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Fritz Leonhardt

Vorlesungen
über
Massivbau
DritterTeil
Grundlagen zum Bewehren
im Stahlbetonbau

F. Leonhardt und E. Mönnig

Zweite Auflage

Springer-Verlag
Berlin Heidelberg GmbH 1976
Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. FRITZ LEONHARDT
em. Professor am Institut für Massivbau der Universität Stuttgart

Dipl.-Ing. EDUARD MÖNNIG


em. Professor am Institut für Massivbau der Universität Stuttgart

Mit 317 Abbildungen

ISBN 978-3-540-07718-3 ISBN 978-3-662-10821-5 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-662-10821-5

Library of Congress Cataloging in Publication Data


Leonhardt, Fritz, 1909- Grundlagen zum Bewehren im Stahlbeton bau.
(His Vorlesungen über Massivbau; T. 3)
Bibi iography: p.
1. Reinforced concrete construction. I. Mönnig, Eduard, joint author.
11. Title. 111. Series.
TA681.L58 1973a T.3 [TA683] 624'.1834'08s [624'.1834] 76-7993
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© by Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1976
Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1976
Softcover reprint of the hardcover 2nd edition 1976

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auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, daß solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und
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Vorwort

Der erste und zweite Teil dieser "Vorlesungen über Massivbau" behandeln die Bemessung
im Stahlbetonbau. Der dritte Teil ist den Grundlagen des Bewehrens gewidmet.

Für die richtige Führung der Bewehrungen muß man den Verlauf der Zugkräfte im Inneren
der Stahlbetontragwerke kennen. Die Bewehrungen müssen zur Gewährleistung der Trag- und
der Gebrauchsfähigkeit der Stahlbetontragwerke dem Verlauf der Zugkräfte möglichst genau
entsprechen. Diese Forderung kann aus fertigungstechnischen Gründen meist nicht voll erfüllt
werden. Deshalb muß der Ingenieur, gestützt auf Versuchsergebnisse und Erfahrung, Lösun-
gen anstreben, die neben der unabdingbaren Standsicherheit kleinstmögliche Rißbreiten ge-
währleisten. Dazu muß er die Gesetze der Verbundwirkung und der Verankerungen kennen
und wissen, welche Einflüsse die Größe der Stabdurchmesser , die Abstände der Bewehrungs-
stäbe und die Abweichung ihrer Richtung von der Richtung der Hauptzugspannungen auf die
Rißbreiten haben.

Für die Bauausführung muß darüber hinaus die Herstellung und das Zusammenfügen der Be-
wehrungen und Bewehrungskörbe im Auge behalten werden, wobei es heute darauf ankommt,
nicht unbedingt das Minimum an Stahlgewicht zu erreichen, sondern Arbeitslöhne zu sparen.
Gerade die fertigungstechnischen Überlegungen zur Verminderung der Lohnkosten haben in
den letzten Jahren die Art der Bewehrungen stark beeinflußt. Diese Entwicklung ist noch im
Gange. Die hier gezeigten Bewehrungen tragen dieser Entwicklung wohl schon Rechnung, es
ist jedoch zu erwarten, daß die Rationalisierung der Bewehrungen in den nächsten Jahren noch
manche Veränderungen besonders im Hinblick auf fabrikmäßig vorgefertigte Bewehrungsteile
bringen wird.

Die Bewehrungen sind ein erheblicher Kostenfaktor bei allen Stahlbetonbauwerken. Die Wirt-
schaftlichkeit eines Tragwerkes hängt immer noch stark von den nötigen Betonstahlmengen ab.
Der entwerfende Ingenieur wird daher weiterhin bestrebt sein, Bewehrungen nur dort vorzu-
sehen, wo sie für die Tragfähigkeit und Gebrauchsfähigkeit wirklich sinnvoll und notwendig
sind. Für den im Wettbewerb stehenden Ingenieur lohnt es sich daher, sich mit der Kunst des
Bewehrens gründlich zu befassen, weil der Erfolg seiner Arbeit stark von der Qualität des
Entwurfs der Bewehrungen abhängt.

DielVorlesungen über Bewehren sind gegliedert in Angaben über allgemeine Regeln der Beweh-
rungsführung, über Regeln zur Verankerung oder Stoßverbindung von Bewehrungsstäben, so - .
wie über die Behandlung der Kräfte, die durch Richtungsänderung von Bewehrungsstäben ent-
stehen. Anschließend wird die zweckmäßige Bewehrung der verschiedenen Tragwerksarten
im Hinblick auf die verschiedenen Beanspruchungsarten behandelt. Für jede Tragwerksart
werden Beispiele für die zweckmäßige Bewehrungsführung in vereinfachten Zeichnungen dar-
gestellt.

Besonderheiten des Brückenbaues, des bewehrten Leichtbetons, des erdbebensicheren und


hochfeuerbeständigen Bauens mit Stahlbeton sind hier nicht behandelt, sie folgen noch in spä-
teren Bänden für Vertiefer.

DIN 1045 enthält vielerlei Bedingungen für die Bewehrungsführung, die im allgemeinen ein-
gehalten sind. Soweit jedoch neue re Versuchsergebnisse zu Erkenntnissen führten, die von
derzeitigen Vorschriften abweichen, wurden diese dargestellt, wobei in der Regel auf die Ab-
weichung von DIN 1045 hingewiesen wird.
IV Vorwort

Die hier vorgetragene Lehre über Grundlagen des Bewehrens beruht weitgehend auf Versu-
chen, die in mehreren Jahrzehnten an vielen Forschungsinstituten in der ganzen Welt durch-
geführt wurden, wobei wir vorwiegend die Erkenntnisse aus den Stuttgarter Versuchen der
letzten 15 Jahre verwertet haben. In manchen Sonderfällen werden die speziellen Probleme
nur aufgezeigt und für die Lösungen wird auf Berichte im Schrifttum verwiesen. Damit soll
wieder erreicht werden, daß diese Vorlesungen nicht nur dem Studenten die Grundkenntnisse
vermitteln, sondern auch dem in der Praxis stehenden Ingenieur den Weg zur Lösung seiner
Aufgaben weisen.

Bei der Bearbeitung dieses Bandes hat sich Herr Di;>l. -Ing. R. Meschkat besonders verdient
gemacht, indem er u. a. die Anfertigung der zahlreichen Abbildungen betreute und deutsches
sowie ausländisches Schrifttum kritisch auswertete. Manche Anregung kam dadurch zustan-
de, daß Herr Meschkat gleichzeitig das Handbuch "Bewehrungsführung in Stahlbetontragwer-
ken" bearbeitete, das vom CEB (Comite Europeen du Beton) und von der FIP (Fecteration
Internationale de la Precontrainte) herausgegeben wird. Für die gute Wiedergabe der Zeich-
nungen danken wir Frau V. Zander und Frau M. Martenyi, für den Umbruch Herrn A. Hoch
und Herrn H. Lenzi. Frau I. Paechter hat den Text mit großer Sorgfalt geschrieben.

Dem Verlag sei besonders dafür gedankt, daß er sich bereit erklärt hat, diese "Vorlesungen"
zu mäßigen Preisen herauszubringen, damit sie als Lernhilfe für Studenten und für im Beruf
stehende Ingenieure in gleicher Weise erschwinglich sind.

Stuttgart, Mai 1974 F. Leonhardt und E. Mönnig

Vorwort zur zweiten Auflage


Die zweite Auflage enthält einige Verbesserungen und Ergänzungen der Darstellung in ver-
schiedenen Abschnitten. Insbesondere wurde die "Ergänzende Bestimmung zu DIN 1045
(Fassung April 1975)" und die bevorstehende Neufassung des Abschnittes 18 der DIN 1045
berücksichtigt.

Stuttgart, Februar 1976 F. Leonhardt und E. Mönnig


Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines über Entwurf und Konstruktion


1. 1 Ablauf der Ingenieurarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1. 2 Erforderliche Unterlagen. , . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1. 2. 1 Zeichnungen....................................................... 2
1. 2. 2 Statische Berechnungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1. 2. 3 Bautechnische Beschreibung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1. 3 Richtlinien für die Formgebung von Betonbauteilen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1. 4 Wahl der Baustoffe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1. 4. 1 Zweckmäßige Wahl der Betongüten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
1. 4. 2 Zweckmäßige Wahl der Betonstahlsorten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
1. 4. 3 Verwendung verschiedener Stahlsorten nebeneinander ................. 5

2. Schnittgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2. 1 Allgemeines ..................................... ....................... 7
2. 2 Auflagerverhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
2.2.1 Frei drehbare Lagerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.2.2 Geringe Einspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8
2.2.3 Mäßige bis kräftige Einspannung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
2.3 Auflagertiefen . . . . . . . . . .. . . . . . . .. .. . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2. 4 Stützweiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
2.5 Anleitung zur Ermittlung der Schnittgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
2.6 Maßgebende Schnittgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2. 6. 1 Maß ge bende Schnittgrößen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.6.1. 1 Negative Stützmomente. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2. 6. 1. 2 Positive Stützmomente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2. 6. 1. 3 Po si ti ve Feldmomente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.6.1.4 Negative Feldmomente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
2.6.2 Maßgebende Querkräfte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
2.6.3 Maßgebende Stütz- bzw. Auflagerkräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

3. Allgemeines zum Bewehren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21


3.1 Zweck des Bewehrens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
3. 2 Günstigste Bewehrungsführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3. 3 Verbindung der Bewehrungsstäbe zum Bewehrungsgerippe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
3.4 Wahl der Stabdurchmesser und Stababstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
3.5 Häufung von Bewehrungsstäben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3. 6 Betondeckung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25
3.7 Rationalisierung der Bewehrung ............... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28
VI Inhaltsverzeichnis

4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31


4. 1 Spaltkräfte im Verankerungsbereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
4. 2 Zur Lage der Verankerungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
4. 3 Verankerungen für Zugstäbe ............................................ 34
4.3.1 Verankerungen gerader Stabenden durch Verbund ................... 34
4. 3. 1. 1 Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4. 3. 1. 2 Verbundgüte abhängig von der Lage des Stabes
beim Betonieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4.3.1.3 Zulässige Verbundspannung im Verankerungsbereich . . . . . . . 35
4.3.1.4 Erforderliche Verankerungslänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
4.3.1.5 Sicherung gegen die Querzugkräfte (Spaltkräfte)
im Verankerungsbereich ....... ...... ... ................ 38
4. 3. 2 Verankerung mit Haken und Winkelhaken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38
4. 3. 3 Schlaufenanker .................................................. 41
4.3.3.1 Schlaufen ohne Querbewehrung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
4.3.3.2 Schlaufen mit Querbewehrung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4.3.4 Verankerung mit aufgeschweißten Querstäben, geschweißte Beton-
stahlmatten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43
4. 3. 5 Ankerkörper .................................................... 45
4. 4 Verankerungen für Druckstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49


5. 1 Allgemeines........................................................... 49
5. 2 Direkte Stoßverbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5. 2. 1 Geschweißte Stöße für Zug und Druck. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
5.2.2 Gewindemuffenstöße ............................................ 51
5. 2. 3 Preßmuffenstöße für gerippte Stäbe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.2.4 Thermit-Muffenstöße............................................ 52
5.2.5 Kontaktstöße für Druckstäbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
5. 3 Indirekte Stoßverbindungen für Zug ...................................... 54
5. 3. 1 Übergreifungsstöße mit geraden Stabenden , Haken
oder Winkelhaken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . 54
5. 3. 1. 1 Allgemeines... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5.3.1.2 Erforderliche Übergreifungslänge e ü . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55
5.3.1.3 Querbewehrung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58
5.3.2 Übergreifungsstöße mit großen Haken ............................ . 59
5.3.3 Übergreifungsstöße mit Schlaufen ............................... . 60
5.3.4 Übergreifungsstöße geschweißter Betonstahlmatten ................ . 61
5. 3.4. 1 Allgemeines........... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
5. 3. 4. 2 Übergreifungslänge. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
5.3.4.3 Dauerschwingbelastung ................................ 62
5.3.4.4 Stöße der Querstäbe von Matten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
5. 4 Übergreifungsstöße für Druck .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63

6. Umlenkkräfte infolge Richtungsänderungen von Zug- oder Druckgliedern ........ 65


6. 1 Allgemeines.. . . . . • . . . . . • . • . . . • • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • 65
6. 2 Zugstäbe an einspringenden Ecken ........ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
6. 2. 1 Kleine Winkel .................................................. 65
6. 2. 2 Große Winkel.. . • . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Inhaltsverzeichnis VII

6. 3 Stetige Krümmung von Stäben. . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66


6.3.1 Starke Krümmung, Aufnahme der Umlenkkräfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
6. 3. 2 Schwache Krümmung, Aufnahme der Umlenkkräfte
durch die Betondeckung ........................................ 66
6.4 Gekrümmte Stäbe in einer Ebene parallel zur Außenfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
6.5 Stark gekrümmte oder aufgebogene Bewehrungsstäbe ..................... 69
6. 6 Umlenkung von Druckkräften im Beton .................................. 70

7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten Bauteilen ............................. 71


7.1 Abstufung der Längsbewehrung ......................................... 71
7.1.1 Zugkraftlinie, Versatzmaß .. . .... ... . .. . .. ... .. . . . . ... .... . . .. .. 71
7.1.2 Zugkraftdeckung, Abstufung..................................... 73
7.1.3 Verankerung abgestufter Längsstäbe ... . . . .. . .. . . . . . . .. .. . . .. . .. . 74
7.1.3.1 Verankerungslängen gerader Stäbe ..................... . 74
7.1.3.2 Verankerungslängen aufgebogener Stäbe ................ . 75
7. 2 Verankerung der Längsstäbe an Auflagern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
7.2.1 Verankerungslängen an Endauflagern . . ... .. .... . . .. ... .. . . . . . . . .. . 76
7.2.2 Verankerungslängen an Zwischenauflagern .. . .. . .. .. . . . .. . . . . . . . ... 76
7.3 Verbund in Biegezugbereichen 78

8. Platten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
8. 1 Allgemeines.................... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
8.1.1 Abmessungen................................................... 81
8. 1. 2 Zum Tragverhalten und zur Schnittgrößenermittlung ............... 82
8.2 Einachsig gespannte Platten ........ '" . ...... .... . . .. . . . . .. . . .. .. . . .. .. 82
8.2.1 Einfeldrige Platten ohne Einspannung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
8.2.2 Einfeldrige Platten mit Endeinspannung. .. .. .. . . . . . .. . . . . . .. . .. .... 84
8.2.3 Mehrfeldrige durchlaufende Platten .............................. 84
8.2.4 Querbewehrung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 85
8.2.4.1 Gleichmäßige Flächenlast ............................. . 85
8.2.4.2 Statisch nicht berücksichtigte Stützung parallel
zur Spannrichtung .................................... . 88
8.2.5 Bewehrung an freien Rändern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
8.2.6 Schubbewehrung von Platten.. ... ..... . .. .. ... .. .. .. .. .. . . .. .. ..• 89
8. 2. 7 Berücksichtigung von Einzellasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
8. 2.8 Berücksichtigung von Linienlasten ............................... 94
8.2.9 Einachsig gespannte Platten mit Rechtecköffnungen. ................ 95
8.3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . 97
8.3.1 Vierseitig gelagerte Rechteckplatten . .. .. ...... .. .. .. . . . . . . .. . ... 97
8. 3. 1. 1 Allseitig frei drehbare Lagerung ...................... . 97
8.3.1.2 Eingespannte Ränder ................................. . 100
8.3.1.3 Durchlaufende zweiachsig gespannte Rechteckplatten ..... . 100
8.3.2 Dreiseitig gelagerte Rechteckplatten . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
8.3.2.1 Frei drehbare Lagerung ............................. . 104
8.3.2.2 Volle Einspannung ................................... . 104
8. 3. 2. 3 Dreiseitig eingespannte Platte mit auskragendem
Pla ttenteil ........................................... . 105
8.3.3 Zweiseitig in einer einspringenden Ecke gelagerte Rechteckplatten. . . 108
VIII Inhaltsverzeichnis

8.3.3.1 Frei drehbare Lagerung ............................ . 108


8.3.3.2 Volle Einspannung.................................... . 108
8.3.4 Über eine Wandecke auskragende Platte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
8.3.5 Platte auf Einzelstützen ........................................ 110
8.3.5.1 Flachdecken 110
8.3.5.2 Pilzdecken .•......................................... 114
8.4 Öffnungen in zweiachsig gespannten Rechteckplatten •..................... 114
8.5 Rechteckplatten mit unterbrochener Stützung. ... . . .. .. . . . . . . .. . . . . . .. .. . . 115
8.6 Dreieckplatten .................................................. ...... 115
8.7 Kreisplatten und Kreisringplatten ...................................... 117

9. Balken und Plattenbalken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121


9.1 Allgemeines.... . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . 121
9.2 Arten und Wahl der Schubbewehrung. . . . . . . . . . . . .. . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
9.2.1 Bügel......................................................... 122
9.2.2 Bügelmatten. ........................... ................. ...... 124
9.2.3 Bügelabstände und Bügeldurchmesser ., . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. ... . . . 125
9.2.4 Schrägstäbe .. . . . .. .. .. .. . ... . . .. .. . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . .. 126
9.2.5 Abstufung der Schubbewehrung ............................... '" . 127
9.3 Verteilungsbewehrung bei hohen Stegen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .• 129
9.4 Besonderheiten bei Plattenbalken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
9.4.1 Verteilung der Gurtbewehrung bei Plattenbalken .................. 130
9.4.2 Anschlußbewehrung für Gurtplatten oder Flansche. . . . . . . . . . . . . . . . . 131
9.4. 3 Einleitung von Querbiegemomenten in den Steg. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131
9.5 Einfeldrige schlanke Balken ( e/h ~ 8) ................................. 132
9.6 Durchlaufende schlanke Balken ( ei/h ~ 8) 134
9.7 Schlanke Kragträger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
9. 8 Gedrungene Balken (2 "" e/h < 8) und auflagernahe Lasten ................ 138
9.9 Mittelbare Lasteintragung oder mittelbare Lagerung von Balken. . . . . . . . . . . 139
9.10 Angehängte Lasten .................................................. 142
9.11 Abgesetzte Auflager.. . . .... . . . . . . .. .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 143
9. 12 Balken mit Öffnungen im Steg 146
9.13 Balken mit Torsionsbeanspruchung .. . .. . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147
9.13.1 Reine Torsion..................................... ............ 147
9.13.2 Kombinierte Beanspruchung durch Torsion,
Querkraft und Biegung... .. . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .. . . . . .. .. .. . 151

10. Rippendecken, Kassettendecken und Hohlplatten ............................ 153


10.1 Rippendecken ..................................................... , . 153
10.2 Kassettendecken. . . .. . . . . . .. . . . . . . . .. .. . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
10.3 Hohlplatten ......................................................... 157
10.3.1 Einachsig gespannte HOhlplatten
(Hohlräume in Spannrichtung) ................... , . . . . .. . . . . . . . . 157
10.3.2 Zweiachsig gespannte Hohlplatten ............................. 157
10.3.3 Zweiachsig gespannte Hohlplatten mit quaderförmigen
Schalkörpern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
10.4 Weitere Deckenbauarten ........ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
[nhaltsverzeichnis IX

11. Rahmenecken ....................... ... ........... .. ..... . . . ...... ...... 159


11. 1 Innerer Kräfteverlauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • 159
11. 2 Rahmenecken für negative Momente (außen Zug) ......... .............. 160
11. 3 Rahmenecken für positive Momente (innen Zug) ............ .. ......... 163
11. 3.1 Ecken mit rechtem Winkel .................................. . 163
11. 3. 2 Ecken mit stumpfen oder spitzen Winkeln .................... . 169
11. 3. 3 Winkelstützwände ......................................... . 170
11.3.4 Einbinden von Rahmenstützen in Platten
(bei großen H -Kräften) ..................................... . 170

12. Wandartige Träger oder Scheiben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 171


12.1 Unmittelbar gestützte wandartige Träger, oben belastet. . . . . . . . . . . . . . . . 171
12.1.1 Einfeldrige wandartige Träger. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .• . 171
12. 1. 2 Mehrfeldrige wandartige Träger ............................ 171
12.1.3 Auskragende Wandscheiben .............. " . . . . . . . . . . . . . . . . .. 175
12. 2 Wandartige Träger mit unten angehängter Last ....................... 175
12.3 Mittelbar gestützte wandartige Träger. . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . 178
12.4 Geschoßdecken, Windscheiben, Fahrbahntafeln als Scheiben. . . . .. . . .. .. 180
12.5 Bewehren von Decken- und Wandscheiben ............................ 183

13. Konsolen .............................................................. 185


13.1 Unmittelbar belastete Konsolen. . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
13.2 Mittelbar belastete Konsolen.. . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190

14. Druckglieder .......................................................... 191


14.1 Grundsätzliches zur Bewehrung in Druckgliedern . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . 191
14.2 Stahlbetonstützen .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191
14.3 Sonderausführungen von Stützen für Hochhäuser. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. 195
14.3.1 Stahlkernstützen .. . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
14.3.2 Stützen mit hochfestem Stahl. .. . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . .. 196
14.4 Durchdringung von Stützen- und Deckenbewehrungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
14.5 Tragende Wände .................................................... 201
14. 6 Untergeschoßwände bei Erddruck ..................................... 203

15. Krafteinleitungsbereiche. . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . 205


15.1 Grundsätzliches..................................................... 205
15. 2 Arten zweckmäßiger Spaltbewehrungen ........................ . . . . . . . . 206

16. Fundamente 211


16. 1 Vorbemerkung ..................................................... 211
16. 2 Streifenfundamente für Wandlasten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
16. 3 Einzelfundamente für Stützen 217
16.3.1 Vorwiegend mittig belastete Fundamente 217
16. 3. 1. 1 Unbewehrte Einzelfundamente 217
16. 3. 1. 2 Bewehrte Einzelfundamente ......................... 217
16.3. 1. 3 Sicherung bewehrter Fundamentplatten gegen
Durchstanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218
16.3.1.4 Sicherung gegen Verbundbruch und Spaltbruch ........ 221
x Inhaltsverzeichnis

16.3.2 Ausmittig belastete Fundamente für Stützen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225


16.3.3 Becher- oder Hülsenfundamente ............ .. .... ............. 225
16. 3. 3. 1 Rauhe Schalungsflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225
16. 3. 3. 2 Glatte Schalungsflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228
16.4 Streifenfundamente für Einzelstützen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228
16.5 Gründungsplatten für Wandlasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229
16. 6 Gründungsplatten für Einzelstützen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232
16.7 Verankerung von Stahlstützen in Fundamenten.......... .. . . .. .. . .. .. . ... 232
16.8 Pfahlkopfplatten .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234

Schrifttumverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
Inhalt der weiteren Teile zum Werk LEONHARDT
"Vorlesungen über Massivbau":

I. Teil: Grundlagen zur Bemessung im Stahlbetonbau


1. Einführung
2. Beton
3. Betonstahl
4. Verbundbaustoff Stahlbeton
5. Tragverhalten von Stahlbetontragwerken
6. Grundlagen für die Sicherheitsnachweise
7. Bemessung für Biegung mit Längskraft
8. Bemessung für Querkräfte
9. Bemessung für Torsion
10. Bemessung von Stahlbeton-Druckgliedern

11. Teil: Sonderfälle der Bemessung im Stahlbetonbau


1. Bewehrungen schiefwinklig zur Beanspruchungsrichtung
2. Wandartige Träger, Konsolen, Scheiben
3. Einleitung von Kräften und Lasten
4. Betongelenke
5. Durchstanzen von Platten und Fundamenten
6. Bemessung bei schwingender Belastung
7. Besondere Regeln für Stahlleichtbeton

IV. Teil: Verformungen und Rissebeschränkung im Stahlbetonbau


1. Steifigkeiten
2. Durchbiegungen
3. Rissebeschränkung
4. Umlagerung von Schnittgrößen

V. Teil: Spannbeton

VI. Teil: Grundlagen zum Bau von Massivbrücken


1. Allgemeines über Entwurf und Konstruktion

1.1 Ablauf der Ingenieurarbeiten

Am Anfang der Ingenieurarbeit für ein geplantes Bauwerk steht der Ent-
wurf, der in der Regel in Zusammenarbeit von Architekt und Ingenieur
erstellt werden sollte, weil Gestaltung und Konstruktion eng zusammen-
hängen. Zum Entwurf der Tragwerke gehört Erfahrung, die erlaubt, den
technisch und wirtschaftlich günstigsten Baustoff und ein geeignetes Trag-
werksystem zu wählen, eine günstige Herstellungsart anzuvisieren, die
Abmessungen der Bauteile möglichst richtig zu schätzen oder mit einfach-
sten Ansätzen genähert zu berechnen. Die Abmessungen werden dann mit
der statischen Vorberechnung kontrolliert und verbessert, wobei die Ein-
zelheiten auch in konstruktiver Hinsicht skizziert und auf die Ausführbar-
keit durchdacht werden müssen. Der Entwurf wird in Übersichtszeichnun-
gen dargestellt. Darauf folgt die endgültige statische Berechnung mit der
Bemessung, wobei die geforderten Sicherheiten für die Tragfähigkeit und
Gebrauchsfähigkeit nachgewiesen werden müssen. Zum Schluß werden die
Einzelheiten konstruktiv durchgearbeitet und die Ausführungszeichnungen
angefertigt. Dazu muß die Herstellungsart oft bis ins Detail überlegt und
beachtet werden.

Gutes Entwerfen und Konstruieren von Bauwerken ist


ein e Ku n s t, die ein vielseitiges Wissen um Baustoffe, Kraftverlauf,
Bemessung, Ausführung und Verhalten, aber auch umfangreiche Beobach-
tung, Übung und eine natürliche Begabung voraussetzt. Der Ingenieur soll-
te dabei stets nicht nur eine gute Konstruktion, sondern
auch eine schöne Form anstreben.

1.2 Erforderliche Unterlagen

Zur eindeutigen Verständigung zwischen Bauherr, Architekt, Ingenieur,


Bauunternehmen und Baubehörde sollten für die Errichtung eines Bauwer-
kes folgende Unterlagen vorliegen:

Entwurfszeichnungen, statische Berechnung mit Positionsplänen, Ausfüh-


rungszeichnungen, Leistungsverzeichnisse mit Leistungsbeschreibung und
den besonders wichtigen Güteanforderungen, Bauzeitplan, bei neuentwik-
kelten Bauelementen besondere Nachweise der Sicherheit evtl. mit Prüf-
zeugnissen, Prüfbericht des Prüfingenieurs.

In DIN 1045 Abschn. 3 werden die erforderlichen "Bautechnischen Unter-


lagen" ausführlich beschrieben.
2 1. Allgemeines über Entwurf und Konstruktion

1. 2. 1 Zeichnungen

Der Entwurf eines Bauwerks wird in Übersichts zeichnungen dargestellt;


Ansichten, Schnitte und Grundriß im Maßstab 1 : 100 oder 1 : 200, kon-
struktive Einzelheiten 1 : 20, 1 : 10, 1: 5 oder 1 : 1. Mit Positionen
versehen (Positionspläne) dienen sie zur Übersicht bei der statischen
Berechnung.

Für die Bauausführung sind Ausführungspläne (working drawings) zu zeich-


nen:

Schalpläne (concrete drawings) 1 : 50, 1 : 25 oder 1 : 20. Grundriß als


Draufsicht auf Schalflächen. Schnitte durch fertiges Betontragwerk. Sie
enthalten alle nötigen Maße, Höhen, Aussparungen, Durchbrüche, einzu-
betonierende Leitungen u. a. , Angaben über Baustoffe, Verlauf von Fugen
und Dichtungen usw.

Bewehrungszeichnungen (reinforcing drawings) 1 : 50, 1 : 25 oder 1 : 20,


Einzelheiten 1 : 10, 1: 5 und 1 : 1. Darstellung der Bewehrung nach
Stabform, Durchmesser, Anzahl, Stababständen, Höhenlage, Übergrei-
fungs- und Verankerungslängen, genaue Vermaßung der Einzelstäbe oder
der Bewehrungsmatten, Biegerollendurchmesser , Positionen für Stahl-
liste, Betondeckung, Angaben über Betonstahlsorte und über Zusammen-
setzung und Festigkeitsklasse des Betons. Bei Typenbewehrungen genügen
diese Angaben in Tabellen, die in Zukunft der Computer ausdrucken kann.

Werkblätter bei Fertigteilen (vorgefertigte Bauteile). Meist für jedes


Fertigteil (prefabricated element) ein getrenntes Werkblatt, das Form
und Bewehrung mit Angaben über Baustoffgüten, Maßtoleranzen, Aufhän-
gung für Transport, Stückgewicht, Verlegeanweisung usw. enthält.

Pläne für Lehrgerüste, schwierige Schalungen, Montagevorgänge.

1. 2. 2 Statische Berechnungen

Das Vorwort zur statischen Berechnung enthält Angaben über den Kraft-
fluß im Tragwerk, wie er der Statik zugrunde gelegt wurde (z. B. Auf-
nahme der Windkräfte L

Die Berechnung selbst liefert im wesentlichen den Nachweis der Standsi-


cherheit des Bauwerkes und die Bemessung der Bauteile. In schwierigen
Fällen sind Skizzen und Angaben über Querschni tt und Führung der Be-
wehrung einzufügen. Wichtig sind auch die Beurteilung des Baugrundes
hinsichtlich Setzungen und Sicherheit der Gründung, die Nachweise der
Gebrauchsfähigkeit hinsichtlich der Verformungen, Rißbreiten, Schwin-
gungen usw.. Die Einflüsse aus Temperatur, Schwinden und Kriechen
sind gegebenenfalls zu berücksichtigen. Häufig müssen auch Bauzustän-
de , Lehrgerüste und Schalungen berechnet werden.

Alle Nachweise müssen leicht prüfbar sein; das verwendete Schrifttum


sollte angegeben werden; ungewöhnliche Ansätze aus schwer zugängli-
chem Schrifttum sind abzuleiten. Auch noch nach Jahrzehnten sollte die
Beurteilung einer Berechnung (z. B. für Umbauten oder Reparaturen)
möglich sein. Eine gut leserliche Schrift ist unbedingt erforderlich.

1. 2. 3 Bautechnische Beschreibung

Hinweise für die Bauausführung (z. B. zweckmäßige Anordnung von Ar-


beitsfugen, Reihenfolge für die Errichtung oder für Bauabschnitte, evtl.
1. 3 Richtlinien für die Formgebung von Betonbauteilen 3

nötiger Schutz gegen raschen Temperaturwechsel, Anforderungen an Be-


tonsichtflächen, Montagevorgang bei Fertigteilen usw.) werden in der
bautechnischen Beschreibung zusammengefaßt.

1.3 Richtlinien tür die Formgebung von Betonbauteilen

Die Herstellung des Betons als breiige Masse würde beliebige Formge-
bung der Bauteile erlauben. Formen mit einfachen, ebenen Oberflächen
werden aber bevorzugt, damit einfache Schalungen (formwork, shutte-
ring) aus ebenen Schaltafeln, z. B. aus Sperrholz, verwendet werden kön-
nen. Bei oftmaliger Verwendung lohnen sich Stahlschalungen, wobei leich-
tes Ausschalen vorbedacht werden muß. Einfach gekrümmte Flächen las-
sen sich mit schmalen Holzleisten oder gebogenen Blechen noch wirtschaft-
lich schalen, dagegen bedingen doppelt gekrümmte Flächen sehr hohe Scha-
lungskosten, die sich nur in Ausnahmen lohnen. Schalungen müssen genü-
gend ausgesteift sein, damit sie ihre Form auch unter den beim Betonie-
ren und Verdichten auftretenden hohen Schalungsdrücken beibehalten.

Die Formgebung wird stark beeinflußt von der Herstellungsart:

1. 0 r t b e ton (concrete cast in si tu), an der Baustelle in Schalung auf


Rüstung betoniert, bedingt einfache Formen und ausreichende Dicken der
Bauteile. Der dabei entstehende monolithische Zusammenhang aller Bau-
teile ist vorteilhaft und führt zu Sicherheitsreserven durch die statisch
Überzähligen.

2. Fe r t i gt eile (prefabricated elements), im Werk oder an der Bau-


stelle vorgefertigte Bauteile, die montiert werden. Dabei sind möglichst
wenige Formen und möglichst hohe Stückzahlen gleicher Formen anzu-
streben. Bei großer Stückzahl darf die Form kompliziert sein, wenn da-
mit Material, Gewicht oder Lohn gespart wird. Transportgewichte und
Hebezeuge sind aufeinander abzustimmen. Der Entwurf der Verbindungen
zum Zusammenfügen der Fertigteile ist eine konstruktive Aufgabe, deren
Lösung besondere Sorgfalt erfordert (Fügetechnik).

Zu dünne Abmessungen sollten nicht gewählt werden,


sonst ergeben sich Schwierigkeiten beim Bewehren, Betonieren und Ver-
dichten, besonders bei Stegen und Wänden. K ein e d ü n n e n Bau t eil e
an d i c k e anschließen, um hohe innere Spannungen durch Schwinden
und Temperatur in den Übergangszonen zu vermeiden. Keine zu dik-
k e n Bauteile mit Abmessungen> 80 cm in 3 Richtungen, da sonst Span-
nungen und Risse durch hohe Abbindewärme entstehen; wenn nötig, dann
Zement und Betonzusammensetzung für geringe Wärmeentwicklung wählen
oder Beton kühlen oder mäßig vorspannen.

1.4 Wahl der Baustoffe

1. 4. 1 Zweckmäßige Wahl der Betongüten

Unbewehrter Beton (plain concrete), früher auch Stampfbeton genannt:

Bn 50, Bn 100, Bn 150 für Fundamente, Wände, Stütz wände usw. bei
geringer Beanspruchung;
Bn 150, Bn 250, Bn 350 für Untergeschoßwände, dünne tragende Wände
im Hochbau oder dicke Pfeiler im Brückenbau.
4 1. Allgemeines über Entwurf und Konstruktion

Bewehrter Beton Stahlbeton (reinforced concrete) :


-----------------------------
Bn 150 für gering beanspruchte einfache Hochbauteile
ohne Korrosionsgefahr , auch für Fundamente;
nicht für feingliedrige Teile;

Bn 250 für normale Hochbauten;

Bn 350, Bn 450 für hoch beanspruchte Hochbauten, für Brücken


und andere hochwertige Ingenieurbauten, Fer-
tigteile, Spannbeton bauten aller Art;

Bn 550 als Ortbeton für besonders hoch beanspruchte,


nicht zu dünne Bauteile in Brücken und anderen
Ingenieurbauten; bei Fertigteilen auch im Hoch-
bau; hochwertige Spannbetonbauten;

höhere Betongüten nicht genormt, bedürfen der besonderen Zu-


bis Bn 800 stimmung der Bauaufsichtsbehörden; bedingen
besonders sorgfältige Überwachung und häufige
Güteprüfung; wird z. B. für Spannbeton-Eisen-
bahnschwellen verlangt.

Leichtbeton (light weight concrete), [2 J :


unbewehrt und bewehrt, wenn Wärmedämmung oder leichtes Gewicht, u. a.
für Transport verlangt wird. Bei großen Spannweiten oder vielen Geschos-
sen führt das geringere Gewicht oft zu Ersparnissen an Bewehrung, Spann-
stahl oder Fundamenten.

Nach den "Vorläufigen Richtlinien für Bemessung und Ausführung von


Stahlleichtbeton" (Entwurf Juli 1972) ist zu beachten:

L Bn 100, L Bn 150 dürfen als Stahlleichtbeton nur bei vorwiegend


ruhender Belastung verwendet werden,
L Bn 100 nur für wandartige Bauteile;

L Bn 350 und höher bedürfen vorläufig einer Zustimmung im Ein-


zelfall oder einer Zulassung. Für die Beweh-
rung sind nur gerippte Stäbe oder geschweißte
Betonstahlmatten zu verwenden.

Wirtschaftliche Gesichtspunkte
Entscheidend sind die Kosten der Zuschläge und des Zements. Oft lohnen
sich teuere Zuschläge, da eine gut abgestufte Kornverteilung ein dichteres
Gefüge ergibt und damit weniger Zement genügt. Ausfallkörnung kann bei
weitmaschiger Bewehrung zu Ersparnissen und besserer Betonqualität
führen.

1. 4. 2 Zweckmäßige Wahl der Betonstahlsorten

Betonstahl I wird heute fast nur noch für sogenannte "kon-


(B St 22/34) struktive Bewehrung" in wenig beanspruchten
Zonen und als Druckbewehrung verwendet; da-
bei sollte man glatte Stäbe (plain bars) auf
~ § 8 mm beschränken und für ~ > 8 mm ge-
rippte Stäbe (deformed bars) verlangen. Müs-
sen Stäbe nachträglich nochmals gebogen wer-
den, z. B. Anschlußstäbe an Betonierfugen, so
sollte bevorzugt Betonstahl I verwendet werden.
1. 4 Wahl der Baustoffe 5

Betonstahl III wird nur gerippt geliefert. Er ist für alle Hauptbe-
(BSt 42/50) wehrungen zweckmäßig. B St III U ist nur bedingt
schweißbar , jedoch billiger als B St III K.

Betonstahl IV wird meist in Form geschweißter Betonstahlmatten


(B St 50/55) - möglichst aus gerippten Stäben - (welded wire mesh)
für Bewehrung von Platten, Wänden und anderen Flä-
chentragwerken verwendet. Ganze Matten können ge-
bogen werden und dienen so als Bügelmatten, Stützen-
bügel, Torsionsbewehrung usw.

Begriffe, Eigenschaften und Werkkennzeichen der Betonstähle werden in


DIN 488, BI. 1, 2 und 4, erläutert (vgI. auch [la] Abschn. 3).

Für die Bestellung von Stäben oder Betonstahlmatten sind bestimmte Be-
zeichnungen eingeführt worden:

Ein Betonstabstahl z. B. mit 20 mm Durchmesser aus BSt 42/50 RU


(gerippt und unbehandelt) und einer Lieferlänge von 12 m ist festgelegt
durch die Angaben:

"Betonstabstahl 20 DIN 488 - B St 42/50 RU - 12 "

Eine Be ton s t a hIrn a t te ist durch folgende Angaben be stimmt:

a) Ausführungsform f) Mattenlänge in m
b) Längsstababstand in mm g) Mattenbreite in m
c) Querstababstand in mm h) Längsstabüberstände in mm
d) Längsstabdurchmesser in mm i) Querstabüberstände in mm
e) Querstabdurchmesser in mm
d) und e) evtI. mit Zusatz "D" für Doppelstäbe

Beispiel: nicht geschweißte Betonstahlmatte aus Betonrippenstahl


B St 50/55 RK (gerippt und kaltverformt) :

"Betonstahlmatte X 150 x 250 x 10 x 8 DIN 488


- RK - 5, 0 x 2, 15 - 12 5/ 125 - 25/ 25 "

Bei geschweißten Betonstahlmatten entfällt "X" .

Folgende Stabdurchmesser werden in Deutschland angeboten für

Einzelstäbe: 6, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20, 22, 25, 28 mm,
geschweißte Betonstahlmatten: 4 bis 12 mm in Schritten von 0,5 mm,
nicht geschweißte Betonstahlmatten: 4, 6, 8, 10, 12 mm.

1. 4.3 Verwendung verschiedener Stahlsorten nebeneinander

Grundsätzlich können bei der Bemessung nach dem Traglastverfahren


verschiedene Betonstahlsorten nebeneinander je mit der Streckgrenze ~
ausgenützt werden.

Für die Hauptbewehrung in einem Querschnitt sollte jedoch nur eine Stahl-
sorte verwendet werden, um eine mögliche Verwechslung von Stäben
(z. B. bei gleichem Stabdurchmesser) auf der Baustelle zu vermeiden.

Längs und quer können verschiedene Stahlsorten verlegt werden, z. B. in


Platten oder bei Balken und Stützen für Bügel und Längsbewehrung.
2. Schnittgrößen

2.1 Allgemeines

Das tatsächliche Tragwerk oder seine Teile werden zur Berechnung der
Schnittgrößen zu System-Modellen abstrahiert, die im Hochbau meist ein-
fache Stabwerksmodelle (Balken, Rahmen usw.) sind.

Schnittgrößen (internal forces) entstehen aus Lasten (due to loads),


bei statisch unbestimmten Systemen häufig auch aus Z w an g (due to re-
straint), z. B. infolge Schwinden, Stützensenkung, Temperaturänderungen
usw.). Lastschnittgrößen müssen für die Bemessung immer angesetzt
werden, Zwangschnittgrößen nur dann, wenn sie die Summe der Schnitt-
größen auch bei erforderlicher Traglast ungünstig verändern. Will man
eine etwaige günstige Wirkung von Zwangschnittgrößen berücksichtigen,
so muß beachtet werden, daß sie sich durch die Verminderung der Steifig-
keiten (stiffness) im Zustand II stark verkleinern können. Der Abbau von
Zwangschnittgrößen durch Kriechen des Betons darf berücksichtigt werden.

Zur Berechnung der Schnittkräfte in üblichen Tragwerken des Hochbaus


müssen meist vereinfachende Annahmen für die Verteilung der Belastung,
die Auflagerverhältnisse und bei statisch unbestimmten Systemen auch
für die Verteilung der Steifigkeiten getroffen werden. Die Annahmen für
das Tragwerkmodell ( = statisches System) sollten so sein, daß sich Be-
rechnung und Wirklichkeit möglichst wenig unterscheiden. Die aus Ver-
nachlässigungen gegenüber der Wirklichkeit resultierenden Kräfte müssen
jedoch abgeschätzt und mit "konstruktiver" Bewehrung berücksichtigt wer-
den. "Konstruktive Bewehrung" bedeutet, daß diese ohne rechnerischen
Nachweis angeordnet wird, um grobe Risse zu vermeiden.

2.2 Auflagerverhältnisse

Bei der Wahl des statischen Systems spielen die Auflagerverhältnisse eine
entscheidende Rolle. In der Regel können sie nicht genau erfaßt werden,
so wird z. B. oft bei Platten oder Balken frei drehbare Lagerung angenom-
men, obwohl ihre monolithische Verbindung mit Stützen oder Wänden oder
Lasten über den Auflagern (supports) eine freie Verdrehung verhindert.
Die wirklichen Lagerbedingungen werden fast immer zwischen den Extre-
men frei drehbarer Lagerung (z. B. Linien- oder Kipplager) und voller
Einspannung (z. B. in einer Scheibe eingespanntes Trägerende) liegen. Be-
vor man mit der Berechnung eines Tragwerks beginnt, muß man sich Klar-
heit verschaffen, inwieweit die Verbindung eines Bauteils mit anderen da-
bel ~erücksichtigt werden kann bzw. muß. Die folgenden Angaben mögen
dafür als Anhalt dienen.

2.2.1 Frei drehbare Lagerung

Sie ist nur bei Punkt- oder Linienlagern eindeutig gegeben. Schmale Elasto-
merelager oder Betongelenke geben ein vernachlässigbar kleines Rück-
8 2. Schnittgrößen

stellmoment. Werden Platten oder Träger auf Mauerwerk oder auf Be-
tonwände ohne Anschlußbewehrung direkt aufbetoniert, so kann eine frei
drehbare Lagerung angenommen werden, sofern keine aufstehenden Wän-
de die Verdrehung behindern. Die Zugfestigkeit in der Betonierfuge er-
gibt zunächst eine geringe Einspannung, die schon bei geringer Belastung
der Platten oder Träger durch Rißbildung verschwindet. Bei sich stark
durchbiegenden schlanken Platten kann die Rißbreite groß sein; man soll-
te dann den Riß mit einer Holzleiste vorgeben (Bild 2. 1 a). Der Gefahr
des Abplatzens der Innenkante des Auflagers (Bild 2.1 b) infolge erhöh-
ter Kantenpressung begegnet man mit einer weichen Randeinlage. Da-
durch wird die Auflagerlast auf der Wand besser zentriert und bei schlan-
ken Wänden die Knickgefahr vermindert.

0) Riß i nf o Verdrehung der Decke

Vorgeben des
Risses durch
Holzleisten

Kante kann ausbrechen

Zentrieren der Last durch


einge legte Holzleiste

Bild 2. 1 Auflagerung von Platten auf Wänden bei Annahme frei drehba-
rer Lagerung

2. 2. 2 Geringe Einspannung

Auflasten an Auflagern, z. B. infolge aufgehender Stützen oder Wände, er-


geben eine bleibende Einspannwirkung, die in der Regel bei der Ermitt-
lung der Schnittgrößen unberücksichtigt bleiben kann. Das Einspannmo-
ment erreicht etwa die Größe MA "" 1 /2 b W und wird durch eine obere
konstruktive Bewehrung gedeckt (Bild 2.2 a). Auch hier können die La-
sten mit Hilfe weicher Randeinlagen zentriert und damit die Kantenpres-
sungen auf die Wand verringert werden (Bild 2. 2 b).

a)
b) we iche Holzle i sten

Wärme -
dämmung W

/
.. /"
.
/
, .
.

//

Bild 2. 2 Einspannmoment bei Decken auf Wänden ohne Anschluß-


bewehrung
2. 2 Auflagerverhältnisse 9

2. 2.3 Mäßige bis kräftige Einspannung

Werden Decken oder Träger durch Anschlußbewehrung mit stützenden


Bauteilen bi e ge fes t verbunden, so entsteht je nach den Steifigkeits-
verhältnissen eine mäßige bis kräftige Einspannung (Bild 2.3). In der
Regel muß diese Einspannung an End s t ü tz u n gen berücksichtigt und
mit Bewehrung vollständig gedeckt werden. Bei In n e n s t ü tz u n gen
darf sie bei horizontal ausgesteiften Tragwerken vernachlässigt werden;
sie kann in Rechnung gestellt werden. soweit sie durch bauliche Maßnah-
men gesichert ist.

. / .
Nachweis nur bel
1\
I \
steifen Wänden
I \
/ I I
I /
\ I /
1/
I erford erl ic h

Endstützung Innenstüt zung Endstützung in Wandscheibe

Modell Modell

~ l$.
a) durchlaufende Decke b) in Wand eingespannter Träger

®... - Einspannung muß rech-


nerisch erfaßt werden
Innen stüt ze
0 ..,. Einspannung braucht nur
konstrukt iv berücksicht igt
werden

Rand stü tze

Randstütze Eckstütze
C) Platte auf Randträgern und Unter zügen
Bild 2. 3 Verschiedene Fälle in denen die Einspannung von Platten oder
Balken nachgewiesen werden muß
10 2. Schnittgrößen

2.3 Auflagertiefen

Die Tiefe der Auflagerfläche (t = tatsächliche Länge der Auflagerfläche


gemessen in Spannrichtung, vgL Bild 2.4 a) ist so zu wählen, daß die zu-
lässigen Pressungen (Bild 2. 4 b) nicht überschritten werden (für Beton
vgL [1 bJ, für Mauerwerk vgL DIN 1053) und die erforderliche Veran-
kerung der Bewehrung untergebracht werden kann. Die Mindestwerte für
die Auflagertiefe liegen bei Platten zwischen 3 und 7 cm (DIN 1045, Ab-
schnitt 20. 1. 2), bei Balken bei etwa 10 cm, falls die Bewehrung nicht an
Stahlbauteile angeschweißt wird (Bild 4. 20).

b)

~ zu l Kanten-
pressung

Bild 2.4 a) Auflagertiefe t und b) angenommene Auflagerpressung bei


"gelenkiger" Lagerung

2.4 Stützweiten

Ist die Stütz weite (span) nicht schon durch die Art der Lagerung (z. B. Li-
nien- oder Punktlager) eindeutig gegeben, so rechnet man die Stütz weite e

- bei Annahme frei drehbarer Lagerung vom vorderen Drittelpunkt der


Auflagertiefe (Schwerpunkt der dreieckförmig angenommenen Aufla-
gerpressung) aus bzw. bei sehr großer Auflagerlänge von einem Punkt,
der 0,025 w von der Auflagerkante entfernt ist (w = lichte Weite zwi-
schen Auflagervorderkanten), wobei der kleinere Wert für e maßge-
bend ist,

- bei Einspannung von der Auflagermitte aus oder von einem Punkt, der
0,025 w von der Auflagerkante entfernt ist, wobei der kleinere Wert
für e maßgebend ist,

- bei Innenfeldern durchlaufender Bauteile von den Mitten der Auflager,


Stützen oder Unterzüge aus.
2. 5 Anleitung zur Ermittlung der Schnittgrößen 11

2.5 Anleitung zur Ermittlung der Schnittgrößen

Nach der Wahl des statischen Systems werden die Schnittgrößen (M, Q,
N evtl. M ) für die Belastung infolge Eigengewicht und Verkehrslast
(vgl. DIN T055) bei ungünstigstem Zusammenwirken ermittelt. Flächen-
lasten dürfen im allgemeinen feldweise konstant angenommen werden.

Die Ermittlung der Schnittgrößen in statisch bestimmten Systemen (stati-


cal determinate structure) ist einfach, da nur die GI e ich ge w ich t s -
bedingungen benötigt werden. Das Ergebnis ist unabhängig von den
Steifigkeitsver hältnissen.

Bei statisch unbestimmten Systemen (statical indeterminate structure)


müssen auch noch die Verformungsbedingungen und damit die
Steifigkeitsverhältnisse berücksichtigt werden, die beim Verbundbaustoff
Stahlbeton von vielen Faktoren abhängen (vgl. [1 aJ, Abschn. 5 und [1 c ] ).
Üblicherweise werden die Schnittgrößen mit Verformungen nach der Ela-
stizitätstheorie unter Annahme der Steifigkeiten ungerissener unbewehrter
Betonquerschnitte (Zustand I) ermittelt. Natürlich verändert die Rißbil-
dung die Steifigkeitsverhältnisse (Zustand II) und die tatsächlichen Schnitt-
größen können schon bei Lasten unterhalb der Gebrauchslast von den so
errechneten abweichen. Bei Durchlaufträgern (continuous beam) und be-
sonders bei Rahmen (frame) kann dieser Unterschied beachtlich sein
(Bild 2.5). Diese Abweichungen beeinträchtigen die Tragsicherheit nicht,
weil bei höherer Beanspruchung Mo m e n t e n um lag er u n gen durch
teilweise Plastifizierung der Baustoffe Tragreserven ergeben. Auf eine
wirklichkeitsnahe Erfassung der Steifigkeiten wird man daher meist ver-
zichten, falls man nicht bewußt davon Gebrauch machen will, um günstige
Momentenverteilungen herbeizuführen und so dichte Bewehrungen zu ver-
meiden. Für die Bemessung dürfen nach DIN 1045 ohne besonderen Nach-
weis Stützmomente um 15 % abgemindert (oder vergrößert) werden, wenn
die zugehörigen Feldmomente entsprechend den Gleichgewichtsbedingungen
vergrößert (verkleinert) werden (Bild 2.6). Die gleichzeitige Abminde-
rung und Vergrößerung der Stützmomente für verschiedene Lastanordnun-
gen zeigt Bild 2. 7. In [1 cJ wird erläutert, wie durch entsprechende
Wahl der Bewehrungsverhältnisse für MStütz/MFeld durch Einsetzen der
E JII (nach DIN 1045 erlaubt) noch größere Veränderungen der Momen-
tenverteilung ohne Nachteil für die Gebrauchsfähigkeit möglich sind.

Zur praktischen Ermittlung der Schnittgrößen bei statisch unbestimmten


Systemen wird folgendes Vorgehen empfohlen (vgl. Beispiel, Bild 2,9) :

a) Festlegen des T rag wer k m 0 d e 11 s, der Stützweiten und der Steifig-


keiten vereinfacht nach Zustand I. Bestimmen der Eigengewichtslasten.

b) Be stimmen der u n g ü n s t i g s t e n Ver k ehr s las t a n 0 r d nun gen


( = Lastfälle) für die Schnittgrößenmaxima bzw. - minima: die ungün-
stigsten Lastfälle werden sofort klar, wenn man Einflußlinien (influ -
ence line) qualitativaufskizziert; man erkennt daran, welche Felder
belastet werden mÜssen (vgl. Bild 2.8), um positive oder negative Grenz-
werte der Schnittgrößen zu erhalten.
12 2. Schnittgrößen

c) Nach Vorschrift ein zuhaltende Mi n des t wer t e der Schnittgrößen


beachten.

d) Eventuell Stützmomente um 15 % abmindern oder vergrößern unter


Einhaltung der Gleichgewichtsbedingungen. Streng genommen verän-
dern sich durch die Mo me n t e nu m lag er u n g auch die Querkräfte
und Auflagerkräfte, was jedoch wegen des geringen Einflusses ver-
nachlässigt werden kann.

e) Die G ren z I i nie der max- und min- Werte der Sc hnittgrößen als Um-
hüllende sämtlicher Flächen dieser Schnittgrößen (maximum moment
envelopes) zeichnen oder Größtwerte an maßgebenden Schnitten anschrei-
ben als Grundlage der Bemessung und der Bewehrungsführung. Mo-
me n t e n s p i tz e n über Zwischenstützen dürfen auf die Stützenbreite
aus ger und e t werden (vgl. Abschn. 2. 6. 1. 1).

f) Aufsuchen der für die Bemessung maßgebenden Schnitte (criti-


cal sections).

Die Schnittgrö ßenermittlung bei zweiachsig gespannten Platten ist kompli-


zierter, Angaben dazu finden sich in Abschn. 8.

Stutzmoment
/ für E 1(1)

M - Fläche N - Fläche

Sluizmoment
/ für E I(n)

E I(I)ungeriss~n info
größerer Normalkraft M-Fläche N-Flöche

Bild 2. 5 Schnittgrößenverteilung in statisch unbestimmten Systemen


a) bei Steifigkeiten des Zustands I, b) unter Berücksichtigung der tat-
sächlichen Steifigkeiten im Zustand II
2. 5 Anleitung zur Ermittlung der Schnittgrößen 13

I
I
I
!
Bild 2.6 Momentenverteilung bei Abminderung des Stützmoments um 15 %

q =9+ p
IlIUIIHHIIHI 11*'11 HUI.IH 9 Lastfall I
IUUllUn 1I1111111 .. HHUBI q
Lastfall n
I
I

a)
2
q 11
-S-

A bmi nderung von Ms

~ für LF n:

I
I

f1 l
'1
I

~ 0,15 MsI
q fl 2
-8- IMd" . , .
~
I ~
Vergrößerung von Ms

h für LF I

Maßgebende Momen-
tengrenzlinie mit Um-
lagerung aus a) u . b)

Nach DIN 1045 Momen-


tenumlagerung ohne
Nachweis erlaubt bei
durch lau fenden Platten,
Balken, Plattenbalken mit
Um lageru ng Stützweiten bis zu 12m

Bild 2.7 Momentenumlagerung für verschiedene Lastfälle und Momen-


tengrenzlinie
14 2. Schnittgrößen

A B C o
Ci
I
LS
I 2
zs 3
z;.
I I
I 1 Ungünst i gste
a) Sc hn i ttgr öß en I Be la st ungsanord n u ng
I
1
I Me Me I
o
A B C
A
! ~ 1
:<QEl]7 'QllY ~
I M I M2 , M I E'ge n gew1 c h' 9
I \ Qa re Oe re 3 I
1
(OY
41f1l[j1JY A (t1V
~ Qg

QA Qal i Qeli QCI


Nu'z l as' P
tA t s tc t[ P feldwe i se
b) EInf lußl ini en : I mal( MI
\ I I 1
f..,::;:---::::"'-rl-====-=
1 ::......::=--....I-=== =...,I m in MI
;~ I 1 1
~ , I I 1 mal( Ms
~ 1~1 c:==-----.1 -=== I min MB

~ 1 I 2 I : mal( M2
1-====- 1<::::::I::::::- i-====-I m in M 2
I I ~ I
I 1 i I

' I I
I .
-- --===----1
~ ~I
~ I ~: ! mal( QBl i
m in 0Bli
g; I -=====:::> I
o I I mal( QSre

t~ :1 min QBre

o
I I : I
~ I I max A

]v !
1 :

I~ I min A

®
~ I J I I mal( B

i~' ~ ' m,n B

c) I n m
p --p p p--- - -- - - g
2 Czs
l l l . l
I! I zs /S zs zs lS zs zs lS 2S 2S I! zs 2S
A B 3JE
Momente : mal( MI mal( M2 m in MB m i n MC M infolge Eigen-
max M3 m i n MI gew icht
min MO ,min M 2 m i n M3
Querkräfte : mal( QA m i n OB l i m i n 0C li 0 infalge E igen -
(vgL Abschn2.6.21 m in 0 0 mal( QSre mal( 0Cre gewicht
Stützkräfte : mal( A A bis D i nfolge
max S max C
(vg LAbschn2.6.31 mal( 0 Eigengewicht

Bild 2.8 Aufsuchen der ungünstigsten Lastanordnungen mit Hilfe qualitativer Einflußlinien
(gezeigt am Durchlaufträger)
2. 5 Anleitung zur Ermittlung der Schnittgrößen 15

A B c o
a) Trag we r k / ,

w2 w3 - -
b b b
2" 2" 2"

EIl EIl
2 3
Modell
l2 ~ 3
h

J
Belastung : Eigengewicht g EI 4l

Verkehrslast p

b) Lastfülle (vgl Bild 2 8 )

c) Momentenflachen

ger i nge Einspann-


ung , Konstr ,Be -
wehrung

Momentengrenzlinie = Umhüllende aller Momentenflöchen der


Lastfälle I bis y:
I
- - - Momenten linie tür Lastfall I,andere Losttölle nicht VOllständig gezeigt.

d) Momentenumlagerung (vg l Bilder 2 6 und 2 . 7 ), gezeigt für die min . Stützmomente I

0,15min MB 1== I
I
I
minMO
MD

e) Ausrundung der Slützbreite b (vgl Bild 2 ,10)


MB

Bild 2.9 Schnittgrößenermittlung (Beispiel für durchlaufende Deckenplatte)


16 2. Schnittgrößen

2.6 Maßgebende Schnittgrößen

2. 6. 1 Maßgebende Biegemomente

2.6.1.1 Negative Stützmomente


Wurde bei der statischen Berechnung frei drehbare Lagerung an-
genommen, so dürfen die Stützmomente (moment at support) der Momen-
tengrenzlinie über der Auflagerbreite parabelförmig ausgerundet werden
(Bild 2. 10).

Bei biegesteifer Verbindung von Platten oder Balken mit ihren


Unterstützungen genügt dabei meist die Ermittlung des Handmoments
1\1 = M s - /). M , weil die Nutzhöhe h r auf h anwächst. Dieses Rand-
r r s
moment darf jedoch nach DIN 1045 bei Gleichlast nicht kleiner angesetzt
werden als (vgl. Bild 2. 11 a)
1 2
IMrl~ 10
qw an der ersten Innenstütze im l;ndfeld
(jedoch nicht größer als M s ! )
(2. 1)

1 2
IMrl~ 12
qw an den übrigen Innenstiitzen. (2. 2)

Bei nicht biegesteifer Verbindung mitderUnterstiitzung(z.B.


Lagerung auf Mauerwerk) muß für das Stiitzmoment M - I\!VI bemes-
s s
sen werden (Bild 2. 10).

2.6.1.2 Positive Stützmomente


Positive Stützmomente können bei starken ungleichen Stützensenkungen
auftreten, z. B. bei Platten auf schlanken Stahlträgern. Wenn sie auf-
treten, muß die Bewehrung entsprechend ausgebildet werden.

2. G. 1. 3 Positive Feldmomente
Sie dürfen bei Gleichlast nicht kleiner angesetzt werden als
1 2
Mf ~ q e im Endfeld, (2.3)
14
1 2
Mf ~
24
q e in Innenfeldern. (2.4)

Das entspricht einer einseitigen bzw. beidseitigen vollen Einspannung


(vgl. Bild 2.11 b). Diese Werte brauchen nicht eingehalten werden, wenn
der wirkliche Einspanngrad bei der Ermittlung der Momente berücksich-
tigt wird.

2. G. 1. 4 Negative Feldmomente
Wurden die Momente bei durchlaufenden Platten, Balken oder Rippendek-
ken, die biege steif mit Unterstützungen verbunden sind, für frei drehbare
Lagerung ermittelt, so dürfen negative Momente aus Ver k ehr s las t
abgemindert werden
auf 50 % bei durchlaufenden Platten und Rippendecken,
auf 70 % bei durchlaufenden Balken.
Damit wird die teilweise Einspannung berücksichtigt.
2. 6 Maßgebende Schnittgrößen 17

hr t = . ' / / /

.\

l
1

Bild 2.10 Ausrundung der Momentenlinie über der Stützbreite b


o

b i egeste i fe Verb i ndung

, , ,. " ,. ,. - ,
~
~ .L:;

~ ß ""
Be lastung :
G\e i ch l ast
f--- W l w2 w3 w4

I
I I
I frei drehbar I ver e i n f achtes

fS. I ~ Model l für Be -


r echn u ng der
Momente

a)

Stüt z-
momente

b)
Werte
+M
'- /
...............
"-/ '-"" i
I > 9 q.2 ~ 1~8 q~4 1
-m ~1
~ _l_q~/
I
Feld -
I 24
I momente
I 1
I I I
System k~----------~~----------~------~~------~
~ f !
Bild 2. 11 Mindestwerte für Rand-Stützmomente und Feldmomente bei
annähernd gleichen Stützweiten (J,i/ J,k ~ 0,8), wenn teilweise Einspannun-
gen in Unterstützungen nicht rechnerisch berücksichtigt werden
18 2. Schnittgrößen

2. 6. 2 Maßgebende Querkräfte

Unter Berücksichtigung de r Durchlaufwirkung ode r Einspannung dilrfen


die Querkräfte (shear forces) in Hochbauten fü r Vollbelastung aller Fel-
der bestimmt werden, bei ungleichen Stiltz we iten jedoch nur, wenn das
Verhältnis benachbarter Stütz we iten

!kleiner : egrößer !!:: 0,7 ist.

