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Michael Stahr (Hrsg.

Bausanierung
Michael Stahr (Hrsg.)

Bausanierung
Erkennen und Beheben von Bauschäden
4., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage
Mit 547 Abbildungen und 145 Tabellen

Die Autoren:
Friedhelm Hensen, Hilmar Kolbmüller,
Michael Stahr, Jürgen Weber, Uwe Wild

PRAXIS
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
<http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

1. Auflage 1999
2. Auflage 2002
3. Auflage 2004
4., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage 2009
Alle Rechte vorbehalten
© Vieweg +Teubner | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009
Lektorat: Karina Danulat | Sabine Koch
Vieweg +Teubner ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media.
www.viewegteubner.de
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berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im
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von jedermann benutzt werden dürften.
Technische Redaktion: Dipl.-Vw. Annette Prenzer, Wiesbaden
Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg
Druck und buchbinderische Verarbeitung: MercedesDruck, Berlin
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier.
Printed in Germany
ISBN 978-3-8348-0246-0
Vorwort zur 4. Auflage

Innerhalb von weniger als 10 Jahren erscheint die nunmehr 4. Auflage in einem inhaltlich
vollständig überarbeiteten Neuaufbau.
Die bisherigen Kapitel sind in der Struktur beibehalten, aber aktualisiert, konkretisiert, illust-
riert und teilweise neu gefasst (Bauteile in Erdreich, Schornsteine, Holzbau. Gestrafft wurde
das Kapitel Dächer. Stark erweitert wurde auf Grund der positiven Resonanz in den bisherigen
Auflagen das Kapitel Bautechnischer Artenschutz. Neu hinzugekommen sind die Kapitel Me-
tallbauteile, Ökologisches Bauen und EnEV.
Ein besonderes Bedürfnis von Herausgeber und Verlag ist es, an dieser Stelle unseres verstor-
benen Autors, Herrn StR.-Ing Karl-Heinz Pfestorf zu gedenken, der durch seine fachliche
Kompetenz wesentlich zum Gelingen des Buches beigetragen hat.
Mein Dank gilt wiederum den Mitautoren, dem Lektorat Bauwesen des Verlags Vie-
weg+Teubner und allen Fachkollegen und Institutionen, die unsere Arbeit in Form von Abbil-
dungen, technischen Unterlagen und konstruktiven Hinweisen unterstützt haben. Möge der
Leser auch die vorliegende Auflage mit Interesse aufnehmen und durch Anregungen die Wei-
terentwicklung fördern.
Leipzig, im Januar 2009 Michael Stahr

Vorwort zur 3. Auflage


Die vorliegende 3. Auflage wurde aktualisiert und um das Kapitel „Zusammenstellung von
Regelwerken DIN – ÖNORM – EC – EN“ erweitert.
Nachdem das Werk durch das Österreichische Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur zur Aufnahme in den Anhang zur Schulbuchliste für die Höheren technischen und
gewerblichen Lehranstalten empfohlen wurde, war diese Zusammenstellung der deutschen und
österreichischen Regelwerke dringend erforderlich.
Bedanken möchte ich mich bei unseren Lesern, die die 2. Auflage mit großer Resonanz aufge-
nommen haben, sodass schon nach 2 Jahren die 3. Auflage erscheinen kann.
Mein Dank gilt auch den Autoren, dem Vieweg Verlag , Allen, die unsere Arbeit durch die zur
Verfügung gestellten Abbildungen und technischen Unterlagen oder durch konstruktive Anre-
gungen unterstützt haben.
Leipzig, im April 2004 Michael Stahr
VI Vorwort

Vorwort zur 2. Auflage


In der vorliegenden vollständig überarbeiteten 2. Auflage wurde sowohl die Entwicklung der
Bausanierung in den nächsten Jahren, als auch die zu erwartenden wissenschaftlich-
technischen Innovationen insbesondere im Rahmen der europäischen Harmonisierung einbe-
zogen. Alle Kapitel sind komplett überarbeitet, die zeichnerische Qualität verbessert, aktuelle
Bilder eingefügt und das neue Normenwerk berücksichtigt. Völlig neu gefasst wurden die
Kapitel: Bauzustandsanalyse, Planungsabläufe, Beton- und Stahlbeton, Bauteile im Erdreich,
Wände und Fassaden, Decken und Putze. Eine neue Erkenntniss besteht darin, dass 70 bis
90 % der sanierungsbedürftigen Bauwerke über Ansiedlung geschützter, gebäudeabhängiger
Tierarten verfügen. Die Aufnahme eines gesonderten Kapitels „Bautechnischer Artenschutz“
war daher ein notwendiges Erfordernis. Danken möchte ich dem Vieweg Verlag, den Autoren,
Unternehmungen und Privatpersonen für ihre wiederum konstruktive Unterstützung. Möge die
2. Auflage der „Bausanierung“ wieder auf breites Leserinteresse stoßen. Weitere Anregungen
werden dankend entgegengenommen.
Leipzig, im Januar 2002 Michael Stahr

Vorwort
Bei der ersten Auflage des Buches ließen sich die Autoren von der Absicht leiten, allen in
mittleren Ebenen des Bauwesens Tätigen, wie Meistern, Technikern, Kalkulatoren und Fach-
arbeitern, die vorwiegend mit Sanierungsarbeiten beschäftigt sind, aber auch Lehrern an Bau-
gewerkeschulen, Studenten, Auszubildenden, vor allem aber „Häuslebauern“ ein Nachschla-
gewerk in die Hand zu geben, welches über die Konstruktion, Bau- und Werkstoffe, vor allem
aber über praktische Erfahrungen, Regeln und Lösungsmöglichkeiten in leicht verständlicher
Form, Aufschluß zu geben. Praxisbezogene Hinweise über einen zielgerichteten und angemes-
senen Werkstoffeinsatz sind im Text eingestreut. Unnötige Verluste an baulich erhaltenswerten
Gebäuden und vermeidbare Bauschäden entstehen immer noch durch unzureichendes Wissen
der Planenden und Ausführenden insbesondere im Zuge von kostspieligen Sanierungsmaß-
nahmen am alten Baubestand.
Die Darlegungen sind im Rahmen der Möglichkeiten des Buches komplex gehalten, um einer
sinnvollen Verbindung zwischen Sanierung und Altbausubstanz und modernen Anforderungen
des Neubaugeschehens Rechnung zu tragen. Aus diesem Grund sind besonders solche Bauteile
hervorgehoben, welche bei Sanierungsarbeiten alltäglich in Stadt und Land zur Ausführung
gelangen, aber auch solchen Bauwerken Aufmerksamkeit geschenkt, die zwar als Neubauten
gelten, aber dennoch, vor allem beim Einsatz neu entwickelter Baustoffe oder den immer mehr
zur Anwendung gelangenden Kombinationswerkstoffen ständiger „Pflege“ bedürfen.
Für die konstruktive Mitarbeit möchte ich mich beim Vieweg Verlag, den Autoren, sowie den
Unternehmungen und Privatpersonen, die mich durch die Zurverfügungstellung von Techni-
schen Arbeitsblättern, Prospekten, Folien und Abbildungen unterstützten, bedanken. Besonde-
rer Dank gilt meiner langjährigen Mitarbeiterin, Frau Ing.-Oec. Angelika Krauß, die mit ge-
wohnter Zuverlässigkeit und fachlicher Kompetenz die Fertigstellung des Manuskriptes be-
sorgte. Möge die vorliegende Arbeit sich als willkommenes Hilfsmittel bei Sanierungswilligen
und -verpflichteten erweisen.
Leipzig, im Mai 1999 Michael Stahr
Inhaltsverzeichnis

1 Bauzustandsanalyse...................................................................................................... 1
1.1 Vorbemerkung ......................................................................................................... 1
1.2 Historische Zusammenhänge zwischen Sanierung und Denkmalspflege................ 1
1.3 Begriffe von A–Z .................................................................................................... 3
1.4 Bestandsdauer von Gebäuden.................................................................................. 6
1.4.1 Bestandsdauer als Funktion der Zeit ......................................................... 6
1.4.2 Bauzustandsstufen ..................................................................................... 8
1.4.3 Bewertung der Bestandsdauer ................................................................... 8
1.5 Gebäudegliederung.................................................................................................. 9
1.6 Schadenscharakteristika........................................................................................... 9
1.6.1 Einfluss des Baujahres auf Schadenscharakteristik ................................... 9
1.6.2 Ursachen der Schäden an Gebäuden ....................................................... 10
1.7 Schadensverursacher ............................................................................................. 13
1.7.1 Verursachergruppen ................................................................................ 13
1.7.2 Schadensschwerpunkte............................................................................ 14
1.7.3 Physikalisch-technische Schadensursachen............................................. 15
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes ........................................................................... 21
1.8.1 Wertung ausgewählter Daten................................................................... 21
1.8.2 Arbeitsfolge ............................................................................................. 22
1.8.3 Auswahl technischer Geräte .................................................................... 23
1.8.4 Muster eines Formblattes zur Beurteilung des baulichen Zustandes....... 24
1.9 Bildquellenverzeichnis .......................................................................................... 32

2 Planungsabläufe ........................................................................................................... 33
2.1 Sanierungskonzept................................................................................................. 33
2.1.1 Inhalt........................................................................................................ 33
2.1.2 Erschließung des Grundstückes:.............................................................. 34
2.1.3 Beurteilung der Bauwerksteile und baulichen Anlagen .......................... 34
2.1.4 Bautechnische Maßnahmen ..................................................................... 34
2.1.5 Funktionsänderungen .............................................................................. 35
2.1.6 Einschätzung des Finanzbedarfs.............................................................. 35
2.1.7 Beurteilung .............................................................................................. 36
2.2 Entwurfsplanung.................................................................................................... 37
2.3 Genehmigungsplanung .......................................................................................... 48
VIII Inhaltsverzeichnis

2.4 Antrag auf Baugenehmigung ................................................................................. 48


2.5 Ausführungsplanung.............................................................................................. 51
2.6 Bauüberwachung ................................................................................................... 52
2.6.1 Bautechnik ............................................................................................... 52
2.6.2 Arbeitsschutz ........................................................................................... 52
2.7 Bildquellenverzeichnis........................................................................................... 52

3 EnEV und Bauen im Bestand ....................................................................................53


3.1 Entwicklung der Energieeinsparverordnung (EnEV) ............................................ 53
3.2 Inhalt der Energieeinsparverordnung (EnEV) ....................................................... 54
3.3 Vorplanung ............................................................................................................ 54
3.3.1 Anforderungen an bestehende Gebäude .................................................. 54
3.3.2 Wärmebrücken......................................................................................... 57
3.3.3 Vor-Ort-Energieberatung......................................................................... 58
3.4 Neue Anforderungen an alte Gebäude................................................................... 58
3.4.1 Anforderungen an Wohngebäude............................................................ 59
3.4.2 Anforderungen an Nichtwohngebäude .................................................... 59
3.4.3 Energieausweise ...................................................................................... 60
3.5 Energetische Sanierung ......................................................................................... 62
3.5.1 Innendämmung ........................................................................................ 62
3.5.2 Beispiel Mehrfamilienhaus (erbaut ca. 1900).......................................... 64
3.5.3 Beispiel Ertüchtigung einer Außenwand ................................................. 65
3.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter.......................................................................... 67
3.7 Bildquellenverzeichnis........................................................................................... 68

4 Natursteinrestaurierung..............................................................................................69
4.1 Natursteine als Baustoff......................................................................................... 70
4.1.1 Gesteinsarten und Einteilung ................................................................... 70
4.1.2 Bedeutung des Natursteins im Bauwesen ................................................ 73
4.1.3 Natursteinbearbeitung.............................................................................. 75
4.1.4 Natursteinmauerwerk............................................................................... 77
4.2 Schadensursache – Schadensbilder........................................................................ 77
4.2.1 Verwitterungswirksame Faktoren............................................................ 77
4.2.2 Schadensbilder......................................................................................... 80
4.2.3 Schadensursachen .................................................................................... 82
4.2.4 Schadensrelevante Gesteinseigenschaften ............................................... 84
4.3 Schadensdokumentation ........................................................................................ 88
4.3.1 Bestandsaufnahme ................................................................................... 88
4.3.2 Arbeitsbereiche der Bestandserfassung und Bewertung.......................... 89
4.4 Instandsetzungsmaßnahmen .................................................................................. 92
4.4.1 Maßnahmenkatalog.................................................................................. 92
4.4.2 Handwerklicher Steinaustausch............................................................... 96
Inhaltsverzeichnis IX

4.4.3 Steinergänzung mit Restauriermörteln .................................................... 97


4.4.4 Verfugung.............................................................................................. 100
4.4.5 Vermörtelung......................................................................................... 102
4.5 Reinigung, Imprägnierung, Entsalzung ............................................................... 102
4.5.1 Reinigung und Reinigungsverfahren ..................................................... 102
4.5.2 Hydrophobierende Imprägnierungen..................................................... 105
4.5.3 Verfestigende Imprägnierungen ............................................................ 109
4.5.4 Entsalzen von Naturstein ....................................................................... 110
4.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 110
4.7 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 113

5 Beton- und Stahlbeton .............................................................................................. 115


5.1 Problemstellung – Abgrenzung ........................................................................... 115
5.2 Werkstoffeigenschaften des Betons und Stahlbetons .......................................... 116
5.3 Schadensursachen – Schadensbilder – Schadensbewertungen............................ 122
5.4 Methoden der Schadensuntersuchung ................................................................. 133
5.5 Instandsetzungsmaßnahmen ................................................................................ 139
5.6 Nachträglich bearbeitete Betonflächen................................................................ 144
5.7 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 147
5.8 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 147

6 Holzkonstruktionen....................................................................................................... 149
6.1 Holz – ein bewährter Baustoff............................................................................. 149
6.2 Anwendung im Bauwesen ................................................................................... 152
6.3 Ursachen der Holzzerstörung .............................................................................. 155
6.3.1 Holzzerstörende Pilze ............................................................................ 155
6.3.2 Holzverfärbende Pilze ........................................................................... 159
6.3.3 Holzzerstörende Insekten ...................................................................... 160
6.3.3.1 Erscheinungsformen .............................................................. 160
6.3.3.2 Trockenholzinsekten.............................................................. 161
6.3.3.3 Frischholzinsekten ................................................................. 163
6.3.3.4 Faulholzinsekten: ................................................................... 163
6.3.4 Witterungseinflüsse ............................................................................... 164
6.4 Holzfehler ............................................................................................................ 164
6.5 Risse im Holz....................................................................................................... 165
6.6 Gefährdungsklassen (Gebrauchsklassen) ............................................................ 168
6.7 Dauerhaftigkeitsklassen....................................................................................... 170
6.8 Aufgaben des baulichen und vorbeugenden chemischen Holzschutzes .............. 171
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz ............................................................. 171
6.9.1 Schutz gegen Niederschläge und Spritzwasser...................................... 171
6.9.2 Schutz gegen Feuchtigkeit aus Erdreich oder angrenzenden
Baustoffen.............................................................................................. 174
X Inhaltsverzeichnis

6.9.3 Schutz gegen Tauwasser/Luftdichtheit.................................................. 174


6.9.4 Feuchteschutz ........................................................................................ 176
6.10 Chemischer Holzschutz ....................................................................................... 180
6.10.1 Holzschutzmittelverteilung.................................................................... 182
6.10.2 Einbringverfahren.................................................................................. 182
6.10.3 Grundsätze ............................................................................................. 183
6.10.4 Ausführung ............................................................................................ 183
6.10.5 Praxisregeln ........................................................................................... 183
6.10.6 Auswahl ................................................................................................. 184
6.10.7 Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Holzschutzmitteln................. 187
6.11 Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen und Insekten ..................................... 189
6.11.1 Grundlegendes ....................................................................................... 189
6.11.2 Voraussetzungen für Bekämpfungsmaßnahmen.................................... 190
6.11.3 Chemische Bekämpfungsmittel ............................................................. 192
6.11.4 Zusammenstellung von Schäden an Hölzern und holzhaltigen
Baustoffen.............................................................................................. 192
6.12 Entscheidungskriterien für Holzschutzmaßnahmen............................................. 195
6.12.1 Schadensfeststellung.............................................................................. 195
6.12.2 Schadenskatalog (Untersuchungsbericht).............................................. 196
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten ..................................................... 197
6.13.1 Handwerkliche Techniken und Materialien........................................... 197
6.13.2 Innenausbau-Details .............................................................................. 203
6.13.3 Sanierung von Außenbauteilen.............................................................. 205
6.14 Entwicklungstendenzen ....................................................................................... 210
6.15 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 211
6.16 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 214

7 Metallbauteile ................................................................................................................215
7.1 Begriff – Ursachen – Vorgänge der Korrosion.................................................... 215
7.2 Werkstoffe ........................................................................................................... 218
7.3 Sanierung von Metalldächern .............................................................................. 220
7.3.1 Grundsätze ............................................................................................. 220
7.3.2 Entscheidungsaspekte für Metalldeckungen.......................................... 221
7.3.3 Technisch-wirtschaftlicher Aspekt ........................................................ 221
7.3.4 Denkmalpflegerische Aspekte ............................................................... 222
7.3.5 Deckung mit historischem Material....................................................... 222
7.3.6 Metallornamentik auf Dächern .............................................................. 227
7.4 Sanierung von Fassaden ...................................................................................... 229
7.4.1 Grundsätze ............................................................................................. 229
7.4.2 Platten und Befestigungen ..................................................................... 231
7.4.3 Fassadensanierung mit Paneelen ........................................................... 231
7.5 Sanierung von Fußböden ..................................................................................... 232
Inhaltsverzeichnis XI

7.6 Geländer – Gitter ................................................................................................. 236


7.7 Sanierungsbeispiel Stein – Holz .......................................................................... 241
7.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 244
7.9 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 244

8 Bauteile im Erdreich .................................................................................................. 247


8.1 Vorbemerkung ..................................................................................................... 247
8.2 Fundamente ......................................................................................................... 250
8.2.1 Einzelfundamente .................................................................................. 252
8.2.2 Streifenfundamente................................................................................ 253
8.2.3 Balken- und Plattengründung ................................................................ 253
8.2.4 Pfeilergründung ..................................................................................... 254
8.2.5 Pfahlgründung ....................................................................................... 254
8.2.6 Brunnen- und Senkkastengründung ...................................................... 256
8.2.7 Flankierende Maßnahmen ..................................................................... 256
8.3 Bodenplatten........................................................................................................ 257
8.3.1 Grundsätzliches ..................................................................................... 257
8.3.2 Thermische Problemstellungen ............................................................. 257
8.3.3 Feuchtetechnische Problemstellungen................................................... 258
8.3.4 Konstruktionsbeispiele .......................................................................... 259
8.4 Außenwände (erdberührt).................................................................................... 260
8.4.1 Grundlagen und Konstruktion ............................................................... 260
8.4.2 Bauwerksabdichtung ............................................................................. 262
8.4.3 Dränanlagen........................................................................................... 271
8.5 Innenwände.......................................................................................................... 274
8.6 Freistehende Mauern ........................................................................................... 274
8.7 Überschüttete Decken- und Gewölbekonstruktionen .......................................... 276
8.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 280
8.9 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 280

9 Wände............................................................................................................................. 281
9.1 Wandfunktionen .................................................................................................. 281
9.2 Wandarten............................................................................................................ 283
9.3 Wandkonstruktionen............................................................................................ 285
9.3.1 Außenwandkonstruktionen.................................................................... 287
9.3.2 Innenwandkonstruktionen ..................................................................... 294
9.4 Fassaden .............................................................................................................. 295
9.5 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 302
XII Inhaltsverzeichnis

10 Dächer.............................................................................................................................303
10.1 Konstruktive Vorbemerkungen............................................................................ 303
10.2 Geneigte Dächer (Steildächer)............................................................................. 306
10.2.1 Prinzip.................................................................................................... 306
10.2.2 Wärmedämmbaustoffe........................................................................... 308
10.2.3 Belüftetes – oder Kaltdach..................................................................... 310
10.2.4 Unbelüftetes – oder Warmdach ............................................................. 312
10.2.5 Aufsparrendämmung (oberhalb der Sparren) ........................................ 313
10.2.6 Zwischensparrendämmung .................................................................... 315
10.2.7 Dämmung unter dem Sparren ................................................................ 316
10.2.8 Spezielle Konstruktionen....................................................................... 318
10.2.9 Altbausanierung mit dem Dämmkeil ..................................................... 318
10.2.10 Dämmen mit EPS-Elementen ................................................................ 322
10.3 Flachdächer.......................................................................................................... 327
10.4 Gründächer .......................................................................................................... 329
10.5 Dachgeschossausbau............................................................................................ 332
10.5.1 Dachgeschossdeckendämmung ............................................................. 332
10.5.2 Ausgebaute Dachgeschosse ................................................................... 333
10.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 336
10.7 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 337

11 Decken ............................................................................................................................339
11.1 Allgemeines ......................................................................................................... 339
11.2 Konstruktionsarten der Decken ........................................................................... 339
11.3 Sanierung von Decken......................................................................................... 343
11.4 Fußböden ............................................................................................................. 345
11.5 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 348

12 Feuerungsanlagen..........................................................................................................349
12.1 Feuerstätten.............................................................................................................. 350
12.1.1 Offene Kamine....................................................................................... 351
12.1.2 Heizkamine ............................................................................................ 351
12.1.3 Kaminöfen ............................................................................................. 352
12.1.4 Grund- und Einsatzöfen......................................................................... 353
12.1.5 Specksteinöfen....................................................................................... 356
12.1.6 Herde ..................................................................................................... 358
12.2 Schornsteine......................................................................................................... 358
12.2.1 Einführung ............................................................................................. 359
12.2.2 Schornsteinarten .................................................................................... 360
12.2.3 Sanierungsverfahren von Schornsteinmauerwerk ................................. 361
12.2.4 Sanieren von Schornsteinköpfen ........................................................... 362
Inhaltsverzeichnis XIII

12.2.5 Sanierungssystem bei Schrägführung von Schornsteinen ..................... 363


12.2.6 Sanierungsverfahren mit Querschnittsanpassung .................................. 364
12.2.7 Schornsteine für raumluftunabhängigen Heizbetrieb ............................ 366
12.2.8 Mehrschalige Keramik-Schornsteinsysteme.......................................... 368
12.2.9 Kunststoffabgasleitungen und Poly-Abgasleitungen aus Polymer-
werkstoffen ............................................................................................ 369
12.3 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 370
12.4 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 371

13 Treppen .......................................................................................................................... 373


13.1 Aufgaben – Planungsvorschriften – Begriffe ...................................................... 373
13.1.1 Aufgaben ............................................................................................... 373
13.1.2 Planungsvorschriften ............................................................................. 375
13.1.3 Begriffe.................................................................................................. 378
13.2 Innentreppen ........................................................................................................ 383
13.2.1 Konstruktionsgrundsätze ....................................................................... 383
13.2.2 Innentreppenarten .................................................................................. 385
13.2.3 Wartungs- und Reparaturarbeiten.......................................................... 387
13.3 Außentreppen ...................................................................................................... 388
13.3.1 Konstruktionsgrundsätze ....................................................................... 388
13.3.2 Stahltreppen........................................................................................... 388
13.3.3 Betontreppen.......................................................................................... 391
13.3.4 Außen- und Holztreppen ....................................................................... 392
13.3.5 Gartentreppen ........................................................................................ 393
13.4 Bodentreppen....................................................................................................... 395
13.5 Treppen – Sonderformen ..................................................................................... 396
13.5.1 Wendeltreppen....................................................................................... 396
13.5.2 Spindeltreppen....................................................................................... 397
13.6 Geländer und Handläufe...................................................................................... 398
13.6.1 Geländer ................................................................................................ 398
13.6.2 Handläufe .............................................................................................. 399
13.7 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 400

14 Fenster .......................................................................................................................... 401


14.1 Gestalterische und technische Aspekte................................................................ 402
14.1.1 Fenster als Bestandteil der Architektur.................................................. 402
14.1.2 Integration der Fenster in die vorhandene Bausubstanz ........................ 402
14.1.3 Fragenkatalog zur architektonischen Fenstergestaltung ........................ 403
14.1.4 Wärme- und Schallschutz...................................................................... 404
14.1.4.1 Wärmeschutz ......................................................................... 404
14.1.4.2 Schallschutz ........................................................................... 409
XIV Inhaltsverzeichnis

14.2 Kriterien zur Werkstoff-, Systemauswahl und zur Gütebestimmung .................. 410
14.2.1 Werkstoff- und Systemauswahl............................................................. 410
14.2.2 Güterichtlinien ....................................................................................... 413
14.3 Formen, Arten und Typen von Fenstern, Materialien.......................................... 416
14.3.1 Fensterformen ........................................................................................ 416
14.3.2 Funktionsbereiche.................................................................................. 417
14.3.3 Fenster aus Holz .................................................................................... 418
14.3.4 Fenster aus Kunststoff ........................................................................... 422
14.3.5 Fenster aus Holz mit Kunststoff ............................................................ 429
14.3.6 Fenster aus Aluminium.......................................................................... 432
14.3.7 Fenster aus Aluminium im Verbund mit Holz und Kunststoff .............. 434
14.4 Dachflächenfenster – Dachwohnraumfenster ...................................................... 435
14.4.1 Grundformen/Fenstertypen.................................................................... 435
14.4.2 Konstruktionsgrundsätze/Vorplanung ................................................... 437
14.4.2.1 Vorplanung ............................................................................ 437
14.4.2.2 Fenstergröße........................................................................... 439
14.4.2.3 Beachtung der Bauphysik ...................................................... 440
14.4.2.4 Material- und Produkteigenschaften ...................................... 440
14.4.2.5 Luft- und Dampfdichtheit ...................................................... 440
14.4.2.6 Brand- und Schallschutz ........................................................ 441
14.4.2.7 Ausführungsfehler ................................................................. 441
14.5 Fenstersicherheit .................................................................................................. 441
14.5.1 Verbundsicherheitsglas (VSG) .............................................................. 443
14.5.2 Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) ....................................................... 443
14.5.3 Offene und verdeckte Beschläge ........................................................... 444
14.5.4 Verschlussüberwachung ........................................................................ 445
14.5.5 Brüstungshöhen ..................................................................................... 445
14.6 Details am Fenster ............................................................................................... 445
14.6.1 Sprossen................................................................................................. 445
14.6.2 Rollläden................................................................................................ 448
14.6.3 Fensterläden........................................................................................... 448
14.7 Fenstereinbau....................................................................................................... 449
14.7.1 Anschlussfugen...................................................................................... 449
14.7.2 Befestigung/Lastabtragung .................................................................... 452
14.7.3 Planerische Vorleistung ......................................................................... 454
14.8 Restaurierung von Bestandsfenstern.................................................................... 454
14.8.1 Berücksichtigung der Detailausbildung bei der Restaurierung ...................
und Modernisierung............................................................................... 454
14.8.2 Konstruktionsfehler – Instandsetzung ................................................... 455
14.8.3 Oberflächenbehandlung......................................................................... 456
14.9 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 459
14.10 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 462
Inhaltsverzeichnis XV

15 Türen und Tore ............................................................................................................. 465


15.1 Anforderungen und Arten.................................................................................... 466
15.1.1 Grundanforderungen an Türen .............................................................. 466
15.1.2 Arten ...................................................................................................... 469
15.2 Außentüren – Haustüren – Innentüren................................................................. 471
15.2.1 Konstruktionsprinzipien ........................................................................ 471
15.2.2 Türen in Holzbauweise.......................................................................... 473
15.2.3 Türen aus Kunststoff ............................................................................. 474
15.2.4 Türen aus Aluminium............................................................................ 475
15.2.5 Türen aus Werkstoffkombinationen ...................................................... 475
15.2.6 Innentüren.............................................................................................. 478
5.2.7 Türliste................................................................................................... 480
15.3 Konstruktionsdetails ............................................................................................ 481
15.3.1 Einbruchhemmung................................................................................. 481
15.3.2 Türdichtungen........................................................................................ 487
15.3.3 Beschläge – Schlösser – Griffe.............................................................. 489
15.3.4 Verglasung............................................................................................. 491
15.4 Türen mit besonderen konstruktiven und ästhetischen Anforderungen .............. 491
15.5 Tore...................................................................................................................... 492
15.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 495
15.7 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 495

16 Fugen .............................................................................................................................. 497


16.1 Fugenarten ........................................................................................................... 497
16.1.1 Aufgaben ............................................................................................... 497
16.1.2 Begriffe.................................................................................................. 497
16.1.3 Fugenbewegungen................................................................................. 500
16.1.4 Fugenverbindungen ............................................................................... 501
16.2 Anforderungen an die Fugen ............................................................................... 504
16.2.1 Bautechnische Forderungen .................................................................. 504
16.2.2 Bauphysikalische Forderungen.............................................................. 505
16.2.3 Anforderungen an die Fugenabdichtung ............................................... 506
16.2.4 Fugendichtung ....................................................................................... 507
16.3 Fugenbänder ........................................................................................................ 509
16.3.1 Arten und Anforderungen...................................................................... 509
16.3.2 Dichtungsprinzipien .............................................................................. 510
16.3.3 Ausführungsarten .................................................................................. 511
16.3.4 Stoffgrundlagen für Fugenbänder.......................................................... 513
16.4 Außenwandfugen................................................................................................. 514
16.4.1 Arten von Außenwandfugen.................................................................. 514
16.4.2 Ausbildung der Außenwandfugen......................................................... 516
XVI Inhaltsverzeichnis

16.4.3 Verarbeitung der Dichtmassen............................................................... 519


16.4.4 Fugenkreuze........................................................................................... 520
16.5 Beispiele für Sanierungsarbeiten ......................................................................... 521
16.5.1 Grundlagen der Fugensanierung............................................................ 521
16.5.2 Sanierung von Ziegel- oder Klinkerverblendflächen............................. 522
16.5.3 Nachträgliche Verfug-Technik .............................................................. 524
16.5.4 Sanierung älterer Fugen......................................................................... 525
16.5.5 Unterscheidungsmerkmale bei der Fugeninstandsetzung ...................... 526
16.5.6 Sanierung von defekten Fugenbändern ................................................. 526
16.5.7 Sanierung von Fugen mit Fugendichtungsmassen................................. 527
16.5.8 Sanierung mit aufklebbaren Dichtstoffbändern ..................................... 528
16.5.9 Sonderlösungen ..................................................................................... 528
16.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 530
16.7 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 530

17 Putze................................................................................................................................531
17.1 Schadenserscheinung an Putzen .......................................................................... 532
17.1.1 Funktionsfehler...................................................................................... 533
17.1.2 Projektionsfehler.................................................................................... 534
17.1.3 Ausführungsfehler ................................................................................. 535
17.2 Erkennen und Beurteilen von Schäden................................................................ 535
17.3 Verarbeiten – Putzmörtel – Mörtelgruppen ......................................................... 544
17.3.1 Konstruktive und technische Vorarbeiten.............................................. 544
17.3.2 Arten und Lieferformen von Putzmörteln ............................................. 550
17.3.3 Putzmörtelgruppen................................................................................. 550
17.4 Vorbereitung des Putzuntergrundes..................................................................... 553
17.5 Einsatz von Kunstharzen und Dämmstoffen........................................................ 556
17.5.1 Kunstharze ............................................................................................. 556
17.5.2 Dämmstoffe ........................................................................................... 557
17.6 Wärmedämmverbundsystem................................................................................ 558
17.6.1 Konstruktive Erfordernisse.................................................................... 558
17.6.2 Systemaufbau eines Wärmedämmverbundsystems ............................... 559
17.7 Putzsysteme ......................................................................................................... 562
17.7.1 EPS-Wärmedämmputzsystem (expandiertes Polystyrol) ...................... 562
17.7.2 Maschinelle Putzverarbeitung................................................................ 563
17.7.3 Sanierputz .............................................................................................. 564
17.7.4 Putze auf Leichtmauerwerk ................................................................... 565
17.7.5 Putze gegen feuchtes salzhaltiges Mauerwerk....................................... 566
17.8 Oberflächenschutzmaßnahmen ............................................................................ 567
17.8.1 Imprägnierungen.................................................................................... 568
17.8.2 Versiegelungen ...................................................................................... 568
17.8.3 Farblose Sperranstriche ......................................................................... 569
Inhaltsverzeichnis XVII

17.8.4 Strukturierte Putzoberflächen ................................................................ 569


17.9 Verbesserung des vorhandenen Putzes................................................................ 571
17.10 Hinweise zur Systemauswahl und zur Putzverarbeitung ..................................... 572
17.11 Putzgestaltung durch Ziehen von Profilen........................................................... 575
17.11.1 Bedeutung und Aufgaben von Profilen ................................................. 575
17.11.2 Abnahme des alten Profils..................................................................... 576
17.11.3 Herstellen von Zugschablonen .............................................................. 576
17.11.4 Handwerkliche Ausführung................................................................... 578
17.11.5 Besondere Profilformen......................................................................... 581
17.12 Sgraffitotechnik ................................................................................................... 582
17.13 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 583
17.14 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 584

18 Anstrichstoffe................................................................................................................. 585
18.1 Bestandteile der Anstrichstoffe............................................................................ 585
18.1.1 Bindemittel ............................................................................................ 585
18.1.2 Pigmente ................................................................................................ 586
18.1.3 Lackfarben............................................................................................. 587
18.1.4 Dispersionsfarben .................................................................................. 588
18.1.5 Silikatfarben .......................................................................................... 588
18.1.6 Silikonharzfüllfarbe ............................................................................... 589
18.1.7 Unterschiede der Trocknung und Erhärtung ......................................... 589
18.1.8 Anstrichaufbau ...................................................................................... 590
18.1.9 RAL – Design-System-Farbatlas........................................................... 590
18.2 Ursachen der häufigsten Schadensfolgen ............................................................ 592
18.2.1 Schadenseinschätzung ........................................................................... 592
18.2.2 Ursache von Anstrichschäden ............................................................... 592
18.3 Anforderungen an Beschichtungsuntergründe .................................................... 593
18.3.1 Voraussetzungen und Forderungen an Beschichtungsuntergründe....... 593
18.3.2 Allgemeine Voraussetzungen für eine Beschichtung ............................ 594
18.3.3 Untergrundeinteilung............................................................................. 594
18.3.4 Übersicht über Beschichtungssysteme auf mineralischen Untergründen596
18.4 Reparaturmaterialien, Arten und Anwendungen ................................................. 597
18.4.1 Reparaturmaterialienarten...................................................................... 597
18.4.2 Werkstoffe ............................................................................................. 598
18.5 Neubeschichtung mit Anstrichstoffen ................................................................. 600
18.5.1 Schichtenaufbau .................................................................................... 601
18.5.2 Haftungsfestigkeitsprüfung ................................................................... 602
18.6 Beschichtung auf Altanstrichen........................................................................... 602
18.6.1 Überholungsanstriche ............................................................................ 602
18.6.2 Erneuerungsanstrich .............................................................................. 603
18.6.3 Duplexsysteme....................................................................................... 604
XVIII Inhaltsverzeichnis

18.6.4 Deckende Anstriche mit Aufhelltechnik................................................ 605


18.6.5 Anwendung alter Maltechniken............................................................. 605
18.7 Schadensanalyse .................................................................................................. 606
18.7.1 Schäden an kalk- und zementgebundenen Anstrichen .......................... 607
18.7.2 Schäden an Silikatfarbanstrichen........................................................... 608
18.7.3 Schäden an Leimfarbanstrichen............................................................. 609
18.7.4 Schäden an Dispersionsfarbenanstrichen............................................... 611
18.7.5 Schäden an Anstrichen auf der Bindemittelgrundlage lufttrockener
Öle und Alkydharze............................................................................... 612
18.7.6 Schäden an Lack- und Lackfarbenanstrichen ........................................ 613
18.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 616
18.9 Bildquellenverzeichnis......................................................................................... 616

19 Ökologisches Sanieren...................................................................................................617
19.1 Umweltschonende Baustoffe ............................................................................... 618
19.1.1 Ökologische Grundsätze........................................................................ 618
19.1.2 Natürliche und biologische Baustoffe.................................................... 618
19.1.3 Auswahl- und Bewertungskriterien ....................................................... 620
19.2 Ökologische Sanierung von Baukonstruktionen.................................................. 622
19.2.1 Konstruktive Grundsätze ....................................................................... 622
19.2.2 Ökologische Konstruktionen ................................................................. 625
19.3 Gesund bauen und wohnen.................................................................................. 626
19.3.1 Erfassung und Beurteilung gebäudebedingter Schadstoffe ................... 626
19.3.2 Untersuchungen vor Sanierungsbeginn ................................................. 628
19.3.3 Baustoffe für den Innenraum ................................................................. 629
19.4 Energiegerechte Gebäudeplanung ....................................................................... 631
19.4 1 Konstruktive Grundlagen ...................................................................... 631
19.4.2 Niedrigenergiehaus ................................................................................ 633
19.4.3 Passivhaus.............................................................................................. 634
19.4.4 Energiesparhaus 60/40 (KfW) ............................................................... 643
19.5 Erneuerbare Energien .......................................................................................... 644
19.5.1 Stand – Prognose – Einsatz.................................................................... 644
19.5.2 Solarenergie ........................................................................................... 646
19.5.3 Solarthermie........................................................................................... 646
19.5.4 Photovoltaik........................................................................................... 650
19.6 Funktionsweise der solaren Stromgewinnung ..................................................... 653
19.6.1 Windenergie........................................................................................... 658
19.6.2 Biomasse................................................................................................ 660
19.6.3 Geothermie ............................................................................................ 662
19.6.4 Wasserkraft............................................................................................ 667
19.6.5 Nachwachsender Rohstoff Holz ............................................................ 668
19.7 Rückbau aus sanierungstechnologischer Sicht .................................................... 670
Inhaltsverzeichnis XIX

19.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter........................................................................ 673


19.9 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 674

20 Bautechnischer Artenschutz ................................................................................... 675


20.1 Artenschutz an Gebäuden – warum?................................................................... 675
20.2 Rechtsgrundlagen ................................................................................................ 676
20.3 Merkmale und Bedürfnisse geschützter Tiere ..................................................... 678
20.4 Allgemeine Anforderungen an Niststätten .......................................................... 688
20.5 Artenschutz am Bauwerk – Kosten-Risikoeinschätzung..................................... 689
20.6 Vorgehensweise für die artenschutzgerechte Altbausanierung ........................... 691
20.7 Artenschutzgerechte Gestaltung ausgewählter Bauteile...................................... 691
20.7.1 Im Hauptgesimsbereich ......................................................................... 691
20.7.1.1 Im Holzgesimskasten an ein- bis zweigeschossigen
Gebäuden ............................................................................... 691
20.7.1.2 Im hölzernen Hauptgesims mit großem Gesimskasten .......... 691
20.7.1.3 Im Steingesimsbereich mit nicht ausgebautem Dachboden... 693
20.7.2 Im Drempel............................................................................................ 694
20.7.2.1 Hinter dem Drempelmauerwerk bei nicht ausgebautem
Dachboden ............................................................................. 694
20.7.2.2 Im Drempelmauerwerk .......................................................... 695
20.7.3 Hinter Lüftungslöchern von Plattenbauten............................................ 696
20.7.4 In der Außendämmung von Plattenbauten ............................................ 697
20.7.5 Im Fensterbereich .................................................................................. 698
20.8 Argumentationshilfen für Bauherren und Baufachleute ...................................... 700
20.8.1 Belange der Denkmalpflege und Gestaltung ......................................... 700
20.8.2 Wärmebrücken beim Einbau in Außenmauern und Wärmedämmung .. 700
20.8.3 Kotverschmutzungen ............................................................................. 701
20.8.4 Ansiedlung verwilderter Haustauben .................................................... 702
20.8.5 Pflege, Wartung und Lebensdauer von Niststätten................................ 703
20.9 Artenschutzgerechte Vergrämung ....................................................................... 704
20.9.1 Visuelle Vergrämung............................................................................. 704
20.9.2 Akustische Vergrämung ........................................................................ 705
20.9.3 Elektrische Vergrämung ........................................................................ 706
20.9.4 Mechanische Vergrämung..................................................................... 706
20.10 Bildquellenverzeichnis ........................................................................................ 711

21 ÖNORMEN.................................................................................................................... 713

Literaturverzeichnis.............................................................................................................. 717

Sachwortverzeichnis.............................................................................................................. 721
1 Bauzustandsanalyse

1.1 Vorbemerkung

Eine Bauzustandsanalyse ist die Voraussetzung einer erfolgreichen Bausanierung.


Die Bausanierung hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie ist die Gesamtheit aller Maß-
nahmen an den Objekten, die dazu notwendig sind, Gebäude oder bauliche Anlagen entspre-
chend des Standes der Technik zu nutzen.
Bausanierung ist ökologisch sinnvoll, da sie weitgehend vorhandene Bauelemente nutzt.
Die Bausanierung hat gegenüber einem Neubau eine Besonderheit, die nicht übersehen werden
sollte. Sie hat einen zu bearbeitenden Gegenstand in Form eines Gebäudes oder einer bauli-
chen Anlage. Diese sollen erhalten bzw. verändert werden.
Der Erfolg einer Bausanierung hängt von der Analyse des Bestandes ab.

1.2 Historische Zusammenhänge zwischen Sanierung und


Denkmalspflege

Schon seit langer Zeit machen sich Architekten und Kunstinteressierte Gedanken über den
richtigen Umgang mit alter Bausubstanz. Bereits nach 1800 wurde die Tendenz zur unüberleg-
ten Zerstörung von Altbauten zugunsten neuer, oft nur historisierender (historisch aussehen-
der) Bauten diskutiert.
So sah sich der große Berliner Architekt Karl Friedrich SCHINKEL 1815 zu einer Denkschrift
veranlasst, welche die Schaffung von Bauämtern zur Bewahrung alter Baudenkmäler forderte.
Falls keine einschneidende Maßnahmen ergriffen würden, „werde man in kurzer Zeit unheim-
lich nackt und kahl, wie eine neue Kolonie in einem nicht bewohnten Land, dastehen“.
Fast ein Jahrhundert später forderte Hermann MUTHESIUS, der Mitbegründer des Werkbun-
des, eine bewusste, bewahrende Denkmalpflege.
Er wandte sich in seinem Memorandum zur Denkmalspflege. u. a. zum einen gegen die noch
um 1900 zutreffende Neigung, sanierungsbedürftige Altbauten durch neue Materialien und
teils entstellende Hinzufügungen zu „verschönern“. Zum anderen lehnte er die zeitgenössi-
sche Praxis ab, Altbauten erst abzureißen, um sie dann – nur noch in der Optik historisch,
nicht mehr in ihrem Wesen – neu aufzubauen. Das Ziel sollte es sein, Historisches zu bewah-
ren statt zu historisieren.
2 1 Bauzustandsanalyse

Bild 1-1 Schloss Charlottenhof Potsdam (geplant von K.F. Schinkel)

Die staatlichen Aktivitäten zur Erhaltung alter Bausubstanz konzentrierten sich im 19. Jahr-
hundert weitgehend auf Kirchen und staatliche Repräsentationsbauten.
Einen Fortschritt für die Denkmalspflege brachte der ab 1871 einsetzende wirtschaftliche und
bauliche Veränderungsdruck, der den Verlust alter Bausubstanz deutlich vor Augen führte.
Nach dem zweiten Weltkrieg entstand für den erhaltenen Gebäudebestand durch die Ge-
schwindigkeit der wirtschaftlichen Veränderungen eine nochmals grundlegende neue Situati-
on.
In den Städten waren die Kriegszerstörungen und der städtebauliche und architektonische
Modernisierungseifer der 60er und 70er Jahre dafür verantwortlich, dass zahlreiche alte Ge-
bäude verschwanden und durch moderne Bauten ersetzt wurden. Andere Gebäude wurden
ihres historischen Charakters beraubt. Auf dem Land brachte der ab 1950 einsetzende ökono-
mische Aufschwung und das Bedürfnis nach einem als städtisch empfundenen Wohnstil das
Verschwinden oder die Veränderung vieler alter Häuser und Bauernhöfe mit sich.
Vor diesem Hintergrund wurde der Denkmalschutz 1964 in der Charta von Venedig und 1969
in der Resolution von Brüssel als wichtige Aufgaben der europäischen Nationen verankert.
Ein sich immer weiter verbreitendes Nachdenken über die Erhaltung der ökologischen und
kulturellen Grundlagen der Existenz förderte auch die Erhaltung historischer Zeugnisse.
Der Erfolg gut betriebener Altbausanierung zeigt sich in vielen Städten, bei denen die erhalte-
nen und wieder hergestellten Gebäude zu lebenswerten und wirtschaftlich florierenden Innen-
städten beitrugen. Allerdings ist das Bewusstsein von Sinn und Vorteilen des Altbauerhalts
noch nicht überall verbreitet. Ergebnisse der Fehleinschätzung von Nutzen und Kosten der
Sanierung ist die in einigen Regionen besorgniserregende Ausmaße annehmende Tendenz
zum Abriss von meist sanierungsfähigen Altbauten.
Unbedachten Abrissen stehen auf der anderen Seite populäre Großprojekte wie der Aufbau
zerstörter Repräsentationsbauten gegenüber.
Insgesamt muss dem gelegentlich zu hörenden Vorurteil entgegengetreten werden, Denkmal-
ämter würden Bauherrn behindern. Vielmehr verstehen sich die Vertreter dieser Behörden bei
der Altbausanierung als Partner, die sich zusammen mit Bauherren und Planern mit fachlichem
1.3 Begriffe von A–Z 3

Rat und auch finanzieller Hilfe für den Erhalt von kulturellen Werten und für ein optimales
Sanierungsergebnis einsetzen. 1
Auch wenn in einigen Punkten unterschiedliche Vorstellungen bestehen, lassen sich in der
gemeinsamen Diskussion meist Lösungen finden, mit denen beide Seiten zufrieden sein kön-
nen.
Eine regelmäßige und fachgerechte Begutachtung der Gebäude und die sofortige Beseitigung
auch kleinster Schadensursachen sind die beste Gewähr zur Vermeidung des Verlustes wert-
voller Bausubstanz.

1.3 Begriffe von A–Z

Die Verständigung auf einheitliche Begriffen erscheint sinnvoll und sollte als eine Vorausset-
zung einer sach- und fachbezogenen Kommunikation aufgefasst werden. Teilweise ergeben
sich im Umgang mit den Begriffen Ähnlichkeiten der Bedeutung. Im Folgenden sei eine Aus-
wahl von Begriffen getroffen.

Abbruch
Totale Beseitigung eines Bauwerkes. Der Abbruch von Teilen ist als bautechnische Verände-
rung des Bauwerkes zu bewerten. Ein Abbruch kann zum Verlust des Bestandsschutzes füh-
ren.

Alterung
Veränderung von Baustoffeigenschaften nach Abschluss der Baustoffherstellung.

Ausbau
Ergänzungen bzw. Veränderungen an Gebäuden zur Sicherung einer vorgegebenen Nutzung.

Bauart
Physikalische Eigenschaften verwendeter Bauelemente, z. B. Holzbalkendecke, Stahlbetonstütze.

Bauelement
Kleinstes einzelnes Teil zum Errichten von Bauwerken. Bauelemente sind Erzeugnisse, die
formgebende Fertigungsstufen durchlaufen haben, wobei nicht auszuschließen ist, dass die
Form mehreren Funktionen genügen kann.

Bauliche Anlage
Mit dem Baugrund verbundene oder ruhende aus Bauelementen und geeigneten Verbindungs-
mitteln hergestellte Anlagen.
Eine Verbindung kann auch das Eigengewicht sein. Das gilt auch entsprechend für auf ortsfes-
ten Bahnen begrenzt bewegliche Anlagen, sowie überwiegend ortsfest genutzte Anlagen.

Bauweise
Städtebauliche Anordnung von Gebäuden, z. B. Blockrandbebauung, offene Bebauung.
4 1 Bauzustandsanalyse

Bauwerk
1 Durch bautechnische Verfahren hergestellte Gegenstände und veränderte natürliche Gegeben-
heiten (z. B. Gebäude, Tunnel, Brücken, Türme, Stützwände, Kanäle). Es kann ein einzelnes
Gebäude aber auch ein Komplex von Gebäuden bzw. baulichen Anlagen sein.

Bauzustand
Bewertung des Zustandes der Gesamtheit eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage ein-
schließlich aller Einzelteile mit Hilfe von Schädigungsgraden.

Bauzustandsstufen
Graduelle Klassifizierung des Verschleißes von Gebäuden, baulichen Anlagen bzw. Teilen von
Gebäuden oder baulichen Anlagen zur Bewertung des Bauzustandes.

Bauschaden
Ein Bauschaden liegt dann vor, wenn ein Bauteil eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage
die Fähigkeit verliert eine ihr zugeordnete Aufgabe zu erfüllen. Ursachen können sein
– physischer Verschleiß durch: physikalische Einflüsse
chemische Einflüsse
biologische Einflüsse
– unterlassene Instandhaltung
– falsche Nutzung
– ungenügende Dimensionierung von Tragwerksteilen
– Entfernen von Tragwerksteilen
– Erhöhung der Lasteintragung durch den Einbau zusätzlicher Bauteile
– Erhöhung der Nutzlasten
– Minderung der Querschnittsflächen kraftübertragender Bauteile durch nachträgliche Ein-
bauten der Gebäudeausrüstung
– Unterspülung tragender Bauteile
– Formänderungen (plastische Verformung)

Daten
Quantitative und qualitative Angaben zur Gewinnung von Informationen

Erscheinungsformen
Äußere Form von Gebäuden oder dessen Gebäudeteilen, z. B. Satteldach, Walmdach.
Ortsfeste, selbstständig nutzbare räumliche, unterschiedlich hohe Anlage. Sie ist geeignet
Menschen, Tiere, Sachen zu schützen.

Gebäudeteil
Teil eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage, das eine ihm zugeordnete Funktion erfüllt.

Instandhaltung
Vorbeugende Maßnahmen, die ein Gebäude oder eine bauliche Anlage und seine technische
Ausrüstung gebrauchs- und funktionsfähig erhalten. Sie sollen Abnutzungs- und Alterungser-
scheinungen entgegenwirken bzw. verzögern.
1.3 Begriffe von A–Z 5

Instandsetzung
Unter Instandsetzung sind Arbeiten zu verstehen, die den physischen Verschleiß einzelner 1
Bauteile beseitigen und die Gebrauchsfähigkeit von Gebäuden, baulichen Anlagen oder deren
Teile davon wieder herstellen.
Sind die Instandsetzungsarbeiten Veränderungen am äußeren Erscheinungsbild, z. B. Struktu-
ren und/oder Farbe der Fassade, Fensterteilung u. Ä., so sind ggf. vorhandene, territorial gel-
tende Vorschriften zu beachten. In Sanierungsgebieten ist eine Konsultation der zuständigen
Behörden dringend zu empfehlen.
Kenndaten
Daten zur Kennzeichnung von Eigenschaften, Merkmalen und Zusammenhänge.
Kenngröße
Quantitative Kenndaten
Modernisierung
Veränderungen an einem Gebäude oder einer baulichen Anlage die geeignet sind, die
Gebrauchseigenschaften einem zeitgemäßen Standard anzupassen. Das gilt unabhängig von
der Art, wie das Gebäude oder die bauliche Anlage genutzt wird.
Für Wohngebäude ist eine dauerhafte Verbesserung der Gebrauchseigenschaften durch geeig-
nete Maßnahmen zu erzielen. Dazu gehören:
– Grundrissänderung zur Verbesserung des Funktionsablaufes
– Grundrissänderung zur Eignung der Wohnung für Behinderte und ältere Menschen (Barriere-
freiheit)
– Schallschutz
– Wärmeschutz
– Heizungsanlagen
– sanitärtechnische Einrichtungen
– elektrotechnische Anlagen
– Wärmepumpenanlagen
– Solaranlagen
Nutzungsart
Klassifizierung von Gebäuden oder Gebäudeteilen nach ihrer Nutzung.
Nutzungsdauer
Der Zeitraum, ein Gebäude oder eine bauliche Anlage entsprechend seiner Zweckbestimmung
zu nutzen.
Nutzungsfähigkeit
Ermöglichung oder Verhinderung der Nutzung eines Gebäudes oder baulichen Anlage durch
Auswirkung des Bauzustandes.
Nutzungssicherheit
Graduelle Bewertung, wie der Bauzustand eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage die
Abläufe der Nutzung eines Gebäudes oder baulichen Anlage beeinflusst.
6 1 Bauzustandsanalyse

Rekonstruktion
1 Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes.
Im bautechnischem Sprachgebrauch wurde unter Rekonstruktion die Wiederherstellung eines
Gebäudes oder baulicher Anlage einschließlich der Verbesserung der Gebrauchseigenschaften
– Instandsetzung/Modernisierung – verstanden.
Restaurierung
Wiederherstellung von Gebäuden oder Gebäudeteilen in ihrer ursprünglicher Form unter weit-
gehender Verwendung entsprechender Baustoffe. Eine Restaurierung erfolgt im Wesentlichen
bei herausgehobenen historisch interessanten Gebäuden oder Gebäudeteilen.
Restnutzungdauer
Tatsächlich noch zu erwartende Nutzungsdauer unter Berücksichtigung der erforderlichen
Nutzungssicherheit. Bei wirtschaftlichen Betrachtungen gilt als Restnutzungsdauer die Frist,
die ein saniertes Objekt noch funktionsfähig existieren soll.
Umbau
Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden oder baulichen Anlagen, die zur Veränderung der
Gebrauchseigenschaften führen. Sie sind gekennzeichnet durch Umgestaltung oder Ersatz
bestimmter Gebäudeteile. Mit dem Begriff Umbau wird keine Aussage über Umfang und Art
der Veränderung gemacht.
Verschleiß
Physischer Verschleiß
Prozess oder Zustand der materiellen Abnutzung oder Schädigung von Gebäuden oder bauli-
chen Anlagen oder deren Teile infolge ihrer Nutzung und/oder durch Umwelteinflüsse. Die
Entwicklung des Verschleißes erfolgt nicht linear.
Moralischer Verschleiß
Differenz der Gebrauchseigenschaften zum Zeitpunkt to zu den Anforderungen einer Zeit tn an
die Gebrauchseigenschaften infolge der technischen Entwicklung.

Zugangsform
Einordnung des Zuganges zu den Nutzungseinheiten einer Gebäudeart.

1.4 Bestandsdauer von Gebäuden

1.4.1 Bestandsdauer als Funktion der Zeit

Finanztechnische Richtlinien beschränken die Bestandsdauer von Gebäuden auf etwa 90 Jahre.
Ein Gebäude kann Jahrzehnte länger bestehen und nutzungsfähig sein. Voraussetzung dafür
ist, dass ein Gebäude regelmäßig und vorbeugend instand gehalten wird. Das trifft entspre-
chend auch für Gebäudeteile, bauliche Anlagen und deren Teilbereiche zu. Die Nutzungs-
fähigkeit ist abhängig vom physischen Verschleiß der einzelnen Gebäudeteile. Geht man da-
von aus, dass der Verschleiß eine Funktion der Zeit ist, so ist
y = f (t) t = Zeit, Zeitdauer, Zeitintervall
1.4 Bestandsdauer von Gebäuden 7

Bild 1-2
Einheitspolygon
Stellt ein Grundpolygon dar, in
welchem die Verweildauer des
Gebäudes in Bauzustandstufen
dargestellt ist .

Bild 1-3
Objektbezogenes Polygon
Das objektbezogene Ver-
schleißpolygon verdeutlicht die
annähernde Wiederherstellung
des ursprünglichen Zustandes
der Gebäudesubstanz ein-
schließlich besserer Ge-
brauchseigenschaften durch
eine Sanierung.
8 1 Bauzustandsanalyse

Daraus lässt sich ein Polygon ableiten, das den Verlauf des Bauzustandes in zeitlicher Folge
1 widerspiegelt. Die x-Achse [Zeit-Achse] ist in Jahresabschnitte ('t) unterteilt und weist die
Gesamtzeitfolge aus. Auf der y-Achse sind die Bauzustandsstufen [BSZ] aufgetragen.
Bild 1-2 und Bild 1-3 zeigen Verschleißpolygone, die die Verweildauer eines Gebäudes in den
einzelnen Bauzustandsstufen erkennen lässt.

1.4.2 Bauzustandsstufen

Die Bauzustandsstufen sind eine Klassifizierung des Verschleißes. Sie bewerten den Ver-
schleiß von Gebäudeteilen. Zusammengefasst bewerten sie den Bauzustand des Gebäudes oder
der baulichen Anlage. Die Bauzustandsstufen differenzieren den Umfang der Schäden nach
prozentualen Anteilen. Ursprünglich erfolgte die Einordnung in 4 Stufen.
Aus Praktikabilitätsgründen wurde eine Zwischenstufe 3/4 eingeführt. Diese ist für eine Be-
wertung des baulichen Zustandes eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage nützlich. Ab
Bauzustandsstufe 3/4 ist eine gefahrlose Nutzung des Gebäudes oder der baulichen Anlage
bedenklich.
Die Bauzustandsstufen sind ein Hilfsmittel zur Bewertung des Bauzustandes und eine der
Grundlagen notwendig werdender Planungsarbeiten.
Die Einordnung von Gebäudeteilen in Bauzustandsstufen bildet die Grundlage für eine objek-
tive Beurteilung des Bauzustandes eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage.

Die Bauzustandsstufen [BZS]


BZS durchschnittlicher Bewertung
Verschleiß [%]
1 0 ... 110 sehr gut
2 11 ... 125 gut
3 26 ... 150 befriedigend
3/4 51 ... 180 mangelhaft
4 81 ... 100 ungenügend

1.4.3 Bewertung der Bestandsdauer

Die Bestandsdauer einzelner Gebäudeteile ist unterschiedlich. Sie ist abhängig von:
– der Einordnung der Gebäudeteile im Gebäude oder der baulichen Anlage
– der zugeordneten Funktion der Gebäudeteile
– dem verwendeten Material und
– bei Außenbauteilen von den klimatischen Bedingungen.
Entscheidend für die Verweildauer eines Gebäudes in einer Bauzustandsstufe ist die Instand-
haltung. Sie sollte regelmäßig erfolgen und vorbeugenden Charakter haben. Instandhaltung
kann das Auftreten von Bauschäden verhindern.
1.6 Schadenscharakteristika 9

1.5 Gebäudegliederung 1
Gebäudegliederung
1.6 Fundamente
2.6 Kellerwände
3.6 Mauern + Stützmauern
4.7 Außenwände
5.7 Innenwände
6.8 Dach
7.9 Decken
8.10 Schornsteine
9.11 Treppen
10.12 Fenster
11.13 Türen, Tore
12.15 Wandbekleidung

Technische Gebäudeausrüstung
13. Wasser, Abwasser, Gas
14. Wärmeversorgungsanlagen
15. Lufttechnische Anlagen
16. Starkstromanlagen
17. Fernmelde- und infotechn.
Anlagen
18. Förderanlagen

Bild 1-4
Gebäudeglieder

1.6 Schadenscharakteristika

1.6.1 Einfluss des Baujahres auf Schadenscharakteristik

An den aufgeführten Gebäudegliederungen können, im Regelfall durch unterlassene Instand-


haltung, Schäden auftreten, die für diese charakteristisch und auch abhängig vom Baujahr sein
können.
10 1 Bauzustandsanalyse

Die Entwicklung der Gebäudesubstanz ist zwar nicht gleichmäßig über Jahresabschnitte ver-
1 teilt, es zeigt sich aber bei einem längerem Betrachtungszeitraum eine Gruppenbildung. Diese
Gruppen weisen Ähnlichkeiten in ihrem konstruktiven Aufbau aus.
Es erscheint deshalb wichtig, bei allen Betrachtungen das Baujahr, zumindest aber den histori-
schen Zeitabschnitt, z. B. Gründerzeit, in denen das Gebäude errichtet wurde, festzustellen.

Bild 1-5
Jährlich erbaute Wohngebiete auf
dem Territorium der Stadt Leipzig
um 1900

1.6.2 Ursachen der Schäden an Gebäuden

Die Ursachen der Schäden an Gebäuden werden in zwei Kategorien zusammengefasst:


1. bautechnische Ursachen
2. ungeeignete Nutzung
Die bautechnischen Ursachen sind vielfältig (siehe Abschnitt 1 Bauschäden). Schäden infolge
falscher Nutzung sind abhängig von einem Zeitraum, in dem sie entstehen. Es ist erkennbar,
das eine ungeeignete Nutzung die Folge unzureichender Informationen über eine zweckmäßige
Nutzung ist.
– Mit der Einführung der Wasserspülung – um die Jahrhundertwende – gab es die meisten
nutzungsbedingten Schäden im sanitärtechnischem Bereich.
1.6 Schadenscharakteristika 11

Bild 1-6
Hinweis auf die richtige Benutzung der
WC-Spülung

– Mit der Einführung baukonstruktiver Maßnahmen zum Wärmeschutz sind es die Schäden
infolge der Unkenntnis bauphysikalischer Vorgänge und als Folge Schäden durch un-
zweckmäßiges Heizen und Lüften.

Bild 1-7
Kastenfenster
Durch Falzbildung natürlicher Luftwechsel

Bild 1-8
Blendrahmenfenster mit Wärmeschutzvergla-
sung
Durch Dichtung { natürlicher Luftwechsel
unterbrochen
12 1 Bauzustandsanalyse

– Veränderung des Stützsystems infolge des Abbruchs von Gebäudeteilen


1

Bild 1-9
Grundriss 1. OG
Teilabbrüche von Zwischen-
wänden

Bild 1-10
Schnitt mit Darstellung der un-
terschiedlichen Deckenspann-
richtung

Die 13 cm dicken Bundwände im EG und 1. OG sind die tragenden Wände für die Geschoss-
decken über dem EG und 1. OG. Ein Teilabbruch dieser Wände zur Optimierung der Grund-
risslösung, ohne ergänzende statisch-konstruktive Maßnahmen, hätte zu erheblichen Schäden
am Gebäude führen können.
1.7 Schadensverursacher 13

– Um- oder Einbauten ohne Berücksichtigung möglicher bauphysikalischer Bedingungen


1

Bild 1-11
Falsch
Nachträglicher Einbau einer
Dichtung am äußeren Kasten-
flügelfenster

Die Anordnung am äußeren Flügel ist falsch. Durch die weniger dichten Falze am Innenflügel
kann warme Raumluft bis an den Außenflügel gelangen. Die Folge ist eine erhöhte Kondens-
wasserbildung an den Außenflügeln.
Neben beschlagenen Scheiben sind Schäden an den Fensterflügeln die Konsequenz.

1.7 Schadensverursacher

1.7.1 Verursachergruppen

Gruppen
Aussagen über Gruppen, die als Verursacher von Bauschäden angesehen werden können, gibt
es. Das sind
– die Planer
– die Bauausführenden und
– die Nutzer
Planer
Die Schadensanteile aus der Planung können die Folge einer ungenügenden Bauzustands-
analyse und mangelnde Detailkenntnisse der Baukonstruktionen der betreffenden Baujahres-
gruppe sein.
Ausführende
Die Bauausführung hat einen Verursacheranteil von über 40 %, z. B. bei folgenden Problem-
kreisen:
– ungenügende fachliche Auseinandersetzung mit der Planung
14 1 Bauzustandsanalyse

– Fehler im Lesen der Zeichnungen


1 – ungenügende Kenntnisse der bauleitenden Mitarbeiter über Baukonstruktion
– Auswahl ungeeigneter Baustoffe
– mangelhafte handwerkliche Fähigkeiten
– unzureichende Kontrollen und fehlende Zwischenabnahmen insbesondere bei der Ausfüh-
rung von Bauteilen, die nach der Fertigstellung des Gebäudes nicht mehr sichtbar sind.
Nutzer
Ein wesentliches Potenzial für Bauschäden ist in der Nutzung der Gebäude und baulichen
Anlagen angesiedelt.
Damit sind Feststellungen zur
– Nutzungsart
– Nutzungsweise
bei der Schadenerfassung von Bedeutung.

1.7.2 Schadensschwerpunkte

Dach
– Dachhaut
– Schornsteine, Entlüftungsanlagen
– Rinnen, Fallrohre
– Traufausbildung
– Schädlingsbefall (pflanzlich und tierisch)
Decken
– Deckenauflager an der Außenwand
– Schädlingsbefall (insbesondere pflanzlicher an tragenden Hölzern)
– freiliegende Bewehrung bei Stahlbetondecken
– abgerostete Flansche von Stahlträgern
– ungenügender Schall- und Wärmeschutz
– zerstörte und nicht mehr funktionsfähige Nutzschichten
Außenwände
– Rissbildungen
– Absanden von Fassadenelementen aus Kunststein
– Verblechungen
– aufsteigende Feuchtigkeit erdberührender Wände
– Kältebrücken bei Nischenbildung
– Putzschäden
– keramische Wandbekleidungen
Innenwände
– Putzschäden
– ungenügende Schallschutz bei Wohnungstrennwänden
1.7 Schadensverursacher 15

– Rissbildung bei dünnen Wänden aus großformatigen Bauelementen


Fenster und Türen
1
– verzogene Fensterflügel
– zerstörte Wetterschenkel
– funktionsunfähige Beschläge
– ungenügender Schall- und Wärmeschutz
– zerstörte Farbanstriche
– unzureichender vorbeugender baulicher Brandschutz bei Wohnungseingangstüren
Treppenanlagen
– ausgetretene Trittstufen
– schadhafte Beläge der Podeste
– schadhafte Nutzschichten bei massiven Treppenanlagen
Technische Gebäudeausrüstung
– Wasser, Ver- und Entsorgungsanlagen mit zu geringem, durch die Nutzung oft verengten
Querschnitt
– ungeeignetes Material der Wasserversorgungsanlage
– veraltetes Heizungssystem
– ungenügend dimensionierte und nicht mehr gefahrlos nutzbare Starkstromanlage
– unzureichende Fernmelde- und Informationsanlagen

1.7.3 Physikalisch-technische Schadensursachen

Bei der Schadenserfassung ist es wichtig, die physikalisch – technische Ursachen des Schaden
zu erkennen. In Folgenden ist eine Auswahl besonders relevant erscheinender Ursachenfelder
dargestellt.
16 1 Bauzustandsanalyse

1
Längenänderung eines Bauteiles durch
Temperatureinwirkung kann zu sehr
hoher Schubkraft führen.

Rissbildung im Auflagerbereich durch gleitende Auflager


durch Behinderung der Ausdehnung Längenänderung nicht behindert

Bild 1-12 Einfluss der Temperaturänderung auf Gebäudeteile

– Erhöhung der Lasteintragung

Im Bestand eine gleichmäßig verteilte Last. Diese


besteht aus
– Eigenlast des Tragwerk (q1) und
– vorgesehener Nutzlast bei einer Stützweite l.
Veränderte Lasteintragung bei unveränderter
Stützweite l infolge
– zusätzlicher Einzellast P1
– zusätzlicher Lasterhöhung durch ergänzende
lasterhöhende Ausbauten und
– Veränderung der vorgesehenen Nutzlast (q2).

Folge
Die veränderten Lasteintragungen führen zur
Verformung von Traggliedern, im Extremfall
zum Totalschaden.

Bild 1-13
Lasteintragung
1.7 Schadensverursacher 17

– Veränderung der Lastwirkung


1
Im Bestand gleichmäßig verteilte Last beste-
hend aus
– Eigenlast des Tragwerks und
– vorgesehene Nutzlast
Veränderte Lasteintragung
Einbau eines Schwingungen verursachenden
Kurbeltrieb Gerätes
Für diesen Lastfall ist das Tragwerk nicht be-
messen. Neben einer Erhöhung der Nutzlast
werden Schwingungen eingetragen. Diese dy-
namische Belastung kann zu erheblichen Schä-
den im betroffenen Gebäudebereich führen.

Bild 1-14
Lastwirkung

– Geotechnik
Veränderung der Baugrundverhältnisse

Bestand vorhandener Gebäude auf tragsiche-


rem Baugrund
Veränderte Bodenbelastung
Neben bestehendem Gebäude Baukörper 1
soll ein weiterer Baukörper 2 angebaut wer-
den.
Die Gründungstiefe des neuen Baukörpers
liegt unter der Fundamentsohle des vorhande-
nen Baukörpers.

Folge
Schäden am bestehenden Baukörper. Das
Tragwerk in seiner Gesamtheit ist im Trag-
verhalten gestört.
Extremfall
Einsturz des vorhandenen Gebäudes

Bild 1-15
Gestörte Baugrundverhältnisse
18 1 Bauzustandsanalyse

– Veränderung der Baugrundbelastung


1
Bestand
vorhandenes Gebäude auf tragsicherem Bau-
grund
Veränderte Belastung
Anbau eines Baukörpers.
Lasteintragung des neuen Baukörpers auf
gleicher Ebene wie der vorhandene Baukör-
per. Anbau an vorhandenen Baukörper ohne
Fugenausbildung.

Folge
Schäden durch unterschiedliches Setzungs-
verhalten an beiden Gebäuden.
Bei Anbauten an vorhandenem Gebäude ver-
tikale Bewegung des neuen Baukörpers durch
konstruktive Maßnahmen ermöglichen.

Bild 1-16
Unterschiedliche Baugrundbelastung

– Klima
Behinderung der Wasserdampfdiffusion

Bestand
Baukonstruktion offenporig und durchlässig
Veränderung
Diffusionsdichte Oberfläche
Behinderung der Wasserdampfdiffusion
verändertes Raumklima

Bild 1-17
Wasserdampfdiffusion
1.7 Schadensverursacher 19

– Kondenswasserbildung Bewertungsgrundlagen:
Bauteiloberflächentemperatur 1
Raumtemperatur und relative Luftfeuchte im Raum
Bei steigender Differenz zwischen Bauteiloberflächen-
temperatur unter Beachtung der relativen Luftfeuchte
kann es zu Tauwasserbildung an der Bauteiloberfläche
kommen (DIN 4108 Teil 5 Tab.1).
Folge
Schäden am Gebäude
(siehe auch DIN 4108 Teil 5 Tab. 1)

Bild 1-18
Tauwasserniederschlag

– Niederschlag
Bauteile über OK Terrain
Zerstörte Rinnen, Fallrohre und Regen-
wasserleitungen führen zu Schäden am
gesamten Baukörper. Besonders betrof-
fen sind:
– Dachtraufbereich
– Fassaden
– Decken
– Grundmauer
Baugrube/Bauteile im erdberührenden
Bereich. Die ehemalige Baugrube wurde
mit rolligen Erdstoff verfüllt. Daraus
ergibt sich folgende Situation:
1. dichter Erdstoff
2. rolliger Erdstoff
3. Geländeverlauf Neigung
zum Gebäude
Folge
Durch den Niederschlag kann sich zeit-
weise ein hydrostatischer Druck aufbauen.
Die üblicherweise aufgebrachte vertikale
Sperrung des Mauerwerkes gegen Erd-
feuchte ist unzureichend.

Bild 1-19
Wirkungsweise der Niederschläge
20 1 Bauzustandsanalyse

– Grundwasser Bei sich verändernden Grundwasserschäden


1 können durch ein Ansteigen des Grundwas-
serstandes Auftriebskräfte hervorgerufen
werden.
Folge
Veränderte statische Bedingungen mit Gebäu-
deschäden
Bild 1-20
Auftrieb durch Grundwasser

– Material
Holz
Verlust der Tragsicherheit durch tierische und pflanzliche Schädlinge
Tierische Schädlinge, wie
– Holzwurm
– Hausbock
nagen Gänge in die Hölzer. Es bilden sich Holzmehl. Die Gänge beeinträchtigen infolge ih-
rer Menge die Tragfähigkeit des Holzes.
Pflanzliche Schädlinge
Als pflanzliche Schädlinge sind verschiedene Pilzarten bekannt u. a.
– Hausfäule am eingebauten Holz
– Blätterschwammfäule am gelagerten Holz
– Kellerschwamm
– echter Hausschwamm.
Der echte Hausschwamm gilt als der gefährlichste Vertreter der pflanzlichen Schädlinge.
Er entwickelt sich in geschlossenen feuchten Räumen. Die Feuchtigkeit als Lebensgrund-
lage der Pilze entnimmt der Hausschwamm aus feuchten Bauteilen des Gebäudes. Das
Wurzelgeflecht (Mycel) kann sich im gesamten Gebäude ausbreiten und zu erheblichen
Schäden führen.

Beton
Durch Fehler in der Betonherstellung wurden vorgegebene Festbetoneigenschaften nicht
erreicht. Der Beton kann die ihm zugeordnete Belastung nicht übernehmen.
Zu geringe Festigkeit wirkt sich bei Stahlbeton auf den Verbund zwischen Stahl und Beton
aus.
Korrosion des Bewehrungsstahles führt zum Verlust der Tragsicherheit von Stahlbeton-
elementen.

Mauerwerk
Schwach gebrannte Mauerziegel (MZ)
Volumenvergrößernde Einschlüsse infolge ungenügender Aufbereitung des Rohmaterials
bei der Ziegelherstellung
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 21

Auswahl einer für das Bauteil ungeeigneten Qualitätsstufe kann zu Schäden am Mauerwerk
führen. 1
Stahl
Ungeschützt eingebaute Stahlträger rosten.
Mit dem Rosten tritt eine Veränderung des Widerstandsmomentes ein. (Das Widerstands-
moment ist eine geometrische Größe mit Einfluss auf das Tragverhalten.)
Damit ist die Tragfähigkeit des Stahlbauelementes verringert.
Der Rost führt infolge Volumenvergrößerung zu Absprengungen.

1.8 Die Erfassung des Bauzustandes

1.8.1 Wertung ausgewählter Daten

Qualitative Daten
Eine Analyse des Zustandes von Gebäude oder baulicher Anlage ist in Bezug auf ihre Aussage
zum Erhaltungsgrad von
– Bauelementen
– Bauwerksteilen
– Gebäuden oder baulicher Anlagen
befristet gültig. Die Verweildauer in den definierten Bauzustandsstufen ist unterschiedlich. Mit
der Zunahme des Schadensumfanges verkürzt sich die Verweildauer.
Es ist auch zu bewerten, dass der Verschleiß der unterschiedlichen Bauelemente und Bau-
werksteile unterschiedlich ist.

Quantitative Daten
Die geometrischen und Standort bezogenen Daten bleiben relativ unverändert.

Leistungsumfang
In welchem Umfang Bauschäden und die Geometrie des Objektes erfasst werden können ist
von Folgendem abhängig:
– Wie wird das Objekt zur Zeit in der die Bauzustandanalyse erfolgt, genutzt.
– Welche technischen Hilfsmittel können eingesetzt werden und wie ist deren Verfügbarkeit.
– Welche Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten liegen vor (subjektive Faktoren).

Genauigkeitsgrad
Der Aufgabenumfang der Bauzustandsanalyse wird von der zu erwartenden Aussage be-
stimmt. So wird z. B. eine Untersuchung vorhandener Materialstrukturen eines zu ersetzenden
Außenputzes ggf. nur für die Restaurierung hervorgehobener Baudenkmale erforderlich sein.
22 1 Bauzustandsanalyse

Formalisierung
1 Die Effektivität einer Bauzustandsanalyse kann mit Hilfe formalisierter, sich wiederholender
Leistungsteile positiv beeinflusst werden. Die Überlegung dazu ist quasi der erste Leistungsab-
schnitt der Planung.

1.8.2 Arbeitsfolge

1. Standorterfassung
Feststellungen
– Lage – Nutzung
– Ortsbesichtigung mit allgemeiner Feststel- – Möglichkeit zur Nutzungsänderung
lung zum Umfeld – Veränderungssperre
– Einordnung in Baugebiet – Bauordnungsamt
– Territoriale Beschränkung – Denkmalschutz
– Zuständigkeit von Ämtern – Ordnungsamt
– Wohnungsamt
2. Objekterfassung
Aktivität Ergebnis
– Einsicht in die Bauakten – Baujahr
– Zeichnungen
– Auflagen
– Denkmalschutz
– Gutachten
– Beschränkungen
– Befreiungen von Bauvorschriften der
Landesbauordnung
– Einsicht in das Grundbuch – Grunddienstbarkeit
– Einsicht in das Baulastenbuch – Baulasten

3. Bestandserfassung
– Aufmaß
Grundrisse
Schnitte
Fotodokumentation mit Erläuterungen
– Bauschäden
Feststellung von Voraussetzungen der Schadenerfassung
– Gebäude genutzt oder
– Gebäude ungenutzt
Festlegung der Untersuchungsmethoden
– zerstörungsfrei oder
– Freilegung von verdeckten Konstruktionsgliedern:
Bohrungen
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 23

Suchschachtungen
Schürfen 1
Festlegung der notwendigen zu messenden Kenngrößen.

1.8.3 Auswahl technischer Geräte

Für maßliche Bestandsaufnahme und analytische Messungen sei empfohlen


– Bandmaß
– Teleskopmesslatte (Messfix)
– Gliedermaßstab
– Messgerät zur Feststellung
der Raumtemperatur
der Bauteiloberflächentemperatur
der Raumluftfeuchte
der Materialfeuchte in Massivbauteilen
der Rissbreite

Spezifische Messung
Messung zur Bewertung von
– Tragsicherheit von Stahlbetonbaugliedern
– Bewehrungssucher mit integrierter elektronischer Feststellung der Dimension der Beweh-
rung
Gegebenenfalls sollte die Einbeziehung eines spezialisierten Prüflabors erwogen werden.
In der Praxis hat es sich als zweckmäßig erwiesen, dass durch den Planer
– maßliche Bestandsaufnahme als Grundlage der Bestandsplanung und
– Schadenserfassung
parallel ausgeführt werden. Der bei der maßlichen Bestandsaufnahme erzielte Genauigkeits-
grad ist für die weitere Planung hinreichend. Mit der maßlichen Bestandsaufnahme können
auch Vermessungsbüros beauftragt werden.
Die Praxis hat gezeigt, dass ein optimales Ergebnis dann erreicht werden kann, wenn ein kor-
respondierendes Verhältnis zwischen Planer und Vermesser aufgebaut worden ist.
Bauzustandsaufnahme und maßliche Bestandsaufnahme sollten synchron erfolgen.
24 1 Bauzustandsanalyse

1.8.4 Muster eines Formblattes zur Beurteilung des baulichen Zustandes


1
eines Wohngebäudes F WGeb
einer baulichen Anlage F BaulA

Lage des Grundstückes:

Auftraggeber:

Auftrag vom:

Inhalt: 1. Allgemeine Angaben


2. Grundlagen
3. Grundstücksdaten
4. Charakteristik der WGeb F
BaulA F
5. Dokumentation zur Bewertung

1. Allgemeine Angaben
1.1 Freilegung verdeckter Konstruktionselemente
ja F nein F

1.2 Verwendete Messgeräte


1. ...........................................
2. ...........................................
:
n ...........................................

1.3 Beurteilung der Gebäudetechnik


ja F nein F
2. Grundlagen
2.1 Ortsbesichtigung am ...........................................
Teilnehmer 1. ...........................................
2. ...........................................
:
n ...........................................

2.2 Verwendete Unterlagen


1. ...........................................
2. ...........................................
:
n ...........................................
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 25

2.3 Messgrößen und Abkürzungen


Messpunkt MP 1.... n 1
Relative Luftfeuchte RF [ M %]
Raumtemperatur RT [ t °C]
Außenwandoberflächentemperatur AWOT [ - °C]
Materialfeuchtekennwerte
(z. B. für GANN-Hydromette) Digit
3. Grundstücksdaten
3.1 Gemarkung ...................................................
3.2 Erschließung
Wasser F Abwasser F Elt F
Gas F Fernwärme F Telekom F

3.3 Nutzung des Gebäudes


Wohngebäude F Wohn + Geschäftshaus F
Geschäftshaus F bauliche Anlage F
Art ................................

3.4 Geometrie
Rechteck F
unregelmäßiges Vieleck F
Kreis F

4. Gebäudecharakteristik
4.1 Baujahr .......................................
4.2 Geschosse
Kellergeschoss F Anzahl F
Erdgeschoss F
Obergeschoss F F
Dachgeschoss F F

4.3 Tragstrukturen
Tragende Längs- und Mittelwand F
Tragende Querwände F
Riegel- Stützensystem F

5. Dokumentation zur Bewertung


5.1 Bewertungseinheit
Lage
Wohnung F Kellergeschoss F
Geschäftsräume F Erdgeschoss F
Abstellräume F 1. Obergeschoss F
2. Obergeschoss F
n. Obergeschoss F
Dachgeschoss F
26 1 Bauzustandsanalyse

5.2 Nutzer Anzahl


1 5.3 Raumbezeichnung
5.4 Bauphysikalische Kenngrößen
Tag Tageszeit
Relative Luftfeuchte M%
Raumlufttemperatur t °C

Messpunkt * 1 2 3 4 ... n
Bauteiloberflächen-
temperatur
Materialfeuchte-
kennwert
* siehe Lageskizze
Einordnung der Messpunkte Horizontal und Vertikal

5.5 Fotodokumentation
Film-Nr. ............................
Bewertungseinheit ............................

5.6 Feststellungen/Grundrissskizzen
.................... ....................
: :
: :
: :
: :
: :
: :
: :
: :
.................... ....................
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 27

Geb. Bezeichnung Material BZS Bild-Nr. Bemerkungen


Teil. * vergleiche 1.4
1
Nr. * Gebäudegliederung
1.6 Fundamente Naturstein F............... /.........
Vollziegel
Beton
2.6 Kellerwände Naturstein F............... /......... Feuchteschäden F.
Vollziegel F............... /......... Schädlingsbefall F.
Beton F............... /.........
Oberfläche Kalkputz F............... /......... Feuchteschäden F.
Innen Kalkzement F............... /.........
Außen Putzflächen F............... /.........
Verblender F............... /.........
Sperrung F............... /......... Vertikal F
F............... /......... Horizontal I F.
F............... /......... Horizontal II F.
4.7 Außenwände MZ F............... /......... Feuchteschäden F
VMz F............... /......... Schädlingsbefall F.
HLz F............... /.........
VHLz F............... /.........
KMz F............... /.........
KHLz F............... /.........
KS F............... /.........
G F............... /.........
GP F............... /.........
Hbl F............... /.........
sonst. Mat. F............... /.........
Außenoberfl. Kalkputz F............... /......... Feuchteschäden F.
Kalkzementp. F............... /.........
Edelputz F............... /.........
Verblender F............... /.........
Innenoberfl. Gipssandp. F............... /......... Feuchteschäden F.
Gipskalkputz F............... /.........
Kalkputz F............... /.........
Gipsfaserpl. F............... /.........
Gipskarton F............... /.........
Anstrich F............... /.........
Tapete F............... /.........
5.7 Innenwände MZ F............... /......... Bundwand F.
HLz F............... /......... Ständerwand
LLz F............... /......... mit Holzstützen F.
HLzW F............... /......... mit Metallstützen F.
GP F............... /......... Feuchteschäden F.
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
28 1 Bauzustandsanalyse

Geb. Bezeichnung Material BZS Bild-Nr. Bemerkungen


1 Teil. * vergleiche 1.4
Nr. * Gebäudegliederung
Innenwand- Gipssandp. F............... /......... Feuchteschäden F.
oberfläche Gipskalkputz F............... /.........
Gipsputz F............... /.........
Kalkputz F............... /.........
Gipsfaserpl. F............... /.........
Gipskarton F............... /.........
Anstrich F............... /.........
Tapete F............... /.........
6.8 Dach
Tragwerk Holz F............... /......... Pfettendach F.
Stahl F............... /......... Sparrendach F.
Stahlbeton F............... /.........
Dachbeläge Betondachst. F............... /......... Schädlingsbefall F.
Tondachst. F............... /......... Holschutzgutach-
Schiefer F............... /......... ten erforderlich F.
Faserzement F............... /......... Deckungsart:
Zinkblech F............... /.........
Bitumen-
schindel F............... /.........
Bitumenbahnen F............... /.........
sonst.Mat. F............... /......... ..............................
7.9 Decken
Kellerdecke
Deckenkon- Stahlbeton F............... /......... Feuchteschäden F.
struktion Stb.-Hohld. F............... /......... Schädlingsbefall F.
Stb.-Rippend. F............... /......... ebene Decke F.
MZ F............... /......... gewölbte Decke F.
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
Deckenbelag Keramik F............... /.........
Holz F............... /.........
Textil F............... /.........
PVC F............... /.........
Deckenbeklei- Kalkzement- F............... /.........
dung mörtel F............... /.........
Kalkmörtel F............... /.........
Anstrich F............... /.........
Geschossdecken
Deckenkon- Stahlbeton F............... /......... Feuchteschäden F.
struktion Stb.-Rippen F............... /......... Schädlingsbefall F.
Holz F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 29

Geb. Bezeichnung Material BZS Bild-Nr. Bemerkungen


Teil. * vergleiche 1.4 1
Nr. * Gebäudegliederung
Deckenbelag Keramik F............... /.........
Holz F............... /.........
Textil F............... /.........
PVC F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
Deckenbeklei- Kalkputz F............... /......... Deckenbekleidung
dung Kalkputz auf abgehängt F
Rohrgewebe F............... /.........
Gipsfaserpl. F............... /.........
Gipskarton F............... /.........
Anstrich F............... /.........
Tapete F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
8.10 Schornsteine MZ F............... /......... Feuchteschäden F.
LB-Fertigteile F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
9.11 Treppen Holz F............... /.........
Beton F............... /.........
Stahl F............... /.........
10.12 Fenster Beschlagart
Kastenfen. Holz F............... /......... Drehflügel F.
Kippflügel F.
Verbundfen. Holz F............... /......... Schwingflügel F.
Kunststoff F............... /......... Dreh/Kippflügel F.
Metall F............... /......... Schiebeflügel F.
Feststehend F.
Blendrahmen- Holz F............... /.........
fen. Kunststoff F............... /.........
Metall F............... /.........
Verglasung Flachglas F............... /.........
Wärmeschutz- F............... /.........
glas F............... /.........
Sicherheitsgl. F............... /.........
Oberlicht F............... /.........
Fensterbank
innen Holz F............... /.........
Kunststein F............... /.........
Naturstein F............... /.........
30 1 Bauzustandsanalyse

Geb. Bezeichnung Material BZS Bild-Nr. Bemerkungen


1 Teil. * vergleiche 1.4
Nr. * Gebäudegliederung
außen Kunststein F............... /.........
Naturstein F............... /.........
Zinkblech F............... /.........
Jalousie Holz F............... /.........
Metall F............... /.........
Kunststoff F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
Rollläden Holz F............... /.........
Metall F............... /.........
Kunststoff F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
Gitter Metall F............... /.........
10.13 Türen
Außentüren
Blendrahmen- Holz F............... /.........
tür Kunststoff F............... /.........
Metall F............... /.........
Kastenschloss F............... /.........
Einsteckschloss F............... /.........
Füllung Holz F............... /.........
Glas F............... /.........
Oberlicht F............... /.........
Innentüren
Blendrahmen-
tür F............... /.........
Futtertür F............... /.........
einflügelig F............... /.........
zweiflügelig F............... /.........
Türblatt Holz F............... /.........
Röhrenspan F............... /.........
Wabenkern F............... /.........
Glas F............... /.........
sonst. Mat. F............... /......... ..............................
Glasausschnitt F............... /.........
Kastenschloss F............... /.........
Einsteckschloss F............... /.........
1.8 Die Erfassung des Bauzustandes 31

Geb. Bezeichnung Material BZS Bild-Nr. Bemerkungen


Teil. * vergleiche 1.4 1
Nr. * Gebäudegliederung
14. Wasser/Ab-
wasser/Gas
Leitungsführung
Leitungen Stahl F............... /......... freiliegend F.
Kupfer F............... /......... unter Putz F.
Kunststoff F............... /......... Vorwand/Verkleid. F.
Sanitärobjekte
Wanne F............... /......... eingebaut/gefliest F.
freistehend F.
Dusche F............... /.........
Waschtisch F............... /......... einfach F.
doppelt F.
Spüle Porzellan F............... /......... einfach F.
Stahl F............... /......... doppelt F.
Wasch-
maschine F............... /.........
Küchenherd Gas F............... /.........
Elt F............... /.........
Kohle F............... /.........
Gaszähler Ort:
Wärme und
WW-Versorg.
Ofenheizung F............... /......... Jahr des Einbaues:
Zentralheizung F............... /.........
Einzelanlage F............... /.........
Kohle F............... /.........
Gas F............... /.........
Öl F............... /.........
Elektroenergie F............... /.........
16 Starkstrom-
anlagen Jahr des Einbaues:
Leitungsführungen
Leitungen Kupfer F............... /......... auf Putz F.
Blei F............... /......... unter Putz F.
Anzahl
Steckdosen F.
Schalter F.
Elt-Zähler Ort:
32 1 Bauzustandsanalyse

1.9 Bildquellenverzeichnis
1
Quelle Bild

Farbe und Raum, VEB Verlag für Bauwesen, Berlin, Jg. 35, 1-1
Heft 3/1981
Kolbmüller, H., Leipzig 1-2 bis 1-19
2 Planungsabläufe

Um Missverständnisse zu vermeiden, ist ein intensiver Kontakt zwischen Planer und Auftrag-
geber – der schon in den ersten Planungsphasen beginnen sollte – zu empfehlen.

