meist sehr hoch ist. Sie ist, da das Korn
praktisch kein Wasser aufnehmen kann,
von der Bodenfeuchtigkeit unabhän-
gig. Tonminerale können jedoch Wasser
aufnehmen und quellen. Sie sind damit
plastisch verformbar. Organische Teile
sind bei starker Zersetzung leimartig
weich oder wirken bei geringer Zerset-
Verschiebungsebene bezogen auf Einzelkorn: zung federnd.
**Widerstand durch: Form - rund, eckig-gerundet, plattig, pris-
Verzahnung matisch, Waben, Flocken Strukturveränderungen
Reibung bei
Verschiebungen Oberfläche - glatt, rauh, geschlossen, po- Bei nichtbindigen Böden fuhren Ver-
Drehung bei rös schiebungen der Einzelkörner zur Ver-
Verschiebungen Festigkeit - hart, weich, federnd
änderung der Struktur. Außer einer par-
Abb. 2.2.2.1/5 Widerstände gegen allelen Verschiebung treten dabei auch
Strukturveränderungen bei nichtbindigen bezogen auf Kornhaufwerk:
Korngruppe - Durchmesser groß/klein Verdrehungen der Körner auf. Beide Be-
Böden
Stufung (Mischung) - eng / weit / sprung- wegungen erzeugen zwischen den Kör-
haft nern Reibung, die um so größer ist,
Bindungsart - Reibung, Haftkraft (Kohä- je stärker die Teile aufeinandergepreßt
sion), Verhaken werden, je dichter das Kornhaufwerk ge-
Lagerung - locker, dicht lagert ist und je rauher bzw. flächiger
die Einzelkörner sind. Außer diesen
Abb. 2.2.2.1/9 Strukturbildende Einfluß-
größen
Kräften wirken einer Strukturverän-
derung auch noch Verzahnungskräfte
in der Verschiebungsebene entgegen.
stochastische flacher, ziegelartiger
misch größer als 30% ist. Weiterhin Bei statischen Belastungen kommen
Anfangsstruktur Endzustand spielt der Zersetzungsgrad der organi- die Strukturveränderungen schnell zum
Abb. 2.2.2.1/6 »Polarisation« von Ton schen Teilchen eine wichtige Rolle. Die Stillstand; dynamische Belastungen
durch Auflast Struktur kann völlig gefugelos bis filzig (Schwingungen) können dagegen zu
sein. fortwährenden Kornverlagerungen fuh-
Bei Mischböden wirken sich alle Bin- ren. Die Einzelkornstruktur bleibt er-
dungsformen entsprechend ihrem An- halten, lediglich die räumliche An-
teil aus. ordnung der festen Bodenbestandteile
ändert sich, wodurch das Porenvolumen
Kornform, Kornoberfläche und beeinflußt wird. (Abb. 2.2.2.1/5).
Kornfestigkeit Feinkörnige Böden, besonders Ton,
Bei Sanden und Kiesen werden folgen- erfahren bei Belastung bzw. Bearbei-
d groß / Pore groß d klein /Pore klein
de Kornformen unterschieden (Abb. tung eine Umstrukturierung: die ur-
2.2.2.1/4). sprünglich kartenhausartige, räumliche
Abb. 2.2.2.1/7 Porengröße und Korn- gedrungenes Korn: kugelförmig/ Gefugeanordnung wird zu zweidimen-
durchmesser
stark gerundet, prismatisch/kantenge- sionalen, flachen Gefügen umgebaut
rundet, prismatisch/scharfkantig und (sog. Polarisation, Abb. 2.2.2.1/6). Man
plattiges bzw. längliches Korn: scharf- kann diesen Zustand an einer Schiefe-
Abb. 2.2.2.1/8 Porengröße und Stufung kantig, gerundet. rung des Bodens, ähnlich dem Blätter-
Schluffe weisen im wesentlichen pris- teig gut erkennen. Der Polarisations-
matisch begrenzte Formen auf (Kristall- effekt ist um so stärker, je höher die
formen des Ausgangsgesteins). Belastung ist, je länger sie dauert oder
Tone bestehen aus plattigen und/ je häufiger sie wiederholt wird. Diese
oder länglichen Teilchen, die sich zu Umstrukturierung, die gar nicht einmal
waben- und flockenartigen Strukturen einer beträchtlichen Verdichtung ent-
zusammenlagern. sprechen muß, verringert die Wasser-
eng gestuft, weit gestuft,
gleichförmig: ungleichförmig: Organische/Organogene Bestandteile durchlässigkeit und Durchwurzelbar-
Poren groß Poren klein haben teilweise gar keine Einzelform, keit eines Feinbodens jedoch sehr stark.
28 Erdarbeiten

Porengröße
Die Porengröße ist entscheidend für die Tonteilchen mit kristallin gebundenen Hydroxylgruppen
Kapillarität (Saugkraft) und die Wasser- (Strukturwasser)
durchlässigkeit (Kap. 2.4.5.14), den Luft- elektrostatisch/molekular gebundenes Wasser:
gehalt, die Festigkeit und die Durch- a Adsorbiertes Wasser
wurzelbarkeit des Bodens. Sie hängt ab Druck ca. 20.000 kp/cm2 - Wasser wird auch bei
Temperturen über 0°C zum festen Körper (o s >1,0 g/cm^)
von der Korngröße, d.h. dem Durch-
messer (mm) des Einzelkorns (Abb. b Solvations — oder Haftwasser
2.2.2.1/7) und der Mischung der Kör- Schichtdicke: (g s > 1,0 g/cm3)
ner, der Stufung (Abb. 2.2.2.1/8). Die 1 -10 Moleküle c Porenwasser — frei beweglich
Poren werden um so kleiner, je kleiner bis 200 Moleküle
das Einzelkorn und je unterschiedlicher
< 0,0005 mm
die Größe der Körner ist (je weiter die
Stufung), die das Gemisch bilden. Abb. 2.2.2.2/1 Wasserarten an Tonteilchen (schematisch)
Weiterhin wird die Porengröße stark
von der Verdichtung des Bodesn beein-
flußt. Die Porengröße hat ihre kleinste
Größte erreicht, wenn die Verdichtung Bohrrohr
oder Setzung eines Bodens nicht mehr
gesteigert werden kann. Schicht 1 Dreiphasensystem Adhäsionswasser
In Abb. 2.2.2.1/9 sind alle strukturbil- lufthaltig Poren-, Sickerwasser
Wasserdampf
denden Einflußgrößen der festen Phase Schicht 2 Dreiphasensystem Adhäsionswasser
zusammengestellt. lufthaltig Wasserdampf
u. U. Sickerwasser
Schicht 3 Dreiphasensystem Adhäsionswasser
2.2.2.2 Die flüssige Phase lufthaltig Wasserdampf
offener Kapillarwasser- u. U.Sickerwasser
Wasser kann frei beweglich, nur der bereich teilweise Kapillarwasser
Schwerkraft unterworfen, im Boden auf- Schicht 4 Zweiphasensystem Adhäsionswasser
treten. Es kann aber auch durch ver- luftfrei Kapillarwasser
schiedene Kräfte an den Boden gebun- geschlossener Kapillar-
wasserbereich
den sein bzw. auf ihn selbst Kräfte
Schicht 5 Zweiphasensystem Adhäsionswasser
ausüben. luftfrei Grundwasser
Die Darstellung der verschiedenen G rund Wasserbereich
Erscheinungsformen des Wassers be-
Bewegungsrichtung des Wassers: t Kapillarwasser i Sickerwasser GW: Grundwasserspiegel
ginnt mit der Betrachtung eines einzel-
nen Tonteilchens (Abb. 2.2.2.2/1). Abb. 2.2.2.2/3 Bodenprofil, Phasensysteme, Wasserarten (schematisch)
In dem Mineralkern befindet sich
sog. Strukturwasser oder Kristallwasser,
das jedoch keine Flüssigkeit darstellt, einem kleinen Bodenausschnitt (Abb. auch die Abschlußschicht des Poren-
sondern als Hydroxylgruppe in das Kri- 2.2.2.2/2) betrachtet. Um die Bodenteil- wassers zur Bodenluft. Durch die freien
stallgitter eingebaut ist. Bei hohen Tem- chen lagert das adsorptiv gebundene Bindungskräfte kann Porenwinkel- und
peraturen (über 300° C) kann es bei Wasser. Das Haft- oder Solvatwasser Häutchenwasser Zugkräfte aufnehmen
gleichzeitiger Zerstörung der Kristalle kann in verschiedener Form auftreten. oder übertragen. In den Luftporen kann
entfernt werden. Direkt um das Ton- In den Zwickeln der Körner bildet es Wasser weiterhin als Wasserdampf in
teilchen herum lagert das adsorptiv ge- das sog. Porenwinkelwasser oder es um- Erscheinung treten.
bundene oder hygroskopische Wasser. hüllt einzelne oder mehrere Teilchen Für das Porenwasser gelten wieder-
Diese bis 10 Moleküle dicke Schicht als sog. Häutchenwasser. Dieses bildet um verschiedene Erscheinungsformen,
wird durch elektrostatisch-molekulare die an einem nochmals vergröberten
Kräfte mit dem unvorstellbaren Druck Bodenbild, einem systematischen senk-
von rd. 20000 kp/cm2 (2000 N/mm2) an rechten Schnitt durch einen wasser-
das Korn angelagert. Dabei erfährt sie Abb. 2.2.2.2/2 Wasserarten im Boden durchlässigen Boden, verdeutlicht wer-
eine so große Verdichtung, daß das Was- (schematisch) den sollen (Abb. 2.2.2.2/3). Aufgrund
ser ohne zu gefrieren zum festen Kör- der Art des Porenwassers können
per wird. Es kann nur durch Verdampfen grundsätzlich fünf Bodenschichten un-
beseitigt werden. terschieden werden:
Die freien Bindungskräfte dieser In bestimmter Tiefe - Schicht 5 -
Schicht bewirken die Anlagerung einer wird man normalerweise Grundwasser
zweiten Schicht (Haft- oder Solvatwas- antreffen. Dieses füllt als Porenwasser
ser) die bis rd. 200 Moleküle dick ist. alle Poren aus. Den Grundwasserstand
Die Kraftwirkungen auf diese Schicht kann man in einem Bohrloch oder einer
sind noch so groß, daß Dichte und Aufgrabung als freien Wasserspiegel er-
Viskosität des Solvatwassers größer als kennen. Die Bodenteilchen sind auch
die des normalen Wassers sind. Die im Grundwasser von adsorptiv gebun-
Viskosität entspricht etwa viskosem Bi- denen Wasser umgeben. Diese Schicht
tumen. Auf das Solvatwasser folgt in ist luftfrei und stellt ein Zweiphasensy-
den Poren befindliches normales Was- 1 Adsorptionswasser 4 Porenwasser stem dar. Auch oberhalb des Grund-
ser (freies oder Porenwasser). 2 Häutchen - (Haft -) wasser 5 Bodenluft, wasserspiegels ist als Schicht 4 eine
Diese Wasserarten werden nun an 3 Porenwinkelwasser Wasserdampf völlig mit Wasser gesättigte Zone zu
Der Baustoff »Boden« 29

erkennen, die also ebenfalls ein luft- aufgezeigt: das Verringern der Durch-
freies Zweiphasensystem bildet. Das Po- lässigkeit durch eingeschlossene Luft-
renwasser besteht hier jedoch aus durch bläschen und der Einfluß der gekapsel-
Adsorptionskräfte aus dem Grundwas- ten Bodenluft auf das Verformungsver-
ser hochgesaugtem Kapillarwasser. Da halten.
Abb. 2.2.2.4/1 Oberflächenspannung
alle Poren durch dieses Wasser gefüllt bei freiem Wasserspiegel
sind, spricht man vom sog. geschlosse- Flüssige Phase und feste Phase
nen Kapillarwasserbereich. Seine Mäch- An der Trennfläche zwischen Luft und
tigkeit hängt von der Bodenstruktur ab. Flüssigkeit, dem freien Wasserspiegel,
Auch hier umhüllt das adsorptiv gebun- bildet sich durch die sog. Oberflächen-
dene Wasser die Bodenteile. Schicht 3 spannung (verursacht durch molekulare
enthält als Porenwasser noch aus dem Kräfte) eine elastische Membran von
Grundwasser hochgestiegenes Kapillar- etwa l O"7 cm Dicke (ca. l Million-
wasser, das allerdings nicht mehr alle stel mm). Diese Membran kann in ge-
Poren ausfüllt. Hier liegt also ein luft- wissem Umfang Lasten tragen, z. B. eine
haltiges Dreiphasensystem vor. Die dünne Stahlnadel, einen Wasserläufer
Körner werden von adsorptiv gebunde- etc. (Abb. 2.2.2.4/1), wobei sie sich
nem Wasser und Solvatwasser umhüllt. durchwölbt (Meniskusbildung). Die
In Schicht 2 sind vorwiegend adsorptiv Tangente gibt die Richtung der Kraft IQ Abb. 2.2.2.4/2 Kapillarer Aufstieg
gebundenes Wasser und Solvatwasser an, die von der Oberflächenspannung
vorhanden. Gegebenenfalls kann die- erzeugt wird. Die mögliche Lastgröße A
se Schicht als Dreiphasensystem noch ist die Resultierende in dem dargestell-
Sickerwasser aus Schicht l abführen. ten Krafteck. Trifft der freie Wasserspie-
Sickerwasser oder Gravitationswasser gel nun auf die feste Phase, also ein
bildet zusammen mit adsorptiv gebun- Bodenkorn, so kann sich dort die Ober-
denem Wasser und Solvatwasser die flächenspannung als Zugkraft (Bildung
Feuchtigkeit in Schicht 1. Das Sicker- von Kapillarwasser durch Kohäsions-
wasser gehorcht der Schwerkraft und kräfte zwischen den H2O-Dipolen und
kann sich durch den Boden bewegen, durch Adhäsionskräfte zwischen den
sofern es nicht durch Kapillarkräfte fest- H2O-Dipolen und den Festkörpergrenz-
gehalten wird (sog. aufgehängtes Was- flächen) auswirken.
ser). Schicht l bildet ebenfalls ein Drei- Aufgrund der Oberflächenspannung Abb. 2.2.2.4/3 Haftkraft zwischen
phasensystem. steigt Wasser (Kapillarwasser) aus ei- Bodenteilchen
nem freien Wasserspiegel (z.B. Grund-
2.2.2.3 Die gasförmige Phase wasser) in dem aus verbundenen Bo-
denporen aufgebauten feinen Kapillar-
Die Bodenluft kann bei genügend gro- rohr auf (Abb. 2.2.2.4/2). den erschwert. Diese Kohäsionskräfte
ßen Poren und niedriger Bodenfeuch- Die kapillare Steighöhe hka ist um so werden jedoch durch die elektrischen
te mit der Außenluft in Verbindung größer, je feiner die Poren sind (Kap. und molekularen freien Bindungskräfte
stehen, wobei ein freier Luftaustausch 2.4.5.13). Sie kann bis weit über 100 m des adsorptiv gebundenen Wassers und
möglich ist. Sie kann aber auch die Ver- betragen. Die Oberflächenspannungs- Solvatwassers noch enorm gesteigert.
bindung verlieren, wenn sie von Bo- kräfte Ks stehen im Gleichgewicht mit So beträgt der Druck auf der Oberflä-
denkörnern und dem sie umgebenden dem Gewicht der Wassersäule im Ka- che des Adsorptionswassers etwa das
Adsorptions- und Solvatwasser einge- pillarrohr über dem freien Wasserspie- lOOOfache, nämlich ca. 2000 N/mm 2
schlossen ist. Sie bildet dann möglichst gel. Kapillarwasser kann nur in einem (2.109 Pa oder 20000 kp/cm2)!
kugelförmige Bläschen im Zentrum der Dreiphasensystem entstehen, da bei Die Kohäsion besteht somit aus der
Poren (Abb. 2.2.2.4/6). Diese treten mit völliger Wassersättigung keine Oberflä- Oberflächenspannung des freien Was-
dem Wasser in Wechselbeziehungen chenspannung mehr vorhanden ist. sers (Porenwasser) und den freien Bin-
und verändern das Bodenverhalten. dungskräften des Adsoprtions- und Sol-
So verringert sich beispielsweise die Kohäsion oder Haftfestigkeit vatwassers. Sie ist um so größer, je
Durchlässigkeit und bei Belastung er- zwischen den Bodenteilchen kann kleiner die Bodenteile und je niedri-
fährt der Boden - da die Luft nicht ent- ebenfalls nur in einem Dreiphasensy- ger in einem Dreiphasensystem der
weichen kann - elastische Formände- stem auftreten. Sie stellt die Haftwir- Wassergehalt ist. Auch bei unveränder-
rungen - er federt. Diesen Effekt kann kung zwischen zwei benachbarten Bo- ter Kornzusammensetzung ist die Ko-
man auf verdichtetem feuchtem Lehm denteilchen dar (Abb. 2.2.2.4/3). Die häsion damit keine konstante Größe.
gut ohne Hilfsmittel beobachten. Gas- Resultierende ergibt den Druck A, mit Besonders augenfällig wird dieses bei
einschlüsse in den Poren können auch dem die Bodenteilchen aufeinanderge- bindigen Böden, die bei sinkendem
durch chemische Vorgänge, z.B. durch preßt werden. Dieser nimmt mit abneh- Wassergehalt eine starke Verdichtung
Zersetzung organischer Substanz unter mendem Korndurchmesser entschie- erfahren: sie schrumpfen, bekommen
Luftabschluß entstehen. den zu und beträgt - kugelförmige Tei- Risse und werden sehr hart. Umge-
le vorausgesetzt - beispielweise bei kehrt fuhrt die Zunahme des Wasser-
2.2.2.4 Wechselwirkungen Feinsand mit d = 0,1 mm gehalts zu einer Vergrößerung der Was-
zwischen den Phasen A = ca. 0,024 N/mm2 A ca. 2,4.104Pa, serfilmdicke und damit zur Abnahme
bei Ton mit d = 0,0001 mm der Oberflächenkräfte: der Boden kann
Gasförmige Phase und feste/flüssige A = ca. 2,4 N/mm 2 A ca. 2,4.106Pa. quellen, er wird plastisch, weich oder
Phase Es ist verständlich, daß damit allein sogar flüssig. Die Veränderungen in der
Im vorangegangenen Kapitel waren be- die Oberflächenspannung des Poren- flüssigen Phase beeinflussen damit die
reits die wichtigsten Wechselwirkungen wassers eine Bearbeitung bindiger Bö- Festigkeit, Tragfähigkeit, Standsicher-
30 Erdarbeiten

dung von Menisken durch die Ober- 2.3 Die Beanspruchung


flächenspannung des Wassers (Abb.
2.2.2.4/5a). Hierdurch tritt zwischen den
des Bodens und
Einzelkörnern die scheinbare Kohäsion seine Reaktion
auf, die eine beträchtliche Größe errei-
chen kann (in diesem Zustand kann in In diesem Kapitel soll auf die Auswir-
einem Sandboden eine senkrechte Bö- kungen der Erdarbeiten, eines Bauwerks
schung gebaut werden). Bei nur ge- und der Nutzung auf den Boden als
feste Masse und Luft feste Masse und ringer Abnahme oder Zunahme des Baustoff und Baugrund eingegangen
Wasser (gesättigt) Wassergehalts verschwindet jedoch die- werden, also auf die Wechselwirkung
Abb. 2.2.2.4/4 Phasenzustände bei Zwei- se scheinbare Kohäsion plötzlich. Die von Aktion (Bautätigkeit) und Reaktion
phasensystemen in Sand scheinbare Kohäsion kann sogar in ei- des Bodens.
nem Sandboden Poren bilden, die grö- Je nach Ziel der Erdarbeiten liegen
ßer als die Einzelkörner sind (Abb. bereichsweise sehr unterschiedliche
2.2.2.4/5b). Diese Struktur ist bei gerin- Anforderungen vor.
ger Belastung und bei Ausschaltung von Eine einwandfreie Nutzbarkeit bzw.
Erschütterungen sogar recht stabil, auch Haltbarkeit erfordert die Einhaltung be-
wenn der Wassergehalt zunimmt (Kap. stimmter Qualitätsmaßstäbe (z.B. Fe-
2.7.7). Bei Steigerung des Wassergehalts stigkeit, Belastbarkeit, Durchwurzelbar-
führt diese Oberflächenspannung des keit). Diese stehen häufig im Gegensatz
Porenwassers - wie schon früher aufge- zueinander. So sollte beachtet werden,
zeigt wurde - zur Zusammenpressung daß z.B. die Erstellung eines Straßen-
der restlichen Bodenluft in Porenmit- baukörpers oder Hauses sehr häufig
te zur Kugelform. Das zusammenhän- weit über seine eigentlichen Grenzen
gende Medium ist jetzt das Wasser ausstrahlt (z.B. durch Verdichtungen
(Abb. 2.2.2.4/6), die Kohäsion ist abge- oder Materialtransport).
baut.
Gerade beim Bau von Rohrgräben 2.3.1 Beanspruchung -
oder Baugruben kann so die Standsi- »Aktionsgrößen«
cherheit des Bodens überschätzt wer-
den. Schon geringe Feuchtigkeitsände- Prinzipiell können drei Gruppen unter-
rungen (Austrocknung, Regen) oder schieden werden:
Erschütterungen bringen schlagartig die Beanspruchungen durch den eigent-
Wandungen zum Einsturz und gefähr- lichen Bauablauf, durch die Witterung
den damit das Personal und das Bau- und durch die Nutzung der Freiflächen.
werk.
2.3.1.1 Arbeitsschritte beim
Luft Bauablauf
2.2.3 Begriffe
Luft
Wie bei jeder Fachdisziplin finden auch Beispielhaft treten beim Bau eines Pri-
im Bereich der Erdarbeiten eine Viel- vatgebäudes folgende Arbeitsschritte
Abb. 2.2.2.4/6 Zusammenpressen der zahl von Begriffen Verwendung, deren auf:
Bodenluft bei Wassergehaltszunahme Bedeutung im einzelnen an anderer Hochbaustelle vorbereiten,
Stelle erkläutert werden soll. Hochbau errichten,
Ausbauarbeiten durchführen und Ver-
2.2.4 Normen, Richtlinien, sorgungsleitungen an das öffentliche
heit und Bearbeitbarkeit bindiger Bö- Netz anschließen,
Merkblätter
den in großem Maße (s. Kap. 2.4.5.3). Wegeanschlüsse an die öffentliche Stra-
Bei nichtbindigen (rolligen) Böden Für die Planung und Durchführung der ße herstellen,
tritt ebenfalls durch Oberflächenspan- Erdarbeiten, die Versuchstechnik und Freiflächen ausbauen.
nung Kohäsion auf, allerdings nur bei Qualitätsanforderungen an Baustoffe
einem bestimmten Wassergehalt. Diese und Bauwerk gibt es viele DIN-Normen, 2.3.1.2 Witterung
Form wird »scheinbare Kohäsion« ge- Technische Vorschriften, Richtlinien,
nannt. Sie ist praktisch nur bei Sanden Merkblätter, ergänzende Rundschrei- Bis zur endgültigen Fertigstellung und
wirksam und zwar um so stärker, je ben der Verwaltungen, Empfehlungen Nutzung vergeht häufig mehr als ein
kleiner die Körner sind. Bei Kieskör- und sonstige Regelwerke. Hier soll nur Jahr. Solange kann die Witterung (Nie-
nern überwiegen Kraftwirkungen aus auf eine Norm besonders hingewiesen derschläge, Frost, Sonne, Wind) den
der Schwere der Einzelkörner. werden. noch nicht durch Wegedecken oder Be-
Tritt Sand als Zweiphasensystem DIN 18300: »Allgemeine technische grünung geschützten Boden angreifen.
(Abb. 2.2.2.4/4) auf, enthält er also Vorschriften für Bauleistungen - Erdar- Auch nach Fertigstellung der Anlage
nur Wasser oder nur Luft, ist eine beiten (VOB Teil C)« gilt für alle Erdar- sind noch langfristige Witterungsein-
etwa gleichmäßige Verteilung von Bo- beiter (Abtrag und Auftrag von Bo- flüsse zu erwarten, beispielsweise im
denkömern und Bodenporen festzustel- den und Fels) mit Ausnahme der sog. Bereich von Einzelpflanzungen.
len. Da keine Oberflächenkräfte wirken »Naßbaggerarbeiten« (DIN 18311) so-
können, treten im Kornhaufwerk nur wie der »Oberbodenarbeiten« nach den 2.3.1.3 Nutzung der Anlage
Druck- und Reibungskräfte zwischen Grundsätzen des Landschaftsbaus, also
den Einzellörnern auf. In einem Drei- für vegetationstechnische Zwecke (DIN Außer dem Bauablauf und der Witte-
phasensystem kommt es zur Ausbil- 18915). rung wird die Nutzung der fertigen An-
Die Beanspruchung des Bodens und seine Reaktion 31

Abb. 2.3.2.1/1 Gefügeveränderung durch Befahren (li. o.)

Abb. 2.3.2.1/2 Einzelfahrspuren (re. o.)

Abb. 2.3.2.1/3 Lagerung von Mieten

läge Auswirkungen auf die Bodenver- werden. Was geschieht nun bei den ein- Fall war (intensive Durchfeuchtung des
hältnisse haben. Unterschiede liegen zelnen Arbeitsschritten oder durch son- Bodens). Es werden vor allem durch
augenfällig z.B. zwischen einer Gara- stige Einflüsse mit dem Boden? Niederschläge und Frost Bodenberei-
genzufahrt mit Rasenpflaster und ei- che und Böden angegriffen, die früher
nem Spielrasen oder reinem Zierrasen, Baufeld freimachen, Oberboden abtragen durch andere Schichten geschützt wa-
einer Pflanzfläche mit Gehölzen, einem und auf Miete setzen, Aushubboden la- ren. Langfristig wirkt sich die Witterung
Sommerblumenbeet oder einem stän- gern etc. (Abb. 2.3.2.1/1 bis 3) auf das neue (künstliche) Bodenrelief
dig wieder umgegrabenen Gemüsegar- Bagger, Lader bzw. LKW belasten durch aus, z.B. gelangt von den befestigten
ten vor. das intensive, teilweise flächige Befah- Flächen und steileren Böschungen nun
ren den Boden erheblich, verdichten ihn verstärkt Oberflächenwasser in Vegeta-
2.3.2 Auswirkungen beim und verändern das ursprüngliche Ge- tionsflächen (Abb. 2.3.2.1/4).
füge. Oberbodenmieten, Aushubboden
Boden - »Reaktionen«
und sonstiges Lagergut bringen über Nutzung der Flächen
Die verschiedenen Einflüsse treten bis- lange Zeiträume Gewichte auf den dar- Befestigte Flächen wie z.B. die Grund-
weilen auf engstem Raum und auf eine unterliegenden Baugrund, die häufig stückszufahrt werden häufig mit we-
verhältnismäßig kurze Zeitspanne kon- höher sind als die Belastungen durch sentlich schwereren Fahrzeugen (Tank-
zentriert auf. das Hausfundament. Ferner kommt es wagen etc.) befahren als eigentlich vor-
So werden z.B. fast alle Fahr- und auf Lageflächen oft zu Schadstoffein- gesehen war. Diese Lasten fuhren zu
Transportvorgänge auf den Flächen trag in den Boden (z. B. Zementschläm- einer stärkeren Beanspruchung des Bo-
stattfinden müssen, die nicht von der me, Treibstoffe). dens - sichtbar z.B. an Fahrspuren.
Baugrube und den Lagerflächen einge-
nommen werden. Gerade bei kleinen Geländeprofilierungen 2.3.2.2 Zusammenfassung
Grundstücken sind besonders starke Die Wiederverwendung von Aushub-
Auswirkungen der Belastungen zu er- boden aus größeren Tiefen, aber auch Die Auswirkungen der einzelnen »Ak-
warten. die Profilierung selbst ergibt oft völlig tionsgrößen« lassen sich zu folgenden
neue Bodenprofile und zusätzliche Ver- Gruppen zusammenfassen:
2.3.2.1 Betrachtung der einzelnen dichtungen durch die Bearbeitung. • Die Belastungen durch Geräte, Lage-
Aktionsgrößen rung und Nutzung fuhren zu einer
Witterungsverlauf Verdichtung des ursprünglichen Bo-
Es wird vorausgesetzt, daß die Arbeiten Niederschläge wirken sich auf viel klei- dengefüges.
weitgehend mit Maschinen ausgeführt neren Flächen aus als dies vorher der • Die Bearbeitung des Bodens verän-
32 Erdarbeiten

--- alter GW - Stand neuer GW - Stand dert das Gefiige. Bestimmte Böden
werden bei artspezifischer Feuch-
tigkeit dadurch zumindest bereichs-
weise verdichtet.
• Reliefänderungen ergeben einen neu-
\
en Bodenaufbau. Häufig findet eine
Keller/Fundamente;
regelrechte Umkehrung des gewach- typische Rißbildung bei
Absenkung durch Dränage senen Bodenprofils statt. Setzungen im mittleren Bereich des Gebäudes
• Sickereinrichtungen (Dränagen) und
Abtragsbereiche können zu einer
Absenkung des Grundwasserspie-
alter Geländeverlauf gels oder zum Entzug vom Schich-
tenwasser fuhren. Die oberen Bo-
denschichten werden trockener und S$77h

Einschnitt/ Abtrag:
offene Planumsentwässerung
erfahren dadurch ggf. Verdichtun-
gen.
• Die Befestigung (Versiegelung) von typische Rißbildung bei
-4
Teilflächen (Haus, Terasse etc.) und Setzungen an den Gebäudeenden
Erhöhung der Geländeneigung ver-
Abb. 2.3.3/1 a Setzungen in der Grün-
größern den Wasseranfall aus Nie-
dungsebene
derschlägen auf den restlichen Flä-
chen. Diese werden stärker durch-
feuchtet, instabiler und luftärmer.

Ausheben der Baugrube von Fundament- • Gefiigeverdichtende Faktoren verbes-


Einschnitt/Anschnitt am Hang:
offene Planumsentwässerung
und Leitungsgräben (Abb. 2.3.2.1/4) sern im allgemeinen die bautechni-
Es entstehen zwischen benachbarten schen Eigenschaften des Bodens,
Bodenbereichen senkrechte Trennflä- verschlechtern ihn jedoch aus vege-
chen, die den Luft- bzw. Wasserhaus- tationstechnischer Sicht (Verringe-
halt des Bodens beträchtlich stören kön- rung der Wasserdurchlässigkeit und
nen (z.B. durch Grundwasserabsen- des Luftaustauschs, Vergrößerung
kungen). der Gefugefestigkeit).
• Alle Witterungsfaktoren wirken auf
Verringerung des Oberflächenwassers steilere Geländeneigungen und u.U. 2.3.3 Schäden als Folge
aus tieferen Schichten stammende, falscher Bodenbeurtei-
völlig anders geartete Böden ein. lung - »Überreaktionen«
• Die vor dem Bau vorhandene Bo-
des Bodens
denart bzw. Bodenqualität (Struktur)
wird stark verändert. Aus vegeta- Die falsche Einschätzung der Bodenver-
tionstechnischer Sicht ergeben sich hältnisse einschließlich des Bodenauf-
damit allein aus der Bearbeitung baus (Bodenprofils) kann zu Schäden
Standortveränderungen. Diese kön- führen, die eine Uberbeanspruchung
Staubildung und Durchfeuchtung nen von durch das Bauwerk be- des Bodens durch die belastenden Fak-
Abb. 2.3.2.1 /4 Beispiele für Einflüsse der dingten weiteren Einflüssen noch toren (Erdarbeiten, Witterung und Nut-
Bauarbeiten auf Grund-, Schichten- und verstärkt werden (Sonne-Schatten- zung) wiederspiegeln.
Oberflächenwasser Verteilung, Feuchtigkeitszunahme, Als Schäden sind Überbeanspru-
Windschneisen). chungen zu bezeichnen, die von der

Abb. 2.3.3/1 b Sackungen bei Treppenanlage Abb. 2.3.3/1 c Sackungen und Ausspülungen hinter elastischer Stützwand
Bodenanalyse 33

Geländebruch bei homogenem Bodenaufbau


und zu steiler Böschung (s. Abb. 2.3.3/2C) Abb. 2.3.3/4 Frostaufbruch

Auswirkungen des Frostes (Abb.


2.3.3/4): Frostaufbrüche, Frostschäden.

Grundbruch bei Versagen der unter dem 2.4 Bodenanalyse


Bauwerk liegenden Böden
Abb. 2.3.3/2a Rutschen, Gleiten, In den vorangegangenen Kapiteln sind
Gelände- und Grundbruch vielfältige Wechselwirkungen zwischen
den drei Phasen (feste Masse, Wasser,
Luft) im Boden selbst und zwischen den
»Aktionsgrößen« (Bearbeitung, Witte-
Minderung der Bauwerksqualität bis zur rung, Nutzung) und dem gesamten Bo-
Zerstörung des Bauwerks reichen und denaufbau aufgezeigt worden. Über ei-
die auch kombiniert vorkommen: ne große Zahl von Einzelmessungen
Nachgeben der Gründungs- oder Erd- bzw. einzelne bodenphysikalische/bo-
oberfläche (Abb. 2.3.3/la-c): Setzun- denmechanische Kenngrößen (Analy-
gen, Sackungen; se) können Interpretationen der Bo-
Bodenbewegungen auf geneigten Flä- deneigenschaften (Synthese) angestellt
chen (Abb. 2.3.3/2a-c): Gleiten, Rut- werden. Diese liefern den Bewertungs-
schung, Geländebruch, Grundbuch; maßstab für den Boden bei einem ganz
, ••'•'••';:•• spezifischen Belastungs- oder Nut-
Auswirkungen des Wassers (Abb.
2.3.3/3): Erosion; Abb. 2.3.3/3 Erosionsschaden zungsfall.

Abb. 2.3.3/2b Rutschen oberflächiger Schicht Abb. 2.3.3/2C Geländebruch


34 Erdarbeiten

Die Bewertung »gut/schlecht«, »ge- 2.4.2 Zeitpunkt, Umfang und tung mehrerer Prüfinstanzen ist zudem
eignet/ungeeignet« ist grundsätzlich Art der Untersuchungen ein u.U. beträchtlicher Zeitverlust für
nicht in Form eines Patentrezeptes den Versand der Proben und die Über-
möglich. Sie muß für jede Situation neu Als optimal ist hier anzusehen: So früh mittlung der Ergebnisse bzw. eines
erfolgen. wie irgend möglich - und so wenig wie Gutachtens anzusetzen. Der Zeitbedarf
gerade vertretbar. Hierbei werden Grö- steigt allgemein mit der Größe und Wer-
ße und Wertigkeit des Bauvorhabens tigkeit der Baumaßnahme und der Art
2.4.1 Problem bereiche eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie und Anzahl der Bodenarten. Er ist nur
Trotz aller Vielfalt der Einzelprobleme die Risikobereitschaft (oder die Unwis- bei früher Hinzuziehung entsprechender
können diese auf vier Hauptproblem- senheit) des Bauherrn, Planers und Aus- Labore/Fachleute rechtzeitig kalkulier-
bereiche (Abb. 2.4.1/1) zurückgeführt führenden. bar. Andernfalls muß unter Umständen
werden und zwar Stabilitätsprobleme, eine zumindest teilweise Stillegung der
Verformungsprobleme, Probleme durch 2.4.2.1 Zeitpunkt der Baustelle in Kauf genommen werden.
Wasserbewegung und Bearbeitbarkeit. Untersuchungen
Je nach Baumaßnahme und örtlicher 2.4.2.2 Umfang der
Gegebenheit können diese Probleme Die Eingliederung der Untersuchungen Untersuchungen
kombiniert auftreten und dem Objekt in den gesamten Planungs- und Bauab-
entsprechend sehr unterschiedliche Ge- lauf zeigt Abb. 2.4.2.1/1. Den Untersu- Er muß sich zwangsläufig nach wirt-
wichtung besitzen. chungen kommt eine regelnde, die Pla- schaftlichen Gesichtspunkten richten,
Bei einer Verwendung des Bodens für nung und Ausführung beeinflussende d.h. je kleiner bzw. kostenniedriger das
bautechnische Zwecke stehen die Trag- Rolle zu. Gesamtprojekt ist, desto geringer wird
fähigkeit und Standsicherheit im Vor- Gerade Untersuchungen zu Beginn der Umfang - besser der Kostenauf-
dergrund. Für eine landschaftsbauli- der Planung sind wichtig, weil ggf. er- wand - der Untersuchungen sein müs-
che/vegetationstechnische Anwendung forderliche Änderungen jetzt noch mit sen. Man sollte in diesem Fall lieber
muß ein Boden vor allem eine gute einem relativ geringen Aufwand durch- möglichst viele einfache und preiswerte
»Wuchsfähigkeit« aufweisen. Dies setzt zuführen sind: Versuche anstellen, statt die Summe in
z.B. eine möglichst leichte Durchwur- Ist z.B. aufgrund des Bebauungs- einen »Superversuch« zu investieren.
zelbarkeit voraus. planes eine relativ freizügige Gestaltung Dies deshalb, weil ein einzelner (zwar
Bei sehr vielen Baumaßnahmen müs- möglich, kann die Verteilung der bau- genauer) Versuch doch kaum ein siche-
sen gleichzeitig bau- und vegetations- technisch und vegetationstechnisch zu res durchschnittliches bzw. typisches
technische Bedingungen erfüllt sein nutzende Flächen den vorhandenen Bo- Bild des Bodens liefern kann. Aus einer
(z.B. Standsicherheit und Tragfähigkeit denverhältnissen noch sinnvoll ange- Vielzahl einfacher (und daher relativ
eines Straßendammes bei gleichzeitig paßt werden. Liegen die nutzbaren Flä- ungenauerer) Versuche kann dagegen
guter Begrünbarkeit, Belastbarkeit von chenbereiche z.B. durch Bebauungs- auf zu verallgemeinernde Aussagen ge-
Rasenflächen auch bei ungünstiger Wit- plan bereits fest, so ist zumindest schlossen werden. In jedem Fall muß
terung etc.). Hierin liegen fast immer frühzeitig die Wahl der Bearbeitungs- bekannt sein, mit welchem Ziel die Ver-
sehr widersprüchliche Anforderungen methoden, Baustoffe/Hilfsmittel und suche überhaupt anzustellen sind, d.h.
begründet. der Vegetationsart/Pflanzenart möglich, welche Aussage getroffen werden soll.
Zusätzliche Probleme ergeben sich bzw. Kosten für eine ggf. erforderliche Aus Kostengründen jedoch gänzlich
aus der Baulandknappheit, die oft keine Bodenverbesserung sind rechtzeitig er- auf eine bewertende Untersuchung oder
freie Standortwahl mehr zuläßt und die faßbar. Bodenansprache zu verzichten, ist nicht
Nutzung schlechter Standorte und Bo- Bei all diesen Überlegungen ist zu ratsam. Mindestens sollte eine Analog-
denaufbauten erzwingt. berücksichtigen, daß Bodenerkundun- abschätzung bezogen auf ähnliche be-
Die erforderliche Bodenanalyse und gen und Bodenuntersuchungen einen kannte Maßnahmen und Böden erfol-
-Synthese muß immer einen räumli- bestimmten Zeitbedarf fordern und gen (das berühmte »Schielen über den
chen Bodenbereich, wie auch die ein- auch nicht zu jedem Zeitpunkt des Bau- Gartenzaun«). Einfachste Felduntersu-
zelnen Schichten erfassen. ablaufs durchführbar sind. Bei Einschal- chungen, Kartenstudium und die vor-
handene Vegetation können dabei wert-
volle Hinweise geben, die wenigstens
qualifizierende Aussagen bezüglich der
Abb. 2.4.1/1 Grundprobleme der Bodenmechanik Belastbarkeit, Bearbeitbarkeit bzw. Bo-
dengefüge ermöglichen.
Problem Bodeneigenschaften Genaue Rückschlüsse auf die Boden-
und Bearbeitungsqualität können nur
Stabilität Böschungsstabilität aus umfangreichen Laboruntersuchun-
Druck des Erdkörpers auf Stützbauwerke gen gezogen werden.
Belastbarkeit des Planums oder Baugrunds Ihr Kostenfaktor kann grob mit
Wasserbewegung in und auf dem Boden
Frosteinflüsse
2-10% der Bausumme angesetzt wer-
den.
Verformung Verdichtung
Setzung des Erdbauwerks oder des Baugrunds 2.4.2.3 Art der Untersuchungen
Konsolidierung des Bodens durch Eigengewicht
(Abnahme des Porenwassers) Hier sind entsprechend den Aussage-
möglichkeiten bzw. der Anwendung
Wasserbewegung Durchlässigkeit drei Gruppen zu unterscheiden:
Versickerung
Bodenerkundung, Probenahme und
Kapillarität
Porenwasserspannung
Prüfverfahren zur Ermittlung bestimm-
ter Bodenkennwerte.
Bodenanalyse 35

Abb. 2.4.2.1/1 Bodenuntersuchungen im Planungs- und Bauablauf


36 Erdarbeiten

2.4.3 Bodenerkundung hölzen, der sog. Kniewuchs, hin (Abb.


2.4.3.1/1). Je nach Lage bzw. Alter des
Eindeutige Hinweise auf die für eine Gehölzes kann auf Zeitpunkt oder
Baumaßnahme wirksamen Boden- und Dauer der Rutschung geschlossen wer-
Baugrundeigenschaften können nur aus den.
dem direkten Bereich der vorgesehe- Diese aus der Begehung gewonne-
nen Maßnahme gewonnen werden. nen Hinweisgruppen sollten in einer
Die Möglichkeiten der Erkundung Lageskizze, ergänzt durch textliche Ver-
sind unter den Gesichtspunkten der merke und ggf. Lichtbilder, festgehalten
Voruntersuchungen bzw. der Vorklä- werden.
rung und denen einer genauen, weiter- Speziell geologisch ausgebildete
führenden Untersuchung zu sehen. Fachleute können als weiteren Schritt
noch mit bestimmten Arbeitsgeräten
2.4.3.1 Durchführung der
den »Felsverband« aufnehmen. Hier-
Voruntersuchungen
aus sind Hinweise auf Gesteinsart und
Zu den Verfahren rechnen: Festigkeit und auf das Verhalten des
Aussagen aus Kartenmaterial und Feld- Bodenwassers abzuleiten (s. auch DIN
untersuchungen ohne Hilfsmittel und 4021, Teil 2).
weiterführende Untersuchungen mit
technischen Anschlußverfahren und Abb. 2.4.3.1/1 Kniewuchs, Schrägstellung 2.4.3.2 Genaue Untersuchungen
mit Probenahme sowie Untersuchun- mit technischen
gen zum Bodenwasser. Aufschlußverfahren
Diese relativ einfachen und vor allem
schnell durchführbaren Verfahren soll- Verhältnisse klären (Geländeform im Die technischen Aufschlußverfahren
ten erstens zu einer »vorsortierenden« Detail) und hierbei bereits Hinweise sollen aufzeigen, welche Böden anste-
Beurteilung eines Vorentwurfes/Ent- auf geologische Zusammenhänge geben hen, wie die Lagerungsverhältnisse zu
wurfes oder spezieller vorgesehener (z.B. Entstehen bestimmter Formen beurteilen sind und wie die Wasserfüh-
Baumethoden verwendet werden. Zwei- durch weiche bzw. harte Gesteinsarten rung im Untergrund aussieht.
tens dienen sie der Festlegung der Auf- bzw. Bodenschichten). Weiterhin sind Dazu können sog. direkte oder un-
schlußpunkte sowie der Wahl bestimm- alle sichtbaren Arten des Wassers bzw. mittelbare Verfahren verwendet wer-
ter technischer Aufschlußverfahren. seiner Wirkungen, Wasseransammlun- den, die einzelne Bodenkennwerte lie-
Untersuchungen vom »grünen Tisch« gen, Vernässungsbereiche, Vorflutver- fern, oder sog. indirekte oder mittelbare
aus mit Hilfe von Kartenmaterial lie- hältnisse zu beschreiben. Diese Hin- Verfahren, die Rückschlüsse auf Boden-
fern auch ohne direkten Zugriff zur Ört- weise sind zu ergänzen durch die Beob- kennwerte zulassen (Abb. 2.4.3.2/1).
lichkeit schon viele wichtige Hinweise. achtung von Baugrundveränderungen Aus den Ergebnissen der Vorerkun-
Im Vordergrund steht hier die durch künstliche Maßnahmen (z.B. dung und den Anforderungen des Ob-
Verwendung der »geologischen Karte« Aufschüttung), durch Nutzung (z.B. jekts ist vor Beginn der Aufschlußar-
(Maßstab 1:25000 - 1:200000, gele- Fahrspuren) oder bodenmechanische beiten die Lage, Tiefe und Art der
gentlich auch 1:100000). Diese Kar- Vorgänge (z.B. Hangrutschungen, Ero- einzelnen Aufschlüsse so festzulegen,
te enthält außer der Darstellung der sion). Zur Begehung gehört ferner die daß trotz eines Minimums an Kosten
Topographie Signaturen, die Gesteine Bodenansprache der offen zu Tage tre- objektbezogen möglichst genaue Ergeb-
bzw. erdgeschichtliche Schichtungen tenden Schichten mit manuellen und nisse erwartet werden können. Bei grö-
sowie Verwerfungen etc. als geologi- visuellen Methoden (s. Kap. 2.4.5.1). ßeren Baumaßnahmen sollte ein re-
schen Untergrund verdeutlichen. Die Diese Arbeitsschritte sind nach Mög- gelrechter Erkundungsplan aufgestellt
oberste Schicht wird nicht berück- lichkeit auch an natürlichen Boden- werden.
sichtigt. Von einzelnen Siedlungs- bzw. aufschlüssen (z.B. frische Grabenbö- Für kleinere Objekte sollen jedoch
Bauschwerpunkten gibt es noch sog. schung, Baugrube) im Planungsbereich wenigstens Aussagen für Flächen ver-
»ingenieurgeologische Karten« oder bzw. seiner unmittelbaren Nachbar- schiedener Nutzung vorliegen (bei Ve-
»Baugrundkarten« (meist im Maßstab schaft durchzuführen. Darüber hin- getationsflächen und einfachen techni-
1:10000/1:25000), die zusätzlich zu aus sind alle Schäden bzw. Veränderun- schen Flächen bis in rd. 2 m Tiefe,
den topographischen und geologischen gen an Bauwerken (Setzungsrisse usw.) möglichst mit Erfassung des Grundwas-
Inhalten Hinweise zum Bodenwasser festzuhalten. Schließlich ist die Be- serstands). Als technische Aufschluß-
und Festigkeitsverhalten des Bodens obachtung der vorhandenen Vegeta- verfahren werden benutzt:
enthalten. Nicht unerwähnt sollten auch tion wichtig. Je nach Boden- und/ Schürfe nach DIN 4021, Teil l, auch
die »normalen« topographischen Kar- oder Wasserverhältnissen ergeben sich Schürfgruben genannt, können maschi-
ten l: 25 000, die »Meßtischblätter« und bei natürlicher Vegetation besonders nell oder von Hand in Lockergestein
deren Vorläufer aus der Mitte des 19. Jh. gute Wachstumsverhältnisse für be- angelegt werden (Mindestabmessungen
bis zum Beginn des 20. Jh. bleiben. Hin- stimmte Pflanzenarten, sog. Zeiger- begehbarer Schürfe s. Abb. 2.4.3.2/2).
weise auf die Bodenverhältnisse sind pflanzen. Aber auch künstlich einge- Wenn aus verschiedenen Tiefen bzw.
über die angegebenen Bodennutzungen brachte Pflanzen können beispielsweise Schichten Bodenproben entnommen
und Siedlungs- bzw. Gemarkungsna- durch kümmernden Wuchs auf be- werden sollen, ist eine Wand von Hand
men zu gewinnen. Von besonderer Be- stimmte Bodenverhältnisse hinwei- abzuschrägen, besser abzutreppen. Vor
deutung sind hier Veränderungen in der sen (Verdichtung, Wasseranreicherung, Probenahme darf diese Seite nicht be-
Nutzung, Lage der Wasserläufe und Ver- Wasserarmut, Luftarmut). Diese sind treten werden. Zur Einsichtnahme von
kehrswege etc. jedoch stets zusammen mit anderen der Geländeoberfläche aus muß der
Begehung des Planungs- und Bauge- Punkten zu bewerten. Auf bodenme- Schürf nicht begehbar sein (kleinere Ab-
bietes - Felduntersuchungen: Sie sol- chanische Veränderungen (Rutschun- messungen).
len die topographisch-morphologischen gen) weist auch ein Mißwuchs von Ge- Ein Schürf soll erst kurz vor der Pro-
Bodenanalyse 37

Aufschlußverfahren Schürf Bohrung Sondierung geophys. Verfahren

Ergebnisse begehbarer Aufschluß künstlicher Aufschluß durch Einrammen od. Messung physikalischer
in Lockerböden zur mit geringem Durch- Einpressen dünner Größen zur Feststellung
direkten Einsicht in den messer aber beliebiger Gestänge Ermittlung von Wechseln/Änderun-
Baugrund und zur Tiefe mit speziellen der Lagerungsverhält- gen im Baugrund
Probenahme Probenahmen nisse ohne Probe-
nahme

Vorteile sichere, genaue Probe- in allen Böden u. Tiefen preiswertes, schnelles schnelle, großflächige
nahme einsetzbar Verfahren Erkundung
Nachteile begrenzte Tiefe, ggf. schwierige Probe- nur indirekte Aussagen; häufig unsichere, grobe
Verbau und/oder nahme, ggf. nur geringe Verbesserung nur mit Aussagen; Verbesserung
Wasserhaltung Probengüte Bohrungen oder nur mit Bohrungen
Schürfen

Abb. 2.4.3.2/1 Aufschlußverfahren

benähme angelegt bzw. fertiggestellt


u eitlen. Er ist gegen Witterungsein-
flüsse zu schützen. Schürfe sind nach
Probenahme zu verfüllen und ggf. la-
genweise zu verdichten, wenn sie nicht
ohnehin abgebaut werden. Bis dahin
müssen sie abgesperrt und kenntlich ge-
macht werden.
Bei Tiefen über 1,25 m sind Schürfe
uie Baugruben abzuböschen oder aus-
/usteilen (DIN 4124, Blatt l und ent-
sprechende Unfallverhütungsvorschrif-
ten beachten).
Von Vorteil sind beim Schürf die
iiute Erkennbarkeit der Schichtenfolge
des Bodens, der Bodenarten und zahl-
reicher Bodeneigenschaften sowie die
Möglichkeit der Entnahme weitgehend Abb. 2.4.3.2/2 Begehbare Schürfgrube
<r(rg^&ttr&ö<fenprobQn bis zur Güte- für schichtweise Probenahme und Unter-
klasse 1. Nachteilig ist bei ihrer Anlage suchung der Sohle
bei größeren Tiefen der hohe Arbeits-
und Kostenaufwand, so daß sie vor al-
lem für oberflächennahe Bodenunter-
suchungen verwendet werden. Ferner
können Schürfe ohne Grundwasser- Abb. 2.4.3.2/3 Bohrwerkzeuge für Lockergesteine
absenkung nur oberhalb des Grund-
wasserspiegels angelegt werden. Bei
Schichtwasser ist eine Wasserhaltung
erforderlich.
Bohrungen nach DIN 4021, Teil l und
Teil 2 können in Lockergesteinen und
Fest- (Fels-)gestein mit den in Abb.
2.4.3.2/3 aufgeführten Geräten und Ar-
beitsweisen ausgeführt werden. Die ver-
schiedenen Bohrverfahren sowie die
erreichbaren Güteklassen der Boden-
proben sind in Anhang A 2.4.3.2/1
zusammengestellt. Danach kann grob
für die vermuteten Bodenverhältnisse
und den gewünschten Untersuchungs-
zweck das geeignete Verfahren ausge-
wählt werden.
Vorteilhaft ist bei Bohrungen die Er-
kundung in allen Böden und praktisch
beliebiger Tiefe, wobei eine Beeinträch-
tigung durch das Grundwasser kaum
eintritt. Nachteilig dagegen ist die häu-
fige Vermischung des erbohrten Bo-
38 Erdarbeiten

dens, wobei dünne Schichten oft gar


nicht erkennbar werden. Die Wahl bzw.
Kombination von verschiedenen Bohr-
verfahren kann hier Abhilfe schaffen.
Bei den Verfahren 2 und 3 ist ggf. die
Entnahme von Sonderproben erforder-
lich. Bohrarbeiten für Bodenerkundun-
gen sind nur von entsprechend qualifi-
zierten Firmen durchzuführen.
Sondierungen nach DIN 4094, Teil l
und 2 und DIN 4096 werden mit rela-
tiv dünnen Stahlgestängen durchge-
führt, die in Lockergesteinsbaugrund
eingetrieben werden. Es werden unter-
schieden:
Rammsondierungen: Einschlagen
(Einrammen) eines Gestänges mit be-
stimmter Kraft. Feststellung des Ein-
Abb. 2.4.3.2/4a Pürkhauer-Stab mit Verlängerungsstange
dringwiderstands als Verhältnis von
Rammarbeit und Eindringtiefe (Unter-
teilung nach DIN 4094, Teil 1).
Drucksondierungen: Meist hydrauli-
sches Eindrücken eines Gestänges mit Weitere Aufschlußverfahren werden
konstanter Geschwindigkeit. Messung hier nur namentlich aufgeführt:
des Eindringwiderstandes, aufteilbar Refraktionsseismik: Erzeugung
nach Gesamtwiderstand und Spitzen- künstlicher Wellen (kleiner »Erdbe-
druck (s. DIN 4094, Teil 1). ben«) im Boden. Messung ihrer Aus-
Drehsondierung/Flügelsondierung: breitung;
Drehen eines eingetriebenen Gestänges Geoelektrik: Messung der elektri-
mit einem Flügelpaar an der Spitze und schen Leitfähigkeit des Bodens;
Messung der Widerstandskraft des Bo-
dens (s. DIN 4096).
\ Geothermie: Messung der Tempera-
turverteilung im Boden;
Gravimetrie: Messung der Inkon-
Die Verfahren ermöglichen allein be- stanz des Schwerefeldes;
trachtet im wesentlichen nur relative Geomagnetik: Messung der kleinräu-
Aussagen (mittelbare Aussagen) über migen Magnetfelder;
den Baugrund. Erkennbar sind Schicht- Baugrundradiometrie: Messung bo-
grenzen zwischen verschieden festen denphysikalischer Nennwerte mit künst-
Böden. Erst im Vergleich mit Ergebnis- lich erzeugter radioaktiver Strahlung.
sen aus Bohrungen und/oder Schürfen
Abb. 2.4.3.2/4b Nutausbildung
und einer »Eichung« direkt im Bereich Aufschlüsse der Wasserverhältnisse
dieser Aufschlüsse können sie unmit- nach DIN 4021, Teil 3 sollen folgende
telbar interpretiert werden. Sie eignen Wechsel der n10-Werte bedeutet Verän- Ergebnisse erbringen:
sich damit sehr gut zur »Verdichtung« derungen in der Festigkeit des Bodens 1. Höhenlage, ggf. Veränderungen
eines weitmaschigen Aufschlußnetzes (Widerstandskraft) oder der Bodenart. des Grund- oder Schichtenwasserpe-
aus Bohrungen oder Schürfen. Feststell- Die leichte Rammsonde kann bis zu gels (Beobachtungsdauer u.U. bis zu
bar sind u. a. Schichtgrenzen der Böden, Tiefen von 6 m, evtl. auch 8 m eingesetzt einem Jahr oder wesentlich längere
Hohlräume, Einlagerungen; ungefähre werden. Zeiträume); Feststellung der Fließrich-
Lage des Grund- oder Schichtwassers Bei der Peilstangen- oder Schlitzson- tung des Grund- oder Schichtenwas-
in nichtbindigen Böden; Kennwerte wie dierung wird ein Gestänge mit eingefrä- sers und Ermittlung der Strömungsge-
z.B. die Dichte bzw. der Verdichtungs- ster Längsnut in den Boden eingetrie- schwindigkeit; Wasseraufnahmefähig-
grad oder die Scherfestigkeit. ben, mehrere Male in einer Richtung keit von Fest- (Fels-)gestein.
Bei kleinen Objekten findet im allge- gedreht und anschließend gezogen. Da- 2. Entnahme von Wasserproben;
meinen nur die leichte Rammsonde bei bleibt in der Nut eine kleine Bo- Feststellung der chemischen Zusam-
(LRS) Anwendung. Das Gestänge aus densäule erhalten, aus der der Schich- mensetzung; Untersuchung auf beton-
l m-Abschnitten mit einer verdickten tenaufbau und die Wasserverhältnisse schädliche Bestandteile (Untersuchung
Spitze zur Herabsetzung der Mantelrei- des Baugrunds visuell abgeleitet wer- nach DIN 4030); Prüfung als Anmach-
bung wird mit einem Rammgewicht von den können. Bekannt ist der in Abb. wasser für Beton; Untersuchung auf
10 kg und ca. 15-30 Schlägen je Minute 2.4.3.2/4a und b dargestellte Pürkhauer- Korrosionsgefahr usw.
senkrecht in den Boden eingetrieben. Stab mit 30 mm Durchmesser. Schlitz- Bei kleineren Baumaßnahmen ge-
Registriert wird die Anzahl der Schläge, sondierungen können in Lockerböden nügt meist die Ermittlung des Grund-
die die Sonde um 10 cm in den Bo- mit nicht zu groben Bestandteilen wasserstandes. Er läßt sich schon in
den eingetrieben haben (n10). Als Er- durchgeführt werden. Die Qualität der Sondierlöchern durch vorsichtiges Ab-
gebnis gewinnt man ein Rammdia- Proben ist allerdings nicht sehr gut loten ermitteln. Die Beobachtung sollte
gramm oder eine Widerstandslinie, bei (A 2.4.3.2/1 im Anhang). Sie stellen ei- vor allem bei feinkörnigeren Böden
der auf der horizontalen Achse die nen Übergang zwischen Bohrung und über wenigsten 24 Stunden erfolgen,
Schlagzahl/10 cm und auf der vertikalen Sondierung dar und können als Ergän- um den momentan höchsten Grund-
Achse die Tiefe aufgetragen ist. Ein zung zur leichten Rammsonde dienen. wasserstand sicher zu ermitteln.
Bodenanalyse 39

Eine chemische Wasseruntersuchung


empfiehlt sich auch bei kleineren ßau-
maßnahmen, wenn Betonfundamente,
Stahlbauteile oder Sickereinrichtungen
(Gefahr der Verockerung) im Grund-
wasserbereich angeordnet werden.

2.4.3.3 Darstellung der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Aufschlüsse werden


in einem Schichtenverzeichnis festge-
halten, das nach DIN 4022, Teil l für
Lockergestein und DIN 4022, Teil 2 für
Fels (Festgestein) genormt ist. Hiernach
wird ein Bodenprofil nach DIN 4023
angefertigt (Abb. 2.4.3.3/1) (Bezeich-
nungen sowie Signaturen s. Anhang
A 2.4.3.3/la-c, 2). Mehrere Bodenpro-
file, höhenrichtig nebeneinander ge-
zeichnet, ergeben ein Schichtenprofil
des Baugrundes, das auch den Schich-
tenverlauf nach Neigung und Dicke er-
kennen läßt.

2.4.4 Probenahme
Die Probenahme hat die Aufgabe, aus 12,0m +347,6 m N N
natürlichen Bodenvorkommen, künst- Abb. 2.4.3.3/1 Bodenprofil nach DIN 4023
lichen Aufschüttungen aus Natur-
gestein oder künstlichen Gesteinen
(Schlacken etc.) oder transportiertem
Gut eine Materialmenge zu gewinnen,
die für die jeweils erforderlichen oder
gewünschten Voruntersuchungen, Eig-
nungs-, Eigenüberwachungs- und Kon-
trollprüfungen sowie Schiedsuntersu-
chungen benötigt wird und für die
jeweils anstehende Bodenart repräsen-
tativ ist.

2.4.4.1 Verfahrensfragen,
Kennzeichnung,
Benennung,
Güteklassen

Die Probenahme hat allgemein so zu


erfolgen, daß sie für alle Vertragspart-
ner verbindlich ist. Daher sollte sie ent-
weder in Gegenwart aller Parteien oder
durch eine neutrale Institution erfol-
gen. Meist genügt die Entnahme ei-
ner Laborprobe. Ohne Übereinstim-
mung muß die Gesamtprobe gedrittelt
werden. Eine Probe wird im Beisein
der Vertragspartner als Rückstellprobe Abb. 2.4.4.1/1 Probenbezeichnungen nach verschiedenen Richtlinien etc.
(Kap. 2.4.4.2) für Schiedsuntersuchun-
gen versiegelt, die zweite dem Auftrag-
geber der Probenahme zur Verfügung
gestellt und die dritte für die Laborun- nungen in einem Lageplan oder einer Für die Probenahme sind zu be-
tersuchungen verwendet. Der Aufbe- Lageskizze darzustellen. Diese sind dem achten:
wahrungsort der Rückstellproben muß Protokoll beizufügen. DIN 4021, Teil 1-3; DIN 4022, Teil
vereinbart werden. Über die Probe- Nach DIN 4021, Blatt l sind alle Bo- 1-3; DIN 4023; DIN 4124; DIN 18196;
nahme sollte z.B. nach dem Muster denproben direkt nach der Entnahme DIN 18915, Teil 1; ggf. DIN 19680 und
(Anhang A 2.4.4.1/1) Protokoll geführt dauerhaft und möglichst doppelt zu 19681.
werden. Bei anstehenden oder einge- kennzeichnen und mit bestimmten An- Weiterhin wird verwiesen auf:
bauten Böden sind die einzelnen Ent- gaben zu versehen. Ebenso sind Ver- Bodenerkundung im Straßenbau,
nahmestellen läge- und höhengerecht sand und Lagerung von Bodenproben Teil l und Teil 2, FGStr 68/77; Merk-
einzumessen und mit ihren Bezeich- festgelegt. blatt über die Probenahme für boden-
40 Erdarbeiten

Die Laborprobe soll wenigstens die


Güte- unveränderter feststellbare Kennwerte 3- bis 4fache Größe der Untersuchungs-
klasse Kennwert
probe aufweisen. Zu große Proben kön-
Struktur Feinschichtgrenzen nen durch Probenteilung auf die ge-
Bodenzusammensetzung Konsistenzgrenzen wünschte Menge reduziert werden. Die
Bodenwasser Kornverteilung Zahl der Proben hängt vom Schichten-
Dichte Wassergehalt aufbau und dem Umfang des Objektes
Raumgewicht ab. Abb. 2.4.4.2/2 u. 3 zeigen, wie Pro-
Steifemodul ben mit dem kleinstmöglichen typi-
Scherfestigkeit schen Volumen (Homogenvolumen) zu
Konsistenzzahl entnehmen sind.
Verdichtbarkeit
Lagerungsdichte, Verdichtungsgrad
Für die Probenahme sind die ZTVE-
Kornrohwichte StB 76, die ZTVT, die ZTW, die DIN
Porenanteil 1054, die DIN 18035, Blatt 4 und 5 und
Wasserdurchlässigkeit, Kapillarität die DIN 18915, Teil l zu beachten,
organische Bestandteile Wie die Anordnung der Entnahme-
pH-Wert stellen bei anstehenden natürlichen Bö-
Nährstoffgehalt den, künstlichen Aufschüttungen aus
natürlichem oder künstlichem Material,
Bodenzusammensetzung Feinschichtgrenzen Halden und Lagerschüttungen sowie
Volumen Konsistenzgrenzen
Kornverteilung
Transportfahrzeugen zu erfolgen hat, ist
Wassergehalt in Abb. 2.4.4.2/4 bis 11 angegeben. Für
Raumgewicht Silos und Stetigförderer (Bandstraßen,
Konsistenzzahl Förderbänder, Eimerkettenbagger) gel-
Verdichtbarkeit ten besondere Bestimmungen.
Lagerungsdichte, Verdichtungsgrad Bei der Entnahme von Bodenproben
Kornrohwichte aus künstlichen Aufschlüssen sind die
Porenanteil DIN 4124 und die entsprechenden Un-
Wasserdurchlässigkeit fallverhütungsvorschriften zu beachten.
organische Bestandteile
pH-Wert
Nährstoffgehalt 2.4.5 Ermittlung der
Bodenkenngrößen
Bodenzusammensetzung Schichtgrenzen
Kornverteilung Sie sind Werte, die bestimmte physika-
Wassergehalt lische Eigenschaften des Bodens kenn-
Konsistenzgrenzen zeichnen und werden aus sog. boden-
Konsistenzzahl physikalischen Prüf- oder Untersu-
Verdichtbarkeit chungsverfahren gewonnen. Ihre Er-
Kornrohwichte
organische Bestandteile
mittlung erfolgt teilweise im Labor an
pH-Wert entnommenen Bodenproben oder mit
Nährstoffgehalt Feldversuchen direkt vor Ort am anste-
henden Boden.
Zusammensetzung der Kornverteilung In Abb. 2.4.5/1 sind die wichtigsten
festen Phase Schichtgrenzen Bodenkenngrößen zusammengestellt.
Konsistenzgrenzen Sie liefern - jeweils allein betrachtet -
Verdichtbarkeit meist nur begrenzte Aussagen, so daß
Kornrohwichte oft erst die Kombination mehrerer
organische Bestandteile
pH-Wert
Kenngrößen die gesuchte Antwort er-
Nährstoffgehalt bringt. Dieses besagt jedoch keineswegs,
daß für die zu beurteilende Situation
Abb. 2.4.4.1/2 Güteklassen für Bodenproben (DIN 4021, Bl. 1) immer alle Kennwerte vorliegen müs-
sen. Einen gewissen Anhalt gibt hier
die Spalte »Anwendungsbereiche«. Die
Vielzahl der Untersuchungsverfahren
physikalische Versuche im Straßenbau, 2.4.4.2 Probengröße und kann danach auf fünf Gruppen von
FGStr 72. Anordnung der Kenngrößen bezogen werden:
Aufgrund verschiedener Kriterien Entnahmestellen
werden Proben unterschiedlich be- Aufbau des Baugrunds/Untergrunds
zeichnet (Abb. 2.4.4.1/1). Die Größe der Bodenproben richtet sich Die Verfahren zur Ermittlung des
Die DIN 4021, Teil l legt fünf Güte- nach dem Größtkorn der anstehenden Schichtenaufbaus sind bereits beschrie-
klassen für Bodenproben fest, die sich Bodenart und nach dem Untersu- ben worden.
in den möglichen feststellbaren Boden- chungsziel, also der vorgesehenen bo-
kennwerten unterscheiden. Sie sind in denphysikalischen Untersuchung. So- Zusammensetzung des Bodens
Abb. 2.4.4.1/2 beschrieben. Für die Pro- fern der zu untersuchende Boden an Korngrößenverteilung (feste Phase) -
benahme sollte stets die geringwertigste der Entnahmestelle homogen ansteht, organische Substanz - Wassergehalt
Güteklasse vorgesehen werden, die noch können die in der Abb. 2.4.4.2/1 ge- (flüssige Phase) - Poren-/Luftporenan-
die für die jeweilige Baumaßnahme er- nannten Probenmengen als Anhalt die- teil (gasförmige Phase) - Sättigungs-
forderlichen Bodenkennwerte liefert. nen (Untersuchungsprobe). zahl - Kapillarität - Durchlässigkeit.
Bodenanalyse 41

-: Abb. 2.4.4.2/2 Schichtenprofil, kleinstes Abb. 2.4.4.2/5 Entnahme von Einzelpro-


Homogenvolumen bei dicken Schichten ben (a) und Mischproben (b) bei schrä-
gem Schichtenverlauf
Abb. 2.4.4.2/3 Schichtenprofil, kleinstes
Abb. 2.4.4.2/6 Entnahme von Mischpro-
Homogenvolumen bei dünnen Schichten
ben bei kreuzendem Schichten verlauf.

Abb. 2.4.4.2/4 Entnahme von Einzelpro- Abb. 2.4.4.2/7 Entnahmeraster für Ein-
ben (a) und Mischproben (b) bei horizon- zelproben/Sammelproben bei nicht be-
talem Schichtenverlauf grenztem Schichtenverlauf
Abb. 2.4.4.2/2 + 3

Abb. 2.4.4.2/4 Abb. 2.4.4.2/6 T Abb. 2.4.4.2/5 Abb. 2.4.4.2/7


42 Erdarbeiten

Korngrößengruppen - wird als Korn-


größenverteilung bezeichnet. Die Nei-
gung und der Verlauf der Körnungs-
kurve werden durch die Ungleichför-
migkeitszahl und die Krümmungszahl
beschrieben.
Abb. 2.4.4.2/9 Abb. 2.4.4.2/10 Darstellung/Berechnung der Kennwerte
Die Korngrößenverteilung wird als
Körnungskurve (Körnungslinie) mit
dem Korndurchmesser auf der Abzisse
in logarithmischem Maßstab und den
Massenanteilen auf der Ordinate in li-
nearem .Maßstab aufgetragen (Abb.
2.4.5.1/1).
Die Ungleichfdrmigkeitszahl U wird
aus zu den Ordinaten 10% und 60%
gehörenden Korndurchmessern, die
Abb. 2.4.4.2/11 Krümmungszahl Cc zusätzlich dazu
zum Korndurchmesser der 30%-Ordi-
nate berechnet.
Abb. 2.4.4.2/8 (d30)2
Abb. 2.4.4.2/8 Entnahmestellen bei fla- Abb. 2.4.4.2/10 Entnahme von Einzelpro- C,=
chen Schüttungen oder Erdplanum ben aus Halden, Mieten, Haufen; Entnahme d 60 ' dio
mit Rohr (a), Entnahme von Hand mit Deck-
Abb. 2.4.4.2/9 Anordnung von Entnahme- blech (b) (o. re.) Anwendung der Kennwerte
schlitzen für Mischproben bei Halden, Mie- 1. Zur exakten Benennung der Boden-
ten, Haufen (o. li.) Abb. 2.4.4.2/11 Entnahme von Einzelpro-
ben vom LKW
art nach bestimmten Kriterien (Kap.
2.5.3.1) und
2. Zur qualitativen Beurteilung von
Verdichtbarkeit, Witterungsverhalten
(z.B. Frostverhalten), Bearbeitbarkeit,
Tragfähigkeit, Filtereigenschaften usw.
(Kap. 2.5.3.2fT.).

Untersuchungsverfahren
Für die Versuchsdurchführung bzw.
Auswertung gelten folgende Normen
und Richtlinien: DIN 4021; DIN 4022;
DIN 4023; DIN 18123; DIN 18196;
DIN 18300; DIN 19683; bodenphysika-
lische Prüfverfahren im Straßenbau
(Merkblätter).

1. Feldversuche
Zur Ermittlung der Bodenzusammen-
setzung sind vor allem als Voruntersu-
chungen für Planung bzw. Bauausfüh-
rung geeignet, um grobe Beurteilungen
des Bodens bezüglich seiner Eignung
vorzunehmen. Eine Körnungskurve
kann mit ihnen nicht gewonnen wer-
den; es ist lediglich das Vorkommen
bestimmter Korngruppen nachweisbar,
da eine Abschätzung der Massenanteile
zu ungenau ist. Auswertungshinweise
für Feldversuche gibt Abb. 2.4.5.1/2.

Beschreibung der Verfahren


(nach DIN 4022, T. 1)
a) Visuelles Verfahren
Eine Bodenprobe wird auf einer Unter-
lage auseinandergebreitet. Die Korn-
größen werden über Vergleichsmaße
(Kornstufenschaulehre oder bekann-
te alltägliche Dinge) bestimmt (Abb.
2.4.5.1/3).
Bodenanalyse 43

Abb. 2.4.5.1/2 Hinweise auf Korngrößen aus Feldversuchen


44 Erdarbeiten

sprechend der z.B. durch Feldversuche


Bodenart Korngruppe Hinweis zum Einzelkorn ermittelten Bodenart fest:
Schluff, Ton < 0,063 mm mit bloßem Auge nicht erkennbar a) Siebung:
Trockensiebung: Anwendung bei Bö-
Sand 0,063-2 mm gerade noch erkennbar bis den ohne Schluff- und Tonanteil für
Streichholzkopfgröße Korngrößen über 0,063 mm.
Feinsand 0,063-0,2 mm gerade noch erkennbar bis Grieß
Naßsiebung: Anwendung bei Böden
Mittelsand 0,2-0,6 mm Grieß mit Schluff- und Tonanteilen bzw. bei
Grobsand 0,6-2 mm Grieß bis Streichholzkopfgröße kombinierten Analysen für Korngrößen
über 0,063 mm, ggf. ab 0,02 mm.
Kies 2-63 mm Streichholzkopfgröße bis Hühnerei
b) Sedimentation (Schlämmanalyse):
Feinkies 2-6,3 mm Streichholzkopfgröße bis Erbse Anwendung bei Schluff- und Tonbö-
Mittelkies 6,3-20 mm Erbse bis Haselnuß den bzw. bei der kombinierten Analyse
Grobkies 20 bis 63 mm Haselnuß bis Hühnerei für Korngrößen unter 0,125 mm.
Steine 63-200 mm Hühnerei bis Kopfgröße
c) Kombinierte Analyse:
Blöcke > 200 mm größer Kopf Vereinigung von Naßsiebung und Sedi-
mentation. Anwendung bei Mischbö-
Abb. 2.4.5.1/3 Korngruppen nach DIN 4022 und visuelle Korngrößenansprache den (Schluff- und Tonböden mit Sand-
und Kiesanteilen).