Sonst muß feldweise verände rliche Bel astung angesetzt werden (vgI.
Bild 2. 8).

Für die Bemessung sind die maßgebenden Schni tte (critical s e c::tion) wie
in Bild 2. 12 gezeigt anzunehmen.
.p
,,,,LI' ,,,,
M' " ;;So .2
'tt 111"'l l q
' 'z : ~ =1 , ce '(
)
, ,

U
l l !1
l,k,LO.Sh O.Sh~,l 1
, 1 1
r~ 11
~ I I 0q

o "" , ,
~
_ I
~· i~
1

1 1
1
Op

Maßg e bend e Quer -


k ra !tHo c he bel uno
1 1 m iHelbarer St utzung

(dHekte lQgefung)
11

I I , , i, I , I I I I I I I , I , , 11
Iq I I
i111111
P

w-W-
" •
~==W I,
11
Au thcinge bewehr ung
(..,gl Absehn 9 . 9)
11
11 Moll gebende Ouer ~
1 kroltl loehe be l mi ttel-
barer Slut zu ng
(mdlrekte lagerung)

Bild 2.12 Maßgebende Schnitte fUr die Querkraft


2.6 Maßgebende Schnittgrößen 19

2.6.3 Maßgebende Stütz- bzw. Auflagerkräfte

Sie dürfen im Hochbau bei einachsig gespannten Bauteilen i. a. ohne Be-


rücksichtigung der Durchlaufwirkung, also wie für gelenkig gelagerte
Einfeldträger , berechnet werden. Für die Stützkräfte (support re action)
an der er s t e n In ne n s t ü t z e und bei einem Verhältnis benachbarter
Stützweiten kleiner als 0, 7 muß die Durchlaufwirkung und feldweise
veränderliche Belastung berücksichtigt werden (vgl. Bild 2.8).
3. Allgemeines zum Bewehren

Richtiges Bewehren erfordert eine klare Vorstellung des Kräfteverlaufs


im Inneren der Tragwerke, besonders im Zustand II, es bedingt aber auch
praktisches Durchdenken des Bauvorganges. Schwierige Bewehrungen
lassen sich nur mit mühevoller Kleinarbeit und Liebe zum Konstruieren
gut lösen. Der Ingenieur muß sich der gleichrangigen Bedeutung der Kunst
des Bewehrens im Rahmen seiner Teilaufgaben für das Bauen bewußt sein.

3.1 Zweck des Bewehrens

Die Bewehrung des Betons mit Stahl stäben , Stahlmatten, Drahtgittern


oder Drahtnetzen verfolgt mehrere Zwecke:

Die Stahleinlagen haben bei auf Biegung und auf Zug beanspruchten Bau-
teilen die Zugkräfte aufzunehmen. Bei ihrer Bemessung wird angenom-
men, daß der Beton wegen seiner geringen Zugfestigkeit auf Zug nicht
mi twir kt. Die Stahleinlagen dienen damit der T rag f ä h i g k e i t oder
Standsicherheit der Tragwerke.

Mit Bewehrung kann das Entstehen von Rissen im auf Zug beanspruchten
Beton nicht verhindert werden; die Stahleinlagen sollen aber bewirken,
daß die Risse des Betons unter den Gebrauchslasten haarfein blei-
ben, also mit bloßem Auge nicht leicht zu sehen sind. Man hat dazu
vereinbart, daß die größte Riß breite in trockener Umgebung 0,3 mm, in
feuchter Umgebung 0,2 mm nicht überschreiten soll, so daß der Korro-
sionsschutz nicht beeinträchtigt wird. Bei Spannbeton oder bei Sichtbe-
ton, an den hohe Ansprüche gestellt werden, ist die zulässige Rißbreite
noch kleiner anzusetzen, z. B. mit 0,1 mm.

Die Bewehrung dient in vielen Fällen auch der Beschränkung der Rißbrei-
ten, die durch Ei gen - oder Z w an g s pan nun gen entstehen, wie sie
durch Dehnungsbehinderung bei Temperaturänderungen, Schwinden, sta-
tisch unbestimmter Lagerung usw. auftreten.

In Druckgliedern dient die Bewehrung der Ver s t ä r ku n g der T rag -


fähigkeit des Betons auf Druck (z. B. in Stützen) oder der Siche-
rung schlanker Druckglieder gegen Knicken, sie verhindert auch grobe
Risse oder Versagen infolge gleichzeitig wirkender Biegemomente. Mit
Druckbewehrung kann man auch die Kriech- und Schwindverformungen des
Betons vermindern, bei Anordnung in hochbeanspruchten Biegedruckzonen
z. B. die Durchbiegungen infolge Schwinden und Kriechen. Nur auf Druck
beanspruchte Bewehrung in nicht knickgefährdeten Bauteilen sollte aus
wirtschaftlichen Gründen möglichst schwach gehalten werden, weil hoch-
feste Betone zur Verfügung stehen. Bei hohen Druckspannungen muß eine
Q u erb ewe h run g oder Umschnürung den Beton gegen Spalten infolge
Querdehnung bzw. Querzug und die Druckbewehrung gegen Ausknicken si-
chern.
22 3. Allgemeines zu!' Bewehrung von Stahlbetontragwerken

Engmaschige Stahleinlagen, z. B. Matten aus Drähten mit 3 bis 5 cm Ma-


schenweite oder Drahtgitter werden dazu benützt, das Abplatzen der Be-
tondeckung an den Hauptbewehrungen durch Verbundspannungen oder im
Brandfall (vgl. DIN 4102) zu verhüten.

3.2 Günstigste Bewehrungsführung

Das günstigste Tragverhalten von Stahlbeton.bauteilen wird erreicht, wenn


die Bewehrung den Trajektorien der Hauptzugspannungen folgend geführt
und der Größe der Zugspannungen etwa proportional mit dünnen Stäben auf
den Zugquerschnitt verteilt wird. Diese Regel wird fast nur bei Schalen
und anderen dünnwandigen Flächentragwerken befolgt. Bei allen anderen
Tragwerken wird die Bewehrung zur Verminderung der Kosten auf zwei
bis drei Richtungen und auf Randzonen beschränkt und damit stark ver-
einfacht.

Die Richtung der Hauptbewehrung (direction of main reinforce-


ment) sollte nach Möglichkeit mit der Hauptzugspannungsrichtung überein-
stimmen. In Platten und Scheiben sollten die beiden Richtungen nicht mehr
als 20 0 voneinander abweichen. Ist die Abweichung größer als 20 0 , dann
nimmt die Steifigkeit im Zustand II wegen höherer Beanspruchung der sich
bildenden Druckstreben und wegen sekundärer Verformungen der Beweh-
rung an den Rissen zusätzlich ab und die Rißbreiten nehmen zu (vgl. auch
Abschn. 8). Bei Schub- und Torsionsbewehrungen werden jedoch diese
Nachteile fast regelmäßig in Kauf genommen, indem sie mit 40 0 bis 45 0
Richtungsabweichung entworfen werden.

3.3 Verbindung der Bewehrungsstäbe zum Bewehrungs-


gerippe

Die Stäbe müssen zu steifen, unverschieblichen Gerippen oder Körben


(cages) verbunden werden, in Deutschland bisher durch Flechten oder Bin-
den mit Rödeldraht, neuerdings auch durch Hartlöten, im Ausland bevor-
zugt durch Schweißen.

Mit dem Widerstands-Punktschweißen lassen sich besonders stabile Be-


wehrungsgerippe und Körbe fertigen. In Deutschland darf dieses Ver-
fahren allerdings nur in überwachten Werken durchgeführt werden, z. B.
für das Herstellen von Betonstahlmatten. Manche deutsche Bewehrungs-
stähle (z. B. III U) werden durch das Schweißen mehr oder weniger spröd-
bruchempfindlich [3 J. Im Ausland wird häufig der schweiß geeignetere
Siemens-Martin-Stahl mit niedrigem Kohlenstoff-, Phosphor- und Schwe-
felgehalt verwendet, der sich gut punktschweißen läßt. In Frankreich,
Österreich, den USA und der UdSSR werden z. B. Bewehrungen von Stüt-
zen, Balken, Wänden usw. mit großen Abmessungen in Fabriken mit
Hilfe der Schutzgasschweißung zu festen Elementen oder Körben vorge-
fertigt, zur Baustelle transportiert, dort zusammengesetzt und als Ge-
rippe in die Schalung eingesetzt.
3. 4 Wahl der Stabdurchmesser und Stababstände 23

3.4 Wahl der Stabdurchmesser und Stababstände

Bei den hohen Stahlspannungen, die bei Ausnützung der Betonstähle B St III
und B St IV in Zugzonen entstehen, müssen die Stabdurchmesser (bar sizes)
so gewählt werden, daß

1. durch die Verbundwirkung keine zu hohen Spaltspannungen entstehen,


2. die Rißbreiten auf das zulässige Maß beschränkt werden.

Deshalb sind die maximalen Stabdurchmesser in DIN 1045 mit z. B. 28 mm


bei B St III und 16 mm bei B St IV begrenzt, was für Zugstäbe sinnvoll ist.
In dünnwandigen Bauteilen sollten die Stäbe mit ~ ~ 0,12 d gewählt werden
(d = Dicke des Bauteiles). In großen Druckgliedern können Stäbe mit
~ > 28 bis etwa 40 mm zweckmäßig sein.

Grundsä tzlich werden die Riß abstände und Riß breiten umso kleiner, je
kleiner die Stababstände (bar spacing) und Stabdurchmesser sind. Sicht-
bare Risse werden am besten vermieden mit Stäben ~ 5 bis 10 mm in Ab-
ständen von 5 bis 10 cm, wenn keine dickeren Stäbe zur Aufnahme der
Lasten nötig sind.

Kleinste Abstände paralleler Stäbe sind e ~ ~ oder!!; 2 cm (Bild 3. 1).


Bei maximaler Korngröße von 8 mm kann min e bis auf 1 cm verkleinert
werden (abweichend von DIN 1045). Allerdings ist zu berücksichtigen,
daß sich bei zu geringen Stababständen durch Siebwirkung Kiesnester bil-
den können. Der lichte Abstand sollte daher, wenn ohne Nachteile mög-
lich, größer sein als die Mindestabstände und etwa dem 1, 5-fachen Größt-
korndurchmesser entsprechen. Darauf ist besonders zu achten, wenn Stä-
be durch Übergreifung gestoßen werden oder Ausfallkörnung verwendet
wird. In Bereichen hoher Verbundspannungen können größere Abstände
wegen der Spaltgefahr nötig werden (vgl. Abschn. 16.3.1. 3).

{
~ 2cm

e ~<I>L

(~1,5.<I> Größtkorn ; Empfehlung)

Bild 3.1 Regel für die Mindestabstände paralleler Stäbe im Bereich mäßi-
ger Verbundspannungen

Stababstände bei mehrlagiger Bewehrung (reinforcement in severallayers):


Der Mindestabstand der Lagen muß 2,0 cm oder gleich dem Durchmesser
des größten Längsstabes sein (Bild 3. 1). Die Stäbe werrlen genau überein-
ander angeordnet (Vermeidung einer Siebwirkung) ; die Lagenabstände
sind durch Querstäbe mit entsprechendem Durchmesser sicherzustellen.
Bei dichter Bewehrung (geringer Stababstand und mehr als zwei Lagen)
sollte der Mindestabstand der Stäbe größer als das Größtkorn der Zu-
schläge sein und die Lagenabstände von unten nach oben pro Lage um einen
24 3. Allgemeines zur Bewehrung von Stahlbetontragwerken

a) Stobgruppe n b. ) Stabgruppen
ver ti ko l hori zont al vert ika l hor izonta l
'// / / / ' /,'.
/ , Plat z tür .
/./;'R ~ ttler / .
//' / A./ .
/ /

Bild 3. 2 Stabgruppen von a) je zwei und b) je drei sich einander berüh-


renden Stäben

Stabdurchmesser vergrößert werden. In dicken Platten (z. B. Fundament-


oder Pfahlkopfplatten) können noch größere Lagenabstände nötig sein
(Spaltgefahr).

Stabgruppen: In verschiedenen Ländern dürfen mehrere Stäbe in Gruppen


dicht nebeneinander gelegt werden (Bild 3. 2), was bei Druckgliedern meist
unbedenklich ist. In Biegeträgern ist die Gruppenbildung nur zulässig,
wenn einerseits gewährleistet ist, daß die Stäbe voll vom Beton einge-
schlossen werden (bei guter Rüttelwirkung und kräftigen Rippen möglich)
und andererseits die Verbundspannungen nicht zu hoch werden. Bei zwei
aneinanderliegenden Stäben darf zur Berechnung der Verbundspannungen
nur etwa 80 % ihres vollen Umfanges angesetzt werden. Zur Verankerung
sollte man die Stabgruppen stets auseinanderziehen.

Bei Betonstahlmatten unterscheidet man Doppelstäbe , die sich berühren


und Stabpaare, deren lichter Abstand mindestens 2 cm und nicht mehr als
(5 - ~) in cm betragen.

Die größten Stababstände sollten in Zugzonen in der Regel 20 bis 30 cm,


in Druckzonen (für Stäbe in Druckrichtung) 30 bis 40 cm nicht überschrei-
ten. Die kleineren Maße gelten für Bauwerke im Freien oder bei Korro-
sionsgefahr .

Regeln für die Aufteilung von Stäben in Platten und ihre Bezeichnung:
Für jede Stabform (Position) wird der Stababstand in cm angegeben. Lie-
gen mehrere Positionen in einer Lage nebeneinander, dann sollten die
Stababstände in der Regel als e . n angegeben werden, damit gleiche Ab-
stände und Folgen entstehen; z. B. bei 3 Positionen mit verschiedenen
Stabformen in Abständen e = 6 cm (vgl. Bild 3. 3) :

e :6cm
Pos. 1 e 12 cm
Pos. 2 e 24 cm
Pos. 3 e = 24 cm

Bild 3. 3 Beispiel der Anord-


nung einer Plattenbewehrung
aus 3 verschiedenen Stabformen
3.5 Häufung von Bewehrungsstäben 3. 6 Betondeckung 25

3.5 Häufung von Bewehrungsstäben

Bei hohen Bewehrungsgraden muß die Verteilung der Stäbe im Querschnitt


im Maßstab 1 : 10 oder 1 : 5, in schwierigen Fällen sogar im Maßstab
1 : 2 oder 1 : 1 gezeichnet und vermaßt werden. Dies gilt vor allem für
die Kreuzung dichter Bewehrungen. Möglichkeiten zum Einbringen und
Verdichten des Betons müssen geklärt sein. Häufig müssen hierfür " Rüt-
tellücken" mindestens 10 cm breit in Abständen von etwa 60 cm angeord-
net werden. Über greifungsstöße von Stäben sind in solchen Zonen m ö g-
lichst zu vermeiden.

3.6 Betondeckung

Die Betondeckung ü (concrete cover) der Bewehrung muß am Stabdurch-


messer und an der Korrosionsgefährdung orientiert werden. Die DIN 104 5
gibt absolute Mindestwerte der Betondeckung in Abhängigkeit vom Stab-
durchmesser (Tabelle 3. 1) und von den Umweltbedingungen (Tabelle 3.2
und Bild 3.4) an, wobei jeweils der gr ößere Wert maßgebend ist. Bei dik-
ken Stäben sollte - bezogen auf den Stabdurchmesser - besser ü ~ 1 ~L
gewählt werden.

Querschn i tte

~ ü nach Tabelle 3.1. für ~ L


bei dicken Stöben ~ 1, 2 ~ L größter
Wert
~ ü nach Tabelle 3. 1. für <PQ maßgebend
~ ü, bzw. ü 2 nach Tabelle 3.2

Bild 3.4 Betondeckung der Bewehrung

Bei sehr dünnen Stäben mit ~ < 10 mm oder bei Drahtgittern aus ~ 2 bis
4 mm kann eine Betondeckung von ü = ~ + 5 mm genügen, wenn keine
starke Korrosionsgefahr besteht (man vergleiche die Ferrozementkon-
struktionen des Italieners Ne r v i [4]). Eine geringe Betondeckung ist
zweckmäßig für Drahtgitter , die zum Schutz großer Betondeckungen
( ~ 4 cm) gegen Abplatzen angeordnet werden, z. B. für erhöhte Feuer-
widerstandsdauer nach DIN 4102 (Bild 3.5). Dabei ist auch das Gitter
ausreichend vor Korrosion zu schützen.
26 3. Allgemeines zur Bewehrung von Stahlbetontragwerken

Die Betondeckung ist zu vergrößern, wenn das Größtkorn des Zuschlags


größer als 32 mm ist (0,5 cm mehr Betondeckung), oder wenn die Be-
tondeckung durch Abrieb oder besondere Oberflä chenbehandlung (z. B.
Spitzen, Scharrieren, Waschbeton) verringert wird.

Bild 3. 5 Drahtgitter zum


1 4cm
Schutz großer Betondeckungen
Drohtg i tte r gegen Abplatzen z. B. bei Feuer

Gewährleistung der Betondeckung: Die Bewehrungsstäbe müssen während


des Betonierens und des Verdichtens sicher in ihrer vorgesehenen Lage
gehalten sein. Dazu eignen sich für untere Bewehrungslagen Betonklötz-
chen, vorzugsweise Halbkugeln oder Kunststoffringe , und für obere Be-
wehrungslagen (z. B. Stützenbewehrung in Platten) Betonpendel, besondere
Ständer oder Montagebügel (bar supports) wie in Bild 3. 6 gezeigt wird.
Die Bewehrung darf k ein es fall s auf die Schalung gelegt und beim Beto-
nieren angehoben werden.

A sbe 51 zemen I klöl ze


Kunstoffholler

Betonpendel
Ständer tür obere Bewehrungsloge

Bild 3. 6 Beispiele für Abstandhalter zur Sicherung der Betondeckung


(Maßstäbe verschieden! )
3. 6 Betondeckung 27

Tabelle 3. 1 Mindestmaße der Betondeckung ü in cm in Abhängigkeit


von dem Stabdurchmesser der Bewehrung für Normalbeton
(gemäß Tab. 9, DIN 1045) vgl. Bild 2. 4

~mm "" 12 14 16 18 20 22 25 28 > 28


ü cm 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0

Tabelle 3. 2 Mindestmaße der Betondeckung ü in cm in Abhängigkeit


von den Umweltbedingungen für Normalbeton
(gemäß Tab. 10, DIN 1045) vgl. Bild 3.4

Normalbeton
Ortbeton bei Festigkeitsklassen Fertigteile
Umwelt- < Bn 250 ~ Bn 250 ~ Bn 350
Flächen- Flächen- werkmäßig
bedingungen all ge - allge-
trag- ) trag- *) hergestellt
mein mein
werke * werke

ü1 ü2 ü1 ü2 ü1 ü2

Bauteile in geschlos-
senen Räumen, z. B. 2,0 1,5 1,5 1,0 1,0
in Wohnungen

Bauteile im Freien,
z. B. in offenen 2,5 2,0 2,0 1,5 1,5
Hallen

Bauteile in geschlos-
senen Räumen bei
hoher Luftfeuchtig- 3,0 2,5 2,5 2,0 2,0
keit z. B. in Wä-
schereien

Bauteile, die beson-


ders korrosionsför-
dernden Einflüssen 4,0 3,5 3,5 3,0 3,0
ausgesetzt sind,
z. B. Gasen

*) Flächentragwerke im Sinne dieser Tabelle sind Platten (auch von


Rippendecken) , Stahlsteindecken, Scheiben, Schalen, Faltwerke
und Wände

An vertikalen Schalungen werden meist Kunststoff-Abstandhalter (spacers)


an der Bewehrung befestigt. Bewehrungsnetze in Wänden sind gegenein-
ander abzustreben, damit die Betondeckung nicht zu groß werden kann
(Bild 3.7). Der Abstand der Halter richtet sich nach der Steifigkeit der
Bewehrung: 50 bis 100 cm. Auch die Schenkel offener Bügel sind sorg-
fältig in ihrer Lage zu sichern, damit sie beim Betonieren nicht an die
Schalung gedrückt werden. Abstandhalter dürfen den Korrosionsschutz
nicht beeinträchtigen.
28 3. Allgemeines zur Bewehrung von Stahlbetontragwerken

Abstandsr ing

Schalung

n
l.luer bügel
stehend ode r
liegend

Bild 3. 7 Beispiele für die Sicherung der Betondeckung bei Wänden mit
Querbügeln und Abstandsringen an den äußeren Stäben

3.7 Rationalisierung der Bewehrung

Mit laufend ansteigenden Lohnkosten und abnehmender Zahl gelernter Ar-


beitskräfte gewinnt die Rationalisierung der Bewehrung an Bedeutung
[5,6].

Unter Rationalisierung versteht man hier alle Schritte, die zu geringeren


Gesamtkosten bei der Planung und Verarbeitung der Bewehrung
führen, also den Aufwand für Bewehrungspläne, Stahllisten und Schneiden,
Biegen, Verlegen und Zusammenfügen der Bewehrungen verringern.

Das Verarbeiten und Verlegen der Bewehrung läßt sich bereits günstig be-
einflussen durch

Beschränkung der Anzahl der Stabdurchmesser (geringerer Abfall,


kleinere Lagerhaltung, verbesserte Leistung beim Schneiden),
Wahl möglichst vieler gerader Stäbe ohne Haken (lediglich Ablängen
erforderlich, günstig für Transport und Lagerung),
Beschränkung der Biegeformen und Anzahl der Stabpositionen (ver-
ringerter Arbeitsaufwand, evtl. Benützen von automatisch gesteuerten
Schnitt- oder Biegestraßen) ,
Wahl geeigneter Stoßverbindungen,
Wahl von Matten, gebogenen Matten, verschweißten Stabscharen und
andere Vorwegnahmen des Zusammenbaues von Teilen im Werk.

Eine Rationalisierung der Bewehrung im Sinne einer mechanisierten Her-


stellung kann durch in du s tri e 11 e Fe r t i gu n g sm e t h 0 den erreicht
werden. Unter günstigen Arbeitsbedingungen werden Bewehrungen ganz
oder teilweise in einem Werk oder einer Feldfabrik meist mit Heft-
schweißung mehr oder weniger automatisch vorgefertigt und können dann
auf der Baustelle mit wenigen angelernten Hilfskräften in kürzerer Zeit
verlegt werden als Einzelstäbe.

Man unterscheidet vorgefertigte Bewehrungselemente, die in


der Schalung zur endgültigen Bewehrung zusammengefügt werden (z . B.
Matten, mit Bändern zusammengehaltene Stabscharen, abgewinkelte und
ineinanderschiebbare verschweißte Stabscharen, Bügelmatten, Bügellei-
tern) und ganz oder teilweise vorgefertigte Bewehrungskörbe,
die nur in die Schalung einzusetzen sind. Für den Transport und die La-
gerung sollten vorgefertigte Bewehrungselemente immer gut stapelbar
sein.
3.7 Rationalisierung der Bewehrung 29

Wichtige Voraussetzung für eine echte Rationalisierung der Bewehrungen


ist eine S ta n dar dis i er u n g (= Vereinheitlichung) der Stabformen bzw.
der Bewehrungselemente oder gar der Bewehrungskörbe oder Bewehrungs-
details. Erst eine Standardisierung wird die rationelle Abwicklung vieler
Teilleistungen ermöglichen, die mit der Verarbeitung von Bewehrungsstahl
zu tun haben: Bewehrungszeichnungen und -listen können vereinfacht,
Schneide- und Biegemaschinen automatisch gesteuert und Auszeichnungen
und Abrechnungen schneller durchgeführt werden - insbesondere dann,
wenn EDV -Anlagen eingesetzt werden.

In einigen Ländern werden bereits Standardformen für Bewehrungsstäbe


und Baukastensysteme mit typisierten Bewehrungselementen entwickelt.
Bild 3.8 zeigt ein Beispiel für Standardformen aus der Schweiz [7J. Be-
schränkt man sich auf eine kleine Zahl der Stabformen, so steht einer
einfachen Handhabung aller organisatorischen Aufgaben beim Bewehren
nichts mehr im Wege.
Grundform Anw endungsmögl ich kei t en

C- -, C C =>
:::>
l
("\

I' ::> I G
r ~ I J Cj L :::>
I
I
::>
r-J ~ f --.J
LJ
r~ c~ L :J LJ ::>
[l) I
0 ( -.J
0 ( JI
c._ _ _ "
--- ~ c 1
~-:l ......
f ~

'0.. /? "'- / U U
~? ~ ~ n ::>

~ ~ A
--- - CD
-------

0 -
n
-

(
J
Sonder formen belieb i g. Festlegung z B durch Koordinaten

Bild 3.8 Standardformen von Bewehrungsstäben und Beispiele für die


Anwendung
4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

4.1 Spaltkräfte im Verankerungsbereich

Die zu verankernde Zugkraft Z steht im Verankerungsbereich (anchorage


zone) mit der Druckkraft D im Beton im Gleichgewicht. Die Druckkraft
breitet sich vom Stabende her im Beton aus; dabei entstehen wie bei je-
der Krafteinleitung in einen Körper Zug- und Druck-Hauptspannungen, de-
ren Richtungsverlauf (Trajektorien) in Bild 4. 1 gezeigt ist. Die Summe
der Zugspannungen q u e r zum Stab ergibt die Querzugkraft im Beton,
die auch Spaltkraft (splitting force) genannt wird; sie beträgt bei
Verbundankern maximal etwa 0,25 Z, bei Ankerplatten ist sie von a / d
abhängig und schwankt zwischen 0,15 Z und 0,25 Z, vgL [1 b J.

Verbundanker
Ankerp latt e
- d _ _ _---,.r-1.
1

d
t-
Q

Druc k - Zug -
troj ektorien trajektorien Druck- Zug-
trajektorIen trajektorien

Bild 4. 1 Verlauf der Hauptspannungstrajektorien im Verankerungsbe-


reich eines Bewehrungsstabes

Ist die Betondeckung im Verhältnis zum Stabdurchmesser gering oder lie-


gen kleine Stababstände vor, so besteht die Gefahr, daß durch die Spalt-
zugkräfte im Verankerungsbereich grobe Längs- oder Spaltrisse entste-
hen (Bild 4. 2) oder gar die Betondeckung abgesprengt wird. Im Hinblick
auf die niedrige Zugfestigkeit des Betons, vor allem in vertikaler Rich-
tung (Betonierrichtung), muß man diese Spaltkräfte bei jeder Verankerung
und auch an anderen Stellen von Stäben mit hoher Verbundspannung im
Auge haben, besonders wenn dort der Beton quer zum Stab noch aus ande-
ren Ursachen auf Zug beansprucht ist. Wirkt im Verankerungsbereich
kein günstiger Querdruck, so muß über die zur Verankerung erforderli-
che Länge (Verankerungslänge) eine äußere Querbewehrung angeordnet
werden, die die Spaltkräfte aufnimmt.
32 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

Ansicht -jI-- - --- 30

Beton jerr ie h tu n 9

+ 21

'-t-- - -t = =-===-If-::---,l"-J.) ----.


ü = 3,2em
~--------~~~
.."..._ _ 16 _ _

Untersicht Typische Sprengrjße I die


jnfolge der Spaltspannung entstehen

ohne
Verbund

_16 mm
Bild 4.2 Risse im Verankerungsbe-
B St ['2/50 reich eines dicken Stabes bei fehlen-
ger ippt der Querbewehrung und geringer Be-
tondeckung (Versuch nach [8])

4.2 Zur Lage der Verankerungen

Die alte Regel, wonach man im Zugbereich keine Stäbe verankern soll,
ist nicht immer gültig. Zug im Beton längs zum Stab ist nicht gefährlich,
wenn die im Verankerungsbereich wirkenden Zugkräfte durch weiterlau-
fende Nachbarstäbe gedeckt sind (Bild 4. 3) . Dagegen muß Zug quer zum
Stab als nachteilig beachtet werden, weil er zu Rissen entlang des Stabes
führen kann, was durch die Ankerspaltkraft begünstigt wird (Bild 4.4).
In quer zum Stab gezogenen Verankerungsbereichen muß daher eine enge
Querbewehrung vorhanden sein, sofern nicht Ankerkörper angeordnet
werden. Haken müssen quer zur möglichen Rißebene gelegt werden
(Bild 4 . 5). Günstige Verankerungszonen sind dort, wo quer zum Stab we-
nigstens in einer Richtung Druck herrscht; dort könnten Verankerungs-
längen gekürzt werden, doch fehlen hierzu noch genaue Angaben (nach
Tastversuchen [9] unter einem Querdruck von 1 / 3 ßw ist eine Kürzung
um etwa die Hälfte bei glatten Stäben und um etwa ein Drittel bei geripp-
ten Stäben möglich. Auch die Lage im Querschnitt beim Betonieren be-
einflußt die Verankerungslängen (vgl. Abschn. 4.3.1).
4.2 Zur Lage der Verankerungen 33

-----
Bewehrungstäbe

Zug:
kraft
Bild 4. 3 Zug längs zum Stab
ungefährlich, wenn Zugkräfte
Zugkraftdeckung
im Ankerbereich durch Nach-
Verankerungslänge
barstäbe gedeckt sind

,a
~ + + + + + + + + + '. + + + + + ••
Gurlbewt>hrung
infolge Quer =
biegung Risse
längs zur
Gurt bewehrung
a
Schnitt a-Q

Bild 4. 4 Zug quer zum Stab nachteilig für Verankerungen (Beispiel)

Bild 4. 5 Haken quer zu möglichen Rißebenen legen (Beispiel zu indirek-


ter Lagerung: Balken II trägt Balken 1)
34 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

4.3 Verankerungen für Zugstäbe

4.3. 1 Verankerungen gerader Stabenden durch Verbund

4.3. 1. 1 Allgemeines
Ver b und an k er (anchorage by bond) sind billig und daher stets an z u-
wenden, wenn die nötige Verankerungslänge zur Verfügung steht. Die er-
forderliche Verankerungslänge ergibt sich aus der Ver b und fes t i g -
keit (vgl. [ 1 aJ, Abschnitt 2 und 4).

Für eine einwandfreie Verankerung gerader Stabenden muß der Stab ge-
r i p pt sein (Bild 4. 6), da nur der Scherwiderstand an den Rippen eine
zuverlässige Verbundwirkung ergibt.

Bild 4. 6 Verankerung durch


Verbund bedeutet, daß sich
Druckstreben auf die Rippen
des Stabes abstützen

Glatte und profilierte Stäbe *) dürfen deshalb nicht allein durch gerade
Stabenden verankert werden, da der Haftverbund entsprechend dem Zu-
stand der Staboberfläche (z. B. glatt oder rostnarbig) sehr gering sein
und bei schwingender Belastung verloren gehen kann. Glatte Stäbe müs-
sen also mit Haken oder Schlaufen verankert werden.

4.3.1.2 Verbundgüte abhängig von der Lage des Stabes beim Betonieren
Die Verbundfestigkeit ist durch den Absetzvorgang des Betons stark von
der Lage des Stabes beim Betonieren abhängig, was durch zwei Gruppen
der Lage berücksichtigt wird:

Lage A gilt für alle Stäbe, die nicht der Lage B zuzuordnen sind (un-
günstige Verbundbedingungen) ,

Lage B gilt für alle Stäbe, die beim Betonieren zwischen 45 0 und 90 0
gegen die Waagerechte geneigt sind; für flacher geneigte und
waagerechte Stäbe nur dann, wenn sie beim Betonieren in der
unteren Querschnittshälfte des Bauteils oder mindestens 30 cm
unter der Oberseite des Querschnittsteils oder eines Betonier-
abschnitts liegen (gute Verbundbedingungen).
Beispiele der Zugehörigkeit zu Lage A oder B zeigt Bild 4.7. Für Plat-
ten mit d < 15 cm kann abweichend von DIN 1045 auch für die oberen Stä-
be Lage B angenommen werden, wenn durch Abscheiben des Frischbetons
eine Nachverdichtung erfolgt.

*) Der Ausdruck "profilierte Stäbe" wurde leider für Stäbe eingeführt, die
nur schwache Einprägungen, jedoch keine Rippen haben; solche Stäbe
kommen nur bei geschweißten Bewehrungsmatten vor.
4. 3 Verankerungen für Zugstäbe 35

B wenn d< 15cm A wenn d > 15cm B

8 Betonier -
A wenn d fuge

B B

Vertikatschni tt

/ -I'-
30cm
// '
~- d/ 2 ::! 30cm
/
// /
//
- I(

d/ 2
I
:/
/
- ~

Bild 4.7 Beispiele für die Bestimmung, ob Bewehrungsstäbe in gutem


(B) oder ungünstigem (A) Verbundbereich, Lage B oder Lage A, liegen

4.3. 1. 3 Zulässige Verbundspannung im Verankerungsbereich


Die Verankerungslänge wird unter der Annahme einer konstanten Verbund-
spannung Tl (bond stress) berechnet. In Wirklichkeit verläuft die Ver-
bundspannung etwa wie in Bild 4. 8 angegeben.

Da die Verbundfestigkeiten stark streuen, mußte die zulässige Verbund-


spannung zul TI so vorsichtig gewählt werden, daß sie bei der Rechnung
mit dem konstanten Mittelwert TI über die Länge a die nötige Sicherheit
ergibt. Die zul TI sind in DIN 1045 auf Gebrauchslast bezogen, vgI. hier
Tabelle 4. 1. Sie wurden so ermittelt, daß der Gleitweg am unbelasteten
Stabende unter Gebrauchslast nicht mehr als 0,01 mm und unter Bruch-
last nicht mehr als 0,1 mm beträgt (vgI. [1 a J,
Abschn. 4.2.3). Die
Werte zul TI werden auch für glatte und profilierte Stäbe angegeben, weil
sie auch für Hakenanker usw. später gebraucht werden.

Bei sich häufig wiederholender Belastung (" nicht vorwiegend ruhende Be-
1astung" nach DIN 1055, BI. 3) dürfen nach der Ergänzenden Bestimmung
von DIN 1045 (April 1975) die Verbundspannungen der Tabelle 4. 1 für ge-
rippte Stäbe mit dem vollen Wert, für die anderen Stabarten nur mit ihrem
0,85-fachen Wert ausgenutzt werden. Tritt die volle Verkehrslast häu-
fig auf (z. B. bei Kranbahnen) , so sollten glatte oder profilierte Stäbe
nicht verwendet werden.
36 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

---...-

-
___
..
______ DrucktraJektonen ,
~ Richtung der Druck-
streben

'--t-<~--- Zugtrajektor i en

Zugkraft
, - - - - - Verlauf der Zugkraft Im Stob
I
I
I
I
I
I
I
I

J a - - --./'-
Ve ranker ung s lange

"[1

angenom men "[ 1 : konstant


(Rechenwert )

tatsächlicher Verlauf der Verbund-


spannungen

Bild 4. 8 Verlauf der Verbundspannungen Tl im Verankerungsbereich


von geraden Stäben

Tabelle 4.1: Rechenwerte der zulässigen Verbundspannung für Ge-


brauchslast (zul Tl in kp / cm 2 ) unter vorwiegend ruhender Belastung
gemäß Tab. 20, DIN 1045

Lage zul Tl in kp / cm 2 für


Stabform des
Stabes Bn 150 Bn 250 Bn 350 Bn 450 Bn 550

A 3 3,5 4 4,5 5
glatte Stäbe
B 6 7 8 9 10

profilierte Stäbe A 4 5 6 7 8
(nach DIN 488, BI. 4) B 8 10 12 14 16

A 7 9 11 13 15
Rippenstäbe 14
B 18 22 26 30
4. 3 Verankerungen für Zugstäbe 37

4. 3. 1. 4 Erforderliche Verankerungslänge
Die erforderliche Verankerungslänge a (Bild 4.8) für einen Stab mit dem
Umfang u ergibt sich mit zul Tl für die zur Gebrauchslast gehörige Zug-
kraft Z zu:
(J . ~
a =
Z e
-0---- (4.1)
zul TI' u 4 zul TI

Für (Je = zul (Je ßS / 'V wird a zu a o ' dem Grundmaß der Verankerungs-
länge:

a ßS -:-'-~-::-_ (4.1a)
o 'V 4 zul Tl

Wenn die vorhandene Bewehrung (vorh Fe) größer als rechnerisch erfor-
derlich (erf Fe) ist, dann kann aus a o die abgeminderte Verankerungs-
länge a einfach ermittelt werden zu:

erf F
e
a = a o vorh F 10 0 (4.2)
e

DIN 1045 schreibt aus praktischen und konstruktiven Gründen vor, daß
auch bei geringem (Je gewisse Mindestlängen bei der Verankerung eines
Stabes nicht unterschritten werden dürfen. Es ist dann der jeweils größe-
re der Werte 1/3 a oder 10 0 anzuwenden.
o

Tabelle 4. 2 Grundmaße ader Verankerungslänge für gerippte Stäbe


o

ßS Verankerungslänge a
0
für
Lage
2
[kp/ cm ] Bn 150 Bn 250 Bn 350 Bn 450 Bn 550

a
0
86 0 67 0 55 0 46 0 40 ~
A
min a 29 ~ 22 ~ 18 0 16 ~ 13 ~
4200
a
0
43 ~ 34 ~ 28 ~ 24 ~ 20 0
B
min a 14 0 11 ~ 10 ~ 10 ~ 10 0
a 102 ~ 80 ~ 65 ~ 55 ~ 48 ~
0
A
min a 34 ~ 27 0 22 0 18 ~ 16 ~
5000
a 51 ~ 40 ~ 33 ~ 28 ~ 23 ~
B 0
min a 17 0 13 ~ 11 ~ 10 ~ 10 ~
38 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

4. 3. 1. 5 Sicherung gegen die Querzugkräfte (Spaltkräfte) im Ankerbereich


Die Quer zugkräfte (splitting forces) sind entsprechend dem Verlauf der
tatsächlichen Tl im letzten Drittel der Verankerungslänge am größten.
Zur Aufnahme dieser Quer z ugkräfte sollte eine der folgenden Bedingungen
im letzten Drittel von a erfüllt sein:

1. ü ~ 1, 2 ~ bei Stababständen e ~ 6 ~~ }
Zwischenwerte interpolieren,
ü ~ 2, 4 ~ bei Stababständen e = 3

das vergrößerte ü kann durch Einschwenken des Stabes erzielt


werden (Bild 4.9),

2. Querbewehrung außerhalb des Stabes gegen Spalten der Beton-


deckung, wenn quer zum Stab Z ugspannungen aus anderen Wirkungen
möglich sind (am besten in Bügelform) ,

3. Q u erd r u c k, z . B. durch Auflagerkraft .

/ Bild 4.9 Vergrößerung der Beton-


/
deckung zur Aufnahme der Quer-
.' / /
zugkräfte im Verankerungsbereich
durch Einschwenken des geraden
, - verg roß er! es Ü Stabendes

Als Querbewehrung reicht meist die sowieso vorhandene Querbewehrung


z. B. bei Platten und Balken (Bügel) aus. Bei dicken eng nebeneinander
liegenden Stäben und besonders bei mehreren Bewehrungslagen muß eine
zusätzliche bügelartige Querbewehrung im Verankerungsbereich angeord-
net werden. In Platten mit Stäben ~ > 14 mm und üblicher Betondeckung
muß die Querbewehrung außen liegen, um ein Öffnen von Spaltrissen zu
verhindern.

4. 3. 2 Verankerung mit Haken und Winkelhaken

Ein Stab kann auf eine kürzere Länge als a verankert werden, wenn am
Stabende ein Haken (hook) oder Winkelhaken angebogen wird (Bild 4. 10).
Dabei sind die in Tabelle 4. 3 angegebenen Biegerollendurchmesser d B
einzuhalten.

Tabelle 4 . 3 Mindestwerte der Biegerollendurchmesser d B für Haken


und Winkelhaken gemäß Tabelle 19, DIN 1045

Stabdurchrne sser d B für Betonstahlsorte


~ B St 22/34 B St 22/34 BSt 42/50 B St 50/55
[rnrn] GU RU RU, RK RK, GK,PK

< 20 2,5 ~ 4 ~ 5 ~ 4 ~
20 bis 28 5 ~ 7 ~ 7 ~ -
> 28 - 10 ~ - -
*) G - glatt, R - gerippt, P - profiliert, U - unbehande lt,
K - kaltverforrnt
4. 3 Verankerungen für Zugstäbe 39

o} b} nur zulässig bei ger ippten Stäben

Bild 4. 10 Verankerung mit Haken (a) oder Winkelhaken (b)

Haken nach Bild 4. 10 sind in der Lage , die maximale Zugkraft Zkr = FeßS
zu verankern, sofern die auftretenden Spaltzugkräfte aufgenommen werden
können. Da jedoch bei der Last Zkr / 1, 75 am Krümmungsbeginn des Ha-
kens zu große Gleitwege auftreten (vgL Bd. I, Abschn. 4 . 3) , muß er
durch eine davorliegende gerade Verankerungslä nge entlastet werden. Der
Gebrauchslastanteil, der dem Haken zugewiesen werden kann, läßt sich
über einen "zulässigen" Gleitweg (z. B. 0,1 mm am Beginn der Krümmung)
durch Versuche bestimmen [10].

Nach DIN 1045, Abschn. 18.3.3.2 wird vereinfacht eine Verankerungs-


länge a1 nach Bild 4. 10 ermittelt, indem man von a nach Gleichung (4. 2)
einen festen Wert a' abzieht:
o

(4.3)

,
mit a 30 ~ für Haken bei glatten oder profilierten Stäben
,
0
a 20 ~ für Haken und Winkelhaken bei gerippten Stäben
0
dB Biegerollendurchmesser nach Tabelle 4.3

Die genannten Hakenabzugswerte sind eine grobe Näherung der Ergebnis-


se aus Versuchen (Bild 4. 11). Bei niedrigen Betongüten und auch bei dik-
ken Stäben wird empfohlen, geringere Hakenabzugswerte a~ zu wählen,
da sonst hohe örtliche Pressungen an der Innenseite des Hakens zu Be-
tonabplatzungen oder breiten Rissen führen können.

Sind an einem Stab Querstäbe angeschweißt, so darf die Hakenkrümmung


erst in einem Abstand von 4 ~ hinter der Schweißstelle beginnen.

Der Haken darf nicht zu nahe an der seitlichen Außenfläche liegen, wo er


infolge Abspaltens einer Betonschale versagen könnte. Bei Randstäben,
die mit Haken verankert werden sollen, ist der Haken vom Rand weg ge-
neigt oder liegend einzubauen (Bild 4. 12). Die beste Lage der Haken ist
quer zu Druckspannungen. Eine Häufung von Haken (Hakensalat) muß ver-
mieden werden, weil an solchen Stellen leicht Nester (schlecht verdich-
teter Beton) entstehen. Abhilfe: Versetzen der Haken gegeneinander um
mindestens 15 ~.

Haken dicker Stäbe in dichter Bewehrung sollten auf Bewehrungsplänen


maßstäblich gezeichnet werden, damit man erkennt, ob genügend Platz
vorhanden ist und ob nicht größere unbewehrte Betonzonen außerhalb der
Hakenkrümmung verbleiben. An kurzen Auflagern sind Haken dicker Stä-
be ungeeignet, weil der Beton unter dem Haken abscheren kann (Bild 4. 13).
Abhilfe: örtliche Haarnadeln aus dünneren Stäben mit Schlaufenanker oder
Ankerplatten.
40 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

~
~
glatte Stöbe aoI
'I' BSt I ger ippte Stöbe
50,-----.-----.----.----~ $ BSt 111
J 50

1.0 +---+---">...,~_b,....:::..-_+-___:::~~
1.0
r
~o (,

-J
30 Olle l!J

~
><::
-- r
~

20 ~~-4---~--~--~

--
20
..... ~
V Hrikenabzug
nach DIN 10lo5
10 +----+---+-- -+----1 r--
10

O+-----+-----r---~----~

200 300 1.00 500 600 o


ß w Ikp/cm 2 j
200 300 loOO 500 600 ·
ßw IkP(Cm 2 ]
Bild 4. 11 Lastanteile von Haken (d B = 5 ~) umgerechnet auf eine äqui-
valente gerade Verankerungslänge. Vergleich zwischen Versuchsergeb-
nissen (verschiedene Lagen beim Betonieren) und Regelung der DIN 1045
(nach [11 J)

kurz e s Auf lager

't1fft 1t , , , Abscherf löche

Aul lagerdruck

Druck
schmaler Steg

ttfU Haarnade l n
ttt,,
tttt Auflagerdruck

GrundriA Grundr i A

Bild 4. 12 Das Spalten von Stegen Bild 4. 13 An kurzen Auflagern


durch Haken wird durch geneigte sind Haken dicker Stäbe unge-
oder liegende Haken verhindert. nügend' wenn keine Haarnadeln
Querdruck ist günstig. angeordnet werden
4.3 Verankerungen für Zugstäbe 41

4. 3. 3 Schlaufenanker

Als Schlaufenanker gelten nur solche Schlaufen, deren beide Stabenden


etwa gleich auf Zug beansprucht sind (Bild 4. 14 oben). Die Umlenkpres-
sung in einer Schlaufenkrümmung mit dem Biegerollendurchmesser d B
ist angenähert
2 Z
(4 . 4)
Pu = d . ~
B

4. 3.3. 1 Schlaufen ohne Querbewehrung


Nach Versuchen mit Schlaufen ohne Querbewehrung [12 aJ ist die zulässi-
ge Pressung in einer Schlaufenkrümmung unter Gebrauchslast

(4.5)

wobei für e der Achsabstand zweier Schlaufenebenen oder der Abstand


eR von der Schlaufenebene zur Betonoberfläche einzusetzen ist (Bild 4. 14).

Aus Gleichung (4.5) erhält man den erforderlichen Biegerollendurchmes-


ser zu
(J
e
~ 5,24~- (4.6)
wN

dabei ist (Je die vorhandene Stahlspannung unter Gebrauchslast am Be-


ginn der Krümmung.

Durch die Ausbreitung der durch die Schlaufe als Linienlast eingeleiteten
Umlenkpressung Pu entstehen rechtwinklig zur Schlaufenebene Spaltzug-
kräfte (Bild 4. 14), die zum Herausbrechen der Randzonen führen können,
wenn nicht eine Betondeckung von ü ~ 3 ~ bzw. ü ~ 3 cm gewählt wird.
Schlaufenanker ohne Querbewehrung dürfen nur bei vorwiegend ruhender
Belastung angewendet werden. Der Anfangspunkt der Verankerung muß
3 ~ vor dem Krümmungsbeginn liegen.
Wird d B kleiner ge'dählt, dann ist eine ergänz e nde Verankerungslänge
a1 = f· a' ( 1,1 - 40Bd ) nötig, mit f nach Tabelle Neufassung Abschn. 18,
DIN 1045. e

~ 3$~Beginn der Verankerung


-:::::~:::====:::J - Z ~=====:::=:I- Z
~
~ Fe,"" • ; Z -Zu-I~C:S-e
"=:=::±:::===:::$ _
~
Z ';;::::=====:=::l- Z
Bild 4.15 Bereich für Lage der
Querbewehrung bei Schlaufenankern

'-2Z

Bild 4. 14 aSchlaufenanker allein Bild 4. 14 b Ergänzende Veranke-


runf!slänf!e a,
42 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

ßwN
S50r---~~rr,---~~--r--.-------.------~-------r------~

4S0+---1--r++-;-4.-~~~~~r------r------_r------_+------~

3S0+---~~~~~~~r---~~--~--~------_r------_+------~

250

1S0~------L---~~J---~ __J-~_ _ _ _~_ _ _ _~~______~_ _~_ _~

S"

10"

15"
d
für "s!:: 20
20" ----
DIN 1045, Tabelle 19
beachten
2S-

30"

35"

40·

45"

50"
de

Ge
(~)
Stahlspannung am Krümmungsbeginn

I
- e : Achsabstand zweier Schlaufenebenen
oder Abstand Schlaufenebene zur

..
Ge Betonoberfläche eR

~~ --
Schnitt
min d S : ( 1,4 . 2,8 f)· ßweN . ~

Bild 4.16 Diagramm zur Bestimmung des erforderlichen Biegerollendurch-


messers min d B von Zugschlaufen mit Querbewehrung
4.3 Verankerungen für Zugstäbe 43

Bei knappen Betondicken ist gegebenenfalls zu beachten, daß durch die


elastische Rückfederung nach dem Biegen um eine Biegerolle mit dem
Durchmesser d B der Schlaufendurchmesser um etwa 10 % größer als d B
werden kann; die erf. Betondeckung muß dennoch eingehalten werden.

4. 3. 3. 2 Schlaufen mit Querbewehrung


Wird zur Aufnahme der Spaltzugkraft, deren Größe mit etwa 2 Z/5 ange-
setzt werden kann, eine Querbewehrung in der in Bild 4. 15 angegebenen
Zone eingelegt (mindestens 2 ~ 5 mm) oder ist ausreichend Querdruck
vorhanden, so kann der Biegerollendurchmesser d B gewählt werden zu

d B ;; (1, 4 + 2, 8 ~) ~. ; e (4. 7)
wN

Der Anfangspunkt der Verankerung muß 3 ~ vor dem Krümmungsbeginn


liegen (Bild 4. 14), die Betondeckung muß mindestens ü ;; 3 ~ bzw. ~ 3 cm
sein. Bei großem e liegt dieser Gleichung aus DIN 1045, Abschn. 18.3.3.3,
für (Je = zul (Je = ßS/v eine Umlenkpressung gleich der Würfeldruckfestig-
keit ßwN zugrunde. Bild 4. 16 zeigt die Auswertung der Gleichung (4. 7).

Bei Versuchen mit Zugschlaufen [13] (d B = 10 ~, B St 42/50, L Bn 200)


ohne zusätzliche gerade Verankerungslänge war der Schlupf am Krümmungs-
beginn - selbst bei Spannungen über zul (Je = ßS /l,75 - kleiner als 0,1 mm.

4.3.4 Verankerung mit aufgeschweißten Querstäben, geschweißte Beton-


stahlma tten

Bei geschweißten Betonstahlmatten (welded wire fabric) dienen primär


die aufgeschweißten Querstäbe der Verankerung (Bild 4. 17 a). Bei Mat-
ten aus glatten Stäben muß man die Verankerung ganz den Querstäben zu-
weisen, bei Matten aus gerippten oder schwach profilierten Stäben wirken
Querstäbe und Verbund an den Längsstäben zusammen (Bild 4. 17 b). Der
Anteil der von einem Querstab getragenen Kraft hängt dabei vom Gleit-
weg des Längsstabes und damit von der Lage des Querstabes in der

a) gerippte Stäbe b)
- 0 - - -+
n (} llt'fS tcibe

~~ /l~ - - -z
"1l ,l 'I
l
~2.Sern ~ Sem
~Scj)

glotte oder profilierte Stäbe

~ :i= =;!;::==!::::::::::::!-==::::::!:e=t=:::::::!:-= _ Z

x (ern)

Bild 4. 17 Aufgeschweißte Querstäbe für die Verankerung (a) und prin-


zipieller Verlauf der Stahlspannung bei Verankerung durch Querstäbe und
Verbund (b)
44 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

Verankerungsstrecke ab [14J. Im Gebrauchszustand muß dieser Gleit-


weg (Bild 4. 18) begrenzt werden. Häufig kann dadurch nicht die volle
Tragfähigkeit der aufgeschweißten Querstäbe ausgenützt werden.

Die Tragfähigkeit der Schweißverbindung wird am nackten Knoten nach


DIN 488, BI. 5, gemäß Bild 4. 19 geprüft und muß S ~ 0,35. l<~. ßo 2
bei profilierten oder gerippten und S = 0,3 Fe' ßO 2 bei glatten Stäben
betragen, liegt aber meist höher. Im einbetoniert~n Zustand trägt der
Querstab wesentlich mehr, was u. a. bei der Verankerung von Bügelmat-
ten festgestellt wurde [15 J

G'el [kp/cm 2] t/Ja 0L


2500 - - 10 10

2000
~ - ~l
12
10

10 12

1500 6 10
8 12
[mm]

1000

ßwN : 250 kp Icm 2


500~~~~-~----+-------~--------4
unten liegende Stöbe
(Lage B)

O+-------~--------~------~------~~
o 0,05 0,1 0,15 0,2 [mm)
Gleitweg am unbelasteten Stabende

Bild 4. 18 Verformungsverhalten von gerippten Stäben, die mit aufge-


schweißten Querstäben im Beton verankert sind (aufgestellt nach [l4J)

I Maße in mm I
C=::::::=~I-- Qu er sta b -----.;;;......_,."T'"

heraus- - - -
schneiden ~--- Zugstab

~ ~
Doppels"tab Einzelstab

Bild 4. 19 Abmessungen der Proben zur Prüfung der Scherfestigkeit


punktgeschweißter Querstäbe
4. 3 Verankerungen für Zugstäbe 45

DIN 1045, Abschn. 18.3.3.5 regelt die den geschweißten Betonstahlmat-


ten zumutbaren Ankerkräfte vorsichtig gemäß der folgenden Tabelle:
Tabelle 4.4 Grundmaß a o der Verankerungslänge für geschweißte Beton-
stahlmatten bei vorwiegend ruhender Belastung gemäß DIN lQ45, Tab. 21
(Neue Regelung siehe Neufassung von Abschnitt 18 der DIN 1045)

Stabdurchmesser a bei Betonstahlmatten aus


0
Einzel- Doppel- Rippenstäben glatten oder profilierten
stäbe stäbe und Lage B St 50/55 RK Stäben B St 50/55 GK
Stabpaare (IV R) bzw. B St 50/55 PK
mm mm (IV G bzw. IV P)

~ 35 cm mit mind. ~ 35 cm mit mind.


A 3 Querstäben 3 Querstäben
(2 Maschen) (2 Maschen)
~ 12,0 ~ 8,5
~ 25 cm mit inind. ~ 25 cm mit mind.
B 2 Querstäben 3 Querstäben
(1 Masche) (2 Maschen)

~ 45 cm mit mind. ~ 45 cm mit mind.


A 4 Querstäben 5 Querstäben
(3 Maschen) (4 Maschen)
- > 8,5
~ 12,0 ~ 35 cm mit mind. ~ 35 cm mit mind.
B 3 Querstäben 4 Querstäben
(2 Maschen) (3 Maschen)

Bei nicht vorwiegend ruhender Belastung ist die Anzahl der Querstäbe
um 1 Querstab zu erhöhen.

Das Grundmaß a o der Verankerungslänge von geschweißten Betonstahl-


matten kann nach GI. (4. 2) im Verhältnis erf F e / vorh Fe abgemindert
werden, wobei die Anzahl der Querstäbe auf ganze Werte aufzurunden ist;
in diesen Fällen gilt die Einschränkung a ~ 1 0 ~ nicht. Die Veranke -
rungslänge ist bei profilierten und glatten Stäben bis zum letzten Querstab,
bei gerippten Stäben bis zum Stabende zu messen (vgI. Bild 4. 17). Der
letzte Querstab kann zur Verkürzung von a durch einen Haken bzw. Win-
kelhaken bei Matten aus Rippenstäben ersetzt werden.
Bei gerippten Stäben mit kleinen Durchmessern ergeben sich bei großem
Querstababstand, z. B. 25 cm, nach Tabelle 4.4 unnötig große Veranke -
rungslängen. Sie sollten dann besser ohne Anrechnung der Querstäbe
nach den Regeln für gerippte Einzelstäbe (Abschnitte 4.3.1 und 4.3.2)
bestimmt werden. Da bei Matten mit Doppelstäben für den Verbund nicht
der volle Umfang beider Stäbe angesetzt werden kann, muß nach der Er-
gänzenden Bestimmung zu DIN 1045, Abschn. 2.9, bei Doppelstäben mit
d e > 8,5 mm bei der Ermittlung der Verankerungslänge ein dem Doppel-
stab querschnittsgleicher Einzelstab zugrunde gelegt werden.

4.3.5 Ankerkörper
Reicht die vorhandene Ankerlänge weder für Verbundanker noch für Ha-
ken oder Schlaufen aus, dann ist am Stabende ein Ankerkörper anzuschlies-
sen, der entweder rechnerisch für die 1,25 -fache Zugkraft (nach DIN 1045
80 % Ausnützung) zu bemessen oder dessen Tragfähigkeit durch Versuch
nachzuweisen ist. Bei nicht vorwiegend ruhender Belastung sind Versuche
zu empfehlen, wobei nur 70 % der nachgewiesenen Schwingbreite bzw. 50 0/0
der statischen Bruchfestigkeit ausgenützt werden dürfen.
46 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

Die Ankerfläche ist für die zulässige Pressung bei Teilflächenbelastung


nach [1 bJ, Abschn. 3, zu bemessen. In umschnürtem Beton (wendeibe -
wehrt) kann die Ankerfläche kleiner gewählt werden.

An kurzen Auflagern wird ein Stahlwinkel empfohlen (Bild 4.20). Die ein-
fache Ankerplatte muß vollwertig an den Stab angeschlossen (Bild 4.21 a)
werden; dazu kann der durchgesteckte Stab auf der Außenseite in einem
Versenk angeschweißt werden. Eine ringförmige Kehlnaht auf der Innen-
seite (Bild 4.21 b) genügt nur für eine Teilkraft. Die maschinelle Her-
stellung einer Stumpfnaht mit Preß schweißung wie bei Verbunddübeln auf
Stahlträgern wäre eine Lösung. Für die Schweißverbindungen ist DIN 4099
zu beachten.

Ankerplatten können auch mit Gewinde und Muttern gehalten werden


(Kernquerschnitt beachten!). Vergrößerte Muttern können als Anker auf
Gewinde eingedreht werden (Bild 4. 22). Anker können im Gesenk ge-
preßt oder mit der Gaspreßschweißung hergestellt oder hydraulisch ange-
preßt werden (Bild 4.23).

Stäbe mit aufgewalztem Gewinde (vgl. Abschn. 5. 2. 2) können auf einfache


Weise mit Ankerplatten versehen werden [17a, S. 65 bis 73].

Von Hand angeschweißte Querstäbe (welded cross bars) sind in den USA ge-
bräulieh (Bild 4.24). Wird die zulässige Belastung durch Versuche er-
mittelt, dann müssen bestimmte Gleitwege am unbelasteten Stabende,
0,01 mm unter Gebrauchslast und 0,1 mm unter 1, 75-facher Gebrauchs-
la st, eingehalten werden.
a) b)
genüg t nicht für zu !. Z

- -
Bild 4. 20 Verkürzte Auflager- Bild 4. 21 Ankerplatte (a) für zul Z
länge durch angeschweißtes Win- mit Ringkehlnaht (b) nicht vollwertig
kelprofil

-
Bild 4. 22 Bild 4. 23
Ankerplatte mit Gewinde, Ankerkopf aufgestaucht oder
nur Kernquerschnitt trägt in Ankerplatte eingepreßt

al bl

Bild 4. 24
Angeschweißter
Querstab

a besser als b
4. 4 Verankerungen für Druckstäbe 47

4.4 Verankerungen für Druckstäbe

Bei Druckstäben muß man beachten, daß die zunächst niedrige Stahlspan-
nung (n-fache Betonspannung) unter Dauerlast durch Kriechen des Betons
bis zur Streckgrenze anwachsen kann, wenn die Betondruckspannung groß
und der Bewehrungsgrad klein ist. Es empfiehlt sich daher, in der Regel
die Verankerungslänge nicht zu knapp zu wählen.

Die Verankerungslänge wird nach Gleichung (4.2) ermittelt; Abzüge für


Haken sind jedoch nicht zulässig. Ein erheblicher Teil der Druckkraft
wird stets durch "Spitzendruck" der Endfläche des Stabes übertragen
(Bild 4.25). Die Gefahr besteht, daß der Spitzendruck eine Betonschale
quer absprengt. Deshalb muß bei dicken Stäben mit kleiner Betondeckung
(ü = 1,2 bis 1, 5 ~ ) auch hinter dem Stabende noch Querbewehrung vor-
handen sein (Bild~. 25 rechts), für die zwei bis drei dünne Bügel im Ab-
stand "" 4 ~L genügen.

durchgehender Stab

Spaltrißgetahr
Schnitt Q - Q

Bild 4.25 Spitzenpruck S bei Druckstäben; die Spaltgefahr durch den


Spitzendruck wird bei dicken Stäben durch Querbewehrung hinter dem
Stabende vermindert

Der Spitzendruck kann auch zu kegelförmigen Ausbrüchen des Betons füh-


ren, wenn Druckstäbe nahe an freien Betonflächen, z. B. Oberflächen von
Deckenplatten, enden (Bild 4.26).

