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Hochbau II Hallenkonstruktionen aus Holz

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Hallenkonstruktionen aus Holz

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Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren – Verbundstrukturen
Hochbau II Hallenkonstruktionen aus Holz
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Inhaltsverzeichnis

Hallenkonstruktionen aus Holz .................................................................................................. 1


1 Hallenkonstruktionen aus Holz .......................................................................................... 1
1.1 Allgemeines ................................................................................................................. 1
1.2 Sparrenpfetten .............................................................................................................. 3
1.2.1 Beanspruchung ..................................................................................................... 3
1.2.2 Ausführungsmöglichkeiten .................................................................................. 3
1.2.3 Koppelpfetten ....................................................................................................... 4
1.2.4 Gerberpfetten ........................................................................................................ 6
1.3 Binder aus Brettschichtholz ......................................................................................... 8
1.3.1 Allgemeines .......................................................................................................... 8
1.4 Verschiedene Arten von Brettschichtbindern ............................................................ 19
1.4.1 Parallelträger ...................................................................................................... 19
1.4.2 Träger veränderlicher Höhe................................................................................ 20
1.4.3 Nachweise am Ort der maximalen Spannung .................................................... 22
1.4.4 Nachweise im Firstquerschnitt ........................................................................... 24
1.5 Gekrümmte Träger .................................................................................................... 25
1.5.1 Nachweise im Firstquerschnitt ........................................................................... 25
1.5.2 Satteldachträger mit gekrümmten unteren Rand ................................................ 26
Vergleich der verschiedenen Trägertypen ........................................................................ 30
1.6 Rahmen und Bögen aus Brettschichtholz .................................................................. 31
1.6.1 Allgemeines ........................................................................................................ 31
1.6.2 Schnittgrößen ..................................................................................................... 34
1.6.3 Bemessung von Rahmen .................................................................................... 34
1.6.4 Knotenpunkte ..................................................................................................... 37
1.7 Fachwerkkonstruktionen ........................................................................................... 45
1.7.1 Allgemeines ........................................................................................................ 45
1.7.2 Belastung / Schnittgrößenermittlung .................................................................. 47
1.7.3 Bemessung der Stäbe ......................................................................................... 48
1.7.4 Fachwerkknoten ................................................................................................. 48

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1 Hallenkonstruktionen aus Holz

1.1 Allgemeines

Hallen in Holzbauweise können für die verschiedensten Zwecke verwendet werden. Außer
einem hohen ästhetischen Wert moderner Ingenieurholzbaukonstruktionen ist die im
Vergleich zu anderen Baustoffen, vor allem Stahl, bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit des
Holzes gegen Säuren und Salze von Bedeutung. Deshalb finden Holztragwerke häufig
Verwendung in der chemischen Industrie, der Landwirtschaft und beim Schwimmhallenbau.

Im Rahmen dieses Skriptes werden Hallen mit rechteckigem Grundriss betrachtet.

Die traditionellen Hallentragwerke über rechteckigem Gebäudegrundriss bestehen aus Haupt-


und Nebentragwerken, die häufig ein orthogonales Raster bilden. Dadurch ist es möglich, die
großen Spannweiten mit kleinformatigen Bauteilen zu überspannen.

Grundsätzlich können Binderkonstruktionen und Rahmenkonstruktionen unterschieden


werden. Die Aussteifung wird im Allgemeinen durch Rahmen und/oder
Fachwerkkonstruktionen, die Verbände, gewährleistet. Außerdem können Scheiben und
eingespannte Stützen zur Aussteifung herangezogen werden. Letzteres ist jedoch mit einer
aufwändigeren Gründung verbunden.

Wind- und Aussteifungs-


verband
Pfetten

Fachwerkbinder

Pendelstützen

Bild 1.1: Fachwerkbinder mit Pendelstützen und Pfetten; Wind- und Aussteifungsverbände

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Bild 1.2: Haupttragwerk Rahmen; Nebentragwerk Pfetten; Wind-und Aussteifungsverbände

Im Folgenden werden die wichtigsten Bauteile des Hallenbaus kurz vorgestellt.

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1.2 Sparrenpfetten

Bei den meisten Hallenbauten bilden Sparrenpfetten das Nebentragwerk. Sie überspannen den
Raum zwischen den Haupttragwerken (z.B. Rahmen) und tragen direkt die Dacheindeckung
(z.B. Stahltrapezprofile).

1.2.1 Beanspruchung
Die Sparrenpfetten werden bei geneigten Dächern infolge der Streckenlast q auf zweiachsige
Biegung beansprucht. Zusätzlich können erhebliche Normalkräfte auftreten, wenn die Pfetten
gleichzeitig als Bestandteil der Hallenaussteifung genutzt werden. Dies gilt vor allem für die
Pfetten der Randfelder, die Teil des Aussteifungsfachwerkes sind (Verbandspfetten).

Bild 1.3: Doppelbiegung einer Sparrenpfette bei einem geneigten Dach

1.2.2 Ausführungsmöglichkeiten
Einfeldträger sind die einfachste und zugleich materialintensivste Möglichkeit der
Ausführung von Sparrenpfetten (großes Feldmoment - große Durchbiegung - großer
Querschnitt).

Bei Durchlaufträgern treten größere Stützmomente als Feldmomente auf. Diese Stütz- und
Feldmomente sind jedoch kleiner als die Feldmomente des Einfeldträgers. Die Momente
werden „umverteilt”. Im Vergleich zum Einfeldträger gilt: kleineres Feldmoment - kleinere
Durchbiegung - kleinerer Querschnitt.

Hinweis: Eine Ausnahme bildet der Zweifeldträger. Das Stützmoment entspricht in diesem
Fall betragsmäßig dem Feldmoment des Einfeldträgers. Gleichzeitig ergeben sich hohe
Auflagerkräfte für die Zwischenstützung. Aus diesem Grund sind Zweifeldträger zu
vermeiden!

MF1 > MF2


MST
MF1 MF1 MF2 MF2

Bild 1.4: Momentenlinien von Einfeld- und Durchlaufträgern

Im Hallenbau werden häufig Mehrfeldträger in Form von Koppelpfetten oder Gerberpfetten


verwendet.
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1.2.3 Koppelpfetten
In statischer Hinsicht handelt es sich bei den Koppelpfetten um mehrfach statisch
unbestimmte Durchlaufträger. Im Bereich der großen Stützmomente ist durch die Kopplung
der doppelte Querschnitt vorhanden. Das Stützmoment ist stets kleiner als die Summe der
benachbarten Feldmomente. Die Koppelpfette wird also nur für die Feldmomente MF
bemessen und ist somit auch im Stützbereich ausreichend dimensioniert. Da das
Endfeldmoment MF1 stets größer als die Innenfeldmomente MF2 ist, wird dort ein breiterer
Querschnitt (oder zwei Pfetten nebeneinander) verwendet. Die Überkopplungslänge ü ergibt
sich aus dem Momentenverlauf.
M Stütz F1

M Stütz F1
M Stütz F2 M Stütz F2 M Stütz F3

ü= =ü

Bild 1.5: Koppelpfette: Statisches System und Grundrissprojektion


(ungefähre Längenangabe der Überkopplungslängen ü)

Das Zusammenwirken der Träger muss genau dann einsetzen, wenn


MStütz = MFeld
ist, damit der Einzelträger nicht überbeansprucht wird. Die Verbindungsmittel sind also an
diesem Punkt anzuordnen.

Die zur Erzielung der Durchlaufwirkung aufzubringenden Kopplungskräfte können Tabellen


entnommen werden. Werden die Kopplungskräfte durch Verbindungsmittelgruppen
übertragen, so gelten alle Maße auf den Schwerpunkt der Gruppe bezogen. Die
Kopplungskräfte ergeben sich aus dem Stützmoment eines Durchlaufträgers geteilt durch die
Überkopplungslänge.

Bild 1.6: Theoretische Biegelinie ohne Verbindungsmittel;


Kräfte auf Verbindungsmittelschwerpunkt bezogen
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1.2.3.1 Bemessung von Koppelpfetten


Es sind jeweils die Nachweise in den Grenzzuständen der Tragfähigkeit und der
Gebrauchstauglichkeit für die Endfelder und die Innenfelder zu führen. Die Stützmomente
sind nicht nachzuweisen, da dort das Zusammenwirken der Querschnitte eine ausreichende
Dimensionierung gewährleistet.

