Sie sind auf Seite 1von 241

Geotechnische Nachweise und Bemessung

nach EC 7 und DIN 1054


Conrad Boley (Hrsg.)

Geotechnische Nachweise
und Bemessung nach EC 7
und DIN 1054
Grundlagen und Beispiele
Herausgeber
Conrad Boley
Neubiberg, Deutschland

ISBN 978-3-658-07841-6 ISBN 978-3-658-07842-3 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-658-07842-3

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detail-
lierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Springer Vieweg
© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich
vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbeson-
dere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und
Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt
auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen-
und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Der Verlag, die Autoren und die Herausgeber gehen davon aus, dass die Angaben und Informationen in diesem
Werk zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vollständig und korrekt sind. Weder der Verlag noch die Autoren oder
die Herausgeber übernehmen, ausdrücklich oder implizit, Gewähr für den Inhalt des Werkes, etwaige Fehler
oder Äußerungen.

Lektorat: Karina Danulat, Annette Prenzer

Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier

Springer Fachmedien Wiesbaden ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media
(www.springer.com)
V

Vorwort

Über Jahrzehnte war die DIN 1054, welche erstmals 1934 erschien, für Deutschland die allge-
mein anerkannte Regel der Technik für Nachweise und Bemessung in der Geotechnik. Mitt-
lerweile werden in Europa die nationalen Normen in vielen Bereichen, so auch in der Geotech-
nik, durch europäische Normen ersetzt. In der Geotechnik wurden mittlerweile die beiden Teile
des Eurocode 7 (EC 7) „Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik“ vorgelegt.
Teil 1 (DIN EN 1997-1:2009-09) enthält die allgemeinen Regeln, Teil 2 (DIN EN 1997-
2:2010-10) behandelt die Erkundung und Untersuchung des Baugrunds. Ergänzt wird der EC
7-1 durch den nationalen Anhang DIN EN 1997-1/NA: 2010-12 sowie ergänzende Regelungen
in der verbliebenen Version der DIN 1054, welche als DIN 1054:2010-12 (Baugrund –
Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1)
erschienen ist. Diese drei Regelwerke wurden im Jahre 2012 bauaufsichtlich eingeführt, auch
im Eisenbahnbereich erfolgte die bauaufsichtliche Einführung durch das Eisenbahnbundesamt
(EBA).
Zur besseren Handhabbarkeit sind der EC 7-1, der nationale Anhang sowie die ergänzenden
Regelungen der DIN 1054 im „Normen-Handbuch Eurocode 7, Geotechnische Bemessung,
Band 1: Allgemeine Regeln“, erschienen in der 1. Auflage 2011, zusammengefasst. Es ist für
die praktische Anwendung unerlässlich, wenngleich die Normen-Handbücher rein formal nicht
bauaufsichtlich eingeführt wurden, sondern nur die einzelnen Normen.
Zu beachten sind zusätzlich die, allerdings eher geringfügigen Änderungen, der DIN
1054:2010-12, welche als „DIN 1054/A1:2012-08 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd-
und Grundbau – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1:2010; Änderung A1:2012“ er-
schienen sind.
Der DIN veröffentlichte im März 2014 eine neue Ausgabe des EC 7-1, die als einzige Neue-
rung einen überarbeiteten Abschnitt 8 („Anker“) enthält, der in Deutschland vom zuständigen
Normenausschuss nicht akzeptiert wird. Daher wird diese Neuauflage des EC 7-1 in Deutsch-
land bauaufsichtlich nicht eingeführt. Das vorliegende Buch orientiert sich daher ausschließlich
an der 1. Auflage 2011 des Normen-Handbuchs EC 7-1.
Der große Umfang der geltenden Regelungen, die das Normen-Handbuch enthält, wird noch
größer, wenn man an all die nationalen Normen wie die DIN 4017, die DIN 4084 oder auch die
Empfehlungen des Arbeitskreises Baugruben denkt, welche ebenso im Zuge der geotechni-
schen Nachweisführung zu beachten sind. Ich habe festgestellt, dass sowohl bei Studierenden
als auch bei in der Praxis stehenden Ingenieuren das Bedürfnis besteht, den Umgang mit dem
EC 7-1 strukturiert zu erlernen und hierbei auch die Unterschiede zur bisherigen Normung
kennen zu lernen.
Meine wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für Bodenmechanik und Grundbau an der
Universität der Bundeswehr München haben gemeinsam mit mir zahlreiche Schulungen zur
Anwendung der Eurocodes in der Geotechnik durchgeführt. Hervorzuheben sind hierbei meh-
rere Veranstaltungen, welche von der Ingenieurakademie Bayern für die Bayerische Ingenieu-
rekammer-Bau veranstaltet wurden. Diese Veranstaltungen erfreuten sich großer Beliebtheit
und wurden in ähnlicher Form auch von der Bayerischen Obersten Baubehörde und dem Ei-
senbahnbundesamt als Bauaufsichtsbehörden veranstaltet.
Der große Erfolg dieser Schulungen und Weiterbildungen und viele Fragen unserer Studieren-
den waren Anlass für meine Mitarbeiter am Institut und mich, die Inhalte unserer Vorlesungen,
VI Vorwort

Übungen und Weiterbildungsveranstaltungen zur Anwendung des EC 7-1 in Buchform zu


publizieren. Besonders freut mich, dass auch Herr Dr.-Ing. Bernd Schuppener, Mitglied des
europäischen Normenausschusses CEN / TC 250 / SC 7 zur Erstellung des Eurocode EC 7
„Geotechnische Bemessung“ als Autor vertreten ist und er das Sicherheitskonzept und die
Bemessungsgrundlagen des EC 7-1 quasi aus erster Hand vorstellt.
Das Werk orientiert sich an der Gliederung des EC 7-1 und deckt alle für die Bemessung und
Nachweisführung relevanten Kapitel von Flach- und Pfahlgründungen über Verankerungen
und Stützbauwerke bis hin zum hydraulisch bedingten Versagen und der Gesamtstandsicher-
heit ab.
Das Werk ist so aufgebaut, dass zunächst die Grundlagen der Nachweisführung für die jeweils
betrachtete Bemessungssituation übersichtlich dargestellt sind. Eingegangen wird auch auf
Unterschiede zur bisherigen Nachweisführung nach alter DIN 1054:2005-01. Besonders zu
beachtende Reglungen werden eigens verdeutlicht mit dem Ziel, den Leser systematisch durch
das neue Regelwerk zu führen.
Ein Kernstück des Buches stellen die zahlreichen Beispiele dar. Diese sind so ausführlich auf-
bereitet, dass der Leser die Lösung der jeweiligen geotechnischen Bemessungsaufgabe unter
Anwendung des Eurocodes lückenlos nachvollziehen kann. Das Ziel ist, dass der Leser in die
Lage versetzt wird, die erforderlichen Schritte bei der geotechnischen Bemessung rasch und
nachvollziehbar zu erlernen.
Ich möchte mich bei allen Autoren für Ihr großes Engagement und ihre investierte Zeit bedan-
ken, was das Gelingen des Werkes erst ermöglicht hat. Ganz besonders bedanken möchte ich
mich zum einen bei meinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Robert Höppner, der an unserem
Institut verantwortlich gezeichnet hat für die Organisation der Skripten und Vorträge zum EC
7. In gleicher Weise zu Dank verpflichtet bin ich meinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Jörg
Zimbelmann, dem die Organisation der Beiträge für dieses Buch oblag. Dem Verlag Springer
Vieweg und hier insbesondere Frau Karina Danulat danke ich für die gewohnt angenehme
Zusammenarbeit und die gute Ausstattung des Werkes.
Ich hoffe, dass das Buch dazu beiträgt, dass die Anwendung der Eurocodes in der Geotechnik
immer mehr zu einer Selbstverständlichkeit wird und der Schritt in die europäische Normen-
welt erleichtert wird.

Conrad Boley, Januar 2015


VII

Inhaltsverzeichnis

1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1 ........ 1


1.1 Einleitung ......................................................................................................................... 1
1.2 Zusammenführung von europäischen und nationalen Normen ........................................ 1
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 .................................................. 4
1.3.1 Bemessungssituationen ......................................................................................... 4
1.3.2 Das Konzept der Grenzzustände ........................................................................... 5
1.3.3 Grenzzustand des Versagens des Baugrunds (GEO)............................................. 9
1.3.4 Grenzzustand des Verlusts der Lagesicherheit (EQU) ........................................ 12
1.3.5 Grenzzustand des Aufschwimmens (UPL) ......................................................... 12
1.3.6 Hydraulischer Grundbruch, innere Erosion und Piping (HYD) .......................... 13
1.3.7 Kombinationsregeln ............................................................................................ 14
1.4 Kritische Anmerkungen und Ausblick zum EC 7-1 ....................................................... 15
1.5 Literatur ......................................................................................................................... 16

2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6 ........................ 19


2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen .................................................... 19
2.1.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? .................................. 19
2.1.2 Anwendungsbereich und Geotechnische Kategorien .......................................... 19
2.1.3 Grenzzustände und erforderliche Nachweise ...................................................... 20
2.1.4 Nachweisverfahren.............................................................................................. 21
2.1.5 Einwirkungen auf Flächengründungen ............................................................... 22
2.1.6 Charakteristische Beanspruchungen ................................................................... 24
2.1.7 Bemessungswerte der Beanspruchungen ............................................................ 25
2.1.8 Berechnung der charakteristischen Widerstände................................................. 26
2.1.9 Bemessungswerte der Widerstände ..................................................................... 28
2.1.10 Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit ................................................ 30
2.1.11 Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit .................................. 32
2.1.12 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen ............................................................. 34
2.2 Nachweis eines Stützenfundaments ............................................................................... 38
2.2.1 Projektvorstellung, Bodenkenngrößen, und Gründungslasten ............................ 38
2.2.2 Charakteristische Einwirkungen und Beanspruchungen ..................................... 39
2.2.3 Bemessungswerte der Beanspruchungen ............................................................ 41
2.2.4 Charakteristische Widerstände ............................................................................ 42
VIII Inhaltsverzeichnis

2.2.5 Bemessungswerte der Widerstände ..................................................................... 44


2.2.6 Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit................................................... 45
2.2.7 Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit .................................... 46
2.3 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen .......................................................................... 47
2.3.1 Prüfung der Voraussetzungen ............................................................................. 47
2.3.2 Einwirkungen und Beanspruchungen .................................................................. 47
2.3.3 Bemessungswert des Sohlwiderstands ................................................................ 48
2.3.4 Führung des vereinfachten Nachweises .............................................................. 50
2.4 Nachweis der Gründung einer Winkelstützwand ........................................................... 51
2.4.1 Projektvorstellung, Bodenkenngrößen, und Gründungslasten ............................ 51
2.4.2 Einwirkungen und Beanspruchungen .................................................................. 52
2.4.3 Berechnung der Widerstände .............................................................................. 54
2.4.4 Führung der Nachweise ....................................................................................... 54
2.5 Literatur und Quellen ..................................................................................................... 55

3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7.............................. 57


3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? ............................................. 57
3.1.1 Zu „Abschnitt 7.1 Allgemeines“ ........................................................................ 57
3.1.2 Zu den Abschnitten 7.2, 7.3 und 7.4 ................................................................... 58
3.1.3 Zu „Abschnitt 7.5 Pfahlprobebelastungen“ ........................................................ 58
3.1.4 Zu „Abschnitt 7.6 Axial beanspruchte Pfähle“ .................................................. 58
3.1.5 Zu „Abschnitt 7.7 Quer beanspruchte Pfähle“ ................................................... 64
3.2 Vorstellung des Beispielprojektes .................................................................................. 66
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten ................................ 69
3.3.1 Variante 1: ohne negative Mantelreibung ........................................................... 69
3.3.2 Variante 2: mit negativer Mantelreibung ............................................................ 76
3.3.3 Vergleich der Varianten 1 und 2 ......................................................................... 83
3.4 Einzelpfahlbemessung für horizontale Belastung .......................................................... 83
3.5 Auswertung von 4 statischen, axialen Pfahlprobebelastungen ....................................... 86
3.5.1 Charakteristischer Pfahldruckwiderstand Rc,k aus Pfahlprobebelastungen.......... 88
3.5.2 Widerstands-Setzungs-Linie aus Pfahlprobebelastungen und Berück-
sichtigung von Setzungsunterschieden................................................................ 89
3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung ..................................................................... 91
3.6.1 Allgemeines......................................................................................................... 91
3.6.2 Berechnungsbeispiel – Pfahlgruppe 4 x 4 ........................................................... 92
3.7 Literatur und Quellen ..................................................................................................... 98
Inhaltsverzeichnis IX

4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10 ......................... 99


4.1 Einleitung ....................................................................................................................... 99
4.2 Allgemeines .................................................................................................................... 99
4.2.1 Ermittlung der maßgebenden hydraulischen Beanspruchung ........................... 100
4.2.2 Maßnahmen zur Reduzierung der hydraulischen Beanspruchung .................... 101
4.2.3 Teilsicherheitsbeiwerte ..................................................................................... 102
4.2.4 Einstufung in geotechnische Kategorien ........................................................... 104
4.3 Versagen durch Aufschwimmen .................................................................................. 104
4.3.1 Beispiel 1: Tunnel mit Sporn unter Auftrieb ..................................................... 105
4.3.2 Beispiel 2: Baugrube mit UW-Betonsohle ........................................................ 107
4.4 Versagen durch hydraulischen Grundbruch ................................................................. 115
4.4.1 Beispiel 1: Umströmte Baugrubenwand im homogenen Boden ....................... 118
4.4.2 Beispiel 2: Umströmte Baugrubenwand mit einer durchlässigeren
Schicht im oberen Bereich ................................................................................ 120
4.5 Literatur ....................................................................................................................... 124

5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9 .............................. 125


5.1 Allgemeines ................................................................................................................. 125
5.2 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? ........................................... 125
5.3 In den Boden einbindende Wände ............................................................................... 126
5.3.1 Erforderliche Nachweise ................................................................................... 126
5.3.2 Empfehlenswerte Punkte bei der Planung ......................................................... 128
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand ....................................................... 129
5.4.1 Aushubphase A ................................................................................................. 131
5.4.2 Aushubphase B ................................................................................................. 144
5.5 Literatur und Quellen ................................................................................................... 167

6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8 ............................... 169


6.1 Grundlagen zur Bemessung von Verankerungen ......................................................... 169
6.1.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? ................................ 169
6.1.2 Geotechnische Kategorien ................................................................................ 169
6.1.3 Einwirkungen und Beanspruchungen................................................................ 170
6.1. Ermittlung der Widerstände .............................................................................. 171
6.1. Grenzzustände ................................................................................................... 172
6.2 Verankerungen mit Verpressankern ............................................................................. 173
6.2.1 Definitionen ...................................................................................................... 173
6.2.2 Ankerprüfungen ................................................................................................ 174
X Inhaltsverzeichnis

6.3 Planung und Auswertung einer Eignungsprüfung ........................................................ 180


6.3.1 Projektvorstellung und Ankerlasten .................................................................. 180
6.3.2 Bemessung des Stahlzugglieds .......................................................................... 181
6.3.3 Auswertung der Eignungsprüfung..................................................................... 182
6.4 Nachweis der tiefen Gleitfuge (Ermittlung der Ankerlänge) ....................................... 185
6.4.1 Allgemeines zur Nachweisführung ................................................................... 185
6.4.2 Geometrie und Bodenkenngrößen ..................................................................... 186
6.4.3 Ermittlung der Kräfte zum Zeichnen des Kraftecks .......................................... 187
6.4.4 Zeichnen des Kraftecks und Führung des Nachweises...................................... 191
6.5 Nachweis einer Ankerwand ......................................................................................... 192
6.5.1 Projektvorstellung und Ankerlasten .................................................................. 192
6.5.2 Berechnung der Erddrücke und Führen des Nachweises .................................. 193
6.6 Literatur und Quellen ................................................................................................... 195

7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11 ............... 197


7.1 Allgemeines ................................................................................................................. 197
7.2 Normenüberblick ......................................................................................................... 197
7.2.1 Anwendungsbereich .......................................................................................... 199
7.2.2 Teilsicherheitsbeiwerte...................................................................................... 199
7.2.3 DIN 4084:2009-01 Beschreibung der Nachweisverfahren................................ 200
7.3 Beispielaufgaben .......................................................................................................... 201
7.3.1 Beispiel 1: nichtbindiger Boden, keine Schichtung, kein Grundwasser ............ 201
7.3.2 Beispiel 2: geschichteter Boden, kein Grundwasser ......................................... 204
7.3.3 Beispiel 3: geschichteter Boden, Grundwasser ................................................. 213
7.3.4 Beispiel 4: verankerte Spundwand, Lamellenverfahren .................................... 216
7.4 Konstruktive Böschungssicherungen ........................................................................... 222
7.4.1 Normative Regelungen ...................................................................................... 222
7.4.2 Beispiel Nagelwand: Ermittlung der Bemessungsbeanspruchung der Nägel ... 223
7.5 Weitere Regelungen und Hinweise .............................................................................. 228
7.6 Literatur und Quellen ................................................................................................... 229

Sachwortverzeichnis ......................................................................................................... 231


1

1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrund-


lagen nach EC 7-1

Dr.-Ing. Bernd Schuppener

1.1 Einleitung
Nach einer Entwicklungsarbeit von über 30 Jahren an den Eurocodes konnten im Jahr 2011 die
Normen-Handbücher für die beiden Teile des Eurocodes 7 vorgelegt werden, in denen jeweils
der Eurocode-Text und die ergänzenden deutschen Regelungen der DIN 1054 bzw. der DIN
4020 für den Anwender zusammengefasst sind. Mit der bauaufsichtlichen Einführung des
Eurocode 7-1 und der ergänzenden deutschen Regelungen der DIN 1054 wird in der Geotech-
nik wie auch in den anderen Bereichen des Bauingenieurwesens das globale Sicherheitskon-
zept durch das Konzept der Grenzzustände und der Teilsicherheitsbeiwerte der Eurocodes
ersetzt. Im Folgenden wird dargestellt, wie die nationalen und europäischen Regelungen für die
geotechnische Bemessung zusammengeführt wurden und welche Neuerungen sich daraus für
die praktische Anwendung in der geotechnischen Bemessung ergeben.

1.2 Zusammenführung von europäischen und nationalen Normen


2005 lagen in Deutschland zur Bemessung in der Geotechnik zum einen
− die DIN EN 1997-1 - Eurocode 7: „Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotech-
nik“ – Teil 1: „Allgemeine Regeln“ (EC 7-1) und zum anderen
− die DIN 1054:2005-01: „Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau“
vor. In Bild 1-1 ist der Inhalt des EC 7-1 und der DIN 1054 durch zwei sich überschneidende
Kreisflächen dargestellt, weil der größte Teil der Regelungen der beiden Normen gleich ist.
Die Schnittmenge enthält die wichtigsten und grundlegenden Festlegungen, z. B. die Definition
der Grenzzustände und das Teilsicherheitskonzept.

Bild 1-1 Regelungsbereiche des Eurocodes EC 7-1 und der DIN 1054

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
2 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

Daneben gibt es im EC 7-1 eine Reihe von Festlegungen, die nicht in der DIN 1054 enthalten
sind. Dazu gehören z. B. die Nachweisverfahren, die in Deutschland nicht angewendet werden
und die informativen Anhänge mit erdstatischen Berechnungsverfahren, für die es deutsche
Normen gibt. Als letzter, aber wichtigster ist der Bereich der DIN 1054 zu erwähnen, der nicht
im EC 7-1 enthalten ist. Dieser Bereich umfasst alle speziellen deutschen Erfahrungen, die
natürlich auch in Zukunft weiter genutzt werden sollen, wie z. B. die bisherigen Tabellen für
Sohldruckspannungen für Flächengründungen.

Bei der Zusammenführung von Eurocodes und nationalen Normen waren folgende Grundsätze
zu beachten:
− Die Eurocodes sind vollständig mit allen informativen Anhängen von allen Mitgliedsstaa-
ten zu veröffentlichen.
− Nationale Normen sind weiterhin zulässig, aber
− nationale Normen dürfen weder europäischen Normen widersprechen noch mit ihnen kon-
kurrieren.
− Nationale Normen, für die es europäische Normen gibt, sind nach einer Übergangsfrist
zurückzuziehen.
Um die Eurocodes anwendbar zu machen und sie mit den nationalen Normen zu verbinden,
waren in den europäischen Staaten so genannte Nationale Anhänge zu erstellen. Wegen ihrer
besonderen Bedeutung hat die Europäische Kommission in dem „Leitpapier L – Anwendung
der Eurocodes“ [1] Empfehlungen gegeben, was in den Nationalen Anhang aufzunehmen ist.
Dabei werden im Abschnitt 2.3.4 des Leitpapiers dem nationalen Entscheidungsspielraum enge
Grenzen gesetzt:
„Ein nationaler Anhang kann den Inhalt eines EN Eurocodes in keiner Weise ändern, außer
wo angegeben wird, dass eine nationale Wahl mittels national festzulegender Parameter
vorgenommen werden kann.“
Nach Abschnitt 2.3.3 des Leitpapiers L [1] darf ein Nationaler Anhang Folgendes enthalten:
− die Zahlenwerte für die national zu bestimmenden Parameter (z. B. die Teilsicherheitsbei-
werte),
− die Entscheidung über die anzuwendenden Nachweisverfahren, wenn mehrere zur Wahl
gestellt werden,
− die Entscheidung bezüglich der Anwendung informativer Anhänge und
− Verweise auf nicht widersprechende zusätzliche Angaben, die dem Anwender beim Um-
gang mit dem Eurocode helfen.
Der Nationale Anhang selbst sollte also keine zusätzlichen nationalen normativen Regelungen
enthalten. Sie sind in nationalen Normen niederzulegen, auf die im Nationalen Anhang verwie-
sen wird. In der Geotechnik wäre es am einfachsten gewesen, wenn man auf die DIN 1054
hätte verweisen können. Dies war allerdings nicht möglich, da die DIN 1054 und der EC 7-1
zum großen Teil inhaltlich gleich sind. Die DIN 1054 ist daher eine mit dem EC 7-1 konkurrie-
rende nationale Norm, die nach einer Übergangsfrist zurückzuziehen war.
Um die speziellen deutschen Erfahrungen der DIN 1054 zu erhalten, musste sie überarbeitet
werden, indem alle Regelungen gestrichen wurden, die schon im Eurocode 7 enthalten sind.
1.2 Zusammenführung von europäischen und nationalen Normen 3

Die so überarbeitete DIN 1054:2010-12 mit dem neuen Titel „Ergänzende Regelungen zu DIN
EN 1997-1“ stellt keine Konkurrenz mehr zum Eurocode dar. Sie ist eine nationale Ergänzung.
Nach dieser Überarbeitung gibt es seit Ende 2010 für die Bemessung in der Geotechnik 3
Normen:
− den EC 7-1 (DIN EN 1997-1),
− die DIN 1054:2010-12 „Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1“ und
− den Nationalen Anhang zu EC 7-1.
Diese drei Normen sind natürlich alles andere als anwenderfreundlich, denn der Nutzer muss
bei der Arbeit immer drei Dokumente im Auge haben. Deshalb hat sich der zuständige Aus-
schuss dazu entschlossen, alle drei Normen im „Handbuch Eurocode 7 - Geotechnische Be-
messung, Band 1: Allgemeine Regeln“ [2] zusammenzufassen. Solche Normen-Handbücher
gibt es auch für die Eurocodes der anderen Fachbereiche des Bauingenieurwesens.
Der Kern des Handbuchs Eurocode 7-1 [2] ist der EC 7-1, in den die ergänzenden deutschen
Regelungen der DIN 1054 und die Hinweise und Erläuterungen des Nationalen Anhangs hinter
den entsprechenden Textstellen des EC 7-1 eingefügt wurden. Dabei sind die ergänzenden
Regelungen der DIN 1054 einschließlich der Tabellen und Zeichnungen durch ein vorgesetztes
„A“ und die Hinweise und Erläuterungen des Nationalen Anhangs durch „NA zu …“ gekenn-
zeichnet.
Mit der bauaufsichtlichen Einführung der Eurocodes zum 01.07.2012 gibt es damit folgende
Normenhierarchie, hier dargestellt am Beispiel des Verkehrswasserbaus (Bild 1-2).

Bild 1-2 Normenhierarchie im Bauwesen am Beispiel des Verkehrswasserbaus


4 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

Grundlage der europäischen Baunormen sind DIN EN 1990: „Eurocode: Grundlagen der
Tragwerksplanung“ und DIN EN 1991: „Eurocode 1: Einwirkungen auf Bauwerke“ mit mehre-
ren Teilen und Anhängen. Sie sind Grundlage für die Bemessung im gesamten Bauwesen Eu-
ropas. Auf diese beiden Grundnormen beziehen sich alle anderen 8 Eurocodes mit insgesamt
58 Teilen.
Die nationalen Anhänge stellen die Verbindung zwischen den Eurocodes und den nationalen
Normen her, wie z. B. zu der neuen DIN 1054, der DIN 4084, der EAU oder der EAB. Es
versteht sich, dass auch alle anderen nationalen geotechnischen Normen dem EC 7-1 angepasst
werden müssen. In der Regel sind das keine technischen Änderungen, sondern in erster Linie
Anpassungen an die Nomenklatur und die Form der Standsicherheitsnachweise.

1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054

1.3.1 Bemessungssituationen
Zur bewährten Tradition in der geotechnischen Bemessung gehört die Verwendung von Last-
fällen. Das, was mit diesem Begriff in der Geotechnik gemeint ist, entspricht in der Terminolo-
gie der Eurocodes der Bemessungssituation.
Der Eurocode „Grundlagen der Tragwerksplanung“ unterscheidet folgende Bemessungssituati-
onen: ständige, vorübergehende, außergewöhnliche und bei Erdbeben. Die Bemessung hin-
sichtlich der Zuverlässigkeit, d.h. der erforderlichen rechnerischen Sicherheit des Bauwerks
wird von diesen Situationen abhängig gemacht. Die ständige Bemessungssituation kann von
einer vorübergehenden, besser überwachten Situation unterschieden werden. Nach einer außer-
gewöhnlichen Situation darf ein Bauwerk gegebenenfalls auch begrenzte Schäden aufweisen.
Innerhalb der Bemessungssituationen sind kritische Lastfälle festzulegen, z. B. Anordnungen
veränderlicher Einwirkungen und Berücksichtigung von Imperfektionen und Verformungen,
die gleichzeitig mit den ständigen und veränderlichen Einwirkungen anzusetzen sind.
Im EC 7-1 sind die ständigen und vorübergehenden Bemessungssituationen zusammengefasst,
wobei gemeinsame Teilsicherheitsbeiwerte für beide Bemessungssituationen empfohlen wer-
den. Allerdings wird den nationalen Normungsgremien freigestellt, geringere Werte bei Trag-
werken für vorübergehende Zwecke oder bei vorübergehenden Bemessungssituationen anzu-
setzen, „wenn die möglichen Folgen das rechtfertigen“ (EC 7-1, 2.4.7.1 (5)). Mit dieser Be-
gründung wurde in Deutschland die Unterscheidung zwischen ständigen und vorübergehenden
Bemessungssituationen in der Geotechnik beibehalten.
Der EC 7-1 beschränkt sich in seinen Regelungen auf ständige und vorübergehende Bemes-
sungssituationen. Für außergewöhnliche Situationen empfiehlt er, dass „alle Teilsicherheitsbe-
iwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen … in der Regel gleich 1,0 gesetzt werden. Alle
Teilsicherheitsbeiwerte für die Widerstände sollten dann entsprechend den besonderen Um-
ständen der außergewöhnlichen Situation gewählt werden.“ (EC 7-1, 2.4.7.1 (3)).
Die DIN 1054 unterscheidet sich daher vom EC 7-1, als sie
− für die geotechnische Bemessung eine vorübergehende Bemessungssituation BS-T („T“
steht für englisch transient = vorübergehend) definiert und
− Teilsicherheitsbeiwerte für die drei Bemessungssituationen, die ständige, die vorüberge-
hende und die außergewöhnliche angibt, wobei die Bemessungssituationen BS-P („P“ steht
für englisch permanent = ständig), BS-T und BS-A weitgehend den bisherigen drei Lastfäl-
len entsprechen.
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 5

Die ständigen Situationen, die den üblichen Nutzungsbedingungen des Tragwerks entsprechen,
werden der Bemessungssituation BS-P zugeordnet. Hierbei werden ständige und während der
Funktionszeit des Bauwerks regelmäßig auftretende veränderliche Einwirkungen berücksich-
tigt.
Die Bemessungssituation BS-T ist den vorübergehenden Situationen zugeordnet, die sich auf
zeitlich begrenzte Zustände beziehen, z. B. auf Bauzustände bei der Herstellung eines Bau-
werks
Den Situationen, die sich auf außergewöhnliche Bedingungen des Tragwerks oder seiner Um-
gebung beziehen, z. B. auf Feuer, Explosion, Anprall, außergewöhnliches Hochwasser oder
Ankerausfall, wird die Bemessungssituation BS-A zugeordnet. Hierbei wird neben den ständi-
gen und regelmäßig auftretenden veränderlichen Einwirkungen der Bemessungssituationen BS-
P oder BS-T eine außergewöhnliche Einwirkung berücksichtigt.
Die Tabellen A 2.1 bis A 2.3 der DIN 1054:2010-12 enthalten die Teilsicherheitsbeiwerte für
die Nachweise der unterschiedlichen Grenzzustände der Tragfähigkeit in Abhängigkeit von den
Bemessungssituationen.

1.3.2 Das Konzept der Grenzzustände

1.3.2.1 Einführung
Mit den Eurocodes ist in den deutschen Normen das Konzept der Grenzzustände und Teilsi-
cherheiten übernommen worden. Der Begriff des Grenzzustandes ist allgemein gefasst und
bezeichnet den Zustand eines Tragwerks, bei dessen Überschreitung die zugrunde gelegten
Anforderungen überschritten werden.
Für die geotechnische Bemessung wird im EC 7-1 der Nachweis für folgende zwei Grenzzu-
stände gefordert:
− Der Grenzzustand der Tragfähigkeit ist der Zustand des Tragwerks, dessen Überschreiten
zu einem rechnerischen Einsturz oder anderen Formen des Versagens führt.
− Der Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit ist der Zustand des Tragwerks, dessen Über-
schreiten die für die Nutzung festgelegten Bedingungen nicht mehr erfüllt.

1.3.2.2 Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit


Alle Grenzzustände, die
− die Funktion des Tragwerks oder eines seiner Teile unter normalen Gebrauchsbedingungen
oder
− das Wohlbefinden der Nutzer oder
− das Aussehen des Bauwerks
betreffen, sind als Grenzzustände der Gebrauchstauglichkeit einzustufen. Dabei wird beim
„Aussehen“ auf große Durchbiegungen und ungewollte Rissbildung Bezug genommen und
nicht auf Gesichtspunkte des optischen oder des architektonischen Erscheinungsbildes.
Der EC 7-1 fordert, dass für alle Bemessungssituationen sichergestellt sein muss, dass kein
Grenzzustand überschritten wird (siehe 2.1 (1) P). Der rechnerische Nachweis einer ausrei-
chenden Gebrauchstauglichkeit wird mit der Grenzzustandsgleichung
Ed ≤ Cd (1.1)
6 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

geführt, wobei Ed der Bemessungswert einer Auswirkung von Einwirkungen (z. B. einer rech-
nerischen Fundamentbewegung) und Cd der Bemessungswert des maßgebenden Ge-
brauchstauglichkeitskriteriums (z. B. zulässige Fundamentbewegungen) ist. In der Regel wer-
den die Teilsicherheitsbeiwerte beim Nachweis der Gebrauchstauglichkeit gleich 1,0 gesetzt.
Die Gebrauchstauglichkeitskriterien sind für jedes Projekt besonders zu vereinbaren. Grenz-
werte für Bauwerksverformungen und Fundamentbewegungen enthält der Anhang H des EC 7-
1. Insbesondere bei setzungsempfindlichen Bauwerken sind die Gebrauchstauglichkeitskrite-
rien so realistisch wie möglich und in enger Abstimmung mit dem konstruktiven Ingenieur
festzulegen, der die Auswirkungen der Setzungen auf das Bauwerk beurteilen muss. Unnötig
konservative Werte führen zu unwirtschaftlichen Abmessungen. Andererseits muss gewährleis-
tet sein, dass die Sicherheit des Bauwerks nicht möglicherweise durch Verformungen des Bau-
grunds gefährdet wird, ohne dass im Baugrund selbst ein Grenzzustand der Tragfähigkeit er-
reicht ist.
Für die Ermittlung von Verformungen zur Überprüfung von Gebrauchstauglichkeitskriterien
eignen sich numerische Berechnungsmethoden (z. B. FEM) wesentlich besser als herkömmli-
che Verfahren. Voraussetzung ist natürlich ein geeignetes Stoffgesetz, das das Verhalten des
Bodens wirklichkeitsgetreu wiedergibt. Insbesondere bei nichtlinearem Bodenverhalten erge-
ben sich bessere Ergebnisse. Eine Kalibrierung der Modelle an Messergebnissen, z. B. aus
Teilbauzuständen, verbessert die Prognosen erheblich. Verschiedene jüngere Untersuchungen
betonen allerdings die Notwendigkeit der Berücksichtigung der erhöhten Steifigkeit bei kleinen
Dehnungen, um wirklichkeitsnahe Prognosen zu erhalten. Für die Ermittlung von Setzungen
als Gebrauchstauglichkeitskriterium gilt allerdings weiterhin die DIN V 4019-100 „Baugrund –
Setzungsberechnungen“.

1.3.2.3 Grenzzustände der Tragfähigkeit in der Geotechnik


Der Eurocode „Grundlagen der Tragwerksplanung“ und der EC 7-1 unterscheiden für den
Bereich der Geotechnik und des Konstruktiven Ingenieurbaus 5 Grenzzustände der Tragfähig-
keit:
− EQU: Verlust der Lagesicherheit des als starrer Körper angesehenen Bauwerks oder des
Baugrunds, wobei die Festigkeiten der Baustoffe und des Baugrunds für den Widerstand
nicht entscheidend sind. In der Geotechnik wird er beim Nachweis des Kippens angewen-
det, wobei der Baugrund als starr angesehen wird.
− STR: inneres Versagen oder sehr große Verformung des Bauwerks oder seiner Bauteile,
einschließlich der Fundamente, Pfähle, Kellerwände usw., wobei die Festigkeit der Bau-
stoffe für den Widerstand entscheidend ist.
− GEO: Versagen oder sehr große Verformung des Baugrunds, wobei die Festigkeit des Bau-
grunds für den Widerstand entscheidend ist.
− UPL: Verlust der Lagesicherheit des Bauwerks oder Baugrunds infolge Aufschwimmens
(Auftrieb) oder anderer vertikal aufwärts gerichteter Einwirkungen.
− HYD: hydraulischer Grundbruch, innere Erosion und Piping im Boden, verursacht durch
Strömungskräfte.
Die Eurocodes unterscheiden diese Grenzzustände, weil die bei ihrem Nachweis verwendeten
Teilsicherheitsbeiwerte und auch z. T. die Nachweisverfahren unterschiedlich sind. Eine Ge-
genüberstellung der Abkürzungen der Grenzzustände der alten DIN 1054 von 2005 und des EC
7-1 bzw. der DIN 1054 von 2010 findet sich in der Tabelle 1.
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 7

Tabelle 1.1 Gegenüberstellung der Abkürzungen der Grenzzustände der Tragfähigkeit in der
DIN 1054:2005-6 und in der DIN 1054:2010-12

DIN 1054:2005-01 EC 7-1 und DIN 1054:2010-12


Benennung Abkürzung Benennung Abkürzung
EQU
Verlust der Lagesicherheit/Kippen
(equilibrium)
Verlust der Lagesicher- UPL
GZ 1A Aufschwimmen
heit (uplift)
HYD
Hydraulischer Grundbruch
(hydraulic)

Versagen oder große Verformungen des


Versagen von Bauwer- Tragwerks oder seiner Teile, wobei die STR
ken und Bauteilen durch Tragfähigkeit von Baustoffen und Bauteilen (structural)
GZ 1B entscheidend ist
Bruch im Bauwerk oder
im stützenden Baugrund
GEO-2
Versagen oder sehr große Verformung des
Baugrunds, wobei die Festigkeit des Bau-
Grenzzustand des Ver- grunds für den Widerstand entscheidend ist
lusts der Gesamt- GZ 1C (GEO). GEO-3
standsicherheit

Den Eurocodes verdanken wir, dass im gesamten Bauwesen in ganz Europa die rechnerischen
Nachweise für Grenzzustände der Tragfähigkeit im gleichen Format durchgeführt werden. Bei
den rechnerischen Nachweisen ist – vereinfacht dargestellt – nachzuweisen, dass der Bemes-
sungswert der Beanspruchungen Ed nicht größer wird als der Bemessungswert des Widerstands
Rd eines Bauwerks oder Bauteils:
E d ≤ Rd (1.2)
Diese Nachweisform setzt voraus, dass man klar zwischen den Beanspruchungen und den
Widerständen unterscheiden kann. Im konstruktiven Ingenieurbau ist das auch eigentlich im-
mer möglich. Man ermittelt die Beanspruchungen in der statischen Berechnung, z. B. die
Schnittgrößen, und die Widerstände ergeben sich aus der Querschnittsgeometrie, z. B. eines
Balkens und der Festigkeit des Balkenmaterials. In der Geotechnik ist diese klare Trennung
von Beanspruchungen und Widerständen in vielen Fällen nicht möglich. Z. B. ist der aktive
Erddruck – eine Beanspruchung – abhängig von der Festigkeit des Bodens, also von seinem
Widerstand. Umgekehrt ist z. B. der Gleitwiderstand abhängig von der Größe der Beanspru-
chung durch die Normalkraft auf die Gleitfläche. Diese Wechselwirkung zwischen Beanspru-
chungen und Widerständen ist auf das Reibungsverhalten des Bodens zurückzuführen.
Es gibt daher zwei verschiedene Möglichkeiten, wie man die Bemessungswerte der Beanspru-
chungen und Widerstände im Boden beschreiben kann.
− Bei dem Verfahren der faktorisierten Beanspruchungen und Widerstände wird der Bemes-
sungswert Ed der Beanspruchungen ermittelt, indem der charakteristische Wert Ek der Be-
anspruchungen mit dem Teilsicherheitsbeiwert ȖE für die Beanspruchungen multipliziert
wird. Der Bemessungswert Rd des Widerstandes ergibt sich, indem der charakteristische
Wert Rk des Widerstands eines Bauwerks oder Bauteils durch den Teilsicherheitsbeiwert ȖR
für den Widerstand dividiert wird:
8 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

E d ≤ Rd (1.2)
Rk
Ek ⋅γ E ≤ (1.3)
γR
Die Sicherheitsphilosophie des Konzepts der Grenzzustände und Teilsicherheitsbeiwerte ist
also ganz simpel: Die charakteristischen Widerstände des Bauwerks oder Bauteils werden
durch den Teilsicherheitsbeiwert γR für die Widerstände dividiert und dadurch vermindert
und die charakteristischen Beanspruchungen werden mit dem Teilsicherheitsbeiwert γE für
die Beanspruchungen (oder Einwirkungen) multipliziert und damit erhöht. Dann wird über-
prüft, ob der Bemessungswert der Beanspruchungen den Bemessungswert des Widerstands
nicht überschreitet.
− Bei dem Verfahren mit den faktorisierten Scherparametern werden die Teilsicherheitsbei-
werte auf die Scherparameter angewendet. Den Bemessungswert tan ijd des Reibungsbei-
werts erhält man, indem der charakteristische Reibungsbeiwert tan ijk durch den Teilsicher-
heitsbeiwert Ȗij für die Reibung geteilt wird und den Bemessungswert c´d für die Kohäsion
erhält man, indem der charakteristische Wert der Kohäsion c´k durch den Teilsicherheitsbe-
iwert Ȗc für die Kohäsion dividiert wird. Mit den Bemessungswerten der Scherparameter
werden dann die Bemessungswerte der Beanspruchungen und Widerstände des Baugrunds
bestimmt.
E d ≤ Rd (1.2)
E d (ϕ ' d , c' d ) ≤ Rd (ϕ ' d , c' d ) (1.4)
Wenn im Boden keine Festigkeit, d. h. kein Widerstand mobilisiert wird (wie bei den Grenzzu-
ständen EQU, UPL, HYD), kann der Grenzzustand nicht wie sonst mit Widerständen und Be-
anspruchungen beschrieben werden. In der Grenzzustandsbedingung werden daher stattdessen
die Bemessungswerte der ungünstigen, destabilisierenden Beanspruchungen Edst,d mit den
günstigen, stabilisierenden Beanspruchungen Estb,d verglichen. Die Grenzzustandsbedingung
fordert dann, dass die Bemessungswerte der ungünstigen, destabilisierenden Beanspruchungen
nicht größer werden als die Bemessungswerte der günstigen, stabilisierenden Einwirkungen:
E dst , d ≤ E stb ,d (1.5)

EG,dst,k ⋅ γ G,dst + EQ,dst,k ⋅ γ Q,dst ≤ EG,stb,k ⋅ γ G,stb (1.6)

Die Bemessungswerte der Einwirkungen ergeben sich aus den charakteristischen Werten
EG,dst,k und EQ,dst,k der ständigen und veränderlichen destabilisierenden Beanspruchungen sowie
der ständigen stabilisierenden Beanspruchungen EG,stb,k, die mit den Teilsicherheitsbeiwerten
ȖG,dst und γQ,dst für die destabilisierenden ständigen und veränderlichen Beanspruchungen bzw.
mit γG,stb für die stabilisierenden ständigen Beanspruchungen multipliziert werden (siehe dazu
auch die Abschnitte 3.5 „Grenzzustand des Aufschwimmens“ und 3.6 „Hydraulischer Grund-
bruch, innere Erosion und Piping“).

1.3.2.4 Charakteristische Werte in der Geotechnik


Welche Bedeutung eine möglichst realistische Festlegung der Werte der charakteristischen
Bodenkenngrößen für die Wirtschaftlichkeit und Sicherheit einer Gründung hat, zeigt sich am
deutlichsten beim Grundbruchnachweis. So führt die verhältnismäßig geringe Erhöhung des
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 9

Reibungswinkels von ij´= 30° auf ij´= 32,5° zu einem Anstieg der rechnerischen Tragfähigkeit
eines Fundaments von über 40 %.
Für den charakteristischen Wert fordert der EC 7-1 in 2.4.5.2:
„(2)P Der charakteristische Wert einer geotechnischen Kenngröße ist als eine vorsichtige
Schätzung desjenigen Wertes festzulegen, der im Grenzzustand wirkt.“
Diese Formulierung entspricht derjenigen des Anhangs C 2.1.2 von DIN 4020:2003-09:
„Die charakteristischen Werte sind so festzulegen, dass die Ergebnisse der damit durchge-
führten Berechnungen auf der sicheren Seite liegen.“
Wie vorsichtig die Schätzung sein muss, blieb vor dem Erscheinen des EC 7-1 allein der Erfah-
rung des Baugrundgutachters überlassen. Im EC 7-1 wurde zum ersten Mal der Versuch ge-
macht, zu quantifizieren, wie vorsichtig ein Gutachter bei der Festlegung von charakteristi-
schen Werten sein sollte (EC 7-1, 2.4.5.2):
„(11) Falls statistische Verfahren benutzt werden, sollte der charakteristische Wert so abge-
leitet werden, dass für den betrachteten Grenzzustand die rechnerische Wahrscheinlichkeit
für einen ungünstigeren Wert nicht größer als 5 % ist.
ANMERKUNG: In diesem Zusammenhang entspricht der vorsichtig gewählte Mittelwert
einem Mittelwert mit einem 95 %-igen Vertrauensbereich für einen begrenzten Satz von
Werten der geotechnischen Kenngröße. Ist dagegen örtliches Versagen angezeigt, ent-
spricht eine vorsichtige Wahl dem einer 5 %-Fraktile zuzuordnenden unteren Wert.“
Die Umsetzung dieser Regelungen wird z. B. in [5] und [6] an praktischen Beispielen gezeigt.

1.3.3 Grenzzustand des Versagens des Baugrunds (GEO)

1.3.3.1 Einleitung
In dem zuständigen europäischen Ausschuss wurde lange darum gerungen, welche der Formu-
lierungen der Grenzzustandsgleichung – (1.4) oder (1.5) – für die verschiedenen geotechni-
schen Nachweise für den Grenzzustand des Versagens des Baugrunds (GEO) im EC 7-1 auf-
genommen werden soll. Das Ergebnis der langen und kontroversen Debatte war, dass eine
Einigung auf eine gemeinsame und einheitliche Formulierung nicht möglich war. Als Kom-
promiss einigte man sich darauf, dass im EC 7-1 drei verschiedene Möglichkeiten zur Wahl
gestellt werden, nach denen die Standsicherheitsnachweise und die Bemessung in der Geotech-
nik durchgeführt werden können. Die drei Nachweisverfahren des EC 7-1 unterscheiden sich
darin, wie und wann die Einwirkungen bzw. Beanspruchungen und Widerstände mit Teilsi-
cherheitsbeiwerten belegt werden. In Deutschland kommen nur die Verfahren 2 und 3 zur
Anwendung. Eine eingehende Beschreibung des Nachweisverfahrens 1 findet sich in [7].
Das Verfahren 2, das auch schon in der DIN 1054 von 2005 für die Bemessung von Gründun-
gen verwendet wurde, beruht auf dem Verfahren mit faktorisierten Einwirkungen und Wider-
ständen. Dabei werden die Einwirkungen oder die Beanspruchungen sowohl des Bauwerks als
auch des Bodens mit den gleichen Teilsicherheitsbeiwerten beaufschlagt, wie sie im gesamten
Bauingenieurwesen verwendet werden. Beim Verfahren 2 können die Teilsicherheitsbeiwerte
entweder gleich zu Beginn der statischen Berechnung auf die charakteristischen Werte der
Einwirkungen angesetzt werden oder erst am Ende der Berechnung auf die charakteristische
Werte der Beanspruchungen. Unterschiedliche Bemessungsergebnisse ergeben die beiden
Verfahren nur beim Grundbruchnachweis.
10 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

Im Gegensatz zum Verfahren 2 werden beim Verfahren 3 die Bemessungswerte der Einwir-
kungen und der Widerstände des Baugrunds mit faktorisierten Scherparametern ermittelt. Bei
den Einwirkungen aus dem Bauwerk werden die gleichen Teilsicherheitsbeiwerte wie im ge-
samten Bauingenieurwesen verwendet.

1.3.3.2 Das Verfahren GEO-2 für Gründungen und Stützwände


In Deutschland wird bei den Nachweisen von Flachgründungen, Stützwänden, Pfählen und
Ankern das Nachweisverfahren 2 in der Variante verwendet, bei dem die gesamte Berechnung
mit charakteristischen Werten durchgeführt wird. Erst am Ende bei der Überprüfung der
Grenzzustandsgleichung werden die charakteristischen Einwirkungen und Widerstände mit den
Teilsicherheitsbeiwerten beaufschlagt. Es wird mit GEO-2 bezeichnet. Der Vorteil des Verfah-
rens liegt darin, dass der entwerfende Ingenieur während der Berechnung immer mit den rea-
len, charakteristischen Größen der Belastungen und Schnittgrößen arbeitet. Außerdem kann er
die gleichen Schnittgrößen für die Ermittlung der Verformungen beim Gebrauchstauglichkeits-
nachweis verwenden, die auch mit charakteristischen Größen durchgeführt werden. Der wich-
tigste Grund für die Entscheidung für das Verfahren GEO-2 liegt darin, dass nur mit diesem
Verfahren das bewährte Sicherheitsniveau des globalen Sicherheitskonzepts erhalten werden
kann (Vogt et. al. [3]).
Deutschland hat eine mehr als 70-jährige Tradition von Normen in der Geotechnik. Die erste
Ausgabe der DIN 1054 wurde 1934 mit dem Titel „Richtlinie für die zulässige Belastung des
Baugrunds im Hochbau“ veröffentlicht. Seitdem wurden die geotechnischen Normen laufend
optimiert. Das Sicherheitsniveau des bisherigen globalen Sicherheitskonzepts hat sich bewährt
und die gewählten Sicherheitsbeiwerte haben einen sicheren und wirtschaftlichen geotechni-
schen Entwurf ermöglicht.
Bei der Umstellung auf den Eurocode ist man daher bei der Wahl des Nachweisverfahrens und
der Festlegung der Teilsicherheitsbeiwerte von dem Grundsatz ausgegangen, dass das bewährte
Sicherheitsniveau des globalen Sicherheitskonzepts erhalten bleiben muss. Die Nachweisver-
fahren und die Teilsicherheitsbeiwerte waren daher so auszuwählen, dass eine Bemessung mit
Teilsicherheitsbeiwerten auf Grundlage des EC 7-1 etwa zu den gleichen Abmessungen führt
wie eine Gründungsbemessung nach den Normen des globalen Sicherheitskonzepts.
Um zum Beispiel das Sicherheitsniveau im Nachweisverfahren GEO-2 aufrechtzuerhalten,
muss die Beziehung:
γ R ⋅ γ G / Q = η global (1.7)

erfüllt sein, wobei ȖR der Teilsicherheitsbeiwert für den Widerstand des Baugrunds, ȖG/Q ein
mittlerer Teilsicherheitsbeiwert für die Beanspruchungen aus ständigen und veränderlichen
Einwirkungen und Șglobal der bisherige globale Sicherheitsbeiwert ist.
Da man sich geeinigt hatte, für die ständigen und veränderlichen Einwirkungen (ȖG,Q) im ge-
samten konstruktiven Ingenieurbau – also auch in der Geotechnik – die gleichen Teilsicher-
heitsbeiwerte zu verwenden, kann man aus dieser Gleichung bei bekanntem globalen Sicher-
heitsbeiwert Șglobal den Teilsicherheitsbeiwert ȖR für den Widerstand des Baugrunds ermitteln:
η global
γR = (1.8)
γG / Q
Für den Grundbruchnachweis forderte die alte DIN 1054 von 1976 zum Beispiel für den Last-
fall 1 eine globale Sicherheit von Șglobal = 2,0. Mit einem Mittelwert von ȖG/Q = 1,40 für die
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 11

Teilsicherheitsbeiwerte von ȖG = 1,35 und ȖQ = 1,50 für die ständigen und veränderlichen Ein-
wirkungen ergibt sich dann ein Teilsicherheitsbeiwert für den Grundbruchwiderstand von
ȖR,v § 1,40. In entsprechender Weise sind die in DIN 1054 angegebenen Teilsicherheitsbeiwer-
te für die drei Bemessungssituationen festgelegt worden.
Bei GEO-2 werden die gleichen Teilsicherheitsbeiwerte verwendet, die auch im Anhang A des
EC 7-1 empfohlen werden. Allerdings muss – mit Ausnahme von Zugpfahlgruppen – nicht
zwischen günstig und ungünstig wirkenden ständigen Einwirkungen unterschieden werden,
weil sie als ungünstig wirkende Einwirkungen immer maßgebend sind (siehe [3]). Darüber
hinaus haben im Gegensatz zum Anhang A des EC 7-1 die Teilsicherheitsbeiwerte für die
wirksame Kohäsion c´ und die Kohäsion des undränierten Bodens cu den gleichen Wert wie
für den wirksamen Reibungswinkel ϕ´ und den Reibungswinkel ϕu des undränierten Bodens.
Mit dem Teilsicherheitskonzept ist zwar in den Eurocodes ein einheitliches Format für die
Nachweise zur Bemessung im konstruktiven Ingenieurbau für unterschiedliche Bauarten und
Baumaterialien eingeführt worden. Ein einheitliches Sicherheitsniveau im Sinne einer einheit-
lichen Versagenswahrscheinlichkeit wurde nicht erreicht, auch wenn weitgehend gleiche Teil-
sicherheitsbeiwerte bei den Einwirkungen in allen Fachbereichen des konstruktiven Bauingeni-
eurwesens eingeführt wurden [4]. Wie oben dargestellt, wurden diese Teilsicherheitsbeiwerte
auch in der Geotechnik übernommen und nicht versucht, für die geotechnischen Einwirkungen
eigene Teilsicherheitsbeiwerte zu entwickeln. Sie sind daher nicht – wie ursprünglich vorgese-
hen – ein Maß für die Zuverlässigkeit, mit der man die Größe der geotechnischen Einwirkun-
gen ermitteln kann. Gleiches gilt für die Teilsicherheitsbeiwerte für die Widerstände, denn sie
wurden aus der Bedingung abgeleitet, dass sich bei einer Bemessung nach dem Teilsicher-
heitskonzept etwa die gleichen Abmessungen von Gründungen ergeben sollten wie beim bishe-
rigen globalen Sicherheitskonzept. Bei Lichte betrachtet ist also das Teilsicherheitskonzept
weiterhin ein globales, deterministisches Sicherheitskonzept, dessen Sicherheitsniveau auf
Erfahrungen beruht.
Die Eurocodes berücksichtigen kein menschliches Versagen (human error), menschliches Ver-
sagen wird in den Definitionen der Teilsicherheitsbeiwerte nicht erwähnt. Stattdessen enthält
der einleitende allgemeine Abschnitt aller Eurocodes eine Liste von Voraussetzungen, die
definieren und sicherstellen sollen, dass das Bauwerk von fachkompetentem und erfahrenem
Personal planmäßig hergestellt und unterhalten wird. In den Normen des globalen Sicherheits-
konzepts wurde zwar auch nie explizit auf menschliches Versagen Bezug genommen, doch
wurde stillschweigend davon ausgegangen, dass es zumindest zum Teil durch die Sicherheits-
beiwerte abgedeckt wird. Ziel war immer eine robuste und dennoch wirtschaftliche Bemes-
sung, so dass das Bauwerk nicht schon bei kleinen Fehlern versagt. Durch die Übernahme des
Sicherheitsniveaus der alten Normen sind in den Teilsicherheitsbeiwerten damit auch „kleine-
re“ Fehler durch menschliches Versagen abgedeckt.

1.3.3.3 Das Verfahren GEO-3 zum Nachweis der Böschungsstandsicherheit


Beim Nachweis der Standsicherheit von Böschungen wird das Nachweisverfahren 3 – bezeich-
net mit GEO-3 – angewendet, das im Wesentlichen dem Verfahren der alten DIN 4084:2009-1
entspricht. Im Gegensatz zu GEO-2 werden bei diesem Nachweisverfahren die Bemessungs-
werte der Einwirkungen und Widerstände des Baugrunds mit Bemessungswerten der Scherpa-
rameter ϕ´d und c´d ermittelt, die Teilsicherheitsbeiwerte also auf die Scherparameter ange-
wendet. Die Teilsicherheitsbeiwerte in den Tabellen A 2.1, A 2.2 und A 2.3 der DIN
1054:2010-12 entsprechen denen des Anhangs A des EC 7-1. Für Einwirkungen aus Bauwer-
ken werden allerdings andere Werte verwendet als im EC 7-1.
12 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

1.3.4 Grenzzustand des Verlusts der Lagesicherheit (EQU)


Da bei einem Verlust der Lagesicherheit in der Regel keine Materialfestigkeit im Bauwerk
oder Baugrund und damit kein Widerstand mobilisiert wird, werden in der Grenzzustandsglei-
chung die Bemessungswerte Edst,d der destabilisierenden und Estb,d der stabilisierenden Einwir-
kungen verglichen:
E dst , d ≤ E stb ,d (1.5)
Bei einer Flachgründung auf Fels, die im Grenzzustand der Lagesicherheit um eine Funda-
mentkante kippt, sind als stabilisierende und destabilisierende Einwirkungen die Momente
Mstb,d und Mdst,d aus den vertikalen und horizontalen, ständigen und veränderlichen Gründungs-
lasten anzusetzen.
Beim Nachweis des Grenzzustandes EQU erlauben sowohl der Eurocode „Grundlagen der
Tragwerksplanung“ als auch der EC 7-1 zusätzliche stabilisierende Kräfte – z. B. Scherkräfte
oder Anker – in der Grenzzustandsgleichung zu berücksichtigen. Obgleich diese Kräfte streng
genommen Widerstände bzw. Reaktionskräfte sind, werden sie beim Nachweis der Lagesi-
cherheit als stabilisierende Einwirkungen behandelt.
Bei Flächengründungen auf Böden kann eigentlich kein Nachweis der Sicherheit gegen
Gleichgewichtsverlust durch Kippen geführt werden, da die Kippkante unbekannt ist. Anstatt
eines Nachweises der Sicherheit gegen Kippen wurde daher in der DIN 1054:2005-1 der
Nachweis der Einhaltung einer zulässigen Ausmittigkeit der Sohldruckresultierenden einge-
führt (A 6.5.4 A(3)) und gefordert, dass die Fundamentsohle unter den ungünstigsten ständigen
und veränderlichen Einwirkungen noch bis zu ihrem Schwerpunkt durch Druck belastet ist.
Dies entspricht bei rechteckigen Fundamentflächen einer globalen Sicherheit von Ș = 1,50
zwischen dem Moment der Vertikalkraft und dem zum Kippen führenden Moment der Hori-
zontalkraft. Dieser Gedanke ist bei der Anpassung der DIN 1054 an das Konzept der Grenzzu-
stände aufgenommen worden. Der Nachweis der zulässigen Ausmittigkeit von Flachgründun-
gen auf Boden wird zum Nachweis des Grenzzustandes der Lagesicherheit EQU, wobei wie
beim Fels ein Kippen um eine Fundamentkante und ein starrer Baugrund angenommen werden.
Mit den Teilsicherheitsbeiwerten für eine veränderliche destabilisierende Momentenbeanspru-
chung von ȖQ,dst = 1,50 und für eine günstig wirkende, ständige stabilisierende Momentebean-
spruchung ȖQ,stb = 0,90 ergibt sich eine globale Sicherheit von Ș = ȖQ,dst/ȖG,stb = 1,67, die etwas
größer ist als diejenige globale Sicherheit, die sich bei Einhaltung einer zulässigen Ausmittig-
keit ergibt. Die erhöhte Sicherheit ist gerechtfertigt, da damit eine Begrenzung der Schiefstel-
lungen exzentrisch veränderlich belasteter Gründungen erreicht und bei veränderlicher Hori-
zontalbelastung das "Aufreiten" von Turmfundamenten sicher vermieden wird. Einen Nach-
weis gegen Kippen (EQU) einer Flachgründung enthält der Kommentar zum Handbuch EC 7-1
[7].

1.3.5 Grenzzustand des Aufschwimmens (UPL)


Das Aufschwimmen von Bauwerken infolge der Auftriebskraft des Wassers ist ebenfalls ein
Versagen durch Verlust der Lagesicherheit, allerdings hat man ihn wegen seiner Besonderhei-
ten nicht unter den Grenzzustand EQU eingeordnet. Der Grenzzustand UPL wird im EC 7-1
definiert (siehe 2.4.7.1 (1) P) als:
„Verlust der Lagesicherheit des Bauwerks oder Baugrunds infolge Aufschwimmens (Auf-
trieb) oder anderer vertikaler Einwirkungen;“
1.3 Neue Regelungen des Eurocode 7-1 und der DIN 1054 13

Die Grenzzustandsgleichung (Gleichung (2.8) in 2.4.7.4) zum Nachweis gegen Aufschwimmen


fordert, dass der Bemessungswert der destabilisierenden ständigen und veränderlichen Verti-
kalkräfte Gdst,d und Qdst,d nicht größer werden darf als die Bemessungswerte der stabilisierenden
ständigen Vertikalkräfte Gstb,d:
G dst , d + Q dst , d ≤ G stb ,d + R d (1.9)
wobei gegebenenfalls der Bemessungswert eines zusätzlichen Widerstandes Rd gegen Auf-
schwimmen berücksichtigt werden darf, der wie eine zusätzliche stabilisierende Einwirkung
behandelt wird. Die in der Tabelle A 2.1 empfohlenen Teilsicherheitsbeiwerte entsprechenden
nicht denen der Tabelle A 16 des EC 7-1. Das Sicherheitsniveau ist allerdings gleich.
Einzelheiten der Berücksichtigung von Reibungskräften oder von Zugverankerungen bei unter
Auftrieb stehenden Bauwerken sind im Abschnitt 10.2 der DIN 1054:2010-12 dargestellt. Ei-
nen Nachweis gegen Aufschwimmen einer mit Zugpfahlgründung gesicherten Betonsohle im
Grundwasser enthält der Kommentar zum Handbuch EC 7-1 [7].

1.3.6 Hydraulischer Grundbruch, innere Erosion und Piping (HYD)


Die Definition des Grenzzustands HYD umfasst hydraulischen Grundbruch, innere Erosion
und Piping im Boden, die durch Strömungskräfte verursacht werden. Allerdings gibt es nur für
den hydraulischen Grundbruch eine Grenzzustandsgleichung. Es muss nachgewiesen werden,
dass für jedes in Frage kommende Bodenprisma der Bemessungswert Sdst;d der destabilisieren-
den Strömungskraft in dem Prisma nicht größer ist als der Bemessungswert des stabilisieren-
den Gewichts desselben Prismas unter Auftrieb G'stb;d:
S dst ,d ≤ G ' stb , d (1.10)
Die Bemessungswerte der Strömungs- und der Gewichtskraft ergeben sich wieder aus dem
Produkt ihrer charakteristischen Werte mit den entsprechenden Teilsicherheitsbeiwerten. Die in
der Tabelle A 2.1 geforderten Teilsicherheitsbeiwerte entsprechen allerdings nicht denen der
Tabelle A 17 des EC 7-1, insbesondere wird bei dem Teilsicherheitsbeiwert für die Strömungs-
kraft unterschieden zwischen günstigem Untergrund, dem ein kleinerer Teilsicherheitsbeiwert
zugewiesen wird, und ungünstigem Untergrund, bei dem die Strömungskraft mit einem größe-
ren Teilsicherheitsbeiwert beaufschlagt wird.
Der EC 7-1 enthält noch eine weitere Grenzzustandsgleichung des hydraulischen Grundbruchs
(Gleichung (2.9a) in 2.4.7.5 (1) P) in totalen Spannungen, die jedoch in Deutschland nicht
angewendet wird, da sie physikalisch nicht korrekt ist.
Einzelheiten zur Durchführung des Nachweises gegen hydraulischen Grundbruch enthalten der
Abschnitt 10.2 der DIN 1054:2010-12 und die EAU [10]. Für die Wichte des Bodens ist dabei
im Sinne von Abschnitt 3.3.3 A (3) von DIN 1054:2010-12 ein unterer charakteristischer Wert
der Wichte festzulegen.
Der schwierigste Teil des Nachweises liegt in der Bestimmung der Größe der Strömungskraft
Sk bzw. in der Ermittlung des für den Nachweis maßgebenden waagerechten Schnitts durch
den Baugrund, bei dem das Verhältnis von Strömungskraft Sk und Eigenlast G´k des Boden-
prismas unter Auftrieb am ungünstigsten ist. Bei geschichteten Böden stellen sich in Schichten
mit geringerer Durchlässigkeit immer größere hydraulische Gefälle und damit eine größere
Strömungskraft ein. Dies ist beim Nachweis zu berücksichtigen, um den maßgebenden Boden-
körper mit der kleinsten Sicherheit zu ermitteln. Die Ermittlung des dazu erforderlichen
Grundwasserpotenzialfeldes erfolgt am zweckmäßigsten durch eine numerische Grundwas-
serströmungsberechnung, wobei zumeist eine zweidimensionale, vertikal-ebene Modellierung
14 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

ausreichend ist. Für einfache geometrische Verhältnisse und homogenen Baugrund gibt es
Näherungslösungen zur Bestimmung des Grundwasserpotenzials, z. B. entlang einer unter-
strömten Baugrubenwand in der EAU [10]. Räumliche Wirkungen, z. B. bei der Zuströmung
zu einer Baugrubenecke, können durch Korrekturbeiwerte (z. B. Ziegler und Aulbach [8]) oder
durch dreidimensionale Strömungsberechnungen berücksichtigt werden.
Am zuverlässigsten kann die Strömungskraft bzw. die Auftriebskraft durch Messungen des
Porenwasserdrucks im Untergrund bestimmt werden, was allerdings in der Planungsphase
zumeist nicht möglich ist. In vielen Fällen empfiehlt es sich aber im Sinne der Beobachtungs-
methode beim Bau oder nach Fertigstellung des Bauwerks Messungen durchzuführen, um die
Berechnungsannahmen zu überprüfen und das Bauwerk zu überwachen.
Für die innere Erosion und für das Piping geben EC 7-1 und die DIN 1054:2010-12 keine
Grenzzustandsgleichungen und Teilsicherheitsbeiwerte an, mit denen man eine ausreichende
Sicherheit gegen den die Standsicherheit gefährdenden Materialtransport im Baugrund nach-
weisen kann. Bei der inneren Erosion wird die Einhaltung von Filterkriterien gefordert. Die in
Deutschland anzuwendenden Filterregeln sind z. B. im „Merkblatt Anwendung von Kornfiltern
(MAK)“ [10] der BAW zusammengestellt. Für das Piping empfiehlt der EC 7-1 einen indirek-
ten Nachweis, wie er im „Merkblatt Standsicherheit von Böschungen an Bundeswasserstraßen
(MSD)“ [11] der BAW im Einzelnen beschrieben wird.

1.3.7 Kombinationsregeln
Mit den Kombinationsregeln wird der sehr geringen Wahrscheinlichkeit Rechnung getragen,
dass die möglichen veränderlichen Einwirkungen, wie z. B. Verkehrslasten, Wind und Schnee
alle gleichzeitig in voller Größe wirken. Bei mehr als einer veränderlichen Einwirkung wird
daher nur eine Einwirkung als Leiteinwirkung Qk,1 voll berücksichtigt, während alle weiteren
Einwirkungen als Begleiteinwirkungen Qk,i mit einem Kombinationsbeiwert ψ0 kleiner als 1
multipliziert werden.
Bisher gab es in der Geotechnik keine Kombinationsregeln. Im Eurocode „Grundlagen der
Tragwerksplanung“ werden sie eingeführt. Im EC 7-1 ist ihre Anwendung zwar vorgesehen,
die Umsetzung wird jedoch den europäischen Mitgliedsstaaten überlassen.
Bei der Erarbeitung der DIN 1054:2010-12 war sich der zuständige Ausschuss einig, dass z. B.
der Nachweis der äußeren Abmessungen des Fundaments mit den gleichen Beanspruchungen
durchgeführt werden sollte wie die Stahlbetonbemessung des Fundaments. Daher wurden in
der Geotechnik die Kombinationsregeln des Eurocodes „Grundlagen der Tragwerksplanung“
übernommen.
In der deutschen Geotechnik wird so weit wie möglich das Konzept verfolgt, bei einer erdstati-
schen Berechnung zunächst alle Beanspruchungen als charakteristische Werte zu ermitteln.
Erst am Ende der Berechnungen werden Bemessungswerte ermittelt, indem die charakteristi-
schen Beanspruchungen mit Teilsicherheitsbeiwerten beaufschlagt werden: mit ȖG,j für die
ständigen Einwirkungen, ȖP für eine Vorspannkraft und ȖQ,i für die veränderlichen Einwirkun-
gen. Darauf muss auch die Anwendung der Kombinationsregeln mit Kombinationsbeiwerten
abgestimmt werden. Im Regelfall, bei vorausgesetzter Gültigkeit des Superpositionsprinzips,
können auf Grundlage der charakteristischen ständigen Einwirkungen Gk,j, der Vorspannkraft
Pk und der veränderlichen Einwirkungen Qk,i die entsprechenden Beanspruchungen E einzeln
errechnet und der Bemessungswert Ed der Gesamtbeanspruchung unter Anwendung der Kom-
binationsregeln weiterhin am Ende einer Berechnung ermittelt werden – beispielhaft für die
Bemessungssituationen BS-P und BS-T entsprechend der Gleichung:
1.4 Kritische Anmerkungen und Ausblick zum EC 7-1 15

E d = ¦ γ G , j ⋅ E (G k , j ) + γ P ⋅ E ( Pk ) + γ Q ,1 ⋅ E (Q k ,1 ) + ¦ γ Q,i ⋅ψ 0,i ⋅ E (Q k ,i ) (1.11)


j ≥1 i ≥1

In besonderen Fällen, bei denen das Superpositionsprinzip nicht gilt, müssen Bemessungswerte
der Beanspruchungen Ed aus den Bemessungswerten der Einwirkungen, die nach den Regeln
des Eurocodes „Grundlagen der Tragwerksplanung“ aus charakteristischen Einwirkungen
verknüpft mit Teilsicherheitsbeiwerten Ȗ und Kombinationsbeiwerten ψ entstehen, ermittelt
werden – z. B. wieder für die Bemessungssituationen BS-P und BS-T nach der formalen Glei-
chung:
§ ·
E d = E ¨ ¦ γ G , j ⋅ E (G k , j )"+" γ P ⋅ Pk "+" γ Q,1 ⋅ Qk ,1 "+" ¦ γ Q,i ⋅ψ 0,i ⋅ E (Qk ,i ) ¸ (1.12)
¨ ¸
© j ≥1 i ≥1 ¹
Hierin bedeutet "+": „in Verbindung mit“. Um den maßgebenden Wert der Bemessungsbean-
spruchung festzustellen, müssen bei mehreren unabhängigen veränderlichen charakteristischen
Einwirkungen Qk,i gegebenenfalls mehrere Kombinationen untersucht werden. Dabei ist fall-
weise jeweils eine der unabhängigen veränderlichen Einwirkungen als Leiteinwirkung Qk,1
anzusetzen und die anderen – dann als zugehörige Begleiteinwirkungen bezeichnet – können
gleichzeitig je mit einem Kombinationswert ψ0,i abgemindert werden, dessen Größe von der
Art der Einwirkung abhängt.
In den Bemessungssituationen BS-A und BS-E sind zum Teil keine Teilsicherheitsbeiwerte
vorgesehen und es werden statt des Kombinationsbeiwerts ψ0 für begleitende veränderliche
Einwirkungen die kleineren Zahlenwerte der Kombinationsbeiwerte zum Festlegen des häufi-
gen Werts der veränderlichen Leiteinwirkung ψ1 bzw. des quasi-ständigen Werts einer verän-
derlichen Einwirkung ψ2 verwendet, um die geringere Wahrscheinlichkeit der Gleichzeitigkeit
mehrerer veränderlicher Einwirkungen im Fall des außergewöhnlichen Ereignisses bzw. Erd-
bebens zu berücksichtigen.
Im Eurocode „Grundlagen der Tragwerksplanung“ und dem zugehörigen National Anhang sind
Kombinationsbeiwerte für den Hochbau festgelegt. Sie gelten auch für die Nachweise in der
Geotechnik. Für in den Tabellen für den Hochbau nicht erfasste sonstige veränderliche Einwir-
kungen sind die Kombinationsbeiwerte ψ0 = 0,8, ψ1 = 0,7 und ψ2 = 0,5 zu verwenden.

1.4 Kritische Anmerkungen und Ausblick zum EC 7-1


Der Umfang der Handbücher zu den beiden Teilen des Eurocode 7 von insgesamt 460 Seiten
ist geeignet, den Anwender abzuschrecken. Dies wird als Schwäche von allen Beteiligten aner-
kannt. Auf europäischer Ebene hat der für den EC 7 zuständige Ausschuss unter anderem des-
halb 2011 „Evolution Groups“ (EG) eingerichtet, die die 2015 anstehende Überarbeitung der
beiden Teile des EC 7 vorbereiten sollen. Die EG 2 „Maintenance and ease of use“ befasst sich
z. B. mit der Straffung und Neugliederung des EC 7, die EG 11 „Characterisation“ mit der
Bewertung von Labor- und Feldversuchen im Hinblick auf die Festlegung von Bodenkennwer-
ten für Berechnungen.
In Deutschland gibt es ähnliche Bestrebungen. So wurde von der Bauindustrie und den Ingeni-
eurverbänden eine Initiative gegründet, deren Ziel es ist, die Eurocodes in ihrer Praxistauglich-
keit in Zusammenarbeit mit dem DIN weiterzuentwickeln, wobei
16 1 Überblick, Sicherheitskonzept und Bemessungsgrundlagen nach EC 7-1

− weitere Vereinheitlichungen,
− mehr Vereinfachungen und
− geringerer Umfang angestrebt werden.
Der Initiative PraxisRegelnBau hat sich auch die Deutsche Gesellschaft für Geotechnik ange-
schlossen. Eine Projektgruppe der Initiative ist mit der Überarbeitung des Eurocode 7 befasst.
Die Arbeitspakete dieser Projektgruppe sehen zum einen die Straffung der beiden Teile des EC
7 sowie damit zwangsläufig auch der DIN 1054 und DIN 4020 und zum anderen eine Harmo-
nisierung der 3 Nachweisverfahren des EC 7-1 vor. Diese Arbeiten werden eng mit den EGs
auf europäischer Ebene abgestimmt. Ein zeitlicher Meilenstein ist die nach den Regeln des
(CEN) 2014 stattfindende Umfrage bei den Mitgliedsländern über die Eurocodes mit einer
Abstimmung, ob die jeweiligen Eurocodes entfallen, unverändert beibehalten oder überarbeitet
werden sollen. Über erste Ergebnisse wird in [15] berichtet.
Es ist daher zu hoffen, dass die nächste Fassung der beiden Teile des EC 7 sowohl straffer als
auch thematisch weiter angelegt und damit nutzerfreundlicher sein werden.