Drückt der Stab dagegen auf einen querbewehrten Betonkörper größerer


Abmessung, z. B. Stützenstab auf Fundamentplatte, so kann auf eine An-
kerlänge verzichtet werden, wenn im gedrückten Bauteil (Bild 4. 27)

für Stäbe aus B St I die Betongüte Bn ~ 250


für Stäbe aus B St III die Betongüte Bn ~ 350

vorhanden ist, weil der Beton an solchen Stellen örtlich Pressungen aus-
hält, die der 8- bis 10-fachen Würfeldruckfestigkeit entsprechen. Das
Stützenende muß im Bereich der Verankerungslänge a besonders eng ver-
bügelt sein, damit ein Teil der Stabdruckkraft durch Verbund und durch
erhöhte Betondruckfestigkeit (Umschnürung) aufgenommen wird.
48 4. Verankerungen der Bewehrungsstäbe

Gefahr der Abplatzung

auf
Höhe Q
eng ver-
bügeln

t t
Bild 4. 26 Vorsicht mit Bild 4.27 Aufsetzen von Druckstä-
Druckstäben nahe an freier ben auf querbewehrten Betonkörpern
Betonfläche ohne Verankerungslänge

Bild 4. 28 Haken sind zur Verankerung von Druckstäben besonders in


stützen ungeeignet

Haken und Winkelhaken sind bei der Verankerung von Druckstäben unge-
eignet, vor allem wenn sie hoch ausgenützt sind und nahe an einer Aus-
senfläche liegen (Bild 4. 28a); sie werden jedoch nach DIN 1045 bei glat-
ten Stäben verlangt. Bei Stützen sind immer gerade Stabenden mit enger
Verbügelung zu empfehlen (Bild 4. 28 b).
5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

Stöße (splices) sind durch Ausnützung der handelsüblichen Stablängen von


12 bis 14 m möglichst zu vermeiden. Bei rechtzeitiger Bestellung genü-
gend großer Mengen können Bewehrungsstäbe bis zu Längen von etwa 3D m
geliefert werden.

5.1 Allgemeines

Direkte Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe (z. B. Stumpfschweißung)


können an jeder Stelle im Beton angeordnet werden, da der Beton an der
Kraftübertragung nicht mitwirkt.

Bei indirekten Stoßverbindungen muß der Beton mitwirken, indem die


Kraft durch Verbund oder Umlenkkräfte über schiefe Druckstreben von
einem Stab auf den anderen übertragen wird (vgl. Bild 5. 12). Dabei ent-
stehen nach der Fachwerkanalogie Querzugkräfte, die Querbewehrungen
oder Querdruck und reichliche Betondeckung bedingen.

Indirekte Stöße sollten grundsätzlich nicht an Stellen hoher Beanspruchung


gelegt und wenn möglich gegeneinander versetzt werden.

5.2 Direkte Stoßverbindungen

5.2. 1 Geschweißte Stöße für Zug und Druck

Die Bedingungen für das Schweißen von Betonstahl sind in DIN 4099 fest-
gelegt. Es sollen nur gleiche Stahlsorten miteinander verschweißt wer-
den. Grundlegende Probleme des Schweißens von Betonstählen werden
in [3] behandelt.

Geschweißte Stöße (welded splices) können als Stumpfstoß (Abbrenn-


stumpfschweißung oder Lichtbogenschweißung), Üb erg r e i fu n g s s t 0 ß
oder als Las c he n s t 0 ß ausgeführt werden. Der Stumpfstoß (butt weId)
mit Abbrennstumpfschweißung (elektrisch oder mit Gas) verdient den
Vorzug, sofern er sich ohne größeren Aufwand durchführen läßt.

Im Hinblick auf die Rißbildung wird insbesondere bei Dauerschwingbe-


1astung empfohlen, nicht alle Stäbe eines Bauteils in einem Querschnitt
zu stoßen, obwohl dies nach DIN 1045 erlaubt ist.

In gekrümmten Stabteilen sind geschweißte Stöße nicht erlaubt; der Krüm-


mungsbeginn muß mindestens im Abstand von 10 ~ vom Ende der Schweiß-
stelle liegen.
50 5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

Das Schweißverfahren muß entsprechend der Sc hweißeignung (vgl. [1 aJ ,


Abschn. 3 . 4 oder DIN 4099) und der Belastungsart gewählt werden:

Der Stumpfstoß mit elektrischer Abbrennschweißung (B ild 5.1) kann bei


unbehandelten und kaltverformten Stählen mit dem vollen Stabquerschnitt,
unter Dauerschwingbelastung bei einer Schwingbreite > 1000 kp / cm 2 mit
85 % des Stabquerschnitts in Rechnung gestellt werden .

Der Stumpfstoß mit Metall-Lichtbogenschweißung, X -Naht (Bild 5.2),


sollte nur bei kaltverformten Stählen und nur bei ~ !?; 20 mm und ßS ~.
4200 kp /c m 2 verwendet werden. Ungeeignet bei Da uerschwingbelastung
und hochfesten Stählen , nur für Druckstöße zulässig.

& 00 &
b__ --W-----------~ b ~ 6----J.-
<I>~20mm
1'"
Bild 5. 1 Stumpfstoß mit Bild 5. 2 Stumpfstoß mit X - Naht
Abbrennstumpfschweißung

Der Übergreifungsstoß (Metall-Lichtbogens chwe ißung) mit einseitiger,


unterbrochener Flankenkehlnaht nach Bild 5.3 gilt als vollwertig, die Ab-
triebkraft durch die Ausmittigkeit muß durch Querbewehrung aufgenom-
men werden. Geeignet bei kaltverformten B etonrippenstählen, ungeeignet
bei Dauerschwingbelastung hochfester Stähle und bei Dru ck.

~
( HI/II11IHnllHHI IHmnnlljlllllll1
4
13:
5<1> ,l 5«> l
'I 5<1> ~ <t>~14mm
Vollwert ig

Bild 5. 3 Geschweißter Übergreifungsstoß

Der Laschenstoß (Metall-Lichtbogens chweißung)kann mit S t 0 ß s t ä ben


(Bild 5.4a) oder geeigneten Stoß l aschen (Bild 5.4 b) ausgeführt wer-
den, wobei auf möglichst geringe Ausmittigkeit der Flankenkehlnähte zu
achten ist. Ungeeignet bei Dauerschwingbelastung.

b'::::)H:::~HN:II:::::HlI::::H~INii:::"t.:r------! ~2+=
Q) II\.Q-----i(. . .~.++.I++HH-in....++.. '+>).'........." ...ll.....
·...J.j.· <I>~t= ~
U...
...........•... "t3
i ..........++
·, ..
, ++>I++
....
, ;" ,;ti,.
Flankennöhte

I
.r-- ~ 5rt>, ," ~io ~ 5<1>1
-<1>,
<l>2:!:O ,71<1>1 <t>,~14mm

Bild 5.4 Geschweißte Laschenstöße


5. 2 Direkte Stoßverbindungen 51

5. 2. 2 Gewindemuffenstöße

Um den Verlust an Stabquerschnitt durch geschnittene Gewinde zu vermei-


den, kann man die Stabenden aufstauehen oder vorgefertigte dickere Ge-
windestücke stumpf an die Stabenden anschweißen (Bild 5.5 a). Durch das
Aufrollen von Gewinden wird die Stabschwächung vermieden. Neuerdings
werden Gewinde auch an Rippenstählen aufgerollt, wobei die Stabenden
vorher abgeschält werden ("Schraubanschluß WD" Bild 5. 5 b [16 ]). Bei
geschnittenem Gewinde darf der Kernquerschnitt nur mit 80 %, bei auf-
gerolltem Gewinde voll angerechnet werden. Die Muffen müssen die I, 2-
fache Tragfähigkeit der zu verbindenden Stäbe haben und sollten an den
Enden dünner sein, um eine Überbeanspruchung der ersten Gewindezähne
zu verhüten. Gegnügend tiefes Eindrehen der Stäbe in die Muffe muß si-
chergestellt werden. Unter Gebrauchslast darf die zusätzlich zur ela-
stischen Dehnung auftretende Verlängerung (Schlupf im Gewinde) höch-
stens 0, 1 mm für beide Muffenenden betragen.

d%cc:f"
dk ~ f>

$"-m ]b
b) Muffe -,f--- - -- Schälen
Rollen - - - -

1
-,f--- - --
Punkt "A" An l auf

~~
Bild 5.5 Gewindemuffenstoß mit aufgestauchtem Stabende bei ge-
schnittenem Gewinde (a) und bei Rippenstäben mit aufgerolltem Gewinde,
"Schraubanschluß WD" (b)

Bewehrungsstäbe mit Rippen, die auf die ganze Stablänge in Gewindeform


im Walzwerk aufgewalzt werden [17 a, S. 51 bis 73, und 17 b können mit J,
passenden Gewindemuffen gestoßen werden (Bild 5. 6). Wegen des Spieles
zwischen Rippen und Rillen sind bei nicht gespannten Zugstößen Kontermut-
tern nötig.

b) ~~~~I~~:::e:::A
~
Sechskant -
/
runde Gewi nde-
kontermutter muffe

Bild 5.6 Gewindemuffenstöße bei Stäben mit durchgehend aufgewalztem


Gewinde
a) Spannstab von DYWIDAG b) GEWI-Muffenstoß (nicht vorge-
~ 26,5 und ~ 15,1 mm spannt, B StG), ~ 20 bis ~ 28 mm,
St 80/105 bzw. St 90/110 B St 42/50 RU
52 5. Stoß verbindungen der Bewehrungsstäbe

5. 2. 3 Preßmuffenstöße für gerippte Stäbe

Die Muffenrohre werden an der Baustelle


hydraulisch aufgepreßt, meist am Ort des
einzubauenden Stabes (Bild 5.7). Die Muf-

-
fe verzahnt sich dabei mit den Rippen und
verlängert sich, der anzuschließende Stab
muß also noch längs verschieblich sein.
I
--
Es können auch Stäbe mit unterschiedli-
chem Durchmesser, z. B. ~ 28 mit ~ 25mm,

-
verbunden werden. Die Länge der Muffe
ist rund 7 ~, der äußere Durchmesser ist \
etwa gleich dem 1, 6-fachen Stabdurchmes-

-
ser. Beim Aufpressen wird für das Preß-
gerät ein Stababstand von mindestens \
10 cm benötigt, vgl. [18 J.
Für Dauer-
schwingbeanspruchung kann mit Schwing-
breiten von etwa 1100 kp/cm 2 gerechnet
werden. Preß muffen können nach Bild 5. 8
auch für Schraubstöße verwendet werden.
Die Gewindebolzen bestehen aus hoch-
festem Stahl (St 85/105). Der Stoß ergibt
volle Tragfähigkeit auf Zug und Druck. Bild 5. 7 Preßmuffenstoß

erste Helfte
gepreßt be 10 nie rt

~~'~-
F'~S
I
=+ "",

I
Betonslah l Preßmuffe
.
Gew,ndebolzen Sc hrau b - Preß muffe

Bild 5.8 Schraub-Preßmuffenstoß für gerippte Stäbe ~ 14 - 28 mm

5.2.4 Thermit-Muffenstöße

Der Hohlraum zwischen der innen gerippten Muffe und den Enden des zu
stoßenden gerippten Stabes (Bild 5.9) wird mit Thermit-Sonderstahl ver-
gossen. Die Schmelze entsteht in einem mit Einlaufstutzen an die Muffe
angeschlossenen Tiegel durch Zünden eines Gemisches von vorwiegend
Eisenoxyd- und Aluminiumpulver (Goldschmidt' sches Thermitverfahren
von 1896: Aus F e203 + 2 Al wird A1 20 3 + Fe + Wärme, das flüssige
Eisen ist schwerer als die Alu-Schlacke und fließt in die Muffe). Zur
Erhöhung der Festigkeit werden Zugaben gemacht. Die Muffe ist kürzer
aber dicker als beim Preßmuffenstoß :

eM "", 2 ~ für Druckstöße, €M Re 4 ~ für Zugstöße (Bild 5.9)

Man erreicht die volle Zug- und Druckkraft des Stabes. Die Kräfte wer-
den durch Scherverbund des Vergußmetalles an den gerippten Stoßflächen
übertragen, die Stabenden haben Abstand. Die Stöße können in senkrech-
ter, waagrechter oder schräger Lage ausgeführt werden, wenn der Tie-
gel angeschlossen werden kann [19].
5. 2 Direkte Stoßverbindungen 53

IR--,.L-/,-L--l-- Bel 0 nr i p Pe n sI a h I
/
Slahlbelon -
ferligteil

• Muff e

--'~'''''-IPIo, li-....,....-'''-- 0 K . Be Ion

;a!f-,o"-t- A5 b est
Muffe / '. Asbesld ichlung

/~///~//j

Bild 5. 9 a) Thermitmuffenstoß, b) Schnitt durch einen vertikalen Ther-


mitmuffenstoß mit angesetztem Tiegel (nach [19J)

5. 2. 5 Kontaktstöße für Druckstäbe

In Bauteilen, die überwiegend auf Druck beansprucht sind und in nicht


knickgefährdeten Bereichen liegen, kann bei lotrechten Druckstäben
(0 ~ 20 mm) der Kontaktstoß angewendet werden, bei Stützen jedoch nur
in horizontal unverschieblichen Systemen und bei geringen Ausmitten
(eid § 0,25). Es darf nur die Hälfte der Stäbe in einer Querschnittsseite
gestoßen werden.

Die Stoßflächen der Stäbe müssen rechtwinklig geschnitten, ihr mittiger


Sitz muß gesichert sein. Der Kontaktstoß ist für dicke Druckstäbe dem
Übergreifungsstoß überlegen und vorzuziehen [20 J.

In den USA werden die Stäbe mit Blechhülsen gesichert, im Bereich der
Hülse ist aber die Betondeckung gefährdet.

Der Noe-Kontaktstoß [20J löst die Sicherung des mittigen Sitzes besser
mit 4 dünnen gerippten Stoßstäben (Bild 5.10), die mit drei Klemmringen

Schnitt 0 -0

Bewehrungsstöbe
8 SI 42/ 50 RU oder RK

Klemmr i ng offen
8 SI 42/ 50 RU oder RK

Klemmring mil Zange


I--tVA!~~,,- - ,.....
zus amm en ge drück t

Bild 5.10 Noe-Kontaktstoß: vollwertig für Druckkräfte, Zugkräfte bis


zu 40 % der Druckkraft
54 5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

(wie Schlauchklemmen) mit einer Zange angepreßt werden. Die Stoßstäbe


können auch etwa 40 % der zulässigen Zugkraft übertragen [20, S. 34 bis
39 J, so daß damit alle Stäbe im gleichen Schnitt gestoßen werden können,
wenn die Abstände ausreichen. Die aufnehmbare Zugkraft ergibt sich aus
dem Umfang der 4 Stoß stäbe u St bzw. des zu stoßenden Stabes u L ' der
Verbundlänge und zul T l' wobei am Hauptstab 70 %, an den Stoßstäben
nur 60 % des Stabumfanges angesetzt werden. Damit ist zul Z = 0,6 . u St
• Tl· €/2 oder zul Z = 0,7 . u L · Tl· e/2 ( e = Länge der Stoßstäbe).

Auch GEWI-Muffenstöße (vgl. Bild 5.6 b) können in etwas einfacherer Aus-


führung zu Kontaktstößen verwendet werden [17a, S. 65 bis 73J.

5.3 Indirekte Stoßverbindungen für Zug

5. 3. 1 Übergreifungsstöße mit geraden Stabenden, Haken oder Winkelhaken

5. 3. 1. 1 Allgemeines
Übergreifungsstöße mit Haken (Bild 5. 11 b) dürfen bei Stäben aller Art
ausgeführt werden; gerade Stabenden (Bild 5.11 a) oder Winkelhaken
(Bild 5. 11 c) sind jedoch nur bei gerippten Stäben zulässig. Ausnahms-
weise darf man bei Schalen und Faltwerken bei glatten und profilierten
Stäben (~ ='" 8 mm) auf Haken verzichten. Gerippte Stäbe sollten mög-
lichst nur mit geraden Stabenden gestoßen werden, da sich Stöße mit Ha-
ken und Winkelhaken bei den geltenden Hakenabzugswerten, besonders bei
großen Stabdurchmessern ungünstig verhalten können. Häufungen von Ha-
ken sind durch Versetzen der Stöße um 1,3 bis 1,5 eü zu vermeiden
(staggered splices).

al Lage im Quer-
schnitt

,l
b)

c)

--.I'ltfo-- - -- fü ..l
Bild 5.11 Übergreifungsstöße mit geraden Stabenden (a), Haken (b)
oder Winkelhaken (cl
5. 3 Indirekte Stoßverbindungen für Zug 55

Beim Übergreifungs'stoß wird die Stabkraft Z über schräge Druckstreben


von einem Stab auf den anderen übertragen (Bild 5.12), wobei nur ein Teil
des Stabumfanges mitwirken kann. Deshalb genügt als Übergreifungslänge
eü die Verankerungslänge a nach GI. (4.2), bzw. al nach GI. (4.3), nicht.
Die gestoßenen Stäbe sollen dicht oder nahe beieinander liegen, der lichte
Abstand darf nicht größer als 4 ~ sein.

z-

~------'v

Querbewehrung tur Zq:::::O.8 Z


da DruckstreDenne i gung < 45°

Bild 5.12 Tragwirkung einer indirekten Stoßverbindung: die Kraft Z


wird durch schiefe Betondruckstreben übertragen, wobei Querzug Zq
entsteht

Die Druckstreben bedingen im Stoßbereich Querzugkräfte Z (Fachwerkana-


logie Bild 5. 12), die die Gefahr des Abplatzens der Betonde~kung, im Ver-
gleich zur einfachen Verankerung eines Stabes, erhöhen. Nach Versuchen
[21] sind die Querdehnungen und damit die Spaltzugkräfte über die Län-
ge eü etwa nach Bild 5. 13 verteilt. Liegen mehrere Stöße nahe beieinan-
der (seitlicher Abstand ;S 1 0 ~), so überlagern sich die Spaltkräfte. Da-
mit sie nicht zu groß werden, muß man bei geringem seitlichen Abstand
der Stöße die Übergreifungslänge gegenüber a und al weiter vergrößern
und bei dicken Stäben (~ > 14 mm) den Anteil der gestoßenen Stäbe in
einem Querschnitt z. B. durch einen Längsversatz ev von entweder 0,4
bis 0,6 eü oder mehr als 1, 3 ~ vermindern (Bild 5. 14 bund 5.15). Wer-
den Stöße, wie in Bild 5.16 gezeigt, zweimal hintereinander z. B. um etwa
0,5 eü versetzt, so gelten im Schnitt a - a 50 % der Stäbe "ohne Längs-
versatz" gestoßen.

5. 3. 1. 2 Erforderliche Übergreifungslänge eü
Für die Ermittlung der Übergreifungslänge eü von Zugstößen werden nach
DIN 1045, Abschn. 18.4.1. 2, die o . g. Einflüsse über einen Faktor k
(s. Tabelle 5. 1 auf S. 58) berücksichtigt, mit dem die Verankerungslänge a
vergrößert wird:

Stäbe ohne Haken Stäbe mit Haken

eü = k· a (5.1 a) eü = k· a - a I (5.1 b)
0
~ 15 ~ ~ 15 ~
~ 20 cm ~ 20 cm

wobei a Verankerungslänge nach GI. (4.2)


Hakenabzugswerte nach Abschn. 4.3.2
Vergrößerungsfaktor nach Tabelle 5. 1

Der zulässige Anteil der gestoßenen Stäbe am Gesamtquerschnitt


in einem Schnitt ist durch Tabelle 5. 2 festgelegt.

Zur leichteren Ermittlung der Übergreifungslängen sind in Tabelle


5.3 die Grundmaße der Übergreifungslänge eüo = k· a o angegeben.
Cl
(j")

Tabelle 5.3 IGrundmaß" der Übergreifungslänge €tio k· a o

Übergreifungslänge €üo / ~ = k· a o
Stabober- ßS gestoßener
fläche 2 Lage Anteil Querabstand der Stöße ~ 10 ~ Querabstand der Stöße <: 10 ~
[kp/cmJ
% Bn Bn
150 250 350 450 550 150 250 350 450 550

>50 168 144 126 112 101 230 198 173 154 138
glatt 50 157 135 118 105 94 210 180 157 140 126
A 33 147 126 110 98 88 189 162 141 126 113
(mit Ra- 136 117 102 91 82 168 144 126 112 101
25
ken, dazu 20 126 108 94 84 76 147 126 110 98 88
2200
, 84 72 126 56 51 115 99 173 77 69
noch a >50
0
50 79 68 118 53 47 105 90 157 70 63
abziehen) 74 63 110 49 44 95 162 71 63 57
B 33
25 69 59 102 46 41 84 72 126 56 51
20 63 54 94 42 38 74 63 110 49 44

>50 137 107 87 74 64 190 147 120 102 88


50 129 100 82 69 60 172 133 109 93 80
A 33 120 94 77 65 56 154 120 98 83 72
25 112 87 71 60 52 137 107 87 74 64 ~
20 103 80 66 56 48 120 94 76 65 56 Ul
4200
73 51 44
S
u;,
>50 69 54 44 37 32 95 60
50 65 50 41 35 30 86 67 55 47 40 <
(1)
>-j
B 33 60 47 38 33 28 77 60 49 42 36 0'
.....
25 56 44 36 30 26 69 54 44 37 32 ::l
gerippt §"
20 52 40 33 28 24 61 47 38 33 28 ::l
()Q
(1)
>50 163 127 104 88 76 224 175 143 121 105 ::l
gerippt 50 153 119 98 83 72 204 159 130 110 95 p..
(1)
A 33 143 111 91 77 67 184 143 117 99 86 >-j

25 133 103 84 72 62 163 127 104 88 76 td


(1)
20 123 96 78 66 57 143 111 91 77 67 ~
5000 (1)
;Y
>50 82 64 52 44 38 112 88 72 61 53
50 77 60 49 42 36 102 80 65 55 48 2::l
()Q
B 33 72 56 46 39 34 92 72 59 50 43 Ul
Ul
25 67 52 43 36 31 82 64 52 44 38 <+
Il':
20 62 48 39 33 29 72 56 46 39 34 0'
Cl>
-
5. 3 Indirekte Stoß verbindungen für Zug 57

_ tl-Iü r ~

I Richtung von E q i

b'W;:~
Bild 5.13 Qualitative Verteilung
der Querdehnungen bei einem Über-
greifungsstoß [ 21 ]

a) ungünstig

./<--.f =.f.. ---JL- groß e


I V U
I Rißbreite
~ --:=======~-------- ~
~ --:----"i=====-- ---.
b) günstig
I I
r -t ger i ng ere

---
-- f ü

~ -
I I Riß br ei te

1 I ---
~

. .' ~ I
~q I

.jt- .f
v
~lH
' u ~ I
c)günstig I I I
I I I I
fü - ~ kleinste

~
.,jI
I I Rißbreite
~ --~===~l~------ ~ G'q
~ -~I---====(~~=2=f=TI----- ~
~ ~ I e
-f~05.f
v, " U
I
I
I
I
Bild 5. 14 Beispiele für die Über-
~j'~Gq lagerung der Spaltzugspannungen bei
benachbarten Übergreifungsstößen[ 21 ]

--.I' Längsversatz ;;; 1,3 I ü

-
-
Bild 5.15
Günstiger Längs-
=====:t:::l====~=_ versa tz für Über-
greifungsstöße (bei
Längsversatz :::: 0,5 I ü,
wenn außenliegende -f- ~v-f Haken besser nur
Querbewehrung vorhanden ev~ 1,3 eü ) [21]

r
1- f ü -a Stoßenden ni c h t ver se t z t

=1~tt===1=~t
1
seitlicher lichter Abstand
der Stäbe nicht verset z -
ter Stöße

lO,51Ü 1
~Q,5~ü_
Bild 5. 16 Bei zweimaligem Längsversatz um etwa 0, 5 e..u gelten 50 0/0
der Stäbe im Schnitt a - aals ge stoßen [ 21 ]
58 5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

,
Tabelle 5. 1 Beiwert k für die Übergreifungslänge eu.. = k . a -a
o
von
Stößen gemäß Tab. 22, DIN 1045

seitlicher lichter Anteil der ohne Längsversatz gestoßenen Stäbe


Abstand der Stäbe am Gesamtquerschnitt der Bewehrung, zulässi-
nicht versetzter ger Anteil s. Tabelle 5. 2
Stöße
~ 20 0/0 25 0/0 33 0/0 50 0/0 > 50 0/0

< 10 ~ 1,4 1,6 1,8 2,0 2,2

~ 10 ~ 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6

Tabelle 5.2 Zulässiger Anteil der gestoßenen Stäbe bei Übergreifungs-


stößen gemäß Tab. 23, DIN 1045

Stab- Glatte Stäbe

durch- Rippen-
Belastungsart
messer stäbe vorwiegend ruhend nicht vorw. ruhend

[mm] vorh Fe vorh Fe vorh Fe


~ 2 erf Fe < 2 erf Fe > 2 erf Fe

~ 14 100 0/0 100 0/0 50 0/0 50 0/0

50 0/0 50 0/0 25 0/0 25 0/0


> 14

5.3.1.3 Querbewehrung
Bei großen Stabdurchmessern (~ > 14 mm), großem Anteil der in einem
Querschnitt gestoßenen Stäbe (> 50 0/0) oder bei Dauerschwingbelastung
muß der möglichen Riß bildung durch Querzug mit einer Querbewehrung
begegnet werden. Die Querbewehrung darf innen liegen, bei Stäben
~ > 14 mm muß sie aber außen liegen. Es reicht aus, die Querstäbe
nach Bild 5.17 für Zq = 0,8 Z zu b~messen, sie werden am wirkungs-
vollsten in den äußeren Dritteln der Ubergreifungslänge mit mindestens
je drei Querstäben möglichst in der äußeren Lage angeordnet (Bild 5. 17).
Nach DIN 1045 werden 2 x 3 Stäbe mit ~q ~ 0, 4 ~L verlangt, womit
Querzugkräfte Zq = 0,96 Z abgedeckt werden könnten.

F fur 0,8 Z
e quer

I Pf'llll'--Z
(-~~

Bild 5. 17 Anordnung
einer Querbewehrung
H.I
~ , u -.j< ~03f'
• u bei Übergreifungs-
f u stößen

Als Querbewehrung können die waagrechten Schenkel von Bügeln herange-


zogen werden, deren lotrechte Schenkel der Schubsicherung dienen. Bei
dicken Stäben sind Sonderformen der Querbewehrung, z. B. schmale Bü-
gel oder Wendeln, die die gestoßenen Stäbe umschließen, besonders gün-
stig (Bild 5.18).
5. 3 Indirekte Stoßverbindungen für Zug 59

_ ==~',t~'~/5~t~'~'~'!::::=_
".;

Bild 5. 18
";i
o
Mögliche Formen der Querbewehrung bei Stößen dicker Stäbe

5. 3. 2 Übergreifungsstöße mit großen Haken

In biegebeanspruchten Stoßfugen unter vorwiegend ruhender Belastung


(z. B. vorgefertigten Platten) genügt bei Übergreifung mit Haken eine kur-
ze Übergreifungslänge, wenn der Biegerollendurchmesser groß ist und
der Hakenstab in der Druckzone endet [22, 12 b, 12 cJ. Nach DIN 1045
muß jedoch Rippenstahl und für den Fugenbeton Bn 350 verwendet werden;
außerdem müssen die in Bild 5.19 angegebenen Bedingungen eingehalten
sein.

f 1~ 10.
~4~
Quer be -
- ~

wehrung ~10C>
aus Ri p · ~~ ~
00 ~ 44>

L
penslohl /. -
?:6mm ~
?:

Haken dB~d -2ü

~5_S

Fugenbet on mindestens Bn 350 ISchnitt I


BS t 42 / 5 0 R • . (er! Fe
:'u ... ~ 1.5 d B
. 38 - 20 ) .....
• vorh Fe
} ,", So 350
erf Fe
BSt SO / 55 R fu =( 'Iorh Fe ' 46.20)·~ ~1.5dB

Bild 5. 19 Übergreifungsstoß mit großem Haken für Fertigteile bei Bie-


gebeanspruchung
60 5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

5.3.3 Übergreifungsstöße mit Schlaufen

Schlaufenstöße (Bild 5.20) erlauben kleine Übergreifungslängen und sind


daher zum Verbinden von Fertigteilen beliebt. Der minimale Biegerol-
lendurchmesser d B wird bei fehlender Querbewehrung nach GI. (4. 6) und
mit Querbewehrung nach GI. (4.7) bestimmt.

Für die Bruchsicherheitwürde €ü = d + 2 ~ genügen, jedoch können


unter Gebrauchslast unerwünscht grole Rißbreiten auftreten (bei Versu-
chen entstanden bei d B = 12 ~ l12J an den Schlaufenenden Ris se mit
0,6 mm Breite). Deshalb muß die Schlaufe durch eine gerade Verbund-
strecke von 5 ~ entlastet werden; das ergibt eine Übergreifungslänge

(5.2)

___ z

___ z

Bild 5. 20 Schlaufenübergreifung

Nach DIN 1045, Abschn. 18.4.1. 3, wird für die Übergreifungslänge das-
selbe Maß wie für Stöße mit Haken verlangt, wobei die günstige Schlaufen-
wirkung unberücksichtigt bleibt; dies liefert in vielen Fällen (insbeson-
dere im ungünstigen Verbundbereich, Lage A) unnötig große Werte.

Auf die Sicherung der Betondeckung ü rechtwinklig zur Schlaufenebene


ist besonders zu achten; sie muß mindestens 3 ~ oder mindestens 3 cm
dick sein (Bild 5.21). Wird der Biegerollendurchmesser nach GI. (4.7)
bestimmt, so reicht, abweichend von der Forderung der DIN 1045, zur
Aufnahme der Spaltzugkräfte bei aufeinanderliegenden Schlaufen eine Quer-
bewehrung nach Bild 4. 15 aus.

Schn itt b) so oder so

" < \ (

, "" "
,,
~3cm
~H ' "- ,
für ~Z
Grundr i fl

t t tz t t

Bild 5.21 Sicherung der Übergreifungsstöße mit Schlaufen durch erhöhte


Betondeckung und Querbewehrung, z. B. mit Haarnadeln
5. 3 Indirekte Stoßverbindungen für Zug. 61

5.3.4 Übergreifungsstöße geschweißter Betonstahlmatten

5. 3. 4. 1 Allgemeines
Nach DIN 1045, Abschn. 18.4.1. 6, darf bei einlagiger Mattenbewehrung
ein Vollstoß nur ausgeführt werden, wenn die Stabdurchmesser von Ein-
zelstabmatten ~ ~ 12 mm und von Doppelstabmatten ~ ~ 8, 5 mm sind.
Bei Matten mit dickeren Stäben bestünde die Gefahr des Abplatzens der
Betondeckung. In der 2. und 3. Lage können Doppelstabmatten mit
~ > 8,5 mm bis zu einem Anteil von 60 % des im Stoßbereich erforderli-
chen Stahlquerschnitts gestoßen werden. Werden Matten bei mehrlagiger
Bewehrung gestoßen, so sind die Stöße der einzelnen Lagen mindestens
um eü + 1 Masche gegeneinander zu versetzen (1 Masche = Abstand der
Querstäbe im Stoßbereich). Zusätzliche Querbewehrung nicht erforderlich.

a) -,f-- -- f ül

~5cmi~54>
I.
1e (ü2 f
__ .e=::!:e • e e
--------

~ 5cmi~ 54>

c)
-- • L

•• • ---..
d)
--- --

• • • • ger ippte Stäbe mIt
lü nach Abschn . 5 3 1.2
-J..- rechte Matte
ohne Querstäbe
--+ ohne Anrechnung der
Querstäbe (k = 1,6 )

---
e) l u·
• •• ••
nur zu lä ssig wenn bei Einzelstabmatten rt>
Doppelstabmatten (/>
(/J

• ~
~

--
8,5 mm
6. 5mm

Bild 5. 22 Übergreifungsstöße geschweißter Betonstahlmatten

5. 3.4. 2 Übergreifungslänge
Als Übergreifungslänge (Bild 5.22 a, b) sind nach DIN 1045 bei Anrech-
nung der Querstäbe die Werte eü1 bzw. €ü2 der Tabelle 5.4 einzuhalten,
wobei die Bewehrung nur bis zu 2/3 der zulässigen Beanspruchung ausge-
nützt werden darf. Bei höherer Ausnützung muß die Übergreifungslänge
proportional vergrößert werden, d. h. ihr Mindestmaß in cm und die er-
forderliche Maschenzahl, jedoch ohne Aufrundung auf ganze Maschen.
Bei kreuzweise gespannten Platten ist diese Vergrößerung für innenlie-
gende Stäbe nicht erforderlich.

Die Beschränkung der Tabellenwerte auf 2/3 Ausnützung des Stahles be-
inhaltet indirekt die Aufforderung, Stöße nicht an den höchstbeanspruch-
ten Stellen auszuführen.
62 5. Stoßverbindungen der Bewehrungsstäbe

Tabelle 5.4 Übergreifungslängen beim Stoß der Tragstäbe von geschweiß-


ten Betonstahlmatten für Lage A und B gemäß DIN 1045, Tab. 24

Stabdurchmesser Betonstahlmatten aus


Einzelstäbe Doppelstäbe
glatten oder profi-
Stabpaare Rippenstäben, eü1 lierten Stäben, eü2
mm mm
~30cm ~ 30 cm
;;;; 8,5 ;;;; 6,5 mit mindestens mit mindestens
3 Maschen 3 Maschen
> 8,5 > 6,5 ~ 35 cm ~ 40 cm
mit mindestens mi t minde stens
;;;; 12 ;;;; 8,5 3 Maschen 4 Maschen
> 8,5 ~ 45 cm ~ 50 cm
- mit mindestens mit mindestens
;;;; 12 4 Maschen 5 Maschen

Für gerippte Stäbe wird danach bei großem Querstababstand (z. B. 25 cm)
und bei kleinem Stabdurchmesser die Übergreifungslänge unnötig groß.
In solchen Fällen genügt die Übergreifungslänge e .. gemäß Bild 5. 22 c),
u
d) und e) nach Abschn. 5.3.1. 2 für Verbund allein ohne Beachtung der
Querstäbe , aber unter Berücksichtigung der Lage A und B beim Betonie-
ren (Abschn. 5.3.1). Bei Doppelstabmatten mit Stäben von ~ > 8,5 mm
muß bei der Ermittlung der Übergreifungslänge ein dem Doppelstab quer-
schnittsgleicher Einzelstab zugrunde gelegt werden. (Erg. Best. zu DIN
1045, Abschn. 2.9). Bei Einzelstabmatten mit Stabdurchmessern ~ >
8,5 mm und Doppelstabmatten und Stabpaaren mit ~ > 6,5 mm müssen
die gestoßenen Stäbe in einer Ebene liegen, damit die ungünstige Ausmit-
te der Stäbe ausgeschaltet wird.

5. 3.4. 3 Dauerschwingbelastung
Unter Dauerschwingbelastung verhalten sich Übergreifungsstöße mit über-
einanderliegenden Matten (Bild 5.22 a) ungünstig. Matten aus glatten
oder profilierten Stäben dürfen dann nicht gestoßen werden, da die Quer-
zugspannungen im Bereich der angeschweißten Querstäbe die Betondek-
kung gefährden. Bei Matten mit gerippten Stäben dürfen im Stoßbereich
angeschweißte Querstäbe nur innen liegen (also nicht nach Bild 5.22 cl.
Die Übergreifungslänge soll nur nach den Regeln in A bschn. 5. 3. 1. 2 für
gerippte Stäbe ermittelt werden.

5.3.4.4 Stöße der Querstäbe von Matten


Sind die Querstäbe von Matten nicht für die Tragfähigkeit (z. B. Querbe-
wehrung in einachsig gespannten Platten, vgl. Abschn. 8.2) oder nur zur
Rissebeschränkung erforderlich, so genügen als Übergreifungslängen die
Werte der Tabelle 5.5, die bei schwingender Belastung um mindestens
5 cm und um mindestens einen Querstab zu vergrößern sind.

Tabelle 5.5 Übergreifungslängen beim Stoß nicht voll tragender Quer-


stäbe von geschweißten Betonstahlmatten, gemäß DIN 1045, Tab. 25

Betonstahlmatten aus gerippten,


Stabdurchmesser
glatten oder profilierten Stäben

;;;; 6,5 ~ 15 cm mit mindestens 2 Querstäben

> 6,5 ~ 20 cm mit mindestens 3 Querstäben


5.4 Übergreifungsstöße für Druck 63

5.4 Übergreifungsstöße für Druck

Die Übergreifungslänge von Druckstäben muß aus den in Abschn. 4.4 ge-
nannten Gründen reichlich gewählt werden. Da an den Stabenden ein Teil
der Druckkraft durch Spitzendruck übertragen wird, sind Vergrößerungs-
faktoren k wie bei Zugstößen jedoch nicht erforderlich. DIN 1045 fordert
daher vereinfacht für Druckübergreifungsstöße einheitlich €ü ~ a o nach
GI. (4.1 a). Abzüge für Haken und Winkelhaken sind nicht zulässig.

Die Sprengwirkung des Spitzendruckes bedingt allerdings eine enge Quer-


bewehrung nach Bild 5.23, die auch noch über die Stabenden hinaus einge-
legt werden muß (vgI. Bild 5. 23), [20]. Der zulässige Anteil der ohne
Längsversatz gestoßenen Bewehrung wird in DIN 1045, Abschn. 18.4.2. I,
geregelt.

Haken und Winkelhaken sind bei reinen Druckstößen ungeeignet (s. Ab-
schnitt 4.4), sie werden jedoch nach DIN 1045 bei glatten Stäben verlangt.
Bei glatten Druckstäben ist der Kontaktstoß oder der geschweißte Stumpf-
stoß vorzuziehen.

Für die Über greifungslänge von ge schweißten Be ton s ta h I m a t t e n gel-


ten für Druckstöße die Werte der Tabelle 5.4 auch bei ausgenütztem Stab-
querschnitt.

Querbewehrung
o
L f e quer = zul G'e

mögl icher Spaltr i ß

Bild 5.23 Übergreifungsstoß für Druckstäbe; Querbewehrung auch hin-


ter den Stabenden erforderlich
6. Umlenkkräfte infolge Richtungsänderungen
von Zug- oder Druckgliedern

6.1 Allgemeines

An jeder Stelle einer Richtungsänderung von Bewehrungsstäben unter Zug


oder Druck und auch von Beton -Druckkräften entstehen U m 1 e n k k räf t e
(radial forces), die beachtet werden müssen und me ist eine be so n d e -
r e B ewe h run g bedingen.

6.2 Zugstäbe an einspringenden Ecken

6. 2. 1 Kleine Winkel

Bei Winkeln 0. < 15 0 können die Bewehrungsstäbe mit nicht zu kleinem


Biegerollendurchmesser abgebogen werden. Die entstehende Umlenkkraft
ist an jedem Stab oder paarweise nach Bild 6. 1 zurückzuverankern.

Schnitt : Q-Q
U ::::: 2 Z sin ~

~u
Z,
1......- - cx:<15°

Bild 6. 1 Die Umlenkkraft U wird durch Bügel zurückverankert, obere


Bewehrung nicht gezeichnet

6. 2. 2 Große Winkel

Bei Winkeln a ;;, 15 0 müssen Zugstäbe sich kreuzend gerade weitergeführt


und mindestens mit der Verankerungslänge a nach GI. (4.2) zurückveran-
kert werden (Bild 6.2). 0

Bild 6.2 Zugstäbe werden


sich kreuzend gerade weiter-
geführt und verankert
66 6. Umlenkkräfte

6.3 Stetige Krümmung von Stäben

6. 3. 1 Starke Krümmung, Aufnahme der Umlenkkräfte durch Bügel

Sind Stäbe mit Durchmesser ~L am konkaven Rand eines Bauteils auf


Zug beansprucht (Bild 6.3), so sind zur Aufnahme der Umlenkkraft je
F . (J
Z e e
Längeneinheit u Bügel im Abstand e .. erforderlich mit
r r Bu
u· e Bü
(6. 1)
F eBü = zul (J
e

Schnitt, : a-a

Ib Sü

Bild 6. 3 Die Umlenkkräfte (Zug und Druck) werden durch Bügel zurück-
verankert

Versuche über den größtmöglichen Bügelabstand liegen noch nicht vor.


Damit die Betondeckung zwischen den Bügeln nicht ausbricht, sollte der
Bügelabstand nicht zu groß sein (geschätzt: e Bü ;S 10 ~L) und die Be-
tondeckung reichlich (ü;:;: 1, 5 ~L) gewählt werden. Mit zwei Bügel-
schenkeln können wohl alle Stäbe innerhalb einer Bügelbreite von 1 0 ~BÜ
gehalten werden.

Auf Druck beanspruchte Stäbe am konvexen Rand sind ähnlich zu veran-


kern (vgl. Abschn. 6.6). Wirkt der Druck über eine längere Zeit hinweg,
so ist die Erhöhung der Stahlspannung infolge Umlagerung durch Krie-
ehen zu beachten.

6. 3. 2 Schwache Krümmung, Aufnahme der Umlenkkräfte durch die Be-


tondeckung
Die Aufnahme der Umlenkkraft kann auch durch die Betondeckung allein
erfolgen, wenn die durch die Umlenkpressung Pu = u/ ~L erzeugte Zug-
spannung im Beton unter der Zugfestigkeit bleibt. Für homogenes ela-
stisches Material ergibt sich nach [23, S. 82] die größte Zugspannung zu

(6.2)
6. 3 Stetige Krümmung von Stäben 67

Wenn zur Sicherheit im Hinblick auf Mikrorisse und Eigenspannungen in


der Betondeckung nur 1/6 der Betonzugfestigkeit als zul o-bZ zugrunde ge-
legt wird, erhält man aus GI. (6.2) mit u = TI ~2. o-e/4 r die Bedingung,
daß der Biegeradius von Stäben ohne Bügelsicherung größer sein müßte als

zulo-
min r ;; _ _..,..e.". . ~ (6.3)
~bZ / 6
2/3
mit zul 0- 0, 5 ~wN nach Tabelle 6. 1.
e

Tabelle 6. 1 Betonzugfestigkeit ~bZ o, 5 ß2/3


wN

Festigkeitsklasse des Betons

Bn 150 Bn 250 Bn 350 Bn 450 Bn 550


2
ßbZ [ kp / cm ] 14 20 25 29 33

Auf Grund von Versuchen (24, 25] mit Stäben ~ 10 und ~ 12 mm kann vor-
läufig bei Stababständen e ~ 5 cm und ~ ~ 14 mm bei folgenden noch ge-
ringeren Biegeradien min r auf eine Sicherung der Betondeckung durch
Bewehrung verzichtet werden:

min r = 0, 35 (1 + ~ ) .
e +8 ßbZ
6
0-

i . ~2 (6.4)

Dimensionen in [kp ] und [ern]

Bei großen Stababständen (> 10 cm) ergeben sich Bruchflächen, die et-
wa 30 0 gegen die Meridianrichtung geneigt sind (Bild 6.4 a), während
bei kleineren Stababständen eine durchgehende Betonschale in Höhe der
Bewehrung abplatzt (Bild 6.4 b).

Eine wesentliche Abhängigkeit der maximal auftretenden Zugspannung von


der Größe der Betondeckung wurde weder theoretisch noch im Versuch
gefunden.

a)

u
u u

Bild 6.4 Bruchflächen der Betondeckung bei Beanspruchung durch Um-


lenkkräfte gebogener Stahl stäbe
68 6. Umlenkkräfte

6.4 Gekrümmte Stäbe in einer Ebene parallel zur Außenfläche

Diese Stäbe sind in Kreisplatten oder ähnlichen Tragwerken als Ringbe-


wehrung zu finden. Die Gefahr, daß die Betondeckung herausge schert
wird, ist hier gering. Nach Bild 6. 5 muß sichergestellt sein, daß bei
Gebrauchslast die Querzugspannung u y in Abhängigkeit von ü nicht grös-
ser ist als zul ubZ' Die Querzugspannung uy läßt sich näherungsweise
über ein Ersatzprisma bestimmen, das durch die Umlenkkräfte des Sta-
bes linienförmig belastet ist [1 b, Abschn. 3].

Bei vorsichtigen Annahmen wird

max U
Y
n
0,05 r u e
.
ü
L ~zulubZ (6.5)

oder
0,05· nu
e
min r ~ (6.6a)

Mit zul u bZ = f\Z/6 nach Tabelle 6.1 und u e = 2400 kp/cm 2 ergibt
sich keine Gefahr des Herausscherens, wenn die Biegeradien folgende
Werte nicht unterschreiten:

r ;;,: 114 eu
für Bn 250 (6. 6b)
Dimensionen in [ cmJ
r ~ 92 t:u.. für Bn 350 (6.6c)

Die Ringstäbe (ring bars) sollten grundsätzlich in der zweiten Lage lie-
gen (Bild 6. 6 a, b). Wenn die Radien r kleiner sind als obige Grenzwer-
te, dann sind die außenliegenden Radialstäbe durch Haarnadeln mit
~ 5 mm nach innen zu verankern.

Schn i tt a - a
Bruchr iß

Bild 6. 5 Querzugspannungen aus Umlenkkräften können bei außenliegen-


den Stäben zum Absprengen der Betondeckung führen.
6. 5 Stark gekrümmte oder aufgebogene Bewehrungsstäbe 69

a) Falsch b) c) r < mi n r
Ringbewehrung
Ri ßgefahr in 2 .Lage nach GI .( 6 6
.)

Bild 6. 6 Ringbewehrungen gehören in die 2. Lage

6.5 Stark gekrümmte oder aufgebogene Bewehrungsstäbe

Bei Stäben mit Biegerollendurchmessern d B :s 30 ~ wird die Umlenk-


pressung Pu auf den Beton und die Spaltkraft maßgebend. Die nach
DIN 1045 zulässigen kleinen Biegerollendurchmesser aufgebogener Stä be
(Tabelle 6.2) setzen voraus, daß die Spaltkraft (splitting force) durch
Bewehrung an der richtigen Stelle aufgenommen wird. Häufig wird man
zur Vereinfachung solche Zusatzbewehrungen vermeiden wollen, dann
muß aber die U mlenkpressung ermäßigt werden. Dies ist besonders wich-
tig für aufgebogene Stäbe (bent-up bars) aus St III u. IV, vor allem, wenn
sie nahe an Seitenflächen oder in dünnen Stegen oder Scheiben liegen
(Bild 6.7).

Tabelle 6.2 Mindestwerte der Biegerollendurchmesser dB bei Aufbie-


gungen oder anderen Krümmungen von Stäben (z. B. in Rahmenecken)
nach DIN 1045, Td.belle 19 (Querbewehrung vorausgesetzt).

seitliche Beton- dB
deckung
B St 22 / 34 B St 42/50 BSt50 / 55

> 5 cm und > 3 ~ 10 ~ 15 ~ 15 ~


~ 5 cm und ~3 ~ 15 ~ 20 ~ 20 ~

Bei niedrigen Betongüten oder Leichtbeton wird Nachrechnen von Pu


empfohlen, vgI. auch Tab. 6. 3.

I' Z2 möglicher Spaltriß Aufgebogenen Stab


nach innen legen

Bild 6. 7 Dicke auf gebogene Stäbe sind in Randlage ungeeignet; die Um-
lenkkräfte können Spaltrisse verursachen

Bemißt man die Biegeradien nach der in GI. (4.6) angegebenen zul. Um-
lenkpressung, dann ergeben sich z. B. für eine Betondeckung von ü = 3 ~
die Werte d B der Tabelle 6.3, die für Rahmenecken oder ähnliches em-
pfohlen werden.
70 6. Umlenkkräfte

Tabelle 6. 3 Erforderliche Biegerollendurchmesser d B bei einer seit-

l
lichen Betondeck g v?n ü = 3 ~ (bzw. e/~ = 3,5) unter Einhaltung von
zul Pu = 0,3 ßwN e/~ "" ßwN ' nach GL (4. 6)

dB
Betongüte
BSt 22/34 B St 42/50 BSt 50/55
Bn 150 23 ~ 45 ~ 53 ~
Bn 250 14 ~ 27 ~ 32 ~
Bn 350 10 ~ 19 ~ 23 ~
Bn 450 8 ~ 15 ~ 18 ~

6.6 Umlenkung von Druckkräften im Beton

Druckkräfte im Beton erzeugen Umlenkkräfte, wenn der gedrückte Rand


des Bauteiles seine Richtung stetig (Bild 6.3) oder unstetig ändert (Bild
6.8), z. B. in Biegedruckzonen geknickter Träger oder an den Kanten von
Faltwerken. Diese Umlenkkräfte müssen durch Bewehrung rückverankert
werden, wenn die dadurch verursachten Zugspannungen im Beton zu groß
werden. Bei außenliegenden Druckzonen von Rahmenecken, Silo zellen,
Hohlkasten u. a. müssen diese Rückhaltestäbe eng liegen (10 bis 15 cm),
um das Ausbrechen der Eckkanten wirksam zu verhüten (Bewehrung von
Silozellen, Rahmenecken usw. siehe auch Abschn. 11).

noch Versuchs-
bi I d gezeichnet

Querschnitt

'"
)
z- ~========::!:::!:!::========3 l -z
Bild 6. 8 Umlenkkräfte durch Richtungsänderungen von Druckkräften
müssen zurückverankert werden: a) Bruchbild eines Rahmenriegels
ohne Rückverankerung, b) Rückverankerung bei Dachbinder
7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten
Bauteilen

Das Tragverhalten biegebeanspruchter Bauteile und die erforderlichen


Bewehrungsarten wurden in [1 aJ, in den Abschnitten 5. 1, 5. 2 und 5. 5,
behandelt. Das Abstufen der Bewehrungen in Längs - und Querrichtung,
Verankerungsprob1eme und Regeln über Mindestbewehrungen, Stababstän-
de usw. verdienen hier besondere Aufmerksamkeit.

7.1 Abstufung der Längsbewehrung

7.1.1 Zugkraftlinie, Versatzmaß

Im Zustand II beeinflußt das Tragverhalten, "Bogen mit Zugband" -Wir-


kung oder Fachwerk-Wirkung (vg1. [1 a J, Abschnitt 8), den Verlauf der
Zuggurtkraft Z, der dadurch nicht affin zur Momentenlinie ist. Bei Bie-
gung ohne Längskraft erhält man die Zugkraftlinie (line of tensile force)
durch horizontales Verschieben der M!z-Linie um das Versatzmaß v in
Richtung der Stabachse, so daß die M/z-Fläche vergrößert wird (Bild 7.1).
Dabei ist z der Hebelarm der Gurtkräfte bei erforderlicher Traglast.
Durch das Verschieben der M/z-Linie um das Versatzmaß v verbleibt
an Endauflagern eine Zugkraft ZA = v/h . QA' für die die Verankerung
der dort vorhandenen Gurtbewehrung bemessen werden muß (vg1. Abschn.
7.2.1).

Das Versatzmaß v hängt bei Trägern mit Schubbewehrung hauptsächlich


von der Neigung der Fachwerk-Druckstreben und damit von der Querschnitts-
form (z. B. von b/b ) und von Richtung und Deckungsgrad der Schubbewehrung
ab. Diese Abhängig~eiten werden in Vorschriften genähert durch den Schub-
beanspruchungsgrad T /ß N ausgedrückt. Vorläufig kann aus Fachwerksbe-
trachtungen das auf h ßezJ'gene Versatzmaß nach dem Diagramm 7.2 ange-
geben werden. Nach DIN 1045 wird das Versatzmaß, wie in Tabelle 7.1 auf-
geführt, in groben Stufen geregelt~ es ist ausreichend groß angenommen, um
die Wirkung der Neigung von D b am Endauflager , das damit verkleinerte z
und vergrößerte Z zu berücksiclltigen ( Bild 7. 1).

Zur praktischen Ermittlung der Zugkraftlinie werden bei parallelgurtigen


Bauteilen unter Biegung olme Längskraft benötigt:
- Momentengrenzlinie unter v-facher Gebrauchslast;
- der innere Hebelarm z, der bei der Biegebemessung an der Stelle
des größten Momentes unter v -facher Gebrauchslast ermittelt wurde
(über den dazugehörigen Momentenbereich gleichen Vorzeichens darf
z näherungsweise konstant angenommen werdep) ;
- das Versatzmaß v nach Bild 7.2 bzw. nach Tabelle 7.1, wobei v für
den gesamten jeweiligen Querkraftbereich als konstant anfTenommpn wirr!
72 7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten Bauteilen

- - - Db='!=:.....::=""1='---------=I--....::....~ ZS-

A F~ld Stütze

~I'!
u C
.-"':=...

~I' ~
.s:.~
u-
.. :::J
l1. - L ini~
Zs
0::4:

I
I
: M-Linie>-/

---+-----
Zugkraftlinie (Z - Lini~)
............ I /"
I

Bild 7.1
L Ou""."....". 1 ~OU"".ttb"''''' ---I
Zugkraftlinie (um v verschobene M/z-Linie), bei Biegung ohne Längskraft

CD v~rtikole v/h
":ß
v/h Bügel oder
1,5 v~rtikole Bügel mit we- v/h=0,3+ 60'[0 1,5
wN
nig~n oufgebo~n Stäben
~0,5
CD
® 1.5° bis 60° geneigte
1,5
Büg~1 oder Stäbe mit ge- v/h:::
60 '[o/ßwN
CD
1,0 n~igt~n Bügeln 1,0
~ 0,2

0,5
--- 0,5

- - --
O~--~--+---+---+---+---+---r---~--+-.. O~-----+-----+-_---.::r--.
o 0,02 0,01. 0,06 0,08 0,1 0,12 0,11. 0,16 0,18 o 0,5 0,8 1,0
'[0 I ßwN Schubdeckungsgrad '1l

Bild 7.2 Auf h bezogenes Versatzmaß v in Abhängigkeit von T o / ßWN nach CEB [26, R 43. 145 J
Tafel 7.1 Versatzmaß v nach Dill 1045, Klammerwerte
nach Neufassung Abschn. 18 der DIN 1045
Schubbe reich
Art der Schubbewehrung 1 2 2 und 3
verminderte Schubdeckung volle Schubdeckung
Schrägbügel 0,75 (0,5) h 0,50 h 0,25 h
aufgebogene Stäbe + lotrechte Bügel 0 , 75 h 0,75 h 0,50 h

lotrechte Bügel 0,75 h 1,0(0,75)h 0,75 (0,5) h

k ein e Schubbewehrung (nur bei Platten) 1,50(1,0)h - -


7.1 Abstufung der Längsbewehrung 73

Bei Balken mit Biegung und Längskraft ist die bei der Bemessung der
Längsbewehrung in Rechnung gestellte Zugkraft Z = Me / z + N / 2 aufzu-
tragen und die s e Linie um das Versatzmaß v zu verschieben. An den
Endauflagern verbleibt dabei eine Zugkraft ZA = v / h . QA + N / 2. Die
andere Hälfte von N ist der oberen Bewehrung zuzuweisen. Längsdruck-
kräfte dürfen vernachlässigt, Längs zugkräfte müssen berücksichtigt werden.

Bei Balken mit veränderlicher Querschnittshöhe ist für die Bestimmung


von v an einer Stelle x der M / z -Linie die im Querschnitt x vorhandene
Höhe h zugrunde zu legen (vgl. Bild 9.24).

7. 1. 2 Zugkraftdeckung, Abstufung

Der an der Stelle von max M erforderliche Querschnitt der Gurtbeweh-


rung darf der Abnahme der Zugkraft entsprechend verkleinert werden.
Den entbehrlichen Teil der Bewehrungsstäbe läßt man dabei mit ausrei-
chender Verankerungslänge im Zugbereich gerade aufhören (gestaffelte
Längsbewehrung, stopped bars) oder biegt ihn zur Schubdeckung auf
(Bild 7. 3, vollständige Darstellung Bilder 9. 20 und 9. 21). Man spricht
dann von "abgestufter Längsbewehrung" . Das Aufbiegen von Stäben ist
bei Durchlaufträgern stahlsparend, weil die Stäbe oben an den Krümmun-
gen ohne besondere Verankerungslänge der Deckung der Stützmomente
dienen. Es sollte jedoch überprüft werden, ob die Stahlersparnis den er-
höhten Lohnaufwand für Biegen und Verlegen ausgleicht.

Im Hochbau darf bei den häufigen Fällen von Momenten aus gleichförmi-
gen Lasten bei mäßigen Schubspannungen die Abstufung ohne Nachweis
(nach Erfahrung) geschätzt werden. Ein bestimmter Anteil der unteren
Längsbewehrung muß bis zum Auflager durchgeführt werden, was noch
im einzelnen angegeben wird (s. Abschn. 7.2). Nahe an Endauflagern
lohnt sich die Abstufung meist nicht, zudem dort ein Überschuß an Längs-
bewehrung die Verankerungslänge für ZA auf dem Auflager verkürzt oder
Haken entbehrlich macht.

zz \S
R
Nur Läng sbewehrung
gezeigt

~ - Li nie
Z - Lin ie

®
, ,- - -CD- - /
,
; fe

5
, 0
fe
--;
CD 5 fe
je t f e - Stü tze

CD 2
5 fe

Bild 7.3 Abstufung der Bewehrung mit geraden und aufgebogenen Stäben
74 7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten Bauteilen

7. 1. 3 Verankerung abgestufter Längsstäbe

7.1. 3.1 Verankerungslängen gerader Stäbe


Ein im Zugbereich abgestufter gerade endender Stab wird nach DIN 1045
vom sogenannten rechnerischen Endpunkt E (von diesem Punkt
an kann der Stab voll entbehrt werden) mit a o verankert (Bild 7.4). Man
könnte die Verankerung zwischen E und dem re eh n er i s ehe n An-
fangspunkt A(bis zu diesem Punkt wird der Stab voll gebraucht) be-
ginnen lassen, doch muß mit Toleranzen der Lage der Stabenden gerech-
net werden, so daß es sinnvoll ist, einen Sicherheitsabstand des Beginns
der Verankerung vom Punkt A einzuführen. In der Regelung der DIN 1045
ist dieser Sicherheitsabstand im allgemeinen gleich der Entfernung A - E
vorgeschrieben. Bei Platten mit Stäben ~ ~ 14 mm (Bild 7.5) darf die von
E aus zu messende Verankerungslänge a E auf a nach GI. (4.2) vermindert
werden, wobei gleiche Beanspruchung aller Stäbe in E angenommen wird.
Gleichzeitig muß jedoch von A aus mindestens die Verankerungslänge
a A ~ a o vorhanden sein.

r
z erf. fe
®
OE : vorh. fe . 0 0

fe3 1
= fe2. fe 3 °0 C!: Tao
bzw ~10~

ZStütze

VIHonkerungs -
länge
A . rechnerischer Anfangs punkt,
Stelle an der ein zu veron-
kernder Stab gerade voll
ausgenützt wäre. wenn kein
~~------+---~----
AS ES
weiterer Stab dazukommen würde ®~------~~~~
E. rechnerischer Endpunkt; °El!:O

Stelle ab der ein Stab voll 0A l!: 00


entbehrt werden kann, aber @JI-------
mit 00 noch verankert werden muß

Bild 7.4 Rechnerischer Anfangs- Bild 7. 5 Verankerungslän-


und Endpunkt bei gestaffelter Beweh- gen abgestufter gerader Stäbe
rung, Verankerungslänge a o ~ ~ 14 mm bei Platten

Abgestufte Stäbe weisen an den Enden (Je = 0 auf, während die daneben
liegenden, weitergeführten Stäbe mit hohem (Je beansprucht werden. Am
Stabende muß daher durch die Verformungsunterschiede eine Zwangs-
kraft im Beton entstehen, die nahe am Stabende Querrisse erzeugen kann
oder die Breite von Biegerissen vergrößert. Diese verstärkten Risse
werden nach [27] vermieden, wenn man die Stabenden mit 10 0 bis 20 0
aufbiegt und so einen größeren Abstand zwischen den sich unterschiedlich
dehnenden Stäben schafft (Bild 7.6).

Da im Verankerungsbereich abgestufter Stäbe kein günstiger Querdruck


vorhanden ist, sollte man bei dicken Stäben an Querbewehrung nicht spa-
ren . Werden bei Balken an einer Stelle mehrere dicke Stäbe abgestuft,
so wird eine zusätzliche Querbewehrung nach Bild 7.7 empfohlen.
7. 1 Abstufung der Längsbewehrung 75

Bild 7.6 Verziehen gerader Stabenden bei gestaffelter Längsbewehrung,


günstig für die Verankerung

o abgestufte Stöbe

Bild 7.7
bei engen Bü-
gelabstönden o Zusatz bügel
be i Bügelab-
stand e>10cm

Querbewehrung im Verankerungsbereich mehrerer dicker Stäbe

7.1. 3.2 Verankerungslängen aufgebogener Stäbe


Auf- oder abgebogene Stäbe, die zur Schubsicherung herangezo-
gen und nicht zur Deckung von Momenten auf der anderen Seite einer
Stützung weitergeführt werden (vgl. Bild 7.8 b) müssen zur Aufnahme
der Druckstrebenkräfte hinter der Krümmung gut verankert werden.
DIN 1045 verlangt in Längs-Zugzonen 1,3 a o ' in Längs-Druckzonen min-
destens 0,6 a o (Bild 7.8 a). Sogenannte Hutstäbe (capping bars) oder ab-
gebogene Stäbe im Bereich von Innenstützen sind immer mit 1,3 a o zu
verankern (Bild 7.8 b).

a) aufgebogene Stäbe

~O,6ao

f l Y
Druck zone t ~ 1,3 ao 1 Zugzone

Innenstütze
b) abgebogene Stäbe

Innenstütze

Bild 7.8 Verankerung auf- oder abgebogener Stäbe, die der Schubsiche-
rung dienen
76 7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten Bauteilen

7.2 Verankerung der Längsstäbe an Auflagern

7. 2. 1 Verankerungslängen an Endauflagern

Bei frei drehbarer Lagerung oder schwacher Einspannung muß am End-


auflager bei Balken mindestens ein Drittel, bei Platten mindestens die
Hälfte des Stahlquerschnittes vorhanden sein, der zur Deckung des Feld-
momentes im Endfeld erforderlich ist. Diese Bewehrung muß am End-
auflager für die Zugkraft

(7. 1)

verankert werden. HA tritt häufig als horizontale Zwangs kraft an festen


Lagern oder als Reibungskraft an beweglichen Lagern auf und sollte min-
destens mit 0, 3 . A angesetzt werden. N kann eine weitere horizontale
Normalkraft aus Lasten sein. Die erforderliche Verankerungslänge nach
Tabelle 7.2 wird von der Auflagerlinie R gemessen (Bild 7.9). In DIN
1045 wird diese Verankerungslänge bei unmittelbarer Lagerung mit a2 und
bei mittelbarer Lagerung (indirect support) mit a 3 bezeichnet. Für un-
mittelbare Lagerung ist die Regelung der DIN zu ungünstig, weil sie die
günstige Wirkung der Auflagerpressung und die Tatsache nicht berücksich-
tigt, daß die Verankerung schon vor der Auflagerkante beginnt.