Dienen die Koppelpfetten gleichzeitig als Verbandspfetten (Vertikalstäbe eines


Aussteifungsverbandes), so erhalten sie zusätzlich Normalkräfte aus dem
Horizontallastabtrag. Dann ist ein kombinierter Nachweis (Knicken und Doppelbiegung -
eventuell Kippen) zu führen.

Die Durchbiegungsnachweise können vereinfacht an folgenden Systemen geführt werden.

Innenfeld:

Außenfeld:

Genauere Berechnungen sind mit Tabellenwerken oder Stabwerksprogrammen möglich. Die


Verbindungsmittel sind für die Kopplungskräfte zu bemessen.

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1.2.4 Gerberpfetten
Durch die Anordnung von Gelenken wird aus dem mehrfach statisch unbestimmten
Durchlaufträger ein statisch bestimmter Mehrfeldträger. Die Gelenke werden so angeordnet,
dass die Stützmomente abgemindert und die Feldmomente vergrößert werden. Durch die
Gelenkanordnung wird somit ein weitestgehender Momentenausgleich vorgenommen:

M F1 = M St1 ; M F 2 = M St 2 (1.1)

Beispiel Fünffeldträger:

oder

Bild 1.7: statisches System Gerberträger

Die Gelenkabstände g1 und g2 werden so gewählt, dass ein idealer Momentenausgleich


M F = M St stattfindet. Sie können Tabellen entnommen werden (je nach System 1 8 ⋅ l bis
1 5 ⋅ l ).

Bild 1.8: Gerberträger mit ausgeglichener Momentenlinie

Der gegenüber dem Durchlaufträger günstigere Momentenverlauf macht einen kleineren


Pfettenquerschnitt möglich.

Von Bedeutung bei der Gelenkanordnung ist die Verhinderung des Entstehens kinematischer
Ketten für den Fall des Versagens einzelner Trägerabschnitte.

Bei der Gelenkkonstruktion sind ausgeklinkte Trägerauflager zu vermeiden, da sonst große


Querzugspannungen im Bereich der Ausklinkung auftreten.
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→ Auflager links, sonst Gefahr des Aufreißens durch Querzugbeanspruchung

Bild 1.9: Gelenkausbildung am Gerberträger

1.2.4.1 Bemessung von Gerberpfetten


Wenn die Momentenlinie des Gerberträgers ausgeglichen ist, kann die Bemessung für das
Feldmoment unter Berücksichtigung der Stabilität des Systems erfolgen.

Dienen die Gerberpfetten gleichzeitig als Verbandspfetten, dürfen die Gerbergelenke nicht im
Verbandsfeld liegen, da sich dort sonst im Hinblick auf die großen Normalkräfte und das
Knickverhalten ein ungünstiges System einstellt. Des Weiteren ergäbe sich für die Bemessung
des Verbandes als ideales Fachwerk ein kinematisches System!

Im Grundriss kann die Lage der Gerbergelenke daher wechseln.

Bild 1.10: Lage der Gerbergelenke im Hallengrundriss

Der Durchbiegungsnachweis kann, sofern keine genauere Rechnung erfolgt, näherungsweise


am Einfeldträger berechnet werden (sichere Seite).

Je nach Ausbildung des Gelenkes müssen die Verbindungsmittel für die Gelenkkräfte (N, V)
nachgewiesen werden. Bei den in Bild 1.9: Gelenkausbildung am Gerberträger

gezeigten Gelenkkonstruktionen 2 und 3 sind die Bolzen auf Zug, die Pressung des Holzes
durch die Unterlegscheibe sowie der Dübel für die Längskraft nachzuweisen.

Bei geneigten Dächern ist die auftretende Doppelbiegung zu beachten.


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1.3 Binder aus Brettschichtholz

1.3.1 Allgemeines
Durch das Zusammenfügen gehobelter Bretter zu verleimten Verbundquerschnitten lassen
sich vergütete Holzträger, sogenannte Brettschichtholzträger, großer Abmessungen herstellen.
Der Vorteil gegenüber Bauteilen aus Vollholz besteht in der größeren Maßhaltigkeit sowie
den günstigeren Materialkennwerten (Steifigkeit, Festigkeiten etc.).

Die leichte Formbarkeit ermöglicht die Herstellung verschiedenster Formen, z.B. hohe
schlanke Träger, Träger mit veränderlicher Höhe sowie gekrümmte Träger. Besonders bei den
drei hier genannten Trägergruppen treten jedoch spezielle Probleme auf, die einer näheren
Betrachtung bedürfen. Dies sind beispielsweise: erhöhte Biegelängsspannung, Querzug,
Einfluss der Schubverformung und des veränderlichen Flächenträgheitsmomentes auf die
Durchbiegung.

Zweckmäßige Jahrringlage der


Bretter für Bauteile aus Brettschichtholz

Das obere Brett liegt umgekehrt,


um die (härtere) Kernseite
des Brettes außen zu haben.

Bild 1.11: Aufbau eines Brettschichtholzträgers

Eine Besonderheit von Holz ist die Variabilität der Festigkeit abhängig vom Winkel zur
Faserrichtung und von der Art der Einwirkung, welches in Tabelle 1.1 und Bild 1.12
dargestellt ist.

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Tabelle 1.1: charakteristische Werte für Brettschichtholz

Homogenes Brettschichtholz

Festigkeitsklasse GL24h GL28h GL32h GL36h


(BS 11h) (BS 14h) (BS 16h) (BS 18h)

Rohdichte [kN/m³] ρk 380 410 430 450

Festigkeitskennwerte in N/mm2

Biegung fm,k 24 28 32 36

Zug parallel ft,0,k 16,5 19,5 22,5 26

rechtwinklig ft,90,k 0,5 0,5 0,5 0,5

Druck parallel fc,0,k 24 26,5 29 31

rechtwinklig fc,90,k 2,7 3,0 3,3 3,6

Schub und Torsion fv,k 1) 2,5 2,5 2,5 2,5

Elastizitätsmodul in N/mm2

Parallel: E0,mean 11600 12600 13700 14700

Rechtwinklig E90,mean 390 420 460 490

Schubmodul Gmean 720 780 850 910

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Bild 1.12: Prozentuale Festigkeitsverminderung in Abhängigkeit vom Winkel ϕ


(für gewöhnlich und im Folgenden wird der Winkel zwischen Kraft und
Faserrichtung als Winkel α bezeichnet)

Brettschichtholzbinder bilden klassische Hauptragwerke, die die Lasten der Nebentragwerke


(z.B. Sparrenpfetten) in aufgehende Bauteile (Stützen oder Wände) ableiten.

Tabelle 1.2: Faustformeln zur überschlägigen Ermittlung von Bauhöhen für Einfeldträger
Statisches System System-Skizze Spannweite l Binderhöhe Binderabstand Dach-
(m) neigung
(α)°

l _
Einfeldträger parallel 10 bis 35 5 bis 7,5 m
17

Einfeldträger l l
10 bis 35 : 5 bis 7,5 m 3 bis 8°
satteldachförmig 16 30

Einfeldträger l l
10 bis 35 : 5 bis 7,5 m Max. 12°
geknicktes Satteldach 16 30

Einfeldträger l l
10 bis 35 : 5 bis 7,5 m 8 bis 12°
Pultdach 18 25

l l _ _
Trägerrost in :
18 15
Brettschichtbau- Bis 25
der kürzeren
weise
Stützweite

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a) b)

c)

Bild 1.13: Verschiedene Typen von Hallenbindern


a) Satteldachträger mit geradem Untergurt,
b) gekrümmter Träger,
c) Satteldachträger mit gekrümmten Untergurt

Nachgewiesen werden müssen:

Spannungen am Rand parallel zur Faserrichtung am Ort der maximalen Spannung

Spannungen am Rand schräg zur Faserrichtung am Ort der maximalen Spannung

die maximale Längsrandspannung im Firstquerschnitt

die maximale Zugspannung rechtwinklig zur Faserrichtung des Holzes (und gegebenenfalls
Schub aus Querkraft) im Firstquerschnitt

Schubspannungen am Auflager

Stabilität mit den maximalen Schnittgrößen am Ort 0,65 l

Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegung)

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1.3.1.1 Biegespannungen in gekrümmten Trägern

Betrachtet wird ein gebogenes Element in Trägermitte. Aus Bild 1.14 ist deutlich ersichtlich,
dass die Innenfasern erheblich kürzer sind als die Außenfasern. Da jedoch die Bernoulli-
Hypothese vom Ebenbleiben der Querschnitte weiter gelten soll und sich die
Spannungsnulllinie nur unwesentlich zum kürzeren Rand hin verschiebt (∆dli ≈ ∆dla), muss
bei Biegebeanspruchung die Dehnung der Innenfasern (wegen dla > dli) größer als die der
Außenfasern sein.