Beschreibung der Verfahren


Aussagen können nur für den Sand- und verschwindet unter Druck eben-
und Kiesbereich getroffen werden. falls nur langsam; a) Siebung:
keine Reaktion: der Schüttelversuch Für die Ermittlung der Korngrößenver-
b) Manuelle Verfahren
hat keine Auswirkungen. teilung durch Trockensiebung werden
Sie dienen vor allem zur Interpretation Siebsätze mit Sieben mit einem Min-
des Feinkornbereiches (Schluffe, Tone). Knetversuch:
Eine Bodenprobe wird so weit ange- destdurchmesser von 200 mm und Prüf-
Trockenfestigkeitsversuch: feuchtet, daß eine knetgummiartige siebgewebe nach DIN 4188, T. l, in
Eine an der Luft oder unter leichter Masse entsteht. Auf einer glatten Flä- den Maschenweiten (0,02/0,025)/0,063/
Erwärmung getrocknete kleinere Bo- che oder in der Handfläche wird sie zu 0,125/0,25/0,5/1,0/2,0 oder (0,02/0,025)7
denprobe wird auf ihren Widerstand ge- Röllchen von 3 mm Durchmesser aus- 0,063/0,2/0,63/2,0 mm und aus Sieben
gen Zerbröckeln oder Pulverisieren zwi- gerollt. Sie sollen so oft wieder zusam- mit Quadratlochblechen nach DIN 4187,
schen den Fingern überprüft. mengeknetet und erneut ausgerollt wer- T. 2, mit den Lochweiten 4/8/16/31,5/63
keine Trockenfestigkeit: die Boden- den, bis sie höchstens noch zusammen- oder 6,3/20/63 mm verwendet. Die Kör-
probe zerfällt bereits bei geringster Be- geknetet aber nicht mehr ausgerollt nungen kleiner als das feinste Sieb wer-
rührung in Einzelkörner; werden können. Die Wiederholbarkeit den in einer Schale aufgefangen.
niedrige Trockenfestigkeit: die Bo- ist Maßstab für drei Plastizitätsklassen Die Korngrößenverteilung der vorher
denprobe kann mit leichtem bis mäßi- wie bei DIN 18196: getrockneten Bodenprobe wird aus der
gem Druck der Finger pulverisiert wer- leichte Plastizität: aus den Röllchen Masse der Rückstände auf den einzel-
den; läßt sich kein zusammenhängender nen Sieben bestimmt, ausgedrückt in
mittlere Trockenfestigkeit: die Bo- Klumpen mehr bilden; Massenanteilen (Gewichts-Prozenten)
denprobe zerbricht erst durch erhebli- mittlere Plastizität: aus den Röllchen der Gesamtmasse der Probe. Aus den
chen Fingerdruck in einzelne zusam- läßt sich noch ein Klumpen bilden, aber einzelnen Massenanteilen wird die
menhängende Bruchstücke; nicht mehr kneten. Er zerbröckelt; Kornverteilungskurve als Summenkur-
hohe Trockenfestigkeit: die Boden- ausgeprägte Plastizität: aus den Röll- ve auf halblogarithmischem Papier dar-
probe kann durch Fingerdruck nicht chen läßt sich gut ein Klumpen bilden, gestellt.
mehr zerstört, sondern lediglich zwi- der ohne zu zerbröckeln noch knetbar Bei der Naßsiebung wird während des
schen den Fingern zerbrochen werden. ist. Siebvorgangs Wasser auf den Siebsatz
und die naßaufbereitete Bodenprobe ge-
Schüttelversuch: Reibeversuch: geben und zusammen mit den abge-
Eine etwa nußgroße feuchte Boden- Eine kleine Bodenprobe wird - ggf. un- spülten Feinanteilen aufgefangen, um
probe wird auf der flachen Hand hin- ter Wasser - zwischen den Fingern zer- deren Menge zu bestimmen. Die Rück-
und hergeschüttelt. Durch Wasseranrei- rieben. Die Rauhigkeit wird unterschie- stände auf den einzelnen Sieben wer-
cherung auf der Oberfläche bekommt den nach sehr rauh, kratzend; mahlig; den nach Rücktrocknung ausgewogen.
sie ein glänzendes Aussehen. Durch seifig. Den Geräteaufbau und eine zerleg-
Fingerdruck kann der Glanz wieder zum Schneideversuch:
Verschwinden gebracht werden. Bei te Bodenprobe zeigen die Abb. 2.4.5.1/4
Eine zusammengedrückte erdfeuchte bis 6.
stärkerem Fingerdruck zerkrümelt die Probe wird mit einem Messer durchge- Auswertungsbeispiel siehe Anhang
Probe und kann durch erneutes Schüt- schnitten oder mit dem Fingernagel ge- A2.4.5.1/laundb
teln wieder zusammenlaufen. ritzt bzw. ihre Oberfläche geglättet. Der
Es lassen sich drei Stufen der Reak- sich auf der Schnitt- oder Oberfläche b) Sedimentation (Schlämmanalyse):
tionsgeschwindigkeit des Wasseraus- bildende Glanz wird beobachtet. Es Bei der Sedimentation werden die
tritts und -verschwindens bilden: wird unterschieden zwischen glänzen- Korndurchmesser und ihre Massenan-
schnelle Reaktion: der Vorgang läuft der Oberfläche; matter Oberfläche. teile aus der unterschiedlichen Sinkge-
sehr schnell ab und ist gut wiederholbar; schwindigkeit verschieden großer Kör-
langsame Reaktion: beim Schütteln 2. Laborversuche ner in einer stehenden Flüssigkeit
bildet sich der Glanz nur sehr langsam DIN 18123 legt folgende Verfahren ent- ermittelt. Die physikalischen Zusam-
Bodenanalyse 45

Abb. 2.4.5.1/4 Durch Siebung zerlegte Bodenprobe Abb. 2.4.5.1/6 Siebmaschine

Abb. 2.4.5.1/7 Geräte zur Schlämmanalyse Abb. 2.4.5.1/9 Kornformschieblehre

Abb. 2.4.5.1/5 Schematische Darstellung menhänge werden dabei durch das Ge- Kornform und Kornrauhigkeit
eines Siebsatzes und Ermittlung der Mas- setz von Stokes wiedergegeben. Die Die Auswirkungen der verschiedenen
senanteile Messung erfolgt durch Registrieren der Kornformen und Oberflächen auf das
Abnahme der Dichte einer Suspension Verhalten des Bodens sind geschildert
aus Wasser und der Bodenprobe mit worden. Ihre Ermittlung erfolgt nur am
Hilfe eines Aräometers in festgelegten Grobkornanteil des Bodens durch Au-
Zeitabständen (Geräte s. Abb. 2.4.5.II genschein und textliche Beschreibung,
7). Das Ergebnis wird ebenfalls als Kör- wobei die Anteile der einzelnen For-
nungskurve dargestellt. men etwa angegeben werden sollten.
Eine vereinigte Sedimentation und Eine genauere Unterscheidung in die
Siebung wird getrennt wie vor durchge- Kornformen »gedrungen« und »plattig,
führt und durch Rechnung miteinander länglich« ist mit einer Kornformschieb-
gekoppelt. Auswertungsbeispiel siehe lehre (Abb. 2.4.5.1/9), die ein be-
Anhang A 2.4.5.l/2a und b. stimmtes Seitenverhältnis der Körnung
festgelegt (z.B. 1:3), an Körnern über
Probengröße 6 mm Durchmesser möglich. Zuerst
Entsprechend dem im zu prüfenden wird mit der Lehre die kleinste Kornab-
Boden vorhandenen Größtkorn sind messung festgestellt. Liegt die größte
bestimmte Probenmengen erforderlich nun unter der festliegenden zweiten
(Abb. 2.4.5.1/8). Das ist bereits bei der Spaltweite der Lehre, handelt es sich
Probenahme zu beachten, wobei Paral- um ein gedrungenes Korn.
lelversuche oder Rückstellproben zu be-
rücksichtigen sind.
46 Erdarbeiten

In bautechnischer Hinsicht ist beson-


durch Felduntersuchung ermittelt Probenmenge (feucht) ders bei bindigen Böden die Auswir-
für einen Versuch
Größtkorn Bodenart
kung auf die Größe der inneren Wider-
stände des Bodens, also auf seine
< 0,002 mm Ton 10-30 g Tragfähigkeit, die Zusammendrückbar-
< 0,063 mm Schluffe und 30-50 g keit und die Zustandsform wichtig. Bei
Schluff-Ton-Gemische nichtbindigen Böden ist vor allem die
ohne Sandanteile Verdichtbarkeit von dem vorhandenen
Bodenwasser abhängig. Für vegeta-
< 0,125 mm Schluffe und bis 75 g tionstechnische Zwecke ist es z.B.
Schluff-Ton-Gemische wichtig, Aufschluß über die weitere
mit Sandanteilen
Wasseraufnahmemöglichkeit und -spei-
2 mm Sande mindestens 150 g

5 mm Kiese Feinkies 300g


10 mm
20 mm
Mittel kies
Grobkies
700g
2000g t
JÜ>
t
Forcnvo/um^n
Lwf f m^ *
4
t
O
30 mm 4000g j~^-_ — ~ _.
n

S
40 mm 7000g -Jj
T
4

50 mm 12000g J Volumen des


fc€>+mass£ m^
60 mm 18000 g £ 10 Liter * fcbrnbflofwerJcs
+ 4

Abb. 2.4.5.1/8 Abhängigkeit der Probenmenge zur Ermittlung der Korngrößenver- Abb. 2.4.5.2/1 Bestandteile einer Boden-
teilung vom Größtkorn probe (schematisch)

2.4.5.2 Wassergehalt Berechnung des Kennwertes cherfahigkeit zu bekommen. Bei der Be-
Der Wassergehalt wird wertung ist zu beachten, daß der »na-
Definition des Kennwertes türliche« Wassergehalt über die Zeit
Eine Bodenprobe besteht nach Abb. als Verhältniswert w = —- oder großen Schwankungen unterworfen ist
md
2.4.5.2/1 aus den drei Bestandteilen in Gewichts-% (Massenanteilen) (Abb. 2.4.5.2/2), seine Abhängigkeit von
Festmasse (Körner), Porenwasser und mw der Bodenart zeigt Abb. 2.4.5.2/3.
Luft. w= 100 (%) angeben. Die im Boden befindliche Wasser-
Der Wassergehalt stellt das Verhältnis md menge - der »natürliche Wasserge-
der Masse des in einer Bodenprobe vor- Anwendung des Kennwertes halt« - kann weiterhin zur Bestimmung
handenen freien Porenwassers (mw) zu Viele Bodeneigenschaften werden au- des Zustands mit sog. »Grenzwasserge-
der Masse der trockenen Feststoffe (md) ßerordentlich stark durch das im Boden halten« in Beziehung gesetzt werden
der Bodenprobe dar. befindliche Wasser beeinflußt. (s. Kap. 2.4.5.3).

Abb. 2.4.5.2/2 Zeitliche Schwankungen des Wassergehalts in Abhängigkeit von der Tiefe am Beispiel eines kalkhaltigen Tonbodens
(nach: Bölling, Bodenkennziffern und Klassifizierung von Böden, Springer-Verlag, 1971)

0 30 cm
30 60 »
60 90 °
90 120 «

Zeit in Monaten
Bodenanalyse 47

Bodenart Wassergehalt (%)

a) nichtbindige Böden:
Kiese, Grobsande - erdfeucht 1-3
Mittelsand - erdfeucht 1-5
Feinsand - erdfeucht 10-15
Kiese und Sande - gesättigt rd. 20

b) bindige Böden:
tonige Sande, Schluff - erdfeucht 10-25
plastischer Ton 20-30
hochplastischer Ton 30-80
gesättigte bindige Böden bis rd. 300

c) organische Böden:
organischer Schluff 40-80
organischer Ton 50-150
gesättigte org. Böden (z.B. Torf) bis rd. 800

Abb. 2.4.5.2/3 Natürlicher Wassergehalt verschiedener Böden Abb. 2.4.5.2/4 CM-Gerät

Untersuchungsverfahren Wasser. Es ist nur für relativ kleine Bo-


Für Versuchsdurchfuhrung und Aus- Bodenart und übliche Einwaage
denproben geeignet, deren Korndichte maximaler
wertung gelten folgende Normen und bzw. Kornwichte bekannt sein und die Korndurchmesser
Richtlinien: DIN 18121, T. 1; DIN luftfrei unter Wasser gebracht werden
19683, T. 4; bodenphysikalische Prüf- müssen. Anwendbar ist das Verfahren a) bindige Böden:
verfahren im Straßenbau (Merkblätter). für Sande, Kiese und sehr schwachbin- plastische Tone 3 g oder 5 g
dige Böden ohne organische Substanz. Schluff 5 g oder 10 g
1. Feld- oder Schnellversuche leichtbindige
e) Doppelte Wägung: Böden 10 g oder 15 g
liefern bei geringem Zeitaufwand häu-
Von einer feuchten Probe (bis rd. 20 kg)
fig noch ausreichend genaue Versuchs-
wird die Masse ermittelt. Dann wird ein b) nichtbindige Böden:
ergebnisse. Die Bodenart ist dabei zu-
formstabiler Behälter bis zu einer Marke Sand 2 mm mindestens 5 g
mindest durch Feldversuche zu be- Feinkies 3 mm mindestens 10g
mit Wasser gefüllt und ebenfalls gewo-
stimmen. 4 mm mindestens 15 g
gen. Im nächsten Schritt wird in den
a) Fingerprobe: nur mit etwa der halben Wassermenge 5 mm mindestens 20 g
Das Abschätzen des Wassergehaltes gefüllten Behälter die Bodenprobe ge-
Abb. 2.4.5.2/5 Bodenart bzw. maximaler
durch den Tastsinn ergibt völlig unzu- geben und gut verrührt. Nach etwa Korndurchmesser und Probenmenge
reichende Ergebnisse. Feststellbar ist 5 Minuten Standzeit wird der Behälter
näherungsweise nur der Sättigungsgrad bis zur Marke mit Wasser gefüllt und er-
(s. Kap. 2.4.5.7). neut gewogen. Aus den verschiedenen
Massen und der Korndichte des Bodens
b) Abbrennen kleiner Proben:
(die bekannt sein muß) wird nun der geschätzter erforderliche
Eine kleine Probe wird mit Spiritus oder
Wassergehalt bestimmt. Wassergehalt Einwaage
Branntalkohol schnell vermischt und
entzündet. Kurz vor dem Verlöschen f) Calziumkarbid-Methode (CM-Gerät): w (%) m, (g)
wird die Probe gelockert. Der Vorgang In einer verschlossenen Stahlflasche
5 20
wird so oft wiederholt, bis eine Wäge- (Abb. 2.5.4.2/4) wird eine bestimmte 5-15 10
kontrolle keine Massenveränderungen Menge Calziumkarbid mit der feuchten 10-35 5
mehr zeigt. Aus dem Massenverlust Bodenprobe (Probenmenge nur 3-20 g!) 20-75 3
wird der Wassergehalt berechnet. Das vermischt. Dabei entwickelt sich durch
Verfahren ist für nichtorganische Bö- Umsetzung des Calziumkarbids mit der Abb. 2.4.5.2/6 Geschätzter Wassergehalt
den und Böden mit geringem Feinkorn- Bodenfeuchtigkeit Azethylengas, wo- und Probenmenge
anteil anwendbar. durch der Druck in der Flasche steigt.
Die Höhe des Drucks hängt bei kon-
c) Trocknung über offenem Feuer:
stanter Calziumkarbidmenge von der
Eine größere Bodenprobe wird auf ei- Abb. 2.4.5.2/7 Probenmenge und erfaß-
Probenmenge und dem in ihr enthalte-
nem Ofen, Spiritus- oder Gaskocher un- barer Wassergehalt bei einem Manometer-
nen Wasser ab. Aus der Masse der
ter häufigem Durcharbeiten bis zur un- druck von 0,2 bis 1,5 kp/cm2
feuchten Bodenprobe und dem Gas- (Klammerwerte gelten für 0,5 kp/cm2)
gefähren Massenkonstanz getrocknet.
druck kann auf den Wassergehalt der
Der Gewichtsverlust läßt den Wasser-
Bodenprobe geschlossen werden. Einwaage erfaßbarer
gehalt berechnen. Geeignet ist das
Das CM-Gerät ist besonders für fein- Wassergehaltsbereich
Verfahren für schwachbindige Böden,
körnige nichtbindige oder schwachbin- m, (g) w (%)
Sande und Kiese. Organische Bestand-
dige Böden geeignet (vor allem Sande).
teile sollten im Boden nicht vorhanden 3 6,7 (19,5) bis 100,0
Bei Tonen treten Schwierigkeiten durch
sein. 5 3,9 (10,8) bis 42,6
den starken Zusammenhalt der Probe
10 1,9 (5,2) bis 17,7
d) Tauchwägung: auf. Organische Böden können, sofern
15 1,3 (3,4) bis 11,1
Das Verfahren nutzt den Auftrieb (Ge- sie keine Klumpen bilden und keinen 20 0,9 (2,6) bis 8,1
wichtsminderung) eines Körpers unter zu hohen Wassergehalt aufweisen, über-
48 Erdarbeiten

Abb. 2.4.5.2/8 Aufbau des Luftpyknometers

prüft werden. Grobkörnige Böden mit Kammer und damit das Volumen der probe wird bei einer Temperatur von
Korngrößen über 4 bis 5 mm lassen Bodenkörner einschließlich des ent- 105° C durch Verdampfen des freien Bo-
sich wegen der nur kleinen Proben- haltenen Wassers ermittelt werden. denwassers bis zur Massenkonstanz
mengen nur bedingt untersuchen. Fer- Über eine Umrechnung wird der Was- ausgetrocknet. Besonders empfindliche
ner engt der erlaubte Höchstdruck von sergehalt bestimmt. Böden (Böden mit organischen Beimen-
1,5 kp/cm 2 den Einsatzbereich des CM- Das Luftpyknometer ist für nichtbin- gungen, Tone) sollten jedoch nur bei
Gerätes ein: bei einer Probenmenge von dige oder nur schwachbindige Böden Temperaturen bis 80° C durch Verdun-
5 g beträgt der maximale Wassergehalt sehr gut geeignet. Stark bindige Böden, sten ausgetrocknet werden. Nachteil der
rd. 43 Prozent; bei einer Probenmenge vor allem Tone lassen sich durch ei- Ofentrocknung ist die lange Bearbei-
von 3 g läßt sich der Meßbereich zwar ne besondere Arbeitsweise überprü- tungsdauer von ca. 6 bis 24 Stunden.
noch auf 100 Prozent ausdehnen, nur ist fen. Das Gerät kann sowohl auf der Die Vorteile liegen in der Genauig-
die Ermittlung dieser kleinen Masse mit Baustelle als auch im Labor eingesetzt keit, die von der Wägegenauigkeit und
einer großen Ungenauigkeit behaftet; werden. Erforderlich ist eine Waage mit der Probengröße abhängt sowie der
die minimal feststellbaren Wasserge- ausreichender Genauigkeit sowie die universellen Anwendbarkeit.
halte liegen bei einem Druck von 0,2 kp/ Kenntnis der Korndichte des zu unter- Einen Anhalt zur Probengröße gibt
cm2 bei l Prozent. Vorteil des Ver- suchenden Bodens. Es lassen sich belie- Abb. 2.4.5.2/9.
fahrens ist, daß die Korndichte nicht big große Wassergehalte ermitteln. Eine
bekannt sein muß. Die erforderliche Begrenzung wie beim CM-Gerät gibt es
Probengröße ist in Abb. 2.4.5.2/5, die nicht. Abb. 2.4.5.2/9 Für die Ofentrocknung er-
jeweils erfaßbaren Wassergehaltsberei- Die Meßgenauigkeit ist besser als forderliche Probenmenge
che sind in Abb. 2.4.5.2/6 u. 7 aufge- ± 5% Abweichung vom Endergebnis.
führt. Auswertungsbeispiel s. Anhang A Bodenart Probenmenge
Das Verfahren besitzt eine Genauig- 2.4.5.2/la und b. (g)
keit von etwa ± 5% in Bezug auf das
Endergebnis. h) Anwendung radiometrischer Verfahren: Ton, Schluff 10-50
Die Methode ermittelt den Wasserge- Sand 50-200
g) Luftpyknometer-Methode: halt und die Dichte des Bodens oh- kiesiger Sand 200-1000
Das Gerät (Abb. 2.4.5.2/8) besteht aus ne Probenahme, also ohne Zerstörung Kies 1000-10000
einer ca. 1000 cm3 großen unteren Kam- der vorhandenen Schichten (»in situ«). grobkörnige, steinige über 10000
mer (2), in die eine feuchte Bodenprobe Gemessen wird die Schwächung der Böden mit bindigen
Beimengungen
mit bekannter Masse eingefüllt wird Strahlungsintensität eines radioaktiven
und einer im Deckel befindlichen obe- Isotops durch Streuung und/oder Ab-
ren Kammer (1) mit ca. 250 cm3 In- sorption im Boden. Zur Wassergehalts-
halt. Diese Kammer wird mit der ermittlung wird eine Strahlung energie-
Luftpumpe (3) auf einen bestimmten reicher (schneller) Neutronen und zur b) Die Trocknung kann auch mit spe-
Druck gebracht. Über das Druckaus- Dichteermittlung eine Gamma-Strah- ziellen Infrarotstrahlern vorgenommen
gleichsventil (5) wird dann der Druck lung verwendet. werden. Ohne negative Beeinflussung
zwischen beiden Kammern ausge- des Prüfgutes sind dabei ca. 20° C hö-
glichen. Die Druckzustände werden am 2. Laborversuche here Temperaturen und somit kürzere
Manometer (4) abgelesen. Mit dem a) Ofentrocknung: Trocknungszeiten möglich.
Boyle-Mariotteschen Gesetz kann der Dieser Versuch kann als Standardver- Abb. 2.4.5.2/10 zeigt eine Zusammen-
verbleibende Hohlraum in der unteren such bezeichnet werden. Eine Boden- stellung aller genannten Verfahren.
Bodenanalyse 49

Die Zustandsform kann auch mit der


Verfahren Einsatzbereich Bemerkungen Konsistenzzahl Ic bezeichnet werden.
Ofentrocknung alle Böden
Die Versuche werden nur am Korn-
radiometrische alle Böden anteil < 0,4 mm Durchmesser einer Bo-
Verfahren denprobe durchgeführt.

Luftpyknometer schwachbindige Böden, Korndichte muß bekannt sein Darstellung/Berechnung der Kennwerte
Sande, Kiese Die Zustandsgrenzen stellen spezielle
bindige Böden mit Wassergehalte dar und werden auch so
Einschränkungen berechnet.
Die Plastizitätszahl ist zu berechnen
CM-Gerät schwachbindige Böden, kleine Probenmengen;
Sande, organische Böden, Begrenzung des Wasser-
aus Ip = w, - wp
Kiese mit Einschränkungen gehalts bei org. Böden Graphisch kann sie gemäß Abb.
2.4.5.3/1 dargestellt werden. Die Konsi-
doppelte Wägung Sande, Kiese, u.U. schwach- Korndichte muß bekannt sein; stenzzahl wird aus den Zustandsgren-
bindige Böden org. Substanzen dürfen nicht zen und dem vorhandenen Wasserge-
enthalten sein; halt w ab:
große Probenmenge
w, — w w,— w
Tauchwägung Sande, Kiese Korndichte muß bekannt sein;
org. Substanzen dürfen nicht
L —w, - wn rr
enthalten sein;
Den Zusammenhang aller Rechen-
kleine Probenmenge werte zeigt Abb. 2.4.5.3/2.

Abflammen nichtbindige und schwach- org. Substanzen dürfen nicht Anwendung der Kennwerte
bindige Böden enthalten sein; Die Zustandsgrenzen w, und wp und
kleine Probenmenge die Plastizitätszahl Ip lassen Rückschlüs-
se auf die Empfindlichkeit des Bo-
Trocknung über nichtbindige und schwach- org. Substanzen dürfen nicht dens gegenüber Wassergehaltsschwan-
offener Flamme bindige Böden enthalten sein;
kungen zu. Die Hinzuziehung des
große Probenmenge
momentanen Wassergehalts w ergibt
Fingerprobe alle Böden sehr grobes Verfahren, prak- die augenblickliche Zustandsform, die
tisch nur Abschätzung der auf Tragfähigkeit, Setzungsverhalten,
Sättigung, nicht des Rutschgefahr usw. schließen läßt. Qua-
Wassergehalts litative Aussagen sind ferner bezüglich
der Wasserdurchlässigkeit und Kapilla-
Abb. 2.4.5.2/10 Zusammenstellung der Verfahren zur Wassergehaltsbestimmung rität möglich. Ebenso können Hinweise
auf die Verdichtbarkeit gewonnen wer-
den.

2.4.5.3 Zustandsgrenzen und


Konsistenz

Definition der Kennwerte


Feinkörnige Böden ändern ihre Kon-
sistenz (Zustandsform) mit zunehmen-
dem Wassergehalt w vom festen (har-
ten) über den halbfesten, den plasti- Abb. 2.4.5.3/1 Grafische Darstellung der
schen bis zum flüssigen Zustand. Der Plastizitätszahl (plastischer Bereich)
Übergang von einer Zustandsform in
eine andere stellt eine Zustandsgrenze
(Konsistenzgrenze) dar. Die entspre-
chenden Festlegungen wurden von At- Abb. 2.4.5.3/2 Konsistenz und Wassergehalt
terberg getroffen (daher auch der Be-
griff »Atterbergsche Grenzen«). Es wer-
den unterschieden:
Schrumpfgrenze ws am Übergang
vom festen in den halbfesten Zustand.
Bei weiter abnehmendem Wassergehalt
verringert sich das Bodenvolumen nicht
mehr.
Ausrollgrenze wp am Übergang vom
halbfesten in den plastischen Zustand.
Fließgrenze w, am Übergang vom pla-
stischen in den flüssigen Zustand.
Der plastische Bereich wird durch die
Plastizitätszahl Ip beschrieben. Er wird
unterteilt in die Zustandsformen steif,
weich und breiig.
50 Erdarbeiten

nach hell, läßt sich nicht mehr kneten,


nur noch zerbrechen und zeigt Risse, ist
er als fest zu bezeichnen.
Weitere Hinweise auf den Bodenzu-
stand sind Abb. 2.4.5.3/3 u. 4 zu entneh-
men.
Die Zustandsform kann etwas ge-
nauer mit einem sorgfaltig geeichten
Penetrometer über den Eindringwider-
stand eines Meßstempels gemessen
Abb. 2.4.5.3/3 Konsistenz und Bodeneigenschaften werden.
2. Laborversuche
a) Fließgrenze:
Die Fließgrenze w, wird mit dem
Letztlich dienen die Zustandsgren- sen in der Faust zwischen den Fingern sog. Fließgrenzengerät nach Casagran-
zen zur Einteilung bindiger Böden nach hindurch, liegt ein breiig/flüssiger Zu- de (Abb. 2.4.5.3/5) bestimmt.
DIN 18196 (s. Kap. 2.5.3.1). stand vor. Läßt sich die Bodenprobe Der Wassergehalt der Bodenprobe
leicht kneten und behält die Form, ist entspricht dann der Fließgrenze w,,
Untersuchungsverfahren der Zustand weich gegeben. wenn die im Fließgrenzengerät einge-
Für die Versuchsdurchführung und Kann man den Boden noch kneten baute und durch eine genormte Furche
Auswertung gelten DIN 18122, Bl. 1; und zu dünnen (3 mm) Röllchen in der geteilte Probe nach genau 25maligem
DIN 1054; DIN 18127; DIN 18196; Hand formen, ohne daß er zerbröckelt, Herabfallen der Schale sich wieder auf
DIN 18915, Bl. 1. ist die Zustandsform steif. eine Länge von 10 mm berührt (Abb.
Zerbröckelt der Boden beim Ausrol- 2.4.5.3/6).
1. Feldversuche len und läßt sich dennoch wieder zu Diese in der Definition der Fließ-
Die Zustandsform läßt sich mit den einem Klumpen formen, ist der halbfe- grenze angegebenen Bedingungen sind
Händen grob abschätzen: ste Zustand erreicht. nur auf sehr langwierige Weise ver-
Quillt Boden beim Zusammenpres- Zeigt der Boden einen Farbumschlag suchstechnisch zu erreichen. Man be-
stimmt daher die zu verschiedenen Was-
sergehalten gehörenden Schlagzahlen
zwischen 10 und 40 und bestimmt die
Fließgrenze graphisch.
— Versuchsauswertung siehe Anhang
A 2.4.5.3/1.
b) Ausrollgrenze:
Die Ausrollgrenze wp wird an einer Teil-
probe ermittelt, die entweder mit der
Hand auf einer wassersaugenden Un-
terlage oder in einem automatischen
Ausrollgrenzengerät auf ein Durchmes-
ser von 3 mm gebracht wird (Abb.
2.4.5.3/7 u. 8). Zerbröckelt die Walze
genau bei diesem Durchmesser, ent-
spricht der Wassergehalt der Ausroll-
grenze.
— Versuchsauswertung siehe Anhang
A 2.4.5.3/1.
c) Schrumpfgrenze:
Beim Trocknen vermindert sich der
Rauminhalt einer feinkörnigen Boden-
probe im Verhältnis zur entweichenden
Wassermenge. Dieses Schrumpfen wird
durch die auf die Kornoberfläche wir-
kenden Kapillarkräfte hervorgerufen,
die die einzelnen Bodenteilchen immer
mehr zusammenziehen. Dieser Vorgang
hält so lange an, bis die Reibungskräfte
im Boden die gleiche Größe annehmen
wie die Kapillarkräfte.
Als Schrumpfgrenze ws ist der Was-
sergehalt definiert, bei dem die
Schrumpfung des Bodens aufhört.
Versuchsdurchführung: Aus dem zu
untersuchenden Material wird ein Ver-
suchskörper mit wenigstens 30 cm3 ge-
formt, der an der Luft allmählich ausge-
Bodenanalyse 51

Abb. 2.4.5.3/5 Fließgrenzengerät nach Abb. 2.4.5.3/6 Probenschale mit ge- Abb. 2.4.5.3/7 Automatisches Ausroll-
Casagrande (1. Furchenzieher, 2. Furchen- schlossener Bodenfuge am Versuchsende grenzengerät, Modell »Stuttgart«
drücker, 3. Einstell-Lehre; A. Gerätesockel,
B. Kurbel, C. Probenschale, D. Zählwerk)

trocknet wird, wobei in größeren Zeit- Sättigungszahl sowie bei einigen Ver-
abständen die Masse una Jas Volumen fahren der Ermittlung des Wasserge-
des Probekörpers bestimmt werden halts und der Korngrößenverteilung er-
(durch Eintauchen in ein Quecksilber- forderlich.
bad oder der mit Schellack versiegelten
Probe in ein Wasserbad). Die verdrängte Untersuchungsverfahren
Flüssigkeit entspricht dem Volumen der Folgende Normen und Richtlinien sind
Probe. Ist keine merkbare Volumenab- zu beachten:
nahme mehr zu registrieren, wird die Anwendung der Kennwerte DIN 18124, T. 1; bodenphysikalische
Probe im Trockenschrank völlig aus- Die Korndichte ps ist als Hilfswert bei Prüfverfahren im Straßenbau (Merk-
getrocknet und abschließend ihre Mas- der Berechnung der Porenanteile, der blätter).
se und ihr Volumen bestimmt.
In einem Diagramm entsprechend
Abb. 2.4.5.3/9 werden die festgestellten
Volumina und die dazugehörigen Was-
sergehalte aufgetragen. Der Knickpunkt
der dick eingezeichneten Kurve zeigt
die Schrumpfgrenze ws an. Zur Ermitt-
lung der Schrumpfgrenze ist eine Norm
in Vorbereitung.

Kennwerte
Zur groben Orientierung sind in Abb.
2.4.5.3/10 die Konsistenzgrenzen ver-
schiedener Böden angegeben. Dies er-
setzt die Versuche jedoch nicht!
Abb. 2.4.5.3/8 Ermittlung der Ausroll-
2.4.5.4 Korndichte und Kornwichte grenze durch einfachen manuellen Ver-
such
Definition der Kennwerte Abb. 2.4.5.3/9 Grafische Ermittlung der
Die Masse des Kornhaufwerks md eines Schrumpfgrenze (re.)
Bodens bezogen auf das Volumen der
Körner einschließlich ihrer von einer
Meßflüssigkeit nicht benetzbaren Hohl-
räume VK wird Korndichte ps genannt Abb. 2.4.5.3/10 Konsistenzgrenzen verschiedener Böden (Durchschnittswerte)
(entspricht der »Rohdichte« des Einzel- (nach Kezdi: Handbuch für Bodenmechanik, Bd. II)
kornes). Bei der Ermittlung der »Rein-
dichte« werden auch die korninneren
Hohlräume berücksichtigt. Die Korn-
wichte YS stellt den gewichts- (kraft-)
bezogenen Wert der Korndichte ps dar.

Berechnung der Kennwerte


Die Korndichte wird berechnet zu
52 Erdarbeiten

Sämtliche Versuche sind Laborversu- sein Volumen (V) einschließlich der mit
che. Mineral PS
3 Wasser und/oder Luft gefüllten Poren
(g/cm )
(früher »Feuchtraumgewicht«).
L Verwendung des Kapillarpyknometers:
Gips 2,32 Die Trockendichte pd (früher »Trok-
Eine trockene Bodenprobe wird in ei-
Montmorillonit 2,4 kenraumgewicht«) bezieht dagegen nur
ner Reibschale mit dem Pistill ohne Zer-
Orthoklas 2,56 die Masse der festen Bodenteile (md),
störung der Einzelkörner zerteilt. Zu-
Kaolinit 2,6 d.h. die Masse der trockenen Boden-
sammenhängende Feinkornanteile sind Chlorit 2,6 ... 3,0 probe auf dasselbe Bodenvolumen (V).
möglichst auf Feinsandgröße zu verfei- Quarz 2,66
nern. Anschließend werden ca. 20 g der Kalzit 2,72
Probe in ein geeichtes Pyknometer von Muskovit 2,8 ... 2,9
100 cm3 Inhalt gefüllt und exakt gewo- Dolomit 2,87
gen. Danach wird das Volumen des Prüf- Serpentin, Kalkspat 2,7 ... 3,0
gutes durch Füllen des Pyknometers mit Aragonit 2,94
Wasser und Entlüften des Inhalts be- Biotit 3,0... 3,1
Amphibol, Apatit, Turmalin 3,0... 3,1
stimmt.
Augit, Hornblendit 3,2 ... 3,4
Aus Volumen und Masse der Boden- Pyroxen, Olivin 3,3 ... 3,6
probe kann die Korndichte ps berechnet Limonit 3,8
werden. Magnetit 5,17 Abb. 2.4.5.5/1 Boden als Dreistoffgemisch
Das Verfahren kann bis etwa Pyrit 5,0... 5,1 V = Bodenvolumen
5 mm Größtkorndurchmesser angewen- Hämatit 5,2 m, = Masse der Luft in den Bodenproben
(gewichtslos)
det werden.
Abb. 2.4.5.4/2 Reindichte gesteins- und mw = Masse des Bodenwassers in den
2. Tauchwägung (Dr. Haas): bodenbildender Minerale (nach Kezdi: Bodenporen
Mit diesem Versuch können auch grob- Handbuch für Bodenmechanik, Bd. 1) md = Masse der festen Bodenteile (Trok-
körnige und gemischtkörnige Böden bis kenmasse)
mf = Masse der feuchten Bodenprobe
63 mm Größtkorn untersucht werden.
Ein spezielles Tauchwägegefäß ermög-
licht eine Ermittlung der Trockenmasse Verfahren 2 bis auf die Art der Proben-
der Bodenprobe an Luft und unter Auf- zugabe, die weitestgehend störungsfrei
Bodenart Dichte p
trieb. Gleichzeitig sorgt die Versuchs- und mit bereits entlüftetem Probengut (g/cm3)
einrichtung für eine ausreichende Ent- erfolgt. Korngrößen bis 10 mm lassen
lüftung der Probe und des Wassers. sich verarbeiten. Ton: hart 2,0-2,2
plastisch 1,6-2,0
3. Luftpyknometer:
Kennwerte breiig rd. 1,5
Das schon von der Wassergehaltsbe-
Die Korndichten ps einiger Böden sind
stimmung bekannte Gerät kann auch Schluff 1,7-1,9
als Anhalt in Abb. 2.4.5.4/1 angegeben;
mit einer getrockneten Bodenprobe
Abb. 2.4.5.4/2 nennt dagegen im Ver-
(bzw. mit bekanntem Wassergehalt) ge- Löß, Lehm, Lößlehm 1 ,8-2,2
gleich die Reindichten einzelner boden-
füllt werden. Dann wird das Volumen
bildender Minerale. Geschiebemergel 1 ,8-2,3
des Kornhaufwerks ermittelt und mit
der Masse der Körner die Korndich-
2.4.5.5 Dichte und Wichte Sand: gleichförmig, locker 1,3-1,6
te errechnet. Eine Einschränkung der
ungleichförmig, 1,5-2,0
Korngröße ist nicht gegeben.
Definition der Kennwerte (Abb. 2.4.5.5/1) mitteldicht
4. Verfahren mit Einfüllgerät (Dr. Neuber): Die Dichte p des Bodens ist die Masse
Das Verfahren entspricht im Sinn dem des feuchten Bodens (mf) bezogen auf Kiessand, mitteldicht 1.9-2,1

Kies, gleichförmig, 1 ,8-2,0


mitteldicht
Abb. 2.4.5.4/1 Korndichten verschiedener Böden (Durchschnittswerte)
Torf, Moorboden 1 ,2-1 ,4
(unter Auflast)

Abb. 2.4.5.5/2 Durchschnittswerte der


Dichte natürlich vorkommender Böden
(in erdfeuchtem Zustand)

Die Dichte des Bodens ist - da sie


massenbezogen ist - eine ortsunabhän-
gig feststehende Größe (Beispiele s.
Abb. 2.4.5.5/2). Die Wichte des feuch-
ten Bodens stellt dagegen die senk-
recht wirkende Kraft dar, mit der der
Boden auf seine Unterlage drückt, die
auf das Bodenvolumen einschließlich
der mit Luft und/oder Wasser gefüllten
Poren (V) bezogen wird.
Die Trockenwichte bezieht nur die
organische Böden 1,10 bis 2,50
Gewichtskraft der Festmasse auf das Bo-
denvolumen.
Bodenanalyse 53

Die Wichte ist von der vorherr- 2.4.5.5/3. Es ist ersichtlich, daß ab einem
schenden senkrechten Beschleunigung Größtkorn Mindestvolumen Masse Größtkorn von 70 mm nur noch das
(Fallbeschleunigung) abhängig und so- 40 mm 3,5kg Schürfgruben-Verfahren anwendbar ist.
1.71
mit ortsveränderlich. Bei den bisher 50 mm 3,31 6,5kg Versuchsbezogen sind drei Boden-
üblichen Dimensionen für massenbe- 60 mm 5,71 1 1 ,0 kg gruppen zu bilden:
zogene »Raumgewichte« (g/cm3) und 63 mm 6,61 12,5kg Die Dichte feinkörniger (d < 2 mm)
gewichtsbezogene »Raumgewichte« (p/ 70 mm 9,01 1 7,0 kg ist sehr gut mit dem Ausstechzylinder-
cm3) bestand kein zahlenmäßiger Un- Verfahren festzustellen.
terschied zwischen diesen beiden Bo- 100 mm 26,01 50 kg Böden mit Grobkorn (d = 2-63 mm)
denkennziffern. Daher wurde in bei- 150 mm 88,51 170 kg werden vor allem mit den verschiede-
den Fällen nicht ganz zutreffend von 200 mm 21 0,0 1 = 0,2 m3 400 kg nen Ersatzverfahren überprüft.
250 mm 41 0,0 1 = 0,4 m3 800 kg
Raumgewichten des Bodens gespro- 300mm 71 0,0 1 = 0,7 m3 1,4t
Die Dichte der Böden mit Steinen
chen. 400 mm 1,7m3 3,3t (d > 63 mm) ist sehr gut mit dem
500 mm 3,3m 3 6,5t Schürfgruben-Verfahren zu messen.
Dies ist vor allem durch das erforderli-
Abb. 2.4.5.5/3 Größtkorn und Proben- che große Bodenvolumen bedingt.
größe für die Dichtebestimmung (Masse Die Masse der feuchten Bodenprobe
ohne Probenbehälter) (mf) wird durch Wägung bestimmt. Die
Genauigkeit der Ermittlung muß auf
0,1% der Gesamtmasse erfolgen. Nach
DIN 18125, Blatt 2, sollen die verwen-
deten Waagen je nach Auflast die in der
Auflast Trag- Meß- Abb. 2.4.5.5/4 aufgeführte Tragfähigkeit
einschließl. fähigkeit genauigkeit
Proben- und Meßgenauigkeit besitzen. Die Trag-
behälter fähigkeit der auf der Baustelle verwen-
deten Waagen sollte bei dem Ausstech-
1- 3kg 10kg ±1 g zylinder-Verfahren 10 kg, bei den Er-
6-1 5 kg 20kg ± 10g satz-Verfahren 20-25 kg und beim
bis 20 kg 25kg ± 10g Schürfgruben-Verfahren 10-20 t betra-
1,5-6 t 10-20 t ±1 kg-±20 kg gen.
Alle Versuche können grundsätzlich
Abb. 2.4.5.5/4 Tragfähigkeit und Genauig- nur bei ausreichend tragfähigen und
keit von Waagen zur Ermittlung der Proben-
masse
standfesten Böden ausgeführt werden.

2. Ermittlung des Volumens mit Ersatzver- Abb. 2.4.5.5/5 Geräte für das Ausstech-
fahren: zylinder-Verfahren
Das Volumen der Bodenprobe wird 1a,b Ausstechzylinder
durch Ausfüllen der Entnahmestelle 2 Führungsrohr mit Grundplatte
mit einem geeigneten Ersatzmittel be- 3 Schlaghaube
4a,b Langer und kurzer Griff
stimmt. Es sind üblich: Densitometer- 5 Deckel für Ausstechzylinder
Verfahren (Ballon-Verfahren); Gipser- 6 Klebeband
satz-Verfahren; Sandersatz-Verfahren;
• Anwendung der Kennwerte
Flüssigkeitsersatz-Verfahren.
Die Dichte ist für die Massenermitt-
lung, die Berechnung der Lagerungs- 3. Aus messen der Entnahmestelle:
dichte, des Verdichtungsgrades des Po- Schürfgruben-Verfahren.
renanteils und der Sättigungszahl
4. Zerstörungsfreie Messung:
erforderlich.
Verwendung radiometrischer Meßver-
Die Wichte wird bei Kraftberechnun-
fahren.
gen (Tragfähigkeit von Fahrzeugen, Be-
reich der Erdstatik, Gebäudeauflasten
• Wahl des Verfahrens zur
etc.) benötigt.
Volumenermittlung
Der Einsatzbereich der vorstehend auf-
• Untersuchungsverfahren
geführten Verfahren wird von der Bo-
Folgende Normen sind zu beachten:
denart und den vorherrschenden Bo-
DIN 18125, T. 1; DIN 18125, T. 2.
denverhältnissen bestimmt.
Bei Böden, die Grobkorn enthalten,
Zur Bestimmung der Dichte müssen
soll das Probenvolumen gemäß DIN
Masse und Volumen einer Bodenprobe
18125, Blatt 2, mindestens dem 50-fa-
bekannt sein. Für die Berechnung der
chen Volumen des im Boden befind-
Trockendichte ist außerdem der Was-
lichen Größtkorns entsprechen. Die-
sergehalt erforderlich. Die Verfahren
se Forderung spielt für die Wahl des
unterscheiden sich nach der Art der
Prüfverfahrens praktisch erst bei einem
Volumenermittlung:
Größtkorn von mehr als 40 mm Durch-
L Gewinnung von ungestörten Proben: messer eine Rolle. Einen Anhalt des er-
Verfahren mit dem Ausstechzylinder. forderlichen Probenvolumens gibt Abb.
54 Erdarbeiten

Abb. 2.4.5.5/6 Bodenauflockerung nach Eintreiben des Ausstechzylinders Abb. 2.4.5.5/7 Boden Verdichtung (Sackung) nach
Eintreiben des Ausstechzylinders

1. Feldversuche forderliche Tiefe eingetrieben worden, den kann - vor allem durch Einschlagen
a) Ausstechzylinder-Verfahren (Geräte s. wird er vorsichtig ausgegraben. des Zylinders - die Bodenprobe aufge-
Abb. 2.4.5.5/5): Nach Reinigung wird der obere und lockert bzw. verdichtet werden:
Vor Versuchsbeginn muß die Boden- untere Deckel aufgesetzt und mit Kle- Auflockerung: Beim Ausgraben des
oberfläche eingeebnet werden. Danach beband luftdicht verschlossen. Ausstechzylinders darf der über den
wird der Ausstechzylinder in das Füh- Auswertung: Als Volumen der Pro- oberen Rand überstehende Boden nicht
rungsrohr geschoben und mit der be gilt das des Ausstechzylinders. Die verlorengehen. Diese Bodenschicht
Schlaghaube in den Boden eingepreßt. feuchte Masse wird durch Wägung be- wird vorsichtig abgestrichen, aufgeho-
Bei sehr widerstandsfähigen Böden ist stimmt. Damit können Dichte und mit ben und muß bei der Ermittlung der
der Zylinder zentrisch einzuschlagen. dem Wassergehalt die Trockendichte Masse der Bodenprobe mit berücksich-
Die Tiefanlage des Ausstechzylinders berechnet werden. tigt werden. Als Volumen der Probe
wird durch entsprechende Ringmarken Auswertungsbeispiel Anhang A gilt das des Ausstechzylinders (Abb.
an dem Griff der Schlaghaube kontrol- 2.4.5.5/1. 2.4.5.5/6).
liert. Ist der Ausstechzylinder in die er- Besonderheiten:^^ nichtbindigen Bö- Verdichtung: Der durch Sackung der

Abb. 2.4.5.5/8 Geräte für das Sander- 1 Sandersatzgerät mit 2 Ringplatte mit 2a : Zentrierstiften
satzverfahren und Systembild für den 1a Absperrhahn und 3 Behälter mit Prüfsand
Versuch 1b Grundplatte 4 Waage
Bodenanalyse 55

Probe in dem Zylinder entstandene freie


Raum wird zur Verhinderung von Struk-
turänderungen mit dünnen Kunststoff-
scheiben (0,25-1,0 mm Dicke) oder ei-
nem anderen nicht wassersaugenden
Material gefüllt und der Zylinder mit
dem oberen Deckel abgeschlossen. Als
Probenvolumen gilt auch hier das Zy-
lindervolumen, als Probenmasse die der
gesackten Probe (Abb. 2.4.5.5/7).

b) Ersatzverfahren
bl) Sandersatz-Verfahren (Geräte Abb.
2.4.5.5/8):
Um den Einfluß oberflächennaher Stö-
rungen wie Auflockerungen auszuschla-
ten, wird vor der Messung die oberste
Bodenschicht von 5 cm Stärke abgetra-
gen. Danach wird zur Auflage der Stahl-
ringplatte eine ausreichend große Flä-
che möglichst waagerecht geebnet.
Jetzt wird innerhalb der Platte der
Boden bis auf eine Tiefe von etwa 20-
30 cm vorsichtig ausgehoben. Die Bo-
denöffnung soll möglichst senkrechte
Wandungen besitzen und nirgends unter Abb. 2.4.5.5/9 Wasserballongerät (Densitometer), Systembild
die Ringplatte fassen. Die entnommene 1. Bodenringplatte 8. drehbarer Nonius
Probe ist in einem möglichst luftdicht 2. Deckel 9. Handgriff
schließenden Behälter zu bewahren. 3. Plexiglaszylinder 10. Gummiballon
Ermittlung des Sandverbrauches (Volu- 4. Spannstangen 11. Stahl ring platte mit Zentrierstiften
menermittlung): Dazu wird das Sander- 5. Kolben mit Dichtungsring 12. abnehmbare Transportschutzplatte
satzgerät nun mit speziellem Prüfsand 6. durchbohrte Kolbenstange mit
gefüllt, gewogen und ohne Verschieben mm-Teilung
7. Plexiglasaufsatz mit Meßmarken für
auf die Ringplatte gesetzt. Nach Öffnen Flüssigkeitsspiegel und Kegelfallventil
des Absperrhahns rieselt der Sand in
die Bodenöffnung und den unteren Ge-
räteteil. Danach wird der Absperrhahn
geschlossen und das Gerät erneut ge-
wogen. Die verbrauchte Sandmenge er-
gibt sich als Differenz der beiden Wä- wenn der Prüfsand in grobporiges Bo- b2) Ballon- Verfahren (Densitometer) (Ge-
gungen. dengemisch einrieseln kann und damit räte Abb. 2.4.5.5/9):
Wird von diesem Wert die Masse des ein zu hoher Sandverbrauch eintritt. Der Meßvorgang ist in den Abb. 2.4.5.57
Sandes im unteren Trichter und der Fehler ergeben sich auch aus einer Zu- lOa-f dargestellt. Zuerst wird das noch
Ringplatte abgezogen, so verbleibt die nahme des Wassergehaltes des Prüf- mit der Schutzplatte versehene Gerät
Sandmasse in der Bodenöffnung (Am). sandes. Bei zu hoher Luftfeuchtigkeit, mit Wasser gefüllt (Abb. 2.4.5.5/10a)
Das Volumen der Bodenprobe berech- Nebel usw. empfiehlt sich, die Eich- und die Kolbenstange bei geschlosse-
net sich mit der Eichdichte des Prüf- dichte des Prüfsandes wegen der verän- nem Ventil soweit hochgezogen, bis der
sandes (pE) zu derten Rieselfähigkeit neu zu ermitteln. Gummiballon durch den Unterdruck
V = Am [cm3]. Bei zu großer Feuchtigkeit bzw. wäh- nach oben durchgewölbt ist. Jetzt kön-
Mit der Masse der aufgenommenen rend Niederschlägen sollte auf ein an- nen die Schutzplatte und die Stahlring-
feuchten Bodenprobe wird die Dichte p deres Verfahren der Volumenbestim- platte abgenommen werden. Das Gerät
und mit dem Wassergehalt die Trocken- mung gewechselt werden. ist einsatzbereit (Abb. 2.4.5.5/10b). Die
dichte pd bestimmt. Bei sorgfältiger Versuchsdurchfüh- Prüfstelle wird geglättet und annähernd
Auswertungsbeispiel s. Anhang A rung liefert das Sandersatzverfahren waagerecht abgezogen. Bei grobkörni-
2.4.5.5/2. ausreichend genaue Ergebnisse für die gen Böden kann eine glatte Auflagerflä-
Besonderheiten: Die meisten Fehler Dichte des Bodens. che für die Stahlringplatte durch ein
bei der Volumenermittlung treten wäh- Anwendungsbereich: Dieser Versuch zusätzliches dünnes Sandbett geschaf-
rend des Versuchs durch Verdichtung kann nur bei standfesten Böden ange- fen werden, so daß gerade für schwer
des Prüfsands im Gerät und/oder der wendet werden, die keine so großen Po- abgleichbare Böden die Messung mit
Bodenöffnung durch Erschütterung auf ren haben, daß Prüfsand in sie einrie- dem Densitometer besonders günstig
(Kornumlagerung bei gleichförmigen seln kann. Damit bieten sich vor allem ist.
Bodengemischen). Daher sollten im bindige und nichtbindige Böden mit Jetzt wird die Stahlringplatte aufge-
näheren Meßbereich keine Arbeiten grobkörnigen Einlagerungen bis 63 mm legt und eine Bodenschicht von wenig-
vorgenommen werden, die zu irgend- Durchmesser an, die nicht mit dem Aus- stens 5 cm Dicke (einschließlich Sand-
welchen Erschütterungen des Bodens stechzylinderverfahren überprüft wer- bettauffullung) ausgehoben. Die Grube
führen können. Ferner treten Fehler den können. Gleichkörnige Kiese o.a. muß nicht ebenflächig sein und das ent-
bei Verschiebung der Ringplatte nach sind für die Überprüfung mit dem Sand- nommene Material nicht aufbewahrt
Ausheben der Bodenöffnung auf, oder ersatzverfahren nicht geeignet. werden (Abb. 2.4.5.5/10c). Jetzt wird das
56 Erdarbeiten

Densitometer mit hochgezogenem Bai-


Ion zentrisch auf die Stahlringplatte
ohne Verschieben aufgesetzt. Nach Öff-
nen des Ventils sinkt der Gummiballon
durch die Wasserauflast nach unten und
legt sich an die Bodenoberfläche an
(Abb. 2.4.5.5/10d). Nun wird die Kol-
benstange soweit nach unten gescho-
ben, bis sich der Wasserspiegel zwischen
den Meßmarken einpegelt. Nach Schlie-
ßen des Ventils muß die Höhenlage der
Kolbenstange mit Hilfe des Nonius auf
1/10 mm genau abgelesen werden (Able-
sung l, Abb. 2.4.5.5/10e). Anschließend
werden Kolben und Gummiballon mit
geschlossenem Ventil wieder nach oben
gezogen und das Densitometer vor-
sichtig von der Stahlringplatte abgeho-
ben und die Bodenöffnung bis zur ge-
wünschten Tiefe ausgehoben. Bei Ge-
räten mit einem Zylinderdurchmesser
von 20 cm kann so eine Tiefe von ca.
30-35 cm erreicht werden. Der entnom-
mene Boden ist in luftdicht verschließ-
baren Behältern aufzubewahren. Da-
nach wird das Densitometer erneut auf
die Stahlringplatte aufgesetzt, der Gum-
miballon in die Grube abgesenkt und
durch Nachschieben der Kolbenstange
der Wasserspiegel wieder zwischen die
Meßmarken eingepegelt und die Hö-
henlage ein zweites Mal abgelesen (Ab-
lesung 2, Abb. 2.4.5.5/10f). Damit ist
der Meßvorgang abgeschlossen.
Auswertung: Das Volumen der ent-
nommenen Bodenprobe (Bodenöff-
nung) entspricht dem Volumen der
Wassersäule in dem Zylinder zwischen
den Ablesungen l und 2 (Höhendiffe-

Aus der Masse der feuchten Probe


und dem Volumen ergibt sich die Dichte
p und dem Wassergehalt die Trocken-
dichte pd.
— Auswertungsbeispiel s. Anhang A
2.4.5.5/3.
Besonderheiten: Durch das Einpegeln
des Wasserspiegels zwischen den Meß-
marken wird auf die Wandungen der
Bodenöffnung ein Überdruck von ca.
0,8 m Wassersäule ausgeübt, der bei
nichtbindigen Böden eine Rückverdich-
tung der unvermeidbaren geringfügigen
Auflockerungen der Wandungen ergibt.
Ein besonderer Vorteil des Densito-
meters besteht darin, daß an einer Meß-
stelle mehrere Messungen in dünnen
Schichten höhengestaffelt ausgeführt
Abb. 2.4.5.5/1 Of Messung des 2. Was- werden können. So lassen sich Verän-
serspiegels nach Probenahme derungen der Dichte des Bodens mit
der Tiefe feststellen.
Fehlmessungen entstehen, wenn der
Nonius nicht fest auf dem Gerätedeckel
aufliegt und damit für die beiden Ab-
lesungen unterschiedliche Bezugshö-
hen vorliegen oder wenn sich - gerade
bei höhengestaffelten Messungen - die
Stahlringplatte verschiebt bzw. das Den-
Bodenanalyse 57

mit- Wie oder

Abb. 2.4.5.5/11 Systembild Flüssigkeits- Abb. 2.4.5.5/13 Systembild Gipsersatz-


ersatz-Verfahren Verfahren

sitometer nicht zentrisch aufgesetzt den bzw. von Tapetenkleister oder Ben- tel empfiehlt sich hier besonders Was-
worden ist. Geringe Verletzungen der tonit bei grobporigen Böden wird in ser, da es nach Versuchsende einfach
Gummiballonhaut führen zu einem die Bodenöffnung dünne Kunststoffolie versickern kann, ohne die Bodenver-
schwer feststellbaren zusätzlichen Was- oder Weichgummihaut lose eingelegt hältnisse zu beeinflusen.
serverbrauch und täuschen damit ein und die Grube soweit gefüllt, bis der Die Zusammenhänge zwischen Pro-
zu großes Bodenvolumen vor. Bei nicht- Flüssigkeitsspiegel gerade den Taststift bengröße und Bodenkorn sind in Abb.
bindigen, gleichförmigen Böden kann der Meßbrücke berührt. 2.4.5.5/12 aufgezeigt.
bei ruckweiser Gerätebedienung eine Das Volumen wird aus dem Ver-
b4) Gipsersatz-Verfahren (Versuchsauf-
nicht kontrollierbare Setzung des Ge- brauch des flüssigen Ersatzmittels be-
bau s. Abb. 2.4.5.5/13):
rätes erfolgen. Damit wird ein zu kleines stimmt, der sich als Differenz der Wä-
Die Meßstelle ist wie beim Flüssig-
Volumen der Bodenöffnung festgestellt. gungen des Vorratsbehälters vor und keitsersatz-Verfahren vorzubereiten, die
Bei bindigen Böden muß die Konsistenz nach dem Versuch und der Dichte
Bodenprobe zu entnehmen und aufzu-
beachtet werden, da bei zu weichem der Ersatzflüssigkeit ergibt. bewahren. Das Volumen der entnom-
Zustand Gerätesetzungen oder -Ver- Für Wasser und Tapenkleister können
menen Bodenprobe wird mit einem
schiebungen erfolgen. = 1,0 g/cm3 angesetzt werden. Ein
Gipsabdruck ermittelt.
Anwendungsbereich: Der Versuch ist Temperatureinfluß bleibt unberücksich-
Dazu wird ein gießfähiger Gipsbrei
für alle standfesten Böden bis 63 mm tigt. Die Dichte einer Betonitmischung
angerührt und ohne Bildung von Luft-
Korngröße geeignet. Auszuschließen ist durch Messung zu bestimmen.
einschlüssen in die Bodenöffnung ge-
sind umlagerungswillige Böden und Bö- Dann wird aus dem errechneten Vo-
gossen. Ein Festhaften des Gipses an
den mit scharfkantigen Einschlüssen lumen und der Masse der feuchten Pro-
der Stahlringplatte wird durch Einfet-
(z. B. Schotter, Glas, Stückschlacke o. ä.) be die Dichte p und mit dem Wasser-
ten, an der Bodenöffnung durch öl-
oder zu großen Einzelhohlräumen, in gehalt die Trockendichte bestimmt.
getränkte Zellstoffstreifen verhindert.
die beim Versuch der Gummiballon ge- Anwendungsbereich: Das Verfahren Wenn der Gips abzubinden beginnt,
preßt wird. kann bei allen Böden ohne hohen An-
wird er bündig mit der Oberfläche der
teil an Steinen angewendet werden.
b3) Flüssigkeitsersatz-Verfahren (Ver- Stahlringplatte abgezogen. Zum Trans-
Besonders geeignet ist es bei groben
suchsaufbau Abb. 2.4.5.5/11): port und zur Volumenbestimmung wird
Böden wie Schotter, Hangschutt oder
Vor dem Versuch ist die Meßbrücke zu ein Drahtbügel in den noch weichen
Mischböden mit Einzelsteinen. In die-
justieren. Dazu wird die Stahlringplatte Gips gedrückt. Nach Erhärten wird der
sen Fällen empfiehlt sich die Verwen- Gipsabdruck samt Stahlringplatte an
auf eine glatte, ebene Fläche aufgelegt,
dung einer Stahlringplatte von wenig-
die Meßbrücke aufgesetzt und der Tast- dem Drahtbügel aus der Grube heraus-
stens 250 mm Innendurchmesser.
stift so weit nach unten gedreht, bis er gehoben, die Stahlringplatte abgenom-
In durchlässigen Böden ist stets eine
gerade die Auflagefläche berührt. In die- men und der Gipsabdruck gesäubert.
Dichtungshaut gegenüber dem Boden
ser Höhenlage wird er arretiert. Die so Auswertung: Vor der Volumenbestim-
zu verwenden (dünne Kunststoffolie
vorbereitete Meßbrücke kann mit dieser mung des Gipsabdrucks durch Was-
oder Weichgummihaut). Als Ersatzmit-
Stahlringplatte immer wieder benutzt serverdrängung der Tauchwägung ist
werden. Die Prüfstelle muß für eine glat- dieser ca. 2 Stunden zur Sättigung in
te und waagerechte Auflage der Stahl- Wasser zu lagern. Vorteilhaft ist, daß
ringplatte bis rd. 5 cm unter die vorhan- Abb. 2.4.5.5/12 Größtkorn beim Flüssig-
diese Messungen bei Unstimmigkeiten
denen Oberfläche vorsichtig abgetragen keitsersatz- Verf a h ren wiederholt werden können. Von dem
und eingeebnet werden. Dies bereitet ge- Gesamt-Volumen muß das der Stahl-
rade bei Böden mit groben Einschlüs- innerer Größtkorn durchschnitt- ringplattenöffnung abgezogen werden,
sen Schwierigkeiten und muß entspre- Durchmesser der liches um das Volumen der Bodenprobe zu
chend sorgfältig geschehen. Innerhalb der Stahl- Boden- Proben- bekommen. Mit der Masse der ent-
der Stahlringplatte ist nun der Boden bis platte probe volumen nommenen Bodenprobe kann nun die
in ca. 15-30 cm Tiefe auszuheben und Dichte und dem Wassergehalt die
möglichst luftdicht aufzubewahren. 200 mm ca. 50 mm 5 Liter Trockendichte _ bestimmt werden.
250 mm ca. 63 mm 10 Liter
Bei Verwendung von Wasser als Er- 300 mm ca. 75 mm 20 Liter
Auswertungsbeispiel s. Anhang A
satzmittel wird bei feinkörnigen Bö- 2.4.5.5/4.
58 Erdarbeiten

Abb. 2.4.5.5/14 Bodenarten und geeignete Verfahren zur Dichtebestimmung

Anwendungsbereich: Das Verfahren Das Probenvolumen wird üblicher- Anwendungsbereich: Dieses Verfahren
ist für alle Böden mit Körnern bis rd. weise aus den Abmessungen der Schürf- ist vor allem für Böden mit stark steini-
63 mm Durchmesser geeignet, vor allem grube (Mittelwert aus je drei Messun- gen Einschlüssen, wie Grobkies mit
für Böden mit scharfkantigen Teilen wie gen) als prismatischer Körper berech- Steinen, Blöcken, Schutt, Stückschlacke
z. B. Schotter oder Schlacke und für Bö- net. Die Dichte p ergibt sich aus der aus Halden usw., Fels- und Steinbruch-
den, die relativ große Lufteinschlüsse Masse der entnommenen Probe und material o. ä. geeignet. Es muß sich eine

c) Schürfgruben-Verfahren sergehalt spielt bei grobstückigen Bö- profilgerechte Schürfgrube anlegen lassen..
Die Prüfstelle soll eine ebene Oberflä- den wie z.B. Steinbruchmaterial nor- In Abb. 2.4.5.5/14 sind die wesentli-
che aufweisen, die jedoch nicht waage- malerweise eine sehr geringe Rolle und chen Anwendungsbereiche des Aus-
recht liegen muß. Jetzt wird eine mög- kann häufig vernachlässigt werden. Bei stechzylinder-, der Ersatz- und des
lichst rechteckige oder quadratische Mischböden oder bei besser korngestuf- Schürfgrubenverfahren aufgelistet wor-
Grube mit einer Grundfläche von rd. tem Material wie z.B. steinigen Kiesen den.
l m2 ausgehoben, deren Tiefe sich nach muß der Wassergehalt durch Trocknen
einer ausreichend großen Teilprobe be- d) Radiometrische Meßverfahren
der Grobkörnigkeit des Materials rich- Die in Kap. 2.4.5.2 geschilderten Ver-
tet und etwa 0,5-1 m beträgt (Probenvo- stimmt werden. Dann läßt sich auch die
dem berechnetenl Volumen.
Trockendichte errechnen.Der Was- fahren können auch zur direkten Mes-
lumen ca. 0,5 bis 1,0 m3). sung der Dichte p und bei gleichzeitiger
Der Bodenaushub sollte möglichst Besonderheiten: Bei diesem Verfahren Erfassung des Wassergehalts zur Mes-
von Hand erfolgen. Bei besonders fest liegen sowohl bei der Massenermittlung sung der Trockendichte verwendet
gelagertem Boden kann ggf. ein leichter wie auch bei der Bestimmung des Volu- werden.
Bagger für das Lösen des Hauptmate- mens zwangsläufig größere Ungenauig-
rials verwendet werden. In jedem Fall keiten vor. Die Dichte des Bodens kann 2. Laborversuche
muß von Hand exakt nachgearbeitet daher nicht so exakt bestimmt werden Sie sind nur für relativ kleine Pro-
werden. Das Probenmaterial wird ent- wie mit den vorstehend geschildeten ben bis maximal Ausstechzylindergröße
weder in mehrere große Behälter ge- Verfahren. Für die Praxis ist aber der und Böden mit festem inneren Zusam-
füllt oder auf einen LKW geladen und erzielte Meßwert bei derart groben Bö- menhang geeignet (Tone, Schluffe,
anschließend gewogen (ggf. Fahrzeug- den noch als unzureichend genau zu Lehm, bindiger Sand). Die Masse der
waage). bezeichnen. feuchten Probe wird stets durch Wä-
Bodenanalyse 59

gung, der Wassergehalt durch Trock-


nung bestimmt.
Für die Volumenermittlung werden
angwandt:
a) Quecksilberverdrängung:
Die Probe mit minimal 20 cm3 Volumen
kann unregelmäßige Formen aufwei-
sen. Das Volumen wird aus der Masse
des verdrängten Quecksilbers berech-
net.
b) Tauchwägung:
Die unregelmäßig geformte Probe soll
mindestens ein Volumen von 100 cm3
aufweisen. Um eine Wasseraufnahme
beim Eintauchen in das Tauchgefäß zu
vermeiden, muß sie mit einem wasser-
dichten Schutzfilm überzogen werden
(Schellack, Zelluloselack, Paraffin). Das
Volumen ergibt sich rechnerisch aus der
Masse der Probe an Luft und unter Auf-
trieb. Masse und Volumen des Über-
zugs sind zu berücksichtigen.
c) Ausmessen:
Besitzt der Probekörper regelmäßige
Formen (Quader, Würfel, Zylinder/
Ausstechzylinder), kann das Volumen
rechnerisch über Ausmessen mit einer
Schieblehre ermittelt werden.
2.4.5.6 Porenanteil und Porenzahl

Definition der Kennwerte


Der Porenanteil (n) ist der Quotient
des gesamten Porenvolumens (Vp) und
des Gesamtvolumens der Bodenprobe
(V).
Der Anteil an luftgefüllten Poren
(na) der Quotient des Luftvolumens (Va)
und des Gesamtvolumens (V).
Die Porenzahl (e) (Porosität des Bo-
dens) ist dagegen der Quotient aus dem
gesamten Forenvolumen (Vp) und dem
Volumen der Festmasse (Körner) (Vd).
Sie wird bei Berechnung häufig statt

Abb. 2.4.5.6/1 Verteilung der drei Stoffe 3. Darstellung des Porenanteils n


Luft, Wasser und Festmasse im Boden 4. Darstellung des Luftporenanteils na
1. Aussehen des Bodens 5. Darstellung der Porenzahl e
2. Sinnbild der Stoffverteilung
60 Erdarbeiten

Für einige häufig vorkommende Böden


sind der Porenanteil und die Porenzahl
in Abb. 2.4.5.6/2 aufgezeigt.

Anwendung der Kennwerte


Die Porenzahl e und der Porenanteil n
können als Hilfswert bei der Berech-
nung der Dichte/Wichte und zur Beur-
teilung z.B. der Wasserdurchlässigkeit,
dem Setzungsverhalten und der Ver-
dichtung von Böden herangezogen wer-
den. Weiterhin kann die Wasseraufnah-
mefähigkeit oder die restliche Bodenluft
bestimmt werden, Werte, die vor allem
für eine vegetationstechnische Beurtei-
lung bedeutsam sind.

2.4.5.7 Sättigungszahl

Definition des Kennwertes


Die Sättigungszahl Sr gibt an, wel-
cher Anteil aller in einem Bodenge-
misch vorhandenen Poren (n) mit Was-
ser gefüllt ist (nw) (Abb. 2.4.5.7/1).

Berechnung des Kennwertes


Die Sättigungszahl Sr berechnet sich
nach Sr = nw (1)
Sie vergrößert sich ohne Erhöhung
des Wassergehalts bei Verdichtung des
Bodens (n nimmt ab) bzw. mit Erhö-
hung des Wassergehalts ohne weitere
Bodenverdichtung.
Bodenanalyse 61

Mit Hilfe der Sättigungszahl kann der 1. Qualitative Untersuchung mit Na-
Luftporenanteil na berechnet werden. Bezeichnung der Bereiche von D
tronlauge,
Lagerungsdichte
Nach Abb. 2.4.5.7/1 ist na = n-nw (6) 2. Abtrennen von Pflanzenresten,
Nach Gleichung (6) ist nw = Sr-n 3. Quantitative Bestimmung des orga- Sehr lockere Lagerung 0,00* bis 0,15
Damit wird aus Gleichung (1) nisch gebundenen Kohlenstoffs mit lockere Lagerung 0,15 bis 0,30
der Chromat-Methode. mitteldichte Lagerung 0,30 bis 0,50
4. Bestimmung des Glühverlustes dichte Lagerung 0,50 bis 1,0*
Dieses Verfahren wird wegen seiner
Einfachheit besonders in der Bautech- Bezeichnung der
nik häufig angewendet, sofern der An- bezogenen Bereiche von l
Anwendung des Kennwertes teil an organischer Substanz niedrig ist. Lagerungsdichte
Die Sättigungszahl veranschaulicht Eine Bodeneinteilung nach dieser Me- lockerste Lagerung 0,00
deutlicher als der Wassergehalt die thode ist in Abb. 2.4.5.8/1 vorgestellt. lockere Lagerung 0,00 bis 0,35
»Nässe« des Bodens und kann mit dem mitteldichte Lagerung 0,35 bis 0,50
Tastsinn grob empfunden werden (Ein- 2.4.5.9 Lagerungsdichte dichte Lagerung 0,50 bis 0,70
teilung s. Abb. 2.4.5.7/2). Weiterhin und bezogene sehr dichte Lagerung 0,70 bis 1,00
kann sie zur Beurteilung des Verdich- Lagerungsdichte dichteste Lagerung 1,00
tungsverhaltens, der Wasseraufnahme-
fähigkeit, dem Luftanteil und zur Be- Definition der Kennwerte * Rechenwerte für D = 0,0 und 1,0 sind im
Gegensatz zu denen für ID rein theore-
rechnung von Sättigungskurven und zur Die Lagerungsdichte D bzw. die bezo-
tische Grenzwerte
Auswertung des Proctorversuchs ver- gene Lagerungsdichte ID wird durch
wendet werden. Vergleich der dichtesten, lockersten und Abb. 2.4.5.9/1 Einteilung der Lagerungs-
vorhandenen (natürlichen) Trocken- dichte D und bezogenen Lagerungsdichte
2.4.5.8 Organische Substanz dichte des Bodens bestimmt.

Definition des Kennwertes Berechnung der Kennwerte


Als organische Substanz gelten alle Zur Berechnung werden verwendet
nichtmineralischen und durch biologi- Trockendichte bei dichtester Lagerung:
sche Vorgänge gebildete Bestandteile max pd
des Bodens. Trockendichte bei lockerster Lagerung:
minp d
Berechnung des Kennwertes vorhandene Trockendichte: pd
Die organische Substanz wird in Pro- Korndichte: ps
zent oder als Verhältniswert ihrer Masse
zur gesamten Trockenmasse des Bodens
ausgedrückt.

Anwendung der Kennwerte


Anwendung des Kennwertes Die Kennwerte dienen zur Beurtei-
Da besonders Tragfähigkeit, Zusam- lung nichtbindiger bis schwachbindiger
mendrückbarkeit, Durchlässigkeit und Sande/Kiese.
Wasserbindevermögen durch organi- Aus den verschiedenen Lagerungs-
sche Beimengungen stark beeinflußt dichten kann auf die Verdichtbarkeit
werden, kann ihr Anteil zur Beurteilung bzw. die vorhandene Verdichtung ge-
herangezogen werden. schlossen werden.

Untersuchungsverfahren Untersuchungsverfahren:
Es wird auf Bodenphysikalische Prüf- Für die Durchführung der Versuche
verfahren im Straßenbau (Merkblätter) gilt DIN 18126, Vornorm III 81.
und Siedeck, Voß, Floß: Die Bodenprüf- Die heute übliche Einteilung der La-
verfahren bei Straßenbauten und wei- gerungsdichte D und bezogenen Lage-
tere Fachliteratur verwiesen. rungsdichte ID ist in Abb. 2.4.5.9/1 auf-
Danach werden vorwiegend ange- geführt.
wendet:
2.4.5.10 Proctordichte und
Verdichtungsgrad -
Abb. 2.4.5.8/1 Glühverlust verschiedener organischer Böden (nach Graßhoff/Siedek/ Proctorversuch
Floss: Handbuch für Erd- und Grundbau, Teil 1)
Definition der Kennwerte
Gerüstbaustoff Bodenart Die Proctordichte pPr ist die beim Proc-
nichtbindig bindig torversuch erreichbare größte Trocken-
dichte eines Bodens. Ihr zugeordnet ist
2- 3% 3- 5% schwach humoser Mineralboden belebter Boden der optimale Wassergehalt wPr.
3- 5% 5-12% humoser Mineralboden Oberboden Der Verdichtungsgrad DPr vergleicht
5-10% 12-20% stark humoser Mineralboden Oberboden
über 10% über 20% organischer Boden Moorboden
die vorhandene Trockendichte pd mit
der Proctordichte pPr.
62 Erdarbeiten

Versuchsdurchführung
Für die Durchführung und Auswertung
des Versuchs gilt DIN 18127, Vornorm
IV 76. Als Anhalt liefert Abb. 2.4.5.10/2
die durchschnittliche Proctordichte eini-
ger Böden.

2.4.5.11 Scherfestigkeit und


Zusammendrückbarkeit

Definition der Kennwerte


Wird ein Boden so stark beansprucht,
daß sich Bodenbereiche gegeneinander
verschieben, setzt er dieser Bewegung
seinen Scherwiderstand entgegen. Der
Scherwiderstand, der in einer Bruch-
oder Verschiebungsfläche auftritt, wird
Scherfestigkeit genannt. Mit Zusam-
mendrückbarkeit (Kompression) wer-
den die Formänderungseigenschaften
eines Bodens bei Belastungen unterhalb
der Bruchlast bezeichnet.

Berechnung der Kennwerte


Die Scherfestigkeit rf und Gleitfestigkeit
ir werden über die Coulomb/Mohr-
schen Bruchbedingungen als Spannun-
gen in Versuchen bestimmt.
Die Stauchung (Setzung) e einer Bo-
denprobe wird aus ihrer Höhenände-
rung unter Last ermittelt.
Abb. 2.4.5.10/1 Proctorkurve und Sättigungskurve für Sr = 1,0,
Beispiel: Tonboden

Darstellung/Berechnung der Kennwerte den Verdichtungsgrad, sondern nur die \nwendung der Kennwerte
Das Ergebnis eines Proctorversuches mehr oder weniger hohe Tragfähigkeit Die Scherfestigkeit ist zur Beurteilung
wird als Proctorkurve über den Werten des Bodens. und Berechnung der Standsicherheit
Wassergehalt und Trockendichte darge- In der Bautechnik sind je nach Objekt /on Grund- und Erdbauwerken er-
stellt. Der Verdichtungsgrad ist festge- Verdichtungsgrade von DPr = 0,95 bis forderlich. Aus der Art (Intensität, Dau-
legt zu 1,03 üblich (s. Anhang A 2.4.5.10/1). sr) der Zusammendrückbarkeit können

Die Darstellung wird häufig durch die


Abb. 2.4.5.10/2 Proctordichte und modifizierte Proctordichte verschiedener Böden
Sättigungslinie für S r = 1,0 ergänzt (Abb. (Durchschnittswerte)
2.4.5.10/1).

Anwendung der Kennwerte


Der Proctorversuch zeigt bei gleichblei-
bender Verdichtungsarbeit die Abhän-
gigkeit der erreichbaren Verdichtung
(mögliche Trockendichte pd) eines Bo-
dens vom Wassergehalt w.
Er dient zur Beurteilung der erreich-
baren Verdichtung und läßt die erreichte
Verdichtungsintensität erkennen. Wei-
terhin kann auf den Wassergehalt ge-
schlossen werden, der eine bestimmte,
gewünschte Verdichtung ermöglicht.
Der in Ausschreibungstexten häufig
anzutreffende Ausdruck »Verdichtung
bis zur Standfestigkeit« stellt keinen
Qualitätsmaßstab dar, da die Verdich-
tung von der Auflast (Gerät) und dem
Wassergehalt abhängt. Das Befahren Der Wassergehalt ist hier keine verläßliche Größe, da Lavaschlacke eine sehr große
eines Erdplanums zeigt ebenfalls nicht spezifische Oberfläche besitzt und das freie Wasser sich auch im Korn anlagert
Bodenanalyse 63

Der Bettungsmodul ks ist die eben-


O,* 04Q 0,2. Q£ falls vor Ort gemessene Kenngröße für
die Setzung unter der Wirkung einer
dauernden Last.

