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Ein starkes Stück Bautechnik ...

NachträglichesVerstärken
von Stahlbeton • für Nutzlasterhöhungen
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Laumer Bautechnik GmbH


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Handbuch für Bauingenieure
Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH
K. Zilch · C. J. Diederichs · R. Katzenbach (Hrsg.)

Handbuch für Bauingenieure


Technik, Organisation und Wirtschaftlichkeit -
Fachwissen in einer Hand

Springer
Univ.-Prof. Dr.-lng. Konrad Zilch
Lehrstuhl für Massivbau
Institut für Baustoffe und Konstruktion
Technische Universität München
Theresienstr. 90
80333 München

Univ.-Prof. Dr.-lng. C. J. Diederichs


Lehr- und Forschungsgebiet Bauwirtschaft
Bergische Universität GH Wuppertel
Pauluskirchstr. 7
42285 Wuppertal

Univ.-Prof. Dr.-lng. Rolf Katzenbach


Direktor des Instituts und
der Versuchsanstalt für Geotechnik
Technische Universität Darmstadt
Petersenstr. 13
64287 Darmstadt

ISBN 978-3-662-07714-6 ISBN 978-3-662-07713-9 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-662-07713-9

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme


Handbuch für Bauingenieure : Technik, Organisation und Wirtschaftlichkeit- Fachwissen in einer Hand I Konrad Zilch ... (Hrsg.).
- Berlin; Heidelberg; NewYork; Barcelona; Hongkong; London; Mailand; Paris; Singapur; Tokio: Springer,2001

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere die der Übersetzung, des Nachdrucks,
des Vortrags, der Entnahme von Abbildungen und Tabellen, der Funksendung, der Mikroverfilmung oder Vervielfaltigung auf an-
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stimmungen des Urheberrechtsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland vom 9. September 1965 in der jeweils geltenden Fassung
zulässig. Sie ist grundsätzlich vergütungspflichtig. Zuwiderhandlungen unterliegen den Strafbestimmungen des Urheberrechtsge-
setzes.

http://www.springer.de

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002


Ursprünglich erschienen bei Springer-Verlag Berlin Heidelbetg New York 2002.
Softcoverreprint of the bardeover 1st edition 2002

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Buch berechtigt auch ohne besonde-
re Kennzeichnung nicht zu der Annahme, daß solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei
zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Sollte in diesem Werk direkt oder indirekt auf Gesetze, Vorschriften oder Richtlinien (z.B. DIN, VDI, VDE) Bezug genommen oder
aus ihnen zitiert worden sein, so kann der Verlag keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernehmen. Es
empfiehlt sich, gegebenenfalls für die eigenen Arbeiten die vollständigen Vorschriften oder Richtlinien in der jeweils gültigen Fas-
sung hinzuzuziehen.

Einbandgestaltung: Struve & Partner


Satz und Bilder: medio Tecbnologies AG, Berlin
SP.IN 10574158 68/3020 Gedruckt auf säurefreiem Papier-54 3 2 1 0
Vorwort

Ingenieurtätigkeit ist einmal als Kunst bezeich-


net worden, einerseits die Menschen zu organi-
sieren und zu leiten, andererseits Naturkräfte
und Material nutzbar zu machen.

Dieses Zitat eines Aufsatzes von Probst, erschienen in Bauingenieur 1, Berlin 1920, ist auch heute noch
eine zutreffende Beschreibung der sehr komplexen Aufgaben der Bauingenieure. Der Versuch, diese
umfassend zu behandeln, folgt einer Tradition im Springer-Verlag, die durch das von Schleicher her-
ausgegebene Taschenbuch für Bauingenieure (zuletzt aufgelegt 1954) begründet wurde. Die Vollstän-
digkeit und Präzision dieses Werkes machten es für lange Zeit zum Standardwerk des Bauingenieur-
wesens, das eine Generation von Studenten begleitet hat.
Die Komplexität der Aufgabe, das notwendige Fachwissen in ein einbändiges Handbuch zu kom-
primieren, sowie der durch die Qualität des Vorgängers gesetzte Standard erschwerteil die Schaffung
eines Nachfolgers. Aufgrund der gegenwärtigenüberarbeitungder Normen und Richtlinien erscheint
jedoch eine zusammenfassende Darstellung der Grundlagen geboten, die der zu befürchtenden Ten-
denz einer kritiklosen Anwendung normativer Regelungen entgegensteht. Das Buch richtet sich in
erster Linie an den Studenten, ist jedoch auch für den erfahrenen Praktiker von Nutzen, der zur Neu-
orientierung gezwungen wird.
Das Aufgabengebiet des Bauingenieurs hat sich seit der letzten Ausgabe des Handbuchs erweitert.
Neben den klassischen Kerngebieten des Konstruktiven Ingenieurbaus ist heute auch die Beherr-
schung baurechtlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Grundlagen Voraussetzung für erfolg-
reiche Ingenieurtätigkeit, die zunehmend interdisziplinär erfolgen muß. Der Aufbau des Buches trägt
dem durch die Aufnahme der Kapitel Bauinformatik, Bauwirtschaft, Baubetrieb, Privates und Öffent-
liches Baurecht sowie Raumordnung und Städtebau Rechnung. Daneben liegt aber auch starkes Ge-
wicht auf den klassischen Fächern, die dem gewachsenen Stand des Wissens angepaßt wurden. Als
Autoren konnten führende Experten der jeweiligen Fachgebiete gewonnen werden, die durch ihre Er-
fahrungen in Wissenschaft und Praxis beide Bereiche angemessen vertreten.
Der Umfang des Vorgängers wurde im Wesentlichen beibehalten. Die Veröffentlichung als einbän-
diges Werk machte aber eine Beschränkung auf wesentliche Grundlagen erforderlich. Das vorliegen-
de Handbuch kann daher nicht den gesamten Stand des Wissens wiedergeben oder ein vollständiges
Arbeitsmittel sein. Es versteht sich vielmehr als Lehrbuch und Nachschlagewerk der Grundlagen, als
Leitfaden beim Studium der immer komplexeren Teilgebiete des Bauingenieurwesens anhand der er-
gänzenden Literaturhinweise. Auf eine Wiedergabe von Tabellen, Diagrammen und Bemessungs-
hilfsmitteln wurde weitgehend verzichtet. Hierfür steht bereits eine ausreichende Anzahl von Tafel-
werken zur Verfügung, die in der konkreten Anwendung zunehmend durch elektronische Hilfsmit-
tel ersetzt werden.
Die Herausgeber hoffen, daß mit der vorliegenden Neuauflage des Handbuchs für Bauingenieure
ein ähnlich langlebiges Werk entstanden ist, wie es der Schleicher war. Für ihre Mühen bei der Errei-
chung dieses Ziels und die oft schwierige Einhaltung der vorgegebenen Umfangsbeschränkung sei
den Autoren an dieser Stelle herzlich gedankt. Der mit der Entstehung eines so umfangreichen Wer-
kes verbundene Aufwand und die mehrfach notwendige, sehr zeitaufwendige Anpassung an die lau-
fende Diskussion zur Formulierung der Normen nach EUROCODE machten eine Verschiebung des
ursprünglich geplanten Veröffentlichungstermins nötig. Allen Beteiligten danken die Herausgeber

V
deshalb für ihr Verständnis und ihre Geduld. Auch dem Springer-Verlag und seinen Mitarbeitern sei
gedankt für die kompetente und geduldige Unterstützung und für den sehr leserfreundlichen Ver-
kaufspreis. Nicht zuletzt gebührt auch den Mitarbeitern Frau Dipl.-Ing. Stefanie Streck (BU Wupper-
tal), Frau Dipl.-Ing. SandraStrüber (TU Darmstadt) und Herrn Dipl.-Ing. Ralf Schneider (TU Mün-
chen) Dank für die tatkräftige Mithilfe bei der Herausgebertätigkeit

K.Zilch C.J. Diederichs R. Katzenbach

VI
Autoren

Adam, Gerhard, Obering., Lehrstuhl für Bau- Böttcher, Peter, Prof. Dr.-Ing., HTW Saarland,
stoffe und Werkstoffprüfung, Technische Uni- FB Bauingenieurwesen, Baubetrieb und
versität München, Baumbachstr. 7, 81245 Baumanagement, Goebenstr. 40, 66117 Saar-
München 3.1 brücken 2.5.3

Arslan, Ulvi, Univ.-Prof. Dr.-Ing.,Institut für Geo- Brandes, Christian, Dipl.-Ing., Lehrstuhl für
technik, FB Bauingenieurwesen und Geodä- Massivbau, Institut für Baustoffe und Kon-
sie, Technische Universität Darmstadt, Peter- struktion, Technische Universität München,
senstr.l3,64287 Darmstadt 4.1 80290 München 3.10

Bachmann, Hugo, Univ.-Prof. Dr. sc. techn., In- Büsing, Michael, Dipl.-Ing., Flughafen Hanno-
stitut für Baustatik und Konstruktion, Eid- ver-Langenhagen GmbH, Postfach 420280,
genössische Technische Hochschule (ETH) 30662 Hannover 7.5
Zürich, CH-8093 Zürich 3.2
Dicht!, Norbert, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Institut für
Bandmann, Manfred, Prof. Dipl.-Ing., Tiefbau- Siedlungswasserwirtschaft, Technische Uni-
Berufsgenossenschaft, Landsberger Str. 309, versität Braunschweig, Pockelsstr. 2a, 38106
80687 München 2.5.4 Braunschweig 5.5

Bauer, Konrad,Bundesanstalt für Straßenwesen, Diederichs, Claus Jürgen, Univ.-Prof. Dr.-Ing.,


Postfach 100150, 51427 Bergisch-Gladbach Institut für Baumanagement (IQ-Bau), FB 11
6.5 - Bauingenieurwesen, Lehr- und Forschungs-
gebiet Bauwirtschaft, Bergische Universität
Beckedahl, Hartmut, Univ.-Prof. Dr.-Ing., FB 11 Wuppertal, Pauluskirchstr. 7, 42285 Wuppertal
- Straßenentwurf und Straßenbau, Bergische 2.1., 2.2., 2.3, 2.4
Universität GH Wuppertal, Pauluskirchstr. 7,
42285 Wuppertal 7.3.2 Eligehausen, Rolf, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Institut
für Werkstoffe im Bauwesen, Universität Stutt-
Beckmann, Klaus J., Univ.-Prof. Dr.-Ing., Institut gart, Pfaffenwaldring 4, 70550 Stuttgart 3.9
für Stadtbauwesen, RWTH Aachen, 52056
Aachen 7.1, 7.3.1 Fuchs, Werner, Dr.-Ing., Institut für Werkstoffe
im Bauwesen, Universität Stuttgart, Pfaffen-
Bock, Thomas, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl für waldring 4, 70550 Stuttgart 3.9
Baurealisierung und Bauinformatik, Techni-
sche Universität München, Arcisstr. 21,80333 Franke, Horst, Prof., Kanzlei Heiermann, Franke,
München 2.5.5 Knipp,Kettenhofweg 126,60325 Frankfurt 2.4

Bockreis, Anke, Dipl.-Ing., Institut WAR, FB Giere, Johannes, Dipl.-Ing., Institut und Versuchs-
Bauingenieurwesen und Geodäsie, Technische anstalt für Geotechnik, FB Bauingenieurwesen
Universität Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287 und Geodäsie, Technische Universität Darm-
Darmstadt 5.6 stadt, Petersenstr. 13,64287 Darmstadt 4.4

Autoren VII
Grebe, Wilhelm, Prof. Dr.-Ing., Flughafen Han- Knöfel, Dietbert, Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil.,
nover-Langenhagen GmbH, Postfach 420280, Institut für Bau- und Werkstoffchemie, Uni-
30662 Hannover 7.5 versität GH Siegen, Paul-Bonatz-Str. 9-11,
57068 Siegen 1.4
Hager, Martin, Prof. Dr.-Ing., Merler Allee 99,
53125,Bonn 7.4 Köhl, Werner W., Univ.-Prof. Dr.-Ing., Universität
Karlsruhe (TH), Kaiserstr. 12,76128 Karlsru-
Hanswille, Gerhard, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Fach- he 6.1, 6.2
gebiet Stahlbau und Verbundkonstruktionen,
Bergische Universität GH Wuppertal, Paulus- Krautzberger, Michael, MDir Prof. Dr., Bundes-
kirchstr. 7, 42285 Wuppertal 3.5 ministerium für Verkehr, Bau- und Woh-
nungswesen, Invalidenstr. 44, 10115 Berlin
Helmus, Manfred, Univ.-Prof. Dr.-Ing., FB 11 - 6.3
Baubetrieb, Bergische Universität GH Wup-
pertal, Pauluskirchstr. 7, 42285 Wuppertal Krätzig, Wilfried B., em. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Dr.-
2.5.1, 2.5.2 Ing. E.h., Lehrstuhl für Statik und Dynamik,
Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr.
Hoffmann, Friedrich H., Prof. Dipl.-Ing., Ingeni- 150,44780 Bochum 1.5
eurbüro-Baubetrieb, Knickeisdorf 42, 47877
Willich 2.6.4 Kreuzinger, Heinrich, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Fach-
gebiet Holzbau, Technische Universität Mün-
Hohnecker, Eberhard, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Insti- chen, 80290 München 3.7
tut für Straßen- und Eisenbahnwesen, Univer-
sität (TH) Karlsruhe, Kaiserstr.12, 76128 Kar- Maidl, Bernhard, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Dr.
lsruhe 7.2 h.c. mult, Lehrstuhl für Bauverfahrenstechnik,
Tunnelbau und Baubetrieb, Ruhr-Universität
Jager, Johannes, Univ.-Prof. Dr. rer. nat., Institut Bochum, Universitätsstr. 150, 44780 Bochum
WAR, FB Bauingenieurwesen und Geodäsie, 4.6
Technische Universität Darmstadt, Petersen-
str. 13, 64287 Darmstadt 5.6 Maidl, Ulrich, Dr.-Ing., IMM Ingenieurbüro, Uni-
versitätsstr. 142, 44799 Bochum 4.5
Jessberger, Hans-Ludwig, em. Univ.-Prof. Dr.-
Ing., Lehrstuhl für Grundbau und Bodenme- Meißner, Udo F., Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil., In-
. chanik, Ruhr-Universität Bochum, Univer- stitut für Numerische Methoden und Infor-
sitätsstr. 150, 44780 Bochum 4.4 matik im Bauwesen, FB Bauingenieurwesen
und Geodäsie, Technische Universität Darm-
Kahmen, Heribert, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Ange- stadt, Petersenstr. 13,64287 Darmstadt 1.1
wandte Geodäsie und Ingenieurgeodäsie,
Technische Universität Wien, Gußhausstr. 25- Meng, Birgit, Dr. rer. nat., Verein Deutscher Ze-
29, 1040 Wien 1.2 mentwerke e.V., Forschungsinstitut der Ze-
mentindustrie, Tannenstr. 2,40476 Düsseldorf
Katzenbach, Rolf, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Institut 3.1
und Versuchsanstalt für Geotechnik, FB
Bauingenieurwesen und Geodäsie, Technische Meskouris, Konstantin, Univ.-Prof. Dr.-Ing.,
Universität Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287 Lehrstuhl für Baustatik und Baudynamik,
Darmstadt 3.10, 4.4, 4.5 RWTH Aachen, Mies-van-der-Rohe-Str. 1,
52074 Aachen 1.5
Kinzel, Julia, Dipl.-Ing., Institut und Versuchs-
anstalt für für Geotechnik, FB Bauingenieur- Moormann, Christian, Dipl.-Ing., Institut und
wesen und Geodäsie, Technische Universität Versuchsanstalt für Geotechnik, FB Bauinge-
Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287 Darmstadt nieurwesen und Geodäsie, Technische Uni-
4.1 versität Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287
Darmstadt 3.10

VIII Autoren
Petzschmann, Eberhard, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Fa- Schröder, Petra, Dipl.-Ing., Institut für Baufor-
kultät für Architektur, Bauingenieurwesen schung, RWTH Aachen, Schinkelstr. 3, 52062
und Stadtplanung, Lehrstuhl für Baubetrieb Aachen 3.1
und Bauwirtschaft, BTU Cottbus, Univer-
sitätsplatz 3/4, 03044 Cottbus 2.6.1-2.6.3, Schubert, Peter, Dr.-Ing., Institut für Baufor-
2.6.5, 2.6.6 schung, RWTH Aachen, Schinkelstr. 3, 52062
Aachen 3.6
Rackwitz, Rüdiger, apl. Prof. Dr.-Ing. habil., In-
stitut für Baustoffe und Konstruktion, Techni- Schultz, Gert A., Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl
sche Universität München, 80290 München für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Um-
1.6 welttechnik, Fakultät für Bauingenieurwesen,
Ruhr-Universität Bochum, Universtitätsstr.
Rank, Ernst, Univ.-Prof. Dr. rer. nat., Lehrstuhl 150, 44780 Bochum 5.2
für Bauinformatik, Technische Universität
München, 80290 München 1.1 Schumann, Andreas, PD Prof. Dr. rer. nat. habil.,
Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft
Rodatz, Walter, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Institut für und Umwelttechnik, Fakultät für Bauinge-
Grundbau und Bodenmechanik, Technische nieurwesen, Ruhr-Universität Bochum, Uni-
Universität Braunschweig, Gaußstr. 2, 38106 verstitätsstr. 150, 44780 Bochum 5.2
Braunschweig 4.3
Schwamborn, Bernd, Dr.-Ing., Institut für Bau-
Rößler, Günther, Dipl.-Ing., Institut für Baufor- forschung, RWTH Aachen, Schinkelstr. 3,
schung, RWTH Aachen, Schinkelstr. 3, 52062 52062 Aachen 3.1
Aachen 3.1
Sedlacek, Gerhard, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehr-
Savidis, Stavros, Univ.-Prof. Dr.-Ing., FG Grund- stuhl für Stahlbau, RWTH Aachen, Mies-van-
bau und Bodenmechanik, Technische Univer- der-Rohe-Str. 1, 52074 Aachen 3.4
sität Berlin,Gustav-Meyer-Allee 25,13355 Ber-
lin 4.2 Setzer, Max J., Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. ha-
bil., Institut für Bauphysik und Materialwis-
Schießl, Peter, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl für senschaft, Universität GH Essen, Universitäts-
Baustoffe und Werkstoffprüfung, Technische str. 15,45141 Essen 1.3
Universität München, Baumbachstr. 7, 81245
München 3.1 Sonnenburg, Alexander, Dipl.-Ing., Institut
WAR, FB Bauingenieurwesen und Geodäsie,
Schlotterbeck, Karlheinz, Prof., Rue Etzelwald, Technische Universität Darmstadt, Petersen-
67470 Wintzenbach (Bas Rhin), Frankreich str. 13, 64287 Darmstadt 5.4
6.4
Stein, Dietrich, Univ.-Prof. Dr.-Ing., AG Lei-
Schneider, Jens, Dr., Institut für Statik, FB Bauin- tungsban und Leitungsinstandhaltung, Fakul-
genieurwesen und Geodäsie, Technische Uni- tät für Bauingenieurwesen, Ruhr-Universität
versität Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287 Bochum, Universitätsstr. 150,44780 Bochum
Darmstadt 3.8 2.6.7, 7.6

Schneider,Ralf, Dipl.-Ing.,Lehrstuhl für Massiv- Straube, Edeltraut, Univ.-Prof. Dr.-Ing., FB 10-


bau, Institut für Baustoffe und Konstruktion, Straßenbau, Universität GH Essen, Univer-
Technische Universität München, 80290 Mün- sitätsstr. 15, 45141 Essen 7.3.2
chen 3.3
Steinberg, Iris, Dipl.-Ing., Institut WAR, FB
Scholbeck, Rudolf, Univ.-Prof. Dipl.-Ing., Tief- Bauingenieurwesen und Geodäsie, Technische
bau-Berufsgenossenschaft, Landsherger Str. Universität Darmstadt, Petersenstr. 13,64287
309, 80687 München 2.5.4 Darmstadt 5.6

Autoren IX
Strobl, Theodor, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl versität München, Baumbachstr. 7, 81245
für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Techni- München 3.1
sche Universität München, Arcisstr. 21, 80333
München 5.3 Wiegrink, Karl-Heinz, Dipl.-Ing., Lehrstuhl für
Baustoffe und Werkstoffprüfung, Technische
Strüber, Sandra, Dipl.-Ing., Institut und Ver- Universität München, Baumbachstr. 7, 81245
suchsanstalt für Geotechnik, FB Bauinge- München 3.1
nieurwesen und Geodäsie, Technische Uni-
versität Darmstadt, Petersenstr. 13, 64287 Winnefeld, Frank, Dr. rer. nat., EMPA Eidg. Ma-
Darmstadt 4.4 terialprüfungs- und Forschungsanstalt, Abt.
135: Beton/Bauchemie, Überlandstr. 129, CH-
Urban, Wilhelm, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. rer. 8600 Dübendorf 1.4
nat., Institut WAR, FB Bauingenieurwesen und
Geodäsie, Technische Universität Darmstadt, Wörner, Johann-Dietrich, Prof. Dr.-Ing., Institut
Petersenstr. 13,64287 Darmstadt 5.4 für Statik, FB Bauingenieurwesen und Geodä-
sie, Technische Universität Darmstadt, Peter-
Valentin, Pranz, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl senstr. 13, 64287 Darmstadt 3.8
und Prüfamt für Hydraulik und Gewässer-
kunde, Technische Universität München, Ar- Zilch, Konrad, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Lehrstuhl für
cisstr. 21,80333 München 5.1 Massivbau, Institut für Baustoffe und Kon-
struktion, Technische Universität München,
Vrettos, Christos, Privatdozent Dr.-Ing., GuD 80290 München 1.6, 3.3, 3.10
Geotechnik und Dynamik Consult GmbH,Du-
denstr. 78, 10965 Berlin 4.2 Zunic, Pranz, Dr.-Ing. Lehrstuhl für Wasserbau
und Wasserwirtschaft, Technische Universität
Wallner, Bernd, Dipl.-Ing., Lehrstuhl für Bau- München,Arcisstr. 21,80333 München 5.3
stoffe und Werkstoffprüfung, Technische Uni-

X Autoren
Inhalt

1 Allgemeine Grundlagen 00 00 00 0 00 00 00••••••• ••••••• ••• ••• ••• • •••• • ••• 1-3

1.1 Bauinformatik • 00• 0• .•. • . 0..• • 0•• 0• . 0• 0•••• 0• •• 0000000000000• 00000• 00000 1-3
1.1.1 Einleitung 00000000000000000000• 00000000000000000• 00000000000000000000000 1-3
1.1.2 Der vernetzte Rechnerarbeitsplatz des Ingenieurs 0000000000000000• 0000000000. 1-4
1.1.201 Multifunktionale Arbeitsumgebung ooo0oo0o0• 0oo0• 00o00• 00oo• 0000000• 00o0• 0 1-4
1.1.2o2 Rechneraufbau und Betriebssystem 00o0000• 0• 00• 0• 0000•• 0000• 0• 00• 0000o00• 0 1-4
1.1.2.3 Speicherung und Verarbeitung von Informationen in Digitalrechnern •• 0000• 000 1-7
1.1.2.4 Internet 0000. 00. 00000•• 0ooo000o00. 00oo000. 0000. 00. 0. 0000. 00000. 0000. 0000 1-9
1.1.3 Mengen und Abbildungen als Grundlagen der Informatik 00000• 000000000000000 1-11
l.l.3o1 Mengen, Relationen und relationale Datenbanken o•• 00. 0000• 0000• 00o00• 00o00• 1-11
1.1.3o2 Transformationen 00000000o0000o000•. o000• 0000• 0000• 00. 0o00• 00000• 0000• 0• 1-13
1.1.3.3 Tabellenkalkulation 0000• 0o00o0000oo0ooooo0o0oooo00o0oo0• ooo000ooo0o0oooo0 1-14
1.1.3.4 Computeralgebra 00000000000000• 00000• 000000• 00000000000000000• • 0000• 0000 1-17
1.1.3.5 Elementare Algorithmen und Datenstrukturen • 00• 00• o0000• 0000• 0ooo00• o0o0o 1-20
1.1.4 Geometrische Modelle 0000000000000000. 00000000000000000. 000• 00000000• 0• 0 1-23
1.1.4o1 Geometrische Modelle in 2D 000ooooooooooooooooooooo0ooooo0ooooo0o00o0oo0o 1-23
1.1.4o2 Geometrische Modelle in 3D 00000000000000000000000000000• 0000000• 0000000• 1-24
1.1.403 Geometrische Transformation 0• 000o000ooo00ooo0ooo0o00ooo• 0• o000• • 0o0•• 0• 0 1-26
1.1.4.4 Projektionen 0000000000000000000000• 00o00000ooo0000oo0o0000oo000000o00000 1-27
1.1.5 CAD (Computer Aided Design). 0oo000000ooo. 000o0o0o00ooo00. 00o0•• 0. 0000. 0 1-28
1.1.5o1 Grundbegriffe 0000000000000000000• 000000000• o0o0000oo0oo0o0oo0• 000oo00. 0• 1-28
1.1.5o2 Graphisch-interaktive Systeme 00• 0000000• 0000000• 0• 00000000000000000000000 1-28
1.1.5.3 2D-Konstruktionssysteme 000000000000000000000000000. 00. 0oo0. 0ooooooo0ooo 1-29
1.1.5.4 3D-Modelliersysteme 0000•• 0000o00• 0• 00o0000oo0o0oo0oo0o00o0oo0• 000000000 1-33
1.1.6 Softwareentwicklung 00000• 0000•• 0• 0• 0000•• 0• 00• 000000000000000• 00• 0• 0•• 0• 1-34
1.1.601 Ziele des Softwareengineering o0o000o0o00. 00000000• 0o00o00ooo0o000o0000• 0• 0 1-34
1.1.6o2 Softwareentwicklung 00• 00• 00• 00• 0• 00000• 0•• 00000000000000000000• 000000000 1-34
1.1.603 Objektorientierte Analyse und Entwurf 0• 0000000• 00• 0oo0• o0ooo• o0oooo00• 0• 0• 1-35
1.1.6.4 Objektorientierte Programmierung 000000000000000000000000• 0000000• 0000000 1-37
1.1.7 Integration 00• 00. 0000000• 00• 00o0• 000000000• 0000000000000• 00• 0o00o0• 00000 1-38
1.1.701 Datenaustausch 000000000000000000000000• 0000000000000000000000000• 000000 1-38
1.1.702 Produktmodeliierung 000000• 0000• 00• 0• 0000000000000• 0• 00•• 0• 00ooo00000000 1-39
1.1.7.3 Verteilte Objektverwaltung 0000000000• 0000• 00. 0000000000000• 0• 00oooo0000000 1-40
1.1.8 Informationssysteme im Bauwesen • oooo•• 0•• 0••••••• oooooo•• o• oo•• o• 0• 0ooo. 1-43
1.1.801 Definition und Grundlage Geographischer Informationssysteme (GIS) o00000000 1-44

Inhalt XI
1.1.8.2 Einsatzbereiche und Systemarchitektur Geographischer
Informationssysteme (GIS) im Bauwesen . . . . . . . . . . . . . . . .. . . .. . . . . . . . . . . . . . . 1-44
1.1.8.3 Strukturen und Modelle räumlicher Daten . . . . . . . . . . . . . . .. .. . . . . . . . . . . . .. . . . 1-45
1.1.8.4 Datenerfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-45
1.1.8.5 Kopplung von Sach- und Lageinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-46
1.1.8.6 Datenschnittstellen und Standardisierungen
in Geographischen Informationssystemen (GIS) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-48
1.1.9 Schlußwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-48

1.2 Ingenieurgeodäsie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-49


1.2.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-49
1.2.2 Bezugsflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-49
1.2.3 Koordinatensysteme, Koordinatentransformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-50
1.2.3.1 Koordinatensysteme in ihrer hierarchischen Folge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-50
1.2.3.2 Koordinatentransformationen............................................. 1-52
1.2.4 Höhen und Höhensysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-53
1.2.4.1 Grundlagen............................................................. 1-53
1.2.4.2 Höhenfestpunktfelder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-54
1.2.5 Richtungs-, Distanz- und Höhenmessung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-55
1.2.5.1 Richtungsmessung mit dem Theodolit . . .. . . .. . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . .. . . . 1-55
1.2.5.2 Distanzmessung mit Stahlmaßstäben, Meßbändern
und elektronischen Distanzmessern........................................ 1-56
1.2.5.3 Höhenmessung durch Nivellieren und trigonometrische Höhenübertragung . . . . 1-58
1.2.5.4 Gerätekonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-61
1.2.6 2D-Positionsbestimmung mit Theodolit und Distanzmesser................... 1-61
1.2.6.1 Punktbestimmung durch Distanzmessung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-62
1.2.6.2 Punktbestimmung durch Richtungsmessung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-63
1.2.6.3 Punktbestimmung durch kombinierte Richtungs- und Distanzmessung . . . . . . . . . 1-64
1.2.7 Optische 3D-Meßverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-65
1.2.7.1 Punktbestimmung durch Richtungsmessungen mit Theodoliten . . . . . . . . . . . . . . . 1-65
1.2.7.2 Punktbestimmung durch Richtungsmessungen
mit photogrammetrischen Verfahren . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .. . . 1-66
1.2.7.3 Punktbestimmung mit polaren Vermessungssystemen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-67
1.2.8 3D-Positionsbestimmung mit Satellitenverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-68
1.2.9 Grundprinzip der Ausgleichungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-71
1.2.10 Absteckung von Bauwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-71
1.2.11 Deformationsmessungen an Bauwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-74
1.2.12 Navigation von Fahrzeugen und Baumaschinen.............................. 1-75

1.3 ~auphysik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-75


1.3.1 Wärme................................................................. 1-75
1.3.1.1 Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-76
1.3.1.2 Baupraktische Berechnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-79
1.3.2 Feuchte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-84
1.3.3 Schall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-87
1.3.3.1 Grundlagen............................................................. 1-87
1.3.3.2 Pegelminderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-89
1.3.3.3 Schalldämmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-90

1.4 Bauchemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-92


1.4.1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-92
1.4.2 Chemie der anorganischen Bindemittel . . . . . . . . . . . . . . .. . .. . . .. . . . . . . . . . . . . .. 1-93
1.4.2.1 Portlandzement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-93
1.4.2.2 Zemente mit Zumahlstoffen............................................... 1-100

XII Inhalt
1.4.2.3 Sonderzemente ......................................................... . 1-101
1.4.2.4 Baukalke .............................................................. . 1-102
1.4.2.5 Baugipse .............................................................. . 1-103
1.4.2.6 Sonstige Bindemittel .................................................... . 1-105
1.4.2.7 Zusatzmittel ...............................•............................ 1-106
1.4.3 Einwirkungen auf die Baustoffe ........................................... . 1-107
1.4.3.1 Korrosion von Mörtel und Beton ......................................... . 1-107
1.4.3.2 Korrosionsschutz von Beton und Instandsetzung ........................... . 1-113
1.4.4 Auswirkungen aus den Baustoffen ........................................ . 1-113

1.5 Theorie der Tragwerke .................................................. . 1-113


1.5.1 Festigkeitslehre ......................................................... . 1-113
1.5.1.1 Spannungen ........................................................... . 1-113
1.5.1.2 Verzerrungen .......................................................... . 1-116
1.5.1.3 Elastisches Stoffgesetz ................................................... . 1-117
1.5.1.4 Festigkeitshypothesen ................................................... . 1-118
1.5.2 Statik der Stabtragwerke ................................................. . 1-119
1.5.2.1 Grundlagen ............................................................ . 1-119
1.5.2.2 Statisch bestimmte Tragwerke ............................................ . 1-134
1.5.2.3 Formänderungsarbeit und Tragwerksdeformationen ........................ . 1-147
1.5.2.4 Statisch unbestimmte Tragwerke ......................................... . 1-159
1.5.3 Die Methode der Finiten Elemente ........................................ . 1-170
1.5.3.1 Die klassischen Tragwerksmodelle ........................................ . 1-170
1.5.3.2 Diskrete Tragwerksmodelle .............................................. . 1-176
1.5.3.3 Einführung in finite Weggrößenelemente .................................. . 1-183
1.5.3.4 Tragwerksanalysetechniken .............................................. . 1-196
1.5.4 Dynamik der Tragwerke ................................................. . 1-207
1.5.4.1 Der Einmassenschwinger ................................................ . 1-207
1.5.4.2 Diskrete Mehrmassenschwinger, Modale Analyse und Direkte Integration ...... . 1-212

1.6 Zuverlässigkeit von Tragwerken .......................................... . 1-217


1.6.1 Das Sicherheitsproblem im konstruktiven Ingenieurbau ..................... . 1-217
1.6.2 Grundlagen der stochastischen Modeliierung von Unsicherheiten ............. . 1-220
1.6.3 Zeitinvariante Zuverlässigkeitsaufgaben ................................... . 1-225
1.6.3.1 Zuverlässigkeitstheorie 1. und 2. Ordnung ................................. . 1-225
1.6.3.2 Verteilungstransformationen ............................................. . 1-226
1.6.3.3 Sensitivitäten .......................................................... . 1-227
1.6.3.4 Beispiel ............................................................... . 1-227
1.6.3.5 Monte-Carlo-Verfahren zur Zuverlässigkeitsberechnung ..................... . 1-228
1.6.4 Zuverlässigkeit von Systemen ............................................ . 1-230
1.6.4.1 Logische Analyse von Systemen ........................................... . 1-230
1.6.4.2 Wahrscheinlichkeitsschranken für Systeme ................................ . 1-230
1.6.4.3 Berechnung der Wahrscheinlichkeiten von Vereinigungs-
und Schnittmengen ..................................................... . 1-232
1.6.4.4 Anwendung auf Tragsysteme ............................................. . 1-232
1.6.5 Berechnung von bedingten Wahrscheinlichkeiten ........................... . 1-236
1.6.5.1 Allgemeines ........................................................... . 1-236
1.6.5.2 Versagenswahrscheinlichkeit bei existierenden Bauwerken ................... . 1-236
1.6.5.3 Zuverlässigkeit und Qualitätskontrolle .................................... . 1-237
1.6.6 Zeitvariante Zuverlässigkeit .............................................. . 1-238
1.6.6.1 Schranken für die Versagenswahrscheinlichkeit ............................. . 1-238
1.6.6.2 Ein wichtiges asymptotisches Ergebnis .................................... . 1-238
1.6.6.3 Austrittsraten bei vektoriellen Rechteckwellenprozessen ..................... . 1-240
1.6.6.4 Austrittsraten bei differenzierbaren Prozessen .............................. . 1-240

Inhalt XIII
1.6.6.5 Kumulative Versagenserscheinungen ...................................... . 1-242
1.6.6.6 Monte-Carlo-Verfahren in der zeitvarianten Zuverlässigkeit ... ·............... . 1-243
1.6.7 Optimierung als Ziel eines Tragwerkentwurfs im Hinblick auf Zuverlässigkeit .. . 1-244
1.6.7.1 Allgemeine Zielfunktion ................................................. . 1-244
1.6.7.2 Versagen bei Errichtung oder Inbetriebnahme durch zeitinvariante Lasten ..... . 1-245
1.6.7.3 Versagen durch extreme Belastungen ...................................... . 1-245
1.6.7.4 Kosten-Nutzen-Ansatz aus Sicht der Beteiligten ............................. . 1-246
1.6.8 Anwendung in der Normung ............................................. . 1-248
1.6.8.1 Teilsicherheitsfaktoren .................................................. . 1-248
1.6.8.2 Vorgesehene Lebensdauern und Zielzuverlässigkeit ......................... . 1-252
1.6.8.3 Größe der Teilsicherheitsfaktoren in Euronormen ........................... . 1-252

2 Bauwirtschaft und Baubetrieb ...................................... . 2-3


2.1 Bauwirtschaftslehre .................................................... . 2-3
2.1.1 Volkswirtschaftliche Grundlagen für die Bauwirtschaft ...................... . 2-3
2.1.1.1 Markt ................................................................. . 2-4
2.1.1.2 Nachfrage ............................................................. . 2-4
2.1.1.3 Angebot ............................................................... . 2-5
2.1.1.4 Preiselastizitäten ....................................................... . 2-7
2.1.1.5 Marktformenschema und Preisbildung .................................... . 2-8
2.1.1.6 Marktwirtschaft und Planwirtschaft ....................................... . 2-10
2.1.1.7 Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) .................... . 2-12
2.1.1.8 Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung ..................................... . 2-14
2.1.1.9 Wirtschaftspolitik ...................................................... . 2-18
2.1.2 Betriebswirtschaftliche Grundlagen für die Bauwirtschaft .................... . 2-29
2.1.2.1 Ausgewählte Begriffe der Betriebswirtschaftslehre .......................... . 2-31
2.1.2.2 Koordinatensystem der Bauwirtschaftslehre ................................ . 2-32
2.1.2.3 Bauwirtschaftliche Produktionsfaktoren ................................... . 2-33
2.1.2.4 Rechtsformen von Unternehmen ......................................... . 2-38
2.1.3 Arbeits- und Tarifrecht in der Bauwirtschaft ............................... . 2-44
2.1.4 Unternehmensrechnung ................................................. . 2-45
2.1.4.1 Aufbau des betrieblichen Rechnungswesens ................................ . 2-45
2.1.4.2 Anhang und Lagebericht ................................................ . 2-55
2.1.4.3 Jahresabschluß ......................................................... . 2-55
2.1.4.4 Bilanzansatz- und Bewertungsvorschriften ................................. . 2-56
2.1.4.5 Bewertung der Bauaufträge mit den Zahlen der Kosten-, Leistungs-
und Ergebnisrechnung (KLER) eines Jahres ................................ . 2-56
2.1.4.6 Bilanzanalyse und Bilanzvergleich ........................................ . 2-57
2.1.5 Baubetriebsrechnung ............ .' ...................................... . 2-57
2.1.5.1 Bauauftragsrechnung (Kalkulation) ....................................... . 2-58
2.1.5.2 Elemente und Ablauf der Kalkulation ..................................... . 2-61
2.1.5.3 Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung (KLER) .......................... . 2-75
2.1.5.4 Abgrenzungsrechnung als Bindeglied zwischen
Unternehmensrechnung und KLER ....................................... . 2-77
2.1.5.5 SolVIst-Vergleichsrechnung .............................................. . 2-79
2.1.5.6 Kennzahlenrechnung ................................................... . 2-80
2.1.6 Nachtragsprophylaxe und Claim-Management ............................. . 2-81
2.1.6.1 Nachtragsprophylaxe und Nachtragsprüfung des Auftraggebers (AG) .......... . 2-82
2.1.6.2 Nachtragsvorbereitung und Nachtragsdurchsetzung
durch den Auftragnehmer (AN) .......................................... . 2-83
2.1.6.3 Vergütungsänderungen aus Leistungsänderungen
und Zusatzleistungen gemäß § 2 Nr. 3ffVOB/B ............................. . 2-84
2.1.6.4 Schadensersatzanspruch aus Behinderung(§ 6 Nr. 6 VOB/B) ................. . 2-84

XIV Inhalt
2.1.7 Wirtschaftlichkeitsberechnungen (WB) und Nutzen-Kosten-
Untersuchungen (NKU) ................................................. . 2-85
2.1.7.1 Wirtschaftlichkeitsberechnungen (WB) .................................... . 2-87
2.1.7.2 Nutzen-Kosten-Untersuchungen (NKU) ................................... . 2-93
2.1.8 Finanzierung und Liquiditätssicherung .................................... . 2-94
2.1.8.1 Finanzierungsziele ...................................................... . 2-94
2.1.8.2 Einflußfaktoren auf die Finanzierungs- und Liquiditätssituation .............. . 2-96
2.1.8.3 Innenfinanzierung ...................................................... . 2-97
2.1.8.4 Außenfinanzierung ..................................................... . 2-98
2.1.8.5 Leasing ................................................................ . 2-100
2.1.8.6 Factoring .............................................................. . 2-100
2.1.8.7 Liquiditätsplanung und -sicherung ........................................ . 2-100
2.1.8.8 Investitions- und Finanzierungsplanung ................................... . 2-100
2.1.8.9 Ausblick ............................................................... . 2-102

2.2 Unternehmensführung .................................................. . 2-103


2.2.1 Unternehmensziele und -philosophien .................................... . 2-103
2.2.1.1 Unternehmensziele, Visionen, Leitbilder ................................... . 2-104
2.2.1.2 Unternehmensphilosophien und -konzeptionen zur Verfolgung
der Unternehmensziele .................................................. . 2-106
2.2.1.3 Messung der Unternehmensziele-Erfüllung und Bewertung
der Zielerreichung ...................................................... . 2-108
2.2.1.4 Zusammenfassung ...................................................... . 2-108
2.2.2 Grundlagen der strategischen Unternehmensführung ....................... . 2-109
2.2.2.1 Strategische Planung .................................................... . 2-109
2.2.2.2 Einstufung der strategischen Geschäftsfelder in der Portfoliomatrix ........... . 2-111
2.2.2.3 Strategische Maßnahmen ................................................ . 2-114
2.2.2.4 Zusammenfassung ............................... ·....................... . 2-117
2.2.3 Personalmanagement und Organisationsentwicklung ....................... . 2-118
2.2.3.1 Personalmanagement ................................................... . 2-120
2.2.3.2 Organisationsentwicklung ................................................ . 2-126
2.2.3.3 Zusammenfassung ...................................................... . 2-130
2.2.4 Managementsysteme für Qualität, Arbeitssicherheit und Umweltschutz ........ . 2-130
2.2.4.1 Ziele integrierter Managementsysteme .................................... . 2-131
2.2.4.2 Regelwerke ............................................................ . 2-131
2.2.4.3 Gemeinsamkeiten und Integrationsansätze ................................. . 2-132
2.2.4.4 Einführung prozeßorientierter Managementsysteme ........................ . 2-134
2.2.4.5 Ökonomie von Managementsystemen ..................................... . 2-136
2.2.4.6 Zusammenfassung ...................................................... . 2-136
2.2.5 Controlling ............................................................ . 2-137
2.2.5.1 Merkmale von Controllingsystemen und -konzepten ........................ . 2-137
2.2.5.2 Controlling in der Bauwirtschaft .......................................... . 2-138
2.2.5.3 Baustellencontrolling ................................................... . 2-138
2.2.5.4 Unternehmenscontrolling ............................................... . 2-138
2.2.5.5 Zusammenfassung ...................................................... . 2-140
2.2.6 Risikomanagement ..................................................... . 2-141
2.2.6.1 Wissenschaftliche Ansätze ............................................... . 2-142
2.2.6.2 Einführung eines Risikomanagementsystems (RMS) ........................ . 2-142
2.2.6.3 Zusammenfassung .................................................•..... 2-144
2.2.7 Unternehmensbewertung ................................................ . 2-144
2.2.7.1 Anlässe für die Unternehmensbewertung .................................. . 2-145
2.2.7.2 Wertbegriffe der Unternehmensbewertung ................................. . 2-145
2.2.7.3 Methoden der Unternehmensbewertung ................................... . 2-147
2.2.7.4 Zusammenfassung ...................................................... . 2-149

Inhalt XV
2.3 Immobilien- und Infrastrukturmanagement ............................... . 2-150
2.3.1 Projektentwicklung ..................................................... . 2-152
2.3.2 Projektmanagement .................................................... . 2-152
2.3.3 Facility-Management ................................................... . 2-152
2.3.4 Immobilienbewertung .................................................. . 2-153

2.4 Privates Baurecht ....................................................... . 2-153


2.4.1 Das BGB und verwandte Rechtsgebiete als Grundlagen
für Privatrechtsverhältnisse im Bauwesen .................................. . 2-154
2.4.1.1 Struktur des BGB ....................................................... . 2-154
2.4.1.2 Sachenrecht ............................................................. . 2-155
2.4.1.3 Das AGBG als "Sittenwächter" ............................................ . 2-156
2.4.1.4 AGBG und VOB/B ...................................................... . 2-156
2.4.1.5 Das HGB als Sonderrecht der Kaufleute .................................... . 2-157
2.4.2 Vergaberecht für öffentliche Auftraggeber in der Bauwirtschaft ............... . 2-158
2.4.2.1 Gegenstand und Struktur des Vergaberechts ................................ . 2-158
2.4.2.2 Rechtsschutz ........................................................... . 2-159
2.4.2.3 Grundprinzipien des Vergaberechts ....................................... . 2-160
2.4.2.4 "Öffentliche" Auftraggeber ............................................... . 2-160
2.4.2.5 Auftragsarten und Schwellenwerte ........................................ . 2-160
2.4.2.6 Verfahrensarten ........................................................ . 2-162
2.4.2.7 Vergabegrundsätze und -verfahren ........................................ . 2-163
2.4.3 Verdingungsordung für Bauleistungen (VOB) .............................. . 2-164
2.4.3.1 VOB Teil A: Allgemeine Bestimmungen für die Vergabe
von Bauleistungen ...................................................... . 2-164
2.4.3.2 VOB Teil B: Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung
von Bauleistungen ...................................................... . 2-175
2.4.3.3 VOB Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen
für Bauleistungen ...................................................... . 2-191
2.4.4 Verdingungsordnung für freiberufliche Leistungen (VOF) .................... . 2-193
2.4.4.1 Auswahl der Teilnehmer für das Verhandlungsverfahren ..................... . 2-196
2.4.4.2 Entscheidung im Verhandlungsverfahren .................................. . 2-198
2.4.4.3 Weitere Verfahrensfragen ................................................ . 2-199
2.4.5 Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) .................... . 2-199
2.4.5.1 Rechtsgrundlage der HOAI .............................................. . 2-199
2.4.5.2 Rechtsnatur und Anwendungsbereich der HOAI ............................ . 2-199
2.4.5.3 Preisrechtlich geregelte Planungsleistungen ................................ . 2-201
2.4.5.4 Honorarrelevante allgemeine Vorschriften der HOAI ........................ . 2-202
2.4.5.5 Honorarrelevante planungsspezifische Vorschriften der HOAI ................ . 2-204
2.4.5.6 Strukturnovelle der HOAI ............................................... . 2-205
2.4.6 Vertrags- und Unternehmereinsatzformen ................................. . 2-207

2.5 Baubetrieb ............................................................ . 2-209


2.5.1 Baustellenorganisation, Baustellenmanagement ............................. . 2-209
2.5.1.1 Allgemeines ........................................................... . 2-209
2.5.1.2 Aufbauorganisation der Baustelle ......................................... . 2-209
2.5.1.3 Berichtswesen .......................................................... . 2-211
2.5.1.4 Lohndifferenzierung ..................................................... . 2-212
2.5.1.5 Mitarbeiterführung ..................................................... . 2-212
2.5.2 Bauarbeitsvorbereitung ................................................. . 2-212
2.5.2.1 Definition und Bedeutung der Arbeitsvorbereitung ......................... . 2-212
2.5.2.2 Aufgaben der Bauarbeitsvorbereitung ..................................... . 2-213
2.5.2.3 Stellung der Bauarbeitsvorbereitung im Bauunternehmen .................... . 2-213
2.5.2.4 Fertigungsplanung ...................................................... . 2-214

XVI Inhalt
2.5.2.5 Fertigungssteuerung .................................................... . 2-217
2.5.3 Baustelleneinrichtung ................................................... . 2-217
2.5.3.1 Planung der Baustelle ................................................... . 2-218
2.5.3.2 Erstellen eines Arbeitsverzeichnisses ...................................... . 2-218
2.5.3.3 Betrieb der Baustelle .................................................... . 2-222
2.5.4 Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (Arbeitsschutz) ............. . 2-224
2.5.4.1 Einführung ............................................................ . 2-224
2.5.4.2 Staatliche Arbeitsschutzbehörden und Berufsgenossenschaften ............... . 2-225
2.5.4.3 Planung und Organisation des Arbeitsschutzes im Betrieb
und auf Baustellen . ~ .................................................... . 2-226
2.5.4.4 Zusammenfassung ....................................................... . 2-228
2.5.5 Automatisierung und Robotik im Bauunternehmen ......................... . 2-229
2.5.5.1 Einführung ............................................................ . 2-229
2.5.5.2 Automatisierung der Baustoffproduktion .................................. . 2-229
2.5.5.3 Automatisierung und Robotik in der Betonfertigteilindustrie ................. . 2-229
2.5.5.4 Automatisierung und Robotik in der Mauerwerkfertigung ................... . 2-230
2.5.5.5 Automatisierung und Robotik in der Holzteilefertigung ..................... . 2-233
2.5.5.6 Automatisierung und Robotik in der Raumzellenfertigung
in Stahlbauweise ........................................................ . 2-233
2.5.5.7 Automatisierung und Robotik in der Gebäudefertigung vor Ort ............... . 2-234
2.5.5.8 Integrierte Automatisierung und Robotik in
der Gebäudefertigung vor Ort ............................................ . 2-234
2.5.5.9 Voraussetzungen für die Einführung von Baurobotern ....................... . 2-236

2.6 Bauverfahrenstechnik und Baumaschineneinsatz ........................... . 2-236


2.6.1 Bauverfahren und Maschineneinsatz im Erdbau ............................ . 2-236
2.6.1.1 Allgemeine Grundlagen des Erdbaus ...................................... . 2-236
2.6.1.2 Lösen und Laden von Bodenmaterial ...................................... . 2-239
2.6.1.3 Fördern von Bodenmaterial .............................................. . 2-244
2.6.2 Bauverfahren und Maschineneinsatz für Baugrubenumschließungen .......... . 2-249
2.6.2.1 Wahl der Verbauart ..................................................... . 2-249
2.6.2.2 Verfahren der Baugrubensicherung ....................................... . 2-249
2.6.2.3 Rückverankerung und Aussteifungen von Baugrubenwänden ................. . 2-257
2.6.3 Auswahl und Einsatz von Hebezeugen ..................................... . 2-259
2.6.3.1 Bauarten von Hebezeugen ............................................... . 2-259
2.6.3.2 Bestimmen der erforderlichen Krankapazität ............................... . 2-264
2.6.4 Betonschalungen und Gerüste im Hochbau ................................ . 2-266
2.6.4.1 Einleitung ............................................................. . 2-266
2.6.4.2 Schalungsnormen, Bezugsnormen, Richtlinien ............................. . 2-266
2.6.4.3 Schalungssysteme und -methoden ........................................ . 2-267
2.6.4.4 Kostengliederung der Rohbaukosten ...................................... . 2-268
2.6.4.5 Gliederung der Lohnleistung ............................................. . 2-268
2.6.4.6 Geräte, Materialien, Stoffe ................................................ . 2-269
2.6.4.7 Zusammenfassung und Ausblick .......................................... . 2-269
2.6.5 Bauverfahren und Maschineneinsatz im Beton- und Stahlbetonbau ............ . 2-270
2.6.5.1 Vorbereitende Arbeiten im Beton- und Stahlbetonbau ....................... . 2-270
2.6.5.2 Bewehrungsarbeiten im Betonbau ........................................ . 2-273
2.6.5.3 Betonarbeiten .......................................................... . 2-281
2.6.5.4 Baubetriebliche Leistungswerte und Kennzahlen im Beton- und Stahlbetonbau .. 2-293
2.6.6 Bauverfahren und Maschineneinsatz im Fertigteilbau ....................... . 2-300
2.6.6.1 Vorbereitende Arbeiten im Fertigteilbau ................................... . 2-300
2.6.6.2 Herstellung von Fertigteilen .............................................. . 2-301
2.6.6.3 Transport von Fertigteilen ............................................... . 2-305
2.6.6.4 Montage von Fertigteilen ................................................ . 2-309

Inhalt XVII
2.6.7 Leitungsbau ............................................................ . 2-313
2.6.7.1 Allgemeines ........................................................... . 2-313
2.6.7.2 Offene Bauweise ........................................................ . 2-313
2.6.7.3 Geschlossene Bauweise .................................................. . 2-314
2.6.7.4 Halboffene Bauweise .................................................... . 2-317

3 Konstruktiver Ingenieurbau und Hochbau ............................. . 3-3


3.1 Baustoffe .............................................................. . 3-3
3.1.1 Holz und Holzwerkstoffe für tragende Bauteile ............................. . 3-3
3.1.1.1 Holzstruktur ........................................................... . 3-3
3.1.1.2 Holzarten ................................................. ·............ . 3-5
3.1.1.3 Holzqualitäten ......................................................... . 3-6
3.1.1.4 Holzeigenschaften ...................................................... . 3-6
3.1.1.5 Holzwerkstoffe ......................................................... . 3-12
3.1.1.6 Holzschädlinge, Holzschutz .............................................. . 3-14
3.1.1.7 Regelwerke für Holz, Holzwerkstoffe und Holzkonstruktionen ................ . 3-16
3.1.2 Bindemittel ............................................................ . 3-16
3.1.2.1 Allgemeines ........................................................... . 3-16
3.1.2.2 Gipse ................................................................. . 3-17
3.1.2.3 Kalke ................................................................. . 3-18
3.1.2.4 Zemente ............................................................... . 3-19
3.1.2.5 Latent-hydraulische Stoffe und Puzzolane .................................. . 3-21
3.1.3 Beton ................................................................. . 3-22
3.1.3.1 Allgemeines ........................................................... . 3-22
3.1.3.2 Zusammensetzung und Klassifizierung .................................... . 3-23
3.1.3.3 Betonausgangsstoffe .................................................... . 3-23
3.1.3.4 Betonzusammensetzung ................................................. . 3-27
3.1.3.5 Betonherstellung ....................................................... . 3-27
3.1.3.6 Frischbetoneigenschaften ................................................ . 3-29
3.1.3.7 Festbetoneigenschaften .................................................. . 3-30
3.1.3.8 Recycling .............................................................. . 3-39
3.1.3.9 Sonderbetone .......................................................... . 3-40
3.1.4 Stahl •.................................................................. 3-42
3.1.4.1 Allgemeines _. .......................................................... . 3-42
3.1.4.2 Erschmelzen und Vergießen des Stahls .................................... . 3-42
3.1.4.3 Gefüge, Härten, Anlassen, Glühen ......................................... . 3-43
3.1.4.4 Mechanische Eigenschaften .............................................. . 3-45
3.1.4.5 Schweißen ............................................................. . 3-49
3.1.4.6 Genormte Baustähle .................................................... . 3-50
3.1.4.7 Korrosionsbeständige Stähle ............................................. . 3-51
3.1.4.8 Betonstähle ............................................................ . 3-52
3.1.4.9 Korrosion und Korrosionsschutz ......................................... . 3-52
3.1.5 Nichteisenmetalle ...................................................... . 3-53
3.1.5.1 Blei ................................................................... . 3-53
3.1.5.2 Kupfer ................................................................ . 3-53
3.1.5.3 Nickel ................................................................. . 3-53
3.1.5.4 Zinn .................................................................. . 3-53
3.1.5.5 Zink .................................................................. . 3-54
3.1.5.6 Aluminium ............................................................ . 3-54
3.1.6 Bauglas ............................................................... . 3-55
3.1.6.1 Zusammensetzung, Beständigkeit, Eigenschaften ........................... . 3-55
3.1.6.2 Glasarten .............................................................. . 3-55
3.1.6.3 Bauen mit Glas ......................................................... . 3-55

XVIII Inhalt
3.1.6.4 Schaumglas ............................................................ . 3-56
3.1.6.5 Glasfasern ............................................................. . 3-56
3.1.7 Bitumen, Asphalt ....................................................... . 3-56
3.1.8 Kunststoffe ............................................................ . 3-57
3.1.8.1 Allgemeines, Bildungsreaktionen, Klassierung .............................. . 3-57
3.1.8.2 Kunststoffe als Konstruktionswerkstoffe ................................... . 3-58
3.1.8.3 Kunststoffe für Schutz und Instandsetzung von Baustoffen und Bauteilen ...... . 3-58

3.2 Hochbaukonstruktionen ................................................ . 3-60


3.2.1 Problemstellung für den Bauingenieur ..................................... . 3-60
3.2.2 Zur Bauphysik ......................................................... . 3-61
3.2.2.1 Wärmeschutz .......................................................... . 3-61
3.2.2.2 Feuchtigkeitsschutz ..................................................... . 3-63
3.2.2.3 Schallschutz ........................................................... . 3-64
3.2.3 Gebäudehülle und Ausbau ............................................... . 3-66
3.2.3.1 Außenwände ........................................................... . 3-66
3.2.3.2 Innenwände ........................................................... . 3-72
3.2.3.3 Dächer .................................•............................... 3-76
3.2.3.4 Fenster ................................................................ . 3-80
3.2.3.5 Ausbau der Geschoßdecken .............................................. : 3-81
3.2.3.6 Sockelbereich .......................................................... . 3-83
3.2.3.7 Treppen ............................................................... . 3-84
3.2.3.8 Haustechnische Anlagen ................................................. . 3-85
3.2.4 Tragendes Mauerwerk .................................................... . 3-87
3.2.4.1 Konzeptioneller Entwurf von Mauerwerksbauten ........................... . 3-87
3.2.4.2 Laufmeterlast von Mauerwerkswänden .................................... . 3-87
3.2.5 Tragwerke von Skelettbauten ............................................. . 3-88
3.2.5.1 Merkmale von Skelettbauten ............................................. . 3-89
3.2.5.2 Entwurfsgrundsätze .................................................... . 3-90
3.2.5.3 Einwirkungen .......................................................... . 3-91
3.2.5.4 Abtragung von Lasten und Kräften ....................................... : . 3-96
3.2.5.5 Tragwandsysteme ....................................................... . 3-99
3.2.5.6 Rahmensysteme ........................................................ . 3-111
3.2.5.7 Gemischte Systeme ..................................................... . 3-114
3.2.5.8 Gebäudetrennfugen ..................................................... . 3-116
3.2.5.9" Die Gebäudehülle durchdringende Tragelemente ........................... . 3-120

3.3. Massivbau ....................................................... ······· 3-127


3.3.1 Einführung ............................................................ . 3-127
3.3.2 Beton ................................................................. . 3-129
3.3.2.1 Mechanische Eigenschaften der Mesostruktur .............................. . 3-129
3.3.2.2 Mechanische Eigenschaften der Makrostruktur ............................. . 3-131
3.3.2.3 Zeitabhängiges Verhalten ................................................ . 3-136
3.3.3 Betonstahl ............................................................. . 3-138
3.3.3.1 Bemessungskennwerte .................................................. . 3-138
3.3.3.2 Arten und Formen ...................................................... . 3-139
3.3.4 Spannstahl ............................................................. . 3-140
3.3.4.1 Arten und Formen ...................................................... . 3-140
3.3.4.2 Mechanische Eigenschaften .............................................. . 3-140
3.3.5 Verbundbaustoff Stahlbeton ............................................. . 3-141
3.3.5.1 Verbundverhalten des Stahls ............................................. . 3-141
3.3.5.2 Rißbildung in Stahlbetonbauteilen ........................................ . 3-143
3.3.6 Statisch bestimmte Balken ............................................... . 3-147
3.3.6.1 Beobachtungen im Versuch .............................................. . 3-147

Inhalt XIX
3.3.6.2 Biegebeanspruchung .................................................... . 3-149
3.3.6.3 Querkraft .............................................................. . 3-159
3.3.6.4 Torsion ......................................................... : ...... . 3-164
3.3.6.5 Verhalten an Lasteinleitungsstellen ....................................... . 3-168
3.3.6.6 Profilierte Querschnitte ................................................. . 3-170
3.3.6.7 Verformungen ......................................................... . 3-172
3.3.7 Statisch unbestimmte Balken ............................................. . 3-174
3.3.7.1 Bauteilverhalten ........................................................ . 3-174
3.3.7.2 Schnittgrößenermittlung ................................................ . 3-177
3.3.7.3 Nachweiskonzepte ...................................................... . 3-177
3.3.7.4 Membraneffekte ........................................................ . 3-181
3.3.7.5 Torsion in statisch unbestimmten Tragwerken .............................. . 3-182
3.3.8 Scheiben .............................................................. . 3-183
3.3.8.1 Differentielles Scheibenelement .......................................... . 3-183
3.3.8.2 Tragfähigkeit im GZT ................................................... . 3-183
3.3.8.3 Schnittgrößenermittlung ................................................ . 3-184
3.3.9 Platten ................................................................ . 3-186
3.3.9.1 Biegung und Normalkraft ............................................... . 3-186
3.3.9.2 Querkraft .............................................................. . 3-188
3.3.9.3 Schnittgrößenermittlung ................................................ . 3-189
3.3.9.4 Punktförmig gestützte Platten ............................................ . 3-191
3.3.9.5 Durchbiegungen ........................................................ . 3-193
3.3.10 Einfluß zeitabhängiger Verformungen ..................................... . 3-193
3.3.10.1 Grundlagen ............................................................ . 3-193
3.3.10.2 Querschnitt ............................................................ . 3-193
3.3.10.3 Systemumlagerung ..................................................•... 3-194
3.3.10.4 Systemwechsel ......................................................... . 3-196
3.3.11 Spannbeton ............................................................ . 3-196
3.3.11.1 Prinzip der Vorspannung ................................................ . 3-196
3.3.11.2 Vorspannen im Spannbett ............................................... . 3-197
3.3.11.3 Vorspannen gegen den erhärteten Beton ................................... . 3-198
3.3.11.4 Statisch unbestimmte Wirkung ........................................... . 3-201
3.3.11.5 Zeitabhängige Verluste .................................................. . 3-202
3.3.11.6 Verankerung der Spannglieder ........................................... . 3-203
3.3.11.7 Nachweise ............................................................. . 3-203
3.3.11.8 Robustheit ............................................................. . 3-206
3.3.12 Stabilität und Theorie II. Ordnung ........................................ . 3-208
3.3.12.1 Einzelstützen .......................................................... . 3-208
3.3.12.2 Rahmen ............................................................... . 3-212
3.3.12.3 Kippen ................................................................ . 3-213
3.3.13 Brandschutz ........................................................... . 3-215
3.3.13.1 Anforderungen ......................................................... . 3-215
3.3.13.2 Verhalten und Bemessung im Brandfall .................................... . 3-215
3.3.14 Ermüdung ............................................................. . 3-217
3.3.14.1 Baustoffverhalten ....................................................... . 3-217
3.3.14.2 Bauteilverhalten .................. ·....................................... 3-218
3.3.14.3 Nachweis der Betriebsfestigkeit............................................ 3-219

3.4 Stahlbau .............................................................. . 3-220


3.4.1 Allgemeines, Normen und Genehmigungsverfahren ......................... . 3-220
3.4.1.1 Allgemeines ........................................................... . 3-220
3.4.1.2 Technische Baubestimmungen ......... , ................................. . 3-222
3.4.1.3 Künftige europäische Normen zur Bemessung und
Ausführung im Stahlbau ...... ~ .......................................... . 3-223

XX Inhalt
3.4.2 Werkstoffeigenschaften und Grenzzustände ................................ . 3-223
3.4.2.1 Herstellungsmethoden, Erzeugnisse, Bezeichnungen ........................ . 3-223
3.4.2.2 Festigkeits- und Zähigkeitseigenschaften als Funktion der Temperatur ......... . 3-227
3.4.2.3 Grenzzustände und Anforderungen ....................................... . 3-232
3.4.3 Grundlagen der Bemessungsregeln ....................................... . 3-235
3.4.3.1 Anforderungen und Sicherheit .......................................... .. 3-235
3.4.3.2 Tragsicherheit im Temperaturübergangsbereich ............................ . 3-236
3.4.3.3 Tragsicherheit bei Normaltemperatur ..................................... . 3-237
3.4.3.4 Tragsicherheit bei höherer Betriebstemperatur ............................. . 3-238
3.4.3.5 Tragsicherheit im Brandfall .............................................. . 3-239
3.4.4 Tragfähigkeitsnachweise ................................................. . 3-240
3.4.4.1 Tragfähigkeit von Tragwerken ............................................ . 3-240
3.4.4.2 Behandlung der geometrischen Nichtlinearität ............................. . 3-242
3.4.4.3 Behandlung der Imperfektionen .......................................... . 3-245
3.4.4.4 Nachweise für Bauteile und Verbindungen ................................. . 3-246
3.4.4.5 Verbindungsmittel und Anschlüsse ....................................... . 3-254
3.4.5 Ermüdungsnachweise ................................................... . 3-268
3.4.5.1 Historisches ........................................................... . 3-268
3.4.5.2 Grundlagen der Ermüdungsfestigkeit in EN 1993-1-9 ........................ . 3-269
3.4.5.3 Behandlung von o-t- Verläufen ........................................... . 3-270
3.4.5.4 Schädigungsverhalten und Schadensäquivalenz ............................. . 3-270
3.4.5.5 Ermüdungsnachweis .................................................... . 3-272
3.4.5.6 Ermüdungsbelastung ................................................... . 3-274
3.4.5.7 Sicherheitskonzept für Ermüdungsnachweise .............................. . 3-275
3.4.5.8 Ermüdungssicherheit bei plastischen Verformungen ........................ . 3-276
3.4.6 Fertigung und Montage ................................................. . 3-277
3.4.6.1 Auftragsabwicklung in der Einzelfertigung ................................ .. 3-277
3.4.6.2 Rationalisierung von Fertigung und Montage .............................. . 3-277
3.4.6.3 Fertigungsmethoden .................................................... . 3-277
3.4.6.4 Montagemethoden ...................................................... . 3-278
3.4.6.5 Konstruktionsentwurf ................................................... . 3-278

3.5 Verbundbau ........................................................... . 3-279


3.5.1 Einleitung, Regelwerke .................................................. . 3-279
3.5.2 Grundlagen der Bemessung .............................................. . 3-280
3.5.2.1 Allgemeines, Sicherheitskonzept .......................................... . 3-280
3.5.2.2 Grenzzustand der Tragfähigkeit .......................................... . 3-282
3.5.2.3 Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit .................................. . 3-283
3.5.2.4 Werkstoffe ............................................................. . 3-283
3.5.3 Verbundträger ......................................................... . 3-285
3.5.3.1 Allgemeines ........................................................... . 3-285
3.5.3.2 Tragverhalten von Verbundträgern - Grundlagen ........................... . 3-286
3.5.3.3 Grenzzustand der Tragfähigkeit .......................................... . 3-301
3.5.3.4 Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit .................................. . 3-319
3.5.4 Verbunddecken ........................................................ . 3-322
3.5.4.1 Allgemeines ........................................................... . 3-322
3.5.4.2 Grenzzustand der Tragfähigkeit .......................................... . 3-323
3.5.4.3 Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit .................................. . 3-326
3.5.5 Verbundstützen und Rahmentragwerke ................................... . 3-327
3.5.5.1 Einleitung, Nachweisverfahren ........................................... . 3-327
3.5.5.2 Vereinfachtes Bemessungsverfahren ....................................... . 3-328
3.5.5.3 Krafteinleitung und Verbundsicherung .................................... . 3-337
3.5.6 Brandschutztechnische Bemessung von Verbundbauteilen ................... . 3-340
3.5.6.1 Allgemeines, Nachweisverfahren .......................................... . 3-340

Inhalt XXI
3.5.6.2 Nachweisverfahren der Stufe 1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . 3-340
3.5.6.3 Nachweisverfahren der Stufe 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-342

3.6 Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-342


3.6.1 Mauersteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-342
3.6.1.1 Arten, Ausbildung ......................... ; . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-342
3.6.1.2 Herstellung, Zusammensetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-344
3.6.1.3 Eigenschaften, Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-346
3.6.1.4 Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-347
3.6.2 Mauermörtel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-348
3.6.2.1 Definition, Arten, Lieferform . . . . .. . .. . . . . . . .. . .. . . . . . . . . . . .. .. . .. . . .. . . . . . 3-348
3.6.2.2 Herstellung, Zusammensetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . 3-349
3.6.2.3 Eigenschaften, Anforderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-349
3.6.2.4 Anwendung............................................................. 3-351
3.6.3 Putze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-352
3.6.3.1 Definition, Arten, Normung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-352
3.6.3.2 Herstellung, Zusammensetzung, Putzaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-353
3.6.3.3 Eigenschaften, Anforderungen . . . . . .. . . . .. . . . . . . . .. . .. . .. . . . . . . . . . .. . . .. . . 3-355
3.6.3.4 Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-356
3.6.4 Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-356
3.6.4.1 Definition, Normung, Sicherheitskonzeption . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-356
3.6.4.2 Herstellung; Mauerwerkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-357
3.6.4.3 Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-358
3.6.5 Bewehrtes Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-377
3.6.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-377
3.6.5.2 Baustoffe für bewehrtes Mauerwerk .. . .. . . . . . . . . . . .. . .. . . . . . . . . . . . . .. . . . . .. 3-377
3.6.5.3 Korrosionsschutz der Bewehrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-377
3.6.5.4 Ausführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-377

3.7 Holzbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-380


3.7.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-380
3.7.2 Bautechnische Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-382
3.7.2.1 Festigkeiten und Steifigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-382
3.7.2.2 Verhalten bei Feuchteänderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-382
3.7.2.3 Weitere Holzeigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-385
3.7.3 Normen, Zulassungen und Vorschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-387
3.7.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-387
3.7.3.2 Nachweis nach DIN 1052 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-387
3.7.3.3 Nachweis nach E DIN 1052 und EC5-1 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-387
3.7.3.4 Beispiel für die überlagerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-387
3.7.4 Holzschutz, Dauerhaftigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-389
3.7.4.1 Ursachen von Holzschäden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-389
3.7.4.2 Vermeidung von Holzschädigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-389
3.7.5 Systeme aus Holz- bzw. Holzwerkstoffen . . . . .. . .. . .. . .. . . . . . . . .. . . . . . . .. . . . . 3-390
3.7.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-390
3.7.5.2 Stabförmige Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-390
3.7.5.3 Flächenförmige Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-392
3.7.6 Nachweise für Holz- und Holzwerkstoff-Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-394
3.7.6.1 Allgemeines ............... ; . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-394
3.7.6.2 Tragsicherheitsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-395
3.7.7 Verbindungen .............. .- . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-402
3.7.7.1 Allgemeines . , . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-402
3.7.7.2 Geklebte Verbindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-402
3.7.7.3 Mechanische Verbindungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3-402

XXII Inhalt
3.7.8 Träger aus nachgiebig miteinander verbundenen Teilen ...................... . 3-407
3.7.8.1 Allgemeines ........................................................... . 3-407
3.7.8.2 Analytische Lösung für den Einfeldträger mit konstanten
Querschnittswerten und sinusförmig verteilter Belastung .................... . 3-408
3.7.8.3 Schubanalogie ......................................................... . 3-409
3.7.8.4 Holz-Beton-Verbundbauweise ............................................ . 3-409
3.7.8.5 Querschnitte aus mehreren miteinander nachgiebig
verbundenen Schichten .................................................. . 3-412
3.7.9 Beanspruchung rechtwinklig zur Faser .................................... . 3-413
3.7.9.1 Einleitung ............................................................. . 3-413
3.7.9.2 Beispiele .............................................................. . 3-415
3.7.10 Platten aus Schichten .................................................... . 3-417
3.7.10.1 Allgemeines ........................................................... . 3-417
3.7.10.2 Platten aus nachgiebig miteinander verbundenen Schichten .................. . 3-417
3.7.10.3 Platten aus schubstarr miteinander verbundenen Schichten .................. . 3-419
3.7.10.4 Hinweis ............................................................... . 3-419

3.8 Glasbau ............................................................... . 3-419


3.8.1 Allgemeine Werkstoffeigenschaften ....................................... . 3-419
3.8.2 Gläser im Bauwesen ..................................................... . 3-421
3.8.2.1 Grundprodukte ........................................................ . 3-421
3.8.2.2 Veredelungsprodukte ................................................... . 3-424
3.8.2.3 Mechanische Eigenschaften von Gläsern ................................... . 3-427
3.8.3 Bemessungskonzepte für Glas ............................................ . 3-427
3.8.3.1 Bemessungskonzept mit globalen Sicherheitsbeiwerten ...................... . 3-427
3.8.3.2 Bemessungskonzept mit Teilsicherheitsbeiwerten ........................... . 3-428
3.8.3.3 Grenzwerte der Durchbiegung ............................................ . 3-429
3.8.4 Besonderheiten der Bemessung .......................................... . 3-430
3.8.4.1 Stabilitätsnachweise ..................................................... . 3-430
3.8.4.2 Zwängungsbeanspruchungen ............................................ . 3-430
3.8.4.3 Stoßlasten ............................................................. . 3-431
3.8.4.4 Koppeleffekt bei Isolierglaseinheiten ...................................... . 3-431
3.8.4.5 Schubverbund bei Verbundgläsern (VSG/VG) .............................. . 3-431
3.8.4.6 Spontanbruch von thermisch vorgespanntem Glas .......................... . 3-432
3.8.4.7 Resttragfähigkeit ....................................................... . 3-432
3.8.4.8 Punktförmig gelagerte Scheiben .......................................... . 3-433
3.8.5 Verbindungen .......................................................... . 3-436
3.8.5.1 Allgemeines ........................................................... . 3-436
3.8.5.2 Klebeverbindungen ..................................................... . 3-436
3.8.5.3 Lochleibungsverbindungen .............................................. . 3-436
3.8.5.4 Reibverbindungen ...................................................... . 3-437
3.8.6 Konstruktive Durchbildung von Glasbauteilen .............................. . 3-437
3.8.6.1 Allgemeines ........................................................... . 3-437
3.8.6.2 Fenster, Glasfassaden .................................................... . 3-438
3.8.6.3 überkopfverglasungen .................................................. . 3-438
3.8.6.4 Begehbares Glas ........................................................ . 3-438
3.8.6.5 Glas als Absturzsicherung ............................................... . 3-440
3.8.6.6 Weitere tragende Glasbauteile ............................................ . 3-441
3.8.7 Prüfung/überwachung .................................................. . 3-441