∆dl i ∆dl a
εi = > = εa (1.2)
dl i dl a

mit dem Hook´schen Gesetz σ = E ⋅ ε folgt daraus: σ i > σ a

Andererseits muss bei reiner Biegung die Summe der Längskräfte im jedem Schnitt gleich
Null sein. Das heißt auch, dass die Flächeninhalte der positiven und negativen
Spannungsflächen gleich groß sein müssen (Bild 1.14). Daraus folgt für σi > σa der
dargestellte hyperbolische Spannungsverlauf, da nur er die genannte Bedingung erfüllt. Die
Schwerachse entspricht hier nicht mehr der Spannungsnulllinie!

Bild 1.14: Spannungsverlauf im geraden und gekrümmten Träger

Die Vergrößerung der Biegelängsspannung bei gekrümmten Trägern kann mit dem Beiwert kl
berücksichtigt werden. Dieser Beiwert gilt für die Spannungen im Firstquerschnitt, bei
symmetrischen Bindern also in Feldmitte, für Satteldachträger mit gekrümmten unteren Rand.
Das in Bild 1.15 gezeigte Diagramm ist auch bei gekrümmten Trägern mit parallelen Gurten
(Grundform des gekrümmten Trägers) für α=0 anwendbar. Auf Spezialfälle, wie den nicht
gekrümmten Satteldachträger (s. 1.4.2) und den gekrümmten Träger mit geneigtem Untergurt
(s. 1.5.2) kann das Diagramm für die jeweiligen Anschnittswinkel α ebenfalls angewendet
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werden. Es sei nochmal darauf hingewiesen, dass der Beiwert aus diesem Diagramm nur für
die Spannungen im Firstquerschnitt gilt. Bei Satteldachträgern ist dieser Punkt aber aufgrund
des veränderlichen
nderlichen Widerstandsmomentes nicht der Punkt der maximalen Biegespannung.

M
max σ m ,d = k l ⋅ (1.3)
Wap

mit kl aus Diagramm in Bild 1.15: Beiwert kl für Längsspannungen

Biegespannungen in Satteldachträgern

Bild 1.15: Beiwert kl für Längsspannungen

1.3.1.2 Biegespannungen in Satteldachträgern

Bei Satteldachträgern lassen sich die Spannungen an einem beliebigen Punkt im Feld, z.B. am
Ort der maximalen Biegespannung durch Multiplikation des gewohnten Terms M/W mit
einem Faktor kl ermitteln. Durch diesen Faktor
Faktor wird die Biegespannung am angeschnittenen,
gedrückten Rand vermindert und am geraden, gezogenen Rand erhöht. Hier verhält es sich
ähnlich, wie beim gekrümmten Träger, bei dem an den Innenfasern eine höhere
Biegespannung auftritt.

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Bild 1.16: Erhöhung und Abminderung der Biegespannung bei Satteldachträgern mit einem
Anschnittwinkel von α

1.3.1.3 Querzugspannungen
Am Beispiel des parallelseitigen gekrümmten Trägers aus Brettschichtholz soll in die
Problematik der Querzugspannungen eingeführt werden:

Bei gekrümmten Trägern erzeugt das Biegemoment Querspannungen (Spannungen senkrecht


zur Stabachse). Das Vorzeichen der Querspannungen ist abhängig vom Vorzeichen des
Biegemoments.

Bild 1.17: Art der Querzugspannung in Abhängigkeit vom Vorzeichen des Moments

Die Querspannungen lassen sich unter folgenden Voraussetzungen an einem


einem Element in
Trägermitte herleiten:

lineare Verteilung der Biegespannung σB = M/W

isotroper Werkstoff

Auf das Stabelement der Länge ds = rm ⋅ dϕ wirkt im Biegedruckbereich in tangentialer


Richtung die Druckkraft D.

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1 h b⋅h
D = −Z = ⋅b⋅ ⋅ σB = ⋅ σB (1.4)
2 2 4

D entspricht dem Volumen des halben Spannungskörpers und wirkt im Schwerpunkt


desselben. Die beiden Druckkräfte D erzeugen als Resultierende die nach oben gerichtete
Umlenkkraft U, die mit der Umlenkkraft des Zugbereiches im Gleichgewicht steht (vgl. Bild
1.18).

σa

σi

Bild 1.18: Umlenkkräfte am gekrümmten Träger

Diese Umlenkkräfte erzeugen im Trägerquerschnitt Querzugspannungen σt,90 die zur Mitte


hin zunehmen.

Bild 1.19: Verteilung der Querzugspannungen

Die Querspannungen lassen sich mit dem in Bild 1.20 gezeigten Diagramm in Abhängigkeit
1 h ap
von der Krümmung = und dem Anschnittwinkel α berechnen.
β rin

M
σ t ,90,d = kp ⋅ (1.5)
Wap

mit kp aus Diagramm in Bild 1.20

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Bild 1.20: Beiwert kp für die Ermittlung der Querzugspannung

Beim Nachweis der Querzugbeanspruchung ist der Einfluss


Einfluss der beanspruchten Bauteilhöhe zu
berücksichtigen. Bei einer gleichmäßigen Verteilung der Querzugspannung über die Höhe
wird ein Bauteil an seiner schwächsten Stelle (z.B. Mikrorisse) versagen, da in jeder Ebene
die gleiche Kraft übertragen wird (Theorie
(Theorie des schwächsten Gliedes: „Eine Kette ist nur so
stark wie ihr schwächstes Glied“). Mit der beanspruchten Höhe steigt also die
Versagenswahrscheinlichkeit, da nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit mit mehr
Fehlstellen zu rechnen ist. Der Bemessungswert der Querzugfestigkeit ist der Bezugshöhe h0
= 600 mm zugeordnet.

Bei einer ungleichmäßigen Verteilung der Querzugbeanspruchung (Bild


( 1.19
19) sinkt die
Wahrscheinlichkeit,it, dass die maximale Querzugbeanspruchung (für die die Bemessung
erfolgt) mit einer Schwachstelle zusammenfällt. Eine ungleichmäßige Spannungsverteilung ist
umso günstiger, je schneller die Querzugbeanspruchung von ihrem Maximalwert aus
abnimmt. Dieser Einfluss
nfluss der ungleichmäßigen Spannungsverteilung wird dadurch erfasst,
dass der Bemessungswert der Zugfestigkeit durch einen Faktor kdis erhöht wird.

Bei gekrümmten Trägern fällt der Maximalwert der Querzugbeanspruchung langsamer ab


(völligere Verteilung) alss bei Satteldachträgern mit gekrümmtem sowie geradem Untergurt.
Daher wird bei gekrümmten Trägern der Bemessungswert der Querzugfestigkeit mit dem
Faktor kdis = 1,15 erhöht, bei Satteldachträgern mit dem größeren Faktor kdis = 1,3.

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1.3.1.4 Nachweis nach dem Ersatzstabverfahren (Stabilitätsnachweis)


Um den Nachweis nach dem Ersatzstabverfahren führen zu können, werden Träger
veränderlicher Höhe unter Ansatz der Querschnittswerte am Ort 0,65 l gedanklich in einen
Träger konstanter Höhe umgewandelt.

Der Nachweis des Kippens, des Knickens oder der kombinierte Nachweis wird daher mit den
maximalen Schnittgrößen (max M, max N) und den Querschnittswerten am Ort 0,65 l geführt.

1.3.1.5 Spannungen am geneigten Rand


Als weiteres Problem treten an den schräg geschnittenen Rändern zusätzliche Quer- und
Schubspannungen auf.

An der Stelle x mit der maximalen Spannung max σBx wird ein dreieckförmiges
infinitesimales Randelement herausgeschnitten und einer Gleichgewichtsbetrachtung
unterzogen.

Die stets vorhandene Biegedruckspannung


(Satteldachträger) bzw. Biegezugspannung
(Voutenträger) erzeugt eine Schubspannung τ
(Σ H=0).

Aufgrund des Gesetzes über die zugeordneten


Schubspannungen muss auch eine vertikale
Schubspannung τ vorhanden sein.

Damit der Körper wieder im Gleichgewicht


steht, muss zusätzlich eine Querspannung σD⊥
(Satteldachträger) bzw. σZ⊥ (Voutenträger)
vorhanden sein (Σ V=0).