Darstellung/Berechnung der Kennwerte


Das Versuchsergebnis des Plattendruck-
versuchs wird als sog. Drucksetzungsli-
nie dargestellt. Dabei werden die Bo-
denbelastungen (Normalspannung o0)
als Abzisse und die dabei auftretenden
Bodenverformungen (Setzungen/Rück-
verformung s) als Ordinate aufgetragen
(s. Abb. 2.4.5.12/1).
Der Verformungsmodul wird nach
der Gleichung

Anwendung der Kennwerte


Der Plattendruckversuch zeigt bei
schrittweisen Be- und Entlastungsvor-
gängen bestimmte zugehörige Setzun-
gen. Er wird an der Prüfstelle ein- bzw.
zweimal wiederholt.
Aus den Drucksetzungslinien kön-
nen nicht nur die Kennwerte berech-
net sondern das gesamte Verformungs-
Hilfswerte für erdstatische Berechnun- Der Boden hat sich unter der Last irre- und Rückverformungsverhalten eines
gen (Tragfähigkeit, Setzung, Verschie- versibel verformt. Weitere Belastungen Bodens unter Wechsellasten abgeleitet
bung) abgeleitet werden (z.B. Grund- können u.U. zur stärkeren Vertiefung werden.
bruch, Gleiten, Geländebruch). der Fahrspur führen. Dieses Verfor- Weiterhin wird aus dem Verfor-
mungsverhalten wird »plastisch« ge- mungsmodul die Tragfähigkeit eines
Untersuchungsverfahren nannt. Bodens für Verkehrslasten und aus dem
Für die Versuchsdurchführung und 2. Während der Überfahrt ist eine Bettungsmodul die Setzung ermittelt,
Auswertung gelten: Fahrspurbildung zu erkennen, die sich damit also eine bautechnische Boden-
DIN 18137, T. l, Vornorm III 72; nach Entlastung praktisch vollständig beurteilung ermöglicht.
DIN 18137, T. 2, Entwurf IX 79; BAU zurückbildet. Dieses Verformungsver- Letztlich kann aus dem Vergleich der
1980; DIN 18136, Vornorm III 73. halten wird »elastisch« genannt. gewonnenen Verformungsmodule auf
Der direkte Scherversuch, Dreiaxial- 3. Weder während des Befahrens die Qualität der Bodenverdichtung bzw.
versuch, Kompressionsversuch und Zy- noch danach ist eine Spurbildung er- auf noch durch Nutzung zu erwartende
linderdruckversuch stellen Laborversu- kennbar. Dieses Verformungsverhalten Verformung geschlossen werden.
che dar. wird »starr« genannt. Die zu erreichenden Kenngrößen
Jeder Boden zeigt nun eine Überlage- sind in Fachnormen bzw. Vorschriften
2.4.5.12 Verformungsmodul und rung dieser drei Vorgänge. Dabei wird für bau- bzw. vegetationstechnische
Bettungsmodul - die plastische, dauerhafte Verformung Vorhaben verankert (s. Anhang A.
Plattendruckversuch umso größer sein, je niedriger die Kon- 2.4.5.12/1).
sistenz (weicher) und geringer der Ver- Der Befahrungsversuch liefert dage-
Wird eine Bodenschicht wechselnder dichtungsgrad (lockerer) der Boden ist. gen nur visuelle Anhaltspunkte. Er kann
Belastung (Be- und Entlastung z.B. Die elastisch/starre Verformung ist da- jedoch zur Festlegung bestimmter Ver-
beim* Überfahren mit einem Fahrzeug) gegen bei besonders trockenen bin- suchspunkte und damit zur gezielten
unterworfen, so erfährt sie während der digen und extrem stark verdichteten Anwendung des Plattendruckversuchs
Belastungsphase eine Kompression, die nichtbindigen Böden zu erwarten. Das verwendet werden. Bei landschaftsbau-
sich je nach Bodenart und -zustand nach Verformungsverhalten wird mit dem technischen Vorhaben kann er ggf. mit
Entlastung mehr oder weniger stark zu- Plattendruckversuch ermittelt. bestimmten Vereinbarungen als Prüf-
rück verformt. versuch zulässig sein.
Drei Bodenreaktionen können dabei Definition der Kennwerte
unterschieden werden: Der Verformungsmodul Ev ist die vor Versuchsdurchführung
1. Es bildet sich eine tiefe Fahrspur Ort bestimmte Kenngröße für das Ver- Die Prüfung des Bodens erfolgt mit
ohne nennenswerte Rückverformung. formungsverhalten. Feldversuchen (in situ) als Platten-
64 Erdarbeiten

druckversuch und als Befahrungsver- nen). Weiterhin hat er Einfluß auf die
such, bei dem die Prüffläche möglichst Tragfähigkeit und das Setzungsverhal-
flächendeckend mit einem LKW mit 51 ten und vegetationstechnische Eigen-
Radlast mit Schrittgeschwindigkeit be- schaften (gerade im Rasensportplatz-
fahren wird. Die Tiefe der Radspuren bau).
gibt einen Anhalt für das Verformungs-
verhalten des Bodens und vor allem die Untersuchungsverfahren
zu erwartenden Abweichungen auf der Für die Ermittlung der Wasserdurchläs-
gesamten Fläche. sigkeit gelten DIN 18130, T.l, Vornorm
Der Plattendruckversuch ist durch- XI 83; für Sportplätze DIN 18035, T. 4,
zuführen und auszuwerten nach DIN T. 5 und T. 6.
18134, Vornorm VII76, der Befahrungs- Für einige Böden ist in Abb. 2.4.5.14/1
versuch nach ZTVE-StB 76. der Durchlässigkeitsbeiwert angegeben.
Die Bedeutung dieser Werte kann Abb.
2.4.5.13 Kapillare Steighöhe 2.4.5.14/2 entnommen werden.

Definition des Kennwertes 2.4.5.15 pH-Wert


Die kapillare Steighöhe gibt an, wie
hoch Wasser in einem Boden durch Ka- Zum pH-Wert wird auf Kap. 3 verwie-
pillarwirkung ansteigen kann. Abb. 2.4.5.14/1 Extremwerte des Durch- sen.
lässigkeitsbeiwerts bei verschiedenen Bö-
den (nach Schultze/Muhs: Bodenunter-
Darstellung des Kennwertes
Die kapillare Steighöhe hk wird in (m)
suchungen für Ingenieurbauten, Springer- 2.5 Bewertung der
Verlag, 1967)
angegeben. Bodenkenngrößen -
»Bodensynthese«
Anwendung des Kennwertes
Die kapillare Steighöhe wird bei erd- Umfang und »Tiefgründigkeit« hängen
statischen Berechnungen, bei Abdich- von der Bedeutung des zu betrachten-
tungsproblemen, im Erd- und Straßen- den Bodens, dem Umfang des Objektes
bau zur Beurteilung der Frostgefähr- und damit dem bei Fehleinschätzung
dung und zur Beurteilung der Konsi- entstehenden Kostenrisiko ab.
stenzänderung benötigt.

2.5.1 Vorgaben aus dem Objekt


Abb. 2.4.5.13/1 kapillare Steighöhe ver- Eine sinnvolle Bodenbewertung kann
schiedener Böden (Durchschnittswerte) Abb. 2.4.5.14/2 Einteilung der Durchläs- nur vorgenommen werden, wenn exakt
sigkeit nach DIN 18130, Teil 1 definierte, objektbezogene Vorgaben
Bodenart Korngruppe kapillare bekannt sind. Dazu sind folgende Aus-
In (mm) Steighöhe sagen zu treffen:
Kies 2-6 bis 5 cm
2.4.5.14 Wasserdurchlässigkeit 1. Zur Nutzung des Bodens
Sand 2 -0,6 3- 10 cm für bautechnische oder vegetationstech-
0,6 -0,2 10- 30 cm Definition des Kennwertes nische Zwecke; als Baugrund mit hoher
0,2 -0,1 30- 60 cm Die Wasserdurchlässigkeit eines Bodens oder geringer Belastung bzw. statischer
0,1 -0,06 60-100 cm wird durch den sog. Durchlässigkeitsbei- oder dynamischer Beanspruchung; als
Schluff 0,06 -0,02 1- 3 m
wert k (m/s) beschrieben, der von der Oberboden für unbelastete Vegetations-
0,02 -0,006 3- 10 m Fließgeschwindigkeit des Wassers im flächen (Pflanzflächen, Nutzgarten oder
0,006-0,002 10- 30 m Boden v und dem sog. hydraulischen sehr gering belasteter Zierrasen); als
Gefalle J abhängt. Oberboden für belastete Vegetationsflä-
Ton bis 0,002 30-300 m chen (Spielrasen, Bolzplatz, Kinder-
Berechnung des Kennwertes spielplatz, Rasenparkplatz).
Der Durchlässigkeitsbeiwert wird nach
2. Zur Verwendung des Bodens
der Gleichung k=v/J (m/s) berechnet. Er im Auftragsbereich als Schüttmaterial;
Untersuchungsverfahren stellt keine konstante Größe dar, son- im Abtragsbereich in Form des anste-
Zu den Versuchen wird auf entspre- dern ist von dem veränderlichen hy- henden Bodens; zur Hinterfüllung von
chende Fachliteratur verwiesen. draulischen Gefalle J abhängig. Daher Bauwerken.
Einen zahlenmäßigen Überblick über muß für eine Reproduzierbarkeit der
die Größe der kapillaren Steighöhe gibt Werte besonders auf die Wahl von J 3. Zur Formgebung
Abb. 2.4.5.13/1. Steighöhen von über geachtet werden. flächiger Auftrag auf waagerechten oder
10 m treten jedoch nur noch als offener geneigten Flächen; Auftrag mit freien
Kapillarwassersaum auf, da eine Was- Anwendung des Kennwertes Böschungen.
sersäule bei diesem Unterdruck Luft Er wird für die Abschätzung bzw. Be-
ausscheidet. Die Tabellenwerte können rechnung aller Fließvorgänge im Boden 4. Zum Schichtenaufbau
auch als »Saugspannung« verstanden benötigt (z.B. bei Grundwasserabsen- durch Abtrag verringerter natürlicher
werden, die einer Entwässerung des Bo- kungen, Sickerströmungen in Dämmen, Schichtenaufbau; durch Auftrag ent-
dens entgegenwirkt. Entwässerungsanlagen im Boden, Brun- standener künstlicher Schichtenaufbau
Bewertung der Bodenkenngrößen - »Bodensynthese« 65

unter Wahrung oder Abänderung bzw. »bautechnisches« oder »vegetations- lung. Die Benennung des Bodens nach
Umkehrung der natürlichen Schichten- technisches« Material vorzunehmen ist. Abb. A 2.4.5.1/lb würde somit richtig
folge; Lage des Bodens in tiefer Schicht Für die Benennung sind maßgebend: lauten:
mit oder ohne Einfluß des Grund- oder 1. »wertfrei« beschreibend: Kies, mittelsandig, schwach grobsan-
Schichtenwassers; Lage an der Erdober- DIN 4022 und 4023 (siehe A 2.4.3.3/1 dig, schwach feinsandig (Abkürzung:
fläche. u. 2) sollen gewährleisten, daß entnom- G, ms, gs', fs').
mene Bodenproben nach Art und Be-
5. Zur Beanspruchung während der schaffenheit einheitlich gekennzeichnet Ermittlung der Bodengruppe nach DIN
Bauarbeiten werden (»Bodenart«, »Felsart«). 18196
durch Fahrzeuge und Baugeräte; als La- 2. »bewertende« Benennung: Bei nichtbindigen Böden (Korndurch-
gerfläche für Baustoffe oder Bodenmie- unter bautechnischen Gesichtspunk- messer über 0,06 mm) werden zur Be-
ten. ten: nennung Bodenhauptart und Form der
DIN 18196 (siehe A 2.5.3.1/la und b) Körnungskurve, bei bindigen Böden
2.5.2 Gesichtspunkte für bildet »Bodengruppen«, die einen etwa (Kornanteil der Körner kleiner als
gleichen stofflichen Aufbau und annä- 0,06 mm über 40%) Bodenhauptart und
die Bewertung der
hernd gleiche bodenphysikalische und plastische Eigenschaften, bei gemischt-
Boden kenn werte damit bautechnische Eigenschaften ha- körnigen Böden (Anteil an Körnern
Aus den Vorgaben für das Objekt erge- ben. kleiner 0,06 mm zwischen 5 und 40%)
ben sich viele Einzelfragen, die in den DIN 18300 (siehe A 2.5.3.1/2) teilt Bö- die Bodenhauptarten der nichtbindigen
folgenden Komplexen zusammengefaßt den nach dem Aufwand der Löseenergie und bindigen Korngruppen, bei orga-
werden: entsprechend Art und Zustand des Bo- nogenen Böden oder Böden mit organi-
Für eine zweifelsfreie Verständigung dens in »Bodenklassen« ein. schen Beimengungen die mineralische
zwischen Bauherrn, Planer und Auf- unter vegetationstechnischen Ge- Bodenhauptart, bei rein organischen
tragsnehmer ist eine exakte Boden- sichtspunkten: Böden der Grad der Zersetzung be-
benennung erforderlich. Für Planung DIN 18915 (s. Kap. 3) faßt Böden in nutzt.
und Ausführung ist die Bearbeitbarkeit »Bodengruppen« mit annähernd glei-
wichtig. chen vegetationstechnischen und bo-
Das Verdichtungsverhalten des Bo- denphysikalischen Eigenschaften sowie
dens und - daraus abzuleiten - die annähernd gleicher Bearbeitungspro-
Durchwurzelbarkeit sind zu untersu- blematik zusammen.
chen. Eine exakte Benennung ist nur nach
Bei oberflächennaher Lage ist die einer labormäßigen Untersuchung an-
Frostempfindlichkeit zu klären. hand einer Körnungskurve möglich. Die
Muß der Boden Lasten aufnehmen, Bodenhauptarten können ggf. auch mit
ist seine Tragfähigkeit, bei freien Bö- einfachen Methoden (Fingerprobe etc.)
schungen auch seine Standfestigkeit zu festgestellt werden.
bewerten.
Ferner ist der Boden innerhalb des Beispiele
gesamten Schichtenaufbaus zu beurtei- Ermittlung der Bodenart nach DIN 4022/
len, da der ursprüngliche Bodenaufbau 4023
praktisch immer gestört ist. Die Körnungskurve wird in sogenannte
Und schließlich sind Kapillarität und Korngruppen unterteilt. Der Boden
Wasserdurchlässigkeit im Zusammen- nach Anhang A 2.4.5.1/lb enthält un-
hang mit dem Schichtenaufbau wichtig. ter 1% an Körnern mit einem Korn- (zwischen l und 3), also ebenfalls einen
Aus den Anforderungen ist die Aus- durchmesser kleiner als 0,06 mm weitgestuften bzw. nicht intermittierend
wahl der Komplexe zu treffen, die eine (Schluff und Ton), 26,6% Sand (1% gestuften Boden.
klare Definition der Ziele und Wün- Feinsand, 19% Mittelsand, 6,6% Grob- Die Bodengruppe lautet damit: GW
sche ermöglicht. sand) sowie 73% Kies (30% Feinkies, (weitgestufter Kies).
40% Mittelkies, 3% Grobkies).
Mit »Bodenhauptart« wird die Korn- Ermittlung der Bodenklasse nach DIN
2.5.3 Bewertungskomplexe 18300
gruppe bezeichnet, die den größten
Wie schon aus den vorstehenden Erläu- Anteil aufweist (hier also Kies). Als Hier gelten die in A 2.5.3.1/2 aufgezeig-
terungen erkennbar war, sind die Be- »Beimengungen« werden die weniger ten Kriterien, die aus der Kornvertei-
wertungskomplexe vorwiegend unter umfangreichen Korngruppen mit fallen- lung und dem Bodenzustand resultie-
dem Gesichtspunkt einer »bautechni- der Menge genannt (hier also Sand und ren. Für das Beispiel ergibt sich die
schen« Beurteilung des Bodens zu se- Schluff). Die Beimengungen werden in Bodenklasse 3, da der Anteil an Kör-
hen. Eine besondere »vegetationstech- Adjektivform, bei Anteilen unter 15% nern kleiner 0,06 mm unter 15% (hier
nische« Wertung liegt in Kapitel 3.7 vor. zusätzlich mit »schwach«, bei Anteilen 1%), der Anteil an Körnern größer
von 15-30% ohne weitere Bezeichnung 63 mm unter 30% (hier 0%) liegt.
2.5.3.1 Bodenbenennung und bei Anteilen über 30% mit »stark«
benannt (z.B. schwach schluffig). Die Ermittlung der Bodengruppe nach DIN
Für die »Namensgebung« ist zuerst fest- Benennung soll den Boden möglichst 18915: s. Kap. 3
zulegen, ob der Boden »wertfrei«, d. h. genau beschreiben. Bei einem gleich- Die Benennungen ermöglichen wei-
nur anhand seiner Zusammensetzung mäßigen Kurvenverlauf kann dies mit terhin wie nachfolgend beschrieben
oder »bewertend«, d. h. auch aufgrund relativ großen Korngruppen geschehen. eine Beurteilung der Bearbeitbarkeit,
seiner Eigenschaften benannt werden Ein unregelmäßiger Verlauf der Kör- der Tragfähigkeit und Standfestigkeit,
soll. Weiterhin ist vorzugeben, ob die nungskurve erfordert wie beim vorlie- der Verdichtbarkeit sowie dem Verhal-
Benennung nach der Verwendung als genden Beispiel eine feinere Untertei- ten zum Wasser.

.
66 Erdarbeiten

2.5.3.2 Bearbeitbarkeit stimmte Anwendungen besonders ge- haben knetend wirkende Maschinen
eignet oder ungeeignet. mit hoher Auflast und geringer Fahrge-
Sie ist zu beurteilen nach Sein Verhalten hängt vorwiegend von schwindigkeit eine hohe Leistung.
1. Einschränkungen wegen der Verän- der Kornzusammensetzung, von der Art Die höchste Verdichtung wird erzielt,
derung der Qualität des Bodens (vor- und Größe der Belastungen und der wenn die Konsistenzzahl Ic zwischen
wiegend Gefugeveränderungen); »Lockerheit« vor der Belastung ab. etwa 0,8 und 1,0 liegt. In diesem Zu-
2. Einschränkungen aus arbeitstechni- Die Größe der erreichten Verdich- stand fühlt sich ein bindiger Boden wie
scher Sicht (Arbeitsaufwand, Ar- tung kann verdeutlicht werden, indem steifplastisches Knetgummi an (er läßt
beitsverfahren); die vorhandene Bodendichte mit der sich noch kneten, ohne Risse zu be-
3. Bearbeitbarkeit aufgrund des augen- Proctordichte oder der lockersten und kommen). Ist ein bindiger Boden zu
blicklichen Zustands (Feuchtigkeit dichtesten Lagerung verglichen wird. Je trocken, ist die Verdichtung wegen der
und Dichte) und höher der bei diesem Vergleich festge- hohen Bindungskräfte zwischen den
4. Änderung der Bearbeitbarkeit über stellte »Verdichtungsgrad« ist, desto we- Körnern (Kohäsion) sehr erschwert; in
längere Zeiträume durch Witterung niger wird sich das Bodengefüge wegen zu weichem Zustand kann er nicht ein-
oder Lagerungsveränderungen (Auf- der hohen Tragfähigkeit bei weiteren mal mehr das Gewicht der Verdich-
last, Verkehr, Eigengewicht). Lasteinwirkungen noch verändern. Al- tungsgeräte tragen. Der steifplastische
lerdings ist er in diesem Zustand am Bereich ist damit besonders kritisch: ein
Maßstäbe für die Beurteilung der Be- schwersten durchwurzelbar. intensives Befahren mit Reifengeräten
arbeitbarkeit liefern die DIN 18300 und Zu beachten ist auch, daß die Ver- kann eine so starke Verdichtung erge-
18915, wobei bei letzterer die Konsi- dichtung zu einer Verkleinerung der ben, daß ein fast nicht mehr durchwur-
stenz entscheidend ist. Einzelporen und zur Abnahme des ge- zelbarer Horizont entsteht und der Bo-
Weitere Anhaltspunkte sind aus der samten Porenanteils führt. Dieses ver- den durch Luftarmut und Staunässebil-
Kornverteilung, dem Schluff- und Ton- ringert die Wasserdurchlässigkeit, ver- dung chemische Veränderungen erfahrt.
anteil, aber auch persönlichen Erfah- größert die Wasserbindefähigkeit und Liegen derart verdichtete Schichten
rungen zu gewinnen. Wassersättigung. Der Luftgehalt des Bo- unter Vegetationsflächen vor, sind sie
Der Boden nach A 2.4.5.1/lb bzw. dens nimmt ab, und der Luftaustausch vor dem Aufbringen des Oberbodens
Nr. 2 aus Abb. 3.5.2/1 gelten auch in in größere Tiefen wird eingeschränkt. wenigstens aufzubrechen, um partiell
dichtgelagertem Zustand nach DIN In gewissem Grad nimmt die Frostemp- eine Verbindung zu durchlässigeren tie-
18300 als leicht lösbare Böden, da sie findlichkeit zu. feren Schichten herzustellen. Dies ist
einem Lösegerät (Bagger, Planierraupe, z.B. bei Boden l nach Abb. 3.5.2/1 zu
Radlader) nur einen geringen Zusam- Die Abschätzung der Verdichtbarkeit beachten.
menhalt entgegensetzen (Bodenklasse ist aus der Körnungskurve möglich:
3). Für nichtbindige Böden gilt: Je fla- 2.5.3.4 Frostempfindlichkeit
Mit dem Boden l aus Abb. 3.5.2/1 cher die Kurve verläuft, aus je unter-
(Schluff, tonig, schwach sandig) liegt da- schiedlicheren Korngrößen also der Bo- Das Frostgeschehen, seine Auswirkun-
gegen ein Material vor, das über seine den besteht (weit gestuft), desto besser gen auf den Boden und die sog. Frost-
Kornverteilung nicht eindeutig einge- können die einzelnen Körner im Ge- kriterien sind in Kap. 8 beschrieben.
ordnet werden kann, denn bei niedri- füge ineinandergeschachtelt werden. Den Grad der Frostempfindlichkeit
gem Wassergehalt entsteht ein extrem Wegen der vielen Übertragungspunkte kann man anhand der Körnungskurve
festes Gefüge (Bodenklasse 4 oder 6), ist aber der Kraftaufwand größer, der genau ermitteln. Die kritischste Korn-
bei sehr hohem Wassergehalt ein fast eine derartige Kornverschiebung erzielt. gruppe ist hierbei der Schluff. Da-
flüssiges Material, das das Wasser zu- Vibrierend oder schlagend wirkende her genügt es in vielen Fällen, sein
dem stark festhält (Bodenklasse 2). Geräte bzw. Lastwirkungen (vom spe- Vorhandensein mit einfachen Mitteln
Auch bezüglich der Verwendung des ziellen Verdichtungsgerät Rüttelplatte/ nachzuweisen. Dies kann z.B. durch
Bodens spielt die Konsistenz eine Rolle: Vibrationswalze bis zum Kettenlader) eine Fingerprobe (mehliges Gefüge)
in der Bautechnik soll meist eine erzielen eine größere Wirkung als sta- oder die Wasserlagerung einer nußgro-
optimale Verdichtung erzielt werden, tisch-rollend wirkende Geräte (Glatt- ßen, fest zusammengekneteten Probe
bei vegetationstechnischer Verwendung walze, gummibereiftes Fahrzeug). Bö- geschehen: zerfällt sie schnell, liegt vor-
soll dagegen die Verdichtung weitge- den mit einem steilen Verlauf der Kör- wiegend Schluff und nicht Ton als Bin-
hend vermieden werden. nungskurve (enggestufte Böden) erfah- demittel vor (s. Kap. 2.4.5.1/1).
Der Bodenzustand (Gefüge und Fe- ren bei Belastung eher Kornumlage- Der Boden l nach Abbildung 3.5.2/1
stigkeit) ändert sich bei nichtbindigen rungen als Verdichtungen. ist somit als frostgefährdet zu bezeich-
Böden vorwiegend durch Auflast, bei Boden 2 nach Abbildung 3.5.2/1 wür- nen. Wird er z.B. auf stark geneigten
bindigen Böden durch Witterungsein- de somit in Bereichen, die hohe Ver- Böschungen eingebaut, besteht vor al-
flüsse. Je höher dabei der Schluffan- dichtung und Tragfähigkeit fordern, in- lem beim Frostaufgang die Gefahr des
teil ist, desto schneller laufen diese tensiv mit einer Rüttelplatte verdichtet Abrutschens. Im Bereich belasteter Flä-
Zustandsänderungen ab. werden können. Sollen Verdichtungen chen tritt ein starker Tragfähigkeitsver-
Über Verbesserungsmaßnahmen dagegen so gering gehalten werden wie lust ein. Soll auf diesem Boden eine
kann die Bearbeitbarkeit in bestimm- möglich (z.B. bei Pflanzflächen), ist er technische Fläche erstellt werden (z.B.
tem Rahmen verändert werden (s. Kap. nur mit leichten gummibereiften Ma- eine plattenbelegte Terrasse), ist für ei-
2.6). schinen zu befahren (besonders günstig: nen möglichst frostsicheren Aufbau zu
Niederdruckreifen). sorgen. Hierzu ist entweder der Einbau
2.5.3.3 Verdichtungsverhalten, Bindige Böden reagieren dagegen mit einer Frostschutzschicht oder eine Sta-
Durchwurzelbarkeit starker Verdichtung bei langandauern- bilisierung des Bodens mit Kalk erfor-
den Belastungen, da nur so das Boden- derlich.
Die Weise wie ein Boden auf Belastun- wasser in den feinen Poren bewegt und Bei Boden l ist ferner die Reliefaus-
gen reagiert, die sein Gefüge enger eine intensivere Ineinanderschachte- bildung bedeutsam. Grundsätzlich ist
schachteln wollen, macht ihn für be- lung des Bodens möglich wird. Damit so zu planen und zu bauen, daß Ober-
Bewertung der Bodenkenngrößen - »Bodensynthese« 67

flächenwasser weitgehend durch ent- den Boden unter Beachtung seiner Lage größer ist die Durchlässigkeit und ent-
sprechendes Gefalle abfließt, um zu im Bauwerk auf »Langzeiteigenschaf- sprechend kleiner die Kapillarität. Die
vermeiden, daß sich der Boden vor ten« beurteilen. Ausbildung der Poren hängt von der
Frostbeginn unnötig mit Wasser sättigt. Boden l nach Abb. 3.5.2/1 besitzt Kornzusammensetzung (Stufung), der
Boden 2 nach Abb. 3.5.2/1 ist dagegen kurzfristig veränderliche Eigenschaften, Korngröße und der Verdichtung des Bo-
als frostsicher, höchstens gering frost- da er wegen seines hohen Grobschluff- dens ab. Dabei erzeugen grobe Kornge-
empfindlich einzustufen. Er kann über- anteils sehr schnell und tiefgründig mische mit enger Stufung (z. B. Grob-
all ohne Einschränkung verwendet wer- durchfeuchtet werden kann. Dagegen kies) sehr große Poren, feine Kornge-
den. besitzt der Boden 2 nach Verdichtung mische mit enger Stufung (Feinsand)
gute Tragfähigkeitseigenschaften, die feinere Poren. Ebenso werden bei weit-
2.5.3.5 Tragfähigkeit und durch die Witterung kaum beeinflußt gestuften Korngemischen (Sand-Kies-
Standfestigkeit werden. Gemische) feine Poren gebildet. Liegen
Die Standfestigkeit ist ausreichend, zusätzlich Anteile des Schluff-und/oder
Die Tragfähigkeit eines Bodens ist aus- wenn ein Boden auf einer geneigten Tonbereiches vor, nimmt die Poren-
reichend, wenn bei Belastung keine un- Ebene belastet nur durch sein Eigenge- größe noch weiter ab und erreicht bei
zulässigen Setzungen oder Verdichtun- wicht ausreichend haltbar ist. Auch hier reinen Tonböden ihre geringste Größe.
gen auftreten. Eine absolute Grenze der gilt, daß mit steigender Zahl der Berüh- Die Porengröße wird weiterhin durch
Tragfähigkeit ist durch den sogenann- rungspunkte bei nichtbindigen Böden Verdichtung oder Setzung verringert
ten Grundbruch gegeben. Bei ihm hat die Festigkeit zunimmt und bindige Bö- bzw. bei Auflockerung vergrößert.
die Belastung das gesamte Erdbauwerk den bei hoher Kohäsion (trockener Zu- Aus der Körnungskurve kann somit
zerstört. stand) eine gute Haltbarkeit aufweisen. auf die zu erwartende Wasserdurchläs-
Die Tragfähigkeit ist keine festlie- Auf geneigten Ebenen wirken jedoch sigkeit und Kapillarität geschlossen wer-
gende, konstante Größe wie bei ho- Wasser und u.U. auch Wind als erodie- den, wenn man festlegt, daß der Boden
mogenen Baustoffen (z.B. Stahl oder rende Kräfte. Der Widerstand gegen in verdichtetem oder konsolidierten Zu-
Beton), sondern hängt von den Anfor- Erosion ist besonders bei feinkörnigen stand vorliegt. Die Kennwerte werden
derungen an das Erdbauwerk ab, denn nichtbindigen Böden (reich an Fein- mit entsprechenden Versuchen ermit-
je niedrigere Ansprüche gestellt wer- und Mittelsand) aufgrund des geringen telt.
den, desto größer dürfen Setzungen Korngewichtes und bei groben bindi- Die Beurteilung nur jeweils einer Bo-
oder Verdichtungen sein. Die Tragfä- gen Böden (hoher Grobschluffanteil) denschicht kann zu falschen Schlüssen
higkeit eines Bodens ist um so größer, je wegen der geringen Kohäsion gering. fuhren. Daher ist der gesamte, für das
höher sein Verdichtungsgrad ist, da je Dieses steht der Aussage bei der Tragfä- Objekt wichtige Schichtenaufbau zu be-
Volumeneinheit des Bodengefüges im- higkeit entgegen. Vor allem beim Frost- trachten, denn es können die Fälle
mer mehr Berührungspunkte vorliegen, aufgang zeigen sich hier durch die Was- »grobporiger Boden auf feinporigem
die Reibungskräfte und/oder Kohä- seranreicherung Standfestigkeitseinbu- Boden« und »feinporiger auf grobpori-
sionskräfte übertragen können. ßen. gem Boden« mit folgenden Wirkungen
Außer der Verdichtung spielt bei Mit Boden l nach Abb. 3.5.2/1 liegt auftreten: im ersten Fall wird das Sik-
nichtbindigen Böden die Kornzusam- ein gering tragfähiger und gering stand- kerwasser schnell durch die durchläs-
mensetzung eine Rolle. Dabei bietet ein fester Boden vor. Besonders bei Bö- sige Bodenschicht fließen und sich auf
weitgestufter Boden mehr Berührungs- schungen (Terrassenhang o.a.) ist dies der weniger durchlässigen Schicht an-
punkte als ein enggestufter mit glei- zu berücksichtigen. Außer durch eine sammeln, da dort die Versickerung zu-
cher Bodenhauptart. Die innere Rei- Bodenstabilisierung können sofortige, mindest langsamer abläuft als die Was-
bung wird ferner von der Kornform und flächendeckende Begrünungen (ggf. serzufuhr von oben. Die Folge ist die
Oberflächenrauhigkeit der Körner be- Zwischenbegrünung) Verbesserungen Bildung von Staunässe. Dieser Vorgang
einflußt. Ein Boden aus rauhen, prisma- bringen. tritt häufig in lockeren Oberböden auf,
tisch gebrochenen Körnern hat eine fast die unmittelbar auf einem z.B. intensiv
doppelt so hohe Tragfähigkeit wie ein 2.5.3.6 Wasserdurchlässigkeit, befahrenen oder von Natur aus dich-
Boden aus runden, glatten Körnern. Au- Kapillarität und ten Baugrund angedeckt worden sind.
ßerdem ist der Korndurchmesser von Schichtenaufbau Der an sich gut durchlässige Boden
Einfluß, denn je kleiner die Körner wird also durch die tiefere Schicht ver-
sind, desto mehr Kraftübertragungs- Diese drei Kenngrößen stehen in en- schlechtert (Abb. 2.5.3.6/1). Im zweiten
punkte gibt es. Bei gleicher Stufung und gem Zusammenhang. Sie beeinflussen Fall ist die Wasserführung auch nicht
gleichem Verdichtungsgrad ist also ein vor allem den Wasserhaushalt des Bo- sehr viel besser: die obere, gering durch-
Boden aus kleinen Körnern tragfähiger dens. Wasserdurchlässigkeit und Kapil- lässige Schicht fuhrt zuerst zu einer
als ein gröberer. larität sind in ihrer Größe einander ent- oberflächigen Wasseranreicherung, da
Bei bindigen Böden ist für die Tragfä- gegengesetzt. dieser Boden aufgrund seiner feinen
higkeit vor allem die Bodenfeuchtigkeit, Vor allem ein künstlicher Schichten- Poren nur ein langsames Eindringen
also der Bodenzustand entscheidend. aufbau sehr verschiedener Böden be- des Wassers erlaubt. Ebenso langsam
Auch ein sehr dicht gelagerter bindiger dingt einen Wechsel der Kenngrößen in wird die Durchsickerung ablaufen. Die
Boden verliert an Tragfähigkeit, wenn den durch die einzelnen Böden vorgege- durchlässige, tiefe Schicht nimmt dieses
er Wasser aufnimmt und erreicht umge- benen Eigenschaften. So entstehen ge- Sickerwasser allerdings nicht sofort auf,
kehrt bei Trockenheit wegen des sehr rade durch den Bauablauf u.U. sehr denn die obere Bodenschicht besitzt we-
festen Zustands die größte Belastbar- ungünstige Voraussetzungen für den gen ihrer kleinen Poren eine viel grö-
keit. Gerade bindige Böden sind schwer Wasser- und Lufthaushalt des Bodens. ßere Wasserbindekraft, als der grobpo-
zu beurteilen, weil sie mit dem Witte- Die Größe der Wasserdurchlässigkeit rige Boden an Saugkraft aufweist. Aus
rungswechsel fortlaufend ihre Tragfä- bzw. der Kapillarität resultiert aus Po- der oberen Bodenschicht läuft erst dann
higkeitseigenschaften verändern. Man rengrößen und Anzahl der Poren des Wasser ab, wenn ihre Wasserbindekraft
sollte sich also nicht zu sehr auf einen Bodens je Volumeneinheit: je größer erschöpft ist. Dies ist der Fall, wenn sie
Augenblickszustand verlassen, sondern und zahlreicher die Poren sind, desto sich weitgehend mit Wasser gesättigt
68 Erdarbeiten

völlige Zerstörung des vormaligen Bo-


dens. Bekannt ist sie gerade durch Bo-
denabtransport auf Böschungen. Diese
Schäden können so umfangreich sein,
daß praktisch das ganze Bauwerk zer-
stört wird (Abb. 2.5.3.6/2). Erosionsvor-
gänge können aber auch im Bodenin-
nern stattfinden. Vor allem treten solche
Schäden als »Kontakterosion« an der
Nahtstelle zwischen zwei Bodenschich-
ten auf, die einen sehr unterschiedli-
chen Kornaufbau zeigen. Dabei wird der
feinere Boden völlig, oder zumindest
mit vielen Anteilen in den grobporige-
ren Boden eingespült (Abb. 2.5.3.6/3).
Der Schichtenaufbau spielt aber nicht
nur für abwärts gerichtete Wasserbewe-
gung (Sickerwasser) eine Rolle, son-
dern auch für den nach oben gerichteten
Strom (aufsteigendes Kapillarwasser).
Dieses steigt durch die Saugkraft des
Abb. 2.5.3.6/1 Staunässe unter frisch angedecktem Oberboden Bodens aus dem freien Grundwasser
oder Schichtenwasser nach oben auf.
Wie dieser Wassertransport zu beurtei-
len ist, hängt von der Nutzung der
hat. So tritt trotz eines durchlässigen schwach durchlässig geworden ist, daß vernäßten Bodenschicht ab. Vorteilhaft
Untergrunds eine langandauernde Ver- das Wasser nicht mehr schnell genug wäre dies bei einer feuchtigkeitslieben-
nässung der oberen Schicht auf. Fol- fließen kann. Ein ursprünglich gleich- den Begrünung zur Wurzelversorgung,
gen sind Luftarmut und Verlust an mäßig zusammengesetzter Boden er- nachteilig bei Böden, deren Tragfähig-
Tragfähigkeit und Standfestigkeit. In fährt bei Suffosion damit eine »Aus- keit hohen Ansprüchen genügen muß
beiden Fällen liegt ein sog. »kapillarer magerung« im oberen und eine Fein- wie z.B. bei Wegeflächen.
Bruch« vor, der zu beträchtlichen vege- teilchenanreicherung im unteren Be- Diese Wasseranreicherung bedeutet
tationstechnischen und baulichen Män- reich. Die vormals gleichen Bodeneigen- steigende Frostgefährdung des Bodens.
geln fuhren kann. Günstig sind somit schaften verändern sich also mit der Zeit, Um Schäden aus diesen Gründen zu
Schichtaufbauten, die in den einzelnen ohne daß dieses äußerlich sichtbar wird. vermeiden, werden sog. kapillarbre-
Schichten eine Anpassung der Kapillari- Besonders kritisch sind Böden zu bewer- chende Schichten unter den gefährde-
tät aufweisen. ten, deren Feinteilchenanteil bis zu etwa ten Bereich gebracht (die Frostschutz-
Die aufgezeigten ungünstigen Ver- 20% beträgt und die einen intermittie- schicht im Straßenbau). Zur Beurtei-
hältnisse können durch eine intensive renden Körnungsverlauf haben. lung von Böden ist damit außer der
Verdichtung des Bodens l nach Abb. Ist die Spülkraft des Wassers so groß, Kornverteilung der Lagerungszustand,
3.5.2/1 durch Bauverkehr und/oder Bo- daß bereits das strukturbildende Boden- die Schichtenfolge, die Lage des Grund-
denbearbeitung Zustandekommen. Zur gerüst mit abgetragen wird, spricht man oder Schichtwasserspiegels und die Be-
Vermeidung eines kapillaren Bruchs von einer »Erosion«. Sie bewirkt eine lastung wichtig.
sollte Boden l vor dem Andecken mit
Boden 2 oder entsprechend durchlässi-
gem Oberboden gelockert werden.
Wie schon oben erwähnt, kann das Abb. 2.5.3.6/2 Erosionsrinne nach Abb. 2.5.3.6/3 Kontakterosion (in Schot-
Sickerwasser auch eine Verlagerung von Schlechtwetterperiode ter eingespülter Oberboden)
Feinteilen des Bodens bewirken. Dies
ist der Fall, wenn die Poren größer sind
als die in ihrer Nähe liegenden Boden-
teilchen und die Strömungsenergie des
Wassers groß genug ist, sie zu bewe-
gen. Voraussetzung hierfür ist also eine
ausreichende Durchlässigkeit. In sehr
feinkörnigen Böden kann es zu einer
derartigen Feinteilchenverlagerung oh-
ne Zerstörung der strukturbildenden
Grobgerüstes des Bodens (sog. Suf-
fosion) nur in stark gelockertem Zu-
stand kommen. Eine Suffosion ist bo-
dentypisch und kann außer durch ver-
klebend wirkende Bodenverfestigungen
oder Änderungen der Bodenzusam-
mensetzung nicht beeinflußt werden.
Sie kommt zum Stillstand, wenn ent-
weder alle Feinteilchen ausgespült sind
oder der Boden in größerer Tiefe so
Verbesserung der Bodeneigenschaften 69

2.6 Verbesserung der Flüssigkeiten (Suspensionen mit Ze- Das Zusatzmittel kann mit dem
ment, Ton, Mörtel; Emulsionen; ech- »Ortsmischverfahren« oder dem »Zen-
Bodeneigenschaften te Lösungen: Wasserglas, Kunsthar- tralmischverfahren« in den Boden ge-
ze); Gase; bracht werden, wobei sich verschiedene
Wenn die Bodenbewertung negativ aus- Einmischen von Chemikalien: Arbeitsabläufe und Einflußtiefen erge-
gefallen ist, muß entschieden werden, hydraulische und bituminöse Binde- ben.
ob die Planung so verändert werden mittel (Kalk, Flugasche, Zement, Bi-
kann, daß eine Anpassung an die Bo- tumen, Teer); sonstige Chemikalien Ortsmischverfahren:
denverhältnisse möglich ist; oder ein (Kunstharze, Salze, Kleber: z.B. Al- Grobplanum erstellen und höhenge-
Bodenaustausch erfolgen soll, d.h. der genauszüge, etc.). recht abziehen, um bei der Verbesse-
ungeeignete Bodenbereich nach Fläche rung eine gleichmäßig dicke Schicht zu
und Tiefe entfernt und durch geeig- 4. chemisch-biologisch wirkende erzielen; Zusatzmittel von Hand oder
netes Material ersetzt wird; oder eine Verfahren Verteilgeräten ausbringen und einarbei-
Bodenverbesserung vorgesehen werden Züchtung bzw. Abtötung bestimmter ten (Scheibenegge, Fräse etc.); profilge-
soll. Bodenbakterien recht planieren und ggf. verdichten. Er-
Die Entscheidung für eine dieser reichbare Verbesserungstiefe: bis 30 cm.
Möglichkeiten ist sowohl aus nutzungs- 5. biologisch wirkende Verfahren:
technischen wie wirtschaftlichen Erwä- Deckbauweisen: Zentralmischverfahren:
gungen zu treffen. Fertigbauweisen (Fertigrasen, Stauden- Zu verbessernden Boden an zentra-
matten), Saatverfahren (Spritzansaat, len Mischplatz transportieren; ggf. mit
2.6.1 Hauptaufgaben der Decksaat, Freisaaten); Zwangsmischer Zusatzstoff einmischen;
Stabilbauweisen: verbessertes Material am Einbauort la-
Bodenverbesserung
tote bzw. lebende/ausschlagfähige Bau- genweise bis zur gewünschten Gesamt-
Ihre wesentlichen Aufgaben sind: stoffe (Faschinen, Flechtzäune, Busch- dicke einbauen; Endplanum herstellen
Verfestigung und/oder Abdichtung lagen, Gehölzpflanzungen); und ggf. verdichten.
tieferer Bodenschichten; Verbesse- Voranbau/Zwischenbegrünung: Erreichbar ist eine gute Gleichmä-
rung der Tragfähigkeit; Verbesserung Ansaaten ein- und mehrjähriger Krau- ßigkeit über die gesamte beliebige Dicke
der Standfestigkeit im Böschungsbe- ter. der verbesserten Schicht.
reich; Vergrößerung des Erosionswi- Aus dieser Vielfalt werden nur einige Vor allem bei einer Verbesserung der
derstands; Erhöhung der Frostsicher- physikalisch und chemisch wirkende obersten Bodenschicht wird im Erd-
heit; Veränderung der Wasserdurch- Verfahren ausfuhrlicher behandelt. und Landschaftsbau überwiegend das
lässigkeit und Kapillarität; Verbesse- Ortsmischverfahren angewendet. Das
rung der Bearbeitbarkeit. 2.6.3 Darstellung ausgewählter Zentralmischverfahren kann im Land-
Diese Aufgaben können bei bautech- schaftsbau bei der Erstellung spezieller
Verfahren
nisch-konstruktiven wie vegetations- Vegetationsschichten, gegebenenfalls
technischen Baumaßnahmen auftre- Bezüglich der Bearbeitbarkeit, Tragfä- auf künstlich aufgebauten Baugrund
ten. higkeit und Durchlässigkeit treten bei und bei größeren Schichtdicken erfor-
bindigen Böden und gleichförmigen derlich sein.
2.6.2 Verfahren der Boden- und nichtbindigen Böden häufig Probleme
auf, die nur durch eine Veränderung der 2.6.3.2 Bodenverbesserungsver-
Untergrundverbesserung
Konsistenz oder der Kornzusammen- fahren und Zusatzstoffe
Als Hauptwirkprinzipien der Vielzahl setzung zu bewältigen sind. Häufig wer-
der heute angewendeten Verfahren die- den dazu folgende Verfahren ange- Es sollen unterschieden werden:
nen physikalische, chemische und bio- wendet: 1. die mechanische Boden Verbesserung
logische Vorgänge. 1. die mechanische Bodenverbesse- 1.1 Zugabe von gekörnten minerali-
rung (Gruppe l aus Kap. 2.6.2) und schen Stoffen:
1. Physikalisch wirkende Verfahren 2. Verwendung von Bindemitteln Sand, Kies, granulierter oder ge-
konstruktive Verfahren: (Gruppe 3 aus Kap. 2.6.2). mahlener Ton, Splitt, Schotter;
Bodenaustausch, Entwässerung, Ver- 1.2 Zugabe von organischen Stoffen
wendung von Kunststoffmatten, Vlie- 2.6.3.1 Vorgaben und Arbeitsablauf oder Ersatzmitteln:
sen und Folien, Bau mit »bewehrter« Klärschlamm, Torf, Kunststoffe.
Erde; Die ausgewählten Verfahren beruhen
mechanische Verfahren: auf der Einmischung von zusätzlichen 2. die Bodenverbesserung mit
Verdichtung, Lockerung, Verände- Stoffen in den Boden und/oder einer Bindemitteln
rung der Kornzusammensetzung; durch die Bearbeitung verursachten Ge- 2.1 Zugabe von hydraulischen Binde-
thermische Verfahren: fugeänderung. mitteln:
Erhitzung, Gefrieren; Zur Wahl des geeigneten Verfahrens Bodenverbesserung (Bodenstabili-
elektrische Verfahren: müssen die Kornverteilung, der Was- sierung) mit Kalk:
Elektroosmose (Entwässerung schwer sergehalt und der Verdichtungsgrad Feinkalk (Branntkalk/CaO); hy-
durchlässiger Böden). (Gefugefestigkeit) bekannt sein. Eben- draulischer Kalk (gelöschter Kalk/
so ist das Ziel der Verbesserungsmaß- Ca(OH)2 mit oder ohne MgO oder
2. physikalisch-chemisch wirkende nahme zu definieren. Mg(OH)2); hochhydraulischer Kalk
Verfahren Schließlich ist wichtig, ob große Bo- (z.B. CaOAl203)
Elektroinjektion, denmengen oder Flächen zu verbessern Bodenverfestigung mit Zement:
thermoelektrische Verfahren. sind, welche Tiefe erreicht werden soll Zement (Portland-, Trasszement)
und welcher Qualitätsmaßstab (z.B. 2.2 Zugabe bituminöser Bindemittel:
3. chemisch wirkende Verfahren Gleichmäßigkeit) gefordert wird. Bodenverbesserung (Bodenstabili-
Injektion von Chemikalien: Arbeitsablauf: sierung) mit Bitumen:
70 Erdarbeiten

Bitumenemulsion, Kaltbitumen, und des Wasserhaltevermögens sowie


Verschnittbitumen. der Durchwurzelbarkeit (s. Anhang
Bodenverbesserung (Bodenstabili- A 2.6.3.2/1).
sierung) mit Teer: Die Menge der Zusatzkörnungen
Teeremulsion, Straßenteer. hängt von dem Ausgangsmaterial und
2.3 Zugabe chemischer Bindemittel: der gewünschten Zusammensetzung
lonentauscher, Salze, Wasserglas, ab. Anzustreben sind aus Kostengrün-
Kunststoffe den Anteile bis rd. 30% (entsprechend
2.4 Zugabe organischer Bindemittel: bis 100-110 kg/m2 bei ca. 15 cm Schicht-
z. B. Algenauszüge dicke).

Vorschriften Anwendung für bautechnische Zwecke: 0 10 1b 20 25


Für den Bereich des Erd- und Stra- Verbesserung des Untergrundes oder Wassergehalt in GewV« —•*
ßenbaus gelten die nachstehenden Vor- Unterbaues von Wegen und Plätzen;
schriften etc., die sinngemäß auch für Bau von Frostschutz-, Trag- und Abb. 2.6.3.3/1 Einfluß der Kalkmenge auf
vegetationstechnische Arbeiten heran- Deckschichten im Wege- und Parkplatz- die Proctordichte und den optimalen Was-
sergehalt (Beispiel: stark bindiger Misch-
zuziehen sind: bau; boden)
Anleitung für den Entwurf, den Bau Bau von Trag- und Dränschichten im
und die Unterhaltung mechanisch sta- Sportplatzbau und
bilisierter (verfestigter) Trag- und Ver- Anpassung von Bodenschichten nach und MgO-Molekülen des Kalkes bzw.
schleißschichten (FG Wien, 1969); den Filterregeln. durch Hydraulefaktoren des Kalkes
Merkblatt für die Bodenverbesserung selbst zustande kommt.
und Bodenverfestigung mit Kalken, Anwendung für vegetationstechnische Das Verfahren ist für alle bindigen
FG 1979; Zwecke (Bau von belastbaren Rasen- Böden bzw. stark bindige Mischböden
Vorläufiges Merkblatt für Bodenver- tragschichten wie Spielplatzrasen, Park- bis zu hochplastischen Tonen geeignet.
festigung mit Zement (FG 1956); platzrasen, Rasensportflächen, Verbes- Bei diesen ergeben sich jedoch Schwie-
Vorläufiges Merkblatt für Bodenver- serung sonstiger Saat- und Pflanzflä- rigkeiten, da sie sich mit dem Kalk sehr
festigung mit bituminösen Bindemit- chen): schwer und unvollkommen und nur mit
teln, Teil 1: Sandböden (FG 1958); Abmagerung oder Erhöhung des bin- hohem Aufwand vermischen lassen.
Zusätzliche Technische Vorschriften digen Anteils von vegetationsfähigem Es werden Feinkalk, Kalkhydrat und
und Richtlinien für die Ausführung von Material. hochhydraulischer Kalk verwendet.
Bodenverfestigungen und Bodenver-
besserungen im Straßenbau - ZTVV - Die Dicke der verbesserten Schicht soll- Folgende Kennwerte können beeinflußt
StB81; te beim Ortsmischverfahren nicht weit werden:
Entsprechende Richtlinien und über 12 cm liegen, da sonst keine gleich- Wassergehalt, Plastizität, Bodenstruk-
Merkblätter für die Eignungsprüfungen mäßige Vermischung gewährleistet ist. tur und Festigkeit.
bei Bodenverfestigungen und Boden- Dickere Schichten sind mehrlagig auf- Damit treten u.U. gleichzeitig fol-
verbesserungen. zubauen. gende Wirkungen auf:
Verminderung des Wassergehaltes;
2.6.3.3 Wirkungsweise und 2. Boden Verbesserung mit Kalk Verbesserung der Bearbeitbarkeit; blei-
Anwendung der Es treten folgende Wirkungen auf: bende, z.T. zunehmende Verminde-
Verfahren 1.1 bis 2.2 a) Sofortwirkung: Durch das Einmischen rung der Empfindlichkeit gegen Wasser
von Kalk in einen nassen, bindigen Bo- und Frost; Erhaltung und Erhöhung der
1. mechanische Bodenverbesserung den oder stark bindigen Mischboden Kohäsion auch bei späterer Wasserge-
Durch das Einmischen bestimmter wird in sehr kurzer Zeit der Wasserge- haltszunahme; Zunahme der Festigkeit
Korngruppen wird der Kornaufbau des halt reduziert. Die weichplastische Bo- und Tragfähigkeit trotz Abnahme der
ursprünglichen Bodens geändert und denstruktur wird durch das plötzliche erreichbaren Trockendichte.
physikalische Eigenschaften wie Struk- »Austrocknen« und die Reaktion von Die Kalkmenge hängt von der Boden-
tur, Porenraum und Porengröße beein- CaO- und MgO-Molekülen des Kalks art, dem Wassergehalt und dem Ver-
flußt. mit Tonmineralen des Bodens schlagar- wendungszweck des Bodens ab und ist
Das Verfahren ist für nichtbindige tig zu einer Krümelstruktur geändert durch Voruntersuchungen zu ermitteln.
Sande und Kiese geeignet, sofern sie und die Wasseraffinität vermindert. Die Sie beträgt bei Feinkalk z. B. für die Ver-
nicht zu grobe Anteile besitzen. Ausrollgrenze erhöht sich und die Wit- besserung der Bearbeitbarkeit bei einem
terungsempfindlichkeit nimmt ab. Be- Wassergehalt w > wp etwa 1-3% der
Folgende Kennwerte können verändert reits unmittelbar nach der Verdichtung Trockenmasse des Bodens. Dies bedeu-
werden: besitzt der verfestigte Boden eine hö- tet für eine ca. 15 cm dicke Schicht
Kornverteilung, Plastizität, Wasserge- here Tragfähigkeit als der unbehandelte etwa 2-10 kg/m2. Für eine dauernde
halt (gering). Boden. Aufgrund der gröberen Boden- Bodenverbesserung sind dagegen etwa
Nach Art und Menge des einzumi- struktur verringert sich jedoch die er- 4-8 Gew.-%, entsprechend 10-30 kg/m2
schenden Bodens können als Wirkun- reichbare Verdichtung bzw. Proctor- bei 15 cm Schichtdicke erforderlich. Der
gen, die nicht unbedingt gleichzeitig dichte (Abb. 2.6.3.3/1). Bei Regen darf Bedarf an Kalkhydrat bzw. hochhydrau-
auftreten, erzielt werden: wegen der starken Wassergehaltsände- lischem Kalk liegt etwas höher.
Verbesserung oder Verminderung rung nicht stabilisiert werden. Die Schichtdicke sollte nicht über
der Verdichtungswilligkeit, Erhöhung b) allmähliche Wirkung: Der Boden er- 20 cm betragen.
der Tragfähigkeit und Scherfestig- fährt im Laufe der Zeit eine zuneh- Anwendung im Erdbau:
keit (Standfestigkeit), Verringerung der mende Verfestigung, die durch die Re- Austrocknung von Schüttmaterial zur
Frostempfindlichkeit, Veränderung der aktion im Boden vorhandener Tonmi- Verbesserung der Einbaufähigkeit und
Wasserdurchlässigkeit, der Kapillarität nerale und aktiver Kieselsäure mit CaO- Belastbarkeit:
Verbesserung der Bodeneigenschaften 71

Austrocknung belassener vernäßter In Frostperioden darf nicht stabili- Die verfestigte Schicht darf frühe-
Bodenschichten mit zu geringer Tragfä- siert werden. Bei Regen ist darauf zu stens 7 Tage nach Herstellung mit
higkeit; achten, daß der optimale Wasserge- schweren Baufahrzeugen befahren wer-
Erhöhung der Standsicherheit freier halt des Bodens nicht überschritten den. Eine allgemeine Verkehrsfreigabe
Böschungen, wird. darf bei Z 35 erst nach frühestens 14 Ta-
Aufschließung zu nassen Bodens für gen bei Z 25 erst nach 28 Tagen erfol-
eine nachfolgende Verfestigung mit hy- Beeinflußt werden vor allem die Kenn- gen. Die Wirkungen einer Zementver-
draulischen oder bituminösen Binde- werte Festigkeit und Bodenstruktur. festigung zeigt Abb. 2.6.3.3/2.
mitteln. Erzielbare Wirkungen sind
Ausbildung einer lastverteilenden 4. Bodenverbesserang mit bituminösen
Anwendung im Wegebau, ggf. auch Platte, Erhöhung der Frostsicherheit Bindemitteln
Sportplatzbau: und Erhöhung der Wasserbeständig- Wie bei Zement tritt hier vor allem eine
Verbesserung des Untergrundes oder keit. punktweise Verklebung des Korngerü-
Unterbaues; Die Zementmenge ist durch Vorun- stes auf, so daß sich bei mechanischer
Absiegelung des Planums gegen tersuchungen zu ermitteln. Sie erhöht Beanspruchung die Körner nicht mehr
Oberflächenwasser; sich, je hochwertiger die Verfestigung umlagern.
Verringerung der Frostempfindlich- sein soll und je feiner der Boden ist. Sie Das Verfahren eignet sich vor allem
keit des Untergrundes oder Unterbaues; liegt zwischen ca. 3 Gewichts-% bei für Sande, sandreiche Kiese, sandige
Bau einfacher Tragschichten für un- nichtbindigen Kiesen und ca. 20 Ge- Schluffe sowie u.U. auch für leichtpla-
tergeordnete Wege (z. B. land- und forst- wichts-% bei tonigen Schluffen. Dies stische Böden. Bei mittel- und ausge-
wirtschaftliche Wege); entspricht bei einer 15 cm dicken prägt plastischen Böden empfiehlt sich
Erstellung provisorischer Fahrwege Schicht etwa 9-50 kg Zement/m2. immer eine Vorbehandlung mit Kalk.
(z.B. Baustraßen) oder dauerhafter ein- Die Schichtdicke sollte bei der Ze- Als Bindemittel werden Straßenteer
facher Gehwege. mentverfestigung nicht über 22 cm be- (T 40/70 bis T 140/240) und Spezial-
Anwendung für vegetationstechnische tragen. Verschnittbitumen verwendet, die beide
Zwecke: auf die entsprechenden Verarbeitungs-
Krümelung tonreicher Böden (für be- Die Zementverfestigung ist für vege- temperaturen gebracht werden müssen
stimmte Pflanzenarten anwendbar). tationstechnische Zwecke ungeeignet. (ordnungsgemäß nur beim Zentral-
Im bau technischen Bereich wird sie ver- mischverfahren möglich), sowie Kalt-
Die kalkverfestigten Flächen können wendet bitumen, Bitumenemulsion und Teer-
normalerweise bereits unmittelbar nach zur Verbesserung des Untergrundes emulsion (kalt verarbeitbar). Je grobkör-
Verdichtung mit gummibereiften Fahr- und Unterbaus, niger der Boden ist bzw. je höher die
zeugen ohne Nachbehandlung befah- zum Bau selbständiger Tragschichten Anforderungen an die Verbesserung
ren werden, während des Frostauf- für untergeordnete Wege, Parkplätze sind, desto zäher sollte das Bindemittel
ganges wegen des Aufweichens des und u.U. Sportflächen ohne Rasendek- sein.
Untergrundes jedoch nicht. ken, Für eine gute Endfestigkeit ist wie
zur Verfestigung der oberen Lage der beim bituminösen Tragschicht- und
3. Bodenverfestigung mit Zement Frostschutzschicht, Deckenbau die Zugabe von Füller (Ge-
Die Verfestigung tritt durch Erhär- zum Bau von Decken für untergeord- steinsmehl) erforderlich. Am häufigsten
ten des eingemischten Zements und nete Verkehrsflächen (gegen Oberflä- ist dieses Verfahren bisher bei der Ver-
nicht durch den Wasserentzug ein. Die chenabwitterungen schützt eine bitumi- festigung von gleichförmigen Sanden
Zementmenge ist je nach Verwendungs- nöse Oberflächenschutzschicht). eingesetzt worden.
zweck so zu bemessen, daß die verfe-
stigte Schicht unter Wasser- und Frost-
einwirkung nicht aufweicht. Es findet
keine vollständige Kornumhüllung mit
Zementleim statt, so daß die Bodenkör-
ner nur punktweise miteinander ver-
klebt werden. Die verfestigte Schicht ist
damit zwischen »starr« und »elastisch«
einzustufen, besitzt dennoch eine gute
lastverteilende Plattenwirkung.
Das Verfahren ist besonders für eng
oder sprunghaft gestufte Sande und
Kiese bis 63 mm geeignet, die keine
gute Verdichtbarkeit besitzen. Ferner
können trockenere Schluffböden mit
Zement verfestigt werden. Bei sehr nas-
sen bindigen Böden ist eine vorherige
Aufschließung mit Kalk ratsam.
Beton schädliche Stoffe und stark ver-
unreinigte oder betonschädliche Wäs-
ser dürfen im Boden nicht vorliegen und
diesen auch später nicht angreifen kön-
nen. Es werden üblicherweise Zemente
der Festigkeitsklasse Z 25 und Z 35 nach
DIN 1164 und DIN 1167 verwendet
(Portlandzement und Trasszement).
72 Erdarbeiten

Bei der Verdichtung ist zu beachten,


daß das Bindemittel selbst Wasser ent-
halten kann (Emulsion) und außerdem
gewisse »schmierende« Eigenschaften
besitzt.

Die Verklebung beeinflußt vor allem


die Kenngrößen Festigkeit, Wasseremp-
findlichkeit.
Die Auswirkungen sind:
Erhöhung von Tragfähigkeit, Scher-
festigkeit und Kohäsion; Verringerung
der Wasseraufnahmefähigkeit bei bin-
digen Böden; Erzielung einer flexiblen,
weitgehend frost- und wasserunemp-
findlichen Schicht; Verringerung der
Erosionsgefahr auf geneigten Flächen.
Die Bindemittelmenge richtet sich Abb. 2.6.3.3/3 Verbesserungsverfahren und Bodenart (nach Brand: Bodenverfestigung
vor allem nach der Bodenart und ist in als konstruktive und betriebstechnische Maßnahme im Erd- und Straßenbau)
Vorversuchen zu ermitteln. Die Binde-
mittelmenge darf nicht plastifizierend
oder sogar schmierend wirken, da sonst
die Festigkeit der behandelten Schicht
herabgesetzt wird. Die Menge steigt mit wurzelbar, normalerweise ausreichend b) Diese Bereiche werden auf eine
den Nutzungsanforderungen und zu- wasserdurchlässig und weisen gerade möglichst transparente »Lehre« über-
nehmender Feinkörnigkeit des Bodens. für Ansaaten auch in später Jahreszeit tragen (Abb. 2.6.3.4/3).
Sie liegt bei einer 15 cm dicken Schicht ein noch günstiges Mikroklima auf. c) Abb. 2.6.3.4/4 zeigt die Anwendung
zwischen etwa 8 und 40 kg/m2. der Lehre:
Die Schichtdicke der Verfestigung be- 5. Zusammenstellung der Eignung der Zuerst werden auf der linken Ordina-
trägt üblicherweise 8 bis 22 cm. Verfahren l bis 4 tenachse des Diagramms die Massen-
Nach Abb. 2.6.3.3/3 kann über die Korn- anteile der den Korndurchmessern der
Bituminöse Bindemittel sind für fol- größenverteilung das günstigste Verfah- »Lehre« entsprechenden Korndurch-
gende Aufgaben geeignet: ren ausgewählt werden. Weitere Ent- messer des Ausgangsmaterials (Kurve l,
Verbesserung des Untergrundes oder scheidungskriterien liefert die vorgese- Abb. 2.6.3.4/1) und auf der rechten Or-
Unterbaues; hene Nutzung des verbesserten Bodens. dinatenachse die Massenanteile der ent-
Verfestigung ungebundener Trag- sprechenden Korndurchmesser des Zu-
schichten (z. B. Frostschutzschicht) 2.6.3.4 Ermittlung der Menge des
oder relativ gleichförmiger Kies-Sande Zusatzmaterials bei der
für hochbelastete Verkehrsflächen; mechanischen Bodenver-
Bau selbständiger Tragschichten für besserung
untergeordnete Verkehrsflächen, ggf.
auch für Sportflächen; Das Verfahren wird an dem Beispiel ei- Abb. 2.6.3.4/1 Körnungskurven des Aus-
Bau selbständiger Befestigungen ner Oberbodenabmagerung erläutert. gangs- und Zusatzmaterials für eine
schwach belasteter Verkehrsflächen mit mechanische Boden Verbesserung (Ab-
zusätzlicher Oberflächenschutzschicht 1. Aufgabenstellung magerung)
Kurve ©: Oberboden (Ausgangsmaterial):
(z.B. land- und forstwirtschaftliche Für einen Rasenparkplatz soll Ober- Schluff, feinsandig, schwach tonig (DIN
Wege, Fuß- und Radwege, schwach oder boden nach Abb. 2.6.3.4/1, Kurve l 4022); U,fs,t' (DIN 4023); Bodengruppe 6
nur mit leichten Fahrzeugen befahrene (schwach toniger, feinsandiger Schluß) (DIN 18 915, Blatt 1)
Betriebsflächen); verwendet werden, der vor allem bei Kurve ®: Beimischung (Zusatzmaterial):
Festlegung erosionsgefährdeter Bo- Nässe eine zu geringe Tragfähigkeit be- Sand, stark feinkiesig (DIN 4022); S,fg (DIN
denschichten. sitzt und zudem intensiv verdichtet 4023); Bodengruppe 2 (DIN 18915, Blatt 1)
würde. Zur Verbesserung liegt ein stark
Die Verarbeitung bituminöser Binde- feinkiesiger Sand vor (Abb. 2.6.3.4/1, Abb. 2.6.3.4/2 für die Mischung fest-
mittel außer Emulsionen ist schwieri- Kurve 2). Gesucht ist die Menge des gelegter Korngrößenbereich
(Tragschichtbaustoff für Rasenflächen
ger als die hydraulischer Bindemittel. Zusatzmaterials. nach DIN 18035, Blatt 4)
Bei Regen darf nicht stabilisiert werden. Als Vorgabe wird in Anlehnung an
Die Verkehrsfreigabe bituminös ver- DIN19034, T. 4, der Korngrößenbereich Abb. 2.6.3.4/5 Körnungskurve des
festigter Flächen sollte erst erfolgen, für Rasensportplätze für die Zusam- verbesserten Bodens im Vergleich zu
wenn keine nennenswerten Fahrspur- mensetzung der belasteten Vegetations- den Ausgangsböden und dem festgeleg-
eindrücke mehr auftreten. Der Zeit- schicht angenommen (Abb. 2.6.3.4/2). ten Körnungsbereich
raum hängt stark von den Witterungs- Kurve ©: Ausgangsmaterial nach Abb.
verhältnissen ab, da die Verschnittmittel 2. Ermittlung des Anteils des 2.6.3.4/1;
oder das Emulsionswasser erst verdun- Zusatzmaterials Kurve ® : Beimischung nach Abb. 2.6.3.47
1; schraffierter Bereich: nach Abb.
stet sein müssen, ehe die endgültige Fe- a) In dem gewünschten Korngrößen- 2.6.3.4/2 festgelegter Körnungsbereich;
stigkeit vorhanden ist. bereich werden die zulässigen Berei- Kurve (D: aus Abb. 2.6.3.4/4 entwik-
Mit bituminösen Bindemitteln, vor che beliebiger, möglichst gleichmäßig kelte Körnungskurve der Mischung
allem Bitumenemulsion behandelte Bö- verteilter Korngrößen gekennzeichnet (20% Ausgangsmaterial und 80% Bei-
den sind ohne Schwierigkeiten durch- (Abb. 2.6.3.4/2, dicke Linien). mischung)
Verbesserung der Bodeneigenschaften 73

Abb. 2.6.3.4/5 Korndurchmesser d (mm)


74 Erdarbeiten

satzmaterials (Kurve 2, Abb. 2.6.3.4/1) stark belasteten Vegetationsflächen we- und Vorgabe der Baustoffe damit be-
aufgetragen. Dann werden gleiche Korn- gen der Abnahme der Durchlässigkeit sondere Bedeutung zu.
durchmesser auf beiden Achsen durch jedoch nachteiliger als ein etwas zu ge-
Geraden verbunden. ringer Sandanteil. 2.7.1 Organisation der
Nun wird die (transparente) »Lehre« Es zeigt sich, daß stark bindige Böden
Erdbaustelle
auf das Diagramm gelegt und so lange nur mit sehr großen Mengen an Zusatz-
nach rechts oder links verschoben, bis stoffen zu belastbaren Vegetations- Bereits Einrichtung und Organisation
alle Verbindungslinien durch die auf schichten abgemagert werden können. einer Baustelle können über künfti-
der »Lehre« angegebenen zugehören- Bei gröberem Zusatzmaterial wäre gar gen Ärger, Baumängel und die Kosten
den Bereiche laufen. (Lage der »Leh- keine brauchbare Mischung mehr zu- entscheiden, wenn z.B. Zuwegungs-
re« durch dicken Strich, Bereiche der stande gekommen. möglichkeiten (Breiten- und Höhenbe-
»Lehre« gestrichelt dargestellt), Das vorliegende Beispiel ist zwar no- schränkung usw.), Anschlüsse an Ver-
d) Als Ergebnis ist auf der horizonta- minell noch eine mechanische Boden- und Entsorgungseinrichtungen, Ab-
len Achse der Anteil des Zusatzmate- verbesserung, in Realität ist es ein Bo- stimmungen mit anderen im gleichen
rials mit 80% in der Mischung abzule- denaustausch, bei dem der Zusatzstoff Bereich tätigen Firmen und Gewerken,
sen, d.h. auf l Teil Ausgangsmaterial mit dem anstehenden Boden verbessert Lagerflächen nicht ausreichend vorge-
sind 4 Teile Zusatzmaterial zuzumi- wurde! klärt worden sind.
schen. Der Schnitt der Verbindungsge-
raden mit der »Lehre« ergibt die Mas-
2.7.2 Begriffe des Erdbaus
senanteile der einzelnen Korngrößen
der Mischung. Unter Erdbau wird die Herstellung
Die Mischung ist in Abb. 2.6.3.4/5 als 2.7 Durchführung von von Erdkörpern durch Bodenauf- und
Kurve 3 dargestellt. Zum Vergleich sind Erdarbeiten -abtrag mit zwangsweiser Veränderung
die Körnungskurven des Ausgangsma- der ursprünglichen Bodeneigenschaf-
terials, des Zusatzmaterials und des ge- Auch bei kleineren Bauaufgaben wer- ten verstanden.
wünschten Körnungsbereiches zusätz- den heute anstelle einer Vielzahl von Beim Bodenabtrag unterhalb und
lich eingetragen. Handarbeitskräften Erdbaugeräte einge- Bodenauftrag oberhalb der alten Ge-
setzt. Kennzeichnend für den moder- ländeoberfläche werden unterschieden
3. Kommentar nen Erdbau ist eine relativ menschen- (Abb. 2.7.2/1):
Die Korngröße 2,0 mm kommt mit nur leere »Maschinenbaustelle« mit weitge-
72% statt wenigstens 75% in der Mi- hender Nutzung von Großgeräten. Einschnitt (bei Linienbauwerken), sonst
schung vor. Wird ihr Massenanteil er- Bei allen Bauaufgaben kommt der einfach Abtrag (a);
höht, die »Lehre« also nach links ver- Planung des an die Baumaßnahme und Anschnitt (seitliches Einschneiden in
schoben, wird jedoch der Feinkornanteil die Bodenverhältnisse optimal angepaß- das Gelände) nur als Abtrag (b) oder
unter 0,06 mm zu groß. Dies ist bei ten Geräteeinsatzes, der Baumethoden Ab- und Auftrag (c);
Durchführung von Erdarbeiten 75

a) Abtrag, Einschnitt 2.7.3.2 Baumethoden im Abtrags-


und Auftragsbereich

Im Abtragsbereich ist nach Möglichkeit


b) Abtrag, Anschnitt
an der tiefsten Stelle des gesamten
neuen Planums zu beginnen. So kann
das Oberflächenwasser stets aus dem
weiterrückenden Arbeitsbereich abflie- Abb. 2.7.3.2/1 Abtrag auf volle Tiefe
c) Abtrag und Auftrag, (Schlitzbaggerung) mit Hochlöffelbagger
Anschnitt und ßen und am tiefsten Punkt entweder A: Arbeitsrichtung des Baggers
Anschüttung
mit natürlichem Gefalle zur Vorflut ge- F: Fahrtrichtung des LKW
führt oder abgepumpt werden. Dies ist
besonders bei bindigen Böden zu be-
d) Abtrag mit Berme achten, da sie sonst u.U. tiefgründig
durchfeuchten und dann nur mit gestei-
gertem Aufwand abgetragen, transpor-
tiert und eingebaut werden können.
e) Auftrag, Damm,
Aufschüttung Eventuell kann ein vorläufiges Rohpla-
num mit entsprechend günstigem Ge-
falle erstellt werden, das erst zum
Abb. 2.7.3.2/2 Abtrag auf volle Tiefe
Schluß der Arbeiten auf das geplante (Seitenbaggerung) mit Hochlöffelbagger
Gefalle und die richtige Höhe gebracht
f) Auftrag / Damm
— mit Bermen wird.
Abb. 2.7.2/1 Formen des Erdkörpers
Sollen hinsichtlich ihrer Tragfähig-
keit, Verdichtbarkeit, Frostempfindlich-
keit oder vegetationstechnischen Eig-
nung unterschiedliche Böden abgetra-
gen werden, ist hierauf bereits in der
Ausschreibung deutlich hinzuweisen,
Bermen sind Stufen in der künstli- da in diesem Fall besondere Arbeitsme- Abb. 2.7.3.2/3 Abtrag auf volle Tiefe
chen Böschung (d, f); thoden anzuwenden sind. (Seitenbaggerung) mit Tieflöffelbagger
Damm (bei Linienbauwerken), sonst Der Bodenabtrag erfolgt entweder auf
einfach Auftrag (e) oder Aufschüttung; volle Tiefe des Profils bzw. Reichweite
Anschnitt mit Auftragsbereich (c); des Gerätes (»Schlitz- oder Seitenbag-
Mit Planum wird die Oberfläche ei- gerung«) oder im Lagenbau mit aufein-
ner zu bearbeitenden oder fertiggestell- anderfolgenden dünnen Schichten.
ten Bodenschicht bezeichnet.
Der Abtrag auf volle Tiefe wird übli-
cherweise mit einem Standbagger mit
Bei einer Erdbaumaßnahme fallen
grundsätzlich folgende vier Arbeits- Hoch- oder Tieflöffel, bei geringer Ab-
schritte an: tragstiefe bzw. bei niedriger Seiten-
Gewinnen des Bodens (Abtragen): baggerung auch mit einem Fahrbagger Abb. 2.7.3.2/4 Kopf- oder Seiten-
Lösen des anstehenden Bodens und (Radlader) durchgeführt. Diese Geräte schüttung
Laden des gelösten Bodens auf ent- lösen den Boden und beladen im glei-
chen Arbeitstakt z.B. einen LKW. Soll
sprechende Fördergeräte.
Fördern des Bodens: der Arbeitsrythmus des Baggers nicht
Transport des Bodens zur Einbau- unterbrochen werden, befindet sich das
eingesetzt. Das Gerät schält nacheinan-
stelle oder Abtransport auf Zwischenla- Transportfahrzeug auf der selben Ebene
wie der Bagger. der dünne Bodenschichten ab, bis die
ger bzw. Absatzkippen. gewünschte Tiefe erreicht ist. Dabei
Einbauen des Bodens (Auftragen): Ein Hochlöffelbagger benutzt wie
auch der LKW das neue Erdplanum, wird - begrenzt durch wirtschaftliche
Entladen am Einbauort und Herstel- Förderweiten - der Abtragsboden ent-
len des gewünschten Erdkörpers dessen Tragfähigkeit auch bei häufigem
Befahren ausreichend sein sollte (Abb. weder zu Sammelpunkten gebracht und
Verdichten des Bodens: verladen oder unmittelbar in den an-
Eingebauten Boden auf den geforder- 2.7.3.2/1 u. 2). Ein Tieflöffelbagger und
LKW verbleiben auf dem ursprüngli- grenzenden Auftragsbereich gescho-
ten Verdichtungsgrad bringen. ben.
chen Geländeniveau (Abb. 2.7.3.2/3).
Fazit:
Fazit:
Die Bodenverhältnisse haben kaum
2.7.3 Bauablauf und Die Wahl des Baggers hängt stark von
Auswirkungen auf den Abbauvorgang.
Arbeitsweisen der Befahrbarkeit des neuen bzw. alten
Planums durch das Transportfahrzeug Unterschiedliche Bodenarten können
ab. Die erreichbare Abtragstiefe ist durch getrennt abgebaut werden. Das Trans-
2.7.3.1 Bauablauf
die Reichweite des Bagger begrenzt. portfahrzeug befährt das jeweilige Pla-
num wesentlich weniger.
Die einzelnen Arbeitsschritte auf einer Beim Abbau auf volle Tiefe werden
die anstehenden Bodenschichten mit- Beim Bodeneinbau im Auftragsbe-
Erdbaustelle sind in dem schematischen reich sollte der Schüttboden möglichst
Ablaufplan nach Abb. 2.7.3.1/1 darge- einander vermischt. Dies kann boden-
physikalische Vorteile wie Nachteile ha- entsprechend Kulturwert, Tragfähigkeit,
stellt. Sie hängen weitgehend vom je- Standsicherheit, Verdichtungsfähigkeit
weiligen Projekt, den topographischen ben.
und Frostsicherheit sortiert werden.
und bautechnischen Gegebenheiten, Im Lagenbau wird fast immer ein sog. Dieses ist im Leistungsverzeichnis zu
der Termingestaltung usw. ab. Flachbagger z.B. Planierraupe, Scraper berücksichtigen, da beim Abtrag auf
76 Erdarbeiten

Abb. 2.7.3.1 /1 Schematischer Ablauf plan einer Erdbaustelle


Durchführung von Erdarbeiten 77

bindigen Böden sollte das Planum mit


möglichst 6% Gefalle nach außen bzw.
zu provisorischen Entwässerungsmul-
den führen. Es ist nie mehr Boden an-
zutransportieren und zu schütten, wie
bei ungünstiger Witterung bzw. an
einem Arbeitstag verdichtet werden
kann.
Die Verdichtung der Schüttlagen
sollte von außen nach innen erfolgen.
Fazit:
Die Lagenschüttung ermöglicht eine
optimale Anpassung an die Bodenver-
hältnisse. Sie ist die beste Form des Bo-
deneinbaus, da bei bautechnischen und
vegetationstechnischen Vorhaben der
Grad der Verdichtung steuerbar ist.

