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ADS/ADHS

eine Modekrankheit?
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Seminarfacharbeit zum Thema:

ADS/ADHS – Eine Modekrankheit?

Beleuchten von Symptomen, Ursachen, Diagnose und Verlauf der Krankheit mit
Blick auf soziale Probleme, sowie Möglichkeiten einer erfolgreichen Therapie.

Im Auftrag des Staatlichen Gymnasiums „Klosterschule“ Roßleben von Marc Siebenhüner,


Gunnar Marx und Karl Hunger

Abgabetermin: 12. Oktober 2007


Seminarfachlehrer: Herr Mauf
Seminarfachbetreuer: Herr Becker

Inhaltsverzeichnis
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Seite

Einleitung 5

1 Medizinisch-wissenschaftlicher Hintergrund von


ADS/ADHS
1.1 Vorgeschichte von ADS 6
1.2 Symptome von ADS 7
1.2.1 Haupterscheinungsbilder 7
1.2.2 Auffälligkeiten 7
1.2.2.1 Kern- und Hinweissymptome des ADS 7
1.2.2.2 Erscheinungsformen der Unaufmerksamkeit 8
1.2.2.3 Erscheinungsformen der Hyperaktivität 9
1.2.2.4 Erscheinungsformen der Impulsivität 10
1.3 Verlauf der Krankheit 10
1.4 Der Weg zur Diagnose 11
1.4.1 Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung 11
1.4.2 Befragung der Eltern 11
1.4.3 Beurteilung durch Schule oder Kindergarten 12
1.4.4 Ärztliche Untersuchungen und Tests 12
1.5 Ursachen von ADS 13
1.5.1 Genetisch bedingte Ursachen 13
1.5.2 Neurologische Ursachen 14
1.5.3 Kognitive Ursachen 14

2 Leben und Umgehen mit ADS/ADHS


2.1 ADS bei Kleinkindern 15
2.1.1 Kleinkinder ohne Hyperaktivität 15
2.1.2 Kleinkinder mit Hyperaktivität 15
2.2 ADS bei Schulkindern 16
2.2.1 Schulkinder ohne Hyperaktivität 16
2.2.2 Schulkinder mit Hyperaktivität 17
2.3 ADS bei Erwachsenen 18
2.4 Tipps im Umgang mit ADS 19
4

Seite

3 Behandlung von ADS/ADHS


3.1 Ziele einer erfolgreichen Behandlung 20
3.2 Die vier Grundpfeiler der Therapie 21
3.2.1 Beratung des Kindes 21
3.2.2 Beratung der Familie 22
3.2.2.1 Rolle der Bezugsperson 22
3.2.2.2 Rolle der Geschwister 23
3.2.3 Psychotherapie und spezielle Pädagogik 24
3.2.4 Pharmakotherapie 26
3.2.4.1 Rolle von Stimulanzien 26
3.2.4.2 Vorstellung von Ritalin 27

4 Auswertung der Elternbefragung 29

Schluss 30

Anhang 31

Quellenverzeichnis 45

47
Literaturverzeichnis

Erklärung der Arbeitsaufteilung 48

Eidesstattliche Erklärungen 48
5

Einleitung

Der Name AD(H)S steht für "Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit oder ohne Hyperaktivität" und
ist in Anlehnung an die internationale Bezeichnung und Abkürzung ADHD für „Attention Deficit
(Hyperactivity) Disorder entstanden. Andere, beziehungsweise ältere Bezeichnungen sind
außerdem ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom), HKS (Hyperkinetisches Syndrom) sowie
MCD (Minimale Cerebrale Dysfunktion).
Sie stehen alle für die international anerkannte Diagnose von „ Aufmerksamkeits-Störungen mit
oder ohne Hyperaktivität“.
Inzwischen lesen wir auch in Deutschland immer häufiger Beschreibungen solch anstrengender
Kinder. Das Thema des unkonzentrierten und unruhigen Kindes erscheint mittlerweile fast täglich
in unseren Medien. Für das Phänomen ADS gibt es einige Erklärungsmodelle, welche die
Krankheit unter verschiedensten Gesichtspunkten beleuchten. Sind es zunehmend die Eltern, die
versagen? Stimmt etwas mit unserer Gesellschaft nicht, dass immer mehr dieser „unruhigen
Geister“ aus dem Rahmen fallen?
Hat eventuell der zunehmendem TV- und Videospiel-Konsum Einfluss auf die Entwicklung der
Kinder? Oder ist die Ursache nur die überwiegend ungesunde Ernährung? Warum jedoch sind die
Eltern und Lehrer so oft machtlos?
Meist bleibt das eigentliche Problem, eine hyperkinetische Störung, unerkannt. Anstelle einer
exakten Diagnose werden Fehlinformationen und Mythen verbreitet. „Kinder mit ADS werden
auch heute noch meist verkannt als „Unruhegeist“, „Störenfried“, „Zappelphilipp“,
„Außenseiter“, „Versager“, „Faulpelz, der ja könnte, wenn er nur wollte“, „Hans-guck-in-die-
Luft“, „ungezogener Flegel“, „Tagträumer“ oder auch „Wutzwockel“1.
Dabei sind der Medizin die Besonderheiten des ADS und die Auswirkungen auf die Entwicklung
des Kindes schon seit langem bekannt. Somit ist eine genaue Diagnose die Grundlage für eine
effektive Unterstützung der Eltern und eine erfolgreiche Therapie.

In unserer Arbeit wollen wir einen Überblick über die aktuelle Problematik „ADS/ADHS“ geben,
da in den letzten zehn Jahren die Krankheit mit steigender Tendenz diagnostiziert wurde.
Hauptsächlich beschäftigten wir uns mit Kindern. Bei ihnen treten ein sehr ausgeprägtes Bild der
Krankheit und vielschichtige soziale Probleme auf.
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1 Medizinisch wissenschaftlicher Hintergrund von


ADS/ADHS

1.1 Vorgeschichte von ADS


Historisch Gesehen ist das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom keinesfalls eine Erfindung unserer
Zeit. Vielmehr stoßen Therapeuten und Forscher die sich mit der Krankheit beschäftigen, immer
wieder auf Parallelen im Verhaltensmuster berühmter realer und fiktiver Persönlichkeiten, bei
denen sich bereits erste Hinweise auf eine derartige Verhaltens-Störung zeigten. So lassen sich
erste Anzeichen auf eine ADS ähnliche Erkrankung bereits im Mittelalter erkennen. Thomas von
Aquin, einem der bedeutendsten Theologen des Mittelalters, sagt man beispielsweise nach, dass
er häufig durch sein sonderbares und verträumtes Verhalten auffiel. Von seinen Kommilitonen
erhält er bereits zu Studienzeiten den Spitznamen „ Stiller Ochse“, da er nur äußerst selten sprach
und im tiefen Nachdenken seine Umwelt um sich herum scheinbar zu vergessen schien. Trotz
seiner Tagträumerei und Schusseligkeit, fiel er dennoch immer wieder durch hochintelligente und
geistreiche Ausführungen auf.

Auch Ludwig van Beethoven galt unter seinen Mitbürgern als sonderbar und weist ein für
ADS’ler typisches Verhaltensmuster auf. Er soll nicht besonders aufgeschlossen und
kontaktfreudig gewesen sein, sondern schien oftmals schlecht gelaunt und sehr impulsiv. In
seinem Arbeitszimmer herrschte meist endloses Chaos und seine Notenblätter sollen für Dritte
häufig nur sehr schwer zu entziffern gewesen sein.

Diese Liste berühmter Personen lässt sich noch weiter fortsetzen. So sagt man unter anderem
Karl Marx, Thomas Edison und Albert Einstein nach, unter der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung
gelitten zu haben

Erste offizielle schriftliche Aufzeichnungen über ADS stammen vom Frankfurter Nervenarzt und
Schriftsteller Dr. Heinrich Hoffmann dessen „Struwwelpeter“ von 1845 das wahrscheinlich erste
Buch über diese Krankheit war. Darin beschreibt er sowohl den hyperaktiven Typ in Person des
„Zappel-Philipp“, als auch den unaufmerksamen Typ in Person des „Hans Guck-in-die-Luft“.
Diese beiden Begriffe werden bis heute als Synonym für ADS bei Kindern, mit oder ohne
Hyperaktivität, verwendet. Erst im Jahr 1902 beschreibt der englische Kinderarzt George F. Still
erneut unaufmerksame Kinder mit motorischer Unruhe und aggressiven Verhalten in seinen
Aufzeichnungen. Diese Erkrankung wird zunächst als „Still-Syndrom“ bezeichnet. Seit Mitte der
60er Jahre bezeichnet die Medizin die motorische Unruhe nicht mehr nur als Hyperaktivität,
sondern zum ersten Mal als eine Form der Aufmerksamkeitsstörung oder Dysfunktion. So
entstand zunächst der Begriff MCD oder auch „Minimale Cerebrale Dysfunktion“.
Auffälligkeiten verschiedenster Art wurden fortan als „Syndrom“ bezeichnet, sodass HKS oder
„Hyperkinetisches Syndrom“, mit all seinen Einzelsymptomen, teilweise bis heute
verhaltensauffällige Kinder im Allgemeinen beschreibt. In unserem deutschen Sprachraum wird
parallel hierzu das Störungsbild seit den 80er Jahren unter dem Begriff „Aufmerksamkeits-
Defizit-Syndrom“ zusammengefasst.
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1.2 Symptome von ADS


1.2.1 Haupterscheinungsbilder

Grundlegend unterscheidet man zunächst in drei verschiedene Formen des Aufmerksamkeits-


Defizit-Syndroms. Zum einen in das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität
(ADS), zum anderen in das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit Hyperaktivität (ADHS). Die
dritte Form ist eine kombinierte Variante mit allen drei Leitsymptomen des ADS:
Unaufmerksamkeit, Überaktivität und Impulsivität.
Letzteres stellt eine Mischform aus den beiden erstgenannten dar und ist meist die häufigste
Erscheinungsform.
Dabei unterscheiden sich die beiden Hauptformen stark voneinander: Während sich die
vorwiegend aufmerksamkeitsgestörten ADS–Kinder oder „Träumerle“, eher introvertiert oder gar
abwesend verhalten, drehen die vorwiegend hyperaktiven ADHS–Kinder, der „Zappelphilipp“, in
ihrer Impulsivität auf. Beiden Varianten, aber auch der Mischform aus beiden Varianten des
Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms, ist gemein, dass sich die Konzentrationsmängel in der
Regel durch alle Lebensbereiche des Kindes ziehen, also sowohl durch Kindergarten oder Schule,
als auch durch den familiären und Freizeitbereich.

1.2.2 Auffälligkeiten

1.2.2.1 Kern- und Hinweissymptome des ADS

Auf der einen Seite weist jedes Kind ein höchst unterschiedliches Entwicklungs- und Begabungs-
Profil auf und selbstverständlich existieren, wie bei den meisten anderen Krankheiten und
Störungen auch, sehr unterschiedliche Ausprägungsgrade des ADS. Die Krankheitsbilder können
daher von Patient zu Patient recht unterschiedlich ausfallen und genau deshalb gestaltet sich die
Diagnostik des ADS so kompliziert.
Auf der anderen Seite jedoch gibt es einige grundlegende Gemeinsamkeiten in den zutage
tretenden Auffälligkeiten, die die Diagnose „ADS mit oder ohne Hyperaktivität“ kennzeichnen.
Neben den drei Kernsymptomen: Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität und Impulsivität, die
situationsübergreifend auftreten, lassen sich zahlreiche Hinweissymptome auf ADS finden. Die
wichtigsten seien an dieser Stelle zunächst einmal beschrieben, diese müssen aber nicht
zwangsläufig auf ein ADS hinweisen.
Zwei äußerst häufige Merkmale sind die Unaufmerksamkeit und Ablenkbarkeit. Sie sind
kennzeichnend für einen ADS Patienten, er driftet leicht mit seiner Aufmerksamkeit ab und
wechselt den Brennpunkt des Interesses. Zum zweiten ist er Hyperaktiv und/oder verträumt,
immer auf dem Sprung und in Aktion, oder er schaut Löcher in die Luft.
Ein weiteres Symptom ist die Impulsivität, der Patient handelt ohne nachzudenken und lebt seine
Gefühle sofort aus. Jegliche Geduld oder Abwarten fällt ihm schwer.
Auch ist er vergesslich und besitzt ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Schnell entfallen ihm
besonders alltägliche Dinge. Alles, was nicht spannend ist, gerät schnell aus dem Sinn. So kommt
es, dass er viel zu häufig seine Sachen vergisst, Termine verpasst und Dinge verliert. Außerdem
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wirkt der Patient zerstreut oder chaotisch, besitzt zumeist nur wenig Überblick und geringe
Eigenorganisation.
Regeln einzuhalten stellt eine der schwersten Übungen dar. Er ist eigensinnig, nur darauf bedacht,
seinen eigenen Willen durchzusetzen und in den meisten Fällen folgen Grundsatzdiskussionen.
Oft lässt sich feststellen, dass sein Arbeitsverhalten unterdurchschnittlich ist. Der Patient hat
keinen Überblick und nur wenig Strategie bei der Aufgabenbewältigung. Hierbei fällt ihm meist
der Anfang besonders schwer und so schiebt er oft alles lange vor sich her. Die Negation des
Sprichwortes: „ Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ umschreibt
diese Symptomatik äußerst treffend.
Kennzeichnend für einen ADS Patienten sind seine Stimmungslabilität und häufigen Berg-und-
Tal-Fahrten der Emotionen. Schnell ist er gereizt, wütend oder zu Tode betrübt. Auffällig hierbei
jedoch ist, dass er wie ein Stehaufmännchen agiert, schnell hat er Enttäuschungen wieder
vergessen und Rückschläge überwunden.
Nicht selten ist sein Sozialverhalten katastrophal. Ein ADS-Patient besitzt häufig mangelnde
Einschätzungsgabe von sich und den anderen, wodurch die Integration in eine Gruppe sich meist
als äußerst schwierig erweist. Schnell bekommt er die Rolle eines Außenseiters zugeschrieben.
Als letztes Symptom sei an dieser Stelle sein oftmals mangelndes Selbstwertgefühl genannt.
Nach außen ist er meist der „Powerman“ oder Clown, hinter der Fassade verbirgt sich oft ein
hochsensibler Kern.