Bild 1.21: Spannungen am freigeschnittenen dreieckförmigen Randelement

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Die aktuelle DIN 1052:2004-08 bedient sich des einfach zu handhabenden Verfahrens nach
Hankinson. Hierbei wird das ungünstige Zusammenwirken der Spannungen durch eine
Abminderung der Biegebeanspruchbarkeit erfasst.

1.3.1.6 Schubspannungen am Auflager


Hallenbinder werden aufgrund der großen Stützweiten hinsichtlich der Biegebeanspruchung
optimiert. Das größte Biegemoment tritt in Feldmitte auf. Also ist es sinnvoll, hier einen
hohen Querschnitt einzusetzen. Da die Höhe bei der Bestimmung des Widerstandsmomentes
quadratisch einfließt, wird ein hoher Widerstand gegen Biegebeanspruchung bei
gleichzeitigem geringen Materialverbrauch (abhängig von der Querschnittsfläche) erreicht.
Bei gelenkiger Lagerung ist die Biegespannung am Auflager Null, so dass hier nur eine
geringere Trägerhöhe benötigt wird. Die bereits geringe Querschnittsfläche wird dadurch
weiter verringert. Andererseits ist die Beanspruchung aus Querkraft am Auflager maximal.
Die Trägerhöhe am Auflager muss also so groß gewählt werden, dass der Schubnachweis
erfüllt wird.

τd
≤1 (1.6)
f v ,d

1.3.1.7 Durchbiegung
Bei der Berechnung der Durchbiegung verhält es sich ähnlich, wie bei dem Problem der
Schubspannungen am Auflager. Im Allgemeinen werden die Durchbiegungen unter
Vernachlässigung des Anteils der Schubdurchbiegung ermittelt. Aufgrund der geringen
Querschnittsfläche (aber gleichzeitiger hoher Biegesteifigkeit) kann dieser Einfluss nicht
mehr vernachlässigt werden. Einen weiteren Einfluss hat das veränderliche
Flächenträgheitsmoment bei Trägern mit veränderlicher Höhe. Genauere Betrachtungen der
Durchbiegung von Brettschichtholzträgern sind Inhalt der Vertieferveranstaltung.

1.3.1.8 Spannungen im Firstbereich


Die Spannungen im Firstbereich von Satteldachträgern und gekrümmten Träger entsprechen
nicht den Spannungen parallelgurtiger Träger. Sie lassen sich gemäß Tabelle 1.3 berechnen.

Hierbei wird durch den Faktor kl die nicht-lineare Spannungsverteilung der Biegespannungen
berücksichtigt. (Erläuterungen siehe 1.3.1.1)

Mit dem Faktor kp werden die Querzugspannungen bei solchen Trägern ermittelt. (siehe Bild
1.20)

Die Spannungen beim Satteldachträger mit geradem Untergurt und beim gekrümmten Träger
lassen sich von den Spannungen des Satteldachträgers mit gekrümmten Untergurt als
Grenzfälle herleiten.
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1.4 Verschiedene Arten von Brettschichtbindern

1.4.1 Parallelträger
Parallelträger sind nicht gekrümmte Träger mit konstanter Höhe. Die Bemessung erfolgt also
für eine lineare Spannungsverteilung. Bei Parallelträgern aus Brettschichtholz handelt es sich
meist um hohe schlanke Bauteile (h/b > 3), die aufgrund ihrer Abmessungen kippgefährdet
sind. Demzufolge wird statt des allgemeinen Spannungsnachweises der kombinierte
Stabilitätsnachweis für Knicken (bei zusätzlich vorhandenen Normalkräften) und Kippen
geführt.

σ c , 0 ,d σ m , y ,d
+ k red ⋅ ≤1 Knicken um die schwache Achse (1.7)
k c , z ⋅ f c , 0 ,d k m, y ⋅ f m , y,d

σ c , 0 ,d σ m , y ,d
+ ≤1 Knicken um die starke Achse (1.8)
k c , y ⋅ f c , 0 ,d k m , y ⋅ f m , y ,d

Falls zusätzlich Biegung um die schwache Achse des Binders auftritt, sind die resultierenden
Spannungen ebenso zu berücksichtigen.

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1.4.2 Träger veränderlicher Höhe


Allgemein lassen sich zwei Querschnittsformen unterscheiden:

Biegeträger mit geneigtem Obergurt (Satteldachträger)


Biegeträger mit geneigtem Untergurt (Voutenträger)

Firstbereich

α
hap

0,5 hap 0,5 hap h ap


=0
r
Bild 1.22: Biegeträger mit geneigten Gurten

Es ist der allgemeine Spannungsnachweis bzw. der Stabilitätsnachweis zu führen. Dabei ist
folgendes zu beachten:

Bild 1.23: Biegemomente und Normalspannungen am Satteldachträger

Die (meist gleichstreckenförmige) äußere Belastung erzeugt einen parabelförmigen


Momentenverlauf mit dem Maximalwert in der Mitte des Querschnitts.

M (x ) =
q
2
(
l ⋅ x − x2 ) (1.9)

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Da die Trägerhöhe zur Mitte hin zunimmt, wächst das Widerstandsmoment Wy mit der
Änderung der Querschnittshöhe.

bh (2x ) b
W (x ) = = (h a + x ⋅ tan α )2 (1.10)
6 6

h ap − h a
tan α = (1.11)
1
2

Die über die Querschnittslänge veränderliche Biegespannung ergibt sich zu

M y,d (x )
σ m , y , d (x ) = (1.12)
W y (x )
Die Überlagerung der beiden Verläufe M und W in Form der Biegespannung führt zu einer
Kurve, deren Maximalwert nicht mehr in der Mitte des Querschnitts liegt. Bei der Berechnung
der Biegespannung ist darauf zu achten, dass die Biegespannung bei Trägern mit geneigtem
Rand, ähnlich wie bei gekrümmten Trägern, keinen linearen Verlauf besitzt. Diesem Umstand
( )
wird durch den Faktor 1 + 4 tan 2 α Rechnung getragen. Hierdurch wird die Biegespannung
am und am geraden Rand erhöht.

Die Koordinate der maximalen Spannung für ein Satteldach ist:

− ha l
x= ⋅ (1.13)
h ap 2

Somit beträgt die maximale Spannung:

−
M y,d  x 
−
max σ m , y,d  x  = 1 + 4 tan α
2
(   ) (1.14)
  −
Wy  x 
 

Hinweis: Beim Pultdach ist der Ort der maximalen Spannung bei:

l
x=
h ap (1.15)
1+
ha

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1.4.3 Nachweise am Ort der maximalen Spannung

Nachweis für die Spannungen am Rand schräg zur Faserrichtung

σ m ,α ,d
≤1 (1.16)
f m ,α ,d
mit der Spannung am Rand schräg zur Faserrichtung

6⋅ M d
σ m , α ,d = (1.17)
b⋅ h 2
Beim Nachweis der Biegespannung am angeschnittenen Rand ist das ungünstige
Zusammenwirken mehrerer Spannungsarten (vgl. 1.3.1.5) zu berücksichtigen. Dies erfolgt
durch eine abgeminderte Biegefestigkeit. Die Bemessungswerte der Biegefestigkeit am Rand
schräg zur Faserrichtung betragen:

im Biegezugbereich:

f m ,α ,d = k α , t ⋅ f m ,d (1.18)

1
k α,t =
2 2
 f m ,d   f m ,d  (1.19)
 ⋅ sin 2
α  + ⋅ sin α ⋅ cos α  + cos 4 α
f  f 
 t ,90,d   v,d 
Für Vollholz, Brettschichtholz, Balkenschichtholz und Furnierschichtholz ohne Querlagen ist
der Bemessungswert der Schubfestigkeit fv,d in Gleichung (1.19) um 25 % abzumindern.

im Biegedruckbereich:

f m ,α ,d = k α ,c ⋅ f m ,d (1.20)

1
k α ,c =
2 2
 f m ,d   f m ,d  (1.21)
 ⋅ sin 2
α  + ⋅ sin α ⋅ cos α  + cos 4 α
f  f 
 c,90,d   v ,d 
Für Vollholz, Brettschichtholz, Balkenschichtholz und Funierschichtholz ohne Querlagen darf
der Bemessungswert der Schubfestigkeit fv,d in Gleichung (1.21) um 50 % erhöht werden.