Bei der Lagenschüttung sind zwei Fahr-


oder Förderebenen möglich:
a) Das Fahrzeug fährt auf dem Neu-
Abb. 2.7.3.2/5 Entmischung bei Kopf- oder Seitenschüttung
planum, verdichtet es dabei und kippt
als Seitenschüttung in beliebiger
Schütthöhe. Das vorherige Planum wird
nur noch sehr gering belastet. So sollte
volle Tiefe immer eine Vermischung Bei der Lagenschüttung (Abb. 2.7.3.27
stattfindet. vorgegangen werden, wenn das vorhe-
6) wird der antransportierte Boden mit rige Planum bereits optimal verdich-
Der Bodeneinbau erfolgt entweder Flachbaggern zu gleichmäßig dicken
mit einer Kopf- oder Seitenschüttung, tet ist und der Fahrverkehr die neue
Schichten ausplaniert, die gezielt ver-
bei der das Schüttmaterial von oben auf Schicht verdichten soll (typischer Fall
dichtet werden können. Die Schicht-
eine Böschung abgekippt wird oder ei- im Erdbau).
dicke richtet sich nach der Bodenart und Es kann aber auch auf diese Weise ein
ner Lagenschüttung in dünnen Lagen der Leistung des Verdichtungsgerätes.
übereinander. für vegetationstechnische Vorhaben be-
Eine gewisse Verdichtung ergibt sich be- reits gelockerter Untergrund weitge-
reits durch den Fahr- und Planierbe-
Bei einer Kopf- oder Seitenschüttung hend geschützt werden. Die Verdich-
trieb. Für eine gleichmäßige Verdich- tung der neuen Schüttlage durch das
wird der Boden von einem vorhande- tung sollte jede einzelne Schicht aus
nen Erdkörper entweder auf eine seitli- Befahren und Planieren kann relativ
möglichst gleichem Material bestehen. leicht rückgängig gemacht werden.
che Böschung (Seitenschüttung) oder Von Schicht zu Schicht darf sich jedoch
auf die Kopf böschung (Kopfschüttung) b) Das Fahrzeug fährt auf demalten
der Boden verändern.
abgekippt (Abb. 2.7.3.2/4). Planum und kippt »auf Rückschlag«.
Zur Sicherung kippender Transport- Hierbei erhält man einen unbefahrenen
Neuboden, der nur bei Planierarbeiten
fahrzeuge gegen Absinken am Kipprand
ist laufend eine Raupenplanie erforder- noch belastet wird. Die Auftragshöhe
lich. Die Kopf- oder Seitenschüttung ist durch die Fahrzeughöhe begrenzt.
gestattet beliebige Schütthöhen in ei- Diese Methode ist z. B. sinnvoll, wenn
nem Arbeitsgang. Ein wirksames Ver- das Material der neuen Schüttlage in
dichten ist jedoch unmöglich. Böden
Abb. 2.7.3.2/6 Lagenschüttung möglichst lockerer Struktur erhalten
bleiben soll oder nicht befahren werden
mit groben Bestandteilen erfahren da-
bei eine Sortierung der Grobteile nach kann und eine zusätzliche Belastung des
alten Planums keine Nachteile bringt.
unten (Entmischung, Abb. 2.7.3.2/5). Die jeweilige Schüttlage sollte
Daher treten abhängig vom Schüttma- schnellstens planiert und verdichtet Bei den meisten Erdbaumaßnahmen
terial relativ große, ggf. auch langandau- werden, um das Eindringen von Ober- wird aus Kostengründen ein sog. Mas-
ernde Setzungen. Das Verfahren wird flächenwasser weitgehend zu vermei- senausgleich angestrebt. Dabei werden
häufig bei Absatzkippen angewendet. den. Andernfalls ist häufig keine ausrei- häufig ohne Berücksichtigung der blei-
Fazit: chende Verdichtung mehr möglich. Bei benden Auflockerung das rechnerische
Kopf- und Seitenschüttungen sind für
Objekte mit geringen Qualitätsansprü-
Abb. 2.7.3.2/7 Auflockerung verschiedener Böden (Durchschnittswerte)
chen an gleichmäßigen Aufbau geeig-
net. Sonst ist ein sehr aufwendiges
Nacharbeiten erforderlich.
Nachteilig sind die unterschiedlichen
Setzungen bei verschiedenen Böden, da
eine gezielte Verdichtung kaum mög-
lich ist. Setzungsdifferenzen können
u.U. erst nach längerer Zeit ausgegli-
chen werden. Dadurch verlängert sich
die Bauzeit bzw. die Nutzung ist erst
später möglich.
78 Erdarbeiten

Abtragsvolumen identisch mit dem Entleeren Unterscheidungsmerkmale:


Auftragsvolumen angesehen. Dies kann Fahrwerk mit Raupe (steglose Gleis-
jedoch zu beträchtlichen Differenzen kette) oder Reifen;
führen, da sich ein unter natürlichen Reifenfahrwerk mit Achsschenkel-
Bedingungen voll gesetzter (konsoli- Lösen lenkung oder Knicklenkung;
dierter) Boden kaum wieder auf sein Ausbildung als Frontlader (Schwenk-
altes Volumen komprimieren läßt, nach- schaufellader. Überkopflader nur bei
dem er durch Abtragen eine Auflocke- kleineren Geräten).
rung erfahren hat. Die Abb. 2.7.3.2/7
zeigt diese Auflockerung für einige Bö- Wegen der Wendigkeit und des Spu-
den. rens der Vorder- und Hinterräder setzt
Beispiel: sich bei den Radladern gegenüber der
Die Aushubmasse (Lehmboden) be- Achsschenkellenkung der Hinterachse
trage 240 m3. Sie soll im rechneri- (Abb. 2.7.4.1/4) immer mehr die Knick-
schen Massenausgleich verwendet wer- lenkung (Abb. 2.7.4.1/5) durch. Lade-
den, steigt jedoch auch nach Verdich- raupen haben zur Verbesserung der Sta-
tung auf V - 240 x 1,04 - 250 m3 an. bilität und Erhöhung der Reißkraft
Entweder müssen nun die 10 m3 im häufig Heckmotoren und können meist
Planungsbereich zusätzlich verarbeitet mit Heckaufreißern ausgerüstet werden
oder abgefahren werden, was einer (Abb. 2.7.4.1/6).
Masse von ca. 10.2 x l = 211 entspricht! Eine Sonderform ist der Baggerlader
Welche Einflüsse die bleibende Auflok- (Abb. 2.7.4.1/7) mit schlepperähnlichem
kerung bei großen Bauvorhaben haben Fahrwerk, Frontladeschaufel und Heck-
kann, ist gut vorstellbar. bagger (meist als Tieflöffel). Das viel-
seitige Gerät ersetzt unter gewissen Be-
2.7.4 Erdbaugeräte dingungen mehrere Einzelgeräte.

Die Geräte, ihre Anwendung und Aus- 2.7.4.2 Geräte für das Lösen,
wahlkriterien werden kurz vorgestellt. Fördern und Einbauen
Die Zusammenfassung erfolgt jeweils
für bestimmte Arbeitsschritte. Alle Arbeitsschritte können zumindest
über gewisse Entfernungen von den sog.
2.7.4.1 Geräte für das Lösen und Flachbaggern, die den Boden je nach
Laden Widerstand und Maschinenleistung in
Schichten von ca. 0,1 bis 0,4 m Stärke
Beim Lösen und Laden steht das Fahr- abtragen, durchgeführt werden.
werk eines Baggers (Standbagger) prak- Außer den im vorigen Kapitel genann-
tisch still. Die Grabbewegung wird von ten Aufgaben des Lösens und Ladens
Oberwagen, Ausleger und Grabgefäß können Radlader, Laderaupe, Baggerla-
ausgeführt. der gerade bei kleinen, engräumigen
Unterscheidungsmerkmale: Baustellen oder bei geringen Boden-
Fahrwerk mit Raupe (Gleiskette) oder massen als »Universalgeräte« auch für
Reifen; das Fördern und Einbauen des Bodens
Kraftübertragung hydraulisch oder verwendet werden.
mechanisch (Seil, Gestänge, Zahnrad- Einsatzbereiche der Planierraupe und
getriebe); der seltener verwendeten Raddozer (Rei-
Grabwerkzeug für abschnittweises fenplaniergerät, Abb. 2.7.4.2/1), sind das
Arbeiten: Hoch-, Tief-, Greiferlöffel, Lösen und gleichzeitige Transportieren
Schleppschaufel; für kontinuierliches des Bodens mit einem quer angebrach-
Arbeiten: Eimerkette, Schaufelrad. ten heb- und senkbaren Schild auf Strek-
Der Tieflöffelbagger (Abb. 2.7.4.1/1, ken bis zu ca. 50 m, das Lockern des
Aushub unter Standniveau) wird am Bodens mit Heckaufreißern und das
häufigsten für Ausschachtungsarbeiten, Einbauen (Planieren) geschütteten Bo-
der Hochlöffelbagger (Abb. 2.7.4.1/2, dens. Sie besitzen eine höhere Reiß-
Aushub über Standniveau), der Grei- kraft als Rad- und Kettenlader.
ferbagger (Abb. 2.7.4.1/3, Aushub unter Raddozer haben bei höherer Fahrge-
Standniveau) zum punktgenauen Arbei- schwindigkeit als Planierraupen eine ge-
ten, z.B. bei Rohrleitungsgräben einge- ringere Reißkraft. Sie dürfen wie Radla-
setzt. der u.U. öffentliche Straßen benutzen
und müssen nicht auf Tiefladern trans-
Zum Lösen und Laden muß beim Lader portiert werden.
(Fahrbagger) die ganze Maschine bewegt
werden, da das Grabgefäß mehr oder we- Besonderes Merkmal des Graders (Erd-
niger starr an der Maschine befestigt ist. Abb. 2.7.4.11I Baggerlader hobel), Abb. 2.7.4.2/2, ist der große
Lader stellen besonders bei leich- Radstand und das zwischengesetzte
ten und lockeren Böden gegenüber Graderschild, das in einem weiten Be-
dem Bagger ein häufig wirtschaftliche- reich verdreht, verschoben und angeho-
res Ladegerät dar. ben werden kann, so daß sowohl seit-
Durchführung von Erdarbeiten 79

ausgedrückt und in etwa 20 cm dicken


Lagen verteilt. Dieses Gerät verbindet
optimal die Vorgänge Lösen, Laden,
Abb. 2.7.4.2/1 Planierraupe Transportieren und Einbauen des Bo-
dens.
Eine Sonderform stellt die sog.
Schürfkübelraupe dar, bei der der Kü-
bel zwischen Gleisketten angeordnet ist.

2.7.4.3 Geräte für das Fördern


Abb. 2.7.4.2/2 Grader (Erdhobel)
Erdbewegungen werden fast ausschließ-
lich gleislos mit selbstfahrenden För-
dergeräten durchgeführt, was eine gute
Anpassung an die Geländeverhältnisse
bei Erhöhung der Fördergeschwindig-
keit ermöglicht. Probleme treten je-
doch bei schlechter Witterung und ge-
ring tragfähigen Böden auf. In diesen
Abb. 2.7.4.2/3 Scraper (Schürfkübelwa- Fällen muß u.U. eine spezielle Förder-
gen) trasse geschaffen werden.
Verwendet werden Straßen-LKW, ge-
ländegängige Straßen-LKW als Hinter-
oder Seitenkipper, spezielle Erdtrans-
portwagen (Muldenkipper, Abb. 2.7.4.37
1), Vorderkipper (meist Kleingeräte),
Bodenentleerer (spezielle Transportan-
hänger).
Abb. 2.7.4.3/1 Muldenkipper
Entscheidend für die Wirtschaftlich-
keit ist neben der Nutzlast eine mög-
lichst hohe Fördergeschwindigkeit auch
liches Planieren wie auch Schneiden im Gelände (kurze Umlaufzeit).
und Profilieren kleinerer Böschungen
möglich ist. Grader können auch mit 2.7.4.4 Geräte für das Verdichten
Querschild, Rechen oder Aufreißhaken
statt Graderschild ausgerüstet werden. Für das Verdichten von Böden gibt es
Durch eine besondere Steuerung ist fer- statisch und dynamisch wirkende Ge-
ner bei fast allen Gradern der sog. Paß- räte. Abb. 2.7.4.4/1 erläutert die Sym-
gang möglich, d.h. Vorder- und Hin- bole in den Systemskizzen Abb. 2.7.4.4/2
terräder spuren nicht. Durch diese bis 15.
Eigenschaften kann sich die Maschine
vielen Baustellenbedingungen anpas- Statisch wirkende Geräte verdichten
sen. Da Unebenheiten des Fahrplanums den Boden nur durch ihr Eigengewicht
durch den großen Radstand weitgehend über unterschiedliche Aufstandsflächen
kompensiert werden, kann mit einem vor allem drückend und knetend. Sie
Grader ein extrem gutes Feinplanum müssen sich zur Verdichtung voranbe-
hergestellt werden. Trotz ihrer Länge wegen. Die Wirkungstiefe ist gegenüber
sind sie durch ihre extreme Wendigkeit gleich schweren, dynamisch wirkenden
auch auf räumlich engen Baustellen Geräten deutlich geringer.
einsetzbar. Die Glattmantelwalze überträgt ihr
Gewicht über die volle Bandagenbreite
Scraper (Schürfkübelwagen, Abb. auf den Boden. Sie wird als Dreirad-
2.7.4.2/3), werden vorwiegend im Mas- walze (Abb. 2.7.4.4/2), Tandemwalze
senerdbau und bei größeren Transport-
entfernungen eingesetzt. Sie bestehen
aus einem von Raupen- oder Radschlep-
Abb. 2.7.4.4/1 Erläuterungen der Sym-
pern gezogenen zweiachsigen Anhän- bole in den Abb. 2.7.4.4/2 bis 15
geschürfkübel oder häufiger aus einer nur vorwärts
ein- oder zweiachsigen Spezialzugma-
ANTRIEB vor- und rückwärts
schine mit aufgelagertem einachsigem nur vorwärts, bei einigen
Schürfkübel. Die vordere Schneide des Geräten auch rückwärts
abgesenkten Schürfkübels schält bei
Vorwärtsfahrt den Boden in etwa 10 cm LENKUNG
dicken Schichten ab. Mit angehobenem u.U. durch Gerät
Kübel transportiert der Scraper den Bo-
drückend, knetend,
den zur Einbaustelle. Dort wird der Einzelschläge
Boden bei Vorwärtsfahrt durch einen VERDICHTUNG
Vibration
Schieber wieder aus dem Kübel her-
80 Erdarbeiten

und Anhängewalze gebaut. Einsatzbe- zahl liegt bei bis zu 80 Schlägen/min


reiche sind vor allem Vorverdichten (z.B. Delmag-Frosch).
loser Schüttungen und Glätten bzw. Beim Schnellschlagstampfer (Abb.
Nachbehandeln von unebenen oder auf- 2.7.4.4/8) (Vibro- oder Rüttelstampfer)
gelockerten Oberflächen. wird die Stampfplatte durch ein motor-
Bei der Gitterradwalze (Abb. 2.7.4.47 getriebenes Kurbel-Feder-System be-
3) wird der Druck durch eine Bandage wegt. Die etwa 12 bis 220 kg schweren
mit gitterförmig angeordneten Stahlstä- Geräte besitzen eigenen Vortrieb, teil-
ben auf den Boden übertragen. Die weise mit Rückwärtslauf. Die Schlag-
Auflast wird durch Ballast erzeugt. zahl liegt üblicherweise zwischen 200
Die schmalen Aufstandsflächen erge- und 800 Schlägen/min, so daß sie einen
ben sehr hohe Bodendrücke. Übergang zu den Vibrationsplatten dar-
Die Bandage der SchafFußwalze (Abb. stellen.
2.7.4.4/4) besteht aus etwa 15 bis 30 cm Vibrierend wirkende Geräte verdich-
hohen Aufsätzen mit unterschiedlicher ten vor allem durch kurzfristiges Auf-
Form und Anordnung. Das Gesamtge- heben der Reibung der Bodenteilchen
wicht wirkt nur auf die kleine Kopfflä- untereinander und Zusammenpressung
che dieser »Füße«. Dabei entsteht zu- des Gefüges durch Auflast. Zu die-
sätzlich zum hohen Flächendruck bei sen Geräten gehören: Vibrationswalzen
der Fahrt eine gewisse Knetwirkung. (Rüttelwalzen), Vibrationsplatten (Rüt-
Da die oberste Bodenschicht durch die telplatten) und Bodeninnenrüttler.
Schaffüße häufig nicht ausreichend ge- Einradwalzen (Abb. 2.7.4.4/9) sind
glättet und verdichtet wird, ist eine leichte, handgeführte Walzen mit einer
Nachbehandlung z.B. mit einer Glatt- angetriebenen glatten Bandage.
walze empfehlenswert. Tandemvibrationswalzen (Abb.
Gummiradwalzen werden als selbst- 2.7.4.4/10) sind selbstfahrende Auf-
fahrende oder Anhängewalzen ausge- sitzwalzen oder handgeführte Walzen
bildet (Abb. 2.7.4.4/5). Weiterhin gibt es mit einer glatten, statisch und einer glat-
Kombinationen aus Glatt- und Gum- ten, vibrierend wirkenden Bandage. Die
miradwalze. Durch die Walkwirkung ungelenkte, angetriebene Bandage ist
der 3 bis 6 pendelnd nebeneinander mit dem Unwuchterzeuger ausgestat-
gelagerten profillosen Luftgummirei- tet.
fen und ihre bewegliche Aufhängung Vibrationsdoppelwalzen (Duplex-
wird der Boden nicht nur gedrückt, walze) sind selbstfahrende handge-
sondern auch sehr stark geknetet und führte Walzen (Abb. 2.7.4.4/11) oder
eine gute Ebenheit der verdichteten Aufsitzwalzen mit zwei angetriebenen
Oberfläche erzielt. und mit Unwuchterzeugern versehenen
Durch Änderung des Reifendrucks Bandagen, die sehr eng gekoppelt sind.
(z. T. während der Fahrt möglich) kön- Eine Anhängevibrationswalze (Abb.
nen die Aufstandsflächen in gewissen 2.7.4.4/12) ist eine Glattwalze mit einer
Grenzen geändert und so Einsinktiefe Bandage und Schwingungserreger. Sie
und Walkwirkung gesteuert werden. So wird von leichten Planierraupen, Lade-
ist eine gute Anpassung an wechselnde raupen und u.U. schweren Radschlep-
Bodenverhältnisse möglich. pern gezogen.
Dynamisch wirkende Geräte verdich- Eine Vibrationsschaffußwalze wird
ten den Boden zusätzlich zum Gewicht meist als gezogene Schaffußwalze
durch eine Wechselkraft. mit zusätzlichem Schwingungserreger
Stampfend wirkende Geräte überwin- (Abb. 2.7.4.4/13) gebaut.
den die Bodenwiderstände vor allem Außer den vorgenannten Bauarten
durch Einzel-Schlagwirkung. Zu diesen gibt es sog. Kompaktwalzenzüge (bzw.
Geräten zählen: Fallplattenstampfer, Kompakteren) als dauergekuppelte Ge-
Explosionsstampfer und Schnellschlag- rätekombinationen aus Einachs-Rei-
stampfer. fenschlepper und Glatt- oder Schaffuß-
Beim Fallplattenstampfer (Abb. walze sowie aus einer kombinierten,
2.7.4.4/6) wird eine schwere, meist qua- selbstfahrenden Glatt- und Schaffuß-
dratische Stahlplatte mit einem Seilbag- walze oder einer kombinierten, selbst-
ger hochgehoben und auf den Boden fahrenden Glatt- und Gummiradwalze.
aufprallen gelassen. Dann wird der Bag- Die meisten Vibrationsplatten sind
ger einen Verdichtungsabschnitt wei- selbstvor- und -rücklaufend, einige auch
tergefahren und das Spiel wiederholt lenkbar. Sie haben eine größere Tiefen-
sich. wirkung als Vibrations-Tandem- und
Beim Explosionsstampfer (Abb. Duplexwalzen, jedoch geringere Flä-
2.7.4.4/7) wird durch Verbrennen eines chenleistung. Sie werden in leichte
Gasgemisches das etwa 65 bis 100 kg (Abb. 2.7.4.4/14) und schwere Platten
Abb. 2.7.4.4/14 Leichte Vibrationsplatte schwere Gehäuse angehoben und dann (Abb. 2.7.4.4/15) unterteilt.
(Rüttelplatte) frei fallengelassen. Die Verdichtung er- Bodeninnenrüttler arbeiten wie die
Abb. 2.7.4.4/15 Schwere Vibrationsplatte folgt durch dfen Gehäuseaufprall auf die Flaschenrüttler bei der Verdichtung
(Rüttelplatte) (u.) Grundplatte d^s Gerätes. Die Schlag- von Betonbalken oder Betonstützen. Sie
Durchführung von Erdarbeiten 81

werden für die sog. Tiefenverdichtung nötigt und die Bodenfläche an vielen Dynamische Verdichtung (Vibration)
von Böden bei besonderen Gründungs- Stellen belastet. Weiterhin treten große lockert dagegen kurzfristig den Zusam-
verfahren eingesetzt (z.B. Rütteldruck- nach außen gerichtete Horizontalkräfte menhalt, so daß geringe Geräteaufla-
verfahren Fa. Keller). auf. sten den Boden gut komprimieren kön-
Bei der Knicklenkung spuren Vorder- nen. Bei bindigen Böden kann dies
und Hinterräder bei Kurvenfahrt. Der jedoch sehr schnell zu einer weichen bis
2.7.5 Wechselwirkungen Rollwiderstand sinkt, dafür wird der flüssigen Konsistenz fuhren. Der Bo-
zwischen Erdbaugerät Boden in jeder Spur zweimal überfah- den wird unbearbeitbar.
und Boden ren. Eine Steigerung des Gewichtes bringt
Die Erhöhung des Gerätegewichtes eine Erhöhung der Verdichtung.
2.7.5.1 Auswirkungen bei Geräten
hat einen vergleichsweise geringen Ein- Je niedriger die Fahrgeschwindigkeit
zum Lösen, Laden, Fördern
fluß auf die Verdichtung, vergrößert im ist, desto intensiver ist die Verdichtung.
und Einbauen
wesentlichen nur die Tiefe des Verdich- Dies gilt besonders bei feinkörnigen,
Vor allem wird die Bodendichte vergrö- tungshorizontes. Bei den meisten ver- bindigen Böden. Bei Vibrationsverdich-
ßert. Die Intensität hängt vom Gerät wendeten Geräten kann davon ausge- tung ist jedoch Vorsicht geboten, da
gangen werden, daß die Verdichtungs- u.U. Wiederauflockerungen auftreten
und von den Bodeneigenschaften ab.
wirkung ab ca. 0,4 m Tiefe merklich können.
Gerätewirkungen treten durch Antriebs-, abnimmt. Mit der Zunahme der Geräteüber-
Fahrwerks- und Lenkungsart und das gänge wird die Verdichtung gesteigert.
Gewicht auf. Einflüsse der Bodeneigenschaften erge-
Der Hauptanteil wird jedoch bereits
Bei Heck- oder Frontantriebsgeräten ben sich aus der Bodenart, dem Wasser- durch die ersten Übergänge erzielt. Zu
gehalt und dem Verdichtungsgrad.
wird die belastete Achse von der ange- häufige Übergänge mit Vibrationsgerä-
triebenen vorwärts bewegt. Dies führt Die Reaktion nichtbindiger Böden
ten bei nichtbindigen Böden führen
auf das Befahren hängt in erster Linie
zu ungleichem Schlupf und unter- wieder zu Auflockerungen.
schiedlicher Bodenbelastung durch Ho- von der Kornverteilung ab. Die Verdich-
tung ist vor allem durch die Vibrations-
rizontalkräfte. Beim Allradantrieb sind Einflüsse der Bodeneigenschaften erge-
die Wirkungen beider Achsen etwa wirkung bei Kettenfahrzeugen beson- ben sich aus Bodenart, Wassergehalt,
gleich. ders groß.
Größtkorn und Schichtenaufbau.
Die Bodenpressung unter einem Die Reaktion bindiger Böden hängt
Für die Verdichtbarkeit nichtbindiger
Gleiskettenfahrwerk ist niedriger als bei vor allem von der Bodenfeuchtigkeit Böden ist vor allem die Kornverteilung
Einzelrädern. Der Gerätedruck erfaßt (damit der Konsistenz) ab. Die größte maßgebend. Ungleichförmige Böden
jedoch durch Überlagerungen einen we- Verdichtungswirkung haben knetende lassen sich stärker verdichten als gleich-
sentlich größeren Bodenbereich. Die Reifenfahrzeuge. förmige, erfordern aber einen höheren
relativ starre Verbindung von Ketten- Bei feinkörnigen Sanden und bindi-
gen Böden spielt der Wassergehalt eine
laufwerk und Maschinenrahmen führt runden Bodenkörnern sind verdich-
große Rolle. In nassen^ weichen Böden tungswilliger als Böden aus rauhen und
weiterhin zu einer Übertragung von
ergeben sich, vor allem durch seitliches
Vibrationen des Antriebsmotors auf scharfkantigen Bodenkörnern.
Ausweichen des Bodens, weniger durch
den Boden. Die Dichte des Bodens wird Bei bindigen Böden ist der vorhan-
Verdichtung, tiefe Fahrspuren durch
damit nicht nur durch das Maschinen- dene Wassergehalt, also die Konsistenz
alle Geräte. Trockene und harte Böden des Bodens, ausschlaggebend. Eine Ver-
gewicht, sondern auch durch Vibration
reagieren dagegen auf Befahren nur ge-
verändert. Einfluß hat ferner die Art dichtung ist nur möglich, wenn noch
ring oder gar nicht. Luftporen vorhanden sind bzw. der
der Gleiskette. Planierraupen besitzen Böden mit geringem Verdichtungs-
Stegketten, die zwar einen geringeren grad werden vor allem durch das Wassergehalt durch Entwässern, Belüf-
Schlupfautweisen (sie rutschen nicht Gewicht der Geräte stark zusammen- ten oder Bodenverbesserung verringert
so schnell durch) als die steglosen Ket- gedrückt. Erst wenn eine gewisse Ver- wird. Eine Verdichtung ist im steifplasti-
ten der Laderaupen, dafür eine größere dichtung erreicht ist, wirken sich Gleis- schen Zustand (Ic = 0,75 bis 1,0) am
knetende Wirkung an der Bodenober- ketten- und Reifenfahrzeuge wieder besten möglich (Wassergehalt etwas hö-
fläche hervorrufen (größere Horizontal- unterschiedlich aus. her als wp).
kräfte). Die Verdichtbarkeit von Mischböden
Die Bodenpressung ist bei einem Rei- 2.7.5.2 Auswirkungen bei wird sowohl von der Konsistenz der
fenfahrwerk höher als bei Gleisket- Feinanteile wie auch der Kornzusam-
Verdichtungsgeräten
tenfahrwerken, der Einflußbereich der mensetzung des Grobkorns beeinflußt.
Verdichtung jedoch geringer. Hoch- Auch hier wirken sich Geräteart und Je höher der Grobkornanteil ist, desto
druckreifen besitzen in der Regel ein unproblematischer ist die Verdichtung.
Bodenverhältnisse aus. Dies gilt auch für Mischböden mit Stei-
grobstolliges Profil. Niederdruckreifen
sind fast profillos. Daher leiten Hoch- Gerätewirkungen resultieren aus Ver- nen und Blöcken.
druckreifen größere Horizontalkräfte in dichtungsart, Gerätegewicht, Fahrge- Bei Schüttungen nur aus Steinen und
den Boden ein als Niederdruckreifen. schwindigkeit und Zahl der Übergänge. Blöcken spielt im Grunde die Kornab-
Bei diesen ist dafür der Schlupf größer. Statische Verdichtung überwindet die stufung die einzige Rolle. Eine Verdich-
Da Luftreifen weniger Antriebsvibra- Reibung bzw. Kohäsion im Boden tung ist nur noch mit schwersten dyna-
tion übertragen, wird die Dichte vor al- durch realtiv lang anhaltenden Druck. misch wirkenden Geräten möglich.
lem durch die knetende Wirkung ver- Damit kann der Luftanteil gerade in Die Verdichtungswilligkeit nichtbin-
größert. feinkörnigen Böden reduziert werden. diger Böden hängt um so mehr vom
Bei der Achsschenkellenkung be- Bei nichtbindigen Böden führt die Auf- Wassergehalt ab, je ungleichförmiger
schreiben die Räder der gelenkten und last zu einer zusätzlichen Steigerung der diese Böden sind. Bei bindigen Böden
nicht gelenkten Achse bei Kurvenfahrt Reibungskraft zwischen den einzelnen ist die Spanne des möglichen Wasserge-
vier eigene Fahrspuren. In weichen Bö- Körnern (Erhöhung des Verdichtungs- haltes zudem durch die Bearbeitbarkeit
den wird dadurch viel Antriebskraft be- widerstandes). begrenzt.
82 Erdarbeiten

nung des Fahrwerks aufgrund der Bau-


stellenbedingungen ist zu beachten
(Abb. 2.7.6.1/2). Ein weiteres gerätety-
pisches Merkmal ist die Transportent-
fernung (Abb. 2.7.6.1/3). Konkrete Si-
tuationen können jedoch zu anderen
Schlüssen (besonders bei der Wirt-
schaftlichkeit) fuhren.
Da ein Gerät auf der Baustelle kaum
allein arbeitet, sondern im Gesamtar-
beitsablauf auf andere Geräte einwirkt,
muß die Wahl auch auf diese gesamte
Maschinenkette bezogen werden. Wirt-
schaftlichkeit wird nur erreicht, wenn
die Geräte innerhalb von Maschinen-
ketten in der Leistung aufeinander ab-
gestimmt sind und immer die je Be-
Abb. 2.7.5.2/1 Bodenart und günstige Einbauwassergehalte (Anhaltswerte)

Planierraupe

Die wirtschaftlichste Verdichtung er- schwindigkeit bei Last- und Leerfahrt)


gibt sich mit dem sog. optimalen Was- abhängt, nach Abb. 2.7.6.1/1 getroffen
sergehalt, der im Proctorversuch ermit- werden. Lkw
telt wird. Diese »Einbauwassergehalte« Weiterhin sollten nach Kap. 2.7.5 die 400m

sind in ihrer Tendenz aus Abb. 2.7.5.2/1 Einflüsse des Fahrwerks auf den Boden Abb. 2.7.6.1 /3 Wirtschaftliche Transport-
zu ersehen. abgeschätzt werden. Aber auch die Eig- entfernungen
Die Dicke der zu verdichtenden Bo-
denschicht hängt von der Gerätelei-
stung und vom Größtkorn ab. Als Min-
destschichtdicke für eine gute Verdich-
tung muß der doppelte bis dreifache
Durchmesser des Größtkornes ange-
setzt werden.
Ob die Verdichtung die gewünschte
Wirkung hat, hängt sehr stark von dem
Verformungsverhalten des Bodens un-
ter der zu verdichtenden Lage, also dem
Schichtenaufbau, ab. Der Untergrund
muß eine ausreichende Festigkeit besit-
zen. Ggf. kann bei besonders schlech-
ten Verhältnissen und genügender Tiefe
unter der geplanten Oberfläche auch
eine dickere Schüttlage Abhilfe schaf-
fen. Extrem harte Unterschichten kön-
nen bei Vibrationsverdichtungen durch
Reflexwirkungen auch zu Wiederauf-
lockerungen fuhren. Bei sehr kritischen
Bodenverhältnissen und vor allem bei
großen Baustellen sollten daher Probe-
verdichtungen auf kleinen Teilflächen
durchgeführt werden, um Gerät und die Abb. 2.7.6.1/1 Eignung der Geräte für einzelne Arbeitsschritte
Anzahl der Übergänge zu ermitteln.

2.7.6 Hinweise zur Wahl der


Geräte Abb. 2.7.6.1/2 Einsatzkriterien für Reifen- und Kettenfahrwerke
2.7.6.1 Geräte für Lösen, Vorteilhafter Einsatz für Geräte mit Reifen- Vorteilhafter Einsatz für Geräte mit Ketten-
Laden, Transportieren fahrwerk fahrwerk
und Einbauen
bei größerer Transportentfernung geringer Schlupf und niedriger spezifischer
Eine Vorentscheidung zur Auswahl Bodendruck, daher geringe Bodenverdich-
eines Gerätes für einen bestimmten Ar- tung besonders auf bindigem Boden;
beitsschnitt kann aufgrund der allgemei- bei wechselnden Transportstrecken; größere Schubkraft und Zugkraft;
nen Eignung des Gerätes, die vorwie- einfaches und rasches Anfahren der Bau- bessere Rangierbarkeit auf engem Raum
gend von der Gerätemechanik (haupt- stelle ohne Verwendung eines Tiefladers;
rascher Baustellenwechsel;
sächlich bei den Grabwerkzeugen) und geringer Fahrwerkverschleiß
der Beweglichkeit (Wendigkeit, Ge-
Durchführung von Erdarbeiten 83

triebsstunde billigere Maschine auf die


teurere wartet. Dieser Grundsatz gilt
nur bei Arbeiten zum Schutz des Bau-
werks nicht.
Und letztlich ist wohl die Eigenwirt-
schaftlichkeit des Gerätes aufgrund
der Kosten-XLeistungskriterien ent-
scheidend. Hiervon sollte nicht unbe-
dingt die Wahl des Gerätes abhängen
und dafür gerade Fragen des Einflusses
auf den Boden außer acht bleiben.
Häufig werden jedoch Geräte ein-
gesetzt - einfach, weil sie vorhanden
sind. In diesem Fall sollten sie dennoch
auf ihre Eignung unter Beachtung der
vorstehenden Überlegungen überprüft
werden.

1.7.6.2 Geräte für das Verdichten

Die Auswahl des Verdichtungsgerätes


ist vor allem von der Bodenart abhängig
(Abb. 2.7.6.2/1).
Eine gute Verdichtung nichtbindiger
Böden (Sande, Kiese) ist nur durch Er-
schütterung zur Überwindung der inne-
ren Reibung möglich, deshalb sind dy-
namisch wirkende Geräte einzusetzen.
Bei ungleichförmigen Böden wirkt die
Vibration stärker, bei sehr gleichförmi-
gen ist sie u.U. nicht viel wirksamer als
der Druck statischer Geräte.
Im Extremfall können bei sehr schwe- liehst lang andauernde Flächenpres- den vor allem bei Vibrationsverdich-
ren Vibrationsgeräten sogar gegenüber sung. Statisch wirkende Geräte mit tung sehr schnell weich oder breiig. Da-
ihrem natürlichen Lagerungszustand drückender und knetender Bodenbela- mit ist er nicht mehr verarbeitbar und
größere Dichten erreicht werden, vor stung sind daher am besten geeignet. verdichtbar. Auch lockere, feinkörnige
allem wenn der abgetragene Boden Auch stampfende Geräte sind gut an- Böden reagieren im feuchten Zustand
noch nicht voll konsolidiert war. Dies wendbar. Schwach bindige Böden kön- auf diese Weise. Zur Abhilfe kann nur
ist bei der Massenermittlung zu berück- nen evtl. auch mit dynamisch wirken- stabilisert werden oder man muß mit
sichtigen. den Geräten verdichtet werden. Ist körnigen Böden mischen oder austrock-
Bindige Böden (Schluffe, Tone, bin- der Feuchtigkeitsgehalt bindiger Böden nen lassen.
dige Sande) verlangen eine hohe, mög- hoch (plastischer Zustand), wird der Bo- Die besten Ergebnisse erzielen bei
Mischböden (bindige Kiese, schwach
steinige Böden) schwere knetende und
dynamisch wirkende Geräte.
Abb. 2.7.6.2/1 Verdichtungsgeräte und Bodenart Bei stark steinigen Böden sind opti-
mal schwere Stampfer, schwere Vibra-
tionswalzen und Fallplattenstampfer an-
zuwenden.
Die Verdichtungsarbeit wird allge-
mein stark von der Witterung beein-
flußt. Zu große Trockenheit erschwert
zwar die Verdichtung, bei zu großer
Nässe ist jedoch gar keine Bearbeitung
mehr möglich. Die Oberfläche bereits
verdichteten Materials sollte bei nasser
Witterung zusätzlich geglättet werden
(Glattmantelwalze). Dies ist besonders
bei der Arbeit mit Gitterrad- und Schaf-
fußwalzen sowie Stampfern zu beach-
ten, da sie kein ebenes Planum erzielen.
Gefrorener Boden darf weder einge-
baut noch verdichtet werden, da nicht
sicher ist, ob alle Klüfte und Hohl-
räume der Schüttung ausreichend kom-
primiert werden. Beim Frostaufgang wä-
ren starke lokale Setzungen und Sak-
kungen die Folge.
84 Erdarbeiten

»Regenerierung« handelt es sich damit


eigentlich nicht mehr um erdbautech-
nische, sondern um vegetationstechni-
sche Maßnahmen. Daher wird auch er-
gänzend auf das Kap. 3 verwiesen.
Unter Regenerierungsmaßnahmen
ist im wesentlichen eine Lockerung des
verdichteten Bodengefüges zu verste-
hen, die durch strukturerhaltende Maß-
nahmen u.U. ergänzt werden sollte.
Die Lockerung hängt von dem Ver-
dichtungsgrad, der Verdichtungstiefe,
der Bodenart, dem Schichtenaufbau
und der Art der künftigen Vegetation
ab.
• Bindige Böden sollten möglichst im
halbfesten Zustand gelockert wer-
den, da nur dann eine Krümelstruk-
tur entstehen kann. In feuchterem
Zustand werden lediglich Klüfte und
Schlitze in den Boden gearbeitet,
ohne daß die Zwischenbereiche eine
Strukturverbesserung erfahren.
• Im Bereich von Bauwerken darf eine
Bodenlockerung nur so tief vorge-
Abb. 2.7.6.2/3 Verdichtungsgerät, Bodenart und Arbeitsbedingungen nommen werden, daß das Bauwerk
dadurch nicht beeinträchtigt wird.
Ebenso ist ein seitlicher Abstand
zum Bauwerk einzuhalten (z.B.
Die Wahl der Geräte wird auch von Bei statisch wirkenden Geräten kann könnten Wegeeinfassungen aus Tief-
dem zur Verfugung stehenden Platz - die minimale Geschwindigkeit gefahr- bordsteinen oder Rasenkantenstei-
also den Baustellenbedingungen - be- los unterschritten werden. Meist ist da- nen seitlich ausweichen und die We-
einflußt (Abb. 2.7.6.2/2). Bei der Ver- mit eine Verbesserung des Verdich- gefläche würde in Mitleidenschaft
dichtung von Bauwerkshinterfiüllungen tungsgrades zu erzielen - vor allem bei gezogen).
ist zu beachten, daß Bauwerk und Isola- relativ feuchten bindigen Böden. Die • Weiterhin ist auf eingebaute Ver-
tionsschichten nicht beschädigt werden. Geschwindigkeitsreduzierung führt je- und Entsorgungsleitungen mit gerin-
Die Verfüllung von Leitungsgräben doch zu kleineren Flächenleistungen. ger Überdeckung zu achten.
muß wegen des geringen Platzes mit Eine Steigerung der Geschwindigkei- Die Lockerung des Bodengefüges
besonders kleinen, wendigen und leich- ten führt bei allen Geräten zu einer wird durch Belastung (auch durch das
ten Geräten verdichtet werden, damit deutlichen Verringerung der Verdich- Eigengewicht des Bodens) und Verti-
die Leitungen nicht in Mitleidenschaft tungsleistung. kalbewegung des Wassers zum Teil wie-
gezogen werden. Auch Verdichtungsgeräte sind in die der aufgehoben. Der Boden setzt sich
Auch bei Verdichtungsgeräten spie- Maschinenkette einzuordnen. Dabei ist wieder. Dieser Vorgang kann nur durch
len die Kosten-/Leistungskriterien eine jedoch zu beachten, daß nur so viel Bo- gefügestabilisierende Stoffe und eine
wichtige Rolle. Die Leistung ist ab- den antransportiert wird, wie das Ver- möglichst schnelle und tiefwurzelnde
hängig von Bodenart, Schütthöhe der dichtungsgerät verarbeiten kann (vor al- Begrünung vermindert werden. Diese
zu verdichtenden Schicht, Anzahl der lem bei bindigen Böden). Daher werden Setzungen sind bei der Festlegung des
Übergänge bis zur geforderten Verdich- in der Praxis gerade Verdichtungsgeräte Planums zu berücksichtigen.
tung (wobei der erste schon bis 80% der »reichlich« dimensioniert und haben
geforderten Verdichtung ergibt), Ar- damit zwangsläufig Stillstandzeiten. 2.7.7.2 Bearbeitungsmöglichkeiten
beitsbreite und Arbeitsgeschwindigkeit.
Die Abb. 2.7.6.2/3 gibt die wesentlichen Die Verfahren lassen sich für drei Tie-
System unterschiede wieder. 2.7.7 Regenerierung zwischen- feenbereiche aufteilen:
Zu viele oder zu langsame Übergänge zeitlich belasteter 1. eine obere Zone: Sie kann je nach
mit vibrierend wirkenden Geräten kön- Flächen Bodengefüge und verwendetem Gerät
nen eine Wiederauflockerung des Bo- bis etwa 15 cm, maximal 25 cm un-
dens zur Folge haben. Ihre Übergangs- 2.7.7.1 Allgemeine Hinweise ter das Planum reichen und mit
dauer über einen Verdichtungsquer- Handgeräten (Spaten, Grabgabel, Rigo-
schnitt sollte deshalb nicht länger als Durch den Baustellenverkehr oder z. B. ler), motorbetriebenen Fräsen, Eggen,
20 Sekunden dauern. durch Bodenmieten sind Flächen bela- Grubbern bearbeitet werden. Je nach
Tritt bei feinkörnigen Böden bei der stet und damit verdichtet worden, de- Bodenart (nichtbindig/bindig) und Was-
Verdichtung Wasser aus, ist die Verdich- ren ursprünglicher Zustand für die Be- sergehalt läßt sich eine gute Fein-
tung abzubrechen, da der Porenraum des grünung erhalten werden sollte. krümelung erzielen und bodenverbes-
Bodens in diesem Fall weitgehend mit Bevor vegetationstechnische Arbei- sernde Stoffe können gut eingearbeitet
Wasser gefüllt, keine Verdichtung mehr ten beginnen, sollte der ursprüng- werden.
möglich ist, und weitere Belastungen liche Bodenzustand des Untergrunds 2. eine mittlere Zone: Sie umfaßt ei-
die Konsistenz des Bodens zum weichen für Vegetationsflächen so gut es geht nen Bereich bis etwa 80 cm unter Pla-
bis flüssigen Zustand abändern. wieder hergestellt werden. Bei dieser num (abhängig von Bodenart und Ge-
Anwendungsbeispiel für den Garten K. 85

rät). Hier kann mit sog. Tiefenlocke- 2.8 Anwendungsbeispiel Literatur


rungsgeräten gearbeitet werden, die Kezdi, Ärpäd: Handbuch der Bodenmecha-
sämtlich nach einem dem Heckaufrei- für den Garten K. nik, Bd. 1 -4, VEB Verlag für Bauwesen Ber-
ßer ähnlichen Prinzip arbeiten. Die Ge- lin, Verlag der Ungarischen Akademie der
räte werden gezogen, wobei mit zuneh- In diesem Kapitel wurde über Erdarbei- Wissenschaften, Budapest 1969
E. Schultze/H. Muhs: Bodenuntersuchun-
mender Tiefe und Festigkeit des Bodens ten gesprochen. Im nächsten Kapitel gen für Ingenieurbauten, Springer-Verlag
beträchtliche Zugkräfte und Maschi- werden Bodenarbeiten behandelt. In 1967
nengewichte erforderlich sind. Die Ge- beiden Fällen ist der Grundstoff die W. Striegler/D. Werner: Dammbau in Theo-
räte haben schon einen recht großen Erde. Bei den Erdarbeiten geht es um rie u. Praxis, Springer-Verlag 1969
Platzbedarf und können auf kleinräu- die bautechnische Verarbeitung dieses W. E. Schulze/K. Simmer: Grundbau, Teil 1,
migen Grundstücken nicht mehr einge- Baustoffes, bei den Bodenarbeiten um Teubner-Verlag Stuttgart 1977
setzt werden. Eine feinkrümelige Bo- die vegetationstechnische. Die Grund- K. J. Klengel/O. Wagenbreth: Ingenieurgeo-
denstruktur kann nicht erreicht und regeln bei der Bearbeitung des Bau- logie für Bauingenieure, Bauverlag Wies-
bodenstabilisierende Stoffe kaum ein- stoffes müssen daher gleich sein. Ent- baden/Berlin 1987
G. Häns/er/A. Niesei: Landschafts- u. Sport-
gemischt werden. scheidend ist immer das Ziel der platzbau, Band 2, Landschaftsbau Fachnor-
3. die tiefe Zone: Sie beginnt in etwa jeweiligen Bauaufgabe. men-Kommentar DIN 18915 bis 18920,
0,8 m Tiefe. In diesem Bereich kann Da die Grundregeln des Arbeitens Bauverlag Wiesbaden 1983
eine Lockerung normalerweise nur mit diesem Baustoff identisch sind, soll H. L. Jessberger: Grundlagen und Anwen-
noch durch einen Standbagger mit die Anwendung des Baustoffes Erde/ dung der Bodenstabilisierung, VDI-Verlag,
Tieflöffel oder Greifer erfolgen, der je- Boden in Kapitel 3.7 gemeinsam behan- Düsseldorf 1967
doch auch schon bei geringeren Tiefen delt werden. Es wird aber auf Kapitel 2.5 W. H. Bölling: Bodenkennziffern und Klas-
eingesetzt werden kann. Im Prinzip ent- »Bewertung der Bodenkenngrößen - sifizierung von Böden, Springer-Verlag
Wien/New York 1971
spricht dieses Verfahren einem sehr gro- Bodensynthese« verwiesen, in dem ins- H. Graßhoff/R Siedek/R. Floss: Handbuch
ben Umgraben des Bodens. Bei trocke- besondere die bautechnischen Wertun- Erd- und Grundbau, Teil 1 u. 2, Werner-
nen Bodenverhältnissen lassen sich gen und Rückschlüsse auf die Art der Verlag Düsseldorf 1979/1982
recht gute Lockerungsergebnisse erzie- Ausführung behandelt wurden. W. Brand: Die Bodenverfestigung als kon-
len und mit etwas Geschick sogar Bo- struktive und betriebstechnische Maßnah-
denverbesserungsstoffe einbringen. me im Erd- und Straßenbau; Straßenbau-
technik, Heft 13, 1964
3 Bodenarbeiten A. Niesei

3.1 Normengrundlagen und 3.3 Allgemeine Anforderungen an Nach dem Kapitel »Erdarbeiten«, in l
Begriffe 87 den Oberboden 99 dem auch viel über »Boden« gespn»
3.1.1 Normengrundlagen 87 3.4 Verbesserungsmöglich- eben wurde, soll jetzt speziell über Bö l
3.1.2 Begriffe 87 keiten 99 denarbeiten gesprochen werden. In den i
3.2 Voruntersuchung von Boden und 3.4.1 Verbesserung der Wasser- Normen des DIN wird - ob zu Recht!
Standort 88 durchlässigkeit 99 oder Unrecht - eine Unterscheidung)
3.2.1 Kornverteilung und Eintei- 3.4.2 Verbesserung der Wasser- nach Erdarbeiten (ATV - DIN 18300)1
lung in Bodengruppen 88 haltefähigkeit 99
und Bodenarbeiten für vegetationstech-1
3.2.1.1 Laboruntersuchungen 89 3.4.3 Verbesserung der Belast-
3.2.1.2 Felduntersuchungen 89 barkeit 100 nische Zwecke (FN - DIN 18 915) geJ
3.2.1.3 Bewertung von Oberboden 3.4.4 Veränderung der Boden- troffen. Nach dieser Normenabgren-l
aus der Korngrößen- reaktion 100 zung beziehen sich die Leistungen des l
verteilung 90 3.4.5 Veränderung des Gehaltes an Erdbaues auf alle bautechnischen Ar-
3.2.2 Plastische Eigenschaften . . . 91 organischer Substanz 100 beiten, also auf tote Bauwerke, Boden-1
3.2.2.1 Konsistenzzahl 91 3.4.6 Veränderung des Grund- arbeiten dagegen sind auf die Vegeta-1
3.2.2.2 Bewertung von Oberboden wasserstandes 100 tion ausgerichtet und beziehen sich auf l
aus den plastischen Eigen- 3.4.7 Veränderung der plastischen die oberste Bodenschicht. Aussagen aus l
schaften 91 Grenzen 100
3.2.3 Wasserdurchlässigkeit 92 Kapitel 2 sind auch hier wieder zu fin-1
3.4.8 Verbesserung des Nährstoff-
3.2.3.1 Die Wasserbewegung im gehaltes 101 den. Sie stehen dann aber in einem l
Boden 92 3.4.9 Regeneration von gestörten anderen oder erweiterten Zusammen-1
3.2.3.2 Laboruntersuchung 92 Oberböden 101 hang bezogen auf die Vegetation.ini
3.2.3.3 Felduntersuchungen 92 3.5 Beispiele für die Bewertung von
der Praxis liegen Erd- und Bodenarbei-1
3.2.3.4 Bewertung aus der Durch- Böden 101 ten meistens zeitlich weit auseinander.
lässigkeit 93 3.5.1 Bewertung aus der Korn- Wie in Kapitel 2 geschildert, wickelt sich I
3.2.4 Grundwasserstand 94 verteilung 101 auf den Flächen rund um das techni-1
3.2.4.1 Felduntersuchung 94 3.5.2 Bewertung aus den plastischen sehe Bauwerk der ganze Baustellenver-1
3.2.4.2 Wertung aus dem Eigenschaften 104 kehr ab. Dieser Unterboden wird dabei l
Grundwasserstand 94
3.2.5 Gehalt an organischer 3.6 Ausführung von Oberboden- erheblich verändert, bezogen auf die l
Substanz 94 arbeiten 106 Vegetation in fast allen Fällen durch!
3.2.5.1 Humusformen und chemisch- 3.6.1 Abräumen des Baufeldes . . . 106 Verdichtung verschlechtert. In Kapitel
biologische Vorgänge im 3.6.1.1 Gewinnen von wiederver- 2.7.7 ist aufgeführt, wie sich derart ver-1
Boden 94 wendbarem Aufwuchs 106 schlechterter Unterboden regenerieren l
3.2.5.2 Laboruntersuchungen 95 3.6.1.2 Boden von nicht wiederver- läßt. Auf diesen Unterboden wird dann
3.2.5.3 Felduntersuchungen 95 wendbarem Aufwuchs 106
3.6.1.3 Entfernen von Baustoffresten der Oberboden im Rahmen der Boden-1
3.2.5.4 Bewertung aus der organi- arbeiten aufgetragen.
schen Substanz 95 und Verunreinigungen . . . . 106
3.2.6 Bodenreaktion 96 3.6.1.4 Entfernen von ungeeigneten Der Boden ist das Substrat, in dem die l
3.2.6.1 Der pH-Wert als Bodenarten 106 Pflanzen wurzeln, sich verankern und l
Kennwert 96 3.6.2 Oberbodenabtrag und aus dem sie Wasser und Nährstoffe zu l
3.2.6.2 Labor- und Feldunter- Oberbodenlagerung 106 ihrer Ernährung ziehen. Dieses Substrat
suchungen 96 3.6.3 Unterbodenbearbeitung . . . 107 ist nicht einheitlich beschaffen, sondern
3.2.6.3 Zeigerpflanzen 97 3.6.4 Oberbodenauftrag 107 ist ein Produkt aus dem Ausgangsge-
3.2.6.4 Wertung der Boden- 3.6.5 Oberbodenverbesserung und stein, aus Klima, Vegetation, Relief der
reaktion 97 Düngung 107
3.6.6 Oberbodenbearbeitung . . . . 107 Bodenoberfläche, Grund- oder Stau-
3.2.7 Nährstoffgehalt 97 wasser und auch der Arbeit des Men-
3.2.7.1 Die Bedeutung der Nährstoffe 97 3.6.6.1 Lockerung 107
3.2.7.2 Laboruntersuchungen 98 3.6.6.2 Planum 108 schen. Im Verlauf der Erdgeschichte
3.2.7.3 Zeigerpflanzen 98 3.6.6.3 Oberflächenschutz durch wurde dieser Boden den verschieden-
3.2.7.4 Dünger und Düngerformen . 98 Einsaaten 108 sten Veränderungen unterworfen, die
3.2.7.5 Wertung der Nährstoff- 3.7 Anwendungsbeispiel für den sich aus Klimaveränderungen ergaben.
versorgung 98 Garten K. 108 Die Folgen waren unterschiedlich star-
Normengrundlagen und Begriffe 87

ke Verwitterungen des Urgesteins, Ab- dern in der Regel das gesamte gewach- b) DIN 18 320; Landschaftbau-
oder Aufträge durch Wasser- oder sene Bodenprofil durch Auf- und Ab- arbeiten (ATV)
Winderosion, Überflutungen oder Aus- träge und pflanzliche Nutzung erfolgt Diese in der VOB als Allgemeine Tech-
trocknungen mit jeweils unterschiedli- unter den verschiedensten, nicht im- nische Vorschrift (ATV) verankerte
cher, dem Standort angepaßter Vegeta- mer standorttypischen Aspekten, wie Norm enthält die vertragsrechtlichen
tion. Alles das trug zur Bodenbildung z.B. Sicherung oder Eingrünung von Regelungen, die bei Ausführung vege-
bei, die ein andauernder Prozeß von Böschungen, Eingrünung von Indu- tationstechnischer Arbeiten zu beach-
physikalischer, chemischer und biologi- strie- und Gewerbebauten, Straßenbe- ten sind. Zur Frage der Beschaffenheit
scher Verwitterung, des Abbaues und gleitgrün, dekoratives Grün in Gärten des Oberbodens und zur Ausführung
der Neubildung von Mineralien, der oder Parks oder belastbare Rasenflächen von Oberbodenarbeiten wird auf die
Zersetzung der organischen Substanz in Spiel- und Sportanlagen. Mit diesen Fachnorm DIN 18 915 verwiesen.
und des Aufbaues von Humusstoffen Profilveränderungen greift der Mensch
ist. Faßt man nun alle in irgendeiner noch stärker als bei land- oder forst- c) DIN 18 915 Vegetationstechnik im
Weise Einfluß nehmenden Faktoren zu- wirtschaftlichen Maßnahmen in die Ge- Landschaftsbau; Bodenarbeiten
sammen, also z.B. den bis zu diesem fugedynamik des Bodens ein. Da diese Bodenarbeiten für vegetationstechni-
Zeitpunkt gebildeten Boden, die Nei- Eingriffe heute aus wirtschaftlichen sche Zwecke nach DIN 18915 umfassen
gung des Geländes sowohl bezogen auf Gründen mit großen Maschinen erfol- alle Leistungen, die zur Vorbereitung
die Himmelsrichtung als auch auf den gen, wirken auf den Boden vielfältige und weiteren Behandlung eines Stand-
Neigungsgrad, das örtliche Klima mit Kräfte der Zerstörung ein, die teilweise ortes erforderlich sind, auf dem Vege-
einer typischen Niederschlagshäufigkeit unvermeidlich sind, teilweise aber auch tation angesiedelt werden soll. Die in
und -menge, einem typischen Tempe- auf ein geringeres Maß beschränkt wer- dieser Norm aufgestellten Regeln sind
raturverlauf und einer überwiegenden den könnten. bei allen vegetationstechnischen Lei-
Windrichtung und den prägenden Ein- Die Aufgabe landschaftsbaulicher stungen zu beachten, also auch bei
fluß des Wassers z.B. als Grund-öder Bodenarbeiten für vegetationstechni- Rasen- und Pflanzarbeiten, bei Unter-
Stauwasser, dann entsteht daraus das sche Zwecke ist es nun, Störungen und haltungsarbeiten, Sicherungsbauweisen
Bild eines genau zu umschreibenden Zerstörungen des Bodengefüges wäh- und Schutzmaßnahmen zur Erhaltung
Standortes, auf dem bestimmte Pflan- rend der gesamten Bauzeit und speziell von Bäumen, Vegetationsflächen und
zen optimal wachsen. Standort und dar- bei der Herstellung neuer Vegetations- Pflanzenbeständen bei Baumaßnah-
aufwachsende Pflanzengesellschaft ste- flächen auf das technisch Unvermeid- men. Die Norm (Gliederung siehe An-
hen also in einer direkten Beziehung bare zu beschränken und durch geeig- hang) befaßt sich mit der Einordnung
zueinander. In diese natürlichen Stand- neten Profilaufbau, Bodenbearbeitung der Böden in Bodengruppen und deren
orte mit der für sie typischen Pflan- und Bodenaufbereitung neue Standorte Bewertung, mit der Qualität des Bodens
zengesellschaft greift nun der Mensch zu schaffen, die unter den jeweiligen selbst und der Stoffe, die zu seiner Ver-
durch Kulturmaßnahmen verschiede- Nutzungsvorstellungen optimale ökolo- besserung verwendet werden, sowie mit
ner Art ein. Das sind einmal die Ein- gische und ökonomische Voraussetzun- den Bodenbearbeitungsverfahren.
griffe durch die Acker- und Weidekul- gen für das Einrichten und den Weiter-
tur der Landwirtschaft, die Misch- oder bestand von Vegetation bieten.
Monokulturen der Forstwirtschaft oder 3.1.2 Begriffe
zum anderen die baulichen Verände- Zum Gesamtverständnis ist es wichtig,
rungen unserer Umwelt infolge der einige Begriffe noch einmal anzuspre-
Siedlungstätigkeit des Menschen mit 3.1 Normengrundlagen chen, die schon in Kapitel 2 unter Erd-
den damit verbundenen Straßen- und und Begriffe arbeiten als technische Begriffe im Erd-
Wasserbaumaßnahmen, Industrie- und bau erwähnt wurden. Es sind die
Gewerbebauten oder auch den Freizeit- Begriffe Oberboden und Unterboden,
bauten, die sich der Mensch zu seiner 3.1.1 Normengrundlagen die immer dann verwendet werden,
Zerstreuung und Erholung baut. wenn durch bauliche Veränderungen in
Bei der Acker-, Weide- oder Forst- Für Bodenarbeiten sind zu beachten: das Ursprungsprofil eingegriffen wird.
nutzung geht es darum, aus einer be- Für den Bodenkundler, der sich in der
stimmten Fläche einen möglichst ho- a) DIN 18 300; Erdarbeiten (ATV) Regel nur mit den ungestörten Boden-
hen Nutzen, d.h. Ertrag zu erzielen. Erdarbeiten nach DIN 18 300 umfas- profilen in der freien Natur beschäf-
Deshalb werden durch Zugabe von sen alle Leistungen, bei denen Böden tigt, ist diese Unterteilung viel zu grob.
Nährstoffen eine optimale Ernährung als Baustoff für ein Erdbauwerk, also Ausgehend von der natürlichen Boden-
der Kulturpflanzen erzielt, u.U. durch auch zur Geländemodellierung oder zur bildung aus dem Ursprungsgestein un-
zusätzliche Beregnung und Pflanzen- Herstellung des geforderten Planums terscheidet er sehr verschiedene Boden-
schutzmaßnahmen deren Bestand über- im Sportstättenbau, verwendet werden typen, die er nach Horizonten unterteilt.
haupt erst gesichert und durch chemi- (Vgl. Kap. 2, Erdarbeiten). Unter den Tab. 3.1.2/1 versucht eine Gegenüberstel-
sche Eingriffe konkurrierende Pflanzen in dieser Norm definierten Bodenklas- lung der Begriffe. Dabei muß man aber
unterdrückt oder vernichtet. Mit der sen bildet Oberboden die Bodenklasse sagen, daß das nur sehr grob sein kann.
Kultur verbunden ist dann auch das 1. Erdbautechnisch kann Oberboden Die bodenkundlichen Begriffe sind
jährlich oder in bestimmten Zeitabstän- wegen seines Gehaltes an organischen in der Vegetationstechnik schlecht ver-
den erforderliche Umbrechen des Bo- Bestandteilen eine störende Bodenart wendbar, weil die technischen Momen-
dens. Verbunden damit ist immer eine sein, die für Erdbauwerke nicht ver- te dabei zu kurz kommen. Andererseits
Zerstörung gewachsener Bodengefüge. wendbar ist. Soll dieser Oberboden aber kommen bei den vegetationstechni-
Von einem natürlichen Standort kann für vegetationstechnische Zwecke ver- schen Begriffen und ihren groben Struk-
man hier also nicht mehr sprechen. wendet werden, dann gilt diese Norm turen der rein technischen Bewertung
Sehr viel gewichtiger sind die Ein- nicht mehr. Vielmehr sind dann die die bodenkundlichen Zusammenhänge
griffe, die mit der Siedlungstätigkeit des Normen des Landschaftsbaues heranzu- zu kurz. Der gute Fachmann muß des-
Menschen verbunden sind. Sie verän- ziehen. halb sowohl die technischen als auch
88 Bodenarbeiten

Tab. 3.1.2/1 Gegenüberstellung der Begriffe aus Bodenkunde und Vegetationstechnik sehen Baumaßnahme klären, ob die Ei-
genschaften des Bodens, der verwendet
Bodenkunde Vegetationstechnik werden soll, und die Standortverhält-
nisse, wie z.B. Grundwasserstand, Be-
Vegetation -Vegetationsfläche sonnung, Neigung u.a. für die vorge-
O = organische Horizonte auf dem Mineral- Vegetationstragschicht
sehene Vegetation und die beabsichtig-
boden aufliegend (L, Of, Oh - Horizonte je = oberste Bodenschicht, die aufgrund ihrer te Nutzung geeignet sind. Aufgrund
nach Zersetzungsgrad) Zusammensetzung und Eigenschaften f ü r dieser Voruntersuchungen wird er ent-
den Bewuchs mit Pflanzen geeignet ist. Sie scheiden können, ob Verbesserungen
A = ein im oberen Teil des Solums gebilde- besteht in der Regel aus Oberboden oder erforderlich sind, oder ob andere Nut-
ter, humoser oder eluierter Horizont, z. B. Ap einem geeigneten Substrat. Dabei ist Ober- zungen oder andersartige Vegetation
als der durch Pflugarbeit veränderte Teil boden die oberste Schicht des durch phy- sinnvoller sind. In die Voruntersuchung
des A-Horizontes oder A jf Ah, Ae, A, - Hori- sikalische, chemische oder biologische werden insbesondere einbezogen:
zonte je nach Ausgangsgestein und Ent- Vorgänge entstandenen belebten Bodens, Korngrößenverteilung
wicklungszustand des Bodens. der je nach Kornzusammensetzung in Bo-
dengruppen eingeteilt wird. Dicke je nach
Plastische Eigenschaften
Bodenart 5-40 cm. Wasserdurchlässigkeit
Grundwasserstand
B = verbraunter, zum Teil illuierter Horizont Baugrund = der anstehende natürliche Gehalt an organischer Substanz
unter dem A-Horizont von Landböden (Bv, (Untergrund) oder durch Bodenbewegung Bodenreaktion
Bh, Bs, Ba - Horizonte je nach Entwicklung aufgetragene (Unterbau) Unterboden unter Nährstoffgehalt
und Zustand in Abhängigkeit vom der Vegetationstragschicht. Dabei ist Un- Wichte des feuchten Bodens
Ausgangsgestein. terboden die unter dem Oberboden liegen- Diese Untersuchungsergebnisse ermög-
Sd = Staukörper de verwitterte Bodenschicht. lichen
C = Ausgangsgestein, aus dem der Boden
a) die Einteilung der Böden in Boden-
entstand (Untergrund) gruppen
b) die Bewertung der Böden
c) die Entscheidung, welche Maßnah-
die bodenkundlichen Zusammenhänge 3.2 Voruntersuchung von men erforderlich werden und mit
bei Planung und Ausführung insbeson- welchen bautechnischen und orga-
dere bei Arbeiten in der freien Land- Boden und Standort nisatorischen Konsequenzen wäh-
schaft sehen. Da das Betrachten der ge- rend der Bauzeit gerechnet werden
samten Zusammenhänge das Ziel und Wer durch Planen und Bauen etwas ver- muß.
den Rahmen dieses Buches sprengen ändern will, muß sich vorher über die
würde, wird auf die entsprechende Lite- Konsequenzen dieser Maßnahmen ver- 3.2.1 Kornverteilung und
ratur am Ende dieses Kapitels hinge- gewissern. In Abhängigkeit vom Aus- Einteilung in
wiesen. gangsgestein und den verschiedenen Bodengruppen
Bodenbildungsprozessen haben wir es
Vegetationstechnische Begriffe mit sehr unterschiedlichen Oberböden Jeder Oberboden ist ein Gemisch
Oberboden ist die oberste belebte zu tun. Sie unterscheiden sich in ih- aus Gesteinskörnern unterschiedlicher
Schicht des durch physikalische, chemi- rer Zusammensetzung und ihren Eigen- Größe und organischen Stoffen. Dabei
sche oder biologische Vorgänge entstan- schaften. Um die richtigen Entschei- kann ein Boden z.B. überwiegend aus
denen belebten Bodens. Er ist für vege- dungen bzgl. Bodenbehandlung, Bo- feinen und feinsten Gesteinskörnern
tationstechnische Zwecke besonders denbearbeitung und/oder Bepflanzung bestehen, ein anderer überwiegend aus
geeignet und enthält Wurzeln und Sa- treffen zu können, muß der planende Sand- und Kieskörnern, ein dritter aus
men von standorttypischen Pflanzen. Landschaftsarchitekt schon zu Beginn einem Gemisch feinster, feiner, sandi-
Unterboden ist die unter dem Ober- der Planung einer vegetationstechni- ger und kiesiger Gesteinskörner und
boden liegende verwitterte Boden-
schicht, die durch entsprechende Maß-
nahmen für Vegetationszwecke ver-
wendbar gemacht werden kann.
Vegetationsfläche ist die mit Pflanzen Abb. 3.2.1.1/1 Beispiel für die Bestimmung einer Bodengruppe
aller Art bewachsene oder dafür vor- anhand von verschiedenen Körnungslinien
gesehene Fläche. Kann sie aufgrund ih-
rer Bodenzusammensetzung und ihres
Bewuchses durch Begehen, Bespielen
oder Befahren belastet werden, spricht
man von einer belastbaren Vegetations-
fläche.
Vegetationstragschicht ist die oberste
Bodenschicht, die aufgrund ihrer Zu-
sammensetzung und Eigenschaften für
den Bewuchs mit Pflanzen geeignet ist.
Baugrund ist der Unterboden unter
der Vegetationstragschicht. Er wird als
Untergrund bezeichnet, wenn er natür-
lich ansteht, als Unterbau, wenn er zur
Herstellung eines Bodenprofils aufge-
tragen werden mußte.
Voruntersuchung von Boden und Standort 89

Tab. 3.2.1.1 /1 a Böden der Bodengruppe 4 nes schwach bindigen, steinigen Bodens
der Bodengruppe 5. Voraussetzung für
die Klassifizierung sind also Sieb- und
Schlämmanalysen, die in einem La-
bor durchgeführt werden. Diese und
auch andere bodenphysikalische Unter-
suchungsverfahren müssen bei größe-
ren Bauvorhaben ebenso selbstver-
ständlich durchgeführt werden wie Bau-
grunduntersuchungen oder statische
Berechnungen im Hoch- und Tiefbau.
Sie sind die Voraussetzungen dafür, das
richtige Bauverfahren und evtl. erfor-
derliche Bodenverbesserungen besser
abschätzen und die notwendigen Lei-
stungen ordnungsgemäß ausschreiben
zu können.