7. 2. 2 Verankerungslängen an Zwischenauflagern

Versuche haben gezeigt, daß bei Durchlaufträgern im Zustand II kurz vor


Erreichen der Bruchlast die Zugspannungen im Untergurt nahe an das
Zwischenauflager herangehen und sich mit Zugspannungen im Ober gurt
übergreifen (Bild 7.10). Die Druckgurte der Felder bzw. Druckstreben
stützen sich nahe der Zwischenstütze ab, so daß sich obere und untere
Zugzonen im Bereich des Momenten-Nullpunktes übergreifen, was durch
das Anwenden der Versatzmaße bei der Zugkraftdeckung berücksichtigt
wird (vgL Bilder 7.1 und 7.3). Deshalb muß an Zwischenauflagern von
durchlaufenden Platten oder Balken, an Endauflagern mit anschließenden
Kragarmen, an eingespannten Auflagern und an Rahmenecken ein Viertel
bis ein Fünftel der erforderlichen Feldbewehrung bis zum Zwischenauf -
lager durchgeführt werden.

Für die Verankerung dieser Stäbe ist kein Nachweis nötig; es genügt,
wenn sie mit rund 1 0 ~ in die Auflagerzone eingreifen. Haken sind dort
wegen der Störung der Druckzone schädlich. Bei breiten Auflagern (z. B.
Platte auf Unterzug) brauchen sich die geraden Stabenden nicht übergrei-
fen, bei schmalen Linienlagern (Balken) ist eine kleine Übergreifung er-
wünscht (Bild 7.11). Wenn am Zwischenauflager positive Momente durch
Stützensenkung oder dgL möglich sind, muß man die zum Auflager durch-
gehende Bewehrung und ihren Übergreifungsstoß für die möglichen Zug-
kräfte ausbilden. Häufig wird man diese Stäbe durchlaufen lassen, um ein
Schneiden in kurze Längen zu vermeiden.
7. 2 Verankerung der Längsstäbe an Auflagern 77

b) mittelbare Lagerung
a) unm itt elbare Lagerung

R
I rech neri sc h e
Auflagerlinie

l..t
3

angenommene l bf+-+J Z. B . lostabnehmender Balken

--
Auf lagerpressung

===*j====== ___
+t
gerader Stab

a2
f03t

Bild 7.9
l i --
Bezuglinie für die Verankerungslänge an Endauflagern
L~-==c:f\====== ___ Stob mit Haken

Tabelle 7.2 Verankerungslängen an Endauflagern nach DIN 1045

Veranke- Auflage- Verankerungslänge a2' a 3 hinter


rungsart rung der rechnerischen Auflagerlinie GI.

R
2 2

-
gerade unmittelbar a 2 " "3 a ~ "9 a o bzw.
~~"~"
~ 10 ~ (7. 2a)
Stabenden , ~, ,,~
1
(gerippt) mittelbar a 3 " a i!: a bzw. - 10 ~ (7. 2b)
l 02. 0 3'"~
~
3 0
.".

Haken
2 , ~
unmittelbar a 2 " "3 a - a 0 !!! d B /2 + ~ ~.~ (7.2c)

-
f'd
(dB nach
Abschn. mittelbar
,
a 3 " a - a !!! d B /2 + ~
I~tr'
" . • 0::
. ' ~,
(7. 2d)
4.3.2) 0
l l 0 2 , 03

Droufsi~ht
Schlaufen
dB
unmittelbar a 2 ;r; - + 3 ~
2
" ... "" ~,'. ,, - -------
(dB nach
Abschn.
{dB~ (7.2 e)
4.3.3) mittelbar a3 " a2 ~"" I" '" -
L02.0) L
J( :a.

~~~
-
geschweiß Wie oben, nach GI. (7.2 a) bis (7. 2d)
te Beton- in Verbindung mit Tabelle 4. 6 oder nach ~ , .~
stahlmat- Regeln für Stabstähle. Für a ~ 1/3 a o " .
ten
.,L~·03l
genügt ein Querstab hinter R, der bei
glatten oder profilierten Stäben minde- ....

stens 5 cm hinter der Auflagervorder- mind . ein en


kante liegen muß. Querstob
hin ter R

erf F ZA
e
GI. (4. 2): a " a erf F ; Z A " J..'Q + H +N
vorh F o ' e " f3 S / 1,75 h A A
e
,
a nach Abschn. 4. 3. 2
0
78 7. Zur Bewehrung in biegebeanspruchten Bauteilen

7.3 Verbund in Biegezugbereichen

Nimmt die Zugkraft in der Längsbewehrung infolge großer Querkräfte auf


eine kurze Strecke stark zu, (z. B. im Bereich von Innenstützen), so be-
steht die Gefahr, daß die Verbundspannungen (bond stresses) zum Auf-
spalten des Betons führen. Die Kriterien hierfür sind noch nicht genügend
geklärt. Vorläufig wird die rechnerische Verbundspannung nach DIN 1045
begrenzt mit

D.z
7 = ~ zul 7 1 (7.3a)
1 u· /). x

Bei nicht parallelen Gurten ist die Veränderlichkeit des Hebelarmes z zu


beachten. Mit der für die Schubbemessung ohnehin berechneten Schubspan-
nung 70 läßt sich die Verbundspannung bei Biegung ohne Längskraft unter
Vernachlässigung des Versatzmaßes v einfacher berechnen zu

b
o
~ zul 7 1 (7.3b)
u

Dabei ist:

D. Z Zuwachs der Zugkraft innerhalb der Strecke 6 x


{:, x Elementlänge in Trägerlängsrichtung
u Umfang der im betrachteten Querschnitt vorhandenen voll wirk-
samen Stäbe der Zuggurtbewehrung
zul 7
1 Rechenwert der zul. Verbundspannung nach Tab. 4.3, Abschn. 4. 3. 1. 3

Dieser Wert ist im Hinblick auf sichere Verankerung niedrig gewählt. /


Wenn Querbewehrung die Spalt gefahr absichert, kann zul 71 = 0,75 ß;N 3
gesetzt werden, vgl. 16.3.1.4.

Unmittelbar neben Biegerissen sind die Verbundspannungen natürlich hö-


her (vgl. [1 aJ Abschn. 4.1. 1), was jedoch rechnerisch nicht berück-
sichtigt wird.

Nach DIN 1045, Abschn. 18.5.2.4, muß der Nachweis der Verbundspan-
nung geführt werden, wenn die Höhe der Biegedruckzone mehr als 30 0/0
der statischen Nutzhöhe beträgt (k x > 0,3) und der Rechenwert der
Schubspannungen 7 > 7 2 ist (vgl. [1 aJ, Abschn. 8. 5. 4).
o 0

Die in der DIN 1045, Abschn. 18.5.2.4, weiter angegebene Erleichte-


rung für Träger mit vielen aufgebogenen Stäben, die 2/3 der Schubdek-
kung übernehmen, und Stäben < ~ 28, ist sachlich nicht voll berechtigt
und läßt sich nur selten anwenden.

Bei zu großen Verbundspannungen im Stützbereich von Plattenbalken


kann man sich gelegentlich helfen, indem man kleinere Stabdurchmesser
wählt und einen Teil der Stäbe in die Flansche legt.
7.3 Verbund in Biegezugbereichen 79

Q) mit Schubbewehrung, Fachwerk wirkung

T
Rißbild nach
Versuch

b) ohne Schubbewehrung, Bog.n und Betonzähne auf Biegung

Rißbild nach
Versuch

Bild 7.10 Tragwirkung von Durchlaufträgern

Einzelstäbe wenn Haken dann :

möglich
Matten
entweder dur i hlaufend
I
oder

-10(6

nur unter. Bewehrung


gezeichnet

Bild 7.11 Verankerung der unteren Bewehrung an Zwischenauflagern,


wenn keine Zugkräfte , z. B. aus Stützensenkungen, auftreten.
8. Platten

8.1 Allgemeines

8 . 1. 1 Abmessungen

Stahlbetonplatten (plates, slabs) müssen für verteilte Nutzlast minde-


stens 7 cm dick sein, für Dächer ohne Nutzlast 5 cm, für Befahren mit
Pkw 10 cm und mit Lkw 12 cm.

Die Schlankheit (slenderness) der Platte €/ h darf in Abhängigkeit von


der Spannweite nicht zu klein gewählt werden, da sonst zu große Durch-
biegungen entstehen können.

Wird die Ourchbiegung nicht genauer berechnet, so sollte der Grenzwert


für die Schlankheit nach DIN 1045, Abschn. 17.7.2, eingehalten werden
A = €iJh ~ 35. Dabei ist €i = a· € die Ersatzstützweite eines gelenkig
gelagerten Einfeldträgers (E I = konst), der bei Gleichlast das gleiche
Verhältnis der Durchbiegung in Feldmitte zur Stützweite (fd €i) und die
gleiche Krümmung in Feldmitte ()t = M / E I) aufweist wie das tatsächliche
Bauteil (Bild 8. 1).

Die in DIN 1045 zur Vermeidung von störenden Rissen in Trennwänden


auf Decken angegebene Begrenzung der Schlankheit €iJh ~ 150/ €i [mJ
gibt nur bis €i "" 7 m brauchbare Ergebnisse.

In kritischen Fällen sollte die Durchbiegung berechnet werden (vgl. [1 c J),


um beurteilen zu können, ob die zu erwartenden Verformungen nicht zu
Schäden [28] in eingebauten Bauteilen (Trennwände, Fenster usw. ) füh-
ren.

b) Ersa t zträger
a) wi r kliches Sy stern
Gleich last

PIILiII ± ! ll:±±lt II±:rt~ ::IIII3+-g


IIt±:I ~ 1 1 111 1 1 1 1~
k
t
f :::f:j ::f±::t

f~;;l
r
I ~
I
~=-=i=-- Lf I I Lf i I
I I

Bed ingung für f i :


f : f = fi : f j
. . h M
bel glelc em EI
~
Bild 8. 1 Ersatzstützweite €i zur Bestimmung der Schlankheit A = edh
82 8. Platten

8. 1. 2 Zum Tragverhalten und zur Schnittgrößenermittlung

Das Tragverhalten von Platten wurde bereits in [1 a J, Abschn. 5.5, er-


läutert.

Eine gute Grundlage für die Bemessung der Bewehrungen von zweiachsig
beanspruchten Stahlbetonplatten bilden Schnittgrößen, die nach der EI a -
s ti z i t ä t s t h e 0 r i e unter Annahme homogener und isotroper Querschnit-
te ermittelt werden. So bemessene Platten verhalten sich sowohl im Ge-
brauchszustand als auch im Bruchzustand gut, obwohl einige der dabei ge-
troffenen Annahmen nicht zutreffen. So ist z. B. die Bewehrungsmenge
meist nicht in beiden Richtungen gleich, die Platte also anisotrop mit un-
terschiedlichen Steifigkeiten im Zustand Ir.

Im Ausland werden Platten vielfach vom Bruchzustand ausgehend mit Hil-


fe der von Johansen entwickelten B r u chI i nie nt he 0 r i e (yield-line-
theory) bemessen [29 abis e J, wobei sich gegenüber einer Bemessung
für Schnittgrößen nach der Elastizitätstheorie geringere Bewehrungsmen-
gen ergeben. In Deutschland ist die Bruchlinientheorie nicht anerkannt,
da sie nur Gleichgewichtsbedingungen im Bruchzustand, jedoch keine Ver-
träglichkeitsbedingungen berücksichtigt und nicht in jedem Fall das klein-
ste mögliche Tragmoment ergibt. Die von Hillerborg [29 gJ entwickelte
S t r ei f e n met h 0 d e (strip method) führt zu Lösungen, die immer auf
der sicheren Seite liegen. Beide Verfahren liefern keine Aussage über
das Verhalten unter Gebrauchslasten, über Riß bildung und Durchbiegun-
gen. Für die Bestimmung der Bruchsicherheit von Platten können sie je-
doch wertvoll sein. Ausführliche, vergleichende Betrachtungen über Ela-
stizitätstheorie und Bruchlinientheorie stellt G. Franz in [29 fJ an.

8.2 Einachsig gespannte Platten

Normale Schlankheiten von einachsig gespannten Platten (one-way slab)


liegen bei A = 20 bis 25, bei Dachplatten ist eine Schlankheit bis zu
A = 40 möglich.

Bevor man einen Plattenstreifen "einachsig" bemißt, muß man sich Klar-
heit verschaffen, ob die einachsige Tragwirkung nicht durch konzentrierte
Einzellasten, durch Öffnungen oder in Spannrichtung verlaufende Unterzü-
ge oder Wände gestört wird. Für diese Fälle sind besondere Maßnahmen
erforderlich (vgl. Abschn. 8.2.7 bis 8.2.9).

Platten werden vorzugsweise mit Betonstahlmatten, bei größeren Lasten,


großen Abmessungen oder großem Stahlquerschnitt aber auch mit Stab-
stahl bewehrt. Für Mattenbewehrungen werden z. B. in [30J umfangrei-
che Konstruktionshilfen gegeben. Der S tab a b s ta n d e der tragenden
Stäbe im Bereich der größten Momente sollte bei einer Plattendicke d
folgender Bedingung genügen (DIN 1045, Abschn. 20. 1. 6. 2) :
e ~ 15 + 0, 1 d [cm ]
Bei dünnen Platten d < 15 cm sollte besser e ;§ d gewählt werden.

8.2.1 Einfeldrige Platten ohne Einspannung

Platten werden meist so dick gewählt, daß k ein e Sc hub be weh run g
nötig ist. Im Zustand II werden die Querkräfte teils mit der bogen- oder
sprengwerksartig geneigten Druckresultierenden und teils von den zwi-
schen den Biegerissen entstehenden Betonzähnen abgetragen. Die Zug-
kraft Z wird im Querkraftbereich durch den Biegewiderstand der Beton-
8.2 Einachsig gespannte Platten 83

zähne abgebaut, was durch Verzahnung der groben Zuschläge in den Riß-
flächen (aggregate interlock) verstärkt wird (Bild 8.2). Aus der Gleich-
gewichtsbedingung wird auch D zum Auflager hin kleiner und vergrößert
seine Neigung. Aus der Neigung von D ergibt sich ein Versatzmaß für
die Z-Linie gegenüber M/z und am Auflager bleibt eine Zugkraft zu ver-
ankern (s. Abschn. 7. 1. 3). Um den Zuggurt nicht zu sehr zu schwächen,
ist mind. 1/2 f e der größten Feldbewehrung bis zum Auflager durchzu-
führen. Wenn die Bewehrung gestaffelt wird (Bild 8.3), dann wird die
Schubtragfähigkeit vermindert; deshalb sind dafür in DIN 1045, Abschn.
17.5.5, nur sehr niedrige Schubspannungen zugelassen. Bewehrungen mit
Aufbiegungen gelten nicht als gestaffelt (Bild 8.4).

Für geringe Endeinspannung (partial fixity, rv restraint) wird


oben konstruktiv eine " A b r eiß m at t e" eingelegt, bei Stabbewehrungen
wird dafür etwa 1/3 der Feldbewehrung mit 30 bis 45 0 Neigung aufgebo-
gen (Bild 8.4).

Bogenwirkung Krafteck
nahe P bei

~p
~I-=-. Ii Biegespannung im Betonzahn

~r ~ I!
o
z
zs.~
A Z - I':.Z 6
Z-t:.Z

Biegewiderstand des Betonzahnes


erzeugt D. Z. Biegeverformung durch
t::.Z Betonzahn
Ver zahnungs kräfte az behindert

Bild 8.2 Der geneigte Druckgurt und Verzahnungskräfte an den Rissen


übernehmen die Querkraft bei Platten ohne Schubbewehrung

Abre issmatte mind . 0. 15.f (ang (.f: Spannwe i te)

geeignete Abstufung

mögliche Abstufung

Bild 8.3 Abstufung der Längsbewehrung (hier mit Matten)


84 8. Platten

~~~~~~~~~~~~~ 1
h d
~ ~

geschätztes
Moment

M
z
- Li nie

2
'3 fe

Bild 8.4 Aufnahme von kleinen Einspannmomenten dur c h aufgebogene


Stäbe der Feldbewehrung

8.2. 2 Einfeldrige Platten mit Endeinspannung

Bei starker Endeinspannung (strong fixity), z . B. in dicken Be-


tonwänden, kann bis zu 2 / 3 feder Feldbewehrung (span reinforcement)
aufgebogen werden, wobei zwei Aufbiegestellen z ur Abstufung der Ein-
spannbewehrung (support reinforcement) zweckmäßig sind (Bild 8. 5) . Die
Einspannbewehrung muß gut verankert werden, z. B. dur c h Abbiegen in
die Wand.

Bei Einspannung in R a ndunter z üge (spandrel beams) steigt der


Einspanngrad (degree of restraint) mit der Torsionssteifigkeit (torsional
stiffness) des Unterzuges b z w. wird mit wachsendem Drehwinkel (twist)
und damit auch mit zunehmender Entfernung von der Einspannstelle des
Unterzuges kleiner (vgl. [ 1 a], Bild 9. 1). Die Torsionssteifigkeit von
Stahlbetonbalken nimmt im Zustand II jedoch so stark ab, daß die Ein-
spannung in schlanke Unterzüge auf die mittleren 3 / 5 ihrer Spannweite
fast verlorengeht (Bild 8. 6, Linie b), also im Hinblick auf die Sicherheit
(Bruchlast) nicht zur Abminderung der Feldmomente der Platte benützt
werden darf. Die Feldbewehrung muß also nach Linie c bemessen wer-
den. Andererseits muß das Plattenende für die Einspannung infolge der
Torsionssteifigkeit des Unterzuges im Zustand I (Linie a) mindestens
konstruktiv bewehrt werden, wo z u 1 / 3 bis 1 / 2 f e aufgebogen werden kann.
Die oberen Schenkel der Bügel des Unter zuges sollten bis etwa 0,2 e in
die Platte einbinden (Bild 8 . 6), um g robe Biegerisse an der Oberseite
der Platte zu vermeiden.

8.2. 3 Mehrfeldrige durchlaufende Platten

Da Zugkräfte bis nahe an das Zwischenauflager auftreten (Bild 7. 10), muß


mind. 1 / 3 f eF unten bis auf das Zwischenauflager (intermediate support)
durchgehen.

Durch Berücksichtigung der Momentenumlagerung (vgl. Abschn. 2.5) läßt


es sich häufig erreichen, daß der gleiche Stahlquerschnitt im Feld und
an der Stütze erforderlich wird. Eine Mattenbewehrung ist dann beson-
ders wirtschaftlich. Ein Teil der Stützbewehrung für das abgeminderte
MS muß jedoch mindestens bis zum Momentennullpunkt der Momenten-
verteilung für E I nach Zustand I geführt werden [31 ].
8. 2 Einachsig gespannte Platten 85

gerech -
netes MA
a
b
c
maßgebend für
Feldbewehrung

,,-----7---
Bild 8.5 Aufnahme von kleinen Bild 8. 6 Einspannung in Unter-
Einspannmomenten durch aufgebo- züge (Linie a) geht durch Vermin-
gene Stäbe der Feldbewehrung derung der Torsionssteifigkeit im
Zustand II fast verloren (Linie b)

Die Stützbewehrung sollte mindestens auf eine Länge von 3 d beidseitig


der Stütze ( = Bereich, in dem Schubrisse auftreten können) ungeschwächt
durchgeführt werden. Eine Abstufung der Stützbewehrung außerhalb die-
ses Bereichs ist nach Erg. Best. zu DIN 1045, Abschn. 2.14, unbedenk-
li-ch.

Bei S tab b ewe h run gen wird die Stützbewehrung gerne teilweise aus
aufgebogenen Stäben der Feldbewehrung gebildet, wobei zwei Aufbiegun-
gen nahe bei e/4 zweckmäßig sein können und die erste Abbiegung oben
mindestens in einer Entfernung h vom Auflagerrand liegen sollte (Bild
8.7). Verschiedene Bewehrungsführungen zeigt Bild 8.8.

Bei M at t e nb ewe h run g nimmt man einen größeren Stahlbedarf in


Kauf, da Aufbiegungen unzweckmäßig sind (Bild 8.9). Eventuell erfor-
derliche Schubbewehrung bei hochbelasteten Decken wird man in anderer
Form zulegen (z. B. Bügel, Bügelleitern oder Spezialmatten mit teilweise
aufgebogenen Stäben), vgl. Abschn. 8.2.6.

8.2.4 Querbewehrung

8.2.4. I Gleichmäßige Flächenlast


Sind nur gleichmäßige Flächenlasten (uniformly distributed loads) zu be-
rücksichtigen, so genügen als Querbewehrung 2 0 % der Hau p t be weh -
rung, mindestens aber je Meter 3 ~7mmbeiBSt22/34, 3~6 bei
B St 42/50 oder 4 ~ 4 bei B St 50/55.

Bei durchlaufenden Platten genügt im Bereich der Stützmomente oben


eine Querbewehrung von rund 10 % der Stützbewehrung feS'
86 8. Platten

Bild 8. 7 Zugkraftdeckung in durchlaufenden Platten mit aufgebogenen Stäben

2S
BeWeh1'ngsanOrdnUng _ _ _ _;+
! __""\ ,r_+!- - -
1'---------1. __ ~""""'" 1_ - --
,I ' I '-------'
ver schwenken ~ __

Bewehrungsanordnung 2 I

~======/~~----~4--
Bewehrungsanordnung 3
I I

~----------~----------~
I
Bewehrungsanordnung 4
--~---

Bild 8.8 Mögliche Anordnungen für Stabbewehrungen bei durchlaufenden Platten


8. 2 Einachsig gespannte Platten 87

, " S'"" ~h '

M
z
_Linie

I I ~

1 1
Z - Linie

L----1I--=~1~--+-------I-l
i
1
1
.

CD I t~aoTJ E~o ti ® I +feS


g- n
tfesj 1

Mt
'11 I,
1

CD I
~·E p,:t"-',!," ·
.1 feS'
, It~ i:
fc\ 1 f 5

~·E
I I
o .2 feF j j-----__-'-ao-'-'--l
J~aE - fel+fe2 .ao
I -"-'-------0........;
1

~~-...:.~-'!--"+'
Lv L _
I: CD tfe~

Feldbewehrung
I
am Rand keine Randsparmat1en. Randeinfassung s . Bild 8.11

Bild 8.9 Bewehrung durchlaufender Platten mit Matten


88 8. Platten

8.2.4.2 Statisch nicht berücksichtigte Stützung parallel zur Spannrichtung


Bei Stützungen parallel zur Spannrichtung sind die Momente in Querrich-
tung zu beachten. Sie können bei fr eid reh bar e r Lag er u n g (pinned
support) der einander gegenüberliegenden Plattenränder ohne genaueren
Nachweis durch folgende vergrößerte Querbewehrung abgedeckt werden:

a) Stützung am seitlichen Rand (Bild 8. 10 a)


untere Querbewehrung f ey = 0 , 2 f ex genügt

b) Zwischenstützung (Bild 8. 10 b)
obere Querbewehrung f = 1,0 f
mit der Länge e /2 ey ex
x
In DIN 1045, Abschn. 20.1. 6. 3 (untere Querbewehrung wie üblich 1/5 fex)
wird für b) nur f ey = 0,6 fex verlangt, was bei starrer Auflagerung auf
Zwischenwänden zu wenig ist, um gröbere Risse zu verhindern. Bei Ein-
spannung der gegenüberliegenden Ränder wird eine geringere Querbeweh-
rung notwendig. Schnittgrößen hierfür finden sich z. B. in [37 a J.
Bei größeren Platten wird bei gelenkiger Lagerung der Ränder eine kon-
struktive Drillbewehrung in den Eckbereichen empfohlen (vgl. Abschn. 8.3).

Quer momente m>< be i Gle i chlast in f x /2


mxo = 0,125 qlx2 - 0,1250 q~~ = - m xo
o ) b )

Bewehrung zu a) Bewehrung zu bJ

1
{
,
"CIl
.lx
obere Que r -
bewehrung
!;c
-m
0._ :> I
I fey = fex \
1
:>.&:.
" <.J
:Z:: ' ~

Grund r I fl Grundr i SS

Querbe -
wehrung
f ey:::; 0,2 fex I genügt >~
-"
>!lI
- 4
f ey = fex

Bild 8.10 Quermomentenverlauf und Bewehrungsanordnung bei nicht


nachgewiesener Stützung parallel zur Spannrichtung - frei drehbar gela-
gerte Platten
8.2 Einachsig gespannte Platten 89

8.2.5 Bewehrung an freien Rändern

Freie Ränder (free edges) sind i. a. bügelartig nach Bild 8. 11 einzufassen.


Zusätzliche Randbewehrung dient zur Aufnahme möglicher Randlasten und
Temperatur- und Schwindspannungen. Werden Betonstahlmatten mit Rand-
einsparung verwendet, so muß selbstverständlich die Bewehrung am Rand
ergänzt werden.

Platten erf . f eR! c m 2/ m J


di cke
BSt 22/34 BSt 42/ 50 , BSt SO/55
_s_O______________-J] feR
Zw ischen-
d ~30cm 2,5 1,25 werte ge -
~feR
~2d
~a rad li nig in-
oder s o d?80cm 7,0 3,5 terpOli eren
-----==~

Bild 8. 11 Einfaßbewehrung an freien Rändern von Platten in Bn 250 nach


DIN 1045, Abschn. 18.5.3.1; für Betongüten über Bn 250 siehe "Ergän-
zende Bestimmung zu DIN 1045", Abschn. 2.11

8.2.6 Schubbewehrung von Platten

Wird in Platten Schubbewehrung (shear reinforcement) erforderlich


(vgl. [ ·1 aJ, Abschn. 8.5.4), dann braucht sie bei Gleichlast nur auf eine
Länge von x "'" 4 h vom Auflager aus angeordnet zu werden. Dies ent-
spricht in etwa dem Bereich einer Einfeldplatte, in dem M / Q . h ~ 6 ist.
Bei mäßiger Schubbeanspruchung genügen z. B. Aufbiegungen (Bild 8. 12 a),
bei höherer Schubbeanspruchung werden Bügel mit Abständen e x ~ 0,5 d
und e ~ 40 cm bzw. zur Erleichterung des Einbaus bei d > 1 m
e y ~ 50 cm empfohlen (Bild 8. 12 b). Bei Aufbiegungen aus Feldbewehrun-
gen mit großen Stababständen können die seitlichen Abstände der Aufbie-
gungen unerwünscht groß sein; Schubzulagen, z. B. in Form von Bügeln
oder Bügelleitern, sind dann besser geeignet. Geschweißte Bügelmatten
s. 2. 6 der Erg. Best.
In gedrungenen Platten können hohe Schubspannungen auftreten (z. B. bei
Einfeldplatten unter Gleichlast mit €/ h < 8), die am besten mit Bügeln
abgedeckt werden. Einschneiden in die 7 -Linie unbedenklich (Bild 8. 12c).

Für die in Bild 8.12 gezeigten Beispiele der Schubbewehrungen kann das
Versatzmaß von v = 1,5 h auf die Werte nach Tabelle 7.1 verringert
werden.

8. 2. 7 Berücksichtigung von Einzellasten

Einzellasten (concentrated loads) beanspruchen die Platte auch in Quer-


richtung. Neben ungleichmäßig verteilten Momenten m x in Spannrichtung
treten große Quermomente l1'ly (transverse moments) auf, für die die
Querbewehrung zu bemessen 1st.

Bei großen Einzellasten können die m und die m durch Auswerten von
Einflußflächen gewonnen werden. Stigfat und Wipp~l geben im Betonka-
lender 1973, S. 270, dafür eine Reihe von Veröffentlichungen und daraus
gewonnene Näherungen an.

Für Platten im Hochbau lassen sich die Schnitt größen infolge einer Einzel-
last auch mit Hilfe von Lastverteilungsbreiten b m (effective width) ermit-
teln, die so bestimmt sind, daß ein Plattenstreifen der Breite b m wie ein
Balken mit gleichem Größtmoment bemessen werden kann (Bild 8.13a,
links). Das Bemessungsmoment für den Plattenstreifen ergibt
90 8. Platten

a) mäßige Schubbeanspruchung c) Anordnung der Schubbewehrung

r
bei Platten

--th !i
I
--+ I
1: - Linie

.,l -2h l -
2h
I
I
Grundriß

-r---------- ,l 6x lf l
1 .,
I
---- -,--- ::>
Abstufung der Schubbewehrung :
N
mifflere Schubspannungen
-t------ - - - C!l
!:'x~2h
-
r. 0~ (Bereich 2 )
<> CI

----_._-- c
!:'x ~ h hohe Schubspannungen

I - ( Bereich 3 )

b) starke Schubbeanspruchung
Schnit1 a - a
-t---I.h
I ~a t j"
It
1
Bügel Bügelkörbe

h d

~ ~a -W =*- ., I.

L L furd>lm ey~60cm

I ,
- ex~O,5d e~ ~ 40"Cm,

uu
(wegen dem Einbau )
Grundriß
-
1 .f UU
,......

1 1 1 1 1
~I r evtl
I[I II .I. .I. .1 .. 1.. 1. .I
I
L _J versetzt
11 Bügelleitern
1 Querbewehrung nicht gezeichnet I

Bild 8. 12 Anordnung der Schubbewehrung bei Platten

sich also zu

M
x
m [Mpm j mJ + mGleichlast [Mpm j mJ (8 . 2)
x b
m

wobei M das Moment in tMpmJ infolge der Einzellast P ist (Bild 8. 13 a


rechts). x
8. 2 Einachsig gespannte Platten 91

a) -
rrcmTI),
I
, ~
_

~:y
Schnitt In
~y-Achse r
x , Pf
Mx : ,

I
bm
P
b)
B.,o.
~ Haupt bewehrung

-O,5bm~t

, -,j.-
\

Bild 8. 13 Berücksichtigung von Einzellasten bei einachsig gespannten


Platten (a) und prinzipielle Bewehrungsanordnung (b); Beispiel für Last
in e /2
x

Schnitt 0 - 0 t : b o + 2· s + d
vergrößert b o : Lastaufstandsbreite
s : Dicke der lastverteilenden Deckschicht
d : Plattendicke

' 111==::i
TIli -r 11- I I I Plattenrand

Bild 8. 14 Lastverteilungsbreite b m in Abhängigkeit von der Entfernung


der Last vom Auflager
92 8. Platten

In DIN 1045, Abschn. 20.1. 4 und Tab. 28 werden für die Lastverteilungs-
breite b m genäherte Angaben gemacht, wobei unterschiedliche Formeln
in Abhängigkeit von der Lagerungsart der Platten (frei drehbar oder voll
eingespannt gelagerte Einfeldplatten oder Kragplatten) und von der ge-
suchten Schnittgröße (Feldmoment, Stütz- bzw. Einspannmoment, Quer-
kraft) zu verwenden sind.

Dabei wird die tatsächliche Breite b o der Aufstandsfläche der Einzellast


auf einen Wert t vergrößert, der sich mit Annahme einer Lastausbreitung
unter 45 0 in der Mittelebene der Platte ergibt. Druckfeste lastverteilen-
de Schichten über der Stahlbetonplatte dürfen dabei in Ansatz gebracht wer-
den. Damit gilt (vgl. Bild 8. 14):

t=b +2s+d (8.3)


o
Mx P
Die aus mxp = -b-'- ermittelte zusätzliche Hauptbewehrung sollte aber
m
abweichend von den in DIN 1045 angegebenen Regeln über die volle Last-
verteilungsbreite b m - nicht 0,5 b m - angeordnet werden.

Zur Deckung der Quermomente ~,P genügt ohne genaueren Nachweis


eine zusätzliche Querbewehrung f ey , P = 0,6 fex, p. Sie ist symmetrisch
unter der Einzellast auf eine Länge von 0,5 b m , mindestens aber auf die
Breite t x ' anzuordnen und soll sich in Querrichtung der Platte über einen
Bereich von b m + 2 a erstrecken (a = Verankerungslänge), wobei eine
Staffelung um b m /4 von Stab zu Stab empfohlen wird - vgl. auch Bild 8. 13.

Wie für die Momente erhält man auch im Einflußbereich der Einzellast
die zusätzliche rechnerische Schnittgröße der Plattenquerkraft qp aus
der Querkraft des gedachten Balkens unter der Einzellast P zu

(8.4)

wobei für b m aus Tafel 28 der DIN 1045 andere Werte zu ermitteln sind
als für die Momente. Der Schubspannungsnachweis ist dann für die Summe

q = qp+ qGleichlast [Mp/mJ (8.5)

zu erbringen.

Bei schweren Lasten sind einige aufgebogene Zulage stäbe mit langen obe-
ren Schenkeln zweckmäßig. Eventuell muß der Nachweis gegen Dur c h -
stanzen nach DIN 1045, Abschn. 22.5, geführt werden.

Steht eine Ein zell ast nah e an ein e m fr eie n Ra n d, so darf nur
die mögliche Breite red b m angesetzt werden (Bild 8. 14, rechts). Es
empfiehlt sich, die Hauptbewehrung nach innen bis auf y ~ 2· red b m
abzustufen (Bild 8. 15). Bei Platten mit e < 2· red b m kann die Beweh-
rung natürlich nur auf die vorhandene BrJi te verteilt werden. Die zuge-
hörigen Quermomente m y sind hier negativ, die obere Querbewehrung
muß im mittleren Drittel der Spannweite f ey E; 0,1 fex betragen und in
y -Richtung auf etwa red beinbinden.
m
Überwiegt der Momentenanteil aus Einzellast, so wird eine genauere Er-
mittlung der mitwirkenden Plattenbreite nach Schmaus [33] oder nach
Stiglat/Wippel [37 bJ empfohlen. In deren Tafeln werden die Momente
quer zur Spannrichtung besser erfaßt; außerdem läßt sich auch der Ein-
fluß weiterer benachbarter Einzellasten berücksichtigen.
8.2 Einachsig gespannte Platten 93

'l:,'
einspannungs treie Lage ru ng

"'~i p
I. y : I.x

IL-...J~
+- .fy -.I'-
P
I y : 0.51.x

I.x ~
I'I ~
I---f P Il.x
~ -A'

=========::::!r
Vert eilung der mx re d. bm red. bm
r red . bm
r
I x: 0 )

- 0.1 tex

ezZbZ%1
Einfaßbewehrung : Mindestwerte Bild 8 . 11

Bild 8.15 Momentenverlauf und Anordnung der Bewehrung bei einach-


sig gespannten Platten mit einer Einzellast P dicht am Rand für ver-
schiedene Plattenbreiten ey

._ Ver l auf des Ei nsponnmaments

Bewehrung der Kragplat te

x ~ I Schnitt I

Bild 8.16 Lastverteilungsbreite bei Einzellasten auf Kragplatten

Bei Einze1lasten auf Kragplatten (cantilever slabs) wird die


Bewehrung auf b m verteilt und im mittleren Drittel enger gelegt. Eine
untere Querbewehrung von f ey = 0,6 fex ist auch hier im Bereich der
Einzellast notwendig. An Querrändern von Kragplatten, die für Gleich-
last zu bemessen sind, sollte im Hinblick auf mögliche Randlasten die
Kragbewehrung (cantilever reinforcement) auf eine Breite von 1/ 3 L k
um etwa 30 % verstärkt werden.

Bei Kragplatten mit Randträgern werden die Momente aus einer Einzel-
last am Einspannrand auf eine größere Breite verteilt und der Größtwert
r
verringert 34 abis c] . Der Verlauf der Einspannmomente hängt stark
von der Biegesteifigkeit des Randbalkens ab (Bild 8. 17); die Torsions-
steifigkeit ist von untergeordneter Bedeutung.

Dagegen erhöht sich der Größtwert des Einspannmomentes bei Kragplat-


ten mit Vouten (Bild 8 . 18), [35]. Für die Praxis genügt jedoch die Be-
rechnung nach GI. (8. 5).
94 8. Platten

d).

J5
I

0,465 · P
P

Q
d,
Schnitt Q-Q

----
0,5 1x I,Ol x l,5 1x 2,01)( y

Bild 8. 17 Momentenverlauf am eingespannten Rand von Kragplatten mit


Randträgern infolge Einzellast (Querdehn z ahl ~ = 0) nach [34 bJ

0,50 1,00 1,50 2,00 y

Bild 8. 18 Momentenverlauf am eingespannten Rand von Kragplatten mit


und ohne Voute infolge Einzellast (Querdehnzahl ~ = 0) nach [35 bJ

8. 2. 8 Berücksichtigung von Linienlasten

Bei der an zwei gegenüberliegenden Rändern gelenkig gelagerten Einfeld-


platte wird für eine in Spannrichtung verlaufende Linienlast q [Mp/mJ
die Hauptbewehrung für das Moment m x = 0,093 q ex (Bild 8. 19 a) ver-
stärkt und nach Bild 8. 19 b verteilt. Die zusätzliche untere Querbeweh-
rung für das in e/ 2 etwa gleich große Quermoment IIly wird mit einer
Länge von 0,6 ex über die ganze Spannweite eingelegt.

Für andere Lagerungen der Platte sind die Schnittgrößen aus Linienlast
(line load) in [37 a ] angegeben. Bei beliebiger Lastbreite können sie
z. B. nach [33] ermittelt werden.
8.2 Einachsig gespannte Platten 95

8.2.9 Einachsig gespannte Platten mit Rechtecköffnungen

Das Tragverhalten von Platten mit Öffnungen hängt stark von der Lage,
Größe und Form der Öffnung ab. Genaue Berechnungen, die die Verfor-
mungsbedingungen berücksichtigen, sind sehr aufwendig. Bei Rechteck-
öffnungen (rectangular openings) mit Abmessungen kleiner als 1/5 der
Spannweite genügt es, die auf die Öffnung rechnerisch entfallende Trag-
bewehrung entsprechend dem Kraftfluß (Bild 8. 20 a) zusätzlich neben die
Aussparung zu legen und am Rand zu konzentrieren (Bild 8. 20 b). Die in
den Ecken auftretenden Spannungsspitzen aus Kerbwirkung führen dort
meist zu Rissen, die durch Querzulagen oder auch schräge Zulagen klein
gehalten werden.

