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Stimme bearbeiten in 5 Schritten –


Gesang abmischen

Die Stimme ist das zentrale Element der meisten


Songs und spielt daher auch beim Mixing oft die
Hauptrolle. Die meisten Mixing-Engineers haben
ihren eigenen Work ow und bevorzugen bestimmte
Plugins. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ich beim
Stimme bearbeiten Schritt für Schritt vorgehe. Diese Hip Hop Song
Vorgehensweise kannst du mit jeder DAW und Production
deinen eigenen Plugins umsetzen. Meine besten Techniken
aus der Hiphop
Produktions-Praxis. Über
Gesang abmischen 🎛 In 5 Schritten zu druckvollen Vocals 7,5 Stunden Videokurs zu
Beat Making, Songtexten,
Recording, Mix und
Mastering.

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Stimme bearbeiten in 5 Schritten:

Schritt 1: Dynamik einschränken


Bei Gesangs-Aufnahmen kommt es aufgrund der natürlichen Dynamik
des Sängers/der Sängerin oft zu Lautstärke-Schwankungen in der
Audio-Spur. Diese sind mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt, je
nach Song und Sänger/in. Beim Stimme bearbeiten ist es wichtig, diese
Schwankungen zu minimieren. Die einzelnen Passagen sollen
ausgewogen im Mix erscheinen und alle Worte müssen deutlich zu
verstehen sein. Vor allem an Wort- oder Satzenden kommt es vor, dass
Stimmen leiser werden. Bevor du jetzt einen Kompressor in deine
Effekt-Kette lädst, macht es Sinn erst einmal die Lautsärke Pre-Fx, also
vor dem Effektkanal grob anzugleichen.

Dies kannst du mithilfe einer Lautstärke-Automation erledigen, die du


mit der Maus oder einem Controller einzeichnest. Damit kannst du
wunderbar die Lautstärke bestimmter Passagen oder einzelner
Wortsilben anpassen. Alternativ kannst du auch ein  Plugin, wie zum
Beispiel den Vocal-Rider dafür verwenden. Ich würde das manuelle
Automatisieren jedoch immer vorziehen, da du dabei einfach viel
genauer und nach deinen Vorstellungen arbeiten kannst.

Schritt 2: Störfrequenzen
reduzieren
Beim Stimme bearbeiten gibt es im Prinzip 3 Störfrequenzbereiche,
die du beachten solltest:

1.  Rauschen: Du solltest natürlich schon beim Recording darauf achten,


dass du kein Rauschen oder Hintergrundgeräusche (z.B Pc-Lüfter) auf
der Aufnahme hast. Falls es doch dazu gekommen ist und du es erst
beim Mixing bemerkst, kannst du mit einem Noise-Gate oder manuell
mit einem Equalizer die störenden Frequenzen heraus ltern.

2. Resonanzen: Im Homestudio hat man nicht immer eine perfekte


Raumakustik. Daher regt deine Stimme vorallem im Bassbereich (50 bis
300Hz) Raummoden zum Schwingen an. Bestimmte tiefe Frequenzen
werden vom Mikrofon unnatürlich laut aufgenommen und deine
Stimme klingt dumpf und basslastig. Um dies zu beheben kannst du mit
einem Equalizer genau diese Frequenzbereiche um einige Dezibel
reduzieren. Die meisten Equalizer zeigen dir beim Abspielen die
Frequenzkurve deiner Stimme an. So kannst du die lauteren
Wellenberge im Bassbereich sehen und leicht herausziehen. Du wirst
merken, dass deine Stimme dadurch deutlich präsenter/heller wird.
Manchmal kommt es auch im Mittenbereich zu Resonanzen, die einen
nasalen Stimmanteil oder einen nervenden Dröhnklang erzeugen. Diese
solltest du in diesem Schritt ebenfalls reduzieren.

3. S-Laute: Unnatürlich scharfe S- und T-Laute gilt es beim Stimme


bearbeiten ebenfalls zu entfernen. Mit einem Frequenz-Analyzer kannst
du heraus nden in welchem Bereich die S-Laute bei deiner Stimme die
meiste Energie haben. Dieser liegt meistens zwischen 4-7 khz. Zum
reduzieren von scharfen S- und T-Lauten eignen sich De-Esser oder
Multiband-Kompressoren. Im Plugin kannst du dann den ungefähren
Frequenzbereich einstellen und mit dem Threshold (Schwellenwert)
regeln, ab welcher Lautstärke/wie stark die S-Laute reduziert werden
sollen.