1.5 Literatur
[1] Deutsches Institut für Bautechnik (2002): Leitpapier L - Anwendung der Eurocodes,
Schriften des Deutschen Instituts für Bautechnik, Reihe LP Heft L,[4] DIN 1054:2010,
Beuth Verlag, Berlin.
[2] Handbuch Eurocode 7 (2011) Geotechnische Bemessung, Band 1 Allgemeine Regeln,
Beuth Verlag, Berlin.
[3] Vogt, N., Schuppener, B. und Weißenbach, A. (2006). Nachweisverfahren des EC 7-1
für geotechnische Bemessungen in Deutschland, geotechnik 29 Nr. 3.
[4] Schuppener, B. und Heibaum, M. (2011): Reliability Theory and Safety in German
Geotechnical Design, Proceedings of 3rd International Symposium on Geotechnical
Safety and Risk, München.
[5] Bauduin, Ch. (2001): Ermittlung charakteristischer Werte, in Grundbau-Taschenbuch,
Teil 1: Geotechnische Grundlage, 6. Auflage, Herausgeber U. Smoltczyk, Ernst und
Sohn, Berlin
[6] Schuppener, B. (2012): Kommentar zu Abschnitt 2 „Grundlagen der geotechnischen
Bemessung“ in Schuppener, B. (Herausgeber) (2012): Kommentar zum Handbuch Eu-
rocode 7 - Geotechnische Bemessung, Band 1: Allgemeine Regeln, Verlag Ernst &
Sohn, Berlin
[7] Schuppener, B. (Herausgeber) (2012): Kommentar zum Handbuch Eurocode 7 - Geo-
technische Bemessung, Band 1: Allgemeine Regeln, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
[8] Ziegler, M. und Aulbach, B. (2010): Zur Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch,
Baugrundtagung München.
[9] Empfehlungen des Arbeitskreises Pfähle (EA-Pfähle), 2.Auflage, Kapitel 2 Pfahlsyste-
me; Ernst & Sohn, Berlin, 2012
[10] EAU 2004 Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen, Häfen und Was-
serstraßen“ herausgegeben von der Hafenbautechnischen Gesellschaft e.V. (HTG) und
der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik e. V. (DGGT), 10. Auflage, Verlag Ernst &
Sohn. Berlin, 2005.
1.5 Literatur 17

[11] Merkblatt Anwendung von Kornfiltern (MAK) (1989), Bundesanstalt für Wasserbau,
Karlsruhe
[12] Merkblatt Standsichersicherheit von Dämmen an Bundeswasserstraßen (MSD) (2011),
Bundesanstalt für Wasserbau, Karlsruhe
[13] Handbuch Eurocode 7 (2011) Geotechnische Bemessung, Band 2 Erkundung und Un-
tersuchung, Beuth Verlag, Berlin.
[14] Ruppert, F.-R.: Kommentar zum Abschnitt 3 „Geotechnische Unterlagen“. - in Schup-
pener, B. (Hrsg.): Kommentar zum Normen-Handbuch zu EC 7 - 1 und DIN 1054:2010.
Ernst & Sohn, 2012.
[15] Schuppener, B., Richter, T., Ruppert, F.-R., und Ziegler, M. (2014): Verbesserung der
Nutzerfreundlichkeit des Eurocodes 7, Geotechnische Bemessung - Stand der Bearbei-
tung durch die Initiative PraxisRegelnBau e.V. (PRB), geotechnik 37, Nr.4
19

2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1,


Abschnitt 6

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Conrad Boley, Dipl.-Ing. Robert Höppner

2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen

2.1.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert?
In der DIN 1054:2005-01 [1] umfasste der Abschnitt 7 zu den Flach- und Flächengründungen
12 Seiten. Im Handbuch Eurocode 7 - Band 1 [2] (im Weiteren als Handbuch EC 7-1 bezeich-
net), in dem die DIN EN 1997-1:2009-09 [3], DIN EN 1997-1/NA:2010-12 [4] und die DIN
1054:2010-12 [5] zusammengefasst sind, beträgt der Umfang des Abschnitts 6 zu den Flächen-
gründungen insgesamt 22 Seiten. Quantitativ hat der Umfang der Regelungen also zugenom-
men. Auf die wichtigsten Neuerungen und Änderungen wird in den folgenden Abschnitten
eingegangen.

2.1.2 Anwendungsbereich und Geotechnische Kategorien


In den Abschnitten 6.1 bis 6.3 des Handbuchs EC 7-1 werden die Grundlagen zur Berechnung
von Flächengründungen geregelt. Es wird dabei keine Unterscheidung zwischen Flach- und
Tiefgründungen vorgenommen. Prinzipiell geht es hierbei um Gründungen, bei denen die
Lastübertragung in der Sohlfläche stattfindet. Dementsprechend sind die Regelungen für Ein-
zelfundamente, Streifenfundamente und Sohlplatten gültig. Einige Vorgaben lassen sich auch
auf Tiefgründungen wie z. B. Senkkästen anwenden.1
Die Einordnung von Flach- und Flächengründungen in eine Geotechnische Kategorie richtet
sich neben den allgemeinen Anforderungen nach DIN 1054:2010-12 Abschnitt A 2.1.2 nach
weiteren Vorgaben, die in Abschnitt A 6.1.2 genannt werden. Im Vergleich zur DIN
1054:2005-01 wurden die Beispiele für die Zuordnung zu den Geotechnischen Kategorien
etwas ausgeweitet und konkretisiert. Unter der Voraussetzung, dass die Baugrund- und
Grundwasserverhältnisse keine höhere Einstufung erforderlich machen, stellt die Geotechni-
sche Kategorie GK 2 weiterhin den Regelfall2 für die Zuordnung von Flach- und Flächengrün-
dungen dar.
Einzel- und Streifenfundamente mit waagerechter Sohle sowie annähernd waagerechter Gelän-
deoberkante können der Geotechnischen Kategorie GK 1 zugeordnet werden3, wenn die Bau-
grundeigenschaften den Anforderungen für den vereinfachten Nachweis entsprechen (siehe
Abschnitt 2.1.11) und das Fundament nicht überwiegend dynamisch beansprucht wird. Weiter-
hin dürfen Gründungsplatten für gut ausgesteifte, maximal zweigeschossige Gebäude der Geo-
technischen Kategorie GK 1 zugeordnet werden.
Schwierige Konstruktionen wie beispielsweise Gründungen für hohe Türme oder ausgedehnte
Gründungen mit wechselnden Baugrundsteifigkeiten im Grundriss sind der Geotechnischen

1
DIN EN 1997-1:2009-09, 6.1
2
DIN 1054:2010-12, A 6.1.2 A(3)
3
DIN 1054:2012-12, A 6.1.2 A(2)

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
20 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

Kategorie GK 3 zuzuordnen. Die Aufzählungen im Abschnitt A 6.1.2 der DIN 1054:2010-12


geben nur einige Beispiele für die Zuordnung und sind als nicht abschließend zu betrachten. In
Bild 2-1 ist die Zuordnung von Bauvorhaben zu den Geotechnischen Kategorien schematisch
dargestellt.

Bild 2-1 Zuordnung von Flächengründungen zu den Geotechnischen Kategorien nach EC 7-1,
in Anlehnung an [6]

2.1.3 Grenzzustände und erforderliche Nachweise


Für Flächengründungen ist nachzuweisen, dass sowohl der Grenzzustand der Tragfähigkeit
(Ultimate Limit State (ULS), früher GZ 1) als auch der Grenzzustand der Gebrauchstauglich-
keit (Serviceability Limit State (SLS), früher GZ 2) mit hinreichend großer Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden kann. Die unterschiedlichen Versagenszustände, die zum Nachweis
von Flachgründungen erforderlich werden können, sind in Tabelle 1 zusammengefasst.4
Für den Grenzzustand der Tragfähigkeit von Flachgründungen sind meist das Gleiten und der
Grundbruch die relevanten Versagensfälle des Baugrunds. Stützbauwerke und Gründungen im
Bereich von Geländesprüngen erfordern zusätzlich den Nachweis der Gesamtstandsicherheit.
Mit der Einführung der Eurocodes wurde der Nachweis gegen Kippen um die Außenkante
(fiktive Kippkante) neu in die Nachweisführung aufgenommen. Der Nachweis der zulässigen

4
vgl. DIN EN 1997-1:2009-09, 6.2
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 21

Ausmittigkeit wird jetzt nicht mehr als Ersatz für den Kippnachweis geführt, wie es in der
DIN 1054:2005-01 der Fall war, sondern ist jetzt als Nachweis gegen Fundamentverdrehung
und Begrenzung der klaffenden Fuge im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit definiert.
Bei Gründungen im Grundwasser ist weiterhin der Nachweis gegen Aufschwimmen zu führen.
Die Nachweise gegen Materialversagen (innere Tragfähigkeit des Fundaments) sind nicht
Bestandteil des vorliegenden Abschnitts, da diese in den jeweiligen Bauartennormen geregelt
werden.

Tabelle 2.1 Erforderliche Nachweise für Flächengründungen

Grenzzustand der Tragfähigkeit Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit


(ULS) (SLS)
Nachweis der Gesamtstandsicherheit – GEO-3 Fundamentverdrehung und Begrenzung einer
klaffenden Fuge
Grundbruchnachweis – GEO-2 Verschiebung in der Sohlfläche
Gleitnachweis – GEO-2 unzulässige Setzungen und Verdrehungen
Kippnachweis – EQU unzulässige Hebungen
Nachweis gegen Aufschwimmen - UPL unzulässige Schwingungen
Nachweis gegen Materialversagen - STR ggf. weitere bauwerksabhängige Nachweise

Die Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit dienen vor allen Dingen der Be-
grenzung der Verformungen. Außer dem Nachweis der Fundamentverdrehung und Begrenzung
einer klaffenden Fuge werden unter anderem Setzungen, Verdrehungen und Verschiebungen in
der Sohlfläche untersucht. Die zulässigen Werte sind dabei individuell, in Abhängigkeit vom
Bauwerk und dessen Nutzung, festzulegen. Im informativen Anhang H der DIN EN 1997-
2009-09 sind Anhaltswerte für unterschiedliche Verformungen gegeben.
In einfachen Fällen ist auch weiterhin eine Bemessung von Flachgründungen mit Tabellenwer-
ten für den Sohlwiderstand möglich. Es ist jetzt allerdings in der DIN 1054:2010-12 nicht mehr
der aufnehmbare Sohldruck σzul angegeben, sondern der Bemessungswert des Sohlwiderstands
σR,d.

2.1.4 Nachweisverfahren
Der EC 7-1 unterscheidet die drei verschiedene Nachweisverfahren GEO-1, GEO-2 und
GEO-3. Weiterhin wurden mit dem Eurocode auch in der Geotechnik die Kombinationsregeln
eingeführt. Diese sind entsprechend bei der Berechnung des Bemessungswerts der Beanspru-
chung zu berücksichtigen.
Die Nachweise der Grundbruch- und Gleitsicherheit sind in Deutschland mit den Nachweisver-
fahren GEO-2 zu führen. Daraus ergibt sich somit der folgende Ablauf. Zu Beginn werden die
charakteristischen Einwirkungen ermittelt. Aus diesen werden die Beanspruchungen in der
Fundamentsohle abgeleitet. Mithilfe der charakteristischen geotechnischen Kenngrößen und
der charakteristischen Beanspruchungen können dann der Grundbruch- und Gleitwiderstand
berechnet werden. Durch die Faktorisierung der charakteristischen Beanspruchungen und Wi-
derstände mit den Teilsicherheitsbeiwerten werden die jeweiligen Bemessungswerte gebildet,
wobei ggf. die Kombinationsregeln zu berücksichtigen sind. Anschließend erfolgt der Ver-
22 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

gleich des Bemessungswertes der Beanspruchung mit dem Bemessungswert des Widerstands,
wobei die bekannte Ungleichung
Ed ≤ Rd (2.1)
einzuhalten ist. Das Nachweiskonzept ist in Bild 2-2 dargestellt. Wie die Nachweise gegen
Kippen und im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit zu führen sind, wird in den Abschnit-
ten 2.1.10.4 bis 2.1.11.4 erläutert.

Bild 2-2 Nachweiskonzept für die Grundbruch- und Gleitsicherheit von Flach- und Flächen-
gründungen im Nachweisverfahren 2

2.1.5 Einwirkungen auf Flächengründungen


Auf Flächengründungen wirken Gründungslasten, geotechnische Einwirkungen und ggf. dy-
namische Einwirkungen. In Bild 2-3 sind die Einwirkungen auf ein Einzelfundament schema-
tisch dargestellt. Die Gründungslasten ergeben sich aus der statischen Berechnung und greifen
in Höhe der Oberkante der Gründungskonstruktion an.5 Übliche zyklische, dynamische oder
stoßartige Einwirkungen aus Regellasten auf Bauwerke und Verkehrsflächen dürfen ersatzwei-
se als statische Einwirkung berücksichtigt werden.6

5
DIN 1054:2010-12, A 2.4.2.3
6
DIN 1054:2010-12, A 2.4.2.1 A (8a)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 23

Bild 2-3 Einwirkungen auf ein Einzelfundament

Bei erheblichen veränderlichen Einwirkungen, z. B. bei Maschinenfundamenten oder Stößen


durch Anprall, ist zu prüfen, ob besondere Untersuchungen zur Erfassung des dynamischen
Verhaltens erforderlich sind.7
Die geotechnischen Einwirkungen ergeben sich beispielsweise aus dem Eigengewicht der
Gründungskonstruktion und aus den angreifenden Erd- und Wasserdrücken. Entsprechend dem
Handbuch EC 7-1 sind beim Grundbruchnachweis alle Erddrücke, unabhängig davon, ob sie
günstig oder ungünstig wirken, anzusetzen8 und beim Nachweis der Gleitsicherheit sind alle
aktiven Erddrücke zu berücksichtigen.9
In Bild 2-4 ist die Bodenreaktion Bk an der Stirnseite ebenfalls mit eingetragen. Ihrer Natur
nach ist die Bodenreaktion ein Widerstand. Da beim Grundbruchnachweis jedoch nur der sohl-
flächennormale Widerstand betrachtet wird, wird der positive Einfluss der Bodenreaktion beim
Grundbruchnachweis indirekt über den Weg einer günstig wirkenden Einwirkung berücksich-
tigt. Diese darf jedoch maximal mit 50 % des passiven Erdwiderstands angesetzt werden, damit
keine übermäßigen Verformungen auftreten. Weiterhin darf die Bodenreaktion maximal so
groß sein, wie die entgegenwirkende charakteristische horizontale Einwirkung Hk, was sich aus
der Gleichgewichtsbetrachtung erschließt. Gegenüber der DIN 1054:2005-09 wird in der DIN
1054:2010-12 darauf hingewiesen, dass der Erdwiderstand hierbei mit einem Neigungswinkel
von δ = 0 zu ermitteln ist.

7
DIN 1054:2010-12, A 2.4.2.1 A (8b)
8
DIN EN 1997-2009-09, 6.5.2.1 (3)P
9
DIN EN 1997-2009-09, 6.5.3 (3)P
24 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.1.6 Charakteristische Beanspruchungen


Die Gleit- und Grundbruchnachweise unterstellen das Versagen des Bodens unterhalb des
Fundaments. Für geotechnische Nachweise sind somit die Beanspruchungen in der Kontaktflä-
che zwischen Boden und Bauwerk maßgebend. Dementsprechend werden die Beanspruchun-
gen in der Sohlfuge der Gründung als Resultierende Vk und Hk in sohlflächennormaler und
sohlflächenparalleler Richtung berechnet. Zusätzlich ergibt sich aus einer Momentenbelastung
die Ausmitte e, die die Verschiebung der Sohldruckresultierenden von der Fundamentmitte aus
beschreibt.

Bild 2-4 Beanspruchungen in der Sohlfläche

Die Beanspruchungen sind zur Bildung der Lastfallkombinationen mit Kombinationsbeiwer-


ten, getrennt nach den Ursachen der Einwirkung zu bestimmen. Bei mehreren unabhängigen
veränderlichen Einwirkungen sind weiterhin verschiedene Lastkombinationen zu untersuchen.
Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die charakteristischen Beanspruchungen in
die Berechnung des Grundbruchwiderstands eingehen.
Wie bereits in Abschnitt 2.1.5 erwähnt, darf die Bodenreaktion an der Stirnseite als günstige
Einwirkung beim Grundbruchnachweis angesetzt werden.10 Die Vorgehensweise ist in Bild 2-5
dargestellt. Durch den Ansatz der Bodenreaktion wird die Neigung der Sohldruckresultieren-
den verringert, was sich positiv auf den Grundbruchwiderstand auswirkt. Die Bodenreaktion
darf nur angesetzt werden, wenn nicht mit Abgrabungen neben dem Fundament zu rechnen ist.
Neben der Verringerung der Lastneigung wird auch die Ausmittigkeit reduziert.

10
DIN 1054:2010-12, 6.5.2.2, A(10)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 25

Bild 2-5 Krafteck der Einwirkungen und Beanspruchungen sowie die Abminderung des Last-
neigungswinkels durch den Ansatz der Bodenreaktion Bk

2.1.7 Bemessungswerte der Beanspruchungen


Die Bemessungswerte der sohlflächenparallelen und sohlflächennormalen Beanspruchung
werden durch Multiplikation der charakteristischen Werte der Beanspruchungen mit den jewei-
ligen Teilsicherheitsbeiwerten berechnet:
H d = H G ,k ⋅ γ G + H Q,k ⋅ γ Q (2.2)
Vd = VG , k ⋅ γ G + VQ , k ⋅ γ Q (2.3)
Wirken mehrere veränderliche Einwirkungen auf eine Flächengründung, so sind Kombinati-
onsbeiwerte für die Bestimmung des Bemessungswertes der Beanspruchung zu verwenden. Für
die Bemessungssituationen BS-P und BS-T gilt für Berechnungen mit linear-elastischer Theo-
rie und unter Voraussetzung der Gültigkeit des Superpositionsprinzips folgende Gleichung:
Ed = ¦ γ G, j ⋅ E ( Gk , j ) + γ p ⋅ E ( Pk ) + γ Q,1 ⋅ E ( Qk ,1 ) + ¦ γ Q,i ⋅ψ 0,i ⋅ E ( Qk ,i ) (2.4)
j ≥1 i >1

Hierbei ist zu untersuchen, in welcher Kombination sich aus Beanspruchungen aus der Leit-
einwirkung E(Qk,1) und den Beanspruchungen aus den begleitenden veränderlichen Einwir-
kungen E(Qk,i) der größte Bemessungswert der Beanspruchungen ergibt. Zu beachten ist, dass
für unterschiedliche Nachweise verschiedene Kombinationen maßgebend werden können.
Bei einer orthogonalen zweiachsigen Belastung in x- und y-Richtung kann die sohlflächenpa-
rallele, resultierende Beanspruchung mit dem Ansatz aus DIN 1054:2005-09 berechnet werden.
Dieser Ansatz ist in der neuen Norm nicht mehr explizit angegeben:

H d = H d2, x + H d2, y (2.5)


26 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.1.8 Berechnung der charakteristischen Widerstände

2.1.8.1 Charakteristischer Grundbruchwiderstand


Nach den nationalen Festlegungen der DIN 1054:2010-12 ist der Grundbruchwiderstand ge-
mäß DIN 4017 zu berechnen.11 Die Berechnung erfolgt somit nach der bekannten dreigliedri-
gen Grundbruchformel. Als Änderung zur Vorgängernorm wurde in der DIN 4017:2006-03 [7]
der Lastneigungsbeiwert (früher ț jetzt i für inclination) neu definiert, sodass keine Iterationen
mehr notwendig sind. Der Grundbruchwiderstand berechnet sich zu:
Rn,k = a '⋅ b '⋅ ( γ 2 ⋅ b '⋅ Nb + γ1 ⋅ d ⋅ Nd + c ⋅ Nc ) (2.6)
mit:
Nb = Nb0 ⋅ν b ⋅ ib ⋅ λb ⋅ ξb Einfluss der Fundamentbreite
N d = N d 0 ⋅ν d ⋅ id ⋅ λd ⋅ ξ d Einfluss der Einbindetiefe
N c = N c 0 ⋅ν c ⋅ ic ⋅ λc ⋅ ξc Einfluss der Kohäsion
und:
Nb0 ; N d 0 ; N c 0 Grundwerte der Tragfähigkeitsbeiwerte
νb ;ν d ;ν c Formbeiwerte
ib ; id ; ic Lastneigungsbeiwerte
λb ; λd ; λc Geländneigungsbeiwerte
ξb ; ξ d ; ξ c Sohlneigungsbeiwerte

2.1.8.2 Charakteristischer Gleitwiderstand


Durch die unterschiedlichen Nachweisverfahren werden in der DIN EN 1997-1:2009-09 unter-
schiedliche Gleichungen zur Ermittlung des Gleitwiderstands gegeben, in denen die Teilsi-
cherheitsbeiwerte an verschiedenen Stellen berücksichtigt werden. Durch die ergänzenden
Regelungen der DIN 1054:2010-12 wird die Ermittlung des Gleitwiderstands in der Sohlfläche
auf die aus DIN 1054:2005-01 bekannten Gleichungen beschränkt. Zum Nachweis der Gleitsi-
cherheit ist bei der Berechnung des Gleitwiderstands zwischen drei Fällen zu unterscheiden:
1. Gleitwiderstand im Anfangszustand bei wassergesättigten bindigen Böden im undrai-
nierten Zustand:
Rk = A ⋅ cu , k (2.7)
Die Fläche A wird im EC 7-1 für diesen Nachweis nicht genauer definiert. Es bleibt of-
fen, ob für die Berechnung die gesamte überdrückte Fläche angesetzt werden darf, oder
ob eine Reduktion auf eine Teilfläche A‘, die so bemessen ist, dass die Sohldruckresul-
tierende wieder im Mittelpunkt liegt, vorzunehmen ist, wie dies in der DIN 1054:1976-
11 vorgesehen war und auch jetzt noch bei der vereinfachten Nachweisführung mit Ta-
bellenwerten berücksichtigt wird.

11
DIN 1054:2010-12, 6.5.2.2 A (8)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 27

2. Gleitwiderstand bei vollständig konsolidierten (Endzustand) bindigen oder bei nicht


bindigen Böden:
Rk = Vk ⋅ tan δ s ,k (2.8)

Wird der Sohlreibungswinkel δs,k nicht explizit ermittelt, dürfen in Abhängigkeit des
Herstellungsverfahrens und des charakteristischen Reibungswinkels folgende Werte an-
gesetzt werden:12
įs,k = ij’k įs,k ” 35 für Ortbetonfundamente
įs,k = 2/3 ij’k für Fertigteile (ohne Mörtelbett)
3. Gleitwiderstand im Endzustand, wenn die Bruchfläche durch den Boden verläuft (z. B.
bei Fundamenten mit Sporn oder abgeschrägter Sohlfläche):
Rk = Vk ⋅ tan ϕk' + A ⋅ ck' (2.9)
Der Gleitwiderstand ist in den Fällen 2 und 3 abhängig von den sohlflächennormalen charakte-
ristischen Einwirkungen. Greifen eine unter dem Winkel δ geneigte, veränderliche Einwirkun-
gen an, ist zu überprüfen, ob sich diese günstig oder ungünstig auf den Gleitwiderstand auswir-
ken. Günstig wirkende veränderliche Einwirkungen dürfen bei der Berechnung des Gleitwider-
stands nicht angesetzt werden. Entsprechend Bild 2-6 wirkt eine Einwirkung FQ,k günstig,
wenn gilt:
tan δS,k • tan δ

Bild 2-6 Wirkrichtung von Beanspruchungen und Widerständen für die Berechnung des Gleit-
widerstands

12
DIN 1054:2010-12, A 6.5.3, A (10)
28 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

Neben dem Widerstand in der Sohlfuge darf beim Gleitnachweis der Erdwiderstand an der
Stirnseite des Fundaments angesetzt werden, sofern gewährleistet ist, dass der Erdwiderstand
dauerhaft vorhanden ist und die Verformungen ausreichend groß sind, um den Erdwiderstand
zu wecken. Der Erdwiderstand ist dabei auf der Basis von gekrümmten oder zusammengesetz-
ten ebenen Gleitflächen mit einem Erddruckneigungswinkel von δ = 0 zu berechnen.13

2.1.9 Bemessungswerte der Widerstände


Die Bemessungswerte der Widerstände ergeben sich aus der Division der charakteristischen
Widerstände durch den jeweiligen Teilsicherheitsbeiwert für den Grundbruchwiderstand wie
folgt:14
Rd = Rn,k / γ R,v (2.10)
mit:
γ R,v - Teilsicherheitsbeiwert für den Grundbruchwiderstand
Der Bemessungswert des Gleitwiderstands ergibt sich aus dem Bemessungswert des Sohlwi-
derstands und ggf. dem Bemessungswert des Erdwiderstands:15,16,17
A ⋅ cu
Rd = (unkonsolidiert) (2.11)
γ R,h
Rd = Vk ⋅ tan δ S ,k / γ R,h (konsolidiert) (2.12)

Rd = (Vk ⋅ tan ϕ 'k + A ⋅ c 'k ) / γ R,h (Bruch im Boden) (2.13)


R p,d = R p,k / γ Ep (Erdwiderstand) (2.14)

mit:
γ R,h - Teilsicherheitsbeiwert für den Gleitwiderstand
γ Ep - Teilsicherheitsbeiwert für den Erdwiderstand

13
DIN 1054:2010-12, 6.5.3, A (16)
14
DIN 1054:2010-12, 6.5.2.2 A (9)
15
DIN 1054:2010-12, 6.5.3 A (8)
16
DIN 1054:2010-12, 6.5.3 A (11)
17
DIN 1054:2010-12, 6.5.3 A (16)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 29

In Tabelle 2.2 und 2.3 sind die Teilsicherheitsbeiwerte der neuen und alten DIN 1054 gegen-
übergestellt. Wie zu sehen ist, hat sich das Sicherheitsniveau nicht verändert.

Tabelle 2.2 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle A 2.3

Formel- Bemessungssituation
Widerstand
zeichen BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Bodenwiderstände

- Erdwiderstand und Grundbruchwiderstand γR,e, γR,v 1,40 1,30 1,20

- Gleitwiderstand γh 1,10 1,10 1,10

Tabelle 2.3 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände gemäß DIN 1054:2005-01, Tabelle 3

Formel- Lastfall
Widerstand
zeichen LF 1 LF 2 LF 3

GZ 1B: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken und Bauteilen


Bodenwiderstände

Erdwiderstand und Grundbruchwiderstand γEp, γGr 1,40 1,30 1,20

Gleitwiderstand γGl 1,10 1,10 1,10

Wenn die Möglichkeit besteht, dass bei Fundamenten auf undrainierten Tonböden Wasser oder
Luft in die Sohlfuge eindringt, ist weiterhin der Bemessungswert des Gleitwiderstands auf
40 % des Bemessungswerts der sohlflächennormalen Beanspruchung zu begrenzen:18
Rd ≤ 0, 4 × Vd (2.15)

18
DIN EN 1997-1:2009-09, 6.5.3 (12)P
30 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.1.10 Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit

2.1.10.1 Nachweis der Gesamtstandsicherheit


Die Gesamtstandsicherheit muss vor allem dann nachgewiesen werden, wenn ein Böschungs-
oder Geländebruch zu erwarten ist. Mit dem Nachweis muss gezeigt werden, dass ein Versagen
des Bodenbereiches, in welchem die Gründung liegt, nach den üblichen Berechnungsmethoden
unwahrscheinlich ist. Nach Handbuch EC 7-1 existieren folgende Fälle, bei denen die Gesamt-
standsicherheit nachzuweisen ist:19
• Gründungen nahe oder auf Böschungen
• Gründungen neben einer Baugrube oder einem Stützbauwerk
• Gründungen neben Flüssen, Kanälen, Seen, Staubecken oder am Meerufer
• Gründungen in der Nähe von Bergbauten oder unterirdischen Bauwerken

2.1.10.2 Nachweis der Grundbruchsicherheit


Nachdem die Bemessungswerte der Beanspruchungen und der Widerstände berechnet wurden,
ist der Nachweis der Grundbruchsicherheit erfüllt, wenn für jede Lastfallkombination der Be-
messungswert des Grundbruchwiderstands Rd größer ist, als der jeweilige Bemessungswert der
sohlflächennormalen Beanspruchungen Vd. Es ist die folgende Ungleichung einzuhalten:20
Vd ≤ Rd
(2.16)

2.1.10.3 Nachweis der Gleitsicherheit


Der Nachweis der Gleitsicherheit ist erfüllt, wenn für jede Lastfallkombination die Summe aus
dem Bemessungswert des Gleitwiderstands Rd und dem Bemessungswert des Erdwiderstands
Rp,d größer ist, als der Bemessungswert der sohlflächenparallelen Beanspruchung Hd:21
H d ≤ Rd + R p,d
(2.17)

2.1.10.4 Nachweis der Kippsicherheit (stark exzentrische Belastung)


Für Flach- und Flächengründungen ist die Sicherheit gegen Gleichgewichtsverlust durch Kip-
pen nachzuweisen.22 Dieser Nachweis wurde im Rahmen des EC 7-1 neu eingeführt. Obwohl
die Drehachse eines kippenden Fundaments innerhalb der Fundamentfläche zu erwarten ist,
darf der Nachweis geführt werden, indem die Momente der stabilisierenden und destabilisie-
renden Bemessungsgrößen der Einwirkungen, bezogen auf eine fiktive Kippkante am Funda-
mentrand, verglichen werden. Es muss die folgende Ungleichung eingehalten werden:
γ G ,dst ⋅ M G ,dst ,k + γ Q,dst ⋅ M Q,dst ,k ≤ γ G , stb ⋅ M G ,stb,k (2.18)

mit:

19
DIN EN 1997-1:2009-09, 6.5.1
20
DIN EN 1997-1:2009-09, 6.5.2.1 1(P)
21
DIN EN 1997-1:2009-09, 6.5.3 (2)P
22
DIN 1054:2010-10, 6.5.4 A (3)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 31

γ G,dst - Teilsicherheitsbeiwert für ständige destabilisierende Einwirkungen


γ Q,dst - Teilsicherheitsbeiwert für veränderliche destabilisierende Einwirkungen

γ G,stb - Teilsicherheitsbeiwert für ständige stabilisierende Einwirkungen


In Bild 2-7 ist das Verfahren beispielhaft für eine Windenergieanlage und eine Stützmauer
dargestellt. Zu beachten ist, dass stabilisierend wirkende, veränderliche Einwirkungen nicht
angesetzt werden dürfen. Für das stark vereinfachte Beispiel der Windenergieanlage berechnen
sich die stabilisierenden und destabilisierenden Momente wie folgt:
M G , stb,k = Fgh,k ⋅ aFv
M Q,dst ,k = Fqh,k ⋅ aFh

Bild 2-7 Beispiele für die Bildung des Momentengleichgewichts um eine fiktive Kippkante zum
Nachweis der Sicherheit gegen Kippen

Bei einer ausreichend tiefen Einbindung eines Fundaments darf zum Nachweis der Kippsicher-
heit ein Kräftepaar aus beidseitigen Bodenreaktionen als stabilisierende Einwirkungen ange-
setzt werden (vgl. Bild 2-8). Diese sind auf maximal 25 % des passiven Erddrucks zu begren-
zen:23
E p,mob ≤ 0, 25 ⋅ E p,k

E p,mob - mobilisierter Anteil des Erdwiderstands

23
DIN 1054:2010-12, 6.5.4 A (4)
32 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

E p,k - charakteristischer Erdwiderstand

Zusätzlich können ggf. die Exzentrizität der Sohlreaktionskraft und Wandreibungskräfte ange-
setzt werden.

Bild 2-8 Aufnahme einer stark exzentrischen Beanspruchung durch ein Kräftepaar aus mobili-
siertem Erdwiderstand, aus [5]

2.1.11 Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit


Die Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit werden allgemein mit den charak-
teristischen Werten der Beanspruchungen geführt, d. h. Ek = Ed. Als Nachweis werden berech-
nete Verformungen Ed mit zulässigen Verformungen Cd verglichen. Der Nachweis ist erfüllt,
wenn die folgende Ungleichung eingehalten wird:
Ed ≤ Cd (2.19)

2.1.11.1 Begrenzung einer klaffenden Fuge


Der Nachweis der zulässigen Ausmittigkeit wurde nach DIN 1054:2005-01 im Grenzzustand
der Tragfähigkeit ersatzweise für den Kippnachweis geführt. Nach der neuen
DIN 1054:2010-12 wird dieser Nachweis nun als Nachweis der Fundamentverdrehung und
Begrenzung einer klaffenden Fuge im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit geführt.
Die charakteristischen ständigen Beanspruchungen dürfen demnach keine klaffende Fuge in
der Fundamentsohle verursachen. Diese Bedingung ist erfüllt, wenn die Sohldruckresultierende
innerhalb der 1. Kernweite liegt.24
Weiterhin ist die Ausmittigkeit der Sohldruckresultierenden unter ständigen und veränderli-
chen Einwirkungen so zu begrenzen, dass die Gründungssohle noch bis zum Schwerpunkt der
Gründungsfläche überdrückt bleibt. Dies ist gegeben, wenn die Sohldruckresultierende inner-

24
DIN 1054:2010-12, A 6.6.5 A (2)
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 33

halb der 2. Kernweite liegt.25 Für ein Rechteckfundament ist die 2. Kernweite durch eine Ellip-
se definiert:
2 2
§ xe · § ye · 1
¨ ¸ +¨ ¸ = (2.20)
b
© L¹ © B¹b 9
Weitere geometrische Angaben zu den Kernweiten können Bild 2-9 und 2-10 entnommen
werden.

Y
eL

resultierende char. 1. Kernweite


Beanspruchung
eB

bB
X

bB/6 bB/6
2. Kernweite

bL/6 bL/6
Y

bL

Bild 2-9 Grundriss eines rechteckigen Fundaments mit 1. und 2. Kernweite,


in Anlehnung an [5]

resultierende char.
Beanspruchung

2. Kernweite

0,59 r
0,25 r

1. Kernweite

Bild 2-10 Grundriss eines kreisförmigen Fundaments mit 1. und 2. Kernweite

25
DIN 1054:2010-12, A 6.6.5 A (3)
34 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.1.11.2 Nachweis der Fundamentverdrehung


Die Fundamentverdrehung durch Setzungsunterschiede ist auf ein bauwerksverträgliches Maß
zu begrenzen. Bei Einhaltung der zulässigen Ausmittigkeiten kann bei Einzel- und Streifenfun-
damenten auf eine Berechnung der Verdrehungen dann verzichtet werden, wenn der Boden
mindestens mitteldicht gelagert bzw. von steifer Konsistenz ist.26
Liegen Hinweise vor, dass ungleiche Setzungen, beispielsweise durch geneigte Baugrund-
schichtungen, auftreten können, sind die Verdrehungen zu berechnen und auf ein verträgliches
Maß zu begrenzen.

2.1.11.3 Nachweis der Verschiebungen in der Sohlfläche


Es ist nachzuweisen, dass infolge der charakteristischen ständigen und veränderlichen Einwir-
kungen keine unzuträglichen Verschiebungen des Fundaments in der Sohlfläche auftreten.
Dieser Nachweis darf als erfüllt angesehen werden, wenn für den Gleitsicherheitsnachweis
keine Bodenreaktion angesetzt wurde. Bei mindestens mitteldicht gelagerten, nichtbindigen
Böden oder mindestens steifen bindigen Böden darf beim Ansatz einer Bodenreaktion in den
folgenden Grenzen der Nachweis der Verschiebungen in der Sohlfläche ebenfalls als erbracht
angesehen werden, wenn gilt:
H d ≤ 2 ⋅ Rd + 1 ⋅ R p , d (2.21)
3 3

2.1.11.4 Nachweis der Verformungsgrößen


Sind Nachweise für die Sohlverschiebung und Verdrehung zu führen, sind die verträglichen
Grenzwerte individuell für jedes Bauwerk festzulegen. Die Setzungsberechnung sollte nach
DIN 4019 [9] erfolgen. Grenzwerte für Verformungsgrößen werden z. B. im informativen
Anhang H der DIN EN 1997-1:2009-09 mitgeteilt.

2.1.12 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen


Auch in der Neufassung der DIN 1054 wurde die Möglichkeit einer vereinfachten Nachweis-
führung in einfachen Fällen bei Einzel- und Streifenfundamenten beibehalten. Mit den Tabel-
lenwerten werden die Tragfähigkeitsnachweise für das Gleiten und den Grundbruch sowie der
Gebrauchstauglichkeitsnachweis für die Setzungen geführt.

2.1.12.1 Voraussetzungen zur Anwendung des vereinfachten Nachweises


Die Verwendung des vereinfachten Nachweises mit Tabellenwerten ist an eine Vielzahl von
Bedingungen geknüpft, die alle eingehalten werden müssen:27
• waagerechte Gründungssohle
• annähernd waagerechter Gelände- und Schichtverlauf
• Ausreichende Festigkeit des Baugrunds bis in eine Tiefe von mindestens zweimal der
Breite und von mindestens 2 m unter der Gründungssohle

26
DIN 1054:2010-12, A 6.6.5 A (4)
27
DIN 1054:2010-12, A 6.10.1
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 35

• keine dynamische Beanspruchung, in bindigen Böden kein Aufbau von Porenwasser-


überdruck
• Begrenzung der Neigung der charakteristischen Beanspruchung in der Sohlfläche:
Hk
tan δ = ≤ 0, 2
Vk
• Einhaltung der Kernweiten (Begrenzung der klaffenden Fuge)
• Kein Gleichgewichtsverlust durch Kippen
Der Nachweis zur Begrenzung der klaffenden Fuge muss immer geführt werden (vorlaufend
zur Verwendung der Tabellenwerte); ggf. gilt dies auch für den Nachweis gegen Kippen, wenn
stark exzentrische Belastungen vorliegen.

2.1.12.2 Verwendung der Tabellenwerte zum vereinfachten Nachweis von Flach-


gründungen
Ist die Verwendung der Tabellenwerte nach den in Abschnitt 2.1.12.1 aufgestellten Bedingun-
gen prinzipiell möglich, sind weitere von der Bodenart abhängige Bedingungen einzuhalten.
Für nichtbindige Bodenarten muss eine der drei Bedingungen in Tabelle 2.4 erfüllt sein. Sollen
Gründungen auf bindigen Boden nachgewiesen werden, muss dieser mindestens eine steife
Konsistenz (Ic • 0,75) bzw. mindestens eine einaxiale Druckfestigkeit von qu,k • 120 kN/m²
aufweisen. Bei nichtbindigen Böden geht als weiteres Kriterium für die Verwendbarkeit der
Grundwasserstand ein. Bei bindigem Boden ist die Verwendung der Tabellenwerte nicht zuläs-
sig, wenn diese zum Kollaps neigen oder die Fundamentbreite größer als 5 m ist.
Tabelle 2.4 Voraussetzungen für die Anwendung der Tabellenwerte bei nichtbindigen Böden,
in Anlehnung an [5] Tabelle A 6.3

Ungleich- mittlere Lage- mittlerer Verdich- mittlerer Spit-


Bodengruppe förmigkeitszahl rungsdichte nach tungsgrad nach zenwiderstand
nach DIN nach DIN 18196 DIN 18126 DIN 18127 der Drucksonde
18196
U D DPr qc [MN/m²]
SE, GE, SU, GU,
”3 • 0,30 • 95 % • 7,5
ST, GT

SE, SW, SI, GE,


>3 • 0,45 • 98 % • 7,5
GW, GT, SU, GU

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, darf die Gründung mit den Tabellenwerten aus den Tabellen
A 6.1 und A 6.2 der DIN 1054:2010-12 für nichtbindige Böden und mit den Werten der Tabel-
len A 6.5 bis A 6.8 für bindige Böden nachgewiesen werden. In Abhängigkeit der Belastung,
Geometrie und Bodeneigenschaften sind die Tabellenwerte im Einzelfall noch abzumindern
oder zu beaufschlagen (vgl. Bild 2-10 und 2-11).

2.1.12.3 Führung des vereinfachten Nachweises


Ist der Bemessungswert des Sohlwiderstands σR,d nach Abschnitt 2.1.12.2 ermittelt worden, so
ist der Nachweis durch Einhaltung der folgenden Ungleichung erfüllt:
36 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

σ E , d ≤ σ R, d (2.22)
Der Bemessungswert der Sohldruckbeanspruchung ߪாǡௗ ergibt sich, indem der Bemessungs-
wert der sohlflächennormalen Beanspruchung ܸௗ durch die um das Zweifache der Ausmitte e
reduzierte Fundamentfläche A‘ geteilt wird.
Vd
σ E ,d = (2.23)
A′
mit:
A′ = ( bL − 2 ⋅ eL ) ⋅ ( bB − 2 ⋅ eB ) (2.24)
Die in den Tabellen angegebenen Bemessungswerte der Sohlwiderstände wurden für die Be-
messungssituation BS-P abgeleitet. Auf der sicheren Seite liegend können diese auch für die
Bemessungssituation BS-T angewendet werden.

waagerechte Fundamentsohle

Gelände- und Schichtverlauf


Nein
annähernd waggerecht

Ja

ausreichende Baugrundtrag-
Nein
fähigkeit

Ja

Keine dynamische Nachweis mit Tabellenwerten


Nein
Beanspruchung nicht möglich

Ja

H/V ч 0,2 Nein

Ja

Nachweis Kipp-
sicherheit und Begrenzung der Nein
klaffenden Fuge erfüllt

Ja

Reduzierung der Abmessungen


Exentrität Ja
A‘ = b‘L * b‘B =(bL *- 2 *eB) * (b’B -2 * eB)

Nein

Bild 2-11 Struktogramm zur vereinfachten Bemessung von Flachgründungen mit Tabellenwer-
ten nach DIN 1054:2010-12, Prüfung der Voraussetzungen, Fortsetzung siehe Bild 2-12
2.1 Grundlagen zur Bemessung von Flächengründungen 37

Bild 2-12 Struktogramm zur vereinfachten Bemessung von Flachgründungen mit Tabellenwer-
ten nach DIN 1054:2010-12, Ermittlung des Bemessungswerts des Sohlwiderstands in nicht-
bindigen und bindigen Boden
338 2 Berechnnung von Fläch
hengründungeen nach EC 7--1, Abschnitt 6

2
2.2 Nachw
weis eines
s Stützenffundamentts

2
2.2.1 Proje
ektvorstellu
ung, Boden
nkenngrößen und Grü
ündungslassten
IIm folgenden Abschnitt solll ein Einzelfuundament einees Hallenrahm
mens entsprechhend der Regee-
lungen des Haandbuchs EC 7-1 für die B Bemessungssituation BS-P nachgewiesenn werden. Als
BBaugrund stehht ein enggestufter, mittelddicht gelagertter Sand mit einem
e Reibunngswinkel von n
ϕk‘ = 35° an. Der Grundwasserspiegel ssteht 0,8 m un nter der Gelän
ndeoberkante auf Höhe deer
FFundamentsohhle an. Das Fundament
F sooll in Ortbeto
onbauweise hergestellt
h weerden. Weitere
AAngaben zur Geometrie un nd zu den B Bodenkennwerrten können dem d Bild 2-1 3 entnommen n
wwerden.

B
Bild 2-13 Bod
denkenngröße
en und Geome
etrie des Einze
elfundaments

DDie Gründunggslasten sind entsprechend den Vorgabeen aus der Traagwerksplanun


ung zu berück
k-
ssichtigen und sollen im Beisspiel mit folgeenden Werten
n angenommen
n werden:
• Eigengew wicht der aufgeehenden Konsstruktion
Fgv,k = 1000 kN
• Einwirkunngen aus Schn
neelast:
Fqv,s,k = 400 kN
• Einwirkunngen aus Windlast:
Fqv,w,k = -116,5 kN (Wind
dsog)
Fqh,w,k = 20 kN
Mq,w,k = 10,5
1 kNm
DDie veränderliichen Einwirkkungen aus W Windlast und Schneelast
S sind unabhängigg, d.h. sie kön
n-
nnen einzeln odder gleichzeitiig auftreten. D
Da nicht offen
nsichtlich ist, welche Einwiirkungskombii-
nnation zur unggünstigsten Bemessungssituuation führt, sind
s mehrere Kombinationeen zu untersu u-
cchen:
• Kombinaation I: Ständ
dige Lasten, W
Windlast und Schneelast
S
• Kombinaation II: Ständ
dige Lasten unnd Windlast
• Kombinaation III: Ständ
dige Lasten unnd Schneelastt
2.2 Nachweis eines Stützenfundaments 39

Im Weiteren wird das Beispiel anhand der Kombination I veranschaulicht. Die Ergebnisse für
die beiden anderen Kombinationen werden nur zusammenfassend widergegeben.

2.2.2 Charakteristische Einwirkungen und Beanspruchungen


Neben den Gründungslasten sind die geotechnischen Einwirkungen zu berücksichtigen. Das
Eigengewicht der Gründung ergibt sich aus dem Volumen und der Wichte des Betons zu:
GF ,k = a ⋅ b ⋅ γ B = 1,0 m ⋅1,0 m ⋅ 0,8m ⋅ 25,0 kN/m³
GF ,k = 20,0 kN

Bild 2-14 Bodenkenngrößen und Geometrie des Einzelfundaments

Als weitere geotechnische Einwirkung ist der aktive Erddruck an der rechten Seite des Funda-
ments zu berücksichtigen (vgl. Bild 2-14). Mit dem Ansatz eines Erddruckneigungswinkels įa
= Ҁ ij‘ ergibt sich ein Erddruckbeiwert von Kagh = 0,22. Die resultierenden Einwirkungen in
horizontaler und vertikaler Richtung betragen:
40 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2
γ · a · d 2 · K agh 19 kN m³·1, 0 m ·( 0,8 m ) · 0, 22
Eagh,k = =
2 2
Eagh,k =1,3 kN

Eagv,k = tanδ a · Eagh,k = 0, 431 ·1,3 kN

Eagv,k = 0, 6 kN

An der Stirnseite soll die Bodenreaktion Bk als günstig wirkende Einwirkung bei der Berech-
nung der Lastneigung angesetzt werden. Die Bodenreaktion darf höchstens so groß angesetzt
werden wie die horizontalen Einwirkungen und ist auf 50 % des Erdwiderstands zu begrenzen:

{
Bk = min H k ; 0,5 · R p,k } (2.25)

Der Erddruckbeiwert ist mit einem Erddruckneigungswinkel von įp = 0° zu berechnen und


beträgt für den gegebenen Reibungswinkel Kpgh = 3,69. Der Erdwiderstand und die maximal
anzusetzende Bodenreaktion ergeben sich wie folgt:
2
γ · a · d 2 ·K pgh 19 kN m3·1, 0 m ·( 0,8 m ) · 3, 69
R p,k = =
2 2
R p,k = 22, 4 kN

Bk = min { 20 kN + 1,3 kN; 0,5·22, 4 kN} = 11, 2 kN


Aus den Einwirkungen können anschließend die Beanspruchungen in der Sohlfläche ermittelt
werden. Für die Kombination I ergeben sich folgende sohlflächennormale Beanspruchungen:
VG,k = Fgv,k + GF ,k + Eagv,k =100 kN + 20 kN + 0, 6 kN =120,6 kN

VQ,k = Fqv, s,k + Fqv, w,k = 40 kN –16,5 kN = 23,5 kN

Vk =VG,k + VQ,k =120, 6 kN + 23,5 kN = 144,1kN

Analog dazu können auch die sohlflächennormalen Beanspruchungen ermittelt werden:


H G ,k = Eagh,k = 1,3kN

H Q,k = Fqh, w,k = 20 kN

H k = H G ,k + H Q,k = 1,3 kN + 20 kN

Für den Grundbruchnachweis sowie den Nachweis zur Begrenzung der klaffenden Fuge muss
weiterhin die Ausmittigkeit ermittelt werden. Dazu wird das Momentengleichgewicht um den
Mittelpunkt der Sohlfuge gebildet:
¦ M G ,k 0 kNm
eG = = = 0, 00 m
¦ VG ,k 120, 6 kN
Aus ständigen und veränderlichen Einwirkungen unter Berücksichtigung der Bodenreaktion Bk
sind die Kräfte und Hebelarme entsprechend Bild 2-15 anzusetzen. Die Ausmittigkeit beträgt:
2.2 Nachweis eines Stützenfundaments 41

¦ Mk
e= =
¦ Vk
1 1 1
⋅0,8 m ⋅1,3 kN − ⋅1, 0 m ⋅0, 6 kN + 10,5 kNm + 0,8 m ⋅20 kN − ⋅0,8 m ⋅11, 2 kN
= 3 2 3
120, 6 kN + 40 kN − 16,5 kN
e = 0,16 m

Bild 2-15 Hebelarme zur Ermittlung der Ausmittigkeit

Die Lastneigung zur Berechnung des Grundbruchwiderstands wird ebenfalls unter Berücksich-
tigung der Bodenreaktion ermittelt und beträgt:
H k − Bk 21,3 kN − 11, 2 kN
tan δ = = = 0, 07
Vk 144,1kN

2.2.3 Bemessungswerte der Beanspruchungen


Aus den charakteristischen Beanspruchungen können nun nach den Gleichungen 2.2 und 2.3
die Bemessungswerte der Beanspruchungen ermittelt werden. Beim Bemessungswerte der
sohlflächennormalen Beanspruchungen für den Grundbruchnachweis ist zu beachten, dass der
Windsog sich günstig auswirkt:
Vd = 1,35 ⋅120, 6 kN + 0 ⋅ ( −16,5 kN ) + 1,50 ⋅ 40 kN = 222,8 kN
mit:
γ G = 1,35 - Beanspruchungen aus ständigen Einwirkungen
γ Q = 1,50 - Beanspruchungen aus ungünstigen veränderlichen Einwirkungen
γQ = 0 - Beanspruchungen aus günstigen veränderlichen Einwirkungen

In der sohlflächenparallelen Richtung wird der Bemessungswert für den Gleitsicherheitsnach-


weis analog ermittelt:
H d =1,35 ⋅1,3 kN +1,50 ⋅ 20 kN = 31,8kN
442 2 Berechnnung von Fläch
hengründungeen nach EC 7--1, Abschnitt 6

2
2.2.4 Chara
akteristische Widersttände

2
2.2.4.1 Bere
echnung des Grundbruch
hwiderstands
s
RRechnerische Breite
B
IIm Abschnitt 2.1.8.1 ist die Gleichung 2.6 für den charakteristisc
c chen Grundbruuchwiderstand d
ggegeben. Für das gegebenee Beispiel ist aufgrund derr ausmittigen Belastung diee rechnerische
BBreite b‘ zu berechnen. In n Längsrichtuung greifen keine
k zusätzlicchen Horizonntallasten odeer
MMomente an, sodass
s gilt a = a‘.
b‘ = b – 2 ⋅ eb (2.26
6)
b‘ =1, 000 m – 2 ⋅ 0,16 m = 0, 68 m

B
Bild 2-16 Gruundbruch unte
er ausmittig be
elasteten Fund
damenten bei einheitlicher Schichtung im
m
B
Bereich des Grundbruchkör
G pers, aus[7]

GGrundwerte deer Tragfähigkkeitsbeiwerte


DDie Grundwerrte der Tragffähigkeitsbeiwwerte ergeben sich in Abhäängigkeit dess charakteristii-
sschen Reibunggswinkels ij‘k zu:
Nb0 = ( N d 0 − 1 ) ⋅ taan ϕ ' (2.27
7)

Nb0 = ( 33,3 − 1 ) ⋅ taan 35° = 22, 6

§ ϕ ' · π ⋅ tan ϕ '


N d 0 = tan ² ¨ 45° + ⋅e (2.28)
© 2 ¸¹

§ 3 ° · π ⋅ tan 355°
35
N d 0 = tan ² ¨ 45° + ⋅e = 33,3
© 2 ¸¹
Nd 0 − 1
Nc0 = (2.29
9)
tan ϕ '
33,3 −1
Nc0 = = 46,1
tan 35°
2.2 Nachweis eines Stützenfundaments 43

Sohl- und Geländeneigungsbeiwerte


Die Gründungssohle und Geländeoberfläche sind im gegebenen Beispiel waagerecht d.h.
Į = ȕ = 0°. Durch Einsetzen der Winkel in die Gleichungen ergeben sich die Beiwerte zu eins:
ξb = ξ d = ξc = e−0,045 ⋅α ⋅ tan ϕ ' = 1 (2.30)

λb = (1 - 0,5 ⋅ tan β )6 =1 (2.31)

λd = (1 − tan β )1,9 =1 (2.32)

N d 0 ⋅ e−0,349 ⋅ β ⋅ tan ϕ ' − 1


λc = =1 (2.33)
Nd 0 − 1

Formbeiwerte
Die Formbeiwerte für das rechteckige Fundament ergeben sich in Abhängigkeit der reduzierten
Fundamentbreiten und des Reibungswinkels nach DIN 4017 zu:
b′
vb = 1 − 0,3 = 1 − 0,3 ⋅0, 68 = 0, 796 (2.34)
a′
b′
vd = 1 + ⋅ sin ϕ = 1 + 0, 68 ⋅0,574 = 1,390 (2.35)
a′
v ⋅ N − 1 1,390 ⋅33,3 − 1
vc = d d 0 = = 1, 402 (2.36)
Nd 0 −1 33,3 − 1

Lastneigungsbeiwerte
Die Lastneigungsbeiwerte ergeben sich zu:
ib = (1 − tan δ )m +1 (2.37)

id = (1 − tan δ )m (2.38)
i ⋅ Nd 0 − 1
ic = d (2.39)
Nd 0 − 1
mit:
m = ma ⋅ cos ²ω + mb ⋅ sin ²ω (2.40)
a' b'
2+ 2+
ma = b ' mb = a'
a' b'
1+ 1+
b' a'
Der Winkel ߱ beschreibt die Neigung der sohlflächenparallelen Beanspruchung zur länge-
ren Fundamentseite. Da im vorliegenden Beispiel die Horizontalkräfte nur in eine Rich-
tung (in Richtung b) wirken, beträgt der Winkel ߱ = 90°. Die Zahlenwerte können nun
eingesetzt werden:
44 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

1, 00 0, 68
2+ 2+
0, 68 1, 00
ma = = 1, 404 mb = = 1, 595
1, 00 0, 68
1+ 1+
0, 68 1, 00

m = 1, 404 ⋅02 + 1,595 ⋅12 = 1,595

ib = (1 − 0, 07)1,595+1 = 0,828

id = (1 − 0, 07 )1,595 = 0,891
0,891⋅33,3 − 1
ic = = 0,888
33,3 − 1

charakteristischer Grundbruchwiderstand
Nachdem alle Beiwerte berechnet wurden, kann nun der charakteristische Grundbruchwider-
stand nach Gleichung 2.6 ermittelt werden:
Nb = 22, 6 ⋅0, 796 ⋅0,828 ⋅1⋅1 = 14,9
N d = 33,3⋅1,390 ⋅0,891⋅1⋅1 = 41, 2
Nc = 46,1⋅1, 402 ⋅0,888 ⋅1⋅1 = 53, 4

 
ܴ௡ǡ௞ ൌ ͳǡͲͲ ή Ͳǡ͸ͺ݉ ή  ሺͳͲǡͷ ଷ
 ή Ͳǡ͸ͺ ή ͳͶǡͻͲ ൅ ͳͻǡͲͲ ଷ  ή ͲǡͺͲ ή ͶͳǡʹͲ
 

൅ Ͳ  ή ͷ͹ǡͶͲሻ ൌ ͶͻͺǡͶ
ଶ

2.2.4.2 Berechnung des Gleitwiderstandes in der Sohlfuge


Für die gegebenen Baugrundverhältnisse und die Fundamentgeometrie wird der Gleitwider-
stand in der Sohlfuge im Endzustand nach Gleichung 2.8 maßgebend. Der Sohlreibungswinkel
beträgt ߜௌǡ௞ ൌ ߮Ԣ௞ ൑ ͵ͷι ൌ ͵ͷι. Die wirkende sohlflächennormale Beanspruchung V‘k enthält
alle ständigen Beanspruchungen und ungünstig wirkende veränderliche Beanspruchungen. Die
Schneelast wirkt in diesem Fall günstig, da gilt tan δ = 0 < 0,70 = tan δS,k. Es folgt:
V ’k = Fgv,k + GF ,k + Eagv,k + Fqv, w,k =100 kN + 20 kN + 0, 6 kN −16,5 kN = 104,1kN

Rk = 104,1kN ⋅ tan 35°= 72,9 kN

2.2.5 Bemessungswerte der Widerstände


Die Bemessungswerte für den Grundbruch- und Gleitwiderstand werden nach Gleichung 2.10
und 2.12 mit den Teilsicherheitsbeiwerten für die Bemessungssituation BS-P aus Tabelle 2.2
berechnet.
2.2 Nachweis eines Stützenfundaments 45

Bemessungswert des Grundbruchwiderstands:


498, 4 kN
Rd = = 356, 0 kN
1, 40
Bemessungswert des Gleitwiderstands:
72,9 kN
Rd = = 66,3 kN
1,1

2.2.6 Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit

2.2.6.1 Nachweis der Grundbruchsicherheit (GEO-2)


Um ein Versagen durch Grundbruch mit ausreichender Sicherheit auszuschließen, ist zu zei-
gen, dass die Ungleichung 2.16 für jede Beanspruchungskombination eingehalten wird. Für die
Kombination I ergeben sich folgende Werte:
Vd = 222,8 kN ≤ 356, 0 kN = Rd
222,8 kN
μ= = 0, 63
356, 0 kN
In der Tabelle 2.5 sind die Bemessungswerte der Beanspruchungen und Widerstände sowie der
Ausnutzungsgrad für die verschiedenen Kombinationen (vgl. Abschnitt 2.2.1) gegenüberge-
stellt.

Tabelle 2.5 Vergleich der Bemessungswerte der Beanspruchungen und Widerstände für un-
terschiedliche Lastkombinationen

Rd [kN] Vd [kN] ȝ
Kombination I 356,0 222,8 0,63

Kombination II 247,7 162,8 0,66

Kombination III 687,6 222,0 0,32

In der Lastkombination II ergibt sich der geringste Grundbruchwiderstand. Durch die starke
Ausmittigkeit und Lastneigung werden die Tragfähigkeitsbeiwerte verringert. Die verringerte
Fundamentfläche, die sich ebenfalls aus der Ausmittigkeit ergibt, führt zu einer weiteren Ver-
ringerung des Grundbruchwiderstands. In der Lastkombination III wird der größte Widerstand
berechnet. Durch die sohlflächennormalen Beanspruchungen ergeben sich hohe Tragfähig-
keitsbeiwerte und es kann die volle Fundamentfläche zum Lastabtrag angesetzt werden. Im
vorliegenden Beispiel wird die Kombination II maßgebend.

2.2.6.2 Nachweis der Gleitsicherheit (GEO-2)


Zum Nachweis der Gleitsicherheit darf neben dem Gleitwiderstand in der Sohlfuge auch der
Erdwiderstand an der Stirnseite angesetzt werden, wenn dessen Vorhandensein dauerhaft ge-
46 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

währleistet ist. Der passive Erdwiderstand sollte, wie beim Ansatz der Bodenreaktion, ebenfalls
mit einem Erddruckneigungswinkel von įp = 0 berechnet werden:
22, 2 kN
H d = 31,8 kN ≤ 66,3 kN + = Rd + R p,d
1, 4
31,8 kN
μ= = 0,39
82, 2 kN

2.2.6.3 Nachweis der Kippsicherheit (EQU)


Zum Nachweis der Kippsicherheit wird eine fiktive Kippkante am linken Fundamentrand be-
trachtet, für welche die stabilisierenden und destabilisierenden Momente der Bemessungswerte
der Einwirkungen für den Grenzzustand EQU verglichen werden.
• Stabilisierende Momente:
b b
M G , stb,d = γ G, stb ⋅ Fgv,k ⋅ + γ G , stb ⋅ GF ,k ⋅
2 2
M G , stb,d = 0,90 ⋅100 kN ⋅ 0,50 m + 0,90 ⋅ 20 kN ⋅ 0,50 m = 54 kNm
• Destabilisierende Momente aus veränderlichen Einwirkungen:
b
M Q,dst ,d = γ Q ⋅ Fqv, w,k ⋅ + γ Q ⋅ Fqh, w,k ⋅d + γ Q ⋅ M q, w,k
2
M Q,dst ,d =1,50 ⋅16,5 kN ⋅ 0,50 m +1,50 ⋅ 20 kN ⋅ 0,80 m +1,50 ⋅10,5 kNm = 52, 2 kNm

• Nachweis der Kippsicherheit:


52, 2 kNm ≤ 54, 0 kNm
μ = 0,96

2.2.7 Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit

2.2.7.1 Fundamentverdrehung und Begrenzung der klaffenden Fuge


Die Ausmitte aus den Beanspruchungen infolge ständiger Einwirkungen muss innerhalb der 1.
Kernweite und die Ausmitte aus den Beanspruchungen infolge ständiger und veränderlicher
Einwirkungen muss innerhalb der 2. Kernweite liegen:
b
eG = 0, 00 m ≤ 0,17 m =
6
b
e = 0,16 m ≤ 0,33 m =
3
Bei Einhaltung der zulässigen Ausmittigkeiten kann bei Einzel- und Streifenfundamenten auf
eine Berechnung der Verdrehungen verzichtet werden, da der Boden mindestens mitteldicht
gelagert ist (DPr = 0,96) und keine weiteren Hinweise vorliegen, dass Verdrehungen auftreten
können.
2.3 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen 47

2.2.7.2 Setzungen und Verschiebungen in der Sohlfuge


Auf eine Berechnung der Setzungen soll an dieser Stelle verzichtet werden. Wenn die Berech-
nung von Setzungen erforderlich ist, sind diese nach DIN 4019 durchzuführen. Weiterhin kann
auf einen Nachweis der Sohlverschiebung verzichtet werden, wenn der Gleitsicherheitsnach-
weis ohne Ansatz des Erdwiderstands erbracht werden kann:
‫ܪ‬ௗ  ൑  ܴௗ 
͵ʹǡͺ ൑ ͸͸ǡ͵ 

2.3 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen

2.3.1 Prüfung der Voraussetzungen


In diesem Abschnitt soll das Beispiel aus Abschnitt 2.2 mithilfe des vereinfachten Nachweis-
verfahrens nach DIN 1054:2010-12 Abschnitt A 6.10 bemessen werden. Die Nachweisführung
ist an eine Vielzahl von Bedingungen geknüpft (vgl. Abschnitt 2.1.12.1). Auch für den verein-
fachten Nachweis mit Tabellenwerten ist eine Unterscheidung der möglichen Lastkombinatio-
nen erforderlich. Als erstes sollen die Voraussetzungen zur Anwendung des Verfahrens geprüft
werden:
• waagerechte Gründungssohle ‫ݲ‬
• annähernd waagerechter Gelände- und Schichtverlauf ‫ݲ‬
• ausreichende Festigkeit des Baugrunds bis in eine Tiefe von mindestens zweimal der
Breite und von mindestens 2 m unter Gründungssohle (vgl. Tabelle 2.4):
DPr = 96 %. ‫ݲ‬
• keine dynamische Beanspruchung ‫ݲ‬
• Begrenzung der Neigung der charakteristischen Beanspruchung in der Sohlfläche:
ு ଶ଴௞ே
–ƒ ߜ ൌ  ೖ ൌ  ൌ Ͳǡͳͻ ൑ Ͳǡʹ ‫ݲ‬
௏ೖ ଵ଴଴௞ேାଶ଴௞ேିଵ଺ǡହ௞ே
• Einhaltung der Kernweiten (Begrenzung der klaffenden Fuge) ‫( ݲ‬vgl. Abschnitt
2.2.7.1)
• kein Gleichgewichtsverlust durch Kippen ‫( ݲ‬vgl. Abschnitt 2.2.6.3)

2.3.2 Einwirkungen und Beanspruchungen


In Tabelle 2.6 sind die Beanspruchungen in der Sohlfuge für die unterschiedlichen Lastkombi-
nationen zusammengestellt. Auf die Berücksichtigung der günstig wirkenden Bodenreaktion Bk
an der Stirnseite des Fundamentes wurde verzichtet.
48 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

Tabelle 2.6 Beanspruchungen in der Sohlfuge für den vereinfachten Nachweis

ständige Last Kombination I Kombination II Kombination III


Hk [kN] 0,0 20,0 20,0 0,0

Vk [kN] 120,0 143,5 103,5 160,0

Vd [kN] 162,0 222,0 162,0 222,0

eb [m] 0,00 0,18 0,26 0,00

b‘ [m] 1,00 0,63 0,49 1,00


ıE,d [kN/m²] 162,0 352,0 332,0 222,0

2.3.3 Bemessungswert des Sohlwiderstands


Da als aufgehende Konstruktion Betonfertigteile vorgesehen sind und Zwängungen vermieden
werden sollen, wird eine Begrenzung der Setzungen auf ca. 1 cm bis 2 cm gefordert. Dement-
sprechend ist der Bemessungswert des Sohlwiderstands auf der Grundlage einer ausreichenden
Grundbruchsicherheit und einer Begrenzung der Setzungen (DIN 1054:2010-12 Tabelle A 6.2;
hier Tabelle 2.8) zu verwenden.

Tabelle 2.7 Bemessungswerte ıR,d des Sohlwiderstands für Streifenfundamente auf nichtbindi-
gem Boden auf der Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsicherheit, in Anlehnung an [5]

Kleinste Einbin- Bemessungswerte des Sohlwiderstands


detiefe des kN/m²
Fundaments b bzw. b‘
m 0,50 m 1,00 m 1,50 m 2,00 m 2,50 m 3,00 m
0,50 280 420 560 700 700 700
1,00 380 520 660 800 800 800
1,50 480 620 760 900 900 900
2,00 560 700 840 980 980 980
Bauwerke mit
0,30 m ” d ” 0,50 m
210
und
b bzw. b‘ • 0,30 m
2.3 Vereinfachter Nachweis in Regelfällen 49

Tabelle 2.8 Bemessungswerte ıR,d des Sohlwiderstands für Streifenfundamente auf nichtbindi-
gem Boden auf der Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsicherheit und einer Begren-
zung der Setzungen, in Anlehnung an [5]

Kleinste Einbin- Bemessungswerte des Sohlwiderstands


detiefe des kN/m²
Fundaments b bzw. b‘
m 0,50 m 1,00 m 1,50 m 2,00 m 2,50 m 3,00 m
0,50 280 420 460 390 350 310
1,00 380 520 500 430 380 340
1,50 480 620 550 480 410 360
2,00 560 700 590 500 430 390
Bauwerke mit
0,30 m ” d < 0,50 m
210
und
b bzw. b‘ • 0,30 m

Durch Interpolation der Werte der Tabelle 2.8 ergeben sich für die unterschiedlichen Lastkom-
binationen die in der ersten Zeile in Tabelle 2.9 angegebenen Bemessungswerte des Sohlwider-
stands. Dieser gilt für den Fall, das der Abstand zwischen Grundwasserspiegel und Gründungs-
sohle mindestens so groß ist, wie die Fundamentbreite b bzw. b‘. Im vorliegenden Beispiel
steht das Grundwasser in Höhe der Fundamentsohle an. Deshalb ist eine Reduktion nach
DIN 1054:2010-12 Abschnitt A 6.10.2.3 erforderlich. Als neuer Bemessungswert ergibt sich
der Kleinstwert aus dem Bemessungswert auf Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsi-
cherheit und einer Begrenzung der Setzungen (Tabelle 2.8) und dem interpolierten, um 40 %
abgeminderten Werten auf Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsicherheit (Tabelle 2.7).
Die Ergebnisse sind in Tabelle 2.8 zusammengefasst. Im vorliegenden Beispiel werden die
abgeminderten Werten auf Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsicherheit maßgebend.

Tabelle 2.9 Bemessungswerte des Sohlwiderstands auf Grundlage einer ausreichenden


Grundbruchsicherheit und einer Begrenzung der Setzungen und auf Grundlage einer ausrei-
chenden Grundbruchsicherheit unter Berücksichtigung von Grundwasser für das gegebene
Beispiel

ständige Last Kombination I Kombination II Kombination III


ıR,d [kN/m²], interpoliert
480,0 376,6 333,2 480,0
aus Tabelle 2.8
ıR,d [kN/m²], interpoliert
480,0 376,6 333,2 480,0
aus Tabelle 2.7
0,6 · ıR,d [kN/m²], interpo-
288,0 226,0 199,9 288,0
liert aus Tabelle 2.7
Kleinstwert ıR,d [kN]
288,0 226,0 199,9 288,0
aus Zeile 1 und 3
50 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

Bei Fundamenten mit horizontaler Belastung sind nach DIN 1054:2010-12 Abschnitt
A 6.10.2.4 die ggf. erhöhten bzw. verminderten Bemessungswerteߪோǡௗ auf Grundlage einer
ausreichenden Grundbruchsicherheit mit folgenden Faktoren abzumindern:
§ Hk · a a'
¨1 − ¸ für Hk wirkt parallel zu a und ≥ 2 bzw. ≥2 (2.41)
© Vk ¹ b b'
2
§ Hk ·
¨1 − ¸ für alle anderen Fälle (hier maßgebend) (2.42)
© Vk ¹

Für setzungsempfindliche Bauwerke ist weiterhin der kleinste Wert der auf Grundlage einer
ausreichenden Grundbruchsicherheit und einer Begrenzung der Setzungen und die hier abge-
minderten Werte auf Grundlage einer ausreichenden Grundbruchsicherheit maßgebend.

Tabelle 2.10 Bemessungswerte des Sohlwiderstands auf Grundlage einer ausreichenden


Grundbruchsicherheit unter Berücksichtigung der horizontalen Einwirkungen

ständige Last Kombination I Kombination II Kombination III


ுೖ
ሺͳ െ  ሻ; [-] 1,00 0,74 0,65 1,00
௏௞
ுೖ
ሺͳ െ  ሻ; ή ߪோǡௗ [kN/m²]
௏௞ 288,0 167,4 130,1 288,0
ߪோǡௗ aus Tabelle 2.8 Zeile 3
Kleinstwert ıR,d [kN] aus
Zeile 2 und Tabelle 2.9 288,0 167,4 130,1 288,0
Zeile 1

2.3.4 Führung des vereinfachten Nachweises


Die Nachweise für die Grenzzustände Grundbruch und Gleiten sowie der Setzungen sind mit
Tabellenwerten erfüllt, wenn für die ungünstigste Einwirkungskombination Ungleichung 2.22
erfüllt ist. Wie in Tabelle 2.11 zu sehen ist, ist der Ausnutzungsgrad für die Lastkombinationen
I und II deutlich größer als eins. Bei dem gegebenen Beispiel wird der Bemessungswert ıR,d
des Sohlwiderstands aufgrund der ungünstigen Grundwasserverhältnisse und der Lastneigung
deutlich abgemindert. Somit ist der Nachweis nicht erfüllt.

Tabelle 2.11 maßgebende Beanspruchungen und Bemessungswerte des Sohlwiderstands

ständige Last Kombination I Kombination II Kombination III


maßgebender Bemes-
sungswert ıR,d des Sohl- 288,0 167,4 130,1 288,0
widerstands [kN/m²]
Bemessungswert ıE,d der
Sohlbeanspruchung 162,0 352,0 332,0 222,0
[kN/m²]
Ausnutzungsgrad μ [-] 0,56 2,10 2,54 0,77
2.4 Nachweis der Gründung einer Winkelstützwand 51

2.4 Nachweis der Gründung einer Winkelstützwand

2.4.1 Projektvorstellung, Bodenkenngrößen und Gründungslasten


Im zweiten Beispiel soll das Streifenfundament einer Winkelstützwand mit geneigter Sohlflä-
che nachgewiesen werden. Die Winkelstützwand soll dauerhaft einen insgesamt 6 m hohen
Geländesprung sichern. Demnach sind die Nachweise in der Bemessungssituation BS-P zu
führen. An der Geländeoberfläche hinter der Winkelstützwand wird eine Verkehrslast von
qk = 20 kN/m² angesetzt.
Als Baugrund steht ein stark schluffiger Sand (SU) an. Der Arbeitsraum hinter der Stützwand
wird mit einem schluffigen Sand verfüllt. Weitere Angaben zu den Bodenkennwerten und zur
Geometrie können dem Bild 2-17 entnommen werden.
Der Fokus bei der Beispielrechnung soll auf dem Nachweis des Streifenfundamentes liegen.
Deshalb werden einige Vereinfachungen angenommen. Bei der Berechnung des Erddrucks
wird nur der aktive Erddruck angesetzt. Weiterhin wird der Erddruck in einem vertikalen
Schnitt an der Hinterkante des Stützwandfußes berechnet und der verbleibende Boden auf dem
Stützwandfuß mit seinem Eigengewicht berücksichtigt.

Bild 2-17 Bodenkenngrößen und Geometrie der Winkelstützwand


52 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.4.2 Einwirkungen und Beanspruchungen


Als ständige Einwirkungen werden das Gewicht der Stützwand GS,k, des Fundaments GF,k und
des Bodenblocks auf dem Fundament GB,k sowie die Erddrücke aus Bodeneigengewicht Eag,1,k
und Eag,2,k mit den horizontalen und vertikalen Komponenten angesetzt. Auf den Ansatz der
Bodenreaktion Bk an der Stirnseite des Fundaments wird verzichtet. Als veränderliche Einwir-
kungen sind die Erddrücke Eaq,1,k und Eaq,2,k zu berücksichtigen. Die Einteilung in die verschie-
denen Erddruckflächen ergibt sich aus den unterschiedlichen Wandreibungswinkeln mit:
δ a1 = β = 0° 28 → K agh,1 = 0, 243

δ a 2 = 2 3 ⋅ ϕk = 20° → K agh,2 = 0, 200

Bild 2-18 Einwirkungen zur Bemessung des Fundaments der Winkelstützwand

28
vgl. DIN 4085:2011-05 Bild 5 b), [8]
2.4 Nachweis der Gründung einer Winkelstützwand 53

Die Beanspruchungen ergeben sich durch die Zerlegung der Einwirkungen in die
sohlflächennormalen Komponenten Vi,k und sohlflächenparallelen Komponenten Hi,k. Die
charakteristischen Einwirkungen und Beanspruchungen sind in Tabelle 2.12 zusammengefasst.
Weiterhin sind dort die jeweiligen Hebelabme zur Kippkante (Bild 2-18 Punkt A) und zur
Fundamentmitte zur Berechnung der Ausmittigkeit gegeben (Bild 2-18 Punkt S1).