3.9 Befestigungstechnik .................................................... . 3-442


3.9.1 Einleitung ............................................................. . 3-442
3.9.2 Befestigungssysteme - konstruktive Ausbildung,
Wirkungsprinzipien und Montage ........................................ . 3-442

Inhalt XXIII
3.9.2.1 Einlegeteile ............................................................ . 3-442
3.9.2.2 Mechanische Dübel ..................................................... . 3-444
3.9.2.3 Chemische Dübel ....................................................... . 3-448
3.9.2.4 Dübel für spezielle Anwendungen ......................................... . 3-451
3.9.2.5 Setzbolzen ............................................................. . 3-451
3.9.3 Tragverhalten .......................................................... . 3-452
3.9.3.1 Mechanische Befestigungsmittel .......................................... . 3-452
3.9.3.2 Chemische Befestigungsmittel ............................................ . 3-456
3.9.3.3 Setzbolzen ............................................................. . 3-457
3.9.4 Definition von gerissenem und ungerissenem Beton ........................ . 3-458
3.9.5 Dauerhaftigkeit ........................................................ . 3-458
3.9.6 Baurechtliche Vorschriften und Anwendungsbedingungen ................... . 3-459
3.9.6.1 Allgemeines ........................................................... . 3-459
3.9.6.2 Mechanische Befestigungen .............................................. . 3-459
3.9.6.3 Chemische Befestigungen ................................................ . 3-461
3.9.6.4 Setzbolzen ............................................................. . 3-461
3.9.6.5 Weitere Entwicklung der Zulassungen ..................................... . 3-461
3.9.7 Zusammenfassung ...................................................... . 3-462

3.10 Baugrund-Tragwerk-Interaktion ......................................... . 3-462


3.10.1 Einführung ............................................................ . 3-462
3.10.2 Grundlagen zum Materialverhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . · 3-463
3.10.2.1 Idealisierung des realen Tragverhaltens .................................... . 3-463
3.10.2.2 Zeitabhängige Effekte ................................................... . 3-464
3.10.2.3 Streuung der Materialeigenschaften ....................................... . 3-464
3.10.3 Gründungen und Stützbauwerke .......................................... . 3-466
3.10.3.1 Flachgründung mit Einzelfundamenten ................................... . 3-466
3.10.3.2 Pfahlgründung und Kombinierte Pfahl-Plattengründung (KPP) ............... . 3-467
3.10.3.3 Stützbauwerke ......................................................... . 3-471
3.10.4 Modeliierung der Baugrund-Tragwerk-Interaktion .......................... . 3-472
3.10.4.1 Mechanische Modeliierung .............................................. . 3-472
3.10.4.2 Modeliierung des Baugrunds ............................................. . 3-473
3.10.4.3 Sicherheitstheoretische Aspekte .......................................... . 3-474
3.10.4.4 Vereinfachtes Vorgehen in der Praxis am Beispiel der Flachgründung .......... . 3-474
3.10.4.5 Verformungsgrenzen des Tragwerks ...................................... . 3-476
3.10.5 Beispiele .............. : . .............................................. . 3-479
3.10.5.1 Vergleichsrechnung einer Tiefgarage mit und ohne Berücksichtigung
der Baugrund-Tragwerk-Interaktion ...................................... . 3-479
3.10.5.2 Schadensfall einer Tiefgarage eines Bürogebäudes ........................... . 3-479

4 Geotechnik ...................................................... . 4-3


4.1 Boden- und Felsmechanik ............................................... . 4-3
4.1.1 Einführung ........................................ , ................... . 4-3
4.1.2 Bodenphysik ........................................................... . 4-4
4.1.2.1 Größe und Form der Bodenteilchen, Wasserhüllen .......................... . 4-4
4.1.2.2 Wassergehalt, Atterbergsche Zustandsgrenzen .............................. . 4-6
4.1.2.3 Zustands- und Strukturbeschreibung von Böden ............................ . 4-8
4.1.2.4 Klassifikation der Böden ................................................ . 4-11
4.1.3 Boden als mehrphasiges Medium ......................................... . 4-11
4.1.3.1 Zur kontinuumsmechanischen Beschreibung des mehrphasigen Mediums ..... . 4-11
4.1.3.2 Kapillareffekte im Boden ................................................ . 4-12
4.1.3.3 Porenwasser ........................................................... . 4-14
4.1.3.4 Prinzip der wirksamen Spannungen ...................................... . 4-16

XXIV Inhalt
4.1.3.5 Spannungen in Erdkörpern infolge Eigengewicht ........................... . 4-17
4.1.4 Grundwasserbewegung im Boden ......................................... . 4-19
4.1.4.1 Filterströmung und spezifische Strömungskraft ............................. . 4-19
4.1.4.2 Spannungen in Erdkörpern mit strömendem Grundwasser ................... . 4-20
4.1.4.3 Gesetz von Darcy ............ ; .......................................... . 4-20
4.1.4.4 Laborversuche zur Durchlässigkeit ........................................ . 4-21
4.1.4.5 Theorie der ebenen Filterströmung ....................................... . 4-22
4.1.4.6 Strömung zu einem Sickerschlitz oder Brunnen ............................. . 4-25
4.1.4.7 Mehrbrunnenanlagen ................................................... . 4-26
4.1.5 Setzungsermittlung ..................................................... . 4-27
4.1.5.1 Zusammendrückbarkeit der Böden ....................................... . 4-27
4.1.5.2 Spannungsverteilung im Baugrund infolge Auflast .......................... . 4-33
4.1.5.3 Setzungen infolge Zusammendrückung, Setzungsberechnung ................ . 4-36
4.1.6 Grenzzustände im Boden ................................................ . 4-41
4.1.6.1 Festigkeitseigenschaften der Böden ....................................... . 4-41
4.1.6.2 Erddruck .............................................................. . 4-45
4.1.6.3 Standsicherheit von Böschungen ......................................... . 4-51
4.1.6.4 Tragfähigkeit von Flachgründungen ................ : ...................... . 4-54

4.2 Baugrunddynamik ..................................................... . 4-56


4.2.1 Einleitung ............................................................. . 4-56
4.2.2 Schwingungen einfacher Systeme ......................................... . 4-57
4.2.2.1 Allgemeines ........................................................... . 4-57
4.2.2.2 Freie ungedämpfte Schwingungen ........................................ . 4-58
4.2.2.3 Freie gedämpfte Schwingungen ........................................... . 4-58
4.2.2.4 Erzwungene gedämpfte Schwingungen .................................... . 4-59
4.2.2.5 Dämpfung ............................................................. . 4-61
4.2.3 Bodenverhalten bei dynamischer Belastung ................................ . 4-62
4.2.4 Wellenausbreitung im Boden ............................................. . 4-65
4.2.4.1 Allgemeines ........................................................... . 4-65
4.2.4.2 Eindimensionale Wellenausbreitung ...................................... . 4-65
4.2.4.3 Oberflächenwellen ...................................................... . 4-67
4.2.4.4 Verhalten von Wellen an Schichtgrenzen ................................... . 4-69
4.2.5 Messung von dynamischen Bodenkennwerten .............................. . 4-70
4.2.5.1 Feldversuche ........................................................... . 4-70
4.2.5.2 Laborversuche ......................................................... . 4-72
4.2.6 Schwingungen von Fundamenten ......................................... . 4-73

4.3 Grundbau, Baugruben und Gründungen .................................. . 4-76


4.3.1 Baugrunderkundung .................................................... . 4-76
4.3.1.1 Art und Umfang ........................................................ . 4-76
4.3.1.2 überblick über geotechnische Untersuchungen ............................. . 4-77
4.3.1.3 Direkte Aufschlüsse ..................................................... . 4-78
4.3.1.4 Indirekte Aufschlüsse ................................................... . 4-79
4.3.1.5 Feldversuche ........................................................... . 4-79
4.3.1.6 Laborversuche ......................................................... . 4-79
4.3.1.7 Abschätzung von Bodenkennwerten aus Tabellen ........................... . 4-84
4.3.2 Baugrundverbesserung .................................................. . 4-84
4.3.2.1 Bodenaustausch ........................................................ . 4-84
4.3.2.2 Verdichtung ........................................................... . 4-85
4.3.2.3 Verfestigung ........................................................... . 4-89
4.3.2.4 Bewehrung ............................................................ . 4-92
4.3.3 Flächengründungen .................................................... . 4-93
4.3.3.1 Begriffe und Gründungsarten ............................................ . 4-93

Inhalt XXV
4.3.3.2 Zulässige Bodenpressung ................................................ . 4-93
4.3.3.3 Berechnungsverfahren für Sohldruckverteilung ............................. . 4-97
4.3.4 Pfahlgründungen ....................................................... . 4-97
4.3.4.1 Pfahlarten ............................................................. . 4-97
4.3.4.2 Pfahltragfähigkeitsabschätzung ........................................... . 4-100
4.3.4.3 Pfahlprüfungen ........................................................ . 4-104
4.3.4.4 Tragverhalten von axial belasteten Pfählen ............ ·..................... . 4-105
4.3.4.5 Kombinierte Pfahl-Plattengründung ...................................... . 4-108
4.3.4.6 Tragverhalten von horizontal belasteten Pfählen ............................ . 4-108
4.3.4.7 Pfahlroste ............................................................. . 4-111
4.3.5 Senkkästen ............................................................ . 4-113
4.3.5.1 Konstruktive Ausbildung ................................................ . 4-113
4.3.5.2 Absenkvorgang ......................................................... . 4-118
4.3.5.3 Berechnung der Absenkung .............................................. . 4-119
4.3.6 Baugruben ............................................................. . 4-120
4.3.6.1 Allgemeines ........................................................... . 4-120
4.3.6.2 Baugrubenumschließungen .............................................. . 4-120.
4.3.6.3 Stützung der Wände .................................................... . 4-128
4.3.6.4 Baugrubensohlen ....................................................... . 4-129
4.3.6.5 Bemessung ............................................................ . 4-131
4.3.7 Stützkonstruktionen aus bewehrter Erde ................................... . 4-133

4.4 Umweltgeotechnik ...................................................... . 4-134


4.4.1 Einführung, Grundlagen und Begriffsdefinitionen .......................... . 4-134
4.4.1.1 Begriffsdefinitionen .................................................... . 4-135
4.4.1.2 Schadstoffe ............................................................ . 4-141
4.4.1.3 Strömung in porösen Medien, Mehrphasenströmung ........................ . 4-142
4.4.1.4 Ausbreitung von Schadstoffen ............................................ . 4-143
4.4.1.5 Mineralölschadensfalle .................................................. . 4-146
4.4.2 Altlasten, Altstandorte und Altablagerungen ............................... . 4-148
4.4.2.1 Altlastenerkundung ..................................................... . 4-148
4.4.2.2 Gefahrdungsabschätzung und Bewertung von Altlasten ...................... . 4-152
4.4.2.3 Sanierung von Altlasten ................................................. . 4-153
4.4.2.4 überwachung von Altlastensanierungen ................................... . 4-158
4.4.3 Deponiebau, Geotechnik der Deponien .................................... . 4-159
4.4.3.1 Grundlagen der Abfallmechanik .......................................... . 4-159
4.4.3.2 Deponien .............................................................. . 4-159
4.4.3.3 Deponie als Reaktor ..................................................... . 4-160
4.4.3.4 Entwurf von oberirdischen Deponiebauwerken, Multibarrierenkonzept ........ . 4-161
4.4.3.5 Geotechnische Nachweise bei Deponiebauwerken ........................... . 4-172

4.5 Maschineller Tunnelbau mit Tunnelvortriebsmaschinen .................... . 4-176


4.5.1 Einteilung der Tunnelvortriebsmaschinen ................................. . 4-176
4.5.2 Tunnelbohrmaschinen .................................................. . 4-176
4.5.3 Schildmaschinen ....................................................... . 4-178
4.5.3.1 Grundprinzip des Schildvortriebs ......................................... . 4-178
4.5.3.2 Möglichkeiten zur Stützung der Ortsbrust ................................. . 4-178
4.5.3.3 Möglichkeiten des Bodenabbaus und der Bodenförderung ................... . 4-178
4.5.3.4 Ortsbrust ohne Stützung ................................................ . 4-181
4.5.3.5 Ortsbrust mit Druckluftbeaufschlagung ................................... . 4-182
4.5.3.6 Ortsbrust mit Flüssigkeitsstützung ....... , ................................ . 4-182
4.5.3.7 Ortsbrust mit Erddruckstützung .......................................... . 4-189
4.5.4 Tunnelsicherung beim Schildvortrieb ..................................... . 4-194
4.5.4.1 Ein- und zweischalige Konstruktionen .................................... . 4-194

XXVI Inhalt
4o5.4o2 Tübbingsysteme 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-195
4o5.4o3 Einbau der Tübbingauskleidung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-198
4o5.4.4 Extrudierbeton oooo o ooooo o
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-198
4o5o5 Bodenseparation beim Schildvortrieb mit hydraulischer Bodenförderung 0 0 0 0 0 0 0 4-199
4o5o6 Die wichtigsten rechnerischen Nachweise 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-203
4o5o6o1 Berechnung der Ortsbruststabilität bei Flüssigkeits-
und Erddruckstützung ooooo oo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-203
4o5o6o2 Berechnung der Aufbruch- und Ausbläsersicherheit 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 0 0 0 4-204
4o5o6o3 Berechnung der Vortriebspressenkraft 0 o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-205
4o5o6.4 Ermittlung des Luftbedarfs bei Druckluftstützung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4-207

s Wasserbau, Siedlungswasserwirtschaft, Abfalltechnik .. 0 • 0 0 0 • 0 • 0 •• 0 0 0 0 0 0 • 0 5-3


5.1 Technische Hydraulik ooo oooooooo oo 0 o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-3
Sol.l Allgemeine Einführung oo o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-3
5ol.l.l Anmerkungen zur Darstellung o o o o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-3
5ol.l.2 Physikalische Eigenschaften von Wasser 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 0 0 5-3
5ol.2 Hydrostatik 0 0 0 oo o o
0 0 0 0oo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-4
5ol.2o1 Allgemeine Angaben zum Begriff des Druckes 0 0 0 0 0 0 0 o o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-4
5ol.2o2 Gleichgewichtsbedingungen in einer ruhenden Flüssigkeit 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-5
5ol.2o3 Druckkraft oooooooo ooo ooooooooo ooooo 0 0 ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-6
5ol.2.4 Spiegellagen in bewegten Gefäßen o ooo ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-10
5ol.3 Kinematik der Flüssigkeiten ooo oo oo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-10
5ol.3.1 Beschreibung der Bewegung innerhalb des Strömungsfeldes . 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 • 0 0 5-10
5ol.3o2 Geschwindigkeit und Beschleunigung oo ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-11
5ol.3o3 Ausgezeichnete Linien eines Strömungsfeldes ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-12
5ol.3.4 Volumenstrom und Durchfluß 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-13
501.4 Grundgleichungen der Hydromechanik o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-14
5ol.4o1 Erhaltungssätze der Hydromechanik o o ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-14
5ol.4o2 Erfassung der Oberflächenkräfte 0 0 0 0 0 o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-19
5ol.4o3 Bewegungsgleichungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-22
5ol.5 Berücksichtigung der Randbedingungen 0 0 0 0 0 0 0 0 •• 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 0 0 0 0 5-26
5ol.5o1 Berandungen des Strömungsfeldes oo ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-26
5ol.5o2 Widerstand umströmter Körper 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-31
5ol.6 Potentialströmung ooooo ooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooo oooooo
0 0 0 5-33
5ol.6o1 Potentialtheorie 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 o • 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-33
5ol.6o2 Einfache Potentialströmungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-34
5ol.6o3 Strömungsbilder für vorgegebene Randbedingungen 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-36
5ol.6.4 Grenzen der Anwendbarkeit der Potentialtheorie ooo oo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-37
5ol.7 Grundwasserströmung o 0 ooo
0 0 0 0 0oo o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-38
5ol.8 Ausfluß und überfall ooo ooooo o oooooooooooooooooooooooooooooooooooooo
0 0 0 0 0 0 5-43
5ol.8o1 Ausfluß aus Öffnungen o 0 ooo
0 0 0 0 0oo ooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-43
5ol.8o2 Abfluß über Wehre und Überfälle o ooo oo ooooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-46
5ol.8o3 Unter- und überströmte Wehrverschlüsse o• ooooooo o o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-48
5ol.9 Rohrhydraulik 0 0 0 0 0 0 0 0 ooo
0 0 0 0 oo ooo o
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-49
5ol.9o1 Allgemeine Angaben 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-49
5ol.9o2 Widerstandsverhalten des geraden Kreisrohres bei stationärer Strömung o o 0 0 0 0 0 5-50
5ol.9o3 Sonstige Verluste 0 0 o0 0 0 0 0 0 oo oo
0 0 0 oo
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-55
5ol.9.4 Instationäre Rohrströmung o 0 0oo o o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-57
5ol.l0 Gerinneströmung 0 0 o0 0 0 0 ooo
0 0 0ooooooooooooooo
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 • 5-59
5ol.l0o1 Besonderheiten der Gerinneströmung oo o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-59
5ol.l0o2 Fließzustand und Grenzverhältnisse o oooooooooo• o ooooo oooooo o 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-60
5ol.l0o3 Stationär gleichförmige Bewegung ooooooo. oo. ooooooo•• oooooo•• oooooooo. o. o. 5-62
5ol.l0.4 Stationär ungleichförmige Bewegung ooo ooooo. o. o. oo. oo. oooooooooo 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 5-66

Inhalt XXVII
5.1.10.5 Zusätzliche Einflüsse auf die Wasserspiegellage ............................. . 5-70
5.1.10.6 Diskontinuierliche Strömung ............................................. . 5-71
5.1.10.7 Instationäre Gerinneströmung ........................................... . 5-72
5.1.11 Physikalische und Numerische Modelle .................................... . 5-73

5.2 Hydrologie und Wasserwirtschaft ........................................ . 5-74


5.2.1 Hydrologie ............................................................ . 5-74
5.2.1.1 Einleitung ............................................................. . 5-74
5.2.1.2 Komponenten des Wasserhaushalts und ihre Messung ....................... . 5-75
5.2.1.3 Datenverarbeitung, GIS, Fernerkundung, digitale Geländemodelle ............ . 5-81
5.2.1.4 Hochwasserberechnungsverfahren ........................................ . 5-82
5.2.1.5 Niedrigwasserstatistik ................................................... . 5-89
5.2.1.6 Berechnung und Simulation des Wasserhaushalts ........................... . 5-90
5.2.1.7 Stochastische Generierung von Abflüssen .................................. . 5-91
5.2.2 Wasserwirtschaft ....................................................... . 5-92
5.2.2.1 Einführung ............................................................ . 5-92
5.2.2.2 Wasserwirtschaftliche Projektbewertung .................................. . 5-92
5.2.2.3 Bewirtschaftung von Oberflächenwasser-Ressourcen ........................ . 5-93
5.2.2.4 Hochwasserschutz ................................................. ·..... . 5-101
5.2.2.5 Wasserwirtschaftliche Pläne ............................................. . 5-107
5.2.2.6 Künftige Entwicklungen ................................................. . 5-107

5.3 Wasserbau ............................................................. . 5-110


5.3.1 Stauanlagen ............................................................ . 5-110
5.3.1.1 Flußsperren (Staustufen) ................................................ . 5-110
5.3.1.2 Talsperren ............................................................. . 5-125
5.3.2 Flußbau ............................................................... . 5-134
5.3.2.1 Zielsetzungen und Aufgaben des modernen Flußbaus ....................... . 5-134
5.3.2.2 Flußmorphologie ....................................................... . 5-134
5.3.2.3 Flußlauf im Grundriß ................................................... . 5-135
5.3.2.4 Flußsohle .............................................................. . 5-136
5.3.2.5 Ermittlung des Geschiebetriebes und der Geschiebefracht ................... . 5-137
5.3.2.6 Flußbauliche Maßnahmen ............................................... . 5-139
5.3.3 Wasserkraftanlagen ..................................................... . 5-139
5.3.3.1 Ausbauleistung und Energieermittlung .................................... . 5-140
5.3.3.2 Nieder- und Hochdruckanlagen .......................................... . 5-140
5.3.3.3 Turbine und Generator ........................... ·· ...................... . 5-145
5.3.3.4 Ökologie und Wasserkraft ............................................... . 5-147

5.4 Wasserversorgung ...................................................... . 5-148


5.4.1 Rechtliche Grundlagen ................................................... . 5-148
5.4.1.1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ........................................... . 5-148
5.4.1.2 Bundesseuchengesetz .................................................... . 5-148
5.4.1.3 EG-Vertrag ............................................................ . 5-148
5.4.1.4 Trinkwasserverordnung ................................................. . 5-148
5.4.1.5 DIN 2000 .............................................................. . 5-148
5.4.2 Wasserbeschaffenheit, Wassergüte ........................................ . 5-148
5.4.2.1 Beschaffenheit natürlicher Wässer ......................................... . 5-148
5.4.2.2 Trinkwasseruntersuchungen ............................................. . 5-149
5.4.3 Wasserdargebot, Wassergewinnung ....................................... . 5-151
5.4.3.1 Allgemeines ........................................................... . 5-151
5.4.3.2 Oberflächenwasser ...................................................... . 5-152
5.4.3.3 Grundwasser ........................................................... . 5-154
5.4.3.4 Quellwasser ............................................................ . 5-157

XXVIII Inhalt
5.4.3.5 Trinkwasserschutzgebiete ................................................ . 5-158
5.4.3.6 überwachungvon Grund- und Oberflächenwasser .......................... . 5-159
5.4.4 Wasseraufbereitung ..................................................... . 5-159
5.4.4.1 Physikalische Verfahren ................................................. . 5-159
5.4.4.2 Chemische Verfahren ................................................... . 5-161
5.4.4.3 Technische Durchführung der Wasseraufbereitung .......................... . 5-162
5.4.4.4 Verfahrenskombinationen ............................................... . 5-164
5.4.4.5 Beseitigung von Abfällen ................................................ . 5-164
5.4.5 Wasserbedarf, Wasserverbrauch .......................................... . 5-164
5.4.5.1 Haushaltsbedarf ........................................................ . 5-166
5.4.5.2 Bedarf von Industrie, Gewerbe und Einzelverbrauchern ..................... . 5-166
5.4.5.3 Löschwasserbedarf ..................................................... . 5-166
5.4.5.4 Eigenverbrauch der Wasserwerke ......................................... . 5-167
5.4.5.5 Wasserverluste ........•................................................. 5-167
5.4.5.6 Bedarfsberechnung ..................................................... . 5-167
5.4.6 Wasserförderung ....................................................... . 5-168
5.4.6.1 Aufgabe ...............................•................................ 5-168
5.4.6.2 Pumpenarten .......................................................... . 5-168
5.4.6.3 Pumpenbetrieb ......................................................... . 5-169
5.4.6.4 Kavitation und Haltedruckhöhe (NPSH-Wert) .............................. . 5-170
5.4.7 Wasserspeicherung ..................................................... . 5-171
5.4.7.1 Aufgabe ............................................................... . 5-171
5.4.7.2 Arten der Wasserspeicherung ............................................ . 5-171
5.4.7.3 Druckregelung ......................................................... . 5-171
5.4.7.4 Lage zum Versorgungsgebiet ............................................. . 5-172
5.4.8 Wassertransport, Wasserverteilung ........................................ . 5-174
5.4.8.1 Rohre in der Wasserverteilung ............................................ . 5-175
5.4.8.2 Armaturen in der Wasserverteilung .......•................................ 5-175
5.4.8.3 Wasserdurchflußmessung und Wasserzählung ............................... . 5-176
5.4.9 Energieoptimierung und Kosteneinsparpotentiale .......................... . 5-176
5.4.9.1 Allgemeines ........................................................... . 5-176
5.4.9.2 Wasserförderung ....................................................... . 5-176
5.4.9.3 Wasseraufbereitung ..................................................... . 5-177
5.4.10 Automatisierungstechnik ................................................ . 5-177
5.4.11 Trinkwasserinstallation .................................................. . 5-178
5.4.11.1 Zuständigkeit ...........................•............................... 5-178
5.4.11.2 Anschluß .............................................................. . 5-178
5.4.11.3 Schutz des Trinkwassers, Erhaltung der Trinkwassergüte ..................... . 5-179
5.4.11.4 Druckerhöhungsanlagen ................................................ . 5-179
5.4.11.5 Korrosion, Steinbildung, Nachbehandlung ................................. . 5-179
5.4.11.6 Feuerlösch- und Brandschutzanlagen ..................................... . 5-180

5.5 Abwassertechnik ....................................................... . 5-180


5.5.1 Grundlagen ............................................................ . 5-180
5.5.1.1 Definition Abwasser (DIN 4045) .......................................... . 5-180
5.5.1.2 Abwassermenge .......•................•................................ 5-180
5.5.1.3 Abwasserbelastung ..................................................... . 5-180
5.5.1.4 Reinigungsanforderungen ............................................... . 5-181
5.5.2 Naturnahe Abwasserbehandlung ......................................... . 5-181
5.5.2.1 Landbehandlung ....................................................... . 5-181
5.5.2.2 Abwasserteichanlagen ..•................................................. 5-183
5.5.2.3 Pflanzenbeete .......................................................... . 5-183
5.5.3 Mechanische Reinigung ................................................. . 5-184
5.5.3.1 Rechen ................................................................ . 5-184

Inhalt XXIX
5.5.3.2 Sandfang .............................................................. . 5-184
5.5.3.3 Absetzbecken .......................................................... . 5-186
5.5.4 Biologische Reinigungsanlagen ........................................... . 5-190
5.5.4.1 Festbettanlagen ........................................................ . 5-190
5.5.4.2 Belebungsverfahren ..................................................... . 5-193
5.5.5 Abwasserfiltration ...................................................... . 5-200
5.5.6 Gemeinsame Behandlung von gewerblichem bzw. industriellem
mit häuslichem Abwasser ................................................ . 5-202
5.5.6.1 Rechtliche Grundlagen .............................. ~ ................... . 5-202
5.5.6.2 Abwasservorbehandlung ................................................ . 5-202
5.5.7 Bemessungsbeispiel ..................................................... . 5-204
5.5.7.1 Grundlagen ............................................................ . 5-204
5.5.7.2 Belüfteter Sandfang ..................................................... . 5-204
5.5.7.3 Vorklärung ............................................................ . 5-204
5.5.7.4 Nachklärung ........................................................... . 5-204
5.5.7.5 Belebungsbecken ....................................................... . 5-205
5.5.8 Entwässerungsverfahren ................................................. . 5-205
5.5.8.1 Mischkanalisation ...................................................... . 5-205
5.5.8.2 Trennkanalisation ...................................................... . 5-206
5.5.8.3 Sonderverfahren ....................................................... . 5-206
5.5.8.4 Wahl des Entwässerungsverfahrens ....................................... . 5-206
5.5.9 Abwasseranfall und Kanalnetzberechnung ................................. . 5-206
5.5.9.1 Trockenwetterabfluß .................................................... . 5-206
5.5.9.2 Ermittlung des Regenabflusses ........................................... . 5-208
5.5.9.3 Kanalnetzberechnung ................................................... . 5-209
5.5.10 Kanaldimensionierung .................................................. . 5-213
5.5.10.1 Hydraulische Grundlagen und Rohrhydraulik .............................. . 5-213
5.5.10.2 Querschnittsformen ................................ ·.................... . 5-214
5.5.10.3 Bestimmung der Kanalquerschnitte ....................................... . 5-214
5.5.10.4 Bauliche Ausführung .................................................... . 5-216
5.5.11 Sonderbauwerke der Ortsentwässerung .................................... . 5-218
5.5.11.1 Regenentlastung in Mischwasserkanälen ................................... . 5-218
5.5.11.2 Regenklärbecken ....................................................... . 5-224
5.5.11.3 Düker ................................................................. . 5-225
5.5.11.4 Regenrückhaltebecken (RRB) ............................................ . 5-225
5.5.11.5 Dezentrale Versickerung von Niederschlagswasser .......................... . 5-225

5.6 Abfalltechnik .......................................................... . 5-230


5.6.1 Abfallrechtliche Grundlagen ............................................. . 5-230
5.6.1.1 Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) ........................ . 5-230
5.6.1.2 Verpackungsverordnung und Duales System ............................... . 5-232
5.6.1.3 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG) ................................ . 5-232
5.6.1.4 Technische Anleitung Abfall .............................................. . 5-233
5.6.1.5 Technische Anleitung Siedlungsabfall ..................................... . 5-233
5.6.2 Abfallwirtschaftliche Grundlagen ......................................... . 5-233
5.6.2.1 Arten von Abfällen ...................................................... . 5-233
5.6.2.2 Abfallmengen und Abfallzusammensetzung ....·............................ . 5-233
5.6.2.3 Vermeidung und Verwertung von Abfällen ................................. . 5-235
5.6.2.4 Recycling .............................................................. . 5-235
5.6.3 Biologische Abfallbehandlungsverfahren .................................. . 5-236
5.6.3.1 Behandlung von Bioabfällen ............................................. . 5-236
5.6.3.2 Mechanisch-biologische Restabfallbehandlung ............................. . 5-241
5.6.4 Thermische Abfallbehandlung ............................................ . 5-242
5.6.4.1 Aufbau einer herkömmlichen Müllverbrennungsanlage ...................... . 5-242

XXX Inhalt
5.6.4.2 Abfallannahme und -Iagerung ............................................ . 5-242
5.6.4.3 Verbrennungsvorgänge .................................................. . 5-242
5.6.4.4 Feuerung .............................................................. . 5-244
5.6.4.5 Rauchgasreinigung ..................................................... . 5-246
5.6.4.6 Behandlung der Rückstände bei der Müllverbrennung ....................... . 5-247
5.6.4.7 Alternative Verfahren zur thermischen Behandlung ......................... . 5-248
5.6.5 Deponierung von Abfällen ............................................... . 5-249
5.6.5.1 Grundprinzip einer Deponie ............................................. . 5-249
5.6.5.2 Biologisch-chemisch-physikalischer Reaktor Deponie ....................... . 5-250
5.6.5.3 Deponie als Bauwerk .................................................... . 5-254
5.6.5.4 Emissionen durch Deponiebetrieb ........................................ . 5-256
5.6.6 Behandlung von Bauabfällen ............................................. . 5-256
5.6.6.1 Anfall von Bauabfällen .................................................. . 5-256
5.6.6.2 Aufbereitung von Bauabfällen ............................................ . 5-259
5.6.6.3 Anforderungen an Recyclingbaustoffe ..................................... . 5-259
5.6.6.4 Bauabfälle während des Lebenszyklus eines Gebäudes ....................... . 5-259

6 · Raumordnung und Städtebau, Öffentliches Baurecht .................... . 6-3


6.1 Raumordnung, Landes- und Regionalplanung .............................. . 6-3
6.1.1 Entstehung .............·............................................... . 6-3
6.1.2 Aufgaben .............................................................. . 6-4
6.1.3 Methoden und Instrumente .............................................. . 6-4
6.1.3.1 Grundsätze und Ziele der Raumordnung ................................... . 6-4
6.1.3.2 Inhalt der Raumordnungspläne ........................................... . 6-5
6.1.3.3 Theoretische Vorstellungen .............................................. . 6-5
6.1.3.4 Instrumente und Verfahren .............................................. . 6-6
6.1.4 Beteiligte ...................................· ............ : .............. . 6-7
6.1.5 Rechtliche und organisatorische Grundlagen ............................... . 6-8
6.1.5.1 Raumordnung des Bundes ................ ~ .............................. . 6-8
6.1.5.2 Landes- und Regionalplanung der Länder .................................. . 6-9
6.1.5.3 Europäische Raumordnung .............................................. . 6-9
6.1.5.4 Gegenstromprinzip ..................................................... . 6-9
6.1.6 Fachplanungen und Raumordnung ....................................... . 6-10

6.2 Städtebau ............................................................. . 6-10


6.2.1 Aufgaben ...... ·........................................................ . 6-10
6.2.2 überblick über die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen ............ . 6-11
6.2.2.1 Vorläufer des Baugesetzbuches ........................................... . 6-11
6.2.2.2 Baugesetzbuch ......................................................... . 6-11
6.2.2.3 Landesbauordnungen ................................................... . 6-11
6.2.2.4 Baunutzungsverordnung ................................................ . 6-12
6.2.2.5 Ausführende der Stadtplanung ........................................... . 6-12
6.2.3 Stadtentwicklungsplanung ............................................... . 6-13
6.2.3.1 Aufgaben .............................................................. . 6-13
6.2.3.2 Inhalte ................................................................ . 6-13
6.2.3.3 übergreifende oder sektorale Bearbeitung ................................. . 6-14
6.2.4 Bauleitplanung ......................................................... . 6-14
6.2.4.1 Ziel und Zweck ......................................................... . 6-14
6.2.4.2 Flächennutzungsplan ................................................... . 6-14
6.2.4.3 Städtebauliche Rahmenpläne ............................................. . 6-15
6.2.4.4 Bebauungspläne ........................................................ . 6-15
6.2.4.5 Vorhaben- und Erschließungsplan ........................................ . 6-16
6.2.5 Erschließung und Bodenordnung ......................................... . 6-16

Inhalt XXXI
6.2.5.1 Städtebauliche Erschließung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-16
6.2.5.2 Bodenordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-18
6.2.6 Stadtsanierung und städtebauliche Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-18
6.2.6.1 Stadtsanierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-18
6.2.6.2 Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen................................... 6-19
6.2.6.3 Städtebauliche Erhaltung ............................................... ·. . 6-19
6.2.7 Fach- und Sektoralplanungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-19
6.2.7.1 Landschaftsplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-19
6.2.7.2 Verkehrsplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-19
6.2.8 Aufstellungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-20
6.2.8.1 Aufstellungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-20
6.2.8.2 Genehmigung und Einflußnahme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-20
6.2.8.3 Aktuellerhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-20

6.3 Städtebaurecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-21


6.3.1 Städtebaurecht des Bundes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-21
6.3.2 Bauleitplanung und ihre Sicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-21
6.3.2.1 Aufgaben und Grundsätze der Bauleitplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-21
6.3.2.2 Verhältnis zu anderen Planungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-21
6.3.2.3 Verfahren zur Aufstellung der Bauleitpläne.................................. 6-22
6.3.2.4 Kooperative Handlungsformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-22
6.3.2.5 Sicherung der Bauleitplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-22
6.3.2.6 Entschädigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ... . . . 6-23
6.3.3 Zulässigkeit von Bauvorhaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-23
6.3.4 Bodenordnung, Enteignung, Erschließung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-24
6.3.4.1 Bodenordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-24
6.3.4.2 Enteignung .... ·. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-24
6.3.4.3 Erschließung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-24
6.3.5 Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen.................... 6-24
6.3.5.1 Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-24
6.3.5.2 Städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-25
6.3.5.3 Städtebauförderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-25
6.3.6 Erhaltungsgebiete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-25

6.4 Bauordnungsrecht....................................................... 6-26


6.4.1 Materielles Bauordnungsrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-26
6.4.1.1 Sitz der Rechtsmaterie ................................... ·. . . . . . . . . . . . . . . . . 6-26
6.4.1.2 Gegenstände des Bauordnungsrechtes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-26
6.4.1.3 Baupolizeirecht ............................. ·. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-26
6.4.1.4 Baugestaltungsrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-29
6.4.1.5 Bausozialrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-30
6.4.1.6 Bauökologierecht ................... ·:................................... 6-30
6.4.2 Besonderes Bauverwaltungsverfahrensrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-31
6.4.2.1 Behördenautbau, Zuständigkeiten, Aufgaben, Befugnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-31
6.4.2.2 Präventive Bauverwaltungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-31
6.4.2.3 Repressive Bauverwaltungsverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-32
6.4.3 Bauordnungsrechtliche Zulässigkeit von Vorhaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-32
6.4.3.1 Bauordnungsrechtliche Zulässigkeitsprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-32
6.4.3.2 Bauordnungsrechtliches Abweichungssystem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-32
6.4.3.3 Öffentliche Baulasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-32

6.5 Planungsrechtfür Verkehrsanlagen . .. . . . . .. . .. . . . . .. . . . . . . .. . .. . . . . . .. . . . . 6-34


6.5.1 Straßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-34
6.5.1.1 Zuständigkeit für Verwaltung und Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6-34

XXXII tinhalt
6.5.1.2 Bedarfsplanung, Bundesverkehrswegeplan ................................. . 6-35
6.5.1.3 Linienbestimmung, Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP} ................... . 6-35
6.5.1.4 Planungsgebiet ......................................................... . 6-37
6.5.1.5 Planfeststellung ........................................................ . 6-37
6.5.1.6 Plangenehmigung ...................................................... . 6-39
6.5.1.7 Absehen von einem Verwaltungsakt (§ 17 Abs. 2 FStrG) ...................... . 6-39
6.5.2 Eisenbahnen ........................................................... . 6-39
6.5.2.1 Öffentliche Eisenbahn, Bedarfsplan Schiene ................................ . 6-39
6.5.2.2 Planfeststellung, Plangenehmigung ....................................... . 6-40
6.5.3 Binnenwasserstraßen ................................................... . 6-40
6.5.4 Flughäfen ............................................................. . 6-40
6.5.5 Straßenbahnen, U-Bahnen ............................................... . 6-40

7 Verkehrssysteme und Verkehrsanlagen ................................ . 7-3


7.1 überblick über Verkehrssysteme und ihre Integration ....................... . 7-3
7.1.1 Aufgaben des Verkehrs - Systemfunktionen ................................ . 7-3
7.1.2 Verkehr als Teilsystem - Systemumgebung ................................. . 7-3
7.1.3 Struktur von Verkehrssystemen - Systemelemente, Systemrelationen .......... . 7-4
7.1.4 Integration im Systembereich Verkehr ..................................... . 7-5
7.1.5 Teilsysteme des Verkehrsangebots ......................................... . 7-5

7.2 Öffentliche Verkehrssysteme ............................................. . 7-13


7.2.1 Einleitung ............................................................. . 7-13
7.2.2 Einflußnahme der EU auf den ÖV ......................................... . 7-13
7.2.2.1 Verordnungen und Richtlinien ........................................... . 7-13
7.2.2.2 Umsetzung und Auswirkungen der EU-Vorgaben
auf die Verkehrsunternehmen ............................................ . 7-14
7.2.3 Gesetzliche Grundlagen und Organisationsformen des ÖV in Deutschland ..... . 7-15
7.2.3.1 Allgemeines- Gesetze; Rechtsverordnungen (VO) und autonome Satzungen;
Erlasse, Normen, Richtlinien und Vorschriften .............................. . 7-15
7.2.3.2 Planungsrecht, Genehmigung, Technische Aufsicht .......................... . 7-16
7.2.3.3 Organisationsformen von ÖV-Unternehmen ............................... . 7-17
7.2.3.4 Nationale und internationale Organisationen ............................... . 7-17
7.2.3.5 Haftung der ÖV-Unternehmen ........................................... . 7-17
7.2.3.6 Unterschiede zwischen Fertigungsbetrieb und Verkehrs-/Transport-/
Dienstleistungsunternehmen ............................................. . 7-18
7.2.4 Grundlagen der Schienenbahnen ......................................... . 7-18
7.2.4.1 Merkmale der Schienenbahnen ........................................... . 7-18
7.2.4.2 Fahrzeuge ............................................................. . 7-19
7.2.4.3 Verkehrsnetze .......................................................... . 7-25
7.2.4.4 Fahrgastinformations- und Wegeleitsysteme, Verkaufssysteme ................ . 7-28
7.2.4.5 Einteilung der Strecken .................................................. . 7-29
7.2.4.6 Bahnkörper, Gleisverbindungen, Querschnittgestaltung des Bahnkörpers ...... . 7-32
7.2.5 Fahrdynamik .......................................................... . 7-42
7.2.5.1 Rad-Schiene-Wechselwirkungen ......................................... .. 7-42
7.2.5.2 Fahrt im Gleisbogen .................................................... . 7-43
7.2.5.3 Widerstände ........................................................... . 7-47
7.2.5.4 Zugkraft, Leistung, Fahrzeitgewinne ...................................... . 7-48
7.2.5.5 Bremsen ............................................................... . 7-50
7.2.6 Linienführung und Trassierung ........................................... . 7-50
7.2.6.1 Lageplan .............................................................. . 7-51
7.2.6.2 Höhenplan ............................................................ . 7-54
7.2.6.3 Fahrzeitoptimierung .................................................... . 7-54

Inhalt XXXIII
7.2.6.4 Weitere Überlegungen zur Linienführung................................... 7-55
7.2.7 Betrieb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-55
7.2.7.1 Dienst auf den Betriebsstellen . . . . .. . . .. . . . .. . . . . . . . . . . . .. .. .. . . . . . . . . . . . . . 7-57
7.2.7.2 Betriebsplanung und Betriebsleitung....................................... 7-58
7.2.7.3 Fahrplankonstruktion........................................... ... . . . . . . . 7-60
7.2.8 Leistungsfähigkeit und Qualität . . . .. . .. . . . .. . .. . .. . .. . . .. .. . . . .. . . . . .. . . .. 7-60
7.2.9 Leit- und Sicherungseinrichtungen von ÖV-Anlagen und Fahrzeugen........... 7-62
7.2.9.1 Leit- und Sicherungstechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-62
7.2.9.2 Fahrwegsicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-63
7.2.9.3 Sicherungstechnik im Fahrzeug . . .. . . .. . . . .. . .. . . . . . . . . .. . . . .. . . . . .. . . .. . . 7-65
7.2.9.4 Funk................................................................... 7-65
7.2.9.5 Europäische Vereinheitlichung der Zugbeeinflussungssysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-66

7.3 Individualverkehr - Straßenentwurf und Straßenbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-68


7.3.1 Individualverkehrssysteme . . .. . .. . .. . . . . .. . .. . . . . . . . . . . . .. .. . . . . . . . . . . . . . . 7-68
7.3.1.1 Allgemeine Grundlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-68
7.3.1.2 Netzplanung im Individualverkehr . . . .. .. . . . . . . . . . . . . . . .. .. . . . .. .. . . . . . . . . . 7-71
7.3.1.3 Anlagen des motorisierten Individualverkehrs im Stadtverkehr . . . . . . . . . . . . . . . . 7-77
7.3.1.4 Anlagen des nichtmotorisierten Verkehrs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-84
7.3.1.5 Betrieb des Individualverkehrs . .. . .. . .. . .. . . . .. . . . . . . .. . . . . . .. .. . . .. . . . . .. 7-88
7.3.1.6 Verkehrsmanagement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-90
7.3.1.7 Zukunft der Individualverkehrssysteme . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . .. . . . . .. . . . . . . . 7-91
7.3.2 Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-92
7.3.2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-92
7.3.2.2 Untergrund bzw. Unterbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-93
7.3.2.3 Oberbau ...................................... ,......................... 7-94
7.3.2.4 Standardisierte Bemessung . . . . .. . .. . . .. .. . .. . .. . . . . . . .. .. . . . .. . . . . . . . . . . . 7-100
7.3.2.5 Straßenerhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-101

7.4 Verkehrswasserbau-Wasserstraßen und Hinweise zu Häfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-108


7.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-108
7.4.1.1 Inhaltliche und begriffliche Zuordnung..................................... 7-108
7.4.1.2 Verkehrsdaten und Verkehrsbedeutung der Schiffahrt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-109
7.4.1.3 Entwicklung der Schiffsgrößen . .. . . . . . .. . . . .. . .. . .. . .. . . .. . . . . . . .. . .. . . . .. 7-112
7.4.2 Wasserstraßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-113
7.4.2.1 Wasserstraßennetz....................................................... 7-113
7.4.2.2 Standardisierung nach Wasserstraßenklassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-114
7.4.2.3 Wechselwirkungen Schiff/Wasserstraße . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-114
7.4.2.4 Regelabmessungen der Wasserstraßen . . . . . .. . . . . . . . . . . . .. . . . .. . . . . . . . . . . . . . 7-118
7.4.3 Flußregelung............................................................ 7-118
7.4.3.1 Gewässerquer-und -Iängsschnitt . . .. . . .. . .. . . . . . . . . . . . .. . .. .. . .. . . . . . . . . . . 7-118
7.4.3.2 Regelungselemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-119
7.4.3.3 Flußregelung in Mündungsgebieten, Ästuaren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-121
7.4.4 Stauregelung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-124
7.4.5 Schiffahrtskanäle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-125
7.4.5.1 Binnenschiffahrtskanäle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-125
7.4.5.2 Seekanäle............................................................... 7-133
7.4.6 Abstiegsbauwerke (Schiffsschleusen und Schiffshebewerke) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-133
7.4.6.1 Arten und Anwendung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-133
7.4.6.2 Abmessungen und Ausrüstung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-134
7.4.7 Häfen- Hinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-138
7.4.7.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-138
7.4.7.2 Seehäfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-139
7.4.7.3 Binnenhäfen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7-144

XXXIV Inhalt
7.4.7.4 Schwimmende Landeanlagen ............................................ . 7-146
7.4.7.5 Werftanlagen .......................................................... . 7-146
7.4.8 Anlagen für die Sport- und Freizeitschiffahrt ............................... . 7-146
7.4.9 Schiffahrtszeichen ...................................................... . 7-146

7.5 Flughafenplanung, -bau und -betrieb ..................................... . 7-147


7.5.1 Luftverkehr ............................................................ . 7-147
7.5.1.1 Systemelemente des Luftverkehrs ......................................... . 7-147
7.5.1.2 Historische Entwicklung ................................................. . 7-148
7.5.1.3 Bedeutung des Luftverkehrs .............................................. . 7-150
7.5.1.4 Luftfahrtgesetzgebung, Behörden und Organisationen ....................... . 7-151
7.5.2 Flughäfen ............................................................. . 7-153
7.5.2.1 Definition, Rechtsform und Organisation .................................. . 7-153
7.5.2.2 Planung, Bau und Betrieb ................................................ . 7-156
7.5.2.3 Luftverkehrsprognose ................................................... . 7-158
7.5.2.4 Systemelemente eines internationalen Flughafens/Flughafenbau und -betrieb .. . 7-159
7.5.3 Auswirkungen auf die Umwelt ............................................ . 7-169

7.6 Leitungsnetze .......................................................... . 7-171


7.6.1 Unterbringung von Leitungen in öffentlichen Flächen ....................... . 7-172
7.6.2 Gasrohrnetze .......................................................... . 7-173
7.6.3 Fernwärmerohrnetze .................................................... . 7-173
7.6.4 Starkstromnetze ........................................................ . 7-174
7.6.5 Informations- und Kommunikationsnetze 7-175

A Anhang
Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A-3

Inhalt XXXV
Übersicht: Beiträge und ihre Autoren

1.1 Bauinformatik E. Rank; U. Meißner


1.2 Ingenieurgeodäsie H.Kahmen
1.3 Bauphysik M.J.Setzer
1.4 Bauchemie D. Knöfel; F. Winnefeld
1.5 Theorie der Tragwerke W.B. Krätzig; K. Meskouris
1.6 Zuverlässigkeit von Tragwerken R. Rackwitz; K. Zilch
2.1 Bauwirtschaftslehre C.J. Diederichs
2.2 Unternehmensführung C.J. Diederichs
2.3 Immobilienmanagement C.J. Diederichs
2.4 Privates Baurecht C.J. Diederichs; H. Franke
2.5-1 Baustellenorganisation, Baustellenmana- M.Helmus ·
gement
2.5.2 Arbeitsvorbereitung M.Helmus
2.5.3 Baustelleneinrichtung P.Böttcher
2.5.4 Arbeitsschutz und Unfallverhütung R. Scholbeck; M. Bandmann
2.5.5 Automatisierung und Robotik im Bau- Th.Bock
unternehmen
2.6.1 Bauverfahren und Maschineneinsatz im Erdbau E. Petzschmann
2.6.2 Bauverfahren und Maschineneinsatz für
Baugrubenumschließungen und Gründungen E. Petzschmann
2.6.3 Auswahl und Einsatz von Hebezeugen E. Petzschmann
2.6.4 Schalungs- und Rüstungsarbeiten im Hochbau F.H. Hoffmann
2.6.5 Bauverfahren und Maschineneinsatz im Beton- E. Petzschmann
und Stahlbetonbau
2.6.6 Bauverfahren und Maschineneinsatz im E.Petzschmann
Fertigteilbau
2.6.7 Leitungsbau D. Stein
3.1 Baustoffe P. Schieß!; G. Adam; B. Meng; G. Rößler;
P. Schröder; B. Schwamborn; B. Wallner;
K.-H. Wiegrink
3.2 Hochbaukonstruktionen H.Bachmann
3-3 Massivbau K. Zilch; R. Schneider
3.4 Stahlbau G. Sedlacek
3.5 Verbundbau G. Hanswille
3.6 Mauerwerk P. Schubert
3·7 Holzbau H. Kreuzinger
3.8 Glasbau J.-D. Wörner; J. Schneider
3·9 Befestigungstechnik R. Eligehausen; W. Fuchs
3.10 Baugrund-Tragwerk-Interaktion R. Katzenbach; K. Zilch; Chr. Brandes;
Chr. Moormann
4.1 Boden- und Felsmechanik U. Arslan; J. Kinzel
4.2 Baugrunddynamik St. Savidis; Chr. Vrettos
4·3 Grundbau, Baugruben und Gründungen W.Rodatz
4·4 Umweltgeotechnik H.L. Jessberger; R. Katzenbach; S. Strüber;
J. Giere
4.5 Maschineller Tunnelbau mit Tunnelvor- B. Maidl; U.Maidl
triebsmaschinen
5-1 Technische Hydraulik F. Valentin
5.2 Hydrologie und Wasserwirtschaft G.A. Schultz; A. Schumann
5·3 Wasserbau Th. Strobl; F. Zunic
5.4 Wasserversorgung W. Urban; A. Sonnenburg
5·5 Abwassertechnik N. Dichtl
5.6 Abfalltechnik J. Jager; A. Bockreis; I. Steinberg
6.1 Raumordnung und Landesplanung W.W.Köhl
6.2 Städtebau, Raumplanung W.W.Köhl
6.3 Städtebaurecht M. Krautzberger
6.4 Bauordnungsrecht K. Schiotterheck
6.5 Planungsrecht für Verkehrsanlagen und K.Bauer
Verkehrswege
7-1 Überblick über Verkehrssysteme und ihre K.J. Beckmann
Integration
7-2 Öffentliche Verkehrssysteme E. Hohnecker
7-3-1 Individualverkehrssysteme K.J. Beckmann
7·3·2 Anlagen für den Individualverkehr H. Beckedahl; E. Straube
7·4 Verkehrswasserbau - Häfen und Wasserstraßen M.Hager
7·5 Flughafenbau, -planung und -betrieb W. Grebe; M. Büsing
7·6 Leitungsnetze D.Stein
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Kapitell 1
Allgemeine Grundlagen

• •• Inhalt
1.1 Bauinformatik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-3
1.2 Ingenieurgeodäsie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-49
1.3 Bauphysik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-75
1.4 Bauchemie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-92
1.5 Theorie der Tragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-113
1.6 Zuverlässigkeit von Tragwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1-217

K. Zilch et al. (eds.), Handbuch für Bauingenieure


© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2002
Allgemeine Grundlagen 1

1.1 Unter Ingenieuranforderungen der Planung


Bauinformatik und des Bauens, der Arbeitsplanung und der
Bauorganisation, der Baubetriebswirtschaft und
1.1.1 des Baurechts, der Nutzung und der Bestands-
Einleitung verwaltung sind dabei besonders die Bereiche
- der Büroorganisation und -kommunikation,
Die Entwicklung und Erforschung der Rechen- - der lokalen und standortübergreifenden Rech-
technik sowie der Informationsverarbeitung ge- nervernetzung,
hen zurück auf den Bauingenieur Konrad Zuse. - der interaktiven Graphik und Animation,
Er konstruierte 1936 bis 1938 in Berlin die ersten - des rechnerunterstützten Entwerfensund Kon-
funktionsfähigen digitalen Rechenautomaten: struierens (CAD},
die rein mechanisch arbeitende "Z1" und die mit - des Informations- und Modellaustausches,
Relais arbeitende "Z2". 1941 stellte er die erste - der Telekommunikation und -kooperation in
funktionsfähige programmgesteuerte Rechen- Rechnernetzen,
anlage "Z3" vor, den weltweit ersten Computer, - der numerischen Berechnung und des Höchst-
mit dem mathematische Bauingenieuraufgaben leistungsrechnens,
numerisch gelöst werden konnten. Dieser genia- - der objektorientierten Modeliierung und Mo-
le Erfinder, der 1995 in Hünfeld im Alter von 85 dellverwaltung sowie
Jahren starb, entwickelte über lange Zeit funda- - der Wissensaquisition und Wissensverarbei-
mentale Grundlagen für die moderne Informa- tung
tionsverarbeitung. Über Zuse-Schüler und Zuse- hervorzuheben.
Rechner wurden die neuen Techniken und Me- Alte zentralistische Konzepte der Rechner-
thoden in Deutschland seit den 50er-Jahren in hierarchie und traditionelle Werkzeuge des In-
die Ingenieurpraxis umgesetzt. genieurwesens wurden durch das dezentrale Kon-
Inzwischen wurde mit dem Computer als Mas- zept der multifunktionalen Arbeitsplatzrechner
senware eine neue vernetzte Welt des "erweiter- ersetzt. Digitale Kommunikationstechniken und
ten Rechnens", wie es Zuse nannte, erschlossen. Telekommunikationsverbindungen, die den Glo-
Zwar basieren diese Systeme nach wie vor auf bus umspannen, ermöglichen heute zuverlässig
dem dualen Zahlensystem mit den Zahlenwer- die umfassende Informationsbeschaffung und
ten 0 und 1, wie es schon Leibniz 1679 beschrie- den weltweiten Informationsaustausch. Völlig
ben hatte, und den Methoden der mathemati- neue Kooperationsmöglichkeiten und Organisa-
schen Logik mit den Wahrheitswerten "wahr" tionsformen für Ingenieure und Unternehmun-
und"falsch" sowie den Operatoren"und", "oder" gen bilden sich gegenwärtig in Rechnernetzen
und "nicht" der Booteschen Algebra, die Zuse in zur Auftragsaquisition, für die Objektplanung,
seine technischen Systeme und 1945 in die erste die Projektabwicklung und das Management
algorithmische Programmiersprache- das"Plan- heraus.
kalkül" - umgesetzt hat, doch bieten die jetzt Vernetzte Rechnersysteme und globale Kom-
verfügbaren nutzungsfreundlichen Hard- und munikationsmittel, nutzungsfreundliche Be-
Software-Betriebsmittel eine multifunktionale triebssoftware und fachspezifische Anwendungs-
Arbeitsumgebung für vielfältige Aufgaben. software, Softwareagenten in Netzen und Midd-

Bauinformatik 1-3
leware für die Kommunikation von Objekten sowie zum Austausch und zur Sicherung von
verändern nachhaltig die Arbeitsmittel und die Software,
Arbeitsorganisation des Bauingenieurwesens. - leistungsfähige Bürokommunikation (Telefon,
Wissenschaft und Industrie sind aufgerufen, zu- Fax, Bildtelefon über ISDN und Rechnernetz)
kunftsweisende Anforderungen an die neuen zur Abwicklung aller technischen, kaufmänni-
Technologien zu stellen, diese durch Forschung schen und organisatorischen Ingenieuraufga-
und Entwicklung zu beherrschen und das Be- ben durch Nutzung integrierter lokaler und
rufsfeld durch Aus- und Weiterbildung zu unter- standortübergreifender Informationsdienste,
stützen. - Einbindung in Nah- und Weitverkehrsrech-
nernetze (z.B. Intranet, Internet, Deutsches
1.1.2 Forschungsnetz (DFN)) zum Austausch von
Der vernetzte Rechnerarbeitsplatz Ingenieurmodellen und -dokumenten, für die
des Ingenieurs Nutzung verteilter Ressourcen der Informati-
onsverarbeitung, zur Beschaffung und Ver-
1.1.2.1 breitung von Informationen aller Art sowie
Multifunktionale Arbeitsumgebung zur Zusammenarbeit von Ingenieurorganisa-
tionen, z.B. bei der Planung und Bearbeitung
Mit der weltweiten Einführung der PC-Techno- technischer Projekte, der Steuerung und Über-
logie (PC Personal Computer) seit Anfang der wachung von Baumaßnahmen, beim techni-
80er Jahre hat das Konzept der dezentral aufge- schen und kaufmännischen Management.
stellten und vernetzten Arbeitsplatzrechner wei-
te Verbreitung gefunden. Neben hoher Rechen- 1.1.2.2
leistung und großer Speicherkapazität stehen Rechneraufbau und Betriebssystem
dem Ingenieur dadurch unmittelbar am Arbeits-
platz zweckmäßige Peripheriegeräte zur Verfü- Digitalrechner
gung, über die der Rechner für verschiedene An-
wendungen multifunktional genutzt werden Arbeitsplatzrechner sind programmierbare,
kann [Meißner/von Mitschke-Collande/Nitsche elektronische Rechenanlagen, die digital gespei-
1992]. cherte Befehle und Daten i.d.R. in sequentieller
Typische Anforderungen an derartige Systeme Folge verarbeiten. Abbildung 1.1-1 zeigt den
für die Durchführung von Ingenieuraufgaben prinzipiellen Aufbau.
sind Die Rechenanlage besteht i.allg. aus dem ei-
- hohe Rechenleistung der Prozessoren und gentlichen Rechner, der Zentraleinheit (CPU
große Speicherkapazitäten von Haupt- und Central Processing Unit), und den über Ein-/
Magnetplattenspeichern für numerische Si- Ausgabe-Einheiten (engl.: I/0-controller) ange-
mutationen von technischen Modellen, schlossenen peripheren Geräten wie Tastatur,
- hochauflösende Rastergraphik von Bild- Bildschirm, Drucker und Plattenspeicher. Die
schirm, Plotter und Drucker zur Darstellung Zentraleinheit ist aus den Komponenten des Re-
komplexer technischer Systeme, chenwerkes (ALU Arithmetic and Logical Unit),
- ergonomische Bedienungsgeräte (Tastatur, des Leit- oder Steuerwerks (engl.: control unit)
Maus, Tablett, Digitalisierer, Scanner) zur ma- und des Haupt- oder Arbeitsspeichers (engl.:
nuellen und automatisierten Erfassung und main memory) aufgebaut.
Verarbeitung von textlichen, digitalen und Im Hauptspeicher sind sowohl die zu verar-
graphischen Informationen, beitenden Daten als auch die Verarbeitungsbe-
- audio-visuelle Peripheriegeräte (Videokame- fehle in einer linearen Anordnung von Spei-
ra bzw.-Rekorder, CD-ROM -Geräte, Lautspre- cherzellen, die mit ·Adressen durchnumeriert
cher, Mikrophon, Bildschirm) zur Erfassung, sind, abgespeichert. Auf diese Speicherzellen
Verarbeitung, Speicherung und Ausgabe mul- kann wahlfrei zugegriffen werden (RAM Ran-
timedialer Informationen über Natur, Technik dom Access Memory). über die Kanäle des Bus-
und Gesellschaft in Form von Schrift, Bild, systems, das die elektrischen Verbindungslei-
Film und Ton, tungen für die Ansteuerung, die Adressierung
- periphere Massenspeicher (magnetische, op- und den Transport bildet, werden die digitalen
tische und magneto-optische Speichermedi- Informationen als endliche Impulsfolgen nahe-
en) zur Archivierung technischer Dokumente zu mit Lichtgeschwindigkeit transportiert.

1-4 Allgemeine Grundlagen


Ein-/Ausgabe-Einheit II Hauptspeicher
I (Peripherieanschluß) (Befehle, Daten)
I
Rechenwerk
Leitwerk
iI'/-.
t t t t t t t-.
Steuerbus
(Operanden) ...
I I I I
V

Befehlszähler Adreßbus

Register- / t t t-.

"...
speieher Datenbus
V

Abb. 1.1-1 Blockschaltbild der Zentraleinheit

Das Leitwerk veranlaßt das Lesen, die Inter- Betriebssystem


pretation und die Steuerung ihrer Ausführung
im Rechenwerk. Dabei wird die Adresse des ak- Die Programme des Betriebssystems (engl.: ope-
tuell zu verarbeitenden Befehls im Befehlszähler rating system),das auch die Peripheriegeräte des
notiert. Darüber hinaus übernimmt das Leit- Rechners für den Anwender in einen benutzba-
werk die gesamte Steuerung der Zentraleinheit ren Zustand bringt, übernehmen die Nutzung,
sowie die Ansteuerung des Hauptspeichers und Verwaltung und Überwachung aller Hardware-
der Ein-/ Ausgabe-Einheiten. komponenten eines Rechners sowie der darauf
Die zu verarbeitenden Operanden werden aus ablaufenden Rechen- und Organisationspro-
dem Hauptspeicher in das Rechenwerk gelesen, gramme. Das Betriebssystem wird nach dem
die arithmetischen oder logischen Befehle des Einschalten des Rechners automatisch gestartet.
Grundbefehlssatzes dort ausgeführt und die Re- Das Betriebssystem ist eine Ansammlung von
sultate anschließend in den Hauptspeicher ge- Organisations-, Verwaltungs- und Dienstpro-
schrieben. Das Rechenwerk übernimmt dabei grammen, die zum Betrieb eines Rechners er-
mit seinen sehr schnellen Registern die Funkti- forderlich sind. Diese Programme werden ent-
on eines Zwischenspeichers. weder dauernd (engl.: resident) im Arbeitsspei-
Das Funktionsprinzip eines solchen Rechen- cher gehalten und/oder auf einem externen Da-
automaten, der in sequentieller Reihenfolge einen tenträger gespeichert, bei Bedarf in den Arbeits-
Befehl nach dem anderen mit den zugehörigen speicher geladen und dort ausgeführt. Das
Daten verarbeitet, geht auf von Neumann [Bau- Betriebssystem bildet somit die Schnittstelle
er 1998] zurück und wird auch als "SISD-Prin- zwischen der Hardware und dem Benutzer bzw.
zip" (SISD Single Instruction, Single Data) be- der Anwendersoftware; es dient zur Kommuni-
zeichnet. kation zwischen Mensch und Maschine auf un-
Bei der Programmierung werden sowohl die terster Ebene [Hartmann 1991].
Daten als auch die Befehle des Programms im Der Kern eines Betriebssystems besteht aus ei-
Hauptspeicher abgelegt. Die Befehle liegen dabei ner Menge von Programmen, welche auf die Pro-
in maschinenspezifischer Form vor. Die Pro- zessor- und Rechnerarchitektur abgestimmt
grammierung auf dieser untersten Ebene kann sind. Diese dienen als Grundlage für alle ande-
mit Hilfe eines sog. "Assembler" vorgenommen ren Betriebssystembausteine. Der Kern bietet ei-
werden. ne Menge von standardisierten Schnittstellen, an
Bezüglich der Klassifizierung von Digital- die sich die übrigen Betriebssystem- und An-
rechnern hat man hinsichtlich der mit einem Be- wenderprogramme koppeln. Er übernimmt die
fehl verarbeitbaren Länge der Informationsein- Organisation der ablaufenden Prozesse, weist
heiten (8 ,16, 32 bzw. 64 bit) zwischen den tech- diesen Betriebsmittel zu und stellt die Verbin-
nischen Gegebenheiten von Rechenwerk (engl.: dung zu Dateisystem und Peripheriegeräten her.
central processor), Bussystem und Hauptspei- Bei Verwendung eines anderen Prozessors sind
cher zu unterscheiden. deshalb grundsätzlich nur Änderungen am Kern
notwendig.