3.2.1.2 Felduntersuchungen
Für kleinere Bauvorhaben wird der Auf-
wand für bodenphysikalische Untersu-
chungen jedoch in keinem Verhältnis
zu seinem Nutzen stehen. Hier kann
man durch Beobachtung und einfache
Feldversuche hinreichend genaue Be-
urteilungskriterien auftun, um ebenso
richtig Entscheidungen treffen zu kön-
ein vierter aus Feinsand mit einem ho- ihrem Anteil an bindigen, d.h. feinen nen. Im einzelnen können folgende
hen Anteil an organischer Substanz. Bestandteilen. Daraus sind dann auch Hilfsmittel und Vergleiche Auskunft
Schon diese erste Aufzählung zeigt, daß die Bezeichnungen entwickelt: geben:
Oberböden sehr unterschiedlich in ih- • nichtbindiger Boden
• Vergleiche mit natürlichen
rem Aufbau sind und damit auch un- • schwachbindiger Boden
Vorkommen
terschiedlich hinsichtlich ihrer mecha- • bindiger Boden
nischen Bearbeitbarkeit, ihres physika- • stark bindiger Boden Hilfreich für die Ansprache und Ein-
lischen Verhaltens während und nach Enthält der Boden dann auch noch ordnung von Oberböden in eine der
einer Bearbeitung und ihrer vegetati- in größerem Umfang Steine, dann be- Bodengruppen kann ein Vergleich mit
onstechnischen Eignung. Eine differen- zeichnet man ihn zusätzlich noch mit natürlichen Vorkommen sein, wie er in
zierte Ansprache von Oberboden ist dem Begriff »steinig«, z.B. »bindiger, Tabelle A 3.2.1/1 im Anhang gezeigt
deshalb notwendig. Das geschieht durch steiniger Boden« oder bei hohem Stein- wird.
eine Klassifizierung in verschiedene Bo- anteil als »stark steinige Böden, leichter
• Feldversuche
dengruppen (siehe Tab. im Anhang A oder schwerer Fels«. In Abb. 3.2.1.1/1
3.2.1/1). Maßgebend für die Einordnung wird die Arbeitsweise zur Bestimmung Weitere Möglichkeiten zur Ansprache
in eine dieser Bodengruppen ist die der Bodengruppe 4 und 5 erläutert. Man und Klassifizierung von Oberböden bie-
Korngrößenverteilung eines Bodens. schraffiert die Bereiche, in denen sich ten die Feldversuche nach DIN 4022
die Körnungslinie nicht bewegen darf. und DIN 18 196. In ihnen werden vi-
3.2.1.1 Laboruntersuchungen Unschraffiert ist demnach der Bereich, suelle und manuelle Verfahren erläu-
in dem sich die Körnungslinie bewegen tert, die grobe Hinweise auf die Zusam-
Von dem Boden, der untersucht wer- darf. Im gewählten Beispiel soll der Bo- mensetzung eines Bodens geben.
den soll, werden auf der Baustelle Ein- den der Bodengruppe 4 einen Anteil an
zel- oder Sammelproben (s. Kapitel 2) bindigen Bestandteilen d < 0,02 mm Visuelle Verfahren
genommen. Dabei sollen die typischen zwischen 10 und 20% besitzen dür- Visuelle Verfahren sind die Korngrö-
und gegebenenfalls auch die unter- fen. Der Anteil an Körner d > 20 mm ßenansprache und die Farbansprache.
schiedlichen Bodenverhältnisse erfaßt darf höchstens 10% betragen. Und ein Korngrößenansprache (siehe Kap.
werden. Im Labor wird dann die jewei- Größtkorn von d = 50 mm darf nicht 2.4.5.1)
lige Körnungslinie ermittelt. Das Ver- überschritten werden. Wie die Darstel-
fahren wird in Kapitel 2 behandelt. Für lung zeigt, kann es in dem unschraffier- Farbansprache
eine physikalische und mechanische Be- ten, also zulässigen Bereich sehr unter- Sie dient der bedingten Feststellung or-
urteilung eines Bodens ist insbesondere schiedliche Verläufe der Körnungsli- ganischer Anteile eines Bodens. Je dunk-
wichtig zu wissen nien und damit auch unterschiedliche ler ein Boden ist, desto höher ist im
a) den Anteil der Körner d < 0,02 mm Eigenschaften geben. allgemeinen der organische Anteil. Man
b) den Anteil der Körner d > 20 mm In der gleichen Abbildung ist auch muß bei der Wertung aber berücksich-
c) das Größtkorn mit den Grenzwerten ein Bereich durch eine gestrichelte Li- tigen, daß grobkörnige Böden durch
50 oder 200 mm. nie eingetragen, bei dem bei gleichen organische Substanz leichter verfärbt
Die Grenzwerte für die einzelnen Bo- Anteilen an Feinteilen 30% Körner d > werden als feinkörnige und daß reine
dengruppen sind in Tabelle A 3.2.1/1 im 20 mm zulässig sind und das Größtkorn Mineralböden durch Mangan- und Ei-
Anhang aufgeführt. Unterschieden wer- mit d ^ 200 mm festgelegt wurde. Es senverbindungen grau oder schwarz
den die einzelnen Bodengruppen nach handelt sich hier um das Beispiel ei- verfärbt sein können.
90 Bodenarbeiten

Manuelle Verfahren der Kenntnis der beteiligten Korngrö- dicht lagern. Dynamisch wirkende Ver-
Zur Feststellung der Zusammensetzung ßen, Wasserdurchlässigkeit, Wasserhal- dichtungskräfte, wie sie ja durch Ei-

Schneideversuch, Kenntnisse über die ableiten. Von besonderer Bedeutung ist rate auftreten, verursachen infolge der
plastischen Eigenschaften des Bodens dabei die räumliche Anordnung der ein- damit entstehenden Umlagerungen und
lassen sich durch den Trockenfestig- zelnen Bodenteilchen zueinander, die Umschichtungen innerhalb der Boden-
keits-, den Schüttel- und den Knetver- je nach Grad der Ungleichförmigkeit körner starke Verdichtungen. Beton- '
such erlangen (siehe Kap. 2.4.5.1). durch die Art der Bodenbearbeitung artige Strukturen mit absoluter Was-
positiv oder negativ verändert werden sersperre können dabei auftreten. Bei
kann. Einzelkorngefuge kann durch Auflok-
3.2.1.3 Bewertung von Oberboden
kerung diese Verdichtung wieder aufge-
aus der Korngrößen- • Räumliche Anordnung der
hoben werden.
verteilung Bodenteile
• Poren
Die Korngrößenverteilung läßt Rück- Bodenteile können locker oder dicht an-
schlüsse auf den Hohlraumgehalt, die einander gelagert sein. Die räumliche Im Boden sind Poren in unterschiedli-
plastischen Eigenschaften, die Wasser- Anordnung ist abhängig von der Un- cher Größe vorhanden. Sie haben in
speicherfähigkeit und die Wasserdurch- gleichformigkeit eines Bodens, von der Abhängigkeit von ihrer Größe einen un-
lässigkeit des Bodens zu. Struktur, von der mechanischen Beein- terschiedlichen Einfluß auf den Wasser-
Pflanzenwachstum ist nur möglich, flussung durch Maßnahmen des Baube- haushalt. In Tabelle 3.2.1.3/1 sind die
wenn im Boden Wasser und Luft in aus- triebes und von Nutzungseinflüssen. Bezeichnung der Poren und ihre Funk-
reichender Menge verfügbar sind. Un- Nichtbindige gleichförmige, d. h. eng- tion aufgeführt.
ter natürlichen Bedingungen und Lage- gestufte Böden, lassen sich nicht dicht Entscheidend für die vegetations-
rung bestehen mineralische Böden zu lagern. Zwischen den Einzelkörnern technische Eignung eines Bodens bezo-
ca. 50-75%, i. M. 65 Volumenprozent aus entstehen von der Korngröße abhän- gen auf Wasserhaltevermögen und Was-
festen Bodenteilchen in Form von Ein- gige Poren, die auch durch Verdich- serdurchlässigkeit ist somit nicht das
zelkörnern oder Aggregaten und zu ca. tungsmaßnahmen nicht verkleinert wer- Gesamtporenvolumen, sondern viel-
25-50%, i. M. 35 Volumenprozent aus den können. Mit Abnahme der Korn- mehr seine Gliederung. Nach Scheffer-
Luft und Wasser, die sich in den zwi- größe verkleinern sich die Poren und Schachtschabel (1984) weisen Sand,
schen den Einzelkörnern und Aggre- die Böden nähern sich im Verhalten den Lehm, Ton sowie Torfe die in Tabelle
gaten entstehenden bzw. vorhandenen bindigen Böden. 3.2.1.3/2 aufgeführte mittlere Poren-
Poren befinden. Die Größe dieses Po- Nichtbindige ungleichförmige, d.h. raumgliederung in Volumen-Prozent
renvolumens, das Gesamtporenvolu- weitgestufte Böden können in Abhän- auf.
men (GVP) und die Gliederung des Po- gigkeit vom Grad der Ungleichförmig- Besondere Bedeutung kommt bei der
renraumes werden bestimmt keit und der beteiligten Korngrößen so- vegetationstechnischen Beurteilung ei-
a) durch die Korngröße der den Boden wie einer gewollten oder ungewollten nes Oberbodens den Mittel- und Grob-
bildenden Bodenteilchen, Verdichtung relativ locker bis absolut poren zu, denn die Pflanzenwurzeln
b) durch den Anteil der einzelnen
Korngrößen in einem Boden (Un-
gleichförmigkeit),
c) durch die räumliche Anordnung der Tab. 3.2.1.3/1 Bezeichnung und Funktion der Poren
einzelnen Bodenkörner und Aggre-
Bezeichnung Funktion 0 in mm
gate zueinander.
• Korngröße Grobporen schnell dränend 0,05

Aufgrund der bestimmenden Korngröße Mittelporen langsam dränend, zum


und ihres Verhaltens in Verbindung mit Teil pflanzenverfügbares Wasser 0,05-0,01
Wasser werden nichtbindige und bindige
Böden unterschieden. Als nichtbindige Feinporen Speicherraum für
Böden werden im Landschaftsbau Sande pflanzen verfüg bares Wasser 0,01-0,0002
und Kiese mit weniger als 10 Gew.-Pro-
Feinstporen Totwasser, nicht pflanzenverfügbar 0,0002
zent- Anteil an Mittelschluff, Feinschluff
und Ton bezeichnet. Ihr vegetations-
technisches Verhalten wird bestimmt
durch die beteiligten Korngrößen und Tab. 3.2.1.3/2 Porenraumgliederung verschiedener Bodenarten. Angaben in Volumen-
den Grad der Ungleichformigkeit. Prozenten (nach Scheffer-Schachtschabel)
Bindige Böden werden in Abhängig-
keit von ihrem Gehalt an Mittelschluff, schnell langsam Fein- und
Bodenart GPV Mittelporon
Feinschluff und Ton als schwachbindig, dränende Poren
bindig oder starkbindig bezeichnet. In
ihrem vegetationstechnischen Verhal- Sand 35-50 20-40 2-12 2- 8
ten werden sie einmal durch ihre inne-
re Struktur (Prismengefüge, Säulenge- Lehm 37-53 5-25 8-22 10-20
füge, Plattengefüge u.a.) und zum an-
deren durch Wasser beeinflußt. Ton 40-56 3-13 5-15 20-40

• Ungleichförmigkeit (s. Kap. 2) Torf, schwach zersetzt 90-97 15-25 20-30 25-45
Aus der Ungleichförmigkeit eines Bo- Torf, stark zersetzt 70-90 3- 8 15-25 35-60
dens lassen sich in Zusammenhang mit
Voruntersuchung von Boden und Standort 91

können nur in solche Poren dringen, Bindige Böden werden im Gegensatz zwischen 0,25 und 0,75. Bei einer
in denen ein Gasaustausch möglich ist. zu nichtbindigen Böden mit zunehmen- Bearbeitung würde der Boden ver-
Ihr Anteil am Gesamtporenvolumen ist dem Wassergehalt immer weicher bzw. schmieren. Eine Bearbeitung für ve-
abhängig von der Bodenart und nimmt mit abnehmendem Wassergehalt immer getationstechnische Zwecke schließt
mit zunehmendem Tongehalt auch bei härter und fester. Die verschiedenen sich somit aus. (0,5 bis 0,7 nach DIN
natürlicher Lagerung ab. Konsistenzen (Zustandformen) werden 18 122)
Grob- und Mittelporen, die die Drä- durch die Konsistenzgrenzen (Grenz- c) »steif«: Die Konsistenzzahl liegt zwi-
nung eines Bodens übernehmen, un- wassergehalte) voneinander getrennt schen 0,75 und 1,0. Weil bei schwach-
terliegen während der Baumaßnahmen (siehe Kap. 2.4.5.3). bindigen Oberböden das Sand- bzw.
und bei Nutzung von Vegetationsflä- Aus den Konsistenzgrenzen und ins- Kieskorngerüst des Bodens schon ei-
chen durch Sport, Spiel oder Befahren besondere der Plastizitätszahl lassen sich nen Großteil der Lasten aufnehmen
einer Veränderung, die von der Boden- Aussagen gewinnen, die einen wesent- kann und damit eine Schädigung
art, dem Zeitpunkt der Bearbeitung und lichen Schlüssel zur Beurteilung eines des Bodengefüges weitgehend aus-
von Zeitpunkt und Intensität der Nut- bindigen Bodens in bezug auf die Wit- geschlossen werden kann, wird man
zung abhängig ist. Allgemein tritt eine terungsanfälligkeit, den sinnvollen Ein- solche Böden meist schon bei derar-
Verkleinerung der Grob- und Mittelpo- satzbereich und vor allem die Terminge- tiger Konsistenz bearbeiten können.
ren ein und damit eine Zunahme der staltung für Bauvorhaben darstellen. Der beste Bodenzustand liegt somit vor,
Fein- und Feinstporen. Während der wenn die Konsistenzzahl gleich oder
Verkleinerung der Grobporen im Zuge größer l ist, der Wassergehalt zur Zeit
der Baumaßnahme durch die Wahl der 3.2.2.1 Konsistenzzahl der Prüfung und vor allem bei der Bear-
richtigen Geräte und Bearbeitungszeit Um Schäden am Oberboden zu vermei- beitung also gleich oder kleiner als wp
begegnet werden kann, besteht diese den, sollte zum Zeitpunkt der Bearbei- ist. In diesem Zustand krümelt der Bo-
Möglichkeit bei Spiel- und Parkplatz- tung eine Konsistenz vorliegen, bei der den bei der Bearbeitung.
rasen in der Praxis nicht. Bindige Bö- der Boden krümelt. Diese Zustands-
den, also Lehm- und Tonböden, erfah- form, d.h. die Konsistenz zum Zeit- 3.2.2.2 Bewertung von Oberboden
ren durch stampfende Bewegung beim punkt einer Untersuchung, läßt sich aus den plastischen
Spiel und rollend knetende Bewegung durch die Konsistenzzahl ausdrücken Eigenschaften
beim Befahren die bestmögliche tech- (siehe Kap. 2.4.5.3). Der Zusammen-
nische Verdichtung, denn im Erdbau hang zwischen der Konsistenzzahl Ic Die vegetationstechnischen Eigenschaf-
wird durch stampfende und knetende und den Wassergehalten ist in Tabelle ten bindiger Böden verändern sich fast
Verdichtung die Luft aus den Grobpo- 3.2.2.1/1 dargestellt. Eine Konsistenz- immer durch die Bearbeitung - und fast
ren gepreßt und so die größtmögliche zahl kleiner als Null (also negativer nie zu Gunsten des Bodens. Die Ge-
Lagerungsdichte erzielt. Derartig ver- Rechenwert) kennzeichnet den zähflüs- fahr von schweren, nur langfristig und
dichtete Böden weisen keinerlei Was- sigen Zustand, eine Konsistenzzahl zwi- mit großem Aufwand zu beseitigenden
serdurchlässigkeit mehr auf. schen Null und l einen als knetbar, Schädigungen des Bodengefüges be-
formbar zu bezeichnenden Zustand und steht insbesondere dann, wenn Böden
eine Konsistenzzahl von mehr als l den in zu hohen Konsistenzbereichen bear-
3.2.2 Plastische Eigenschaften
halbfesten Zustand. beitet werden. Die Gefügeschädigung,
Die Kenntnis der plastischen Eigen- Der als knetbar bezeichnete Bereich insbesondere die Zerstörung der Po-
schaften eines Bodens ist für die Bewer- wird noch in drei weitere Teilbereiche ren, beeinträchtigt den Wasser- und
tung bindiger Böden - ergänzend zu der unterteilt: Lufthaushalt, die biologische Aktivität
Kornverteilungskurve - zwingend erfor- a) »breiig«: Die Konsistenzzahl liegt und behindert dadurch die Durchwur-
derlich, denn aus Korngrößenverteilung zwischen Null und 0,25. Der Boden zelung des Bodens. Bei der Bearbeitung
und den plastischen Eigenschaften las- weist eine zu geringe Festigkeit auf, des Oberbodens in einem zu weichen
sen sich die wichtigsten Aussagen über er ist somit nicht bearbeitbar. (0 bis Zustand können durch die Belastung
die Eignung, das Verhalten und die Be- 0,5 nach DIN 18 122) Korntrennungen des Kornhaufwerks er-
arbeitbarkeit eines Bodens ableiten. b) »weich«: Die Konsistenzzahl liegt folgen. Hierbei werden Feinkornanteile,
in erster Linie Feinschluff und Ton
Tab. 3.2.2.1/1 Zusammenhang zwischen der Konsistenz l und den Wassergehalten
hauptsächlich an der Oberfläche der be-
arbeiteten Schicht angelagert. Diese
dünnen Schichten sind extrem luft- und
wasserundurchlässig. Sie wirken sich,
sofern sie nicht beseitigt werden, als
Sperrschicht aus.
Auch der Einsatz ungeeigneter Ge-
räte kann zu Schäden in Form von ver-
stärkten, tiefreichenden Verdichtungen
führen.
In beiden Fällen werden vorwiegend
die ohnehin bei bindigen Böden nur
gering vorhandenen Grob-, Mittel- und
Feinporen zerstört. Damit entsteht ein
Boden, der fast nur noch Feinstpo-
ren mit ihren vegetationstechnisch so
schlechten Eigenschaften aufweist. Eine
Bearbeitung des Oberbodens in einem
geeigneten Konsistenzbereich ist des-
halb so wichtig, weil eine einmal einge-
92 Bodenarbeiten

hydrostatischer Druck

Abb. 3.2.3.1/1 Der hydrostatische Druck Abb. 3.2.3.1 /2 Die Richtung des hydrostatischen Druckes in Abhängigkeit von der hori-
in Abhängigkeit von der Porengröße zontalen Porenraumgliederung

tretene Verdichtung nur bei bindigen Das Wasser bewegt sich nun dem hy- linder auf ein Maschensieb, setzt auf die
Böden mit geringem inneren Zusam- drostatischen Druck entsprechend vom Oberfläche des Prüfgutes zwei auf ei-
menhang (Kohäsion) rückgängig ge- Punkt höheren Potentials zu einem sol- nem Drahtring befestigte Meßspitzen
macht werden kann. Das sind Böden chen mit niedrigem Potential. In unse- mit einer Höhendifferenz von l cm und
mit einem möglichst geringen, besser rer Darstellung wird also das Wasser füllt das Gefäß mit Wasser. Nach voll-
fehlenden Ton- und Feinschluffanteil von der freien Wasserfläche (Potential ständiger Wassersättigung wird nun die
und möglichst hohem GrobschlufF- und = 0) in die ungesättigten Kapillare (nied- Zeit gemessen, die vergeht, bis der
Sandanteil. Bei tonreichen Böden bringt riges Potential) gezogen, bis ein Aus- Wasserspiegel um den einen Zentime-
eine nachträgliche Lockerung lediglich gleich eingetreten ist. Umgekehrt ver- ter zwischen den Meßspitzen gesunken
große Klüfte zustande, die vegetations- läuft dieser Vorgang, wenn ein Boden ist. Der modifizierte Wasserschluckwert
technisch ohne Wert sind und bei nach- von oben durch Niederschläge befeuch- wird in cm/s angegeben und errechnet
folgender Belastung, z.B. auf Spielwie- tet wird. Von einem bestimmten Sätti- sich aus der Formel
sen, sofort wieder zugedrückt werden. gungspunkt an wird der hydrostatische
Was für den Oberboden gilt, ist in Druck höher als der atmosphärische. Im
gleicher Weise auch beim Baugrund Verhältnis zu einem Grundwasserspie-
zu bedenken. Starke Verdichtungen des gel oder ungesättigten Boden herrscht h = Höhe des verdichteten Prüfgutes in
Unterbodens und Gefugezerstörungen in der oberen Bodenzone ein positives cm
wirken sich besonders bei Störung der Potential. Es entsteht dann ein nach un- t = Zeit für das Absinken des Wasser-
Wasserdurchlässigkeit oder bei absolu- ten gerichteter hydrostatischer Druck. spiegels von der oberen zur unteren
tem Wasserstau direkt auf die Vegeta- Das Wasser bewegt sich nach unten, es Meßspitze in Sekunden.
tion aus. wird in die ungesättigten Poren einge- Abbildung 3.2.3.2/1 zeigt das Schema
sogen. Man nennt dieses eine »ungesät- der Prüfung.
tigte Wasserbewegung«, bei der das
3.2.3 Wasserdurchlässigkeit
Drei-Phasen-System Boden - Wasser - 3.2.3.3 Felduntersuchungen
3.2.3.1 Die Wasserbewegung im Luft noch besteht. Wird jedoch so viel
Boden Wasser hinzugegeben, daß alle Poren Durch Zeigerpflanzen kann man Ver-
mit Wasser gefüllt sind, entsteht das nässungen, die durch Verdichtungen
In dem Drei-Phasen-System Boden - Zwei-Phasen-System Boden - Wasser, der Oberfläche oder auch unter der
Wasser - Luft erfolgt die Wasserbewe- in dem eine Wasserbewegung nur noch Oberfläche hervorgerufen werden, fest-
gung durch der Schwerkraft folgend möglich ist. Wir stellen. Es handelt sich dabei in der
a) die Kapillarität sprechen dann von einer »gesättigten Regel um Staunässe, doch Grundwas-
b) die Schwerkraft Wasserbewegung«. sereinfluß kann nicht immer ausge-
Das Kapillarsystem eines Bodens ist Wird in der Vegetationstechnik nach schlossen werden. Rückschlüsse auf die
in Kapitel 2.4.5.13 und 2.4.5.14 erläu- der Wasserdurchlässigkeit eines Bodens
tert. Die Aneinanderreihung der Po- gefragt, dann versteht man darunter
ren ergibt Kapillare unterschiedlichen die vertikale Versickerung von Oberflä- Abb. 3.2.3.2/1 Versuchsanordnung zur
Durchmesser, in denen Wasser von ei- chenwasser in tiefere Bodenschichten. Messung der Wasserdurchlässigkeit
ner freien Wasserfläche hinweg soweit , Plexiglaszylinder
bewegt wird, bis ein Gleichgewicht zwi- 3.2.3.2 Laboruntersuchung bzw. zylindrisches
schen Adsorptions- und Kapillarkräften Gefäß
einerseits und Kohäsions- und Gravita- Die Wasserdurchlässigkeit ist eine kom-
tionskräften (Schwerkraft) andererseits plexe Größe. Sie wird durch die Bestim-
herrscht (Abb. 3.2.3.1/1+2). Entschei- mung des Wasserschluckwertes k* mod
dende Voraussetzungen für die Wasser- festgestellt. Dazu wird der zu untersu-
bewegung sind also die im Boden und chende Boden in feuchtem Zustand in
Wasser wirksamen Kräfte, die unter- einer Schicht von 15 cm Dicke in ein
schiedliche Potentiale erzeugen. Ein zylindrisches Gefäß gefüllt, auf dessen
wasserungesättigter Boden hat ein sog. Blindboden sich ein Drahtsieb befin-
hohes negatives Potential, das Potential det. Mit 12 Schlägen wird das Prüfgut
einer freien Wasserfläche ist gleich 0. verdichtet. Danach stellt man den Zy- Wasser Sinterbronze-Filterplatte

L
Voruntersuchung von Boden und Standort 93

Wasserdurchlässigkeit sind jedoch nicht Der Umfang der Belastung wird bei noch in gesättigtem Zustand abfließen
möglich. Zeigerpflanzen in diesem Sin- Rasenflächen, die nicht direkt als Sport- kann. Das führt zu Erscheinungen in
ne sind: Flechtstraußgras (Agrostis sto- flächen einzustufen sind, je nach Situa- der Vegetationsschicht, die der Stau-
lonifera), Gänsefingerkraut (Potentilla tion sehr unterschiedlich sein. Deshalb nässe ähneln und nicht nur Schäden bei
anserina), Gemeines Rispengras (Poa muß man schon zum Zeitpunkt der Pla- belasteten Flächen verursachen, son-
trivialis), Huflattich (Tussilago farfara), nung überlegen, welche Durchlässig- dern auch bei anderen Vegetationsflä-
Kriechender Hahnenfuß (Ranunculus keitsanforderungen sinnvoll sind. Mit chen, wenn sie über längere Zeit in ge-
repens), Krötenbinse (Juncus bufonius), einer geringeren Wasserdurchlässigkeit sättigtem Zustand verbleiben. Die Stau-
Liegendes Mastkraut (Sagina procum- kann man auskommen, wenn durch be- nässe infolge Sättigung tritt ins-
bens), Rasenschmiele (Deschampsia cae- stimmte Nutzungsbeschränkungen eine besondere in Monaten mit geringer Ver-
spitosa) Belastung in besonders feuchtem Zu- dunstung auf. Der Schaden ergibt sich
stand ausgeschlossen werden kann. Das bei unbelasteten Vegetationsflächen
ist bei öffentlichen Grünflächen durch- durch das Fehlen von Sauerstoff im
3.2.3.4 Bewertung aus der
aus der Fall, weil Freizeitsport in der Wurzelbereich.
Durchlässigkeit
Regel nicht bei Regen betrieben wird. Im Sportplatzbau werden deshalb in
Zur Beurteilung der Aussagefähigkeit Wird aber eine schnelle Wiederbenutz- der Regel Dränschichten aus einem
des mod k*-Wertes ist zunächst zu be- barkeit, also eine Benutzung vor Abzug feinsandreichen Sand oder feinsandrei-
achten, daß der Wasserschluckwert die des Überschußwassers, verlangt, dann chen Kiessand hergestellt. Mit ihnen
Versickerungsrate in wassergesättigtem ist ein hoher mod k*-Wert unverzicht- kann man den kapillaren Anschluß an
Zustand ist und die Bestimmung an bar, um Schäden zu verhindern. die Vegetationsschicht gewährleisten
einer gestörten Bodenprobe im Labor, Bei untergeordneten Spiel- und Tum- und damit auch die ungesättigte Was-
in unbewachsenem Zustand und vor der melplätzen kann man durch Oberflä- serbewegung, die für eine funktionie-
Baudurchfuhrung vorgenommen wird. chenneigungen von mindestens 3 % ei- rende belastbare Vegetationsschicht un-
Insofern erhält man nur eine beschränk- ne geringere Durchlässigkeit des Bo- erläßlich ist. Ein kapillarer Bruch läßt
te Aussage, bei der die biologischen Vor- dens kompensieren, weil dann ein Teil sich vermeiden, wenn beim Übergang
gänge und baubedingte Störungen un- des Wassers oberflächlich abfließt, be- zwischen den einzelnen Schichten die
berücksichtigt bleiben, ebenso die un- vor es in den Boden eindringen kann. Filterregeln beachtet werden.
gesättigte Wasserbewegung. Für Drän- und Filterschichten wird Die durch Zeigerpflanzen feststell-
Entscheidend für die gesättigte Was- ein erheblich größerer mod k*-Wert ver- bare Vernässung eines Standortes ist in
serbewegung ist der Anteil an dränen- langt, weil nicht nur eine vertikale, son- der Regel durch einen zu geringen An-
den Poren. Eine Versickerung kann nur dern auch eine horizontale Wasserbe- teil an wasserführenden Poren in obe-
durch Grobporen erfolgen, in Mittel- wegung zu einer Vorflut in Form der ren oder tieferen Bodenschichten und
und Feinporen findet keine Versicke- Dränung oder Sickergrube erfolgen soll. die damit zusammenhängende gerin-
rung statt. Das Verhältnis von Grob- zu Diese Tatsache darf jedoch nicht dazu gere Wasserdurchlässigkeit verursacht.
Mittel- und Feinporen spielt deshalb für verleiten, aus Sicherheitsgründen nun Sie entsteht aus mechanischer Verdich-
die Wasserdurchlässigkeit aber auch für eine besonders hohe Durchlässigkeit tung durch Tritt- und Fahrspuren, aus
die Wasserversorgung der Pflanzen eine z.B. durch Verwendung von Grobsand Verlagerung feinerer Bodenteile (Ton,
große Rolle. Es ist zunächst einmal von oder Kies für die Dränschicht zu schaf- Schluff, feine organische Substanz) oder
der Bodenart abhängig, wobei sowohl fen. In solchen Fällen kommt es zu ei- zu geringer biologischer Aktivität. Häu-
die Korngrößenverteilung als auch die nem kapillaren Bruch zwischen Vegeta- fig finden sich auch Vernässungen in
Strukturen eine wesentliche Rolle spie- tionstragschicht und Dränschicht. Dar- abflußlosen Senken mit einer im Ver-
len. In natürlich gewachsenen Böden unter versteht man die Tatsache, daß hältnis zur Wasserzufuhr zu geringen
haben sich im Laufe der Zeit gröbere das Wasser aus der normalerweise fein- Versickerungsrate. Aus dieser Situation
Kapillare aufgebaut, in denen die Was- porigeren Vegetationsschicht wegen des kann sich ein Feuchtbiotop gebildet ha-
serbewegung stattfindet. Jede Boden- fehlenden kapillaren Anschlusses nur ben.
bewegung und Bodenbearbeitung zer-
stört nun diese gewachsenen Struktu-
Tab. 3.2.4/1 Mittlerer aktiver geschlossener Kapillarsaum über Grundwasserspiegel
ren. Störungen in diesem Sinne sind
(nach Kuntze, Niemann, Roeschmann, Schwerdtfeger in »Bodenkunde«, Ulmer-Verlag
auch Belastungen durch bodenbearbei- 1981)
tende Geräte, Spiel und Sport. Die da-
durch verursachten Bodenverdichtun-
gen führen zu einer Verkleinerung der
Poren und zu einer Verschiebung der
Porengrößenverteilung zum Feineren
hin. Die Abnahme der Grobporen bei
gleichzeitiger Zunahme der Mittel- und
Feinporen ergibt eine Abnahme der
Wasserdurchlässigkeit und eine Zunah-
me des Wasserrückhaltevermögens und
damit u.U. sogar Bildung von Staunäs-
se. Die Belastung kann zu völligem Po-
renverschluß und zur Zerstörung der
Bodenstrukturen führen.
Um derartige Verschlechterungen zu
vermeiden, werden an die Durchläs-
sigkeit von belasteten Flächen höhere
Anforderungen gestellt (siehe Tab. A
3.2.3.4/1 im Anhang).
Im Rahmen einer Planung sollte des- richtet. Durch die Adhäsions- und Ka- stärkerer Durchfeuchtung verringert
halb geprüft werden, ob im Sinne der pillarkräfte des Bodens wird das freie wird. Ein auf 60 cm Tiefe festgeleg-
Erhaltung des Landschaftsbildes eine Grundwasser nach oben gezogen in Ab- ter Grundwasserstand kann bei bindi-
Sicherung derartiger Biotope geboten hängigkeit von der Saugspannung der gen Böden, die von Natur aus einen
oder zweckmäßig ist. jeweiligen Bodenart. Je mehr Feinpo- hohen kapillaren Wasseranstieg aufwei-
Bei baubedingten Störungen stellen ren ein Boden hat, desto höher ist die sen, schon zu hoch sein, während bei
sich Zeigerpflanzen je nach Situation kapillare Steighöhe. Aus Tabelle 3.2.4/1 schwach oder nichtbindigen Böden ein
erst nach längerer Zeit ein, sie soll- ist die unterschiedliche Steighöhe in höherer Grundwasserstand ohne Beein-
ten aber auch schon bei vereinzeltem Abhängigkeit von der Bodenart ersicht- trächtigung der Tragfähigkeit durchaus
Auftreten beachtet werden. Auf jeden lich. In engem Zusammenhang mit der möglich ist.
Fall sind sie ein wesentliches Indiz bei Steighöhe steht auch die Geschwin- In die Planungsüberlegungen sollte
der Unterhaltung von Freiflächen, denn digkeit des Steigens. Bei einem Lehm- man dann noch einbeziehen, daß grund-
sie charakterisieren diesen Standort. boden kann man einen langsamen, aber wassernahe Bodenschichten langsamer
Man kann nun durch entsprechende hohen Anstieg beobachten, bei einem erwärmen und dadurch den Standort
Maßnahmen die Ursachen dieser Nässe Sandboden kann man von einem für verschiedene Pflanzen einengen.
beseitigen oder aber auch den einge- schnellen, aber nur geringen Anstieg Im Gegensatz zur Grundwassernähe,
pendelten Zustand aus ökologischen ausgehen. Abweichungen von den Wer- auf die sich der Planer durch ent-
Gründen tolerieren und evtl. durch Um- ten der Tabelle sind möglich, insbeson- sprechende Pflanzenauswahl einstellen
nutzung oder eine oft preisgünstigere dere nimmt die kapillare Steighöhe mit kann, steht die Staunässe. Nur wenige
Anpassung der Begrünung ein stabiles der Lagerungsdichte und damit auch Pflanzen, wie z.B. die Erle, vertragen l
Biotop erreichen, dessen Unterhaltung mit einer durch Baubetrieb verursach- über längere Zeit Staunässe. Die mei-
u.U. keinerlei Kosten verursacht. ten Bodenverdichtung zu. sten Pflanzen sterben ab, weil ihnen
wegen der absoluten Entlüftung des Bo-
dens der Sauerstoff für die Wurzelat-
3.2.4.1 Felduntersuchung
3.2.4 Grundwasserstand mung fehlt.
Der Grundwasserspiegel wird wasser-
Grundwasser ist unterirdisches, freies, wirtschaftlich als Wasserspiegel in Brun- 3.2.5 Gehalt an organischer
nicht gebundenes Wasser, das sich über nen oder Beobachtungsrohren nach
einer wasserundurchlässigen Grund- Druckausgleich mit dem Grundwasser Substanz
wassersohle ansammelt und die Hohl- definiert. Zur Feststellung seiner Höhe 3.2.5.1 Humusformen und
räume des Bodens zusammenhängend unter NN sind also Schürfgruben aus- chemisch-biologische
ausfüllt. Es ist ständig vorhanden, un- zuheben oder Bohrlöcher anzulegen. Vorgänge im Boden
terliegt aber jahreszeitlichen Schwan-
kungen mit einem Hochstand zum En- Das Vorhandensein organischer Sub-
3.2.4.2 Wertung aus dem
de des Winters und einem spätsommer- stanz ist ein wesentliches Merkmal
Grundwasserstand
lichen Tiefstand. Trotz dieser Schwan- für einen Oberboden, denn nur eine
kung des Grundwasserstandes findet Grundwasser ist für das Pflanzenwachs- mit lebender und toter organischer Sub-
stets eine Aufnahme und Verteilung des tum ein begrenzender Faktor, weil alle stanz durchsetzte Verwitterungsschicht
Sickerwassers statt. Diese Verteilung ge- Pflanzen unterschiedliche Ansprüche gestattet natürliches Pflanzenwachs-
schieht durch das Fließen des Grund- an Durchlüftung und Wasserversorgung turn. Die organische Substanz setzt sich
wassers, dessen Gefalle meistens annä- stellen. Je höher der Grundwasserstand im allgemeinen aus etwa 10% Pflanzen-
hernd dem Relief der Bodenoberfläche ist, desto begrenzter ist das für die Bo- wurzeln, 85% toter organischer Sub-
bzw. dem Schichtenverlauf folgt oder denatmung zur Verfügung stehende Bo- stanz und 5% Bodenflora und Boden-
zu einem Quellhorizont fuhrt. denvolumen. fauna (Edaphon) zusammen. Nach dem
Grundwasser darf nicht verwechselt Aufgrund der Ergebnisse der Vorun- Absterben werden die Überreste der
werden mit Stauwasser, bei dem es sich tersuchung wird der Planer die geeigne- Pflanzen und Bodenorganismen bioche-
um durch die Oberfläche eingesickertes ten Pflanzen aussuchen. Man spricht misch ab-, um- und neu aufgebaut. Die
Wasser handelt, das über einem teil- dann von standortgerechten Pflanzen. als Humus bezeichneten pflanzlichen
oder undurchlässigen Stauhorizont auf- Bei der Auswahl von Großgehölzen und tierischen Rückstände färben den
gestaut ist und dessen Stauhöhe von der muß vor allem bei bindigen Böden be- Boden dunkel und beeinflussen in be-
Niederschlagsmenge und der Versicke- dacht werden, daß die Standfestigkeit sonderem Maße die physikalischen,
rungsrate der stauenden Bodenschicht dieser Pflanzen infolge der ständigen chemischen und biologischen Eigen-
abhängt. Es ist nur zeitweise vorhan- Durchfeuchtung und des damit verbun- Schäften des Bodens. Je nach Gehalt
den, weil es der Verdunstung durch Wit- denen plastischen Zustandes oder des an organischer Substanz werden Böden
terung und Pflanzen unterliegt. Bei ge- Verlustes an scheinbarer Kohäsion des gemäß Tabelle 3.2.5.1/1 als schwach
ringer Versickerungsrate und starkem Bodens erheblich gemindert ist. humos, mäßig humos, stark humos,
Wasserandrang von oben kommt es zu Bei belastbaren Vegetationsflächen sehr stark humos, anmoorig oder als
einer vollen und langfristigen Wasser- kann eine Festlegung eines Höchst- Moorboden bezeichnet.
sättigung bis in die obersten Boden- wasserstandes unter Geländeoberfläche Humus kann leicht zersetzbar in
schichten und damit zu einer absoluten (siehe Tab. A 3.2.4.2/1 im Anhang) sinn- Form von Nichthuminstoffen (unver-
Entlüftung. voll sein. Bei der Wertung einer solchen änderte Ausgangsstoffe) oder in Form
Über jedem freien Grundwasserspie- Begrenzung muß jedoch bedacht wer- von schwer zersetzbaren HuminstofTen
gel liegt noch ein geschlossener Kapil- den, daß die Böden unterschiedliche ka- mit hohem Ligningehalt vorliegen, die
larsaum, in dem alle Poren mit Wasser pillare Steighöhen aufweisen. Durch die durch Humifizierung, d.h. Neubildung
gefüllt sind. Die Ausdehnung des ge- Begrenzung auf einen Höchstwasser- von bodeneigenen organischen Sub-
schlossenen Kapillarsaumes hängt von stand soll verhindert werden, daß die stanzen aus Zwischen- und Endproduk-
der Bodenart ab. Über die kapillare Was- Tragfähigkeit des Baugrundes und der ten der Mineralisierung aufgebaut wur-
serbewegung wird im Kapitel 3.2.3 be- belastbaren Vegetationsschicht infolge den. Mineralisierung bedeutet Abbau
Voruntersuchung von Boden und Standort 95

Tab. 3.2.5.1/1 Bezeichnung von Böden in Schwefelwasserstoff (H2S) oder Schwe- Bestimmung des Glühverlustes
Abhängigkeit von dem Anteil an organi- feleisen (FeS). Die Oxidationsstufe des
Die oxidierende bzw. reduzierende
Bezeichnung Gehalt an
Arbeit, d. h. die Elektronenauf- und -ab- tur von 550° C bis 1000° C ausgesetzt.
organischer
nähme, die in einem Redoxsystem ge- Dabei verbrennen die organischen Be-
Substanz in Gew. standteile. Der dabei entstehende Ge-
leistet wird, bezeichnet man als das Re-
doxpotential (ROP). Je höher das ROP, wichtsverlust wird auf die Gesamtprobe
schwach humos bis 2 bezogen.
mäßig humos 2- 4 desto stärker ist die Oxidationskraft. Das
stark humos 4-10 Redoxpotential des Bodens oder der • Nasse Oxidation
sehr stark humos 10-15 einzelnen Bodenhorizonte ist das Ge-
anmoorig 15-30 Hierunter wird verstanden, daß alle
samtpotential aller dort wirksamen Re- organischen Bestandteile einer vorher
Moorboden über 30 doxsysteme. Hohe Potentiale finden
getrockneten Bodenprobe durch Zuga-
sich in gut durchlüfteten Böden mit sau-
erstoffreicher Bodenlösung und hohen be von 30%igem Wasserstoffsuperoxid
(H2O2)
werden. naß verbrannt(oxidiert)
der organischen Substanzen bis zu den Anteilen oxidierter Verbindungen (Fe- Durch Wägung wird der Gewichtsver-
Endprodukten CO2, H2O, NH3, P, K, Ca. und Mn-Oxide und Hydroxide, Nitrat- lust bestimmt und auf die Gesamtprobe
Der mikrobielle Abbau geschieht am und Sulfat-Ionen). von bis zu 1000 g bezogen.
leichtesten bei niedermolekularen Koh- Niedrige Potentiale kennzeichnen Bö- Bei der Chromat-Methode wird der
lehydraten, es folgen Polysaccharide wie den mit hohem Anteil an reduzierten Kohlenstoffgehalt chemisch ermittelt
Pektin und Zellulose. Lignin, das be- Verbindungen. Sie bilden sich bei Sauer- und in Anteilen bezogen auf die Ge-
sonders in älterer Pflanzensubstanz vor- stoffmangel bei Vorhandensein leicht samtprobe angegeben.
liegt, hemmt den mikrobiellen Abbau. umsetzbarer organischer Substanz als
Grad und Intensität des Ab- und Um- Nahrung für Mikroorganismen. Aerobe 3.2.5.3 Felduntersuchungen
baues ist u.a. abhängig von der Tempe- Mikroorganismen verbrauchen bei der
ratur und Feuchtigkeit, sowie dem Sau- Atmung zunächst den freien Sauerstoff. • Farbansprache
erstoffgehalt, pH-Wert und Nährstoff- Gleichzeitig oder anschließend reduzie-
verhältnis im Boden. ren anaerobe Mikroorganismen Verbin- Aus der Farbe des Bodens läßt sich

Erkenntnis, daß im bodenchemisch-


biologische Prozesse ablaufen, die zur Verbindungen an stelle des Sauerstoffs zu ermitteln wäre. Je dunkler ein Boden
Oxidation und Reduktion von Stof- bei der Atmung. Die Redoxpotentiale ist, desto höher ist meistens der organi-
fen führen. Die Oxidation eines Stof- sinken weiter ab. sche Anteil. Grobkörnige Böden verfär-
fes ist stets mit der Reduktion eines Die mehr oder weniger wechselnden ben sich leichter als feinkörnige. In rei-
anderen gekoppelt. Die entsprechen- Redoxpotentiale des Bodens werden be- nen Mineralböden kann die Dunkelfär-
den Reduktions-Oxidations-Reaktionen stimmt durch die unterschiedliche Sau- bung (grau bis schwarz) aber auch von
werden Redoxreaktionen genannt. Un- erstoffversorgung z.B. in Abhängigkeit Mangan- oder Eisenverbindungen her-
ter Oxidation versteht man allgemein von der Bodendichte, dem Wasserhaus- rühren. Eine richtige Farbansprache ist
die Abgabe von Elektronen (e~) verbun- halt und der Tiefenlage der einzelnen Bo- nur an frischen Bruchflächen bei vol-
den mit Sauerstoffaufnahme, Wasser- denhorizonte, und durch die wechselnde lem Tageslicht möglich.
stoffabgabe und Erhöhung der Wertig- Versorgung der Bodenorganismen mit • Riechversuch
keit. Die Reduktion ist der umgekehrte zersetzbarer organischer Substanz.
Vorgang der Oxidation. Der Elektronen Organische Böden weisen in feuchtem
aufnehmende Stoff wird durch die Auf- 3.2.5.2 Laboruntersuchungen Zustand meistens einen deutlich mod-
nahme von Elektronen reduziert. Auf rigen Geruch auf. Bei Erhitzung wird
dieser Seite ist ein Beispiel eines sol- Der Gehalt an organischer Substanz von er noch deutlicher. Ein Geruch nach
Von besonderer
chen Redoxsystems dargestellt.
bedeutung ist die Feinböden kann im Labor nur bei ton- Schwefelwasserstoff weist auf verwe-
Bei der Oxidation wird z.B. Ammo- und karbonatfreien Böden durch Ver- sende faulige organische Bestandteile
nium (NHJ) zu Nitrat aufoxidiert. Die aschung bei 550°C gemäß DIN 19684 im Boden hin. Durch Übergießen mit
Oxidationsstufe des Stockstoffs erhöht Blatt 32 genau bestimmt werden. In allen verdünnter Salzsäure wird dieser Ge-
sich von 3— auf 5+. Durch Reduktion anderen Fällen wird er analytisch mit- ruch noch verstärkt. Er tritt vor allem
bilden sich aus Sulfaten (SO42~) Schwe- tels einer nassen Oxidation aus dem ana- bei Mudden und frischen, nicht zersetz-
fel oder Schwefelverbindungen, in de- lytisch ermittelten Kohlenstoff (C) - ten Torfen auf.
nen Schwefel zweifach negativ ist, wie Gehalt oder durch Wägung errechnet. Trockene anorganische Tone haben
nach dem Anfeuchten einen erdigen
Geruch. Aus dem Riechversuch kann
man also Hinweise darauf ableiten, ob
man es mit einem überwiegend anorga-
nischen oder organischen Boden zu tun
hat.

3.2.5.4 Bewertung aus der


organischen Substanz

einen großen Einfluß auf alle physikali-


schen, chemischen und biologischen E/-
Die organische
genschaften eines
Substanz
Bodensdes
alsBodens
Pflanzen-
hat
96 Bodenarbeiten

Standort und Baufläche. Nichtbindige und Schwefelwasserstoff oder Methan 2. durch das bei der Atmung von
Sandböden erhalten erst durch orga- und andere organische Schadstoffe bil- Bodenorganismen und Pflanzenwur-
nische Substanz die Fähigkeit, Was- den. Diese wirken dann nicht selten töd- zeln entstehende CO2, insbesondere in
ser und Nährstoffe pflanzenverfügbar lich. dichtgelagerten, schlecht durchlüfteten
zu speichern. In bindigen Böden kann Für belastbare Vegetationsflächen Böden,
sich durch Humus ein besseres Gefiige wird in der Regel eine Obergrenze für 3. durch Entwässerung und Belüf-
in Form von Ton-Humus-Komplexen den Gehalt an organischer Substanz tung sulfidhaltiger Grundwasserböden
bilden. Durch die Bodenorganismen festgelegt. Der Grund ist darin zu su- infolge Oxidierung und
wird organische Substanz ab-, um- chen, daß zu stark mit organischer Sub- 4. durch nicht standortgerechte Bo-
und aufgebaut. Dabei entstehen einer- stanz angereicherte Substrate schwam- dennutzung. So kommt es selbst über
seits reaktionsfähige Stoffe, die in neue mig werden und überdies die Wasser- kalkhaltigem Unterboden unter der
organische oder organo-mineralische durchlässigkeit eingeschränkt werden flachwurzelnden Fichte und ihrem sau-
Verbindungen umgesetzt werden, und kann. (Festlegungen zum Gehalt an ren Bestandsabfall auf leichteren Böden
andererseits werden dabei Pflanzen- organischer Substanz siehe Tabelle A zu einer Podsolierung, während z.B. ein
nährstoffe freigesetzt. Im Gegensatz 3.2.5.4/1 im Anhang) Bestand aus Buchen eine Entwicklung
zum Nährstoffstoß bei mineralischen zur Braunerde einleiten würde.
Düngemaßnahmen werden hierbei die
Nährstoffe und hier insbesondere der 3.2.6 Bodenreaktion 3.2.6.2 Labor- und
Stickstoff gleichmäßiger nachgeliefert. Felduntersuchungen
Die Nachlieferung von Stickstoff deckt 3.2.6.1 Der pH-Wert als Kennwert
jedoch nicht den Bedarf bei belaste- Der pH-Wert wird in der Regel im La-
ten Vegetationsflächen oder Flächen Neben den mechanischen Eigenschaf- bor in einer 0,1 n-KCl-Suspension auf
mit hohem Dekorationsanspruch in der ten eines Bodens sind auch seine chemi- elektrometrischem Weg gemessen. Da-
Pflanzenauswahl. schen Eigenschaften von wesentlicher mit wird die größte Genauigkeit er-
Für den Einfluß von organischer Sub- Bedeutung für den Pflanzenstandort reicht.
stanz auf eine Baufläche ist wichtig, daß und das Pflanzenwachstum. Wir spre- Weniger genau sind kolorimetrische
durch sie die Plastizitätszahl erweitert chen von sehr stark sauren bis sehr stark Methoden, bei denen mit Hilfe be-
wird, wobei die Fließgrenze grundsätz- alkalischen Bodenreaktionen. Kenn- stimmter Indikatoren visuell auf Grund
lich angehoben wird. Die organische größe für die Bodenreaktion ist der pH- von unterschiedlicher Färbung der
Substanz bildet also einen gewissen bo- Wert. Das ist der negative Logarithmus pH-Wert festgestellt wird. Man kennt
denstabilisierenden Puffer. der H+-Konzentration. pH l bedeutet l flüssige Indikatoren und Indikatorpa-
Fein verteilte organische Substanz x 10"1 oder ! /io g H+/1. pH 3 bedeutet piere. Nach entsprechender Aufberei-
kann in bestimmten Situationen nach- l x 10~3 oder ^looo g H+/1. Wenn der pH- tung vergleicht man die entstandene
teilig wirken. Es handelt sich dann mei- Wert steigt, nimmt die H+-Konzentra- Farbe mit einer Farbskala. Die Meßge-
stens um feine und quellfähige orga- tion einer Lösung also ab. Die Boden- nauigkeit liegt beim Indikatorpapier bei
nische Substanz z.B. in anmoorigen reaktion hängt zunächst vom Gehalt 0 0,2 pH, bei flüssigen Indikatoren bei
Sandböden. Die quellfähige organische des Ausgangsgesteines an basisch wirk- 0 0,5 pH.
Substanz verstopft bei längerer Durch- samen Kationen ab. Im Verlauf der Will man schnell feststellen, ob ein
feuchtung die Poren und mindert die Bodenentwicklung werde diese in un- Boden oder ein Sand, den man z. B. zum
Wasserdurchlässigkeit. Solche Flächen terschiedlicher Menge und Schnellig- Abmagern des Oberbodens verwenden
sind dann nicht mehr belastbar, weil keit frei. Daraus leitet sich eine unter- will, CaCO3 (Kalziumkarbonat) enthält,
neben der mangelnden Wasserdurch- schiedliche natürliche und für die Bo- kann man auf der Baustelle die Salzsäu-
lässigkeit auch die Tragfähigkeit nicht denart typische Basensättigung ab. Nach reprobe anwenden. Dabei wird eine l :3
mehr ausreicht. Kuntze et al. (1983) lassen sich Böden mit Wasser verdünnte HCl-Lösung auf
Für Pflanzen und insbesondere für auf Grund ihrer Reaktion wie unten ge- den angefeuchteten Boden geträufelt
Großbäume und Großsträucher, die zeigt einstufen. und aus der höhr- und riechbaren Reak-
in tiefe Pflanzengruben gepflanzt wer- Böden versauern von Natur aus und tion auf den Karbonatgehalt geschlos-
den, spielen die Redoxpotentiale ei- unter dem Einfluß der Tätigkeit des sen. Erfolgt keine Reaktion, ist der Bo-
nes Bodens eine große Rolle. Treten Menschen im Laufe der Zeit den karbonatfrei, starkes anhaltendes
z.B. durch Einbringen von Oberboden 1. durch saure Niederschläge, die Schäumen ist ein Zeichen sehr starken
mit leicht umsetzbarer organischer Sub- CO2, SO2 und NOX enthalten Karbonatgehaltes.
stanz in tiefere Bodenschichten bei
gleichzeitig ungünstigen Wasserverhält-
nissen (Staunässe) und damit verbun-
denem Sauerstoffmangel abnehmende
Redoxpotentiale auf, dann bedeutet das
eine große Gefahr. Die Nährstoffauf-
nahme ist nämlich teilweise direkt an
die Wurzelatmung gekoppelt. Bei ver-
minderter Sauerstoffversorgung findet
deshalb keine ausreichende Nährstoff-
aufnahme mehr statt. Daran und durch
die Behinderung sauerstoffabhängiger
Stoffwechselprozesse in der Wurzel
können die Pflanzen zugrundegehen.
Bei einem weiteren Absinken des Re-
doxpotentials können sich im Boden zu-
sätzlich Pflanzengifte wie Ammoniak
Voruntersuchung von Boden und Standort 97

3.2.6.3 Zeigerpflanzen Tab. 3.2.6.4/1 Übliche pH-Werte von Acker- und Grünlandböden
Bei ungestörten und weitgehend von
Düngung und Nutzung unbeeinflußten Bodenart Acker Grünland
Böden können Zeigerpflanzen einen
Böden mit weniger als Tonanteil
Hinweis auf die Bodenreaktion geben.
5% organische Bestandteile pH pH
In DIN 18915 sind folgende Pflanzen
erwähnt: Sand unter 5 5,3-5,7 4,8-5,2
lehmiger Sand 5-10 5,8-6,2 5,3-5,7
Stark saurer Boden: sandiger Lehm 10-15 6,3-6,7 5,8-6,2
- Ackerspörgel (Spergula arvensis), sandiger Lehm, Löß über 15 6,9-7,5 6,0-6,5
- Einjähriges Knäuelkraut (Scleranthus toniger Lehm, Ton über 15 6,9-7,5 6,0-6,5
annuus),
- Ausdauerndes Knäuelkraut Scleran- Böden mit mehr als org. Best,
5% organische Bestandteile in % pH pH
tluis Perennis),
- Hasenklee (Trifolium arvense), Sand 5-10 5,2-5,0 5,2-5,0
- Kleiner Sauerampfer (Rumex aceto- Sand 10-20 5,0-4,8 5,0-4,8
sella) Sand 20-30 4,8-4,6 4,8-4,6
Moor über 30 3,8 3,8
Mäßig saurer Boden:
- Saatwucherblume (Chrysanthemum Forstlich genutzte Böden um 5,5
segetum),
- Ackerhundskamille (Anthemis arven-
sis),
- Rote Schuppenmiere (Spergularia ru- denen die Gräser- und Kräuterauswahl werden. Wesentlich ist dabei die Än-
bra), wiederum u.a. reaktionsspezifisch er- derung des Sauerstoffgehaltes des Bo-
- Borstgras (Nardus stricta) folgen muß. Sommergrüne Ziergehölze dens und sein Einfluß auf das Bodenle-
u.a. mit neutralem bis alkalischem Bodenan- ben und die mikrobiellen Vorgänge im
spruch und Moorbeetpflanzen mit ih- Boden. Diese Veränderungen laufen
Schwach saurer bis neutraler Boden: rem saurem Bodenanspruch gehören grundsätzlich zum sauren Bereich hin,
- Echte Kamille (Matricaria chamo- deshalb nicht zusammen in eine Misch- denn es kommt in den verdichteten oder
milla), pflanzung. staunassen Bodenschichten zu einer
- Ackersenf (Sinapis arvensis), In Abhängigkeit vom Bodentyp kön- Verstopfung der organischen Substanz.
- Gewöhnlicher Frauenmantel (Alche- nen bestimmte Bodenreaktionen erwar- Eine Abstimmung des pH-Wertes auf
milla vulgaris), tet werden, sofern nicht durch Kultivie- die Vegetation wird vorrangig nur bei
- Ackerhahnenfuß (Ranunculus arven- rung und langjährige Nutzung mit der Spezialkulturen wie z.B. Container-
sis), damit verbundenen Düngung diese ty- pflanzungen, Dachgärten oder bei Mo-
- Erdrauch (Fumaria offlcinalis), pische Reaktion verändert wird. Anhalte nokulturen wie z. B. belastbaren Rasen-
- Ackerfuchsschwanz (Alopecurus können die Werte der Tabelle 3.2.6.4/1 flächen (Spiel- und Sportrasen) oder
myosuroides), geben, in der die anzustrebenden pH- Moorbeetpflanzungen vorgenommen.
- Flughafer (Avena fatua), Werte für Acker- und Gründlandböden
- Windhalm (Apera spica-venti) bezogen auf die Bodenart aufgeführt
3.2.7 Nährstoffgehalt
u.a. sind (Empfehlungen der landwirtschaft-
lichen Untersuchungs- und Forschungs- 3.2.7.1 Die Bedeutung
Neutraler bis schwach alkalischer Boden: anstalten - LUFA) der Nährstoffe
- Dreikörniges Labkraut (Galium tri- Weiter hat die Bodenreaktion einen
corne), Einfluß auf die Gefügestabilität von Für die Ernährung der Pflanzen sind
- Adonisröschen (Adonisflammea), Mineralböden. Mit Abnahme der Bo- neben H2O und CO2 als Hauptnährele-
- Blauer Gauchheil (Anagallis arven- denreaktion kommt es zu Tonverlage- mente N, P, K, Ca, Mg und S (Stick-
sis) rung, Tonmineralzerfall und Podsolie- stoff, Phosphor, Kali, Kalk, Magnesium,
rung mit dadurch bedingten Störungen Schwefel) sowie die Spurennährelemen-
3.2.6.4 Wertung der Bodenreaktion des Luft- und Wasserhaushaltes. Mit te Fe, Mn, Zn, Cu, B, Mo (Eisen, Man-
steigendem pH-Wert steigt die Intensi- gan, Zink, Kupfer, Bor, Molybdän) u.a.
Jede Pflanzenart hat einen spezifischen tät der Verwitterung der anorganischen erforderlich. Sie sind in der Regel in je-
pH-Bereich nötig, der bei einigen Arten Bodenbestandteile und die Mineralisie- dem Boden vorhanden, oft aber nicht in
sehr eng und bei anderen sehr breit ist. rung der organischen Substanz. dem Verhältnis, das für die Ernährung
Artspezifische pH-Bereiche lassen sich Weiter wird die Verfügbarkeit einzel- der Pflanzen richtig ist oder aber in einer
n u r bei Monokulturen einhalten. In ner Nährstoffe durch den pH-Wert be- Form, in der die Pflanzen sie nicht auf-
der Regel werden im Landschaftsbau einflußt. Ein starkes Überschreiten des nehmen können. Da der Boden ein dyna-
Mischkulturen angelegt. Diese sollten für den Boden optimalen pH-Bereiches, misches System darstellt, werden durch
aber aus Pflanzen mit annähernd glei- wie er in Tabelle 3.2.6.4/1 angegeben verschiedene Bodenaktivitäten einer-
chen Ansprüchen an die Bodenreaktion ist, führt durch Festlegung von Spu- seits fest gebundene in lösliche Nähr-
bestehen. So gilt z.B. für Moorbeet- renelementen im Boden zu Mangeler- stoffe, andererseits zugeführte Nähr-
pflanzen ein pH-Wert von 4,5-5,5 als scheinungen bei den Pflanzen. stoffe an Tonminerale oder organische
ansilebenswert. Auch Rasen können Die Bodenreaktion kann durch Bo- Bodensubstanzen gebunden. Vor allem
noch als eine Sonderkultur mit einem denverdichtungen z.B. infolge von Bo- der Feuchtegehalt des Bodens, Wärme,
pH-Bereich zwischen 5,5 bis 6,5 gelten. denbewegungen auf der Baustelle und Bodenreaktion und biologische Aktivi-
Diese Aussage gilt aber schon nicht in deren Gefolge durch Staunässe, aber tät bestimmen die Pflanzenverfügbar-
mehr für naturnahe Wiesenflächen, bei auch durch Überdeckungen verändert keit der Nährstoffe.
98 Bodenarbeiten

3.2.7.2 Laboruntersuchungen 3.2.7.4 Dünger und Düngerformen und 17% Kali (K2O) enthält. Beispiele
für Handelsdünger enthält Tabelle A l
Die Bestimmung der pflanzenverfugba- Eine Zufuhr von Nährstoffen wird 3.2.7.4/1 im Anhang. Einen Anhalt für
ren Nährstoffe, insbesondere die der durch Dünger erreicht. Dabei werden eine ausreichende Vorratsdüngung gibt
Phosphorsäure, des Kaliums und Ma- organische, organisch-mineralische und Tab. A 3.2.7.4/2 im Anhang.
gnesium, sowie der Spurenelemente mineralische Dünger unterschieden.
Mangan, Kupfer und Bor wird allge- Die Nährstoffe der organischen Dün- 3.2.7.5 Wertung der
mein von landwirtschaftlichen Untersu- ger müssen erst durch Mineralisierung
Nährstoffversorgung
chungs- und Forschungsanstalten und im Boden freigesetzt werden, damit
Prüflabors des Landschafts- und Sport- sie in Form von Ionen von den Pflan- Im Rahmen von Nährstoffuntersuchun-
platzbaues durchgeführt. Regeluntersu- zenwurzeln aufgenommen werden kön- gen werden die vier Gehaltsgruppen
chungen sind: nen. Die Form der organischen Dünger niedriger, mittlerer, hoher und sehr
1. Elektrometrische Bestimmung des reicht vom Stallmist über Klärschlamm hoher Nährstoffgehalt des Bodens un-
pH-Wertes und Kompost bis hin zu Düngern, in terschieden. Grundsätzlich wird bei den
2. Bestimmung des Kalkbedarfes nach denen z.B. Traubenkerne oder Horn- Vegetationsflächen des Landschafts-
SCHACHTSCHABEL späne zerkleinert und gemahlen verar- baues ein ausgeglichener mittlerer
3. Bestimmung des Gehaltes an P2O5 beitet sind. Sie wirken entsprechend Nährstoffgehalt angestrebt. Da es sich
und K2O mit Hilfe der Laktatmethode langsam, reichern aber als Nebenwir- in der Regel um Mischbestände han-
nach Egner/Riehm. kung den Boden mit organischer Sub- delt, können in den Fachnormen nur
Auf Wunsch werden noch folgende stanz an. generelle Richtwerte vorgegeben wer-
Untersuchungen durchgeführt: In mineralischen Düngern stehen den. Weil keine Grenzwerte für die
4. Bestimmung des Gehaltes an Ge- die Nährstoffe entweder in wasser- einzelnen Pflanzengattungen vorliegen,
samt-StickstofT nach KJELDAL löslicher Form sofort zur Verfugung, kann man allenfalls Erkenntnisse der
5. Bestimmung des Gehaltes an auf- oder sie werden nur langsam abgege- Landwirtschaft heranziehen. Tabelle
nehmbarem Stickstoff (Ammonium ben, weil sie z.B. zitratsäurelöslich sind 3.2.7.5/1 gibt einen Überblick über die
und Nitrat) in einem Calciumchlorid- oder durch bestimmte Bindungsfor- Bewertung von Untersuchungsergeb-
Auszug men oder Umhüllungen als Depotdün- nissen.
6. Bestimmung des Magnesiumsgehal- ger oder Langzeitdünger wirken. Sie Die Bestimmung des Nährstoffge-
tes in einem Calciumchlorid-Auszug werden als Ein- oder Mehrnährstoff- haltes ist im Landschaftsbau selten not-
7. Bestimmung des Gehaltes an Spu- dünger hergestellt. Als Einnährstoff- wendig, weil auf den Baustellen der ur-
renelementen. dünger stehen Stickstoff (N), Phosphor sprünglich anstehende Boden während
Die Untersuchungen werden an ei- (P2O5), Kali (K2O) und Kali-Magnesium des Bauverlaufes in der Regel mehrfach
ner repräsentativen Mischprobe von (K2O+MgO) zur Verfügung. In Mehr- umgelagert wird. Die dabei ausgelösten
250 g vorgenommen. Die Untersu- nährstoffdüngern sind zwei oder meh- Veränderungen des Bodengefüges und
chungsergebnisse werden in mg/100 g rere dieser Dünger kombiniert z.B. die damit verbundenen Folgewirkungen
Boden angegeben. P + K,N + K,N + P oder N + P + K. beeinflussen auch den Gehalt an ver-
In organisch-mineralischen Dünge- fügbaren Nährstoffen. In die Vorüber-
3.2.7.3 Zeigerpflanzen mitteln sind beide Düngerformen als legungen sollten jedoch die durch die
Gemisch vorhanden, um neben einer Vornutzung bestimmte Standortqualität,
Bei ungestörten Böden läßt sich aus langsam fließenden Nährstoffquelle z. B. durch Kleingärten oder Ödland und
Zeigerpflanzen auf den Nährstoffgehalt auch schnelle Düngerwirkungen oder die Art und Intensität der späteren Nut-
schließen. In DIN 18915 sind als Zei- ein ausgewogenes Verhältnis der Nähr- zung wie z.B. intensive oder extensive
gerpflanzen aufgeführt: stoffe zueinander zu erreichen. ökologisch ausgerichtete Bepflanzung
Der Gehalt an Reinnährstoffen wird einbezogen werden. Nährstoffuntersu-
Nährstoffarmut, oft auch Versauerung im in einem Handelsdünger in Prozent (%) chungen können aber bei belastbaren
Ackerland: angegeben, z.B. bei einem Volldünger Rasenflächen, Containerpflanzungen,
— Hungerblümchen (Erophila verna), in der Kurzbezeichnung NPK 12:12:17. Dachgärten oder Moorbeetpflanzungen
— Hasenklee (Trifolium arvense), Das bedeutet, daß dieser Dünger 12% in Verbindung mit der Bestimmung des
— Kleiner Sauerampfer (Rumex aceto- Reinstickstoff (N), 12% Phosphor (P2o5) pH-Wertes bedeutsam sein.
sella)
u.a.
Nährstoffarmut, gewöhnlich auch Tab. 3.2.7.5/1 Bewertung von Nährstoff-Untersuchungsergebnissen unter landwirt-
Versauerung im Öd- und Brachland: schaftlichen Aspekten
— Heidekraut (Calluna vulgaris),
— Frühlingsspörgel (Spergula vernaiis),
— Borstgras (Nardus stricta),
— Schafschwingel (Festuca ovina)
u.a.
Nährstoffreicher Boden
(insbesondere N):
— Große Brennessel (Urtica dioica),
— Erdrauch (Fumaria offlcinalis),
— Vogelmiere (Stellaria media),
— Kleine Brennessel (Urtica urens),
— Melde (Atriplex sp),
— Gänsefuß (Chenopodium sp.)
u.a.
Verbesserungsmöglichkeiten 99

Aus ökologischen Gründen sollte Pflanzenwachstum stark behindern. In stanz. Als Verbesserung mit dem Ziel
man im Landschaftsbau sparsam mit Oberboden für solche Flächen dürfen einer Erhöhung der Wasserdurchläs-
Nährstoffen umgehen, denn durch Aus- diese Unkräuter nicht enthalten sein. sigkeit sind Sandeinmischungen zur
waschungen werden insbesondere Was- Anders verhält es sich, wenn eine Vermehrung der Grobporen und gege-
serläufe stark belastet. Es wird ja auch Vegetationsfläche in aller Konsequenz benenfalls in Verbindung damit die Zu-
kein »Ertrag« erwartet. Lediglich in der nach ökologischen Gesichtspunkten an- gabe von Langfasertorf zur Erhöhung
Startphase kann eine Nährstoff-Bewer- gelegt werden soll, z. B. eine Wiese. Hier der ungesättigten Wasserbewegung an-
tung notwendig sein. Eine gute Versor- wird u.U. eine Verkrautung ausgespro- zusehen. Der Umfang der Verbesserung
gung ist dann weiter noch notwendig chen erwünscht sein. Auch bei Oberbo- kann nur aus der Kornverteilung des
bei belastbaren Vegetationsflächen und denarbeiten an Straßen können Krauter Bodens abgeleitet werden. Man muß
Schmuck-Grün. nicht als störender Bestandteil ange- bei solchen Maßnahmen vor allem be-
Zeigerpflanzen liefern unter den sprochen werden. denken, daß zu geringe Sandmengen
üblichen Baustellenverhältnissen nur Sollen Rasenflächen für Spiel und und zu grobe Körnungen wirkungslos
beschränkt anwendbare Hinweise auf Sport genutzt werden, dann stuft man bleiben, weil sie von den bindigen Be-
die Nährstoffversorgung. Bei Unterhal- sie als belastbare Vegetationsfläche ein. standteilen des Bodens eingemantelt
tungsarbeiten sind sie jedoch wertvolle Für diese gibt es bestimmte Anhalts- und damit wirkungslos gemacht wer-
Hinweise auf den Standort und seine werte bezogen auf ihre Kornverteilung, den (siehe dazu Kap. 2.6.3).
Versorgung. So könnte z.B. versucht ihren Gehalt an organischen Bestand- Einer zu geringen Wasserdurchlässig-
werden, eine der Zeigerpflanze ent- teilen, ihre Bodenreaktion, ihre Wasser- keit kann man aber auch dadurch be-
sprechende Pflanzengesellschaft durch durchlässigkeit und auf die Höhe des gegnen, daß man dem Gelände eine
behutsame Pflege sich entwickeln zu Grundwasserstandes. Die Anhaltswerte Neigung von mehr als 3% gibt und
lassen und damit ein ökologisches sind in Tabelle A 3.3/1 im Anhang zu dadurch das Eindringen von größeren
Gleichgewicht in einem Biotop zu er- finden. Wassermengen mit den damit verbun-
reichen. denen Nachteilen bei bindigen Böden
mindert. Das dabei abfließende Wasser
3.4 Verbesserungs- muß dann an anderer Stelle versickern
3.3 Allgemeine möglichkeiten können oder weitergeleitet werden in
eine Vorflut.
Anforderungen an Grundsätzlich ist es erwünscht, daß die Eine Verbesserung der Wasserdurch-
den Oberboden spätere Art der Begrünung bezüglich lässigkeit der Vegetationsschicht bleibt
der Pflanzenauswahl auf die Bodenart weitgehend ohne Wirkung, wenn das
Aus den bisherigen Ausführungen geht und den Standort abgestimmt wird, um Wasser nicht vom Baugrund aufgenom-
hervor, daß ein Boden sehr unterschied- möglichst schnell ein natürliches öko- men werden kann. Solche dichtlagern-
liche Eigenschaften haben kann. logisches Gleichgewicht zu erreichen. den Unterböden, Staunässehorizonte
Grundsätzlich muß er für die vorgese- Diese Wunschvorstellung steht aber oft oder durch Baumaßnahmen verursach-
hene Vegetation und Art der Nutzung in einem konträren Verhältnis zu der te Verdichtungen können manchmal
geeignet sein. Das bedeutet, daß eine Wirklichkeit. schon durch Tiefenlockerungen beho-
Grundabstimmung zwischen Vegeta- Diese Wirklichkeit wird einmal be- ben werden. Häufig sind aber noch Zu-
tion und Boden hergestellt werden muß. stimmt durch die Zielvorstellungen, die satzmaßnahmen zur Stabilisierung der
Damit das geschehen kann, sollte in al- mit einer Grünfläche bezüglich Nut- Lockerung wie z.B. das Einbringen von
len Zweifelsfällen der Boden einer Vor- zung und Aussehen verbunden sind Sand oder das Einmischen von Kalk an-
untersuchung unterzogen werden, da- und zum anderen durch die gravieren- zuwenden, damit die Lockerung und da-
mit man ihn bewerten und in eine der den Standortveränderungen, die durch mit Wasserableitung auf Dauer wirksam
10 Bodengruppen einordnen kann. die Bauarbeiten des Hoch- und Tief- bleiben. Wenn solche Maßnahmen kei-
Ein Oberboden soll nicht verunrei- baues und durch die gestaltenden Erd- nen Erfolg versprechen, wird man unter
nigt sein mit toten Stoffen, die entwe- und Bodenarbeiten des Landschafts- hochbelasteten Flächen durch ein Sy-
der die Nutzer der Vegetationsflächen baues vorgenommen werden. stem von Dränschlitzen für die Was-
schädigen können wie z. B. Bauwerksre- Die Verbesserung des Oberbodens serableitung sorgen oder notfalls eine
ste oder Glasscherben, oder aber das ist darauf gerichtet, die bodenphysika- Dränschicht einbauen müssen.
Anwachsen und die Entwicklung der lischen und bodenchemischen Ge-
Pflanzen hindern oder behindern kön- gebenheiten dem Verwendungszweck 3.4.2 Verbesserung der
nen wie z.B. Mineralöle oder Chemika- anzupassen oder Schäden, die bei Bau- Wasserhaltefähigkeit
lien. arbeiten oder bei der Bodenbewegung
In Oberboden können auch ausdau- aufgetreten sind, aufzuheben, zu mil- Als Maßnahmen bieten sich hier an:
ernde Krauter und deren Wurzeln stö- dem oder eine biologische Aktivierung
rend sein. Hierzu gehören Quecke (Agro- des Oberbodens wieder einzuleiten. Es 1. Zugabe organischer Substanz in
pyron repens), Huflattich (Tussilago far- gibt deshalb keine allgemein verbindli- Form von Torf (aus ökologischen Grün-
fara), Ackerwinde (Convolvulus arven- chen Rezepte. Die Verbesserungsmaß- den nur noch in Ausnahmefallen), or-
sis), Giersch Geißfuß (Aegopodium nahmen sind darauf auszurichten, was ganischen Düngern oder anderen orga-
podagraria), Ampferarten (Rumex) und erreicht werden soll. nischen Substraten wie z. B. Rindenpro-
Gelbkresse (Rorippa sylvestris). Es liegt dukte. Dabei muß bedacht werden, daß
jeweils am Einzelfall, ob diese ausdau- feine quellfähige organische Substanz
3.4.1 Verbesserung der die Wasserdurchlässigkeit erheblich be-
ernden Krauter als Unkräuter einzustu-
fen sind. Bei hochwertigen Pflanzflä- Wasserdurchlässigkeit einträchtigen kann.
chen wie z.B. Stauden- oder Rosen- Unter einer zu geringen Wasserdurch- 2. Zugabe von wasserspeichernden
flächen sind sie mit Sicherheit uner- lässigkeit leiden in der Regel bindige Kunststoffen mit offener Zellstruktur.
wünscht, weil sie vorwüchsig sind und Böden und humose Böden mit fein- Diese werden aber meistens zusammen
durch Verunkrautung der Fläche das verteilter quellfähiger organischer Sub- mit organischen Stoffen gegeben, damit
100 Bodenarbeiten

die Wasserabgabe kontinuierlich erfolgt 3.4.5 Veränderungen des Dränrohre aus Ton oder Kunststoff mit
und nicht abrupt abbricht, wie es bei Gehaltes an organischer etwa 0,3 bis 0,5% Gefalle verlegt und
diesen Kunststoffen der Fall ist. Substanz an eine Vorflut angeschlossen werden.
3. Zugabe von Ton oder Schluff in Die Gräben werden dann wieder ver-
trockener, gemahlener Form. Auch Diese Maßnahme steht häufig im Zu- füllt. Abstand der Drängräben und Tie-
bei dieser Maßnahme ist der Umfang sammenhang mit Maßnahmen zur Ver- fe richten sich nach der Bodenart und
abhängig von der Nutzungsart und besserung der Wasserdurchlässigkeit, dem Absenkungsziel. Bei größeren Ge-
dem natürlichen Gehalt an organischer der Wasserhaltefähigkeit oder zur Ver- hölzen und Bäumen besteht die Ge-
Substanz und der Kornverteilung des änderung der plastischen Eigenschaf- fahr, daß Wurzeln in die Dränung ein-
Bodens. Bei belastbaren Vegetations- ten. Das bekannteste Mittel zur Erhö- wachsen und die Dränung unwirksam
schichten wird man die organische hung der organischen Substanz ist Torf, wird.
Substanz nicht über 3% erhöhen. Bei dessen hoher Ligningehalt besonders Grundwasser läßt sich auch durch das
Moorbeetpflanzungen ist eine hohe An- erwünscht ist. Zur Schonung der nur Anlegen offener Gräben absenken, l
reicherung notwendig. noch begrenzt verfügbaren Torfe soll- Diese müssen allerdings dauernd offen-1
ten vorrangig organische Stoffe aus bio- gehalten und gepflegt werden. Deshalb l
logischem Recycling verwendet wer- kann es auch noch sinnvoll sein, statt
3.4.3 Verbesserung der den. Dies wird auch ausdrücklich in einer Absenkung des Grundwassers die
Belastbarkeit DIN 18915 gefordert. Bei diesen Stof- Fläche durch Aufhöhen in größere
fen handelt es sich um Komposte aus Grundwasserferne zu bringen.
Mechanisch durch Spiel und Sport be- Rinde, pflanzlichen Abfallstoffen und
lastete Vegetationsflächen müssen ei- organischen Abfallstoffen aus Haushal-
nen Bodenaufbau besitzen, der auch 3.4.7 Veränderung der
ten. Weiter wird auch Klärschlamm
in durchfeuchtetem Zustand bei Bela- plastischen Grenzen
mitverarbeitet. Da deren Zusammen-
stung keiner wesentlichen Porenverklei- setzung je nach Aufkommen schwankt
nerung unterliegt. Sie brauchen also ein Das plastische Verhalten eines Bodens
und die Qualität auch sehr von der Art läßt sich durch Beimischen von grob-
starkes Korngerüst. Das ist nur bei Bö-
der Verarbeitungsprozesse abhängt, körnigeren Stoffen oder organischer
den mit geringen Anteilen an bindigen
sollten nur »gütegeprüfte Komposte«, Substanz verändern. Durch das Abma-
Bodenteilen der Fall. Die Belastbar-
z.B. Produkte mit RAL-Gütezeichen gern kann vor allem die Witterungsan-
keit eines bindigen Bodens wird also
verwendet werden. Diese unterliegen fälligkeit eines Bodens verringert wer-
durch die Zugabe von entsprechenden einer Fremdüberwachung. Die Inhalts-
Mengen eines geeigneten Kiessandes den. Ein nennenswertes Ergebnis kann
stoffe sind zu deklarieren. Anforderun- meist nur bei einer Einmischung von
erhöht. Durch sorgfältige Vorunter-
gen an Komposte siehe A 3.4.5/1. Auf rund 50% Sand/Kies, häufig mehr er-
suchungen muß der Umfang der Ver-
keinen Fall dürfen dabei unzulässige reicht werden. Durch diese Maßnahme
besserung geprüft werden, wenn die
Mengen von Schwermetallen oder bei wird der Boden durchlässiger und trag-
Maßnahme nicht wie in Kapitel 3.4.1
belastbaren Flächen scharfkantige Ge- fähiger.
beschrieben wegen zu geringer Sandzu-
genstände eingebracht werden. Auch durch Zugabe von langfaseri-
gabe oder falscher Körnung wirkungslos
bleiben soll. Eine Verbesserung des Gehaltes an ger organischer Substanz läßt sich das
organischer Substanz kann auch durch plastische Verhalten eines Bodens posi-
Gründüngung in Form eines Voran- tiv beeinflussen. Organische Feinsub-
3.4.4 Veränderung der baues oder einer Zwischenbegrünung stanz, wie sie z. B. im Klärschlamm vor-
Bodenreaktion erfolgen. Die Zunahme ist jedoch we- liegt, kann dagegen den Zustand noch
gen des geringen Ligninanteils der verschlechtern.
Da eine Veränderung der Bodenreak- Grünmasse nicht hoch einzustufen. Eine dritte Möglichkeit zur Verände-
tion meist nur sehr langsam z.B. durch Wichtiger sind hier die Wirkungen der rung des plastischen Verhaltens liegt in
Verwendung von entsprechenden Dün- Bodenerschließung durch die Wurzeln der Stabilisierung mit Kalk. Der Kalk
gern, Beimischung von entsprechenden und die Anregung des Bodenlebens bewirkt ein sofortiges Austrocknen des
Böden und Substraten oder Bodenaus- durch Mikroorganismen. Bodens, so daß er nach kurzer Einarbei-
tausch bewirkt werden kann, sollte zu- Der Anteil der organischen Substanz tungsdauer bearbeitet werden kann. Es
nächst einmal einer der Bodenreaktion ist, wie in Kapitel 3.4.1 beschrieben stellt sich eine gewisse stabile Krume-
entsprechenden Pflanzenauswahl der durch Abmagerung zu reduzieren. lung ein, die auch die Wasserdurchläs-
Vorzug gegeben werden. sigkeit in Grenzen verbessert. Aller-
Ist eine Veränderung nicht zu um- 3.4.6 Veränderung des dings erhöht sich der pH-Wert. Das muß
gehen, dann erfolgt eine Erhöhung bei Anwendung dieser Maßnahme be-
des pH-Wertes bis auf pH 7,0 unter Grundwasserstandes dacht werden.
Verwendung basischer Düngemittel auf Ein zu hoher Grundwasserstand ist Vor Anwendung von Maßnahmen,
der Basis Oxide, Hxdroxide und Car- durch eine Dränung abzusenken. Eine die die plastischen Eigenschaften des
bonate von Calcium und Magnesium solche Absenkung ist ohne Risiko nur Bodens verändern, sollte man wegen
wie z.B. Thomasmehl oder Kalk. Die bei Rasenflächen, Staudenflächen und der damit verbundenen Kosten über-
erforderlichen Mengen werden von den Flächen mit flachwurzelnden Gehöl- prüfen, ob nicht durch eine gute Ober-
Untersuchungsanstalten auf Grund der zen möglich. Dränung bedeutet, daß in flächenentwässerung die mit den pla-
Bestimmung des Kalkbedarfes nach den Boden in ausgehobene Gräben stischen Eigenschaften verbundenen
SCHACHTSCHABEL berechnet. Eine Ab- x (benötigte Düngermenge) 100
senkung des pH-Wertes wird durch Ver-
wendung physiologisch saurer Dünge- 10 (benötigter Reinnährstoff) 13 (Reinnährstoffgehalt des
mittel wie z.B. Schwefelsaures Ammo- Handelsdüngers)
niak bewirkt. Zur Herstellung eines
sauren Substrates für Moorbeetpflan-
zen wird Torf eingesetzt.
Beispiele für die Bewertung von Böden 101