Tabelle 2.12 &harakteristische Einwirkungen und Beanspruchungen

Beanspruchungen [kN/m] Hebel zur [m]


Einwirkung Betrag [kN/m] Fundament-
Vi,k Hi,k Kippkante
mitte
GS,K 62,5 62,3 -5,2 0,75 1,25
GF,K 46,9 46,7 -3,9 1,60 0,10
GB,K 231,0 230,2 -19,2 2,04 0,54
Eag,1,k 63,8 5,3 63,6 2,16 2,29
Eagh,2,k 17,0 1,4 16,9 0,12 0,24
Eagv,2,k 7,9 7,9 -0,7 3,00 1,50
Eaq,1,k 24,3 2,0 24,2 3,00 2,50
Eaqh,2,k 3,0 0,2 3,0 0,13 0,25
Eaqv,2,k 1,4 1,4 -0,1 3,00 1,50
Vk = 357,5 Hk = 78,7

Mithilfe der in Tabelle 2.12 gegebenen chakteristischen Beanspruchungen werden


anschließend die Bemessungswerte mit den entsprechenden Teilsicherheitsbeiwerten
berechnet:
Vd = 1,35 ⋅ ( 62,3kN/m + 46, 7 kN/m + 230, 2 kN/m + 5,3kN/m + 1, 4 kN/m + 7,9 kN/m ) +
+ 1,50 ⋅ ( 2, 0 kN/m + 0, 2 kN/m + 1, 4 kN/m ) = 483,1kN/m

H d = 1,35 ⋅ ( −5, 2 kN/m − 3,9 kN/m − 19, 2 kN/m + 63, 6 kN/m + 16,9 − 0, 7 kN/m ) +
+ 1,50 ⋅ ( 24, 2 kN/m + 3, 0 kN/m − 0,1kN/m ) = 110, 2 kN/m
Der Lastneigungswinkel zur Berechnung des Grundbruchwiderstands ergibt sich zu:
Hk 78, 7 kN/m
tan δ = = = 0, 22 → δ = 12, 4°
Vk 357,5 kN/m
Die Ausmittigkeit beträgt:

e=
¦ Mk =
62,5 ⋅1, 25 − 46,9 ⋅ 0,10 − 231, 0 ⋅ 0,54 + 63,5 ⋅ 2, 29 +
!
Vk 357,5
+17, 0 ⋅ 0, 24 − 7,9 ⋅1,50 + 24,3 ⋅ 2,50 + 3, 0 ⋅ 0, 25 − 1, 4 ⋅1,50
" = 0, 41m
54 2 Berechnung von Flächengründungen nach EC 7-1, Abschnitt 6

2.4.3 Berechnung der Widerstände


Mit den Eingangsparametern ergeben sich für die Grundbruchberechnung die folgenden
Beiwerte nach den Gleichungen 2.26 bis 2.40 :
Nb0 = 6, 73 N d 0 = 13,94 Nc 0 = 24,85
ξb = ξ d = ξc = 0,894
λb = λd = λc =1
ν b =ν d =ν c =1
ib = 0, 474 id = 0, 608 ic = 0, 578
Der Grundbruchwiderstand beträgt:
Rk = 2,18 ⋅ (19 kN/m³ ⋅ 2,18 m ⋅ 2,86 + 21kN/m³ ⋅ 0,5 m ⋅ 7,58 + 10 kN/m² ⋅12,84 ) = 711, 7 kN/m
Rd = 711, 7 kN/m / 1, 4 = 508, 4 kN/m
Für den Gleitwiderstand sind zwei mögliche Gleitlinien zu untersuchen.
• Gleiten entlang der Linie A – C (vgl. Bild 2-16)
Rk = Vk ⋅ tan δ S ,k = 357,5 kN/m ⋅ tan 27,5° = 186,1kN/m

186,1kN/m
Rd = = 169, 2 
1,1
• Gleiten entlang der Linie B – C (vgl. Bild 2-18). Die Normalkraft V’k ist dabei senkrecht
zu der Gleitfläche zu berechnen. Auch die Beanspruchung H‘k ist auf die, von der
Sohlflächenneigung abweichenden, Neigung der Gleitfläche umzurechen. Da die
Gleitfläche horizontal verläuft, können die horizontalen und verikalen Einwirkungen
entsprechend Bild 2-18 aus Tabelle 2.8 abgegriffen werden:
V 'k = 62,5 + 46,9 + 231, 0 + 7,9 + 1, 4 + 7,1 = 365,8 kN/m
H 'k = 63,8 + 17, 0 + 24,3 + 3, 0 = 108,1kN/m
H 'd = 1,35 ⋅ ( 63,8 + 17, 0 ) + 1,50 ⋅ ( 24,3 + 3, 0 ) = 150, 0 kN/m

Rk = V 'k ⋅ tan ϕ 'k + A ⋅ c 'k = 365,8 kN/m ⋅ tan 27,5° + 3, 0 m²/m ⋅10 kN/m² = 220, 4 kN/m
220, 4 kN/m
Rd = = 200, 4
1,1

2.4.4 Führung der Nachweise


Der Nachweis der Grundbruchsicherheit mit den zuvor ermittelten Beanspruchungen ist erfüllt.
Der Ausnutzungsgrad μ beträgt 95%.
Vd = 483,1kN/m ≤ 508, 4 kN/m = Rd
Für die Gleitsicherheit sind die Nachweise für die zwei möglichen Gleitlinien zu führen. Auf
einen Ansatz des Erdwiderstands an der Stirnseite kann verzichtet werden. Im vorliegenden
2.5 Literatur und Quellen 55

Beispiel ist der Ausnutzungsgrad für die Gleitlinie B-C mit einem Ausnutzungsgrad von 75 %
der maßgebende Fall.
H d = 110, 2 kN/m ≤ 169, 2 kN/m = Rd Gleitlinie A-C
H 'd = 150, 0 kN/m ≤ 200, 4 kN/m = Rd Gleitlinie B-C
Für den Nachweis der Sicherheit gegen Kippen sind die stabilisierenden und destabilisierenden
Momente um die fiktive Kippkante (Punkt B in Bild 2-16) gegenüberzustellen. Die Einwirkun-
gen und deren Hebelarme bezüglich der Kippkante können der Tabelle 2.12 entnommen wer-
den. Stabilisierend wirken das Eigengewicht der Winkelstützwand sowie das Eigengewicht des
Bodens auf dem Stützwandfuß. Destabilisierend wirken sowohl die ständigen als auch verän-
derlichen Einwirkungen aus dem Erddruck.
M G , stb,d = 0,90 ⋅ ( 62,5 ⋅ 0, 75 + 46,9 ⋅1, 60 + 231, 0 ⋅ 2, 04 ) = 533,8 kNm/m

M G ,dst ,d = 1,10 ⋅ ( 63,8 ⋅ 2,16 + 17, 0 ⋅ 0,12 − 7,9 ⋅ 3, 00 ) = 127,8 kNm/m

M Q,dst ,d = 1,50 ⋅ ( 24,3 ⋅ 3, 00 + 3, 0 ⋅ 0,13 − 1, 4 ⋅ 3, 00 ) = 116, 2 kNm/m

M dst ,d = 244, 0 ≤ 533,8 = M stb,d


Als letztes soll noch der Nachweis der Fundamentverdrehung und Begrenzung der klaffenden
Fuge untersucht werden. Die Ausmittigkeit aus ständigen und veränderlichen Einwirkungen
wurde in Abschnitt 2.4.2 mit e = 0,41 m berechnet, d.h. sie liegt innerhalb der 1. Kernweite mit
b/6 =0,50 m. Damit sind alle geführten Nachweise erfüllt. Auf weiterführende Verformungs-
nachweise wird an dieser Stelle verzichtet.

2.5 Literatur und Quellen


[1] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[2] Handbuch Eurocode 7 Geotechnische Bemessung – Band 1: Allgemeine Regeln, Vom
DIN autorisierte konsolidierte Fassung, Hrsg.: DIN e.V., 1. Auflage, Beuth, 2011
[3] DIN EN 1997-1:2009-09 Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der
Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 + AC:2009
[4] DIN EN 1997-1/NA:2010-12 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter –
Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allgemei-
ne Regeln
[5] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergän-
zende Regelungen zu DIN EN 1997-1
[6] Schuppener, B. (Hrsg.): Kommentar zum Handbuch Eurocode 7 – Geotechnische Bemes-
sung, Band 1: Allgemeine Regeln, Verlag Ernst & Sohn, Berlin, 2012
[7] DIN 4017:2006-3 Baugrund – Berechnung des Grundbruchwiderstands von Flachgrün-
dungen
[8] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
57

3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1,


Abschnitt 7

Dipl.-Ing. Jörg Zimbelmann

3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert?
Im Vergleich zu den 15 Seiten des Kapitels 8 in DIN 1054:2005-01 [4] umfasst das Kapitel 7
der DIN EN 1997-1:2009-09 [2] nun 20 Seiten. Eine weitere Seite ist im zugehörigen nationa-
len Anwendungsdokument DIN EN 1997-1/NA:2010-12 [3] enthalten, zusätzliche 15 Seiten
sind in DIN 1054:2010-12 [5] und der ersten Änderung DIN 1054/A1:2012-08 [6] zu berück-
sichtigen. An vielen Stellen, wo eine Regelung aus DIN 1054:2005-01 [4] entfallen ist, enthält
die DIN 1054:2010-12 [5] nun nicht normative Verweise auf die 1. Auflage der EA-Pfähle aus
dem Jahr 2007 [10]. Diese entspricht hinsichtlich der Bezeichnungen, der Indizes sowie der
Verfahren und Beiwerte jedoch der alten DIN 1054:2005-01, so dass sich die Verwendung der
aktuellen 2. Auflage der EA-Pfähle von 2012 [11] empfiehlt. Im Folgenden werden die wich-
tigsten Änderungen und Gemeinsamkeiten der alten und neuen Normung kurz aufgelistet.

3.1.1 Zu „Abschnitt 7.1 Allgemeines“


Die in DIN 1054:2005-01 aufgeführten nationalen Ergänzungsnormen zur Ausführung von
Arbeiten im Spezialtiefbau wurden größtenteils durch neue SPEC-Normen ersetzt. Eine Ge-
genüberstellung der begleitenden Normen zur Ausführung zeigt die nachfolgende Tabelle 3.1.

Tabelle 3.1 Begleitende DIN-Normen zur Ausführung

DIN EN 1997-1:2009-09, 7.1 DIN 1054:2005-01,


Art des Baugliedes
DIN 1054:2010-12, A 7.1.1 Anhang G

DIN EN 1536:2010-12 DIN EN 1536 in Verbindung mit


Bohrpfähle
DIN-SPEC 18140:2012-02 DIN-Fachbericht 129

DIN 12699:2001-05 DIN EN 12699, bauaufsichtlich


Verdrängungspfähle
DIN-SPEC 18538:2012-02 eingeführt DIN 4026:1975-0

DIN EN 14199:2012-01 DIN EN 14199, bauaufsichtlich


Mikropfähle
DIN-SPEC 18539:2012-02 eingeführt DIN 4128:1983-04

DIN EN 1538:2010-12 DIN EN 1538,


Schlitzwände DIN-SPEC in Planung bauaufsichtlich eingeführt DIN
DIN 4126:2013-09 4126:1986-08

Die Einstufung in geotechnische Kategorien (GK) nach DIN 1054:2010-12, A 7.1.2 und DIN
1054:2005-01 ist nicht ganz vergleichbar. Sowohl Zugpfahlgruppen als auch Zugpfähle, die
auf der Grundlage von Erfahrungswerten nachgewiesen werden, sind nun in GK 3 einzuord-
nen. Folgende Anmerkungen wurden im Vergleich zu DIN 1054:2005-01 umformuliert:
− erhebliche zyklische, dynamische oder stoßartige Einwirkungen nach DIN 1054:2010-12,
A 2.4.2.1 A 8b) und A 2.4.2.1 A (8c)

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_3, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
58 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

− verpresste Pfahlsysteme (Mikropfähle nach DIN EN 14199 und verpresste Verdrängungs-


pfähle nach DIN EN 12699) als Verankerungselemente

3.1.2 Zu den Abschnitten 7.2, 7.3 und 7.4


Gemäß DIN EN 1997-1:2009-09, 7.2 erfolgt die Nachweisführung im Grenzzustand GEO-2,
d. h. analog zur alten Normung sind aus den Einwirkungen die charakteristischen Pfahlbean-
spruchungen und –widerstände zu ermitteln. Durch Beaufschlagung bzw. Abminderung mit
den jeweiligen Teilsicherheitsbeiwerten werden die Bemessungs- bzw. Designwerte der Bean-
spruchungen und Widerstände berechnet, die miteinander zu vergleichen sind.
Der Abschnitt 7.3.2 in DIN EN 1997-1:2009-09 und DIN 1054:2010-12 bezieht sich auf die
durch Bodenverschiebungen ausgelösten Einwirkungen (negative Mantelreibung, Seitendruck,
etc.). Die Berechnungsverfahren und erläuternde Beispiele sind z. B. in der EA-Pfähle (2012)
zu finden. Negative Mantelreibung wird auch im nachfolgenden Abschnitt 3.3.2 dieses Buches
behandelt.
Abschnitt „7.4 Verfahren und Gesichtspunkte bei Entwurf und Bemessung“ enthält lediglich
eine Aufzählung der verschiedenen Verfahren zur Bestimmung von Pfahltragfähigkeiten sowie
eine Reihe von schwammigen Formulierungen.

3.1.3 Zu „Abschnitt 7.5 Pfahlprobebelastungen“


Der Abschnitt erläutert, wann Pfahlprobebelastungen erforderlich werden. In der deutschen
Normergänzung A (3a) wird auf den Einfluss zyklischer Belastung auf die Pfahltragfähigkeit
hingewiesen. Anstatt des Verweises auf die EA-Pfähle (2007) sollte hier die EA-Pfähle (2012)
zu Rate gezogen werden, da diese ein komplett neues Kapitel zum Tragverhalten und der
Nachweisführung von Pfählen unter zyklischen, dynamischen und stoßartigen Einwirkungen
enthält.
Des Weiteren wird für statische Pfahlprobebelastungen eine Mindestprüfkraft Pp nach Glei-
chung (3.1) empfohlen. Für verpresste Zugpfahlsysteme ist diese zusätzlich mit einem Modell-
faktor ηM = 1,25 zu multiplizieren.
P p = Fc , d ⋅ γ t ⋅ ξ 1 bzw. P p = Ft , d ⋅ γ s ,t ⋅ ξ 1 (3.1)

Dynamische Pfahlprobebelastungen dürfen lediglich zur Ermittlung des Pfahldruckwider-


stands herangezogen werden. Zudem muss das Verfahren an statischen Pfahlprobebelastungen
kalibriert werden1.

3.1.4 Zu „Abschnitt 7.6 Axial beanspruchte Pfähle“


Gemäß DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2 sollte die axiale Druckbelastung Fc,d das Pfahleigenge-
wicht enthalten. Für jene Pfahlabschnitte, die oberhalb der tragfähigen Schichten liegen, muss
das Pfahleigengewicht zwingend berücksichtigt werden.
Bei Druckpfahlgruppen ist wie bisher sowohl der Nachweis gegen Versagen des Einzelpfahls
als auch gegen das Versagen der gesamten Pfahlgruppe zu führen.

1
Gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle A 7.2 können auch Erfahrungswerte, z. B. aus der EA-Pfähle
(2012) als Referenz herangezogen werden, da sie auf einer Vielzahl von statischen Pfahlprobebelas-
tungen beruhen.
3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? 59

3.1.4.1 Zu „Abschnitt 7.6.2.2 Grenzwert des Druckwiderstands aus statischen Pfahl-


probebelastungen“
Die Ermittlung des charakteristischen Pfahldruckwiderstands Rc,k aus statischen Pfahlprobebe-
lastungen erfolgt gemäß Gleichung (3.2). Der Mittelwert der Messwerte (Rc,m)mitt und der mi-
nimale Messwert (Rc,m)min sind mit Streuungsfaktoren ξ1 und ξ2 nach Tabelle 3.2 abzumindern,
deren Werte von der Anzahl n der durchgeführten Pfahlprobebelastungen auf dem Baufeld
bzw. in einem Homogenbereich des Baufeldes abhängen. Dieses Vorgehen ist prinzipiell iden-
tisch mit jenem gemäß alter DIN 1054:2005-01 (vgl. Gleichung (3.3) und Tabelle 3.32). Bei
steifem Überbau dürfen die Streuungsfaktoren nach Tabelle 3.2 zusätzlich durch einen Faktor
1,1 geteilt werden, wobei ȟi/1,1 • 1,0 einzuhalten ist.3
­ ( Rc,m ) mitt ( Rc,m ) min ½
Rc,k = MIN ®
ξ1
;
ξ2
{
¾ = MIN Rc,k ,mitt ; Rc,k ,min } (3.2)
¯ ¿

Tabelle 3.2 Streuungsfaktoren ξi zur Ableitung charakteristischer Werte aus statischen Pfahl-
probebelastungen gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle A 7.1

n 1 2 3 4 •5

ξ1 1,35 1,25 1,15 1,05 1,00

ξ2 1,35 1,15 1,00 1,00 1,00

­° R 1m R1m,min °½
R1,k = MIN ® ; ¾ (3.3)
°̄ ξ ξ °¿

Tabelle 3.3 Streuungsfaktor ξ zur Berücksichtigung von Anzahl und Streuung der Ergebnisse
von Pfahlprobebelastungen nach DIN 1054:2005-01, Tabelle 4

Streuungsfaktor ξ
Zahl der Probe- Mittelwert Kleinstwert
belastungen N
R1m R1m,min

Spalte 1 Spalte 2 Spalte 3 Spalte 4

s N / R1m = 0 s N / R1m = 0,25

1 – – 1,15
2 1,05 1,10 1,05
>2 1,00 1,05 1,00

2
In die Ermittlung des Streuungsfaktors ξ nach alter DIN 1054:2005-01 ging noch die Standardabwei-
chung sN ein.
3
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2.2, (9)
60 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Tabelle 3.4 Teilsicherheitsbeiwerte γR für Widerstände gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle


A 2.3

Bemessungssituation
Widerstand Formelzeichen
BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund
Pfahlwiderstände aus statischen und dynamischen Pfahlprobebelastungen

– Fußwiderstand γb 1,10 1,10 1,10

– Mantelwiderstand (Druck) γs 1,10 1,10 1,10

– Gesamtwiderstand (Druck) γt 1,10 1,10 1,10

– Mantelwiderstand (Zug) γs,t 1,15 1,15 1,15

Tabelle 3.5 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände gemäß DIN 1054:2005-01, Tabelle 3

Formel- Lastfall
Widerstand
zeichen LF 1 LF 2 LF 3

GZ 1B: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken und Bauteilen


Pfahlwiderstände

Pfahldruckwiderstand bei Probebelastung γPc 1,20 1,20 1,20

Pfahlzugwiderstand bei Probebelastung γPt 1,30 1,30 1,30

Die Streuungsfaktoren ξ1/2 und ξ nach neuem und altem Regelwerk sind nicht identisch. Aller-
dings weichen auch die Teilsicherheitsbeiwerte (vgl. Tabellen 3.4 und 3.5) voneinander ab. Um
die Bemessungswerte der Pfahlwiderstände gemäß den Gleichungen (3.4a) und (3.5a) zu ermit-
teln, müssen die Messwerte der Pfahlprobebelastungen mit den resultierenden Abminderungs-
faktoren gemäß den Gleichungen (3.4b/c) bzw. (3.5b) multipliziert werden. Ein Vergleich
dieser resultierenden Abminderungsfaktoren für druckbelastete Pfähle in der Bemessungssitua-
tion BS-P bzw. dem Lastfall LF1 (siehe Bild 3-1) zeigt, dass die neue DIN 1054:2010-12 für
n > 3 bzw. n > 2 Probepfähle höhere Ausnutzungen als das alte Regelwerk zulässt4. Das Glei-
che gilt prinzipiell für zugbelastete Pfähle.
Rc,k ­ ( Rc,m ) mitt ( Rc,m ) min ½
Rc,d = = MIN ® ; ¾ (3.4a)
γ b/s/t ¯ ξ1 ⋅ γ b / s / t ξ 2 ⋅ γ b / s / t ¿
1
Res. Abminderungsfaktor für den Mittelwert der Messwerte (3.4b)
ξ1 ⋅ γ b / s / t

4
Für den Vergleich gemäß Bild 3-1 wurde im Falle der alten DIN 1054:2005-01 eine bezogene Stan-
dardabweichung von sN/R1m,mitt = 0,25 gemäß Spalte 3 in Tabelle 3.3 unterstellt.
3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? 61

1
Res. Abminderungsfaktor für den Kleinstwert der Messwerte (3.4c)
ξ2 ⋅ γ b / s / t
R1,k ­° R 1m R1m,min ½°
R1,d = = MIN ® ; ¾ (3.5a)
γ Pc °̄ ξ ⋅ γ Pc ξ ⋅ γ Pc °¿

1
Resultierender Abminderungsfaktor für die Messwerte (3.5b)
ξ ⋅ γ Pc

Bild 3-1 Vergleich von DIN 1054:2010-12 und DIN 1054:2005-01 – Resultierende Abminde-
rungsfaktoren zur Berechnung der Bemessungswerte von Pfahldruckwiderständen aus Pfahl-
probebelastungen (BS-P vs. LF1)

3.1.4.2 Zu „Abschnitt 7.6.2.3 Grenzwert des Druckwiderstands aus Baugrund-


versuchen“
Der Begriff „Baugrundversuche“ ist mit der in Deutschland gebräuchlichen Bezeichnung „Er-
fahrungswerte“ gleichzusetzen. Diese sind in Deutschland in der Regel der EA-Pfähle (2007)
bzw. EA-Pfähle (2012) zu entnehmen. Die Ableitung von Erfahrungswerten aus Baugrundver-
suchen ist zugelassen, sofern die axialen Pfahlwiderstände aus vergleichbaren Pfahlprobebelas-
tungen entwickelt werden. Dies erlaubt eine Abschätzung der Pfahltragfähigkeiten direkt aus
Drucksondierungen (CPT-basierte Verfahren) wie im Offshorebereich üblich. Auch die rechne-
rische Ermittlung der Pfahltragfähigkeit ist damit erlaubt.
Für alle Erfahrungswerte, die nicht der EA-Pfähle (2007) bzw. EA-Pfähle (2012) entnommen
werden, ist die Brauchbarkeit durch einen in der Geotechnik sachkundigen und erfahrenen
62 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Ingenieur nachzuweisen.5 Allerdings ist auch die Verwendung der Erfahrungswerte der EA-
Pfähle (2007) bzw. EA-Pfähle (2012) durch einen ebensolchen Fachmann zu begründen.6
Eine Abminderung der in DIN 1054:2010-12, Tabelle A2.3 angegebenen Teilsicherheitsbei-
werte mit einem Modellfaktor ηE ist nicht erforderlich, da ein Wert von ηE § 1,3 bereits in den
Teilsicherheitsbeiwerten γs bzw. γb der DIN 1054:2010-12 enthalten ist.
Bei Mikropfählen nach DIN EN 14199 sollen Erfahrungswert nur in begründeten Ausnahme-
fällen zum Einsatz kommen, da hier statische Pfahlprobebelastungen die Regel sind.7

3.1.4.3 Zu „Abschnitt 7.6.2.4 Grenzwert des Druckwiderstands aus Stoßversuchen


bzw. dynamischen Probebelastungen“
Bei der dynamischen Pfahlprobebelastung wird die Prüfkraft – analog zum Rammen von Pfäh-
len – über ein schweres Fallgewicht aufgebracht. Gemäß DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2.4,
(1)P muss das Versuchsergebnis aus dem zeitlichen Verlauf der Dehnung und Beschleunigung
am Pfahlkopf bestehen. Die entsprechende Anmerkung in DIN 1054:2012-12 ist deutlich prä-
ziser, da sie sowohl zwischen Stoßversuchen und dynamischen Pfahlprobebelastungen als auch
den jeweils gemessenen Eingangs- und Ergebniswerten in Abhängigkeit der Auswerteverfah-
ren unterscheidet (vgl. Tabelle 3.6).
Der charakteristische Pfahldruckwiderstands Rc,k wird analog zum Vorgehen bei statischen
Pfahlprobebelastungen nach Gleichung (3.6) berechnet. Während DIN EN 1997-1:2009-09
allgemein verlangt, dass die statischen Widerstände aus dynamischen Pfahlprobebelastungen
an statischen Pfahlprobebelastungen kalibriert werden, erfolgt die Berechnung der Streuungs-
faktoren ξ5 und ξ6 in Deutschland nach Gleichung (3.7).8 Die Grundwerte ξ0,i sind von der
Anzahl n der durchgeführten Pfahlprobebelastungen abhängig und gelten für dynamische
Pfahlprobebelastungen, die nach dem „direkten Verfahren ausgewertet und an statischen
Pfahlprobebelastungen auf dem gleichen Baufeld ausgewertet werden“. Die Zuverlässigkeit der
statischen Vergleichswerte wird durch den Erhöhungswert ȴξ erfasst. Eine Kalibrierung an
Erfahrungswerten ist damit ausdrücklich erlaubt. Anhand des Modellfaktors ȘD wird die Ge-
nauigkeit des Auswerteverfahrens berücksichtigt. Analog zu statischen Pfahlprobebelastungen
dürfen auch hier die Streuungsfaktoren mit 1,1 abgemindert werden, wenn der Überbau ausrei-
chend steif ist, um eine Lastumlagerung zu gewährleisten.
­ ( Rc,m ) mitt ( Rc,m ) min ½
Rc,k = MIN ®
ξ5
;
ξ6
{
¾ = MIN Rc,k ,mitt ; Rc,k ,min } (3.6)
¯ ¿
Für i = 5 bzw. 6: ξ i = (ξ 0,i + Δ ξ ) ⋅η D (3.7)
Werden die dynamisch ermittelten Pfahlwiderstände an statischen Pfahlprobebelastungen auf
demselben Baufeld kalibriert, so wird der Vorteil eines Erhöhungswertes von ȴξ = 0 dadurch
wieder zunichte gemacht, dass praktisch immer die statisch ermittelten Pfahlwiderstände gel-
ten.9

5
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.3 A (1)
6
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.3 A (8a)
7
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.3 A (8c)
8
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.4 A (4)
9
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.4 A (8)
3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? 63

Tabelle 3.6 Stoßversuche und dynamische Pfahlprobebelastungen nach DIN 1054:2010-12,


7.6.2.4, Anmerkung zu (1)P

Auswertung Mess-/Eingangswerte Ergebnis

− Setzung je Schlag
− Hammerenergie
− Pfahleigenschaften (Masse und
einfache Rammformel
Steifigkeit)
− empirische Werte für (Boden,
Ramm- und Pfahlsystem, …)
− Analog „einfache Rammformel“
verbesserte Rammformel + maximale elastische Verformung
am Pfahlkopf
− Setzung je Schlag
− Daten des Rammgerätes einschl. Axialer
Stoßversuche

Futter und Rammhaube


Wellengleichungs- − Pfahleigenschaften (Querschnitt, Pfahlwiderstand
verfahren Länge) Rc,m,i
− empirische Werte für die elastische
Grenzdehnung und Dämpfung des
Bodens
− Zeitverlauf von Kraft und Bewegung
am Pfahlkopf
Dynamische Pfahlprobebelastung

− Pfahlquerschnitt, Material, Länge


direktes Verfahren Ÿ Auswertung von Einzelwerte der
Kraft und der Geschwindigkeit (aus
den Messkurven) mit einer Formel
(z. B. CASE- oder TNO-Verfahren),
Formelgrundlage = Wellentheorie
− Zeitverlauf von Kraft und Bewegung
am Pfahlkopf Widerstands-
− Pfahlquerschnitt, Material, Länge Setzungs-Linie und
erweitertes Verfahren mit Verteilung von
vollständiger Modellbildung Ÿ Iterative Bestimmung eines Modells
des Pfahls im Boden (z. B. Pfahlmantel- und
CAPWAP- oder TNOWAVE- Pfahlfußwiderstand
Verfahren)

3.1.4.4 Zu „Abschnitt 7.6.3 Widerstand bei Zug“


Analog zur alten DIN 1054:2005-01 sind für zugbelastete Pfähle zwei Nachweise zu führen:
− Nachweis gegen Herausziehen der Pfähle aus dem Boden
− Nachweis gegen Versagen durch Aufschwimmen bzw. Abheben des den Pfahl umgebenden
Bodenblocks
Die Formeln nach DIN EN 1997-1:2009-09 bzw. DIN 1054:2010-12 sind praktisch identisch
mit der alten Normung. Im Kapitel 4 „Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Ab-
schnitt 10“ dieses Buches wird genauer darauf eingegangen.
Bei der Berechnung des Bemessungs-Pfahlzugwiderstands Rt,d nach Gleichung (3.8) ist zusätz-
lich ein Modellfaktor ȘM zu berücksichtigen.10 Die ursprüngliche Neigungsabhängigkeit von

10
DIN 1054:2010-12, 7.6.3.2 A (3c)
64 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

ȘM wurde in der Änderung DIN 1054/A1:2012-08 aufgehoben. Es ist nun unabhängig von der
Neigung ȘM = 1,25 anzusetzen.
Rt ,k
Rt , d = (3.8)
γ s ,t ⋅ η M

3.1.4.5 Zu „Abschnitt 7.6.4 Vertikalverschiebungen von Pfahlgründungen“


Die Vertikalverschiebungen im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS … Serviceabili-
ty Limit State) müssen zwingend berechnet werden.11 Dies muss nach der deutschen Ergän-
zung auf der Grundlage von verformungsabhängigen Pfahlwiderständen, d. h. mittels Wider-
stands-Setzungs-Linien (WSL) bzw. Widerstands-Hebungs-Linien erfolgen. Die Setzungen
bzw. Hebungen müssen sowohl für den Einzelpfahl als auch für die Pfahlgruppe ermittelt wer-
den. Differenzsetzungen bzw. -hebungen sollten abgeschätzt werden.12 In der deutschen Er-
gänzung A (5) wird zusätzlich – wie in der alten Norm – darauf hingewiesen, dass Setzungsdif-
ferenzen einen Grenzzustand der Tragfähigkeit im aufgehenden Tragwerk auslösen können.

3.1.5 Zu „Abschnitt 7.7 Quer beanspruchte Pfähle“


DIN EN 1997-1:2009-09 unterscheidet wie die alte Norm DIN 1054:2005-01 zwischen „kur-
zen“ Pfählen und „langen, schlanken (biegeweichen)“ Pfählen. Pfähle gelten als kurz, wenn der
Pfahlfuß unter der Belastung Horizontalverschiebungen erfährt; bei langen Pfählen erreicht die
Biegebeanspruchung das Pfahlende nicht, d. h. die vom Boden erzeugte Einspannung liegt
oberhalb des Pfahlfußes.13
Kurze gedrungene Pfähle dürfen bis zum Versagen als nahezu starre Körper betrachtet werden.
Die Standsicherheitsnachweise können z. B. nach der BLUMschen Dalbentheorie gemäß [1]
geführt werden. Eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise findet sich auch in Kapi-
tel 13 der aktuellen EAU [9].
E s,k
k s,k =
Ds
(3.9)
Bei langen schlanken Pfählen dürfen die Nachweise der Standsicherheit (und der Ge-
brauchstauglichkeit14) anhand des Bettungsmodulverfahrens geführt werden. Der Ansatz von
Querwiderständen ist auf Pfähle mit Durchmesser bzw. Kantenlänge > 30 cm beschränkt.15 Die
Bodenbettung kann nach Gleichung (3.9) mit dem üblichen Ansatz ermittelt werden. Die Gül-
tigkeit des Ansatzes ist auf Horizontalverschiebungen < 2 cm bzw. < 0,03·Ds beschränkt. So-
weit größere Verformungen auftreten, müssen aufgrund des in Realität unterlinearen Zusam-

11
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.4.2 (1)P
12
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.4.2 (3)
13
[12], Seite 166
14
Wenn die Verformungen des Tragwerks von Bedeutung sind, d.h. wenn der Grenzzustand der Ge-
brauchstauglichkeit mithilfe des Bettungsmodulverfahrens nachgewiesen werden soll, muss gemäß
DIN 1054:2010-12, 7.7.3, A (3) der Bettungsmodul aus horizontalen Pfahlprobebelastungen ermittelt
werden. In Abschnitt 7.7.1, Anmerkung zu A (3a) wird empfohlen, den Bettungsmodul bei horizonta-
len Pfahlprobebelastungen generell verschiebungsabhängig zu bestimmen.
15
DIN 1054:2010-12, 7.7.1 A (1)
3.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert? 65

Bild 3-2 Vergleich des realen, unterli-


nearen Bodenverhaltens mit der theo-
retischen Annahme eines konstanten
Bettungsmoduls

menhangs zwischen der horizontalen Bettungsspannung ıh und der Horizontalverformung w


(siehe Bild 3-2) nicht-lineare Ansätze verwendet werden.16
Analog zur alten DIN 1054:2005-01 ist bei einem Verhältnis der charakteristischen horizonta-
len zu den vertikalen Beanspruchungen < 3 % in BS-P und < 5 % in BS-T kein Nachweis er-
forderlich. Ansonsten sind zwei Nachweise zu führen17:
− Vergleich der charakteristischen horizontalen Bettungsspannung σh,k mit dem ebenen, hori-
zontalen Erdwiderstand eph,k18, d. h. es muss gelten:
σ h , k ≤ e ph , k (3.10)

− Vergleich des Bemessungswerts der horizontalen Bettungsreaktion Bh,d19 mit dem Design-
wert des räumlichen Erdwiderstands Erph,d:
Bh,d ≤ E rph,d (3.11)

[
Bh,d = D s ⋅ ³ σ h,d dz = D s ⋅ γ G ⋅ ³ σ Gh,k dz + γ Q ⋅ ³ σ Qh,k dz ] (3.12)

³ e ph,k dz
r
E rph,d =³ e rph,d dz = (3.13)
γ R ,e
In den Gleichungen (3.12) und (3.13) sind Bh,d und Erph,d durch Integration bis zum Drehpunkt
bzw. Verschiebungsnullpunkt zu ermitteln. Die Vorgabe in DIN 1054:2010-12 des Querkraft-
nullpunkts als untere Integrationsgrenze wurde in der Änderung DIN 1054/A1:2012-08 korri-
giert. Hinsichtlich der Berechnung des räumlichen Erdwiderstands erph,k bzw. Erph,k wird auf
Abschnitt 6.5.2 in DIN 4085:2011-05 [8] verwiesen.

16
DIN 1054:2010-12, 7.7.3 A (3)
17
DIN 1054:2010-12, 7.7.1 A (3a)
18
Für epgh,k bzw. den passiven Erdruckbeiwert Kpgh muss ein entsprechender Wert für den passiven
Erddruckneigungswinkel įp gewählt werden. Prinzipiell muss im Nachweis der Vertikalkomponente
des mobilisierten Erdwiderstands gezeigt werden, dass sich der gewählte passive Erddruckneigungs-
winkel auch einstellen kann. Allerdings wird dieser Nachweis nur bei Pfählen mit verhältnismäßig
kleiner Druckbeanspruchung relevant. Hinsichtlich der Nachweisführung wird auf Kapitel 5 „Berech-
nung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9“ in diesem Buch verwiesen.
19
Aufgrund der Einspannung ist Bh,d größer als der Bemessungswert der Horizontalbeanspruchung Hd.
66 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Weitere Ausführungen sind auch in den Abschnitten 5.8 (Pfahlwiderstände quer beanspruchter
Pfähle) sowie 6.3.2 (Nachweis der Tragfähigkeit quer beanspruchter Pfähle) der EA-Pfähle
(2012) zu finden.
Bei quer beanspruchten Pfahlgruppen ist die Gruppenwirkung wie gehabt zu berücksichtigen
und die Horizontalverteilung der Lasten auf die Pfähle kann analog zum Anhang E der alten
DIN 1054:2005-01 berechnet werden. Das zugehörige Verfahren ist nun jedoch nicht mehr
normativ geregelt, sondern nur noch im Kapitel 8 der EA-Pfähle zu finden.

3.2 Vorstellung des Beispielprojektes


In den folgenden Abschnitten wird auf einige Punkte der Berechnung nach DIN EN 1997-
1:2009-09, DIN EN 1997-1/NA:2010-12, DIN 1054:2010-12 und DIN 1054/A1:2012-08 ge-
nauer eingegangen. Wo in diesen Normen keine Schemata vorgegeben sind, wird die Vorge-
hensweise gemäß EA-Pfähle (2012) verwendet.
In Bild 3-3 ist der Grundriss des Beispielprojektes abgebildet. Es handelt sich um den Neubau
eines Logistikzentrums für einen großen Discounter. In den folgenden Abschnitten werden vier
Aspekte der Pfahlbemessung näher betrachtet. Dies sind:
a) Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten (Varianten 1 ohne und
Variante 2 mit negativer Mantelreibung)

Bild 3-3 Grundriss des Beispielprojektes und Bereiche für Beispielrechnungen


3.2 Vorstellung des Beispielprojektes 67

b) Einzelpfahlbemessung für horizontale Belastung


c) Auswertung von 4 statischen, axialen Pfahlprobebelastungen
d) Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung

Das Baufeld des Beispielprojektes liegt auf einer ehemaligen Kiesgrube. Diese wurde am Ende
des Kiesabbaus mit einem sogenannten Waschschlamm – einem weichen Ton – verfüllt. Ober-
halb der Tonschicht wurde bereits ein 3 m mächtiges, lastverteilendes Kiespolster aufgebracht
und verdichtet. Unterhalb der Tonschicht steht der gewachsene Baugrund aus weitgestuften
Sanden an. Der Schichtenverlauf mit Höhenkoten, die Bodenklassen nach DIN 18196, die
charakteristischen Bodenkennwerte sowie das Diagramm einer repräsentativen Drucksondie-
rung (CPT) sind in Bild 3-4 dargestellt.

Bild 3-4 Repräsentativer Schnitt durch den Baugrund mit Schichtenverlauf, charakteristischen
Bodenkennwerten und Drucksondierungsdiagramm

Im Folgenden werden alle Nachweise im Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS … Ultimate


Limit State) für die dauerhafte Bemessungssituation BS-P geführt. Die erforderlichen Teilsi-
cherheitsbeiwerte für die Nachweise im Grenzzustand GEO-2 sind in den nachfolgenden Ta-
bellen 3.7 und 3.8 nochmals wiedergegeben.
68 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Tabelle 3.7 Teilsicherheitsbeiwerte γF bzw. γE für Einwirkungen und Beanspruchungen gemäß


DIN 1054:2010-12, Tabelle A 2.1

Bemessungssituation
Einwirkung bzw. Beanspruchung Formelzeichen
BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Beanspruchungen aus ständigen


γG 1,35 1,20 1,10
Einwirkungen allgemein

Beanspruchungen aus ungünstigen


γQ 1,50 1,30 1,10
veränderlichen Einwirkungen

Beanspruchungen aus günstigen


γQ 0 0 0
veränderlichen Einwirkungen

Tabelle 3.8 Teilsicherheitsbeiwerte γR für Widerstände gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle


A 2.3

Bemessungssituation
Widerstand Formelzeichen
BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Pfahlwiderstände aus statischen und dynamischen Pfahlprobebelastungen

- Fußwiderstand γb 1,10 1,10 1,10

- Mantelwiderstand (Druck) γs 1,10 1,10 1,10

- Gesamtwiderstand (Druck) γt 1,10 1,10 1,10

Pfahlwiderstände auf der Grundlage von Erfahrungswerten

- Druckpfähle γb, γs, γt 1,40 1,40 1,40

Für die Nachweise im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS) gilt durchgängig


γi,SLS = 1,0.20

20
DIN EN 1997-1/NA :2010-12, NDP Zu 2.4.8 (2)
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 69

3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungs-


werten

3.3.1 Variante 1: ohne negative Mantelreibung

3.3.1.1 Randbedingungen
Bild 3-5 zeigt einen Ausschnitt des Grundrisses von Bild 3-3 im relevanten Bereich sowie
einen Querschnitt. Geplant sind Großbohrpfähle mit Schaft- und Fußdurchmesser
Ds = Db = 150 cm, die in einem quadratischen Raster von 10 x 10 m² angeordnet sind. Die
Bodenplatte mit h = 60 cm spannt zwischen den Großbohrpfählen und ist im Bereich der
Pfahlköpfe durch Vouten verstärkt. Die Stützen des aufgehenden Tragwerks stehen zentrisch
über den Großbohrpfählen und sind gelenkig angeschlossen. Auf die Pfähle wirken die nach-
folgenden Beanspruchungen:
− Ständige vertikale Beanspruchung aus der Stütze: VG1,k = 350 kN
− Veränderliche vertikale Beanspruchung aus der Stütze: VQ1,k = 500 kN
− Eigengewicht der Bodenplatte (γB = 25 kN/m³): VG2,k = 1500 kN
− Veränderliche Stapellasten auf der Bodenplatte (qk = 25 kN/m²): VQ2,k = 2500 kN
Die zulässige Pfahlkopfsetzung wurde vom Tragwerksplaner zu 1,8 cm angegeben.

Bild 3-5 Einzelpfahlbemessung – Grundrissausschnitt und Querschnitt für den betrachteten


Bereich (vgl. auch Bild 3-3)

Pfähle werden als Einzelpfähle bemessen, wenn die beiden folgenden Punkte erfüllt sind. Die
Pfähle:
− müssen in einem hinreichend großen Abstand zueinander stehen, so dass praktisch keine
gegenseitige Beeinflussung auftritt.
− dürfen nicht über den Überbau mit anderen Pfählen in Interaktion treten.
Der Grenzabstand, ab dem eine gegenseitige Beeinflussung ausgeschlossen werden kann, ist
abhängig vom Pfahlachsabstand, der Pfahllänge innerhalb des tragfähigen Baugrunds, der
70 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Dehnsteifigkeit der Pfähle sowie dem Verhältnis von Pfahlmantel- und Pfahlfuß-widerstand.21
Häufig wird der Grenzabstand gleich dem 6- bis 8-fachen Pfahldurchmesser angenommen.22 In
[12], S. 229 werden für den Grenzachsabstand a folgende Werte angegeben:
− Spitzendruckpfahl (geringe Einbindung in die tragfähige Schicht): a • 3 – 3,5·Db
− Mantelreibungspfahl: a • 8·Ds
Im vorliegenden Beispiel gilt hinsichtlich des Pfahlachsabstands avorh = 10 m = 6,67·Ds, und es
wird unterstellt, dass eine gegenseitige Beeinflussung benachbarter Pfähle damit ausgeschlos-
sen werden kann. Bei dem vorliegenden System handelt es sich aufgrund der Kopplung der
Pfähle über die gemeinsame Bodenplatte um einen Pfahlrost mit lotrechten Pfählen. Die Be-
messung der 150er-Großbohrpfähle erfolgt als Einzelpfähle. Dies hat den Vorteil, dass gleich-
zeitig wirkende vertikale und horizontale Einwirkungen bei der Bemessung getrennt betrachtet
werden können.23

3.3.1.2 Bohrpfahlbemessung auf Druck mit Erfahrungswerten


Ermittlung der Erfahrungswerte für Spitzendruck qb,k und Mantelreibung qs,k
In Anlehnung an DIN 1054:2010-12, 7.6.2.3, A (1) werden die Erfahrungswerte für die Man-
telreibung ‫ݍ‬௦ǡ௞ und den Spitzendruck ‫ݍ‬௕ǡ௞ gemäß EA-Pfähle (2012), Kapitel 5.4 verwendet. Je
nach Bodenart sind unterschiedliche Eingangsgrößen erforderlich.
− Nichtbindige Böden: mittlerer Spitzenwiderstand “ୡ der Drucksonde (CPT)
− Bindige Böden: undrainierte Scherfestigkeit …୳ǡ୩
Bei Verwendung dieser Erfahrungswerte müssen unbedingt die nachfolgenden Anwendungs-
grenzen beachtet werden:24
− nichtbindige Böden: 7,5 MN/m² ” qc ” 25 MN/m²
− bindige Böden (Spitzendruck): 100 kN/m² ” cu ” 250 kN/m²
− bindige Böden (Mantelreibung): 60 kN/m² ” cu ” 250 kN/m²
Ein Mittragen von Bodenschichten auf Mantelreibung mit qc < 7,5MN/m² bzw. cu ” 60 MN/m²
darf nur nach Bestätigung durch den Sachverständigen für Geotechnik angesetzt werden. Im
vorliegenden Fall gilt für die Tonschicht cu,k = 20 kN/m² < cu,min = 60 kN/m², weshalb inner-
halb der Tonschicht und der darüber liegenden Kiesschicht kein Lastabtrag angesetzt werden
darf.
Des Weiteren sind die folgenden geometrischen Anwendungsgrenzen einzuhalten:
− Mindesteinbindetiefe in die tragfähige Schicht: † ൒ ʹǡͷͲ
− Bohrpfahldurchmesser: Ͳǡ͵Ͳ ൑  ୱ „œ™Ǥ ୠ  ൑ ͵ǡͲ
− Mittlerer Spitzenwiderstand der Drucksonde “ୡ im Bereich ͳ ή ୠ oberhalb bis ͵ ή ୠ un-
terhalb des Pfahlfußes (für ୠ ൏ Ͳǡ͸ǣͳ ή ୠ oberhalb bis Ͷ ή ୠ unterhalb des Pfahlfußes)
als Eingangswert für den ansetzbaren Spitzendruck:

21
DIN 4014:1990-03, 7.3
22
EA-Pfähle (2012), 3.1.3 (3)
23
EA-Pfähle (2012), 3.1.1 (10)
24
EA-Pfähle (2012), 5.4.3 (10)
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 71

୑୒
“ୡǡ୫ ൌ ʹͲ (vgl. Bild 3-6)
୫మ
− Drucksondenspitzenwiderstands im maßgebenden Bereich als Eingangswert für die ansetz-
ெே
bare Mantelreibung: ‫ݍ‬௖ ൌ ‫ݍ‬௖ǡ௠ ൌ ʹͲ మ

Bild 3-6 Spitzenwiderstand der Druckson-


de qc als Eingangswert zur Ermittlung der
Erfahrungswerte für Spitzendruck qb,k und
Mantelreibung qs,k

Tabelle 3.9 Spannen der Erfahrungswerte für den charakteristischen Pfahlspitzendruck qb,k für
Bohrpfähle in nichtbindigen Böden; nach EA-Pfähle (2012), Tabelle 5.12

Pfahlspitzendruck qb,k in [10kN/m²]

Bezogene Pfahl- bei einem mittleren Sondierspitzenwiderstand qc der Drucksonde in


kopfsetzung [10MN/m²]

7,5 15 25

s/Ds = 0,02 550 – 800 1.050 – 1.400 1.750 – 2.300

s/Ds = 0,03 700 – 1.050 1.350 – 1.800 2.250 – 2.950

s/Db = sg/Db = 0,10 1.600 – 2.300 3.000 – 4.000 4.000 – 5.300

Zwischenwerte dürfen geradlinig interpoliert werden.


Bei Bohrpfählen mit Fußverbreiterung sind die Werte auf 75 % abzumindern.

Tabelle 3.9 enthält die Erfahrungswerte für den Pfahlspitzendruck von Bohrpfählen. Die je-
weils kleineren Werte entsprechen den 10 %-Fraktilen. Statistisch gesehen kommt es in 10%
aller Fälle vor, dass die tatsächlich vorhandenen Werte des Spitzendrucks qb,vorh,k und der Man-
telreibung qs,vorh,k kleiner sind als die Erfahrungswerte, d. h. in 10 % aller Fälle liegen diese
Erfahrungswerte auf der unsicheren Seite. Die größeren Werte in Tabelle 3.9 entsprechen den
72 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

50 %-Fraktilen, die statistisch gesehen in 50 % aller Fälle auf der unsicheren Seite liegen. Die
50 %-Fraktile dürfen nur dann angesetzt werden, „wenn diese ausdrücklich durch einen Sach-
verständigen für Geotechnik bestätigt werden“.25 Im Folgenden werden somit die 10 %-
Fraktile verwendet. Durch Interpolation erhält man folgende Werte für den setzungsabhängi-
gen Pfahlspitzenwiderstand qs,k(s):26
‫ ݏ‬ൌ ͲǡͲʹ ή ‫ܦ‬௦ ൌ ͲǡͲʹ ή ͳͷͲ ൌ ͵ܿ݉
ͳͲͷͲ ൅ ͳ͹ͷͲ
‫ݍ‬௕ǡ௞ ሺ‫ ݏ‬ൌ ͵ܿ݉ሻ ൌ ൌ ͳͶͲͲ݇ܰ
ʹ
‫ ݏ‬ൌ ͲǡͲ͵ ή ‫ܦ‬௦ ൌ ͲǡͲ͵ ή ͳͷͲ ൌ Ͷǡͷܿ݉
ͳ͵ͷͲ ൅ ʹʹͷͲ
‫ݍ‬௕ǡ௞ ሺ‫ ݏ‬ൌ Ͷǡͷܿ݉ሻ ൌ ൌ ͳͺͲͲ݇ܰ
ʹ
‫ݏ‬௚ ൌ Ͳǡͳ ή ‫ܦ‬௕ ൌ Ͳǡͳ ή ͳͷͲ ൌ ͳͷܿ݉
͵ͲͲͲ ൅ ͶͲͲͲ
‫ݍ‬௕ǡ௞ ሺ‫ ݏ‬ൌ ͳͷܿ݉ሻ ൌ ൌ ͵ͷͲͲ݇ܰ
ʹ
Der Bruchwert der Mantelreibung kann analog mit Tabelle 3.10 berechnet werden zu:
ͳͲͷ ൅ ͳ͵Ͳ ݇ܰ
‫ݍ‬௦ǡ௞ ൌ  ൌ ͳͳ͹ǡͷ
ʹ ݉;

Tabelle 3.10 Spannen der Erfahrungswerte für die charakteristische Pfahlmantelreibung qs,k für
Bohrpfähle in nichtbindigen Böden; nach EA-Pfähle (2012), Tabelle 5.13

Mittlerer Sondierspitzenwiderstand
Pfahlmantelreibung qs,k in [10kN/m²]
qc der Drucksonde in [10MN/m²]

7,5 55 – 80

15 105 – 140

• 25 130 – 170

Zwischenwerte dürfen geradlinig interpoliert werden.

Nachweis im Grenzzustand der Tragfähigkeit


Der Nachweis im Grenzzustand der Tragfähigkeit wird mit den bekannten Gleichungen (3.14)
geführt. Es wird unterstellt, dass sich der Pfahl im Bruchzustand befindet, d. h. es wird die
Pfahlgrenzsetzung sg gemäß Gleichung (3.15) angenommen.27 Der charakteristische, setzungs-
abhängige Pfahlwiderstand Rc,k(s) nach Gleichung (3.16) muss mit den entsprechenden
Bruchwerten für qb,k(sg) und qs,k(sg) ermittelt werden.
Fc , d ≤ R c , d (3.14a)

25
EA-Pfähle (2012), 5.4.3 (8)
26
Es ist anzumerken, dass die für die Werte der bezogenen Pfahlkopfsetzung von 0,02 bzw. 0,03 mit
dem Pfahlschaftdurchmesser Ds gerechnet wird, wohingegen sich die bezogene Pfahlgrenzsetzung von
0,10 auf den Pfahlfußdurchmesser Db bezieht.
27
Die Definition der Grenzsetzung sg nach Gleichung (3.15) ist in DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.1.1 (3)
und EA-Pfähle (2012), 5.2.2 (3) zu finden.
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 73

Fc,d = γ G ⋅ ¦ FG,i,k + γ Q ⋅ ¦ FQ,i,k (3.14b)


i i

Rc,k Rb , k R s ,k
Rc,d = = + (3.14c)
γt γb γs
s g = 0,10 ⋅ D b (3.15)

Rc,k ( s) = Rb,k ( s) + R s,k ( s) = Ab ⋅ q b,k ( s ) + ¦ As,i ⋅ q s,k ,i (s) (3.16)


i

Mit Db = Ds = 150 cm und den zuvor berechneten Bruchwerten folgt:


− Nennwert der Pfahlfußfläche: ‫ܣ‬௕ ൌ ߨൗͶ  ή  ‫ܦ‬௕ଶ ൌ ͳǡ͹͹݉ଶ
− Nennwert der Mantelfläche in Abhängigkeit der Einbindetiefe d in die tragfähige Schicht:
ୱ ൌ  ή † ൌ Ɏ ή ୱ ή † ൌ Ͷǡ͹ͳ ή †
− Pfahleigengewicht oberhalb der tragfähigen Sandschicht:

ୋଷǡ୩ ൌ ୠ ή Ž ή ɀ୆ ൌ ͳǡ͹͹ଶ ή ͳʹ ή ʹͷ ଷ ൌ ͷ͵ͳ

− Beanspruchungen, Widerstände und Nachweis:
  
 ୡǡ୩ ൌ ͳǡ͹͹; ή ͵ͷͲͲ ଶ ൅ ͳͳ͹ǡͷ ଶ ή Ͷǡ͹ͳ ή † ൌ ͸ͳͻͷ ൅ ͷͷ͵ǡͶ ή †
  
 ୡǡ୩  ୡǡ୩ 
 ୡǡୢ ൌ ൌ ൌ ͶͶʹͷ ൅ ͵ͻͷǡ͵ ή †
ɀ୲ ͳǡͶ 
‫ܨ‬௖ǡௗ ൌ ߛீ ή ‫ீܨ‬ǡ௞ ൅ ߛொ ή  ‫ܨ‬ொǡ௥௘௣ǡ௞ ൌ ͳǡ͵ͷ ή ሺ͵ͷͲ ൅ ͳͷͲͲ ൅ ͷ͵ͳሻ ൅ ͳǡͷ ή ሺͷͲͲ ൅ ʹͷͲͲሻ
‫ܨ‬௖ǡௗ ൌ ͹͹ͳͶǡ͵ͷ݇ܰ

 ୡǡୢ ൒ ‫ܨ‬௖ǡௗ  ՞ ͶͶʹͷ ൅ ͵ͻͷǡ͵ ή † ൒ ͹͹ͳͶǡ͵ͷ݇ܰ

͹͹ͳͶǡ͵ͷ െ ͶͶʹͷ
݀௘௥௙ ൒ ൌ ͺǡ͵ʹ݉ ൒ ʹǡͷͲ݉ ൌ ݀௠௜௡
͵ͻͷǡ͵

Nachweis im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit


Die Pfahlsetzungen müssen auf Grundlage von verformungsabhängigen Pfahlwiderständen
berechnet werden28, d. h. es wird eine Widerstands-Setzungs-Linie (WSL) wie in Bild 3-7
benötigt. Bei der Grenzsetzung ssg wird der Bruchwert der Pfahlmantelreibung erreicht. In der
zugehörigen empirischen Gleichung (3.17) müssen die entsprechenden Werte mit den angege-
benen Einheiten eingesetzt werden! Der maximale Pfahlmantelwiderstand Rs,k und damit auch
die Grenzsetzung ssg hängen von der Einbindetiefe d des Pfahls in die tragfähige Schicht ab.
Somit gilt die entsprechende WSL nur für diese Einbindetiefe d bzw. die zugehörige Pfahllän-
ge L.

28
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.4.1 (1)P und DIN 1054:2010-12, 7.6.4.1 A (1)
74 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Bild 3-7 Elemente der charakteristi-


schen Widerstands-Setzungs-Linie von
Bohrpfählen; nach EA-Pfähle (2012)

s sg [cm ] = 0,5 ⋅ R s , k ( s sg ) [ MN ] + 0,5 [ cm ] ≤ 3 [cm ] (3.17)

Im vorliegenden Beispiel wird die Einbindetiefe in die tragfähigen Sande zu d = 11,7 m ge-
wählt. Damit gilt:
‫ܣ‬௦ ൌ Ͷǡ͹ͳ ή ͳͳǡ͹ ൌ ͷͷǡͳͳ;
݇ܰ
ܴ௦ǡ௞ ൫•௦௚ ൯ ൌ ͷͷǡͳͳ݉ଶ ή ͳͳ͹ǡͷ ൌ ͸Ͷ͹ͷǡͶ݇ܰ ൎ ͸ǡͶ͹ͷ‫ܰܯ‬
݉ଶ
Ͳǡͷ ή ͸ǡͶ͹ͷ ൅ Ͳǡͷ ൌ ͵ǡ͹Ͷ… ൐ ͵… ՜  •௦௚ ൌ ͵…
Die einzelnen Punkte der Widerstands-Setzungs-Linie nach Bild 3-8 sind in Tabelle 3.11 ange-
geben.

Tabelle 3.11 Punkte der Widerstands-Setzungs-Linie im vorliegenden Beispiel für d = 11,7 m


bzw. L = 23,7 m

s qb,k Rb,k(s) qs,k Rs,k(s) Rc,k(s)


[10cm] [10kN/m²] [10kN] [10kN/m²] [10kN] [10kN]
ssg/Ds 3,0 1400 2478 117,5 6475,4 8953,4
s/Ds=0,02 3,0 1400 2478 117,5 6475,4 8953,4
s/Ds=0,03 4,5 1800 3186 117,5 6475,4 9661,4
s/Db=0,10 15,0 3500 6195 117,5 6475,4 12670,4
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 75

Bild 3-8 Widerstands-


Setzungs-Linie im vorliegenden
Beispiel für d = 11,7 m bzw.
L = 23,7 m

Wird der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit mit Kräften geführt, so gilt:


‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ߛீ ή ‫ீܨ‬ǡ௞ ൅ ߛொ ή  ‫ܨ‬ொǡ௥௘௣ǡ௞ ൌ ͵ͷͲ ൅ ͳͷͲͲ ൅ ͷ͵ͳ ൅ ͷͲͲ ൅ ʹͷͲͲ
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ͷ͵ͺͳ݇ܰ
ͳǡͺܿ݉
‫ܥ‬ௗ ൌ ‫ܨ‬௖ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ ൌ ή ͺͻͷ͵ǡͶ݇ܰ ൌ ͷ͵͹ʹǡͲ݇ܰ
͵ܿ݉
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ͷ͵ͺͳ
ߤൌ ൌ ൎ ͳǡͲͲ
‫ܥ‬ௗ ͷ͵͹ʹ
Alternativ können auch die Setzungen verglichen werden:
ͷ͵ͺͳ
‫ݏ‬௩௢௥௛ ൌ ‫ݏ‬൫‫ܨ‬௖ǡௗ ൯ ൌ ή ͵ܿ݉ ൌ ͳǡͺͲܿ݉ ൎ ‫ݏ‬௭௨௟ 
ͺͻͷ͵ǡͶ
Somit ist im vorliegenden Beispiel der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit maßgebend. Die
erforderliche Einbindetiefe in die tragfähige Sandschicht beträgt d = 11,7 m und die zugehörige
Pfahllänge L = 23,7 m29.
Die Bemessung auf die zulässige Setzung ist im vorliegenden Beispiel eher von akademischer
Natur, da in der Regel die Setzungsdifferenzen zwischen benachbarten Pfählen maßgebend
werden. Gemäß DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.4.2 (3) sollten zusätzlich die möglichen Set-
zungsunterschiede abgeschätzt werden. Das entsprechende Vorgehen wird in Abschnitt 3.5.2
näher erläutert.

29
Gemäß EA-Pfähle (2012), 3.2 (7) sollte noch abgeglichen werden, ob die Baugrunduntersuchungen
ausreichend tief sind. Die Erkundungstiefe sollte mindestens bis za • 4·Db unter den Pfahlfuß reichen.
76 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

3.3.2 Variante 2: mit negativer Mantelreibung

3.3.2.1 Randbedingungen
Im Vergleich zu Variante 1 ist die Bodenplatte nun von den Pfählen entkoppelt (Bild 3-9). Dies
führt zu zusätzlichen Spannungen in der Kies- und der Tonschicht, die wiederum eine Kom-
pression dieser Schichten zur Folge haben. Im Folgenden wird deshalb negative Mantelreibung
IJn bei der Pfahlbemessung berücksichtigt. Wie in Abschnitt 3.3.1 gilt bezüglich der Lasten und
zulässigen Setzung:
− Ständige vertikale Beanspruchung aus der Stütze: VG1,k = 350 kN
− Veränderliche vertikale Beanspruchung aus der Stütze: VQ1,k = 500 kN
− Eigengewicht der Bodenplatte (γB = 25 kN/m³): gk = 15 kN/m²
− Veränderliche Stapellasten auf der Bodenplatte: qk = 25 kN/m²
− zulässige Pfahlkopfsetzung: szul = 1,8 cm

Bild 3-9 Einzelpfahlbemessung bei entkoppelter Bodenplatte – Grundrissausschnitt und Quer-


schnitt für den betrachteten Bereich (vgl. auch Bild 3-3)

3.3.2.2 Exkurs „negative Mantelreibung IJn“


Ursachen negativer Mantelreibung und neutraler Punkt
Negative Mantelreibung wird in den Abschnitten 7.3.2.2 von DIN EN 1997-1:2009-09 sowie
DIN 1054:2010-12 behandelt. Der folgende Abschnitt basiert auf dem sehr ausführlichen Kapi-
tel 4.4 der EA-Pfähle (2012).
Negative Mantelreibung wird durch Relativverschiebungen zwischen dem Pfahl und dem um-
gebendem Boden hervorgerufen. Oberhalb des sogenannten „neutralen Punktes“ setzt sich der
umgebende Boden stärker als der Pfahl (siehe Bild 3-10), und das Eigengewicht der sich set-
zenden Bodenschicht und darüber liegender Schichten hängt sich mittels negativer Mantelrei-
bung IJn an den Pfahl. Unterhalb des neutralen Punkts erfolgt der Lastabtrag vom Pfahl auf den
umgebenden Boden über positive Mantelreibung qs und Spitzendruck qb. Wird bei einem Pfahl,
der durch negative Mantelreibung belastet ist, die Belastung am Pfahlkopf gesteigert (vgl. Bild
3-10: Laststeigerung von Fa auf Fb), so führt dies zu einer Zunahme der Pfahlsetzungen. Ent-
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 77

sprechend wandert der neutrale Punkt nach oben, und der Einflussbereich der negativen Man-
telreibung wird kleiner.
Setzungen von kompressiblen Schichten und der darüber liegenden Bodenschichten werden
durch eine Zunahme der effektiven Spannungen innerhalb der kompressiblen Schicht hervorge-
rufen. Dies kann z. B. durch zusätzliche Auflasten, durch eine Absenkung des Grundwasser-
spiegels oder auch durch das Rammen von Pfählen in der nahen Umgebung ausgelöst werden.
Lasten Fn aus negativer Mantelreibung IJn dürfen als ständige Einwirkungen angesehen wer-
den.30 Innerhalb der Schichten mit „wesentlicher“ negativer Mantelreibung sollte das Pfahlei-
gengewicht als zusätzliche Einwirkung angesetzt werden.31

Bild 3-10 Qualitative Darstellung der Zusammenhänge von Pfahlwiderstand, Beanspruchung


aus Bauwerkslasten F und negativer Mantelreibung IJn bei homogenem Untergrund sowie Defi-
nition des neutralen Punktes; nach EA-Pfähle (2012)

Ermittlung der charakteristischen negativen Mantelreibung


Die Größe der negativen Mantelreibung kann bei nichtbindigen und bindigen Böden über die
effektiven Vertikalspannungen ı’v nach Gleichung (3.18) berechnet werden. Die Variante mit
dem Erdruhedruckbeiwert K0 erscheint nachvollziehbarer, da die Werte für den Faktor ȕn je
nach Bodenart und Literaturquelle zwischen 0,1 und 1,0 liegen können. Für nichtbindige Bö-
den wird häufig ȕn = 0,25 – 0,30 angesetzt. Für bindige Böden kann der Zahlenwert der negati-
ven Mantelreibung IJn alternativ mittels des Ansatzes der totalen Spannungen nach Gleichung
(3.19) berechnet werden. Der Faktor Įn liegt je nach Bodenart und Pfahltyp zwischen 0,15 und
1,60. Meistens wird Įn = 1,0 gewählt.
τ n,k = K 0 ⋅ tan ϕ k' ⋅ σ v' = β n ⋅ σ v' (3.18)
τ n,k = α n ⋅ c u ,k (3.19)
In der Praxis wird oft die Meinung vertreten, die negative Mantelreibung IJn,k könne nicht grö-
ßer als die positive Mantelreibung qs,k werden. Prinzipiell ist dies richtig. Da aber die negative
Mantelreibung IJn,k auf der sicheren Seite nach oben abgeschätzt wird, während für qs,k ein nach

30
EA-Pfähle (2012), 4.4.1 (1)
31
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2.1 (2)
78 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

unten abgeschätzter Wert auf der sicheren Seite liegt, kann rechnerisch sehr wohl der Fall
qs,k < IJn,k auftreten.
Bestimmung des neutralen Punktes
Im neutralen Punkt entsprechen die Pfahlsetzungen gerade den Setzungen des umgebenden
Bodens, d. h. in diesem Punkt sind die Relativverschiebungen zwischen Boden und Pfahl gera-
de Null. Hinsichtlich der Nachweisführung müssen die folgenden zwei Fälle unterschieden
werden:
− Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS): Der Pfahl befindet sich im Bruchzustand, und es
wird die Pfahlgrenzsetzung sg = 0,10·Db nach Gleichung (3.15) unterstellt.
− Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS): Die Setzungen des den Pfahl umgebenden
Bodens werden für den Endzustand, d. h. unter Berücksichtigung der Konsolidations- und
Kriechverformungen berechnet. Die Pfahlsetzungen werden aus der Widerstands-Setzungs-
Linie bestimmt.
In der Regel liegt der neutrale Punkt im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit tiefer als im
Grenzzustand der Tragfähigkeit. Entsprechend gilt für die Beanspruchung aus negativer Man-
telreibung Fn,k(SLS) > Fn,k(ULS).
Ansatz der Beanspruchung Fn,k
Je nach Grenzzustand wird der Einfluss der negativen Mantelreibung unterschiedlich berück-
sichtigt. Es gilt für den jeweiligen Bemessungswert der Pfahlbeanspruchung Fc,d:
− Nachweis der „äußeren“ Pfahltragfähigkeit & Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
(SLS): Fc , d ( SLS ) = Fc , k = FG , k + Fn , k ( SLS ) + FQ , rep , k (3.20)

− Nachweis der „äußeren“ Pfahltragfähigkeit & Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS):


[ ]
Fc , d (ULS ) = γ G ⋅ FG , k + Fn , k (ULS ) + γ Q ⋅ FQ , rep , k
(3.21)
− Nachweis der „inneren“ Pfahltragfähigkeit (Materialnachweis):
[ ]
Fc , d ( STR ) = γ G ⋅ FG , k + Fn , k ( SLS ) + γ Q ⋅ FQ , rep , k
(3.22)
Was kann bei Vernachlässigung der negativen Mantelreibung passieren?
In Bild 3-11 ist ein realer Fall aus der Praxis skizziert. Die Widerlager eines neuen Brücken-
bauwerks wurden auf Pfählen gegründet. Die Pfähle wurden unterhalb einer bindigen Weich-
schicht abgesetzt. Nach Fertigstellung des Brückenbauwerks erfolgte die Anschüttung der
Rampen.
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 79

Bild 3-11 Praxisbeispiel: Brü-


ckenwiderlager mit nachträglicher
Dammschüttung

Obwohl vom Bodengutachter angegeben, wurde negative Mantelreibung bei der Pfahlbemes-
sung vom Tragwerksplaner nicht berücksichtigt. Aufgrund der nachträglichen Dammschüttung
kam es zu einer Kompression der bindigen Weichschicht sowie zu Setzungen in dieser und den
darüber liegenden Schichten. Die Gründungspfähle des Widerlagers auf der Dammseite wur-
den zusätzlich durch negative Mantelreibung belastet und setzten sich stärker als die Pfähle auf
der Brückenseite. Die Folge war eine Verkippung des Widerlagers wie in Bild 3-11 angedeutet,
eine weit aufklaffenden Dehnfuge (Bild 3-12) sowie abgerissene Geländer (Bild 3-13).

Bild 3-12 Dehnfuge (links) und Gleitlager (rechts) nach erfolgter Dammschüttung
80 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Bild 3-13 abgerissenes Brü-


ckengeländer nach erfolgter
Dammschüttung

3.3.2.3 Variante 2: Nachweis mit negativer Mantelreibung IJn im Grenzzustand der


Tragfähigkeit
Im Folgenden wird unterstellt, dass die Bodensetzungen rein aus der Kompression der weichen
Tonschicht resultieren, d. h. die Setzung auf Oberkante der Tonschicht entspricht jener der
gesamten Kiesschicht und der Bodenplatte. Für die Pfahlsetzung wird Gleichung (3.15) ange-
setzt.
݀ ்௢௡ ݇ܰ ͻ݉
‫ݏ‬஻ǡ௠௔௫ ൌ  ሺ݃௞  ൅ ‫݌‬௞ ሻ ή  ൌ  ሺͳͷ ൅ ʹͷሻ ή ൌ ͲǡʹͶ݉ ൌ ʹͶܿ݉
‫ܧ‬௦ǡ்௢௡ ݉; ͳͷͲͲ ݇ܰ
݉;
‫ݏ‬௚  ൌ Ͳǡͳ ή ‫ܦ‬௕  ൌ ͳͷܿ݉ ൏  ‫ݏ‬஻ǡ௠௔௫ 
Die Pfahlsetzungen sind in Bild 3-14 (links) blau eingetragen. Die rote Linie stellt die Boden-
setzungen dar. Am Schnittpunkt der blauen und roten Linie liegt der neutrale Punkt (6,375 m
unter Geländeoberkante bzw. Unterkante Bodenplatte).
Für die Größe der negativen Mantelreibung gilt mit den Gleichungen (3.18) und (3.19):
− Negative Mantelreibung in den Tonen (hier: Ƚ ൌ ͳǡͲ):
݇ܰ
߬௡ǡ௞ ሺ‫ ݖ‬൒ ͵ሻ ൌ ߙ ή ܿ௨ǡ௞ ൌ ʹͲ ଶ 
݉
− Negative Mantelreibung in den Kiesen:
߬௡ǡ௞ ሺ‫ݖ‬ሻ ൌ ‫ܭ‬଴ ή ‫߮ ݊ܽݐ‬Ԣ௞ ή ߪ ᇱ ௭ǡ௞ ൌ ሺͳ െ ‫߮ ݊݅ݏ‬Ԣ௞ ሻ ή ‫ ߮ ݊ܽݐ‬ᇱ ௞ ή ൫ߪ ᇱ ௭ǡ௚௞ ൅ ݃௞ ൅ ‫݌‬௞ ൯
݇ܰ ݇ܰ
߬௡ǡ௞ ሺ‫ ݖ‬ൌ Ͳሻ ൌ ሺͳ െ ‫͵ ݊݅ݏ‬ͷιሻ ή ‫͵ ݊ܽݐ‬ͷι ή ͶͲ ൌ ͳͳǡͻ ଶ 
݉ଶ ݉
݇ܰ ݇ܰ
߬௡ǡ௞ ሺ‫ ݖ‬ൌ ͵ሻ ൌ ሺͳ െ ‫͵ ݊݅ݏ‬ͷιሻ ή ‫͵ ݊ܽݐ‬ͷι ή ሺ͵ ή ʹʹ ൅ ͶͲሻ ଶ ൌ ͵ͳǡ͹ ଶ 
݉ ݉
3.3 Einzelpfahlbemessung für Druckbelastung mit Erfahrungswerten 81

Bild 3-14 Grenzzustand der Tragfähigkeit – Verlauf der Setzungen, Lage des neutralen Punkts
(links), Verlauf der aktivierten negativen Mantelreibung (rechts)

Durch Integration der negativen Mantelreibung über den Pfahlumfang innerhalb des Einfluss-
bereichs ergibt sich die zusätzliche Pfahllast (gerundet) zu:
ͳͳǡͻ ൅ ͵ͳǡ͹ ݇ܰ
‫ܨ‬௡ǡ௞ ൌ ෍ ߬௡ǡ௞ǡ௜ ή ‫ܣ‬௦ǡ௜ ൌ ߨ ή ͳǡͷ݉ ή ൬ ή ͵ ൅ ʹͲ ή ͵ǡͶ൰ ൌ ͸ʹͺǡ͸݇ܰ
ʹ ݉

Die maximal mögliche Last, die sich infolge der Auflasten (gk + qk) = 40 kN/m² an den Pfahl
mit Einflussbereich 10 x 10 m² hängen kann, beträgt Fn,k,max = 4000 kN und ist damit kleiner
als der oben berechnet Wert. Maßgebend ist der kleinere Wert Fn,k(ULS) = 628,6 kN.
Damit folgt analog zum Vorgehen in Abschnitt 3.3.1.2 unter Verwendung der Erfahrungswerte
für Spitzendruck qb,k und positive Mantelreibung qs,k:
݇ܰ
ܴ௖ǡ௞ ͸ͳͻͷ݇ܰ ൅ ͷͷ͵ǡͶ ݉ ή ݀ ݇ܰ
ܴ௖ǡௗ ൌ ൌ ൌ ͶͶʹͷ݇ܰ ൅ ͵ͻͷǡ͵ ή ݀
ߛ௧ ͳǡͶ ݉
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܷ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ߛீ ή ൣܸீଵǡ௞ ൅ ܸீଷǡ௞ ൅ ‫ܨ‬௡ǡ௞ ሺܷ‫ܵܮ‬ሻ൧ ൅ ߛொ ή ܸொଵǡ௞ 
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܷ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ͳǡ͵ͷ ή ሺ͵ͷͲ ൅ ͷ͵ͳ ൅ ͸ʹͺǡ͸ሻ ൅ ͳǡͷ ή ͷͲͲ ൌ ʹ͹ͺͺǡͲ݇ܰ
݇ܰ
ܴ௖ǡௗ ൒ ‫ܨ‬௖ǡௗ  ՞ ͶͶʹͷ݇ܰ ൅ ͵ͻͷǡ͵ ή ݀௘௥௙ ൒ ʹ͹ͺͺǡͲ݇ܰ
݉
ʹ͹ͺͺǡͲ െ ͶͶʹͷ
݀௘௥௙ ൒ ൌ െͶǡͳͶ݉ ൏ Ͳ ՜  ݀௘௥௙ ൌ ݀௠௜௡ ൌ ʹǡͷͲ݉
͵ͻͷǡ͵
Die Stützenlasten sowie die Beanspruchung Fn aus negativer Mantelreibung können allein über
Spitzendruck abgetragen werden. Somit wird die Mindesteinbindetiefe für die Verwendung der
Erfahrungswerte maßgebend.
82 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

3.3.2.4 Variante 2: Nachweis mit negativer Mantelreibung IJn im Grenzzustand der


Gebrauchstauglichkeit
Das Ergebnis aus Abschnitt 3.3.2.3 wird in einem ersten Schritt für den Nachweis im Grenzzu-
stand der Gebrauchstauglichkeit gewählt, d. h. es wird eine Pfahleinbindung in die tragfähigen
Sande von d = 2,5 m angenommen. Aus der zugehörigen Widerstands-Setzungs-Linie (siehe
Bild 3-15) ergibt sich die Pfahlkopfsetzung unter den äußeren Beanspruchungen wie folgt:
ୡǡୢ ሺሻ ൌ ɀୋ ή ሺୋଵǡ୩ ൅ ୋଷǡ୩ ሻ ൅ ɀୋ ή  ୕ǡ୰ୣ୮ǡ୩ ൌ ͵ͷͲ ൅ ͷ͵ͳ ൅ ͷͲͲ ൌ ͳ͵ͺͳ
ͳ͵ͺͳ
•୔୤ୟ୦୪ ൌ ή ͳǡͳͻܿ݉ ൌ Ͳǡ͸ͻܿ݉
ʹ͵͹Ͳ


Bild 3-15 Widerstands-


Setzungs-Linie im vorliegenden
Beispiel für d = 2,5 m

Der Verlauf der Bodensetzungen ist der Gleiche wie beim Nachweis im Grenzzustand der
Tragfähigkeit. Dies führt zu einer Tiefenlage des neutralen Punkts bei zn = 11,74 m unter Ge-
ländeoberkante (Bild 3-16) sowie dem nachfolgenden Nachweis.
ͳͳǡͻ ൅ ͵ͳǡ͹ ݇ܰ
‫ܨ‬௡ǡ௞ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ߨ ή ͳǡͷ݉ ή ൬ ή ͵ ൅ ʹͲ ή ͺǡ͹Ͷ൰ ൌ ͳͳ͵ͳǡͻ݇ܰ
ʹ ݉
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ߛீ ή ൣܸீଵǡ௞ ൅ ܸீଷǡ௞ ൅ ‫ܨ‬௡ǡ௞ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ൧ ൅ ߛொ ή ܸொଵǡ௞ 
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ͵ͷͲ ൅ ͷ͵ͳ ൅ ͳͳ͵ͳǡͻ ൅ ͷͲͲ ൌ ʹͷͳʹǡͻ݇ܰ
ሺͳǡͺ െ ͳǡͳͻሻܿ݉
‫ܥ‬ௗ ൌ ‫ܨ‬௖ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ ൌ ʹ͵͹Ͳ݇ܰ ൅ ή ሺ͵ͺ͸Ͳ െ ʹ͵͹Ͳሻ݇ܰ ൌ ʹͺ͹ʹǡʹ݇ܰ
ሺ͵ െ ͳǡͳͻሻܿ݉
‫ܨ‬௖ǡௗ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ʹͷͳʹǡͻ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡͺ͹ ൏ ͳǡͲͲ
‫ܥ‬ௗ ʹͺ͹ʹǡʹ
ʹͷͳʹǡͻ െ ʹ͵͹Ͳ
‫ݏ‬௉௙௔௛௟ ሺܵ‫ܵܮ‬ሻ ൌ ͳǡͳͻ ൅  ή ሺ͵ െ ͳǡͳͻሻ  ൎ ͳǡͶܿ݉ ൏  ‫ݏ‬௭௨௟  ൌ ͳǡͺܿ݉
͵ͺ͸Ͳ െ ʹ͵͹Ͳ
3.4 Einzelpfahlbemessung für horizontale Belastung 83

Bild 3-16 Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit für eine gewählte Einbindetiefe in die trag-
fähigen Sande von d = 2,5 m – Verlauf der Setzungen, Lage des neutralen Punkts (links), Ver-
lauf der aktivierten negativen Mantelreibung (rechts)

Die gewählte Einbindetiefe von d = 2,5 m ist also auch für den Nachweis im Grenzzustand der
Gebrauchstauglichkeit ausreichend, und die Pfahllänge beträgt L = 14,5 m.