Bauinformatik 1-5
Die Benutzungsschnittstelle umgibt den Kern Rechnernetze
und erlaubt dem Benutzer durch Eingabe von
Kommandos oder unter Verwendung der Fen- Die Einsatzmöglichkeiten von Arbeitsplatzrech-
stertechnik das Arbeiten mit dem Rechner. Mit nern werden in zunehmendem Maße von ihrer
der Benutzungsschnittstelle wird die Benut- Eingliederung in eine vernetzte Kommunikati-
zungsoberfläche definiert, über die der Nutzer onsumgebung bestimmt. Die Rechner müssen
auf standardisierte Weise auf die Funktionalitä- dabei mit einer Netzwerkkomponente ausge-
ten des Betriebssystems zugreifen kann. stattet sein, welche die Netzwerkfähigkeit für das
Bei komplexeren Betriebssystemen ist es nicht spezielle Netz herstellt.
sinnvoll, die Betriebssoftware komplett im Ar- Bei Netzen unterscheidet man zwischen Nah-
beitsspeicher verfügbar zu halten. Es reicht aus, und Weitverkehrsnetzen. Ein Nahverkehrsnetz
nur die wichtigsten Programme im ROM (Read (LAN LocalArea Network) ist auf ein kleines Ge-
Only Memory) oder RAM abzulegen und selte- biet der näheren Umgebung begrenzt. Weitver-
ner benötigte Teile bei Bedarf von Permanent- kehrsnetze (WAN Wide Area Network) hingegen
speichern in den Arbeitsspeicher zu laden und umspannen große Entfernungen, können sich
auszuführen. aus heterogenen Teilsystemen mit Knotenrech-
Die Aufgaben des Betriebssystems umfassen nern zusammensetzen und sind mit Hilfe von
im wesentlichen: Überseekabeln und Satellitenverbindungen zu
- Verwaltung des Prozessors: Steuerung der Pro- weltumspannenden Netzen ausgebaut. Das am
grammausführung, Ausnahme- und Fehler- weitesten verbreitete WAN ist das Internet, mit
behandlung, Unterbrechung, Synchronisation dessen Diensten man weltweit Informationen
verschiedener Prozesse, austauschen oder ferne Ressourcen nutzen kann
- physikalische Verwaltung der Betriebsmittel (s. 1.1.2.4}.
des Rechners: Bereitstellung und Steuerung Für die Verbindungen in einem LAN werden
von Arbeitsspeicher und Peripheriegeräten, als übertragungsmedien Koaxialkabel (engl.:
- Interaktion mit dem Nutzer: Organisation von coaxial cable}, verdrillte Kupferkabel (engl.: twi-
Ein- und Ausgabe über Tastatur und Maus auf stedpair) oder Lichtwellenleiter (engl.: fibre op-
den Bildschirm oder über Schnittstellen usw. tic cable) verwendet. Hinsichtlich der räumli-
(z.B. auf den Drucker). chen Anordnung und Verbindung der Rechner-
knoten unterscheidet man zwischen verschiede-
Moderne Betriebssysteme (Windows NT, Unix nen Netztopolögien: Bus, Ring und Stern.
usw.) haben die Hinwendung von Befehlskom- Bei der Bustopologie wird jeder Rechner an ei-
mandos zur fensterorientierten Benutzungs- nem linienförmigen Kabelsegment angeschlos-
oberfläche vollzogen. Sie sind in der Lage, sen. Bei einem Ring sind alle Rechner ringförmig
mehrere Anwendungsprozesse (Multi-Tasking) verbunden; die Nachrichten laufen alle in eine
scheinbar gleichzeitig auf dem Rechner ablaufen einzige Richtung. Bei einem Stern sind alle Rech-
zu lassen. Mehrbenutzersysteme (engl.: multi- ner über eine zentrale Verteilereinheit (engl.:
user) wie UNIX oder Windows NT haben eine switch oder hub (Zentrum)) miteinander stern-
Verwaltung, die den Nutzern als Mißbrauchs- förmig gekoppelt.
schutz differenzierte Zugriffsrechte (Lesen, Die Kommunikation innerhalb der Netze fin-
Schreiben, Ausführen) auf Daten und Ressour- det nachrichtentechnisch über standardisierte
cen zuweist und in Rechnernetzen die gleichzei- Kommunikationsprotokolle statt, die in Schich-
tige Nutzung der Rechnerressourcen durch vie- ten aufgebaut sind wie z.B. im OSI-Schichten-
le Benutzer gestattet. Gegenüber Einbenutzersy- Referenzmodell (OSI Open Systems Intercon-
stemen (engl.: single-user) wird dabei allerdings nection) der ISO (International Standardization
die Person eines Systemadministrators für den Organisation) festgelegt.
Betrieb und die Verwaltung erforderlich; er'un- Zur Verbindung der Systemteile, Verstärkung
terstützt die anderen Benutzer durch zentrale der Signale, Vermittlung der Nachrichten und Um-
Dienstleistungen wie Systemkonfiguration, Da- setzung verschiedener übertragungsprotokolle
tensicherung und Beratung. dienen Bauteile wie Bridge, Hub, Switch, Repea-
ter, Router und Gateway, welche die Verbindung
von Teil- und auch Fremdnetzen ermöglichen.
Für die Kooperation der Rechnerknoten un-
tereinander hat sich die Client-Server-Architek-

1-6 Allgemeine Grundlagen


tur bewährt. Sie ermöglicht beispielsweise den mationsobjekte aufgebaut werden. Dabei ergibt
Betrieb eines gemeinsamen Druckers an nur ei- sich aus dem semantischen Zusammenhang der
nem Rechner oder die Nutzung von Software, Verwendung die jeweilige Bedeutung des Infor-
die nur auf einem Rechner installiert ist. Der mationsinhaltes, wie Abb. 1.1-2 erläutert. In Pro-
Rechner, der den Dienst im Netzwerk zur Verfü- grammiersprachen wird die Bedeutung und
gung stellt, hat die Rolle des Dienstaubieters Länge des Informationsobjekts durch eine Typ-
(engl.: server); die anderen Rechner bedienen deklaration für die zu erzeugenden Objekte fest-
sich dieses Dienstes und spielen dementspre- gelegt.
chend die Rolle von anfragenden und abholen- Beim Lesen und Schreiben der digitalen In-
den Kunden (engl.: dient). formation von und auf Speichermedien können
die beiden Dualwerte eines Bit in idealer Weise
1.1.2.3 in die Zustände 0 =AUS und 1 =EIN von physi-
Speicherung und Verarbeitung von Informationen kalischen Schaltern abgebildet werden. Entspre-
in Digitalrechnern chend kann die Verarbeitung der digitalen In-
formationen (z.B. arithmetische, logische, gra-
Zur maschinellen Verarbeitung werden ver- phische oder akustische Operationen) in Re-
schiedenartige Informationen wie Texte, Zahlen, chenanlagen durch den Ablauf elementarer
Bilder und Töne nach einem einheitlichen Prin- Schaltvorgänge (Programmablauf) erfolgen.
zip in digitale Informationsobjekte zerlegt, in Zahlen werden rechnerintern im Dualsystem
binärer Form codiert und elektronisch, elektro- der Zahlenbasis 2 dargestellt, z. B. für eine ganze
magnetisch oder optisch gespeichert. Das dabei Zahl durch
benutzte Dualsystem wurde bereits von Gott- n
fried Wilhelm Freiherr von Leibniz ( 1649-1716) z= 2A ·2i'
entwickeltund von KonradZuse (1910-1995) bei i=O
der Entwicklung der modernen Rechentechnik wobei di der duale Zahlenwert 0 oder 1 zum Stel-
angewendet. lenwert 2i ist. Zum Beispiel bedeutet
11012 = 1· 23 + 1· 22 +0. 21 + 1· 2°.
Informationseinheiten
Die Dualzahl z = 1101 2 entspricht der Dezimal-
Die beiden Binärzeichen 0 und 1 bilden den ele- zahl z = 13 10 .Jeweils vier Ziffern des Dualsystems
mentaren Zeichenvorrat, aus dem digitale Infor- lassen sich zu einer

Informationsobjekt Typ des Inhalts Wertebereich


Bit
00 binäre Ziffern 0,1

00 logische Wahrheitswerte wahr, falsch

00 Helligkeitstufen normal, intensiv

Byte (8 Bit)
I76543210
I III I I I I Zeichen Buchstaben, Ziffern, Sonderzeichen,
unsichtbare Steuerzeichen
(ASCII-Code) Graphiksymbole

Wort (2/4/8 Byte)


EJ::::::::::::ITIJ
n 2 1 0
ganze Zahl i -2":<>i:<>2"-1

Wort (4/8/16 Byte)


EJ::::::::::::r::IIEI::::IJ
...............
Gleitkommazahl r r= m· Basis•
z.B. - 3.4 ·1038 ,.;; r,.;; 3.4 ·1038
Mantissem Exponente (compilerabhängig)

Abb. 1.1-2 Elementare Informationsobjekte verschiedener Länge

Bauinformatik 1-7
Hexadezimalziffer z 16 = CIIIJ (engl.: offset) angesprochen. Die physikalische
3 2 I 0 Adresse einer Speichereinheit besteht daher aus
(Ziffern 0-9,A-F) den beiden Teilen Segment: Relativadresse (engl.:
segment:offset), die u.a. im Hexadezimalsystem
zusammenfassen, um die Inhalte von Dualzah- angegeben werden. Da man in einem 16-Bit-
len kompakter anzugeben. WortAdressen zwischen0und2 16-l =65535 10 =
Gegenüber analogen Informationen haben so FFFF 16 speichern kann, haben die Segmente
aufgebaute digitale Informationsobjekte den üblicherweise eine Größe von 64 kByte =
großen Vorteil, daß sich aus dem Inhalt der In- 65536 Byte. Für einen 32-Bit-PC, auf dem die
formationen vor der Übertragung eine Prüf- größte physikalische Adresse FFFF: FFFF betra-
summe erzeugen läßt, so daß Übertragungsfeh- gen kann, ist die Speicheradressierung und da-
ler nach der Übertragung weitgehend selbstän- mit auch der Speicherausbau deshalb auf eine
dig erkannt und ggf. korrigiert werden können. Größe von maximal4 GByte beschränkt.
Dies macht die hohe Zuverlässigkeit und das ge-
ringe Rauschen digitaler Kommunikationssy- Dateisystem
steme aus.
Für die dauerhafte Speicherung von Informati-
Speicherung und Zugriff onsobjekten auf Massenspeichern wie Magnet-
platten, Disketten und Bändern werden die In-
Für die Verarbeitung der Informationen im Rech- formationen i.allg. in größeren Organisations-
ner werden die Informationsobjekte im Haupt- einheiten strukturiert, die man "Dateien" nennt.
speicher gespeichert. Er besteht aus einer linea- Die über alle Geräte einheitliche Organisation
ren Folge von Speichereinheiten, auf die über des Dateisystems hat große Ähnlichkeit mit dem
Adressen wahlfrei zugegriffen werden kann Aufbau von Akten oder Büchern. Als Begriffe
(RAM). sind entlehnt: Inhaltsverzeichnisse (engl.: direc-
Entsprechend der Breite der adressierbaren tory),Akten oder Dateien (engl.: file) und Sätze
Speichereinheit unterscheidet man zwischen (engl.: records).
Wort-Maschinen (hauptsächlich für den tech- Jede Datei hat einen eindeutigen Namen, un-
nisch-wissenschaftlichen Bereich) und Byte- ter dem sie geöffnet, umbenannt, kopiert, ge-
Maschinen (früher hauptsächlich für den kauf- schlossen oder gelöscht werden kann. Als Schutz
männischen Bereich), wobei letztere inzwischen vor unerlaubten Zugriffen dienen Lese- und
als Industriestandard universal genutzt werden. Schreibrechte für einzelne Benutzer oder Benut-
Um Speichereinheiten in größeren Paketen zergruppen. Die physikalische Speicherung auf
durch das Betriebssystem effizient auf periphe- magnetischen Datenträgern hat auch die Orga-
re Massenspeicher ein- und auslagern zu können nisation verschiedener Dateiarten geprägt. Bei
(engl.: paging), ist der Hauptspeicher i.allg. in allen Lese- und Schreibvorgängen werden die In-
Segmente (engl.: segment) oder Seiten (engl.: formationsobjekte in größeren Datenpaketen
page) unterteilt, die über eine Segmentnummer zusammengefaßt, die man "logische Sätze"
adressiert werden (Abb. 1.1-3). nennt und die in einem Strom (engl.: stream) zu-
Innerhalb der Segmente werden die einzelnen sammenhängend gelesen und geschrieben wer-
Speichereinheiten über eine Relativadresse den.

physikalische Adresse
0 Offset n (segment: offset) 0 Offset n
I I -
I I
Speichereinheiten
-------------o-~2l--------- Speichereinheiten

------------- _j________ _-
--------- - - -- - - ----
SegmentO I
Speichereinheit Segment N

Abb. 1.1·3 Hauptspeicher

1-8 Allgemeine Grundlagen


Da es auf Magnetbändern wegen der mecha- und Hauptspeicher. Für den Benutzer werden
nischen Toleranz nicht erlaubt ist, neue Sätze entsprechende Dienstprogramme mit graphi-
zwischen alte zu schreiben, kann man neue Sät- scher Benutzungsoberfläche (Datei-Browser,
ze nur ans Ende einer Datei schreiben. Zum Auf- z. B, Explorer für Windows-Betriebsysteme)
finden der Satzanfänge muß das Magnetband bereitgestellt, damit er durch das baumartige
vorwärts und rückwärts gespult werden. Die da- Dateisystem navigieren, nach Dateiobjekten su-
bei zu findenden EOR-Marken (EOR End OfRe- chen, Dateien kreieren, bearbeiten oder löschen
cord) kennzeichnen die Satzenden. Die Dateizu- kann.
griffe erfolgen deshalb bei einer solchen Datei
(engl.: sequential file) streng sequentiell. Mit der 1.1 .2.4
Einführung des Magnetplattenspeichers entfie- Internet
len diese Restriktionen. Diese Medien gestatten
das Dazwischenschreiben von Sätzen. Die wahl- Als Reaktion auf die Raumfahrterfolge der So-
freien Dateien (engl.: random file) ermöglichen wjetunion in den SOer Jahren wurden in den USA
Lese- und Schreibzugriffe auf einzelne Sätze an die Tätigkeiten der ARPA (Advanced Research
beliebiger Stelle. Bei wechselnder Satzlänge wird Project Agency) zur Entwicklung des ARPANet
allerdings ein Inhaltsverzeichnis erforderlich. vom amerikanischen Verteidigungsministerium
Auf der Basis wahlfreier Dateien sind DOS- forciert und bereits Mitte der 60er Jahre erste
Betriebssysteme (DOS Disk Operating System) Rechnernetze aufgebaut und betrieben. ARPA-
aufgebaut, die ihre Betriebssoftware in Dateien Net diente zur Erforschung eines katastrophen-
auf Permanentspeichern verwalten. Auf jedem sicheren Computernetzes. Dabei wurde das fle-
Speichermedium befindet sich dabei ein ent- xible und fehlertolerante Netzwerkprotokoll IP
sprechendes Dateisystem, das alle Dateien und (Internet Protocol) zum Datenaustausch zwi-
Dateiinhaltsverzeichnisse, auch "Ordner" (engl.: schen Rechnern entwickelt.
directory) genannt, in einer Baumstruktur hier- Auf Basis des ARPANet entstand schließlich
archisch verwaltet (Abb. 1.1-4). Diese Struktur das heutige Internet als"das Netz der Netze". Das
darf von der Größe der Dateien und Verzeich- Internet ist technisch sowie organisatorisch
nisse her in ihrer Tiefe grundsätzlich nicht be- durch den Zusammenschluß vieler Teilnetze ge-
schränkt sein. wachsen. Diesbezüglich existiert keine zentrale
Das Betriebssystem muß die notwendige Verwaltung des Internet, sondern die Teilnetze
Funktionalität bereitstellen, um dieses komple- werden unabhängig voneinander verwaltet und
xe Dateisystem möglichst effizient zu verwalten. gliedern sich in Netzkomponenten, an die ver-
Dazu gehört u.a. die Bereitstellung von freien schiedene Rechnertypen angeschlossen sein
Hauptspeicherbereichen, die Verwaltung der können. Diese Dezentralisierung erstreckt sich
Speicherpuffer, der schnellstmögliche Zugriff auch auf die Finanzierung, indem alle lokalen,
auf die gespeicherten Daten und die Sicherung regionalen oder nationalen Institutionen die Ko-
einer optimalen Transferrate zwischen Massen- sten für den zugehörigen Teil des Netzes tragen.
Für einen Zugang zum Internet bieten sich je
nach gewünschter Funktionalität unterschiedli-
che Möglichkeiten der technischen Realisierung
an. Grundvoraussetzung ist die Kommunikati-
onsfähigkeit des Rechners. Bei Nutzung einer
analogen Telefonleitung wird ein Modem (Mo-
dulator/Demodulator) benötigt. Das Modem
wandelt die digitalen Informationen (Bytes) bei
der Übertragung vom Rechner zur Telefonlei-
tung in analoge akustische Signale. Diese werden
über die Telefonleitung übertragen und auf der
Seite des Empfängers wieder in digitale Daten
zurückgewandelt.
Eine schnellere Kommunikation mit hoher
Qualität läßt sich über einen digitalen ISDN-An-
Abb. 1.1-4 Datei1ystem schluß (ISDN Integrated Services Digital Net-
work) realisieren. Hierbei entfällt die Analog-

Bauinformatik 1-9
umwandJung digitaler Informationen. Über den auf dem fernen Rechner. Auf vielen FTP-Ser-
Telefonanschluß wird ein nächstgelegener Ein- vern besteht die Möglichkeit des "anonymous
wahlknoten (PoP Point of Presence) eines lnter- ftp", d.h. der Zugriff auf öffentliche Dateien
net-Dienstleisters (Provider) angewählt, der die erfolgt mit der Zugriffsberechtigung des Be-
Weiterleitung der digitalen Informationen vom nutzernamens "anonymous" oder "ftp" und
Telefonnetz in das Internet übernimmt. Die Ko- der eigenen E-Mail-Adresse als Kennwort. Im
sten fürdie Internet-Nutzung setzen sich aus den Gegensatz zur E-Mail erfolgt der Datenaus-
Gebühren des Provider und den Telefonkosten tausch mit FTP aktiv, d.h., der Nutzer ent-
(ggf. Ortstarif) zum Einwahlknoten zusammen. scheidet, welche Daten er über das Netz holen
Das Internet bietet eine große Zahl von Dien- will. Da die Übertragung online erfolgt, kann
sten, die für Ingenieurzwecke genutzt werden er z.B. bei fehlerhafter Übermittlung direkt
können. Im folgenden wird eine Auswahl der reagieren. FTP ist für die Übermittlung großer
wichtigsten Dienste sowie deren Nutzen be- Datenmengen vorteilhaft.
schrieben: - WWW (World Wide Web). Mit WWW können
- Elektronische Post (E-Mail). Sie ermöglicht das auf der Basis der zuvor genannten Internet-
Verschicken von Nachrichten, Graphiken und Dienste zusätzlich multimediale Infor natio-
Programmen. Im Vergleich zum Postversand nen in einer hypermedialen Benutzerumge-
besteht ein erheblicher Geschwindigkeitsvor- bung verarbeitet werden. Die multimediale In-
teil der elektronischen Übertragung, da die In- formationsverarbeitung schafft eine einheitli-
formationen zwischen den Rechnerknoten che Umgebung für die vormals getrennten
mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden Medienbereiche Video (Fernseher), Audio
und damit die Übertragungszeit nur von der (Hörfunk) und Text/Graphik (Bücher) auf der
Vermittlungskapazität bzw. von der Sende- Basis digitaler Informationen. Als Hyperme-
und Empfangsbereitschaft bestimmt wird. dia wird die Verknüpfung multimedialer In-
Voraussetzung zum Empfangen von E-Mai! ist formationen über spezielle Verknüpfungsele-
der Besitz einer E-Mail-Adresse. Sie setzt sich mente (Knoten und Verweise) bezeichnet. Mit
aus Namen und Anschrift, verbunden mit dem WWW erfolgt die Verknüpfung von Hyper-
Sonderzeichen @ (gesprochen wie eng!.: at) media-Dokumenten aufbeliebigen Rechnern
zusammen (z.B. Name@Anschrift: bauinf@ im Netz (Abb. 1.1-5).
inf.bauwesen. tu-muenchen.de). Die Codierung der Hypermedia-Dokumente
Mit E-Mail können Dokumente in digitaler wird im Format HTML (Hypertext Markup
Form verschickt werden. Der Kommunikati- Language) vorgenommen. Die Wiedergabe
onspartner muß nicht permanent zum Emp- und Navigation auf dem Bildschirm erfolgt
fang bereit sein, da die Post in seinem "elek- mit den Standard-Softwarewerkzeugen der
tronischen Briefkasten" gesammelt wird und Browser (z.B. Netscape oder Internet Explo-
bei Bedarf geleert werden kann. Gerade beim rer). Die Kommunikation zwischen einem
häufigen Verschicken in ferne Länder sind WWW-Server, der die Hypermediadaten zur
i. d. R. die Kosten der E-Mai! auch unter Be- Verfügung stellt, und einem WWW -Client, der
rücksichtigung der Kosten für den E-Mail-An- die Daten auf den eigenen Rechner holt und
schluß und der anfallenden Telefonkosten ge- auf dem Bildschirm darstellt sowie Benutzer-
ringer als das Briefporto. Neben technischen interaktionen an den Server weiterleitet, er-
Dokumenten können auch Programme und folgt im WAN Internet mit dem Protokoll
Datenbanken verschickt werden. Viele Proble- HTTP (Hypertext Transfer Protocol) über
me des Datenaustauschs lassen sich dadurch weltweit verteilte Rechner. Dafür werden die
elegant lösen, daß die übertragenen Daten je- WWW-Adressen allgemein in der Form
weils mit einem mitgeschickten Programm http://<Pfad> (z.B. http://www.iib.bauing.tu-
bearbeitet werden können. darmstadt.de) angegeben.
- Dateitransfer mit FTP (File Transfer Protocol). Die Ingenieurtätigkeit kann mit dem Medium
FTP basiert auf dem Client-Server-Konzept, des WWW nach Inhalt und Form sachlich und
d.h., der lokale Rechner dient als Client und adäquat unterstützt werden (Rüppel 1996].
der ferne Rechner, auf dem die zu übermit- Bauwerkbeschreibungen und Bauprojekte las-
telnden Dateien liegen, als Server. Zur Datei- sen sich deshalb besonders gut wegen der Ver-
übertragung benötigt der Nutzer die Zugriffs- knüpfung der textlichen Projekt- und Tätig-
berechtigung sowohl auf dem lokalen als auch keitsbeschreibung mit ergänzenden Photos,

1-10 Allgemeine Grundlagen


TECHN ISCHE
UN IVERS ITAT

Schaltfläche
Knoten _,.

Abb. 1.1 ·5 lntemet-Browser

Plänen, Bildern, Graphiken sowie sprachli- matik ebenfalls von grundlegender Bedeutung
chen Erläuterungen und Filmaufnahmen auf- sind. Während die Darstellung, Speicherung und
bereiten und präsentieren. Grundsätzlich ist Verarbeitung von Zahlen bereits in 1.1.2 ange-
die Internet-Technologie ein hervorragendes sprochen wurde, wird hier die Bedeutung von
Medium zum schnellen und ortsunabhängi- Mengen und Abbildungen als Grundlage für Da-
gen Informationsaustausch, zur fachspezifi- tenstrukturen und Algorithmen beschrieben.
schen Informationsrecherche sowie zur mul- Als Beispiele werden relationale Datenbanken,
timedialen Projektpräsentation. Insbesondere die Tabellenkalkulation und Computeralgebra-
der WWW-Dienst ist eine ideale Plattform, systeme vorgestellt, die als grundlegende Werk-
um Kooperationsbeziehungen zwischen Inge- zeuge für vielfältige Anwendungs- hereiche im
nieuren ohne räumliche und zeitliche Schran- Bauwesen Anwendung finden können.
ken effizient zu gestalten (engl.: net based en- Elementare Kenntnisse der Mengenlehre wer-
gineering) [Rank/Rücker 1996]. den als bekannt vorausgesetzt. Für eine weiter-
- inf6t mationsrecherchen. Zu ihrer Unterstüt- gehende Betrachtung der hier vorgestellten Kon-
zung existi~ren im Internet zahlreiche öffent- zepte sei z.B. auf [Ebbinghaus 1994; Karnke 1962]
lieh zugängliche Softwarewerkzeuge, sog. verwiesen.
"Suchmil~c~inen". ~t~:.g~rchsucheit ~1;1~ernet­
Dokumente: nach Info.nnationen Zl.L-<lingege- 1.1.3.1
benen Stichwöl'tern und stellen .dem .Nutzer Mengen, Relationen und relationale Datenbanken
die zugehörigen Adressen zur Verfügung.
Hiermit lassen sich lokale oder weltweite Re- Man betrachte zwei (der Einfachheit halber end-
cher~hen effizient durchführen. liebe) Mengen PG als Profilgruppennamen und
.NH als Nennhöhen für Stahlbauprofile:
-p(;'~ {IPE,HEA,HEB,HEM},
1.1,3 ,;;;,,,,.;xn~>ll : ;,))<~.• <: . sni ;o N1P-!'~:voo,120,l40,7oo,soo,9oo, looo}.
Mengen und]AbbHdunge,nrals Grundl~n -- - ,- --- -----.--- --- --

der; Informatik -·~ Dann ist 4~S't,artesische Produkt P= PG x NH die


• c' · Me?ge alJi.~ ~\IS PG und NH gebildeten Paare,
Die wohl ~J.shtigste the&,~etische Gr~p,dlag~ der ~'~; also •. ~ ; ,, ,
Informatik> ~ die Math#.m atikJDeshldb ka~n es on;
nicht verwildern(daß clt'(!i zentrale Begrifft! der OC?
.fbPG ~~ft;:: {(IPE~g), (IPE,100), (IPE,120),
(IPE,l 40), {IPE,700);, (IPE,800), (IPE,900),
Mathematik~ . Meng(:!n, Zahlen.und.Abbildun-
(IPE,löOd). .. }.
gen - für nahezu jede Fragestellung der Irifor-

Bauinformatik 1-11
Nun können die zwei Mengen PG und NH zu- seien Profilname, Querschnittsfläche und ly ge-
einander in Beziehung gesetzt werden. Es läßt wählt.
sich eine Relation'? als Teilmenge der Produkt- Eine mögliche Belegung zu diesem Schema ist
menge P definieren, also z. B. die Menge der in dann durch Tabelle 1.1-2 gegeben. Die zwei Ta-
einem Lager verfügbaren Profile. bellen stellen ein einfaches Beispiel für eine re-
lationale Datenbank dar. Entscheidend ist, daß
\)={ (IPE,80), (IPE,lOO), (IPE,l40), (HEA,l20),
die für die Definition der Tabellen verwendeten
(HEB,700), (HEB,SOO)}.
Mengen zueinander in Beziehung gesetzt wer-
Diese zweistellige oder binäre Relation zwischen den. Zusammengefaßt (und etwas verkürzt dar-
zwei Mengen läßt sich leicht auf eine n-stellige gestellt) ist damit eine relationale Datenbank
Relation erweitern. Als weitere Mengen seien nichts anderes als eine Menge von zueinander in
z. B. die Menge PN der Profilnamen, die Menge Beziehung stehenden Mengen.
H der Profilhöhen, die Menge B der Profilbrei- Datenbankmanagementsysteme sind Benut-
ten, die Menge S der Stegdicken und die Menge zungsoberflächen (engl.: user interface, kurz:
T der Flanschdicken hinzugenommen. Eine UI) für Datenbanken, die es erlauben, Daten-
"Profllkartei" wird dann durch eine Relation bankschemata zu definieren und Mengenopera-
tionen auf den Relationen der Datenbank aus-
\)~PGxNHxPNxHxBxSxT
zuführen. Die beiden elementarsten Operatio-
definiert. nen sind die Projektion und die Restriktion, die
Es ist naheliegend, diese n -stellige Relation als jeweils für eine Relation (d. h. eine Tabelle) einer
Tabelle zu schreiben (Tabelle 1.1-1), wobei nun Datenbank definiert sind. Dabei wählt die Pro-
zusätzlich zur eigentlichen Relation '? Attribut- jektion bestimmte Spalten der Tabelle aus. So
namen für die Mengen PG, NH, PN, H, B, S und stellt die an die im Beispiel definierte Datenbank
T (im Beispiel die Oberschriften der Spalten) gestellte Anfrage "Gib die Profilhöhen aller ver-
vergeben werden. Die Attribute zusammen mit fügbaren Profile" eine Projektion dar. Eine Re-
den Wertebereichen der Spalten, also den jewei- striktion selektiert dagegen Zeilen der Tabelle,
ligen Mengen, bilden das relationale Schema die einer bestimmten Bedingung genügen. Ein
A(\)) der Relation'? und definieren damit den Beispiel ist die Datenbankanfrage "Gib die ge-
Aufbau der Tabelle "Profilmaße". speicherten Daten der Tabelle "Profilmaße" für
Betrachtet man nun nicht nur ein Schema,
sondern eine endliche Menge von relationalen
Schemata, so entsteht ein Datenbankschema. Ei- Tabelle 1.1-2 StatischeWene
ne konkrete Belegung aller zum Datenbank-
schema gehörenden Tabellen mit Daten heißt Profilname Querschnittsfläche ly
"(relationale) Datenbank". Zur Vervollständi- IPE80 7,64 80,1
gung des Beispiels soll dazu eine zweite Tabelle IPE100 10,30 171,0
IPE140 16,40 541 ,0
angelegt werden, die den Profilnamen mit der
HEA 120 25,30 606,0
Querschnittsfläche A und dem Flächenmoment HEB700 306,00 256900,0
2. Grades ly in Beziehung setzt. Die dazu notwen- HEB800 334,00 359100,0
digen Grundmengen seien mit A und IYbezeich-
net. Als Attribute dieses relationalen Schemas

Tabelle 1. H Profilmaße

Profilgruppe Nennhöhe Profilname Höhe Breite Stegdicke Flanschdicke

IPE 80 IPE80 80 46 3,8 5,2


IPE 100 IPE100 100 55 4,1 5.7
IPE 140 IPE140 140 73 4,7 6,9
HEA 120 HEA120 120 120 5,0 8,0
HEB 700 HEB700 700 300 17,0 32,0
HEB 800 HEB800 800 300 17,5 33,0

1-12 Allgemeine Grundlagen


alle verfügbaren Profile, deren Höhe kleiner als reich der Realität gelten, entspricht. Hierbei wird
140 mm ist". unterschieden zwischen logischer und physika-
Die dritte elementare Datenbankoperation, lischer Konsistenz. Die logische Konsistenz einer
der Verbund,faßt zwei Relationen zusammen, die Datenmenge ist immer dann gegeben, wenn al-
bezüglich eines Attributs die gleichen Grund- le Daten definierten Integritätsbedingungen ge-
mengen besitzen, die also jeweils eine Spalte nügen. Diese dienen dem Schutz der Datenmen-
gleichartigen Inhalts aufweisen. Dazu müssen ge vor unplausiblen Werten und definieren Re-
zunächst zwei Tabellen über die jeweilige Spalte geln der gegenseitigen Abhängigkeit der Daten.
zueinander in Beziehung gesetzt werden. Im Bei- Ziel der physikalischen Konsistenz ist es, die feh-
spiel bietet die Spalte "Profilname" die Möglich- lerfreie Speicherung und Erhaltung einer Da-
keit, einen Verbund zwischen der Tabelle "Pro- tenmenge zu garantieren. Hierbei werden Me-
filmaße" und der Tabelle "Statische Werte" her- chanismen zur fehlerfreien Datenübertragung
zustellen. Anschaulich gesprochen, hängt die und zum Wiederherstellen (engl.: recovery) zer-
Operation Verbund die Tabelle "Statische Werte" störter Datenmengen benötigt.
an die Tabelle "Profilmaße" an, wobei die Zu- Die Gewährleistung der Konsistenz einer Da-
ordnung der jeweiligen Zeilen über den Profil- tenmenge ist ebenso Aufgabe eines Datenbank-
namen hergestellt wird. Formal wird dieser Ver- Managementsystems wie die Verwaltung kon-
bund geschrieben als kurrierender Zugriffe. Diese entstehen, wenn
mehrere Benutzer gleichzeitig auf dieselben Da-
Profilmaße ['Profilname'] Statische Werte.
ten zugreifen wollen. Hierbei können sich (trotz
Aus den drei beschriebenen Grundoperationen einzeln korrekten Verhaltens) gegenseitige Stö-
lassen sich nun komplexere Datenbankanfragen rungen ergeben. Um diese zu vermeiden, ist es
zusammensetzen. Eine häufig genutzte Operati- erforderlich, durch geeignete Mechanismen den
on ist die assoziative Anfrage, die für das Beispiel konkurrierenden Datenzugriff zu sequentiali-
folgendermaßen lauten könnte: sieren. Dies bedeutet, daß sich das System bei
"Gib die Namen und die Querschnittswerte Iy gleichzeitigem Zugriff so verhält, als würde ein
aller verfügbaren Profile, deren Stegdicke größer Benutzer nach dem anderen auf die Daten zu-
als 4,2 mm ist." Zur Beantwortung dieser Anfra- greifen. Moderne Datenbanksysteme verwenden
ge sind offenbar die beiden Tabellen zu verbin- dazu das Prinzip des transaktionierten Zugriffs
den, die entstehenden Zeilen hinsichtlich der Be- [Vossen 1995).
dingung s>4,2 mm zu restringieren und aus den
verbleibenden Zeilen die Spalten "Profilname" 1.1.3.2
und "Iy" zu projizieren. Transformationen
Die meisten Datenbanksysteme (z.B. dBase,
MS-Access und Oracle) erlauben eine graphisch- Transformationen, auch "Abbildungen" oder
interaktive Definition des Datenbankschemas, "Funktionen" genannt, sollen nun an einigen
die Festlegung der Beziehungen zwischen den Beispielen erläutert werden. Allgemein ist eine
einzelnen Tabellen sowie vom Nutzer konfigu- Transformation eine Vorschrift, die aus gegebe-
rierbare Formulare zur Erfassung bzw. Ausgabe nen Eingabedaten Ausgabedaten erzeugt (Abb.
von Datensätzen. Anfragen an die Datenbank 1.1-6).
können entweder interaktiv oder von anderen Ein einfaches Beispiel ist die Rechenvorschrift
Programmen über eine Programmierschnitt-
y=xz,
stelle, meist SQL (Structured Query Language)
erfolgen. die für jede Eingabe einer (reellen) Zahl x ein Er-
Werden Daten nur kurzfristig benötigt, ge- gebnis, nämlich das Quadrat von x, liefert.
nügt eine zeitlich begrenzte (transiente) Spei-
cherung. In Datenbanksystemen werden jedoch
meist Informationen gesammelt, die dauerhaft,
d.h. persistent auf geeigneten Datenspeichern lEingabedaten I Transformations- lAusgabedaten I
(z.B. Festplatten, Disketten oder Bändern), abzu- vorschrift
legen sind, wodurch sich das Problem der Kon-
sistenzerhaltung der Daten ergibt. Eine Daten-
menge heißt "konsistent", wenn sie den Regeln Abb. 1.1-6 Transformationen
und Restriktionen, die im modellierten Teilbe-

Bauinformatik 1-13
Offensichtlich kann man nicht jedes beliebige 1.1.3.3
Eingabedatum für diese Abbildung verwenden: Tabellenkalkulation
Eine Belegung von x mit dem Wert "November"
würde z.B. kein sinnvolles Ergebnis liefern kön- Tabellenkalkulationsprogramme ermöglichen
nen. An diesem simplen Beispiel wird deutlich, es, in Formularen oder Tabellen zu rechnen. Das
daß eine Transformation immer nur für einen zentrale Merkmal ist dabei ein Raster aus n Zei-
bestimmten Datentyp erklärt sein kann und len und k Spalten. Ein derart aufgebautes Raster
selbst immer ein Ergebnis eines wohldefinierten wird im weiteren Verlauf "Tabellenblatt" oder
Datentyps liefert. auch "Arbeitsblatt" (eng!.: worksheet) genannt.
Transformationen können sehr komplex sein. Ein Beispiel eines Arbeitsblattes ist in Abb. 1.1-7
So kann man z.B. eine Finite-Element-Berech- dargestellt (es kann von http://www.infbv.tum.
nung, die aus geometrischen und physikalischen deischleieher geladen werden).
Eingabedaten Verschiebungen und Spannungen Folgende allgemeine Merkmale finden sich in
berechnet, ebenfalls als Transformation im Sin- jedem Tabellenkalkulationsprogramm:
ne von "Abbildung" verstehen. Prinzipielllassen - Jede Zelle hat eine eindeutige Adresse, den sog.
sich alle im weiteren betrachteten Transforma- "Zellbezug". Beispielsweise bedeutet "B4"
tionen in elementare Grundstrukturen zerlegen. Spalte B, Zeile 4.
Eine Folge dieser Grundstrukturen, die einen - Jede Zelle kann mit Wertzuweisungen belegt
konstruktiven Lösungsweg für ein gegebenes werden. Diese können Texte oder Zahlen sein,
Problem darstellt, wird dann Algorithmus ge- den Wert anderer Zellen als Variable (z. B. über
nannt. Dabei ist nicht nur die Art der Anweisun- den Zellbezug B4) oder Ausdrücke in Form
gen, sondern ebenso deren Ausführungsbedin- von Formeln (=Al *B2/C3) oder Funktionen
gung von entscheidender Bedeutung für den Ab- (= SUMME(A 1:A 10)) darstellen. Jeder Eintrag
lauf eines Algorithmus. einer Wertzuweisung in eine Zelle ist die De-
Bevor hierauf in 1.1.3.5 näher eingegangen finition einer elementaren Transformation im
wird, sollen zwei Werkzeuge - die Tabellenkal- Sinne von 1.1.3.2. Weiterhin ist auch die Ver-
kulation und die Computeralgebra- besprochen wendung von Kontrollstrukturen (Wenn-
werden. Sie ermöglichen eine Lösung zahlrei- Dann-Bedingungen) oder von selbst erstellten
cher Probleme der Bauinformatik ohne die Ver- Unterprogrammen oder Funktionen möglich.
wendung klassischer Programmiersprachen
oder komplexer Werkzeuge zur Softwareentwick- Das folgende Beispiel zeigt einige Möglichkeiten
Jung, lassen aber allgemeine Prinzipien der Mo- der Entwicklung einfacher Tabellenkalkulati-
dellbildung deutlich werden. onsanwendungen. Für einen Zweifeldträger mit
feldweiser Gleichlast soll dazu der Momenten-

MenUleiste

Eingabefeld

aktives Tabellenblatt aktive Zelle

Abb. 1.1-7 Arbeitsblatt im Tabellenkalkulationsprogramm MS-Excel

1-14 Allgemeine Grundlagen


verlaufbestimmt und graphisch dargestellt wer- M(x) in den beiden Feldern wird dann mit dem
den. Verfahren der w-Funktionen bestimmt [Pflüger
Die Eingabedaten sind vom Anwender in der 1978]. Der Verlauf von M(x) wird dazu ab-
Spalte B von Zeile 5 bis Zeile 11 einzugeben. Die schnittsweise für jedes Feld berechnet:
Aktualisierung aller anderen Zellen und der
Darstellung im Diagramm erfolgt automatisch,
X ql·1f
für x:o;;11 M(x)=Mb---- · wR~
wenn nur einer der Eingabeparameter verändert 11 2
wird.
Das Arbeitsblatt kann in zwei verschiedenen
Ansichten dargestellt werden. Abbildung 1.1-8
zeigt die Resultatansicht, in der die Ergebnisse 2
der Berechnungsformeln zu sehen sind. Einige
-
fÜrX~ 1I M( X) -1- M x-11 q2 ·(x-11)
b--- ·WR,2
der in den jeweiligen Zellen eingetragenen For- 12 2
meln sind Abb. 1.1-12 zu entnehmen.
Für die Berechnung des hier gesuchten Biege- x2 (x2)2
. WR,2=---
mit
momentenverlaufs My(x) werden als Hilfswerte 12 12
das Steifigkeitsverhältnis j und das Stützmoment
Mb über dem Mittelauflager benötigt: Für das gewählte Beispiel sollen die Werte für
M(x) jeweils in den 1/10-Punkten der einzelnen
- ql ·1{ +q2·1i -j
Mb- Felder ermittelt werden. In den Spalten B und C
8 . (11 +12 -j) der Zeilen 22 bis 42 können damit grundsätzlich
. . I I die gleichen Formeln eingetragen werden. Sinn-
m1t ;=L . vollerweise werden hierfür Kopierfunktionen des
Iy2
Tabellenkalkulationsprogramms genutzt, was je-

I
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A I B I c I D E F G H I 1-:
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Lange)m)

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0.00
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0,09
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t<] •l•l •tf\I!ben!!iT.obelo21 T -
..1...{ T~TabeleS_ti_
obelo&
_I ~ J •Jf'
Abb. 1.1·8 Arbeitsblatt in Resultatssicht (Arbeitsblan kann von http://www.inf.bv.tum.delschleichergeladen werden)

Bauinformatik 1-15
doch sofort die Frage aufwirft, ob und wie sich Im hier gewählten Beispiel wird das Arbeitsblatt
Zellbezüge in Formeln ändern, wenn diese in an- wie folgt weiterentwickelt: In der Spalte B soll
dere Zellen übertragen werden. Hierbei spielen von Zelle B22 bis Zelle B42 eine über beide Fel-
zwei Adressierungsarten eine Rolle, die relative der durchlaufende X-Koordinate eingetragen
und die absolute Adressierung von Zellen: werden. Der Startwert in der Zelle B22 ist Null.
- Kopieren von relativen Zellbezügen. Beim Ko- In der Zelle B23 wird die X-Koordinate für den
pieren der Zellinhalte werden alle Adressen re- ersten 1/10-Punkt des ersten Feldes berechnet.
lativ zur Zieladresse des Kopiervorgangs ver-
ändert (Abb.l.l-9). lk
X·=x-
, l-1
+-
10
- Kopieren von absoluten Zellbezügen. Durch
Voranstellen eines Absolutbezugssymbols mit k=1 für x~l1> k=2 für x>l1•
(hier $-Zeichen) wird der Zellbezug festge-
schrieben und beim Kopieren, Verschieben In Abb. 1.1-12 sind die Kopiervorgänge für das
oder Einfügen von Leerzellen nicht angepaßt Beispiel dargestellt.
(Abb. 1.1-10). Nur in den hellgrau hinterlegten Zellen sind
- Kopieren von gemischten Zellbezügen. Es ist Formeln von Hand einzugeben. Diese können
möglich, relative und absolute Adressierung dann durch Kopieren in die darunterliegenden
für den Zeilen- bzw. Spaltenindex zu mischen Zellen übertragen werden, wobei die richtige
(Abb.l.l-11). Verwendung von absoluten und relativen Zell-

3
4
5
6
7
ll
{l
~4
5
6
7

Abb. 1.1-9 Kopieren von relativen Zellbezügen

2
3
4
5
6
7

Abb. 1.1-10 Kopieren von absoluten Zellbezügen

A B c D
=SA1+BS1 =SA1+CS1
=SA2tBS1 =SA2+CS1
=SA3+BS1 =SA3+CS1
4 =SA4+BS1 =SA4+CS1
5 =SA5+8$1 =SA5+CS1
=SA6+8S1 I=SAG+CS1

Abb. 1.1-11 Kopieren von gemischten Zellbezügen

1-16 Allgemeine Grundlagen


A B c
21 x [m] Omega(x) My(x) [kNm]
22 =0 =8231$8$6 ·(8231$8$6)'2 =SBS16"8231$B$6-SBS11 "$8$6'2"C2312

23 =823+$8$611 0

... J
t l Kopieren l r Kopieren I I Kopieren 1
...
32 =832+$8$611 0 =8331$8$6 -(8331$8$6)•2 =SB$ 16"8331$8$6-$8$11"$8$6'2"C3312

33 =833+$8$7/10 =(834-SB$6)1$8$7 -((834-$8$6)1$8$7)'2 :Sß$16"(1-(B34-$8$6)1$B$7)-$B$12"$8$7'2"C3412

... I
t l Kopieren ~ Kopieren t • Kop ieren I
... T
42 =842+$8$7110 =(843-$8$6)1$8$7 ·((843-SB$6)1$8$7)'2 =SBS16"(1-(843-S8$6)1$8$7)-$8$ 12"$8$7•2"C43J2

Abb. 1.1 ·12 Ausschnitt aus dem Arbeitsblatt in Fennelansicht

bezügen zu beachten ist. Für die Visualisierung Bereichs bestimmt und lassen sich wie folgt for-
des Momentenverlaufs wird schließlich ein in mulieren:
vielen gängigen Tabellenkalkulationsprogram- wl(x)""=~ für x<l1-bl2,
men verfügbares Diagramm zur Funktionsdar- EI
stellung genutzt (die dargestellte Systemskizze
ist mit einem vom Tabellenkalkulationspro- w2(x)""+~w2(x)= q1 +qz
gramm unabhängigen Zeichenprogramm er- EI 2EI
zeugt). für x >11-b I 2 und x <11 +b I 2,

1.1.3.4 w3(x)""=~ fürx>l1+bl2.


EI
Computeralgebra
Rand- und übergangsbedingungen:
Waren Transformationen in den bisher vorge-
w1(0)=0 w1(0)" =0
stellten Anwendungen auf die Abbildung einfa-
w3(ll+l2) =0 w3(ll+l2)" =0,
cher Objekte wie Zahlen oder Zeichenketten be-
schränkt, so erlauben die von Ingenieuren noch wl(ll-b/2) =w2(ll-b/2)
relativ wenig genutzten Computeralgebrasyste- w2(ll+b/2) = w3(ll+b/2),
me die Manipulation komplexer mathemati-
scher Ausdrücke und damit z.B. formales Diffe-
w 1 (ll -b/2)' = w2(ll-b!2)'
renzieren oder Integrieren von Funktionen. Da-
w2(ll+b/2)' =w3(ll+b!2)',
mit eröffnen sich neuartige und häufig sehr ef- w 1(ll -b/2)" = w2(ll-b!2)"
fiziente Möglichkeiten der Modellbildung, die an w2(ll +b/2)" = w3(ll+b/2)",
einem einfachen Beispiel erläutert werden sol-
len. Man betrachte dazu wieder den in 1.1.3.3
w 1(ll -b/2)"' = w2(l1-bl2)"'
w2(ll +b/2)"' = w3(ll+b!2)"'.
untersuchten Zweifeldträger. Das mittlere Aufla-
ger soll nun jedoch durch eine elastische Bet-
tung mit einer Bettungsziffer c und einer Aufla- Die Lösung dieser Differentialgleichung kann
gerbreite b modelliert werden (Abb.l.l-13). analytisch mit elementaren Integrationsmetho-
Die Durchbiegung und der Schnittgrößenver- den gefunden werden, die jedoch bei der Durch-
lauf des Zweifeldträgers sind durch eine Diffe- führung"von Hand" mühsam, fehleranfällig und
rentialgleichung mit Rand- und Übergangsbe- zeitraubend sein können. Computeralgebrapro-
dingungen an den beiden Kanten des gebetteten gramme (z. B. MAPLE, Mathematica, Macsyma)

Bauinformatik 1-17
40,0 kN/m

I I I I I I I I I I I !p
System

,-,----.--J,.:..:.:.,:J
30kNn
•' m
-"----T--1----r--rl-.J--1
20,0kN/m
1
ilc
:J
EI EI
-~- b = 0,3m
12=6,0m
11 = 4,0m
A B

Abb. 1.1-13 Zweifeldträger

>restart: with(plots):
># Einlesen der Bibliotheksfunktion
>read(' dsolve_pcc.prc· ):
>
># Belegen der Parameter
>E:=210.10"9: 1:=0.0000425: q1 :=20.10"3: q2:=40.10"3: 11 :=4:
12:=6: c:=1 ·1o•a: b:=0.3:
># Hllfsgrößen
> x1 :=11-b/2: x2:=11+b/2: 1:=11-+-12:
>
> # Definieren der DGLs
> dgl1 := E.l.dlff(w1(x),x$4)=q1 :
> dgl2 := E.l.diff(w2(x).x$4)+c·w2(x)=(q1+q2)12:
> dgl3 := E.l.diff(w3(x),x$4)=-q2:
>
> # Definieren der Randbedingungen
> rb:= w1(0)=0 . (D@@2)(w1)(0)=0 , w3(1)=0 , (D@@2)(w3)(1)=0:
>
> # Definieren der Uebergangsbedingungen
, ueb1 := w1(x1)=w2(x1), D(w1)(x1)=D(w2)(x1),
(D@@2)(w1 )(x1 )=(D@@2)(w2)(x1 ).
(D@@3)(w1)(x1)=(D@@3)(w2)(x1):
, ueb2:= w2(x2)=w3(x2). D(w2)(x2)=D(w3)(x2).
(D@@2)(w2)(x2)=(D@@2)(w3)(x2),
(D@@3)(w2)(x2)=(D@@3)(w3)(x2):
> # Leesen der 3 DGLs mit Rand- und Uebergangsbedingungen
> w_erg:=dsolve_pcc((dgl1 ,dgl2,dgl3).(w1 (x).w2(x),w3(x)],(x1 .x2],
{rb,ueb1.ueb2});
w_erg := {
.00009337 x•4 - .00021163 x•3 -.00086488 x, x < 3.85
.00030000 + .14016217 exp(-1.293698117 x)
cos(1.293698117 x)+ .00003602 exp(1.293698117 x)
cos(1.293698117 x)
.06647063 exp(-1.293698117 x) sln{1.293698117 x)
.00001939 exp(1.293698117 x) sin(1.293698117 x), x < 4.15
.00018674 x•4 - .00559534 x •3 + .05581548 x•2
- .2129611815 x+ .27599327, otherwlse

Abb. 1.1 -14 Arbeitsblatt zum Computeralgebraprogramm MAPLE (das Arbeitsblatt kann von hNp://www.inf.bv.tum.del
schleieher geladen werden)

[Fuchssteiner et al. 1994; Mongan et al. 1996; Kra- dargestellten Aufbau (es kann von http://www.
wietz 1997; Braun/Hüser 1994; Westermann inf.bv.tum.de!schleicher geladen werden).
1996; Wolfram 1996] unterstützen das analyti- Nach der Belegung der Materialparameter mit
sche Lösen der Gleichung und bieten zudem die den entsprechenden Zahlenwerten werden die
Möglichkeit, durch Parametervariationen die drei Differentialgleichungen sowie die Rand- und
Leistungsfähigkeit des gewählten Modells zu Übergangsbedingungen als Objekte definiert,
studieren. Ein entsprechendes Arbeitsblatt für mit denen das Computeralgebrasystem Trans-
das Programm MAPLE hat den in Abb. 1.1-14 formationen im Sinne algebraischer Manipula-

1-18 Allgemeine Grundlagen


tionen vornehmen kann. Diese Gleichungen wer- Maximalwert von -108,7 kNm zu erkennen (s.
den dann einer Bibliotheksfunktion"dsolve_pcc" Abb.l.l-15). Im Vergleich dazu ergibt sich nach
übergeben, in der die analytische Lösung einer der in 1.1.3.3 gezeigten ro-Methode, der ein
abschnittsweise definierten linearen Differen- punktförmiges, festes Auflager zugrunde liegt,
tialgleichung bestimmt wird. Das Ergebnis ein Stützmoment von -124,0 kNm.
w_erg ist im Arbeitsblatt angegeben und als Wird stattdessen die Federsteifigkeit c mit
Durchbiegungs- und Momentenverlauf gra- dem Wert 210·106 kN/m 2 belegt und damit der
phisch darstellbar (Abb. l.l-15). Balken im gebetteten Bereich nahezu starr ein-
.Das nun aufgebaute Modell ist die Grundlage gespannt, so tritt das maximale Moment mit
für eine einfache Computersimulation des Zwei- -161,1 kN m nun nicht mehr in der Mitte des Trä-
feldträgers. Ausgehend von einer mathemati- gers, sondern am Anschnitt der Bettung auf
schen Beschreibung des physikalischen Objekts (Abb.l.l-16).
"Zweifeldträger", wurde die Lösung der Diffe- Wie dieses Beispiel zeigt, kann ein Computer-
rentialgleichung algorithmisiert, d.h. ein kon- algebrasystem weder die Beherrschung der Me-
struktiver Lösungsweg gefunden. Damit ist nun chanik noch der Mathematik ersetzen, sie er-
ein Experimentieren am Computer möglich, al- möglicht jedoch eine effiziente rechnergestütz-
so eine Veränderung der beschreibenden Para- te Modellbildung und v.a. auch das Studium der
meter (z. B. Bettungszahl oder Stützenbreite ). Die Gültigkeit verschiedener Modellannahmen. So
Visualisierung der Ergebnisse erlaubt es schließ- treten beim ersten hier gewählten Parametersatz
lich, das mechanischen Verhalten des Modellsy- im linken Teil des gebetteten Bereichs abheben-
stems zu beurteilen. de Kräfte auf. Das Modell kann einen realen
Im ersten Beispiel wurde mit c=10 5 kN/m 2 ei- Zweifeldträger damit nur dann sinnvoll be-
ne recht geringe Federsteifigkeit gewählt. Als schreiben, wenn diese Kräfte von der realen
Folge ist neben einer Stützensenkung eine deut- Struktur auch aufgenommen werden können.
liche Ausrundung des Stützmoments mit einem

I>plot(·w_erg,x= O..l,title ='Durchbiegung -w')


Durchbiegung - w
2 4 6 8 10
o~c===~~~=-~-L~~~~~~~~~~~~

-0,01
- 0.02

- 0.03
- 0.04
- 0.05

I >plot(EI· diff(w_erg,x,x)/1 000, x= O.. l,title ='Moment - M') I


Moment-M
100

-SO

-1 00

Abb. 1.1-1 S Durchbiegung und Momentenverlauf für weiche Bettung

Bauinformatik 1-19
Durchbiegung - w
2 4 6 8 10
0
- 0,005
- 0,01
- 0,015

-0,02
-0,025
-0,03
Moment-M
150

100

50
6 8 10
0

- 50

- 100

Abb. 1.1-16 Durchbiegung und Momentenverlauf für sehr harte Bettung

1.1.3.5
Elementare Algorithmen und Datenstrukturen
Für k =2 bis Nin Schritten von 1
Hier werden am Beispiel zweier Sortierverfah-
ren elementare Programm- und Datenstrukturen Für j =Nbis k in Schritten von - 1
und der Begriff "Zeitkomplexität" eines Algo-

;~~~
rithmus behandelt.
Ausgangspunkt sei die Sortierung einer Zah- Nein
lenfolge. Die folgenden Überlegungen lassen
sich aber auch unmittelbar auf verwandte Pro- Vertausche
bleme wie die Sortierung von Adreßkarteien a1_1 und a;
bzw. Stücklisten oder Ergebnisdaten bei Finite-
Element-Berechnungen übertragen. Man be-
trachte dazu eine Liste von n ganzen Zahlen, z. B.
(17, 3, 30, 41, 24, 35, 50, 12), die in eine aufstei- Abb. 1.1-17 Struktogramm für Algorithmus .Sortieren
durch Austauschen"
gende Reihenfolge gebracht werden sollen. Der
wohl einfachste Algorithmus "Bubble-Sort"
(Sortieren durch Austauschen) wird schema- Ein Modulblock (hier: Vertausche aj-l und aj)
tisch als sog. "Struktogramm" [Schwarzenberg faßt eine oder mehrere nacheinander auszu-
1990) dargestellt (Abb. 1.1-17): führende elementare Anweisungen zusammen,
in diesem Beispiel etwa
SeiN: Anzahl der zu sortierenden Zahlen,
ah .. . , aw. zu sortierende Zahlen. Speichere aj-l auf Hilfsvariable b,
Kopiere aj nach aj-I>
Dieser Algorithmus verwendet elementare Grund-
Kopiere b nach aj.
strukturen, aus denen auch jedes komplexe Pro-
gramm aufgebaut ist, nämlich Modul-, Selekti- Oft werden Modulblöcke zu Prozeduren, Unter-
ons- und lterationsblöcke. programmen oder Funktionen zusammengefaßt,

1-20 Allgemeine Grundlagen


die in Abhängigkeit von bestimmten Übergabe- Mischen". Zur Erläuterung gehe man von zwei
parametern wohldefinierte Aufgaben erledigen Listen aus, die bereits für sich gesehen sortiert
und selbst wieder aus elementaren Grundstruk- sind und aus denen eine sortierte Gesamtliste
turen zusammengesetzt sein können. erzeugt werden soll. Die beiden Listen seien z.B.
Unter einem Iterationsblock oder einer Schlei-
(3, 17,30,41) und (12,24,35,50).
fe versteht man eine Folge von Anweisungen, die
so oft auszuführen sind, bis eine Abbruchbedin- Man stelle sich nun unter beiden Listen jeweils
gung erfüllt ist. Im Beispiel bedeutet die (äuße- einen Kartenstapel vor, bei dem jeweils das erste
re) Schleife (für k=2 ... Nin Schritten von l), daß Element (also 3 und 12) oben liegt. Eine neue
alle im zugehörigen Block eingeschlossenen An- sortierte Liste aus allen Elementen erhält man
weisungen für die entsprechenden Werte von k dadurch, daß man das jeweils kleinere zuoberst
durchzuführen sind. Die innere Schleife ver- liegende Element der beiden Stapel wegnimmt
wendet die Zählvariable j, deren erster Wert N ist und an die neue Liste anfügt.
und die dann in jedem Durchlauf um 1 erniedrigt Dieser simple Mischalgorithmus kann nun,
wird, bis sie den Wert k erreicht. Der (innerste) wie Abb. 1.1-18 zeigt, rekursiv angewandt wer-
Selektionsblock führt bestimmte Anweisungen den. Zunächst wird aus je zwei aufeinanderfol-
nur aus, wenn eine Bedingung (hier aj-l > aj) er- genden Elementen der Ausgangsmenge ein Paar
füllt ist. gebildet (unterste Zeile), das durch "Mischen" in
Am Zahlenbeispiel in Tabelle 1.1-3 sieht man, die richtige Reihenfolge gebracht und dann
wie die jeweils kleineren Zahlen durch Vertau- durch den Mischvorgang mit dem benachbarten
schen mit dem linken Nachbarelement an den Paar zu einer sortierten Vierergruppe zusam-
Anfang der Liste geschoben werden. mengefaßt wird. Fortlaufendes Zusammenfas-
Der Rechenaufwand und damit die Effizienz sen benachbarter Gruppen führt schließlich zur
des Algorithmus läßt sich quantifizieren, indem sortierten Gesamtliste. Dieser Algorithmus läßt
man die Anzahl der Austauschoperationen ab-
schätzt. Die Maximalzahl der Austauschopera-
tionen ist gegeben durch 3 12 17 24 30 35 41 so
(n - 1)+(n-2)+ .. . + 2+ 1 = n(n-1)/2.
/
17 30 41 12 24 35 50
Da im Mittel nur jedes zweite Paar zu vertauschen
ist, läßt sich die Zahl der Austauschoperationen
zu n(n-1 )/4 schätzen. Der Algorithmus hat damit 3 17
/ 30 41
I
24 35 12 50
eine Zeitkomplexität von der Ordnung O(n 2 ),
d.h., bei einer Verdoppelung der Anzahl der Ele-
I I I I
17 30 41 24 35 50 12
mente vervierfacht sich der Rechenaufwand.
Ein völlig andersartiges Verfahren zur Sortie- Abb. 1.1-18 Sortieren durch Mischen
rung einer Zahlenfolge ist das "Sortieren durch

Tabelle 1.1-3 Sortieren einer Zahlenfolge

Anfangsfolge: 17 3 30 41 24 35 50 12
k=2,j=8 17 3 30 41 24 35 12 50
k=2,j=7 17 3 30 41 24 12 35 50
k=2,j=6 17 3 30 41 12 24 3S 50
k=2,j=5 17 3 30 12 41 24 35 50
k=2,j=4 17 3 12 30 41 24 35 so
k=2,j=3 --
k=2,j=2 17 12 30 41 24 3S so
k=3,j=8

k=3,j=3 3 12 17 24 30 41 35 50

Bauinformatik 1-21
sich ohne weiteres auf Mengen erweitern, deren letzte) genau ein Nachfolgeobjekt besitzt. Jede
Elementezahl nicht wie im angeführten Beispiel Zeile der Datenbelegung in Tabelle 1.1-3 oder je-
eine Zweierpotenz ist. de sortierte Teilliste in Abb. 1.1-18 ist eine linea-
Beim Sortieren durch Mischen werden i. allg. re Liste. Die Elemente können entweder so ge-
die "Knoten" in Abb. 1.1-18, also die sortierten speichert werden, daß alle Elemente in ihrer Rei-
Teillisten, nicht explizit gebildet. Vielmehr wird henfolge, d.h. sequentiell, abgelegt werden oder
bei der Umsetzung des Algorithmus in eine Pro- daß zusätzlich zu jedem Element ein Zeiger auf
grammiersprache meist eine rekursive Funktion die Adresse des Nachfolgeelements gespeichert
verwendet. wird. Im zweiten Fall spricht man von einer "ver-
Betrachtet man nun die Zeitkomplexität die- ketteten Liste".
ses Verfahrens, so ist zunächst festzustellen, daß Als Beispiel sei ein Feld F aus N Werten be-
bei n=2m zu sortierenden Elementen m=log2 n trachtet, wobei jedes Feldelement eine Gleitkom-
Schichten in der baumartigen Struktur (s. mazahl aufnehmen kann. In der sequentiellen
Abb. 1.1-18) des Algorithmus entstehen. Weiter- Speicherung (Abb. 1.1-19) stehen an einer i.allg.
hin sind für das Mischen auf jeder Schicht höch- durch das Betriebssystem vergebenen Adresse
stens n-1=n Vergleichs- und Austauschopera- im Speicher der Wert F(l) und dann unmittel-
tionen vorzunehmen. Insgesamt ergibt sich da- bar aufeinanderfolgend die weiteren Werte von
mit ein Aufwand von 0( n*m) = 0( n* log2 n) Ope- F. Im Gegensatz dazu wird bei der verketteten Li-
rationen zur Sortierung von n Elementen. ste (Abb.l.l-20) zusätzlich zum Wert von F(i) die
Vergleicht man die beiden vorgestellten Algo- Adresse N(i) des nächsten Wertes F(i + 1) ge-
rithmen, so ist für kleinen kein wesentlicher Un- speichert. Der Vorteil der erstgenannten Spei-
terschied festzustellen. Wählt man jedoch bei- chertechnik ist neben ihrer Kompaktheit die
spielsweise n=1000000, so ist n2/4=2,5·10ll, Möglichkeit, durch einfache Adreßrechnung di-
während n ·log2 n =2 ·1 08 ergibt. Der erste Algo- rekt auf das i-te Element F(i) zuzugreifen. Der
rithmus beansprucht also mehr als 1000 mal so- Vorteil der verketteten Liste hingegen liegt in der
viel Rechenzeit wie der zweite. Möglichkeit einer sehr einfachen Änderung der
Die beiden vorgestellten Algorithmen ver- Daten. So kann ein neues Feldelement z. B. nach
wenden zwei Datenstrukturen, die in vielfälti- einem Element i einfach dadurch eingefügt wer-
gen Anwendungen eine Rolle spielen, lineare Li- den, daß sein Wert an eine beliebige Stelle im
sten und Bäume. Ein Baum - in der Darstellung Speicher geschrieben wird und lediglich der Da-
meist mit der "Wurzel" nach oben gezeichnet - tenzeiger des Elements i angepaßt wird. Diese
besteht aus einer Menge von Knoten. Er ist da- Operationen können mit konstantem Zeitauf-
durch gekennzeichnet, daß es genau einen aus- wand, also unabhängig von der Anzahl der Feld-
gezeichneten Knoten - die Wurzel- gibt und daß elemente von F, durchgeführt werden.
jeder andere Knoten genau ein Vorgängerele-
ment hat. Ein Baum ist damit eine spezielle Re-
lation. Eine mögliche definierende Beziehung
lautet: "Elemente haben gleiches Vorgängerele- l·. F(l ) F(2) F(3) F(n)
ment".
Eine noch elementarere Datenstruktur ist Abb. 1.1-19 Speicherbelegung einer sequentiellen line-
durch eine lineare Liste gegeben, die dadurch ge- aren Liste
kennzeichnet ist, daß jedes Objekt (bis auf das

Listena nfang

1 ... I F(l) IN(l) 1 ... I F(l) I N(l) 1 ... IF(4) I N(4) I .. . I F(3) !N(3) 1 ... I

Abb. 1.1·20 SpeicherbelegunQ einerver11eneten linearen Liste

1-22 Allgemeine Grundlagen


1.1.4 geometrischen Objekts kann in drei miteinander
Geometrische Modelle verknüpften Tabellen gespeichert werden (Ta-
belle 1.1-4).
Der Bauingenieur erstellt, bewertet und bear- Dabei ist KNR die Nummer eines Knotens mit
beitet räumliche Strukturen. Deshalb nehmen den Koordinaten X und Y, ENR die Nummer ei-
geometrische Objekte in der Bauinformatik eine ner Kante vom Anfangsknoten K1 zum Endkno-
zentrale Rolle ein. Hier werden Datenmodelle ten K2 und RNR die Nummer einer Region, die
zur Speicherung und Methoden zur Verände- von den Kanten ENR1 bis ENRn gegen den Uhr-
rung bzw. Darstellung von geometrischen Ob- zeigersinn umlaufen wird. Die Vergabe von "Na-
jekten beschrieben. Dabei ist für die Beschrei- men" oder Adressen für die einzelnen Objekte
bung eines geometrischen Modells gleicher- ermöglicht es, die Tabellen zueinander in Bezie-
maßen die Topologie - das ist das Beziehungs- hung zu setzen, also eine relationale Datenbank
geflecht zwischen Punkten, Kanten, Flächen und in dem in 1.1.3.1 beschriebenen Sinn aufzubau-
Körpern- und die Geometrie, also die Beschrei- en. Dieses Polygonmodell ist nur ein erster Schritt
bung der Lage, des Verlaufs und der Gestalt der zur Beschreibung allgemeinerer geometrischer
topalogischen Objekte von Bedeutung. Das Be- Strukturen. So kann z. B. jede "Kante" mit einem
ziehungsgeflecht der Topologie eines geometri- weiteren Attribut versehen werden, das ihre Ge-
schen Modells wird im einfachsten Fall durch stalt als Kurve vom Anfangs- zum Endpunkt be-
Relationen (s. 1.1.3) dargestellt. Dies soll zunächst
an einem ebenen Beispiel erläutert und dann auf
den räumlichen Fall verallgemeinert werden.
(0/ 1) 6
(·1/1) ® (J) (1/1)
1.1.4.1 ®
Geometrische Modelle in 2D y

Man betrachte ebene Strukturen, die sich aus ei-


(0/0)
ner Menge von nicht überlappenden Polygonen (-110) ® (1/0)
Q) <D
zusammensetzen und einander nur an Knoten
oder an ganzen Kanten berühren dürfen. Die ele- 10
mentaren Objekte zur Beschreibung dieser
Strukturen sind Knoten, Kanten und (geschlos- ® 9 @ 8
(-1/- 1) ® (1/- 1)
sene) Kantenfolgen,die im folgenden als"Regio- (0/· 1)
nen" bezeichnet werden. Sind alle Kanten gerad-
linig, so ist eine Region ein Polygon. Abb. 1.1-21 Beispiel filr ein zweidimensionales geome-
Als Beispiel sei die in Abb. 1.1-21 dargestellte trisches Modell
Struktur betrachtet. Eine Beschreibung dieses

Tabelle 1.1-4 Schema für ein zweidimensionales geometrisches Modell

Knoten Kanten
KNR X y ENR K1 K2
1 0 0 1 2 1
2 -1 0 2 1 3
3 0 -1 3 2 4
4 -1 1 4 g 7
5 1 -1 5 g 5
6 0 1 6 7 6
7 1 1 7 6 4
8 1 0 8 3 5
9 -1 -1 9 3 9
10 9 2
Regionen
RNR ENR1 ENR2 ENR3 ENR4 ENRS ENR6 ENR7 ENR8
2 8 5 4 6 7 3
10 9 2

Bauinformatik 1-23
schreibt. Weiterhin können "Löcher" als Regio- elementaren Grundbausteinen zusammenge-
nen eingeführt werden, die ganz innerhalb einer setzt.
anderen Region liegen.
Es sei darauf hingewiesen, daß mit dem vor- Oberflächenmodell (Boundary representation, 8-rep)
gestellten Datenmodell zwar eine (fast) daten-
minimale Menge von strukturbeschreibenden Dieses Modell verallgemeinert wie das bereits
Relationen gegeben ist, daß in der Praxis aber oft skizzierte Flächenmodell die einfache zweidi-
zusätzliche Relationen (z.B. zu jeder Kante die mensionale Datenstruktur aus 1.1.4.1. Es verbin-
davon begrenzten Regionen) gespeichert wer- det Punkte durch geradlinige Kanten, verwendet
den. Dadurch wird zwar die Datenmenge erhöht, Kantenzüge zur Umschreibung von Regionen
die Zeitkomplexität für verschiedene Algorith- und erschließt den Körper über die begrenzen-
men kann aber wesentlich verringert werden den Regionen. Neben einer dritten Koordinate in
(z.B. [Bungartz/Griebel/Zenger 1996]). der Knotentabelle wird das Datenmodell aus
1.1.4.1 also um eine Relation zur Volumenbe-
1.1.4.2 schreibung erweitert.
Geometrische Modelle in 30 Als Attributnamen für das Schema der Relati-
on "Körper", welche die Relationen "Knoten",
Bei 3D-Modellen unterscheidet man zwischen "Kanten" und "Regionen" aus 1.1.4.1 ergänzt,
Datenstrukturen für Kanten-, Flächen- und Vo- wähleman
lumenmodelle. Im ersten Fall werden lediglich
VNR N FNR1 FNR2 · · · FNRn .
Knoten mit ihren räumlichen Koordinaten und
(geradlinige) Kanten zwischen je zwei Knoten VNR ist die Nummer des (Teil-) Körpers, FNR1
gespeichert. Damit entsteht ein "Drahtmodell", bis FNRn sind die Nummern seiner Ober-
das z.B. als Grundlage für die Speicherung von flächen-Regionen. Die GrößeN dient zur Festle-
räumlichen Stabwerken dienen kann. Zur Be- gung, auf welcher Seite der Oberfläche der Kör-
schreibung von Faltwerken oder anderen Struk- per liegt. Als Konvention kann z.B. bestimmt
turen, die sich aus ebenen Flächen im Raum zu- werden, daß N =1, wenn der Normalenvektor auf
sammensetzen, kann die in 1.1.4.1 beschriebene der Region FNR1 aus dem Körper herauszeigt,
Datenstruktur dahingehend verallgemeinert und N =-1 zu setzen ist, wenn dieser Normalen-
werden, daß alle eine Region definierenden Kan- vektor in den Körper gerichtet ist. Als Beispiel ist
ten (und damit ebenfalls die entsprechenden die Datenstruktur in den· Tabellen 1.1-5 für die
Knoten) zwar nach wie vor in einer Ebene liegen, in Abb. 1.1-22 dargestellte Pyramide gegeben.
die aber nicht mehr notwendigerweise die x-y- Einerseits läßt sich zwar jeder Körper unter
Ebene zu sein braucht. Dieses Flächenmodell er- den genannten Restriktionen mit dem angege-
fordert also lediglich die zusätzliche Speiche- benen Datenbankschema beschreiben, anderer-
rung der z-Koordinaten für jeden Knoten. Ge- seits sind wesentliche topalogische und geome-
krümmte Schalenstrukturen werden oft durch trische Bedingungen an die Daten zu stellen, um
Attributierung der Regionen eines Flächenmo- zu gewährleisten, daß damit auch ein "vernünf-
dells gespeichert. Die jeweilige Region wird da- tiger" Körper definiert wird.
zu zunächst topalogisch in einer Parameterebe- Unter anderem ist zu fordern, daß alle Knoten,
ne definiert und dann mittels einer geometri- die eine Fläche beschreiben, in einer Ebene lie-
schen Transformation auf die tatsächliche ge- gen, daß die beteiligten Flächen eine geschlos-
krümmte Fläche abgebildet. sene Hülle bilden und daß es nur zweiseitige
Flächenmodelle reichen zur Speicherung von Flächen mit einer dem Körper zugewandten und
Volumeninformationen noch nicht aus, da damit einer dem Körper abgewandten Seite gibt.
nicht festgestellt werden kann, ob ein Punkt in- Die Forderung nach einer konsistenten topa-
nerhalb oder außerhalb des Körpers liegt. Zu ei- logischen Beschreibung kann dadurch erfüllt
ner vollständigen Volumenbeschreibung sind werden, daß ein Körper ausgehend von wohlde-
zwei grundsätzlich unterschiedliche Modellty- finierten Grundelementen durch sog. "Ewer-
pen gebräuchlich, die im folgenden besprochen Operatoren" aus einfacheren Körpern aufgebaut
werden sollen. Im ersten Fall wird ein Körper wird. Etwas verkürzt dargestellt, stellen diese
durch die ihn umschließenden Oberflächen be- Operatoren sicher, daß ein zulässiger Körper, al-
schrieben und damit das Flächenmodell verall- so eine konsistente Beschreibung im Daten-
gemeinert, im zweiten Fall wird ein Körper aus bankschema, immer in einen zulässigen Körper

1-24 Allgemeine Grundlagen


Tabelle 1.1-5 Schema für ein räumliches geometrisches Modell

Knoten Regionen
KNR X y z RNR ENR1 ENR2 ENR3 ENR4
1 -1 -1 0 1 1 2 3 4
2 1 -1 0 2 7 8 3
3 1 1 0 3 2 7 6
4 -1 1 0 4 4 8 5
5 0 0 1 5 1 6 5
Kanten
ENR K1 K2
1 1 2
2 2 3 Volumina
3 3 4 VNR N FNR1 FNR2 FNR3 FNR4 FNR5
4 4 1
1 5 -1 2 3 4
5
6 2 5
7 3 5
8 4 5

Abb. 1.1-22 Beispiel für ein räumliches geometrisches


Modell Abb.1 .1-23 CSG-Baum

transformiert wird. Für Details sei auf vertiefen- komplexeren Baugliedern entwickelt werden.
de Literatur verwiesen (z.B. [Bungartz/Grie- Das rechnerinterne Modell enthält die Beschrei-
bel/Zenger 1996]). bung der Grundkörper mit den jeweiligen Trans-
formationen und die baumartigen CSG-Anwei-
CSG-Mode/1 (CSG Constructive Solid Geometry) sungen. Ein Beispiel ist in Abb. 1.1-23 dargestellt,
bei dem aus den Grundkörpern Quader, Kugel
Einen vollkommen anderen Zugang zu Volu- und Zylinder durch Positionierung im Raum und
menmodellen bietet die Constructive Solid Geo- durch Boolesche Operationen ein Bauteil zu-
metry. Das CSG-Modell geht von einfachen, vor- sammengesetzt ist, wobei durch die abschließen-
definierten Grundkörpern aus (Quader, Kugel, de Durchschnittbildung mit einem Quader ein
Kegel, Zylinder, Torus, Keil). Diese Grundkör- Schnitt durch das Innere des Körpers gelegt wird.
per können geometrischen Transformationen Für die graphische Darstellung werden häufig
(Translation, Rotation, Skalierung und Spiege- die CSG-Anweisungen zur Laufzeit eines Pro-
lung) unterworfen werden, aber auch durch Boo- gramms ausgewertet, und der entstehende
tesche Mengenoperationen (Vereinigung U, Baukörper wird in ein Oberflächenmodell um-
Durchschnitt n und Differenz \) zu fortlaufend gewandelt.

Bauinformatik 1-25
Extrusionsmodelle
x=-
X
y=-
y z
z=- '
w w w
Im Bauwesen lassen sich viele typische Körper
(z.B. Wände oder Träger) durch ein Extrusions- wobei im folgenden immer w= 1 gesetzt wird.
modell (eng!.: swept area model) beschreiben. Mit der Einführung der vierten Koordinate
Dazu wird zunächst eine Grundfläche beschrie- scheint zunächst noch nichts gewonnen zu sein;
ben (z.B. Grundriß,Schnitt),aus der dann durch der Vorteilliegt jedoch darin, daß sich alle affi-
Verschieben längs einer Leitkurve (eng!.: nen Transformationen durch eine Multiplikati-
sweeping) ein Körper mit parallelen Kanten er- on einer Transformationsmatrix mit einem Vek-
zeugt wird (Abb. 1.1-24). Mit dieser Methode ist tor darstellen lassen und damit eine einheitliche,
es häufig leicht möglich, eine Bibliothek aus sehr effiziente Möglichkeit der Implementierung
fachspezifischen Grundkörpern aufzubauen, die in ein Computerprogramm gegeben ist.
dann in einem CSG-Modell zu komplexeren Kör-
Für die Translation gilt
pern zusammengesetzt werden können.
v'=v · T
1.1.4.3
mit der Translationsmatrix

l:1}
Geometrische Transformation

Geometrische Transformationen spielen sowohl


bei der Erzeugung von Volumenmodellen als
auch bei ihrer Visualisierung eine entscheiden-
de Rolle. Diesen Transformationen werden z. B.
T=[i
alle Knotenkoordinaten eines elementaren also
Grundkörpers unterworfen, wenn ein verscho-
(x',y',z',l) =(x,y,z,l)T
bener, gedrehter oder skalierter Körper erzeugt
werden soll. Mathematisch lassen sich diese oder ausmultipliziert
Operationen als affine Transformationen be-
x'=x+ Tx,y'=y+T1 , z'=z+Tz.
schreiben. Damit können aber auch Projektio-
nen eines Körpers dargestellt werden, z. B. eine Eine Skalierung wird beschrieben durch
perspektivische Abbildung eines räumlichen
v'=v·S
Modells auf dem (ebenen) Bildschirm.
Affine Transformationen in ~ 3 lassen sich sehr mit der Skalierungsmatrix
einfach durch homogene Koordinaten darstellen.
Sei dazu in einem rechtshändigen Koordinaten- 0
system in ~ 3 zunächst ein Punkt v(x,y,z) be- 0
trachtet. Seine Darstellung in homogenen Koor- sz
dinaten v(X, Y,Z, w) ist mit einem Skalierungs-
0
faktor w*O gegeben durch

a Leitkurve ist Gerade b leitkurve ist Kreisbogen

Abb. 1.1-24 Extrusionsmodelle

1-26 Allgemeine Grundlagen


Rotationen um die x-,y- bzw. z-Achse erhält man In Abb. l.l-25 ist ein Beispiel für die Zerlegung
schließlich durch einer Rotation eines Rechtecks um den Punkt p
dargestellt. Die Eckpunktkoordinaten des Recht-
v' =v ·Rx, v'=v · Ry, v'=v ·Rz
ecks werden zunächst durch eine Translation so
mit verschoben, daß das Bild von p im Ursprung

·{
0 0 liegt, dann erfolgt eine Rotation um den Winkel

~J
e und schließlich eine Translation zurück in p.
cose sine
X 0 ...,sine cose 1.1.4.4
0 0 0 Projektionen

Soll ein räumliches geometrische~ Modell auf ei-


cose 0 -sine
nem Bildschirm oder auf Papier dargestellt wer-
R =[ 0 1 0 den, so ist dazu eine Projektion aller räumlichen
Koordinaten auf eine Projektionsebene, also eine
Y si~e ~ co;e
Abbildung von 3D-Koordinaten (xv, Jv, Zv, 1) auf
2D-Koordinaten (x5 , y 5 ), nötig. Als Beispiel wird
hier eine geeignete Transformation für eine Zen-
cose sine o 0] tralprojektion hergeleitet. Der Einfachheit halber
R = [ -sine cose 0 0 . sei eine Situation wie in Abb. l.l-26 angenom-
z 0 0 1 0 men, bei der sich das Projektionszentrum im Ur-
sprung eines Augpunktkoordinatensystems (xv,
0 0 0 1
Jv, Zv) befindet und die Projektionsebene im Ab-
Allgemeinere Transformationen lassen sich nun stand d parallel zur (xv, Yv)-Ebene liegt. Stellt man
als Hintereinanderausführung dieser elementa- sich als Betrachter in den Ursprung und blickt
ren affinen Transformationen realisieren. Da bei durch die Projektionsebene auf das geometrische
vielen praktischen Anwendungen der geometri- Modell dahinter, so findet man die Koordinaten
schen Modeliierung sehr viele Vektoren (z. B. alle eines Punktes P(xv, Yv, zv) auf der Projektions-
Koordinaten der Knoten eines Körpermodells)
zu transformieren sind, rechnet man sinnvoller-
weise erst durch Matrizenmultiplikation die Ma-
Y,
trix der Nettotransformation aus und unterwirft
dann alle Koordinaten v der Multiplikation mit
dieser Gesamtmatrix.
v'=v·M1· Mz · M3· ... ·Mn =vM
Mist die Nettotransformation und hat die allge-

L
meineForm
al3

[~'
al2

a21 azz az3


M=
a31 a32 a33
Abb. 1.1-26 Zentralperspektive
fx !y fz

Q.
p

Abb. 1.1·25 Zusammengesetzteaffine Transformation

Bauinformatik 1-27
ebene im Durchstoßpunkt P'(x5 , y 5 ). Zur Bestim- 1.1.5
mung von (x5 , y 5 ) betrachte man die Situation aus CAD (Computer Aided Design)
der Sicht der yv- und der Xv-Achse.
Nach dem Strahlensatz kann man nun aus 1.1.5.1
Abb. 1.1-27 ablesen, daß Grundbegriffe
Xs Xv
-=-; Der Begriff "Computer Aided Design (CAD)"
d Zv wurde bereits 1957 von D.T. Ross bei der Ent-
Für die homogenen Koordinaten gilt also wicklung eines NC-Systems (NC Numerical

__11:_, d, 1)
Control) als Methodik für Problemlösungen ver-
(X 5 ,y5 ,d,1) = (_.5c._,
Zv / d Zv / d
schiedener Komplexität in Verbindung mit elek-
tronischen Datenverarbeitungsanlagen geprägt.
= (xv>Yv>Zv,Zvl d) Nach [Eigner/Maier 1986] versteht man darun-
oder ter einen"Sammelbegriff für alle Aktivitäten, bei
denen die EDV direkt oder indirekt im Rahmen
(xs•Ys• d, 1) = (xv, Yv• Zv, 1) · Tpersp
von Konstruktions- und Entwicklungstätigkeiten
mit eingesetzt wird".