2.1 Sanierungskonzept

Aufgabe: Beurteilung der


– Sanierungswürdigkeit und
– Nutzungsbedingungen

2.1.1 Inhalt

Tabelle 2-1 Allgemeine Angaben zur Sanierung

Aussage: Quellen:
Baujahr Bauakte
Gemarkung Staatliches Vermessungsamt
Grundstücksgröße Grundbuch
überbaute Flächen Katasterplan
Grundflächenzahl
Geschossflächenzahl
umbauter Raum
Anzahl der Geschosse
davon KG
EG
OG
DG
Garagen + Stellplätze
Kinderspielplätze
Besonderheiten: Quellen:
Denkmaleigenschaft Amt für Denkmalschutz
Genehmigungsbedarf Landesbauordnung/Bauordnungsamt
Besonderheiten des Baugebietes Planungsamt
(z. B. förmliches Sanierungsgebiet)
34 2 Planungsabläufe

2.1.2 Erschließung des Grundstückes:

Informationen dazu erteilen die jeweiligen Versorgungsträger für:


2 x Elektroenergie
x Gas
x Trinkwasser
x Fernwärme
x Fernmeldetechnik
x Informationstechnik

2.1.3 Beurteilung der Bauwerksteile und baulichen Anlagen

Ortsbesichtigung:
x Dachtragwerk
x Dachhaut
x Dachentwässerung
x Schädlingsbefall
x Umfassungswände
x Innenwände
x Fundamente
x Geschossdecken
x Kellerdecke
x Ausbauelemente:
– Fenster
– Türen
– haustechnische Anlagen

2.1.4 Bautechnische Maßnahmen

Abschnitt 1:
x Dachinstandsetzung, ggf. unter Berücksichtigung des DG Ausbaues
x Freilegung durchfeuchteter Bauteile
x Maßnahmen zum Erhalt der Standsicherheit
x Trockenlegung
x Bauphysikalische Schutzmaßnahmen

Abschnitt 2:
x Sanierung der Ver- und Entsorgungsleitungen außerhalb der Mietbereiche, Neubau bzw.
Sanierung der Wärmeversorgunganlagen als zentrale Einrichtung, wenn keine Einzelver-
sorgung der Warmwasser- und Heizungsanlage je WE vorgesehen wird
x Vorbereitung des Einbaues von fernmelde- und infotechnischen Anlagen
2.1 Sanierungskonzept 35

Abschnitt 3:
vertikalorientierte Sanierung und Moder-
nisierung der Mietbereiche:
SR L EG ... DG 2
SR R EG ... DG
Maßnahmen des vorbeugenden baulichen
Brandschutzes
Treppenhausinstandsetzung

Bild 2-1 Sanierungsschema der Sanitärräume (SR) [1]

Abschnitt 4:
x Außenanlagen:
– Einordnung von Stellplatzflächen
– Befestigung der Hofflächen
– Begrünung
– Grundstücksabgrenzung (Zaun oder Heckenanlagen)

2.1.5 Funktionsänderungen

Änderung der Wohnungsgrundrisse


Möglichkeiten der Umgestaltung bisher ungenutzter Gebäudebereiche (z. B. DG-Ausbau)

2.1.6 Einschätzung des Finanzbedarfs

Ermittlung auf der Grundlage von flächen- oder raumbezogenen Orientierungswerten


36 2 Planungsabläufe

Bild 2-2 Entwicklung des Kostenaufwandes bezogen auf umbauten Raum

2.1.7 Beurteilung

In der Beurteilung wird festgestellt:


x sanierungswürdig
oder
x nicht sanierungswürdig
Wird das Gebäude genutzt, ist abzuwägen, ob die Baumaßnahmen ohne Gefährdung der
Nutzer durchgeführt werden können.
In der Beurteilung ist dazu eine Aussage erforderlich, um in der weiterführenden Planung
gegebenenfalls notwendige Maßnahmen berücksichtigen zu können.

Wird eine Sanierungswürdigkeit festgestellt, so sollte auf ggf. noch zu ergänzende Unterlagen
hingewiesen werden, die für eine fachfundierte Weiterführung der Planungsarbeit erforderlich
werden können.
Das sind zum Beispiel:
x Holzschutzgutachten
x Schallschutzgutachten
x Hydrologische Gutachten
x Baugrundgutachten
2.2 Entwurfsplanung 37

2.2 Entwurfsplanung

Die Entwurfsplanung übernimmt die Aussage aus dem Sanierungskonzept als Grundlage der
weiterführenden Planung. In dieser Phase sind die Fachplaner in die Bearbeitung einzubeziehen.
2
Ist das Bauvorhaben genehmigungsbedürftig, so sollte die Bearbeitung der Entwurfsplanung
und der Genehmigungsplanung als Einheit betrachtet werden.
Die einzelnen Leistungen können in folgende Abschnitte gegliedert werden:

Abschnitt 1:
x Maßliche Bestandsaufnahme:
– Grundrisse
– Schnitte
– Außenanlagen
x Schadenserfassung mit Einordnung der Bauteile in Bauzustandsstufen. Anfertigen einer
Fotodokumentation.
x Gespräche mit Mietern

Abschnitt 2:
x Anfertigung von Bestandsplänen
– Überprüfung der Einordnung des Gebäudes in das Grundstück und die Einhaltung der
Kenngrößen für die Nutzung des Grundstückes (GRZ; GFZ) sowie der Grenzabstände.
– Die baurechtlichen Forderungen zur Flächennutzung sind in der Baunutzungsverord-
nung (BauNVO) festgelegt und bedeuten:
GRZ = Grundflächenzahl
Die Grundflächenzahl ist das Verhältnis von überbauter Fläche zur vorhandenen
Grundstücksfläche.
Die Grundflächenzahl gibt an, wie viel Quadratmeter überbauter Grundfläche je Quad-
ratmeter Grundstücksfläche zulässig sind.
GFZ = Geschossflächenzahl
Die Geschossflächenzahl ist das Verhältnis der Vollgeschossflächen zur vorhandenen
Grundstücksfläche.
Die Geschossflächenzahl gibt an, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratme-
ter Grundstücksfläche zulässig sind.
Als Vollgeschosse gelten Geschosse, die nach landesrechtlichen Vorschriften Vollge-
schosse sind oder auf ihre Zahl anzurechnen sind.

Abschnitt 3:
x Überprüfung der vorliegenden Funktionslösung (Wohnungsgrundrisse) hinsichtlich zeit-
gemäßer Nutzungsbedingung
x Vorschläge zur Veränderung der vorliegenden Grundrisslösung
x Hinweise zu den technischen Konsequenzen des Umbaues
x Überlegungen zur technischen Durchführbarkeit und deren Einflüsse auf Tragwerksteile
38 2 Planungsabläufe

x Untersuchung zur Gewährleistung der bauphysikalischen Parameter:


Schallschutz – Treppenhaus
– Außenwände
2 – Fenster
– Decken
Wärmeschutz – Außenwand
– Fenster
– Decken
– Dach
x Prüfung der Voraussetzungen des vorbeugenden baulichen Brandschutzes:
– Treppenhaus
– Rettungswege
– Geschossdecken

Abschnitt 4:
x Zeichnerische Darstellung der Funktionslösung, Ausstattungsvorschläge und Fassaden-
gestaltung.
– Grundrisse Maßstab 1 : 100
– Schnitte Maßstab 1 : 100
– Fassaden Maßstab 1 : 100
– Teilschnitte Maßstab 1 : 10
x In den Bildern 2-7 bis 2-11 ist die stufenweise Erarbeitung einer Funktionslösung eines
Sanierungsvorhabens dargestellt.
x Die Teilschnitte in der Phase Entwurfsplanung können für bautechnische Nachweise
– zur Standsicherheit
– zum vorbeugenden baulichen Brandschutz
– zum Wärmeschutz
– zum Schallschutz
erforderlich werden.
x Weitere bautechnische Nachweise können sich aus Forderungen der genehmigenden Be-
hörden ergeben. Eine Konsultation der zuständigen Ämter erscheint deshalb empfehlens-
wert.
2.2 Entwurfsplanung 39

1 Jahr der Prüfung und Genehmi-


gung 1886, Bauausführung im
Folgejahr. Vergl. auch Revisi-
onsprotokoll in der Bauakte Die-
lung parallel zur Außenwand
2 Deckenspannrichtung Außen-
wand – Mittelwand
Dielung parallel zur Zwischen-
wand
3 Deckenspannrichtung parallel
zur Außenwand
Deckenspannrichtung bei maßli-
cher Bestandsaufnahme prüfen.

Bild 2-3
Planungsunterlagen aus der Bauak-
te Fassade/Schnitt
40 2 Planungsabläufe

1. und 2. Obergeschoss

Planungsunterlagen
als Hilfsunterlage
für die maßliche
Bestandserfassung
Grundriss EG

Bild 2-4 Planungsunterlagen aus der Bauakte. Grundrisse


2.2 Entwurfsplanung 41

Linke WE 2
11/1 Flur 7,80 m2
11/2 Wohnzimmer 15,90 m2
11/3 Schlafzimmer 15,40 m2
11/4 Kinderzimmer 8,60 m2
11/5 Bad/WC 4,50 m2
11/6 Küche 5,70 m2
57,90 m2

Rechte WE
12/1 Flur 8,20 m2
12/2 Wohnzimmer 14,70 m2
12/3 Schlafzimmer 15,50 m2
12/4 Kinderzimmer 9,70 m2
12/5 Bad/WC 5,40 m2
12/6 Küche 5,50 m2
59,00 m2
Grundriss 1. OG

Linke WE
01/1 Flur 7,60 m2
01/2 Wohnzimmer 15,00 m2
01/3 Schlafzimmer 13,90 m2
01/4 Kinderzimmer 9,10 m2
01/5 Bad/WC 5,00 m2
01/6 Küche 5,20 m2
55,80 m2

Rechte WE
02/1 Flur 4,90 m2
02/2 Wohnzimmer 15,50 m2
02/3 Schlafzimmer 6,45 m2
02/5 Bad/WC 5,20 m2
02/6 Küche 12,90 m2
44,95 m2
Grundriss EG

Bild 2-5 Bestandspläne auf Basis maßlicher Bestandserfassung


42 2 Planungsabläufe

HB ist die Höhe von Oberkante Straße bis Fensterbrüstung des am höchsten gelegenen Wohngeschosses
HB ist für den Nachweis des vorbeugenden baulichen Brandschutz erforderlich

Bild 2-6 Bestandspläne auf Basis maßlicher Bestandsaufnahme


2.2 Entwurfsplanung 43

Empfohlene Veränderung
unter Berücksichtigung mini-
maler Eingriffe in das Trag-
werk

Grundriss 1. OG

Empfohlene Veränderung

Grundriss EG

Bild 2-7 Empfohlene Grundrissänderung


44 2 Planungsabläufe

Empfohlene Veränderung

Grundriss KG

Variante Zentrale WW-Bereitung


für Heizung und Warmwasser-
versorgung Energieträger Erd-
gas
Beachte: 2. Rettungsweg ohne
erhebl. konstruktive Änderung
möglich

Grundriss KG

Bild 2-8 Empfohlene Grundrissänderung mit Variante zur Raumnutzung


2.2 Entwurfsplanung 45

2
Varianten für Küchen und Bad-
möblierung
– Sanitärobjekt als Vorwand-
montagen
– Varianten gelten für Zentral-
oder Einzel WW-Heizung +
WW-Versorgung
– Energieträger Erdgas
– Einsatz von Solaranlage im
DG-Bereich empfohlen

Li. WE Var. 5
Re. WE Var. 2

Grundriss DG

Variante
1.1 Einzel WW-Bereitung

Grundriss EG

Bild 2-9 Funktionslösung Erdgeschoss/Dachgeschoss


46 2 Planungsabläufe

2
Varianten für Küchen und
Badmöblierung
– Sanitärobjekt als Vor-
wandmontagen
– Varianten gelten für Zent-
ral- oder Einzel WW-
Heizung
– Energieträger Erdgas

Li. WE Var. 1
Re. WE Var. 2

Varianten für Küchen und


Badmöblierung
– Sanitärobjekt als Vor-
wandmontagen
– Varianten gelten für
Zentral- oder Einzel
WW-Heizung
– Energieträger Erdgas

Li. WE Var. 3
Re. WE Var. 2

Bild 2-10 Funktionslösungen der Obergeschosse


2.2 Entwurfsplanung 47

2
Varianten für Küchen und
Badmöblierung
– Sanitärobjekt als Vor-
wandmontagen
– Varianten gelten für Zen-
tral- oder Einzel WW-
Heizung
– Energieträger Erdgas
– Einsatz von Solaranlage
im DG-Bereich empfoh-
len

Li. WE Var. 5
Re. WE Var. 2

Standardmöblierung
Variante 1 Thermoblock für WW-Heizung und WW-Versorgung
Variante 2 Zentrale Wärme- und Wasserversorgung (ohne Thermoblock)

Bild 2-11 Varianten der Funktionslösung


48 2 Planungsabläufe

2.3 Genehmigungsplanung

In der Genehmigungsplanung werden die Planungsunterlagen, Beschreibungen und Berech-


2 nungen der Entwurfsplanung mit den Zuarbeiten der Fachplaner zusammengefasst.
Sie dient als Grundlage für die Beantragung der Baugenehmigung nach der jeweiligen Lan-
desbauordnung, um eine Genehmigung bzw. Zustimmung zur Ausführung des Bauvorhabens
zu erhalten.
Mit der Genehmigungsplanung werden auch die Anträge auf Befreiung von Teilen des gelten-
den Baurechts gestellt, zum Beispiel wenn durch Anbauten Grenzabstände nicht mehr ein-
gehalten werden können. In diesem speziellen Fall müssen auch die Eigentümer der benach-
barten Grundstücke dazu in das Genehmigungsverfahren einbezogen werden.

2.4 Antrag auf Baugenehmigung

Die Einleitung eines bauaufsichtlichten Verfahrens wird mit dem Antrag auf Baugenehmigung
bei der territorial zuständigen Behörde erwirkt.
Für das bauaufsichtliche Verfahren werden Formblätter verwendet. Diese sind regional unter-
schiedlich. Sie gelten jeweils nur im zuständigem Territorium der betreffenden Landesbauord-
nung.

So kann zum Beispiel ein Bauantrag nach § 64 der sächsischen Bauordnung ausschließlich für
ein Vorhaben verwendet werden, welches in dem Bundesland liegt. Für eine genehmigungsbe-
dürftige Bausanierung sind im Regelfall die Formblätter
x Bauantrag und Baubeschreibung
erforderlich.
Klärung über gegebenenfalls weitere erforderliche Formblätter kann eine Konsultation der
zuständigen Baubehörden bringen.
Formblätter haben erfahrungsgemäß nur eine befristete Gültigkeit.
Zu den Landesbauordnungen können Durchführungsverordnungen erlassen werden, die weite-
re Hinweise zu den Bauvorlagen enthalten.
So kann zum Beispiel gefordert werden, dass Bauvorlagen aus alterungsbeständigem Papier
oder gleichwertigem Material lichtbeständig hergestellt, dem Format DIN A 4 entsprechen
oder auf diese Größe gefaltet sein müssen.
2.4 Antrag auf Baugenehmigung 49

Bild 2-12 Beispiel eines Bauantragformulars (Seite 1) der Landesbauordnung Sachsen [2]
50 2 Planungsabläufe

Bild 2-13 Beispiel eines Bauantragformulars (Seite 2) der Landesbauordnung Sachsen [2]
2.5 Ausführungsplanung 51

2.5 Ausführungsplanung

Die Ausführungsplanung ergänzt die Genehmigungsplanung mit Detailzeichnungen zur Lö-


sung besonderer konstruktiver Bedingungen. Die Ausführungsplanung setzt eine umfassende
2
Kenntnis der Baukonstruktion aus dem Zeitraum des Entstehens des Bauwerkes voraus, die zu
diesem Zeitpunkt dem damaligen Stand der Technik entsprach.
Die Schadenserfassung erfolgt im Regelfall zerstörungsfrei. Deshalb ist der Schadensumfang
an Gebäudeteilen im Rahmen der vorbereiteten Planung nicht immer in allen Bereichen er-
kennbar. Das betrifft insbesondere verdeckte Konstruktionselemente, die in der Phase der
Bauzustandsanalyse nicht freigelegt werden konnten.
Die Inhalte der Leistungsphasen bei der Planung von Sanierungsmaßnahmen entsprechen nicht
immer denen, wie sie bei Planungen von Neubauten üblich sind.
Die Änderungen der Funktionslösungen im Bestand sind in den vorgelagerten Planungsphasen
abgearbeitet.
Die Problemkreise
x Bauphysik
x Statik
x vorbeugender bautechnischer Brandschutz
x Fassadengestaltung
x Denkmalschutz
x Ver- und Entsorgung
sind entsprechend bei der Planung im Bestand – als Besonderheit – zu berücksichtigen.
Die Ausführungsplanung umfasst deshalb insbesondere Gebäude- und Konstruktionsteile,
welche erst in der Ausführungsphase freigelegt und eindeutig beurteilt werden können.
Schwerpunktbereiche können sein:
– Decken im Außenwandbereich
– verdeckte Tragglieder und
– Traufbereiche der Dachtragwerke
Eine Bewertung der Schäden an den
verdeckten Konstruktionsteilen kann
erst zweifelsfrei nach dem Entfernen
der Dachhaut erfolgen.

Bild 2-14 Simsdetail Baujahr 1937


52 2 Planungsabläufe

2.6 Bauüberwachung

2 2.6.1 Bautechnik

Der Bauüberwachung kommt bei der Durchführung einer Bausanierung ganz besondere Be-
deutung zu.
Bei Veränderungen an der Gebäudesubstanz können Probleme auftreten, die in der Phase der
Bauzustandsanalyse nicht erkannt werden konnten oder aus anderen Gründen nicht vorausseh-
bar waren.
Der Planer und auch der Bauausführende muss auf veränderte technisch-technologische Vor-
aussetzung reagieren und eine realisierbare Lösungsmöglichkeit vorschlagen.
Es ist eine Praxiserfahrung, dass oft erst in der Phase der Bauausführung Detaillösungen erar-
beitet werden können. Das sei damit begründet, dass verdeckte Konstruktionsglieder nur im
Rahmen der Bauausführung freigelegt werden können und damit der Bauzustand zweifelsfrei
beurteilt werden kann.

2.6.2 Arbeitsschutz

Zur Vorbeugung von Arbeitsunfällen sind gesonderte Aktivitäten erforderlich.


In der Bundesrepublik Deutschland ist seit 1998 eine Verordnung über die Sicherheit und den
Gesundheitsschutz auf den Baustellen gültig (Baustellenverordnung – BaustellV vom 10. Juni
1998). Sie regelt die:
x sicherheitstechnische Planung
x Koordinierung
x Beauftragung
x Pflichten der Arbeitgeber und sonstiger Personen
x Sanktionen
Vor dem Baubeginn sind deshalb die zuständigen Behörden gemäß den in der BaustellVO
festgelegten Kriterien zu informieren.
Bei Inanspruchnahme von öffentlichem Verkehrsraum für das Abstellen von Material oder
technologisch erforderlichen Geräten ist eine Genehmigung vom zuständigen Verwaltungsamt
einzuholen.
Den Bauherren sei zu empfehlen einschlägige Versicherungen abzuschließen.

2.7 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

Knipping, Hamminkeln 2-1


Kolbmüller, H., Leipzig 2-2, 2-5 bis 2-11; 2-14
Sächsische Bauordnung, Fassung vom 28. Mai 2004 2-12; 2-13
3 EnEV und Bauen im Bestand

Die EnEV bezieht sich explizit auch auf bestehende Gebäude und Anlagen. Aus diesem Grund
ist diese Verordnung auch im Bereich der Altbausanierung nicht nur aus rein energetischer
Sicht von besonderem Interesse.
Die Ausrichtung des Gesetzgebers auf die Bestandsgebäude ist nicht verwunderlich, wenn man
das enorme Einsparungspotential betrachtet. Der technische Stand, die Baustoffe und viele
andere Voraussetzungen haben sich seit der Erbauungszeit der Bestandsgebäude erheblich
entwickelt.
Dieses Kapitel kann nicht alle Belange der EnEV und Bauen im Bestand abhandeln. Es soll
lediglich einen Überblick des für die Bausanierung relevanten Inhaltes der EnEV und der da-
raus resultierenden Anforderungen an die Planung und Ausführung verschaffen.

3.1 Entwicklung der Energieeinsparverordnung (EnEV)

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) trat bereits am 01.02.2002 erstmals in Kraft und ver-
einte die bis zu diesem Zeitpunkt gültige „Verordnung über energiesparende Anforderungen
an heizungstechnische Anlagen und Warmwasseranlagen“ (HeizAnlV) und die Wärmeschutz-
verordnung in einem Gesetz. Eine erste Novellierung erfolgte am 18.11.2004 zum Zwecke der
Einführung von Verfahrensvereinfachungen und Beseitigung von ursprünglich bestandenen
Rechtsfragen zur Anwendung der EnEV. Die Anforderungskriterien an die technischen Para-
meter wurden im Zuge der Novellierung jedoch nicht geändert.
Am 01.10.2007 trat die EnEV 2007 in Kraft. Im Rahmen dieser Novellierung wurden nunmehr
Energieausweise auch für Bestandsgebäude zur Pflicht. Damit soll die Markttransparenz im
Gebäudebestand gestärkt werden. Ebenfalls neu sind bestimmte Anforderungen an Klimaanla-
gen und Beleuchtung in größeren Gebäuden. Bei Nichtwohngebäuden müssen im Einklang mit
der EU-Gebäuderichtlinie Kühleinrichtungen und Kunstlicht in die festgelegte Berechnung mit
einbezogen werden. Zu diesem Zweck wurde eine neue Norm, die DIN V 18599, bestehend
aus zwölf Teilen, erarbeitet. Die DIN V 18599 „Energetische Bewertung von Gebäuden“ wird
einen Vergleich von Gebäuden und technischen Systemen unter standardisierten Bedingungen
ermöglichen. Zwei weitere in diesem Zusammenhang bedeutende Normen sind die DIN 4108
sowie die DIN V 4701-10. Der DIN 4108 sind sämtliche Grundlagen für den Feuchte- und
Wärmeschutz, Luftdichtigkeit sowie die Anforderungen und Vorgaben der Nachweise zu ent-
nehmen. Die Ermittlung des Primärenergiebedarfes eines Gebäudes einschließlich der vorhan-
denen Anlagentechnik erfolgt u.a. nach DIN V 4701-10.
Die am 04.01.2003 in Kraft getretene EU-Richtlinie „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“
(Richtlinie 2002/91/EG) beschreibt weitere Entwicklungen hinsichtlich energetischer Gebäu-
destandards. Diese Richtlinie wurde mittlerweile in nationales Recht umgesetzt.
54 3 EnEV und Bauen im Bestand

Für die Kontrolle der Umsetzung der EnEV-Anforderungen vor Ort sind die einzelnen Bun-
desländer zuständig. Die Bundesländer legen dazu entsprechende Regelungen in Form von
Durchführungsverordnungen oder Erlassen fest.
Beispielsweise regeln die Bundesländer folgende Punkte:
x Berechtigung für die Ausstellung von Energiebedarfsausweisen für Neubauten
3 x Kontrolle der Nachrüstverpflichtungen
x Kriterien zur Kontrolle des Energiebedarfsnachweises durch die Behörde
x die Zuständigkeiten bei der Erteilung von Ausnahmen und Befreiungen
x die Verwendung von Bauprodukten und Anlagen

3.2 Inhalt der Energieeinsparverordnung (EnEV)


Die EnEV regelt im Wesentlichen folgende Punkte:
x Energieausweise für Gebäude
x Energetische Mindestanforderungen für Neubauten
x Energetische Mindestanforderungen für Modernisierung, Umbau, Ausbau und Erweiterung
bestehender Gebäude
x Mindestanforderungen für Heizungs-, Kühl- und Raumlufttechnik sowie Warmwasserver-
sorgung
x Energetische Inspektion von Klimaanlagen
Die EnEV bezieht sich auf sämtliche beheizten, aber auch gekühlte Gebäude und Gebäudetei-
le. Dabei ist zu beachten, dass Sonderregelungen für Gebäude gelten, die nicht regelmäßig
beheizt oder gekühlt werden. Für Bauwerke, die planmäßig nur vorübergehend – also zeitlich
begrenzt – genutzt werden, wie beispielsweise Zelte oder Bauwerke für spezielle Nutzungen,
(Gewächshäuser und Ställe) gelten ebenfalls Sonderregelungen.
Die EnEV muss nicht vereinbart werden, sondern ist als Verordnung in jedem Fall strikt ein-
zuhalten. Die Nichteinhaltung der Vorgaben der EnEV stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.
Beispiele für Ordnungswidrigkeiten:
x Ausstellen eines Energieausweises ohne Berechtigung (Qualifizierung)
x Vorenthalten eines vorhandenen Energieausweises durch den Eigentümer

3.3 Vorplanung

3.3.1 Anforderungen an bestehende Gebäude

Bestehende Gebäude und Anlagen werden im Abschnitt 3 der EnEV 2007, §§ 9 bis 12 abge-
handelt. Im § 9 werden die Anforderungen bei Änderungen an Gebäuden beschrieben.
Wenn Änderungen an beheizten oder gekühlten Räumen in bestehenden Gebäuden vorge-
nommen werden, darf der Jahresprimärenergiebedarf und der spezifische Transmissionswär-
meverlust die bei Neubauten zulässigen Werte (siehe Tabelle 3-1) nicht um mehr als 40 %
überschreiten.
3.3 Vorplanung 55

Tabelle 3-1 Höchstwerte des auf die Gebäudenutzfläche bezogenen Jahresprimärenergie-


bedarfs und des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche
bezogenen Transmissionswärmeverlusts in Abhängigkeit vom Verhältnis
A/Ve (EnEV, Anlage 1, Tabelle 1)

Spezifischer, auf die wärme-


Jahres-Primärenergiebedarf
übertragende
Umfassungsfläche
3
Qp´´ in kWh/(m²ຘ a) bezogener
Verhältnis bezogen auf die Gebäudenutzfläche Transmissionswärmeverlust
A/Ve
Wohngebäude mit HTಿ in W/(m²ຘ K)
Wohngebäude
überwiegender Warm-
(außer solchen nach
wasserbereitung aus
Spalte 3) Wohngebäude
elektrischem Strom
1 2 3 4
ื 0,2 66,00 + ˂ QTW 83,80 1,05
0,3 73,53 + ˂ QTW 91,33 0,80
0,4 81,06 + ˂ QTW 98,86 0,68
0,5 88,58 + ˂ QTW 106,39 0,60
0,6 96,11 + ˂ QTW 113,91 0,55
0,7 103,64 + ˂ QTW 121,44 0,51
0,8 111,17 + ˂ QTW 128,97 0,49
0,9 118,70 + ˂ QTW 136,50 0,47
1 126,23 + ˂ QTW 144,03 0,45
ุ 1,05 130,00 + ˂ QTW 147,79 0,44

Der Jahresprimärenergiebedarf Qp in kWh/(m² · a) wird im Rahmen des vereinfachten Berech-


nungsverfahrens aus dem
x Jahresheizwärmebedarf Qh in kWh/(m² · a),
x dem Zuschlag für Warmwasser Qw in kWh/(m² · a) sowie der
x Anlagenaufwandszahl ep

wie nachstehend ermittelt:


Qp = (Qh + Qw) * ep

Alternativ zu den genannten Gesamtenergieeffizienzanforderungen können nach § 9, Absatz 3


die Vorgaben für einzelne Bauteile der Anlage 3, Tabelle 1 herangezogen werden (siehe Ta-
belle 3-2). Änderungen an wärmetauschenden Außenbauteilen mit einer Fläche von weniger
als 20 % der Bauteilflächen gleicher Orientierung unterliegen bei Wohngebäuden nicht den
genannten energetischen Anforderungen an einzelne Bauteile oder der Gesamtenergieeffizienz
des Gebäudes.
56 3 EnEV und Bauen im Bestand

Tabelle 3-2 Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bei erstmaligem Einbau, Ersatz


und Erneuerung von Bauteilen

Zeile Bauteil Maßnahme Wohngebäude und Zonen von Nicht-


nach Zonen von Nicht- wohngebäuden mit
wohngebäuden mit Innentemperaturen
Innentemperaturen von 12 bis < 19°C
3 >/= 19°C
Maximaler Wärmedurchgangskoeffizient
1)
Umax in W/(m²*K)

1 2 3 4
1a Außenwände allgemein 0,45 0,75
b Nr. 1 b, d und e 0,35 0,75
2) 2)
2a Außen liegende Nr. 2 a und b 1,7 2,8
Fenster, Fenstertüren,
Dachflächenfenster
3)
b Verglasungen Nr. 2 c 1,5 keine Anforderung
4) 4)
c Vorhangfassaden allgemein 1,9 3,0
2) 2)
3a Außen liegende Nr. 2 a und b 2,0 2,8
Fenster, Fenstertüren,
Dachflächenfenster mit
Sonderverglasungen
3)
b Sonderverglasungen Nr. 2 c 1,6 keine Anforderung
4) 4)
c Vorhangfassaden mit Nr. 6 Satz 2 2,3 3,0
Sonderverglasungen
4a Decken, Dächer und Nr. 4.1 0,3 0,4
Dachschrägen
b Flachdächer Nr. 4.2 0,25 0,4
5a Decken und Wände Nr. 5 b und e 0,4 keine Anforderung
gegen unbeheizte
Räume oder Erdreich
b Nr. 5 a, c, d 0,5 keine Anforderung
und f

2)
Bemessungswert des Wärmedurchgangskoeffizienten des Fensters; der Bemessungswert des Wärmedurchgangskoef-
fizienten des Fensters ist technischen Produkt-Spezifikationen zu entnehmen oder gemäß den nach den Landesbau-
ordnungen bekannt gemachten energetischen Kennwerten für Bauprodukte zu bestimmen. Hierunter fallen insbeson-
dere energetische Kennwerte aus europäischen technischen Zulassungen sowie energetische Kennwerte der Rege-
lungen nach der Bauregelliste A Teil 1 und auf Grund von Festlegungen in allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassun-
gen.
3)
Bemessungswert des Wärmedurchgangskoeffizienten der Verglasung; der Bemessungswert des Wärmedurchgangs-
koeffizienten der Verglasung ist technischen Produkt-Spezifikationen zu entnehmen oder gemäß den nach den Lan-
desbauordnungen bekannt gemachten energetischen Kennwerten für Bauprodukte zu bestimmen. Hierunter fallen
insbesondere energetische Kennwerte aus europäischen technischen Zulassungen sowie energetische Kennwerte der
Regelungen nach der Bauregelliste A Teil 1 und auf Grund von Festlegungen in allgemeinen bauaufsichtlichen Zu-
lassungen.
4)
Wärmedurchgangskoeffizient der Vorhangfassade; er ist nach anerkannten Regeln der Technik zu ermitteln.
3.3 Vorplanung 57

Des Weiteren bestehen Pflichten zur Nachrüstung von bestehenden Gebäuden und Anlagen,
welche im Einzelfall unter Beachtung von § 10 sorgfältig zu prüfen sind. So müssen bei-
spielsweise ungedämmte und nicht begehbare (jedoch zugängliche) Geschossdecken beheizter
Räume dann nachträglich gedämmt werden, wenn nach dem 01. Februar 2002 ein Eigentü-
merwechsel erfolgte oder erfolgt. Der Wärmedurchgangskoeffizient darf 0,30 W/m2K nicht
überschreiten. Weitere Verpflichtungen zur Nachrüstung bzw. Außerbetriebnahme von Heiz-
kessel ergeben sich unter bestimmten Bedingungen aus dem § 10, Abs. 1 und 2.
3
Die Planung muss stets nach dem Grundsatz der Aufrechterhaltung der energetischen Qualität
erfolgen. Eine energetische Verschlechterung des betreffenden Gebäudes ist nach § 11 generell
nicht zulässig. Dies bezieht sich nicht nur auf wärmetauschende Bauteile wie z. B. Außenwän-
de und Fenster, sondern genauso auf Anlagen der Kühl- und Raumlufttechnik.

3.3.2 Wärmebrücken

Wärmebrücken sind partielle Bereiche mit einem geringeren Wärmeschutz als die umgebenden
wärmetauschenden Bauteile. Zu unterscheiden sind geometrische Wärmebrücken (z. B. Au-
ßenkanten), stoffbezogene Wärmebrücken (Materialwechsel zwischen Baustoffen mit ver-
schiedenen Wärmeleitfähigkeiten) und luftströmungsbedingte Wärmebrücken. Tabelle 3-3
zeigt typische Beispiele für Wärmebrücken:

Tabelle 3-3 Beispiele für Wärmebrücken

Klassifizierung der
Ursachen Beispiele
Wärmebrücken
massive Gebäudeaußenkanten (größe-
re Außenoberfläche als Innenoberflä-
Geometrische Wärmebrücke geometrisch bedingt che)
Außenkanten an offenen Hofdurchfahr-
ten
ungedämmte Stahlbetonstützen in
hochdämmenden Mauerwerk
an den Stirnseiten ungedämmte Be-
tondecken
Stoffbezogene (konstruktive)
stofflich bedingt
Wärmebrücken Fassadendämmung endet an der
Kellerdecke. Der Sockelbereich ist
nicht gedämmt.
thermisch nicht entkoppelte Balkon-
kragplatte
offene Fugen, Beschädigung oder
Luftundichtigkeiten luftströmungsbedingt Funktionsuntüchtigkeit der Dampfsper-
re oder Luftdichtheitsschichten

Je besser ein Gebäude gedämmt ist, desto geringer sind die Verluste der gut gedämmten Wär-
mebrücken. Allerdings kann der prozentuale Anteil der Wärmebrückenverluste am Gesamt-
transmissionswärmeverlust nach Einbau einer Wärmedämmung ansteigen. Bei der Berechnung
des Jahresheizwärmebedarfs müssen die am Gebäude vorhandenen Wärmebrücken wie folgt
ausreichend berücksichtigt werden:
58 3 EnEV und Bauen im Bestand

x durch genauen Nachweis gemäß DIN V 4108-6 sowie nach den anerkannten Regeln der
Technik, oder
x bei normierten wärmebrückenarmen Konstruktionen nach Beiblatt 2 der DIN 4108 unter
Berücksichtigung eines „Aufschlages“ von 'UWB = 0,05 W/m²K auf die gesamte wärme-
übertragende Umfassungsfläche, oder
x als Pauschalzuschlag von 'UWB = 0,10 W/m²K für die gesamte wärmeübertragende Um-
3 fassungsfläche ohne weiteren Nachweis der Wärmebrücken.

3.3.3 Vor-Ort-Energieberatung

Um die energetische Qualität des zu sanierenden Gebäudes insgesamt beurteilen zu können,


energetische „Schwachstellen“ aufzudecken sowie verschiedene Sanierungsmaßnahmen so-
wohl mit dem Ist-Zustand als auch untereinander direkt vergleichen zu können, ist eine Ener-
giesparberatung (Vor-Ort-Beratung) sinnvoll. Die Energiesparberatung sollte mindestens fol-
gendes beinhalten:
1. Vorschläge zur energetischen Verbesserung der Gebäudehülle, zur Minderung der Lüf-
tungswärmeverluste, zu Verbesserungen am Heizungssystem und der Warmwasserberei-
tung. Dabei sollten die Vorschläge als Einzelmaßnahmen und zusätzlich als sinnvolle
Maßnahmenpakete ausgearbeitet werden.
2. Grobkostenschätzung für die vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen und Maßnahmenpakete
um einen Vergleich durchführen zu können.
3. Berechnung der Amortisationszeit für die notwendigen Investitionen.
4. Der Einsatz erneuerbarer Energien sollte generell geprüft werden.
Ein verwertbarer Beratungsbericht ist eine gute Grundlage energetische Investitionen sinnvoll
und angemessen einzusetzen, weil
x sämtliche zu betrachtenden Parameter mit der energetischen Ausgangssituation des Gebäu-
des (Bestand) mit jeder einzelnen Sanierungsvariante detailliert verglichen und
x die verschiedenen Varianten auch untereinander gegenübergestellt werden.
Vor Beauftragung der Vor-Ort-Beratung kann eine eventuell mögliche Förderung durch das
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geprüft werden.
Der Energieausweis auf Basis des Energiebedarfes kann mit relativ geringem Aufwand als
Einstiegsberatung erweitert werden. Für den Bedarfsausweis ermittelten Kenndaten können für
die Modernisierungsplanung genutzt werden. Ein Vollkostenvergleich verschiedener Heizan-
lagenvarianten nach VDI 2067 ist generell empfehlenswert.

3.4 Neue Anforderungen an alte Gebäude

Neu an der EnEV 2007 ist die Methodik der Bilanzierung, nicht aber das eigentliche Anforde-
rungsniveau an die energetische Qualität von Wohn- und Nichtwohngebäuden.
Fest installierte Klimaanlagen mit einer Nennleistung über 12 kW müssen alle zehn Jahre
überprüft werden. Anlagen, die älter als 20 Jahre sind, müssen spätestens innerhalb von zwei
Jahren nach Inkrafttreten der EnEV inspiziert werden. Jüngere Anlagen genießen eine Über-
gangsfrist von vier bis sechs Jahren.
3.4 Neue Anforderungen an alte Gebäude 59

Die Überprüfung bezieht sich auf alle Systemkomponenten, welche einen Einfluss auf den
Wirkungsgrad der gesamten Anlage haben.
Dazu gehören:
x Auslegung der Anlage auf Raumnutzung und -belegung sowie Nutzungszeiten
x innere Wärmequellen sowie relevante bauphysikalische Eigenschaften des Gebäudes
x geforderte Sollwerte (Luftmengen, Temperatur, Feuchte, Betriebszeit, Toleranzen) 3
x Feststellung der Effizienz der wesentlichen Komponenten der Anlage
Des Weiteren müssen kurz gefasste fachliche Ratschläge für die kostengünstige Verbesserung
der energetischen Qualität der Klimaanlage, deren Austausch oder für Alternativlösungen vom
Prüfer abgegeben. Die genannten Inspektionen dürfen von Ingenieuren der Fachrichtungen
Versorgungstechnik, technischen Gebäudeausrüstung, Maschinenbau, Verfahrenstechnik und
Bauingenieurwesen, wenn sie über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen, durchgeführt
werden.
Die Primärenergetische Bewertung von Strom wurde in der EnEV 2007 anders gehandhabt als
in der nicht mehr gültigen Fassung. Der Primärenergiefaktor für Strom wurde nunmehr von
3,0 auf 2,7 verringert.

3.4.1 Anforderungen an Wohngebäude

Die von fest installierten Klimaanlagen benötigte Energie in Wohngebäuden fließt – wie bei
den Nichtwohngebäuden – mit in den Bilanzierungsrahmen ein. Dafür erhöht sich als Aus-
gleich der zulässige Höchstwert für den Jahresprimärenergiebedarf gegenüber Gebäuden ohne
Klimaanlage. Dagegen bleibt bei Wohngebäuden die installierte Beleuchtung unberücksichtigt.
Der Primärenergiefaktor berücksichtigt bekanntlich sämtliche Verluste, die von der Gewin-
nung des Energieträgers an seiner Quelle, bei seiner Aufbereitung und für den Transport zum
Verbraucher (Gebäudegrenze) anfallen. Strom wird mit der Novellierung der EnEV 2007 pri-
märenergetisch um 10 % vom Faktor 3,0 auf 2,7 verringert. Somit wird - analog zu den ande-
ren Energieträgern - nur der nicht erneuerbare Anteil berücksichtigt. Um das Bilanzierungser-
gebnis nicht zu verfälschen, wurden gleichzeitig bei Wohngebäuden mit überwiegender
Warmwasserbereitung mit Strom die zulässigen Höchstwerte des Jahresprimärenergiebedarfs
verringert.

3.4.2 Anforderungen an Nichtwohngebäude

Hinsichtlich des Jahresprimärenergiebedarfes sind an neue Nichtwohngebäude die gleichen


Anforderungen wie an Wohngebäude zu stellen.
Wie bereits dargelegt sind im Bilanzrahmen zusätzlich zum Energiebedarf für Heizung,
Warmwasserbereitung und Lüftung auch die Anteile für Kühlung und eingebaute Beleuchtung
erfasst.
Die Berechnung erfolgt nach der DIN V 18599. Dabei werden die Anforderungen über ein
Referenzgebäude festgelegt, welches dem tatsächlichen Gebäude in Bezug auf Geometrie,
Nettogrundfläche, Ausrichtung und Nutzung entspricht und dessen technische Ausführung
jedoch nach Anlage 2 der EnEV definiert ist. Die Bewertung der wärmetauschenden Flächen
(Gebäudehülle) und die Begrenzung des Sonneneintrags ist ebenfalls Bestandteil.
60 3 EnEV und Bauen im Bestand

3.4.3 Energieausweise

Für Neubauten sowie bei wesentlichen Umbauten sind bereits mit der EnEV 2002 Energie-
ausweise Pflicht. Im Rahmen der Novellierung der EnEV im Jahr 2007 wurden nunmehr E-
nergieausweise auch für Bestandsgebäude erforderlich. Damit soll die Markttransparenz im
Gebäudebestand maßgeblich gestärkt werden. Dazu sind in den Anlagen 6 bis 9 der EnEV
3 2007 neue und einheitliche Formularentwürfe für Energieausweise für Neubauten und Be-
standsgebäude enthalten.

Bild 3-1 Energieausweis für Wohngebäude, auszugsweise („Quelle: dena/BMVBS“)

Für kleine Gebäude unter 50 m² Nutzfläche sowie geschützte Baudenkmäler besteht keine
Pflicht für Energieausweise. Bei den anderen (größeren) Gebäuden ergibt sich die Pflicht erst
dann, wenn ein Nutzerwechsel erfolgt oder andere Gründe zur Ausstellung eines Energieaus-
weises bestehen.
Energieausweise müssen eingeholt werden wenn Gebäude oder Gebäudeteile (Wohnungen,
einzelne Nutzeinheiten):
x neu gebaut,
x veräußert,
x verpachtet,
x vermietet oder
x geleast
3.4 Neue Anforderungen an alte Gebäude 61

werden. Bei Wohngebäuden mit Fertigstellungsdatum bis 1965 beginnt die Verpflichtung am
01. Juli 2008. Alle anderen Wohngebäude werden erst ab 01. Januar 2009 und Nichtwohnge-
bäude am 01. Juli 2009 in die Verpflichtung einbezogen.
Für öffentliche Gebäude, wie beispielsweise Rathäuser, Schulen, Krankenhäuser usw. mit
einer Nutzfläche von mehr als 1000 m² und regelmäßigem Publikumsverkehr muss ab 01. Juli
2009 ein Energieausweis gut einsehbar ausgehängt werden. Auf freiwilliger Basis ist die Aus- 3
stellung des Energieausweises natürlich jederzeit möglich und vor energetischen Sanierungen
mit einem Ist-Soll-Vergleich durchaus sinnvoll.
Potentiellen Kauf- oder Mietinteressenten muss der Energieausweis gegebenenfalls mit Mo-
dernisierungsempfehlungen nunmehr auf Verlangen vorgelegt werden. Für Sanierungsmaß-
nahmen oder Umbauten muss nur dann ein Energieausweis ausgestellt werden, wenn ohnehin
eine Berechnung des Primärenergiebedarfs für das gesamte Gebäude im Rahmen der Planung
bzw. Genehmigungsverfahrens erfolgen muss. In diesem Fall ist die Erstellung des Ausweises
kostengünstig möglich, da die erforderlichen Kenndaten und Berechnungen bereits vorliegen.
Bei neu erstellten Objekten erhalten die Käufer den Energieausweis entweder vom Architekten
oder vom Bauträger.
Energieausweise werden im Regelfall für das gesamte Gebäude – nicht für einzelne Mietberei-
che – erstellt. Ein Ausweis für Teilbereiche bzw. Zonen ist nur bei gemischter Nutzung
(Wohnzwecke und Nichtwohnzwecke) eines Gebäudes möglich bzw. vorgeschrieben. Die für
die Kühlung benötigte Energie wird nur pauschal erfasst.
Zur besseren Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit für den technischen Laien müssen die
vier Seiten des Energieausweises einheitlich gestaltet sein. Darin enthalten sind die wichtigsten
Kenndaten des betreffenden Gebäudes, das bekannte „Energielabel“ mit leicht verständlichen
Vergleichswerten und gegebenenfalls mit kurzen individuellen Modernisierungsempfehlungen.
Letzteres ist immer dann notwendig, wenn mit kostengünstigen Modernisierungsmaßnahmen
eine Verbesserung der Energieeffizienz erreicht werden kann. Eine Vor-Ort-Energieberatung
mit einem detaillierten Ist-Soll-Vergleich kann damit jedoch nicht ersetzt werden.
Bei Bestandsgebäuden, unabhängig ob es sich um ein Wohn- oder Nichtwohngebäude handelt,
können Energieausweise wahlweise auf Basis des ingenieurmäßig berechneten Energiebedarfs
oder nach dem gemessenen Energieverbrauch nach den verbindlichen Berechnungsvorschrif-
ten der EnEV ausgestellt werden. Für Wohngebäude mit Bauantrag vor dem 01. November
1977 mit weniger als fünf Wohnungen sollen ausschließlich bedarfsbasierende Ausweise aus-
gestellt werden. Davon kann nur dann abgewichen werden, wenn zum Zeitpunkt des Baus oder
durch nachträgliche Modernisierungen der Wärmeschutz nach der 1. Wärmeschutzverordnung
aus dem Jahr 1977 nachweislich erreicht wurde.
Nach der derzeit gültigen EnEV besteht im Zeitraum zwischen dem Datum des Kabinettsbe-
schlusses am 25.04.2007 und dem 01.10.2008 für sämtliche Gebäude Wahlfreiheit zwischen
Verbrauchs- und Bedarfsausweis. Ob die Entscheidung der Eigentümer von den zu erwarten-
den Energiepreissteigerungen oder nur kurzfristig von der kostengünstigste Variante des Ener-
gieausweises abhängig gemacht wird, bleibt abzuwarten.
Während bei Neubauten die Planungsunterlagen für die Erstellung des Ausweises herangezo-
gen werden können, sollte bei Bestandsgebäuden zur Ausstellung von Bedarfsausweisen im
Regelfall eine Ortsbegehung durch den Ausstellenden zur Ermittlung folgender technischer
Parameter erfolgen:
x Maße
x Verbrauchsdaten (nur für Vergleichszwecke)
62 3 EnEV und Bauen im Bestand

x energetische Qualität der Außenbauteile


x technische Daten und Zustand der Heizungsanlage
und bei Nichtwohngebäuden zusätzlich
x alle Angaben zur Beleuchtungstechnik, Klimatisierung, Gebäudetechnik unter Berücksich-
tigung von DIN 18599
3 Eventuell kann ein sachkundiger Eigentümer die erforderlichen Daten (beispielsweise mit
Hilfe eines im Bundesanzeiger veröffentlichten Erhebungsbogens) selbst ermitteln und dem
Aussteller zur Verfügung stellen. Der Aussteller hat die Angaben des Bauherren auf Schlüs-
sigkeit zu prüfen. Es wird darauf hingewiesen, dass nur der Sachkundige (Aussteller) vor Ort
bestimmte energetisch relevante Gegebenheiten erkennen kann. Von der Qualität der Be-
standsaufnahme vor Ort hängt letztendlich die Beurteilung der kostengünstigsten Modernisie-
rungsmaßnahme ab, so dass auf eine Inaugenscheinnahme des Gebäudes durch den Aussteller
aus technischer Sicht dringend zu empfehlen ist.
Die „Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohngebäu-
debestand vom 26. Juli 2007“ enthält bestimmte Vereinfachungen zur Aufnahme der geometri-
scher Abmessungen und Ermittlung energetischer Kennwerte für Bauteile und Anlagenkom-
ponenten im Bestand und gesicherte Erfahrungswerte für Bauteile und Anlagenkomponenten
von bestehenden Wohngebäuden. Die Vereinfachungen nach dieser Bekanntmachung können
unter folgenden Voraussetzungen angewendet werden:
x dass im Rahmen des in § 9 Abs. 2 Satz 1 EnEV bezeichneten Berechnungsverfahrens bzw.
in den Fällen des § 17 Abs. 2 Satz 4 EnEV (Anforderungsniveau der Wärmeschutzverord-
nung 1977) im Rahmen des Berechnungsverfahrens nach Nummer 5 dieser Bekanntma-
chung Angaben zu geometrischen Abmessungen von Gebäuden fehlen und diese durch
vereinfachtes Aufmaß ermittelt werden sollen oder
x energetische Kennwerte für bestehende Bauteile und Anlagenkomponenten nicht vorliegen
und gesicherte Erfahrungswerte für Bauteile und Anlagenkomponenten vergleichbarer Al-
tersklassen verwendet werden sollen.
Die Gültigkeit eines Ausweises beträgt normalerweise 10 Jahre.

3.5 Energetische Sanierung

3.5.1 Innendämmung

Außenwände an Bestandsbauten weisen oftmals einen Wärmedurchlasswiderstand von ca. 0,5


m²K/W auf. Um den Wärmeschutz zu verbessern und die Mindestanforderungen nach DIN
4108-2 sicherzustellen, muss eine zusätzliche Dämmung (30 mm mit WLG 040, Ȝ = 0,04
W/mK) aufgebracht werden. Ein Problem bei Bestandsbauten kann die Fassadengliederung
darstellen. Gesimse, Fenstergewände und Bauzier stehen dem nachträglichen Einbau einer
Wärmedämmung aus ästhetischen oder denkmalpflegerischen Gründen oftmals entgegen. In
solch einem Fall bleibt oftmals der Einbau einer Innendämmung die einzige Möglichkeit zur
Verbesserung des Wärmeschutzes.
Der Einbau einer Innendämmung bedarf jedoch einer besonders sorgfältigen Planung und
Ausführung, da die Gefahr der Tauwasserbildung mit den entsprechenden Folgeerscheinungen
genauer betrachtet werden muss. Grundsätzlich ist zu beachten, dass Innendämmungen zu
3.5 Energetische Sanierung 63

einer Absenkung des Temperaturniveaus in der dahinter liegenden Außenwand führen. Je


dicker die Innendämmung desto höher sind die Oberflächentemperaturen auf der raumseitigen
Wandfläche, und desto niedriger ist die Temperatur des Außenmauerwerks. Hinter der Innen-
dämmung ist die massive Außenwand von der Wärmezufuhr aus dem Rauminneren „abge-
schnitten“, so dass die Temperatur zwischen Dämmung und Mauerwerk unter den Taupunkt
der Raumluft sinken kann. Bei einer eventuellen Feuchtekonvektion sowie durch Wasser-
dampfdiffusion kommt es sodann zur Feuchteanreicherung im Wandquerschnitt. Nicht selten
3
siedeln sich Schimmelpilze in Hohlräumen hinter technisch mangelhaft ausgeführten Innen-
dämmungen an, da sie dort optimale Lebensbedingungen vorfinden.
Aus diesem Grund müssen Hohlräume hinter der Dämmung unbedingt vermieden werden. Das
Ansetzen von steifen Dämmplatten auf Mörtelbatzen führt zwangsläufig zum genannten
Feuchteschaden durch Tauwasser hinter der Dämmung. Bei unebenen Untergründen sind ent-
weder anpassungsfähige weichere Faserdämmstoffe oder Dämmputze zu bevorzugen. Wenn
Hohlräume tatsächlich unvermeidbar sind, muss eine Luftdichte Ausführung konsequent abge-
sichert werden. Diese beinhaltet allerdings alle Anschlüsse und Durchdringungen.
Besonderes Augenmerk ist auf Holzbalkendecken zu richten. Da die luftdichte Ausführung im
Bereich der Geschossdecken in der Regel unterbrochen werden muss, sind Balkenköpfe im
Außenmauerwerk durch das Absinken der Wandtemperaturen besonders gefährdet (Bild 3-1).
Bei einem Ansteigen der Holzfeuchte bereits ab ca. 20% über einen längeren Zeitraum besteht
grundsätzlich Gefahr durch holzzerstörende Pilze.
Zu dicke Innendämmungen führen vermehrt zu Feuchteproblemen im Anschlussbereich zu
nicht gedämmten Bereichen auf Grund der niedrigen Oberflächentemperatur. Neben der Wahl
der richtigen Wärmeleitfähigkeitsgruppe, der Dämmstoffdicke und Dämmstoffart ist ein keil-
förmiges Auslaufen der Dämmung zu ungedämmten Wandbereichen empfehlenswert.

Bild 3-2 Balkenauflager im Außenmauerwerk mit unterbrochener Dampfbremse


64 3 EnEV und Bauen im Bestand

Der Transmissionswärmeverlust wird bei einer Innendämmung grundsätzlich nicht mit der
gleichen Intensität einer Außendämmung verringert. Dies liegt an den zahlreichen Unterbre-
chungen der Dämmung an einbindenden Innenwänden und Geschossdecken, welche sich als
konstruktive und geometrische Wärmebrücken auswirken.

3 3.5.2 Beispiel Mehrfamilienhaus (erbaut ca. 1900)

Typische Ausgangssituation ist bei der Bauzustandsanalyse bei Bestandsbauten oftmals fest-
stellbar (rein exemplarisch):
x Mauerwerk besteht aus Vollziegel (1.800 kg/m³, Kleinformat, d= 40cm
x Relativ schlicht ausgeführte Straßen und Hoffassaden ohne Bauzier (keine denkmalpflege-
rischen Auflagen)
x Feuchtschäden im Sockelbereich aufgrund fehlender Horizontalsperre im Mauerwerk
x Gasetagenheizungen/Kombigeräte für Beheizung und Warmwasserbereitung
x Kellerdecke: Gewölbedecken, Kappendecken, Betondecken zw. Stahlträgern
x Außenwand Bestand: U-Wert rechnerisch: 1,513 W/m²K
Wärmedurchlasswiderstand rechnerisch: 0,491 m² * K/W
Auf der Grundlage des o. a. vorgefundenen Bestandes könnten folgende Maßnahmen zur Ver-
ringerung des Transmissionswärmeverlustes geplant und durchgeführt werden:
x Dämmung sämtlicher Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem 80 mm, WLG 035 bis
mindestens 50 cm unterhalb der Kellerdecke
x Zu erreichende U-Werte: max. 0,35 W/m²K
x Nachbildung Fenstergewände und Fensterbänke im Bereich WDVS, Abschlagen des vor-
handenen Putzes

Bild 3-3 Einbau einer Mineral-


wolledämmung
3.5 Energetische Sanierung 65

x „Trockenlegung“ Kellermauerwerk vor Dämmmaßnahme


x Abstimmung Fenstererneuerung/Fensterprofil an Dämmmaßnahme
x Einsatz innovativer Dämmstoffe/dünnere Dämmstoffdicken = optisch verbesserter Fenster-
bereich, keine Veränderung am Dachanschluss
Mögliche Ertüchtigung der Fenster:
x Einbau Holzfenster, 2-fach/3-fach Wärmeschutzisolierverglasung 3
x Abstimmung Rahmenbreite mit Dämmmaßnahme (Überschneidung >/= 3 cm)
x verbesserter Randverbund (Kunststoff, Edelstahl)
x Einbaufuge zum Mauerwerk nach RAL (innen dichter als außen)
x Schlagregendichter Anschluss in Verbindung mit WDVS (Anputzleiste)
x Einbau von Lüftungsventilen für Abluftanlage
x Bei Erneuerung der Fenster ohne Wärmedämmung der Wandflächen mögliche Feuchtebil-
dung/Schimmel im Wandbereich (U-Wert Fenster ” U-Wert Wand) prüfen!
x Nachbildung alter Fensterprofile/Denkmalschutz, Wiederherstellung Mittelteilung Fenster
Mögliche Ertüchtigung der Kellerdecke (Keller außerhalb der thermischen Hülle):
x Dämmung unterhalb z. B. mit Polystyrol, Mineralwolle, WLG 035
x Bei geringer Durchgangshöhe Einsatz von innovativen Dämmstoffen mit geringerer Wär-
meleitfähigkeit bei geringer Dämmstoffdicke.
Die Heizung muss schlussendlich an die neuen Bedingungen (geringerer Transmissionswär-
meverlust) angepasst werden. Hierzu ist eine neue Heizlastberechnung erforderlich. Dabei ist
Zielstellung ein möglichst geringer Primärenergiebedarf unter Berücksichtigung der jeweiligen
Amortisationszeit.
Mögliche Ertüchtigung der Heizungsanlage:
x Einbau einer Zentralheizung mit Brennwertkessel
x Einbau thermischer Solaranlagen zur Warmwasserbereitung/Heizungsunterstützung
x Einbau Abluftanlagen/Zu-Abluftanlagen zur Begrenzung der Lüftungswärmeverluste

3.5.3 Beispiel Ertüchtigung einer Außenwand

Anhand einer Außenwand wird exemplarisch der Mindestwärmeschutz rechnerisch geprüft


und bei Unterbemessung ein Sanierungsvorschlag unterbreitet:

Bewertung des energetischen Ist-Zustandes


Schichtenfolge: 1,5 cm Innenputz
36,5 cm Vollziegel
2,0 cm Außenputz

d1 d2 d3 0, 015 0,365 0, 020


R vorh   in m 2 ˜ K / W   0, 49 m 2 ˜ K / W
O2 O2 O3 0,87 0,81 0,87

Rvorh = 0,49 m2 · K/W < Rmin = 1,20 m2 · K/W


Die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 sind nicht erfüllt. Eine zu-
sätzliche Dämmung ist zwingend erforderlich.
66 3 EnEV und Bauen im Bestand

Mögliche energetische Ertüchtigung der Außenwand


Wärmeübergangswiderstände: Rsi = 0,13 m2 · K/W und Rse = 0,04 m2 · K/W
Ugew = 0,35 W/(m2 · K) 1/Ugew = RT = 2,86 m2 · K/W
Rerf = 1/Ugew - (Rsi + Rse)
3 Rerf = 2,86 - (0,13 + 0,04) = 2,69 m2 · K/W
'Rerf = Rerf - Rvorh = 2,69 - 0,49 = 2,20 m2 · K/W
Um die Mindestanforderungen nach dem Bauteilverfahren der EnEV zu erfüllen, muss der
Wärmedurchlasswiderstand R der zusätzlichen Dämmung mindestens 2,20 m²*K/W betragen.

Beispielrechnung mit 8 cm Mineralwolledämmung mit WLG 035

d K 0, 080
R in m 2 ˜ 2, 286 m 2 ˜ K / W
O W 0, 035

d1 d2 d3 d4 0, 015 0,365 0, 020 0, 080


R    in m 2 ˜ K / W    2, 777 m 2 ˜ K / W
O2 O2 O3 O4 0,87 0,81 0,87 0, 035
R = 2,777 m2 · K/W > Rmin = 1,20 m2 · K/W
Die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes nach DIN 4108-2 sind erfüllt.

1 1
U 0,339 W /(m 2 ˜ K)
R si  R  R se 0,13  2, 777  0, 04

Uvorh = 0,339 W/(m² · K) < Umax = 0,35 W/(m² · K)


Die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes nach dem Bauteilverfahren gemäß EnEV,
Anlage 3, Tabelle 1 sind somit ebenfalls erfüllt.

Sanierungsempfehlung in Bezug auf Wärmeschutz


Auf der Grundlage der dargestellten Beispielrechnung könnte die betreffende Außenwand mit
einer 8 cm dicken Mineralwolledämmung der WLG 035 (Ȝ = 0,035 W/mK) versehen werden,
um die Mindestanforderungen nach dem Bauteilverfahren gemäß EnEV, Anlage 3, Tabelle 1
zu gewährleisten.
3.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter 67

3.6 Normen, Richtlinien, Merkblätter

Norm Stand Titel

DIN V 4701-10 08-2003 Energetische Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anla-


gen - Teil 10: Heizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung 3
DIN 18 345 10-2006 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen - Teil
C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleis-
tungen (ATV) - Wärmedämm-Verbundsysteme
DIN 18 516-1 12-1999 Außenwandbekleidungen, hinterlüftet - Teil 1: Anforderungen,
Prüfgrundsätze
DIN V 18 550 04-2005 Putz- und Putzsysteme - Ausführung
DIN V 18 599-1 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 1: Allge-
meine Bilanzierungsverfahren, Begriffe, Zonierung und Be-
wertung der Energieträger
DIN V 18 599-2 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 2: Nutz-
energiebedarf für Heizen und Kühlen von Gebäudezonen
DIN V 18 599-3 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 3: Nutz-
energiebedarf für die energetische Luftaufbereitung
DIN V 18 599-4 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 4: Nutz-
und Endenergiebedarf für Beleuchtung
DIN V 18 599-5 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 5: End-
energiebedarf von Heizsystemen
DIN V 18 599-6 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 6: End-
energiebedarf von Wohnungslüftungsanlagen und Lufthei-
zungsanlagen für den Wohnungsbau
DIN V 18 599-7 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 7: End-
energiebedarf von Raumlufttechnik- und Klimakältesystemen
für den Nichtwohnungsbau

DIN V 18 599-8 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des


Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 8: Nutz-
und Endenergiebedarf von Warmwasserbereitungssystemen
68 3 EnEV und Bauen im Bestand

Norm Stand Titel

DIN V 18 599-9 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des


Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 9: End- und
Primärenergiebedarf von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
3 DIN V 18 599-10 02-2007 Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des
Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung,
Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung - Teil 10: Nut-
zungsrandbedingungen, Klimadaten
WTA-MB 6-2-01/D 2001 Simulation wärme- und feuchtetechnischer Prozesse

3.7 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

Deutsche Energie-Agentur (dena)/BMVBS; www.dena.de 3-1


Haus- und Energieberatung Carla Groß, Leipzig; 3-3
www.energiepassinformation.de
Sachverständigenbüro für Baudiagnostik Uwe Wild, Brandis; 3-2
www.baudiagnostik-leipzig.de
 1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

1DWXUVWHLQH JHK|UHQ ]X GHQ lOWHVWHQ %DXVWRIIHQ GHU 0HQVFKKHLW 6LH VWHOOHQ DXI *UXQG LKUHU
lVWKHWLVFK DQVSUXFKVYROOHQ EDXSK\VLNDOLVFK ZLGHUVWDQGVIlKLJHQ (LJHQVFKDIWHQ GLH DXI GHU
9LHOIDOW GHU *UXQGEDXVWHLQH XQG GHU 0LQHUDOH EHUXKHQ HLQHQ ODQJOHELJHQ %DXVWRII GDU 6R
ZXUGHQ VLH VHLW MHKHU KDQGZHUNOLFK EHDUEHLWHW XQG DOV IXQNWLRQHOOH DEHU LP EHVRQGHUHQ 0D‰H
DXFK DOV VFKPFNHQGH (OHPHQWH IU UHSUlVHQWDWLYH %DXWHQ HLQJHVHW]W 'LH LQ GHQ OHW]WHQ -DKU
]HKQWHQ ZHOWZHLW ]XJHQRPPHQH 8PZHOWEHODVWXQJ VFKlGLJW GLH 1DWXUVWHLQH GXUFK HLQH 5HLKH
YRQ ZLWWHUXQJVZLUNVDPHQ )DNWRUHQ ,KUH ,QVWDQGKDOWXQJ LVW ]ZDU KDQGZHUNOLFK UHODWLY HLQIDFK
DEHU LP *HJHQVDW] ]X HLQHU ZHLW YHUEUHLWHWHQ 0HLQXQJ LVW GLH YRUEHXJHQGH 3IOHJH XQG IRUWODX
IHQGH %HJXWDFKWXQJ GHU 6WHLQVXEVWDQ] GXUFK HLQHQ 6DFKNXQGLJHQ LQ WHLOZHLVH UHODWLY NXU]HQ
=HLWDEVWlQGHQ HUIRUGHUOLFK
'LH :DKU]HLFKHQ YLHOHU 6WlGWH EHVWHKHQ LP :HVHQWOLFKHQ DXV 1DWXUVWHLQ $Q GHU LQ]ZLVFKHQ
ZHOWEHUKPWHQ 1LNRODLNLUFKH LQ /HLS]LJ 6WDGWSIDUUNLUFKH 6W 1LNRODL  GLH HWZD ]XU JOHLFKHQ
=HLW ZLH GHU .|OQHU 'RP HQWVWDQGHQ LVW NRPELQLHUWH PDQ YHUVWlUNW 3XW] PLW 1DWXUVWHLQPDXHU
ZHUN %LOG  ]HLJW HLQH $XIQDKPH DXV GHP -DKU 

%LOG 
Leipziger Nikolaikirche
70  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

'LH =HXJQLVVH GHU YHUJDQJHQHQ %DXHSRFKHQ EOLHEHQ WHLOZHLVH LQ )RUP YRQ NXOWXUKLVWRULVFKHQ
*HElXGHQ .LUFKHQ 'HQNPlOHUQ XQG HLQ]HOQHQ %DXWHLOHQ ELV KHXWH HUKDOWHQ (LQHQ QLFKW XQ
ZHVHQWOLFKHQ $QWHLO DQ GHU .RQVHUYLHUXQJ YRQ JHVFKLFKWOLFK KRFKLQWHUHVVDQWHQ ,QIRUPDWLRQHQ
KDEHQ KDQGZHUNOLFK EHDUEHLWHWH 1DWXUVWHLQH 'DEHL ZLUG OHLFKW EHUVHKHQ GDVV QDWUOLFKHV
*HVWHLQ QLFKW YROONRPPHQ EHVWlQGLJ LVW 9LHOPHKU XQWHUOLHJW HV GHQ QDWUOLFKHQ $EEDXYRUJlQ
JHQ GXUFK 9HUZLWWHUXQJVSUR]HVVH

4
 1DWXUVWHLQH DOV %DXVWRII

 *HVWHLQVDUWHQ XQG (LQWHLOXQJ

1DWXUVWHLQH EHVWHKHQ DXV HLQHU 9LHO]DKO HWZD  YRQ YHUVFKLHGHQHQ JHVWHLQVELOGHQGHQ 0L
QHUDOLHQ ,QVJHVDPW VLQG FD  0LQHUDOLHQ EHNDQQW )ROJHQGH 0LQHUDOLHQ VSLHOHQ EHL GHU
*HVWHLQVELOGXQJ HLQH ZLFKWLJH 5ROOH
x )HOGVSDW
x 4XDU]
x *OLPPHU
x $PSKLEROH +RUQEOHQGH
x 2OLYLQ
x .DONVSDW
x 'RORPLW
x *LSV E]Z $QK\GULW
x /LPRQLW
x 6HUSHQWLQ
x 7DON
1DWXUVWHLQH ZHUGHQ YRQ *HRZLVVHQVFKDIWOHUQ 0LQHUDORJHQ 3HWURORJHQ QDFK H[DNWHQ ZLVVHQ
VFKDIWOLFKHQ .ULWHULHQ NODVVLIL]LHUW LQ
D (QWVWHKXQJVZHLVH 7DEHOOH 
x 7LHIHQJHVWHLQH
x (UJX‰JHVWHLQH
x 6HGLPHQWJHVWHLQH
x 0HWDPRUSKH *HVWHLQH
E =XVDPPHQVHW]XQJ
'LH EHNDQQWHVWHQ XQG DP PHLVWHQ YHUEUHLWHWHQ 1DWXUVWHLQDUWHQ VLQG
x 6DQGVWHLQ
x *UDQLW
x 4XDU]LW
x .DONVWHLQ
x .RQJORPHUDWH %UHN]LHQ
x *UDXZDFNH
 1DWXUVWHLQH DOV %DXVWRII 71

7DEHOOH  Hauptgruppen der natürlichen Gesteine nach ihrer Entstehung, Synonyme und
Beispiele

*HVWHLQVJUXSSH *HEUlXFKOLFKH (QWVWHKXQJ %HLVSLHOH


6\QRP\PH
Tiefengesteine Plutonite, Magma kühlt sich XQWHU der Granit, Gabbro
Intrusionsgesteine Erdoberfläche ab (Intrusion) Syenit,
und es kommt zur Erstarrung Foyait
Ergußgesteine Vulkanite, Eruptivgesteine,
Eruptionsgesteine
Magma kühlt sich REHUKDOE
der Erdoberfläche ab (E[tru-
Basalt, Porphyr 4
sion) und es kommt unter
„Vermischung“ mit anderen
Gesteinen zur Erstarrung
Sedimente Ablagerungsgesteine Verwitterte Gesteine und Sandstein, Tonschie-
Vulkanaschen, lagern sich fer, Kalkstein, Brekzie
unter Auflastdruck ab (Sedi-
mente)
Metamorphe Ge- Umwandlungsgesteine unter Einwirkung von Druck Marmor, Quarzit,
steine und Temperatur kommt es zur Paragneis,
Gefügeänderung und neuen Orthogneis, Migmatit
Mineralbildungen

*HVWHLQVVRUWHQ ZHUGHQ QDFK H[DNWHQ .ULWHULHQ DOV 8QWHUJOLHGHUXQJHQ GHU *HVWHLQVDUWHQ GHIL
QLHUW QDFK
x )DUEH
x 6WUXNWXU
x 7H[WXU
x WHFKQLVFKHQ *WHNULWHULHQ
x $EEDXRUW9RUNRPPHQ
(LQH JXW RUJDQLVLHUWH XQG PRGHUQH /RJLVWLN PDFKW HV P|JOLFK 1DWXUZHUNVWHLQH DXV DOOHU :HOW
]X HUZHUEHQ 2IWPDOV H[LVWLHUHQ GHVKDOE IU HLQHQ EHVWLPPWHQ 1DWXUZHUNVWHLQ ELV ]X DFKW YHU
VFKLHGHQH 1DPHQ +DQGHOVEH]HLFKQXQJHQ  8P VLFK YRP :HWWEHZHUE P|JOLFKVW DE]XJUHQ]HQ
HQWVWHKHQ IDQWDVLHYROOH 1DPHQ GLH GHQ GLUHNWHQ 9HUJOHLFK HUVFKZHUHQ $XI GHP GHXWVFKHQ
0DUNW VLQG JURE JHVFKlW]W FD  ELV  YHUVFKLHGHQH 1DWXUZHUNVWHLQH HUKlOWOLFK (LQH
JHQDXHUH =DKO LVW MHGRFK NDXP ]X HUPLWWHOQ
'LH $XVZDKO DXV GHP NDXP EHUVFKDXEDUHQ $QJHERW LVW IU GHQ WHFKQLVFKHQ /DLHQ DX‰HURU
GHQWOLFK VFKZLHULJ (QWVSUHFKHQG IXQGLHUWH .HQQWQLVVH EHU +HUNXQIW $UW XQG (LJHQVFKDIWHQ
YRQ 1DWXUVWHLQHQ VLQG ]XU 6WHLQDXVZDKO Q|WLJ 8P 0lQJHO XQG 6FKlGHQ GDXHUKDIW ]X YHUPHL
GHQ PXVV GLH 0DWHULDOZDKO LQ HUVWHU /LQLH QDFK WHFKQLVFKHQ *HVLFKWVSXQNWHQ ZLH 'UXFNIHVWLJ
NHLW $EULHEIHVWLJNHLW RGHU :LWWHUXQJVEHVWlQGLJNHLW XQG HUVW GDQDFK XQWHU lVWKHWLVFKHQ *H
VLFKWVSXQNWHQ HUIROJHQ
'LH WHFKQLVFKHQ (LJHQVFKDIWHQ GHU ]X YHUZHQGHQGHQ *HVWHLQVVRUWHQ VROOWHQ H[DNW EHVWLPPW
VHLQ ] %
x .RUQEHVFKDIIHQKHLW
x %LQGHPLWWHO
x 3RUHQDUW XQG *HIJH
x 7H[WXU *HIJHRUGQXQJ
x )HVWLJNHLWHQ ± DXFK GLIIHUHQ]LHUW IU GHQVHOEHQ +HUNXQIWVRUW ± ZHQQ HUIRUGHUOLFK
72  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

'XUFK GLH 9LHOIDOW GHU 9RUNRPPHQ VLQG WHLOZHLVH XQWHUVFKLHGOLFKVWH (LJHQVFKDIWHQ ± VHOEVW EHL
JOHLFKHP +HUNXQIWVRUW ± IHVWVWHOOEDU $Q GLH 4XDOLWlW YRQ *HVWHLQVVRUWHQ VROOWHQ QHEHQ $VSHN
WHQ GHU *HVWDOWXQJ XQG .RQVWUXNWLRQ LQ HUVWHU /LQLH 'DXHUKDIWLJNHLWVNULWHULHQ EHDFKWHQ ZHUGHQ
ZLH
x )URVWEHVWlQGLJNHLW3RURVLWlW
x 6lXUHEHVWlQGLJNHLW GHU %LQGHPLWWHO
x 9HUIRUPXQJVEHVWlQGLJNHLW
4 1DFKZHLVH ZLVVHQVFKDIWOLFK HUPLWWHOWHU .HQQGDWHQ VROOWHQ YRP /LHIHUDQWHQ E]Z 9HUDUEHL
WXQJVEHWULHE DEJHIRUGHUW ZHUGHQ
-H QDFK UHJLRQDOHP 9RUNRPPHQ YRQ $EEDXJHELHWHQ VLQG GLH YHUVFKLHGHQHQ 1DWXUVWHLQDUWHQ DQ
KLVWRULVFKHQ %DXZHUNHQ DQ]XWUHIIHQ 'DV  P KRKH /HLS]LJHU 9|ONHUVFKODFKWGHQNPDO EHL
VSLHOVZHLVH ZXUGH LQ QXU  -DKUHQ %DX]HLW ]ZLVFKHQ  XQG  DXVVFKOLH‰OLFK DXV %HX
FKDHU *UDQLWSRUSK\U HUVWHOOW 'HU 6WHLQEUXFK EHILQGHW VLFK LQ %HXFKD QXU ZHQLJH .LORPHWHU YRQ
GLHVHP JHZDOWLJHQ %DXZHUN HQWIHUQW )U DQGHUH %DXZHUNH ZXUGHQ WHLOZHLVH DEHU DXFK EH
VWLPPWH DXVJHZlKOWH 1DWXUVWHLQDUWHQ EHU ZHLWH 'LVWDQ]HQ WUDQVSRUWLHUW 'XUFK GLH *OREDOLVLH
UXQJ GHV 1DWXUVWHLQPDUNWHV NRPPHQ KHXWH LP 1HXEDXEHUHLFK 1DWXUVWHLQH DXV DOOHU :HOW ]XP
(LQVDW]

%LOG  Völkerschlachtdenkmal in Leipzig aus ca. 300.000 t Beuchaer Granitporphyr während
den Restaurierungsarbeiten im Januar 2008
 1DWXUVWHLQH DOV %DXVWRII 73

'HU .|OQHU 'RP ZXUGH LP  -DKUKXQGHUW EHJRQQHQ XQG  YROOHQGHW )U GLH )DVVDGH
YHUZHQGHWH PDQ YHUVFKLHGHQH 1DWXUVWHLQDUWHQ 'DV %LOG  JLEW HLQHQ DXIVFKOXVVUHLFKHQ h
EHUEOLFN EHU GLH $UW GHU $QZHQGXQJ EHU GHQ ZHFKVHOKDIWHQ (LQVDW] XQG GHQ 9HUIDOOVJUDG

%LOG  Kölner Dom

 %HGHXWXQJ GHV 1DWXUVWHLQV LP %DXZHVHQ

$OV NRQVWUXNWLY HLQVHW]EDUHV %DXPDWHULDO LVW MHGRFK PLW GHU (QWZLFNOXQJ QHXHU %DXVWRIIH
GHUHQ =XVDPPHQVHW]XQJ VLFK LP *HJHQVDW] ]X GLHVHP 1DWXUSURGXNW H[DNW VWHXHUQ EHUHFKQHQ
XQG RSWLPLHUHQ OlVVW GLH %HGHXWXQJ YRQ 1DWXUVWHLQHQ LQ GHU 9HUJDQJHQKHLW VWlQGLJ ]XUFNJH
JDQJHQ $XFK GLH NQVWOHULVFKH %HDUEHLWXQJ XQG *HVWDOWXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ IU %DXZHUNH KDW
DQ %HGHXWXQJ YHUORUHQ ZDV DXI JHZDQGHOWH 6WLO XQG )RUPHQDXIIDVVXQJ LQ GHU $UFKLWHNWXU
]XUFN]XIKUHQ LVW 5HLQ IXQNWLRQHOOH %DXWHLOH ZHUGHQ KHXWH DXV DQGHUHQ ]XP 7HLO EHVVHU JH
HLJQHWHQ %DXVWRIIHQ NRVWHQJQVWLJHU KHUJHVWHOOW $Q %HGHXWXQJ JHZRQQHQ KDW GLHVHU QDWUOLFKH
%DXVWRII KLQJHJHQ IU YRUJHEOHQGHWH 1DWXUVWHLQIDVVDGHQ XQG LP ,QQHQDXVEDX DOV )OLHVHQ XQG
3ODWWHQEHODJ
'DV LVW RIIHQVLFKWOLFK DXFK HLQ *UXQG ZHVKDOE QDWXUVWHLQYHUDUEHLWHQGH %HWULHEH KHXWH PHLVW
LQGXVWULHOO JHSUlJW VLQG XQG YRUUDQJLJ PDVFKLQHOO JHIHUWLJWH (LQ]HOEDXHOHPHQWH DQELHWHQ 1XU
74  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

UHODWLY ZHQLJH DXVJHELOGHWH )DFKOHXWH KDEHQ GLH 7UDGLWLRQ GHU KDQGZHUNOLFKHQ 6WHLQPHW]H
IRUWJHIKUW XQG EHZDKUW 'LH KDQGZHUNOLFKH 6WHLQEHDUEHLWXQJ GXUFK GHQ 6WHLQPHW] XQG RGHU
6WHLQELOGKDXHU ZLUG LP :HVHQWOLFKHQ QXU QRFK LP 5DKPHQ YRQ 5HVWDXULHUXQJVDUEHLWHQ DXVJH
IKUW +LHU ZHUGHQ KlXILJ XQWHU %HDFKWXQJ YRQ GHQNPDOSIOHJHULVFKHQ *UXQGVlW]HQ *HZlQGH
*HVLPVWHLOH XQG DQGHUH =LHUHOHPHQWH GXUFK GHQ 6WHLQPHW] KHUJHVWHOOW XQG YRU 2UW JHJHQ GDV
EHVFKlGLJWH %DXWHLO DXVJHZHFKVHOW

%LOG 
Fensterumrahmungen

a) Hauptgesims Ansicht b) Hauptgesims Schnitt


%LOG  Gesimsausbildung

'HU 5FNJDQJ GHU %HGHXWXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ DOV %DXVWRII VSLHJHOW VLFK LQ GHU =DKO GHU DXIJH
JHEHQHQ 6WHLQEUFKH DXV GHUHQ =DKO YRQ FD  LP HKHPDOLJHQ 'HXWVFKHQ 5HLFK YRU 
DXI QXU QRFK HWZD   ]X EH]LIIHUQ LVW 'DPLW ZLUG EHUHLWV HLQH 6FKZLHULJNHLW IU GLH 5HV
WDXULHUXQJ YRQ 1DWXUVWHLQEDXZHUNHQ GHXWOLFK 'LH LQ GHQ %DXZHUNHQ YHUEDXWHQ 6WHLQVRUWHQ
VLQG ]XP JUR‰HQ 7HLO KHXWH QLFKW PHKU OLHIHUEDU GD VLH QLFKW PHKU DEJHEDXW ZHUGHQ RGHU ZHLO
GLH 6WHLQEUFKH HUVFK|SIW VLQG $XI GHU DQGHUHQ 6HLWH LVW PLW ]XQHKPHQGHQ 0D‰H HLQH *OREDOL
 1DWXUVWHLQH DOV %DXVWRII 75

VLHUXQJ GHV 1DWXUVWHLQPDUNWHV ]X EHREDFKWHQ %HL GHU $XVZDKO HLQHV *HVWHLQV VWHKHQ OlQJVW
QLFKW PHKU DXVVFKOLH‰OLFK UHJLRQDO LQ 6WHLQEUFKHQ YRUNRPPHQGH 6WHLQH VRQGHUQ HLQH 9LHO]DKO
YRQ *HVWHLQHQ ]X 9HUIJXQJ ZHOFKH DXV GHQ XQWHUVFKLHGOLFKVWHQ 5HJLRQHQ GHV (UGEDOOV
VWDPPHQ %HL GLHVHU NDXP EHUVFKDXEDUHQ *HVWHLQVDXVZDKO ZLUG OHLGHU RIWPDOV YHUJHVVHQ
GDVV QLFKW MHGHV YLVXHOO DQVSUHFKHQGH XQG SUHLVOLFK LQWHUHVVDQWH 0DWHULDO IU GHQ YRUJHVHKHQHQ
9HUZHQGXQJV]ZHFN XQG GHQ LQ 0LWWHOHXURSD YRUKHUUVFKHQGHQ NOLPDWLVFKHQ %HGLQJXQJHQ DXFK
WDWVlFKOLFK JHHLJQHW LVW
'LH *HVWHLQVDUWHQ VWHOOHQ +DXSWJUXSSHQ GDU LQ GHQHQ *HVWHLQH QDFK GHU (QWVWHKXQJVZHLVH GHU
=XVDPPHQVHW]XQJ XQG QDFK DQGHUHQ ZLVVHQVFKDIWOLFKHQ .ULWHULHQ ]XVDPPHQJHIDVVW ZHUGHQ
4
] % 6DQGVWHLQH .DONVWHLQH 7XIIH %HVRQGHUV DXV]HLFKQHQGH (LJHQVFKDIWHQ ODVVHQ VLFK GLH
VHQ *HVWHLQVDUWHQ QXU LQQHUKDOE VHKU EUHLWHU 6FKZDQNXQJVWROHUDQ]HQ ]XRUGQHQ VRGDVV KLHU QXU
HLQH DOOJHPHLQH *URERULHQWLHUXQJ P|JOLFK LVW

 1DWXUVWHLQEHDUEHLWXQJ

'LH 1DWXUVWHLQEHDUEHLWXQJ LQ GHU 5HVWDXULHUXQJ LVW DXFK KHXWH QRFK ZHLWHVWJHKHQG WUDGLWLRQHOO
XQG KDQGZHUNOLFK JHSUlJW +LHUXQWHU LVW EHLVSLHOVZHLVH GDV =XDUEHLWHQ YRQ HLQ]HOQHQ :HUN
VWHLQHQ IU GHQ KDQGZHUNOLFKHQ 6WHLQDXVWDXVFK ]X YHUVWHKHQ 6WHLQH N|QQHQ HQWZHGHU DOV NRP
SOHWWH :HUNVWHLQH RGHU QXU SDUWLHOO LP JHVFKlGLJWHQ 6WHLQEHUHLFK DOV VRJHQDQQWH 9LHUXQJ DXV
JHWDXVFKW ZHUGHQ %HLP (UVWHOOHQ HLQHU 9LHUXQJ ZLUG QXU GHU JHVFKlGLJWH 7HLOEHUHLFK DP
:HUNVWHLQ YRQ +DQG DXVJHDUEHLWHW HLQ HQWVSUHFKHQG PD‰KDOWLJHU QHXHU :HUNVWHLQ HLQJHNOHEW
XQG DQVFKOLH‰HQG DQ GLH 3URILOLHUXQJHQ XQG 2EHUIOlFKHQVWUXNWXUHQ GHV DQJUHQ]HQGHQ YHUEOLH
EHQHQ :HUNVWHLQHV VWHLQPHW]Pl‰LJ DQJHDUEHLWHW 'HU 6WHLQPHW] EHDUEHLWHW GHQ 6WHLQ PLW
6WHLQPHW]ZHUN]HXJHQ YRQ +DQG %LOG  XQG WHLOZHLVH PLW VSH]LHOOHQ NOHLQHUHQ 3UHVVOXIW
KlPPHUQ 6R HQWVWHKHQ SURILOLHUWH 1DWXUVWHLQHOHPHQWH PLW HLQHU KDQGZHUNOLFK EHDUEHLWHWHQ
2EHUIOlFKH
'LH LQGXVWULHOOH 1DWXUVWHLQEHDUEHLWXQJ EH]LHKW VLFK KDXSWVlFKOLFK DXI GLH +HUVWHOOXQJ YRQ
NDOLEULHUWHQ 1DWXUVWHLQIOLHVHQ XQG 1DWXUVWHLQSODWWHQ IU GHQ ,QQHQDXVEDX 7UHSSHQVWXIHQ )HQV
WHUElQNHQ XQG 3ODWWHQ IU )DVVDGHQEHNOHLGXQJHQ ,Q GHU 5HVWDXULHUXQJ NRPPHQ 3URILOIUlVHQ
]XP (LQVDW] ZHOFKH EHLVSLHOVZHLVH )HQVWHUJHZlQGH XQG *HVLPVWHLOH PDVFKLQHOO LQ JU|‰HUHU
6WFN]DKO DQIHUWLJHQ N|QQHQ 'LH LP 6WHLQEUXFK JHZRQQHQHQ 1DWXUVWHLQEO|FNH ZHUGHQ PLW
KRFKOHLVWXQJVIlKLJHQ 0DVFKLQHQ VRJHQDQQWHQ *DWWHUVlJHQ DXIJHVlJW XQG ZHLWHU YHUHGHOW 'LHV
JHVFKLHKW MH QDFK GHP YRUJHVHKHQHQ 9HUZHQGXQJV]ZHFN GXUFK 6FKOHLIHQ 3ROLHUHQ 6WRFNHQ
6WUDKOHQ RGHU )ODPPHQ  'LH 6FKOHLIVHJPHQWH DXI GHQ 6lJHEOlWWHUQ EHVWHKHQ DXV 'LDPDQW
RGHU *XVVKDUWPHWDOOVSOLWWHUQ
76  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