3.3.3 Vergleich der Varianten 1 und 2


Die erforderliche Pfahllänge ist bei der Variante 2 um ȴL = 23,7 – 14,5 = 9,2 m geringer als
bei Variante 1 (vgl. Abschnitt 3.3.1.2), d. h. es werden lediglich 14,5/23,7 = 62 % der gesamten
Pfahlmassen erforderlich. Dies wird jedoch durch eine Setzung der Bodenplatte um 24 cm
erkauft. Sinnvoll wäre hier das System gemäß Variante 2 mit folgendem Bauablauf:
− Aufbringen einer Schüttung in der Größenordnung von (gk + qk) = 40 kN/m² als Vorbelas-
tung der weichen Tonschicht
Ÿ Vorwegnahme eines Großteils der Konsolidationssetzungen und Reduzierung der negativen
Mantelreibung
− Einbringen der (kurzen) Pfähle

3.4 Einzelpfahlbemessung für horizontale Belastung


Die Einzelpfähle gemäß Abschnitt 3.3.2 sollen auch für horizontale Beanspruchung nachge-
wiesen werden. Am Pfahlkopf greifen an:
− Ständige horizontale Beanspruchung aus der Stütze: HG,k = 200 kN
− Veränderliche horizontale Beanspruchung aus der Stütze: HQ,k = 250 kN
Mit dem Pfahlschaftdurchmesser Ds = 1,5 m, den Steifemoduln Es,k gemäß Bild 3-4 sowie
Gleichung (3.9) erhält man den in Bild 3-17 (links) dargestellten Verlauf der Bettungsmoduln
ks,k in den einzelnen Bodenschichten. Die Biegelinie eines Pfahls mit Länge L = 14,5 m gemäß
Abschnitt 3.3.2.4, d. h. der Verlauf der horizontalen Pfahlverschiebungen w, wird mit einem
84 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

entsprechenden Programm für Grundbaustatik berechnet.32 Mittels Gleichung (3.23) und dem
Bettungsansatz nach Bild 3-17 (links) ergibt sich der in Bild 3-17 (rechts) gestrichelt darge-
stellte Verlauf der charakteristischen, horizontalen Bettungsspannungen ıh,k.
σ h ,k = w ⋅ k s ,k
(3.23)

Bild 3-17 Bodenkenngrößen und ursprünglicher Bettungsansatz (links); Charakteristische,


horizontale Bettungsspannung ıh,k und charakteristischer, ebener Erdwiderstand epgh,k (rechts)

Der ebene, charakteristische Erdwiderstand epgh,k ist im oberen Pfahlbereich kleiner als die
charakteristische, horizontale Bettungsspannung ıh,k (Bild 3-17, rechts), d. h. Gleichung (3.10)
wird verletzt. Der Bettungsmodul muss iterativ für den oberen Pfahlkopfbereich abgemindert
werden (im vorliegenden Beispiel programmintern), bis Gleichung (3.10) erfüllt ist. Die An-
passung wird je einmal für Volllast und für rein ständige Lasten durchgeführt, was auf die
entsprechenden Verläufe der Bettungsspannungen ıh,k und ıGh,k führt. Mittels Differenzbildung
gemäß Gleichung (3.24) erhält man den Verlauf der Bettungsspannungen infolge veränderli-
cher Lasten ıQh,k. In Bild 3-18 (links) sind der ursprüngliche sowie die angepassten Bettungs-
verläufe dargestellt. Damit keinerlei zusätzliche Vertikalspannungen in die Kiesschicht und die
darunter liegende Tonschicht eingeleitet werden, wurde in dem verwendeten Berechnungspro-
gramm ein passiver Erddruckneigungswinkel von įp = 0° eingegeben. Wie Bild 3-18 (rechts)
zeigt, wird programmintern ungeachtet dieser Vorgabe ein passiver Erddruckneigungswinkel
von įp = -2/3·ij’k für die Anpassung des Bettungsmoduls nach Gleichung (3.10) verwendet. Die
eingesetzten Berechnungstools sollten also stets kontrolliert werden.
σ Qh ,k = σ h , k − σ Gh , k
(3.24)

32
Prinzipiell kann ein Stabwerksprogramm, das gebettete Balkenelemente unterstützt, verwendet wer-
den. In diesem Fall muss die erforderliche Anpassung der Bettungssteifigkeit ks,k(z) für den Nachweis
nach Gleichung (3.10) von Hand durchgeführt werden.
3.4 Einzelpfahlbemessung für horizontale Belastung 85

Bild 3-18 Ursprünglicher und auf Volllast bzw. ständige Belastung angepasste Bettungsverläu-
fe (links); Verläufe des charakteristischen, horizontalen Erdwiderstands sowie der angepassten,
charakteristischen, horizontalen Bettungsspannung ıh,k und ıGh,k (rechts)

Bild 3-19 Vergleich der Bettungsspannung(santeile) und des räumlichen Erdwiderstands –


Charakteristische Werte (links); Bemessungswerte (rechts)

Der Bemessungswert der horizontalen Bettungsreaktion Bh,d nach Gleichung (3.12) ist noch
mit dem Bemessungswert der räumlichen Erdwiderstandskraft Erpgh,d33 zu vergleichen. Die
untere Integrationsgrenze entspricht der Tiefenlage des Drehpunkts, der im vorliegenden Bei-
spiel bei z = 11,6 m unter Geländeoberkante liegt. Der Nachweis ist erfüllt (vgl. Bild 3-19,
rechts) mit folgendem Ausnutzungsgrad:
ீை௄ ீை௄
‫ܤ‬௛ǡௗ ൌ ‫ܦ‬௦ ή ቈߛீ ή න ߪீ௛ǡ௞ ݀‫ ݖ‬൅ ߛொ ή න ߪொ௛ǡ௞ ݀‫ݖ‬቉
஽௥௘௛௣௨௡௞௧ ஽௥௘௛௣௨௡௞௧
݇ܰ ݇ܰ
‫ܤ‬௛ǡௗ ൌ ͳǡͷ݉ ή ൤ͳǡ͵ͷ ή ͳͷͳǡͶͺ ൅ ͳǡͷ ή ͳͻͷǡͲʹ ൨ ൌ ͹ͶͷǡͷͶ݇ܰ ് ‫ܪ‬ௗ 
݉ ݉
ሺ‫݄݈ܿ݅݁݃ݎܸ݁݉ݑݖ‬ǣ‫ܪ‬ௗ ൌ ͳǡ͵ͷ ή ʹͲͲ݇ܰ ൅ ͳǡͷ ή ʹͷͲ݇ܰ ൌ ͸Ͷͷ݇ܰሻ

33
Siehe Gleichung (3.13) und DIN 4085:2011-05, 6.5.2
86 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7



‫ܧ‬௣௚௛ǡ௞ ͳʹ͸ͻͲ݇ܰ
‫ܧ‬௣௚௛ǡௗ ൌ ൌ ൌ ͻͲ͸Ͷǡ͵݇ܰ
ߛோǡ௘ ͳǡͶ
‫ܤ‬௛ǡௗ ͹ͶͷǡͷͶ
ߤൌ ௥ ൌ ൌ ͲǡͲͺ ൏ ͳǡͲͲ
‫ܧ‬௣௚௛ǡௗ ͻͲ͸Ͷǡ͵

3.5 Auswertung von 4 statischen, axialen Pfahlprobebelastungen


Im vorliegenden Beispiel wurden vier statische axiale Pfahlprobebelastungen an Großbohr-
pfählen mit D = 150 cm und L = 20 m durchgeführt (Nummerierung gemäß Bild 3-3). Die
Versuche wurden lastgesteuert bis zu einer maximalen Prüflast von Pp,vorh = 12 MN gefahren.
Ausgehend von den in Abschnitt 3.3.1.1 angegebenen Beanspruchungen sowie ξ1(n=4) = 1,05
(vgl. Tabelle 3.2) und Ȗt = 1,10 (vgl. Tabelle 3.4) ist die mindestens erforderliche Prüflast nach
Gleichung (3.1) somit eingehalten.
ܲ௣ ൌ ሾͳǡ͵ͷ ή ሺ͵ͷͲ ൅ ͳͷͲͲሻ ൅ ͳǡͷ ή ሺͷͲͲ ൅ ʹͷͲͲሻሿ ή ͳǡͳ ή ͳǡͲͷ ൌ ͺͲͺʹǡͳ݇ܰ ൏ ͳʹ‫ܰܯ‬

Tabelle 3.12 Reale Messwerte sm,i = f (Pc,i) der lastgesteuerten Pfahlprobebelastungen

Pc,i sm,1 sm,2 sm,3 sm,4


[10MN] [10mm] [10mm] [10mm] [10mm]
0,1 0,005 0,002 0,003 0,002
0,75 0,362 0,140 0,234 0,284
1,5 1,112 1,108 1,194 1,176
2,25 2,114 2,999 2,844 2,437
3,0 3,333 5,714 4,944 4,257
4,0 5,247 10,416 8,444 7,784
5,0 7,861 16,097 12,744 12,543
6,0 10,385 22,528 19,844 18,139
7,0 12,961 29,584 26,761 25,482
8,0 16,056 37,312 32,445 32,067
9,0 20,125 44,564 39,944 41,573
10,0 24,268 52,972 48,325 53,067
11,0 28,547 62,967 58,451 67,843
12,0 33,351 76,183 69,345 88,295
3.5 Auswertung von 4 statischen, axialen Pfahlprobebelastungen 87

Bild 3-20 Lastgesteuerte Pfahlprobebelastung – Reale Messwerte einschl. Extrapolation


(links); Interpolierte Messwertkurven (rechts)

Die eigentlichen Messwerte sind in Tabelle 3.12 angegeben. Weder die Pfahlgrenzsetzung von
sg = 0,10·Db = 15 cm wurde erreicht, noch zeigen die tatsächlichen Messkurven in Bild 3-20
(links) bei der maximalen Prüflast von 12 MN ein ausgeprägtes Kriechverhalten mit annähernd
vertikaler Tangente. Somit wurde der Bruchzustand bzw. die Pfahlbruchlast bei keinem der
vier Versuche erreicht. Für die weiteren Betrachtungen wurden die Messkurven deshalb bis zur
Grenzsetzung sg extrapoliert34 (gestrichelte Linien in Bild 3-20, links).
Für die Auswertung der Pfahlprobebelastungen nach Gleichung (3.2) müssen die Messwerte
der Pfahlwiderstände Rc,m,i in Abhängigkeit der Setzung si vorliegen. Die realen (und extrapo-
lierten) Messkurven der lastgesteuerten Versuche zeigen jedoch die Pfahlkopfsetzungen sm,i in
Abhängigkeit der aufgebrachten Laststufe Pc,i. Somit müssen die gesuchten Messwerte der
Pfahlwiderstände Rc,m,i für ausgewählte Setzungen s aus den realen Messkurven interpoliert
werden (Bild 3-20, rechts). Die zugehörigen Zahlenwerte sind in Tabelle 3.13 angegeben.

Tabelle 3.13 Interpolierte Messwerte Rc,m,i = f(s)

s Rc,m,1 Rc,m,2 Rc,m,3 Rc,m,4


[10cm] [10MN] [10MN] [10MN] [10MN]
0,5 3,87 2,80 3,02 3,21
1,0 5,85 3,91 4,36 4,47
2,0 8,97 5,61 6,02 6,25
3,0 11,30 7,05 7,57 7,69

34
Die Extrapolation kann z. B. mit dem Hyperbel-Verfahren nach ROLLBERG [14] erfolgen.
88 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

s Rc,m,1 Rc,m,2 Rc,m,3 Rc,m,4


[10cm] [10MN] [10MN] [10MN] [10MN]
4,0 13,41 8,37 9,01 8,83
5,0 14,74 9,65 10,17 9,73
6,0 16,06 10,70 11,14 10,47
7,0 16,98 11,53 12,16 11,11
8,0 17,67 12,30 12,87 11,59
9,0 18,18 12,94 13,66 12,08
10,0 18,53 13,64 14,28 12,48
11,0 18,75 14,10 14,87 12,75
12,0 18,90 14,58 15,32 13,02
13,0 19,00 14,91 15,74 13,17
14,0 19,06 15,27 15,94 13,32
15,0 19,13 15,47 16,17 13,42

3.5.1 Charakteristischer Pfahldruckwiderstand Rc,k aus Pfahlprobe-


belastungen
Der charakteristische Pfahldruckwiderstand Rc,k für den Nachweis im Grenzzustand der Trag-
fähigkeit wird nach Gleichung (3.2) unter Berücksichtigung der Streuungsfaktoren ξ1 und ξ2
(vgl. Tabelle 3.2) berechnet.
Der Testpfahl Nr. 1 in Bild 3-20 zeigt ein deutlich steiferes Verhalten als die Testpfähle 2 bis
4, was hinsichtlich der ansetzbaren Anzahl probebelasteter Pfähle n zur Ermittlung der Streu-
ungsfaktoren ξ1 und ξ2 berücksichtigt werden muss.35 Im Folgenden wird deshalb der Testpfahl
Nr. 1 separat ausgewertet (n = 1 ĺ ξ1 = ξ2 =1,35), und die Testpfähle 2 bis 4 werden zusam-
mengefasst (n = 3ĺ ξ1 = 1,15; ξ2 =1,00). Eine Abminderung der ξ1-Werte36 wird nicht vorge-
nommen, d. h. es wird unterstellt, dass weder die Bodenplatte noch das Tragwerk hinreichend
steif sind, um eine Lastumlagerung zwischen den Pfählen zu erzwingen. Somit erhält man die
folgenden Pfahlwiderstände Rc,k:
− Testpfahl Nr. 1:
ே௥Ǥଵ
ܴ௖ǡ௠ǡଵ ሺ‫ ݏ‬ൌ Ͳǡͳ ή ‫ܦ‬௕ ሻ ͳͻǡͳ͵‫ܰܯ‬
ܴ௖ǡ௞ ൌ ൌ ൌ ͳ͹ǡ͹ͺ‫ܰܯ‬
[ଵ ൌ [ଶ ͳǡ͵ͷ
− Testpfähle Nr. 2 bis 4:
ே௥Ǥଶିସ ͳͷǡͶ͹ ൅ ͳ͸ǡͳ͹ ൅ ͳ͵ǡͶʹ
൫ܴ௖ǡ௠ ൯௠௜௧௧ ሺ‫ ݏ‬ൌ Ͳǡͳ ή ‫ܦ‬௕ ሻ ൌ ‫ ܰܯ‬ൌ ͳͷǡͲʹ‫ܰܯ‬
͵
ே௥Ǥଶିସ
൫ܴ௖ǡ௠ ൯௠௜௧௧ ͳͷǡͲʹ
ே௥Ǥଶିସ
ܴ௖ǡ௞ǡ௠௜௧௧ ൌ ൌ ‫ ܰܯ‬ൌ ͳ͵ǡͲ͸‫ܰܯ‬
[ଵ ͳǡͳͷ

35
DIN 1054:2010-12, 7.6.2.2 A (10): „Sofern der Untergrund im Baufeld der geplanten Pfahlgründung
stärkere Veränderungen bezüglich Schichtenaufbau und Eigenschaften aufweist, dürfen jeweils nur
Bereiche mit einheitlichen Baugrundeigenschaften hinsichtlich der Anzahl der Probepfähle n separat
betrachtet werden.“
36
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2.2 (9)
3.5 Auswertung von 4 statischen, axialen Pfahlprobebelastungen 89

ே௥Ǥଶିସ
൫ܴ௖ǡ௠ ൯௠௜௡ ሺ‫ ݏ‬ൌ Ͳǡͳ ή ‫ܦ‬௕ ሻ ൌ ݉݅݊ሼͳͷǡͶ͹Ǣ ͳ͸ǡͳ͹Ǣ ͳ͵ǡͶʹሽ‫ ܰܯ‬ൌ ͳ͵ǡͶʹ‫ܰܯ‬
ே௥Ǥଶିସ
൫ܴ௖ǡ௠ ൯௠௜௡ ͳ͵ǡͶʹ
ே௥Ǥଶିସ
ܴ௖ǡ௞ǡ௠௜௡ ൌ ൌ ‫ ܰܯ‬ൌ ͳ͵ǡͶʹ‫ܰܯ‬
[ଶ ͳǡͲͲ
ே௥Ǥଶିସ ே௥Ǥଶିସ ே௥Ǥଶିସ
ܴ௖ǡ௞ ൌ ݉݅݊൛ܴ௖ǡ௞ǡ௠௜௧௧ Ǣ ܴ௖ǡ௞ǡ௠௜௡ ൟ ൌ ݉݅݊ሼͳ͵ǡͲ͸Ǣ ͳ͵ǡͶʹሽ ൌ ͳ͵ǡͲ͸‫ܰܯ‬
Der Bereich, in dem der höhere Pfahlwiderstand des Testpfahls Nr. 1 angesetzt wird, muss
durch zusätzliche In-Situ-Versuche auf dem Baufeld (z. B. Drucksondierungen CPT) einge-
grenzt werden.

3.5.2 Widerstands-Setzungs-Linie aus Pfahlprobebelastungen und Be-


rücksichtigung von Setzungsunterschieden
Die charakteristische Widerstands-Setzungs-Linie für den Nachweis im Grenzzustand der
Gebrauchstauglichkeit wird in der Regel aus dem Mittelwert ሺܴ௖ǡ௠ ሻ௠௜௧௧ der gemessenen WSL
ohne Berücksichtigung der Streuungsfaktoren ߦ௜ abgeleitet.37
Im Hinblick auf eine Abschätzung etwaiger Setzungsunterschiede38 muss wiederum die EA-
Pfähle (2012) bemüht werden. Es werden zwei Fälle unterschieden:
a) Voraussichtlich geringe Setzungsdifferenzen (vgl. Bild 3-21, links) Ÿ Ermittlung der
Pfahlsetzungen und der Setzungsdifferenzen anhand der Sekante an die „mittlere“ Wider-
stands-Setzungs-Linie, die ohne jegliche Abminderung aus den Messwerten der Pfahlpro-
bebelastung berechnet wird.
b) Voraussichtlich erhebliche Setzungsdifferenzen (vgl. Bild 3-21, rechts) Ÿ Abschätzung
eines Streubereichs von 2·ȴsk bzw. einer oberen WSL mit minimalen Setzungen sk,min und
einer unteren WSL mit maximalen Setzungen sk,max mittels nachfolgender Gleichungen
(3.25).
Δs k = κ ⋅ s k
s k ,max = s k + Δs k
(3.25)
s k ,min = s k − Δs k
Der Faktor ț ist unter anderem von der Pfahlherstellung, der Baugrundschichtung und der
Stellung der Pfähle zueinander abhängig. Er ist vom Sachverständigen für Geotechnik festzu-
legen. In erster Näherung wird oft ț = 0,15 verwendet.39

37
EA-Pfähle (2012), 5.2.3 (2)
38
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.4.2 (3)
39
Kapitel 5.9 in [12]
90 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Bild 3-21 Mittlere WSL bei voraussichtlich geringen Setzungsdifferenzen (links); Mittlere, obere
und untere WSL bei voraussichtlich erheblichen Setzungsdifferenzen (rechts)

In Bild 3-22 sind für den Testpfahl 1 sowie die Testpfähle 2 bis 4 jeweils die mittlere Wider-
stands-Setzungs-Linie sowie je eine künstliche obere (mit sk,min) und untere (mit sk,max) WSL
dargestellt (für ț = 0,15; Rechenwerte: vgl. Tabelle 3.14). Für die Testpfähle 2 bis 4 umfasst
der Streubereich weitgehend die tatsächlichen Messwerte.

Tabelle 3.14 Mittlere WSL sowie künstlich generiert obere und untere WSL für die Testpfähle 1
bis 4

sk ȴsk sk,min=sk-ȴsk sk,max=sk+ȴsk R R R R (R )Nr.2-4


c,m,1 c,m,2 c,m,3 c,m,4 c,m mitt
[10cm] [10cm] [10cm] [10cm] [10MN] [10MN] [10MN] [10MN] [10MN]
0,5 0,075 0,425 0,575 3,87 2,80 3,02 3,21 3,01
1,0 0,15 0,85 1,15 5,85 3,91 4,36 4,47 4,25
2,0 0,3 1,7 2,3 8,97 5,61 6,02 6,25 5,96
3,0 0,45 2,55 3,45 11,30 7,05 7,57 7,69 7,44
4,0 0,6 3,4 4,6 13,41 8,37 9,01 8,83 8,74
5,0 0,75 4,25 5,75 14,74 9,65 10,17 9,73 9,85
6,0 0,9 5,1 6,9 16,06 10,70 11,14 10,47 10,77
7,0 1,05 5,95 8,05 16,98 11,53 12,16 11,11 11,60
8,0 1,2 6,8 9,2 17,67 12,30 12,87 11,59 12,25
9,0 1,35 7,65 10,35 18,18 12,94 13,66 12,08 12,89
10,0 1,5 8,5 11,5 18,53 13,64 14,28 12,48 13,47
11,0 1,65 9,35 12,65 18,75 14,10 14,87 12,75 13,91
12,0 1,8 10,2 13,8 18,90 14,58 15,32 13,02 14,31
13,0 1,95 11,05 14,95 19,00 14,91 15,74 13,17 14,61
14,0 2,1 11,9 16,1 19,06 15,27 15,94 13,32 14,84
15,0 2,25 12,75 17,25 19,13 15,47 16,17 13,42 15,02
3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung 91

Bild 3-22 Mittlere WSL sowie künstlich generierte obere und untere WSL im Gebrauchslastbe-
reich40 – Testpfahl 1 (links); Testpfähle 2 bis 4 (rechts)

3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung

3.6.1 Allgemeines
Die folgenden zwei Eigenschaften definieren eine Pfahlgruppe:41
a) Die Pfähle sind über eine gemeinsame Kopfplatte verbunden.
b) Die Pfahlachsabstände sind gering, so dass sich die Pfähle gegenseitig beeinflussen (Grup-
penwirkung bzw. Pfahl-Pfahl-Interaktion).
Bei Gruppenpfählen sind sowohl der jeweilige Anteil an der gesamten Gruppenbelastung als
auch der Pfahlwiderstand von mehreren Parametern wie z. B. Steifigkeit der Pfahlkopfplatte,
Länge und Steifigkeit der Pfähle, Pfahlabstände, Pfahlposition in der Gruppe, usw. abhängig.
In der Regel erfährt die Pfahlgruppe im Gebrauchszustand größere Setzungen als ein ver-
gleichbarer Einzelpfahl unter der mittleren Last. Bild 3-23 zeigt die generellen qualitativen
Zusammenhänge.

40
Der Gebrauchslastbereich reicht bis zu einer Setzung sSLS § 0,035·Db = 5,25 cm (DIN 1054:2010-12,
7.6.1.1 A (1)).
41
EA-Pfähle (2012), 3.1.3 (1)
92 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Bild 3-23 Qualitativer Verlauf der Widerstands-Setzungs-Linien von Einzelpfählen und Grup-
penpfählen; nach EA-Pfähle (2012)

3.6.2 Berechnungsbeispiel – Pfahlgruppe 4 x 4


Für die in Bild 3-24 dargestellte 4 x 4-Pfahlgruppe werden im Folgenden die Nachweise in den
Grenzzuständen der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit geführt. Die Pfähle mit ei-
nem Durchmesser von Db = Ds = 120 cm binden d = 8 m in die tragfähigen Sande ein. Der
Pfahlachsabstand beträgt allseitig a = 3 m. Die rein vertikale Pfahlgruppenbeanspruchung (ein-
schließlich der Pfahlkopfplatte) beträgt VG,k = 17500 kN42 sowie VQ,rep,k = 20000 kN. Analog
zu Abschnitt 3.3 soll auch hier eine zulässige Pfahlkopfsetzung von szul = 1,8 cm nicht über-
schritten werden.

42
Das Pfahleigengewicht oberhalb der tragfähigen Sande wird im vorliegenden Beispiel aus Gründen
der Einfachheit vernachlässigt.
3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung 93

Bild 3-24 Pfahlgruppe 4 x 4 – Geometrie, Belastung und Baugrund

Generell sind bei Pfahlgruppen stets sowohl die Einzelpfähle als auch die gesamte Pfahlgruppe
nachzuweisen. Im Folgenden werden lediglich die Gruppennachweise vorgestellt, da die
Nachweise für Einzelpfähle auf Druck bereits im Abschnitt 3.3 behandelt wurden. Für den
Grenzzustand der Tragfähigkeit werden dabei zwei Varianten vorgeführt (vgl. Abschnitte
3.6.2.1 und 3.6.2.2).
Als Eingangswerte für die weiteren Berechnungen wird die Widerstands-Setzungs-Linie für
einen Einzelpfahl mit den oben gewählten Pfahlabmessungen (Db = Ds = 120 cm; d = 8 m)
benötigt. Die in Bild 3-25 dargestellte WSL wurde auf der Grundlage von Erfahrungswerten
hergeleitet (vgl. Abschnitt 3.3.1.2). Es gilt:
− Widerstand des Einzelpfahls im Grenzzustand der Tragfähigkeit: Rc,k(sg) = 7499 kN
− Widerstand des Einzelpfahls im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit:
Rc,k(szul) = 3996 kN
94 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Bild 3-25 Widerstands-


Setzungs-Linie im vorliegenden
Beispiel für Db = Ds = 120 cm
und d = 8 m

3.6.2.1 Nachweis der Pfahlgruppe im Grenzzustand der Tragfähigkeit mittels Nomo-


grammen
Das Verfahren mittels Nomogrammen wird in Kapitel 8.2.1 der EA-Pfähle (2012) beschrieben.
Es basiert auf umfangreichen 3D-FEM-Parameterstudien und berücksichtigt das setzungs- und
widerstandsbezogene Pfahlgruppenverhalten. Der Pfahlwiderstand RG,i des i-ten Gruppenpfahls
unter Berücksichtigung der Pfahlgruppenwirkung wird nach Gleichung (3.26) durch Multipli-
kation des Einzelpfahlwiderstands RE mit einem Gruppenfaktor GR,i < 1,0 berechnet.
R G ,i = R E ⋅ G R , i
(3.26)
Der Gruppenfaktor GR,i ist nach Gleichung (3.27) zu ermitteln, wobei die folgenden Einfluss-
faktoren aus Nomogrammen entnommen werden:
− Einflussfaktor Ȝ1 für Bodenart und Gruppengeometrie
− Einflussfaktor Ȝ2 für die Gruppengröße (nur auf Innenpfähle anwenden bei Pfahlgruppen
mit weniger als 5 Pfählen je Seite)
− Einflussfaktor Ȝ3 für die Pfahlart (nur bei Verdrängungs- und Verpresspfählen)
G R ,i = λ1 ⋅ λ 2 ⋅ λ 3
(3.27)
3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung 95

Bild 3-26 Nomogramme für nichtbindige Böden mit Es • 25 MN/m² (aus EA-Pfähle (2012)) – Ȝ1
für s = sg (links); Ȝ2 (rechts)

Für die Ermittlung der Einflussfaktoren Ȝi existieren Nomogramme für bindige und nichtbindi-
ge Böden, wobei der Steifemodul Es der maßgebende Parameter ist. Im vorliegenden Beispiel
gilt für die tragfähige Sandschicht Es = 100 MN/m², d. h. es werden die Nomogramme für
nichtbindige Böden mit Es • 25 MN/m² verwendet. Im Grenzzustand der Tragfähigkeit wird
die Grenzsetzung sg nach Gleichung (3.15) vorgegeben, d. h. auch hier muss das richtige No-
mogramm für s = 0,10·D gewählt werden. Mit dem Pfahlachsabstand-Einbindetiefe-Verhältnis
a/d = 3/8 = 0,375 als Eingangsparameter können die Einflussfaktoren Ȝi aus Bild 3-26 bestimmt
werden zu Ȝ1,Eck = 0,91 (Eckpfahl), Ȝ1,Rand = 0,86 (Randpfahl) sowie Ȝ1,Innen = 0,86 und
Ȝ2,Innen = 1,0 (Innenpfahl). Damit gilt für die Pfahlwiderstände unter Berücksichtigung der
Gruppenwirkung:
ܴா௖௞ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௚ ሻ  ൌ Ͳǡͻͳ ή ͹Ͷͻͻ ൌ ͸ͺʹͶ݇ܰ
ܴோ௔௡ௗǡ௞ ሺ‫ݏ‬௚ ሻ  ൌ Ͳǡͺ͸ ή ͹Ͷͻͻ ൌ ͸ͶͶͻ݇ܰ
ܴூ௡௡௘௡ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௚ ሻ  ൌ Ͳǡͺ͸ ή ͳǡͲ ή ͹Ͷͻͻ ൌ ͸ͶͶͻ݇ܰ
Der Widerstand der Pfahlgruppe wird wie folgt berechnet:

ܴீǡ௞ ൫‫ݏ‬௚ ൯ ൌ ෍ ܴீǡ௞ǡ௜ ൫‫ݏ‬௚ ൯ ൌ Ͷ ή ܴா௖௞ǡ௞ ൅ ͺ ή ܴோ௔௡ௗǡ௞ ൅ Ͷ ή ܴூ௡௡௘௡ǡ௞ 


ܴீǡ௞ ൫‫ݏ‬௚ ൯ ൌ Ͷ ή ͸ͺʹͶ ൅ ͺ ή ͸ͶͶͻ ൅ Ͷ ή ͸ͶͶͻ ൌ ͳͲͶ͸ͺͶ݇ܰ


ܴீǡ௞ ͳͲͶ͸ͺͶ
ܴீǡௗ ൌ ൌ ൌ ͹Ͷ͹͹Ͷ݇ܰ
ߛ௧ ͳǡͶ
Mit dem Bemessungswert der Pfahlgruppenbelastung FG,d lautet der Nachweis im Grenzzustand
der Tragfähigkeit (die Pfahleigengewichte zwischen Unterkante der Pfahlkopfplatte und der
Oberkante der tragfähigen Sande werden im Folgenden der Einfachheit halber vernachlässigt):
‫ீܨ‬ǡௗ ൌ ߛீ ή ܸீǡ௞ ൅ ߛொ ή ܸொǡ௥௘௣ǡ௞ ൌ ͳǡ͵ͷ ή ͳ͹ͷͲͲ ൅ ͳǡͷ ή ʹͲͲͲͲ ൌ ͷ͵͸ʹͷ݇ܰ
ܴீǡௗ ൌ ͹Ͷ͹͹Ͷ݇ܰ ൐ ‫ீܨ‬ǡௗ ൌ ͷ͵͸ʹͷ݇ܰ
96 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

‫ீܨ‬ǡௗ ͷ͵͸ʹͷ
ߤ௎௅ௌ ൌ ൌ ൌ Ͳǡ͹ʹ
ܴீǡௗ ͹Ͷ͹͹Ͷ

3.6.2.2 Nachweis der Pfahlgruppe als Block im Grenzzustand der Tragfähigkeit


Alternativ darf eine Pfahlgruppe auch als Block wie ein einzelner Pfahl mit großem Durchmes-
ser betrachtet werden.43 Dieses Verfahren mit einem Ersatzeinzelpfahl ist in EA-Pfähle (2012),
8.3.1.1 beschrieben, und es gilt Gleichung (3.28) in Zusammenhang mit Bild 3-27.
RG , k = q b, k ⋅ ¦ Ab,i + ¦ (q s,k , j ⋅ As*, j ) (3.28)
i j

qb,k charakteristischer Pfahlspitzenwiderstand für den


Einzelpfahl
Ab,i Pfahlfußflächen der i Einzelpfähle
qs,k,j charakteristische Mantelreibung in der j-ten Schicht
As,j Nennwert der um die Pfahlgruppe abgewickelten Mantel-
fläche de3s Ersatzeinzelpfahls in Schicht j

Bild 3-27 Pfahlfußflächen und Mantelfläche beim Verfahren des Ersatzeinzelpfahls, nach EA-
Pfähle (2012)

Im vorliegenden Berechnungsbeispiel gilt:


− Pfahlfußfläche eines Einzelpfahls:
ߨ ߨ
‫ܣ‬௕ǡ௜ ൌ ή ‫ܦ‬௕ଶ ൌ ή ͳǡʹଶ ൌ ͳǡͳ͵݉;
Ͷ Ͷ
− Ersatzmantelfläche:
‫כܣ‬௦ǡ௝ ൌ Ͷ ή ሾሺ݊ െ ͳሻ ή ܽ ൅ ‫ܦ‬௦ ሿ ή ݀ ൌ Ͷ ή ሾሺͶ െ ͳሻ ή ͵ ൅ ͳǡʹሻ ή ͺ ൌ ͵ʹ͸ǡͶ݉ଶ 
− Widerstand des Ersatzeinzelpfahls:
ܴ௖ǡீǡ௞ ൌ ‫ݍ‬௕ǡ௞ ή ෍ ‫ܣ‬௕ǡ௜ ൅ ෍ ‫ݍ‬௦ǡ௝ǡ௞ ή ‫כܣ‬௦ǡ௝ 
௜ ௝

ܴீǡ௞ ൌ ͳ͸ ή ͵ͷͲͲ ή ͳǡͳ͵ ൅ ͵ʹ͸ǡͶ ή ͳͳ͹ǡͷ ൌ ͳͲͳ͸͵ʹ݇ܰ ≈


ˆ Ͳǡͻ͹ ή ܴீǡ௞ ሺ‫ݏ‬௚ ሻ
ܴீǡ௞ ͳͲͳ͸͵ʹ
ܴீǡௗ ൌ ൌ ൌ ͹ʹͷͻͶ݇ܰ
ߛ௧ ͳǡͶ
− Nachweis im Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS):
ܴீǡௗ ൌ ͹ʹͷͻͶ݇ܰ ൐ ‫ீܨ‬ǡௗ ൌ ͷ͵͸ʹͷ݇ܰ
‫ீܨ‬ǡௗ ͷ͵͸ʹͷ
ߤ௎௅ௌ ൌ ൌ ൌ Ͳǡ͹Ͷ݇ܰ
ܴீǡௗ ͹ʹͷͻͶ

43
DIN EN 1997-1:2009-09, 7.6.2.1 (4)
3.6 Pfahlgruppenwirkung für Druckbelastung 97

Somit wird mit dem wesentlich einfacheren Verfahren des Ersatzeinzelpfahls nahezu der glei-
che Ausnutzungsgrad berechnet wie mit dem Nomogramm-Verfahren in Abschnitt 3.6.2.1.

3.6.2.3 Pfahlgruppennachweis im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit


Der Nachweis der Pfahlgruppe im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit wird wiederum mit
Nomogrammen geführt. Das Vorgehen ist (analog zu Abschnitt 3.6.2.1) wie folgt:
− tragfähige Sandschicht mit Es = 100 MN/m²
Ÿ Nomogramme für nichtbindige Böden mit Es • 25 MN/m²
− zulässige Setzung szul = 1,8 cm
௦೥ೠ೗ ଵǡ଼
Ÿ ൌ ൌ ͲǡͲͳͷ ൎ ͲǡͲʹ
஽ೞ ଵଶ଴

− Pfahlachsabstand-Einbindetiefe-Verhältnis a/d = 3/8 = 0,375 (unverändert)


Ÿ Einflussfaktoren Ȝi aus Bild 3-28 für s = 0,02·D: Ȝ1,Eck = 0,8 (Eckpfahl), Ȝ1,Rand = 0,6
(Randpfahl) sowie Ȝ1,Innen = 0,4 und Ȝ2,Innen = 1,0 (Innenpfahl)

Bild 3-28 Nomogramme für nichtbindige Böden mit Es • 25 MN/m² (aus EA-Pfähle (2012)) – Ȝ1
für s = 0,02·D (links); Ȝ2 (rechts)

Damit und mit dem Widerstand des Einzelpfahls im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit
von Rc,k(szul) = 3996 kN gilt für die Pfahlwiderstände unter Berücksichtigung der Gruppenwir-
kung sowie für den Widerstand der Pfahlgruppe bei einer bezogenen Setzung von s/D = 0,02:
ܴா௖௞ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ  ൌ Ͳǡͺ ή ͵ͻͻ͸ ൌ ͵ͳͻ͸ǡͺ݇ܰ
ܴோ௔௡ௗǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ  ൌ Ͳǡ͸ ή ͵ͻͻ͸ ൌ ʹ͵ͻ͹ǡ͸݇ܰ
ܴூ௡௡௘௡ǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ  ൌ ͲǡͶ ή ͳǡͲ ή ͵ͻͻ͸ ൌ ͳͷͻͺǡͶ݇ܰ

ܴீǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ ൌ ෍ ܴீǡ௞ǡ௜ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ ൌ Ͷ ή ܴா௖௞ǡ௞ ൅ ͺ ή ܴோ௔௡ௗǡ௞ ൅ Ͷ ή ܴூ௡௡௘௡ǡ௞ 



ܴீǡ௞ ሺ‫ݏ‬௭௨௟ ሻ ൌ Ͷ ή ͵ͳͻ͸ǡͺ ൅ ͺ ή ʹ͵ͻ͹ǡ͸ ൅ Ͷ ή ͳͷͻͺǡͶ ൌ ͵ͺ͵͸ͳǡ͸݇ܰ ൌ ‫ܥ‬ௗ 
98 3 Berechnung von Pfahlgründungen nach EC 7-1, Abschnitt 7

Mit dem Bemessungswert der Pfahlgruppenbelastung FG,d lautet der Nachweis im Grenzzu-
stand der Tragfähigkeit:
‫ீܨ‬ǡௗ ൌ ߛீ ή ܸீǡ௞ ൅ ߛொ ή ܸொǡ௥௘௣ǡ௞ ൌ ͳ͹ͷͲͲ ൅ ʹͲͲͲͲ ൌ ͵͹ͷͲͲ݇ܰ
‫ܥ‬ௗ ൌ ͵ͺ͵͸ͳǡ͸݇ܰ ൐ ‫ீܨ‬ǡௗ ൌ ͵͹ͷͲͲ݇ܰ
‫ீܨ‬ǡௗ ͵͹ͷͲͲ
ߤ௎௅ௌ ൌ ൌ ൌ Ͳǡͻͺ
‫ܥ‬ௗ ͵ͺ͵͸ͳǡ͸
Somit ist der Nachweis im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit maßgebend, und die ge-
wählte Pfahleinbindetiefe d = 8 m für die betrachtete Pfahlgruppe wurde korrekt gewählt.

3.7 Literatur und Quellen


[1] Blum, H.: Wirtschaftliche Dalbenformen und deren Berechnung. Bautechnik 10 (1932),
S. 50–55.
[2] DIN EN 1997-1:2009-09 Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der
Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 +
AC:2009 + A1:2013
[3] DIN EN 1997-1/NA:2010-12 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter –
Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allge-
meine Regeln
[4] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[5] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd und Grundbau – Ergän-
zende Regelungen zu DIN EN 1997-1
[6] DIN 1054/A1:2012-08 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau –
Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-1:2010; Änderung A1:2012
[7] DIN 4014: 1990-03 Bohrpfähle – Herstellung, Bemessung und Tragverhalten
[8] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
[9] Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen
EAU 2012, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT), 11. Auflage,
Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[10] Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotech-
nik e.V. (DGGT), 1. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2007.
[11] Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotech-
nik e.V. (DGGT), 2. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[12] Kempfert, H.-G.: Pfahlgründungen; In: Grundbau-Taschenbuch, Teil 3, Kap. 3.2
(S. 73–277), 7. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2009.
[13] Klingmüller, O.: Vorgaben des EC7 für dynamische Pfahlprobebelastungen und Rege-
lungen im deutschen Normenhandbuch – Vorschlag zur Vereinfachung. In: Geotechnik
36 (2013), Heft 1, S. 3–9.
[14] Rollberg, D.: Die Kraft-Setzungslinie von Pfählen. Bauingenieur 53 (1978), S. 309–
313.
99

4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1,


Abschnitt 10

Dr.-Ing. Philipp Schober

4.1 Einleitung
Im Folgenden werden die Nachweise nach EC 7-1 [1], Abschnitt 10 gegen hydraulisch verur-
sachtes Versagen in Form von Aufschwimmen und hydraulischem Grundbruch anhand von
Beispielen erläutert.
Zunächst werden die verschiedenen Versagensformen definiert und es wird beschrieben, wie
die maßgebenden hydraulischen Beanspruchungen für die einzelnen Nachweise zu ermitteln
sind sowie Maßnahmen genannt, mit welchen die hydraulische Beanspruch reduziert werden
kann. Zusätzlich werden die für die Nachweise relevanten Teilsicherheitsbeiwerte in Tabellen-
form angegeben und die Einstufung in geotechnische Kategorien erläutert.
Daraufhin wird auf den Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen eingegangen, wobei
das Nachweisverfahren anhand von zwei Beispielen erläutert wird. Im Beispiel 1 wird der
Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen für einen sich unterhalb des Grundwasserspie-
gels liegenden Tunnels mit seitlichem Sporn geführt. Im zweiten Beispiel wird die Sicherheit
gegen Aufschwimmen einer Baugrube mit Unterwasserbetonsohle nachgewiesen und die für
den Nachweis erforderlichen Zugpfähle dimensioniert.
Abschließend wird der Nachweis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch anhand
zweier Beispiele erläutert. Dabei wird eine umströmte Baugrubenwand in unterschiedlichen
geologischen Verhältnissen betrachtet. Zuerst wird der Nachweis der Sicherheit gegen hydrau-
lischen Grundbruch an der umströmten Baugrubenwand im homogenen Boden betrachtet. An-
schließend wird der Nachweis für dieselbe Baugrubenwand im geschichteten Baugrund geführt.
Dadurch werden für die Erfüllung des Nachweises zusätzliche konstruktive Maßnahmen erfor-
derlich.

4.2 Allgemeines
Im Abschnitt 10 des EC 7-1 bzw. in der DIN 1054:2010-12 [2] sind die Nachweise für das
Versagen des Bodens durch hydraulische Beanspruchung geregelt. Die Regelungen betreffen
das Versagen durch:
௅ Aufschwimmen
௅ hydraulischen Grundbruch
௅ innere Erosion und
௅ Piping.
Das Versagen wird durch den Porenwasserdruck oder durch eine Sickerströmung im Unter-
grund verursacht. Die genannten Versagensformen sind im EC 7-1[1] wie folgt definiert:

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_4, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
100 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

Versagen durch Aufschwimmen


„Aufschwimmen tritt ein, wenn der Porenwasserdruck unter einem Bauwerk oder einer weniger
durchlässigen Bodenschicht größer ist als der mittlere Auflastdruck“. Der mittlere Auflastdruck
resultiert dabei aus dem Eigengewicht des Bauwerks bzw. aus darüber liegenden Bodenschich-
ten.
Versagen durch hydraulischen Grundbruch
„Ein hydraulischer Grundbruch tritt ein, wenn die aufwärtsgerichteten Strömungskräfte gegen
das Eigengewicht des Bodens wirken, so dass die vertikale wirksame Spannung null wird. Die
Bodenteilchen werden dann von der Vertikalströmung angehoben, so dass der Boden versagt“.
Versagen durch innere Erosion
„Innere Erosion wird durch den Transport von Bodenteilchen innerhalb einer Bodenschicht,
an der Schichtgrenze oder an der Kontaktfläche zwischen dem Boden und einem Bauwerk ver-
ursacht. Das kann schließlich zu einer rückschreitenden Erosion und damit zum Einsturz des
Bauwerks führen“.
Versagen durch Piping
„Piping ist eine Sonderform des Versagens, etwa eines Staubeckens, durch innere Erosion, die
an der Oberfläche beginnt und sich dann rückschreitend einen röhrenförmigen Fließweg im
Boden oder zwischen Boden und Bauwerk oder an der Schichtgrenze zwischen bindigen und
nichtbindigen Bodenschichten schafft. Der Bruch tritt ein, sobald das oberstromige Ende der
erodierten Stromröhre den Beckenboden erreicht“.
Die Nachweise gegen hydraulisch verursachtes Versagen können mit totalen Spannungen und
Porenwasserdrücken oder mit wirksamen Spannungen und hydraulischen Gradienten geführt
werden, wobei der Ansatz mit totalen Spannungen und Porenwasserdrücken beim Nachweis
der Sicherheit gegen Aufschwimmen zur Anwendung kommt. Der Nachweis der Sicherheit
gegen Piping und innere Erosion wird mit dem hydraulischen Gradienten geführt. Für den
Nachweis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch können nach EC-7 beide Ansätze
verwendet werden.
Findet keine Strömung im Untergrund statt, ist also der hydraulische Gradient null oder ver-
nachlässigbar gering, ist nur der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen zu führen. In
der DIN 1054:2010-12 [2] wird des Weiteren angegeben, dass bei unten nach oben durchström-
ten, bindigen Bodenschichten nur der Nachweis gegen Aufschwimmen zu führen ist, wenn der
Boden eine ausreichend große Kohäsion besitzt. Dies ist der Fall, wenn mindestens steifer,
toniger, bindiger Boden ansteht.
Bei stabilisierenden ständigen Einwirkungen sind die beteiligten Wichten mit ihrem unteren
charakteristischen Wert, z. B. bei unbewehrtem Beton mit Ȗ=23,0 kN/m³ und bei Stahlbeton mit
Ȗ=24,0 kN/m³, zu berücksichtigen.
Auch für den Fall einer Überwachung (Beobachtungsmethode) ist mit den Teilsicherheitsbei-
werten der Bemessungssituation BS-A für die möglichen Grenzzustände UPL, HYD, STR,
GEO-2 und GEO-3 eine ausreichende Standsicherheit für den Fall nachzuweisen, dass die
Entspannungseinrichtung versagt.

4.2.1 Ermittlung der maßgebenden hydraulischen Beanspruchung


Die Ermittlung der maßgebenden hydraulischen Beanspruchung, daher der hydraulischen Gra-
dienten, Porenwasserdrücke oder Strömungskräfte, kann prinzipiell mittels
44.2 Allgemeinnes 10
01

௅ der graphiischen Lösung


g der Laplace--Gleichung,
௅ analytischer Näherungsformeln,
௅ numerischhen Simulation
nen (Finite-Ellemente-Methode)
eerfolgen. Auffgrund der höheren Genauiigkeit ist vor allem bei strö
ömendem Gruundwasser un nd
kkomplexen Raandbedingung gen die Berechhnung der hyd draulischen Beanspruchungg mittels numee-
rrischen Simuulationen zu empfehlen. D Das Bild 4-1 zeigt die mittels
m der Fiinite-Elementee-
MMethode bereechneten Poteentiallinien einner umströmten Baugruben nverbauung zu
zur Berechnunng
dder wirkendenn Strömungskrräfte.

B
Bild 4-1 Pote
entialliniennetz
z einer umströ
ömten Baugrub
benwand

DDes Weiterenn sind nach EC Ermittlung der hydraulischeen Gradientenn, Porenwasser-


C 7-1 bei der E
ddrücken oder Strömungskrräften für die Nachweise gegen
g hydraullisch verursacchtes Versageen
uu. a. folgende Punkte zu beachten:
௅ Die zeitlicche und räumliiche Veränderrlichkeit der Durchlässigke
D it des Bodens
௅ Die zeitlicche Veränderu
ung des Wasseerspiegels und
d Porenwasserdrücke
௅ ub im Bereichh der grundwas-
Alle Verännderungen derr Randbedinguungen, wie z. B. ein Aushu
serführendden Schicht.

4
4.2.2 Maßn
nahmen zu
ur Reduzierrung der hy
ydraulische
en Beansp
pruchung
N
Nach EC 7-11 müssen Maß ßnahmen zurr Reduzierung g des hydraulischen Gradieenten ergriffeen
w
werden, wennn die Standsiccherheit eines geotechnisch
hen Tragwerkss maßgebend durch eine deer
102 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

o.g. Versagensarten gefährdet ist. Maßnahmen zur Vermeidung eines hydraulisch bedingten
Versagens können u. a. sein:
௅ Verlängerung des Sickerweges
௅ kontrollierte Entwässerung
௅ Auflastfilter
௅ Entlastungsbrunnen zur Verringerung des hydraulischen Gradienten.
Weitere Informationen zur Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Reduzierung der
hydraulischen Beanspruchung des Bodens sind u. a. in [3], [4] und [5] gegeben.

4.2.3 Teilsicherheitsbeiwerte
Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen ist im Grenzzustand UPL und der Nach-
weis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch im Grenzzustand HYD zu führen. In den
folgenden Tabellen (4.1 und 4.2) sind die Zahlenwerte der Teilsicherheitsbeiwerte für die
Nachweise der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch und Aufschwimmen nach
DIN 1054:2010-12 [2] angegeben. Es haben sich gegenüber der DIN 1054:2005-01 [6] die
Bezeichnungen für die Grenzzustände und für die Bemessungssituationen bzw. Lastfälle sowie
teilweise die Teilsicherheitsbeiwerte selbst verändert.
Entsprechend dem Nachweisverfahren HYD und UPL werden die Teilsicherheitsbeiwerte auf
die destabilisierenden oder stabilisierenden Einwirkungen bzw. auf die Strömungskräfte ange-
wendet. Da die Teilsicherheitsbeiwerte für die geotechnischen Kenngrößen (Tabelle 4.2) alle
die Größe 1,00 besitzen, kann bei den Nachweisen gegen hydraulisches Versagen auf die Mul-
tiplikation der geotechnischen Kenngrößen mit einem Teilsicherheitsbeiwert verzichtet werden.
Beim Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen von verankerten Konstruktionen muss
zusätzlich der Nachweis des Herausziehwiderstandes der Zugpfähle im Grenzzustand GEO-2
geführt werden. Die relevanten Teilsicherheitsbeiwerte sind in den Tabellen 4.3 bis 4.5 angege-
ben.

Tabelle 4.1 Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen für HYD und UPL

Formel- Bemessungssituation
Einwirkung bzw. Beanspruchung
zeichen BS-P BS-T BS-A

Destabilisierende ständige Einwirkung γG,dst 1,05 1,05 1,00


Stabilisierende ständige Einwirkung γG,stb 0,95 0,95 0,95
Destabilisierende veränderliche Ein-wirkungen γQ,dst 1,50 1,30 1,00
Stabilisierende veränderliche Ein-wirkungen γQ,stb 0 0 0
Strömungskraft bei ungünstigem Untergrund γH 1,35 1,30 1,20
Strömungskraft bei günstigem Untergrund γH 1,80 1,60 1,35
4.2 Allgemeines 103

Tabelle 4.2 Teilsicherheitsbeiwerte für geotechnische Kenngrößen für HYD und UPL

Formel- Bemessungssituation
Bodenkenngröße
zeichen BS-P BS-T BS-A

Reibungsbeiwert –ƒ ߮Ԣ des dränierten Bodens


und Reibungsbeiwert –ƒ ߮௨ des undränierten γϕ‘, γϕu 1,00 1,00 1,00
Bodens
Kohäsion ܿԢ des dränierten Bodens und Scher-
γc‘, γcu 1,00 1,00 1,00
festigkeit ܿ௨ des undränierten Bodens

Tabelle 4.3 Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen für GEO-2

Formel- Bemessungssituation
Einwirkung bzw. Beanspruchung
zeichen BS-P BS-T BS-A

Beanspruchung aus ständige Einwirkungen


γG 1,35 1,20 1,10
allgemein
Beanspruchung aus günstigen ständigen Ein-
γG,inf 1,00 1,00 1,00
wirkungen
Beanspruchung aus ungünstigen veränderli-
γQ 1,50 1,30 1,1
chen Einwirkungen
Beanspruchung aus günstigen veränderlichen
γQ 0 0 0
Einwirkungen

Tabelle 4.4 Teilsicherheitsbeiwerte für geotechnische Kenngrößen für GEO-2

Formel- Bemessungssituation
Bodenkenngröße
zeichen BS-P BS-T BS-A

Reibungsbeiwert –ƒ ߮Ԣ des dränierten Bodens


und Reibungsbeiwert –ƒ ߮௨ des undränierten γϕ‘, γϕu 1,00 1,00 1,00
Bodens
Kohäsion ܿԢ des dränierten Bodens und Scher-
γc‘, γcu 1,00 1,00 1,00
festigkeit ܿ௨ des undränierten Bodens

Tabelle 4.5 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände

Formel- Bemessungssituation
Bodenkenngröße
zeichen BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2


Pfahlwiderstände aus statischen und dynamischen Pfahlprobebelastungen
- Mantelwiderstand (Zug) γs,t 1,15 1,15 1,15
Pfahlwiderstände auf der Grundlage von Erfahrungswerten
- Zugpfähle (nur in Ausnahmefällen) γs,t 1,50 1,50 1,50
104 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

4.2.4 Einstufung in geotechnische Kategorien


Bei der Einstufung von Baumaßnahmen, bei denen der Nachweis der Sicherheit gegen hydrau-
lischen Grundbruch oder Aufschwimmen zu führen ist, sind nach DIN 1054:2010-12 nachste-
hende Kriterien zur Bewertung des Schwierigkeitsgrades heranzuziehen.
Folgende Fälle sind in der Regel in die Geotechnische Kategorie GK 2 einzustufen:
௅ Bauvorhaben, bei denen der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen von nicht ver-
ankerten Konstruktionen erforderlich ist.
௅ Bauvorhaben, bei denen der Nachweis gegen hydraulischen Grundbruch erforderlich ist.
Folgende Fälle sind in der Regel in die Geotechnische Kategorie GK 3 einzustufen:
௅ Bauvorhaben, bei denen ein Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen von veranker-
ten Konstruktionen erforderlich ist.
௅ Bauvorhaben, bei denen die Berücksichtigung der räumlichen Zuströmung beim Nachweis
der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch erforderlich ist.

4.3 Versagen durch Aufschwimmen


Aufschwimmen ist das Versagen eines Bauwerks oder einer undurchlässigen Bodenschicht
aufgrund der hydrostatischen Auftriebskraft des Wassers. Dabei errechnet sich die Auftriebs-
kraft, welche auf einen Körper im Wasser wirkt, nach dem Prinzip von Archimedes. Nach
Archimedes ist die Auftriebskraft A, welche auf einen Körper (Bauwerk) im Wasser wirkt,
genauso groß wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Fluids (Grundwasser). Das
Prinzip ist im Bild 4-2 dargestellt. Entgegen der Auftriebskraft wirkt die Gewichtskraft des
Körpers, welche vom Volumen und der Wichte γ abhängig ist.

Bild 4-2 Prinzip von Archimedes

Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen eines Bauwerks oder einer weniger durch-
lässigen Bodenschicht ist zu führen, indem die ständigen stabilisierenden Einwirkungen Gstb;d
(+ Rd) den ständigen und veränderlichen destabilisierenden Einwirkungen Vdst;d gegenüberge-
stellt werden.
44.3 Versagenn durch Aufsch
hwimmen 10
05

V dst ; d ≤ G stb ; d + R d (4.1


1)

BBeim Nachweeis können zu usätzlich die WWiderstände aus


a der Scherk kraft und/odeer Ankerkräfteen
aals ständige, stabilisierende
s e, vertikale Einnwirkung ang
gesetzt werden
n.
DDie ständigenn und veränderrlichen destabbilisierenden Einwirkungen
E Vdst;d setzen ssich nach Gleei-
cchung 4.2 zussammen.
V dst ; d = G dst :d + Q dst:d (4.2
2)

DDie Vorgehennsweise beim Nachweis deer Sicherheit gegen


g Aufsch
hwimmen nach
ch EC 7-1 wirrd
iim Folgendenn anhand zweieer Beispiele er
erläutert.

4
4.3.1 Beisp
piel 1: Tunnel mit Spo
orn unter Auftrieb
A
DDer Nachweiss der Sicherheeit gegen Auffschwimmen solls zunächst anhand
a eines einfachen Beei-
sspiels gezeigtt werden. Für den im Bild 4-3 dargestellten Tunnelqu uerschnitt solll der Nachweis
dder Sicherheitt gegen Aufscchwimmen fürr die Bemessu ungssituation BS-P geführtt werden. Da es
e
ssich hierbei um
u ein langess Bauwerk haandelt, wird derd Nachweis an einem einn Meter breiteen
SStreifen gefühhrt. Der beweh
hrte Beton derr Konstruktion
n wird bei Nacchweis mit einner Wichte vo
on
γBeton = 24 kN
N/m³ berücksicchtigt.

B
Bild 4-3 Tunn
nel mit Sporn unterhalb dess Grundwasserspiegels (Maße in m)

DDer Grundwaasserspiegel (GGWSP) sowiee die Oberkan nnte des Tunnels befinden ssich 1 m unter-
hhalb der Geläändeoberkante (GOK). Die Unterkante der
d Bodenplattte des Tunnells liegt 6 m unn-
tterhalb der GOK. Die Gesamthöhe des Tunnels beträägt demnach 5 m. Der ansttehende Unter-
ggrund bestehtt aus sandigeem Kies, welccher nach Feertigstellung der
d Baugrube wiederverfülllt
wwurde. Die füür den Nachweeis relevanten Bodenparameeter sind dem Bild 4-3 zu enntnehmen.
D
Da es sich um
m eine nicht veerankerte Konnstruktion handelt, ist das Bauwerk in diee geotechnisch
he
K
Kategorie 2 (GK
( 2) einzuustufen. Wie bbereits oben beschrieben,
b werden beimm Nachweis deer
1106 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

SSicherheit geggen Aufschwimmen die staabilisierenden n Einwirkungeen Vdst;d den ddestabilisieren


n-
dden Einwirkunngen Gstb;d (+ Rd) gegenüberr gestellt.
UUm die Sicheerheit einer Koonstruktion geegen das Verrsagen durch Aufschwimme
A men nachzuweii-
ssen, muss folggende Gleichu
ung erfüllt seinn:
Gdst ,k ⋅ γ G ,dst + Qdst ,rep ⋅ γ Q ,dst ≤ Gstb ,k ⋅ γ G ,stb (4.3)
IIn der Gleichuung 4.3 ist Gdst,k
d der charakkteristische Wert
W ständiger destabilisierennder vertikaleer
EEinwirkungenn, Qdst,rep der charakteristisc
c che bzw. reprääsentative Weert veränderliccher, destabilii-
ssierender, verttikaler Einwirrkungen und G stb,k der unterre charakteristische Wert sttabilisierenderr,
sständiger, verttikaler Einwirrkungen des B Bauwerks. Die entsprechen nden Teilsicheerheitsbeiwertte
ssind der Tabellle 4.1 zu entn
nehmen.
ZZunächst werdden die destab bilisierenden E
Einwirkungen ermittelt. Im vorliegendenn Beispiel wirkkt
aals ständige deestabilisierend
de Einwirkungg Gdst,k nur die Auftriebskraft. Veränderlliche destabilii-
ssierende Einwwirkungen Qdst,rep wirken keiine.
D
Der charakteriistische Wert der destabilissierenden Einw
wirkung Gdst,kk ist gleich deem verdrängteen
W
Wasservolumeen Vw, multipliziert mit derr Wichte des Wassers
W γW.
G dst , k = Vw ⋅ γ W = (5,0 ⋅ 8,0 + 2 ⋅1, 0 ⋅ 0,5) ⋅1,0 ⋅10
0,0 = 410 ,0 kN
N
D
Der für die Berechnung
B deer charakteristtischen destab
bilisierenden Einwirkung G dst,k relevantte
B
Bereich ist im Bild 4-4 dunkkel grau dargeestellt.

B
Bild 4-4 Ermitttlung der wirk
kenden Auftrie
ebskraft (Maße
e in m)

EEntgegen wirkken die charaakteristischen stabilisierend


den, vertikaleen, ständigen Einwirkungeen
Gstb,k, welche sich hier zum
m einen aus deem Eigengewiicht der Beton nkonstruktion GBeton und deen
üüber dem Bauw werk liegendeen Boden GBodden ergeben.
Gstb ,k = GBeton + GBoden = VBetoon ⋅ γ Beton + VBodden ⋅ γ (') Boden =
= [(10,0 + 8,0 + 2 ⋅ 4,0 ) ⋅ 0,5 ⋅ 1,0] ⋅ 24,0 + 2 ⋅ 1,0 ⋅ 1,0 ⋅ 4,5
5 ⋅ 13,0 + 10,0 ⋅1,0 ⋅ 1,0 ⋅ 22,0 = 649,0kN
DDer für die Berechnung
B deer charakteristtischen stabilisierenden, veertikalen, stänndigen Einwirr-
kkungen Gstb,k relevante
r Beto
onquerschnitt sowie die wiirkenden Bodeenbereiche sinnd im Bild 4-5
ddargestellt.
44.3 Versagenn durch Aufsch
hwimmen 10
07

B
Bild 4-5 Ermiittlung der wirk
kenden Gewicchtskraft (Maß
ße in m)

BBei der Ermitttlung der stän


ndigen stabilissierenden Einw
wirkungen ist besonders zuu beachten, dasss
ffür den Bodenn unterhalb dees Grundwasseerspiegels die Wichte unter Auftrieb γ‘ annzusetzen ist.
D
Die Teilsicheerheitsbeiwertte für die Beemessungssituuation BS-P betragen γG,ddst = 1,05 un
nd
γG,stb= 0,95. Der
D Nachweis isti nach Gleicchung 4.3 zu führen.

Gdst ,k ⋅ γ G ,dst
ds + Qdst ,rep ⋅ γ Q ,dst ≤ G stb ,k ⋅ γ G ,,stb

410,0kN ⋅1,05 + 0 ≤ 649,0kN ⋅ 0,95


430,5kN ≤ 616,6kN riichtig
W
Wie das Einseetzen der Zahhlenwerte in diie Gleichung 4.3 zeigt, sind
d die destabiliisierenden Ein
n-
w
wirkungen kleeiner als die stabilisierendeen Einwirkun
ngen. Der Nacchweis der Siicherheit gegeen
A
Aufschwimmeen ist daher füür das vorliegeende Beispiel ohne weitere Zusatzmaßnaahmen erfüllt.

4
4.3.2 Beisp
piel 2: Baugrube mit UW-Betonsohle
NNach dem sehhr übersichtliichen Beispiell 1 soll nun der Nachweiss der Sicherheeit gegen Au uf-
sschwimmen fürfü eine Baugrrube mit Unteerwasser-Betonsohle (UW-B Betonsohle) ggeführt werden n.
WWie die Bereechnungen zeeigen werden,, reicht für den
d Nachweis der Sicherheeit gegen Au uf-
sschwimmen im m folgenden Beispiel
B nichtt mehr nur derr Ansatz der Gewichtskräft
G te als stabilisiee-
rrende Einwirkkungen aus, vielmehr
v sindd auch die wirrkenden Scheerkräfte entlanng der Baugru u-
bbenverbauungg anzusetzen sowie
s Zugpfäähle anzuordn nen und zu dim mensionieren.. Das Bauwerrk
iist daher in die
d Geotechnissche Kategoriie 3 (GK 3) einzustufen.
e Der
D Nachweiss der Sicherheeit
ggegen Aufschhwimmen erfolgt für die Bem messungssituaation BS-T (B
Bauzustand).
DDie Baugrubeenwände werd den aus 1 m ddicken, beweh hrten Schlitzw
wänden mit eiiner Länge vo on
117,5 m hergestellt. Die OK K der UW-Beetonsohle befiindet sich 16 m unterhalb der GOK. Daas
BBild 4-7 zeigtt den Schnitt durch die Bauugrube mit allen relevanten n Höhen. Dess Weiteren sinnd
ddie Abmessunngen der Baug grube im Grunndriss (Bild 4--6) dargestellt. Demnach haat die Baugrub
be
eeine Länge voon 35 m und eine Breite vonn 11 m.
DDer Baugrundd setzt sich im m Bereich derr Baugrube aus zwei Schicchten (Bild 4--7) zusammen n.
VVon der GOK K bis zu einerr Tiefe von -99,0 stehen saandige Kiese an.
a Der Grund ndwasserspiegel
lliegt einen Meeter unterhalb
b der GOK. Unnter der sandiigen Kiesschiccht stehen star
ark kiesige San
n-
dde an. Die fürr die folgendee Berechnung relevanten Bodenparameteer können dem m Bild 4-7 en
nt-
nnommen werdden.
1108 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

B
Bild 4-6 Baug
grube im Grun
ndriss (Maße in
n m)

FFür den Nachw weis der Sichherheit gegen AAufschwimm men müssen zuunächst wiederer die charaktee-
rristischen desttabilisierenden
n Einwirkunggen ermittelt werden.
w Im Vorliegenden
V Beispiel greifft
nnur die Auftriebskraft als sttändige destabbilisierende Einwirkung
E Gdst,k
d an. Verändderliche destaa-
bbilisierende Eiinwirkungen Qdst,rep sind keeine vorhanden.

B
Bild 4-7 Schn
nitt A-A durch die Baugrube (Maße in m)

DDer charakteriistische Wert der destabilissierenden Ein


nwirkung Gdst,kk ist, wie schoon im Beispieel
zzuvor, gleich dem verdrän ngten Wasservvolumen Vw, multipliziert mit der Wicchte des Wass-
ssers γW. Im Gegensatz zumm vorangeganggenen Beispieel betrachten wir
w diesmal bbeim Nachweiis
dder Sicherheitt gegen Aufschwimmen niccht nur einen ein Meter breeiten Streifen ddes Bauwerkss,
44.3 Versagenn durch Aufsch
hwimmen 10
09

ssondern das gesamte


g Bauwwerk. Der chaarakteristischee Wert der destabilisierendden Einwirkun
ng
Gdst,k ergibt sich dann zu:
G dst , k = Vw ⋅ γ W =
= (37,0 ⋅16,0 ⋅13,0 + 2 ⋅ 37,0 ⋅ 0,5 ⋅ 1,0 + 2 ⋅11,0 ⋅ 0,5 ⋅1,0) ⋅10,0 = 77440,0kN
N
D
Das für die Berechnung
B der charakterisstischen destaabilisierenden Einwirkung Gdst,k relevantte
V
Volumen ist im
m Bild 4-7 du
unkel grau darrgestellt.

B
Bild 4-8 Ermiittlung der wirk
kenden Auftrie
ebskraft (Maße in m)

AAls charakteriistische ständ


dige stabilisierrende Einwirk
kung Gstb,k ist zunächst wieeder das Eigenn-
ggewicht der Konstruktion anzusetzen, welche sich aus den Scchlitzwänden und der UW W-
BBetonsohle zuusammensetztt. Dabei wird von einer kraaftschlüssigen Verbindung zzwischen UW W-
BBetonsole undd den Schlitzwwänden ausgeegangen. Des Weiteren ist zu z beachten, ddass es sich bei
dder UW-Betonnsohle um un nbewehrten Beeton handelt, die
d Wichte daarf daher nur m mit 23,0 kN/mm³
aangesetzt werrden. Die chaarakteristischee ständige stabilisierende Einwirkung Gstb,k aus dem m
EEigengewichtt ergibt sich zuu:
G stb , k = G Beton = V Beeton ⋅ γ Beton =
= (2 ⋅ 337,0 + 2 ⋅11,0) ⋅17,5 ⋅ 24,0 + 11,0 ⋅ 35,0 ⋅1,0 ⋅ 23,0 = 49175,0kN
DDie für die Ermittlung
E derr charakteristisschen ständig
gen stabilisiereenden Einwirk
rkung Gstb,k au
us
ddem Eigengew wicht der Kon
nstruktion erfoorderlichen Ab bmessungen sind
s aus den B
Bildern 4-6 unnd
44-7 ersichtlichh.
110 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

Die Teilsicherheitsbeiwerte für die Bemessungssituation BS-P betragen γG,dst = 1,05 und
γG,stb= 0,95. Der Nachweis ist zunächst nach Gleichung 4.3 zu führen. Veränderliche destabili-
sierende Einwirkungen QG,dst sind dabei keine zu berücksichtigen.
Gdst ,k ⋅ γ G ,dst + Qdst ,rep ⋅ γ Q ,dst ≤ Gstb ,k ⋅ γ G ,stb
77440,0kN ⋅1,05 ≤ 49175,0kN ⋅ 0,95
81312,0kN ≤ 46716,3kN falsch
Wie das Einsetzen der Zahlenwerte in die Gleichung 4.3 zeigt, ist der Nachweis der Sicherheit
gegen Aufschwimmen unter alleiniger Berücksichtigung des Eigengewichts der Konstruktion
nicht erfüllt.
Nach EC 7-1 [1] und DIN 1054:2010-12 [2] dürfen zusätzlich auch Scherkräfte Tk als stabili-
sierende Einwirkung angesetzt werden. Die Scherkräfte wirken zwischen Boden und Bauwerk
(Fuge zwischen Bauwerk und Boden) oder nur im Boden (z. B. bei Bauwerk mit Sporn).
Die zusätzlich als charakteristische stabilisierende Einwirkung anzusetzende Scherkraft Tk
zwischen Bauwerk und Boden kann nach Gleichung 4.4 berechnet werden.
T k = η z ⋅ E ah , k ⋅ tan δ a (4.4)

Die Scherkraft Tk im Boden wird nach Gleichung 4.5 ermittelt.


T k = η z ⋅ E ah , k ⋅ tan ϕ ' (4.5)

In den Gleichungen 4.4 und 4.5 ist ηz ein Anpassungsfaktor, Eah,k der charakteristische horizon-
tale aktive Erddruck, δa der Wandreibungswinkel und ϕ‘ der effektive Reibungswinkel des
Bodens.
Der Anpassungsfaktor ist mit ηz = 0,8 in den Bemessungssituation BS-P und BS-T und mit
ηz = 0,9 in der Bemessungssituation BS-A anzusetzen.
Als aktiver horizontaler Erddruck darf nur der Minimalwert, also min Eah,k angesetzt werden.
Dieser entspricht nach DIN 1054:2010-12 [2] in nichtbindigen Böden der Hälfte des nach
DIN 4085 [7] ermittelten oberen charakteristischen Wertes des Erddrucks. Bei bindigen Böden
beträgt min Eah,k = 0. Sofern keine genaueren Untersuchungen angestellt werden, darf daher im
bindigen Böden beim Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen keine Scherkräfte ange-
setzt werden.
Der Wandreibungswinkel δa ist vom effektiven Reibungswinkel des Bodens und von der Ober-
flächenbeschaffenheit der Konstruktion abhängig.
Nach DIN 1054:2010-12 muss, damit die Standsicherheit nicht maßgeblich von den Scherkräf-
ten abhängig ist, der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen auch ohne den Ansatz von
Scherkräften in der Bemessungssituation BS-A geführt werden.
Um für das vorliegende Beispiel die wirkenden Scherkräfte ermitteln zu können, müssen zuerst
die aktiven horizontalen Erddruckkräfte bestimmt werden. Für die Schlitzwand wird von einem
Wandreibungswinkel von δa = ½ ϕ‘ ausgegangen. Der aktive horizontale Erddruckbeiwert der
sandigen Kiesschicht beträgt Kagh,1 = 0,2100 und der der stark kiesigen Sandschicht
Kagh,2 = 0,2347.
Im Folgenden werden die Rechenschritte zur Ermittlung der horizontalen Erddruckkräfte im
Einzelnen dargestellt, jedoch nicht im Detail erläutert. Der Verlauf des horizontalen Erddrucks
ist im Bild 4-9 dargestellt.
44.3 Versagenn durch Aufsch
hwimmen 111

e agh ,1,1 = h1,1 ⋅ γ 1 ⋅ K agh ,1 = 1,0 ⋅ 22 ⋅ 0,22100 = 4,62 kN


N / m²
e agh ,1, 2 = e agh ,1,1 + h1, 2 ⋅ γ 1 '⋅K agh ,1 = 4, 62 + 8,0 ⋅ 13,0 ⋅ 0,2100 = 26,46 kN / m ²
e agh , 2 ,1 = h1,1 ⋅ γ 1 ⋅ K agh , 2 + h1, 2 ⋅ γ 1 '⋅K aagh , 2 = 1,0 ⋅ 22,0 ⋅ 0,2347 + 8,0 ⋅13,0 ⋅ 0,23447 = 29,57 kN
N / m²
e agh , 2 , 2 = e agh , 2 ,1 + h 2 ⋅ γ 2 '⋅K agh , 2 = 229,57 + 8,5 ⋅ 11 ⋅ 0,2346 = 51,51kN / m ²
D
Der Verlauf des
d horizontaleen Erddrucks ist im Bild 4-9
9 dargestellt. Die
D in den einnzelnen
S
Schichten proo Laufmeter wirkenden
w horiizontalen Erdd
druckkräfte ergeben sich zuu:
E agh ,1,1 = 2,31kN / lfm
E egh ,1, 2 = 124
1 ,32 kN / lfm
m
E egh , 2 = 34
44 ,59 kN / lfm
m
DDa, wie bereitts oben beschrrieben, nur diee Hälfte der horizontalen
h Erddruckkraft
E ffür die Berech
h-
nnung der Scherkräfte ang gesetzt werdeen darf, müsssen die eben n berechnetenn horizontaleen
EErddruckkräftte noch durch zwei geteilt wwerden.
min E agh ,1,1 = 1,16 kN / lfm
lf
min E egh ,1, 2 = 62,16 kN / lfm
min E egh , 2 = 172 ,30 kN / lfm

B
Bild 4-9 Auf die
d Schlitzwand wirkende Errddruckkräfte (Maße in m)
112 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

Für die Berechnung der Scherkraft Tk zwischen Boden und Schlitzwand sind weiterhin noch
der Wandreibungswinkel δa und der Anpassungsfaktor ηz zu bestimmen. Der Wandreibungs-
winkel ergibt sich mit δa = ½ ϕ‘ für die obere Schicht zu δa,1 = 18,75° und für die untere
Schicht zu δa,2 = 17,50°. Der Anpassungsfaktor für die Bemessungssituation BS-T ist mit 0,9
anzusetzen.
Die in den beiden Schichten pro Laufmeter zwischen Bauwerk und Boden wirkende charakte-
ristische Scherkraft Tk errechnet sich nach Gleichung 4.4 zu:
T k ,1 = η z ⋅ E ah , k ,1 ⋅ tan δ a ,1 = 0,8 ⋅ (1,16 + 62,16 ) ⋅ tan 18,75 = 17 ,19 kN / lfm
T k , 2 = η z ⋅ E ah , k , 2 ⋅ tan δ a , 2 = 0,8 ⋅172 ,30 ⋅ tan 17 ,50 = 43,46 kN / lfm
Die Scherkraft wirkt über den gesamten Umfang U der Baugrube. Die resultierende charakte-
ristische Scherkraft Tk ergibt sich damit zu:
Tk = (Tk ,1 + Tk , 2 ) ⋅ U = (17 ,19 + 43,46 ) ⋅ ( 2 ⋅ 37 ,0 + 2 ⋅ 13,0) = 6065 ,0 kN
Die wirkende Scherkraft kann nun als zusätzliche vertikale stabilisierende Einwirkung ange-
setzt werden. Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen lautet dann:
G dst , k ⋅ γ G , dst + Q dst , rep ⋅ γ Q , dst ≤ G stb , k ⋅ γ G , stb + Tk ⋅ γ G , stb (4.6)

77440,0 ⋅1,05 + 0 ≤ 49175,0 ⋅ 0,95 + 6065,0 ⋅ 0,95


81312,0kN ≤ 52478,0kN falsch
Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen ist nach dem Einsetzen der entsprechenden
Zahlenwerte in die Gleichung 4.6 auch unter Ansatz der Scherkräfte als stabilisierende Einwir-
kung nicht erfüllt. Zur Erbringung des Nachweises ist zusätzlich die Anordnung von Zugpfäh-
len erforderlich. Die Zugpfähle sind bei Baugruben in einem geeigneten Raster anzuordnen
(Beispiel siehe Bild 4-11).
Sind Zugpfähle erforderlich, sind für die Ermittlung der Sicherheit gegen Aufschwimmen fol-
gende zwei Nachweise notwendig:
௅ Nachweis des Herausziehwiderstandes (Grenzzustand GEO-2)
௅ Nachweis gegen Abheben des Bodenblocks (Grenzzustand UPL)
Bei der Nachweisführung nach Abschnitt 7.6.3 des EC7-1 und DIN 1054:2010-12 ist besonders
darauf zu achten, dass der Nachweis des Herausziehwiderstandes im Grenzzustand GEO-2 und
der Nachweis des Grenzzustandes gegen Abheben des gesamten Bodenblocks im Grenzzustand
UPL zu führen ist. Es ergibt sich daher ein Sprung im Sicherheitsniveau bei den Nachweisen
der Tragfähigkeit eines Bauteils (hier Zugpfähle).
Erfahrungsgemäß ist für die Bemessung der Zugpfähle der Nachweis gegen Abheben des Bo-
denblocks maßgebend. Es ist demnach in den meisten Fällen sinnvoll, den Nachweis gegen
Abheben des Bodenblocks vorzuziehen.
Beim Nachweis gegen Abheben eines Bodenblocks wird das Gewicht des Bodens GE,k, welches
sich an die Zugpfahlgruppe anhängt, zusätzlich als stabilisierende Einwirkung GE,k berücksich-
tigt (Gleichung 4.8). Das Gewicht des an eine Zugpfahlgruppe angehängten Bodenblocks GE,k
kann nach Gleichung 4.7 ermittelt werden.
1
G E , k = n Z ⋅ [l a ⋅ l b ⋅ ( L − ⋅ l a2 + l b2 ⋅ cot(ϕ ))] ⋅η Z ⋅ γ (4.7)
3
44.3 Versagenn durch Aufsch
hwimmen 113

IIn der Gleichuung 4.7 ist nz die


d Anzahl deer Zugpfähle, la das größere Rastermaß deer Pfahlgruppe,
lb das kleineree Rastermaß derd Pfahlgrupppe, L die Pfaahllänge, γ diee Wichte des Bodens, ϕ deer
RReibungswinkkel des Boden ns und ηZ einn Anpassungssfaktor (ηZ = 0,8). Die Geoometrie des ana
eeinen Zugpfahhl angehängteen Bodenkörppers ist mit deen Abmessung gen in Bild 4--10 dargestelllt.
DDie abgebildeete Geometriee hat auch fürr die Randpfäähle Gültigkeiit. Bei inhomoogenem Unter-
ggrund ist die Wichte
W des Bo odens schichtwweise zu erfasssen.