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Nachweis für die Spannungen am Rand parallel zur Faserrichtung

σ m , 0 ,d
≤1 (1.22)
f m ,d

mit der Spannung am Rand parallel zur Faserrichtung:

6⋅ M d
(
σ m , 0,d = 1 + 4 tan 2 α ⋅ ) (1.23)
b⋅ h 2

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1.4.4 Nachweise im Firstquerschnitt


Zusätzlich sind die maximalen Quer- und Biegespannungen im Firstbereich nachzuweisen.
Zur Ermittlung der Spannungen kann auf die Diagramme Bild 1.15 und Bild 1.20
zurückgegriffen werden. Hierbei ist für hap/r der Wert Null einzusetzen, da der
Krümmungsradius aufgrund der geraden, wenn auch nicht parallelen, Gurte unendlich groß
ist. Alternativ können die Spannungen im First auch nach den unten aufgeführten Formeln
berechnet werden. Diese Formeln entsprechen den Funktionen, die den Diagrammen
zugrunde liegen, ausgewertet für hap/r = 0.

Nachweis der Längsrandspannung

σ m ,d
≤1 (1.24)
f m ,d

(
σ m ,d = 1 + 1,4 ⋅tan α + 5,4⋅ tan 2 α ⋅ ) M ap ,d
Wap
(1.25)

b ⋅ h ap
2

Wap = (Widerstandsmoment im First) (1.26)


6

Nachweis der Querzugspannung


Der Nachweis der Querzugspannungen infolge der Kraftumleitung im Firstbereich lautet:

2
σ t ,90,d  τ 
0,3
+  d  ≤1

h   f v ,d  (1.27)
k dis ⋅  0  ⋅ f t ,90,d
h 
 ap 
Der Faktor zur Erhöhung des Bemessungswertes der Querzugfestigkeit kdis ist mit 1,3
anzusetzen (vgl. 1.3.1.3)

6 ⋅ M ap,d
σ t ,90,d = 0,2 ⋅ tan α ⋅ (1.28)
b ⋅ h ap
2

mit hap Trägerhöhe im Firstbereich

h0 Bezugshöhe von 600 mm

Kann der Nachweis nicht eingehalten werden, sind Querzugverstärkungen wie z.B.
eingeklebte Stahlstäbe oder aufgeklebte Verstärkungsplatten anzuordnen und für die
resultierende Querzugkraft zu bemessen.

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1.5 Gekrümmte Träger

Der Winkel α kennzeichnet wie bei den Satteldachträgern den Winkel zwischen Trägerkante
und Faserrichtung. Bei einem gekrümmten Träger gilt daher α = 0°.

Firstbereich h = h ap

δ
r t

rin

α = 0°
r = rin + 0,5 h ap
Bild 1.24: Gekrümmter Träger

Die Stelle der maximalen Biegespannung fällt beim gekrümmten Träger mit
gleichbleibender Höhe mit der Stelle des maximalen Momentes zusammen. Der Nachweis der
Biegespannung ist in diesem Fall nur für den First zu führen.

1.5.1 Nachweise im Firstquerschnitt

Nachweis der Längsrandspannung

Die maximale Längsrandspannung muss die folgende Bedingung erfüllen:

σ m ,d
≤1 (1.29)
k r ⋅ f m ,d
Dabei ist:

6 ⋅ M ap,d
σ m,d = (1 + 0,35 ⋅ k ap ⋅ 0,6 ⋅ k ap
2
)⋅ (1.30)
b ⋅ h ap
2

mit: k ap = h ap r

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rin
kr = 1 für ≥ 240
t

rin rin
k r = 0,76 + 0,001⋅ für < 240
t t

t Lamellendicke

Nachweis der Querzugspannung


Der Nachweis der Querzugbeanspruchung beim gekrümmten Träger wird aufgrund des
etwas ungünstigeren Verlaufes der Querzugspannung mit kdis=1,15 geführt.

2
σ t ,90,d  τ 
0,3
+  d  ≤1

h   f v ,d  (1.31)
k dis ⋅  0  ⋅ f t ,90,d
h 
 ap 
mit

6 ⋅ M ap,d
σ t ,90,d = k p ⋅ (1.32)
b ⋅ h ap
2

kdis = 1,15

1.5.2 Satteldachträger mit gekrümmten unteren Rand

Der Winkel α kennzeichnet wie bei den Satteldachträgern mit geradem Untergurt den Winkel
zwischen Trägerkante und Faserrichtung. Bei einem Satteldachträger mit gekrümmtem
Untergurt gilt daher α =δ - β.

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hap
Firstbereich
δ

r t
β

rin
α = δ−β
r = rin + 0,5 h ap
Bild 1.25: Satteldachträger mit gekrümmtem Untergurt

Beim Satteldachträger mit gekrümmten Untergurt ist wie beim einfachen Satteldachträger
zu beachten, dass der Ort der maximalen Biegespannung nicht mit dem Ort des maximalen
Momentes zusammenfällt. Dies ist durch das zur Feldmitte hin ansteigende
Widerstandsmoment begründet (s.a. 1.4.2).

Nachweise am Ort der maximalen Spannung


Die zu führenden Nachweise an der Stelle der maximalen Biegespannung parallel und unter
dem Winkel α zur Faser entsprechen den unter 1.4.3 erläuterten Nachweisen beim einfachen
Satteldachträger.

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Nachweise im Firstquerschnitt
Die Spannungen im Firstbereich ermittelt man entweder mit Hilfe der Diagramme Bild 1.15
und Bild 1.20 oder durch Auswertung von Formeln. Allerdings muss beim Nachweis der
Biegelängsrandspannung im Firstbereich die Festigkeitsabnahme infolge Biegens der
Lamellen berücksichtigt werden. Durch das Biegen der Lamellen während des
Fertigungsprozesses werden Eigenspannungen eingeprägt. Der Einfluss dieser
Eigenspannungen wird durch den Abminderungsfaktor kr erfasst.

Nachweis der Längsrandspannung

Im Firstquerschnitt muss für die maximale Längsrandspannung folgende Bedingung erfüllt


sein:

σ m ,d
≤1 (1.33)
k r ⋅ f m ,d
rin
mit: kr = 1 für ≥ 240
t

rin rin
k r = 0,76 + 0,001⋅ für < 240
t t

mit t Lamellendicke

6 ⋅ M ap,d
σ m ,d = k l ⋅ (1.34)
b ⋅ h ap
2

mit:

k l = k 1 + k 2 ⋅ k ap + k 3 ⋅ k ap
2
+ k 4 ⋅ k 3ap (1.35)

k ap = h ap r

k 1 = 1 + 1,4 ⋅ tan δ + 5,4 ⋅ tan 2 δ

k 2 = 0,35 − 8 ⋅ tanδ

k 3 = 0,6 + 8,3 ⋅ tan δ − 7,8 ⋅ tan 2 δ

k 4 = 6 ⋅ tan 2 δ

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Nachweis der Querzugspannung


Wie beim Satteldachträger mit geradem Untergurt muss für die maximale Zugspannung mit
eventuell vorhandenen Schubspannungen im Firstquerschnitt folgende Gleichung erfüllt sein:

2
σ t ,90,d  τ 
0,3
+  d  ≤1

h   f v ,d  (1.36)
k dis ⋅  0  ⋅ f t ,90,d
h 
 ap 
mit:

6 ⋅ M ap,d
σ t ,90,d = k p ⋅ (1.37)
b ⋅ h ap
2

mit:

k p = k 5 + k 6 ⋅ k ap + k 7 ⋅ k ap
2
(1.38)

k ap = h ap r

r = rin + h ap 2

k 5 = 0,2 ⋅ tanδ

k 6 = 0,25 − 1,5 ⋅ tan δ + 2,6 ⋅ tan 2 δ

k 7 = 2,1 ⋅ tan δ − 4 ⋅ tan 2 δ

kdis = 1,3

h0 Bezugshöhe von 600 mm

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Vergleich der verschiedenen Trägertypen

Tabelle 1.3: Gegenüberstellung der Spannungen im First bei verschiedenen Trägertypen

Satteldachträger mit Satteldachträger mit Gekrümmter Träger


gekrümmtem Untergurt geradem Untergurt

α =δ-β α=δ α=0


tan 0° = 0
r = const. r=∞ r = const.