Schritt 3: Signal färben


Nachdem du dein Signal von störenden Frequenzanteilen befreit hast,
g q
kannst du im Dritten Schritt geeignete Frequenzen hinzugeben. Die
Stimme soll klar und präsent im Mix erscheinen und etwas mehr
Charakter bekommen. Besonders eignen sich dafür Equalizer mit einer
analogen Schaltungs-Simulation, du kannst aber auch deinen Standard
Multiband-EQ verwenden. Es geht darum, in den Mitten und Höhen
geeignete Frequenzen zu boosten. Im Mittenbereich kannst du ruhig ein
paar schmalbandige Anhebungen vornehmen, damit die Stimme etwas
mehr Kante und Charakter bekommt. Für die Höhen funktioniert eine
breitbandige Anhebung meistens am Besten. Bei Bedarf kannst du auch
eine leichte breitbandige Anhebung im oberen Bassbereich (250-650Hz)
vornehmen um dem Gesang etwas mehr Gewicht zu verleihen. In
diesem Schritt kannst du deiner Stimme auch mit einer Tape- oder
Röhren-Simulation etwas Sättigung hinzufügen.

Schritt 4: Kompression
Die Lautstärke der Stimme ist grob ausgeglichen, du hast
Störfrequenzen reduziert und dem Signal etwas Farbe/Charakter
hinzugefügt. Der Gesang ist aber immer noch nicht so richtig weit vorne
im Mix und Dynamikschwankungen sind auch noch nicht ausgeglichen.
Es braucht mehr Kontrolle. Zeit für den Einsatz von Kompression. Beim
Abmischen von Gesang verwende ich meistens zwei Kompressoren
hintereinander. Damit kann ich laute Ausreißer und unausgeglichene
Gesangspassagen auf ein konstantes Dynamiklevel bringen. Zwei leicht
eingestellte Kompressoren arbeiten subtiler und e zienter als ein stark
eingestellter Kompressor (in Bezug auf Gain-Reduction).

Als ersten Kompressor in der Kette nach dem färbenden Equalizer


verwende ich einen langsamer arbeitenden Kompressor (Optical-
Kompressor) wie den CLA-2A. Dieser arbeitet relativ unauffällig, heißt er
kann das Signal stark komprimieren ohne auffälligen Pump-Effekt und
sorgt dabei für eine ausgeglichene Dynamikstruktur. Eine tolle
Eigenschaft dieses Kompressors: Er holt die Stimme im Mix nach vorne.
Der zweite Kompressor als letztes Plugin in der Kette hat die Aufgabe,
die Stimme nal zu verdichten. Er soll etwas zügiger arbeiten (kürzere
Attack-, mittlere Releasezeit) um auch schnell durchkommende Peaks
abfangen zu können. Dafür eignen sich Kompressoren wie
der  klassische „1176“ bzw. ähnliche Modelle. Wenn es deiner Stimme
nach diesen Bearbeitungsschritten immer noch etwas an
Durchsetzungskraft fehlt, kannst du sie mit einem leicht eingestellten
Limiter hinten dran noch etwas nach vorne bringen/verdichten.

Schritt 5: Send-E ekte


Die Plugin-Kette ist vollendet. Jetzt kannst du der Stimme mithilfe von
Send-Effekten noch Reverb/Raum und Delay hinzufügen.

Einen Send-Effekt erstellen:

1. Neuen Track hinzufügen

2. Einen Reverb-Effekt/Raumsimulation o.ä in den Effektkanal des Tracks


laden

3. Den Ausgang deines Vocal-Tracks auf den erstellten Track mit dem
Effekt routen.

4. Mit der Lautstärkeregelung von Vocal-Track zu Send-Effekt (im Routing-


Bereich)  die Intensität des Effekts bestimmen

Du kannst im Prinzip jedes beliebige Reverb/Raumsimulations-Plugin


für die Tiefenstaffelung verwenden. Um eine schöne räumliche Wirkung
zu erzielen, verwende ich je nach Stimme und Song oft mehrere Send-
Effekte. Zum Beispiel einen kleinen Raum für die Illusion von schnellen
Re ektionsimpulsen, ein Slap-Delay für etwas mehr räumliche
Bewegung und 2 verschiedene größere Räume/Plates für etwas längere
Hallfahnen und mehr Tiefe.