1 Finnhammer 2 Stielsetzer 3 Zweispitz 4 Prelleisen (Handsetzer) Vorder- und Seitenansicht 5 Zweizahn


(„Hundezahn“) 6 Spitzeisen 7 Zahneisen 8 Schlageisen 9 Scharriereisen 10 Krönel W 11 Fläche W 12
Fläche mit gezahnter Schneide W 13 Knüppel (Klippel, Klöpfel) 14 Steinhobel W 15 Handsäge W 16
Spitzeisen H 17 Schlageisen H 18 Beizeisen H 19 Nuteisen H 20 Stockhammer 21 Schlägel (Feustel)
22 Greifzirkel 23 Stechzirkel 24 Winkel 25 Schmiege 26 Bohrer mit Meißelschneide
W Weichgestein H Hartgestein

%LOG  Werkzeuge zur Naturwerksteinbearbeitung


 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 77

%LOG  Arbeitsschritte beim steinmetzmäßigem Herausarbeiten einer profilierten Säulenbasis

 1DWXUVWHLQPDXHUZHUN

,Q GHU ',1  VLQG IU GLH XQWHUVFKLHGOLFKHQ %HDUEHLWXQJVVWXIHQ )XJHQVFKQLWW 6FKLFKWK|
KHQ /lQJV XQG 4XHUYHUEDQG $XVIKUXQJVUHJHOQ IU GHQ 1HXEDXEHUHLFK HQWKDOWHQ

 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU

 9HUZLWWHUXQJVZLUNVDPH )DNWRUHQ

'LH 9HUZLWWHUXQJ LVW HLQ FKHPLVFKSK\VLNDOLVFKHU 3UR]HVV GHU GXUFK YHUVFKLHGHQH %HDQVSUX
FKXQJVDUWHQ ZLH :DVVHU 7HPSHUDWXU 2UJDQLVPHQ XQG DQWKURSRJHQH (LQIOVVH ]HUVW|UHQG DXI
GDV *HVWHLQ ZLUNW 'DPLW ZLUG QLFKW QXU GLH 8PZHOW EHODVWHW VRQGHUQ GDV *HVWHLQ NDQQ DXFK
GDXHUKDIW JHVFKlGLJW ZHUGHQ 'LHVHU 9RUJDQJ KDW QLFKW QXU $XVZLUNXQJHQ DXI XQVHUH QDWUOL
FKH 8PZHOW VRQGHUQ DXFK DXI GHQ 1DWXUVWHLQ 9HUZLWWHUXQJVSUR]HVVH VLQG FKHPLVFKHU SK\VL
NDOLVFKHU XQG ELRORJLVFKHU 1DWXU ZHOFKH XQWHUHLQDQGHU HQJ YHUIORFKWHQ VLQG XQG LQ .RPELQD
WLRQ V\QHUJHWLVFKH (IIHNWH KHUYRUUXIHQ N|QQHQ 'LH LQ 7DEHOOH  GDUJHVWHOOWHQ 9HUZLWWH
UXQJVSUR]HVVH VLQG GHVKDOE QLFKW LPPHU HLQGHXWLJ YRQHLQDQGHU ]X WUHQQHQ ] % ELRJHRFKHPL
VFKH XQG ELRJHRSK\VLNDOLVFKH 9RUJlQJH VRQGHUQ PVVHQ DOV NRPSOH[H 8UVDFKHQ GHU 6WHLQ
]HUVW|UXQJ EHWUDFKWHW ZHUGHQ
'LH =HUVW|UXQJ GHV 1DWXUVWHLQV LVW PD‰JHEOLFK YRQ GHU MHZHLOLJHQ .DSLOODUDNWLYLWlW GHV YHU
ZHQGHWHQ 6WHLQHV DEKlQJLJ 6HKU VDXJIlKLJH 6WHLQH QHKPHQ ± VFKQHOOHU XQG WLHIHU DOV ZHQLJHU
VDXJIlKLJH 6WHLQH ±YLHO :DVVHU XQG GLH GDULQ JHO|VWHQ 6FKDGVWRIIH DXI
78  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

%LOG  Mauerwerk aus natürlichen Steinen [5]`


 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 79

7DEHOOH  Verwitterungsprozesse, Vorgänge und Erscheinungsformen

9HUZLWWHUXQJVSUR]HVV 9RUJlQJH 6FKDGELOG


Chemische Verwitterung Abbau von Karbonaten im sau- Absanden
ren Milieu Absprengungen
Bildung von Gips und anderen Rissbildungen
Folgeprodukten durch Bindemit- Gefügeveränderungen
telumwandlung, verbunden mit Gipskrustenbildung
Festigkeitsverlusten
Bildung von bauschädlichen 4
Salzen
Zerstörung durch säurebildende
Mikroorganismen durch Angriffe
aggressiver Stoffwechselproduk-
te (Säuren)
&KHPLVFKH 8PZDQGOXQJ GHU
0LQHUDOLHQ
Physikalische Verwitterung Frost-Tau-Wechsel Krustenbildung
Salzsprengung Schalenbildung
Temperatureinflüsse Rissbildungen
Winderosion Gefügelockerungen
Hygroskopisches Quellen/
Schwinden
Salzhydratation
.HLQH FKHPLVFKH 8PZDQGOXQJ
GHU 0LQHUDOLHQ
Biologische Verwitterung Verwitterung durch Flechten, Verfärbungen
Bakterien und Algen durch Säu- Vergrünungen
rebildung Schäden durch Wurzeln

'DV :DVVHU ZLUG ZLHGHU ]HLWQDK GXUFK 'LIIXVLRQ DEJHJHEHQ 'LH 6FKDGVWRIIH EOHLEHQ DEHU DQ
GHU *HVWHLQVREHUIOlFKH ]XUFN 'XUFK GHQ LPPHU ZLHGHUNHKUHQGHQ =\NOXV NRPPW HV ]XU $Q
UHLFKHUXQJ GHU 6FKDGVWRIIH XQG VFKOXVVHQGOLFK ]XU *HVWHLQVVFKlGLJXQJ 9HUZLWWHUXQJ 

%LOG  Verwitterungswirksame Faktoren


80  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

$OOH 9HUZLWWHUXQJVHUVFKHLQXQJHQ DP :HUNVWHLQ VLQG HLQ 5HVXOWDW DXV GHU .RPELQDWLRQ YRQ
QDWUOLFKHQ :LWWHUXQJVIDNWRUHQ PLW VFKlGLJHQGHQ (PPLVVLRQHQ DXV GHU 8PZHOW 'LH 6FKDG
VWRIIH ZHUGHQ GDEHL DQ GHU 2EHUIOlFKH E]Z LP lX‰HUHQ 3RUHQJHIJH GHV *HVWHLQV DEJHODJHUW
,QQHUKDOE HLQHU JHZLVVHQ =HLWVSDQQH HUIROJW YRQ GHU *HVWHLQVREHUIOlFKH DXVJHKHQG HLQH %LQ
GHPLWWHOXPZDQGOXQJ XQG VRPLW HLQ )HVWLJNHLWVYHUOXVW
%HL GHU QDWUOLFKHQ 9HUZLWWHUXQJ N|QQHQ GLH $EEDXSURGXNWH GXUFK :DVVHU :LQG (LV
*OHWVFKHU DEWUDQVSRUWLHUW GDEHL QRFK ZHLWHU ]HUNOHLQHUW XQG DQ DQGHUHQ 6WHOOHQ DEJHODJHUW
ZHUGHQ 'HU 9HUZLWWHUXQJVSUR]HVV LVW HLQ QDWUOLFKHU 3UR]HVV GHU ] % DXFK LP /DXIH YRQ
4 -DKUPLOOLRQHQ 6DQG .LHV 7RQ .DON XQG *LSVVWHLQ KHUYRUEUDFKWH
'LHVH 3URGXNWH N|QQHQ EHU GLH WHFKQRORJLVFKH $XIEHUHLWXQJ ]X %DXVWRIIHQ XPJHZDQGHOW
ZHUGHQ %LOG  ]HLJW GDV 9HUODXIVVFKHPD YRQ GHU *HVWHLQVYHUZLWWHUXQJ ELV ]XP %DXVWRII

%LOG  Gesteinsverwitterung

 6FKDGHQVELOGHU

'XUFK SK\VLNDOLVFKH FKHPLVFKH XQG ELRORJLVFKH (LQIOXVVIDNWRUHQ DP *HVWHLQ HQWVWHKHQ IRO


JHQGH 6FKDGHQVELOGHU
x $EVDQGHQ RGHU $EPHKOHQ
x $XVK|KOXQJHQ RGHU $OYHRODUELOGXQJHQ
x 6FKDOHQELOGXQJ
x 6FKXSSHQELOGXQJ
x 5LVVELOGXQJ
x 9HUIlUEXQJHQ
 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 81

x $XVEOKXQJHQ
x $QO|VXQJVWUXNWXUHQ DQ GHU 2EHUIOlFKH
x 9HUVFKPXW]XQJHQ RGHU .UXVWHQELOGXQJHQ
1DWXUVWHLQVFKlGHQ VLQG ZHLWHVWJHKHQG DQ KLVWRULVFKHQ %DXZHUNHQ GXUFK YRUEHXJHQGH 0D‰
QDKPHQ XQG 6WHLQNRQVHUYLHUXQJHQ ]X YHUKLQGHUQ 6LQG VLH EHUHLWV YRUKDQGHQ KDQGHOW HV VLFK
QLFKW QXU XP QDWUOLFKH $OWHUXQJVVFKlGHQ VRQGHUQ DXFK XP VROFKH GLH DXI GLH =XQDKPH GHU
/XIWHPLVVLRQ VRZLH DXI 0lQJHO LP )HXFKWLJNHLWVVFKXW] ]XUFN]XIKUHQ VLQG 'LH IU GLH :LW
WHUXQJVEHVWlQGLJNHLW GHU 1DWXUVWHLQH DXVVFKODJJHEHQGH )HVWLJNHLW 3RURVLWlW XQG :DVVHUDXI
QDKPHIlKLJNHLW LVW YRQ GHU MHZHLOLJHQ *HVWHLQVDUW DEKlQJLJ (UXSWLYJHVWHLQH ] % *UDQLW
4
6\HQLW XQG %DVDOW VLQG LP $OOJHPHLQHQ VHKU GUXFN XQG DEULHEIHVW ZHQLJ SRULJ XQG JHULQJ
ZDVVHUDXIQDKPHIlKLJ 6HGLPHQWJHVWHLQ ] % .DONVWHLQ XQG 6DQGVWHLQ ODVVHQ VLFK LQIROJH GHV
3DUDOOHOJHIJHV JXW VSDOWHQ XQG ]HLFKQHQ VLFK JU|‰WHQWHLOV GXUFK 'UXFNIHVWLJNHLW VWlUNHUH
3RURVLWlW XQG :DVVHUDXIQDKPH DXV 0HWKDPRUSKH *HVWHLQH VLQG EHL N|UQLJNULVWDOOLQHU 6WUXN
WXU 0DUPRU GHQ (UXSWLYJHVWHLQHQ XQG EHL EOlWWULJHU 6WUXNWXU PDQFKHQ 6HGLPHQWJHVWHLQHQ
lKQOLFK $OOHUGLQJV EHVWHKHQ ]ZLVFKHQ *HVWHLQHQ JOHLFKHU $UW DXV YHUVFKLHGHQHQ /DJHUVWlWWHQ
MD VRJDU DXV YHUVFKLHGHQHQ 6FKLFKWHQ HLQHV 6WHLQEUXFKV KlXILJ LQ GHU =XVDPPHQVHW]XQJ XQG
LQ GHQ (LJHQVFKDIWHQ HUKHEOLFKH 8QWHUVFKLHGH
'LH %LOGHU  ELV  ]HLJHQ HLQLJH 6FKDGELOGHU DXI

%LOG  %LOG 


Kennzeichen von mikrobakteriellem Befall Schadensintensivierung durch Verwendung zu
einer Natursteinoberfläche harter Restaurier- und Fugenmörtel

%LOG 
Reliefbildung durch Absanden.
Schadensursache: Salzkristallisation
82  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

 6FKDGHQVXUVDFKHQ

%HUHLWV LQ IUKHUHQ -DKUKXQGHUWHQ ZDU HV $XIJDEH GHU 'RPEDXKWWHQ GHU 6WHLQYHUZLWWHUXQJ


HQWJHJHQ]XZLUNHQ XP GLH %DXVXEVWDQ] ]X HUKDOWHQ )U GLH GDXHUKDIWH 6LFKHUXQJ YRQ %DX
ZHUNHQ DXV 1DWXUVWHLQ PXVV PDQ P|JOLFKH 6FKlGHQ LKUH (UVFKHLQXQJVIRUP XQG LKUH 8UVDFKHQ
NHQQHQ GDPLW YRUKDQGHQH *HIlKUGXQJHQ ULFKWLJ HLQJHVFKlW]W XQG GXUFK VLQQYROOH 0D‰QDKPHQ
EHKREHQ ZHUGHQ N|QQHQ 'LH 9LHOIDOW DXIWUHWHQGHU 6FKlGLJXQJHQ DQ YHUVFKLHGHQHQ *HVWHLQV
VRUWHQ XQG GLH hEHUODJHUXQJ PHKUHUHU 6FKDGHQVXUVDFKHQ HUVFKZHUHQ HLQH ]XYHUOlVVLJH (LQ
4 VFKlW]XQJ XQG %HZHUWXQJ 'HU 9HUZLWWHUXQJVSUR]HVV YHUOlXIW EHL GHQ HLQ]HOQHQ 1DWXUVWHLQDU
WHQ XQWHUVFKLHGOLFK ZLUG DEHU LQ GHU +DXSWVDFKH GXUFK :DVVHU XQG 6FKDGVWRIIDXIQDKPH DXV
JHO|VW 'HU 6FKXW] GHU 1DWXUVWHLQH LVW ZLFKWLJ XP GLH LQ lOWHUHQ XQG lOWHVWHQ %DXWHQ YRUOLHJHQ
GHQ .XOWXUGHQNPlOHU YHUJDQJHQHU =HLWHQ GLH XQWHU GHQ $XVZLUNXQJHQ GHV $XVVWR‰HV YRQ
.RKOHQGLR[LG &2 GXUFK LQGXVWULHOOH XQG DQGHUH $EJDVH HUKHEOLFK OHLGHQ YRU GHP ZHLWHUHQ
9HUIDOO ]X EHZDKUHQ
1DFKIROJHQGH 7DEHOOH HUOlXWHUW HLQLJH W\SLVFKH 6FKlGHQ DQ 1DWXUVWHLQ XQG HQWVSUHFKHQGH YHU
EHXJHQGH 0D‰QDKPHQ VRZLH (PSIHKOXQJHQ IU GLH %HVHLWLJXQJ

7DEHOOH  Schäden an Natursteinen (nach Schönburg)

6FKDGHQ 8UVDFKHQ 9HUPHLGHQ %HVHLWLJHQ


$EVDQGHQ XQG $EPHKOHQ YRQ 1DWXUVWHLQ Sandsteine mit einem wasserlöslichen tonigen
Folgeerscheinung der Verwitterung, die hauptsäch- Bestandteil sind für außenstehende Bauteile nicht
lich bei kalk- und tongebundenen Sandsteinen uneingeschränkt geeignet. In Gebieten mit beson-
auftritt. Von der Oberfläche her wird das Kalzium- ders sauerreagierender Luftemission sollte kalkhal-
karbonat von der Luftkohlensäure und eventuell von tiger Naturstein nicht eingesetzt werden. Wichtig ist
schwefligen Luftverunreinigungen in wasserlösliche auch der Schutz vor übermäßiger Durchfeuchtung
Verbindungen umgesetzt, die gemeinsam mit dem durch richtige Verarbeitung der Sandsteine (kon-
Ton vom Regen herausgewaschen werden. Die struktiver Bautenschutz). Absandende Naturstein-
freigelegten Quarzkörner sanden ab. oberflächen können nach trockenem Abbürsten in
trockenem Zustand durch mehrmaliges Tränken mit
verdünnter Kaliwasserglaslösung wieder gefestigt
werden. Voruntersuchungen sind erforderlich.
$EVSUHQJXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ 6FKDOHQELOGXQJ Konstruktionsfehler vermeiden.
XQG 6FKXSSHQELOGXQJ Gesteinsschädigung durch Kunststoff-, Zinn- oder
Eindringen von Wasser und aggressiven Stoffen Zinkabdeckungen verhindern (konstruktiver Bau-
der Luftemmission an falsch konstruierten, wasser- tenschutz).
stauenden Gesimsen, Fenstersohlbänken u.a. oder Besonders Sedimentgesteine so einsetzen, dass
Fehlen von Abdeckungen führt zu oberflächenparal- das Eindringen von Regen- und Schneeschmelz-
lelen Absprengungen durch Frost, Treiberscheinun- wasser durch die natürliche Schichtung nicht be-
gen. Beim Verarbeiten die natürliche Schichtung günstigt wird.
der Gesteine nicht beachtet, Folge erhöhte Was-
seraufnahme, Absprengung durch Frost oder bei
Belastung.
$EVSUHQJXQJHQ DQ GHQ .DQWHQ zur Fuge von Nur Natursteine mit Plan geschliffenen Fugen-
größeren Blöcken sind auf Fehler im Schnitt oder in flächen können mit schmäleren Fugen versetzt
der Breite der Fugen zurückzuführen. Obwohl werden. Steine mit rauen oder unebenen Fugenflä-
Naturstein nur wenig „arbeitet“, kommt es zur chen müssen breitere, voll mit Mörtel ausgefüllte
Mahlwirkung in den Fugen, sodass an Steinen mit Fugen haben.
rauen unebenen Auflagerflächen Kantenabspren-
gungen und Verschiebungen auftreten können,
wenn sie mit sehr schmalen Fugen versetzt werden.
 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 83

6FKDGHQ 8UVDFKHQ 9HUPHLGHQ %HVHLWLJHQ


Rost von eingesetzten oder durchgehenden Stahl- Rostfreien oder verzinkten Stahl verwenden mit
teilen, z. B. Gitter und Zuganker, sprengt Gestein elastischerem plastifizierten Mörtel (oder Bleiver-
ab. guss) befestigen.
$XVEOKXQJHQ DXI 1DWXUVWHLQ Aufnahme von Bodenfeuchtigkeit durch nach-
Aus dem Baugrund, in nicht gegen Bodenfeuchtig- träglich einzubeziehende Sperrschicht oder Elekt-
keit abgesperrte Wände aus porigem Naturstein mit roosmose verhindern.Vorhandene Ausblühungen
der Bodenfeuchtigkeit eingedrungene Salze, z. B. nach der Austrocknung trocken abbürsten.
Sulfate, Chloride und Nitrate, die beim Verdunsten
der Feuchtigkeit über der Geländelinie auf dem
Feuchtigkeitsaufnahme weitestgehend verhindern:
Abdeckungen, Umsetzung des Kalziumkarbonats
4
Stein abgelagert werden. Umsetzung des Kalzium- der Steinoberfläche durch Fluatieren im Kalziumflu-
karbonats kalkgebundener Natursteine durch orid, Tränken mit hydrophob wirkenden Mitteln,
schwefelsaure atmosphärische Feuchtigkeit (gebil- z. B. Methylsilikonbautenschutzstoffe.
det aus Schwefelverbindungen der Verbrennungs-
abgase) in zum Teil wasserlösliches, ausblühendes
Kalziumsulfat.
$XVODXJXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ Regen- und Schneeschmelzwasser dürfen nicht
Herauslösen weicher Gesteinsbestandteile, z. B. durch Mängel in der Konstruktion, fehlende oder
des Tons aus Mergel- und Tonsandstein oder der nicht weit genug vorkragende Abdeckungen oder
wasserlöslichen Anteile aus Gipsstein durch Re- durch verstopfte, beschädigte Dachrinnen und
genwasser. Fallrohre an den betroffenen Bauteilen herunterlau-
Auflösen der wasserlöslichen Reaktionsprodukte, fen – es muss für die Ableitung des Wassers von
die das Kalziumkarbonat kalkgebundener Natur- den Wänden gesorgt werden. Die Oberflächen-
steine mit Luftkohlensäure (Kalziumhydrogen- randzone ausgelaugter Natursteine kann nach dem
karbonat) oder mit Schwefelsäure aus der Luft- Abbürsten in ausgetrocknetem Zustand wie folgt
emission (Kalziumsulfat) bildet. abgedichtet und gefestigt werden: Tränken mit stark
verdünnter Kaliwasserglaslösung (1 : 5), nach dem
Trocknen Fluatieren mit einer sauren Fluatlösung,
nach dem Trocknen zwei bis dreimalige Wiederho-
lung dieses Verfahrens.
'XUFKIHXFKWXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ Kunststoff-, Zinn-, Blei- und Zinkabdeckungen, für
Wasser- und schneestauende Konstruktionen oder schnelle Wasserableitung sorgen, Steine, deren
die natürliche Schichtung der Gesteine beim Verar- Draufsicht dem Regen ausgesetzt ist, nicht mit dem
beiten nicht beachtet. Sperrschichten gegen Boden- SchichtenTuerschnitt nach oben setzen.
feuchtigkeit fehlen oder sind durch Auffüllen des In nicht gesperrten Wänden kann die Feuchtigkeit
Geländes oder spätere Anbauten unwirksam ge- bis zu 2 m über die Geländelinie hoch steigen.
worden. Abdichtung der Außenflächen treibt die Feuchtigkeit
Zu dichter Fugenmörtel, z. B. Zementmörtel, für noch höher. Abgeholfen wird durch Freilegen und
porige Natursteine verwendet. Dadurch sättigen Belüften der Mauern, Dränagegraben um das Bau-
sich die Steine über der Lagerfuge mit Wasser. werk, Einziehen von Sperrschichten, evtl. auch
Verkrusten, Moose, Flechten, Staub- und Vogel- durch Elektroosmose.
mistablagerungen speichern Feuchtigkeit. Der Mörtel muss in seiner Porigkeit und Wasser-
durchlässigkeit der Porigkeit der Steine angeglichen
werden, z. B. für Sandstein Kalkmörtel verwenden.
Scharf abbürsten oder abscheuern, offene Fugen
verstreichen. Fluatieren verzögert den erneuten
Bewuchs.
.UXVWHQELOGXQJ DXI 1DWXUVWHLQ In Großstädten, im Bereich der Schwerindustrie und
Besonders durch die Verbrennung von Kohle und anderen Gebieten, in denen mit stärkerer Verunrei-
Erdöl wird die Atmosphäre durch Kohlendio[id CO2 nigung der Atmosphäre mit Verbrennungsabgasen,
und Schwefeldio[id SO2 verunreinigt. CO2 bildet mit Ruß und Flugasche zu rechnen ist, sollten kalkhal-
der Luftfeuchtigkeit Kohlensäure, SO2 geht zum Teil tige Naturwerksteine nicht mehr eingesetzt werden.
in SO3 und dieses mit der Luftfeuchtigkeit in Schwe-
felsäure über. Beide Säuren greifen kalkhaltige
Natursteine stark an. Kohlensäure löst Kalziumkar-
bonat unter Bildung von Kalziumhydrogenkarbonat
Ca(HCO)2, das sich an der Gesteinsoberfläche
84  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

6FKDGHQ 8UVDFKHQ 9HUPHLGHQ %HVHLWLJHQ


durch Abgabe von CO2 zu einer porösen Kalzium-
karbonatkruste zurückbildet. Mit Schwefelsäure Bei der Instandhaltung von Bauwerksteilen aus
reagiert das Kalziumkarbonat zu Kalziumsulfat, das kalkhaltigem Naturstein darf die Krustenbildung
ebenfalls in den Verkrustungen vorzufinden ist. Der nicht unbeachtet bleiben, sondern es sind, ausge-
mit den chemischen Reaktionen verbundene Kris- hend von den objekt- und standortbezogenen Bin-
tallisationsdruck führt auch zu Treiberscheinungen. dungen, nach der Entfernung vorhandener Krusten
Unter den weißen oder durch Ruß- und Staubeinla- geeignete Schutzmaßnahmen einzuleiten.
gerungen auch schwärzlichen Krusten läuft der
4 Zerstörungsprozess weiter.
7UHLEHQ YRQ 1DWXUVWHLQ Siehe unter „Krustenbildung“.
Kristallisationsdruck bei der chemischen Um-
setzung von Kalziumkarbonat kalkhaltiger Natur-
steine durch saure Stoffe der Luftemission.

 6FKDGHQVUHOHYDQWH *HVWHLQVHLJHQVFKDIWHQ

'HU :LGHUVWDQG GHV %DXVWRIIHV 1DWXUVWHLQ JHJHQ HLQZLUNHQGH 6FKDGHQVHLQIOVVH ZLUG EH
VWLPPW GXUFK GLH EHVRQGHUHQ (LJHQVFKDIWHQ GLH GHU 6WHLQ DXIZHLVW 2E HLQ 6FKDGHQ WDWVlFK
OLFK HLQWULWW KlQJW PLW GHP *UDG GHV (LQZLUNHQV YRQ VFKlGLJHQGHQ (LQIOVVHQ ]XVDPPHQ GHU
LQ HLQ]HOQHQ =RQHQ GHV %DXZHUNHV VHKU XQWHUVFKLHGOLFK VHLQ NDQQ :LFKWLJH (LJHQVFKDIWHQ YRQ
1DWXUVWHLQ N|QQHQ DQ %DXZHUNHQ LP +LQEOLFN DXI P|JOLFKH 6FKlGLJXQJHQ VHLQ
*HZLFKW XQG 6WUXNWXU
x 'LFKWH
x .RUQJU|‰HQDQWHLOH
x 3RURVLWlW
0HFKDQLVFKH )HVWLJNHLW
x 'UXFNIHVWLJNHLW
x %LHJH]XJIHVWLJNHLW
x 6WR‰IHVWLJNHLW
x $XVEUXFKVIHVWLJNHLW
x $EULHEIHVWLJNHLW
x 2EHUIOlFKHQIHVWLJNHLW
=XVDPPHQVHW]XQJ
x 0LQHUDOJHKDOW
x 6DO]$ONDOLJHKDOW
x VlXUHO|VOLFKH %HVWDQGWHLOH
x ZDVVHUO|VOLFKH 6DO]H %LQGHPLWWHO
)HXFKWHYHUKDOWHQ
x )HXFKWHJHKDOW
x :DVVHUDXIQDKPH EHVRQGHUV ZLFKWLJH VFKDGHQVUHOHYDQWH (LJHQVFKDIW
x :DVVHUGXUFKJDQJ
x 'DPSIGXUFKOlVVLJNHLW
x K\JURVNRSLVFKH *OHLFKJHZLFKWVIHXFKWH
 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 85

7HPSHUDWXUYHUKDOWHQ
x :lUPHOHLWIlKLJNHLW
x 5DXFKJDVEHVWlQGLJNHLW
x )URVWEHVWlQGLJNHLW
0D‰JHEHQG IU GLH (LJQXQJ HLQHV *HVWHLQV LVW DEHU QLFKW GLH JHRORJLVFKH )RUPDWLRQ RGHU GLH
FKHPLVFKH =XVDPPHQVHW]XQJ VRQGHUQ YRU DOOHP VHLQ *HIJH KLQVLFKWOLFK :DVVHUDXIQDKPHIl
KLJNHLW GHU +lUWH GHU HLQ]HOQHQ 0LQHUDON|UQHU VRZLH GHU 'LFKWLJNHLW XQG GHU +DIWIHVWLJNHLW GHU
%HVWDQGWHLOH XQWHUHLQDQGHU (LQH HUK|KWH 3RULJNHLW GHU 6WHLQH EHJQVWLJW LKUHQ =HUIDOO GXUFK 4
9HUZLWWHUXQJ
+lUWH
(LQ .|USHU VHW]W GHP (LQGULQJHQ HLQHV DQGHUHQ .|USHUV HLQHQ :LGHUVWDQG HQWJHJHQ 'LHVHQ
:LGHUVWDQG EH]HLFKQHW PDQ DOV +lUWH 'LH :HWWHUEHVWlQGLJNHLW HLQHV 1DWXUVWHLQV $EULHE XQG
.UDW]IHVWLJNHLW 6lXUHQ XQG /DXJHQEHVWlQGLJNHLW 0LQHUDO|O XQG &KHPLNDOLHQEHVWlQGLJNHLW
KlQJHQ ZHLWJHKHQG YRQ GHU +lUWH DE =XU 0HVVXQJ GHU +lUWH JLEW HV XQWHUVFKLHGOLFKH 9HUIDKUHQ
'DV HLQIDFKVWH DEHU VHKU XQJHQDXH 9HUIDKUHQ LVW GLH .UDW]SUREH PLW GHP )LQJHUQDJHO (LQH DQGH
UH 3UIXQJVPHWKRGH LVW GLH .UDW]SUREH PLW XQWHUVFKLHGOLFKHQ %OHLVWLIWPLQHQ 'DQHEHQ JLEW HV
QRFK HLQH 5HLKH NRPSOL]LHUWHUHU 3UIYHUIDKUHQ ZLH ] % GLH +lUWHPHVVXQJ QDFK %ULQHOO
0RKVVFKH +lUWHVNDOD
'LH 0RKVVFKH +lUWHVNDOD YRQ GHP 0LQHUDORJHQ )ULHGULFK 0RKV  ELV  DXIJHVWHOOW
WHLOW GLH 0LQHUDOLHQ LQ  +lUWHJUDGH HLQ ZRQDFK MHGHV IROJHQGH 0LQHUDO GDV YRUKHUJHKHQGH
ULW]W *OHLFK KDUWH 0LQHUDOLHQ ULW]HQ HLQDQGHU QLFKW 'LH 0RKV+lUWH LVW QXU UHODWLY VLH JLEW
NHLQHQ $XIVFKOXVV EHU GLH ZLUNOLFKH =XQDKPH GHU +lUWH LQQHUKDOE GHU 6NDOD $X‰HUGHP WlX
VFKHQ ] % DXVJHZLWWHUWH 0LQHUDOLHQ JHULQJHUH +lUWHJUDGH YRU 0DQFKH 0LQHUDOLHQ ZHLVHQ
]XGHP DXI YHUVFKLHGHQHQ )OlFKHQ XQG QDFK EHVWLPPWHQ 5LFKWXQJHQ UHFKW XQWHUVFKLHGOLFKH
+lUWH DXI 'HU ZHLFKVWH 6WRII VWHKW DP $QIDQJ GHU 6NDOD GHU KlUWHVWH DP (QGH

7DEHOOH  Härteskala nach Friedrich Mohs

+lUWHVWXIH 6WRII VRQVWLJH :HUNVWRIIH %HPHUNXQJHQ


PLW lKQOLFKHU +lUWH
1 Talkum Graphit mit Fingernagel schab-
bar
2 Gips --- mit Fingernagel ritzbar
3 Kalkspat Gold, Silber mit Kupfermünze ritzbar
4 Flussspat Glaspapier, Sandstein mit Messer leicht ritzbar
5 Apatit Glaspapier, Beton mit Messer noch ritzbar
6 Feldspat Glas, Glaspapier, Dia- mit Stahlfeile ritzbar
bas
7 Quarz Granit, Flintpapier ritzt Fensterglas
8 Topas Aluminiumo[idpapier ritzt Fensterglas
9 Korund Siliciumcarbidpapier ritzt Fensterglas
10 Diamant Bornitrid härtestes natürlich
vorkommendes Mineral
86  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

6FKOHLISDSLHUH PVVHQ HLQH K|KHUH +lUWHVWXIH DXIZHLVHQ DOV GHU ]X VFKOHLIHQGH 8QWHUJUXQG
'LH +lUWH KlQJW MHZHLOV YRP 6FKOHLIPLWWHO DE XQG KDW PLW GHU .RUQJU|‰H QLFKWV ]X WXQ

3RURVLWlW
'LH 3RURVLWlW VSLHOW HLQH ZLFKWLJH 5ROOH IU GLH 9HUZLWWHUXQJVEHVWlQGLJNHLW GD LKU 9RUKDQGHQ
VHLQ GDV (LQGULQJHQ YRQ 6FKDGVWRIIHQ LQ GHQ 6WHLQ HUP|JOLFKW XQG ]X =HUVW|UXQJHQ LP 6WHLQ
LQQHUHQ IKUHQ NDQQ 'LFKWH 6WHLQH PLW VHKU JHULQJHU 3RURVLWlW ZLWWHUQ YRUZLHJHQG DQ GHU 2
EHUIOlFKH DE GD :DVVHU XQG GLH GDULQ JHO|VWHQ 6FKDGVWRIIH QLFKW VR ZHLW LQ GHQ 6WHLQ HLQ
4 GULQJW 3RUHQ LP 6WHLQ VLQG GLH 9RUDXVVHW]XQJ IU GDV (LQGULQJHQ XQG 7UDQVSRUW YRQ :DVVHU
XQG GDULQ JHO|VWHQ 6FKDGVWRIIHQ LP 6WHLQ
'DPLW ZHUGHQ )URVWVSUHQJXQJHQ EHJQVWLJW XQG /|VXQJV XQG 8PZDQGOXQJVSUR]HVVH YRQ
%LQGHPLWWHOQ HUP|JOLFKW $QGHUHUVHLWV LVW GDV 9RUKDQGHQVHLQ HLQHU 3RURVLWlW GLH 9RUDXVVHW]XQJ
IU GLH $QZHQGEDUNHLW YRQ 6WHLQVFKXW]PLWWHOQ 6LH GULQJHQ EHU GLH 3RUHQ LQ GHQ 6WHLQ HLQ
'LFKWH 6WHLQH QHKPHQ NHLQH 6FKXW]PLWWHO LQ DXVUHLFKHQGHP 8PIDQJ DXI 'DV YRUVWHKHQGH
6FKHPD ]HLJW GLH %HUHLFKH YRQ 6FKDGHQVXUVDFKHQ XQG EHVWLPPHQGH )DNWRUHQ IU GLH :LGHU
VWDQGVIlKLJNHLW GHV %DXZHUNHV

8UVDFKHQ GHU 1DWXUVWHLQVFKlGLJXQJ

%HIXQG † $EVDQGHQ † $EVFKXSSHQ


† %U|FNHO]HUIDOO † 6FKDOHQELOGXQJ
† .UXVWHQELOGXQJ † 5LVVELOGXQJ

8UVDFKHQ
:DVVHUDXIQDKPH † LQ :DVVHU JHO|VWH 6DO]H
6FKDGVWRIIDXIQDKPH † LQ :DVVHU JHO|VWH VDXUH *DVH ZLH 62 XQG 62

)ROJHQ
3K\VLNDOLVFKH .RUURVLRQ † )URVW7DXZHFKVHO † 6DO]NULVWDOOLVDWLRQ
† K\JURVNRSLVFKHV 4XHOOHQ6FKZLQGHQ
† 6DO]K\GUDWDWLRQ
&KHPLVFKH .RUURVLRQ † 8PZDQGOXQJ GHV %LQGHPLWWHOV GXUFK 6lXUHDQJULII LQ O|VOLFKH
6DO]H O|VHQGHU $QJULII  KlXILJ YHUEXQGHQ PLW HLQHU 9ROX
PHQYHUJU|‰HUXQJ XQG HUK|KWHQ .ULVWDOOGUXFN WUHLEHQGHU $Q
JULII 
%HLVSLHO
&D&2  +62  +2 ĺ &D62 +2  +2  &2
.DON  6FKZHIHOVlXUH ĺ *LSV  :DVVHU  .RKOHQGLR[LG

9ROXPHQYHUJU|‰HUXQJ .DON ]X *LSV FD  


%LRORJLVFKH .RUURVLRQ † %HZXFKV XQG %HIDOO GHU %DXVWRIIH PLW 0LNURRUJDQLVPHQ ZLH
$OJHQ )OHFKWHQ 0RRVHQ XQG %DNWHULHQ UXIHQ FKHPLVFKH $Q
JULIIH DJJUHVVLYHU 6WRIIZHFKVHOSURGXNWH 6lXUHQ KHUYRU
 6FKDGHQVXUVDFKH ± 6FKDGHQVELOGHU 87

*UXQGVlW]OLFK ODVVHQ VLFK VFKlGLJHQGH (LQIOVVH GLH GLH 'DXHUKDIWLJNHLW YRQ %DXZHUNHQ DXV
1DWXUVWHLQ EHHLQWUlFKWLJHQ LQ GUHL 8UVDFKHQEHUHLFKH HLQWHLOHQ
x (LQIOVVH DXV GHU 1DWXUGHU 8PZHOW
x (LQIOVVH DXV GHU YRUKDQGHQHQ .RQVWUXNWLRQ
x (LQIOVVH IHKOHUKDIWHU (UKDOWXQJVYHUVXFKH

7DEHOOH  6FKDGHQVHLQIOVVH


$XV GHU 1DWXU $XV GHU .RQVWUXNWLRQ $XV IHKOHUKDIWHQ (UKDOWXQJVYHUVXFKHQ
4
Wasser ungeeigneter Stein falsche Reinigung
Hitze und Kälte Verarbeitungsfehler Nicht sach- und fachgerecht ausgeführte Restaurie-
rungsarbeiten
Luft und Wind rostende Eisenanker Störung der Tragwerkskonstruktion
Pflanzen, Tiere schlechter Fugenmörtel falsche Schutzmittelanwendung

'HU :LGHUVWDQG JHJHQ VFKlGLJHQGH (LQIOVVH DXV GHU 1DWXU ZLUG EHVWLPPW GXUFK

(LJHQVFKDIWHQ GHV YHUZHQGHWHQ 6WHLQV


x :DVVHUDXIQDKPHYHUP|JHQ 3RURVLWlW
x 3RUHQ XQG +RKOUDXPJHIJH
x )HVWLJNHLW XQG +lUWH
x $XIEDX XQG 6WUXNWXU
x *HPHQJHWHLOH %LQGHPLWWHO
x +RPRJHQLWlW

$QZHQGXQJVIRUPHQ GHV 6WHLQV DP %DXZHUN


x YHUVFKLHGHQH %DXHOHPHQWH
x /DJH LP *HElXGH
x NRQVWUXNWLYHU %DXWHQVFKXW]
x .OLPD]RQH 0LNURNOLPD
x +LPPHOVULFKWXQJVRULHQWLHUXQJ
*HJHQ (LQIOVVH DXV GHU 1DWXUGHU 8PZHOW PVVHQ $X‰HQEDXWHLOH DXV 1DWXUVWHLQ VRZHLW ZLH
P|JOLFK JHVFKW]W ZHUGHQ +LHU]X ]lKOHQ YRU DOOHP
x .RQVWUXNWLYHU %DXWHQVFKXW]
x 6DFK XQG IDFKJHUHFKW DXVJHIKUWH .RQVHUYLHUXQJVPD‰QDKPHQ
x 6WlQGLJH hEHUSUIXQJ GHU 6WHLQVXEVWDQ] XQG ZHQQ QRWZHQGLJ UHFKW]HLWLJH (LQOHLWXQJ YRQ
.RQVHUYLHUXQJVPD‰QDKPHQ
x 8PZHOWVFKXW] ± 5HLQKDOWXQJ YRQ /XIW XQG *HZlVVHU
=XVDPPHQJHIDVVW EOHLEW IHVW]XVWHOOHQ GDVV HV 6WHLQH PLW ÄJXWHQ³ XQG 6WHLQH PLW ÄVFKOHFKWHQ³
*HVWHLQVHLJHQVFKDIWHQ QLFKW JLEW 9LHOPHKU VLQG VlPWOLFKH 1DWXUVWHLQDUWHQ IU LKUHQ VSH]LHOOHQ
9HUZHQGXQJV]ZHFN HQWZHGHU JHHLJQHW ULFKWLJ HLQJHVHW]W RGHU HEHQ QLFKW JHHLJQHW IDOVFK
HLQJHVHW]W 
88  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

 6FKDGHQVGRNXPHQWDWLRQ

 6FKDGHQVGRNXPHQWDWLRQ

 %HVWDQGVDXIQDKPH

'LH 3ODQXQJ YRQ 0D‰QDKPHQ ]XU (UKDOWXQJ YRQ %DXZHUNHQ DXV 1DWXUVWHLQ PXVV YRQ GHU
4 YRUKDQGHQHQ %DXVXEVWDQ] DXVJHKHQ GHUHQ $UW XQG =XVWDQG HQWVFKHLGHQHQ (LQIOXVV DXI GLH
YRU]XVHKHQGHQ (UKDOWXQJVPD‰QDKPHQ EHVLW]W *UXQGODJH IU 5HVWDXULHUXQJVDUEHLWHQ LVW HLQH
.HQQGDWHQHUPLWWOXQJ QDFK GHP :7$0HUNEODWW ' *HJHQEHU GHU 3ODQXQJ YRQ 1HX
EDXPD‰QDKPHQ EHVWHKW KLHU GHU HUVWH 6FKULWW GHU 0D‰QDKPHQYRUEHUHLWXQJ LQ HLQHU DXVIKUOL
FKHQ (UIDVVXQJ XQG %HZHUWXQJ GHV YRUKDQGHQHQ %DXEHVWDQGHV VRZLH HYHQWXHOO LQ *UXQGOD
JHQXQWHUVXFKXQJHQ ]XU H[DNWHQ .OlUXQJ GHU YRUJHIXQGHQHQ 6DFKYHUKDOWH 'LH 8QWHUVXFKXQ
JHQ GHU 6FKDGHQVDUW XQG GHV 6FKDGHQVXPIDQJV GLH )HVWVWHOOXQJ GHV 6DQLHUXQJV]LHOHV XQG
GDPLW YHUEXQGHQ DXFK GLH $XVDUEHLWXQJ HLQHV 6DQLHUXQJVSODQV VROOWHQ QDFK GHP DEJHELOGHWHQ
6FKHPD HUIROJHQ

1$78567(,1%$8:(5.
6FKDGHQVHUIDVVXQJ %HUDWXQJ GXUFK 6DFKYHUVWlQGLJH
x 6FKDGHQVDXIQDKPH GHQNPDOVUHFKWOLFKH (UODXEQLV
x 3UREHHQWQDKPH
)HVWOHJXQJ GHV 6DQLHUXQJV]LHOV
x 5HVWDXULHUXQJ
x (UJlQ]XQJ
x (UQHXHUXQJ

.216(59,(581*63/$1
6FKHPD 8QWHUVXFKXQJVSKDVH

(UVW DXI GHU %DVLV HLQHU VSH]LILVFK DXVJHULFKWHWHQ %HVWDQGVDXIQDKPH NDQQ GLH YHUJOHLFKHQGH
:HUWXQJ P|JOLFKHU 6DQLHUXQJVYHUIDKUHQ XQG GLH (UVWHOOXQJ HLQHV 0D‰QDKPHQSODQHV HUIROJHQ
%HVWDQGVDXIQDKPH DQ %DXZHUNHQ DXV 1DWXUVWHLQ ]XU .OlUXQJ GHU (UIRUGHUQLVVH YRQ .RQVHU
YLHUXQJ XQG 5HVWDXULHUXQJ JOLHGHUQ VLFK RUJDQLVDWRULVFK LQ GUHL $UEHLWVEHUHLFKH
x *HVWHLQVNXQGOLFKH (UIDVVXQJ YRQ VFKlGLJHQGHQ (LQIOVVHQ XQG 6FKlGLJXQJHQ GHV %DX
ZHUNV 6WDQGRUWEHGLQJXQJHQ
x .XQVWKLVWRULVFKHEDXJHVFKLFKWOLFKH (UIDVVXQJ XQG %HZHUWXQJ GHV %DXZHUNHV
x .RQVWUXNWLYHEDXVWRIIWHFKQLVFKH (UIDVVXQJ XQG %HZHUWXQJ
'DV (UIDVVHQ XQG %HVFKUHLEHQ GHV 2EMHNWHV XQG GHV 6FKDGHQVELOGHV VWHKHQ DP $QIDQJ GHU
%HVWDQGVDXIQDKPH 8P HLQ JHQDXHV 6FKDGHQVELOG ]X HUKDOWHQ ZHUGHQ =HLFKQXQJHQ )RWRJUD
ILHQ WH[WOLFKH %HVFKUHLEXQJHQ XQG LP (LQ]HOIDOO GLH )RWRJUDPPPHWULH EHQ|WLJW 1DFK GHU
%HVWDQGVDXIQDKPH PVVHQ JHQDXH .HQQWQLVVH GHU YRUKDQGHQHQ 6FKlGHQ YRUOLHJHQ +LHU]X
KDEHQ VLFK HLQH 5HLKH YRQ 9HUIDKUHQ EHZlKUW 'LH 9HUIDKUHQ VLQG GDEHL LQ ]HUVW|UXQJVIUHLH
XQG ]HUVW|UHQGH 0HWKRGHQ ]X XQWHUWHLOHQ
 6FKDGHQVGRNXPHQWDWLRQ 89

 $UEHLWVEHUHLFKH GHU %HVWDQGVHUIDVVXQJ XQG %HZHUWXQJ

(UVW QDFK HLQHU JUQGOLFKHQ 8QWHUVXFKXQJ EHU GDV $XVPD‰ XQG GLH $UW GHU 6FKlGHQ NDQQ
EHU HUKDOWHQGH 0D‰QDKPHQ DQ 6WHLQGHQNPlOHUQ HQWVFKLHGHQ ZHUGHQ -H QDFK 6FKDGHQVELOG
XQG $UW GHV 2EMHNWHV VLQG GDEHL XQWHUVFKLHGOLFKH )RUPHQ XQG 0HWKRGHQ GHU %HVWDQGVDXIQDK
PH P|JOLFK 'LHV VROO ]XQlFKVW RKQH (LQJULIIH LQ GLH 6XEVWDQ] YRUJHQRPPHQ ZHUGHQ 'XUFK
PD‰VWlEOLFK HUVWHOOWH =HLFKQXQJHQ NDQQ GDV 2EMHNW LQ HLQ]HOQH (EHQHQ ] % *UXQGULVV
6FKQLWW XQG $QVLFKW ]HUOHJW ZHUGHQ hEHU GLH )RWRJUDPPPHWULH N|QQHQ HQW]HUUWH )RWRV KHUJH
VWHOOW ZHUGHQ XQG PLW YHUVFKLHGHQHQ 9HUIDKUHQ 'DWHQ HUPLWWHOW ZHUGHQ GLH GDV (UUHLFKHQ GHV 4
6DQLHUXQJV]LHOHV HUKHEOLFK HUOHLFKWHUQ =XU %HVWDQGVDXIQDKPH JHK|UW DXFK GDV (UIDVVHQ XQG
$XVZHUWHQ YRUKDQGHQHU 8QWHUODJHQ GLH EHU (QWVWHKXQJ 1XW]XQJ XQG *HVFKLFKWH GHV 2EMHN
WHV EHU IUKHU YRUJHQRPPHQH 9HUlQGHUXQJHQ RGHU 5HVWDXULHUXQJVPD‰QDKPHQ $XVNXQIW
JHEHQ N|QQHQ 8PIDQJUHLFKHV $NWHQ XQG /LWHUDWXUVWXGLXP LVW GDEHL RIW XQXPJlQJOLFK bOWHUH
=HLFKQXQJHQ RGHU )RWRV N|QQHQ +LQZHLVH DXI IUKHUH =XVWlQGH JHEHQ $XV GHU .HQQWQLV GHU
ILNWLY JHZlKOWHQ 6XEVWDQ]HUKDOWXQJVVWXIHQ ODVVHQ VLFK HLQH 9LHO]DKO RUJDQLVDWRULVFKHU $UEHLWV
EHUHLFKH DEOHLWHQ 'UHL 9HUIDKUHQ KDEHQ VLFK EHL GHU %HVWDQGVHUIDVVXQJ XQG EHZHUWXQJ KHU
DXVNULVWDOOLVLHUW
x *HVWHLQVNXQGLJH $XIQDKPH 6WDQGRUWEHGLQJXQJHQ
x .XOWXUKLVWRULVFKEDXJHVFKLFKWOLFKH $XIQDKPH
x .RQVWUXNWLYEDXWHFKQLVFKH $XIQDKPH
*HVWHLQVNXQGLJH $XIQDKPH 6WDQGRUWEHGLQJXQJHQ
:LFKWLJ VLQG
x 8QWHUVXFKXQJHQ XQG $QDO\VHQ DP %DXZHUN IDOOV QRWZHQGLJ PLW (LQUVWHQ RGHU (LQVDW]
HLQHU +XEDUEHLWVEKQH
x 3UREHQHQWQDKPH QDFK GHU )HVWOHJXQJ GHU ]X XQWHUVXFKHQGHQ (LJHQVFKDIWHQ
x /DERUXQWHUVXFKXQJHQ ZHQQ VLH QDFK GHP *XWDFKWHQDQIRUGHUXQJVSURILO HUIRUGHUOLFK VLQG
x 0HVVGDWHQ EHU 6WDQGRUWEHGLQJXQJHQ XQG 8PZHOWEHODVWXQJHQ LQ GHU 8PJHEXQJ GHV %DX
ZHUNHV
8QWHUVWW]HQG ZLUNHQ
x ]HUVW|UXQJVDUPH 8QWHUVXFKXQJVYHUIDKUHQ IU $QDO\VHQ DP %DXZHUN
x HLQIDFKH 8QWHUVXFKXQJHQ PLW DXVUHLFKHQGHU *HQDXLJNHLW ]XU 9HUPHLGXQJ DXIZlQGLJHU
/DERUXQWHUVXFKXQJHQ
x 0HVVUHLKHQ EHU 8PZHOWEHODVWXQJHQ XQG 6WDQGRUWHLQIOVVH IU GHQ %DXZHUNVVWDQGRUW

([HPSODULVFK VLQG IROJHQGH 3XQNWH ]X NOlUHQ


x *HVWHLQV]XVDPPHQVHW]XQJ PLW 0LQHUDODQWHLOHQ FKHPLVFKHQ $QWHLOHQ *HIJH 3RURVLWlW
QDFK ',1  )HXFKWLJNHLWVJHKDOW 6DO]JHKDOW
x /|VOLFKNHLW YRQ %HVWDQGWHLOHQ :DVVHUO|VOLFKNHLW 6lXUHO|VOLFKNHLW
x :DVVHUDXIQDKPH QDFK ',1  6lWWLJXQJVZHUW QDFK ',1  .DSLOODUZDVVHUDXI
QDKPH QDFK ',1 
x PHFKDQLVFKH (LJHQVFKDIWHQ ZLH 'UXFNIHVWLJNHLW $XVEUXFKVIHVWLJNHLW $EULHEVIHVWLJNHLW
7HPSHUDWXUGHKQXQJVYHUKDOWHQ
x 9HUZLWWHUXQJVYHUKDOWHQ PLW )URVW7DXZHFKVHO QDFK ',1   6DO]NULVWDOOLVDWLRQVYHU
VXFK QDFK ',1  XQG 9',  6FKQHOOWHVW LQ VDXUHQ 0HGLHQ QDFK /XFNDW
x 6WDQGRUWIDNWRUHQ ZLH .OLPDGDWHQ +DXSWZLQGULFKWXQJ PLWWOHUH /XIWIHXFKWLJNHLW 5HJHQWDJH
SUR -DKU 0HHUZDVVHUDHURVROH %DXJUXQG XQG *UXQGZDVVHU
90  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

x ,PPLVVLRQVEHODVWXQJHQ ZLH (UVFKWWHUXQJHQ 6FKDGVWRIIEHODVWXQJHQ GHU /XIW 6FKDGVWRII


EHODVWXQJ LQ GHU XQPLWWHOEDUHQ %DXZHUNVXPJHEXQJ
x ELRORJLVFKH %HODVWXQJHQ GXUFK 3IODQ]HQ 7LHUH XQG 0LNURRUJDQLVPHQ

.RQVWUXNWLYH EDXWHFKQLVFKH $XIQDKPH


:LFKWLJ VLQG
x .RQVWUXNWLRQVEHVFKUHLEXQJ GHV %DXZHUNHV
4 x %HVWDQGVSOlQH DXVUHLFKHQGHU *HQDXLJNHLW GLH GHP DNWXHOO YRUKDQGHQHQ =XVWDQG HQWVSUH
FKHQ
x %DXEHVFKUHLEXQJHQ QDFKWUlJOLFKHU 9HUlQGHUXQJHQ XQG 0D‰QDKPHQ

7DEHOOH  Denkmalpflegerische Bestandsaufnahme

ZLFKWLJ XQWHUVWW]HQG
– Bauwerksbeschreibung mit Datierung und – LiteraturTuellen, Akten aus Bauarchiven
Herkunft – historische Berichte über Restaurierungsmaß-
– weiterführende Beschreibungen bau- und nahmen, Zeitungsartikel, Bauberichte
kunstgeschichtlicher Art – Informationen von Eigentümern, Heimat-
– Plandokumentation mit evtl. Veränderungsstu- pflegern, Bewohnern, Nachbarn, Baufirmen
fen, Fotodokumentation
=X NOlUHQGH )UDJHQ LP (LQ]HOQHQ
– Woher und aus welcher Zeit stammt das Bauelement"
– Seit wann befindet es sich am jetzigen Ort"
– Sind Besonderheiten des Werkstoffes oder seiner Verarbeitung bekannt"
– Wurde das Bauelement nachträglich verändert"
– Wurde das Bauelement bereits behandelt – wenn ja, wie und womit"
– Wie ist das Bauelement konstruktiv in das Bauwerk integriert – ist es demontabel"
– Sind handwerkliche und künstlerische Bearbeitungsspuren vorhanden"
– Sind Besonderheiten der Oberflächenstruktur und der Elementumrisse vorhanden, die auf die Bear-
beitung zurückzuführen sind"
– Sind Putz- und Farbfassungen vorhanden und wie ist ihr Zustand"
– Wie ist die Bedeutung des Bauelementes für das gesamte Bauwerk als Denkmal einzuschätzen"
– Erfordern die vorhandenen Elementschädigungen eine differenzierte restauratorische Fachbehand-
lung"

8QWHUVWW]HQG ZLUNHQ
x 8PEDXSOlQH XQG 9HUlQGHUXQJVSODQXQJHQ
x %DXDNWHQ %DXWDJHEFKHU )LUPHQDQJHERWH XQG $EUHFKQXQJHQ %DXEHVFKUHLEXQJHQ
x YRUOLHJHQGH *XWDFKWHQ )RWRV
x ,QIRUPDWLRQHQ YRQ %DXZHUNVQXW]HUQ %DXEHWUHXHUQ %DXOHLWHUQ XQG +DQGZHUNVILUPHQ
,P (LQ]HOQHQ ]X NOlUHQ VLQG
x *HVDPW]XVWDQG GHV %DXZHUNHV LP +LQEOLFN DXI 6WDQGVLFKHUKHLW )HVWLJNHLW XQG PHFKDQL
VFKH %HDQVSUXFKXQJ
x (LQELQGXQJ GHU %DXHOHPHQWH LQ GDV %DXZHUN XQG LQ DQGHUH :HUNVWRIIH
 6FKDGHQVGRNXPHQWDWLRQ 91

x HUNHQQEDUH VFKlGLJHQGH (LQIOVVH IU HLQ]HOQH %DXHOHPHQWH 8PZHOWEHODVWXQJHQ


x %HVFKDIIHQKHLW XQG =XVWDQG YRQ 6WHLQREHUIOlFKHQ
x =XVWDQG XQG P|JOLFKH VFKlGLJHQGH (LQIOVVH YRQ )XJHQ 3XW] $QVWULFKHQ
x (LQIOVVH YRQ 6FKXW]HOHPHQWHQ ZLH 'lFKHU $EGHFNXQJHQ IU GLH 'DXHUKDIWLJNHLW GHV
6WHLQV
x EHUHLWV GXUFKJHIKUWH IUKHUH %DXPD‰QDKPHQ XQG HYWO 6FKXW]PLWWHODQZHQGXQJHQ
x GULQJOLFKH 0D‰QDKPHQ GHU 6LFKHUXQJ GHV %DXZHUNHV GLH VRIRUW ]X YHUDQODVVHQ VLQG
x 4XDQWLIL]LHUXQJ HUNHQQEDUHU 6FKlGLJXQJHQ QDFK *UDG XQG $XVPD‰
4
&KHFNOLVWHQ ]XU %HVWDQGVHUIDVVXQJ QDFK 5HPPHUV /|QLQJHQ
(LQH DXVUHLFKHQGH XQG JHQDXH (UIDVVXQJ XQG %HZHUWXQJ GHU ]X VDQLHUHQGHQ %DXWHLOH NDQQ
QLFKW QXU GXUFK HLQH DXJHQVFKHLQOLFKH (UIDVVXQJ HUIROJHQ 8P ]XYHUOlVVLJH 3ODQXQJVXQWHUOD
JHQ ]X EHNRPPHQ HUVFKHLQW HV VLQQYROO IROJHQGH %DXWHLOH JHWUHQQW ]X HUIDVVHQ XQG ]X EHZHU
WHQ
x XQWHUVFKLHGOLFKH %DXZHUNVWHLOH +DXSWEDX 1HEHQEDXWHQ
x %DXHOHPHQWH ZLH )DVVDGHQ 7UHSSHQ 6NXOSWXUHQ %RGHQEHOlJH DXV 1DWXUVWHLQ

%(67$1'6$8)1$+0(35272.2//
%DXQXPPHU 
'LHQVWVWHOOHQ1U'LHQVWHOOH 
%DXZHUNVEH]HLFKQXQJ 
6WUD‰H X +DXVQXPPHU 
3RVWOHLW]DKO X 2UW 
2UWVNHQQ]DKO 
+DXVKDOWVVWHOOH EHL .DSLWHO 
BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB

6WHLQDUW  † XQEHNDQQW


'HQNPDOVFKXW] † MD † QHLQ
BBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBBB

0DXHUZHUN † 4XDGHU † =LHJHO † HLQVFKDOLJ


† %UXFKVWHLQ † %HWRQ † ]ZHLVFKDOLJ
† +RO]IDFKZHUN
† VRQVWLJHV
$QVWULFK † MD † QHLQ
3XW] † MD † QHLQ
92  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

7DEHOOH  Prüfungsvorgehen

3UIHQ DXI (LQVFKlW]XQJ .XU]]HLFKHQ


Festigkeit – überwiegend fest A
– schwach entfestigt B
– stark entfestigt C
– zerbröckeln mit der Hand D
– Zerfall bei Berührung E
Absanden – Abrieb nur mit Messer möglich A
4 – leicht durch Fingerreibung B
– Ecken/Kanten abgerundet C
– stark bei Berührung D
– Sandanhäufung am Boden E
Abblättern – Lockerung nur an Steinrand A
– Ablösungen am Steinrand B
– Ablösungen in Einzelflächen C
– stark über die gesamte Fläche D
– tiefergehend, gesamtflächig E
Durchfeuchtung – in der Standfläche A
– vertikale Flächen B
– in geschützter Lage C
– in der Spritzwasserzone D
– durch ablaufendes Regenwasser E

 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ

 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ

 0D‰QDKPHQNDWDORJ

)U GLH hEHUZDFKXQJ XQG YRUVRUJOLFKH hEHUSUIXQJ GHU 5HVWDXULHUXQJVDUEHLWHQ LVW HV HUIRU
GHUOLFK IROJHQGH 3XQNWH ]X EHDFKWHQ
x (LQVDW] HLQHV $QZHQGXQJVWHFKQLNHUV
x %DXVWHOOHQEHVXFKH
x (LQVDW] YRQ 6DFKYHUVWlQGLJHQ
x $EQDKPH YRQ 7HLOOHLVWXQJHQ
x %DXWDJHEXFK
x %DXGRNXPHQWDWLRQ %DXOHLVWXQJ GHV $XIWUDJQHKPHUV LQNOXVLYH )RWRGRNXPHQWDWLRQ DOOHU
$UEHLWVJlQJH
8QWHU GHP *HVLFKWVSXQNW GHU EDXOLFKHQ 'HQNPDOVSIOHJH PXVV EHL GHQ PHLVWHQ 6WHLQUHVWDXULH
UXQJV XQG .RQVHUYLHUXQJVPD‰QDKPHQ DOOHV JHWDQ ZHUGHQ XP GLH XUVSUQJOLFKH 6XEVWDQ] ]X
HUKDOWHQ 'LHV EHGHXWHW GDVV GHU :DKO GHV ULFKWLJHQ 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQV XQG GHU WHFKQLVFKHQ
3DUDPHWHU GLH JU|‰WH %HGHXWXQJ ]XNRPPW :HVHQWOLFK EHL GHU 3ODQXQJ YRQ NRQVHUYLHUHQGHQ
XQG UHVWDXULHUHQGHQ 0D‰QDKPHQ LVW GLH )HVWOHJXQJ GHU 5HLKHQIROJH XQG GHV ,QHLQDQGHUJUHL
IHQV GHU YHUVFKLHGHQHQ $UEHLWVVFKULWWH 1HEHQ GHU 0D‰QDKPHQDEIROJH VSLHOHQ GLH HLQ]XKDOWHQ
GHQ :DUWH 7URFNQXQJV XQG $EELQGH]HLWHQ HLQH ZLFKWLJH 5ROOH IU GHQ (UIROJ GHU (UKDO
WXQJVEHPKXQJHQ 6R NDQQ ]XP %HLVSLHO QDFK HLQHU :DVVHUUHLQLJXQJ HLQH )HVWLJXQJ GHV
 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ 93

6WHLQV HUVW QDFK GUHL ELV YLHU :RFKHQ 0LQGHVWWURFNQXQJV]HLW LQ $EKlQJLJNHLW YRQ NOLPDWLVFKHQ
*HJHEHQKHLWHQ ZLH /XIWWHPSHUDWXU /XIWIHXFKWLJNHLW XQG :LQG HUIROJHQ ,Q $EKlQJLJNHLW YRP
'LDJQRVHHUJHEQLV VLQG GLH ZHLWHUHQ 0D‰QDKPHQ ZLH 6WHLQHUJlQ]XQJ 6WHLQDXVWDXVFK 6WHLQ
IHVWLJXQJ +\GURSKRELHUXQJ XQG ZHLWHUH EHJOHLWHQGH 0D‰QDKPHQ ZLH +RUL]RQWDODEGLFKWXQJ
YRP 3ODQHU JHJHEHQHQIDOOV XQWHU +LQ]X]LHKXQJ HLQHV 6DFKYHUVWlQGLJHQ H[DNW IHVW]XOHJHQ
'D]X LVW HV XQXPJlQJOLFK ]XQlFKVW HLQH 0XVWHUIOlFKH DQ]XOHJHQ XP GLH HLQ]HOQHQ .RQVHUYLH
UXQJVVFKQLWWH EHUSUIHQ XQG GHUHQ (UIROJ EHXUWHLOHQ ]X N|QQHQ
%HL GHU 'XUFKIKUXQJ GHU .RQVHUYLHUXQJVPD‰QDKPHQ NDQQ GDV DEJHELOGHWH 6FKHPD ]XU 2UL
HQWLHUXQJ KHUDQJH]RJHQ ZHUGHQ 4

%LOG  Konservierungsmaßnahmen


94  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

7DEHOOH  Maßnahmen zur Schadens- und Materialanalyse


 0D‰QDKPHQNDWDORJ IU GLH 1DWXUVWHLQNRQVHUYLHUXQJ

6FKDGHQVDQDO\VH 0DWHULDODQDO\VH
(UPLWWOXQJ GHU 6FKDGHQVXUVDFKH 6WHLQXQWHUVXFKXQJ
1. Bewertung der Umweltsituation und des Stand- 1. Bestimmung der Wasseraufnahme nach DIN 52
ortes. Messung der Immissionsraten (SO2) und 103
des ph-Wertes des Regenwassers 2. Bestimmung der Art des Bindemittels (wasser-
2. Feststellung, Bewertung und Dokumentation lösliche, säurelösliche Anteile)
4 von Materialschäden: Frost und Kondensat- 3. Bestimmung der Konservierbarkeit
schäden, chemische und biologische Korrosion, (z. B. Prüfung auf Tuellbare Silikate usw.)
Salzschäden, Schalenbildung, Abblätterung, 4. Bestimmung der Konservierungsmittel-
Absandung, Bildung von Rissen, Bindemittel- aufnahme
umlagerung, Bindemittelumwandlung 5. Bestimmung der ma[. Eindringtiefe der einzel-
3. Bestimmung der Verwitterungstiefe nen Konservierungsmittel bzw.
Bestimmung der Eindringtiefe in Abhängigkeit
von der Entwirkungsdauer der Konservie-
rungsmittel
6. Bestimmung der reduzierten Wasseraufnahme
nach der Konservierung
7. Durchführung eines Salzsprengtests in Anleh-
nung an die DIN 52111

7DEHOOH  Maßnahmen vor und nach der Restaurierung (Quelle Remmers, Lönningen)

)HVWOHJXQJ GHV .RQVHUYLHUXQJVYHUIDKUHQV hEHUSUIXQJ GHU GXUFKJHIKUWHQ


$XIVWHOOHQ GHU /HLVWXQJVYHU]HLFKQLVVH %DXOHLVWXQJHQ
1. Wertung der Gesamtergebnisse der Stein- 1. Optische Bewertung der durchgeführten Arbei-
untersuchung ten
2. Anlegen einer Musterfläche am Objekt 2. Entnahme von Baustoffproben
3. hberprüfung der Ergebnisse der Materialanaly- (Bohrkerne)
se an der Musterfläche durch Entnahme und 3. Untersuchung der Bohrkerne auf Wasserauf-
Untersuchung von Proben (Bohrkerne) nahme, Wasserdampfdurchlässigkeit und Ein-
4. Endgültige Festlegung des Konservierungsver- dringtiefe der Konservierungsmittel
fahrens Reinigung, erste Konservierung, Stein- 4. Wertung der Ergebnisse. Vergleich mit den
ergänzung, Fugensanierung, Rissesanierung, Werten der Materialanalyse
zweite Konservierung, Farbangleichung, Stein- 5. Abfassen eines entsprechenden Abnahmepro-
schutz tokolls
5. Festlegung der spezifischen Materialeigen-
schaften und Materialmengen im Leistungsver-
zeichnis

,P )ROJHQGHQ ZHUGHQ P|JOLFKH EDXOLFKH (UKDOWXQJVPD‰QDKPHQ DXIJHIKUW XQG HV ZLUG NXU]


HUOlXWHUW PLW ZHOFKHP =LHO VLH MHZHLOV DQJHZHQGHW ZHUGHQ N|QQHQ 'LH 5HLKHQIROJH GHU $XI
OLVWXQJ JLEW HLQHQ GHQNEDUHQ %DXDEODXI ZLHGHU LQ GHP GLH (LQ]HOPD‰QDKPHQ QDFKHLQDQGHU
DXVJHIKUW ZHUGHQ
 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ 95

7DEHOOH  Maßnahmenkatalog

%DXOLFKH 0D‰QDKPH $UW XQG =LHO GHU $QZHQGXQJ


Vorfestigung Kann erforderlich sein bei Steinen mit lockeren Oberflächenzonen
vor der Reinigung, um einem zu hohen Substanzverlust durch die
Reinigung vorzubeugen.
Restauratorische Vorsicherung Besondere Techniken des Restaurators, der lose abstehende Stein-
teile verklebt und anböscht, um Schädigungen durch die Reinigung
zu vermeiden.
4
Reinigung Für großflächige Bauelemente vorwiegend als Wasserreinigung
ohne Zusätze (Berieselung), bei hartnäckigen Verschmutzungen
mittels punktuell einsetzbarer Reinigungspaste möglich.
Bei bestimmten Natursteinarten sind eventuell auch mechanisch
wirkende Verfahren anwendbar.
Entsalzung Durch vorhandene Salzbelastung des Steins kann die Wirksamkeit
von Schutzmitteln verhindert und die hygroskopische Wasserauf-
nahme erhöht werden. Entsalzung durch Kompressen oder Um-
wandlung in schwer lösliche Salze ist als restauratorisches Sonder-
verfahren im Einzelfall möglich.
Handwerklicher Steinaustausch Der Steinmetz fertigt eine Kopie und ersetzt den geschädigten
Werkstein. Ein Steinaustausch ist bei stark geschädigtem, konstruk-
tiv belastetem Steinmaterial erforderlich. Zu beachten ist die Anpas-
sung des Ersatzmaterials an den vorhandenen Stein. Dübel und
Anker sind aus Edelstahl (V4A) zu fertigen.
Handwerklicher partieller Steinaus- Der Steinmetz arbeitet von Hand ausschließlich einen geschädigten
tausch (Vierung) Bereich des Werksteines aus und passt einen maßhaltig zugearbei-
teten Stein ein. Anschließend wird die Profilierung und die Oberflä-
chenstruktur des verbliebenen Werksteines von Hand angearbeitet,
so dass sich die Vierung vom Bestand visuell kaum abhebt.
Steinergänzung Bei partiellen Beschädigungen, bei denen der Stein nicht konstruktiv
belastet wird, ist eine Ergänzung und Nachmodellierung mit geeig-
neten Steinersatzmassen/Restauriermörteln möglich.
Verfugung Das Verfugungsmaterial muss auf die Eigenschaften des Steins
abgestimmt werden, da sonst Schädigungen am Stein entstehen
können. Unerwünschte chemische Reaktionen mit dem Stein oder
dem vorhandenen Fugenmörtel müssen vermieden werden. Sehr
harter und nur wenig saugfähiger Fugenmörtel führt erfahrungsge-
mäß zu eklatanten Schäden an den Natursteinen.
Verputz Der Verputz ist eine gebräuchliche Methode zum Oberflächen-
schutz, der vorwiegend bei Bruchsteinmauerwerk als Schlämme
oder dicker Putzauftrag, unter Umständen zusätzlich mit farbigem
Anstrich Verwendung findet.
Acrylharzvolltränkung Spezialverfahren für kleinteilige Steinelemente, bei dem der Poren-
raum zum Zwecke der Festigung vollständig mit Acrylharz gefüllt
wird. Die Anwendung kann sinnvoll sein bei stark zerbröckelnden
Stücken, die anderenfalls ersetzt werden müssten.
Festigung Lockere Oberflächenzonen des Steins werden durch die Zufuhr
neuen Bindemittels, das durch ein Lösungsmittel in den Stein ein-
gebracht und dort als Gel abgeschieden wird, gefestigt. Als Wirkstoff
wird meist Kieselsäureester verwendet.
Hydrophobierung Abschließende Konservierungsmaßnahme, die vorwiegend mit
siliciumorganischen Verbindungen zur Reduzierung der Wasserauf-
nahme der Gesteins- oder Putzoberflächen durchgeführt wird.
96  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

 +DQGZHUNOLFKHU 6WHLQDXVWDXVFK

%HL HQWVSUHFKHQG XPIDQJUHLFKHQ RGHU JUR‰IOlFKLJHQ 6FKlGHQ NDQQ HV HUIRUGHUOLFK VHLQ NRP
SOHWWH 6WHLQH RGHU SDUWLHOOH %HUHLFKH HLQHV JHVFKlGLJWHQ :HUNVWHLQHV JHJHQ 1HXPDWHULDO DXV]X
WDXVFKHQ 'LH HUIROJW LP 5DKPHQ GHU 1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK GHP :7$0HUNEODWW 
'
0DQ XQWHUVFKHLGHW JDQ]IRUPDWLJH XQG WHLOIRUPDWLJH :HUNVWFNH
4 *DQ]IRUPDWLJH :HUNVWFNH
,P 9RUIHOG ZHUGHQ GLH *HVWHLQVDUW 0D‰H 3URILOLHUXQJ XQG *HRPHWULH GHV JHVFKlGLJWHQ :HUN
VWHLQHV YRU 2UW H[DNW DXIJHQRPPHQ XQG QDFK GLHVHQ 9RUJDEHQ LQ GHU 6WHLQPHW]ZHUNVWDWW HLQH
.RSLH KHUJHVWHOOW 'LHVH .RSLH ZLUG QDFKGHP GHU VFKDGKDIWH 6WHLQ YRU 2UW NRPSOHWW DXVJH
VSLW]W RGHU DXVJHEDXW ZXUGH DQ JOHLFKHU 6WHOOH HLQJHEDXW
7HLOIRUPDWLJH :HUNVWFNH 9LHUXQJHQ 
6LQG QXU 7HLOEHUHLFKH HLQHV :HUNVWHLQHV JHVFKlGLJW NDQQ VLFK GHU 6WHLQDXVWDXVFK DXI GLHVH
SDUWLHOOHQ %HUHLFKH EHVFKUlQNHQ ,Q GLHVHP )DOO ZLUG GLH 6FKDGVWHOOH DP :HUNVWHLQ KDQGZHUN
OLFK DXVJHDUEHLWHW XQG HLQ QHXHU SDVVJHUHFKWHU 1DWXUVWHLQ  HLQH VRJHQDQQWH 9LHUXQJ  HLQJH
NOHEW 'LH )XJHQ VROOWHQ P|JOLFKVW VFKPDO XQG NDXP HUNHQQEDU VHLQ $QVFKOLH‰HQG HUIROJW GLH
3URILOLHUXQJ XQG $QSDVVXQJ GHV WHLOIRUPDWLJHQ :HUNVWFNHV DQ GHQ %HVWDQG $P %HVWDQG
VHOEVW GUIHQ NHLQH $QSDVVXQJHQ RGHU 9HUlQGHUXQJHQ YRUJHQRPPHQ ZHUGHQ
,Q EHLGHQ )lOOHQ LVW HV ZLFKWLJ GDVV GLH WHFKQLVFKHQ .HQQGDWHQ GHV %HVWDQGVJHVWHLQHV PLW GHP
1HXPDWHULDO ZHLWHVWJHKHQG EHUHLQVWLPPHQ GD DQGHUHQIDOOV 6FKlGHQ KHUYRUJHUXIHQ ZHUGHQ
N|QQHQ +LHU]X VLQG IROJHQGH 3DUDPHWHU ]X EHWUDFKWHQ
x 'UXFNIHVWLJNHLW
x %LHJH]XJIHVWLJNHLW
x 7KHUPLVFKH XQG +\JULVFKH /lQJHQlQGHUXQJ
x :DVVHUDXIQDKPH XQG 3RURVLWlW
x ZDVVHUO|VOLFKH XQG VlXUHO|VOLFKH %HVWDQGWHLOH
%HL VDFK XQG IDFKJHUHFKWHU $XVIKUXQJ LVW GHU DXVJHZHFKVHOWH 6WHLQ OHGLJOLFK GXUFK HLQH
KHOOHUH )lUEXQJ QLFKW MHGRFK LP 3URILOYHUODXI RGHU 2EHUIOlFKHQVWUXNWXU YLVXHOO HUNHQQEDU 0LW
GHU =HLW ZHUGHQ GLH )DUEXQWHUVFKLHGH GXUFK %LOGXQJ HLQHU 3DWLQD JHULQJHU VR GDVV GLH 5HVWDX
ULHUXQJVDUEHLWHQ NDXP QRFK HUNHQQEDU VLQG ,Q 6RQGHUIlOOHQ ZLUG GHU QHX HLQJHEDXWH KHOOHUH
6WHLQ GXUFK HLQH VSH]LHOOH )DUEODVXU DOV HLQH $UW NQVWOLFKH 3DWLQD DQ GHQ %HVWDQG YLVXHOO DQ
JHSDVVW
 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ 97

%LOG  Absprengung durch Korrosion Restaurierung durch Einsetzen eines teilformatigen
Werkstückes (Vierung) möglich

 6WHLQHUJlQ]XQJ PLW 5HVWDXULHUP|UWHOQ

.OHLQHUH )HKOVWHOOHQ N|QQHQ LP (LQNODQJ PLW ',1   PLW 5HVWDXULHUP|UWHOQ ZLHGHU KHUJH
VWHOOW ZHUGHQ 'HU 9RUWHLO JHJHQEHU GHP KDQGZHUNOLFKHQ 6WHLQDXVWDXVFK OLHJW LQ HLQHP JHULQ
JHUHQ 6XEVWDQ]DEWUDJ GD OHGLJOLFK GLH Ä6WHLQZXQGH³ HQWODQJ GHQ XQUHJHOPl‰LJHQ 6FKDGJUHQ
]HQ HWZDV ]XUFNJHDUEHLWHW ZLUG %HLP (LQVHW]HQ HLQHU 9LHUXQJ ZLUG PHLVW HLQH WLHIHUH VRZLH
EHU GLH 6FKDGVWHOOH KLQDXVJHKHQGH $XVDUEHLWXQJ HLQHV 9LHUHFNHV HUIRUGHUOLFK ,QVRIHUQ LVW GLH
9HUDUEHLWXQJ YRQ 5HVWDXULHUP|UWHOQ LP GHQNPDOSIOHJHULVFKHQ %HUHLFK EHL VDFK XQG IDFKJH
UHFKWHU $XVIKUXQJ GXUFK GHQ 6WHLQPHW] HLQH VLQQYROOH XQG PLWWOHUZHLOH EHZlKUWH 0HWKRGH
1LFKW VLQQYROO LVW HV DXV 6LFKW GHV $XWRUV NRPSOHWWH :HUNVWHLQH RGHU OlQJHUH *HVLPVWHLOH DQ
GHU )DVVDGH ÄQDFK]XPRGHOOLHUHQ³ +LHU LVW GHU KDQGZHUNOLFKH 6WHLQDXVWDXVFK YRU]X]LHKHQ
3ULQ]LSLHOO ZHUGHQ 6WHLQUHVWDXULHUP|UWHO LQ PLQHUDOLVFK XQG LQ NXQVWKDU]JHEXQGHQH 6\VWHPH
XQWHUVFKLHGHQ 0LQHUDOLVFKH 5HVWDXULHUP|UWHO HQWKDOWHQ QHEHQ PLQHUDOLVFKHQ )OO XQG =X
VFKODJVWRIIHQ .DON XQG =HPHQW DOV %LQGHPLWWHO 6LH HUKlUWHQ HQWZHGHU GXUFK +\GUDWDWLRQ
XQGRGHU &DUERQDWLVLHUXQJ 'HU ]X YHUZHQGHQGH 5HVWDXULHUP|UWHO PXVV QLFKW QXU YLVXHOO VRQ
GHUQ DXFK LQ %H]XJ DXI GLH MHZHLOLJHQ JHVWHLQVW\SLVFKHQ .HQQGDWHQ DEJHVWLPPW ZHUGHQ GD
DQVRQVWHQ HUKHEOLFKH 6FKlGHQ DXIWUHWHQ N|QQHQ 'HU )XJHQVFKQLWW GHU HLQ]HOQHQ :HUNVWHLQH LVW
XQEHGLQJW EHL]XEHKDOWHQ GD VRQVW )ROJHVFKlGHQ YRUSURJUDPPLHUW VLQG
'LH 9HUDUEHLWXQJ YRQ 5HVWDXULHUP|UWHOQ HUIROJW DXVVFKOLH‰OLFK YRQ TXDOLIL]LHUWHQ )DFKOHXWHQ
6WHLQPHW]H XQG 5HVWDXUDWRUHQ XQWHU %HUFNVLFKWLJXQJ GHV :7$0HUNEODWWHV ' 
'LHV DOOHLQ GHVKDOE ZHLO GLH 6FKDGVWHOOHQ YRQ +DQG VXEVWDQ]VFKRQHQG DXVJHDUEHLWHW ZHUGHQ
XQG GLH $QWUDJVWHOOHQ DQVFKOLH‰HQG VWHLQPHW]Pl‰LJ DQ GHQ %HVWDQG LQ %H]XJ DXI 3URILOLHUXQJ
XQG 6WUXNWXU DQJHJOLFKHQ ZHUGHQ PVVHQ 'LH +DOWEDUNHLW XQG GDV YLVXHOOH (UVFKHLQXQJVELOG
HLQHU 6WHLQHUJlQ]XQJ DXV 5HVWDXULHUP|UWHOQ LVW HQWVFKHLGHQG YRQ GHU (UIDKUXQJ GHV DXVIKUHQ
GHQ +DQGZHUNHUV DEKlQJLJ 'LH DXI GHQ HUVWHQ %OLFN UHODWLY HLQIDFKH 9HUDUEHLWXQJ YRQ 6WHLQ
98  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

UHVWDXULHUP|UWHOQ GDUI QLFKW GD]X YHUOHLWHQ GLHVH DQVSUXFKVYROOHQ $UEHLWHQ KDQGZHUNOLFK QLFKW
DXI GHQ 1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJVEHUHLFK DXVJHULFKWHWHQ 8QWHUQHKPHQ ]X EHUWUDJHQ 'HP
$XWRU VLQG ]DKOUHLFKH 6FKDGHQVIlOOH EHNDQQW ZHOFKH DXI JUREH 9HUDUEHLWXQJVPlQJHO EHLP
8PJDQJ PLW 5HVWDXULHUP|UWHOQ ]XUFN]XIKUHQ VLQG

$QZHQGXQJVEHLVSLHOH IU 5HVWDXULHUP|UWHO


x )OOP|UWHO IU )HKOVWHOOHQ DQ GHU *HVWHLQVREHUIOlFKH
4 x $QWUDJP|UWHO VFKLFKWHQZHLVHU $XIEDX YRQ 3URILOHQ
x *LH‰P|UWHO +HUVWHOOHQ YRQ )RUPWHLOHQ LP *LH‰YHUIDKUHQ QDFK :7$0HUNEODWW '

$EODXI YRQ 6WHLQHUJlQ]XQJVPD‰QDKPHQ H[HPSODULVFK


 9RUXQWHUVXFKXQJHQ .HQQGDWHQHUPLWWOXQJ JHPl‰ :7$0HUNEODWW '
 :LQNOLJHV (LQEHL]HQ YRQ +DQG RGHU (LQVFKQHLGHQ HQWODQJ GHU Ä6WHLQZXQGHQ³ LQ PLQGHV
WHQV  FP 7LHIH (V GUIHQ NHLQH DXI 1XOO DXVODXIHQGHQ 6WHOOHQ LQ GHQ 5DQGEHUHLFKHQ HQW
VWHKHQ
 $XV E]Z $EVSLW]HQ DOOHU ORVHQ XQG PRUELGHQ 6WHLQSDUWLHQ LP JHVDPWHQ %HUHLFK GHU XP
ODXIHQG HLQJHVFKQLWWHQHQ 6WHLQZXQGHQ ELV DXI GHQ JHVXQGHQ .HUQ 5DQG]RQHQ LQ HLQHP
:LQNHO YRQ FD ƒ YRQ GHU (LQVFKQLWWWLHIH FD  FP ELV ]XP JHVXQGHQ .HUQ DXVDUEHLWHQ
 %HL DXVNUDJHQGHQ %DXWHLOHQ ZLH *HVLPVHQ XVZ N|QQHQ 3RO\DPLG6WHUQGEHO ]XU 9HUDQ
NHUXQJ HLQJHVHW]W ZHUGHQ ,P 1RUPDOIDOO LVW HLQH 9HUDQNHUXQJ GHU $QWUDJVWHOOH EHL 9HU
ZHQGXQJ YRQ *UXQGLHUP|UWHO XQG 5HVWDXULHUP|UWHO QLFKW HUIRUGHUOLFK
 *UQGOLFKHV 5HLQLJHQ GHV YHUVWDXEWHQ 8QWHUJUXQGHV DP EHVWHQ PLW 3UHVVOXIW RGHU +RFK
GUXFNUHLQLJHU
 9RUIHVWLJHQ GHU 6WHLQZXQGH PLW 6WHLQIHVWLJHU LQ PHKUHUHQ $UEHLWVIROJHQ MH QDFK 6WHLQTXD
OLWlW XQG =HUVW|UXQJVJUDG XP GLH +DIW]XJIHVWLJNHLW ]X YHUEHVVHUQ :LFKWLJ 'HU 8QWHU
JUXQG PXVV WURFNHQ VHLQ 'LH $XIIWWHUXQJ NDQQ IUKHVWHQV ]ZHL :RFKHQ QDFK GHU )HVWL
JXQJ HUIROJHQ
 9RUVFKOlPPHQ PLW GQQSODVWLFKHU 5HVWDXULHUP|UWHOVFKOlPPH %HL WLHIHUHQ 6WHLQZXQGHQ
PLW  FP *UXQGLHUP|UWHO DQWUDJHQ
 %HL WLHIHUHQ 6WHLQZXQGHQ  FP GLH IULVFK JHVFKOlPPWH 6WHLQZXQGH PLW GLFNSODVWL
VFKHP *UXQGLHUP|UWHO ELV FD  PP XQWHUKDOE GHU (QGREHUIOlFKH DXIIOOHQ MHGRFK
QLFKW PHKU DOV  FP LQ HLQHP $XIWUDJ LQQHUKDOE YRQ  6WXQGHQ
 $XIUDXHQ GHU *UXQGLHUP|UWHO2EHUIOlFKH QDFK FD  6WXQGHQ MH QDFK :LWWHUXQJ QDFK
GHP $XIWUDJHQ ZHQQ GDV .RUQ ÄVSULQJW³
 1DFK  6WXQGHQ $QQlVVHQ GHV *UXQGLHUP|UWHOV XQG 6FKOlPPHQ GHU 6WHLQZXQGH PLW
GQQSODVWLVFKHP 5HVWDXULHUP|UWHO
 $QWUDJHQ YRQ GLFNSODVWLVFKHP HLQJHIlUEWHP 5HVWDXULHUP|UWHO LQ GLH QDFK 3RV ± YRU
EHUHLWHWHQ 6WHLQZXQGHQ ELV FD ± PP EHU (QGREHUIOlFKH
 6WHLQPHW]Pl‰LJH 2EHUIOlFKHQDQJOHLFKXQJ QDFK $Q]LHKHQ GHV 5HVWDXULHUP|UWHOV ZHQQ
GDV )HLQNRUQ ÄVSULQJW³  ] % PLW HLQHP 6lJHEODWW PLW VHJPHQWLHUWHU =DKQXQJ IU GLH
6FKDUULHUKLHEH
 9RUVLFKWLJHV $ENHKUHQ GHU UHVWDXULHUWHQ 6WHOOHQ PLW ZHLFKHP %HVHQ XQG 5HLQLJXQJ GHV
5DQG]RQHQEHUHLFKHV
 0HKUPDOLJHV $QQlVVHQ DOOHU UHVWDXULHUWHQ 6WHLQZXQGHQ LQ GHQ IROJHQGHQ  7DJHQ
 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ 99

 8QWHUJUXQGYRUEHKDQGOXQJ5HVWDXULHUXQJ

%LOG  %LOG 


Ausspritzen morbider Steinpartien Anbringen von Verankerungen aus Edelstahl
(nur im Einzelfall erforderlich)

%LOG 
Auftrag von Grundier- bzw. Restauriermörtel

%LOG  %LOG 


Wappen vor der Sanierung Farbige Fassung eines Wappens
100  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

 1DFK JXWHU 'XUFKWURFNQXQJ GHU $QWUDJVWHOOHQ GLHVH PLW 6WHLQIHVWLJHU EHKDQGHOQ
 $QWUDJVWHOOHQ PLW 6LOLNRQIDUEH ODVLHUHQG GHU 6WHLQXPJHEXQJ IDUEOLFK DQJOHLFKHQ
 8P GLH :DVVHUDXIQDKPH GHU UHVWDXULHUWHQ )OlFKHQ GHP 1DWXUVWHLQ DQ]XJOHLFKHQ PVVHQ
GLH JHVDPWHQ %DXWHLOH K\GURSKRE LPSUlJQLHUW ZHUGHQ 'DV +\GURSKRELHUXQJVPLWWHO LVW ±
GHP 1DWXUVWHLQ VSH]LILVFK ± DXV]XZlKOHQ

 9HUIXJXQJ
4
$XFK LP 1DWXUVWHLQ KDEHQ )XJHQ HLQH ZHVHQWOLFKH %HGHXWXQJ )XJHQ LQ 1DWXUVWHLQEDXWHLOHQ
VWHOOHQ LQ YLHOHUOHL +LQVLFKW DOOHUGLQJV DXFK 6FKZDFKVWHOOHQ GDU =XP HLQHQ NDQQ GDV YLVXHOOH
(UVFKHLQXQJVELOG GHV )XJHQVFKQLWWHV GDUXQWHU OHLGHQ XQG ]XP DQGHUHQ VLQG )XJHQ VWHWV $Q
JULIIVSXQNWH IU :DVVHU )U GLH 3ODQXQJ XQG $XVIKUXQJ LVW GDV :7$0HUNEODWW '
KHUDQ]X]LHKHQ
:LFKWLJ LVW IU GLH 9HUIXJXQJ GHQ JHHLJQHWHQ 0|UWHO ]X ZlKOHQ 'LH 9HUIXJXQJ HUIROJW EHL
VSLHOVZHLVH PLW HLQHP 7UDVV.DON0|UWHO DXV :HUNWURFNHQP|UWHO 3 ,, QDFK ',1  :HLWH
UH HLQ]XVHW]HQGH )XJHQP|UWHO VLQG =HPHQWP|UWHO 0|UWHO PLW RUJDQLVFKHQ %LQGHPLWWHOQ (3
385 300$ VRZLH ILOPELOGHQGH %LQGHPLWWHO
:HQQ 9HUIXJXQJHQ QXU DXI 7HLOIOlFKHQ YRU]XQHKPHQ VLQG PXVV GHU 0|UWHO LQ )DUEH XQG
6WUXNWXU DXI GHQ EULJHQ )XJHQEHVWDQG DEJHVWLPPW ZHUGHQ ,P GHQNPDOSIOHJHULVFKHQ %HUHLFK
NDQQ HV QRWZHQGLJ VHLQ REMHNWVSH]LILVFK LQGLYLGXHOOH 0|UWHOPLVFKXQJHQ QDFK JHQDXHU %H
VWDQGVDQDO\VH KHU]XVWHOOHQ XQG DQ]XZHQGHQ *HQHUHOO PXVV GHU )XJHQP|UWHO ZHLFKHU VHLQ DOV
GHU 1DWXUVWHLQ 'HU (0RGXO VROOWH ]ZLVFKHQ  XQG  1PPð EHWUDJHQ 'LH .|UQXQJ
GHV 0|UWHO]XVFKODJV GDUI K|FKVWHQ  GHU )XJHQEUHLWH DXVPDFKHQ 'HU 0|UWHO PXVV HLQ JXWHV
:DVVHUUFNKDOWHYHUP|JHQ DXVUHLFKHQGH )ODQNHQKDIWXQJ JXWH :DVVHUGDPSIGXUFKOlVVLJNHLW
XQG HLQ JHULQJHV 6FKZLQGYHUKDOWHQ DXIZHLVHQ
'HU JXW JHPLVFKWH LQ GHU 5HJHO HUGIHXFKWH )XJHQP|UWHO VROO DXV UHLQHP 6DQG PLW JXWHP .|U
QXQJVDXIEDX XQG 3RUWODQG]HPHQW LP 9HUKlOWQLV    E]Z    VWHKHQ :LFKWLJ LVW GHU .RUQ
DXIEDX GHV 6DQGHV (LQ YHUZHUWXQJVIlKLJHU 6DQG VROO IROJHQGH .RUQJU|‰HQ HQWKDOWHQ
x ELV  PP GDYRQ   ELV  PP
x  ELV  PP XQG
x  ELV  PP

*UXQGVlW]OLFK KDEHQ VLFK ]ZHL 0|UWHODUWHQ EHZlKUW


x PLQHUDOLVFK JHEXQGHQH 6\VWHPH DXI GHU %DVLV GHU %LQGHPLWWHO .DON XQG =HPHQW
x NXQVWVWRIIJHEXQGHQH 6\VWHPH GLH DOV %LQGHPLWWHO (SR[LGKDU]H DOLSKDWLVFKH 3RO\XUHWKDQH
XQJHVlWWLJWH 3RO\HVWHU XQG 3RO\PHWK\OPHWDFU\ODWH HQWKDOWHQ
8QDEKlQJLJ YRQ GHU $XVZDKO GHV 5HVWDXULHUP|UWHOW\SV PVVHQ GLH 6LHEOLQLH GHV =XVFKODJV
XQG GLH )OOVWRIIH DXIHLQDQGHU DEJHVWLPPW VHLQ XQG GLH YHUZHQGHWHQ 3LJPHQWH GHP (UVFKHL
QXQJVELOG GHV XPJHEHQGHQ 1DWXUZHUNVWHLQV HQWVSUHFKHQ $X‰HUGHP PVVHQ GLH SK\VLNDOL
VFKHQ 0HUNPDOH ZLH GHU 'LIIXVLRQVZLGHUVWDQG JHJHQEHU :DVVHUGDPSI GHP 8PJHEXQJV
VWHLQ HQWVSUHFKHQ

(LQH JHHLJQHWH =XVDPPHQVHW]XQJ LVW QDFKIROJHQG H[HPSODULVFK DXIJHIKUW


 ,QVWDQGVHW]XQJVPD‰QDKPHQ 101

%HVWDQGWHLO .RUQJU|‰H LQ PP $QWHLO LQ 


4XDU]PHKO ELV  
6DQG ELV  
6DQG  ELV  
6DQG  ELV  
=HPHQW 
.XQVWVWRIIDQWHLO   )HVWVWRIIJHKDOW YRP =HPHQWDQWHLO
RGHU DOWHUQDWLY 4
4XDU]PHKO ELV  
6DQG ELV  
6DQG  ELV  
6DQG  ELV  
=HPHQW 
.XQVWVWRIIDQWHLO   )HVWVWRIIJHKDOW YRP =HPHQWDQWHLO
RGHU
4XDU]PHKO ELV  
6DQG  ELV  
6DQG  ELV  
6DQG  ELV  
=HPHQW 
.XQVWVWRIIDQWHLO   )HVWVWRIIJHKDOW YRP =HPHQWDQWHLO
)U GLH $XVZDKO HLQHV JHHLJQHWHQ )XJHQP|UWHOV PVVHQ DXFK IROJHQGH $VSHNWH EHDFKWHW ZHU
GHQ
x WKHUPLVFKH /lQJHQDXVGHKQXQJ
x :DVVHUDXIQDKPHYHUKDOWHQ
x 'UXFNIHVWLJNHLW
x +lUWH QDFK 0RKV
'HU .XQVWVWRIIDQWHLO ZLUG VWlQGLJ HLQ )UHPGN|USHU VHLQ XQG GDUI GHP]XIROJH   QLFKW EHU
VFKUHLWHQ *UXQGVlW]OLFK VLQG DQ )XJHQGLFKWXQJVPDVVHQ IROJHQGH $QIRUGHUXQJHQ ]X VWHOOHQ
x +RKH *HEUDXFKVEHVWlQGLJNHLW /DQJOHELJNHLW
x 0|JOLFKNHLWHQ GHU $QZHQGXQJ KRFKSURGXNWLYHU 9HUDUEHLWXQJVWHFKQRORJLHQ
x DEVROXWH 'LFKWKHLW ]ZLVFKHQ 'LFKWXQJVPDWHULDO XQG )XJHQIODQNH
x $XIQDKPH XQG hEHUEUFNXQJ YRQ 'HIRUPDWLRQHQ RKQH ZHVHQWOLFKH %HODVWXQJ GHU )XJHQ
IODQNHQ
x %HLEHKDOWXQJ GHU 0LQGHVWZHUWH GHU 0DWHULDOHLJHQVFKDIWHQ DXFK EHL H[WUHPHQ NOLPDWLVFKHQ
%HGLQJXQJHQ

1DFKIROJHQG VROOHQ 'LFKWXQJVPDWHULDOLHQ YRUJHVWHOOW ZHUGHQ GHUHQ (QWZLFNOXQJ YHUIROJHQV


ZHUW LVW
 3DVWHQ DXV 3RO\YLQ\ODFHWDWGLVSHUVLRQHQ PLW RUJDQLVFKHQ )OOVWRIIHQ
PLW :DVVHUJHKDOW ± 
 )XJHQNLWWH DXI %DVLV 3RO\LVREXW\HQ PLW &RSDO\PHUHQ SODVWLVFK RGHU HODVWLVFK YHUZHQGEDU
102  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

 3RO\XUHWKDQPDVVHQ WURW] MDKU]HKQWHODQJHU (USUREXQJ QLFKW XQXPVWULWWHQ *HIDKU P|JOL


FKHU 9HUNUXVWXQJ E]Z (UKlUWXQJ QDFK HWZD  -DKUHQ
 3RO\VXOILGNDXWVFKXN 7KLRSODVW  3DVWHQ GLH EHL YRUVFKULIWVPl‰LJHU KDQGZHUNOLFKHU $Q
ZHQGXQJ DOV =ZHL RGHU 'UHLNRPSRQHQWHQ.LWW JXWH 9HUDUEHLWEDUNHLW ]HLJHQ

 9HUP|UWHOXQJ
4 =XU 9HUP|UWHOXQJ YRQ 3ODWWHQEHOlJHQ XQG :DQGEHNOHLGXQJHQ ZLUG HLQ 0|UWHO PLW 7UDVV]H
PHQW QDFK ',1  HPSIRKOHQ 9HUIlUEXQJVHPSILQGOLFKH *HVWHLQH PVVHQ PLW VSH]LHOOHQ
7UDVV]HPHQWHQ YHUOHJW ZHUGHQ 'DV 0LVFKXQJVYHUKlOWQLV =HPHQW ]X 6DQG LVW QDFK $79 ',1
 ZLH IROJW KHU]XVWHOOHQ
x ,QQHQEHUHLFK    5DXPWHLOH
x $X‰HQEHUHLFK    5DXPWHLOH
$OV =XVFKODJVVWRII VLQG PLWWHON|UQLJH 6DQGH GHU .|UQXQJ    PP ]X YHUZHQGHQ 'HU 0|UWHO
NDQQ PDVFKLQHQJlQJLJ JHOLHIHUW ZHUGHQ :HQQ 1DWXUVWHLQEHOlJH LP 'LFNEHWW DQJHVHW]W ZHU
GHQ VLQG QDFK ',1 $79  IROJHQGH 0|UWHOEHWWGLFNHQ KHU]XVWHOOHQ
x %HL :DQGEHOlJHQ  ELV  PP
x %HL %RGHQEHOlJHQ LP ,QQHQEHUHLFK  ELV  PP
x %HL %RGHQEHOlJHQ LP $X‰HQEHUHLFK  ELV  PP

1 Naturwerkstein
2 Mörtelbett
3 Tragfähiger Estrich
4 Trennschicht bzw. Abdichtung
(evtl. Drainagevlies)
5 Betondecke

%LOG  Verlegen von Naturwerkstein in Trass-Natursteinmörtel


Für angemörtelte Außenwandbekleidungen ist die DIN 18515-1, für Quadermauerwerk die DIN
1053-1 und für die Verlegung von Naturstein im Dünnbett die DIN 18175, Teile 1 bis 3 maßge-
bend.