Da Kinder mit einem ADHS sich nur sehr wechselhaft und teilweise unterdurchschnittlich
konzentrieren können und ihre Fähigkeit zum Aufbau einer Aufmerksamkeit demnach stark
reduziert ist, sind häufig auch andere schulische Anforderungsgebiete von der Krankheit
betroffen, wie zum Beispiel Deutsch oder Mathematik. So kommt es, dass viele ADS Kinder,
zusätzlich eine Lese-Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche entwickeln. Auch ist eine
Kombination der Krankheit mit einer Teilleistungsstörung, wie der Legasthenie oder Dyskalkulie
mit anderen psychischen Erkrankungen wie Tics oder dem Tourette-Syndrom möglich.
Darüber hinaus gibt es allerdings häufig auch eine Vielzahl positiver Eigenschaften zu
beobachten. So besitzen ADS-Patienten oft einen immensen Ideenreichtum und weisen besondere
künstlerische Kreativität auf. Auch sind sie sehr begeisterungsfähig, hilfsbereit und besitzen nicht
selten einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Besonders in Situationen sozialer
Ungerechtigkeit lässt sich ein ausgeprägtes soziales Engagement beobachten.

1.2.2.2 Erscheinungsformen der Unaufmerksamkeit

ADS-Patienten ohne Hyperaktivität erkennt man häufig daran, dass die Kinder sich bereits im
Kindergarten, der Gruppe oder bei besonders lautem Spielen eher zurückziehen. Sie sind
zurückhaltend und spielen zunehmend für sich.
Die meisten Kinder mit ADS werden jedoch erst mit Schulbeginn auffällig oder zum
„Problemkind“ erklärt. Sie zeichnen sich trotz guter Intelligenz zunehmend durch Frustrationen
und Lernmisserfolge aus. Hinzu kommen zusätzliche Probleme wie mangelndes Selbstvertrauen,
Ängste, Schulkopfschmerzen und kaum Freunde.
Nicht selten werden diese ersten Probleme und Symptome bei vielen der betroffenen Kinder und
Familien in der Regel verkannt oder falsch diagnostiziert, sodass eine adäquate Hilfestellung
somit meist nicht gewährleistet ist.
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Diese „Träumerle“ wie sie umgangssprachlich auch benannt werden, weisen eine Vielzahl an
Erscheinungsformen auf und können von Fall zu Fall recht unterschiedliche Ausprägungen
annehmen. So beachten sie häufig Kleinigkeiten nicht oder begehen Schusselfehler. Sie haben oft
Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben und Spielen aufrechtzuerhalten.
Auch führt der oder die Betroffene häufig Anweisungen anderer unvollständig durch und kann
somit Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen.
Häufig treten Schwierigkeiten auf, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren, oder Gegenstände
und Materialen, die für diese Tätigkeiten benötigt werden, gehen viel zu oft verloren. Auch
kennzeichnende Merkmale der Unaufmerksamkeit sind, dass sich die Patienten leicht durch
äußere Reize ablenken lassen und bei Alltagstätigkeiten meist vergesslich sind.

1.2.2.3 Erscheinungsformen der Hyperaktivität

Konträr dazu gibt es die ADS-Patienten mit Hyperaktivität. Sie weisen schon im Säuglingsalter
erste Symptome auf und sind teilweise etwas anstrengend, oft sehr schwer zu beruhigen, aber
durchaus wissensdurstig und zeigen sehr viel Temperament. Sie begeben sich auf immer neue
Entdeckungs-Touren und wissen schon früh ihren Willen durchzusetzen.
Im Kindergartenalter fällt zum ersten Mal die Kritik auf den elterlichen Erziehungsstil zurück,
weil ihr „kleiner Racker“ kaum die Regeln befolgt und mit ausgeprägten Wutanfällen des Öfteren
für Aufsehen sorgt. Er ist nicht mehr nur das besonders lebhafte Kind, sondern entwickelt sich
zunehmend zum Störenfried, der andere Kinder haut oder schubst und sich nur schwer in eine
Gruppe integrieren kann. Impulsives Verhalten, sowie seine Ablenkbarkeit und sein
Aktivitätsüberschuss machen es ihm schwer Aufgaben in einer Gruppe zu bewältigen, ruhig zu
malen, am Stuhlkreis teil zu nehmen oder Spielideen der Anderen zu akzeptieren.
Schnell wird ihm eine Sache zu langweilig. Die ständige Suche nach neuen, aufregenden
Situationen, ohne vorher nachzudenken oder die Situation zu klären, zeichnet ein ADS-Kind
besonders aus. Meist strotzen sie vor Energie, können jedoch im nächsten Augenblick wieder
vollkommen überfordert und erschöpft sein. Auch dieser Typus des Aufmerksamkeits-Defizit-
Syndroms kann bei betroffenen Patienten wieder recht unterschiedliche Ausprägungen
annehmen. Sie zappeln oft mit den Händen und Füßen oder rutschen auf dem Stuhl hin und her.
Häufig stehen sie in der Klasse auf, meist in Situationen in denen das Sitzen bleiben erwartet
wird. Auch laufen sie ständig umher oder klettern exzessiv in Momenten in denen dies eher
unpassend ist. All dies kann bei betroffenen Jugendlichen und Erwachsen jedoch auch lediglich
auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben. Nicht selten treten bei Kindern dann auch
Schwierigkeiten auf, ruhig zu spielen oder sich einmal still zu beschäftigen.
Im Allgemeinen zeigen ADHS-Patienten ein anhaltendes Muster exzessiver motorischer
Aktivität, welches durch die Außenwelt und soziale Umgebung oder Aufforderung nicht
eingreifend beeinflussbar scheint.
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1.2.2.4 Erscheinungsformen der Impulsivität

Als dritte Erscheinungsform sei and dieser Stelle noch die Impulsivität genannt. Kennzeichnend
für diese Ausprägung der Krankheit ist, dass ADS-Kinder häufig mit ihren Antworten vorschnell
herausplatzen, bevor eine Frage erst zu Ende gestellt ist und sie nur sehr schwer abwarten
können, bis sie an der Reihe sind. Vor allem bei Gruppenaktivitäten oder Spielen ist dies häufig
zu beobachten. Sie neigen zu spontanem und unüberlegten Handeln, können kaum abwarten und
sind äußerst ungeduldig. Auch drängeln sie sich häufig vor, wechseln rasch die Beschäftigung,
können nicht planvoll arbeiten oder neigen zu waghalsigem Verhalten. Nicht selten ist auch zu
beobachten, dass impulsive ADS-Patienten einen starken Redefluss haben und ununterbrochen
übermäßig viel reden

1.3 Verlauf der Krankheit


ADS ist eine sehr vielseitige Krankheit mit zahlreichen unterschiedlichen Gesichtern. In
Deutschland geht man mittlerweile von einer Prävalenzrate von ca. 5% aus. Das entspricht in
etwa einer Zahl von 500.000 Betroffenen im Alter von 6 bis 18 Jahren. Die Häufigkeit ist
ungefähr so hoch, dass es wohl kaum eine Schulklasse ohne ein betroffenes Kind gibt.
Bemerkenswert ist, dass diese Häufigkeitsrate weltweit annähernd gleich ist und somit die
Krankheit unabhängig von gesellschaftlichen, sozialen oder geographischen Faktoren auftritt.
Als einziger Unterschied geht aus der Literatur hervor, dass sich der Krankheitsverlauf bei
Jungen in gewissen Punkten von dem der Mädchen unterscheiden kann. So geht man davon aus,
dass die Hyperaktivität häufiger bei männlichen Patienten auftritt. Von ADS/ADHS betroffene
Mädchen dagegen, sind seltener hyperaktiv und „zappelig“, sie neigen eher zu „Hypoaktivität“
und Unaufmerksamkeit. Daher fallen sie nicht so leicht auf, sodass die Störung bei weiblichen
Patienten seltener und oft auch später erkannt wird.
Der Krankheitsverlauf ist von Fall zu Fall höchst unterschiedlich, wobei kein Patient genau dem
anderen gleicht. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen und Gemeinsamkeiten feststellen.
So kann es sein, dass bereits im Säuglings- und Kleinkindalter erste Probleme in Erscheinung
treten. Dazu können Schlaf- und Essprobleme oder eine „gereizte“ Stimmung gehören, was eine
negative Eltern-Kind-Interaktion zur Folge haben kann. Auch besitzen die Patienten in diesem
Anfangsstadium bereits ein hohes psychophysiologisches Aktivierungsniveau, wodurch sie erst
relativ spät auf Reize aus ihrer Umgebung reagieren können. Mit zunehmendem Alter treten die
Symptome dann häufiger und markanter auf, so dass im Vorschulalter bereits eine ziellose
Aktivität oder geringe Spielintensität und Ausdauer des Kindes beobachtet werden kann. Häufig
lassen sich bereits erste Entwicklungsdefizite in Motorik, Sprache und visueller Wahrnehmung
feststellen. Auch können betroffene Kinder in diesem Alter durch aggressives oder
oppositionelles Verhalten in Erscheinung treten, worunter sich teilweise auch die Eltern-Kind-
Interaktion weiter verschlechtern kann.
Während der Grundschulzeit sind es dann häufig die Lehrer, die auf eine leichte Ablenkbarkeit
und Unruhe im Unterricht hinweisen. ADS-Kinder im Grundschulalter haben oft mit
Lernschwierigkeiten und Teilleistungsschwächen, wie Legasthenie und Dyskalkulie zu kämpfen.
was wiederum zu Leistungsunsicherheit und ersten Selbstwertproblemen führen kann. Häufig
stoßen sie bereits auf Ablehnung durch Gleichaltrige und finden kaum mehr Anschluss an die
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Gruppe. In manchen Fällen entwickelt das betroffene Kind auch ein besonders aggressives
Verhalten seinen Mitschülern und Lehrern gegenüber.
Mit fortschreitendem Alter kann dieses aggressive Verhalten weiter bestehen bleiben,
wohingegen sich die motorische Unruhe von jugendlichen hyperaktiven Patienten oftmals
vermindert. Ihre Aufmerksamkeitsstörungen bleiben jedoch meist bestehen und vielmals werden
zusätzliche emotionale Auffälligkeiten und dissoziales Verhalten festgestellt. Auch kommt es
durchaus vor, dass ADS-Patienten während ihrer Jugendzeit teilweise zu Alkohol- oder
Drogenkonsum neigen und so versuchen ihren Problemen in Alltag und Familie zu entfliehen.
Aus diesem Grund ist es äußerst wichtig, dass ADS frühzeitig erkannt wird. Somit kann den
Patienten der Umgang mit ihrer Krankheit erleichtert werden.
Mit erreichen des Erwachsenenalters klingen bei manchen Patienten nahezu alle Symptome ab
und die Krankheit verschwindet. Allgemein geht man bei ADS von einer Persistenz
hyperkinetischer Symptome von 30-60% aus.

1.4 Der Weg zur Diagnose

1.4.1 Schwierigkeiten bei der Diagnosestellung

Die Diagnosestellung im Bereich des ADS erweist sich häufig als überaus kompliziert. Es muss,
wie bei allen Diagnosen im Bereich des Lernens, gezielt vor einer vorschnellen und zu
einseitigen Diagnose gewarnt werden. Auch gibt es keinen einzelnen Test, mit dessen Hilfe allein
die Diagnose ADS möglich wäre. Vielmehr ist das Gesamtbild des Kindes entscheidend, welches
sich aus vielen einzelnen Mosaiksteinen zusammenfügt. Dazu muss die bisherige
Lebensgeschichte des Kindes, sein Verhalten in bestimmten Situationen sowie das „Wie und
Wann“ seiner Entwicklungsschritte und seine Arbeitsstrategien bei der Bewältigung von
Aufgaben genau betrachtet werden. Ebenso muss das Ergebnisprofil der psychologischen Testung
in gleichem Maße zur Diagnosestellung mit herangezogen werden, wie eine neurologische und
körperliche Untersuchung des Patienten.
Das Verhalten eines Kindes sollte nicht vorschnell in eine „Diagnose-Schublade“ gesteckt
werden. So erhält man die beste Grundlage für eine Beurteilung des Patienten und eine
individuelle Therapie-Planung, wenn man sich anhand der einzelnen Mosaiksteine ein
umfassendes Bild macht. Dieses Vorgehen verhindert, dass ADS als Modekrankheit in Verruf
gerät und jedes lernunlustige, lebhafte oder extrovertierte Kind unter eventuell falscher oder
vorschneller Diagnose eingruppiert wird.
Die Diagnostik sollte demnach also stets umfangreich und weit reichend angelegt sein und sich
auf die folgenden vier Bereiche erstrecken:

1.4.2 Befragung der Eltern

Genaue Beobachtungen seitens der Eltern sind im Vorfeld unerlässlich und sollten von der Mutter
oder anderer an der Erziehung beteiligten Personen zunächst über einen Zeitraum von ungefähr
sechs Monaten erfolgen oder bei Vorliegen eines direkten Verdachtes zunächst stichpunktartig
festgehalten werden.
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Um aussagekräftige Urteile fällen zu können und weitere Schritte einzuleiten, müssen sich die
Beobachtungen sich immer auf alle Lebensbereiche des Kindes wie Kindergarten, Schule,
häusliche Umgebung und Freizeit beziehen. Da die Eltern die wichtigsten Bezugspersonen im
Leben des Kindes darstellen, spielen sie eine große Rolle in der möglichen Beobachtung des
Kindes und können sein Verhalten sehr gut beurteilen.