Biegespannung: Biegespannung: Biegespannung:


6M ap,d 6M ap, d 6M ap, d
σm,d = k l 2 σ m, d = k l 2 σ m, d = k l 2
bh ap bh ap bh ap

2
k l = k1 + k 2 × k ap + k 3 × k ap + k 4 × k 3ap k l = 1 + 1,4 × tan α + 5,4 × tan 2 α
2
k l = 1 + 0,35 × k ap + 0,6 × k ap

h ap
k ap =
r

Nachweisform: Nachweisform: Nachweisform:

σm,d σ m ,d σ m ,d
≤1 ≤1 ≤1
k r × f m ,d f m ,d k r × f m,d

Querzugspannung: Querzugspannung: Querzugspannung:


6M ap,d 6M ap,d 6M ap,d
σ t ,90,d = k p 2 σ t ,90 ,d = k p 2 σ t ,90 ,d = k p 2
bh ap bh ap bh ap

2
k p = k 5 + k 6 × k ap + k 7 × k ap k p = 0,2 × tan α k p = 0,25 × k ap

Nachweisform: Nachweisform: Nachweisform:


2 2 2
σ t ,90, d τd σ t ,90, d τd σ t ,90, d τd
0, 3 + ≤1 0, 3 + ≤1 0, 3 + ≤1
h0 f v,d h0 f v,d h0 f v,d
k dis × × f t ,90, d k dis × × f t ,90, d k dis × × f t ,90, d
h ap h ap h ap

kdis = 1,3 kdis = 1,3 kdis = 1,15

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1.6 Rahmen und Bögen aus Brettschichtholz

1.6.1 Allgemeines
Rahmenkonstruktionen bilden häufig die Haupttragwerke moderner Hallenbauten. Sie tragen
die Belastung vorwiegend auf Biegung ab. Mit Bogentragwerken, die die Kräfte überwiegend
als Normalkräfte abtragen (Zweigelenkbogen, Dreigelenkbogen) können größere
Spannweiten erzielt werden.

Bild 1.26: Systeme von Rahmen und Bogen

Zur Vordimensionierung von Hallenbauten können die Bilder Bild 1.27 bis Bild 1.29
verwendet werden.

Abmessungen
Stützweite l Binderabstand e
System-Bezeichnungen h1 h2 f
m m
m m m

25,00 5,00 ... 7,50 0,25 0,50 6,25


30,00 5,00 ... 7,50 0,30 0,60 7,50
35,00 5,00 ... 7,50 0,35 0,70 8,75
40,00 3,50 ... 15,00 0,80 0,80 10,00
Dreigelenkbogen aus
45,00 3,50 ... 15,00 0,45 0,90 11,25
Brettschichtholz
50,00 3,50 ... 15,00 0,50 1,00 12,50
60,00 3,50 ... 15,00 0,60 1,20 15,00
80,00 3,50 ... 15,00 1,60 1,60 20,00
100,00 3,50 ... 15,00 1,00 2,00 25,00

Bild 1.27: Hilfen zur Vordimensionierung von Bogenbindern


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Abmessungen
Dach-
Stützweite l Binderabstand e
System-Bezeichnungen neigung h1 h2 h3
m m
α m m m

15,00 5,00 ... 7,50 14° 0,30 0,70 ... 0,82 0,25
Dreigelenkrahmen aus
17,50 5,00 ... 7,50 14° 0,35 0,78 ... 0,90 0,30
Brettschichtholz mit
20,00 5,00 ... 7,50 14° 0,40 0,85 ... 1,00 0,35
keilgezinkter
22,50 5,00 ... 7,50 14° 0,45 0,93 ... 1,10 0,40
Rahmenecke
25,00 5,00 ... 7,50 14° 0,50 1,00 ... 1,20 0,45

Bild 1.28: Vordimensionierung von Trägern mit keilgezinkter Rahmenecke

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Abmessungen
Dach-
Stützweite l Binderabstand e
System-Bezeichnungen neigung h1 h2 h3
m m
α m m m

15,00 5,00 ... 7,50 14° 0,40 0,90 ... 1,35 0,25
Dreigelenkrahmen aus 17,50 5,00 ... 7,50 14° 0,45 1,00 ... 1,45 0,30
Brettschichtholz mit 20,00 5,00 ... 7,50 14° 0,50 1,10 ... 1,55 0,35
verdübelter 22,50 5,00 ... 7,50 14° 0,55 1,20 ... 1,65 0,40
Rahmenecke 25,00 5,00 ... 7,50 14° 0,60 1,30 ... 1,75 0,45
27,50 5,00 ... 7,50 14° 0,65 1,35 ... 1,85 0,50

Bild 1.29: Vordimensionierung von Trägern mit gedübelter Rahmenecke

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1.6.2 Schnittgrößen
Die Schnittgrößen bei Rahmenkonstruktionen lassen sich einfach und schnell mit veröffent-
lichten Rahmenformeln berechnen. Für die häufig eingesetzten Dreigelenkrahmen sei an
dieser Stelle beispielhaft die Schnittgrößenermittlung für eine konstante Belastung gezeigt:

B B

+
+ - - -
-
“V” -
“N” -
-
+

Bild 1.30: Schnittgrößenverlauf am Dreigelenkrahmen

Die Schnittgrößen von Bogenkonstruktionen sind oft komplizierter zu ermitteln. Dann sind
vereinfachende Annahmen zu treffen bzw. Stabwerksprogramme einzusetzen. Nur Bögen, die
der idealen Seillinie folgen, erhalten unter Gleichstreckenlast ausschließlich Normalkräfte!

1.6.3 Bemessung von Rahmen


Die Bemessungswerte der Beanspruchungen des Rahmens müssen in jedem Querschnitt
übertragen werden können. Die Stabilitätsfälle Knicken und Kippen müssen dabei abgedeckt
sein.

Problematisch bei den Knicknachweisen von Stiel und Riegel ist die Tatsache, dass die
Knicklängen stark von der Geometrie des Systems abhängen. Außerdem muss das Knicken in
der Binderebene und aus der Binderebene betrachtet werden.

Beim Stabilitätsnachweis sind jeweils die im betrachteten Rahmenteil auftretenden Werte


max N und max M aus der maßgebenden Lastfallkombination einzusetzen.

Für A und W sind jeweils die Querschnittsflächen bei 0,65⋅h bzw. 0,65⋅s einzusetzen.
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Für das Knicken aus der Binderebene kann die Knicklänge des Stieles mit lef = h angenommen
werden, wenn der Rahmeneckpunkt in Hallenlängsrichtung unverschieblich gehalten ist.

Bezüglich des Knickens des Riegels aus der Binderebene kann als Knicklänge der Abstand
der Verbandspfetten (dort seitliche Halterung) angesehen werden.

Sind die Flächenmomente 2. Grades veränderlich, so darf mit den in 0,65⋅h bzw. 0,65⋅s
vorhandenen Flächenmomenten 2. Grades gerechnet werden, aus denen auch die
Trägheitsradien i mit den dort vorhandenen Querschnittsflächen zu ermitteln sind.

Bild 1.31: Lage der maßgebenden Flächenmomente

1.6.3.1 Knicknachweis Stiel

Bei symmetrischen Dreigelenkrahmen wird für das Knicken in der Binderebene der
Knicklängenbeiwert des Stieles mit Gleichungen (1.39) bzw. (1.40) berechnet.

π2 ⋅ E ⋅ ΙS  1 s  E ⋅ ΙS ⋅ N R ⋅ s2
βs = 4 + ⋅ + + (1.39)
K  E ⋅Ι ⋅ N ⋅h2
h  ϕ 3⋅ E ⋅ ΙR  R S

Für K ϕ → ∞ (starrer Anschluss) gilt:

E ⋅ ΙS ⋅ π2 ⋅ s E ⋅ ΙS ⋅ N R ⋅ s 2
βs = 4 + + (1.40)
E ⋅ Ι R ⋅ 3 ⋅ h E ⋅ ΙR ⋅ NS ⋅ h 2

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mit ΙS Flächenmoment 2. Grades des Stieles

ΙR Flächenmoment 2. Grades des Riegels

h Stielhöhe

s Riegellänge

Kϕ Drehfedersteifigkeit der Rahmenecke

NS mittlere Stabkraft des Stieles

NR mittlere Stabkraft des Riegels

Die Knicklänge beträgt dann

l ef = β s ⋅ h (1.41)

1.6.3.2 Knicknachweis Riegel

Die Knicklängenbeiwerte des Riegels für das Knicken in der Binderebene beträgt:

E ⋅ Ι R ⋅ NS h
β R = βS ⋅ ⋅ (1.42)
E ⋅ ΙS ⋅ N R s

Die Knicklänge beträgt dann

l ef = β R ⋅ s (1.43)

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1.6.4 Knotenpunkte

1.6.4.1 Keilgezinkte Rahmenecken


Wird ein Rahmen aus einteiligen Stützen und Riegeln hergestellt, so bietet sich die
Ausführung einer keilgezinkten Rahmenecke an.