 5HLQLJXQJ ,PSUlJQLHUXQJ (QWVDO]XQJ

 5HLQLJXQJ XQG 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQ

$OOHQ 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQ JHKW HLQH %DX]XVWDQGVDQDO\VH PLW .HQQGDWHQHUPLWWOXQJ QDFK GHP


:7$0HUNEODWW ' YRUDXV (UVW DXI GLHVHU *UXQGODJH NDQQ HLQ JHHLJQHWHV 5HLQLJXQJV
YHUIDKUHQ DXVJHZlKOW XQG GLH WHFKQLVFKHQ 3DUDPHWHU YRP )DFKSODQHU IHVWJHOHJW ZHUGHQ 'LH
5HLQLJXQJ YRQ 1DWXUVWHLQREHUIOlFKHQ HUIROJW XQWHU %HUFNVLFKWLJXQJ GHV :7$0HUNEODWWHV 
'
 5HLQLJXQJ ,PSUlJQLHUXQJ (QWVDO]XQJ 103

8P P|JOLFKVW VFKRQHQG G K PLW VHKU JHULQJHP 6XEVWDQ]DEWUDJ DUEHLWHQ ]X N|QQHQ EHGDUI HV


]XZHLOHQ HLQHU 9RUIHVWLJXQJ YRQ DXIJHORFNHUWHQ 1DWXUVWHLQREHUIOlFKHQ 1XU VR N|QQHQ DXFK
IHVWLJNHLWVJHVFKlGLJWH 2EHUIOlFKHQ GHP PHFKDQLVFKHQ $EULHE GHV 5HLQLJXQJVPLWWHOV XQEH
VFKDGHW EHUVWHKHQ 'HQQRFK LVW EHL GHQ PHFKDQLVFKHQ 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQ PLW HLQHP JHZLV
VHQ 0DWHULDODEWUDJ ]X UHFKQHQ 3DWLQDVFKLFKWHQ JHK|UHQ QRUPDOHUZHLVH ]XP 6WHLQ XQG GUIHQ
QLFKW DEVLFKWOLFK HQWIHUQW ZHUGHQ
(V LVW VLQQYROO 3UREHIOlFKHQ DQ]XOHJHQ XP GDV JHHLJQHWVWH 9HUIDKUHQ XQG GLH WHFKQLVFKHQ
3DUDPHWHU ]X HUPLWWHOQ E]Z IHVW]XOHJHQ 'HV :HLWHUHQ GLHQW GLH 0XVWHUIOlFKH GHU WHFKQLVFKHQ
%HZHUWXQJ GHV 5HLQLJXQJVHUIROJHV EHL GHU $EQDKPH 'LH %HZHUWXQJ GHV 5HLQLJXQJVHUJHEQLV
4
VHV HUIROJW VFKOXVVHQGOLFK XQWHU %HDFKWXQJ GHV :7$0HUNEODWWHV '
'LH $XVZDKO GHV 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQV HUIROJW PLW GHU =LHOVWHOOXQJ GDV VFKRQHQVWH 9HUIDKUHQ
HLQ]XVHW]HQ XQG JOHLFK]HLWLJ GHQ JHZQVFKWHQ 5HLQLJXQJVHUIROJ ]X JHZlKUOHLVWHQ 'LH NRP
PXQDOHQ XQG JHVHW]OLFKHQ %HVWLPPXQJHQ LQ %H]XJ DXI 8PZHOWVFKXW] XQG (QWVRUJXQJ GHU
DQIDOOHQGHQ 6WRIIH PVVHQ EHUHLWV YRU 3ODQXQJVEHJLQQ HLQJHKROW ZHUGHQ GD GLHVH $XIZHQ
GXQJHQ ILQDQ]LHOO HLQNDONXOLHUW ZHUGHQ PVVHQ XQG DXFK HLQ (QWVFKHLGXQJVNULWHULXP ]XU $XV
ZDKO HLQHV JHHLJQHWHQ 9HUIDKUHQV VLQG
)ROJHQGH 5HLQLJXQJVYHUIDKUHQ VWHKHQ ]XU 9HUIJXQJ

%LOG  Grobeinteilung der Reinigungsverfahren

$EEUVWHQ $QVFKOHLIHQ
+LHUEHL ZLUG GLH 1DWXUVWHLQREHUIOlFKH HQWZHGHU YRQ +DQG RGHU PDVFKLQHOO DEJHEUVWHW RGHU
OHLFKW DQJHVFKOLIIHQ (V GUIHQ NHLQH 'UDKWEUVWHQ YHUZHQGHW ZHUGHQ GD 9HUIlUEXQJHQ GXUFK
.RUURVLRQ ]X HUZDUWHQ VLQG *HHLJQHW VLQG :XU]HO XQG .XQVWVWRIIEUVWHQ /DPHWWHQ +DQG
VFKOHLIVWHLQH XQG 6FKOHLISDSLHU ,QVEHVRQGHUH EHLP (LQVDW] YRQ 0DVFKLQHQ NDQQ GLH 2EHUIOl
FKH GXUFK HLQHQ HUK|KWHQ 6XEVWDQ]DEWUDJ JHVFKlGLJW ZHUGHQ 'DV 9HUIDKUHQ HLJQHW VLFK QXU IU
SDUWLHOOH OHLFKW DQKDIWHQGH 9HUVFKPXW]XQJHQ
104  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

6WHLQPHW]Pl‰LJHV $EDUEHLWHQ
+LHUEHL ZLUG GLH RULJLQDOH 2EHUIOlFKHQEHDUEHLWXQJ ]HUVW|UW 'DV 9HUIDKUHQ ZLUG GDKHU UHODWLY
VHOWHQ HLQJHVHW]W ,P %HUHLFK GHU 'HQNPDOSIOHJH NDQQ HV DXV GHP JHQDQQWHQ *UXQG QLFKW DQ
JHZHQGHW RGHU HPSIRKOHQ ZHUGHQ

7URFNHQVWUDKOYHUIDKUHQ

4 0LW KRKHP 'UXFN ZLUG GDV 6WUDKOPLWWHO *UDQXODW DXI GLH ]X UHLQLJHQGH 2EHUIOlFKH DXIJH
EUDFKW 'XUFK GHQ $XISUDOO GHV *UDQXODWHV ZHUGHQ GLH DQ GHU 2EHUIOlFKH YRUKDQGHQHQ
6FKPXW]SDUWLNHO DEHU WHLOZHLVH DXFK 6WHLQVXEVWDQ] KHUDXVJHO|VW E]Z DEJHWUDJHQ 9RQ ZHVHQW
OLFKHU %HGHXWXQJ LVW GLH $UW XQG .|UQXQJ GHV YHUZHQGHWHQ 6WUDKOPLWWHOV 6WUXNWXU .RUQJU|‰H
+lUWH VRZLH /XIWPHQJH /XIWGUXFN XQG GLH )RUP GHU 'VH (V HQWVWHKW YLHO 6WDXE GHU PLW
JHHLJQHWHQ 9HUIDKUHQ DXIJHIDQJHQ ZHUGHQ PXVV

'UXFNORVH 5HLQLJXQJ %HULHVHOXQJ


:LH EHUHLWV DXV GHU %H]HLFKQXQJ GHV 9HUIDKUHQV KHUYRUJHKW ZLUG GLH ]X UHLQLJHQGH )OlFKH
EHU HLQ LQVWDOOLHUWHV %HULHVHOXQJVV\VWHP GDXHUKDIW ELV ]X PHKUHUHQ :RFKHQ PLW :DVVHU
EHVSUKW 'XUFK RIIHQH )XJHQ 5LVVH XQG bKQOLFKHV N|QQHQ JU|‰HUH :DVVHUPHQJHQ HLQWUHWHQ
XQG ]X HNODWDQWHQ 'XUFKIHXFKWXQJVVFKlGHQ IKUHQ 'LHV LVW LP 5DKPHQ GHU 9RUXQWHUVXFKXQJ
HQWVSUHFKHQG ]X EHUFNVLFKWLJHQ XQG HV VLQG JHJHEHQHQIDOOV 9RUNHKUXQJHQ ]X WUHIIHQ +LQ
VLFKWOLFK GHV 2EHUIOlFKHQDEWUDJHV LVW GDV %HULHVHOXQJVYHUIDKUHQ VHKU VXEVWDQ]VFKRQHQG

5HLQLJXQJ PLW 'UXFN NDOWZDUPZDUP PLW 1HW]PLWWHOQ


:DVVHU ZLUG XQWHU 'UXFN DXI GLH ]X UHLQLJHQGH )OlFKH DXIJHEUDFKW 'LHV JHVFKLHKW LQ GHU 5H
JHO PLW +RFKGUXFNUHLQLJHUQ PLW RGHU RKQH +HL]DJJUHJDW EHU VSH]LHOOH 6SUKODQ]HQ -H QDFK
%HGDUI NRPPHQ EHVRQGHUH 'VHQ PLW YHUVFKLHGHQHQ $UEHLWVZLQNHOQ XQG URWLHUHQGHQ RGHU
VFKZHQNHQGHQ 'VHQN|SIHQ ]XP (LQVDW]
'HU 'UXFN GHU $XISUDOOZLQNHO XQG GHU 'VHQDEVWDQG ]XU 1DWXUVWHLQREHUIOlFKH PVVHQ DXI GLH
|UWOLFKHQ *HJHEHQKHLWHQ REMHNWVSH]LILVFK DQJHSDVVW ZHUGHQ XP P|JOLFKVW VFKRQHQG XQG HI
IHNWLY ]X UHLQLJHQ
%HL EHVWLPPWHQ 9HUVFKPXW]XQJHQ ZHUGHQ 1HW]PLWWHO KLQ]XGRVLHUW $OOHUGLQJV PXVV GLH EH
KDQGHOWH )OlFKH JXW QDFKJHVSOW ZHUGHQ XP QDFKIROJHQGH ,PSUlJQLHUXQJHQ XQG $QVWULFKH
QLFKW ]X EHHLQWUlFKWLJHQ
6FKZLHULJHU LVW GHU (LQVDW] YRQ &KHPLNDOLHQ ]X EHZHUNVWHOOLJHQ +LHU LVW HLQ lX‰HUVW LQWHQVLYHV
9RUQlVVHQ GHU 2EHUIOlFKH HUIRUGHUOLFK XP ]X YHUKLQGHUQ GDVV GDV FKHPLVFKH 5HLQLJXQJVPLW
WHO WLHIHU LQ GDV 6WHLQJHIJH HLQWULWW 6DXUH XQG DONDOLVFKH 0LWWHO N|QQHQ ZDVVHUO|VOLFKH 6DO]H
ELOGHQ ZDV $XVEOKXQJHQ KHUYRUUXIW 'LH (LQZLUN]HLW LVW REMHNWVSH]LILVFK VHKU YHUVFKLHGHQ
ZHVKDOE NHLQH DOOJHPHLQJOWLJHQ $QJDEHQ JHPDFKW ZHUGHQ N|QQHQ 'XUFK GDV 1DFKVSOHQ
ZLUG GHU 6FKPXW] XQG 5HVWH GHV FKHPLVFKHQ 5HLQLJXQJVPLWWHOV YRQ GHU 1DWXUVWHLQREHUIOlFKH
YROOVWlQGLJ HQWIHUQW %HVRQGHUH 0D‰QDKPHQ VLQG IU GHQ $UEHLWV XQG 8PZHOWVFKXW] HUIRUGHU
OLFK
 5HLQLJXQJ ,PSUlJQLHUXQJ (QWVDO]XQJ 105

1LHGHUGUXFN5RWDWLRQVZLUEHO9HUIDKUHQ
'DV *UXQGSULQ]LS LVW ZLH EHLP 1DVVVWUDKOYHUIDKUHQ $OOHUGLQJV KDQGHOW HV VLFK KLHU XP HLQ
EHVRQGHUV VFKRQHQGHV XQG GDKHU KlXILJ LP %HUHLFK GHU %DXGHQNPDOSIOHJH DQJHZHQGHWHV 5HL
QLJXQJVYHUIDKUHQ 'DV :DVVHU XQG GDV *UDQXODW ZHUGHQ ]XVDPPHQ LQ HLQHU VSH]LHOOHQ 'VH
DOV URWLHUHQGHU :DVVHU/XIWZLUEHO PLW 1LHGHUGUXFN DQ GLH ]X UHLQLJHQGH 2EHUIOlFKH JHEUDFKW
'DEHL ZLUG GHU 6FKPXW] UDGLHUHQG DEJHWUDJHQ RKQH GLH 6WHLQVXEVWDQ] ]X VFKlGLJHQ :LFKWLJH
3DUDPHWHU VLQG GHU /XIWGUXFN GLH :DVVHUPHQJH XQG GLH $UW GHV *UDQXODWHV $OV 6WUDKOPLWWHO
NRPPHQ IROJHQGH *UDQXODWH LQ %HWUDFKW 4
x %DVDOW .|UQXQJ  ELV  PP +lUWHJUDG QDFK 0RKV ±
x *ODVSXGHU .|UQXQJ  ELV  PP +lUWHJUDG QDFK 0RKV ±
x 6WHLQPHKO .|UQXQJ  ELV  PP +lUWHJUDG QDFK 0RKV ±
x 1XVVVFKDOHQJUDQXODW .|UQXQJ  ELV  PP +lUWHJUDG QDFK 0RKV 

1DVVVWUDKOYHUIDKUHQ
%HL GLHVHP 9HUIDKUHQ ZLUG :DVVHU ]XVDPPHQ PLW 6WUDKOJUDQXODW JHJHQ GLH ]X UHLQLJHQGH
2EHUIOlFKH PLW KRKHP 'UXFN JHVSULW]W XQG GDEHL GLH DXI GHU 2EHUIOlFKH YRUKDQGHQHQ
6FKPXW]SDUWLNHO HQWIHUQW E]Z DEJHWUDJHQ :LFKWLJH 3DUDPHWHU VLQG GLH :DVVHUPHQJH 'UXFN
%HVFKDIIHQKHLW GHU 'VH VRZLH GLH $UW GHV 6WUDKOPLWWHOV

/DVHUUHLQLJXQJ
0LW VSH]LHOOHQ /DVHUJHUlWHQ ZHUGHQ 6FKPXW]NUXVWHQ JH]LHOW SXQNWXHOO XQG YRU DOOHP VXEVWDQ]
VFKRQHQG DEJHWUDJHQ 'DV 9HUIDKUHQ ZLUG DXVVFKOLH‰OLFK LQ 6RQGHUIlOOHQ IU NOHLQHUH SDUWLHOOH
5HLQLJXQJHQ DQ ZHUWYROOHU %DX]LHU EHL GHU 5HVWDXULHUXQJ YRQ EHVRQGHUV ZHUWYROOHQ %DXGHQN
PDOHQ RGHU %LOGKDXHUDUEHLWHQ HLQJHVHW]W )U JU|‰HUH )DVVDGHQIOlFKHQ LVW GHU ILQDQ]LHOOH $XI
ZDQG ]X JUR‰ ZHVKDOE GDV 9HUIDKUHQ HLQH HKHU XQWHUJHRUGQHWH 5ROOH VSLHOW

 +\GURSKRELHUHQGH ,PSUlJQLHUXQJHQ

$UWHQ XQG :LUNXQJVZHLVH


,PSUlJQLHUXQJHQ ZHUGHQ KLQVLFKWOLFK LKUHU :LUNXQJVZHLVH XQG GHP 9HUZHQGXQJV]ZHFN LP
:HVHQWOLFKHQ LQ IROJHQGH *UXSSLHUXQJHQ XQWHUWHLOW
x +\GURSKRELHUHQGH ,PSUlJQLHUXQJHQ
x 2OHRSKRELHUHQGH ,PSUlJQLHUXQJHQ
x 9HUIHVWLJHQGH ,PSUlJQLHUXQJHQ
x ,PSUlJQLHUXQJ ]XU ELR]LGHQ $XVUVWXQJ GHU %DXVWRIIREHUIOlFKH
$Q GLHVHU 6WHOOH ZLUG MHGRFK DXVVFKOLH‰OLFK DXI GLH K\GURSKRELHUHQGHQ ,PSUlJQLHUXQJHQ HLQ
JHJDQJHQ XP GHQ 5DKPHQ GHV .DSLWHOV QLFKW ]X VSUHQJHQ 'HU :LUNPHFKDQLVPXV YRQ K\GUR
SKRELHUHQGHQ ,PSUlJQLHUXQJHQ HUNOlUW VLFK YHUHLQIDFKW GDUJHVWHOOW DOOHLQ GXUFK GLH %HHLQIOXV
VXQJ GHU 2EHUIOlFKHQVSDQQXQJ DXI GHP %DXVWRII XQG GHU GDUDXV UHVXOWLHUHQGHQ bQGHUXQJ GHV
5DQGZLQNHOV ]ZLVFKHQ :DVVHU XQG 2EHUIOlFKH YRQ   ƒ DXI !  ƒ %LOGHU  XQG  
'HU :LUNVWRII ODJHUW VLFK DOV )LOP DQ GHQ 3RUHQZDQGXQJHQ DQ RKQH GLHVH ]X YHUVFKOLH‰HQ 'LH
:DVVHUGDPSIGXUFKOlVVLJNHLW ZLUG VRPLW NDXP EHHLQWUlFKWLJW 'LH $UWHQ GHU ,PSUlJQLHUXQJHQ
KDEHQ VLFK LP /DXIH GHV $QZHQGXQJV]HLWUDXPHV VWHWV JHlQGHUW 'LH HUVWHQ EHNDQQWHQ ,PSUlJ
QLHUPLWWHO ZDUHQ *HODWLQH /HLQ XQG 0RKQ|O :DFKVH XQG 3DUDIILQH ,Q GHQ OHW]WHQ -DKU]HKQ
106  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

WHQ ZXUGHQ LPPHU ZLHGHU QHXH ,PSUlJQLHUPLWWHO E]Z 6WRII]XVDPPHQVHW]XQJHQ HQWZLFNHOW


XQG YHUDUEHLWHW :DUHQ ]XQlFKVW 0HWK\OVLOLNRQDWH YRQ %HGHXWXQJ ZXUGHQ VSlWHU 6LODQH XQG
6LOR[DQH LQ RUJDQLVFKHQ /|VHPLWWHOQ ]XU )DVVDGHQLPSUlJQLHUXQJ HLQJHVHW]W :HLWHUH ÄMQJHUH³
,PSUlJQLHUVWRIIH VLQG 6LOLNRQPLNURHPXOVLRQHQ RGHU 6LOR[DQHPXOVLRQHQ 'HU]HLW ZHUGHQ 6LODQH
XQG 6LOR[DQH LQ FUHPLJHU .RQVLVWHQ] DQJHERWHQ (LQH hEHUVLFKW EHU GLH $UWHQ GHU ,PSUlJ
QLHUVWRIIH XQG GHU ZLFKWLJVWHQ (LJHQVFKDIWHQ HQWKlOW GLH 7DEHOOH 

%LOG  %LOG 


hydrophyl, Randwinkel  90 ƒ hydrophob, Randwinkel ! 90 ƒ

7DEHOOH  Arten und Merkmale von Imprägnierstoffen

6LOLFRQPLFURH
6LODQH 6LOR[DQH 6LOLFRQKDU]H
PXOVLRQHQ 60.
Wirkstoff Hochalkylierte Silane Hochalkylierte Methylpolysilo[an Hochalkylierte
Polysilo[ane Silane/Silo[ane
Lösemittel bzw. Alkohole, Kohlenwasserstof- Kohlenwasser- Wasser
„Verdünnungs- Kohlenwasserstoffe fe, Alkohole stoffe
mittel“
Untergrund- leicht feucht, leicht feucht, trocken, leicht feucht,
anforderungen gute Wasserauf- gute Wasserauf- gute Wasserauf- gute Wasserauf-
nahme nahme nahme nahme
Untergründe Beton Sandsteine Sandsteine Sandsteine
(e[emplarisch) Mineralischer Putz Kalksteine Kalksteine Kalksteine
Beton Beton Beton
Ziegel Ziegel Ziegel
Mineralischer Putz mineralischer Putz Mineralischer Putz

(LQVDW]JHELHWH XQG $XVZDKO


'XUFK GHQ (LQVDW] YRQ )DVVDGHQLPSUlJQLHUXQJHQ N|QQHQ GHP ]X EHKDQGHOWHQ 1DWXUVWHLQ IRO
JHQGH (LJHQVFKDIWHQ YHUOLHKHQ ZHUGHQ
x JHULQJH NDSLOODUH :DVVHUDXIQDKPH
x 6FKXW] JHJHQ |OLJH 9HUXQUHLQLJXQJHQ
x )HVWLJXQJ REHUIOlFKHQQDKHU %HUHLFKH
x 6FKXW] YRU SIODQ]OLFKHP %HZXFKV XQG 3LO]EHIDOO $OJHQ )OHFKWHQ 6FKLPPHOSLO]H
x *UDIILWLVFKXW] QLFKW VFKLFKWELOGHQGH 6\VWHPH
 5HLQLJXQJ ,PSUlJQLHUXQJ (QWVDO]XQJ 107

'LH $XVZDKO GHV ,PSUlJQLHUPLWWHOV ULFKWHW VLFK QDFK GHU =LHOVWHOOXQJ GHV 2EHUIOlFKHQVFKXW]HV
VRZLH QDFK GHQ (UJHEQLVVHQ HLQHU VRUJIlOWLJHQ %DX]XVWDQGVDQDO\VH 'HP $XVVFKUHLEXQJVWH[W
PXVV GDKHU NODU ]X HQWQHKPHQ VHLQ RE EHLVSLHOVZHLVH HLQH K\GURSKRELHUHQGH ,PSUlJQLHUXQJ
HLQH 9HUIHVWLJXQJ GHU *HVWHLQVREHUIOlFKH RGHU JHJHEHQHQIDOOV EHLGHV HUUHLFKW ZHUGHQ VROO
1DFK HLQHU 5HLQLJXQJ GHU )DVVDGH LVW LP 5HJHOIDOO DOV DEVFKOLH‰HQGH 0D‰QDKPH HLQH K\GUR
SKRELHUHQGH ,PSUlJQLHUXQJ HUIRUGHUOLFK GD GXUFK GLH )UHLOHJXQJ GHU 3RUHQ XQG GHU YHUJU|‰HU
WHQ 2EHUIOlFKH HLQH HUK|KWH :DVVHUDXIQDKPH XQG VRPLW HLQ 7UDQVSRUW YRQ 6FKPXW] XQG
6FKDGVWRIIHQ LQ GLH )DVVDGH ]HLWQDK ]X YHU]HLFKQHQ LVW
4
3ODQXQJ XQG $XVIKUXQJ
'HU (UIROJ GHU JHSODQWHQ 0D‰QDKPH KlQJW HQWVFKHLGHQG YRQ GHU 'XUFKIKUXQJ HLQHU 9RUXQ
WHUVXFKXQJ XQG %HUFNVLFKWLJXQJ GHU .HQQGDWHQHUPLWWOXQJ JHPl‰ :7$0HUNEODWW '
DE 'LH ZLFKWLJVWH 9RUDXVVHW]XQJ IU GLH ,PSUlJQLHUXQJ HLQHU PLQHUDOLVFKHQ 2EHUIOlFKH LVW
HLQH $XIQDKPH GHV ,PSUlJQLHUVWRIIHV EHU GLH 3RUHQ GHV %DXVWRIIV 'LHV ZLUG LP :HVHQWOL
FKHQ YRP 3RUHQYROXPHQ GHU )RUP XQG *U|‰H GHU 3RUHQ VRZLH YRP )HXFKWLJNHLWVJHKDOW GHU
]X LPSUlJQLHUHQGHQ %DXVWRIIREHUIOlFKH EHHLQIOXVVW /HGLJOLFK 3RUHQ PLW HLQHP 5DGLXV ]ZL
VFKHQ  P XQG  P HUP|JOLFKHQ GLH IU GLH $XIQDKPH GHV ,PSUlJQLHUPLWWHOV HUIRUGHUOL
FKHQ NDSLOODUHQ 7UDQVSRUWYRUJlQJH 9HUHLQIDFKW JHVDJW N|QQHQ QXU DXVUHLFKHQG VDXJIlKLJH
%DXVWRIIH HUIROJUHLFK LPSUlJQLHUW ZHUGHQ ,P 5DKPHQ GHU 9RUXQWHUVXFKXQJHQ PVVHQ GDKHU
GLH (LJHQVFKDIWHQ GHV ]X LPSUlJQLHUHQGHQ )DVVDGHQEDXVWRIIV LQ %H]XJ DXI GDV 6DXJYHUKDOWHQ
XQWHUVXFKW XQG EHXUWHLOW ZHUGHQ
%HL HLQHP UHODWLY KRKHQ )HXFKWLJNHLWVJHKDOW LP 8QWHUJUXQG VLQG GLH NDSLOODU ]XJlQJOLFKHQ
3RUHQ EHUHLWV PLW :DVVHU JHIOOW VRGDVV GDV 6DXJYHUKDOWHQ XQG VRPLW GLH ,PSUlJQLHUEDUNHLW
HLQJHVFKUlQNW LVW RGHU VRJDU YHUKLQGHUW ZLUG 'LH ,PSUlJQLHUXQJ YRQ GHUDUW GXUFKIHXFKWHWHQ
)DVVDGHQ NDQQ HUVW QDFK HLQHU HQWVSUHFKHQGHQ 9RUWURFNQXQJ HUIROJHQ 'LH 9RUXQWHUVXFKXQJHQ
VLQG DXFK KLQVLFKWOLFK ]X HUZDUWHQGHU EDXVFKlGOLFKHU 6DO]H DXV]XULFKWHQ GD EHVWLPPWH 6DO]H
DE HLQHU JHZLVVHQ .RQ]HQWUDWLRQ K\JURVNRSLVFK ZLUNHQ XQG GLH ,PSUlJQLHUEDUNHLW GDGXUFK
EHHLQWUlFKWLJW ZLUG 'HU (UIROJ HLQHU ,PSUlJQLHUXQJ LVW VWHWV YRQ GHU $SSOLNDWLRQ GHU HU]LHOWHQ
(LQEULQJPHQJH XQG (LQGULQJWLHIH VRZLH YRQ GHQ (LJHQVFKDIWHQ GHV YHUZHQGHWHQ ,PSUlJQLHU
PLWWHOV DEKlQJLJ $XV GLHVHP *UXQGH VROOWHQ YRUKHU 0XVWHUIOlFKHQ DQJHOHJW ZHUGHQ XP GLH
(LQGULQJWLHIH :LUNVDPNHLW $XVVHKHQ VRZLH GHQ ]X HUZDUWHQGHQ 0DWHULDOYHUEUDXFK ]X EH
VWLPPHQ XQG GHQ 6ROO=XVWDQG GHU JHSODQWHQ 0D‰QDKPH JHQDX IHVW]XOHJHQ
9RU GHU ,PSUlJQLHUXQJ VRZLH QDFK $QOHJHQ GHU 0XVWHUIOlFKH LVW GLH NDSLOODUH :DVVHUDXIQDK
PH PLW GHP .DUVWHQVFKHQ 3UIU|KUFKHQ IHVW]XVWHOOHQ XP VR GLH HUPLWWHOWHQ .HQQGDWHQ PLW
HLQDQGHU YHUJOHLFKHQ ]X N|QQHQ 'LH DQ GHU 0XVWHUIOlFKH HUPLWWHOWH NDSLOODUH :DVVHUDXIQDKPH
VROOWH DOV 6ROO]XVWDQG IU GLH ]X EHKDQGHOQGH )OlFKH KHUDQJH]RJHQ ZHUGHQ 'DV $QIRUGHUXQJV
NULWHULXP IU GLH %HZHUWXQJ LVW GHU :DVVHUDXIQDKPHNRHIIL]LHQW Z:HUW  'LH $XVZDKO GHV
,PSUlJQLHUPLWWHOV HUIROJW LQ $EKlQJLJNHLW YRQ GHQ (LJHQVFKDIWHQ GLH GHP %DXVWRII YHUOLHKHQ
ZHUGHQ VROOHQ XQG QDFK GHU %HVFKDIIHQKHLW GHV 8QWHUJUXQGHV )HXFKWLJNHLWVJHKDOW 
'DV $SSOL]LHUHQ YRQ ,PSUlJQLHUPLWWHOQ DXI )DVVDGHQIOlFKHQ HUIROJW LP 5HJHOIDOO GXUFK GDV
)OXWYHUIDKUHQ 'DEHL ZLUG GDV ,PSUlJQLHUPLWWHO GXUFK 6WUHLFKHQ 6SUKHQ RGHU 5ROOHQ DXIJH
WUDJHQ (V PXVV VRYLHO 0DWHULDO DQJHERWHQ ZHUGHQ ZLH ]XP (UUHLFKHQ GHU IHVWJHOHJWHQ (LQ
GULQJWLHIH HUIRUGHUOLFK LVW 'HU :LUNVWRII JHODQJW EHLP )OXWHQ DXVVFKOLH‰OLFK DXI GHP .DSLOODU
ZHJ LQ GHQ %DXVWRII 8P HLQH P|JOLFKVW ODQJ DQKDOWHQGH 6FKXW]ZLUNXQJ ]X HU]LHOHQ LVW HLQH
HQWVSUHFKHQG JUR‰H (LQGULQJWLHIH ]X JHZlKUOHLVWHQ /HW]WHUHV ZLUG LP :HVHQWOLFKHQ GXUFK GLH
DXVUHLFKHQGH $XIEULQJPHQJH GHV ,PSUlJQLHUPLWWHOV HUUHLFKW 'D]X VLQG HUIDKUXQJVJHPl‰
PLQGHVWHQV ]ZHL RIWPDOV MHGRFK PHKU $SSOLNDWLRQVIROJHQ HUIRUGHUOLFK
108  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

=ZLVFKHQ GHU DXIJHEUDFKWHQ 0DWHULDOPHQJH XQG GHU (LQGULQJWLHIH EHVWHKW HLQ XQPLWWHOEDUHU
=XVDPPHQKDQJ 'LH ,PSUlJQLHUFUHPHV KDEHQ GHQ 9RUWHLO GDVV HLQ Ä+HUDEODXIHQ³ DQ GHU )DV
VDGH YHUPLHGHQ ZLUG XQG GHU :LUNVWRII DQ GHU 2EHUIOlFKH VR ODQJH YHUEOHLEW ELV HU YROOVWlQGLJ
EHU GDV .DSLOODUV\VWHP YRP %DXVWRII DXIJHQRPPHQ ZXUGH 'HU]HLW OLHJW GDV :7$0HUNEODWW
( QXU DOV (QWZXUI YRU GDV HQWVSUHFKHQGH +LQZHLVH ]XU 3ODQXQJ XQG $XVIKUXQJ YRQ
1DWXUVWHLQNRQVHUYLHUXQJHQ )HVWLJHQ XQG +\GURSKRELHUHQ HQWKlOW

*UHQ]HQ GHU $QZHQGXQJ


4
(LQH )DVVDGHQLPSUlJQLHUXQJ NRPPW QXU GDQQ LQ )UDJH ZHQQ HLQH +LQWHUIHXFKWXQJ GHU K\GUR
SKREHQ 2EHUIOlFKH EHU 5LVVH PDURGH 0|UWHOIXJHQ NDSLOODU DXIVWHLJHQGH )HXFKWLJNHLW RGHU
GXUFK )HKOVWHOOHQ LQ GHU JHSODQWHQ +\GURSKRELHUXQJ ]ZHLIHOVIUHL DXVJHVFKORVVHQ ZHUGHQ NDQQ
:HQQ EHLVSLHOVZHLVH )HXFKWLJNHLW DXV GHP HUGEHUKUWHQ %HUHLFK RGHU GHU 6RFNHO]RQH NDSLOODU
LP :DQGELOGQHU ÄDXIVWHLJW³ NRPPW HV ]XU +LQWHUIHXFKWXQJ GHU ZDVVHUDEZHLVHQGHQ )DVVDGHQ
REHUIOlFKH 'DV :DVVHU XQG GLH GDULQ JHO|VWHQ 6FKDGVDO]H JHODQJHQ GXUFK GLH 0DNUR RGHU
.DSLOODUSRUHQ ELV ]XU K\GURSURELHUWHQ REHUIOlFKHQQDKHQ =RQH 'D GLH 3RUHQ LP LPSUlJQLHUWHQ
%HUHLFK GHU )DVVDGHQREHUIOlFKH QLFKW PHKU NDSLOODU OHLWIlKLJ VLQG lQGHUW GDV :DVVHU HLQLJH
0LOOLPHWHU XQWHU GHU %DXWHLOREHUIOlFKH VHLQHQ $JJUHJDWV]XVWDQG YRQ IOVVLJ ]X JDVI|UPLJ 'HU
LPSUlJQLHUWH %HUHLFK ZLUG YRP :DVVHU JDVI|UPLJ ÄGXUFKZDQGHUW³ XQG JHODQJW DQ GLH %DXWHLO
REHUIOlFKH 'LH LP :DVVHU JHO|VWHQ 6FKDGVDO]H YHUEOHLEHQ EHL GHU bQGHUXQJ GHV $JJUHJDW]X
VWDQGHV VRPLW LP %DXWHLO GLUHNW KLQWHU GHU K\GURSKRELHUWHQ 2EHUIOlFKH $XV GLHVHQ EDXSK\VL
NDOLVFKHQ *HJHEHQKHLWHQ UHVXOWLHUHQ ]ZHL ZHVHQWOLFKH 3UREOHPH
 (V NRPPW ]XU )HXFKWHDQUHLFKHUXQJ KLQWHU GHU K\GURSKREHQ 2EHUIOlFKH ZHLO GLH 7UDQV
SRUWOHLVWXQJ EHU GHQ 'LIIXVLRQVZHJ LP *HJHQVDW] ]XP .DSLOODUZHJ GHXWOLFK JHULQJHU LVW
*HIDKU YRQ )URVWVFKlGHQ 
 'XUFK GLH NRQWLQXLHUOLFKH 6DO]DQODJHUXQJ NRPPW HV ]XU $XINRQ]HQWUDWLRQ XQG LQIROJHGHV
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x (LQHQ HUK|KWHQ 6XEVWDQ]DEWUDJ EHL HLQHU 5HLQLJXQJVPD‰QDKPH DP JHORFNHUWHQ 6WHLQJHI
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x HLQH DEVFKOLH‰HQGH .RQVHUYLHUXQJ EHLVSLHOVZHLVH XQWHU (LQVDW] HLQHV 6WHLQIHVWLJHUV + DOV
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JHVRQGHUWH +\GURSKRELHUXQJ HUIRUGHUOLFK VHLQ
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VLQG PHKUHUH 7UlQN]\NOHQ HUIRUGHUOLFK 'LH $Q]DKO GHU =\NOHQ GLH GD]ZLVFKHQ OLHJHQGH :DU
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GHU .HQQGDWHQHUPLWWOXQJ DXV GHU %DX]XVWDQGVDQDO\VH IHVW]XOHJHQ (V LVW ÄQDVV LQ QDVV³ ]X
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GHU SODQHULVFKHQ 9RUJDEH VRZLH GHU 0XVWHUIOlFKH YHUJOLFKHQ ZHUGHQ

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x 0DWHULDOYHUEUDXFK LP 'XUFKVFKQLWW  OPð
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110  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

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WHQHUPLWWOXQJ HLQH K|KHUH .RQ]HQWUDWLRQ YRQ EDXVFKlGOLFKHQ 6DO]HQ QDFKJHZLHVHQ ZLUG
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x 7RQPLQHUDOLHQ ] % %HQWRQLWH
x $EHU DXFK 6FKDXPVWRIIH XQG EHVWLPPWH WH[WLOH 0DWHULDOLHQ

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1RUP 6WDQG 7LWHO

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3UIJUXQGVlW]H
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 1RUPHQ 5LFKWOLQLHQ 0HUNEOlWWHU 111

1RUP 6WDQG 7LWHO

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ELV 4
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',1    3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ %HVWLPPXQJ GHV 6lWWLJXQJVZHUWHV
',1    3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ 6FKODJYHUVXFK DQ *HVWHLQVN|UQXQJHQ
6FKODJYHUVXFK DQ 6FKRWWHU
',1    %HVWLPPXQJ GHU :DVVHUGDPSIGXUFKOlVVLJNHLW YRQ %DX XQG
'lPPVWRIIHQ
',1    %HVWLPPXQJ GHV :DVVHUDXIQDKPHNRHIIL]LHQWHQ YRQ %DXVWRIIHQ
XQG %DXWHLOHQ
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',1 (1   3UIYHUIDKUHQ IU PHFKDQLVFKH XQG SK\VLNDOLVFKH (LJHQVFKDIWHQ
YRQ *HVWHLQVN|UQXQJHQ  7HLO  %HVWLPPXQJ GHV :LGHUVWDQGHV
JHJHQ 9HUVFKOHL‰ 0LFUR'HYDO
',1 (1   3ODWWHQ DXV 1DWXUVWHLQ IU $X‰HQEHUHLFKH  $QIRUGHUXQJHQ XQG
3UIYHUIDKUHQ
',1 (1   3ODWWHQ DXV 1DWXUVWHLQ IU $X‰HQEHUHLFKH  $QIRUGHUXQJHQ XQG
%HULFKWLJXQJ  3UIYHUIDKUHQ
',1 (1   3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ %HVWLPPXQJ GHV :DVVHUDXIQDKPHNRHIIL
]LHQWHQ LQIROJH .DSLOODUZLUNXQJ
',1 (1   3UIYHUIDKUHQ IU 1DWXUVWHLQ  %HVWLPPXQJ GHU HLQDFKVLJHQ
'UXFNIHVWLJNHLW
',1 (1   3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ %HVWLPPXQJ GHU 5HLQGLFKWH 5RKGLFKWH
GHU RIIHQHQ 3RURVLWlW XQG *HVDPWSRURVLWlW
',1 (1    3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ .ULVWDOOLVDWLRQVYHUIDKUHQ
',1 (1    3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ %HVWLPPXQJ GHV )URVWZLGHUVWDQGHV
',1 (1    3UIXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ %HVWLPPXQJ GHU %LHJHIHVWLJNHLW XQWHU
3XQNWODVW
112  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ

1RUP 6WDQG 7LWHO

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',1 (1    %H]HLFKQXQJ YRQ 1DWXUVWHLQ
',1 (1    7HUPLQRORJLH YRQ 1DWXUVWHLQ
',1 (1    3UIYHUIDKUHQ IU 1DWXUVWHLQ  %HVWLPPXQJ GHU %LHJHIHVWLJNHLW
XQWHU 'ULWWHOOLQLHQODVW
4
',1 (1    %HULFKWLJXQJ ]X ',1 (1 
%HULFKWLJXQJ
',1 (1    3UIYHUIDKUHQ IU 1DWXUVWHLQ  %HVWLPPXQJ GHU :DVVHUDXIQDKPH
XQWHU DWPRVSKlULVFKHP 'UXFN
',1 (1    %HULFKWLJXQJHQ ]X ',1 (1  
%HULFKWLJXQJ
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g1RUP %   6WHLQPHW] XQG .XQVWVWHLQDUEHLWHQ  :HUNYHUWUDJVQRUP
g1RUP %   6WHLQPHW] XQG .XQVWVWHLQDUEHLWHQ  9HUIDKUHQVQRUP
9',  %ODWW   3UIXQJ GHV ]X HUZDUWHQGHQ 5HVLVWHQ]YHUKDOWHQV YRQ NRQVHUYLHU
WHQ XQG QLFKW NRQVHUYLHUWHQ 1DWXUVWHLQHQ JHJHQEHU ,PPLVVLRQHQ
6DO]VSUHQJWHVW
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:7$0% '  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK :7$ , 5HLQLJXQJ
:7$0% '  $QZHQGXQJVWHFKQLN 1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ  +HUVWHOOHQ YRQ
.RSLHQ GXUFK $EIRUPHQ
:7$0% '  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK :7$ ,, +DQGZHUNOLFKHU 6WHLQDXV
WDXVFK
:7$0% '  %HZHUWXQJ YRQ JHUHLQLJWHQ :HUNVWHLQ2EHUIOlFKHQ
:7$0% '  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK :7$ ;,, =XVWDQGV XQG 0DWHULDO
NDWDVWHU IU 1DWXUVWHLQEDXZHUNH
:7$0% '  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK :7$ ,,, 6WHLQHUJlQ]XQJ PLW 5HV
WDXULHUP|UWHOQ XQG 6WHLQHUVDW]VWRIIHQ
:7$0% '  1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ QDFK :7$ ,9 )XJHQ
:7$0% '  =HUVW|UXQJVIUHLHV (QWVDO]HQ YRQ 1DWXUVWHLQ XQG DQGHUHQ SRU|VHQ
%DXVWRIIHQ PLWWHOV .RPSUHVVHQ
:7$0% ( (QWZXUI $QZHQGXQJVWHFKQLN 1DWXUVWHLQUHVWDXULHUXQJ .RQVHUYLHUXQJ
 %LOGTXHOOHQYHU]HLFKQLV 113

 %LOGTXHOOHQYHU]HLFKQLV

4XHOOH %LOG

,QVWLWXW IU /HUQV\VWHPH +DPEXUJ 


.QLSSLQJ +DPPLQNHOQ 
.UHQNOHU $DFKHQ 
1HEHO .REOHQ]   4
1HXIHUW .|OQ 
5HPPHUV /|QLQJHQ ZZZUHPPHUVGH  ELV   
5HXO ,OOHUWLVVHQ 
6DFKYHUVWlQGLJHQEUR IU %DXGLDJQRVWLN 8ZH :LOG %UDQGLV   
ZZZEDXGLDJQRVWLNOHLS]LJGH
6WDKU /HLS]LJ 
:LOFNH +7KXQLJ : *HZLQQHQ %HDUEHLWHQ XQG 9HUVHW]HQ YRQ :HUNVWHLQ  
9(% 9HUODJ IU %DXZHVHQ %HUOLQ 
,QVWLWXW IU /HUQV\VWHPH +DPEXUJ 
5 Beton- und Stahlbeton

In den letzten Jahrzehnten hat sich Beton zu dem am häufigsten verwendeten Baustoff entwi-
ckelt, der sich durch seine Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit auszeichnet. Die Erfahrung
hat gezeigt, dass Fehler in Planung und Ausführung in Verbindung mit mechanischen, physi-
kalischen und chemischen Einflüssen zu einer Vielzahl von Schäden in unterschiedlicher Aus-
prägung führen.

Bild 5-1 Häufiges Schadensbild an


exponierten Bauteilen

5.1 Problemstellung – Abgrenzung

Betonschäden sind die zahlreichsten unter den Bauschäden. Die Häufigkeit zeugt davon, dass
die Dauerhaftigkeit des Baustoffs Beton begrenzt ist.
x Karbonatisierung des Betons in Verbindung mit zu geringer Betonüberdeckung des Be-
wehrungsstahles
x Beanspruchung durch Frost-Tau-Wechsel an durchnässten Betonbauteilen
x mechanische Überbeanspruchungen
116 5 Beton- und Stahlbeton

x Mangelhafte Einhaltung der Qualitätsmerkmale, Herstellerangaben und der einschlägigen


DIN
x Geringere Anforderungsvoraussetzungen zum Zeitpunkt der Planung und Errichtung der
Betonbauten

5.2 Werkstoffeigenschaften des Betons und Stahlbetons

Beton ist ein künstlicher Stein, der aus einem Gemisch von Zement, Betonzuschlag und Was-
5 ser – ggf. auch mit Betonzusatzmitteln und Betonzusatzstoffen – durch Erhärten des Zement-
leims (Zement-Wasser-Gemisch) entsteht. Stahlbetonbauteile bestehen aus Betonstahl (Beweh-
rung, Armierung) und Beton.

Bild 5-2 Biegezugspannungen und ihre Aufnahme durch Längsstähle

Die positiven Eigenschaften der beiden Baustoffe – beim Stahl die hohe Zugfestigkeit, beim
Beton die hohe Druckfestigkeit – werden in den Verbundstoff Stahlbeton vereinigt. Die beiden
Baustoffe haben eine ähnliche Wärmeausdehnung. Der Beton schützt den Stahl vor Korrosion
und Brand. Anforderungen aus Umwelt und Nutzung lassen sich durch gezielte Betonzusam-
mensetzung erfüllen. Dabei sind die Materialeigenschaften der Ausgangsstoffe und die Verar-
beitung des Frischbetons mit in die Überlegungen einzubeziehen.

Bild 5-3 Verformung des Balken und innere Kräfte


5.2 Werkstoffeigenschaften des Betons und Stahlbetons 117

Den Vorteilen stehen aber auch nachteilige Eigenschaften gegenüber, wie die hohe Eigenmas-
se der Konstruktionen, die hohe Dichte und Rissempfindlichkeit, mangelhafte Schall- und
Wärmedämmung, Porosität und langsame Verfestigung. Für eine fachgerechte Betonsanierung
ist eine genaue Werkstoffkenntnis erforderlich. Die nachfolgenden Ausführungen sind Min-
destanforderungen über Herstellung, Qualitätsmerkmale und Wechselwirkung mit der Umwelt
der Grundstoffe des Betons und Stahlbetons. Je nach Kompliziertheitsgrades des Sanierungs-
objektes muss sich der Ausführende um weitere Fachinformationen bemühen.

Zement
Zement ist ein hydraulisches Bindemittel, das, mit Wasser vermischt, einen Zementleim ergibt, 5
der durch Hydration auch unter Wasser erstarrt sowie raumbeständig bleibt. Als Bindemittel
für Beton werden vorwiegend Normenzemente verarbeitet. Als geeignet gelten Zemente nach
DIN EN 197-1. Bis zur Einführung dieser europäischen Norm sind Zemente nach der DIN
1164 zu verwenden.

Tabelle 5-1 Zementarten, Kurzzeichen, Hauptbestandteile

Normzemente nach
Kurzzeichen Hauptbestandteile in %
DIN EN 197-1
Portland- Hüttensand Natürliches Gebrannter
zement Puzzolan Ölschiefer
K S P T
Portlandzement CEM 1 95–100 --- --- ---
Portlandhütten- CEM II/A-S 80–94 6–20 --- ---
zement CEM II/B-S 65–79 21–35 --- ---
Portlandpuzzolanze- CEM II/A-P 80–94 --- 6–20 6–20
ment CEM II/B-P 65–79 --- 21–35 21–35
Portlandölschiefer- CEM II/A-T 80–94 --- --- 6–20
zement CEM II/B-T 65–79 --- --- 21–35
Hochofenzement CEM III/A 35–64 36–65 --- ---
CEM III/B 20–34 66–80 --- ---
K Portlandzementklinker, latent hydraulisch, d. h. erhärtet über und unter Wasser
A größter Anteil von Portlandzementklinkern
B kleinster Anteil von Portlandzementklinkern
S Hüttersand, latent (teilweise) hydraulisch
P Natürliche Puzzolane; Trass, vulkanischen Ursprungs, hydraulisch
V Kieselsäurereiche Flugasche; feinkörniger Staub
T Gebrannter (Öl)Schiefer, aus Naturschiefer hergestellt
L Kalkstein; Zusatz für die Zementherstellung
F Füller; natürliche oder künstliche anorganische mineralische Stoffe, die die physikalischen Eigenschaf-
ten des Zements, wie Wasserrückhaltevermögen, Verarbeitbarkeit verbessern

Zemente mit besonderen Eigenschaften erhalten zusätzlich die folgenden Kennbuchstaben:


x Zement mit niedriger Hydrationswärme: NW
Beim Erhärten entwickelt der Zement Wärme, die so genannte Hydrationswärme. Sie wird bei
den Zementen mit hoher Festigkeit schneller frei als bei den Zementen mit langsamer Festig-
keitsentwicklung. Diese Eigenschaft ist bei extremen Außentemperaturen und bei massigen
Bauteilen von Bedeutung. Zemente mit niedriger Hydrationswärme sind durch die Zusatzbe-
zeichnung NW erkennbar.
118 5 Beton- und Stahlbeton

x Zement mit hohem Sulfatwiderstand: HS


Wässer und Böden können chemische Stoffe, z. B. Sulfate, enthalten, die den erhärteten Ze-
mentstein angreifen. Bei starkem Sulfatangriff sind Zemente bestimmter Zusammensetzung zu
verwenden, die durch den Zusatz HS gekennzeichnet sind.
x Zement mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt: NA
Zemente mit niedrigem wirksamen Alkaligehalt (NA-Zemente) sind dann zu verwenden, wenn
der Zuschlag alkaliempfindlicher Bestandteile, z. B. porösen Flint, enthält, die in einigen Ge-
bieten Norddeutschlands vorkommen.

5 Zuschlagstoffe (Gesteinskörnungen)
Betonzuschläge sind ungebrochene (natürliche), gebrochene (künstlich zerkleinerte) oder vor-
her beim Bauen verwendete (rezyklierte) dichte oder porige mineralische Stoffe (bei Schwer-
beton unter anderem auch Metall), deren Korngröße für die Betonherstellung geeignet sind.
Eine Betonsanierung ist umso erfolgreicher (z. B. Freilegung der Bewehrung durch Entfernen
der Betondeckung), je besser die Anforderungen an Zuschlagstoffe entsprechend der DIN
4256 T. 1 eingehalten wurden. Wesentliche Kriterien sind Korngröße, Frostbeständigkeit,
Porigkeit und die mineralischen Grundlagen (Quarz, Kalkstein). Die Eigenschaften des Betons
werden von Art und Packungsdichte der Zuschlagstoffe wesentlich beeinflusst. Über die
Korngrößenverteilung gibt die Sieblinie Auskunft. Das spezifische Gewicht (z. B. Leicht-,
Normal- oder Schwerzuschläge), die Oberflächenstruktur (rau oder glatt) und die Kornform
(plattig oder rund) bestimmen die Art des Zuschlags.

Betonzusatzmittel
Zusatzmittel für Betone nach DIN 1045, DIN 4219, DIN 4227 und andere Regelwerke werden
dazu eingesetzt, die Frisch- und Festbeton- bzw. Mörteleigenschaften zu verbessern, wie z. B.
die Verarbeitbarkeit, das Erstarren sowie den Frost- und Frosttausalzwiderstand. Sie wirken
auf physikalischer und/oder technischer Basis. Dabei muss gelegentlich auch die unerwünschte

Bild 5-4
Beispiel einer Sieblinie
5.2 Werkstoffeigenschaften des Betons und Stahlbetons 119

Änderung einer anderen Betoneigenschaft in Kauf genommen werden. Die Zugabe eines Be-
tonzusatzmittels ist im Allgemeinen so klein (2–5 %), dass sie als Volumenanteil des Betons
ohne Bedeutung ist.

Tabelle 5-2 Wirkungsgruppen und Kennzeichnung der Betonzusatzmittel

Kurzzeichen Farbkennzeichen
Betonverflüssiger BV gelb
Fließmittel FM grau
Luftporenbildner LP blau
1)
Verzögerer VZ rot
Beschleuniger BE grün
5
Stabilisierer ST violett
Dichtungsmittel DM braun
Einpresshilfen EH weiß
Chromatreduzierer CR rosa
Recyclinghilfe für Wasser RH schwarz
1)
Bei einer um mindestens 3 Stufen verlängerten Verarbeitbarkeitszeit
Richtlinie „Verzögerter Beton“ beachten

Expositionsklassen
Die Einwirkungen der Umgebungsbedingungen werden in Expositionsklassen eingeteilt, die
sowohl Grundlage für die Anforderungen an die Ausgangsstoffe und die Zusammensetzung
des Betons als auch an die Mindestmaße der Betondeckung sind.
Die Kennzeichnung erfolgt durch zwei Großbuchstaben, von denen der erste immer ein „X“
ist. Die verschiedenen Angriffsstufen werden mit Ziffern bezeichnet. In der Regel zeigt eine
Erhöhung der Ziffern eine Verschärfung des Angriffsrisikos an.

Tabelle 5-3 Expositionsklassen – Umweltbedingungen – Schädigungsvorgänge

Betonkorrosion
Art des Betonangriffs Expositionsklasse Mindestbeton-
festigkeitsklasse
Angriff durch aggressive che- XA 1 chemisch schwach angreifende Um- C 25/30
mische Umgebung gebung LC 25/28
XA 2 chemisch mäßig angreifende Umge- C 35/45
bung und Meeresbauwerke LC 35/38
XA 3 chemisch stark angreifende Umge- C 35/45
bung LC 35/38
Frost-Tauwechselangriff XF 1 mäßige Wassersättigung ohne Tau- C 25/30
mittel LC 25/28
XF 2 mäßige Wassersättigung mit Taumittel C 25/30
oder Meerwasser LC 25/28
XF 3 hohe Wassersättigung ohne Taumittel C 25/30
LC 25/28
XF 4 hohe Wassersättigung mit Tauwasser C 30/37
oder Meerwasser LC 30/33
120 5 Beton- und Stahlbeton

Betonkorrosion
Art des Betonangriffs Expositionsklasse Mindestbeton-
festigkeitsklasse
Verschleißangriff XM 1 mäßige Verschleißbeanspruchung C 30/37
LC 30/33
XM 2 schwere Verschleißbeanspruchung C 30/37
LC 30/33
XM 3 extreme Verschleißbeanspruchung C 35/45
LC 35/38

5 Bewehrungskorrosion
Ursache der Bewehrungs- Expositionsklasse Mindestbeton-
korrosion festigkeitsklasse
karbonatisierungsinduzierte XC 1 trocken C 16/20
Korrosion LC 16/18
XC 2 nass, selten trocken C 16/20
LC 16/18
XC 3 mäßige Feuchte C 20/25
LC 20/22
XC 4 wechselnd nass und trocken L 25/30
LC 25/28
chloridinduzierte Korrosion XD 1 salzhaltige Luft, kein unmittelbarer C 30/37
Kontakt mit Meerwasser LC 30/33
XD 2 unter Wasser C 35/45
LC 35/38
XD 3 Tidebereiche, Spritzwasser- und C 35/45
Sprühnebelbereiche LC 35/38

Betonzusatzstoffe
(DIN 4226-1; DIN 51043; DIN 53237; DIN EN 450; DIN EN 12878; DIN 2045, Abschnitt
2.1.3.6) Zusatzstoffe sind fein aufgeteilte Zusätze wie Trass, Gesteinsmehl und Silicastaub. Sie
beeinflussen Betoneigenschaften wie Verarbeitbarkeit und Dichtigkeit. Betonzusatzstoffe, die
keiner Norm (z. B. der DIN 4226 oder DIN EN 450) entsprechen, dürfen nur dann verwendet
werden, wenn wie bei den Zusatzmitteln eine bauaufsichtliche Zulassung und ein Prüfzeichen
(z. B. DiBt-Berlin) erteilt ist. Nach Eingliederung der DIN EN 206-1 in die DIN 1045-2 wer-
den zwei Arten von organischen Betonzusatzstoffen unterschieden:
x Typ I nahezu inaktive (invertierte) Betonzusatzstoffe (Gesteinsmehl, Pigmente)
x Typ II puzzolanische oder latenthydraulische Betonzusatzstoffe (Flugasche, Silicastaub)

Zugabewasser
Die prEN 1008 „Zugabewasser für Beton“ enthält Festlegungen für Probenahmen, Prüfung
und Beurteilung von Wasser und Restwasser aus dem Frischbetonrecycling.

Wasser
x Oberflächenfeuchte + Zugabewasser = wirksamer Wassergehalt
x wirksamer Wassergehalt + Kernfeuchte = Gesamtwassergehalt
5.2 Werkstoffeigenschaften des Betons und Stahlbetons 121

x Oberflächenfeuchte + Kernfeuchte = Eigenfeuchte


Gemäß DIN 1045 ist als Zugabewasser das in der Natur vorkommende Wasser geeignet, so-
weit es nicht Bestandteile enthält, die das Erhärten oder andere Eigenschaften des Betons un-
günstig beeinflussen. Beim Stahlbeton darf der Rostschutz der Bewehrung nicht beeinträchtigt
werden. Ebenso ist auf den Chloridgehalt zu achten.

Tabelle 5-4 Begrenzung des Chloridgehaltes

Anwendung Chloridgehalt [mg/l]


1)
Stahlbeton d 2000
2)
5
Spannbeton und Einpressmörtel d 2600
1)
DBV-Merkblatt „Zugabewasser für Beton“
2)
DIN 4227 Teil 1 und Teil 5

Lediglich etwa 40 % des Wassergehaltes werden bei der Erhärtung des Zementes chemisch
gebunden, der Rest dient der Verarbeitbarkeit des Betons. Das bei der Betonherstellung ggf.
anfallende Restwasser ist verwendbar, sofern die in der „Richtlinie für die Herstellung von
Beton unter Verwendung von Restwasser, Restbeton und Restmörtel“ des DAfStb enthaltenen
Auflagen erfüllt werden. Für hochfesten Beton nach Richtlinie darf kein Restwasser verwendet
werden. In Zweifelsfällen ist die Unschädlichkeit durch eine chemische Untersuchung im
Laboratorium zu prüfen. Normales Leitungswasser ist fast immer geeignet.

Bewehrung
Die für die Betonkonstruktionen nach DIN 1045 erforderlichen Stahleinlagen werden in der
Fachsprache als Bewehrung bezeichnet. Herstellung, Eigenschaften, Sorteneinteilung, Verle-
gung usw. müssen den Anforderungen der DIN 488 entsprechen. Betonstahlsorten werden
nach der DIN 488 unterschieden durch:
x Verarbeitungsform
Betonstabstahl (S), Betonstahlmatten (M), Bewehrungsdraht
x Fertigkeitseigenschaften
Streckgrenze, Zugfestigkeit
x Oberflächengestaltung
Betonstabstahl und Betonstahlmatte gerippt, Bewehrungsdraht glatt oder profiliert
x Herstellungsverfahren
– warmgewalzt, ohne Nachbehandlung, oder
– warmgewalzt und aus der Walzhitze wärmebehandelt oder
– kaltverformt (durch Verwinden oder Strecken).
Zur Aufnahme von Zugkräften können auch je nach Belastungsfall geeignete Fasern, Stahl-,
Glas-, Kohlenstoff-Faserbündel oder Stahlfaserbeton eingesetzt werden.
122 5 Beton- und Stahlbeton

5
Bild 5-5
Bewehrung eines Stahlbeton-
balkens

5.3 Schadensursachen – Schadensbilder – Schadens-


bewertungen
5.3 Schadensursachen

Eine sichere und dauerhafte Instandsetzung der Betonbauteile setzt eine aussagefähige Scha-
densdiagnose voraus. Eine solche Schadensdiagnose erfasst
x die Schadensursache
x den Schadensgrad und
x den Schadensumfang.
Dabei müsse die Materialkennwerte des Altbetons wie z. B. Abreißfestigkeit der Oberfläche,
Druckfestigkeit, Wasseraufnahme, Ausführungsqualität (z. B. Betonüberdeckung und man-
gelnde Nachbehandlung) mit einbezogen werden. Tabelle 5-5 zeigt in einer Vororientierung
den Zusammenhang zwischen Betonschäden und möglichen Ursachen.

Tabelle 5-5 Übersicht über Schäden und Ursachen am Beton

Baustoff Ursachen*
Schäden 1 2 3
Betone
Betonabsprengung x x x
Betonausblühungen x x x
Betonauslaugung x
Betonkorrosion x x
Risse im Beton x
Rostflecke im Beton x x
Schalungsölflecke x x
Treiben des Betons x x
* 1 Roh- oder Baustoffe mangelhaft, ungeeignet oder falsch eingesetzt
2 Baukonstruktion fehlerhaft
3 Baustoffherstellung oder Verarbeitung fehlerhaft
5.3 Schadensursachen 123

Betonschäden durch physikalische oder/und chemische Einwirkungen

5
Bild 5-6a Bild 5-6b
Von der Oberfläche ausgehende Abtragung An der Oberfläche beginnendes Umsetzen des
durch physikalische Einwirkung, z. B. bei Bindemittels, z. B. infolge des Kalkanteils des
Errosion, Korrosion und durch Nutzungsab- Bindemittels durch aggressive Abwasserstoffe
rieb. (Cl, HN3, H2S u.a.) in wasserlösliche Kalzium-
1 Bindemittel verbindungen.
2 Zuschlagstoff 1 Substanzverlust durch das herausgelöste
3 Substanzverlust durch Abtragung unbeständige Bindemittel
2 der resistente Kies verliert seine Bindung

Bild 5-6c Bild 5-6d


Physikalisch von innen heraus verursachter Chemisch im Betoninneren verursachter
Oberflächenschaden, nämlich Absprengen Schaden infolge Bildung von Mauersalpeter.
von Beton durch eingedrungenes, gefrie- 1 Eindringen von stickstoffhaltigem Wasser
rendes Wasser. 2 Reaktion des Stickstoffs mit dem Kalzium
1 Wasser mit Eisbildung des Bindemittels unter Bildung von Kalzi-
2 blättrige Absprengung von Beton umnitrat (Mauersalpeter)
3 als Lösung an die Oberfläche transportier-
ter, als Ausblühung abgelagerter Mauersal-
peter

Bild 5-6e
Durch Korrosion der ungeschützten, in porösem, ständig durch-
feuchtetem Beton liegenden Stahlbewehrung verursachte Ab-
sprengung.
1 Ständig zunehmende Rostschicht der Stahlbewehrung
2 Absprengen der Betonüberdeckung durch den Rost
124 5 Beton- und Stahlbeton

Die Ursachen der häufigsten Betonschäden


x Korrosionsschäden der Bewehrung
x Oberflächenschäden
x Rissbildung
x konstruktiv bedingte Schäden
sind häufig auf Fehler der Projektierung und Produktion der Baustoffe, auf die Bauausführung,
chemisch-physikalische Reaktionen von außen (Betonabsprengung) und im Baustoff (Ausblü-
hung) sowie ungünstige chemische Verbindungen (Kalksalpeterbildung) und durch Beton-
stahlkorrosion zurückzuführen.
5 Schadensbewertung
Beton- und Stahlbetonteile werden je nach Grad der Beschädigung in vier Schadensstufen
eingeteilt. Das Verhältnis der Betondeckung zur Karbonatisierungsstufe ist für die Einordnung
in die Schadensstufe ausschlaggebend. Die fachliche und ökonomische Zuordnung ist maßge-
bend für die Festlegung der Instandsetzungsmaßnahme.

Schadensstufe I
Die Karbonatisierungsstufe ist immer kleiner als die Betondeckung. Die Bauteile zeigen keine
Schäden.

Schadensstufe II
Wenn zu erwarten ist, dass die Kabonatisierungstiefe während der Lebensdauer des Bauwerkes
die Stärke der Betondeckung überschreiten wird und das untersuchte Bauteil zurzeit der
Überprüfung keine Schäden aufweist, genügt oft eine vorbeugende Instandsetzung mit einem
Acryl- oder Epoxidharzanstrich.

Schadensstufe III
Weist das Bauteil noch keine tief greifenden Schäden sondern nur korrosionsbedingte Beton-
abplatzungen auf, reicht im Allgemeinen handwerkliche Instandsetzung, meist mit Mörtel-
systemen aus.

Schadensstufe IV
Wenn die karbonatisierungsbedingte Korrosion der Bewehrung so weit fortgeschritten ist, dass
die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet ist, muss sofort saniert werden (Mörtelsystem).
Mit Spritzbeton muss gearbeitet werden, wenn die zu sanierende Schicht tiefer als 3 cm bist.

Carbonatisierung (Karbonatisierung)
Im Stahlbeton ist im Wesentlichen der im Beton eingebettete Bewehrungsstahl gefährdet. Es
muss deshalb sowohl von planerischer, als auch von ausführender Seite alles getan werden, um
die Korrosion des Stahles langfristig, d. h. dauerhaft zu verhindern. Dies erreicht man dadurch,
dass der Zementleim des Frischbetons den Bewehrungsstahl satt umhüllt und durch seine hohe
Alkalität die Stahloberfläche passiviert und vor Korrosion schützt. Diese Situation tritt bei
sachgerechter Stahlbetonherstellung zunächst immer ein. Der Umsetzungsprozess wird auch
Karbonatisierungsprozess genannt. Im Allgemeinen besteht für die Betonstähle Korrosions-
schutz durch die hohe Alkalität (pH-Wert > 9,5) des sie umhüllenden Betons.
5.3 Schadensursachen 125

Tabelle 5-6
pH-Wert-Tabelle

Im oberflächennahen Bereich kann die Alkalität durch das Kohlendioxid der Luft (und anderer
Umgebungsbedingungen) abgebaut werden. Diesen Prozess der Umwandlung von Kalcium-
hydroxid Ca(OH)2 in Kalciumkarbonat CaCO2 nennt man Karbonatisierung (Carbonatisierung)

Bild 5-7 Einflussfaktoren auf die Stahlkorrosion im Beton

Dringt die Karbonatisierung bis zur Bewehrung vor, kann es zu Korrosionsschäden kommen.
Deshalb muss die Bewehrung durch eine ausreichende Betondeckung geschützt werden, welche
x dicht genug ist, um die Karbonatisierungsgeschwindigkeit im Rahmen aller Einflussgrößen
so klein wie möglich zu halten
126 5 Beton- und Stahlbeton

x dicker ist, als die während der Nutzungsdauer eines Bauteils zu erwartende Karbonatisie-
rungstiefe.

Maßgebend für den Korrosionsbeginn sind:


x Abstand der Bewehrung von der Betonfläche (Betonüberdeckung)
x Betonfestigkeitsklasse
x Sauerstoffzutritt und Feuchtigkeitsklasse
x Absinken des pH-Wertes unter 9
x Chlorideinwirkung
5

1 2 3

Bild 5-8 Beton-Alterungsphasen


1 Kohlendioxid CO2 aus der Luft dringt in den Beton ein. Die gegen Rostung schüt-
zende Alkalität wird abgebaut.
2 Der Abbau der Alkalität ist in die Tiefe fortgeschritten (Karbonatisierung).
3 Die Karbonatisierungsfront hat die am weitesten außen liegende Stahlbewehrung
erreicht. Rostung beginnt.

Die Folge des Karbonatisierungsvorgangs ist eine erhebliche Volumensausdehnung. Bis zu 2,5
Volumenanteile Rost können aus einem Volumenanteil Eisen entstehen. Schon geringer Rost
auf den Bewehrungsstäben führt zu einem erheblichen Sprengdruck. Als Folgeerscheinung
entstehen auf dem überdeckendem Beton zunächst Risse, später Aufplatzungen. Risse und
Fehlstellen (z. B. Kiesnester) können die Karbonatisierung beschleunigen und ggf. Rostschutz
örtlich aufheben. Risse müssen nicht in jedem Fall negative Auswirkungen haben. Folgende
Rissbreiten werden als unbedenklich angesehen:
x 0,3 mm in trockenen Räumen
x 0,2 mm bei Bauwerken, die im Freien stehen
x 0,1 mm bei Bauwerken in stark korrosionsfördernder Umwelt
Risse quer zur Bewehrung bis 0,4 mm und längs bis 0,3 mm zur Bewehrung führen im Regel-
fall zu keiner Beeinträchtigung der Nutzungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Voraussetzung ist
aber die Einhaltung der Anforderungen der DIN 1045 im Bezug auf Dicke und Dichte der
Betondeckung.
5.3 Schadensursachen 127

1 2

Bild 5-9 Beton-Zerstörungsphasen 5


1 Der Rost hat durch sein größeres Volumen so hohen Sprengdruck entwickelt,
dass die überdeckende Betonschicht abgesprengt wird. Über die Betonrisse
dringt Kohlendioxid ein. Die Karbonatisierungsfront dringt beschleunigt in die Tie-
fe ein.
2 Durch Rostung ist die Stahlbewehrung weitgehend zerstört. Die in Stadt- und In-
dustrieluft erheblich beschleunigte Rostung durch Schwefeldioxid-Gase (SO2) und
anderen Schadstoffen. Es bilden sich u.a. schweflige Säure und Schwefelsäure.

Bild 5-10
Absprengen der Betonoberfläche mit be-
ginnender Bewehrungskorrosion

Durch Messen der Karbonatisierungstiefe und der Betonüberdeckung mit Hilfe eines Betontes-
ters (im Fachhandel erhältlich) kann man die Gefährdung des Betonteils ermitteln. Dazu wird
ein Loch in die Betonoberfläche geschlagen oder ein Bohrkern entnommen. Die Entnahme
sollte möglichst innerhalb weniger Tage erfolgen, da frischer Beton spätestens nach einer Wo-
che kaum mehr alkalische Reaktionen zeigt. Nach dem Besprühen mit einem Betontester zei-
gen sich an der Betonoberfläche oder am Bohrkern Farbreaktionen. Die Eindringtiefe wird mit
einem Gliedermaßstab erfasst.
128 5 Beton- und Stahlbeton

Bild 5-11
Karbonatisierungstiefe an einer Betonprobe

Von einer starken Gefährdung des Betonteils muss man ausgehen, wenn die Karbonatisie-
rungstiefe im Mittel größer ist als die mittlere Betondeckung. Mit einem Indikationssystem auf
Thymolphtalein-Basis (auf der Baustelle auch als Lackmus-Streifen bekannt) können die un-
terschiedlichen pH-Werte an der Farbe abgelesen werden. Beton mit einem (ausreichenden)
pH-Wert von 9,3 zeigt eine blau violette Färbung. Karbonatisierte Bereiche unter pH-Wert 9
bleiben auf dem Teststreifen farblos.

Bild 5-12
Anwendung von Phenolphta-
lein, das beispielsweise auf
einem Bohrkern aufgesprüht
wird. Bei Rotfärbung werden
die noch nicht carbonatisierten
Betonflächen sichtbar.

Durch Poren und Risse können aber auch, unabhängig von der Karbonatisierung andere
Schadstoffe in die Betonteile (z. B. in Brückenbauten und an Fassaden) eindringen und an den
Bewehrungseisen Rost verursachen. Einer der größten Schadensverursacher ist das Natrium-
chlorid (Kochsalz), das als Bestandteil von „Tausalzlösungen“ eingesetzt wird. Die in Wasser
oder Feuchtigkeit gelösten Chloridionen können an den Bewehrungsstäben einen spontanen
und punktuellen Rostprozess auslösen. Die Karbonatisierungsgeschwindigkeit unterliegt fol-
genden Haupteinflüssen, die sowohl auf Planungs- und Konstruktionsfehler als auch Verarbei-
tungsmängel zurückzuführen sind:
5.3 Schadensursachen 129

x Betonzusammensetzung (Wasserzementwert, Zementgehalt)


x Hydrationsgrad (Nachbehandlung)
x Umweltbedingungen (relative Luftfeuchte)
x Zeit (Abnahme der Karbonatisierungsgeschwindigkeit mit zunehmendem Betonalter)
Die Dichtigkeit der Zusammensetzung ist ausschlaggebend, bis zu welcher Tiefe und in wel-
cher Zeit CO2 in den Beton eindringen kann. Nach der DIN 1045 Tabelle 4 ist der Zementge-
halt ausschlaggebend dafür, wie viel CO2 gebunden und damit am weiteren Vordringen gehin-
dert wird. Durch eine gute Nachbehandlung (z. B. Feuchthalten, Schutz vor intensiver Sonnen-
einstrahlung) kann der Zement nahezu vollständig reagieren (Hydrationsgrad nahe 100 %).
Der Hydrationsgrad hat neben dem Einfluss auf die Dichtigkeit auch Auswirkungen auf andere
Eigenschaften. 5

Bild 5-13 Zusammenhang zwischen Hydration und den Betoneigenschaften

Der Feuchtigkeitsgehalt des Betons wird auch durch die Umweltbedingungen nachhaltig be-
einflusst. So karbonatisiert vollständig trockener und wassergesättigter Beton praktisch nicht.
Bei einer relativen Luftfeuchte zwischen 0 % und 70 % liegt der für den Rostschutz ungünsti-
ge Bereich der Bewehrung. Im Freien karbonatisiert Beton daher wesentlich langsamer. Im
Laufe der Zeit nimmt der Karbonatisierungsfortschritt ab. Er kann sogar bei ausreichend dich-
tem Zementstein, niedrigem WZ-Wert, guten Erhärtungsbedingungen und ausreichender
Nachbehandlung völlig zum Stillstand kommen.

Risse im Beton
Risse im Beton geben korrosionsfördernden Schadstoff und auch dem die Karbonatisierung
auslösenden CO2 Gelegenheit, bis an die Bewehrung vorzudringen. Risse können entstehen
durch mechanische Überbelastungen, Setzungen, Schwindverformungen, Frost-Tau-Wechsel
oder während des Abbindeprozesses. Bei Benetzung der Betonoberfläche zeichnen sich Risse
dunkel ab. Durch das Vordringen des Schadstoffes wird der Korrosionsschutz des Beweh-
rungsstahls unmittelbar am Riss aufgehoben. Das kann zur punktuellen Korrosion führen.
130 5 Beton- und Stahlbeton

Bild 5-14
Bewehrungskorrosion
im Rissbereich

5 Unzureichende Betondeckung
Sinkt der pH-Wert am Stahl unter 10 wird der Korrosionsschutz aufgehoben. Dieser Vorgang
kann durch die Karbonatisierung bei nicht ausreichender Betondeckung (min c) eintreten. Die
Carbonatisierungsstufen entsprechen den Verlegemaßen der Bewehrung und setzen sich aus
den Mindestmaßen c und einem Vorhaltemaß, in der Regel 1 cm zusammen. Beispielsweise
für Bauteile im Freien mit einem Stabdurchmesser bis 25 mm beträgt das Mindestmaß 2,5 cm
und das Nennmaß 3,5 cm.
Die Mindestbetondeckung der Bewehrung ist von der Expositionsklasse abhängig. Um un-
planmäßige Abweichungen bei der Bauausführung abzufangen, wird die Mindestbetonde-
ckung durch die Addition eines Vorhaltemaßes vergrößert.

Bild 5-15
Mindestbetondeckung

Die Folgen sind Rosterscheinungen, die durch Volumenvergrößerung die überdeckende Be-
tonschicht abdrückt. Korrosionsschutz und Verbundsicherung werden mit ausreichender Zu-
verlässigkeit erreicht, wenn die Mindestmaße der Betondeckung und die Mindestdauer der
Nachbehandlung eingehalten wird.

Tabelle 5-7 Maße der Betondeckung in cm, bezogen auf die Umweltbedingungen (Korrosi-
onsschutz) und die Sicherung des Verbunds

1 2 3 4
Umweltbedingungen Stabdurch- Mindest- Nennmaße
messer ds maße für für
2)
t C 25/30 t C25/30
3)
min c nom c

[mm] [cm] [cm]


1)
1 Baustellen in geschlossenen Räumen, bis 12 1,0 2,0
Büroräumen, Schulen, Krankenhäusern, 14, 16 1,5 2,0 2,5 3,0
Verkaufsstätten 20, 25 2,5 3,5
28 3,0 4,0
5.3 Schadensursachen 131

1 2 3 4
Umweltbedingungen Stabdurch- Mindest- Nennmaße
messer ds maße für für
2)
t C 25/30 t C25/30
3)
min c nom c

[mm] [cm] [cm]


2 Baustellen, zu denen die Außenluft häufig oder bis 20 2,0 3,0
ständig Zugang hat, z. B. offene Hallen und Ga- 25 2,5 3,5
ragen, 28 3,0 4,0
Baustellen, die ständig unter Wasser oder im
Boden verbleiben, 5
Dächer mit einer wasserdichten Dachhaut
3 Baustellen im Feien, bis 25 2,5 3,5
Baustellen in geschlossenen Räumen mit oft 28 3,0 4,0
auftretender, sehr hoher Luftfeuchte bei üblicher
Raumtemperatur, z. B. in gewerblichen Küchen,
Bädern, Wäschereien, in Feuchträumen von
Hallenbädern und in Viehställen,
Bauteile, die wechselnder Durchleuchtung ausge-
setzt sind
4 Bauteile, die besonders korrosionsfördernden bis 28 4,0 5,0
Einflüssen auf Stahl oder Beton ausgesetzt sind,
z. B. durch häufige Einwirkung angreifender Gase
oder Tausalze (Sprühnebel- oder Spritzwasserbe-
reich) oder „starkem“ chemischem Angriff
1)
Bei C 12/15 ds d 12 mm min c = 1,5 cm und nom c = 2,5 cm; für größeren Durchmesser gelten die
Werte von Zeile 1.
2)
Bei B 35 und höher dürfen Mindest- und Nennmaße um 0,5 cm verringert, die Mindestmaße jedoch
nicht kleiner als der Durchmesser der Bewehrung oder als 1,0 cm angesetzt werden.
3)
Bei Bauteilen nach Zeile 2 bis 4 ist nach dem „Merkblatt Betondeckung und Bewehrung“ eine Erhöhung
der Nennmaße um 0,5 cm zweckmäßig. In begründeten Einzelfällen (z. B. im Fertigteilbau) dürfen die
Nennmaße der Zeilen 1 bis 4 mit geringeren Vorhaltemaßen festgelegt werden, wenn besondere Maß-
nahmen die Einhaltung der Mindestmaße sicherstellen.