Nachteile gemindert werden können. mentätigkeit nach Durchführung der


Noch besser wäre es, wenn die Art der Baumaßnahme. Trotz aller einschrän- 3.5 Beispiele für die
Nutzung durch entsprechende Planung kenden Bearbeitungsvorschriften wer- Bewertung von
den gegebenen Verhältnissen angepaßt den die Strukturen von Oberböden und Böden
wird. hier insbesondere das Porengefüge bei
den erforderlichen Oberbodenarbeiten Für die Bewertung von Oberböden
gestört bzw. zerstört. Die Gefügeschä- müssen im Prinzip alle Kriterien heran-
3.4.8 Verbesserung des digung beeinträchtigt den Wasser- und gezogen werden, die wesentlichen Ein-
Nährstoffgehaltes Lufthaushalt sowie die biologische Ak- fluß auf die Bodeneigenschaften und
tivität und behindert die Durchwurze- ihr Verhalten am Standort haben. Das
Um der Vegetation einen guten Start lung des Bodens. sind:
und eine schnelle Etablierung zu er- DIN 18915 weist deshalb ausdrück-
möglichen, wird meistens eine Vorrats- lich darauf hin, daß der gestörte Ober- 1. Korngrößenverteilung
düngung gegeben. Bei Gutachten wer- boden im Regelfall nach Baumaßnah- 2. Plastische Eigenschaften und Konsi-
den häufig nur die Rein-Nährstoff- men einer Regenerationszeit bedarf stenz
mengen genannt, so daß man jeweils (5.1.1). Gegebenenfalls ist diese Rege- 3. Wasserdurchlässigkeit
bezogen auf den Dünger, den man ver- neration durch Zusatzmaßnahmen ein- 4. Grundwasserstand
wenden will, eine Umrechnung zur Be- zuleiten. Dazu gehört zunächst die 5. Gehalt an organischer Substanz
6. Bodenreaktion
rechnung der wirklich auszubringenden Lockerung der Böden, damit Luft über 7. Nährstoffgehalt
Düngermenge vornehmen muß. Grobporen in den Boden gelangt. Die In den folgenden Beispielen sollen aber
Beispiel für eine Umrechnung von wichtigste und effektivste Maßnahme nur die Kornverteilung und die plasti-
Rein-Nährstoff auf einen Handelsdün- ist die Zugabe von organischer Sub- schen Eigenschaften als Grundlage für
ger: stanz zur Förderung der Mikroorganis- eine Bewertung herangezogen werden,
Es sollen mit »Rustica rot 13:13:21« mentätigkeit. Dabei ist der Einsatz von weil aus ihnen schon die wichtigsten
10 g Rein-StickstofT gegeben werden. Kompost mit Rottegrad IV und V ge- Erkenntnisse gezogen werden können.
Umrechnung s. Seite 3/15 unten. eignet.
3.5.1 Bewertung aus der
Regeneration von Kornverteilung
gestörten Oberböden I.Kurve l (Abb. 3.5.1/1)
Von besonderer Bedeutung ist für den a) Bodenart nach DIN 4022:
Garten-, Landschafts- und Sportplatz- Ton/Schluff- T/Su, da 50 Prozent Ton
bau die Förderung der Mikroorganis- und 50 Prozent SchlufT.
102 Bodenarbeiten

b) Bodengruppe nach DIN18 915: i) Vegetationstechnische Bewertung: b) Bodengruppe nach DIN 18 915:
Bodengruppe 8 - stark bindiger Boden, Der Boden bietet wegen seines Bodengruppe 8 - stark bindiger Boden,
da Anteil der Körner d < 0,02 mm schlechten Wasser- und Lufthaushaltes da Anteil der Körner d < 0,02 mm
100 Prozent. schlechte Wachstumsvoraussetzungen. 46 Prozent.
Ein ausreichend gutes Feinplanum ist
c) V-Wert: nur unter großen Schwierigkeiten und c) U-Wert:
Ohne Bedeutung, da rein bindiger Bo- nur unter Beachtung des richtigen Was- Ohne Bedeutung, da bindiger Boden.
den. sergehaltes möglich. Beim Bewässern
dringt Wasser nur langsam in den Bo- d) Allgemeine Ansprache:
d) Allgemeine Ansprache: den ein. Bei Einbau auf geneigten Flä- Ein Boden, dessen Verhalten vom
Ton und FeinschlufT bestimmen das chen fließt Wasser schnell ab und geht Schluff und Feinsand bestimmt wird.
Verhalten des Bodens. Daher besitzt der den Pflanzen verloren. Für belastbare Der Boden ist extrem wasserempfind-
Boden einen sehr geringen Anteil an Flächen ist der Boden ungeeignet, für lich. Er nimmt Tagwasser sehr schnell
Grob- und Mittelporen, dafür aber ei- Vegetationsflächen mit allgemeiner Be- auf, gibt das Wasser im Vergleich zu
nen sehr hohen Anteil an Feinstporen. pflanzung bedingt geeignet, für Moor- Boden l auch wieder schnell ab. Der
Die Wasseraufnahme erfolgt deshalb beetpflanzen ungeeignet. Boden neigt bei Bodenbearbeitung in
ebenso langsam wie die Wasserabgabe. zu feuchtem Zustand zu Schiuffverla-
k) Was der Planer beachten muß: gerung an die Oberfläche und zur Um-
e) Technische Bearbeitbarkeit: — Überlegen, ob ein solcher Boden lagerung aus Haufengefüge zu plattiger
Der Boden krümelt nur bei einem überhaupt verwendet werden soll Lage.
Wassergehalt, der dem Wassergehalt wegen seiner schlechten vegetations-
bei Ausrollgrenze oder niedriger ent- technischen Eigenschaften. e) Technische Bearbeitbarkeit:
spricht. Bei höherem Wassergehalt wer- — Bei Verwendung sollte vor dem Ab- Der Boden krümelt nur bei einem Was-
den durch eine Bearbeitung Grob- und tragen aufgekalkt werden, um Struk- sergehalt, der dem Wassergehalt bei
Mittelporen verschmiert. Dadurch tritt turverbesserungen einzuleiten. Ausrollgrenze oder niedriger entspricht.
zusätzlich noch eine Verschlechterung — Organische Substanz, sofern sie Bei höheren Wassergehalten werden,
des ohnehin schon schlechten Wasser- langfaserig ist, verbessert das Ver- sofern der Boden dann bearbeitet wird,
haushaltes ein. Bei wesentlich gerin- halten des Bodens gegenüber Was- Grob- und Mittelporen verschmiert. Die
gerem Wassergehalt in der Nähe der ser und kann langfristig durch Er- Schiuffverlagerung an die Oberfläche
Schrumpfgrenze ist der Boden nur mit höhung des Grobporenanteils eine verhindert u. U. eine schnelle Austrock-
sehr großem Kraftaufwand bei schlech- Strukturverbesserung einleiten. nung. Infolge enger Konsistenzgren-
ter Krümelung bearbeitbar. — Auf keinen Fall kurzfristige Termine zen sind Erosionen und Abfließen von
setzen. angedeckten Böschungen zu erwarten.
f) Terminliche Bearbeitbarkeit: — Auf abflußlose Senken schon bei Innerhalb der Bearbeitbarkeitsgrenzen
Bearbeitung zu falschem Zeitpunkt, der Planung verzichten und ausrei- bietet der Boden keine besonderen
z.B. Nässe und Regen, führt u.U. zu chende Vorflut einplanen. Schwierigkeiten.
vollkommenem Stillstand der Bodenar- — Den Boden auf keinen Fall für belast-
beiten für lange Zeit, da einmal auf- bare Vegetationsflächen verwenden. f) Terminliche Bearbeitbarkeit:
genommenes Wasser nur sehr lang- Der Boden ist wegen seines hohen
sam wieder abgegeben wird. Wenn die l) Was der Ausführende beachten muß: Schluff- und Feinsandanteiles extrem
Regeln des Erdbaues beachtet werden, — Prüfen, ob die geforderten Termine wasserempfindlich. Der Übergang vom
d.h. Boden sofort nach der Schüttung unter Beachtung üblicher Witte- halbfesten in den steifen, weichen und
einbauen und Oberfläche schließen, rungsverhältnisse einzuhalten sind. breiigen Zustand erfolgt schon bei ge-
ständig für Vorflut sorgen, um stärkere Bei zu kurzen Terminen Bedenken ringen Regenfällen zum Teil schlagar-
Wasseraufnahme zu vermeiden, kön- anmelden. tig. Die Bodenbearbeitung muß dann,
nen längere Stillstandszeiten vermieden — Oberboden so aufsetzen, daß das sollen Schäden an der Bodenstruktur
werden. Kurzfristige Termine sind nicht Tagwasser schnell abfließen kann, vermieden werden, eingestellt werden.
möglich. evtl. auch Planen über das Oberbo- Das aufgenommene Wasser wird ver-
denlager legen. gleichsweise schnell wieder abgege-
g) Wasserdurchlässigkeit: — Angedeckten Oberboden so einpla- ben, so daß mit längeren Stillstands-
Der Boden ist praktisch wasserundurch- nieren, daß ständig Vorflut gegeben zeiten nach Regenfällen nicht gerechnet
lässig und auch durch Auflockerung we- ist. Den Boden nie locker liegen las- werden muß. Häufige, aber kurze Still-
nig zu verbessern, da nur klüftige Luft- sen, sondern sofort nach Lockerung standszeiten müssen aber eingeplant
einschlüsse entstehen, die bei Auflast oder Bodenverbesserung wieder an- werden. Durch sofortiges Schließen des
wieder geschlossen werden. Sehr vie- drücken und so gegen übermäßige Bodens und entsprechende Vorflut kön-
le Feinstporen. Bei mechanischer Bela- Wasseraufnahme schützen. nen die Folgen der Wasserempfindlich-
stung werden Grob- und Mittelporen — Prüfen, ob der Boden evtl. für belast- keit etwas gemildert, aber nicht aufge-
weiter verringert. bare Vegetationsflächen vorgesehen hoben werden.
ist. In diesen Fällen Bedenken gel-
h) Wasserhaltevermögen: tend machen, weil der Boden für g) Wasserdurchlässigkeit:
Der Boden besitzt ein sehr hohes die vorgesehene Nutzung ungeeig- In ungestörtem Zustand kann die Was-
Wasserhaltevermögen, jedoch mit eng net ist. serdurchlässigkeit des Bodens gut sein.
begrenzter Pflanzenverfügbarkeit des Bei Bodenbewegung in zu feuchtem Zu-
Wassers, da das in den Feinstporen ent- stand, d. h. bei Wassergehalten oberhalb
haltene Totwasser nicht pflanzenverfüg- 2. Kurve 2 (Abb. 3.5.1/1)
des Wassergehaltes bei Ausrollgrenze
bar ist. a) Bodenart nach DIN 4022: kann eine Schluffverlagerung an die
Stark sandiger Schluff -s Su, da 30% Oberfläche mit absoluter Wassersperre
Sand, 65 % Schluff und 5 % Ton. und eine Umlagerung aus Haufenge-
Beispiele für die Bewertung von Böden 103

füge zu plattiger Lagerung mit gleicher 3. Kurve 3 (Abb. 3.5.1/1) fen Bereich bearbeitet werden. Damit
Wirkung auf die Wasserdurchlässigkeit bleibt für die Bearbeitung ein weiterer
eintreten. Für belastbare Vegetations- a) Bodenart nach DIN4022: Zeitraum als bei rein bindigen Böden.
flächen ist die Durchlässigkeit nicht aus- Schluffiger Sand, da ca. 8 Prozent Ton,
reichend. ca. 24 Prozent Schluff und 68 Prozent g) Wasserdurchlässigkeit:
Sand. Aus dem Verlauf der Körnungskurve
h) Wasserhaltevermögen: alleine ist anzunehmen, daß dieser spe-
Das Wasserhaltevermögen dieses Bo- b) Bodengruppe nach DIN18 915: zielle Boden eine sehr geringe oder
dens ist gut, die Verfügbarkeit für Pflan- Bodengruppe 4, da Anteil der Körner gar keine Wasserdurchlässigkeit besitzt.
zen kann aber durch Feinstporenbil- d < 0,02 mm 18 Prozent (zwischen 10 Vor einer endgültigen Beurteilung muß
dung bei plattiger Lagerung erheblich und 20 Prozent). mindestens noch der Gehalt und die
gemindert werden. Art der organischen Substanz in Be-
c) U-Wert: tracht gezogen werden. Außerdem muß
i) Vegetationstechnische Bewertung:
U = 45. Der Boden ist sehr ungleichför- die Wasserdurchlässigkeit durch einen
Der Boden bietet bei richtiger Bearbei-
mig. Versuch überprüft werden.
tung relativ gute Voraussetzungen für
Vegetation auf unbelasteten Flächen. Er h) Wasserhaltevermögen:
d) Allgemeine Ansprache:
ist durch langfaserige organische Sub-
Der Boden ist gekennzeichnet durch ei- Das Wasserhaltevermögen dieses Bo-
stanz zu verbessern, vor allem dann,
nen relativ schwachen Kurvenanstieg dens ist gut, die Pflanzenverfügbarkeit
wenn durch Bearbeitung in feuchtem
im Ton- und Schiuffbereich, d.h. einer ist abhängig von der Dichte der Lage-
Zustand plattige Lagerung eingetreten rung des Bodens und der Menge und
sehr hohen Ungleichförmigkeit dieser
ist. Für belastbare Vegetationsflächen Art der organischen Substanz.
Bodenbestandteile, und einem relativ
ist der Boden ungeeignet. Seine extreme
steilen Kurvenanstieg im Sandbereich,
Wasserempfindlichkeit wird zu Erosio- i) Vegetationstechnische Bewertung:
was eine hohe Gleichkörnigkeit dieses
nen und Rutschungen an Böschungen
Bodenbestandteiles kennzeichnet. Der Der Boden wird, vor allem bei ent-
führen. sprechendem Gehalt an organischer
Tonanteil dieses Bodens ist relativ hoch.
Kurze Bautermine sind nicht einzu-
Wir haben es also mit einem unausge- Masse, gute Wachstumsvoraussetzun-
halten. Schon leichte Regenfälle erfor-
glichenen Kurvenverlauf zu tun. Abstra- gen für Vegetation bieten. Für belast-
dern Arbeitsunterbrechungen. Da sich bare Flächen ist er nach seinem Gehalt
hiert gezeichnet verläuft die Kurve bis
auch Bearbeitungsschäden eines gleich- an bindigen Bestandteilen eigentlich ge-
35 Prozent flach, danach steil. Wenn
artigen Unterbodens schädlich auf die eignet, aber eine Zugabe von langfaseri-
man jetzt bedenkt, daß das Porenvo-
Vegetation auswirken, müssen auch ger organischer Substanz ist dringend
lumen des Sandes zwischen 35 und
hier die Bearbeitbarkeitsgrenzen beach-
50 Volumen-Prozent beträgt, dann kann anzuraten und verbessert die Bodenei-
tet werden. genschaften sehr.
im ungünstigsten Fall bei dichter Lage-
k) Was der Planer beachten muß: rung das Porenvolumen des Sandes von
- Möglichst keine kurzfristigen Ter- Ton und Schluff ausgefüllt sein. Das k) Was der Planer beachten muß:
mine setzen. Den Bauherren auf die würde eine völlige Wasserundurchläs- — Eine Zugabe von Sand macht einen
Konsequenzen aus den schwierigen sigkeit hervorrufen, sofern man den Bo- bindigen Boden noch nicht wasser-
Bodenverhältnissen hinweisen und den als reines Mineralgemisch betrach- durchlässig. Der Sand muß aufgrund
auf die Folgen von Bauschäden, die tet. Solche Böden kommen in der Natur seiner Kornverteilung und auch von
durch zu kurze Termine eintreten aber nicht vor. Deshalb kann man hier der Menge her einen Erfolg verspre-
können. vermuten, daß es sich um ein künstli- chen.
- Boden möglichst nicht zum Andek- ches Gemisch aus einem bindigen Bo- — Abmagerung alleine reicht nicht. Es
ken von Böschungen verwenden. den und Sand handelt, wie es häufig muß vielmehr möglichst langfaserige
Wenn die Verwendung an Böschun- nach Magerung bindiger Böden vorliegt. organische Substanz zusätzlich ein-
gen unvermeidlich ist, den Einzugs- Aus dem Kurvenverlauf ist zu schlie- gebracht werden, um eine kapillare
bereich von Tagwasser so gering wie ßen, daß die Maßnahme vom Kurven- Leitfähigkeit und Strukturverbesse-
möglich halten und den Boden so- verlauf nicht viel Erfolg hatte. Der Er- rung einzuleiten.
fort durch Ansaat sichern. folg dieser Maßnahme ist aber auch ab- — Bei Böden, die gerade noch den
- Den Boden durch Zugabe von lang- hängig von dem Gefüge des bindigen Anforderungen der entsprechenden
faserigem Torf oder ähnlichen Pro- Bodens und der Menge und Form der Norm genügen, muß man bedenken,
dukten verbessern. organischen Masse, die beim Körnungs- daß in der Norm Mindestanforde-
- Abflußlose Senken vermeiden. diagramm natürlich nicht in Betracht rungen formuliert sind. Im Grenz-
- Boden nicht für belastbare Flächen gezogen werden kann. Eine endgültige bereich ist grundsätzlich Vorsicht ge-
verwenden bzw. ihn entsprechend Bewertung dieses Bodens ist deshalb boten.
verbessern. nur in Verbindung mit anderen Krite-
- Auch für den Unterboden die Ein- rien, insbesondere der Wasserdurchläs- l) Was der Ausführende beachten muß:
haltung der Bearbeitbarkeitsgrenzen sigkeit möglich. Gleichkörnige Sande, in zu geringer
fordern. Menge in bindige Böden eingebracht,
e) Technische Bearbeitbarkeit: können vom Schluff und Ton völlig um-
l) Was der Ausführende beachten muß: Der Boden bietet technisch keine we- mantelt und damit unwirksam gemacht
Für ihn gilt alles, was für Boden l gesagt sentlichen Schwierigkeiten, sein relativ werden. Erst wenn es gelingt, durch die
wurde, sinngemäß. Zusätzlich muß er hoher Tongehalt läßt eine gewisse Was- Art und Menge des Sandes den Anteil
beachten, daß die extreme Wasseremp- serempfindlichkeit erwarten. der Grobporen auf Dauer zu erhöhen,
findlichkeit des Bodens die Einhaltung ist mit einem bleibenden Erfolg zu
kurz gesetzter Termine besonders er- f) Terminliche Bearbeitbarkeit: rechnen. Der Ausführende sollte also
schwert, zumal auch erdbautechnische Der Boden ist nicht absolut wasserun- prüfen, ob sich mit der vorgesehenen
Maßnahmen kaum wirken. empfindlich. Er darf aber noch im stei- Menge und Körnung des Sandes die
104 Bodenarbeiten

beabsichtigte Wirkung erzielen läßt.


Sonst muß er Bedenken geltend ma-
chen.

Abb. 3.5.2/1 Kornverteilung der Böden, deren plastisches Verhalten bewertet wird
Beispiele für die Bewertung von Böden 105

f) Terminliche Bearbeitbarkeit:
Bei starkem Wasserzutritt verschmiert
der Boden zwar leicht, doch nach Ab-
trocknung ist eine Auflockerung erfolg-
reich. Bei Regen sind allerdings wegen
der schnellen Wasseraufnahme Schluff-
einspülungen und damit tiefreichende
Änderungen des Bodengefüges mög-
lich. Deshalb sollte frisch angedeckter
Oberboden sofort angedrückt werden.
Für eine gute Vorflut ist zu sorgen.
Abb. 3.5.2/3 Konsistenzgrenzen und Pla-
Kurze Termine führen zu Schwierigkei-
Abb. 3.5.2/2 Konsistenzgrenzen und Pla-
stizitätszahl des Bodens 2 (oben) stizitätszahl des Bodens 1 (unten) ten.

g) Wasserdurchlässigkeit:
Wenn eine Schiuffverlagerung durch
richtige Bodenbehandlung ausgeschlos-
h) Wasserhaltevermögen: 2. Boden 2 (Abb. 3.5.2/1 und 3.5.2/3) sen werden kann, ist der Boden ausrei-
Bei ordnungsgemäßer Verarbeitung ist chend wasserdurchlässig. Für belastete
trotz des hohen Anteils an Totwas- a) Bodenart nach DIN 4022: Flächen reicht das aber ohne zusätzli-
ser mit einer ausreichenden Menge Schluffiger Sand, da 21 Prozent Schluff, che Maßnahmen wie Sandzugabe oder
pflanzenverfügbaren Wassers zu rech- 70 Prozent Sand, 7 Prozent Kies. Der langfaserige Substanz nicht aus, weil
nen. Boden zeigt eine weite Stufung (U = 30). der Boden weitgestuft ist und die
Das Größtkorn liegt bei 4 mm. Gefahr der Schluffverlagerung besteht.
i) Vegetationstechnische Bewertung: Liegt feinverteilte organische Substanz
Der Boden ist für unbelastete Vegeta- b) Bodengruppe nach DIN 18 915: im Boden vor, ist mit einer unzurei-
tionsflächen geeignet. Langfaserige or- Bodengruppe 4, schwach bindiger Bo- chenden Wasserdurchlässigkeit zu rech-
ganische Substanz verbessert die Was- den, da Gehalt an Teilen d < 0,02 mm nen.
serdurchlässigkeit. Für belastbare Vege- 13 Prozent.
tationsflächen ist der Boden ungeeignet. h) Wasserhaltevermögen:
Bei Feuchtigkeitsaufnahme neigt der c) Kenngrößen für die plastischen Eigen- Der Boden besitzt ein ausreichendes
Boden bereits bei schwach geneigten schaften: Wasserhaltevermögen, das durch Zu-
Flächen zu Rutschungen. Er ist anfällig gabe von organischer Substanz noch
gegen Wasser- und Winderosion. verbessert werden kann. Sie darf nur
nicht fein sein.
k) Was der Planer beachten muß:
- Prüfen, ob der Boden überhaupt für i) Vegetationstechnische Bewertung:
den vorgehenen Verwendungszweck - Bodenklasse nach DIN 18 196: Wegen der weiten Stufung und Ver-
geeignet ist oder als störende Boden- Leicht plastischer Schluff, kein Hin- schlämmungsgefahr sollte der Boden
art nicht verwendet werden sollte. weis auf organische oder organogene für belastbare Flächen ohne Verbesse-
- Eine Bodenverbesserung in bezug Beimengungen. rung nicht verwendet werden. Für alle
auf die Wasserdurchlässigkeit ist anderen Vegetationsflächen ist er ge-
durch langfaserige organische Sub- d) Allgemeine Ansprache: eignet. Wegen einer gewissen Neigung
stanz oder/und Abmagerung mög- Der Boden besteht zur Hälfte aus Fein- zu hydrophobem Verhalten sollte er bei
lich. Die Belastbarkeit ist nur durch und Mittelsanden, ein Viertel stammt geneigten Flächen mit einer geschlos-
starkes Abmagern zu erhöhen. aus dem Schiuffbereich, der Rest ist senen Pflanzendecke versehen werden.
- Bei der Planung abflußlose Senken Grobsand und Feinkies.
und große horizontale Flächen ver- Der hohe Anteil an grober Substanz k) Was der Planer beachten muß:
meiden und Vorflut schaffen. Ero- erklärt die hohe Ausrollgrenze und die — Die Verbesserung der Tragfähigkeit
sionsgefahr durch flächenhafte Bo- niedrige Plastizitätszahl. Der Bodenan- und Durchlässigkeit ist nur durch
dendeckung mindern. teil < 0,4 mm weist aufgrund seiner Zugabe von Sand/Kies möglich. Die
Termine keinesfalls eng fassen, aus- Zusammensetzung eine große Menge Wasserhaltefähigkeit ist durch lang-
genommen sehr kleine Baumaßnah- Mittel- und Grobporen auf. Der halbfe- faserige organische Substanz zu er-
men oder kleine Einbaumengen. ste Bereich des Bodens ist extrem klein höhen.
(wp — ws = 3,3 Prozent). — Bei belastbaren Flächen abflußlose
l) Was der Ausführende beachten muß: Senken und große horizontale Flä-
- Prüfen, ob die gestellten Termine e) Technische Bearbeitbarkeit: chen ohne Bodenverbesserung ver-
einzuhalten sind bei diesem wasser- Wegen des hohen Mittel- und Grobpo- meiden.
empfindlichen Boden. renanteils kann der Boden sehr schnell — Für belastbare Flächen nur bedingt
- Oberboden bei Bodenlagern oder Wasser aufnehmen und abgeben. Er geeignet.
beim Einbau durch entsprechende kommt damit schnell vom festen/halb- — Kurze Termine können insbeson-
Profilierung oder leichtes Andrük- festen in den flüssigen Zustand. Er ist dere im Winterhalbjahr zu Schwie-
ken vor Durchfeuchtung schützen schon in halbfestem Zustand bearbeit- rigkeiten fuhren.
und immer für ausreichende Vorflut bar. Auch bei Wassergehalten niedriger
sorgen. als Schrumpfgrenze ist eine Bodenbear- l) Was der Ausführende beachten muß:
- Soll der Boden ohne Verbesserung beitung wegen der geringen Kohäsion Es gilt hier im Prinzip alles, was schon
für belastbare Vegetationsflächen ge- möglich. Ein Feinplanum läßt sich aber unter 1) gesagt wurde.
nutzt werden, Bedenken anmelden. gut nur im halbfesten Zustand herstel-
len.
106 Bodenarbeiten

3.6 Ausführung von 3.6.1.2 Roden von nicht die Übertragung der Verantwortung für
Oberbodenarbeiten wiederverwendbarem die Entsorgung an den Auftragnehmer
Aufwuchs ist nicht zulässig. Für das Bauwesen und
damit auch für Gartenämter, Land-
3.6.1 Abräumen des Baufeldes Dieser Aufwuchs ist einschließlich der schaftsarchitekten und den Garten-,
Hauptwurzeln zu roden, wenn nicht Landschafts- und Sportplatzbau regelt
Vor dem Gewinnen des Oberbodens ausnahmweise der Wurzelstock zur vor- DIN 18299 »Allgemeine Regelungen
muß das Baufeld so weit vorbereitet übergehenden Geländesicherung bei für Bauarbeiten jeder Art« Ausgabe
werden, daß der Oberboden ohne Ver- Straßenbauarbeiten im Boden verblei- Dezember 1992 das Verfahren. Texte
schlechterung der Qualität gewonnen ben soll. Benachbarter Bestand, der er- für Ausschreibungen sind in den Neufas-
werden kann. Als Vorarbeiten vor Ober- halten bleiben soll, muß sorgfältig ge- sungen der Standardleistungsbücher des
bodenabhub kommen in Frage: schont werden. Insbesondere ist der GAEB (Gemeinsamer Ausschuß Elek-
• Gewinnen von wiederverwendba- Fallwinkel von Bäumen darauf auszu- tronik für das Bauwesen) zu finden.
rem Aufwuchs richten.
• Roden von Aufwuchs, der nicht wie- Krautiger Bewuchs aus alten Gras- 3.6.1.4 Entfernen von ungeeigneten
der verwendet werden soll narben, Wiesen, Unkrautflächen oder Bodenarten
• Beseitigen von Baustoffresten und Heideflächen bildet beim Abräumen
Verunreinigungen große Fladen, die sich im Oberbodenla- Anstehender Oberboden kann für ei-
• Entfernen von ungeeigneten Boden- ger nicht zersetzen. Sie bilden dann spä- nen bestimmten Verwendungszweck
arten ter eine wesentliche Behinderung bei durchaus ungeeignet sein. Es lohnt
den weiteren Oberbodenarbeiten. Sol- sich dann nicht, ihn gesondert zu ge-
3.6.1.1 Gewinnen von cher Aufwuchs muß deshalb vor dem winnen. Er kann dann mit Unterboden
wiederverwendbarem Abschieben des Oberbodens zerkleinert entfernt werden, sofern Bodenbewegun-
Aufwuchs werden. Danach empfiehlt sich ein Be- gen vorgenommen werden. Ein Boden-
streuen mit Kalk, ein Abheben in 5 cm austausch jst immer dann notwendig,
Ein solcher Aufwuchs besteht aus Stau- Dicke und Aufsetzen zu einer geson- wenn der anstehende Boden für eine
den, Gehölzen, Bäumen, Vegetations- derten Kompostmiete. belastbare Fläche ungeeignet ist und
stücken und Rasen, deren Wiederver- auch nicht entsprechend aufbereitet
wendung sinnvoll erscheint. Da Bäume 3.6.1.3 Entfernen von werden kann. Ebenso verhält es sich
und Gehölze häufig lange Jahre auf die- Baustoffresten und dort, wo künstliche Standorte z. B. für
sem Standort ohne Verpflanzung ge- Verunreinigungen Moorbeetpflanzen hergestellt werden
standen haben, bleibt diese Wiederver- sollen.
wendung immer ein Wagnis. Dieses läßt Auf fast allen Baustellen sind noch die
sich verringern, wenn die Pflanzen in Materialreste anderer Handwerker, aber 3.6.2 Oberbodenabtrag und
der Wachstumsruhe herausgenommen auch Reste früherer Bebauung, Straßen
und sofort wieder aufgepflanzt oder auf- und Wege zu finden. Außerdem finden Oberbodenlagerung
geschult werden. Man sollte nur unbe- sich häufig Farbreste, Chemikalien und Oberboden soll von allen Bau- und
schädigte, im Freistand gewachsene Öle aus dem Baubetrieb anderer Ge- Baubetriebsflächen abgetragen werden,
Pflanzen aufnehmen. Jungpflanzen wer- werke. Alles das muß entfernt werden, um für vegetationstechnische Zwek-
den ohne Ballen unter Schonung der damit es den Oberboden nicht verun- ke erhalten zu bleiben, sofern sich
Wurzeln herausgenommen, sofort zu- reinigt. Ebenso muß natürlich auch ei- seine Wiederverwendung vegetations-
rückgeschnitten und ohne Zwischenein- ne Verunreinigung des Baugrundes vor technisch lohnt. Dieser Abtrag muß
schlag gepflanzt. Alle anderen Pflanzen Oberbodenauftrag beseitigt werden. So getrennt von allen anderen Erdbewe-
werden mit Ballen herausgenommen. sind Bauwerksreste wie z.B. Funda- gungen durchgeführt werden. Im Wur-
Dieser soll den dreifachen Durchmes- mente, Fundamente von Kranbahnen zelbereich von Bäumen, die erhalten
ser des Stammumfanges, gemessen 100 und Mischanlagen mindestens 50 cm bleiben sollen, darf Oberboden nicht
cm über dem Erdboden, besitzen. Die unter spätere Endhöhe abzutragen. Mit entfernt werden. Als Wurzelbereich gilt
Ballen werden durch Ballentuch gesi- Chemikalien und Ölen verunreinigte die Bodenfläche unter der Baumkrone
chert. Vegetationsstücke sollten mög- Böden müssen ganz ausgewechselt wer- zuzüglich 1,5 m nach allen Seiten.
lichst groß sein und den gesamten durch- den, weil Pflanzen darin nicht wachsen Oberboden darf beim Abtrag nicht
wurzelten Boden umfassen. können und evtl. Verunreinigungen des verschlechtert werden. Deshalb istz.B,
Rasen ist selten wieder verwendbar. Grundwassers eintreten können. die Abtragsfläche vorher zu säubern.
Soll er aber trotzdem gewonnen und Nach den Abfallwirtschaftsgesetzen Zur Werterhaltung trägt auch bei, daß
neu verlegt werden, muß er zuvor ge- der Bundesländer sind sämtliche Bau- die Bearbeitbarkeitsgrenzen beachtet
mäht werden. Dann schält man ihn in stellenabfälle ordnungsgemäß zu ent- werden. Der Oberboden ist dann ab-
der Regel mit einer Sodenschneidema- sorgen bzw. zu verwerten. Da die Ent- seits des Baubetriebes in Mieten zu
schine in einer Dicke von 1,5-2,5 cm, sorgungsverfahren für die verschiede- lagern, deren Höhe und Breite nicht
einer Breite von 30 cm und einer Länge nen Stoffe sehr unterschiedlich sind, vorgeschrieben ist. Ein Befahren der
von 167 cm ab. Auch Soden von 30 x müssen sie getrennt gesammelt werden. Mieten ist nur zulässig, wenn die
30 cm Breite und Länge sowie 2,5-4 cm Unter Verwertung versteht man das Bearbeitbarkeitsgrenzen eingehalten
Dicke sind üblich. Für die Weiterverar- Verarbeiten in einer Recyclinganlage zu werden. Am besten ist das Aufsetzen
beitung gilt dann das, was später über neuen Stoffen, z.B. Straßenbaumate- mit einem Bagger.
das Arbeiten mit Rollrasen gesagt ist. rialien oder Kompost. Verantwortlich Wenn der Oberboden längere Zeit la-
für das Verfahren bis zur endgültigen gern soll, wird eine Umzäunung und
Entsorgung auf einer Deponie bzw. eine Einsaat mit Pflanzen für eine Zwi-
Recyclinganlage ist der »Besitzer« die- schenbegrünung empfohlen. Bindige
ser Stoffe, also der Bauherr. Eine Eigen- Oberböden sollten mindestens einmal
tumsübertragung und damit verbunden im Jahr umgesetzt werden.
Ausführung von Oberbodenarbeiten 107

3.6.3 Unterboden bea r beitu ng


Der Baugrund ist sowohl bei techni-
schen als auch bei vegetationstechni-
schen Maßnahmen als ein wesentliches
Glied der Gesamtkonstruktion zu be-
trachten. Während bei bautechnischen
Maßnahmen, z.B. zur Herstellung von
Wegen und Plätzen, eine hohe Verdich- Schüttebene, gelockerter Baugrund Transport- und Verteilebene, Vegetationsschicht
tung notwendig ist, muß eine solche
Abb. 3.6.4.1 Oberbodenandeckung »Vorkopf«, wobei die bereits angedeckte
Verdichtung unter Vegetationsflächen
Vegetationsschicht als Transportebene benutzt wird
unerwünscht sein. Bäume und Groß-
sträucher nehmen mit einem Großteil
ihrer Wurzeln den Unterboden in An-
spruch und müssen deshalb dort Bedin- 3.6.4 Oberbodenauftrag 3.6.5 Oberbodenverbesserung
gungen vorfinden, die ein Einwurzeln und Düngung
erlauben und Pflanzenernährung und Nach der Lockerung des Baugrundes
Atmung zulassen. wird der Oberboden, der auf Mie- Wenn der Oberboden nicht den An-
Deshalb fordert DIN 18915 Vegeta- ten lagerte, aufgetragen. Dabei müssen forderungen entspricht, die wegen der
tionstechnik im Landschaftsbau, Bo- die Bearbeitbarkeitsgrenzen eingehal- vorgesehenen Vegetation an ihn ge-
denarbeiten, daß Kornzusammenset- ten werden, die wie folgt definiert sind: stellt werden müssen, wird jetzt eine
zung, Lagerungsdichte und Wasser- 1. Schwachbindige Böden der Boden- Bodenverbesserung in der in früheren
durchlässigkeit an den Oberboden an- gruppen 4 und 5 dürfen nur bei einer Kapiteln beschriebenen Form vorge-
gepaßt sein sollen, wenn der Unter- Konsistenzzahl I c ^ 0,75 bearbeitet wer- nommen. Es werden also Stoffe zur
boden als Wurzelraum für Pflanzen den. Abmagerung oder zur Verbesserung der
dienen soll. 2. Bindige Böden der Bodengruppen 6 Wasserhaltefahigkeit und Dünger als
Da auch der Unterboden durch fal- bis 9 dürfen nur bei einer Konsistenz- Start- und Vorratsdüngung aufgetragen
sche Bearbeitung, d. h. bei Bewegung in zahl bearbeitet werden. und eingebracht, gegebenenfalls in Ver-
zu feuchtem Zustand in seinem Poren- 3. Für Böden der Bodengruppe 2 und 3, bindung mit der anschließenden Locke-
aufbau gestört oder zerstört wird, wird das sind nichtbindige Böden, gibt es rung (siehe 3.4ff.)
man zweckmäßigerweise auch für ihn keine Beschränkungen.
die Bearbeitungsgrenzen anwenden, die Für den Praktiker bedeuten diese Vor- 3.6.6 Oberbodenbearbeitung
in Kapitel 3.6.4 für Oberboden genannt schriften, daß der Boden nur bearbeitet
sind. Im allgemeinen haben wir es aber werden darf, wenn er krümelt. Dann hat Ziel der Oberbodenbearbeitung ist es,
mit einem stark verdichteten Baugrund er eine Konsistenz, bei der seine Eigen- den Oberboden in einen kulturfähigen
zu tun. Dieser muß vor Oberbodenauf- schaften nicht mehr als unvermeidbar Zustand zu versetzen und die erforder-
trag über die ganze Fläche hin tief- verschlechtert werden. liche Planumsgenauigkeit herzustellen.
gründig, mindestens aber 20 cm tief, Weiter darf durch den Oberbodenauf-
gelockert werden. Besondere Bodenver- trag der Lagerungszustand des Bau- 3.6.6.1 Lockerung
dichtungen, Baustraßen, Ortsteinbil- grundes, d.h. seine lockere Lagerung
dungen u.a. können auch noch tiefere nach dem Aufreißen, nicht verändert In der Mehrzahl der Fälle ist der Ober-
Lockerungen erforderlich machen. Spu- werden. Er soll also nicht mehr befah- boden durch Auftrag und Verteilen
ren dürfen nicht unbearbeitet bleiben. ren werden. verdichtet worden. Diese Verdichtung
Während dieses Arbeitsganges soll der Heute hat sich als Arbeitsverfahren ist durch Bearbeiten mit Spaten, Grub-
Boden krümeln, d.h. er darf nicht naß zum Auftragen des Oberbodens der ber, Fräse, Scheibenegge u.a. zu behe-
sein und bei der Bearbeitung verschmie- »Vorkopfeinbau« durchgesetzt. Dabei ben. Im Zuge dieser Arbeiten werden
ren. wird die bereits angedeckte Vegeta- Bodenverbesserungsstoffe und Dünger
Diese Lockerung bedeutet zunächst tionsschicht als Transportebene benutzt eingearbeitet.
einmal nur eine Klüftung des Bodens, (Abb. 3.6.4). Dabei geht man von der Wir unterscheiden wendende und
die jedoch je nach Ausgangsstruktur Überlegung aus, daß sich die Verdich- lockernde Bodenbearbeitung. Die wen-
und Textur des Bodens der Beginn ei- tungen durch den Transportbetrieb nur dende Bodenbearbeitung geschieht
ner langsamen Strukturverbesserung bis etwa 20 cm Tiefe auswirken. Diese durch Pflügen oder Graben. Beim Gra-
sein kann. Die Wiederherstellung des Verdichtungen sind dann durch nach- ben unterscheidet man nach der Tiefe
Ursprungzustandes ist durch dieses trägliche Lockerungs- und Kulturmaß- der Bearbeitung.
Aufreißen nicht mehr möglich. nahmen weitgehend wieder aufzuhe- 1. Umgraben. Tiefe etwa 20 cm. Meist
Das Planum des Baugrundes wird in ben, wenn während der Transportarbei- nur noch auf Restflächen angewandt
seiner Genauigkeit von der Dicke der ten die Bearbeitbarkeitsgrenzen beach- und zum Unterarbeiten von Unkraut.
darüber aufzubringenden Oberboden- tet wurden. 2. Holländern. Tiefe etwa 30-40 cm
schicht bestimmt. Eine Abweichung Die Dicke von Vegetationsschichten (zwei Spatenstich). Dabei wird der Bo-
von der Planhöhe soll nicht mehr als richtet sich nach der Art der vorge- den der obersten Schicht umgeworfen
25 Prozent der Dicke der darüberliegen- sehenen Vegetation, aber auch nach und die untere Schicht gelockert.
den Schicht, höchstens aber 5 cm, be- anderen örtlichen Gegebenheiten wie 3. Rigolen. Tiefe etwa 60 bis 65 cm (drei
tragen. Geländeneigung, Lage der Fläche oder Spatenstich). Es muß dabei so gearbei-
Beschaffenheit des Baugrundes. Für tet werden, daß jede Schicht in derglei-
Rasenflächen kann man von 5 bis 15 cm chen Ebene liegenbleibt.
dicken Schichten auskommen, bei Stau- In der Regel wird heute die Locke-
den- und Gehölzflächen sind 25 bis rung mit Maschinenarbeit vorgenom-
40 cm dicke Andeckungen üblich.
108 Bodenarbeiten

men. Dabei werden folgende Arbeits- Strukturschäden und Verschlechterun- 3.6.6.3 Oberflächenschutz durch
weisen unterschieden: gen zu vermeiden. Einsaaten
1. Pflügen. Die Pflugarbeit lockert, wen- Ebenso wie bei der Untergrundlocke-
det und mischt den Boden. Sie ist rung erfolgt auch bei dieser Lockerung Aus jahreszeitlichen Gründen können
im Landschaftsbau stark in den Hin- lediglich eine Klüftung, die die Voraus- Pflanzarbeiten nicht immer unmittel-
tergrund getreten, da die Lockerung setzung für eine langfristige Verbesse- bar an die Bodenbearbeitung anschlie-
mit anderen Geräten schneller erfol- rung des Bodens schafft. Die Klüftung ßen. Gleiches gilt auch für Rasen-
gen kann. Das Pflügen eignet sich gut führt aber auch dazu, daß der Boden einsaaten. In der Zwischenzeit keimen
zum Einarbeiten von Gründüngung sehr schnell Wasser aufnimmt. Bei bin- vor allem viele Krauter, aber auch Bo-
und zum Umbruch stark verunkraute- digen Böden tritt dadurch häufig der denerosionen treten auf. Deshalb soll
ter Flächen. Fall auf, daß die Flächen nach Regenfäl- man den Boden durch Zwischensaaten
2. Grubbern. Grubber werden zum tie- len im Anschluß an die Lockerung so schützen. Man bezeichnet Maßnahmen,
fen und groben Lockern von Vegeta- stark durchfeuchtet sind, daß sie für län- die diesen Zwischenraum überbrücken,
tionsflächen benutzt. Sie sind besonders gere Zeit nicht mehr bearbeitbar sind. als Oberflächenschutz.
zur Aufbereitung bindiger Böden geeig- Pflanzungen und Raseneinsaaten sind Müssen nur wenige Wochen über-
net, weil deren Struktur dabei weniger dann erst wieder möglich, wenn der Bo- brückt werden, wird man auf ebenen
gestört wird als beim Fräsen. In der Re- den soweit abgetrocknet ist, daß er bei oder wenig geneigten Flächen kei-
gel folgt dem Grubber ein Eggenstrich. der Bearbeitung krümelt. Bei wasser- mende Unkräuter durch Hacken, Eg-
Grubber können starre oder halbstarre empfindlichen bindigen Böden muß gen, Fräsen, Grubbern o. ä. im Abstand
Zinken haben. deshalb sofort nach der Lockerung ein von vier Wochen beseitigen.
3. Eggen. Sie werden im Anschluß an Bodenschluß in der Weise hergestellt Bei Überbrückungszeiträumen über
Pflug- und Grubberarbeiten zum Krü- werden, daß Niederschlagswasser zu- acht Wochen wird man schon eine Zwi-
meln und Lockern von Saatflächen be- mindest in größeren Teilen oberfläch- schenbegrünung mit Pflanzen vorneh-
nutzt. Es gibt eine Vielzahl von Ge- lich abgeführt wird. Die Flächen sind men, die in Tabelle A 12.4 im Anhang
räten, angefangen von der Egge mit deshalb sofort wieder anzudrücken und aufgeführt sind. Die Wahl der zur Zwi-
starren Zinken über Scheibeneggen hin so schnell wie möglich ins Feinplanum schenbegrünung verwendeten Pflanzen
zu Rütteleggen. zu legen. ist vom zu überbrückenden Zeitraum
4. Fräsen. Fräsen übernehmen heute und von der Bodenart abhängig. Gegen-
weitgehend die Kulturarbeit im Land- 3.6.6.2 Planum über einer rein mechanischen Sauber-
schaftsbau. Die horizontal auf zwei haltung einer Fläche hat die Zwischen-
Laufrädern oder Kufen angeordnete Ar- Der Verwendungszweck bestimmt die begrünung die Vorteile, daß der Bo-
beitswelle ist mit hakenförmigen und Höhengenauigkeit und die Ebenflächig- den stärker erschlossen, mikrobielle
abgewinkelten Messern bestückt, die keit des Planums. Deshalb werden in Vorgänge im Boden eingeleitet und ge-
den Boden und Bodenverbesserungs- den Normen des Landschaftsbaues fördert, organische Substanz und bei
mittel in kleinen Teilen losreißen und auch keine Regeln dafür aufgestellt. Verwendung von Leguminosen auch
hinter das Gerät schleudern. Dadurch Der Landschaftsarchitekt muß seine Stickstoff dem Boden zugeführt und
wird eine gleichmäßige Krümelung und Vorstellungen im Leistungsverzeichnis Unkräuter unterdrückt werden. Die
Vermischung erreicht. Die Arbeitstiefe niederlegen. Die höchsten Ansprüche Zwischensaat erfordert aber als zusätz-
reicht etwa bis 25 cm. Bei einigen Gerä- werden im Sportplatzbau gestellt. Dort liche Arbeit das Mähen, Unterarbeiten
ten kann der Boden durch Regelung der wird eine Höhengenauigkeit von 2 cm und erneutes Planieren.
Rotordrehzahl grob gekrümelt oder in verlangt. Das bedeutet, daß nicht mehr
ein gartenmäßig feines Saat- und Pflanz- als 2 cm nach oben und unten von der
bett verwandelt werden. Werden Frä- Planhöhe abgewichen werden darf. Bei 3.7 Anwendungsbeispiel
sen auch für bindige Böden eingesetzt, den üblichen Flächen im Landschafts- für den Garten K.
so sollten sie mit verminderter Rotor- bau wird man meistens auf solche Fest-
drehung arbeiten, um keine zu großen legungen verzichten. Anders verhält es Für den Hausgarten K. sollen die
Strukturschäden zu verursachen. sich aber mit der Ebenflächigkeit. Es nachfolgenden Voraussetzungen gelten
Die Lockerung muß mindestens die geht dabei um den Umfang von Vertie- (Abb. 3.7/1). Die Ursprungshöhe des
ganze Vegetationsschicht erfassen, ver- fungen, die sich noch im Planum befin- Geländes liegt bei NN 10,00 m. Es steht
tikal und horizontal gleichmäßig bis zur den. Man mißt dabei unter einer 4 Me- ein Oberboden in 30 cm Dicke an, der
vorgeschriebenen Tiefe erfolgen und ter langen Latte, welche Vertiefung als schwachbindiger Boden (Kornver-
auch die Spuren der Maschinen erfas- sich zwischen zwei Auflagepunkten teilung nach Kurve 2 aus Abb. 3.5.2/1)
sen. Stärker als 1:1,5 geneigte Flä- zeigt. Wiederum im Sportplatzbau wer- einzustufen ist. Er hat zudem rd. 2,3%
chen werden für eine Raseneinsaat nur den mit 2 cm unter der 4-m-Latte die organische Bestandteile.
angerauht und für Pflanzungen über- höchsten Anforderungen gestellt. Bei Dann folgt ein Unterboden gleicher
haupt nicht flächenhaft gelockert. Hier Landschaftsbauarbeiten wird, wenn der Struktur in 70 cm Dicke, der aber keine
beschränkt sich die Lockerung nur auf Ausschreibende nicht höhere Anforde- organischen Bestandteile aufweist. Er
das Pflanzloch. rungen stellt, bei Pflanzflächen eine geht dann in einen stark bindigen Un-
Gelockerte Flächen müssen sich vor Ebenheit von 5 cm, bei Gebrauchs- terboden über, der eine Kornverteilung
der Raseneinsaat und Pflanzung so weit rasen, Strapazier- und Zierrasen 3> cm nach Kurve 1 in Abbildung 3.5.2/.1 hat.
gesetzt haben, daß Beeinträchtigungen und bei Landschaftsrasen 5 cm unter Die plastischen Eigenschaften dieser
des Anwachsens oder der Keimung we- der 4-m-Latte verlangt. Die Anschlüsse Böden sind in den Abbildungen 3.5.2/2
gen mangelnden Bodenkontaktes aus- an Kanten, Belägen und ähnlichem sol- und 3.5.2/3 gezeigt.
geschlossen sind. Ein Vermischen mit len bündig sein oder dürfen nach unten Den Bauablauf muß man sich jetzt so
den darunterliegenden Schichten darf bei Rasenflächen 2 cm, bei Pflanzflä- vorstellen, daß als erstes der Oberboden
nicht oder nur in einem vorher festge- chen 3 cm abweichen. Die für das Her- abgeräumt und auf einer Miete gelagert
legten Umfang erfolgen. Die Bearbeit- stellen der Ebenheit erforderliche Lei- wird, die möglichst weit vom eigentli-
barkeitsgrenzen sind einzuhalten, um stung wird Feinplanum genannt. chen Ort des Bauens entfernt liegen soll,
Anwendungsbeispiel für den Garten K. 109

Abb. 3.7/1 Geländehöhen im Hausgarten K.

damit er während der Bauzeit nicht ver- starke Verschlechterungen seiner Ei- aber hier der gesamte Bauverkehr ein-
unreinigt werden kann. Das Abtragen genschaften, wenn er in einem ungeeig- schließlich Materiallagerung stattfindet,
des Oberbodens ist deshalb nötig, weil neten Feuchtezustand bewegt wird oder wird dieser Boden mit anderen nicht-
das Haus mit seiner Oberkante Fußbo- Wasser auf ihn einwirken kann. Er sollte bindigen Baustoffen vermischt. Die
den Erdgeschoß (OK FE) 1,05 m über auf jeden Fall nur bei trockenem Wetter Sauberkeitsschicht des Wegeaufbaues
der ursprünglichen Höhe liegen soll, da- gelöst und eingebaut werden. Wird das muß dann zugleich als Frostschutz-
mit einmal das Wasser vom Hause weg- nicht beachtet, baut sich der Bauherr schicht die Frostsicherheit herstellen.
laufen und der Kanalanschluß ohne von Anfang an Bodenprobleme in den Sobald die Bauarbeiten am Hause so-
Förderpumpe im Hause bewerkstelligt Untergrund. Besonders gravierend sind weit abgeschlossen sind, daß die Ve-
werden kann. Das Gelände um das Haus dabei Bodenverdichtungen und ein da- getationsflächen nicht mehr belaufen
herum soll nun nach den Plänen des durch ausgelöster Wasserstau in der Ve- oder als Lagerflächen verwendet wer-
Landschaftsarchitekten 15 cm unter OK getationstragschicht. den, wird mit der Herstellung der Au-
FE liegen, was einer Stufe vom Haus in Wie kann man nun Verschlechterun- ßenanlagen begonnen. Erste Arbeit ist
den Garten entspricht. Für den Keller gen wirtschaftlich vermeiden? Am be- das Entfernen von Schuttresten und
werden insgesamt 380 m3 Boden ausge- sten wäre es natürlich, den schwach bin- sonstigem Unrat, der noch auf den Flä-
hoben und zur Auffüllung des Geländes digen Unterboden nach Kurve 2 auch chen liegt. Dann muß das endgültige
verwendet. Da insgesamt rd. 650 m3 be- teilweise abzutragen, damit der stark Profil der Flächen geformt werden.
nötigt werden, wird man diesen Boden bindige Boden der Kurve l wieder auf Dazu wird man bei einem solchen Gar-
zunächst dort einbauen, wo später be- gleichem Boden aufgetragen werden ten in der Regel einen Radlader einset-
sondere Schwierigkeiten bei der Anfuhr kann. Doch das wäre teuer. zen. Um eine Verdichtung des Bodens
und dem Einbau fremden Bodens be- So fragen wir, an welcher Stelle die- mit den schädlichen Folgen zu vermei-
stehen, also im hinteren Gartenteil. ser Boden gefahrlos eingebaut werden den, sollte er nur bei trockenem Wetter
Der Aushub besteht also aus könnte. Aus dem Plan des Landschafts- und trockenem Boden eingesetzt wer-
schwachbindigem Boden der Körnungs- architekten geht hervor, daß hinter dem den. Eine Verkehrsbelastung ist nur in
kurven 2 und starkbindigem Boden der Haus ein Spielrasen angelegt werden der Einfahrt vorgesehen. Die anderen
Körnungskurve 1. Es kann nun passie- soll. Würden wir unter diese Fläche Flächen dienen überwiegend der Vege-
ren, daß Boden der Kurve 2 auf den den stark bindigen Unterboden einbrin- tation und untergeordneten Wegeflä-
gleichen Boden aufgetragen wird. An gen, dann hätten wir uns gleich Proble- chen im Garten. Für die Vegetation ist
anderer Stelle aber kann dieser Boden me mit der Entwässerung eingehandelt. eine Verdichtung des Unterbodens im
von dem Boden der Körnungskurve l Dort geht es also nicht. Bleiben also im Grundsatz unerwünscht. Der Boden
überlagert werden, so daß dort nach hinteren Gartenteil nur die Pflanzflä- wird sich zunächst selbst durch sein Ei-
Oberbodenauftrag folgende Schichtung chen, die die Abpflanzung aufnehmen gengewicht setzen. Deshalb werden nur
auftritt: sollen. Sie sind nach außen hin geneigt. die Wegeflächen innerhalb der Garten-
Oberboden (30 cm) Wasser kann also oberflächlich abflie- fläche vor dem Einbringen der Trag-
stark bindiger Unterboden nach Kurve l ßen. Ideal bleibt eine solche unnatürli- schicht verdichtet. Der Unterboden un-
(90 cm) che Schichtung trotzdem nicht, denn ter Vegetationsflächen aber soll mög-
schwach bindiger Unterboden nach wenn so unterschiedliche Böden auf- lichst locker gelagert bleiben. Trotzdem
Kurve 2 (70 cm) einandergeJagert werden, entstehen Po- wird er bei einem solchen Grundstück
stark bindiger Unterboden nach Kurve l rensprünge, die die Luft- und Wasser- während der Bauzeit immer wieder be-
Das ist eine unnatürliche Schichtung, führung stark beeinträchtigen. Diese laufen und bei der Profilierung auch
die je nach Nutzung der Fläche Schwie- negativen Auswirkungen kann man aber verdichtet. Er muß deshalb vor dem
rigkeiten bringen kann. Die Eigenschaf- durch entsprechende Baumaßnahmen Auftragen des Oberbodens gut gelok-
ten dieser Böden sind schon in Kapitel mildern. kert werden. Diese Lockerung soll ins-
3.5.2 beschrieben worden. Der schwach Bei den Vegetationsflächen entschei- besondere eine gute Verzahnung mit
bindige Boden macht uns eigentlich den wir uns also dafür, den Aushub der dem Oberboden bringen, der nach der
keine großen Schwierigkeiten. Weil er ersten 70 cm des Unterbodens zur Auf- Lockerung aufgetragen wird. Diese Ver-
aber schnell Feuchtigkeit aufnimmt, füllung der zukünftigen Spielrasenflä- zahnung ist besonders dort nötig, wo
dürfen die Erdarbeiten nur bei trocke- che, den weiteren Aushub zur Auffül- der Oberboden auf dem stark bindigen
nem Wetter durchgeführt und nach lung des Randbereiches zu verwenden. Unterboden liegen wird. Durch die Ver-
dem Einbau muß für ein gutes Gefalle Was dort nicht untergebracht werden zahnung werden die Auswirkungen von
zur Entwässerung gesorgt werden. Viel kann, kommt unter die zukünftigen We- Porensprüngen gemildert. Was tech-
schwieriger ist der stark bindige Boden geflächen der Einfahrt. Damit handeln nisch zu dieser Zeit nicht gelöst werden
nach Kurve 1. Er ist extrem feuchte- wir uns zwar einen frostempfindlichen kann, muß man dann dem Wirken der
empfindlich. Damit verbunden sind Untergrund für diese Flächen ein, da Natur überlassen, wenn einmal eine Be-
110 Bodenarbeiten

Pflanzung vorgenommen worden ist. 5. Oberboden für die höherwertige wäre z.B. eine Ebenheit von 2 cd
Betrachten wir nun weiter die im Pflanzung mit organischen Boden- gemessen unter einer 4 Meter lan-|
Hausgarten vorgesehenen Vegetations- verbesserungsmitteln (Rinden- gen Latte, für die Rasenfläche. Die
flächen: humus, Torf o.a.) verbessern und Anschlüsse an Wegeflächen sollten
a) Da gibt es Flächen mit aufwendiger möglichst auch mit Zwischenbegrü- 2 cm tiefer liegen, weil das eingesäte
Pflanzung mit Stauden und Rosen in nung aktivieren. Gras ja auch immer eine Wuchshöhe
der Nähe des Wohnzimmers und im 6. Den Oberboden für die Spielrasen- von mindestens 4 cm aufweist und
Staudenbeet, fläche nach dem Auftragen mit im Laufe der Jahre sich die Rasenflä-
b) weiter Gemüse- und Kräuterbeete, 3-4 cm Sand der Körnung 0-4 mm che durch die Bildung von Rasen-
c) Abpflanzungen mit standortgerech- mit nur geringen abschlämmbaren filz, auf der Fläche verbleibendes
ten Gehölzen sowie Teilen andecken und diese Schicht Schnittgut und gelegentliche Über-
d) Spielrasenflächen. etwa 10 cm tief mit dem anstehenden sandungen hebt. Der Rasen legt sich
Der Oberboden, der uns auf dem Oberboden vermischen. Damit wird dann wie ein Wulst über die Platten-
Grundstück zur Verfügung stand, ist als die Rasentragschicht belastbarer. fläche. Das sieht nicht sehr gut aus .
schwach bindiger Boden für normale 7. Alle Flächen sollten dann noch ei- Man wird solche Wülste später im-
Pflanzflächen voll geeignet, hat aber ne Nährstoffanreicherung mit 70 g mer wieder durch Abstechen ent-
für belastbare Vegetationsflächen (Spiel- eines mineralischen Mehrnährstoff- fernen müssen. Bei Pflanzflächen
rasen) zu viele bindige Bestandteile. düngers in der Zusammensetzung wird man in einem Hausgarten keine
Deshalb wird der Landschaftsarchitekt 12:12:17:2 (NPKMg) erhalten. Da- besonderen Anforderungen stellen
dem Bauherrn folgende Vorschläge ma- bei kann einer dieser Nährstoffe u. U. und als fachgerechte Arbeit verlan-
chen: in einer unnötig hohen Menge gege- gen, daß die Anschlüsse an Wegen
1. Oberboden sorgfältig gewinnen bei ben werden. Das ließe sich nur aus- oder anderen Kanten ebenflächig
trockenem Wetter und die Miete mit schließen, wenn man vorher eine hergestellt werden.
Lupine einsäen. Nährstoffanalyse durchgeführt hätte.
2. Den Unterboden in der vorerwähn- Da man aber bisher nur unvollstän- Literatur
ten Weise verteilen und bei anzulie- dige Kenntnisse über den spezifi- DIN 18 915 Vegetationstechnik im Land-
ferndem Unterboden darauf achten, schen Nährstoff bedarf der einzelnen schaftsbau, Bodenarbeiten Beuth Verlag -
daß es sich um einen schwach bindi- Pflanzen bei solchen Mischpflanzun- Berlin
H. Kuntze, J. Niemann, G. Roeschmann und I
gen bis bindigen Unterboden han- gen hat, ist eine gleichmäßige Bevor- G Schwerdtfeger, 1983: Bodenkunde.
delt. ratung kein Fehler. Stuttgart. Ulmer Verlag
3. Den Unterboden vor dem Oberbo- 8. Die Flächen werden nach dieser An- Scheffer, F., und P. Schachtschabel, 1984: l
denauftrag gründlich und tief auf- reicherung mit Bodenverbesserungs- Lehrbuch der Bodenkunde. Stuttgart. Ver-
lockern, um eine Verzahnung von mitteln und Dünger, die im Rahmen lag F. Enke.
Unter- und Oberboden zu erreichen. einer Lockerung der Vegetations-
4. Oberboden für Abpflanzung und tragschicht möglichst gleichmäßig
Gemüse- und Kräuterbeete mit ei- geschehen soll, in ein Feinplanum
ner Zwischenbegrünung aus Lupine gelegt. Dabei soll die Rasenfläche
oder Luzerne für die spätere Begrü- eine bessere Ebenheit als eine
nung vorbereiten. Pflanzfläche erhalten. Vorstellbar
4 Beton H. J. Krems/H. Pätzold

4.1 Allgemeines 111 gehalts der ausgeführten 4.14.1 Schalmaterial: 133


4.2 Nonnengrundlagen und Frischbetonmischung . . 125 4.14.2 Schalungsbehandlung 134
Bestimmungen 112 4.10.5 Ermittlung der Mischer- 4.14.3 Schnellspreizen aus Asbest-
4.3 Begriffliche Abgrenzung und füllung 125 zement 134
Unterscheidung 112 4.10.6 Mischen des Betons . . . 125 4.15 Sichtbeton 134
4.4 Bindemittel 113 4.10.6.1 Baustellenbeton 1.15.l Zuschlagkörnungen für Sicht-
4.4. Zement 113 (Ortbeton) 125 und Waschbeton 135
4.4. Herstellung von Zement . . . 113 4.10.6.2 Transportbeton 126 4.15.2 Beton-Oberflächen-
4.4. Zementarten 113 4.11 Betonprüfung 126 ausbildung 135
4.4. Zementeigenschaften 113 4.11.1 Eignungsprüfung 126 4.16 Arbeits- und Dehnungs-
4.4. Bezeichnung, Lieferung und 4.11.2 Güteprüfung 126 fugen 135
Lagerung 114 4.11.3 Prüfungen am Bauwerk . . . 127 4.16.1 Arbeitsfugen 135
4.4.2 Bindemitteleinwirkung auf 4.12 Betonieren und Nachbehand- 4.16.2 Dehnungsfugen 136
Metalle 115 lung 127 4.16.3 Fugenbänder 136
4.5 Betonzuschlag 115 4.12.1 Betoneinbringung und 4.17 Betonverwendung in beton-
4.5.1 Gestein 115 -Verdichtung 127 schädlichen Böden und
4.5.2 Kornzusammensetzung . . . . 115 4.12.2 Betonieren bei Hitze und Wässern nach DIN 1030
4.5.2.1 Allgemeines 115 Frost 127 (Auszug) 137
4.5.2.2 Sieblinien 116 4.12.2.1 Betonieren bei höheren 4.18 Ausschreibung und Abrechnung
4.5.2.3 Siebversuch 116 Temperaturen 127 von Beton und Stahlbeton-
4.5.2.4 Körnungsziffer K 116 4.12.2.2 Betonieren bei kühler arbeiten nach DIN 18331
4.5.3 Lieferung von Beton- Witterung und Frost 127 (Auszug) 137
zuschlagstofTen 118 4.12.3 Nachbehandlung und 4.19 Anwendungsbeispiel für den
4.5.4 Zusammenstellung und Erhärtung 127 Garten K. 138
Verbesserung von Zuschlag- 4.12.3.1 Vorbeugende Maßnahmen
gemischen 118 gegen Schwindschäden . . . 128
4.6 Anmachwasser 119 4.12.3.2 Schalungsfristen nach
4.7 Betonzusätze 119 DIN 1045 128
4.7.1 Betonzusatzmittel 119 4.13 Betonstahl 128
4.7.2 Betonzusatzstoffe 119 4.13.1 Sorteneinteilung 128
4.8 Betoneigenschaften 4.13.2 Betonstabstahl 129 4.1 Allgemeines
(Normalbeton) 119 4.13.3 Betonstahlmatten 129
4.8.1 Frischbeton 119 4.13.3.1 Baustahlgewebe 129 Bei der Herstellung von Fundamenten,
4.8.1.1 Konsistenzmaße 120 4.13.3.2 Listenmatten 129 der Verwendung von Wegeplatten oder
4.8.1.2 Mehlkorngehalt 120 4.13.3.3 Lagermatten 129 Stuttgarter Mauerscheiben stoßen wir
4.8.2 Festbeton 120 4.13.4 Verlegen der Bewehrung . . 129
4.8.2.1 Druckfestigkeit 121
auf den Baustoff Beton.
4.13.4.1 Allgemeine Angaben 129 Beton ist ein künstlicher Stein, der
4.8.2.2 Zementgehalt 121 4.13.4.2 Biegen 130
4.8.2.3 Wasserzementwert 121 4.13.4.3 Betondeckung 130 i. a. aus einem Gemisch von Zement,
4.9 Betongruppen B I und B II 122 4.13.4.4 Stababstände 131 Betonzuschlag und Wasser - ggf. mit
4.9.1 Beton B I 122 4.13.4.5 Verankerungen Betonzusätzen - durch Erhärten des
4.9.2 Beton B II 122 (Zugstäbe) 131 Zementleims entsteht. Hergestellt als
4.10 Betonherstellung 122 4.13.4.6 Stöße 132 Frischbeton mit wählbarem Konsistenz-
4.10.1 Technologische Bezie- 4.13.4.7 Verlegeregeln für bereich (steif bis fließend), kann er in
hungen 122 Baustahlmatten 132 beliebige Formen und Strukturen ge-
4.10.2 Ermittlung des erforderlichen 4.13.4.8 Verlegeplan 132 gossen werden und ist damit vielseitig
Wassergehalts 123 4.13.4.9 Überdeckungsmaße für
4.10.3 Entwurf von Beton- Baustahlgewebe-Lager-
verwendbar.
mischungen 124 matten 132 Im Endzustand (Festbeton) zeichnet
4.10.3.1 Rechengang 124 4.13.4.10Schneiden und Biegen von er sich besonders durch folgende Ei-
4.10.3.2 Beispiele zum Entwurf von Matten 133 genschaften aus:
Betonmischungen 124 4.13.4.11 Abstandhalter 133 1. Hohe Druckfestigkeit, die gezielt ge-
4.10.4 Überprüfung des Zement- 4.14 Schalung 133 steuert werden kann.
eton

he Witterungsbeständigkeit und DIN 488: Betonstahl, Blatt 1-4 5. nach Art des Einbringens und Ver-
mit eine große Lebensdauer. DIN 4099: Schweißen von Betonstahl dichtens:
3. Formbeständigkeit, nachdem Krie- DIN 4235: Verdichten von Beton durch Rüttel-, Stampf-, Guß-, Torkret- und
chen und Schwinden abgeklungen Rütteln Schleuderbeton.
sind. DIN 1084: Überwachung (Güteüberwa- Torkretbeton wird mit 2 bis 3 atü
4. Besondere Eigenschaften, wie Was- chung) im Beton und Stahlbeton. Preßluftdruck aus Torkretkanonen in
serundurchlässigkeit, Frost- und DIN 4030: Beurteilung betonangreifen- dünner Lage gegen die Schalung
Tausalzbeständigkeit, Abriebfestig- der Gewässer, Böden und Gase. (ggf. Wände) gedrückt. Auch mehr-
keit und Unempfindlichkeit gegen DIN 4243: Betongläser lagig mit guter Haftung möglich.
chemischen Angriff. DIN 18551: Spritzbeton Schleuderbeton dient zur Herstel-
Im Landschaftsbau sind folgende Ver- Richtlinie für die Herstellung und Ver- lung runder Hohlkörper (Maste,
wendungsmöglichkeiten zu nennen: wendung von Trockenbeton. Rohre etc.). Bei der Fertigung wird
1. Gründungskörper (Streifen- und Richtlinien für die Zuteilung von Prüf- der Frischbeton gegen die rotierende
Punktfundamente) zeichen für Betonzusatzmittel. Schalung geschleudert.
2. Treppenelemente (Stufen, Träger, Richtlinien für die Herstellung und Ver- 6. nach dem Ort der Herstellung:
Platten) arbeitung von Fließbeton. Ortbeton:
3. Sichtschutz- und Stützwände Merkblatt für Prüfstellen E (Fassung Beton, der als Frischbeton auf der
(Schwergewichts- und Winkelstütz- März 1972) Baustelle in seine endgültige Lage
mauern) Merkblatt für Betonprüfstellen W eingebracht wird und dort erhärtet.
4. Wasserbecken Merkblatt für Schutzanzüge auf Beton Betonfertigteil:
5. Betonwaren (Betonpflastersteine, U- bei sehr starken Angriffen nach DIN Betonelemente, die in einem Beton-
Schalen, Pflanztröge, Durchlaßrohre 4030. fertigteilwerk vorgefertigt werden,
etc.) als Festbeton in der endgültigen
Als Gründungskörper hat der Beton Form auf die Baustelle transportiert
mehrere Aufgaben gleichzeitig zu er- 4.3 Begriffliche und dort montiert werden. Betonffer-
füllen. Zunächst muß er die Lasten aus Abgrenzung und tigteile, die serienmäßig hergestellt
dem Baukörper (Ziegelmauer o. dgl.) werden und beim Baustoffihändler
sicher in den Baugrund leiten. Dies ist Unterscheidung erhältlich sind, werden Betonware
ohne Stahlzulagen möglich, wenn die genannt.
Lastausbreitung im Verhältnis l :2 ver- 1. nach dem Größtkorn 0 [mm] des 7. nach dem Erhärtungszustand:
bleibt. (Siehe auch DIN 1045, § 17.97 Betonzuschlags: Frischbeton:
Tab. 17). Weiterhin muß er den Bau- Beton: Beton, solange er verarbeitet werde
körper vor Bauschäden aus Feuchtig- Zementzuschlaggemische mit einem kann.
keit, Frost, chemischen Einflüssen etc. Größtkorn mm. Festbeton:
schützen. Das Fundament wird daher Mörtel: Beton, sobald er erhärtet ist.
bis zur Frosttiefe heruntergeftihrt (ca. Zementzuschlaggemische mit einem 8. nach dem Ort der Herstellung der
0,80 m), oder auf einer Frostschutz- Größtkorn mm. Bei Zement- Betonmischung (Frischbeton):
schicht (Kies, Sand) abgesetzt. mörtel nach DIN 1053 (Mauerwerks- Baustellenbeton:
Bei Treppenanlagen, Wänden und bau) gilt ein Größtkorn mm Die Bestandteile werden auf der
Wasserbecken ist die Abtragung der La- (Rundlochsieb). Reiner Zementmör- Baustelle zugegeben und gemischt]
sten wesentlich komplizierter. Es treten tel entspricht der Mörtelgruppe III. Die Bezeichnung gilt auch für
Kräfte und Momente auf, die im Mate- 2. nach der Trockenrohdichte des Be- Frischbeton, der von einer Baustelle
rial Zug- und Druckspannungen erzeu- tons: an ein bis drei benachbarte Baustel-
gen. Da der Beton i.w. nur Druckspan- len desselben Unternehmens über-
nungen aufnimmt, werden Rundstäbe geben wird (Luftlinienentfernung-
aus Betonstahl zugelegt (Bewehrung), Bezeichnung Trockenrohdichte 5,0 km).
die zur Aufnahme der Zugspannungen [kg/dm3] Transportbeton:
bestimmt sind. Die innige Haftung zwi- Das Mischgut wird von der Misch-
Leichtbeton < 2,0
schen Stahl und Beton ist möglich, da Normalbeton 2,0-2,8 anlage eines Transportbetonwerkes
beide Materialien denselben Wärme- Schwerbeton «2,8 in Spezialfahrzeugen an die Bau-
ausdehnungskoeffizienten haben und stelle gefahren (entweder werksge-
sich bei Temperaturwechsel nicht von- mischt oder fahrzeuggemischt).
einander ablösen (Verbundstoff). Wenn eine Verwechslung nicht mög- 9. nach Art der Bewehrung:
lich ist, wird der Normalbeton als unbewehrter Beton:
»Beton« bezeichnet. Beton ohne Stahleinlagen.
3. nach der Festigkeit des Betons: Stahlbeton:
4.2 Normengrundlagen Beton B I: Beton mit schlaffen Stahleinlagen,
und Bestimmungen Eine Kurzbezeichnung für Beton der Spannbeton:
Festigkeitsklassen B 5 bis B 25. Beton mit vorgespannten Stahlein-
Bei der Verwendung von Beton im Beton B II: lagen.
Landschaftsbau sind folgende Normen Eine Kurzbezeichnung für Beton der Erläuterung:
und Bestimmungen zu beachten: Festigkeitsklassen B 35 und höher, Wie bei allen steinartigen Baustoffen ist
DIN 1045: Beton und Stahlbeton in der Regel auch für Beton mit be- die Zugfestigkeit des Betons gegenüber
DIN 1048: Prüfverfahren für Beton sonderen Eigenschaften. der Druckfestigkeit gering. Dieser Man-
DIN 1164: Portland-, Eisenportland-, 4. nach Art und Kornform des Beton- gel wird durch Einlegen von schlaffen
Hochofen- und Traßzement zuschlags: Bewehrungsstäben behoben. So ent-
DIN51043:Traß Kies-, Splitt-, Ziegelsplitt-, Bimsbe- steht der Stahlbeton. (Verbundsystem-
DIN 4226: Zuschlag für Beton ton etc. aufnahme von Zug-, Biegezug-, Haupt-
Bindemittel 113

zug- und Schubkräften). Daneben gibt Tab. 4.4.1.1/1 Klinkerphasen und zementtechnische Eigenschaften
es für besonders hoch beanspruchte
Bauteile vorgespannte Stahlbetonkon-
struktionen (Spannbeton). Hier werden
Bewehrungsstäbe (Spannstähle) vorge-
spannt und der erhärtete Beton künst-
lich unter Druck gesetzt. Berechnung
und Ausführung von Spannbetonbau-
teilen bedürfen besonderer Kenntnisse
und Sorgfalt. Sie finden im Landschafts-
bau kaum Anwendung.

4.4 Bindemittel
Bindemittel für Beton der Güteklassen
B10 und höher sind Zemente nach DIN
1164, Blätter l bis 8, und bauaufsicht-
lich gleichwertig zugelassene Zemente.
Unbewehrter Beton der Festigkeits-
klasse B 5 darf auch mit Mischbindern
nach DIN 4207 hergestellt werden.