1.4.3 Beurteilung durch Schule oder Kindergarten

Die Befragung und Beschreibungen der Eltern und das Zusammenfassen der bisherigen
Lebensgeschichte müssen in jedem Fall durch Kommentare und Beurteilungen von Erziehern und
Lehrern ergänzt werden, weil Schule oder Kindergarten für jedes Kind einen anderen
Erfahrungsraum als das Zuhause bilden. Hier zeigt das Kind auch andere Auffälligkeiten und
Verhaltensweisen, die wichtig für das Gesamtbild und die Diagnostik sind.
Da der Weg zur Diagnose damit beginnt, die Vorgeschichte zu besprechen, ist das Gespräch über
die Geburt, den Entwicklungsverlauf, eventuelle zusätzliche Risikobedingungen oder
Erkrankungen und über das Verhalten des Kindes in verschiedenen Situationen des Alltags
zunächst der erste Schritt und Schlüssel zum Erfolg bei der Diagnosefindung. Hierbei wird ein
Gesamtbild über das alltägliche Leben des Kindes mit seinen Höhen und Tiefen, aus den
Schilderungen des Kindes, denen der Eltern und auch aus der Beurteilung von Lehrern, Erziehern
und anderen Therapeuten erstellt. Letzteren obliegt die Beurteilung des Kindes im
außerhäuslichen Erziehungsbereich.
Zu dieser Situationsbeobachtung in der Schule oder dem Kindergarten gehören Punkte wie:

• Wie reagiert das Kind auf Frustration?


• Wirkt das Kind über- oder gar unterfordert?
• Wirkt sich das unkonzentrierte Verhalten bereits auf andere Bereiche aus?

All diese Beobachtungen sollten nach Möglichkeit schriftlich festgehalten werden und von allen
an der Erziehung des Kindes beteiligten Lehrern und Erziehern durchgeführt werden. Darüber
hinaus sind ein steter und aufrichtiger Austausch zwischen den Eltern und Betreuern sowie ein
Gespräch mit dem schulpsychologischen Dienst oder betreuenden Therapeuten äußerst wichtig.
Diese Beobachtungsergebnisse sind Grundlage einer möglichst genauen Diagnosestellung.

1.4.4 Ärztliche Untersuchungen und Tests

Um das Risiko einer Fehldiagnose zu minimieren, sollte die Diagnose aus vielen
Beobachtungsmomenten bestehen. Die bereits erwähnten Instanzen wie Eltern, Lehrer und
Erzieher spielen folglich eine große Rolle für die Diagnosestellung. Die eigentliche Diagnose
wird erst vom behandelnden Arzt ausgesprochen, der neben all diesen zusammengetragenen
Informationen noch weitere diagnostische Maßnahmen ergreift.
Dazu gehört die Einordnung des Krankheitsbildes nach international anerkannten Kriterien für
ADS anhand des DSM IV-Fragebogens (s. Anhang 1 u. 2). Diese diagnostischen Kriterien der
Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung nach DSM – IV (Diagnostisches und Statistisches
Manual Psychischer Störungen IV, 1996) werden meist ergänzend zur Diagnosestellung mit
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herangezogen. Hierbei ist zu beachten, dass Punkt 1 (Unaufmerksamkeit) oder Punkt 2


(Hyperaktivität und Impulsivität) zutreffen, wenn jeweils sechs oder mehr der aufgeführten
Symptome die letzten sechs Monate beständig in einem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu
vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß vorhanden gewesen sind.
Neben den vielen Beobachtungen und psychologischen Testverfahren ist eine körperliche und
neurologische Untersuchung des Patienten unabdingbar, um an Informationen über die
körperliche Entwicklung des Patienten, dessen Körperbeherrschung und die Funktionstüchtigkeit
aller Sinnesorgane zu gelangen. Diese ist in der Regel neurologischer und internistischer Art und
zielt primär darauf ab, organische Probleme als Ursache für das auffällige Verhalten
auszuschließen.
Zunächst wird ein ausführliches Blutbild des Patienten erstellt. Dies geschieht in der Regel, um
Schilddrüsenerkrankungen und generelle Mangelerscheinungen wie Eisenmangel auszuschließen.
Im Anschluss folgt eine körperliche Untersuchung, um Augen- und Ohrenerkrankungen,
Allergien und deren Begleiterscheinungen auszuschließen. Das Kind muss gut sehen und hören
können, um in der Lage zu sein, Informationen aus der Umwelt aufzunehmen. Aus diesem Grund
wird meist ein normaler Seh- und Hörtest verlangt.
Über weitere diagnostische Maßnahmen entscheidet dann der Arzt. In der Regel wird zur
Diagnosestellung zusätzlich eine Untersuchung mittels EEG (Elektroenzephalogramm)
herangezogen. Diese dient der Registrierung von Potentialschwankungen im Gehirn, um wichtige
Rückschlüsse in Hinblick auf Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems zu liefern.
Ebenso ermöglicht das EKG (Elektrokardiogramm) Aussagen über den Herzrhythmus und die
Herzfrequenz, um Herzrhythmusstörungen auszuschließen, welche unter Umständen spezielle
Therapieformen ausschließen oder besonderer Medikation bedürfen.
Anhand weiterer Tests soll die Entwicklung des Kindes beurteilt werden und eine umfassende
Analyse des Gesamtbildes des Kindes erstellt werden mit Blick auf Defizite in der Entwicklung,
besondere Talente, das Verhalten im Spiel und bei Anforderungen, die Belastbarkeit sowie die
Aufmerksamkeitsspanne des Patienten. Untersucht werden unter anderem auch die
Denkentwicklung (kognitive Entwicklung) des Patienten, die Sprachentwicklung, die
Bewegungsentwicklung und die sozial-emotionale Entwicklung.

1.5 Ursachen von ADS


1.5.1 Genetisch bedingte Ursachen

Bis heute ist keine konkrete Ursache für ADS bekannt, doch Mediziner und Forscher machen
eine Kombination von Ursachen für die Störung verantwortlich.

Durch verschiedene Studien, Untersuchungen und Vergleiche wurde bewiesen, dass ADS
teilweise genetisch bedingt ist.
In Familienstudien wurden die Erscheinungsbilder von ADS von genetisch verwandten Personen
untersucht. Die unterschiedlichen Familienmitglieder haben gleiche Erbinformationen und leben
in derselben Umgebung, was zur Folge hatte, dass ähnliche Krankheitsbilder festgestellt wurden.
Weiterhin wurden Adoptionsstudien angelegt, in denen die Ausbildung von ADS bei den
biologischen Eltern beziehungsweise den von anderen Familien adoptierten Kindern verglichen
wurde. Obwohl die untersuchten Personen in einer unterschiedlichen Umwelt leben, konnte durch
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die genetische Übereinstimmung eine ähnliche Ausbildung von ADS erkannt werden.
Gleichzeitig wurde in den Adoptionsstudien der Grad der Ausprägung der Krankheit zwischen
Adoptiveltern und –kindern verglichen. Da die untersuchten Personen nicht genetisch verwandt
sind, sondern nur zusammen leben, konnte auch keine Ähnlichkeit der Profile erkannt werden.
In Zwillingsstudien wurden eineiige und zweieiige Zwillinge untereinander verglichen, was den
Einfluss der Gene bei identischer Umgebung zeigte.

Durch diese Untersuchungen kann eine familiäre Häufung von ADS zweifelsfrei nachgewiesen
werden. Biederman konnte feststellen, das sogar fast 2/3 der an ADS leidenden Eltern die
Störungen an ihre Kinder vererben.
Es kann jedoch nicht gesagt werden, dass die genetischen Faktoren die ausschließlichen Ursachen
für das Syndrom darstellen.

1.5.2 Neurologische Ursachen

Bei Menschen mit ADS ist es wiederholt aufgefallen, dass der Botenstoff Dopamin, welcher
bestimmte neuronale Prozesse hemmt und Bewegungsabläufe steuert, in zu geringen Mengen
vorhanden ist (s. Anhang 3). Noradrenalin, ein weiterer Neurotransmitter, dient zur Steigerung
der Aufmerksamkeit. Von einigen Forschern wird behauptet, ein Mangel dieser beiden Stoffe
begünstige die Entstehung von ADS.
Eine weitere Auffälligkeit ist eine geringere Funktionstüchtigkeit des Frontalhirns von
Betroffenen. Dies könnte durch eine verzögerte frühkindliche Entwicklung, schädliche Stoffe, die
die Mutter während der Schwangerschaft zu sich nahm (wie zum Beispiel Nikotin oder Alkohol),
Sauerstoffmangel nach der Geburt oder eventuelle physische Einwirkungen verursacht worden
sein.

1.5.3 Kognitive Ursachen

Manche Mediziner führen ADS auf Reizüberflutungen zurück, da der Betroffene Störreize nicht
ignorieren kann (s. Anhang 4). Diese Vermutung konnte jedoch nicht bewiesen werden. Andere
Ärzte meinen jedoch, dass die Hirnrinde von Betroffenen nicht ausreichend erregt wird.
Daraufhin wird das Niveau, was für eine Aktivierung erforderlich ist, vom Hirn heruntergesetzt.
Es folgt eine Überreizung, welche das Selbstregulieren und Hemmen von Impulsen unmöglich
macht.
15

2 Leben und Umgehen mit ADS/ADHS

2.1 ADS bei Kleinkindern


2.1.1 Kleinkinder ohne Hyperaktivität

Oft wird die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom erst im Schulalter


gestellt, da man Kinder in dieser Altersgruppe zum Beispiel in der Schule ständig beobachtet und
ihr Verhalten dokumentiert. Die Krankheit tritt jedoch schon früher in Erscheinung, was durch
zahlreiche Studien über Kindergartenkinder nachgewiesen worden ist.

Meist werden Verhaltensmuster von Kindern, die auf ADS/ADHS hinweisen, auf den Charakter
des Kindes zurückgeführt. So werden hypoaktive Kinder als „ruhig“ oder „nicht sehr gesprächig“
eingeschätzt. Sie verbringen ihre Zeit im Kindergarten oft allein in einer Ecke und beschäftigen
sich mit sich selbst. Sie gehen nicht auf andere Kinder zu und beteiligen sich nicht von allein an
Gruppenaktivitäten. Bei lauten Spielen ziehen sie sich oft zurück. Nach außen hin wirken sie aber
sehr angepasst, weshalb die Mehrzahl der Kinder mit ADS erst in der Schulzeit auffällt oder zum
Problemkind erklärt wird, da es dann, trotz guter Intelligenz, häufig Lernmisserfolge und
Frustrationen gibt. Weil im Kindergarten andere Kinder den ADS’ler nicht stören, kann er vor
sich hin träumen und vollkommen in seine Tätigkeit versinken. Häufig verwendete Spielzeuge
sind Puzzle, Barbiepuppen und Bausteine. Gesteigerte Emotionalität tritt bereits bei Kleinkindern
auf. Sie sind affektlabil und weinen leicht, regen sich schnell auf und sind schnell gekränkt. Den
Kindern fehlt Selbstvertrauen, oft sind sie ängstlich. Aufmerksame Kindergärtnerinnen
beobachten langsamere Arbeitsweisen im Vergleich zu ihren Altersgenossen zum Beispiel beim
Malen, Anziehen oder beim Essen und sprechen die Eltern daraufhin an. Manche Eltern fragen
sich allerdings: „Entwickelt sich mein Kind normal, oder ist es zu ruhig?“. Anzeichen wie keine
Provokation von körperlichen Auseinandersetzungen, sich nicht zu wehren, sich nicht zu streiten,
Anweisungen ohne nörgeln zu befolgen, auch wenn dies etwas länger dauert, werden von der
Umwelt eher als positive Charaktereigenschaften aufgefasst und nicht als Anzeichen für eine
Krankheit.