Unzureichende Betonqualität
Mangelhafte Verdichtung, Kiesnester, zu hohe Porosität beschleunigen die Karbonatisierung,
sodass auch ursprünglich normgerecht überdeckte Betonstähle ihren Korrosionsschutz verlie-
ren. Betonoberflächen, die ständig feucht sind, wittern nach längerer Zeit ab. Die daraus resul-
tierende Rauigkeit der Oberfläche begünstigt das Wachstum von Mikroorganismen. Die Folge
ist Vermoosung, Flechten und Säurebildung, die zur weiteren Auflösung des Zementleims
führen.
Doch die meisten Betonschäden entstehen erst am Bauwerk durch die Einflüsse des Standorts
und der Nutzung.
132 5 Beton- und Stahlbeton

Tabelle 5-8 Schäden am Beton

Schaden, Ursachen Vermeiden, Beseitigen


Betonabsprengung Betonherstellung – und Versteifung nur frostfrei –
 Frosteinwirkung auf noch nicht vollständig sonst Frostschutzmittel zusetzen
abgebundenen Beton Beton ausreichend verdichten durch richtige Korn-
größen oder Zuschlagstoffe, richtiges Mischungs-
 Hohe Wasseraufnahme infolge ungenügender
verhältnis, eventuelle Dichtungsmittelzusätze;
ungleichmäßiger Verdichtung führt zur Frostab-
Stampfen, Rütteln des Frischbetons.
sprengung
Stahlbeton muss stets gut verdichtet sein. Beton-
 Korrosion des Betonstahles in zu porösem stahl ausreichend tief nach Vorschrift einbetonieren.
Beton oder wenn er zu flach unter der Oberflä-
5 che liegt
Betonausblühungen
 Frostschutz- oder Erstarrungsbeschleuniger in Höhe des Frostschutzmittelzusatzes nach Vorschrift
zu großer Menge zugesetzt des Herstellers
Besonders für Sichtbeton einwandfreies Anmach-
 Wasserlösliche Salze, meist Sulfate und Chlori-
wasser, z. B. Quell- und Leitungswasser mittlerer
de, im Zuschlagstoff oder Anmachwasser
Härte, verwenden
 Salze aus dem Baugrund in nicht gesperrtem Bauteile gegen Bodenfeuchtigkeit sperren
Beton
 Reaktionsprodukte aus Kalzium und aggressi- Kalkarmen Zement verwenden – dichtende, Wasser
ven Luftverunreinigungen abweisende Imprägnierung
Betonauslaugung
 Zuschlagstoff enthielt mit Wasser abschlämm- Zuschlagstoffe von ausreichender Kornfestigkeit
bare, zum Teil wasserlösliche Beimengungen, und weitestgehend frei von abschlämmbaren Be-
z. B. Lehm, Ton, Kreide, Gipsstein, Tonschiefer standteilen einsetzen, besonders für Wasserbauten
Gleichmäßige Mischung, dichte Packung der Zu-
 Ungenügend oder gleichmäßig gemischt oder
schlagstoffe durch günstige Korngrößen; Frischbe-
verdichtet
ton durch Druck oder Vibration verdichten
 Ständige Einwirkung von Wasser mit darin Kalkarmen Zement verwenden, kalkbindende Zu-
gelösten Salzen oder Säuren, die Kalziumver- sätze zum Frischbeton, evtl. Schutzanstrich, z. B.
bindungen des Betons in wasserlösliche Ver- Bitumen oder Ummantelung bzw. Auskleidung mit
bindungen umsetzen Plastfolie
Betonkorrosion
 Einwirkung von Säure- und Salzlösungen, die Kalkarmen Zement oder kalkbindende Zusätze
mit den Kalziumverbindungen des Betonbinde- einsetzen. Oberflächenresistenz durch Fluatieren
mittels wasserlösliche Verbindungen bilden oder dichtende, hydrophobe Imprägnierung erhö-
hen. Schutzanstriche auf der Grundlage von Bitu-
men, PC, Chlorkautschuk, Teer-Epoxidharz und
Polyurethan. Gegen sehr starke Korrosionsmittel
Plastfolienbeläge
Risse im Beton
 Statisch-konstruktive Mängel, die durch Setzen, Mängel, besonders statische Berechnungsfehler
Erschüttern und Belastung der Bauwerksteile vermeiden
zur Rissbildung führen Setzungsfugen beachten, Auflager richtig konstruie-
ren
 Fehlen von Bewegungsfugen zwischen großen
Zwischen große und unterschiedlich „arbeitende“
Bauteilen bei Anschlüssen an andere Baustoffe
Bauteile geradlinige Bewegungsfugen vorsehen
 Folge von Treiberscheinungen
Rostflecke in Beton
 Korrodierender Betonstahl liegt zu flach, ragt Herausragende Teile freilegen und abschweißen,
heraus Stahlbewehrung tief einbetonieren
Zumindest die Anschlüsse der Stahlbauteile müs-
 Rost von einbetonierten nicht korrosionsge-
sen vor dem Einbetonieren gegen Korrosion ge-
schützen Stahlbauteilen
schützt sein, z. B. durch Anstriche
5.4 Methoden der Schadensuntersuchung 133

Schaden, Ursachen Vermeiden, Beseitigen


Schalungsölflecke
 Zu viel Schalungsöl in die Formen gesprüht Schalungsöl gleichmäßig und dünn auf-
spritzen
 Ungeeignetes Mineralöl verwendet
Nur Spezial-Schalungsöl verwenden, Öl-
flecke mit Industriereiniger-Wasser-Gemisch abrei-
ben. In hartnäckigen Fällen Ölflecke mit Absperr-
lack überstreichen oder die Betonoberfläche
schwach sandstrahlen
Treiben des Betons
 Verunreinigungen im Zuschlagstoff, z. B. Das Verunreinigen von natürlichen reinen Zu-
Schwefelkies, Kohle, Brandkalk, die bei Was- schlagstoffen, z. B. durch unsauberes Lagern, 5
seraufnahme treiben vermeiden. Kies und Splitt mit natürlichen treiben-
den Beimengungen, z. B. Schwefelkies, sind unge-
 Schwefelverbindungen, z. B. Schwefeloxid und
eignet.
Schwefelsäure von Verbrennungsabgasen oder
Vermeidbar sind Schäden durch „Sulfattreiben“
Magnesiumsulfat, Natriumsulfat u.a. in Abwäs-
durch die gleichen Maßnahmen, wie sie unter
sern oder Bodenfeuchtigkeit in Beton einge-
Betonauslaugung und Betonkorrosion angegeben
drungen. Sie bilden mit den Kalziumverbindun-
sind.
gen treibende Sulfate
Mischungsverhältnisse genau einhalten
 Beton, der als Unterlage für Steinholz dient, Betonunterlage mit Bitumenanstrich
wird bei unzulässig hohem Zusatz von Magne- schützen (erst nach Durchtrocknung Steinholz
siumchlorid zum Steinholzgemisch durch Auf- auftragen)
treiben zerstört.
(nach Schönburg)

5.4 Methoden der Schadensuntersuchung

In der Praxis spielt immer wieder die Frage eine Rolle, ob überhaupt die Instandsetzungsfähig-
keit gegeben ist. Fast immer gibt es im konkreten Fall verschiedene Alternativen für die In-
standsetzung, die sich technisch und preislich gravierend unterscheiden können. Erst durch die
sachverständige Beurteilung des Ist-Zustandes ist die Möglichkeit gegeben, solche Alternati-
ven auszuarbeiten und vor Beginn der Ausführung die notwendige Mit-Entscheidung des Bau-
herrn herbeizuführen. Zur Beurteilung des Schadengrades bzw. Ist-Zustandes des fraglichen
Objektes sind störungsfreie und zerstörende Untersuchungsmethoden anzuwenden. Danach
erfolgt die Beurteilung nach Augenschein
x nach Überprüfung der Bewehrungsüberdeckung,
x durch Bestimmung der Karbonatisierungstiefe,
x der zerstörungsfreien Überprüfung der Betongüte,
x der zerstörenden Prüfung zur Ermittlung der Haftzugfestigkeit,
x der Prüfung der Rissbreiten und -tiefen,
x Überprüfung des Betongefüges durch Entnahme von Bohrkernen und
x Ermittlung des Schadstoffgehaltes, z. B. Chloridgehalt, als Folge von Tausalzeinwirkung.

Visuelle Beobachtungen
Die visuelle Betrachtung dient der Ermittlung sichtbarer Schäden wie:
x Abplatzungen
x Rostfahnen
x Lunker
134 5 Beton- und Stahlbeton

x Verdichtungsfehler
x Ausblühungen
x Porosität
x Feuchtigkeit
x Abblättern des Anstrichs
x Anwesenheit von Moosen und Algen
x Erkennen von Haarrissen und anderen Rissen
x der Beurteilung des Abrostungsgrades der Bewehrung
Der Ist-Zustand ist für spätere Streit- und Gewährleistungsfälle sorgfältig zu dokumentieren;
im Zuge der Instandsetzung geht das Beweismittel – der Zustand vor Instandsetzung – regel-
5 mäßig verloren. Die Untersuchung beginnt mit der sachverständigen augenscheinlichen Beur-
teilung – Rissbildung, Rostfahnen, Absprengung der Betonüberdeckung über korrodierenden
Bewehrungsstäben, hoch liegenden Bereiche usw. Sie dient der Festlegung der notwendigen
örtlichen und labortechnischen Untersuchungen, die anschließend an ausgesuchten Teilflächen
vorgenommen werden. Zur Ermittlung des Ist-Zustandes bzw. des Schadensgrades haben sich
eine Reihe von bewährten Ermittlungsmethoden bzw. Analyseverfahren herauskristallisiert.
Diese Methoden sind in zerstörungsfreie und zerstörende Verfahren zu unterteilen.

Ermittlung von Schäden der Betongüte (Betonfestigkeit)


Obwohl in vielen Fällen aus den Bautagebüchern und aus den ursprünglich zur Verfügung
stehenden Daten Angaben über die Betongüte des Bauwerks vorliegen, stimmen diese in der
Regel nicht mit den im Bauwerk vorhandenen Betongüten überein. Sie müssen deshalb am
Objekt ermittelt werden.
Einsatzgebiete: Betonoberflächen, Hohlstellen, Kiesnester

Zerstörungsfreie Methoden
Zerstörungsfreie Überprüfungsmöglichkeiten für Beton bzw. Stahlbeton ergeben nur qualitati-
ve bzw. bedingt quantitative Aussagen. Üblicherweise erhält man in diesen Verfahren nur
Angaben über die Güte der Betonoberfläche, weniger aber über das Innere des Betons.

Bild 5-16 Anwendung des Schmidt-Rückprallhammers


Näherungsweise, zerstörungsfreie Prüfung der Betonfestigkeit mit dem Schmidt-
Rückprallhammer. Aus dem anzeigenden Maß des Rückpralls (Skalierung auf dem
Schmidt-Hammer) lässt sich die Materialhärte bestimmen.
5.4 Methoden der Schadensuntersuchung 135

Vorgehen: Abklopfen und/oder Überstreichen der Schadstelle mit einer Drahtschlaufe; Beton-
prüfhammer nach Schmidt (E DIN 12398 und DIN 1048 T. 2)
Der Betonprüfhammer schlägt mit einer vordefinierten Energie auf den Beton. Entsprechend
der Betonhärte prallt der Körper zurück. Der Rückprallwert R wird auf einer Skala angezeigt
oder, je nach Modell, auf einem Papierstreifen registriert. Je nach Alter des Betons sind Kor-
rekturfaktoren notwendig.
Hilfsmittel: Mittelschwerer Prüf- oder Maurerhammer, Drahtschlaufe, Schmidt-Rückprallham-
mer, Gliedermaß

Nichtzerstörungsfreie Methoden
5
Zeigt sich, dass die zerstörungsfreie Betonüberprüfung keine sicheren Werte ergibt, ist man bei
den ermittelten Betongütewerten kritisch (z. B. B 15) oder stellt Inhomogenitäten fest, ist es oft
unumgänglich, Bohrkerne an verschiedenen Stellen zu entnehmen.
Vorgehen: Zur Ermittlung der Betonfestigkeit sind Bohrkerndurchmesser von 100 mm erfor-
derlich, zur Überprüfung des Gefüges, der Lage der Bewehrung und zur Bestimmung weiterer
Daten (z. B. Chloridgehalt) genügen oft Bohrkerne mit einem Zylinderdurchmesser von 50
mm. Ein Bohrkern lässt Rückschlüsse auf die Sieblinie, das Größstkorn, die Porosität, das
Betongefüge und damit Hinweise aus die Betonzusammensetzung und die Verarbeitung zu.
Bevor aber ein oder mehrere Bohrkerne entnommen werden, ist die Notwendigkeit gewissen-
haft zu prüfen. Die zerstörende Methode ist ein Eingriff in das Gefüge des zu untersuchenden
Betons, auch wenn anschließend die Bohrkernlöcher wieder mit geeigneten Material verfüllt
werden.
Hilfsmittel: Bohrkernentnahmegeräte mit Diamantbohrkronen

Bild 5-17
Bohrkernentnahme zur Laboruntersuchung

Ermittlung von Schäden an der Betonüberdeckung über der Bewehrung


Die in den Bewehrungsplänen angegebenen Betondeckungsmaße weichen aus unterschiedli-
chen Gründen (Verarbeitung, Umwelteinflüsse u. a.) von den tatsächlichen Überdeckungs-
136 5 Beton- und Stahlbeton

maßen mehr oder weniger ab. Bei der Ermittlung möglicher Schädigungen sind zwei wesent-
liche Parameter von Bedeutung:
x Die Bewehrung ist noch nicht korrodiert. Zusammen mit der Karbonatisierungstiefe und
dem Alter des Bauwerks kann in etwa abgeschätzt werden, wann die Karbonatisie-
rungsfront die oberste Bewehrungslage erreichen wird und ob ggf. vorbeugende Schutz-
maßnahmen zu treffen sind.
x Es sind bereits Korrosionsschäden eingetreten. Hier gibt die Betondeckung Hinweise auf
die Schadensursachen (zu geringe Überdeckung, schlechte Betonqualität, überdurchschnitt-
liche Schadstoffbelastung) und auf vorzunehmende Instandsetzungsmethoden.
Einsatzgebiete: Oberflächenschäden bei Sichtbetonbauteilen, abplatzender Beton vor rostigen
5 Eisen.

Zerstörungsfreie Methoden
Vorgehen: Augenschein, Feststellung sichtbarer Schäden, Suche nach evtl. Gesetzmäßigkeiten.
Messung von Lage und Betonüberdeckung der Armierungseisen. Lage der Bewehrung kann
mit Magneten oder mit Bewehrungssuchgeräten ermittelt werden. Anzeichnen auf der Beton-
fläche oder Eintragung im Plan. Potenzialmessung zur Feststellung des Rostanfalls unter der
Oberfläche. Bei dieser Methode wird zwischen den korodierten und noch nicht angerosteten
Stählen ein elektromagnetisches Feld aufgebaut, das messtechnisch erfasst wird.
Hilfsmittel: Doppelmeter, Kreise, Notizblock usw., elektronische Eisensuchgeräte, Apparatu-
ren zur Potenzialfeldmessung.

Nicht zerstörungsfreie Methoden


Vorgehen: Abklopfen von Schadstellen. Stichprobenweises Freilegen von vermutlich korro-
diertem Eisen. Messung der Karbonatisierungstiefe in ausgespritzten Löchern oder an ausge-
bohrten Kernen.
Hilfsmittel: Spitzeisen oder Hammer, Kernbohranlage. Chemische Reagenzien, z. B. Phe-
nolphtalein zur Feststellung der Alkalität und damit der Karbonatisierung des Betons, Tiefen-
lehre.
Hinweis: Übertriebene Genauigkeitsangaben oder -anforderungen sind wenig sinnvoll: Karbo-
natisierungstiefe und Maße der Betondeckung im Bauteil variieren erheblich. Es gilt haupt-
sächlich, repräsentative kritische und durchschnittliche Bereiche aufzufinden, die als Basis für
die nachfolgende sachverständige Beurteilung dienen.

Ermittlung von Schäden an der Betonoberfläche


Jede Beschichtung ist nur so gut wie der Untergrund, auf dem sie aufgebracht wurde. Bei einer
Oberflächenbeschichtung des Betons – z. B. mittels einer so genannten Karbonatisie-
rungsbremse nach Reprofilierungsarbeiten im Fassadenbereich – ist eine ausreichende Ober-
flächenfestigkeit erforderlich, die sich in aller Regel nur nach mechanischer Oberflächenbe-
handlung, etwa durch Sandstrahlen, erreichen lässt. Als Prüfkriterium gilt hier eine Oberflä-
chenzugfestigkeit der vorbehandelten Fläche von mindestens 1,5 N/mm², die mit geeigneten
Prüfgeräten nachzuweisen ist.
5.4 Methoden der Schadensuntersuchung 137

Bild 5-18
Gerät zur Bestimmung der Oberflä-
chenzugfestigkeit einer Beschichtung
auf Beton

Einsatzgebiet: Risse im Putz und Mauerwerk, Putz- und Farbablösungen, Verfährbungen,


Ausblühungen. Schäden an Bodenbelägen. Anstrichschäden bei Holz- und Stahlbauteilen.

Zerstörungsfreie Methoden
Vorgehen: Aufnahme von Rissbildern, Rissbreiten, Risstiefen. Abklopfen zum Feststellen von
Hohlstellen. Eintragung aller Schäden in Pläne, um evtl. systematische „Schäden“ zu erken-
nen.
Hilfsmittel: Doppelmeter, Lupe, Messkaliber (dünne Bleche unterschiedlicher Dicke), Foto-
apparat. Zur Unterstützung werden häufig Feuchtigkeitsmessgeräte eingesetzt, wenn der Ver-
dacht besteht, dass Feuchtigkeitsanreicherung als Schadensursache in Frage kommt.

Nicht zerstörungsfreie Methoden


Vorgehen: Entnahme von Bohrkernen zur Feststellung des Rissverlaufs in die Tiefe, auch zur
Feststellung bzw. Kontrolle des Aufbaus. Probeentnahme für Laboruntersuchungen. Haftzug-
prüfung der verschiedenen Schichten, wobei diese abgelöst werden.
Hilfsmittel: Kernbohrer, Spitzeisen und Sackmesser. Haftzugprüfgerät, Laboreinrichtungen in
Materialprüfanstalten.

Ermittlung von Schäden durch Chloride


Für den Fall, dass Chloride als schadensursächlich oder mitursächlich vermutet werden, sind
weitere Prüfungen zur Ermittlung des Gesamt-Chloridgehaltes im Beton bzw. zur Abschätzung
des freien Chlorids im Porenwasser des Betons notwendig. Es wird die Anwendung eines
pofometrischen Prüfverfahrens empfohlen. Der Verdacht auf Chloridverseuchung des Betons
138 5 Beton- und Stahlbeton

Tabelle 5-9 Diagnose, Prüfmethoden und Ergebnisbewertung

Schäden/Beurteilungs- Prüfmethode Analyse und Bewertung der


gegenstand Ergebnisse
Abrostungsgrad der Bewehrung Schieblehre (Durchmesser) Soll-Ist-Vergleich mit den Be-
messungsquerschnitten
Betonüberdeckung Maßstab, Elektromagnetisches Soll-Ist-Vergleich mit DIN 1045
Messgerät, Magnet
Karbonatisierungstiefe Besprühen des Bohrkerns oder blau-violette Verfärbung kenn-
der Bruchstelle mit dem Indikati- zeichnet einen pH-Wert ! 9,3;
onssystem PCI-Betontester auf keine Verfärbung kennzeichnet
5 Thymolphtalerinbasis, Messen karbonatisierten Beton
der Karbonatisierungstiefe mit
dem Maßstab
Chlorid-Gehalt Silbernitrat-Test, UV-Verfahren Verfärbung der Indikationslösung
u. a. kennzeichnet Chloride im Beton
Chemische Belastung labortechnische Untersuchungen labortechnischer Bericht
Druckfestigkeit Bohrkernentnahme, Rückprall- Vergleich mit Nennfestigkeit in
hammer N/mm²
Feuchtigkeit im Betonuntergrund CM-Gerät, Probeentnahme aus Ausgleichsfeuchte nicht über-
unteren Schichten schreiten: 2% normaler Beton,
5% hochfester Beton
Haftzugfestigkeit Herion-Gerät > 1,= N/mm² bei zementgebun-
denem System; > 1,5 N/mm² bei
Kunstharzbeschichtungen und -
mörtel
Hohlstellen auffinden Abklopfen mit dem Hammer dumpfer Klang signalisiert Hohl-
stellen im Beton
Korrosion der Bewehrungseisen optische Begutachtung rostender Stahl, Haarrisse,
Abplatzungen, Rostfahnen
Oberflächenkorrosion optische Begutachtung Abrieb
Oberflächenverschmutzung mit Öl Benetzprobe mit Wasser bei Öl- und Fettverschmutzun-
und Fett gen perlt das Wasser ab
Rissbewegung Gipsmarke setzen Risse bewegen sich, wenn
Rissmarke reißt
Risse Oberfläche mit Wasser besprit- Rissbreite und Risslänge ermit-
zen und trocknen lassen, Risse teln
markieren
Wasserundurchlässigkeit Prüfröhrchen nach Karsten, Wasserverlust als Indikator,
Bohrkern Eindringtiefe in cm

(PCI) besteht immer dann, wenn starke Korrosionsschäden auftreten, ohne dass die Karbonati-
sierung bis zur Bewehrung vorgedrungen ist. Zur Untersuchung muss dem fraglichen Bauwerk
an charakteristischen Stellen Probematerial zur Analyse entnommen werden. Dieses sollte aus
möglichst fein gestuften tiefen Schichten stammen, um den Konzentrationsverlauf des Chlo-
rids unter der Oberfläche ermitteln zu können. Es werden Chloridprofile aufgestellt, die den
Chloridgehalt in Abhängigkeit von der Entfernung zur Oberfläche darstellen. Solche Untersu-
5.5 Instandsetzungsmaßnahmen 139

chungen können nur in Zusammenarbeit mit einschlägig erfahrenen Labors durchgeführt wer-
den. Tabelle 5-9gibt einen Überblick über Diagnose, Prüfmethoden und Ergebnisbewertung.

Spezielle Untersuchungsmethoden
x Sondierung
Maßnahme, bei der zerstörte Bauteile ausgebaut und labortechnisch untersucht werden.
x Bauthermografie
Zerstörungsfreie Untersuchungsmethode mittels Infrarotkamera. Die Aufnahmen zeigen
die Verteilung der Oberflächentemperaturen, aus welchen Rückschlüsse auf Mängel gezo-
gen werden können. 5
Feuchtigkeitsmessungen
x Darrmethode
Probe wird getrocknet und mehrmals in zeitlichen Abständen gewogen
x CM-Methode
Eine am Bau abgenommene Materialprobe wird einer chemischen Analyse unterzogen.
x Neutronenmessung
Auftretende Neutronen werden gemessen und mit dem Computer ausgewertet
x Widerstandsmessung der Feuchtigkeit
Sofortige Ergebnisse mit elektronischen Widerstandsmessgeräten
x Endoskopie
Visuelles Verfahren mit Endoskopiegeräten (Sonden, Kameras) zur Kontrolle von Hohl-
räumen in Bauteilen mit nur geringer örtlicher Zerstörung der Bausubstanz

5.5 Instandsetzungsmaßnahmen

Betoninstandsetzungssysteme
Bei Betonschäden ist die frühzeitige Erkennung und Beurteilung wichtig, um das Ausmaß zu
begrenzen. Die Beachtung der einschlägigen Regelwerke ist dabei oberstes Gebot. Bei der
Betoninstandsetzung ist es entscheidend, dass die weitere Karbonatisierung des Betons und
somit die Korrosion der Bewehrungsstähle im karbonatisierten Bereich verhindert wird. In
einem Qualitätssicherheitssystem werden alle Maßnahmen zur Betoninstandsetzung erfasst.
Abhängig vom zu sanierenden Objekt kann dann (auf jedem Fall durch den Fachmann) die
erforderliche Konzeption ausgewählt werden.

Betonersatz
durch dauerhafte Reprofilierung von Ausbrüchen und Abplatzungen mit geprüften und be-
währten Sanierungssystemen. Korrosionsschutz – Haftplomben – Teilreparaturen und Glanz-
flächenüberzüge. Die Betonersatzstoffe entsprechen den gültigen Regelwerken und Vorschrif-
ten gemäß ZTV-SIB.
140 5 Beton- und Stahlbeton

Spritzbeton
für statisch gefährdete Bauwerke mit Korrosionsschäden infolge zu geringer Überdeckung der
Armierung, zur Erhöhung von Verkehrslasten oder zur Vergütung der Oberfläche

Tränkung
druckloses Füllen von Rissen (z. B. Pinsel- oder Gießverfahren)

Beton-Injektion
im Hoch- oder Niederdruckverfahren zur kraftschlüssigen Verklebung von Rissen, zur Dich-
tung von Druckwassereinwirkung und als Hohlraumfüllung mit Kunstharzen oder Zementsus-
5 pension

Oberflächenschutz
durch Imprägnierung und Versiegelung an Fassaden, Fußböden, Fahrbahnen und Schutz gegen
Wasser, Niederschläge, Tausalze und viele schädliche Medien, aber auch gegen mechanischen
Abrieb
Schutzanstriche
an Fassaden und freibewitterten Bauteilen gegen Aggressiveinwirkung atmosphärischer
Rauchgase und Niederschläge. Ausführung transparent, lasierend oder deckend auf Mineral-
oder Kunstharzbasis
Beschichtungen
als Schutz- und Verschleißschicht für Fußböden, Industrieböden, Fahrbahnen, Behälter und
Auffangwannen gegen mechanische und chemische Höchstbelastungen. Gewässerschutzbe-
schichtungen nach WHG. Beschichtungsstoffe aller Art auf Kunstharzbasis
Die in der Praxis fachgerechte Betoninstandsetzung besteht aus einer Reihe von Maßnahmen,
die sich, je nach Schadenserscheinung in folgenden Einzelschritten vollzieht:

Tabelle 5-10 Maßnahmen zur Betoninstandsetzung

Maßnahmen (Einzelschritte)
Entfernen von gelockertem und gerissenem Beton x
Freilegen korrodierter Bewehrung im Bereich der Fehlstellen x
Entrostung der Bewehrung
– Reinheitsgrad Sa 2 x
1)
– Reinheitsgrad Sa 2 ½ x
Vorbereiten des Betonuntergrundes der Gesamtfläche x
Beschichten der Bewehrung EP- oder zementgebunden x
Auftragen von Reparaturmörtel
– Spritzbeton auf der Gesamtfläche x
– PCC auf die Fehlstellen, mit Haftbrücke x
Auftragen einer Feinschicht auf die Gesamtfläche (x)
Beschichtung zur Begrenzung des CO2-Zutritts und des Wassergehaltes (x)
(Karbonatisierungsgrenze)
1)
bei zementgebundener Beschichtung im Regelfall Sa 2
x unbedingt erforderliche Maßnahme
(x) nicht unbedingt erforderliche Maßnahme
5.5 Instandsetzungsmaßnahmen 141

Untergrundvorbereitung
Nach dem Vorliegen des Diagnoseergebnisses über den Grad und den Umfang der Schadenshöhe
wird entschieden, welches Betoninstandsetzungssystem eingesetzt wird. Weitere Schritte:
x Schadens- und baustellenbedingte technologische Vorbereitung
x Entfernen von losem und mürbem Beton
x Beseitigung von Verschmutzungen
x Nachweis einer ausreichenden Mindest-Oberflächenzugfestigkeit
x Betonfeuchte darf systemabhängige Grenzwerte nicht überschreiten
x Abstocken mit Stockhammer oder
x Druckluftstrahlen mit festem Strahlmittel oder Wasser-Sandgemisch
5
Instandsetzungsmaßnahmen von Rissen
Beton ist ein so genannter „gerissener Werkstoff“. Es gibt deshalb keinen rissefreien Beton.
Risse in Betonoberflächen stellen immer Schwachstellen dar, die das Eindringen von Wasser,
CO2 und anderen in Wasser gelösten Schadstoffen begünstigen. Im Extremfall kann es, wenn
Rissbreite und Risstiefe ein gewisses Maß überschreiten, zu lokalen Durchrostungen an der
Bewehrung kommen, obwohl die eigentliche Bewehrungsoberfläche intakt und dicht ist.

Bild 5-19
Lokale Korrosion des Bewehrungsstahles als
Folge der pH-Absenkung in teilweise karbona-
tisiertem Beton

Risse beeinträchtigen die Optik, Gebrauchsfähigkeit, Tragfähigkeit und/oder die Dichtigkeit


eines Bauwerkes, was zu einer Einschränkung der Nutzung und daraus resultierender Wert-
minderung führen kann. Neben der Beurteilung des optischen Eindrucks und der quantitativen
Aussage über Risslänge und Risshäufigkeit ist das wichtigste Kriterium die Beurteilung der
Risse nach ihren Entstehungsursachen. Damit ergeben sich zwei Gruppen von Rissen:

Mikrorisse
Sie entstehen während der Aushärtung des Betons infolge innerer Spannungen. Die Rissweite
ist meist kleiner als 0,2 mm. Mikrorisse verlaufen stark verästelt, vernetzt und unregelmäßig an
der Oberfläche. Auf Grund der geringen Weite und Tiefe stellen die Mikrorisse keine dauer-
hafte Gefährdung dar, sondern sind eher ein ästhetischer Mangel. Nachgewiesen werden kön-
nen sie qualitativ per Augenschein. Lässt sich dies schlecht durchführen, wird durch Benetzen
der Oberfläche mit Wasser der Risseverlauf ersichtlich, denn nach Trocknung zeichnen sich
die Risssäume dunkel ab, da Wasser in den Rissen länger zurückgehalten wird. Quantitativ
können die Risse mit einer Risslupe bestimmt werden. Hierzu sind diese Risslupen mit einem
geeigneten Maßstab versehen. Dadurch ist es möglich, die Risslänge und auch die Häufigkeit
auszumessen bzw. abzuschätzen.
142 5 Beton- und Stahlbeton

Makrorisse
Sie entstehen durch lokale Überschreitung der Zugfestigkeit infolge von Belastungen nach
dem Aushärten des Betons. Makrorisse verlaufen in einer Rissbreite über 0,2 mm relativ ge-
radlinig über größere Längen, oft von Kanten und Aussparungen ausgehend. Im Gegensatz zu
den Mikrorissen sind bei Temperatur- und Lastschwankungen Bewegungen möglich. Makro-
risse können das Bauwerk und die Tragfähigkeit dauerhaft gefährden. Qualitativ nachgewiesen
werden die Makrorisse ebenso wie Mikrorisse. Zusätzlich kann durch Überkleben mit einem
Streifen aus sprödem Material, z. B. Keramik oder Graphit die Rissbewegung von Makrorissen
erkannt werden. Soll die Bewegung von Makrorissen quantitativ nachgewiesen werden, bzw.
die Rissbreite exakt festgestellt werden, müssen so genannte zeitabhängige Rissweitenmesser,
5 wie z. B. Setzdehnungsmessgeräte, Dehnmessstreifen oder induktive Weggeber verwendet
werden.

Instandsetzungsmaßnahmen im handwerklich ausgeführten Mörtelsystem


In der Schadensstufe III treten die häufigsten Betonschäden auf. Als Instandsetzungsmaßnah-
me hat sich dabei das handwerkliche Mörtelsystem bewährt. Aus Gründen der Qualitätsge-
währleistung ist es zweckmäßig alle Baustoffe von einem Hersteller zu beziehen.

Arbeitsschritte
1. Entfernen des lockeren Betons über der korrodierten Armierung mit Elektrohammer oder
Flammstrahlgerät. Wenn nicht das Flammstrahlgerät eingesetzt wird, ist Sandstrahlen der
Armierungseisen – bis metallisch blank – notwendig.
2. Die freigelegten Bewehrungsstähle werden mit einer zweimaligen Korrosionsschutzbe-
schichtung versehen. Hierfür eignen sich Epoxidharze wie Epoxidharzmennige oder kunst-
stoffvergütete Zementschlämme. Der letzte Anstrich sollte wegen der Schlüssigkeit mit
dem Reparaturmörtel mit Quarzsand bestreut werden.
3. Auf den vorgenässten Altbeton wird eine Haftbrücke aufgebracht, die den Verbund zwi-
schen Betonuntergrund und Reparaturmörtel verbessern soll. Verwendet werden zement-
gebundene Haftbrücken.

Tabelle 5-11 Technische Angaben zu Haftbrücken

Materialbasis Verbrauch Anmerkungen


im Abwasserbereich einsetzbar, da sulfat-
Zementmörtel mit Additiven 2–3 kg/m²
beständig
Epoxidharz, 2komponentig,
1–2 kg/m² sehr hohe Verbundfestigkeit
pigmentiert
Portlandzement mit Additiven 0,8–1,4 kg/m² im System mit PCI-Peciment 50

4. Die Betonschädigung wird mit hydraulisch abbindendem kunststoffvergüteten Mörtel, bei


kleineren Schäden mit Epoxidharzmörtel ausgebessert. Werden dem Mörtel Kunststofffa-
sern zugemischt, kann die Kohäsion und damit die Standfestigkeit des Frischmörtels ver-
bessert werden. Dadurch verringert sich auch die Gefahr der Rissbildung an der Aus-
bruchsstelle. Die Verarbeitung erfolgt auf dem vorgenässten mattfeuchten Untergrund mit
5.5 Instandsetzungsmaßnahmen 143

der Traufel in ca. 2 bis 5 mm Schichtdicke. Wenn es erforderlich ist, muss die Reparatur-
stelle geschalt werden.

Tabelle 5-12 Technische Angaben zum Reparaturmörtel

Schichtdicke pro Arbeits-


Verbrauch Anmerkungen
gang min/max
05 mm/20 mm 1,9 kg/m² Reparaturmörtel speziell für Abwasserbauwerke,
und mm auch spritzbar
Schichtdicke
10 mm/50 mm 2 kg/m² Spritzmörtel mit geringem Rückprall 5
und mm
Schichtdicke
10 mm/50 mm 2 kg/m² kunststoffmodifiziert, karbonatisierungsbrem-
und mm send, unter dynamischer Be-
Schichtdicke lastung verarbeitbar
05 mm/20 mm 1,6 kg/m² keine Haftbrücke notwendig
und mm
Schichtdicke

5. Mit einem Dünnputz-Überzug aus feinkörniger kunststoffvergüteter Zement-Spachtel-


masse werden Strukturunterschiede ausgeglichen und die instandgesetzte Betonoberfläche
optisch angeglichen.

Tabelle 5-13 Technische Angaben zum Feinspachtel

Schichtdicke pro Arbeits-


Verbrauch Anmerkungen
gang min/max
1 mm/5 mm 1,7 kg/m² kunststoffmodifiziert,
und mm karbonatisierungsbremsend,
Schichtdicke unter dynamischer Belastung verarbeitbar
1 mm/5 mm 1,3 kg/m² mit Silikat- und mit Dispersionsfarben
und mm überstreichbar
Schichtdicke

6. Bei der Gefahr von Rissbildung empfiehlt sich eine Hydrophobierung.


7. Als Oberflächenschutz eignet sich ein Anstrich auf Siloxan-Acrylharzbasis. Witterungs-
und alkalibeständige Kunststoffdispersionen bieten einen zusätzlichen Frost-Tausalz-
Schutz.
144 5 Beton- und Stahlbeton

a) schematische Darstellung b) Originaldarstellung


Bild 5-20 Instandsetzungsschritte im handwerklich ausgeführten Mörtelsystem

5.6 Nachträglich bearbeitete Betonflächen

Bei der Betonierung besteht meistens die zwingende Notwendigkeit aber auch die Möglichkeit
der nachträglichen Bearbeitung von Betonflächen.

Möglichkeiten der Bearbeitung


1. Bearbeitung vor dem Erhärten
Durch Auswaschen der obersten Zementschicht kann die grobe Kornstruktur hervorgehoben
werden (Waschbeton). Da sich diese Methode aber meist nur großflächig anwenden lässt,
kommt sie bei der Bausanierung weniger zum Einsatz.
5.6 Nachträglich bearbeitete Betonflächen 145

Bild 5-21
Ausgewaschene Betonoberfläche, farbiger
5
Zuschlag mit rundem Korn und grauem Ze-
ment

2. Bearbeiten nach dem Erhärten


x Strahlen mit festen Strahlmitteln (Sandstrahlen) zum Entfernen des oberflächennahen
Feinmörtels, Öffnen der Poren, Freilegen des Betonaufbaus
x Stocken, Spitzen, Scharrieren oder Bossieren zum Erzeugen steinmetzmäßiger Effekte von
Hand oder maschinell
x Sägen, Brechen, Schleifen und Polieren zum Erzeugen terrazzoartiger Flächen
x Absäuren, Fluatieren, Flammstrahlen

Bild 5-22
Bossierte Betonoberfläche,
Kalkstein grauer Zement

Anwendung farbiger Betonmischungen


Ein dauerhaftes Einfärben des Frischbetons ist sowohl für glatte als auch für profilierte Flä-
chen möglich.

Zemente für besondere Farbwirkungen


Portlandzemente o dunkles Grau und Weiß
Portlandhütten- und Hochofenzemente o helleres Grau
Portlandölschieferzement o rötliches Braun
146 5 Beton- und Stahlbeton

Farbpigmente für unterschiedliche Farbtöne


Eisenoxid o Braun, Gelb, Rot, Schwarz
Chromoxid o Grün
Kobald-Aluminium o Blau

Nachträglich behandelte Betonoberflächen


Da Witterung und Luftverschmutzung das Aussehen der Betonflächen beeinträchtigen können,
werden
x hydrophobierende Imprägnierungen,
5 x Lasuren (farblos, farbig),
x Beschichtungen
verwendet, um das Eindringen von Feuchtigkeit, Schmutz und sonstigen Schadstoffen zu ver-
hindern. Mit Lasuren und Beschichtungen können auch gezielte Farbgestaltungen durchgeführt
werden. Die nachträgliche Behandlung von Betonoberflächen sollte immer gemäß Richtlinie
für „Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“, Teil 2/2001 des DAfStB, Abschnitt 4,
geplant werden.

Hydrophobierende Imprägnierungen
Einer frühen Verschmutzung der Betonoberfläche kann vorgebeugt werden, indem eine hy-
drophobierende Imprägnierung aufgebracht wird. Das Aussehen der entschalten Betonfläche
wird nicht beeinträchtigt. Allerdings können Imprägniermittel u. U. das Eindringen von Schad-
stoffen begünstigen.

Lasuren
Lasuren können farblos oder farbig in mehreren Schichten aufgebracht werden. Die Schicht-
dicke beträgt jeweils d 50 mm. Es ist möglich, mit geringen Pigmentierungen Korrekturen an
Farbschwankungen des Betons auszugleichen, ohne die optische Wirkung der Oberflächen-
struktur zu beeinträchtigen. Lasuren ergeben je nach ihren Grundstoffen matte oder glänzende
Oberflächen. Bei Verwendung von Lasuren werden Fugen und oberflächig geschlossene An-
kerlöscher unter Umständen besonders hervorgehoben.

Beschichtungen
Starre Beschichtungen mit einer Schichtdicke von ca. 80 mm passen sich den Konturen des
Untergrundes an und behindern das Eindringen von Schadstoffen (Acrylatbasis).

Elastische Beschichtungen
Sie überdecken bei einer Schichtdicke von 300 mm Konturen im Untergrund (z. B. Brettstruk-
turen). Bedingt werden Poren geschlossen und Risse < 0,2 mm überdeckt.
5.8 Bildquellenverzeichnis 147

5.7 Normen, Richtlinien, Merkblätter

Norm Stand Titel

DIN 488 1999-04 Betonstahl, Sorten, Eigenschaften, Kennzeichen


DIN 1045 2001-07 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton
DIN 1084 Überwachung (Güteüberwachung) im Beton- und Stahlbetonbau
DIN 1048 1991-06 Prüfverfahren für Beton
DIN 1164 2004-08 Zement mit besonderen Eigenschaften
DIN 1504 2008-04 Produkte und Systeme für den Schutz – und Instandsetzung von
5
Betontragwerken
DIN 4030 2006-10 Beurteilung betonangreifender Wässer, Böden und Gase
DIN 4226 2002-02 Gesteinskörnungen für Beton und Mörtel

5.8 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

Betonberatung Ost 5-7, 5-13, 5-17


Gablenz, Eppingen 5-16, 5-18
G & H ISOVER, Ludwigshafen 5-11
Lömpel, Arnstein 5-1, 5-21, 5-22
Muro, Malkwitz 5-20
PCI 5-10
6 Holzkonstruktionen

6.1 Holz – ein bewährter Baustoff

Bild 6-1
Liebevoll restauriertes Fachwerk-
Gebäude eines Museumsdorfes.
Besonders gelungen ist die Abstim-
mung der Fenstergestaltung

Holz ist seit jeher einer der wichtigsten und neben Lehm und Naturstein einer der ältesten vom
Menschen genutzten Werkstoffe überhaupt. Zum einen deswegen, weil er der einzige nach-
wachsende Baustoff ist, der bei nachhaltiger Pflege ständig zur Verfügung stehen wird, zum
anderen aber, weil er ein natürlicher und ökologisch wertvoller Baustoff ist. Holzprodukte
können mit dem geringsten Energieaufwand unter allen Baustoffen hergestellt werden. Des
Weiteren ist Holz -sofern nicht mit chemischen Holzschutzmitteln kontaminiert- wohnhygie-
nisch unbedenklich, wieder verwertbar und unproblematisch zu entsorgen.
Die Holzvorräte werden in Deutschland von Jahr zu Jahr größer, weil mehr Holz nachwächst
als verarbeitet wird. Das seit etwa 200 Jahren praktizierte Nachhaltigkeitsprinzip der deutschen
Forstwirtschaft besteht aus einer Kreislaufwirtschaft, wie sie bei internationalen Umweltkonfe-
150 6 Holzkonstruktionen

renzen immer wieder gefordert werden. Vom Wald und seiner ausgleichenden Wirkung auf
Boden und Wasserhaushalt, Luft und Klima profitieren alle Lebewesen. Die „grüne Lunge“
sorgt für eine höhere Lebensqualität. Auch damit die Forstwirtschaft diese grüne Lunge finan-
zieren kann, ist es notwendig, Holz einer möglichst hochwertigen Verwendung, z. B. als Bau-
holz, zuzuführen.

Bild 6-2
ca. 90 Jahre alte Eiche

Voraussetzung für den Erhalt des Waldes ist natürlich, dass nur jeweils so viel Holz genutzt
wird, wie wieder nachwächst (Nachhaltigkeitsprinzip). In Deutschland steht zurzeit einem
Einschlag von knapp 60 Mio. m³ ein Zuwachs von etwa 95 Mio. m³ pro Jahr gegenüber. Somit
nehmen unsere Wälder nicht ab, sondern zu. Dies gilt für die Waldfläche und für den Holzvor-
rat.

Bild 6-3
Bodennutzung in Deutschland 1995.
Die Anteile können je nach Bestand
in den einzelnen Bundesländern
unterschiedlich sein.
6.1 Holz – ein bewährter Baustoff 151

Um sich ein Bild machen zu können, welche Ausmaße der Waldbestand in der Bundesrepublik
(340 Millionen Kubikmeter) hat, stelle man sich eine Fläche von 10 Fußballfeldern von jeweils
110 x 75 Metern vor. Die darauf stehenden 10 massiven Holzquader würden jeweils 414 Meter
hoch sein.
Trotz einer erfreulichen Entwicklung des deutschen Holzhandels ist der Erhalt des verbauten
Holzes von erheblicher Tragweite. Beispiele sind wunderschöne Fachwerkbauten, Dachstühle
sowohl im Wohnungsbau als auch in öffentlichen Gebäuden, wie z. B. in Kirchen. Was für die
gesamte historische Bausubstanz gefordert wird, hat für das Holz als ältestem, zu sanierenden
Werkstoff besondere Bedeutung. Museale Konservierungen genügen für diesen umfangreichen
Baubestand nicht. Nur durch Modernisierung, zeitgemäße Nutzung, Erhöhung des
Gebrauchswertes und die richtige Auswahl und Anwendung des Holzschutzes sind die Holz-
bauteile auf Dauer zu sichern. Dabei unterscheidet man konstruktiven oder baulichen Holz-
schutz sowie chemischen Holzschutz. 6
Rund um den Erdball spielt Holz für Bauten und Holzkonstruktionen eine wesentliche Rolle.
In jüngster Zeit findet Holz im konstruktiven Bereich, z. B. im Hallenbau aber auch für die
Gestaltung von Fassaden als Alternative zu Stahl und Stahlbeton zunehmend Verwendung.
Dennoch (oder gerade deswegen) ist die Sanierung vorhandener Holzkonstruktionen vordring-
liche Aufgabe.
Holz ist aber auch ein organischer Baustoff, der bestimmungsgemäß tierischen und pflanzli-
chen Organismen als Lebensgrundlage dient. Pilze, Insekten und Mikroorganismen bauen
Holz im Kreislauf der Natur immer wieder ab bzw. zerlegen es in seine ursprünglichen Be-
standteile wie Kohlendioxid, Wasser und Mineralstoffe. Die einzelnen Holzarten weisen teil-
weise erhebliche Unterschiede in Bezug auf ihre natürliche Dauerhaftigkeit auf. Selbst die
dauerhaftesten Hölzer sind dem natürlichen Abbau gegenüber nicht unbegrenzt widerstandsfä-
hig, sondern werden irgendwann „faul“ oder „morsch“. Das Gebiet des Holzschutzes befasst
sich mit der Unterbrechung des natürlichen Zersetzungsprozesses mit der Zielstellung einer
möglichst langen Nutzungsdauer des Holzbauteiles. Da bei der natürlichen Zersetzung inner-
halb des Kreislaufes immer das Vorhandensein von Feuchtigkeit eine zentrale Rolle spielt, ist
dies der wichtigste Ansatzpunkt für die Gewährleistung einer langlebigen Holzkonstruktion.
Als Baustoff verwendetes Holz, besonders wenn es statische Funktionen zu erfüllen hat, muss
deshalb vor tierischen und pflanzlichen Schädlingen dauerhaft geschützt werden. Was passiert,
wenn grundlegende Dinge des baulichen und chemischen Holzschutzes sowie die erforderli-
chen Wartung und Pflege vernachlässigt werden, haben bereits Einstürze von Hallendächern
mit tragischen Folgen gezeigt. Bauliche und chemische Holzschutzmaßnahmen sollen die Güte-
eigenschaften von Holz und Holzwerkstoffen erhalten und bei bereits verbautem Holz die Ge-
brauchsdauer erhöhen. Von Pilzen oder Insekten befallenes Holz ist durch geeignete Maßnahmen
zu sanieren. Ist der Zerstörungsprozess zu weit fortgeschritten, muss das beschädigte Holz je
nach Funktion und in Abhängigkeit von der jeweiligen Befallsart und dem Befallsumfang
meist ersetzt werden.
An den bis zu 700 Jahren alten Fachwerkbauten ist ersichtlich, dass bei sorgfältiger Auswahl,
Bearbeitung und werkgerechtem Einbau des Holzes, auch ohne chemische Behandlung, Schäden
(Verfärbung, Oberflächenveränderung, Dimensionsveränderungen, Zerstörungen durch Pilzbe-
fall) relativ gering sind. Vorbeugende bauliche Maßnahmen sind deshalb von besonderer Bedeu-
tung. Durch konstruktive und bauphysikalische Maßnahmen wie rasche Wasserableitung, ausrei-
chend bemessene Dachüberstände, Spritzwassersockel ist eine unzuträgliche Feuchtigkeitsverän-
derung (Quellen und Schwinden) des Holzes und ein Pilzbefall zu verhindern. Besonders in
Feuchträumen ist durch Luftwechsel und richtige Schichtfolge Tauwasserbildung zu vermeiden.
152 6 Holzkonstruktionen

6.2 Anwendung im Bauwesen

Wie der Schnitt durch einen Baumstamm zeigt, lässt sich das Holz komplett verwerten. Fach-
männisch aufbereitet und künstlerisch veredelt kann man feine Möbel aus dem Kernholz her-
stellen, Balken, Bohlen und Bretter für den konstruktiven Holzbau verwenden und den Rest
durchaus nutzbringend verarbeiten. Für wirtschaftliche und praktische Lösungen für typische
Modernisierungsaufgaben bietet sich Holz an Wand, Decke, Boden, aber auch für Fenster,
Türen und Treppen an.

Bild 6-4
Schnitt durch einen Baumstamm

Holz wird im Bauwesen wie folgt eingesetzt:

Tabelle 6-1 Einsatzbeispiele für Holz


HOLZ

BAUWERK BAUTEIL AUSBAUTEILE LANDSCHAFTSBAUTEN

Fachwerkhäuser Dachstühle Fenster Zäune


Holzhäuser Deckenbalken Türen Palisaden
Brücken Treppen Fußböden Spielplätze – Geräte
Sporthallen Balkone Wandverkleidungen Sichtschutz

Schädigende Einflüsse auf das Holz sind nicht für alle Bauglieder gleich. Verwendungszweck,
Alter, Holzart und die daraus resultierenden Schutzmaßnahmen sind daher differenziert zu
betrachten und zu bewerten. Allgemein gängig ist folgende Einteilung:
x tragende/nichttragende Bauteile
x maßhaltige/nicht maßhaltige Bauteile
x Innenbauteile/Außenbauteile
Tragende Bauteile haben eine statische Funktion. Ihre Bemessung, Holzart und Konstruktion
ist so zu gestalten, dass ein Versagen und damit eine Gefährdung weitgehend ausgeschlossen
sind. Zu den tragenden und aussteifenden Hölzern gehören alle Bauteile, welche nach DIN
1052, DIN 1074 oder DIN 18 900 statisch nachgewiesen (berechnet) werden müssen.
6.2 Anwendung im Bauwesen 153

Typische Beispiele für tragende Holzbauteile sind Stützen und Deckenbalken einer Skelett-
konstruktion oder Pfetten, Sparren und Pfosten eines Dachstuhles. Tragende und aussteifende
Holzbauteile sind bauaufsichtlich geregelt, was bei Holzschutzmaßnahmen von besonderer
Bedeutung ist. Hier ist ein chemischer Holzschutz in Abhängigkeit der Gefährdungsklasse
bauaufsichtlich vorgeschrieben. Sowohl für chemische Bekämpfungsmaßnahmen als auch für
den vorbeugenden chemischen Holzschutz dürfen ausschließlich Holzschutzmittel mit allge-
meiner bauaufsichtlicher Zulassung verwendet werden.

Bild 6-5
Holzdachstuhl mit tragender
Funktion

Nichttragende Bauteile sind Ausbauteile, für die ein statischer Nachweis nicht erforderlich ist
wie beispielsweise Fenster, Türen und gestalterische Elemente wie Sichtschutz, Zäune, Pergo-
len und Bekleidungen. Diese Bauteile sind nicht bauaufsichtlich geregelt, so dass in Bezug auf
den Holzschutz auch Holzschutzmittel eingesetzt werden dürfen, welche keine allgemeine
bauaufsichtliche Zulassung besitzen.

Bild 6-6
Flechtelement aus Holz als
Sichtschutz
154 6 Holzkonstruktionen

Maßhaltig müssen solche Bauteile sein, bei denen größere oder häufig auftretende Quer-
schnittsänderungen infolge wechselnden Feuchtegehalts sowohl die Funktion als auch die
Nutzungsdauer beeinträchtigen können. Zu den maßhaltigen Bauteilen zählen z. B. Fenster
und Türen. Zu den nicht maßhaltigen Bauteilen gehören z. B. Zäune, Pergolen und Lärm-
schutzwände. Im Hinblick auf die Gefährdung durch tierische oder pflanzliche Holzschädlinge
und die daraus resultierenden Schutzmaßnahmen ist zwischen Innen- und Außenbauteilen zu
unterscheiden.

Bild 6-7 Innen- und Außenbauteile (Fassadenbekleidung aus Holz mit Außendämmung)

Holz erfüllt aber auch besondere ästhetische Eigenschaften. Die holzartenspezifische Mase-
rung und Färbung des Holzes wird im Innenausbau, aber auch im Außenbereich sowohl von
Architekten, als auch von Bauherren sehr geschätzt (Bild 6-8).

Bild 6-8
beispielhaft dargestellte
Holzarten
6.3 Ursachen der Holzzerstörung 155

6.3 Ursachen der Holzzerstörung

Wenn Hölzer für die Sanierung oder auch für neue Ausbauteile ausgewählt werden, hört man
fast immer den guten Rat, nur „gesundes Holz“ zu benutzen. Den Unterschied auszumachen ist
selbst für den Fachmann nicht immer einfach, denn man unterscheidet zwischen Holzfehlern
und Holzkrankheiten. Holzfehler liegen vor, wenn die gesunden Fasern des Holzes vom „nor-
malen“ Wuchs abweichen oder der Zusammenhang der Fasern gelockert oder gestört ist. Holz-
krankheiten kommen sowohl am lebenden als auch am gefällten Baum bzw. am verarbeiteten
Holz vor. Die Ursachen sind Pilze oder tierische Holzschädlinge (Insekten, Nager, Rotwild).

6.3.1 Holzzerstörende Pilze


6
Pilze, die Holz als Nahrungsquelle nutzen werden u. a. wie folgt klassifiziert:
x Holzverfärbende Pilze
x Holzzerstörende Pilze
An dieser Stelle wird zunächst auf die holzzerstörenden Pilze eingegangen.

Erscheinungsformen
Holzkrankheiten werden durch Mikroorganismen hervorgerufen. Im Gegensatz zu den Holz-
fehlern, bei denen gesunde Holzfasern lediglich vom normalen Verlauf abweichen, sind bei
den Holzkrankheiten die Fasern zerstört und verfärbt. Bei den holzabbauenden Organismen
handelt es sich um holzzerstörende Pilze. Die holzzerstörenden und holzverfärbenden Pilze
sind Schmarotzer, die ihre Nährstoffe aus dem Holz entnehmen und es somit im Laufe der Zeit
verfärben oder durch Fäulnis vollständig zerstören.
Am besten entwickeln sich die Pilze im feuchten Holz bei Temperaturen zwischen ca. 3 °C
und ca. 38 °C. Ober- und Unterhalb des genannten Temperaturbereiches verfallen die Pilze in
Kälte- bzw. Hitzestarre. Jeder Pilz hat sein Temperaturoptimum.
Die holzzerstörenden Pilze haben verschiedene Erscheinungsformen. Der eigentliche Schäd-
ling ist das Pilzgeflecht (Pilzmyzel). Es besteht aus farblosen oder dunkel gefärbten Fäden
(Hyphen) und löst durch Ausscheiden von Enzymen die Holzsubstanz auf und verwendet sie
zur Ernährung des Pilzes. Der Nadel- oder Blattwuchs von befallenen Bäumen ist spärlich,
stellenweise löst sich die Rinde. Trotzdem sind wohlbelaubte Weiden bekannt, deren Stämme
durch den ständigen feuchten Standplatz von Kernfäule ausgehöhlt sind. Für das Wachstum
genügen den kranken Bäumen die äußeren saftführenden Schichten.
Nach ihren Schadensbildern werden die Pilze in verschiedene Fäuletypen eingeteilt. Folgende
Fäuletypen werden klassifiziert:
x Braunfäule
x Weißfäule
x Weißlochfäule (spezielle Form der Weißfäule)
x „Rotfäule“ (spezielle Form der Weißfäule)
x „Grünfäule“ (spezielle Form der Weißfäule)
x Moderfäule
Die bekanntesten Vertreter der Braunfäuleerreger sind der Echte Hausschwamm (Serpula
lacrymans), Weißer Porenschwamm (Antrodia vaillantii) und Brauner Keller- oder Warzen-
schwamm (Coniophora puteana). Wesentliches Kennzeichen dieses Fäuletyps ist eine Braun-
156 6 Holzkonstruktionen

färbung des Holzes, woraus der Begriff „Braunfäule“ resultiert. Die Braunfärbung wird durch
den Abbau der helleren Cellulose verursacht. Das verbleibende braune Lignin ist für das ty-
pisch braune Erscheinungsbild des Holzes verantwortlich. Ein weiteres deutliches Erken-
nungsmerkmal sind Schwinderscheinungen und Verformungen von Holzbauteilen (Bild 6-9).
Die Braunfäule wird auch als Destruktionsfäule bezeichnet.

Bild 6-9
Durch Braunfäule vollständig zer-
störter, nicht mehr tragfähiger De-
ckenbalken. Verursachender Pilz:
Echter Hausschwamm

Pilze, die vorzugsweise das Lignin, aber auch die Cellulose enzymatisch angreifen bzw. ab-
bauen verursachen eine Weißfäule. Das durch Weißfäule geschädigte Holz verfärbt sich hell
bis weiß und wird faserig abgebaut. Es entstehen einzelne „Schichten“, welche sich ohne wei-
teres voneinander ablösen lassen (Bild 6-10). Die Weißlochfäule ist eine Weißfäule, bei der
zunächst das braune Lignin abgebaut wird und die verbleibende helle Cellulose zurückbleibt.
Die so entstehenden „Löcher“ im Holz werden mit der verbliebenen weißen Cellulose ausge-
kleidet.

Bild 6-10
Durch Weißfäule zerstörtes Holz
(Zerfall in einzelne Schichten)

Die „Rotfäule“ ist eine Form der Weißfäule und ist am lebenden Baum anzutreffen. Sie wird
vom Wurzelschwamm hervorgerufen. Die Rotfäule hat als Stammfäuleerreger für Bauholz
keine Bedeutung.
6.3 Ursachen der Holzzerstörung 157

Auch die „Grünfäule“ ist der Weißfäule zuzuordnen. Wie aus der Bezeichnung bereits her-
vorgeht, verfärbt sich das von Grünspanbecherlingen befallene Holz leicht grünlich. Dieser
Fäuletyp ist für Bauholz jedoch ebenfalls nicht von Bedeutung.
Moderfäulepilze wachsen innerhalb der Holzzellwände. Durch Enzyme werden die Zellwände
(Cellulose und Hemicellulose) systematisch abgebaut und das Bauteil von der Oberfläche her
zerstört. Die Moderfäule ist nur an unsachgemäß gelagertem oder eingebautem, dauerhaft sehr
feuchtem Holz feststellbar. Im Vergleich zur Braunfäule weist die Moderfäule ein eher graues
oder schwärzliches Erscheinungsbild mit einer schmierig-dunklen Oberfläche auf. Sie ist oft-
mals sehr scharf vom gesunden Holz abgegrenzt. Es wurde beobachtet, dass Nadelholz gegen-
über Moderfäulepilze widerstandsfähiger ist als Laubholz.
Pilze können auch nach dem Befallsort, also unabhängig vom jeweiligen Fäuletyp, eingeteilt
werden. Die Weißfäule und Braunfäule kann auftreten als:
x Hausfäule
6
x Stammfäule
x Innenfäule
x Lagerfäule
Befallenes Holz ist minderwertig, oft sogar wertlos. Zu achten ist deshalb besonders bei einge-
schnittenem oder verbautem Holz auf solche Krankheiten, gegebenenfalls unter Hinzuziehung
eines Sachkundigen.
Hausfäulen
Eine Art der Einteilung von Pilzen erfolgt nach dem Befallsort. Der jeweilige Fäuletyp bleibt
dabei unberücksichtigt. Die Weißfäule und Braunfäule kann auftreten als:
x Hausfäule
x Stammfäule
x Innenfäule
x Lagerfäule
Wie aus der Bezeichnung Hausfäule bereits hervorgeht, werden holzzerstörende Pilze be-
zeichnet, welche in genutzten (bewohnten) Gebäuden vorkommen.
Die bekanntesten und wichtigsten Hausfäulen sind:
x Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)
x Brauner Keller- oder Warzenschwamm (Coniophora puteana)
x Weißer Porenschwamm (Fibroporia vaillantii, Antrodia sinuosa, Tyromyces placenta)
x Ausgebreiteter Hausporling (Donkioporia expansa)
Der Echte Hausschwamm ist der gefährlichste Schädling an verbautem Holz und bekanntes-
ter Vertreter der Hausfäulepilze. Auf Grund seiner geringen Feuchtigkeitsansprüche sowie der
Fähigkeit Mauerwerk und sogar schlecht verdichteten Beton zu durchwachsen, ist seine Be-
kämpfung besonders schwierig. Er tritt vorwiegend in Keller- und Erdgeschossen sowie auf
Dachböden von Altbauten auf, wobei er bevorzugt Nadelholz befällt. An Holzschäden in Neu-
bauten ist der Hausschwamm dagegen selten beteiligt. Als einziger Holzpilz greift der Echte
Hausschwamm auch auf trockenes Holz über und leitet das benötigte Wasser mit einem hoch
entwickelten Strangmyzel oft über mehrere Meter. Dabei kann er sich rasch über mehrere
Stockwerke zunächst unbemerkt ausbreiten. Häufig wird irrtümlicherweise in der Praxis vom
„Mauerschwamm“ gesprochen. Dieser Begriff ist jedoch irreführend, da sich der Haus-
schwamm ausschließlich von Holz-, Holzprodukten oder anderen organischen Materialien
158 6 Holzkonstruktionen

ernährt. Auch wenn Fruchtkörper und Myzel am bzw. im Mauerwerk teilweise üppig vorzu-
finden sind, ist zwangsläufig ein Holzbauteil befallen, dem Nährstoffe enzymatisch abgebaut
werden.

Tabelle 6-2 Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans)

Fäuletyp Braunfäule
Einordnung nach Feuchteanspruch „Trockenfäule“ (geringer Feuchteanspruch)
Holzfeuchte optimal 30 % bis 40 %
Holzfeuchte minimal 20 %
6 Temperaturspektrum 3 °C bis 26 °C

Temperatur optimal 20°C


Fruchtkörper Treten häufiger als beim Braunen Keller- oder
Warzenschwamm und Weißen Porenschwamm
auf, fleischig mit rotbrauner Fruchtschicht und
weißem Zuwachsrand, elliptische Form, liegen
flach am Substrat an
Myzel/Stränge Oberflächenmyzel weiß bis grau, lässt sich gut
von der Unterlage ablösen, Stränge bis „bleistift-
dick“ und brechen mit gut wahrnehmbaren
Knackgeräusch (ähnlich eines Zweiges)
Holzart Nadelholz wird bevorzugt, Laubholz wird nicht
ausgeschlossen
Besonderheiten Kann -sofern bereits vorhanden- auch „trockenes“
Holz (u = 20 %) befallen und Mauerwerk ohne
weiteres durchwachsen

Bild 6-11
Fruchtkörper des Echten Haus-
schwamms (Fruchtkörper müssen
aber bei einem aktiven Befall nicht
unbedingt vorhanden sein
6.3 Ursachen der Holzzerstörung 159

Bild 6-12
Myzel des Echten Hausschwamms
auf der „Suche“ nach neuen Nah- 6
rungsquellen

Der Braune Keller- oder Warzenschwamm (Coniophora puteana) und der Weiße Poren-
schwamm (Fibroporia vaillantii, Antrodia sinuosa, Tyromyces placenta) verursachen ebenfalls
eine Braunfäule. Der Ausgebreitete Hausporling (Donkioporia expansa) hingegen ist ein
Weißfäuleerreger. Diese Pilze unterscheiden sich signifikant durch ihren deutlich höheren
Feuchteanspruch und der damit verbundenen einfacheren Bekämpfungsmaßnahmen. Das Zer-
störungspotential ist jedoch bei allen Hausfäulen enorm.

6.3.2 Holzverfärbende Pilze

Diese Pilze ernähren sich ausschließlich von den Inhaltstoffen der Holzzellen (Kohlenhydrate,
Eiweiße und Fette). Holzverfärbende Pilze sind Bläuepilze und Schimmelpilze. Die Zellwände
werden -im Gegensatz zu den holzzerstörenden Pilzen- nicht angegriffen. Holzverfärbende
Pilze bewirken deshalb keine Festigkeitsreduktion und auch keine Fäulnis. Die früher ange-
wandte Bezeichnung „Blaufäule“ ist somit unzutreffend und sollte nicht mehr verwendet wer-
den. Das Schadbild besteht aus einer blaugrauen bis grauschwarzen Verfärbung an Holzflä-
chen. Es werden Nadelhölzer und Laubhölzer gleichermaßen befallen. Bei Kernholzbäumen
wird nur der Splint befallen. Die blauschwarze Verfärbung ist auf die Brechung des Lichtes
zurückzuführen.
Bläuepilze entwickeln sich bei einem Temperaturspektrum zwischen ca. 18°C und ca. 35°C
sowie einem Holzfeuchteangebot zwischen ca. 30% und 120%.
Bläuepilze führen zu einer Verfärbung des Holzes und können auch Anstrichschäden durch
„Abheben“ der Farb- oder Lasurschichten verursachen. Sie sind daher auch oftmals Wegberei-
ter für holzzerstörende Pilze und in Bezug auf den Holzschutz durchaus von Bedeutung. Ein
„Überstreichen“ von verblautem Holz ist generell nicht ausreichend. Die Bewertung eines
Befalls durch holzverfärbende Pilze hängt also sehr vom Verwendungszweck des Holzes ab.
Beim Einsatz verbauter Hölzer in der Sanierung ist Folgendes zu beachten: Farbveränderungen
können auch chemischer Natur sein, z. B. kann frisches Eichenholz bei Kontakt mit Eisenme-
tallen durch Reaktion der im Holz vorhandenen Gerbstoffe mit dem Eisen zu mehr oder weni-
ger stark „tintenartigen“ blau-schwarzen Verfärbungen führen. Diese Eisengerbstoffreaktion
ist auch verantwortlich für die Dunkelfärbung der so genannten Mooreichen.
160 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-13
6 Holzverfärbende Pilze an einer
Holzbalkendecke

6.3.3 Holzzerstörende Insekten

6.3.3.1 Erscheinungsformen

Bau- und Werkholz wird nicht nur durch Pilze, sondern ebenso durch Insekten befallen und
schlussendlich zerstört. Hier sind es meist bestimmte Käferarten, die als Schädlinge auftreten.
Die wichtigsten tierischen Holzschädlinge sind Insekten, die den Baum durch Kahlfraß oder
durch Unterbrechung der Saftleitungen lebensunfähig machen oder das gefällte Holz durch
Larvenfraß zerstören.
Bei den holzzerstörenden Insekten wird zwischen Käfern und Hautflüglern unterschieden. Sie
durchlaufen vier verschiedene Entwicklungsstadien. Aus den Eiern entwickeln sich die Lar-
ven. Diese verpuppen sich, und aus den Puppen schlüpfen die fertigen Insekten (Käfer oder
Hautflügler), deren Weibchen dann wieder ihre Eier in Risse und Spalten an der Holzoberflä-
che ablegen.

Bild 6-14 Entwicklung vom Ei zum Käfer


6.3 Ursachen der Holzzerstörung 161

Ein Befall durch bestimmte holzzerstörende Insekten ist grundsätzlich auch bei einer Aus-
gleichsfeuchte des Holzes (u = 10 %) bei „Normklima“ nach DIN 4108 (și=20°C/ij=50%)
möglich.
Tierische Holzschädlinge werden in drei große Gruppen unterteilt:
x Frischholzinsekten (holzfressende und holzbrütende Insekten)
x Trockenholzinsekten
x Faulholzinsekten

Bild 6-15
Befallener Balken

6.3.3.2 Trockenholzinsekten

Trockenholzinsekten können sich bei sehr geringen Holzfeuchten entwickeln und mit immer
wiederkehrender Generationsfolge ihr zerstörendes Werk am befallenen Bauteil bis zur voll-
ständigen Vermulmung fortsetzen. Sie befallen lufttrockenes und unberindetes Holz und sind
daher ausgesprochene „Bauholzzerstörer“. Lediglich die Scheibenböcke sind auf berindetes
Holz angewiesen. Die Ortstreue einiger Trockenholzinsekten über mehrere Generationsfolgen
führt an Bauteilen bis zur Beeinträchtigung der Standsicherheit und völligen Zerstörung. Im
Gegensatz zu den Frischholzinsekten bleiben Trockenholzinsekten über viele Generationen
hindurch in demselben Holz bis zu dessen völliger Zerstörung.
Die Trockenholz-Insekten sind als technische Schädlinge zu betrachten, welche bei einem
nachgewiesenen Lebendbefall unter Beachtung von DIN 68800-4 angemessen bekämpft wer-
den müssen.
Typische Vertreter der Trockenholzinsekten sind beispielsweise:
x Hausbock
x Gewöhnlicher Nagekäfer („Holzwurm“)
x Gekämmter Nagekäfer
x Parkettkäfer
Nur die wichtigsten und am häufigsten auftretenden Trockenholz-Insekten werden in den
nachfolgenden Tabellen 6-3 und 6-4 dargestellt.
162 6 Holzkonstruktionen

Tabelle 6-3 Gewöhnlicher Nagekäfer (Anobium punctatum De Geer)

Wissenschaftlicher Name Anobium punctatum De Geer


Synonyme Holzwurm, Möbelkäfer
Ordnung Coleoptera (Käfer)
Familie Anobien
Einteilung nach Feuchtebedarf Trockenholz-Insekt
Feuchteanspruch mindestens 10 % bis 12 % Holzfeuchte
Temperatur ca. zwischen 15 bis 28 °C, Optimum ca. 22 °C
Larven bis 6 mm lang, Unterseite gekrümmt, 3 Beinpaare
Larvenkot eiförmig, teilweise spitze Enden
6
Schlupflöcher kreisrund, Durchmesser ca. 1 bis 2 mm, gelbrandig
bei Lebendbefall
Fraßgänge Unregelmäßig verlaufend, mit lockeren Bohrmehl und
Kotballen gefüllt
Holzarten Nadelholz und Laubholz (polyphag), im Splint
Vollinsekt 3 bis 6 mm, dunkelbraun, von der Seite betrachtet ist
ein kapuzen- oder helmähnliches Halsschild erkenn-
bar. Die Flügeldecken weisen gut Punktreihen auf.
Besonderheiten Ernährt sich von Eiweiß und Cellulose, zerstört
Splint- und Kernholz bis zur vollständigen „Entker-
nung“. Durch seine „Ortstreue“ im Holz kommt es zu
relativ scharf abgegrenztem Befall
bevorzugte Umgebung Feuchtes und kühles Milieu, Kellerräume, unbeheizte
Erdgeschosswohnungen, z. B. Dielung
Hinweise zur Bekämpfung (Lebendbefall) Bauteile ausbauen

Tabelle 6-4 Hausbock (Hylotrupes bajulus)

Wissenschaftlicher Name Hylotrupes bajulus


Synonyme Großer Holzwurm, Balkenbock
Ordnung Coleoptera (Käfer)
Familie Cerambycidae
Einteilung nach Feuchtebedarf Trockenholz-Insekt
Feuchteanspruch mindestens 8 bis 10 % Holzfeuchte
Temperatur ca. zwischen 12 bis 38 °C, Optimum ca. 28 °C
Larven Unterseite gekrümmt, ca. 25 bis 30 mm lang, am
Kopfende mit Mantibeln (Mundwerkzeuge) ausge-
stattet, Körper in Segmente unterteilt
Larvenkot walzenförmig, gerade Enden, schwach gerundet
Schlupflöcher oval mit ausgefranstem Rand, ca. 4 x 7 mm bis 5 x
10 mm
6.3 Ursachen der Holzzerstörung 163

Wissenschaftlicher Name Hylotrupes bajulus


Fraßgänge ovale Gänge mit gewelltem Verlauf, werden bevor-
zugt im weicheren Frühholz angelegt und eine „pa-
pierdünne“ Holzschicht an der Oberfläche bleibt
stehen (Stichprobe!)
Holzarten im Splint von Kiefer, Lärche und in Fichte (mo-
nophag), sehr selten im Kernholz
Vollinsekt 8 bis 25 mm, flach, schwärzlich, mit zwei hel-
len/weißen Flecken oder Bändern auf den Flügelde-
cken, zwei schwarze Schwielen auf dem Halsschild
(Rückseite)
Besonderheiten ernährt sich von Eiweiß im Splint von Nadelholz,
Kernholz ist nicht von Interesse, fliegt oftmals an der
Oberseite von Balken aus, Fraßgeräusche können 6
an warmen Tagen wahrgenommen werden
bevorzugte Umgebung bevorzugt warmes Milieu, Fachwerk und Dachkon-
struktionen nach Süden ausgerichtet, Dachböden in
Nähe vom Schornstein (Wärme!)
Hinweise zur Bekämpfung (Lebendbefall) Bauteile ausbauen und ersetzen

6.3.3.3 Frischholzinsekten

Frischholzinsekten benötigen hohe Holzfeuchten als Entwicklungsbedingungen und befallen


deshalb lebende Bäume und frisch geschlagenes Holz, nicht dagegen trockenes, schon verbau-
tes Holz. Sie bevorzugen baumsaftbedingte Holzfeuchten und zumeist berindetes Holz, so dass
der Neubefall am lebenden, kranken oder bereits abgestorbenen Baum – aber niemals am ver-
arbeiteten Bauholz – auftritt. Auch eine spätere Wiederbefeuchtung reicht für einen Befall
nicht aus. Der bekannteste Schädlingstyp der Frischholzinsekten ist die Holzwespe. Der Holz-
wespenfraß wird im Schädlingsgrad oft überschätzt, da er die Tragfähigkeit von Balken in der
Regel nicht beeinflusst. Dennoch sind vor der Sanierung, Täfelungen und Deckenfurniere auf
vorhandene oder sich abzeichnende Schädigungen durch Holzwespen zu prüfen. Schlüpfende
Holzwespen sind in der Lage Lackschichten, Kunststoffbeschichtungen, Dampfbremsen und
Dampfsperren oder sogar dünne Bleiplatten oder Dachpappen zu durchfressen.
Die Frischholzinsekten werden wiederrum in holzfressende und in holzbrütende Insekten klas-
sifiziert.
Typische Vertreter der Frischholzinsekten sind beispielsweise:
x Holzwespen
x Borkenkäfer (holzbrütende und rindbrütende)
x Scheibenböcke

6.3.3.4 Faulholzinsekten:

Einige Insekten stellen höhere Ansprüche an die Holzfeuchtigkeit und treten nur zusammen
mit holzerstörenden Pilzen als Symbionten auf. Da das Holz durch die Pilze vorgeschädigt
(faul) ist, bezeichnet man diese Art der Insekten als Faulholzinsekten.
Als Vertreter der Faulholzinsekten werden exemplarisch folgende Käfer benannt:
164 6 Holzkonstruktionen

x Trotzkopf
x Gescheckter Nagekäfer
x Rothalsbock

6.3.4 Witterungseinflüsse

Obwohl Witterungseinflüsse wie Regen oder Schnee, aber auch ultraviolette Strahlen des Son-
nenlichtes nicht unmittelbar zur Minderung der Holzfestigkeit führen, können sie den Befall
des Holzes durch Organismen begünstigen. Die auftretenden Schäden sind allerdings sehr
komplex, ortsabhängig und vielfältig, sodass sie umfassend und aussagefähig nur vom Fach-
mann beurteilt werden können.
6

Bild 6-16
Schäden in Form von Rissen
durch UV-Strahlung mit typi-
scher „Waschbrettstruktur“

6.4 Holzfehler

Auf Abweichungen vom üblichen Wuchs und Erscheinungsbild des Holzes hat der Mensch
keinen Einfluss (z. B. Drehwuchs). Holzfehler entstehen aber auch durch eine unsachgemäße
Bearbeitung bei der Holzveredelung oder ungeeigneter Lagerung. Letztere Holzfehler sind
vom Menschen durch die Auswahl von geeigneten Werkzeugen generell vermeidbar.
Es versteht sich von selbst, dass bei einem handwerklich bearbeiteten Naturprodukt nicht die
gleichen Grundsätze zur visuellen Bewertung wie bei einem reinen Industrieprodukt herange-
zogen werden können. Aus diesem Grund sind in Abhängigkeit des vorgesehenen Verwen-
dungszweckes innerhalb eines gewissen Toleranzbereiches Holzfehler zulässig. Die Holzsor-
tierung erfolgt unter Beachtung von DIN 4074.
Natürliche Holzfehler werden je nach Art und Ursprung in drei Gruppen unterteilt:
1. Fehler der äußeren Stammform (Wuchsfehler)
2. Fehler im inneren Aufbau des Holzes
3. Holzfehler infolge klimatischer Einflüsse
6.5 Risse im Holz 165

6.5 Risse im Holz

Luft- oder Trockenrisse, die durch ungleichmäßiges Austrocknen entstehen, mindern die Fes-
tigkeit des Holzes. In den Rissen können sich holzzerstörende Pilze ansiedeln und Insekten
ihre Eier ablegen. Vom Mark ausgehend, aber selten bis zur Rinde vordringend sind Kern-
oder Sternrisse. Meist entstehen sie nach dem Fällen als Folge ungleichmäßigen Schwindens.
Seltener durch Spannungsbildung beim Verkernen des Holzes. Frostrisse entstehen bei niedri-
gen Temperaturen. Häufig reichen die Risse von der Rinde bis zum Mark. Wenn die Risse
überwachsen, bleiben sie am Stamm oft als „Frostleisten“ sichtbar. Am stehenden Baum kön-
nen Risse in Form von Ringschäle und Blitzrissen entstehen. Stehende Bäume mit Ringschäle
und Frostrissen dürfen nicht zu statisch beanspruchten Bauteilen verarbeitet werden. Ungeris-
sene Hölzer bzw. wenig oder geringfügig gerissene Hölzer sind für die Verwendung als Bau-
holz vorzuziehen. 6

Bild 6-17 Risse im Holz

Risse im Holz entstehen immer dann, wenn die vorhandenen Spannungen im Verband der
Holzzellen die Festigkeit überschreiten. Der Grund für derartige Spannungen liegt in erster
Linie in der Abgabe des in den Zellwänden gebundenen Wassers sowie in der Anisotropie des
Holzes. Das Schwinden des Holzes beim Trocknungsvorgang geschieht im Bereich der Faser-
sättigung (</= 28 bis 32 %). Folgende Rissarten werden unterschieden:
x Trocknungsrisse
x Risse durch Überlastung
x Thermische Risse
Wenn Risse wirkungsvoll verhindert werden sollen, sind von Anfang an, d.h. bereits bei der
Holzernte im Wald, bestimmte Kriterien zu berücksichtigen. Die Trocknung sollte allmählich,
jedoch kontinuierlich verlaufen. Erfolgt die Trocknung zu schnell oder ungleichmäßig sind
größere Trockenrisse unvermeidbar. Holz ist ein Naturprodukt. Ein absolut rissfreies Bauholz
166 6 Holzkonstruktionen

kann normalerweise nicht gefordert werden. Anders sieht es beispielsweise bei speziellen
Anfertigungen, Möbeln, Musikinstrumenten und Kunstgegenständen aus.
Risse können im Bauholz demzufolge praktisch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Aus
diesem Grund ist in der ATV DIN 18334 in Pkt. 3.1.9 Folgendes geregelt:
„Schwindrisse in Bauhölzern und Brettschichthölzern sind zulässig, wenn die Standsicherheit
dadurch nicht beeinträchtigt wird.“
Dieser Passus gilt allerdings nur dann, wenn in den folgenden Unterabschnitten der genannten
Norm nicht abweichende Anforderungen in Bezug auf bestimmte Güteklassen nach DIN
68365 festgelegt sind.
Die Vermeidung bzw. Begrenzung von nachträglich entstehenden Rissen erfolgt durch die
richtige Wahl der Einschnittart, der Trocknung sowie der Einbaufeuchte. Die Zusammenhänge
6 sind in der Tabelle 6-5 erläutert.

Tabelle 6-5 Vorbeugende Maßnahmen zur Rissvermeidung

Vorbeugende Maßnahmen zur Rissver- Erläuterung


meidung
Richtige Wahl der Einschnittart: geringere Rissneigung besitzen folgende Einschnittarten:
vierstielig (Kreuzholz)
zweistielig (Halbholz)

größere Rissneigung besitzt die Einschnittart:


einstielig (Ganzholz)

Trocknung Geringe Schwindspannungen und somit eine Verringerung


der Rissneigung können durch eine schonende (allmähli-
che und gleichmäßige) Trocknung erreicht werden.
Wahl der Einbaufeuchte Die Einbaufeuchte soll der späteren Ausgleichsfeuchte
(Sorptionsfeuchte) entsprechen. Dadurch ist eine weitere
Schwindung mit einhergehender Rissbildung auszuschlie-
ßen.
Einsatz von getrockneten und verleimten Diese Produkte wurden industriell getrocknet und verleimt.
Holzprodukten Dadurch ist eine weitere Schwindung mit einhergehender
Rissbildung auszuschließen.

Eine Klassifizierung der einzelnen Rissarten erfolgt in DIN 1052 und DIN 4074 wie folgt:

Tabelle 6-6 Klassifizierung von Rissbildern und Beschreibung

Rissart Beschreibung des Rissbildes


Riss Trennung der Fasern in Längsrichtung
Kernriss radial gerichteter Riss, der im Kern auftritt mit großer Ausdehnung in der
Längsrichtung des Holzes
Frostriss radial gerichteter Riss, der dem Splintholz in Richtung Kernholz verläuft.
Er entsteht am stehenden Baum und wird von einer Nachdunkelung des
angrenzenden Holzes und einer örtlichen Krümmung der Jahrringe
begleitet.
6.5 Risse im Holz 167

Rissart Beschreibung des Rissbildes


Trockenriss Riss, der am gefällten Stamm auftritt und in radialer Richtung verläuft.
Ringriss Riss, der im Kernholz auftritt, den Jahrringen folgt und an seiner großen
Ausdehnung in der Längsrichtung des Holzes zu erkennen ist.
Schilferriss Meist in der Mitte der Herzbretter auftretender schräger Faserverlauf mit
schuppiger Ablösung flächiger Holzschichten, so dass meist bis 10 cm
lange Risse quer oder schräg zur Brettlänge entstehen.
Seitenriss Riss an den Seiten (Breitflächen); er kann aber auch an den Enden
(Hirnholz) auftreten.
Kantenflächenriss Riss an den Kantenflächen (Schmalflächen); er kann aber auch an den
Enden (Hirnholz) auftreten.
Endriss Riss an den Enden; er darf aber nicht an der Kantenfläche oder Seite
des Holzes auftreten. 6
Oberflächenriss Riss, der bei höchstens 50 m dickem Holz nicht tiefer geht als 5 mm und
Riss, der bei dickerem Holz nicht tiefer geht als 1/10 der Dicke.
Tiefer Riss Riss, der bei höchstens 50 mm dickem Holz tiefer geht als 5 mm und
Riss, der bei dickerem Holz tiefer geht als 1/10 der Dicke, jedoch nicht
auf der anderen Seite des Holzes erscheint.
Durchgehender Riss Riss, der an zwei Enden des Holzes sichtbar ist. Bei Ringrissen auch an
zwei benachbarten Stellen derselben Holzfläche.

Bei der Bewertung von Rissbildern sind je nach Verwendungszweck sowohl die technische
Gebrauchstauglichkeit als auch das visuelle Erscheinungsbild zu berücksichtigen.

Rissbildungen hinsichtlich Gebrauchstauglichkeit


Risse an Bauholz sind in Bezug auf den Holzschutz generell als problematisch zu betrachten.
Da Risse oftmals erst nachträglich entstehen, sind die Rissflanken in der Regel nicht durch
Holzschutzmittel vollflächig geschützt und eignen sich darüber hinaus zur Eiablage von be-
stimmten holzzerstörenden Insekten. Schmutz und Humusbestandteile können sich in den
Rissen festsetzen. Wenn dann noch Feuchtigkeit zugeführt wird, sind auch die wesentlichsten
Lebensbedingungen von (holzzerstörenden) Pilzen erfüllt.
Die technische Beurteilung von Rissen in Bauholz erfolgt nach DIN 4074. Beispielsweise
dürfen demgemäß stehende Bäume mit Ringschäle und Frostrissen nicht zu statisch bean-
spruchten Bauteilen verarbeitet werden. Ein wesentliches Sortiermerkmal nach DIN 4074 sind
Schwindrisse bei Kanthölzern und vorwiegend hochkant biegebeanspruchten Brettern und
Bohlen.

Rissbildungen hinsichtlich des visuellen Erscheinungsbildes


Obwohl Rissbildungen in verbautem Holz aus optischen Gründen immer wieder bemängelt
werden, sind diese Beanstandungen jedoch objektiv nicht in allen Fällen gerechtfertigt.
Von einer visuellen Beeinträchtigung kann beispielsweise dann gesprochen werden, wenn der
Riss erst nach dem Aufbringen einer Schlussbeschichtung sichtbar wurde. Größere Rissbreiten
ab ca. 10 mm sind ebenfalls zu beanstanden, wenn die Ursache in einer deutlich zu hohen
Einbaufeuchte liegt. Bei maßhaltigen Bauteilen und an Wand- und Deckenbekleidungen sind
natürlich höhere Anforderungen an das visuelle Erscheinungsbild und in erster Linie an die
168 6 Holzkonstruktionen

technische Funktion zu stellen. Die objektive Bewertung erfolgt im Einzelfall stets unter Be-
rücksichtigung des optischen Gesamteindruckes.