a) Mo ment e i nfOlg e Li n ien last q [Mp / m J

q
0>
<: q

Ly
::J m)( X

J1n
:::J
tx

r"
+ 0,093 q l)( -+O,09q oll(

Grundriss

~~~~~~*,~~~~;~rl§~~:±rl~&Äf Schnitt

50% t Verteilung der


+ zuscitzlichen Haupt-
50°/.
-.f bewehrung für
Linienlast q
? -0.5.{l( -.j<,L_ _ _ 1,0 l )(

Bild 8. 19 Linienlasten bei einachsig gespannten Platten, a) Momenten-


verlauf, b) Verteilung und Anordnung der verstärkten Bewehrung

a) b)

Ursprungllch
gleichmcissig

1
0>

t=~
verteilte

t
<:
- '-- I-
:::J
Bewehrung

~I ...,

D
- >(

t-f
1 ~
Ci. Querzulagen
::J

I- r- I-
"
r

1-~--4 f--,

Bild 8. 20 "Auswechseln" der Bewehrung bei einachsig gespannten Plat-


ten mit kleinen Rechtecköffnungen
96 8. Platten

Bei größeren Rechtecköffnungen in der Mitte einachsig gespannter Plat-


ten mit Gleichlast (Bild 8.21) werden nach [36]bzw. [37b] Tragstrei-
fen der Breite
~ b
b (0,8--e)€ (8.6)
m

für ein Moment in Feldmitte


a 2b 2 2
[0,125 + 0,19 € (-e-) l q. e x (8. 7)
x x

bemessen. Die verstärkte Bewehrung wird auf die Breite b m eingelegt,


wobei sie zum Öffnungsrand hin verdichtet wird.

Der Öffnungsrand in Querrichtung wird für b / a ~ 0, 5 mit dem Randmo-


ment
m = 0,125 . q. a (a+ 2 b ) (8.8)
yr m

bemessen. Für b / a < 0,5 empfiehlt es sich, das Randmoment für eine
dreiseitig frei drehbar gelagerte Platte zu bestimmen.

Für einachsig gespannte Platten mit Volleinspannung werden in [37 b]


entsprechende Formeln angegeben.

II
I
I
I
I
r I I
b
I m Yr I Cl

-
c:

Ly
x
I I I I
:J

i'~1 11
I mXm
I
I I
I ~ I I I :J

I b I I I "
:r::
I I I I
i
(
I J I I I

-,f'-!- - - ----+-J-
?: l,.--x ?:lv - - - -.Jl-

... Cl
c:
>-

-
:J
.~4/
c 4/-
.J::;
<.) ... c:
4/ 0
V'l »

Bild 8. 21 Genäherte Berechnung und Bewehrungsanordnung einachsig


gespannter Platten mit großen Rechtecköffnungen
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 97

8.3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten

Zweiachsig gespannte Platten (two -way slabs) tragen ihre Lasten auf dem
kürzesten Weg über zweiachsige Biegung zu den Auflagern ab
(vgl. [1 a], Abschn. 5.5.2). Dabei sind bei gleicher Beanspruchung größe-
re Schlankheiten möglich als bei einachsig gespannten Platten.

Die Tragwirkung ist stark abhängig vom Seitenverhältnis der Platte. Zur
Veranschaulichung dienen die Linien der Hauptmomentenrichtungen, die
in Bild 8. 22 für die vierseitig gelagerte Rechteckplatte gezeigt sind: in
den Achsen verlaufen sie parallel zu den Rändern, in den Eckbereichen
im wesentlichen entlang den Winkelhalbierenden (45 0 ) und rechtwinklig
dazu (135 0 ). Die Richtung der Hauptmomente (principle moments) be-
stimmt den Verlauf der Risse von Stahlbetonplatten (vgl. Bild 5. 25 in
[1 aJ).
Bei langen Platten bildet sich im mittleren Bereich eine Zone aus, in
der eine Richtung der Hauptmomente rechtwinklig zu den Auflagern ver-
läuft. Bei langen Platten ( €y ;G 2 ~) kann also diese Zone als einachsig
gespannt betrachtet werden, die Eckbereiche selbst werden zweiachsig
beansprucht. Dies muß bei der Bemessung und der Anordnung der Beweh-
rung berücksichtigt werden, andernfalls kann örtliche Überbeanspruchung
und starke Rißbildung entstehen.

Zur Bestimmung der Schnittgrößen von zweiachsig gespannten Platten für


verschiedene Belastungen und Randbedingungen stehen heute viele Tabel-
lenwerke zur Verfügung [37 abis gJ, besonders umfassend sind die Ta-
feln von Stiglat/Wippel [37 aJ. Nach Möglichkeit sollten die für eine
Querdehnungszahl f.l = 0 ermittelten Schnittgrößen verwendet werden, da
der Einfluß der Querdehnung im Zustand II verloren geht (vgl. [37 bJ '
Seite 203).
Für die Zugkraftdeckung muß das Versatzmaß v jeweils in Stabrichtung
berücksichtigt werden.

8.3.1 Vierseitig gelagerte Rechteckplatten

8.3.1.1 Allseitig frei drehbare Lagerung


Sind die Ecken der Platte gegen Abheben gesichert (z.B. durch
Anker oder große Auflast), so entstehen im Eckbereich in Richtung der
Winkelhalbierenden negative Hauptmomente ml (Zug auf Plattenoberseite)
und rechtwinklig dazu positive Hauptmomente m2 (Zug auf Plattenunter-
seite), vgl. Bild 8.23. Ihr Größtwert ist gleich m x ' dem sogenannten
Drillmoment (Richtmoment, weil für Richtung und ~ichtungsänderung der
Hauptmomente bestimmend). Den Richtungen der m1 (45°) und m2 (135 0 )
folgend, wäre in den Eckbereichen eine obere unter 45 0 zur y-Achse und
eine untere unter 135 0 verlaufende Bewehrung am wirksamsten (Bild 8. 24
links). Die Stäbe werden jedoch verschieden lang und müssen unter, bzw.
über das nach den x-y -Achsen ausgerichtete Grundnetz der Bewehrung ver-
legt werden, was in der Praxis nicht gerne gemacht wird. Deshalb wählt
man bei üblichen Hochbaugrößen eine obere und untere Netzbewehrung in
x-y-Richtung (Bild 8.24 rechts), obwohl eine größere Stahlmenge (etwa
3 -fach) durch die Bemessung in x- und y -Richtung für m xy nötig wird.
98 8. Platten

b)

~y/fx = 1,5

fy/f x = 2

-.I'IL
l -- - tx
-.ll'\L-_ __ t x ,L
Bild 8. 22 Hauptmomentenrichtungen von allseitig frei drehbaren (a)
und allseitig eingespannten (b) Rechteckplatten unter Gleichlast, gezeich-
net in Richtung der von ihnen erzeugten Biegespannungen
pos. Hauptmomente (Zug auf P lattenunterseite)
- - - - neg. Hauptmomente (Zug auf Plattenoberseite)
_ .- . - Wechsel der Vorzeichen der Hauptmomente
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 99

0)

Iyll x mxy IMpm/ml A I Mpl

0.0463 qlx2 0.0926 qlx 2 Iy ,.


2 0.0662 ql x 2 0.1321, ql/

Bild 8.23 Hauptmomente im Eckbereich und zu verankernde Eckkraft A


einer allseitig frei drehbar gelagerten Rechteckplatte

Bewehrung unter 45 0 und 135 0 Netz bewehrung

; 1
theoretisch richtig fertigungs technisch günsti g
r

te für m xy :m2

0.31 x --f
----.......-..
'-I---~y fe für mxy ; m2

Oberseite ~ ~O~b!er~S~e~it!e~b~l~'=o~7~~~'b
__
Grundnetz mitrechnen

ohne Auflast

Verankerung für Eckkraft mit Auflast : ohne Auflast:


mit Haken A in Wand Verankerung zusätzliche Anker
verankern mit Querstab für A
bei Matten
Schnitt 0 - 0 Schnitt b- b

Bild 8.24 Anordnung der Eckbewehrung frei drehbar gelagerter Platten


(Ecken gegen Abheben gesichert)

Bei fehlender oder nicht ausreichender Auflast muß die Platte an den
Ecken für die Kraft A verankert werden, z. B. durch Abbiegen der Eck-
stäbe für m1 in die Betonwand. Wenn die Eckverankerung entfällt und!
oder auf eine obere Bewehrung zur Vereinfachung verzichtet
werden soll, oder wenn die Eckeinspannung durch Öffnungen im Eckbe-
reich verringert wird, so muß die Fe I d b ewe h run g für die um 15 bis
25 % anwachsenden Feldmomente (z. B. nach Marcus, BK 68, S.250,
100 8. Platten

Tafel 3) ver s t ä r k t werden. Risse im Eckbereich sind damit jedoch


nicht ausgeschlossen. Auch eine Auflagerung auf nachgiebigen Unterzügen
verringert die Drillmomente und führt zu größeren Feldmomenten.

Die Fe I d b ewe h run g wird als Netzbewehrung in x- und y -Richtung


ausgeführt und kann nach Bild 8. 25 verteilt werden, womit der Abwei-
chung von den Hauptmomentenrichtungen Rechnung getragen wird. Eine
Abstufung nach der Zugkraftlinie lohnt sich meist nicht. Die Eckbeweh-
rung wird mit kurzen Stäben ergänzt; sie muß den gleichen Querschnitt
wie die größte Feldbewehrung haben, wenn kein genauer Nachweis ge-
führt wird.

U nb e a b s ich t i g t e, rechnerisch nicht nachgewiesene Ein s pan n mo -


me nt e können durch aufgebogene Bewehrungsstäbe oder durch "Ab-
reißmatten" konstruktiv abgedeckt werden (vgl. Abschn. 8.2.1).

8. 3. 1. 2 Eingespannte Ränder
Bei voller Einspannung an zwei aneinanderstoßenden Rändern sind die
Hauptmomente im Eckbereich verhältnismäßig klein (Bild 8. 26 oben
rechts) und im Gegensatz zur frei drehbaren Lagerung ohne großen Ein-
fluß auf die Feldmomente. Längs der Ränder verschwinden die Drill-
momente m xy ' Eckkräfte wie bei frei drehbarer Lagerung treten nicht
auf. Bei der allseitig eingespannten Platte genügt die nach Bild 8.26 ver-
teilte Bewehrung in x- und y -Richtung. Die obere Einspannbewehrung
für m xer und m yer (er steht für ~inspannung - ~and) muß derEinspann-
wirkung folgend sicher verankert werden. Bei Stabbewehrungen können
bis zu 2/3 der unteren Feldbewehrung nach Bild 8. 26 b aufgebogen und
als Einspannbewehrung verwendet werden. 1/3 der Feldbewehrung muß
zum Auflager durchgehen. Ein Beispiel für eine Mattenbewehrung zeigt
Bild 8.26 c.

8.3.1.3 Durchlaufende zweiachsig gespannte Rechteckplatten


Bei durchlaufenden Platten (continuous slabs) mit nur geringen Unter-
schieden der benachbarten Stützweiten (0,8 :;;; eIl e2 :;;; 1,25) können die
größten Momente näherungsweise mit schachbrettartiger Nutzlastanord-
nung (Belastungsumordnung) über Tabellenwerte von Einzelplatten be-
stimmt werden. Berechnungsgang siehe BK 1974, Bd. I, S. 208.

Weichen die Stützweiten stark voneinander ab, so müssen die Stützmo-


J
mente unter Berücksichtigung der Plattensteifigkeiten [38 ausgegli-
chen werden. Die Feldmomente ändern sich nach den Gleichgewichtsbe-
dingungen. Vereinfachte Berechnungsverfahren siehe BK 1974, Bd. I,
S. 211, oder praktische Tafeln z. B. [39J. Genauere Berechnungsver-
fahren z. B. [40] sind für baupraktische Zwecke zu aufwendig und un-
nötig.

Werden durchlaufende Platten auf Unterzügen gelagert, so können sich


die Schnittkräfte durch die elastische Nachgiebigkeit stark verändern.
Bei Unterzügen mit geringer Biegesteifigkeit sollten daher die Schnitt-
kräfte mit wirklichkeitsnahen Berechnungen ermittelt werden. Hinweise
dazu sind im BK 1973, Bd. I, S. 263 ff, angegeben.
101
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten

a) Momente
(vereinfachter Verlauf)

)(

mal( m x

l
, IY
j
b) Stabbewehrung

t O.31 l(-f-
je =fex I Unterseite
Oberseite
( Varianten) / >-
~

r;; {{+~
t-H-++-t+t-+I++++-4-H++++-I---+--1--+
+-~
)(
o' ...
~~'"

+tt + x +
ft
LlIIIlJjJ 111 11 i1IIIIIII III IIIIJPllill
lx
Eckbewehrung in

1. fex
2 fex für max m x --+ t fex 1 allen Ecken gleich

c) Matten bewehrung

Unterseite

...f'--:o----
~~ {~~PI/I
~'7
... "
Cl ...
.2-
~ n

E ckbewehrung in
a lien Ecken gleich

Bild 8. 25 Beispiel für Bewehrung einer allseitig gelenkig gelagerten Rechteckplatte


unter Gleichlast
102 8. Platten

b) Stobbewehrung
Unterseite
'LL
04-1-. ,
I
I I : !I 11 I I ~;-

/ ~-
-~

II
b ' 1-- -

l
i - . :..
--- . fo--;"
/ --
-
I ;-
/
I I I. :I : ~
' / / '/
04-
/ / ' / / ' / '777777 ,
, ../ .
/.
! I! " I " 'l II IIII I I II II II II II II I}" 111111 ' //

Schnit t 0-0

- - . ins Nachbar feld


führen

Schnitt c-c
+t
c
, / /. 1/. j . ~l. I". ~

I I' !I
._- I _.
-- ~
)(

Ln
~
-4 . , I
I
I II I Li I
I
~ ~-
I
d --i
I I I I I I
.i....~
t-- ·W
- .... -t . . j"..,- r+1- L -
I I ~ I I
-1""1- 1- l-r+ -t--
- L J .l_I-
I I I
I..J - -
, 1 I
h.!-
: ~ :i : I ~ i
III
l'f rf "f f, 't'
I r.I
"f T7'Y
~

l lll lllDlllllllllll llllllll lrl llll ll1


.Lt fex ~ fex für m xerm
-+
~ tfex + Bewehr ung für

..J.. 0.2 I x + 0• 2 I x -+ I
x .. und y .. Richtung

Bild 8 . 26 a und b Beispi el für Stabbe wehrun g einer allseit


ig einges pann-
ten Rechte ckplatt e unter Gleich last. Matten beweh rung
siehe Bild 8 . 26 c
8.3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 103

c) Mattenbewehrung
Untere Bewehrung VoIlstöße Obere

- - - - - - ly

.Bild 8. 26 c Beispiel für Mattenbewehrung einer allseitig eingespannten


Rechteckplatte unter Gleichlast

Mittelfelder werden sinngemäß nach Bild 8. 26 bewehrt. In Eckfeldern


darf bei frei drehbar gelagerten Rändern die Eckbewehrung nach Bild
8.24 nicht vergessen werden. Liegt verschiedene Lagerungsart zweier
aneinander stoßender Ränder vor, so ist parallel zum eingespannten Rand
eine obere Bewehrung vorzusehen, deren Querschnitt gleich der Hälfte
der größten, rechtwinklig zum eingespannten Rand laufenden Feldbeweh-
rung sein muß (Bild 8. 27). Für die Zugkraftdeckung können die Momen-
tengrenzflächen nach Rüsch [37 gJ oder die vereinfachten Momentenflä-
chen nach Czerny [37 c] herangezogen werden; ein Versatzmaß braucht
dann nicht mehr berücksichtigt zu werden.
Sind ein oder zwei benachbarte Ränder eingespannt, so wird zur näherungs-
weisen Bestimmung der S t ü tz kr ä f te die Belastung in Flächenanteile
nach Bild 8. 28 zerlegt.

Einsponnung

==
==== oben
112 fexF

IY - - - - - -_./'_
Bild 8.28 Lastauftei-
lung zur Bestimmung
Bild 8.27 Zusätzliche Eckbewehrung in Rand· der Stützkräfte bei un-
feldern durchlaufender Platten terschiedlicher Randla-
gerung
104 8. Platten

8.3.2 Dreiseitig gelagerte Rechteckplatten

8.3.2. 1 Frei drehbare Lagerung


Die Richtungen der Hauptmomente und damit die Tragwirkung ist vom
Seitenverhältnis ey / e.x stark abhängig. Für ey < e.x trägt die Platte
die Lasten vorwiegend über Eck ab, d. h. die Hauptmomente sind in gros-
sen Bereichen diagonal (45 0 ) und rechtwinklig dazu (135 0 ) gerichtet
(Bild 8. 29). Bei Seitenverhältnissen ey / ex < 0,5 werden die Drillmo-
mente m xye bzw. die schiefwinkligen Hauptmomente m1 und m 2 größer
als das Moment mxfrm in der Mitte des freien Randes. In diesen Platten
muß also ausreichend Eckbewehrung angeordnet und gegen die abhebende
Eckkraft sicher verankert werden. Für die Bewehrungsführung (Bild 8. 30)
gilt das Gleiche wie in 8. 3. 1. 1.

Am freien Rand ist die untere Längsbewehrung fex dichter zu legen als
im Feld und bügelartig einzufassen (vgl. Bild 8. 11). Einige seitliche
und obere Randstäbe sind bei Temperatureinflüssen zu empfehlen.

Mit zunehmendem Seitenverhältnis e.y/ e.x beschränkt sich der Einfluß der
Drillmomente und damit die Abweicllung der Hauptmomente von der x-y-
Richtung auf den Eckbereich. Platten mit eyl ex > 1,5 können im Be-
reich y > 1,0 ex als einachsig gespannt angesehen werden (vgl. Bild 8.29).
Die Ausdehnung der Eckbewehrung ist dann von e abhängig.
y

~---- Ix

Iy I Ix =

I y I Ix 2 Iy I Ix = 0,5

Bild 8.29 Hauptmomentenrichtungen von dreiseitig frei drehbar gelager-


ten Rechteckplatten (unter Gleichlast)

8.3.2.2 Volle Einspannung


Sind die Ränder voll eingespannt, so verschwinden auch hier die Drill-
momente an den Rändern (vgl. 8.3. 1. 2). Einspann- und Feldbewehrung
wird ähnlich wie bei den allseitig gelagerten Platten angeordnet (Bild
8. 31); am freien Rand werden beide verstärkt.

In [37 a und cJ sind die Schnittgrößen auch für gemischte Lagerungsar-


ten enthalten.
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 105

al untere Grundbewehrung

rr )(

I'" ->-
~

/
' /
/
mO)(. m /
N

L------
11
II

----_....!!.....-_-----, ~

Schnitt Q-Q

u
bl Eckbewehrung (tür m xye l ob en und unten
e rsot zweise
sicher verankern
1 - - 0,5 Ix --t-
1

---------------
Bild 8.30 Bewehrung dreiseitig frei drehbar gelagerter Rechteckplatten
(unter Gleichlastl, Momente z. B. nach [37 cJ

8.3.2.3 IWeiseitig eingespannte Platte mit auskragendem Plattenteil


Diese Platte ist bei Punkt a (Bild 8.32 a) in eine Längs- und Querwand
eingespannt. Sie wurde modellstatisch von Franz/Weber [41] unter-
sucht. Im Bereich des Punktes a treten in beiden Richtungen große Haupt-
momente auf, die durch eine verstärkte Einspannbewehrung in x- und y-
Richtung aufgenommen werden müssen. Die maßgebenden Schnittgrößen
für verschiedene Abmessungen können [41 J oder [37 d] entnommen wer-
den, einen Bewehrungsvorschlag danac,h zeigt Bild 8. 32 b. Ein Nachweis
auf Durchstanzen im Punkt a ist für ;'y/;'y 2 1 nicht nötig, da die Biege-
bemessung eine ausreichende PlattendIcke ergibt.

Wird die Bewehrung für m 1a zu groß, so kann dieses Stützmoment abge-


mindert werden. Die Feldmomente müssen entsprechend vergrößert wer-
den. Schon eine geringe Nachgiebigkeit der Wandecke bei a wird ohnehin
eine Momentenumlagerung zum Feld hin bewirken.
106 8. Platten

a) untere Bewehrung'
M indes! bewehrung _ _ __ _ _-+-
jl Schnitt b- b
fey
lik! liilll!

," "t;'~1 ""'" '" , , """"~:;.; '~~~';~ " '-' -


E
)(
i
I
E ..,~ - ---+--1--+-+--+- +--+-+----4--1-- - --f-
'2)(

.::- ~~ -1--+-1f--+-+--+----f-+-+--+----+-
a

-E ~I- t-
r: .-
---
u
-;~
~

)(

E .~- --
4t--11- .~

41--~ .-1
'------~----------
b-l
Schnitt Q-Q

/~---- -
b) obere Bewehrung

f l/2 fey fey für myerm I l/ :(fey r


'IIIl llllllllrtllllllll ll llll llliillliil!liiliilllhll i11:1:1 1.....
, .l- t- 0,2 51)(,
A
~
t
)(
E
I I
I
V
[.,
l
LI> Einspannbe -
8· w ehr ung ins
Nachbar feld
- - - - - - - --- --- I-
1
führen oder
sicher ver-
.- ------ -- --- I-
ankern
~ --- --- ----
- - - --- - - -- ---- - .- I - - I-
_1

.... _.- ~-+


I-
-~~ -~-~ ~-+ - -
+- '-_
-------------- "
Bild 8. 31 Bewehrung dreiseitig gelagerter, voll eingespannter Recht-
eckplatten (unter Gleichlast); Momente z. B. nach [37 cJ
8.3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 107

0) Hauptmomentenrichtungen und Schnittgrößen tür Ix ,I y , Iy' = 2/1/0,5

(Klammerwerte für I y': 0 )


........- - - - - - - Ix : 2 Iy - --- ----+1

..a u

m : -1.. qly2
Ia 0,97

Hauptmomentenr ic htungen Schnittgrößen für andere


- - Zug auf Plotten- Verhältnisse Ix Il y 1I y'
unterseite siehe [37d] und [1.1]
- - - Zug auf Plotten-
oberseite

b) Prinzipielle Vertei lung der Bewehr ung

o,Smyem .
I.
3/8 Ix
für m yem
~_-A.:-~
ein gespannt

~ i
'1
1
-1

fex für1!2m xrm

I<
>-
.... j

~1 - >-

'"--
1
fex für m xrm

r~ ~ 1
H
--- - -
fe
II
__ ___ __ _ .!J
~ . _ -- 1-

l y /2 -J..
'--v-----/
für m'n : o,7mUo

obere Bewehrung untere Bewmrung

Bild 8. 32 Dreiseitig eingespannte Platte mit auskragendem Plattenteil,


nach [41J
108 8. Platten

8.3.3 Zweiseitig in einer einspringenden Ecke gelagerte R echteckplatten

8.3.3.1 Frei drehbare Lagerung


Die drehbar gelagerte Platte [37 a, 42] bedingt einen zuverlässigen Eck-
anker, bei quadratischem Grundriß z. B. für die Zugkraft A = 0,42 qa 2
(Gleichlast). Den Hauptmomentenrichtungen folgend ist eine untere Beweh-
rung über Eck und eine obere Bewehrung mit Randverankerung in Richtung
der Winkelhalbierenden zweckmäßig (Bild 8.33). Die freien Ränder sind
z. B. mit der unteren Bewehrung einzufassen (v gl. Bild 8. 11) und müssen
durchgehend längs bewehrt werden.

8.3.3.2 Volle Einspannung


Die Größe der Einspannmomente am Rand nimmt von innen nach außen
näherungsweise dreieckförmig zu [37 a, 43 J. Entsprechend wird die obe-
re Einspannbewehrung rechtwinklig zu den Rändern nach außen hin enger
gelegt (Bild 8. 34). Unten wird in der Regel eine schwache Netzbewehrung
angeordnet. Die freien Ränder können durch Abbiegen der Kragbewehrung
eingefaßt und müssen durchgehend längs bewehrt werden.

a)

sichere Verankerung für


f a~ Eckkrofl
b) ..~~~~~---------­
co
b)
11

I
~. - .2

..
~
a
..
..
ID ~ a

4;
J:l
o
4;
.0
o
I
I
I
I "'"---
I

__ :::.1
I
äußere Stäbe über Eck durch -
gehend foben und un1en I

Schnitt 0 ·0

Bild 8.33 In einer einspringen- Bild 8. 34 In einer einspringen-


den Wandecke frei drehbar gela- den Wandecke eingespannte Platte
gerte Platte: unter Gleichlast
a) Hauptmomentenrichtung a) Hauptmomentenrichtung
b) Bewehrungsführung b) Bewehrungsführung
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 109

8. 3. 4 Über eine Wandecke auskragende Platte

Diese Platte wird vor allem im Bereich der stützenden Ecke stark bean-
sprucht. Die Richtungen der Hauptmomente verlaufen hier strahlen- und
ringförmig (Bild 8.35 a). Beide Hauptmomente sind negativ und bedin-
gen obere Bewehrung. Die Größen der Momente m x entlang der Aufla-
gerlinie und in y = e/2 sind in Bild 8 . 35 b dargestellt. Franz schlägt in
[ 44] vor, zur Bemessung einer solchen Platte von dem Moment der ein-
fachen Kragplatte m o = q e2 j2 auszugehen. Die Plattendicke im Eck-
punkt wird so bestimmt, daß ei n Moment von 2 m o aufgenommen werden
kann. Ein Nachweis auf Durchstanzen kann dann entfallen. Die Beweh-
rung wird parallel zu den Rändern verlegt und für das Moment m o bemes-
sen, jedoch auf eine Breite von 0,5 e an der Ecke verdoppelt. Diese Be -
wehrung ist in beiden Richtungen in gleicher Größe einzulegen.

Bei Kragplatten im Freien sollten die Ränder zur Beschränkung der Tem-
peraturrisse oben und unten längs auf die Breite 3 d mit Stäben in engem
Abstand bewehrt und nach Bild 8. 11 eingefaßt werden. Große Durchbie-
gungen der Ecke sind durch Überhöhung der Schalung, beginnend im Ab-
stand 2 e von der Ecke (Bild 8. 35 c) auszugleichen. Nachträgliche
Durchbiegungen infolge Schwinden und Kriechen sind zu beachten.

a) Haup t momenten li nien b) Verlauf der mx

Faktor q. f2

t .., S!
0
2 ö Ö
t -,j<-
Yd/2

~L
In

m,} er zeugen beide ~t ,L f L


m2 oben Zug
d) Anordnung der Bewehrung
"
c) Verlauf der Durch-
(nur x - R ichtung dargestellt)
i
bi egungen
Querbewehrung f eK Staffelung bis
~ Mitte Deckenfeld

I
q . f4
w:::::f · - -
e fex
EI

1
e"K.~~~~
~~ ~~---
t--:- ---J!~'--- L- f ,f - --;1"'-

In Y - Ric htung analog


f : 0,46

[[=====::::::::~===-_ =;über höhung


Bild 8. 35 Hauptmomentenrichtung und Bewehrung der über eine Wand-
ecke auskragenden Platte unter Gleichlast. Gleiche Bewehrung in y-Rich-
tung.
110 8. Platten

8. 3. 5 Platte auf Einzelstützen

8. 3. 5. 1 Flachdecken
Flachdecken (flat slabs) sind zweiachsig gespannte Platten, die ohne Ver-
stärkung unmittelbar auf Stützen ruhen. Sie werden häufig (z. B. in DIN
1045) auch in den Fällen "Pilzdecken" (s. Abschn. 8.3.5.2) genannt, in
denen eine pilzartige Verstärkung im Stützenbereich fehlt. Sie müssen
mindestens 15 cm dick sein und sind für zweiachsige positive Feld- und
negative Feldrnomente, sowie gegen Durchstanzen zu bemessen.

Flachdecken auf schlanken Stützen sollten für Horizontalkräfte an Wand-


scheiben oder Kernen abgestützt werden, weil ihre Rahmenwirkung schwach
ist und die Einleitung von größeren Eckmomenten konstruktiv kaum zu lö-
sen ist. Sind an Außen- oder Eckstützen keine aussteifenden Randträger
vorhanden, so lassen sich große Biegemomente in diesen Stützen durch
gelenkigen Anschluß vermeiden.

Den Verlauf der Hauptmomente einer Flachdecke unter Gleichlast zeigt


Bild 8.36. Die Feldmomente sind positiv und verlaufen in einem großen
Bereich in x- und y-Richtung, so daß dort zweibahnige Bewehrung in x-
und y -Richtung günstig ist. Im Stützenbereich sind die Hauptmomente ne-
gativ' radial und kreisförmig gerichtet. Sie werden in der Regel durch
ein zweibahniges, orthogonales Bewehrungsnetz aufgenommen, meist
ebenfalls in x - und y -Richtung.

Die genaue Ermittlung der Schnittgrößen von Flachdecken ist sehr aufwen-
dig; Rechenhilfen dazu s. [45 abis hJ. Einfeldrige punktgestützte Recht-
eckplatten können nach [46, 37 a und dJ, oder wenn in einer Quadratplatte
Öffnungen vorhanden sind, nach [47] berechnet werden.

Zur näherungsweisen Berechnung mehrfeldriger Flachdek-


ken mit rechteckigen Stützenrastern, bei denen 0,75 § e l ex § 1,33
eingehalten ist, kann die Platte (vgl. DIN 1045, Abschn. ~2. 3) in zwei sich
kreuzende Scharen von Längs- und Querstreifen zerlegt werden, die je nach
Art der Stützung (gelenkige oder biegesteife Verbindung von Platte und
Stützen) als durchlaufende Balken oder als Rahmen behandelt werden
(Bild 8.37). Als Balken- bzw. Riegelbreite wird der Abstand ey bzw. ex
der Stützenreihen rechtwinklig zur Spannrichtung angesetzt. Die Schnitt-
größen der durchlaufenden Balken oder Rahmen sind in beiden Richtungen
für die volle Last q auf jeweils die ganze Breite ey bzw. ex in ungünstigster

o
Stellung zu berechnen. Zur Bemes-
0 sung der Platte wird jedes Decken-
feld in beiden lUchtungen in einen
Feldstreifen der Breite 0,6 ey und
zwei halbe Gurtstreifen von je 0,2 ey
zerlegt. In Randfeldern mit steti-
ger Randauflagerung (z. B. auf
Wände) entfällt der Gurtstreifen
am Außenrand. Der Randstrei-
fen besitzt dann die Breite 0,8 €y
und darf für 0, 75· MFeldstreifen
[Mpm/mJ des normalen Innen-
feldes bemessen werden (Bild
8. 39).

Die Bewehrung ergibt sich wie in


Platten aus den nach Bild 8. 38
ermittelten auf die Breitenein-
heit bezogenen Momenten. Von
Bild 8. 36 Hauptmomentenrichtungen den Fe 1 d b ewe h run gen der
einer Flachdecke unter Gleichlast Feld- und Gurtstreifen sind je
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 111

3 ~r
....>-
:-t....
c
GI
E
..c
~
'" >.

~
~

W ~~
I

Ersatzrahmen (2)

1I 1
Beispiel:
Stützen - Platte
biegefest

Bild 8.37 Näherungsweise Berechnung von Flachdecken mit Ersatzrah-


men (0,75 ;;;;; €xl €v ;;;;; 1,33)

Berech nung in x - Ri chtung (y-Richtung analog)


~----------- fx --------------~ Stütze Fe l d

!b (Schnitt a -a) (Schn itt b -b)

MS
2.1fY 125 MF
• fy
1,4 MS
fy

0,6 f y 05 MS 084 MF
• fy , fy

J=
O.l fyr

O.1fy
Vene i l ung der Momen te
über die Breite f y

Momentengrenzl in ie aus Balken -


oder Rahmenberechnung in
x - Ric htung für " Ba l ke nbrei te" f y

Bild 8.38 Flachdecken, Verteilung der Momente auf Feld- und Gurt-
streifen, bei näherungsweiser Berechnung nach DIN 1045; verbessertes
Verfahren siehe Heft 240 des DAfStb. (in Vorbereitung)

mind. 50 % bis zu den Stützenachsen durchzuführen. Beim Nachweis der


Zugkraftdeckung braucht ein Versatzmaß nicht in Rechnung gestellt wer-
den. Die Stützmomente nach dieser Näherungslösung sind Bemessungs-
werte und dürfen nicht wie in Abschn. 2. 6. 1. 1 ausgerundet werden. Die
S t ü t z b ewe h run g des inneren Teils der Gurtstreifen ist innerhalb einer
Breite von d s + 4 d besonders sorgfältig zu verteilen (Stababstände e ;;;;; d/2
und Rüttellücken) und sollte bis zu einer Entfernung von etwa 0,3 € von
der Stützenachse nicht abgestuft oder abgebogen werden.
112 8. Platten

kontinuierlich gestützter Rand

Bild 8. 39 Verminderung der


Bewehrung in Randfeldern mit
stetiger Randauflagerung bei
näherungsweiser Berechnung

Ein besonderer Nachweis ist bei Flachdecken für die Si c her h e i t ge gen
Durchstanzen zu führen. Bei hoher Beanspruchung durch Querkräfte set-
zen sich nämlich die ringförmigen Biegerisse mit einer Neigung von 30 0
bis 35 0 als Schubrisse fort, so daß an der stütze nur eine niedrige Druck-
zone verbleibt, die bei hoher Last schlagartig und steil infolge Schub durch-
bricht (vgl. Bild 8.40 und Bild 5.26 a in [1 aJ. Man spricht von Durch-
stanzen. Für die Sicherheit gegen Durchstanzen genügt die obere Biege-
bewehrung bis zu einer gewissen Grenze von T R' wobei T R wie folgt er-
mittelt wird
max Q R
T =
R u· h
m
u· h in DIN 1045 Abschn. 22.5 vereinbarte vertikale Bezugs-
m
fläche der Platte in einem um die Stütze geführten Rund-
schnitt
QR ..... Querkraft in diesem Rundschnitt

Genauer Berechnungsgang vgl. [1 b, Abschn. 5]. Die Biegebewehrung wird


innerhalb der Breite des Bruchkegels dichter verlegt als außerhalb (Bild
8.40), wobei der Biegebewehrungsgrad in beiden Richtungen mindestens
0,5 % sein muß. Die in DIN 1045, Abschn. 22.5, angegebene obere Gren-
ze des Bewehrungsgrades von 1,5 % ist lediglich ein Rechenwert für den
Nachweis der oberen T R -Grenze und kein vorgeschriebener Bewehrungs-
grad.

Liegt TR über der in DIN 1045 angegebenen Grenze von Y1· Toll dann
muß "Schubbewehrung" eingebaut werden, die bevorzugt außen am Be-
ginn des Bruchkegels liegen muß, um die Fortpflanzung der Schubrisse
wirkungsvoll zu behindern. Sie sollte in Form von zwei bis drei ringför-
migen oder quadratisch angeordneten "Leitern" aus lotrechten dünnen
Stäbchen ~ ~ 1/20 d, die an obere und untere Stäbe zur Verankerung
angeschweißt sind, eingebaut werden. Diese Leitern müssen am Beginn
der Schubrisse (Bild 8.40), also im äußeren Bereich des etwa 300 fla-
chen Durchstanz-Bruchkegels stehen. Bei dicken Platten können auch
Bügel mit engem Schenkelabstand gewählt werden, die jedoch mindestens
eine Lage der oberen und unteren Bewehrung um greifen müssen. Schräg
aufgebogene dicke Stäbe sind wenig wirksam. Die Schubbewehrung ist für
0,75 QR zu bemessen, wobei der Stahlquerschnitt unabhängig von der Nei-
gung der Schubbewehrung zu FeS = 0,75 QR/zul O"e bestimmt wird.

Sicherung gegen Durchstanzen kann auch durch Vergrößerung der Durch-


stanzfläche mit Abstufungen der Flachdecke an der Stütze (Bild 8.41) oder
mit einer steifen Stahlplatte (Bild 8. 42 a) erreicht werden. In der Schweiz
werden zur Verstärkung häufig Kragen aus Stahlprofilen (shear-heads) in
die Platte einbetoniert (Bild 8. 42 b).
8. 3 Zweiachsig gespannte Rechteckplatten 113

Rißbild im Schnitt an der Stütze Detail .. A"

I t t \ ~ \~\ (L ), ,~
a) dünne Platte

~/--/------------- l)
I
(
t ------------'-,,--,~ I
I

I
.+-.
I

Rißbi Id Oberseite
b) dicke Platte

oberen Ring nach Ver legen der


oberen Bewehrung anschweißen

i ds + 4d
gut verte il te Bewehrung r
=::1L f
h~ ,t
)
, e -<..!!.
2

Bruch kege l
Abmessungen für Büge I -
iI
30° bi s 35°
leitern und Bügelkörbe

Grundri ß ..--.- .-......


Sc h ubbe wehrung ·f 1.=#+1 'I~f\
\
Bügelkorb

ringförmige Bügeltei tern Bügelleitern oder Bügelkörbe quadratisch angeordnet

Bild 8.40 Bewehrung gegen Durchstanzen bei Flachdecken, wenn die Schubspannungen groß sind.
114 8. Platten

2b is5cm
Q) -_Pl-
b) • • • •

- . ~ ~

Feldbewehr -
I

I ·~· I
ung an
Grundriß
I I Stahl kragen
I I a ngeschweiOt
I I
I 1I I

Bild 8. 41 Sicherung gegen Durch- Bild 8.42 Sicherung gegen Durch-


stanzen durch Verdickung der stanzen mit steifer Stahlplatte oder
Platte über der Stütze (Pilzkopf) Stahlkragen

Große Deckendurchbrüche innerhalb des Bruchkegels sind gefährlich.


Ihre Größe wird daher in DIN 1045, Abschn. 22.6, begrenzt.

8. 3. 5. 2 Pilzdecken
Wird die Flachdecke im Stützbereich durch Vouten oder Abstufungen ver-
stärkt (Bild 8.41), so spricht man von Pilzdecken. Der Pilzkopf sollte
flach sein, die vergrößerte Nutzhöhe darf für die Bemessung der Biegebe-
wehrung bei steileren Pilzköpfen nur bis zu einer Neigung 1 : 3 de s ein be-
schriebenen Kegel- oder Pyramidenkörpers angesetzt werden. Sind die
Pilz köpfe steiler als 1: 3 geneigt und breiter als 0,3 min e, dann muß
der Einfluß des damit über der Stütze vergrößerten Trägheitsmomentes
bei der Ermittlung der Schnittgrößen aus dem Durchlaufbalken oder -rah-
men berücksichtigt werden. Sie sind deshalb (und aus gestalterischen
Gründen) nicht zu empfehlen.

8.4 Öffnungen in zweiachSig gespannten Rechteckplatten

Rechteckplatten mit Öffnungen sind in der Literatur nur in einigen Fällen


behandelt worden, z. B. in [48] die einge spannte Quadra tpla tte mit
rechteckiger Öffnung in Feldmitte oder in einer Ecke, in [49, 50] die
drehbar gelagerte Quadratplatte mit Kreisöffnung in Feldmitte. Die Er-
gebnisse sind von Stiglat/Wippel in [37 b, S. 225 ff. ] zusammengefaßt.
Für beliebige. Fälle bieten Rechenzentren Programme zur Schnittkraft-
ermittlung an. Meist genügt eine grobe Näherungsberechnung.

Als Näherung kann eine vierseitig gelagerte Platte mit Öffnungen in drei-
seitig gelagerte Platten aufgestellt werden. Bei vernünftiger Auswahl
der Randbedingungen lassen sich Schnittgrößen abschätzen, die auf der
sicheren Seite liegen. Ein Beispiel hierfür ist im Bild 8.43 gegeben; an-
dere Abmessungen bedingen andere Annahmen. Diese Betrachtungsweise
ist einer Zerlegung in Trag- und Wechselstreifen vorzuziehen, obwohl
auch damit in der Regel sichere Tragwirkung erreicht wird.
8.6 Dreieckplatten 115

Lochränder sollten immer unten und oben längs bewehrt und mit Haarna-
deln eingefaßt werden (vgl. Bild 8. 11). Eine obere Bewehrung dient zur
Abdeckung eventueller Unverträglichkeiten, die bei Anwendung von Nä-
herungsberechnungen nicht zu vermeiden sind. Die untere Bewehrung in
der Haupttragrichtung ist ungeschwächt durchzuführen, die Bewehrung
quer dazu darf nicht zu kurz gewählt werden (beiderseits der Öffnung
etwa 0,5 . Lochbreite + Verankerungslänge).

myer

[.r]
r
--t I
b1
bl
mxrm

-1
mxrm
fy ~- -
mxe

-tb2
-,f
[r:r~
~ b2

-o,sqbl-+

~x l
'I -J.- ~x -0-+
Bild 8.43 Beispiel zur näherungsweisen Berechnung einer Platte mit
o-J.-

Öffnungen, angegebene Aufteilung gültig für 0,3 < aj i,x < 0,6, bIla > 0,5;
m
ym
nach GI. (3.5) bzw. (3.6) in [37 b, S. 230 ff.
-
J

8.5 Rechteckplatten mit unterbrochener Stützung

Ist die Unterstützung eines Plattenrandes unterbrochen, so wird nach


[37 b, S. 230 ff. ] die Annahme eines starren deckengleichen Unterzuges
dem tatsächlichen Tragverhalten der Decke nicht gerecht. Je nach Länge
der unterbrochenen stüt zung können die auftretenden Schnittgrößen von
denen bei starrer Lagerung erheblich abweichen. In [37 bJ sind für ver-
schiedene Lagerungsbedingungen die Schnittgrößen angegeben.

8.6 Dreieckplatten

Die Schnittgrößen können für verschiedene Verhältnisse der Seitenlängen


J
z. B. aus [51, 37 a, d und e entnommen werden.

Für gleichseitige Dreieckplatten unter Gleichlast sind die Hauptmo-


mentenrichtungen und die wichtigsten Schnittgrößen in Bild 8. 44 a für frei
drehbare Ränder und in Bild 8 . 45 a für eingespannte Ränder wiedergegeben.

Bei d reh bar er Lag er u n g sind unten Stabscharen in drei Richtungen


(dreibahnige Bewehrung) parallel zu den Rändern günstig (Bild 8. 44 b). Will
man mit orthogonalen Matten in 2 Lagen nach Bild 8.44 c bewehren, dann
nimmt man Abweichungen der Bewehrungsrichtungen gegen die Hauptmo-
mentenrichtung von 30 0 in Kauf, muß dann aber nach [52] bemessen. Die
Feldbewehrung wird ohne Abstufung durchgeführt. Die Eckbereiche müs-
sen gegen Abheben gesichert und oben in Richtung der Winkelhalbierenden
bewehrt werden (Bild 8.44 bund cl.

Bei eingespannten Dreieckplatten sind die Einspannmomente


entscheidend (Bild 8.45 a). Entsprechend sollte oben mit drei Matten-
streifen bewehrt werden . Unten genügt eine sechseckige Matte für die
Feldmomente (Bild 8.45 b).
116 8. Platten

a) Haupt momentenrichtungen und Schnittgrößen

~mx
'\
\
t - - -........,.--4 + 0,0 185 q a 2

1"--- -2'-1 + 0,0172 q0 2

l
'1
o

b) Stabbewehrung

unten

c) Matten - Bewehrung

Zuschlag für
unten 30°/. Richtungs-
abwpichung

Bild 8 . 44 Gleichseitige Dreieckplatte, allseitig frei drehbar gelagert


(unter Gleichlast)

a) Hauptmomentenrichtungen und Schnittgrößen

- 0.266Qo

I-"",", -~ + 0 0078 Qa 2

l
'1
o

b) Matten - Bewehrung

unten Schnitt 0-0


Richtungsabweich-
ung bpachten

gut vpronkern
Bild 8 . 45 Gleichseitige Dreieckplatte, allseitig eingespannt (unter Gleichlast)
8.7 Kreisplatten und Kreisringplatten 117

8.7 Kreisplatten und Kreisringplatten

Diese Platten lassen sich für zentralsymmetrische Belastung genau be-


rechnen. Formänderungsgrößen und Schnittkräfte sind z. B. in [37 a und
e, 53J tabelliert.

Die Hauptmomentenrichtungen verlaufen bei rotationssymmetrischer Be-


lastung immer radial und in Ringrichtung.

Bewehrt man die am Rand frei drehbar gelagerte Kreisplatte unten mit
ringförmigen und radialen Stäben, dann überschneiden sich im Mittelbe-
reich zu viele Stäbe. Deshalb wählt man zur Deckung der R a dialmomente
m r in der Regel drei bis vier parallele Stabscharen aus dünnen Stäben
(Bild 8.46) , die sich in drei bis vier Lagen in der Mitte kreuzen und außen
durch Radialstäbe ergänzt werden.

Soll eine Netzbewehrung (Rippen stahl! ) in x- und y-Richtung verwendet


werden (Bild 8.47), so muß die Richtungsabweichung von den Hauptmo -
menten bis zu 45 0 nach [52 bzw. [1 c bei der Bemessung beachtet J J
werden. Werden die dort gegebenen Kriterien eingehalten, so ist die gro -
ße Richtungsabweichung von 45 0 unbedenklich.

Bewehrung für a) Schnittgrößen ( Faktor pa 2 1

al frei drehbar b leingespannt

k I ~
~- a ~
~ I
t- a
I
I - 0,1250
~
i ;,0,0208
mr ~m.,
/ ( "-
+ 0,0729 + 0,072 9

Ring bewehrung
in nerste Lage r .. .... radial
'P .... .tangent ia l

Bild 8. 46 Schnittgrößen frei drehbar gelagerter und eingespannter Kreis-


platten; Bewehrung für die frei drehbar gelagerte Platte

V
11 ...... -:1'
\1 , '''''''
,So ,'\. V Ri chtungsabwei chung
l\ ~ mr~n
~2 ./
zwischen Bewehrung
~ /
~ "" ~ und Hauptmomenten-
1.5 0
~ / richtung beachten

'C:
~ m4>=m,
. ~
Randeinfassung
~~
~

Bild 8.47 Kreisplatte mit Netzbewehrung in x- und y-Richtung


118 8. Platten

Es sei noch vermerkt, daß die Zugkraftdeckungslinie für die Radialbeweh-


rung nach Bild 8.48 hyperbelförmig verläuft, der maßgebende Bemes-
sungsquerschnitt in Radialrichtung also außerhalb des Zentrums liegt.

Kr eis r i n g p 1 at t e n können ohne Schwierigkeit radial und in Ringrich-


tung bewehrt werden. Sind sie am ä u ß e ren Ra n dei n g e s pan n t, so
erhalten sie überwiegend eine oben liegende Radialbewehrung (Bild 8.49).
Der freie Innenrand wird durch ein positives Ringmoment beansprucht.
Daher wird eine untere Ringbewehrung erforderlich, die radiale Umlenk-
kräfte hervorruft, so daß sie zurückverankert werden muß. Kreisring-
platten, die am inneren Rand frei drehbar aufliegen, erfordern vor-
wiegend obere Bewehrung, die am Innenrand besonders dicht wird. Ein-
spannung am Innenrand (Bild 8.50) oder leicht geneigte Kegelschalen
führen zu günstigeren Bewehrungen [54]. Platten im Freien erhalten
am äußeren Rand eine enge Ringbewehrung aus mehreren dünnen Stäben
zur Beschränkung von Schwind- und Temperaturrissen.

für bekanntes f eo In r =0
Ua 0
wird f er = f eo . - = f ea .-
ur r
uo,u r .... Umfänge für Radius
o bzw. r

und Zr = f er . 6e
o
f ea . r' 6e

14-- - - 0 Zr = Konstante .lr


(H yperbel I

"~m, /,-L'""
maßgebend ~ Zugkraftlinie
y ............ "
Z(rl \ . . . .
~ ZugkraftdeckungslInIe bel glelch-
, blei bender Zahl der Stäbe

Bild 8.48 Hyperbelförmige Zugkraftdeckungslinie für Radialbewehrung

Bewehrung für b) Sehn ittgrößen (Faktor pa 2 )

o 0) frei drehbar b) pingesponnt

012 !a/,
H
I
jIIIIID - + -UIIIII! ~-- . -ITmu@
a-J ~ ~ a--i '
I
0,0782 i -0,0130

mr~- 1--Vmip
+ O,025L

Schnitt 0-0

Bild 8.49 Schnittgrößen für am äußeren


-j Rand frei drehbar und eingespannte Kreis-
ringpla tten; Bewehrung für die einge-
spannte Platte [93]
8. 7 Kreisplatten und Kreisringplatten 119

Schnittgrößen ( Faktor pa 2 )
Bewehrung für b)
al ffei drehbar b) eingespannt
o
~ - 2a
I
1 t- 2a 1
ITIIIIll!- - 7--~ ommf.-l~
~a
,
.,j La .!
I
I
I -07102 ! -0,"88

mrW-
- 1,3021 r--.:..0,sst9
-- i --L::.J ml{> mr A __ f~I~ct:l~:
+0.0650

Punkt 1 W2!UL
Bild 8. 50 Schnittgrößen für am inneren Rand frei drehbar und einge-
spannte Kreisringplatten; Bewehrung für die eingespannte Platte [93]
9. Balken und Platten balken

9.1 Allgemeines

Der einfache Rechteckbalken wird vorgefertigt für kleine Spannweiten be-


nützt. Der Plattenbalken ist leichter und sparsamer und für mittlere und
große Spannweiten geeignet. Bei Vorfertigung wird er gerne einstegig für
Dachbinder oder doppelstegig für Decken ( TT -Platten) verwendet.

Zur Aufnahme der maximalen Biegemomente (s. Abschn. 2) werden die


Zuggurte mit Längs- oder Biegebewehrung Fe versehen. Die Bewehrung
der Zuggurte darf nach der Zugkraftlinie mit geraden Verankerungslän-
gen (stopped bars) oder mit Aufbiegungen (bent-up bars) abgestuft werden.

Biegedruckbewehrung sollte in der Regel vermieden werden, es sei denn,


daß sie zur Verminderung der nachträglichen Durchbiegung infolge Krie-
chen verwendet wird.

Balken sind ferner zur Aufnahme der Querkräfte Qx' d. h. der durch Q
bedingten Stegzugkräfte auf Schub zu bewehren. Sie erhalten grunds ätz -
lich eine Schubbewehrung (Ausnahmen Balken mit kleiner Stützweite und
T 0 ~ T 012). Die verminderte Schubdeckung nach [1 a], Abschn. 8, ver-
einfacht die Schubbewehrung bei voller Schubsicherheit.

9.2 Arten und Wahl der Schubbewehrung

Die Schubbewehrungen (shear reinforcement) müssen den Zug- und Druck-


gurt über den Steg wirkungsvoll miteinander verbinden, d. h. sie müssen
sowohl im Zug- als auch im Druckgurt gut verankert sein.

Die schiefen Hauptzugkräfte in Stegen von Balken werden theoretisch am


besten mit Schubbewehrungen in ihrer Richtung, also mit 45 0 bis 60 0 Nei-
gung zur Balkenachse aufgenommen. Aus fertigungstechnischen Gründen
werden jedoch meist vertikale Schubbewehrungen bevorzugt.

Man kann verwenden (Bilder 9. 1 und 9.4)


1. vertikale Bügel (vertical stirrups)
Sie umschließen in der Regel die Zuggurtbewehrung, auf die sich Druck-
streben bevorzugt stützen. Sie können in kleinen Abständen nahe an den
Stegflächen verlegt werden und geben so kleine Rißbreiten.

2. Schräge oder geneigte Bügel mit 45 0 bis 60 0 Neigung (inclined stirrups)


Sie geben die beste Rissebeschränkung und verkleinern die Druckstre-
benkräfte und das Versatzmaß, sind aber nur in großen Balken, beson-
ders in Hohlkasten für die Praxis geeignet. Sie müssen sich an geripp-
ten Gurtstäben abstützen können, da sonst die Betondeckung gefährdet
ist.
122 9. Balken und Plattenbalken

3. Bügelleitern aus Einzelstäben mit oben und unten angeschweißten


Längsstäben oder Bügelschlangen in Verbindung mit Querb,ewehrung
der Gurte.

4. Aufgebogene Längsstäbe, auch Schrägstäbe gena,nnt (bent-up bars)


Sie sind trotz ihrer guten Richtung ungeeignet, weil die Druckstreben
als Betonscheiben auf ihnen wie auf Schneiden gelagert sind und dort
aufspalten (Bild 9. 2). Sie dürfen daher nicht am Rand liegen und tra-
gen nur wenig zur Beschränkung der Schubrißbreiten bei

5. Kombination von Bügeln und Schrägstäben


Wenigstens die Hälfte der Stegzugkräfte sollte den Bügeln zugewiesen
werden.

RiAbreihm [mm]
0,80
~® C'V + *
0,60 I /
I / -0
0,40 : / /

0,20
I
I
/ V
/ /
0
.",.,
0 11"111"1 111)j:!11 1
J~ ? V
o 1--- iI""""
Bl'lostung 0 1 ~~ ?/ß'4,
Bild 9. 1 Durchschnittliche Breite der Schubrisse bei verschiedenen
Schubbewehrungsarten (grobe Wertung bei üblichen Abmessungen)
a) ohne Schubbewehrung c) enge vertikale Bügel
b) aufgebogene Stäbe d) enge geneigte Bügel

OhM Bügel

Schubr i~

SpaltriB

Bild 9.2 Aufgebogene Stäbe sind zur Abstützung schiefer Druckstreben


ungeeignet

9.2.1 Bügel

Bügel müssen auf sehr kurze Längen wirksam verankert werden. Haken,
Winkelhaken, Schlaufen oder angeschweißte Querstäbe sind daher uner-
läßlich. Zulässige Biegerollendurchmesser sind in Tabelle 4.3 angege-
ben.
9. 2 Arten und Wahl der Schubbewehrung 123

Bügel dürfen nicht zu breit sein, da die Druckstreben sich vorwiegend


auf die in den Bügelecken liegenden Längsstäbe abstützen (Bild 9. 3 a).
Bei breiten Balken sind mehrschnittige Bügel anzuordnen (Bild 9.3 b),
wenn 7 > 7 12 oder b > 2 d ist.
o 0 0 0

a) zweischnittige Bügel

10 t recht nachgieb i g

SCh i efe Druckstrebe


::: 40cm

f --- fürd o >lm : :::50cm

b) vierschnittige Bügel

Bild 9.3 Die " scheibenartigen" Druckstreben stützen sich bevorzugt auf
den Längsstäben in den Bügelecken ab, die dazwischenliegenden Stäbe
sind lotrecht nachgiebig

Verschiedene Bügelformen zeigt Bild 9.4. Zur oberen Verankerung ist


der nach innen gehende Haken am besten (Bild 9.4 a und b). Nach außen
gehende Haken (Bild 9.4 c und d) bedingen eine untere Querbewehrung
der Gurtplatte zur Aufnahme der Umlenkkräfte der Haken.

Ge s c hlo s sen e B ü gel (Bild 9.4 e) sind zur Schubsicherung bei Quer-
kraft meist nicht nötig, auch nicht im Bereich negativer Momente, wenn
die Querbewehrungen der anschließenden Platte durchgehen (Bild 9.4 f).
Bei durchlaufenden Balken mit Rechteckquerschnitt (z. B. Kranbahnträger)
müssen jedoch die Bügel die Stützbewehrung voll umschließen. Geschlos-
sene Bügel sind also nur bei Torsion oder für die Randeinspannung von
Platten (Bild 8.6 und Bilder 9.4 g und h) oder zur Umschnürung stark be-
anspruchter Biegedruckzonen erforderlich. In DIN 1045 werden für
9Bü > 14 mm geschlossene Bügel verlangt, was nicht sinnvoll ist.
Bei sehr dünn e n S t e gen genügen einschnittige Bügel, wenn Ausstei-
fungen in angemessenen Abständen den Steg gegen Querbiegung sichern.
124 9. Balken und Pla ttenbalken

Dabei können Bügelleitern (Bild 9.4 i) oder Bügelschlangen (Bild 9.4 k)


in Verbindung mit Querbewehrung der Gurte verwendet werden. Für
I-Balken läßt sich auch die Form nach Bild 9. 4 e einfach verlegen.

Um den Einbau der Längsbewehrung zu erleichtern, werden bei ho h e n


Ste gen sogenannte Bügelkappen verwendet (Bild 9. 4m), die durch
Übergreifungslängen ( eü = 0,75 k · a, nur bei voller Schubdeckung zu-
lässig, DIN 1045, Abschn. 18.5.3.3) aufwendig und in der Wirkung un-
günstig sind. Man verankert die Bügel besser mit Haken nach außen und
stützt die Druckstreben mit der Querbewehrung der anschließenden Plat-
te (Bild 9.4 n).

Zur Aufnahme der Spaltkräfte der Bügelverankerung ist es zweckmäßig,


Längsstäbe in Bügelecken und in Bügelhaken anzuordnen.

nur bei ger i pp -


nur bei geripp- ten Stäben
ten Stöben

@) @)
@ ® Verankerung
®
nach Bild
Querbewehrung ~ 9 5c
/ ~ ~

CD ®
Ans icht Schnitt -'"
CI

c:
; :::J
CI
c:
:::J

'-----
~'---~v'--------")
~~------~vr------~I ~------~v~------~I

® CD
Bild 9.4 Bügelformen

9.2.2 Bügelmatten

Geschweißte Bügelmatten sparen Lohn! Die Verankerungen bei Bügelmat-


ten zeigt Bild 9.5. DIN 1045 läßt die Verankerung mit nur einem ange-
schweißten Längsstab noch nicht zu, weil die Bedingung Scherkraft
S ~ 0,4 FeBü ' ßo 2 noch nicht von allen Mattenherstellern gewährlei-
stet wird (Bild 9.5' cl. Bei Versuchen [55 und 56, S. 43 bis 53] wurde
9.2 Arten und Wahl der Schubbewehrung 125

bei Einhaltung dieser Bedingung auch bei Plattenbalken mit dünner Platte
eine ausreichende Verankerung der Bügelmatten nachgewiesen. Bei Recht-
eckbalken ist die hakenlose Verankerung ungeeignet, weil die Kanten ab-
gesprengt werden können (Bild 9. 5 cl. Bügelleitern mit oben und unten an-
geschweißten Längsstäben (Bild 9. 6) bedingen Umschließungsbügel der Zug-
gurtbewehrung und 0 bere Querbewehrung [6] .
Im Hinblick auf die verankerun~ sollen Bügelmatten aus BSt 50/55 in der
Regel nur mit ßS ~ 4200 kp/cm (bzw. zul (Je = 2400 kp/cm 2 im Gebrauchs-
zustand) bemessen werden. Die Erg. Bestimmung zu DIN 1045, April
1975, läßt bei engem Bügelabstand für vorwiegend ruhende Belastung auch
die Ausnutzung von ßS = 5000 kp / cm 2 zu.

r
m i n . 5mm )I
max . 15mm )I Scherkra ft

S ~ 0 .4 Fe ßO,2

~ Fe
Absprengen I

a) Verankerung mit Doppelsteibe


ür Bügel mit
Haken nach inn en
0Bü > 8 mm
oder aussen
Scherkraft
S ~ 0,3 Fe ßO,2
genügt

Löngsstab
b) Verankerung mit
Winkelhaken und c) Verankerung mit angeschweissten
Mattenstab Lönqsstäben

Bild 9.5 Verankerungsarten von geschweißten Bügelmatten

Bild 9.6 Zur Zeit unter-


Zusammen - suchte Schubbewehrungen
aus Bügelmatten und Bü-
schieben gelleitern nach [6 ]
(
•• ••
9.2.3 Bügelabstände und Bügeldurchmesser

Jeder mögliche Schubriß sollte mindestens von einem, bei hohen Schub-
beanspruchungen mindestens von zwei Bügeln, gekreuzt werden. Daraus
und aus weiteren Überlegungen zur Beschränkung der Schubrißbreite er-
geben sich folgende Regeln für den größten Bügelabstand in Ab-
hängigkeit von der Höhe der Schubspannung (z. T. abweichend von DIN
1045, Abschn. 18.5.3.3):
Schubbereich 1 e Bü ~ 0, 5 d o ~ 30 c m
kleinerer Wert
Schubbereich 2 eBü ~ 0,4 d o ~25 cm
maßgebend!
Schubbereich 3 e Bü ~ 0, 3 d o ~ 20 cm
126 9. Balken und Plattenbalken.

Im Bereich großer Schubspannungen sind z ur Rissebeschränkung dünne


Bügel in engeren Abständen erwünscht, was mit Bügelmatten
ohne besonderen Lohnaufwand leicht zu erreichen ist.

Für die Bügeldurchmesser wird folgende Regel empfohlen

~BÜ ~ .!.8 b
0
"'...!..
80
d
0
~ 25 mrn

und bei geneigten Schrägbügeln (Bild 9. 7)

Außerdem sollte bei Schrägbügeln der horizontale Bügelabstand größer


sein als 4 ü L ' damit die Betondeckung an der Unterfläche des Gurtes
nicht abplatzt.

Bild 9. 7 He ge ln für ge-


neigte Bügel bei hoher
e Bü ~ 4 Ü L Schubbeanspruchung

ger i ppte Löngsstöbe I

Der Ab s ta n d der B ü gel s ehe n k e 1 in


Q u er r ich tun g muß so gewählt werden,
daß die Druckstreben (nach Bild 9. 3 als Schei-
ben oder wandartige Träger zu betrachten) an
ihren "Auflagern" nicht Überbeansprucht wer-
den. Die dort auftretende Pressung ist über
Gn Re 2,5 T 0 von der Höhe der Schubbeanspru-
chung vom Abstand der Bügel in Längs- und
Querrichtung und vom Durchmesser der Längs-
stäbe abhängig. Diese Zusammenhänge sollte
man als Grundlage für die in DIN 1045 ange-
gebene Mindestforderung (eBü, quer ~ 0,8 d o
Bild 9.8 Vier schnittige < 40 cm) im Auge behalten. Aus einer entspre-
Bügel bei hoher Schubbe- chenden Überlegung folgt, daß z. B. Hand-
anspruchung eines dik- Doppelbügel (Bild 9.8) bei hoher Schubbean-
ken Steges spruchung dicker Stege günstig sein werden.

9. 2. 4 Schrägstäbe

Schrägstäbe z ur Aufnahme der Querkräfte sind nur als Auf-oder A bbie-


gungen der Zuggurtbewehrungen zulässig.

Der horizontale Abstand der Aufbiegun gen in Balkenlängsrichtung wird


nach DIN 1045, Abschn. 18.5.3.2 begren z t zu
~~~~777ij/1'
e ~ 2 h im Schubbereich 1 und 2
s
e ~ h im Schubbereich 3
s
Der Stabdurchmesser der aufgebogenen Schrägstäbe sollte bei dünnen
Stegen nicht größer sein als 1 / 8 der Stegbreite (Hegel des CEB, Comite
Europeen du Beton). Schrägstäbe sind nach Abschn. 7. 1. 3. 2 zu veran-
kern. Für den Biegerollendurchmesser der Stabkrümmung vgl. Absch. 6.5.
9.2 Arten und Wahl der Schubbewehrung 127

9.2.5 Abstufung der Schubbewehrung

Die Abstufung der Schubbewehrung (grading) geschieht nach dem Schub-


spannungs - oder Querkraftdiagramm (vgl. Abschn. 2. 6. 2). Wird mit
verminderter Schubdeckung nach [1 a], Abschn. 8. 5. 3. 2 bemessen, so
ergibt sich die maßgebende T -Schubspannungslinie aus der T 0 -Linie durch
Parallelverschiebung um ToD/I, 75 (Bild 9. 9).

Nach DIN 1045 darf die T 0 -Linie nur in dem Querkraftbereich abgemin-
dert werden, in dem max T 0 < T 02 ist (Bild 9. 10). Maßgebend ist dann
2
vorh T
o
T (9. 1)
T 02

gezeichnet

70 = Rechenwert
T = Bemessungswert

Bild 9.9 Rechenwerte T 0 .und Bemessungswerte T bei verminderter


Schubdeckung mit dem Abzugswert T D' nach CEB, einfacher und besser
als nach Bild 9. 10 0

Bügel nicht gezeichnet


I I

./
/'

1
I
I
I
I
Schub - 11
Schub berei ch 3
I
....
bereich 2
..I
• = ·0 min feBü
1:=
102

Bild 9.10 Rechenwerte T und Bemessungswerte T nach DIN 1045


o
128 9. Balken und Plattenbalken

Genügt eine schwache Schubbewehrung, dann wird der Bügelabstand über


die ganze Balkenlänge gleich gewählt, sonst wird die Schubbewehrung der
maßgebenden T -Linie stufenweise durch Veränderung der Bügelabstände
o.der Bügeldurchmesser angepaßt. Ungedeckte Einschnitte in die T -Linie
nach Bild 9. 11 sind unbedenklich, wenn sie mindestens flächengleich ab-
gestuft werden. Die Mindestschubbewehrung nach [la, Abschn. 8.5.3. 4J
muß schon im Hinblick auf Risse durch Zwang usw. stets vo.rgesehen
werden. In der Erg. Best. , Abschn. 2. 11, wird die Mindestschubbewehrung
neu geregelt. Es wird jedo.ch empfo.hlen, den niedriben Wert für Bn 150 nicht
zu verwenden, weil die Beto.nfestigkeit im Bauwerk häufig weit über der im
Entwurf vorgesehenen Festigkeit liegt.
Wenn aufgebo.gene Stäbe zur SChUbdeckung benütz t werden, dann wird ihr
Anteil im T -Diagramm abgetrennt (Bild 9. 12).

Bügel nicht gezeichnet

Schubbt'reich 3

Schubbereich 2

jJ
L
~ .,l ~h/2 ~h/2

Bild 9.11 Bedingungen für das Einschneiden in die T -Linie beim Ab-
stufen der Schubbewehrung

durch Bügel
h aufgenommen :
x
F 9 " , 6, -
e, u e eBü

durch Schrögstöbe
aufgenommen :

L:Fe . s ' 6e '( sino.+ cos o:. l

~ F3 , b o

-,,"l'_____ x 1 _____ --,~I'-l-- x 2 - - - -


Bild 9. 12 Beispiel für Aufnahme der Stegzugkräfte durch Bügel und auf-
gebo.gene Stäbe (bei b = ko.nst. )
0.
9.3 Verteilungsbewehrung bei hohen Stegen 129

9.3 Verteilungsbewehrung bei hohen Stegen

In hohen Stegen mit einer Zugzone h - x > 50 cm genügt die Gurtbeweh-


rung nicht allein zur Beschränkung der Biegerisse im Steg. Die am Zug-
rand beginnenden Risse werden nämlich z. T. über der Gurtbewehrung
aufhören und nur jeder dritte bis vierte Riß geht mit vergrößerter Riß-
breite nach oben (Bild 9. 13). Um diese groben Stegrisse zu vermeiden ,
müssen an den Stegseiten zusätzlich Längsstäbe im Abstand von 10 bis
20 cm angeordnet werden. Bügelmatten mit z. B. 15 cm Längsstababstand
verdienen den Vorzug. Bei sehr hohen Stegen wird die Steglängsbewehrung
nach oben gestaffelt (Bild 9. 14). Stäbe innerhalb einer Höhe von 0,2 d
vom Zugrand aus können zur Gurtbewehrung gerechnet werden, wenn ihre
Lage bei der wirksamen Höhe h berücksichtigt wird.

System, Belastung

10x P
I I I Querschnitt
des Trägers 70
r - -- - 10,9m ---~I<-

Ansicht des Trägers in Feldmitte

c )

Bild 9. 13 Breite Risse in hohen Stegen, wenn ausreichende Längsbe-


wehrung über dem Zuggurt fehlt, nach Versuchsergebnis
-,f-- -

I 20 '" 30 c m
;.

d 08 '" f/J 0
h -l( Bild 9. 14 Hohe Stege (h - x> 50 cm)
)'
10 " 20cm sind in der Zugzone auch über dem
)
Gurt längs zu bewehren (Beispiel),
0 16
-0,2 d
f/J 20 Stababstände ergeben sich aus dem
-.I<-- Nachweis der Rißbreitenbeschränkung
I, 025
130 9, Balken und Plattenbalken

Müssen für hohe Anforderungen die Stegrißbreiten im Steg besonders


klein gehalten werden, so wird der Steg in Abschnitte unterteilt, für die
der Längsbewehrungsprozentsatz nach [1 d], Abschn. Rissebeschränkung,
jeweils bestimmt wird. Der Längsbewehrungsprozentsatz sollte dann,
bezogen auf die von dieser Bewehrung zu sichernde Stegfläche b o ' t:. d,
im Steg 0,15 % nicht unterschreiten,

9.4 Besonderheiten bei Plattenbalken

9.4. 1 Verteilung der Gurtbewehrung bei Plattenbalken

Bei Gurtplatten, die in der Zugzone liegen, führt eine Konzentration der
ZuggurtbewehrWlg innerhalb der Stegbreite zu breiten Rissen in der Plat-
te (Bild 9.15 b). Werden jedoch 40 bis 80 % der Gurtbewehrung zu bei-
den Seiten des Stegs in die Platte gelegt, so ergibt sich ein günstigeres
Rißbild (Bild 9.15 a) Wld geringere Rißbreiten (Bild 9.15 cl, wenn dabei
keine zu dicken Stäbe verwendet werden (~ ~ 1/8 Plattendicke). Durch
die seitliche AnordnWlg der Stäbe erhält man außerdem einen größeren
inneren Hebelarm, kürzere VerankerWlgslängen beim Abstufen der Stä-
be in der Platte, geringere VerbundspannWlgen Tl und die Möglichkeit,
Rüttellücken leichter anordnen zu können (Bild 9. 16).

Ansicht
0)

Drauf sicht
Balken

Querschni tt

b) Draufsicht

I ~B I
Balken 2

Querschnitt

cl 80
Vi I Fe; 10,3 cm 2
,........, E I
~ I __ HS 5 -
E 60 u

V
::::J
E
~
e I
"0

"> 40 ~y
........
~ V I
Fe = 10,2 cm 2
'Gi
.0
CD 20
/ I
1 - - .-
V
er
/ >----0-- --I
I
o
o 10 20 30 40 50
Last 2 P [Mp]

LS
Bild 9.15 Rißbilder in Platten von durchlaufenden Plattenbalken
a) undblnach [57a], cl nach [57b]
9.4 Besonderheiten bei Plattenbalken 131

c) Grundriß
a) ungünstig b) günstig

T
d
...,j.-

I
h
aus Auf -
biegungen
alle Stäbe
gerade Fe

L~~""
Bild 9. 16
Druck zone Druckzone

40 bis 80 % der Zuggurtbewehrung in die Platte legen


Auflager

9.4.2 Anschlußbewehrung für Gurtplatten oder Flansche

Bei Plattenbalken oder Hohlkästen müssen die außerhalb des Steges lie-
genden Teile der Zug- oder Druckgurte an den Steg schubfest angeschlos-
sen werden (Bild 9. 17). Die erforderliche horizontale Anschlußbeweh-
rung wird mit Hilfe der Fachwerkanalogie unter Annahme von 45 0 Druck-
streben bestimmt (Bild 9. 16 c) und [1 a, 8.6 J. Die außen liegenden Stä-
be werden entsprechend länger als bei Lage im Steg. Diese Querbeweh-
rung ersetzt gleichzeitig das Schließen der Bügel im Bereich negativer
Momente (vgl. Abschn. 9.2.1), wenn sie auf der Ober- und Unterseite
der Gurtplatte durchgeführt wird.

Ein rechnerischer Nachweis der Anschlußbewehrung ist nach DIN 1045


nicht notwendig, wenn ihr Querschnitt mindestens gleich der Hälfte des
Gesamtquerschnitts der Bügelbewehrung des Steges ist und die Stäbe im
gleichen Abstand wie die Bügel liegen.

Anschluß von Gurtplatten mit Querbiegung siehe Seite 209.

9.4. 3 Einleitung von Querbiegemomenten in den Steg

Werden die anschließenden Plattenteile gleichzeitig auf Biegung und Schub-


fluß aus Q oder MT beansprucht, so sind genau genommen die für Querbie-
gung nötigen Querbewehrungen zur Anschlußbewehrung nach Abschn. 9.4.2
zu addieren. Da häufig die max. Bewehrungsanteile aus verschiedenen
Lastfällen herrühren und keine Wahrscheinlichkeit besteht, daß diese
gleichzeitig auftreten, genügt es in der Regel, die Bewehrung für den
größeren Anteil allein, eventuell mit einem Zuschlag, einzulegen.

Treten rechts und links des Steges unterschiedliche Biegemomente in den


Plattenteilen auf, dann muß das Differenzmoment lIM in den Steg einge-
leitet werden. Bei kleinem 1I M genügt dafür bei geschlossenen Bügeln
häufig die Übergreifungslänge am oberen horizontalen Bügelschenkel, bei
größeren r::, M oder oben offenen Bügeln muß die Biegebewehrung für r::, M
aus den Plattenteilen in den Steg abgebogen, im Steg ausreichend veran-
kert oder an die Bügelbewehrung durch Übergreifung angeschlossen werden.

Die Bügel werden damit auch aus der Querbiegung der Platte beansprucht;
eine Überlagerung mit der Beanspruchung aus max. Querkraft wird meist
nicht erforderlich, weil auch hier verschiedene Lastfälle maßgebend sind.
132 9. Balken und Plattenbalken

quergespannte durch·
aJ Platte in der Druckzone Platte in der Zugzone
laufende Platte

bel hochbelasteten Balken


te fur f., 0 oder !J. Z
fe fur Querbiegung und
nach [101 Abschn 8 6
b.Z oder b.o
bl

r~
o der

T
oder

o
oder
wechselweise

oder
dünne
Flanschbügel od~r Matten
r"/",
I I /'.x.
~~
Bild 9.17 Anschlußbewehrung für Druck- oder Zuggurtplatten bei Plat-
tenbalken (a) und mögliche Formen bei verschiedenen Querschnitten (b)

9.5 Einfeldrige schlanke Balken (I/h ~ 8)

Bei einfeldrigen Balken unter Gleichlast lohnt öich bei m ä ß i ger Be a n -


spruchung die Abstufung der Längsbewehrung meist nicht (Bild 9. 18).
Auch die Schubbewehrung mit Bügeln, oder besser mit Bügelmatten, wird
über die Balkenlänge gleichmäßig verteilt. Bei höheren Schubspannungen
kann sie zwei- oder dreimal abgestuft werden.

Bei s t ä r k e r b e ans p r u c h t e n Balken, (Mindestbalkenhöhe d o = 45 cm


für T 0 > T 02' DIN 1045, Tab. 14), meist Plattenbalken, kann besonders
bei Einzellasten eine Abstufung der Längsbewehrung zweckmäßig sein.
9. 5 Einfeldrige schlanke Balken, ejh ~ 8 133

Eine gute Abstufung ist aber nur möglich, wenn die Stabdurchmesser
nicht zu grob gewählt wurden, so daß für den Gurt im Beispiel Bild 9. 19
mindestens 5 Stäbe (2 ~ 20 + 3 ~ 14) vorhanden sind. Bei mittleren Schub-
spannungen kann man mit geraden (Bild 9. 19 a), bei hohen Schubspannun-
gen mit aufgebogenen Stäben abstufen (Bild 9. 19 b).

In der Ausführung sind aufgebogene Stäbe aufwendig, weshalb sie nur dann
gewählt werden sollten, wenn eine Bügelbewehrung allein zu allzu engem
Bügelabstand führen würde. Aufbiegungen sind in einer Entfernung <2 h
von der rechnerischen Auflagerlinie aus weder zum Abstufen noch zur
Schubsicherung brauchbar. Zum Abfangen der Druckstreben weiter weg
liegender Aufbiegungen sollten in diesem Bereich reichlich Bügel ange-
ordnet werden (vgl. Bild 9. 12 und 9. 19 b). Aufgebogene Stäbe sollten im
Querschnitt möglichst symmetrisch und keinesfalls am Rand liegen.

Abstufen mit geraden Stäben begünstigt die Wahl sehr dünner Stege, wo-
bei auch hohe Schubspannungen mit Bügelmatten abgedeckt werden können.

, I I I • I I L I I I

nlCht abgestuft Verankeru ng nach


Abschn i tt 7. 2. 1
I ~ 8h

Bild 9. 18 Bei mäßig beanspruchten Balken unter Gleichlast lohnt sich


die Abstufung bei wenigen Längsstäben nicht

a) + b)

'IJ~
Verankerung
I) 11 1111 1 I 1
:: 1/3 Fe
~ 1 :=t=t=1I ~
Fe I'
1 11?<~
" ":vr~~
r:n=:r - 11>

1/3 Fe
nach Abschn. 7. 2.1 es:: 2 h

I
! ~rl
:
I
I
I ~ao '
1----1 . : ~
lt°. Clat
6

l ~aolM 1S:'11.1-y ~ ~~
f=r M
__________________
::~
~2~g~ i
20
V dV ~~_~~Ch
; "______________________ __ A bschn. 6. 5

Bild 9.19 Abstufung der Gurtbewehrung mit geraden Stabenden (a) oder
durch Aufbiegungen (b)
134 9. Balken und Plattenbalken

9.6 Durchlaufende schlanke Balken (I/h ~ 8)

Die Feldbereiche werden nach Abschn. 9.6 bewehrt. In den Stützberei-


chen muß der ungünstigere Verbund für die Gurtbewehrung beachtet wer-
den, die fast immer abgestuft werden kann. Die Art der Abstufung hängt
jedoch sehr vom Lastbild ab. Sind z. B. die Zugkraftlinien des Feld- und
Stützbereichs durch verschiedene Lastfälle s tark gegeneinander verset zt,
so wird eine Abstufung mit geraden Stabenden empfohlen (Bild 9. 20). Das
Staffeln ist auch bei hohen Schubspannungen unbedenklich [56, S. 37 bis 42 ]
Dagegen können z. B. bei Einzellasten Aufbiegungen vom Feld zur Stütze
zu einer günstigen Abstufung in beiden Gurten führen, wobei die Aufbie-
gungen gleichzeitig zur Schubdeckung heran ge zo gen werden (Bild 9. 21).
Die aufgebogenen Stäbe dürfen aber nicht z u di c k sein und sollten im Ab-
stand es ~ h liegen. Sogenannte Hutstäbe (Bild 9. 22) sind zur Sc hubdek-
kung nahe der Stütze möglichst zu vermeiden, en ge Bügel im Bereich von
3 h wirken wesentlich besser. Die Lage der von beiden Feldern aufge-
bogenen Stäbe im Stüt zquerschnitt muß gründlich durchdacht werden. Der
Arbeitsaufwand für das Biegen und Verlegen aufgebo gener Stäbe sollte be-
achtet werden; die lohnsparende Abstufung mit geraden Stabenden kann
trotz größerem Stahl verbrauch billi ger sein!

Bei großen Schubspannungen sind besonder s bei dünnen hohen Ste gen
Schrägbügel zweckmäßig (Bild 9.23) . Die Bedingun gen na c h Bild 9. 7
müssen jedoch eingehalten werden.

Hut stob -,j'-- - - .. 3h


\

Hutstcibe ungünstig 7' '2: 1) 0 0 'f


IBn! I~lf! 100
besser enge Bügel

Bild 9.22 Hutförmige Schubzulagen nahe der Stütze sind wertlos, enge
Bügel im Stützbereich wirken besser.

..... --
I-- r-
' .~
V/
V
/

f-
~ I-
tr:A ~~
Längsstäbe

Bild 9.23 Dünne hohe Stege werden bei hoher Schubbeanspruchung und
hoher Anforderung an die Rissebes c hränkung z weckmäßig mit schiefen
Bügeln bewehrt
9.6 Durchlaufende schlanke Balken, ej h ~ 8 135

9n 250
9 St 42150
ao t- ® 2 ~ 18
~~__________t-~QD~S~4___'8__-__7_,3_0_m__l
- 16,50m
·
J obere , Längs -
bewehrung
(0 6 ~ 12 - 4, SOm
mit 00A
Lasten : 9 = 2,03 Mp/m ao~ t- ao
p = 3,26 Mp/m
I
I

Zugkraftdeckung

~------~ IO r-------~

®H 18 - 8,80m
untere Längs-
bewehrung
3 5 _ 18 - 8,85m
I mit ,009
Schubdecku n 9 (entsprechend Bild 9. 10 ) von Schubbewehrung I
"t [kp lern 2] aufnehmbares "t

*
/ , . ) '0,4
10 Bügelmatten
t 8,1
"t =
o
--a- ~ / /
bo ' z ./
8,8
I" ~
8
,""- 1B St 50/551
"t = ---.!L"t
'>( ~
I
I 6,0
"I'

=1
6 1 "'-
"'" ""-
"t 0 2 0
I ~,4
I
4 j 3,6
""-" / t'- ,
1
1
3 kp/cm2
~tb 1 1
2 V:I I

"*
I
I~
~Mindestbe­
I ! I
o 11 wehrung

--J;i
II
_~ cm 2
- 8 m
L ., 5,90
BüMa 116,e=15cm BüMalfl0,e=15cm '1
5,30
Bü Ma 96,e =1 5cm

Querschnitte Veranker u ng 5 längen


nach DIN 1045 18.3.2
in [cm 1
aO,A a O,8
1118 120 60
;16 107 54
Schnitt a -a ;12 80 40

+ 30 --.1-
Bild 9. 20 Abstufung der Längsbewehrung eines durchlaufenden Plattenbalkens mit geraden
Stabenden und Schubdeckung mit Bügelmatten
136 9. Balken und Plattenbalken

Stützquer schni tt
"r k~nn zeichnet
symmetrische Stäbe aus

PA
dem rechten Fel d
74 4r 5 Sr ~ftfi~rn~ir15r 54r 4 7
6 3 3r 3r 3 6 I .I
6 6 I I
Stablage

2 4 5 5 4 2
3 1 3

Zu 9 kraft deckung

7 (2)
ZAt
I v = 0,5 h

gleiche Stabform

® 2.0

da nach Abschn . 6 . 5

gedeckt durch
Schrägstäbe

S = (H-,QS)ff
Bild 9.21 Abstufung der Längsbewehrung eines Durchlauf trägers mit Rechteckquerschnitt mit
aufge bo genen Stäben
9.7 Schlanke Kragträger 137

9.7 Schlanke Kragträger

Kragträger (cantilever beam) werden meist mit geneigter Unterkante aus-


gebildet. Die Druckgurtkraft ist gegenüber dem Zuggurt geneigt und nimmt
einen Teil der Querkraft auf, so daß für die Bemessung der Schubbeweh-
rung die Querkraft um den Betrag M/h . tan y vermindert werden kann.
Wird dieser Abzug größer als der Abzug infolge verminderter Schubdek-
kung, dann sollte die Verminderung nicht zusätzlich vorgenommen wer-
den. Infolge der Abnahme der Nutzhöhe h nimmt die Zuggurtkraft Z we-
nig ab, entsprechend kann die Gurtbewehrung meist nicht oder erst nahe
am Ende des Kragträgers abgestuft werden (Bild 9.24).

mi t variablem e = 12 bis 5cm


Bü 0 10 Bü 0 10-----.j Sn 250, BSt 42/50
·I~
~ ~
.[=3 OMp

~I
11. ~ 20
f 11 1,0

-
.h [x)
W 80 Schni tt a- 0

I,
J
11
I ~
- i I
fY I
~a

~x
2m l
1
I
Sch nitl b-b
o
50

100

Z ugkraftdec kung_
ISO

[Mp ]

.. gut vfrankern 11,,20


gut verankern

maßgebende Quer'kraft

h/2

20 /
Bü~lO e :5cm

Schubdeckung_
15
hier noch DtN 101.5

10 Schubbereich 3
a
"{: 1 0 =-b-·-
5 o Zhd

o
Bild 9.24 Bewehrung schlanker Kragträger, Beispiel für hohe Einzellast
138 9. Balken und Plattenbalken

Abbiegungen lohnen sich kaum. Mindestens die Hälfte der Stäbe sollte bis
zum Ende geführt werden. Die ausreichende Verankerung und genaue Hö-
henlage der Bewehrung an der Einspannstelle ist wichtig. Trägt der Krag-
träger oben eine Platte, dann sollte die Gurtbewehrung nach Abschn. 9.4
auch auf die Platte verteilt werden.