4.4.1 Zement
Zement ist ein Bindemittel für Mörtel Einstellung und Einhaltung eines be- Hochofenschlacke durch schnelles Ab-
und Beton, das nicht nur an der Luft, stimmten eng begrenzten Verhältnis- kühlen gewonnen. Seine Zusammen-
sondern auch im Wasser erhärtet, hohe ses zwischen den kalkigen und tonigen setzung muß folgende Werte in Gew. %
Festigkeiten erreicht und diese auf unbe- Rohstoffen, deren sorgfältige Feinmah- einhalten:
grenzte Zeit beibehält. lung, innige Mischung und Brennen bis
Zusammensetzung und Eigenschaf- zur Sinterung, d.h. bis zum beginnen-
ten, die ein guter Zement haben muß, den Schmelzen (1400-1500°). Dadurch
sind in den Zementnormen festgelegt. Ze- wird der gesamte Kalk an Kieselsäure,
mente, die diesen entsprechen und lau- Tonerde und Eisenoxid gebunden, so
fend überwacht werden, heißen Norm- daß ein steinartig fester, lagerfähiger
zemente. Zementklinker entsteht, in dem freier,
ablöschender und im ungelöschtem
4.4.1.1 Herstellung von Zement Zustand treibender Kalk nicht mehr
vorhanden ist. Der Zementklinker ent-
Natürliche Rohstoffe für die Herstel- hält i. W. 4 nachweisbare Klinkerphasen
lung von Zement sind: (Tab. 4.4.1.1/1), die die technologischen
1. Calciumkarbonat (CaCO3) - Kalk- Eigenschaften des Zements beeinflus-
stein, Kreide, Kalkmergel - sen (z.B. Hydratationswärme, Erhär-
2. Kieselsäure (SiO2) - Sand, Ton - tungszeit, Sulfatwiderstand). Das Bin-
3. Aluminiumoxid (A12O3) - Ton, Mer- demittel Zement entsteht durch Fein-
ge), Flugasche - mahlen des Klinkers unter Zugabe von
4. Eisenoxid (Fe2O3j - Eisenerz - Calciumsultat zur Regelung des Erstar-
Diese AusgangsstofFe für das Roh- rens. Zur Herstellung bestimmter Ze-
mehl des Zements ermöglichen eine mentsorten ist die Zugabe von Hütten-
große Anzahl chemischer Verbindun- sand oder Traß erforderlich.
gen, die je nach Mischungsverhältnis
und Reaktionsbedingungen beim Bren- 4.4.1.2 Zementarten
nen entstehen und den Portlandze-
mentklinker ergeben. Beim Brennen Normzemente nach DIN 1164:
eines tonigen Kalksteins oder sehr kalk- Die Norm umfaßt folgende Zement-
haltigen Kalkmergels entstehen neben arten:
gebranntem Kalk CaO Verbindungen Portlandzement (PZ)
von Kalk mit Kieselsäure, Tonerde und Eisenportlandzement (EPZ)
Eisenoxid, die einen zementartigen Hochofenzement (HOZ)
Charakter haben, d.h. bei Berührung Traßzement (TrZ)
mit Wasser nicht ablöschen oder zer- Neben dem bereits beschriebenen Port-
fallen. Dieses Ausgangsmaterial wird landzementklinker sind als Hauptbe-
zuerst fein gemahlen und geht nach standteile Hüttensand und Traß zu nen-
dem Anmachen mit Wasser eine was- nen. Hüttensand ist eine granulierte
serbeständige Verbindung ein, ohne Hochofenschlacke und im fein vermah-
sich auszudehnen (Treiben). lenen Zustand ein latent hydraulischer
Die Herstellung von Zement mit Stoff. Er wird bei der Eisenverhüt-
verbürgter Festigkeit beruht auf der tung aus der anfallenden feuerflüssigen
114 Beton

Das zunächst glänzende Gemisch und Beton lange feucht gehalten wer- Baustoffe beim Austrocknen schwin-
wird matt und mit zunehmender Er- den. Das Versteifen des Zement-Was- den, bei Wasseraufnahme quellen und
härtung an der Luft trockener. Diese ser-Gemisches nennt man Erstarren, unter Dauerlast kriechen. Die Verweil
Verfestigung beruht auf Bildung was- den Vorgang der Verfestigung Erhärten. düng von Zement mit hohem Sulfatwi-
serbeständiger (hydraulischer) Verbin- Erstarren und Erhärten gehen ineinan- derstand ist eine Voraussetzung für
dungen. Dabei spielen die Reaktions- der über. Das Erstarren darf frühestens die Herstellung eines Betons mit ho-
bereitschaft der Ausgangsstoffe, die eine Stunde nach dem Anmachen be- hem Widerstand gegen Sulfatangriffie.
Konzentration aller beteiligten Substan- ginnen und muß spätestens 12 Stunden Die Verwendung von Zement mit nied-
zen und die Möglichkeiten eines unge- nach dem Anmachen beendet sein. rigem wirksamen Alkaligehalt (NA-
störten Reaktionsablaufs eine wesentli- Die Zemente werden nach ihrer Zement) kann bei Beton mit alkalij
che Rolle. Ist der Zement sehr fein Druckfestigkeit (Mindestdruckfestigkeit empfindlichem Zuschlag notwendig
gemahlen, so tritt eine fast vollständige nach 28 Tagen) in Festigkeitsklassen sein.
Hydratation ein. Bei relativ großen Ze- eingeteilt (Tab. 4.4.1.3/ 1). Die Prüfung Nach DIN 1164 muß der Zement»
mentteilchen kann sich - vor allem bei erfolgt gemäß DIN 1164, Teil 7 als fein gemahlen sein, daß seine spezifi-
geringem Wasserzusatz - das Gleich- Druckversuch an Prismenstücken - sehe Oberfläche, geprüft mit dem Luft-
gewicht nicht einstellen. Es bleiben 4/4/16 cm -, die zuvor einem Biegever- durchlässigkeitsverfahren nach DM
Reste unhydratisierter Zementbestand- such unterworfen wurden. Der Mörtel 1164, Teil 4 i. a. 2200 cmVg und in Son-
teile zurück. Wichtig ist hierbei das ist wie folgt zusammengesetzt: derfällen 2000 cm2/g nicht unterschrei-
Gewichtsverhältnis von Wasser zu Ze- l Gw.-Teil Zement tet. Beton mit sehr feinem Zement bei
ment, der Wasserzementwert. l Gw.-Teil Normsand I (fein) sitzt einen höheren Wasseranspruch
25 Gew.% des Wassers werden che- l Gw.-Teil Normsand II (grob) und kann je nach Betonzusammenset-
misch als Hydratwasser gebunden, w = 0.5 zung zäh und schwerer zu verarbeite
15 Gew.% lagern sich physikalisch in Die Festigkeitsklasse Z 25 gilt ledig- sein. Vom Wasseranspruch des Zements
den Gelporen des kolloidalen Kristall- lich für Zemente mit niedriger Hydrata- darf jedoch nicht ohne weiteres auf den
filzes an, so daß der optimale Wasserze- tionswärme (NW) und/oder hohem Wasseranspruch des Betons geschlos-
mentwert bei w = 0.4 liegt. Sulfatwiderstand (HS). NW-und HS- sen werden.
Liegt der Wert wesentlich darunter, Zemente gibt es jedoch auch in höhe-
so bleiben Reste unhydratisierter Ze- ren Festigkeitsklassen. Bei den Festig- 4.4.1.4 Bezeichnung, Lieferung
mentbestandteile zurück, liegt er hö- keitsklassen Z 35 und Z 45 unterscheidet und Lagerung
her, so bildet sich in den Kapillaren Po- die DIN 1164 zwischen Zementen F mit
renwasser, das später verdunstet. Als höherer Anfangsfestigkeit und Zemen- Jeder angelieferte Zement muß norm-
Wesen der Verfestigung ist daher die ten L, die etwas langsamer erhärten, gemäß gekennzeichnet sein. Aus dl
Bindung des zugesetzten Wassers durch aber eine bessere Nacherhärtung auf- Bezeichnung auf Säcken und Lie-
die feinen Zementkörner anzusehen. weisen. Die Verwendung von Zement ferscheinen muß die Zementart, diel
Bei einer Dicke der Zementkörner von mit höherer Anfangsfestigkeit kann z.B. Festigkeitsklasse, das Lieferwerk, das
0.5 bis 50 |im = 10~6 bis 10~4 m beginnt für frühzeitiges Ausschalen, für früh- Bruttogewicht des Sackes bzw. das Net-
die Wasserbindung an der Oberfläche zeitiges Vorspannen oder für Betonie- togewicht des losen Zements, die Kenn-
und dringt bei ausreichendem Wasser- ren bei niedrigen Temperaturen zweck- zeichnung für die Güteüberwachung
angebot bis in deren Kern vor, so mäßig sein, die Verwendung von Ze- und ggf. die Zusatzbezeichnungfürbe-
daß der gesamte Zement über den ment mit langsamer Erhärtung z.B. sondere Eigenschaften hervorgehen.
Zwischenzustand des Zementgels in für die Herstellung massiver Bauteile Auf jedem Lieferschein muß außerdem
Zementstein übergeht. Das für die Hy- und für Massenbeton, da bei der Hydra- Tag und Stunde der Lieferung, polizeili-
dratation benötigte Wasser wird in das tation des Zements Wärme frei wird, ches Kennzeichen des Fahrzeugs, Auf-
Kristallgitter der Neubildung aufge- die sogenannte Hydratationswärme. traggeber, Auftragsnummer und Emp-
nommen und ist durch Verdunsten un- Von baupraktischer Bedeutung ist fänger vermerkt sein. Jeder Lieferung
ter 100° C nicht zu entfernen. Fehlt auch, daß alle Zemente raumbeständig von losem Zement ist außerdem ein
Wasser oder verschwindet es vorzeitig, sein müssen und kein Kalktreiben, Ma- farbiges, witterungsfestes Blatt zum An-
so ist nur eine unvollkommene Verkit- gnesiatreiben und Gipstreiben aufwei- heften am Silo beizugeben, das Zement-
tung möglich. Daher müssen Mörtel sen dürfen, und daß zementgebundene art, Festigkeitsklasse, Lieferwerk, Zei-
chen der Güteüberwachung, Datums-
stempel des Liefertages sowie ggf,
Tab. 4.4.1.3/1 Festigkeitsklassen/Druckfestigkeit Zusatzbezeichnung für besondere Ei-
genschaften enthält. Säcke und witte-
rungsfestes Blatt müssen farbig gem. Ta-
belle gekennzeichnet sein. Der Zement
muß vor jeder Verunreinigung und vor
Feuchtigkeit geschützt werden. Er darf
nur in saubere und von Rückständen
früherer oder anderer Lieferungen freie
Transportbehälter gefüllt, transportiert
und gelagert werden. Schon geringe
Mengen organischer Stoffe oder ande-
rer mit den Betonbestandteilen nicht
verträglicher Stoffe können sich nach-
teilig auswirken.
Zement darf mit einem anderen Ze-
ment oder einem anderen Bindemittel
nur vermischt werden, wenn die Stoffe
Betonzuschlag 115

miteinander und mit den übrigen Be- Kurzbezeichnung und Kennfarben Als ungünstig gilt ein Korn, wenn das
tonausgangsstoffen verträglich sind. Zur Unterscheidung der Zementarten Verhältnis von Länge zu Dicke >=3:1 ist.
Die Festigkeit eines Gemisches aus und Festigkeitsklassen sowie zur Kenn- Der Anteil dieser Körner über 0 8 mm
zwei miteinander verträglichen Zemen- zeichnung der Sondereigenschaften die- soll 50% nicht überschreiten. Günstig
ten erreicht i. a. wenigstens die Festig- nen die aufgeführten Kurzzeichen. wirkt sich eine rauhe Oberfläche aus,
keit, die sich aus den Anteilen und den Beispiele: Zement PZ 35 F DIN 1164 da sie die Haftung zwischen Zement-
Festigkeiten der beteiligten Zementen oder stein und Zuschlagkorn erhöht.
errechnen läßt. Sie ist daher stets klei- Zement HOZ 25 DIN 1164- Bei der Herstellung von Normalbe-
ner als die Festigkeit des Zements mit HS. ton werden i. a. Betonzuschläge mit
der höheren Festigkeit. Aber auch das Bei Sackzement müssen Farbe und Auf- Kornrohdichten verwendet, die zwi-
Vermischen von zwei grundsätzlich mit- druck der Säcke den Angaben der Ta- schen 2,60-2,70 kg/dm 3 liegen. Unter
einander verträglichen Zementen ist belle 4.4.1.4/1 entsprechen. Kornrohdichte versteht man das Ge-
nicht zu empfehlen, und bei der Trans- wicht des Zuschlagkorns (kg), dividiert
portbetonherstellung zu vermeiden, durch den vom Korn ausgefüllten Raum
weil es beim Zementgemisch wegen der 4.4.2 Bindemitteleinwirkung (Stoffraum/dm3). Dabei werden die im
dann nicht mehr vorhandenen Aufein- auf Metalle Korn vorhandenen Hohlräume nicht
anderabstimmung der Zementbestand- Bindemittel in Mörtel und Beton dür- abgezogen.
teile ein frühes Ansteifen und größere fen keine Korrosionsschäden auf einge-
Festigkeitsstreuungen zur Folge haben bauten Metallen hervorrufen. Es beste- Beispiele:
kann. hen folgende Beziehungen: Ziegelsplitt 2,00 kg/dm 3
Die Lagerung kann die Zementeigen- Granit 2,60 kg/dm3
schaften wesentlich beeinflussen. Nicht Kiessand 2,65 kg/dm3
vor Luft- und Feuchtigkeitszutritt ge- Korrosionseinfluß der Mörtel Brechsand 2,70 kg/dm3
schützter Zement nimmt auch aus der Diabas, Porpluyr 2,80-2,95 kg/dm 3
Luft Feuchtigkeit und Kohlensäure auf. Mörtelart Korrosion keine Basaltsplitt 3,00 kg/dm3
Dies kann Klumpenbildung und Festig- Korrosion
keitsminderung zur Folge haben. Letz- Gipsmörtel Stahl Blei
Im Gegensatz dazu versteht man un-
teres ist allerdings in der Regel ver- Zinn ter Rohdichte das Raumgewicht in kg/
nachlässigbar, wenn sich die Klumpen Aluminium dm3 (l dm3 = 11)
zwischen den Fingern noch zerdrücken Kupfer Im wesentlichen werden bei den Nor-
lassen. Die Behälter für losen Zement malzuschlägen folgende Arten unter-
müssen daher so dicht sein, daß insbe- Kalkmörtel Zink Kupfer schieden:
sondere Feuchtigkeit nicht hinzutreten Blei Zinn
kann. In Säcken verpackter Zement Aluminium natürliche Zuschläge:
sollte möglichst in geschlossenen Fahr- Stahl ungebrochene: Fließsand
zeugen transportiert, in geschlossenen Zementmörtel Stahl Grubensand
Räumen gelagert und vor Feuchtigkeit Fließkies
geschützt werden. Da Zement gegen- Grubenkies
über diesem Einfluß um so empfindli- gebrochene: Brechsand
cher ist, je schneller er erhärtet und je 4.5 Betonzuschlag Splitt
größer seine Anfangsfestigkeit ist, sollte Schotter
die Lagerungsdauer von in normalen Betonzuschlag ist ein Gemenge aus Steinschlag
Säcken gelagertem Zement in der Regel ungebrochenen und/oder gebroche-
bei schnell erhärtenden Zementen etwa nen Körnern aus natürlichen und/ künstlich hergestellte Zuschläge:
l Monat, bei Zementen mit mittlerer oder künstlichen mineralischen Stoffen Hochofenschlackensand
Erhärtungsgeschwindigkeit etwa 2 Mo- (DIN 4226). Er besteht i. a. aus verschie- Hochofenstückschlacke
nate und bei langsam erhärtenden Ze- den großen Körnern mit dichtem Ge-
menten etwa 3 Monate nicht über- füge wie Sand, Kies, Splitt, Schotter
schreiten. (DIN 4226, Bl. 1), oder mit porigem Ge- 4.5.2 Kornzusammensetzung
fuge (z.B. Blähton, Blähschiefer), der
überwiegend für Leichtbeton verwen- 4.5.2.1 Allgemeines
det wird (DIN 4226, Bl. 2). In Sonderfäl-
Tab. 4.4.1.4/1 Kennfarben für die Festig- len wird auch Metall in Stückgrößen, Der Betonzuschlag soll in seiner Zu-
keitsklassen die für die Betonherstellung geeignet sammensetzung gemischtkörnig sein,
sind, verwendet. damit der Zementanteil bei der Herstel-
lung eines Betons mit dichtem Gefüge
wirtschaftlich bleibt und Kriechen und
4.5.1 Gestein
Schwinden einen geringen Einfluß ha-
Für die Herstellung eines Normalbe- ben (Abb. 4.5.2.1/la).
tons guter Qualität ist wichtig, daß das Ein gleichförmiges Gemisch mit gro-
Gestein eine hohe Druckfestigkeit be- ßem Korndurchmesser ist hohlraum-
sitzt und der Anteil schädlicher Stoffe reich und erfordert einen großen Anteil
eng begrenzt ist. Weiterhin spielen Zementstein (Abb. 4.5.2.1/lb).
beim Sieben, Mischen und Einbringen Ein gleichförmiges Gemisch aus klei-
des Frischbetons Kornform und Ober- nen Korngrößen hat demgegenüber ei-
flächenbeschaffenheit des Korns eine ne große spezifische Kornoberfläche,
große Rolle. Die Form der Zuschlag- deren Verkittung ebenfalls einen hohen
körner soll möglichst gedrungen sein. Zementbedarf hat (Abb. 4.5.2.1/lc).
116 Beton

Das Größtkorn ist so zu wählen, daß


Mischen, Einbringen und Verarbeiten
des Betons dies zulassen. Seine Nenn-
größe darf 1/3 der kleinsten Bauteil-
abmessung nicht überschreiten. Der
überwiegende Teil des Zuschlags soll
außerdem kleiner als der Abstand der
Bewehrungsstäbe untereinander und
von der Schalung sein.
Betonzuschläge werden in handels-
üblichen Korngrößen geliefert. Dabei
sind gewisse Abweichungen in Masse
% für Anteile an Über- und Unterkorn
zulässig. Es müssen aber beim Siebver-
such mit Prüfsieben die Bedingungen
der DIN 2642 erfüllt sein, unabhängig
davon, welche Trennsiebe im Herstel-
lerwerk verwendet werden.
Um eine Angabe über die Zusam-
mensetzung von Zuschlaggemischen zu
machen, werden die Zuschlagkörner
nach Korndurchmesser geordnet. Es
werden Korngruppen gebildet, die je-
weils alle Korngrößen zwischen 2 ge-
wählten Siebkorngrößen umfassen. So
bedeutet Korngruppe 2/8, daß der über-
wiegende Teil der Körner durch das
8 mm Sieb hindurchfallt und auf dem Für Betone B 5 bis B 25, die nicht 4.5.2.4 Körnungsziffer K
2 mm Sieb liegenbleibt. Folgende An- aufgrund einer Eignungsprüfung her-
teile an Über- bzw. Unterkorn sind gestellt werden, muß die Sieblinie des Als Kennwert einer Sieblinie wird die
zulässig: Zuschlaggemisches je nach Zementge- Körnungsziffer -K- eingeführt. Sie gilt
halt zwischen den Sieblinien A und B als Maß für die Anteile der durch die
bzw. B und C liegen. Sie muß stets zwi- Prüfsiebe begrenzten Korngruppen im
Korngruppen Überkorn Unterkorn schen A und B liegen, wenn der Beton Gesamtzuschlag. Die Körnungsziffer
ohne vorausgehende Eignungsprüfung -K- erhält man durch Addition der Pro-
1/2; 1/4; 2/4; 2/8 10% 15% besondere Eigenschaften erzielen soll. zentzahlen der Rückstände auf den
Zuschlaggemische mit unsteter Sieb- Prüfsieben des Siebsatzes und Division
sonstige 10% 10% linie dürfen nur bei vorausgehender der Summe durch 100. Bei der Ermitt-
Eignungsprüfung verwendet werden. lung von -K- ist auch der Rückstand auf
118 Beton

ferung, Lagerung und Dosierung vor.


Eine Unterteilung nach Tab. 4.5.3/1
ist erforderlich bzw. empfehlenswert
(Klammerwerte).

4.5.4 Zusammenstellung und


Verbesserung von
Zuschlaggemischen
Die richtige Kornzusammensetzung
läßt sich an Hand der Sieblinien
graphisch überprüfen. Verläßt eine
Gemengelinie den geforderten oder
günstigen Bereich, so muß das Gemen-
ge durch Zugabe bestimmter Korngrup-
pen verbessert werden.
Die Ermittlung dieser Korngruppen-
anteile kann mit Hilfe der sogen,
»Mischkreuzrechnung« durchgeführt
werden.
Bei dieser Rechnung wird die Diffe-
renz der Bewertungsziffer (Körnungs-
ziffer) der angestrebten Sieblinie zu den
Bewertungsziffern der einzelnen Zu-
schlaggemische über Kreuz, ohne Be-
achtung des Vorzeichens, gebildet.

Beispiel:
Gesamtzuschlag aus 2 Zuschlaggemi-
schen
Aus 2 im Kornaufbau bekannten Zu-
schlaggemischen (z. B. 0/4 und 4/32) soll
eine vorgegebene Sieblinie (z.B. A32/
B32) aufgebaut werden:
Lochweite [mm] Gesamtzuschlag aus mehreren Korn-
gruppen
Abb. 4.5.2.3/1 Regelsieblinie: 0/32 (DIN 1045) Bei Zuschlaggemischen aus mehr als
2 Korngruppen kann die Ermittlung der
prozentualen Anteile mit Hilfe der Sieb-
linienkennwerte durch schrittweise er-
folgende Näherungsrechnungen (z.B.
dem 0,5mm Sieb zu berücksichtigen a) nach Korngruppen getrennt, Mischkreuzrechnung) der Gesamtlinie
(Klammerwert der Regelsieblinien). b) werksgemischt, erfolgen.
Beispiel: Sieblinie A32/B32 (siehe c) ungetrennt.
Siebversuch) Getrennte Korngruppen werden ver- Rechengang:
wendet, um eine bestimmte Korn- 1. Ermittlung des Kornaufbaus der
zusammenstellung des Zuschlaggemi- Korngruppen und deren Kennwerte.
sches mit großer Sicherheit zu errei- 2. Auflösung der Gesamt-Sollinie rech-
Prüfsieb Durchgang Rückstand
mm Gew.% Gew.%
chen. Die DIN 1045 schreibt daher für nerisch in Teil-Sollinien, indem das
Betonfestigkeitsklassen B 15 und höher jeweilige Größtkorn = 100% gesetzt
0,25 5 95 die nach Korngruppen getrennte Anlie- wird.
0,5 12 88
1 18 82
2 25 75 Tab. 4.5.3/1
4 35 65
8 50 50 für Zuschlaggemische mit Größtkorn
16 71 29 B Korn
31,5 97 3 gruppen 8 und 16 mm 32 mm

15 und 25 2 0/4 mm 0/4 mm


4/16 mm 4/32 mm (4/16)
(16/32)

35, 45, 3(2*) 0/2 mm 0/2 mm


und 55, 2/1 6 mm (2/8) 2/8 mm
4.5.3 Lieferung von (8/16) 8/32 mm (8/16)
Betonzuschlagstoffen (16/32)
Betonzuschlag wird in 3 Formen be- * Bei Ausfallkörnungen
zogen:
Betoneigenschaften (Normalbeton) 119

Die Wirkung der Zusatzmittel ist wei-


Siebweite (mm) 0,25 0,5 1 2 4 8 16 32 63 K terhin abhängig von der Zementart, der
Kornzusammensetzung, dem Mi-
Siebdurchgänge schungsaufbau und den Witterungsver-
hältnissen beim Betonieren. Deshalb
angestrebte Sieblinie 4 8 12 20 38 60 80 100 100 4,78 wird in der DIN 1045 verlangt, daß bei
Verwendung von Betonzusatzmitteln,
vorhandene
Zuschlag- 0/4 (mm)
auch bei Beton B l, eine Eignungsprü-
9 20 35 55 95 100 100 100 100 2,86
gemische 4/32 (mm) 0 0 0 3 10 40 70 95 100 5,82
fung durchgeführt wird.

4.7.2 Betonzusatzstoffe
Betonzusatzstoffe sind fein aufgeteilte
Stoffe, die bestimmte Betoneigenschaf-
ten (z.B. Konsistenz, Verarbeitbarkeit,
Festigkeit, Dichtigkeit, Farbe usw.) be-
einflussen und die als Volumenbestand-
teile zu berücksichtigen sind (z.B.
Puzzolane, latent hydraulische Stoffe,
Pigmente usw.). Sie dürfen das Erhär-
ten sowie die Festigkeit des Betons nicht
3. Zusammenstellung der Gesamt- 4.7 Betonzusätze beeinträchtigen und mit den Bestand-
Sollinie, indem, vom Größtkorn be- teilen des Betons keine störende Ver-
ginnend, rechnerisch die prozentua- bindung eingehen. Sofern diese Stoffe
len Anteile der Einzelkorngruppen 4.7.1 Betonzusatzmittel nicht der Zuschlagnorm DIN 4226 oder
aus den Kennwerten der unterglie- Unter Betonzusatzmitteln werden che- einer dafür vorgesehenen Norm, z.B.
derten Sollinie und den Ist-Kenn- mische Stoffe verstanden, die zur Erzie- DIN 1164 oder DIN 51043, entspre-
werten der Korngruppen ermittelt lung bestimmter Eigenschaften dem Be- chen, benötigen sie eine allgemeinbau-
werden. ton bzw. Mörtel in geringen Mengen (^ aufsichtliche Zulassung mit dem Prüf-
50 g bzw. < 50 cm3 je kg Zement) zeichen vom Institut für Bautechnik,
zugegeben werden. Betonzusatzmittel Berlin. Dies gilt insbesondere für or-
4.6 Anmachwasser wirken sich im Beton volumenmäßig, ganische Betonzusatzstoffe (z.B. auf
abgesehen von ggf. entstehenden Luft- Kunstharzbasis).
Das Anmachwasser des Betons setzt poren, nicht aus. Man unterscheidet DIN 1045 fordert für Beton mit Be-
sich aus der Oberflächenfeuchtigkeit nach ihrer Wirkungsweise die unten an- tonzusatzstoffen bei Beton B l dann
des Zuschlags und dem Zugabewasser geführten Mittel. Zu ihrer Kennzeich- eine Eignungsprüfung, wenn die Zu-
zusammen. Die Oberflächenfeuchtig- nung dürfen auf dem Lieferschein und satzstoffe nicht mineralisch sind oder
keit des Zuschlags ergibt sich aus der auf der Verpackung die Kurzbezeich- auf den Bindemittelgehalt angerech-
Gesamtfeuchtigkeit des Zuschlags ab- nungen und Farben nach Tabelle 4.7.1/1 net werden. Die Forderung nach einer
züglich der Kernfeuchtigkeit, die im In- verwendet werden. Eignungsprüfung geht auch aus dem
nern des Korns liegt und auf die Konsi- Zulassungs- bzw. Prüfbescheid jeweils
stenz und Festigkeit des Betons keinen Tab. 4.7.1/1 hervor.
Einfluß hat. Das Zugabewasser muß bei
Zusatzmittel Kurz- Farb-
der Betonmischung mit einer Genauig- zeichen ton
keit von 3 Masse % zugegeben werden. 4.8 Betoneigenschaften
Geeignet sind die meisten in der Na- Betonverflüssiger BV gelb (Normalbeton)
tur vorkommenden Wässer, z.B. Re- Luftporenbildner LP blau
genwasser, Grundwasser, Moorwasser. Betondichtungsmittel DM braun
Nicht geeignet sind stark verunrei- Erstarrungs- 4.8.1 Frischbeton
nigte Wässer, die das Erhärten oder verzögerer VZ rot Um die für den erhärteten Beton ge-
bestimmte Eigenschaften des erhärten- Erstarrungs- forderten Eigenschaften zu erreichen,
den Betons ungünstig beeinflussen, z. B. beschleuniger BE grün muß der Frischbeton einen guten Mi-
Einpreßhilfen EH weiß
öl-, fett- oder zuckerhaltige Wässer. Stabilisierer ST violett
schungsaufbau zeigen und so verar-
Huminhaltige Wässer können sich be- Fließmittel FM grau beitbar sein, daß er ohne wesentliches
reits in geringen Mengen nachteilig auf Entmischen eingebaut sowie praktisch
das Erhärten des Betons auswirken. Bei vollständig verdichtet werden kann. Die
Stahlbeton darf der Chloridgehalt des maßgebende Eigenschaft des Frischbe-
Zugabewassers 300 mg/dm3 nicht über- Sämtliche Zusatzmittel dürfen nur tons muß auf den jeweiligen Anwen-
schreiten. Kohlensäurehaltige Wässer mit gültigem Prüfzeichen des Institutes dungsfall, d.h. auf die Förderart, das
sind für Beton auf Normzementbasis für Bautechnik, Berlin, verwendet wer- Einbauverfahren und die Verdichtungs-
bis zu einem pH-Wert von 4,0 als Zuga- den. Die Erteilung des Prüfzeichens bie- art sowie auf Abmessungen und Be-
bewasser geeignet. tet Gewähr dafür, daß das Zusatzmittel wehrungsgrad des Bauteils, abgestimmt
im Beton kein Treiben hervorruft, die sein. Sie ist abhängig von der ßeton-
Korrosion der Bewehrung nicht fördert zusammensetzung, insbesondere vom
und daß es die der Art des Mittels ent- Wassergehalt, Mehlkorngehalt sowie
sprechende Wirksamkeitsprüfung be- von Art und Zusammensetzung des Zu-
standen hat. Eine weitere Gewährlei- schlags. Als Maß der Verarbeitbarkeit
stung ist nicht gegeben. wird die Konsistenz angegeben.
120 Beton

4.S.1.1 Konsistenzmaße gegebenen, natürlichen oder künstli-


chen Mineralstoff 0/0,125 mm. Ein be-
Das Konsistenzmaß ist eine Kennziffer, stimmter Mehlkorngehalt ist zur Erre-
die den Grad der Verarbeitbarkeit chung eines geschlossenen Gefüges des
(Beweglichkeit, Verdichtungswilligkeit) Betons sowie zur Erzielung einer gutn
des Frischbetons anzeigt. Dabei kommt Verarbeitbarkeit des Frischbetons er-
die Neigung des Frischbetons zum Ent- forderlich. Die Menge hängt im \\esent-
mischen weniger zum Ausdruck. Die lichen vom Kornaufbau des Zuschlag-B
DIN 1045 unterscheidet vier Konsi- gemisches, von der Mahlfeinheit des
stenzbereiche, die durch ein bestimm- Zementes, der Kornverteilung des
tes Konsistenzmaß (z. B. Verdichtungs- Feinstsandes und dessen Wasscrhalte-
maß) festgelegt sind (s. Tab. 4.8.1.1/1). Abb. 4.8.1.1/1 Meßbehälter vermögen sowie vom Gehalt des Be-
tons an künstlich aufgebauten Luft-
poren ab. Ein Übermaß an Mehlkom
Tab. 4.8.1.1/1 Konsistenzbereiche vergrößert jedoch den Wasseranspruch
und beeinträchtigt bestimmte Eigen-
Konsistenz- Verdich- Eigenschaften
bereich
ein 15 kg schwerer, auf einem Füh- schaften des Festbetons, wie Frost- und
tungsmaß (Frisch-
-v- beton) rungsgestänge laufender, kugeliger Ein- Tausalzwiderstand sowie den Abnutz
dringkörper. Das Eindringmaß kann widerstand. Außerdem nimmt mit dem
KS (steif) > 1,20 noch lose an der Führungsstange abgelesen wer- Mehlkorngehalt das Kriechen und
KP (plastisch) 1,19-1,08 schollig den. Schwinden des Festbetons zu.
KR (weich) 1 ,07-1 ,02 schwach Ausreichend bemessene Mehlkorn-
fließend b) Ausbreitversuch gehalte sind erforderlich: beim Beför-
KF (fließfähig) - gut fließend Bei weichem und flüssigem Beton wird dern von Frischbeton über lungere
anstelle des Eindringversuches der Aus- Strecken, bei Pumpbeton, beim Schüt-
breitversuch durchgeführt. Auf einem ten unter Wasser, ebenso hei der Er-
Tisch wird in einen 20 cm hohen, hoh- stellung von dünnwandigen und engbe-
Zur Ermittlung des Verdichtungsma- len Kegelstumpf von 20 und 13 cm wehrten Bauteilen, bei Sichtbeton, bei
ßes wird der von Hand nochmals durch- Durchmesser Beton in 2 gleichhohen wasserundurchlässigem Beton oder!
gemischte Beton mit einer Kelle Schichten eingefüllt, mit einem quadra- beim Anbetonieren an einer erhärteten
langsam vom Rand in den Behälter ab- tischen Holzstab 10 x eingedrückt und Betonfläche.
gekippt. Das Abkippen erfolgt mit mit einer Kelle bündig abgestrichen. Bei Beton für Außenbauteile und bei
langsamer Drehung von den einzelnen Nach !/2 Minute wird der unten breitere Beton mit besonderen FJgenschaften
Kanten aus, bis der Behälter mit gerin- Kegelstumpf hochgezogen, wobei der sind der Mehlkorngehalt sowie der
gem Überstand gefüllt ist. Nach Ab- Betonkegel auf der Platte verbleibt. Da- Mehlkorn- und Feinstsandgehalt nach
strich des Überstandes wird der Beton nach wird die Tischplatte 15 x einseitig Tabelle 4.8.1.2/1 zu begrenzen.
verdichtet. Mit dem als Mittel an 3 4 cm hoch angekippt und frei fallenge-
verschiedenen Stellen gemessenen Ab- lassen. Dabei bildet sich ein flacher Be- Tab. 4.8.1.2/1 Mehlkorngehalt
strich »S« errechnet sich das Verdich- tonkegel aus. Das Ausbreitmaß wird
tungsmaß zu v = 40: h. Behälter: jetzt in der Tischmitte auf den bei-
Grundfläche 20/20 cm, Höhe 40 cm. den rechtwinklig aufeinander stehenden
Kellenformat: 10/16 cm. Tischdurchmessern gemessen. Aus den
Behälter: (Abb. 4.8.1.1/1) beiden Werten wird das Längenmittel
Für Ortbeton der Gruppe Bl wird gebildet.
empfohlen, einen Beton KR (Regel-
konsistenz) oder fließfähigen Beton KF c) Verdichtungsmaß
zu verwenden. Letzterer darf nur als Zur Ermittlung des Verdichtungsmaßes
Fließbeton entsprechend der »Richtli- wird der von Hand nochmals durchge- Zwischenwerte von 300 kg/m3 bis
nie für Beton mit Fließmittel und für mischte Beton mit einer Kelle lang- 350 kg/m3 sind linear zu interpolieren.
Fließbeton; Herstellung, Verarbeitung sam vom Rand in den Behälter (Abb. Die Werte dürfen um maximal 50 kg/m3
und Prüfung« unter Zugabe eines Fließ- 4.8.1.1/1) abgekippt. Das Abkippen er- erhöht werden, wenn
mittels (FM) verwendet werden. folgt mit langsamer Drehung von den 1. der Zementgehalt > 350 kg/m3 ist,
einzelnen Kanten aus, bis der Behäl- 2. ein puzzolanischer Betonzusatzstoff
Steifeprüfung nach DIN 1048 (z. B. Traß) verwendet wird,
ter mit geringem Überstand gefüllt ist. 3. das Größtkorn des Zuschlags 8 mm
Die labormäßige Überprüfung der Nach Abstrich des Überstandes wird der beträgt.
Konsistenz erfolgt nach dem Eindring-, Beton vollständig verdichtet. Mit dem
dem Ausbreit- und dem Verdichtungs- als Mittel an 3 verschiedenen Stellen
versuch. gemessenen Abstrich »S« errechnet
sich das Verdichtungsmaß zu v = 40: h.
a) Eindringversuch Behälter 20 cm • 20 cm, h = 40 cm;
Er dient der Steifeprüfung bei steifem Kelle 10/16 cm
4.8.2 Festbeton
Beton und bei K!« Hierfür wird der
Eindringprüfer nach Graf verwendet, Der Festbeton stellt den Endzustand
bei dem in einem 30 cm hohen Wür- 4.S.1.2 Mehlkorngehalt des Betons dar und zeichnet sich aus
fel 2 gleichhohe Schichten Beton ein- durch Festigkeit, Dichtheit und Dauer-
gefüllt und mit einem 12-kg-Stampfer Mehlkorn besteht aus dem Bindemit- haftigkeit. Seine Form ist nur noch
mit 27 Schlägen verdichtet werden. In tel, dem Kornanteil 0/0,125 mm des durch mechanische Bearbeitung verän-
diese Masse fällt dann aus 20 cm Höhe Zuschlaggemisches und einem ggf. zu- derbar.
Betoneigenschaften (Normalbeton) 121

4.8.2.1 Druckfestigkeit Tab. 4.8.2.1/1 Festigkeitsklassen des Betons und ihre Anwendung

Unter Festigkeit wird die auf die Flä-


cheneinheit bezogene Widerstandskraft
verstanden, die feste Stoffe einer Ver-
formung bzw. Bruch entgegensetzen.
Für die Anwendung des Betons ist die
Druckfestigkeit die wesentlichste bau-
technische Eigenschaft. Die DIN 1045
unterteilt daher den Beton nach diesen
Kriterien in Festigkeitsklassen B 5 bis B
55 sowie in »Beton mit besonderen Ei-
genschaften«. Dabei werden hinsicht-
lich der Bedingungen ihrer Zusammen-
setzung, Herstellung, Baustellenver-
hältnisse und Überwachung 2 Gruppen,
B I und B II, unterschieden (s. Tab.
4.8.2.1/1).

Würfeldruckfestigkeit (Tab. 4.8.2.1/2)


Die Angabe der Festigkeitsklasse ent- Tab. 4.8.2.1/2
spricht der Nennfestigkeit Es müs-
sen dabei folgende 2 Bedingungen er-
füllt sein:
1. Die Druckfestigkeit jedes ein-
zelnen Würfels von 20 cm Kan-
tenlänge bzw. die 5 %-Fraktile der
Grundgesamtheit muß im Alter von
28 Tagen mindestens der Nennfe-
stigkeit entsprechen. Tab. 4.8.2.2/1
2. Die mittlere Druckfestigkeit je-
der Würfelserie muß mindestens die Beton Mindestzementgehalt
Serienfestigkeit erreichen, d.h. in kg je m3
für die Festigkeitsklassen B5 minde- -art mit Zement verd. Beton
stens 3N/mm2, für die übrigen Fe-
unbewehrt 100
stigkeitsklassen mindestens 5N/mm2
größer sein als die Nennfestigkeit Z 25 280
bewehrt
Z 35 240
Die Würfelserie besteht aus minde- Z 45 240
stens 3 Würfeln, die aufeinanderfolgend Z 55 240
aus 3 verschiedenen Mischerfüllungen
stammen.
Werden zum Festigkeitsnachweis Zy-
linder (d = 15 cm, h = 30 cm) benutzt, so
darf die Würfeldruckfestigkeit aus
der Zylinderdruckfestigkeit abgelei- Tab. 4.8.2.3/1
tet werden.
Betonart Wasserzementwert
(Höchstwerte)
4.8.2.2 Zementgehalt Stahlbeton mit Zement Z 25 0,65
(allgemein) > Z 35 0,75
Zur Erzielung der geforderten Druckfe-
stigkeit sowie eines ausreichenden Kor- Stahlbeton mit Zement > Z 35 0,60
rosionsschutzes der Bewehrung ist ein (Außenbauteile)
bestimmter Zementgehalt je m3 ver-
dichteten Betons erforderlich. Sofern wasserundurchlässiger Beton d < 40 cm 0,60
bei einer Bauteildicke d > 40 cm 0,70
nicht höhere Gehalte vorgeschrieben
sind oder über eine Eignungsprüfung Hoher Frostwiderstand ohne LP-Mittel 0,60
größere Mengen festgelegt sind, gel- mit LP-Mitteln 0,70
ten die Mindestmengen nach Tabelle (massive Bauteile)
4.8.2.2/1 und A. 4.8.2.2/1+2
Hoher Luft- und Tausalzwiderstand 0,50

4.8.2.3 Wasserzementwert Hoher Widerstand gegen chemische Angriffe schwach 0,60


stark 0,50
sehr stark 0,50
Als Wasserzementwert wird das Ge-
wichtsverhältnis des Wassergehalts W Unterwasserbeton 0,60
zum Zementgehalt Z bezeichnet.
122 Beton

w = %. Der Wassergehalt ist dabei der Tab. 4.9.1/1 Anwendungsbereiche für Beton Bl
Gesamtwassergehalt aus Zugabewasser
und Oberflächenfeuchte des Zuschlags.
Solange eine Mischung gut verarbeitbar
ist, wird der Beton besser, je kleiner
der Wasserzementwert bleibt. Festigkeit N28
und Beständigkeit des Betons bleiben
annähernd gleich, wenn der Wasserze-
mentwert konstant gehalten wird. Bei
w <= 0,35 ist mit üblichen Zementge-
halten der Beton im allgemeinen nicht
mehr ausreichend verdichtbar, so daß
auch eine Festigkeitserhöhung nicht
mehr zu erwarten ist. In DIN 1045
sind für Beton B II Höchstwerte vorge-
schrieben. Für Beton B I erübrigt sich
bei Herstellung als Rezeptbeton eine
besondere Angabe, weil durch Festle-
gung des Mindestzementgehalts und
der Konsistenz der Wasserzementwert
stets im zulässigen Bereich bleibt. Wird
für Beton B I eine Eignungsprüfung Tab. 4.9.2/1
durchgeführt, so gelten die Tabellen-
werte für B II.
Zulässige Wasserzementwerte für Be-
ton B II und B I, der aufgrund einer
Eignungsprüfung hergestellt wird siehe
4.8.2.3/1

4.9 Betongruppen B l
und B II

4.9.1 Beton B l
Beton B I kann entweder nach einem Wird der Beton B I aufgrund einer Eig- destzementgehalt gilt für den höchst-
»Rezept« oder davon abweichend auf- nungsprüfung hergestellt, so gelten die zulässigen Wasserzementwert Tabelle
grund einer Eignungsprüfung herge- Mindestzementmengen. Die Eignungs- 4.8.2.2/2. Das Zuschlaggemisch muß in
stellt werden. Eine Eignungsprüfung prüfung muß mindestens 6 Wochen vor Korngruppen nach Tab. 4.9.2/1 getrennt
muß stets erfolgen, wenn der Beton mit Betonierbeginn erfolgen. Hierbei müs- angeliefert werden.
einem Betonzusatzmittel und/oder ei- sen Festigkeiten erzielt werden, die um
nem Betonzusatzstoff hergestellt wird, das Vorhaltemaß über die geforderten
der nicht mineralisch ist oder auf den Serienfestigkeiten liegen. 4.10 Betonherstellung
Bindemittelgehalt angerechnet werden Bei werksmäßig hergestellten Beton-
soll. Dasselbe gilt bei der Herstellung fertigteilen gelten die Angaben für BII,
von B 5 mit einem Mischbinder. Anwendungsbereich für Beton B I siehe 4.10.1 Technologische
Bei Herstellung nach »Rezept« sind 4.9.1/1. Beziehungen
die in der Tabelle vorgeschriebenen In den folgenden Tafeln und Diagram
Mindestzementgehalte einzuhalten. Sie men sind die wichtigsten technologi-
sind abhängig von der Konsistenz und schen Beziehungen aufgezeigt, die für
der Festigkeitsklasse bzw. den ge- 4.9.2 Beton B II den Entwurf von Betonmischungen er
wünschten besonderen Eigenschaften Beton der Festigkeitsklassen B 35 und forderlich sind.
sowie dem Sieblinienbereich des Be- höher muß als Beton B II hergestellt
tonzuschlags. Die für B 5 bis B 25 ange- werden. Dies gilt auch allgemein für
gebenen Mindestzementgehalte gelten Beton mit besonderen Eigenschaften, Zementgüte Normdruckfertigkeit
bei Verwendung von Zement der Fe- sofern bei Beton ^ B 25 keine Aus- (N/mm2)
stigkeitsklasse Z 35 und von Zuschlag nahmen gestattet sind. Bei Beton B II
mit einem Größtkorn 0 32 mm. Wird muß in jedem Fall durch eine Eig- Z 25 35
hiervon abgewichen, so sind angege- nungsprüfung nachgewiesen werden, Z 35 45
Z 45 55
bene ergänzende Bestimmungen zu be- daß mit der vorgegebenen Mischungs-
Z 55 63,5
achten. Für Beton der Festigkeitsklasse zusammenstellung die gewünschte Fe-
B 15 und B 25 muß das Zuschlagge- stigkeit bzw. besondere Eigenschaft er-
misch aus mindestens 2 getrennt ange- reicht wird. Das Vorhaltemaß gegenüber
lieferten Korngruppen zusammenge- der geforderten Serienfestigkeit
stellt werden, und zwar aus 0/2 mm kann dabei frei gewählt werden. Es
oder 0/4 mm und einer weiteren Korn- wird jedoch empfohlen, die bei der
gruppe. Bei werksgemischtem Betonzu- Herstellung von B I festgelegten Vor-
schlag erübrigt sich eine Trennung. haltemaße einzuhalten. Für den Min-
Betonherstellung 123
124 Beton
Betonherstellung 125

Zement-, Zuschlag- oder Wassergehalt 75, 100, 150, 250, 375, 500, 750, 1000,
einer Mischung durch nicht vorher- 1250 und darüber. Das Aufnahmever-
sehbare Verarbeitungsgegebenheiten mögen eines Mischers errechnet sich
von der angezielten Menge abweichen. zu
Es wird daher empfohlen, zumindest
den geforderten Zementgehalt über
das Gewicht der Probewürfel zu über-
prüfen.

4.10.6 Mischen des Betons

4.10.6.1 Baustellenbeton (Ortbeton)

Die Ausgangsstoffe müssen grundsätz-


lich so lange gemischt werden, bis das
Mischgut gleichmäßig verteilt ist. Dabei
sind die einzelnen Betonbestandteile
mit einer Genauigkeit von 3 Masse-%
zuzugeben.

Handmischung
Bei Herstellung geringer Betonmengen
der Festigkeitsklassen B 5 und B 10.
Dabei gelten folgende Regeln: Saubere
Mischunterlage, (möglichst Blech o.ä.);
Kiessand und Zement mindestens 2x
trocken bis zur gleichmäßigen Graufär-
bung mischen, dann unter ständigem
weiterem Mischen mit Gießkanne Was-
ser zugeben und noch 2x unter gleich-
mäßigem Harken durcharbeiten, bis ein
gleichmäßiges Gemenge vorhanden ist.
Anmessung nur mit Mischkasten, Zu-
schlag und Zement einfüllen und Ka-
sten anheben. Die Zuschläge sind mög-
lichst auf volle Sackzahl Zement zu
bemessen und dabei von Gewichts %
auf Massen % umzurechnen.
4.10.5 Ermittlung der
Mischerfüllung
Maschinenmischung
Die Stoffanteile einer Mischung sind Beim Mischen über Betonmischern
auf die Nenninhalte des Mischers abzu- werden alle festen Anteile sofort einge-
stellen. Nach DIN 459 gilt als Nennin- bracht. Wasser soll innerhalb von 15 Se-
halt das Volumen (Liter, dm3) des un- kunden zugesetzt sein. Eine trockene
4.10.4 Überprüfung des verdichteten Frischbetons beliebiger Vormischung ist nicht erforderlich. Bei
Zementgehalts der Konsistenz, das der Mischer in der übli- Mischern mit besonders guter Misch-
ausgeführten chen Mischzeit gleichmäßig durch- wirkung beträgt die Mischzeit minde-
Frischbetonmischung mischt. Dabei bezieht sich der Nennin- stens 1/2 Minute, bei den übrigen min-
halt nach DIN 459 auf »weichen Beton« destens l Minute.
Auch bei sorgfältiger Ermittlung der der Konsistenz K3. Man unterscheidet Freifall- und
stofflichen Zusammensetzung des ver- Mischergrößen (Nenninhalte in Li- Zwangsmischer. Beim Freifallmischer
dichteten Frischbetons können der tern): (Trommelmischer) wird das Mischgut

.
126 Beton

mittels Seitenerrichtungen durch Dre- sistenzprüfung zu erfolgen. Hierbei mit er die geforderten Eigenschaften
hen des Mischers (oder der Seitenrich- müssen Entnahmen bei einem unter- erfüllt (Festigkeit, besondere Eigen-
tung) nach oben gezogen und fällt schiedlichen Entleerungsgrad (z.B. !/4, schaften) und unter den gegebenen
!
im freien Fall nach unten zurück. /2, 3/4 Entleerung der Fahrzeuge) die Baustellenverhältnissen zuverlässig ein
Entleerung erfolgt durch Kippen der gleichmäßige Steife der gesamten Fahr- gebracht werden kann.
Trommel. Beim Zwangsmischer wird zeugladung erbringen. Eignungsprüfungen sind vorgeschri^
das Mischgut mittels eines Rührwerks Lieferschein muß enthalten: ben:
durchgearbeitet. Entleerung erfolgt Betonwerk mit Angabe der Güterüber- 1. In der Betongruppe B I, wenn nicht
über eine Bodenklappe. wachungsstelle, Zeitpunkt der Bela- die für Rezeptbeton vorgegebenen
dung, Tag und Stunde der Lieferung, Mindestzementmengen eingehalten
4.10.6.2 Transportbeton Abnehmer und Baustelle, Betonmenge werden oder Mischbinder, Betonzu-
und -sorte, Wassermenge. satzmittel bzw. Betonzusatzstoffe
Transportbeton ist ein im Betonwerk Die Verwendung auf der Baustelle die nicht mineralisch sind, verweit
nach Gewicht zugemessener, im Werk erfolgt sofort ohne Änderung der Zu- det werden.
oder im Transportfahrzeug gemisch- sammensetzung. Keinesfalls darf Was- 2. In der Betongruppe B I I ist stets ein
ter, zur Baustelle transportierter und ser zugesetzt werden. Im Baustellenta- Eignungsprüfung vorzusehen.
einbaufertig ausgelieferter Beton. Es gebuch muß eingetragen sein, in welche Ändern sich die Ausgangsstoffe des
wird zwischen werk- und fahrzeugge- Bauteile und zu welcher Zeit die einzel- Betons oder die Baustellenbedingun-
mischtem Transportbeton unterschie- nen Wagenladungen eingebaut wurden. gen, so ist eine neue Eignungsprüfung
den, deshalb sind die Transportwagen Preise: vorzusehen.
mit Rührwerk und Wassermeßeinrich- Im allgemeinen Grundpreise je m3 Fest- Auf der Baustelle kann auf eine Eig-
tungen ausgestattet. beton frei Baustelle, Preiszuschläge für nungsprüfung verzichtet werden, wenn
Das Material ist teilfertig, transport- weitere Fahrstrecken, meist nach Ent- sie von der ständigen Betonprüfstelle
empfindlich und schnell verderblich. fernungszonen, für ungewöhnlich lange vorgenommen wurde oder Transport-
Das Transportbetonwerk haftet für Be- Aufenthalte auf der Entladestelle, für beton verwendet wird.
tonqualität und -sorte. Die Werke lie- Betonzusatzmittel oder höherwertigen Für jede bei der Eignungsprüfung an-
fern durchschnittlich 6 bis 8 Betonsor- Beton, für Zusammensetzungen nach gesetzte Mischung und für jedes vor-
ten und mehr, die in Listen mit allen er Wunsch des Abnehmers und für Klein- sehene Prüfalter sollen mindestens 50
forderlichen Werten, wie Betongüte, Ze- mengen ohne Fahrzeugauslastung. dm3 loser Frischbeton, bei sehr steifer
mentgehalt in kg/m3 verdichtetem Fer- Bestellung: Konsistenz 75 dm 3 mit der Maschine
tigbeton und Konsistenz, aufgeführt Das Lieferwerk muß Angaben haben sorgfältig gemischt werden. Die Misch-
sind. Sie unterliegen einer freiwilligen über: dauer nach Zugabe aller Stoffe soll zwi-
Qualitätskontrolle durch Prüfstellen des 1. Gesamtmenge, frühzeitig angeben schen l und 1 1/2 Minuten liegen, die
»Güteschutzverbandes Transportbe- 2. Zeitpunkt des Betonierbeginns Temperatur der Mischung auf etwa
ton«. Nachteilig für einen zügigen Bau- 3. stündliche Einbauleistung 18°-21°C eingestellt werden. Die Prü-
stellenablauf kann eine unzuverlässige 4. aus dem Lieferverzeichnis: Beton- fung muß dabei den Mittelwert der
Anfuhr sein. Es ist deshalb notwendig, güte - ob für Stahl- oder unbewehr- Druckfestigkeit von 3 Würfeln m
dem Lieferwerk sehr genau den voraus- ten Beton gründe legen, die die Werte ßws der
berechneten Bedarf anzugeben. Die Konsistenz - Kj steif, K2 plastisch, entsprechenden Betongüte nun an Vor-
Transportfahrzeuge fassen 3 bis 6 m3. K3 weich haltemaß überschreiten.
Nachteilig kann auch eine vorzeitige Fehlen feste Angaben, so wird als Bei Herstellung von B I beträgt das
Erstarrung bei zu großer Transport- Größtkorn im Zuschlag 32 mm ver- Vorhaltemaß:
entfernung sein. Der enorme Vorteil wendet. Auf Wunsch kann für die B 5 - 3 N/mm 2
für den Garten- und Landschaftsbau Herstellung kleinerer Beuteile eine B 10 bis B 25 - 5 N/mm 2
liegt in der Sicherheit im Hinblick auf Körnung ab 16 mm Größtkorn oder Bei Herstellung von B II ist es dem Un-
die Eignungs- und Qualitätsprüfungen bei Waschbeton eine Ausfallkörnung ternehmer freigestellt, das Vorhaltemall
durch das Lieferwerk und im Vorteil der (Fehlen einer Korngruppe) verwen- nach Erfahrenswerten frei zu wählen.
mischerlosen Baustelle. det werden.
Herstellung: Jede Betonsorte muß bis 5. Zementart (PZ, EPZ, HOZ; TrZ/ 4.11.2 Güteprüfung
zur Auslieferung ihre Konsistenz be- Z 35, Z 45, Z 55)
halten. Deshalb sind die Transportfahr- 6. Sonderzusammensetzungen außer- Mit der Güteprüfung wird kontrolliert,
zeuge mit Umdrehungszählern für das halb des Lieferverzeichnisses müs- ob der für den Einbau hergestellte Be-
Rührwerk ausgestattet. Die Betontem- sen rechtzeitig einer Eignungsprü- ton die geforderte Festigkeit oder Ei-
peratur muß bei der Übergabe minde- fung unterzogen werden können. genschaft erreicht. Dabei sind die Be-
stens 5°C und darf höchstens 30°C tonproben für jeden Probekörper au
betragen, bei einer Lufttemperatur ab einer anderen Mischerfüllung zufällig
-3° C mindestens 10° C. Der Beton muß 4.11 Betonprüfung und etwa gleichmäßig über die Beto-
spätestens 1 1 / 2 Stunden nach Wasserzu- nierzeit verteilt zu entnehmen (s. DIN
gabe entladen sein. Bei ungünstigen Man unterscheidet Prüfungen vor, wäh- 1048, Blatt 1). Sind besondere Eigen-
Witterungseinflüssen und dadurch be- rend und nach dem Betonieren. Die schaften nachzuweisen, so ist der Um-
schleunigter Versteifung ist die Entla- Prüfmethoden sind in der DIN 10457 fang der Prüfung im Einzelfall festzu-
defrist kürzer zu bemessen. DIN 1048 festgelegt. legen. Die Güteprüfung ist auch bei
Der Gütenachweis hat durch die Lie- Transportbeton oder bei Baustellenbe-
ferfirma zu erfolgen. Auf je 500 m3 sind 4.11.1 Eignungsprüfung
ton von einer benachbarten Baustelle
mindestens 3 Probewürfel zu fertigen. durchzuführen.
Die Proben hierzu müssen bei der Über- Mit der Eignungsprüfung wird vor Ver-
gabe auf der Baustelle entnommen wer- wendung des Betons festgestellt, wie der
den. Gleichzeitig hat immer eine Kon- Beton zusammengesetzt sein muß, da-
Betonieren und Nachbehandlung 127

4.11.3 Prüfungen am Bauwerk und dünnwandige Betonkörper zur Schutzmaßnahmen


Ausrüttlung. Laufende Wetterorientierung in frost-
Am erhärteten Bauwerk sind annä-
Die üblichen Innenrüttler sollen mit gefährdeten Zeiträumen.
hernde Druckfestigkeitsprüfungen nach
der Rüttelflasche 15 bis 30 Sekunden Keine gefrorenen Baustoffe verwen-
DIN 4240 zugelassen, die mit Kugel-
durch den Frischbeton in die darunter- den.
schlaghämmern erfolgen. Hierbei wer-
liegende Schicht noch etwa 10 bis 20 cm Nicht auf oder gegen gefrorenen Bau-
den Eindrücke in die Betonoberfläche tief eintauchen (Eintauchschnelligkeit grund oder Bauteile betonieren (ggf.
registriert. Rückprallhämmer zeigen auf
8 cm/s) und langsam wieder herausge- vorher abdecken).
einer Skala die Würfeldruckfestigkeit zogen werden. Hierbei wird eine Rüt- Z 45 oder Z 55 verwenden (schnellere
an. Wegen der Ungenauigkeit wird ein telverbindung zur darunterliegenden Erreichung von 10 N/mm 2 , höhere Wär-
Mittelwert aus 10 bis 20 Schlägen er- Schicht geschaffen. Der Eintauchab- meentwicklung bei der Erhärtung).
rechnet. stand beträgt etwa 50 cm überlappend Erforderliche Frischbetontemperatu-
mit 10 bis 20 cm Abstand von der Scha- ren einhalten (nach der Mischung +15°
lung. bis 20° C, nach dem Verdichten +10° C
4.12 Betonieren und - Temperatureinhaltung durch warmes
4.12.2 Betonieren bei Hitze Anmachwasser und kurze Transport-
Nachbehandlung wege).
und Frost
Geringster Wasserzusatz.
4.12.1 Betoneinbringung und 4.12.2.1 Betonieren bei Sorgfältige Verdichtung.
-Verdichtung höheren Temperaturen Frischbetonabdeckung nach dem
Einbringen.
Frischbeton soll nach dem Mischen so- Hohe Betontemperaturen bringen un- Frostbeschädigten Beton entfernen.
fort verarbeitet werden. Dabei darf er terschiedliche Erstarrung und Erhär- Ausschalung erst nach der Erhärtung
sich nicht entmischen und die Zement- tung sowie Verdichtungsschwierigkei- (Frosttage von Schalfristen abziehen).
brühe nicht abfließen. Die freie Fall- ten. Die Frischbetontemperaturen sol- Frostschutzmittel setzen den Gefrier-
höhe soll nicht 1,00 m übersteigen. Wei- len 30° C nicht überschreiten. Der punkt des Anmachwassers herunter und
tere Höhendifferenzen sind z.B. durch Beton ist ggf. feucht abzudecken, oder wirken außerdem als Schnellerhärter.
Fallrohrrutschen zu überwinden. Um das Betonieren ist einzustellen. Sind nur bei mäßigem Frost wirk-
Betonnester zu vermeiden, soll der Be- Vorbeugungsmaßnahmen: Erhöhung sam und ersparen nicht die übrigen
ton nicht gegen die Schalung, son- des Wassergehaltes bei gleichzeitiger Frostsicherungsmaßnahmen und -Vor-
dern mittig eingebracht werden. Die Zementerhöhung zur Erhaltung des aussetzungen. Sie können festigkeits-
Schalung ist vorzunässen oder zu Wasserzementwertes. Die durch die Er- mindernd und ausblühungsfördernd
ölen. wärmung beschleunigte Überschußwas- sein, sowie den Korrosionsschutz der
Es gibt die Verdichtungsmöglichkei- ser-Verdunstung bringt eine Lockerung Stahleinlagen aufheben. Zugabe bis
ten des Stampfens, Stocherns und Rüt- des Gefüges und eine Rißbildungsge- 2% des Zementgewichtes. Luftporenbil-
teins. fahr. Theoretisch bringt l l Wasserver- dende Betonverflüssiger erhöhen vor-
lust je m2 Betonfläche (1000 cmVm2) teilhaft die Frostbeständigkeit und ver-
einen errechenbaren Riß von l mm ringern den Wasseranspruch.
a) Stampfen Breite, einer gleichmäßigen Tiefenaus-
ist bei unbewehrten Beton (Kl) mög- bildung von 5 cm (kein Keil) und 20 m
lich. Der Frischbeton wird in Schich- 4.12.3 Nachbehandlung und
Länge. Da sich der Zuschlagstoff et- Erhärtung
ten von 15 bis 20 cm Dicke einge- wa 3mal so stark überhitzt gegenüber
bracht und verdichtet, bis an der Ober- der Anmachwassererwärmung, emp- Die Nachbehandlung des eingebrach-
fläche Wasser austritt. Dabei muß man fiehlt sich hier, eine Überhitzung zu ten Frischbetons dient einer Förderung
längs der Schalung und in den vermeiden. der ungestörten Erhärtung und einer
Schalungsecken beginnen. Vor Einbrin- Festigkeitserhöhung. Es wird hierbei
gen der nächsten Schicht wird die durch 4.12.2.2 Betonieren bei kühler das Betonschwinden verringert oder
Stampfen verdichtete Fläche aufge- Witterung und Frost verzögert.
rauht. Die Erhärtung wird durch klimati-
Bei niedrigen Temperaturen ist Vorsicht sche, chemische und mechanische Ein-
b) Stochern geboten. Beton erhärtet ab +10° C lang- wirkungen nachteilig beeinflußt. Hohe
erfolgt bei sehr weichem oder flüssigem samer, ab +5°C wesentlich verzögernd, Temperaturen bewirken erhöhte, starke
Beton (K3) mit 3 bis 5 cm dicken Stan- und ab 0°C tritt eine Unterbrechung Oberflächenverdunstung und Gefahr
gen, damit sich die Hohlräume schlie- ein. Durch Gefrieren des Anmachwas- des Schwindens, niedrige unterbrechen
ßen und Luftblasen austreten. Rütteln sers lockert sich das Betongefüge (Volu- die Erhärtung und bringen Gefügelok-
würde bei dieser Konsistenz zum Ent- menzuwachs 9%) oder es treten Frost- kerungen. Starker Regen wäscht Fe/n-
mischen fuhren. sprengungen auf. Die Gefriergrenze teile und Zement aus der Frischbeton-
liegt wegen der Abbindeerwärmung bei oberfläche. Chemische Einflüsse ent-
—3°C Lufttemperatur. Bei Frostaufgang stehen, wenn aggressive Stoffe, vor
c) Rütteln setzt zwar der Erhärtungsprozeß wieder allem aus dem Boden oder Grundwas-
ist bei steifem oder mäßig weichem Be- ein, der aber Gefugelockerungen nicht ser, vorzeitig den Beton berühren. Die
ton (K2) die beste Verdichtungsme- rückgäng macht. Die Schäden bleiben nachteilige mechanische Einwirkung
thode. Es gibt Oberflächen-, Innen- gering, wenn mindestens 3 Tage ab bedingt Schäden vor allem durch Er-
und Schalungsrüttler. Oberflächenrütt- Betoneinbringung eine Erhärtung bei schütterungen während des Abbindens,
ler sind für 20 bis 25 cm dicke Beton- +5°C erfolgte und eine Druckfestigkeit z.B. durch Einsatz von Vibrationsgerä-
beläge zweckmäßig, Innenrüttler für von 5 N/mm 2 erreicht wurde. Dünn- ten in der Frischbetonnähe, durch vor-
normalen Schalbeton und Schalungs- wandige Bauteile sind besonders gefähr- zeitiges Begehen und Belasten und
rüttler nur für stark bewehrte Säulen det. durch Stoßen.
128 Beton

Nach DIN 1045 ist der Beton vor die- Tab. 4.12.3.2/1 Ausschalfristen
sen Schäden in der ersten Erhärtungs-
zeit zu schützen. Außerdem ist danach
zur Vermeidung von Schwindschäden
der Beton 8 bis 14 Tage feucht zu
halten. Dies gilt besonders für Z 45,
Z 55, Sulfathütten- und Traßzement
wegen der hohen Abbindewärme. Das
Schwindmaß des Betons beim Erhärten
an der Luft richtet sich nach der Ze-
mentmenge und dem Wassergehalt. Je
größer Zement- und Wasseranteil sind
und je feiner der Zement ist, um so
höher das Schwindmaß. Bei 250 bis
300 kg/m3 Zementanteil beträgt es 0,3
bis 0,6 mm/m, bei starken Betonquer-
schnitten bis zu 50% mehr. Ein zu
starkes Besprengen des Frischbetons
führt zur Zementauswaschung.

4.12.3.1 Vorbeugende Maßnahmen bis 7, verwendet. Den so bewehrten Be- a) nach der Herstellungsart:
gegen Schwindschäden ton nennt man Stahlbeton. Stahlbeton U = Unbehandelter (naturharter
ist ein VerbundbaustofT. Stahl und Be- Stahl
a) Abdecken ton haben etwa gleiche Wärmeausdeh- - Festigkeit auf Grund der chrmi-
Zur Abhaltung von Hitze und Kälte und nungszahlen. Der Beton besitzt eine sehen Zusammensetzung
zur Verminderung eines vorzeitigen hohe Druck-, aber eine geringe Biege- K = Kaltverformter Stahl
Entzuges von Überschußwasser. Im Au- zugfestigkeit. Im Stahlbeton übernimmt - Kaltverformung des naturharten
ßenbetonbereich verringert sich sonst deshalb der Beton die Druckspannun- Stahls durch Verdrehen und/oder
der Wasseranteil stärker als im Beton- gen, der Stahl die Zugspannungen. Es Recken (s. Abb. 4.13.1/1)
kern. Dadurch setzt sich außen die können Stabstähle und Betonstahlmat- b) nach der äußeren Form:
gleichmäßige Erhärtung nicht mehr ten verwendet werden. Alle Beweh- G = Betonrundstahl mit glatter
fort, und es entstehen Festigkeitsmin- rungsstähle müssen kalt verformbar sein. Oberfläche
derungen, die zu aussandenden Ober- Beim Kaltbiegeversuch, einer Biegung R = Betonrippenstahl mit rechtwink-
flächen führen. Außerdem wird außen von 180° um einen Dorn, dessen Durch- lig oder schräg verlaufenden Rippen
das Volumen kleiner als im Betonkern, messer dem doppelten Prüfstahlquer- P = Profilierter Betonstahl
wodurch Schwindspannungen entste- schnitt entspricht, dürfen auf der Zug-
hen, die zu Rissen fuhren. Zement be- seite keine Risse entstehen.
nötigt ca 20% seines Gewichtes an Was- Betonstahl U
ser zur Hydratation.
4.13.1 Sorteneinteilung
h) Langfristiges Belassen der Schalung Bei der Herstellung von Stahlbeton wer- Betonstahl K,
den i. w. 3 gerippte, schweißgeeignete durch Torsion
verfestigt
c) Feuchhaltung Stahlsorten verwendet (Tab. 4.13.1/1).
Evtl. Nachbehandlungsmittel spritzen Betonstahl K,
durch Recken
zur Verdunstungsherabsetzung. Die einzelnen Stahlgruppen sind wei- verfestigt
Schäden aus Behandlungsfehlern terhin unterteilt:
sind nicht mehr zu beheben. Abb. 4.13.1/1

4.12.3.2 Schalungsfristen nach Tab. 4.13.1/1 Sorteneinteilung nach DIN 488 T. 1 (Ausgabe September 1984)
DIN 1045
Kurzname BSt 420S BSt 500S BSt 500M
Das Ausschalen darferst erfolgen, wenn
eine ausreichende Erhärtung stattgefun- Kurzzeichen INS IV S IV M
den hat. Bei Erhärtungszeiten von +5°
Werkstorfnummer 1 .0428 1 .0438 1.0466
bis 0°C ist besonders sorgfältig zu prü-
fen, ob bereits eine Ausschalung mög- Erzeugnisform Betonstabstahl Betonstahlmatte
lich ist. Trat während der Erhärtung
Frostwetter ein, so ist die Ausschalfrist Nenndurchmesser N/mm2 6 bis 28 4 bis 12
um die Anzahl der Frosttage zu erhö-
hen. Die Haupterhärtungszeit liegt zwi- Streckgrenze N/mm2 500 550
schen 4 und 6 Wochen ab Einbringung
(siehe Tab. 4.12.3.2/1). Bruchdehnung % 10 8

Geeignete Schweißverfahren1 E, MAG, GP, RA, RP E, MAG, RP

4.13 Betonstahl 1
Die Kennbuchstaben bedeuten:
E = Metall-Lichtbogenhandschweißen RA = Abbrennstumpfschweißen
Zum Bewehren von Beton wird in der MAG= Metall-Aktivgasschweißen RP = Widerstandspunktschweißen
Regel Betonstahl nach DIN 488, Teil l GP = Gaspreßschweißen
Betonstahl 129

Tab. 4.13.2/1 Abmessungen von geripptem Betonstahl nach DIN 488 malbreite von 2,45 m (Straßentrans-
Durchmesser, Umfang, Querschnitt und Gewicht (Nennwerte) port) einzuhalten. Baustahlmatten, die
den Mindestanforderungen der Listen-
Nenn- Nenn- Nenn- Nenngewicht
durchmesser umfang
matten nicht genügen, heißen Zeich-
querschnitt je lfd Meter
nungsmatten. Sie sind wegen der er-
ds us As G forderlichen Sonderfertigung erst nach
mm cm cm2 kg/m Absprache mit dem Herstellerwerk an-
zufertigen.
6 1,89 0,283 0,222
4.13.3.2 Listenmatten
8 2,51 0,503 0,395
10 3,14 0,785 0,617 Die Kennzeichnung erfolgt durch vier
12 3,77 1,13 0,888 Zahlen, z.B.: 100 • 250 • 6,5 • 4,6,
14 4,40 1,54 1,21 d.h.: Längsstababstand • Querstabab-
16 5,03 2,01 1,58
20 6,18 3,14 2,47
stand • Längsstabdurchmesser • Quer-
stabdurchmesser (Tab. A 4.13.3.2/ 1).
25 7,85 4,91 3,85
28 8,80 6,16 4,83 4.13.3.3 Lagermatten

Die Bezeichnung der Lagermatte (Tab.


A 4.13.3.3/1) erfolgt mit N, Q, R
hen werden (Randsparmatten), indem oder K in Verbindung mit einer Zahl
4.13.2 Betonstabstahl
der Stahlquerschnitt auf 50% des Quer- (lOOfacher Tragstabquerschnitt [cm2/
Betonstähle der Stahlsorten III und IV schnittes in Mattenmitte reduziert wird. m]). Matten mit der Bezeichnung N;Q
sind im Handel als Einzelstäbe erhält- Die Achsabstände der Längsstäbe be- haben quadratische Öffnungen, mit der
lich. Sie werden beim Einbau auf der tragen 50 mm; 75 mm oder ein Vielfa- Bezeichnung R;K rechteckige Öffnun-
Baustelle mit Querstäben (Verteilerstä- ches dieser Maße. Die Querstäbe wer- gen. Da N-Matten aus punktgeschweiß-
ben; Bügeln) zu einem unverschiebli- den im Raster von 25 mm bei einem ten glatten Stäben hergestellt werden,
chen Bewehrungskorb, bzw. Beweh- Mindestabstand von 50 mm angeord- dürfen sie nicht zur Aufnahme statisch
rungsmatte zusammengebunden (Tab. net. nachgewiesener Zugkräfte verwendet
4.13.2/1). werden (N = nicht statisch). Bei den
Nennquerschnitt (cm2) und Nenn- 4.13.3.1 Baustahlgewebe Randsparmatten sind in Querrichtung
durchmesser (cm) errechnen sich aus folgende Überdeckungslängen erfor-
dem Gewicht des Stabes. Baustahlgewebe gehört zur Gruppe der derlich:
Baustahlmatten. Man unterscheidet La- Q-Matte (4 Einfachstäbe) = 50 cm
ger-, Listen- und Zeichnungsmatten. R-Matte (2 Einfachstäbe) = 20 cm
Lagermatten sind ab Händlerlager er- K-Matte (4 Einfachstäbe) = 35 cm
hältlich und haben einheitliche Abmes-
d ;= 12,74\/? (mm) sungen von 5,00 x 2,15 bzw. 6,00 x
4.13.4 Verlegen der Bewehrung
2,15 m. Listenmatten werden je nach
G = Gewicht des Stabes (g) Bauobjekt und statischer Berechnung 4.13.4.1 Allgemeine Angaben
l = Länge des Stabes (mm) in Mattenlisten zusammengestellt. Da-
bei sind bestimmte Stabdurchmesser Die Stahlbetonbestimmungen der DIN
und Stababstände sowie eine Maximal- 1045 enthalten sehr eingehende Vor-
4.13.3 Betonstahlmatten länge von 12,00 m und eine Maxi- schriften über die Bewehrung, z. B. über
Betonstähle der Stahlsorte IV sind vor-
wiegend nur als Betonstahlmatten im Tab. 4.13.3/1
Handel. Man unterscheidet geschweißte
Ober- Nenn- Nenn- Nenn-
Matten (Baustahlmatten) und nicht ge- flächen- durchmesser1 querschnitt2 gewicht2
schweißte Matten (Verbundstahlmat- ge- ds G
As
ten). Bei den Baustahlmatten wer- staltung mm cm2 kg/m
den die Einzelstäbe durch maschinelle
Widerstandspunktschweißung an den 4 0,126 0,099
Kreuzungsstellen zu flächigen, steifen 4,5 0,159 0,125
Bewehrungsnetzen miteinander ver- 5 0,196 0,154
bunden. Verbundstahlmatten sind in 5,5 0,238 0,187
den Knotenpunkten mechanisch unter- glatt, 6 0,283 0,222
profiliert 6,5 0,332 0,260
schiedlich gehalten (z.B. durch Kunst- oder gerippt 7 0,385 0,302
stoffmuffen). 7,5 0,442 0,347
Für geschweißte Betonstahlmatten 8 0,503 0,395
werden nach DIN 488, Blatt 4, Einzel- 8,5 0,567 0,445
stäbe nach Tab. 4.13.3/1 verwendet. 9 0,636 0,499
Als Längsstäbe werden Einfachstäbe 9,5 0,709 0,556
oder Doppelstäbe angeordnet. Die 10 0,785 0,617
Querstäbe sind aus herstellungstechni- 10,5 0,866 0,680
schen Gründen immer Einfachstäbe. 11 0,950 0,746
11,5 1,039 0,815
An den Mattenlängs- und Querrän- 12 0,888
1,13
dern können Randsparzonen vorgese-
130 Beton

ihre Anordnung, Verankerung, Stoß- Tab. 4.13.4.3/1 Mindestmaße der Betondeckung, bezogen auf die Durchmesser der
überdeckung, Betonüberdeckung etc. Bewehrung
Diese Vorschriften sind als Konstruk-
tionsunterlage für das Ingenieurbüro Stabdurchmesser (mm) 12 14-18 20,22 25,28 28
gedacht. Die Einhaltung wird vom Betondeckung (cm) 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0
Prüfingenieur für Baustatik überwacht.
Es werden daher nur einige wichtige
Grundregeln für die Baustelle angege-
ben, wobei insbesondere darauf hinge- Tab. 4.13.4.3/2 Mindestmaße der Betondeckung für Ortbeton, bezogen auf die Umwelt!
wiesen wird, daß die auf den Schal- und bedingungen (cm)
Bewehrungsplänen gegebenen Anwei-
sungen genau zu beachten sind. Die Umweltbedingungen B15 ^ B 25
rechnerisch nachgewiesenen Stahlein- allgemein Flächen- allgemein Flächen-
lagen sind i. a. in der Zugzone zu verle- tragwerke tragwerke
gen. Diese kann je nach Tragverhalten
der Platten unten oder oben liegen 1 Bauteile in geschlossenen Räumen, 2,0 1,5 1,5 1,0
(Kragplatte). Es können auch bei Bela- Bauteile, die ständig unter Was-
stungen aus verschiedenen Anlässen ser oder ständig trocken sind,
beide Plattenseiten, oben und unten, Dächer mit wasserdichter Haut für
auf Zug bewehrt werden müssen. Bei die Seite, auf der die Dachhaut
Platten und Balken werden die Zugein- liegt.
lagen bis über die Auflagen geführt. Bei 2 Bauteile im Freien und Bauteile, 2,5 2,0 2,0 1,5
der Verwendung von Betonstählen wer- zu denen die Außenluft ständig
den die einzelnen Stäbe als Zug-, ggf. Zugang hat.
auch als Druckbewehrungen und als
Verteilerstäbe längs und quer verlegt. 3 Bauteile in geschlossenen Räumen 3,0 2,5 2,5 2,0
Die Verteilerstäbe halten erstere in ih- mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit,
rer Lage und werden deshalb mit Bin- Bauteile, die wechselnder Durch-
dedraht mit diesen verbunden. Dieser feuchtung und schwachem ehem.
Angriff nach DIN 4030 ausgesetzt
Draht hat keine statische Aufgabe, son- sind.
dern er verhindert ein Verlagern der
Stäbe während des Betoniervorganges. 4 Bauteile, die korrosionsfördern- 4,0 3,5 3,5 3,0
Wird Baustahlgewebe eingebracht, so den Einflüssen oder starkem
sind hier Zug- und Verteilerstäbe zu ehem. Angriff nach DIN 4030 aus-
Matten verschweißt. Die Mattenverbin- gesetzt sind.
dungen werden durch Überdeckung mit
der Nachbarmatte erreicht. Es kann
auch zwischen Betonstahleinlagen und
Baustahlgewebematten kombiniert wer- richtlinien vor, nach denen Bauteile zelstäbe oder Betonstahlmatten ent-
den. (Balken, Platten, Wände etc.) gemäß sprechend Stahlsorte, Biegeform
Da bei einem statischen Nachweis ihres Tragverhaltens grundsätzlich zu Durchmesser und Länge nach Position
nicht alle Einflüsse der Beanspruchung bewehren sind. geordnet und dargestellt sind.
berücksichtigt werden (z.B. Kriechen, Das Konstruktionsbüro fertigt unter
Schwinden, Temperaturdifferenzen Einhaltung dieser Vorschriften einen 4.13.4.2 Biegen
etc.), gibt die DIN 1045 Bewehrungs- Bewehrungsplan an, auf dem die Ein-
Beim Biegen der Bewehrung müs-
sen bestimmte Biegeradien eingehalten l
Tab. 4.13.4.2/1 Mindestwerte der Biegerollendurchmesser werden. DIN 1045 gibt daher für Haken,
Winkelhaken, Schlaufen, Bügel sowie
für Aufbiegungen und andere ge-
krümmte Stäbe Mindestdurchmesser-
ds - der Biegerollen an (Tab. 4.13.4.2/1).
Bei der Herstellung von Haken und
Winkelhaken muß nach der Krüm-
mung noch ein gerades Stück verblei-
ben, dessen Länge mindestens das 50-fa-
ehe des Stabdurchmessers betragen
muß.
Die erforderlichen Biegerollendurch-
messer müssen auf dem entsprechen-
den Bewehrungsplan angegeben wer-
den.