Bild 1.32: Rahmenecke mit und ohne Zwischenstück

Die Rahmenecken können mit und ohne Zwischenstück hergestellt werden. Die Zwischen-
stücke gewährleisten einen abgestuften Übergang der Faserneigung des Stiels zu der des
Riegels. Die keilgezinkte Rahmenecke wird werksmäßig geklebt. Dabei muss der Kleber die
Möglichkeit haben, beim Zusammenpressen zu entweichen. Dies wird durch das Zinkenspiel
s am Zinkengrund gewährleistet. (vgl. Bild 1.33).

Bild 1.33: Keilzinkenverbindung nach DIN 68140

Gleichzeitig bedeutet diese „Lücke” eine Querschnittsschwächung um ca. 20%. Der


Schwächungsgrad wird als v = b / t definiert. Der Rest- oder auch Nettoquerschnitt besitzt
demzufolge eine verminderte Tragfähigkeit gegenüber dem ungeschwächten Querschnitt.

Nettoquerschnittswerte:

A netto = A (1 − v ) (1.44)

Wnetto = W (1 − v ) (1.45)

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Neben der Querschnittsschwächung durch die Keilzinkung ist für die Ermittlung der
zulässigen Normaldruckspannung die Abminderung aufgrund des Winkels α zwischen Kraft
und Faser zu berücksichtigen.

Bei Universal-Keilzinkenverbindungen von Brettschichtholz, bei denen die Faserrichtungen


einen Winkel von 2α einschließen und bei denen Querdruckspannungen auftreten, lautet der
allgemeine Spannungsnachweis:

f c , 0 ,d  σ c , 0 ,d σ m ,d 
⋅  +  ≤1
 (1.46)
f c , α .d  k c ⋅ f c , 0 , d f m , d 

mit

f c , 0 ,d
f c ,α , d =
2 2
 f c , 0 ,d   f c , 0 ,d  (1.47)
 sin 2
α  + sin α ⋅ cos α  + cos 4 α
 2⋅f   2⋅f 
 c , 90 ,d   v ,d 

kc Knickbeiwert

Die Spannungen σc,0 und σm sind mit den Schnittgrößen an den Stellen 1 und 2 (siehe Bild
1.32: Rahmenecke mit und ohne Zwischenstück

und mit den Querschnitten rechtwinklig zu den Systemachsen unmittelbar neben der
Universal-Keilzinkenverbindung zu ermitteln (vgl. Schnitte 1-1 und 2-2 in Bild 1.34).

Bei der Berechnung der Normalspannungen sind die Querschnittsschwächungen durch die
Universal-Keilzinkenverbindung zu berücksichtigen. Sie dürfen ohne genaueren Nachweis zu
20 % der Bruttoquerschnittswerte angenommen werden. Es sind die Bemessungswerte der
jeweils nächst niedrigeren Festigkeitsklasse zugrunde zu legen (Berücksichtigung des
Einflusses von Ästen).

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a)

b)

Bild 1.34: Keilgezinkte Rahmenecke mit und ohne Zwischenstück

Zu beachten ist außerdem, dass die Rahmenecke infolge des negativen Momentes innenseitig
gedrückt wird. Sie ist somit kippgefährdet und in ihrer Lage zu stabilisieren. Dies geschieht
oft durch Kopfbänder aus Rundstahl.

Bild 1.35: Kippaussteifung einer keilgezinkten Rahmenecke

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1.6.4.2 Gedübelte Rahmenecke


Gedübelte Rahmenecken werden eingesetzt, wenn z.B. einteilige Riegel an zweiteilige Stiele
angeschlossen werden sollen, also bei mehrteiligen Konstruktionen. Als Verbindungsmittel
werden Stabdübel oder Dübel besonderer Bauart verwendet. Bei großen Belastungen können
auch mehrere (ineinanderliegende) Dübelkreise angeordnet werden.

Bild 1.36: Konstruktive Ausbildung einer gedübelten Rahmenecke

Schnittgrößenermittlung:
Zur Berechnung der resultierenden Dübelbelastung werden die zu übertragenden
Schnittgrößen N, M, V auf den Schwerpunkt der Verbindungsmittelgruppe (den
Kreismittelpunkt) bezogen und auf die einzelnen Dübel durch einfache vektorielle Zerlegung
der Kräfte verteilt.

X
Y

Bild 1.37: Schnittgrößen auf den Schwerpunkt der Verbindungsmittelgruppe bezogen

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Die einzelnen Dübelkräfte erhält man wie folgt aus den Einzelkomponenten:

tangentiale vertikale horizontale

Dübelbelastung Dübelbelastung Dübelbelastung

aus M: aus Y. aus X:


  
Di,M = Di,Y = Di,X =
  

Bild 1.38: Verteilung der Schnittgrößen auf die Dübel

Jeder Dübel i erhält eine resultierende Belastung aus graphischer Vektoraddition, welche von
Betrag und Richtung unterschiedlich sind. Die Dübelkräfte können wie folgt berechnet
werden, wobei der rechte untere Dübelviertelkreis am stärksten beansprucht wird:

(1.48)
D1 = (D1,M + D1,X )2 + D1,2 Y (Pythagoras)

D7 = (D 7,M + D 7,Y )2 + D 7,2 X (Pythagoras) (1.49)

Die größte Dübelkraft erhält hier Dübel 8:

D8 ≈ D8,M + D28,Y + D8,2 X (Näherung, da i.a. DY ≈ DX) (1.50)

Die zulässige Dübelbelastung ist von der Faserrichtung abhängig und für eine Kraft senkrecht
zur Faser am kleinsten.

Für den Stiel verläuft die Kraft D1 und für den Riegel die Kraft D7 annähernd senkrecht zur
Faser (Bild 1.39).

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Bild 1.39: Kraft- und Faserrichtungen am Dübelkreis

Auf der sicheren Seite liegend wird als zulässige Dübeltragfähigkeit der kleinste mögliche
Wert angesetzt und der größten Beanspruchung (D8) gegenübergestellt.

Der Dübelnachweis wird entsprechend den üblichen Regeln für Stabdübel geführt.

Die Schubbeanspruchung in Stiel und Riegel kann folgendermaßen nachgewiesen werden:

Vmax
Vi

V V
Bild 1.40: Gleichgewicht der horizontalen Kräfte am Dübelkreis

Jeder Dübel leitet eine Querkraft Vi ein, welche eine Komponente der resultierenden
Dübelkraft Di,M + Di,X ist (DY steht orthogonal zu DX und leistet keinen Beitrag!).

Deutlich sichtbar ist: Vmax > V !!

Mit Vmax kann dann τ = 1,5⋅Vmax / A berechnet werden.

An einer gedübelten Rahmenecke treten im linken oberen Dübelviertelkreis im Stiel große


Querzugbeanspruchungen auf. Die Querzugbeanspruchung lässt sich anschaulich aus den
Horizontalkomponenten der Dübelkräfte in diesem Bereich herleiten (Bild 1.41).

V4

Bild 1.41: Kritische Horizontalkomponente im linken oberen Dübelviertelkreis


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1.6.4.3 Fußpunkt

Praktisch alle Rahmen- und Bogenkonstruktionen werden mit momentenfreien Gelenken an


den Fußpunkten ausgebildet. Die gewählte Konstruktion muss also die Vertikal- und
Horizontalkräfte sicher übertragen, wobei die freie Verdrehbarkeit in möglichst hohem Maße
gewährleistet sein sollte.

Die Übertragung der vertikalen Auflagerkraft erfolgt durch Kontaktpressung, während die
horizontale Auflagerkraft durch eine Betonaufkantung oder Stahlblechformteile
aufgenommen wird. In jedem Fall ist eine Lagesicherung mit Stahlteilen und Dübeln
erforderlich.

Bild 1.42: Fußpunkte von Rahmenkonstruktionen

σc,90,d
AX,d
σc,0,d
AY,d

Bild 1.43: Rahmenfußpunkt mit den nachzuweisenden Spannungen

Bild 1.44: Fußpunkte von Bogenbindern

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Bei Bogenauflagern gilt es große Normalkräfte bei möglichst momentenfreier Lagerung zu


übertragen. Dazu können Stahlsonderbauteile mit Gelenkbolzen oder Kippleiste genutzt
werden (vgl. Bild 1.44).