2.1.2 Kleinkinder mit Hyperaktivität

Größere Probleme im Kleinkindalter verursachen aber hyperaktive Kinder. Im Kindergarten sind


sie oft die Aktiven, manchmal die Aggressiven. Sie versuchen, sich mit anderen Kindern zu
verständigen, wobei es oft zu Schwierigkeiten kommt. Das hyperaktive Kind will immer
mitwirken, auch wenn seine Anwesenheit in diesem Moment nicht erwünscht ist. Beim Abweisen
des Kindes wird in ihm jedoch eine Trotzsituation verursacht.
Ein gutes Beispiel ist das Spiel mit Bausteinen, was durch seine mangelnde Konzentration und
Feinmotorik oft nicht gelingt. Der ADS’ler wird aggressiv und frustriert, was zu einer
Zerstörungswut führt. Ein Zusammenspielen mit anderen Kindern in der Zukunft wird durch
Verhaltensmuster wie diese und durch das schnelle Einordnen als „Störenfried“ erschwert. Da
hyperaktive Kinder meist „den Boss spielen“ wollen, werden Freundschaften häufig verdorben
und Spielideen von anderen nicht akzeptiert.
16

Das Arbeiten in Gruppen, wie zum Beispiel „Stuhlkreisen“, gelingt kaum, da das Kind schnell
abgelenkt ist bzw. seine Impulsivität dazu führt, dass es ihm langweilig wird. Motorische Unruhe
und Bewegungsdrang machen die Kinder unruhig und beinträchtigen die Fähigkeit, ruhig zu
sitzen und zuzuhören. Abwarten fällt dem Kind schwer und es spricht seinen Ärger ohne
nachzudenken aus. Spiele und Gespräche von anderen werden unterbrochen und gestört. Die
Impulsivität bürgt ein großes Unfallrisiko für das Kind, da es Situationen oft falsch einschätzt.
Ihnen wird nachgesagt, riskante Aktionen zu lieben, obwohl sie bloß die Folgen ihres Tuns nicht
erkennen können.

Kleinkinder mit ADHS können auch viele familiäre Probleme verursachen. Sie sind durch ihre
geringe Aufmerksamkeit schwer erziehbar. Selbst Regeln, die ständig wiederholt werden, kann
sich das Kind nicht einprägen. Es kann vorkommen, dass sich Partner gegenseitig beschuldigen,
das Kind schlecht erzogen zu haben. Auch bei Missgeschicken im Haushalt hält die Mutter oft
zum Kind, der Vater hingegen versucht, sich mit übermäßiger Strenge durchzusetzen. Dies führt
häufig zu Konflikten zwischen den Elternteilen, woran auch viele Beziehungen zerbrochen sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Eltern von anderen Kritik an ihrem Erziehungsstil erfahren,
obwohl das Verhalten des Kindes durch die Krankheit geprägt wird und nicht durch ihre
schlechte Erziehung. Familien mit hyperaktiven Kindern sind bei Bekannten und Freunden nicht
mehr gern gesehen, werden ausgeladen und werden zunehmend isoliert, weil ihr impulsives,
unberechenbares Kind nervt und anstrengt.

2.2 ADS bei Schulkindern


2.2.1 Schulkinder ohne Hyperaktivität

Die Schulzeit ist für Menschen mit ADS/ADHS eine sehr schwere Zeit, da sie in der Schule
täglich mit Aufgaben konfrontiert werden, die in einem bestimmten Zeitlimit erfüllt werden
müssen. Zu den täglichen Gräueln gehören besonders Hausaufgaben, deren Bearbeitung
Unmengen von Zeit bedarf.
Viele als negativ eingeschätzte Eigenschaften, die im Kindergarten aufgetreten sind, sind in der
Schule noch deutlicher ausgeprägt.

Hypoaktive Kinder sind immer noch viel zu langsam. In der Schule gestellte Aufgaben können
nicht schnell genug bearbeitet werden. In Kontrollen können große Teile nicht gelöst werden, da
viel Zeit an den ersten Aufgaben verschwendet wird und die verbleibende Zeit nicht für den Rest
reicht. Dies wird durch die Verträumtheit verursacht. Während des Bearbeitens von Aufgaben
driftet das Kind mit seinen Gedanken ab. Es denkt zum Beispiel darüber nach, was es am
Nachmittag spielen könnte. Wenn die Arbeit abgegeben werden soll, wird das Kind aus seinem
Tagtraum gerissen.
Es wird über ein schlechtes Gedächtnis von ADS’lern berichtet. Sie vergessen, ihre
Hausaufgaben ins Heft einzutragen. Sie vergessen die kurz zuvor gestellten Aufgaben.
Geäußerte Kritik oder Ermahnen endet durch die gesteigerte Empfindlichkeit oft in Tränen.
Kinder mit ADS haben Probleme beim Filtern von Geräuschen. Wenn der Lehrer etwas erklärt,
gleichzeitig ein Auto auf der Strasse vorbei fährt, die Vögel zwitschern, Schritte auf dem Flur zu
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hören sind, jemand seinen Stuhl bewegt und wenn die Nachbarn reden, ist es für ein hypoaktives
Kind unmöglich, dem Lehrer zuzuhören, da es von so vielen anderen Geräuschen abgelenkt ist.
Zu Hause verbringt das Kind viel Zeit, um für die Schule zu lernen. Durch Ablenkung bzw.
Unaufmerksamkeit vergisst es das Gelernte zu schnell oder kann sein Wissen in der Schule nicht
anwenden. ADS tritt oft gekoppelt mit Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche) und
Dyskalkulie (Rechenschwäche) auf. Aufsätze können viel zu kurz sein, da zu lange über die
Rechtschreibung nachgedacht werden muss und das Kind erschwerend abgelenkt wird.
Textaufgaben bereiten oft Schwierigkeiten, da die Aufgaben gelesen und gewisse
Zusammenhänge erkannt werden müssen. Durch Motorikstörungen kann das Kind schlecht
zeichnen und schreiben (s. Anhang 8-10).
Obwohl Kinder mit ADS eine gute bis sehr gute Intelligenz haben, erhalten sie schlechte Noten.
Sie können deutlich mehr, als sie zu Papier bringen, was auch durch ihr sehr schlechtes
Zeitmanagement bedingt wird. Aus Fehlern lernen sie häufig nicht und sagen bei schwereren
Aufgaben oft „das kann ich nicht“. Sie resignieren oder geraten in Panik.
Wie schon im Kindergarten haben hypoaktive Kinder in der Schule wenige Freunde, sprechen
wenig und verschließen sich. Sie haben noch immer schlechte Chancen bei unvermeidbaren
körperlichen Auseinandersetzungen.
Weitere Auffälligkeiten sind zum Beispiel Sprachprobleme wie Stammeln, Stottern, schlechte
Aussprache von „g“ und „k“ sowie das Verfallen in Babysprache.
Resultierend ist oft, dass Kinder mit ADS Klassen wiederholen müssen, da ihre Intelligenz in
Kontrollen nicht gezeigt werden konnte. Auch die Versetzung auf Lernbehindertenschulen tritt
häufig auf. Schlechte Leistungen in der Schule sind Grundlagen für spätere Leiden wie
Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Beschwerden, Persönlichkeitsstörungen sowie
Tic-Störungen (s. Anhang 6).

2.2.2 Schulkinder mit Hyperaktivität

Schulkinder mit Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität haben wie schon im


Kindergartenalter deutlich auffälligere Probleme als Hypoaktive. Durch ihre schlechte
Konzentration können sie nicht lange an einer Aufgabe arbeiten. Wiederholtes Einarbeiten, Lesen
der Aufgabe und des Materials sind erforderlich. Sobald die Konzentration nachlässt, vergrößert
sich auch die allgemeine Ablenkbarkeit, sodass, wie auch bei hypoaktiven Kindern, Geräusche
nicht mehr nach Wichtigkeit gefiltert werden können. Diese Faktoren resultieren in einem sehr
geringen Arbeitstempo. Schulaufgaben werden oft nicht im vorgegebenen Zeitlimit geschafft.
Dies wiederum erhöht die Frustration, was die Kinder dazu bewegt, auch andere Tätigkeiten, wie
Hausaufgaben, nicht zu erledigen. Typisch für hyperaktive Kinder ist ihre Ungezügeltheit. Wenn
in der Schule Fragen gestellt werden, platzt der ADS’ler mit der Antwort heraus, ohne sich
gemeldet zu haben oder vom Lehrer aufgefordert worden zu sein.
Ihre Impulsivität führt dazu, dass sie sofort das sagen, was sie denken. Dies ist manchmal taktlos
oder beleidigt die Person gegenüber. Andere Menschen werden durch ihre Ungeduld
unterbrochen. Bei Unterhaltungen ist es oft der Fall, dass hyperaktive Kinder nicht erkennen,
wenn sie deutlich zu viel reden und das Gesagte den Gesprächspartner überwältigt oder nicht
mehr interessiert.
Bei Diskussionen können die Meinungen anderer Leute nicht akzeptiert werden.
Stimmungsschwankungen führen zu schneller Aggressivität, Jähzorn und Wutanfällen.
18

Bestehende Freundschaften zerbrechen schnell. Auch Angeberei und Distanzlosigkeit helfen


nicht, soziale Kontakte aufzubauen.
Hyperaktive Kinder werden in der Schule oft als „Klassenclown“ bezeichnet. Die starke
körperliche Unruhe macht das Stillsitzen auf Schulstühlen zu einer täglichen unvermeidbaren
Qual. Es wird gezappelt, gekippelt, sich auf dem Tisch gewälzt und Zeit unter dem Tisch
verbracht. Sie haben geringe körperliche Koordination, was zu Problemen beim Schulsport führt.
Auch besitzen sie Schwierigkeiten bei der Kraftdosierung und verletzen andere.
Bleistifte, Füller und anderes Arbeitsmaterial gehen schneller kaputt. Sie weisen eine chaotische
Heftführung auf und vergessen Hefte, Bücher, Federmappe oder Sportzeug zu Hause.
Lehrer werden durch Kinder mit ADHS immer wieder an ihre Grenzen gebracht. Sie versuchen
zwar, alles ihnen Mögliche zu tun, um den Kindern gerecht zu werden, doch sollten sie auch
akzeptieren, wenn dies nicht gelingt.
Hyperaktive Schulkinder bemerken selbst, dass sie anders sind und sind über ihren Zustand sehr
unglücklich. Aussagen wie „Ich will ja lieb sein, aber ich kann es nicht“ 4 werden von Eltern oft
gehört. Sie haben ein verringertes Selbstwertgefühl bzw. Selbstvertrauen. Trotz guten Willens
häufen sich Beschwerden von Schule und Eltern der Mitschüler über das unsoziale Verhalten
ihrer Kinder. Ausgrenzungen in der Schule können selbst durch Gespräche, Androhen von Strafen
und Verbote nicht verhindert werden. Eltern sind oft verzweifelt und machen sich Vorwürfe über
eine vermeintlich falsche Erziehung. Auch sind Eltern oft angespannt und reagieren genervt auf
alles, was schief läuft. Häufig verlieren sie den Blick für gutes und unproblematisches Verhalten.
Schließlich bekommt das Kind nur dann Aufmerksamkeit, wenn es Schwierigkeiten macht.
Objektivität und Fairness fallen schwer.

Am meisten fallen leider oberflächlich beobachtete negative Eigenschaften von Kindern mit
ADS/ADHS auf. Beim längeren Beschäftigen mit den Kindern stellt man aber auch viele positive
Eigenschaften fest. Sie sind sehr aufgeschlossen bzw. haben eine liebenswerte und offene
Persönlichkeit. Ihre gesteigerte Emotionalität macht sie zärtlich und liebesbedürftig. Durch ihren
hohen Gerechtigkeitssinn wirken sie sehr ehrlich, großherzig, nicht nachtragend und können
Fehler anderer vergeben. Sie sind flexibel, spontan und handeln intuitiv, obwohl sie trotz ihrer
Hartnäckigkeit manche Aufgaben nicht erfüllen können. Gegenüber jüngeren Kindern, alten
Menschen und Tieren sind sie sehr hilfsbereit und fürsorglich. Ihre Kreativität, Phantasie und ihr
Ideenreichtum kommen in der Schule oft nicht zum Tragen, da sie ihre Fähigkeiten durch geringe
Aufmerksamkeit selbst ausbremsen und zurückhalten. Auch ihre Überbegabung und teilweise
überdurchschnittliche Intelligenz wird selten bemerkt. Jedoch erfassen sie schnell Wesentliches,
können Persönlichkeitseigenschaften anderer gut einschätzen und verhalten sich sensibel und
charmant gegenüber ihren Mitmenschen. Sie sind fröhlich, lustig und zeigen Humor.

2.3 ADS bei Erwachsenen


Durch intensive multifokale Therapie und viel Willenskraft kann sich Hyperaktivität in
Produktivität und Schaffenskraft umwandeln, aus Impulsivität wird Lebendigkeit und
Spontaneität. Viele erwachsene und fast erwachsene Menschen haben gelernt, mit ihrer Krankheit
umzugehen. Auch die Einnahme von Stimulanzien kann verringert bzw. abgesetzt werden.
Trotzdem kann es noch zu Schwierigkeiten kommen.
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Immer wieder treten Beziehungsprobleme auf, die unter anderem durch viel zu heftiges
Reagieren bei Streitigkeiten verursacht werden. Nur Aufgaben, auf die man gerade Lust hat,
werden erledigt. Der Partner hat es nicht leicht, ständige Stimmungsschwankungen, psychische
Labilität und Impulsivität zu akzeptieren. Impulsivität kann sich in zwei Richtungen zeigen:
Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit und Depressivität verursachen vereinzelt Selbstmordgedanken.
Andererseits zeigt sich Impulsivität als Ungeduldigkeit, Wutausbrüche und unüberlegte Aussagen
und Entscheidungen.
Auch die Erziehung der eigenen Kinder erfordert hohe Anstrengungen. Probleme im Beruf und
Alltag treten jedoch nicht bei allen Betroffenen auf.
Konzentrations- und Aufmerksamkeitseinbußen sind dagegen noch oft zu verzeichnen, innere
Unruhe und Nervosität resultieren aus hyperaktivem Verhalten in der Kindheit.
Erwachsene mit Hyperaktivität neigen dazu, andere bei ihren Tätigkeiten zu unterbrechen, ihre
Sätze im Gespräch zu beenden, ohne sie aussprechen zu lassen. Sie haben Probleme abzuwarten,
speziell im Straßenverkehr. Das Stillsitzen fällt ihnen noch immer schwer, da sie mit den Füßen
wippen oder ständig etwas in den Fingern haben müssen. Auch Entspannung fällt ihnen sehr
schwer. Innere Unruhe bewegt sie dazu, mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen zu wollen, was
in verschiedenen unvollendeten Tätigkeiten gipfelt.