Bild 4-10 Geometrie des an eeinem Einzel-


pfahl angehängten
n Bodens eineer Pfahlgruppe
e
2])
(aus[2

F
Für das vorlieegende Beispiel wurde das iim Bild 4-11 dargestellte Pfahlraster mitt la = 2,5 m un
nd
lb = 1,5 m gewwählt. Daraus ergibt sich unnter Berücksicchtigung der Geometrie
G der
er Baugrube die
P
Pfahlanzahl zu
z nZ = 91. Die Pfahllängee wird mit l = 11,5 m und d der Pfahlduurchmesser mit
m
d = 0,15 m geewählt. Die an
nzusetzenden B Bodenparametter sind dem Bild
B 4-7 zu enntnehmen.

B
Bild 4-11 Pfah
hlraster der Au
uftriebspfähle (Maße in m)

MMit den obenn genannten Werten


W ergibt sich das Gew
wicht des angeehängten Boddenkörpers GE,k
E
nnach Gleichunng 4.7 zu:
114 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

1
GE ,k = nZ ⋅ [la ⋅ lb ⋅ ( L − ⋅ la2 + lb2 ⋅ cot(φ ))] ⋅ηZ ⋅ γ =
3
1
= 91 ⋅ [2,5 ⋅ 1,5 ⋅ (11,5 − ⋅ 2,52 + 1,52 ⋅ cot(35))] ⋅ 0,8 ⋅ 11 = 30366,6kN
3
Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen kann dann unter Berücksichtigung des
Gewichts des angehängten Bodenkörpers GE,k im Grenzzustand UPL nach Gleichung 4.8 ge-
führt werden. Das Bodengewicht wird dabei als zusätzliche stabilisierende Einwirkung berück-
sichtigt.
G dst , k ⋅ γ G , dst + Q dst , rep ⋅ γ Q , dst ≤ G stb , k ⋅ γ G , stb + (T k + G E , k ) ⋅ γ G , stb (4.8)

77440,0 ⋅ 1,05 + 0 ≤ 49175,0 ⋅ 0,95 + ( 6065,0 + 30366,6 ) = ⋅0,95


81312,0kN ≤ 81327 ,0kN richtig
Wie nach dem Einsetzen der entsprechenden Zahlenwerte in die Gleichung 4.8 zu sehen ist,
sind mit den angesetzten Zugpfählen die stabilisierenden Einwirkungen größer als die destabili-
sierenden Einwirkungen. Der Nachweis der Sicherheit gegen Aufschwimmen unter Berück-
sichtigung des angehängten Bodenkörpers ist daher erfüllt.
Wie oben bereits beschrieben, muss zusätzlich noch der Nachweis des Herausziehwederstandes
im Grenzzustand GEO-2 geführt werden. Dies hat ebenfalls nach Abschnitt 7.6.3 des EC7-1
und DIN 1054:2010-12 zu erfolgen.
Für den Nachweis des Herausziehwiderstandes muss die angreifende Zugkraft, multipliziert mit
den entsprechenden Teilsicherheitsbeiwerten Ft;d, kleiner sein als der Bemessungswert des
Herausziehwiderstandes der Pfahlgruppe Rt;d. Dafür muss folgende Gleichung erfüllt sein:
Ft ; d ≤ R t ; d (4.9)

Der Bemessungswert der Zugbeanspruchung Ft;d errechnet sich aus den veränderlichen und
ständigen auf die Pfahlgruppe wirkenden Lasten (Auftriebskraft) multipliziert mit den Teilsi-
cherheitsbeiwerten im Grenzzustand GEO-2 (Gleichung 4.10).
Ft ; d = Ft ,G , k ⋅ γ G + Ft ,Q , rep ⋅ γ Q − ( Fc ,G , k + T k ) ⋅ γ G ,inf (4.10)

Zusätzlich zu den bereits erläuterten Begriffen ist Ft,G,k der charakteristische Wert der Zugbean-
spruchung, γG der Teilsicherheitsbeiwert für ständige Beanspruchungen (siehe Tabelle 4.3),
Ft,Q,rep der charakteristische bzw. repräsentative Wert der Zugbeanspruchung, γQ der Teilsicher-
heitsbeiwert für ungünstige veränderliche Beanspruchungen (siehe ebenfalls Tabelle 4.3), Fc,G,k
der charakteristische Wert einer gleichzeitig wirkenden Druckbeanspruchung und γG,inf der
Teilsicherheitsbeiwert für günstige ständige Druckbeanspruchungen.
Bei diesem Beispiel entspricht der charakteristische Wert der Zugbeanspruchung der bereits
zuvor ermittelten Auftriebskraft. Die gleichzeitig wirkende Druckbeanspruchung ergibt sich
aus dem ermittelten Eigengewicht der Konstruktion sowie der bereits ermittelten Scherkraft
entlang der Schlitzwände. Der Bemessungswert der Zugbeanspruchung ergibt sich dann nach
Gleichung 4.10 zu:
Ft ;d = Ft ,G ,k ⋅ γ G + Ft ,Q , rep ⋅ γ Q − ( Fc ,G ,k + Tk ) ⋅ γ G ,inf =
= 77440,0 ⋅ 1, 2 − (49175, 0 + 6065,8) ⋅ 1, 0 = 37687, 2kN
4.4 Versagen durch hydraulischen Grundbruch 115

Der Herausziehwiderstand kann vereinfacht über Erfahrungswerte oder mittels Pfahlprobebe-


lastungen ermittelt werden (siehe Kapitel 3). Im Rahmen dieses Beispiels wird der Heraus-
ziehwiderstand mittels Erfahrungswerte nach folgender Gleichung ermittelt:
q s,k ⋅ L ⋅ D ⋅ π ⋅ n Z
Rt ; d = (4.11)
γ s ,t
In der Gleichung 4.11 ist qs,k der charakteristische Wert der Pfahlmantelreibung (Erfahrungs-
wert). Mit den bereits zuvor festgelegten Werten für die Pfahlgeometrie und der Anzahl der
Pfähle sowie mit einer Pfahlmantelreibung für den anstehenden Boden von qs,k = 150 kN/m²
kann der Herausziehwiderstand nach Gleichung 4.11 ermittelt werden. Der erforderliche Teilsi-
cherheitsbeiwert ist der Tabelle 4.5 zu entnehmen.
q s,k ⋅ L ⋅ D ⋅ π ⋅ n Z 150 ⋅11,5 ⋅ 0,15 ⋅ π ⋅ 91
Rt ;d = = = 49315,2kN
γ s ,t 1,5
Der Nachweis kann dann entsprechend Gleichung 4.9 geführt werden.
Ft ; d ≤ R t ; d
37687 kN ≤ 49315,2kN richtig
Für die gegebene Baugrube kann die Sicherheit gegen Aufschwimmen unter Ansatz von 91
Pfählen mit einer Länge von 11,5 m und einem Durchmesser von 0,15 m nachgewiesen wer-
den.
Wie bereits oben beschrieben, muss, damit die Sicherheit gegen Aufschwimmen nicht maßgeb-
lich von den Scherkräften abhängig ist, nach EC7-1 bei Dauerbauwerken zusätzlich nachgewie-
sen werden, dass die Grenzzustandsbedingung auch ohne Ansatz der Scherkräfte mit den Teil-
sicherheitsbeiwerten der Bemessungssituation BS-A erfüllt ist.
Im vorliegenden Beispiel handelt es sich um eine temporäre Baugrube, der oben beschriebene
Nachweis muss daher nicht geführt werden.

4.4 Versagen durch hydraulischen Grundbruch


Zum Versagen durch hydraulischen Grundbruch kann es z. B. kommen, wenn innerhalb einer
wasserdichten Baugrubenumschließung der Grundwasserspiegel abgesenkt wird. Durch die
Absenkung kommt es zu einer Umströmung der Baugrubenwand. Vom Fuß der Baugrubenum-
schließung bis zur Baugrubensohle strömt das Grundwasser vertikal nach oben, also entgegen
der Gewichtskraft des Bodens. Wenn der vertikale Anteil der Strömungskraft S die Gewichts-
kraft des Bodens unter Auftrieb G‘ sowie weitere mögliche stabilisierende Kräfte T kompen-
siert, so resultiert daraus ein hydraulischer Grundbruch (Bild 4-12). Dies kann zu einer raschen
Flutung der Baugrube sowie zu einem Einsturz der Baugrube führen.
1116 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

B
Bild 4-12 Hydraulischer Gru
undbruch an e
einer Baugrube
enumschließu
ung

DDer Nachweiss der Sicherheeit gegen hydrraulischen Gru


undbruch musss nach EC 7--1 [1] für jedees
in Frage kommmende Boden nprisma erfülllt sein. Der Nachweis
N ist mittels der foolgenden Gleii-
cchung (4.12) zu
z führen.
S dst ; d ≤ G ' stb ; d (4.12
2)

IIn der Gleichuung 4.12 ist Sdst;d der auf ddas maßgeben
nde Bodenprissma wirkendee Bemessungss-
wwert der Strömmungskraft unnd G‘stb;d der B
Bemessungswwert des Gewicchts unter Aufftrieb des Priss-
mmas. Ist der Beemessungsweert des Gewichhts unter Auftrrieb des Prismmas G‘stb;d größßer oder gleich
ddem Bemessunngswert der maßgebenden
m Strömungskraaft, ist der Nachweis der Siicherheit gegeen
hhydraulischen Grundbruch erfüllt.
e
DDer Nachweiss ist im Grenzzzustand HYD D zu führen. Die für die Ermittlung
E derr Bemessungss-
wwerte erforderrlichen Teilsiccherheitsbeiweerte sind daheer der Tabellee 4.1 zu entnehhmen. Es wirrd
ddabei in der DIN
D 1054:2010 0-12 [2] in unggünstigen undd günstigen Baaugrund unterrschieden.
D
Der ungünstigge und günstig
ge Baugrund isst wie folgt in
n der DIN 1054
4:2010-12 deffiniert:
„„Als günstigerr Baugrund sind Kies, Kies gerter Sand mit
essand und miindestens mittteldicht gelage
KKorngrößen über
ü 0,2 mm sowie
s mindesttens steifer toniger bindigeer Boden anzuusehen, als unn-
ggünstiger Bauggrund locker gelagerter
g Saand, Feinsand,, Schluff und weicher
w bindigger Boden.“
LLiegt ein unggünstiger Bau
ugrund vor, ddürfen die Teilsicherheitsbeeiwerte für ggünstigen Bau
u-
ggrundverwenddet werden, wenn
w eine minndestens 30 cm
m dicke filtergerechte Schuutzschicht auff-
ggebracht wird..
DDas für die Berechnung
B deer Strömungskkraft erforderlliche Strömun
ngs- und Poteentialliniennettz
kkann mit folgeenden Method
den ermittelt w
werden:
௅ zeichneriscche Lösung deer Laplace‘schhen Differentiialgleichung
௅ mittels derr Finite-Elemeente-Methode (z. B. Plaxis, FEFLOW, GGU)
44.4 Versagenn durch hydrau
ulischen Grund
ndbruch 117

௅ nur Näherung en Æ ungenau


analytische Lösungen (n u)
D
Die Annahmee eines linearen Potentialabbbaus ist nicht zulässig!
BBei der Bestimmung der maßgebenden
m Strömungskrraft müssen des
d Weiteren aalle möglicheen
uungünstigen Randbedingun
R ngen, wie z. B .
௅ dünne einggelagerte Bod
denschichten vvon geringer Durchlässigkei
D it und
௅ räumliche Effekte wie in engen kreeisförmigen oder
o rechteck
kigen Baugrubben unter dem
m
Wasserspiiegel
eerfasst werdenn. Baugruben
necken sind auufgrund der dreidimension
d nalen Anström
mung gesondeert
nnachzuweisenn (z. B. Aulbacch [8]).
NNach der DIN N 1054:2010-12 [2] erfolggt der Nachw weis der Sich herheit gegen hydraulischeen
GGrundbruch im m ebenen Fall basierend auuf den Ansatz nach Terzagh hi [9]. Bei dieesem Verfahreen
wwerden ledigllich die bezog gene Strömunngskraft Sdst;d als destabilisiierende Einwiwirkung und die
GGewichtskraftft des Bodens unter Auftriebb G‘stb;d’ als stabilisierende
s e Einwirkung berücksichtig gt,
wwobei möglicche Reibungsk kräfte R vernnachlässigt weerden. Beim Berechnungsvverfahren nacch
TTerzaghi wirdd der Bruchkö örper für den Ansatz der Kräfte
K durch einen vereinfacchten prismatti-
sschen Ersatzkkörper abgebilldet, an dem ddie bezogenen n Strömungsk kraft Sdst;d undd die Gewichts-
kkraft unter Auuftrieb G‘stb;d’ ermittelt werd
rden (Bild 4-13). Die Höhe des Ersatzkörrpers entsprich ht
dder Einbindettiefe t der Wand von derenn Fuß bis zur Baugrubensoh
B hle und die Brreite b der haal-
bben Einbindettiefe (b = t/2). Wird ein Auuflastfilter auff die Baugrubensohle aufgeebracht, ist diee-
sser bei der Erm
mittlung der Breite
B des Boddenprismas niccht zu berücksichtigen.

B
Bild 4-13 Maßgebendes Bodenprisma
B nach Terzaghi beim Nach
hweis der Siccherheit gege
en
h
hydraulischen
n Grundbruch

D
Der Bemessuungswert der Strömungskra
S aft Sdst;d, welccher im maßg
gebenden Boddenprisma nacch
T
Terzaghi wirkkt, ist nach Gleeichung 4.13 zzu ermitteln.
1118 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

Δhr ,1 + Δhr ,2 t
Sdst ;d = γ W ⋅ ⋅ ⋅γ H (4.13)
2 2
IIn der Gleichuung ist γW diee Wichte des Wassers, t diie Einbindetieefe der Baugru
rubenumschliee-
ßßung, Δhr,1 unnd Δhr,2 die Restpotentialhö
R öhen an den unteren
u Ecken n des maßgebbenden Bodenn-
pprismas und γH der Teilsicherheitsbeiwertrt für die Ström
mungskräfte im
m Grenzzustan
and HYD.
DDie Gewichtskkraft ergibt sicch aus der Flääche des maßg
gebenden Bod
denprismas, m
multipliziert mit
d Bodens γ' nnach Gleichun
dder Wichte unnter Auftrieb des ng 4.14.
t
G 'stb; d = t ⋅ ⋅ γ '⋅γ Q , stb
s
(4.14
4)
2
IIn der Gleichuung 4.14 ist zusätzlich
z zu dden bereits errläuterten Zeichen γ‘ die W Wichte des Boo-
ddens unter Auuftrieb und γQ,sstb der Teilsichherheitsbeiweert für ständigee stabilisierennde Einwirkun
n-
ggen im Grenzzzustand HYD D. Der Nachweeis der Sicherrheit gegen hy ydraulischen G Grundbruch isst
ddann nach Gleeichung 4.12 zu führen. Im m Folgenden werden
w zwei Beispiele für den Nachweiis
dder Sicherheitt gegen hydraaulischen Grunndbruch in un nterschiedlich
hen Untergrunndverhältnissen
vvorgestellt. Diie Geometrie der
d Baugrubennumschließun ng ist in beiden
n Beispielen uunverändert.

4
4.4.1 Beisp
piel 1: Ums
strömte Ba ugrubenwa
and im hom
mogenen B
Boden
DDer Nachweiss der Sicherheeit gegen hydrraulischen Gru
undbruch soll für die im Biild 4-14 dargee-
sstellte Spundw
wand geführt werden. Die Spundwand hat h eine Läng ge von 8,0 m und eine Ein n-

B
Bild 4-14 Sysstemskizze des Spundwand dverbaus für den Nachweis der
S
Sicherheit geg
gen hydraulisc
chen Grundbru
uch
44.4 Versagenn durch hydrau
ulischen Grund
ndbruch 119

bbindetiefe vonn t = 1,5 m. Die Baugrubeensohle liegt 6,5 m und deer Bemessunggsgrundwasser-
mnach Δh = 55,0 m.
sspiegel 1,5 m unterhalb derr GOK. Die Pootentialdiffereenz beträgt dem
DDer Untergruund besteht imm Bereich derr gesamten Baaugrube bis -15,0 m aus saandigem, dich ht
ggelagerten Kiees mit einem Durchlässigke
D eitskoeffizientten von kf = 0,1
0 m/s. Darunnter stehen seh
hr
ggering durchlässige bis unddurchlässige T
Tone an, die als Grundwassserstauer fung
ngieren. Die füür
dden Nachweiss erforderlicheen Bodenkennnwerte können n dem Bild 4--14 entnommeen werden. Deer
NNachweis derr Sicherheit geegen hydrauli schen Grundb bruch ist für die
d Bemessunggssituation PS S-
T zu führen.
FFür den Nachhweis der Sich
herheit gegenn hydraulischeen Grundbruch h wurde das PPotentiallinien
n-
nnetz mittels der
d Finite-Elem
mente-Methodde numerisch bestimmt. Das Potentiallinniennetz sowie
ddas maßgebennde Bodenprissma nach Terzzaghi ist im Bild 4-15 dargeestellt.

B
Bild 4-15 Pottentialliniennetz und maßge
ebendes Bode
enprisma

AAus der Überllagerung des Potentiallinien


P netzes mit dem
m maßgebend den Bodenprissma (Bild 4-15
5)
eergeben sich die Restpoteentialhöhen aan der Unterk kannte des Prismas zu Δhhr,1 = 1,4 un nd
ΔΔhr,2 = 0,9. Deer Bemessunggswert der Ströömungskraft berechnet
b sich
h dann nach G
Gleichung 4.13
3.
DDa es sich um m einen dichtt gelagerten K
Kies handelt, dürfen für deen Nachweis die Teilsicher-
hheitsbeiwerte für günstige Baugrundverh
B hältnisse heran
ngezogen werdden.
Δhr ,1 + Δhr ,2 t 1, 4 + 0, 9 1,5
Sdst ;d = γ W ⋅ ⋅ ⋅ γ H = 10 ⋅ ⋅ ⋅ 1, 3 = 11, 2kN / lfm
2 2 2 2
DDie als stabiliisierende Einw
wirkung anzussetzende Gew
wichtskraft berrechnet sich nnach Gleichun
ng
44.14.
1120 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

t 1,5
G 'stb; d = t ⋅ ⋅ γ '⋅γ Q , stb
s = 1,5 ⋅ ⋅ 13 ⋅ 0,95 = 13
3,9kN / lfm
2 2
FFür den Nachhweis der Sich herheit gegen hydraulischeen Grundbruch h muss dann die Gleichun
ng
44.12 erfüllt seiin.
S dst ; d ≤ G ' stb ; d
N / lfm ≤ 13,9kN
11,2kN k / lfm richttig
D
Die Sicherheitt gegen hydrau
ulischen Grunndbruch konntte somit nachg
gewiesen werdden.

4
4.4.2 Beisp
piel 2: Ums
strömte Ba ugrubenwa
and mit ein
ner durchläässigeren
Schic
cht im oberren Bereich
h
DDie Beschreibbung der Geom metrie kann ddem Beispiel 1 im Abschnittt 4.3.1 entnom mmen werden n.
BBei diesem Beeispiel setzt sich der Baugrrund bis zu eiiner Tiefe von n -6,5 m aus ssandigem Kiees
zzusammen. Daarunter steht ein dicht gelaagerter schwach schluffigerr Sand mit einnem Durchläss-
ssigkeitskoeffizzienten von kf = 0,001 m/s an, welcher wiederum
w von einer undurchhlässigen Ton
n-
sschicht unterlaagert wird, weelche auch beei diesem Beisspiel als Grun
ndwasserstaueer fungiert. Diie

B
Bild 4-16 Sysstemskizze des Spundwand dverbaus für den Nachweis
der Sicherheit gegen hydrau
d dbruch
ulischen Grund
4.4 Versagen durch hydraulischen Grundbruch 121

Geometrie der Baugrube sowie der Baugrundaufbau können dem Bild 4-16 entnommen wer-
den. Der Nachweis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch ist für die Bemessungssitu-
ation PS-T zu führen.
Wie dem Bild 4-17 entnommen werden kann, konzentriert sich der Potentialabbau im Bereich
der Baugrubenwand auf die weniger durchlässige, schwach schluffige Sandschicht. Im Kies
wird nahezu kein Potential abgebaut. Durch die Konzentration des Potentialabbaus im Bereich
des Fußes der Baugrubenwand sind die Restpotentialhöhen mit Δhr,1 = 2,06 und Δhr,2 = 0,75
deutlich höher als im Beispiel 1. Das maßgebende Bodenprisma ist ebenfalls im Bild 4-17
dargestellt.
Die Ermittlung der Bemessungswerte der Strömungskraft sowie der Gewichtskraft des maßge-
benden Bodenprismas erfolgt wie im Beispiel 1 nach Gleichung 4.13 und 4.14. Da es sich um
einen dicht gelagerten Sand handelt, können auch bei diesem Beispiel die Teilsicherheitsbei-
werte für günstige Baugrundverhältnisse für die Bestimmung der Bemessungswerte verwendet
werden.
Δhr ,1 + Δhr ,2 t 2, 06 + 0, 75 1,5
Sdst ;d = γ W ⋅ ⋅ ⋅ γ H = 10 ⋅ ⋅ ⋅ 1, 3 = 16, 6kN / lfm
2 2 2 2
t 1,5
G 'stb; d = t ⋅ ⋅ γ '⋅γ Q , stb = 1,5 ⋅ ⋅ 11 ⋅ 0,95 = 11,8kN / lfm
2 2
Setzt man diese Werte für den Nachweis der Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch in die
Gleichung 4.12 ein, zeigt sich, dass der Nachweis für diesen Bodenaufbau nicht erfüllt ist.
S dst ; d ≤ G ' stb ; d
16,6kN / lfm ≤ 13,9kN / lfm falsch
Als konstruktive Lösung besteht die Möglichkeit, einen filterstabilen und hydraulisch neutralen
(Filterregel nach Terzaghi [9]) Auflastfilter auf die Baugrubensohle aufzubringen, welcher
keinen Einfluss auf die Grundwasserströmung und somit auf die Potentiallinienverteilung hat
(Vergleich Bild 4-17 und 4-19). Durch das Aufbringen des Filters werden die stabilisierenden
Gewichtskräfte G’stb;d vergrößert.
Der Auflastfilter hat rechnerisch nach DIN 1054:2010-12 [2] keinen Einfluss auf die Breite des
maßgebenden Bruchkörpers. Der Auflastfilter wird oberhalb des Bodenprismas als zusätzliche
Auflast GF angesetzt (Bild 4-17).
Die stabilisierende Gewichtskraft des maßgebenden Bodenprismas und des anzusetzenden
Gewichts des Auflastfilters kann nach folgender Gleichung (4.15) ermittelt werden.
t t
G ' stb; d = (t ⋅ ⋅ γ '+ ⋅ d F ⋅ γ F ) ⋅ γ Q , stb (4.15)
2 2
In der Gleichung 4.15 ist zusätzlich zu den bereits erläuterten Zeichen dF die Dicke des
Auflastfilters und γF die Wichte des Auflastfilters. Es ist jedoch zu beachten, dass je nach
Planung der Auflastfilter auch unter dem Wasserspiegel liegen kann. In diesem Fall ist die
Wichte unter Auftrieb des Auflastfilters γ'F für die Ermittlung der stabilisierenden
Gewichtskraft anzusetzen. Die relevanten Kennwerte des Auflastfilters können dem Bild 4-19
entnommen werden.
1122 4 Hydraullisch verursachtes Versagen
n nach EC 7-11, Abschnitt 10
0

B
Bild 4-17 Potentialliniennettz und maßge bendes Boden
nprisma

B
Bild 4-18 Potentialliniennettz und maßge bendes Boden
nprisma
44.4 Versagenn durch hydrau
ulischen Grund
ndbruch 12
23

B
Bild 4-19 Pottentialliniennetz und maßge
ebendes Bode
enprisma mit Auflastfilter
A

IIm vorliegenddem Beispiel soll die Dickke des Auflaastfilers ermitttelt werden, w welche für die
EErfüllung dess Nachweisers der Sicherhheit gegen hy ydraulischen Grundbruch eerfoderlich isst.
DDazu wird wird die Gleichu ung 4.15 nachh d F umgestellt und G’stb;d gleich
g dem Beemessungsweert
dder Strömunggskraft Sdst;d gesetzt, welchee, wie oben beschrieben,
b durch
d den Auuflastfilter nich
ht
bbeeinflusst wiird.
S dst ; d γ' 16,6 11
dF = 2 ⋅ −t⋅ =2⋅ − 1,5 ⋅ = 0,36m
γ F ⋅ t ⋅ γ Q ,stb
s γF 19 ⋅ 1,5 ⋅ 0,95
9 19
U
Um die Sichherheit gegen hydraulischeen Grundbrucch nachweisen n zu können,, ist daher eiin
A
Auflastfilter mit
m einer Diccke von minddestens dF = 0,36 m erfoderlich. Gew wählt wird einne
A
Auflastfilterdiicke von dF = 0,40 m, mit w
welcher nochm
mals die stabilsierende Gew
wichtskraft nacch
G
Gleichung 4.114 ermittelt wiird.
t t
G ' stb;d = (t ⋅ ⋅ γ '+ ⋅ d F ⋅ γ F ) ⋅ γ Q , stb =
2 2
1,5 1,5
= (1,5 ⋅ ⋅ 11 + ⋅ 0,40 ⋅ 19) ⋅ 0 ,95 = 17,2kN
N / lfm
2 2
MMit dem neu errechneten Bemessungsw
B wert der stabiliisierenden Ein
nwirkungen kaann die Sicher-
hheit gegen hyddraulischen Grundbruch
G naach Gleichung
g 4.12 nachgew wiesen werdenn.
124 4 Hydraulisch verursachtes Versagen nach EC 7-1, Abschnitt 10

S dst ; d ≤ G ' stb ; d


16,6kN / lfm ≤ 17,2kN / lfm richtig
Demnach ist unter Berücksichtigung eines Auflastfilters mit einer Dicke von dF = 0,4 m die
Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch nachgewiesen.

4.5 Literatur
[1] DIN EN 1997-1:2009-09 Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der
Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 +
AC:2009 + A1:2013
[2] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergän-
zende Regelungen zu DIN EN 1997-1
[3] Boley, C. (2012): Handbuch Geotechnik, Grundlagen – Anwendung – Praxiserfahrung,
Vieweg + Teubner Verlag, Wiesbaden
[4] Witt, K.-J. (2009): Grundbau-Taschenbuch, Teil 2: Geotechnische Verfahren, 7. Aufla-
ge, Ernst & Sohn Verlag, Berlin
[5] Kempfert, H.-G., Raithel, M. (2009): Bodenmechanik und Grundbau. Band 1: Boden-
mechanik. Bauwerk Verlag, Berlin
[6] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[7] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
[8] Aulbach, B.(2013) Hydraulischer Grundbruch - Zur erforderlichen Einbindetiefe bei
Baugruben in nichtbindigem Baugrund, Ziegler, Hrsg., Aachen: Fakultät Bauingenieur-
wesen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, Dissertation
[9] Terzaghi, K.., Peck, R. (1961): Die Bodenmechanik in der Baupraxis, Springer Verlag,
Berlin/Göttingen/Heidelberg
125

5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1,


Abschnitt 9

Dipl.-Ing. Jörg Zimbelmann

5.1 Allgemeines
Das Kapitel 9 der DIN EN 1997-1:2009-09 [6] unterscheidet die folgenden Hauptarten von
Stützwänden:1
− Gewichtsstützwände, wobei ein Lastabtrag vor allem über die Aufstandsfläche erfolgt
− Im Boden einbindende Wände mit einem Lastabtrag über die Biegesteifigkeit, den Erdwi-
derstand und die Stützungen
− Zusammengesetzte Stützkonstruktionen, d. h. Kombinationen aus den ersten beiden Haupt-
arten
Für erstere sind (neben den Nachweisen der Gesamtstandsicherheit, der inneren Standsicherheit
und etwaigen weiteren Nachweisen, z. B. hydraulischer Grundbruch) die äußeren Standsicher-
heitsnachweise für Flach- und Flächengründungen gemäß Kapitel 6 der DIN EN 1997-1 zu
führen. Diesbezüglich wird auf Kapitel 2 „Nachweis von Flächengründungen nach EC 7-1,
Abschnitt 6“ dieses Buches verwiesen. Das vorliegende Kapitel konzentriert sich deshalb auf
im Boden einbindende Wände.

5.2 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert?
Das Kapitel 9 der DIN EN 1997-1 in Kombination mit DIN 1054:2010-12 [4] ist sehr ausführ-
lich. Viele Regelungen der alten DIN 1054:2005-01 [3] wurden nun in DIN EN 1997-1 aufge-
nommen, sodass die aktuelle DIN 1054:2010 an den entsprechenden Stellen kürzer ausfällt. Für
die Berechnung von in den Boden einbindenden Wänden enthält DIN 1054:2010 an vielen
Stellen nicht normative Verweise auf die 4. Auflage der EAB von 2006 [9] sowie die
EAU 2004 [7]. Es empfiehlt sich jedoch die Verwendung der in 2012 erschienenen und an DIN
EN 1997-1 sowie DIN 1054:2012 angepassten Auflagen (5. Auflage der EAB [10] sowie 11.
Auflage der EAU [8]).
Wird für Standsicherheitsnachweise der Erdwiderstand benötigt, so empfiehlt DIN EN 1997-1,
bei der Aushubkote bzw. Geländeoberkante auf der Erdwiderstandsseite der Wand ein Tole-
ranzmaß ȴa von maximal 50 cm zu berücksichtigen.2 Dies ist jedoch keine bindende Vorgabe.
Eine deutliche Verschärfung des aktuellen Regelwerkes im Vergleich zu DIN 1054:2005 wurde
beim Einfluss des Grundwassers vorgenommen. Je nach Beanspruchung bzw. Widerstand wur-
de die Verbindlichkeit der Regelungen unterschiedlich formuliert:
௅ Erddruck: Eine Umströmung des Stützbauwerks und die aus der Strömungskraft resultie-
rende Erhöhung der Wichte sind in der Regel zu berücksichtigen.3

1
DIN EN 1997-1:2009-09, 9.1.2
2
DIN EN 1997-1:2009-09, 9.3.2.2 (2)

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_5, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
126 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

௅ Erdwiderstand: „Bei einer Umströmung von wandartigen Stützbauwerken ist die Verminde-
rung der wirksamen Wichte des Bodens infolge der Strömungskraft bei der Ermittlung des
Erdwiderstands zu berücksichtigen. Die nach 9.6 A (8) zulässige Vereinfachung durch An-
satz des vollen hydrostatischen Wasserdrucks darf hier nicht angewendet werden.“4
௅ Wasserdruck: „Bei einer Umströmung von wandartigen Stützbauwerken verringert sich der
Wasserdruck auf der Außenseite, auf der Innenseite nimmt er zu. In einfachen Fällen, z. B.
bei homogenem Boden unterhalb des Grundwasserspiegels, ist es zulässig, vereinfachend
auf beiden Seiten der Wand den hydrostatischen Wasserdruck anzusetzen und die beiden
Wirkungen gegeneinander aufzurechnen. Dies gilt nicht für den Nachweis der Sicherheit
gegen hydraulisch verursachtes Versagen nach Abschnitt 10.“5
Da der Strömungseinfluss bei der Berechnung des Erdwiderstands auf jeden Fall berücksichtigt
werden muss, empfiehlt sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auch eine entsprechende Be-
rücksichtigung beim Erddruck und beim Wasserdruck. Zudem sollte für den Nachweis gegen
hydraulischen Grundbruch in aller Regel die Potentialverteilung (z. B. auf Grundlage eines
Potentialliniennetzes oder numerisch) ermittelt werden6, so dass diese Ergebnisse für die Be-
rechnung des Erdwiderstands sowie des Erddrucks und des resultierenden Wasserdrucks bereits
zur Verfügung stehen.

5.3 In den Boden einbindende Wände

5.3.1 Erforderliche Nachweise


Für in den Boden einbindende Wände sind (in der Regel für alle Aushub- und Rückbauzustän-
de) die folgenden geotechnischen Nachweise zu führen:
௅ Versagen bodengestützter Wände durch Drehung7 (bzw. Versagen des Erdwiderlagers) im
Grenzzustand GEO-2, d. h. der Bemessungswert Bh,d der für horizontales Gleichgewicht er-
forderlichen Bodenreaktion darf nicht größer sein als der Bemessungswert der Horizontal-
komponente des Erdwiderstands Eph,d bzw. Epgh,d
Bh,d ≤ E ph,d (5.1)

Bh ,d = γ G ⋅ BGh ,k + γ Q ⋅ BQh ,k (5.2)

E ph ,k
E ph ,d = η ⋅ (5.3)
γ R ,e
௅ Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands8 (Nachweis des mobi-
lisierten, passiven Erddruckneigungswinkels įp bzw. įB,k): Der Nachweis ist keinem Grenz-
zustand zugeordnet und wird mit charakteristischen Einwirkungen geführt. In Gleichung

3
DIN 1054:2010-12, 9.5.1 A(9)
4
DIN 1054:2010-12, 9.5.6 A(4)
5
DIN 1054:2010-12, 9.6 A(8)
6
DIN 1054:2010-12, 10.3 A(1e)
7
DIN EN 1997-1:2009-09, 9.7.4
8
DIN EN 1997-1:2009-09, 9.4.1 (2)P und DIN 1054:2010-12, A 9.5.6 A (2)
5.3 In den Boden einbindende Wände 127

(5.4)9 werden lediglich alle abwärts gerichteten Einwirkungen mit den aufwärts gerichteten
Einwirkungen verglichen. Die Vertikalkomponente der Bettungsreaktion am Erdwiderlager
Bv,k darf nach Gleichung (5.5) ermittelt werden.
ΣVk ↓= Gk + Eav, k + Av, k + Cv, k ≥ Bv, k ↑ (5.4)

Bv,k = Bh,k ⋅ tan δ p (5.5)

− Versagen bodengestützter Wände durch Vertikalbewegung10 (Nachweis gegen Versinken


bzw. „Pfahltragfähigkeit“) im Grenzzustand GEO-2
Vd = Σ Vd ,i ≤ Rd (5.6)
Der Widerstand Rd setzt sich dabei aus der Vertikalkomponente der Bettungsreaktion RB,d11
(nur auf der Erdwiderstandsseite anzusetzen) sowie dem Pfahlfußwiderstand Rb,d zusam-
men. Unterhalb der mit Gleichung (5.1) berechneten, für Gleichgewicht erforderlichen
Mindesteinbindetiefe terf darf auf beiden Wandseiten eine zusätzliche Mantelreibung Rs,d
angesetzt werden. Dabei ist zu beachten, dass die charakteristischen Widerstände RB,k sowie
Rb,k und Rs,k mit unterschiedlichen Teilsicherheitsbeiwerten abzumindern sind.
RB, k Rb, k Rs , k
Rd = RB, d + Rb, d + Rs, d = + + (5.7)
γ R, e γt γt
Des Weiteren sind die Nachweise der Gesamtstandsicherheit, die Ankernachweise sowie die
innere Bemessung durchzuführen, worauf in diesem Kapitel jedoch nicht näher eingegangen
wird. Hinsichtlich etwaiger Gebrauchstauglichkeitsnachweise wird auf Kapitel 9.8 in
DIN EN 1997-1 sowie die entsprechenden Ergänzungen der DIN 1054:2010 verwiesen.
Der Berechnungsablauf ist in Bild 5-1 dargestellt. In der Regel werden alle Nachweise aus
Gründen der Vergleichbarkeit für einen Wandabschnitt von 1 lfdm geführt werden, d. h. alle
Steifigkeiten und Querschnittswerte sind auf den laufenden Wandmeter umzurechnen.

9
Die Formel (5.4) entspricht dem sogenannten „vereinfachten“ Nachweis gemäß EAB [10], EB 9, Ab-
satz 3. Auf den „genauen“ Nachweis wird in diesem Kapitel nicht eingegangen. Er kann jedoch dann
von Nutzen sein, wenn der vereinfachte Nachweis knapp überschritten ist.
10
DIN EN 1997-1:2009-09, 9.7.5
11
Ersatzweise darf im Fußauflagerbereich anstelle des Reibungswiderstands RB,k auch der Mantelwider-
stand Rs,k auf der Grundlage von Erfahrungswerten für die Mantelreibung qs,k angesetzt werden
(DIN 1054:2010-12, 9.7.5 A (8)).
128 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Bild 5-1 Schematischer Berechnungsablauf für in den Boden einbindende Wände

5.3.2 Empfehlenswerte Punkte bei der Planung


Wie bei allen Planungen im Bereich der Geotechnik sollte ein Baugrundgutachten vorliegen
und dem planenden Ingenieur auch bekannt sein. So können bei genauer Kenntnis der anste-
henden Böden durch Wahl bzw. Ausschluss eines Bauverfahrens etwaige Verzögerungen wäh-
rend der Bauphase vermieden werden (vgl. Bild 5-2). Des Weiteren sollten Punkte, die die
Planung beeinflussen, vor Beginn der eigentlichen Berechnungen abgeklärt werden. Hierzu
gehören eine koordinierte Planungsgrundlage mit der Bestandsbebauung (Grundstücksgrenzen,
Gründungstiefen bestehender Gebäude, Bauwerkskanten einschl. Dachüberständen, Sparten
und Leitungen, etc.) und der genauen Lage der Baugrube bzw. der Stützwand, genauso wie eine
Abstimmung mit dem Prüfingenieur. Auch ein Gespräch mit der ausführenden Seite ist emp-
fehlenswert, da die Baustelleneinrichtung wie z. B. Kräne direkt hinter einem Baugrubenverbau
oder auch das vorgesehene Aushubkonzept großen Einfluss auf die Planung und die statischen
Erfordernisse haben können.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 129

Bild 5-2 Abgelenktes


Ankerbohrgestänge bei
einer Rammbohrung
(aus [2])

5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand


Im Folgenden werden die geotechnischen Nachweise beispielhaft für eine einfach rückveran-
kerte Bohrpfahlwand (Pfahldurchmesser D = 100 cm; Pfahlachsabstand der bewehrten Pfähle
a = 1,7 m) vorgeführt. Die Geometrie mit Schichtung, Grundwasserständen und Aushubzustän-
den, die Bodenkennwerte sowie die Belastung sind in Bild 5-3 dargestellt.
Die Nachweise werden für die temporäre Bemessungssituation BS-T geführt. Die erforderli-
chen Teilsicherheitsbeiwerte für die Nachweise im Grenzzustand GEO-2 sind in den nachfol-
genden Tabellen 5.1 und 5.2 aufgeführt.

Tabelle 5.1 Teilsicherheitsbeiwerte γF bzw. γE für Einwirkungen und Beanspruchungen gemäß


DIN 1054:2010-12, Tabelle A 2.1

Bemessungssituation
Einwirkung bzw. Beanspruchung Formelzeichen
BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Beanspruchungen aus ständigen


γG 1,35 1,20 1,10
Einwirkungen allgemein

Beanspruchungen aus ständigen


1) γG,E0 1,20 1,10 1,00
Einwirkungen aus Erdruhedruck

Beanspruchungen aus ungünstigen


γQ 1,50 1,30 1,10
veränderlichen Einwirkungen

Beanspruchungen aus günstigen


γQ 0 0 0
veränderlichen Einwirkungen
1)
Im vorliegenden Beispiel nicht erforderlich.
130 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Tabelle 5.2 Teilsicherheitsbeiwerte γR für Widerstände gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle A 2.3

Bemessungssituation
Widerstand Formelzeichen
BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Bodenwiderstände

௅ Erdwiderstand γR,e 1,40 1,30 1,20

Pfahlwiderstände auf der Grundlage von Erfahrungswerten

௅ Druckpfähle γb, γs, γt 1,40 1,40 1,40

Bild 5-3 Geometrie, Bodenkennwerte und Belastung


5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 131

Werden die Berechnungen von Hand und/oder mit Hilfe eines Stabwerksprogramms durchge-
führt, so sind die folgenden Querschnittswerte erforderlich (Abmessungen und Winkel siehe
Bild 5-4):
Querschnitt einer „Zelle“:
Ɏ Ͷ ή ͷͺǡʹͳι ͳ
୞ୣ୪୪ୣ  ൌ ή ͳଶ ή ൅ Ͷ ή ή ͲǡͶʹͷଶ ή –ƒ͵ͳǡ͹ͻι ൌ Ͳǡ͹͵;
Ͷ ͵͸Ͳι ʹ
Gesamter Wandquerschnitt (bewehrte und unbewehrte Pfähle):
୞ୣ୪୪ୣ Ͳǡ͹͵ ;
ୠ  ൌ ൌ ൌ Ͳǡͺ͸
ƒȀʹ Ͳǡͺͷ 
Erdberührter Umfang (bewehrte und unbewehrte Pfähle, beidseitig):
Ͷ ή ͷͺǡʹͳι ͳ 
ୱ  ൌ Ɏ ή ͳ ή ൉ ൌ ʹǡ͵ͻ 
͵͸Ͳι Ͳǡͺͷ 
Wandquerschnitt der bewehrten Pfähle:
Ɏ ͳ ;
 ൌ  ή ͳଶ ή ൌ ͲǡͶ͸
Ͷ ͳǡ͹ 
Flächenträgheitsmoment der bewehrten Pfähle:
Ɏ ͳ …ସ
୷୷  ൌ  ή ሺͷͲ…ሻସ ή ൌ ʹǤͺͺ͹ǤͶͻ͵ǡʹͷ
Ͷ ͳǡ͹ 

Bild 5-4 Wandquerschnitt und „Einheitszelle“

5.4.1 Aushubphase A
Die Aushubphase A ist der Voraushubzustand zum Setzen der Anker. Dabei wird bis 2,0 m
unter Gelände ausgehoben. Der Grundwasserstand innerhalb und außerhalb der Baugrube ist
gleich. Neben der großflächigen Auflast von pk = 10 kN/m², die zu den ständigen Einwirkungen
gezählt wird,12 ist direkt hinter der Bohrpfahlwand eine zusätzliche begrenzte Auflast
qk = 15 kN/m² über eine Breite von bq = 1,5 m zu berücksichtigen (siehe Bilder 5-3 und 5-10).
Der Voraushubzustand wird als frei auskragender Verbau mit Fußeinspannung gerechnet.

12
DIN 1054:2010-12, 9.5.1 A (9)
132 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

5.4.1.1 Berechnungsansatz nach BLUM


Für eine 100%-ige Fußeinspannung wird die statisch maximal wirksame Einbindetiefe erfor-
derlich. Eine weitere Vergrößerung der Einbindetiefe t über dieses Maß hinaus wirkt sich nicht
weiter auf das System aus [13].

Bild 5-5 Wandbewegung und


Erdwiderstandsverteilung; aus [13]
(ergänzt)

Das Tragverhalten einer frei auskragenden Verbauwand mit Fußeinspannung ist in Bild 5-5
dargestellt. Die Wand dreht sich um den theoretischen Fußpunkt in Richtung der Baugrube. Die
Beanspruchung aus aktivem Erddruck Ea (Horizontalkraft und Moment) wird durch die Erdwi-
derstände Ep1 und Ep2 aufgenommen. Sowohl die Tiefenlage des Drehpunkts als auch der Ver-
lauf des aktivierten Erdwiderstands Ep1 sind unbekannt. Prinzipiell ist der Erdwiderstand von
der Größe und der Art der Wandbewegung (und damit von der Nachgiebigkeit der Verbauart
und der Stützungen) abhängig. Der in Realität annähernd parabelförmige Verlauf von Ep1 könn-
te prinzipiell als dreiecksförmige Erdwiderstandsverteilung idealisiert werden (Bild 5-6).

Bild 5-6 Größe und Verteilung des Erdwiderstands in Abhängigkeit der Wandbewegung; nach
DIN 4085:2011-05 [5], Tabelle B.3

Gemäß dem Lösungsansatz von BLUM (Bild 5-7) wird der baugrubenseitige Erdwiderstand Ep1
um das Maß ȴEp1 ergänzt, wobei die Summe Erh = Ep1 + ȴEp1 dem klassischen, dreiecksförmi-
gen Erddruckansatz entspricht. Aus Gleichgewichtsgründen muss auf der Erdseite ȴEp2 = ȴEp1
hinzuaddiert werden. Die Erdwiderstandsanteile auf der Erdseite werden zur sogenannten
BLUMschen Ersatzkraft C zusammengefasst und auf Höhe des idealisierten Drehpunkts ange-
setzt. Das idealisierte System stellt eine Einspannung mit senkrechter Tangente (w’F = 0) an die
Verbauwand im Drehpunkt dar [13].
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 133

Bild 5-7 Lösungsansatz nach BLUM; aus [13] (ergänzt)

5.4.1.2 Beanspruchungen und Widerstände im vorliegenden Beispiel


Der frei auskragende Verbau ist ein statisch bestimmtes System, d. h. die gesuchte Tiefenlage
des Drehpunkts t1 bzw. die erforderliche Einbindetiefe t können direkt (für einen Ausnutzungs-
grad von ȝ = 100 % beim Nachweis des Erdwiderlagers) ermittelt werden. Dazu müssen die
Beanspruchungen und Widerstände in Abhängigkeit von t1 angegeben werden.

a) Erddruck- und Erdwiderstandsansatz


Hinsichtlich des Erddruckansatzes bei Baugruben verweist das aktuelle Regelwerk auf die
EAB13 Im vorliegenden Beispiel gilt die Empfehlung EB 26 „Fußeinspannung bei Spundwän-
den und Ortbetonwänden“. Demnach handelt es sich bei einer ungestützten Wand mit Fußein-
spannung um ein weiches System, und es ist lediglich ein aktiver Erddruck zu berücksichtigen.
Aus der Rotation um den theoretischen Fußpunkt folgt eine dreiecksförmige Erddruckvertei-
lung ohne Umlagerung.

Tabelle 5.3 Wandreibungswinkel bzw. maximale Erddruckneigungswinkel nach EAB [10],


EB 89

Oberfläche Verbauart Gekrümmte Gleitflächen Ebene Gleitflächen

Bohrpfahlwände, Spundwän-
verzahnt ŇįkŇ = ij‘k ŇįkŇ ” 2/3·ij‘k
de

Trägerbohlwand
rau 27,5° • ŇįkŇ ” ij‘k – 2,5° ŇįkŇ ” 2/3·ij‘k
Stahl, Beton, Holz

Schlitzwand,
weniger rau 1) ŇįkŇ ” 1/2·ij‘k ŇįkŇ ” 1/2·ij‘k
Spundwand mit Spülhilfe

schmierige Bodeneigen-
glatt ŇįkŇ = 0 ŇįkŇ = 0
schaften
1)
EAU [8], E 203

Hinsichtlich der Erddruckneigungswinkel įa bzw. įp ist die EAB [10] präziser als die
DIN 1054:2010-12 oder die DIN 4085:2011-05. Demnach hängen įa bzw. įp vom charakteristi-

13
DIN 1054:2010-12, 9.5.1, Anmerkung zu A (2b)
134 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

schen Wandreibungswinkel įk (was gleichbedeutend ist mit dem maximal aktivierbaren


Erddruckneigungswinkel), der Relativbewegung zwischen Wand und Boden, der Wahl der
Gleitflächenform und dem Mobilisierungsgrad ab. Generell darf der aktive Erddruck immer auf
der Grundlage ebener Gleitflächen berechnet werden. Beim Erdwiderstand ist der Ansatz ebe-
ner Gleitflächen nur für effektive Reibungswinkel ij’k ” 35° zulässig. Im vorliegenden Beispiel
wird gewählt:
௅ Aktiver Erddruck: ebene Gleitflächen mit Erddruckneigungswinkel įa = 2/3·ij’k
௅ Erdwiderstand: gekrümmte Gleitflächen mit Erddruckneigungswinkel įp = – ij’k14
Mit den Formeln gemäß DIN 4085:2011-05 ergeben sich die nachfolgenden Erddruckbeiwerte
sowie die Erddruckneigungswinkel.

Tabelle 5.4 Erddruckbeiwerte für eine senkrechte Wand (Į = 0) und horizontales Gelände
(ȕ = 0)

Auffüllung Sand
(ij‘k = 30°) (ij‘k = 35°)

Erddruck infolge Bodeneigengewicht Kagh(įa = 2/3·ij‘k) 0,279 0,224

Erddruck infolge Oberflächenlast Kaph(įa = 2/3·ij‘k) 0,279 0,224

Erdwiderstand infolge Bodeneigenge-


Kpgh(įp = – ij‘k) 5,846 9,027
wicht

Aktiver Gleitflächenwinkel für Erddruck


ࢡag(įa = 2/3·ij‘k) 55,98° 58,94°
infolge Bodeneigengewicht

b) Erddruckverläufe, Teilresultierende und Hebelarme


Nachfolgend werden die Erddruck- und Erdwiderstandsordinaten für unterschiedliche Tiefen
berechnet. Diese werden zu Teilresultierenden zusammengefasst, und es wird der jeweilige
Hebelarm der Teilresultierenden bezüglich der Tiefenlage des Drehpunkts t1 (gerechnet ab
Aushubsohle) angegeben (siehe Bilder 5-9 und 5-10).
b.1) Aktiver Erddruck aus Bodeneigengewicht einschließlich pk = 10 kN/m²:
ɐᇱ୸ ൌ ’୩ ൅ ɀ ή œୋ୛ ൅ ɀᇱ ή οœ୛
‡ୟ୥୦ǡ୩ ൌ  ୟ୥୦ ή ɐᇱ୸ ൌ  ୟ୥୦ ή ሺ’୩ ൅ ɀ ή œୋ୛ ൅ ɀᇱ ή οœ୛ ሻ
za = 0: eagh,k = 0,279·10 = 2,79 kN/m²
za = 2,5 m: eagh,k = 0,279·(10 + 2,5·21) = 17,44 kN/m²
za = 2 m + t1: eagh,k = 17,44 + 0,279·(t1 – 0,5)·11 = 15,90 kN/m² + 3,07 kN/m³·t1

14
Je kleiner der Erddruckneigungswinkel įp ist, desto größer ist der zugehörige Erdwiderstandsbeiwert
Kpgh und desto geringer ist die rechnerisch erforderliche Einbindetiefe t. Allerdings muss der Nachweis
der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands nach Gleichung (5.4) erfüllt sein, damit sich
der angenommene Erddruckneigungswinkel auch tatsächlich einstellen kann.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 135


ୟ୥୦ǡ୩ǡଵ  ൌ ʹǡ͹ͻ ൉ ʹǡͷ ൌ ͸ǡͻͺ

ʹǡͷ
ƒୟଵ ൌ  –ଵ െ Ͳǡͷ ൅ ൌ –ଵ ൅ Ͳǡ͹ͷ
ʹ
ʹǡͷ 
ୟ୥୦ǡ୩ǡଶ  ൌ  ሺͳ͹ǡͶͶ െ ʹǡ͹ͻሻ ൉ ൌ ͳͺǡ͵ͳ
ʹ 
ʹǡͷ
ƒୟଶ ൌ  –ଵ െ Ͳǡͷ ൅ ൌ –ଵ ൅ Ͳǡ͵͵
͵
 
ୟ୥୦ǡ୩ǡଷ  ൌ ͳ͹ǡͶͶ ൉ ሺ–ଵ െ Ͳǡͷሻ ൌ  െͺǡ͹ʹ ൅ ͳ͹ǡͶͶ ൉–
 ; ଵ
ƒୟଷ ൌ  Ͳǡͷ ή –ଵ െ Ͳǡʹͷ
–ଵ െ Ͳǡͷ
ୟ୥୦ǡ୩ǡସ  ൌ  ሺͳͷǡͻͲ ൅ ͵ǡͲ͹ ൉ –ଵ െ ͳ͹ǡͶͶሻ ൉
ʹ
 ଶ  
ୟ୥୦ǡ୩ǡସ ൎ ͳǡͷͶ ଷ ൉ ‫ݐ‬ଵ െ ͳǡͷͶ ଶ ൉ –ଵ ൅ Ͳǡ͵ͻ
  
–ଵ െ Ͳǡͷ
ƒୟସ ൌ 
͵

b.2) Erddruckanteil aus begrenzter Auflast qk = 15 kN/m²:


Der Lastansatz erfolgt gemäß Bild 5-8, wofür der aktive Gleitflächenwinkel erforderlich ist.

Bild 5-8 Lastfiguren für den Erddruck aus lotrechten Nutzlasten bei nicht oder nachgiebig ge-
stützten Wänden; EAB [10], Bild EB 7-1

Š୤  ൌ  „୯ ൉ –ƒ Ԃୟ୥  ൌ ͳǡͷ ൉ –ƒ ͷͷǡͻͺι  ൌ ʹǡʹʹ



‡ୟ୮୦ǡ୩  ൌ   ୟ୮୦ ൉  “୩  ൌ Ͳǡʹ͹ͻ ൉ ͳͷ ൌ Ͷǡͳͻ 
ଶ

ୟ୮୦ǡ୩  ൌ  ‡ୟ୮୦ǡ୩ ൉  Š୤  ൌ Ͷǡͳͻ ൉ ʹǡʹʹ ൌ ͻǡ͵Ͳ

ʹǡʹʹ
ƒ୯  ൌ  –ଵ െ Ͳǡͷ ൅ ʹǡͷ െ ൌ  –ଵ ൅ Ͳǡͺͻ
ʹ
136 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Eine Untersuchung auf Zwangsgleitflächen infolge der begrenzten Auflast qk kann erst bei
bekannter Einbindetiefe t erfolgen. Für den Voraushubzustand wird dies hier vernachlässigt,
und es wird auf Abschnitt 5.4.2.2 in diesem Kapitel verwiesen.

b.3) Erdwiderstand aus Bodeneigengewicht innerhalb der Auffüllung


‡୮୥୦ǡ୩ ൌ  ୮୥୦ ή ሺɀ ή œୋ୛ ൅ ɀᇱ ή οœ୛ ሻ
zp = 0: epgh,k = 0
zp = 0,5 m: epgh,k = 5,846·0,5·21 = 61,38 kN/m²
za = t1: epgh,k = 61,38 + 5,846·(t1 – 0,5)·11 = 29,23 kN/m² + 64,31 kN/m³·t1

͸ͳǡ͵ͺ ൉ Ͳǡͷ 
୮୥୦ǡ୩ǡଵ  ൌ  ൌ ͳͷǡ͵ͷ
ʹ 
Ͳǡͷ
ƒ୮ଵ ൌ  –ଵ െ Ͳǡͷ ൅ ൌ –ଵ െ Ͳǡ͵͵
͵
 
୮୥୦ǡ୩ǡଶ  ൌ ͸ͳǡ͵ͺ ൉ ሺ–ଵ െ Ͳǡͷሻ ൌ  െ͵Ͳǡ͸ͻ ൅ ͸ͳǡ͵ͺ ൉–
 ; ଵ
ƒ୮ଶ ൌ  Ͳǡͷ ή –ଵ െ Ͳǡʹͷ
–ଵ െ Ͳǡͷ
୮୥୦ǡ୩ǡଷ  ൌ  ሺʹͻǡʹ͵ ൅ ͸Ͷǡ͵ͳ ൉ –ଵ െ ͸ͳǡ͵ͺሻ ൉
ʹ
 ଶ  
୮୥୦ǡ୩ǡଷ ൎ ͵ʹǡͳͷ ଷ ൉ –ଵ െ ͵ʹǡͳͷ ଶ ൉ –ଵ ൅ ͺǡͲͶ
  
–ଵ െ Ͳǡͷ
ƒ୮ଷ ൌ 
͵

Bild 5-9 Voraushubzustand A – Verläufe der charakteristischen Beanspruchungen und Wider-


stände
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 137

Bild 5-10 Voraushubzustand A – Teilresultierende und Hebelarme (bzgl. des Drehpunkts)

5.4.1.3 Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Drehung

a) Ermittlung der Tiefe des Drehpunkts t1


Für den Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Drehung wird mit den Be-
messungswerten der Beanspruchungen und Widerstände das Momentengleichgewicht bezüg-
lich des Drehpunktes in der Tiefe t1 unterhalb der Aushubsohle aufgestellt. Für den Bemes-
sungswert des Erdwiderstands nach Gleichung (5.3) wird noch der Anpassungsfaktor Ș benö-
tigt. Dieser soll die Verformungen im Bereich des Erdauflagers begrenzen und ist in Abhängig-
keit der Verbauart bzw. der Nachgiebigkeit der Verbauwand sowie dem gewählten Erddruck-
ansatz (aktiv oder erhöht aktiv) festzulegen. Im vorliegenden Fall wird Ș = 0,8 gewählt, auch
wenn die überschnittene Bohrpfahlwand sehr biegesteif ist. Somit gilt für die Bemessungsmo-
mente aus Einwirkungen und Widerständen:

ͳ –ଵ ͳ
ୖ୩ ൌ ෍ ୮୥୦୩ǡ୧ ή ƒ୮୧ ൌ ͳͷǡ͵ͷ ή ൬–ଵ െ ൰ ൅ ሺ͸ͳǡ͵ͺ ή –ଵ െ ͵Ͳǡ͸ͻሻ ή ൬ െ ൰ ൅ ሺ͵ʹǡͳͷ ή –ଵଶ
͵ ʹ Ͷ
୧ୀଵ
–ଵ ͳ
െ ͵ʹǡͳͷ ή –ଵ ൅ ͺǡͲͶሻ ή ൬ െ ൰
͵ ͸
Ʉ Ͳǡͺ
ୖୢ ൌ ή ୖ୩ ൌ ή ୖ୩ ൌ ͸ǡͷͻ ή –ଵଷ ൅ ͺǡͻͻ ή –ଵଶ െ ͶǡͷͲ ή –ଵ ൅ Ͳǡ͹ͷ
ɀୖǡୣ ͳǡ͵

୉ୢ ൌ ɀୋ ή ෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୨ ή ƒୟ୨ ൅ ɀ୕ ή ୟ୮୦ǡ୩


୨ୀଵ
138 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

͵ ͳ –ଵ ͳ
୉ୢ ൌ ͳǡʹ ή ൤͸ǡͻͺ ή ൬–ଵ ൅ ൰ ൅ ͳͺǡ͵ͳ ή ൬–ଵ ൅ ൰ ൅ ሺͳ͹ǡͶͶ ή –ଵ െ ͺǡ͹ʹሻ ή ൬ െ ൰
Ͷ ͵ ʹ Ͷ

–ଵ ͳ
൅ ሺͳǡͷͶ ή –ଵ െ ͳǡͷͶ ή –ଵ ൅ Ͳǡ͵ͻሻ ή ൬ െ ൰൨ ൅ ͳǡ͵ ή ͻǡ͵Ͳ ή ሺ–ଵ ൅ Ͳǡͺͻሻ
͵ ͸
ଷ ଶ
୉ୢ ൌ Ͳǡ͸ʹ ή –ଵ ൅ ͻǡͷͶ ή –ଵ ൅ ͵ʹǡͶͶ ή –ଵ ൅ ʹ͸ǡͻͲ
Bei 100%-iger Fußeinspannung muss der Ausnutzungsgrad am Erdauflager gerade ȝ = 1,0 sein,
d. h. die für Gleichgewicht erforderliche Bettungsreaktion Bh,d entspricht dem Erdwiderstand
Epgh,d. Die gesuchte Tiefe des Drehpunktes t1 erhält man durch Gleichsetzen der Bemessungs-
momente aus Einwirkungen und Widerständen und Lösen der kubischen Gleichung:
ୖୢ െ ୉ୢ ൌ ͷǡͻ͹ ή –ଵଷ െ Ͳǡͷͷ ή –ଵଶ െ ͵͸ǡͻͶ ή –ଵ െ ʹ͸ǡͳͷ ൌ Ͳ
–ଵ ൌൎ ʹǡͺͷ

୮୥୦ǡ୩  ൌ ͳͷǡ͵ͷ െ ͵Ͳǡ͸ͻ ൅ ͸ͳǡ͵ͺ ൉ ʹǡͺͷ ൅ ͵ʹǡͳͷ ൉ ʹǡͺͷଶ െ ͵ʹǡͳͷ ൉ ʹǡͺͷ ൅ ͺǡͲͶ ൌ ͵͵͹ǡͳͶ

ୟ୥୦ǡ୩  ൌ ͸ǡͻͺ ൅ ͳͺǡ͵ͳ െ ͺǡ͹ʹ ൅ ͳ͹ǡͶͶ ൉ ʹǡͺͷ ൅ ͳǡͷͶ ൉ ʹǡͺͷ; െ ͳǡͷͶ ൉ ʹǡͺͷ ൅ Ͳǡ͵ͻ

ൌ ͹Ͷǡ͹ͺ


b) Ermittlung des Rammtiefenzuschlags ¨t1


Im vorliegenden Fall ist die Ermittlung eines Rammtiefenzuschlags ȴt1 und damit die statisch
wirksame Tiefe nicht erforderlich, da die Bohrpfahlwand mit einer Länge von l = 14,0 m ab
Geländeoberkante deutlich unterhalb des berechneten Drehpunkts bei t1 = 2,85 m endet. Es
wird lediglich aus Gründen der Vollständigkeit darauf eingegangen.
Der Rammtiefenzuschlag ȴt1 ist jener Teil der Verbauwand unterhalb des Drehpunkts, an dem
die erdseitige Erdwiderstandskomponente Ep2 aktiviert wird (siehe Bild 5-7). Gemäß EAB [10],
EB 26, Absatz 6 darf vereinfacht angesetzt werden:
ο–ଵ ൌ Ͳǡʹ ή –ଵ ൌ Ͳǡʹ ή ʹǡͺͷ ൌ Ͳǡͷ͹ ൎ Ͳǡ͸Ͳ
Alternativ kann der Rammtiefenzuschlag auch mit der Formel nach LACKNER berechnet
werden,15 wofür der Bemessungswert der BLUMschen Ersatzkraft Cd benötigt wird. Die cha-
rakteristische BLUMsche Ersatzkraft Ck wird über das horizontale Gleichgewicht berechnet.

୦ǡ୩ ൌ ୮୥୦ǡ୩ െ ෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ െ ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ͵͵͹ǡͳͶ െ ͹Ͷǡ͹ͺ െ ͻǡ͵Ͳ ൌ ʹͷ͵ǡͲ͸


Die Anteile der BLUMschen Ersatzkraft aus ständigen und veränderlichen Beanspruchungen
werden wie folgt ermittelt:
͵ ͳ –ଵ ͳ
୉ǡ୩  ൌ ͸ǡͻͺ ή ൬–ଵ ൅ ൰ ൅ ͳͺǡ͵ͳ ή ൬–ଵ ൅ ൰ ൅ ሺͳ͹ǡͶͶ ή –ଵ െ ͺǡ͹ʹሻ ή ൬ െ ൰
Ͷ ͵ ʹ Ͷ

–ଵ ͳ
൅ ሺͳǡͷͶ ή –ଵ െ ͳǡͷͶ ή –ଵ ൅ Ͳǡ͵ͻሻ ή ൬ െ ൰ ൅ ͻǡ͵Ͳ ή ሺ–ଵ ൅ Ͳǡͺͻሻ
͵ ͸

୉ǡ୩ ሺ–ଵ ൌ ʹǡͺͷሻ ൌ ͳ͹͵ǡͲʹ


15
EAB [10], EB 26, Absatz 7
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 139


୉ୋǡ୩  ൌ ͳ͹͵ǡͲʹ െ ͻǡ͵Ͳ ή ሺʹǡͺͷ ൅ Ͳǡͺͻሻ ൌ ͳ͵ͺǡʹͶ

୉ୋǡ୩ ͳ͵ͺǡʹͶ 
ୋ୦ǡ୩  ൌ ୮୥୦ǡ୩  ή ൌ ͵͵͹ǡͳͶ ή ൌ ʹ͸ͻǡ͵͹
୉ǡ୩ ͳ͹͵ǡͲʹ 

ୋ୦ǡ୩ ൌ ୋ୦ǡ୩ െ ෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ൌ ʹ͸ͻǡ͵͹ െ ͹Ͷǡ͹ͺ ൌ ͳͻͶǡͷͻ



୕୦ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ െ ୋ୦ǡ୩ ൌ ʹͷ͵ǡͲ͸ െ ͳͻͶǡͷͻ ൌ ͷͺǡͶ͹


Bild 5-11 Aufnahme der


Kraft Ch,k am Fuß einer im
Boden eingespannten Wand
nach LACKNER (EAB [10],
Bild EB 26-3)

Für die Formel (5.8) nach LACKNER wird die erdseitige Erdwiderstandsordinate ephC,d auf
Höhe des Drehpunkts benötigt (siehe Bild 5-11).
Ch, d
Δt1 ≥ (5.8)
2 ⋅ e phC , d

Da es bei Aktivierung der BLUMschen Ersatzkraft (bzw. des erdseitigen Erdwiderstands) zu


keiner Bruchkörperausbildung kommt, ist die Neigung der BLUMschen Ersatzkraft positiv
anzusetzen, so dass unter Berücksichtigung von EAB, EB 9, Absatz 3b und EAU 2012, E 134
gilt:
ϕ 'k
0° ≤ δ C ≤ (5.9)
3
Im Folgenden wird įC = 0 gewählt, was auf einen Erdwiderstandsbeiwert der BLUMschen
Ersatzkraft von Kpgh,C = 3,0 führt. Damit gilt:
ɐᇱ୸ ή  ୮୥୦ǡେ ሾͳͲ ൅ ʹǡͷ ή ʹͳ ൅ ሺʹǡͺͷ െ Ͳǡͷሻ ή ͳͳሿ ή ͵ 
‡୮୦େǡୢ ൌ ൌ ൌ ʹͲ͵ǡͺͺ
ɀୖǡୣ ͳǡ͵ ;

୦ǡୢ ൌ ɀୋ ή ୋ୦ǡ୩ ൅ ɀ୕ ή ୕୦ǡ୩ ൌ ͳǡʹ ή ͳͻͶǡͷͻ ൅ ͳǡ͵ ή ͸ͳǡͶ͹ ൌ ͵ͳ͵ǡͶʹ

୦ǡୢ ͵ͳ͵ǡͶʹ
ο–ଵ ൒ ൌ ൌ Ͳǡ͹͹
ʹ ή ‡୮୦େǡୢ ʹ ή ʹͲ͵ǡͺͺ
140 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Wird der Nachweis nach LACKNER geführt, sollte der berechnete Rammtiefenzuschlag noch
mit dem Mindestwert abgeglichen werden.16 Im vorliegenden Fall sind dies
ȴt1,min = 0,1·t1 § 0,30 m. Somit liegt die statisch wirksame Einbindetiefe bei
t = t1 + ȴt1 = 2,85+0,77 =3,62 m unter der Aushubsohle.