4.13.4.3 Betondeckung

Abstandhalter sorgen für die richtige


ds = Stabdurchmesser dB = Biegerollendurchmesser Lage der eingebrachten Bewehrung,
Um den Stahl vor Korrosion zu schul-
TT
der zen, ist eine bestimmte Betondeckung
einzuhalten. Diese richtet sich entwe-
der nach dem Stabdurchmesser oder
Betonstahl 131

den Umweltbedingungen. Maßgebend


ist stets der ungünstigere Wert. In auf
dem Baugrund aufliegenden Betonplat-
ten ist zunächst eine mindestens 5 cm
dicke Betonschichte als Sauberkeits-
schicht einzubringen. Die Mindestmaße
für die Betondeckung sind in Tabelle
4.13.4.3/1 + 2 enthalten.
Flächentragwerke sind nach Tabelle
4.13.4.3/2 Platten, Rippendecken, Stahl-
steindecken, Scheiben, Schalen, Falt-
werke und Wände.
Für werksmäßig hergestellte Beton-
teile -B 35 gelten die Werte der letzten
Spalte.

4.13.4.4 Stababstände

Der lichte Abstand von gleichlaufen-


den Bewehrungsstäben muß minde-
stens 2 cm betragen oder die Größe des
Stabdurchmessers haben. Doppelstäbe
geschweißter Betonstahlmatten dürfen
sich berühren. Dies gilt auch für Stab-
stähle im Stoßbereich. Für nicht ge-
schweißte Betonstahlmatten gelten die
Angaben für den Stabstahl.

4.13.4.5 Verankerungen (Zugstäbe)

Im Stahlbetonbau sind nach Abbildung


4.13.4.5/1 Verankerungselemente ge-
bräuchlich und in der DIN 1045 aufge-
führt.
Rippenstäbe dürfen gerade enden.
Dabei ist eine bestimmte Verankerungs-
länge a erforderlich, auf der über Ver-
bund mit dem umhüllenden Beton die
Kraft Z eingeleitet wird. Die Länge
dieses Einleitungsbereichs ist abhängig
von der im Bewehrungsstab vorhande-
nen Zugkraft Z, dem Umfang U des
Bewehrungsstabes, der Mindeststreck-
grenze des Betonstahls und dem zuläs-
sigen Rechenwert der Verbundspan-
nung zwischen Bewehrungsstab und
Beton. Hierbei ist die Größe der Ver-
bundspannung abhängig von der vor-
handenen Betongüte und der Lage des
Bewehrungsstabes innerhalb des Beton-
querschnitts. Genauere Angaben hier-
über finden sich in der DIN 1045, Ab-
satz 18.5. Glatte und profilierte Stäbe
dürfen nicht allein durch gerade Stab-
enden verankert werden.
Mit Haken dürfen Stäbe aller Art ver-
ankert werden. Winkelhaken sind nur
als Verankerungselement für Rippen-
stäbe vorgesehen. Durch die hakenför-
mige Aufbiegung verringert sich die
erforderliche Verankerungslänge des
Stabes. Rippenstäbe erhalten dann ei-
nen Winkelhaken, wenn aus konstruk-
tiven Gründen die Verankerung mit ge-
radem Stabende nicht mehr möglich ist. Verankerung von Betonstahlmatten aus Rippenstahl
132 Beton
Schalung 133

Abb. 4.13.4.11 /2 Abstandhalter

b) obere Bewehrungslage
Zur Einhaltung der Konstruktionshö-
he für obenliegende Mattenlagen wer-
den u.a. Baustahlgewebe-Abstandhal-
ter APSTA verwendet (Bau-Stahlgewe-
be GmbH, Düsseldorf Abb. 4.13.4.11/2
und Tab. A 4.13.4.11/1)
Die Abstandhalter A 8 bis A 40 werden
in Körben von 2,00 m Länge und in
Bunden von 10 Körben geliefert. Die
Q Abstandhalter A 8 bis A 20 werden be-
R vorzugt am Lager gehalten. Für größere
Deckendichten können die Abstandhal-
ter A 21 bis A 40 kurzfristig geliefert
Q werden. Die Standfüße der Abstandhal-
R ter APSTA sind:
a) in Normalausführung rostgeschützt,
b) für Sichtbeton kunststoffummantelt.

0 4.14 Schalung
Die Schalung dient der Formgebung des
Frischbetons. Sie muß daher sorgfältig
aufgestellt, ausgesteift und ausgerich-
tet werden. Während des Betoniervor-
ganges und des Rüttelns darf sie sich
nicht verschieben. Beim Ausschalen
muß sie sich leicht vom Beton lösen
lassen, ohne die Betonoberfläche zu be-
schädigen. Schalöle erleichtern dies,
dürfen aber keine Flecken oder Er-
härtungsfehler hinterlassen. Deshalb
(1), (3), (5) Verteilerstoß werden i. a. wasserlösliche Mineralöle
(2), (4), (6) Tragender Stoß verwendet, die bei Fleckenbildung aus-
waschbar sind.
4.13.4.10 Schneiden und Biegen
von Matten
©
4.14.1 Schalmaterial
Es gibt Baustahlgewebe-Schneidegeräte
a) Schalbretter
(elektr.), die auch bereits verlegte Mat- Als Schalbretter werden i. a. Holzarten
ten mit bis 12 mm starken Einfachstä- wie Fichte, Kiefer und Tanne verwen-
ben oder 8,5 mm starken Doppelstäben Abb. 4.13.4.11/1
det. Die Brettstärken müssen dem Scha-
schneiden. Außerdem gibt es Biegema- lungsdruck und dem Aussteifungsab-
schinen für die üblichen Mattenbrei- stand entsprechen. Bei stumpfgestoße-
ten. nen Brettern beträgt die Dicke i. a.
(Abb. 4.13.4.11/1 © bis ®). Sie werden 24 mm. Sie sollen möglichst astfrei sein.
4.13.4.11 Abstandhalter Äste lassen sich mit Schellack isolieren,
für waagerechte und senkrechte Beweh-
rungen mit nachstehenden Abstandma- Astlöcher mit Holzpfropfen schließen.
a) Untere Bewehrungslage Alle Hölzer werden in gleicher Faser-
Zur Einhaltung des notwendigen Uber- ßen hergestellt: Maße in mm: 10,15,20,
25, 30, 35, 40, 50. Die Formgebung läßt richtung eingebaut, und es werden nur
deckungsabstandes werden Abstands- Hölzer gleichen Alters verwendet, da
klemmen, Betonklötzchen oder Ab- je nach Lage die Verwendung für ver-
schiedene Abstände zu. Die für senk- das Schalöl sonst unterschiedlich tief
standhalter aus Asbestzement, Rund- eindringt und mit unterschiedlicher
stahl oder Baustahlgewebe unterlegt. rechte Schalungen bestimmten besitzen
Haltedraht oder -gummi. Menge auf die Sichtbetonfläche ein-
Abstandhalter aus Asbestzement
134 Beton

wirkt, wodurch Farbunterschiede in der flächen aufweisen, sie sind deshalb nach I.W. in mm: 10,12,16,18,25,32,34,40,
Ansichtsfläche auftreten. Ungehobelte dem Ausschalen sofort, ggf. mit Hilfe 48, 62.
Bretter hinterlassen Holzfasern auf dem eines Schalhobels, zu säubern. Anwendung bei wasserdichtem Beton:
Beton. Bessere Schalbretter haben ge- Schalöle begünstigen das Ausscha- Gute Spreizenumhüllung notwendig,
hobelte, gespundete oder gefalzte Ver- len. Wasserlösliche Mineralölemulsio- Nach dem Ausschalen und mindestens
bindungen und sind damit dichter, so nen sind gleichmäßig und dünn auf 5tägiger Abbindezeit Rohröffnungen
daß kein Zementleim ausläuft. Schalung zu streichen. zunächst auf der Wasserdruckseite mit
Auf Sichtbetonflächen lassen sich Or- 2 hintereinandergesetzten und mit Ab-
b) Schalungsplatten namente und kubische Aussparungen dichtungskleber umhüllten Stöpseln
sind zu Platten verarbeitete Massivbret- durch entsprechende Schalungsformen bündig verschließen. Vorher muß Rohr-
ter mit gehobelter Oberfläche, z.T. schaffen. Bei engen Profilabständen inneres mit einer Rundbürste gereinigt
kunststoffbeschichtet. Sie sparen Schal- sollte dann ein niedriger Grobkornan- werden. Nach 4 Tagen Wasserdruck-
Öl und erzielen besonders glatte Ober- teil gewählt werden. probe durchführen und dann erst die
flächen. Die Platten sind scharfkantig Rohrgegenseite mit einem kleberum-
mit Profilkantenschutz und Nagellö- 4.14.3 Schnellspreizen aus hüllten Stöpsel verschließen.
chern ausgebildet und werden zu Ta-
feln zusammengenagelt. Die Maße sind Asbestzement
ungenormt, meistens: Dicken 22, 23, Asbestzementrohre unterschiedlicher 4.15 Sichtbeton
25 und 28 mm. Längen 0,75, 1,00, 1,50 Längen und Stärken dienen zum Ein-
und 2,00 m. Breiten 0,50 m, Halbbreite spreizen zwischen senkrechte Mauer- Bei einem Bauwerk aus Sichtbeton wird
0,25 m. schalungen, wobei die Rohre mit die Außenfläche weder geputzt noch
Kunststoff-Trennscheiben auf die ge- mit einem Verblendstein verkleidet.
c) Sperrholzplatten wünschte Mauerstärke zugeschnitten Man unterscheidet:
sind 12 bis 24 mm dick, 3- und Sschich- werden. Rohre werden nach dem Aus- a) schalungsrauher Beton
tig mit Hartholzfurnieroberflächen ver- schalen in der Mauer belassen. Die — bleibt nach dem Ausschalen unbe-
leimte Platten. Sie ergeben bei ent- nun sichtbar werdenden Rohröffnun- handelt.
sprechenden Plattengrößen fugenarme gen werden mit Beton oder mit Asbest- b) Waschbeton
Oberflächen. zementstöpseln verschlossen. Vorteil: — wird nach dem Ausschalen in der
schnelles Arbeiten, kein Abstemmen Oberfläche ausgewaschen.
d) Hartfaserplatten einbetonierter Spanndrähte, keine Rost- c) Betonoberflächen mit Schlagbear-
sind feuchtigkeitsempfindlich und nicht flecken auf dem Beton, kein Verputzen beitung
sehr dauerhaft, da vor allem die Kanten von Stemmlöchern. Die Rohre liegen — werden nach dem Erhärten einer
leicht ausbrechen. Außerdem enthalten mit ihren Schnittflächen gegen die Oberflächenbearbeitung unterzogen
sie Stoffe, die die Oberflächenerhärtung Schalung. Bei Leichtbauplatten wer- Für alle Formen sind eine dichte
stören können oder Flecken bilden. den Auflagescheiben als Schutz gegen und standsichere Schalung, gleichmä-
Deshalb sollen nur Platten mit ölgehär- Eindrücken zwischen Rohrschnittfläche ßiges Gefüge und gleichmäßige Ver
teter Oberfläche verwendet werden. Die und Schalung gelegt. dichtung Grundbedingung. Unschöne
Platten wellen sich leicht und fuhren Herstellungslängen 1,25 m, Wandstärke Flächen entstehen durch Verformen
dadurch zu Oberflächenverformungen. 7 mm. der Oberfläche, Arbeitsfugen, un-

e) Stahlblech
ist teuer, dauerhaft und leicht montier-
bar. Es wird daher vorwiegend im Be- Tab. 4.15.1/1
tonfertigteilwerk verwendet. Als Schal-
haut müssen die Bleche auf Grund ihrer Sichtbetonart Gew.%-Anteile für Körnung in mm
dünnen Dicken gut ausgesteift werden. 0-4 4-8 8-16 16-32
Um Rostflecken zu vermeiden, sind sie
mit einem Ölanstrich zu versehen. schalungsrauher Beton 40 15 20 25
Wasch beton fein 15-20 _ 80-85 _
f) Kunststoffe Waschbeton grob 25 75
sind als selbständige Schalungsplatten Spitz- und
oder als Holzbeschichtung im Handel. Kratzbeton 25 15 23 37
Sie ergeben eine gute ausschalbare,
glatte Sichtbetonfläche und erhöhen die
Haltbarkeit des Schalmaterials.
Tab. 4.15.1/2
4.14.2 Schalungsbehandlung
Sichtbeton- Gew.%-Anteile für Körnung in mm W/Z- Ausbreit-
Schalwände sind vor dem Einbringen farbe - Wert maß in cm
des Frischbetons vorzunässen, damit Quarzit-
4-8 8-16 16-32
sich vorhandene Fugen schließen. Die mehl
verbleibenden Fugen sind zu verkitten.
Die Eigenfeuchtigkeit der Schalung Grau beton 3-8* 34 14 20 28 0,45 40-44
Weißbeton 34** 16 20 28 0,54 40-44
muß so groß sein, daß sie dem Frischbe-
ton kein Anmachwasser entzieht. Sonst * genaue Menge über Probe ermitteln.
entstehen Erhärtungsfehler, und die Ze- ** Brehmtaler-Taunus-Quarzit mit max. 20% Staubanteilen.
menthaut reißt beim Ausschalen ab. 360 kg/m3 Z 35 bei Graubeton mit Betonverflüssiger,
Alle Schalbretter müssen saubere Ober- 360 kg/m3 Z 35 Dyckerhoff-Weiß ohne Betonverflüssiger für Weißbeton.
Arbefts- und Dehnungsfugen 135

scharfe Kanten- und Eckausbildun- Verwendung von glatten Schaltafeln Betonoberfläche nur auszubürsten und
gen, ungleichmäßige Körnungsoberflä- oder gehobelten und gefalzten Brettern das Nachwaschen wegen der Frostge-
chen durch Entmischen und durch Aus- bildet sich bei richtiger Körnung ei- fahr (Gefugelockerung in der Beton-
schalungsschaden. ne glatte, strukturlose Betonoberfläche oberfläche) zu unterlassen.
Wesentlich wird das Bild durch ein aus. Schalbretter mit Schalungsöl vor-
zweckmäßiges Betongemenge be- streichen, Beton nach dem Ausschalen c) Schlagbearbeitungen
stimmt. nässen und abdecken. Kratzbeton
Sichtbeton muß gut gemischt und Besonders glatte Oberflächen werden Der schalungsrauhe Beton ist etwa
plastisch verarbeitet werden. Die Korn- mit Stahlbetonfertigteilen erreicht, da nach 12 bis 14 Stunden auszuschalen.
zusammensetzung soll der Sieblinie bei der Herstellung eine Stahlschalung Die ausgeschalten Sichtflächen werden
A32/B32 entsprechen. Bei Ausführung und hohe Betongüteklassen verwendet dann mit einem Nagelbrett gekratzt, wo-
eines B 25 soll die Mindestzement- werden. Dabei ist darauf zu achten, daß bei die gröberen Körnungen ausfallen
menge 350 kg/m3 betragen, damit bestimmte Bauteile abweichend von der und deren Lager als Vertiefungen im
ein ausreichender Mehlkorngehalt von Baustellenfertigung hergestellt werden verbliebenden Feinkorn stehenbleiben.
400 kg/dm3 vorhanden ist und eine (eine Fertigteil-Stütze wird z.B. liegend Spitzbeton
gleichmäßige Oberflächenstruktur er- gefertigt - hat daher nur 3 Sichtbeton- Die Behandlung erfolgt nach dem Ab-
reicht wird. Zur Erzielung eines günsti- flächen). binden. Mit dem Spitzmeißel wird das
gen W/Z-Wertes kann ein Betonver- verbleibende Großkorn angespalten, so
flüssiger zugesetzt werden. Soll die b) Waschbeton daß farbige Kieselbruchflächen sichtbar
Oberfläche nachträglich behandelt wer- Die Ausschalung muß vor dem Erhär- werden.
den, so muß die Betondeckung zur Ver- ten erfolgen, um sofort das Feinkorn Steinmetzmäßige Bearbeitung
meidung von Rostdurchschlag minde- und den Zementanteil von der Oberflä- Nach dem Abbinden wird die erhärtete
stens 30 mm betragen. Das Betonieren che abzuwaschen, damit die Betonsicht- Oberfläche wie ein Werkstein durch
muß sorgfältig ohne Unterbrechung er- fläche durch das verbleibende Grobkorn Scharrieren oder Stocken behandelt.
folgen. Rüttler schnell eintauchen und rauh und belebt erscheint. Das Auswa-
langsam herausziehen. schen muß je nach Temperatur inner-
halb von 12 bis 14 Stunden erfolgt sein.
Ggf. kann die Schalungsinnenwand mit 4.16 Arbeits-und
4.15.1 Zuschlagkörnungen für
Sicht- und Waschbeton
Abbindeverzögerer gestrichen werden. Dehnungsfugen
Es kann auch nach dem Ausscha-
a) Körnungen für Sichtbetongemenge len Planex-62-farblos aufgespritzt wer- Fugen sind bei vielen Bauwerken uner-
nach Schnasse (s. Tab. 4.15.1/1) den, das die Oberflächenerstarrung des läßlich. Da sie teuer sind und stets eine
Gemenge mit Ausfallkörnungen sind Frischbetons verzögert. Nach dem Er- Schwächung des Bauwerks darstellen,
festigkeitsgemindert und stellen Kon- härten des Betonkerns soll dann noch soll ihre Anordnung gut durchdacht und
zessionen an das Aussehen dar. ausgebürstet und abgewaschen werden. ihre Anzahl auf ein notwendiges Maß
Der Vorteil liegt hier in einer geringeren reduziert werden.
b) Körnungen für glatten Sichtbeton nach Festigkeitsminderung.
Esser (s. Tab. 4.15.1/2) Mit dem Auswaschen der äußeren
4.16.1 Arbeitsfugen
Zementhaut wird das Zuschlagkorn frei-
c) Waschbetonkörnungen gelegt. Das Auswaschen mit Hand (mit Arbeitsfugen treten auf, wenn aus
(Beispiele der Deutschen Zementindu- Draht- oder Piassavabürsten) erfolgt mit Herstellungsgründen Betonierabschnit-
strie) viel Wasser und darf höchstens !/3 der te erforderlich sind. Sie sind uner-
1. 25 Gew.% 0-4 mm, 75 Gew.% 8-16 Kornoberfläche freilegen, da sonst eine wünscht, weil sie festigkeitsmindernd
oder 16-32 mm. 16-32 mm kann Kies Kornlockerung erfolgt. Anschließend wirken und Ausgangspunkte für Rißbil-
oder Gesteinssplitt sein. Für feinere muß der Zementschleier durch Nach- dungen, Frostschäden, Wasserdurch-
Strukturen muß das Größtkorn auf waschen entfernt werden. Ist das Grob- tritte und Ausblühungen bilden. Man
16 oder 8 mm begrenzt werden. korn infolge der Verwendung von Aus- sollte daher zunächst versuchen, den
2. 350 kg/m3 Z 35, 150 kg/m3 Was- fallkörnung nicht mindestens zu 2/3 mit Betonkörper in einem Arbeitsgang her-
ser, 625 kg/m3 0-4 mm, 1265 kg/m3 Feinbeton umhüllt nach dem Auswa- zustellen. Ist dies z.B. aus schalungs-
16-32 mm. schen, so muß mit Frostschäden gerech- technischen oder witterungsbedingten
net werden. Gründen nicht möglich, so muß die
Es kann auch ein Vorsatzbeton mit Lage der Arbeitsfuge vor Betonierbe-
4.15.2 Beton-Oberf lächen-
Hilfe einer Blechgleitschalung einge- ginn angegeben werden, evtl. mit einer
ausbildung
bracht werden. Dies ist besonders bei Schein- oder Raumfuge gekoppelt wer-
Schalungsrauher Beton kann durch groben Körnungen zu empfehlen, da den. Auf den Oberflächen der Arbeits-
Oberflächenbearbeitungen verfeinert hier sonst selten die vorgeschriebenen fugen bilden sich oft wasserreiche Fein-
werden, z. B. kann ein Kratz- oder Spitz- Betongüteklassen zu erreichen sind. mörtelschichten, die später einen guten
beton ausgebildet werden. Weiterhin Werden schalungsrauhe oder Wasch- Verbund verhindern. Arbeitsunterbre-
l m cm ist bei rechtzeitiger Ausschalung eine betonmauern nach dem Erhärten zu- chungen bis zu einer Stunde sind ohne
Waschbetonoberfläche möglich. sätzlich mit einem Sandstrahlgebläse nachteiligen Einfluß. Bei Sichtbeton
abgeblasen, so wird hierdurch das Grob- sind Arbeitsfugen möglichst an die Bau-
a) Schalungsrauher Beton korn zwar zementfrei, aber stumpf und werkskante zu legen. Bei unbewehrtem
Schalung muß möglichst scharfkantig unansehnlich. Beton sollte die Arbeitsfuge eine Auf-
sein und dicht, so daß kein Ausschläm- Ist während der Anfangserhärtung ei- kantung erhalten, so daß eine Verzah-
men auf den Flächen und an den Kan- ner Waschbetonmauer Frost eingetre- nung entsteht.
ten erfolgt. Bei ungehobelten, gesäum- ten oder ist damit zu rechnen, so emp- Beim Wiederaufnehmen der Beto-
ten Holzstruktur
die Schalbretternwiederspiegelt. der fiehlt es sich, bei einer Ausschalung
Beidas
entsteht ein Bild,
nach einhaltun der Schalungsrist die tung
nierarbeiten wid nur dann
in der Arbeitsfuge eine gtewenn
erreicht, haf-
136 Beton

die vorgenannte Feinmörtelschicht auf


der Anschlußfläche entfernt, der Alt-
beton gründlich aufgerauht und hier-
durch die Anschlußoberfläche erheb-
lich vergrößert werden. Außerdem
könnte durch Abbindeverzögerer der
Anschluß innerhalb von 24 Stunden
überbrückt werden. Die Anschlußfläche
ist vor dem Weiterbetonieren mit Ze-
mentmilch vorzuschlämmen und be-
sonders bei geforderter Wasserundurch-
lässigkeit mit einer 4 bis 8 cm starken,
steif-plastischen Zwischenschicht, ei-
nem Anschlußbeton ohne Körnung
über 8 mm, vorzubehandeln. Hierauf
ist sofort weiterzubetonieren. Es emp-
fiehlt sich, bei geforderter Wasserun-
durchlässigkeit (z. B. Wasserbecken) ein
Arbeitsfugenband einzulegen.

4.16.2 Dehnungsfugen
Beton ändert durch Kriechen, Schwin-
den und Temperatureinflüsse sein Vo-
lumen. Außerdem treten gelegentlich
unterschiedliche Bodensetzungen auf.
Diese Ursachen können zu Rißbildun-
gen fuhren, wenn keine Dehnungsfu-
gen vorhanden sind. Man unterscheidet
dabei Raumfugen, die den Baukörper
einschließlich Gründung unterbrechen
und je nach Betonmasse alle 7 bis 12 m
erforderlich sind, und zwischen diesen
anzubringende Scheinfugen, die von
der Betonaußenseite nur einige Zenti-
meter in den Beton reichen.
Die Fugenräume werden beim Beto-
nieren durch Brett- oder Styroporein-
lagen ausgebildet. Nach Entfernen der
Einlagen werden die Fugen mit Spezial-
kitt ausgefüllt und mit einem Fugenver-
schlußband gegen Beschädigungen ge-
sichert.
Bei Raumfugen kann man ein seitli-
ches Versetzen der getrennten Bauteile
gegeneinander durch Dübel verhindern.
Diese Stabstähle reichen je zur Hälfte in
horizontaler Lage in beide Bauteile und
sind hier einbetoniert, wobei wechsel-
seitig eine Stabhälfte vorher mit Bitu-
men gestrichen wurde. So haftet der
Beton nur an der ungestrichenen Stab-
Abb. 4.16.3/3
hälfte. Der Beton kann somit in der
Mauerlängsrichtung schieben, ohne daß
ein seitliches Versetzen möglich ist. zu. Sie sind somit in der Lage, Zug-, Einbau (Dehnungsfugenband)
Dehnungsfugen sind keine Nebenlei- Druck- und Scherbeanspruchungen ab- In die Schalung des 1. Bauteils wird in
stung im Sinne der VOB. zubauen, ohne einen Wasserdurchtritt den Fugenraum eine Hartschaumplatte
zu gestatten (Abb. 4.16.3/1-3 u. Tab. (Styropor o. ä.) eingelegt. Hierbei ragen
A 4.16.3/1). Arbeitsfugenbänder haben das Fugenband und das Abdeckprofil
4.16.3 Fugenbänder
i. a. keinen Mittelschlauch. Sie werden durch die Styropor- und Schalungsplatte
Für die konstruktive Ausbildung von senkrecht zur Fugenebene eingebaut hindurch. Sie werden im Betonierraum
Arbeits- und Dehnungsfugen werden und dienen nur als Wassersperre. Da durch an die Schalung befestigte Rodel-
von der Industrie in vielen Varianten aus Gründen der Bewehrungsführung drahte in der gewünschten Lage gehal-
Fugenbänder angeboten. Dehnungsfu- in der Mitte des Betonquerschnitts lie- ten. Nach dem Ausschalen und dem
genbänder haben einen elastischen, gende Bänder schwierig einzubauen Einschalen des 2. Bauteils wiederholt
in der Fuge liegenden Mittelschlauch sind, werden auch innen oder außen sich der Vorgang. Wird kein Abdeck-
aus PVC. Die Mittelschläuche lassen liegende Fugenbänder angeboten (Abb. profil gewählt, so erfolgt nach dem Er-
Dehnungen zwischen 20 und 50 mm 4.16.3/4 + 5). härten des Betons ein Fugenverschluß
Ausschreibung und Abrechnung von Beton und Stahlbetonarbeiten nach DIN 18 33 (Auszug) 137

geschrieben außer dem Vorgenannten:


Wasserzementwert <= 0,55 für bewehr-
ten, <= 0,5 für Massenbeton. Zusätzliche
Oberflächenanstriche.
Schutzmaßnahmen gegen Zerstö-
rung von außen im Moor, bei aggr. Koh-
lensäure usw. siehe Tab. 4.17/1.

4.18 Ausschreibung und


Abrechnung von
Beton und
Stahlbetonarbeiten
nach DIN 18331
(Auszug)
Ausschreibung und Abrechnung kön-
nen nach der VOB, DIN 18331, nach
3 Möglichkeiten erfolgen (siehe auch
Tab. 4.18/1):
a) Beton und Stahlbeton einschl. Scha-
lung und Bewehrung.
b) Beton und Stahlbeton getrennt nach
Beton einschl. Schalung und Beweh-
rung.
c) Beton und Stahlbeton getrennt nach
Beton Schalung, Bewehrung.
Enthält hierzu das Leistungsver-
zeichnis keine Angaben, so ist nach a)
mit kalt einbaufähigem Fugenkitt, der beitsfugen oder Risse, eine langfristige abzurechnen.
als Kittstrang unterschiedlicher Quer- Erhärtung außerhalb des schädlichen Als Bewehrung gelten Lieferung,
schnitte geliefert und in die gesäuberte Wassereinflusses. Wechselnde Wasser- Schneiden, Biegen und Verlegen lt. Be-
und mit Vorstrichmitteln behandelte stände erhöhen den Angriff, deshalb wehrungsplan einschl. Unterstützun-
Fuge eingelegt und festgestopft wird. evtl. dränen oder Grundwasser absen- gen, Verspannungen, Montageeisen. Es
Zum Vergußschutz wird ein Fugenver- ken. ist das DIN-Einheitsgewicht zugrunde
schlußband mit Haftmörtel in die Fuge Für schwachbetonschädliche Angrif- zu legen. Bindedraht und Verschnitt
gedrückt. Diese Bänder haben eine fe ist außer dem Vorgenannten vor- werden nicht berechnet. Die Ausschrei-
Breite von 20 bis 50 mm und dringen geschrieben: Wasserzementwert ^ 0,5 bung von Baustahlgewebe-Lieferungen
zwischen 25 und 45 mm in die Fuge ein. für bewehrten, ^ 0,6 für unbewehrten im Leistungsverzeichnis erfolgt meist
Sie sind schwarz oder grau. Bei Fugen- Beton. Wasserundurchlässigen Beton getrennt vom Einbau nach Gewicht.
stärken unter l cm kann auf das Ver- schaffen, ggf. Traß zusetzen. In sul- Das Gewicht in kg/m2 ist für Lagermat-
schlußfugenband verzichtet werden. fathaltigem Wasser Hochofen- oder ten den Tabellen zu entnehmen, für Li-
Sulfathüttenzement verwenden. Für stenmatten daraus zu errechnen.
stark betonschädliche Angriffe ist vor- Sichtbeton wird nach m2 in der Ab-
4.17 Betonverwendung in
betonschädlichen
Tab. 4.17/1
Böden und Wässern
nach DIN 1030 Einschluß in Wasser äußere Schutzmaßnahmen bei
oder Boden
(Auszug) Ortbeton Fertigteilen + Rohrleitungen

Chemische Aggressionen erfolgen Freie Schwefelsäure Schutzsohle unter dem Schutzanstrich


durch Säuren und bestimmte Salze, vor Bauwerk, Schutzschicht für
allem durch Kohlensäure, freie Schwe- die Außenwände
felsäure, Sulfate, Huminsäure. Die An-
griffe richten sich gegen den Beton- Kohlensäure, Sulfate, wie vorher, Seitenschutz- Schutzanstrich
stein, im allgemeinen nicht gegen die usw. schicht durch bituminösen
Anstrich
Zuschläge. Besonders gefährdet ist jun-
ger Beton, bei langfristiger Erhärtung Schädliche Salze in Schutzsohle und Seiten- äußerer und innerer
läßt die Gefahr z.T. nach. Wasser mit geringer Menge anstrich Schutzanstrich
pH ^ 6 gilt als schwach, mit ^ 5 als stark
betonschädlich, außerdem spielt der Keine freien Säuren dichten Beton herstellen keine Auflagen
Gehalt an schädlichen Bestandteilen der schädlichen Salze
eine Rolle.
Fast ehem. Reinheit außen mit Fluaten behan- außen und innen Schutz-
Wirksame Gegenmittel sind: dichter deln und Schutzanstrich anstrich
Beton mit glatter Oberfläche, keine Ar-
138 Beton ^

Tab.4.18/1 4.19 Anwendungsbeispiel


Abrechnungsart Abrechnungseinheit bei für den Garten K.
Beton Schalung Bewehrung Im Garten K. wird Beton an mehrere:
Mauerstärken Mauer- Stellen benötigt. So sind z.B. diepJ
Massive < 25 cm > 25 cm
Bauteile Kreuzung damente der Pergola aus Beton heil
stellen, ebenso die Fundierung der Sl
stärkere im Preis im Preis fen am Sitzplatz. Weiter wird Betonft
Mauer enthalten enthalten die Fundamente der Einzäunung vl
3 2 3 3
m m oder m m durch- wendet. Aus Beton könnte auch die
messen kg oder t Sichtschutzwand im Eingangsberekl
m2 gefertigt werden. Das muß man aber!
der Abwägung der Vor- und Nachteile
zusammen mit Mauerwerk sehen. Dew
halb wird ein konkreter Anwendung*
Tab. 4.18/2 fall als Alternative zusammen mit AM
Wendungsbeispielen für Mauerwerk in
Abzugsfähige Betonmengen bei Abrechnung nach Kapitel 5.9 beschrieben.

m3 m2

Öffnungen, Nischen, Schlitze, Öffnungen >= je 0,25m² jedoch keine Schlitze,


Keile wenn >= je 0,05 m3 .Keile , Nischen usw.

durchbindende Bauteile (z.B. bei Mauern stärker als 25 cm wird bei abgeschrägtem
Rohre bei > 0,05 m3 Mauerkopf bis zur höchsten Kante gemessen. Durch-
verdrängter Betonmasse bindende Bauteile > je 0,25 m2 abziehen

Bewährungsverdrängte Betonmassen werden nicht abgezogen

wicklung als Zulage zum Betonpreis ab- nach m2 in der Abwicklung der geschäl-
gerechnet, Vorsatzbeton desgl., jedoch ten Betonfläche, wenn nach c) abge-
getrennt nach Art und Vorsatzstärke. rechnet wird. Zusätzliche Schalungen
Aufbetonierte Stufen nach Stückzahl für Betonaussparungen ebenfalls nach
oder Längenmaß abrechnen. Bei letz- m2 in der Abwicklung der geschälten Be-
terem gilt als Abrechnungslänge die tonfläche messen. Bei dem Aufmaß dür-
größte Ausdehnung. fen ohne Abzug übermessen werden:
Bei der Abrechnung dürfen nach Aussparungen in der Schalung ^ je l m2,
Tab. 7.18/2 Abzüge für Öffnungen ge- Schlitze und Kanäle ^ 0,25 m 2 /m bei
troffen werden. Balken-, Stützen-, Wand- und Treppen-
Schalungsabrechnungen erfolgen schalungen.

L
5 Mauerwerksbau H. J. Krems

5.1 Wichtige DIN-Normen und 5.8.1.3 Geschütteter Boden 168 Im Bereich des Landschaftsbaus sind
Bestimmungen 139 5.8.2 Baugrundverhalten 168 es vor allem freistehende Sichtschutz-
5.2 Mauerwerk aus künstlichen 5.8.2.1 Setzungen 168 und Futtermauern sowie Treppenanla-
Steinen 140 5.8.2.2 Grundbruch 168 gen. Hier ist weniger die Festigkeit des
5.2.1 Mauersteine 140 5.8.2.3 Kippen und Gleiten 168 Materials gefordert als die architektoni-
5.2.1.1 Mauerziegel nach 5.8.3 Flächengründungen 168
DIN 105 140 5.8.3.1 Streifenfundamente 169 sche Eingliederung des Bauwerks in den
5.2.1.2 Kalksandsteine nach 5.8.3.2 Punktfundament 169 Freiraum.
DIN 106 142 5.8.3.3 Plattenfundament 169 Dabei spielt der Mauerwerksbau mit
5.2.1.3 Hüttensteine nach 5.8.3.4 Senkbrunnengründung . . . . 169 natürlichen Steinen eine untergeordne-
DIN 398 142 5.9 Anwendungsbeispiele für den te Rolle, da die Bearbeitung der Steine
5.2.2 Mauermörtel 143 Garten K. 169 zu hohe Lohnkosten verursacht.
5.2.2.1 Bindemittel 143 Erst in unserem Jahrhundert wurde
5.2.2.2 Sand 144 ein neue künstlicher Stein erfunden:
5.2.2.3 Mörtelzusätze 144 Der Mauerwerksbau hat eine vieltau- der Kalksandstein. Er wird aus Kalk und
5.2.2.4 Mörtelherstellung 145
5.2.2.5 Werkmörtel 146 sendjährige Tradition und ist eine der Sand durch Brennen hergestellt und un-
5.2.3 Mauerkonstruktionen 146 ältesten Formen menschlicher Bautä- ter Dampf in Autoklaven erhärtet. Seine
5.2.3.1 Einschaliges Mauerwerk . . . 147 tigkeit. Der Stein kommt in der Natur Farbe ist weiß. Der Kalksandstein ist
5.2.3.2 Zweischaliges Mauerwerk . . 147 häufig vor und konnte daher unmittel- heute der billigste Mauerstein, seine
5.2.3.3 Rohbaurichtmaße 147 bar als Baustoff verwendet werden. So Anwendung weit verbreitet.
5.2.3.4 Mauerverbände, -köpfe und wurden zunächst durch Aufschichten Daneben gibt es noch künstliche Stei-
-versätze 148 der Steine, ohne Mörtel, Trockenmau- ne aus Beton oder Hüttensande, deren
5.2.3.5 Bögen 152 ern hergestellt. Später lernte man, Stei- Anteil insgesamt jedoch gering ist. Eben-
5.2.3.6 Stürze 153 ne zu bearbeiten und durch ein Mörtel- so sei auf die Vielfalt der Leichtbau-
5.2.3.7 Verfugen 154
5.2.3.8 Putzen 154 bett miteinander zu verbinden. Man er- steine hingewiesen, die aus Gründen
5.3 Mauerwerk aus natürlichen reichte somit höhere Festigkeiten und der Wärmedämmung im Wohnungsbau
Steinen 157 größere Mauerhöhen. Bauwerke, die verwendet werden, im Landschaftsbau
5.3.1 Natursteine 157 von dieser Kunst zeugen, sind z.B. die aber keine Bedeutung haben.
5.3.1.1 Hartgestein 159 Pyramiden (2550 v.Chr.), der Babyloni-
5.3.1.2 Weichgestein 160 sche Turm (1800-1600 v.Chr.) oder die
5.3.2 Gewinnung und Bearbei- Chinesische Mauer (220 v.Chr. - ca.
tung 161 1500 n. Chr.).
5.1 Wichtige
5.3.3 Verbandsregeln 162 Erst sehr viel später war es möglich, DIN-Normen und
5.3.4 Mauerwerksarten 164
5.3.4.1 Trockenmauerwerk: 164 durch Brennen von Lehm und Ton Bestimmungen
5.3.4.2 Mörtelmauerwerk 165 künstliche Steine (Ziegel) herzustellen.
5.3.4.3 Verblendmauerwerk 165 Der Ziegel wurde von den Römern nach DIN 106 Mauerziegel
5.4 Sichtschutzwände 165 Deutschland gebracht. Er hat ein hand- DIN 105 Kalksandsteine
5.4.1 Freistehende Wände 165 liches Format in Quaderform. Mit der DIN 398 Hüttensteine
5.4.2 Ausgesteifte Wände 165 Erfindung des Gewölbes erreichte der DIN 18152 Vollsteine aus Leichtbeton
5.5 Mauerköpfe 167 Mauerwerksbau seine höchste Vollen- DIN 4051 Kanalklinker
5.5.1 Hauben und Abdeck- dung, insbesondere zur Zeit der Gotik. DIN 18166 Keramische Spaltplatten
platten 167 Heute werden andere Materialien DIN 18505 Leichtziegel, Leichtziegel-
5.5.2 Rollschichten 167 (Stahl, Stahl- und Spannbeton) für tra- platten
5.6 Dossierung/Anlauf 167
5.7 Ausführung von Mauerwerk bei
gende Deckenkonstruktionen herange- - Vorläufige Richtlinien für die Bemes-
Frost 167 zogen. Dennoch verbleibt dem Stein- sung und Ausführung von schlaff be-
5.8 Gründung 168 material auf Grund seiner Schönheit, wehrten Flachstürzen
5.8.1 Baugrund 168 Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit der DIN 18175 Glasbausteine
5.8.1.1 Gewachsener Boden 168 ursprüngliche Bereich des Mauerwerks- DIN 1060 Baukalk
5.8.1.2 Fels . 168 baus. DIN 1164 Zement
140 Mauerwerksbau

DIN4207 Mischbinder
DIN 4211 Putz- und Mauerbinder
(a) (b)
DIN 1055 Lastannahmen für Bauten
DIN 1053/1+2 Mauerwerk-Berechnung
und Ausführung
DIN 1045 Beton- und Stahlbeton
DIN 1050 Stahl im Hochbau
DIN 1052 Holzbauwerke Vollziegel— Vollziegel—gelocht (b); (c) Hochlochziej
DIN 1054 Baugrund-zul. Belastung ungelocht (a) Lochung E
DIN 4018 Baugrund-Berechnung der
Sohldruckverteilung unter Flä-
chengründungen (f)
DIN 4117 Abdichtung von Bauwerken
gegen Bodenfeuchtigkeit
DIN 18550 Putz-, Baustoffe und Aus-
führung
DIN 18554 Mauerwerk-Ermittlung der
Tragfähigkeit von Wänden und
Pfeilern Hochlochziegel — Hochlochziegel — Lochung A
Lochung A — (e); (f); mit Griffleisten (g); (h);

(k)
5.2 Mauerwerk aus
künstlichen Steinen
5.2.1 Mauersteine

Für den Landschaftsbau sind Mauerzie-


gel, Kalksandsteine und Hüttensteine Langlochziegel
geeignet (Zusammenfassender Über-
mit 1 Lochreihe in den zu mit 2 Lochreihen in den mit Lochreihen,diej
blick siehe Tab. A 5.2.1/1).
vermörtelnden Flächen zu vermörtelnden Flächen die ganze Ziegelbrert
5.2.1.1 Mauerziegel nach DIN 105 vermörtelt werden ko«
Abb. 5.2.1.1/1 Beispiele (Auswahl)
1. Ziegelarten
Mauerziegel ist ein Sammelbegriff für
alle Ziegelarten, die entsprechend ih-
rem Format und Güteeigenschaften für Langlochziegel:(LLz):Bei den Langloch- mechanische Einwirkungen kann die
die Herstellung von Mauern und Wän- ziegeln sind die Lochungen gleichlau- Oberfläche genarbt, gesandet oder auf-
den verwendet werden. Sie werden aus fend zur Lagerfläche angeordnet (Abb. gerauht werden.
Ton, Lehm und tonigen Massen mit 5.2.1.1/li-l [siehe Zeichnung!]). Vormauerziegel und Klinker müssen
oder ohne Zusatz von Sand, Ziegel- den Gütebestimmungen der DIN IM
mehl, Aschen oder ähnlichen Stoffen Vormauerziegel: (VMz; VHLz): Vormau- entsprechen.
maschinell geformt, getrocknet und bei erziegel sind alle frostbeständigen Mau- Vormauerziegel weisen einen poren-
800-1200° C gebrannt. Die Branddauer erziegel. Sie sind für Sicht- und Ver- reichen Scherben, Klinker einen po-
beträgt ca. 3 Tage. blendmauerwerk geeignet. Ihre Druck- renarmen, bis zur Sinterung gebrann-
Mauerziegel, die nicht frostbeständig festigkeit liegt zwischen 12,0 und 28,0 N/ ten Scherben auf. Hieraus ergeben sich
sind, werden Hintermauerungsziegel mm2, ihre Rohdichten zwischen 1,2 und bei diesen Materialien unterschiedli-
genannt. Sie werden für Mauerwerk ver- 1,8 kg/dm3. Die Wasseraufnahme be- che Scherbenrohdichten und ein un-
wendet, das verblendet, geputzt oder trägt i. M. 12Gew.%. terschiedliches Verhalten gegenüber
mit einem anderen Witterungsschutz Feuchtigkeit.
versehen wird. Bleibt der Mauerziegel Klinker: (KMz; KHLz): Klinker sind Vormauerziegel sind in der Lage
im Außenbereich sichtbar, so muß er frostbeständig und werden bis zur Sin- Wasser aufzunehmen, zu speichern und
frostbeständig sein. terung gebrannt. Sie werden für Mauer- rasch wieder abzugeben. Sie eignen sich
werk verwendet, das starken mecha- daher besonders für Sicht- und Verr
Vollziegel: (Mz): Vollziegel ist die Be- nischen und chemischen Beanspru- blendflächen von Außenwandkonstruk-
zeichnung für einen ungelochten Zie- chungen unterliegt oder statisch hoch tionen, die weitgehend atmungsfähig
gel oder einen Ziegel, dessen Lochan- beansprucht wird. Ihre Mindestdruck- bleiben sollen.
teil bis zu 15% der Lagerfläche beträgt, festigkeit beträgt 28,0 N/mm 2 . Die Klinker nehmen nur wenig Wasser
um das Ziegelgewicht zu verringern Scherbenrohdichte ist i. M. 1,9 kg/dm3 auf, ihr Saugvermögen ist gering. Sie
(Abb. 5.2.1.1/la-c). und die Wasseraufnahme 6%. eignen sich deshalb besonders für Ver-
blendschalen, bei denen die völlige Ab-
Hochlochziegel: (HLz): Der Hochloch- Verblender: Verblender ist ein Sammel- weisung des Regenwassers bereits auf
ziegel ist senkrecht zur Lagerfläche ge- begriff für alle Ziegelerzeugnisse, die der äußeren Wandoberfläche beabsich-
locht. Der Lochanteil beträgt mehr als sich zum Verkleiden von Wandflächen tigt ist. Es bedarf dazu einer mangel-
15% der Lagerfläche und unterscheidet eignen. Die Abmessungen sind nicht freien Vermauerung und einer fachge-
sich nach der Lochungsart A oder B genormt. Verblendziegel werden mit recht hergestellten Luftschicht. Der
(Abb. 5.2.1.1/ld-h). natürlicher Brennhaut geliefert. Durch Feuchteausgleich erfolgt bei Klinkern
Mauerwerk aus künstlichen Steinen 141

weitgehend über das vermörtelte Fu- Scherbenrohdichte: Die Scherbenroh- muß auf 200 Stück ein Ziegel mit einem
gensystem. dichte ist das Gewicht der Raumeinheit mindestens 20 mm breiten Band mar-
Die Saugfähigkeit der Sichtflächen des trockenen Ziegelscherbens, d.h. kiert sein.
von Vormauerziegeln und Klinkern ist beim HLz ohne Berücksichtigung der
i. a. niedriger als die der Lagerflächen. Löcher. 3. Bezeichnung
Die Ziegelsichtflächen besitzen neben Die Ziegel werden in folgender Reihen-
der Brennhaut, die sie mit den Lagerflä- Druckfestigkeit: Die Tragfähigkeit einer folge bezeichnet:
chen gemeinsam haben, eine Preßhaut, Mauer ist i. w. abhängig von der Druck- Ziegelart
die ihre Kapillarität weiter einschränkt. festigkeit der verwendeten Mauerziegel. Ziegelrohdichte
Vormauerziegel und Verblender wer- Unter Druckfestigkeit versteht man die Druckfestigkeit
den auch als Hochlochziegel angeboten. Bruchspannung = Bruchlast, bezogen Abmessungen in mm (Länge, Breite,
Vormauerhochlochziegel (VHLz) müs- auf die Lagerfläche. Die Prüfung der Höhe) oder durch Formatzeichen.
sen auf ihrer in der Fassade sichtbaren Mauerziegel erfolgt nach einem festge- Kurzzeichen:
Kopf- und Läuferseiten frei von Rissen legten Verfahren an 10 Ziegeln mit Hilfe Mz = Mauerziegel
sein, die über die gesamte Dicke der einer Druckpresse. Der kleinste Einzel- VMz = Vormauerziegel
Außensteppe bis zur ersten Lochreihe wert der Reihe ergibt die Nennfestig- VHLz = Vormauerhochlochziegel
durchgehen. Die Ziegellochungen stel- keit, der Mittelwert der Einzelergeb- HLz = Hochlochziegel
len an sich keine Verminderung der Wi- nisse die >Mittlere Druckfestigkeit. Die LLz = Langlochziegel
derstandsfähigkeit gegen Schlagregen Angaben erfolgen in N/mm2. KMz - Vollklinker
dar. Bei unsachgemäßer Vermauerung Festigkeitsgruppen nach DIN 105. KHLz -Hochlochklinker
kann jedoch Regenwasser in die Ziegel- (N/mm2) Beispiel:
lochungen absickern. Hochlochziegel mit Lochung A; Ziegel-
Vormauerziegel oder Klinker I. Wahl rohdichte 1,2 kg/dm3; Druckfestigkeit
müssen so beschaffen sein, daß je eine 12,0 N/mm 2 ; Länge x Breite x Höhe =
Läufer- und Kopfseite frei von Rissen, Nennfestigkeit mittlere 240 x 115 x 113mm = 2DF.
Kantenbeschädigungen und Deforma- Druckfestigkeit HLz 1,2 / 12,0 / 2 DF DIN 105
tionen ist, die die Verwendbarkeit der 2,0 2,5
Sichtflächen beeinträchtigen würden. 4,0 5,0 4. Ziegelgrößen (Vorzugsgrößen)
Es empfiehlt sich, bei der Bestellung 6,0 7,5 Die in der DIN 105 festgelegten Abmes-
über die Oberflächenbeschaffenheit und 8,0 10,0 sungen der Mauerziegel sind auf die
Farbe von Verblendern eindeutig defi- 12,0 15,0 Maßordnung im Hochbau DIN 4172 ab-
nierte Abmachungen zu treffen. Ver- 20,0 25,0 gestimmt. In Tabelle 5.2.1.1/1 werden
blender sind gleichmäßig sortiert aus 28,0 35,0
der Lieferung zu entnehmen, um unbe-
absichtigte Farbschwankungen in der Tab. 5.2.1.1/1 Ziegelmaße und Format-
Sichtfläche des Mauerwerks zu vermei- Kurzzeichen Vollziegel (Mz)
den. Die Druckfestigkeit ist nur begrenzt
von der Ziegelrohdichte abhängig. Es Format-
2. Eigenschaften werden auch Hochlochziegel mit den kurzzeichen Abmessungen [cm]
Ziegelrohdichte Unter Ziegelrohdichte Rohdichten 1,2 und 1,4 kg/dm 3 mit NF DF L B H
versteht man das Gewicht der Raum- Steinfestigkeiten bis 28,0 N/mm 2 gelie-
_ 1 24,0 11,5 5,2
einheit des trockenen Ziegels ein- fert.
schließlich aller Hohlräume, d.h. auch Durch verbesserte Herstellungsver- 1 24,0 11,5 7,1
^fahren werden bereits mittlere Druckfe- 1 1/2 2 24,0 11,5 113
beim HLZ werden die Lochungen mit-
gerechnet. Die Angabe erfolgt in kg/ stigkeiten erzielt, die über 45,0 N/mm 2
dm3. Je geringer die Rohdichte, umso liegen. Ziegel dieser Art werden hoch-
höher ist die Wärmedämmung; je grö- feste Ziegel und Klinken genannt. Be-
Tab. 5.2.1.1/2 Riemchen u. Spaltklinker
ßer die Rohdichte, um so besser ist der trägt die mittlere Druckfestigkeit 75,0 N/
Schallschutz. mm2 und das Wasseraufnahmevermö- Ansichts- Einbau-
Alle Mauerziegelarten - außer Klin- gen maximal 6 Gew.%, so werden fläche tiefe
ker - sind durch die Ziegehohdichte sie als KeramikkJinker bezeichnet. Bezeichnung [mm] [mm]
charakterisiert.
Ziegelrohdichten nach DIN 105: Riemchen 220x52 30
Druckfestigkeit Farbmarkierung 240 x 40
(N/mm2) 240 x 52 40
240 x 65 52
Nennwerte Größtwerte 4,0 blau 250 x 65 62,5
(kg/dm3) (kg/dm3) 8,0 rot
12,0 - ohne - Spaltklinker 240 x 30
0,6 0,65 20,0 weiß 240 x 40
0,7 0,75 28,0 braun 240 x 52
0,8 0,90 240 x 71
1,0 1,10 245 x 60 16-20
1,2 1,30 245 x 120
1,4 1,50 Kennzeichnung: Sämtliche Hintermaue- 250 x 60
1,6 1,70 250 x 120
rungsziegel werden mit einem Werks-
1,8 1,90 300 x 52
2,0 2,10 zeichen versehen, aus dem die Herstel- 300 x 71
lerfirma zu entnehmen ist. Weiterhin
142 Mauerwerksbau

Tab. 5.2.1.1 /3 Straßenbauklinker recht zur Lagerfläche. Die Löcher sind


2
in mindestens 3 Reihen über die Lager-
Bedarf je m fläche gleichmäßig verteilt und gegen-
einander versetzt. Die Dicke der Ab-
Format Kurzzeichen Maße flach hochkant deckung ist = 5 mm (Abb. 5.2.1.2/lb+c)
Reichsformat KMz 25/12/6,5 25x12x6,5 32 52
Oldenburger Format KMz 22/1 0,5/5,2 22x10,5x5,2 42 82 Kalksand-Hohlblockstein (KSHbl)
Normalformat KMz 28 NF 24x11,5x7,1 32 48 KS-Hohlblocksteine sind großformati-
ge, fünfseitig geschlossene Mauersteine
mit Hohlräumen senkrecht zur Lager-
fläche. Bei einer Steinbreite von 300 mm
Tab. 5.2.1.1/4 Benennung und Abmessungen von Kanalklinkern sind diese in mindestens 5 Reihen an-
geordnet.
geeignet für
Benennung Figur Abmessung [mm] Radien [m] Kalksand-Vormauerstein (KSVm;
von - bis KSVmL)
KS-Vormauersteine sind Kalksandstei-
Kanalklinker NF 240 x 115 X 71 (52) ne mit einer Mindestdruckfestigkeit von
Kanalkeilklinker A 1 240 X 115 X 67 x 56 0,27-co
Kanalkeilklinker B 240 X 115 67 x 46
12,0 N/mm 2 . Sie sind frostbeständig nd
1 X 0,17-12,0
Kanalschachtklinker C 2 240 X 115/77 X 71 (52) 0,37-1,01 für Sichtmauerwerk im Außenbereich
geeignet.

Kalksand-Verblender (KSVb; KSVbl\


KS-Verblender haben eine Mindest-
die Formate zusammengestellt, die be- Mischen durch Pressen oder Rütteln druckfestigkeit von 20,0 N/mm 2 und ge-
vorzugt verwendet werden. verdichtet, geformt und unter Dampf- genüber dem Vormauerstein eine er-
druck gehärtet werden. höhte Frostbeständigkeit. Sie werden
5. Riemchen und Spaltklinker Ebenso wie beim Mauerziegel wer- aus besonders ausgewählten Rohstof-
Riemchen und Spaltklinker sind unge- den nicht frostbeständige Steine für die fen hergestellt.
normte Vormauersteine. Spaltklinker Hintermauerung sowie frostbeständige
sind Doppelriemchen, die vor dem Ein- für das Sicht- und Verblendmauerwerk Kurzbezeichnung (Beispiel):
bau geteilt werden. Auswahl siehe Tab. hergestellt. KSV 1,8 / 12 NF DIN 106
5.2.1.1/2
Kalksand-Vollstein (KSV) 5.2.1.3 Hüttensteine nach DIN 398
6. Straßenbauklinker KS-Vollsteine ist die Bezeichnung für
Straßenbauklinker sind ungelochte Voll- einen KS-Stein, dessen Querschnitt ent- Hüttensteine sind Mauersteine, die aus
ziegel. Sie sind gesintert und haben ei- weder ungelocht oder durch eine Lo- Hochofenschlacke (i. a. granuliert aj
nen gleichförmigen dichten Scherben. chung senkrecht zur Lagerfläche bis zu Hüttensand), sowie Zement nach DIN
Abgesehen von Oberflächenrissen darf 25% gemindert wird. Im Gegensatz zum 1164 oder andere genormte hydrauli-
der Klinker keine Hohlräume oder Ris- Mauerziegel sind die Löcher i. a. an der sche Bindemittel, auch Kalk nach DIN
se aufweisen. Die Ziegelrohdichte be- Oberseite geschlossen (Abb. 5.2.1.2/la). 1060 hergestellt werden. Sie werden
trägt ca. 1,9 kg/dm3, die Wasseraufnah- nach innigem Mischen der Ausgangs-
me ca. 8 Gew.%. Formeln siehe Tab. Kalksand-Lochsteine (KSL) stoffe geformt, durch Pressen oder Rüt-
5.2.1.1/3 KS-Lochsteine sind fünfseitig geschlos- teln verdichtet und an der Luft, und
sene Mauersteine mit Lochungen senk- Dampf oder in kohlensäurehaltigen Ab-
7. Kanalklinker (DIN 4051)
Kanalklinker sind weitgehend gesintert
und säurebeständig. Sie sollen frei von
Blätterungen, Hohlräumen und durch-
gehenden Rissen sein. Die Ziegelroh- Abb. 5.2.1.2/1 Beispiele (Auswahl)
dichte beträgt ca. 1,8 kg/dm3, die Druck-
festigkeit ist mindestens 28 N/mm 2 .
Benennung und Abmessungen siehe
Tab. 5.2.1.1/4.

Kurzbezeichnungen: (Beispiele)
Kanalklinker NF DIN 4051
Kanalkeilklinker B 240 x 115 DIN 4051
Bei den Kanalkeilklinkern laufen die
Stoßfugen konisch zu und haben eine
Breite von 0,5 bis 2,0 cm. KS- Vollstein (ungelocht)
(a)
5.2.1.2 Kalksandsteine nach
DIN 106

Kalksandsteine sind Mauersteine aus


Kalk und überwiegend kieselsäurehalti-
gen Zuschlagstoffen, die nach innigem KS-Lochstein (b) KS-Lochstein (mit Griffleiste) (d
Mauerwerk aus künstlichen Steinen 143

Tab. 5.2.1.3/1 Hüttensteine nach DIN 398 Die Säcke enthalten 40 und 50 kg.
Der Sackaufdruck gibt Verarbeitungs-
Druckfestigkeit vorschrift, Mörtelliegefrist (vor Arbeits-
in N/mm Frostbestän- beginn) und Höchstverarbeitungszeit
Benennung Kennzeichnung digkeit Farbzeichen an. Sackinhalte bei Löschkalk sollen zu-
Mittel- Einzel-
wert wert nächst trocken mit Zuschlag, später naß
gemischt werden. Säcke sind vor Feuch-
Hüttensteine HS 6 7,5 6 nein rot tigkeit zu schützen!
HS 1 2 15 12 ja* schwarz Alle Kalke erfordern, auch Kalkhy-
HS20 25 20 ja* weiß drat, eine Zeit zum Quellen, bevor sie
HS28 35 28 ja* braun verarbeitet werden dürfen. Diese unter-
schiedliche Liegefrist ist auf dem Sack
* Bei Ausführung als Vormauersteine (z.B. VHSV). aufgedruckt. Sie erfordert klare Arbeits-
vorbereitungen auf der Baustelle (z. B.
bei Arbeitsschluß für den nächsten Tag
ansetzen!).
gasen gehärtet. Ebenso wie beim Kalk- Wasserkalk mit I Strich auf dem Sack,
sandstein gibt es: Hydraulischer Kalk mit II Strich auf Normzemente nach DIN 1164
Hütten-Vollsteine (HSV) dem Sack, Zementzusammensetzung, Festigkeits-
Hütten-Lochsteine (HSL) Hochhydraulischer Kalk mit III Strich klassen, Kurzbezeichnungen, Kennfar-
Hütten-Hohlblocksteine (HHbL) auf dem Sack, ben, Handelsformen und nicht genorm-
Hütten-Vormauervollsteine (VHSV) Romankalk mit III Strich auf dem Sack. te Zemente siehe Kap. Betonbau. Wegen
Hütten-Vormauerlochsteine (VHSL) Letzterer erstarrt in einem Zeitraum der schnellen anfänglichen Erhärtung
Benennung und Kennzeichnung sie- von 30 bis 60 Minuten. müssen Zemente innerhalb l Stunde
he Tab. 5.2.1.3/ 1. Handelsbezeichnungen und Min- nach dem Anmachen verarbeitet sein.
destfestigkeiten sind Tab. 5.2.2.1/2 zu Hochwertige Zemente erreichen die
entnehmen. Mindestfestigkeit der Zementgüteklasse
5.2.2 Mauermörtel
Die Handelsbezeichnung bei Weiß- früher, die Normfestigkeit wird bei al-
Mauermörtel ist ein Gemisch aus Bin- und Dolomitkalk ergibt sich aus dem len einheitlich erreicht.
demittel, Zuschlag und Wasser, ggf. Zu- Zusammenziehen der Benennungsspal- Bei der Lagerung von Zement sind
satzstoffen und Zusatzmitteln. In der ten, z.B.: Weißkalkhydrat, Feingem. folgende Grundsätze zu beachten:
DIN 1053 wird der Mauermörtel in die Dolomitbranntkalk. Bei den Wasserkal- Trocken stapeln, höchstens 10 Sack
Mörtelgruppen I, II, Ha und III aufge- ken gelten die Bezeichnungen in der aufeinander, Nachlieferung auf neuen
teilt. senkrechten Spalte. Stapel legen, nicht ohne Bretterunter-
Mörtel muß als Frischmörtel ge-
schmeidig und gut verarbeitbar sein.
Er muß also eine gute Kohäsion besit-
zen und darf nicht zur Wasserabsonde-
rung neigen. Nach seiner Erhärtung als
Festmörtel muß er dauerhaft sein und
eine seiner Einstufung entsprechende
Festigkeit aufweisen. Weiterhin muß er
zwar einen wirksamen Schutz gegen
Feuchtigkeit bilden aber dampfdurch-
lässig bleiben.

5.2.2.1 Bindemittel

Es dürfen nur solche Baustoffe ver-


wendet werden, die den Normen ent-
sprechen oder besondere Zulassungen
haben.

a) Luftkalke Tab. 5.2.2.1/2 Handelbezeichnungen und Mindestfestigkeiten von Baukalken


Erhärten durch Kohlensäureaufnahme
an der Luft, nicht unter Wasser. Dem
Ausgangsgestein nach wird unterschie-
den:
Weißkalk,
Dolomitkalk.

b) Hydraulisch erhärtende Kalke


Werden an der Luft wesentlich fester als
Luftkalke. Sie erhärten auch unter Was-
ser, müssen aber vorher mehrere Tage
an der Luft mit dem Erhärten begon-
nen haben. Es wird unterschieden und
gekennzeichnet:
144 Mauerwerksbau

0.063 mm) soll = 4 Gew.% nicht über


schreiten. Ebenso sind Stoffe organi-
sehen Ursprungs unerwünscht.
Gut verarbeiten lassen sich i. a.
tel mit rundkörnigem Flußsand, sofern
ein ausreichender Anteil an Feinstkorn
vorhanden ist. Geeignet sind auch Gru-
bensande ohne tonige Beimengungen
Bei Verwendung von Schlackensande
ist darauf zu achten, daß sie keine mör-
telschädigenden Bestandteile enthalte
(z.B. freier Schwefel).
Das Größtkorn ist abhängig von
Mauer- und Fugendicke.
Einen gut zu verarbeitenden Mauer-
mörtel erhält man, wenn der Sand
genden Aufbau hat:

läge stapeln, nicht gegen Wände lagern, Anhydritbinder AB 12/3,0 (DIN 4208)
Luftfeuchtigkeit beachten. Anhydritbinder ist ein nichthydrauli- Korngruppe Anteil
Lagerfähigkeit des Zements: sches Bindemittel aus wasserfreiem Kal-
Z 25 und Z 35 höchstens 2 Monate, ziumsulfat und Anregern. Sie dürfen * 0-0,2 mm 10-20%
Z 45 und Z 55 höchstens l Monat. nicht mit Zement gemischt werden. Die 0,2-1 mm 30-40%
Keine verhärteten Sackinhalte verar- Verarbeitung ist erst über 50 cm über 1 -3 mm 40-60%
beiten. Festigkeitsverluste nach 3 Mo- dem Erdboden zulässig. A-Binder ge-
naten 10 bis 20 %, nach 6 Monaten 20 bis hören zur Mörtelgruppe I. Die Lage- bezogen auf Rundlochsiebe
30%. rungsdauer beträgt höchstens 3 Monate.
Mörtelfestigkeit siehe Tab. 5.2.2.1/3. Für Fugmörtel wird i. a. ein gemiscl
Gewährleistungsbestimmungen für Ze- körniger Sand in einem Zuschlagge-
mentlieferungen (A uszug) Bindemittel und Mörteleigenschaften menge 0-2,0 mm verwendet.
Die Gewährleistung entfällt, wenn Es gibt an der Luft und unter Wasser
erhärtende Bindemittel. Dementspre-
a) der Käufer bei der Anlieferung vor chend Luft- und Wassermörtel. 5.2.2.3 Mörtelzusätze
der Verarbeitung eine Prüfung auf
Erstarrungsbeginn und Raumbestän- 5.2.2.2 Sand Zusatzstoffe sind fein aufgeteilte Zu-
digkeit unterlassen hat, sätze, die die Mörteleigenschaften be-
b) der Käufer keinen Herkunftsnach- Alle Mörtel, die mit Zement oder Kalk einflussen und im Gegensatz zu den-
weis führen kann, hergestellt werden, enthalten Sand als Zusatzmitteln in größeren Mengen zu-
c) eine unsachgemäße oder zu lange Zuschlag. Sand reduziert das Schwin- gegeben werden. Sie dürfen das Erhär-
Lagerung stattgefunden hat. den und verringert die Herstellungsko- ten des Bindemittels, die Festigkeitunl
sten. Um eine hohe Festigkeit zu erzie- die Beständigkeit des Mörtels nicht be-
Mischbinder nach DIN 4207 len, muß er mineralischen Ursprungs einträchtigen.
siehe Kap. Betonbau. Mörtelfestigkeit und gemischtkörnig sein. Der Anteil ab- Farbzusätze werden i. a. nur bei
siehe Tab. 5.2.2.1/3 schlämmbarer Bestandteile (Korn 0 ^ Fugmörtel verwendet. Der Farbzusatz

Tab. 5.2.2.1/4 Übersicht


Mauerwerk aus künstlichen Steinen 145

soll möglichst gering gehalten werden, vorgang soll noch mindestens 3 Minu-
da er sich nachteilig auf die Dichtigkeit ten dauern, wenn die Gesamtmenge
und Festigkeit des Mörtels auswirkt. eingegeben ist. Als Gesamtmischdauer
Ein gefärbter Mörtel neigt weiterhin zu sind 4-5 Minuten empfehlenswert.
Schwindrißbildung. Die meisten »ze- Bei der Herstellung des Mörtels ist zu
ment- und kalkechten« Farbstoffe sind beachten, daß nur soviel zubereitet wird,
künstlich hergestellte Mineralstoffe. wie bis zum Erstarrungsbeginn verar-
beitet werden kann. Ein bereits erstarr-
ter Mörtel sollte nicht durch erneute
Wasserzugabe »aufbereitet« werden, da
Farbe Farbstoff er an Festigkeit und Dichtigkeit verliert.
Abb. 5.2.2.4/1 Meßgefäß Für untergeordnete Mauerbereiche
weiß Titandioxyd, Titanweiß
gelb Eisenoxydgelb
ist bei kleinen Mengen eine Handmi-
rot Eisenoxydrot schung gestattet.
blau Kobaltblau Mörtelgruppen II, Ha und III die Ver- Das trockene Mischgut wird umge-
grün Chromoxydgrün wendung von Waagen oder Zumeßbe- schaufelt, danach Wasser zugegeben
braun Eisenoxydbraun hälter vorgeschrieben. Im Gegensatz und nochmals ausgiebig durchgemischt.
schwarz Eisenoxydschwarz zur Betonherstellung ist die Zugabe
nach Raumteilen erlaubt, es wird jedoch Faustzahlenfür Gefäßgrößen
empfohlen, eine gewichtsmäßige Do- l Eimer = 10 l
sierung vorzunehmen. l Schubkarre = 25 l
Zusatzmittel sollen die Eigenschaf- Mörtel soll grundsätzlich nur maschi-
ten des Frisch- bzw. Festmörtels ver- nell in einem Zwangs- oder Freifallmi- Verwendung von Meßgefäßen (s. Abb.
bessern. Hierzu gehören z. B. luftporen- ^cher gemischt werden, da nur gut und 5.2.2.4/1): Kasten hat keinen Boden.
bildende Mittel, Verflüssiger, Dich- ausreichend lang gemischte Mörtel sich Lichte Weite 1,0 x 1,0 m = l m2.
tungsmittel, Erstarrungsbeschleuniger leicht verarbeiten lassen und Fehlstel-
sowie Mittel, die die Haftung zwischen len verhindern. Inhalt:
Mörtel und Stein günstig beeinflussen. Zu empfehlen ist folgender Misch- je 10 cm Einfüllhöhe = 0,1 m3 = 100 l
Zusatzmittel bedürfen eines Prüfzei- gang: Zunächst wird die Hälfte der er- je l cm Einfüllhöhe = 0,01 m3 = 101
chens. forderlichen Wassermenge in die Ma- Sinngemäß bei anderen Gefäßen Ein-
schine gegeben. Danach die halbe Sand- ftillhöhen auf der Baustelle angeben.
5.2.2.4 Mörtelherstellung menge. Nach gründlicher Durchmi- Mörtelkisten und Tonnen ausmessen
schung werden das Bindemittel und uriüf Itousteifefi&nKfte genau anweisen.
Zur Erzielung eines gleichmäßigen die restliche Sandmenge hinzugefügt. Bei der Mörtelherstellung wird der er-
Mörtels ist die genaue Zugabe der Mör- Erst nach weiterem Mischen und Steif- forderliche Sandanteil möglichst dem
telbestandteile sehr wichtig. Aus die- werden der Masse wird der Rest des An- Inhalt eines Bindemittelsackes beige-
sem Grunde ist für die Herstellung der machwassers beigegeben. Der Misch- messen.

Tab. 5.2.2.4/1

*: Sand im lagerfeuchten Zustand


": Bei Verwendung von Zusätzen darf der Zementgehalt nicht verringert werden
146 Mauerwerksbau

Tab. 5.2.2.4/2 Mörtelmischungen, Anteil und Gemengemengen für jeweils 1 Sack Bindemittel

Mischung enthält 1 Sack

Tab. 5.2.2.4/3 Anwendungsbereiche der Mörtelgruppen (Auszug) mittel und evtl. Zusätzen. Die Mischung!
ist auf Grund einer Eignungsprüfung
zusammengestellt. Vor der Verarbei-
tung muß dem Mörtel Wasser, entspre-
chend der Angabe des Herstellers, zu-
gegeben werden. Der Mörtel wird als
Sackware gehandelt oder als lose Ware
in Säcken geliefert.
Trockenmörtel lassen sich problem-
los einfärben und sind auch für spe-
zielle Aufgaben herstellbar. So gibt es
z. B. einen Sondermörtel für Verblend-
mauerwerk (Vormauermörtel), der das
Vermauern und Verfugen in einem Ar-
beitsgang möglich macht.
Untersagt ist eine nachträgliche Zu-
Mischung aus Sand und nicht hydrau- gäbe von Zuschlägen oder Zusätzen, da
lisch erhärtenden Bindemitteln. (Kalk dadurch das durch die Eignungsprüfung
nach DIN 1060) Er entspricht der MG. I. vorgegebene Rezept verfälscht wird,
Zur Verarbeitung wird diesem Gemisch
Kellenfertiger Mörtel
auf der Baustelle Wasser zugegeben, bis
Der kellenfertige Mörtel wird sofort«
die erforderliche Konsistenz erreicht ist.
wendbar auf die Baustelle geliefert. Er
Wird Naßmörtel nicht als MG. I ver-
wird im Werk so zusammengestellt und
wendet, so wird durch nachträgliches
mit entsprechenden Zusatzmitteln ge-
Untermischen von Zement die MG II
mischt, daß er im Mörtelgefäß des Mau-
bzw. Ha erreicht. Die erforderliche Bin-
rers über ca. 36 Stunden (2 Arbeits-
demittelart und -menge ist auf dem Lie-
schichten) verarbeitungsfähig bleibt.
ferschein der Vormörtellieferung ange-
Der besondere Mischungsaufbau be
Mörtelmischungsmengen geben.
wirkt, daß der verzögerte Erstarrungs-
Durch Volumenverluste verringern sich Zuschläge und Zusätze dürfen auf der
beginn nur bei der Lagerung im Mörtel-
beim Mischen die trocken eingebrach- Baustelle nicht mehr zugegeben wer-
faß wirksam ist. Der in der Fuge ver-
ten Bestandteile auf etwa 64% der Rt. den, da diese bei der Eignungsprüfung
arbeitete Mörtel erstarrt und erhärtel
Hinweise auf Mischungsmengen und im Herstellerwerk nicht erfaßt wurden.
auf Grund seines veränderten Wasser-
Anwendungsbereiche geben die Tabel- Naßmörtel ist im angelieferten Zu-
haushaltes wie jeder andere Mörtel.
len 5.2.2.4/1-3. stand längere Zeit lagerfähig, sofern er
Kellenfertiger Mörtel wird in allen 4 Fe-
gegen Schlagregen und starke Sonnen-
stigkeitsgruppen als Mauermörtel gelie-
5.2.2.5 Werkmörtel einstrahlung geschützt wird. Er läßt sich
fert. Als Vormauermörtel im Verblend-
auch ohne Zugabe von Zusatzmitteln
mauerwerk ist er nicht geeignet.
Werkmörtel ist ein von einem Mörtel- gut verarbeiten und ist auf der Baustelle
werk gemischter Fertigmörtel, der in 3 gut zu dosieren.
verschiedenen Arten angeliefert wird. 5.2