9.8 Gedrungene Balken (2 ;;;; I/h < 8) und auflagernahe


Lasten

Bei nicht schlanken Balken (2 < e/h < 8) oder bei auflagernahen Lasten
(a/h < 2) nimmt die Schubtragfähigkeit durch Bogen- bzw. Sprengwerk-
wirkung zu, vgl. [1 a, Abschn. 8.4. 2. 2]. Dies wird bei der Bemessung
durch Abmindern der Querkraft nach [1 a, Abschn. 8. 5. 3. 5 bzw. 8.5.4 ]
berücksichtigt. Für die Tragfähigkeit ist ein ungeschwächtes und gut ver-
ankertes Zugband entscheidend, eine Abstufung wäre schädlich. Für die
Schubsicherung genügen Bügel (Bild 9.25). Die früher üblichen Aufbiegun-
gen unter 45 bis 60 0 sind ungeeignet. Steht eine große Einzellast nahe am
Auflager, so können horizontale Haarnadeln zweckmäßig sein (Bild 9. 26).

Bei hohen Trägern wird zusätzlich die Verteilungsbewehrung nach Ab-


schnitt 9.3 eingelegt (Bild 9.27).

Ankerkorper od. Ankerlänge

H
r
keine Abstufung p

L
Bild 9. 25 Für Lasten nahe am Auflager sind Aufbiegungen falsch, besser
Längsstäbe ungeschwächt durchführen und Schubsicherung nur mit Bügeln

Zugtra jE'ktoriE'n .J haa r nad E'lför mige


Or ucktrajektor itm I - -_ _ _ _ ~
"'} Bügel f ür Spalt zug

Bild 9.26 Spannungstrajektorien und Bewehrung für Last sehr nahe am


Auflager
9. 8 Gedrungene Bölken (2 :;§; e/h < 8) und auflagernahe Lasten 139

Einfeldtröger mit lIh < 8

Verteilungsbewehrung
}
nach 9.3
I

Keine Abstufun 9

Durchlauftröger mit l/h < 6

I I ! r-l-r -- '1--
I 1 I I

I j I .. ! I !
- ..l. -L.-
I

2\
I . I I I
-
3' F.,u FP ,U IF
3f ,U

für t ~l, . F.,o und F.,u zunehmend durchlaufen lassen

Bild 9. 27 Bei Trägern mit e/h < 8 ist es zweckmäßig, die Längsbeweh-
rung oben und unten weitgehend durchzuführen, Aufbiegungen sind hier
wertlos

9.9 Mittelbare Lasteintragung oder mittelbare Lagerung von


Balken

Stahlbetonbalken geben ihre Lasten am Auflager bevorzugt über Druck-


streben ab. Daran ändert sich wenig, wenn beim Anschluß eines last-
bringenden Balkens I an den lastabnehmenden Balken II aufgebogene Stä-
be eingebaut werden, weil diese im Vergleich zu den Betondruckstreben
viel weniger dehn steif sind (Bild 9.28). Die in der Druckstrebe unten an-
kommende Last muß nun in den Balken II eingeleitet werden (indirect bea-
ring). Die Fachwerkanalogie (Bild 9.29) zeigt, daß dazu ein Zugstab zum
Aufhängen der Last in die Druckglieder des Balkens II nötig ist [58 Die J.
entsprechende "Aufhängebewehrung" (hanging up reinforcement) wird am
besten aus Bügeln gebildet, die die Längsbewehrung des Balkens n um-
schließen und oben gut verankert sein müssen, Sie ist für d I / d n . AI zu
bemessen und soll möglichst nah am Balkenanschluß liegen (Bild 9. 30).
Bei großen Lasten darf die Aufhängebewehrung auf den in Bild 9.31 ge-
kennzeichneten Bereich verteilt werden. Zusätzliche Schubbewehrung ist
in diesem Bereich nicht nötig, was sich aus der Fachwerkanalogie ergibt.
Die Aufhängebewehrung darf jedoch nicht geringer als die erforderliche
Schubbewehrung werden. Die untere Gurtbewehrung des Balkens I muß im
Steg des Balkens II für Z A verankert sein und über der Gurtbewehrung des
Balkens n liegen. Wenn gerade Ankerlängen nicht ausreichen (Bild 7.9),
dann sind liegende oder geneigte Haken günstiger als vertikal stehende,
an denen sich bevorzugt Biegerisse im Balken II bilden würden (Bild 4.5) .
140 9. Balken und Plattenbalken

a) falsche b) tatsQchliche
Annahme Wirkung

1/2 A

1/2 A

Bild 9.28 Stahlbetonbalken geben ihre Lasten auch bei mittelbarer La-
gerung bevorzugt über Druckstreben unten ab, die über Bügel in die Druck-
zone des Balkens II eingeleitet werden müssen.

System

Detail A

D = Druck
Z = Zug

Fachwerk -
modell

Bild 9.29 Die Fachwerkanalogie zeigt, daß der im Punkt Amittelbar


gelagerte Balken I durch "Aufhängebewehrung" für die Kraft H v an den
Balken II angeschlossen werden muß.
9.9 Mittelbare Lasteintragung oder mittelbare Lagerung von Balken 141

0) Verankerung nach Tab . 7. 2


Schnitt 0-0
,

®
I /.
I '
~

Aufhöngebügel für
System
dI
AI ' -
dn

b)
~o , Schnitt a - a
,
, ·z
, ,
:z,

~ v~ '
:/.1/
~~ ,
® ~I /.
, },
pf~~ \

Aufh ä ngeb ü ge l fü r
System dr
AI ' -
dn

Bild 9.30 Aufhängebügel im Balken n für die Auflagerkraft A· dr / d n


des lastbringenden mittelbar gelagerten Balkens r

dl/2 -+--- d 1 12 -+ Balken


<? bz/Z <?. bZ/Z I

Kreuzungsbereich

d 1 • d 2 Höhe der
Balken 2 Balken

Bild 9.31 Die Aufhängebewehrung darf im schraffierten Bereich verteilt


werden
142 9. Balken und Plattenbalken

Bei dünnen hohen Stegen können im Hinblick auf ein günstiges Rißbild zu-
sätzlich 50 bis 60 0 -Bügel im Balken I und auch aufgebogene Stäbe im
Balken II zweckmäßig sein, siehe Abschn. 12. 3.

D eck eng lei c h e Un t erz ü ge (beams within slabs) in Rippendecken


oder Massivplatten sind mittelbar belastet; die äußeren Bügelschenkel
müssen daher zusätzlich zur Schubbewehrung als Aufhängebewehrung be-
messen werden (Bild 9.32). Wesentlich ist hier, daß die untere Feldbe-
wehrung der Rippen auf die Gurtbewehrung des Unterzuges verlegt wer-
den muß, also in die 3. Lage von unten.

Bei deckengleichen Unterzügen ist deren Nachgiebigkeit bei den Schnitt-


kräften der auf ihnen gelagerten Decke zu beachten; sie sind keine star-
ren Auflager!, Feldmomente der Decke werden dadurch größer, stütz-
momente kleiner!

Bei Überzügen (upstand beams) oder Hohlkasten sind die unteren Plat-
ten als angehängte Lasten zu behandeln. Als Beispiel ist in Bild 9.33 eine
Kragplatte an einem Überzug gezeigt.

a) Rippendecken
b) Massivdecken

L Unterzug n L
... ). UnterZl:g
Stöbe von I über Stabe Bügeln
enge Aufhängebügel
Plattenbewehrung

Bild 9.32 In deckengleichen Unterzügen müssen die unteren Stäbe in


Querrichtung über die Hauptbewehrung des Unterzugs gelegt werden -
auch zum Aufhängen der Deckenlasten bemessen

tür Aufhängung

o;,h' Q""h'/
"
C
angehängte Kragplatte

Bild 9.33 Kragplatte an Überzug angehängt

9.10 Angehängte Lasten

Da Beton ungeeignet ist, Zug zu übertragen, müssen unten angehängte La-


sten mit Zugstangen oben zur Wirkung gebracht werden. Geeignet sind
dazu runde Stahlstäbe ohne Verbund mit Korrosionsschutzanstrich, die
am oberen Ende Ankerplatten, Haken oder Schlaufen haben (Bild 9.34).
Am besten spannt man die reichlich bemessenen Zugstangen durch An-
ziehen der unteren Muttern für etwa 1, 2 P so stark vor, daß die Dehnung
des Stahlstabes unter der angehängten Last P auch nach Schwinden und
Kriechen des Betons vorweggenommen ist; dies ist besonders bei ange-
hängten Kranbahnen erwünscht.
9.11 Abgesetzte Auflager 143

Werden bei I-Balken Lasten über die unteren Flansche eingetragen, so


muß der Flansch und seine Bewehrung nach Bild 12.11 ausgebildet werden.

~ 0 Ankerkorper oder Ankerplatten

I i. TI
. I I
:~
SChnitt b - b
Schnitt 0 - 0

Bild 9. 34 Eintragung unten angehängter Lasten mit glatten Stäben,


oben verankert, damit Last von oben wirkt.

9.11 Abgesetzte Auflager

An abgesetzten Auflagern (recessed bearings, stepped beams) entsteht in


der einspringenden Ecke ein schräg nach oben verlaufender Riß, dessen
Breite nur dann im zulässigen Bereich bleibt, wenn die nahe am Rand lie-
genden Aufhängestäbe ausreichend bemessen und in der Zone über dem Riß
schlupffrei verankert sind. Diese Stäbe müssen in der Lage sein, die vol-
le Querkraft vom Balken in die Druckzone der Auflagerkonsole einzuhängen.
Die Wahl der Bewehrung nach Durchmesser, Zahl und Form hängt stark von
dem Verhältnis d k : d, Konsolhöhe zu Balkenhöhe, ab. Prinzipielle Beweh-
rungsmöglichkeiten sind in Bild 9. 35 dargestellt. Gurtstäbe des Balkens
CD Haarnadeln zusötzl,che Schrögbügel

t
wenn sehr kleine Riß-
( breite erreicht werden soll

rt==F=;i~~~~1
d

Auf hänge -
bügel ~~JCD C
____ Schlaufen zur Ver-
ankerung des Zuggurtes
mit Ankerkörper als Auf-
Anker körper
I
hängebewehrung wirksam

t~~l
d

gegen Aufspalten
Bild 9.35 Mögliche Bewehrungsformen für abgesetzte Auflager
144 9. Balken und Plattenbalken

sollten nur dann in die Konsole aufgebogen werden, wenn sie keinen zu
großen Durchmesser haben und kurze Verankerungslängen, z. B. durch
Ankerkörper [92J, möglich sind. Falsche Verankerungen zeigt Bild 9.36.

Die Kräfte in der konsolartigen Auflagerzone können bei Abmessungen


0,5 < al d k < 0,8 (unter Berücksichtigung ungünstiger Toleranzen) mit
Fachwerkmodellen bestimmt werden (Bild 9.37). Die horizontale Gurt-
bewehrung der Konsole wird ohne Berücksichtigung schräg aufgebogener
Stäbe für die Kraft ZA bemessen und muß in der Konsole auf kurze Län-
ge (liegende Schlaufen oder Ankerkörper) verankert und im Balken bis in
die erste dortige Druckstrebe geführt werden (Bild 9.35). In der Regel
treten am Lager auch Horizontalkräfte H durch Behinderung der Längs-
verformung der Träger auf, so daß der Gurt für ZA + H bemessen werden
muß. Müssen die konsolartigen Auflager ausnahmsweise schlanker ausge-
führt werden, so müssen sie als mittelbar gelagerte Kragarme auf Biegung
und Querkraft bemessen werden. Die Zuggurtbewehrung muß auch dann
nach Bild 9.35 verankert werden. Die Aufhängebewehrung muß hierbei
die letzte Druckstrebe eines gedachten Fachwerks auch im Kragarm ein-
wandfrei aufnehmen können.

Die Druckstrebenkräfte des Balkens und der Konsole bedingen eine Auf-
hängebewehrung für die Zugkraft der Größe A. Damit die vom Auf-
lager kommende Druckstrebe gut abgefangen wird, sollte die Aufhängebe-
wehrung mindestens aus zwei Bügeln bestehen, die nahe der einspringenden
Ecke innerhalb einer Länge von höchstens 0,5 d k angeordnet werden. Sind di
Verankerungs bedingungen für diese Bügel ungünstig (z. B. durch geringe
Höhe der Konsole), so müssen dünne Stäbe gewählt und diese mit vermin-
derter Stahlspannung ( ~ 0,8 ßsi v) bemessen werden. Die Druckstreben-
kraft des Balkens muß durch die Verankerung des Zuggurtes auf kurze Län-
ge ( :5 0,5 d k ) in die Aufhängebewehrung umgeleitet werden, was bei gerade

verboten!

p
o.::.;~

als Aufhänge -
bewe hrung
nicht i
funkt ionsfähig ~

Bild 9.36 Aufgebogene dicke Gurtstäbe lassen sich in konsolartigen Auf-


lagern nicht ohne Ankerplatten verankern

A
Z,=--+H
tan a

F2~,.. Konsolbewehrun

1°+1 ~~7
. Schwerl inie der
Aufhl1ngebewenrung
für diese Kraft

< O.25d k

Bild 9.37 Kräfte in der Konsole abgesetzter Auflager


9. 11 Abgesetzte Auflager 145

endender Gurtbewehrung nur mit zusätzlichen horizontalen Schlaufen


(Bild 9.35) oder z. B. mit Ankerplatten möglich ist.
Die Aufuängebewehrung kann um den Anteil vermindert werden, der sich
aus der Vertikalkomponente einwandfrei verankerter aufgebogener Stäbe
ergibt. Die Druckstrebenkraft zum Auflager hin wird dadurch verringert
und damit auch die Kraft in der Horizontalen Gurtbewehrung der Konsole;
wird kein genauer Nachweis nach [92J geführt, sollte sie für ZA + H be-
messen werden.
Bei Gerberträgern mit abgesetzten Auflagern im Kragarm wird der last-
nehmende Balkenteil entsprechend bewehrt.

Werden Plattenbalken (z. B. TI-Platten) nur an der ausgekragten dün-


nen Platte aufgelagert, so darf nur b L als wirksame Breite für den Schub-
nachweis angesetzt werden, weil die Druckstrebenkräfte nur von der im
Steg liegenden Aufhängebewehrung aufgenommen werden. Werden für Son-
derbewehrungen (z. B. nach Bild 9.39) keine besonderen Nachweisversuche
durchgeführt, so empfiehlt es sich, den Steg nur etwa auf 2/3 seiner Höhe
auszuklinken, damit die Krafteinleitung innerhalb der Stegbreite bleiben
kann (Bild 9. 38) und genügend Höhe für die Verankerung der Bewehrungen
nach Bild 9. 35 vorhanden ist. [92 J
a) Auflagerung mit auskragender Platte Lagerbreite

d k ::: 10 cm
Sonder bewehrung
1: ....."Z!ZJ"I- - - -- - -----j

erforderlich

!
b) besser Auflagerung Im Steg Lagerbre i te

dk~20,m
Bewehrung
Bild 9 . 35

Bild 9.38 Abgesetzte Auflager bei Plattenbalken

Bohrungen L = 100/65111

H1B

Bild 9. 39 Sonderform der Konsolbewehrung bei Plattenbalken nach [59] u. [92 ]


146 9. Balken und Plattenbalken

9.12 Balken mit Öffnungen im Steg

Aussparungen für Leitungen etc. in Balkenstegen dürfen im Querkrafts-


bereich nur so angeordnet werden, daß wichtige Druckstreben oder genü-
gend steife geschlossene Rahmen verbleiben (Bild 9.40 a-c). Im Bereich
kleiner Querkräfte sind auch ziemlich lange Stegaussparungen möglich
(Bild 9.40 d). Kreisrunde Öffnungen sind günstiger als eckige, Ecken sind
möglichst auszurunden. Aussparungen länger als 0,6 d o müssen bei der
Bemessung berücksichtigt werden. Im Bereich solch langer Öffnungen ver-
hält sich der Balken rahmenartig, ähnlich wie ein Vierendeelträger. Ver-
suche an Rechteckbalken [60] zeigten, daß bei entsprechender Bewehrung
dieselbe Biege -Bruchlast erreicht wird wie bei Balken ohne Öffnung. Die
Öffnung vermindert jedoch die Steifigkeit des Trägers.

Für die Bemessung werden folgende Regeln empfohlen (Bezeichnungen


s. Bild 9. 41):

1. Bemessung auf Biegung im Schnitt m - m für vollen Querschnitt;


2. Längskräfte in den Gurten ( = Teile über und unter der Öffnung):

M
m
(-)D=Z= mit z Achsabstand der Gurte;
z

3. Querkräfte in den Gurten:


der gedrückte Obergurt nimmt den größten Teil der Querkraft Qm
auf (Zuggurt: Zustand II! ) :

Q(oben) = (0,8 bis 0,9) Q Q (unten) = (0,2 bis 0, 1) Q ,


m m

entsprechende Bügel in den Gurten vorsehen;


4. Gurte sind auf Biegung mit Normalkraft zu bemessen:

e
I
l
max M(oben) = + Q(oben) . ~ max M(unten) = +_ Q (unten)
Gurt - 2 Gurt 2

N(oben) = D, N(unten) = Z ;
5. neben der Öffnung Aufhängebewehrung auf der auflagerfernen Seite an-
ordnen: bemessen für etwa 0,8 Qm; auf der Auflagerseite nur 1 bis 3
Bügel
6. bei" großen" Balken zusätzlich Schrägstäbe an den einspringenden Ek-
ken einlegen (in Bild 9.41 gestrichelt).

al bl c)
~\IIIIIIIIIIIIIII ~\lIIIIIIIIIIIIWJIIIIII

/Wb
~\IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII'I'IIII'

~ ,/ 0 ,/
~ >-

~
,~ .~ ,$

d) - Q kle i n ---I

2S
r
Bild 9.40 Balken mit Öffnungen im Steg
9. 12 Balken mit Öffnungen im Steg 147

l l l l l l I I I I I I 1111 1111 I 11 11
!m ~
1-,
,, 111

r
1111111l1! ~J
I
i J ,
1
h

IL
D.
r'J J
.
j I I I "
J
f - - -- -

Bild 9.41 Bewehrung von Stegen mit Rechtecköffnungen

Für Balken mit mehreren nebeneinander liegenden Kreisöffnungen im Steg


sollte der Abstand der Öffnungen so gewählt werden, daß sich etwa ein
Fachwerk mit sich kreuzenden Zug- und Druckstreben ausbilden kann. Als
ergänzende Schubbewehrung eignen sich dann V-förmige Stäbe (Bild 9.42).

2 Sem

Bild 9.42 Zusatzbewehrung bei Balken mit Kreisöffnungen

9.13 Balken mit Torsionsbeanspruchung

9.13.1 Reine Torsion

Das Verhalten torsionsbeanspruchter Stäbe ist in [1 a, Abschn. 5. 3 und 9 ]


beschrieben. Für die bei reiner Torsion entstehenden, wendelartig unter
45 0 um den Umfang verlaufenden Zugkräfte wären unter 45 0 zur Stabachse
geneigte Wendelstäbe am günstigsten. Da sie sich bei Balken mit Vollquer-
schnitten schlecht verwirklichen lassen, wird eine orthogonale Netzbeweh-
rung aus Längsstäben und Bügeln bevorzugt. Der erforderliche Stahlquer-
schnitt wird nach [1 a, Abschn. 9.5] berechnet.

Die Längsbewehrung kann bei Rechteckquerschnitten mit bund d ~ 40 cm


in den Ecken z. B. in Form von je einem Eckstab konzentriert werden.
Ansonsten ist die Längsbewehrung mit kleinen Stababständen (z. B. 10 bis
20 cm) auf den Umfang zu verteilen, damit die Rißbreiten klein gehalten
werden (Bild 9.43). Im Einleitungsbereich des Torsionsmomentes sind
die Längsstäbe gut zu verankern und bei Wölbbehinderung durc h Zulagen
(Länge etwa 2 h) zu verstärken, die auch bei größerem Längsstababstand
zum Abfangen aller Druckstreben dienen (Bild 9.44). Die Verankerungs-
länge beginnt an der Endscheibe.
148 9. Balken und Plattenbalken

b > 40 c m
b ;.;==f." A" Detail "AU
\
./ E
u

1~
kräftige Eckstä b e

Bild 9.43 Anordnung der Längsbewehrung bei Torsion

lei lansicht
- - . -- -- -- - l
r- - ~

"

System I

/ ";;

ulI
zusätzlIche
Wand bewehru ng I~
zur Einlellung
der Torsion
<~< ' .. -"
I
I
" : I
Wände I
L - ---- - -_- .. --4-- - ._ -_. ___ v

Schnitt Q-Q (bel dünner Wand) SchniH Q-Q (bel dicker wand)

~
IiI Träger Träger
I I

- -
.I.
K. / / / / / Vv
/ // / / /
V .I / / / / v
V // / / / / /

rI eei dicker Wand oder

,li bei überstehendem Träg er -


ende Verankerung mit ge-
l i,
Verankerung m i t Anker -
ili körper oder Sch laufen raden Slabenden mögl;c h

Bild 9.44 Im Einleitungsbereich der Torsion alle Druckstreben durch


gut verankerte Längsstäbe abfangen
9.13 Balken mit Torsionsbeanspruchung 149

Die Querbewehrung wird bei Vollquerschnitten aus geschlossenen Bügeln


gebildet. Als Stoß genügen sich übergreifende Haken nach Bild 9.45 a [61].
Das Überlappen der Bügelschenkel nach DIN 1045 (vgl. Bild 9.45 b) ist
mit Übergreifung ohne Haken nicht nötig oder bei engem Bügelabstand so-
gar schädlich, weil im Versuch die Betondeckung vorzeitig abplatzt. Es
können auch Bügelmatten verwendet werden (Bild 9. 45 cl. Jeder Torsions-
schubriß muß mindestens von einem Bügel gekreuzt werden. Versuche
zeigten, daß bei hoher Torsionsbeanspru c hung kleinere Bügelabstände oder
ein dicker steifer Eckstab (~L ~ 1/ 12 eBü) notwendig ist, damit ein vor-
zeitiges Ausbrechen der Betonkanten infolge der Umlenkkräfte der Druck-
streben vermieden wird (Bild 9.46).

Nach DIN 1045, Abschn. 18. 8 sind etwa folgende Bügelabstände einzuhal-
ten

TT ~ 0,7 T e Bü ;§ 0,5 b ~ 20 cm
02

TT > 0,7 T e Bü ~ 0,3 b ;§ 10 cm


02

Ist nur die Mindestbewehrung nach [1 a, Abschn. 9.6.2.1] erforderlich,


so genügt (abweichend von DIN 1045) bei Balken größerer Abmessungen
(b > 40 cm) ein Bügelabstand e Bü ~ 0,5 b ~ 30 cm.

a b c
HakenstoB , wechselseit i g unnötig und un- bei Bügelmatten keine
bei engem Bügelabstand günstig zum Be- SchweiBknoten im Eck-
tonieren bereich

Bild 9.45
D
Bügelformen für Torsion

Umlenkung der Torsionsein -


, spannung

au s brechende
Ecke
Bild 9.46 Enger Bügelabstand oder steife
Eckstäbe verhindern bei Torsion das Aus-
brechen der Eckkante infolge Umlenkung
der Druckstreben
150 9. Balken und Plattenbalken

Bei zusammengesetzten Querschnitten (L, T, 1) muß die Querbeweh-


rung den ganzen Umfang einfassen und an einspringenden Ecken durch
sich überkreuzende Verankerung gesichert sein (Bild 9.47). Die oben
genannten Mindestbügelabstände brauchen für die Schmalseiten schlanker
abstehender Querschnittsteile (d < 10 cm) nicht unbedingt eingehalten
werden, da der Hauptteil der Torsion vom größeren Querschni ttsteil auf-
genommen wird.

Bei Kreis - oder Kreisringquerschnitten ist bei Torsion mit einseitigem


Drehsinn eine 45 0 Wendelbewehrung sinnvoll, man achte aber auf die
richtige Zugrichtung! (Bild 9.48).

L L X
gu;__v_e_ra_n_k_~e_r_n____')J' X

Bild 9.47 Torsion an zusammengesetzten Querschnitten bedingt Quer-


bewehrung am ganzen Umfang

Schnitt 0 -0
~o

schwache Löngsstöbe
~o zur Montage

Bild 9.48 Bei Kreisquerschnitten mit einsinniger Torsion Richtung der


Wendelbewehrung nicht verwechseln

Bei Hohlkästen kann die Quer- und Längsbewehrung auf die Außen-
und Innenseiten der Wände verteilt werden, sofern diese nicht dicker sind
als b/6. Bei dickeren Wänden dürfen Bewehrungen an den Innenseiten
nicht mehr zur Aufnahme von Torsion herangezogen werden (Bild 9.49).
Für ausreichende Verankerung, besonders der inneren Querstäbe (Bügel)
an den Ecken, ist zu sorgen.

Bei sehr hoher Torsionsbeanspruchung, z. B. von Hohlkästen ist entweder


Vorspannung zur Verhütung des Abfalles der Torsionssteifigkeit im Zu-
stand II oder eine Querbewehrung mit 45 0 und 135 0 zu empfehlen, die sich
bei Hohlkästen sowohl in den Stegen als auch in den Platten leicht verwirk-
lichen lassen. Die Beanspruchung der Druckstreben geht dadurch auf etwa
60 % zurück, entsprechend auch die Verformung [62 J.
9. 13 Balken mit Torsionsbeanspruchung 151

rb
Haken
nach
innen

L~~
Varia nIe
(
innere Bewehrung wirksam

mögliche innerl' Bl'-


Wl'hrung nur anrechen-
bar auf Querkraftschub

Kragarm A"
~~~~~~~~~~--t
t
~~~~~~~~~~--+

Bild 9.49 Torsionsbeweh-


Detail" A " rung bei Hohlkästen

9.13.2.Kombinierte Beanspruchung durch Torsion, Querkraft und Biegung

Die Längs- und Querbewehrung darf für jeden Lastfall jeweils getrennt
für Torsion, Querkraft und Biegung berechnet und dann addiert werden
(vgl. [1 a, Abschn. 9.6.2 J). Bei der Überlagerung der erf. Bügelquer-
schnitte darf nur der Querschnitt ein e s Schenkels der Querkraftbügel
angerechnet werden. Die Schubbewehrung für Querkraft kann auch für
verminderte Schubdeckung in Form von Bügeln oder aufgebogenen Stäben
zugelegt werden. Die Torsion muß jedoch voll abgedeckt werden.

Versuche zeigten [63J, daß eine für Torsion allein zu starke Längsbe-
wehrung, wie sie für Biegung nötig sein wird, eine Abminderung der Tor-
sionsbügelbewehrung erlaubt. Davon sollte aber nur in Ausnahmen Ge-
brauch gemacht werden, zudem die überschüssige Längsbewehrung meist
zum Auflager hin nicht durchgeführt wird. In Biegedruckzonen könnte die
für Torsion nötige Längsbewehrung entfallen oder abgemindert werden,
doch lohnt sich dies nur bei großen Tragwerken.

Entsteht Torsion nur aus Zwang und ist sie für das Gleichgewicht der
Kräfte nicht erforderlich, dann erübrigt sich im allgemeinen ein Nach-
weis. Es genügt dann eine konstruktiv sinnvolle Bewehrung.
10. Rippendecken, Kassettendecken und
Hohlplatten

10.1 Rippendecken

Unter Rippendecken (joist noors) werden Plattenbalkendecken verstan-


den (Bild 10.1), deren Rippen einen lichten Abstand von höchstens w =
100 cm haben, deren Platte eine Dicke von mindestens w/15 oder 5 cm
aufweist und die mit verteilten Nutzlasten von nicht mehr als 500 kp/cm 2
belastet werden (in DIN 1045 sind geringfügig abweichende Werte angege-
ben). Sind diese Bedingungen erfüllt, dann braucht die Platte nicht beson-
ders nachgewiesen zu werden, sofern konstruktive Regeln beachtet und
Querrippen nach DIN 1045, Abschn. 21. 2. 2. 3, angeordnet sind. Größere
Einzellasten über den Stegen (Rippen) sind zulässig; sind sie größer als
750 kp, dann müssen in ihrer Wirkungslinie Querrippen vorgesehen werden.

Rippendecken bieten den Vorteil geringen Eigengewichts bei großer Nutz-


höhe. Bei Schlankheiten von e/h R> 15 bis 25 eignen sie sich für Spann-
weiten von 5 bis 15 m. Sie sind durch Spezialschalungen wirtschaftlich.

Schalblech

-.I~L---+-_ _ W !Ö 100 c m _~L-~


~5cm (w!Ö70cm)

Bild 10.1 Rippendecke, Abmessungen (Klammerwerte nach DIN 1045)

In der Regel besteht die Längsbewehrung aus ein oder zwei Stäben ohne
Aufbiegungen, gegebenenfalls abgestuft. Die Bügel, möglichst als Matten,
können die in Bild 10.2 gezeigten Formen haben. Nach innen gehende Haken
oder obere Ankerstäbe erleichtern die Verwendung von Matten in der Deck-
platte. Bei Verkehrslasten bis zu 275 kp/ m 2 kann auf Bügel verzichtet wer-

al mögliche Form b) bessere Form c) Bügelmatte

obere nur wenn


Matte Druckzone
oben

Bild 10. 2 Bügel für Rippendecken


154 10. Rippendecken, Kassettendecken und Hohlplatten

den, wenn die Schubspannung T 0 ~ Toll (DIN 1045, Tab. 14, Zeile 1 b)
ist und die Längsstäbe (~ ~ 16 mm) bis zu den Auflagern ungestuft durch-
geführt werden. Auch in Bereichen reiner Biegerisse (M/Q h > 6) könnte
auf Bügel verzichtet werden; in DIN 1045 fehlt ein solcher Hinweis. Im
Bereich von Innenstützen oder wenn Feuerbeständigkeit verlangt ist, müs-
sen immer Bügel angeordnet werden. Die Plattenbewehrung kann oben
oder unten in der Platte liegen, weil die Platte zwischen den Rippen als
flaches Gewölbe mit Zugband trägt und nicht durch Biegemomente gefähr-
det wird (Bild 10.3). Im positiven Momentenbereich der Deckenplatte ge-
nügen 3 bis 4 dünne Stäbe je Meter quer zu den Rippen oder eine Matte
mit wenigen schwachen Längsstäben.

Bild 10.3
Gewölbewirkung in der
Platte von Rippendecken
bedingt oben- oder unten-
liegendes Zugband

Bei mehrfeldrigen Rippendecken ist die rechnungsmäßige Berücksichtigung


möglicher Momentenumlagerung besonders vorteilhaft, da bei Abminde-
rung der stütz momente auf eine örtliche Verdickung d€r Rippen häufig ver-
zichtet werden kann. Dabei sollte auch von der Momentenumlagerung Ge-
brauch gemacht werden, die sich durch Steifigkeitsänderungen im Zustand
II ergibt und größere Veränderung der Momente als 15 % (nach DIN 1045)
ermö~icht (Bild 10.4). Versuche ergaben, daß bei Bemessung für nur 50 %
des M St und für entsprechend vergrößerte Feldmomente die Traglast sol-
cher Plattenbalken höher wurde als bei der Bemessung für die nach Ela-
stizitätstheorie mit konstanter Steifigkeit E JI errechneten Stütz- und Feld-
momente.

Im Stützbereich darf zur Aufnahme der an der Unterseite der Stege wir-
kenden Druckkraft nur ein Teil der durchgeführten Feldbewehrung als
Druckbewehrung mit höchstens fl' = F~/bo' h ~ 1 % angerechnet werden.
Die Stützbewehrung wird am besten mit Matten auf die ganze Breite der
oberen Platte verteilt (Bild 10.5). Sie muß bei abgemindertem Stützen-
moment mindestens bis zum Momentennullpunkt für Eigengewicht nach Zu-
stand I reichen (Bild 10.4), falls nicht bei Nutzlast im Nachbarfeld nach
Momentenumlagerung die negativen Momente noch weiter in das Feld rei-
chen.

Querrippen werden etwa gleich hoch wie die Längsrippen ausgeführt und
erhalten eine untere Bewehrung mit gleichem Querschnitt wie die Längs-
rippen. Zur Aufnahme negativer Momente, die insbesondere bei ungleich-
förmig verteilten Lasten bzw. Einzellasten auftreten, sollten ca. 40 % der
unteren Bewehrung oben eingelegt werden.

Konst . EJ [
z .B

Bild 10.4
Große Momentenum-
lagerung mit Steifig-
keiten im Zustand II MII für Zust . [[ bei schwQcher Stützbewehrung
10.1 Rippendecken 155

Einachsig gespannte Rippendecke :


Lasten : 9 : 500 kp/m 2 Baustoffe : Sn 250
p : 500 kp/m 2 BSt 42/50 und SO/55

Längsschnitt

-.t't-'-------==-------'=---- 7,20 - - - - ' - - - , / ' - - - 8.40

mal< . MS = 6.55 Mpm/m


Momente
I Momenten -
um\agerung
. Bemessungsmome nt - - - - ---1'1
am Auflagerrand
I Mr : 4,6 Mpm/m

CII
'"
c.
u
"
' CII

mox . MF2 = 4.0 Mpm/m ----"'--;~


E
Obere Bewehrung ® Matte 100/250 - 8.5/5.0 ~
Vl
5,80 m
2001250 - 5.5/5.0

\
r- - --
Zugkraftdeckung
I
@I
I

Untere Bewehrung 1 014 ( 7.50 1 CD 1014 ( 8,701

10 1016 (6,001 CD 1 014 ( 6.00 1


~------ 50 ------~4
1
5.5/5.0

Schnitt Q - Q

Sewehrung der
31
Querr ippen ent-
sprechend den
Bügel matten Längsrippen
150/200 - 4.0/4.0 ..

Bild 10.5 Beispiel für die Bewehrung einer durchlaufenden Rippendecke


unter Ausnützung der Momentenumlagerung
156 10. Rippendecken, Kassettendecken und HOhlplatten

10.2 Kassettendecken

Kassettendecken (Bild 10.6) mit Rippen in zwei oder drei Richtungen (pa-
rallel oder unter einem Winkel zu den Rändern) eignen sich für allseitig
aufliegende Decken mit Spannweiten über 8 bis 10 m. Für die Deckplatte
kann wie bei Rippendecken nach Abschn. 10.1 der Nachweis für Biegung
und Schub nach unserer Ansicht entfallen, wenn sie mindestens 1/20 Wy
dick ist und wy "" 1,6 W x bzw. "" 1,0 m ist. Die Schnittgrößen für die Rip-
pen können für Trägerroste oder nach der Plattentheorie, jedoch 0 h n e
Berücksichtigung der Drillsteifigkeit, ermittelt werden. FÜr Rechteck-
platten können z. B. die Tafeln von Stiglat/Wippel (Betonkalender 1973,
S. 248) oder von Markus (Betonkalender 1968, S. 244) benützt werden.
Bei gleicher Rippenhöhe sind die unterschiedlichen Höhenlagen der Be-
wehrungen zu beachten. Die Schubbewehrung wird am einfachsten mit
kurzen Bügelmattenstücken ausgeführt, die an den Kreuzungspunkten un-
terbrochen sind.

0)

Ir·-----i"1 f----1 1
1----
· --i-I Bugel matt ens t ück e

b)
c) Dre ieck -
platten

Bild 10.6 Kassettendecken mit Rippen in zwei oder drei Richtungen


10. 2 Kassettendecken 157

Bei größeren Rippenabständen (w > 100 cm) lolmt es sich, für die Be-
messung der Deckplatte die von.? Schlaich [65] nachgewiesene Gewöl-
bewirkung auszunützen, weil dadurch für Innenfelder eine Verringerung
der Plattenbewehrung gegenüber der üblichen Biegebemessung bis zu
50 % möglich ist. Der am Rand verbleibende Gewölbeschub wird über Schei-
benwirkung aufgenommen, wozu in den Randgliedern (Randfelder oder ver-
stärkte Randrippen) Zugbänder in Form eines Ringankers in Höhe der
Deckplatte anzuordnen sind.

10.3 Hohlplatten

10.3.1 Einachsig gespannte Hohlplatten (Hohlräume in Spannrichtung)

Zwischen den kreisförmigen Hohlräumen genügen vertikale Bügel in den


Bereichen, die für Massivplatten in Abschn. 8. 2. 6 angegeben wurden. Die
Bügel sollen möglichst zwei der Gurtstäbe umschließen (Bild 10. 7~. Eine
lastverteilende Querrippe in €/2 ist bei Nutzlasten p > 300 kp / m zu
empfehlen.

Bild 10.7
U-förmige Bügel bei
einachsig gespannten
Hohlpla tten

10.3.2 Zweiachsig gespannte Hohlplatten

Die Richtlinien in Heft 213 des DAfStb. der Stuttgarter Arbeit von
H. Ast er sind zu beachten. Die Beanspruchung quer zu den runden Hohl-
räumen ergibt Spannungs spitzen an den Stellen, an denen 45 0 -Tangenten
die Hohlräume berühren, so daß 45 0 -Büge1 nach Bild 10.8 zweckmäßig
sind. Die entsprechende Bügelform ist schwierig einzubauen, wenn sie die
Gurtbewehrung umschließen soll. Tut sie das nicht, dann ist die Schub-
tragfähigkeit reduziert und kann nur durch Querrippen im Abstand von 2,5
bis 3 m sichergestellt werden. Auf die erforderliche obere zusätzliche Be-
wehrung quer zu den Hohlräumen im Auflagerbereich, auch bei frei dreh-
barer Lagerung, wird verwiesen.

~ Sem
Büge l form

Bild 10. 8 Empfohlene Bügelform bei zweiachsig gespannten Hohlplatten.


Die Bügel sollten einen Teil der Gurtbewehrung umschließen.
158 10. Rippendecken, Kassettendecken und Hohlplatten

10. 3. 3 Zweiachsig gespannte Hohlplatten mit quaderförmigen Schalkörpern

Gelegentlich werden anstelle von Kassettendecken Hohlplatten mit quader-


förmigen Schalkörpern z. B. aus geschäumtem Material ausgeführt. Diese
Hohlplatten haben durch die abschließende unter Platte eine wesentlich
größere Steifigkeit und erlauben das Verlegen der Plattenbewehrung in die
Hauptbeanspruchungsrichtungen. Die untere Platte wird betoniert, bevor
die Schalkörper eingelegt werden. Die Schnittgrößen können näherungswei-
se wie für eine Massivplatte ermittelt werden; in den Eckbereichen muß
entsprechend eine obere Bewehrung vorgesehen werden. Für die Anord-
nung der Bügel in den Rippen gilt das in Abschn. 10.2 Gesagte.

10.4 Weitere Deckenbauarten

In der Praxis sind viele verschiedenartige Deckenbauarten z. B. aus


Hohlziegelsteinen oder aus vorgefertigten Bälkchen mit dazwischen ge-
legten Hohlsteinen oder teilweise vorgefertigten Plattendecken nach
Bild 10.9 (vgl. Betonkalender 1972, 11. Teil, Abschnitt F) im Gebrauch,
die hier nicht näher behandelt werden. Sie weichen z. T. von den DIN-
Vorschriften ab und bedurften daher einer baurechtlichen Zulassung, die
beachtet werden muß.

a) biegesteife
Bewehrung
Hohlstein Or t beton

vorgefertigter Fuß

b)

"
/ Z

Fertigteilplatten als
Schalung (enthält
Hauptbewehrung) Querbewehrung am Sioll

Bild 10. 9 Häufig verwendete


Sonderformen für Decken:
a) Stahlbetondecke mit biege-
steifer Bewehrung
b} teilweise vorgefertigte
Hauptbewehrung Pla ttende cken
11. Rahmenecken

11. 1 Innerer Kräfteverlauf

Jede Richtungsänderung einer Tragwerksachse bedingt eine Umlenkung


der inneren Kräfte und damit Umlenkkräfte quer zur Achse, die das Span-
nungsbild gegenüber geraden Trägern völlig verändern. In stark gekrümm-
ten Trägern ist der Spannungsverlauf in einem Querschnitt nicht mehr li-
near sondern, wie E. Winkler schon 1858 gefunden hat [66], hyperbolisch
(Bild 11. 1):

M· Y d
(J = ~--::---"-:---~ mit r = (11. 1)
X b· d· e (r - y) o r
o en~
r.
1

Bild 11. 1 Spannungsverlauf in gekrümmten Trägern

Die Spannung wird am inneren Rand umso größer, je kleiner die innere
Ausrundung ri ist. Bei scharfer innerer Ecke (z. B. ri = r all 000) wird
r 0 "" d/7, (Ja = 2,4 M/b d 2 und (Ji theoretisch unendlich groß. Diese
S pan nun g s s pi t z e mindert die Tragfähigkeit von Rahmenecken ohne
innere Ausrundung bei hohen Bewehrungsgraden für negative Momente
(Zug außen). Die äußere Ecke bleibt dagegen bei scharfwinkligen Rahmen-
ecken fast spannungslos und wäre daher entbehrlich (Bild 11. 2 a).

Wesentlich ist nun, daß die Umlenkung der inneren Längskräfte radial
gerichtete Spannungen (Jy erzeugt, die bei negativem M Druck-, bei
positivem M jedoch Zugspannungen sind. Finite Elementberechnungen
von I. H. E. Nilsson [67] ergaben für rechtwinklige Rahmenecken die in
Bild 11. 2 dargestellte Spannungsverteilung in den beiden Eckdiagonalen
bei positivem Moment. Die diagonalen Zugspannungen sind so
hoch, daß der in Bild 11. 2 c angedeutete Riß auftritt und zum Ab s pa 1 -
te n der Bi e ge d ru c k z 0 ne der Rahmenecke führen kann. Dieser
Gefahr muß daher durch geeignete Bewehrungsführung begegnet werden.
160 11. Rahmene cken

y y
x b)

i
') I
I
M

V LZ I
I .

------t----J
._. ___ .J
d)

M)
")

Bild 11. 2 Spannungsverteilung und Hauptspannungstrajektorien in recht-


winkligen Rahmenecken nach Nilsson bei positivem Moment (umgekehrte
Vorzeichen bei negativem Moment)

11.2 Rahmenecken für negative Momente (außen Zug)

Die außen liegende Gurtbewehrung muß mit genügend großem Biegeradius


um die Ecke geführt werden, um zu verhüten, daß die Umlenkpressung
der Bewehrungsstäbe Pu = Z/r ~ zum Spalten des Betons führt (Bild 11. 3).
Die nach DIN 1045 zugelassenen Biegeradien geben bei dicken Stäben und
zulässiger kleiner seitlicher Betondeckung bzw. kleinem Randabstand eR
nicht genügend Sicherheit gegen Spalten und müssen größer gewählt werden,
da das Versagen einer Rahmenecke den Einsturz des ganzen Tragwerkes
verursachen kann. Die Umlenkpressung muß für Gebrauchslast begrenzt
werden zu (vgl. Abschn. 4.3.3 . 1 und Abschn. 6.5):

siehe (4.5)

woraus sich der erforderliche Biegerollendurchmesser ergibt :


11. 2 Rahmenecken für negative Momente (außen Zug) 161

erf d ' " TI


B-2.0,3~WN·1,75
~S P l(fe
re
= 3 l~wN p l(fe
~e
(11. 2)

Für e wird der Achsabstand der Stäbe untereinander oder der Abstand
der äußeren Stabachse zum Rand eR eingesetzt; wobei eR ~ 3 ~ und
!!!; 3 cm sein muß (Bild 11. 3).

Bild 11. 3 Spaltgefahr infolge der Umlenkpressung Pu an gekrümmten


Stäben bei zu kleinem Rand- oder Stababstand

Wird der Stahl nicht voll ausgenützt, so kann d B im Verhältnis erf F e/


vorh Fe verkleinert werden.

Versuche von L. Östlund [68] zeigten, daß übliche Bügel die Spaltgefahr
nicht vermindern. Wenn kleinere Biegerollendurchmesser gewählt wer-
den, muß eine besondere zwei- bis dreilagige Spaltbewehrung innerhalb
der Bewehrungsbogen, am besten als geschweißte Leitern, eingebaut
werden (Bild 11. 4).

Querschnitt

ffl
Matte Spattbewehrung ,wenn dB < erf dB

rp
, ~ 1,50

0
' -:- ',50

Spalt -
Le iter n

Bild 11. 4 Bewehrung von Rahmenecken


bei negativem Moment (Zug außen).
Spaltbewehrung nur bei d B < erf d B
162 11. Rahmenecken

Der Biegerollendurchmesser der Gurtstäbe kann auch den inneren Hebel-


arm z der Gurtkräfte beeinflussen Aus Bild 11. 5 geht hervor, daß
r = dB/2 ;;;; 0,8 h sein muß, damit z in der Diagonalen nicht zu klein wird.

Bild 11. 5 Biegera- Bild 11. 6 Übergreifung der Eckbeweh-


dius abhängig von h rung bei mäßiger Beanspruchung
(negatives Moment) (negatives Moment)

Außerdem sollte im Hinblick auf die Betondruckspannungen (Ji bei Rah-


menecken mit schmalem Steg für ~;:: 0,7 % (BSt 42/50 und Bn 250) die
innere einspringende Ecke mit einer Voute oder Ausrundung versehen
werden. Diese Grenze des Bewehrungsgrades ist noch nicht durch Ver-
suche überprüft. Bei plattenförmigen Rahmen, z. B. U-Bahn-Tunneln,
wird sie höher liegen.

Der S t 0 ß von Gur t s t ä ben an Rahmenecken sollte in der Regel nahe


der Ecke vermieden oder mit Muffen durchgeführt werden. Bei mäßigen
Bewehrungsgraden ~~0,50/0(BSt42/40 undBn250)und ~ :§:d/18 ist
auch ein Stoß mit sich übergreifenden Hakenschlaufen nach Bild 11. 6 mög-
lich, wobei innerhalb der Haken oder Schlaufen 4 Querstäbe gegen Spalten
einzubauen sind. Mit dieser Bewehrungsart lassen sich Arbeitsfugen zwi-
schen Decken und Wänden herstellen.

An Innenstützen mehrstieliger Rahmen mit dem Vergleich zu


den Riegelmomenten kleinen Stützenkopf-Momenten genügt es, die lotrech-
te Stützenbewehrung auf der Zugseite mit der am unteren Riegelrand be-
ginnenden Verankerungslänge a einbinden zu lassen, zudem dort Biege-
druckspannungen quer zum Stab für die Verankerung günstig wirken.

vV V
"'\ " '\
t-a "\
V ~ I ~

Bild 11. 7 Mehrfeldrige Rahmen, Innenstütze mit kleinem Moment


11. 2 Rahmenecken für negative Momente (außen Zug) 163

Bei großen Stützenkopf-Momenten muß die Zugbewehrung der stütze in den


oberen Zuggurt des Riegels hinübergeführt und dort durch Übergreifung
angeschlossen werden (Bild 11. 8).

,
gerade verankern

/ V
" "
/

""
I/
I
/
,

'./ ./ I\.
'"

~ da nach
GI. (11 . 2 )
Bild 11. 8
..... -- L---

Mehrfeldrige Rahmen, Innenstütze mit großem Moment

11.3 Rahmenecken tür positive Momente (innen Zug)

11. 3. 1 Ecken mit rechtem Winkel

Die bisher üblichen Bewehrungsarten waren fast alle unzureichend und


ergaben nicht die Biegetragfähigkeit der anschließenden geraden Rahmen-
teile , weil die in der Winkelhalbierenden wirkende Zugkraft ZD infolge
der uy nach Bild 11. 2 b nicht einwandfrei berücksichtigt wurde. Die
Größe dieser' Zugkraft läßt sich grob als Resultierende der Zuggurtkräf-
te der Rahmenteile ermitteln. Für die Verhältnisse nach Bild 11. 9 wird
z. B.:

ZD ="''2.
Y"
Z e

Bei etwa parabelförmiger Verteilung der Zugspannungen wird der Größt-


wert
3{2 Z
e

QI

Q
Q

Zo : ~ G'bZ b ~Z

Bild 11. 9 Idealisiertes Fachwerk zur Bestimmung der Diagonalzugkraft


ZD bei Rahmenecken mit positivem Moment (nach I. H. E. Nilsson [67])
164 11. Rahmenecken

wobei eZ nach Bild 11. 2 b etwa 0,8 d ist. Diese Spannung ist so hoch,
daß der angedeutete Riß bei üblichen Bewehrungsgraden schon bei 30 bis
50 % der Traglast des geraden Stabes auftritt und die Mitwirkung der Bie-
gedruckzone der Rahmenecke gefährdet. Die Tragfähigkeit der Rahmen-
ecke muß also durch zusätzliche Maßnahmen sichergestellt werden.

Eine analoge Darstellung der Diagonalzugkräfte für T- und + -förmige


Rahmenecken zeigen die Bilder 11. 10 und 11. 11. Allerdings wird die
Rißbildung bei +-förmigen Rahmenecken durch Auflasten vermindert.

00 = YS Ob Zo
v'S Z~
= - 2- ZO= V2 Ze
2 \
I
--~C i
Ob

. )~
~
Ze

- Ze
. ~

Ob

ZO= V;Zel

Zel Y tOb
Bild 11. 10 Idealisierter Kraft- Bild 11. 11 Idealisierter Kraft-
verlauf bei T-förmigen Rahmen- verlauf bei +-förmigen Rahmen-
ecken nach [67 J ecken nach [67 J

Versuche bestätigten das vorzeitige Abspalten der Druckzone. Eine Über-


sicht der Versuchsergebnisse gibt 1. H. E. Nilsson in [67 J;
aus ihr läßt
sich das folgende entnehmen:

Bild 11. 12 zeigt die mit Schlaufen und sich kreuzenden, im Druckgurt
verankerten Stäben erzielte Tragfähigkeit als Verhältnis des im Versuch
erreichten Bruchmomentes M RU zum rechnerischen Bruchmoment M U
im Anschnitt des ungünstigsten Rahmenschenkels und Bild 11. 13 die zu-
gehörigen typischen Rißbilder. Wird die Diagonalzugkraft nicht beachtet,
dann wird nur 20 % bis 70 % von rechn. M U erreicht. Aber auch die bis-
her häufig an gewandte Schlaufe, die den Spaltriß abfangen soll, brachte
nur 75 % bis 85 % von M U ' weil die Druckzone zwischen den Schlaufen aus-
bricht (Bild 11. 14), auch wenn die Schlaufen quer nur 9 cm Abstand haben.

Einige Versuche mit Bügeln in der Winkelhalbierenden brachten bei den


hier vorliegenden Abmessungen von d = 20 bis 25 cm auch nur 60 % bis
80 % von M U. Bei kleinen Querschnitten sind Eckbügel zudem schlecht
einzubauen und behindern das Betonieren. Eckbügel sind nur bei größe-
ren Abmessungen (d > 50 cm) sinnvoll, wo sie genügend Verbundlänge
zur Entwicklung ihrer Wirkung haben.

Der Bruch kann auch von der inneren Rahmenecke ausgehen, wo sich die
Gurtstäbe kreuzen. Die Zugkraft nimmt dort so schnell ab, daß der Ver-
bund überbeansprucht werden kann, was zu einem breiten Eckriß führt,
der sich gabelt und ebenfalls die Biegedruckzone abspaltet.

Die nach außen abgebogenen, die Druckzone doppelt umschließe'1den Schlau-


fenhaken oder Naarnadeln zeigen mit etwa 85 bis 92 % das beste Ergeb-
nis, die volle rechnerische Biegetragfähigkeit wurde aber erst durch Zu-
lage schräger Stäbe an der inneren Ecke erzielt.
11. 3 Rahmenecken für positive Momente (innen Zug) 165

0'. /
MRU MU

140

/
120 0
®
®
®
®
100
0........
......... ~ <=-
80 r - -'
®......
....
-.
+
-.q- /
"'-' .-

~ ...............
60

x. . ~+ -
40

20
~rJ
"x~ 1---_
r-xrf ---
o I
o 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1, 2

Bild 11. 12 Tragfähigkeit M R U bezo gen auf das rechnerische Bruchmo-


ment M U im Anschlußquerschnitt in Rahmenecken mit verschiedenen Be-
wehrungsarten bei positivem Moment abhängig vom Bewehrungsprozent-
satz bei BSt 42/50 und Bn 250 [67J

a) b)

)j

---
c___
c)
d)

)i

Bild 11. 13 Rißbilder von Rahmenecken mit verschiedenen Bewehrungs-


arten bei positivem Moment
166 11. Rahmenecken

Bild 11. 14 Ausbrechen der Druckzone zwischen den Schlaufen bei posi-
tivem Moment (nach 1. H. E. Nilssan [67J)

Aus diesen Versuchen können für die verschiedenen Bewehrungsarten die


in Bild 11. 15 angegebenen Bemessungsregeln abgeleitet werden. Für den
Biegerollendruchmesser d B braucht dabei die Gleichung (11. 2) nicht er-
füllt zu sein, da die Stahlspannungen schon am Beginn der Stabkrümmung
abgebaut werden; d B soll so groß sein wie es die Querschnittsdicke d
erlaubt, darf aber nicht kleiner sein als 10~. Bei sehr großem d siehe
Bild 11. 15 2 .

Für die Bewehrungsarten CD und® müssen wegen MRU / M U < 1 (vgl.


Bild 11. 12) die nach den Regeln normaler Biegebemessung ermittelten
Bewehrungsprozentsätze I-lBem. (auf b· h des ungünstig beanspruchten
Rahmenteils bezogen) zur Erzielung ausreichender Tragfähigkeit in der
Rahmenecke auf I-lR erhöht werden. Angenähert ergeben sich für PR in
Abhängigkeit von I-l Bem. die in Bild 11. 15 angegebenen Regeln.

Die ausreichende Tragfähigkeit der Bewehrungsart ® (MRU/ M U "" 1)


läßt sich mit dem Kräfteverlauf nach Bild 11. 16a erklären. Die U-för-
migen Stäbe, die die äußere Ecke umschließen, erlauben im Schnitt a - a
eine weit außenliegende Druckresultierende und damit einen großen inne-
ren Hebelarm zi' Die schrägen Zulagen vergrößern die Aufnahme der
Zugkraft, führen zu einer größeren Steifigkeit der Ecke und vermindern
die Rißbildung. Bei höheren Bewehrungsprozentsätzen ( I-l ~ 1,2 0/0) führen
jedoch die in Bild 11. 16 b gezeigten Zugspannungen im Schnitt b - b (am Be-
ginn der Stabkrümmung) vor Erreichen des rechnerischen M TT zum Bruch.
11. 3 Rahmenecken für positive Momente (innen Zug) 167

bis IlSem , = 0,75"10

CD erf IlR ['10] = 1,5 -Y2,25-3IlBemJ'/'] ,

~:\)
MU MRU
bzw
MRU

~Bem, erf ~

bis IlSem = 1,0"10

erf 11 R ['/.1 = 2-Y4- 4 IlBem . ['/. } ,


dS

bei größerem d gerade

mit schrö gen


Zulagen 1- Fe, bis Il s em.= 1,20;.

CD sonst wie 0

IlR = 11 Bem

bi s IlSem .= 1,5 "10

Bild 11. 15 Bemessungsregeln für Rahmenecken bei positivem Moment


für verschiedene Bewehrungsarten bei Verwendung von B St 42/50 mit
Bn ~ 250, eR ~ 3 ~ > 3 cm und d B ~ 10 ~
168 11 . Rahmenecken

a)
/ b ) Schnitt b-b
' b
(ver kle inert )
~.

-
-1-.'1'+- Z -----;~

--
da Z i > Z

Bild 11. 16 Kräfteverlauf in Rahmenecken mit der günstigen Bewehrungs-


führung ®
aus Bild 11.15 [67J, positives Moment

Bei 1-1 > 1,2 bis 1,5 % ist die Anordnung einer Voute nach Lösung 4 in
Bild 11. 15 mit stärker bemessener Voutenbewehrung FeS für Zs zu
empfehlen.

Bei großen Abmessungen, etwa von d = 50 cm ab, ist es sinnvoll, die


Diagonalzugkraft ZD mit fächerartig verlegten Bügeln in Richtung der
Hauptzugspannungen direkt aufzunehmen (Bild 11. 17). Dabei können für
die Zuggurtstäbe gerade Ankerlängen a o genügen, wenn die Stabdurch-
messer günstig gewählt werden. Diese Bewehrungsart ist noch nicht durch
Versuche überprüft.