Il
Dagegen stand im Bauwesen bis vor wenigen
Jahren noch die Unterstützung und Rationali-
sierung von reinen Zeichentätigkeiten im Mit-
telpunkt. Es zeigen sich in letzter Zeit jedoch er-
heblich erweiterte Möglichkeiten, wenn (räum-
liche) Bauwerke virtuell als dreidimensionale
Auf ähnliche Weise kann für eine Parallelpro- Objekte im Computer abgebildet werden. Sie kön-
jektion die Transformationsmatrix nen dann als Kern eines Bauwerkmodells die-
nen, in dem neben topologisch-geometrischen
1 0 0 0]
Daten Informationen gespeichert und verändert
0 1 0 0 werden, die vom statischen Modell bis zu Daten
[
Tpar = 0 0 0 0 über die aktuelle Nutzung des Objekts reichen
0 0 0 1 können.
Voraussetzung für die Verwendung von CAD
hergeleitet werden. in diesem erweiterten Sinn ist es also, Computer
Aided Design nicht lediglich als isoliertes Werk-
zeug zur Erstellung von Plänen zu sehen, son-
dern als Kern einer Computergestützen Model-
Iierung räumlicher Objekte in Zusammenhang
mit Planungs-, Berechnungs- und Informations-
systemen zu begreifen.

1.1.5.2
P(X.,,Y.,Z.,l
Graphisch-interaktive Systeme
a aus Sicht der Yv-Achse
x.
CAD-Programme sind graphisch-interaktive
P(X.,Y.,Z.,l Softwaresysteme; sie werden meist unter Ver-
wendung von ineinanderliegenden Schalen auf-
gebaut. Damit wird ein Prinzip genutzt, das als
sehr allgemeines Architekturmodell für kom-
plexe Software Anwendung findet.
d
Der innerste Kern dieses Schalenmodells
b aus Sicht der x.-Achse (Abb.l.l-28) ist dabei ein Baustein, der elemen-
tare Graphikbefehle in Befehle für die Ein-/ Aus-
Abb. 1.1-27 Zentralperspektive aus verschiedenen gabe-Geräte (z.B. Bildschirm und Plotter) um-
Blickrichtungen
setzt. Dieser sog. "Gerätetreiber" ist unabhängig
vom speziellen Anwendungsbereich des Gesamt-

1-28 Allgemeine Grundlagen


I Fachspezifische
c
I ------------
I Fachunabhängige I
I
I
I

I Graphiksystem I
I
I
I

I Graphische I
I

Grund-
funktionen

I (Kernsystem) I
~-
I (Standard)-CAO-Systeme
- -
I
I CAO-Systeme I

Abb. 1.1 -28 Software-Schalenmodell

programms und kann damit unverändert für Grundlegende Funktionalitäten von CAO-Systemen
verschiedenste Anwendungen eingesetzt werden.
Ähnlich verhält es sich mit den umliegenden CAD-Systeme bieten die Möglichkeit, durch ei-
Schalen. So können die Funktionen eines graphi- ne interaktive Benutzungsoberfläche Zeichnungs-
schen Kernsystems gleichermaßen von einem elemente zu definieren, zu modifizieren und zu
CAD-Programm wie von einem Postprozessor organisieren. Zur Definition eines Graphikpri-
für ein Berechnungsprogramm genutzt werden. mitivs ist dieses aus einem Katalog auszuwählen,
Erst die äußere Schale stellt die fachspezifische mit Attributen zu versehen und auf der Zeich-
Anwendung dar, die ihrerseits wieder auf ein nung zu positionieren. Die Veränderung oder
fachunabhängiges CAD-System aufsetzen kann. das Löschen eines Objekts erfordert seine Iden-
tifikation im Datenmodell des CAD-Systems.
1.1.5.3 Das "Anklicken" eines Zeichnungselements löst
20-Konstruktionssysteme dazu die Suche nach allen Datenelementen aus,
die sich innerhalb eines Suchkreises mit einem
Zeichnungselemente definierten Fangradius um die Fadenkreuz-
position befinden. Weitere häufig verwendete
Grundsätzlich setzen sich alle zweidimensiona- Möglichkeiten der Identifikation bieten Lasso-
len Zeichnungen aus 0-, 1-, oder 2-dimensiona- funktionen, mit denen alle z.B. innerhalb eines
len Graphikprimitiven zusammen. Diese sind Rechtecks befindlichen Elemente ausgewählt
punktförmig (z. B. Markierungen, Eckpunkte ei- werden.
nes Polygonzugs oder einer Fläche), linienför- Zur grundlegenden Funktionalität eines CAD-
mig (z. B. Kanten, Polygonzüge, Kurven), flächen- Systems gehört weiterhin die Möglichkeit, geo-
förmig (z.B. Rechtecke, Polygone, Kreisflächen) metrische Operationen auszuführen. Dazu ge-
oder Textbausteine. hört z.B. die Bildung des Schnittpunkts zweier
Zeichnungselemente können mit elementbe- Strecken, das Errichten des Lotes auf einer Ge-
zogenen Attributen versehen werden. Für Punk- raden oder die Definition einer Tangente an ei-
te sind dies Punktsymbole und Farben, für Lini- nen Kreis.
en Strichstärke, Strichfarbe und Linientyp, für Konstruktionsfunktionen manipulieren vor-
Flächen Schraffuren, die Farbe und die Füllart her erstellte Zeichnungselemente. Sie verändern
Texte erhalten die Schrifthöhe, den Zeichensatz, sowohl die rechnerinterne Datenstruktur als auch
die Farbe und die Richtung als Attribute. ihre Darstellung am Bildschirm. Mit Konstruk-
tionsfunktionen können Objekte verschoben,
verdreht, gespiegelt, verzerrt, kopiert oder Boo-

Bauinformatik 1-29
!eschen Mengenoperationen (s. 1.1.4.2) unter- verwendung bereits modellierter Objekte er-
worfen werden. reicht werden.
Schließlich erlauben Hilfsfunktionen die De- CAD-Systeme unterstützen dies mit ihren
finition von Rasterlinien, stellen Linealfunktio- Werkzeugen zum Zusammenfassen, Verändern
nen zur Übernahme derx- bzw. y-Koordinate ei- und Verwalten von komplexen Bausteinen in der
nes identifizierten Punktes bereit oder ermögli- Variantentechnik bzw. durch die Verwendung
chen die Messung von Abständen, Winkeln und von Komplexteilen. Die effiziente Nutzung die-
Flächenwerten. ser Werkzeuge verlangt jedoch, das endgültige
Modell in seinem Aufbau bereits vor der Ausar-
Planstruktur und Folientechnik beitung zu gliedern und dabei identische oder
ähnliche Elemente zu erkennen.
Ein Plan wird aus Bildern ("Ansichtsfenstern"; Symbole als Zusammenfassung von Graphik-
eng!.: viewports), die im CAD-System getrennt primitiven bilden die elementarste Gruppe von
verwaltet werden, zusammengesetzt (Abb.l.l-29 ). Komplexteilen. Beispielsweise können alle zur
Bilder können sich selbst wieder aus "Folien" Darstellung eines Auflagers nötigen Zeichnungs-
aufbauen, die jeweils eine Menge von Zeich- elemente zu einem Symbol zusammengefaßt
nungselementen enthalten und "übereinander- werden. Gleiches gilt für alle Graphikprimitive
gelegt" angeordnet sind. Durch Selektieren und zur Kennzeichnung eines Fensters oder für Ein-
Deselektieren von Folien können Inhalte (Zeich- richtungsgegenstände, für einen Plankopf oder
nungselemente) gleichzeitig sichtbar gemacht ein Firmenzeichen. Symbole sind eigenständige
werden. Dabei kann eine Folie "aktiv" gesetzt graphische Objekte; sie lassen sich wie ein Gra-
werden, was bedeutet, daß alle neu konstruier- phikprimitiv in einer Zeichnung positionieren
ten Zeichnungselemente in diese Folie eingetra- (Abb. 1.1-30).
gen werden. So läßt sich z. B. ein Bild aus drei Fo- Im Bauwesen werden bestimmte Bauteile oder
lien, in denen der Grundriß, die Vermaßung und Einrichtungen oft abhängig vom Maßstab unter-
die Beschriftung getrennt gespeichert werden, schiedlich dargestellt. Entsprechend kann auch
zusammensetzen. die graphische Darstellung von Symbolen vom
Plantyp bzw. Planmaßstab abhängig sein.
Rationalisierung durch Wiederverwendbarkeit Eine erste Verallgemeinerung von Symbolen
bilden parametrisierte Makros. Hierbei liegen
Ein wichtiges Ziel der Anwendung von CAD ist nur die Konstruktionsvorschrift, die Topologie
die Steigerung der Produktivität. Rationalisie- und evtl. einzelne geometrische Abmessungen
rung kann dabei in erster Linie durch Wieder- fest. Die fehlenden Daten werden durch freie Pa-

Graphikprimitive

Abb. 1.1 ·29 Plan5truktur

1-30 Allgemeine Grundlagen


Abb. 1.1-30 Beispiele für Symbole

sieren lassen, wird die Bemaßung meist interak-


tiv vorgenommen. Der Benutzer gibt dazu an,
welche Zeichnungselemente vermaßt werden
sollen und wo die Maßketten anzuordnen sind.
l I Maßketten können durch die Identifikation von
Knoten des geometrischen Modells (s. 1.1.4.1)
T oder die Angabe von Schnittlinien und die da-
mit festgelegten Schnittpunkte mit Zeichnungs-
elementen definiert werden (Abb. l.l-33).
I J Verknüpfungen von Zeichnungselementen, Assoziation

Wenn Strukturelemente einer Zeichnung modi-


fiziert werden sollen, so ist es wünschenswert,
Abb. 1.1·31 Parametrisienes Makro daß sich z.B. Maßketten und Schraffuren auto-
matisch den neuen Abmessungen anpassen. Da-
zu dürfen die Zeichnungsobjekte nicht autonom
rameter definiert, die nach dem Aufruf mit ak- verwaltet werden, sondern müssen über geeig-
tuellen Werten gefüllt werden (Abb. 1.1-31). nete Datenstrukturen miteinander verknüpft
Eine WeitereVerallgemeinerung stellen Makro- sein. Allgemein spricht man von einer "Assozia-
befehle (in manchen CAD-Systemen auch "Seg- tion" von Konstruktionselementen oder von "as-
mente" genannt) dar, in denen häufig auftreten- soziativer Geometrie", wenn die Veränderung ei-
de Folgen von Konstruktionsbefehlen zusam- nes Elements automatisch die Änderung der as-
mengefaßt werden (Abb. 1.1-32). soziierten Elemente nach sich zieht.
Als Beispiel zeigt Abb. 1.1-34 das Ergebnis der
Bemaßung Modifikation eines Rechtecks auf die Bemaßung
und Schraffur bei assoziativer und nichtassozia-
Die Bemaßung eines Planes macht oft 35% bis tiver Geometrieverwaltung.
40% der Zeichentätigkeit aus und ist bei manu- In Abb. l.l-35 ist ein Installationsmakro zu ei-
eller Anfertigung von Zeichnungen zudem feh- ner Wand assoziiert. Die Position des Makros
leranfällig. Da jedoch die Grundlage für die Be- wird dazu relativ zum Wandanfang über einen
maßung durch Geometrie und Topologie des in Ankerpunkt definiert und ändert damit seine La-
einem Plan dargestellten geometrischen Modells ge, wenn das geometrische Objekt, das die Wand
gegeben ist, stehen einem CAD-System die für darstellt, verschoben oder verdreht wird.
die Bemaßung notwendigen Daten zur Verfü-
gung. Problematisch ist aber immer das Layout
von Maßketten, die übersichtlich, klar zuzuord-
nen und ohne Überschreibung anderer Zeich-
nungselemente anzubringen sind. Da sich diese
Forderungen nur schwer vollautomatisch reali-

Bauinformatik 1-31
Einzelbefehle }
- Konstruiere Rechteck für Wandöffnung Makrobefehl
- Entferne Schraffur - Füge Fenster ein
- Positioniere Fenstermakro

Abb. 1.1-32 Makrobefehl

~::::::::::~
Punktbemaßung
l _ _ A_ _ J_,,""'"""'·
! l l
'
Schnittbemaßung

Abb. 1.1-33 Bemaßungsarten

40


40


nicht-
30
assoziativ
30

80

Abb. 1.1-34 Assoziative Bemaßung und Schraffur

Abb. 1.1-35 Assoziation über Ankerpunkt

1-3 2 Allgemeine Grundlagen


1.1.5.4 ne exzellente Grundlage für einen Soll-Ist-
30-Modelliersysteme Vergleich auf der Baustelle ist.

3D-Konstruktions- und Modelliersysteme er- Ein Beispiel ist in Abb.l.l-36 mit einem komple-
möglichen die interaktive Erstellung, Verände- xen Knotenpunkt einer räumlich modellierten
rung und Verwaltung von räumlichen geometri- Stahlkuppel gegeben. Die Werkstattpläne in
schen Modellen. Sie erlauben deren Visualisie- Abb. 1.1-37 wurden nicht unabhängig von die-
rung sowie die Verknüpfung mit zweidimensio- sem 3D-Modell konstruiert, sondern daraus
nalen, zeichnungsorientierten Teilsystemen. durch Schnittbildungen abgeleitet und dann
3D-Modelle erfordern wesentlich größeren Spei- vervollständigt. Maße wie Raumwinkel und Pro-
cher- und Rechenaufwand als ebene Modelle und fillängen brauchen nun nicht berechnet zu wer-
verlangen vom Benutzer ein Umdenken durch den, vielmehr werden sie am virtuellen geome-
die Loslösung vom traditionell zeichnungsori- trischen Modell gemessen und sind damit auto-
entierten Plan. matisch konsistent zur Gesamtkonstruktion.
Die ungleich größeren Möglichkeiten von 3D-
Systemen lassen jedoch erwarten, daß diese Sy-
steme, ähnlich wie im Maschinenbau in den letz-
ten zehn Jahren zu beobachten, auch im Bauwe-
sen immer stärker in den Vordergrund treten
werden.
Entscheidene Vorteile sind u.a., daß
- 3D-Modelle die Speicherung von volumenbe-
zogenen Daten erlauben (z.B. Massen und
daraus abgeleitete Kosten},
- die räumliche Konsistenz des Modells und da-
mit aller daraus ableitbarer Schnittzeichnun-
gen gewährleistet ist,
- Kollisionsprüfungen durchgeführt und Fra-
gen der Montage von Bauteilen geklärt werden
können, Abb. 1.1-36 30-CAD-Modell eines Knotenpunktes
- eine Visualisierung des Computermodells ei-

Abb.1.1 ·37 Auszug aus einer Konstruktionszeichnung

Bauinformatik 1-33
Assoziative Geometrie bei räumlichen Modellen Hingegen zeigt die Bildreihe in Abb.l.l-39 das
Ergebnis, wenn die Konstruktionsvorschrift des
Besondere Bedeutung kommt der Assoziation Pultdachgebäudes als Grundlage der Verände-
von geometrischen Objekten bei 3D-Modellen rung genommen wird. Ausgangspunkt ist ein
zu. Hier reichen die in 1.1.5.3 beschriebenen Me- quaderförmiger Hilfskörper, der von der Dach-
thoden meist nicht aus. Wegen der oft sehr kom- fläche geschnitten wird. Das Gebäude ergibt sich
plexen Zusammenhänge muß die Konstrukti- dann durch Subtraktion des über der Schnitt-
onsvorschrift eines Objekts als Grundlage für ei- fläche liegenden Teilkörpers. Diese Konstrukti-
ne Assoziation verwendet werden. onsvorschrift ist unabhängig von der Neigung
Ein Beispiel ist in den Abb. 1.1-38 und 1.1-39 der Dachfläche gültig und garantiert damit die
gegeben. Ohne Assoziation tritt bei Veränderung Assoziation des Gebäudekörpers an die Dach-
der Dachneigung des Pultdachs eine Klaffung fläche.
auf. Der Gebäudekörper muß neu konstruiert
werden. 1.1.6
Softwareentwicklung

le
1.1.6.1
Ziele des Softwareengineering

Die Erstellung anspruchsvoller Softwaresysteme


erfordert die Bereitschaft, immer wieder neue

l " '" " '" ' "' " '


Sachverhalte im Team zu durchdringen und in-
telligent zu strukturieren. Betrachtet man die Er-
stellungs- und Weiterentwicklungszeiten, so
wird deutlich, daß ein Großteil der Anstrengun-
--------'
gen innerhalb des Softwareentwicklungsprozes-
Abb. 1.1 -38 Klaffung bei Veränderung der Dachneigung
ses auf die Weiterentwicklungsphase fällt. Dabei
führen die zahlreichen Veränderungen oft dazu,
daß sich die Software immer mehr vom ur-
sprünglichen Konzept entfernt.
Aus diesem Grund ist es notwendig, für große
Softwareprojekte nach Methoden zu suchen,
welche die Komplexität beherrschbar machen,
den Zerfallsprozeß verhindern und trotz struk-
turzersetzender Änderungsanforderungen hel-
fen, die Qualität und Struktur der Software auf-
rechtzuerhalten. Eine geeignete Methode zur
Verfolgung dieser Ziele stellt die Objektorientie-
rung zur Verfügung [Oestereich 1997).

1.1.6.2
Softwareentwicklung

Softwareentwicklung besteht aus verschiedenen


aufeinanderfolgenden Phasen. Das in Abb. 1.1-40
dargestellte Spiralmodell unterteilt den Ent-
wicklungsprozeß zu diesem Zweck in die Phasen
Analyse, Entwurf, Programmierung und Einsatz
assoziative Veränderung
im Testbetrieb.
Durch mehrmaliges Durchlaufen der vier Pha-
sen entlang der Spirale entsteht in wohldefinier-
Abb. 1.1-39 Assoziation durch Speicherung der Kon-
struktionsvorschrift ten Abschnitten ein komplexes Softwaresystem.
Grundsätzlich sollte dabei am Ende eines Durch-
Iaufs ein definiertes Teilziel erreicht werden, wel-

1-34 Allgemeine Grundlagen


ches im nächsten Durchlauf als Basis eines wei- Programmiersprache (z.B. C++, Java und Eiffel)
teren Entwicklungszyklus dienen kann. Wesent- unterstützt werden. Einige der genannten Kon-
lich für diese Vorgehensweise ist dabei die Glie- zepte werden im folgenden am Beispiel der Ent-
derung der Entwicklungsaktivitäten in kleine wicklung von Software zur Berechnung eines
Einheiten sowie die koordinierte Verzahnung Mehrfeldträgers erläutert (Abb. 1.1-41).
von Aktivitäten auf Basis unterschiedlicher Spe-
zialisierungsgrade. 1.1.6.3
Zur Strukturierung und Spezifikation des Soft- Objektorientierte Analyse und Entwurf
waresystems in den Phasen Analyse und Entwurf
können objektorientierte Modellierungsmetho- Ziel der Analysephase ist es, eine Problemstel-
den verwendet werden ([Booch 1994], Object lung aus der realen Welt zu verstehen und ge-
Modeling Technique (OMT) [Rumbaugh 1993], eignet zu modellieren. Zu diesem Zweck werden
Unified Modeling Language (UML) [RSC 1997]). mit Hilfe von Szenarien relevante Abläufe und
Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Notati- Strukturen analysiert und mit potentiellen Nut-
on und der zur Abbildung des Problemraumes zern der zu entwickelnden Software diskutiert.
zu erstellenden Teilmodelle.Alle Modellierungs- Die hierbei erarbeiteten Ergebnisse werden in
methoden versuchen dabei durch sukzessive Er- einem Fachkonzept festgehalten. Dieses spezifi-
höhung des Spezialisierungsgrades eine durch- ziert auf fachlicher Ebene, also aus Anwender-
gängige Lösung - von der Analyse bis zur Pro- sicht, den Anforderungs- und Aufgabenkatalog
grammierung - anzubieten. Speziell für die für das zu erstellende Softwaresystem.
Implementierung des Softwaresystems ist es er- Für das als Beispiel gewählte Tragwerk be-
forderlich, daß die innerhalb der Modellie- deutet dieser Analyseprozeß, daß zunächst ein
rungsmethode gewählten Ansätze durch geeig- mechanisches Modell zu wählen ist, das eine Ab-
nete Programmkonstrukte der verwendeten straktion der realen Struktur - z.B. als Mehr-
feldträger - erlaubt. Weiterhin sind Annahmen
zur Geometrie des Trägerquerschnitts und zu
möglichen Lasten zu treffen. Der Analyseprozeß
legt bei diesem Beispiel weiterhin die Art der ge-
wünschten Ergebnisse und insbesondere die zur
Berechnung zu verwendenden mathematischen
und numerischen Methoden fest, ohne sich je-
doch bereits um eine konkrete softwaretechni-
sche Umsetzung zu kümmern.
Aufbauend auf diesem Fachkonzept wird ein
Softwarekonzept entwickelt, dessen Aufgabe es
ist, einen ersten Lösungsentwurf für das zu er-
stellende System anzubieten. Von zentraler Be-
deutung ist dabei das Objektmodell (Abb.l.l-42),
das die Objekte und ihre Beziehungen erfaßt. Die
Objekte selbst werden durch ihre Attribute und
Abb. 1.1-40 Spiralmodell Verarbeitungsmethoden beschrieben. Die Attri-
bute kann man mit Hilfe der verfügbaren Me-

Einzellast Streckenlast Temperaturdifferenz Trägersehn in

·----
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Abb. 1.1-41 Mehrfeldträger mit beliebigem Ouerschnin

Bauinformatik 1-35
Abb. 1.1-42 Objektmodell eines Mehrfeldträgers

thoden verändern (s. dazu die nähere Beschrei- - Die Aggregation stellt eine besondere Form
bung zum Objektknoten in 1.1.6.4). der Assoziation dar. Eine Aggregation ist die
Für die Strukturierung des Objektmodells ste- Zusammensetzung eines Objekts aus einer
hen drei Beziehungstypen zur Verfügung: Menge von anderen Objekten. Umgangs-
- Die Generalisierung bzw. Spezialisierung er- sprachlich läßt sich Aggregation durch die
möglicht es, Gemeinsamkeiten bzw. Unter- Formulierung "besteht aus" ausdrücken. Im
schiede zwischen verschiedenen Objekten aus- Beispiel besteht also ein Feld des Mehrfeldträ-
zudrücken. Hierbei werden generelle Eigen- gers aus einem Querschnitt und einer Bela-
schaften in Form von Attributen und Metho- stung und weiteren im Beispiel nicht näher
den einem übergeordneten Objekt (z. B."Quer- ausgeführten Objekten.
schnitt") zugeordnet. Durch Vererbung kön-
nen nun diese generellen Eigenschaften an an- Neben dem Objektmodell, welches die statische
dere untergeordnete Objekte (z.B."Standard- Struktur beschreibt, lassen sich mit Hilfe weite-
profll" oder "Freidefiniertes Profil") weiterge- rer Modelle andere Aspekte des Softwaresystems
geben werden. Innerhalb dieser Objekte findet ausdrücken. Wichtige Gesichtspunkte sind dabei
dann durch Erweiterung der vererbten Eigen- Zustandsänderungen, die mit Hilfe des dynami-
schaften um objektspezifische Eigenschaften schen Modells wiedergegeben werden, und Da-
(wie eine Listenstruktur zur Aufnahme der tenflüsse, die mit Hilfe des funktionalen Modells
Eckpunkte des polygonal berandeten Quer- in der Notation nach OMT modelliert werden
schnitts für das Objekt "Freidefiniertes Pro- können. Welche Modelle zur Beschreibung der
fil") die Spezialisierung statt. verschiedenen Blickwinkel auf ein Softwaresy-
- Assoziationen drücken Beziehungen zwischen stem letztlich zur Verfügung stehen, hängt von
verschiedenen Objekten aus. Das Objekt"Frei- der verwendeten Modellierungsmethode ab.
definiertes Profil" unterhält z.B. eine Bezie- Während die Phase der objektorientierten
hung zum Objekt "Geometriemodell2D", d. h. Analyse dazu dient, den Problemraum zu erfas-
zur Beschreibung eines freidefinierten Profils sen und zu strukturieren, ist es Aufgabe des ob-
ist ein zweidimensionales Geometriemodell jektorientierten Entwurfs, die in der Analyse-
nötig. Diese Assoziation wird verwendet, um phase erzeugten Modelle zu einem Softwareent-
die benötigte geometrische Beschreibung des wurf weiterzuentwickeln. Hierzu sind ·neben
Profilquerschnitts in die zum Objekt"Geome- Konzepten für implementationstechnische De-
triemodell 2D" zugehörige Objektstruktur tails (wie die Umsetzung der Objektbeziehun-
auszulagern. gen) v. a. der Entwurf der Benutzungsschnittstel-

1-36 Allgemeine Grundlagen


Je, der Entwurf der Anhindung an eine Daten- 1.1 .6.4
bank und der Entwurf für die Einbindung der Objektorientierte Programmierung
Softwarekomponenten in bestehende Software-
systeme erforderlich. Ergebnisall dieser Arbeits- Nachdem das Softwaresystem vollständig be-
schritte ist ein durch die Modelle der gewählten schrieben wurde, ist es die Aufgabe der Program-
Modellierungsmethode vollständig beschriebe- mierung, das Ergebnis des Softwareentwurfs in
nes Softwaresystem. ein ablauffähiges Programmsystem umzusetzen.
Zur Unterstützung des Entwurfsprozesses bie- Hierzu eignen sich besonders objektorientierte
tet sich die Nutzung bereits existierender Teillö- Programmiersprachen (z.B. Smalltalk, Eiffel,
sungen an. Hierzu gibt es eine große Auswahl an C++, Java), da diese spezielle Sprachkonzepte
Standardbibliotheken, z.B. für die Datenstruktu- zur Verfügung stellen, durch welche die in den
rierung die Standard Template Library (STL) vorangegangenen Phasen entwickelte komplexe
(Josuttis 1996], für die Entwicklung von Anwen- Objekt- und Beziehungsstruktur effizient umge-
dungen unter Windows die Microsoft Foundati- setzt werden kann. Abbildung 1.1-43 zeigt ex-
on Classes (MFC) [Kruglinski 1997] oder für emplarisch einen Programmausschnitt für einen
numerische Berechnungen der linearen Algebra Knoten der Querschnittsbeschreibung des Mehr-
(z.B. LAPACK 3.0). Diese bieten jeweils für be- feldträgersbei der Umsetzung in eine C++-Klas-
stimmte Anwendungsfelder fertige und wohlde- se [Breymann 1993; Stroustrup 1998].
finierte Lösungsansätze, die in geeigneter Weise Im folgenden werden einige zentrale objekto-
in den eigenen Entwurf integriert werden kön- rientierte Programmierkonzepte am Beispiel
nen. von C++ vorgestellt.
Wichtigstes Merkmal einer objektorientierten
Programmiersprache wie C++ ist das Klassen-
konzept. Dabei können elementare Datentypen

class knoten II Deklaration der Klasse knoten


{
private: II Daten sind gekapselt
double x, y; II Daten der Klasse knocen
public:
int id; II Öffentliche Daten der Klasse knoten
knoten ( int l ; II Konstruktor der Klasse knoten
void wertesetzen(double, double); II Methode zur Datenmanipulation
void verschieben(double, double); II Methode der Klasse knoten
void info(); II Methode zur Datenausgabe
};

knoten::knoten(int nrl II Konstruktor der Klasse knoten


{
id • nr; II Zuweisung einer eindeutigen
II Identifikationsnummer
x•O.;Y•O.; II Koordinaten werden initial mit null
II belegt

void knoten::wertesetzen(double xneu, double yneu)


{ 11 Definition der Methode wertesetzen
x = xneu; y • yneu; II Werte übernehmen

void knoten::verschieben(double vx, double vyl


{ II Definition der Methode verschieben
x • x + vx; y = y + vy; II Die Koordinaten werden verändert

void knoten: : info ( l II Ausgabe der Daten der Klasse knoten


( II auf dem Bildschirm
cout ~Informationen für Knoten Nr. " << id << ft:" << endl;
cout << MKoordinaten: ~ << x << und " << y << endl;
M

Abb. 1.1-43 C++-Quelltext der Klasse knoten

Bauinformatik 1-37
(oder bereits bestehende Klassen) zu sog."Klas- 1.1.7
sen" zusammengefaßt werden. Im Beispiel wer- Integration
den die Koordinaten x und y sowie die Identifi-
kationsnummer id als Attribute oder Daten der 1.1.7.1
Klasse knoten zusammengefaßt. Die Klasse ver- Datenaustausch
fügt zusätzlich über Methoden (wertesetzen (... ),
verschieben(. .. ) und info()) zur Manipulation Die an Planung, Konstruktion und Ausführung
und Bearbeitung der Attribute. Durch das Zu- beteiligten Fachplaner nutzen für die Bearbei-
sammenfassen von Attributen und Methoden zu tung ihrer Aufgaben i. d. R. verschiedene Pro-
Klassen läßt sich eine bessere Abbildung der rea- gramme, so daß für die durchgängig DV-ge-
len Welt bei der Umsetzung in die Program- stützte Planung dem Datenaustausch größte Be-
miersprache erreichen. Eine Klasse ist also die deutung zukommt. Ein verlustfreier Datenaus-
allgemeine Beschreibung eines Objekts, nach der tausch ist jedoch meist nur dann möglich, wenn
konkrete Objekte der Klasse (sog. "Instanzen") die gleichen Programme verwendet werden. Ein
erzeugt werden können. Im Beispiel sind das Datenaustausch zwischen verschiedenen Pro-
Knoten mit konkreten Koordinaten und je einer grammen hingegen ist nur über vereinbarte
Identifikationsnummer. Schnittstellen möglich und in der Praxis häufig
Für jede Klasse kann zwischen öffentlichen mit einem Verlust an Information verbunden. Je-
(eng!.: public) und privaten (eng!.: private) Da- der Datenaustausch setzt eine Absprache bezüg-
ten und Methoden unterschieden werden. Pri- lich des Übertragungsmediums und des Über-
vate Daten und Methoden können dabei nur von tragungsformats voraus. Als Medium setzt sich
Methoden der Klasse selbst manipuliert werden. neben herkömmlichen Datenträgern immer
Zugriffe von anderen Klassen geschehen kon- mehr die Datenfernübertragung per Telekom-
trolliert über Methoden, die im öffentlichen Be- munikations- oder Rechnernetz durch.
reich der Klasse zur Verfügung gestellt werden, Als Basis zahlreicher darauf aufbauender über-
also die Schnittstelle der Klasse nach außen de- tragungsformate dient die ASCII-Norm (ASCII
finieren. Dieses Konzept des kontrollierten Zu- American Standard Code for Information Inter-
griffs auf Attribute und Methoden wird als "Kap- change), die ein allgemeines Austauschformat
selung" bezeichnet. Im Beispiel der Klasse kno- für nichtgraphische Daten definiert. ASCII selbst
ten kann also nur über die öffentlichen Metho- legt lediglich die Darstellung einzelner Zeichen
den wertesetzen (. .. ) und verschieben (... ) auf ohne weitere Strukturierung fest. (vgl.Abb.l.l-2).
die privaten Datenspeicher x und y zugegriffen
werden. Schnittstellen für den Austausch von CAD-Daten
Klassen lassen sich, wie in der Analyse gezeigt,
zu Klassenhierarchien anordnen. Ein wichtiger Mit der Definition neutraler Schnittstellen für
Mechanismus dabei ist die Vererbung. Abgelei- dieübertragungvon CAD-Daten wird der Ver-
tete Klassen (z.B."Standardprofil" oder "Freide- such unternommen, einen produktübergreifen-
finiertes Profil" aus Abb.l.l-42) erben dabei Da- den Datenaustausch zu ermöglichen (Tabelle
ten und Methoden der übergeordneten Klasse 1.1-6). In der Praxis sind herstellerspezifische
("Querschnitt"). Zusätzlich dazu enthalten sie Schnittstellen weit verbreitet, da hiermit zumin-
jedoch i.d.R. weitere Daten und Methoden. Die
Möglichkeit der Vererbung in einer objektorien- Tabelle 1.1 -6 Neutrale Schnittstellen
tierten Programmiersprache erlaubt es damit,
das im Objektmodell verwendete Konzept der IGES Initial Graphics Exchange Specification;
Generalisierung bzw. Spezialisierung direkt ab- Internationale Norm, IGES Version 5.3,
U.S. Product Data Assodalion (US PRO)/
zubilden. IGES/PDES Organization (I PO)
Als sehr nützliches Merkmal der objektorien- SET Specifications du standard d'echange et de
tierten Modeliierung und Programmierung er- transfert (SEn; Französische Norm, NF Z68-
300, Dezember 1993, Association Fran~aise
weist sich weiterhin der Polymorphismus. Er ge- de Normalisation (AFNOR)
stattet die unterschiedliche Implementierung ei- STEP Standard for the Exchange of Product Model
ner Methode gleichen Namens mehrmals. Erst Data; IS0-10303-Norm, Application Protocol
201, 202 und 225
im Kontext des aufrufenden Objekts wird dann
zur Laufzeit die entsprechende Methode aus der
zugehörigen Klasse ausgewählt.

1-38 Allgemeine Grundlagen


Tabelle 1.1-7 Herstellerspezifische Schnittstellen Tabelle 1.1-8 Sehninsteilen für den Austausch von
AVA-Daten
DXF Austauschformat des CAD-Systems
AutoCAD der Fa. Autodesk Regelungen für die elektronische Bau-
IGDS Austauschformat der Fa. INTERGRAPH abrechnung; Sehninsteile für den Aus-
UNIASO Austauschformat des CAD-Systems tausch von Abrechnungs- und Aufmaß-
Unicad der Fa. Hochtief, Frankfurt/Main daten (Datenart 11 nach GAEB)
RIF Austauschformat des Systems RIBCON GAEB Gemeinsamer Ausschuß Elektronik im
der Fa. RIB/RZD, Stungart Bauwesen•; Weiterentwicklung der
REB, erlaubt auch die Übermittlung von
Ausschreibungs-, Angebots- und Auf-
tragsunterlagen; erlaubt auch au~ eini·
gen CAD-Systemen eine direkte Über-
dest ein verlustfreier Datenaustausch zwischen nahme von Informationen für die An-
den Produkten eines Herstellers möglich wird gebotserstellung
(Tabelle 1.1-7). DATANORM Datenaustauschverfahren im Baune-
bengewerbe; Schnittstelle, die von
mehreren Hersteilem entwickelt wurde,
Schnittstellen für den Austausch von um Informationen zwischen Architek-
Finite-Element-Daten ten und Fachingenieuren (bes. HKLS,
also Heizungs-, Klima-. LGftungs- und
Sanitänechnik) austauschen zu können
Die meisten am Markt befindlichen Finite-Ele- (DATANORM 1998)
ment-Programme für das Bauwesen erlauben le- EDIFACT Electronic Data Interchange For Admi-
nistration, Commerce and Transport;
diglich eine Übernahme von einfachen Bauteil- internationales Austauschformat
geometrien aus CAD-Programmen, die dann EDI/EDIFACT (ISO 9735), das die Über-
tragung von Kosten- und Termindaten,
dem Präprozessor und der Diskretisierung zu- von Daten des Beschaffungs- und Rech -
geführt werden. Der Austausch von diskretisier- nungswesens sowie von administrati-
ten Systemen mit allen zugehörigen Elementen, ven Daten ermöglicht
Randbedingungen, Belastungen usw. ist meist • GAEB-AuSlChuß, O.lchmannsAue J1-J7. SJ 179 Sonn
nicht realisiert.
Es existiert jedoch ein Standard für den Aus-
tausch diskretisierter Systeme, der in der ISO
10303-STEP normiert wurde (vgl. 1.1.7.2). Dar- mentsystems Microsoft Project. Dieses auf dem
in erlaubt der Teil ISO 10303-104"Integrated ap- ASCII-Standard aufbauende Dateiformat er-
plication resources: Finite Element Analysis" die laubt die Übertragung von Daten für komplexe
Modeliierung und Übertragung komplexer Da- Abläufe und Vorgänge, für die Kostenverfolgung
ten für die Finite-Element-Analyse. sowie für Verknüpfungen zwischen einzelnen
Vorgängen mit ihren Anordnungsbeziehungen
Schnittstellen für den Austausch von Daten für AVA und Meilensteinen.
(Ausschreibung, Vergabe, Angebot)
1.1.7.2
Im Projektmanagement kommt der elektroni- Produktmodeliierung
schen Datenübertragung besonders im Hinblick
auf eine konsistente Erstellung von Angebots- Während die bisher betrachteten Schnittstellen
unterlagen große Bedeutung zu. In Tabelle 1.1-8 nur Teilausschnitte erfassen, versucht die Pro-
werden dafür einige Schnittstellen aufgeführt duktmodellierung, eine umfassende Abbildung
[Kretzschmar et al. 1994]. komplexer ingenieurtechnischer Systeme zu er-
möglichen [Grabowski/ Anderl!Polly 1994).
Schnittstellen für den Austausch von Die Produktmodeliierung ist ein Ansatz, um
Projektmanagementdaten eine Übertragung von Modellinformationen für
eine durchgängig DV-gestützte Planung, Kon-
Für Projektmanagementsoftware gibt es z. Z. kei- struktion und Ausführung verlustfrei vorneh-
ne allgemein vereinbarten Schnittstellen. In der men zu können. Dazu ist es notwendig, alle für
Regel sind jedoch Austauschmöglichkeiten zu eine spezielle Aufgabe notwendigen Informatio-
Standardapplikationen (dBase, Excel usw.) vor- nen zu definieren und in geeigneter Weise zu
handen. Weit verbreitet ist darüber hinaus das strukturieren [Rüppel!Meißner 1996; Kowalczyk
MPX-Austauschformat des Projektmanage- 1997).

Bauinformatik 1-39
STEP (Standard for the Exchange elements using explicit shape representation".
of Product Model Data) Grundsätzlich können Bauwerke mit Hilfe des
AP 225 ganzheitlich beschrieben werden, da die
Ein Produktmodell im Bauwesen ist i. allg. die Spezifikation von Geometrie, Topologie, Funk-
Spezifikation von beschreibenden Informationen tionalität und allen Eigenschaften von Bauteilen
zu allen Entwicklungsphasen eines Bauwerks in und Räumen sowie sonstiger Strukturen in dem
einer strukturierten, digital verarbeitbaren Dar- Datenmodell möglich ist.
stellung. Im Bauwesen erfolgt die Bildung von
Teilproduktmodellen unter den spezifischen An- IFC (lndustry Foundation (Jasses)
forderungen der beteiligten Fachplaner und ge-
mäß den vorgegebenen Leistungsphasen der Die Internationale Allianz für Interoperabilität
HOAI. Die Vereinigung aller Teilmodelle soll (lAI}, ein Zusammenschluß verschiedener Or-
demnach alle Informationen enthalten, die zur ganisationen der Bauindustrie, der Softwarean-
Planung, zum Entwurf, zur Fertigung und zur bieterunter der Leitung der Firma Autodeskund
Nutzung eines Bauwerks erforderlich sind. der Wissenschaft, hat sich zum Ziel gesetzt, ein
Produktmodelle werden seit 1984 mit der neutrales objektorientiertes Datenaustauschmo-
Norm ISO 10303-STEP semantisch und syntak- dell zu entwickeln, bei dem die Objektinforma-
tisch spezifiziert [Haas 1993]. Grundlage für den tionen und Objektbeziehungen von Bauteilen im
Austausch von komplexen Produktmodellen ist semantischen Zusammenhang übergeben wer-
eine klare Gliederung des Aufbaus dieser Mo- den, so daß ein Zugriff aller am Bauplanungs-
delle. Produktmodelle werden mit Hilfe der Spe- prozeß beteiligten Fachplaner auf ein zentrales
zifikationssprache EXPRESS, die Bestandteil von Informationsmodell möglich wird.
STEP ist, genormt. Nach der EXPRESS-Spezifi- Dabei wird sowohl für die Spezifikation der
kation, die das Produktmodell auf einer logi- Produktmodelle (EXPRESS) als auch für den Da-
schen Ebene beschreibt, richtet sich der Aufbau tenaustausch und die Schnittstellen (STEP-Aus-
der physikalischen STEP-Austauschdatei. Die tauschdatei und STEP Data Access Interface
STEP-Datei ist ein ASCII-File, in dem in sequen- (SDAI)) auf die Konzepte der ISO 10303 zurück-
tieller Reihenfolge einzelne Datensätze mit ihren gegriffen. Für die Implementation der Schnitt-
Attributen und Verweisen auf andere Datensät- stellen werden die Industry Foundation Classes
ze stehen. (IFC) entwickelt, die die komplexen Beziehun-
Abbildung 1.1-44 zeigt beispielhaft die Spezi- gen zwischen den auszutauschenden Informa-
fikation eines Polygons in EXPRESS sowie die tionen in hierarchische Objektstrukturen abbil-
mögliche Umsetzung in eine konkrete ASCII- den [IFC 1998].
Austauschdatei.
Die Norm ISO 10303-STEP umfaßt Produkt- 1.1.7.3
modelle für nahezu alle Bereiche der Technik. Verteilte Objektverwaltung
Sie ist in einzelne Applikationsprotokolle (AP
Application Protocol) unterteilt. Die für das Bau- Neue Ansätze in der computergestützten Pla-
wesen relevanten Applikationsprotokolle sind nung erlauben das gleichzeitige Bearbeiten von
insbesondere AP 201 "Explicit draughting",AP 202 Informationsbeständen durch mehrere Fach-
"Associative draughting" und AP 225 "Building planer. Die Informationen werden von einem

E TITY cane,ian_poinr
S BTYPE OF (point):
Coordinare': LIST [3:3] OF lengrh_metl\ure:
END_E T!TY:

ENTITY poly_loop:
polygon : LIST (3:'!1 OF canc>ian_poinl:
END_EN ITY:

Abb. 1.144 Spezifikation eines Polygons in EXPRESS sowie Umsetzung in Austauschdatei

1-40 Allgemeine Grundlagen


Dienstaubieter (Server) zentral verwaltet und zusätzlich eine hohe Verfügbarkeit sichergestellt,
können von verschiedenen Dienstnutzern (Cli- auch wenn einzelne Informationsquellen tem-
ents) manipuliert werden. Unter verteilten An- porär nicht nutzbar sind.
wendungssystemen versteht man demnach Ap- Unter Middleware [Tresch 1996] versteht man
plikationen, die in einer räumlich und u. U. or- Kommunikationssoftware, die Clients und Ser-
ganisatorisch verteilten Client-Server-Umge- ver verbindet. Typische Middleware-Dienste
bung laufen. Die Clients übernehmen dabei die sind u.a.
Rolle der Schnittstellen, die Anfragen an den Ser- - Kommunikationsdienste: elektronischer Da-
ver senden und Ergebnisse, die vom Server be- tenaustausch, elektronische Post (E-Mail),
reitgestellt werden, empfangen und weiterverar- World Wide Web (WWW), Nachrichtenverar-
beiten. beitung;
Verteilte Anwendungssysteme sind die Grund- - Systemdienste: Konfigurationsmanagement,
lage für kooperatives Arbeiten (Telekooperati- Softwareinstallation, Fehlererkennung, Au-
on). Vorteile dieser Architektur sind: thentifizierung, Verschlüsselung, Zugriffskon-
- effiziente Nutzung vorhandener Ressourcen trolle;
durch Arbeitsteilung zwischen Client und Ser- - Informationsdienste: relationale und objekt-
ver, orientierte Datenbankmanagementsysteme
- gute Erweiterbarkeit des Systems durch Ein- (DBMS), Dateiserver;
bindung weiterer Clients und Bereitstellung - Präsentationsdienste: Multimedia- und Hy-
neuer Ressourcen auf der Serverseite, permediasysteme, Graphikverarbeitung, Ani-
- leichte Wartung des Informationsbestands mationen;
durch zentrale, redundanzfreie Datenhaltung, - Berechnungsdienste: mathematische Simula-
- automatische Mehrfachspeicherung (Replika- tionen, Datenkonvertierungen bzgl. Interna-
tion) des zentralen Datenbestands an ver- tionalisierung (Zeit-, Währungs- und Einhei-
schiedenen Orten, teneinstellungen).
- große Nutzerfreundlichkeit durch Verwen-
dung bereits vorhandener Schnittstellen und Ein Hauptprinzip der verteilten Objektverwal-
Standardsoftware. tung ist, daß Informationen auf einer semantisch
hohen Ebene so ausgetauscht werden können,
Nachteile sind: daß sie vollständig, verlustfrei und konsistent
- höhere Komplexität bei der Entwicklung von bleiben.
Anwendungen, Ein sehr einfaches Beispiel für den konsisten-
- höherer Administrationsaufwand für das Ge- ten Objektdatenaustausch ist in Abb. 1.1-45 dar-
samtsystem, gestellt. Dabei wurde in Microsoft Excel eine gra-
- verschärfte Sicherheitsprobleme bei der Kom- phische Darstellung des Momentenverlaufs für
munikation in Netzwerken. einen Zweifeldträger als eigenständiges Objekt
erstellt (vgl. 1.1.3.3). Dieses Objekt wurde mit
Das Konzept des Data Warehousing beschäftigt Hilfe des OLE-Mechanismus (OLE Object Lin-
sich vorrangig mit Architekturen, Werkzeugen king and Embedding) in ein Dokument in
und Methoden, um eine große Anzahl verteilter Microsoft Word integriert. Ein wichtiger Vorteil
und heterogener Informationsquellen zu ver- dieser Vorgehensweise ist, daß das Ward-Doku-
walten und relevante Information bei Anfragen ment automatisch aktualisiert werden kann, falls
effizient zur Verfügung zu stellen. Um dieses Ziel Änderungen am Objekt in Excel vorgenommen
zu erreichen, werden vergleichbare Informatio- werden.
nen an unterschiedlichen Orten vorgehalten (ge- OLE baut auf das Component Object Model
spiegelt). Dies erfordert eine permanente Reak- (COM), seit 1997 weiterentwickelt zum Distri-
tion auf Änderungen der zentralen Datenquelle buted Component Object Model (DCOM), auf.
sowie eine im Hintergrund laufende Filterung COM ist ein eigener Middleware-Standard von
und Integration der Informationen. Das Prinzip Microsoft zum Objektdatenaustausch. Dabei ist
dieser Vorgehensweise ermöglicht eine konse- ein Informationsaustausch auch zwischen ver-
quente Nutzung verteilter Informationsbestän- teilten Applikationen, die auf verschiedenen
de durch Softwarewerkzeuge, die beliebig im Rechnern laufen, möglich. Die Objektinforma-
Rechnernetz verteilt sein können. Bei konsisten- tionen werden von einer Applikation als Objekt-
ter Replikation des Informationsbestands wird server im Netzwerk bereitgestellt. Die Verbin-

Bauinformatik 1-41
SlaUscher B orlehr mr ZWeifeldirtiger

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Abb.1.1-4S Integration mitOLE

dung zur anderen Applikation, die als Client auf - Die Common Object Services definieren die
das Objekt zugreift, erfolgt über eine Schnitt- allgemeinen und anwendungsunabhängigen
stellenfestlegung (Interface). Systemgrundoperationen zur Verwaltung
Im Gegensatz zum herstellerspezifischen Stan- (Modellierung und Speicherung) von Objek-
dard COM wird die Kommunikations-Middle- ten.
ware CORBA seit 1989 als Rahmensystem für die - Die Common Facilities definieren spezialisier-
Erstellung verteilter Informationssysteme von te und anwendungsspezifische Funktionalitä-
der Object Management Group (OMG), einem ten, z.B. Schnittstellen (eng!.: user interfaces).
unabhängigen Konsortium, entwickelt. Kern- - Die Sprache IDL (Interface Definition Langu-
stück von CORBA ist die Object Management Ar- age) wird zur programmiersprachen-und be-
chitecture (OMA), bestehend aus den folgenden triebssystemunabhängigen Definition der
Komponenten (Abb. 1.1-46): Objektschnittstellen verwendet (Syntax ähn-
- Der Object Request Broker (0 RB) liegt als Korn- lich C++ ), die in die Programmiersprache der
munikationskern zwischen Server und Client. Implementierung eingebunden wird.
Der ORBisteine Komponente, die von Objek- - Application Objects definieren die Implemen-
ten zur Kommunikation mit anderen Objek- tierung der Anwendungsobjekte.
ten in heterogenen Rechnernetzen genutzt
werden kann. Er ermöglicht das Weiterleiten Eine bidirektionale Kommunikation für den Ob-
einer Anfrage (eng!.: request) zu einem Ziel- jektdatenaustausch zwischen den beiden Stan-
rechner und dem dort befindlichen Objekt, dards DCOM/OLE und CORBA ist möglich.
unabhängig davon, welches Betriebssystem Als dritter Middleware-Standard ist RMI (Re-
verwendet wird und in welcher Programmier- mote Method Invocation) zu nennen. RMI wur-
sprache das aufgerufene Objekt implemen- de von SUN Microsystems zur Ausführung von
tiert ist. Der ORB verwaltet die Anfragen eines Java-Applikationen auf entfernten Rechnern
Client und die Antworten (eng!.: answer) eines entworfen. Java ist eine objektorientierte Pro-
Server. grammiersprache, die im Konzept C++ ähnelt,

1-42 Allgemeine Grundlagen


Client 1 Client 2

CORBAAPI CORBAAPI

l Answer
Request
Answer
Request

- - - -- - - - - - ORB - - - - - - - - --

t Answer
Request
Answer
Request

CORBA Object Adapter CORBA Object Adapter


--~-- -~--

Abb.l.l-46 CORBA-Systemarchitektur

sich jedoch durch ihre Plattformunabhängigkeit ner, Personal),der Einarbeitung der Anwender
auszeichnet und sich somit in den letzten Jahren und der Beschaffung von Informationen, wo-
als Netzwerkprogrammiersprache durchgesetzt mit oft die höchsten Kosten verbunden sind.
hat. RMI ähnelt in seinem grundsätzlichen Auf- - Die soziale Sicht ist die der Endanwenderund
bau den bereits erwähnten Konzepten COM/ derer, über die Daten gehalten werden. Diese
DCOM und CORBA, ist jedoch an die Program- Sicht spielt im Ingenieurwesen meist eine un-
miersprache Java gebunden. Es ist Bestandteil tergeordnete Rolle, da Informationssysteme
des Java Development Kit 1.1 und dient zur im Bauwesen technische und nicht sozio-öko-
netzweiten Verteilung von Objekten. Wesentli- nomische Informationen verwalten.
che Bedeutung kommt diesem Konzept in Ver-
bindung mit dem Internet zu [Merkle 1997]. Im folgenden wird am Beispiel Geographischer
Informationssysteme (GIS) der Aufbau und die
1.1.8 Anwendung von Informationssystemen im Bau-
Informationssysteme im Bauwesen wesen erläutert.
Im Rahmen bauspezifischer Planungen wer-
Das Interesse an einem Informationssystem (IS) den klein- und großmaßstäbliche Informatio-
ergibt sich meist aus konkreten Bedürfnissen ei- nen (Planungsgrundlagen für die Bau- und Um-
ner Organisation und dem Wunsch nach einem weltplanung) benötigt. Grundlage dafür bilden
integrierten Informationsmanagement Unter heute meist zweidimensionale,grundrißbezoge-
Informationssystemen versteht man Software, ne Darstellungen, d.h. digitale Karten von flä-
die zur Informationsverwaltung z.B. eines Bau- chen- und objektbezogenen Sachverhalten so-
unternehmens oder einer Baubehörde verwen- wie ihre Auswertung und Beurteilung. Die Er-
det werden kann. IS bestehen aus einer Daten- fassung, Erstellung und Verarbeitung digitaler
bank und einem auf den gespeicherten Infor- Karten und zugrundeliegender Geländemodel-
mationen operierenden Programmsystem, das le ist die Voraussetzung für eine DV-gestützte
zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Ausga- raumbezogene Entscheidungsfindung.
be der Informationen dient. Der Bedarf an digitalen Karten und deren Wei-
Das Informationssystem einer Organisation terverarbeitung ist in den letzten Jahren stark
kann aus drei Sichten betrachtet werden: gestiegen, so daß mittlerweile fast alle topogra-
- Die technische Sicht betrachtet Punkte wie Ef- phischen Aufnahmen in datenverarbeitungsge-
fizienz, Stabilität, Sicherheit und Integrität rechter Form von Behörden oder sonstigen Or-
(s. 1.1.3.1). ganisationen vorgehalten werden. Auf der Basis
- Die wirtschaftliche Sicht ist von der Kosten/ digitaler geographischer Informationen kann ei-
Nutzen-Analyse geprägt. Die Kosten ergeben ne effektive Aufgabenbewältigung im Hinblick
sich aus dem Unterhalt der Ressourcen (Rech- auf die Informationsbeschaffung und die an-

Bauinformatik 1-43
schließende transparente Verarbeitung eigener re Kommunale Informationssysteme, benötigt.
fachspezifischer Informationen erfolgen. Dabei sind die Anwendungsbereiche Kartogra-
phie (z.B. Flächennutzung), Objektverwaltung
1.1.8.1 (z.B. Eigentumsfragen) und Geländemodeliie-
Definition und Grundlage Geographischer rung für Infrastrukturen (z.B. Trassenplanung)
Informationssysteme (GIS) von zentraler Bedeutung. In Abb. 1.1-47 ist die
Nutzung eines Kommunalen Informationssy-
Die Grundlage digitaler Karten ist das Digitale stems dargestellt.
Geländemodell, das sich aus flächenbildenden
Polygonen zusammensetzt und die Geometrie 1.1.8.2
der Erdoberfläche approximiert. Hinzu kommen Einsatzbereiche und Systemarchitektur
Flächenobjekte (z.B. Altlastenstandorte oder Geographischer Informationssysteme (GIS)
Mülldeponien) sowie Einzelobjekte (z.B. Brun- im Bauwesen
nen oder Bohrlöcher) innerhalb von Flächen
und Flächenbegrenzungen. Alle Objekte besit- Die Nutzung von GIS hängt sehr stark von der
zen eine geometrische Repräsentation bzw. einen verfügbaren Hard- und Software ab. Der über-
direkten geometrischen Bezug. Entsprechend wiegende Teil der Anwender nutzt den PC als Ba-
werden alle Systeme zur Erfassung, Verwaltung, sistechnologie. Neben den reinen GIS existieren
Fortführung, Analyse, Generierung neuer Infor- Softwarekombinationen aus CAD und Daten-
mationen und Ausgabe raumbezogener, kom- bank, wie MM-GEO (Zusatzmodule zu Auto-
plexer und logisch-inhaltlich zusammenhän- CAD), MicroStation usw., die mit Datenbanken
gender Sach- und Geometriedaten (der realen (z. B. Oracle oder Informix) oder Statistikpaketen
Welt) als Geographische Informationssysteme (z.B. SPSS und SAS) verknüpft werden. Zu be-
bezeichnet [Diaz 1998]. merken ist, daß abhängig vom Fachgebiet ent-
Je nach Anwendung werden GIS unterschie- weder größerer Wert auf die Visualisierung oder
den in Netzinformationssysteme (NIS) zur Pla- die Datenhaltung gelegt wird [Bill/Fritsch 1991].
nung von Versorgungsnetzen (Strom, Wasser, Ein GIS kann sehr vielseitig verwendet wer-
Gas usw.), in Kommunale Informationssysteme den. Im Rahmen der Bau- und Umweltplanung
(KIS) für die Stadtplanung sowie Umweltinfor- dienen GIS als grundlegende Werkzeuge zur Pla-
mationssysteme (UIS) zur Unterstützung um- nung, Prognose, Beurteilung und Entschei-
weltrelevanter Problemstellungen. Zur Unter- dungsfindung bei Bauprojekten oder Raumpla-
stützung bautechnischer Ingenieuraufgaben nungsverfahren; sie werden häufig mit CAD und
werden GIS, im städtischen Bereich insbesonde- auch mit fachspezifischen Planungstechniken

BASIS-IS I Fachplaner
Kataster
Stadt-, Landesvermessung

Leitungsbelreiber
Gas, Strom, Wasser
""
c
2
o;
I Architekt
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c

- I Kommune
Bauverwaltung "'
E
E
Hoch·, Tiefbau
s
~

IStädtebau .g
c
Leitungsbelreiber
Planung
I §"'
IÖkonomische, Sozionomische Daten I .E
.!: I Fachbehörde
Andere Fachdaten
Deponie IMull-, Altlasten), Bahn, Fors~ Agrar I Bürger

Abb. 1.1·47 Komm unales Informationssystem als Spezialisierung eines GIS

1-44 Allgemeine Grundlagen


gekoppelt. GIS sind v.a. in den folgenden Teilbe- zeugten Vektorelemente können die geometri-
reichen der Bau- und Umweltplanung zu finden schen Grundfunktionen (Verschieben, Rotieren,
[Ebbinghaus/Günther u.a. 1992]: Spiegeln usw.) angewendet werden. Vektorgra-
- Bodenkunde, Hydrogeologie (z.B.Fernerkun- phiken sind unabhängig von der verfügbaren
dung zur Bodenfeuchtesimulation), Auflösung der Hardware, d.h., sie können belie-
- Ver- und Entsorgung, big skaliert werden. Mit geeigneten Gerätetrei-
- Bebauungsplanung, bern lassen sich Vektorgraphiken der jeweiligen
- Umweltqualitätsmanagement, digitalen Auflösung der Ausgabegeräte (Bild-
- Landschafts- und Umweltplanung sowie schirm, Drucker, Plotter) anpassen.
- Umweltüberwachung (z. B. Grundwasserüber- Sachdaten sind nichtgraphische, d.h. alpha-
wachung). numerische Daten wie Zahlen und Texte.
In Tabelle 1.1-9 werden Vektor- und Rastersy-
1.1 .8.3 steme hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile, ge-
Strukturen und Modelle räumlicher Daten speicherten Grundelemente, Verknüpfung mit
Sachdaten und Eignung für Planungsaufgaben
Die Datentypen eines GIS gliedern sich in Raster- einander gegenübergestellt.
daten, Vektordaten und Sachdaten. Die gleich-
zeitige Verarbeitung dieser Datentypen wird als 1.1.8.4
"hybride Datenverarbeitung" bezeichnet. Datenerfassung
Rasterdaten bestehen aus einzelnen Bildpunk-
ten (Pixel; Abb. 1.1-48). Die Qualität von Raster- Die verwendete Art der Daten ist abhängig vom
daten ist vorgegeben durch die Feinheit des ein- Erfassungsverfahren. Bei der Digitalisierung von
gestellten Bildpunktrasters. Pixelelemente sind Papiervorlagen mit Scannern werden mittels
durch Löschen und Neuzeichnen beliebig verän- elektro-optischer Verfahren Rasterdaten erzeugt,
derbar. Eine Skalierung von Pixelgraphiken ist die z. T. mit geeigneter Software und manueller
i.d.R. mit Qualitätsverlusten behaftet. Zum Bei- Nachbearbeitung in Vektordaten umgewandelt
spiel kann bei einer Vergrößerung der Pixelgra- werden können. Des weiteren läßt sich die Digi-
phik die Anzahl der Bildpunkte nicht erhöht wer- talisierung auch per Hand durch Abtasten einer
den. Der Speicheraufwand von Pixelgraphiken ist maßstäblichen Vorlage mit einem Zeigegerät
wesentlich größer als der von Vektorgraphiken, (z. B. Digitalisiertablett) durchführen. Bei der Er-
da jeder Bildpunkt in einer Informationseinheit fassung mittels photogrammetrischer Verfahren
mit Attributen gespeichert werden muß. werden Luftbildaufnahmen mit Scannern digi-
Vektordaten bestehen aus graphischen Ele- talisiert, oder die Rasterdaten werden direkt er-
menten, die durch mathematische Kurven be- zeugt. Im Rahmen der manuellen Erfassung
schrieben werden (Abb. 1.1-49). Auf die so er- werden die Koordinaten der Vektordaten einge-

Abb. 1.1-48 Pixelgraphik Abb. 1.1-49 Vektorgraphik

Bauinformatik 1-45
Tabelle 1.1·9 Rastersysteme ver5us Vektorsysteme

[ Rastersysteme Vektorsysteme
Vorteile - einfache Datengewinnung, z.B. - geringer Speicherbedarf
durch Scannen analoger Vorlagen - Attribute können für Punkte, Linien
- einfache Algorithmen der Bildbearbeitung und Flächen vergeben werden
anwendbar - einfache Bearbeitung und Erstellung in CAD
- detaillierte Daßteilung einer Information möglich, - hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit
da jedem Bildpunkt ein Farbwert zugeordnet werden
kann (z.B. Meereshöhen in einer Kartel - gute graphische Selektionsmöglichkeiten
- freie Skalierbarkeit
Nachteile - Attribute können nur für Punkte vergeben werden - analoge Vorlagen müssen zunächst
- durch Vergrößerung (Zoomen) keine Steigerung aufwendig digitalisiert werden
des Informationsgehaltes - komplizierte Algorithmen zur
- langsame Verarbeitungsgeschwindigkeit Bearbeitung erforderlich
gespeicherte - nurPunkte - Punkte, Linien, Flächen
Grundelemente
Verküpfung mit - nur für einzelne Bildpunkte möglich - einfach, da Objekte gebildet werden
Sachdaten - keine Objektbildung möglich können

Eignung - Visualisierung von Karten - Kataster, Vermessung


- Ausbreitungssimulation - Netzinformationssysteme
- Standortsuche - Simulation der Ausbreitung von
Schadstoffen

geben. Generell haben Vektordaten zwar die

l
höhere Aussagekraft und bieten reichhaltigere
Möglichkeiten der Verarbeitung und Auswer-
tung, sie erfordern aber bei der Erzeugung einen
größeren Ressourceneinsatz als Rasterdaten Generalisierung
[Bartelme 1995]. Objektbildung

~m
Der Aufbau eines GIS-Datenbestands beginnt
bei der topographischen Datenaufnahme [Pill-
mann 1992]. Dies kann durch Messungen in si-
tu oder in Form von digitalisierten Karten und Signatur·
Luftbildern geschehen [Stahl1995] . Als Ergebnis zuordnung
entsteht das Digitale Geländemodell (DGM), das
durch Objektbildung und Generalisierung ge-
prägt wird. Danach folgt die kartographische Be-
arbeitung, in der die graphischen Objekte des
DGM mittels einer Signatur klassifiziert werden.
Dieses Modell dient als Basis, um weitere benut-
zerspezifische. Informationen einzufügen. Das
hieraus resultierende, benutzerspezifische Ge-
ländemodell kann zur strukturierten Verwal-
tung der benötigten Informationen benutzt wer- Abb. 1.1·50 Datenfluß beim Aufbau eines GIS-Daten·
den. In Abb. 1.1-50 ist der Datenfluß zur Erstel- bestands
lung eines GIS-Datenbestands dargestellt.

1.1.8.5 sein können und die sowohl quantitative (geo-


Kopplung von Sach- und Lageinformationen metrische) als auch qualitative (thematische)
Komponenten aufweisen, werden als "raumbe-
Die in einem GIS enthaltenen Informationskom- zogene Objekte" bezeichnet [Göpfert 1987]. In
ponenten, die elementar oder zusammengesetzt Abhängigkeit vom räumlichen Bezug der Daten

1-46 Allgemeine Grundlagen


haben sie unterschiedliche Dimensionen für die thematischen Ebenen werden in den aus 1.1.5
Aspekte Geometrie und Thematik. bekannten Ebenen (auch "Folien" oder "Layer"
Bei geometrisch zweidimensionalen Syste- genannt) gespeichert und können in Abhängig-
men werden die Koordinaten mit x-und y-Wer- keit der benötigten Informationsdichte darge-
ten in der Ebene gespeichert. Wird zu dieser La- stellt werden.
ge die Höhe z als Attribut zusätzlich gespeichert,
so spricht man von "geometrisch zweieinhalb-
dimensionalen Systemen".
Werden x-, y- und z-Koordinaten in hinrei-
chender Dichte vollständig für Gebiete abge-
speichert, ist das GIS geometrisch dreidimen-
sional [Bill 1996]. Dabei ist zu unterscheiden
zwischen einem 3D-Linienmodell, z.B. einem
Grundriß mit überlagerten Höhenlinien, einem
3D-Flächenmodell, das i.d.R. in der einfachsten
Form aus Dreiecken im Raum zusammengesetzt
ist, und einem 3D-Volumenmodell, bei dem ein
komplexer Geländekörper aus Grundkörpern
(Quader, Kegel usw.) mit Booleschen Operatio-
nen (Addition, Subtraktion usw.) zusammenge-
setzt wird. Zusammenfassend sind die Dimen-
sionen von Geometriedaten in Abb. 1.1-51 dar-
gestellt (s. auch 1.1.4.2).
Die thematische Dimensionalität wird durch
die Anzahl der unterstützten thematischen Ebe-
nen charakterisiert. So besitzt z.B. ein GIS mit In-
formationen über Versorgungsleitungen, Nut-
zungs- und Bodeninformationen, Bebauung und
Verkehrswege sowie Grundwasser- und Gewäs-
Abb. 1.1-51 Dimension von Geometriedaten
serinformationen eine thematische Vierdimen-
sionalität (Abb. 1.1-52). Die unterschiedlichen

Gelände in der realen Weit


Versorgungsleitungen

Nutzungs- und
Bodeninformation

Darstellung im GIS

r
, /
Y
/
~ Bebauung und
Verkehrswege

Gewässerinformation

Abb. 1.1-52 Thematische Dimensionalität im GIS

Bauinformatik 1-47
1.1.8.6 den Möglichkeiten der Informations- und Korn-
Datenschnittstellen und Standardisierungen in munikationstechniken im Bauwesen auseinan-
Geographischen Informationssystemen (GIS) der zu setzen.

Zur Vereinheitlichung von GIS existieren zahl- Abkürzungen


reiche Standardisierungen für den Bereich der
Beschaffung, Speicherung, Verarbeitung und ALB Automatisiertes Liegenschaftsbuch
Übermittlung geographischer Informationen. ALK Automatisierte Liegenschaftskarte
Von der Vereinigung der kommunalen Spitzen- ALU Arithmetic and Logical Unit
verbände der Bundesländer wurde die Automati- AP Application Protocol
sierte Liegenschaftskarte (ALK) mit Richtlinien ARPA Advanced Research Project Agency
für den digitalen, kleinmaßstäblichen Karten- ASCII American Standard Code for Infor-
bereich auf der Grundlage von Punkt-, Grund- mation Interchange
riß- und Meßelementdateien entwickelt. Hinzu ATKIS Amtliches Topographisches Karto-
kommen Methoden der Erfassung und der inte- graphisches Informationssystem
grierten Vorgangsbearbeitung. Innerhalb der AVA Ausschreibung, Vergabe, Angebot
ALK wird zum Datenaustausch eine Einheitliche B-rep Boundary Representation
Datenbankschnittstelle (EDBS) definiert. Basie- CAD Computer Aided Design
rend auf der kleinmaßstäblichen ALK, setzt das CD-ROM Compact Disk - Read Only Memory
großmaßstäbliche Informationssystem, das Amt- COM Component Object Model
liche Topographische Kartographische Informa- CPU Central Processing Unit
tionssystem (ATKIS), auf. Zur gesonderten Ver- DBMS Datenbankmanagementsystem
waltung alphanumerischer Grundstücksdaten DCOM Distributed Component Object Model
existiert das Automatisierte Liegenschaftsbuch DFN Deutsches Forschungsnetz
(ALB), das von den Katasterämtern bearbeitet DGM Digitales Geländemodell
wird. Aufgrund dieser Standardisierungen ha- DOS Disk Operating System
ben Geoinformationssysteme inzwischen eine EDBS Einheitliche Datenbankschnittstelle
große Verbreitung in öffentlichen Institutionen EDV Elektronische Datenverarbeitung
gefunden. EOR End Of Record
FTP File Transfer Protocol
1.1.9 GAEB Gemeinsamer Ausschuß Elektronik
Schlußwort im Bauweseen
GIS Geographisches Informationssystem
Kaum ein anderes Wissensgebiet entwickelt sich HOAI Honorarordnung für Architekten und
derart schnell wie die Informations- und Kom- Ingenieure
munikationstechnologien sowie Methoden zur HTML Hypertext Markup Language
Simulation technisch-wissenschaftlicher und HTTP Hypertext Transfer Protocol
planerischer Prozesse. Mit Sicherheit kann des- lAI Internationale Allianz für Interopera-
halb davon ausgegangen werden, daß der Ein- bilität
fluß dieser Methoden auf das Bauwesen und da- IDL Interface Definition Language
mit die Bedeutung der Bauinformatik ·in den IFC Industry Foundation Classes
nächsten Jahren noch weiter steigen werden. Die IP Internet Protocol
extrem kurzen Innovationszyklen und das stän- IS Informationssystem
dige Auftauchen neuer Basistechnologien mit ISDN Integrated Services Digital Network
kaum absehbaren Implikationen auf mögliche ISO International Standardization Orga-
Anwendungen im Bauwesen machen es natur- nisation
gemäß überaus schwer, mehr als eine Moment- KIS Kommunales Informationssystem
aufnahme des Lehr- und Forschungsgebiets LAN Local Area Network
Bauinformatik - wie hier geschehen - darzu- MFC Microsoft Foundation Classes
stellen. NC Numerical Control
Wir haben deshalb versucht, aus der heutigen NIS Netzinformationssystem
konkreten Anwendung heraus einige grundle- OLE Object Linking and Embedding
gende, 'langlebige' Prinzipien aufzuzeigen. Dies OMA Object Management Architecture
sollte eine Basis dafür sein, sich ständig neu mit OMG Object Management Group

1-48 Allgemeine Grundlagen


OMT Object Modeling Technique systeme und amtliche topographische Karten
ORB Object Request Broker befaßt,
OSI Open Systems Interconnection - der Katastervermessung die örtliche Feststel-
PC Personal Computer lung, Abgrenzung und Sicherung des Eigen-
PoP Point of Presence tums an Grund und Boden durch Vermessung
RAM Random Access Memory der Flurstücke obliegt und
RMI Remote Method Invocation - die Ingenieurvermessung (häufig auch Ingeni-
ROM Read Only Memory eurgeodäsie genannt) sich mit der Anwen-
SDAI STEP Data Access Interface dung der Methoden der Geodäsie in anderen
SISD Single Instruction, Single Data Ingenieurdisziplinen (Bauingenieurwesen,
SQL Structured Query Language Maschinenbau, Flugzeugbau, Fahrzeugbau
STEP Standard for the Exchange of Product usw.) auseinandersetzt
ModelData
STL Standard Template Library 1.2.2
UI User Interface Bezugsflächen
UIS Umweltinformationssystem
UML Unified Modeling Language Zur Bestimmung der Position feststehender
WAN Wide Area Network oder beweglicher Objekte sind zunächst Aussa-
gen über Bezugsflächen zu treffen. Letztere sol-
len sich der Figur der Erde möglichst gut anpas-
sen. Eine sehr einfache Bezugsfläche ist die
1.2
Kugel mit einem Radius von 6371,0 km. Für vie-
Ingenieurgeodäsie
le Aufgabenstellungen ist diese Approximati-
onsfläche bereits genau genug. Eine genauere
1.2.1
Anpassung ist jedoch gegeben, wenn man die
Einführung
Erdfigur durch ein Rotationsellipsoid annähert.
Das Vermessungswesen befaßt sich mit der Ver- Die Definition eines solchen mittleren Erdellip-
messung und Berechnung größerer oder kleine- soids für die gesamte Erdoberfläche ist erst mit
rer Teile der Erdoberfläche und ihrer Darstel- Hilfe von Messungen zu künstlichen Erdsatelli-
lung: digital in räumlichen Informationssyste- ten möglich geworden. In der Vergangenheit ha-
men bzw. analog in Karten und Plänen. Wenn die ben aus praktischen Gründen einzelne Staaten
Bestimmung der Figur und des Schwerefeldes ihre Landesvermessung auf einem eigenen soge-
der Erde sowie die Erdrotation von besonderer nannten Referenz- oder Bezugsellipsoid berech-
Bedeutung sind, verwendet man den Begriff net, welches jeweils andere Dimensionen und
"Geodäsie". eine spezielle Lagerung zum Erdkörper hat. Die
Im allgemeinen beschreibt man die Objekte Länder haben dabei stets versucht, ihr Referenz-
in erdgebundenen Koordinatensystemen. Dies ellipsoid dem jeweiligen Vermessungsgebiet
schließt auch Aufgaben der Navigation ein. Die möglichst gut anzupassen.
Definition und Realisierung von Koordinaten- Im Vermessungswesen sind Niveauflächen -
systemen sowie die Herstellung von Beziehun- Flächen gleichen Schwerepotentials - von be-
gen zwischen ihnen ist folglich eine der wichtig- sonderer Bedeutung. Laut physikalischer Defi-
sten Grundaufgaben der Geodäsie. Bei hohen nition wird bei Bewegungen entlang einer Nive-
Genauigkeitsanforderungen und bewegten Ob- aufläche keine Arbeit verrichtet, d.h., es kann
jekten kommt noch die Zeit als vierter Parame- auch kein Wasser fließen. In der unendlichen
ter hinzu. Schar der Niveauflächen gibt es eine ausgezeich-
Das Vermessungswesen läßt sich in vier Teil- nete, die etwa in mittlerer Höhe der ruhend ge-
gebiete untergliedern, wobei dachten Meeresoberfläche verläuft; diese be-
- die Erdmessung sich mit der Bestimmung der zeichnet man als Geoid. Abbildung 1.2-1 zeigt die
Erdrotation sowie der Form und Größe der Anpassung eines Geoids und Ellipsoids an die
Erde und ihres Schwerefeldes auseinander- feste sichtbare Erdoberfläche (Lithosphäre) und
setzt, Meeresoberfläche (Hydrosphäre).
- die Landesvermessung sich mit der großräu- Die Abstände zwischen dem Geoid und dem
migen Erfassung der Landesoberfläche durch mittleren Erdellipsoid bezeichnet man als abso-
Festpunktfelder, geographische Informations- lute Undulation (Geoidundulation N); sie kön-

Ingenieurgeodäsie 1-49
1.2.3
Koordinatensysteme, Koordinaten-
transformationen

Je nach dem Zweck der gestellten Aufgabe arbei-


tet man im Vermessungswesen mit unterschied-
lichen Koordinatensystemen, wobei orthogona-
le kartesische und orthogonale Flächenkoordi-
naten bevorzugt werden. Die Definition von Ko-
ordinatensystemen beruht je nach der Zielset-
Abb. 1.2·1 Geoid, Ellipsoid
zung der gestellten Aufgabe auf Vereinbarungen
der Nutzer. In der Geodäsie sind die Koordina-
tensysteme ausgehend vom globalen Bereich bis
in den lokalen hinein hierarchisch gegliedert.
Zcts Allgemein unterscheidet man noch zwischen
dem ideellen Konzept und der Realisierung ei-
nes Koordinatensystems; das erste nennt man
international "Coordinate System", das zweite
"Coordinate Frame".