Querschnittsschwächungen sind beim Nachweis der Fußpunkte gegebenenfalls zu


berücksichtigen!

1.6.4.4 Firstpunkte
Die Konstruktionen der Firstpunkte lassen sich grundsätzlich in drei Gelenkarten einteilen:

a) Gelenk mit Kippleiste

b) Gelenk mit Bolzen

c) Stumpfer Stoß über I-Profil

Bild 1.45: Konstruktive Ausbildung von Firstgelenken

Die Übertragung der Kräfte auf die Gelenkkonstruktion erfolgt durch Kontaktpressung
und/oder Nägel bzw. Dübel. Bei den Gelenken a) und c) sind seitliche Laschen zur
Lagesicherung erforderlich.

Die aufwändigen Konstruktionen a) und b) stellen wirkliche Gelenke dar und sind auch für
große Stützweiten geeignet, während der Vorteil der Lösung c) in der einfachen Konstruktion
liegt. Ausführung a) birgt allerdings das Problem in sich, dass der Querschnitt senkrecht zur
Faser aufreißen kann, wenn das Holz senkrecht zur Faser schwindet. Dieses Schwinden wird
aber bei der Ausführung a) dadurch behindert, dass die Verbindungsmittel auf voller
Trägerhöhe angebracht sind. Dadurch entstehen Zwangsspannungen, die zu Rissen führen
können.

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1.7 Fachwerkkonstruktionen

1.7.1 Allgemeines
Fachwerkkonstruktionen aus Holzstäben werden seit altersher im Bauwesen verwendet. Das
intelligente Zusammenfügen von Stäben mit oft kleinen Querschnittsabmessungen ermöglicht
das Überspannen großer Stützweiten. Der Vorteil von Fachwerkkonstruktionen liegt im
niedrigen Materialeinsatz und der guten Formbarkeit der Konstruktion, der Nachteil in der
hohen Knotenanzahl und den damit verbundenen Kosten.

Fachwerke kommen im Hallenbau als Fachwerkbinder, Fachwerkrahmen oder als


Aussteifungsverbände vor.

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Tabelle 1.4: Faustformeln zur Vordimensionierung von Fachwerken


Bezeichnung Statisches System System-Skizze Spannweite l Binderhöhe Binderabstand Dach-
(m) neigung
(α)°

Fachwerk- Dreieckförmiger l
7,5 bis 30 h≥ 4 bis 10 m 12 bis 30°
träger Binder 10

l
7,5 bis 20 hm ≥ 4 bis 10 m 12 bis 30°
10

Trapezförmiger l
7,5 bis 30 h≥ 4 bis 10 m 3 bis 8°
Binder 12

l
7,5 bis 30 hm ≥ 4 bis 10 m 3 bis 8°
12

l l
h≥ bis
Parallelbinder 7,5 bis 60 12 15 4 bis 10 m _

l l
h≥ bis
7,5 bis 60 12 15 4 bis 10 m _

l l
h≥ bis
7,5 bis 60 12 15 4 bis 10 m _

Fachwerk- Kantholz- l 20°


Dreigelenk-rahmen
rahmen rahmen 12
Kantholz-rahmen
15 bis 30
e = 4 bis 6 m

Rahmen mit _
Weitgespannte
Stützen aus
Rahmen
Brettschicht-
e = 6 bis 10 m
holz
25 bis 50

Dreigelenk-rahmen l
10 bis 20 e = 4 bis 6 m 3 bis 8°
einhüftig 12

Zweigelenk- Kantholz- l 3 bis 8°


rahmen rahmen 12
Kantholz-rahmen
15 bis 40
e = 4 bis 6 m

Rahmen mit _
Weitgespannte
Stäben aus
Rahmen
Brettschicht-
e = 6 bis 10 m
holz
25 bis 60

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1.7.2 Belastung / Schnittgrößenermittlung


Theoretisch betrachten wir die Fachwerkknoten als reibungsfreie Gelenke; die Systemlinien
der Stäbe schneiden sich in einem Punkt und die äußeren Lasten greifen nur in den Knoten an.
Unter diesen Voraussetzungen werden Fachwerkstäbe nur durch Normalkräfte belastet. Diese
Idealisierungen lassen sich in der Praxis jedoch nur eingeschränkt verwirklichen.

Im Gegensatz zum reinen Gelenkfachwerk (statisch bestimmt)

Bild 1.46: Gelenkfachwerk

werden die Gurte zumeist durchlaufend angeordnet (mehrfach statisch unbestimmt):

Bild 1.47: Fachwerk mit durchlaufenden Gurten

Genauere Untersuchungen an Fachwerken mit durchlaufenden Gurten haben jedoch ergeben,


dass die maximalen Obergurtmomente infolge Streckenlast mit
2
Md = qd ⋅ l 8 ausreichend genau berechnet sind.

Dies wird auch ersichtlich, wenn man den Obergurt als elastisch gestützten Balken
(Innenfelder) betrachtet.

Die Stabkräfte für Gelenkfachwerke können mit folgenden einfachen Methoden ermittelt
werden:

Knotenschnittmethode (Kräftegleichgewicht am Knoten)


Ritterschnittmethode (Momentengleichgewicht am Teilsystem)
Cremonaplan (graphisches Verfahren)

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1.7.3 Bemessung der Stäbe


Fachwerkstäbe unterliegen den allgemeinen Bemessungsregeln des Holzbaus. Schneiden sich
die Stabachsen eines Knotens nicht in einem Punkt, so entstehen Zusatzbeanspruchungen
(Kraft ⋅ Hebelarm = Moment), die bei der Bemessung zu berücksichtigen sind.
Berechnungsgrundlagen werden ausführlich in der Vertieferveranstaltung „Ingenieurholzbau“
behandelt.

1.7.4 Fachwerkknoten
Die Verbindungsmittel im Knoten müssen in der Lage sein, die auftretenden Stabkräfte zu
übertragen. Die Nachweise für die Verbindungen sind in Abhängigkeit der gewählten
Verbindungsmittel zu führen, z.B. Abscheren der Verbindungsmittel,
Flächenpressungsnachweise etc.. Häufig ergibt ein Zusammenwirken ein- und mehrteiliger
Querschnitte sinnvolle Anschlussmöglichkeiten.

Ferner sei betont, dass normalerweise die zur Kraftübertragung erforderliche Anschlussfläche
(abhängig von der Art der Verbindungsmittel) die Stababmessungen in der endgültigen
Konstruktion bestimmt. Moderne Tendenzen im Holzbau sind bemüht, diese erforderlichen
Flächen zu minimieren.

Bild 1.48: Verschiedene Verbindungsmittel bei Fachwerkknoten

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Bild 1.49: Flächenoptimierte Verbindung aus Stabdübeln


und eingeschlitzten Blechen (BSB)

Für Druckanschlüsse können auch Versätze oder kombinierte Versatz-/Zapfenverbindungen


gewählt werden.

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Traufpunkt- bzw. Auflageranschluss Firstpunktanschluss Obergurtanschluss Untergurtanschluss


einteilige Stäbe
mehrteilige Stäbe
mehrteilige Füllstäbe
einteilige Gurtstäbe
mehrteilige Gurtstäbe
einteilige Füllstäbe

Bild 1.50: Übersicht von Ausbildungsmöglichkeiten für Knotenpunkte von Fachwerkträgern

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Literatur

[1] v. Halász, R.; Scheer, C. (Hrsg.):


Holzbautaschenbuch Band 1
Verlag Ernst & Sohn, 10. Aufl., Berlin 2004

[2] v. Halász, R.; Scheer, C. (Hrsg.):


Holzbautaschenbuch Band 2
Verlag Ernst & Sohn, 8. Aufl., Berlin 1989

[3] Scheer, C.; Muszala, W.; Kolberg, R.:


Der Holzbau, Material-Konstruktion-Detail
Verlagsanstalt Alexander Koch GmbH
3. Aufl., Leinfelden-Echterdingen 1993

[4] Neuhaus, H.:


Lehrbuch des Ingenieurholzbaus
Teubner-Verlag, Stuttgart 1994

[5] Werner, G. und K. Zimmer:


Holzbau Teil 1, Grundlagen DIN 1052 neu (Eurocode 5)
Springer-Verlag, 3. Auflage, 2004

[6] Werner, G. und K. Zimmer:


Holzbau Teil 2, Dach- und Hallentragwerke nach DIN und Eurocode
Springer-Verlag, 3. Auflage, 2004

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