ADS’ler haben oft kaum Freunde, da sie wenig kompromissbereit, hingegen sehr rechthaberisch
sind. Streit in vielen sozialen Situationen ist vorprogrammiert. Durch das Finden eines toleranten,
einfühlsamen und gesprächsbereiten Partners ist es aber möglich, ein harmonisches
Familienleben zu führen. Haben beide Partner Schwierigkeiten im Alltag, ist das Zusammenleben
deutlich schwerer. Das Scheitern von Familienbeziehungen ist überdurch-schnittlich hoch.
Professionelle Hilfe wird erst dann in Anspruch genommen, wenn ADS/ADHS beim eigenen
Kind diagnostiziert wird und Streitigkeiten in der Ehe gehäuft auftreten. Manchmal wird dem
Erwachsenen erst jetzt bewusst, dass eine Krankheit der Verursacher vom erschwerten Berufs-
und Familienleben ist. Um die eigentliche Ursache der Probleme zu finden, sollte man einen
versierten Therapeuten, der dann eine angemessene Behandlung einleiten kann, zu Rate ziehen.

2.4 Tipps im Umgang mit ADS


Da die Therapie meist nur Verhaltenstipps für den Betroffenen selbst enthält, werde ich im
folgenden Abschnitt einige Erleichterungen für den sozialen Umgang mit ADS’lern anführen.

Speziell als Lehrer trägt man eine hohe Verantwortung, da man mit den Betroffenen viel Zeit
verbringt und für seine schulische Entwicklung zuständig ist. Falls Sie untypische
Verhaltensmuster beobachten, nehmen Sie sich die Zeit, um Fragebögen (s. Anhang 1 u. 2)
auszufüllen! Dies könnte zu einer schnellen Diagnose führen. Lehrer sollten sich immer wieder
klarmachen, in welcher problematischen Situation der Schüler ist. Loben und bestärken Sie das
Kind für die Sachen, die es leistet! Kritik hätte negative Folgen. Platzieren Sie das Kind nah am
Lehrertisch, jedoch nicht neben anderen unruhigen Kindern! Ein frontales Schauen auf die Tafel
ist optimal. Weiterhin sollte sich kein überflüssiges Material auf dem Tisch befinden, da dies
ablenkt. Eine klare Strukturierung des Unterrichts ist sehr wichtig. Geben Sie eindeutige und
kurze Anweisungen, teilen Sie Aufgaben in Zwischenschritte ein! Benutzen Sie Wiederholungen
zum Einprägen von vorher zusammengestellten Merksätzen! Gestalten Sie den restlichen
20

Unterricht jedoch abwechslungsreich, z.B. durch Verwenden von Folien! Dadurch dass die
Schüler das Material gleichzeitig hören und sehen, können sie es sich besser einprägen.
Kommunizieren Sie auch mit den Eltern, um Regeln und Konsequenzen für Fehlverhalten
zusammenzustellen! Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn das Kind laut und unruhig
wird, da Beleidigungen nicht ernst gemeint sind.
Kontrollieren Sie gestellte Aufgaben oft, da sowohl hyper- als auch hypoaktive Kinder
Anerkennung und Rückmeldung brauchen! Durch das Hervorheben von positiven
Charakterzügen und das Übertragen von Verantwortung steigern Sie das Selbstbewusstsein des
Kindes. Ermutigende Betreuung, das so genannte „Coaching“, unterstützt enorm. Blickkontakt
und klare Anweisungen helfen dem Kind, die gestellten Aufgaben zu verstehen. Reagieren Sie
konsequent, aber sachlich auf Verstöße der mit den Eltern vereinbarten Regeln! Manchmal
brauchen die Kinder eine „Auszeit“ um sich zu beruhigen oder ihren Bewegungsdrang zu
befriedigen.
Setzen Sie Ziele sowohl für Lernerfolge als auch für Verhalten fest! Dies hilft ehrgeizigen
Kindern ungemein weiter. Erinnern Sie träumende Schüler, zurück zur Aufgabe zu kommen! Dies
kann auch durch Mitteilen der verbleibenden Zeit erfolgen.
Beachten Sie, dass Hausaufgaben richtig gelöst werden! Seien Sie nicht böse, wenn nicht der
volle Umfang erfüllt wurde, da wenige richtige Hausaufgaben deutlich bessere Lernerfolge bieten
als viele falsche.

Für Erwachsene, die von ADS/ADHS betroffen sind, ist es wichtig, sich mit vertrauten Personen
rückzukoppeln und Herausforderungen anzunehmen. Um soziale Kontakte zu pflegen, sollten Sie
Aktivitäten mit Freunden planen und einen Terminplan festlegen.
Durch das Finden eines ruhigen Arbeitsplatzes können Ablenkungen vermieden werden.
Zeitplanung ist sehr wichtig, um Vorausschieben von Aufgaben und somit Chaos zu vermeiden.
Dadurch, dass Sie sich für Freunde und Verwandte Zeit nehmen, zeigen Sie ihre Wertschätzung.
Regelmäßiger Sport und ausreichend Schlaf bringen körperliche Ausgeglichenheit.

3 Behandlung von ADS/ADHS


3.1 Ziele einer erfolgreichen Behandlung

Nicht jedes ADS/ADHS muss behandelt werden. Eine Therapie ist nur bei Patienten notwendig,
wenn relevante Beeinträchtigungen vorhanden sind.
Dennoch kann ADS auch in bestimmten Berufen von Vorteil sein. Hierbei sind Berufe gemeint,
die eine Flexibilität und Kreativität abverlangen. Nun stellt sich heraus, dass die Eigenschaften
eines ADS´lers auch vom Vorteil sein können.
Für eine erfolgsversprechende Behandlung von ADS/ADHS ist das „A und O“ sehr viel Zeit und
Geduld. Man kann ADS nicht von Heute auf Morgen behandeln.
Das Ziel einer erfolgreichen Behandlung ist es, durch eine multimodale bzw. mehrdimensionale
Therapie die Auswirkungen des ADS zu mindern oder zu unterbinden. So versucht man zum
Beispiel das Selbstwertgefühl des Patienten zu steigern. Dadurch wird er im Stande sein,
unabhängig von Mutter, Vater oder einer anderen Bezugsperson zu leben und selbstständig zu
sein.
ADS-Patienten sollte außerdem geholfen werden, die Ausprägung eines dissozialen Verhaltens zu
21

unterbinden. So können sich die betroffenen Personen besser in die Gesellschaft integrieren.
Dieses dissoziale Verhalten soll in der Behandlung im Jugendalter verhindert werden. Wenn dies
gelingt, wird eine Entwicklung zur „antisozialen“ Persönlichkeit im Erwachsenenalter
unterbunden.
Neben der Verhinderung zur Entwicklung einer „antisozialen“ Persönlichkeit versucht man in der
Behandlung psychosomatische Störungen, wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen,
Schlafstörungen, Ängste, schlechte Konzentration, hohe Sensibilität, schlechtes
Langzeitgedächtnis abzubauen und zu verhindern.
Wenn diese psychosomatischen Störungen abgebaut werden können, wird das Leben und der
Alltag des ADS´lers wesentlich erleichtert. Hinzu kommt, dass die Patienten es nun in ihrem
Leben viel weiter bringen können, als ohne eine Therapie.
Ein weiteres Ziel bei der Behandlung von ADS ist es, die Beziehung zwischen Eltern und Kind
zu verbessern. Somit soll der Alltag in der Familie positiver gestaltet und unnötige Streitigkeiten
innerhalb der Familie vermindert werden.
Die Behandlung von ADS versucht außerdem eine solide Schul- und Berufsausbildung des
Patienten zu ermöglichen. Wenn dieses Ziel erreicht wird, wird die Zukunft des Patienten
abgesichert und er ist nun in der Lage sich einen eventuellen Berufswunsch zu erfüllen.

3.2 Die vier Grundpfeiler der Therapie

3.2.1 Beratung des Kindes

Ein sehr wichtiger Grundpfeiler bei der Behandlung von ADS ist die Beratung und die
Zusammenarbeit mit dem Kind. Diese führen Psychologen und/ oder Fachärzte durch. Als erstes
wird der Patient über ADS informiert. Dies geschieht in Form von Informationsblättern, die ihm
mit nach Hause mitgegeben werden, oder von Büchern und/ oder Internetseiten. Erwachsene
Personen erhalten ebenfalls meist auch Adressen von verschiedenen ADS/ ADHS-
Selbsthilfegruppen. So können sie Kontakt zu diesen aufnehmen und dort Tipps von erfahrenen
Patienten erhalten, wie man am besten den Alltag bewältigen kann. Nun zeigt der Patient, ob er
bereit ist, eine Therapie mit durchzuführen und sich mit dem ADS auseinanderzusetzen.
Wenn der beratene Arzt sich ein Bild von dem Verhalten und „Macken“ des Kindes gemacht hat,
setzt er gemeinsam mit dem Patienten Ziele (s. Anhang 7). Dies geschieht am Anfang einer
Behandlung von ADS. Durch das Setzen von Zielen erhält das Kind einen Ansporn, sein
Verhalten zu bessern und sich immer mehr anzustrengen. Die Ziele, die man sich setzt, können
zum Beispiel Geduld, ein durchgeplanter Tagesablauf oder auch Aufmerksamkeit im Unterricht
sein. Nachdem man gemeinsam mit dem Kind/ Patienten sich Ziele gesetzt hat, ist dennoch eine
weitere Behandlung nötig. Bei den Sitzungen, die nun folgen, übt man alltägliche Dinge, wie
Malen, Rechnen oder Schreiben in den Griff zu bekommen.
22

3.2.2 Beratung der Familie

Die Familie spielt die größte Rolle bei der Behandlung von ADS/ADHS. Dies hat einen sehr
wichtigen Grund. Der besteht darin, dass der Patient mit seiner Familie den Großteil des Tages
verbringt.
Die Beratung der Familie wird vom behandelnden Arzt durchgeführt. Er sollte die Familie als
erstes über ADS informieren. Dies kann er tun, indem er ihr verschiedene Internetseiten und
Bücher empfiehlt. Des Weiteren kann die Familie mit Unterstützung von verschiedenen
Selbsthilfegruppen, von Angehörigen von ADS- Patienten, rechnen.
Die Aufgabe der Familie ist es nun, den Patienten aufzuklären, was ADS ist und was nicht.
ADS´ler sind sehr lange vom Elternhaus abhängig. Dies hängt mit dem geringen
Selbstwertgefühl zusammen, das ein ADS-Patient besitzt. Cordula Neuhaus bezeichnete ADS-
Kranke als die „längsten Nesthocker“.
Die Eltern schulen das Verhalten des Kindes, indem sie es entwickeln lassen und ihm
altersgerechte Aufgaben erteilen. Sie sollen also das Kind nicht schonen oder schützen. ADS ist
keine Ausrede! Indem das Kind mit Aufgaben vertraut gemacht wird, erhält es ein größeres
Selbstwertgefühl, was den meisten ADS-Patienten jedoch fehlt. Indem die Eltern die Aufgaben
des Kindes übernehmen, geht der Therapie-Effekt meist verloren. Somit hat sich das gut
gemeinte Abnehmen von Aufgaben als negativ ausgewirkt. Die Eltern sollen versuchen mit dem
Kind gemeinsam daran zu arbeiten, die alltäglichen Probleme zu meistern. Somit fördern sie das
Kind, seine Fähigkeiten bewusst einzusetzen. Hierbei werden dem Kind positive Erfahrungen
geschaffen, die wiederum für die Steigerung des Selbstwertgefühls von Nöten sind.
Die Familie trägt auch wesentlich zur Therapie bei, wenn sie Ruhe bewahrt. Durch das Verlieren
der Nerven wird das Kind nur verunsichert. Somit ist eine Minderung des Selbstwertgefühls die
Folge.
Da die Familie einen wesentlichen Beitrag an der Behandlung von ADS spielt, versucht man auch
Probleme innerhalb der Familie zu beseitigen, da diese das ADS-Kind sehr beeinflussen können.
Solche Therapiemöglichkeiten sind zum Beispiel das Elterntraining und eine Familien-/
Erziehungsberatung.