6.6 Gefährdungsklassen (Gebrauchsklassen)

Zur Charakterisierung des Ausmaßes einer Gefährdung von Holzbauteilen durch Holzschäd-
linge sind in DIN 68800-3 Gefährdungsklassen definiert, nach denen Bauteile in bestimmten
Anwendungsbereichen zugeordnet sind. Tabelle 6-7 gibt diese Zuordnung sinngemäß wieder.
Erläuterungen zu den Gefährdungsklassen:

Tabelle 6-7 Gefährdungsklassen nach DIN 68800, Teil 3


6
Gefähr- Kriterien Anwendungsbereiche Anforderungen erforderliche Prüf-
dungs- an Holzschutz- prädikate des
klasse mittel chemischen Holz-
schutzmittels

GK 0 Unkontrollierter Räume mit üblichem Wohn- keine


Insektenbefall nicht klima; Holzbauteile durch
zulässig Bekleidung abgedeckt oder
Kontrollierbarer zum Raum hin kontrollierbar
Insektenbefall
zulässig
GK 1 Unkontrollierter Innenbauteile, Dachkonstruk- Insektenvor- Iv
Insektenbefall tionen, Geschossdecken, beugend
möglich Innenwände und gleichartig
beanspruchte Bauteile, relati-
ve Luftfeuchtigkeit < 70 %
GK 2 Mit Wetterschutz Innenbauteile, mittlere relati- Insektenvorbeu- Iv, P
(nicht frei bewittert) ve Luftfeuchtigkeit > 70 %, gend, pilzwidrig,
Mit M > 70 % Innenbauteile (im Bereich von
In Nassbereichen, Duschen), Wasser abweisend
geschützt (ohne abgedeckt, Außenbauteile
direkte Wasserein- ohne unmittelbare Wetterbe-
wirkung) anspruchung

GK 3 Ohne Wetterschutz Außenbauteile ohne Erd- Insektenvorbeu- Iv, P, W


(frei bewittert) und/oder Wasserkontakt, gend, pilzwidrig,
In Nassbereichen, Innenbauteile in Nassräumen witterungsbe-
ungeschützt ständig
GK 4 Mit ständigem Außenbauteile mit und ohne Insektenvorbeu- Iv, P, W, E
Erdkontakt oder Ummantelung (z. B. Beton) gend, pilzwidrig,
ständig stark durch- witterungsbe-
feuchtet ständig, moder-
fäulewidrig

Bild 6-18 erläutert die Zuordnung von Bauteilen zu einer Gefährdungsklasse am Beispiel eines
Wohnhauses und zeigt außerdem den Einfluss, den bauliche Schutzmaßnamen auf die Einstu-
fung haben können. Man kann davon ausgehen, dass im Innenbereich von Wohnhäusern durch
geeignete konstruktive Lösungen die GK0 erreicht werden kann (siehe auch Tabelle 6-9).
Chemischer Holzschutz mit den entsprechenden Voraussetzungen entfallen.
6.6 Gefährdungsklassen (Gebrauchsklassen) 169

Bild 6-18 Prinzipskizze über die Zuordnung von Holzbauteilen zu einzelnen Gefährdungs-
klassen. Die Ziffer gibt die Gefährdungsklasse an

Im Einzelnen bedeuten die Symbole in Bild 6-18:


0 Alles in Aufenthaltsräumen befindliche Holz (Wandverkleidungen, Türen, Treppen, Parkett,
Möbel usw.) ist GK 0 zuzuordnen; Balken müssen dabei entweder dreiseitig sichtbar oder –
bei Rahmenbauweise – vollflächig abgedeckt sein.
0* GK 0 gilt im ausgebauten Dachgeschoss nur, wenn die Hölzer zum bewohnten Raum hin
dreiseitig sichtbar sind. Zum Wohnraum abgedeckte, aber zum Dach hin offene Holzbauteile
sind GK 1. Eine Unterspannfolie ist nur dann ein ausreichender Schutz gegen Insektenbefall,
wenn sie fugendicht ausgebildet ist (Verklebung der Stoßfugen).
0** Auch ein Badezimmer ist GK 0. Bei Holzverkleidungen ist allerdings eine gute Hinterlüf-
tung Voraussetzung.
0/1 Ein unbeheizter, gegen die Dachhaut nicht abgegrenzter Dachstuhl ist GK 1.
0/1/2 Für Kellerräume gelten je nach Feuchteverhältnissen unterschiedliche Gefährdungsklas-
sen: Trockene Keller sind GK 0. In feuchten Kellern kann GK 1 und bei höherer Feuchte GK 2
zutreffen. GK 2 gilt insbesondere für die Unterkonstruktion von schlecht hinterlüfteten Wand-
vertäfelungen sowie bei ungenügend isolierten Außenwänden.
0/2 Außenwände sind GK 0, wenn durch entsprechende bauliche Maßnahmen und ausrei-
chenden Wetterschutz eine Feuchteanreicherung verhindert wird. Ansonsten gilt GK 2.
Schwellen sind in der Regel immer GK 2.
0/3 Dachauskleidungen in Wohnungen sind von Grundsatz her GK 3; trotzdem ist bei ent-
sprechender Konstruktion kein chemischer Holzschutz erforderlich (GK 0).
1/2 Unzugängliche Abseiten und Flachdächer sind GK 1: Wenn zu befürchten ist, dass unent-
deckte Leckagen auftreten können sind sie GK 2. In Sonderfällen kann GK 0 zutreffen.
170 6 Holzkonstruktionen

2/3 Außenfenster sind im Grundsatz GK 3, durch sorgfältig instandgehaltene Anstriche und


regelmäßige Wartung können sie jedoch in GK 2 eingeordnet werden. Insektenbefall ist bei
Fenstern zu vernachlässigen.
3 Außenbauteile wie Balkone, Zäune, Pfosten auf Sockeln ohne Erdkontakt sind GK 3.
3* Außenverkleidungen sind im Grundsatz GK 3, je nach Konstruktion kann aber für Teile
GK 2 und sogar GK 0 vorliegen. Maßgebend ist, inwieweit sich im Holz Feuchte anreichern
kann und Witterungseinflüsse das Holz beanspruchen.
4 Holz in dauerndem Erdkontakt, z. B. Pfähle, Palisaden, ist GK 4.

6.7 Dauerhaftigkeitsklassen
6
Es ist bekannt, dass die Gefährdung durch Schädlinge und die natürliche Dauerhaftigkeit der
verwendeten Holzart im unmittelbaren Zusammenhang steht. In der DIN EN 350-2 „Natürli-
che Dauerhaftigkeit von Holz“ und DIN EN 460 wird darauf Bezug genommen und es werden
Dauerhaftigkeitsklassen definiert und in Beziehung zu den Gefährdungsklassen gesetzt. Tabel-
le 6-8 gibt einen Überblick, inwieweit die natürliche Dauerhaftigkeit einer Holzart gegen Pilz-
befall ausreichend für eine Anwendung in einer bestimmten Gefährdungsklasse ist.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Splintholz generell in die Dauerhaftigkeitsklasse 5
(nicht dauerhaft) einzustufen ist. Die sehr verschiedene Widerstandsfähigkeit der verschiede-
nen Holzarten gegenüber holzzerstörenden Pilzen ist auf die natürliche Dauerhaftigkeit zu-
rückzuführen, die zwischen den Hölzern sehr unterschiedlich ist. Bis zur Neufassung von
DIN 68 364 im Mai 2003 waren analog nach dem beschriebenen System die Holzarten als
sogenannte Resistenzklassen eingeteilt. Die DIN 68 800-3 nimmt Bezug auf die Einteilung in
Resistenzklassen nah der „alten“ Fassung von DIN 68 364, Stand 1979 (s. Tabelle 6-8).
Die tatsächliche Dauerhaftigkeit variiert jedoch in einem gewissen Rahmen auch zwischen
Bäumen der gleichen Holzart.

Tabelle 6-8 Dauerhaftigkeitsklassen nach DIN EN 350-2 an ausgewählten Holzarten

Holzart Dauerhaftigkeitsklasse nach Bedeutung


DIN EN 350-2
Kiefer 3–4 wenig bis mäßig dauerhaft
Fichte 4 wenig dauerhaft
Tanne 4 wenig dauerhaft
Lärche 3–4 wenig bis mäßig dauerhaft
Douglasie kultiviert 3–4 wenig bis mäßig dauerhaft
Douglasie unkultiviert 3 mäßig dauerhaft
Eiche 2 dauerhaft
Edelkastanie 2 dauerhaft
Robinie 1–2 dauerhaft bis sehr dauerhaft
Buche 5 nicht dauerhaft
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz 171

6.8 Aufgaben des baulichen und vorbeugenden chemischen


Holzschutzes

Die Gesamtheit aller Maßnahmen, die Holz und Holzwerkstoffe vor der Zerstörung durch
Pilze und Insekten dauerhaft schützen, bezeichnet man als Holzschutz. Dabei unterscheidet
man zwischen baulichem Holzschutz und chemischem Holzschutz. Holzschutzmaßnahmen,
die einen eventuellen Befall des Holzes und der Holzwerkstoffe verhindern bzw. einem Befall
vorbeugen, bezeichnet man als vorbeugenden Holzschutz. Die wichtigsten vorbeugenden
Maßnahmen sind neben der richtigen Holzauswahl, Holztrocknung und Lagerung das fachge-
rechte Einbauen von Holz und Holzwerkstoffen sowie ergänzend das Verwenden von chemi-
schen Holzschutzmitteln unter Beachtung von DIN 68 800-3.
6
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz

Der bauliche Holzschutz ist in DIN 68800-2 geregelt. Zu beachten ist, dass derzeit alle vier
Teile der DIN 68800 vollständig überarbeitet werden. Zahlreiche Holzschäden können bereits
durch bauliche bzw. konstruktive Maßnahmen verhindert werden. Vorbeugender baulicher
Holzschutz besteht vor allem in der Verwendung von Holz, das gesund, frei von Rinde und
Bast sowie ausreichend trocken ist. Außerdem muss zum Schutz gegen Schädlingsbefall durch
geeignete konstruktive Maßnahmen eine spätere Durchfeuchtung möglichst ausgeschlossen
werden. Das wird erreicht, indem man den Zutritt von Feuchtigkeit verhindert oder die rasche
Ableitung des Wassers bzw. eine Austrocknung des Bauteils ermöglicht. Ziel des baulichen
Holzschutzes ist es, in erster Linie durch konstruktive und bauphysikalische Maßnahmen
Feuchteanreicherungen in Holz- und Holzwerkstoffen zu verhindern und dadurch einem Pilz-
befall vorzubeugen. Dazu zählt zum Beispiel:
x Schutz gegen Niederschläge und Spritzwasser (Wetterschutz)
x Schutz gegen Feuchtigkeit (konstruktiver Bautenschutz)
x Schutz gegen Tauwasser (richtiger Schichtenaufbau, Beachtung der bauphysikalischen
Gegebenheiten)
x Feuchteschutz während des Bauens

6.9.1 Schutz gegen Niederschläge und Spritzwasser


Regenwasser muss vom Holz ferngehalten oder schnell abgeleitet werden. Genügend große
Dachüberstände, zurückspringende Sockel und die Überdeckung des sehr saugfähigen Hirn-
holzes – beispielsweise bei Sparren- und Pfettenköpfen – sind notwendige Maßnahmen. Holz
darf durchaus feucht werden. Wichtig ist jedoch, dass es schnell wieder austrocknen kann. Es
gibt zahlreiche Beispiele von Holzbauteilen ohne chemischen Holzschutz und freier Bewitte-
rung ohne Fäuleschäden. Der Grund hierfür ist eine ungehinderte und zügige Trocknung des
Holzes nach der Feuchtebeaufschlagung.
172 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-19 Schutz von Profilen

Da Hirnholz Feuchtigkeit bedeutend schneller aufnimmt als Längsholz, muss die Stirnseite von
Fassadenprofilen vor eindringender Feuchtigkeit geschützt werden. Nach oben zeigende Stirn-
seiten schützt man durch ausreichend große Dachüberstände, Abdeckungen aus Blech oder
6 Längsholz. Bei nach unten zeigenden Stirnenden erleichtert man das rasche Abfließen von
Wasser durch eine 45°-Hinterschneidung (Tropfkante), an der das Wasser abtropfen kann. Um
eine dauernde Befeuchtung der Holzfassade beispielsweise durch Tauwasser zu verhindern
und ein rasches Austrocknen auch der innenliegenden Brettseiten zu gewährleisten, werden
Holzfassaden grundsätzlich hinterlüftet. Durch eine Konterlattung, die waagerecht auf die
senkrechte Grundlattung montiert wird, entsteht hinter den Fassadenprofilen ein Hohlraum,
durch den ein trockener Luftstrom zirkuliert. Die Hinterlüftung muss durch Öffnungen in der
Holzbekleidung sichergestellt sein. Einen vollständigen Wetterschutz für Außenwände bieten
Bekleidungen aus Holz. Für Bekleidungen aus Holz gilt: Die Hinterlüftung ist besonders dann
wichtig, wenn die Gefahr eines Wasserdurchtritts durch die Schalung besteht.

Bild 6-20
Hinterlüftete Bekleidung
a Rohbauwand
b Grundlattung (Konterlattung)
c Wärmedämmschicht
d Soweit erforderlich, diffusionsoffene,
wasserabweisende Bahn/Folie
e Traglattung
f Bekleidung

Zum Schutz vor Spritzwasser muss der Abstand vom Boden zu Pfosten und anderen Holzbau-
teilen mindestens 30 cm betragen. Ist der Schutz vor Regenwasser nicht möglich, sollten Bau-
weisen gewählt werden, bei denen das Wasser schnell und vollständig ablaufen kann und eine
Trocknung des Holzes möglich ist.
Dies erreicht man z. B. durch geeignete Profile sowie abgeschrägte Unterkanten bei Außenver-
schalungen und Wassernasen bei vorspringenden Holzbauteilen.
Weitere Maßnahmen für einen konstruktiven Holzschutz werden nachfolgend exemplarisch
aufgeführt:
x Hirnholzflächen sind abzudecken, da sie Wasser besonders leicht aufnehmen.
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz 173

x Holzverbindungen (z. B. Versätze, Zapfen), in denen sich Wasser ansammeln kann, sind
stark gefährdet und zu vermeiden.
x Stumpfe Stöße, aus denen Wasser nur schwer austrocknen kann, sind möglichst nicht aus-
zuführen (keine „Messer- oder Pressfugen“, sondern ausreichenden Luftspalt berücksichti-
gen (Bild 6-23)
x Waagerechte Holzflächen, auf denen Wasser stehen bleiben kann, sind zu vermeiden (Bild
6-24).
x Das „Einpacken“ von Balkenköpfen mit wasserundurchlässigen Materialien wie beispiels-
weise Bitumenbahn oder PE-Folie muss unterbleiben, weil eine Feuchtigkeitsabgabe des
Holzes an die Umgebung unterbunden wird.

Bild 6-21 Schutz vor Spritzwasser; a) Der Abstand zwischen Geländeoberfläche und Holz
sollte 30 cm betragen. b) und c) Durch ausreichende Dachüberstände wird ein kon-
struktiver Holzschutz erreicht.

Bild 6-22
Hirnholz einer Balkonstütze im
erdberührten Bereich (mangel-
hafter konstruktiver Holzschutz
da der Abstand zwischen Holz
und Geländeoberfläche viel zu
gering ist)
174 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-23
Ein Luftspalt sichert die zügige
6 Austrocknung im Fugenbereich
ab

Bild 6-24
Blechabdeckungen mit Wasser-
schräge und Tropfkante schüt-
zen waagerechte Holzoberflä-
chen und vertikale Hirnholzflä-
chen

6.9.2 Schutz gegen Feuchtigkeit aus Erdreich oder angrenzenden


Baustoffen

Um den Feuchtegehalt eines Bauteils durch direkten Kontakt mit anderen feuchten Stoffen wie
z. B. Erdreich, Beton oder Mauerwerk nicht unnötig zu erhöhen, sind geeignete Sperren, wie
z. B. Bitumenpappe oder Kunststofffolien im bzw. am Mauerwerk anzuordnen.
Außerdem müssen Balkenköpfe an der Hirnseite und an den Seitenflächen einen Abstand von
etwa 2 cm vom Mauerwerk haben, damit der Balkenkopf gut umlüftet wird. Diese Zwischen-
räume dürfen keinesfalls mit Mörtel ausgefüllt werden. Bei Dächern und Fassaden wird durch
eine Hinterlüftung das Tauwasser abgeführt.

6.9.3 Schutz gegen Tauwasser/Luftdichtheit


Wenn Tauwasser ausfällt, kann es sich unter Umständen um erhebliche Mengen handeln.
Holzwerkstoffe, die in trockenen Räumen verwendet werden, sind im Allgemeinen nicht für
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz 175

eine Feuchtebeanspruchung geeignet. Vor einer Tauwasserbildung an der Oberfläche schützen


folgende Maßnahmen:
x Die Wand- und Dachbauteile erhalten einen ausreichenden Mindestwärmeschutz entspre-
chend der geltenden DIN 4108-2 sowie gegebenenfalls der Energieeinsparverordnung
(EnEV).
x Wärmebrücken innerhalb dieser Bauteile sind möglichst zu vermeiden.
Um eine Konvektion der Raumluft über mögliche Undichtigkeiten auszuschließen, müssen
Anschlüsse an andere Bauteile luftdicht angeschlossen werden. Generell ist zu sagen, dass eine
korrekte Ausführung des Tauwasserschutzes umfangreiche bauphysikalische und wärmetech-
nische Kenntnisse voraussetzt und daher von einem Experten geplant und ausgeführt werden
sollte.
Zur Vermeidung von Feuchtekonvektion und somit Tauwasserbildung (Durchströmung und
Mitführung von Raumluftfeuchte) im Bauteil muss die Hüllfläche luftdicht ausgeführt sein. 6
Wird dies nicht beachtet sind insbesondere im Holzbau eklatante Feuchtigkeitsschäden zu
erwarten. Die Umfassungsfläche sowie die Fugen von zu errichtenden Gebäuden müssen nach
den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) dauerhaft luftundurchlässig herge-
stellt werden.
Im Holzbau erfolgt die Herstellung der Luftdichtheit meistens durch den Einbau einer Luft-
dichtheitsschicht nach DIN 4108-7. Hierbei handelt es sich um Folien, welche luftdicht mitein-
ander verklebt werden und als Dampfbremse oder Dampfsperre fungieren. Fehlstellen dürfen
nicht vorhanden sein.
Bei einer nicht luftdichten Ausführung treten folgende Mängel auf:
x Tauwasserbildung innerhalb der Konstruktion (Feuchtekonvektion)
x Zugerscheinungen durch kühlere Luftströme (Behaglichkeitskriterium!)
x Unzureichende Schalldämmung
x Geruchsbelästigungen zwischen verschiedenen Wohnungen
x Zu hohe (vermeidbare) Lüftungswärmeverluste (höherer Heizenergiebedarf)
Die Prüfung der Qualität der luftdichten Hülle erfolgt zuverlässig mit dem Differenzdruckver-
fahren nach der Messnorm DIN EN 13829. Diese Messnorm unterscheidet zwischen den Ver-
fahren A und B.
Es wird ein elektrisch betriebenes Gebläse in eine Fenster- oder Türöffnung eingesetzt und
temporär abgedichtet. Mit dem Gebläse wird zunächst ein Ober- und anschließend ein Unter-
druck erzeugt. Dabei wird in der Regel in Schritten von 10 Pascal stufenweise die erforderli-
che Druckdifferenz angefahren, bis jeweils 60 Pascal erreicht sind. Bei jedem Messpunkt wird
der erforderliche Volumenstrom gemessen, welcher benötigt wird um den entsprechenden
Druck aufrechtzuerhalten. Je mehr Undichtigkeiten vorhanden sind, umso mehr Luft muss der
Ventilator „transportieren“. Schlussendlich wird unter Beachtung des Innenvolumens, der
Wetterlage und weiterer relevanten Kenndaten der „n50-Wert“ (Luftwechsel bei 50 Pascal
Druckdifferenz) errechnet. Die eventuell vorhandenen Leckagen können mit dem Thermoamo-
nemeter, Nebelgenerator oder der Wärmebildkamera ausfindig gemacht bzw. visualisiert wer-
den.
Eine Prüfung der Dampfbremse erfolgt bevor die Trockenbauplatten angebracht werden mit
dem Thermoamonemeter bei einem kontinuierlichen Unterdruck von 50 Pascal. So können
noch zum Zeitpunkt der Messung die eventuell festgestellten Leckagen unkompliziert beseitigt
und das Ergebnis der Nachbesserung direkt überprüft werden. Häufig führen „harmlos“ er-
176 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-25
Prinzip der Luftdichtigkeits-
6 messung

Bild 6-26
Feststellung von unzulässigen
Leckagen mit dem Thermo-
amonemeter

scheinende Durchdringungen der luftdichten Ebene durch ein Elektrokabel oder Ähnliches zu
unzulässigen Leckagen und auf Dauer zu Bauschäden.

6.9.4 Feuchteschutz
Der Feuchtigkeitsgehalt in der Bauphase wird oft sträflich vernachlässigt. Beim Transport, bei
der Lagerung und während des Einbaus ist das Holz weitestgehend trocken zu halten. Deshalb
sind folgende Punkte zu beachten:
x Holzteile sind während des Transports und der Lagerung durch Abdeckung vor Nieder-
schlägen zu schützen. Ziel ist es, die Holzbauteile möglichst mit Ausgleichsfeuchte einzu-
bauen. Des Weiteren wird ein Auswaschen von chemischen Holzschutzmitteln mit noch
nicht abgeschlossener oder nicht vorhandener Fixierung vermieden.
x Die Lagerung soll ohne unmittelbaren Erdkontakt erfolgen.
x Im Endzustand wettergeschützte Bauteile sollten auch während des Bauzustandes nach
Möglichkeit vor Niederschlägen geschützt werden, Dachkonstruktionen sollten z. B. bald
abgedeckt werden.
x Bauteile aus Holzwerkstoffen sind während des Einbaus und danach unverzüglich vor
Niederschlägen zu schützen.
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz 177

Bild 6-27
Dichtungsschichten gegen aufsteigende
Feuchtigkeit
a Prinzip bei Spritzwasserbeanspruchung
b Prinzip zur Vermeidung von Spritzwasser
c Beispiel für wärmegedämmte vertikale
Bekleidung mit wärmegedämmtem So-
ckel, Anschluss an das Erdreich
d Beispiel für wärmegedämmte horizontale
Bekleidung mit wärmegedämmtem So-
ckel, Anschluss an Terrasse
1 Abdeckrost
2 Wasserablauf (Beispiel: Graben mit Kies
und Dränagerohr)
3 Wärmedämmschicht der Bekleidung 6
4 Geschlossenzelliger Dämmstoff n. DIN
18164, z. B. extrudierter Polystyrol-
Hartschaum mit gewaffelter Oberfläche
zum Anbetonieren bzw. Ankleben und
Verputzen
5 Putz

Bild 6-28
Außenwand-Fußpunkt [85]
a) richtig, da waagerechte Fuge zwi-
schen Wand und Sockel abgedeckt
b) falsch, da Feuchtigkeitseintritt mög-
lich
178 6 Holzkonstruktionen

6
6.9 Baulicher und konstruktiver Holzschutz 179

6
180 6 Holzkonstruktionen

6.10 Chemischer Holzschutz

Die zu treffenden Schutzmaßnahmen sind im Detail in der DIN 68 800 Teil 3 für den vorbeu-
genden Holzschutz und in der DIN 68 800 Teil 4 für den bekämpfenden Holzschutz geregelt.
Die DIN 68 800-3 legt untergliedert nach Gefährdungsklassen die Anforderungen fest, die an
vorbeugend wirksame Holzschutzmittel hinsichtlich einer fungiziden und/oder insektiziden
Ausrichtung sowie an die Auswaschbeständigkeit zu stellen sind.
Der chemische Holzschutz ist lediglich ein Bestandteil der gesamten Holzschutzmaßnahmen.
Er ist ergänzend zu den bereits aufgezeigten baulichen und konstruktiven Möglichkeiten zu
verstehen. Erst wenn alle konstruktiven Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft sind, kommt
ein chemischer Holzschutz je nach Gefährdungsklasse (Gebrauchsklasse) nach DIN 68800-3
in Betracht zu ziehen. Daraus ist abzuleiten, dass nicht das gesamte Bauholz grundsätzlich mit
6 einem chemischen Holzschutz versehen werden muss (darf).
Die DIN 68 800, Teil 3 regelt die notwendigen Maßnahmen zum Zwecke des vorbeugenden
chemischen Holzschutzes ausschließlich für tragende und aussteifende Bauteile. Da die
DIN 68 800 mit ihren Teilen 2 und 3 in die Liste der eingeführten Technischen Baubestim-
mungen (LTB) aufgenommen ist, sind Abweichungen von diesen Normenteilen nicht unzuläs-
sig. Somit ist chemischer Holzschutz für tragende und aussteifende Holzbauteile als fester
Bestandteil des Bauordnungsrechts bauaufsichtlich verbindlich geregelt. Für Bauhölzer ohne
tragende und aussteifende Funktion kann die DIN 68 800, Teil 3 zwischen Beteiligten verein-
bart oder aber auch andere geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Dies deshalb, weil es sich
nicht um einen bauaufsichtlich geregelten Bereich handelt. Die Holzschutznorm besitzt für
nicht tragende und nicht aussteifende Bauteile lediglich empfehlenden Charakter.
Bei fehlender Notwendigkeit kann gemäß DIN 68 800-3 nach sorgfältiger Einzelfallprüfung
auf den chemischen Holzschutz verzichtet werden. Ein Verstoß gegen die Landesbauordnung
liegt in diesem Fall nicht vor. Voraussetzung ist allerdings die Einstufung in die Gefährdungs-
klasse 0. Diese Herangehensweise führt zu einer Reduzierung der Belastung der Umwelt und
vor allem der (Wohnungs-) Nutzer mit toxischen Stoffen. Ein verantwortungsbewusster Planer
berücksichtigt diese in der Holzschutznorm verankerte Möglichkeit und reduziert chemische
Holzschutzmittel auf ein unvermeidbares Mindestmaß durch die Wahl der Konstruktion und
der zu verbauenden Holzart.
Ein genereller Verzicht auf chemische Holzschutzmittel ist wünschenswert, jedoch nicht mög-
lich.
Die fünf Gefährdungsklassen (Gebrauchsklassen) sind in Tabelle 6.9 aufgeführt. Dazu sind
jeweils entsprechende Beispiele, notwendige Prüfprädikate und potenzielle Gefährdungen
sowie Möglichkeiten zur Einstufung in die Gefährdungsklasse 0 zugeordnet. Wenn eine Ein-
stufung in der Gefährdungsklasse 0 möglich ist, weil die in Spalte 7 aufgeführten Vorausset-
zungen erfüllt sind, erfolgt wegen fehlender Notwendigkeit gemäß Pkt. 2.2, DIN 68800-3 kein
chemischer Holzschutz. Daraus ist ersichtlich, dass stets in Abhängigkeit der tatsächlichen
Beanspruchung ein Holzschutzmittel mit entsprechenden Prüfprädikaten auszuwählen ist.
Der Anwendungsbereich eines chemischen Holzschutzmittels in Bezug auf die Gefährdungs-
klasse (Gebrauchsklasse) ist dem sogenannten Prüfprädikat zu entnehmen (Tabellen 6-10 und
6-11).
6.10 Chemischer Holzschutz 181

Tabelle 6-10 Prüfprädikate für vorbeugend wirksame chemische Holzschutzmittel

Gefährdungs- Anforderungen an das Erforderliche Prüfprädikate von vorbeu-


klasse Holzschutzmittel gend wirkenden chemischen Holzschutz-
mitteln für tragende und aussteifende
Bauteile
0 Keine chemischen Holzschutzmittel –
1 Insekten vorbeugend Iv
Insekten vorbeugend, Iv,
2
pilzwidrig P
Insekten vorbeugend, Iv,
3 pilzwidrig, P,
auswaschbeständig W
Insekten vorbeugend, Iv,
6
pilzwidrig, P,
4
auswaschbeständig, W,
moderfäulewidrig E

Tabelle 6-11 Prüfprädikate für bekämpfend wirksame chemische Holzschutzmittel

Anforderungen an Bekämpfungsmittel Erforderliche Prüfprädikate von chemischen


Bekämpfungsmitteln für tragende und ausstei-
fende Bauteile
Insekten bekämpfend Ib
Schutzmittel zur Verhinderung des Durchwachsens
von Hausschwamm im Mauerwerk (Schwamm- M
sperrmittel)

Die meisten Holzschutzmittel haben in Abhängigkeit der Gefährdungsklasse mehrere Schutz-


eigenschaften. So kann ein chemisches Holzschutzmittel mit den Prüfprädikaten Iv, P, W in
der Gefährdungsklasse 3 eingesetzt werden (Tabelle 6-9).
Natürlich sind dem Chemischen Holzschutz auch Grenzen gesetzt. Bei zu feucht eingebau-
tem Holz oder durch anderweitige Ursachen nachträglich auftretende Durchfeuchtungen kön-
nen bestimmte Folgeerscheinungen durch Chemischen Holzschutz nicht verhindert werden.
Ebenso können Versäumnisse im Bereich des baulichen oder konstruktiven Holzschutzes mit
chemischen Schutzmitteln grundsätzlich nicht ausgeglichen werden. Chemischer Holzschutz
ist ergänzend zum baulichen Holzschutz anzuwenden, wenn die Notwendigkeit dazu nach
DIN 68800-3 besteht.

Blauer Engel Bild 6-29


Gütezeichen und Prüfzeichen
182 6 Holzkonstruktionen

6.10.1 Holzschutzmittelverteilung

Der Schutz des Holzes ist von der Eindringtiefe der Schutzmittel abhängig (DIN 52175). Je
nach Verteilung der Holzschutzmittel im Holz wird unterschieden in:
x Oberflächenschutz: Eine Eindringtiefe wird nicht erwartet, Schutz nur auf der Oberfläche.
x Randschutz: Die Eindringtiefe liegt in der Größenordnung von Millimetern.
x Tiefschutz: Die Eindringtiefe liegt in der Größenordnung von Zentimetern (nicht
unter 1cm). Bei Kernhölzern mit einer Splintholzbreite unter 1 cm
muss mindestens das Splintholz durchtränkt sein. Der Tiefschutz wird
in der Regel nur in industriellen Anlagen erreicht.
x Vollschutz: Das Schutzmittel hat sich im gesamten Holzquerschnitt verteilt. Der
6 Vollschutz wird in der Regel nur in industriellen Anlagen erreicht.

6.10.2 Einbringverfahren

Für das Einbringen von Holzschutzmitteln stehen eine Reihe von Verfahren zur Verfügung,
die – bei unterschiedlichem Arbeitsaufwand – zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Abge-
stuft nach der erreichbaren Einbringmenge und Eindringtiefe der Schutzmittel sowie der da-
raus resultierenden Einsatzmöglichkeiten in den Gefährdungsklassen werden die in Tabelle 6-
12 dargestellten wichtigsten Verfahren unterschieden.
Die erzielbaren Einbringmengen und Eindringtiefen werden aber nicht nur durch das ange-
wandte Verfahren, sondern auch durch die jeweilige Holzart und ihre Beschaffenheit, sowie
durch das verwendete Schutzmittel stark beeinflusst. So ist Kernholz deutlich weniger auf-
nahmefähig als Splintholz. Das Holz der Fichte und Tanne ist durch Tüpfelverschluss generell
nur sehr schwer tränkbar, nasses Holz kann nicht mit lösemittelhaltigen Schutzmitteln behan-
delt werden. Bei der Auswahl des Verfahrens ist außer den genannten Gesichtspunkten die zu
erwartende Gefährdung des Bauteils zu berücksichtigen. Dies erfolgt auf Basis der in DIN
68800-3 enthaltenen Gefährdungsklassen (Gebrauchsklassen).

Tabelle 6-12 Wichtigste Einbringverfahren und Einsatzmöglichkeiten

Verfahren (Oberbegriff) Verfahren Zu erzielende Gefährdungsklasse


Eindringtiefe (Gebrauchsklasse)
Kesseldrucktränkung Tiefschutz bis GK 4
Druckverfahren
Vakuumtränkung Tiefschutz bis GK 4

Tauchen Randschutz bis GK 3


Einlagerungsverfahren Trogtränkung Randschutz bis GK 3
Einstelltränkung Randschutz bis GK 3
Streichen Oberflächenschutz bis GK 2
Oberflächenverfahren Spritzen Oberflächenschutz bis GK 2

Fluten Oberflächenschutz bis GK 2


6.10 Chemischer Holzschutz 183

Wenngleich die chemischen Holzschutzmittel ständig verbessert werden, enthalten sie auch
heute noch Giftstoffe, deren unsachgemäßer Umgang zu gesundheitlichen Schädigungen bei
Anwender und Nutzer führen kann. Die Menge der einzubringenden Wirkstoffe ist abhängig
von der Art des Holzschutzmittels, vom Einbringungsverfahren und von der vorgesehenen
Verwendung. Die diesbezüglichen Angaben der Hersteller sind zwingend einzuhalten.

6.10.3 Grundsätze

Wie aus den bisherigen Ausführungen erkenntlich, ist der Einsatz von chemischen Holz-
schutzmitteln nicht ganz problemlos. Einerseits besteht die Forderung eines zuverlässigen
Holzschutzes gegen holzzerstörende Pilze und Insekten und andererseits eine mögliche ge-
sundheitliche Gefährdung von Verarbeitern, Bewohnern, Pflanzen und Tieren sowie der Um-
welt. Diesen Tatsachen müssen die Landesbauordnungen (in der Musterbauordnung § 13) und 6
die DIN 68800 Rechnung tragen. Das tun sie auch, allerdings mit einer Kompromisslösung. In
der DIN 68800 wurden als Technische Baubestimmungen nur die Abschnitte eingeführt, die
sich mit dem Schutz von tragenden und/oder aussteifenden Bauteilen befassen. Das heißt wie-
derum, dass die Anwendung von chemischen Holzschutzmitteln für nichttragende Bauteile von
der bauaufsichtlichen Einführung ausgenommen ist und die Beachtung baurechtlich nicht
erforderlich ist.

6.10.4 Ausführung

Vor der Anwendung von Holzschutzmitteln ist zu prüfen, ob Hölzer in tragenden oder ausstei-
fenden Bauteilen einen chemischen Holzschutz nach DIN 68800-3 benötigen. Im nichttragen-
den Bereich, wo von Seiten der Bauaufsicht kein chemisch vorbeugender Holzschutz erforder-
lich ist, kann es Gründe für den Einsatz von Holzschutzmitteln geben, wie z. B. Erhalt der
Gebrauchstauglichkeit oder Werterhaltung. Hier muss im Einzelfall eine Risiko-Nutzen-
Abschätzung erfolgen und der Bauherr über die Holzschutzmittelbehandlung entscheiden. Ist
ein chemisch vorbeugender Holzschutz erforderlich oder im nichttragenden Bereich aus ver-
schiedenen Gründen gewünscht, sind folgende Punkte zu beachten:
x Auswahl eines geeigneten Holzschutzmittels unter Beachtung der Gefährdungsklasse nach
DIN 68800-3 im vorgesehenen Anwendungsbereich und Festlegung des Anwendungsver-
fahrens.
x Ausführung der Holzschutzmaßnahme nur durch einen ausgewiesenen Fachbetrieb.

6.10.5 Praxisregeln

1. Chemischer Holzschutz ist entsprechend der Gefährdungsklasse nach DIN 68800-3 für
tragende und aussteifende Bauteile baurechtlich vorgeschrieben.
2. Für nicht tragende und nicht aussteifende Bauteile -also Bauteile ohne statischen Nach-
weis- ist ein chemischer Holzschutz baurechtlich (baurechtlich eingeführte DIN 68800-3)
nicht vorgeschrieben, wird in vielen Fällen jedoch sinnvoll sein.
3. Über die Anwendung von chemischen Holzschutzmitteln bei nichttragenden Bauteilen
muss der Bauherr nach Beratung durch einen Sachkundigen entscheiden.
184 6 Holzkonstruktionen

4. Durch konstruktiv ausgereiften und solide ausgeführten baulichen Holzschutz sowie mit
der Auswahl von geeigneten Holzarten mit hoher natürlicher Dauerhaftigkeit kann die Ein-
stufung in die Gefährdungsklasse (Gebrauchsklasse) GK 0 erfolgen und auch bei statisch
beanspruchten Bauteilen auf chemischen Holzschutz wegen fehlender Notwendigkeit im
Sinne der DIN 68800-3 verzichtet werden.
5. Der Planer (Architekt) sollte den Bauherrn beraten und ein geeignetes Holzschutzmittel
unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten sachkundig auswählen.

6.10.6 Auswahl

Um Holz vorbeugend mit einem chemischen Holzschutz auszurüsten werden Mittel bzw.
Wirkstoffe gegen folgende Schadorganismen eingesetzt:
6
x holzverfärbende Pilze (Bläue)
x holzzerstörende Pilze (Fäulnis)
x Fäulnis und Bläue
x Insekten und Fäulnis
x Insekten, Fäulnis und Bläue
x Termiten
Zur Auswahl geeigneter Holzschutzmittel erhält das jährlich vom Deutschen Institut für Bau-
technik (DIBt) herausgegebene Holzschutzmittelverzeichnis eine vollständige Übersicht der
vom DIBt zugelassenen und mit RAL-Gütezeichen versehenen Holzschutzmittel und Bläue-
schutzmittel. Weitere Ausführungen sind im Rahmen dieses Buches nicht möglich und sollten,
wenn erforderlich, in der einschlägigen Literatur nachgelesen werden. Nachfolgende Übersicht
zeigt die Holzschutzmitteltypen, Prüfprädikate und Gefährdungsklassen mit den wichtigsten
Anwendungsbereichen auf. Sie ist eine recht sichere Quelle für die Entscheidungsfindung.
Eine Unterteilung der chemischen Holzschutzmittel erfolgt in:
x Wasserlösliche salzartige Holzschutzmittel (Tabelle 6-13)
x Wasserlösliche Emulsionskonzentrate (Tabelle 6-14)
x Teerölpräparate (Tabelle 6-15)
x Lösemittelhaltige Holzschutzmittel (Tabelle 6-16)
6.10 Chemischer Holzschutz 185

Tabelle 6-13 Wasserlösliche salzartige Holzschutzmittel (-konzentrate)

Prüf- Geeignet
Holzschutzmitteltyp Anwendungsverfahren Besonderheiten
prädikat für GK

B-Salze (Borsäure, Iv, P 1, 2  Kesseldruckverfahren Bei relativer Unbedenk-


Borax, Oktoborat, lichkeit gegenüber dem
 Trogtränkung
Natriumpolyborat) menschlichen Organis-
 Tauchen mus sind B-Salze gegen
Anwendungsbereich:
Ausschließlich für witte-  Streichen Pilze und Insekten zuver-
rungsgeschützte Holz-  Spritzen (Sprühen in lässige und wirkungsvolle
bauteile stationären Anlagen) Substanzen. B-Salze
dürfen nicht in den Ge-
fährdungsklassen 3 und 4
eingesetzt werden, da sie
nicht auswaschbeständig
sind. 6
SF-Salze Iv, P 1, 2  Kesseldruckverfahren Bei relativer Unbedenk-
(Silicofluoride) lichkeit gegenüber dem
 Trogtränkung
Anwendungsbereich: menschlichen Organis-
 Tauchen mus sind SF-Salze gegen
Ausschließlich für witte-
rungsgeschützte Holz-  Streichen Pilze und Insekten zuver-
bauteile  Spritzen (Sprühen in lässige und wirkungsvolle
stationären Anlagen) Substanzen. B-Salze
dürfen nicht in den Ge-
fährdungsklassen 3 und 4
eingesetzt werden, da sie
nicht auswaschbeständig
sind.
CFB-Salze (Bor- und Iv, P, W 1, 2, 3  Kesseldruckverfahren CFB-Salze dürfen nicht in
Fluorverbindungen, der Gefährdungsklasse 4
 Trogtränkung
Chromate) eingesetzt werden.
Anwendungsbereich:
Für Holzbauteile im
Innen- und Außenberei-
chen; geringe Auswa-
schungsbeanspruchung
CK-Salze (Kupfersalze, Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren CK-Salze können auch in
Chromate) E der Gefährdungsklasse
Anwendungsbereich: (Gebrauchsklasse) 4 mit
Für Holzbauteile im erhöhter Auswaschbean-
Innen- und Außenbe- spruchung eingesetzt
reich anwendbar werden.

CKB-Salze (Kupfersal- Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren Das Präparat kann auch


ze, Borverbindungen, E in der Gefährdungsklasse
 Trogtränkung
Chromate) (Gebrauchsklasse) 4 mit
Anwendungsbereich: erhöhter Auswaschbean-
Für Holzbauteile im spruchung eingesetzt
Innen- und Außenbe- werden
reich anwendbar
CKF-Salze Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren Das Präparat kann sowohl
E für den Innenbau und
Anwendungsbereich:  Trogtränkung
Für Holzbauteile im Außenbau (vorzugsweise
Innen- und Außenbe- für Bauteile mit erhöhter
reich anwendbar Auswaschbeanspru-
chung) eingesetzt werden.
186 6 Holzkonstruktionen

Prüf- Geeignet
Holzschutzmitteltyp Anwendungsverfahren Besonderheiten
prädikat für GK
Cu-HDO-Präparate Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren Cu-HDO-Präparate kön-
E nen auch in der Gefähr-
Anwendungsbereich:  Trogtränkung
Für Holzbauteile im dungsklasse (Gebrauchs-
Innen- und Außenbe- klasse) 4 eingesetzt
reich anwendbar werden. Das Eindringver-
halten ist im Vergleich zu
den ebenfalls fixierenden
quaternären Ammonium-
verbindungen sehr gut.

6 Tabelle 6-14 Wasserlösliche Emulsionskonzentrate

Prüf- Geeignet
Holzschutzmitteltyp Anwendungsverfahren Besonderheiten
prädikat für GK

Betain-Präparate Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren Das Präparat darf nicht


(polymeres Betain, E durch Streichen und
 Trogtränkung
Borverbindungen, Spritzen (Sprühen) appli-
Kupferverbindungen)  Tauchen (nur GK 1 ziert werden. Formulie-
und GK 2) rungshilfen sorgen für
Anwendungsbereich:
Für Holzbauteile im eine bessere Wasserver-
Innen- und Außenbereich dünnbarkeit.
anwendbar
Quat-Präparate Iv, P, W 1, 2, 3  Kesseldruckverfahren Das Präparat darf nicht
(quaternäre Ammoni- durch Streichen und
 Trogtränkung
umverbindungen, Spritzen (Sprühen) appli-
teilweise zusätzlich  Tauchen (nur GK 1 ziert werden. Quat-
Borverbindungen, und GK 2) Präparate sind nach
organische Wirkstoffe) kurzer Zeit hochfixierend,
Anwendungsbereich: weshalb nur relativ gerin-
Für Holzbauteile im ge Eindringtiefen erreicht
Innen- und Außenberei- werden.
chen; geringe bis mittlere
Auswaschungsbean-
spruchung
Organische Emulsi- Iv, P, W 1, 2, 3  Trogtränkung Das Präparat darf nicht
onskonzentrate durch Streichen und
 Tauchen (nur GK 1
(organische Wirkstoffe, Spritzen (Sprühen) sowie
und GK 2)
Emulgatoren, durch Kesseldruckim-
Lösehilfen) prägnierung appliziert
Anwendungsbereich: werden. Die Fixierung wird
Für Holzbauteile im durch Brechung der E-
Innen- und Außenberei- mulsion und Verdunsten
chen; geringe bis mittlere der Lösehilfen ausgelöst.
Auswaschungsbean-
spruchung
6.10 Chemischer Holzschutz 187

Tabelle 6-15 Teerölpräparate

Holzschutzmitteltyp Prüf- Geeignet Anwendungsverfahren Besonderheiten


prädikat für GK

Teerölpräparate Iv, P, W, 1, 2, 3, 4  Kesseldruckverfahren Teerölpräparate dürfen


(Destillation aus E ausschließlich zum Schutz
 Einstelltränkung
Steinkohleteeröl) von Eisenbahnschwellen,
Anwendungsbereich: Pfählen und Masten im
Ausschließlich für Holz- erdberührten Außenbe-
bauteile im Außenbe- reich (mit erhöhter Aus-
reich waschbeanspruchung)
eingesetzt werden. Das
Präparat darf nicht durch
Streichen, Spritzen (Sprü-
hen), durch offene Trog-
tränkung sowie durch 6
Tauchen appliziert wer-
den.

Tabelle 6-16 Lösemittelhaltige Holzschutzmittel

Holzschutzmitteltyp Prüf- Geeignet Anwendungsverfahren Besonderheiten


prädikat für GK

Lösemittelhaltige Prä- Iv, (P), W 1, 2, 3  Kesseldruckverfahren Lösemittelhaltige Präpara-


parate (organische te sind chemische Holz-
 Doppelvakuum-
Wirkstoffe, Lösemittel, schutzmittel, mit denen
tränkung
teilweise Bindemittel) ein Insektenschutz, oft-
 Trogtränkung mals in Kombination mit
Anwendungsbereich:
Für Holzbauteile im  Tauchen einem Schutz gegen
Innen- und Außenberei-  Streichen Pilzbefall und/oder Schutz
chen; geringe Auswa-  Spritzen (Sprühen in gegen Bläuepilze zu
schungsbeanspruchung stationären Anlagen) erzielen ist. Lösemittelhal-
tige Präparate dürfen nicht
in der Gefährdungsklasse
(Gebrauchsklasse) 4
eingesetzt werden. Es ist
eine ausreichende Aus-
waschbeständigkeit bis
zur GK 3 zu erzielen.

6.10.7 Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit Holzschutzmitteln

Holzschutzmittel enthalten Giftstoffe. Damit fallen sie in den Anwendungsbereich der Ge-
fahrstoffverordnung. Diese Verordnung schreibt für gefährliche Stoffe Kennzeichnungen
vor. Die Kennzeichnungsbestandteile sind auf dem Gebinde in einem Kennzeichnungsfeld
ausgewiesen (Bild 6-30).
In der Gefahrstoffverordnung sind standardisierte Hinweise auf besondere Gefahren, welche
von Gefahrstoffen ausgehen (sogenannte R-Sätze), und entsprechende standardisierte Sicher-
heitsratschläge (sogenannte S-Sätze) zu entnehmen.
188 6 Holzkonstruktionen

Kennzeichnung nach Gefahrstoffverordnung


Produktbezeichnung: ........CKB
T
Enthält: 38% Kaliumdichromat (380 g/kg) Gefahrstoffverordnung Gruppe III: Giftig beim
Einatmen, Verschlucken und Berührungen mit der
34% Kupfersulfat (340 g/kg) Haut. Reizt die Augen, Atmungsorgane und die
25% Borsäure (250 g/kg) Haut. Sensibilisierung durch Hautkontakt möglich.
Kann Krebs erzeugen in Form atembarer Aerosole.
Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen. Von
Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln fern-
halten. Bei der Arbeit nicht essen, trinken, rauchen.
Giftig Berührungen mit der Haut vermeiden. Bei der Arbeit
geeignete Schutzhandschuhe und Schutzkleidung
tragen. Bei Unwohlsein ärztlichen Rat einholen.
50 kg netto
6 Exposition vermeiden – vor Gebrauch besondere
Anweisung einholen. Verpackung nicht wiederver-
Hersteller- wenden.
Anschrift Chargen-Nr.:

Bild 6-30 Beispiel eines Kennzeichnungsfeldes für ein Holzschutzmittel

Den aufgezeigten sehr ausführlichen Warn- und Sicherheitshinweisen sind noch einige Hin-
weise hinzuzufügen:
x Holzschutzmittel müssen so gelagert sein, dass sie für Unbefugte unzugänglich sind.
x Sie müssen stets in Originalbehältern fest verschlossen aufbewahrt werden.
x Beim Verarbeiten dürfen weder Sprühnebel nach Dämpfe entstehen.
x Bei der Sonderbehandlung von gefährdeten Holzstellen mit Pasten oder Bandagen müssen
Abdeckungen gegebenenfalls mit Stacheldraht oder Drahtgeflechten angebracht werden,
um Vergiftungen von Tieren durch Belecken oder Benagen auszuschließen.
x Chemikalienempfindliche Personen und Personen mit Wunden oder Hautausschlägen dür-
fen unter keinen Umständen mit Holzschutzmitteln in Berührung kommen.
x Nach dem Verarbeiten sind die Holzschutzmittelreste so zu beseitigen und die Arbeitsgerä-
te derart zu reinigen, dass für Mensch und Tier jegliche Gefährdung ausgeschlossen ist.
x Die je nach Holzschutzmittel zur Anwendung gelangten Gefahrensymbole sind auf das
Genaueste zu befolgen.

Bild 6-31 Kennzeichnung gefährlicher Stoffe

x Beim geringsten Anzeichen einer gesundheitlichen Schädigung (z. B. Reizung der


Schleimhäute, Hautausschlag usw.), ist sofort ein Arzt aufzusuchen und ihm nach Mög-
lichkeit die Verpackung bzw. das Etikett des verarbeiteten Holzschutzmittels vorzulegen.
6.11 Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen und Insekten 189

x Untersuchungen haben gezeigt, dass beim Verbrennen von Hölzern, die mit öligen Schutz-
mitteln behandelt wurden, Giftgase entstehen können. Deshalb sollen solche Holzabfälle
niemals verbrannt werden ! Dies gilt für sämtliche holzschutzmittelbelasteten Althölzer.
x Die Notwendigkeit einer Betriebsanweisung ergibt sich in erster Linie aus der Gefahrstoff-
verordnung (GefStoffV, §14 Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten) und den
Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften. Die Betriebsanweisung ist vom
Arbeitgeber arbeitsbereichs- und stoffbezogen zu erstellen. Sie muss in verständlicher
Form und in der Sprache der Beschäftigten abgefasst werden.

6.11 Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen und Insekten


6
6.11.1 Grundlegendes

Bekämpfungsmaßnahmen erfolgen generell unter Beachtung der für die Planung und Ausfüh-
rung heranzuziehenden Regelwerke. Hierbei handelt es sich in erster Linie um die DIN
68800-4 sowie um das WTA-Merkblatt 1-2-05/D „Der Echte Hausschwamm“.
Holzzerstörende Pilze können mit chemischen Holzschutzmitteln grundsätzlich nicht bekämpft
werden. Die über den gesamten Holzquerschnitt eingewachsenen Pilzhyphen können vom
chemischen Wirkstoff nicht erreicht werden, so dass eine Abtötung des Pilzes nur im Bereich
der Eindringtiefe des Bekämpfungsmittels an der Holzoberfläche gewährleistet werden kann.
Die DIN 68 800-4 schreibt deshalb vor, dass zur Bekämpfung eines Pilzbefalls grundsätzlich
das befallene Holz mit einem Sicherheitsabstand zu entfernen (abzuschneiden) ist. Dieser Si-
cherheitsabstand beträgt bei Nassfäulepilzen (z. B. Brauner Keller- oder Warzenschwamm,
Weißer Porenschwamm...) 30 cm und beim Echten Hausschwamm 100 cm in Längsrichtung
des befallenen Holzbauteiles über den letzten visuell erkennbaren Befall.
Neben dem Ersatz von neuem Holz kann auch eine Ergänzung mit Reaktionsharzbeton erfol-
gen. Das patentierte und bauaufsichtlich zugelassene BETA-Verfahren beruht auf dem Ersatz
schadhafter oder fehlender Holzteile durch Prothesen aus Kunststoff oder Holz, so dass ein
größtmöglicher Erhalt der Originalsubstanz möglich ist. Dabei wird der geschädigte Bereich
des Holzbauteiles wie beim traditionellen Anlaschen entfernt, Bewehrungen aus glasfaserver-
stärkter Kunststoffarmierung (Glasfaserstäbe) in das verbleibende gesunde Holz eingeklebt
und schlussendlich der zuvor entfernten Teil des Holzes nachträglich mit einem speziellen
Reaktions-Kunstharz („Holzersatz“) in den ursprünglichen Dimensionen künstlich wieder
hergestellt. Der Reaktionsharz-Beton wird in eine zuvor angefertigte Schalung gegossen.
Nach dem Entfernen der Schalung liegt ein fester Verbund zwischen dem erhaltenem gesun-
den Holz und der nachträglich hergestellten Prothese vor. Die eingeklebten Glasfaserstäbe
gewährleisten die ausreichende Tragfähigkeit für Zug-, Druck-, Biege- und/oder Scherkraftbe-
anspruchung entsprechend den statischen Vorgaben.
Die herzustellenden Prothesen weisen eine Länge von maximal 100 cm auf. Bei biegebean-
spruchten Bauteilen (z. B. Deckenbalken) müssen mindestens je zwei Bewehrungsstäbe in der
Zug- und in der Druckzone entsprechend den statischen Vorgaben eingesetzt werden. Die
Durchmesser der Glasfaserstäbe betragen zwischen 10 bis 20 mm, wobei der Bohrlochdurch-
messer im Holz 8 mm größer als der einzubauende Glasfaserstab sein muss.
Grundsätzlich werden zwei Ausführungsarten unterschieden:
190 6 Holzkonstruktionen

x Kunstharzprothesen mit bauaufsichtlicher Zulassung Nr. Z.10.7.2-41 aus dem Jahr 1982
(stumpf angesetzter Balkenkopf aus Reaktionsharzbeton mit GFK-Armierung)
x Holz-an-Holz-Prothese mit bauaufsichtlicher Zulassung Nr. Z-10.7.2 aus dem Jahr 1987
(stumpf angesetztes Holz mit beidseitiger GFK-Armierung).
Da das Verfahren handwerklich und finanziell relativ aufwändig ist, wird es hauptsächlich in
Sonderfällen angewendet, wenn das traditionelle Anlaschen eines gekürzten Balkens durch
den Zimmermann aus verschiedenen Gründen heraus nicht möglich ist (Baudenkmalpflege).

Bild 6-32
Prinzip des BETA-Verfahrens

Die einzigen chemischen Mittel bei der Pilzbekämpfung sind die Schwammsperrmittel, welche
lediglich das Durchwachsen von Hausschwamm im behandelten Mauerwerk verhindern, aber
nicht abtötend wirken. Das im Mauerwerk vorhandene Myzel wird „eingesperrt“. Eine weitere
Ausbreitung „auf der Suche“ nach neuem Holz wird somit zuverlässig verhindert. Mehr kann
der chemische Holzschutz bei Pilzbefall nicht leisten.
Eine Bekämpfung von holzzerstörenden Insekten bei einem Lebendbefall hingegen ist durch
qualifizierte Fachleute ohne weiteres möglich.

6.11.2 Voraussetzungen für Bekämpfungsmaßnahmen

Wenn ein Befall durch holzzerstörende Pilze und/oder holzzerstörende Insekten bereits einge-
treten ist, sind Bekämpfungsmaßnahmen notwendig. Diese Maßnahmen werden auf der
Grundlage eines Holzschutztechnischen Untersuchungsberichtes durchgeführt. Dem Unter-
suchungsbericht eines Holzschutz-Sachverständigen muss die Art des Befalls sowie das Be-
fallsausmaß eindeutig zu entnehmen sein. Bei einem Pilzbefall muss mindestens geklärt sein,
ob es sich um den Echten Hausschwamm oder um einen Nassfäulepilz handelt. Kann der Echte
Hausschwamm auch durch mikroskopische und/oder durch molekularbiologische Bestimmung
(DNA-Analytik) nicht ohne verbleibende Restzweifel ausgeschlossen werden, muss die Be-
kämpfungsmaßnahme so geplant und ausgeführt werden, als ob es sich um einen Befall des
Echten Hausschwamms handelt. Bei einem Insektenbefall ist genau zu prüfen, ob es sich um
einen aktiven oder erloschenen Befall handelt. Ist der Befall bereits erloschen, ist eine Be-
kämpfung nicht erforderlich. Der Holzschutztechnische Untersuchungsbericht dient also dem
6.11 Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen und Insekten 191

Bauherren und unserer Umwelt nicht zuletzt zur Vermeidung von unnützen Bekämpfungs-
maßnahmen.
Gemäß Landesbauordnung einiger Bundesländer besteht eine Meldepflicht bei Feststellung
des Echten Hausschwamms durch den Eigentümer oder durch die für das Gebäude verantwort-
lichen Person. So heißt es z. B. in § 13, „Schutz gegen schädliche Einflüsse“ der Sächsischen
Bauordnung (SächsBO):
„(2) Werden in Gebäuden Bauteile aus Holz oder anderen organischen Stoffen vom Haus-
bock oder vom echten Hausschwamm befallen, haben die für den ordnungsgemäßen Zustand
des Gebäudes verantwortlichen Personen unverzüglich ein Fachunternehmen mit der Be-
kämpfung und Schadensbeseitigung auf Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung zu
beauftragen und der Bauaufsichtsbehörde die Beauftragung sowie den Abschluss der Arbeiten
schriftlich anzuzeigen.“
Die DIN 68 800-4 fordert zusätzlich ausdrücklich eine besondere Rücksichtnahme auf schüt-
6
zenswerte Tiere wie beispielsweise Fledermäuse, Eulen und Turmfalken. In diesem Falle dür-
fen nur bestimmte Bekämpfungsmittel eingesetzt werden, die von einer autorisierten Prüfstelle
als hierfür verträglich und geeignet befunden wurden. Des Weiteren dürfen die Bekämp-
fungsmaßnahmen zeitlich erst dann durchgeführt werden, wenn jahreszeitlich bedingt ein Be-
satz durch schützenswerte Tiere zweifelsfrei nicht besteht.
Die in der DIN 68800-4, dem WTA-Merkblatt sowie in einigen Landesbauordnungen gefor-
derte Sachverständigeneinschätzung in Form eines Untersuchungsberichtes sowie die Durch-
führung der Bekämpfungsmaßnahme darf ausschließlich von qualifizierten Holzschutzsach-
verständigen und ausgewiesenen Fachbetrieben erbracht werden. Eigenleistungen privater
Bauherren sind auf Grund der fehlenden Sachkunde beim Verarbeiten der Holzschutzmittel
und in der späteren Nutzung gefährlich und sicher leicht nachvollziehbar vollkommen unange-
bracht.

Bild 6-33
Der "Sachkundenachweis Holzschutz am
Bau" weist die in DIN 68 800-4 (u. a.)
geforderte Qualifikation nach. Der Inha-
ber verfügt über die Kenntnisse und Fer-
tigkeiten entsprechend dem Stand von
Wissenschaft und Technik für die Vorbe-
reitung, Anleitung, Durchführung und
Prüfung von gesundheitlich unbedenkli-
chen und umweltverträglichen Holz-
schutzmaßnahmen.
192 6 Holzkonstruktionen

6.11.3 Chemische Bekämpfungsmittel

Für den bekämpfenden chemischen Holzschutz werden Mittel bzw. Wirkstoffe gegen fol-
gende Schadorganismen eingesetzt:
x Insekten im Holz (eventuell in Kombination mit vorbeugendem Schutz gegen Pilze und
Insekten)
x Hausschwamm im Mauerwerk (Schwammsperre, Bekämpfung mit chemischen Wirkstof-
fen ist nicht möglich)
Die einzusetzenden Holzschutzmittel werden unter Zuhilfenahme des Holzschutzmittelver-
zeichnisses unter Berücksichtigung von der Art des Befalls, der Gefährdungsklasse des Bautei-
les und der geplanten Nutzung ausgewählt. Wie beim vorbeugenden Holzschutz müssen auch
bei Bekämpfungsmaßnahmen die verwendeten Holzschutzmittel eine bauaufsichtliche Zulas-
6 sung besitzen, wenn sie an tragenden oder aussteifenden Bauteilen verarbeitet werden.
Zur Bekämpfung von holzzerstörenden Insekten kommen anwendungsfertige, wässrige oder
lösemittelhaltige Präparate sowie wasserverdünnbare Konzentrate zum Einsatz. Um einen
entsprechenden Bekämpfungserfolg abzusichern, ist in jedem Falle Wirkstoffmengen zwischen
300 bis 350 ml/m² Holzfläche zu verarbeiten. Folgende Wirkstoffe werden für Bekämpfungs-
maßnahmen -auch in Kombinationen untereinander- angeboten:
x Borverbindungen
x Organische Insektizide
x Quaternäre Ammoniumverbindungen (Quats)
x IPBC (3-Jodo-2propinylbutylcarbamat)

6.11.4 Zusammenstellung von Schäden an Hölzern und holzhaltigen


Baustoffen

Nach Feststellung von Art, Schwere, Umfang und Ausbreitung ist die Bekämpfung eines Be-
falls vollständig möglich. Eine erfolgreiche Schadensbeseitigung setzt folgende Kenntnisse
voraus:
x Art des Befalls
x Umfang des Befalls
x Bei Pilzbefall: verursacht durch den Echten Hausschwamm oder von einem Nassfäulepilz?
Bei Befall durch den Echten Hausschwamm sind besondere Maßnahmen notwendig.
x Bei Insektenbefall: Liegt ein aktiver (lebender) oder abgestorbener Befall vor? Anzeichen
für lebenden Befall sind z. B. helle Ausflugslöcher, Nagegeräusche, frisches Bohrmehl. Bei
sehr alten Holzbauteilen (100 Jahre) ist ein Neubefall durch den Hausbockkäfer eher un-
wahrscheinlich.
Unter Beachtung der DIN 68800-4 erfolgt die Bekämpfung eines Insektenbefalls durch:
x Einsatz von chemischen Bekämpfungsmitteln
x Heißluftbehandlung
x Begasung
Die Bekämpfung eines Pilzbefalls erfolgt ebenfalls nach DIN 68800-4 ausschließlich durch
x Beseitigung der Feuchteursache
x Gesundschnitt, Ausbau des befallenen Holzes
6.11 Bekämpfung von holzzerstörenden Pilzen und Insekten 193

Die Ausführungen lassen deutlich erkennen, dass eine erfolgversprechende Bekämpfung der
Holzschädlinge ein umfangreiches Fachwissen voraussetzt. Die Behandlung darf daher nur
durch einen ausgewiesenen Fachbetrieb durchgeführt werden.
Die folgende tabellarische Aufstellung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie
dient ausschließlich zur groben Orientierung der wichtigsten erforderlichen Bekämpfungs-
maßnahmen. Die Festlegungen in DIN 68800-4 und WTA-Merkblatt sind in Bezug auf die
örtlichen Gegebenheiten zu prüfen und genauestens zu befolgen.

Tabelle 6-17 Schadbilder und Maßnahmen (Grobübersicht)

Schadbild Sanierung im Regelfall (Beispiele)

Befall durch ein Nassfäulepilz  Ursachen für erhöhte Holzfeuchte klären und 6
 Brauner Keller- oder Warzenschwamm beseitigen
 Weißer Porenschwamm  Ausbau von Schüttungen bis mindestens 1,50
 Ausgebreiteter Hausporling m über den letzten visuell erkennbaren Befall
 „Gesundschnitt“ des befallenen Holzes mindes-
tens 30 cm in Längsrichtung über den letzten
visuell erkennbaren Befall und Ersatz
 Vorbeugender Holzschutz
Befall durch „Trockenfäule“  Ursachen für erhöhte Holzfeuchte klären und
 Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans) beseitigen
 Ausbau von Schüttungen bis mindestens 1,50
m über den letzten visuell erkennbaren Befall
 Abschlagen des Putzes bis mindestens 1,50 m
über den letzten visuell erkennbaren Befall
 Putzoberflächen und Mauerwerk auf Durch-
wachsungen sorgfältig untersuchen
 Oberflächenbehandlung des Mauerwerks mit
Schwammsperrmittel
 Gegebenenfalls Bohrlochinjektion des Mauer-
werks mit Schwammsperrmittel
 „Gesundschnitt“ des befallenen Holzes mindes-
tens 100 cm in Längsrichtung über den letzten
visuell erkennbaren Befall und Ersatz
 Vorbeugender Holzschutz
Lebendbefall durch Trockenholzinsekten  Anwendung des Heißluftverfahrens
 Gewöhnlicher Nagekäfer  Anwendung des Begasungsverfahrens
 Hausbock  Anwendung von chemischen Bekämpfungs-
mitteln
 Prüfung des tragfähigen Restquerschnittes
 Bei Notwendigkeit vorbeugender Holzschutz
Abgestorbener Befall durch Trockenholzinsekten  Keine Bekämpfungsmaßnahme erforderlich
 Gewöhnlicher Nagekäfer  Prüfung des tragfähigem Restquerschnittes
 Hausbock  Bei Notwendigkeit vorbeugender Holzschutz
Lebendbefall durch Frischholzinsekten  Keine Maßnahmen erforderlich, da Neubefall
 Holzwespe an verbautem Holz ausgeschlossen ist
 Eventuell Dampfsperren und Dampfbremsen
auf Beschädigungen prüfen
194 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-34 Ablauf von Bekämpfungsmaßnahmen, Zusammenstellung nach H-J. Rafalski 1990
6.12 Entscheidungskriterien für Holzschutzmaßnahmen 195

6.12 Entscheidungskriterien für Holzschutzmaßnahmen

6.12.1 Schadensfeststellung

Die Schadensfeststellung erfolgt im Rahmen eines Holzschutztechnischen Untersuchungsbe-


richtes durch einen Sachkundigen auf dem Gebiet des Holz- und Bautenschutzes. In der DIN
68800-4 in Pkt. 2.3 ist dazu Folgendes geregelt:
„Voraussetzung für Bekämpfungsmaßnahmen ist die eindeutige Feststellung der Art der
Schadorganismen und des Befallsumfanges durch dafür qualifizierte Fachleute oder Sachver-
ständige. Die Ergebnisse sind dem Auftraggeber in einem Untersuchungsbericht vorzulegen.“
Die Holzschutztechnische Untersuchung erfolgt unter Beachtung der folgenden Hinweise:
6
1. Bei zu sanierenden Häusern bestehen meistens zwischen den einzelnen Bauteilen (Gefüge)
wechselseitige Beziehungen (z. B. beim Fachwerkbau). Weist dieser strukturelle Befund
größere Mängel auf, die auf Unsicherheiten in der Standsicherheit schließen lassen, ist un-
bedingt ein Statiker hinzuzuziehen. Der Größe, Lage, Bedeutung des Gebäudes entspre-
chend können einfache Abstützungen genügen oder differenzierte statische Sicherungs-
maßnahmen nötig sein. Häufig sind durch holzzerstörende Pilze befallene Holzbalkende-
cken nicht mehr voll tragfähig, so dass unverzüglich Abstützungsmaßnahmen eingeleitet
werden müssen. Zur Beurteilung der Standsicherheit von Gebäuden, einzelnen Bauteilen
oder der Restquerschnitte von befallenen Balken sind Sonderfachleute (Statiker) hinzuzu-
ziehen.
2. Durch Säubern, Abkehren, Abbürsten der Holzkonstruktion, insbesondere der Verbindun-
gen, werden Fehlstellen, Risse, Bruchstellen, Schadstellen durch Verwitterung, Fäulnis,
Schwamm, tierische Schädlinge sichtbar. Die visuellen Eindrücke können durch akustische
ergänzt werden. Beim Beklopfen mit dem Hammer oder dem Beilrücken wird bei gesun-
dem und befallenem Holz ein sehr unterschiedlicher Klang erzeugt (hell, hart oder dumpf,
schwach). Bei dicken Hölzern ist der Schadensanteil durch Abbeilen festzustellen. Insek-
tenbefall ist bei Eichenholz selten, weil bei Eiche nur Splint betroffen wird und dieser An-
teil bei Halb- und Kreuzhölzern gering, bei Ganzhölzern sehr gering ist.
3. Nach Augenschein ist die Qualität und Oberfläche des zu begutachtenden Holzes zu be-
schreiben. Die fraglichen Teile sollten fotografisch festgehalten werden.
4. Die Struktur des fraglichen Holzes, mögliche Verfärbungen, Verletzungen der Holzober-
fläche, auch Öffnungen, wie z. B. Ausschlupflöcher aber auch Myzel, Fruchtkörper von
Pilzen sowie Fäuleschäden sind zu beschreiben bzw. fotografisch festzuhalten. Ist Sporen-
befall vorhanden bzw. sind Sporen unterhalb der Fruchtkörper verteilt zu finden, sind diese
zu sammeln und gemeinsam mit Teilen des Fruchtkörpers einem Untersuchungsinstitut zur
Verfügung zu stellen. Sinn dieser Maßnahme ist, zunächst einmal deutlich abzugrenzen, ob
beispielsweise der Pilzschädlingsbefall durch den „Echten Hausschwamm“ erfolgt ist.
5. Ist eine makroskopische Pilzbestimmung vor Ort durch den Sachkundigen auf Grund von
nicht eindeutigen Bestimmungsmerkmalen nicht möglich, müssen repräsentative Proben
des geschädigten Holzes entnommen und in speziellen Prüfinstituten entweder mikrosko-
pisch oder molekularbiologisch durch DNA-Analytik untersucht werden.
6. Nach Feststellung der Befallsart und des Befallsumfanges werden die notwendigen Be-
kämpfungsmaßnahmen vom Sachkundigen genau festgelegt. Die genauen Befallsgrenzen
können jedoch zum Zeitpunkt der Untersuchungen nur selten festgelegt werden, da in der
Regel nur partielle Sondierungsöffnungen vorhanden sind.
196 6 Holzkonstruktionen

7. Weiterhin sind die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes und die künftige Nutzungsart des
Gebäudes zu berücksichtigen. Wenn in der Vergangenheit eine Nutzungsänderung stattge-
funden hat, soll auch diese dokumentiert werden. Außerdem ist festzustellen und festzuhal-
ten, ob in der unmittelbaren Nachbarschaft des fraglichen Gebäudes schädlingsbefallenes
Holz vorhanden ist.
8. Der Gebäudezustand nach Ausbau der Gefache bietet die Möglichkeit zu einem genauen
Aufmaß mit Darstellung aller Konstruktionsdetails. Besonders Zierhölzer, Schmuckmotive,
Schnitzereien, Farbbefunde sollten fotografisch und grafisch erfasst werden. Aus alten An-
schlüssen und Verbindungsstellen können Rückschlüsse auf Umbauten, Anbauten, Wie-
derverwendung von Hölzern gewonnen werden, die die Grundlage einer Restaurierung bil-
den können.
9. Des Weiteren erfolgt im Rahmen des Untersuchungsberichtes eine Einschätzung hinsicht-
6 lich eventuell vorhandener Kontamination mit chlorierten Kohlenwasserstoffen (Pentach-
lorphenol, DDT und Lindan), welche bei Vorhandensein in Abhängigkeit der Konzentrati-
on eine ernst zu nehmende Gesundheitsgefährdung für die tätigen Handwerker und zukünf-
tigen Bewohner/Nutzer darstellen können.

Folgende exemplarisch aufgeführte Merkmale sind zur makroskopischen Bestimmung der


Befallsart von Bedeutung:
x Art, Farbe, Größe, Biegsamkeit, Festigkeit auf dem Untergrund von Myzel, Strängen und
Fruchtkörper
x Art, Größe und Ort von Ausschlupflöchern
x Beschaffenheit von Fraßgängen und Nagsel
x Ausmaß des Schadens
x Merkmale des Schadens (Weißfäule oder Braunfäule)
x Bedingungen am Schadensort (Feuchteangebot, Temperatur, Zugluft, Lichtverhältnisse
usw.)
x Befallene Holzart
x Weitere objektspezifische Hinweise

6.12.2 Schadenskatalog (Untersuchungsbericht)

Die Schadensfeststellung und Dokumentation erfolgt raumweise. Die geöffneten Bereiche


werden in eine Prinzipskizze schematisch eingetragen, die Holzbauteile nummeriert und der
Befund farblich gekennzeichnet. Es sollte eine aussagekräftige Fotodokumentation enthalten
sein.
Für den Untersuchungsbericht könnte folgende Grobgliederung gewählt werden:
1. Vorbemerkungen/Aufgabenstellung
2. Vorhandene Holzschutzmaßnahmen (chemischer Erstschutz, eventuelle Kontamination
durch PCP, DDT, Lindan usw.)
3. Feststellungen zur Ortsbegehung (Schadendokumentation)
4. Bewertung der Feststellungen
5. Maßnahmen zur Bekämpfung
6. Grobkostenschätzung (optional)
7. Zusammenfassung
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 197

Kenndatenermittlung
1. Bestimmung der Holzfeuchte
a) zerstörungsfreie Widerstandsmessung (baupraktisch leicht anwendbar und bis zur Fa-
sersättigung ausreichend genaues Verfahren)
b) zerstörend gravimetrische Feuchtemessung (Darrmethode, sehr genaue, aber auch auf-
wendige Messung, wird eher seltener von Sachverständigen mit entsprechender Ausrüs-
tung angewendet)
2. Bestimmung der Luftfeuchtigkeit
3. Endoskopie
Wichtige Erkennungsmerkmale zur Schädlingsbestimmung
Folgende exemplarisch aufgeführten Merkmale sind zur makroskopischen Bestimmung der
Befallsart von Bedeutung: 6
x Holzfeuchtegehalt
x Art, Farbe, Größe, Biegsamkeit, Festigkeit auf dem Untergrund von Myzel, Strängen, Spo-
ren und Fruchtkörper
x Art, Größe und Ort von Ausschlupflöchern
x Erscheinungsbild der Larven
x Beschaffenheit von Fraßgängen und Nagsel (Färbung und Form der Kotballen)
x Ausmaß des Schadens
x Merkmale des Schadens (Weißfäule oder Braunfäule)
x Bedingungen am Schadensort (Feuchteangebot, Temperatur, Zugluft, Lichtverhältnisse
usw.)
x Befallene Holzart
x Weitere objektspezifische Hinweise

6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten

In den vorangegangenen Kapiteln sind eine Vielzahl von Details zur Sanierung und Rekon-
struktion von Holzbauteilen aufgezeigt wurden. Dennoch muss einiges dem Experten vorbe-
halten bleiben. Die praktischen Möglichkeiten werden sich für den „Nichtfachmann“ auf ein-
fache Tätigkeiten wie Entlacken (Beizen), Verleimen, Veredlung (Streichen) begrenzen müs-
sen. Deshalb an dieser Stelle einige Anregungen, denn auch bei den aufgezeigten Arbeiten
kann man durch unsachgemäßes Vorgehen den ganzen Aufwand für die Sanierung verderben
oder in der Qualität stark mindern.

6.13.1 Handwerkliche Techniken und Materialien

Entlacken
Das Entlacken erfolgt traditionsgemäß durch Lösungsmittel oder mechanisches Entfernen der
alten Lackschichten und Spachtelmassen mit Schwingschleifer, Schleifpapier oder Heißluftge-
rät. Da es lange Zeit üblich war Fenster und Türen mehrfach überzulackieren, waren die fein-
gefrästen Profile und die natürliche Struktur des Holzes nur noch in Ansätzen zu erkennen und
häufig „versteckten“ sich auch unter der dicken Lackschicht schöne Ornamente.
198 6 Holzkonstruktionen

Beizen
Die Farbgebung von Holz kann durch Beizen verändert werden. Dabei kommt es durch eine
chemische Reaktion oder durch Zugabe von Pigmenten zur Farbveränderungen an der Holz-
oberfläche. Die holzartenspezifische Maserung bleibt erhalten oder kommt nach dem Beizen
noch besser zur Geltung.
Folgende Beizverfahren werden üblicherweise angewendet:
x Chemisches Beizen (Gerbsäure)
x Lösungsmittelbeizen(Pigmentierung an der Holzoberfläche)
x Wasserbeizen (Pigmentierung an der Holzoberfläche)
x Räuchern (Reaktion von Salmiakgeist und Gerbsäure)

Moderne technische Verfahren


6 Mit weitaus weniger manuellem Aufwand, sicher im Preis etwas höher, aber dafür in der
Gründlichkeit der Ausführung einwandfrei, sind industrielle Verfahren, die aber nur durch
Fachbetriebe mit entsprechender Technik ausgeführt werden können.

Tabelle 6-18 Industrielle und handwerkliche Verfahren

Arbeitsgang Ausführung
Entlacken Entlacken der Holzoberfläche auf der Grundlage von Natron- bzw. Kalilauge FCKW-
frei. Über eine speziell entwickelte Laugenmaschine werden durch ein Düsensystem
die Holzteile eingesprüht. Entstehende Dämpfe werden über einen Luftreiniger ent-
sorgt.
Beizen Beim Beizen kommt es durch eine chemische Reaktion oder durch Zugabe von Pig-
menten zur gewollten Farbveränderung an der Holzoberfläche.
Neutralisieren In einer Oxal- oder Phosporsäure werden Türen oder Fenster oder andere Holzbautei-
le neutralisiert. Als Nebeneffekt erreicht man ein zusätzliches Aufhellen (Bleichen).
Nach Ablaugen werden die Holzbauteile unter Hochdruck mit klarem Wasser gesäu-
bert.
Trocknen Wenn unmittelbar nach dem Ablaugen weitergearbeitet werden soll, werden die Holz-
bauteile in Trockenkammern auf den erforderlichen Feuchtigkeitsgrad gebracht.
Entfasern Bei Holzbauteilen, z. B. Fensterladen, aus relativ weichem Holz wie Kiefer, Pitch-Pine,
reagieren deren Holzfasern extrem auf die unvermeidbare Nässe beim Ablaugen. Ein
Schleifen von Hand wäre hier sehr aufwändig. Ein mechanisches Verfahren durch ein
behutsames Sandstrahlen mit Glasgries macht die Holzbauteile nach Behandlung
unmittelbar weiterverarbeitungsfähig.
Restaurieren Wenn erforderlich mit Holzschutzmitteln. Komplette Restaurierung
entsprechend der technischen Möglichkeiten und den individuellen Vorstellungen des
Bauherrn.

Verleimung
Zu den üblichen und bekannten Verfahren des Verleimens kommen noch einige, für Sanie-
rungsarbeiten notwendige Ergänzungen. Wenn es um die Montage verschiedener Holzteile
geht, kommt es auf die gute Verbindung an. Als Alternativen zu Schrauben und Nägeln stehen
Klebstoffe zur Verfügung. Eine flächenfeste Verbindung von Holz und Holzwerkstoffen wird
mit festen, pastösen oder flüssigen Klebstoffen erreicht. Aber nicht alles was klebt ist geeignet,
Holz dauerhaft zu verbinden. Besonders empfehlenswert ist Weißleim, der auch als Holz- oder
Kaltleim bezeichnet wird und für außerordentlich haltbare Verbindungen sorgt. Der Klebstoff
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 199

kann dabei linienförmig, punktuell oder vollflächig aufgetragen werden. Um einen guten Haft-
verbund zu gewährleisten, sind die Holzteile so zu verkleben, dass die Holzfasern der beiden
Klebeteile parallel verlaufen. Verklebte Hirnholzflächen weisen einen nur geringen Haftver-
bund auf.
Die Lage der Jahrringe ist aus folgendem Grund zu beachten:
Da Holz bedingt durch seine anisotropen Eigenschaften zu Verformungen und Verwerfungen
neigt, ist die richtige Festlegung der Lage des Holzbauteils von großer Bedeutung. Die vom
Kernholz abgewandte Seite eines Holzbauteiles -die sogenannte linke Seite- zieht sich hohl.
Die genüberliegende, dem Kern zugewandte (rechte) Seite zieht sich rund.

Bild 6-35
Ausgeprägte Verformung nach dem Ver- 6
leimen

Um diesen Prozess weitgehend zu unterbinden, werden die zu verleimenden Flächen immer


wechselseitig angeordnet.

Bild 6-36
Schwache Verformung nach dem Verlei-
men

Holzveredlung
Wenn Rohholz bearbeitet wird um bestimmte gewünschte Eigenschaften zu erreichen, spricht
man von Holzveredelung.

Tabelle 6-19 Verfahren zur Holzveredlung

Beispiele Holzveredelung Zweck


Hitzebehandlung (Thermoholz) Verbesserung der Beständigkeit gegen biotische Schädlinge
(kein Holzschutz im Sinne der DIN 68 800-3)
Dämpfen Verbesserung/Veränderung des visuellen Erscheinungsbildes
der Holzoberfläche
Versiegeln Schutzfunktion gegen mechanische Einwirkungen und Ver-
schmutzungen
Färben, Lasuren, Lacke Wetterschutz, Verbesserung/Veränderung des visuellen Er-
scheinungsbildes der Holzoberfläche

Lacke (deckende Anstrichsysteme), Lasuren, Öle und Wachse


Zum Wetterschutz für Außenbauteile tragen auch Anstriche bei. Während Lacke einen Film
auf der Holzoberfläche ausbilden und das Holz versiegeln, lassen Lasuren die Poren des Hol-
zes offen. Eine glänzende Oberfläche kann nur mit Lacken erzielt werden. Auf Außenflächen
sollten nur elastische und wasserdampfdurchlässige Anstrichsysteme verwendet werden. So ist
gewährleistet, dass die über Risse und Fugen eindringende Feuchtigkeit wieder zeitnah ausdif-
fundieren kann und die Beschichtung bei hygrisch bedingten Verformungen des Holzes nicht
abplatzt. Bei der Beschichtung ist der Grundsatz „innen dichter als außen“ zu berücksichtigen.
200 6 Holzkonstruktionen

Vor Verschmutzung schützen Lacke und Lasuren gleichermaßen.


Auf überwiegend natürliche Weise kann man die Holzoberfläche mit Ölen und Wachsen
schützen. Öle, wie beispielsweise Leinöl, dringen tief ins Holz ein, während Wachse eher
einen Schutzfilm ausbilden. Mit letzteren kann man sogar eine glänzende Oberfläche erzielen.
Beide Produkte schützen die Holzoberfläche in erster Linie vor Verschmutzung und Feuchtig-
keit. Sie betonen die Farbe und Maserung des Holzes.
Holz in Innenräumen lässt sich in den meisten Fällen durch konstruktive Maßnahmen aus-
reichend schützen. Für dekorative Wirkung und Schmutzabweisung lässt sich mit Lasuren,
Lacken, Ölen und Wachsen ein visuell ansprechender Anstrich mit sinnvollem Schutz kombi-
nieren. Um aber einen wirksamen Schutz zu erzielen, ist es erforderlich, den Untergrund fach-
gerecht vorzubereiten. Folgende Punkte sollten dabei Beachtung finden:
x Schmutz und andere Rückstände entfernen
6 x ölhaltige Mittel nicht auf feuchtes Holz auftragen
x bei salzhaltigen Mitteln gewährleistet erst die Holzfeuchte das Eindringen der Wirkstoffe
x für die Farbhaftung ist für Lacke und Farben ein geschliffener Untergrund erforderlich

Tabelle 6-20 Beschichtungssysteme

Deckende Anstriche Holzlasuren


Nadelholz Laubholz Nadelholz Laubholz
Neuer Grundanstrich mit Grundanstrich mit Grundanstrich mit Grundanstrich mit
Anstrich Holzschutzmittel Holzschutzmittel Holzschutzlasur Holzschutzlasur
oder Grundierung oder Grundierung Zweiter Anstrich Zweiter Anstrich
auftragen auftragen mit Schutzlasur mit Schutzlasur
Eventuell Eventuell Erster Anstrich Anstrich mit
Zwischenschliff Zwischenschliff mit Holzlasur Holzlasur
Erster Anstrich Erster Anstrich Zweiter Anstrich
mit verdünnter mit verdünnter mit Holzlasur
Lackfarbe Lackfarbe
Zweiter Anstrich Zweiter Anstrich
mit Lackfarbe mit Lackfarbe

Über- Alte Lackschicht anschleifen und entstauben Alte Lasurschicht anschleifen und
holungs- Bei dunklem Untergrund, auf den eine hellere entstauben
anstrich Farbe aufgetragen werden soll, mit weißer Erster Lasuranstrich
Grundierung vorstreichen Zweiter Lasuranstrich
Zwischenschliff
Erster Lackanstrich
Zwischenschliff
Zweiter Lackanstrich
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 201

Beschichtungsaufbau
Darunter versteht man die Reihenfolge, in der Schutzmittel und Farbe aufgetragen werden, um
eine dauerhafte Beschichtung zu gewährleisten. Die einzelnen Anstriche mit Holzschutzmit-
teln, Grundierungen, Lacken und Lasuren müssen grundsätzlich gut durchtrocknen und even-
tuell zwischendurch geschliffen werden. Vor einem Neuanstrich sollte nach Möglichkeit die
Holzfeuchte mit dem Widerstandsmessgerät ermittelt werden. Sie soll bei Nadelhölzern nicht
mehr als 15 Prozent und bei Laubhölzern nicht mehr als 12 Prozent betragen. Werden diese
Werte deutlich überschritten, fault das Holz durch die eingeschlossene Feuchtigkeit. Auch
können sich Farbschichten ablösen, ein ausreichender Schutz ist dann nicht mehr gewährleis-
tet.
Um eine gleichbleibende Schichtdicke zu gewährleisten, sind die Holzkanten leicht abzurun-
den (Bild 6-37) und nur solche Anstrichmittel zu verwenden, die die Poren nicht verschließen
(diffusionsoffene Anstrichsysteme). 6
Diffusionsoffene Anstriche ermöglichen die Verdunstung eingedrungener Feuchtigkeit. Dabei
ist grundsätzlich zu beachten, dass die Außenseite des Bauteiles (z. B. Fenster) diffusionsoffe-
ner als die Innenseite des Bauteiles beschichtet wird. Wird dies nicht beachtet, kommt es zur
Feuchteanreicherung im Holzquerschnitt.

Bild 6-37 Skizze aus dem Merkblatt Nr. 1 der DGfH. Durch eine Abrundung der Kanten wird
eine gleichbleibende Schichtdicke erzielt
202 6 Holzkonstruktionen

Bild 6-38 Anwendungsbeispiele für verschiedene Materialien


6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 203

6.13.2 Innenausbau-Details

Bei der Modernisierung und Sanierung in den Innenräumen haben sich Holzbekleidungen an
Wand, Decke und im Dachgeschoss gleichberechtigt neben Putz und Tapete auf Grund vieler
positiver Eigenschaften durchgesetzt. Sie erzielen:
x bessere Wärmedämmung auf Grund der Zellstruktur
x Energieeinsparungsmöglichkeiten durch Verlegung von Dämmaterialien in die Unterkon-
struktion unter Beachtung der bauphysikalischen Zusammenhänge
x vorteilhafte Installationsverlegung hinter den Bekleidungen
x den Einsatz einer breiten Farbpalette von wirkstofffreien Lasuren, Wachsen oder Lacken
Die Sanierung bzw. Modernisierung an Wand, Decke und Dachgeschoss kann mit massiven
Profilhölzern auch vom Heimwerker ausgeführt werden, wenn die entsprechenden konstrukti-
ven Regeln (z. B. die Anordnung einer funktionierenden Dampfbremse) eingehalten werden. 6
Nachfolgend einige Lösungsbeispiele für horizontale und vertikale Holzbekleidungen (nach
Empfehlung der AG Holz). Gleichermaßen wichtig und für alle Konstruktionen gilt: Bevor mit
der Montage begonnen wird, sollten die Holzelemente mehrere Tage im Raum gelagert wer-
den, sodass sie sich an das Innenklima anpassen können. Auch die Oberflächenbehandlung

Innenecke Anschluss Wand – Decke


Bild 6-39 Holzbekleidungen

Bild 6-40
Unterkonstruktion
204 6 Holzkonstruktionen

6 Anschlüsse im Fensterbereich Sanitärobjekt


Bild 6-41 Anschlüsse

sollte vor der Montage abgeschlossen sein, damit keine unbehandelten Stellen sichtbar werden,
wenn das Holz nachtrocknet. Holzbekleidungen werden auf einer ebenen ausgerichteten Un-
terkonstruktion aus gehobelten Dachlatten, die im Abstand von etwa 50 cm an die Wand oder
Decke gedübelt werden, montiert.

Nachträglich einzuziehende Trennwände


Nachträglich einzuziehende Trennwände werden häufig mit Holzrahmen und beidseitiger
Plattenbeplankung konstruiert. Im Hohlraum finden Dämmung und Installationen Platz. Die
Flächen können z. B. mit Profilholz oder Paneelen bekleidet werden. Für erhöhten Schall-
schutz sorgt ein zweischaliger Aufbau mit zwei „entkoppelten“ Rahmen.