1.2.3.1
Koordinatensysteme in ihrer hierarchischen Folge

Das moderne Vermessungswesen stützt sich


heute wesentlich auf ein globales, geozentri-
Abb. 1.2·2 Referenzellipsoid mit ellipsoidischenund sches, mit der Erde fest verbundenes kartesi-
kartesischen Koordinaten sches System: das Conventional Terrestrial Sy-
stem (CTS). Dies ist in einem Inertialsystem -
Conventional lnertial System (CIS) - gelagert
nen Werte bis ±100m annehmen. Bei Referenz- (Abb.1.2-2). Laut Vereinbarung weist die Z-Ach-
ellipsoiden betragen die Abweichungen nur we- se des CTS zum mittleren Pol der Jahre 1900 bis
nige Meter. Hier spricht man von relativen Un- 1905, bezeichnet als Conventional International
dulationen. Origin (CIO); die XZ-Ebene liegt im mittleren
In der Vergangenheit wurden geodätische Meridian von Greenwich.
Lagenetze auf einem Ellipsoid berechnet. Dabei Der International Terrestrial Reference Frame
wurden die Lage- und die Höhenbestimmung (ITRF) ist eine Realisierung des CTS. Dieser Re-
getrennt, da man technisch brauchbare Höhen ferenzrahmen stützt sich erdumspannend auf
nur erhält, wenn man sie auf eine vom Schwere- etwa 150 Beobachtungsstationen. Die innere Ge-
feld beeinflußte Fläche wie das Geoid bezieht. nauigkeit des ITRF wird mit wenigen Zentime-
Ellipsoidische Koordinaten dienen als Ausgangs- tern angegeben. Da Bewegungen innerhalb der
produkt für die Herleitung ebener Kartensyste- Erdkruste vergleichsweise größere Beträge pro
me. Für die Höhen entstand ein eigenes Höhen- Jahr annehmen, gelten die Realisierungen nur
netz mit der Bezugsfläche Geoid. Aufgrund die- für einen bestimmten Zeitpunkt, was durch ei-
ser Aufteilung sprach man in der Vergangenheit ne angehängte zweistellige Jahreszahl ausge-
häufig von einer "zweidimensionalen Geodäsie". drückt wird (z.B. ITRF 89).
Mit Hilfe der Satellitenpositionierungsverfahren Das World Geodetic System 84 (WGS 84) ist ein
ist heute die gleichzeitige und gleichberechtigte weiteres globales Koordinatensystem, welches
Bestimmung der drei kartesischen Raumkoor- ebenfalls mit dem CTS übereinstimmt. Dieses
dinaten möglich. Diese lassen sich in ellipsoidi- System wurde durch fünf weltweit verteilte Kon-
sche Koordinaten (ellipsoidische Länge L, ellip- trollstationen realisiert.
soidische Breite B, ellipsoidische Höhe h) um- Das WGS 84 und der ITRF sind beide mit dem
rechnen (Abb. 1.2-2). Die Verbindung zwischen Satellitensystem Global Positioning System
den Geoidhöhen und den ellipsoidischenHöhen (GPS) verknüpft, so daß im Zusammenhang mit
ist über die Geoidundulationen gegeben. Messungen zu Satelliten auch von beiden Satel-

1-50 Allgemeine Grundlagen


litenbahndaten zur Verfügung gestellt werden
können.
Um in Europa ein noch dichteres Netz aufzu-
bauen, hat man sich I990 entschlossen, mit I989-
ITRF-Koordinaten von 35 europäischen Statio-
nen den Europäischen Terrestrischen Referenz-
rahmen (ETRF 89) zu definieren. Aufbauend auf
diesem Rahmen entstanden inzwischen natio-
nale Netze, wie ein Deutscher Referenzrahmen
(DREF).Auf diese Weise liegen inzwischen ITRF-
Koordinaten in einer hohen Verdichtungsstufe Abb. 1.2-3 Abbildung ellipsoidischer Koordinaten in
rechtwinklige Koordinaten
vor. GPS-Messungen in Verbindung mit perma-
nenten Referenzstationen (s. 1.2.8) stützen sich
auf diese Netze. lieh sind, von besonders praktischer Bedeutung
In den vergangenen Jahrhunderten entwik- ist jedoch, daß sie von der Richtung unabhängig
kelten die einzelnen Länder aus politischen und sind.
praktischen Gründen eigene Landesvermes- In der Praxis hat sich heute die Meridianstrei-
sungssysteme (LS). Basis ist ein orthogonales fenabbildung- vielfach auch Gauß-Krüger-Ab-
(rechtwinkliges) kartesisches System, dem ein bildung genannt - weltweit durchgesetzt. Ein
Ellipsoid zugeordnet ist. (Ein geeignetes karte- schmaler Streifen östlich und westlich ausge-
sisches System (X, Y,Z)Ls für das Referenzellip- wählter Mittelmeridiane wird so konform in die
soid ist gegeben, wenn man den Ursprung in den Ebene abgebildet, daß im Mittelmeridian Strek-
Mittelpunkt legt und die Zrs-Achse mit der klei- kentreue vorliegt (Abb. 1.2-3).
nen Halbachse zusammenfallen läßt.) Die LS Die x-Achse in der Abbildungsebene ist das
weisen gegenüber dem CTS leichte Verschie- Bild des Mittelmeridians des Referenzellipsoids
bungen und Verdrehungen auf. Beide Systeme und die y-Achse das Bild des Äquators. Die el-
lassen sich über Koordinatentransformationen lipsoidischen Koordinaten und die rechtwinkli-
miteinander verknüpfen: gen Koordinaten (XGK, Y GK) lassen sich über
Transformationsformeln ineinander umrech-
nen:
(1.2.I)
(1.2.3)

wobei"~" für Hin- und Rücktransformation Die Verzerrung der Strecken nimmt mit dem Ab-
steht. stand der Strecke vom Mittelmeridian zu. Eine
über weitere Transformationen lassen sich die I-km-Strecke wird bei einem mittleren Abstand
kartesischen und ellipsoidischen Koordinaten von 50 km (100 km) um 3,I cm (12,3 cm) durch
ineinander umrechnen: die Abbildung verlängert. Man begrenzt daher
die Meridianstreifen in der seitlichen Ausdeh-
nung so, daß die Verzerrungen gering gehalten
(1.2.2)
werden. In Deutschland z.B. wurden Systeme mit
den Hauptmeridianen 6°, 9°, 12°, I 5° östlich von
Für viele technische Aufgaben in der angewand- Greenwich als Abszissenachsen eingerichtet
ten Geodäsie benötigt man eine ebene Abbil- (Abb. 1.2-4). Jedes System hat nach beiden Sei-
dung des Ellipsoids, d. h. ein ebenes rechtwinkli- ten eine Ausdehnung von I 0 40' in Länge (etwa
ges Koordinatensystem. Man bevorzugt hierfür IOO km), so daß zwei benachbarte Systeme sich
isotherme Koordinaten, da sie eine konforme, mit 20 Längenminuten, d.h. einem im Mittel
d.h. winkeltreue Abbildung ermöglichen. "Iso- rund 23 km breiten Streifen überdecken.
therm" bedeutet, daß die Parameterlinien (Me- Auf Baustellen benötigt man spezielle Bau-
ridiane, Parallelkreise) orthogonal sind und auf stellenkoordinatensysteme (BKS) zur optimalen
ihnen ein gleicher Maßstab gegeben ist; d.h., es Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten
wird ein Netz aus infinitesimalen Quadraten ge- (s.l.2.IO und 1.2.II). Die Definition eines spezi-
bildet. Eine konforme Abbildung hat zwar den ellen Systems ist auch dann immer notwendig,
Nachteil, daß Längenverzerrungen unvermeid- wenn die Genauigkeitsanforderungen der Bau-

Ingenieurgeodäsie 1-51
Abb. 1.2·5 Ähnlichkeitstransformation
Abb. 1.2-4 Gauß-Krüger-Koordinatensysteme in
Deutschland (Ausschnitt)

stelle nicht vom übergeordneten System erfüllt


werden können.

1.2.3.2
Koordinatentransformationen
y
X (WGS84)
Bei Transformationen kartesischer Systeme voll-
zieht man i.allg. eine Verschiebung des Koordi-
natenursprungs, eine oder mehrere Drehungen
.G"
um die Koordinatenachsen und Maßstabsände- (X, Y, Z) => (8, L, h)
rungen (Abb. 1.2-5). Im Vermessungswesen .G"
wendet man vorwiegend die 7-Parameter-Ähn- (B,l) => (x, y)
lichkeitstransformation an; hier benutzt man
nur einen Maßstabsfaktor; sie ist damit kon-
form. Eine 7-Parameter-Transformation hat die
Form A"
3T ranslationen x, y, h
3 Rotationen um X·, y·, h·Achse

[:] =
Z 1
[:~] +qR[:]
ÖZ Zn
(1.2.4)
~
~
bzw. Ergebnis (x; y; H)LS

(1.2.5)
Abb. 1.2·6 Transformation eines Baustellennetzes in
Dabei beschreiben die Indizes I und II die bei- das landesnetz
den Systeme, ÖX die Translationen, q den Maß-
stabsfaktor und die Matrix R die Rotationen um
die X-, Y- und Z-Achse. Bei kleinen Drehungen Rotationswinkel i. d. R. sehr klein (einige Bogen-
hat R die Form sekunden). Der Maßstabsfaktor hat die Form
q =1 + m, wobeiminder Einheit ppm (mm/km)
Wz
-Wyl .
Wx (1.2.6)
angegeben wird.
Auf die Transformationen, Gin. (1.2.2) und
1 (1.2.3),kann hier nicht weiter eingegangen wer-
den; ausführliche Beschreibungen aller Trans-
Bei Transformationen eines Landessystems in formationen findet man u.a. in [Heck 1995) und
ein globales geozentrisches System sind z. B. die [Torge 2000].

1-52 AllgemeineGrundlagen
Wie bei Vermessungsaufgaben auf Baustellen Aufgaben am besten eignet. Ellipsoidische Hö-
vielfach alle diese Systeme ineinandergreifen, hen (Abb. 1.2-2) sind rein geometrisch definier-
soll das folgende Beispiel zeigen, bei .dem ein te Höhen und daher nur für Spezialaufgaben von
Baustellennetz mit hoher Genauigkeit durch das Bedeutung. Um die physikalischen Vorgänge auf
satellitengestützte GPS-Verfahren vermessen der Erde besser zu erfassen, werden Höhen in
wird und in ein weniger genaues Landesnetz ein- der Geodäsie nicht in Metern, sondern in Poten-
zupassen ist (Abb. 1.2-6). tialdifferenzen gemessen. Wie Wasser fließt oder
Aufgrund der GPS-Messungen liegen dann welche Arbeit ein Fahrzeug zu leisten hat, wenn
Koordinaten (X, Y,Z) in dem globalen Bezugssy- es einen Berg überquert, läßt sich mit Potential-
stem WGS 84 (oder ITRF) vor. Für einen Teil die- differenzen, nicht jedoch mit ellipsoidischen
ser Punkte sollen auch Gaußsehe Koordinaten Höhen, beschreiben.
(x,y)Ls und geoidbezogene Höhen (Hhs im Lan- Wie die einführenden Bemerkungen zeigen,
dessystem gegeben sein; bei ihnen handelt es ist es sinnvoll, Höhen im allgemeinen auf Nive-
sich somit um identische Punkte. Die Koordina- auflächen - Flächen gleichen Schwerepotentials
ten der Neupunkte sollen optimal in das Landes- -zu beziehen (Abb. 1.2-7)
system eingepaßt werden. Zunächst sind die
geozentrischen kartesischen Koordinaten
W = Wp =konst . ( 1.2.7)
(X, Y,Z)wGs84 in ellipsoidische Koordinaten (B,L) Wegen der Abplattung der Erde, der Erdrotation
und ellipsoidischeHöhen (h) umzurechnen. Es und der ungleichen Verteilung der Massen in-
erfolgt eine weitere Transformation, durch wel- nerhalb der Erde verlaufen die Niveauflächen
che die ellipsoidischen Koordinaten (B,L) in nicht parallel und die Lotlinien, welche die Ni-
Gaußsehe (x,y) umgewandelt werden, wonach veauflächen senkrecht schneiden, sind Raum-
schließlich das Koordinatentripel (x,y,h)wGs 84 kurven. Bewegt man sich auf einer Niveaufläche,
vorliegt. so folgt dW=O. Erfolgt die Bewegung in Rich-
Im Landessystem seien für die identischen tung der äußeren Flächennormalen h, so beträgt
Punkte die Koordinaten (x,y,H)Ls gegeben. Mit die Potentialdifferenz
einer Höhentransformation sind dann zunächst
dW=-g·dh, (1.2.8)
mit Hilfe der Geoidundulationen N (s.l.2.2) die
geoidbezogenen Höhen (Hhs in ellipsoidische wobei g die Schwere beschreibt, die senkrecht
(h)Ls umzuwandeln. auf W =Wp steht. Die Beziehung (1.2.8) be-
Erst nach diesen vorbereitenden Berechnun- schreibt den fundamentalen Zusammenhang
gen kann man jetzt mit den Koordinatentripein zwischen der Potentialdifferenz (physikalische
(x,y,h)Ls und (x,y,h)wGs 84 die Transformations- Größe) und dem Höhenunterschied (geometri-
parameter in einem Teilsystem berechnen und sche Größe). Verändert sich g auf der Niveauf-
anschließend mit diesen die Neupunkte trans- läche, so muß sich entsprechend GI. ( 1.2.8) auch
formieren. Bei technischen Netzen läßt man der Abstand dh zur benachbarten Niveaufläche
häufig den Maßstabsfaktor unberücksichtigt, ändern. Da die dh in der Lotlinie liegen, ist d W
wenn das neu vermessene Netz eine höhere Ge- wegunabhängig.
nauigkeit aufweist als das übergeordnete. Die Idealisiert kann man das Wassei der Meere als
Höhen sind schließlich noch einer inversen frei bewegliche, homogene Masse betrachten, auf
Höhentransformation zu unterwerfen, um die welche nur die Schwerkraft wirkt. Die Ober-
ellipsoidischen Höhen in geoidbezogene (H)Ls
umzuwandeln. Für jeden Neupunkt gibt es dann
das Koordinatentripel (x,y,H)LS·

1.2.4
Höhen und Höhensysteme

1.2.4.1
Grundlagen

In der Wissenschaft hat man sich bis heute nicht


einigen können, welche Definition der Höhe Abb.1.2-7 Definition von Höhen
bzw. welches Höhensystem sich für praktische

Ingenieurgeodäsie 1-53
fläche bildet dann eine Niveaufläche des Schwe- funktion U gemacht werden. In bezugauf die Ni-
refeldes, welche man sich unter den Kontinenten veaufläche U=U0 sind in einem solchen Schwe-
fortgesetzt denken kann (Abb. 1.2-1). Diese Ni- refeld die Normalhöhen definiert. Für die Trans-
veaufläche wird als Geoid bezeichnet (s. 1.2.2); formation berechnet man jetzt als Schwerewert
sie folgt der Gleichung einen Normalschwerewert hypothesenfrei im
definierten Normalschwerefeld.
W= W0 =konst .
. In der Vergangenheit haben viele Länder (z.B.
Sie ist eine geeignete Bezugsfläche für Potential- Deutschland und Österreich) mit orthornetri-
differenzen, welche das geometrische Nivelle- sehen Höhen gearbeitet. In den Staaten Osteu-
ment zusammen mit Schweremessungen liefert. ropas hatte man jedoch Normalhöhen einge-
Ein Punkt auf der Erdoberfläche läßt sich im Sy- führt. Auch Deutschland hat sich nach der Wie-
stem der Niveauflächen durch eine negative Po- dervereinigung für diese Höhen entschieden. Es
tentialdifferenz zum Geoid festlegen (Abb. 1.2-7). ist geplant, künftig in ganzEuropadie Normal-
Ist P0 ein Punkt auf dem Geoid mit dem Poten- höhen zu verwenden.
tial W0 , so beschreibt das wegunabhängige Lini-
enintegral 1.2.4.2
p p
Höhenfestpunktfelder
c = W0 - WP =- JdW = Jg ·dh (1.2.9)
P0 P0
Die Ausgangspunkte nationaler und internatio-
naler Höhensysteme sind auf das Mittelwasser
die Potentialdifferenz gegenüber dem Geoid. C bestimmter Küsten bezogen; die Mittelwasser-
wird geopotentielle Kote genannt. Geopotentiel- marke wird mit Hilfe von Registrierungen an
le Koten lassen sich durch Nivellieren (s.l.2.5.3) Gezeitenpegeln festgelegt. In Europa ist künftig
und Messen der Schwere an der Erdoberfläche der sog. "Europahorizont" maßgeblich, welcher
hypothesenfrei bestimmen. sich auf das Mittelwasser der Nordsee der Jahre
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Er- 1940 bis 1958 bezieht und aus Beobachtungen
gebnis eines Nivellements (Summe der bei jeder am "Neuen Amsterdamer Pegel" abgeleitet ist.
Einzelaufstellung ermittelten Höhenunterschie-
de dh) wegabhängig ist. Um eindeutige Ergeb-
nisse zu erzielen, müssen die Ergebnisse des
Nivellements transformiert werden. Ausgehend
von GI. (1.2.9),gibt es hierfür mehrere Wege, wo-
bei für die Praxis von Bedeutung ist, daß man die
Höhen in Metern angeben kann. Beispielsweise
lassen sich die geopotentiellen Koten in metri-
sche Höhen transformieren, indem man durch
einen Schwerewert dividiert [Torge 2000].
Nimmt man als Schwerewert eine mittlere
Schwere, die sich durch Mittelbildung von a Mauerbolzen
Schwerewerten längs der Lotlinie ergibt, so er-
hält man orthornefrische Höhen H. Diese Schwe-
rewerte können nur durch die Annahme von Hy-
pothesen über den Dichteverlauf in der Erdkru-
ste bestimmt werden.
Nachteilig bei dieser Transformation ist, daß
Punkte auf ein und derselben Niveaufläche un-
terschiedliche orthometrische Höhen haben, da
unberücksichtigt bleibt, daß die Niveauflächen
nicht parallel verlaufen. In vielen praktischen
Fällen - insbesondere im Flachland - kann die-
ser Effekt jedoch vernachlässigt werden. b Pfeilerbolzen
Ein Rotationsellipsoid kann mit einem künst-
lichen sog. "normalen" Schwerefeld ausgestattet Abb. 1.2·8 Höhenmarken
und zur Niveaufläche U0 -konst einer Potential-

1-54 Allgemeine Grundlagen


Die einzelnen Länder unterhalten nationale Theodolits. Er besteht aus einem festen und ei-
Höhennetze; für Deutschland z.B. ist dies das nem um die Vertikalachse (Stehachse) drehba-
Deutsche Haupthöhennetz (DHHN). Es besteht ren Teil. Der bewegliche Teil ist die Stütze, wel-
aus Nivellementschleifen mit einem Durchmes- che die Steh- und Kippachse miteinander ver-
ser von 20 bis 80 km. Die im DHHN berechne- bindet. Die Kippachse ist in der Stütze drehbar
ten Höhen stellen den in Meter ausgedrückten gelagert und trägt fest verbunden mit ihr das
Abstand von einer Bezugsfläche (s. 1.2.4.1) dar. Fernrohr und den Vertikalkreis. Die Stehachse,
Dieses Netz 1. Ordnung wurde durch weitere ein Teil der Stütze, kann sich in der Stehachs-
Netze 2., 3. und 4. Ordnung so verdichtet, daß buchse drehen. Die Stehachsbuchse trägt den
nun Höhenmarken landesweit in einem Abstand Horizontalkreis und verbindet den drehbaren
von 1 bis 2 km zur Verfügung stehen. Die Punk- Teil des Theodoliten mit dem festen Unterbau,
te werden normalerweise durch Mauerbolzen einem Dreifuß. über Indexmarken können am
(Abb. 1.2-Sa) oder Pfeilerbolzen (Abb. 1.2-Sb) Horizontal- und Vertikalkreis Horizontalrich-
vermarkt. tungen rund Vertikalrichtungen (Zenitwinkel) z
abgelesen werden. Die Vertikalrichtungen bezie-
1.2.5 hen sich auf die Richtung zum Zenit, die Hori-
Richtungs-, Distanz- und Höhenmessung zontalrichtungen auf die Nullmarke des Teil-
kreises (Abb. 1.2-10).
Um Punkte in der Ebene oder im Raum mit Die gemessenen Richtungen sollen sich auf
Koordinaten festlegen zu können, mißt man die Koordinatenachsen der Koordinatensysteme
Richtungen, Distanzen und Höhenunterschiede. beziehen. Man läßt daher normalerweise die
Richtungen mißt man mit einem Theodolit, Stehachse mit der Richtung zum Zenit (häufig
Distanzen mit Stahlmaßstäben, Meßbändern, als z-Achse bezeichnet) zusammenfallen. Prak-
Meßdrähten oder elektronischen Distanzmes- tisch erfolgt dies über das Einstellen von Drei-
sern, Höhenunterschiede mit Nivelliergeräten, fußschrauben und das Beobachten einer zwei-
hydrostatischen Meßsystemen oder trigonome- achsigen Libelle. Die durch das Fernrohr defi-
trischen Verfahren. nierte Zielachse läßt sich desto genauerauf eine
Zielmarke einstellen, je höher die Qualität des
1.2.5.1 Fernrohres ist.
Richtungsmessung mit dem Theodolit Die zuvor beschriebenen Richtungen lassen
sich nur dann fehlerfrei messen, wenn folgende
Der Theodolit ist ein Instrument, mit dem sich Bedingungen erfüllt sind:
Horizontal- und Vertikalrichtungen messen las- - Die Stehachse muß streng lotrecht ausgerich-
sen. Abbildung 1.2-9 zeigt den Aufbau eines tet sein.

P'1
Zielachse
I
z j Stehachse
~i
Kippachse
_.,
. / · / Kippachse
Stütze
Horizontierlibelle
Kugellager
Horizontalkreis
Stehachsbuchse
Dreifuß
Dreifußschraube

Abb. 1.2-9 Theodolit Abb. 1.2-10 Horizontal· und Vertikalrichtungen

Ingenieurgeodäsie 1-55
- Die Kippachse muß senkrecht auf der Steh- Standpunktes und (X& Yi) die Koordinaten des
achse stehen. Zielpunktes beschreiben.
- Die Zielachse soll die Kippachse senkrecht Die Meßvorgänge sind heute weitgehend
schneiden. automatisiert: Die Richtungen werden elektro-
- Die Stehachse soll den Horizontalkreis senk- nisch abgetastet, die Achsen lassen sich über
recht in seinem Mittelpunkt und die Kippach- Stellknöpfe oder vom Computer gesteuert mit
se den Vertikalkreis senkrecht in seinem Mit- Servomotoren bewegen, und auch der Zielvor-
telpunkt durchstoßen. gang läßt sich in einigen Instrumenten automa-
tisch ausführen. Für das Horizontieren nutzt
Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, so lassen man elektronische Libellen, über die sich ge-
sich die hieraus resultierenden Richtungsfehler ringfügige Fehlausrichtungen automatisch kor-
nahezu vollständig mit Hilfe spezieller Meßan- rigieren lassen.
ordnungen beseitigen [Kahmen 1997]. Auf der Gegenstation verwendet man speziel-
Die gemessenen Horizontalrichtungen sind nur le Zielmarken. Bei hochgenauen Messungen kann
dann für Koordinatenberechnungen zu verwen- der Theodolit samt Stehachsbuchse aus dem
den, wenn sie sich auch auf die horizontalen Ko- Dreifuß gelöst bzw. herausgehoben und gegen ei-
ordinatenachsen beziehen,d.h., sie müssen noch ne Zieltafel ausgetauscht werden. Der Fuß der
orientiert werden. Man macht dies rechnerisch, Stehachsbuchse und der Zieltafel müssen dann
indem die Nullrichtung des Teilkreises so lange identisch sein. Diese Art der austauschbaren Zen-
verdreht wird, bis sie mit der x-Richtung des Ko- trierung bezeichnet man als Zwangszentrierung.
ordinatensystems zusammenfällt. Hierfür muß Für die Beurteilung der Qualität der Theodo-
aber zumindest ein Festpunkt angezielt werden. lite wird nach DIN 18723 angegeben, mit wel-
Den Drehwinkel bezeichnet man als Orientie- cher Standardabweichung sich Richtungen mes-
rungsunbekannte <p. sen lassen. Man unterscheidet
Koppelt man den Theodolit mit einem Ver- - Theodolite niederer Genauigkeit 0,5 ... 1 cgon,
messungskreisel, so lassen sich die Horizontal- - Theodolite mittlerer Genauigkeit 1 mgon,
richtungen ohne Anzielen eines Festpunktes ori- - Theodolite hoher Genauigkeit 0,1 ... 0,2 mgon.
entieren. Dieses Verfahren wendet man jedoch
nur bei Spezialaufgaben an (z.B. beim Tunnel- 1.2.5.2
bau), da die Instrumente sehr kostspielig sind. Distanzmessung mit Stahlmaßstäben, Meßbändern
In einem ebenen Koordinatensystem (Abb. und elektronischen Distanzmessern
1.2-ll) läßt sich für jede gemessene Richtung ri
eine Beobachtungsgleichung Stahlmaßstäbe verwendet man insbesondere,
Yk-Y wenn Messungen auf engem Raum und mit ge-
Li=ri =arctan---1 -<pi (1.2.10) ringem Aufwand auszuführen sind. Zweckmäßig
xk -xi
verwendet man 1 m lange Stäbe mit schneiden-
aufstellen, wobei (XJo Jk) die Koordinaten des förmigen Enden, deren Länge mit Hilfe der Glei-
chung des Längenmaßstabs
(1.2.11)

ermittelt werden kann. Dabei bedeutet L0 die


Sollänge des Maßstabs in Meter unter Normal-
N(x,, y,) bedingungen (z.B. 20°C), kK die Kalibrierkorrek-
; (j>, I
tion und k1 die Temperaturkorrektion. Die Kor-
:---...-· rektionen berechnet man aus den Beziehungen
: /
:_~ ö
kK =I-; k 1 =l·a 51 (t-20°C)
Lo
mit der zu korrigierenden Länge I, dem durch
~----------------. y
Kalibrieren des Maßstabs bei Normaltemperatur
(20°C) erhaltenen Überschuß ö über L 0 , dem
Abb. 1.2-11 Richtungen und Strecken in einem recht· linearen Temperaturausdehnungskoeffizienten
winkligen Koordinatensystem a 5 r von Stahl und der Temperatur t während der
Messung.

1-56 Allgemeine Grundlagen


Diese Normalmeter sind gewöhnlich nicht mit de, Mikrowellendistanzmesser für Distanzmes-
einer Teilung versehen; die Reststrecken werden sungen zu Satelliten ein. Die Meßprinzipien sind
daher mit einem kurzen Stahlmeßband oder, in Abb. 1.2-12a bis d wiedergegeben.
wenn es sich um geringe Abweichungen von ei- Bei Laserentfernungsmessern (Abb. 1.2-12a)
nem vollen Meter handelt, mit einem Meßkeil befinden sich der Sender S und der Empfänger
bestimmt. E auf einer Station, auf der Gegenstation baut
Prüfmeterstäbe werden mit einem Prüfschein man einen Reflektor R (ein Prisma) auf. Der Sen-
satzweise geliefert. Sie sind i.d.R. mit A und B der sendet durch Modulationsverfahren erzeug-
bezeichnet und haben eine Länge von te Impulse aus, welche die zu messende Strecke
1000 ± 0,02 mm. Typisches Anwendungsgebiet durchlaufen, am Reflektor reflektieren und
ist z.B. die stichprobenweise Überprüfung von schließlich vom Empfänger empfangen werden.
Fertigteilen bei Fertigteilbauprojekten [Kahmen Zum Empfänger gelangt außerdem ein geringer
1997]. Anteil des ausgesendeten Impulses unmittelbar.
Nutzt man ein Meßband, so läßt sich seine Ein hochgenauer Laufzeitmesser L bestimmt die
tatsächliche Länge ebenfalls mit GI. ( 1.2.11) be- Differenz der Laufzeit beider Impulse; sie ent-
rechnen. Bei hohen Genauigkeitsanforderungen spricht der Zeit 2t, die der externe Impuls für das
sind allerdings noch weitere Korrekturen zu zweimalige Durchlaufen der Distanz D benötigt
berücksichtigen [Kahmen 1997]: und muß daher noch halbiert werden.
- eine Durchhangkorrektur, wenn das Band Bei Mikrowellengeräten befinden sich Sender
nicht aufliegend benutzt wird, und Empfänger auf verschiedenen Stationen
- eine Spannkraftkorrektur, wenn die Zugspan- (Abb. 1.2-12b ). Für das Aussenden und Empfan-
nung für das geradlinige Ausrichten des Ban- gen der Meßsignale benötigt man Antennen A.
des nicht der Zugspannung bei der Eichung
entspricht.
Distanz
Heute setzt man vorwiegend elektronische Ent-
fernungsmesser ein. Sie messen die Laufzeit t,
welche ein Meßsignal benötigt, um die auszu-
messende Distanz D zu durchlaufen. Die Distanz a
berechnet sich dann aus
D=c· t (1.2.12) ___________ o!~p~uls

mit A A E
c =Co (1.2.13)
n u
Dabei beschreibt c die aktuelle Ausbreitungsge- b

schwindigkeit der elektromagnetischen Wellen,


c0 die Ausbreitungsgeschwindigkeit im Vakuum
und n den Brechungsindex des Ausbreitungs-
mediums.
Die Geräte arbeiten entweder mit dem Im-
puls- oder Phasenvergleichsverfahren. Als Trä-
gerwellen nutzen sie vorwiegend Laser oder Mi-
krowellen. Für die Laufzeitmessung werden die
Meßsignale den Trägerwellen aufgeprägt; einige
Geräte messen die Laufzeit auch unmittelbar mit
den Trägerwellen. Für Geräte, die mit Laser d
arbeiten, ist die Reichweite durch die Witterung
begrenzt; sie entspricht etwa der Sichtweite,d.h., a Laserentfernungsmessung
b Mikrowellengerät
bei dunstigem Wetter kann sie auf weniger als c, d Phasenvergleichsverfahren
100 m eingeschränkt sein. Mikrowellengeräte
arbeiten unabhängig von der Witterung. Elektro-
Abb. 1.2-12 Prinzipien der Distanzmessung
optische Distanzmesser setzt man für Distanz-
messungen zwischen zwei Stationen auf der Er-

Ingenieurgeodäsie 1-57
Sender und Empfänger müssen bei diesem Ver- - Längenverzerrung rL wegen der ebenen Ab-
fahren mit einer hochgenauen Uhr U gekoppelt bildung des Ellipsoids (z.B. Gauß-Krüger-Ab-
sein. Die Uhr im Sender bestimmt, wann der Im- bildung).
puls gesendet wird, die Uhr im Empfänger die
Empfangszeit Die Laufzeit ermittelt der Emp- Je nach ihrer Genauigkeit (Standardabweichung
fänger mit einem Korrelator. d5 einer gemessenen Distanz) kann man die Di-
Geräte, die mit dem Phasenvergleichsverfah- stanzmesser in zwei Gruppen aufteilen:
ren arbeiten (Abb. 1.2-12c,d), sind ähnlich auf- - Distanzmesser hoher Genauigkeit
gebaut wie lmpulsentfernungsmesser. Hier wird 1.. .5 mm + 1. .. 3 ppm,
mit einem Phasenmesser Ph die Differenz der - Distanzmesser mittlerer Genauigkeit
Phasen gemessen, die das Meßsignal im Sender 0,1...3 m.
und Empfänger hat. Für den einfachen Weg zwi-
schen Sender und Empfänger soll diese tP be- Die Strecke s berechnet sich aus der am Gerät ab-
tragen. Die Laufzeit erhält man dann nach Divi- gelesenen Distanz D nach
sion durch die Frequenz <1> des Meßsignals zu
s = D + ko + kn + rs + rL . (1.2.15a)
tP
t=-j" (1.2.14) Sie läßt sich in einem ebenen Koordinatensy-
stem (Abb. 1.2-11) durch die Beobachtungsglei-
Ähnlich wie bei der mechanischen Längenmes- chung
sung müssen für die gemessene Distanz noch
Verbesserungen durchgeführt werden, bevor mit L; =s; =q~(xk -X; )2 +(yk- Yi )2 (1.2.15b)
ihr in einem ebenen Koordinatensystem Koor-
dinatenberechnungen ausgeführt werden kön- darstellen. Ein Maßstabsfaktor q ist dann zu be-
nen [Kahmen 1997] . Man unterscheidet physi- rücksichtigen, wenn die Maßeinheit des Fest-
kalische Korrektionen punktfeldes sich von der des Meßgeräts unter-
- Nullpunktkorrektur k0 , (wenn der Anfang und scheidet.
das Ende der gemessenen Strecke nicht mit
den Stehachsen der Geräte zusammenfällt), 1.2.5.3
- Korrektur wegen Brechungsindex kn, (wenn Höhenmessung durch Nivellieren und trigono-
der tatsächliche Brechungsindex des Ausbrei- metrische Höhenübertragung
tungsmediums nicht mit dem zusammenfällt,
für welchen das Meßverfahren konzipiert Der Höhenunterschied zweier Punkte A und B
wurde), wird ermittelt, indem man ihren lotrechten Ab-
stand in bezug auf eine horizontale Linie oder
und geometrische Reduktionen (Abb.1.2-13) Ebene mißt (Abb.l.2-14a bis c). Die Bezugslinie
- Reduktion r 5 der schräg im Raum gemessenen bzw. Bezugsebene stellt man mit einer Nivellier-
Distanz D auf die entsprechende Länge S in einrichtung her, und zum Ausmessen der lot-
der Bezugsfläche (Ellipsoid oder näherungs- rechten Abstände dienen Nivellierlatten oder an-
weise Kugel bzw. Ebene), dere Maßstäbe.
Das am häufigsten verwendete Nivelliergerät
besteht aus einem Fernrohr, mit dem eine Ziel-
linie definiert wird, und einer Zusatzeinrich-
tung, mit der sich die Ziellinie horizontieren läßt
(Abb. 1.2-14a). Die Ziellinie ist durch den Mit-
telpunkt des Objektivs und ein Strichkreuz in
der Abbildungsebene des Objektivs gegeben. Das
Fernrohr ist über einen festen Unterbau mit dem
Dreifuß verbunden. Der Dreifuß wird mit einer
Klemmschraube auf dem Teller eines Stativs be-
festigt. Über Dreifußschrauben kann der Drei-
fuß relativ zum Stativ bewegt und mit einer Li-
belle in Zielachsenrichtung horizontiert werden.
Abb.1.2-13 Geometrische Reduktion derStrecken Die zuvor beschriebenen Nivelliergeräte be-
zeichnet man als Libellennivelliere.

1-58 Allgemeine Grundlagen


Maßstab

Horizont
R V Okular

Abb. 1.2·15 Prinzip des Kompensatomivelliers


a Mit Fernrohr
Meßgefaß 8
Beobachter mit Hilfe der Strichmarke im Fern-
A Horizont
rohr den Meßwert an der Nivellierlatte ab. Digi-

"·ß:=;::r
tale Nivelliere arbeiten mit Latten, bei denen Tei-
lung und Ziffern durch einen Code ersetzt sind.
In den optischen Strahlengang dieser Nivelliere
:---- ist eine digitale Kamera eingebaut, die Bilder des
Bezugsfläche Codes dort aufnimmt, wo die horizontale Zielli-
b mittels Schlauchwaage
nie die Latte trifft. Der Code der gesamten Latte
ist auch in einem Computer des Nivelliers ge-
speichert. Die Ablesung erhält man mit Metho-
den der digitalen Bildverarbeitung, indem der
Codeausschnitt so lange längs des gespeicherten
Codes verschoben wird, bis dieserdetektiert ist.
Der Meßwert entspricht dem Betrag der Ver-
Hr:.:.···J·p u . . _ - - - - schiebung.
r ...________ ----'0_ ___.

Die Ablesung der vorderen Latte bezeichnet


c trigonometrische Höhenmessung
man als Vorblick V, die an der zurückliegenden
Latte als Rückblick R. Der gemessene Höhenun-
Abb. 1.2·14 Meßprinzipien fi.Jr Höhenmessungen terschied beträgt dann (Abb. 1.2-14a)
h=R-V. (1.2.16)
Heute werden vorwiegend Kompensatornivel- Höhere Genauigkeiten erzielt man mit Nivel-
liere verwendet. Der äußere Aufbau entspricht lierverfahren nur dann, wenn die Zielweite be-
dem der Abb. 1.2-15. Um Zeit beim Einstellen grenzt wird; je nach Anforderung beträgt sie et-
einzusparen,horizontiert man diese Instrumen- wa 20 bis 100m. Bei größeren Punktabständen
te nur noch näherungsweise mit einer Dosenli- muß man daher die Nivellementslinie durch
belle. Wie Abb. 1.2-15 zeigt, verläuft dann der Wechselpunkte W; in einzelne Meßabschnitte
durch den Mittelpunkt des Objektivsystems ge- unterteilen (Abb. 1.2-16). Der gemessene Höhen-
hende horizontale Zielstrahl nicht mehr durch unterschied berechnet sich dann aus
das Strichkreuz. Er muß daher an der Stelle K
durch ein optisches Bauelement entsprechend (1.2.17)
umgelenkt werden. Die Steuerung der Strahl-
umlenkung erfolgt mit Hilfe der Schwerkraft, Für die Beurteilung der Meßgenauigkeit von
und zwar i.d.R. durch Pendel, die mit bewegli- Nivellieren und Meßausrüstung wird nach DIN
chen Umlenkprismen gekoppelt sind. Im Ver- 18723 die Standardabweichung für 1 km Doppel-
gleich zu Libellennivellieren erhöht sich die nivellement angegeben. Man unterscheidet
Meßgeschwindigkeit um 30% bis 40%. - Nivelliere mittlerer Genauigkeit~ 10 mm/km,
Nivellierlatten sind normalerweise 3m lang - Nivelliere hoher Genauigkeit ~ 3 mm/km,
und haben eine Teilung auf der Vorderfläche; der - Nivelliere höchster Genauigkeit~ 0,5 mm/km.
Teilungsnullpunkt liegt in der Ebene der Auf-
satzfläche. Präzisionslatten haben genauere Tei- Neben der Qualität der Nivellierausrüstung ist
lungen. Bei analogen Nivelliergeräten liest der die Wahl der Meßanordnung für die Genauig-

Ingenieurgeodäsie 1-59
Bezugsfläche

Abb. 1.2-16 Nivellierenlangseiner Nivellementslinie

keit von großer Bedeutung. Um den Einfluß von h =i + sR cos z - t (1.2.18)


Erdkrümmung und Refraktion zu eliminieren,
sollte das Nivellier möglichst in der Mitte zwi- mit der Höhe i der Kippachse des Theodolits
schen den Latten aufgestellt werden. Bei höhe- über dem Punkt A und der Höhe t der Zielmar-
ren Genauigkeiten macht man Doppelablesun- ke über dem Punkt B. Vergleicht man das Ver-
gen in der Reihenfolge R1> VI> Vz, Rz und bildet fahren mit dem der Abb. 1.2-14a, so ist jetzt der
schließlich den Vor- und Rückblick aus Rückblick R durch i und der Vorblick V durch
( V1+Vz)/2 und (R 1+ R2)!2. t- sR cos z gegeben. Genauigkeiten besser als
Ein Spezialnivellier ist die Schlauchwaage 1 mm sind möglich. Bei hohen Genauigkeiten
(Abb. 1.2-14b). Sie besteht aus Meßgefäßen - müssen allerdings eine Korrektion TE wegen der
i.d.R. Glaszylinder mit einer Teilung- und ei- Erdkrümmung und eine Korrektion TRef wegen
nem Schlauch, der die Meßgefäße miteinander Zielstrahlverbiegungen aufgrund von Refrakti-
verbindet. Die Meßeinrichtung wird mit einer onserscheinungen berücksichtigt werden. Beide
Flüssigkeit gefüllt; die Flüssigkeitsoberfläche bil- Einflüsse nehmen mit dem Quadrat des Ab-
det dann den Bezugshorizont Den Höhenunter- stands der Meßpunkte zu. Der Einfluß der Erd-
schied zweier Meßmarken erhält man aus den krümmung beträgt bei einem Punktabstand von
Skalenablesungen der Meßgefäße in bezug auf 200 m 3,2 mm. Für alle Höhenmeßverfahren
den Horizont. Die Meßeinrichtungen können (Abb. 1.2-14) gilt die Beobachtungsgleichung
auch mehrere Meßgefäße umfassen.
h = HB- HA+ Korrektionen, (1.2.19)
Die Messungen lassen sich automatisieren,
wenn die Änderungen der Flüssigkeitspegel in die jetzt neben der Meßgröße h und den Kor-
den Gefäßen mit einem elektrischen Sensor (Ex- rektionen die Höhen (HA, HB) der Punkte A und
tensometer) beobachtet werden. Ein Computer B über dem Bezugshorizont enthält.
kann dann den Zeitpunkt der Messungen steu- Die Höhenaufnahme läßt sich mit den Meß-
ern und eine Auswertung in Echtzeit vornehmen. einrichtungen der Abb. 1.2-14 auch flächenhaft
Genauigkeiten von 0,5 bis 0,1 mm bei Gefäßab- ausführen. Die horizontale Bezugslinie muß dann
ständen von mehreren hundert Metern sind um eine vertikale Achse geschwenkt werden. Bei
möglich. Wichtige Einsatzgebiete sind Deforma- einem Nivelliergerät mit Fernrohr und Theodo-
tionsmessungen zur Überwachung von Bauwer- lit ist dies aufgrundder Gerätekonstruktion im-
ken und Maschinenanlagen. mer möglich.
Bei der trigonometrischen Höhenmessung Insbesondere auf Baustellen verwendet man
(Abb.l.2-14c) mißt man mit Theodolit und Ent- auch Lasernivelliere, bei denen ein durch Pris-
fernungsmesser vom Punkt A aus den Zenit- men und einen Kompensator horizontal ausge-
winkel z und die Schrägdistanz SR zu einer Ziel- richteter Laserstrahl um eine Vertikalachse ro-
marke, die sich über dem Punkt B befindet. Den tiert. Die vom Laser auf Nivellierlatten erzeug-
Horizont erhält man hier durch trigonometri- ten "Laserstriche" können von einem Beobach-
sche Berechnungen. Der gemessene Höhenun- ter abgelesen oder von einer elektrooptischen
terschied berechnet sich aus Abtasteinrichtung automatisch registriert wer-

1-60 Allgemeine Grundlagen


Beispiel für ein Tachymeter zeigt Abb. 1.2-18a.
Heute stehen Theodolite und Tachymeter zur
Verfügung, die vom Anzielen der Zielmarken
über das Registrieren der Meßwerte bis zur Aus-
wertung der Ergebnisse alle Arbeitsgänge - ge-
steuert durch einen Computer - automatisch
ausführen. Diese Gerätesysteme bezeichnet man
auch als Meßroboter.
Bei den Nivelliergeräten setzen sich zuneh-
mend digitale Nivelliere durch (Abb. 1.2-18b).
Abb. 1.2-17 Lasernivellier mit rotierendem Laser "Digital" kennzeichnet hier, daß die Daten digi-
tal ausgegeben werden.

den (Abb. 1.2-17). Bei Schlauchwaagen läßt sich 1.2.6


eine flächenhafte Überwachung von Höhen- 20-Positionsbestimmung mit Theodolit
punkten in bezugauf einen konstanten Horizont und Distanzmesser
ausführen, wenn eines der Gefäße - das Refe-
renzgefäß- als Überlaufgefäß gebaut ist. Von ei- Wenn einige Punkte mit Koordinaten in einem
ner Pumpe müssen dann kontinuierlich geringe ebenen rechtwinkligen Koordinatensystem ge-
Mengen Flüssigkeit nachgefüllt werden. geben sind, so kann man von ihnen ausgehend
die Koordinaten weiterer Punkte bestimmen.
1.2.5.4 Die gegebenen, bereits durch Koordinaten fest-
Gerätekonzepte gelegten Punkte bezeichnet man als Festpunkte,
die neu zu bestimmenden Punkte heißen Neu-
Theodolit und elektronischer Distanzmesser punkte. Die meßtechnische Bestimmung von
bilden normalerweise eine Geräteeinheit In die- Neupunkten erfolgt durch Messen von Richtun-
sem Fall spricht man auch von einem Tachyme- gen (bzw. Winkeln) und Distanzen.
ter. Als besonders vorteilhaft erweist es sich, Mißt man zur Berechnung von Neupunkten
wenn die optischen Achsen des Theodolits und nur so viele Größen, wie zu ihrer im geometri-
des Entfernungsmessers zusammenfallen. Ein schen Sinne eindeutigen Festlegung notwendig

a Digitales Tachymeter b Digitaler Nivellier

Abb. 1.2-18 Meßgeräte

Ingenieurgeodäsie 1-61
sind, so liegt eine eindeutige Punktbestimmung achtungsgleichungdes Typs ( 1.2.15b) aufstellen.
vor. Werden zusätzlich Größen gemessen, so Sie lautet in allgemeiner Form
spricht man von einer überbestimmten Punkt-
L; = s; =f(xN,yN, q) · (1.2.21)
bestimmung. Die Lösung ist in diesem Fall über
ein Ausgleichungsverfahren - z. B. unter Anwen- Es treten drei Unbekannte auf: die Koordinaten
dung der Methode der kleinsten Quadrate - gege- des Neupunktes (xN, YN) und der Maßstabsfak-
ben. Überbestimmte Lösungen haben den Vor- tor q. Eine eindeutige Lösung des Bogenschlags
teil, daß Genauigkeits- und Zuverlässigkeitsun- ist demnach gegeben, wenn mindestens drei aus
tersuchungen angestellt werden können. Messungen abgeleitete Strecken s; vorliegen. Im
Ausgangsbasis für Koordinatenberechnungen Beispiel der Abb. 1.2-19 sind dies die Strecken SJ,
sind die Beobachtungsgln. ( 1.2.10) und ( 1.2.15b ), s2,s3; sie wurden vorbereitend mit der Beziehung
die vielfach in ihrer linearisierten Form ver- (1.2.15a) aus den gemessenen Distanzen D; ab-
wendet werden. Für das Linearisieren nutzt man geleitet.
die Taylorsche Reihe Die Linearisierung ergibt sich aus der Taylor-
schen Reihe mit x=xo+dx, y=yo+dy und
L;=/;(xo,Yo•·· ·)+(o/;) dx+(o/;) dy+. q =qo + dq , wobei xo, yo Näherungskoordinaten
ax o ay o des Neupunktes N sind und q0 = I ein Nähe-
(1.2.20) rungswert des Maßstabsfaktors ist. Mit den
mitx=xo+ dx,y= y 0 + dy, .... Wieaus Gl.(1.2.20) Gin. (1.2.20) und (l.2.15b} folgt
zu erkennen ist, benötigt man in diesem Fall für
die neu zu bestimmenden Parameter Nähe- s; = s? + Xo ~x; dx+ Yo ~Yi dy+s?dq, (1.2.22)
rungskoordinaten xo, yo. Stehen diese nicht zur S; S;
Verfügung, so kann man die Berechnungen mit
trigonometrischen Ansätzen durchführen; dies
ist z. B. bei der topographischen Geländeaufnah-
me mit Hilfe des Polarverfahrens der Fall. In verkürzter Schreibweise läßt sich GI. (1.2.22)
Das Berechnen geodätischer Netze ist sehr darstellen durch
komplex und benötigt viel Erfahrung. Hier soll
(1.2.23}
die Vorgehensweise nur anhand einfacher Bei-
spiele deutlich werden. Im folgenden wird zu- Faßt man nun noch die Absolutglieder s; und s?
nächst vorbereitend auf die eindeutige Punktbe- zu l; = s;- s? zusammen, so gilt für das System der
stimmung eingegangen. Der Übergang zu Aus- Beobachtungsgleichungen
gleichungsverfahren folgt in 1.2.9.
l=Ax , (1.2.24)
1.2.6.1
Punktbestimmung durch Distanzmessung Yo- Y1 soI
s?
Die Punktbestimmung durch Distanzmessung Yo- Yz so2 und
bezeichnet man auch als Bogenschlag. Zur Be- s~
stimmung eines Neupunktes N; werden zwi-
Yo- Y3 so3
schen ihm und mehreren Festpunkten P; Strek-
ken s; bestimmt (Abb. 1.2-19). Für jede aus Mes- s~
sungen abgeleitete Strecke kann man eine Beob-

Der Lösungsvektor lautet


X= A- 11. (1.2.25}
Schließlich berechnen sich die Koordinaten des
Neupunktes aus

Abb. 1.2-19 Bogenschlag XN=Xo + dx (1.2.26}


YN":YO + dy

1-62 Allgemeine Grundlagen


1.2.6.2 punktkoordinaten berechnen. Mit Hilfe der Tay-
Punktbestimmung durch Richtungsmessung lorschen Reihe erhält man

Beim Vorwärtseinschneiden mißt man auf zwei r;~ =t? _Yo- Y2 i Qdx+ xo -x2; Qdy (1.2.29)
oder zusätzlichen Festpunkten P; Richtungen r; (s?) (s?)
zu einem Neupunkt N; und zu weiteren Fest-
punkten (Abb.1.2-20). Für jede gemessene Rich- 2
tung kann man dann eine Beobachtungsglei- mit. ( s;0 ) = (x 0 -x;) 2 +(y0 - J;) 2 und
chung des Typs (1.2.10) aufstellen. Diese lauten
in allgemeiner Form
t? = arctan Yo - Y; .
Xo -X;
L; = r; =f(cp;), (1.2.27a)
Die xo und yo sind die Näherungskoodinaten des
wenn ein Festpunkt bzw. Neupunktes und Q = 200gon/n.
In verkürzter Schreibweise läßt sich Gl. ( 1.2.29)
L; =r; =f(xN,JN,cp;), (1.2.27b)
auch darstellen durch ,qN = t P- a;1 dx + ai2dy.
wenn ein Neupunkt mit den Koordinaten (xN, Faßt man nun noch die Absolutglieder ,qNund
JN) angezielt wird. t Pzusammen zu I;= ,qN- t P, so gilt in Matri-
In dem Fall Gl. ( 1.2.27b) treten vier Unbe- zenschreibweise
kannte auf. Sie sind bei jeder Aufstellung des
l=Ax, (1.2.30)
Theodolits die Orientierungsunbekannten (cp;)
und die Koordinaten (xN, JN). Eine eindeutige
Lösung ist gegeben, wenn von zwei Festpunkten
(PI> P2) aus die Richtungen zu den Festpunkten
(P3, P4) und einem Neupunkt N; gemessen wer-
den.
Man kann die Lösung der Aufgabe in zwei Die Neupunktkoordinaten ergeben sich schließ-
Operationen aufteilen: Im ersten Schritt berech- lich wieder aus
net man zunächst aus den Richtungen ( r3, r4), die
x= A- 11
zwischen Festpunkten gemessen wurden, mit
Gl. (1.2.10) auf P 1 und P2 die Orientierungsun- mit XN=Xo + dx undyN= yo + dy.
bekannten. Die zwei verbleibenden Beobach-
tungsgleichungen haben dann die vereinfachte Eine weitere Lösung ist gegeben, wenn man von
Form P1 aus den Punkt P2 und von P2 aus den Punkt
P 1 anzielt (Abb. 1.2-20b). Der trigonometrische
(1.2.28) Ansatz lautet dann
sinßcost1N sinßsint!N
wobei rfN = r;N+ cp als orientierte Richtung be- x =s12 , y=sl2
sin(a+ß) sin(a+ß)
zeichnet wird.
(1.2.31)
Im zweiten Schritt lassen sich dann mit der
linearisierten Form von Gl. (1.2.28) die Neu- mit (J, = TJ2 - TJN> ß= T2N- T21> t!N = TJN + (J, •

..···'
.·· r~

a b

Abb. 1.2-20 Vorwärneinschneiden mit a vier und b zwei Festpunkten

Ingenieurgeodäsie 1-63
1.2.6.3 Dieses Verfahren nennt man dann polare Punkt-
Punktbestimmung durch kombinierte bestimmung bei freier Stationierung(Abb.l.2-22).
Richtungs- und Distanzmessung Von dem frei gewählten Standpunkt S aus wer-
den die Distanzen und Richtungen zu den Fest-
Bei der polaren Punktbestimmungstellt man sich punkten P; und Neupunkten N; gemessen. Es tre-
mit einem Tachymeter auf einem Festpunkt P1 ten sechs Unbekannte auf: eine Orientierungs-
auf und mißt Richtungen und Distanzen zu min- unbekannte q>, ein Maßstabsfaktor q, zwei Koor-
destens einem Festpunkt Pi und den Neupunk- dinaten (x 5, Ys) des frei gewählten Standpunktes
ten N (Abb. 1.2-21). Bei der Bestimmung eines und zwei Koordinaten (xN, YN) des Neupunktes.
Neupunktes treten vier Unbekannte auf: die Ori- Man benötigt also sechs Beobachtungen, um die
entierungsunbekannte q> bei der Aufstellung des Unbekannten mit sechs Beobachtungsgleichun-
Theodolits, ein Maßstabsfaktor q und die zwei gen eindeutig bestimmen zu können. Eine Lö-
Koordinaten (xN, YN) des Neupunktes. Mit der sung ist gegeben, wenn die Richtungen zu zwei
gemessenen Richtung zwischen den Festpunk- Festpunkten und dem Neupunkt sowie die Di-
ten berechnet man zunächst die Orientierungs- stanzen zu den Festpunkten und dem Neupunkt
unbekannte nach GI. (1.2.10). Die Neupunktko- gemessen werden.
ordinaten erhält man dann aus dem trigonome- Zunächst vergegenwärtige man sich, daß durch
trischen Ansatz das Tachymeter, mit dem die Richtungen r; und
0
die Strecken s; ermittelt werden, ein ebenes kar-
xN =x1 +qsNcosrN tesisches Koordinatensystem definiert wird. Es
( 1.2.32)
YN =y1 +qsNsmrN
. 0
liegt in der Ebene des Teilkreises, Ursprung ist der
Mittelpunkt des Kreises, und eine Koordinaten-
mit r~ = rN + q> und q = s0/s0 • s0ist die aus Ko- achse fällt mit "Teilkreis Null" zusammen. In die-
ordinaten berechnete und so die aus Messungen sem Koordinatensystem sind die Punkte P1 und
nach GI. ( 1.2.15a) abgeleitete Strecke zwischen P1 P2 durch ihre Polarkoordinaten r" r2 und s"s2 ge-
und Po. geben. Da P1 und P2 außerdem Festpunkte im x-
Häufig muß man sich bei der Polaraufnahme y-Koordinatensystem des Festpunktfeldes sind,
auf einem frei gewählten Standpunkt aufstellen . . können sie in beiden Systemen als identische
Punkte betrachtet werden. Die Koordinaten des
Neupunktes lassen sich daher durch eine Ähn-
lichkeitstransformation (s. 1.2.3.2) berechnen:
- Im ersten Schritt berechnet man die Transla-
tionsparameter x" Ys sowie den Drehwinkel q>
und den Maßstabsfaktor q.
- Im zweiten Schritt folgt dann die Transforma-
tion der Neupunkte. Hierfür können die
Gin. (1.2.32) herangezogen werden, wenn man
XJ= Xs und Y1= Ys betrachtet (vgl. beispiels-
Abb. 1.2-21 Polare Punktbestimmung auf einem Fest- weise [Kahmen 1997)).
punkt
Mit einem Polygonzug lassen sich längs einer
Linie angeordnete Neupunkte berechnen
(Abb. 1.2-23). Als Beispiel sei zunächst der Zug
P0 , P" N" N 2, N 3 betrachtet. Gegeben seien die
Koordinaten der Festpunkte P0 , P" gesucht die
Koordinaten der Neupunkte N" N2, N 3• Auf P"
N, und Nz seien jeweils die Richtungen zu be-
X nachbarten Punkten gemessen. Damit sind auch
die Winkel ß1 bis ß3bekannt, die sich jeweils aus
der Differenz der Richtungen ergeben. Außer-
dem sollen aus Distanzmessungen die Strecken
Abb. 1.2-22 Polare Punktbestimmung auf einerfrei sNI bis sN3 abgeleitet sein.
gewahlten Station
In einem ersten Schritt berechnet man zu-
nächst mit GI. (1.2.10) die orientierte Richtung

1-64 Allgemeine Grundlagen


~ pl
I
I
I
I
I
I

---- ....p
I
I

Nl
l

Abb. 1.2-23 Polygonzug

r01 °der Seite P0 P1• Mit Hilfe der Winkel ßi erhält


man dann in einem zweiten Schritt die orien-
tierten Richtungen r~-Ji fÜr die Seiten SNi :
I
r~l =rgl +ßl ±200gon' I
I
I

I
X
r~z =r~i + ßz ± 200gon '
I
(1.2.33) I
z I
r~ 3 = r~ 2 +ß 3± 200gon . •z /IN/ rNI

Mit diesen orientierten Richtungen und den Sei-


ten Si lassen sich dann von Punkt zu Punkt fort-
schreitend die Koordinaten von N1 bis N3 durch
polare Punktbestimmung nach GI. (1.2.32) be-
rechnen.
In der Regel führt man bei den zuvor be-
schriebenen Aufgaben mehr Messungen aus, als
zur eindeutigen Lösung notwendig sind. Die Be- Abb. 1.2-24 Räumliches Vorwänseinschneiden
rechnungen erfolgen dann mit Hilfe eines Aus-
gleichungsverfahrens. Dies hat den Vorteil, daß
dann die Genauigkeit und die Zuverlässigkeit Horizontalebene ist dann das Koordinatensy-
der Messungen sowie der berechneten Parame- stem des Theodolitmeßsystems festgelegt: Die y-
ter bewertet werden können. Ein Beispiel hier- Achse verläuft durch P'1 und P'2 , die x-Achse steht
für sei der in Abb. 1.2-23 dargestellte erweiterte senkrecht auf ihr und verläuft durch P'1• P1 hat
Polygonzug. Bei linearen Netzen dieser Art führt als Koordinatenursprung die Lagekoordinaten
man normalerweise noch die Strecke N3P2 =SN4 (0,0), und die Koordinaten von P2 sind festgelegt,
und die Winkel ß4 und ßs auf N3 und Pz in die wenn die Strecke s12 = P 1 Pz zuvor bestimmt
Berechnungen ein. wurde. Die z-Achse steht senkrecht auf der x-
und y-Achse. H 1 und Hz seien die Höhen über
1.2.7 der Bezugsfläche. Bei dieser Meßanordnung tre-
Optische 30-Meßverfahren ten fünfUnbekannte auf: zwei Orientierungsun-
bekannte q>i auf den Stationen P1 und P2 sowie
1.2.7.1 die drei Koordinaten XN, yN, ZN. Eine einfache Lö-
Punktbestimmung durch Richtungsmessungen sung ergibt sich, wenn man drei nacheinander
mit Theodoliten ablaufende Lösungsschritte vorsieht:
- Bestimmung der beiden Orientierungsunbe-
Bei einer einfachen Meßanordnung mit zwei kannten mit GI. (1.2.10), nachdem zuvor mit
Theodoliten spricht man auch von räumlichem den Theodoliten die Richtungen r 12 und r21
Vorwärtseinschneiden (Abb. 1.2-24). Man denke gemessen wurden. Bei hohen Genauigkeitsan-
sich durch den Schnittpunkt P'1 der Achsen des forderungen wendet man spezielle Verfahren
über dem Punkt P1 aufgebauten Theodolits eine wie die gegenseitige Kollimation an.
Horizontalebene gelegt. Diese schneidet die - Bestimmung von XN und YN durch Vorwärts-
Stehachse des zweiten Theodolits in P'2• In der einschneiden (s. 1.2.6.2).

Ingenieurgeodäsie 1-65
- Bestimmung von ZN von P1 oder Pz aus mit Mit einer 6- Parameter- Transformation wird
zunächst ein Punkt (x 0 ,y0,z0 ) des Objektkoordi-
sinßcot z1N
H I +II. +sl2-. natensystems in einen Punkt (XK, YK> ZK) des Ka-
ZN= ..!--....!.!!..
sm(a+ß) merakoordinatensystems transformiert. Die
. sinacot z2 N Transformation folgt Gl. (1.2.5) (drei Translatio-
= H 2 +zz +sl2--.-----"~
sm(a+ß) nen, drei Rotationen), allerdings bleibt der Maß-
stabsfaktor mit m = 0 unberücksichtigt:
Die Transformation in das Objektkoordinaten-
system (z.B. Baustellensystem) erfolgt mit
Gl. (1.2.5). Zuvor müssen jedoch die sieben (1.2.34)
Transformationsparameter bestimmt werden;
hierfür benötigt man mindestens zwei 3D-Fest-
punkte in beiden Systemen und eine Höhen- Es folgt eine perspektiveAbbildungdieses Punk-
marke. tes in·das Bild bzw. Sensorkoordinatensystem
Theodolitmeßsysteme bestehen aus zwei oder
mehreren Theodoliten und einem Computer,
der die Steuerung des Meßsystems, die Auswer-
Xs =f · C;} Ys =f ·(;;} (1.2.35)

tung der Daten sowie die Speicherung und Vi- dabei bezeichnetf die Kammerkonstante der Ka-
sualisierung der Ergebnisse übernimmt (Abb. mera, welche näherungsweise der Bildweite des
1.2-24). Heute stehen automatisierte Systeme zur Objektivsystems entspricht.
Verfügung. Typische Anwendungsgebiete dieses Die Kombination der Gln. (1.2.34) und ( 1.2.35)
Meßverfahrens sind führt zu der Beobachtungsgleichung (Kollinea-
- die Qualitätskontrolle von Fertigteilen bei Fer- ritätsgleichung)
tigteilbauwerken,
- Deformationsmesstingen an Bauwerken und
x =-J ru(x0 -öx)+r12 (y0 -öy)+r13 (z0 -öz)
5 r31 (x 0 -öx)+r32 (y0 -öy)+r33 (z0 -öz)
Maschinenanlagen,
- die Erfassung der Geometrie von Bauwerken. _f
r21 (x 0 -öx)+r22 (y0 -öy)+ r23 (z 0 -öz)
Ys -- r31(xo -öx)+r3z(Yo -öy)+r33(zo -öz)
1.2.7.2
(1.2.36)
Punktbestimmung durch Richtungsmessungen
mit photogrammetrischen Verfahren Die Koeffizienten r 11 .•• r33 sind Funktionen, wel-
che die räumliche Orientierung der optischen
Bei photogrammetrischen Verfahren werden Objekt-Achseinbezug auf das Objektkoordina-
Raumrichtungen mit analogen oder digitalen tensystem beschreiben. Sind sie nicht bekannt,
Kameras bestimmt. Die Abbildung eines Objekt- so werden sie in Gl. ( 1.2.36) neben den öx, öy und
punktes P auf den Film oder einen elektrischen öz als weitere Unbekannte betrachtet. Für ihre
Sensor (CCD-Array) der Kamera ist in Abb. l.2-25 Berechnung benötigt man einige Festpunkte
wiedergegeben. (sog. "Paßpunkte") im Objektkoordinatensy-

Yo Objekt

Abb. 1.2-25 Abbildungsvorgang bei photogrammetrischer Punktbestimmung

1-66 Allgemeine Grundlagen


Abb. 1.2·26 Analytischer Stereoplotter

stem. Meßwerte (bzw. Beobachtungen) sind die Sonst entsprechen die Einsatzgebiete denen des
Bildkoordinaten (xs, Ys). Abschnitts 1.2.7.1, wobei nicht immer leicht zu
Ein Punkt ist im Raum jedoch erst durch den entscheiden ist, ob es sinnvoller ist, Kameras
Schnittzweier im Raum festgelegter Richtungen oder Theodolite für die Meßwerterfassung zu
eindeutig bestimmt. Für die 3D-Punktbestim- verwenden.
mung benötigt man daher mindestens zwei Auf-
nahmekameras. Vielfach wählt man jedoch eine 1.2.7.3
"Multi-Stations-Lösung", bei der mehrere Ka- Punktbestimmung mit polaren
meras benutzt werden. Die Auswertung erfolgt Vermessungssystemen
dann über ein Ausgleichungsverfahren.
Für das Ausmessen der Bildkoordinaten, die Bei diesen Meßeinrichtungen (elektronischen
Auswertung des Modells GI. ( 1.2.36) und die Dar- Tachymetern und Meßrobotern) ist das Basisko-
stellung der Ergebnisse in numerischer oder gra- ordinatensystem (Abb. 1.2-27) durch den Schnitt-
phischer Form stehen analytische Auswertege- punkt der Achsen des Theodolits und den Hori-
räte - analytische Stereoplotter (Abb. 1.2-26) - zontalkreis vorgegeben. Die h-Achse ist durch
zur Verfügung. Das Meßsystem besteht im we- die Stehachse, die x-Achse durch eine Parallele
sentlichen aus dem Komparator für die Meßauf- zur Richtung "Teilkreis Null" und der Ursprung
gaben, einem Computer für die Steuerung und durch den Schnittpunkt Po von Steh-, Kipp- und
Auswertung sowie einem Zeichentisch und ei- Zielachse vorgegeben.
nem Drucker. Heute stehen weitgehend automa- Eine einfache Lösung für die Berechnung der
tisierte Systeme zur Verfügung. Pi im Objektkoordinatensystem ergibt sich, wenn
Die Bilder werden entweder mit Kameras auf man zwei aufeinanderfolgende Rechenschritte
der Erde oder von Flugzeugen aus aufgenom- vorsieht:
men. Typische Anwendungsbereiche sind - Bestimmung der rechtwinkligen Koordinaten
- die Herstellung von Planungsunterlagen für der Objektpunkte aus den gemessenen Polar-
Großbaustellen und koordinaten (r, z, sR):
- die Fassadenvermessung bei der Altbausanie-
rung.