5.4.1.4 Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands


Der Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands gemäß Gleichung
(5.4) bedeutet eine Überprüfung des angenommenen passiven Wandreibungswinkels. Falls der
Nachweis nicht erfüllt ist, wurde įp zu steil (bzw. bei negativem įp zu klein) angesetzt. Es muss
ein größerer (bei negativem įp betragsmäßig kleinerer) Wert für įp gewählt werden. Aus die-
sem ist ein zugehöriger Erdwiderstandsbeiwert Kpgh zu ermitteln, und der Nachweis gegen
Versagen des Erdwiderlagers ist erneut zu führen. Im vorliegenden Beispiel gilt:

Eigengewicht der Bohrpfahlwand (mit einem unteren Wert der Betonwichte von ȖB = 24 kN/m³
bzw. Ȗ‘B = 14 kN/m³ im Grundwasser):


୩ ൌ ሺɀ୆ ή Žଵ ൅ ɀᇱ ୆ ή Žଶ ሻ ή ୠ ൌ ሺʹͶ ή ʹǡͷ ൅ ͳͶ ή ͳͳǡͷሻ ή Ͳǡͺ͸ ൌ ͳͻͲǡͲ͸



Vertikalkomponente der aktiven Erddrucklast:

ୟ୥୴ǡ୩ ൌ ୟ୥୦ǡ୩ ή –ƒ Ɂୟ ൌ ͹Ͷǡ͹ͺ ή –ƒ ʹͲι ൌ ʹ͹ǡʹʹ


ୟ୮୴ǡ୩ ൌ ୟ୮୦ǡ୩ ή –ƒ Ɂୟ ൌ ͻǡ͵ ή –ƒ ʹͲι ൌ ͵ǡ͵ͺ


ୟ୴ǡ୩ ൌ ୟ୥୴ǡ୩ ൅ ୟ୮୴ǡ୩ ൌ ʹ͹ǡʹʹ ൅ ͵ǡ͵ͺ ൌ ͵Ͳǡ͸Ͳ

Vertikalkomponente der Ersatzkraft: wegen įC = 0 gilt Cv,k = CGv,k = 0
Ankerkräfte: Der Anker ist noch nicht eingebaut; somit gilt Av,k = 0.
Vertikalkomponente der Bettungsreaktion bzw. des mobilisierten Erdwiderstands:

ୋ୴ǡ୩ ൌ ୋ୦ǡ୩ ή –ƒหɁ୮ ห ൌ ʹ͸ͻǡ͵͹ ή –ƒ ͵Ͳι ൌ ͳͷͷǡͷʹ


୴ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ ή –ƒหɁ୮ ห ൌ ͵͵͹ǡͳͶ ή –ƒ ͵Ͳι ൌ ͳͻͶǡ͸ͷ

Vereinfachter Nachweis mit ständigen Lasten:
 
ୋǡ୩ ൌ
୩ ൅ ୟ୥୴ǡ୩ ൌ ͳͻͲǡͲ͸ ൅ ʹ͹ǡʹʹ ൌ ʹͳ͹ǡʹͺ ൐ ୋ୴ǡ୩ ൌ ͳͷͷǡͷʹ
 
ୋ୴ǡ୩ ͳͷͷǡͷʹ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡ͹ʹ ൏ ͳǡͲξ
ୋǡ୩ ʹͳ͹ǡʹͺ
Vereinfachter Nachweis unter Gesamtbelastung:
 
୩ ൌ
୩ ൅ ୟ୴ǡ୩ ൌ ͳͻͲǡͲ͸ ൅ ͵Ͳǡ͸ ൌ ʹʹͲǡ͸͸ ൐ ୴ǡ୩ ൌ ͳͻͶǡ͸ͷ
 

16
EAB [10], EB 26, Absatz 5
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 141

୴ǡ୩ ͳͻͶǡ͸ͷ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡͺͺ ൏ ͳǡͲξ
୩ ʹʹͲǡ͸͸

5.4.1.5 Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Vertikalbewegung


Das Vorgehen für den Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Vertikalbewe-
gung ist im Abschnitt 9.7.5 des Handbuchs Eurocode 7 [12] geregelt. Weitere Hinweise finden
sich in EAB, EB 84.
Entgegen Gleichung (5.9) und den bisherigen Ausführungen zum Rammtiefenzuschlag ȴt1 und
dem Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands darf die BLUMsche
Ersatzkraft C für diesen Nachweis betragsmäßig mit dem maximalen Erddruckneigungswinkel
nach Tabelle 5.3 und von unten nach oben gerichtet angesetzt werden.
δ k ≤ δ C (< 0°) (5.10)

C v,k ↑= C h,k ⋅ tan δ k (5.11)


Beim Ansatz der Widerstandskomponenten für im Boden eingespannte Wände sind folgende
Punkte zu beachten:
௅ Der Reibungswiderstand RB,k darf nur auf der Baugrubenseite der Wand im Fußauflagerbe-
reich angesetzt werden. Auf der Erdseite wirkt der aktive Erddruck Ea,k (mit einer abwärts
gerichteten Vertikalkomponente), so dass dieser Wandbereich nicht zum Abtrag vertikaler
Beanspruchungen in den Baugrund genutzt werden kann. Unterhalb der statisch erforderli-
chen Einbindetiefe t = t1 + ǻt1 darf auf beiden Wandseiten ein Mantelwiderstand Rs,k ange-
setzt werden (Bild 5-12).
௅ Für den Reibungswiderstand RB,k muss die aktivierte horizontale Bettungsreaktion Bh,k
zuerst um die halbe Horizontalkomponente der BLUMschen Ersatzkraft Ch,k abgemindert
werden (Gleichung (5.12) und Bild 5-13). Gleichzeitig darf auch nur die halbe BLUMsche
Ersatzkraft Ch,k bzw. Cv,k als Widerstand angesetzt werden,17 so dass anstelle von Gleichung
(5.7) nun Gleichung (5.13) zu berücksichtigen ist.
§ C h,k ·
R B ,k = ¨¨ B h,k − ¸ ⋅ tan δ p
¸ (5.12)
© 2 ¹
C v,d R B ,k C v ,k Rb,k R s ,k
Rd = R B ,d + + Rb,d + Rs,d = + + + (5.13)
2 γ R,e 2 ⋅ γ R ,e γt γt

17
EAB [10], EB 84, Absatz 3
142 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Bild 5-12 Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Vertikalbewegung – An-
satz der verschiedenen Widerstände
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 143

Bild 5-13 Wirksamer Anteil


der Bodenreaktion bei Ein-
spannung im Boden nach
BLUM (EAB [10], Bild EB 9-
1)

Im vorliegenden Beispiel wird gewählt: įC = įk = – ij‘k = –30°. Somit gilt:



୴ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ ή –ƒȁɁେ ȁ ൌ ʹͷ͵ǡͲ͸ ή –ƒ͵Ͳι ൌ ͳͶ͸ǡͳͲ ՛

୦ǡ୩ ʹͷ͵ǡͲ͸ 
 ୆ǡ୩ ൌ ൬୦ǡ୩ െ ൰ ή –ƒหɁ୮ ห ൌ ൬͵͵͹ǡͳͶ െ ൰ ή –ƒ ͵Ͳι ൌ ͳʹͳǡ͸Ͳ
ʹ ʹ 
Mantelreibung und Spitzendruck werden auf der Grundlage von Erfahrungswerten gemäß EA-
Pfähle [11] festgelegt. Im vorliegenden Fall wird angesetzt:
− qs,k = 105 kN/m²
− qb,k = 3.000 kN/m²
Damit ergeben sich der Mantelwiderstand Rs,k sowie der Spitzenwiderstand Rb,k wie folgt:

 ୱǡ୩ ൌ “ୱǡ୩ ή ୱ ή Žୱ ൌ ͳͲͷ ή ʹǡ͵ͻ ή ሺͳͶ െ ʹ െ ͵ǡ͸ʹሻ ൌ ʹͳͲʹǡͻ͸


 ୠǡ୩ ൌ “ୠǡ୩ ή ୠ ൌ ͵ǤͲͲͲ ή Ͳǡͺ͸ ൌ ʹͷͺͲ

Mit den Bemessungswerten der abwärts gerichteten Vertikalbeanspruchung sowie des „Pfahl-
widerstands“ ergibt sich der folgende Nachweis:

ୢ ൌ ɀୋ ή ൫
୩ ൅ ୟ୥୴ǡ୩ ൯ ൅ ɀ୕ ή ୟ୮୴ǡ୩ ൌ ͳǡʹ ή ʹͳ͹ǡʹͺ ൅ ͳǡ͵ ή ͵ǡ͵ͺ ൌ ʹ͸ͷǡͳ͵

 ୆ǡ୩ ୴ǡ୩  ୠǡ୩  ୱǡ୩ ͳʹͳǡͲ͸ ͳͶ͸ǡͳͲ ʹͳͲʹǡͻ͸ ൅ ʹͷͺͲ 
ୢ ൌ ൅ ൅ ൅ ൌ ൅ ൅ ൌ ͵ͶͻͶǡ͹Ͳ
ɀୖǡୣ ʹ ή ɀୖǡୣ ɀ୲ ɀ୲ ͳǡ͵ ʹ ή ͳǡ͵ ͳǡͶ 
ୢ ʹ͸ͷǡͳ͵
ߤൌ ൌ ൌ ͲǡͲͺ ൏ ͳǡͲξ
 ୢ ͵ͶͻͶǡ͹
Werden die Nachweise mit einem Grundbauprogramm für Verbauberechnungen geführt, so
sollte (zumindest einmal) überprüft werden, ob die Nachweise korrekt geführt werden bzw. was
für Werte ausgegeben werden (Bemessungswerte oder charakteristische Größen?) und wie sich
die Beanspruchungen und Widerstände zusammensetzen.
144 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

5.4.2 Aushubphase B
In der Aushubphase B ist der Anker eingebaut und vorgespannt. Die Aushubsohle liegt 9 m
unter Gelände. Das Grundwasser innerhalb der Baugrube wird kontinuierlich mit fortschreiten-
dem Aushub bis auf 9,5 m unter Gelände abgesenkt. Neben der großflächigen Auflast von
pk = 10 kN/m² wirkt nun eine begrenzte Auflast von qk = 150 kN/m² über eine Breite von
bq = 3 m ab der Hinterkante der Bohrpfahlwand (siehe Bilder 5-3 und 5-14). Dies entspricht
nach EAB, EB 57 einem Bagger mit 70 t Gesamtgewicht, der direkt hinter der Verbauwand
steht.18 Die Bohrpfahlwand wird als 1-fach rückverankerter Verbau mit freier Fußauflagerung
gerechnet.
Während die 100%-ige Fußeinspannung die statisch maximal wirksame Einbindetiefe ergibt,
führt die freie Fußauflagerung auf die minimale Einbindetiefe, bei der ein Versagen des Erdwi-
derlagers durch Parallelverschiebung des Wandfußes nicht auftritt [13]. Das freie Fußauflager
entspricht einem einwertigen Lager. Die zu einer Parallelverschiebung kompatible Erdwider-
standsverteilung ist die klassische, dreiecksförmige Erddruckverteilung (siehe Bild 5-6, Mitte).
Für die weiteren Nachweise muss die Wandunterkante festgelegt werden.19 Falls die Nachweise
nicht erfüllt sind, muss die getroffene Wahl iterativ verbessert werden (siehe Ablaufschema in
Bild 5-1). Im Folgenden wird eine Einbindetiefe von t = 5,0 m gewählt.
Zusätzlich muss nun der Einfluss der Grundwasserströmung infolge des Potentialunterschieds
von ȴh = 9,5-2,5 = 7 m auf die Beanspruchungen und Widerstände berücksichtigt werden.

18
Für eine Ausführungsplanung ist es deutlich wirtschaftlicher, eine Kettenpressung auf Grundlage des
Datenblattes des tatsächlich eingesetzten Baggers zu berechnen. Unter gewissen Voraussetzungen (sie-
he EAB [10], EB 3) darf gegebenenfalls sogar noch eine Lastverteilung in Längsrichtung der Verbau-
wand angesetzt werden.
19
Als Startwert bietet sich hier jene Einbindetiefe an, die aus dem Nachweis gegen hydraulischen
Grundbruch erforderlich wird.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 145

Bild 5-14 Endaushubzustand B – Geometrie, Wasserstände und Belastung

5.4.2.1 Exkurs Strömungseinfluss


Bei strömendem Wasser im Boden wirkt die spezifische Strömungskraft fs. Diese ist eine Mas-
senkraft (analog zur Wichte des Bodens), die wechselseitig zwischen Wasser und Bodenteil-
chen wirkt. Die spezifische Strömungskraft fs beeinflusst also sowohl den Porenwasserdruck u
als auch die effektiven Spannungen ı‘. Die Strömungskraft wirkt stets parallel zur Strömungs-
richtung des Wassers, d. h. es handelt sich um eine vektorielle Größe (Bild 5-15). Wird der
Potentialunterschied ȴh über einen durchströmten Bereich der Länge ȴl abgebaut, so gelten die
bekannten Gleichungen (5.14) für den hydraulischen Gradienten i und (5.15) für die Strö-
mungskraft fs.
146 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Δh
i= (5.14)
Δl
fs = i ⋅γ w (5.15)

Bild 5-15 Vektorielle Additi-


on der Strömungskraft fs und
der Wichte unter Auftrieb Ȗ‘

Betrachtet man den vereinfachten Fall einer rein vertikalen Strömung, so gilt (siehe Bild 5-
16):
௅ Bei abwärts gerichteter Strömung drückt die Strömungskraft fs auf das Korngerüst, d. h. die
effektiven Vertikalspannungen ı’z nehmen zu. Entsprechend nimmt der Porenwasserdruck
u ab.
γ * = γ '+ Δγ ' = γ '+ f s = γ '+ i ⋅ γ w (5.16a)

γ w* = γ w − Δγ w = γ w − f s = γ w ⋅ (1 − i ) (5.16b)
௅ Bei aufwärts gerichteter Strömung entlastet die Strömungskraft fs das Korngerüst, d. h. die
effektiven Vertikalspannungen ı’z werden kleiner. Gleichzeitig nimmt der Porenwasser-
druck u um dasselbe Maß zu.
γ * = γ ' − Δ γ ' = γ ' − f s = γ '− i ⋅ γ w (5.17a)
γ w* = γ w + Δγ w = γ w + f s = γ w ⋅ (1 + i ) (5.17b)
Im Hinblick auf die Ansätze des Erd- und Wasserdrucks sowie des Erdwiderstands kann der
Strömungseinfluss auf mehrere Arten in den Berechnungen berücksichtigt werden. Im Folgen-
den werden drei mögliche Ansätze vorgestellt.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 147

Bild 5-16 Veränderung des Porenwasserdrucks infolge vertikaler Strömung

Ansatz 1: Strömungs- bzw. Potentialnetz


Die genaueste, aber gleichzeitig auch aufwendigste Möglichkeit zur Berücksichtigung des
Strömungseinflusses ist jene mittels Strömungsnetz, wie dies z. B. in EAU [8], E 114 beschrie-
ben ist. Dazu werden die Äquipotentiallinien mit der aktiven und passiven Gleitfläche geschnit-
ten. So schneidet z. B. die ni-te Potentiallinie (von insgesamt n Potentiallinien) die betrachtete
Gleitfläche in der Tiefe z. Auf der betrachteten Seite liegt also in der Tiefe z das Potential hi
nach Gleichung (5.18) vor, das in den entsprechenden Wasserdruck u nach Gleichung (5.19)
umgerechnet werden kann.20 Damit ergeben sich die erd- bzw. luftseitigen Wichteänderungen
gemäß den Gleichungen (5.20), wobei das jeweilige Vorzeichen gemäß den obigen Überlegun-
gen anzusetzen ist.
Δh
hi = hoben − ni ⋅ δh = hoben − ni ⋅
n (5.18)
u ( z ) = (hi + z ) ⋅ γ w = (hoben − ni ⋅ δh + z ) ⋅ γ w = [hunten + (n − ni ) ⋅ δh + z ]⋅ γ w (5.19)
ni ⋅ δh
f s = Δγ ' = − Δγ w = ⋅γ w
hoben + z
Erdseite: (5.20a)
(n − ni ) ⋅ δh
Luft-/Wasserseite: f s = −Δγ ' = Δγ w = ⋅γ w (5.20b)
hunten + z
Bild 5-17 zeigt oben den Strömungseinfluss auf den (resultierenden) Wasserdruck im Vergleich
zum hydrostatischen Wasserdruckansatz. In Bild 5-17, unten sind die Auswirkungen der
Wandumströmung auf den Erddruck sowie den Erdwiderstand dargestellt. Der Potentialabbau
ist aufgrund der Verdichtung des Strömungsnetzes im Wandfußbereich auch bei homogenem
Boden nichtlinear.

20
Die Gleichung (5.19) gilt für eine nach unten positiv orientierte z-Achse. Ist die z-Achse nach oben
positiv orientiert, so gilt u = (hi – z)·Ȗw, was natürlich auch in den Gleichungen 5.20 entsprechend an-
gepasst werden muss. Das Potential hi ist stets die Steighöhe über den Ursprung z = 0 (immer nach
oben positiv gezählt), unabhängig von der Orientierung der z-Achse.
148 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Bild 5-17 Auswirkungen der Wandumströmung auf den Wasserdruck (oben) und den Erddruck
sowie den Erdwiderstand (unten) [1]

Das Abgreifen der Potentiale in den Gleitflächen und nicht entlang der Verbauwand hat den
Vorteil, dass auch horizontale Strömungskomponenten erfasst werden. Allerdings müssen die
unter Berücksichtigung des Strömungseinflusses maßgebenden Gleitflächen verwendet werden
(Iteration!). Aufgrund des Aufwands scheiden auf der Erdwiderstandsseite gekrümmte Gleitflä-
chen aus. Für ebene, passive Gleitflächen ist zu beachten, dass rechnerisch maximal Reibungs-
winkel mit ij‘k ” 35° angesetzt werden dürfen. Da der Nachweis gegen hydraulischen Grund-
bruch nicht unter der Annahme eines linearen Potentialabbaus geführt werden darf,21 liegt ein
Strömungsnetz jedoch in den meisten Fällen bereits vor.

21
DIN 1054:2010-12, 10.3, A (1e)
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 149

Ansatz 2: Näherungsverfahren für annähernd vertikale Durchströmung des Bodens mit


unterschiedlichen mittleren hydraulischen Gradienten
Bei annähernd vertikaler Wandumströmung dürfen die Strömungseinflüsse anhand der nach-
folgenden Wichteänderungen für die Erdseite und die Luftseite berücksichtigt werden22 (Be-
zeichnungen gemäß Bild 5-18). Für die Erd- und Luftseite werden unterschiedliche mittlere
hydraulische Gradienten unterstellt.
0,7 ⋅ Δh
Abwärts gerichtete Strömung: Δγ ' = −Δγ w = ⋅γ w (5.21)
ho + ho ⋅ hu
0,7 ⋅ Δh
Aufwärts gerichtete Strömung: − Δγ ' = Δγ w = ⋅γ w (5.22)
hu + ho ⋅ hu

Bild 5-18 Wichteänderung bei annähernd vertikaler Wandumströmung

Ansatz 3: Schichtweise linearer Potentialabbau (Stromfaden)


Der Ansatz 2 gilt für Boden, der hinsichtlich der Durchlässigkeit annähernd homogen ist. In
Baugrund mit Schichten der jeweiligen durchströmten Mächtigkeit ln und der entsprechenden
(vertikalen) Durchlässigkeit kn muss der Potentialabbau für jede Schicht einzeln berechnet
werden. Dazu wird ein Stromfaden der Länge l = Ȉ ln entlang der Verbauwand betrachtet. Die
mittlere Durchlässigkeit entlang des Stromfadens wird nach Gleichung (5.23) berechnet. Den
Potentialabbau ȴhn innerhalb der n-ten Schicht erhält man mit der Kontinuitätsgleichung (5.24).

22
DIN 4085:2011-05, 6.6.4
150 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Somit können die Potentiale und damit die Porenwasserdrücke und die effektiven Verti-
kalspannungen an den Schichtgrenzen bestimmt werden.23
l
k ges = (5.23)
l1 l 2 l
+ + ... + n
k1 k 2 kn
Δh Δh
v = k ges ⋅ i ges = k ges ⋅ = kn ⋅ n (5.24)
l ln

5.4.2.2 Beanspruchungen und Widerstände im vorliegenden Beispiel


Im vorliegenden Beispiel wird der Ansatz 2 mit unterschiedlichen mittleren hydraulischen
Gradienten für die Erd- und die Luftseite gewählt. Mit den Grundwasserständen gemäß Bild 5-
14, den Bezeichnungen nach Bild 5-18 sowie den Formeln (5.21) und (5.22) gilt für die Wich-
teänderungen:
Š୭ ൌ ͳͳǡͷ ; Š୳ ൌ Ͷǡͷ ; οŠ ൌ Š୭ െ Š୳ ൌ ͹ǡͲ
Ͳǡ͹ ή ͹ 
οɀԢୟ ൌ െοɀ୵ୟ ൌ ή ͳͲ ൌ ʹǡ͸
ͳͳǡͷ ൅ ඥͳͳǡͷ ή Ͷǡͷ Ϳ
Ͳǡ͹ ή ͹ 
οɀԢ୮ ൌ െοɀ୵୮ ൌ െ ή ͳͲ ൌ െͶǡʹ
Ͷǡͷ ൅ ඥͳͳǡͷ ή Ͷǡͷ Ϳ
Nachfolgend werden die Erddruck- und Erdwiderstandsordinaten für unterschiedliche Tiefen
berechnet und (analog zu Abschnitt 5.4.1.2) zu Teilresultierenden zusammengefasst. Die He-
belarme der Teilresultierenden beziehen sich nun auf den Ankeransatzpunkt bei z = 2 m unter
Geländeoberkante. Die Erddruckbeiwerte können Tabelle 5.4 entnommen werden. Auch hier
gilt wieder die Anmerkung zu A (2b) in DIN 1054:2010-12, 9.5.1, wonach hinsichtlich des
Erddruckansatzes auf die EAB verwiesen wird.

a) Aktiver Erddruck aus Bodeneigengewicht einschließlich Strömungseinfluss und


unbegrenzter Auflast pk = 10 kN/m²:
a.1) Klassische Erddruckverteilung
ɐᇱ୸ ൌ ’୩ ൅ ɀ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱୟ ሻ ή οœ୛
‡ୟ୥୦ǡ୩ ൌ  ୟ୥୦ ή ሾ’୩ ൅ ɀ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱୟ ሻ ή οœ୛ ሿ
za = 0: eagh,k = 0,279·10 = 2,79 kN/m²
za = 2,5 m: eagh,k = 0,279·(10 + 2,5·21) = 17,44 kN/m²
za = 6,0 m: eagh,k = 17,44 + 0,279·3,5·(11 + 2,6) = 30,72 kN/m²
eagh,k = 0,224·[10 + 2,5·21 + 3,5·(11 + 2,6)] = 24,66 kN/m²
za = 9,0 m: eagh,k = 24,66 + 0,224·3·(11 + 2,6) = 33,80 kN/m²
za = 14,0 m: eagh,k = 33,80 + 0,224·5·(11 + 2,6) = 49,03 kN/m²

23
Alternativ kann aus Gleichung (5.24) der jeweilige hydraulische Gradient in = ȴhn/ln berechnet werden,
anhand dessen dann die Strömungskraft fs bzw. die Wichteänderungen nach Gleichung (5.15) bestimmt
werden kann.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 151

Eagh,k,Auf = 109,57 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht innerhalb der Auf-


füllung)
Eagh,k,Sand = 294,76 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht innerhalb der
Sandschicht)
Eagh,k,o = 197,26 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht von Geländeober-
kante bis zur Aushubsohle)
Eagh,k = 404,33 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht über die gesamte
Wandhöhe)

a.2) Umlagerung des aktiven Erddrucks aus Bodeneigengewicht


Die Nachgiebigkeit des Erdwiderlagers sowie der Stützungen, der Abstand der Stützungen in
Wandlängsrichtung sowie die Biegesteifigkeit der Wand bestimmen die Größe und Form der
Wandbewegung und damit die Größe und Verteilung des Erddrucks. Entsprechend stellt sich in
der Regel nicht die klassische dreiecksförmige Erddruckverteilung ein, sondern der Erddruck
konzentriert sich in Bereichen mit geringen Verformungen („Steifigkeit zieht Kräfte an“ gilt
auch in der Geotechnik). Diesem Umstand wird durch die sogenannte Erddruckumlagerung
Rechnung getragen.
Die Erddruckumlagerung ist definiert als die Annäherung des wirklichen Erddruckverlaufs
durch eine flächengleiche, realitätsnahe Figur, die zu Schnittgrößen, Verformungen und Anker-
kräften in der gleichen Größenordnung führt. Es handelt sich also um eine Abweichung der
Erddruckverteilung von der klassischen dreiecksförmigen Verteilung unter Beibehaltung der
Gesamterddrucklast.
Damit sich die in der Berechnung unterstellte Umlagerung auch in Realität annähernd einstellt,
müssen die Voraussetzungen nach DIN 4085:2011-05, Tabelle A.3 – Vorspannen der Anker
und Steifen auf die mindestens erforderlichen Werte in Abhängigkeit der Verbauart – bei der
Herstellung ausgeführt werden. Im vorliegenden Beispiel erfordert der Ansatz einer Erddruck-
umlagerung eine „wenig nachgiebige“ Stützung und damit ein Vorspannen der Verpressanker
auf 80 % der maximalen, charakteristischen Ankerbeanspruchung. Es wird darauf hingewiesen,
dass in weichen bindigen Böden nur eine geringe bis gar keine Umlagerung erzwungen werden
kann.24
Umgelagert wird der Erddruck aus Bodeneigengewicht und großflächigen Auflasten
pk ” 10 kN/m².25 Erddrücke aus begrenzten Auflasten werden als sogenannte „Rucksacklasten“
angehängt und nicht in die Umlagerung mit einbezogen. Der Erddruckzuwachs infolge Strö-
mung darf vereinfachend auch umgelagert werden,26 obwohl dies nicht der Realität entspricht.
Im vorliegenden Beispiel wird die Umlagerung gemäß Bild 5-19 angesetzt. Der umgelagerte
Erddruck gemäß der nachfolgenden Rechnung ist in Bild 5-20 dargestellt.
Š୩ ʹ
Ͳǡʹ ൏ ൌ ൌ Ͳǡʹʹ ൑ Ͳǡ͵
ͻ

24
EAB [10], EB 5, Absatz 4c
25
Gemäß EAB [10], EB 7, Absatz 1a) wird bei nicht gestützten und bei nachgiebig gestützten Wänden
der Erddruck infolge pk ” 10 kN/m² rechteckförmig über die gesamte Wandhöhe angesetzt und nicht in
die Umlagerung mit einbezogen.
26
EAB [10], EB 63, Absatz 3
152 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

 ‡୦୭ǡ୩ ൅ ‡୦୳ǡ୩ ͳǡͷ ή ‡୦୳ǡ୩ ൅ ‡୦୳ǡ୩


ୟ୥୦ǡ୩ǡ୭ ൌ ͳͻ͹ǡʹ͸ ൌ ή ൌ ή ൌ ͳǡʹͷ ή ‡୦୳ǡ୩ ή
 ʹ ʹ
ͳͻ͹ǡʹ͸ 
‡୦୳ǡ୩ ൌ ή ൌ ͳ͹ǡͷ͵ ଶ
ͳǡʹͷ ή ͻ 

‡୦୭ǡ୩ ൌ ͳǡͷ ή ͳ͹ǡͷ͵ ൌ ʹ͸ǡ͵Ͳ ଶ


Bild 5-19 Umlagerungsfiguren für 1-fach gestützte Spund- und Ortbetonwände (EAB [10], Bild
EB 7-1)

Bild 5-20 Klassische und umgelagerte Erddruckverteilung aus Bodeneigengewicht einschl.


Strömungseinfluss und großflächiger Auflast pk = 10 kN/m²
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 153

b) Aktiver Erddruck infolge der Streifenlast qk


b.1) Kontrolle hinsichtlich Zwangsgleitflächen
Bei hohen Auflasten auf dem aktiven Gleitkeil, der sich unter Bodeneigengewicht einstellt,
muss untersucht werden, ob die Auflast die Neigung der maßgebenden Erddruckgleitfläche
verändert.27 Zwangsgleitflächen mit deutlich höheren Erddruckresultierenden können annä-
hernd ausgeschlossen werden, wenn die Auflast nicht größer als 10 % des Gleitkeileigenge-
wichts beträgt. Im vorliegenden Beispiel ist das Eigengewicht des Gleitkeils einschließlich
Auflast pk = 10 kN/m² und Wichteänderung infolge Strömung zu berechnen (Abmessungen
gemäß Bild 5-21, links).
Šୗୟ୬ୢ ή „ୗୟ୬ୢ „ୗୟ୬ୢ ൅ „ୋ୛

୩ ൅ ୩ ൌ ή ൫ɀᇱ ୗୟ୬ୢ ൅ οɀᇱ ୟ ൯ ൅ Šᇱ ୅୳୤ ή ή ൫ɀᇱ ୅୳୤ ൅ οɀᇱ ୟ ൯ ൅ Š୅୳୤


ʹ ʹ
„ୋ୓୏ ൅ „ୋ୛
ή ή ɀ୅୳୤ ൅ „ୋ୓୏ ή ’୩
ʹ
ͺ ή Ͷǡͺʹ ʹǡ͵͸ ͳǡ͸ͻ

୩ ൅ ୩ ൌ ή ሺͳͳ ൅ ʹǡ͸ሻ ൅ ͵ǡͷ ή ሺͶǡͺʹ ൅ ሻ ή ͳ͵ǡ͸ ൅ ʹǡͷ ή ൬Ͷǡͺʹ ൅ ʹǡ͵͸ ൅ ൰ ή ʹͳ


ʹ ʹ ʹ

൅ ͳͲ ή ሺͶǡͺʹ ൅ ʹǡ͵͸ ൅ ͳǡ͸ͻሻ ൌ ͻ͸ͻǡͳʹ ൅ ͺͺǡ͹ ൌ ͳͲͷ͹ǡͺʹ


୩ ൅ ୩ 
୕ǡ୩ ൌ ͵ ή ͳͷͲ ൌ ͶͷͲ ൐ ൌ ͳͲͷǡ͹ͺ
 ͳͲ 
Somit ist eine Untersuchung auf Zwangsgleitflächen gemäß DIN 4085:2011-05, 6.3.1.8 erfor-
derlich.

Bild 5-21 Untersuchung auf Zwangsgleitflächen – Erforderliche Abmessungen (links), Unter-


suchte Gleitflächenwinkel ࢡa,min = 57,6° ” ࢡa ” 77,9° = ࢡa,max (rechts)

27
DIN 4085:2011-05, 6.3.1.6
154 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

b.2) Berechnungsablauf bei Untersuchung auf Zwangsgleitflächen


Die maximale Gesamterddruckkraft und die zugehörige Neigung der Zwangsgleitfläche werden
durch Variation des Gleitflächenwinkels ࢡa ermittelt. Im vorliegenden Beispiel wurden Gleit-
flächenwinkel im Bereich ࢡa,min = 57,6° ” ࢡa ” 77,9° = ࢡa,max betrachtet. Der kleinere Wert
ࢡa,min = 57,6° entspricht dem Mittelwert der Gleitflächenwinkel aus Bodeneigengewicht ࢡag für
die Auffüllung und den Sand gemäß Tabelle 5.4; die Gleitfläche mit ࢡa,max = 77,9° verläuft
durch die hintere Begrenzung der Auflast qk = 150 kN/m² (siehe Bild 5-21, rechts). Als Ergeb-
nis ist in Bild 5-22 die Horizontalkomponente der Gesamterddruckkraft in Abhängigkeit des
Gleitflächenwinkels aufgetragen. Die maßgebende Zwangsleitfläche ist im vorliegenden Bei-
spiel unter ࢡZ,k = 67° zur Horizontalen geneigt und ergibt eine maximale Gesamterddruckkraft
von Eah,max = 603,16 kN/m.

Bild 5-22 Untersuchung auf Zwangsgleitflächen – Horizontaler Gesamterddruck Eah in Abhän-


gigkeit des Gleitflächenwinkels ࢡa

Im Folgenden werden die einzelnen Berechnungsschritte, die für jeden untersuchten Gleitflä-
chenwinkel durchgeführt werden müssen, beispielhaft für hier maßgebenden Gleitflächenwin-
kel von ࢡZ,k = 67° vorgeführt. Die Vorgehensweise entspricht jener aus DIN 4085:2011-05,
6.3.1.8.
Für die Ermittlung der Gesamterddrucklast muss der mittlere Reibungswinkel ij’m innerhalb der
Gleitfläche bekannt sein. Dieser wird für die Neigung der Reibungsresultierenden Q innerhalb
der Gleitfläche und für die Neigung įm der Gesamterddrucklast benötigt (Bild 5-23, rechts). Als
spannungsabhängige Größe ist ij’m mittels der Gewichte oberhalb der Gleitflächenabschnitte in
den unterschiedlichen Bodenschichten zu berechnen (Gleichung 5.25). Dabei werden lediglich
das Bodeneigengewicht einschließlich der Strömungsanteile sowie die unbegrenzte Auflast
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 155

pk ” 10 kN/m² angesetzt. Die Auflast qk, welche die Zwangsgleitfläche auslöst, geht nicht in die
Mittelung des Reibungswinkels ein. Eine Mittelung des Reibungswinkels über die Teillängen
der Gleitfläche in den einzelnen Schichten ist nicht korrekt.

¦ [(Gk + V p,k )i ⋅ tan ϕ 'k ,i ]


tan ϕ ' m = i (5.25)
¦ (Gk + V p,k )i
i
Mit den Abmessungen gemäß Bild 5-23, links gilt:
ͳǡͲ͸ ͳǡͶͻ

୩ ൅ ୮ǡ୩ ሻଵ ൌ ൬ͳǡͶͻ ൅ ൰ ή ʹǡͷ ή ʹͳ ൅ ή ͵ǡͷ ή ሺͳͳ ൅ ʹǡ͸ሻ ൅ ሺͳǡͶͻ ൅ ͳǡͲ͸ሻ ή ͳͲ
ʹ ʹ

ൌ ͳ͸͹ǡͲͳ

ͺ 

୩ ൅ ୮ǡ୩ ሻଶ ൌ ͵ǡͶ ή ሺʹǡͷ ή ʹͳ ൅ ͵ǡͷ ή ͳ͵ǡ͸ ൅ ή ͳ͵ǡ͸ ൅ ͳͲሻ ൌ ͷͷͻǡ͵Ͳ
ʹ 


୩ ൅ ୮ǡ୩ ൌ ͳ͸͹ǡͲͳ ൅ ͷͷͻǡ͵Ͳ ൌ ͹ʹ͸ǡ͵ͳ



ͳ͸͹ǡͲͳ ή –ƒ͵Ͳι ൅ ͷͷͻǡ͵ ή –ƒ͵ͷι
ɔԢ୫ ൌ ƒ”…–ƒ ൌ ͵͵ǡͻͲι
͹ʹ͸ǡ͵ͳ
ʹ
Ɂ୫ ൌ ή ɔԢ୫ ൌ ʹʹǡ͸Ͳι
͵

Bild 5-23 Maßgebende Zwangsgleitfläche mit ࢡZ,k = 67° – Mittlerer Reibungswinkel (links),
Gleitkeil und angreifende Kräfte (rechts)
156 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Die unter įm bezüglich des Lotes auf die Verbauwand geneigte Gesamterddruckkraft Ea,k erhält
man durch Gleichgewichtsbildung am Gleitkeil unter Berücksichtigung aller angreifenden
Kräfte. Im vorliegenden Beispiel gilt mit Bild 5-23, rechts und den Formeln aus
DIN 4085:2011-05, 6.3.1.8:

୩ ൅ ୮ǡ୩ ൅ ୕ǡ୩ ൯ ή •‹ሺԂୟ െ ɔ୫ ሻ
ୟǡ୩ ൌ
…‘•ሺȽ ൅ Ɂ୫ ൅ ɔ୫ െ Ԃୟ ሻ
ሺ͹ʹ͸ǡ͵ͳ ൅ ͶͷͲሻ ή •‹ሺ͸͹ െ ͵͵ǡͻሻ 
ୟǡ୩ ൌ ൌ ͸ͷ͵ǡ͵͵
…‘•ሺͲ ൅ ʹʹǡ͸ ൅ ͵͵ǡͻ െ ͸͹ሻ 

ୟ୦ǡ୩ ൌ ୟǡ୩ ή …‘•ሺȽ ൅ Ɂ୫ ሻ ൌ ͸ͷ͵ǡ͵͵ ή …‘•ʹʹǡ͸ι ൌ ͸Ͳ͵ǡͳ͸


ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ୟ୦ǡ୩ െ ୟ୥୦ǡ୩ ൌ ͸Ͳ͵ǡͳ͸ െ ͶͲͶǡ͵͵ ൌ ͳͻͺǡͺ͵


b.3) Verteilung des Erddruckanteils Eap,k infolge der Auflast qk


Bei wenig nachgiebig gestützten Wänden darf die Erddruckverteilung infolge der begrenzten
Auflast qk weitgehend frei gewählt werden.28 Im vorliegenden Beispiel wird der Ansatz und das
Vorgehen gemäß DIN 4085:2011-05, Tabelle B.2 verfolgt. Die schlussendliche Erddruckvertei-
lung ist in Bild 5-24 abgebildet.
 ୟ୮୦ ሺɔ୫ ǡ Ɂ୫ ሻ ൌ Ͳǡʹ͵͸

‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ  ୟ୮୦ ሺɔ୫ ǡ Ɂ୫ ሻ ή “ ൌ Ͳǡʹ͵͸ ή ͳͷͲ ൌ ͵ͷǡͶ
;
Š୤ ൌ „୯ ή –ƒԂ୞ǡ୩ ൌ ͵ ή –ƒ͸͹ι ൌ ͹ǡͲ͹ (s. Bild 5-23)
ʹ ή ୟ୮୦ǡ୩ ʹ ή ͳͻͺǡͺ͵ 
‡୳ୟ୮୦ǡ୩ ൌ െ ‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ െ ͵ͷǡͶ ൌ ʹͲǡͺͷ ଶ
Š୤ ͹ǡͲ͹ 

‡୳ୟ୮୦ǡ୩ ൐ Ͳ ՜ –”ƒ’‡œˆÚ”‹‰‡ƒ•–˜‡”–‡‹Ž—‰‹–‡୭ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ͵ͷǡͶ
;

c) Erdwiderstand aus Bodeneigengewicht und Strömungsanteil


Analog zum aktiven Erddruck infolge Bodeneigengewicht muss auch hier der Einfluss der
Umströmung berücksichtigt werden (hier mit ȴȖ’p = -4,2 kN/m³). Zwischen der Baugrubensoh-
le und dem eigentlichen Absenkziel innerhalb der Baugrube darf in der Regel nicht die
Feuchtwichte Ȗ angesetzt werden.29 Im Folgenden wird deshalb mit der Wichte unter Auftrieb
Ȗ‘ gerechnet. Der Strömungseinfluss wird in diesem Bereich jedoch vernachlässigt.
ɐᇱ୸ ൌ ɀԢ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱ୮ ሻ ή οœ୛
‡୮୥୦ǡ୩ ൌ  ୮୥୦ ή ሾɀԢ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱ୮ ሻ ή οœ୛ ሿ
zp = 0 (za = 9 m): epgh,k = 0
zp = 0,5 m (za = 9,5 m): epgh,k = 9,027·0,5·11 = 49,65 kN/m²
zp = 5 m (za = 14 m): epgh,k = 49,65 + 9,027·4,5·(11 – 4,2) = 325,87 kN/m²

28
EAB [10], EB 7, Absatz 4
29
EAB [10], EB 60, Absatz 4
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 157

Epgh,k = 857,33 kN/m


Die Wirkungslinie der horizontalen Erdwiderstandsresultierenden liegt 1,74 m oberhalb des
Wandfußes. Der Verlauf der für horizontales Gleichgewicht erforderlichen Bettungsspannung
ıBh,k wird mathematisch ähnlich zu epgh,k festgelegt (Bild 5-24). Somit sind die Wirkungslinien
identisch (Bild 5-25).

d) Porenwasserdrücke
Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen mittleren Wichteänderungen für die Erd- und die
Luftseite gilt:
Erdseite:
—ୟǡ୩ ൌ ሺɀ୵ ൅ οɀ୵ୟ ሻ ή οœ୵
za = 2,5 m: ua,k = 0
za = 9,5 m: ua,k = (10 – 2,6)·7 = 51,8 kN/m²
za = 14,0 m: ua,k = (10 – 2,6)·11,5 = 85,1 kN/m²
Luftseite:
—୮ǡ୩ ൌ ሺɀ୵ ൅ οɀ୵୮ ሻ ή οœ୵
zp = 0,5 m (za = 9,5 m): up,k = 0
zp = 5 m (za = 14 m): up,k = (10 + 4,2)·4,5 = 63,9 kN/m²
Resultierender Wasserdruck:
za = 2,5 m: uk = 0
za = 9,5 m: uk = 51,8 kN/m²
za = 14,0 m: uk = 85,1 – 63,9 = 21,2 kN/m²
Wk = 345,55 kN/m

e) Übersicht der Beanspruchungen und Widerstände


Die charakteristischen Beanspruchungen und Widerstände sind in Bild 5-24 dargestellt. Bild 5-
25 zeigt die Einteilung in Teilresultierende für die weitere Berechnung. Die Teilresultierenden
sowie die zugehörigen Hebelarme bezüglich des Ankeransatzpunktes sind in Tabelle 5.5 zah-
lenmäßig angegeben.
158 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Bild 5-24 Aushubzustand B – Charakteristische Beanspruchungen und Widerstände für den


Strömungsansatz mit unterschiedlichen mittleren hydraulischen Gradienten für die Erd- und
Luftseite

Bild 5-25 Aushubzustand B – Teilresultierende der charakteristischen Beanspruchungen und


Widerstände
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 159

Tabelle 5.5 Teilresultierende und zugehörige Hebelarme bzgl. des Ankeransatzpunktes im


Aushubzustand B für den Strömungsansatz mit unterschiedlichen mittleren hydraulischen Gra-
dienten für die Erd- und Luftseite

Teilresultierende in kN/m Hebelarme in m


Eagh,k,1 118,35 0,25
Eagh,k,2 78,89 4,75
Eagh,k,3 169,0 9,50
Eagh,k,4 38,08 10,33
Eaph,k,1 147,41 1,54
Eaph,k,2 51,42 0,36
Wk,1 181,30 5,17
Wk,2 95,40 9,75
Wk,3 68,85 9,00
Epgh,k 857,33 10,26
Bh,k ? 10,26

5.4.2.3 Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Drehung


Im Folgenden wird die für horizontales Gleichgewicht erforderliche, charakteristische Bet-
tungsreaktion Bh,k (sowie die Bettungsreaktion aus ständigen Beanspruchungen BGh,k) durch
Momentengleichgewicht um den Ankeransatzpunkt berechnet. Bei der Berechnung des Bemes-
sungserdwiderstands wird der Anpassungsfaktor zur Begrenzung der Verformungen am Erdwi-
derlager nun mit Ș = 1,0 angenommen.

෍ ୋǡ୩ ൌ ෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൅ ෍ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨ െ ୋ୦ǡ୩ ή ƒ୆ ൌ Ͳ


୧ ୨

෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൌ ͳͳͺǡ͵ͷ ή Ͳǡʹͷ ൅ ͹ͺǡͺͻ ή Ͷǡ͹ͷ ൅ ͳ͸ͻ ή ͻǡͷ ൅ ͵ͺǡͲͺ ή ͳͲǡ͵͵ ൌ ʹͶͲ͵ǡͳͺ



෍ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨ ൌ ͳͺͳǡ͵ ή ͷǡͳ͹ ൅ ͻͷǡͶ ή ͻǡ͹ͷ ൅ ͸ͺǡͺͷ ή ͻ ൌ ʹͶͺ͹ǡͳʹ


σ୧ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൅ σ୨ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨ ʹͶͲ͵ǡͳͺ ൅ ʹͶͺ͹ǡͳʹ 
ୋ୦ǡ୩ ൌ ൌ ൌ Ͷ͹͸ǡ͸Ͷ
ƒ୆ ͳͲǡʹ͸ 
෍ ୩ ൌ ෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൅ ෍ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨ ൅ ෍ ୟ୮୦ǡ୩ǡ୬ ή ƒ୮୬ െ ୦ǡ୩ ή ƒ୆ ൌ Ͳ
୧ ୨ ୬

෍ ୟ୮୦ǡ୩ǡ୬ ή ƒ୮୬ ൌ ͳͶ͹ǡͶͳ ή ͳǡͷͶ ൅ ͷͳǡͶʹ ή Ͳǡ͵͸ ൌ ʹͶͷǡͷʹ


ʹͶͲ͵ǡͳͺ ൅ ʹͶͺ͹ǡͳʹ ൅ ʹͶͷǡͷʹ 
୦ǡ୩ ൌ ൌ ͷͲͲǡͷ͹
ͳͲǡʹ͸ 
160 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9


୕୦ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ െ ୋ୦ǡ୩ ൌ ͷͲͲǡͷ͹ െ Ͷ͹͸ǡ͸Ͷ ൌ ʹ͵ǡͻ͵


୦ǡୢ ൌ ɀୋ ή ୋ୦ǡ୩ ൅ ɀ୕ ή ୕୦ǡ୩ ൌ ͳǡʹ ή Ͷ͹͸ǡ͸Ͷ ൅ ͳǡ͵ ή ʹ͵ǡͻ͵ ൌ ͸Ͳ͵ǡͲͺ

୮୥୦ǡ୩ ͺͷ͹ǡ͵͵ 
୮୥୦ǡୢ ൌ Ʉ ή ൌ ͳǡͲ ή ൌ ͸ͷͻǡͶͺ
ɀୖǡୣ ͳǡ͵ 
୦ǡୢ ͸Ͳ͵ǡͲͺ
Ɋൌ ൌ ൌ Ͳǡͻͳ ൏ ͳǡͲξ
୮୥୦ǡୢ ͸ͷͻǡͶͺ

5.4.2.4 Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands


Der Nachweis wird (analog zum Voraushubzustand) mit den Gleichungen (5.4) und (5.5) ge-
führt. Gemäß EAB, EB 9, Absatz 5 darf der Nachweis entfallen wenn für die mittlere An-
kerneigung ĮA • 15° gilt. In DIN 1054:2010-12, A 9.7.8 ist ein entsprechender Absatz nicht
enthalten, weshalb der Nachweis hier geführt wird.
Zunächst werden die Ankerkräfte getrennt nach ständigen und veränderlichen Beanspruchun-
gen berechnet. Diese werden auch für den Nachweis gegen Versagen in der tiefen Gleitfuge
benötigt (siehe Kapitel 6 in diesem Buch).
ȭ‫ ܪ‬ൌ ୦ǡ୩ ൅ ୦ǡ୩ െ ୟ୥୦ǡ୩ െ ୟ୮୦ǡ୩ െ ୩ ൌ ୦ǡ୩ ൅ ୦ǡ୩ െ ୟ୦ǡ୩ െ ୩ ൌ Ͳ

୦ǡ୩ ൌ ͸Ͳ͵ǡͳ͸ ൅ ͵Ͷͷǡͷͷ െ ͷͲͲǡͷ͹ ൌ ͶͶͺǡͳͶ

ȭ‫ ܪ‬ൌ ୋ୦ǡ୩ ൅ ୋ୦ǡ୩ െ ୟ୥୦ǡ୩ െ ୩ ൌ Ͳ

ୋ୦ǡ୩ ൌ ͶͲͶǡ͵͵ ൅ ͵Ͷͷǡͷͷ െ Ͷ͹͸ǡ͸Ͷ ൌ ʹ͹͵ǡʹͶ


୕୦ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ െ ୋ୦ǡ୩ ൌ ͶͶͺǡͳͶ െ ʹ͹͵ǡʹͶ ൌ ͳ͹ͶǡͻͲ


ୋ୴ǡ୩ ൌ ୋ୦ǡ୩ ή ‫ߙ݊ܽݐ‬஺ ൌ ʹ͹͵ǡʹͶ ή ‫ʹ݊ܽݐ‬ͷι ൌ ͳʹ͹ǡͶͳ


୕୴ǡ୩ ൌ ͳ͹Ͷǡͻ ή ‫ʹ݊ܽݐ‬ͷι ൌ ͺͳǡͷ͸

Die für das Eigengewicht der Bohrpfahlwand erforderliche Auftriebskraft wird aus dem Mit-
telwert des erd- und luftseitig wirkenden Wasserdrucks auf Unterkante der Bohrpfahlwand
berechnet.
‫ݑ‬௔ǡ௞ ൅ ‫ݑ‬௣ǡ௞ ͺͷǡͳ ൅ ͸͵ǡͻ 
‫ݑ‬௞ ୟ ൌ ͳͶ݉ሻ ൌ
തതതሺœ ൌ ൌ ͹Ͷǡͷ
ʹ ʹ ;


୩ ൌ ሺɀ୆ ή Ž െ തതതሻ
‫ݑ‬௞ ή ୠ ൌ ሺʹͶ ή ͳͶ െ ͹Ͷǡͷሻ ή Ͳǡͺ͸ ൌ ʹʹͶǡͺͻ

Bei der Berechnung der Vertikalkomponenten des Erddrucks aus Bodeneigengewicht muss die
Bodenschichtung mit unterschiedlichen Reibungswinkeln und Erddruckneigungswinkeln be-
achtet werden. Der Erddruck Eap,k infolge der Auflast qk = 150 kN/m² wird mit dem mittleren
Erddruckneigungswinkel įm = 22,6° angesetzt.
ୟ୥୴ǡ୩ ൌ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୅୳୤ ή –ƒ Ɂ௔ǡ୅୳୤ ൅ ୟ୥୦ǡ୩ǡୗୟ୬ୢ ή –ƒ Ɂ௔ǡୗୟ୬ୢ
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 161

ʹ ʹ 
ୟ୥୴ǡ୩ ൌ ͳͲͻǡͷ͹ ή –ƒ ൬ ή ͵Ͳι൰ ൅ ʹͻͶǡ͹͸ ή –ƒ ൬ ή ͵ͷι൰ ൌ ͳ͸͹ǡͲ͵
͵ ͵ 

ୟ୮୴ǡ୩ ൌ ୟ୮୦ǡ୩ ή –ƒ Ɂ௠ ൌ ͳͻͺǡͺ͵ ή –ƒ ʹʹǡ͸ι ൌ ͺʹǡ͹͸


ୟ୴ǡ୩ ൌ ୟ୥୴ǡ୩ ൅ ୟ୮୴ǡ୩ ൌ ͳ͸͹ǡͲ͵ ൅ ͺʹǡ͹͸ ൌ ʹͶͻǡ͹ͻ

Mit der Vertikalkomponente der Bettungsreaktion bzw. des mobilisierten Erdwiderstands nach
Gleichung (5.5) folgt für den vereinfachten Nachweis gemäß Gleichung (5.4):

ୋ୴ǡ୩ ൌ ୋ୦ǡ୩ ή –ƒหɁ୮ ห ൌ Ͷ͹͸ǡ͸Ͷ ή –ƒሺ͵ͷιሻ ൌ ͵͵͵ǡ͹ͷ


୴ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ ή –ƒหɁ୮ ห ൌ ͷͲͲǡͷ͹ ή –ƒሺ͵ͷιሻ ൌ ͵ͷͲǡͷͲ

Vereinfachter Nachweis mit ständigen Lasten:

ୋǡ୩ ൌ
୩ ൅ ୟ୥୴ǡ୩ ൅ ୋ୴ǡ୩ ൌ ʹʹͶǡͺͻ ൅ ͳ͸͹ǡͲ͵ ൅ ͳʹ͹ǡͶͳ ൌ ͷͳͻǡ͵͵

ୋ୴ǡ୩ ͵͵͵ǡ͹ͷ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡ͸Ͷ ൏ ͳǡͲξ
ୋǡ୩ ͷͳͻǡ͵͵
Vereinfachter Nachweis unter Gesamtbelastung:

୩ ൌ
୩ ൅ ୟ୴ǡ୩ ൅ ୋ୴ǡ୩ ൅ ୕୴ǡ୩ ൌ ʹʹͶǡͺͻ ൅ ʹͶͻǡ͹ͻ ൅ ͳʹ͹ǡͶͳ ൅ ͺͳǡͷ͸ ൌ ͸ͺ͵ǡ͸ͷ

୴ǡ୩ ͵ͷͲǡͷ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡͷͳ ൏ ͳǡͲξ
୩ ͸ͺ͵ǡ͸ͷ

5.4.2.5 Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Vertikalbewegung


Für den Nachweis gegen Versinken wird derselbe charakteristische Wert für den Spitzendruck
wie in Abschnitt 5.4.1.5 angesetzt. Eine Mantelreibung wird nicht berücksichtigt, da die vor-
handene Einbindetiefe nahezu der für horizontales Gleichgewicht erforderlichen Einbindetiefe
entspricht (ȝ = 0,91 beim Nachweis des Erdwiderlagers). Somit gilt:

 ୆ǡ୩ ൌ ୴ǡ୩ ൌ ͵ͷͲǡͷ


 ୠǡ୩ ൌ ʹͷͺͲ

 ୆ǡ୩  ୠǡ୩ ͵ͷͲǡͷ ʹͷͺͲ 
ୢ ൌ ൅ ൌ ൅ ൌ ʹͳͳʹǡͶ͹
ɀୖǡୣ ɀ୲ ͳǡ͵ ͳǡͶ 

ୢ ൌ ɀୋ ή ୋǡ୩ ൅ ɀ୕ ή ୕ǡ୩ ൌ ͳǡʹ ή ͷͳͲǡ͹͵ ൅ ͳǡ͵ ή ሺ͸͹ͷǡͲͷ െ ͷͳͲǡ͹͵ሻ ൌ ͺʹ͸ǡͶͻ

ୢ ͺʹ͸ǡͶͻ
ߤൌ ൌ ൌ Ͳǡ͵ͻ ൏ ͳǡͲξ
 ୢ ʹͳͳʹǡͶ͹
Aufgrund des hohen Spitzenwiderstands, gepaart mit einer verhältnismäßig großen Aufstands-
fläche ist der Nachweis hier nicht maßgebend.
162 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

5.4.2.6 Vergleich der Ansätze 2 und 3 zur Berücksichtigung des Strömungseinflusses


Im Folgenden wird der Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Drehung er-
neut geführt. Der Strömungseinfluss wird nun allerdings mit dem Ansatz eines schichtweise
linearen Potentialabbaus (Ansatz 3 in Abschnitt 5.4.2.1) berechnet. Auf eine Berechnung, wie
viel Potential in welcher Schicht abgebaut wird, kann im vorliegenden Beispiel verzichtet wer-
den, da die Durchlässigkeit der Auffüllung und der Sandschicht gleich sind. Des Weiteren wird
für die Berechnung des mittleren hydraulischen Gefälles entlang des idealisierten Stromfadens
die Dicke der Bohrpfahlwand vernachlässigt. Mit Bild 5-26 gilt:
ο݄ ͹
‹ൌ ൌ ൌ ͲǡͶ͵͹ͷ
݄௢ ൅ ݄௨ ͳͳǡͷ ൅ Ͷǡͷ

οɀԢୟ ൌ െοɀ୵ୟ ൌ െοɀᇱ ୮ ൌ οɀ୵୮ ൌ ‹ ή ɀ୵ ൌ ͲǡͶ͵͹ͷ ή ͳͲ ൌ Ͷǡ͵͹ͷ
Ϳ

Bild 5-26 Stromfaden zur Berechnung des mittleren hydraulischen Gefälles

Die Beanspruchungen und Widerstände müssen unter Berücksichtigung der neuen Wichteände-
rung erneut berechnet werden. Das Vorgehen ist identisch mit jenem in Abschnitt 5.4.2.2.
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 163

a) Aktiver Erddruck aus Bodeneigengewicht einschließlich Strömungseinfluss und


unbegrenzter Auflast pk = 10 kN/m²
Klassische Erddruckverteilung
‡ୟ୥୦ǡ୩ ൌ  ୟ୥୦ ή ሾ’୩ ൅ ɀ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱୟ ሻ ή οœሿ
za = 0: eagh,k = 0,279·10 = 2,79 kN/m²
za = 2,5 m: eagh,k = 0,279·(10 + 2,5·21) = 17,44 kN/m²
za = 6,0 m: eagh,k = 17,44 + 0,279·3,5·(11 + 4,375) = 32,45 kN/m²
eagh,k = 0,224·[10 + 2,5·21 + 3,5·(11 + 4,375)] = 26,05 kN/m²
za = 9,0 m: eagh,k = 26,05 + 0,224·3·(11 + 4,375) = 36,39 kN/m²
za = 14,0 m: eagh,k = 36,39 + 0,224·5·(11 + 4,375) = 53,61 kN/m²

Erddruckresultierende:
Eagh,k,Auf = 112,60 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht innerhalb der Auf-
füllung)
Eagh,k,Sand = 318,64 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht innerhalb der
Sandschicht)
Eagh,k,o = 206,24 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht von Geländeober-
kante bis zur Aushubsohle)
Eagh,k = 431,24 kN/m (Erddruckresultierende aus Bodeneigengewicht über die gesamte
Wandhöhe)

Erddruckumlagerung
ୟ୥୦ǡ୩ǡ୭ ʹͲ͸ǡʹͶ 
‡୦୳ǡ୩ ൌ ൌ ൌ ͳͺǡ͵͵ ଶ
ͳǡʹͷ ή ͳǡʹͷ ή ͻ 

‡୦୭ǡ୩ ൌ ͳǡͷ ή ͳͺǡ͵͵ ൌ ʹ͹ǡͷͲ ଶ


b) Aktiver Erddruck infolge der Streifenlast qk


Es wurden dieselben Gleitflächenwinkel wie in Abschnitt 5.4.2.2 untersucht. Aufgrund des
anderen Strömungsansatzes wird nun eine Zwangsgleitfläche mit ࢡZ,k = 66° maßgebend. Somit
gilt:
ɔԢ୫ ൌ ͵͵ǡͻͶι
ʹ
Ɂ୫ ൌ ή ɔԢ୫ ൌ ʹʹǡ͸͵ι
͵

ୟǡ୩ ൌ ͸͹ͻǡͷͷ


ୟ୦ǡ୩ ൌ ͸͹ͻǡͷͷ ή …‘•ʹʹǡ͸͵ι ൌ ͸ʹ͹ǡʹ͵

164 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9


ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ͸ʹ͹ǡʹ͵ െ Ͷ͵ͳǡʹͶ ൌ ͳͻͷǡͻͻ

 ୟ୮୦ ሺɔ୫ ǡ Ɂ୫ ሻ ൌ Ͳǡʹ͵ͷ

‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ  ୟ୮୦ ሺɔ୫ ǡ Ɂ୫ ሻ ή “ ൌ Ͳǡʹ͵ͷ ή ͳͷͲ ൌ ͵ͷǡʹͷ
;
Š୤ ൌ „୯ ή –ƒԂ୞ǡ୩ ൌ ͵ ή –ƒ͸͸ι ൌ ͸ǡ͹Ͷ
ʹ ή ୟ୮୦ǡ୩ ʹ ή ͳͻͷǡͻͻ 
‡୳ୟ୮୦ǡ୩ ൌ െ ‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ െ ͵ͷǡʹͷ ൌ ʹʹǡͻͳ ଶ
Š୤ ͸ǡ͹Ͷ 

‡୳ୟ୮୦ǡ୩ ൐ Ͳ ՜ –”ƒ’‡œˆÚ”‹‰‡ƒ•–˜‡”–‡‹Ž—‰‹–‡୭ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ‡ୟ୮୦ǡ୩ ൌ ͵ͷǡʹͷ
;

c) Erdwiderstand aus Bodeneigengewicht und Strömungsanteil


‡୮୥୦ǡ୩ ൌ  ୮୥୦ ή ሾɀԢ ή œୋ୛ ൅ ሺɀᇱ ൅ οɀᇱ୮ ሻ ή οœሿ
zp = 0 (za = 9 m): epgh,k = 0
zp = 0,5 m (za = 9,5 m): epgh,k = 9,027·0,5·11 = 49,65 kN/m²
zp = 5 m (za = 14 m): epgh,k = 49,65 + 9,027·4,5·(11 – 4,375) = 318,77 kN/m²
Epgh,k = 841,36 kN/m
Die Wirkungslinie der horizontalen Erdwiderstandsresultierenden ändert sich praktisch nicht
und liegt weiterhin 1,74 m oberhalb des Wandfußes.

d) Porenwasserdrücke
Erdseite:
—ୟǡ୩ ൌ ሺɀ୵ ൅ οɀ୵ୟ ሻ ή οœ୵
za = 2,5 m: ua,k = 0
za = 9,5 m: ua,k = (10 – 4,375)·7 = 39,375 § 39,4 kN/m²
za = 14,0 m: ua,k = (10 – 4,375)·11,5 = 64,6875 § 64,7 kN/m²
Luftseite:
—୮ǡ୩ ൌ ሺɀ୵ ൅ οɀ୵୮ ሻ ή οœ୵
zp = 0,5 m (za = 9,5 m): up,k = 0
zp = 5 m (za = 14 m): up,k = (10 + 4,375)·4,5 = 64,7 kN/m²
Resultierender Wasserdruck:
za = 2,5 m: uk = 0
za = 9,5 m: uk = 39,4 kN/m²
za = 14,0 m: uk = 0
Wk = 226,55 kN/m
5.4 Beispielprojekt – Überschnittene Bohrpfahlwand 165

e) Übersicht der Beanspruchungen und Widerstände


Die charakteristischen Beanspruchungen und Widerstände gemäß dem Ansatz eines schicht-
weise linearen Potentialabbaus (Ansatz 3 in Abschnitt 5.4.2.1 bzw. Ansatz mit Stromfaden)
sind in Bild 5-27 dargestellt. Die Werte in Klammern wurden mit dem Ansatz 2 mit unter-
schiedlichen mittleren hydraulischen Gradienten für die Erd- und die Luftseite berechnet (vgl.
Bild 5-24). Während die Erddrücke und der Erdwiderstand bei beiden Strömungsansätzen in
denselben Größenordnungen liegen (± 10 %), ist der Wasserdruck gemäß dem Stromfadenan-
satz deutlich geringer als beim Ansatz mit unterschiedlichen mittleren hydraulischen Gradien-
ten (226,55/345,55 § 66 %).

Bild 5-27 Aushubzustand B – Charakteristische Beanspruchungen und Widerstände für den


Strömungsansatz mit linearem Potentialabbau entlang eines Stromfadens

Tabelle 5.6 Teilresultierende und zugehörige Hebelarme bzgl. des Ankeransatzpunktes im


Aushubzustand B für den Ansatz eines linearen Potentialabbaus entlang des Stromfadens

Teilresultierende in kN/m Hebelarme in m


Eagh,k,1 123,75 0,25
Eagh,k,2 82,49 4,75
Eagh,k,3 181,95 9,50
Eagh,k,4 43,05 10,33
Eaph,k,1 154,41 1,37
Eaph,k,2 41,59 0,25
166 5 Berechnung von Stützbauwerken nach EC 7-1, Abschnitt 9

Teilresultierende in kN/m Hebelarme in m


Wk,1 137,90 5,17
Wk,2 0,00
Wk,3 88,65 9,00
Epgh,k 841,36 10,25
Bh,k ? 10,25

Mit den Teilresultierenden der Beanspruchungen und Widerstände gemäß Tabelle 5.6 folgt der
Nachweis gegen Versagen bodengestützter Wände durch Drehung. Es gilt:

෍ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൌ ͳʹ͵ǡ͹ͷ ή Ͳǡʹͷ ൅ ͺʹǡͶͻ ή Ͷǡ͹ͷ ൅ ͳͺͳǡͻͷ ή ͻǡͷ ൅ Ͷ͵ǡͲͷ ή ͳͲǡ͵͵


ൌ ʹͷͻ͸ǡͲͲ


෍ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨ ൌ ͳ͵͹ǡͻ ή ͷǡͳ͹ ൅ ͺͺǡ͸ͷ ή ͻ ൌ ͳͷͳͲǡ͹ͻ


σ୧ ୟ୥୦ǡ୩ǡ୧ ή ƒ୥୧ ൅ σ୨ ୩ǡ୨ ή ƒ୵୨
ʹͷͻ͸ ൅ ͳͷͳͲǡ͹ͻ 
ୋ୦ǡ୩ ൌ ൌ ൌ ͶͲͲǡ͸͸
ƒ୆ ͳͲǡʹͷ 

෍ ୟ୮୦ǡ୩ǡ୬ ή ƒ୮୬ ൌ ͳͷͶǡͶͳ ή ͳǡ͵͹ ൅ Ͷͳǡͷͻ ή Ͳǡʹͷ ൌ ʹʹͳǡͻͶ


ʹͷͻ͸ ൅ ͳͷͳͲǡ͹ͻ ൅ ʹʹͳǡͻͶ 
୦ǡ୩ ൌ ൌ Ͷʹʹǡ͵ʹ
ͳͲǡʹͷ 

୕୦ǡ୩ ൌ ୦ǡ୩ െ ୋ୦ǡ୩ ൌ Ͷʹʹǡ͵ʹ െ ͶͲͲǡ͸͸ ൌ ʹͳǡ͸͸


୦ǡୢ ൌ ɀୋ ή ୋ୦ǡ୩ ൅ ɀ୕ ή ୕୦ǡ୩ ൌ ͳǡʹ ή ͶͲͲǡ͸͸ ൅ ͳǡ͵ ή ʹͳǡ͸͸ ൌ ͷͲͺǡͻͷ

୮୥୦ǡ୩ ͺͶͳǡ͵͸ 
୮୥୦ǡୢ ൌ Ʉ ή ൌ ͳǡͲ ή ൌ ͸Ͷ͹ǡʹ
ɀୖǡୣ ͳǡ͵ 
୦ǡୢ ͷͲͺǡͻͷ
Ɋൌ ൌ ൌ Ͳǡ͹ͻ ൏ ͳǡͲξ
୮୥୦ǡୢ ͸Ͷ͹ǡʹ

Der Ausnutzungsgrad ist mit dem Ansatz eines schichtweise linearen Potentialabbaus deutlich
geringer als jener in Abschnitt 5.4.2.3. Prinzipiell könnte die Einbindetiefe somit kleiner ausge-
führt werden. Wird jedoch unterstellt, dass zur Berücksichtigung der Strömungseinflüsse der
Ansatz 2 mit unterschiedlichen mittleren hydraulischen Gradienten für die Erd- und die Luftsei-
te korrekt ist, so würde der Ausnutzungsgrad des Erdwiderlagers einer mit dem Ansatz eines
schichtweise linearen Potentialabbaus berechneten Wand ungefähr 0,91/0,79 = 115 % betragen.
Bei strömendem Wasser ist stets Vorsicht geboten! Die Durchlässigkeit der Böden kann stark
streuen, sowohl im Feld als auch zwischen Feld und Laborversuch. In vielen Fällen kann es
deshalb sinnvoll sein, die Durchlässigkeit gemäß Bodengutachten mit einem Faktor 5–10 zu
beaufschlagen bzw. abzumindern.
5.5 Literatur und Quellen 167

5.5 Literatur und Quellen


[1] ARBED Spundwand-Handbuch, Teil 1, Grundlagen, Hrsg.: Trade ARBED Luxembourg,
Département Assistance, Technique, 1986.
[2] Dausch, G., Zimbelmann, J.: Geotechnische Bauverfahren; In: Handbuch Geotechnik,
Kap. 8 (S. 397-468), Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden, 2012.
[3] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[4] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergänzen-
de Regelungen zu DIN EN 1997-1
[5] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
[6] DIN EN 1997-1:2014-03 Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geo-
technik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 + AC:2009 +
A1:2013
[7] Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen
EAU 2004, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT), 10. Auflage, Ernst
& Sohn, Berlin, 2005.
[8] Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen
EAU 2012, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT), 11. Auflage, Ernst
& Sohn, Berlin, 2012.
[9] Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“ EAB, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für
Geotechnik e.V. (DGGT), 4. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2006.
[10] Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“ EAB, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für
Geotechnik e.V. (DGGT), 5. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[11] Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik
e.V. (DGGT), 2. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[12] Handbuch Eurocode 7 Geotechnische Bemessung, Band 1 Allgemeine Regeln, Beuth
Verlag, Berlin, 2011.
[13] Spundwandhandbuch Berechnung, Hrsg.: ThyssenKrupp GfT Bautechnik GmbH, 2007.
169

6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1,


Abschnitt 8

Dipl.-Ing. Robert Höppner

6.1 Grundlagen zur Bemessung von Verankerungen

6.1.1 Neue und alte Normung – Was hat sich (nicht) geändert?
Der Abschnitt 9 der DIN 1054:2005-01 [1] zum Thema „Verankerungen mit Verpressankern“
umfasst 3 Seiten. Im Handbuch Eurocode 7 -Band 1 [2] ist der Umfang des Abschnitts 8 „Ver-
ankerungen“ auf 10 Seiten angestiegen. Der neue Inhalt wirkt umfangreicher, jedoch sind nur
wenige Neuerungen zu berücksichtigen. Die DIN EN 1997-1:2009-09 gilt für alle Ankertypen.
Daher wurde die Überschrift angepasst und der Inhalt überarbeitet, sodass auch Regelungen
zur Prüfung von Schraubankern und zur Bemessung von Ankerplatten und Ankerwänden, die
denen der EAU (2004) [13] entsprechen, mit enthalten sind. Durch die Ergänzungen der DIN
1054:2010-12 [5] ist weiterhin die Anwendung des Abschnitts auf Gebirgsanker im Bergbau
und bergmännischen Tunnelbau nach DIN 21521 [10] ausgeschlossen.
Überarbeitet wurde auch die Festlegung der Prüfkräfte für die Eignungs- und Abnahmeprüfun-
gen, deren Höhe jetzt auch von der Bemessungssituation bestimmt wird und für Dauer- und
Kurzzeitanker einheitlich zu Pp = γa · Pd festgelegt wurde (Pd ist der Bemessungswert der An-
kerbeanspruchung). Von der DIN 4125:1990 [12] „Verpressanker“, die nach der Einführung
der DIN EN 1537:2001-01 [9] „Ausführung von besonderen geotechnischen Arbeiten (Spezial-
tiefbau) – Verpressanker“ mit Fachbericht bzw. DIN SPEC 18537:12-02 [10] zurückgezogen
wird, wurden die Regelungen für Ankerprüfungen übernommen. Dementsprechend verweist
die DIN 1054:2010-12 auf DIN EN 1537:2001-01 im Hinblick auf Einzelheiten der Durchfüh-
rung von Eignungs- und Abnahmeprüfungen.
Für den Einsatz von Verpressankern und Ankerkonstruktionen, deren Ausführung und Bemes-
sung nicht in bauaufsichtlich eingeführten technischen Baubestimmungen geregelt sind, oder
davon erheblich abweichen, ist in Deutschland weiterhin ein Nachweis der Verwendbarkeit in
Form einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (abZ) oder einer Zustimmung im Einzel-
fall (ZiE) erforderlich.

6.1.2 Geotechnische Kategorien


Baumaßnahmen mit Verankerungen müssen mindestens in die Geotechnische Kategorie GK 2
eingestuft werden. Sofern nicht aus anderen Gründen eine Einstufung in die Geotechnische
Kategorie GK 3 erforderlich wird, dürfen Verankerungen mit folgenden Merkmalen der Geo-
technischen Kategorie GK 2 zugeordnet werden:
௅ Schwellbeanspruchungen und dynamische Beanspruchungen, sofern ausreichende Erfah-
rungen vorliegen
௅ Kurzzeitanker
Die Einstufung in die Geotechnische Kategorie GK 3 muss erfolgen, wenn folgende Bedin-
gungen vorliegen:

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_6, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
170 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

௅ Schwellbeanspruchungen und dynamische Beanspruchungen, sofern keine ausreichenden


Erfahrungen vorliegen
௅ Daueranker

6.1.3 Einwirkungen und Beanspruchungen


Der charakteristische Wert der Ankerbeanspruchung Pk ergibt sich im jeweiligen Anwendungs-
fall aus den Schnittgrößen der statischen Berechnung mit repräsentativen Einwirkungen. Der
Erddruckansatz zu Berechnung der Einwirkungen richtet sich nach der Steifigkeit und der
Vorspannung des gewählten Ankersystems.

Tabelle 6.1 Ansatz des Erddrucks in Abhängigkeit der Vorspannung

Auflager Konstruktion Vorspanngrad Edddruckansatz


nicht oder
nachgiebig schlaff wenig vorge- aktiver Erddruck
spannt
wenig nachgiebig vorgespannt 0,8 – 1,0 • Pk umgelagerter aktiver Erddruck
erhöhter aktiver Erddruck
annähernd un- ′
0, 75 ⋅ Eah + 0, 25 ⋅ E0h ≤ Eah
vorgespannt 1,0 • Pk
nachgiebig
≤ 0, 25 ⋅ Eah + 0,75 ⋅ E0h

Verankerung in unnachgiebi- erhöhter aktiver Erddruck,


gem Fels oder Anker we- Erdruhedruck in Ausnahmefällen
unnachgiebig 1,0 • Pk
sentlich länger als rechne- ′ ≤ E0h
0, 25 ⋅ Eah + 0,75 ⋅ E0h ≤ Eah
risch erforderlich

Den Bemessungswert der Ankerbeanspruchung erhält man durch Multiplikation der charakte-
ristischen Beanspruchungen mit den Teilsicherheitsbeiwerten ȖE entsprechend Tabelle A 2.1
der DIN 1054:2010-12:
Pd = PG ,k ⋅ γ G + PQ,k ⋅ γ Q (6.1)

Außer zum Nachweis der Gesamtstandsicherheit erfolgt die Nachweisführung von Veranke-
rungen in den Grenzzuständen STR und GEO-2, d. h. mit den charakteristischen Einwirkun-
gen, Scherparametern und Materialeigenschaften werden die charakteristischen Beanspruchun-
gen und Widerstände berechnet und anschließend zur Nachweisführung mit Teilsicherheiten
erhöht bzw. abgemindert. Die Bemessungswerte der Beanspruchungen von Verpressankern
(und Mikropfählen) zur Sicherung von Baugrubenwänden sind im Regelfall aus den charakte-
ristischen Beanspruchungen durch Multiplikation mit den Teilsicherheitsbeiwerten für die
Bemessungssituation BS-T zu ermitteln. Im Vollaushubzustand einer Baugrube sind die Bean-
spruchungen durch Multiplikation mit den Teilsicherheitsbeiwerten für die Bemessungssituati-
on BS-P zu ermitteln.1

1
DIN 1054:2010-12, Abschnitt A 9.7.1.3 A (5)
6.1 Grundlagen zur Bemessung von Verankerungen 171

6.1.4 Ermittlung der Widerstände


In Abhängigkeit des Ankertyps wird der Herausziehwiderstand entweder auf Grundlage von
Versuchsergebnissen abgeleitet oder anhand des Erdwiderstands berechnet. Bei welchem Typ
welches Verfahren anzuwenden ist, ist in der Tabelle 6.2 angegeben.

Tabelle 6.2 Prüfungen oder Berechnungen zum Nachweis des Herausziehwiderstands2, in


Anlehnung an [4]

Vorgespannte
Anker Nicht vorgespannte Anker
Anker
Klemm- oder
Rückhalte- Verpresskörper Verpresskörper Ankerplatte Schraub- Haftkörper im
konstruktion (Verpressanker) (Verpressanker) Ankerwand verankerung Fels
(Gebirgsanker)
Eignungs-
Ja Ja – Ja Ja
prüfungen
Abnahme- Im Einzelfall
Ja Ja – Ja
prüfungen festzulegen
Berechnung – – Ja – –

Der Bemessungswert des Herausziehwiderstands auf Grundlage von Prüfungen Ra,d berechnet
sich durch die Abminderung des charakteristischen Herausziehwiderstands mit dem Teilsi-
cherheitsbeiwert Ȗa zu:
Ra;k
Ra;d = (6.2)
γa
Der Bemessungswert des Herausziehwiderstands auf Grundlage von Berechnungen ergibt sich
aus dem charakteristischen Erdwiderstand Ep,k geteilt durch den Teilsicherheitsbeiwert für den
Erdwiderstand ȖR,e:
E p,k
Rd = E p ,d = (6.3)
γ R ,e
Der Bemessungswert des Widerstands des Stahlzuggliedes aus Spannstahl bzw. Betonstahl
(innere Tragfähigkeit) beträgt:
At ⋅ ft ,0.1, k
Rt ,d = - für Spannstahl (6.4)
γM
At ⋅ ft ,0.2,k
Rt ,d = - für Betonstahl (6.5)
γM
mit:
At Querschnittsfläche des Stahlzuggliedes

2
DIN 1054:2010-12,Tabelle A 8.1
172 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

ft ,0.1, k charakteristischer Wert der Spannung des Stahlzuggliedes bei 0,1 % bleiben-
der Dehnungen für Spannstahl
ft ,0.2, k
charakteristischer Wert der Spannung des Stahlzuggliedes bei 0,2 % bleiben-
der Dehnungen für Betonstahl
γM Teilsicherheitsbeiwert für den Materialwiderstand γ M = 1,15 3
Die Teilsicherheitsbeiwerte für die Widerstände nach neuer und alter Normung sind in den
Tabellen 6.3 und 6.4 gegenübergestellt. Wie zu sehen ist, hat sich das Sicherheitsniveau nicht
verändert.

Tabelle 6.3 Teilsicherheitsbeiwerte γR für Widerstände gemäß DIN 1054:2010-12, Tabelle


A 2.3

Formel- Bemessungssituation
Widerstand
zeichen BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken, Bauteilen und Baugrund

Bodenwiderstände

– Erdwiderstand und Grundbruchwiderstand γR,e, γR,v 1,40 1,30 1,20

Herausziehwiderstände

– Verpresskörper von Verpressankern γa 1,10 1,10 1,10

Tabelle 6.4 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände gemäß DIN 1054:2005-01, Tabelle 3

Formel- Lastfall
Widerstand
zeichen LF 1 LF 2 LF 3

GZ 1B: Grenzzustand des Versagens von Bauwerken und Bauteilen


Bodenwiderstände

Erdwiderstand und Grundbruchwiderstand γEp, γGr 1,40 1,30 1,20

Verpressankerwiderstände

Widerstand des Stahlzugglieds γM 1,15 1,15 1,15

Herausziehwiderstand des Verpresskörpers γA 1,10 1,10 1,10

6.1.5 Grenzzustände
Für Verankerungen sind im Regelfall entsprechend DIN EN 1997:2009-09 im Grenzzustand
der Tragfähigkeit die folgenden Grenzzustände bei der Bemessung durch Berechnungen bzw.
Prüfungen zu untersuchen:

3
DIN 1054:2010-12, Abschnitt A 2.4.7.6.3 ANMERKUNG 1
6.2 Verankerungen mit Verpressankern 173

௅ Versagen des Zuggliedes (STR)


௅ Versagen zwischen Verpresskörper und Boden (bei Verpressankern) (GEO-2)
௅ Versagen oder ungenügender Widerstand der Ankerplatten bzw. Ankerwände (bei Anker-
platten bzw. Ankerwänden) (GEO-2)
௅ Versagen in der tiefen Gleitfuge (Ankergruppen) (GEO-2)
௅ Verlust der Gesamtstandsicherheit (GEO-3)
௅ Ausfall eines Ankers
Weitere Grenzzustände, die im Abschnitt 8.2 der DIN EN 1997:2009-09 aufgezählt werden,
wie beispielsweise der Nachweis „Verdrehung oder Korrosion des Ankerkopfes“ sind in
Deutschland in den entsprechenden bauaufsichtlichen Zulassungen geregelt. Die Nachweise im
Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit sind jeweils objektspezifisch festzulegen.
Nach EAB (2012) EB 86 kann der Nachweis des Ankerausfalls durch konstruktive Sicherung
entfallen, wenn folgende Punkte sichergestellt sind:
௅ Jeder Anker (Kurzzeitanker) wird mit ܲ௉ ൌ ͳǡͷ ή ܲ௞ bei der Abnahme geprüft.
௅ Es kommen Litzen- oder Stabanker zum Einsatz. Bei Litzenankern ist nachzuweisen, dass
beim Ausfall einer Litze die Ankerbeanspruchung ܲௗ in der Bemessungssituation BS-A
durch die verbleibenden Litzen aufgenommen werden kann.
௅ Die tragenden Teile der Ankerköpfe sind hinter der Vorderkante der Verbaukonstruktion
weitestgehend versenkt oder eine Gefährdung durch den Baubetrieb wird anderweitig mi-
nimiert.