Bild 6-42 Holzständerwände

Zwischendecken – Dielenböden
Dankbare, attraktive und kostengünstige Sanierungsobjekte sind auch Zwischendecken in der
zweiten Ebene, Podeste mit Holztragwerk aus Fichte oder Tanne und einem Dielenboden e-
benfalls in Nadelholz. Neue Dielenböden oder Fertigparkett haben den Vorteil, dass sie meist
problemlos auf die alten Fußböden oder Rohdecken verlegt werden können.
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 205

6
Bild 6-43
Gelungene Abstimmung
Zwischendecke – Tragwerk –
Fußboden

6.13.3 Sanierung von Außenbauteilen

Bei der Sanierung von Bauteilen im Freien ist grundsätzlich zu unterscheiden:


1. Modernisierung und Schutz vorhandener Holzkonstruktionen
2. Auswechseln einzelner Teile
3. Neugestaltung durch Umbau, Ausbau und Anbau

Dunkle Verfärbung, abblätternder Lack:


Ursachen sind falscher Aufbau der Beschichtung und Beschädigungen von außen. Der alte
Anstrich muss entfernt werden und das Holz austrocknen können.

Fäulnis und Pilzbefall:


Ursache ist zu hohe Holzfeuchte durch mangelhaften Schutz. Die befallenen Teile sind auszu-
wechseln.

Harzausscheidungen bei Nadelhölzern:


Ursache ist eine für Nadelhölzer falsche Beschichtung. Der Harzfluss muss entfernt und abge-
sperrt werden.
Legende für Außenwandkonstruktion für GK 0 (Bild 6-44)
1 raumseitige Bekleidung oder Beplankung 6 Hartschaumplatten
2 Dampfsperre 6a Holzwolleleichtbauplatten
3 Holzquerschnitt 7 Kunstharzputz
4 mineralischer Faserdämmstoff 10 mineralischer Putz
5 äußere Bekleidung oder Beplankung aus
Holzwerkstoffklasse 100
206 6 Holzkonstruktionen

a) mit belüfteter Vorhangschale auf b) mit unbelüfteter Vorhangschale auf


lotrechter Lattung waagerechter Lattung
Bild 6-44 Außenwandkonstruktion für GK 0 (waagerechter Schnitt)

Bild 6-45
Anwendungsmöglichkeit einer Holz-
bekleidung
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 207

1 Außenwandbekleidung als Boden-Deckel-


Schalung
2 Lattung
3 Diffusionsoffene Wetterschutzbahn
4 Wärmedämmung
5 Ziegelverblendmauerwerk
6 Luftschicht
7 Hintermauerwerk
8 Innenputz
12 Isolierglasfenster
6
13 Vollmauerwerk
14 Außenwandputz

a) Wandaufbau b) Grundriss Fensteranschluss


Bild 6-46 Wandaufbau und Fensteranschluss

Fassaden
Die Renovierung von Fassaden mit Holz, d. h. die nachträgliche Bekleidung von Fassaden mit
Vollholz wie Schindeln, Profilbrettern, Stülpschalungsbrettern, besäumte und unbesäumte
Bretter gewinnt zurzeit ständig an Bedeutung. Fassadenbekleidungen aus Holz:
x schützen die Außenwand vor Witterungseinflüssen
x ersetzen beim Neubau den Putz
x ermöglichen auch beim Altbau eine Außendämmung
208 6 Holzkonstruktionen

x werten den Baukörper durch ästhetische Gestaltung auf


x bieten für nachträgliche Anbauten oder Aufstockungen die Möglichkeit einer einheitlichen
Gestaltung
Die Modernisierung in Form einer Stülp- und/oder Leistenschalung sollte empfehlenswerter-
weise vom Fachbetrieb ausgeführt werden, aber auch der Selbstbau ist durch den Sanierungs-
willigen unter Anleitung eines Experten möglich. Wichtige konstruktive Punkte sind:
x Die Holzqualität sollte auch nach optischen Gesichtspunkten vorgenommen werden.
(VOB Teil C DIN 18334 und DIN 68365)
x Die Brettdicke sollte 20 mm nicht unterschreiten.
x Die Einbauholzfeuchte sollte 20 % nicht überschreiten; Profilbretter sollten vor dem Auf-
bringen auf etwa 16 % herunter getrocknet werden.
x Die Unterkonstruktion ist abhängig von der Dämmung, der evtl. Hinterlüftung und der
6 Anordnung der Bretter. Sie ist mit bauaufsichtlich zugelassenen Dübeln auf, bzw. an der
Wand zu befestigen.
x Als Wärmedämmmaterial eignet sich sowohl Mineralwolle als auch Kunststoff
(z. B. Styropor).
Für wichtige vertiefende Hinweise sollte die Fachliteratur, die Herstellervorschriften und der
Expertenrat beachtet werden.

a) Befestigung mit Schrauben und Nägeln aus b) Auf wasserführende Verarbeitung


Edelstahl oder Spezialklammern achten
(Profilholzklammern)

Bild 6-47 Fassadenaufbau

Balkone
Balkone können in Verbindung mit Fassadensanierungen einfach, schnell und ohne vertikale
Belastung der vorhandenen Wandkonstruktion selbsttragend vor die Fassade gestellt werden.
Da die DIN 1052 eine bauaufsichtlich eingeführte Baubestimmung ist, dürfen Balkone nur aus
bestimmten -im Regelwerk aufgeführten- Holzarten erstellt werden. Balkonkonstruktionen
sind im Allgemeinen einer unmittelbaren Wetterbeanspruchung ausgesetzt und daher in die
Gefährdungsklasse (Gebrauchsklasse) GK 3 einzuordnen. Somit besteht eine Gefährdung
durch Insekten, Pilze und Auswaschung. Allerdings können Balkone durchaus bei Erdkontakt
der Balkonstützen (Bild 6-21) oder zugesetzten Fugen die Gefährdungsklasse (Gebrauchsklas-
6.13 Renovierung von gebräuchlichen Holzbauten 209

se) GK 4 einzustufen sein. In diesem Falle kommt noch eine Gefährdung durch Moderfäule
hinzu. Bei der Wahl der Holzart sind natürlich dauerhafte Hölzer wie beispielsweise Eiche
oder Lärche den weniger dauerhaften Hölzern wie Fichte, Tanne und Kiefer vorzuziehen (sie-
he Kapitel 6.7 Dauerhaftigkeitsklassen). Balkonstützen sollten 30 cm über dem Gelände enden
und auf einer Metallkonstruktion aufgelagert werden (siehe Kapitel 6.9.1).

Bild 6-48
Blechabdeckung mit Tropfkante
an einer Balkonbrüstung

Bild 6-49
Balkonausbildung
Systemskizze eines Balkons
1 Geländer (verschiedene Landes-
bauordnungen fordern Vorkehrun-
gen gegen Überklettern)
2 Balkonbelag z. B. 5/10 cm
Eichenkernholz profiliert
3 Latte z. B. 4/6 cm
Eichenkernholz
4 Blechabdeckung (baulicher Holz-
schutz der tragenden Konstruktion)
5 Balken z. B. 8/16 cm
6 Unterzug z. B. 8/20 cm
7 Stützen z. B. 12/12 cm
8 Stützenfuß aus feuerverzinktem
Stahl (Spritzwasserschutz)
210 6 Holzkonstruktionen

Sämtliche tragenden Bauteile und solche mit Absturzsicherungsfunktion (Geländer) sind des-
halb – sofern nicht ausreichend dauerhaftes Holz verwendet wird – chemisch zu schützen.
Besonders gefährdet sind waagerechte Holzoberflächen, auf denen Wasser stehen bleiben
kann. Sie sind deshalb sorgfältig zu schützen oder mit einer wasserableitenden Abdeckung zu
versehen (Bild 6-48). Die Horizontalkräfte, z. B. Wind, sind über Anker in die Deckenscheibe
des vorhandenen Gebäudes zu leiten oder durch Streben o. Ä. aufzunehmen.

6.14 Entwicklungstendenzen

Die gesundheitsgefährdenden Holzschutzmittel auf Basis von chlorierten Kohlenwasserstoffen


6 (Chlorkohlenwasserstoffe) wie Lindan, Pentachlorphenol und DDT wurden in der Vergangen-
heit nach aufgetretenen Holzschutzmittelskandalen teilweise verboten und vollständig vom
Markt genommen. Weitere „Rückschläge“ waren in der Geschichte des chemischen Holz-
schutzes bei anderen Wirkstoffen -allerdings weniger dramatisch- zu verzeichnen. Bei den
fortlaufenden Entwicklungen der chemischen Holzschutzmittel ist jedoch ein deutlicher Trend
zu mehr Umweltverträglichkeit zu verzeichnen. Es wurden in der Vergangenheit umfangreiche
Anstrengungen unternommen, um wirkungsvolle, aber gleichzeitig für den Menschen weniger
gefährliche Wirkstoffe zu entwickeln. Bei sachgemäßer Anwendung durch qualifizierte Fach-
leute sind die im Holzschutzmittelverzeichnis des DIBt aufgeführten Schutzmittel dauerhaft
wirkungsvoll und für den Verarbeiter sowie Nutzer des Gebäudes gesundheitlich unbedenk-
lich.
Nicht zuletzt durch die heutigen äußerst strengen Verordnungen und Gesetze für Herstellung,
Transport, Verarbeitung und Anwendung von chemischen Holzschutzmitteln wurde versucht
umweltfreundlichere und weniger gefährlichere Maßnahmen zum Schutz von verbautem Holz
zu erproben und zu entwickeln.
Jeder Fortschritt bedarf aufwändiger und langwieriger Entwicklungsarbeiten, bevor neue Mög-
lichkeiten im breiten Umfang in der Praxis umgesetzt werden können. Weltweit wird intensiv
an verbesserten Möglichkeiten für einen Schutz des Holzes gegen Schädlinge gearbeitet. Dies
betrifft fünf Bereiche (nach Peek):

1. Verbesserte Biozide
Suche nach Wirkstoffen mit spezifischer hoher Wirkung gegen Zielorganismen und gleichzei-
tig möglichst geringer Wirkung gegen Nicht-Zielorganismen, geringe Abgaberaten aus Holz
und gutes Entsorgungsverhalten.

2. Biologische Holzschutzverfahren
Auf diesem Gebiet sind bereits gute Ergebnisse mit dem Einsatz von Organismen (z. B. nicht-
holzzerstörenden Pilze) erzielt worden, die einen Befall durch Holzschädlinge unterbinden.
Eine Praxisreife ist derzeit noch nicht gegeben.

3. Biologie der Schädlinge gezielt nutzen


Hier sind vielfältige Ansatzpunkte möglich, z. B. der Einsatz von Lockstoffen oder von „Räu-
berorganismen“. Diesbezügliche Untersuchungen stecken noch in den Anfängen.
6.15 Normen, Richtlinien, Merkblätter 211

4. Einlagerung von Harzen


Es werden dünnflüssige Harze eingebracht, die im Holz sehr fein vernetzen und so den Schäd-
ling den Zugang zur Holzsubstanz versperren. Für Einzelfälle liegen schon positive Ergebnisse
vor.

5. Veränderung des Holzes


Im Gegensatz zum chemischen Holzschutz werden hier keine Biozide eingesetzt, sondern es
wird die Holzsubstanz als solche in einer Weise verändert, dass kein Organismenbefall mehr
möglich ist.
Eine Möglichkeit einer Modifizierung der Holzsubstanz ist die Einwirkung von Wärme (soge-
nanntes Thermoholz, TMT thermally modified timber).
Wie bereits durchgeführte Versuche zeigen, ist eine Verbesserung der Dauerhaftigkeit durch 6
eine vorbeugende industrielle Hitzebehandlung im Werk zu erzielen. Bei dieser Modifizierung
wird das Holz einem Temperaturbereich zwischen ca. 180 °C bis ca. 220 °C ausgesetzt. Dabei
spaltet sich die Hemicellulose als wesentlicher Bestandteil des Holzes auf und wird umgewan-
delt. Das mit Hitze behandelte Holz ist ohne chemische Holzschutzmittel deutlich widerstands-
fähiger gegenüber holzzerstörenden Organismen. Allerdings geht in Abhängigkeit der auf das
Holz einwirkenden Temperatur und der Behandlungsdauer auch ein signifikanter Festigkeits-
verlust einher. Dies stellt einen entscheidenden Nachteil für den Einsatz als Bauholz dar, da
die Festigkeit eine der wichtigsten Eigenschaften eines Bauteiles ist. Neben dem Festigkeits-
verlust kommt es durch die Wärmeeinwirkung zu einer gut erkennbaren Braunverfärbung des
Holzes. Aus diesem Grund erscheinen hellere Holzarten nach der Behandlung etwas dunkler.
Das Holz ist bereits ausreichend getrocknet, so dass Schwindrisse nicht auftreten. Für Hölzer
ohne statische Anforderungen wie Balkon- und Terrassenfußböden, Zaunanlagen, Gartenmö-
bel und Sichtschutzelemente wurde Thermoholz erfolgreich eingesetzt. Ausreichende positive
Langzeiterfahrungen für den Baubereich liegen bisher allerdings noch nicht vor.

6.15 Normen, Richtlinien, Merkblätter

Norm Stand Titel

DIN 1052 08-2004 Entwurf, Berechnung und Bemessung von Holzbauwer-


ken- Allgemeine Bemessungsregeln und Bemessungsre-
geln für den Hochbau.
DIN 4074-1 06-2003 Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit - Teil 1:
Nadelschnittholz.
DIN 4076-1 10-1985 Benennungen und Kurzzeichen auf dem Holzgebiet,
Holzarten.
DIN 4108-2 07-2003 Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden; Min-
destanforderungen an den Wärmeschutz.
DIN 4108-3 07-2001 Klimabedingter Feuchteschutz; Anforderungen, Berech-
nungsverfahren und Hinweise für Planung und Ausfüh-
rung; Berichtigung 1 (2002-04).
DIN V 4108-4 02-2002 Wärme- und Feuchteschutztechnische Bemessungswerte.
212 6 Holzkonstruktionen

Norm Stand Titel

DIN 4074-1 06-2003 Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit - Teil 1:
Nadelschnittholz.
DIN 18334 10-2006 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen -
Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für
Bauleistungen (ATV) - Zimmer- und Holzbauarbeiten
DIN 18900 10-1982 Holzmastenbauart; Berechnung und Ausführung.
DIN 52161-1 03-1967 Prüfung von Holzschutzmitteln; Nachweis von Holz-
schutzmitteln im Holz; Probennahme aus Bauholz [der-
zeit in Überarbeitung]
DIN 52175 01-1975 Holzschutz; Begriff, Grundlagen.
6 DIN 68364 05-2003 Kennwerte von Holzarten; Rohdichte, Elastizitätsmodul
und Festigkeiten.
DIN 68365 11-1957 Bauholz für Zimmerarbeiten; Gütebedingungen.
DIN 68365 Entwurf 10-2007 Schnittholz für Zimmererarbeiten - Sortierung nach dem
Aussehen - Nadelholz.
DIN 68800-1 05-1974 Holzschutz im Hochbau; Allgemeines [derzeit in Überar-
beitung].
DIN 68 800-2 05-1996 Holzschutz; Vorbeugende bauliche Maßnahmen im
Hochbau [derzeit in Überarbeitung].
DIN 68 800-3 04-1990 Vorbeugender chemischer Holzschutz [derzeit in Überar-
beitung].
DIN 68 800-4 11-1992 Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze
und Insekten [derzeit in Überarbeitung].
DIN 68800-5 05-1978 Holzschutz im Hochbau, vorbeugender chemischer
Schutz von Holzwerkstoffen.
DIN EN 335-1 09-1992 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Definition
der Gefährdungsklassen für einen biologischen Befall.
E DIN 335-1 Entwurf 11-2004 Definition der Gebrauchsklassen: Teil 1: Allgemeines.
DIN EN 335-2 11-1992 Definition der Gefährdungsklassen; Teil 2: Anwendung
bei Vollholz.
E DIN EN 335-2 11-2004 Definition der Gefährdungsklassen; Teil 2: Anwendung
bei Vollholz.
DIN EN 335-3 09-1992 Definition der Gefährdungsklassen; Teil 3: Anwendung
bei Holzwerkstoffen.
DIN EN 350-2 10-1994 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Natürliche
Dauerhaftigkeit von Vollholz; Teil 2: Leitfaden für die
natürliche Dauerhaftigkeit und Tränkbarkeit von ausge-
wählten Holzarten von besonderer Bedeutung in Europa.
DIN EN 351-1 08-1995 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Mit Holz-
schutzmitteln behandeltes Vollholz; Teil 1: Klassifizie-
rung der Schutzmitteleindringung und -aufnahme.
6.15 Normen, Richtlinien, Merkblätter 213

Norm Stand Titel

DIN EN 351-2 08-1995 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Mit Holz-
schutzmitteln behandeltes Vollholz; Teil 2: Leitfaden zur
Probenentnahme für die Untersuchung des mit Holz-
schutzmitteln behandelten Holzes.
DIN EN 460 10-1994 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Natürliche
Dauerhaftigkeit von Vollholz: Leitfaden für die Anforde-
rungen an die Dauerhaftigkeit von Holz zur Anwendung
in den Gefährdungsklassen.
DIN EN 599-1 01-1997 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Anforde-
rungen an Holzschutzmittel, wie sie durch biologische
Prüfungen ermittelt werden; Teil 1: Spezifikationen ent-
sprechend der Gefährdungsklasse. 6
DIN EN 599-2 08-1995 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Anforde-
rungen an Holzschutzmittel, wie sie durch biologische
Prüfungen ermittelt werden; Teil 2: Klassifikation und
Kennzeichnung.
DIN EN 14128 03-2004 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Anforde-
rungen an Holzschutzmittel zur Bekämpfung von Holz
zerstörenden Organismen wie sie durch biologische Prü-
fungen ermittelt werden.
DIN CEN/TR 14823 2004 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten - Quantita-
tive Bestimmung von Pentachlorphenol in Holz -
Gaschromatographisches Verfahren; Deutsche Fassung
CEN/TR 14823: 2003
DIN CEN/TS 15003 06-2005 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Kriterien
(Vornorm) für Heißluftverfahren zur Bekämpfung von Holz zerstö-
renden Organismen.
OENORM B 2218 10-2000 Verlegung von Holzfußböden - Werkvertragsnorm.
Merkblatt 11-2005 Holzschutz im Bauwesen – Wissenswertes für Architek-
ten, Planer und am Holzbau interessierte, Deutsche Bau-
chemie e.V. (3. Auflage)
WTA-MB 1-2-05/D 03-2004 Der Echte Hausschwamm - Erkennung, Lebensbedingun-
gen, vorbeugende Maßnahmen, bekämpfende chemische
Maßnahmen, Leistungsverzeichnis, herausgegeben vom
WTA, Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft
für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V. München
WTA-MB E-1-1-06/D 03-2004 Heißluftverfahren zur Bekämpfung tierischer Holzzerstö-
rer, herausgegeben vom WTA, Wissenschaftlich-
Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung
und Denkmalpflege e.V. München
WTA-MB 1-4-00/D 12-2000 Baulicher Holzschutz Teil 2: Dachwerke, herausgegeben
vom WTA, Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemein-
schaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e.V.
München
214 6 Holzkonstruktionen

Gesetze und Richtlinien


Holzschutzmittelverzeichnis von Prof. H.-J. Irmschler und Hubertus Quitt, herausgegeben vom
Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt), Erich Schmidt Verlag
Verordnung über Verbote und Beschränkungen des Inverkehrbringens gefährlicher Stoffe, Zuberei-
tungen und Erzeugnisse nach dem Chemikaliengesetz (Chemikalien-Verbotsverordnung Chem-
VerbotsV), veröffentlicht im Bundesgesetzblatt
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen (Gefahrstoffverordnung - GefStoffV) vom 23. Dezember
2004 (BGBl. I S. 3758, 3759), zuletzt geändert durch Artikel 2 der Verordnung vom 12. Oktober
2007 (BGBl. I S. 2382)
Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäu-
den (Energieeinsparverordnung - EnEV) vom 24. Juli 2007

6.16 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

Consolan 6-38
Deutsche Gesellschaft für Holzforschung; www.dgfh.de 6-37
Deutscher Holz- und Bautenschutzverband (DHBV), 6-33
Köln; www.dhbv.de
H.-J. Rafalski 6-34
Holz Dienst, Düsseldorf 6-20, 6-35, 6-36, 6-39, 6-40, 6-41,
6-43, 6-49
Institut für Lernsysteme Hamburg 6-4, 6-5, 6-7, 6-8, 6-14, 6-15, 6-17,
6-19, 6-42
Lömpel Bauschutz GmbH & Co. KG, Arnstein; www.loempel.de 6-32
Sachverständigenbüro für Baudiagnostik Uwe Wild, 6-1, 6-2, 6-6, 6-9, 6-10 bis
Brandis; www.baudiagnostik-leipzig.de 6-13, 6-16, 6-22 bis 26, 6-48
Stommel-Haus GmbH, Neunkirchen 6-45
Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg 6-3, 6-18, 6-21, 6-27, 6-28, 6-30,
6-44, 6-46, 6-47
7 Metallbauteile

7.1 Begriff – Ursachen – Vorgänge der Korrosion

Bauwerke aus Eisen aber auch Stahl und anderen Metallen, wie der Eifelturm, Brückenbau-
werke wie Firth of Forth in Schottland, das Blaue Wunder in Dresden oder die Golden Gate
Bridge in Los Angeles sind weltweit bekannt. Oftmals sind auch Bahnhöfe und Kuppeln reine
Metallkonstruktionen.
Aber auch Bauten aus Holz und Stein werden, seit sich die Menschen das Metall nutzbar ma-
chen konnten, zusammen verwendet.
Metalle, ob als alleiniges Bauwerk oder in Kombination mit anderen Baustoffen zeigen nach
unterschiedlich langer Zeit eine veränderte Oberfläche. Landläufig spricht man von der Kor-
rosion oder dem Rosten, als bekannteste Erscheinung dieser Art.
Die Metalle sind am Bauwerk verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. So wirkt z. B. die atmo-
sphärische Luft auf die Metalle ein. Sie enthält Wasserdampf, Sauerstoff, Verbrennungsgase
wie Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Schwefeldioxid sowie verdünnte Säuren und Laugen.
Auch Wasser gelangt durch Bodenfeuchtigkeit, Schwitzwasserbildung, Regen, Schnee und
Eis an die Metalle. Außerdem können Frisch- und Festmörtel und Frisch- und Festbeton die
Oberfläche bestimmter Metalle angreifen. Oft werden Metalle von der Oberfläche aus fort-
schreitend zerstört.
Eine Wartung, Instandsetzung und Sanierung metallischer Bauteile unterscheidet sich von der
Sanierung mineralischer Bauteile und kann nach zwei Grundsätzen erfolgen:
1. Beschichten durch Überzüge und Anstriche
2. Ersatz durch metallische und nichtmetallische Werkstoffe
Die Beschichtung ist das übliche Verfahren mit unterschiedlichen Technologien bei großen
metallischen Bauwerken wie Brücken, Bahnhofskuppeln, Türmen, usw.
Zum Ende des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Sanierung vorher üblicher Korrosions-
schutzmaßnahmen historischer Gebäude an kleineren Metallbauteilen wie beispielsweise Wet-
terfahnen, metallischen Schrifttafeln, Beschlägen, Geländern auch auf Großobjekte wie Brü-
cken, Bahnhofskuppeln, Türme erweitert.
In die zu sanierenden metallischen Bauwerke wurden vor allem in den östlichen Bundeslän-
dern, durch die Stilllegung der zahlreichen Tagebaue, Förderbrücken und Kräne einbezogen.
Deren Sanierung vollzieht sich technologisch bedingt nach neuzeitlichen Korrosionsschutz-
maßnahmen die im Rahmen dieses Buches nicht weiter behandelt werden können. Die nach-
folgenden Ausführungen beziehen sich deshalb auf herkömmliche Ursachen, Maßnahmen,
Verfahren und Werkstoffe an sanierungsbedürftigen metallischen Kleinbauteilen.
216 7 Metallbauteile

Begriff und Wirkung


Umgangssprachlich hat der Begriff der „Korrosion“ eine weitgehende Wandlung erfahren.
Verstand man im Altertum unter „corrodere“ noch ein Zernagen durch Mäuse, bedeutete im
alten Rom „corrosio“ das umfassende Zerstören von Werkstoffen. Ausgangs des 18. Jahrhun-
derts bedeutete „korrodieren“ das Auflösen durch Ätzmittel und heutzutage wird „Korrosion“
als Zersetzung oder Zerstörung oder auch allgemein als Rosten definiert.
Nach DIN 50900 versteht man unter (Metall-) Korrosion eine, von der Oberfläche ausgehende
Zerstörung eines Metalls die durch unbeabsichtigte chemische oder elektrochemische Reaktion
mit der Umwelt hervorgerufen wird.
Damit kann die Funktion eines metallischen Bauteils oder eines ganzen Systems beeinträchtigt
werden, z. B. Verminderung der Festigkeit und des Querschnitts.

a) Flächenkorrosion b) Muldenkorrosion c) Lochkorrosion d) Spaltkorrosion


e) Kontaktkorrosion f) interkristalline Spannungsrisskorrosion g) transkristalline Spannungsrisskorrosion

Bild 7-1 Erscheinungsformen der Metallkorrosion

Fehler und Gefährdungen


Wie eingangs aufgezeigt, wird ein Schwerpunkt der Sanierung metallischer Bauteile auf dem
Ersatz und Neuaufbau liegen.
Daher besteht die Gefahr, dass ähnliche, korrosionsbegünstigende Fehler in Projektierung,
Konstruktion und Werkstoffauswahl auftreten können.

Schäden an Baumetallen
Im Bauwesen werden hauptsächlich folgende Metalle eingesetzt:
x unlegierte Stähle, für den bewehrten Betonbau und Stahlbau,
x hochlegierte Stähle in kleiner Menge für korrosionsbeständige Verkleidungen,
x Gusseisen für Abflussrohre, Gliederheizkörper und andere Gussstücke,
x Aluminium und seine Legierungen im Metallleichtbau für Dacheindeckungen, Fassaden-
verkleidungen, Ausbauteile u.a.
x Zink, auch verzinktes Stahlblech für Dacheindeckungen, Dachrinnen und Fallrohre; an
Sakralbauten wird dafür auch Kupfer eingesetzt
7.1 Begriff – Ursachen – Vorgänge der Korrosion 217

Tabelle 7-1 Schäden an Baumetallen

Schaden, Ursachen Vermeiden, Beseitigen


Erosionsschäden an Metallen sind möglich an den Einsatz von erosionsbeständigen Metallen, z. B.
Kanten von Anlagen und Pumpenteilen aus Alumi- gehärtete Stähle, Hartguss oder Hartmetalllegie-
nium, Zink, Kupfer oder nicht gehärtetem Stahl, die rungen.
durch strömende Flüssigkeiten und die darin mitge-
führten Feststoffteilchen beansprucht werden.
Kavitationsschäden an Metallen können an den Vermeiden von Konstruktionen, die zu großen
Innenwandungen von Bogen, Reduzierstücken und Geschwindigkeits- und Druckunterschieden von
Ventilen von wasserführenden Rohrleitungen, an strömenden Flüssigkeiten führen. Einsatz wider-
Wasserturbinenschaufeln und Laufrädern von standsfähiger Metalle, z. B. mit Chrom hochlegierte
Kreiselpumpen vorkommen, da hier Geschwindig- Stähle.
keitsänderungen des strömenden Wassers möglich
sind. Durch das Heraussprengen von Gefügeteil-
chen entstehen lochartige Vertiefungen.
Verschleißschäden an Metallen durch Reibung Verringern der Reibung durch gute Oberflächenglät-
zwischen beweglichen, sich berührenden Metalltei- te und Schmiermittel. 7
len
Korrosionsschäden an Metallen

 Unlegierte Baustähle korrodieren in unge- Vermeidung der Korrosion fast ausschließlich durch
schütztem Zustand durch den Einfluss der at- Techniken des passiven Korrosionsschutzes, z. B.
mosphärischen Stoffe (atmosphärische Korro- Überziehen mit Schmelzflüssigem Zink, Zinn u.a.;
sion), von Chemikalien (chemische Korrosion) Aufspritzen von Zink und Aluminium; Aufdiffundie-
und durch den Kontakt mit anderen Metallen ren von Zink, Chrom oder Aluminium.
(elektrolytische Korrosion).

 Betonstähle sind profilierte Stähle aus unlegier- Beschichten mit nichtmetallischen Stoffen, z. B. mit
tem, nichtschweißbarem (für Spannbetonbe- Silikaten, Phosphaten, Korrosionsschutz-
wehrung) und schweißbarem (für Stahlbeton- Anstrichstoffen, Plaste, Elaste u.a.
bewehrung) Stahl. Obwohl sie nicht korrosions-
geschützt sind, wird die Korrosion durch die Al-
kalität des Betons verhindert. Rostbildung tritt
nur ein, wenn der Stahl zu flach unter der Be-
tonoberfläche liegt oder der Beton nicht ausrei-
chend verdichtet wurde.

 Hochlegierte Stähle, z. B. mit Chrom oder Im Stahlbau und Metallleichtbau werden z.Z. lang-
Chrom-Nickel, sind korrosionsbeständig und lebige Duplexsysteme bevorzugt.
werden als Bleche für Fassadenverkleidungen Kein Korrosionsschutz erforderlich – sehr teuer,
repräsentativer Gebäude eingesetzt deshalb begrenzter Einsatz.

 Aluminium (Alu-Legierungen) überzieht sich in Aluminium kann gegen chemische Angriffe durch
feuchter, normaler Atmosphäre mit einer bis zu Verstärkung der Oxidschicht im Eloxalverfahren,
0,2 —m dicken, vor weiterer Oxidation schüt- Erzeugung einer Phosphatschicht durch Phospha-
zenden Schicht aus Aluminium-metahydroxid, tieren oder geeignete Anstrichsysteme geschützt
die jedoch nicht beständig ist gegen Alkalilau- werden. Auf Stahl als Korrosionsschutz aufgespritz-
gen und starke nichtoxydierende Säuren. tes Aluminium ist sehr porig und muss zusätzlich
Anstriche erhalten.

 Zink und verzinktes Stahlblech: Zinkoberflächen können durch Phosphatieren und


Unter dem Einfluss CO2-haltiger Atmosphäre Chromatieren gegen schwache chemische Angriffe
bildet sich auf Zink eine dünne Schicht aus ba- widerstandsfähiger gemacht werden. Auf Stahl als
sischem Zinkkarbonat ZnCO3 · 3 Zn(OH)2 · Korrosionsschutz aufgespritztes Zink bildet eine
H2O, die im pH-Bereich 4 …10 beständig ist porige Schicht, die Deckanstriche erhalten muss
und das Zink schützt. Zink und auch seine na- (Duplexsystem).
türliche Schutzschicht wird von den meisten
Säuren und Alkalilaugen aufgelöst.
218 7 Metallbauteile

Schaden, Ursachen Vermeiden, Beseitigen

 Kupfer wird durch Ammoniak und exodierende Kupferoberflächen werden mit transparenten oder
Säuren gelöst. In CO2-haltiger Atmosphäre bil- deckenden Anstrichen auf der Bindemittelgrundlage
det sich darauf eine dünne, das Metall vor wei- lufttrocknender Öle und Alkydharze vor Angriffen
terer atmosphärischer Korrosion schützende durch Luftverunreinigungen geschützt.
Schicht aus grünem Kupferkarbonat CuCO3 ·
Cu(OH)2.

7.2 Werkstoffe

Metalle haben als Werkstoff für die Sanierung von Bauteilen große Bedeutung. Auch die er-
forderlichen Werkzeuge und Maschinen bestehen überwiegend aus Metallen. Man unterschei-
7 det Eisenwerkstoffe und Nichteisenwerkstoffe.

Metalle

Eisenwerkstoffe Nichteisenwerkstoffe

Stähle Eisen-Gusswerkstoffe

z.B. z.B.
Baustahl, Stahlguss,
Werkzeugstahl, Gusseisen,
Vergütungsstahl, Temperguss weiß,
Edelstahl Temperguss grau

Bild 7-2 Metalle im Überblick

Korrosionsschutz durch Maßnahme am Medium


Korrosionsschutzprobleme können häufig durch die Entfernung oder Abschwächung des Kor-
rosionsmediums gelöst werden. Für unzugängliche Anlagen- und Bauteile, z. B. für Rohrlei-
tungs- und Behälterinnenwandungen sowie für verdeckte Bauteile, für die bei der Projektie-
rung der Korrosionsschutz versäumt wurde, ist dies oft überhaupt die einzige Möglichkeit,
gegen die Korrosion vorzugehen.
Häufig sind Werkstoffe von Anlagen und Gebäuden infolge der Vernachlässigung der Sanie-
rung ihres Standorts, ihres konstruktiven Schutzes und ihrer Instandhaltung den ungehindert
einwirkenden Korrosionsmedien ausgesetzt. Dazu gehören vor allem ältere Gebäude mit un-
zureichender oder defekter Feuchtigkeitssperrung und Regenwasserableitung.
Das Ableiten von Wasser und anderen Korrosionsmedien und die Erneuerung oder Verbesse-
rung der Sperrung gegen Feuchtigkeit sind wichtige Maßnahmen der Altbausanierung.
7.2 Werkstoffe 219

Möglich ist auch der Schutz des korrosionsgefährdeten Metalls durch Überdachung oder Ein-
hausung z. B. von Standbildern, Skulpturen oder metallischen Gedenktafeln.

Vermeidung von Kontakten zwischen unterschiedlichen Metallen


Metalle in sanierungsbedürftigen Altbauten sind zum großen Teil mit anderen Werkstoffen
kombiniert.
Die unerwünschten Erscheinungen werden in der Regel durch die Affinität (Bindungsbestre-
ben) der Metalle zu verschiedenen anderen Baustoffen ausgelöst bzw. beeinflusst.
Tabelle 7-2 zeigt einige Beispiele der Affinität der gebräuchlichsten Eisen- und Nichteisenme-
talle.

Tabelle 7-2 Affinitätserscheinungen (nach Schönburg)

E-Metalle/NE-Metalle Affinitätsmedium Reaktion und Erscheinungsformen 7


Eisen und unlegierter Stahl Luftsauerstoff und Reaktion zu Eisenoxidhydrat, Fe + O2 +
Luftfeuchtigkeit H2O ĺ FeO(OH)2, das etwa dem Ei-
senerz Limolit entspricht; durch weiter
Sauerstoffaufnahme entsteht Rost; das
Eisen wird zerstört
Zink Luftfeuchtigkeit, H2O und Bildung von basischem Zinkcarbonat,
-kohlendioxid, CO2 2ZnCO3 · 3Zn(OH)2, das etwa dem
natürlichen Zinkerz, der Zinkblüte ent-
spricht und Zink vor reiner Luft schützt.
Blei Luftsauerstoff, O2 und Bildung von basischem Bleicarbonat,
-kohlendioxid, CO2 Pb(OH)2 · 2PbCO3, das etwa dem
Bleierz Zerussit entspricht und das Blei
vor Luft schützt
Kupfer Luftfeuchtigkeit Bildung von rotem Kupfer(I)-oxid, CU2O,
Luftkohlendioxid, O2 und H2O das dem Kupfererz Kuprit entspricht.
Bildung von grünem basischen Kupfer-
carbonat, 2CuCO3 · Cu(OH)2, das dem
Kupfererz Azurit entspricht.
Beide schützen Kupfer vor Luft.
Messing (Cu und Zn) Luftfeuchtigkeit Das Zink bildet mit dem Kupfer und H2O
ein Korrosionselement und korrodiert
(selektive Korrosion)

Es kommt bei der Sanierung also darauf an, unerwünschte Kontakte mit einander unverträgli-
cher Werkstoffe zu vermeiden.
220 7 Metallbauteile

Tabelle 7-3 Verdeutlichung von Möglichkeiten der Kontakte und deren Vermeidung

Werkstoff Umgebungsmedien Korrosionserscheinungen Beseitigung/Vermeidung

Eisen, Stahl Kupfer, Messing Eisen und Stahl korrodiert, Trennen; Beschichtungen

Mineralische Binde- Rost, Risse, Sprengungen Einsatz Blei- oder Kunststoff-


mittel mörtel

Kontaktkorrosion an Befesti- Auswechseln gegen Edelstahl-


gungselementen elemente, durchgehende
Schweiß- und Lötnähte

Gips Gips verfärbt stark Trennen


Eisen, Stahl, Holz Eisen und Stahl korrodiert Einsatz von Edelstahl, Korrosi-
Kupfer Holz verfärbt sich onsträger Stahl, galvanisch mit
Chrom, Zinn oder Nickel be-
schichteter Stahl
7 Aluminium, Alkalische Baustoffe, Aluminium und Zink korrodieren Ersatz von Zink durch Titanzink
Zink wie Kalk und Zement

aggressive Atmosphä- Versprödung, Fleckenbildung, Reinigung mit Nitroverdünnun-


re Bildung von löslichen Salzen gen oder phosphorsauren
Spezialreinigern; Dampfreini-
gung, Schleifen mit Vlies

7.3 Sanierung von Metalldächern

7.3.1 Grundsätze

Bei der Instandsetzung und Sanierung des Gebäudes spielt das Dach bekanntermaßen eine
bedeutende Rolle. Häufig ist es auch die einzig notwendige Erneuerungsmaßnahme. Neben
dem herkömmlichen und traditionellen Eindeckungsmaßnahmen mit Dachsteinen aus kerami-
schen Material, Schiefer oder Beton haben auch Metalldeckungen eine zunehmende Bedeu-
tung. Unter Metalldeckung versteht man die Eindeckung von Dachflächen mit Blechen, Profil-
blechen oder Metallfolien. Sie eignen sich vor allem für leichte Dächer mit geringen Neigun-
gen und für schwierige Formen. Die Technik, geeignete Dachflächen vor allem mit gekrümm-
ten Oberflächen mittels Blechen abzudecken, ist eine seit Jahrhunderten bei Repräsentations-
bauten wie Kirchen oder Schlösser gebräuchlich. Obwohl eine Metalldeckung als ableitende
Deckungsart zu den dichtesten zählt, ist sie nicht vollständig luft- und wasserdicht. Schnee und
Feuchtigkeit können ins Dachinnere eindringen und durch mögliche Temperaturschwankungen
muss auch mit Schwitzwasser gerechnet werden. Diese Nachteile können durch konstruktive
Maßnahmen und den äußeren Einflüssen angepasste Materialauswahl kompensiert werden..
Historisch gesehen waren vor allem Blei- und Kupferdeckungen auf öffentlichen Gebäuden
später auch Zinkblechdeckungen auf weniger repräsentativen Bauten anzutreffen. Zur Ausfüh-
rung kamen weiche Bleche als Falzdächer mit stehenden oder liegenden Falzn und Leistendä-
cher mit Zinkblech über Holzleisten.
7.3 Sanierung von Metalldächern 221

Bild 7-3 Falzdach Bild 7-4 Leistendach Bild 7-5 Rautendach

7
7.3.2 Entscheidungsaspekte für Metalldeckungen

Wie bei jeder Entscheidung für eine Sanierungsmaßnahme gehört neben der Konstruktion
auch die Auswahl des Werkstoffs. Das kann aus historischer und denkmalgerechter Sicht das
gleiche „alte“ Material oder auch neuzeitliches sein. Neben technisch-wirtschaftlichen und
denkmalpflegerischen Aspekten spielen auch strukturelle (gliedern, profilieren, teilen) und
assoziative (Vorstellung, Visionen) Faktoren eine Rolle.
Allerdings ist zu berücksichtigen, dass jeder dieser Gesichtspunkte, wenn es um die Entschei-
dung für einen Werkstoff geht, nicht allein ausschlaggebend sein kann. Wenngleich sie nach-
folgend im Einzelnen aufgeführt werden, überlagern und beeinflussen sie sich in der Praxis.

7.3.3 Technisch-wirtschaftlicher Aspekt

Dieser Aspekt umfasst Gesichtspunkte wie z. B.:


x Kosten
x Lebensdauer
x Wartungsfreiheit
x Gewicht
x Formbarkeit
x Statik
x UV-Beständigkeit
x Witterungsbeständigkeit
x Sicherheit gegen Flugfeuer
x Unbrennbarkeit
x Schalldämm-Maß
x Wärmeleitzahl
Es hat sich bewährt, alle Faktoren mit mindestens zwei, besser mehreren Werkstoffen zu ver-
gleichen (beispielsweise Aluminiumdach – Stahldach – Ziegeldach)
222 7 Metallbauteile

7.3.4 Denkmalpflegerische Aspekte

Streng genommen heißt Denkmalspflege, die detailgenaue Übernahme der Konstruktion und
des Materials. Das wird allerdings problematisch bei verfahrens- und anwendungstechnischen
Randbedingungen, die häufig keine Gültigkeit mehr haben und in der Herstellung und Brei-
tenvielfalt des Werkstoffs und der Handwerkstechnik.
So wird z. B. das damals übliche, relativ unreine und paketgewalzte Zink in Mitteleuropa heute
kaum noch hergestellt. Stattdessen das optisch zwar vergleichbare, jedoch wesentlich reinere
Feinzink in seiner Legierung als Titanzink. Viel entscheidender ist jedoch, dass die damaligen
Anwendungstechniken der Klempnerei die Beschränkung des paketgewalzten Werkstoffes
nicht in allen Fällen auffangen konnten.
Das verarbeitende Handwerk hingegen hat sich auf übliche Werkstoffe eingestellt und ist in
der Lage, diese Werkstoffe in originalgetreuen Formen mit ebenso originalgetreuen Werkzeu-
gen zu verformen.
7

Bild 7-6
Denkmalspflegerisch saniert – die Ober-
postdirektion Konstanz. Die ursprünglich
Zink belegten Kuppeln wurden detailge-
treu in Titanzink nach alten Vorlagen in
traditioneller Handwerkstechnik wieder
hergestellt.

7.3.5 Deckung mit historischem Material

Metalldeckungen sind schon seit Jahrhunderten bekannt und kamen besonders auf Dächern mit
hohen Neigungswinkeln oder vielen Rundungen, in Betracht. Recht ausführlich beschrieb
1833 der Dresdner Baumeister Carl Ludwig Matthaeij in seinem Lehrbuch „Der vollkommene
7.3 Sanierung von Metalldächern 223

1
Dachdecker“ Eindeckungen mit Metallen wie Kupfer, Blei, Zink und Eisenblech. Auch heute
noch wird nach alten Techniken gelötet, genietet, gebogen und gefalzt – wenngleich auch mit
technologisch verfeinerten Materialien.

Bild 7-7
Zinkblechbedachung
nach dem französi-
schem Leistensystem 7
mit hoher Firstleiste
um 1857

Deckungen mit Metallen zählen wie alle Baukonstruktionselemente aus Feinblechen oder
weichem Metallguss zu den Klempnerarbeiten. Für diese Ausführung von Metalldeckungen
dienen als Werkstoff vornehmlich: Zink, feuerverzinktes Eisen, Kupfer, Blei, und neuerdings
in zunehmendem Umfang auch

Deckung mit Kupfer


Für Metalldächer ist das Kupfer das geeigneteste und das edelste Metall. Die Kupferdeckung
ist zugleich die älteste Metalleindeckung und als haltbarste und damit beste Dacheindeckung
überhaupt hervorzuheben.
Neben der ornamentalen Behandlung der Ansichtsflächen besteht die Möglichkeit der Vergol-
dung einzelner Teile, die eine fein abgewogene Flächenwirkung ergeben (Lorenzkirche Nürn-
berg).
Auf der Oberfläche des Kupferbleches bildet sich bald ein fest haftender blaugrüner Überzug,
die Patina, die dem Kupferdach einen ganz besonderen Reiz gibt und die zugleich die erhöhte
Haltbarkeit bewirkt. Vor Versuchen, die Patinabildung zu beschleunigen, ist zu warnen!
Vor allem SF-Kupfer, das ist sauerstofffreies Kupfer welches durch Zugabe von Phosphor
hergestellt wird, mit einem Reinheitsgrad von mindestens 99,9 Mass.-%, findet in Form von
Blechen und aufgerollten Bändern umfangreiche Anwendung bei Dachabdeckungen und
Dachentwässerungen.
Die Dachabdeckungen werden
x aus gestalterischen Gesichtspunkten
x zum Zwecke der Wetterdichtigkeit

1
Carl Ludwig Matthaeij, Der vollkommene Dachdecker oder Unterricht in allen bis jetzt bekannten
vorzüglichst anwendbaren und mit unseren Dachconstruktionen und Bauverordnungen vereinbaren
Dachdeckungsarten ; Druck, Verlag und Lithographie B. FR. Voigt Ilmenau 1833
224 7 Metallbauteile

x um die Wärmedehnung auszugleichen


mit Falzverbindungen versehen.
Blei ist das schwerste und weichste aller Baumetalle. Bei technisch richtiger Verarbeitung
überdauert es Jahrhunderte. Wenn auch Fassaden mit Metallbekleidungen in früheren Jahr-
hunderten nicht üblich waren, so zeugen doch uralte Bedachungen in Blei von der ungewöhn-
lichen Haltbarkeit dieses Metalls.
Einige berühmte Bauwerke sind z. B.:
x der Petersdom in Rom, Vatikan
x der Markusdom in Venedig
x die Hagia Sophia in Istanbul
x die St. Pauls Kathedrale in London
x der Louvre in Paris
x das Schloss in Versailles
x der Dom in Köln.
7
Deckung mit Blei
Blei hat eine sehr gute Korrosionsbeständigkeit gegen viele in der heutigen Atmosphäre vor-
kommende Medien. Es ist UV-beständig, verrottungsfest, bruchsicher und wiederverwendbar
(Recycling). Blei kann mit Holz- oder auch mit Kunststoffwerkzeugen bearbeitet werden, man
kann es auch löten und schweißen, falzen und falten.
Direktes Verlegen auf Kalk-, Zement- und Gipsmörtel verträgt das Blei nicht; es bilden sich,
wenn nicht gut mit Dachpappe oder Asphalt gesperrt wird, Bleiverbindungen, die eine rasche
Zersetzung des Materials herbeiführen.
Das Bleiblech erhält an der Luft, ebenso wie das Kupfer, eine schützende Oxydschicht, deren
Patina vom tiefen Grau bis zu Schwarz reicht.

Zink
Zink wird aufgrund seiner Schmiegsamkeit immer noch häufig verwendet und als Metallein-
deckung eingesetzt. Auch Zink überzieht sich an der Luft mit einer gut anhaftenden Oxyd-
schicht; Säuren, Schwitzwasser, frischer Kalk- und Gipsmörtel, Rauchgase aus Fabriken,
Salzwasserdünste im Seeklima und der Gerbsäuregehalt bei Schindeldächern bewirken bald
eine fortschreitende Zerstörung!
Für Dachdeckungen werden Zinkbleche verwendet.
Neben der Eindeckung mit Stehfälzen ist beim Zinkdach hauptsächlich das Leistendach üb-
lich. Die Deckbleche werden dabei zwischen trapezförmige Leisten, die von der Traufe zum
First verlaufen, gelegt. Man unterscheidet drei Arten der Leistendeckung:
x die belgische oder rheinische Leistendeckung
x die französische Leistendeckung und
x die deutsche Leistendeckung.
Die Unterschiedlichkeit der Leistenform bei den drei Eindeckungsarten geht aus den Abbil-
dungen hervor.
7.3 Sanierung von Metalldächern 225

Bild 7-8 Leistendeckungen


7
Titanzink
Für Dachdeckungen wird ausschließlich bandgewalztes Titanzink eingesetzt. Titanzink ist
legiertes Zink nach EN 988 und basiert auf elektrolytisch gewonnenen Feinzink des hohen
Reinheitsgrades 99,995 % Zn. Legierungsbestandteile sind sehr geringe metallische Zusätze,
z. B. Titan und Kupfer.
Titanzink weist folgende wichtige Merkmale auf:
x geringe Wärmedehnung
x verringerte Kaltsprödigkeit
x verbesserte Dauerstandfestigkeit
x gute Verarbeitbarkeit unabhängig von der Walzrichtung
x erhöhte Rekristallisationsgrenze; Grobkornbildung erst über 300 °C, sehr wichtig bei Löt-
arbeiten!
Titanzink ist nicht magnetisch und nicht brennbar.

Deckung mit Aluminium


Die Dachsysteme aus Aluminium, die sich auf dem Markt befinden, sind ausgereift und be-
währt. Das Gleiche gilt für die Verbindungen. Es kommt nur darauf an, sie fachgerecht anzu-
wenden, also z. B. die Profiltafeln richtig zu verlegen und sie miteinander und mit der Unter-
konstruktion richtig zu verbinden.
Bereits im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ist Reinaluminium mit Erfolg verlegt worden
und hat sich bis heute gut erhalten, obgleich dieser Werkstoff damals noch nicht in gleicher
Reinheit wie heute zur Verfügung stand.
Als Zeugnis guter Bewährung sind die 1897 in Aluminiumblech eingedeckten vier Kuppeln
der Kirche San Gioacchino in Rom zu nennen.
226 7 Metallbauteile

Bild 7-9
San Gioacchino in Rom

Gesimsabdeckungen
Gesimsabdeckungen dienen der Verwahrung von Gesimsen, wie sie bei Baustilen früherer
Epochen häufig als Fassadengliederungsmittel benutzt wurden.

Bild 7-10
Wandbefestigung
Vor allem in Wien übliche Wandbefesti-
gung mit einer ca. 10 mm hohen Aufkan-
tung und Mauer haken

Ein häufiges Problem der Denkmalpflege ist die sachgerechte und/oder originalgetreue
und/oder wirtschaftliche Wiederherstellung von Gesimsabdeckungen.

Fensterbankabdeckungen
Fensterbankabdeckungen aus Zink lassen sich beispielsweise im Gegensatz zu Bleiverkleidun-
gen vom verarbeitenden Handwerk in allen beliebigen Maßen und Gestaltungen frei anferti-
gen.
Die Metalldicke sollte unabhängig vom Zuschnitt schon aus optischen Gründen > 0,8 mm
betragen. Bei Fensterbändern, bei denen mehrere Profile (Standardlänge 3 m) löttechnisch
7.3 Sanierung von Metalldächern 227

miteinander zu verbinden sind (nicht Regelfall), gilt das für die Bewegungskonstruktionen
Ausgeführte sinngemäß.

Befestigung
Die Fensterbankabdeckungen werden an allen vier Seiten mit den benachbarten Bauteilen
verbunden. Der Untergrund muss unbedingt eben sein und die Fensterbankabdeckung vollflä-
chig auf diesem Untergrund aufliegen, da es andernfalls zu Trommelgeräuschen kommen
kann.
Zur Gewährleistung einer dauerhaft geradlinigen Vorderkante der Fensterbankabdeckung wird
ein Haftstreifen aus verzinktem Stahl auf dem Untergrund befestigt, in den der vertikale
Schenkel der Fensterbankabdeckung eingehängt wird. Dieser soll als Tropfkante mindestens
20 mm, besser jedoch 30 mm gegenüber der Fassade auskragen.
Für den seitlichen Anschluss an das aufgehende Bauteil stehen, je nach Konstruktionsart der
Fassade, unterschiedliche Details zur Verfügung. 7

7.3.6 Metallornamentik auf Dächern

Bereits in der Gotik schmückten Türmchen,


Erker und Wasserspeier, kunstvoll aus Stein
geschlagen, repräsentative Gebäude wie etwa
Kirchen, Rathäuser und Burgen. Reich ver-
zierte Stuckateurarbeiten zierten die Bauwer-
ke der Barock- und Rokokozeit.
Im letzten Jahrhundert, etwa ab 1860, kam
die sogenannte „Metallornamentik" in Mode.
Nach der Französischen Revolution war das
Bürgertum mächtiger geworden und wollte
dieses gesteigerte Selbstbewusstsein auch in
der Baukunst zum Ausdruck bringen. Dar-
über hinaus wurden Metalle Sinnbild und
Aushängeschild des nach der ersten indus-
triellen Revolution einsetzenden ungebro-
chenen technischen Fortschrittglaubens der
bürgerlichen Kräfte.

Bild 7-11
Metallornamentik als Verzierung von Turm-
spitzen, Fenstern, Gesimsen, Mansarden und
als Vase
228 7 Metallbauteile

Wenn auch der Ursprung für das bürgerliche Bedürfnis nach Machtdemonstration in Frank-
reich lag, so setzte es sich doch zügig über Deutschland und die Schweiz in die österreichische
Donaumonarchie mit den Ländern Böhmen, Mähren, Ungarn und Kroatien sowie in den polni-
schen Kulturraum fort. Überall dort begann man, Teile von Fassaden und Dächern mit getrie-
benen Blechteilen zu schmücken.
Eine wichtige Voraussetzung für diese Entwicklung waren die zunehmend verbesserten indus-
triellen Möglichkeiten bei der Herstellung von Dünnblechen einerseits und andererseits die
sich entwickelnde industrielle Metallbearbeitungstechnik.
Die Blechornamente wurden in Einzelstücken oder kleinen Serien zunächst von Kupfer-
schmieden und Klempnern/Spenglern, bald jedoch schon von spezialisierten „Metallornament-
Fabriken" angefertigt und in den Handel gebracht. So wurden Blechornamente auch in reicher
Auswahl und entsprechend der jeweiligen Stilrichtung (Neoklassizismus, Neurenaissance,
Neugotik, Neubarock und später auch Jugendstil) vorgefertigt und angeboten. Von der be-
trächtlichen Auswahl zeugen noch heute die Kataloge der damaligen Hersteller.
7

Bild 7-12 Titelseite


Die Titelseite des Kataloges der „Metallornamen-
ten-Fabrik" SPORER von 1905. Die 1882 ge-
gründete Firma bietet die aufgeführten Formen
noch heute an

Die Ornamente waren in zweifachem Sinne darauf angelegt, den Betrachter in gewisser Art zu
täuschen: Einerseits wurden sie bisweilen überstrichen, um damit eine in Stein gehauene Or-
namentik zu imitieren, andererseits täuschten sie in natürlichem Zustand belassen und blank
poliert eine Massivität der Figuren, Vasen, Turmspitzen etc. vor, obwohl sie vollständig hohl
waren. Beiden Zielen diente eine perfekt beherrschte Verbindungstechnik durch Löten, wobei
die Verbindungsnähte sauber verputzt (d. h. mit scharfen Schabern abgezogen) wurden und
damit kaum zu sehen waren. Heute wird die Verbindungstechnik weiter perfektioniert z. B.
durch den Einsatz des Schutzgasschweißens.
Dem geschulten Auge hätte dieser „Betrug" durchaus auffallen können, da die in Metall ge-
triebenen oder gezogenen Formen allgemein filigraner wirkten als die bis dahin überwiegend
gewohnten Steinarbeiten. Im Unterschied dazu waren die Metallornamente durch Formenwie-
derholung und entsprechende industrielle Fertigung wesentlich preiswerter.
7.4 Sanierung von Fassaden 229

Die; auch heute noch von nur wenigen Firmen beherrschte Technik der Ornamentenherstellung
bedient sich vorwiegend Zugbänken, Fallwerken und Abkantbänken für die verschiedensten
Biegeradien. Zu den Zugbänken gehört eine Vielzahl von Matrizen, durch deren Einsatz eine
absolute Übereinstimmung und Geradheit der zuvor gekanteten Profile sichergestellt wird.
Dadurch erst werden Gehrungsverbindungen mit höchsten Ansprüchen an eine präzise Profil-
übereinstimmung möglich. Fallwerke dienen hauptsächlich der Herstellung von gekrümmten
Profilen sowie Prägeverformungen, wobei in der Regel mehrere Arbeitsgänge erforderlich
sind. Die so verformten Bleche haben eine glatte Oberfläche ohne Schläge.
Dazu kommen alte handwerkliche Fertigkeiten für das Verformen von Blechen, wie z. B.
Treibarbeiten in Formenkitt.

Bild 7-13 Mansardendachknickpunkt Bild 7-14 Daringer Hof in Wien


Uni Bern Verzinkte Ornamente – gelungene
Sanierung mit reichhaltiger
Metallornamentik

7.4 Sanierung von Fassaden

7.4.1 Grundsätze

Metalle spielten jahrhundertelang keine oder kaum eine Rolle in der Fassadengestaltung und
somit auch nicht in der Sanierung.
Aus Metallen wie z. B. Kupfer, Zink Messing und Bronze bestanden vorwiegend Rinnen,
Abfallrohre und Dachverzierungen.
230 7 Metallbauteile

Bild 7-15
Verzierung von Abfallrohren

Darauf bezieht sich auch die traditionelle Sanierungsarbeit. Historische Dachrinnen, die neu
hergestellt werden sollen, sind individuelle Einzelanfertigungen, meist nach alten oder in Aus-
nahmefällen neuen Vorlagen.
Durch neue Beschichtungsverfahren sind sie auf Jahrzehnte hin korrosionssicher oder bilden
wie im Fall des Werkstoffs Kupfer eine dauerhafte Patinaschicht.
7
Im zunehmendem Maße ist es üblich geworden, mehr Farbe in die Fassaden- oder Dachgestal-
tung und auch in die Entwässerungssysteme zu bringen.
Ein modernes Verfahren ist die Herstellung von Colordachrinnen aus farbbeschichteten Alu-
minium-Bändern (nach PREFA). Dabei werden die Bänder im Coil-Cating-Verfahren auf der
Grundlage einer breiten Farbkarte (nach RAL- und NCS-Farbsystemen) oberflächenbehandelt.
Die farbigen Dachrinnen sind Dauertemperaturbeständig von -30° C bis +80° C, verformbe-
ständig gegen alle allgemeine Witterungseinflüsse und unterliegen werkseitig ständigen Kon-
trollen, beispielsweise durch Salzsprüh-Test und Freibewitterung.

Bild 7-16 Schichtenaufbau einer Bild 7-17


Colordachrinne Aufbau eines Dachentwässerungssystems

Meist erfolgt die Sanierung mit Dachentwässerungssystemen parallel zur Fassadensanierung.


Wichtig ist dabei dem Grundsatz zu folgen, dass sich das Entwässerungssystem flexibel in das
Gesamtbild einfügt. Linien und Strukturen der Fassade werden integrativ nachvollzogen oder
7.4 Sanierung von Fassaden 231

dezent betont. Damit kann die Notwendigkeit der Dachentwässerung zur Akzentuierung stilis-
tischer Ausdrucksformen im Fassadenbild werden.
Die größten Probleme, die allerdings neueren Datums sind (etwa 40 Jahre) ergeben sich an den
Korrosionsschäden an Asbestplatten und metallischen Befestigungen.

7.4.2 Platten und Befestigungen

Asbestplatten
Die Sanierung von Asbestplatten ist seit Jahren problematisch und umstritten. Versuche mit
nachträglichen silikatischen und organischen Beschichtungen zeigen zwar eine Korrosions-
schutzmöglichkeit, diese ist aber technologisch ebenso aufwändig wie Einstreu- oder Durch-
färbeverfahren. Die häufigsten Schadensursachen (wenngleich auch nach Jahren) sind die
Ablösung der Nachbeschichtung und eine unzureichende Haftung und Verformung der Platten.
Asbestplatten sind deshalb komplett durch neue Materialien z. B. Zink-, Stahl-, Aluminium- 7
oder Kupfer-Platten zu ersetzen.

Befestigungen
Wenn sich schon nach wenigen Jahren metallische Kassettenelemente von der Fassade lösen,
können dafür folgende Ursachen in Frage kommen:
x fehlerhafte, praxisferne Planung
x ungeeignete Befestigungselemente
x mangelhafte Montage
x unzureichende Bauüberwachung
Ein weiterer wesentlicher Punkt bei der Sanierung mit metallischen Fassadenverkleidungen ist
die Auswahl und Verarbeitung der Befestigungselemente.
Deshalb
x sind die Unterlagsscheiben für die Verankerungsschrauben nicht zu klein und zu dünn zu
wählen,
x muss ein Überdrehen der Schraube und damit des Drehmomentes vermieden werden und
x sind Dicke, Länge und Material der Verschraubungen auf die Maße der Fassadenbeklei-
dung abzustimmen.
Um temperaturbedingte Längenveränderungen der Kassetten spannungsfrei zu ermöglichen,
sind Presslöcher, im Mittel von 2 mm für Nieten vorzusehen
Zur Sanierung der mangelhaften Verschraubung und Vernietung der Wandbekleidung ist es in
der Regel erforderlich, die komplette Fassadenbekleidung zu entfernen. Dies erfolgt schritt-
weise unter genauer Kennzeichnung der jeweiligen Kassette in ihrer ursprünglichen Position.

7.4.3 Fassadensanierung mit Paneelen

Großer Trend in der Instandsetzung und mit Einschränkungen auch in der Sanierung ist der
Einsatz von Paneelen.
Auch zeitgenössische Bauten werden mit Paneelen gestaltet.
232 7 Metallbauteile

Bild 7-18 Bild 7-19


Moderne Paneelbekleidung Fassadensanierung mit Paneelen eines in
7 den 70er-Jahren mit Betonverbund-Bau-
platten errichteten Wohnhauses

Das Grundprinzip der Paneele ist eine Entwicklung aus der Mitte des 20. Jh. und wurde
schwerpunktmäßig zunächst im Fassadenbau in unterschiedlichen Profilabmessungen einge-
setzt. Besonders verbreitet war es im Klempnerhandwerk, vor allem als handwerklich erstellte
Sonderkantungen für Atikabekleidungen.
Seit einiger Zeit werden aber auch von Klempnern Prinzipien des ingenieurmäßigen Montage-
baus angewandt und dadurch erfreut sich das Paneelsystem steigendem Interesse.
Bewährt haben sich die Paneelsysteme auf Grund ihrer Montagefreundlichkeit vor allem in der
nachträglichen Fassadendämmung. Es gilt, die Fassaden nur mit geringem Gewicht statisch zu
belasten und eine dauerhaft korrosionssichere Lösung anzubieten.
Paneelsysteme werden konstruktiv als vorgehängte hinterlüftete Fassade ausgeführt und sollen
einen langlebigen, wartungsfreien Wetterschutz für das Gebäude bieten. Gestalterisch zeichnen
sich Paneelsysteme entweder durch Flächenbündigkeit oder durch geschuppte Form aus. Die
Befestigung erfolgt im Regelfall verdeckt.
Der Montagecharakter des Paneelsystems und die im Vergleich zu Falzsystemen nur einge-
schränkten Möglichkeiten der Vor-Ort-Anpassung setzen ein ingenieurmäßiges und demzufol-
ge präzises Aufmaß voraus, welches auch als Grundlage für die Konstruktion der einzelnen
Paneele dient.

7.5 Sanierung von Fußböden

Ursache
Die häufigsten Schäden an Fußböden treten auf, wenn Rohrleitungen ungeschützt in Fußböden
verlegt werden. Dazu ist „nur“ die Einwirkung von Wasser erforderlich.
Der Angriff kann in drei Formen erfolgen:
7.5 Sanierung von Fußböden 233

Wasser von außen Wasser von innen Tauwasser


Wasser aus dem Erdreich undichte Wasserleitungen
z. B. undichte Dichtung im Keller Löschwasser
Niederschlagswasser von Außen Haushaltschäden
z. B. durch eine undichte Balkontür z. B. Übergelaufene Wannen
und Becken, umgestürzte Eimer

Wesentliche Schadensfälle
Die wesentlichen Fragen, warum es zu Korrosionsschäden an Rohrleitungen im Fußboden
kommen konnte:
1. Woher stammte das Wasser, welches die Korrosionsschäden verursachte?
2. Wie waren die Leitungen vor Korrosion geschützt und wie waren sie konstruktiv im Fuß-
boden angeordnet.
Nach Zimmermann, er hat zwischen 1971 und 2003 diese Schäden kontinuierlich verfolgt und 7
veröffentlicht¹, gibt es 7 klassische Korrosionsfälle.

Tabelle 7-4 Wasser von Außen

Schadensfall Ursache Erscheinung Behebung

Stahlrohre auf Stahl- Bildung eines Korrosi- Nach einigen Jahren Austausch gegen Kupfer-
platte onselement zwischen zeigten sich im Wand- oder Edelstahlrohre, weil
Bewehrungsstahl (Ka- Bodenbereich Durch- im Beton durch Potential-
thode) und Stahlrohr feuchtungen, weil infol- ausgleich keine Angriffe
(Anode) ge Lochfraß Heizungs-
wasser ausgetreten ist
Stahlrohre durch Was- Heizungsrohre waren in Stahlrohre waren aus Unlegierte Stähle mit Po-
serangriff aus dem einem Bodenkanal ohne unlegiertem Stahl ohne lypropylen ummanteln.
Erdreich Abdichtung gegen das Korrosionsschutz Verbindungen mit verzink-
Erdreich betoniert tem Pressfitting An-
schlussbereiche mit Korro-
sionsschutzbinden verse-
hen

Bild 7-20
Korrosionselement zwischen Be-
wehrungsstahl und Stahlrohr
234 7 Metallbauteile

Bild 7-21
Korrosionsschutzbinde auf Pressfitting

7
Tabelle 7-5 Wasser von innen

Schadensfall Ursache Erscheinung Behebung

Mangelhafter Schutzan- Die Stahlrohre waren Das angreifende Bade- Austausch der Rohre
strich auf einer Ge- nur durch einen einlagi- wasser ergoss sich gegen Edelstahl, Kupfer
schossdecke gen Alkydharzanstrich durch undichte Stellen oder Kunststoff. Wenn
gesichert auf die Betondecke wirtschaftlich vertretbar,
mehrlagiger Anstrich
Ungeschützte Rohre im Die ungeschützten, Heizungswasser trat Auswechseln der Hei-
nassen Sand unter kera- unlegierten Heizungs- nach zwei Jahren aus zungsrohre gegen korro-
mischen Belag in Dusch- rohre waren ohne Kor- den völlig durchrosteten sionsfeste Stahlrohre
räumen rosionsschutz unter Rohren
Fliesen dauerhafter
Feuchtigkeit ausgesetzt
Umhüllung von nur mit Die sehr saugfähigen Die Rohre waren noch Empfehlenswert sind hier
einem zweifachen Perlite verteilen das nicht komplett ausge- Verbundrohre aus PE –
Schutzanstrich versehe- Wasser ungebremst trocknet und wiesen X Basisrohr aus vernetz-
nen Wasserheizungsroh- über große Bereiche, starke Lochfraßkorrosi- tem Polyethylen mit einer
ren in einer Perlitschüt- die durch einen Was- on auf Aluminiumschicht
tung sereinbruch noch geför-
dert wurden.
Ungeeigneter Korrosi- Durch jahrelange Ein- Die Wasserleitungen Ein Korrosionsschutz der
onsschutz durch Verzin- wirkung des Wassers waren sichtbar korro- maroden Rohre ist wenig
kung auf die Zinkschicht diert, die umhüllende sinnvoll, in diesem fall
wurde diese zu Zink- Bitumenschicht verrot- sind neue Warmwasser-
hydroxid gelöst, sodass tet, der Beton war leitungen zu installieren
der ungeschützte Stahl bröcklig
durch Wasser und
Sauerstoff angegriffen
wurde
7.5 Sanierung von Fußböden 235

Bild 7-22
Rohrsystem

Bild 7-23
Tauwasserbildung

In der Dämmschicht des Balkons bildet sich Tauwasser, da wegen einer nicht vollständigen
Dampfsperre Wasserdampf aus einem beheizten Raum in die Dämmschicht des Balkons ein-
diffundieren konnte.

Tabelle 7-6 Tauwasser

Schadensfall Ursache Erscheinung Behebung

Stahlrohre in Filzschläu- Auf dem Balkon bildete Das Tauwasser korro- Ein sehr erheblicher
chen an der Verbindung sich Tauwasser, weil dierte auf den Stahlroh- Schaden, da die Dämm-
Wohnraum Balkon Wasserdampf aus dem ren der Decke, die unzu- schichten, der Belag, die
beheizten Wohnraum lässig mit Filz- Dampfsperren, der
infolge einer ungenü- Schläuchen umwickelt Fußbodenbelag und die
genden Dampfsperre in sind, dadurch haben sich Leitungen komplett
die Dämmschicht des zwischen Stahlrohr und ausgewechselt werden
Balkons diffundieren Filzschlauch dicke Rost- müssen. Auch die In-
konnte. krusten gebildet nenwände sind auszu-
Das Tauwasser lief auf trocknen und gegebe-
der Dampfsperre der nenfalls neu zu tapezie-
Decke in die Innenräume ren.
und an den tapezierten
Innenwänden als Tau-
wasser nieder
236 7 Metallbauteile

Das Tauwasser lief auf der Dampfsperre auf die Stahlbetondecke und von dort als kapillar
aufsteigendes Wasser in die Innenwände. Die auf der Decke liegende Stahlrohrleitung war mit
Filz umwickelt und hatte dicke Rostkrusten gebildet, weil Filz die aufgesaugte Nässe lange
Zeit zurückhält und damit korrosionsfördernd ist. Nach DIN 50229 T. 2 sind Ummantelungen
mit Filz daher unzulässig.

7.6 Geländer – Gitter

Ornamente – Schmuckelemente der Metallsanierung


Seit Jahrhunderten sind Gitter vor Fenstern, Türen und Balkonen, aber auch für Geländer und
Zäune, von hoch angesehenen Meistern aus Eisenerz und Meteorgestein kunstvoll geformt
worden. Während für einfache Bauwerke vorwiegend Holz in einfachen Formen zur Anwen-
7 dung kam, waren Kunstschmiedearbeiten vorwiegend Repräsentationsbauten wie z. B. Schlös-
sern und vorbehalten.
Als Materialien kamen vorwiegend Eisen, Gusseisen, Bronze und Messing zum Einsatz.
In allen Stylepochen, vom frühen Altertum bis zur Neuzeit, zeigte sich an der Gestaltung der
Gitter das angeborene Bedürfnis und die Lust aller Völkerschaften zu verzieren
Das betraf nicht nur ihre Kleidung sondern auch ihre Gebrauchsgegenstände. Das Säumen des
Tierfells, mit der die Frauen ihre Kleider schmückten, die ersten Punkte oder Ritzen auf den
Waffen der Männer - das waren vermutlich die ersten Ornamente. Darunter versteht man ein
künstlerisches Schmuck- und Gliederungselement. (ornare = lat. schmücken). Ornamente in
pflanzlicher, tierischer oder menschlicher Gestalt stellen in der Regel immer eine versteckte
oder erkennbare Symbolik dar.
Die geometrische Form ist die Urform des Ornamentes. Später, beim ägyptischen Stil (3000 v.
Chr.) kam das pflanzliche Motiv mit relativ wenigen aber symbolischen Motiven dazu. So war
die Palme das Zeichen für Sieg, der Ölzweig für Frieden, die Zypresse für Wehmut und Tod
und der Lotos für irdische Kraft.
7.6 Geländer – Gitter 237

Bild 7-24 Kunstvoll gestaltete Gitter an Balkon, Fenster und Treppe

Wann genau tierische Motive als Ornamente verwendet wurden ist nicht mehr 8oder noch
nicht) feststellbar. In Griechenland wurden ab dem 6.Jh v. Chr. allerdings schon tierische Me-
tallornamente nachgewiesen. Beispielsweise die Schlange für die Verführung, die Eule für
Weisheit. Außer den Nachbildungen wirklich existierender Tierarten verwendet die Kunst
schon frühzeitig Fabelwesen. So entsteht der Greif dadurch, dass dem Rumpf des Löwen der
Kopf und die Flügel des Adlers beigegeben werden.
Auch die menschliche Gestalt wurde schon frühzeitig künstlerisch nachgebildet..
Neben der Darstellung des menschlichen Antlitzes wurde die Ornamentation auch auf Masken,
Fratzen und Grotesken, die Zusammensetzung des Menschen mit tierischen und pflanzlichen
Elementen sowie phantastische Figuren wie Tier- und Fabelwesen ausgeweitet.
238 7 Metallbauteile

Bild 7-25 Groteske Ornamente

Seit der Romanik kam auch die Symbolik in das Ornament. Eines der bekanntesten Beispiele
ist das Namenssymbol Johann Sebastian Bachs am Torgitter der St. Georgenkirche in Eise-
nach/Thüringen in der Bach 1685 getauft wurde

Bild 7-26 Torgitter an der St. Georgenkirche Bild 7-27 Symbolik JSB
Mit etwas Mühe sind die Buchsta-
ben JSB in der Mitte der Symbolik
zu erkennen

Im Rahmen der modernen und aktuellen Sanierung und der an Bedeutung gewonnenen Denk-
malpflege ist an Gittern, Geländern und Zähnen die alte Tradition der Ornamentierung wieder
aufgelebt.
7.6 Geländer – Gitter 239

Zu den traditionellen Werkstoffen kommen außerdem Edelstahl, Holz und Glas als berei-
cherndes Material einzeln oder in Kombinationen in alten Formen zum Einsatz.

Funktion und Formgebung


Wichtig bei der Auswahl und beim Gestalten von Ornamenten ist die Beachtung der
1. Funktion und Zweckmäßigkeit
2. Formgebung und Ästhetik
Bei der Sanierung ist man wieder auf ein jahrhunderte altes, lange aber leider vernachlässigtes
Detail, den Wandarm gestoßen. An ihm hingen Gasthausschilder, Zunftzeichen, Firmenschil-
der und Lampen, aber auch Dachrinnen und Fallrohre.
Ein Wandarm ist statisch gesehen zum Tragen bestimmt, er muss also alle Eigenschaften besit-
zen, die durch diese Funktion vorgeschrieben sind, d. h. er muss sich dem nach unten streben-
den Druck – dem Gewicht des daran hängenden Gegenstandes erfolgreich widersetzen. Die
Abtragung der Kräfte erfolgt also über Streben in die Wand. Wenn diese Funktion der Streben 7
gewährleistet ist, können sie in der Form ästhetisch gestaltet werden. Der Gestaltung sind da-
bei keine Grenzen gesetzt.
Trotz genauer Befolgung der Übereinstimmungen von Form und Funktion können noch Fehler
im Bezug auf die Ornamentation auftreten.
Aber auch hier spielt die Funktion eine wichtige Rolle.

Bild 7-28 Wandarmgestaltung


240 7 Metallbauteile

Es wäre nicht von Vorteil, wenn beispielsweise für ein Denkmal, das durch seine Bestimmung
ein Gefühl der Freude und Verehrung hervorrufen soll, ein einfaches, wenig strukturiertes
Gitter gewählt würde.
Ein Grabgitter wiederum würde durch allzu prunkthafte oder verspielte Ornamentik der Würde
des Friedhofes und seiner Besucher widersprechen. Dasselbe Motiv aber, das für ein Grabgit-
ter angemessen ist, würde sich niemals für die Einfassung eines Brunnens eignen.
Die Übereinstimmung von Form und Funktion erfordert aber noch eine Reihe von weiteren
Überlegungen.
Ein Grabkreuz beispielsweise wird immer aus nächster Nähe betrachtet. Auch die Regelmä-
ßigkeit der vier Kreuzfelder ist bedeutsam.
Ein Turmkreuz dagegen bedingt, weit entfernt vom Betrachter, eine ganz andere Formgebung.
Die Zwischenräume sind sehr groß, die Form muss einfacher aber bestimmender sein. Die
Höhe der Befestigung erfordert aus optischen Gründen eine größere Länge des senkrechten
Armes als die der Seitenteile.
7

Bild 7-29 Grabkreuz Bild 7-30 Turmkreuz an der kath. Kirche


Maria Magdalena, Goch.
Das Turmkreuz besteht aus ver-
zinktem, mehrfach beschichtetem
Stahl
7.7 Sanierungsbeispiel Stein – Holz 241

Für die Sanierung sind also folgende Fragen zu beantworten:


x Was ist die Funktion des Gegenstandes (des Gitters)?
x Welche Form entspricht der Funktion?
x Welche sonstigen Gründe sind für die Formgebung wichtig?
Es ergeben sich folgende Schwerpunkte für die Ornamentanwendung:
1. Jedes Ornament soll beim Betrachter eine Emotion hervorrufen
2. Die ästhetische Gestaltung ist von der Funktion anhängig
3. Das Ornament kann die Fläche überziehen oder gliedern oder einzelne Punkte betonen
4. Die Ornamentierung muss alle Strukturelemente harmonisch verbinden

Behandlung von Metallgittern


Bei der Sanierung von und mit Gittern für Fenster, Türen, Brüstungen und Zäune hält sich der
Einsatz neuer Elemente gegenüber der Beschichtung vorhandener Elemente gegenwärtig noch
die Waage. 7
Ausschlaggebend für die Entscheidung sind:
x die Erhaltungswürdigkeit
x die langfristige Korrosionsbeständigkeit
x die Kosten
x der Werkstoff
x die Ästhetik
x der handwerkliche Aufwand.
Fertige Gitter sind korrosionsbeständig vorgefertigt und stehen in Ausführung und Ästhetik
ausreichend zur Verfügung.
Bei der Behandlung von Metalloberflächen unterscheidet man in der Sanierungsarbeit folgen-
de, wenn auch mit unterschiedlichem Aufwand und vom Können der Restauratoren abhängi-
gen, Techniken und Technologien:
x Lackieren
x Brünnieren
x Phospatieren
x Chromatisieren
x Schwarzbrennen
x Emaillieren
x Shreadiesieren
x Sandeln
Alle diese Verfahren sind sehr aufwändig und sollten wirklich erfahrenen Fachkräften vorbe-
halten bleiben.

7.7 Sanierungsbeispiel Stein – Holz

Im weltberühmten Pergamon-Museum auf der Berliner Museumsinsel gehört neben anderen


antiken Prunkstücken auch das römische Markttor von Milet Es wurde im 2.Jahrhundert n.
Chr. erbaut und 1905 von deutschen Archäologen ausgegraben. Ausführlich beschreiben
Venzmer/Pfanner die Sanierung dieses weltberühmten Bauwerkes.
242 7 Metallbauteile

Bild 7-31 Markttor von Milet im Pergamonmuseum Berlin –


Antikensammlung

Im antiken System waren die Marmorteile pressfugig versetzt und mit in Blei eingefassten
Metalldübeln verbunden. Diese Verbindungen waren sehr flexibel und konnten Bewegungen
aufnehmen.
An das prächtige Markttor sind weitstehende Säulenpaare in zwei Geschossen vor die Wand
getreten. Sie bilden einen lockeren Rahmen für die drei Portale und die darüber befindlichen
Nischen. Durch das unterbrochene Gebälk (last. Architrave) und durch die hervortretenden
Seitenflügel ist eine stark plastische Fassade entstanden. Die neue freie Verwendung der Säu-
len sind bereits Merkmale des Hellenismus.
1928 wurden die Fundstücke im Pergamonmuseum (29 m breit; 16.73 hoch und 1500 t
schwer) aufgebaut.
Der Zustand der Säulen und Balken (lat. Architrave) war allerdings sehr marode und es fehlten
auch einige Teilstücke. Nach dem neuesten technisch-architektonischen Wissen in den zwan-
ziger Jahren des 20.Jh wurde eine Eisenkonstruktion mit T-Trägern, Schrauben, Nieten und
Winkeleisen als ingenieurmäßiges Tragwerk gestaltet und mit dem Markttor ummantelt. Die
Hohlräume wurden mit Mörtel und Beton verbunden. Seitdem bestimmen Mörtelfugen, abwei-
chend von den pressfugigen Blöcken der Antike das Bild. Außerdem wurde das Tor siche-
rungstechnisch mit der Rückwand des Gebäudes verbunden.
Nunmehr ist das Gebäude sanierungsbedürftig, was auf folgende Ursachen zurückzuführen
ist:
x es fallen Marmorbruchstücke herunter, weil sich in den Knotenpunkten Verformungen
ergeben, weil die innere Eisenkonstruktion anderes Bewegungsverhalten zeigt, als die äu-
ßere steinerne Ummantelung
x durch die Verbindung mit der Gebäudewand werden Bewegungen auf das Tor übertragen
7.7 Sanierungsbeispiel Stein – Holz 243

Sanierungskonzept:
x Abbau – Restaurierung in einer Spezialwerkstatt – Wiederaufbau (Zeitraum etwa 12 Jahre)
x Wiederanpassung an das antike System, d. h. beispielsweise die Säulen statt mit Winkelei-
sen mit Dübeln zu verbinden
x Um den noch vorhandenen (dünnen) antiken Marmormantel der Säulen zu erhalten, werden
diese nicht mehr aufgebohrt und auch nicht mehr in das Tragwerk einbezogen
x die Steinfugen werden nicht wieder vermörtelt, um ein Ausbrechen des mineralischen
Werkstoffs zu vermeiden sondern gesteckt oder geschraubt und können bei Bedarf wieder
gelöst werden.
x Die Architrave werden nicht mehr mit Doppel-T-Trägern stabilisiert sondern durch ein
Spannsystem gehalten. Dadurch werden die Natursteinbalken auf ihr natürliches statisches
Verhalten, nämlich die Aufnahme von Druckbelastungen zurückgeführt und nicht mehr
auf Zug bzw. Biegung beansprucht.
x Ausführung der Metalle in Blei oder Edelstahl
7

Bild 7-32 Marktor von Milet, Knotenpunkte Säule – Gebälk

a. Antikes System:
Die Marmorteile sind pressfugig (ohne Mörtel) versetzt und mit Metalldübeln, die in Blei ge-
bettet sind, untereinander verbunden. Die Verbindung ist flexibel und kann Bewegungen auf-
nehmen.
b. Sanierung und Rekonstruktion 1928/1929:
Säulen und Architrave (waagerechter, den Oberbau tragende Hauptbalken) sind ausgehöhlt
bzw. ausgenutet. Ein innenliegendes Eisenskelett übernimmt die Tragfunktionen. Hohlräume
und Fugen werden vermörtelt. Das unterschiedliche statische Verhalten der beiden Konstrukti-
onsformen führt zu Verformungen und in der Folge zu Absprengungen am Marmor.
c. Neue Lösungen:
Der Doppel – T – Träger im Architrav wird entfernt; ein Spannsystem hält die gebrochenen
Teile zusammen und belasten sie auf Druck und nicht wie bisher auf Biegung. Die Säulen
behalten ihre Innenkonstruktionen bei, da ein neuerliches Ausbohren die antike Substanz ge-
fährdet. Die Knotenpunkte werden flexibel gestaltet, die Steinfugen unvermörtelt ausgeführt.
244 7 Metallbauteile

Das statische System ist jetzt wieder ähnlich wie in der Antike. Alle Metallteile bestehen aus
Edelstahl oder Blei. (Anmerkungen nach Pfanner, Jeggle, Posselt, ,Reichenbach)

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass


x als wichtiges Kriterium moderner Sanierung und Denkmalspflege das System reversibel ist
x Metall und Stein durch Berücksichtigung des „Eigenlebens“ der statische Kräfte harmo-
nisch aufeinander abgestimmt wurden.

7.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter

Norm Stand Titel


7
DIN EN ISO 12944 1998-07 Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssyste-
me mit gegenwärtig 8 (2008) gültigen Teilen.
DIN EN ISO 1461 1999-03 Durch Verzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stück-
verzinken)
DIN EN ISO 2812 2005-05 Lacke und Anstrichstoffe
DIN ISO 4623 2002-06 Beschichtungsstoffe
DIN ISO 8504 2002-01 Vorbereiten von Stahloberflächen vor dem Auftragen von
Beschichtungsstoffen
DIN EN ISO 14713 1999-05 Schutz von Eisen und Stahlkonstruktionen vor Korrosion; Zink
und Aluminiumüberzüge
DIN 8200 1982-10 Strahlverfahrenstechnik
ISO 4628 2002-09 Beschichtungsstoffe – Beurteilung von Beschichtungsschäden

7.9 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

AGRO 7-25
ALUMAT, Kaufbeuren 7-7
ARGE Pfanner/Kramer – Antikensammlung SMB 7-32
BAUDER, Stuttgart 7-15
Bauhandbuch RWE, Essen 7-32
Bauordnung Dresden 7-6
Bauschadensfälle Bd.5, Zimmermann/Schuhmacher, Fraunhofer 7-20 bis 7-23
IRB Verlag
7.9 Bildquellenverzeichnis 245

Quelle Bild

Baustilfibel, H. Kürth, A. Kutschmar, Volk und Wissen 7-31


Volkseigener Verlag Berlin 1976
BAYOSAN, Schönbach 7-24
bbz, Willich 7-8
Betonberatung Ost 7-12, 7-18, 7-19,
Biffar, Edenkoben 7-20, 7-21, 7-22, 7-23
Klein/Hauschild; Bauten, Dächer, Handwerker 7-7
Metall- und Stahlbau Peters GmbH 7-29, 7-30
Metzger, Max; Stillehre für Kunstschlösser, Lübeck 1902 7-28
PREFA GmbH 7-16, 7-17
Rau/Braune, Der Altbau, 6.Auflage, Verlagsanstalt 7-3 bis 7-6, 7-10 bis 7-15, 7-18, 7
Alexander Koch 7-19
Triebenbacher Betriebsgesellschaft mbH, München 7-24
Werklehre und Baugestaltung, 7. Lehrbrief 1960, VEB 7-8
Verlagtechnik Berlin
8 Bauteile im Erdreich

Jedes Gebäude ist durch Fundamente, Bodenplatten und erdberührte Wandkonstruktionen mit
dem Baugrund verbunden. Daher müssen nicht nur die Bauteile im Erdreich konstruktiv ge-
plant und fachlich richtig ausgeführt werden. Gleichfalls ist die Art und Weise des die Kon-
struktion umgebenden Baugrundes zu berücksichtigen. Geschieht diese umfassende Betrach-
tung nicht und bleibt das Zusammenspiel von Baugrund und Bauteil ohne Beachtung, so kann
es zu empfindlichen Bauschäden kommen.
Bauteile im Erdreich haben höhere statische und bauphysikalische Belastungen als Bauteile
über der Geländeoberfläche aufzunehmen und abzuleiten. Der Erddruck, der Wasserdruck und
das gesamte Gewicht der darüber liegenden Gebäudeteile sowie die Verkehrslasten sind von
den Kellerwänden aufzunehmen und über die Fundamente an den Baugrund abzugeben. Der
Krafteintrag erfolgt nicht nur vertikal sondern auch horizontal (z. B. Erd- und Wasserdruck).
Aus diesen Gründen ist das statische Zusammenspiel zwischen Kraft gleich Gegenkraft zu
berücksichtigen und vor allem auszunutzen.