Ingenieurgeodäsie 1-67
h

P0 ---+--r-:-r--'-1--:,.-----
' I I
-----~~.._;,' y
X

I y

Abb. 1.2-27 Konzept eines polaren Vermessungs-


systems

Abb. 1.2-28 GPS-24-Satellitenkonstellation

[xly =[sRsinzcosrl
sRsinzsinr . ( 1.2.37)
Tabelle 1.2-1 Meßsignale der Satellitenpositionierung
h SRCOSZ

- Transformation dieser Koordinaten mit Signal MHz A Genauigkeit


GI. (1.2.5) in das Objektkoordinatensystem. Träger L1 1575,42 20cm 2mm
L2 1227,60 2Scm 2mm
Codes p 10,23 30m 0,03...0,3m
Die Meß- und Auswertevorgänge laufen nahezu C/A 1,023 300m 0,3 ... 3,0 m
oder vollständig automatisch ab, wenn Meßro-
boter (s. 1.2.5.4) verwendet werden. Typische Ein-
satzgebiete sind die Absteckung und Aufmessung sammelt die von den Kontrollstationen zu den
von Bauwerken, Deformationsmessungen, die Satelliten ausgeführten Distanzmessungen und
Navigation von Baumaschinen sowie die Quali- berechnet daraus Uhrenparameter für die Satel-
tätskontrolle von Fertigteilen. litenuhren sowie die Parameter (Ephemeriden)
der zukünftigen Satellitenbahnen. Diese werden
1.2.8 über Bodenantennen an die Satelliten und von
30-Positionsbestimmung dort als Datensignal an die Empfänger gesendet.
mit Satellitenverfahren Das Nutzersegment besteht aus der Gesamt-
heit der Empfänger. Ihre Hauptaufgabe ist es, die
Seit 1960 werden Satellitensysteme für Positions- über dem Horizont vorhandenen Satelliten zu
bestimmungen und weltweite Navigation ent- identifizieren, die von ihnen gesendeten Signale
wickelt. Die Betreiber haben sich beim Aufbau zu empfangen und mit den Träger- bzw. Codesi-
des Systems GPS folgende Ziele gesetzt: Weltweit gnalen die Distanzen zu den Satelliten zu be-
soll es an jedem Ort, zu jeder Zeit und bei jedem stimmen. Das Datensignal wird für die Positi-
Wetter eine Meßgenauigkeit (2a) der Position ons- und Navigationsberechnungen benötigt.
von 16 m, der Geschwindigkeit von rund 0,2 m/ s Das Prinzip der Distanzmessung ist für Codesi-
und der Zeit von <100 ns ermöglichen. gnale in Abb. l.2-12b und für Trägersignale in
Im Gesamtkonzept unterscheidet man zwi- Abb. l.2-12d dargestellt. Die Bezeichnungen der
schen dem Raum-, Kontroll- und Nutzerseg- Meßsignale, ihre Frequenzen, ihre Wellenlängen
ment Das Raumsegment besteht aus 24 Satelli- und das Potential für die Genauigkeit der Di-
ten, deren Bahnen in sechs verschiedenen Bahn- stanzmessungen sind in Tabelle 1.2-1 wiederge-
ebenen liegen. Ihre Höhe beträgt 20000 km bei geben.
einer Umlaufzeit von 12 h (Abb. 1.2-28). Man unterscheidet zwischen absoluter und re-
Das Kontrollsegment besteht aus der Master lativer Positionierung. Das Prinzip der absoluten
Control Station (MCS), die sich in Colorado Positionierung ist in Abb. 1.2-29 dargestellt. Mißt
Springs (USA) befindet, und vier weiteren Moni- man drei Distanzen r;i zu Satelliten, so ist durch
torstationen, die weltweit verteilt sind. Die MCS jede Distanz eine Kugel bestimmt, in deren Zen-

1-68 Allgemeine Grundlagen


Abb. 1.2·30 Relative Positionierung

eindeutige Lösung der Positionierungsaufgaben


müssen also mindestens vier Satelliten sichtbar
sein, damit man zu ihnen Distanzen messen
kann. Die Positionskoordinaten der Satelliten
werden mit dem Datensignal der Satelliten oder
von einem anderen Service zur Verfügung ge-
stellt.
In Wirklichkeit sind noch weitere Korrektur-
glieder zu berücksichtigen. In vereinfachter Form
Abb. 1.2-29 Prinzip der absoluten Positionierung
lassen sie sich alle in der Beobachtungsgleichung
(1.2.40)
trum sich der entsprechende Satellit befindet.
Drei Distanzen definieren drei Kugeln, mit de- darstellen. Dabei erfassen die Beiwerte
nen sich die Position des Empfängers durch ei- - a, empfängerspezifische Einflüsse, wie Fehler
nen räumlichen Bogenschlag bestimmen läßt. der Empfängeruhr, Beeinträchtigungen des
Die Station liegt nämlich dort, wo die drei Ku- Signals im Empfänger und in seiner Umge-
geln einander in einem Punkt schneiden. Mit bung, bedingt durch die Atmosphäre;
Abb. 1.2-29 kann man jetzt die Beobachtungs- - ß' satellitenspezifische Einflüsse, wie Fehler
gleichung der Satellitenuhr, Satellitenbahnfehler, Beein-
trächtigungen des Signals im Satelliten und in
1/ =I~ -R;j seiner weiteren Umgebung, bedingt durch die
Ionosphäre;
=~(X'-X;)
·
+(Y'-Y;)2
2. . )2
+(Z'-Z; (1.2.38) - y/ Satelliten-Empfänger-Paar-spezifische Ein-
flüsse, wie Beeinträchtigungen des Signals im
aufstellen, wobeipi mit den Komponenten Jd, yj, Ausbreitungsmedium.
zi den Positionsvektor des Satelliten und R; mit
den Komponenten X;, Y;, Z; den Positionsvektor Bei der Positionierung begrenzen die in
des Empfängers wiedergibt. GI. (1.2.40) zusammengefaßten Fehlereinflüsse
Das bisher beschriebene Modell setzt voraus, die Genauigkeit normalerweise auf etwa 16m.
daß sich im Satelliten und im Empfänger hoch- Alle Fehlereinflüsse lassen sich weitgehend
genaue Uhren befinden, die streng synchron lau- eliminieren, wenn man das Verfahren in ein
fen. In Wirklichkeit verwendet man jedoch im Differenzmeßverfahren umfunktioniert. Man
Empfänger aus Kostengründen eine weniger ge- spricht dann von relativer Positionierung. Bei ihr
naue Uhr. Da diese Uhren driften, weisen sie ge- bestimmt man im einfachsten Fall die Koordina-
genüber dem GPS-Zeitsystem ständig einen Zeit- ten eines Neupunktes in bezug auf einen Refe-
fehler Öt; auf, der zusätzlich in der Beobachtungs- renzpunkt, d.h., man bestimmt einen Vektor a,
gleichung zu berücksichtigen ist: mit dem sich durch polares Anhängen an einen
Referenzpunkt P1 ein Neupunkt N;festlegen läßt
(1.2.39) (Abb. 1.2-30):
XN=X 1 +a. (1.2.41)
Dabei beschreiben die Qij die geometrische Weg-
länge. Insgesamt sind somit vier Unbekannte x 1 und XN sind Positionsvektoren.
vorhanden: die drei Koordinaten (X;, Y;, Z;) der In den Auswertealgorithmus führt man jetzt
Bodenstation und die Zeitkorrektur Öti. Für eine nicht mehr die ursprünglichen Beobachtungs-

Ingenieurgeodäsie 1-69
gleichungenvom Typ (1.2.40) ein, sondern Glei- In vielen Ländern werden von staatlichen oder
chungen von Beobachtungsdifferenzen. Abbil- privaten Organisationen flächendeckend in Ab-
dung 1.2-31 zeigt, wie aus den Distanzen D1 und ständen von etwa 40 km permanent arbeitende
D2, die von zwei Empfängern zu einem Satelli- Referenzstationen betrieben. Die Daten werden
ten j gemessen werden, die Einfachdifferenz von Rundfunkanstalten über UKW, Kurzwelle
llrY =Dz- D1 gebildet wird. Eine weitere Ein- (2-m-Band) oder Langwelle an die Nutzer über-
fachdifferenz llDk erhält man, wenn von den tragen. So werden in Deutschland z. B. vom
beiden Empfängern aus zu einem zweiten Satel- Satellitenpositionierungsdienst der deutschen
liten k zusätzliche zwei Distanzen gemessen wer- Landesvermessung SAPOS folgende Dienste an-
den. Aus der Differenz der Einfachdifferenzen geboten:
erhält man dann eine Doppeldifferenz: llrY k = - SAPOS EPS: Echtzeitpositionierung mit 1 bis
llrY -llDk. Vorwiegend arbeiten die Auswerte- 3m Genauigkeit.Anwendungsbeispiele: Fahr-
programme heute mit solchen Doppeldifferen- zeugnavigation, Verkehrsleitsysteme, Telema-
zen. Für den Referenzpunkt benötigt man Koor- tik im Verkehr, Flottenmanagement, Polizei,
dinaten im ITRF-, ETRF- oder WGS-84-Koordi- Rettungsdienste, Feuerwehr und Hydrogra-
natensystem. Wie GI. (1.2.41) zeigt, werden dann phie.
auch alle Neupunkte in diesem System bestimmt. - SAPOS HEPS: Echtzeitpositionierung mit 1
Bei der relativen Positionierung benötigt man bis 5 cm Genauigkeit. Anwendungsbeispiele:
folglich immer mindestens zwei Empfänger: Bau- und Ingenieurvermessung, Katasterwe-
einen auf der Referenzstation und weitere auf sen, Geoinformationssysteme, Hydrographie
den Neupunkten. Die Instrumente sind leicht und Navigation von Baumaschinen.
transportierbar und können entweder auf einem - SAPOS GPPS: 1 cm Genauigkeit"near online"
Stativ oder einem Lotstock befestigt werden. Der oder im Postprocessing. Der Datenaustausch
Rest der Meßeinrichtung wird in einem Ruck- erfolgt über Mobiltelefon oder auf Datenträ-
sack getragen (Abb. 1.2-32). gern. Anwendungsbeispiele: Ingenieurver-
Bei Echtzeitmessungen benötigt man die Da- messung und Katastervermessung.
ten beider Stationen auf der Station, wo die Aus- - SAPOS GHPS: Positionierung im Millimeter-
wertungen unmittelbar vorgenommen werden bereich. Anwendungsbeispiele: Referenzsyste-
sollen. Für den Datenaustausch dient dann eine me für Landesvermessung und Ingenieurver-
zusätzliche Telemetrieausrüstung. messung (Tunnelnetze, Brückennetze, Defor-
Orientiert an der Genauigkeit, kann man die mationsmessungen, Gleisvermessungen).
Meßsysteme in zwei Gerätegruppen aufteilen:
- Gruppe 1: Genauigkeiten der Basislinien
2... 20 mm + 0,01...1 ppm,
- Gruppe II: Genauigkeiten der Basislinien
0,1. .. 5 m.

Abb. 1.2·31 Beoba<htungen für das Bilden von Doppel-


differenzen Abb.1.2·32 GPS-Meßausrüstung

1-70 Allgemeine Grundlagen


1.2.9 1.2.10
Grundprinzip der Ausgleichungsverfahren Absteckung von Bauwerken

Ausgleichungsverfahren wendet man an, wenn Bei der Absteckung von Objekten handelt es sich
die Anzahl der Beobachtungen größer ist als die um eine Umkehrung der Ansätze, die für die
Anzahl der Unbekannten. Wesentliche Vorteile Punktbestimmung zur Verfügung stehen (s. 1.2.6
sind: bis 1.2.8). Die Objekte sind durch einzelne Ob-
- Die Genauigkeiten der neu berechneten Para- jektpunkte,deren Koordinaten bekannt sind, ab-
meter lassen sich beurteilen. strahiert. Die Objektpunkte sind dabei so zu
- Die Zuverlässigkeit der Messungen läßt sich wählen, daß sie das Objekt vollständig beschrei-
überprüfen, indem man feststellt, inwieweit ben.
grobe Fehler vorliegen und wie sie sich auf das Bei vektoriellen Meßinstrumenten berechnet
Auswerteergebnis auswirken. man jetzt aus den Koordinaten der Objektpunk-
te die Werte, die bei der Punktbestimmung ab-
Die Beobachtungsgleichungen - z.B. die Gin. gelesen werden. Es sind dies die aufTeilkreis Null
(1.2.10), (1.2.1Sb), (1.2.19), (1.2.36) und (1.2.39) bezogenen Richtungen, die Zenitwinkel und die
- sind in Verbesserungsgleichungen umzuwan- Distanzen. Diese Werte stellt man am Gerät ein,
deln, indem an die Beobachtungen L;, welche um die Punkte im Gelände aufzusuchen. Bei
stets kleinere Fehler aufweisen, Verbesserungen Meßeinrichtungen, die unmittelbar rechtwinkli-
v;angebrachtwerden: ge Koordinaten erzeugen, stellt man den Ziel-
punktsensor in der Nähe des gesuchten Objekt-
L; + v; = f(x,y, z). (1.2.42)
punktes auf und erzeugt sich dort die Nähe-
Falls kein linearer Zusammenhang gegeben ist, rungskoordinaten. Aus den Differenzen zwi-
sind diese Gleichungen zunächst mit der Taylor- schen den Soll- und Istkoordinaten kann man
schen Reihe (vgl. 1.2.6) zu linearisieren. Man er- dann Suchhilfen für das endgültige Aufsuchen
hält dann folgendes System von Gleichungen: des Zielpunktes ableiten.
In der Regel benötigt man für jede Baustelle
(1.2.43)
ein eigenes Baustellennetz, das sich dem abzu-
In Matrizenschreibweise hat GI. ( 1.2.43) die Form steckenden Objekt optimal anpaßt. Die Punkte
des Netzes sollen so liegen, daß sich von ihnen
L+v=Ax (1.2.44)
ausgehend die Detailabsteckungen mit möglichst
mit x = xo +dx, y = Yo + dy, z = zo + dz; xo,yo,zo geringem Aufwand ausführen lassen. So haben
sind Näherungskoordinaten. z.B. die Baustellennetze beim Verkehrswegebau,
Das Gleichungssystem läßt sich lösen, wenn Tunnelbau und Brückenbau sehr unterschiedli-
man z. B. die von Gauß entwickelte Methode der che Geometrien.
kleinsten Quadrate anwendet. Man erhält dann Bei der Absteckung von Verkehrswegen schafft
zunächst die Normalgleichungen man sich i.d.R. ein Grundnetz (Abb. 1.2-33), das
ATAx-ATL=O (1.2.45)
und daraus den Vektor der Unbekannten
a Grundnetz
(1.2.46)
Bei den x handelt es sich jetzt um Schätzwerte.
Von besonderem Interesse ist noch der Faktor
(ATAt 1• Er enthält die Varianzen der neu be- .........
rechneten Parameter und ermöglicht eine Beur- lkm
teilung ihrer Genauigkeit. b Verdichtungsnetz

:><:
Die Ausgleichungsverfahren können hier nur
in ihrer einfachsten Form beschrieben werden. ~ ~
In Wirklichkeit sind sie sehr komplex. Es sei da- 200m
her auf weitere Literatur wie [Caspary/Wich- 6 Festpunkt o 1-lun·Punkt c Polygonpunkt
mann 1994] und [Koch 1987] verwiesen.
Abb. 1.2-33 BausteUennetz für defl Vedlellrwtegebail

Ingenieurgeodäsie 1-71
eine linienförmige Gestalt hat. Normalerweise die Verbindung zwischen den Portalen herstellt
besteht es aus Punkten, die sich in einem Ab- (Abb. 1.2-34a), und einem unterirdischen Netz,
stand von etwa 1 km längs der Trasse erstrecken. das den Absteckungsarbeiten und der Kontrolle
Für die Verknüpfung mit dem Landeskoordina- des Bauwerkes dient (Abb. 1.2-34b).
tensystem müssen einige Festpunkte des Lan- Das Hauptnetz besteht aus Hauptpunkten,
desnetzes einbezogen werden. Dieses Grundnetz von denen je einer in der Nähe der Tunnelmün-
läßt sich am wirtschaftlichsten mit Satellitenpo- der vermarkt wird. Für den Richtungsanschluß
sitionierungsverfahren vermessen. müssen außerdem in der Nähe der Hauptpunk-
Als Grundlage für die Detailabsteckungen te je zwei bis drei Nebenpunkte vermarkt sein.
schafft man sich durch parallel verlaufende Poly- Ihr Abstand von den Hauptpunkten soll 1 bis
gonzüge am Rande der Baustelle in einer zwei- 2 km nicht überschreiten, damit auch bei ungün-
ten Stufe ein Verdichtungsnetz. Diese Polygon- stiger Witterung noch Beobachtungen möglich
punkte sollen längs der Trasse einen Abstand sind. Zur Verknüpfung mit dem Landesnetz
von etwa 200m haben. Das Polygonnetz kann müssen Festpunkte in das Hauptnetz einbezogen
man sehr wirtschaftlich mit elektronischen werden. Für die Lagemessungen nutzt man Sa-
Tachymetern vermessen. Ausgehend von diesen tellitenpositionierungsverfahren, für die Höhen-
Punkten erfolgt dann über Polarverfahren (mit bestimmungen Feinnivellements. In dem unter-
Tachymetern, Meßrobotern oder GPS) die De- irdischen Netz wählt man die Form eines Poly-
tailabsteckung. Die Höhen des Grundnetzes be- gonzuges oder Polygonnetzes. Ein Polygonnetz
stimmt man durch ein Feinnivellement, die des wird praktisch immer bevorzugt, da es in sich
Verdichtungsnetzes durch trigonometrische Hö- kontrolliert werden kann. Für die Festlegung der
henmessungen. Die relative Genauigkeit zwi- Punkte werden normalerweise an den seitlichen-
schen benachbarten Punkten soll in der Lage Tunnelwänden spezielle Konsolen montiert.
normalerweise kleiner als 1 cm und in der Höhe Die Qualität des Gesamtnetzes muß so beschaf-
kleiner als 2 bis 3 mm sein. fen sein, daß eine vorgeschlagene Durchschlags-
Ziel der Absteckung von Tunneln ist es, die genauigkeit eingehalten wird. Sie ist abhängig
Tunnelachse und das Tunnelbauwerk abzu- von der Vortriebslänge und wird allgemein als
stecken. Man benötigt hierfür ein spezielles Tun- Werts (in ern/km Tunnellänge) vorgegeben.
ne/netz. Die für die Absteckung notwendigen Be- Für die Absteckung von Brücken benötigt man
rechnungen werden normalerweise nicht in ei- spezielle Brückennetze. Häufig wird eine An-
nem räumlichen System, sondern getrennt nach ordnung der Punkte symmetrisch zur Brücken-
Lage und Höhe ausgeführt. Ein Tunnelnetz be- achse gewählt (Abb. 1.2-35). Das Grundnetz
steht aus zwei Teilnetzen mit jeweils unterschied- (Stufe 1) besteht dann aus aneinandergereihten
lichen Zwecken: einem Hauptnetz (Stufe 1), das Rechtecken mit Hauptpunkten. Für die Verknüp-

a Hauptnetz
Tunnelschacht

!:h.~~~~t--
b unterirdisches Netz

/';. Festpunkte
o Hauptpunkte
• Nebenpunkte
0 Polygonpunkte

Abb. 1.2-34 Baustellennetz für den Tunnelbau

1-72 Allgemeine Grundlagen


A Festpunkte
-} -----0 ---- -o- ----[-- !A 0 Hauptpunkte
Achse • Nebenpunkte

Abb. 1.2-35 Baustellenneu für den Brückenbau

Meßlatte

lotungssystem -fl!:-==~
Standpunktlinie
Standpunktkreis
Beckensohle

Abb. 1.2-36 Prinzip der Absteckung beim Hochbau

fung mit dem Landesnetz sind auch Festpunkte auf das Koordinatensystem des Bauwerkes. Das
in das Grundnetz einzubeziehen. Die Lagekoor- Prinzip soll hier am Beispiel eines Kühlturms
dinaten bestimmt man durch Satellitenpositio- beschrieben werden. Man abstrahiert die Schale
nierung, die Höhen durch ein Feinnivellement des Kühlturms durch gleichabständige Meridi-
Die relative Genauigkeit zwischen den Festpunk- ane und bildet diese orthogonal auf der Becken-
ten soll kleiner als 5 mm in der Lage und kleiner sohle ab (Abb. 1.2-36). Das Zentrum des entste-
als 1 bis 2 mm in der Höhe sein. Ausgehend von henden Strahlenbüschels ist Ursprung des Ko-
den Hauptpunkten, schafft man sich über Polar- ordinatensystems und die Projektion eines aus-
verfahren Nebenpunkte (Stufe 2), von denen aus gewählten Meridians die x-Achse. Auf dem
die Detailabsteckung der Brückenpfeiler und Strahlenbüschel werden in konstanten Abstän-
Widerlager ausgeführt wird. Die Montage der den Meßmarken eingelassen. Ausgehend von
Fahrbahntragwerke kontrolliert man mittels Po- diesen Marken, lassen sich Radien der Schale für
larverfahren von den Haupt- und Nebenpunkten beliebige Bauhöhen markieren. Während des
aus. Fertigungsprozesses werden die Radien mit ei-
Die Absteckung von Hochbauten (Bürohäuser, nem Lot hochgelotet Da die Zielpunkte i.d.R.
Kühltürme, Brückenpfeiler, Silos) erfolgt häufig durch ein Klettergerüst verdeckt werden, erfolgt
mit einem optischen Lot oder Laserlot in bezug die radiale Absteckung indirekt über eineradial

Ingenieurgeodäsie 1-73
ausgerichtete horizontale Meßlatte. Die Abstek-
kung zwischen den Meridianen wird durch In-
terpolation vorgenommen.
Für die Höhenübertragung gibt es unter-
schiedliche Verfahren: Zunächst ist die Höhe von
vornherein durch das Schalungsverfahren gege-
ben, da man Schalungstafeln konstanter Höhe
verwendet. Die Höhen können aber auch mit ei-
nem Nivelliergerät, das sich auf der Bühne des
Klettergerüstes befindet, auf die Betonwand
übertragen werden, nachdem man den Betrag o Objektpunkte
b,. Festpunkte
der Höhe über der Beckensohle mit dem Nivel-
liergerät an einem Maßstab abgelesen hat, der
am zentralen Kran befestigt ist. Die Aufmessung Abb. 1.2-37 Absolute und relative Deformationsmes-
sungen
erfolgt mit dem gleichen Verfahren wie die Ab-
steckung. Eine ausführliche Beschreibung der
Methoden kann man z.B. in [Kahmen 1997] fin-
den.

1.2.11
Deformationsmessungen an Bauwerken

Deformationsmessungen (Überwachungsmes-
sungen) haben die Aufgabe, Lage- und Höhen-
änderungen eines Untersuchungsobjekts gegen-
über seiner Umgebung und/oder dessen Verfor-
mung als Funktion der Zeit zu ermitteln. Ursa-
chen können innere oder äußere Einflüsse sein,
wie Veränderungen des Untergrunds, Lastauf-
t:. Festpunkte o Objektpunkte
tragung, Lastabtragung, Materialveränderun- o Kontrollpunkte • Alignementspunkte
gen, Temperatur, Winddruck, Feuchtigkeit usw.
Grundsätzlich unterscheidet man bei der Art der
Deformationen zwischen Verformungen (Deh- Abb. 1.2-38 Überwachung eines Staudamms
nung, Scherung, Durchbiegung, Torsion) und
Festkörperbewegungen (Senkung, Hebung,
Schiefstellung) des gesamten Objekts. den: die Oberwachung eines Staudammes (Abb.
Um den Aufwand der Überwachungsmessun- 1.2-38). Für die absoluteüberwachungerrichtet
gen wirtschaftlich zu gestalten, abstrahiert man man auf der Landseite ein Netz von Kontroll-
das Bauwerk durch eine Anzahl von Objekt- punkten, die nach außen durch Messungen zu
punkten, welche das Objekt eindeutig beschrei- Festpunkten gesichert werden. Die Überwa-
ben. Als Meß- und Auswerteverfahren eignen chung kann in bezug auf die Kontrollpunkte
sich alle in 1.2.5 bis 1.2.9 beschriebenen Verfah- über Vorwärtseinschneiden (s. 1.2.6.2) erfolgen.
ren sowie Alignements und Lotungsverfahren. Die Messungen führt man i.d.R. ein- bis zweimal
Bei der Planung der Überwachungsmessungen pro Jahr durch. In der Zwischenzeit überwacht
unterscheidet man noch zwischen relativen über- man den Damm durch relative Messungen. Hier-
wachungsmessungen, bei denen nur die Relativ- für eignen sich Alignements und Lotungsver-
lage der Objektpunkte zueinander kontrolliert fahren.
wird, und absoluten überwachungsmessungen, Beim Alignement beobachtet man Verfor-
bei denen die Bewegung der Objektpunkte ge- mungen des Bauwerkes relativ zu einer Bezugs-
genüber äußeren Festpunkten kontrolliert wird linie oder Bezugsebene. Eine Bezugslinie kann
(Abb. 1.2-37). Häufig wendet man beide Verfah- z. B. durch einen gespannten Draht, einen Laser-
ren zusammen an. strahl oder die Visurlinie eines Theodolitfern-
Von den vielen denkbaren Anwendungsbei- rohres realisiert werden. Die Verformungen in
spielen soll hier nur eines kurz beschrieben wer- der Umgebung der Bezugslinie lassen sich dann

1-74 Allgemeine Grundlagen


mit Hilfe eines Maßstabs oder mit einem elek-
trischen Sensor, einem Extensometer, bestim-
men. Der Maßstab wird dabei am Bauwerk be-
festigt; am Draht befindet sich ein Zeiger, mit
dem abgelesen werden kann. Bei einem häufig
verwendeten Extensometertyp mißt man Induk-
tionsänderungen einer Spule. Am Bauwerk sind
dann Spulenkörper befestigt und am Draht An-
ker, die sich bei Verformungen relativ zur Spule
bewegen. Diese rufen die Induktionsänderun-
gen hervor. Mit der Kennlinie des Gebers lassen Abb. 1.2-39 Navigation einer Baumaschine
sich die Induktionsänderungen in Wegänderun-
gen umrechnen. ist dies z. B. bei Gradem, Planierraupen, Straßen-
Bei Lotungsverfahren erzeugt man sich die fertigem und Bohrausrüstungen. Die Maschine
Bezugslinie durch den Draht eines Hänge- oder wird bei diesen Verfahren durch ein Maschinen-
Schwimmlotes. Bezugslinien oder Bezugsebe- koordinatensystem abstrahiert (Abb. 1.2-39}.
nen können u.a. auch mittels eines hydrostati- Mit einem automatischen 3D-Positionierungs-
schen Schlauchwaagensystems erzeugt werden. system - es eignen sich GPS-Empfänger oder
Meßroboter - werden ständig drei Zielpunkte
1.2.12 auf der Maschine in bezugauf das Koordinaten-
Navigation von Fahrzeugen und Baumaschinen system der Baustelle bestimmt. Damit ist auch
fortlaufend das Koordinatensystem der Bauma-
Bei der Navigation verschafft man sich Merk- schine in bezug auf das Baustellennetz festge-
male oder Hilfsmittel, mit denen sich ein Stand- legt. Ist außerdem die Geometrie der rotatori-
ort bestimmen läßt oder mit deren Hilfe man je- schen und translatorischen Bewegungen der
derzeit zu einem gewünschten Ort findet. Ein ty- Mechanik der Maschine bekannt, so läßt sich das
pisches Beispiel im Bauingenieurwesen ist die Muster der Bewegungen der Bearbeitungsgerä-
Steuerung (Navigation) von Tunnelvortriebsma- te vorab berechnen und in einem Computer
schinen. Von den vielen bisher entwickelten Ver- speichern. Nach diesem Muster können dann die
fahren soll eines kurz beschrieben werden. Im Werkzeuge (Bohrer, Planierschaufeln usw.) mit
Prinzip handelt es sich darum, die Richtung der hoher Genauigkeit computergesteuert geführt
Achse einer Maschine relativ zur theoretisch ge- werden.
rechneten Tunnelachse zu überwachen. Die Ist- Von besonderem Interesse ist die Navigation
Iage der Maschine in bezugauf das Koordina- der Fahrzeugflotte eines Bauunternehmens. Die
tensystem der Baustelle erhält man, indem fort- Position aller im Einsatz befindlichen Fahrzeu-
laufend im Anschluß an das unterirdische Netz ge läßt sich z. B. mit dem System SAPOS EPS
des Tunnels (Abb. 1.2-34) zwei Punkte seiner (s. 1.2.8} jederzeit mit hoher Genauigkeit festle-
Achse mittels Polarverfahren bestimmt werden. gen. Von einer Zentrale aus kann dann ein opti-
Die Sollage ist aufgrund theoretischer Berech- maler Einsatz der Fahrzeuge überwacht werden.
nungen bekannt. Aus dem Soll/Ist-Vergleich er-
hält der Operateur der Maschine alle Daten für 1.3
die Steuerung (Navigation) längs der Sollachse.
Bauphysik
Häufig werden in die Vortriebsmaschinen noch
elektronische Libellen eingebaut, um zusätzlich
1.3.1
das Verrollen um die Längsachse und ein Ver-
Wärme
kippen in Vortriebsrichtung zu überwachen.
Verwendet man für die Bestimmung der Ach- Der Wärmeaustausch eines Gebäudes mit seiner
senpunkte Meßroboter, so läßt sich der gesamte Umgebung ist in der Bauphysik v. a. aus drei
Navigationsvorgang gesteuert durch einen Com- Gründen wichtig: Zum einen soll der Energie-
puter weitgehend automatisch betreiben. verbrauch eines Gebäudes minimiert werden,
Sensoren für die 3D-Punktbestimmung er- indem man die Transmissionswärmeverluste re-
möglichen es inzwischen, auch Baumaschinen duziert, die Lüftungswärmeverluste minimiert
im Erd- und Straßenbau weitgehend automa- und die Sonneneinstrahlung nutzt (Regelwerk:
tisch zu steuern bzw. zu navigieren. Vorteilhaft Wärmeschutzverordnung). Zum zweiten muß

Bauphysik 1-7 5
aus hygienischen Gründen eine Taupunktsun- Die Wärmestromlinien bezeichnet man als Adia-
terschreitung vermieden werden, die v. a. bei baten. Sie stehen senkrecht auf den Flächen kon-
Wärmebrücken auftreten kann. Zum dritten stanter Temperatur - den Isothermen. Die Wär-
sind instationäre Vorgänge v.a. im Sommer zu mestromdichte ist dem Temperaturgradienten
beachten, um ein akzeptables Raumklima zu er- entgegengerichtet und proportional, d. h. der Ab-
zielen. Die letzten beiden Aspekte betreffen leitung der Temperatur nach der Normalen n zur
nicht zuletzt auch die hygienischen Anforde- Isothermen. Sie ist proportional zur Wärmeleit-
rungen an ein Gebäude. Vor diesem Hintergrund fähigkeit.\. Das negative Vorzeichen in GI.( 1.3.4)
werden zuerst die physikalischen Grundbegrif- besagt, daß der Wärmefluß von höheren zu nied-
fe und Mechanismen beschrieben und dann die rigeren Temperaturen erfolgt:
im Bauwesen üblichen Berechnungsmethoden. (}{}
Die Wärmemenge Q ist eine Energie und hat q=-.\-=-.\grad(-8-). ( 1.3.4)
die SI-Einheit Joule (J). Die thermodynamische on
Temperaturwird in Kelvin (K) gemessen und üb- Die Wärmeleitfähigkeit der Stoffe variiert er-
licherweise mit dem Buchstaben T bezeichnet. heblich mit der Stoffgruppe (z.B. Metall, Poly-
Außer in der SI-Einheit Kelvin können Tempe- mer, Gas). Sie ist besonders gering bei Gasen
raturen auch als Celsius-Temperaturen in °C an- ohne Konvektion.
gegeben werden. Die Celsius-Skala ist um In Abb.l.3-1 ist die Energiebilanz eines klei-
273,15 K gegenüber der Kelvin-Skala versetzt: nen Volumenelements dargestellt. Das Koordi-
na:tensystem ist so ausgerichtet, daß die isother-
-8-= T- 273,15 K. (1.3.1)
men Flächen in den y-z-Ebenen liegen, die Nor-
Temperaturdifferenzen werden nur in der SI- male n dazu folglich in die x- Richtung zeigt. Die
Einheit Kelvin angegeben. Differenz zwischen zufließendem und abflie-
Die Wärmemenge Q, die für eine Temperatur- ßendem Wärmestrom ist gleich der zeitbezogen
erhöhung !J.T erforderlich ist, ist abhängig vom in das Volumenelement eingespeicherten Wär-
Stoff und zu seiner Masse m proportional. Da- me !J.Q. Sie führt gemäß GI. (1.3.2) zu einer Tem-
mit läßt sich die spezifische Wärmekapazität c peraturerhöhung:
definieren durch die Beziehung
(q0 -qru:)·M=(-.\ o-8-1 +A o-8-1 )M
!J.Q= mc!J.T= mc!J.-8-. (1.3.2) ox 0 ox Ax
Man unterscheidet zwischen der spezifischen =otJ.Q=~ctJ.Va-8-_ (1.3.5)
Wärmekapazität bei konstantem Volumen, Cv, at at
und der bei konstantem Druck, cp. Bei Gasen ist Teilt man GI. (1.3.5) durch das Volumenelement
der Unterschied wesentlich. !1 V= M · !J.x sowie durch ~c und führt den
Wärme wird auf folgende drei Arten trans- Grenzübergang !J.x~O durch, dann erhält man
portiert: die Fourier-Gleichung für die Wärmeleitung im
- Wärmeleitung oder Transmission, das ist Wär- einachsigen Fall:
metransport in einem Stoff,
- Wärmeaustausch durch elektromagnetische
Strahlung,
- Wärmetransport in Verbindung mit einem
Stofftransport Konvektion bzw. Lüftung.

1.3.1.1
Grundlagen

Wärmeleitung

Wie jeder Wärmestrom <P setzt die Wärmeleitung


eine Temperaturdifferenz voraus. Der auf die
Fläche bezogene Wärmestrom ist die Wärme-
stromdichte Abb. 1.3-1 Wärmefluß und Warmespeicherung in
cp einem finiten Volumen
q = "A" (1.3.3)

1-76 Allgemeine Grundlagen


Wellenlänge und der Temperatur absorbiert
a& -~(A a&)-aa2& . A
mit a=- wird. Der Begriff "schwarz" wurde von dem
ot - QC·OX ox - ox 2 QC
schmalen Bereich der sichtbaren Strahlung mit
(1.3.6) Wellenlängen A zwischen etwa 380 nm (Violett)
bzw. im mehrachsigen Fall: und etwa 780nm (Rot) auf das gesamte elektro-
magnetische Spektrum übertragen. Beim schwar-
o& =-1-div(Agrad&)"'adivgrad&, zen Körper gilt a= 1, Q=t=O.
at QC Der EmissionsgradE ist definiert als der Quo-
(1.3.7) tient aus der emittierten thermischen Strahlung
wobei a die Temperaturleitfähigkeit des Materi- eines "grauen" Körpers zu der eines schwarzen
als ist. Diese Beziehung kann auch als Basis für Körpers. Der zweite Hauptsatz der Thermody-
FE-Berechnungen (FE: finite Elemente) genutzt namik (Entropiegesetz) besagt, daß zwischen
werden. zwei Körpern mit derselben Temperatur kein
Wärmetransport von selbst stattfindet. Damit
Wärmestrahlung dies auch für Wärmestrahlung erfüllt ist, muß
gelten (Kirchhoffsches Gesetz):
Wärmeübertragung durch Wärmestrahlung be-
a(A, T) = E(A, T). (1.3.10)
ruht auf Emission und Absorption elektroma-
gnetischer Wellen. Wenn auf einen Körper insge- Das Plancksche Strahlungsgesetz beschreibt die
samt der Strahlungsfluß (die Strahlungslei- Emission eines schwarzen Körpers als Funkti-
stung) 41 0 auftrifft, und davon 41r reflektiert, 41a on der Wellenlänge A der elektromagnetischen
absorbiert und 41 1 transmittiert wird, dann sind Strahlung. Die spezifische Ausstrahlung Me ist
der Reflexionsgrad Q, der Absorptionsgrad a und der gesamte Strahlungsfluß, geteilt durch die ab-
der Transmissionsgrad t wie folgt definiert: strahlende Fläche.
41 41 Aus der Abb.l.3-2 erkennt man, daß sich bei
a--a t=-t ( 1.3.8) der emittierten Strahlung die Wellenlänge des
- 41o, 41o
Maximums mit der Temperatur verschiebt. Dies
Wegen der Erhaltung der Energie gilt beschreibt das Wiensehe Verschiebungsgesetz:

Q+a+t=l. (1.3.9) Amax · T=2,898mm ·K. (1.3.11)


Ein charakteristisches Bezugssystem ist der sog. Bei der Oberflächentemperatur der Sonne (ca.
schwarze Körper. "Schwarz" bedeutet hier, daß 5800 K) liegt dieses Maximum mitAmax= 500 nm
jede einfallende Strahlung unabhängig von der nahe dem Maximum der Augenempfindlichkeit

lg Me,\
sichtbareslicht
Wfm3 14
6000 K(Sonnenoberfläche)
12
~
10

6 /
,./~··· · · ····-···· ···-· ······· : .:.~=-=--~=-·· ·==--······-····
.....____300 K,. 21 •c
-~.
I
I
4

!
I
0
i
0 5 10 15 20 25 )lm 35

Abb. 1.3·2 Plancksches Strahlungsgesetz für ideal schwarze Körper bei 6000 K. 2000 K, 1000 Kund 300 K. Die spektrale spezifi-
sche Ausstrahlung M0;. ist in einem logarithmischen Maßstab in der Einheit Wfm3dargestellt. Das schmale Band des sichtbaren
Lichts zwischen 0,38 und 0.781-lm ist eingetragen.

Bauphysik 1-77
(555 nm), bei den bauphysikalisch relevanten
Temperaturen zwischen 100°C und -40 °C im In- Tabelle 1.3-1 Absorptionsgrade verschiedener Stoffe
fraroten (7,7 bis 12 J.lm). Man erkennt, daß die für eine Wännestrahlung von ca. 20 "C und filr sichtba-
wesentliche thermische Strahlung nicht sichtbar reslicht
ist. Folglich sind visuelle Eindrücke für die Be-
urteilung thermischen Strahlungsverhaltens un- Stoff Absorptionsgrad a
zureichend. Wärmestrahlung Sonnen-
Die auf die ausstrahlende Fläche A bezogene "' 20 oc licht
Metalle
Strahlungsleistung 4> ., die spezifische Ausstrah- Kupfer, poliert 0,03
lung M., nimmt mit der vierten Potenz der Tem- Aluminium, walzblank 0,04
peratur T zu: Stahl, geschmirgelt 0,25
Stahl, verrostet 0,61
4> 4 Anstriche
Me = --!.=E·O· T . (1.3.12) Emaillelack, schwarz 0,95 0,90
A Emaillelack, weiß 0,93 0,30
Ölfa rbe usw., dunkel 0,90 0,87
a = 5,67040 · 10·8 W/(m 2 • K4) ist die Stefan-Boltz-
verschiedene Stoffe
mann-Konstante. In der technischen Thermody- Dachpappe 0,90 0,90
namik und Bauphysik wird an ihrer Stelle auch Holz 0,94 0,40
Beton 0,96 0,55
die Strahlungskonstante Putz, weiß 0,97 0,36
Putz, grau 0,97 0,65
Cs=108 ·a=5,67 W/ (m 2 ·K4 ) Floatglas (6 mm) 0,91 0,12
benutzt. Beim schwarzen Körper ist E = a = 1.
Der Wärmestrom durch Strahlung zwischen
zwei Körpern mit unterschiedlicher Temperatur in der Nähe von eins liegt - auch für weiße Far-
ergibt sich aus ben, Eis, Schnee und Glas. Diese Stoffe sind im
Infraroten "schwarz". Darauf beruht auch der
sog. Glashauseffekt Glas läßt sichtbares Licht
durch. Dieses Licht wird im Raum zum Teil ab-
sorbiert und heizt die Körper im Raum auf. Für
wobei C12 von C5 , der Geometrie und dem Emis- die Wärmestrahlung ist Glas aber undurchlässig
sionsverhalten der beiden Flächen abhängt. C12 "schwarz". Die Wärme bleibt daher im Raum
ist einfach zu berechnen, wenn zwei gleich große "gefangen". Folglich steigt bei Sonneneinstrah-
Flächen A parallel angeordnet sind und der Ab- lung hinter den Glasflächen die Raumtempera-
stand zwischen ihnen im Vergleich zur Fläche so tur an. Durch dünne Eisschichten auf Metall-
klein ist, daß die seitliche Abstrahlung vernach- oberflächen ändert sich ebenfalls das Absorpti-
lässigbar ist: ons- und damit auch das Emissionsverhalten im
infraroten Bereich. Ferner ist es für die Wärme-
es
cl2 =-~'---- (1.3.14) strahlung unerheblich, ob ein Heizkörper z. B.
1 1
- + - -1 weiß oder schwarz lackiert ist.
E1 Ez
Für weitere Fälle gibt es tabellierte Werte [Lutz Wärmetransport durch Stofftransport
u.a. 1997]. (Lüftung, Konvektion)
Für den Wärmestrom durch Strahlung gilt:
- Er hängt bei parallelen, hinreichend großen Stofftransport ist mit einem Wärmetransport
Flächen nicht vom Abstand ab. gekoppelt. In der Bauphysik sind zwei Transport-
- Er nimmt mit der vierten Potenz der Tempe- medien besonders wichtig: Das Wasser als flüs-
ratur zu. siges Wasser und als Wasserdampf sowie Luft. In
der Regel wird das transportierte (Gas- )Volu-
Im infraroten Bereich, der für die Bauphysik be- men bestimmt. Wird der Volumenstrom Veines
sonders wichtig ist, weicht das Materialverhalten Stoffes von einem Ort mit der Temperatur l't 1 zu
wesentlich von dem im sichtbaren Bereich des einem Ort mit der Temperatur l't2 transportiert,
Lichts ab. Das zeigen insbesondere die Absorp- dann ist damit der Wärmefluß
tionsgrade einiger Stoffe in Tabelle 1.3-1. Im In-
fraroten haben lediglich Metalle einen niedrigen
4>cv =cp . ""n · ~it . v (1.3.15)

Absorptionsgrad, während er für andere Stoffe gekoppelt.

1-78 Allgemeine Grundlagen


Für Luft mit cp::::l,OOSkJ/(kg·K) und \>::::: Die Transmissionswärmestromdichten q,d sind
1,20kg/m3 (20°C} erhält man als Näherung für i.d.R. vernachlässigbar klein- außer bei metal-
die Lüftung: lischen Oberflächen und bei fehlender Luftbe-
wegung. Bei vernachlässigbarer Luftbewegung
Wh .
<I>L::::: 0,34--.M· ·V (z.B. unter Decken) dominiert die Strahlung. Der
m 3 ·K Wärmeübergangskoeffizient beträgt hier ca.
Wh 5,9W/(m2 ·K) bzw. der Wärmeübergangswider-
=0,34--~~·V·n. (1.3.16) stand 0,17 m 2 • K/W. Bei Konvektion z.B. an Wän-
m 3 ·K
den erniedrigt sich der Wäremübergangswider-
Der Volumenstrom ist hier in m 3/h einzusetzen. stand auf 0,13 m 2 • K/W und bei bewegter Luft im
n ist die Luftwechselrate. Sie gibt an, wie oft das Außenbereich auf Werte zwischen 0,04 und
Volumen pro Stunde ausgetauscht wird. 0,08 m 2 • K/W.
Beim Feuchtetransport ist in den Fällen der Durch die Wärmeübergangswiderstände (in-
Kondensation und der Verdunstung die hohe nen und außen) entstehen Temperaturdifferen-
Kondensationsenthalpie des Wassers zu berück- zen zwischen den Bauteiloberflächen und der
sichtigen. Dies ist v.a. wichtig, wenn sich in ei- Luft. Sie sind für die Wasserdampfkondensation
nem porösen Werkstoff der Wärmeleitung ein wichtig. Je größer im Innenraum der Wärme-
Feuchtetransport überlagert und sich dadurch übergangswiderstand und damit die Tempera-
die Wärmeleitfähigkeit eines - feuchten - Stof- turdifferenz wird, desto höher ist die Gefahr ei-
fes erhöht. ner Kondensation. Bei bauphysikalischer Be-
Auch Konvektion in Luft (<l>cv) ist Wärme- messung ist stets der ungünstigere Wert für den
transport durch Stofftransport Die Konvektion Wärmeübergangswiderstand einzusetzen, d. h.
wird dadurch ausgelöst, daß in einer warmen beim Abschätzen der Kondensationsgefahr der
Umgebung die Lufttemperatur steigt und die größere Wert und bei der Berechnung des Wär-
Dichte abnimmt. Infolgedessen entsteht ein Auf- medurchgangskoeffizienten U einer Konstruk-
trieb. In einem kälteren Bereich stellt sich der tion der kleinere Wert.
umgekehrte Vorgang ein, und es entsteht eine
zirkuläre Strömung. 1.3.1.2
Baupraktische Berechnungen
Wärmeübergangswiderstände
Vereinfachte Transmissionswärmeberechnung
An Oberflächen muß die Wärmemenge, die
durch das Bauteil fließt, mit der angrenzenden Bei den Standardaufgaben der Bauphysik be-
Luft ausgetauscht werden. Dabei addieren sich schränkt man sich auf
die Wärmeströme aus Transmission, qcd, aus - ebene Probleme, d. h., die Isothermen sind eben
Strahlung, q" und aus dem Stofftransport, qcv· und parallel, wobei Randeinflüsse vernach-
Bezeichnet man die Temperatur an der Bauten- lässigbar sind, und
oberfläche mit ~s und in der Umgebung- in aus- - stationäre Situationen,d.h., die Vorgänge sind
reichendem Abstand - mit ~a• dann kann man zeitlich konstant.
die Wärmestromdichten der einzelnen Anteile Mit dieser nicht unerheblichen Vereinfachung
ausdrücken durch wird die Wärmestromdichte q in einem Quer-
qcv =hcv(~s -~a}, schnitt konstant. Die Temperaturgradienten in-
nerhalb einer Schicht sind ebenfalls konstant
qr =~(~s-~a}, (1.3.17}
(Abb.1.3-3). Die Differenzen llx können durch
qcd = hcd(~s -~ a} · die Bauteildicke d=llx=x2-x 1 und die Tempe-
Hierin sind h die Wärmeübergangskoeffizienten raturdifferenzen durch ~~=-(~2 -~1 ) ersetzt
und ihre Kehrwerte die Wärmeübergangswider- werden. Wenn man noch den Wärmedurchlaß-
stände R5• Da sich die gesamte Wärmestrom- widerstand R bzw. seinen reziproken Wert, den
dichte als die Summe der Komponenten ergibt, Wärmedurchlaßkoeffizienten A einführt,
findet man den Wärmeübergangskoeffizienten
d 1 .\
für die gesamte Wärmeübertragung an der Bau- R=-, A=-=-, (1.3.19}
teiloberfläche: .\ R d
ergeben sich die in den Normen der Bauphysik
q=qcv+qcd+qr, h=hcv+hcd+~. (1.3.18)
üblichen Formeln:

Bauphysik 1-79
z

A A

a einschichtiges Bauteil b mehrschichtiges Bauteil

Abb. 1.3-3 Stationärer und einachsiger Wärmeßuß. Die Isothermen liegen in den y-z·Ebenen. Durch die Wärmeübergangswi-
derstände entstehen überdies Temperaturdifferenzen zwischen der Luft und den Oberflachen

Q
q=-=
{} ai- {} ae
At R5 ; +R1 +Rse
(einschichtig), {} ai -{} ae = q· (Rsi + i
k=l
Rk +Rse) =q/U ·

Q {} ai- {} ae (1.3.22)
q= At= n Abbildung 1.3-4 zeigt diese graphische Darstel-
Rs;+ LRk+Rse lung im Vergleich zu einer maßstäblichen.
k=l Nachdem im ebenen Fall angenommen wur-
= U · ({} ai- {} ae) (n- schichtig). de, daß ein seitlicher Wärmestrom vernachläs-
(1.3.20) sigbar sei, kann man den gesamten Wärmestrom
Hierin ist R5; der Wärmeübergangswiderstand über mehrere nebeneinanderliegende Bauteile
innen, Rse der Wärmeübergangswiderstand aufsummieren:
außen, Rk der Wärmedurchlaßwiderstand der
Q
Schicht k, {}ai die Lufttemperatur innen und {}ae 4>=-=q!AI +q2A2 + ... +qnAn. (1.3.23)
die Lufttemperatur außen. Die Wärmeüber- t
gangs- bzw. -durchlaßwiderstände berechnet Gleichung (1.3.23) ist die Basis für die Berech-
man nach nung des Transmissionswärmeverlusts nach der
Wärmeschutzverordnung.
R5 ; =Ilh 5 ;, R5e =Ilhse• Rk =dk!A.k . (1.3.20a)
Zur Berechnung eines mittleren U-Wertes (in
Man erkennt, daß sich bei hintereinanderliegen- der Wärmeschutzverordnung noch k) geht man
den Bauteilen die Wärmewiderstände addieren. von Standardtemperaturen aus. In der Regel
Für sie bzw. den Wärmedurchgangskoeffizien- wird eine Innentemperatur von {}a;=20°C und
ten U gilt: eine Außentemperatur von {}ae=-20°C einge-
-I setzt. Bei Kellerräumen, Dächern usw. sind die
U=(R 5 ,+ IRk+Rse) (1.3.21) Außentemperaturen {},,k naturgemäß verschie-
k=l den. Man benutzt hierfür Reduktionsfaktoren
(Bisher wurde für den Wärmedurchgangskoef-
fizienten U- auch bekannt als "k-Wert" -das (1.3.24)
Formelzeichen k benutzt.)
Die Temperaturen lassen sich zeichnerisch
oder rechnerisch ermitteln, wenn man beachtet, n

daß unter stationären und ebenen Bedingungen 4>= LUkAkrk ·({}ai-{}ae>· (1.3.25)
die Wärmestromdichte q konstant ist. k=l
Der mittlere U-Wert ist dann

1-80 Allgemeine Grundlagen


a maßstäblich b als Temperatur-Wärmewiderstands-Diagramm

Abb. 1.3-4 Temperaturverteilung in einem Bauteil

Tabelle 1.3-2 Kennzeichnungen und Reduktionsfakto-


ren der Wärmeschutzverordnung

I Index Lage des Bauteils r

W Wandflächen über Terrain, die an


Außenluft grenzen
Flächen von Fenstern, Fenstertüren
und Dachfenstern
0 Flächen wärmegedämmter Dächer 0,8
und Dachdecken
G Bauteile gegen Erdreich oder nicht 0,5
beheizte Kellerräume
DL Bauteile, die Gebäude nach unten
gegen Außenluft abgrenzen
{} = const
AB Bauteile zu Gebäudeteilen mit wesent- 0,5 1
lieh niedrigeren Innentemperaturen _j
Abb. 1.3-5 Ecke als geometrische Wärmebrücke

Geometrische Wärmebrücken entstehen, wenn


Um = (UIAI'i +UzAzrz + ... +UnAnrn) . ( 1. 3.26) bei einem Bauteil keine ebenen Verhältnisse vor-
Al +Az+ .. .+An liegen und die Außenfläche größer ist als die ent-
Die Wärmeschutzverordnung unterscheidet die sprechende Innenfläche. Beispiele sind Kühl-
in Tabelle 1.3-2 dargestellten Fälle bzw. Indizes. flächen, Ecken, Balkone. Die Dichte der Wärme-
stromlinien (Adiabaten) nimmt nach außen hin
Wärmebrücken ab, (Abb.l.3-5). Dadurch verlagern sich auch die
Isothermen zum Raum hin, und die innere
Als Wärmebrücken bezeichnet man Bereiche im Oberflächentemperatur ist erniedrigt. Details
Gebäude, in denen die Temperaturverteilung findet man in [Hauser/ Stiegell992].
signifikant von der im angrenzenden Bauteil ab- Einen vergleichbaren Effekt haben material-
weicht, das in der Bemessung als eben angesetzt bedingte Wärmebrücken. Hier ist die Wärme-
worden ist. In der Regel ist v.a. die Oberflächen- leitfähigkeit des Materials im gestörten Bereich
temperatur innen geringer. Man unterscheidet größer als in der angrenzenden Konstruktion.
zwischen geometrischen und materialbedingten
Wärmebrücken.

Bauphysik 1-81
Berücksichtigung der Strahlung bei Fenstern Die Energieflußdichte in den Raum, die durch
die Sonneneinstrahlung entsteht, setzt sich zu-
Da Glas im sichtbaren Licht durchlässig und ab sammen aus der transmittierten Strahlungsin-
einer Wellenlänge von ca. 3 pm praktisch tensität I 1 und der Wärmestromdichte q; in den
"schwarz" ist, muß bei der Energiebilanz der Raum, die dadurch entsteht, daß sich die innere
Fenster die Sonneneinstrahlung besonders be- Scheibe durch absorbierte Sonnenstrahlung auf-
rücksichtigt werden. heizt. Bezieht man diese beiden Terme auf die
Abbildung 1.3-6 zeigt die Energiebilanz der eingestrahlte Strahlungsintensität I, so läßt sich
einfallenden elektromagnetischen Strahlung. Im der sog. Gesamtenergiedurchlaßgrad g definie-
sichtbaren Bereich wird ein erheblicher Teil ren:
transmittiert, im Infraroten der überwiegende g=t+ q;. (1.3.27)
Teil absorbiert. Der Reflexionsgrad steigt mit zu- I
nehmendem Einfallswinkel an. Durch absor- Er dient dazu, die Minderung der erforderlichen
bierte Strahlung erhöht sich die Temperatur der Heizenergie im Winter zu berechnen. Bei der
Scheibe. Dadurch entsteht eine Wärmestrom- Bemessung des sommerlichen Wärmeschutzes
dichte sowohl in den Raum als auch in den Au- ist dieser Koeffizient zu groß für eine Begren-
ßenraum bzw. in den Raum zwischen den Schei- zung der Raumerwärmung. In diesem Fall sind
ben. Der Wärmestrom wiederum setzt sich aus auch Verschaltungsmaßnahmen u.ä. zu treffen.
Wärmestrahlung und Konvektion zusammen.
Die Konvektion im Scheibenzwischenraum ei- Wärmeschutzverordnung
ner Mehrfachverglasung kann durch eine Edel-
gasfüllungvermindert werden, die Abstrahlung Die Wärmeschutzverordnung hat zum Ziel, den
in den Scheibenzwischenraum durch eine dün- Heizenergiebedarf einzuschränken und damit
ne Metallbeschichtung auf der Innenseite, die den C02-Ausstoß zu reduzieren. Dazu wird der
sichtbares Licht kaum absorbiert, im Infraroten Jahres-Heizwärmebedarf OB ermittelt. Er ergibt
aber stark reflektiert. sich aus den Wärmeverlusten durch Transmissi-

innen

II =tl ) g.)= tf + ql

sichtbares Licht
• •• •••• • •••••• • •••••• • • • ••••••• • • 000 • • • ••••••••• • • • •••• •• ••••••••••••••• • •••••••• •

Infrarot (Temperaturstrahlung}

t
Abb. 1.3·6 Schematische Energiebilanz einer 2-Scheiben-lsolierverglasung bei einfallender elektromagnetischer Strahlung:
oben sichtbares Sonnenlicht, unten infrarote Temperaturstrahlung. Von der einfallenden Intensität I der Sonnenrnahlung wird
ein Teil/1 transmittiert, ein Teil/, reßektiert und ein Teil Ia absorbiert. (Reßexionen im Scheibenzwischenraum und sekundäre
Effekte sind nicht gezeichnet.} Entsprechendes gilt für die auffallende Wärmestrahlung /1Raus dem Raum, wobei hier der über·
wiegende Teil absorbiert wird. q sind die Wärmestromdichten, die von der Scheibe zusätzlich durch Wärmestrahlung und Luft·
bewegungabgeführt werden, nachdem die Strahlung sie erwärmt hat. q1 ist die Wärmestromdichte, die von der Innenscheibe
in den Innenraum abgegeben wird.

1-82 Allgemeine Grundlagen


on Qr und Lüftung (h_ sowie den Wärmegewirr- Ueq,w = Uw- gSw' (1.3.32)
nen aus solarer Einstrahlung Qs und internen
Wärmequellen OJ: wobei Uw der Wärmedurchgangskoeffizient des
Fensters ist, g der Gesamtenergiedurchlaßgrad
(1.3.28)
und Sw der Koeffizient fur solare Energiegewin-
Der Faktor 0,9 berücksichtigt, daß die Gebäude ne. In diesem Fall ist Qs gleich null.
weder zeitlich noch räumlich konstant beheizt Alternativ kann in der Transmissionswärme
werden, während für die Berechnung konstante der Uw- Wert eingesetzt werden und der Strah-
mittlere Werte benutzt werden. lungsgewinn nach
Anstatt auf die obengenannte Standardtem-
peraturdifferenz von 40 K zwischen +20°C und Qs =L(0,46I;gjAw,i,j) (1.3.33)
-20°C bezieht sich die Wärmeschutzverordnung j,i
auf die sog. Heizgradtagzahl Gt. Sie ist die über berechnet werden. Der Faktor 0,46 berücksich-
alle Tage k der Heizperiode eines Jahres erstreck- tigt den mittleren Nutzungsgrad und die Ab-
te Summe der mittleren Temperaturdifferenzen minderung durch Rahmen und Teilverschat-
multipliziert mit der Einheit d/a: tung. Im Strahlungsangebot I; ist die Einstrah-
d lung je nach Himmelsrichtung i enthalten. Aw,j
Gt = L{,'Jo ai -,'!- ae,k)·- (1.3.29) ist die Fensterfläche und Ki der Gesamtenergie-
k a durchlaßgrad des Fensters j.
In der Wärmeschutzverordnung wird mit Gt = Der jährlich maximal nutzbare Energiege-
3500 K· d/a eine mittlere Heizgradtagzahl einge- winn wird derzeit im wesentlichen pauschaliert
setzt. Da der Heizwärmebedarf in kWh/a ermit- erfaßt.
telt wird, muß man die Heizgradtagzahl mit Dem nach Gl. (1.3.28) berechneten Jahres-Heiz-
24h/d sowie mit 1 kW/(1000W) erweitern. Man wärmebedarf wird ein Sollwert gegenüberge-
erhält damit für die mittlere Heizgradtagzahl stellt, der sich aus dem Verhältnis aus der Außen-
den Ausdruck 84 kWh/a·(K/W), mit dem der fläche A und dem beheizten Gebäudevolumen V
Heizenergiebedarf ermittelt werden kann. Der errechnet. Entsprechend der lichten Geschoß-
Transmissionswärmebedarf Qr ist dann ent- höhe werden zuerst zwei Fälle unterschieden:
sprechend Gl. (1.3.25): Unter 2,60 m lichter Geschoßhöhe muß Qß~
kWh K n Qß,max gelten und über 2,60 m Q'H~ Q'h,max; da-
Qy =84--·- LUkAkrk. (1.3.30) bei ist QH~ QHIV, Q'H= OHIAN> AN= (0,32/m) V;
a W k=I Vbeheiztes Gebäudevolumen undANGebäude-
Da der Heizwärmebedarf die Dimension einer nutzfläche. Der maximale Jahres-Heizwärmebe-
Energie pro Zeit (kWh/a) hat, ist die Verwen- darf läßt sich mit
dung des Formelzeichens Q strenggenommen Q~ = [13,82+ 17,32(AN)] kWh/(m 3·a),
eine "Vereinfachung".
Für den Lüftungswärmebedarf QL ergibt sich {1.3.34)
entsprechend Gl. (1.3.16)
berechnen, wobei A und V die Zahlenwerte in m 2
kWh K Wh V
QL = 84-- · - · 0,34-- · n · VL = 18,28- bzw. m 3 sind.
a W m3·K m3 Die Wärmeschutzverordnung nennt neben
mitVL =0,8V, n=0,8h- 1• {1.3.31) diesen prinzipiellen Methoden, noch weitere zu
berücksichtigende Punkte für Wärmerückge-
Hier wurde eine Luftwechselrate von 0,8 h - 1 und winnungsanlagen, vereinfachte Nachweise für
ein Luftvolumen VL von 80% des beheizten Ge- kleine Wohngebäude, Reihenhäuser, Anforde-
bäudevolumens V angesetzt. Von diesem Aus- rungen bezüglich des sommerlichen Wärme-
gangspunkt können - v. a. auch in Zukunft - schutzes, Flächenheizungen, Heizkörperni-
künstliche Lüftung und Wärmerückgewinnungs- schen, Heizkörper vor Fenstern, Rolladenkästen
anlagen berücksichtigt werden. und der Begrenzung der Wärmeverluste durch
Die solaren Wärmegewinne kann man auf Undichtigkeit sowie Methoden für Gebäude mit
zwei Arten berücksichtigen. Zum einen kann niedrigen Innentemperaturen und bauliche Ver-
man für die Fenster einen äquivalenten U-Wert änderungen bestehender Gebäude.
berechnen,

Bauphysik 1-83
Hygienische Forderungen Dann entsteht auch im Wasser gegen den äuße-
ren Druck Dampf. Allerdings verdunstet Wasser
Während es bezüglich der Wärmeschutzverord- an freien Oberflächen auch unterhalb von 100°C.
nung ausreicht, wenn der Energieverlust eines Im Gleichgewicht verdunsten gleich viele Was-
Gebäudes im Mittel gering ist, genügt dies nicht sermolekille wie kondensieren. In der Gasphase
in bezug auf die hygienischen Verhältnisse. Um bildet sich dadurch ein partieller Wasserdampf-
Kondensation und Schimmelbildung zu vermei- druck aus, der dem Druck an der Grenzkurve
den, muß sichergestellt sein, daß auch lokal die des Phasendiagramms entspricht. Der Wasser-
Temperatur nicht unter der Taupunkttemperatur dampfpartialdruck überlagert sich den Parti-
liegen. Diese Anforderungen enthält DIN 4108-3. aldrücken der anderen Komponenten der Luft,
Sie stellt Forderungen in bezugauf die minima- insbesondere dem Stickstoff- und dem Sauer-
len Wärmedurchlaßwiderstände R der Außen- stoffpartialdruck.
bauteile. Die Anforderungen steigen, wenn die Die Komponenten der Luft können in guter
Flächenmasse der Innenbauteile unter 300 kg/ Näherung als ideale Gase betrachtet werden. Für
m 2 liegt, da dann das Wärmespeichervermögen sie gilt die allgemeine Gasgleichung zwischen
reduziert ist, mit dem nichtstationäre Effekte (Partial-)Druck p, Volumen V, Temperatur T und
aufgefangen werden sollen. Details hierzu in Stoffmenge n bzw. der Masse m:
[Keller 1997].
( 1.3.35)
1.3.2 R=8,314472 J/(mol· K) ist die universelle (mola-
Feuchte re) Gaskonstante und RB=RIMB die spezifische
(stoffbezogene ), wobei MB= m/ n die molare Mas-
Wasser tritt bei bauphysikalisch relevanten Tem- se des Stoffes Bist. In Tabelle 1.3-4 sind die Da-
peraturen in drei Phasen auf: als Flüssigkeit, ten der wesentlichen Komponenten der Luft auf-
Wasserdampf und Eis. Die Phasenübergänge geführt.
sind mit erheblichen Umwandlungsenthalpien Mit der Definition der Partialdichte (Massen-
verbunden, vgl. Tabelle 1.3-3. Welche Phasen sta- konzentration) QB=mBIV läßt sich damit der
bil sind, hängt von dem Druck und der Tempe-
ratur ab. In weiten Bereichen können beide geän-
dert werden, wobei nur eine Phase stabil ist
Abb.l.3-7. Wenn zwei Phasen eines reinen Stof-
fes gleichzeitig im Gleichgewicht stehen sollen,
dann kann man eine Größe - Druck oder Tem-
peratur - frei wählen. Die andere ist dann durch
die Grenzkurve des Phasendiagramms festge-
legt. Das Phasendiagramm gilt für reines Wasser.
Bei gelösten Stoffen, gekrümmten Oberflächen
und in hochporösen Stoffen gelten abweichende
Zusammenhänge.
Wichtig ist der Phasenübergang in die und aus
der Gasphase (Verdunsten und Sublimieren bzw.
Kondensieren). Wasser siedet, wenn unter atmo-
sphärischen Bedingungen - Luftdruck 1013 hPa Abb. 1.3·7 Phasendiagramm des reinen Wassers
- die Temperatur von 100 °C überschritten wird.

Tabelle 1.3·3 Phasen des Wassers

Phase 1 Phase2 Übergang 1 ~ 2 Übergang 2 ~ 1 spez. Umwandlungsenthalpie


kJ/kg
Wasser Eis Gefrieren Schmelzen 334
Wasserdampf Wasser Kondensieren Verdunsten 2256
Wasserdampf Eis Sublimation

1-84 Allgemeine Grundlagen


Tabelle 1.3·4 Komponenten der Luft

Stoff moi.Masse M8 spez. Gaskonstante R8 VoL-Anteil Massenanteil Partialdichte


g/mol J/(kg · K) % % kg/m3
Wasserdampf 18.02 461,53 0,989 0,887 0,0074
Stickstoff 28,01 296.79 78,030 75,600 0,9072
Sauerstoff 32.00 259,84 20,930 23,100 0,2772
Kohlendioxid 44,01 188,93 0,036 0,055 0.0007
Luft 28,96 287,05
Summe________________________
L___ 99,985 99,642

Partialdruck PB einer Stoffkomponente B be-


rechnen: Tabelle 1.3-5 Werte für GI. (1.3.37)

(1.3.36)

Wenn die Temperatur und die Stoffkonzentra- 0 4,689 Pa 288,680 Pa

l
tionen im Gasraum konstant sind, dann addie- b 1.486 1,098

J
ren sich die Partialdrücke unabhängig vonein- n 12,30 8.02
ander, da sich Volumen und Gaskonstante nicht
verändern und die Massen sich aufsummieren.
Man kann daher den Wasserdampfpartialdruck
Pv gesondert wie einen "normalen" Druck be- und ändert sich z.B. mit der Tageszeit. Übersät-
handeln, der sich wie andere Drücke auch aus- tigung und Kondensation tritt ein, wenn v~ Vsat
gleicht. über freien Wasseroberflächen stellt sich oder q> ~ 1. Entsprechend dem Phasendiagramm
im Gleichgewicht ein Wasserdampfsättigungs- in Abb.l.3-7 nimmt die Wasseraufnahmefähig-
partialdruck Pv,sat ein, der dem Druck im Pha- keit der Luft mit der Temperatur überpropor-
sendiagramm entspricht und von der Tempera- tional zu, und daher sind auch die kondensie-
tur t'tsat abhängt. Entsprechend findet man eine renden Massen bei Temperaturänderungen im
Sättigungsluftfeuchte Vsat· Für den bauphysika- oberen Bereich größer.
lisch relevanten Wertebereich wird die Formel Der zweite wichtige Prozeß ist der Wasser-
dampftransport durch einen Baustoff. In Wirk-
Psat =a(b+t'tsat)n
100
(1.3.37) lichkeit wird Wasser im Porensystem eines
Werkstoffs als Wasserdampf und als konden-
mit den Werten nach Tabelle 1.3-5 benutzt. siertes Porenwasser befördert. Für die bauphysi-
Die Umkehrfunktion ergibt die Taupunkt- kalische Bemessung genügt in erster grober
temperatur t'tsat> bei welcher für eine gegebene Nährung eine integrale Betrachtung, bei der
Luftfeuchte bzw. einen gegebenen Partialdruck Kondensationen und Verdunstungsprozesse mit
Kondensation einsetzt. dazwischengeschaltetem Wassertransport wie
Das Verhältnis von tatsächlicher absoluter Wasserdampftransport behandelt werden. Wie
Luftfeuchte v zu Sättigungsluftfeuchte Vsat be- die Linien der Wärmestromdichte senkrecht auf
zeichnet man als relative Luftfeuchte den Flächen konstanter Temperatur stehen, so
V Pv
stehen die Stromlinien der Feuchtestromdichte
q>=-=---. (1.3.38) g senkrecht auf den Flächen konstanter Luft-
Vsat Pv,sat
feuchte v. Für Luft gilt
Während die Luftfeuchte v durch die tatsächlich
in der Luft vorhandenen Masse an Wasser be- g = -Dgrad v = -60 grad Pv
stimmt ist, verändert sich die Sättigungsluft- av
g=-D-=-6 0 -
opv (1.3.39)
feuchte mit der Temperatur. Wenn weder Kon- on on
densation noch Verdunstung stattfindet, bleibt . u" 0 = -D
die Luftfeuchte konstant. Die relative Luftfeuch- mit --.
RH,oT
te dagegen nimmt mit fallender Temperatur zu

Bauphysik 1-85
Hierin ist D der Wasserdampf-Diffusionskoeffi- Gleichung ( 1.3.39b) wird damit zu
zient in Luft und n die Normale der Fläche mit
konstanter Konzentration bzw. konstantem Parti- g=D~v =Öo ~Pv. ( 1.3.41)
aldruck. Dieses Diffusionsgesetz gilt nur, wenn die J.ld J.ld
Feuchteverteilung stationär und ohne Quellen ist. Wenn das Problem eben und stationär ist und
Geht man vom Differential- zum Differenzen- keine Kondensation auftritt, ist die Feuchte-
quotienten über (o~M und ersetzt man die stromdichte g konstant. In der Bauphysik wird
Schrittgröße in der Normalenrichtung durch die außerdem 60 als konstant angenommen {1/Öo=
Dicke der Luftschicht (an=sd),dann erhält man 5,4·109 m ·s· Pa/kg). Damit ist die Partialdampf-
~v ~Pv druckänderung ~Pv proportional zur äquivalen-
g"'-D-=-6 0 - . (1.3.39a) ten Luftschichtdicke Sd. Wie bei der Tempera-
sd sd
turänderung kann man auch den Wasserdampf-
In Baustoffen ist die Wasserdampfdiffusion ge- partialdruck Pv als Funktion der äquivalenten
ringer als in Luft. Die DIN EN ISO 9346 ersetzt Luftschichtdicke Sd auftragen (Abb.l.3-8). Die
hier GI. (1.3.39) durch Steigung der Geraden entspricht der Größe g.
g = -övgrad v=-Öpgrad Pv
Wenn Kondensation eintritt, nimmt die Steigung
der Kurve (Geraden) ab.
~v ~Pv Im Gegensatz zum Wärmetransport sind beim
g "'-Öv d=-Öpd (1.3.39b)
Wasserdampftransport die übergangswiderstän-
Hierin sind: Öv der Feuchteleitkoeffizient in ei- de an den Oberflächen vernachlässigbar klein, so
nem Stoff, bezogen auf das Wasserdampfkon- daß der Partialdampfdruck an einer Oberfläche
zentrationsgefälle, und Öp, bezogen auf das Par- und im angrenzenden Raum gleich sind.
tialdruckgefälle, d ist die Dicke der Stoffschicht Aufgabe der Bauphysik ist es, schädliche Kon-
Man kann nun eine Wasserdampf-Diffusions- densation an Bauteiloberflächen oder in ihrem
widerstandszahl J.l einführen, die definiert ist Inneren zu verhindern. Da sich die Wasser-
durch das Verhältnis der Diffusionskonstanten dampfkonzentration nur durch Kondensation
bzw. der Feuchteleitkoeffizienten. Äquivalent da- bzw. Verdunstung ändern kann, darf die Tau-
zu ist die Definition über das Verhältnis einer punkttemperatur nicht unzulässig lange unter-
äquivalenten Luftschichtdicke Sd zur Bauteil- schritten werden. Die Temperaturverteilung in
dicke d: einem Bauteil kann abgeschätzt werden, wenn
D 6 0 sd ebene und stationäre Verhältnisse vorliegen. Die
J.l=-=-=-. (1.3.40) rechnerischen Methoden sind 1.3.1.2 dargestellt,
Öy Öp d
und das graphische Verfahren ist in Abb.l.3-4

p & Kondensation p
.... ....

a mit Kondensation b ohne Kondensation

Abb. 1.3·8 Wasserdampfpartialdruck p. und Sättigungsdampfdruck p,., als Funktion der äquivalenten Luftschichtdicken
(Glaser-Diagramm) bei ebenen und stationären Verhältnissen

1-86 Allgemeine Grundlagen


a2
gezeigt. Damit und mit Gl. ( 1.3.36) kann man die
Sättigungsdampfdrücke Psat berechnen. Sie sind --f
at
= c div grad p,
2

in Abb.1.3-8 eingetragen. Wenn die Sättigungs-


dampfdrücke so niedrig sind, daß sie die linea- (1.3.43)
re Verbindung zwischen den Wasserdampfpar- Die Schallgeschwindigkeit c in der Luft hängt
tialdrücken Pvi innen und Pve außen unterschrei- vom KompressionsmodulKund von der Dichte
ten, tritt Kondensation ein. Man konstruiert \'ab bzw. über die Gasgesetze von der Tempera-
dann jeweils die Tangenten des Wasserdampf- tur {)- in °C:
partialdrucks an die Kurve des Sättigungs-
dampfdrucks. Damit erhält man die Ebenen bzw. (1.3.44)
die Zone, inder-entsprechend dieser Vereinfa-
chung - Kondensation einsetzt. Die Steigungs- Bei der Schallausbreitung wird Energie trans-
änderung entspricht der Änderung der Feuchte- portiert. Die Schallintensität (Schalleistungs-
stromdichte. Deren Wert wiederum ist die auf dichte) I ist der Quotient Schalleistung durch
die Zeit bezogene ausfallende Wassermenge. durchströmte Fläche. Sie läßt sich aus Schall-
Bauphysikalisch entscheidend ist nicht, daß druck und Schnelle berechnen:
kein Wasser im Bauteil kondensiert, sondern daß
I= p·v. (1.3.45)
- in der Tauperiode (Winter) die kondensierte
Wassermenge Wr einen kritischen Wert Schalldruck und Schnelle wiederum sind über
(i.d.R. 1 kg!m2) nicht überschreitet und daß die Feldimpedanz Z, den Schallwellenwider-
- eventuell kondensiertes Wasser in der Ver- stand, gekoppelt, der sich bei den meisten homo-
dunstungsperiode wieder austrocknet. genen Medien aus der Dichte \' und der Schall-
geschwindigkeit c ergibt:
Dagegen muß eine Taupunktunterschreitung an
Z=Q·C, p=Z·v. (1.3.46)
Bauteiloberflächen in Räumen vermieden wer-
den. Schon relative Luftfeuchten von über 80 o/o Die Schallintensität kann damit auf jede der bei-
können zu Schimmelbildung führen. Lediglich den Größen Schalldruck und Schnelle zurückge-
kurzzeitige Taupunktunterschreitungen können führt werden:
u. U. toleriert werden, wenn die angrenzenden
Bauteile eine ausreichende Speicherfähigkeit be- (1.3.47)
sitzen.
Die Schalleistung P einer Schallquelle ist gleich
1.3.3 dem Integral der Schallintensität über die um-
Schall schließende Fläche S:

1.3.3.1 P=fl·dS. (1.3.48)


Grundlagen s
Bei einem diffusen Schallfeld in einem Raum, wo
Beim Luftschall schwingen Gasmoleküle gegen- wegen der Reflexionen der Schall gleichmäßig
einander. Die dabei auftretende Teilchenge- aus allen Raumrichtungen einfällt, ist die Schall-
schwindigkeit bezeichnet man als Schnelle v. Sie energiedichte w gegeben durch
ist gekoppelt mit Druckschwankungen, die sich
I
dem Luftdruck überlagern und als Schalldruck w=-. (1.3.49)
p bezeichnet werden. Entsprechende Erschei- c
nungen treten beim Körperschall auf [Cremer/ Das menschliche Ohr kann Schallintensitäten in
Heckl1996]. einem außerordentlich großen Bereich wahrneh-
Die Schwingungen breiten sich als Welle mit men, vgl. Abb. 1.3-9. Die Hörschwelle liegt für
der Geschwindigkeit c aus. Für sie gilt im eindi- 1000Hz beiio= 10-12 w= 1 pW,einenormale Un-
mensionalen Fall terhaltung bei 0,1 bis 1 }lW und eine Kessel-
schmiede bei 1 W. Um diese zwölf Zehnerpoten-
a2p-
--c-, -=c-
2 a2p o2v 2 o2v (1.3.42) zen einfacher darstellen zu können, verwendet
ot 2 ox2 ot2 ox2 man Pegel, das sind logarithmierte Größenver-
und im mehrdimensionalen Fall hältnisse, die in Dezibel (dB) angegeben werden.
Man unterscheidet hauptsächlich zwischen

Bauphysik 1-87
phon
120 20
<XI
100
"-~ 90 "'
0..
Qj
80 0,2 .5
g' -""

~
0.
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:::> 60 60 0,02 :!2
--;;;
:i2
--;;; ..c:.
..c:. 40 0,002 .X
.X
30 20
0 0,0002

0 0,00002

16 32 125 250 500 1k 2k 4k Bk 16k


Frequenz in Hz

Abb. 1.3-9 Kurven gleichen Lautstärkepegels nach Robinson und Dadson

Schallintensitätspegel LI> Schalldruckpegel Lp, der gesamte Schallpegel dabei um mindestens


Schnellepegel Lv und Schalleistungspegel Lw: etwa I dB erhöht. Für Leistungsgrößen entspricht
I dB einem Verhältnis von etwa 1,26 : I. Die zu-
sätzliche Schalleistung muß demnach minde-
L1 = 10 lg(:JdB, I0 = 1pW/m2 ;
stens 26% der bisherigen betragen, um wahr-
2 nehmbar zu sein, oder: Pegel darf den vorhan-
LP = 10 lg(%o) dB= 20lg(%o )dB, Po= 20~Pa ; denen Schallpegel höchstens um 5,9 dB unter-
schreiten. Erzeugt z.B. eine Kapelle einen Pegel
2
von 80 dB, dann erfordert ein Gespräch einen
Lv=lOlg(~) dB=20lg(~)dB, v0 =50nm/s; Sprachpegel von mindestens 74dB. Zum Ver-
gleich: Bei einem üblichen Gespräch herrscht ein
Lw= 10 lg(~ )dB, P0 = 1pW Pegel zwischen 50 und 60 dB.
Das menschliche Ohr nimmt Schallvorgänge
(1.3.50) nicht als zeitliche Druckschwankung wahr, son-
Die Feldimpedanz der Luft beträgt etwa 408 dern es hört frequenzspezifisch. Die Frequenz f
Pa·s/m, d.h., 400Pa·s/m ist eine akzeptable gibt die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde
Näherung. Wegen GI. (1.3.47) und wegen der an. Ihre SI-Einheit ist das Hertz (1Hz= 1/s). Der
Wahl der Bezugsgrößen gemäß GI. (1.3.50) ha- menschliche Hörbereich reicht von ca. 16 Hz bis
ben die Pegel des Schalldrucks, der Schnelle und zu ca. 20000 Hz=20 kHz. Dieser Frequenzbe-
der Intensität in guter Näherung denselben Zah- reich wird durch geometrische Reihen in Oktav-
lenwert. Von diesen punktbezogenen Größen ist und Terzbänder geteilt. Für diese gelten die Bil-
der "systemgrenzenbezogene" Schalleistungs- dungsgesetze in Tabelle 1.3-6, wobei der Index i
pegel streng zu unterscheiden. die fortlaufende Nummer des Bandes,f0 die obe-
Bei allen Pegelrechnungen muß man beach- re Eckfrequenz, fu die untere Eckfrequenz und
ten, daß die physikalische Erhaltungsgröße die fm die Mittenfrequenz ist.
Energie ist, Pegel dagegen nur besonders hand- Die Frequenzbänder werden durch ihre Mit-
liche Darstellungsformen sind. Für Mittelungen tenfrequenz bezeichnet. Das wichtigste Terz- so-
ist es daher erforderlich, auf die jeweiligen Schal- wie Oktavband ist jeweils das 1000-Hz-Band. Da
leistungen bzw. Schalldrücke zurückzurechnen, die Hörempfindlichkeit frequenzabhängig ist,
dann erst zu mitteln und daraus ggf. wieder den beziehen sich Vergleiche stets auf IOOO Hz (Abb.
Pegel zu bestimmen. 1.3-9).
Ein neues, zusätzliches Schallereignis kann Bei anderen Frequenzen ist das Ohr i. d. R. we-
der Mensch nur dann wahrnehmen, wenn sich niger empfindlich. Um diese Unterschiede zu be-

1-88 Allgemeine Grundlagen


Tabelle 1.3·6 Bildungsgesetze für Oktav- und Terzbänder

Oktavbänder Terzbänder

'•+1=2f; f,+l= 2f,


f0 = 2fu; fm= 2fu = f0 / 2 V2
'· = fu; fm = V2 '" r./V2
=
( 0 :d,26fu; fm:: 1,12fu:: 0,9(0

rücksichtigen, werden bei Messungen von den


Pegeln frequenz- und pegelabhängige Korrek-
turwerte abgezogen (bzw. hinzugefügt), damit
wird die empfundene Lautstärke nachgebildet.
Die zugehörigen Bewertungskurven werden als
A, B, C bzw. D bezeichnet, ein der Kurve A ent-
sprechend bewerteter Gesamtpegel mit dB(A)
(DIN EN 60651).