3.2.2.1 Rolle der Bezugsperson

In den meisten Familien stellt die Mutter die Bezugsperson des Kindes dar. Ein wichtiger Grund
hierfür ist die noch gebräuchliche Aufteilung der Aufgaben im Haushalt zwischen Mann und
Frau. Während der Mann nur die Aufgabe des Arbeitens hat, muss die Frau sich um Kind(er),
Haushalt und nebenbei um Beruf kümmern. Da die Frau sich die meiste Zeit mit den Kindern
beschäftigt, werden das Verhalten und bestimmte Reaktionen über die Jahre vom Nachwuchs
übernommen. Die Eltern, bzw. die Bezugsperson, leben stets die Werte des Lebens vor. Des
Weiteren stellen die Eltern immer eine Brücke zwischen Therapeut und Kind dar. Die
Bezugsperson ist für das ADS-Kind so wichtig, weil es sich regelrecht an sie klammert und kaum
von der Seite weicht.
Wichtig ist bei einer erfolgreichen Behandlung das große Selbstwertgefühl der Bezugsperson.
Indem sie dies besitzt, übernimmt der Nachwuchs instinktiv das Selbstwertgefühl. Da ADS
vererblich ist, haben die meisten Eltern von ADS´lern ebenfalls ADS und somit auch kein
Selbstwertbewusstsein. Dies stellt ein großes Problem bei der Therapie dar.
23

Des Weiteren müssen die Eltern starke Nerven besitzen. Dies ist nötig, damit sie dem Kind stets
mit Ruhe und Gelassenheit gegenüber auftreten können. So müssen sie versuchen nicht gleich zu
brüllen oder handgreiflich zu werden, wenn das Kind ihnen auf die Nerven geht.
Eine weitere Eigenschaft der Bezugsperson sollte die Standfestigkeit sein. Das Kind soll somit
nicht in der Lage sein, die Eltern umzustimmen, wenn es um Zimmer aufräumen oder
Hausaufgaben machen geht. Sie sollen stets auf ihren Standpunkt beruhen und gleichzeitig dem
Kind zeigen, dass es gewisse Aufgaben zu erledigen hat, bevor es eine andere beginnt. ADS´ler
brauchen stets klare Grenzen, die sie einhalten sollten oder versuchen, sie einzuhalten.
Stets sollte die Bezugsperson dem ADS´ler zuverlässig und verständnisvoll gegenübertreten. Das
zeigt, dass sich das Kind stets auf sie verlassen kann und sich bei ihnen geborgen fühlt.
Die Bezugsperson, also die Mutter, hat die wichtige Aufgabe, dem Kind daheim Halt und
Geborgenheit zu bieten. Schimpfen oder Strafen unterstützen auf keinen Fall die Therapie. Durch
Strafen wird nur das innere Vertrauen des Kindes zu der Bezugsperson zerstört.
Eine weitere wichtige Aufgabe der Bezugsperson ist es, sich auf keinen Fall auszugrenzen oder
zurückzuziehen.
Man muss als Mutter versuchen, die Wahrnehmung des Kindes zu ändern. Das heißt, dass man
das Kind nicht mehr als Störfaktor wahrnimmt und sich nur auf die negativen Eigenschaften
fixiert.

3.2.2.2 Rolle der Geschwister

Viele Erfahrungsberichte zeigen, dass Geschwister durch ihren Umgang mit den Patienten deren
Behandlung bzw. Heilung behindern.
Grundsätzlich wird ADS vererbt, was auf eine Veranlagung bei mindestens einem Elternteil
hinweist. Die Chance, dass die Geschwister des betroffenen Kindes eine Anfälligkeit für ADS
aufweisen, ist also groß.
Behandelt werden nur die Kinder, die durch ihr Leiden behandlungsbereit sind und keinen
Widerstand gegen die Therapie leisten. Die größeren Geschwister, die ihre Betroffenheit meist
nicht spüren, lehnen jedoch jegliche Behandlung ab und versuchen, von ihren Problemen auf
Kosten der unter Behandlung stehenden Geschwister abzulenken. Durch die ständigen
Provokationen von Geschwistern verringert sich die Behandlungsmotivation des Patienten. Die
Therapie scheitert dann meist, was die Eltern berichten lässt, dass die „Tabletten nicht helfen“.
Ein Grund für den Misserfolg der Behandlung kann also das Verhalten der Geschwister sein, was
von den Eltern meist nicht wahrgenommen oder zugegeben wird.
Der Umgang mit ADS in der Familie bzw. das „Geschwisterproblem“ ist ein Schlüssel zum
Erfolg der Behandlung. Durch Gespräche wird eine aktive Mithilfe der Geschwister veranlasst,
für welche sie allerdings Anerkennung brauchen. In den meisten Fällen leiden die nicht
betroffenen Geschwister viel mehr unter der Krankheit als der ADS’ler selbst. Sie werden von
den Eltern oft vernachlässigt, da die Eltern viel mehr Zeit mit dem kranken Kind verbringen
müssen. Positive Dinge werden von den Eltern als selbstverständlich angesehen. Die gewünschte
und benötigte Aufmerksamkeit wird ihnen häufig erst bei Missgeschicken und Fehlern geschenkt.

Weitere Gründe für Konflikte liegen im Verhalten der ADS-Patienten:


ADS’ler nehmen ihre Umwelt nur oberflächlich wahr und ersetzen ihre Erinnerungslücken mit
ihrer lebhaften Phantasie. Diese konstruierte Wirklichkeit wird in vielen Stresssituation für die
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Wahrheit gehalten. Beim Auftreten der „Erinnerungslücken“ werden die Patienten von ihren
Geschwistern meist als Lügner beschimpft, womit ihnen Unrecht getan wird, da ihr Gehirn nur
einen kleinen, einfach zu überlastenden „Arbeitsspeicher“ besitzt (s. Anhang 4).
Weiterhin brauchen betroffene Personen sehr viel Zuwendung, da ihr Selbstwertgefühl durch
vermindertes Lob bzw. Anerkennung angeschlagen ist. Für Geschwister sind sie oft „nervig“ und
„anstrengend“.
Wenn die gesunden Geschwister Probleme in der Schule haben, bekommen sie auch mehr
Aufmerksamkeit der Eltern und die ADS-Patienten fühlen sich dann benachteiligt und
vernachlässigt.
ADS’ler wollen immer bestimmen, was zu Konflikten führt und ihre nicht vorhandene
Schlagfertigkeit lässt sie bei Diskussionen meist „den Kürzeren“ ziehen.
Ein Phänomen ist aber auch eine sehr innige Beziehung zwischen Geschwistern. Die Behandlung
kann behindert werden, da eine Kontaktaufnahme nur im Beisein der Bezugsperson
(Bruder/Schwester) möglich wird.
Es ist sehr bemerkenswert, welche große Rolle die Geschwister von ADHS-Kindern bei einer
erfolgreichen Therapie einnehmen bzw. einnehmen müssen.

3.2.3 Psychotherapie und spezielle Pädagogik

Da jeder ADS-Patient sich von der Schwere der Krankheit und von den unterschiedlichen
Symptomen unterscheidet, ist keine allgemeingültige Therapiemöglichkeit vorhanden. Man muss
bei jeden ADS´ler individuell vorgehen. Das heißt, dass sich die Therapie unterschiedlich aufbaut
und aus kognitiven, strukturierenden, übenden und verhaltenstherapeutischen Methoden bestehen
kann. So umfasst eine Therapie von ADS verschiedene Komponente. Des Weiteren wird bei
jedem Patienten ein flexibles und einzelfallbezogenes Vorgehen angewendet.
Am Anfang einer Therapie von ADS steht nahezu immer das „Setzen von Zielen“ (s. Anhang 7).
Viele Patienten setzen alles daran, diese Ziele zu erfüllen. Grund dafür ist die Hartnäckigkeit der
ADS´ler. So schnell lässt kein ADS-Patient locker. Dieser Anfang der Therapie ist ein kleiner
Anstoß mit großer Wirkung. Außerdem sollten gemeinsam mit dem Facharzt die bestehenden
Probleme des Patienten im Alltag definiert werden.
Man versucht zu Beginn einer Therapie den Leistungsbereich zu behandeln. Hierzu zählt das
Trainieren der Konzentrationsphasen, damit es immer weniger schlechte Noten in der Schule
gibt. Wahrnehmungsstörungen und Vergesslichkeit sollten auch bei der Therapie vermindert
werden.
Neben der Behandlung des Leistungsbereichs versucht man auch Probleme im Verhaltensbereich
und in der Ebene der sozialen Reife zu beseitigen. Der Patient soll nicht mehr überempfindlich
reagieren. Emotionale Steuerungsschwächen, wie Aggressivität und Impulsivität, sollen nun
vermindert auftreten. Zur Behandlung des Verhaltensbereichs zählt aber auch die Beseitigung des
Bedürfnisses nach Stimulation (z.B. in Form von Computerspielen, Sport, Drogen, Alkohol,
Zigaretten, Kaffee).
Auf der Ebene der sozialen Reife versucht man, den Patienten ein höheres Selbstwertgefühl zu
vermitteln und ihn somit in die Gesellschaft zu integrieren.
25

Die eben genannten Ziele erreicht man durch folgende Methoden:


• übende Methoden
• strukturierende Methoden
• Kompetenztraining
Zu den zu übenden Methoden zählt das Beherrschen der Fein- und Grobmotorik, also den
Bereichen der Hände, Finger, Augen und des Mundes. Die Motorik kann trainiert werden, indem
man bestimmte Sprech-, Schreib- oder Zeichenübungen durchführt (s. Anhang 8). So wird es
nach einiger Zeit keine Schwierigkeiten mehr geben, Knöpfe zu schließen, runde statt eckiger
Zahlen und Buchstaben zu schreiben sowie Formen genau auszuschneiden. Im Anhang findet
man hierzu einige Beispiele, bei denen Kinder vor und nach ihrer Behandlung Diktate
geschrieben und vorgegebene Formen nachgemalt haben (s. Anhang 8-10) Vor der Behandlung
war die Schrift der Kinder kaum zu entziffern. Außerdem schlichen sich übermäßig viele
Rechtschreibfehler ein. Die Formen konnten teilweise, bzw. gar nicht nachgemalt werden. Dazu
fehlte die nötige Konzentration und Übung. Nach der Behandlung allerdings gab es auffällig
weniger Schreibfehler. Durch das Üben der Motorik wurde nun die Schrift immer leserlicher. Die
Diktate wurden jeweils im Abstand von drei Monaten geschrieben. Des Weiteren wird durch das
Üben der Motorik die Aussprache frei von Lispeln oder verschluckten Silben sein.
Ein weiterer Erfolg, der durch Training erreicht werden kann, ist die Verbesserung der
Rechtschreibung. Ein sichtbarer Erfolg lässt sich beim wiederholten schreiben von Diktaten
beobachten. Die Fehler schleichen sich oft wegen der zu geringen Aufmerksamkeit ein. Bei der
Verbesserung der Rechtschreibung kann aber nicht bei jedem Patienten auf Stimulanzien
verzichtet werden. Diese führen zu eine enormen Verbesserung der Rechtschreibung und deshalb
Rechtschreibfehler zu vermeiden. Sie helfen dem Kind sich voll und ganz auf den Text zu
konzentrieren.
Verhaltenstherapeutische Übungen sind bei der Behandlung von ADS z.B. der Abbau von
Ängsten und die Steigerung des Selbstwertgefühls.
Bei einer Psychotherapie versucht man stets auch Ängste des Kindes abzubauen. Diese Ängste
können zum Beispiel die Angst vor Freundschaftsschließungen sein oder die Angst vor
bestimmten Aufgaben, die das Kind noch nie allein gemacht hat.
Man versucht in einer Psychotherapie das Selbstbewusstsein des Kindes zu steigern, indem man
mit den Patienten viele verschiedene Erfolge verzeichnet. Diese geben dem Patienten Mut und
Willen, Neues zu erreichen.
Zu den strukturierenden Methoden bei der Behandlung von ADS zählt zum Beispiel die
Ausarbeitung eines festen Tagesablaufs. Dieser wird vom Therapeuten oder Facharzt in
Zusammenarbeit mit dem Patienten aufgestellt (s. Anhang 11). Nun versucht er aber auch, ohne
fremde Hilfe Erfolge zu erzielen. In den USA gibt es derzeit den Versuch des „coaching“. Dem
Patient wird im Alltag ein Coach zur Seite gestellt, der zusammen mit dem Patienten trainiert,
den Alltag zu organisieren. Dazu gehören das Einhalten von Terminen und das Erreichen von
Zielen. Bisher war diese Methode sehr erfolgreich und wurde von den Patienten vermehrt
wahrgenommen.
Zu der kognitiven Therapiemöglichkeit zählt zum Beispiel das Selbstmanagment, indem das
Kind oder der Erwachsene versucht, den Alltag ohne fremde Hilfe durch zu leben.
Eine Psychotherapie bei ADS´lern hat außerdem die Aufgabe, Depressionen und ein
oppositionell-aggressives Verhalten zu mindern oder einzuschränken.
Bei einem Kompetenztraining soll sich das Verhalten des Patienten, im Bezug auf Freundschaften
26

schließen, verbessern. Außerdem ist hierbei das Ziel, die Emotionalität zu stabilisieren. Diese
Faktoren tragen dazu bei, dass sich das Selbstwertgefühl des Kindes steigert.
Eine spezielle Pädagogik wird in verschiedenen Förderkindergärten oder auch Förderschulen
angeboten. Hier lernen die Kinder zusammen in kleineren Gruppen. Somit kann jedem Kind eine
besondere pädagogische Aufmerksamkeit gewidmet werden. Teilweise ist auch in diesen
Einrichtungen eine Behandlung der jeweiligen Teilleistungsschwäche durch Üben möglich.