8.1 Vorbemerkung

Erdberührte Bauteile, wie Fundamente, Bodenplatten und Außenwände haben die Besonder-
heit, dass sie nicht nur raumbildend sind, sondern Innenluft und Erdstoff trennen. Das trennen-
de Bauteil ist auf Grund der erheblichen physikalischen Abweichungen des geplanten Klimas
der Räume und des Baugrundes teilweise extremen Anforderungen ausgesetzt. Um das tren-
nende Element konstruktiv so herzustellen oder zu sanieren, dass es den Anforderungen über
Jahrzehnte gerecht wird, ist meist ein unerheblicher Aufwand notwendig. Die Hauptgründe für
den Finanzbedarf sind hierfür:
x Freilegung der Bauteile
x notwendige Arbeitsräume schaffen
x meist intensive Schäden am Bestandsbauteil
x hohe Anforderungen an den sanierten Raum (Feuchte, Temperatur, Statik)
Aus diesem Grund ist bereits in der Planung zu überlegen, ob und wie eine Nutzung der ganz
oder teilweise unter der Geländeoberkante liegenden Räume erfolgen soll. Eine Umnutzung
von ehemaligem Lagerraum zu hochwertigem Wohnraum sollte nur im äußersten Fall erfol-
gen. Die Praxis zeigt, dass ein tolerierbares Aufwand-Nutzen-Verhältnis sehr selten zu erzielen
ist.
In der Planungsphase ist, um das Aufwand-Nutzen-Verhältnis positiv zu gestalten, konkret für
jeden Raum die Nutzungsart und die damit im Zusammenhang stehenden bauphysikalischen
und baubiologischen Randbedingungen festzulegen. Aus juristischen Gründen der Einhaltung
der Beratungspflichten ist die Nutzungsart aktenkundig mit dem Bauherren abzustimmen. Die
verfolgte neue Nutzung ist immer mit Berücksichtigung der damaligen Nutzung zu planen. Die
248 8 Bauteile im Erdreich

bestehenden Böden, Wände und Decken sind für die ehemalige Bestimmung konstruiert und
hergestellt und müssen den neuen Zielvorgaben angepasst werden.
Die Kellerräume waren früher hauptsächlich als Lager- und Abstellräume für Vorräte und
Gegenstände aller Art konzipiert. Hierfür war teilweise bewusst ein feuchtes und kühles
Raumklima erzeugt worden. Nur so konnten zum Beispiel Obst und Gemüse relativ lange
unbeschadet gelagert werden. Zeitweise wurden die Kellerräume auch als Flucht- und Schutz-
raum genutzt. Üblicherweise waren die Räume aber niemals für den ständigen Aufenthalt von
Menschen bestimmt.
Heute werden Kellerräume fast standardisiert mit dem Ziel saniert, dass hochwertige Geräte
und feuchteempfindliche Materialien über einen längeren Zeitraum gelagert oder eingebaut
werden können. Nicht selten sollen auch neue Wohnräume geschaffen werden. Hinzu kommt,
dass die Räume auch noch ästhetisch aufgewertet werden sollen, da die Erwartungshaltung der
Mieter teilweise völlig überzogene Vorstellungen von Kellern eines Bestandsgebäude beinhal-
ten. Dieser erhebliche Wandel in der Nutzung verlangt grundsätzlich, dass ein trockenes und
auf die Nutzung angepasstes Raumklima vorherrscht.

Bild 8-1
Lagerraum für Textilien und andere
feuchtempfindliche Güter

Nur umfangreiche Ausbau- und Umbauarbeiten der trennenden Konstruktionen zwischen


Baugrund und Raumluft können diese bauphysikalisch neuen Anforderungen absichern. Die
Außenwände sollen ein warmes Raumklima mit relativ geringer Luftfeuchte von einem Bau-
grund physikalisch trennen, welcher im Jahresdurchschnitt eine Temperatur von ca. 8-10°C
besitzt und ständig feucht bis extrem wasserbelastet ist. Daraus ergeben sich die hohen bau-
physikalischen Anforderungen an das trennende und raumumschließende Element.
Der Umfang der bauphysikalischen Anforderungen wird von der geplanten Nutzung der Kel-
lerräume nach der Sanierung diktiert. Die Unterscheidung der Nutzung nach der Bauordnung
in Aufenthaltsräumen und Räumen für den nicht ständigen Aufenthalt von Menschen oder die
Einteilung in Arbeitsräume und Nichtarbeitsräumen nach der Arbeitsstättenverordnung sind
nicht ausreichend. Die Gliederung erfasst nicht umfassend die tatsächlichen Nutzungsmöglich-
keiten von Kellerräumen.
Aus bauphysikalischer und bautechnischer Sicht ist noch zwischen geringwertiger und hoch-
wertiger geplanter Nutzung der Kellerräume bei der Sanierungsplanung zu unterscheiden. Die
8.1 Vorbemerkung 249

zu beachtende Untergliederung der Nutzungsmöglichkeiten von Kellerräumen in der Pla-


nungsphase ist demnach:
x Aufenthaltsraum / nicht Aufenthaltsraum
x Arbeitsraum / nicht Arbeitsraum
x Raum mit geringwertiger Nutzung
x Raum mit hochwertiger Nutzung
Die Unterscheidung in geringwertiger und hochwertiger Nutzung ist üblicherweise unter ande-
rem wie folgt:
x Geringwertige Nutzung:
– Lagerung von feuchteunempfindlichen Geräten und Materialien
– Raumbeheizung erfolgt nicht
– keine hygienische Anforderung an den Raum
– keine Anforderung an Tauwasserschutz bei den raumbegrenzenden Oberflächen
– keine Anforderung an die relative Luftfeuchte der Raumluft.
x hochwertige Nutzung:
– Lagerung von feuchteempfindlichen Geräten und Materialien
– dauerhafte oder zeitweise Raumbeheizung 8
– hygienische Mindestanforderungen sind einzuhalten
– Tauwasserausfall an den raumbegrenzenden Oberflächen erfolgt nur max. in dem Um–
fang, dass keine Feuchteschäden auftreten können.
– definierte Höchstgrenze der relativen Luftfeuchte von der Raumluft im Einzelfall durch
den Bauherren
Die Zielstellung und bauphysikalischen Vorgaben sind zwischen Planer und Bauherr akten-
kundig festzulegen.
Werden Heizmöglichkeiten im Keller vorgesehen und eingebaut, so ist immer von einer hoch-
wertigen Nutzung der Räume auszugehen. Das Unterlassen von Bauwerksabdichtungsarbeiten
in der Planungs- und Ausführungsphase ist dann ein erheblicher technischer Mangel.
Ein warmes Raumklima ist zu erreichen, wenn die erdberührten Bauteile ein für die vorgese-
hene Nutzungsart ausreichendes Wärmedämmvermögen aufweisen. Hierzu ist festzulegen, ob
die Räume sich innerhalb oder außerhalb der thermischen Hülle vom Gebäude zukünftig be-
finden. Sind sie innerhalb der thermischen Hülle, so muss nicht nur der Mindestwärmeschutz
aus der DIN 4108 [1] eingehalten werden. Es sind dann auch die wärmeschutztechnischen
Anforderungen aus der gültigen Energieeinsparverordnung [2] zwingend zu erfüllen. In beiden
Planungsgrundlagen sind einzuhaltende Werte bezüglich des Wärmedurchlasswiderstandes (R)
bzw. des Kehrwertes vom Wärmedurchlasswiderstand (U-Wert) festgelegt.
Ein trockenes Raumklima ist nur erreichbar, wenn die erdberührten Bauteile eine für die vor-
gesehene Nutzungsart ausreichende Dichtigkeit gegen Wasser in flüssiger, aber auch in gas-
förmiger Form aufweisen. Die gasförmigen Wassertransportmechanismen durch die Außen-
wände und deren Auswirkungen auf das Raumklima werden häufig unterschätzt. Außer Glas,
Metall und ähnliche Stoffe haben mineralische Baustoffe ein ausgeprägtes Porensystem, wel-
ches Wasser in beiden Aggregatzuständen (flüssig und gasförmig) gut transportiert. Um dies
zu verhindern, muss das Porensystem entweder im Wandquerschnitt unterbrochen oder die
Oberfläche des Bauteils verschlossen werden.
250 8 Bauteile im Erdreich

Das im Baugrund befindliche Wasser ist im Wesentlichen nach DIN 18 195 [3] in
x Bodenfeuchte
x Zeitweise aufstauendes Sickerwasser
x Drückendes Wasser und
x Grundwasser
zu untergliedern. Abhängig von dem Versickerungsvermögen des anliegenden Erdstoffes kann
durch eine Dränanlage die vorhandene Wasserbelastung im Baugrund verringert werden, so-
fern das Bauwerk nicht im Grundwasser steht.
Bei den Freilegungsarbeiten der erdberührten Kellerwände sind die statischen Gegebenheiten
(z. B. zeitweise fehlender Erddruck) und die DIN 4123 [6] zu beachten. Wenn der Erddruck
auf die erdberührten Bauteile durch Entfernen fehlt, so ist das Gleichgewicht in diesem Be-
reich gestört.

Bild 8-2
Im Fundamentbereich anliegender Erd-
stoff als Stabilisator

8.2 Fundamente

Die Aufgabe der Fundamente ist es, die auf den Baugrund zu übertragenden Bauwerkslasten
so in Richtung und Breite in den Baugrund abzuleiten, dass eine Überbeanspruchung des Bau-
grundes durch die Gebäudelast sicher auszuschließen ist.
Es wird statisch zwischen Flach- und Tiefgründung unterschieden. Bei der Flachgründung
werden die Bauwerkslasten direkt unterhalb des Bauwerkes in den Baugrund abgeleitet. Dies
geschieht durch Einzel-, Streifen- und Plattenfundamente. Bei der Flachgründung muss die
Frostgrenze beachtet werden. In Deutschland beträgt die übliche durchschnittliche Frosttiefe
0,80-1,20 m. Werden Fundamente innerhalb der Frostgrenze angeordnet, so sind Bauschäden,
wie Risse usw., nicht zu vermeiden.
Im Gegensatz zur Flachgründung werden bei der Tiefgründung die Bauwerkslasten nicht di-
rekt unterhalb des Bauwerkes in den Untergrund abgeleitet. Über zusätzliche senkrechte Ele-
mente werden die Lasten tiefer in den Baugrund eingebracht. Es wird zwischen Pfahl-
Schlitzwand und Brunnengründung unterschieden. Die Gründungsart wird erforderlich, wenn
bodennahe Schichten nicht ausreichend tragfähig sind und ein Bodenaustausch nicht wirt-
schaftlich ist. In der Bausanierung spielt diese Art der Gründung eher eine untergeordnete
Rolle.
8.2 Fundamente 251

Die Lastableitung bei Flachgründungen erfolgt nach der Fundamentform in Einzelpunkten,


Streifen oder Flächen. Eine Kombination verschiedener Formen ist sehr häufig anzutreffen.
Konstruktionsart und Konstruktionsform, wie auch die jeweilige Kombination wird von einem
Statiker festgelegt.
Die Materialien der Fundamente von den bestehenden Gebäuden sind seltener Holz. Häufig
wird Bruchstein oder Mauerziegel bzw. eine Kombination beider angetroffen. Ab dem 20.
Jahrhundert wurde immer mehr Beton und Stahlbeton zur Anwendung gebracht. Heute werden
fast ausschließlich Betonkonstruktionen geplant und ausgeführt. Dadurch wird das Risiko
einer fehlenden Standsicherheit der Wände vermindert.

Bild 8-3 Statische Stabilisierung durch Materialwechsel

Bild 8-4
Riss zwischen Anbau und Hauptgebäude
wegen mangelhafter Gründung
252 8 Bauteile im Erdreich

In der Bausanierung ist die Tragfähigkeit der Fundamente immer zu prüfen. Zu beachten ist,
dass es sich um zweischaliges Mauerwerk handeln kann, welches gegebenenfalls mit Verpress-
techniken oder Vernadlungen zu stabilisieren ist. Zur genauen Einschätzung sind daher Unter-
suchungen (z. B. Kernbohrungen) über den Mauerwerksquerschnitt durchzuführen. Keinesfalls
können zweifelsfreie Einschätzungen über eine bloße Sichtkontrolle der Wandoberflächen
erfolgen. Sichtbare Risse an und in den Wänden geben jedoch verwertbare Hinweise.

8.2.1 Einzelfundamente

Einzelfundamente werden angeordnet, wenn die Bauwerkslasten durch Stützen in die Funda-
mente abgeleitet werden und der Baugrund ausreichend tragfähig ist. Da der Baugrund (abge-
sehen von Fels) wesentlich weniger als Mauerwerk oder Beton belastet werden kann, ist eine
Verteilung der Last auf eine größere Fläche notwendig. Wird die Last nicht ausreichend flä-
chig auf den Untergrund verteilt, fehlt die Standsicherheit und das Bauwerk wird durch unkal-
kulierbare Setzung beschädigt.
Die heute üblich eingesetzten Materialien für die Fundamente sind Beton- oder Stahlbetonkon-
8 struktionen. Bei älteren Gebäuden vor dem 20. Jahrhundert sind Fundamente überwiegend aus
Mauerwerk erstellt.
Bezüglich der Form, statischen Funktionalität und Konstruktion wird heute unterschieden in
x Mauerwerksfundamente
x Unbewehrte Betonfundamente
x Stahlbetonfundamente
x Achteckige Stahlbetonfundamente und
x Becherfundamente (Köcherfundamente)
In der Bausanierung sind Einzelfundamente öfters anzutreffen oder müssen durch Grundriss-
änderungen neu erstellt werden. Vor allem bei Bauwerken mit Gewölbekonstruktionen werden
die Lasten der Gewölbe über eine Vielzahl von Stützen (z. B. Natursteinpfeiler) in die Einzel-
fundamente abgeleitet, welche wiederum die Lasten in den tragfähigen Baugrund weiterleiten.

Bild 8-5
Einzelfundamente
8.2 Fundamente 253

8.2.2 Streifenfundamente

Streifenfundamente werden unter Wänden angeordnet. Der Baugrund muss dabei ausreichend
standfest sein und die Fundamente werden mittig belastet. Die Fundamentform kann recht-
eckig, abgetreppt und abgeschrägt sein.

Bild 8-6
Streifenfundamentformen mit ver-
schiedenen Į-Winkeln

Bild 8-7
Hergestellte Fundamentunterfan-
gung zur sicheren Lastabtragung

Unter Wandöffnungen (z. B. Kellertüren) oder statisch unbelasteten Wandbereichen ist eine in
Fundamentlängsrichtung durchlaufende Bewehrung erforderlich. Die Baumaterialien sind mit
den verwendeten Materialien von Einzelfundamenten identisch.
Eine eher selten verwendete Form der Streifengründung ist das sogenannte Stiefelfundament,
welches nach seiner Querschnittsform benannt wird. Es handelt sich um ein einseitig auskra-
gendes Fundament (z. B. unter Grenzmauern), welches mit der aufgehenden Wand biegesteif
verbunden wird, um somit eine bessere Druckübertragung zu gewährleisten.

8.2.3 Balken- und Plattengründung

Die Balkengründung wird angeordnet, wenn die Gründung mit Einzellasten (z. B. bei Stützen)
belastet werden und daher zwingend eine statisch nachzuweisende Längsbewehrung erforder-
lich wird. Letztendlich sind sie mit Streifenfundamenten statisch und konstruktiv vergleichbar.
254 8 Bauteile im Erdreich

Bild 8-8
Querschnitt der Balkengründung

Die Plattengründung wird hauptsächlich im Neubau und in der Bausanierung bei der Grün-
dung von Anbauten angewandt. Bei der Plattengründung kann in Anhängigkeit der Steifigkeit
der Platte die mittragende Fläche unter Wänden und Stützen vergrößert werden. Damit erfolgt
eine Reduzierung der Bodenpressung. Diese Gründungsart wird bei nicht ausreichender Trag-
fähigkeit des Baugrundes zur sicheren Lastaufnahme durch Einzel- oder Streifenfundamente
8 gewählt.

Bild 8-9
Platte gleicher Dicke

Bild 8-10
Platte durch Balken verstärkt

8.2.4 Pfeilergründung

Pfeilergründung ist eine Schachtgründung. Bei überwiegend vorhandenen vertikalen Lasten


eignen sich zur Lastabtragung Pfeiler. Es handelt sich um eine Tiefengründung. Die Lastabtra-
gung erfolgt in der Gründungssohle, wobei zur Erhöhung der Tragfähigkeit der Pfeilerfuß je
nach zu berücksichtigender Last auch verbreitert werden kann. Sie werden üblicherweise aus
Beton- und Stahlbeton erstellt. Bei älteren Bauwerken kamen vereinzelt Mauerwerkskonstruk-
tionen zum Einsatz. In der Bausanierung sind derartige Gründungen eher selten anzutreffen.

8.2.5 Pfahlgründung

Eine Pfahlgründung wird angeordnet, wenn Lasten von Bauwerken in einen tiefliegenden
tragfähigen Baugrund übertragen werden müssen. Es handelt sich um eine Tiefengründung.
8.2 Fundamente 255

Die Art der Kraftübertragung ist vom Baugrund und der Beschaffenheit des Pfahles abhängig.
Die Pfahlkraft wird über Manteldruck und/oder Spitzendruck in den tragfähigen Baugrund
übertragen.
Es wird im Wesentlichen unter Rammpfählen, eingepressten und gedrehten Pfählen, Bohr- und
Verpresspfählen unterschieden.

Mantelreibung

Spitzendruck

Bild 8-11 Statisches System der Pfahlgründung

Bild 8-12
Freigelegte Pfahlgründung
256 8 Bauteile im Erdreich

8.2.6 Brunnen- und Senkkastengründung

Auch hier handelt es sich um eine Tiefengründung, bei der das Risiko von Absenkungen der
Fundamente bestehender Nachbarbebauungen nicht wesentlich erhöht wird. Sie wird auch
angewandt, wenn Pfeiler- oder Pfahlgründungen bzw. ein Bodenaustausch zu unwirtschaftlich
sind. Bei dieser Methode wird die Stützung des Erdreiches durch die vorgefertigten Umfas-
sungswände übernommen. Die Wände werden durch das Ausheben des Erdreiches im Inneren
der Wände (z. B. Betonrohre) in den tragfähigen Untergrund abgesenkt. Durch das Eigenge-
wicht der Wand und eventuell notwendiger Zusatzlasten wird der Reibungswiderstand an der
abzusenkenden Umfassungswand überwunden.
Mittels dieses Verfahrens werden hauptsächlich Gründungen und offene Schächte wie Brun-
nen, Klärgruben u. Ä. erstellt. Das Verfahren kann bei bestimmten Voraussetzungen auch bei
Gründungen im Grundwasser und im offenen Wasser angewendet werden. In der Bausanie-
rung sind derartige Gründungen eher selten anzutreffen.

Bild 8-13
Gründungsstabilisierung der Auenkirche
Markleeberg durch Brunnengründung

8.2.7 Flankierende Maßnahmen

Der Bodenaustausch stellt eine Möglichkeit dar, auf eine Tiefengründung verzichten zu kön-
nen und die überwiegend wirtschaftlichere Flachgründung zur Lasteintragung in den Baugrund
einzusetzen. Die nicht ausreichend tragfähige Bodenschicht wird bis zur tragfähigen Schicht
entfernt und durch tragfähigen Boden ersetzt. Die Wirtschaftlichkeit dieser Methode ist abhän-
gig von dem Umfang des Erdaustausches, das heißt, wie groß der Abstand zwischen der
Oberkante des tragfähigen Bodens und der Unterkante des Fundamentes ist.
Unter bestimmten Randbedingungen kann der vorhandene, eigentlich nicht ausreichend trag-
fähige Erdstoff auch durch Injektionen geeigneter Injektionsstoffe verfestigt werden, um eine
ausreichende Festigkeit zur Weiterleitung von Bauwerkslasten in den tragfähigen tieferliegen-
den Bodenbereich abzusichern.
8.3 Bodenplatten 257

In der Bausanierung hat der Bodenaustausch und das Injektionsverfahren zur Bodenverbesse-
rung eine untergeordnete Bedeutung. Beide Verfahren werden nur im Einzelfall benötigt.
Grundsätzlich ist neben der Überprüfung der Tragfähigkeit des eigentlichen vorhandenen
Baugrundes auch die Wasserbelastung im Baugrund bei Planung und Ausführung zu beachten.
Bei der Planung hat der Bemessungswasserstand eine wesentliche Bedeutung. Der Planer muss
sich diese Planungsgrundlage vom Bauherren aktenkundig übergeben lassen. Gleichfalls sind
die örtlichen Gegebenheiten der Wasserverhältnisse im und am Gebäude festzustellen. Die
Qualität der Voruntersuchung, als ein Teilgebiet einer fachgerechten Sanierungsplanung, ent-
scheidet bereits erheblich über die Erfolgsaussichten der Sanierung eines Bauwerkes. Ratsam
ist es für jeden Planer, bereits frühzeitig spezialisierte Sachkundige (z. B. Baugrundgutachter,
Statiker) mit in das Projekt einzubeziehen.
Der tatsächliche Grund- und Schichtenwasserstand ist dabei wesentlich für den Ausführungs-
zeitraum der Sanierungsarbeiten. Allerdings sind auch örtliche Gegebenheiten bezüglich Was-
serverursachung durch die langjährige Nutzung der Gebäude im Sanierungszeitraum zu beach-
ten. Defekte Rohr- und Grundleitungen im und am Gebäude können zu einer Aufweichung des
Baugrundes führen und die Standsicherheit der Fundamente gefährden.
8
8.3 Bodenplatten

Die erdberührten Fußbodenkonstruktionen in Bestandsbauten sind die bauphysikalisch mit am


meisten beanspruchten Bauteile. Zudem werden sie erheblich durch die vorhandene oder neu
geplante Nutzungsart konstruktiv beeinflusst.

8.3.1 Grundsätzliches

Bauphysikalisch ist die Oberflächentemperatur auf der Innenseite der Fussbodenkonstruktion,


die Wasserundurchlässigkeit, das Diffusionsverhalten und das Wärmedämmvermögen zu be-
achten. Bei der Nutzung wird grob unterschieden, ob es sich um
x Räume zum ständigen Aufenthalt von Menschen,
x zur Lagerung temperatur- oder/und feuchteempfindlicher Materialien
x oder zur Lagerung geringwertiger Materialien, Gemüse und Obst
handelt. Die Wirtschaftlichkeit bezüglich Aufwand- und Nutzen-Verhältnis (Nutzungsent-
geld/Sanierungsaufwand) verringert sich bei jeder Steigerung der Qualität der Nutzung. Mit
Blick auf die Nutzung ist zudem grundsätzlich die Abriebfestigkeit, die Ebenheit, Festigkeit
und die Standsicherheit bei der Bodenplatte zu berücksichtigen.

8.3.2 Thermische Problemstellungen

Bei der Planung und Ausführung von Bodenplatten in der Altbausanierung ist der gesamte
Fußbodenaufbau der späteren Nutzungsart unterworfen. Dabei ist zu beachten, ob die Boden-
platte sich in oder außerhalb der thermischen Hülle des Bauwerkes befindet oder sogar ein Teil
dieser Hülle selber ist. Wenn sie ein Teil der thermischen Hülle ist, so sind die Forderungen
258 8 Bauteile im Erdreich

aus der Energieeinsparverordnung [2] und aus der DIN 4108 [1], zusätzlich zu den Forderun-
gen aus den allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik, in ihren Inhalten umzusetzen.
Daraus ergeben sich baupraktisch immer wieder aus den festgeschriebenen Randbedingungen
Probleme, die der Wirklichkeit teilweise sehr abweichend gegenüberstehen. Der Erdstoff ist
unter der Bauwerksgrundfläche im Jahresdurchschnitt überwiegend zwischen 5-9°C warm. Die
Temperatur ist von nachfolgenden Randbedingungen hauptsächlich abhängig:
x Einbautiefe des Bauwerks
x Nutzung des Kellergeschosses
x Größe der Grundfläche
x Wasserverhältnisse im Boden
Diese Sachverhalte werden in der DIN-Norm nicht ausreichend berücksichtigt. Daher sollten
die tatsächlich vorhandenen Temperaturbedingungen in der Bemessung Einfluss finden. Aus
wirtschaftlichen Gründen ist es ratsam, dass die Nutzung des Kellers nicht verändert wird und
damit die bauphysikalische Grundanforderung verbleibt. Nur in absoluten Einzelfällen sollte
die Fußbodenkonstruktion ein Teil der thermischen Hülle des Bauwerks sein. Viel wirtschaft-
licher und effektiver ist es, wenn die thermische Hülle in der Kellerdecke verläuft.
8
8.3.3 Feuchtetechnische Problemstellungen

Die erdberührte Bodenplatte ist einer Feuchtebelastung aus dem Erdreich ausgesetzt. Sie wer-
den nach DIN 18195 „Bauwerksabdichtung“, Teil 4-6 [3], wie folgt eingestuft:
x Bodenfeuchte und nicht aufstauendes Sickerwasser (Teil 4 der Norm)
x Drückendes Wasser und aufstauendes Sickerwasser (Teil 6 der Norm)
Bei den Feuchtetransporten durch die Bodenplatte wird zwischen kapillaren und gasförmigen
Feuchtetransporten unterschieden. Die Qualitätsansprüche der Bodenplatte an die Wasserdich-
tigkeit in beiden Phasen hängt auch hier im Wesentlichen von der tatsächlichen Nutzung der
vorhandenen Räum ab. Bei hochwertiger Nutzung ist ein konstruktiver Aufbau einer Bau-
werksabdichtung nach DIN 18195, je nach Wasserbeanspruchung aus dem Baugrund, unum-
gänglich.
Allerdings kann diese Norm nur selten sinnvoll in der Altbausanierung angewendet werden.
Die in der Norm geforderten Randbedingungen sind nicht in Bestandsbauten vorhanden, so
dass eine Umsetzung der Forderungen auf Wasserdichtheit nicht komplett umgesetzt, sondern
maximal nur in Anlehnung erfolgen kann. Dieser Umstand ist in den Anwendungsbereichen
der Norm explizit beschrieben. Eine konsequente Planung oder gar Bewertung von nachträg-
lich eingebauten oder sanierten Kellerfußböden nach der DIN 18195 ist nicht ausführbar. Da-
her sind die entsprechenden WTA-Merkblätter [4] bei der Planung und Ausführung zu berück-
sichtigen.
Bei der Planung der Fußbodenkonstruktion ist aus feuchtetechnischer Sicht der Bemessungs-
wasserstand maßgebend. Wenn die Bodenplatte höhenmäßig im Grund- und Schichtenwasser
liegt, so ist entweder eine kostenaufwendige wasserundurchlässige Konstruktion zu planen und
auszuführen oder die Bauherrenschaft akzeptiert aktenkundig, dass der Keller zumindest zeit-
weise mit Wasser beaufschlagt ist. Bei der letzteren Variante kann das Wasser über einen
Pumpensumpf meist ohne verbleibende Schäden problemlos wieder abgesaugt werden.
Wenn die Bodenplatte sicher außerhalb des Grund- und Schichtenwassers liegt und nur von
einer Bodenfeuchtigkeit auszugehen ist, so ist bezüglich der konstruktiven Planung nur die
8.3 Bodenplatten 259

Nutzung von wesentlicher Bedeutung. Ist die Nutzung eher geringwertig, so reicht stellenwei-
se nur das Einlegen einer Abdichtungsbahn zwischen Erdstoff und Bodenplatte. Auf eine Her-
stellung der Anschlüsse nach WTA-Merkblättern kann verzichtet werden. Ist die Nutzung eher
etwas höherwertig (z. B. feuchteempfindliches Material), ohne dass es um den Aufenthalts-
raum von Menschen geht, so sollte die Abdichtungsbahn zwischen einem Dichtungsträger und
der Bodenplatte aufgebracht werden. Zudem müssen die Anschlüsse der Abdichtungsbahn an
aufsteigende Bauteile (z. B. Außen- und Innenwand) so geschaffen werden, dass umfangreiche
Wasserdampfdiffusion nicht stattfinden kann.
Statt der Abdichtungsbahn unter oder in der Bodenplatte können auch wasserundurchlässige
Betonkonstruktionen als Bodenplatten verwendet werden. Die Dicke der Bodenplatte ist kon-
struktiv so auszubilden, dass sich an der Innenoberseite der Platte nur Diffusionsvorgänge
abspielen können. Diese Konstruktionsart der WU-Platte gewinnt in der Sanierung immer
mehr an Bedeutung, da sie handwerklich einfach herzustellen und besser in den Baubestand
einzubauen ist.

8.3.4 Konstruktionsbeispiele
8
Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob die Bodenplatte in oder sicher außerhalb des Einflusses
von Grund- oder aufstauendem Sicker- oder Schichtenwasser eingebaut werden soll. Nach
dem Stand der Bautechnik ist die Wasserbelastung „Bodenfeuchtigkeit“ immer anzunehmen.
Dies gilt auch dann, wenn infolge sehr wasserdurchlässiger Böden, großer überbauter Grund-
flächen und umfangreicher Flächenversieglung um das Bauwerk der Baugrund baupraktisch
als trocken einzuschätzen ist. Bei Schichtenwasserbelastung gibt es sinnvolle Lösungen. Wenn
Keller teilweise im Grundwasser stehen, sind wirtschaftliche Lösungen von wannenförmigen
Bauwerksabdichtungen derzeit nicht bekannt. Hier sollte auf eine Nutzungsänderung des Kel-
lers verzichtet werden.
Im Folgenden werden Lösungsvarianten für den Fall vorgeschlagen, dass die Bodenplatte im
Schichtenwasser eingebaut wird:

6 1a

2 1a - Estrich
3 1b - Betonkonstruktion
h* 4 2 - Abdichtung horizontal
5 3 - Dichtungsträger
7 4 - PE - Folie
6 1b 5 - Kapillarbrechende Schicht

2 6 - Horizontalabdichtung im Mauerwerk

3 7 - Vertikalabdichtung
h*
4

5 * - die Höhe der Horizontalabdichtung ist von den


hydrologischen Verhältnissen abhängig

Bild 8-14 Skizzen der wannenförmigen Abdichtung


260 8 Bauteile im Erdreich

Die Kosten bei dieser Variante sind so erheblich, dass diese nur bei einer hochwertigen Nut-
zung des Kellers (Aufenthaltsraum, Archiv u. a.) wirtschaftlich anwendbar ist.
Im Nachfolgenden werden Lösungsvarianten für den Fall vorgeschlagen, dass die Bodenplatte
mit Sicherheit nicht im Grund-, langfristig aufstauendem Sicker- oder Schichtenwasser einge-
baut wird und keine Beheizung erfolgt:

2 1 - Erdreich
1 2 - PE - Folie

3 - 20 cm Betonplatte in WU - Qualität

5 4 - Horizontalabdichtung im Mauerwerk
8 4 5 - Vertikalabdichtung

8 6 - Dichtungsträger aus Beton min. 7 cm

7 7 - Horizontalabdichtung

6 8 - Estrich oder Betonplatte

Bild 8-15 Skizzen möglicher Varianten

Auf „wasserdichte“ Anschlüsse zwischen der Abdichtungsebene im Kellergrundriss und in den


Kellerwänden wird bewusst verzichtet. Bei einem Keller als geringwertigem Lagerraum ist
dies vertretbar.

8.4 Außenwände (erdberührt)

8.4.1 Grundlagen und Konstruktion

Die Außenwände sind die am meisten bauphysikalisch beanspruchten Bauteile. Insbesondere


gilt dies für erdberührte Konstruktionen. Sie sind konstruktiv so zu planen und auszuführen,
dass sie:
x die Gebäudelast schadlos in die Fundamente leiten
x dem Erd- und eventuellen Wasserdruck sicher standhalten
x im Baugrund vorhandenes Wasser nicht aufnehmen
x in Bezug auf die Oberflächentemperatur an der Innenseite der Nutzung entsprechen
Im Allgemeinen werden die neuen bzw. teilweise neuen Außenwände nach den Fachregeln des
Rohbaus und den üblichen Materialien (Mauerziegel, Beton usw.) für Wandkonstruktionen
8.4 Außenwände (erdberührt) 261

hergestellt. Abweichend von den über dem Gelände herzustellenden bzw. hergestellten Wän-
den sind bei der Planung und Ausführung die zu wählenden Materialien und die Wandbreiten
zu berücksichtigen.
Die Materialauswahl von erdberührten Bauteilen ist, zusätzlich zu den statischen Gegebenhei-
ten, unter dem Gesichtspunkt der Wärme- und Feuchtebelastung zu treffen. Die Materialien
sollten nicht feuchteempfindlich sein, da im geplanten Nutzungszeitraum die Bauwerksabdich-
tung zu Schäden bekommen kann. Dem Wärmedämmvermögen ist aus dem Umstand Beach-
tung zu schenken, da eine der Nutzung entsprechende Oberflächentemperatur an der Innenseite
der Außenwand gewährleistet werden muss. Sich auf eine Außendämmung (z. B. Perimeter-
dämmung) konsequent zu verlassen ist nicht ratsam. Durch Hinterlaufen von Wasser kann der
Wärmedämmeffekt erheblich eingeschränkt werden.
Bei Bestandswänden ist eine genaue Schadensanalyse vor der eigentlichen Sanierungsphase
eine absolute Voraussetzung. Nur auf dieser Grundlage ist eine Entscheidung über eine mögli-
che weitere Nutzung, der Umfang der Sanierungsleistungen und die wirtschaftlichste Sanie-
rungsart möglich. Dabei sollten vor allem überprüft werden:
x Geometrie und Materialbeschaffenheit
x Standfestigkeit (Rissbildungen) 8
x Feuchtebelastung und Feuchteverteilung
x Quantitative und qualitative Salzbelastung
Sind die Bestandswände zu sanieren, um eine weitere ausreichende Funktionstüchtigkeit über
den einzuplanenden Nutzungszeitraum sicher zu stellen, so sind die tatsächlichen Gegebenhei-
ten im Einzelfall zu beachten. Zum Beispiel sollten nur Baustoffe verwendet werden, welche
ähnliche materialspezifische Eigenschaften wie die Materialien der bestehenden Konstruktion
aufweisen. Bei gipshaltigen Bestandsmauern (z. B. vereinzelten Burgmauern) sollten zement-
haltige Baustoffe nur dann zum Einsatz kommen, wenn eine Ettringitbildung sicher vermieden
werden kann. Ansonsten kann es zu Absprengungen oder zumindest zu Gefügestörungen in
und an der Wand kommen.
Gleichzeitig sind die alten und neuen statischen Anforderungen auf die Außenwände zu beach-
ten. Durch einen Statiker ist zu überprüfen, ob die Außenwand tatsächlich sicher die neuen
bzw. veränderten Bauwerkslasten aufnehmen, ableiten und an die Fundamente abgeben kann.

Bild 8-16
Abplatzungen und Ausblühungen an
Mauerwerk durch Feuchtebelastung
aus fehlender Horizontal- und Verti-
kalsperre
262 8 Bauteile im Erdreich

Durch den Um- und zumindest teilweisen Ausbau, aber auch durch Umnutzung werden die
Bauwerkslasten bei Sanierungen verändert. Damit werden auch Lasteintragungen in Art und
Höhe verändert. Das kann bei Gefügestörungen im Mauerwerk, welche bisher keinen Einfluss
auf die Standsicherheit hatten, zu Schäden oder zum kompletten Versagen der Konstruktion
führen.
Aus früheren Baugrundveränderungen kann eine Funktionseinschränkung bzw. ein Absenken
der Fundamente erfolgt sein. Dies spiegelt sich dann in vereinzelten typischen Rissbildern
wieder.
Bei alten vorhandenen Rissen reicht vielfach
eine fachgerechte Verpressung der Mauer-
werksrisse, nachdem die Rissursachen besei-
tigt sind. In einigen Fällen ist eine „Vernad-
lung“ der Risse notwendig. Hierbei werden
geriffelte Stahlstäbe in die Lagerfugen des
Mauerwerkes kraftschlüssig mit entspre-
chendem Mörtel eingebaut. Üblicherweise
werden diese Stäbe in jede 3. bis 4. Lager-
8 fuge eingesetzt. Über die Menge sowie die
Art und Weise sollte im Einzelfall immer ein
Statiker entscheiden.

Bild 8-17
Versagen der Standsicherheit durch Gründungs-
probleme

8.4.2 Bauwerksabdichtung

Der Umfang und die Art und Weise der Bauwerksabdichtung ist abhängig von der Nutzung
der hinter den Außenwänden angeordneten Räume und der Beschaffenheit des Baugrundes
einschließlich der anstehenden Wasserbelastung. Bei der nachträglichen Bauwerksabdichtung
wird in Horizontalsperre und Vertikalabdichtung unterschieden.
Die DIN-Normen sind maximal bei der Vertikalabdichtung in Planung und Ausführung zu
beachten. Im Wesentlichen sind die Mindestanforderungen aus den WTA-Merkblättern [4] zu
erfüllen.
Die Bestandswände sind im Rahmen der Planung zwingend zumindest auf
x Statische Probleme (Standsicherheit und Mauerwerksfestigkeit),
x Materialeigenschaften (Rohdichte, Saugverhalten u. a.) und auf
x Feuchte- und Salzbelastung nach den WTA-Merkblättern [4]
zu untersuchen. Bereits bei der Inaugenscheinnahme der örtlichen Gegebenheiten werden
wichtige Details für die Planung erkennbar. Wenn eine Ausführungsplanung ohne vorherige
Mauerwerksdiagnose und der Überprüfung aller Randbedingungen erfolgt, so ist eine Fehlpla-
nung mit notwendigen späteren Korrekturen kaum zu vermeiden.
8.4 Außenwände (erdberührt) 263

Bild 8-18
Feuchtebelastungen und Ausblü-
hungen nur unter einer funktions-
tüchtigen Horizontalsperre, wo-
durch die Dichtheit der Sperre
erkennbar ist

Die Feuchtebelastung ist grundsätzlich in Masse-Prozent zu ermitteln (Darr-Methode, CM-


Methode). Bei der Planung einer Horizontalsperre mittels Injektionsverfahren ist der Durch- 8
feuchtungsgrad (DFG) zusätzlich zu bestimmen. Dielektrische niederfrequente Messgeräte
oder Messgeräte mit dem Messprinzip der Widerstandsmessung sind in ihren Messergebnissen
nicht ausreichend sicher aussagefähig. Zudem ist zumindest eine qualitative Salzbestimmung
für Sulfat, Chlorid und Nitrat (Nitrit) vorzunehmen.
Mindestens auf diesem bauphysikalisch notwendigen Kenntnisstand sind die Verfahren in Art
und Umfang der Trockenlegung, auf den Einzelfall abgestimmt, festzulegen. Die Lage der
Horizontal- und Vertikalabdichtung ist auf die örtlichen Gegebenheiten und von der zukünfti-
gen Nutzung der Räume abhängig. Vertikalabdichtungen an der Außenseite sind immer Innen-
abdichtungen vorzuziehen, da sonst Tauwasserausfall zum Problem werden kann.

Bild 8-19
CM-Gerät zur Bestimmung der
Feuchte in Masse-%
264 8 Bauteile im Erdreich

Bild 8-20
Niederfrequent dielektisches Mess-
gerät mit dem kennzeichnenden
Kugelkopf

Unter Umständen kann auf die Horizontalabdichtung verzichtet werden. Dies trifft im Allge-
8 meinen bei geringwertig genutzten Lagerräumen zu. Dort kann ein Feuchteeintrag in den
Wandfuß toleriert werden. Allein durch die Vertikalabdichtung wird die erdberührte und was-
sersaugende Wandfläche um bis zu 80 % reduziert. Eine Mauerwerksentfeuchtung ist die Fol-
ge.
Die Horizontalsperre ist eine im Mauerwerk eingebrachte, horizontal verlaufende Sperrschicht,
welche einen kapillaren Wassertransport von den unteren Mauerwerksabschnitten in höhere
Mauerwerksbereiche sowie in das Gebäudeinnere verhindert. Die im Einzelfall möglichen
Verfahren (siehe Tabelle 1–4) sind von statischen Randbedingungen geprägt und daher nur
von einem Sachkundigen im Bautenschutz zu empfehlen. Gleichfalls ist die Zusammenarbeit
mit einem Statiker notwendig, der die Machbarkeit der vorgeschlagenen Abdichtungsvariante
auf Durchführbarkeit aus statischer Sicht prüfen muss.
Die 1. Variante erbringt die optimale Feuchtereduzierung im Mauerwerk. Bei Variante 2 bleibt
der Wandfuß feucht. Bei Variante 3 ist mit Tauwasser an der Innenseite zu rechnen, so dass
Dämmmaßnahmen notwendig werden. Gleiches gilt abschnittsweise für Variante 4.
8.4 Außenwände (erdberührt) 265

1. Variante: Vertikalabdichtung außen, 2. Variante: Vertikalabdichtung außen,


Horizontalsperre im Wandfußbereich Horizontalabdichtung entfällt

z. B. nicht
rückbaubare
Rohrleitung

3. Variante: Vertikalabdichtung innen, 4. Variante: Vertikalabdichtung teilweise innen und


Horizontalsperre im Sockelbereich, sollte nur bei außen,
fehlender Möglichkeit der Abschachtung gewählt Horizontalabdichtung in angepasster Höhe vom
werden. Mauerwerk

Bild 8-21 Vier grundsätzliche Varianten der Lage von Horizontalsperre und Vertikalabdichtung
266 8 Bauteile im Erdreich

Tabelle 8-1 mechanische Verfahren der Horizontalsperre

Verfahren* Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile


Mauerwerksaustauschver- Aufsteigende Feuch- – Verbesserung der – Gefahr der Rissbil-
fahren tebelastung im Natur- statischen Gege- dung durch Set-
stein- und Ziegelmau- benheiten zung
erwerk, – zuverlässiges Ver- – Kosten- und Zeit-
fahren aufwand sehr hoch
– Entfernung von – handwerklich
feuchte- und salzbe- anspruchsvoll
lastetem Mauerwerk
Mauerwerkssäge- und Aufsteigende Feuch- – zuverlässiges Ver- – aus statischen
Schneidverfahren tebelastung im wei- fahren Gründen nur be-
chen oder mit durch- – fachgerechter Ein- grenzt einsetzbar
gehender Fuge aus- bau leicht visuell – Rissbildungen
gestattetes Ziegel- kontrollierbar durch Erschütte-
mauerwerk rung möglich
Rammverfahren Aufsteigende Feuch- – zuverlässiges Ver- – aus statischen
tebelastung im mit fahren Gründen nur be-
durchgehender Fuge – keine Unterbre- grenzt einsetzbar
8 ausgestattetes Zie- chung des Kraft- – Rissbildungen
gelmauerwerk schlusses durch Erschütte-
rung möglich
Kernbohrverfahren Aufsteigende Feuch- – universell und zu- – zusätzliche
tebelastung im Natur- verlässig verwend- Wasserbelastung
stein- und Ziegelmau- bares Verfahren im Bauteil
erwerk, in Betonkon- – erschütterungs- – sehr hoher Kosten-
struktionen freies Verfahren und Zeitaufwand
* Alle Verfahren sind allgemein anerkannte Regeln der Technik

Die mechanischen Verfahren sind allen anderen Verfahren vorzuziehen, da sie leicht in der
Herstellungsqualität zu überprüfen sind und sie den allgemein anerkannten Regeln der Technik
entsprechen. Ein Versagen der Sperre ist bei fachgerechter Ausführung nicht möglich.

1 Mauerwerksaus- 2 Mauersäge- und 3 Rammverfahren 4 Kernbohrverfahren


tauschverfahren Schneidverfahren

Bild 8-22 Systembilder der mechanischen Verfahren


8.4 Außenwände (erdberührt) 267

Bild 8-23
Horizontalsperre im Sägeverfahren

Bild 8-24
Bitumenschweißbahn ist als Hori-
zontalsperre wegen der Auflast
nicht geeignet

Neben der fachgerechten Ausführung der Horizontalsperre im mechanischen Verfahren ist die
richtige Materialauswahl von Bedeutung. Das Material muss nach den tatsächlich vorhandenen
Randbedingungen ausgewählt werden.

Tabelle 8-2 Injektionsverfahren der Horizontalsperre

Verfahren* Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile

Drucklose Injektionen Aufsteigende Feuch- – kein Einfluss auf – schwierige Kontrolle


tebelastung im Mau- Standsicherheit über die Verteilung
erwerk – universell einsetzbar des Injektionsstoffes
im Mauerwerk und
Wirksamkeit der
Sperre
– teilweise wird die
Salzbelastung erhöht
268 8 Bauteile im Erdreich

Verfahren* Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile


Niederdruckverfahren Aufsteigende Feuch- – wie vorher – wie vorher
tebelastung im Natur- – höhere Sicherheit der – höhere Kosten als bei
stein- und Ziegelmau- Funktionstüchtigkeit drucklosen Verfahren
erwerk
Hochdruckverfahren Aufsteigende Feuch- – wie vorher bei Nie- – wie vorher
tebelastung im Natur- derdruckverfahren – höhere Kosten als bei
stein- und Ziegelmau- Niederdruckverfahren
erwerk – Einsatz von den
Randbedingungen im
Mauerwerk abhängig
* Alle Verfahren sind Stand der Bautechnik

Der Vorteil bei den Injektionsverfahren ist, dass die Abdichtungsebenen wie folgt erstellt wer-
den können:
x Parallel zum Fundament über den Mauerwerksquerschnitt (Horizontalsperre)
x Parallel zur Innenseite der Außenwand im Mauerwerk (Flächeninjektion) und
x Parallel zur Außenseite der Außenwand im angrenzenden Erdreich (Schleierinjektion)
8

Bild 8-25 Systemskizze bei Injektionsverfahren [e]

Tabelle 8-3 Elektrophysikalische Verfahren der Horizontalsperre

Verfahren Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile

Passive Verfahren* bei aufsteigender – keine Problem der – nur sehr kurzzeitige
Feuchte im Mauerwerk Standsicherheit Erfolgsaussichten
– technisch und bau- – in der Praxis kein
physikalisch bekann- bewährtes System
tes System
Aktive Verfahren** nach Herstelleranga- – keine Beeinflussung – geringe Erfolgsaus-
ben (konträre Diskus- der Standsicherheit sichten
sion in Fachkreisen) – nur geringe bauliche – physikalische Rand-
Eingriffe bedingungen für die
Funktionstüchtigkeit
noch relativ unbe-
kannt
– hoher und ständiger
Wartungsaufwand
* das Verfahren ist Stand der Bautechnik, gilt als veraltet und wird nicht mehr eingesetzt
** das Verfahren ist Stand der Wissenschaft und wird im Einzelfall baupraktisch eingesetzt
8.4 Außenwände (erdberührt) 269

Bild 8-26 Systemskizze bei aktiven elektrophysikalischen Verfahren

Tabelle 8-4 Paraphysikalische Verfahren der Horizontalsperre

Verfahren Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile

Passive Verfahren* nach Herstelleranga- – geringer Kaufpreis – Wirkprinzip wissen-


ben (Fachkreise – keine Bauarbeiten schaftlich unbewiesen
lehnen das System und nicht physikalisch
grundsätzlich ab) nachvollziehbar
– Wirkprinzip trotz
8
Verwendung von
physikalischen Na-
men nicht Lehrmei-
nung der Physik
– keine praktischen
neutralen Erfahrun-
gen
Aktive Verfahren** nach Herstelleranga- – geringer Kaufpreis – derzeit wie bei passi-
ben (in Fachkreisen – keine Bauarbeiten, ven Verfahren, aller-
äußerst umstritten, außer Stroman- dings werden Strah-
wobei Ablehnung schluss lungen, die in der
weitestgehend über- Physik bekannt sind
wiegt) verwendet
* Das Verfahren sind max. zur Grundlagenforschungzu zählen und haben keinen wissenschaftlich aner-
kannten Hintergrund, daher der Name „Zauberkästchen“
** Die Verfahren sind in den Bereich der Grundlagenforschung einzustufen

Alle Verfahren bezüglich des Einbaues der Horizontalsperre sind von einem ausgewiesenen
Sonderfachmann zu planen und auszuführen. Dabei ist darauf zu achten, dass die Erfolgsaus-
sichten der einzelnen Trockenlegungsverfahren erheblich unterschiedlich sind. Allein aus
diesem Grund sind nur Verfahren mit mindestens Stand der Technik zu berücksichtigen. In
speziellen Einzelfällen können auch elektrophysikalische oder thermische Verfahren ange-
wendet werden.
Lüftungstechnische Verfahren haben sich in der Praxis nicht bewährt. Bei den paraphysikali-
schen Verfahren wird der Erfolg bisher immer nur von den Vertretern der Geräte behauptet.
Neutrale bauphysikalische Institutionen, Forschungsanstalten oder Hochschulen bzw. Univer-
sitäten konnten den Nachweis der Funktionstüchtigkeit nicht bestätigen.
Eine Vertikalabdichtung ist vorrangig eine von außen an das erdberührte Mauerwerk ange-
brachte Sperrschicht, welche verhindert, dass Feuchtigkeit seitlich aus dem angrenzenden
Erdreich in das Mauerwerk eindringen kann.
8
270

Bild 8-27 Verfahren mit Einordnung und Wirkung aus technischer Sicht
8 Bauteile im Erdreich
8.4 Außenwände (erdberührt) 271

Bild 8-28
„Trockenlegung“ mit
Lüftungsröhrchen

Nachträgliche Vertikalabdichtungen sind im Gegensatz zu Horizontaldichtungen preiswert und 8


verhindern einen Großteil der Durchfeuchtung des erdberührten Bestandsmauerwerks, insbe-
sondere bei vorhandenen Kellergeschossen.
Die erdberührte Außenseite der Bauteile wird mit geeigneten wasserundurchlässigen Baustof-
fen abgedichtet und somit die wassersaugende Fläche extrem verringert. Eine Reduzierung des
eindringenden Wassers und damit eine Entfeuchtung der Bestandswände ist die Folge. Bei
Einbau einer Vertikalabdichtung kann das Risiko der Durchfeuchtung des Erdgeschosses ge-
mindert werden. Die Materialien und Verfahren können nach der DIN 18195 „Bauwerksab-
dichtung“ [3] ausgewählt werden, da die baupraktisch eingesetzten Materialien in der Norm
gelistet sind. Im Einzelfall können auch Verfahren und Methoden aus den WTA-Merkblättern
ausgewählt werden.
Alle Arbeitsschritte an der Vertikalabdichtung sollten nur durch ausgewiesene Fachkundige
bzw. durch Baufirmen realisiert werden! Hingegen kann der Erdaushub und der Erdeinbau von
Fachwerkern oder Hilfskräften mit ausreichender Berufserfahrung ausgeführt werden.
Nach DIN 18 195 „Bauwerksabdichtung“ ist KMB bei vorhandenem Grundwasser nicht ein-
setzbar. Im Einzelfall kann nach Prüfung der Randbedingungen die KMB auf der Grundlage
von Verarbeitungsrichtlinien der Chemischen Bauindustrie eingesetzt werden.

8.4.3 Dränanlagen

Allgemein sind Dränanlagen im Erdreich verlaufende unterirdische, wasserableitende Systeme


aus Rohren und Schächten, welche im Hoch- und Tiefbau bei entsprechenden Wasserverhält-
nissen Anwendung finden. Ziel einer Dränanlage ist die Ableitung von Wasser aus dem unmit-
telbaren Baugrund in flüssiger Form. Für den Hochbau werden in der DIN 4095 alle Mindest-
anforderungen an die Planung und Ausführung aufgestellt bzw. beschrieben. Grundlage der
Planung ist u.a der Bemessungswasserstand, die örtlichen Gegebenheiten im Einzelfall und die
Bodenverhältnisse.
272 8 Bauteile im Erdreich

Tabelle 8-5 Methoden in der Vertikalabdichtung

Verfahren Einsatzmöglichkeit Vorteile Nachteile


Bituminöse Beschich- Abdichtung gegen Bo- – bei geometrisch – ungeeignet bei
tungen (KMB) denfeuchtigkeit, zeitwei- ungünstigen Bautei- Grundwasser
se aufstauendes nicht len einsetzbar – bedingt rissgefährdet
drückendes und drü- – schnell regenfest – die Nass- und Tro-
ckendes Wasser – leichte Verarbeit- ckenschichtdicke ist
barkeit schwierig einzuhalten
Mineralisches Dich- Abdichtung gegen Bo- – Einsatz auch bei – Rissgefahr bei starren
tungsschlämmen denfeuchte, zeitweise feuchtem Unter- Systemen
aufstauendes, nicht grund – die Nass- und Tro-
drückendes und drü- – unter Sockelputz ckenschichtdicke
ckendes Wasser bei möglicher Einbau schwierig einzuhalten
negativer (rückseitig)
und positiver Belastung
Bitumendichtungs- bei allen möglichen – leichte Überprüf- – erheblicher Mehrauf-
bahnen Wasserbelastungen im barkeit der Ausfüh- wand bei geometrisch
Baugrund, einschl. rung ungünstigen Bedin-
Grundwasser – wenig rissgefährdet gungen
8 – Bahnen industriell – bei Versagen durch
gefertigt und somit Hinterlaufen von
keine Probleme mit Wasser Leckortung
der Schichtendicke nur mit hohem Auf-
wand möglich
Sperrputz bei Bodenfeuchtigkeit – kostengünstig – geringe zeitliche
Haltbarkeit
Flächen- und Schleier- nach Herstellerangaben – Einsatz auch bei – schwere bis unmögli-
injektion unzugänglichen che Überprüfbarkeit
Bauteilen der Ausführung
– Ausschachtarbeiten – spezielle Technik und
entfallen ganz oder Sonderfachleute bei
teilweise den Verfahren not-
– relativ unabhängig wendig
von der Beschaf-
fenheit der Wand

Bild 8-29
Noppenbahnen sind nicht für KMB
als Schutzschicht geeignet
8.4 Außenwände (erdberührt) 273

0,5...1,0%

DN 300 DN 300

Dränrohr
NW 100
0,5...1,0%

DN 300
DN 100
DN 1000
(Übergabeschacht)

DN 300 DN 300 Bild 8-30


zur Vorflut bzw. Sickerschacht/ Grundriss einer fachgerechten
0,5...1,0%
Versickerungsfläche Dränanlage

Das Wirkprinzip einer Dränanlage besteht darin, dass mittels einer Sickerpackung (z. B. aus
Kies) das im Baugrund vorhandene Sicker- und Schichtenwasser zielgerichtet in ein Dränrohr 8
eingeleitet wird. Das im Dränrohr aufgenommene Wasser wird über Rohr- und Kanalsysteme
in eine Vorflut vom Baugrund weg abgeleitet.
Dränanlagen können nur Sicker-, Stau- und Schichtenwasser vom Gebäude fernhalten. Ober-
flächenwasser von Dachflächen, Kellerpodesten oder den Außenanlagen dürfen nicht in Drän-
anlagen eingeleitet werden. Gleiches gilt für Kellerlichtschächte, welche nicht nach der DIN-
Norm über die Dränanlage entwässert werden sollen. Allerdings ist dieser eigentlich nach
Norm technische Mangel sehr häufig in der Baupraxis anzutreffen. Bei dem Lastfall Boden-
feuchte ist eine Dränung ohne Wirkung und daher nicht notwendig.
Grundsätzlich darf eine Dränanlage nicht zum Einsatz kommen, wenn sie sich im Grundwas-
serbereich befindet. Dadurch kann es zu einer künstlichen und ständigen Grundwasserabsen-
kung kommen. Zudem muss auf eine Dränung verzichtet werden, wenn keine ausreichende
und sichere Ableitung des Dränwassers über eine vorhandene Vorflut möglich ist. Die Vorflut
kann u. a. ein tieferliegender Bach oder Graben, eine Versickerungsanlage auf dem Grund-
stück oder die städtische Kanalisation sein. Bei der Kanalisation muss eine behördliche Ge-
nehmigung zur Einleitung des Dränwassers vorliegen, was in manchen Gemeinden nicht aus-
gestellt wird. Liegt eine solche Genehmigung vor, ist das Risiko eines Rückstaus von Wasser
aus dem Kanalsystem in die Dränanlage zu überprüfen. Kann ein Rückstau nicht ausgeschlos-
sen werden, ist eine Rückstausicherung zwischen Dränanlage und Kanalsystem einzubauen.
Dränanlagen sind an sich bekannte und bewährte Systeme zur Verringerung der Wasserbelas-
tung im Baugrund unter und am Gebäude, um Feuchtebelastungen auf erdberührte Bauteile zu
minimieren und dadurch Feuchteschäden zu vermeiden. Sie stellen keine Trockenlegungsmaß-
nahme dar. In Verbindung mit Abdichtungsmaßnahmen ist sie eine sichere Ergänzung, wenn
es die örtlichen Gegebenheiten (z. B. Hanglage vorhanden) fordern.
Das Problem ist, zuzüglich der meist nicht vorhandenen sicheren Vorflut, dass die Anlagen
selten fachgerecht geplant und ausgeführt werden und eine zyklisch notwendige Wartung nicht
erfolgt. Sind die Dränanlagen nicht voll funktionstüchtig oder haben keine sichere Ableitung
des Dränwassers in eine Vorflut, führt die Dränung nicht zur Entwässerung sondern zur Be-
wässerung des Baugrundes. Das Versagen der eingebauten Abdichtung und die daraus resul-
tierenden Feuchteschäden sind dann die zweifelsfreie Folge.
274 8 Bauteile im Erdreich

In der Altbausanierung werden Dränanlagen hauptsächlich dann verwendet, wenn eine druck-
wasserhaltende Abdichtung trotz der Notwendigkeit durch die Baugrundverhältnisse nicht mit
wirtschaftlichen Mitteln erstellt werden kann. Die Mehrzahl der nachträglich eingebauten
Horizontalsperren sind grundsätzlich nicht für hydrostatische Wasserbelastung ausgelegt.
Insofern ist der Einbau einer Dränanlage durchaus sinnvoll, wenn alle anderen Randbedingun-
gen für eine volle Funktionstüchtigkeit gegeben sind. Bei der Überprüfung, ob eine Dränanla-
ge sinnvoll ist, sind allerdings die im Alt- und Bestandsbau nicht genormten örtlich vorhande-
nen Randbedingungen zu hinterfragen. Bestehen Zweifel, sollte auf eine Dränanlage verzichtet
und andere Maßnahmen zur Beseitigung von Feuchtequellen im Baugrund oder am und im
erdberührten Bauteil festgelegt und ausgeführt werden.

8.5 Innenwände

Innenwände im erdberührtem Bereich haben im Wesentlichen die gleiche Funktion und den
konstruktiven Aufbau wie Innenwände in den Geschossen über der Geländeoberkante.
8 Bei der Wahl des einzusetzenden Materials bei Aus- und Umbau ist zu beachten, dass höhere
Feuchtebelastungen durch hohe relative Raumluftfeuchten auftreten und diese ausgeglichen
werden sollten. Insofern ist zum Beispiel ein Gipsputz in Innenwänden in erdberührten Ge-
schossen üblicherweise nicht einzusetzen. Hier sollten diffusionsoffene Putzsysteme bevorzugt
werden. Gleichfalls sollten Materialien bei Wandergänzungen mit stark wassersaugenden
Eigenschaften nicht zum Einsatz kommen, um bei Feuchtebelastung der angrenzenden Bautei-
le keine Feuchtebrücken einzubauen.
Die Bestandswände sind auf Feuchte- und Salzbelastung zu untersuchen. Die Feuchtebe-
lastung ist in Masse-Prozent zu ermitteln (Darr-Methode, CM-Methode) und bei der Planung
einer Horizontalsperre mittels Injektionsverfahren ist der Durchfeuchtungsgrad (DFG) zusätz-
lich zu bestimmen [5]. Dielektrische niederfrequente Messgeräte oder Messgeräte mit dem
Messprinzip der Widerstandsmessung sind nicht in ihren Messergebnissen ausreichend sicher
aussagefähig. Zudem ist zumindest eine qualitative Salzbestimmung für Sulfat, Chlorid und
Nitrat (Nitrit) vorzunehmen. Liegen die Ergebnisse vor, so können eventuell notwendige Ver-
fahren des Einbaues der Horizontalsperre oder/und anderer flankierender Maßnahmen (z. B.
Sanierputz) festgelegt werden.

8.6 Freistehende Mauern

Freistehende Mauern sind Wände, die mit keinem Bauwerk verbunden sind. Sie sind immer
bauliche Anlagen und werden errichtet, um ein Terrain vollständig oder teilweise räumlich
gegen ein anderes Grundstück abzugrenzen oder um Geländeversätze abzusichern. Da es sich
um bauliche Anlagen handelt, müssen die jeweiligen Landesbauordnungen bei der Planung
und Ausführung beachtet werden, vor allem dann, wenn sie an öffentlichen Verkehrsflächen
angrenzen.
Sollen freistehende Mauern Grundstücke begrenzen, werden sie in der Baupraxis häufig als
Einfriedung bezeichnet. Sie dienen vorrangig zur Vermeidung des Betretens und der Einsicht
unbefugter Personen sowie als Wind- und Sonnenschutz. Es handelt sich hierbei um einfache
Konstruktionen, die ausreichend standsicher erstellt werden müssen und ebenso ein ästheti-
8.6 Freistehende Mauern 275

sches Ziel verfolgen. Bei der Standsicherheit ist vor allem die Frostgrenze und die Kippsicher-
heit zu beachten.
Werden freistehende Mauern zum Absichern von Geländeversätzen hergestellt oder saniert, so
müssen sie hauptsächlich statische Funktionen erfüllen. Die Mauern werden überwiegend
durch den angreifenden Erddruck des Hanges beansprucht. Sie werden teilweise auch deswe-
gen als Stützmauern bezeichnet. Die ästhetischen Anforderungen rücken in den Hintergrund.
Bei neu zu errichtenden Mauern können je nach den örtlichen Gegebenheiten und den Zielvor-
gaben der Bauherren Naturstein-, Mauerwerks- oder Fertigteilkonstruktionen zur Errichtung
verwendet werden. Ist die zu errichtende Wand höher als 2,0 m, muss die Standsicherheit
durch eine statische Berechnung nachgewiesen werden. Die jeweils zulässige Wandhöhe wird
in der Landesbauordnung festgelegt.
Bei zu sanierenden freistehenden Mauern ist eine Überprüfung der Standsicherheit (z. B. Riss-
bildungen, Verdrehen, Kippen) immer notwendig. Weiterhin ist die
x Geometrie und Materialbeschaffenheit,
x Feuchtebelastung und Feuchteverteilung,
x quantitative und/oder qualitative Salzbelastung,
x Gefügestörungen und 8
x Regendichtheit
zu überprüfen. Auf dieser Basis kann dann eine fachgerechte Planung erfolgen.
Bei der Materialauswahl sind die Beanspruchungen auf die Wand und die vorhandenen Bau-
materialien zu berücksichtigen. Die materialspezifischen Besonderheiten der Bestandswand
müssen näherungsweise auch bei den vorgesehenen Materialien vorhanden sein. Ansonsten
kann es zu Rissbildungen in der Konstruktion führen, wenn das Quell- und Schwindverhalten
nicht ähnlich ist. Gleichfalls ist die thermische Beanspruchung (z. B. Sonnenstrahlen) auf die
Konstruktion nicht zu unterschätzen.
Werden die Anforderungen für das Material nicht beachtet, kommt es zwangsläufig zu Riss-
bildungen, welche dann bei Wasserbeaufschlagung gefüllt werden. Bei Frosteinwirkung ge-
friert das Wasser, verändert um das 2 1/2-fache sein Volumen, wobei es zu den typischen
Absprengungserscheinungen an der Bauteiloberfläche kommt. Bei größeren Rissen und einem
tieferen Eindringen von Wasser in den Mauerwerksquerschnitt können Gefügestörungen ent-
stehen. Beide Schädigungsarten führen bei ständiger Wiederholung des Frost-Tau-Wechsels
zur Vergrößerung der Schadbilder und damit zur Verminderung der Funktionalität der Wand.
Aus diesem Grund ist das Rissrisiko durch bauliche Vorkehrung (Geometrie, ausreichende
Abdeckung) und durch eine ausreichende Regendichtheit der Wandoberflächen (Putz, Verfu-
gung) zu minimieren.
Sind die Wandoberflächen ganz oder teilweise erdberührt, so ist auf eine fachgerechte Abdich-
tung zu achten. Bei den Vertikalflächen können Verfahren aus der DIN 18195 „Bauwerksab-
dichtung“ [3] angewendet werden. Die tatsächliche Wasserbelastung ist zu überprüfen und die
Abdichtung entsprechend zu bemessen. Wenn mit anstauendem Wasser (z. B. bei Hanglage)
im unmittelbaren Bereich des Wandfußes zu rechnen ist, sollte der Einsatz einer Dränung in
Erwägung gezogen werden. Alternativ ist die Wand statisch mit dem vorhandenen Wasser-
und Erddruck (hohes veränderbares Kippmoment) zu bemessen und eine horizontale und ver-
tikale Abdichtung gegen drückendes Wasser vorzusehen. Überwiegend ist die Alternative
unwirtschaftlich.
276 8 Bauteile im Erdreich

Bei aufsteigender Feuchte über den Mauerwerksquerschnitt ist der Einbau einer nachträglichen
Horizontalsperre auf Notwendigkeit zu überprüfen. Hier sind dann die aktuellen WTA-
Merkblätter bei der Planung und Ausführung heranzuziehen.
Wirtschaftlicher ist es öfters, wenn keine nachträgliche Horizontalsperre erstellt wird und
bewusst Verdunstungszonen im unteren Wandbereich hingenommen werden. Im Bereich der
Verdunstungszonen wird dann durch die Berücksichtigung eines Sanierputzsystems eine Ver-
dunstung des aufsteigenden Wassers ermöglicht, ohne dass es an den Wandoberflächen zu
Ausblühungen oder Putzabplatzungen kommen kann. Allerdings handelt es sich um einen
Opferputz, welcher je nach tatsächlicher Beanspruchung im Wartungszyklus von 5-15 Jahren
ausgetauscht werden muss.

8.7 Überschüttete Decken- und Gewölbekonstruktionen

Unter Decken versteht man die oberste Begrenzung eines Raumes. Sie sind in Beachtung ihrer
Geometrie und Anordnung als gerade, schräge oder gewölbte Decken einzuordnen. Eine De-
8 cke muss die vorhandenen Lasten aus Eigengewicht und Verkehrslast zu den stützenden Bau-
teilen (Wände, Stützen) weiterleiten, sowie je nach örtlicher Gegebenheit bauphysikalische
Schutzfunktionen (Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz) erfüllen. Die Anforderungen
an die Decken bestimmen überwiegend das einzusetzende Material.
Gewölbe sind gebogene Decken, in denen ebenfalls das Eigengewicht und die Verkehrslast
(bewegliche und unbewegliche Lasten) als Drucklast zu den jeweiligen Auflagern sicher abge-
leitet werden.
Einzellasten auf Gewölbe sind dann gefährlich, wenn das Widerlager geschwächt oder die
Einzellast nicht sicher auf Grund der Gewölbebedingungen abgeleitet werden kann.
Gewölbe sind statisch nicht unkompliziert und bedürfen bei Veränderung von Lasteintragun-
gen sowie statisch veränderter Randbedingungen einer genauen Prüfung. Selbst bei nur zeitbe-
grenzten Änderungen im Fundamentbereich (z. B. Rohrverlegung, Freilegungsarbeiten usw.)
sind Vorkehrungen zur Absicherung der Standsicherheit zu treffen. Nur so können Risse und
andere Schäden bis zum Gewölbeeinsturz verhindert werden.

Bild 8-31
Statische
Gewölbewirkung
8.7 Überschüttete Decken- und Gewölbekonstruktionen 277

Bild 8-32
Standsicherheitsprobleme bei
großen Einzellasten

Bild 8-33
Veränderte statische Randbe-
dingungen durch Rohrverle-
gung und defekte Grundlei-
tung

Im Bereich der Gewölbeauflager ist ein Gleitlager, z. B. durch den Einbau von Riffelblechen
oder Plastbahnen als Horizontalsperre, zwingend zu unterlassen. Das Versagen der Gewölbe
wäre nicht zu umgehen. In diesen Bereichen kann nach Rücksprache mit einem Statiker nur
eine Horizontalsperre im Injektionsverfahren oder ein Bohrlochverfahren (mechan. Verfahren)
geplant und ausgeführt werden.
Die Gewölbedecken werden in ihrer Form unterschieden, wobei im erdberührten Bereich
hauptsächlich nachfolgende Formen vorkommen:
x Tonnengewölbe
x Kreuzgewölbe
x Böhmische Gewölbe und
x Preußische Kappe
Grundsätzlich gibt es jedoch in den Bestandsbauten mehrere Gewölbearten.
278 8 Bauteile im Erdreich

1 Schema eines Gewölbes mit Bezeichnung der Einzelteile, 2 Tonnengewölbe,


3 Kreuzgewölbe, 4 Stalaktitengewölbe, 5 Rippengewölbe, 6 Sterngewölbe, 7 Netzge-
wölbe, 8 Zellengewölbe, 9 Fächergewölbe, 10 Spielgewölbe, 11 Preußische Kappe,
12 Böhmisches Gewölbe

Bild 8-34 Gewölbearten


8.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter 279

Gewölbe können aus Steinen, Ziegeln und Beton (oder in Kombination der Materialien) herge-
stellt werden, wobei bei Mauerwerkskonstruktionen die Fugen quer zur Lastrichtung angeord-
net werden müssen.
Bei der Voruntersuchung als erstem Schritt zur Planung von Sanierungsmaßnahmen, sollte der
Grundriss des Gebäudes mit überprüft (Schürfgrube) werden. Teilweise werden vergessene
oder bewusst verschüttete Kellerräume gefunden. In den früheren Jahrhunderten war es nicht
unüblich, nicht mehr benötigte Keller zu belassen und geometrisch unabhängig von der Kel-
lerkonstruktion ein neues Gebäude darüber zu setzen. Falls Kellerdecken oder Kellergewölbe
aufgefunden werden, sind diese wie alle anderen Decken in die Sanierungsplanung einzube-
ziehen.
Ansonsten könnte es bei neuer, veränderter Belastung aus dem darüber oder seitlich sich be-
findlichen Gebäude zur Überbelastung und dadurch zu einem statischen Versagen der Decken
kommen.
Sind Decken oder Gewölbe außerhalb vom Gebäude vorhanden, ist die Eigenlast und die Ver-
kehrslast (z. B. Erddruck, Verkehr) sowie die Anforderungen aus dem Feuchte- und Wärme-
schutz zu beachten. Diese Decken und Gewölbe sind erdberührte Bauteile und als solche auch
zu sanieren. Das heißt, dass sie wie erdberührte Außenwände zu planen und zu sanieren sind. 8
Auch ist aus wirtschaftlichen Gründen möglichst zu vermeiden, dass die Decken ein Teil der
thermischen Hülle von angrenzenden Gebäuden werden, nur weil der Keller in eine hochwer-
tige Nutzung des Gebäudes einbezogen wird.
Befindet sich über der Kellerdecke oder dem Kellergewölbe ein Gebäude, ist zudem der
Schall- und Brandschutz sowie die Gebäudelasten mit bei der Sanierungsplanung zu berück-
sichtigen. Gleichfalls ist gerade bei Gewölben die notwendig zu erhaltende Auflast mit in der
Planung des darüber befindlichen Fußbodenaufbaues einzukalkulieren. Von besonderer Be-
deutung sind neue Einzellasten (z. B. Wände, Stützen), wenn sie im Ausbau notwendig werden
und auf Gewölbe gestellt werden. Einzellasten können schnell zu einer statischen Überbean-
spruchung der Decken und Gewölbe führen und sind somit exakt hinsichtlich ihrer Möglich-
keiten zu überprüfen.
Die Sanierung der Decken kann üblicherweise wie eine andere Geschossdecke im Gebäude
geplant und ausgeführt werden. Allerdings ist die tatsächlich einzuplanende vorhandene relati-
ve Luftfeuchte und die eventuell vorhandene Feuchtebelastung aus kapillaren Wassertranspor-
ten über die Auflager zu berücksichtigen.
280 8 Bauteile im Erdreich

8.8 Normen, Richtlinien, Merkblätter

Norm Stand Titel

DIN 4109, Teil 2 2001-03 Wärmeschutz und Energieeinsparung- Einsparung in


Gebäuden- Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
DIN 18 195 2000-08 Bauwerksabdichtung, Teil 1–9
DIN 4123 2000-09 Ausschachtungen, Gründungen und Unterfangungen im
Bereich bestehender Gebäude

Energieeinsparverordnung 2007
WTA-Merkblätter vom Referat 4; Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkser-
haltung und Denkmalpflege e. V.

8 8.9 Bildquellenverzeichnis

Quelle Bild

www.hoermann-buchloe.de/unterbau/einzel.htm 8-5
Bauordnung Dresden 8-27, 8-30
Hans-Joachim Kadatz “Wörterbuch der Architektur“, 1988, 8-34
VEB E. A. Seemann Verlag Leipzig
Hasselbach, Architekt, Leipzig 8-22, 8-25, 8-26
Ingenieurbüro Geyer, Gräfenhainichen, www.ib-geyer.de 8-7, 8-12
Renate Schulz, Architektin, München, www.renate-schulz.de 8-17
9 Wände

9.1 Wandfunktionen

Wände sollen
x schützen und
x stützen.
Die Funktionen der Wände können im Wesentlichen in zwei Bereiche eingeordnet werden, die
deren gesamten Aufgabenkomplex beschreiben.

Schutzfunktion
Wände schützen vor Umwelteinflüssen infolge klimatischer Bedingungen und vor Lärm. Sie
bilden eine schützende Hülle, trennen Räume und schützen vor dem Einsehen und Eindringen.

Stützfunktion
Wände sind die vertikalen Bauteile der Raumbildung. Wände die nicht der Raumbildung die-
nen, werden als Mauern bezeichnet. Auf die Wände werden infolge der zugeordneten Funk-
tionen Kräfte übertragen. Die Kraftwirkung kann vertikal oder horizontal sein, sie kann sta-
tisch (ruhend) oder dynamisch (bewegend) eingetragen werden.

Bild 9-1
Kraftwirkung an Wänden
282 9 Wände

Bild 9-2 Tragwirkung Decke-Wand System


9
Im Verbund mit dem horizontalen Raumabschluss bilden sie ein räumliches Stützsystem. Das
sollte bei Umbauten nicht unberücksichtigt bleiben. Wände sind ein Gestaltungselement der
Gebäude und baulichen Anlagen. Man sollte davon ausgehen, dass eine Funktion, die eine
Konstruktion erfordert, auch zu gestalten ist. Die nachfolgende Grafik soll die Abhängigkeiten
verdeutlichen.

Die – Einordnung
– Lasteintragung
– Nutzungsart und
– regionale Lage
des Gebäudes bestimmen
– die Form
– die Dimensionierung
– die Konstruktion und
– die zu verwendenden Baustoffe einer Wand.
9.2 Wandarten 283

9.2 Wandarten

Die Wände werden entsprechend ihrer Lage im Gebäude als Außenwand bzw. Innenwand
bezeichnet. Sie können belastet oder unbelastet sein. Als belastete Wand bezeichnet man die
Wände, die zusätzlich zu ihrer eigenen Last Lasten anderer Bauwerksteile, z. B. Decken oder
Stützen, übernehmen müssen und in den Baugrund übertragen.

Lagebezogene Bezeichnung
Außenwand o Frontwand
o Giebelwand
Innenwand o Querwand
o Längswand

Bild 9-3 Bezeichnung der Wände nach ihrer Lage im Gebäude

Lasteintragungsbezogene Bezeichnung
x belastete Wände
x unbelastete Wände

Ob eine Wand belastet oder unbelastet ist, unabhängig von der Lage der Wände im Gebäude
oder einer baulichen Anlage. Es gibt auch Gebäude mit geschossweise wechselnden Stütz-
systemen. Das trifft insbesondere bei Gebäuden der Baujahre 1890 bis 1914, den so genannten
Gründerzeithäusern zu.
284 9 Wände

9 Bild 9-4 Bezeichnung der Wände nach der Lasteintragung (belastete Außenwände mit be-
lasteter Mittelwand – sog. Längswandbauweise)

Bild 9-5 Bezeichnung der Wände nach der Lasteintragung (belastete Innenwände als Quer-
wände – sog. Querwandbauweise). Die Frontaußenwände sind belastet.
9.3 Wandkonstruktionen 285

9.3 Wandkonstruktionen

Der wesentliche Anteil der zu sanierenden Gebäude wurde im 19. und 20. Jahrhundert errich-
tet. Mit dieser Entwicklung waren auch Veränderungen der technischen Regelungen verbun-
den. Es wurden baurechtliche und bautechnische Regelungen in die Baugesetzgebung aufge-
nommen die grundsätzlich zu beachten waren. Die technischen Vorschriften fanden auch in
der zeitgenössischen Fachliteratur ihren Niederschlag. Es betraf vor allem:
x den bautechnischen Brandschutz
x die Tragsicherheit und
x den Wärmeschutz.
Daraus ergaben sich, wenn auch mit regionalen Unterschieden, die Regeln für den Wandbau
aus:
x natürlichen Steinen
x künstlichen Steinen und
x ungeformten Massen.
Schäden an Wandkonstruktionen haben im Wesentlichen folgende Ursachen:
x Eingriffe in die Gebäudesubstanz ohne Berücksichtigung der vorhandenen baukonstruk-
tiven Gegebenheiten 9
x Veränderungen an den geometrischen Bedingungen im unmittelbaren Umfeld
x Zerstörte oder nicht vorhandene Bauwerksabdichtungen im erdberührenden Bereich
x Zerstörte oder fehlerhaft eingebaute Konstruktionsteile, die Niederschlagswasser vom
Bauwerk ableiten sollen, wie z. B. Rinnen, Fallrohre, Abdeckungen
x Durchfeuchtung von Wandkonstruktionen durch Niederschläge, infolge des zerstörten
Oberflächenschutzes, z. B. schadhafter Außenputz
Die seit den ausgehenden 19. Jahrhundert in der Praxis ausgeführten Außenwandkonstruktio-
nen von Wohngebäuden haben einen Wärmedurchgangswiderstand, der den Forderungen der
DIN 4105, Teil 2 vom August 1981 entspricht. Um 1900 gab es eine Entwicklung der Bauge-
setzgebung, die neben Festlegungen zur Bebauung von Grundstücken auch technische Vor-
schriften enthielten. So wurden in den so genannten Lokalbauordnungen festgelegt, wie ein-
zelne Konstruktionsglieder auszuführen sind. Das betraf:
x die Tragsicherheit
x den Wärmeschutz und
x den Brandschutz.
Das Bild 9-6 zeigt Tabellen aus der Fachliteratur (Stade – Steinkonstruktionen – von 1907) aus
denen hervorgeht, wie Wände von Gebäuden zu dimensionieren sind.
Aus den Tabellen wird auch erkennbar, dass die territoriale Lage und das natürliche Angebot
von Baustoffen berücksichtigt wurde. So gibt es in der Berliner Vorschrift nur Vorgaben über
Ziegelmauerwerk. Die sächsische Vorschrift beinhaltete Ziegel und Natursteinmauerwerk. Im
Regelfall waren die Veränderungen der Wandstärken entsprechenden Absätze auf der Innen-
seite der Außenwände.
286 9 Wände

Bild 9-6 Schematische Übersicht von Mauerstärken nach der sog. Lokalbauordnung
9.3 Wandkonstruktionen 287

9.3.1 Außenwandkonstruktionen

Vollziegelmauerwerk mit keramischer Verblendung

Diese Fugen wurden in der Regel


nicht mit der Fugenkelle verstrichen,
offenbar, um eine Wasserdampfdiffu-
sion real zu verhindern. Sofern die
Standsicherheit des Vollblendmau-
erwerks nicht gefährdet ist, sollte die
offene Fuge belassen werden.
Außenwandflächen nur mit Wasser
reinigen.

Bild 9-7
Vollziegelmauerwerk mit Ziegel-
verblendung

Bild 9-8
Vollziegelmauerwerk mit
Ziegelverblendung, Däm-
mung an der Innenseite
der Außenwand

Erhöhung des Wasserdurchgangswiderstandes durch ein angeordnetes Dämmsystem. Zu be-


achten ist, dass die Dampfsperre durch Installationen nicht beschädigt wird. Die Leitungs-
systeme sind außerhalb des Dämmsystems anzuordnen.
288 9 Wände

Zu beachten ist, dass das Wärmespeichervermögen der ursprünglichen Wandkonstruktion


kaum genutzt wird und eine Minderung der Wohnfläche eintritt.

Vollziegelmauerwerk – Backsteinoptik

Bild 9-9 Rohbaumauerwerk

Die äußeren Außenwandoberflächen sind oft relativ gut erhalten. Häufig sind nur einzelne
9 Ziegel auszuwechseln. Die Fassadenflächen sollten nur mit Wasser gereinigt werden. Die
Erhöhung des Wärmedurchgangswiderstandes kann durch ein Dämmsystem an der Innenseite
der Außenwand oder mit einem Dämmsystem an der Außenseite der Außenwand erfolgen.

Bild 9-10 Rohbaumauerwerk, Dämmung an der Innenseite der


Außenwand – Innenwanddämmsystem

Zu entscheiden ist, ob die Fassade mit einem vertretbaren technischen Aufwand in ihrer ursprüng-
lichen Erscheinungsform wiederhergestellt werden kann, dann sollte ein Dämmsystem an der
Innenwandfläche der Außenwand angebracht werden. Sind die Zerstörungen an der Außenwand-
oberfläche erheblich oder ist eine Umgestaltung der Fassadenfläche erwünscht, dann sollte die
Dämmung an der Außenseite der Außenwand geschehen. Die Wahl zwischen Putzflächen- oder
Backsteinoptik ist technisch ohne Probleme lösbar. Mit der so genannten Flachverblendung kann
fast jede der gebräuchlichen Rohbauverbandsarten optisch gestaltet werden.
9.3 Wandkonstruktionen 289

Bild 9-11 Rohbaumauerwerk, Außenwanddämmung als Verbundsystem – Backsteinoptik

Vollziegelmauerwerk

Bild 9-12
Vollziegelmauerwerk – Außenwandflächen verputzt

Bild 9-13 Vollziegelmauerwerk mit Außenwanddämmung (AWDVS)


290 9 Wände

Der Außenwandputz ist in den meisten der zur


Sanierung anstehenden Gebäude zerstört oder
nicht mehr in dem Zustand, dass er die zuge-
ordnete Funktion, Durchfeuchtungsschutz,
erfüllen könnte. Im Zusammenhang mit der
Erneuerung des Außenputzes ist das Anbrin-
gen eines Wärmedämmverbundsystems zu
empfehlen, um einen optimalen Wärmeschutz
zu erreichen. Die Stärke der Dämmschicht ist
entsprechend des erforderlichen Dämmwertes
wählbar. Durch die Wärmedämmschicht tritt
eine Entkopplung der Putzflächen vom Mau-
erwerk ein. Infolgedessen können Spannungs-
risse, die Ursache von Putzschäden, vermie-
den werden. Spannungsrisse werden durch die
unterschiedliche Dehnung von Putz und Mau-
erwerk hervorgerufen. Sie sind anfangs wegen
ihrer geringen Breite als sog. „Haarrisse“
kaum erkennbar. Durch die klimatischen Ein-
flüsse können sich die Rissbreiten vergrößern
9 und zu erheblichen Schäden führen. Für die
Wärmeverbunddämmsysteme können Dämm-
stoffe aus Polystyrolen oder Mineralfasern
eingesetzt werden, wobei Dämmstoffe aus
Mineralfaser den geringeren Diffusionswider-
stand aufweisen und nicht brennbar sind.
Durch das an der Außenwand angebrachte
Wärmedämmverbundsystem kann das Wärm-
speichervermögen der Wand wirksam werden
und zur Optimierung der Wärmebilanz beitra-
gen. Zur Gestaltung von Außenwandflächen
wurden insbesondere bei Wohngebäuden, die
Bild 9-14 um 1900 errichtet wurden, Fertigteile aus
Schnitt durch Außenwand eines Wohnge- Betonwerkstein oder Naturstein verwendet.
bäudes Baujahr 1900 lässt eine starke
Gliederung der Fassade erkennen

Diese Elemente sind in den meisten Fällen in einem erhaltungswürdigen Zustand und sollten
bei einer Sanierung der Fassade erhalten bleiben. Der Außenwandputz ist erfahrungsgemäß
zerstört und sollte erneuert werden. Eine Verbesserung des Wärmeschutzes wird durch das
Aufbringen eines Wärmedämmputzes als tragbar alternative Lösung erreicht.

Hohlziegelmauerwerk
Hohlziegelmauerwerke sind Wände aus Mauerziegeln mit einer Luftschicht.
9.3 Wandkonstruktionen 291

Bild 9-15 Bild 9-16 9


Hohlmauerwerk Außenflächen Hohlmauerwerk mit Außenwand-dämm-
verputzt verbundsystem

Diese Konstruktionsweise wurde um 1900 praktiziert und, wenn auch nicht sehr häufig, ausge-
führt. Die eingebaute Luftschicht sollte wesentlich zur Verbesserung des Wärmeschutzes und
des Schallschutzes beitragen. Die handwerkliche Ausführung erforderte besondere Fähigkei-
ten, damit die vorgesehenen Luftschichten nicht durch Mörtel- oder Steinreste teilweise ausge-
füllt wurden. In der Praxis sind Gebäude mit Hohlmauerwerk angetroffen worden. Diese Kon-
struktionsweise hat sich aber nicht in dem Umfang wie Vollziegelmauerwerk durchgesetzt. Die
Verbesserung der bauphysikalischen Eigenschaften von Mauerwerk wurde durch geänderte
Formgebung, z. B. Hoch- und Langlochziegel, oder die Auswahl von geeigneteren Materia-
lien, wie Porenbeton, Leichtzuschlagstoffen, erreicht. Eine Erhöhung des Wärmedurchgangs-
widerstandes durch Ausfüllen der Hohlräume hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Bei der
Bemessung des Dämmsystems sollte der Luftraum und die innen liegende Mauerwerksschale
unberücksichtigt bleiben.

Wände aus Naturstein


In Gebieten mit geringerem Vorkommen an Naturstein wurden Wände aus diesem fast aus-
schließlich für das Kellergeschoss und das Sockelmauerwerk verwendet. An diesen Gebäude-
teilen sind Schäden durch Feuchtigkeitseinflüsse zu erwarten, die durch geeignete Maßnah-
men, wie im Kap. 6, Bauteile im Erdreich beschrieben, beseitigt werden können. In den Berei-
chen oberhalb des Sockelmauerwerks beschränken sich die Sanierungsarbeiten am Natur-
steinmauerwerk im Wesentlichen auf Reinigen der Sichtflächen und das Schließen offener
Mauerwerksfugen in den Ansichtsflächen. Zur Verbesserung der innerklimatischen Bedingun-
gen kann eine Hintermauerung der Natursteinwände aus Mauerziegeln angeordnet worden
sein.
292 9 Wände

Bild 9-17 Natursteinmauerwerk

Die Begrenzung des Wärmedurchganges entspricht häufig nicht den gesetzlichen Vorschriften.
9 Für Natursteinwände ist eine Dämmung der Außenwandinnenseite eine geeignete Lösung. Es
sollte darauf geachtet werden, dass die Oberflächenelemente für den Ausgleich der natürlichen
Raumluftfeuchte geeignet sind. Die Innenseiten der Außenwandflächen sollten nicht tapeziert
und mit mineralischen Anstrichen versehen werden.

Bild 9-18 Natursteinmauerwerk mit Dämmung an der Innenseite der Außenwand


9.3 Wandkonstruktionen 293

Fachwerkwände
Das Tragwerk eines Fachwerkgebäudes besteht aus Holz. Es ist ein System aus Stützen und
Riegeln. In jeder Wandfläche sollten mindestens 2 Felder eine Diagonale enthalten sein.

Bild 9-19 Tragsystem einer Fachwerkwand

9
Die Ausfüllung der Gefache, meist mit
Mauerwerk oder Lehm, dient ausschließ-
lich der Bildung von geschlossenen Flä-
chen. Die Ausfachung ist ausschließlich
lasteintragend. Im Allgemeinen werden
auch die Innenwände als Fachwerkkon-
struktion errichtet. In Gebäuden die um
1900 entstanden, wurden Innenwände
nach dem Prinzip des Fachwerkes, als sog.
Bundwände, eingebaut (siehe auch Innen-