1.3.3.2
Pegelminderung Abb. 1.3-10 Einfallende Schallintensitätl., reflekiierte
Schallintensitat /1, dissipierte Schallintensität /d und
Breitet sich der Schall von einer Punktschall- transmittierte Senallintensität /1; absorbierte Schallin-
tensität /• = /d + /1
quelle in alle Raumrichtungen gleichmäßig aus,
dann nimmt wegen GI. ( 1.3.48) die Schallintensi-
tät mit dem Quadrat der Entfernung r ab: onsgrad '?• Transmissionsgrad t, Dissipations-
grad 6 und Absorptionsgrad a:
I=...!.___ (1.3.51)
4nr 2 Ie=I,+I1 +Id=I,+Ia mit Ia=I1 +Id,
Wird der Abstand von r 1 auf rz erhöht, dann ver- 1=Q+t+Ö=Q+~ a=t+&
mindert sich der Schallintensitätspegel L1: (1.3.54)
Für einen Raum ist seine äquivalente Absorpti-
L12 -Ln= 10 lg(~: )dB= 20 lg(~)dB. onsfläche A charakteristisch. Sie ergibt sich aus
der geometrischen Fläche S durch
(1.3.52)
A =aS. (1.3.55)
Wenn bei einer Linienschallquelle der Abstand r
klein gegen deren Länge l ist, gilt Wird in einem Raum die Schallerzeugung plötz-
P' lich unterbrochen, klingt die Schallenergiedichte
I=--, wund damit wegen GI. (1.3.49) die Schallinten-
2nlr
sität exponentiell mit der Zeit ab. Der Schallin-
Ln -Ln= 10 lgG:) dB= 10 lg(~ )dB. tensitätspegel nimmt linear ab. Man definiert
nun die Nachhallzeit Tals die Zeit, in der der Pe-
(1.3.53) gel um 60 dB abnimmt. Bei bekanntem Raumvo-
In Räumen wird der Schallpegel v. a. durch ab- lumen V läßt sich mit nach der Sabineschen For-
sorbierende Bauteile und Raumbegrenzungen mel die Absorptionsfläche A eines Raumes nach-
vermindert. Die Energiebilanz einer Wand (Abb. folgender Zahlenwertgleichung berechnen:
1.3-10) setzt sich zusammen aus auftreffender
Schallintensität Ie, reflektierter Schallintensität A=0,163~ (1.3.56)
In transmittierter Schallintensität I 1 und dissi- T
pierter- d.h. in Wärme umgewandelter- Schall- (A im m 2, V in m 3, Tins).
intensität Id bzw. absorbierter Schallintensität Der Absorptionsgrad ist frequenzabhängig.
Ia = I 1+Id Daraus ergeben sich die auf die auf- "Normale" Bauwerkswände sind schallhart,
treffende Intensität normierten Werte Reflexi- d. h., sie absorbieren nur wenige Prozent der ein-

Bauphysik 1-89
fallenden Schallintensität und reflektieren bei- sonders zwei Arten zu unterscheiden: Eigen-
nahe alles. Um den Pegel wirksam zu mindern, schwingungen mehrschaliger Bauteile und das
sind zahlreiche Reflexionen erforderlich. Nur Auftreten der sog. Koinzidenzfrequenz.
durch absorbierende Medien erzielt man eine Das Koinzidenzphänomen beruht darauf, daß
akzeptable Raumakustik. die Schallgeschwindigkeit c8 einer Biegewelle in
einer Platte von der Frequenz f abhängt, während
1.3.3.3 sie in Luft frequenzunabhängig ist. (m' Flächen-
Schalldämmung masse,d Plattendicke, Jl Querdehnzahl (Poisson-
Zahl), Edyn dynamischer Elastizitätsmodul):
Man unterscheidet zwischen der Schallaussen-
dung - der Emission - und dem Schalleinfall - E d3
der Immission. Ziel des Schallschutzes ist es, die 's =4 dyn ~2nf. (1.3.58)
Immission so gering wie möglich zu halten, ent- 12(1-p 2 )m'
weder durch Vermindern der Emission oder Bei hinreichend dicken Platten gibt es eine Fre-
durch Schalldämmung. Innerhalb eines Raumes quenz und einen Einfallswinkel q>, bei dem die
kann der Schallpegel durch absorbierende Me- Projektion .Asp=.Adsinq> der Wellenlänge in der
dien gesenkt werden (Schalldämpfung). Luft und die Wellenlänge .A8 der Biegewelle
Zwischen zwei Räumen ist das Schalldämm- gleich sind (Abb.l.3-13). Dies führt zu einer re-
Maß R der Raumtrennwand entscheidend. Wenn sonanten Anregung. Die niedrigste Frequenz, bei
man Nebenwegübertragung vernachlässigt, ist der diese Bedingung erfüllt ist, findet man bei
es gegeben durch streifendem Einfall unter q>=90°. Sie wird als
Grenzfrequenz [g bezeichnet:
R = 10 lg~dB= L5 -Le + 10 lg(~)dB, (1.3.57)
f. = cl 12(1-l)m' 60 Ql(kg!m 3 ) _
---'---'-Hz.
wobei L 5 der Pegel im Senderaum, Le der Pegel g 2n Ed d 3 :::: dlm EdyniMPa
im Empfangsraum,S die geometrische Fläche yn
der trennenden Wand und A die äquivalente Ab- ( 1.3.59)
sorptionsfläche im Empfangsraum ist (Abb. 1.3- Ein Bauteil gilt als ausreichend biegesteif, wenn
11). die Grenzfrequenz unter 100Hz - besser unter
Das Schalldämm-Maß ist frequenzabhängig 60Hz - liegt, und als ausreichend biegeweich,
(Abb. 1.3-12). Eine im Bauwesen sinnvolle Ein- wenn sie über2000Hz liegt. Dazwischen liegt ein
zahlangabe läßt sich durch eine geeignete Be- bauakustisch kritischer Bereich. Da die kritische
wertung erreichen. Dabei werden nur ungünsti- Dicke je nach Baustoff zwischen 15 cm und eini-
ge Werte berücksichtigt, d.h. zu kleine Dämm- gen Millimetern liegt, gibt es eine Reihe von
Maße. Damit werden v.a. Einbrüche bei be- Konstruktionen, deren Verhalten bedenklich
stimmten Frequenzen korrekt berücksichtigt. sein kann (Abb. l.3-14).
Bei einer genaueren Analyse sind auch Schall-
nebenwege über angrenzende Bauteile zu berück-
sichtigen.
Einbrüche des Schalldämm-Maßesentstehen
R
besonders bei Resonanzen der Wand. Es sind be-

--·

f0 500Hz

Abb. 1.3-12 Charakteristisches Frequenzverhalten des


Schalldämm-Maßeseiner zweischaligen Wand mit ver-
Abb. 1.3·11 Schalldämmung einer Wand schobener Bezugskurve

1-90 Allgemeine Grundlagen


Abb. 1.3·13 Koinzidenz von Luftschallwellenlänge und Biegewellenlänge

bauakustisch
kritischer Bereich
100
I
I
cm I
I
I
I
20 1
I
I
10 ~~,....,...,.--+--i- ausreichend
""'~ 5
biegeweich
'i5
c:
"'
r:
2
"'
0::

I
I
0,5 - 1
Glas, Stahl,
Aluminium 1 1
0,2 ~--1

I I
I I
0,1
100 103 Hz
Koinzidenzfrequenz f9

Abb. 1.3-14 Dickenbereiche für ausreichend biegeweiche, biegesteife sowie für gefährdete Wande unterschiedlicher Mate-
rialien

Ausreichend biegeweiche Bauteile sind so- Bei einschaligen Wänden gilt für das Schall-
wohl im Empfangs- als auch im Senderaum un- dämm-Maß in grober Näherung das Bergersehe
kritisch, da Körperschall in ihnen durch Luft we- Massegesetz, in der üblichen Schreibweise:
der nennenswert angeregt noch abgestrahlt wer-
R = (20 lgf + 20 lg m'+ const) dB, (1.3.60)
den kann. Schallbrücken für Körperschall wir-
ken sich daher in diesem Fall nur wenig aus. Da- d. h., das Schalldämm-Maß nimmt bei einer Fre-
gegen kann eine an sich gute Dämmung quenz- oder Flächenmassenverdopplung um
zwischen zwei biegesteifen Bauteilen unwirksam 6 dB zu.
werden, wenn auch nur vereinzelt über Schall- Resonanzen können auch bei mehrschaligen
brücken Körperschall übertragen wird. Solche Bauteilen auftreten, indem die beiden Schalen
Baumängel findet man v.a. bei schwimmenden mit den Flächenmassen m' gegeneinander
Estrichen (Decke und Estrich sind biegesteif) schwingen, wobei als Feder entweder die einge-
und bei doppelschaligen Haustrennwänden. schlossene Luft oder eine elastische Zwischen-

Bauphysik 1-91
Tabelle 1.3-7 Resonanzfrequenz f0 zweischaliger Konstruktionen

Ausfüllung des Doppelwand aus zwei gleich schweren leichte biegeweiche Vorsatzschale
Zwischenraums biegeweichen Schalen biegesteifen Schalen vor schwerem Bauteil

gwww@
m' r -rt--m_' - --.
a at pwwwww~
Luftschicht mit schall- 85 340 60
schluckender Einlage
fo=--;-- fo= ~ fo =-r===="'
"'o/m'· a "Vm'· a "'o/m' · a
Dämmschicht mit (7 (7 {7
beiden Schalen voll-
flächig verbunden
f0 = 225 ·1J-;;;; f0 =900·'/-;;;; t0 =160·v-;;;;

m' Flächenmasse in kgfm2 s' dynamische Steifigkeit der Dammschicht in MNfml


o Schalenabstand in m f0 ergibt sich in Hz

schichtmit der dynamischen Steifigkeit s' dient. tiven Belags abzieht, dieses Spektrum bewertet
Es gelten die in Tabelle 1.3-7 angegebenen Nähe- und dann die fiktive Auflage wieder hinzufügt.
rungsformein für die Resonanzfrequenz fo. Beim bewerteten Verbesserungsmaß werden die
Unterhalb der Resonanzfrequenz gilt das Ber- Meßdaten ermittelt und von denen einer fiktiven
gersehe Massegesetz. Beide Bauteile schwingen Rohdecke abgezogen, diese Konstruktion be-
gleichphasig. Das Bauteil wirkt näherungsweise wertet und wieder rückkorrigiert Das genaue
wie eine monolithische Wand mit der Gesamt- Verfahren ist DIN 4109 zu entnehmen. Aufgrund
flächenmasse m'1+m;. Bei fo bricht das Schall- der Systematilc ist es nicht zulässig, mehrere Ver-
dämm-Maß ein. Oberhalb von fo nimmt das besserungsmaßevon Auflagen von einem äqui-
Schalldämm-Maß um ca. 18 dB pro Oktave zu, valenten Norm-Trittschallpegel abzuziehen.
d.h. dreimal so stark als bei einer einschaligen
Wand. Der Grund dafür ist, daß nun die beiden
1.4
Schalen gegenphasig und entkoppelt schwingen.
Bauchemie
Zu erwähnen ist noch der Trittschallschutz.
Hier wird Körperschall angeregt und dann in ei-
1.4.1
nem anderen Raum abgestrahlt. Maßgebend ist
Einführung
der Trittschallpegel Lr (Li) im Empfangsraum.
Der Norm-Trittschallpegel Ln wird mit einem Die Bauchemie läßt sich in drei Bereiche eintei-
speziellen Hammerwerk erzeugt. Sein Fre- len [Knöfel1996):
quenzverlauf ist daher vom Meßsystem abhän- Baustoffchemie
gig. Auch hier muß die äquivalente Schallab- - Herstellung, Zusammensetzung und Eigen-
sorptionsfläche im Empfangsraum berücksich- schaften der Baustoffe,
tigt werden. Maßgeblich ist, wie beim Luft- - Reaktionen, die zu ihrer Gebrauchsfähigkeit
schalldämm-Maß, ein bewerteter Pegel Ln,w bei führen;
500 Hz. Ein ausreichend geringer Trittschallpe- Einwirkungen auf die Baustoffe
gel ist mit einschaligen Bauteilen nicht erzielbar. - Korrosion der Baustoffe,
Der Trittschallpegel einer Konstruktion setzt - Schutzmaßnahmen gegen Baustoffangriff,
sich daher aus zwei Teilen zusammen: einem - Instandsetzungsmaßnahmen nach Bau-
äquivalenten Norm-Trittschallpegel Ln,w,eq der stoffschädigungen;
Rohdecke und einem Trittschallverbesserungs- Auswirkungen aus den Baustoffen
maß llLw der Auflage: - Umweltverträglichkeit der Baustoffe,
(1.3.61) - Wiederverwertbarkeit der Baustoffe.

Der äquivalente Norm-Trittschallpegel wird er- Die mineralischen (nichtmetallisch anorgani-


mittelt, indem man von den gemessenen Aus- schen), die metallischen und die organischen
gangswerten der Rohdecke die Werte eines fik- Baustoffe sind Thema der Baustoffchemie, eben-

1-92 Allgemeine Grundlagen


so ihre Reaktionen (z.B.Erhärtungsreaktionen) hydraulische Bindemittel, die nach dem Vermi-
und die Reaktionen, die bei der Kombination schen mit Wasser ("Anmachen") sowohl an der
von Baustoffen und Bauhilfsstoffen ablaufen (s. Luft als auch unter Wasser erhärten (s. auch
auch [Henning!Knöfel 1997], [Karsten 1992], [Czernin 1977], [Keil 1971], [Kühl 1967] und
[Knoblauch 1995], [Wesche 1993] und [Scholz [Taylor 1990 ]). Der Begriff"hydraulisch" umfaßt
1995]). Das Hauptkapitel "1.4 Bauchemie" be- die Eigenschaften "wasserbindend'~"wasserfest"
schränkt sich auf die Chemie der anorganischen und "unter Wasser erhärtend".
Bindemittel und ihrer Bauhilfsstoffe (s. auch
"3.1 Baustoffe"). Herstellung und Zusammensetzung
Die beiden anderen Bereiche beschäftigen
sich mit den Einwirkungen auf die Baustoffe Zur Herstellung von Portlandzement werden
(z.B. Korrosionsreaktionen und Oberflächenän- Mischungen - sog. "Rohmehle" - aus Kalkstein
derungen durch Umwelteinflüsse) und mit den und Ton (oder Ausgangsstoffe ähnlicher Zusam-
Auswirkungen aus den Baustoffen (z.B.Auslau- mensetzung wie Mergel) sowie Korrekturstoffe
gungsreaktionen). (z. B. Quarzsand, Eisenerz) bis zur Sinterung er-
hitzt, d.h. bis auf Temperaturen (1400°C bis
1.4.2 1500°C), bei denen partielles Schmelzen eintritt
Chemie der anorganischen Bindemittel (Schmelzanteil20o/o bis 30o/o).
Zur Erzielung optimaler Eigenschaften ist ei-
Die Aufgabe von Bindemitteln besteht darin, ne optimale chemische Zusammensetzung des
körnige Materialien (Zuschlag) z~ binden, d.h. Rohmehls und damit des Portlandzementklin-
die einzelnen Körner fest miteinander zu einem kers, des erkalteten Sinterprodukts, neben ande-
Festkörper zu verkitten (im Gegensatz zu Bin- ren Eigenschaften erforderlich. Der Spielraum
demitteln dienen Klebstoffe und Leime zur Ver- für die Zusammensetzung eines Rohmehls ist
bindung von Flächen). Beim Zusammentreffen gering; er ist aus der Lage des Portlandzement-
der meisten anorganischen Bindemittel mit Was- feldes im Dreistoffsystem CaO/MgO - Ah0 3/
ser oder wäßrigen Lösungen treten chemische Fe20 3- Si02,das auch als Rankin-Diagramm be-
Reaktionen ein, deren Reaktionsprodukte mehr zeichnet wird, abzulesen (Abb. 1.4-1). Entschei-
oder weniger gut kristallisieren. Diese Reaktio- dend ist der Kalkgehalt des Zements, da zu nied-
nen bewirken Verfestigungsprozesse. riger Kalkgehalt einen Abfall der Festigkeit und
Als Verfestigung im Sinne der Baustoffbildung zu hoher Kalkgehalt Kalktreiben verursacht.
können Prozesse bezeichnet werden, bei denen Zur Berechnung des optimalen Kalkgehalts
ein fluides Ausgangssystem in ein festes End- werden folgende Kennwerte verwendet:
produkt übergeht oder bei denen sich ein weni-
Hydraulischer Modul
ger festes System in ein solches von höherer Fest-
igkeit umwandelt. Neben chemischen Reaktio-
nen spielen dabei Lösungs- und Kristallisations-
prozesse sowie Vorgänge an Grenzflächen eine
Grenzwerte: HM = 2,0 ... 2,4; (1.4.1)
Rolle.
Die Verfestigung eines nach Zugabe von Was- Kalkstandard KSt I
ser erhärtenden Baustoffs (z.B. Frischmörtel
oder -beton) erfolgt in zwei nicht scharf trenn-
baren Etappen: Die zunächst erfolgende Erstar-
rung ist der Übergang eines breiig-plastischen Grenzwerte: KSt I= 90 ... 100. (1.4.2)
Zustands in ein Gebilde von zunächst noch ge-
ringer Festigkeit. Die sich anschließende Erhär- Die sauren Oxide Si02,Ah03 und Fe203 werden
tung ist der Vorgang, bei dem das erstarrte Sy- auch als Hydraulefaktoren bezeichnet. In die
stem sich weiter verfestigt. Gleichungen sind die bei der chemischen Ana-
lyse eines Zements bzw. des Rohmehls ermittel-
1.4.2.1 ten Massenprozente einzusetzen. Bei KSt I (nach
Portlandzement Kühl) wird der Berechnung die mögliche Bil-
dung der Phasen C3S, C12A7 und C4AF zugrun-
Zemente, welche die größte Gruppe der anorga- de gelegt. Bei KSt II wurden die Faktoren für
nischen Bindemittel bilden, sind feingemahlene Si0 2,Al203 und Fe203 verbessert (praxisnäher).

Bauchemie 1-93
Si0 2

Abb. 1.4-1 System Kalk - Tonerde - Kieselsäure (Rankin·Diagramm), aus [Henning/Knöfel1997]

Unter zusätzlicher Berücksichtigung des MgO Tonerdemodul TM


ergibt sich der KSt III (nach Spohn, Woermann
und Knöfel) zu: TM= Alz03
Fe 20 3
Kalkstandard KSt III bei::; 2M.-% MgO
Grenzwerte: TM= 1,5 ... 2,9. (1.4.6)
KStiii= IOO(Ca0+0,75Mg0)
2,80Si0 2 +1,18Al 20 3 +0,65Fe 2 0 3 Mit steigendem Silicatmodul nimmt die Festig-
keit zu, das Sinterverhalten verschlechtert sich.
(1.4.3)
Der Tonerdemodul hat auf die Festigkeitsent-
wicklung keinen wesentlichen Einfluß; mit sin-
Kalkstandard KSt III bei~ 2M.-% MgO
kendem Tonerdemodul nimmt der C3A-Gehalt
KSt III = _ _ _ _1_00_(_C_a0_+_1,_5_)_ __ ab, die Schmelze wird niedriger viskos.
2,80Si0 2 +1,18Al 2 0 3 +0,65Fe 20 3 Die chemischen Umsetzungen, die bei der ther-
mischen Behandlung eines Zementrohmehls
(1.4.4)
mit steigender Temperatur stattfinden, sind in
Ein PZ-Klinker mit KSt = 100 enthält den höch- Tabelle 1.4-1 dargestellt. Die in der Zementche-
sten CaO-Gehalt, der unter technischen Bedin- mie verwendete Kurzschreibweise für die ein-
gungen an seine Hydraulefaktoren g~bunden zelnen Oxide ist in Tabelle 1.4-2 angegeben. Bei
werden kann (optimaler CaO-Gehalt). der maximalen Brenntemperatur liegen die Sili-
Neben den Kalkkennwerten HM und KSt gibt cate in fester Form vor, der Rest ist geschmolzen.
es weitere Quotienten, die einen schnellen über- Bei der Abkühlung kristallisieren die Aluminat-
blick über die chemische Charakteristik eines und die Ferratphase. Die Kühlung muß rasch er-
Zementrohmehls gestatten: folgen, da das C3S sonst unter Bildung von C2S
und CaO wieder zerfällt.
Silicatmodul SM
Die in Tabelle 1.4-1 angegebenen Reaktionen
SM= _ _ Si_0-=-2_ _ werden bei der Bildung technischer Klinkerpha-
Al 20 3 +Fe 20 3 sen durch Nebenreaktionen überlagert, die z.B.
unter Mitwirkung von Alkalien ablaufen und
Grenzwerte: SM= 1,8... 3,9; (1.4.5)
den Einbau von Fremd-Ionen bewirken. In den

1-94 Allgemeine Grundlagen


r
Tabelle 1.4-1 Chemische Umsetzungen bei der thermischen Behandlung von Portlandzement-Rohmehl (Hauptreaktionen
beim Kli nkerbrand)

mperatur 0 ( Vorgang Chemische Umsetzung


20 ... 200 Abgabe von freiem Wasser (T rocknung)
00 ... 450 Abgabe von adsorbiertem Wasser
so ... 600 Tonzersetzung, dabei Bildung von Metakaolinit AI4(0HJ 8Si40 10 ~ 2 (AI 203 • 2Si0 2) + 4 H20
600 ... 950 Metakaolinitzersetlung, dabei Bildung einer
reaktionsfähigen Oxidmischung
800 ... 1000 Kalksteinzersetzung, dabei Bildung von CaC03~ CaO + C0 2
CS und CA 3Ca0 + 25i0 2 + Al 203~ 2 (Ca0·5i0 2) + Ca0·AI 203
1000 ... 1300 Kalkaufnahme durch CS und CA, Bildung (5+(~(25
von C4 AF 2C+S~C25
CA+2C ~C 3 A
CA + 3 C+ F~ C4AF
1300 ... 1450 weitere Kalkaufnahme durch C25 c2s+ c~ c35

kristalJe enthalten z.B. >0,2 M.-% Alkalioxide,


Tabelle 1.4-2 Formelkurzschreibweise der Oxide in welche die ß-Form stabilisieren, die allein hy-
der Zementchemie
draulische Aktivität zeigt.
Oxid Kurzschreibweise
Aluminat (Tricalciumaluminat, 3Ca0 · Alz03,
C3A) ist zu etwa 5 bis 15 M.-o/o im Klinker ent- ·
CaO c
5i0 2 5 halten.
A1 203 A Im Ferrat (Tetracalciumaluminatferrat,
Fe 203 F 4CaO·Alz03·Fez03,C4AF),zuetwa 5 bis 15M.-%
MgO M im Klinker enthalten, ist das Verhältnis
Na 20 N Alz03:Fez03 nicht immer genau 1, was auch
K20 K
H
durch die Schreibweise als Mischkristallreihe
H20
Cz(A,F) ausgedrückt werden kann.
503
(02 Nicht gebundenes CaO ("freier Kalk'') und
MgO (Periklas) sind in den meisten Klinkern
enthalten. Ihre Gehalte sollen jeweils unter etwa
2 M.-% liegen, da sonst Treiberscheinungen in
im Portlandzement vorkommenden Alitkri- einem mit diesen Zementen hergestellten Beton
stallen können z. B. bis zu 2M.-% Calcium durch zu erwarten sind.
Magnesium, bis zu 0,45 M.-% Silicium durch Wichtig für die Untersuchung des Verlaufs des
Aluminium und bis zu 1 M.-% Calcium durch Al- Klinkerbrands und der Erhärtungsprozesse ist
uminium substituiert sein. die Kenntnis der Phasenzusammensetzung des
Alit (Tricalciumsilicat, 3Ca0 · SiOz, C3S) ist der Klinkers bzw. des Portlandzements. Zur Berech-
Hauptbestandteil des Zementklinkers mit einem nung wird häufig die Phasenberechnung nach
Anteil von etwa 50 bis 75 M.-%. Dieser kann bei Bogue angewendet, bei der von der chemischen
langsamer Abkühlung unterhalb von 1250°C Analyse ausgegangen wird und als Ergebnis ein
zerfallen, so daß für eine schnelle Abkühlung des potentieller Phasenbestand erhalten wird. Der
Klinkers gesorgt werden muß. Dabei wird ein Phasengehalt kann am besten auflichtmikrosko-
energiereicher, reaktionsfähiger, sog. "metasta- pisch mittels Punktzählmethode bestimmt wer-
biler'' Zustand (hoher Gehalt an innerer Ener- den. Das Ergebnis ist der "aktuelle" Phasenge-
gie) eingefroren, der zu einer hohen hydrauli- halt, der aufgrund des Einbaus von Fremdato-
schen Aktivität des Zements führt. men vom theoretischen Wert etwas abweicht.
Belit (Dicalciumsilicat, 2Ca0 · Si0 2, C2 S) ist die Spezialzemente haben z. T. eine abweichende
ß-Modifikation des Dicalciumsilicats, die zu et- Phasenzusammensetzung: HS-Zemente (Ze-
wa 5 bis 15M.-% im Klinker enthalten ist. Belit- mente mit hohem Sulfatwiderstand) sind CEM I

Bauchemie 1-95
mit <3 M.-% C3A und <5 M.-% Alz03 oder Hydratation von Portlandzement
CEM III/B mit :2:70 M.-% Hüttensand. Weißze-
ment enthält kein C2(A,F). NW-Zemente (Ze- Unter der Zementhydratation wird der gesamte
mente mit niedriger Hydratationswärme: nach 7 komplexe Prozeß der Reaktionen eines Zements
Tagen <270 J/g) sind entweder hüttensandrei- mit Wasser (Erstarren und Erhärten) verstanden.
che CEM III/B oder belitreiche CEM I. NA-Ze- Bei der Hydratation der Klinkerphasen Alit
mente (Zemente mit niedrigem wirksamem Al- und Belit, die zusammen etwa 80 M.-% des Pha-
kaligehalt) sind CEM I mit :>; 0,60 M.-% NazO- senbestands eines Portlandzements ausmachen,
Äquivalent oder hüttensandreiche CEM III/B werden schlecht kristallisierte Calciumsilicathy-
(:2:50 M.-% Hüttensand) mit:>; 1,10 M.-% Na 20- drate (C-S-H-Phasen, s.Abb. 1.4-2) gebildet.Alit
Äquivalent. und Belit können z.B. nach folgenden Reakti-
Zur Herstellung von Zement werden die Klin- onsgleichungen hydratisieren:
ker feingemahlen (spezifische Oberfläche 2500
Alit: 2C3S+6H-1C3S2H3+3CH, ( 1.4.7)
bis 6000 cm 2/g), wobei durch die Anwendung
Belit: C2S+2H-1CSH+CH. (1.4.8)
von Mahlhilfsmitteln (z.B. Triethanolamin) der
Mühlendurchsatz gesteigert wird. Stets müssen Die Bildung von Calciumhydroxid ist von großer
etwa 5 bis 8 M.-% Gips und/oder Anhydrit als Er- Bedeutung für den Korrosionsschutz des Stahles
starrungsverzögerer zugegeben werden. Nach im Stahlbeton, da Eisen in einem derartig ba-
DIN 1164 Teil1 darfder Sulfatgehalt (als S03) für sischen Milieu (pH-Wert 12 bis 13) nicht ange-
CEM I maximal 3,5 M.-% (Festigkeitsklassen griffen wird.
32,5; 42,5) bzw. 4,0 M.-% (Festigkeitsklassen Die Reaktion der Aluminatphase mit Wasser
42,5 R; 55) betragen. Zu hohe Halbhydrat-Ge- liefert das stabile kubische Hexahydrat
halte im Zement sind ungünstig, da sie zum
(1.4.9)
Frühansteifen des Zementleims führen können.
Der optimale Sulfatzusatz hängt insbesondere Im Unterschied zu Alit und Belit wird hier kein
vom C3A-Gehalt und der Feinheit des Zements Calciumhydroxid gebildet. In Gegenwart von
ab. Calciumhydroxid entstehen hexagonale Calciu-
maluminathydrate, z.B.
(1.4.10)

Abb. 1.4-2 Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme der Erhärtungsprodukte von Tricalciumsilicat nach 28 Tagen Hydrata-
tionsdauer. Rechter Bildteil: AufC 3S·Körnern aufgewachsene C-5-H-Phasen,linker Bildteil: Calciumhydroxid

1-96 Allgemeine Grundlagen


In Gegenwart von Calciumsulfat entstehen kom- (Abb. 1.4-3}. Durch die Bildung eines karten-
plexe Calciumaluminiumsulfathydrate: hausähnlichen Gefüges überbrücken sie sofort
den wassergefüllten Porenraum, verknüpfen die
C3A+Cs+ 12H-1C3A·Cs·H12
Zementpartikel und verursachen damit unmit-
(Monosulfat), (1.4.11)
telbar nach der Zugabe des Wassers eine erste
C3A + 3Cs+32H-1C3A· (Csh· H32 Verfestigung. Die Erstarrungsverzögerung wird
(Trisulfat). (1.4.12) also durch unterschiedliche Gefügeentwicklung
im Zementleim erreicht.
Trisulfatkristalle (Ettringit, AFt) sind (meist) Hydratisieren Calciumaluminate in Gegen-
stäbchenförmig (Abb. 1.4-4}, Monosulfatkristal- wart von Calciumsilicaten, so können quaternä-
le (AFm) sind blättchenförmig. Bei Übergängen re Hydrate der Hydrogranatreihe entstehen:
zwischen beiden treten Volumenänderungen ein
(C3AH6)- C3ASH4- C3AS2H2- (C3AS3).
(Dichten: Monosulfat 2,03 g/cm3, Trisulfat
1,78 g/cm 3). Je 2 Mol Wasser sind durch 1 Mol Si0 2 ersetzt.
Die erstarrungsverzögernde Wirkung des Daneben kann auch GehZenithydrat C2ASH 8 ent-
Gipszusatzes beruht darauf, daß sich in Gegen- stehen.
wart von Sulfat bereits in den ersten Minuten der Bei der Reaktion der Ferratphase mit Wasser
Reaktion auf den C3A-Oberflächen ein feinkri- bilden sich Calciumaluminatferrathydrate, in
stalliner Belag von Trisulfat bildet, der aber das Gegenwart von Sulfat auch Calciumaluminatfer-
Gefüge des Zementleims nicht deutlich verän- ratsulfathydrate.
dert und ein gegenseitiges Bewegen der Körner Die unterschiedliche Hydratationsgeschwindig-
weiterhin ermöglicht [Locher/Richartz/Sprung keit und die Festigkeitsentwicklung der einzelnen
1976 u. 1980 ]. Erst nach Stunden entstehen durch Klinkerphasen gehen aus den in Abb. 1.4-5 dar-
Sammel- oder Rekristallisation aus den kleinen, gestellten Festigkeiten in Abhängigkeit von der
dicht auf den Oberflächen liegenden Kristallen Hydratationsdauer hervor.Alit sorgt wegen seiner
größere langprismatische, stäbchenförmige Tri- hohen Reaktionsfähigkeit für die Frühfestigkeit
sulfatkristalle, die eine gegenseitige Vernetzung des Zements. Der reaktionsträgere Belit erreicht
und damit eine erste Verfestigung hervorrufen. letztlich bei langen Hydratationsdauern dieselbe
Ist kein Sulfat anwesend, so hydratisiert C3A Druckfestigkeit. Aluminat und Ferratphase tra-
zu dünntafeligen Calciumaluminathydraten gen nur wenig zur Festigkeitsentwicklung bei.

Abb. 1.4-3 Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von Calciumaluminathydraten

Bauchemie 1-97
Abb. 1.4-4 Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme von nadelförmigem Ettringit neben taleiförmigen Kristallen von
Calciumhydroxid

Kristallen, Borsten u.ä. sind im letzten Fall mo-


dellmäßig feststellbar, wenn zwei ineinander-
steckende Bürsten (vergleichbar mit Kristallfil-
80
zen aus Hydratationsprodukten) gegeneinander

~60
V V~ verschoben werden.
Es existieren zwei klassische Theorien der Ze-
/
/
0..

~
19 menterhärtung:
·;;;
~40 2 ~-(25 - Die Kristalltheorie von LeChatelier (1882) un-

I
"€; 3 C3A terscheidet zwischen zwei Perioden:
~ 4 C4AF
- Die Klinkerbestandteile gehen in Lösung, wo-
~ 20 bei Hydrolyse und Hydratation stattfinden.
I 4 3 Das Resultat ist eine an Hydraten übersättigte
0 Lösung.
728 90 180 360 - Ausscheidung sich verfilzender, nadelförmi-
Erhärtungszeit [Tage) ger Kristalle.

Abb. 1.4-S Druckfestigkeit der Portlandzement-Klinker- Die Kolloidtheorie von Michaelis (1892) unter-
phasen nach unterschiedlichen Hydratationszeiten,
WIZ = 0,5 (nach Bogue), aus [Henning/Knöfel 1997] scheidet ebenfalls zwischen zwei Teilprozessen:
- Bildung einer kolloiden Grundmasse aus Cal-
ciumsilicathydraten, -aluminathydraten und -
Nach der Hydratation liegen im Zementstein ferrathydraten (Gel-Bildung);
mehr als 70% Calciumsilicathydrate neben Cal- - Schrumpfung dieser kolloiden Grundmasse
ciumhydroxid und komplexen Hydraten vor. Die- (Hydrogel) infolge "innerer Absaugung" des
se Neubildungen haben eine größenordnungs- Wassers durch noch nicht hydratisierten Ze-
mäßig 1000mal größere Oberfläche als der Aus- ment (Gel-Schrumpfung).
gangsstoff Zement: Zementstein etwa 300 m 2/g,
Zement etwa 0,3 m 2/g. Für die Festigkeit ist die Weitere Vorstellungen entwickelten z. B. Rehbin-
sehr große Oberfläche von Bedeutung, da sie Ad- der (Strukturbildungstheorie, 1960), Keil (Fest-
häsion und Adsorption in starkem Maße ermög- wassertheorie, 1961), Powers (1961), Mtsched-
licht. Kräfte zwischen Nadeln, nadelförmigen low-Petrossian ( Strukturumwandlungstheorie,

1-98 Allgemeine Grundlagen


1967), Kondo (Hydratationstheorie, 70er Jahre) Bezüglich der Volumenänderungen des Mör-
und Wittmann (Münchener Modell, 1977). tels bzw. Betons im frischen und erhärteten Zu-
Abbildung 1.4-6 zeigt die Hydratphasen- und stand unterscheidet man
Gefügeentwicklung im Zementleim und -stein, - Inneres Schwinden: Volumenverringerung des
Tabelle 1.4-3 gibt die Reaktionsfolge bei der Hy- ganz jungen, noch nicht völlig erstarrten Be-
dratation von Portlandzement wieder. tons infolge Wasserentzugs (z.B. Austrock-
Die Festigkeit eines Zementsteins oder Betons nung).
ist um so größer, je kleiner der Wasserzement- - Schrumpfen: Volumenverringerung infolge
wert ist. Für eine vollständige Hydratation ist ein der chemischen Wasserbindung bei der Hy-
W/Z-Wert von etwa 0,40 erforderlich. In der Pra- dratation, da das Volumen der Neubildungen
xis ergeben derartig geringe W/Z-Werte eine immer kleiner ist als die Summe der Volumi-
schlechte Verarbeitung. Es wird deshalb mit na von Bindemittel und Wasser (Abnahme um
höheren W/Z-Werten gearbeitet (oder es wer- 2 bis 8 cm 3 bei 100 cm 3 Frischbeton). Das
den Betonzusatzmittel eingesetzt). Höhere WtZ- Schrumpfen ist irreversibel.
Werte führen jedoch zu geringeren Festigkeiten, - Schwinden und Quellen: meist reversible Vo-
was auf die zunehmende Porosität zurückzufüh- lumenänderung im erhärteten Zustand infol-
ren ist. Da für die Festigkeit nur die Kräfte zwi- ge Abgabe oder Aufnahme von Wasser. In Ab-
schen Feststoffen maßgeblich sind, bedeutet hängigkeit von der Luftfeuchtigkeit, der Tem-
steigende Porosität abnehmende Festigkeit. Das peratur u.s.w. treten "Endschwindmaße" von
zugegebene Wasser, das nicht chemisch oder 0,2bis1,0mm/m und Quellmaße von 0,1 bis
physikalisch gebunden wird, hinterläßt nach der 0,3 mm/m auf.
Trocknung Kapillarporen im Beton.