3.2.4 Pharmakotherapie

3.2.4.1 Rolle von Stimulanzien

Stimulanzien sind Medikamente, die das ADS und seine Symptomatik einschränken sollen.
Dies geschieht dadurch, dass das Kind „ruhig gestellt wird“ und somit eine höhere Konzentration
aufweisen kann. Durch diese erhöhte Konzentration kann der Patient sich in Ruhe den Aufgaben
widmen. Dies ist meist ohne Stimulanzien nicht möglich. Indem der Patient nun alltägliche Dinge
meistern kann, steigert sich sein Selbstbewusstsein und er wird gleichzeitig für neue Versuche
motiviert. Es gibt Erfolge, wie zum Beispiel, die Besserung der krankhaften Lese- und
Rechtschreibschwäche (Legasthenie), die jedoch nicht durch Medikamente erreicht werden kann.
Stimulanzien sind somit eine Hilfe, Fähigkeiten, die sonst verborgen bleiben, erfolgreich
einzusetzen.
Ohne einen Einsatz dieser verschlechtert sich meist die Situation des Patienten.
Eine Pharmakotherapie kann im Kindes-, Jugendalter und bei Erwachsenen angewendet werden.
Da sich ADS schon im Babyalter ausprägen kann, wird in den meisten Fällen schon bei
Vorschulkindern eine medikamentöse Therapie angewendet.
Die Gabe von Stimulanzien ist meist eine Grundlage für andere Therapiemöglichkeiten. So ist
manchmal die Übungstherapie nur unter Gabe von Medikamenten möglich. Die Mittel
ermöglichen es, dass sich der Patient auf die Übungen konzentrieren kann. Psychotherapeutische
Maßnahmen allein führen nicht zum Erfolg, was durch bisherige Studien bewiesen wurde. Es ist
hier eine Behandlung mit Einfluss von Stimulanzien nötig. Nach etwa drei Monaten führen sie zu
einem sichtbaren Erfolg.
Eine medikamentöse Therapie ermöglicht gleichzeitig ein gezielteres Nachdenken, eigene
Wahrnehmung und eine Schulung der Merkfähigkeit.
Stimulanzien wirken im Gehirn im Bereichen der Synapsen, wo sie den Anteil der fehlenden
körpereigenen Botenstoffe erhöhen. Diese medikamentöse Therapie ähnelt einer Behandlung von
anderen Mangelerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes.
Stimulanzien sind fast unbedenklich: In den letzten dreißig Jahren wurde weder in Deutschland
noch in den USA eine Abhängigkeit festgestellt. Sie sorgen sogar dafür, dass Drogenmissbrauch
verhindert wird. Des Weiteren verursacht die Stimulanziengabe nicht die Parkinson-Krankheit.
Bei der Behandlung werden Medikamente eingesetzt, wie Methylphenidat, d-Amphetamin oder
auch Captagon.
Stimulanzien können bei allen ADS´lern angewendet werden. Hyperaktive sollen sich nur auf
eine Sache konzentrieren. Hypoaktive dagegen sollen sich nicht in eine Traumwelt
hineinsteigern, sondern ihre Konzentration auf ihre Aufgaben erhöhen.
Die Dosis der Medikamente kann je nach Schwere des ADS herabgesenkt oder erhöht werden.
Das Körpergewicht spielt hierbei keine Rolle.
27

Allgemein können Nebenwirkungen wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Weinerlichkeit,


Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schwindel, Verschlechterung oder Auslösung von Tic-
Störungen, vorübergehende Wachstumsverlangsamung und/ oder eine dosisabhängige Blutdruck-
und Pulserhöhung auftreten. Durch Minderung der Dosis lassen sich die meisten
Nebenwirkungen einschränken oder auch gar ausschließen.
Der Therapieerfolg bei Stimulanziengabe lässt sich durch Berichte von Eltern, Lehrern und
Erziehern bestätigen. Außerdem tragen die Bewertung der Zeugnisse und die Art der Heftführung
bei. Hier kann man erkennen, ob das Kind seine Aufmerksam steigern konnte und stets
konzentriert war.
Bei der medikamentösen Behandlung darf nie eine Dosisänderung durch die Eltern oder Lehrer
vorgenommen werden. Außerdem ist zu beachten, dass das Medikament weiterhin in den Ferien
und an Wochenenden verabreicht wird.
In der Regel werden halbjährlich körperliche Untersuchungen am Patienten vorgenommen. Das
heißt, dass die Größe und das Gewicht des Patienten erfasst werden.
Die Therapiedauer ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Man kann also schlussfolgern, dass
die Dauer je nach Bedarf lang ist.
Jedoch ist zu beachten, dass bei 10 bis 15% der Patienten die Stimulanzien keine Wirkung zeigen.
Bei 1/5 der ADS´ler haben die Stimulanzien ihre Wirkung schon nach sechs Monaten verloren,
bzw. ist keine mehr zu bemerken. Die Behandlung mit Stimulanzien kann schon nach einem bis
zwei Jahren bei ca. 40% der Kinder beendet werden.
Stimulanzien werden oft auch in Verbindung mit Antidepressiva, wie z.B. Imipramin,
verschrieben. Diese sollen unterbinden, dass das depressive Verhalten das Selbstwertgefühl des
Kindes verringert.

3.2.4.2 Vorstellung von Ritalin

Die medikamentöse Behandlung von ADS/ADHS wird in den USA seit 1937 und in Deutschland
seit 1946 durchgeführt. Ritalin wird seit 1971verwendet.
Ritalin ist eine Stimulanzie, die bei Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Kindes-, Jugend-
aber auch im Erwachsenenalter verschrieben wird. Dennoch gibt es auch andere Bereiche, in
denen Ritalin seine Wirkung findet. Diese sind z.B. die Störung des Schlaf-Wachrhythmus oder
auch die Regeneration bei dem Schädel-Hirn-Trauma. Die letztgenannte Verwendung fand erst in
den letzten Jahren ihren Anfang. Schwangeren Frauen und Patienten mit Epilepsie wird jedoch
abgeraten, Ritalin einzunehmen
Die Stimulanzie Ritalin enthält den Wirkstoff Methylphenidat-HC1. In Deutschland ist dieses
Medikanent in 10mg-Tabletten zu erhalten. Wie Ritalin wirkt ist noch nicht aufgeklärt. Man weis
aber, dass es im Zwischenhirn, Frontalhirn und auch in anderen Hirnteilen, wie den Thalamus
seine Wirkung findet.
Ritalin wirkt in erster Linie im Dopaminstoffwechsel. Der Dopamintransportmechanismus ist nun
aufgrund der Einwirkung von Ritalin gestört. Somit ist es nun möglich, die Aufmerksamkeit und
die Konzentration zu erhöhen. Außerdem wird die motorische Unruhe und die Hyperaktivität des
Patienten unterbunden.
Ritalin bewirkt, wie auch die meisten Stimulanzien, einen physiologischen Ausgleich.
Nach zwei Stunden ist die Hälfte des Ritalins im Körper abgebaut. Die Wirkungsdauer beträgt
etwa drei bis vier Stunden.
28

Es gibt grundsätzlich eine individuelle Dosierung von Ritalin. Der Richtwert liegt bei 1mg pro
Kilogramm Körpergewicht. Das heißt, wenn die Tabletten 10mg enthalten, muss ein Kind mit 30
Kilogramm Körpergewicht drei Tabletten einnehmen. Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel.
Erstaunlich ist, dass bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Verhältnis zwischen
Körpergewicht und Ritalin kleiner ist. Das bedeutet, dass sie weniger Ritalin benötigen, um sich
zu konzentrieren. Ritalin wird grundsätzlich immer eindosiert. Man verschreibt nicht von heut
auf morgen die volle Dosis dieser Stimulanzie. Während dieser Eindosierung ist es ratsam, den
behandelnden Arzt regelmäßig zu konsultieren. Dieser beobachtet Erfolge dieser
medikamentösen Behandlung in Form von Konzentrationstests. Schließlich trifft er die
Entscheidung, ob die Dosis erhöht werden kann oder schon ausreicht.
Die pharmazeutische Industrie empfiehlt, die Gabe von Ritalin nach 16Uhr einzustellen. Der
Grund dafür sind auftretende Schlafstörungen. Dennoch gibt es Ausnahmen, bei denen sich das
Schlafverhalten verbessert. In Schlaflabors wurde beobachtet, dass bei diesen Patienten die
Bewegungen im Schlaf nachlassen und die Tiefschlafphasen sich verlängern und zunehmen.
Der behandelnde Arzt hat bei der medikamentösen Behandlung die Aufgabe, Werte des Patienten
zu untersuchen. Diese Untersuchungen führt der Arzt als erstes nach vier bis sechs Wochen nach
Handlungsbeginn durch. Anschließend finden diese Untersuchungen halbjährlich und jährlich
statt. Bei diesen Tests werden Blutdruck und Blutwerte überprüft und ein EKG durchgeführt.
Stimulanzien sind in der Regel keine Medikamente, die starke Nebenwirkungen aufweisen. Es ist
sogar für das Kind gefährlicher, wenn es eine Aspirintablette einnimmt. Diese ist wesentlich
gefährlicher als eine Stimulanzie, wie Ritalin. Eine häufige Nebenwirkung, die auftreten kann ist,
dass der Patient kein Hungergefühl empfindet und Appetitstörungen sich entwickeln können.
Dies kann man auf die erhöhte Konzentration, die nun vorhanden ist zurückführen. Wenn man
zum Beispiel selbst eine Arbeit schreibt, oder mit dem Auto fährt, ist eine erhöhte Konzentration
notwendig. Hierbei vergisst man zum Beispiel selber, dass man Appetit verspürt. Bei der
Behandlung mit Ritalin ist es häufig, dass zu Beginn Einschlafstörungen vorhanden sind. Diese
lassen schon nach wenigen Wochen nach. Außerdem kann auch zu Beginn auftreten, dass man
Magen- und Kopfschmerzen hat. Wenn diese Beschwerden auftreten, ist es ratsam, die Dosierung
zu verringern und anschließend langsamer einzudosieren. Die eben genannten Symptome sind
relativ ungefährlich. Ernster wird es, wenn Tics auftreten. Diese sind in Form von Augenblinzeln,
Räuspern oder anderen Eigenarten zu beobachten. Der Arzt versucht nun in der Regel durch
Erhöhen der Dosis oder auch durch die Einnahme eines weiteren Medikamentes, wie Tiapridex,
dem Tic entgegenzuwirken. Wenn Nebenwirkungen auftreten ist es immer erforderlich, den
behandelnden Arzt sofort aufzusuchen.
Bei emotionalen Problemen ist es ratsam, eine psychologische psychotherapeutische Betreuung
durchzuführen. Emotionale Probleme entstehen oft zu Beginn einer Behandlung bei einem Kind
mit einer stark ausgeprägten Symptomatik. Das Kind wird sich erst der Lage als Außenseiter
bewusst, wenn es eine höhere Konzentration und Aufmerksamkeit besitzt. Emotionale Störungen
sind in der Regel nur vorübergehend und nicht schwerwiegend.
Gegenüber Ritalin und den anderen Stimulanzien gibt es das Vorurteil, dass diese das Wachstum
nachhaltig beeinflussen. Diese Annahme stimmt nur im weitesten Sinne. Wachstumsstörungen
hängen mit dem extremen Untergewicht zusammen, das sich bei der Ausprägung von
Appetitlosigkeit bilden kann. Eine Wachstumsstörung ist nur vorübergehend, da die Endgröße
grundsätzlich immer erreicht wird.
Zu Beginn einer medikamentösen Behandlung von ADS/ADHS ist es sehr häufig, dass sich Puls-
und Blutdruckanstiege nachweisen lassen können.
Ritalin lässt sich sofort ohne nachhaltige Folgen absetzen. Somit ist der Abbruch einer
29

Stimulanzientherapie immer möglich.