6.2 Verankerungen mit Verpressankern

6.2.1 Definitionen
Für die Prüfung und Ausführung von Verpressankern gilt in Deutschland bis auf Weiteres die
DIN EN 1537:2001-01 in Verbindung mit der DIN SPEC 18537:2012-02. Die verschiedenen
Definitionen, die für die Bemessung von Verankerungen mit Verpressankern von Bedeutung
sind, wurden aus der DIN EN 1537 in den EC 7-1 übernommen. Die wichtigsten in Bezug auf
Einsatzdauer und Geometrie (siehe auch Bild 6-1) werden im Folgenden wiedergegeben:
௅ Daueranker sind Anker mit einer geplanten Lebensdauer von mehr als zwei Jahren.
௅ Kurzzeitanker sind Anker mit einer geplanten Lebensdauer von bis zu zwei Jahren.
௅ Die freie Stahllänge ݈௧௙ ist der Abstand zwischen dem Ankerkopf und dem Anfang der
Verankerungslänge des Stahlzuggliedes.
௅ Die Verankerungslänge des Stahlzuggliedes ݈௧௕ ist die Länge, die direkt mit dem Ver-
presskörper verbunden ist und die aufgebrachte Zugkraft überträgt.
௅ Die freie Ankerlänge ݈௙௥௘௘ ist der Abstand zwischen dem spannseitigen Ende der Kraftein-
leitungslänge und der Verankerung des Zuggliedes am Ankerkopf.
௅ Die Krafteintragungslänge ݈௙௜௫௘ௗ ist der Ankerabschnitt, in dem die Kraft planmäßig über
einen Verpresskörper in den Boden eingeleitet wird.
174 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Bild 6-1 Definitionen geometrischer Längen bei Verpressankern

6.2.2 Ankerprüfungen

6.2.2.1 Arten der Ankerprüfungen


Entsprechend Abschnitt 6.1.3 ist der Herausziehwiderstand von Verpressankern mittels Prü-
fungen nachzuweisen. Grundsätzlich werden nach der DIN EN 1997-1:2009-09 drei Klassen
von Ankerprüfungen unterschieden:
௅ Untersuchungsprüfungen
௅ Eignungsprüfungen
௅ Abnahmeprüfungen
Die Untersuchungsprüfung ist eine Belastungsprüfung, bei der der maximale Herauszieh-
Widerstand eines Ankers in der Fuge zwischen Verpresskörper und Boden ermittelt wird. Wei-
terhin werden die Eigenschaften des Ankers im Gebrauchslastbereich näher untersucht (z. B.
Kriechverhalten). Die Untersuchungsprüfung wird nur in Sonderfällen durchgeführt, wenn
keine Erfahrung über das Tragverhalten von Ankern bei vergleichbaren Baugrundbedingungen
vorliegt.4 Bei der Einungsprüfung wird die Verwendbarkeit des gewählten Ankersystems bei
den vor Ort gegebenen Baugrundbedingungen nachgewiesen. Bei Dauerankern sind immer
Eignungsprüfungen vorzunehmen. Kommen Kurzzeitanker zum Einsatz, darf auf eine Eig-
nungsprüfung verzichtet werden, wenn mit dem gleichen Ankersystem in vergleichbarem Bau-
grund und mit demselben Herstellungsverfahren ausreichend Erfahrung vorliegt.5 Die Eig-
nungsprüfung wird an mindestens 3 Ankern durchgeführt. Aus den Ergebnissen der Eignungs-
prüfung wird der Herausziehwiderstand abgeleitet. Die Abnahmeprüfung erfolgt an jedem

4
DIN 1054:2010-12 Anmerkung zu 8.1.2.5
5
DIN 1054:2010-12 Abschnitt 8.7 A (1)
6.2 Verankerrungen mit Veerpressankern 17
75

Anker zur Übberprüfung deer Einhaltung der Entwurfskriterien. Mit der bestandeenen Abnahmee-
prüfung wird die Einhaltun
ng der Abnahmmekriterien naachgewiesen.

6.2.2.2 Prüfflasten
Die Prüflast PP für die Eig
gnungs- und A Abnahmeprüffung berechneet aus dem Beemessungsweert
der Ankerbeaanspruchung (vvgl. Abschnittt 6.1.3) zu:
PP = Pd ⋅ γ a (6.6
6)
Im Gegensatzz zur DIN 10554:2005-01 sinnd die Prüfkrääfte für Dauerr- und Kurzzeeitanker bei deen
Eignungs- unnd Abnahmeprüfungen gleiich groß. Bei der Ableitung von Heraussziehwiderstän n-
den aus den Ergebnissen
E von
v Eignungspprüfungen ist diesem Umstand entsprechhend Rechnun ng
zu tragen. Daas Stahlzuggliied muss so bbemessen sei, dass bei Untersuchungs-, Eignungs- un nd
Abnahmeprüffungen folgen nde Werte nichht überschritteen werden:
PP ≤ 0,80
0 ⋅ Pt ,k = 0, 80 ⋅ ft , k ⋅ At (6.7
7)
mit:
f t , k - charakteristissche Zugfestiggkeit des Stahlzuggliedes
und:
PP ≤ 00, 95 ⋅ Pt ,0.1,k = 0, 95 ⋅ ft ,0.1, k ⋅ At - für Spaannstahl (6.8
8)
PP ≤ 00, 95 ⋅ Pt ,0.2, k = 0, 95 ⋅ f t ,0.2, k ⋅ At - für Bettonstahl (6.9
9)

6.2.2.3 Prüffverfahren
B
Belastungszykklus und Mind desthaltedauerrn
In Deutschlannd ist für die Eignungs-
E undd Abnahmeprrüfungen das Prüfverfahren
P n 1 der DIN EN
N
1537:2001-011 mit den Erg gänzungen derr DIN SPEC 18537:2012-0 02 anzuwendeen. Beim Prüf-

Bild 6-2 typissche Last-Verschiebungs-Liinie einer Ank


kerprüfung, aus [9]
176 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

verfahren 1 wird die Prüflast in mehreren Zyklen aufgebracht. In jedem Zyklus wird ausgehend
von der Vorlast Pa die Last stufenweise erhöht, bis die maximale Last des Prüfzyklus erreicht
ist. Diese wird dann über eine Zeitspanne konstant gehalten. Anschließend wird stufenweise
auf die Vorlast entlastet. In jedem Zyklus wird die maximale Last erhöht, sodass nach 5 Zyklen
die Prüflast PP erreicht wird. Während der Lastaufbringung und den Haltephasen wird die Ver-
schiebung s am Ankerkopf gemessen. Ein typischer Verlauf für die Auswertung der Verschie-
bung über die Ankerkraft ist in Bild 6-2 gegeben.
Die Dauer der Haltephasen richtet sich nach der Bodenart, der Laststufe und dem Ankertyp.
Für Eignungsprüfungen können die Mindesthaltedauern der Tabelle 6.5 und für
Abnahmeprüfungen der Tabelle 6.6 entnommen werden. Eine Verlängerung der Mindestbe-
obachtungszeit unter der Prüflast Pp wird erforderlich, wenn die Ankerkopfverschiebung zwi-
schen den Zeitpunkten ta und tb ein Maß von ο‫ ݏ‬ൌ ‫ݏ‬௕ െ ‫ݏ‬௔ überschreitet oder die Neigung der
Zeit-Verschiebungs-Linie (vgl. Bild 6-3) in der halblogarithmischen Darstellung zunimmt. Die
Beobachtungszeit ist dann solange zu verlängern, bis das Kriechmaß ks eindeutig aus einem
linear verlaufenden Abschnitt am Ende der Zeit-Verschiebungs-Linie bestimmt werden kann
und bis eine neue, verlängerte Mindestbeobachtungszeit tb entsprechend der Tabellen 6.7 bzw.
6.8 erreicht ist.

Tabelle 6.5 Mindestbeobachtungszeiten für Eignungsprüfungen, in Anlehnung an [9]

Mindestbeobachtungszeiten [min]
Kurzzeitanker Daueranker
Laststufen
nichtbindiger nichtbindiger
bindiger Boden bindiger Boden
Boden und Fels Boden und Fels
Pa 1 1 1 1
0,40 PP 1 1 15 15
0,55 PP 1 1 15 15
0,70 PP 5 5 30 60
0,85 PP 5 5 30 60
1,00 PP 30 60 60 180

Tabelle 6.6 Mindestbeobachtungszeiten für Abnahmeprüfungen, in Anlehnung an [9]

Mindestbeobachtungszeiten [min]
Laststufen Kurzzeitanker und Daueranker
nichtbindiger Boden und Fels bindiger Boden
Pa 1 1
0,40 PP 1 1
0,55 PP 1 1
0,70 PP 1 1
0,85 PP 1 1
1,00 PP 5 15
6.2 Verankerungen mit Verpressankern 177

Auswertung von Eignungsprüfungen


Bei der Auswertung der Eignungsprüfung ist als Erstes zu kontrollieren, ob eine Verlängerung
der Beobachtungszeit erforderlich ist. Diese Kontrolle ist immer versuchsbegleitend durchzu-
führen. Dazu sind einerseits die Verschiebungen sa und sb unter Prüflast zu den Zeitpunkten ta
und tb zu ermitteln und mit den Kriterien für ǻs der Tabelle 6.7 abzugleichen. Weiterhin sind
die Verschiebungen über die Zeit im halblogarithmischen Maßstab abzutragen. Am Ende muss
sich ein linearer Verlauf einstellen. Sind beide Kriterien erfüllt, ist die Beobachtungszeit aus-
reichend, andernfalls ist die Beobachtungszeit mindestens auf die Werte in Zeile 4 der Tabelle
6.7 zu verlängern. Ist eine Verlängerung erforderlich, so ist anschließend das Kriechmaß auf
dem linearen Abschnitt in der halblogarithmischen Darstellung zu ermitteln und mit den zuläs-
sigen Kriechmaß in Tabelle 6.7 Zeile 5 zu vergleichen:
sb − sa
ks = (6.10)
lg ( tb / ta )

Tabelle 6.7 Mindestbeobachtungszeiten für Eignungsprüfungen, in Anlehnung an [9]

Kurzzeitanker Daueranker
nichtbindi- nichtbindi-
bindiger bindiger
ger Boden ger Boden
Boden Boden
und Fels und Fels
Versuch mit Mindestbeobachtungszeit,
bei Erfüllung der Bedingung:
ta in min 10 20 20 60
tb in min 30 60 60 180
Verschiebung ǻs = sb – sa in mm ” 0,5 ” 0,5 ” 0,5 ” 0,5
Versuch mit verlängerter Beobach-
tungszeit:
Beobachtungszeit tb in min • 30 • 60 • 120 • 720
Kriechmaß ks in mm ” 2,0 ” 2,0 ” 2,0 ” 2,0
178 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Bild 6-3 typische Zeit-Verschiebungs-Linien einer Ankerprüfung zur Ermittlung der Kriechma-
ße, aus [9]

Wenn die Verformungskriterien am Ankerkopf erfüllt sind, sind im zweiten Schritt die Ent-
wurfskriterien bezüglich der freien Stahllänge zu prüfen. Es ist nachzuweisen, dass die aus den
Versuchsergebnissen berechnete freie Stahllänge nicht wesentlich von der planmäßigen freien
Stahllänge abweicht. Dazu müssen die gemessenen elastischen Verschiebungen ab der Laststu-
fe P = 0,7 • PP zwischen der oberen Grenze (a-Linie) und der unteren Grenze (b-Linie) liegen.
Die berechneten Grenzlinien können dazu grafisch den Messwerten, wie in Bild 6-4, gegen-
übergestellt werden:
P − Pa
obere Grenzlinie a für Verbundanker: sel ,a =
Et ⋅ At
(
⋅ ltf + le + 0,5 ⋅ ltb ) (6.11)

P − Pa
obere Grenzlinie a für Druckrohranker: sel , a =
Et ⋅ At
(
⋅ 1,1 ⋅ ltf + le ) (6.12)

P − Pa
untere Grenzlinie b: sel ,b =
Et ⋅ At
(
⋅ 0,8 ⋅ ltf + le ) (6.13)

P − Pa
theoretische Linie c: sel ,c =
Et ⋅ At
(
⋅ ltf + le ) (6.14)
6.2 Verankerungen mit Verpressankern 179

Bild 6-4 Ermittlung der elastischen und plastischen Verschiebungsanteile, aus [9]

Auswertung von Abnahmeprüfungen


Die Abnahmeprüfungen werden analog zu den Eignungsprüfungen ausgewertet, wobei für die
Abnahmekriterien kein Unterschied zwischen Kurzzeitankern und Dauerankern gemacht wird
(siehe Tabelle 6.8). Als Erstes sind wieder die Verformungen zu den Zeitpunkten ta und tb zu
bestimmen und anschließend der Wert ǻs zu berechnen. Liegt dieser unterhalb der Grenze von
0,20 mm bzw. 0,25 mm und stellt sich ein linearer Verlauf in der halblogarithmischen Darstel-
lung der Verformung über der Zeit ein, so ist keine Verlängerung der Beobachtungszeit nötig.
Anschließend ist zu überprüfen, ob die Messwerte der elastischen Verformungen bei der Last-
stufe 1,0 · PP innerhalb der Grenzlinien liegt.
180 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Tabelle 6.8 Mindestbeobachtungszeiten für Abnahmeprüfungen, in Anlehnung an [9]

Kurzzeitanker und Daueranker


nichtbindiger Bo-
Bindiger Boden
den und Fels
Versuch mit Mindestbeobachtungszeit,
bei Erfüllung der Bedingung:
ta in min 2 5
tb in min 5 10
Verschiebung ǻs = sb – sa in mm ” 0,2 ” 0,25
Versuch mit verlängerter Beobachtungszeit:
Beobachtungszeit tb in min •5 • 15
Kriechmaß ks in mm ” 2,0 ” 2,0

6.3 Planung und Auswertung einer Eignungsprüfung

6.3.1 Projektvorstellung und Ankerlasten


Im folgenden Abschnitt soll die Eignungsprüfung für eine Verankerung geplant und ausgewer-
tet werden. Dabei wird auf das Beispiel der überschnittenen, einfach-rückverankerten Bohr-
pfahlwand aus Kapitel 5 zurückgegriffen. Im Abschnitt 5.4.2.4 sind dort die charakteristischen
Werte der horizontalen Ankerbeanspruchung getrennt nach ständigen und veränderlichen Ein-
wirkungen gegeben:
kN
AGh,k = 273, 2
m
kN
AQh,k = 174,9
m
kN
Ah,k = 448,1
m
Diese Lasten sollen nun durch unter 25° geneigte Verpressanker in den Boden eingeleitet
werden. Der Ankerabstand a ist unter Berücksichtigung der Achsabstände der Bohrpfähle zu
wählen und beträgt 1,70 m. Daraus ergeben sich die folgenden Beanspruchungen:
Pk = 448,1 kN/m / cos 25° ā 1,70 m = 840,5 kN
Pd = (273,2 kN/m * 1,35 + 174,9 kN/m ā 1,50) / cos 25° ā 1,70 m = 1183,9 kN
Bei der Berechnung des Bemessungswertes ist zu beachten, dass es sich um den Endaushub
handelt und die Teilsicherheitsbeiwerte für die Bemessungssituation BS-P zu verwenden sind.
Die Prüflast kann nun mit Gleichung 6.6 berechnet werden:
ܲ௉ ൌ ܲௗ ή ߛ௔ ൌ ͳͳͺ͵ǡͻ ή ͳǡͳ ൌ ͳ͵Ͳʹǡ͵ ൎ ͳ͵ͷͲ
Für die Verankerung soll ein Litzenankersystem mit einem Spannstahl St 1570/1770 verwendet
werden. Zu beachten ist, dass bei der Angabe der Stahlgüte üblicherweise als erstes die Span-
nung bei 0,2 % bleibenden Dehnungen (Dehngrenze) und dann die Zugfestigkeit angegeben
6.3 Planung und Auswertung einer Eignungsprüfung 181

wird. Die Spannung bei 0,1 % bleibenden Dehnungen ft,0.1,k, die z. B. zum Nachweis der inne-
ren Tragfähigkeit benötigt wird, weicht davon ab und ist der Zulassung zu entnehmen. Die
Geometrie wurde entsprechend Bild 6-1 berücksichtigt:
Gesamtlänge des Stahlzugglieds: l = 18,8 m
Verankerungslänge: ltb = 5,0 m
Überstand: le = 1,3 m
freie Stahllänge: ltf = 12,5 m
Querschnittsfläche der Litzen: At = 70 mm²
E-Modul: Et = 210000 N/mm²
Stahlgüte der Spannlitzen: St 1570 / 1770
char. Spannung bei 0,1% bl. Dehnung: ft,0.1,k = 1500 N/mm²
char. Zugfestigkeit des Zuggliedes: ft,k = 1770 N/mm²

6.3.2 Bemessung des Stahlzugglieds


Für das gegebene Ankersystem wird nun die benötigte Litzenanzahl ermittelt. Zum Nachweis
des Widerstands ist die Gleichung 6.4 anzuwenden. Weiterhin ist die Einhaltung der zulässigen
Prüfkraft nach Gleichung 6.7 und 6.8 zu beachten. Der Startwert für die benötigte Litzenanzahl
ergibt sich aus dem Nachweis der inneren Tragfähigkeit:
At ⋅ ft ,0.1, k n ⋅ 70 mm² ⋅1500 N/mm²
Pd = 1183,9 kN ≤ Rt ,d = =
γM 1,15
1183,9 kN ⋅1,15
ĺ n= = 12,96 ĺ gewählt 13
70 mm² ⋅1, 5 kN/mm²
n ⋅ 70 mm² ⋅ 1,5 kN/mm²
Rt ,d = = 1187, 0 kN
1,15
Es folgt die Überprüfung, ob die zulässigen Spannungen im Zugglied bei der Prüfung nicht
überschritten werden:
PP = 1350 kN ≤ 0,95 ⋅ At ⋅ ft ,0.1,k = 0,95 ⋅13 ⋅ 70 mm² ⋅1,5 kN/mm² = 1296,8 kN
ĺ nicht erfüllt

PP = 1350 kN ≤ 0,80 ⋅ At ⋅ ft ,k = 0,80 ⋅13 ⋅ 70 mm² ⋅1, 77 kN/mm² = 1296,8 kN


ĺ nicht erfüllt
Beim Einsatz von 13 Litzen wird die zulässige Spannung im Stahlzugglied bei der Eignungs-
prüfung überschritten. Die Litzenanzahl wird deshalb auf 14 erhöht, sodass die Prüfkräfte si-
cher aufgebracht werden können:
1350 kN ≤ 0,95 ⋅14 ⋅ 70 mm² ⋅1,5 kN/mm² = 1396,5 kN
1350 kN ≤ 0,80 ⋅ At ⋅ ft ,k = 0,80 ⋅14 ⋅ 70 mm² ⋅1, 77 kN/mm² = 1387, 7 kN
182 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

6.3.3 Auswertung der Eignungsprüfung

Tabelle 6.9 Auszug aus den Ergebnissen einer Eignungsprüfung

Laststufe Ankerkraft P in kN Beobachtungszeit in min Verschiebung s in mm


Pa 50 1 0,00
0 25,31
0,4 · PP 540
1 25,38
Pa 50 8,18
540 25,94
0 46,20
0,55 · PP 745
1 46,23
540 39,02
Pa 50 9,72
540 28,44
745 46,79
0 64,17
0,70 · PP 945
5 64,20
745 60,47
540 44,06
Pa 50 11,25
540 29,56
745 48,54
945 64,84
0 83,29
0,85 · PP 1150
5 83,39
945 81,00
745 66,73
540 45,90
Pa 50 12,90
540 31,64
745 50,04
945 66,92
1150 83,40
0 102,00
1 102,12
3 102,17
5 102,18
PP 1350
10 102,36
15 102,41
20 102,48
30 102,51
1150 101,03
945 87,59
745 71,53
540 47,70
Pa 50 14,16
6.3 Planung und
u Auswertu
ung einer Eignnungsprüfung 18
83

Nachdem derr Anker bemeessen wurde uund eingebautt ist, kann diee Eignungsprüüfung durchgee-
führt werden.. Dabei sind die
d in Abschnnitt 6.2.2 erlääuterten Grund dsätze einzuha
halten. Bei dem
m
Bauwerk handelt es sich um m eine temporräre Baugrubeensicherung, d. d h. es komm men Kurzzeitann-
ker zum Einsatz. Der Baug grund ist ein w weitgestufter Mittelsand
M (vg
gl. Bild 6-8). D
Die Mindestbee-
obachtungszeeit unter der Prrüflast PP betrrägt somit nacch Tabelle 6.5 30 Minuten. DDie Ergebnissse
der Eignungspprüfung sind ini Tabelle 6.99 gegeben.
Als Erstes istt zu überprüfeen, ob eine V erlängerung der
d Mindestbeeobachtungszeeit nötig ist. Es
E
sind die Verfo
formungen sa undu sb bei derr Prüflast Pp = 1350 kN zu den Zeitpunkt
kten ta = 10 miin
und tb = 30 min
m (vgl. Tabellle 6.7) zu besstimmen:
sa = 102,36 mm
sb = 102,51mm
Δs = 1102,51mm -10
02,36 mm = 0,,15 mm ≤ 0,5m
mm
ĺ Veerlängerung deer Beobachtunngszeit nicht erforderlich
e
Das Kriechmmaß wird auf dem
d linearen Ast (siehe Biild 6-5) zwiscchen den Zeittpunkten ta = 5
min und tb = 30
3 min ermitteelt:
1102,51 mm − 102,18 mm
ks = = 00, 424 mm
§ 30

lg ¨ ¸
© 5 ¹

Bild 6-5 Besttimmung des Kriechmaßes durch Abtrag der Verschieb


bung s über d ie Zeit t

Als weiteres Kriterium


K ist die Einhaltunng der freien Stahllänge
S zu prüfen. Es weerden die oberre
und die unterre Grenzlinie für Verbundaanker nach Gleichung
G 6.11
1 und 6.13 abb der Laststuffe
0,7 · PP berechhnet:
184 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

A-Linie
945 kN − 50 kN
sel ,a,0.70 PP = ⋅ (12,5 m + 1,3 m + 0,5 ⋅ 5, 0 m ) ⋅ 1000 = 70,9 mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
1150 kN − 50 kN
sel ,a,0.85 PP = ⋅ (12,5 m + 1,3 m + 0,5 ⋅ 5, 0 m ) ⋅1000 = 87,1mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
1350 kN − 50 kN
sel ,a ,1.00 PP = ⋅ (12,5 m + 1,3 m + 0,5 ⋅ 5, 0 m ) ⋅1000 = 103, 0 mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
B-Linie
945 kN − 50 kN
sel ,b,0.70 PP = ⋅ ( 0,8 ⋅12,5 m + 1,3 m ) ⋅1000 = 49,1 mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
1150 kN − 50 kN
sel ,b,0.85 PP = ⋅ ( 0,8 ⋅12,5 m + 1,3 m ) ⋅1000 = 60, 4 mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
1350 kN − 50 kN
sel ,b,1.00 PP = ⋅ ( 0,8 ⋅12,5 m + 1,3 m ) ⋅1000 = 71, 4 mm
kN
210 ⋅ 980 mm²
mm²
Die Grenzwerte der A- und B-Linie sind nun mit den Messwerten der elastischen Verformung
zu vergleichen. Als Messwert der elastischen Verformung wird dabei die Differenz zwischen
der Verformung am Ende der Beobachtungszeit und der darauf folgenden Entlastung auf die
Vorlast Pa angenommen. Für die drei zu untersuchenden Lastzyklen können die Verformungen
der Tabelle 6.9 entnommen werden:
sel ,0.70 PP = 64, 20 mm − 11, 25 mm = 52,95 mm

sel ,0.85 PP = 83,39 mm − 12, 90 mm = 70, 49 mm

sel ,1.00 PP = 102,51mm − 14,16 mm = 88, 35 mm

Die Grenzlinien und die Messwerte sind zur besseren Anschaulichkeit nochmal in Bild 6-6
dargestellt. Ab einer Belastung von 945 kN liegen die gemessenen Verformungen zwischen
den Grenzlinien, sodass der Nachweis der freien Stahllänge erbracht ist.
6.4 Nachweis der tiefen Gleitfuge (Ermiittlung der An
nkerlänge) 18
85

Bild 6-6 Verg


gleich der gem
messenen elasstischen Verfo
ormungen mit den Grenzlinieen

6.4 Nachw
weis der tiefen
t Gleiitfuge (Erm
mittlung der Ankerläänge)

6.4.1 Allge
emeines zu
ur Nachweiisführung
Der Nachweis der tiefen Gleitfuge
G wird geführt, um das
d Umkippen n einer rückverrankerten Kon
n-
struktion, einnschließlich dees durch den Anker gehalttenen Bodenk körpers, zu veermeiden. Dazzu
wird das Abrrutschen auf einer
e tief liegeenden Gleitflääche untersuccht [13]. Obw
wohl ein Versaa-
gensmechanissmus, der dem Grenzzusttand der Gesaamtstandsicheerheit entspriccht, untersuch ht
wird, ist der Nachweis
N im Grenzzustand
G GEO-2 zu fü
ühren.
Der Nachweiis dient zur Festlegung
F derr erforderlichen Ankerläng ge. Die Schnitttführung beim m
Nachweis derr tiefen Gleitfu
fuge ist im Billd 6-7 dargestellt. Ausgehennd von der Geeländeoberkan n-
te wird hinterr der Verbauwwand bei Ortbbeton- und Bo ohrpfahlwändeen bzw. in deer Schwerachsse
bei Trägerbohhl- und Spund dwänden ein Schnitt bis zu um (statisch erforderlichen)
e n) Wandfuß gee-
führt. Dabei werden
w der ak
ktive Erddruckk Ea2,k, die Annkerkraft RA,ccal und soweit vorhanden deer
Wasserdruck auf die Verb bauwand freiggeschnitten. Anschließend
A wird die tiefefe Gleitfüge er-
satzweise mitt einer Gerad den vom Wanndfuß zur Mittte des Verpreesskörpers anngenommen. In I
dieser wirkt unter
u dem Reeibungswinkell ij’k die Resu ultierende Qk. Weiterhin daarf in bindigeen
Böden die Koohäsion Ck gleeitflächenparaallel berücksicchtigt werden. Ein evtl. vorh rhandener Was-
serdruck greift gleitflächennnormal an. D
Der letzte Sch hnitt wird vonn der Mitte dees Verpresskör-
pers senkrechht nach oben geführt. Hierr greifen der aktive
a uck auf die geedachte Anker-
Erddru
wand und gggf. der Wasserdruck an. Voom Schnitt eiingeschlossen n verbleibt deer abrutschend de
Bodenblock mit
m seinem Eigengewicht G k und ggf. ein ner Auflast FQi,k
Q . Mithilfe eeines Krafteck
ks
kann anschlieeßend die aufn nehmbare Anknkerkraft RA,cal bestimmt weerden. Es ist zzu zeigen, dasss
der Bemessunngswert der Ankerbeanspru
A uchung unterh halb des Bemmessungswerts aufnehmbareen
Ankerkraft blleibt:
186 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

R A,cal
Pd ≤ R A, d =
γ R ,e

Bild 6-7 Schnittführung beim Nachweis der tiefen Gleitfuge, aus [6]

6.4.2 Geometrie und Bodenkenngrößen


Der Nachweis der tiefen Gleitfuge wird auch am Beispiel der einfach-rückverankerten Bohr-
pfahlwand aus Kapitel 5 geführt. Die Geometrie des geplanten Ankers und die Schnittführung
sind mit den zugehörigen Abmessungen in Bild 6-8 dargestellt. Geplant ist ein unter 25° ge-
neigter Anker mit einer freien Ankerlänge von 12 m und einer Verpresskörperlänge von 6 m.
Der Ankeransatzpunkt liegt 2 m unter Geländeoberkante, der Gleitfugenwinkel beträgt
ࢡ = 25,1°.

Bild 6-8 Geometrie und Schnittführung beim Nachweis der tiefen Gleitfuge am Beispiel der
einfach-rückverankerten Bohrpfahlwand
6.4 Nachweis der tiefen Gleitfuge (Ermittlung der Ankerlänge) 187

6.4.3 Ermittlung der Kräfte zum Zeichnen des Kraftecks


Für die gewählte Geometrie mit einer Länge von 15,0 m von der Ankerkopfplatte bis zur Mitte
des Verpresskörpers berechnet sich das Eigengewicht des Bodenblocks wie folgt:
Gk = A ( S < 1, 0 ) ⋅ γ + A ( S = 1, 0 ) ⋅ γ r
mit:
γr = γ ′+γw
Bei dem Ansatz wird unterhalb des Grundwasserspiegels die Sättigungswichte des Bodens
verwendet. Der Wasserdruck wird später separat betrachtet:
kN kN
Gk = 12,59 m ⋅ 2,50 m ⋅21 + 12,59 m ⋅ ( 6, 00 m −2,50 m ) ⋅ 21 +
m³ m³
kN kN kN
+12,59 m ⋅ ( 8,11 m −6, 00 m ) ⋅ 21 + 0,5 ⋅12,59 m ⋅ 5,89 m ⋅ 21 = 2922,8
m³ m³ m
Die veränderliche Einwirkung FQi,k setzt sich aus zwei Teilen zusammen:
௅ Der Anteil FQ1,k ist die Summe der veränderlichen Einwirkungen, die zur Ermittlung des
aktiven Erddrucks verwendet wurden. Dies entspricht dem Anteil der veränderlichen Ein-
wirkung, die den aktiven Gleitkeil belasten (vgl. Abschnitt 5.4.2.2 und Bild 5-23):
kN kN
FQ1,k = 3, 0 m ⋅150 + 5, 75 m ⋅10 = 507,5 kN/m
m² m²
௅ Der Anteil FQ2,k ist die Summe der veränderlichen Einwirkungen im übrigen Bereich der
Geländeoberfläche zwischen dem aktiven Gleitkeil und der gedachten Ankerwand. Sie ist
nur anzusetzen, wenn gilt ߴ ൐ ߮Ԣ௞
ߴ ൌ ʹͷǡͳι ൏ ͵ͷι ൌ ߮Ԣ௞

ĺ FQ2,k wird nicht berücksichtigt!


Zur Berechnung der Wasserdrücke auf die Verbauwand, Gleitfuge und Ankerwand ist die
Konstruktion bzw. Berechnung eines Strömungsnetzes erforderlich. Das Strömungsnetz bzw.
die sich daraus ergebenen Potentiallinien sind in Bild 6-9 dargestellt.
Mithilfe der Potentiallinien kann dann der Porenwasserdruck in den Schnittlinien bestimmt
werden. Es gilt:
pw = pw, hydrostat − ΔpStrömung (6.15)

mit:
pw, hydrostat - hydrostatischer Wasserdruck

ΔpStrömung - Strömungsdruck

Durch Einsetzen der Tiefenkoordinate z und der Potentialhöhe h erhält man:


pw = ( z − h ) ⋅ γ w (6.16)
188 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Bild 6-9 Potentiallinien um die Verbauwand

Die Potentialhöhe h und die zugehörige z-Koordinate können aus dem Strömungsnetz im Bild
6-9 in den Schnittlinien abgegriffen werden. Die Werte und der sich daraus ergebene Poren-
wasserdruck sind in den Tabellen 61.10 bis 6.12 gegeben.

Tabelle 6.10 Ermittlung des Porenwasserdrucks im Schnitt hinter der Verbauwand

h [m] z [m] pw [kN/m²]


2,50 2,50 0,0
3,00 5,40 24,0
3,50 8,10 46,0
4,00 10,33 63,3
4,50 12,02 75,2
5,00 13,22 82,2
5,50 13,85 83,5
5,60 14,00 84,0
6.4 Nachweis der tiefen Gleitfuge (Ermittlung der Ankerlänge) 189

Tabelle 6.11 Ermittlung des Porenwasserdrucks in der Gleitfläche

h [m] z [m] x [m] x* [m] pw [kN/m²]


5,60 14,00 0,00 0,00 84,0
5,50 13,94 0,15 0,16 84,4
5,00 13,54 0,98 1,08 85,4
4,50 12,85 2,43 2,69 83,5
4,00 11,88 4,53 5,00 78,8
3,50 10,49 7,43 8,22 69,9
3,00 8,40 11,85 13,11 54,0
2,90 8,11 12,59 13,90 52,1

Tabelle 6.12 Ermittlung des Porenwasserdrucks im Schnitt in der fiktiven Ankerwand

h [m] z [m] pw [kN/m²]


2,50 2,50 0,0
2,90 8,11 52,1

Die Verteilung der Porenwasserdrücke entlang der Schnittlinien ist in Bild 6-10 qualitativ
dargestellt. Zum Zeichen des Kraftecks müssen die Resultierenden in den Schnitten berechnet
werden. Der resultierende Wasserdruck U ergibt sich durch die Integration der jeweiligen Flä-
che.
௭ୀଵସǡ଴ ௞ே
ܷ௔ǡ௞ ൌ ‫׬‬௭ୀଶǡହ ‫݌‬௪ ݀‫ ݖ‬ൌ ͷʹ͹ǡͶ

௫‫כ‬ୀଵଷǡଽ ௞ே
ܷ௞ ൌ ‫׬‬௫‫כ‬ୀ଴ǡ଴ ‫݌‬௪ ݀‫ כ ݔ‬ൌ ͻͻͻǡʹ

௭ୀ଼ǡଵଵ ௞ே
ܷଵǡ௞ ൌ ‫׬‬௭ୀଶǡହ ‫݌‬௪ ݀‫ ݖ‬ൌ ͳͶ͸ǡͳ

Der Erddruck auf die gedachte Ankerwand ist nach EAB 2012 entsprechend EB 44 Abs. 8. mit
einem Erdruckneigungswinkel von ߜ௔ ൌ ߚ = 0° zu berechnen. Für die 2 Bodenschichten kön-
nen die folgenden Erddruckbeiwerte ermittelt werden:
ĺ ‫ܭ‬௔௚ǡଵ ൌ Ͳǡ͵͵͵
ĺ ‫ܭ‬௔௚ǡଶ ൌ Ͳǡʹ͹ͳ
190 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Bild 6-10 Porenwasserdrücke in den Schnittlinien (qualitativ)

Bei der Berechnung der effektiven Vertikalspannungen ist die Strömungskraft zu wie folgt zu
berücksichtigen:
ߪ ᇱ ൌ ሺߛ ᇱ ൅ ݅ ή ߛ௪ ሻ ή ο‫ݖ‬
mit:
ο௛
݅ൌ
ο௦ೕ

οு ଻ǡ଴଴௠
ο݄ ൌ ൌ ൌ Ͳǡͷ݉ - Differenz zwischen den Äquipotentiallinien
௡ ଵସ
ο‫ݏ‬௝ - Länge der Stromröhre zwischen den Äquipotentiallinien
j-1 und j, (grafisch ermittelt)

Weitere Erläuterungen zur Berücksichtigung des Strömungseinflusses können dem Abschnitt


5.4.2.1 entnommen werden. Die Berechnung der resultierenden Erddruckkräfte ist in Tabelle
6.13 zusammengefasst. Die veränderliche Einwirkung von pk = 10 kN/m² an der Geländeober-
fläche wurde vereinfachend den ständigen Einwirkungen zugerechnet.6

6
vgl. EAB 2012 EB 7
6.4 Nachweis der tiefen Gleitfuge (Ermittlung der Ankerlänge) 191

Tabelle 6.13 Ermittlung des Erddrucks Ea1,k im Schnitt in der fiktiven Ankerwand

z [m] γ/γ‘ [kN/m³] i [-] ı‘ [kN/m²] Kag eag Eag,i

0,00 21 - 10,0 0,333 3,3


30,2
2,50 21 - 62,5 0,333 20,8
97,0
6,00 11 0,08 103,8 0,333 34,6
6,00 11 0,08 103,8 0,271 28,1
66,3
8,11 11 0,08 128,6 0,271 34,8
™ = Ea1,k 193,5

Der Erddruck Ea2,k, der auf die Verbauwand wirkt, wurde bereits im Abschnitt 5.4.2.2 berech-
net und kann übernommen werden:
௞ே
‫ܧ‬௔ଶǡ௞ ൌ ͸ͷ͵ǡ͵͵ mit ߜ௠ ൌ ʹʹǡ͸ι

6.4.4 Zeichnen des Kraftecks und Führung des Nachweises


Nach dem alle angreifenden Kräfte zusammengestellt sind, kann das Krafteck nun gezeichnet
werden. Zu Beginn werden die lotrechten Kräfte aus Bodeneigengewicht Gk und der veränder-
lichen Auflast FQ1,k abgetragen. Am unteren Ende werden der Wasserdruck Ua,k und der
Erddruck Ea2,k auf der Verbauseite angetragen. Die Größe und die Wirkrichtung der Kräfte sind
bekannt. Anschließend wird die Wirkrichtung der Reibungskraft Qk an das Ende der Kraft Ea2,k
angetragen. Die Kraft Qk wirkt unter dem Winkel ijk zur Sohlnormalen. Am oberen Ende der
Kraft Gk werden der Erddruck Ea1,k und der Wasserdruck U1,k, die gemeinsam auf die gedachte
Ankerwand wirken, angetragen. Zum Schließen des Kraftecks sind noch der resultierende
Wasserdruck in der Sohlfläche Uk, der nach Größe und Wirkrichtung bekannt ist, und die mög-
liche Ankerkraft RA,cal einzuzeichnen.
Neben der grafischen Lösung ist natürlich auch eine rechnerische Lösung möglich. Es ist das
Kräftegleichgewicht in horizontaler und vertikaler Richtung zu bilden. Die einzelnen Kräfte
sind dabei in ihre Komponenten zu zerlegen. Daraus ergeben sich zwei Gleichungssysteme mit
den unbekannten RA,cal und Qk das zu lösen ist.
Aus der Konstruktion des Kraftecks ergibt sich eine mögliche charakteristische Ankerkraft
von:
௞ே
ܴ஺ǡ௖௔௟ ൎ ͹ͺͲ

Zum Nachweis der Verankerungslänge sind die Bemessungswerte der Einwirkungen und Wi-
derstände zu berechnen. Die Einwirkungen werden entsprechend der Verbauberechnung aus
Abschnitt 4.4.2.2 e) angesetzt und auf die Ankerneigung umgerechnet. Es sind im vorliegenden
Beispiel die Teilsicherheitsbeiwerte der Bemessungssituation BS-T anzuwenden:

(1, 20 ⋅ 273, 2 kN/m + 1, 30 ⋅174,9 kN/m ) 780 kN/m


Pd = ≤ = R A, d
cos 25° 1, 30
192 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Bild 6-11 Kräfte am freigeschnittenen Gleitkörper und Krafteck

612, 6 kN/m ≤ 600, 0 kN/m


ĺ μ = 1,02
Der formale Nachweis kann mit der gewählten Ankerlänge nicht erbracht werden, da der Aus-
nutzungsgrad 2 % zu hoch ist. Allerdings sind die Abweichungen in Anbetracht der händischen
Berechnungsweise mit dem Zeichnen des Strömungsnetzes und dem Abgreifen der Potentiale
vernachlässigbar klein.

6.5 Nachweis einer Ankerwand

6.5.1 Projektvorstellung und Ankerlasten


Im dritten Beispiel zum Thema Verankerungen soll eine Ankerwand als Alternative für die
Verankerung mittels Verpressankern überprüft werden. Hierzu werden oberhalb des Grund-
wasserspiegels in 2 m Tiefe unterhalb der Geländeoberkante schlaffe Stabstähle in Gräben
eingelegt. Diese werden dann mittels einer Spundwand, die bis in 4 m tiefe reicht, als Anker-
wand rückverankert.
Der Fokus des Beispiels liegt auf der Nachweisführung auf Grundlage von Berechnung des
Ankerwiderstands. Deshalb werden einige Vereinfachungen angenommen. Obwohl es sich um
ein nicht vorgespanntes System handelt, sollen weiterhin als Einwirkung die Ankerbeanspru-
chungen aus der Verbauberechnung nach Abschnitt 5.4.4.2 e) angesetzt werden. Damit vor der
6.5 Nachweis einer Ankerwand 193

Bild 6-12 Geometrie, Einwirkungen und Widerstände bei der Berechnung der Ankerwand

Ankerwand der volle Erdwiderstand mobilisiert werden kann, dürfen sich der aktive Gleitkeil
hinter der Verbauwand und der passive Gleitkeil der Ankerwand nicht überschneiden. Es wird
davon ausgegangen, dass die Ankerlänge ausreichend groß ist. Andernfalls entsteht der kombi-
nierte Bruchmechanismus der tiefen Gleitfuge, bevor der volle Erdwiderstand mobilisiert wird.

6.5.2 Berechnung der Erddrücke und Führen des Nachweises


Für die Berechnung der aktiven Erddruckbeiwerte ist der Wandreibungswinkel ߜ௔ ൌ ʹൗ͵ ߮Ԣ௞
anzusetzen:
ĺ K agh = 0, 279

Für durchlaufende Ankerwände ist zur Ermittlung des Erdwiderstands ‫ܧ‬௣ǡ௞ der Erddrucknei-
gungswinkel mit ߜ௣ ൌ Ͳ anzusetzen.
ĺ K pg = 3, 00

Fällt der Anker zur Ankerwand hin ab, ist die Neigung bzw. die daraus resultierende Vertikal-
komponente zu berücksichtigen. Es muss dann die Bedingung σ ܸ ൌ Ͳ eingehalten werden
(Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erdwiderstands, siehe Abschnitt 5.4.2.4).
Ggf. ist der Erddruckneigungswinkel auf einen positiven Wert zu erhöhen.
194 6 Berechnung von Verankerungen nach EC 7-1, Abschnitt 8

Tabelle 6.14 Ermittlung der Erddrücke auf die Ankerwand

z [m] eah,k [kN/m²] epg [kN/m²] Eagh,k [kN/m] Epg,k [kN/m]


0,00 2,79 0,0
25,3 196,9
2,50 17,44 157,5
29,6 273,4
4,00 22,04 207,0

¦ 54,9 407,3

Zum Nachweis der Ankerwand ist zu zeigen, dass die Bemessungswerte der Ankerbeanspru-
chung und des aktiven Erddrucks hinter der Wand geringer sind, als der Bemessungswert des
Erdwiderstands:
Ah,d + Eagh,d ≤ E ph,d

Für die Bemessung wird weiterhin die Bemessungssituation BS-T zugrunde gelegt:
1, 20 ⋅ 273, 2 kN/m + 1,30 ⋅174,9 kN/m + 1, 20 ⋅ 54,9 kN/m ≤ 407,3 kN/m / 1,30
621,1kN/m ≤ 313,3kN/m

Der Nachweis kann mit der gewählten Konstruktion nicht erfüllt werden. Es gibt zwei Mög-
lichkeiten die Konstruktion zu verändern:
a) Verlängerung der Ankerwand nach unten bei Beibehaltung der horizontalen Ankerlage.
Dabei wirkt die Ankerwand als eine Einspannung im Boden und wird analog dazu berech-
net (vgl. Abschnitt 5.4.1).
b) Verlängerung der Ankerwand nach unten und Anschluss des Ankers in der Wandmitte
unter entsprechender Neigung. Nachweis der Vertikalkomponente des mobilisierten Erd-
widerstands ist der Wandreibungswinkel ggf. zu erhöhen, was den passiven Erddruckbei-
wert deutlich abmindert.
Beide Änderungsvorschläge würden zu einer Verlängerung der Spundwand und zu höheren
Biegemomenten führen. Die Ansätze werden nicht weiter verfolgt.
6.6 Literatur und Quellen 195

6.6 Literatur und Quellen


[1] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[2] Handbuch Eurocode 7 Geotechnische Bemessung - Band 1: Allgemeine Regeln, Vom
DIN autorisierte konsolidierte Fassung, Hrsg.: DIN e.V., 1. Auflage, Beuth, 2011
[3] DIN EN 1997-1:2009-09 Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der
Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 +
AC:2009
[4] DIN EN 1997-1/NA:2010-12 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter –
Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allge-
meine Regeln
[5] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergän-
zende Regelungen zu DIN EN 1997-1
[6] Empfehlungen des Arbeitskreises „Baugruben“ EAB, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für
Geotechnik e.V. (DGGT), 5. Auflage, Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[7] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
[8] DIN EN 1537:2001-01 Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau - Verpressanker
[9] DIN SPEC 18537:2012-02 Ergänzende Festlegungen zu DIN EN 1537:2001-01, Aus-
führung von besonderen geotechnischen Arbeiten (Spezialtiefbau) – Verpressanker
[10] DIN 21521-1:1990-07 Gebirgsanker für den Bergbau und den Tunnelbau; Begriffe
[11] DIN 4125:1990-11 Verpressanker - Kurzzeitanker und Daueranker - Bemessung, Aus-
führung und Prüfung
[12] Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen
EAU 2012, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT), 11. Auflage,
Ernst & Sohn, Berlin, 2012.
[13] Empfehlungen des Arbeitsausschusses „Ufereinfassungen“ Häfen und Wasserstraßen
EAU 2004, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Geotechnik e.V. (DGGT), 10. Auflage,
Ernst & Sohn, Berlin, 2005.
[14] Kranz, E.: Über die Verankerung von Spundwänden, Verlag Ernst & Sohn, Berlin, 1953
197

7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1,


Abschnitt 11

Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Franziska Herzog

7.1 Allgemeines
Der Nachweis der Gesamtstandsicherheit ist bei Böschungen, Hängen und Geländesprüngen zu
führen, um das Versagen durch einen Böschungs- oder Geländebruch auszuschließen. Der
Versagenszustand ist durch das Überschreiten des Scherwiderstands des Bodens und des Wi-
derstands eventuell vorhandener Bauteile gekennzeichnet. Der Nachweis der Gesamtstandsi-
cherheit ist auch bei durch Stützkonstruktionen gesicherten Geländesprüngen zu führen.

7.2 Normenüberblick
Vor Beginn einer Nachweisführung ist die Komplexität der baulichen Anlage und des Bau-
grunds zu beurteilen. Anhand DIN 10541 werden diese in Geotechnische Kategorien eingestuft,
welche die Mindestanforderungen der geotechnischen Berechnung vorgeben.
So dürfen einfache geböschte Baugruben und nicht verbaute Gräben bei Einhaltung der Krite-
rien nach DIN 41242 der Geotechnischen Kategorie GK 1 zugeordnet werden und der Nach-
weis der Standsicherheit darf entfallen. Es müssen dazu unter anderem definierte Böschungs-
winkel und Randabstände für Baugeräte eingehalten werden. Einschränkungen ergeben sich
z. B. sobald Zufluss von Schichtenwasser zu erwarten ist, Grundwasserabsenkung mit offener
Wasserhaltung vorgesehen ist oder Störungen des Bodengefüges auftreten.
Die Gesamtstandsicherheit nach EC 7-13 ist nachzuweisen, wenn die in DIN 4124 genannten
Bedingungen nicht eingehalten werden, die Böschung höher als 5 m ist oder die Standsicher-
heit von vorhandenen Gebäuden gefährdet werden kann. Werden Böschungen, Hänge oder
Geländesprünge in die Geotechnische Kategorie GK 2 oder GK 3 eingestuft, so ist die Gesamt-
standsicherheit nachzuweisen.
Für die Nachweisführung der Gesamtstandsicherheit werden mehrere Normen gleichzeitig
benötigt (siehe Bild 7-1). EC 7-1 legt in Abschnitt 11.5.1 die Grenzzustände der Tragfähigkeit
GEO und STR für die Berechnung der Standsicherheit von Böschungen inklusive vorhandener
Tragwerke fest. Es wird in einer Anmerkung darauf verwiesen, dass die Zahlenwerte der Teil-
sicherheitsbeiwerte im nationalen Anhang4 festgelegt werden dürfen.
Für die Grenzzustände GEO und STR werden in EC 7-1 drei Nachweisverfahren angegeben.
Der nationale Anhang legt fest, dass der Nachweis der Gesamtstandsicherheit mit dem Nach-
weisverfahren 3 (GEO-3) zu führen ist. Weiterhin wird für die Zahlenwerte der Teilsicher-

1
Ohne zusätzliche Angaben ist damit DIN 1054:2010-12 gemeint [4]
2
Die Angabe bezieht sich immer auf DIN 4124:2012-01 [8]
3
Die Angabe bezieht sich immer auf DIN EN 1997-1:2009-09 [9]
4
Die Angabe bezieht sich immer auf DIN EN 1997-1/NA:2010-12 [10]

C. Boley (Hrsg.), Geotechnische Nachweise und Bemessung nach EC 7 und DIN 1054,
DOI 10.1007/978-3-658-07842-3_7, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2015
198 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

heitsbeiwerte auf DIN 1054 verwiesen. Entsprechend dem nationalen Anhang ist schließlich
der Nachweis der Gesamtstandsicherheit nach DIN 40845 durchzuführen.
In DIN 1054 werden in einzelnen Tabellen die Zahlenwerte der Teilsicherheitsbeiwerte für die
Einwirkungen und Beanspruchungen, für die geotechnischen Kenngrößen und für die Wider-
stände angegeben. Ferner befinden sich in DIN 1054 Abschnitte mit ergänzenden Regelungen
zur Gesamtstandsicherheit, speziell zu den Themen Anwendungsbereich, Geotechnische Kate-
gorie und Grenzzustand der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit. Nachdem der EC 7-1
keine Angaben zu konstruktiven Böschungssicherungen macht, versucht die DIN 1054 mit
einem separaten Unterkapitel unter dem Abschnitt Zu „11 Gesamtstandsicherheit“ diese Rege-
lungslücke zu schließen.
Der eigentliche Ablauf des Nachweises der Gesamtstandsicherheit erfolgt dann nach
DIN 4084. Dort werden auch die Einwirkungen und Widerstände definiert, die Bruchmecha-
nismen aufgelistet und die einzelnen Berechnungsverfahren beschrieben. Die Ermittlung der
Bemessungswerte der Einwirkungen und Widerstände ist durch EC 7-1, nationalen Anhang
und DIN 1054 festgelegt. Die Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach DIN 4084 erfolgt
dann mit den ermittelten Bemessungswerten.

Bild 7-1 Normenüberblick

Die Führung des Nachweises der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1 mit nationalem Anhang,
DIN 1054:2010-12 und DIN 4084 hat sich im Vergleich zum Nachweis nach der Vorgänger-
norm DIN 1054:2005-01 [3] und DIN 4084 nicht geändert. Die Bemessungssituation GEO-3
entspricht dem ehemaligen Grenzzustand GZ 1C und es sind die zugeordneten Zahlenwerte der
Teilsicherheitsbeiwerte gleich geblieben. In Kapitel 7.5 werden einige zusätzliche Reglungen
des EC 7-1 aufgeführt.

5
Die Angabe bezieht sich immer auf DIN 4084:2009-01 [5]
7.2 Normenüberblick 199

7.2.1 Anwendungsbereich
Die Angaben des EC 7-1 gelten für die Gesamtstandsicherheit und Bewegungen im Untergrund
bei Fundamenten, Stützbauwerken, Hängen, Dämmen oder Baugruben. In DIN 1054 wird die
Aufzählung ergänzt und konkretisiert. Der Abschnitt 11 des EC 7-1 gilt somit für:
௅ Hänge, Böschungen, Dämme
௅ Nichtverankerte Stützbauwerke und nicht gestützte, eingespannte Wände
௅ Verankerte Stützwände
௅ Konstruktive Böschungssicherungen
Das im EC 7-1 beschriebene Nachweisverfahren der Berechnung der Gesamtstandsicherheit
wird einerseits für den Nachweis der Sicherheit gegen Böschungs- oder Geländebruch verwen-
det. Andererseits wird das Verfahren entsprechend DIN 1054 auch benutzt um bei konstrukti-
ven Böschungssicherungen die Beanspruchung der Sicherungselemente zu ermitteln.

7.2.2 Teilsicherheitsbeiwerte
In den folgenden Tabellen 7.1 bis 7.3 sind die Zahlenwerte der Teilsicherheitsbeiwerte für die
Gesamtstandsicherheit aus DIN 1054:2010-12 angegeben [4]. Sie entsprechen ferner denen, die
in DIN 1054:2005-01 definiert wurden. Es haben sich lediglich die Bezeichnungen für die
Grenzzustände und für die Bemessungssituationen bzw. Lastfälle verändert.
Entsprechend dem Nachweisverfahren GEO-3 werden die Teilsicherheitsbeiwerte auf die Ein-
wirkungen oder Beanspruchungen des Tragwerks und auf die Baugrund-Kenngrößen ange-
wendet. Der Widerstand des Bodens wird demnach mit den Bemessungswerten der Schwerfes-
tigkeit bestimmt.

Tabelle 7.1 Teilsicherheitsbeiwerte für Einwirkungen und Beanspruchungen für GEO-3

Formel- Bemessungssituation
Einwirkung bzw. Beanspruchung
zeichen BS-P BS-T BS-A

Ständige Einwirkungen ߛீ 1,00 1,00 1,00


Ungünstige veränderliche Einwirkungen ߛொ 1,30 1,20 1,00

Tabelle 7.2 Teilsicherheitsbeiwerte für geotechnische Kenngrößen für GEO-3

Formel- Bemessungssituation
Bodenkenngröße
zeichen BS-P BS-T BS-A

Reibungsbeiwert –ƒ ߮Ԣ des dränierten


Bodens und Reibungsbeiwert –ƒ ߮௨ ߛఝᇱ ǡ ߛఝ௨ 1,25 1,15 1,10
des undränierten Bodens
Kohäsion ܿԢ des dränierten Bodens und
Scherfestigkeit ܿ௨ des undränierten ߛ௖ᇱ ǡ ߛ௖௨ 1,25 1,15 1,10
Bodens
200 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Tabelle 7.3 Teilsicherheitsbeiwerte für Widerstände

Formel- Bemessungssituation
Bodenkenngröße
zeichen BS-P BS-T BS-A

STR und GEO-2


Herausziehwiderstände
- Boden- bzw. Felsnägel ߛ௔ 1,40 1,30 1,20
- Verpresskörper von Verpressankern ߛ௔ 1,10 1,10 1,10
- Flexible Bewehrungselemente ߛ௔ 1,40 1,30 1,20
GEO-3
Scherfestigkeit:
- siehe Tabelle 7.2
Herausziehwiderstände:
- siehe STR und GEO-2

7.2.3 DIN 4084:2009-01 Beschreibung der Nachweisverfahren


Die aktuelle Fassung von DIN 4084:2009-01 bezieht sich noch auf DIN 1054:2005-01, dies
äußert sich jedoch nur im Kapitel „1 Anwendungsbereich“, wenn der Gesamtstandsicherheits-
nachweis anstatt nach nun GEO-3 noch nach GZ 1C nachzuweisen ist. Auf die weiteren Rege-
lungen und die Berechnungsverfahren nach DIN 4084 hat die Einführung von EC 7-1 und
DIN 1054:2010-12 jedoch keine Auswirkung. Das aktuelle Beiblatt DIN 4084 Bbl 1:2012-07
[6] regelt klar, dass der Nachweis gegen Böschungs- und Geländebruch nach dem Nachweis-
verfahren GEO-3 des EC 7-1 zu führen ist.
In DIN 4084 finden sich die detaillierten Regelungen zur Ermittlung des Grenzzustands der
Tragfähigkeit für den ebenen Fall. Bei einem Böschungs- oder Geländebruch tritt das Versagen
durch das Überschreiten des Scherwiderstands des Bodens ein. Dieses wird idealisiert durch
das Abrutschen von starren Körpern auf einer Gleitfläche, in welcher die Scherfestigkeit des
Bodens überschritten wird. Im ebenen Fall handelt es sich dabei um eine Gleitlinie. Der zu-
grundeliegende Bruchmechanismus, und damit die Form der Gleitline und der Bruchkörper,
sind dabei nicht vorgegeben. Entsprechend DIN 4084 und EC 7-1 sind für die Beurteilung der
Böschungsbruchsicherheit alle in Frage kommenden Versagensformen zu untersuchen.
DIN 4084 gibt für verschiedene Bruchmechanismen einzelne Berechnungsverfahren vor. Es
wird unterschieden, ob es sich um einen Bruchkörper oder mehrere Bruchkörper handelt. Ein
Bruchkörper könnte sich dabei auf einer geraden Gleitlinie bewegen, einer kreisförmigen oder
einer beliebig einsinnig gekrümmten Gleitlinie. Können mehrere Bruchkörper entstehen, dann
handelt es sich um zusammengesetzte Bruchmechanismen, denen gerade Gleitlinien unterstellt
werden (Bild 7-2).
7.3 Beispielaufgaben 201

Bild 7-2 Verschiedene Bruchmechanismen nach DIN 4084: a) gerade Gleitlinie, b) kreisförmige
Gleitlinie, c) beliebig einsinnig gekrümmte Gleitlinie, d) zusammengesetzte Bruchmechanismen
(nach [5])

Der Nachweis der Gesamtstandsicherheit erfolgt über den Vergleich der Bemessungswerte der
Einwirkungen mit den Bemessungswerten der Widerstände. Im Rahmen der einzelnen Berech-
nungsverfahren werden entweder die resultierenden Momente der Einwirkungen und Wider-
stände oder die resultierenden Kräfte miteinander verglichen.
E d ≤ R d oder E M ,d ≤ R M ,d bzw. (7.1)
E d = R d ⋅ μ oder E M , d = R M , d ⋅ μ (7.2)

7.3 Beispielaufgaben

7.3.1 Beispiel 1: nichtbindiger Boden, keine Schichtung, kein Grund-


wasser
Es soll anhand einer einfachen Böschung das Berechnungsverfahren GEO-3 verdeutlicht wer-
den. Für die in Bild 7-3 dargestellte Böschung soll in der Bemessungssituation BS-P die Ge-
samtstandsicherheit nachgewiesen werden.
202 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Bild 7-3 Böschung in nichtbindigem Boden ohne Grundwasser

Bevor die eigentliche Berechnung beginnen kann ist es erforderlich, die Bemessungswerte von
Einwirkung und Widerstand zu ermitteln. Bei diesem Beispiel sind nur das Eigengewicht und
die Scherfestigkeit des Bodens zu berücksichtigen.
Teilsicherheitsbeiwerte für BS-P in GEO-3:
Ständige Einwirkungen: ߛீ ൌ ͳǡͲ
Reibungsbeiwert: ߛఝᇲ ൌ ͳǡʹͷ
Der Bemessungswert des Reibungswinkels ermittelt sich mit der Gleichung A (2.2a) nach
DIN 1054:
tanϕ k′
tanϕ d′ = . (7.3)
γ ϕ′
Damit ergibt sich für den Bemessungswert des Reibungswinkels:
୲ୟ୬ ଷ଻ǡହι
–ƒ ߮ௗᇱ ൌ  ՜ ߮ௗᇱ ൌ ͵ͳǡͷι.
ଵǡଶହ

Die betrachtete Böschung befindet sich in homogenem kohäsionslosem Boden ohne sonstige
Einwirkungen. Für diesen speziellen Fall fällt die ungünstigste Gleitfläche mit der Böschungs-
oberfläche zusammen. Es handelt sich somit um einen Bruchmechanismus mit gerader Gleitli-
nie. In DIN 4084 finden sich für diesen Fall im Abschnitt „Böschungsparallele gerade Gleitli-
nie“ die Formeln für die Beanspruchung und den Widerstand.
Für eine betrachtete Volumeneinheit ergibt sich als Beanspruchung aus dem Eigengewicht eine
hangabwärts gerichtete Kraft. Zusätzlich wirkt infolge des vertikalen Eigengewichts auch eine
Normalkomponente des Eigengewichts auf die Gleitlinie, durch welche infolge der Scherfes-
tigkeit des Bodens eine Reibungskraft mobilisiert werden kann. Diese Kraft wirkt einer mögli-
chen Bewegung entgegen und gehört zum Widerstand.
Beanspruchung: E d = γ G ⋅ γ ⋅ sin β (7.4)
Widerstand: Rd = γ G ⋅ γ ⋅ cos β ⋅ tan ϕ d′ (7.5)
Der Ausnutzungsgrad der Böschung berechnet sich aus dem Verhältnis von Beanspruchung
und Widerstand. Durch Vereinfachung der Gleichung zeigt sich, dass die Standsicherheit der
Böschung gegeben ist, wenn der Böschungswinkel ߚ kleiner als der Bemessungswert des Rei-
bungswinkels ist.
7.3 Beispielaufgaben 203

γ G ⋅ γ ⋅ sin β tan β
μ= = (7.6)
γ G ⋅ γ ⋅ cos β ⋅ tan ϕ d′ tan ϕ d′
୲ୟ୬ ଶ଺ǡ଺ι
ߤൌ ൌ Ͳǡͺʹ
୲ୟ୬ ଷଵǡହι

Mit einem Ausnutzungsgrad von 82 % kann die Gesamtstandsicherheit der Böschung nachge-
wiesen werden.
Nach DIN 4084 darf bei oberflächennahen Gleitlinien in nichtbindigem Boden der Bemes-
sungswert des Reibungswinkels erhöht werden. Einerseits ist das Schadenspotential bei ober-
flächennahen Gleitlinien geringer als bei tiefliegenden und andererseits können durch die Er-
höhung des Reibungswinkels eventuell tieferliegende Gleitlinien mit ähnlichem Ausnutzungs-
grad, aber höherem Schadenspotential aufgedeckt werden. Bis zu einer Tiefe von 1 m normal
zur Böschungsoberfläche darf die Erhöhung 15 % betragen. Ab einer Tiefe von 1 m bis 2,5 m
geht die Erhöhung linear von 15 % auf 0 % zurück (Bild 7-4).

Bild 7-4 Erhöhung des Bemessungswerts des Reibungswinkels nach DIN 4084 und veränderte
maßgebende Gleitlinie

Die beschriebene Erhöhung des Reibungswinkels führt bei diesem Beispiel zu der in Bild 7-4
unten dargestellten tieferen maßgebenden Gleitlinie, welche natürlich einen geringen Ausnut-
zungsgrad aufweist.
204 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

7.3.2 Beispiel 2: geschichteter Boden, kein Grundwasser


In einem zweiten Beispiel soll die gleiche Böschungsgeometrie bei geschichtetem Boden un-
tersucht werden. Unter einer 4 m dicken Sandschicht (gleiche Bodenparameter wie Beispiel 1)
befindet sich eine 4 m dicke Schluffschicht, welche eine Kohäsion von ܿԢ௞ ൌ ͳͲȀ; auf-
weist. Zusätzlich wird eine Verkehrslast von 20 kN/m² berücksichtigt.

Bild 7-5 Böschung in geschichtetem Boden mit Auflast

Lamellenverfahren bei kreisförmiger Gleitlinie


Bezüglich möglicher Bruchmechanismen heißt es im EC 7-1, dass in der Regel kreisförmige
Gleitflächen angenommen werden sollten, wenn der Baugrund relativ homogen und isotrop ist.
Auch nach DIN 4084 genügt es in vielen Fällen einen Kreis als Gleitlinie zu wählen.
Es soll daher zuerst ein Bruchkörper auf kreisförmiger Gleitlinie untersucht werden. Die Ge-
samtstandsicherheit wird mittels des Lamellenverfahrens und den in DIN 4084 angegebenen
Gleichungen überprüft. Der Nachweis erfolgt dabei mittels der resultierenden Momente der
Einwirkungen und Widerstände um den Kreismittelpunkt der Gleitlinie. Die resultierenden
Momente berechnen sich aus der Summe der Momente jeder einzelnen Lamelle i um den
Kreismittelpunkt. Zu beachten ist, dass die Gleichungen in DIN 4084 durchgehend für die
Bemessungswerte von Einwirkungen, Beanspruchungen oder Widerständen gelten, so dass der
Index d nicht extra angegeben wird.
Einwirkungen: E M = r ⋅ ¦ (Gi + Pvi ) ⋅ sin ϑi + ¦ M s (7.7)
i

Widerstände: RM = r ⋅ ¦
(Gi + Pvi − bi ⋅ ui ) ⋅ tan ϕ i + bi ⋅ ci (7.8)
i
cos ϑi + μ ⋅ tan ϕ i ⋅ sin ϑi

EM
Die Standsicherheit ist nachgewiesen, wenn beim Einsetzen von μ = 1 sich ≤ 1 ergibt.
RM
Der Ausnutzungsgrad ermittelt sich iterativ entsprechend der folgenden Gleichung:
7.3 Beispielaufgaben 205

r ⋅ ¦ (Gi + Pvi ) ⋅ sin ϑi + ¦ M s


E i
μ= M = . (7.9)
RM
r ⋅¦
(Gi + Pvi − bi ⋅ ui ) ⋅ tan ϕ i + bi ⋅ ci
i
cosϑi + μ ⋅ tan ϕ i ⋅ sin ϑi

Es sind zur Bestimmung des maßgebenden Gleitkreises verschiedene Gleitkreise zu untersu-


chen und deren Ausnutzungsgrade zu vergleichen. Daher erfolgt die Berechnung überwiegend
computergestützt. Zur Verdeutlichung der in den jeweiligen Programmen ablaufenden Rechen-
schritte, wird die Standsicherheit der vorliegenden Böschung für einen gewählten Gleitkreis
mittels Handrechnung überprüft. Bild 7-6 zeigt den in Lamellen unterteilten Bruchkörper.

Bild 7-6 Gewählte Bruchfigur für Handrechnung

In Tabelle 7-4 sind für die Bemessungssituation BS-P die Bemessungswerte der Scherparame-
ter der Schichten angegeben, die sich mittels Gleichung 7.3 bzw. 7.10 berechnen.
Tabelle 7.4 Bodenparameter für Beispiel 2 und 3

Bodenparameter Schicht 1 Schicht 2

ߛ 22 kN/m³ 20 kN/m³
ߛ௥ 21 kN/m³
߮Ԣ௞ 37,5 ° 20 °
߮Ԣௗ 31,5 ° 16,2 °
ܿԢ௞ 0 kN/m² 10 kN/m²
ܿԢௗ 0 kN/m² 8 kN/m²
206 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

c' k
Bemessungswert der Kohäsion nach DIN 1054 Formel A (2.2b): c' d = (7.10)
γ c'
Bevor die Momente der Einwirkungen und Widerstände der einzelnen Lamellen anhand einer
Tabelle berechnet werden, ist zu klären, inwiefern die auf die Lamellen wirkende Auflast anzu-
setzen ist. In DIN 4084 befindet sich dazu die in Bild 7-7 gezeigte Abbildung.

Bild 7-7 Ansatz der Auflast nach DIN 4084


Bild 4

Der Ansatz der Auflast erfolgt erst ab einem Abstand von r ⋅ sin ϕ ' d vom Kreismittelpunkt.
Damit wird gewährleistet, dass der „treibende Beitrag“ der Auflast größer ist als der „haltende
Beitrag“. Wird dieser Abstand über geometrische Beziehungen umgesetzt auf die einzelnen
Lamellen, dann bedeutet das, dass der Neigungswinkel der Gleitlinie der Lamelle ϑ größer
sein muss als der Bemessungswert des Reibungswinkels in der Gleitebene. Andernfalls würde
die Auflast günstig wirken.
Zur besseren Übersichtlichkeit werden anhand von Tabelle 7.5 die Momente der Einwirkungen
(Spalte 11) und Widerstände (Spalte 12) von Lamelle 1 bis 15 berechnet.
Zu Beginn wird das Eigengewicht einer Lamelle ‫ܩ‬௜ǡௗ (Spalte 4) bestimmt. Dazu werden die
Flächen benötigt, die die jeweilige Lamelle an Schicht 1 ‫ܣ‬௜ǡଵ bzw. Schicht 2 ‫ܣ‬௜ǡଶ hat. Mittels
der Wichten ߛଵ und ߛଶ der beiden Schichten kann das Eigengewicht berechnet werden:
Eigengewicht: Gi ,d = γ G ⋅ ( Ai ,1 ⋅ γ 1 + Ai , 2 ⋅ γ 2 ) . (7.11)
Der Bemessungswert der Auflast auf einer Lamelle ܲ௩௜ǡௗ bestimmt sich aus der Lamellenbreite
ܾ௜ (Spalte 7), der Flächenlast q und dem Teilsicherheitsbeiwert:
Auflast: Pvi,d = γ Q ⋅ (bi ⋅ q) . (7.12)

Für jede Lamelle muss überprüft werden, ob der Neigungswinkel der Gleitlinie der Lamelle ߴ௜
(Spalte 8) größer ist als der Bemessungsreibungswinkel ߮Ԣ௜ǡௗ in der Gleitebene, nur dann darf
die Auflast in der Berechnung angesetzt werden.
In Spalte 6 würden bei Vorhandensein von Wasser die Porenwasserdrücke ‫ݑ‬௜ǡௗ eingetragen
werden. In Spalte 9 ist die Kohäsion ܿԢ௜ǡௗ in der Gleitlinie der jeweiligen Lamelle eingetragen.
7.3 Beispielaufgaben 207

Anhand der zusammengetragenen Größen und dem Radius ‫ ݎ‬ൌ ͳͺǡͺ͸݉ des betrachteten
Gleitkreises kann über Gleichung 7.13 das Moment der Einwirkungen (Spalte 11) und mit
Gleichung 7.14 und einem Startwert von ߤ ൌ ͳ das Moment des Widerstands (Spalte 12) be-
rechnet werden.
Einwirkungen: E i , M ,d = r ⋅ (Gi ,d + Pvi,d ) ⋅ sin ϑi (7.13)

Widerstand: Ri, M ,d = r ⋅
(Gi,d + Pvi,d − bi ⋅ ui,d )⋅ tan ϕ 'i,d +bi ⋅ c'i,d (7.14)
cos ϑi + μ ⋅ tan ϕ 'i ,d ⋅ sin ϑi

Tabelle 7.5 Berechnung der Momente der Einwirkungen und Widerstände, ߤ ൌ ͳ

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Lamelle Ai,1 Ai,2 Gi,d Pvi,d ui,d bi ੥i c'i,d ij'i,d
Ei,M,d Ri,M,d
Nr. [m²] [m²] [kN/m] [kN/m] [kN/m²] [m] [°] [kN/m²] [°]

1 0,0 0,9 17,25 0 0 1,61 -9,6 8 16,2 -54,3 360,2

2 0,0 1,9 38,23 0 0 1,31 -5,1 8 16,2 -64,1 420,2

3 0,0 2,9 57,25 0 0 1,31 -1,1 8 16,2 -20,7 515,0

4 0,0 3,7 73,87 0 0 1,31 2,9 8 16,2 70,5 595,3

5 0,0 4,4 88,10 0 0 1,31 6,9 8 16,2 199,6 663,1

6 0,0 4,4 87,73 0 0 1,16 10,6 8 16,2 304,4 633,7

7 0,5 5,5 122,36 0 0 1,46 14,7 8 16,2 585,6 857,0

8 1,4 4,4 118,53 0 0 1,31 19,1 8 16,2 731,5 815,8

9 2,2 3,7 124,02 0 0 1,31 23,4 8 16,2 929,0 850,3

10 3,1 2,9 126,41 0 0 1,31 27,8 8 16,2 1.111,9 874,0

11 4,0 1,9 125,33 0 0 1,31 32,4 8 16,2 1.266,5 885,6

12 4,8 0,7 119,40 0 0 1,31 37,3 8 16,2 1.364,6 878,0

13 4,5 0,0 99,73 34,3 0 1,32 42,5 0 31,5 1.708,1 1.347,2

14 2,8 0,0 60,97 34,1 0 1,31 48,2 0 31,5 1.336,0 978,7

15 0,7 0,0 15,46 26,3 0 1,01 53,8 0 31,5 634,9 444,7


Summe
10.103,5 11.118,7
EM,d und RM,d

Der Ausnutzungsgrad der Böschung ermittelt sich über das Verhältnis der Summen von ein-
wirkenden und widerstehenden Momenten:
ாಾǡ೏ ଵ଴Ǥଵ଴ଷǡହ
1. Iteration mit ߤ ൌ ͳ: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ ൌ Ͳǡͻͳ ,
ோಾǡ೏ ଵଵǤଵଵ଼ǡ଻
ாಾǡ೏
2. Iteration mit ߤ ൌ Ͳǡͻͳ: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ Ͳǡͺͻ .
ோಾǡ೏

Bei der 3. Iteration wird der Ausnutzungsgrad von ߤ ൌ Ͳǡͺͻ bestätigt. Die Gesamtstandsicher-
heit ist damit nachgewiesen.
Zum Vergleich wurde die Ausnutzung der Böschung mit dem Programm GGU-Stability Versi-
on 10 berechnet. Es muss dazu zu Beginn auch eine Vorauswahl der Bruchfigur und des Ver-
fahrens getroffen werden (hier „Bishop (Kreise / Lamellen)“). Anschließend müssen Kreismit-
208 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Bild 7-8 Berechnungsergebnis von GGU-


Stability, maßgebender Gleitkreis

telpunkte definiert werden, für welche die Ausnutzung berechnet wird, um unter den definier-
ten Gleitkreisen denjenigen mit dem Ausnutzungsmaximum auffinden zu können.
Bei einer Anzahl von 30 Lamellen ergaben sich der maßgebende Gleitkreis mit einem Radius
von ‫ ݎ‬ൌ ͳͺǡͺ͸݉ und der Ausnutzungsgrad zu ߤ ൌ ͲǡͻͲ (Bild 7-8). Die geringe Abweichung
zur Handrechnung resultiert aus der feineren Lamelleneinteilung im Programm und der höhe-
ren Genauigkeit der Berechnung.