!
~
d2;SOcm

~~~~==r==*:il ~
fächerorl ig,
für Zo = V2 -Ze

Zuggur tstöbe gerade veronker t mi t 00

Bild 11. 17 Bewehrung von Rahmenecken mit großen Abmessungen bei


positivem Moment
11. 3 Rahmenecken für positive Momente (innen Zug) 169

11. 3. 2 Ecken mit stumpfen oder spitzen Winkeln

Bei ni c h t re c h t w i n k I i gen Rahmenecken, erwies sich die Beweh-


rungsart ® in Bild 11.15 ebenfalls als die beste (Bild 11.18 und 11.19),
jedoch wird auch hier nur bis zu gewissen I-l die volle Tragfähigkeit der
anschließenden Rahmenteile erreicht. Bei der 135 0 Ecke sollte I-l ~ 1 0/0
(BSt 42/50, Bn ~ 250) sein; bei spitzen Ecken liegen noch keine ausrei-
chenden Versuchsergebnisse vor, es wird vorläufig I-l ~ 0,8 % empfoh-
len. Bei höherem Bewehrungsgrad sollte eine größere Voute gewählt werden.

I~

enge Verbugelung fur


Umlenkkraft bemessen

Platte c___
MRU = MU
bis ~ = 1%
(BS! 1.2/50 , 8n~ 250)

Bild 11. 18 Günstige Bewehrung von stumpfwinkligen Rahmenecken


bei positivem Moment

pos M

/
/
/
_.~

Bild 11. 19 Günstige B ewehrung


c___/
von spitzwinkligen Rahmenecken
bei positivem Moment

Bild 11. 20 Geknickter Treppenlauf

Bei geknickten Treppenläufen wird am Knick von unten bei pos. M die in
Bild 11. 20 gezeigte Vereinfachung genügen, wenn die Bewehrung für die
Knickstelle mit etwa 20 % überbemessen wird.
170 11. Rahmenecken

11. 3. 3 Winkelstützwände

1. H. E. Nilsson gibt auch für W i n k eIs t ü t z w ä nd e Bewehrungsregeln


an. Bei kurzem Sporn ( < d) müssen die Stäbe entsprechend der Beweh-
rungsart 3 in Bild 11. 15 geführt werden (Bild 11. 21 a). Be i längerem
Sporn können die Stäbe einfach verankert werden (Bild 11. 21 b); grobe
Risse lassen sich jedoch nur durch schräge Zulagen vermeiden (Bild
11. 21 c).

b) cl
0)

d
d

<d

Bild 11. 21 Bewehrung von Winkelstützwänden [ 67J

11. 3. 4 Einbinden von Rahmenstützen in Platten (bei großen H-Kräften)

Bei großen H-Kräften in Deckenplatten oder Unterzügen können an ein-


gespannten stützen Biegemomente auftreten, die an der stütze einseitig
unten Zug erzeugen. Dabei dürfen die Stützenstäbe nicht nach außen ab-
gebogen werden, sie müssen nach innen gebogen und sich überkreuzend
in die obere Bewehrung angeschlossen werden (Bild 11. 22). Sehr dicke
Stäbe sind hierfür nicht geeignet.

c
J
I
)(
1
7' '"\ I
I /--", I I
"-
Rißgefahr

falsch richtig

- ----- '-- - - --- '-

bei vorwiegender Momentenrichtung

Bild 11. 22 Einbinden von Stützen in Platten [67J



12. Wandartige Träger oder Scheiben

Die Bemessungsregeln für wandartige Träger sind in [1 b, Abschn. 2 ]


angegeben. Über Versuche zur wirkungsvollen Bewehrungsführung wurde
im Heft 178 des DAfStb. [69] berichtet.

Die Bewehrungsführung in wandartigen Trägern hängt stark von der Art


der Lasteintragung (oben drückend oder unten angehängt) und von der
Art der Auflagerung (unten gestützt oder über die Höhe verteilt an andere
Träger angeschlossen) ab. Besonderes Augenmerk verdient die Beweh-
rung in den Auflagerbereichen, da dort die Beanspruchungen am ungün-
stigsten sind. Die in [1 b, Abschn. 2. 5.2] angegebenen Grenzwerte für
die Auflagerpressung setzen voraus, daß die Druck-Tragfähigkeit der
Auflagerzone nicht durch gehäufte oder ungünstige Bewehrung, z. B. durch
stehende Haken geschwächt ist.

12.1 Unmittelbar gestützte wandartige Träger, oben belastet

12.1.1 Einfeldrige wandartige Träger

Wesentlich ist, daß bei von 0 ben bel ast e t e n wandartigen Trägern
die Zugtrajektorien sehr flach verlaufen (Bild 12.1) und deshalb die Haupt-
bewehrung im wesentlichen waagrecht geführt werden muß. Bügel werden
nur konstruktiv zum Umfassen der Gurtbewehrung und zum Binden der
waagrechten Bewehrung gebraucht. Aufgebogene Stäbe sind schädlich.
Die Gurtbewehrung für die maximale Gurtkraft Z ist ohne Abstufung von
Auflager zu Auflager durchzuführen und im Auflagerbereich für die Kraft
0,8 Z zu verankern, bei kurzer Ankerlänge mit liegenden Haken oder An-
kerplatten bzw. Ankerwinkeln aus Stahl nach Abschn. 4.3.5. Die Gurtbe-
wehrung ist auf eine Höhe von etwa 0,15 bis 0,20 d zu verteilen (Bild 12.1).
Für e/ d "'" 1 ist für d die Spannweite e anzusetzen. Der übrige Wandbe-
reich erhält eine Netzbewehrung beidseitig mit den in Bild 12.1 angege-
benen Stababständen.

Die lotrechten Ränder und Randstäbe müssen mit horizontalen bügelarti-


gen Stäben umschlossen sein, die nahe am Auflager, besonders bei Auf-
lagerlisenen oder Stützen enger gelegt werden als im übrigen Bereich
(Bild 12. 2).

12. 1. 2 Mehrfeldrige wandartige Träger

Auch bei mehrfeldrigen wandartigen Trägern verlaufen die Zugtrajekto-


rien sehr flach (Bild 12. 3). Die untere Gurtbewehrung wird zweckmäßig
ohne Abstufung über die ganze Wandlänge durchgeführt; sie kann über
den Zwischenstützen durch Übergreifung gestoßen werden; Endanker und
Verteilung auf die Zugzone wie im vorigen Abschnitt.
172 12. Wandartige Träger e/h ~ 2

! ~ ~ ~ ~ , , , ~ ~ j !j

e
e .,

KD- d

~
1

.r A
<!5 t 1- J- b~ 0,15 .; 0.2 d

liegende Hakenschlaufen als Haupt -

c-----tB--::J
e s 2b
bewehrung übereinander • :!: 30cm

Netzbewehrung aus Matten

oder
Variante
stehenden Bügeln und horizontalen
Schlaufenbügeln über der Haupt -
~M- __-==-==-=~----",:
bewehrung -~~4---'~='=~ - - - "
stehende Bügel Sch laufenbügel
Bild 12.1 Verlauf der Hauptspannungstrajektorien und Bewehrung eines
unmittelbar gestützten und von oben belasteten Wandträgers

Ansicht

Grundr i fl
~
~~
"..%"~
0'/
:~~
~Z
(~


;q~
~

zusatzllchE' HaarnadE'ln
über dE'r Haupt bewehrung

Bild 12.2 Ausbildung der Bewehrung in der Lastübertragungszone eines


Trägers nach Bild 12.1, dessen Auflager durch stützen oder Lisenen ver-
stärkt ist

Die Bewehrung zur Deckung der Stützmomente ist abhängig von eid ge-
mäß Bild 12.4 auf die hohe Zugzone zu verteilen, sie ist wenigstens zur
Hälfte über die ganze Scheibenlänge als Teil der Netzbewehrung durchzu-
führen. Die andere Hälfte kann mit Stablängen von etwa 0,8 d bzw. 0,7
bis 0,8 e (wenn e/ d < 1 ) und Stababständen von 10 bis 15 cm zugelegt
werden (Bild 12. 5). Die so verteilte Stützbewehrung deckt auch die Zug-
kräfte infolge Einleitung der Auflagerkraft, es ist also keine zusätzliche
Spaltzugbewehrung erforderlich. Auch in Trägern mit e/ d ~ 1, bei denen
theoretisch am oberen Rand keine Zugspannungen CJx über der Stütze auf-
treten, ist eine obere Randlängsbewehrung durchzuführen. Aufgebogene
12.1 Unmittelbar gestützte wandartige Träger, oben belastet 173

f!d = 1,5 -11'-- -- - - -- .f Druck

Bild 12.3 Verlauf der Hauptspannungstrajektorien in mehrfe1drigem


wandartigen Träger im Zustand I bei oben angreifender Last

fld= 2 Nd =1,5 lId -::: 1

1.9~ • ~
12 20 Fe
.. d • d
i t-----f

1
= =_Verteilung
der
0.83d
0.88d 0.92 d
d
0.5 d

~08d OJd

c ,,0,1 f ,,0,15 d
II
c " 0,1 ~ = 0,1 d

F(' = erf. Stützbewehrung für Zs in lcm L J

Bild 12.4 Anhalt für die Verteilung der Zuggurtbewehrung über Stützen
mehrfeldriger Träger

Stäbe sind nur bei hängender Last oder mittelbarer Lasteintragung sinn-
voll (vgl. Abschn. 12.2).

Die Empfindlichkeit der mehrfeldrigen Wandträger gegen ungleiche lot-


rechte Auflagerverschiebungen, auch gegen elastische Zusammendrük-
kung der Stützen und der anschließenden Wandbereiche , ist zu beachten.

Im Bereich von Auflagerlisenen sind zusätzliche Bewehrungen nach Bild


12.2 anzuordnen.
174 12. Wandartige Träger ejh ~ 2

0) f/d =
Sc h ni t t: a-0
~ 1 l l l l li l l Beispie l der,

' A · 1O

-}1 0 bis 15 cm

T
~ f""

l ~o
! t
~ --------~~~-------.~
'2.. 0,l.d bzw O,I.~

b) .r I d = 2,5 Schnitt : 0 - 0
Beispiel der i!S
, ,

i
, , , 1 , ••
I :

Zulagen 0 IO r

T ~
f
,L -0 ,1. f ----, f-
--e-Io T
c) Untergeschoßwand mit Einzelstützen auf Streifenfundament
f Schn ,tt 0-0
f./d::: 1,7

~Q

I
iI I ~ I

)
d

I
f flf' t, ,t t t tt t, t, tt t t t t , t t
--!!IoI 0 schwachp yprtikalp Bewphrung - mphr horizontale Stäbp, nur gprade Gurtstäbe

Bild 12. 5 Beispiele für die Bewehrung mehrfeldriger Wandträger


12. 1 Unmittelbar gestützte wandartige Träger, oben belastet 175

12.1.3 Auskragende Wandscheiben

Bei auskragenden ,von oben belasteten Wandscheiben ist die horizontale


Gurtbewehrung abhängig von eid nach Bild 12. 6 der Höhe nach zu ver-
teilen und am Ende der Auskragung mit Hakenschlaufen zu verankern
(vgl. Bild 12. 1). Die Weiterführung der Gurtbewehrung hängt von der
Lage der Rückhaltekräfte des Kragarmes ab (vgl. Bild 12.7). Für die
Netzbewehrung gelten die Angaben in Bild 12.1.

Liegen in den für die Gurtbewehrung angegebenen Bereichen horizontale


Deckenscheiben, so kann ein Teil der Bewehrung in diese verlegt werden.

fk/d < 0,5

Bild 12.6 Verteilung der Spannungen Ux und Höhenverteilung der Gurt-


bewehrung bei auskragenden Scheiben

Z ug - --- Dru ck

p p p
++UHHlHP
+
""
~ J > <
z

"\ Y
I
/ /
/ / I /
/ '>,/ / l
f
A
t
B
A B A B A B
a) nur Kragarm Variante zu Q) b) Einzellast Im c) Gleichlast Im
belastet Nachbarfeld Nach barte I d

Bild 12.7 Schematischer Kräfteverlauf in auskragenden Scheiben als


Anhalt für die Bewehrungsführung ( - - Zug ---- Druck)

12.2 Wandartige Träger mit unten angehängter Last

Bei unten angehängter Last verlaufen die Trajektorien nach Bild 12 . 8 .


Entsprechend ist außer der Gurtbewehrung nach Abschn. 12. 1 (vgl. Bild
12.1) für die Lasten im schraffierten Bereich der Scheibe nach Bild 12.9
eine enge lotrechte Aufhängebewehrung in Form von Bügeln oder Bügel:.
matten (Stababstand 10 bis 15 cm) einzubauen, die bei ei d> 1,2 am obe-
ren Rand, bei ei d ~ 1,2 etwa entlang eines Halbkreises mit Scheitelhöhe
y = e verankert werden (Bild 12. 10).
176 12. Wandartige Träger e/h ~ 2

-0,5 ~
oder bis O,7d

-+
für d < t
~+'+'i"+'H~~~
Zug - - - - Druck
L
-.1,<--_ _ _ _ .f - - - --.fL'I L

Bild 12.8 Verlauf der Haupt- Bild 12. 9 Einflußbereich an zu -


spannungstrajektorien in wand- hängender Lasten (Eigengewicht
artigen Trägern bei angehängter und unten angreifende Lasten)
La st (e / d = 1)

10-15cm
I

,- - f-r- ~
/
./
" "-
/ \

/
:1
I \ d

.(

rr
10-15cm

lU
0.3 d

Vf/1 •
• • • •
, , Vf
, ,

,
Pu
+L_ _~_-.t 'I

Bild 12. 10 Bewehrung eines unmittelbar gelagerten Wandträgers mit


angehängter Last ( e / d ~ 1,2)

Diese Aufhängebewehrung muß den Auflagerbereich des lasteintragenden


Bauglieds bügelartig umschließen. Entsprechend muß die untere Beweh-
rung einer am Wandträger hängenden Deckenplatte auf der untersten La-
ge der Gurtbewehrung des Wandträgers aufliegen, damit die dort geneigt
ankommenden Druckgurtkräfte erfaßt werden können (Bild 12.10 und 12.11).

Auf die Bedingung, daß die Höhe der Konsole in Bild 12.11 links größer
1,2 a sein soll, damit die Druckstrebe erfaßt werden kann, wird beson-
ders hingewiesen!
12. 2 Wandartige Träger mit unten angehängter Last 177

Detail enge Bügel.


Wand - Längsbewehrung
enge umschließend
Bügel

MW~~~~~~ -t
Decke

~~~~~~-t
sehr enge Bügel.
überbemessen

[
I

)
Bild 12. 11 Nur Bügel, die in-engem Abstand die Längsbewehrung der
freitragenden Wand umschließen, können die Last der unten angehängten
Konsole oder Decke günstig aufnehmen

--
Wand II

Druck-
trajektor ien

Zugtrojek -
torien

Bild 12. 12 Spannungstrajektorien im Auflagerbereich einer mittelbar


gelagerten Wand
178 12. Wandartige Träger e/h ~ 2

12.3 Mittelbar gestützte wandartige Träger

Die Gurtbewehrung ist wie bei unmittelbar gestützten wandartigen Trä-


gern anzuordnen (s. Abschn. 12. 1) .

Die lastbringende Wand I gibt ihre Last vorwiegend über Druckstreben


im unteren Drittel ihrer Höhe an die Wand II ab (Bild 12 . 12), die damit
unten belastet wird und mit Aufhängebügeln für die volle Auflagerkraft
aus Wand I bewehrt werden muß (Bild 12.13).

Grundriss

Wand Il b~
CII
01
: :>
_.0
.0 ~
"" : C

-
0
~

:>
<I:
....
LI>
ci
a b~
'0
LI>
0'
I Wand II

Stü t z e -1i!'Wi~

-0,5d I 0,51 )
l horizontale Bügel
"
Lastübertragungszone . Kratte
tür
Schubbewehrung aus lotrechten
und waagrechten Bügeln untere Gurtbewehrung

Aufhängebügel Schnitt b - b
Schnitt a - a Wand I Wan d I17 Wan d n
r
Wand II ~
/
~
~~ ~
t\0::~
~
0:

,
~"0:::
~' 0:

"~""" ~
~~
~, ~,~
~
io'0'"
~ :-; : ~

-0,5d I 0,51) Stütze


~~ l -3 bl l
1
'1 >( AUfhiingebügel

Bild 12. 13 Bewehrung in der Lastübertragungszone der mittelbar ge-


lagerten Wand I und in der lastabnehmenden Wand II mit lotrechten und
waagrechten Bügeln bei mäßiger Beanspruchung
12.3 Mittelbar gestützte wandartige Träger 179

Die in Bild 12. 13 gekennzeichnete Lastübertragungszone (0, 5 d x 0, 5 d)


des Wandträgers I ist bei mäßiger Beanspruchung (Q "" 1/2 zul Q mit
zul Q = 0,09 d· b· ßR) orthogonal zu bewehren mit engen vertikalen und
horizontalen Bügeln, die jeweils für ZBü = 0,8 Q zu bemessen sind. Die
in Wand I angeordnete Aufhängebügel dürfen angerechnet werden. Bei
hoher Beanspruchung (Q > 1/2 zul Q) sind in das orthogonale Beweh-
rungsnetz der Scheibe Bügel mit 45 0 bis 55 0 Neigung gegen die Horizon-
tale schräg einzulegen und mindestens für den Anteil 0,5 Q zu bemes-
sen (Bild 12. 14). Die Aufhängebügel der lastabnehmenden Wand II kön-
nen bei hoher Beanspruchung zur Rißbreitenbeschränkung zur Hälfte
durch Schrägbügel oder aufgebogene Stäbe mit großem Biegeradius er-
setzt werden (Bild 12.15).

Bei mittelbar hoch belasteten Kragscheiben ist die Schrägbewehrung nach


Bild 12.16 unten schlaufenförmig in dem Wandträger I zu verankern und
oben an die Kragbewehrung anzuschließen.

Wand n Grundriß

Wand n

Aufhön -
..... gebügel
LIl wie im
0'
Bild 12 .13

I
Q Q b~
l" -"l
-0,4d(O,4f I
untere Gurtbewehrung
Lastenübertagungszone. Krafte für
Schubbewehrung aus Schragbügeln
(
horizontale Bügel
Schn itt : Q - Q Schnitt : b-b

Wa nd Ir :0 \
@
~0t
0'A
Ir- ~
~ "-
.....
LIl, ~ 1'."
o
~ ~"- 'r--}45 .. 55O
"0
LIl,
o
I
~
"0
1'"'-." " 'r"-. ' "1"'-
"-
... ..-- ~
...
ver t ika le
Schräg -
Bügel
bügel
l -O.4dtO.4f)

Bild 12. 14 Bewehrung bei hoher Beanspruchung in der Lastübertragungs-


zone der mittelbar gelagerten Wand I mit Schrägbügeln
180
12. Wandartige Träger e/h :;;; 2

i.
Q
.:t Q
Schn i tt : Q-Q

, ,

Wand ·JJ.

Wand I

Bild 12. 15 Bewehrung zur Aufhängung der Last in der lastabnehmenden


Wand II bei hoher Beanspruchung mit Schrägstäben und (nicht dargestell-
ter) ermäßigter Orthogonalbewehrung

CD für ZE Aufhängebügel für


Schn i tt : Q-Q

(Ha ken oder 5ch laufen)


,
Zv = 06A
Krag träger II
\, ~Q I I

~
.
l0
"-
I'\.
'" '"
"\
"-
'\ l'\
r\. 1'\
[\.. ~~
~
;:;:

1 d
Träger I

'""-
"\
['\

J ~
I
I\. ~
~ I'\. ~
Ir ~

II _.1 '" J ~
~Q
f-J ® Schlaufen
_
fur Zs =
O,4A
sin cA

Bild 12.16 Bewehrung einer durch Träger I mittelbar belasteten Krag-


scheibe II bei hoher Beanspruchung

12.4 Geschoßdecken, Windscheiben, Fahrbahntafeln als


Scheiben

Im Hochbau werden die Geschoßdecken gern dazu benützt, Wind- und an-
dere Horizontalkräfte auf wenige steife vertikale Kerne oder Windschei-
ben, die im Fundament eingespannt sind, abzutragen (Bild 12.17). Die
Stützen der Decken können dann entweder als Pendelstützen oder einfach
als schlanke Stützen entworfen und damit von größeren Biegemomenten
frei gehalten werden. Solche Deckenscheiben werden in ihrer Ebene wie
wandartige Träger beansprucht und sind für die darin wirkenden Haupt-
12.4 Geschoßdecken, Windscheiben, Fahrbahntafel als Scheiben 181

zugkräfte (aus M u. Q) zu bewehren. Dabei ist Ort und Art der Lagerung
an den Kernen oder Windscheiben in Bezug auf Richtung und Ort des Last-
angriffes zu beachten. Wind kann in beliebiger Richtung, mit Druck und Sog
auch ungleichmäßig verteilt, angreifen. Beim Zusammenwirken mehrerer
vertikaler Scheiben oder Kerne als Auflager der Deckenscheiben müssen un-
terschiedliche Biegesteifigkeiten berücksichtigt werden, die eine Verdre-
hung der Deckenscheibe in ihrer Ebene und daraus folgend Belastungen
quer zur Windrichtung stehender Wandscheiben oder Torsion von Kernen
zur Folge haben können. Bei großen Deckenflächen müssen die Längen-
änderungen der Decken entweder durch bewegliche Lager an einem der
Kerne oder durch Biegeverformung der Wand-Windscheiben quer zur Wand-
fläche ermöglicht werden. So können Deckenscheiben bis zu 60 bis 100 m
Länge fugenlos ausgeführt werden.

Es ist zweckmäßig, die Windscheiben und Kerne auch zur Abtragung lot-
rechter Lasten heranzuziehen, d. h. sie durch die Decken zu belasten, da-
mit sie neben dem Biegemoment Maus Windlast auch durch ausreichend
große Druckkräfte N beansprucht werden und unter Gebrauchslast wenig-
stens für 70 % des Windlastmomentes im Zustand I bleiben.

• • •

• • • •

Windsog



• •
• • • • • •

• •
I • •

• • •

• •
• •

Bild 12.17 Aufnahme der Horizontalkräfte durch steife Kerne oder
Windscheiben
Die Scheibenwirkung von Decken oder Dächern kann auch erzielt werden,
wenn diese aus Fe r t i g t eil e n zusammengesetzt werden. Dabei müssen
in einem Raster sich kreuzende Zugstäbe, z. B. Bewehrungsstäbe in den Fu-
gen oder Profilträger unter den Elementplatten, vorhanden sein, zwischen
denen sich im Beton Druckstreben in geeigneter Richtung ausbilden können,
damit eine Netz-Fachwerkwirkung zustande kommt. Solche Scheibenwir-
kungen wurden mehrfach durch Versuche geprüft [70].
182 12. Wandartige Träger €/h o? 2

Auch Wandscheiben können aus Wandtafeln zusammengesetzt werden


(Bild 12.18), wobei horizontale Zugbänder je in Deckenhöhe und ein gut
haftender Verguß der vertikalen Fugen (ohne Dübel oder Nocken, nur
rauhe Fugenflächen genügen), wenn die Resultierende aus N und M in-
nerhalb des Kerns des Wandquerschnittes bleibt (vgl. hierzu [71]).

Detail "A"
\
\DS \~~ ________
\ p von oberer Fuge
\
W ind

Zuggurt

Deckenscheiben '\
mit Zugstaben \ 0:-
Profili erung
Druckgurt 2cm der lo trechten
Wandfugen

~
/
"~ ,, - aufgerauht
/ /

Bild 12.18 Fachwerk als brauchbares Gedankenmodell für das Zusam-


menwirken von Wandtafeln im Hinblick auf Tragfähigkeitsnachweise (Re-
sultierende für Gebrauchslast innerhalb des Kerns)

Bei Hochhäusern mit Mittelgang


werden in Windscheiben an den
Stirnseiten gerne große Fenster- D
D
öffnungen gemacht (Bild 12.19).
Die Koppelung solcher Windschei-

D
ben ist in einer umfangreichen
Literatur behandelt [72J.
. ;::::::::;
X ·'::::::==="
~: =rl
D
D
Bild 12.19 Windscheiben mit
Öffnungen, Zusammenwirken
durch Riegel
In Brücken wirkt die fugenlose Fahrbahntafel bei horizontalen und verti-
kalen Lasten durch Lastverteilung in Querrichtung als Scheibe bzw. hori-
zontaler Träger. Sie ist bei den heutigen Brückenbreiten B (Autobahn bis
30 m) geeignet, in der fertigen Brücke Windkräfte über Längen L = 20 B
von Widerlager zu Widerlager oder zu Windpfeilern abzutragen, so daß
Zwischenstützen als schlanke Einzelstützen oder Pendelstützen ausgebil-
det werden können (Bild 12.20).
12.5 Bewehren von Decken- und Wandscheiben 183

drehbar. längs fest

1
beweg ti eh

t
Wind

Bild 12.20 Fahrbahntafel von Brücken als Windscheiben (horizontale Träger)

12.5 Bewehren von Decken- und Wandscheiben

In Deckenscheiben genügt in der Regel die Biegebewehrung für die verti-


kalen Lasten als Grundnetz der Scheibe (bzw. als Schubbewehrung des ho-
rizontalen Trägers). An den Rändern und in Auflagerbereichen sind je-
doch die zur Deckung der Scheiben-Zugkräfte (meist mit Näherungen zu
ermitteln) nötigen Zulagebewehrungen nachzuweisen. Dabei sind auch
"Einhängebewehrungen" für mittelbare Lagerung oder für Sogkräfte an
Außenwänden (Bild 2. 21), besonders bei punktweise befestigten Vorhän-
gewänden, zu beachten.

In Windscheiben und Kernen sind stets die lotrechten Druckkräfte zu be-


achten, die in der Regel erlauben, die lotrechten Bewehrungen mit Aus-
nahme der Randzonen als Gurte leicht zu halten (Regeln für Mindest-Druck-
bewehrungen sind nur bei Stützen oder dünnen Wänden mit Knickgefahr be-
rechtigt). Die waagrechten Bewehrungen solcher Wandscheiben sollten da-
gegen reichlich und mit Stababständen e :f 20 cm gewählt werden.

Einhöngebewehrung für 0,5 AW


Grundriß
,....--.....,

Mw;"" CI Z,,,,,, \zweisehnit - i )MW;Od

,
t ige Bügel

t t t t t t
Wind
t t t t t t
Grundriß Wind
t t
• +
• ~ + ~ + + + ~ +

MW;od C: Z,,,,,,
Windseheibe

zweisehnit-
t ige Bügel
I )MW;Od
~
Einhöngebewehrung für 0,8 AW

Bild 12.21 Einleitung der Windkraft einer breiten Deckenscheibe in


eine kürzere Windscheibe, die weniger breit ist als die Deckenscheibe
13. Konsolen

13.1 Unmittelbar belastete Konsolen

Unmittelbar belastete Konsolen (direct1y loaded corbels) mit Abmessun-


gen nach Bild 13. 1 tragen vertikale und horizontale Lasten über einen
obenliegenden Zuggurt und eine schräge Druckstrebe ab. Die Gurtbeweh-
rung wird nach [1 b, Abschn. 2. 7J bemessen, wobei auch Horizontal-
kräfte aus behinderter Längenänderung der lastbringenden Bauteile (z. B.
Temperatur, Schwinden) zu berücksichtigen sind. Die Auflagerfläche
sollte kleiner als die von der Gurtbewehrung erfaßte Fläche sein, damit
die Konsolkanten nicht gefährdet werden. Dies muß auch bei Verwendung
eines Mörtelbetts sichergestellt sein. Gleichmäßige Pressungen in der
Auflagerfläche werden am einfachsten mit Elastomere-Lagern erreicht,
die auch in gewissen Grenzen horizontale Verschiebungen und Verdrehun-
gen erlauben.

+-- - a

Zuggurt

entbehrlich. da
unw ir ksam

erforder lieh Breite b aus Nachweis der Druck-


1 > a/d > 0,5 strebe nach [lb], Absch.2.7

Bild 13. 1 Abmessungen von Konsolen

Die Zuggurtkraft ist zwischen Last und Stütze fast konstant. Auf der Last-
seite ist der Verankerungsbeginn erst unter der Lastplatte möglich. Dies
bedeutet, daß meist liegende Schlaufen oder Ankerkörper nötig sind. Der
Biegerollendurchmesser der Schlaufen kann bei Anordnung der Lastplatten
nach Bild 13.2 wegen der günstig wirkenden Querpressung nach Versuchen
[73J kleiner sein (bis zu d B = 15 ~) als nach Abschn. 4.3.3. Die Gurtstä-
be können bis auf eine Höhe von h / 4 von der Oberkante aus verteilt werden,
wenn die Nutzhöhe h bei der Bemessung entsprechend verringert wird.
Verschiedene Möglichkeiten für die Anordnung der Gurtstäbe mit Schlau-
fen zeigt Bild 13.2 . Die Bewehrung wird vereinfacht, wenn man dickere
Gurtstäbe mit angeschweißten Querstäben oder dgl. verankert, s. Bild 13.3.
186 13. Konsolen

- Schnitte :

Variante Variante Variante

,1
N

P
®
---' ~(H)
h"ff
A

/
[/

i \
/
I
I
~/ Pos 2
Pos 2

Grundrisse:
Lage der La stplatte :

Variante ®

N klein:

Variante ® Pos 1

t dB nach ' .3.3

Variante @) N groll

_____--+_____...;C-
...._d_B....'

L
Pos 1

Vorderkante Stütze

~ao 4
gerade, evt I. Winkelhaken

Bild 13.2 Zweckmäßige Bewehrungen von Konsolen, bei kleineren Zug-


kräften genügt natürlich ein e Bewehrungslage für Pos. 1.
13.1 Unmittelbar belastete Konsolen 187

~ J

Lage der Lastplatte

IIIIII[ ]I! I!~I


Bild 13.3 Verankerung der Gurtbewehrung von Konsolen mit angeschweiß-
tem Querstab

Detail .. A ..

Bild 13. 4 Regel für nach unten abgebogene Gurtstäbe in Konsolen

Nach unten abgebogene Gurtstäbe an der Stirnseite dürfen nur verwendet


werden, wenn die Lagerplatte hinter dem Krümmungsbeginn liegt (Bild
13.4) und keine starke Horizontalbelastung auftritt, da sonst die Vorder-
kante der Konsole abscheren kann. In schmalen, hochbelasteten Konsolen
wird von solchen Stäben abgeraten.

Die Verankerung der Gurtbewehrung im lastabnehmenden Bauteil, z. B.


in Stützen, hängt stark von den dortigen Beanspruchungsverhältnissen ab.
Bleibt der Stützenquerschnitt oberhalb einer Konsole durch große lotrech-
te Druckkräfte N stets unter Druck, so genügt eine gerade Verankerungs-
länge a o (u. U. mit Winkelhaken); kann er dagegen aufreißen, so muß die
Zuggurtkraft an die hintere Stützenbewehrung nach unten angeschlossen
werden (Bild 13. 2). Der Nachweis der vorderen Stützenbewehrung übe r
der Konsole für N + M darf bei oben gehaltener Stütze nicht vergessen
werden.
188 13. Konsolen

Vertikale Bügel (Pos. 2 in Bild 13.2) sind für die Lastabtragung in der
Konsole nutzlos und dienen lediglich zur Aussteifung des Bewehrungskor-
bes. Dagegen sind unterhalb der Gurtbewehrung über die Höhe verteilte
horizontale Bügel (Pos. 3 in Bild 13.2) sinnvoll, bei Konsolen mit a j d
~ 0,7 bis 0,5 (Bild 13.5) erhöhen sie die Tragfähigkeit der Druckstrebe
[73], wenn sie in engem Abstand angeordnet werden.
Noch höhere Konsolen mit ajd < 0,5 sind wi e auskragende Wandscheiben
nach Bild 2.40 in [1 bJ zu behandeln.

Sind die Abmessungen der Konsole aus Entwurfsgründen sehr beschränkt,


dann können in vorgefertigten Stützen einbetonierte Stahlpro file gewählt
werden (Bild 13.6), wenn diese beim Betonieren so liegen, daß sie der
Beton dicht umschließt.

a/d::: 0,7 bis 0,5


f-- a

W~
Gurtbewehrung Fe Gurt

Bild 13 . 5 Horizontale Bügel unterhalb der


Gurtbeweh rung verhindern einen schlagarti-
gen Druck strebenbruc h

m Schnitt m-m

IPB

eingeschweirl te
Stirnp latte Fertigteil -
träger mit
Auf lagertasche

I
m Schnitt n - n

Beton ierrichtung
Fert igtei l träger

IPB

Bild 13. 6 Einbetoniertes Stahlprofil als Konsole


13. 2 Mittelbar belastete Konsolen 189

l
.. 'f'
~
Kr äfte

~ l
~
ve rlauf
~
I
CD
_.
Pos
Pos CD ~

r_ ~~'J'
Schlaufe .........
I .
",/

!(
'; /- /.
I
:>
Pos CD 1'-,,- //
~ I/ /
~
""-, ",- ' ~
/,/),
/
V-/
:! ~
f //;~
Pos ®
1'" I " V 'I
!I I / /
'"
v

I~
ij'/ /
I
i
I
Zuggurt der Konsole
r
I
PosG) I Aufhängung

I
Pos@ I
(,- :>
Pos® (..... I ergänzender Zuggurt

I
Pos CD Pos@ ~~
______ 7
Schlaufen Pos 0-- --' leichte horizontale Verbugelung

Bild 13.7 Bewehrung mittelbar belasteter Konsolen, Aufhängung allein durch lotrechte Stäbe

so: \ . ,-----------------,
,-~{------------------~#
(I Zuggurt

veranke~ I

Aufhängung
oder so

,,--------------)

Bild 13.8 Bewehrung mittelbar belasteter Konsolen, Aufhängung durch


schräge und lotrechte Stäbe
190 13. Konsolen

13.2 Mittelbar belastete Konsolen

Bei mittelbar belasteten Konsolen (indirect1y loaded corbels) wird die


Last im unteren Bereich der Konsole abgegeben und muß mit Aufbänge-
bewehrung voll nach oben gehängt werden, wenn die Konsole nur einen
horizontalen obenliegenden Zuggurt wie in Abschn. 13.1 erhält (Bild 13.7).
Wird die Aufhängebewehrung in Form von Bügeln gewählt, so sollen die-
se nicht, wie in Bild 9.31 gezeigt, außerhalb des Kreuzungsbereichs
Konsole - lastbringender Träger verteilt werden. Der Zuggurt und die
Aufbängebewehrung kann schwächer ausgeführt werden, wenn ein Teil der
Last über schräge Stäbe direkt in die Stütze zurückgehängt wird (Bild
13.8). Die erforderlichen Stahlquerschnitte werden nach [1 bJ, Abschn.
2. 7, letzter A bsa tz, be stimmt.
14. Druckglieder

14.1 Grundsätzliches zur Bewehrung in DruckgJiedern

In dem druckfesten Baustoff Beton ist unter reiner Druckbeanspruchung


eine Bewehrung in Druckrichtung unnötig oder sogar unsinnig und daher
wirtschaftlich nicht vertretbar. Bei Druckgliedern muß man daher zuerst
überlegen, ob eine solche Bewehrung Sinn und Zweck haben kann. Dies
ist z. B. in Stützen der Fall, die rechnerische oder ungewollte Ausmittig-
keiten der Druckkraft erfahren können.

Für letztere sind die Mindestbewehrungsprozentsätze nach DIN 1045, Ab-


schnitt 25.2.2 eingeführt, die auf den statisch erforderlichen Querschnitt
zu beziehen sind. Bei Hochbauten werden durch Verbindung der Balken
mit den Stützen stets Biegemomente in die Stützen eingetragen, die jedoch
in Innenstützen ausgesteifter Hochbauten nicht nachgewiesen werden müs-
sen. Für sie darf auch der Knicksicherheitsnachweis bis A. ~ 45 entfallen.
Ergibt sich z. B. für Hochhauskerne bei Berücksichtigung aller möglichen
Lastkombinationen eine Bewehrung, die geringer ist als die Mindestbe-
wehrung nach DIN 1045, dann ist es nicht nötig, die Bewehrung auf diese
Beträge zu erhöhen.

Bewehrung in Druckrichtung ist jedoch immer notwendig, wenn


die Druckkraft so stark ausmittig angreift, daß Zugspannungen im Beton
auftreten. Bei schlanken Druckgliedern ist auch die Vergrößerung der
Ausmitte nach Theorie 11. Ordnung zu berücksichtigen. Durch Bewehrung
auf der Druckseite können die Verformungen, insbesondere aus Kriechen
und Schwinden verringert und damit der Verformung benachbarter Druck-
glieder angepaßt werden, z. B. bei Hochhausstützen gegenüber Kernen.

Die Bedeutung der Q u erb ewe h run g in Druckgliedern wird meist un-
terschätzt. Quer zur Druckrichtung wirkt fast stets Zug. Bügel in Stützen
haben also nicht nur die Druckstäbe gegen Knicken zu sichern, sondern
auch das vorzeitige Öffnen von Spaltrissen zu verhindern. In tragenden
Wänden ist meist die quer zur Druckrichtung liegende Bewehrung entlang
den Wandflächen wichtiger als die lotrechte. Die Knicksicherung der
Druckstäbe - mit Ausnahme der Eckstäbe - ist auch ohne Bügel oder
S-Haken gewährleistet, wenn die Betondeckung auf die Durchmesser und
Abstände der lotrechten Stäbe abgestimmt wird.

14.2 Stahlbetonstützen

Die Mindestabmessungen der Querschnitte von Stützen (columns) sind je


nach Herstellungsart mit 14 bis 20 cm festgelegt (DIN 1045, Abschn. 25.2.1).
Bei Vorfertigung sind bei aufgelösten Querschnitten auch kleinere Abmes-
sungen möglich.
Die Längsstabdurchmesser ~L in Druckrichtung müssen bei üblicher Beton-
deckung auf die Querschnittsabmessungen der Stütze abgestimmt sein. Zu
dicke Stäbe führen bei üblichen Bügeln zum Abplatzen der Betondeckung an
den Ecken. Im Regelfall sind auch für Druckstäbe gerippte Betonstähle zu
verwenden. Empfohlen werden die Stabdurchmesser nach Tabelle 14.1.
192 14. Druckglieder

Tabelle 14. 1: Empfohlene Längsstabdurchmesser ~L (B St HI) in stützen

Kleinste Querschni tts-


abmessung d min ~L max ~L

< 10 cm 8 mm 10 mm
10 bis 20 cm 10 mm d/8
~ 20 cm 12 mm d/8 bis 40 mm *

* Betondeckung ü ~ 1,2 ~L für ü > 35 mm mit Matte gesichert


(vgl. Bild 3.5)

In Stützen müssen die Längsstäbe durch Bügel in ihrer vorgesehenen La-


ge gehalten und gegen Ausknicken gesichert werden. Der Bügelabstand
aBü und Bügeldurchmesser ~Bü müssen der Größe und dem Belastungs-
grad der Stütze, der Stahlgüte und dem Durchmesser der Längsstäbe an-
gepaßt sein. Als Regeln können für BSt 22/30 und BSt 42/50 gelten:

a Bü ~ 12 ~L oder ~ 0,8 d jedoch< 30 cm


~BÜ ;;;;" 0, 25 ~L oder> d/70 oder;;;;" 5 mm jedoch ~ 16 mm,

wobei d die kleinere Dicke der Stütze ist. Um den Beton bei Stützen mit
Endmomenten gegen das Ausbrechen der Kanten zu schützen oder die Kraft-
einleitung bei Fertigteilstützen zu gewährleisten, müssen an den Stützen-
enden 2 bis 3 Bügel mit 1/2 bis 1/4 a Bü eingebaut werden (Bild 14.1). En-
det die Stütze in einer Decke oder einem Unterzug, dann sind die Längsstä-
be dort mit der Länge a zu verankern, sie sollen jedoch wegen ihrem
Spitzendruck im Abstand von ca. 4 ~ ~ 5 cm unter OK Decke enden. Reicht
die Höhe des umschließenden Bauteils nicht aus, dann ist nach DIN 1045,
Abschn. 25.2.2.1 der in der Stütze liegende Verankerungsbereich zusätz-
lich eng (a Bü ~ 8 cm) zu verbügeln.

Die Bügel werden an Eckstäben mit sich übergreifenden Haken geschlos-


sen (Bild 14.2 a). In einer Bügelecke können bis zu fünf Längsstäbe gegen
Ausknicken gesichert werden, daher sollte man Längsstäbe in den Ecken
konzentrieren (Bild 14.2 cl. Der Abstand zwischen zwei benachbarten
Längsstäben darf nicht mehr als 30 cm sein, bis zu Kantenlängen von
40 cm genügen die Eckstäbe allein. Bei größeren Querschnitten der stüt-
zen werden demnach zur Sicherung der nicht in den Ecken stehenden, für
die Tragfähigkeit angerechneten Längsstäbe , Zwischenbügel notwendig, die
mit gleichem oder doppeltem Abstand a Bü in die Ebene der Umfassungsbügel
zu legen sind. Sie müssen so angeordnet werden, daß sich beim Betonieren
Hosenrohre oder Rüttler leicht einführen lassen; Beispiele s. Bild 14. 3.

Eine Verbügelung ist auch mit Bügelmatten (B St 50/55) möglich, die mit
Haken geschlossen werden (Bild 14.4). Dabei können z. B. ~BÜ = 3 mm
bei 5 cm Maschenweite oder ~Bü = 4 mm bei 10 cm Maschenweite ver-
wendet werden. Besonders sinnvoll sind die engmaschigen Matten zur Si-
cherung großer Betondeckung wie sie als Feuerschutz nach DIN 4102 er-
forderlich ist (vgl. Bild 14.9). Die Matte soll dabei nur das Abplatzen der
Betondeckung verhindern, die Längsstäbe selbst müssen durch Bügel nach
obigen Regeln gesichert sein.

Bei umschnürten Stützen darf die Ganghöhe der Wendel nicht größer als
8 cm oder d k /5 sein (kleinerer Wert maßgebend), ihr Durchmesser muß
mindestens 5 mm betragen. Die Enden der Wendel werden als Winkelha-
ken nach innen abgebogen oder an die benachbarte Windung angeschweißt
(Bild 14.5).
14. 2 Stahlbetonstützen 193

cl b) cl

<t>l rb Bü

Haken
versetzen

~ J J~
+- d-4-
für d ~ 4Dcm
4 Eck stö be 3Dcm
ausreichend
e ~15<t>Bü

Bild 14. 1 Bei Fertigteil- Bild 14.2 Verbügelung der Längsstäbe in Stützen mit d ;;;; 40 cm
stützen oder Stützen mit a) mindestens 4 Eckstäbe erforderlich, b) Bügelform , c) bis zu
Endmomenten zusätzliche 5 Längsstäbe in einer Bügelecke
Bügel anordnen

Montage stä be ohne Knic k sicherung

sicherung

Bild 14.3 Beispiele für die Bügelanordnung bei vielen Längsstäben oder größeren Stützen-
querschnitten (d > 40 cm)

135 0 Haken
J-= p=-
b= F==== -tw· -<~
-f 5
b= p:==
~ 8 cm Bügelmatte
1::== r==- > 2 cm + <t>W
= p:==

Bild 14.4 Stoß der Bügelenden bei Bügelmatten

Bild 14.5 Umschnürte, wendelbewehrte Stützen


194 14. Druckglieder

Verankerungen und Stöße der Längsstäbe in Stützen sollen ohne Haken aus-
geführt werden. Ist der Bewehrungsprozentsatz größer als 3 %, so darf in
einem Querschnitt nur die Hälfte der Druckstäbe gestoßen werden (DIN
1045, Abschn. 18 . 4.2.1). Bei Stäben mit ~L ~ 2 0 mm sind Drucküber-
greifungsstöße möglichst zu ve r meiden; Kon takt- oder Muffenstöße (vgl.
Abschn. 5.2) eignen sich besser. Sie sollten möglichst im unteren oder
oberen Drittel der stützenhöhe liegen, wobei auch im Stoßbereich die ge-
forderten Stababstände (auch zwischen Muffen) vorzusehen sind.

Bei Übergreifungsstößen an Ges choßdecken genügt es mei s t , die Eckstäbe


abgekröpft hochzuführen (Bild 14. 6a), um die Momente a ufzunehmen. An
den Umlenkstellen müssen die nach außen wirkenden Umlenkkräfte der
Stäbe durch Bügel aufgenommen werden. Bei sich verjüngenden Stützen
sich Ausführungen nach Bild 14. 6 bund c.

a) b) :L. .::1:a c)
a I

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o/~ ~ ~(h t%~ IY//. ~

tü +

Schn itte : a-a

--
Mx

h ier maß-
gebend

Bild 14. 6 Übergreifungsstöße an Geschoßdecken, Stoß na c h Abschn. 5. 4

Sind Gebäude durch Windscheiben bzw. Kerne ausgesteift (vgl. Abschn.


12.4), so kann auf die oft hinderliche Durchführung der Stützenbewehrung
durch die Decken verzichtet werden, indem man die Stützen bei Ortbeton
direkt oder bei Fertigteilen mit Vergußfuge, z ementmilchgetränktem Mi-
neralfaserfilz (5 mm), Elastomere-Schicht oder gelenkigen Lagern auf
die Decke setzt (Bild 14.7). Bei stark bewehrten Stützen müssen dabei
die Kräfte der Bewehrungsstäbe über Stahlplatten übertragen werden
(Bilder 14.7 d und e). In erdbebengefährdeten Gebieten oder bei Explo-
sionsgefahr können solche Stützen z. B. mit je einem zentrischen hochfe-
sten Stahlstab gegen Hochheben gesichert werden (z. B. Stäbe in Hüllroh-
ren mit Gewindemuffen, nachträglich mit Zementleim vergossen) .
In all diesen Fällen muß durch geplante Maßnahmen sichergestellt werden,
daß die Stützen übereinander stehen.
14. 2 Stahlbetonstützen 195

Detail .A~
a) b) c)
vor bereitete Z entrierhü Ise

Zenlrierstift

3 bis Smm
Zementverguß
mit Standrohr

d) e)
. ~Fe
bIs ~.-F.-
b ~ > 4 ",
:::: 4 ",

-t ~ 12cm

angeschweißte
Stahlplotten

Bild 14. 7 Direktes Aufsetzen von Stützen auf Geschoßdecken a) Ortbeton,


b) bis e) Fertigteile

14.3 Sonderausführungen von Stützen für Hochhäuser

In Hochhäusern sind schlanke Stützen hoher Tragfähigkeit mit durchweg


gleichem Querschnitt in allen Stockwerken erwünscht. Dafür gibt es meh-
rere geeignete und erprobte Lösungen.

14. 3. 1 Stahlkernstützen

Ein massiver Stahlkern aus St 37 bis St 52, Rundstab oder Vierkant wird
mittig in der Stütze angeordnet und mit eng verbügeltem Beton gegen
Feuer, Korrosion und Knicken gesichert (Bild 14.8). Der Querschnitt
des Stahlkerns wird nach Last abgestuft. Die zusätzliche Längsbewehrung
wird als tragend mitgerechnet. Die Stützen können vorgefertigt und in je-
dem Geschoß oder jedem 2. oder 3. Geschoß stumpf gestoßen werden. Die
umschnürte Betonfläche ist so zu bemessen, daß sie zur Auflagerung der
Decken aus Ortbeton ausreicht. (Erste Anwendung auf Vorschlag Leon-
hardt bei Dyckerhoff-Zement Verwaltungshochhaus Wiesbaden - Biebrich,
siehe Heufers [74], weitere Anwendungen siehe K. Boll [75 J) .
196 14. Druckglieder

a)
rp 12, in Ecken zugelegt

Betonstahlmatten zur Ver-


bügelung I/l)L" 12 mm ,
420 /l)aü" 7,5 mm)
Betonstahlmaite zum Schu t z
der Betondeckung

4 20 -------,,~ L

Wendel zur Um schnürung 012, eSt n, w= 32mm


rp 32,51 60/90

4016, BSt m
Maschendrahteinlage

Bild 14.8 Beispiele für Stahlkern-


stützen a) nach [75 ] b) nach [74 ]

Längsbewehrung :

16 032mm, St80/IOS

Fe = 128,6 cm 2
300
I.J. 14,3°'0

L~;W40
Tragfähigkeit

zut P :::: 424 Mp

bei sK = 300 cm

Bild 14. 9 Beispiel einer stark bewehrten Stütze [20 ]

14.3.2 Stützen mit hochfestem Stahl

Durch Stuttgarter Versuche [20] wurde nachgewiesen, daß schlanke Stüt-


zen hoher Tragfähigkeit mit hochfestem Stahl St 90 oder St 80/105 in dich-
ter Anordnung (Fe: F b bis 18 %) unter Ausnützung der hohen Stahlfestig-
keit hergestellt werden können. Die Stabbündel werden eng verbügelt und
einbetoniert. Die Stützen werden wie Stahlstützen gerechnet, der um-
schnürte Beton dient nur zur schubfesten Verbindung der Stäbe und zum
Korrosions- und Feuerschutz. Das Stabbündel wirkt als ganzes zusam-
men und seine Tragfähigkeit wird dadurch in der Regel nur wenig durch
Knickgefahr beeinträchtigt (Nachweis für ungewollte Ausmittigkeit nach
Theorie 2. Ordnung). Die Bemessungsregeln sind in [20 ] ange~ben.
Bild 14.9 zeigt einen Querschnitt mit 16 ~ 32 in einer 30/30 cm Stütze,
die 424 Mp Gebrauchslast trägt, Vorschläge für Auflagerungen von Flach-
decken auf solchen Stützen zeigt Bild 14. 10.
14. 3 Sonderausführung von Stützen für Hochhäuser 197

Schn i tte : Q-Q

Vorschlag I Vorschlag 2

!
...
..l<

:0

.,
Ui
Gi
>
Q

Bild 14. 10 Vorschläge für die Stoßausbildung stark bewehrter Stützen


in Bauten mit Flachdecken

14.4 Durchdringung von Stützen- und Deckenbewehrungen

Bei der Durchdringung von Stützen und Unterzügen ist auf die Lage der
Stützen- und Balkenbewehrung zu achten. Insbesondere muß bei der Be-
messung der Stützbewehrung der Decken und/oder Unterzüge berücksich-
tigt werden, daß in jeweils einer Richtung die Nutzhöhe wesentlich klei-
ner ist als in der anderen. Die Längsbewehrung der Unterzüge sollte nur
mit geraden Stäben entworfen werden, da sich aufgebogene Stäbe nur mit
großem Aufwand einbauen lassen.

Abkröpfungen von Längsstäben der Stützen sind nur bei kleineren Durch-
messern und geringem Bewehrungsprozentsatz möglich, andernfalls muß
die Stütze breiter als der Unterzug ausgeführt werden. Die Stäbe werden
quer zur größeren Momentenbeanspruchung abgekröpft, um die Nutzhöhe
nicht einzuschränken. Beispiele für Durchdringungen zeigen die Bilder
14.11 bis 14.14.

Bild 14.15 zeigt ein Beispiel für eine rationelle Bewehrung mit vorge-
fertigten Bewehrungskörben. Die Körbe der Unterzüge mit verkürzter
Feldbewehrung werden zwischen den Stützen in Schalung eingesetzt. Zum
Anschluß der Feldbewehrung an die Stütze werden Zulagen mit Übergrei-
fungslängen eü = 2 a o nachträglich eingelegt. Anschließend wird die Stütz-
bewehrung und die Plattenbewehrung (ebenfalls vorgefertigt) verlegt.
198 14. Druckglieder

Schnitt · b - b
Schn itt :
Q - Q
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Schnitt : d-d
~d
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1---- Bild 14. 11 Beispiel für Durchdringung Stütze -

I I· f - - - - It-o I Unterzug, Stützenlängsbewehrung durchgeführt

Schnitt : Q -a
='1 b Schnitt : b-b
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Stoß der St Ützen ·


beweh r ung

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( II Randunterzug - Nebenunterzug
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Schnitt : c - c ()
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Stützbewi ung der Unterzüge ()
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I vergle iche Id 9 .16 evtl. Stoßstäbe an der Stütze (1)
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Schnitt : e-e ::l
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obere Pla tten bewe hr u ng in obere Plattenbewehrung in
y - Ri chtung x - Richtung (Oberste Lage)
Schn itt in der Decke f-1
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200 14. Druckglieder

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11 I I ,. -- I Bild 14. 14 Beispiel für Durchdringung
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~ I t J verschiedenen Abmessungen

-5'1
Vertikalschnitt :
- 5 cm
r-I'-- CD3 stutzbewehrung
. (0stützbewehrung
des Unterzugs der rlQ tte CD
J
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Büge lkorb
J- ~ü -J.- R?~' \
CD Bewehrungskorb CD Stoß stäbe / ~ ~ ~ü -+- mit e n
i ge-
legter Feld-
beweh rung

Montagetolge: CD. CD· ® . CD


Bild 14. 15 Beispiel für eine Durchdringung von Unterzügen und Stützen mit vorgefertigter Bewehrung
14.5 Bewehrung von tragenden Wänden 201

14.5 Tragende Wände

Zunächst ist die Notwendigkeit einer Bewehrung nach [1 aJ, Abschnitt


10.7 in Abhängigkeit von der Schlankheit, der Ausmitte und der Belastung
zu prüfen. Die Tragfähigkeit kann durch Zentrierung der Wandlasten an
den Decken nach Bild 14. 16 gesteigert werden. Weitere Steigerung er-
gibt sich durch Anordnung lotrechter Bewehrung, die wie in Stützen zu
bemessen ist.

Bei unbewehrten Wänden mit Längen von mehr als 3 bis 5 m besteht die
Gefahr von sichtbaren lotrechten Rissen aus Schwind- und Temperatur-
spannungen. Bei bewehrten Wänden können sie klein gehalten werden,
wenn eine ausreichende horizontale Bewehrung mit engem Stababstand
und kleinen Durchmessern eingelegt wird (Bild 14.17). Nach H. Fa I k-
ne r [76] kann es nötig werden, sie stärker auszuführen als die lotrech-
te Bewehrung.

Die lotrechte Bewehrung gehört in die zweite Lage, damit auf eine Knick-
sicherung der Druckstäbe verzichtet werden kann. Die in DIN 1045 noch
vorgeschriebenen 4 S-Haken j m 2 haben sich in Versuchen als unwirksam
erwiesen. Man sollte sie nur anordnen, wenn die Druckstäbe ~L > 14 mrn
und mit ü L < 2 ~L verlegt sind (Bild 14.17).

Bild 14. 16 Zentrierung von Wandlasten an Decken

Schnitt Ansicht

...,E
Druckstäbe in 0
N
2 . Lage -#--

,.. VI::r:
'"
$L

5 - Haken G--':J nur


be i Cl>L>12mm und üL< 2$L

Bild 14. 17 Bewehrung von Stahlbetonwänden


202 14. Druckglieder

Bei geschweißten Matten können die Stäbe in Druckrichtung auch außen


liegen, wenn der Abstand der Querstäbe e ~ 20 cm ist, weil die Schweis-
sung die Stäbe zugfest miteinander verbindet und damit die größere Be-
tondeckung der Querstäbe wirksam wird.

Bei Versuchen mit Wänden unter Druck versagt meist die obere Zone un-
terhalb der Decke, weil der Beton dort durch Sedimentation weniger fest
ist und die Einleitung der Last Querzug hervorruft. Deshalb ist bei stark
belasteten Wänden eine leichte Querbewehrung am oberen und unteren Rand
der Wände angezeigt (Bild 14 . 18).

Lotrechte Wandränder sind mit U-förmigen Bügeln oder Matten einzu-


fassen, die auf eine Breite von 2 d oder mit der Länge a o einbinden
(Bild 14.19).

Soweit in den Wänden kein lotrechter Zug (z. B. infolge Windscheiben-


wirkung) übertragen werden muß, sind "Anschlußstäbe" von Geschoß zu
Geschoß vollkommen unnötig (Bild 14.20); durch Wandmarken muß aber
dafür gesorgt werden, daß die obere Wdnd genau über der unteren steht.
In erdbebengefährdeten Gebieten oder bei Explosionsgefahr muß im Ein-
zelfall die Notwendigkeit einer Anschlußbewehrung überprüft werden.

~4 bis Smm
e = 10 bis IScm

Bild 14.18 Sicherung des oberen Wandstreifens stark belasteter Wände

meist unn ö tig

Bild 14.19 Lotrechte Wandrän- Bild 14. 20 Anschlußstäbe in


der sind mit U-förmigen Bügeln Wänden sind unnötig, wenn kein
oder Matten einzufassen lotrechter Zug übertragen wer-
(Horizontalschnitt) den muß
14. 6 Bewehrung von Untergeschoßwänden bei Erddruck 203

14.6 Untergeschoßwände bei Erddruck.

Die notwendige vertikale Bewehrung von UG-Wänden bei Erddruck hängt


stark von der Größe der durch das Biegemoment aus Erddruck hervorge-
rufenen bezogenen Ausmitte der lotrechten Eigengewichtslasten ab. Bei
vielgeschossigen Häusern ist die Ausmitte der Druckkraft meist sehr ge-
ring und es genügt eine leichte lotrechte Bewehrung, wenn die Anfüllung
des Erdkeils erst nach dem Errichten des Rohbaues genügend vieler Ge-
schosse vorgenommen wird. Die Einspannungen der UG-Wand in das Fun-
dament und in die Decke über UG tragen dazu bei, daß die Ausmitte klein
bleibt (Bild 14 . 21).
Die horizontale Bewehrung solcher UG-Wände muß kräftig ausgebildet
werden , wenn die Wand bei Längen über ca. 15 m keine groben R iss e
aufweisen darf. Dabei sind Eigenspannungen und Z wa n ginfolge trocke-
ner UG-Luft (Schwinden) oder durch Temperaturgradienten als Rißursa-
chen zu beachten. Damit ergibt sich eine doppelseitige Netzbewehrung,
die im Normalfall innen stärker ist als außen. Die Abstände der horizon-
talen Stäbe müssen zur Rissebeschränkung klein sein. Die Stöße der ho-
rizontalen Bewehrungen müssen für volle Deckung der zulässigen Z ug-
kräfte bemessen sein.

Sickerschichten (z. B. aus Lochziegeln oder dgl.) sind dringend zu empfeh-


len, da sie in Verbindung mit einer Ringdrainage die Bildung von Druck-
wasser verhindern, das leicht auch durch feine Risse in das UG eindrin-
gen könnte .

An Querwänden ist die drei- oder vierseitige Lagerung der UG-Wand mit
den außen horizontalen Zug erzeugenden Momenten zu beachten.

.---E

Sickersch ich!

Bild 14.21 Bewehrung von


Untergeschoßwänden bei
Erddruck
15. Krafteinleitungsbereiche

15.1 Grundsätzliches

Unter konzentrierten Lasten (concentrated load) und allgemein hinter je-


der konzentriert eingeleiteten Kraft entstehen Spaltzugspannungen quer
zur Druckrichtung, die die Betonzugfestigkeit überschreiten können und
dann zum Entstehen von Rissen und schließlich zum Bruch (Aufspalten)
des belasteten Körpers führen. Im Teil Il, Abschn. 3 [1 bJ I wurden Ver-
lauf und Größe der Spaltspannungen und die Berechnung der resultieren-
den Spaltkräfte zur Bemessung der erforderlichen Spaltbewehrung behan-
delt. Die Wirkung dieser Bewehrungen ist aber nur dann gewährleistet,
wenn sie richtig angeordnet und verlegt werden. Dazu muß man den Ver-
lauf der Spalt zugspannungen und ihre Ausbreitung im Körper vor Augen
haben. In Bild 15.1 sind nochmals typische Bilder dazu gezeigt.

Ist die Tiefe der Lasteinleitungsfläche etwa ebenso groß wie die Scheiben-
dicke b, dann wirken Spaltzugkräfte nur in Richtung der Scheibenebene.
Häufig ist das Bauteil auch in Querrichtung breiter als die Lastfläche,
dann breitet sich die Kraft räumlich aus und die Spaltbewehrung muß we-
nigstens in zwei Richtungen für die Spaltkräfte Zy und Zz vorgesehen
werden (Bild 15.2). Ihre Abstände x von der Lastfläche sind nur dann
gleich, wenn in y - und z -Richtung das gleiche Verhältnis von Lastbreite
zu Körperdicke vorliegt. Meist sind die Verhältnisse verschieden und da-
mit Größe und Lage von Zy und Zz unterschiedlich, was beim Entwurf
der Bewehrung zu beachten ist.

0) o
b) cl
p
p p

Zy d

Bild 15. 1 Darstellung von typischen Spannungszuständen bei Kraftein -


leitung in eine Scheibe : a) Trajektorien der Hauptspannungen b) Verlauf
der Querzugspannungen (Jy und Lage der resultierenden Spaltkraft Zy
c) Isoklinen der Zugspannungen (schraffiert = Druck)
206 15. Krafteinleitungsbereiche

p y y- R ichtung
z-Richtung
p
p

)(

Bild 15. 2 Kraftausbreitung in einem prisma tischen Körper, Verlauf der


Spaltspannung Gy und Gz und Lage x y und X z der Spaltkräfte Zy und Zz
in den zwei Hauptebenen

Die Spaltkräfte wurden mit Hilfe der Elastizitätstheorie für homogenen


Baustoff ermittelt. Versuche mit Stahlbetonkörpern [77, 78J zeigten,
daß die dafür ermittelte Bewehrung ausreicht. Allerdings setzen sich im
Zustand II die Risse, die im Bereich der größten Spaltspannungen begin-
nen, in Richtung zur Lastfläche in den Bereich ursprünglicher Druckspan-
nungen fort. Fehlt dort Bewehrung, dann versagt der Körper vorzeitig
durch seitliches Ausbrechen der unbewehrten Zone. Die Bewehrung in
Krafteinleitungsbereichen muß also mit Zulagen zur bemessenen Beweh-
rung bis zum belasteten Rand ausgedehnt werden, zudem ja auch die Rand-
zugkräfte gedeckt sein müssen.

15.2 Arten zweckmäßiger Spaltbewehrungen

Die Verteilung der Spaltspannungen nach Bild 15.1 legt es nahe, nur dün-
ne Stabdurchmesser in mehreren Lagen zu verwenden und sie dicht an den
seitlichen Außenflächen zu verankern. Am einfachsten sind rechteckige,
mehrschnittige geschlossene Bügel (Bild 15.3). Wirken die Spaltkräfte
horizontal, wie z. B. unter Betongelenken oder unter Stützen, dann kön-
nen auch Mehrfach-Schlaufen nach Bild 15.4 in mehreren Lagen verwen-
det werden. Die mit Haken versehenen Enden dieser Schlaufen sollten
von Lage zu Lage verschwenkt werden.

Geschweißte Bewehrungsmatten sind für Spaltbewehrungen besonders ge-


eignet (Bild 15.5).

Für Spannglied-Anker werden häufig Wendeln nach Bild 15.6 verwendet,


sie sind auch in den Endbereichen runder oder quadratischer Stützen un-
ter Gelenken geeignet.

Greift die Last stark ausmittig an, dann ist nicht die Spaltkraft sondern
die Randzugkraft (vgl. [1 b, Abschn. 3.3. 2J) für die Bemessung und Be-
wehrung des Körpers maßgebend. Dafür sind Schlaufen parallel zur
Randfläche günstig, die rückwärtig ausreichend verankert werden müs-
sen (Bild 15. 7 und 15. 8).
15. 2 Arten zweckmäßiger Spaltbewehrungen 207

r- )

0
I I
I I
t I
d t I
I I
I I
I I
I
t __ J I

- 0,7 d

- ..
-Q)
·-·--·-·-b-
I 1 !

-:-. l
~

" !
I
Bild 15. 3 Aufnahme der Spaltkräfte
mit Bügeln im Steg eines vorgespann-
L L
'-O,7b' ten Trägers

--=> c
-
<D .CiY
'0
r--
o'
I

j
L-L- _ _ L-- _ . L..-- L---- L-- . L-

Bild 15.4 Mehrfach-Schlaufen


in horizontalen Lagen, hier
unter einem Betongelenk

Bild 15. 5 Geschweißte Matten,


die wie die Bügel in Bild 15.4
in horizontalen Lagen verlegt
werden können.
208 15. Krafteinleitungsbereiche

Bild 15. 6 Wendeln in Stützen Bild 15.7 Bewehrung für Rand-


und hinter Spanngliedern zugkräfte bei ausmittig angrei-
fenden Lasten auf einer Stütze
b)
F 0,25 P
e - ßS/V Schnitt

I
I

.-.r . ~

Bild 15.8 Bewehrung für Randzugkräfte bei ausmittig angreifenden


Lasten am Ende einer Wand

t"1iimam!!I;mww liiwm,,"""'" '1 i 'jmi mei!": 9i" '{ Feld bewehrung


der Wand

I ~ 5 tützbewehrung

I
der Wand

j
Streifen -
fundament

Bild 15,9 Bewehrung einer Wand bei Belastung durch Stützen oder
Unterzüge
15.2 Arten zweckmäßiger Spaltbewehrungen 209

In Hochbauten belasten häufig Unterzüge oder Stützen die Untergeschoß-


wände (Bild 15.9). Hierbei sind in Längsrichtung der Wand Bewehrungen
wie bei wandartigen Trägern (vgl. Abschn. 12. 1. 2) vorzusehen. Wird in
der Aufstandsfläche der Stütze die erhöhte zul. Pressung nach GI. (13) in
DIN 1045 in Anspruch genommen, dann ist die vertikale Bewehrung noch
auf die Länge von etwa 2· a o in die Wand zu führen und gestaffelt zu en-
den. Ist die Stütze schmaler als die Wand dick ist, dann müssen Bügel
für die daraus entstehenden Spaltkräfte angeordnet werden, wobei die Bü-
gel eine Betonfläche umschließen sollten, die allein die Stützenlast tra-
gen kann.

Ergänzung zu 9.4.2 Anschluß von Gurtplatten mit Querbiegung


(alles für v-fache Schnittkräfte zu rechnen! )

Fex = 2Fe l + FeO = erf. Fex

- - - fe 1I} fey =
- - - fel2 feH' fe12

G2 aus my
v Mx und Gurtplattenschub T'
V Qx

Grundri ss
z'y
Kraft ec k
auf !::. x = I be-
zogene Kräfte
T'

Fey

Bild 9.16 a Bemessungsmodell und Bezeichnungen für den Anschluß


von Gurtplatten nach dem Vorschlag von Kupfer [94 ]

Meist werden Gurtplatten quer zum Balken auf Biegung durch ~ bean-
sprucht. Die Querbiegemomente ergeben Biegerisse, die durch den Schub-
fluß aus Qx im Plattenbalken gemäß den Hauptspannungen 0"1 und 0"2 eine
Neigung e zur Balkenachse erfahren, die hier ohne Einfluß von m y er-
mittelt wird. Die Druckspannungen aus Gurtplatten-Schub T und Querble-
gung werden nur im Bereich der Biegedruckzone mit Höhe x übertragen.
Die Zugkräfte Z Saus T werden dort durch Querbiegedruck aufgehoben,
so daß ZyB aus fuund ZyS aus T nicht addiert werden müssen, es ge-
nügt vielmehr f ey fur den größeren der beiden Zy-werte zu bemessen.