Stimulanzien sind mit anderen Medikamenten relativ gut verträglich. Jedoch ist die Kombination
immer mit dem behandelnden Arzt abzusprechen. Zu radikalen Nebenwirkungen kann es bei der
Kombination mit Antidepressiva kommen. Diese Nebenwirkungen bestehen aus Herzrasen,
Blutdruckanstieg und anderen Folgen. Jedoch kann die Kombination zwischen Stimulanzie und
Antidepressivum auch positiv und günstig ablaufen.
Ritalin ist nur mit Hilfe eines Betäubungsmittelrezeptes zu bekommen. Die Ursache besteht
darin, dass diese Stimulanzie bei zu hoher Dosierung Vergiftungserscheinungen hervorrufen und
eine rauschartige Befindlichkeit entstehen kann. Bei der richtigen Kontrolle durch den Arzt kann
es aber nicht zu solchen Problemen und Zuständen kommen.
Der Erfolg einer medikamentösen Behandlung wird durch den behandelnden Arzt oder
Psychologen festgestellt. Zum einen geschieht dies in verschiedenen Gesprächen. Zum anderen
auch mit Hilfe von Fragebögen, die dem Patienten mit nach Hause gegeben werden. Man
versucht nun auf verschiedenen Ebenen den Erfolg festzustellen, den die Behandlung mit
Stimulanzien errungen hat. Es werden so die häusliche und schulische Situation ausgewertet.
Außerdem wird der Erfolg der Behandlung mit verschiedenen Konzentrationstests ausgewertet.
Dieser besteht aus verschiedenen Teilen. So wird die Konzentrationsfähigkeit, die
Aufmerksamkeitsspanne und Ablenkbarkeit überprüft.
Ein weiterer Schwerpunkt beim Erfassen des Erfolgs ist die Auswertung des emotionalen
Zustands, wobei Angst und Depressionen eine wichtige Rolle spielen.
Wenn die Stimulanzie Ritalin keine Wirkung zeigt, kann auch ein anderes Medikament verordnet
werden. So wurde wissenschaftlich bewiesen, dass Patienten, bei denen Ritalin nicht wirkt gut
mit Amphetamin klar kommen. Des Weiteren können auch die neueren Antidepressiva, wie
Fluctin, Cipramil und Zooloft, eingesetzt werden.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene können Ritalin ohne Bedenken auf Sucht einnehmen.
„Ritalin macht nicht süchtig, sondern verhindert richtig eingesetzt, daß Sucht entsteht.“ ²

„Ca. ¾ der Betroffenen haben weiterhin Schwierigkeiten in Schule und Ausbildung, Familie und
allgemeiner sozialer Anpassung. Diese Entwicklung setzt sich auch im Erwachsenenalter fort.“ ³

4 Auswertung der Elternbefragung

Um unsere Arbeit zu bekräftigen, führten wir ein Elterninterview durch. Hierzu befragten wir die
Eltern des 14-jährigen Sebastian Müller∗. Er lebt gemeinsam mit seinen Eltern, seinem 16-
jährigen Bruder und besucht derzeit die 8. Klasse einer Mittelschule.
Unsere Fragen nehmen Bezug auf die Schwerpunkte der Arbeit und sollen diese illustrieren.
(Interview: siehe Anhang 12-14)

Bei Sebastian wurde der Verdacht auf ADS bereits im Kindergartenalter gestellt, da er schon
frühzeitig typische Symptome aufwies. Seine Mutter schilderte uns einige seiner für ADS
typischen Verhaltensmuster: Er braucht viel zu lange, um Pflichtaufgaben zu erfüllen, ist sehr oft

Name geändert
30

ungeduldig, vergesslich und dadurch teilweise unselbstständig. Jedoch weist eine enorme
Kreativität im Alltag auf, geht jeden Tag optimistisch an und ist äußerst aufgeschlossen fremden
Situationen und Menschen gegenüber. Weiterhin äußert sie, dass seine ständige Vergesslichkeit
oft anstrengend ist und zu abweisendem Verhalten seiner Klassenkameraden führt. Das
Sozialpädiatrische Zentrum konnte in Zusammenarbeit mit seinem Schulpsychologen ADS ohne
Hyperaktivität mit partieller Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen nachweisen. Zur
Behandlung der Krankheit verordnete der Arzt eine Ergotherapie, die ab der Mittelschule durch
eine medikamentöse Behandlung mit Stimulanzien (Straterra) unterstützt wird. Aufgrund dieser
Therapie ist er deutlich aufmerksamer und ausgeglichener, was seinen Alltag deutlich erleichtert.

Schluss

Ist ADS eine Modekrankheit?


Wir konnten zu dieser Frage keine eindeutige Antwort finden. Vielmehr ist ADS ein Problem
unserer Zeit. Neue Erkenntnisse und Forschungsergebnisse führten in den letzten Jahren zu einem
Anstieg der mit ADS diagnostizierten Personen. Jedoch belegten historische Quellen bereits vor
Jahrhunderten, dass Erkrankungen wie diese in Erscheinung treten können. Das heutige Problem
unserer Gesellschaft besteht darin, dass Eltern oftmals ihre Erziehungspflichten vernachlässigen
und mit ADS ihre schlecht erzogenen Kinder versuchen rechtzufertigen.
Nur umfangreiche und ausführliche Untersuchungen durch qualifizierte Ärzte können
Krankheiten nachweisen. Vorschnelle Diagnose müssen unserer Meinung nach vermieden
werden. Denn nicht jedes unaufmerksame, zappelige und impulsive Kind leidet zwangsläufig
unter ADS.

Für uns war es schwer eine qualitativ hochwertige Arbeit zu erstellen, da nur eine geringe Menge
an Quellen vorhanden ist, welche sich mit dem Thema ADS/ADHS beschäftigen. Es kommt
erschwerend hinzu, dass in den Quellen oft nur Meinungen einzelner Fachleute dargestellt
werden, diese sich jedoch widersprechen und es nur vereinzelt möglich war, eine objektive
Schlussfolgerung herauszufiltern. Demnach ist ein großer Abschnitt der Arbeit als Eigenanteil zu
sehen, da er durch Vergleichen und Diskutieren von Expertenaussagen entstanden ist.
31

Anhang

Anhang 1
32

Anhang 2
33

Anhang 3
34

Anhang 4
35

Anhang 5

Anhang 6
36

Anhang 7
37

Anhang 8
38

Anhang 9
39

Anhang 10
40

Anhang 11
41

Anhang 12
42

Anhang 13
43

Anhang 14
44

Anhang 15
45

Quellenverzeichnis

Internetadressen

http://adhs.de/ (4.10.2007)
http://www.adhs.ch/add/pauker.htm (02.09.2007)
http://www.adhs-netz.de/i/faqs.php (3.10.2007)
http://www.ads-hyperaktivitaet.de/Schule/schule.html (02.09.2007)
http://www.ads-hyperaktivitaet.de/Schule/H-Fragen/9h-fragen.html (04.10.2007)
http://www.bv-auek.de/ (02.09.2007)
http://www.bv-auek.de/Seiten/ADHD/Diagnostik.html (3.10.2007)
http://www.dr-gumpert.de/html/adhs_diagnose.html (3.10.2007)
http://www.dr-gumpert.de/html/ads_ursachen.html (3.10.2007)
http://www.dr-gumpert.de/html/adhs_therapie.html (3.10.2007)
http://www.dr-oehler.de/Stimulanzien-Ritalin.htm (23.08.2007)
http://www.ergotherapie-hanl.de/cgi/node.php?id=326 (04.10.2007)
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Haeufige_Probleme
/s_1129.html (1.09.2007)
http://www.info-adhs.de/tipps/tipps-fuer-eltern.html (1.09.2007)
http://www.info-adhs.de/wie-wird-adhs-festgestellt.html (3.10.2007)
http://www.lernen-heute.de/ads.html (3.10.2007)
http://www.logopaedie-zimmermann.de/Logopadie/Storungsbilder/ADS/ads.htm (1.09.2007)
http://www.netdoktor.de/adhs/tipps_familie_schule.htm (3.10.2007)
http://www.psychologischeberatungbs.de/ads.htm (1.09.2007)
http://www.reckhaus.info/adhskissreflex/adhs-ursache.htm (1.09.2007)
http://www.reckhaus.info/adhskissreflex/adhs-vergleich.htm (02.09.2007)
http://www.selbsthilfegruppe-wunderkind.de/ursachen-ads-adhs.html (02.09.2007)
http://www.struwwelpeter-hoechstadt.de/ (04.10.2007)
http://www.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Hattakiri/Pers%C3%B6nlichkeiten_mit_ADHS#Thoma
s_von_Aquin (3.10.2007)
46

Zitate

1
Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S.16
2
Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe
und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S.168
3
Möller, Hans-Jürgen/ Laux, Gerd/ Deister, Arno/ Braun-Scharm, Helmut: Psychiatrie und
Psychotherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2001, S. 434
4
http://www.ads-hyperaktivitaet.de/Kinder/K-Stefan/k-stefan.html (30.09.2007)

Bildquellen

Deckblatt: Simchen, Helga: ADS.Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im


Diktat. Hilfen für das hypoaktive Kind. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 94

Anhang1: Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S.79

Anhang 2: Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S.80

Anhang 3: Simchen, Helga: Die vielen Gesichter des ADS. Begleit- und Folgeerkrankungen
richtig erkennen und behandeln. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 61

Anhang 4: Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S. 110

Anhang 5: Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S. 104

Anhang 6: Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für
Zappelphilippe und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S. 157

Anhang 7: Simchen, Helga: Die vielen Gesichter des ADS. Begleit- und Folgeerkrankungen
richtig erkennen und behandeln. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 203

Anhang 8: Simchen, Helga: ADS.Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im


Diktat. Hilfen für das hypoaktive Kind. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 62
47

Anhang 9: Simchen, Helga: Die vielen Gesichter des ADS. Begleit- und Folgeerkrankungen
richtig erkennen und behandeln. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 74

Anhang 10: Simchen, Helga: Die vielen Gesichter des ADS. Begleit- und Folgeerkrankungen
richtig erkennen und behandeln. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 99

Anhang 11: Simchen, Helga: ADS.Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im
Diktat. Hilfen für das hypoaktive Kind. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 68

Literaturverzeichnis
Aust-Claus, E./ Hammer, P.-M.: Das ADS-Buch. Neue Konzentrationshilfen für Zappelphilippe
und Träumer. Oberstebrink Verlag, Ratingen 2000, S.168f.

Dr. Hoffmann, Heinrich: Der Struwwlpeter. oder lustige Geschichten und drollige Bilder für
Kinder von 3 bis 6 Jahren, Frankfurter Originalausgabe. Loewes Verlag Ferdinand Carl

Dr. Gritz, Klaus(Herausgeber): Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. „Sei ruhig –


träum’ nicht – hör’ endlich zu!“. BVKJ, Karlsruhe 2001

Dr. med. Prang, Michael: Wenn Kinder am Stress zerbrechen. In: Frau von Heute. 2007, Nr. 30,
S 26f

Lieb, Klaus/ Heßlinger, Bernd/ Jacob, Gitta: 50 Fälle Psychiatrie und Psychotherapie. Bed-side-
learning. Urban& Fischer Verlag, München 2006, S.138-140

Möller, Hans-Jürgen/ Laux, Gerd/ Deister, Arno/ Braun-Scharm, Helmut: Psychiatrie und
Psychotherapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2001, S. 432-435

Prof. Dr. sc. hum. Döpfner, Manfred/ Prof. Dr. med. Lehmkuhl, Gerd/ Dr. rer. nat. Fischer,
Roland: ADHS-Report 17. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen –
Referate für Klinik und Praxis. Universität Köln 2004

Prof. Dr. sc. hum. Döpfner, Manfred/ Prof. Dr. med. Lehmkuhl, Gerd/ Dr. rer. nat. Fischer,
Roland: ADHS-Report 26. Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen –
Referate für Klinik und Praxis. Universität Köln 2006

Reimann-Höhn, Uta: Langsam und verträumt. ADS bei hyperaktiven Kindern. Verlag Herder
spektrum, Freiburg im Breisgau 2002

Simchen, Helga: ADS.Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im Diktat.


Hilfen für das hypoaktive Kind. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 18-21
48

Sitzmann, Friedrich Carl: Pädiatrie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2002, S. 746f.

Simchen, Helga: Die vielen Gesichter des ADS. Begleit- und Folgeerkrankungen richtig
erkennen und behandeln. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, S. 204f.

Schöne, Lajos: Zappeln bis der Arzt kommt. In: jung + gesund. 2007, 02,S. 4f

Erklärung der Arbeitsaufteilung


Hiermit, erkläre ich, Karl Hunger, dass ich selbstständig und allein die Gliederungspunkte 1.1 bis
1.4 sowie die Einleitung verfasst habe.

Hiermit, erkläre ich, Gunnar Marx, dass ich selbstständig und allein den Schwerpunkt 2 sowie die
Gliederungspunkte 1.5 und 3.2.2.2 verfasst habe.

Hiermit, erkläre ich, Marc Siebenhüner, dass ich selbstständig und allein den Schwerpunkt 3,
ausgenommen 3.2.2.2 verfasst habe.

Eidesstattliche Erklärungen
Eidesstattliche Erklärung von Karl Hunger

Ich erkläre hiermit, dass ich meinen Beitrag zur vorliegenden Gruppenarbeit (Gliederungspunkte
1.1 bis 1.4 sowie die Einleitung) selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen
als die angegeben Hilfsmittel verwendet habe; das Gleiche gilt für die von den auf dem Titelblatt
genannten Autoren gemeinsam verfassten Teile (Schluss und Auswertung des Interviews).
Insbesondere versichere ich, dass ich alle wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen
Werken als solche kenntlich gemacht habe.

Bottendorf, den 07. Oktober 2007

Eidesstattliche Erklärung von Gunnar Marx

Ich erkläre hiermit, dass ich meinen Beitrag zur vorliegenden Gruppenarbeit (Schwerpunkt 2
sowie die Gliederungspunkte 1.5 und 3.2.2.2) selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und
keine anderen als die angegeben Hilfsmittel verwendet habe; das Gleiche gilt für die von den auf
dem Titelblatt genannten Autoren gemeinsam verfassten Teile (Schluss und Auswertung des
Interviews).
49

Insbesondere versichere ich, dass ich alle wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen
Werken als solche kenntlich gemacht habe.

Bottendorf, den 07. Oktober 2007

Eidesstattliche Erklärung von Marc Siebenhüner

Ich erkläre hiermit, dass ich meinen Beitrag zur vorliegenden Gruppenarbeit (Schwerpunkt 3,
ausgenommen 3.2.2.2) selbständig und ohne fremde Hilfe verfasst und keine anderen als die
angegeben Hilfsmittel verwendet habe; das Gleiche gilt für die von den auf dem Titelblatt
genannten Autoren gemeinsam verfassten Teile (Schluss und Auswertung des Interviews).
Insbesondere versichere ich, dass ich alle wörtlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen
Werken als solche kenntlich gemacht habe.

Bottendorf, den 07. Oktober 2007