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Vorgehensweise Glaserverfahren (Wand – kein Tauwasser oder in einer

Ebene)

Das Glaserverfahren nach DIN 4108 ist eine stationäre Berechnungsmethode, um


das Risiko einer Feuchteanreicherung bzw. zu hoher Feuchtemengen in der
Tauperiode aufgrund von Wasserdampfdiffusion aus dem Raum in die Konstruktion
abzuschätzen. Dies ist die einzig berücksichtigte Feuchtequelle - daher ist das
Verfahren nur dann sinnvoll, wenn andere Feuchtequellen (Niederschlag,
Baufeuchte, Umkehrdiffusion etc.) ausgeschlossen werden können.

Es werden zunächst entsprechend den vorhandenen Materialkennwerten,


Übergangs- und Randbedingungen die Temperatur- und Wasserdampfpartialdruck-
verhältnisse in der Konstruktion während des Winters (Tauperiode) ermittelt und auf
dieser Basis evtl. in der Konstruktion auftretende Tauwassermengen bestimmt.

Falls kein Tauwasser auftritt, ist die Konstruktion unproblematisch. Falls Tauwasser
auftritt, darf dieses gewisse Grenzmengen nicht überschreiten und muss während
der Verdunstungsperiode vollständig austrocknen können.

1. Berechnung der Tauwassermenge

1. Ermittlung der diffusionsäquivalenten Luftschichtdicken (sd=d*m
[m]) und


Wärmedurchlasswiderstände (R=d/l
[m²K/W]) der verschiedenen
Materialschichten. Am besten: tabellarisch darstellen: Dicke,
Diffusionswiderstand, sd-Wert, Wärmeleitfähigkeit, R-Werte

2. Ermittlung des U-Werts (Wärmedurchgangskoeffizienten) der


Gesamtkonstruktion (U = 1/(Rsi+R1+R2… +Rn+Rse) [W/(m²K)]) und der
Wärmestromdichte (q=U*(Θi-Θe) [W/m²]) durch das Bauteil.

3. Berechnung der Temperaturen (Θ) an den Bauteiloberflächen und


Schichtgrenzen
Θsi= Θi-Rsi*q
Θ1= Θsi-R1*q etc.
Kontrolle: Θse= Θe+Rse*q

4. Sättigungsdampfdruck (ps [Pa]) an Oberflächen und Schichtgrenzen


entsprechend den herrschenden Temperaturen.

5. Darstellung des Bauteils im hygrischen Maßstab (Schichtdicken entsprechend


sd-Werten). Eintrag der Sättigungsdampfdrücke an den Schichtgrenzen und
Oberflächen – verbinden der Punkte mit gestrichelter Linie
(Sättigungsdampfdruckkurve)

6. Berechnung der Partialdrücke an den Oberflächen, Konstruktion der Kurve


des Wasserdampfpartialdrucks über das Bauteil – Methode des gespannten
Seils (kein Schneiden möglich).
pi=1170 Pa bei 20 °C und 50 % r.F.
pe=208 Pa bei -10 °C und 80 % r.F.
7. Überprüfung ob Tauwasser auftritt mit Fallunterscheidung und Ermittlung der
Tauwssermenge:

Fall a: kein Tauwasser - Sättigungsdampfdruckkurve und


Wasserdampfpartialdruckkurve berühren sich nicht

Fall b: Tauwasser in einer Ebene - Sättigungsdampfdruckkurve und


Wasserdampfpartialdruckkurve berühren sich an einem Punkt

Diffusionsstromdichte von innen zur


Tauwasserebene:

Diffusionsstromdichte von der


Tauwasserebene nach außen:

Zi=1,5*106(sdi), Ze=1,5*106(sde)

Tauwassermenge [kg/m²]

mit tT: Dauer der Tauperiode in Stunden = 1440

Fall c: Tauwasser in zwei Ebenen – nicht behandelt

Fall d: Tauwasser in einem Bereich – nicht behandelt

8. Überprüfung, ob Tauwassermengen größer als zulässig: max. 0,5 kg/m² vor


nicht saugenden Materialien, max. 1 kg/m² vor saugenden Materialien

9. Ermittlung der Verdunstungsmenge – Fallunterscheidung

Fall a: kein Tauwasser – Berechnung der Verdunstungsmenge nicht


erforderlich
Fall b: Tauwasser in einer Ebene

Berechnung der Verdunstungsmenge bei einer Wand:

Innen- und Außenklima 12 °C und 70 % r.F.


somit pi=pe=982 Pa und konstanter
Sättigungsdampfdruck über den Querschnitt
mit 1403 Pa.

Diffusionsstrommenge von der


Tauwsserebene zur Innenoberfläche:

Diffusionsstrommenge von der Tauwsserebene zur


Außenoberfläche:

Zi und Ze wie unter 7 b ermittelt

Verdunstungsmenge:

mit tV: Dauer der Verdunstungsperiode in Stunden = 2160

Fall c: Tauwasser in zwei Ebenen – nicht behandelt

Fall d: Tauwasser in einem Bereich – nicht behandelt

10. Überprüfung, ob Verdunstungswassermenge größer als Tauwassermenge


10. Anhang

1. Randbedingungen nach DIN 4108 Teil 3

2. Übergangswiderstände nach DIN 4108 Teil 3


3. Taupunkttemperatur nach DIN 4108
4. Wasserdampfsättigungsdruck nach DIN 4108