H. Kupfer [94] hat dieses Problem in groß angelegten Versuchen unter-


sucht und kommt zu folgenden einfachen Nachweisen:

Die auf die Längeneinheit aufzunehmende bezogene Schubkraft am Platten-


anschluß wird

In Druckgurten vorh T ~
muß sein< T'
D oder Z
aufnehmbar
v Qx F 1
e
m 7uggurten vorh T~ ..,......---::~-

h - 0,5 d Fex
210 Ergänzung zu 9.4 Besonderheiten bei Plattenbalken

Die aufnehmbare bezogene Schubkraft ist in D ru c k gur te n :

aufn. T'
D
[ (f
e1l
+ f
e12
). i3
0,2
- (J
y
• d J. cot 8 für a = 90 0

F
f ell + f el2 =
f ey = ~ [cm 2 /mJ
ey

f Querbewehrung, einschließlich der Bewehrung für


ey
m , d. h. f 11 ~ f für m
y e e y
Querzugspannung infolge Scheibenwirkung des Flansches
_q 'J.
b 21
(J Y - - 2 - ' T.( h----::0:-,75 -d;-;-)--:-b-.-d-C:-

vorh T~
cot 8 (J

d)
2' - (J • d
m
m
'J. M
x
(J aus Hauptträgerbiegung
x (h - 0,5 d) • b. d

8 wird näherungsweise der Richtung der schiefen Hauptdruckspannungen


im Zustand I unter Vernachlässigung von m gleichge~etzt.
y
Zur Vermeidung eines Druckbruches in der Biegedruckzone der Platte
müssen folgende Bedingungen eingehalten sein:

vorh T~ < aufn. T~ d J(+)2 _(J~


oder x .J (~ - (J) (~ (J~)' -

oder

f i3
(JI
-(J·d
mit ey 0,2 Y
Y x

x =

x = Höhe der Druckzone

In Zuggurten ist 8 = 45 0 anzunehmen und die aufnehmbare bezog.


Schubkraft

Als Sicherung gegen Druckbruch muß sein:

vorh T ~ < aufn. T ~ = d. i3.R/2

= x . Vßa (~ - (J~)'
16. Fundamente

16.1 Vorbemerkung

Die Abmessungen von Fundamenten (foundations) hängen ab von der Be-


schaffenheit des Baugrundes bis in Tiefen von mindestens der 3 -fachen
größten Fundamentbreite (bei Silos u. dgl. 2-fache Bauwerksbreite) und
von den dem Bauwerk zumutbaren Setzungen - insbesondere ungleichen
Setzungen benachbarter Fundamente. Ungleiche Setzungen sind möglichst
durch geeignete Wahl des Verhältnisses von Fundamentfläche zu Boden-
pressung unter Beachtung der Überschneidung der Druckausbreitung eng
benachbarter Fundamente zu vermeiden. Ist das Bauwerk selbst in verti-
kaler Richtung steif, so werden Ungleichheiten des Bodens durch Um la -
gerung der Stützkräfte ausgeglichen - diese Umlagerungen müssen aber
in ihrer Auswirkung auf die inneren Kräfte im steifen Überbau abgeschätzt
werden. Ist das Bauwerk vertikal biegeweich, erlaubt es also ungleiche
Setzungen ohne großen Widerstand des Überbaues, so sind diese unglei-
chen Setzungen auf Größen zu beschränken, die die Gebrauchsfähigkeit
nicht beeinträchtigen.

Bei allen Umlagerungskräften durch das Baugrundverhalten handelt es


sich in statisch unbestimmten Überbauten um Zwangsschnittgrößen, die
sich durch Kriechen des Betons verkleinern.

Bei der Berechnung von großen Gründungskörpern ist unter Wahrung der
Gleichgewichtsbedingungen die Verteilung der Bodenpressung so zu be-
stimmen, daß die Verformungen des Gründungskörpers an jeder Stelle
mit den Setzungen des Baugrundes übereinstimmen. Geschlossene Lö-
sungen sind nur für Sonderfälle möglich. Die zahlreichen Näherungsbe-
rechnungen beruhen entweder auf dem Be t tun g s z a h I ver fa h ren [79,
80J oder dem Steifezahlverfahren, wobei dem letzteren in der Re-
gel der Vorzug zu geben ist, da damit das Setzungsverhalten des Bodens
zutreffender erfaßt wird. Bei räumlichen Problemen muß man sich in der
Praxis meist mit groben Abschätzungen begnügen, dagegen sind für ein-
achsig gespannte Gründungsplatten praxisnahe Berechnungsverfahren be-
kannt, z. B. [81 bis 84J .

Unter s ta r ren Gründungskörpern ist die Verteilung der Bodenpressun-


gen nicht gleichmäßig. Bild 16.1 a zeigt qualitativ die Veränderung des
Verlaufes der Bodenpressung in Abhängigkeit von der Belastungshöhe,
grundsätzlich gültig für alle Bodenarten. Bei den üblicherweise unter Ge-
brauchslast zugelassenen Bodenpressungen stellen sich die in Bild 16. 1 b
dargestellten Verläufe bei steifem und weichem Boden ein. Für die Be-
messung unter erforderlicher Traglast genügt also in der Regel die An-
nahme einer gleichmäßig verteilten Bodenpressung Ps'

Bei bi e ge we ich e n Fundamentplatten führen die Verformungen des


Fundamentes dazu, daß bei steifem Boden die Bodenpressung unter der
Stütze höher ist als am Rand (Bild 16. 2b). Bei weichem Boden ergibt
sich dagegen eine nahezu gleichmäßige Bodenpressung (Bild 16.2 a). Dem-
nach können bei rechnungsmäßiger Annahme gleichmäßig verteilter Pres-
sung p auf steifem Untergrund die ermittelten Schnittgrößen um etwa 10 0/0
ermässigt werden. Dabei ist die Pressung p die Bodenpressung Ps abzüg-
lich der Pressung des Eigengewichts der Fundamentplatte.
212 16. Fundamente

Stehen ausreichende Bauhöhen für die Fundamente zur Verfügung, und ist
der Boden gleichmäßig steif, so können Fundamente als Streifen oder
Blöcke aus unbewehrtem Beton gemacht werden. Für bewehrte Fundamen-
te wird zunächst eine 8 bis 12 cm dicke Sauberkeitsschicht aus unbewehr-
tem Beton etwa der Güte Bn 150 hergestellt, die eine saubere und ebene
Unterlage zum Verlegen oder Einbau der Bewehrung und der Schalung er-
gibt (stets nach m 2 Fläche ausschreiben! ).
Kommen Fundamente in den Grundwasserbereich, so ist zu prüfen, ob das
Grundwasser nicht aggressiv ist (erfahrene Prüfanstalt zuziehen). Je
nach Aggressivität muß der Zementgehalt (evtl. widerstandsfähiger Son-
derzement) hoch gewählt, die Rißbreite auf 0,1 bis 0,2 mm beschränkt
und die Betondeckung vergrößert werden. In Sonderfällen empfiehlt sich
zur Risseverhütung eine Vorspannung. Bei sehr aggressivem Grundwas-
ser, hohem Grundwasserdruck, oder bei gegen Feuchtigkeit empfindlicher
Nutzung müssen Dichtungswannen angelegt werden.

16.2 Streifenfundamente für Wandlasten


Die Breiten von Streifenfundamenten eines Gebäudes mit unterschiedlicher
Belastung sollten nicht für gleiche Bodenpressung Ps' sondern für glei-
che Setzung bemessen werden. Hierzu gibt Bild 16. 3 eine Anleitung für
dicht gelagerten Sand [85 J.
Streifenfundamente können u nb ewe h r t bleiben, wenn die Lastausbrei-
tung nicht flacher als 1 : n gegen die Horizontale geneigt ist.

2
Bodenpressung: p ~ 1 2 3 4 5 [kp/cm ]
s

Bn 50 1,6 2,0 2,0 unzulässig


Bn 100 1,1 1,6 2,0 2,0 2,0
Bn 150 1,0 1,3 1,6 1,8 2,0
Bn 250 1,0 1,0 1,2 1,4 1,6
Bn 350 1,0 1,0 1,0 1,2 1,3

Tabelle 16.1 n-Werte aus Abschn. 2.7 der Erg. Best. zu DIN 1045
Fassung April 1975 (n. H. Bub [86] )
Für mittig belastete be weh r teStreifenfundamente wird unter Annahme
gleichmäßig verteilter Bodenpressung das Biegemoment nach der Balken-
theorie ermittelt, maßgebende Schnittgrößen siehe Bild 16.4. Die Nutz-
höhe h ist möglichst so zu wählen, daß Schubbewehrung nicht erforderlich
wird. Dies ist der Fall, wenn im Schnitt x = c/2 + h/2 (Bild 16.5) T O un-
ter dem Wert Toll der DIN 1045 für Platten ohne Schubbewehrung bleibt.
Die Stuttgarter Versuche [87J an Fundamentplatten zeigten, daß sich bei
gutem Verbund ein System steiler Druckstreben einstellt, das zu rascher
Abnahme der Stahlspannungen führt und bei dem am Rand außen keine gros-
sen Zugkräfte mehr zu verankern sind (Bild 16. 6 b). Die Annahme eines
ein f ach e n Sprengwerkes mit flachen Streben, die sich nur am äußeren
Rand abstützen, ist als Grenzfall bei mangelhaftem Verbund und äußerer
Hakenverankerung anzusehen (Bild 16.6 a). Da bei Fundamentbewehrungen
durch Verschrnutzung der Bewehrungsstäbe leicht eine Beeinträchtigung des
Verbundes eintritt, sollte die für die Biegung erforderliche Bewehrung aus
diesem Grund auf keinen Fall abgestuft und immer am Ende mit Winkelha-
ken oder bei Matten mit angeschweißten Querstäben versehen werden. Durch
den steilen Abfall der Stahlspannungen nach Bild 16. 6 b treten hohe Ver-
bundspannungen auf, die die Gefahr eines Verbundbruches hervorrufen, der
zum Abplatzen der Betondeckung führen kann. Nachweise zur Sicherung ge-
gen Verbundbruch s. Abschn. 16. 3. 1. 4.
Ist bei flachen Streifenplatten Schubbewehrung nötig, so ist sie in Form von
zusätzlichen aufgebogenen Matten oder Bügelreihen am Beginn des
16. 2 Streifenfundamente für Wandlasten 213

b) gl eiche Last _

ste i fer
Boden
we iche r
Boden

" Beg inn der Boden -


pl ast if izierung
"' V ' "/
Grundbruchlast

Bild 16.1 Qualitative Verteilung der Bodenpressung bei starrem Funda-


mentkörper a) Einfluß steigender Belastungshöhe, gültig für alle Böden,
b) Unterschied z wischen steifem und weichem Boden bei gleicher Last

I I!
~ !I! I!'\IIII
1 11
,1'1
1I II I

we lche r
j

Boden
l!

steiter
Boden

Bild 16.2 Qualitative Verteilung der Bodenpressung bei biegeweicher


Fundamentplatte a) bei weichem Boden b) bei steifem Boden

wahrscheinlichen Schubrisses (= 45 0 Linie) einzubauen (Bild 16. 7) . Eine


obere Bewehrung des Streifenfundaments ist nicht nötig, wenn die last-
bringende Wand keine großen Einspannmomente aufweist.

Die Wirkungsweise von Fundamenten erlaubt eine Abschrägung der Ober-


fläche bis etwa 20 0 , wenn der Beton steif eingebaut wird (keine obere Scha-
lung nötig, Seitenschalung niedriger). Die Abschrägung verbessert auch
die Lagerung der Keller-Bodenplatte (Bild 16.8).

Bei gleichmäßigem Baugrund genügt eine schwache Bewehrung in Längs-


richtung des Streifenfundamentes f ey "" 0,1 fex' bei ungleichmäßigem
Grund muß sie wegen möglicher Längsmomente stärker gewählt werden.
Ihre Bemessung hängt davon ab, ob die Wand mitwirkt oder ob bei gemauer-
ten Wänden das Streifenfundament allein ilberwiegend den Ausgleich i n
Längsrichtung bewirken muß.
214 16. Fundamente

N
E
25
noch Mo Bgobe der Grundbruchsicherheit
t-c-t
~ - - - im Grundwasser - - trocken
Q.
...:!.
Mauerwerk
'"
Q.
20
"
N

15 1---\--~

Stahlbeton

Breite
o ',0 2,0 3,0 b (m )

Bild 16. 3 Abhängigkeit der Fundamentbreiten


Bild 16. 4 Maß ge bende Schnittgrößen für
und zulässigen Bodenpressungen (zul ps) für Streifenfundamente
mittig und lotrecht belastete Streifenfundamen-
te von Sohltiefe t und erträglicher Setzung s
bei dicht gelagertem Sand [85J

al

Gre nzfa 11 bei


mangelhaftem
Verbund

Sauberkeitssch icht t 1t t 1I I ! t t 1 p

Momentenflöche
für p: const .

Tragwirkung
b)
bei gutem
Verbund

ftt!!!!!tl1111111111~
~ )(~
p Stahlspannung
bei g l eichmössigem P

Bild 16. 5 Bewehrte s Streifenfunda- Bild 16.6 Tragwirkung und Ver-


ment a) Momente b) Lage des Schnitts lauf der Stahlspannung in der Beweh-
zum Nachweis der Schubspannung rung von Streifenfundamenten
16. 2 Streifenfundamente für Wandlasten 215

Bild 16. 7 Schubbe-


wehrung in flachen
Streifenfundamenten

Plotte kann

Bild 16.8 Ausbil-


dung von Bodenpla t-
ten an Streifenfun -
damenten

so

l
C J
zur Ergänzung der Hauptbewehrung

Bild 16.9 Bei ausmittiger Belastung wird die Anschlußzugbewehrung in


die Richtung der Resultierenden abgebogen

Kann ausmittige Belastung eintreten, z. B. durch Erddruck, dann ist für


die Bemessung der Biegebewehrung nach Bild 16.9 max M zu wählen und
die höhere Schub- und Verbundspannung auf der Seite der Resultierenden
zu beachten. Die Zugbewehrung der Wand ist unten in die Richtung zur Re-
sultierenden abzubie gen (Bild 16. 9) und mit ausreichender Länge an die
Hauptbewehrung des Fundaments anzuschließen, bzw. als Ergänzung der
Bewehrung ganz durchzuführen. Bei Erddruckwänden ohne oder mit gerin-
ger Last auf der Wand muß das negative Moment der Fundamentplatte in-
folge der Erdauflast beachtet werden (siehe Bild 11. 20) . Sofern die Wand-
auflast auf einem Bankett durch Öffnungen (Türen) unterbrochen ist, muß
dieser Bereich wie ein Balken bewehrt werden (Bild 16.10).

Ein sei ti ge St reife nfu nd a m ente an Grundstücksgrenzen sind mög-


lichst in kurzen Abständen ( "" 12 d) durch Querwände oder Querpfeiler
gegen Verdrehen auszusteifen, damit ihre Torsionssteifigkeit für die Ver-
teilung der Bodenpressung zur Geltung kommt. Sie sind entsprechend auf
Torsion zu bewehren (Bild 16. 11) oder die Wand ist für die Weiterleitung
des Momentes infolge des ausmittigen Kraftangriffs zu bewehren.
216 16. Fundamente

Tür~
hOIf--- - - .f

Bewehrung
.. p . f2
fur m = - - -
16

Stre i f~nfundament

unt~re Läng sbeweh rung


p . .(2
mind . f ür m :- -1 0-

Bild 16. 10 Zusätzliche Bewehrung in Streifenfundamenten bei unterbro-


chenen Wänden

schwach ausgeste i ft

----
Rippe ___ Sc hni t t a - a

a a

Ps

Bild 16. J 1 Einseitige Streifenfundamente an Grundstücksgrenzen

al bl cl
c
~
~

~
I /
/ I

"'-
I-50'!. 60·
1

1""'-
1-50·-,60·

Bild 16. 12 Unbewehrte Einzelfundamente für Stützen, a) und b) für


N/Fst~0,5 ßwN des Fundaments,c) für N/F st > 0,5 ß wN
16. 3 Einzelfundamente für Stützen 217

16.3 Einzelfundamente für Stützen

16. 3. 1 Vorwiegend mittig belastete Fundamente

Für mittige Stützenlasten eignet sich die quadratische Fundamentplatte.

16. 3. 1. 1 Unbewehrte Einzelfundamente


Auch unter Stützen können die Fundamente u n b ewe h r taus Bn 100 bis
Bn 350 ausgeführt werden, wenn genügend Höhe ohne zu hohe Aushubko-
sten zur Verfügung steht (Bild 16.12). Für das Verhältnis b/d gelten da-
bei in beiden Richtungen x und y die gleichen Regeln wie in Tabelle 16. 1.
Für große Abmessungen treppt man das Fundament mit 1 bis 2 Stufen ab.
Bleibt die Stützenpressung N/F st § 1/2 ßwN des Fundamentbetons, dann
kann die Stütze ohne Anschlußbewehrung aufgesetzt werden. Ist die Stüt-
zenpressung größer, dann muß ein bewehrter, verbreiterter Stützenfuß
zwischengeschaltet werden (Bild 16. 12 cl.

16. 3. 1. 2 Bewehrte Einzelfundamente


Flache Fundamentplatten mit etwa d < i(b-c) müssen für Bie-
gung bemessen und bewehrt werden. Außerdem ist die Gefahr des Durch-
stanzens und des Verbundbruches zu beachten. Im allgemeinen werden die
Schnittkräfte für gleichmäßig verteilte Bodenpressung ermittelt, siehe Ab-
schnitt 16. 1.

Die Hauptmomente verlaufen im Zustand I in Stützennähe radial und ring-


förmig (rotationssymmetrisch). Zur Vereinfachung werden die Fundamen-
te jedoch zweiachsig für die Biegemomente m x und ffiy bemessen. Diese
Momentenkomponenten sind nun über die Plattenbreite nicht gleich groß,
sondern nehmen von innen nach außen erheblich ab, wobei die Verhältnisse
der Stützenbreite zur Plattenbreite c/b, in geringem Maß auch Platten-
dicke zur Plattenbreite d/b Einfluß haben.

H. Dieterle gibt in seiner Stuttgarter Dissertation [87J die Momenten-


verteilung m x in einem Schnitt '1 - 1 in Richtung des Momentenvektors
m x an (Bild 16.13 a). Diese Momente wurden mit der klassischen Plat-
tentheorie ermittelt. Ein Vergleich mit den Schnittgrößen nach der ver-
schärften Reisner' schen Plattentheorie ergab Abweichungen bis zu 10 %.
Wie dem Bild 16.13 a zu entnehmen ist, kann man die in x-Richtung lie-
gende Bewehrung für c/b ~ 0,3 in y-Richtung gleichmäßig verteilen, wäh-
rend sie für kleinere c/b etwa nach den Linien des Bildes 16. 13 a im
Stützenbereich konzentriert werden sollte. Den Verlauf der Biegemomen-
te m x über eine Parallele zur x -Achse betrachtet, zeigt Bild 16. 13 b. Die-
se Momente nehmen demnach rascher ab als bei Biegung eines Stabes. Die
bei Stuttgarter Versuchen [87J gemessenen Stahlspannungen zeigen, daß
die Zugkraftlinie Z etwa um v = h/2 gegenüber der m/z-Linie versetzt
ist (Bild 16. 14). Demnach nimmt die Zugkraft von Stützenrand aus zu-
nächst sehr steil ab (hohe Verbundspannungen), am Rand verbleiben je-
doch entgegen früheren Vorstellungen keine großen Zugkräfte zu veran-
kern, so daß man bei Verwendung geschweißter Matten auf Endhaken ver-
zichten kann. Bewehrungen aus Einzelstäben sollten jedoch Winkelhaken
erhalten, vgl. S. 212.
218 16. Fundamente

In der Praxis wird die Aufteilung der Bewehrungen in annähernd quadrati-


schen Fundamenten über die Plattenbreite in der Regel nach Grotkamp [88J
ermittelt. Schnitt größen von rechteckigen Platten können dem Tabellen-
werk von Stiglat und Wippel [37 aJ entnommen werden.

Beim oben abgeschrägten Fundament werden die Momente unter der Stütze
auf Kosten der Randmomente noch etwas größer, doch kann man ohne Ein-
buße an Tragfähigkeit die gleiche Verteilung wählen wie bei Fundamentplat-
ten mit gleichbleibender Dicke. Auf die Vorteile der Abschrägung für die
Keller-Bodenplatte (Bild 16.8) wird verwiesen.

Bei großen Einzelfundamenten lohnt sich eine Abschrägung in der Boden-


fuge; außerdem können dabei achteckige Platten vorteilhaft sein (Bild 16.15),
in denen sich starke Bewehrungen auf 4 Lagen in 4 Richtungen verteilen
lassen, so daß die größte Abweichung der Bewehrungsrichtung von der
Hauptmomentenrichtung nur maximal 22,5 0 beträgt. Dadurch werden die
Rißbreiten in solchen Fundamenten etwa nur halb so groß wie bei zwei Be-
wehrungsrichtungen.

Eine obere Bewehrung ist bei vorwiegend mittig belasteten Funda-


mentplatten nicht nötig und außerdem für das Betonieren sehr hinderlich.

Die Ans chI u ß s t ä b e der S t ü tz e n können ohne Haken unten auf die
Sauberkeitsschicht oder mit einem angeschweißten Bügel auf die Beweh-
rungsmatten gestellt werden.

Radiatbewehrung (4 La gen J

Bild 16. 15 Achteckiges Fundament bei großen Abmessungen und hoher


Belastung mit Ringbewehrung für Wirkung als Kreisplatte

16.3.1.3 Sicherung bewehrter Fundamentplatten gegen Durchstanzen


Die Versuche [87J zeigten, daß Fundamentplatten wegen des hohen Last-
anteiles, der von unten auf den Durchstanzkegel wirkt, mit etwa 45 0 Nei-
gung des Kegels durchbrechen, während man bei Flachdecken Kegelnei-
gungen von 30 0 bis 35 0 beobachtet (vgl. Abschn. 8.3.5.1). Außerdem
zeigte sich, daß die für das Durchstanzen maßgebende Querkraft mit
2
TI dk
(16. 1)
4

angesetzt werden darf (Bild 16. 16). Mit QR wird ein Rechenwert

T
R
= QR / (u· h) (16. 2)
219
16. 3 Einzelfundamente für Stützen

,16
K max . m x : °'1 71
' \ ......___ c/b = 0,1
° ,14

\
o,12
max . mx :0106\ V C/b = 0,2
L-~-4, I
o,1O
I ',<:, ~ / c/b= 0,3
o,01: mox. mx : 0,077 ,

--.-' .....
10--'-' '.
~>-,~~
'<. l"'___ _
-.
0,06
....... '- -- -.-
0, 04 -._.-
0, 02

ytb
')K 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5
b

t\0,171
,16

o,14
\ / c/b = 0,1
-l-- b- - - J.
'\
°,12
O"~~VC/b
~ ... o
= 0,2
I
0, 10
~/
0. 08 f - - 0,077
I ~~
I-- c/b
I= 0,3 y

0,0 6
.;~
~."'"
':-..~~. 2 H++-2
0, 04

0, 02 "\ ~.
~'.
'" ~
x/b
)~ 0,1 0,2 03 04 05

Bild 16.13 Einfluß der bezogenen Stützenbreite c / b auf Größe und Ver-
lauf der Momente m x bei quadratischer Platte, dargestellt in Schnitten
parallel zur x- und y-Achse, die sich im Punkt mit max m x kreuzen

Haken be i geschweißten Motten erf.

Zugkraftlinie für fex abhängig


von ctb noch Bild 16 .13b,aber
keine Abstufung der Bewehrung!

Verteilung der Bewehrung f ey


abhängig von c/b noch Bild 16.130

Bild 16. 14 Verteilung der Bewehrung f e und Verlauf der Zugkraft in


der Bewehrung fex bei annähernd quadratIscher Fundamentplatte [8 7 J
220 16. Fundamente

gebildet, der für Fundamente ohne Schubbewehrung in Anlehnung an


DIN 1045, Abschn. 22.5.2, jedoch mit Koeffizienten nach Dieterle [871
den Wert
(16. 3)

mit Yl = 1,6· 0. e Vfl[%J' = 2,08 Vfl[%J' für BSt 42/50

nicht überschreiten darf. Dabei ist abweichend von den Regeln für Flach-
decken das tatsächliche fl ohne untere Begrenzung einzusetzen.

Die einfachste und meist auch billigste Sicherung gegen Durchstanzen


(punching) ist die Wahl einer ausreichenden Plattendicke d. Bei Bn ~ 250,
BSt 42/50, p bis 10 kp/cm 2 und Stützenbreite c ~ 0,5 d besteht keine
Durchstanzgefahr , wenn

b - c
d ~ (16.4)
1,5+ 2
P
2
mit Längen in cm und p in kp/ cm . Bei abweichenden Verhältnissen muß
ein Nachweis auf Durchstanzen geführt werden.

Falls die ohne Schubbewehrung gültige Grenze überschritten wird, muß


eine besondere Be weh run g ge gen Dur eh s ta n zen angeordnet
werden, die für vertikale oder geneigte Bügel zur Aufnahme von QR
nach dem Ansatz

F (16. 5)
es

zu bemessen ist. Die für 45 0 geneigte Bügel sich theoretisch ergebende


Abminderung mit I/ti kann erst nach weiteren Versuchen empfohlen wer-
den. Eine Vergrößerung von Fes mit dem Faktor 12 setzt einen Zustand
mit zerstörter Druckzone voraus, für den man keine Tragfähigkeit mehr
erwarten sollte. Dieser Zustand wird durch die Begrenzung von 7 Rauf
den absoluten Größtwert

zul max 7R = Y2 . 7 02 (16.6)

mit Y2 = 0, 58 Vfl[o/~'

für B St 42/50 vermieden.

Wenige dicke aufgebogene Stäbe sind ungeeignet, sie brachten in Versu-


chen nur 10 bis 20 % Steigerung gegenüber der Platte ohne Schubbeweh-
rung. Die Schubbewehrung kann hier nur günstig wirken, wenn sie den
45 0 -Kegelriß am Beginn vernäht und wenn sie den Bruchkegel am unte-
ren Rand zuverlässig in die obere Biegedruckzone außerhalb des Kegels
hineinhängt (Bild 16.17). Dies können nur Bügel mit 90 0 bis 45 0 -Nei-
gung in engen Abständen und mit wirksamen Verankerungen leisten (z. B.
unten mit angeschweißten Stäben unterhalb der Biegebewehrung, oben
mit Schlaufen oder Haken). Für die Fertigung und für das Verlegen der
Hauptbewehrung werden Bügelleitern nach Bild 16.17 vorgeschlagen, die
oben keine angeschweißten Stäbe haben, damit die Hauptbewehrung z. B.
in Form von Matten eingelegt werden kann. Versuche zur weiteren Ab-
klärung dieser Durchstanzsicherung sind vorgesehen.
16.3 Einzelfundamente für Stützen 221

d R = c.h bei Rundstütze


dR = 1,13 c • h bei Quadratstütze
c
dR = 1,13 ~+h bei
Recht eckstützen
Umfang
2
FK = Tt d K I L

Bild 16.16 Lage des Schnitts zum Durchstanznachweis für den Rechen-
wert ~r Schubspannung T R' Größe der in Rechnung zu stellenden Quer-
kraft QR bei mittig belasteten Ein z elfundamenten

abgebogene Biigelleiter
oben ohne angeschweißte
Querstäbe

Pi I
angeschweIßte

,,,, ,, ,
Ankerstäbe

, -
, -
-
, ,
I I
j , I
I
I
1
I
I
I
I
I
I I
I
I

-
I

E
u

"'''' - -


'0 -
c:
;0 '" - -
'"
«
Cl
Cl
0 +- - -
- -
- -
,- , , , ,
I I I
T T
,, -
j
I
I I I
I
I
I
I
I
I
I
I
I
I -

16. 3. 1. 4 Sicherung gegen Verbundbruch und Spaltbruch


Der Verbund kann versagen
1. durch Erreichen der Verbundfestigkeit ßT 1
2. durch Abspalten der Betondeckung, wobei Spaltzugkräfte infolge der
Verbundwirkung und lotrechte Zugspannungen durch die Druckstreben -
kräfte (Dübelwirkung) zusammenwirken. Letztere entstehen nur, wenn
die vertikale Druckstrebenkomponente größer ist als die von der Bo-
denpressung erzeugte Gegenkraft.
222 16. Fundamente

In Versuchen sind beide Brucharten schon aufgetreten, eine durch Quer-


zug abgeplatzte Betonschicht zeigt Bild 16.18, der Bruch tritt dicht über
der Ebene der oberen Bewehrungslage ein .

Bei der E r mit t I u n g der Ver b und s pan nun g T 1 muß man die Stel-
le des steilsten Momentengradienten nahe am Stützenrand betrachten.
Bild 16.19 gibt für Verhältnisse c/b den bezogenen maximalen Momen-
tengradienten max am x / ax nach [87J an. Bei Stababständen e und in -
nerem Hebelarm z läßt sich mit der Verbundkraft V je Stablänge "1"

e
max am
x
max amx
V = p. b· ~ . (16. 7)
z ax z ax
die größte Verbundspannung an einem Bewehrungsstab errechnen zu

(16.8a)

Dieses Tl braucht nun aber nicht an den zul Tl nach DIN 1045, Tab. 20,
gemessen werden, die für Verankerungen als Mittelwerte über Ankerlän-
gen niedrig angesetzt sind, sondern darf mit den Verbundfestigkeiten ßTl
verglichen werden, die aus Fundamentplattenversuchen mit Rippenstählen
gefunden wurden. Nach [87 J ergibt sich als untere Grenze

1 6 ß2 /3
, wN

Als Sicherheitsbeiwert gegen Verbundbruch wird v T 1 2, 1 empfohlen.


Damit ist für die Gebrauchslast
2/3 (16.8b)
zul Tl = 0,75 . ~wN'

Dieser Nachweis der Verbundspannung kann entfallen, wenn folgende Be-


dingung erfüllt ist

(16.9)

Bild 16.18 Abplatzen der Betonde c kung in einer Fundamentplatte durch


Spaltzugkräfte aus Verbundwirkung
16. 3 Einzelfundamente für Stützen 223

max~
ö-
ÖX
1,25

"-
1,00

0,75
'" ~
~ --r---
I .
nach der ver schar f ten Platten -

0,50
~r ,C, theorie von Reissner für Jl
b °
= '2

t-~
-L
b c ,
0,25 J.-

I I I c/b
°
° 0,1

Bild 16. 19 Größe des steilsten Momentengradienten in quadratischen


0,2 0,3 0,4

Fundamentplatten in Abhängigkeit vom Verhältnis Stützenbreite zu Fun-


damentbreite

Die Spaltgefahr hat H. Dieterle in [87J untersucht. Bei einer Ver-


bundspannung Tl nach GI. (16.8 b) errechnet sich die vertikale Spaltzug-
spannung U Z einer Stablage zu

vorh U z = ~ • Tl· Uz mit ~ in [cm J (16.10)

wobei die auf den Durchmesser von 1 cm bezogene Spaltzugspannung ~z


(Dimension l/cm) dem Diagramm des Bildes 16.20 entnommen werden
kann. Gleichung (16. 10) berücksichtigt noch nicht die Überlagerung der
Spaltzugspannungen aus zwei oder mehreren sich kreuzenden Stablagen;
~Z und Tl sind für jede Stablage getrennt zu ermitteln und zu addieren.

Die so ermittelte Spaltspannung vorh U Z darf unter Gebrauchslast nicht


größer werden als die mit v = 2,1 dividierte Betonzugfestigkeit in ver-
tikaler Richtung (Betonier-Richtung), die nach neuen Erkenntnissen niedri-
ger ist als die Zugfestigkeit quer zur Betonierrichtung. Hier wird unter
Gebrauchslast angesetzt

1
zul U
z ;§ -
V
• 0 7
'
Q
~bZ
1 .0 35·
2,1 '
ß2 / 3 = 0 17. ß2 / 3
wN' wN
(16.11)

Wenn U z zu groß wird, dann kann man nur mit einer Vergrößerung der
Betondeckung ü (und evtl. der Lagenabstände) Abhilfe schaffen, eine Ver-
änderung der ~ und Stababstände e hilft nichts.

Bei vi er und me h r Lag e n dicker Stäbe, wie sie bei Fundamenten


für Großbauwerke vorkommen, werden dringend Bügelleitern oder ver-
größerte Abstände der Lagen bei reichlicher äußerer Betondeckung
empfohlen, solange noch keine besseren Nachweise gegen Spaltbruch ver-
fügbar sind. Die Bügelleitern genügen dabei rund um die Stütze im Be-
reich x = y = 0,6 c bis (0,6 c + h) nach Bild 16.21. Oftmals ist bei gros-
sen Fundamenten Vor spannung günstiger als schlaffe Bewehrung.
224 16. Fundamente

0,4
NI-'

]:
I!> ~
11

E
....
u
0,3 .. rp
eR=u+T

N
119
01
c:
:::J
c:
c:
0
Co
0,2
'"Cl
:J
N
!::
c
Co
Vl

'"
c:
0,1
'"
Cl
0
N

..Cl'"

o 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20
Stababstand e in [cm]

Bild 16. 20 Diagramm zum Be stimmen der Spaltzugspannungen Uz an


Stäben nahe der Betonaußenfläche

Var ian te

vergroßert er Abs !o nd
der Doppellagen mit
B ~to n st ütz l eist en

Sauber keitsschicht

Bügelleiter oben offen ;


steh! durch unten an-
geschweißte Stöbe .
Schnitt a - a
Bei Durchstanzgefahr
Bügel hochführen .

Bild 16.21 Sicherung gegen Spaltbruch durch Bügelleitern bei hohen


Spaltzugspannungen in Fundamenten mit 4 bis 6 Lagen Bewehrung
16. 3 Einzelfundamente für stützen 225

16. 3. 2 Ausmittig belastete Fundamente für Stützen

Ist die Stütze auch horizontal belastet und hat sie Einspannmomente zu
übertragen, so sollte die Fundamentplatte in der Drehrichtung der Stütze
länger als breit gewählt werden (Bild 16. 22). Wirkt das Einspannmoment
ständig, dann ist die Fundamentplatte so anzuordnen, daß die Resultieren-
de die Bodenfuge in der Mitte schneidet (Bild 16.23).

Die Längsbewehrung F kann gleichmäßig verteilt werden, solange


b '" 3 c ist und sollt~Xnicht abgestuft werden. Die statisch notwendige
?uerbew~hrung Feist auf die Länge 3 C x symmetrisch zur Stütze zu
verlegen, außerharb dieses Bereiches genügt weniger Querbewehrung.

b x - - - - -- -.jl'-

3 Cx ----t
t--
- t--
f;?; ~
V
cy
./""
by

J
~~

~ -- I-'" cx r---
~

Bild 16. 22 Einzelfundamente für Bild 16. 23 Ausmittig belastetes


zusätzliche Momente Einzelfundament

16. 3. 3 Becher- oder Hülsenfundamente

Zur Einspannung vorgefertigter Stützen werden oft Becherfundamente


(bucket foundation) verwendet (Bild 16.24), deren richtige Bewehrungs-
art noch umstritten ist, da die Lasteintragung in das Fundament von dem
Zusammenwirken von Stütze und Becherwänden abhängt. Es werden hier
zwei Grenzfälle, die stark rauhe und die glatte Ausbildung der Wandflä-
chen der Stütze und des Bechers unterschieden.

Die Herstellung von Becherfundamenten wird einfach, wenn man den Be-
cher vorfertigt und ihn mit Standbügeln auf die Bewehrung der Fundament-
platte stellt und diese dann betoniert.

16. 3. 3. 1 Rauhe Schalungsflächen


Für die Bemessung und Führung der Bewehrung darf nach dem Ausfüllen
des verbleibenden Raumes zwischen Becherwand und Stütze mit Rüttelbe-
ton ein vollständiges Zusammenwirken von Stütze und Becherfundament
angenommen werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
226 16. Fundamente

1. Die Seitenflächen des Stützenfußes und der Becherinnenwände müssen


rauh oder gerippt sein, damit sich die Stützenlast auf die Becherwände
ausbreitet. Dies läßt sich durch gewellte oder gezahnte Schalung
(Profiltiefe mindestens 1 cm) erreichen.

2. Der Füllbeton muß die gleiche Güte wie Stütze oder Becher haben und
mit einem Schwertrüttler einwandfrei verdichtet werden. Die Fugen-
breite richtet sich nach dem Rüttelgerät.

3. Die Wanddicke d I der Wand I nach Bild 16. 24a sollte d I ~ 1/3 w,
aber mindestens 10 cm sein (w = kleinere Lochweite).

4. Die Einbindetiefe t der Stütze in den Becher sollte sein:


M
bei Nd =" 0,15 : t ~ 1,2 . d

M 2,0 . d
bei = 2,00 : t ~
Nd
wobei Mund N auf Oberkante Becher bezogen sind. Zwischenwerte
können interpoliert werden.

Wird zunächst die direkte Kraftübertragung über den Scherverbund an den


rauhen Becherinnenflächen vernachläßigt, so kann der in Bild 16. 24 a dar-
gestellte Kraftverlauf für die Überleitung der Stützenkräfte in den Becher
der Bemessung der Becherwandbewehrung zugrunde gelegt werden. Die
horizontale Ringbewehrung im oberen Becherbereich (Bild 16.24 b) soll
die Kraft Ho in die Längswände leiten und ist für je 1/2 Ho zu bemessen.
Bei größerer Ausmitte muß eine in Längs - und Querwänden innen und aus-
sen liegende Ringbewehrung nach Bild 16. 24 b angeordnet werden; bei ge-
ringer Ausmitte (M/N d ~ 0, 15) und kleinen Abmessungen reichen ge-
schlossene Ringe an der Wandaußenseite (Bild 16. 24 c). Die Längswände
(in Richtung Ho) wirken wie im Fundament eingespannte Konsolen, die
mit dem Kräftedreieck Zv und D die Kraft Ho in die Fundamentplatte
übertragen (Bild 16. 24 a rechts). Die Zugkraft Zv wird durch Standbügel
aufgenommen, die unten zum Aufstellen und Verankern abgebogen sind
(Bild 16.24 b). In den Querwänden ist oben die gleiche horizontale Beweh-
rung wie in den Längswänden einzulegen. Besondere Maßnahmen zur
Schubsicherung sind nicht erforderlich, weil in Wirklichkeit dank dem
Mitwirken über Scherverbund nur ein Teil von Ho auf die Querwand wirkt
und sich dort ein Bogen mit Zugband einstellt.

Die Kraft H u wird ohne zusätzliche Bewehrung an die Fundamentplatte


abgegeben, weil durch die Verbundwirkung an allen Wandflächen keine ört-
lichen Kräftekonzentrationen an der Querwand auftreten. In Wirklichkeit
wird Ho nicht in der angenommenen Größe auftreten, weil durch den Scher-
verbund zwischen Stütze und Becher sich, wie in Bild 16. 25 gezeigt, eine
steilere schiefe Druckstrebe einstellt als in Bild 16.24 a angenommen.
Eine schwächere Bemessung der Bewehrung kann jedoch erst verantwor-
tet werden, wenn Versuchsergebnisse vorliegen.

Die Stütze erhält im Einspannbereich nur die normale Bügelbewehrung.


Die Zugkraft der Stützenbewehrung bei ausmittig beanspruchten Stützen
muß durch Druckstreben auf die mit größerem Hebelarm wirkenden Stand-
bügel durch Übergreifen übergehen (Bild 16.25); dazu sind im Becher als
Querbewehrung weitere horizontale Ringbügel in Abständen von 15 bis
30 cm auf die restliche Becherhöhe nötig.

Die Fundamentplatte ist auf Biegung für die Momente im Schnitt I - I (Mit-
tellinie der Becherwände , Bild 16.24 a) zu bemessen. Durchstanzgefahr
besteht bei dieser Ausführung kaum; wenn ein Nachweis geführt wird,
kann als Stützenbreite das Maß b nach Bild 16. 24 a eingesetzt werden.
16. 3 Einzelfundamente für Stützen 227

Hu
H ;~.M • .LH
u 5 t 5 O,15b

b)

,....
t-Q
für Ho c)

CD

L. • .J G) Stand bügel
Standbugl'l

Schnitt durch den Becher Schnitt durch den Becher

Innen -
CD
R ingbewehrung
geringe
Beton - Stöße durch Ring bewehrung
deckung Schwenken versetzen
möglich

Bild 16. 24 Bemessungsannahmen und


Bewehrung von Becherfundamenten mit
rauhen Schalungsflächen
Druckstreben

Ring-
bewehrung

Zut-i Bild 16. 25 Wirkungsweise des Becherfundaments


bei Stützen mit Biegung und direkter Kraftübertra-
'-_ .... _------ gung zwischen Becher und Stütze durch Scherverbund
228 16. Fundamente

16. 3. 3. 2 Glatte Schalungsflächen


Sind die Schalungsflächen nicht rauh, entfällt also die wichtigste Voraus-
setzung für ein gutes Zusammenwirken von Stütze und Becher, so muß
die Einbindetiefe t nach Abschn. 16. 3.3.1 mit dem Faktor 1,4 vergrös-
sert werden.

Die Ermittlung der Kräfte Ho und H u erfolgt hier nach den Angaben in
Bild 16.26 für z "" 2/3 t. Für die Aufnahme der Kraft Ho gelten die
gleichen Regeln wie in Abschnitt 16.3.3.1. Die Aufnahme der Kraft H u
durch den Becher mittels Ringbewehrung ist nachzuweisen, sofern der
Stützenfuß nicht mindestens 1/6 t in die Fundamentplatte einbindet.

Im Stützenfuß wirkt über die Höhe z die Querkraft HU' Da es sich um


einen "kurzen Balken" handelt, kann die Verbügelung für z < 2 h für
die im Verhältnis z/2 habgeminderte Querkraft bemessen werden. Beim
Nachweis der Schubspannung ist bei überwiegender Längsdruckkraft
(Nullinie außerhalb des Querschnitts) DIN 1045, Abschn. 17.5.3, Abs. 3
zu beachten. Werden Längsstäbe der Stütze auf Zug beansprucht, so ist
ihre Verankerung nachzuweisen. Der Beginn der Verankerungslänge a
darf nicht höher als in t/2 angenommen werden.

Bei geringer Dicke der Fundamentplatte wird der Nachweis auf Durch-
stanzen notwendig, wobei anzunehmen ist, daß die Last nur über die
Querschnittsfläche des Stützenfußes eingetragen wird (Bild 16.26) .

.. 1/61 Ho

Z ... 2/31

Bild 16. 26 Annahme für die Kraftübertragung zwischen Stütze und Be-
cher in Becherfundamenten mit glatten Schalungsflächen

16.4 Streitentundamente tür Einzelstützen

Die Fundamente für mehrere Stützen wird man zu Streifen in Form von
Fundamentbalken oder zu Trägerrosten in Form sich kreuzender Fun-
damentbalken zusammenfassen, insbesondere wenn der Baugrund un-
gleichmäßig und das Bauwerk gegen ungleiche Stützensenkungen em-
pfindlich ist, oder wenn die Abmessungen von Einzelfundamenten bei
niedriger zulässiger Bodenpressung zu groß werden.
16.4 Streifenfundamente für Einzelstützen 229

Von der gewählten Biegesteifigkeit E J des Fundamentbalkens und der


Steifigkeit des Bodens hängt die Verteilung der Bodenpressung ab. Bei
schlankeren Fundamentbalken und steifem Boden lohnt sich die Berück -
sichtigung der daraus entstehenden ungleichmäßigen Bodenpressungen,
was zur Verringerung des Stahlbedarfs führt (vgl. Abschn. 16.5).

In der Regel werden für solche Fundamentbalken Schlankheiten e /h ;§: 6


gewählt, man hat es dann mit "kurzen Balken" zu tun, für die sich die zu-
lässige Verminderung der maßgebenden Querkraft günstig auf die Größe
der erforderlichen Schubbewehrung auswirkt. Bei stark konzentrierter
Bodenpressung unter den Stützen genügt eine Konzentration von Bügeln in
den Stützbereichen (Bild 16. 27). Die Gurtbewehrungen läßt man weitge-
hend durchlaufen und stuft nur wenige Stäbe ab. Geeignete Querschnitte
solcher Fundamentbalken und die zugehörigen Bewehrungen zeigt Bild
16.27.

Untergeschoßwände sind geeignet, die Stützenlasten auf Streifenfundamen-


te zu verteilen. Für sie gelten dann die Bewehrungsregeln mehrfeldriger
wandartiger Träger nach Abschn. 12.

Schubsicherung Montagebügel

mögliche
Quer sc hni ttsformen

Bild 16.27 Bewehrung und Querschnittsform von Fundamentbalken


unter Einzelstützen

16.5 Gründungsplatten für Wandlasten

Bei Wohnhäusern und Wohnhochhäusern mit t rag end e n Wänden im


Abstand von 5 bis 9 m wird zur Gründung gerne eine durchgehende Platte
gewählt, die gleichzeitig UG-Boden ist und die nach Verlegen der Ver-
und Entsorgungsleitungen gleich über die ganze Grundfläche hinweg be-
toniert wird und so ein sauberes Arbeiten, Lagern von Einbauteilen usw.
erlaubt.
230 16. Fundamente

Solche Gründungsplatten können bei Gebäuden des "Querwandtyps" be-


sonders wirtschaftlich bemessen werden, wenn keine zu weichen Böden
vorliegen, und das Zusammenwirken von Platte und Boden rechnerisch
verfolgt wird. In der Stuttgarter Arbeit [84] untersucht D. Netzel
schlanke, durch parallele Querwände ausgesteifte Gründungsplatten. Die
Sohldruckkonzentration unter den Wänden ist um so stärker und damit die
Biegebeanspruchung der Platte umso geringer je weicher die Platte und
je steifer der Baugrund ist (Bild 16.28).

/ .-'" . T Verteilung der

/ \ I Bodenpressung

'"
weicher Boden

/ \. ./
steifer Boden
\

Biegemomente

weicher Boden

\
Querkräfte
'-"
", I.
'" \ ,

\1
1ypischer
Setzungsverlauf
~:::- . I
-- ~ ~ -- =-- ' - :" 7-
-. - / --=- ~'I
j
weicher Boden steifer Boden .

_J
Bild 16. 28 Beispiel für den Einfluß der Bodensteifigkeit auf die Schnitt-
kräfte einer biegeweichen Gründungsplatte (hier qualitativ gezeigt nach
Netzel [84] für weichen Überbau und mittlere Mächtigkeit der Boden-
schicht)
16.5 Gründungsplatten für Wandlasten 231

a) b)

DDDDD
DDDDD

Bild 16.29 Qualitativer Momentenverlauf in einer Gründungsplatte


a) bei großer Mächtigkeit weicher Bodenschichten und bei weichem Über-
bau, b) bei großer Mächtigkeit weicher Schichten und steifem Überbau,
bzw. bei kleiner Mächtigkeit und steifem oder weichem Überbau

Bild 16.30 Bewehrung einer Gründungsplatte auf steifem Boden mit


Betonstahlma tten

Ist bei biegeweichem Überbau die nachgiebige Bodenschicht im Vergleich


zur Bauwerkslänge mächtig, dann stellt sich eine Setzungsmulde über die
ganze Länge ein, die das Momentenbild infolge der Krümmung der Mulde
stark verändert (Bild 16. 29 a). In solchen Fällen ist eine Aussteifung des
Überbaues durch Längswände wenigstens in einem Geschoß ratsam, die
die Muldenbildung verhindern. Die Momentenlinie der Gründungsplatte
wird dann wieder der eines Durchlaufträgers ähnlich (Bild 16.29 b). Auf
das genauere Zusammenspiel von Steifigkeit des Überbaus und der Grün-
dungsplatte und Verformung des Bodens wird in [84] ausführlich einge-
gangen. Hinweise u. a. auch in [89, 90].

Solche Gründungsplatten genügen mit Dicken von 20 bis 30 cm, sie wer-
den auf einer Sauberkeits schicht (bei bindigem Boden darunter einwand-
freie Drainage!) bewehrt und betoniert. Als Bewehrung eignen sich Be-
tonstahlmatten. Die oberen Matten müssen durchlaufen, die unteren Mat-
ten können im Bereich der Stützenmomente abgestuft und im Feld unter-
brochen werden (Bild 16. 30). Schubbewehrungen sind in der Regel nicht
nötig.

Für Kraftwerke und Bauwerke der Schwerindustrie werden z. B. im Hin-


blick auf schwere schwingende Maschinen sehr d i c k e Fun d am e n t -
platten mit d=0,6bis3,Om gewählt. InsolchenFällenistesgün-
stiger an Stelle einer schweren schlaffen Bewehrung, mit der in der Re-
gel große Mengen Betonstahl mit geringer Wirkung vergraben werden,
die Platte leicht vorzuspannen und die Spannglieder so zu bemessen, daß
bei Gebrauchslast keine Risse oder höchstens Oberflächenrisse auftreten
und bei 1,3 bis 1,4-fachen Lasten die erforderliche Tragfähigkeit für Bie-
gung und Schub gewährleistet ist. Als Beispiel wird auf die in [91] be-
schriebene 90 m lange, 60 m breite und 3 m dicke Fundamentplatte des
Kernkraftwerkes Kalkar verwiesen.
232 16. Fundamente

16.6 Gründungsplatten für Einzelstützen

Bei Industriebauten werden oftmals auch im UG nur stützen gewünscht,


und der Fußboden soll schweren Lagerlasten standhalten. In solchen Fäl-
len ist die durchgehende Fundamentplatte vorteilhaft, wobei wiederum die
Einflüsse ihrer Biegesteifigkeit und der Bodenverformung auf die Vertei-
lung der Bodenpressungen zur Verminderung der Biegemomente ausge-
nützt werden sollten (vgl. Abschn. 16. 5). Die Platten werden zweckmäßig
mit Dicken d "" e/ 45 ~ 20 cm ausgeführt und sind damit schlank.

Da andererseits die Stützenlasten meist groß sind und die stützen selbst
schlank bemessen werden, besteht Gefahr gegen Durchstanzen, die eine
örtliche Verstärkung (umgekehrter Pilzkopf) bedingt. Sie läßt sich am
besten durch eine flache Mulde im Aushub entwickeln (Bild 16.31). Die
Mulde ist so tief anzulegen, daß keine Schubbewehrung nötig wird, sie
ist andererseits so flach auszurunden, daß si c h Bewehrungsstäbe oder
-matten ohne Vorbiegen verlegen lassen.

Sauberkei t ssch icht

Bild 16. 31 Verstärkung von Gründungsplatten unter Einzellasten

16.7 Verankerung von Stahlstützen in Fundamenten

Bild 16.32 zeigt die weit verbreitete, aber arbeitsaufwendige und beton-
unfreundliche Art der Verankerung von Stahlstützen mit Ankerbarren, Aus-
sparungen und Hammerkopf-Ankerschrauben. Die Aufgabe läßt sich viel
billiger, einfacher und betongerechter nach Bild 16.33 lösen, indem an
den Ankerstellen gewellte Hüllrohre einbetoniert werden, in denen glatte
Ankerstäbe mit einem kleinen Anker oder gerippte Stäbe (z. B. Gewi)
durch Verbund nach dem Erhärten des Füllbetons einwandfrei halten. Das
Hüllrohr kann oben mit einem Fülltrichter versehen und mit einem Kunst-
stoffdeckel geschlossen sein, so daß das Abziehen des Betons oben nicht
behindert ist. Die Hüllrohre werden mit Rundstahlgestellen auf Abstand
und Höhe festgehalten . Noch einfacher ist es, wenn die Ankerschrauben
mit stabilem Rahmen auf genauen Abstand festgelegt, vor dem Betonieren
genau ausgerichtet, fest verankert und direkt einbetoniert werden. Die
Ankerlöcher der Fußplatte der Stütze müssen dann zum Toleranzausgleich
um einige mm weiter gebohrt sein als die Durchmesser der Ankerbolzen
und mit genügend großen Unterlagsscheiben abgedeckt werden.

Treten wesentliche Zugkräfte auf, dann sollten die Ankerbolzen oben auf
eine Längs von etwa 20 ~ mit einem plastischen, aber korrosionsschützen-
den Anstrich versehen sein, der sich nicht mit dem Beton verbindet. Da-
mit kann die Ankerkraft durch eine Dehnlänge des Ankerstabes mit Feder-
wirkung auf den Beton wirken,und so durch Vorspannung das Klaffen der
Fuge zur Stahlstütze bei auftretendem Zug verhütet werden. Für größere
Ankerzugkräfte sind vorgespannte Spannstahl-Ankerstäbe zu empfehlen.
16. 7 Verankerung von Stahl stützen in Fundamenten 233

~
11
1
11
11

Bild 16. 32 Veraltete Verankerungsart von Stahlstützen in Beton

plastischer

/
Anker mutter
Ankermutter ; =2 ~ Stab

Bild 16.33 Einfache betongerechte Verankerung von Stahlstützen


234 16. Fundamente

16.8 Pfahlkopfplatten

Pfahlkopfplatten (pile caps) werden meist im Verhältnis zum Pfahlabstand


dick gemacht, so daß sich steile Druckstreben D zwischen dem lastbrin-
genden Bauteil (Stütze, Pfeiler) und den Pfählen ausbilden, deren horizon-
tale Komponenten mit Zugbändern Z, durch Bewehrungen oder mit Spann-
gliedern aufgenommen werden müssen (Bild 16. 34). Diese Zugbandbeweh-
rungen genügen in der Regel, weil bei solchen "kurzen Balken" oder
Sprengwerken außer den Gurt-Zugkräften keine nennenswerten "Schubzug-
kräfte" auftreten.

Die über den Pfählen liegende Zugbandbewehrung ist dort in ihrer Anker-
zone stark lotrecht gepreßt, so daß in der Regel gerade Ankerlängen ohne
Haken ausreichen. Ergeben sich für eine Lage zu enge Stababstände (z. B.
e < 2 0), dann ist es besser mehrere Lagen übereinander anzuordnen als
einen Teil der Stäbe außerhalb der Pfähle zu legen. Wie beim Wandträger
kann oder soll hier die Bewehrung auf eine Zuggurthöhe von 0,1 bis 0,2 d
verteilt werden. Bei starker Bewehrungskonzentra tion sind einige Um-
schließungsbügel in der Ankerzone zu empfehlen.

Wird die Last auf 3 oder mehr Pfähle räumlich - also in mehreren Rich-
tungen - verteilt, dann bilden sich die Sprengwerke bevorzugt über den je-
weils kürzesten Pfahlabständen aus. Die Zugbänder sind also je über den
Pfählen in der Richtung der kürzesten Verbindung einzulegen (Bild 16.35).
Entscheidend ist, daß diese Bewehrungen möglichst über den Pfählen kon-
zentriert und nicht etwa gleichmäßig über die Breite der Platte verteilt
werden, weil sich die Druckstreben zu den steifen Auflagern der Pfähle
hin konzentrieren und dort mit dem Zugband umgelenkt werden müssen.

Versuche haben gezeigt, daß bei der Anordnung der Bewehrung auch zwi-
schen den Pfählen ein Teil der Druckstrebenkräfte dort wirkt und das Zug-
band nach unten drückt, weil dem Sprengwerk dort das Auflager fehlt
(Bild 16.36). Es entstehen dann Risse gemäß Bild 16.37, die einen vor-
zeitigen Bruch einleiten, weil die nach unten weggedrückte Zone das Be-
wehrungsnetz auch in der Nähe der Pfähle abspaltet.

Bei größeren Pfahlabständen (w > 3 d) wird man die Zone zwischen den
Pfählen nicht ohne Gurtbewehrung lassen, man muß dann aber am Rand
eine Aufhängebewehrung wie bei mittelbarer Auflagerung anordnen
(Bild 16.38). Diese Aufhängebewehrung ist insgesamt (Summe zwischen
allen Pfählen) für eine Kraft zu bemessen, die etwa P / (1,5· n) ist
(mit n ~ 3 = Anzahl der Pfühle), weil die Druckstrebenkräfte bevorzugt
direkt zu den Pfählen gehen.

Bei großen Abmessungen und Lasten, z. B. bei Pfahlgründungen großer


Brückenpfeiler ist Vorspannung oft günstiger als schlaffe Bewehrung, vor
allem wenn für letztere viele Lagen dicker Stäbe nötig werden, die man
wegen der Spaltgefahr durch Verbund im Ankerbereich mit reichlichem
lotrechten Abstand verlegen muß (vgl. Abschn. 16. 3. 1. 4) oder für die
zusätzliche Umschnürungsbewehrungen gegen Spalten nötig sind.
16.8 Pfahlkopfplatten, Pfahlbankette 235

Schnitt : a-a

Umschn ür ung in der


An ker zone

Grundriß .

: -~~
1- -
Irl:
'-
Bild 16. 34 Kraftverlauf in einer einfachen
Pfahlkopfplatte für 2 Pfähle unter Einzel-
stütze und zugehörige Bewehrung

11
:-;:" ~
::-...,,,:

Bild 16. 35 Bei drei und mehr Pfählen unter einer Stütze ist die Zugbandbewehrung jeweils in der
Richtung der kürzesten Pfahlabstände zu verlegen und über den Pfählen zu konzentrieren

Schnitt durch Schnitt in der Aufhangebe -


die Pfähle Stütze wehr ung

Zugband zwischen Pfahlen vermeiden. wei I es


Aufhangung von Dv bedingt, vgl. Bild 16.38

Bild 16. 36 Zwischen den Pfählen findet das Sprengwerk mit Zugband kein Auflager; wenn dort
ein Zugband verlegt wird, dann muß das Auflager durch Aufhängebewehrung ersetzt werden
N
Ansicht Seite NA" W
Schnitt: a -a cn
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Aufhönge -
L' 0 t
bügel

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Ansicht A" C
" t ::l
0-
Bild 16. 37 Bruch durch fehlende Aufhängebewehrung zwischen den Pfäh- Bild 16. 38 Anordnung der Aufhängebewehrung bei Platten Pl
len, wenn Zugbandbewehrung über die Plattenbreite gleichmäßig ver- über Pfählen mit großem Pfahlabstand. Teil der Zugband- S
ro
teilt wird (nach einem Versuch am Institut Massivbau, Stuttgart) bewehrung zwischen den Pfählen ::l
....
ro
16. 8 Pfahlkopfplatten, Pfahlbankette 237

Schnitt : a - a Schni tt : b - b

~b
Grundriß . Zugband für Stahlbetonpfei ler
_.
a
- t::::..
als Wand träger

t·- fo-
...... .- I-

~
~
.-- ..... ~. L""" ~ ... Bild 16.39 Be wehrung einer Pfahl -
kopfplatte unter einem Pfeiler. Zug-
bänder quer zum Pfeiler, längs nur
....... f-"'
- t- Bewehrung für Pfeiler + Platte als
Wandträger
Schrifttumverzeichnis

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Zürich, Leemann, 1963
80 Wölfer, K. H.: Elastisch gebettete Balken.
3. Aufl., Wiesbaden, Bauverlag, 1971
81 Ohde, J. : Die Berechnung der Sohldruckverteilung unter Gründungskörpern.
Der Bauingenieur 23, (1942), H. 14 u. H. 16
82 Kany, M. : Berechnung von Flächengründungen.
Berlin, W. Ernst u. Sohn, 1959
83 a Grasshoff, H.: Die Berechnung einachsig ausgesteifter Gründungsplatten.
Die Bautechnik 32 (1955), H. 12, S. 396 - 397
b Grasshoff, H.: Das steife Bauwerk auf nachgiebigem Untergrund.
Berlin, W. Ernst u. Sohn, 1966
84 Netzei, D. : Beitrag zur wirklichkeitsnahen Berechnung und Bemessung einachsig
ausgesteifter, schlanker Gründungsplatten.
Diss. Universität Stuttgart 1972,
Die Bautechnik 52. Jahrg. Heft 6 u. 10, 1975
85 Muhs, H.: Über die zulässige Belastung nicht bindiger Böden.
Berichte aus der Bauforschung (1963), H. 32
86 Bub, H.: Flachgegründete Streifenfundamente.
Berichte aus der Bauforschung (1963), H. 30
87 Dieterle, H. : Zur Bemessung und Bewehrung quadratischer Fundamentplatten aus
Stahlbeton.
Diss. Universität Stuttgart, 1973
Demnächst als Heft DAfStb.
88 Grotkamp, A.: Die Biegung quadratischer Einzelfundamente.
Der Bauingenieur 23 (1942), H. 25/26, S. 189 - 194
89 Franz, G. : Konstruktionslehre des Stahlbetons. Tragwerke.
Bd. 2, Berlin, Springer, 1969
90 Klöckner, W.; Schmidt, H. G.: Gründungen.
In Betonkalender 1974, Berlin, W. Ernst u. Sohn, 1974
91 Leonhardt, F. : Massige, große Betontragwerke ohne schlaffe Bewehrung, gesichert
durch mäßige Vorspannung.
Beton- u. Stahlbeton 68 (1973), H. 5, S. 128 - 133
92 Steinle, A. ; Rostasy, F. S. : Zum Tragverhalten ausgeklinkter Trägerenden.
Betonwerk + Fertigteiltechnik (1975), H. 6, S. 270 - 277, H. 7.
S. 337 - 345
93 Grüning, G.; Hütter, A.: Ingenieur-Taschenbuch Bauwesen, Bd. I:
Grundlagen des Ingenieurbaues, Abschn. 7 von Rabich, R. :
Statik der Platten, Scheiben, Schalen.
Edition, Leipzig 1964
94 Kupfer, H.: Diskussionsvorschlag für Abschnitt 3.6 des CEB-Model Code:
Schubanschluß von Flanschen an den Steg