Zusammengesetzte Bruchmechanismen: Verfahren mit inneren Gleitlinien


Es sind für die betrachtete Böschung grundsätzlich auch andere Bruchmechanismen denkbar.
Im Folgenden wird das Berechnungsverfahren der zusammengesetzten Bruchmechanismen mit
inneren Gleitlinien zum Nachweis der Gesamtstandsicherheit vorgestellt. Im Unterschied zum
Lamellenverfahren mit kreisförmiger Gleitlinie werden bei dem Verfahren mit inneren Gleitli-
nien haltende und treibende Kräfte gegenübergestellt anstatt Momente.
Beim Verfahren mit inneren Gleitlinien setzt sich der Bruchmechanismus aus einzelnen starr
angenommenen Gleitkörpern zusammen. Es ist in der Regel ausreichend maximal 4 Gleitkör-
per zu betrachten [5]. Bei Überschreiten des Scherwiderstands des Bodens tritt das Versagen
durch Abrutschen dieser Körper auf geraden äußeren Gleitlinien auf. Zwischen den einzelnen
Gleitkörpern befinden sich die inneren Gleitlinien, an denen die Wechselwirkungen der einzel-
nen Bruchkörper berücksichtigt werden.
Der Nachweis der Gesamtstandsicherheit beim Verfahren mit inneren Gleitlinien nach
DIN 4084 ist erbracht, wenn durch Hinzufügen einer in antreibender Richtung wirkenden Zu-
satzkraft Gleichgewicht hergestellt werden kann.
In Bild 7-9 sind für die betrachtete Böschung ein Bruchmechanismus aus 3 einzelnen Gleitkör-
pern sowie die daran angreifenden Kräfte dargestellt. Als Einwirkungen sind das Eigengewicht
G und die Auflast P zu berücksichtigen. Aufgrund der Einwirkungen und der möglichen Be-
wegung der Gleitkörper, werden in den Gleitlinien Normalkräfte und Scherwiderstände er-
zeugt. Die resultierende Kraft in der Gleitfuge aus Normalkraft und Reibungskraft wird als
Reaktionskraft Q bezeichnet. Bei voller Mobilisierung wirkt sie unter dem Winkel ߮Ԣௗ zur
Normalen auf der Gleitlinie. Bei Vorhandensein einer Kohäsion wirkt in der Gleitfuge eine
Kohäsionskraft C. Reaktionskraft Q und Kohäsionskraft C wirken der Bewegung des jeweili-
gen Körpers entgegen.
7.3 Beispielaufgaben 209

Bild 7-9 Anzusetzende


Kräfte beim Verfahren
mit inneren Gleitlinien
(Bezeichnungen der
Kräfte ohne Index d)

Bevor das Gleichgewicht der wirkenden Kräfte betrachtet werden kann, ist es erforderlich die
Wirkungsrichtung der Widerstände (Ci,d, Qi,d und Cij,d, Qij,d) zu bestimmen. Bei diesem Beispiel
ist die Bewegungsrichtung der Gleitkörper entlang der äußeren Gleitlinie gut erkennbar. Jedoch
ist schon an den inneren Gleitlinien nicht mehr ganz deutlich, wie sich die Gleitkörper relativ
zueinander bewegen.
Eine praktische Hilfe ist dabei der Verschiebungsplan (oder auch Geschwindigkeitsplan ge-
nannt). Anhand dessen wird die Bewegung der Gleitkörper zueinander deutlich (Bild 7-10).
Zuerst werden dazu von einem Punkt aus die Neigungen der äußeren Gleitlinien (v1 bis v3)
strahlenartig angetragen. Um die Relativbewegung von Körper 2 und Körper 3 zu bestimmen
wird anschließend an einem belieben Punkt auf Strahl v3 die Neigung der inneren Gleitlinie
zwischen Körper 2 und 3 angetragen, so dass sie den Strahl v2 schneidet. Die Richtung des so
entstandenen Pfeils v23 verdeutlicht die Relativverschiebung von Körper 2 zu Körper 3, d.h.
dass sich Körper 2 in Bezug auf Körper 3 nach oben schiebt. Entsprechend der Bewegung
entgegengesetzt ist die auf Körper 2 wirkende Reaktionskraft Q23,d anzutragen. Analoges gilt
für die Bewegung von Körper 1 und 2. Bild 7-11 veranschaulicht die Bewegungen der Gleit-
körper.

Bild 7-10 Verschiebungsplan Bild 7-11 Verschobene Gleitkörper nach GGU-


Stability
210 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Die einwirkenden und widerstehenden Kräfte können anhand der zugehörigen Flächen bzw.
Längen berechnet werden. Da die Kräfte in der Ebene berechnet werden beziehen sich alle auf
den laufenden Meter Böschung. Es sind für alle Kräfte die Bemessungswerte zu bestimmen.
Die Gewichtskräfte ermitteln sich aus den Flächenanteilen der Gleitkörper an den jeweiligen
Schichten Ai,1 und Ai,2 und den zugehörigen Wichten (Ȗ1 und Ȗ2) (Bild 7-12):
‫ܩ‬௜ǡௗ ൌ ߛீ ή ൫‫ܣ‬௜ǡଵ ή ߛଵ ൅ ‫ܣ‬௜ǡଶ ή ߛଶ ൯ǡ (7.15)
௞ே ௞ே
‫ܩ‬ଵǡௗ ൌ ͳǡͲ ή ቀ͹ǡͲͻ݉ଶ ή ʹͲ ቁ ൌ ͳͶͳǡͺ ǡ
௠య ௠
௞ே ௞ே ௞ே
‫ܩ‬ଶǡௗ ൌ ͳǡͲ ή ቀͳ͸ǡ͵ͳ݉ଶ ή ʹͲ ൅ ͳͲǡʹ͹݉ଶ ή ʹʹ ቁ ൌ ͷͷʹǡͳ ǡ
௠య ௠య ௠
௞ே ௞ே
‫ܩ‬ଷǡௗ ൌ ͳǡͲ ή ቀͷǡ͵͵݉ଶ ή ʹʹ ቁ ൌ ͳͳ͹ǡ͵ Ǥ
௠య ௠

Bild 7-12 Längen und Flä-


chen der Gleitkörper

Die Verkehrslast berechnet sich aus dem auf Gleitkörper 3 wirkenden Anteil der Flächenlast.
Da auch hier der Neigungswinkel der äußeren Gleitlinie von Körper 3 größer ist als der Be-
messungswert des Reibungswinkels von Schicht 1 wirkt die Auflast ungünstig und ist anzuset-
zen.
௞ே ௞ே
ܲଷǡௗ ൌ ߛொ ή ‫ ݍ‬ή ͳǡͳ݉ ൌ ͳǡ͵ ή ʹͲ
௠మ
ή ͳǡͳ݉ ൌ ʹͺǡ͸


Die Kohäsionskräfte Ci,d und Cij,d an den Gleitlinien in Schicht 2 werden aus dem Bemes-
sungswert der Kohäsion und der Länge der jeweiligen Gleitlinie ermittelt. Bei den inneren
Gleitlinien steht dabei der Index i für den Gleitkörper auf den die Kraft wirkt und j für den
Gleitkörper durch welchen die Kraft aufgebracht wird. Die Kohäsionskräfte C21,d und C12,d sind
betragsmäßig gleich, jedoch in entgegengesetzter Richtung wirkend. An der äußere Gleitlinie 3
und der inneren Gleitlinie 23 gibt es keine Kohäsionskräfte.
ᇱ ௞ே ௞ே
‫ܥ‬ଵǡௗ ൌ ͷǡͲ݉ ή ܿଶǡௗ ൌ ͷǡͲ݉ ή ͺ
௠మ
ൌ ͶͲ


ᇱ ௞ே ௞ே
‫ܥ‬ଶǡௗ ൌ ͳͲǡͶͻ݉ ή ܿଶǡௗ ൌ ͳͲǡͶͻ݉ ή ͺ
௠మ
ൌ ͺ͵ǡͻ


ᇱ ௞ே ௞ே
‫ܥ‬ଶଵǡௗ ൌ ‫ܥ‬ଵଶǡௗ ൌ ʹǡͻʹ݉ ή ܿଶǡௗ ൌ ʹǡͻʹ݉ ή ͺ
௠మ
ൌ ʹ͵ǡͶ


‫ܥ‬ଷǡௗ ൌ ‫ܥ‬ଶଷǡௗ ൌ ‫ܥ‬ଷଶǡௗ ൌ Ͳ
7.3 Beispielaufgaben 211

Für die Überprüfung der Gesamtstandsicherheit der Böschung ist es ausreichend die Wirkungs-
linie der Reaktionskräfte Qi,d und Qij,d zu kennen, der Zahlenwert wird nicht direkt benötigt.
Die Reaktionskräfte können bei maximaler Mobilisierung des Reibungswinkels unter dem
Winkel ߮Ԣௗ zur Normalen auf der Gleitlinie angesetzt werden.
Mit den berechneten Kräften die von der Wirkungsrichtung und vom Betrag bekannt sind und
der Wirkungslinie der Reaktionskräfte lässt sich die für das Gleichgewicht erforderliche Zu-
satzkraft bestimmen. Diese kann analytisch über die Betrachtung des Gleichgewichts in hori-
zontaler und vertikaler Richtung oder grafisch durch das Zeichnen des Kraftecks gefunden
werden. Im Folgenden wird die anschaulichere grafische Variante vorgestellt (Bild 7-13).
Die Kräfte müssen sowohl für jeden einzelnen Gleitkörper als auch für den gesamten Bruch-
mechanismus im Gleichgewicht stehen. DIN 4084 empfiehlt dazu die erforderliche Zusatzkraft
am jeweils größten Gleitkörper anzubringen.
An Körper 3 wirken die Kräfte G3,d und P3,d, die von der Wirkungsrichtung und dem Betrag
bekannt sind. Weiterhin wirkt an der äußeren Gleitlinie die Reaktionskraft Q3,d und an der
inneren Gleitlinie Q32,d. Werden diese zwei Kräfte mit der Wirkungsrichtung im Krafteck ange-
setzt, so ergibt sich ein Schnittpunkt. Dadurch ist das Krafteck geschlossen und die Kräfte Q3,d
und Q32,d sind betragsmäßig definiert.
Das Krafteck für Körper 1 setzt sich aus den richtungs- und betragsmäßig bekannten Kräften
G1,d, C1,d und C12,d und den von der Richtung bekannten Kräften Q1,d und Q12,d zusammen,
welche zum Schnitt gebracht werden können.
Die Kraftecke für die Körper 1 und 3 sind geschlossen und es wurden somit die Größen für die
Kräfte Q32,d und Q12,d festgelegt, die mit dem gleichen Betrag nur in entgegengesetzter Rich-
tung auf den Körper 2 wirken. Wird das Krafteck für Körper 2 konstruiert, dann zeigt sich nach
Antragen der Wirkungslinie von Q2,d, dass das Krafteck auch bei beliebiger Verlängerung
dieser Kraft ohne zusätzliche Kraft nicht geschlossen werden kann. Die Wirkungsrichtung der
Zusatzkraft wird so gewählt, dass sie die Neigung der Gleitlinie 2 aufweist. Dadurch ist leicht
zu erkennen, ob sie antreibend oder haltend wirkt. Die erforderliche Zusatzkraft ist für dieses
Beispiel hangabwärtsgerichtet. Für den gewählten Bruchmechanismus ist die Böschung somit
standsicher, da erst mit dieser zusätzlichen abtreibenden Kraft die Einwirkungen und die Wi-
derstände im Gleichgewicht stehen.
212 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Bild 7-13 Krafteck für den Bruchmechanismus (links) und Kraftecke für die einzelnen Bruch-
körper (alles Bemessungswerte)

Die Bestimmung des Ausnutzungsgrads, um unterschiedliche Bruchmechanismen untereinan-


der zu vergleichen, ist ein iterativer Prozess und bei der Handrechnung etwas aufwendig. Es
müssen dazu alle Bemessungswiderstände mit einem Startwert ߤ multipliziert werden. Dieser
Wert ist so lange zu variieren, bis die vorhandenen Kräfte ohne die Zusatzkraft im Gleichge-
wicht stehen [5]. Aus diesem Grund werden die Böschungs- und Geländebruchberechnungen
überwiegend computergestützt berechnet. Mit GGU-Stability wurde für das vorliegende Bei-
spiel ein Ausnutzungsgrad von ߤ ൌ Ͳǡͺ͹ bestimmt. In Bild 7-14 ist das Krafteck aus GGU-
Stability dargestellt, bei welchem die Kräfte ohne Zusatzkraft im Gleichgewicht sind, da die
Widerstände entsprechend reduziert wurden. Es lässt sich aus dem Programm auch ein Ver-
schiebungsplan ausgeben.
7.3 Beispielaufgaben 213

Bild 7-14 Ausgabe aus GGU-Stability: Verschiebungsplan, Kräfte an den Gleitlinien, Krafteck

7.3.3 Beispiel 3: geschichteter Boden, Grundwasser


Im folgenden Beispiel soll die Standsicherheit einer Böschung überprüft werden, bei welcher
sich der Grundwasserspiegel innerhalb der möglichen Gleitlinie befindet. Nach DIN 4084 sind
Wasserdrucklasten auf die Gleitfläche aus dem Porenwasserdruck u sowie Wasserdrücke auf
sonstige Begrenzungsflächen der Gleitkörper anzusetzen.
Bei überwiegend horizontaler Strömung darf der Porenwasserdruck vereinfacht aus der Orts-
höhe hs der Grundwasseroberfläche über der Gleitlinie berechnet werden (Bild 7-15).

Bild 7-15 Vereinfachter Porenwasserdruckansatz nach DIN 4084 Bild 1 bei überwiegend hori-
zontaler Strömung

Weicht die Strömung dagegen stark von der Horizontalen ab, ist für den Ansatz des Porenwas-
serdrucks das Strom- und Potentialliniennetz zu berücksichtigen. Es wird in DIN 4084 weiter-
hin angemerkt, dass die Berechnung auch mithilfe der Strömungskraft und der Wichte des
Bodens unter Auftrieb durchgeführt werden darf.
214 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Für die in Bild 7-16 dargestellte Böschung (Böschungsgeometrie und Bodenschichten wie
Beispiel 2) soll die Gesamtstandsicherheit in Bemessungssituation BS-P mit dem Lamellenver-
fahren bei kreisförmiger Gleitlinie nachgewiesen werden.

Bild 7-16 Böschung mit Grundwasser: Lamelleneinteilung, Ortshöhe ݄௦ des Grundwasserspie-


gels oberhalb der Gleitlinie

Die Gleichungen in DIN 4084 zur Bestimmung der einwirkenden und widerstehenden Momen-
te basieren auf totalen Spannungen (Gleichung 7.7 und 7.8). Das Eigengewicht einer Lamelle
ist dabei für den Bereich unterhalb des Wasserspiegels mit der Wichte des wassergesättigten
Bodens zu berechnen. Die durch den Auftrieb verringerte Vertikalkraft in der Gleitlinie wird
durch die in der Gleitlinie wirkende Porenwasserdruckkraft berücksichtigt, welche auf der
Seite des Widerstands vom Eigengewicht abgezogen wird.
Die Berechnung der Momente der Einwirkungen und Widerstände je Lamelle erfolgt anhand
Tabelle 7.6. Für die Berechnung des Eigengewichts werden hier 3 Spalten benötigt, da bei
Schicht 2 eine Unterteilung in Fläche oberhalb Ai,2 und Fläche unterhalb Ai,2,r des Wasserspie-
gels erforderlich ist. Das Eigegengewicht je Lamelle berechnet sich mit Gleichung 7.16.
Eigengewicht: Gi , d = γ G ⋅ ( Ai ,1 ⋅ γ 1 + Ai ,2 ⋅ γ 2 + Ai ,2, r ⋅ γ 2, r ) (7.16)
୩୒ ୩୒ ୩୒
mit ߛଵ ൌ ʹʹ ǡ ߛଶ ൌ ʹͲ ǡ ߛଶǡ௥ ൌ ʹͳ
୫య ୫య ୫య
Aufgrund der annähernd horizontalen Strömung kann der Porenwasserdruck ui,d (Spalte 7)
mittels der Höhe des Wasserspiegels oberhalb der Gleitlinie (݄௦ ) berechnet werden:
Porenwasserdruck: u i , d = γ W ⋅ hs (7.17)
୩୒
mit der Wichte des Wassers ߛௐ ൌ ͳͲ .
୫య
Die Auflast kann bei allen drei Lamellen angesetzt werden, da der Reibungswinkels kleiner als
der Gleitflächenneigungswinkel ist. Anhand der Gleichungen 7-13 und 7-14 und dem Radius
7.3 Beispielaufgaben 215

des Gleitkreises von ‫ ݎ‬ൌ ͳͷǡ͹݉ können für jede Lamelle das Moment der Einwirkungen
(Spalte 12) und das Moment des Widerstands (Spalte 13) berechnet werden.

Tabelle 7.6 Berechnung der Momente der Einwirkungen und Widerstände, Gleitkreisradius
‫ ݎ‬ൌ ͳͷǡ͹݉, Startwert ߤ ൌ ͳ

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Lamelle Ai,1 Ai,2,r Ai,2 Gi,d Pvi,d ui,d bi ੥i c'i,d ij'i,d
Ei,M,d Ri,M,d
Nr. [m²] [m²] [m²] [kN/m] [kN/m] [kN/m²] [m] [°] [kN/m²] [°]

1 0,00 0,15 0,00 3,21 0 2,1 0,75 -28,9 8 16,2 -24,4 138,4

2 0,00 1,13 0,00 23,74 0 7,5 1,51 -24,1 8 16,2 -152,2 310,4

3 0,00 2,21 0,00 46,32 0 14,0 1,51 -18,3 8 16,2 -228,4 355,2

4 0,00 3,76 0,11 81,07 0 25,2 1,5 -12,5 8 16,2 -275,5 422,9

5 0,00 4,91 0,50 113,00 0 32,5 1,51 -6,9 8 16,2 -213,1 503,1

6 0,00 5,69 0,97 138,93 0 38,1 1,5 1,5 8 16,2 57,1 558,2

7 0,00 6,36 1,45 162,69 0 42,0 1,51 4,2 8 16,2 187,1 631,7

8 0,04 6,68 1,90 179,32 0 44,5 1,51 9,6 8 16,2 469,5 678,8

9 0,87 6,70 1,67 193,25 0 44,6 1,5 15,3 8 16,2 800,6 735,6

10 2,01 6,33 1,31 203,25 0 42,1 1,51 21,1 8 16,2 1.148,7 798,0

11 3,14 5,54 1,09 207,21 0 36,8 1,51 27,2 8 16,2 1.487,0 863,4

12 4,27 4,36 0,92 203,78 0 29,0 1,5 33,5 8 16,2 1.765,9 926,1

13 5,41 2,79 0,78 193,37 0 18,5 1,51 40,4 8 16,2 1.967,6 995,5

14 6,03 0,70 0,49 157,26 39,0 4,2 1,5 49,0 8 16,2 2.325,5 1.206,7

15 4,29 0,00 0,00 94,34 39,3 0 1,51 56,9 0 31,5 1.757,1 1.214,3

16 0,63 0,00 0,00 13,97 19,5 0 0,75 65,9 0 31,5 479,6 333,0

Summe
11.552,2 10.671,2
EM,d und RM,d

Der Ausnutzungsgrad der Böschung ermittelt sich wieder über das Verhältnis der Summen von
einwirkenden und widerstehenden Momenten:
ாಾǡ೏ ଵଵǤହହଶǡଶ
1. Iteration mit ߤ ൌ ͳ: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ ൌ ͳǡͲͺ ,
ோಾǡ೏ ଵ଴Ǥ଺଻ଵǡଶ
ாಾǡ೏
2. Iteration mit ߤ ൌ ͳǡͲͺ: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ ͳǡͳͲ .
ோಾǡ೏

Bei einem dritten Iterationsschritt bleibt der Ausnutzungsgrad bei ߤ ൌ ͳǡͳͲ. Damit ist für die
Böschung mit dem gegebenen Grundwasserstand der Nachweis der Gesamtstandsicherheit
nicht erfüllt.
Für die vergleichende Berechnung der Gesamtstandsicherheit dieser Böschung mit GGU, ist es
erforderlich vorab die Wasserströmung durch GGU-SS-FLOW2D berechnen zu lassen (Bild
7-17). Die Ergebnisse werden dann in GGU-Stability eingelesen (Bild 7-18), damit das Pro-
gramm die Wasserstände für die Berechnung der Lamellen berücksichtigen kann.
216 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Bild 7-17 Strömungsberechnung mit


GGU-SS-FLOW2D

Bild 7-18 GGU-Stability mit importier-


tem Strömungsnetz

Bei der Berechnung mittels des Lamellenverfahrens und kreisförmiger Gleitlinie ergibt sich der
maßgebender Gleitkreis mit dem Radius ‫ ݎ‬ൌ ͳͷǡ͹݉ mit einer Ausnutzung von ߤ ൌ ͳǡͲͻ (Bild
7-19). Die Böschung ist daher nicht standsicher.

Bild 7-19 Berechnungsergebnis von


GGU-Stability

7.3.4 Beispiel 4: verankerte Spundwand, Lamellenverfahren


Gemäß den Regelwerken EC 7-1, DIN 1054 und DIN 4084 ist auch für verankerte Stützwände
der Nachweis der Gesamtstandsicherheit zu führen. Im folgenden Beispiel wird daher die Ge-
samtstandsicherheit bei einem durch eine rückverankerte Spundwand gesicherten Geländes-
prung in Bemessungssituation BS-P geführt (Bild 7-20). Die Dimensionierung von Spundwand
und Verpressanker ist nicht Gegenstand dieses Beispiels (siehe dazu Kapitel 5 und 6).
7.3 Beispielaufgaben 217

Bild 7-20 Spundwand mit Verpressanker: Lamelleneinteilung des Gleitkreises

In Bild 7-20 ist der zu untersuchende Gleitkreis und dessen Lamelleneinteilung dargestellt. Es
ist zu erkennen, dass der Verpresskörper des vorgespannten Verpressankers den Gleitkreis bei
Lamelle 2 schneidet. Der Herausziehwiderstand des Verpresskörpers soll ܴ௔ǡௗ ൐ ͳͷͲ݇ܰȀ݉
betragen (bezogen auf den laufenden Meter Spundwand).
Nach DIN 4084 werden die Gleitlinie schneidende Zugglieder in Abhängigkeit der Lage und
der Vorspannung unterschiedlich berücksichtigt (Tabelle 7.7). Es ist zu Beginn zu unterschei-
den, ob es sich um selbstspannende oder nicht selbstspannende Zugglieder handelt. Ein selbst-
spannendes Zugglied, welches teilweise außerhalb des Bruchkörpers verankert ist, wird durch
das Abrutschen des Gleitkörpers gespannt. Ausschlaggebend für die Einteilung ist dabei der
Winkel ߰஺ zwischen der Gleitlinie und der Zuggliedachse im Schnittpunkt von Gleitlinie und
Zugglied. Ist der vorhandene Winkel ߰஺ kleiner als der nach DIN 4084 festgesetzte Maximal-
wert ߰஺ , dann wirkt das Zugglied selbstspannend, andernfalls nicht selbstspannend. Der Ma-
ximalwert ߰஺ ist in Abhängigkeit des Bodens definiert (Bild 7-21).

Tabelle 7.7 Ansatz der Zugkräfte von geschnittenen Zuggliedern nach DIN 4084

selbstspannend: ૐ‫ ۯ‬൑ ૐ‫ۯ‬ǡ‫ܠ܉ܕ‬ nicht selbstspannend: ࣒࡭ ൐ ࣒࡭ǡ࢓ࢇ࢞

Anzusetzende Zugkraft ‫ܨ‬஺ ist Minimum aus: Vorgespannt: Festlegekraft ‫ܨ‬஺଴


- Design-Herausziehwiderstand
- Design-Materialwiderstand des
Zugglieds Nicht vorgespannt: keine Wirkung
2218 7 Berechnungg der Gesamtstandsicherheitt nach EC 7-11, Abschnitt 11

Boden ߰஺ǡ௠௔௫

Nichtbindig: locker gelagert


75°
Bindig: weich

Bindig: steif 80°


Nichtbindig: mittteldicht gela-
gert 85°
Bindig: halbfestt

Nichtbindig: dicht gelagert 90°

B nkel ߰‫ ܣ‬zwischen Zugglied


Bild 7-21 Win dachse und Gleitlinie
G nac
ch DIN 4084

BBei selbstspannnenden Zuggliedern darf ddie Zugkraft FA bei der Bereechnung der G Gesamtstandsii-
ccherheit auf der
d Seite des Widerstands angesetzt weerden (siehe gestrichelte U Umrandung in n
GGleichung 7-119). Es ist dab bei der kleineere Wert des Bemessungsw werts des Herrausziehwiderr-
sstands oder des Materialwiderstands zuu verwenden. Dabei ist uneerheblich, ob das Zugglied d
vvorgespannt isst oder nicht. Ist das Zuggllied als nicht selbstspannen
nd zu bewerteen, dann muss
uunterschieden werden, ob es e sich um einn vorgespanntees oder ein nicht vorgespannntes Zugglied d
hhandelt. Nichtt selbstspanneende, nicht vorrgespannte Zuugglieder haben keine Wirkkung und werr-
dden nicht berrücksichtigt. Bei
B nicht selbbstspannenden, vorgespann nten Zugglieddern wird die
FFestlegekraft bei
b der Berech hnung der Einnwirkungen un nd bei den Wiiderständen anngesetzt (siehe
ggraue Umranddung in den Glleichungen 7--18 und 7-19)..
ZZu den Gleichhungen 7-7 unnd 7-8 finden sich in DIN 4084
4 auch die um Zugkräftee aus Zuggliee-
ddern erweiterteen Gleichungeen:
E
Einwirkungenn:
EM = r ⋅ ¦ ((Gi + Pvi ) ⋅ sin ϑi − FA0i ⋅ coss(ϑi + α A0i )) + ¦ M s , (7.18)
i
W
Widerstände:
(Gi + Pvi − bi ⋅ ui + μ ⋅ FAi ⋅ sin α Ai + FA0i ⋅ sin α A0i ) ⋅ tan ϕ i + bi ⋅ ci
RM = r ⋅ ¦ (7.19
9)
i
cos ϑi + μ ⋅ sin ϑi ⋅ tan
t ϕi

+r⋅ ¦ FAi ⋅ cos(ϑi + α Ai ) + ¦ M R


m
mit FA0i Festlegekraft vorgespannteer Zugglieder (wenn nicht selbstspannendd)
FAi Kraft eines seelbstspannendden Zugglieds
α A0i ,α Ai Neigungswin
nkel des Zuggglieds gegen diie Horizontalee.
GGenerell dürfeen bei Zugglieedern jedoch nnur die Bemeessungswerte der außerhalbb des Gleitkörr-
ppers aktivierbaaren Widerstäände angesetzzt werden. Es darf dazu die Mantelreibunng entlang deer
KKrafteinleitungsstrecke als gleichmäßig
g vverteilt angeno
ommen werdeen [4].
7.3 Beispielaufgaben 219

Bei dem betrachteten Beispiel beträgt der Winkel zwischen Zugglied und Gleitlinie der Lamel-
le 2 ߰஺ ൌ ͹ͺι. Da es sich um mitteldicht gelagerten Sand handelt, ist ߰஺ ൏ ߰஺ǡ௠௔௫ ൌ ͺͷι und
somit wirkt der Verpressanker selbstspannend. Die anteilig anzusetzende Zugkraft des Heraus-
ziehwiderstands wird über die Länge des im unbewegten Boden verbleibenden Verpresskör-
pers berechnet:
ೖಿ
ோೌǡ೏ ଵହ଴ ௞ே

‫ܨ‬஺ ൌ ή ͵ǡͺͳ݉ ൌ ή ͵ǡͺͳ݉ ൌ ͻͷǡ͵ .
଺௠ ଺௠ ௠
Bevor die einzelnen Lamellen berechnet werden können, muss die Geometrie der Bruchfigur
genauer betrachtet werden. Nach DIN 4084 darf die kreisförmige Gleitlinie an der unteren
Austrittsstelle nicht steiler sein als die sich aus der Geländeneigung für ߜ௉ ൌ Ͳ ergebende
Erdwiderstandsgleitfuge ߴ௉ . Beim dem in diesem Beispiel gewählten Gleitkreis wäre die Gleit-
linie ab Lamelle 14 steiler als ߴ௉ . In diesem Fall ist ab der Stelle bei der ߴ௜ ൐ ߴ௉ der Erdwider-
stand Ep,d anzusetzen (Bild 7-22). Der Momentenanteil von Ep,d wird auf der Seite der Wider-
standsmomente berücksichtigt. Alternativ könnte der Erdwiderstandskeil auch durch eine oder
mehrere Lamellen mit vom Gleitkreis abweichender Geometrie abgebildet werden [13].

Bild 7-22 Ansatz des Erdwi-


derstands ab ߴ௜ ൐ ߴ௉ [13]

Der Bemessungswert des Reibungswinkels des Bodens ergibt sich für GEO-3 mit dem Teilsi-
cherheitsbeiwert nach DIN 1054 bzw. nach Tabelle 7-2 wieder zu:
୲ୟ୬ ଷ଻ǡହι
–ƒ ߮ௗᇱ ൌ  ՜ ߮ௗᇱ ൌ ͵ͳǡͷι.
ଵǡଶହ

Für den Ansatz der Auflast werden ߮Ԣௗ und ߴ௜ verglichen. Ab Lamelle 6 ist der Neigungswin-
kel der Gleitlinie größer als der Reibungswinkel, so dass der haltend wirkende Anteil der Auf-
last größer als der treibende Anteil ist. Daher wird von Lamelle 6 bis 8 die Auflast nicht ange-
setzt.
In Tabelle 7.7 sind die für Gleichung 7-18 und 7-19 benötigten Faktoren zur Berechnung der
einwirkenden und widerstehenden Momente je Lamelle zusammengefasst. Die Ankerkraft FA
wird bei Lamelle 2 beim Widerstandsmoment berücksichtigt. Der Neigungswinkel des Ankers
ist ߙ஺ǡ௜ ൌ ͳͷι. Für die Momente Ei,M,d und Ri,M,d für Lamelle 2 ergeben sich entsprechend der
Gleichungen 7-18 und 7-19 aus DIN 4084, unter Berücksichtigung der Zugkraft und durch die
fehlende Kohäsion und den fehlenden Wasserdruck, die folgenden Gleichungen:
Einwirkungen:
E 2, M ,d = r ⋅ (G 2,d + Pv 2,d ) ⋅ sin ϑ 2 (7.20)
220 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Widerstände:
(G 2,d + Pv 2,d + μ ⋅ F A2 ⋅ sin α A2 ) ⋅ tan ϕ ' 2,d
R 2, M , d = r ⋅ + r ⋅ F A2 ⋅ cos(ϑ 2 + α A2 ) . (7.21)
cos ϑ 2 + μ ⋅ tan ϕ ' 2,d ⋅ sin ϑ 2
Für alle anderen Lamellen gelten die Gleichungen 7-13 und 7-14, welche hier um die Kohäsion
und den Wasserdruck reduziert werden können zu:
( )
E i , M ,d = r ⋅ Gi ,d + Pvi ,d ⋅ sin ϑi , (7.22)

Ri ,M ,d = r ⋅
(Gi,d + Pvi,d )⋅ tan ϕ 'i,d . (7.23)
cos ϑi + μ ⋅ tan ϕ 'i ,d ⋅ sin ϑi
Zur Berechnung des Ausnutzungsgrads wird das Moment des Erdwiderstands benötigt. Mit
dem Erddruckbeiwert Kpgh kann die passive horizontale Erddruckkraft am unteren Ende der
Gleitfuge berechnet werden und mit dem Hebelarm zum Kreismittelpunkt das Moment der
Erddruckkraft. Der Erddruckbeiwert berechnet sich nach DIN 4085 [7] für eine horizontale
Geländeoberfläche und ߜ௣ ൌ Ͳ entsprechend Gleichung 7-24.
K pgh = tan ²(45° + ϕ d′ / 2) (7.24)
ଷଵǡହι
‫ܭ‬௣௚௛ ൌ –ƒ ; ቀͶͷι ൅ ቁ ൌ ͵ǡͳͻ

ƒ‹–„‡”‡…Š‡–•‹…Š†‡”‡‡••—‰•™‡”–†‡”’ƒ••‹˜‡”††”—…”ƒˆ–œ—ǣ
ଵ ଵ ௞ே
‫ܧ‬௣ǡௗ ൌ ߛீ ή ή ݄ଶ ή ߛ ή ‫ܭ‬௣௚௛ ൌ ͳǡͲ ή ή ͳǡ͹Ͷଶ ή ʹʹ ή ͵ǡͳͻ ൌ ͳͲ͸ǡʹͶ Ǥ
ଶ ଶ ௠
Der Hebelarm der Erddruckkraft zum Kreismittelpunkt beträgt 9,31 m, so dass sich ein zusätz-
lich zu berücksichtigendes Moment infolge der Erddruckkraft von 989,09 kNm/m ergibt.
௞ே ௞ே௠
‫ܯ‬ோ ൌ ‫ܧ‬௣ǡௗ ή ‫ ݉ݎ݈ܾܽ݁݁ܪ‬ൌ ͳͲ͸ǡʹͶ

ή ͻǡ͵ͳ݉ ൌ ͻͺͻǡͲͻ

Ǥ
Mit der Summe der einwirkenden und widerstehenden Momente und dem zusätzlichen Mo-
ment MR kann für den Startwert von ߤ ൌ ͳ der Ausnutzungsgrad des gewählten Gleitkreises
berechnet werden.
ாಾǡ೏ ଵଵǤସ଺଺ǡଷ
1. Iteration mit ߤ ൌ ͳ: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ ൌ Ͳǡͷ͹
ோಾǡ೏ ାெೃ ଵଽǤଵ଴ଶǡଷାଽ଼ଽǡ଴ଽ
ாಾǡ೏
2. Iteration mit ߤ ൌ Ͳǡͷ͹: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ Ͳǡͷ͵
ோಾǡ೏ ାெೃ
ாಾǡ೏
3. Iteration mit ߤ ൌ Ͳǡͷ͵: Ausnutzungsgrad ߤ ൌ ൌ Ͳǡͷʹ
ோಾǡ೏ ାெೃ

Mit einem Ausnutzungsgrad von ߤ ൌ Ͳǡͷʹ ist für den gewählten Gleitkreis der Nachweis der
Gesamtstandsicherheit für die rückverankerte Spundwand erbracht.
7.3 Beispielaufgaben 221

Tabelle 7.7 Berechnung der Momente der Einwirkungen und Widerstände, Gleitkreisradius
‫ ݎ‬ൌ ͳͳǡͻͳ݉, Startwert ߤ ൌ ͳ

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
Lamelle Ai Gi,d Pvi,d FAi bi ੥i c'i,d ij'i,d
Ei,M,d Ri,M,d
Nr. [m²] [kN/m] [kN/m] [kN/m] [m] [°] [kN/m²] [°]

1 1,31 28,82 13,5 0 0,69 79,9 0 31,5 495,7 396,4

2 7,13 156,86 26,7 95,3 1,37 63,1 0 31,5 1.949,8 1.756,7

3 10,11 222,42 26,7 0 1,37 50,6 0 31,5 2.292,9 1.642,3

4 12,01 264,22 26,7 0 1,37 41,0 0 31,5 2.273,3 1.837,7

5 13,49 296,78 26,7 0 1,37 32,7 0 31,5 2.081,5 2.016,0

6 14,57 320,54 0 0 1,37 25,1 0 31,5 1.619,4 2.009,9

7 15,28 336,16 0 0 1,37 18,0 0 31,5 1.237,2 2.154,5

8 14,62 321,64 0 0 1,37 11,2 0 31,5 744,1 2.137,4

9 5,07 111,54 0 0 1,37 4,4 0 31,5 101,9 781,0

10 5,12 112,64 0 0 1,37 -2,1 0 31,5 -49,2 843,1

11 4,94 108,68 0 0 1,37 -8,8 0 31,5 -198,0 888,5

12 4,52 99,44 0 0 1,37 -15,6 0 31,5 -318,5 911,0

13 3,87 85,14 0 0 1,37 -22,5 0 31,5 -388,0 903,5

14 2,93 64,46 0 0 1,37 -29,3 0 31,5 -375,7 824,4


Summe
11.466,3 19.102,3
EM,d und RM,d

Zum Vergleich wird für den betrachteten Geländesprung mit GGU-Stability der Nachweis der
Gesamtstandsicherheit überprüft. Für die im Rahmen der Berechnung definierten Kreismittel-
punkte ergibt sich ein maßgebender Gleitkreis mit einem Radius von 11,6 m, welcher eine
Ausnutzung von ߤ ൌ Ͳǡͷͷ aufweist (Bild 23).

Bild 7-23 maßgebender Gleitkreis nach


GGU-Stability

Anmerkend heißt es in DIN 4084, aber auch in DIN 1054, dass unter besonderen Gegebenhei-
ten (z. B. das Gelände hinter der Wand steigt an, das Gelände vor der Wand fällt ab, Rückseite
222 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

der Wand ist stark zum Erdreich geneigt,…) sich aus dem Nachweis der Gesamtstandsicherheit
größere Ankerlängen ergeben können, als aus dem Nachweis der tiefen Gleitfuge.

7.4 Konstruktive Böschungssicherungen

7.4.1 Normative Regelungen


Nach DIN 1054 ist der Abschnitt zur Gesamtstandsicherheit im EC 7-1 auch für konstruktive
Böschungssicherungen anzuwenden. Dazu zählen unter anderem die in Bild 7-24 dargestellten
Bewehrte-Erde-Konstruktionen und Nagelwände, aber auch Elementwände und geotextilbe-
wehrte Böschungen und Konstruktionen. Konstruktive Böschungssicherungen werden im
EC 7-1 jedoch nicht direkt behandelt. Aufgrund dieses Defizits findet sich in DIN 1054 im
Abschnitt Gesamtstandsicherheit das Unterkapitel A.11.5.4 Konstruktive Böschungssicherun-
gen, zu dessen Regelungen ein weiteres Beispiel vorgestellt wird.

Bild 7-24 konstruktive Böschungssicherungen: Bewehrte-Erde-Konstruktion [1] (links), Nagel-


wand [16] (rechts)

Zusätzlich zu den in DIN 1054 angegebenen allgemeinen Regelungen zu konstruktiven Bö-


schungssicherungen verweist die DIN 1054 mehrfach darauf, dass im Einzelfall die Regelun-
gen der einschlägigen Empfehlungen oder der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen
maßgebend sind.
Detaillierte Regelungen zu Bewehrte-Erde-Konstruktionen hinsichtlich Konstruktion, Ausfüh-
rung, Nachweise und Prüfungen finden sich im Merkblatt über Stützkonstruktionen aus stahl-
bewehrten Erdkörpern M SASE der FGSV [14]. Für den Entwurf und die Berechnung von
Erdkörpern mit Bewehrungen aus Geokunststoffen ist die EBGEO [11] zu verwenden. Allge-
meine Regelungen zur Bemessung, speziell die äußeren Standsicherheitsnachweise betreffend,
finden sich darüber hinaus in DIN 1054.
Bei Bodenvernagelungen bzw. Nagelwänden ist dagegen kein gültiges Regelwerk vorhanden.
Regelungen zu Ausführung und Bemessung werden in den jeweiligen aktuellen Zulassungen
angegeben. Diese beziehen sich jedoch hinsichtlich der Bemessung zum Teil nicht auf die
aktuellen Normen. In DIN 1054 finden sich Bemessungsregeln zur Bestimmung des Bemes-
7.4 Konstruktive Böschungssicherungen 223

sungserddrucks der Außenhaut und der Bemessungsbeanspruchung der Bodennägel, welche


denen der Zulassungen entsprechen.
Grundsätzlich sind nach DIN 1054 für konstruktive Böschungssicherungen die äußeren Stand-
sicherheitsnachweise hinsichtlich Grundbruch, Gleiten und Gesamtstandsicherheit zu führen.
Dabei sind die konstruktiven Böschungssicherungen als Schwergewichtswand zu idealisieren
deren Rückwand durch das Ende der bewehrenden Elemente anzunehmen ist. Hinsichtlich der
inneren Standsicherheit sind die Nachweise gegen Materialversagen (STR) und Herausziehen
der Verankerungselemente zu führen sowie die Außenhaut der konstruktiven Böschungssiche-
rung zu bemessen.

7.4.2 Beispiel Nagelwand: Ermittlung der Bemessungsbeanspruchung


der Nägel
Für die Nachweise auf Materialversagen und Herausziehen der Bodennägel bei der Bodenver-
nagelung ist vorab die Bemessungsbeanspruchung der Nägel zu ermitteln. Diese ist nach
DIN 1054 auf zwei Wegen zu ermitteln, wobei der größere Wert maßgebend ist.
Zum einen ist die Bemessungsbeanspruchung aus der Bemessungseinwirkung ‫ܧ‬௡ǡௗ auf die
Außenhaut und der dem Nagel zugeordneten Fläche zu ermitteln, zum anderen aus dem Defizit
des Kräfte- und Momentengleichgewichts am Gleitkörper ‫ܧ‬௠ǡௗ , wobei die variierenden Gleit-
flächen einen Teil der Nägel schneiden.
Das Defizit des Kräfte- und Momentengleichgewichts ist auf Basis der Untersuchung von
Starrkörperbruchmechanismen für die Bemessungssituation GEO-3 zu bestimmen. Grundlage
der Untersuchung sind die in DIN 4084 beschriebenen Bruchmechanismen zur Bestimmung
der Gesamtstandsicherheit und die in EC 7-1 und DIN 1054 definierten Nachweisverfahren. So
gliedert sich das Thema der konstruktiven Böschungssicherung treffend unter den Abschnitt
Gesamtstandsicherheit ein.
Die möglichen Starrkörperbruchmechanismen wurden ausführlich von Gäßler [12] untersucht
und er definierte je nach Wandneigung, Nagellängen, Lage und Größe der Auflasten und Bo-
denart unterschiedliche Bruchmechanismen.
Im folgenden Beispiel soll für eine Nagelwand die Bemessungsbeanspruchung der Nägel auf
beiden Wegen ermittelt werden (Bild 7-25). Es handelt sich um eine 8 m hohe Nagelwand, die

Bild 7-25 Nagelwand Bild 7-26 Translationsmechanismus aus 2 Körpern


224 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

in sandigem Boden hergestellt werden soll, mit einem vertikalen Nagelabstand von 1 m und
einem horizontalen Nagelabstand von 1,5 m.
Die Bemessungsbeanspruchung der Nägel soll zuerst über das Kräftegleichgewicht am Gleit-
körper (GEO-3) bestimmt werden.
Für dieses Beispiel wird nach Gäßler aufgrund des kohäsionslosen Bodens, der senkrechten
Nagelwand und der gleichlangen Nägel ein Translationsmechanismus aus 2 Körpern betrachtet
(Bild 7-26). Dabei drückt der Körper 2 auf den Verbundkörper 1 und schiebt diesen nach au-
ßen. Die Nägel, die die Gleitfläche durchdringen, verankern den Verbundkörper im rückwärti-
gen Boden. Es lässt sich darüber eine Zugkraft in den Nägeln ermitteln, die erforderlich ist, um
das Gleichgewicht an den 2 Bruchkörpern herzustellen. Über die Variation des Neigungswin-
kels der Gleitfläche kann die maximale Schubbeanspruchung der Nägel bestimmt werden. Als
Startwert wird ‫ = ׇ‬35° empfohlen und die Variation sollte in Schritten von ǻ‫ = ׇ‬5° erfolgen
bzw. sind die Gleitflächen durch die Nagelenden zu führen. Der Wandreibungswinkel an der
Rückseite des Verbundkörpers 1 ist mit ߜ௔ ൌ ߮ௗᇱ anzusetzen.
Zu Beginn müssen die Bemessungswerte der Scherparameter mit Gleichung 7-3 und 7-10
ermittelt werden.
–ƒ ͵͹ǡͷι ᇱ
–ƒ ߮ௗᇱ ൌ ǡ ߮ௗ ൌ ͵ͳǡͷι
ͳǡʹͷ
ܿௗᇱ ൌ Ͳ
Es wird für die ausführliche Berechnung eine Geometrie entsprechend Bild 7-27 mit einem
Gleitflächenwinkel von ߴ ൌ Ͷ͹ǡͷι gewählt, so dass die Gleitlinie zum Ende des obersten Na-
gels geführt wird. Die auf den Körper 1 wirkenden Kräfte sind ebenfalls in Bild 7-27 darge-
stellt.

Bild 7-27 Geometrie des Verbundkör-


pers 1 und zu berücksichtigende Kräfte

Die von Körper 2 auf Körper 1 wirkenden Kräfte können vereinfacht über den Bemessungs-
wert des Erddrucks Ea,d berücksichtigt werden, welcher auf der Rückseite von Verbundkörper 1
angesetzt wird.
7.4 Konstruktive Böschungssicherungen 225

Mit ߮ௗᇱ ൌ ͵ͳǡͷι und ‫ן‬ൌ ߚ ൌ Ͳ sowie ߜ௔ ൌ ߮ௗᇱ ൌ ͵ͳǡͷι ergeben sich die Erddruckbeiwerte zu
‫ܭ‬௔௚ ൌ ‫ܭ‬௔௣ ൌ Ͳǡʹͺ. Der Erddruck Ea,d auf den Verbundkörper 1 setzt sich aus dem Erddruck
infolge Eigengewicht Eag,d und dem Erddruck infolge Verkehrslast Eap,d zusammen. Es sind
dafür die Bemessungswerte der Erddrücke mit den jeweiligen Teilsicherheitsbeiwerten zu
berechnen.

‫ܧ‬௔ǡௗ ൌ ‫ܧ‬௔௚ǡௗ ൅ ‫ܧ‬௔௣ǡௗ ൌ ߛீ ή ή ݄ଶ ή ߛ ή ‫ܭ‬௔௚ ൅ ߛொ ή ‫ ݍ‬ή ‫ܭ‬௔௣ ή ݄

ଵ ௞ே ௞ே ௞ே
‫ܧ‬௔ǡௗ ൌ ή ሺͳǡͷͶ݉ሻଶ ή ʹʹ ή Ͳǡʹͺ ൅ ͳǡ͵ ή ͷͲ ή Ͳǡʹͺ ή ͳǡͷͶ݉ ൌ ͵ͷǡ͵ 
ଶ ௠య ௠మ ௠
Der Bemessungswert der Verkehrslast Vd auf Körper 1 berechnet sich über die Breite von Kör-
per 1.
݇ܰ ݇ܰ ݇ܰ
ܸௗ ൌ ߛொ ή ͷǡͻͳ݉ ή ͷͲ ଶ ൌ ͳǡ͵ ή ͷǡͻͳ݉ ή ͷͲ ଶ ൌ ͵ͺͶǡʹ 
݉ ݉ ݉

Das Eigengewicht Gd des Verbundkörpers 1 berechnet sich aus der Fläche des Körpers und der
Wichte des Bodens:
௞ே ଼ǡ଴௠ାଵǡହସ௠ ௞ே
‫ܩ‬ௗ ൌ ߛீ ή ߛ ή ‫ܣ‬௄Ú௥௣௘௥ ൌ ͳǡͲ ή ʹʹ
௠య
ή

ή ͷǡͻͳ݉ ൌ ͸ʹͲǡʹ

Ǥ
Weiterhin wirkt in der Gleitfuge die Reaktionskraft Qd, welche unter dem Winkel ߮ௗᇱ ൌ ͵ͳǡͷι
zur Normalen auf der Gleitfläche angesetzt wird. Damit ergibt sich ein Winkel zur horizontalen
Achse von 74 °. Mit den berechneten Kräften und der Wirkungslinie von Qd lässt sich nun die
Zugkraft Zd,erf bestimmen, die erforderlich ist, um die am Verbundkörper angreifenden Kräfte
ins Gleichgewicht zu bringen und damit den Verbundkörper vom Abrutschen auf der Gleitlinie
zurückzuhalten. Die erforderliche Zugkraft wird mit der Neigung der Bodennägel angesetzt.
Die Ermittlung der Zugkraft kann dabei analytisch über die Betrachtung des Kräftegleichge-
wichts in horizontaler und vertikaler Richtung erfolgen oder grafisch mittels des Kraftecks.

Bild 7-28 Grafische Ermittlung der erforder- Bild 7-29 Nagellängen hinter der Gleitlinie
lichen Zugkraft ܼௗǡ௘௥௙
226 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Aus der Berechnung ergibt sich eine erforderliche Zugkraft pro laufenden Meter Nagelwand
௞ே
von ܼௗǡ௘௥௙ ൌ ͵Ͷͷǡͻ .

σ ‫ ܪ‬ൌ Ͳ՜‫ܧ‬௔ǡௗ ή …‘• ߜ௔ െ ܼௗǡ௘௥௙ ή …‘• ͳͲι ൅ ܳௗ ή …‘• ͹Ͷι ൌ Ͳ
σ ܸ ൌ Ͳ՜‫ܧ‬௔ǡௗ ή •‹ ߜ௔ ൅ ܸௗ ൅ ‫ܩ‬ௗ ൅ ܼௗǡ௘௥௙ ή •‹ ͳͲι െ ܳௗ ή •‹ ͹Ͷι ൌ Ͳ
െܸௗ െ ‫ܩ‬ௗ െ ‫ܧ‬௔ǡௗ ή ሺ•‹ ߜ௔ ൅ …‘• ߜ௔ ή –ƒ ͹Ͷιሻ
ܼௗǡ௘௥௙ ൌ 
•‹ ͳͲι െ …‘• ͳͲι ή –ƒ ͹Ͷι
ೖಿ ೖಿ ೖಿ
ିଷ଼ସǡଶ ି଺ଶ଴ǡଶ ିଷହǡଷ ήሺୱ୧୬ ଷଵǡହιାୡ୭ୱଷଵǡହι ή୲ୟ୬ ଻ସιሻ ௞ே
೘ ೘ ೘
ܼௗǡ௘௥௙ ൌ ൌ ͵Ͷͷǡͻ
ୱ୧୬ ଵ଴ιିୡ୭ୱ ଵ଴ιή୲ୟ୬ ଻ସι ௠

Auch aus der grafischen Lösung in Bild 7-28 ergibt sich die zum Schließen des Kraftecks er-
௞ே
forderliche Zugkraft zu ca. ܼௗǡ௘௥௙ ̱͵Ͷ͸ . Die ermittelte Zugkraft muss über die Abschnitte

der Bodennägel in den Boden übertragen werden können, welche außerhalb des Verbundkör-
pers im unbewegten Boden verbleiben. In Bild 7-29 sind die anzurechnenden Längen der Bo-
dennägel vermaßt. Die Summe der im unbewegten Boden verbleibenden Nägellängen li be-
rechnet sich zu:
σ ݈௜ ൌ Ͳǡͺ݉ ൅ ͳǡ͸݉ ൅ ʹǡͶ݉ ൅ ͵ǡʹ݉ ൅ ͶǡͲ݉ ൅ Ͷǡͺ݉ ൅ ͷǡ͸݉ ൌ ʹʹǡͶ݉Ǥ
Nach Möller [15] kann jetzt aus der erforderlichen Zugkraft, der verbleibenden Nagellänge und
einem horizontalen Nagelabstand von ܾ௜ ൌ ͳǡͷ݉ die erforderliche Bemessungsgrenzschub-
kraft ܶ௠ǡௗǡ௘௥௙ pro laufenden Meter eines Nagels berechnet werden:
ೖಿ
௓೏ǡ೐ೝ೑ ή௕೔ ଷସହǡଽ ήଵǡହ௠ ௞ே
ܶ௠ǡௗǡ௘௥௙ ൌ σ ௟೔
ൌ ೘
ൌ ʹ͵ǡͳ͸ Ǥ
ଶଶǡସ௠ ௠

Zum Auffinden des Maximums dieser erforderlichen Bemessungsgrenzschubkraft ܶ௠ǡௗǡ௘௥௙ ist


entsprechend Gäßler [12] der Gleitflächenwinkel von Körper 1 zu variieren. Tabelle 7.7 gibt
für verschiedene Gleitflächenwinkel ߴ die erforderlichen Zugkräfte und die daraus berechneten
Bemessungsgrenzschubkräfte an. Es zeigt sich, dass bei einem Winkel von ߴ ൌ Ͷ͹ǡͷι die größ-
te Bemessungsgrenzschubkraft pro laufenden Meter Nagel erforderlich wird, um den Körper 1
mit den einwirkenden Kräften im Gleichgewicht zu halten. Für den Nachweis auf Herauszie-
hen der Bodennägel müsste nun diese erforderliche Bemessungsgrenzschubkraft mit der für
diesen Boden vorhandenen Bemessungsgrenzschubkraft verglichen werden.

Tabelle 7.7 Bemessungsgrenzschubkraft ܶ௠ǡௗǡ௘௥௙ für verschiedene Gleitflächenwinkel

ࣖ [°] 37,0 42,7 47,5 50,7 53,6

ࡱࢇǡࢊ [kN/m] 103,0 66,1 35,3 15,8 0

ࢂࢊ [kN/m] 384,2 384,2 384,2 384,2 384,2

ࡳࢊ [kN/m] 750,2 685,2 620,2 570,1 520,1

ࢆࢊǡࢋ࢘ࢌ [kN/m] 208,9 289,3 345,9 377,3 401,6

σ ࢒࢏ [m] 16,4 19,4 22,4 24,8 26,8

ࢀ࢓ǡࢊǡࢋ࢘ࢌ [kN/m] 19,17 22,38 23,16 22,83 22,51


7.4 Konstruktive Böschungssicherungen 227

Aus der erforderlichen Bemessungsgrenzschubkraft kann dann die gesuchte maximale Bemes-
sungsbeanspruchung der Nägel ୫ǡୢ ermittelt werden. Dazu wird für den Bodennagel mit dem
längsten Abschnitt hinter der Gleitlinie berechnet, wie große die Zugkraft im Nagel ist, die sich
ergibt, wenn der Nagel über die hinter der Gleitlinie verbleibende Länge ݈௜ǡ௠௔௫ die Bemes-
sungsgrenzschubkraft überträgt [15]:
௞ே
‫ܧ‬௠ǡௗ ൌ ܶ௠ǡௗǡ௘௥௙ ή ݈௜ǡ௠௔௫ ൌ ʹ͵ǡͳ͸ ή ͷǡ͸݉ ൌ ͳʹͻǡ͹݇ܰǤ

Für den maßgebenden Bruchmechanismus ergibt sich über das Defizit im Kräftegleichgewicht
im Nagel eine Zugkraft von 129,7 kN.
Zusätzlich zur Ermittlung von Em,d soll nun die Beanspruchung der Bodennägel über die Be-
messungseinwirkung auf die Außenhaut En,d bestimmt werden. Dazu ist der Erddruck auf die
Außenhaut zu bestimmen und über die Einzugsfläche eines Nagels die dadurch im Nagel er-
zeugte Zugkraft zu berechnen.
Nach DIN 1054 darf bei vernagelten Stützkonstruktionen der Erddruck auf die Außenhaut
allgemein als rechteckförmig verteilt angesetzt werden. Die Neigung des Erddrucks ist dabei
parallel zur Neigung der Nägel anzusetzen.
Weiterhin darf entsprechend den Angaben im jeweiligen Zulassungsbescheid des DIBt (z. B.
[2]) der Erddruck auf 85 % reduziert werden, vorhandene Kohäsion ist dabei jedoch nicht an-
zusetzen. Der Erddruck aus örtlichen Auflasten darf nicht abgemindert werden. Im Unterschied
zu DIN 1054 ist der Neigungswinkel des Erddruck mit ߜ௔ ൌ Ͳ anzusetzen [2].
Die Nagelzugkraft En,d wird folglich aus der Erddruckspannung auf die Außenhaut berechnet
mit:
‫ܧ‬௡ǡௗ ൌ Ͳǡͺͷ ή ݁௔ǡௗ ή ο‫ܣ‬௡ dabei sind
݁௔ǡௗ  Bemessungserddruckspannung aus GEO-2 oder GEO-3 [4]
ο‫ܣ‬௡  Einzugsfläche eines Nagels von der Außenhaut
Der Erddruck wird für das betrachtete Beispiel mit dem Neigungswinkel ߜ௔ ൌ െͳͲι parallel
zur Neigung der Nägel angesetzt, da dies ungünstigere Werte liefert. Die horizontalen
Erddruckbeiwerte berechnen sich mit ߙ ൌ ߚ ൌ Ͳ zu ‫ܭ‬௔௚௛ ൌ ‫ܭ‬௔௣௛ ൌ Ͳǡ͵ͷ. Damit kann die
horizontale Erddruckkraft auf die Außenhaut berechnet werden:
ͳ
‫ܧ‬௔௛ǡௗ ൌ ‫ܧ‬௔௚௛ǡௗ ൅ ‫ܧ‬௔௣௛ǡௗ ൌ ߛீ ή ή ݄ଶ ή ߛ ή ‫ܭ‬௔௚௛ ൅ ߛொ ή ‫ ݍ‬ή ‫ܭ‬௔௣௛ ή ݄
ʹ
ଵ ௞ே
‫ܧ‬௔௛ǡௗ ൌ ͳǡͲ ή ή ͺଶ ή ʹʹ ή Ͳǡ͵ͷ ൅ ͳǡ͵ ή ͷͲ ή Ͳǡ͵ͷ ή ͺ ൌ ͶʹͺǡͶ .
ଶ ௠
Über Winkelbeziehungen kann die resultierende geneigte Erddruckkraft ‫ܧ‬௔ǡௗ ermittelt werden:
ாೌ೓ǡ೏ ௞ே
‫ܧ‬௔ǡௗ ൌ ൌ Ͷ͵ͷǡͲ .
ୡ୭ୱ ଵ଴ι ௠
Wird diese Erddruckkraft rechteckförmig über die Höhe der Nagelwand verteilt, dann ergibt
sich die Erddruckspannung
ாೌǡ೏ ௞ே
݁௔ǡௗ ൌ ൌ ͷͶǡͶ .
଼௠ ௠మ
Aus der auf 85 % abgeminderten Erddruckspannung und der Einzugsfläche eines Nagels be-
rechnet sich die Zugkraft des Nagels zu:
௞ே
‫ܧ‬௡ǡௗ ൌ Ͳǡͺͷ ή ͷͶǡͶ ή ͳ݉ ή ͳǡͷ݉ ൌ ͸ͻǡ͵݇ܰ , damit ist ‫ܧ‬௡ǡௗ ൏ ‫ܧ‬௠ǡௗ .
௠మ
228 7 Berechnung der Gesamtstandsicherheit nach EC 7-1, Abschnitt 11

Es zeigt sich, dass die Zugkraft ‫ܧ‬௠ǡௗ , welche über das Defizit des Kräftegleichgewichts ermit-
telt wurde, größer ist als die Zugkraft ‫ܧ‬௡ǡௗ , die sich aus der Bemessungseinwirkung auf die
Außenhaut ergibt. Damit ist ‫ܧ‬௠ǡௗ maßgebend und für die Nachweise auf Materialversagen und
Herausziehen der Bodennägel zu verwenden.
Es muss hier angemerkt werden, dass die dargestellte Untersuchung der Bruchkörper zur Er-
mittlung der Nagelbeanspruchung ‫ܧ‬௠ǡௗ nicht den Nachweis der Gesamtstandsicherheit ersetzt!
Nach DIN 1054 sind für den Nachweis der Gesamtstandsicherheit Bruchfiguren zu untersu-
chen deren Gleitflächen sämtliche oder einen Teil der Nägel oder keine Nägel schneiden (Bild
7-30)!

Bild 7-30 Maßgebender Gleitkreis für


den Nachweis der Gesamtstandsicher-
heit

7.5 Weitere Regelungen und Hinweise


Beim Vergleich der neuen Regelungen zur Gesamtstandsicherheit nach von EC 7-1 samt natio-
nalem Anhang und DIN 1054:2010-12 mit den alten Regelungen in DIN 1054:2005-01 zeigt
sich, dass im EC 7-1 einige zusätzliche Kapitel und Hinweise enthalten sind. So sind folgende
Kapitel neu hinzugefügt worden:
- „11.2 Grenzzustände“,
- „11.3 Einwirkungen und Bemessungssituation“,
- „11.4 Gesichtspunkte bei Berechnung und Ausführung“,
sowie in Kapitel „11.5 Berechnung im Grenzzustand der Tragfähigkeit“ die Unterkapitel:
- „11.5.2 Felsböschungen und Einschnitte“ und
- „11.5.3 Standsicherheit von Baugruben“.
Der Großteil der Absätze im Unterkapitel „11.5.1 Nachweis der Gesamtstandsicherheit“ ist
ebenfalls neu. Es wurden Absätze ergänzt in denen darauf hingewiesen wird, dass kurzfristige
und langfristige Standsicherheiten zu beachten sind und dass die Standsicherheit auch mit
finiten Elementen nachgewiesen werden kann. Es folgen Absätze hinsichtlich der Bruchkör-
pergeometrie, wie sie auch in DIN 4084 zu finden sind. In einem weiten Absatz wird geregelt,
7.6 Literatur und Quellen 229

dass Unsicherheiten beim Ansatz der Wichte des Bodens durch die Anwendung oberer und
unterer charakteristischer Werte berücksichtigt werden sollten.
In Kapitel 11.3 im EC 7-1 wird z. B. die Berücksichtigung von Wasser explizit thematisiert. Es
wird darauf hingewiesen, dass die ungünstigsten Wasserspiegelhöhen von Grundwasser oder
Gewässern zu erfassen sind und dass der Ausfall von Drainagen, Abdichtungen und Filtern zu
berücksichtigen ist.

7.6 Literatur und Quellen


[1] Bewehrte Erde Ingenieurgesellschaft mbH: http://www.bewehrte-
erde.de/index.php?article_id=103 (15.04.2014)
[2] Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt): Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung
Z-20.1-106 für Bodenvernagelung System „DYWIDAG“ vom 01.05.2012
[3] DIN 1054:2005-01 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau
[4] DIN 1054:2010-12 Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau – Ergän-
zende Regelungen zu DIN EN 1997-1
[5] DIN 4084:2009-01 Baugrund – Geländebruchberechnungen
[6] DIN 4084 Beiblatt 1:2012-07 Baugrund – Geländebruchberechnungen – Beiblatt 1:
Berechnungsbeispiele
[7] DIN 4085:2011-05 Baugrund – Berechnung des Erddrucks
[8] DIN 4124:2012-01 Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten
[9] DIN EN 1997-1:2009-09 Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der
Geotechnik – Teil 1: Allgemeine Regeln; Deutsche Fassung EN 1997-1:2004 +
AC:2009
[10] DIN EN 1997-1/NA:2010-12 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter –
Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 1: Allge-
meine Regeln
[11] Empfehlungen für den Entwurf und die Berechnung von Erdkörpern mit Bewehrungen
aus Geokunststoffen – EBGEO. 2010, Herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft
für Geotechnik e.V., Ernst & Sohn, Berlin
[12] Gäßler, G. (1987): Vernagelte Geländesprünge – Tragverhalten und Standsicherheit.
Heft 108 der Veröffentlichungen des Instituts für Bodenmechanik und Felsmechanik der
Universität Fridericiana. Karlsruhe
[13] Kempfert, H.-G., Raithel, M. (2009): Bodenmechanik und Grundbau. Band 1: Boden-
mechanik. Bauwerk Verlag, Berlin, S. 219
[14] Merkblatt über Stützkonstruktionen aus stahlbewehrten Erdkörpern M SASE. Ausgabe
2010, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V., Arbeitsgruppe Erd-
und Grundbau, FGSV Verlag, Köln
[15] Möller, G. (2012): Geotechnik. Grundbau. Ernst & Sohn, Berlin
[16] Wolff & Müller Holding GmbH & Co. KG: http://www.wolff-mueller.de/assets/
gallery/23/92.jpg (15.04.2014)
231

Sachwortverzeichnis

A Belastung
Abnahmeprüfung .......................... 174, 179 – stark exzentrische ............................ 30
Ankerausfall ......................................... 173 Bemessungsgrenzschubkraft ................ 226
Ankerbeanspruchung ............................ 170 Bemessungsreibungswinkel ................. 206
Ankerkraft ............................................ 219 Bemessungssituation ................................ 4
Ankerlänge ........................................... 185 Bemessungswert
– freie................................................ 173 – der Beanspruchung ............................ 7
Ankerwand ........................................... 192 – des Widerstands................................. 7
– fiktive ............................................ 191 – Sohlwiderstand ................................ 48
Anpassungsfaktor ......................... 110, 137 Bettungsmodul ....................................... 83
Äquipotentiallinie ................................. 147 Bettungsmodulverfahren ........................ 64
Archimedes........................................... 104 Bettungsreaktion..................................... 65
Auflast Bettungsspannung ...................... 65, 84, 85
– begrenzte ............................... 131, 144 BLUM .......................................... 132, 133
– großflächige ........................... 131, 144 BLUMsche Dalbentheorie ...................... 64
Aufschwimmen ............................ 100, 104 BLUMsche Ersatzkraft ........ 132, 138, 139,
141
Auftrieb ................................................ 105
Bodenblock
Auftriebskraft
– Abheben des .................................. 112
– hydrostatische ................................ 104
Bodennagel ........................................... 223
Auftriebspfahl....................................... 113
– Herausziehen ................................. 223
Ausmitte ................................................. 24
Bodenprisma
Ausmittigkeit .................................... 40, 53
– maßgebendes ................................. 116
zulässige ............................................. 21
Bodenreaktion .................................. 23, 40
Außenhaut .................................... 223, 227
Böschung .............................................. 197
B Böschungssicherung
– konstruktive ........................... 198, 222
Baugrund
Böschungsstandsicherheit ...................... 11
– günstiger ........................................ 116
Böschungswinkel ......................... 197, 202
– ungünstiger .................................... 116
Bruchmechanismus ...... 198, 202, 204, 208
Baugrundversuch .................................... 61
Beanspruchung D
– hydraulische................................... 100
Daueranker ................................... 170, 173
Begleiteinwirkung .................................. 14
Drehpunkt ..................................... 132, 133
Begrenzung
Drehung ................................................ 137
– klaffende Fuge ................................. 46
232 Sachwortverzeichnis

Drucksonde ............................................. 70 Fußauflagerung


– Spitzenwiderstand ............................ 71 – freie................................................ 144
Fußeinspannung.................... 131, 132, 138
E
Eignungsprüfung .......... 174, 177, 180, 182 G
Einwirkung Gebrauchstauglichkeit
– geotechnische .................................. 22 – Grenzzustand ................................... 64
– veränderliche ................................. 187 – Nachweis ......................................... 75
Einzelfundament ..................................... 19 Geländebruch........................................ 197
Einzelpfahl........................................ 58, 69 GEO-2 .................................................... 10
Erddruck ............................... 110, 191, 193 GEO-3 .................................................... 11
– aktiver ............................................ 134 Gesamtstandsicherheit .......................... 197
Erddruckansatz ............................. 132, 170 Geschwindigkeitsplan........................... 209
Erddruckbeiwert ................................... 134 Gleiten .................................................... 20
Erddruckneigungswinkel126, 133, 134, Gleitfläche .................................... 148, 200
141, 193 – ebene.............................................. 134
Erddruckumlagerung ............................ 151 – gekrümmte ..................................... 134
Erddruckverteilung Gleitflächenwinkel ............................... 135
– klassische dreiecksförmige ............ 151 Gleitfuge
Erdwiderlager – tiefe ................................................ 185
– Nachweis ....................................... 133 Gleitkeil
Erdwiderstand ....................................... 134 – aktiver ............................................ 153
– ebener .............................................. 84 Gleitkreis .............................................. 205
– mobilisierter ........................... 140, 160 Gleitlinie ............................................... 200
– räumlicher ........................................ 65 – äußere ............................................ 208
Erdwiderstandsbeiwert ......................... 134 – innere ............................................. 208
Erfahrungswert ............. 61, 69, 71, 72, 143 – kreisförmige................................... 204
Erosion – oberflächennahe............................. 203
– innere ....................................... 13, 100 Gleitsicherheit ........................................ 30
Ersatzeinzelpfahl .................................... 96 Gleitwiderstand ................................ 26, 44
Gradient
F
– hydraulischer ................................. 145
Felsböschung ........................................ 228
– mittlerer hydraulischer........... 149, 150
Finite-Elemente-Methode ..................... 116
Grenzabstand .......................................... 69
Flächengründung .................................... 19
Grenzlinie ..................................... 178, 183
Fuge
Grenzsetzung .......................................... 73
– klaffende .................................... 32, 46
Grenzzustand ............................................ 5
Fundamentverdrehung ...................... 34, 46
– Aufschwimmen ............................... 12
Sachwortverzeichnis 233

– Gebrauchstauglichkeit ..... 5, 64, 73, 78 M


– HYD ................................................ 13 Mantelreibung ........................ 70, 143, 218
– Tragfähigkeit ................... 6, 72, 78, 82 – negative ................... 58, 76, 77, 78, 80
– Verlust der Lagesicherheit ............... 12 Mantelwiderstand ......................... 141, 143
– Versagen des Baugrunds ................... 9 Materialversagen .................................. 223
Grundbruch............................................. 20 Messwert ................................................ 87
– hydraulischer ................... 13, 100, 115 – minimaler ........................................ 59
Grundbruchsicherheit ............................. 30 – Mittelwert ........................................ 59
Grundbruchwiderstand ..................... 26, 42 – Pfahlprobebelastung ........................ 60
Gründungslast......................................... 22 Mikropfahl.............................................. 58
Grundwasser ................................. 125, 213 Mindestbeobachtungszeit ..................... 176
Grundwasserströmung .......................... 144 Mindesthaltedauer ................................ 175
Gruppenwirkung ..................................... 95 Mindestprüfkraft..................................... 58
Modellfaktor ........................................... 62
H
Herausziehwiderstand .......... 112, 171, 219 N
Nachweis
K
– vereinfachter .................................. 140
Kategorie
– vereinfachter im Regelfall ............... 47
– geotechnische .......... 19, 104, 169, 197
– vereinfachter in Regelfällen ............ 34
Kippnachweis ......................................... 21
– zulässige Ausmittigkeit ................... 20
Kippsicherheit .................................. 30, 46
Nachweisverfahren ................................. 21
Kombinationsbeiwert ............................. 14
Nagelwand............................................ 223
Kombinationsregel ................................. 14
Nationaler Anhang ................................... 2
Kontinuitätsgleichung .......................... 149
neutraler Punkt ..................... 76, 77, 78, 80
Krafteck ................................................ 191
Nomogramm............................... 94, 95, 97
Krafteintragungslänge .......................... 173
Norm
Kriechmaß .................................... 177, 183
– nationale ............................................ 1
Kurzzeitanker ............................... 169, 173
Normenhierarchie ..................................... 3
L
P
LACKNER ........................... 138, 139, 140
Pfahl
Lamellenverfahren........................ 204, 214
– kurzer............................................... 64
Laplace‘schen Differentialgleichung .... 116
– lang, schlank .................................... 64
Leiteinwirkung ....................................... 14
Pfahlachsabstand .................................... 70
Litzenankersystem ................................ 180
Pfahldruckwiderstand ....................... 59, 62
Lösung
Pfahleigengewicht .................................. 58
– analytische ..................................... 117
Pfahlgruppe .................... 58, 64, 91, 95, 96
234 Sachwortverzeichnis

Pfahlmantelreibung................................. 73 Sohlfläche
Pfahlprobebelastung ................... 58, 59, 62 – Verschiebung ................................... 34
– dynamische ...................................... 63 Sohlfuge
– statische, axiale ................................ 86 – Setzung ............................................ 47
Pfahlprobe-belastung .............................. 88 – Verschiebung ................................... 47
Pfahlraster ............................................. 113 Sohlwiderstand
Piping.............................................. 13, 100 – Bemessungswert .............................. 48
Porenwasserdruck ........................ 146, 150, Spannung
187, 206, 213, 214 – totale .............................................. 214
Potentialhöhe ........................................ 188 Spitzendruck ................................... 70, 143
Potentialliniennetz ........................ 116, 213 Spitzenwiderstand .......................... 70, 143
Potentialnetz ......................................... 147 Drucksonde......................................... 71
Potentialunterschied ..................... 144, 145 Sporn .................................................... 105
Probebelastung Stabwerksprogramm ............................. 131
– dynamische ...................................... 62 Stahllänge
Prüflast.................................................. 175 – freie................................ 173, 178, 183
Prüfverfahren ........................................ 175 Stahlzugglied ........................ 171, 173, 181
Starrkörperbruchmechanismus ............. 223
R
Stoßversuch ............................................ 63
Rammtiefenzuschlag .................... 138, 140
Streifenfundament .................................. 19
Randbedingung ..................................... 117
Streifenlast ............................................ 153
Reaktionskraft....................................... 208
Streuungsfaktor .......................... 59, 60, 62
Reibungswiderstand ............................. 141
Stromfaden ........................................... 149
Reibungswinkel .................................... 110
Stromliniennetz .................................... 213
– Mobilisierung ................................ 211
Strömung .............................................. 146
Relativverschiebung ............................... 76
Strömungseinfluss ................ 145, 149, 162
Rucksacklast ......................................... 151
Strömungskraft ..... 116, 125, 126, 146, 213
S – spezifische ..................................... 145
Strömungsliniennetz ............................. 116
Scherfestigkeit
Strömungsnetz ...................................... 147
– undrainierte ...................................... 70
Stützenfundament ................................... 38
Scherkraft ............................................. 110
Scherwiderstand ........................... 200, 208 T
Setzungsberechnung ............................... 34
Tabellenwert ........................................... 35
Setzungsdifferenz ............................. 64, 89
Teilsicherheitsbeiwert........... 102, 103, 172
Sicherheitskonzept .................................... 1
– Widerstand....................................... 29
Sohldruckresultierende ........................... 24
Sachwortverzeichnis 235

U – effektive................................. 146, 150


Umlagerung .......................................... 151 Vollaushub ........................................... 170
Umströmung ................................. 125, 126 Voraushubzustand ................................ 131
Untersuchungsprüfung ......................... 174 Vorspannung ........................................ 217
UW-Betonsohle .................................... 107
W
V Wand
Verankerung ......................................... 169 bodengestützte .................................. 126
Verankerungslänge ............................... 173 Wandreibungswinkel .................... 110, 134
Verbau Wasserdruck ......................................... 187
– frei auskragender ................... 131, 133 Wert
Verbauwand – charakteristischer ............................... 8
– frei auskragende ............................ 132 Wichteänderung ................................... 149
Verformungsgröße.................................. 34 Widerstands-Setzungs-Linie...... 64, 73, 74,
75, 82, 89
Verpressanker ....................... 169, 173, 217
Winkelstützwand .................................... 51
Versagen
– bodengestützter Wand .......... 126, 137, Z
159, 161
Zugglied ............................................... 218
Erdwiderlager ................................... 126
– nicht selbstspannendes .................. 217
Versagensform...................................... 200
– selbstspannendes ................... 217, 218
Verschiebungsplan ....................... 209, 213
– vorgespanntes ................................ 218
Vertikalbewegung ........ 127, 141, 142, 161
Zugpfahl ............................................... 112
Vertikalkomponente ............. 126, 140, 160
Zusatzkraft.................................... 208, 211
Vertikalspannung
Zwangsgleitfläche ................ 136, 153, 154