Porenraum
--- ...... ... ....,
''
'\\
\
'\ \
-~

~
c:
"'c:
"'
"'
:::0

_....._._ C4!A.FlH 13
__,_.....-- Monosulfat

~~~~~~~~~~~~Joiii!~~~~~~~ Trisulfat
0 5 30 1 2 6
'--y-------J '-----y---J
Minuten Stunden Tage
Hydrationszeit
---1-n.-1-.-111.- -
Hydrationsstufen
Labiles Gefüge Grundgefüge Stabiles Gefüge
plastisch erstarrt

~-~--~~
=
: ___ .=::- _
o-::.
_,_ -
-:
- ~ n

Abb. 1.4-6 Schematische Darstellung der Bildung der Hydratphasen und der Gefügeentwicklung bei der Hydratation des
Zements, aus (Locher/Richartz/Sprung 1976)

Bauchemie 1-99
Tabelle 1.4-3 Reaktionsfolge bei der Hydratation von Portlandzement

Reaktions· Bezeichnung Zeitraum Vorgang Strukturbildung


periode der Periode* der Periode
Nr.
Induktionsperiode <15min Hydratation von C3A und C4 AF, Ausbildung der Grundstruktur
(initial reaction) Bildung von AFm· und AFt·Phasen (Primärstruktur)
II dormate Periode 15 ... 60min• Topochemische Reaktion von C3S Erstarrungsbeginn
(induction reaction) mit Wasser, C·S·H·Keimbildung
111 Akzelerationsperiode 1.. . 5 hb Hydratation von C3S, Beginn der Ausbildung der Sekun·
(acceleratory period) C-S-H-Bildung därstruktur, Erstarrungsende und
Erhärtungsbeginn
IV Retardationsperiode 5... 24h Weitere C3S·Hydratation, Beginn Verdichtung der Sekundär·
(deceleratory period) der C2S-Hydratation Struktur, Frühfestigkeit
V Finalperiode > 24h C3S· und C2S·Hydratation weitere Verdichtung der Sekun·
(period of slow, därstruktur, Spätfestigkeit
continued reaction)
a blszu3h
b von 1·2h bis 5-8 h
• IHeoning/ Koöfel19971 u. [Taylor 1990)

Folgende Einflußgrößen werden während des basische (oder auch sulfatische wie im Sulfat-
Verfestigungsprozesses u. a. wirksam und beein- hüttenzement) Stoffe (= Anreger) erforderlich
flussen dadurch die Geschwindigkeit der Festig- sind. Dieser Anreger wird bei der Portlandze-
keitsbildung und des Schwindens: ment-Erhärtung in Form des Kalkhydrats
- äußere Einflüsse (Temperatur, Umgebungs- Ca(OHh geliefert, das die Reaktion der Schlak-
feuchte, Druck) und ke oder Asche mit Wasser auslöst.
- innere Ursachen (chemische Zusammenset- Hüttensand wird durch schnelle Abkühlung
zung, Mahlfeinheit, Wassergehalt). von flüssiger Hochofenschlacke durch einen
Wasser- oder Luftstrahl hergestellt. Während die
Bei erhöhter Temperatur ist die Festigkeit zu in Hochofenschlacken vorliegenden kristallinen
frühen Prüfterminen höher, jedoch die Festig- Phasen Akermanit C2MS, Gehlenit C2AS und die
keit zu späten Prüfterminen etwas niedriger als Melilithe (Mischkristalle aus Akermanit und
bei normaler Temperatur. Die Ursache liegt dar- Gehlenit) keine Erhärtungsfähigkeit haben, zei-
in, daß sich die Zementkörner bei höherer Tem- gen die Glasphasen gleicher Zusammensetzung
peratur mit dichteren Zonen (Schichten) von gute hydraulische Eigenschaften. Daher sollte
Hydratationsprodukten umgeben, welche die der Glasgehalt eines Hüttensandes mindestens
weitere Hydratation verlangsamen. Bei tiefen 90o/o betragen. Die Hüttensande müssen "ba-
Temperaturen (z.B. 5°C} bilden sich langfaseri- sisch" sein, d.h., die Summe der CaO-, Al 20 3-
ge C-S-H-Phasen, die zu höheren Festigkeiten und MgO-Gehalte muß größer sein als der Si0 2-
führen. Gehalt. Neben Portlandzement führen z.B. auch
Ca(OH)z, Gips, Natronlauge und andere Stoffe
1.4.2.2 zur hydraulischen Anregung von Schlacken. Als
Zemente mit Zumahlstoffen Hydratationsprodukte entstehen C-S-H-Phasen.
Gemahlene basische Schlacken (Hüttensand)
Die Zumabistoffe für Portlandzement können in sind in folgenden Zementen enthalten:
zwei Gruppen eingeteilt werden: - Portlandhüttenzement CEM 11-S:
- latent hydraulische Stoffe (basische Schlacken <35 M.-o/o,
und Aschen) sowie - Hochofenzement CEM III: 35 bis 85 M.-o/o.
- nichthydraulische Stoffe (Puzzolane).
Im Portlandölschieferzement CEM II-T ist bis zu
Die latent hydraulischen Stoffe haben Erhär- 35 M.-o/o des hydraulisch aktiven, selbsterhär-
tungseigenschaften, zu deren Anregung jedoch tenden Ölschiefers enthalten.

1-100 Allgemeine Grundlagen


Die nichthydraulischen Stoffe, die allein keine det. Mit Normalkorund als Zuschlag betragen
hydraulischen Eigenschaften haben, jedoch in die Maximaltemperaturen bis 1700°C.
der Lage sind, mit Ca{OH)z hydraulisch zu rea- Da die beiden Hauptklinkerphasen Monocal-
gieren, werden als Puzzolane bezeichnet. Dazu ciumaluminat (CaO·Alz0 3, CA) und unterge-
gehören Stoffe wie Traß, kieselsäurereiche Flug- ordnet Calciumdialuminat (CaO · 2Alz03, CAz)
aschen, Silicastaub, Kieselgur, getemperte Tone sehr schnell hydratisieren, sind hohe Anfangsfe-
und Ziegelmehl. Portlandpuzzolanzement stigkeiteri von 20 bis 60 N/mm2 nach einem Tag
CEM II-P enthält <35M.-% Traß als Zumahl- die Folge (bei normalen Erstarrungszeiten). Die
stoff. Erhärtung verläuft unter hoher Wärmeentwick-
Auch die Filteraschen aus Steinkohlekraft- lung: TZ 550 bis 670 J/g, CEM I 380 bis 525 J/g,
werken können mit Ca( OH)z reagieren. Sie sind CEM III 250 bis 350 J/g). Die Hydratationswär-
in Portlandflugaschezement CEM II/A-V mit 6 me des TZ wird im wesentlichen innerhalb des
bis 20 M.-% enthalten. ersten Tages entwickelt, dagegen entwickeln
Das weitgehend inerte Kalksteinmehl ist zu CEM I und erst recht CEM III ihre Hydratati-
6 bis 20 M.-% im Portlandkalksteinzement onswärme über einen wesentlich längeren Zeit-
CEM II/A-L enthalten. raum (Wochen!).
Zemente mit latent hydraulischen oder puz- Im Gegensatz zum Portlandzement bilden
zolanischen Zumabistoffen erhärten langsamer sich bei der Hydratation der Tonerdezemente
als reiner Portlandzement und entwickeln rela- Calciumaluminathydrate ohne Abspaltung von
tiv niedrige Hydratationswärmen. Sie sind be- Calciumhydroxid. Art und Zusammensetzung
sonders zur Herstellung von Massenbeton für der entstehenden Hydrate hängen stark von der
Grund- und Wasserbauten sowie für Gründungs- Hydratationstemperatur ab:
arbeiten des Hoch- und Tiefbaus sowie Indu-
< 20°C: CA+ 1OH---+ CAH JO, {1.4.13)
striebauten geeignet. Für Spannbeton sind
CEM III (mit mehr als 50 M.-% Hüttensand) und 22 °C bis 30°C: 2CA + 11H---+ CzAHs + AH3,
CEM II/P nicht zugelassen, da sie der Bewehrung {1.4.14)
nur einen verringerten Korrosionsschutz bieten.
>30°C: 3CA + 12H---+C3AH6+2AH3. {1.4.15)
Hochfeste und hochdichte Betone können durch
den Einsatz von 5 bis 15 M.-% Silicatstaub bei Die Hydratation des CA2 verläuft analog, jedoch
gleichzeitiger Verwendung von Fließmitteln her- langsamer.
gestellt werden. Oberhalb 30°C geht bereits gebildetes hexago-
Der Einsatz von latent hydraulischen und puz- nales Dekahydrat in kubisches Hexahydrat über:
zolanischen Zusatzstoffen ist nicht auf Normze-
{1.4.16)
mente beschränkt. So kann z.B. ein gemischter
hydraulischer Kalk (s. 1.4.2.4 Baukalke) durch Die festen Reaktionsprodukte (C3AH6 und AH3)
Mischung eines Luftkalkes mit Traß (=Traßkalk) nehmen nur etwa 50% des Volumens des Aus-
hergestellt werden. gangsstoffes CAH 10 ein. Diese Tatsache sowie der
Austritt des abgespaltenen Wassers bewirken ei-
1.4.2.3 ne hohe Porosität des Betons, Risse usw. und da-
Sonderzemente mit einen Festigkeitsabfall.
Mit Luft-C0 2 reagiert das Dekahydrat wie
Tonerdezement folgt:
3CAH 10+ 3C02---+3CaC03+ 3AH3+21 H.
Tonerdezemente (TZ), die bei entsprechender
{1.4.17)
Herstellung auch als Tonerdeschmelzzemente
bezeichnet werden, sind hydraulische Bindemit- Bei diesen beiden Umwandlungen sinkt der pH-
tel, die im wesentlichen aus Calciumaluminaten Wertvon zunächst 11,5 bis 11,7 aufWerte unter
(Aluminatzemente) bestehen. Diese Bindemittel 9, bei denen der Korrosionsschutz von eingebet-
werden fast ausschließlich zur Herstellung von tetem Baustahl aufgehoben ist.
Beton für hohe Temperaturen (feuerfestes Mate- Beisehrniedrigen W/Z-Werten (z.B.0,3) kön-
rial für Ortbetonierung und Fertigteilbau im In- nen stabile Verbindungen entstehen.
dustrieofenbau) sowie für Arbeiten, die eirie be- Tonerdezement ist in Deutschland nicht für
sonders rasche Erhärtung erfordern (z.B. Ein- tragende Beton- und Stahlbetonbauteile zuge-
setzen von Pfosten, Wassereinbrüche), verwen- lassen.

Bauchemie 1-101
Schnellzement mering 1992]). Die Lage der hydraulischen Kal-
ke im Rankin-Diagrammist aus Abb. 1.4-1 er-
Schnellzement wird in Deutschland durch Ver- sichtlich.
mischen von Portlandzement, Tonerdezement
und Zusätzen hergestellt. Er zeichnet sich durch Weißkalke
eine nicht zu kurze Erstarrungszeit und eine ho-
he Anfangsfestigkeit aus und wird z. B. für Repa- Beim Brennen von reinem Kalkstein (Brenntem-
raturarbeiten an Betonbauteilen und für das peratur etwa 1000°C) entsteht ab ca. 900 °C
Einsetzen von Ankern verwendet. Branntkalk:
(1.4.18)
Sulfathüttenzement
Die Zersetzung, auch als Calcinierung oder Ent-
Sulfathüttenzement (SHZ) enthält mindestens säuerung bezeichnet, verläuft nur so lange, wie
75 M.-o/o Hüttensand mit hohem Ah0 3-Gehalt Wärme zugeführt wird, da es sich um einen endo-
(mind. 13 M.-o/o), der mit 10 bis 15 M.-o/o Calci- thermen Prozeß handelt. Mit steigenden Brenn-
umsulfat angeregt wird. Diese Zementart wird temperaturen, die ein schnelleres Brennen er-
derzeit in Deutschland mangels geeigneter möglichen, wächst jedoch die Größe der entste-
Schlacken mit ausreichend hohem Ah03-Gehalt henden CaO-Kristalle, wodurch die Löschreak-
nicht mehr hergestellt. tion mit Wasser immer langsamer und träger
Sulfathüttenzement hydratisiert einerseits wird. Bei der Herstellung von Branntkalk wird
durch Calciumsilicathydratbildung, andererseits nur so hoch erhitzt, daß noch keine Sinterung
auch durch Ettringitbildung, die zu einem der- eintritt. Branntkalk darf also nicht"überbrannt"
artig frühen Zeitpunkt unschädlich ist. werden; andererseits darf er aber auch nicht
Das HGZ-Bindemittel (Hüttensand-Gips-Ze- "schwach gebrannt" sein, da er in diesem Fall
ment) stellt eine Weiterentwicklung des Sulfat- noch CaC03 als unwirksamen Bestandteil ent-
hüttenzements unter Verwendung von Ah0 3-är- hält.
meren Schlacken (etwa 10 M.-o/o Ah03) dar. Calciumoxid wird wegen seines hohen
Sulfathüttenzement bzw. HGZ ist besonders Schmelzpunktes (2580°C} für Ofenfutter und
für stark sulfatbelastete Bauteile geeignet, da dort Spezialtiegel verwendet. Die Hauptanwendung
selbst bei Verwendung von HS-Zementen Schä- im Bauwesen erfolgt aber in Form von Brannt-
digungen infolge von Ettringit- oder Thaumasit- kalk für Mörtelzwecke. Dazu wird er zunächst
treiben auftreten können. mit Wasser behandelt (gelöscht):
CaO+H 2 0~Ca(OHh. (1.4.19)
Quellzement
Da es sich hierbei um einen stark exothermen
Quellzemente oder schwindarme Zemente ent- Prozeß handelt, erhitzt sich die Mischung bei
halten meist Klinker mit hohem C3A-Gehalt dieser Reaktion. Dabei können Temperaturen
oder Tonerdezement, die unter Reaktion mit Cal- von über 100°C auftreten, die ein Verspritzen der
ciumsulfat zu einem gesteuerten Ettringittrei- heißen ätzenden Masse verursachen können. Da
ben führen. Auch die Quellfähigkeit von CaO das Calciumhydroxid ein größeres Volumen be-
kann ausgenutzt werden (Kalktreiben). Quellze- sitzt als das Oxid, tritt beim Löschen das sog.
mente sind insbesondere in den USA, Japan und "Kalktreiben" auf, wodurch der Kalk zu einem
in der ehemaligen UdSSR von Bedeutung. feinen Pulver zerkleinert wird. Wird mit Wasser-
überschuß gelöscht (Baustelle), so resultiert ein
1.4.2.4 Kalkbrei (= Naßlöschen), wird nur die stöchio-
Baukalke metrisch erforderliche plus die verdampfende
Wassermenge zugegeben (Kalkwerk), so entsteht
Die zu Bauzwecken verwendeten Kalke sind Kalkpulver (=Trockenlöschen). Das entstehen-
Kalkstein, Branntkalk und Kalkhydrat. Nach dem de Calciumhydroxid wird technisch auch als ge-
zunehmenden Gehalt an Hydraulefaktoren un- löschter Kalk, Kalkhydrat oder Löschkalk be-
terscheidet man nach DIN 1060 Teil1 Luftkalke zeichnet. Es zeigt eine schwache Löslichkeit in
(mindestens 70 M.-o/o CaO+MgO), hydraulische Wasser, die Lösung (= Kalkwasser) ist eine rela-
Kalke und Dolomitkalke (s. auch [Schiele/Beh- tiv starke Base; der pH-Wert einer gesättigten
rens 1972], [StrübeVKraus/KuhVGödicke-Dett- Ca(OH}z-Lösung liegt bei etwa 12,5.

1-102 Allgemeine Grundlagen


Die Erhärtung eines Luftkalkmörtels erfolgt calciumaluminat (Aluminat) und Tetracalcium-
durch Bindung von Kohlendioxid, das in der Luft aluminatferrat (Ferrat). Tricalciumsilicat (Alit)
enthalten ist. Diese Erhärtungsart, die für Luft- wird bei den im Vergleich zum Portlandzement-
mörtel charakteristisch ist, wird als Carbonater- klinker niedrigeren Brenntemperaturen nicht
härtung bezeichnet, da als Endprodukt Calcium- gebildet, es ist daher eine typische Zementphase.
carbonat (in Form von spindelformigen Kristal- Beim Löschen dieser Kalke wird soviel Wasser
len) entsteht. Die Reaktion kann nur ablaufen, zugegeben, daß nur das reaktivere Calciumoxid
wenn etwas Feuchtigkeit anwesend ist, wie fol- gelöscht wird, während die hydraulischen Pha-
gende Reaktionsgleichung zeigt: sen nicht hydratisieren. Hydraulische Kalke kön-
nen auch durch Mischen und Vermahlen von
Ca( OHh+ H20+C02~CaC03+2H20.
Kalk und Hüttensand oder Puzzolanen (meist
(1.4.20)
Traß) hergestellt werden (gemischte hydrauli-
Die Carbonaterhärtung verläuft relativ langsam, sche Kalke).
da die Luft nur etwa 0,035 Vol.-o/o C02 enthält. Bei der Erhärtung von Kalken mit hydrauli-
Sie kann durch die Erhöhung der C0 2-Konzen- schen Anteilen tritt neben der Carbonaterhär-
tration in der Luft beschleunigt werden (z.B. of- tung auch- wie beim Portlandzement- hydrau-
fene Koksöfen, Propangasbrenner). lische Erhärtung ein, wobei höhere Festigkeiten
Als Nebenprodukt tritt bei der Erhärtung von als bei reinen Luftkalken erhalten werden.
Kalkmörtel Wasser auf, das als Baufeuchtigkeit in
Neubauten in Erscheinung tritt und durch gute 1.4.2.5
Durchlüftung abgeführt werden muß. Luftkalk- Baugipse
mörtel dürfen daher nicht frühzeitig gegen Luft
abgesperrt werden (z.B. durch Spachtelmassen, Baugipse bestehen zu mindestens 50 M.-o/o aus
Lacktapeten, dichte Oberputze, Fliesen), da ei- Dehydratationsprodukten des Calciumsulfat-Di-
nerseits die Carbonatisierung verhindert, ande- hydrats. Sie werden aus Rohgips (Gipsgestein
rerseits die Haftung von z.B. Fliesen durch die oder Nebenprodukte der Industrie) durch Auf-
allmähliche Wasserbildung beeinträchtigt wird. bereitungs- und Brennverfahren mit anschlie-
ßender Mahlung hergestellt. Man verwendet sie
Dolomitkalke ohne werkseitig zugegebene Zusätze (Stuckgips,
Putzgips) oder mit werkseitig zugegebenen Zu-
Dolomitkalk wird durch Brennen von Dolomit sätzen (z.B. Haftputz-, Fertigputz-, Maschinen-
oder dolomithaitigern Kalkstein hergestellt. Der putz- und Fugengips). Die Zusätze sollen die Ei-
Brennvorgang läuft in zwei Schritten ab: genschaften (z.B. die Haftung, Konsistenz, An-
steifungszeit) günstig beeinflussen. Die Anfor-
ab 600°C: CaC03·MgC03~CaC03
derungen an Baugipse sind in DIN 1168 bzw.
+ MgO+C02, (1.4.21)
DIN 4208 (Anhydritbinder) genormt.
ab 900°C: CaC03+ MgO~CaO + MgO+ 02. über die wichtigsten wasserhaltigen und was-
(1.4.22) serfreien Formen von Calciumsulfat gibt Tabel-
le 1.4-4 eine übersieht.
Die Löschreaktion ist analog zu der des Brannt- Es existieren beim Halbhydrat zwei Formen,
kalkes; es entstehen Ca( OHh und Mg( OHh. Die die als a- bzw. ß-Halbhydrat bezeichnet werden.
Löschreaktion erfolgt mit zunehmendem MgO- Das zu höherer Festigkeit führende a-Halbhy-
Gehalt langsamer. drat (Hartform- oder Modellgips) besteht aus
Bei der Erhärtung eines Dolomitkalkmörtels großen, gut ausgebildeten Kristallen und findet
entstehen neben Calcit zusätzlich hydratwasser- z.B.Anwendung für Modelle und Formen in In-
haltige basische Magnesiumcarbonate. dustrie, Chirurgie und Zahntechnik, zunehmend
auch für spezielle Fälle im Bauwesen (z.B. Estri-
Hydraulische Kalke che). ß-Halbhydrat (z.B.im Stuckgips) bildet bei
der Hydratation kleine nadelige Kristalle
Kalke mit hydraulischen Anteilen entstehen, (Abb.1.4-7) und wird z.B. für Stuck- und Form-
wenn Mergel (tonhaltiger Kalkstein) bei 1000°C arbeiten und zur Herstellung von Gipsbauplat-
bis 1200°C gebrannt wird. Neben Branntkalk ten verwendet.
entstehen dabei vergleichbare Verbindungen wie Bei der Hydratation (Erhärtung) von Halbhy-
im PZ-Klinker, d.h. Dicalciumsilicat (Belit), Tri- drat und Anhydrit entsteht Dihydrat (Abb.1.4-7):

Bauchemie 1-103
Tabelle 1.4·4 Wasserfreie und wasserhaltige Phasen von Calciumsulfat

Formel Bezeichnung Bildung aus Umwandlung in


CaS04 Anhydrit Al All>ll%0 ( Ca0+S0 3 > 1214°(
Hochtemperaturanhydrit
CaS04 Anhydrit All Alll >240°( Al >1196°(
totgebrannter Gips,enthalten DH "' 300 ... 700°( (im Rostbrandofen)
im Estrichgips; Mineral: Anhydrit DH >500°( (im Drehrofen)
CaS04 Anhydrit Al II a ·HH >180°( DH bei Hydratation
a·Anhydrit 111
CaS04 AnhydritAll I P-HH >180°( All >240°(
p-Anhydrit 111 DH (schnelle Hydratation)
HH (durch luftfeuchte)
CaS04 • I/1H 10 a -Halbhydrat DH bei 160 ... 180°((im Selbstdämpfer) DH bei Hydratation
a-HH oder bei 110 ... 140°( (im Autoklaven)
Hartformgips
CaS04 · 1hH10 a-Halbhydrat DH bei 130 ... 180°( (im Drehrohr) DH bei Hydratation
P·Halbhydrat DH bei 150°C(im Gipskocher)
P-HH
Stuckgips, auch in Puttgips
Mineral: Bassanil
Ca504 • 2H 10 Dihydrat HH und Al II bei HH bei no ... 1so• c
DH Hydratation
Gipsstein; Mineralien: Gips,

l Alabaster, Marienglas

Abb. 1.4-7 Erhärtungsprodukte von P·Halbhydrat (Stuckgips) nach 7 Tagen

1-104 Allgemeine Grundlagen


CaS04· Y2H20+ 1% H20--?CaS0 4· 2H20, Weitere spezifische Eigenschaften der Gipsbau-
(1.4.23) stoffe, die bei ihrer Anwendung beachtet werden
müssen, sind:
(1.4.24) - bei Durchfeuchtung starker Festigkeitsrück-
gang;
In Gegenwart von Anregern läuft auch die Hy- - Lösungserscheinungen bei· Berührung mit
dratation von Anhydrit II rasch ab. Es werden fließendem Wasser (relativ hohe Wasserlös-
drei Arten der Anregung unterschieden: lichkeit von 2 gineinem Liter Wasser bei 18 °C},
- Sulfatische Anregung durch Alkalisulfate wie daher dürfen Gipsbaustoffe derzeit nur im In-
(NH4hS04 oder K2S04, FeS04, ZnS0 4, CuS04. nenbereich verwendet werden;
Dabei unterscheidet sich die Wirksamkeit der - fehlender Korrosionsschutz für Bewehrungs-
Kationen in der Reihenfolge K+ ~ Na+> NHt stahl (Gips ist pB-neutral, Sulfat-Ionen sind
> Cu2+ > Fe2+ ~ Zn2+. korrosionsfördernd);
- Basische Anregung durch Alkalihydroxide, - bei Berührung von Gips mit hydraulischen
Ca(OHh, Portlandzement. Bindebaustoffen kann Sulfattreiben auftreten.
- Saure Anregung durch H2S04, KHS04,
NaHS04,Ah(S04h, Fe2(S04h. 1.4.2.6
Sonstige Bindemittel
Natürlicher Anhydrit All lagert im Laufe der Zeit
allmählich Wasser an. Da hierbei eine Volumen- Putz- und Mauerbinder
zunahme von etwa 60% eintritt, kommt es inAn-
hydritgebieten oft zu Verfaltungen und Rut- Putz- und Mauerbinder (PM-Binder, DIN 4211)
schungen (Gefahr bei Kanal- und Tunnelbau- ist ein hydraulisches Bindemittel, welches aus
ten). Zement (ggf. auch Kalkhydrat), Gesteinsmehl
Stuckgips erstarrt bereits 10 bis 15 Minuten und Zusatzmitteln besteht. Verwendet wird er
nach der Berührung mit Wasser. Zusätze wie Zi- für Putz- und Mauermörtel der Mörtelgruppen
tronensäure, Alaun, Zucker u.ä. verzögern den I undii.
Verfestigungsprozeß, Zusätze wie feingemahle-
ner Rohgipsstein, NaCl, K2S04 oder KOH be- Magnesiabinder
schleunigen ihn.
Stuckgips wird bei Wasser-Gips- Werten von Magnesiabinder ist ein nichthydraulisches Bin-
etwa 0,6 verarbeitet, Hartformgips bei 0,3 bis demittel, welches aus trockenem Magnesium-
0,35. Die Druckfestigkeiten (nach Trocknung) oxid und einer Magnesiumsalzlösung (Chlorid
liegen beim ß- Halbhydrat, z.B. Stuckgips, bei oder Sulfat) besteht. Die Erhärtung beruht auf
maximallON/mm2undbeima-Halbhydrat,z.B. der Bildung schwerlöslicher basischer Magnesi-
Hartformgips, bei maximal 50 N/mm2. umsalzhydrate, z.B.
Gips weist im erhärteten und ausgetrockneten
MgCh+3Mg0+11H20
Zustand ein feinporiges Gefüge auf, was ein ho-
--7 MgCh · 3Mg( OHh · 8H20. (1.4.25)
hes Wassersaugvermögen (Wasseraufnahme bis
zu 50%) bewirkt. Da Wasseraufnahme und Mit entsprechenden Füllstoffen werden mit die-
-abgabe schnell erfolgen, haben Gipsflächen sehr sem Bindemittel künstliche Steine, Estriche, Holz-
gute bauphysikalische Eigenschaften bezüglich wolle-Leichtbauplatten u. ä. hergestellt. Nachteilig
der Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe. Das ist die Unbeständigkeit gegen heißes Wasser und
hohe Wasserspeichervermögen führt zu Behag- die korrosionsfördernde Wirkung für Stahl.
lichkeit in Wohnräumen.
Darüber hinaus haben Gipsbaustoffe weitere Phosphatbinder
Vorteile:
- schalldämmende und wärmeisolierende Ei- Mischungen aus Aluminiumhydroxid und Phos-
genschaften, phorsäure reagieren unter Bildung von schwer-
- feuerhemmende Wirkung, löslichem Aluminiumphosphat:
- ästhetische Wirkung (weiß, beliebig färbbar),
Al(OHh+H3P04--7AlP04+3H20. (1.4.26)
- gute Haftfähigkeit an Putzträgern.
Aluminiumphosphatbinder werden zur Herstel-
lung feuerfester Betone verwendet.

Bauchemie 1-105
1.4.2.7 -nitrate oder Calciumacetat und -formiat be-
Zusatzmittel schleunigend. Auch ein Zusatz von 5 o/o bis 20 o/o
Tonerdezement, Aluminatsulfatphase C4 A3Sder
Durch anorganische oder organische Zusatz- Aluminatfluoridphase CuA7' CaF2, die beson-
mittel können gezielt Eigenschaften von Mörteln ders schnell erhärten, oder eine feinere Mahlung
und Betonen verbessert werden (vgl. [Knöfel des Portlandzements ermöglichen es, die Verfe-
1979] und [Reul 1993]). Es sind jedoch keine stigung zu beschleunigen.
Korrekturmittel, die eine mangelhafte Zusam- Die Wirkungsweise der Verzögerer ist che-
mensetzung oder fehlerhafte Mischung eines misch und beruht auf einer Umhüllung der Ze-
Mörtels oder Betons ausgleichen. mentpartikel durch Adsorptionsfllme oder Re-
Betonzusatzmittel dienen der Beeinflussung aktionsschichten. Dadurch wird der Wasserzu-
des Hydratationsprozesses und der Frisch- bzw. tritt zeitweise gehemmt. Wirkstoffe sind u.a.
Festbetoneigenschaften. Sie dürfen nach DIN 1045 Phosphate, Hydroxycarbonsäuren und deren
nur mit gültigem Prüfzeichen und nur unter den Salze oder Kohlehydrate wie Zucker.
im Prüfbescheid angegebenen Bedingungen an- Verflüssiger sind oberflächenaktive Stoffe,
gewendet werden. Die Betonzusatzmittel sind welche die Oberflächenspannung des Wassers
nach den "Richtlinien für die Zuteilung von Prüf- herabsetzen und dadurch das Benetzungsver-
zeichen für Betonzusatzmittel" gemäß Tabel- mögen steigern. Bei gleicher Verarbeitbarkeit
le 1.4-5 in Wirkungsgruppen eingeteilt. wird der W/Z-Wert verringert, wodurch die Fest-
Neben der Beschleunigung oder Verzögerung igkeit und Dichtigkeit des Betons steigt. Wirk-
kann ihre Wirkung in der Verflüssigung des Frisch- stoffe sind z.B. Ligninsulfonat und andere Sul-
betons (Verbesserung des rheologischen Verhal- fonate. Fließmittel sind besonders wirksame Ver-
tens), der Bildung von Luftporen und der Abdich- flüssiger, deren Wirkungsweise den Verflüssi-
tung bestehen. gern ähnlich, jedoch häufig nur zeitlich begrenzt
Beschleuniger bewirken ein schnelleres Inlö- ist. Im Gegensatz zu allen anderen Betonzusatz-
sunggehen der Bestandteile des Zements und mitteln werden sie deshalb erst unmittelbar vor
damit eine beschleunigte Hydratation. Sie wir- der Verarbeitung zugesetzt. Sie werden zur Her-
ken v. a. auf chemischem Wege. Man unterschei- stellung von Fließbeton (z.B. für selbstnivellie-
det nach ihrer Wirkungsweise zwei Gruppen: die rende flächige Bauteile wie Decken oder Estri-
Erstarrungsbeschleuniger und die Erhärtungs- che) eingesetzt. Wirkstoffe sind z. B. sulfoniertes
beschleuniger. Unter den zahlreichen Produkten, Melamin-Formaldehyd-Polykondensat, Lignin-
die zur Beschleunigung der Portlandzement- sulfonat und Acrylate.
Hydratation geeignet sind, wurde Calciumchlo- Die Wirkungsweise der Luftporenbildner ist
rid aufgrund seiner guten Wirksamkeit, seiner physikalisch Es wird eine gleichmäßige Vertei-
leichten Verfügbarkeit und der geringen Kosten lung von stabilen, isoliert vorliegenden kleinen
am meisten eingesetzt. Für Stahl- und Spannbe- kugeligen Mikroluftblasen angestrebt. Bei ge-
ton sind CaCh-haltige Zusätze nicht zugelassen, eigneter Porenzahl und-größewird die kapilla-
da durch sie Stahlkorrosion eintreten kann. re Saugwirkung (Kugelporen unterbrechen Ka-
Außer Chloriden wirken z. B. Alkalialuminate, pillaren) gemindert, und das eingedrungene

Tabelle 1.4-5 Wirkungsgruppen und Hauptanwendungsgebiete der Betonzusatzmittel

Wirkungsgruppe Kurzzeichen Hauptanwendungsbereiche


Beschleuniger BE kurze Verarbeitungszeit Erhöhung der Festigkeit zu frühen Terminen
Betonverflüssiger BV Plastifizierung, Erhöhung von Druckfestigkeit und Dichtigkeit, Verbesserung
der Betonoberfläche
Chromatreduzierer CR Reduzierung des Chromalgehalts in zementgebundenen Werkstoffen
Dichtungsmittel DM Erhöhung der Dichtigkeit
Einpreßhilfen EH Quellen im plastischen Zustand, Plastifizierung
Fließmittel FM Fließfähigkeit, Frühfestigkeitserhöhung
Luftporenbildner LP Plastifizierung, Stabilisierung, Erhöhung des Frost-Tau-Wechsel-Widerstands
Recyclinghilfen RH Wiederverwendung von Frischbeton nach mehrtägiger Lagerung
Stabilisierer ST Stabilisierung, Verbesserung der Betonoberfläche
Verzögerer VZ lange Verarbeitungszeit, Erhöhung von Druckfestigkeit und Dichtigkeit

1-106 Allgemeine Grundlagen


Wasser kann beim Gefrieren (Volumenausdeh- den oder Zusätze zur Verbesserung des Was-
nung etwa 10%) in diese meist nicht voll gefüll- serrückhaltevermögens (z. B. Methylcellulosen).
ten Poren eindringen. Ihr Anteil sollte minde-
stens 1,5% bis 3,0% betragen, um wirksam zu 1.4.3
werden. Ihr Abstand sollte statistisch 0,2 mm Einwirkungen auf die Baustoffe
nicht übersteigen. Wirkstoffe der Luftporenbild-
ner sind Harzseifen (z. B. Resine aus Kiefernholz- Baustoffschädigende Prozesse können chemi-
extrakt) oder andere organische Stoffe wie scher Natur (Lösungen von Säuren, Laugen und
Arylalkylsulfonate, Polyamine, Polyglykolether Salzen, organische Stoffe, Abgase), physikali-
und Polyalkohole. Bei hohen Luftporengehalten scher Natur (Wärme, Temperaturwechsel, v.a.
können die Festigkeiten stark sinken (1 o/o zu- Frost-Tau-Wechsel, Wind, Staub) und/oder bio-
sätzliche Luftporen erniedrigen die Festigkeit logischer Natur (Mikroorganismen, Pilze, Algen
um etwa 5%). usw.) sein; s.auch [Knöfel1985), [Stark/Stürmer
Stabilisierer verbessern die PumpHihigkeit 1996) und [Stark/Wicht 1995).
und die Standfestigkeit von Spritzbeton und ver-
hindern das Aufschwimmen grober Leichtzu- 1.4.3.1
schlagkörner. Verwendet werden z.B. wasser- Korrosion von Mörtel und Beton
lösliche Kunststoffe (Propylenoxid) oder Methyl-
cellulosen. Im wesentlichen wird hier die Betonkorrosion
Die Wirkungsweise echter Dichtungsmittel behandelt. Die Korrosionsmechanismen gelten
wird durch hydrophobierende (z.B. Silicone), aber i.d.R. auch für Mörtel mit anderen Binde-
porenverengende oder quellende Stoffe, z.B. mitteln wie Kalk oder Gips. Diese Bindemittel
Silicate (Wasserglas, Bentonit) oder Phosphate, sind wegen ihrer vergleichsweise geringeren
hervorgerufen. Da Beton nach DIN 1045 Abschn. Festigkeit und größeren Löslichkeit (besonders
6.5.7.2 ohne Zusatzmittel"wasserundurchlässig" Gips) weniger dauerhaft als zementgebundene
hergestellt werden kann, ist der Einsatz von Baustoffe.
Dichtungsmitteln umstritten. Beton ist unter normalen Umweltbedingun-
Einpreßhilfen werden für Mauerwerkinjek- gen dauerhaft. Besondere angreifende Bedin-
tionen oder für Spannkanäle verwendet. Sie sol- gungen können jedoch zu Schädigungen führen.
len den Wasseranspruch herabsetzen und Dies gilt für Zementbeton ebenso wie für Ze-
gleichzeitig die Fließfähigkeit verbessern. Zu- mentmörtel. Die Schädigungsreaktionen kön-
sätzlich bewirken sie ein geringeres Absetzen nen von außen (meist schädigender Angriff durch
und Wasserabsondern und sollen durch ein ge- Flüssigkeiten) oder von den Ausgangsstoffen des
ringes Treiben (< 10 o/o) im noch plastischen Zu- Mörtels bzw. Betons herrühren.
stand infolge Gasbildung das Schwinden kom- Der i.allg.leichter angreifbare Bestandteil ist
pensieren, um eine hohlraumfreie Füllung des der Zement- bzw. Bindemittelstein. Wie bereits
Spannkanals zu erreichen. Wirkstoffe sind meist erwähnt, benötigt der Zement etwa 40 M.-o/o
eine verflüssigende, benetzende und verzögern- Wasser (W/Z:::: 0,40) zur vollständigen Hydrata-
de Komponente (vgl. BV und VZ) sowie eine trei- tion. Das darüber hinaus zugesetzte, nur der Ver-
hendlquellend wirkende Komponente, z. B. Alu- arbeitbarkeit dienende Zugabewasser verur-
miniumpulver (reagiert mit Calciumhydroxid sacht nach der Erhärtung Poren. Je poröser der
bei der Zementhydratation unter Abspaltung Zementstein ist, desto größer wird die innere an-
von Wasserstoffgas und Bildung von Calcium- greifbare Oberfläche und desto leichter können
aluminathydraten). angreifende Lösungen und Gase in den Beton
1997 wurden vom Deutschen Institut für Bau- eindringen. Eine hohe Widerstandsfähigkeit des
technik zwei weitere Zusatzmittelgruppen ein- Betons/Mörtels ist somit verbunden mit einem
geführt (Chromatreduzierer und Recyclinghil- niedrigen W/Z-Wert (ggf. durch Zusatzmittel:
fen, s. Tabelle 1.4-5). BV) und einem hohen Hydratationsgrad (lange
Im Bereich der Werktrockenmörtel (z.B. Put- feuchte Nachbehandlung), was zu geringer Ka-
ze, Mauermörtel, Fliesenkleber) kommen zu- pillarporosität und somit zu niedrigerer Was-
sätzlich zu den beschriebenen weitere Zusatz- serdurchlässigkeit führt.
mittel zum Einsatz. Hierzu gehören u.a. Kunst- Nach ihrem äußeren Erscheinungsbild und
stoffredispersionspulver zur Verbesserung der ihren Auswirkungen können zwei Arten der
Klebkraft auf den verschiedensten Untergrün- Schädigung unterschieden werden:

Bauchemie 1-107
- lösend: durch Neubildung löslicher Reak- die Widerstandsfähigkeit bei der Einwirkung
tionsprodukte an der Oberfläche (z.B. Säure- starker Laugen (z.B. >10%ige Natronlauge).
angriff),
- treibend: durch Bildung schwerlöslicher volu- Angriff durch austauschfähige Salze. Bestimm-
minöser Reaktionsprodukte im Betoninneren te Magnesium- und Ammoniumsalze (z.B. die
(z.B. Sulfatangriff). Chloride) reagieren mit dem Zementstein (kei-
ne Reaktion z. B. mit Ammoniumcarbonat,
Lösende Betonkorrosion -oxalat und -fluorid). Sie wirken lösend, weil das
Chlorid insbesondere mit dem Calciumhydro-
Eine lösende Korrosion tritt auf, wenn sich an xid des Zementsteins leicht wasserlösliche Ver-
der Mörtel- bzw. Betonoberfläche infolge chemi- bindungen bildet, die weggeführt werden kön-
scher Reaktionen aus schwerlöslichen Verbin- nen. Magnesium kann sich als Hydroxid (weiche,
dungen leicht lösliche Reaktionsprodukte bil- gallertartige Masse) außen oder innen abschei-
den. Diese werden abgetragen. Es entsteht zu- den und dabei u. U. auch zu Treiberscheinungen
nächst eine "waschbetonartige" Oberfläche, aus führen. Ammoniak entweicht gasförmig. Im hier
der danach auch die Zuschläge ausbrechen. Lö- angegebenen Beispiel für eine Austauschreakti-
sender Angriff wirkt fast ausschließlich auf den on reagiert das Calciumcarbonat eines Kalk-
Zementstein bzw. die Bindemittelmatrix, der Zu- mörtels mit Ammoniumchlorid zum leicht lös-
schlag (Ausnahmen: Kalkstein und Dolomit, die lichen Calciumchlorid, welches einfach durch
durch Säuren angegriffen werden) ist i.d. R. dau- Wasser weggeführt werden kann:
erhaft.
CaC03 + 2 NH 4Cl ~ CaCh + (NH4)zC03.
(1.4.29)
Angriffdurch Säuren. Der Angriffsgrad der Säu-
ren ist von ihrer Stärke und Konzentration ab- Angriff durch weiches Wasser. Je weicher das
hängig. Starke Säuren, v. a. Mineralsäuren wie Wasser ist, desto weniger Calcium- und Magne-
Salzsäure, Schwefelsäure und Salpetersäure siumsalze enthält es gelöst, desto mehr dieser
(Ausnahmen: Flußsäure und Phosphorsäure) lö- Salze kann es also noch lösen (z.B. aus Beton).
sen alle Bestandteile des Zementsteins bzw. der So kann sehr weiches Wasser die Oberfläche von
Bindemittelmatrix unter Bildung von Calcium-, Beton angreifen; dabei wird das bei der Erhär-
Aluminium- und Eisensalzen sowie Kieselgel tung entstandene Ca(OH)z ausgelaugt und der
auf. Schwache Säuren wie Kohlensäure und vie- Porenraum des Betons vermehrt. Sachgemäß
le organische Säuren wie Humussäure (im Erd- hergestellter Beton ist aber auch gegen sehr wei-
boden) und Milchsäure bilden nur mit einigen ches Wasser praktisch beständig
Calciumverbindungen wasserlösliche Salze. Stär-
kere Schäden sind hier erst bei längerer Einwir- Angriffdurch Fette und Öle. Organische (pflanz-
kung zu erwarten. liche und tierische) Fette sowie Öle enthalten
Eine besondere Rolle spielt die Auslaugung kleinere oder größere Anteile freier Fettsäuren,
durch kalklösende Kohlensäure, wobei es nach die wie andere schwache Säuren den Beton an-
anfänglicher Verfestigung durch Bildung des greifen. Außerdem können auch die Fettsäure-
schwerlöslichen Calciumcarbonats Glyceride mit den Calciumverbindungen des Ze-
mentsteins unter Bildung von Calciumsalzen der
Ca( OH)z + C02 + H20 ~CaC03 + 2H20
Fettsäuren (Calciumseifen) und Glycerin rea-
(1.4.27)
gieren. Diese Spaltung (Verseifung) der Fette be-
bei weiterer Einwirkung C0 2-haltigen Wassers wirkt ein Aufweichen und Auflockern des Betons
zur Bildung des leichtlöslichen Calciumhydro- bzw. Mörtels. Mineralöle und -fette (i.allg. Koh-
gencarbonats kommt: lenwasserstoffe) sind nicht betonangreifend, es
sei denn, sie enthalten schädliche Verunreini-
CaC03+C02+H 2 0~Ca(HC0 3 h. (1.4.28)
gungen (z.B. Säuren). Bei völliger Durchträn-
Dieses wird vom Sickerwasser aufgenommen kung eines Betonteils mit Fetten oder Ölen tritt
und fortgeführt, wobei der W/Z- Wert des Betons eine Festigkeitsminderung von etwa 25% sowie
für die Abtragung wesentlich ist. eine Schwächung des Verbunds mit der Stahlbe-
wehrung auf.
Angriff durch Laugen. Während Beton gegen
nicht zu starke Laugen relativ beständig ist, sinkt

1-108 Allgemeine Grundlagen


Treibende Betonkorrosion

Umsetzungen, die zu voluminösen Neubildun-


gen im noch plastischen Stadium führen, sind
i.d. R. unbedenklich, da ein Ausweichen möglich
ist (vgl. Ettringitbildung beim Sulfathüttenze-
ment, Unterkapitel1.4.2.3 ). Im festen Zustand ist
dagegen kein unbehindertes Ausweichen gegen-
über voluminösen Neubildungen im Inneren ei- a CaO (z.B. Freikalk) im erhärteten Mörtel oder
nes Bauteils möglich; schädliche Treiberschei- Beton;
b Sprengwirkung bei allmählicher Hydratation
nungen können auftreten. zu Ca(OH) 2
Die Voraussetzungen für eine Rißbildung in-
folge von Treibreaktionen sind: Abb. 1.4-8 Kalktreiben, aus [Henning/Knöfel1997)
- chemische Reaktionen im Inneren des Bauteils,
- Volumen der Neubildungen größer als Volu-
men der festen Ausgangsstoffe (flüssige und

~
gasförmige Ausgangsstoffe sind nicht zu be-
rücksichtigen, da sie durch das Porensystem
zugeführt werden),
- entstehende Spannungen größer als die Fe-
stigkeit des Baustoffs. ~--
Treibvorgänge wirken i.allg. stärker zerstörend a MgO (Periklas) im erhärteten Mörtel oder Beton;
b Sprengwirkung bei allmählicher Hydratation zu
als Lösungserscheinungen. Sie können durch Re- Mg(OH) 2
aktionen des Zementsteins (bzw. des erhärteten
Bindemittelleims), des Zuschlags und (beim Abb. 1.4-9 Magnesia treiben, aus [Henning/Knöfel!
Stahlbeton) der Bewehrung verursacht werden.

Ursache Zementstein. Bei zu hohen Gehalten an Ähnlich wie beim Kalktreiben beruht die
freiem Calciumoxid (>2M.-%) kann Kalktrei- Sprengwirkung auf einer 2,2fachen Volumenzu-
ben auftreten nahme beim Übergang vom Oxid zum Hydroxid.
Die Reaktionsfähigkeit des Calciumoxids Beim Eindringen magnesiumsalzhaltiger Wäs-
nimmt mit steigender Brenntemperatur ab. Ent- ser (z. B. MgCh- und MgS04 - Lösungen) in Beton
hält bei 1400°C bis 1500°C hergestellter Port- - z. B. bei der Verwendung von "Magnesiumlau-
landzement freien Kalk (Freikalk), so hydrati- ge" zur Schnee- und Eisbeseitigung auf Beton-
siert dieser bei der Erstarrung nicht schnell ge- straßendecken - kommt es unter Volumenver-
nug. Die nicht hydratisierten Kalkanteile liegen größerung zur Bildung von Mg(OH)z, welches
damit im festen Mörtel oder Beton noch vor. schwerer löslich ist als Ca(OH)z:
Beim Eindringen von Feuchtigkeit findet eine
MgS0 4 +Ca(OH)z+2 H 2 0~
allmähliche Hydratation des Calciumoxids statt:
CaS04 · 2H 20+ Mg(OH)z. (1.4.32)
CaO+ H 2 0~Ca(OH)z. (1.4.30)
Da bei dieser Reaktion aus einem Mol Ca(OH)z
Dabei tritt eine Volumenzunahme auf das Dop- im Betongefüge je ein Mol CaS0 4 · 2H 20 und
pelte ein, die zu Sprengwirkungen und damit zu Mg( 0 H)z entstehen, tritt eine Volumenzunahme
Gefügeschäden führt (Abb. 1.4-8). ein, die Sprengwirkungen zur Folge hat. In die-
Magnesiatreiben tritt ein, wenn der Zement- sem Fallliegt eine Treiberscheinung vor, die we-
klinker mehr als 5 M.-% Magnesiumoxid ent- gen der Gipsbildung auch als Sulfattreiben be-
hältEtwa 2,5 M.-% MgO können die Klinkerpha- zeichnet werden kann. Bei der Einwirkung von
sen in fester Lösung aufnehmen, der Rest liegt als MgClz bildet sich voluminöses Magnesiumhy-
Periklas vor. Bei Einwirkung von Wasser reagie- droxidchloridhydrat Mg 2(0HhC1·4H 20 und
ren Periklaskristalle nur sehr langsam unter Bil- Mg(OH)z.
dung von Magnesiumhydroxid (Abb. 1.4-9): Wirken auf erhärteten Beton oder Mörtel sul-
fathaltige Lösungen ein, so kommt es in Gegen-
MgO + H20 ~Mg( OH)z. (1.4.31)
wart von Calciumaluminat bzw. Calciumalumi-

Bauchemie 1-109
nathydraten zum Sulfattreiben. Dabei bildet sich Ursache Zuschlag. Enthalten die Betonzuschläge
der sehr kristallwasserreiche Ettringit (Trisul- amorphe oder schlecht kristallisierte Kiesel-
fat), z.B. säure und die Zemente erhebliche Alkaligehalte,
so kommt es zu Treiberscheinungen, die als Al-
3Ca0 ·Ah0 3+ 3( CaS0 4·2H 20) + 26H 20 ~
kalitreiben oder Alkali-Kieselsäure-Reaktion be-
3Ca0 ·Ah0 3· 3CaS04· 32H 20. ( 1.4.33)
zeichnet werden. Dabei bilden sich Alkali-Sili-
Beim Übergang von C3A zu Ettringit (s. auch cat-Gele, die unter Wasseraufnahme quellen.
Abb. l.4.-3) vergrößert sich das Volumen auf das Diese Gele vermindern die Festigkeit und kön-
Sieben- bis Achtfache. Bei sehr hohen Sulfatkon- nen zur vollständigen Zerstörung des Betons
zentrationen (etwa> 1200 mg S04 2-!l) kann sich führen (Abb. 1.4-ll).
auch aus einer Calciumhydroxidlösung des er- Erkennungszeichen der Alkalireaktion sind
härteten Betons Gips ausscheiden, der ebenfalls ringförmige weiße Ausblühungen, besonders an
treibend wirkt, z. B. Abplatzungsstellen, sowie weiße Geltropfen und
netzartige Risse.
Ca( OH)z + NazS04 + 2Hz0
Als alkaliempfindliche Zuschläge (amorphes
~CaS0 4 ·2Hz0+2NaOH. (1.4.34)
oder feinkristallines Si02) sind v.a. zu nennen:
Infolge der Dichteabnahme während der Um- Opal, Flint (Feuerstein) und Chalcedon. Auch
setzung tritt eine Volumenvergrößerung ein, die mit kieseligen Kalksteinen und Dolomiten, glas-
zum Sulfattreiben oder Gipstreiben führt (Abb. haltigen vulkanischen Gesteinen und sogar mit
1.4-1 0). Starkes Treiben tritt auf, wenn gips- oder manchen Graniten, Basalten und Schiefern wur-
anhydrithaltiger Zuschlag verwendet wird. Schä- den Reaktionen beobachtet. Der Zement oder
digende Sulfate stammen vorwiegend aus wäßri- allgemein das Bindemittel sollte einen geringen
gen Lösungen (Grundwasser, Abwasser, Moor- Alkaligehalt haben. Für eine schädigende Alka-
wasser u.ä.). Als weitere Sulfatquellen sind u.a. lireaktion ist ein Mindestalkaligehalt von > 3 kg
Ziegel (können lösliche Sulfate enthalten) oder NazO-Äquivalente pro m 3Beton Voraussetzung.
Sulfidgehalte im Zuschlag- z.B. Pyrit FeS 2, wel- Verhindern läßt sich das Alkalisilicattreiben bei
cher durch allmähliche Oxidation in Sulfat über- Betonen durch entsprechende Wahl der Aus-
geht - zu nennen. gangsstoffe, d.h. NA-Zement mit niedrigem
Sulfatlösungen dringen infolge ihres hohen wirksamen Alkaligehalt und Zuschläge, welche
Benetzungsvermögens schnell und tief in den möglichst wenige der genannten Bestandteile
Beton ein. Bei erwartetem Sulfatangriff auf Mör- enthalten (vgl. hierzu auch DIN 4226 Teil3).
tel oder Beton sollten HS-Zemente verwendet Eine andere Alkalireaktion, die zu Treiber-
werden. Allerdings kann bei einem Kontakt die- scheinungen führen kann, tritt bei der Einwir-
ser Mörtel mit Gips Thaumasit CaO · Si0 2 • kung von Alkalien auf dolomitische Zuschläge
CaS0 4· CaC03 · 14,5 HzO gebildet werden. Auch ein. Diese Reaktion wird auch als Entdolomiti-
Kalke mit hydraulischen Anteilen können infol- sierung oder als Alkali-Dolomit-Reaktion be-
ge ihres C3A-Gehalts durch Sulfattreiben ge- zeichnet. Es kommt dabei zu folgender Umset-
schädigt werden. zung:

a Betonzuschlag, der amorphe Kieselsäure enthält,


a C3Aoder Calciumaluminathydrat-Phase wird von eindringenden oder im Zement enthal-
(z.B. C4AH 13 ) in Mönel oder Beton; tenden Alkalien angegriffen;
b Sprengwirkung bei der Bildung von Gips oder b Sprengwirkung infolge Bildung und Quellung von
Trisulfat (Ettringit) Alkalisilicat-Gel

Abb. 1.4-11 Alkalitreiben mit kieselsäurehaitigern


Abb. 1.4-10 Sulfattreiben, aus [Henning/Knöfel1997] Zuschlag, aus [Henning/Knöfel1997]

1- 110 Allgemeine Grundlagen


CaMg( C03h + 2NaOH ~ CaC03 Dabei sinkt der pH-Wert auf etwa 9. Rostet nun
+Na2C03+Mg(OH}z. (1.4.35) die Bewehrung, so tritt neben dem Festigkeitsver-
lust eine Volumenzunahme um das 2,Sfache ein:
Nicht nur Alkalihydroxide, sondern auch Alkali-
(1.4.38)
salze können zum Alkalitreiben führen, da sich
letztere mit Ca(OHh zu Alkalihydroxiden um- Diese Volumenzunahme kann ein Absprengen
setzen, z. B. des Betons vor der Bewehrung verursachen.
Die Carbonatisierung des Betons hängt von
Ca( OHh + NazC03 ~CaC03+ 2NaOH.( 1.4.36)
verschiedenen Einflußfaktoren ab:
Alkalihydroxide können auch durch Basenaus- Schnellster Carbonatisierungsfortschritt tritt
tausch mit zeolithischen Zuschlägen entstehen. bei 50% bis 70% relativer Luftfeuchtigkeit auf;
In Beton oder Mörtel eindringende Sulfatlö- erhöhte COz-Konzentration und erhöhte Tem-
sung kann in den Spaltrissen der Glimmer zur peratur beschleunigen die Carbonatisierung.
Kristallisation von Gips unter Auftreiben führen. Verzögernd wirken eine Herabsetzung des Was-
Diese Schädigungsreaktion bezeichnet man als ser-Zement-Wertes, eine Erhöhung des Zement-
Gips-Glimmerschiefer-Treiben. Die Gipskristalli- gehalts, eine Erhöhung der Zementqualität (z.B.
sation erfolgt nur in Gegenwart von Ca(OHh, Portlandzement CEM I 52,5 statt Hochofenze-
welches die Sulfatlösung im Mörtel und Beton ment CEM III/B 32,5) sowie eine höhere Beton-
zur Obersättigung bringt. Gipskristallisation im dichtigkeit. Eine gute Verdichtung und eine lan-
Zementstein ist kaum zu beobachten, da durch ge feuchte Nachbehandlung (bedeutet hohen Hy-
Oberflächenkräfte in den feinen Kapillaren die dratationsgrad) wirken ebenfalls verzögernd auf
Kristallkeimbildung gehemmt wird. Dies ist in die Carbonatisierung. Der Carbonatisierungs-
genügend großen Hohlräumen nicht der Fall; fortschritt in die Betontiefe verläuft unter gleich-
hier erfolgt spontane Kristallisation. Stärker ver- bleibenden Umweltbedingungen etwa propor-
witterter Glimmer bzw. Glimmerschiefer ist an- tional zur Quadratwurzel aus der Zeit.
fälliger. Deshalb dürfen hochsulfatwiderstands- Halogenide - von besonderer Bedeutung sind
fähige Betone und Mörtel weder C3A-haltigen hier die Chloride -heben die Passivierung an der
Zement noch Glimmer bzw. Glimmerschiefer Stahloberfläche auf. Ihre Wirkung ist Lochfraß
enthalten. im nichtcarbonatisierten Bereich bzw. Flächen-
abtrag dort, wo der Beton bereits carbonatisieri
Ursache Bewehrung. Stahl im Beton (schlaffe ist. Chlorid wird vom Portlandzementstein z. T.
oder gespannte Bewehrung) unterliegt i. allg. kei- gebunden, dabei bildet sich Friedelsches Salz
ner Korrosion, da er einer Porenflüssigkeit aus- (3Ca0 Al2 03 CaClz 10H20); auch in andere Pha-
gesetzt ist, deren pH-Wert bei 12,6 bis etwa 13 sen wird Chlorid eingebaut. Der Zerfall dieser
liegt (gesättigtes Kalkwasser: pH =12,6, durch Phasen durch Carbonatisierung ist nicht auszu-
Alkaligehalt wird der pH-Wert auf etwa 13 er- schließen. Ein Beton aus Hochofenzement bin-
höht). In diesem pH-Bereich ist Eisen passiviert, det mehr Chlorid als einer aus Portlandzement.
d.h., es ist keine Korrosion möglich. Die Passi- Nur das ungebundene Chlorid ist für die Be-
vierung oder Immunisierung des Eisens wird wehrung gefährlich.
aufgehoben durch Erniedrigung der OB--Kon- Chloride können zusätzlich auch durch PVC-
zentration im Porenwasser (pH <9,5) z.B. irrfol- Brände, Schwimmbadwasser, Streusalz, Meer-
ge Carbonatisierung des Betons, durch Erhöhung wasser usw. zugeführt werden. Schutzmaßnah-
der OB--Konzentration (pH >13) und durch die men sind z. B. sperrende Beschichtungen wie
Anwesenheit spezifisch wirkender Ionen (insbe- Epoxidharz. Die Auswahl eines geeigneteren Ze-
sondere Chlorid) in der wäßrigen Phase. Die ments (z.B. Hochofenzement statt Portlandze-
Korrosionsgefahr erhöht sich bei Spannstählen ment) und ein dichterer Beton (z.B. wie bei"star-
(Spannungsrißkorrosion). kem Angriff" nach DIN 4030) verzögern den An-
Bei der Carbonatisierung reagiert das bei der griff der Bewehrung.
Hydratation der Calciumsilicate neben den C-S-
H-Phasen gebildete CalCiumhydroxid in Gegen- Weitere Korrosionsmechanismen
wart von Feuchtigkeit mit dem COz der Luft zu
Calciumcarbonat: Schäden durch Frost-Tau- WechseL Ist der Mör-
tel oder Beton im durchfeuchteten Zustand Frost
Ca(OHh+C0 2 + HzO~CaC03+2HzO. (1.4.37)
ausgesetzt, so können durch die Volumenzurrah-

Bauchemie 1-111
me bei der Eiskristallisation (Zunahme 9,1 Vol.- die Umgebung ausgeübt. Voraussetzung für die
o/o) Spannungen entstehen. Das heißt, wenn das Schädigung ist eine weitgehend gefüllte Pore,
Porensystem des Baustoffs zu mindestens 91 Vol.- flüssige oder gasfcirmige Stoffzufuhr durch fei-
o/o mit Wasser gefüllt ist, so reicht der vorhande- ne Kapillaren und ein Kristallisationsdruck, der
ne Porenraum nicht aus, um das beim Gefrieren größer als die Druckfestigkeit des Mörtels bzw.
entstehende größere Eisvolumen aufzunehmen. Betons ist.
Je nach Art und Menge der gelösten Bestandtei- Kristallisationsdrücke entstehen auch, wenn
le gefriert das Wasser jedoch nicht bei 0 °C, son- meist unlösliche bzw. schwer lösliche feste in vo-
dem erst bei tieferen Temperaturen (z.B. eine ge- luminösere (meist leichter lösliche) feste Be-
sättigte NaCl-Lösung erst bei -21°C). standteile umgesetzt werden. Beispiel ist die fol-
Gefriert das Wasser in den Poren, so ist der gende Reaktion, die unter einer Volumenver-
auskristallisierende Eisanteil temperaturabhän- dopplung abläuft:
gig. Die Eisbildung hat die genannte Volumen-
CaC03+S04 2 -+2HzO~CaS0 4 ·2H2 0+C0 3 2 -.
. vergrößerung zur Folge und bewirkt, daß im
(1.4.39)
noch flüssigen Wasser des Porensystems ein hy-
drostatischer Druck entsteht. Dieser hydrostati- Besonders große Auswirkungen verursachen
sche Druck kann sich in einem nicht mit Wasser solche Salze, die unter Wasseraufnahme umkri-
gefüllten Raum (z.B. einer Pore) entspannen. Ist stallisieren, d.h. unter den Temperatur- und
ein solcher Raum nicht vorhanden, so kann der Feuchtigkeitsbedingungen normaler Klimaver-
hydrostatische Druck die Festigkeit des Bau- hältnisse verschiedene Hydratstufen ausbilden.
stoffs überschreiten, und es kommt zu Rißbil- Typisches Beispiel ist das Natriumsulfat, das un-
dungen oder Abplatzungen. Bei plötzlicher Ab- terhalb von 32,4 °C vom wasserfreien Thenardit
kühlung verlaufen diese Vorgänge schneller. Da zum Dekahydrat (Glaubersalz) übergeht und da-
aber der Druckausgleich in einer wasserfreien bei eine Volumenvergrößerung auf das Vierfache
Pore nicht so schnell erreicht werden kann, sind erfährt:
solche Abkühlungen kritischer. In der Praxis tre-
NazS04 + lOHzO ~ NazS04 ·10Hz0. ( 1.4.40)
ten sie beim Aufstreuen von Taumitteln auf ver-
eiste Baustoffe auf. Die Umwandlung erfolgt in der Praxis im Be-
Der Frost-Tau-Wechsel-Widerstand eines reich von 0°C bis 30°C und relativen Luftfeuch-
Mörtels läßt sich durch Einführung von Luftpo- ten von etwa 60o/o bis 80o/o.Die zerstörende Wir-
ren verbessern. Da bei der Wasseraufnahme die kung tritt ein, sobald sich das wasserfreie Salz in
Kapillarkräfte eine wesentliche Rolle spielen, den Poren derart angereichert hat, daß die Hy-
sind Baustoffe mit großen Poren weniger frost- dratstufe keinen Platz mehr in der Pore findet.
gefährdet als solche, die das gleiche Gesamtpo- Es entstehen Spannungen (Hydratationsdruck),
renvolumen in Form von kleineren Poren haben. die zu Rissen,Absprengungen, Zermürbung und
Luftporen (Durchmesser etwa 0,2 mm) unter- Absandungen führen kann.
brechen die Kapillarporen, saugen sich nicht mit
Wasser voll und wirken somit als Druckaus- Biologische Korrosion. Die Möglichkeit der zer-
gleichsporen. Ihre Einführung gelingt durch Zu- störenden Einwirkung besteht durch Mikro- und
satzmittel wie Luftporenbildner, Mikrohohlku- Makroorganismen. Das Ausmaß der Schädigung
geln oder aber auch spezielle Kunststoffdisper- ist sowohl von den Arten der Organismen als
sionen. auch den von ihnen ausgeschiedenen Stoffwech-
selprodukten abhängig. Zu den beeinflussenden
Schäden durch Salzkristallisation. Schädliche Makroorganismen gehören z.B. Tiere (Exkre-
Salze sind weit verbreitet und eine häufige Scha- mente),Bäume (Wurzelsprengungen) und Moo-
denursache. Sie sind nicht selten als weiße Aus- se. Günstige Besiedlungsbedingungen für Mi-
blühungen sichtbar. kroorganismen sind neben einer ausreichenden
Diese Salze können die hygroskopische und Nährstoffbasis eine konstante Feuchtigkeit und
osmotische Wasseraufnahme fördern sowie Temperatur sowie die Abfuhr der z.T. schädli-
sprengend wirken. Die sprengende Wirkung chen Stoffwechselprodukte.
kann zwei Ursachen haben:
Bei der Kristallisation aus einer übersättigten
Lösung wird durch den wachsenden Kristall
bzw. die komprimierte Flüssigkeit ein Druck auf

1-112 Allgemeine Grundlagen


Tabelle 1.4-6 Angreifende Bestandteile in Wässern (nach DIN 4030)

angreifende Bestandteile Angriffsgrad


schwach stark sehr stark
Säuren, pH·Wert 6,5 ... 5,5 5,5 ... 4,4 < 4,5
Kalklösende Kohlensaure in mg/1 (Marmorversuch nach Heyer) 15 ... 40 40 ... 100 > 100
Ammonium NH; in mg/1 15 ... .30 30 ... 60 >60
Magnesium Mg2+ in mg/1 300 ... 1000 1000 ... 3000 >3000
~fat sol·
in mg/1 200 ... 600 600 ... 3000 >3000

1.4.3.2 ein ständiger Schutz des Betons gegen den un-


Korrosionsschutz von Beton und Instandsetzung mittelbaren Zutritt des angreifenden Mediums
erforderlich.
Beurteilung der Korrosionsmedien
Instandsetzung
DIN 4030 unterscheidet nach Art und Konzen-
tration der angreifenden Stoffe drei Angriffs- An dieser Stelle wird auf die weiterführende Li-
grade: schwach, stark und sehr stark angreifend teratur (u.a. Bicz6k 1968], [Bisle 1988], [Knö-
(Tabelle 1.4-6). Die Grenzwerte gelten für ste- fel/Schubert 1993] und [Schönburg 1993]) ver-
hendes und schwach fließendes, in großen Men- wiesen.
gen vorhandenes, unmittelbar angreifendes
Wasser vorwiegend natürlicher Zusammen- 1.4.4
setzung (Normalfall). Das jeweils größte An- Auswirkungen aus den Baustoffen
griffsvermögen nach Tabelle 1.4-6 ist entschei-
dend, auch wenn es nur von einem der angrei- Zu diesem Bereich der Bauchemie zählen be-
fenden Korrosionsmedien erreicht wird. sonders folgende Punkte:
Meerwasser bildet eine Ausnahme und ist als - Auslaugungen aus den Baustoffen (vgl. auch
stark angreifend einzustufen. DIN 38414 Teil 4), z.B. Bildung von Ausblü-
Auch für angreifende Bestandteile in Böden hungen, Auslaugung von Zusatzmitteln aus
sind in DIN 4030 Grenzwerte enthalten. Mörteln und Betonen oder auch die Auslau-
gung von Schwermetallen aus Zeroenten (vgl.
Korrosionsschutz des Betons "Maurerkrätze" durch im Zement enthaltenes
Chromat)- s. hierzu [Stark/Wicht 1996];
Die wesentlichen Möglichkeiten des Korrosions- - Wiederverwertbarkeit von Baustoffen, z.B.
schutzes von Beton sind: Recyclingzuschläge auf Altbetonbasis;
- Einsatz einwandfreier Ausgangsstoffe als - Ökobilanzen von Baustoffen.
Komponenten des Betons oder Mörtels sowie
entsprechende Rezeptierung, Verarbeitung 1.5
und Nachbehandlung;
Theorie der Tragwerke
- Anwendung besonderer Korrosionsschutz-
maßnahmen für "sehr starken" Angriff. Hier-
1.5.1
zugehören Beschichtungen (z.B.Bitumen und
Festigkeitslehre
Kunststoffe), keramische Beläge oder Beklei-
dungen mit Kunststoffolien und -bahnen;
1.5.1.1
- Vermeidung korrosionsfördernder konstruk-
Spannungen
tiver Details bei der Gestaltung und Aus-
führung der Bauwerke. Man definiert den Spannungsvektor t im Punkt
P eines durch den Normalenvektor n definierten
DIN 1045 enthält Angaben zum Schutz von Be- ebenen Schnitts durch einen Körper (Abb.1.5-1)
tonen gegen "schwachen" und "starken" Angriff. als
Bei "sehr starkem" Angriff ist außer den für dF
t= dA. ( 1.5.1)
"starken" Angriff erforderlichen Maßnahmen

Theorie der Tragwerke 1-113


dE

Abb. 1.5·1 Zur Definition der Spannung

Abb. 1.5-3 Ursprüngliches und gedrehtes kartesisches


Koordinatensystem

x2 erhält man den zugehörigen Spannungsvektor t


aus
(1.5.3)

Der Normalenvektor n wird üblicherweise in


Abb. 1.5·2 Spannungskomponenten im kartesischen Form eines Einheitsvektors angegeben:
Koordinatensystem

A'] [cosa1]
Der Spannungsvektor läßt sich in die beiden n= [ A2 = cosa 2 (1.5.4)
Komponenten er und t zerlegen, wobei er als Nor- A3 cosa 3
malspannung senkrecht zur Schnittfläche steht,
während t als Tangentialkomponente in der Hierbei sind ai die Winkel zwischen dem Nor-
Fläche selbst liegt (Schubspannung). Der Span- malenvektor und den Achsen XJ>X2 und X3 (bzw.
nungszustand in P wird für jeden beliebigen x, y und z) des zugrunde liegenden kartesischen
Schnitt durch den Cauchyschen Spannungsten- Koordinatensystems. Für das nach Abb.l.5-3 be-
sor er (1.5.2) beschrieben; er gibt die Spannungs- züglich (x"x 2,x3) gedrehte Koordinatensystem
komponenten in drei zueinander senkrecht ste- (x '" x'2, x'3) läßt sich der Spannungstensor er'
henden Ebenen durch Pan (Abb. 1.5-2): mittels einer Ähnlichkeitstransformation errech-
nen:

o=[:: :; ::]=[::: ::: :::]


Tzx Tzy Ozz 031 032 033
Die Koeffizienten Aik der Transformationsmatrix
(1.5.5)

L sind Richtungskosinusse der Winkel zwischen


(1.5.2)
den Achsen x" x2, x3 und x'" x2, x3:
Sonderfälle dieses allgemeinen Spannungszu-
stands sind der einachsige Spannungszustand Au Au A13]
(etwa bei einem Zug- oder Druckstab) sowie der LT = [ A21 A22 A23 (1.5.6)
ebene Spannungszustand (siehe unter 1.5.1.3).
A31 A32 A33
Der Spannungstensor er ist nach dem Boltz-
mann-Axiom symmetrisch, wie die Betrachtung So gilt z.B.mit a,ß und yals Winkel zwischen der
des Momentengleichgewichts um die drei Ach- Achse x', und (jeweils) XI> x2 und X3 A.u=cosa,
sen zeigt. Damit sind auch die Schubspannungen A12=cos ß, A13 = cos y. Die Matrix L ist orthogo-
in aufeinander senkrecht stehenden Schnitt- nal, womit ihre Transponierte gleich ihrer In-
flächen paarweise gleich. versen ist, Lr = L· 1.
Für eine beliebige Schnittebene durch P, defi- Als Beispiel sei der Fall der Rotation des ge-
niert durch den zugehörigen Normalenvektor n, drehten Koordinatensystems um den Winkel a

1-114 Allgemeine Grundlagen


t

Abb. 1.5·5 Mohr5che Spannungskreise für den


dreidimensionalen Fall
J
Abb. 1.5-4 Transformation des Koordinatensystems
durch Drehung um die x3-Achse durch Einsetzen der jeweiligen Hauptspannung
und Lösung des folgenden Gleichungssystems,
um die x3-Achse (Abb. 1.5-4) betrachtet. Die das hier für die Hauptspannung cr 1 und die ent-
Transformationsmatrix lautet hier: sprechende Achse angeschrieben ist:
cosa - sina 0] (ou -o1)Au +o12 A12 +o13A13 = 0
L = [ sina COS<X 0 (1.5.7) o 12 Au +(o 22 -o1)A12 +o23 A13 =0 (1.5.11)
0 0 1 2 2 2
Au + A12 + A13 =1
Das als Hauptachsensystem bezeichnete beson-
dere Koordinatensystem zeichnet sich dadurch Sind die Hauptachsen und die Hauptspannun-
aus, daß in den Ebenen senkrecht zu den drei Ko- gen bekannt, ergeben sich die maximalen Schub-
ordinatenachsen (=Hauptachsen) nur Normal- spannungen (Hauptschubspannungen) zu
spannungen auftreten, mit Schubspannungen

l
gleich Null. Der Spannungstensor für das Haupt-
achsensystem ist eine Diagonalform: (1.5.12)
o 1 -o2
t3=±---
2
o1 0 0
o= [ 0 o2 0 ( 1.5.8) Diese Hauptschubspannungen wirken in Ebe-
0 0 03 nen, deren Normale senkrecht auf einer Haupt-
achse steht und mit den beiden anderen Haupt-
Die Hauptspannungen cr"cri,0"3 ergeben sich als achsen Winkel von 45° bildet. In diesen Ebenen
reelle Lösungen der kubischen Gleichung sind die Normalspannungen nicht Null; zur
Hauptschubspannung t 1 gehört z. B. eine Nor-
( 1.5.9)
malspannung cr = 0,5 · (0"2+0"3). Für cr,~ 0"2 ~ 0"3
mit den Invarianten des Spannungstensors: beträgt die maximale Schubspannung max t =
0,5 (cr,- cr3).
I, =ou +o22 +o33 =o, +o2 +o3 Der dreiachsige Spannungszustand läßt sich
2 2 2
I2 = ou +o23 + 0 31 graphisch durch drei Mohrsehe Spannungs-
-(ouo22 +o22033 +o33ou) kreise darstellen (Abb. 1.5-5), die den Ebenen
senkrecht zu den Hauptachsen entsprechen.
= -(o1o 2 +o 2o 3 +o 3o 1)
Normalspannung cr und Schubspannung t in
ou ou ol3 einer beliebigen Ebene definieren einen Punkt,
(1.5.10)
I 3 = 021 022 023 =o,o2o 3 der im gerasterten Bereich des Diagramms lie-
gen muß.
Im allgemeinsten zweidimensionalen Fall mit
Die Richtung einer Hauptachse wird durch die den Spannungen O"xx = O"x, O"yy = O"y und txy lau-
Kosinusse der Winkel, die sie mit den Koordina- ten die Ausdrücke für die Normalspannung O"a
y,
tenachsen x, z bildet, definiert. Sie ergeben sich und die Schubspannung ta in einem Schnitt, des-

Theorie der Tragwerke 1-115


Abb. 1.S-7 Unverformte und verformte Konfiguration

Abb. 1.5·6 Allgemeiner zweidimensionaler


Spannungszustand
aul aul aul
ax1 ax2 ax3

lE:J=·
senNormale mit der x-Achse den Winkel a bil-
auz auz auz
det (Abb. 1.5-6): du=
ax1 ax2 ax 3 d.
Dx +oy Dx-Dy
Da =---+---cos2a+txysin2a au3 au3 au3
2 2 ax1 ax2 ax 3
0 -0 (1.5.18)
ta =-x__
Y sin2a-txycos2a
2 mit dem Verschiebungsgradienten F,dessen Ko-
(1.5.13) effizienten für hinreichend kleine Verschiebun-
Die Hauptnormalspannungen ergeben sich für gen die Form Fik=Ui,k annehmen [Gross et al.
1 2t 1993], mit
a = -arctan--xy- (1.5.14) au- au-
2 Ox -Oy U· ---' - - ' (1.5.19)
z,k - axk - axk .
zu
Eine Aufspaltung des Verschiebungsgradienten
in zwei additive Terme gemäß
(1.5.15) 1 1
f.. . =-(U· · +u .. )+-(U· · -U· ·)
I) 2 1,} j.l 2 I,) }~ (1.5.20)
=Eij+wij
und die maximale Schubspannung erreicht den liefert den infinitesimalen Verzerrungstensor tij
Wert: und den infinitesimalen Drehtensor <Oij· Letzte-
rer beschreibt Drehungen, die keine Spannungen
maxt= (1.5.16) hervorrufen und braucht hier nicht weiter be-
trachtet zu werden. Der infinitesimale Verzer-
rungstensor tij lautet in matrizieller Form für
das (x,y,z)-Koordinatensystem
1.5.1.2
Verzerrungen 1 1
Exx lYxy

['" '"]
2Yxz
EI2
Die Punkte P und Q eines Kontinuums verschie- 1 1
E= lYyx Eyy lYyz = Ez1 Ezz Ez3
ben sich im Zuge der Verformung in die Positio-
nen P' und Q' (Abb. 1.5-7), mit den Ortsvekto- 1 1 E31 E32 E33
lYzx lYzy Ezz
ren:
(1.5.21)
(1.5.17)
Darin treten Dehnungen e und Gleitungen y auf,
Die Änderung des Linienelements PQ beträgt gemäß
du=dr'-dr, und es gilt

1-116 Allgemeine Grundlagen


1
(1.5.22) Exx =E[oxx -v(oyy +ozz)]+ar!lT

1
Eyy =E[oyy-v(ozz+oxx)]+ar!lT
- aux + auy - auy + auz
Yxy- ay ax •Yyz- az ay' 1
(1.5.23) Ezz =E[ozz -v(oxx +oyy)]+ar!lT
auz aux
Yzx=~+ Clz • T
y =~
Der Verzerrungstensor (1.5.21) ist ebenso wie xy G
der Spannungstensor (1.5.2) symmetrisch, und
Tyz
er läßt sich wie der Spannungstensor auf ein
Yyz =G (1.5.28)
Hauptachsensystem mit den Hauptdehnungen
E1> E2, E3 analog zu (1.5.8) transformieren. Tzx
Yzx=G
1.5.1.3 Diese Gleichungen lassen sich auch nach den
Elastisches Stoffgesetz Spannungskomponenten auflösen; man erhält:
2G
Der einfachste Zusammenhang zwischen Span- Oxx = --[(1-V)Exx +V(EY.'v +Ezz)
1-2v '
nungs- und Verzerrungsgrößen wird durch das
- (1 +v)ar!l T]
lineare Hookesche Gesetz gegeben, das beim ein-
achsigen Spannungszustand O"xx=t!=O, O"yy= O"zz=O 2G
Oyy =--[(1-v)Eyy +v(Ezz +Exx)
eines Zug- oder Druckversuchs in der Form 1-2v
-(1 +v)ar!lT]
(1.5.24)
angegeben werden kann. Darin ist E der Elastizi-
tätsmodul (Hookesche Konstante). Für die Deh-
nungen quer zur Stabachse ergibt sich
Txy =GYxy
(1.5.29)
(1.5.25) Tyz =Gyyz

mit der dimensionlosen Konstanten v, die als Tzx =GYzx


Querdehnungszahl (Poissonsche Zahl) bezeich- Von besonderem Interesse sind die Sonderfalle
net wird und für übliche Werkstoffe im Bereich des ebenen Spannungszustands und des ebenen
um 0,3 liegt. Die Querdehnungszahl ist immer Verzerrungszustands. Der ebene Spannungszu-
kleiner als 0,5; ein Wert gleich 0,5 ist physikalisch stand wird definiert durch:
unmöglich, wie ein Blick in den Nennerausdruck (1.5.30)
von (1.5.29) lehrt.
Ein Torsions- oder Scherversuch liefert den Er kommt z. B. in einer dünnen Platte vor und
Zusammenhang zeichnet sich dadurch aus, daß alle Spannungs-
komponenten senkrecht zu der (x,y )- Plattenebe-
t=G·y (1.5.26)
ne verschwinden. Das zugehörige Elastizitätsge-
zwischen der Schubspannung t und der Gleitung setz lautet:
y, mit G als Schubmodul. Schließlich führt eine
1
Temperaturänderung um den Betrag !lT zu ei- Exx =E(oxx-VOyy)+ar!lT
ner Dehnung
1
E =IXr · tlT (1.5.27) Eyy =E(oyy -voxx)+ar!lT

mit ar als linearem Wärmeausdehnungskoeffi- V


Ezz =-E(oxx+oyy)+ar!lT
zienten. Die Betrachtung beschränkt sich hier
auf isotropes Material, dessen elastische Eigen- Txy
schaften in allen Richtungen gleich sind. Für Yxy=G (1.5.31)
den allgemeinen dreidimensionalen Beanspru-
chungszustand lautet das Hookesche Gesetz (Pe- Yxz =Yyz =0
stel/Wittenburg 1992):

Theorie der Tragwerke 1-117


Wie man sieht, tritt wohl eine Querdehnung fzz onsmodul K. Sie hängen wie folgt mit den bereits
auf, die jedoch als Funktion von fxx und fyy dar- eingeführten Parametern zusammen:
stellbar ist. vE E
Der ebene Verzerrungszustand wird definiert G=J.l, .\= , K = - - (1.5.37)
(1+v)(1-2v) 3(1-2v)
durch
(1.5.32) In Tabelle 1.5-1 sind Elastizitätsmodul, Schub-
modul, Querdehnungszahl sowie Wärmeaus-
Damit sind die Verzerrungen und Verschiebun- dehnungskoeffizient einiger Werkstoffe zusam-
gen in z-Richtung überall Null; das ist z.B. der mengestellt.
Fall bei Bauteilen oder Baukörpern mit in z-Rich-
tung konstanter Form und Belastung, deren z- 1.5.1.4
Verschiebung verhindert ist. Es entstehen folgen- Festigkeitshypothesen
de Verzerrungen:
1 Um die Sicherheit eines (statisch) beanspruch-
Exx = ZG [(1-v)axx -va yy]+(1 +v)ayßT ten Bauteils gegenüber einem durch Sprödbruch
1 oder durch plastische Verformungen eingeleite-
Eyy = ZG [(1-v)a yy -vaxx]+(1 +v)ayßT ten Versagen zu beurteilen, muß der im allgemei-
nen mehraxiale Spannungszustand im Bauteil in
Beziehung gebracht werden zu den experimen-
tell bestimmten Festigkeitskennwerten des Werk-
(1.5.33) stoffs; letztere sind in der Regel seine Zug- und
Die in z-Richtung wirkende Spannung hängt nur seine Druckfestigkeit mit den entsprechenden
von Oxx und Oyy ab; sie beträgt Dehnungen. Gängige Festigkeitshypothesen
[Young 1989) sind
CJ 22 =v(axx+ayy)-EayßT. (1.5.34)
- die Hauptspannungshypothese,
Formalläßt sich der ebene Verzerrungszustand - die Hauptdehnungshypothese,
auf den ebenen Spannungszustand zurückfüh- - die Gestaltänderungsarbeit-Hypothese und
ren, wenn modifizierte Werkstoffkonstanten E' - die Schubspannungshypothese.
und v' anstelle von E und v verwendet werden,
gemäß Die nur für spröde Werkstoffe brauchbare Haupt-
spannungshypothese besagt, daß Versagen ein-
E
E' =--,v ' = V- . (1.5.35) tritt, wenn die (absolut betrachtet) größte Haupt-
1-v2 1-v
normalspannungje nach Belastungsrichtung die
Die Werkstoffkonstanten E, G und v sind nicht Zug- oder die Druckfestigkeit überschreitet.
voneinander unabhängig; es gilt Nach der Hauptdehnungshypothese, die kaum
praktische Bedeutung hat, tritt bei Erreichen ei-
E=2G(l+v). (1.5.36)
ner maximalen Dehnung durch die Hauptdeh-
Weitere Elastizitätskennwerte sind die Lame- nung Versagen ein. Für duktile Werkstoffe gut
schen Konstanten 'A und Jl und der Kompressi- geeignet ist die mit den Namen Huber, v. Mises

Tabelle 1.5-1 Kennwerte einiger Werkstoffe

Werkstoff E G V cxr
kNJmZ kNfm2 1/ K

Beton 2-5107 =1,5107 0,2 1,010-S


Gußeisen 11()8 0,4108 0,3 1,010-S
Baustahl 2,1108 0,8108 0,3 1.0 10-5
Aluminium 0,7108 0,27108 0,3 2,4 10-S
Kupfer 1,25108 0,46108 0,3 1,710-S
Bauglas =0.7108 =0,2108 0,2 0,910-5
Nadelholz, in Faserrichtung =1.2107 - - "5,0 l0-5
Nadelholz, quer zur Faser ::0,1107 - - :: 0,4 10-5

1-118 Allgemeine Grundlagen


und Hencky verknüpfte Gestaltänderungsarbeit- chanik, unterteilt sich in die Kinematik und die
Hypothese. Sie postuliert Versagen, wenn die Ver- Dynamik. Erstere beschreibt Bewegungs- und
gleichsspannung Verformungszustände ohne Wechselwirkung zu
Kräften, letztere verknüpft die Kinematik mit
av = .!..[(ai-a2)2 +(a2 -a3)2 +(a3 -ali] den einwirkenden und hervorgerufenen Kräfte-
2 feldern. Einen Sonderfall der Dynamik bilden
(1.5.38) Ruhezustände, Gleichgewichtszustände, eben
die Zugfestigkeit erreicht. Hierin und auch in das Aufgabengebiet der Statik. Hiervon grenzt
(1.5.39) sind CJ; Hauptspannungen. Die Schub- sich die Kinetik ab, die feste Körper unter zeit-
spannungshypothese schließlich, die ebenfalls abhängigen Einwirkungsprozessen behandelt.
für duktile Werkstoffe geeignet ist, behauptet, In der modernen Technik wird die Kinetik (von
daß Versagen eintritt, wenn die maximale Schub- kinesis, griech. für Bewegung) heute als Dyna-
spannung die Hälfte der Zugfestigkeit erreicht. mik (von dynamis,griech. für Kraft) bezeichnet.
Damit beträgt die Vergleichsspannung, die der Wegen der Dominanz ruhender oder schwach-
Zugfestigkeit gegenüberzustellen ist beweglicher Lasten im konstruktiven Ingenieur-
bau spielt dort zur Tragwerksanalyse die Statik
( 1.5.39)
als Statik der Tragwerke die bekannt wichtige
Rolle. Je nach Anwendungszweck existieren ge-
mäß Abb. 1.5-9 sehr unterschiedliche Varianten.
Das Fundament bildet die lineare Statik. Wegen
1.5.2 der Annahmen linear-elastischen Werkstoffver-
Statik der Stabtragwerke haltens und infinitesimal kleiner Tragwerksde-
formationen - als Folge darf das Gleichgewicht
1.5.2.1 an der unverformten Konfiguration formuliert
Grundlagen werden - entstehen lineare Beziehungen zwi-
schen Ein- und Auswirkungen. Konsequenter-
Einführung weise gilt das Superpositionsgesetz. Größere Trag-
werksdeformationen müssen bei der Gleichge-
Was ist Statik der Tragwerke? Die Statik ist als wichtsformulierung Berücksichtigung finden.
Wissenschaftsdisziplin Teil der Physik. Inner- Es entstehen geometrisch-nichtlineare Theorien,
halb dieser beschreibt die Mechanik Kräfte- und beispielsweise die Theorie 2. Ordnung. Eine Zwi-
Bewegungszustände von Materie, eingeteilt in sehenstufe bilden statische Stabilitätstheorien,
feste, flüssige oder gasförmige Stoffe (Abb.l.5-8). welche Instabilitätslasten ohne zugehörige Ver-
Die Mechanik fester Körper, die Festkörperme- formungen festlegen.

Mechanik

Mechanik fester Körper Fluidmechanik Aero· und Gasdynamik

Bewegungs- und Beschreibung von Bewegungs- und


Verformungszustände Verformungszuständen in Wechselwirkung
ohne Wechselwirkung zu einwirkenden und hervorgerufenen
zu Kräftefeldern Kräftefeldern

Zeitunabhängige Kräfte· Zeitabhängige Kräfte-


und Verformungs- und Verformungs-
prozesse: Gleichgewicht prozesse

Abb. 1.5·8 Die Statik als Teilgebiet der Mechanik

Theorie der Tragwerke 1-119


Lineare Statik Geometrisch-nichtlineare Statik Physikalisch-nichtlineare Statik
Äußere Einwirkung zeitunabhängig zeitunabhängig zeitunabhängig
Verformung infinitesmal klein endlich infinitesmal klein
Werkstoffverhalten linear-elastisch linear-elastisch nichtlinear-elastisch/inelastisch
Näherungstheorie: Stabilitätstheorie Fließgelenktheorie
Theorie 2. Ordnung 1. Ordnung
Fließli niem heorie
Fließgelenktheorie 2. Ordnung

Abb. 1.5-9 Untergliederung der Statik der Tragwerke

Während bisher das Stoffgesetz linear-ela- In diesem Abschnitt werden nur Tragwerke aus
stisch blieb, müssen für alle Traglastuntersu- Stabelementen behandelt.
chungen realistischere Werkstoffmodeliierungen
zur Anwendung kommen, beispielsweise elasto- Kräfte, Kräftesysteme und Gleichgewicht. Zur
plastische wie bei den Fließgelenktheorien. Heu- Einführung seien die wichtigsten Grundlagen
te entstehen zunehmend computerorientierte über Kräfte und Kräftesysteme aus der Mechanik
Analysekonzepte, die hochgenaue geometrisch- wiederholt. Jede Ursache einer Bewegung oder
und physikalisch-nichtlineare Tragwerksanaly- Deformation bezeichnet man als Kraft oder
sen anstreben, sog. Simulationstheorien. Kraftgröße und beschreibt damit eine Erfah-
rung, die durch das Trägheitsaxiom ausgedrückt
Tragelemente. Geometrisch stellen Tragwerke wird: Jeder Körper verharrt im Zustand der Ru-
mit Materie gefüllte Teilräume des 3-dimensio- he (Gleichgewicht) oder der gleichförmigen Be-
nalen Erfahrungsraumes E3 dar. Tragwerksana- wegung, solange er nicht durch Krafteinwirkun-
lysen jedoch stets durch Lösung 3-dimensiona- gen zur Änderung seines Zustandes gezwungen
ler Randwertprobleme gewinnen zu wollen, wird.
wäre nicht zu bewältigen. Zur Aufwandsreduzie- Jede Krafteinwirkung ist durch Angabe ihres
rung verwendet man daher Tragelemente mit Betrages, ihres Angriffspunktes und ihrer Wir-
niedrigerer Dimensionszahl typischer Abmes- kungsrichtung eindeutig bestimmt. Die durch
sungen. Viele Tragelemente füllen nämlich ge- Angriffspunkt und Kraftrichtung definierte Ge-
mäß Abb. 1.5-10 Teilräume des E3 aus, welche rade heißt Wirkungslinie. Kräfte sind somit als
näherungsweise flächenhaft (2-dimensional) Vektoren im Anschauungsraum E3 definierbar.
oder gar Iinienhaft (I-dimensional) gestaltet Unsere Erfahrungen mit Kräften sind in den fol-
sind. genden vier Axiomen zusammengefaßt (Abb.
Als Flächentragwerke bezeichnet man daher 1.5-ll).
alle Strukturen, deren Dicken h klein sind ge- - Verschiebungsaxiom: Kräfte sind linienflüch-
genüber ihren Längen und Breiten; sie werden tige Vektoren.
durch ihre Mittelflächen repräsentiert. Je nach - Äquivalenzaxiom: Kräfte sind äquivalent
Lasteintragung unterscheidet man Scheiben (gleichwertig) bei gleicher Wirkung auf einen
oder Platten; gekrümmte Flächentragwerke hei- Körper.
ßen Schalen. Bei Linienträgern bzw. Stäben über- - Reaktionsaxiom: Wird von einem Körper 1 ei-
trifft die Elementlänge I deren Höhe und Breite ne Kraft F12 auf einen Körper 2 ausgeübt, so
um ein Vielfaches. Gemäß Abb.l.5-10 lassen sich gilt dies auch umgekehrt. .
Tragelemente somit wie folgt systematisieren: - Parallelogrammaxiom: Die Wirkung zweier
- 3-dimensionale Tragelemente (0(11) "" 0(12) "" Kräfte ist ihrer vektoriellen Summe äquiva-
0(13)) lent.
- 2-dimensionale Tragelemente (0(11> 12 ) >>
O(h)): Flächenträger (eben: Scheiben, Platten; Nach diesen axiomatischen Grundlagen wird in
gekrümmt: Schalen) Abb. 1.5-12 ein zentrales Kräftesystem im E3 be-
- I-dimensionale Tragelemente (O(I) >> O(b, trachtet, dessen Einzelkräfte F; alle einen ge-
h)): Linienträger, Stäbe (gerade: Fachwerkstä- meinsamen Angriffspunkt besitzen. Zusammen-
be, Balken, Stützen; gekrümmt: Seile, Bogen) fassung aller Einzelkräfte F; auf der Basis des

1-120 Allgemeine Grundlagen


Eindimensionale Strukturmodelle: Zweidimensionale Strukturmodelle:
Linienträger, Stäbe Flächenträger
O(h, b) « 0 (I) 0 (h) « 0 (1 1, 12)

Dreidimensionale Strukturmodelle:
Kontinua
0 (II) =: 0 (ll) =: 0 (13)

Abb. 1.5-10 Tragelemente in der Statik

'
' ''

cp =~
~ ..
:' ' Aqu1valenzax1om

=~
I Reaktionsaxiom --
' FR//
'v/ Parallelogrammaxiom J
Abb. 1.5-11 Zur Axiomatik von Kräften

Theorie der Tragwerke 1-121


Parallelogrammaxioms zur Resultierenden FR Abbildung 1.5-13 verdeutlicht, daß die Definiti-
beweist, daß Gleichgewicht gerade eine weitere on des statischen Momentes
Kraft -FR gleicher Größe und Wirkungslinie,
M=rxF ( 1.5.40)
aber umgekehrter Wirkungsrichtung erfordert:
Ein zentrales Kräftesystem befindet sich im als (äußeres) Vektorprodukt aus Ortsvektor r
Gleichgewicht, wenn die Summe aller Kräfte ver- und Kraft F deren Parallelverschiebung in einen
schwindet: :EF = 0. beliebigen Punkt außerhalb ihrer Wirkungslinie
Ein zentrales Kräftesystem stellt den Sonder- ermöglicht. M steht als Vektor orthogonal auf r
fall eines allgemeinen Kräftesystems dar; bei letz- und F, er ist im Sinne einer Rechtsdrehung posi-
terem existiert kein gemeinsamer Schnittpunkt. tiv definiert.
Führt man mit Hilfe von Parallelverschiebun-
gen alle Kräfte F; eines allgemeinen Kräftesy-

#··
stems gemäß Abb. 1.5-12 auf eine gemeinsame
Resultierende FR zurück, so baut sich in dem ge-
wählten Zentralpunkt gleichzeitig ein resultie-
rendes statisches Moment MR auf, und man er-
kennt: Ein allgemeines Kräftesystem ist im
X y y Gleichgewicht, wenn die Summen aller seiner
Zentrales Kräftesystem im E3 Kraftgrößen, d.h. aller Kräfte und Momente ver-
F schwinden: :EF =0 und :EM =0. Durch Kompo-
z _/ ' nentenzerlegung in die 3 Koordinatenrichtun-
gen {x, y, z} des E3 entstehen hieraus die Gleich-
F2 gewichtsbedingungen
'
X y y :EFx=:EFy=LFz=LMx= LMy=LMz=O (1.5.41)
Fl
oder in die Richtungen einer x, z-Ebene
z
(1.5.42)
als grundlegendes Werkzeug der Statik der Trag-
werke.

X Das Stabkontinuum
Allgemeines Kräftesystem im E3
Lasten, Schnittgrößen und Gleichgewicht. Ein
Abb. 1.5·12 Kräftesystem im E3
Teilstab (Stabkontinuum) eines beliebigen, bela-
steten Stabtragwerks im E3 wird betrachtet
(Abb. 1.5" 14 ), das durch die rechtshändige karte-

Drehachse
~1M = r · F

aF= rFCa~
Definition eines statischen Moments ~

~~b;
Parallelverschiebungeiner Kraft ~ ~ ~ = =

Abb. 1.5-13 Statisches Moment und Kräftepaar

1-122 Allgemeine Grundlagen


Fiktiver Schnitt im Tragwerkspunkt i mit Schnittgrößenresultierenden R, M =e x R

Positives Schnittufer i
/ Punkt i: lokale
kartesische Basis
Negatives Schnittufer i
....
/ /
A_x
y- t - ..
y
e

-R

Komponentenzerlegung vonRund M hinsichtlich der lokalen Basis

Abb. 1.5·14 Definition räumlicher Stabschnittgrößen

sische globale Basis {X, Y,Z} beschrieben werde.


Durch einen fiktiven Schnitt im Tragwerkspunkt
i legt man nun die dortigen inneren Kraftgrö-
ßen, sog. Schnittgrößen, frei, die am freigeschnit-
tenen Stabteil das ursprüngliche Gleichgewicht
aufrecht erhalten. Schnittgrößen (Abb. 1.5-14)
sind stets Doppelwirkungen; sie sind paarweise
gleich groß, auf gleicher Wirkungslinie wirkend,
aber entgegengesetzt gerichtet, da sie sich beim I:F, = 0 :N+ dN - N+ q,dx = 0
Schließen des fiktiven Schnittes wieder aufhe- I:F, = O:Q+ dQ - Q+ q1dx = O
I:M1 = 0 :M + dM - M- ~dx
ben müssen. (dx)2
Man führt im fiktiven Schnittpunkt i eine +m,dx + q, - 2- = 0
rechtshändige kartesische lokale Basis {x,y,z} '-T""
von höherer Ordnung klein:,. 0
ein. Deren x-Achse soll stets mit der Stabachse
zusammenfallen, die beiden anderen Achsen mit Abb. 1.5·15 Element eines ebenen, geraden Stabes
den Querschnittshauptachsen. Damit erhalten
die beiden fiktiven Schnittufer in i folgende Ori-
entierung: moment Mr und die Biegemomente My, Mz, im
- beim positiven Schnittufer bildet die positive ebenen Fall die Normalkraft N, die Querkraft Q
x-Achse die Normale, und das Biegemoment M. Dieses sind die für
- beim negativen Schnittufer die negative X- Tragwerksdimensionierungen maßgebenden
Achse. Größen. Sie sind positiv, wenn ihre Vektorkom-
ponente am positiven Schnittufer in Richtung
Die inneren vektoriellen Schnittgrößen R, M = der positiven, lokalen Basis zeigt.
e x R der Abb. 1.5-14 können bezüglich der lo- Abbildung 1.5-15 zeigt zwei um dx benachbar-
kalen Basis {x,y,z} in Komponenten zerlegt wer- te fiktive Schnitte, die ein differentiell kleines, ge-
den. Das Ergebnis sind im E3 die Normalkraft N rades Stabelement aus einem ebenen Stabtrag-
und die Querkräfte Qy. Qz sowie das Torsions- werk heraustrennen. Als äußere Kraftgrößen, i. a.

Theorie der Tragwerke 1-123


Lasten genannt, wurden eine Streckenachsiallast -p=De ·(J
qx, eine Streckenquerlast qz sowie ein Strecken-
Lastmoment my eingeführt. Als Schnittgrößen
(1.5.45)
treten die Normalkraft N, die Querkraft Q und
das Biegemoment M am (linken) negativen
Schnittufer auf, am (rechten) positiven mit dif-
ferentiellen Zuwächsen. Wegen des ebenen Pro- Erstere dient zu analytischen und numerischen
blems entfallen die Indizes der Schnittgrößen. Integrationen [Krätzig/Wittek 1995].
Abbildung 1.5-15 enthält die 3 folgenden
Gleichgewichtsbedingungen: Kinematik. Tragwerke verformen sich unter ein-

I
dN geprägten Kraftfeldern um i. a. kleine, aber meß-
dx =-qx, bare Beträge. Die sich ausbildenden Deforma-
tionen werden in äußere und innere Weggrößen
dx =-qz d2M dm unterteilt. Zur Definition äußerer Weggrößen
dQ - q y (1.5.43)
dM dx2 -- z-~ (Kinematen) betrachtet man (Abb. 1.5-16) er-
-=Q-m neut den Punkt i eines beliebigen Stabtragwerks,
dx y
nun in seiner unverformten und verformten
Diese kann man in eine matrizielle DGL 1. Ord- Konfiguration. Aus den unterschiedlichen Raum-
nung lagen von i sowie Orientierungen seiner lokalen
Basis {x,y,z} bzw. {x*,y*,z*} wird erkennbar, daß
d jede Deformation durch einen Verschiebungs-
-a=A·a -p
dx vektor u und einen Verdrehungsvektor <p in i be-

![~]=[~ ~ ~JE]-[!:l
schreib bar ist. Die Komponentenzerlegungen
(1.5.44)
dieser beiden Vektorkinematen hinsichtlich der
unverformten lokalen Basis liefert je 3 Verschie-
bungsfreiheitsgrade UnUy>Uz und Verdrehungs-
oder in die folgende matrizielle Operatorbezie- freiheitsgrade <Px,<py,<pz in i, die eigentlichen äu-
hung transformieren (dx = d/dx): ßeren Weggrößen. Diese werden im ebenen Fall

unverformtes Tragwerk

x•

z• z*
verformter Punkt i mit verformter
lokaler kartesischer Basis ( x* y* z*l

Abb. 1.5· 16 Definition äußerer Weggrößen

1-124 Allgemeine Grundlagen


auf die 3 Kinematen u, w, c:p reduziert. Sie werden Zwischen inneren und äußeren Weggrößen exi-
i. a. in Richtung positiver globaler oder lokaler stieren die folgenden kinematischen Beziehun-
Bezugssysteme als positiv vereinbart. Äußere gen eines ebenen, geraden Stabelementes:
Weggrößen leisten mit Lastkomponenten in de- du
ren Richtungen äußere Formänderungsarbeit. -=E
dx
Für ein ebenes Stabkontinuum existieren ge-
mäß Abb. 1.5-17 folgende innere Weggrößen: Die dw
dx +c:p=y ) dzw =-K+ dy (1.5.47)
Stabachsendehnung r, die Verkrümmung K, die
(konstant über den Querschnitt wirkende) Schub-
dc:p dx 2 dx
-=K
verzerrung y und im Falle von Torsion die Stab- dx
achsenverdrillung l'J. Im räumlichen Fall erge- Sie finden in der Statik als skalare oder matrizi-
ben sich die Längsdehnung f, die Schubverzer- elle Differentialgleichungen
rungen Yy·Yz• die Verdrillung l'} und die Verkrüm- d
-u=A·u +E
mungen Ky,Kz. Innere Weggrößen, auch Verzer- dx
rungsgrößen genannt, sind den Schnittgrößen
über die Formänderungsarbeit zugeordnet. Ei-
ne Verzerrung ist positiv, wenn sie mit ihrer kor-
respondierenden Schnittgröße, aufgefaßt als
~[:]=[~ ~ ~~][}[~] (1.5.48)

äußere Kraftgröße an einem Stabelement wir- oder als matrizielle Operatorbeziehungen


kend, einen positiven Beitrag zur Formände- E=Dk ·U
rungsarbeit leistet. Die einzelnen Beiträge zur
inneren Formänderungsarbeit im ebenen Fall
enthält Abb. 1.5-17; im Fall räumlicher Stabwer-
ke lauten diese:
[~]{f ~ JJ[:J (1.5.49)

f
I
Verwendung (Krätzig/Wittek 1995).
-- (NE+Qyy y +QzYz
W (i)- Oftmals werden in der Stabtragwerkstheorie
0
+My&+MyKy +M2 K 2 )dx
( 1.5.46)
Schubverformungen vernachlässigt: y 0. Dies =
beschreibt die Normalenhypothese (Bernoulli-

r;
z
[] -~

ydx "' n)dx =rdq>


du
[ o= - K =d<p -~
Y- dx
0 ;: dq>
dx dx dx
l~ngsdehnung, Verkrümmung Schubverzerrung, Verdrillung
Achsialdehnung Gleitung
Betrag dW zur inneren Formänderungsarbeit des Elementes
- NE dx - M K dx - Qy dx - M1 0 dx

Abb. 1.5·17 Definition innerer Kinematen

Theorie der Tragwerke 1-125


Hypothese) durch die Forderung, daß vor einer Hieraus entstehen die folgenden Werkstoffge-
Deformation normal (orthogonal) zur Stabach- setze ebener Stabtragwerke:

llEl
se stehende Querschnitte diese Eigenschaft auch
nach der Deformation noch (näherungsweise)
besitzen. Mit y =0 transformieren sich die kine-
matischen Beziehungen (1.5-47) zu
o~E "[~]~[! G;
(1.5.56)
du dw d 2w
E=-, y=O=>q>=--, K=--. (1.5.50) nun als Elastizitätsgesetz bezeichnet. DurchAna-
dx dx ~
logieschluß können hieraus die entsprechenden
Werkstoffgesetze. Zur einer vollständigen Be- Beziehungen für räumliche Stabtragwerke ge-
schreibung des mechanischen Verhaltens von wonnen werden.
Stabkontinua gehören Werkstoffgesetze, welche
die Schnitt- und Verzerrungsgrößen von Stab- Zustandsgrößen. Durch die Forderung eines
querschnitten miteinander verbinden. Betrach- Gleichgewichtszustandes werden den einwirken-
tet man das Werkstoffverhalten von Baumate- den äußeren Kraftgrößen sog. innere Kraftgrößen
rialien auf Spannungs-Dehnungs-Ebene (vgl. Ka- zugeordnet. Durch Beschränkung auf kinema-
pitel3.3 bis 3.8), so erweist sich das mechanische tisch kompatibel deformierte Kontinua kann aus
Geschehen als für Tragwerksanalysen vereinfa- den äußeren Weggrößen auf zugeordnete innere
chungsbedürftig. Weggrößen geschlossen werden. Der Arbeitsbe-
Folgerichtig verwendet man in der Statik der griff ordnet jeder Kraftgröße eine Weggröße zur
Tragwerke fast überwiegend Linearisierungen gemeinsamen Leistung von Formänderungsar-
des Spannungs-Dehnungs-Verhaltens für E ~ 0, beit zu.
die man als Hookesches Gesetz bezeichnet. Für Alle definierten Variablen finden in der Statik
die Normalspannungen O'xx oder für die Schub- der Tragwerke Verwendung und besitzen nach
spannungen 'txz eines beliebigen Tragwerks- DIN 1080, Teil 2 feststehende Bezeichnungen.
punktes P(x,z) bedeutet dies Abbildung 1.5-18 stellt sie in formänderungsar-
beitsfähiger Zuordnung zusammen.
O'xx (x,z) = E Exx (x,z),
(1.5.51)
'txz (x,z) =G Yxz (x,z) ,
Stabtheorie nach Timoshenko. Einen Überblick
vgl. 1.5.1.3. über alle bisher definierten Variablen und her-
Durch Substitution der Grundbeziehungen geleiteten Transformationen gestattet das Sche-
(1.5.51) in die Schnittgrößendefinitionen erhält ma [Tonti 1975] inAbb.l.5-19.Sein Gerippe bil-
man: den die durch Ellipsen eingerahmten matriziel-
- Reine Dehnung: Exx =E len Variablen - Kraftgrößen links, Weggrößen
rechts, äußere Variablen oben, innere unten - so-
N= f axxdA= f BExxdA=EEf dA=EAE wie die durch Rechtecke umrahmten Transfor-
A A A mationen: Der Differential-Gleichgewichtsope-
(1.5.52) rator Denach (1.5.45), der Differential-Kinema-
tikoperator Dk nach (1.5.49) und der algebrai-
-Reine Biegung: Exx(z)= dq> z=KZ
dx sche Elastizitätsoperator E nach (1.5.56). Ge-

=JO"xx(z)zdA =JBExx(z)zdA
genüber den Herleitungen ist das Schema durch
M mögliche Randvorgaben ergänzt.
A A
(1.5.53