A.
Die fünf Verfassungsprinzipien
• Republikprinzip
• Demokra?eprinzip
• Rechtsstaatsprinzip
• Bundesstaatsprinzip
• Sozialstaatsprinzip
-> Grundstein für alles Staatliche handeln
-> verstoß macht staatliche Maßnahme verfassungswidrig
Art. 20 I GG: Art. 20 II, III GG
- Republik - rechtliche
- demokra?sch Verteilung der
- sozial Staatsgewalt
- Bundesstaat - rechtliche Bindung
I. Republikprinzip (Art. 20,28 I GG)
- nur noch geschichtliche Bedeutung
II. DemokraAeprinzip (Art. 20 I GG)
- alle Staatsgewalt geht vom Volk aus (Legi?ma?onske[e)
- Mehrheitsprinzip: Mehrheit entscheidet über pol Kurs
- Wahlen: müssen nach bes?mmten Wahlgrundsätzen abgehalten werden
- Schutz der pol Minderheiten
- Chancengleichheit der pol Parteien und recht auf Opposi?on
- offener pol Diskussion (Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit)
1. Volkssouveränität
2. Repräsenta5ve Demokra5e
• GG schriebt eine repräsenta?ve demo vor
-> Staatsgewalt wird von den in Art. 20 II 2 GG genannten Organen ausgeübt
• „Abs?mmungen“ Art. 20 II 2 GG -> h.M. nur in Ausnahmefällen
-> klar im GG genannt wann Bsp. GG Änderung, Bundesländer Neugliederung
3. Streitbare Demokra5e
„Keine Freiheit den Feinden der Freiheit“
• Wer sich für die Abschaffung der Demokra?e engagiert, kann daher seine Freiheit
verlieren, am demokra?schen Diskurs mitwirken zu dürfen
• VorschriSen sind im gesamten GG verankert (Art. 21 II, 21 III, 18 GG…)
• Richtet sich nur zum Schutz der Grundprinzipen -> „freiheitlich demokra?sche
Grundordnung“
4. Rolle der Parteien
• Art. 21 I GG pol Willensbildung des Volkes sind somit notwendige Ins?tu?onen des
pol Lebens
• Gründung frei
• Können durch BVerfG verboten werden
a. Parteibegriff
Zwei Voraussetzungen:
- Einfluss auf pol Willensbildung durch Teilnahme an Bundes- oder Landtagswahlen
(muss angestrebt werden)
- Bedarf gewisse organisatorische Verfes?gung
b. Verbot von Parteien
- Verfassungswidrige Parteien dürfen verboten werden -> freiheitlich demokra?sche
Grundordnung (Art. 21 II GG)
-> aggressive - kämpferische Grundhaltung (Gesamtverhalten der Parteimitglieder
und Anhänger)
- Potenzialität
- Nur das BVerfG darf über die Verfassungswidrigkeit einer Partei entscheiden
(Parteiprivileg) Art. 21 IV GG
- Ausschließung von staatlicher Parteifinanzierung Art. 21 III GG
-> Parteien die darauf ausgerichtet sind die freiheitliche demo Grundordnung zu
besei?gen
-> § 46a BVerfGG Ausschluss auf 6 Jahre beschränkt -> danach wider von BVerfG zu
entscheiden
- Gesetzliche Verankerung: §§ 13 Nr. 2, 43 ff. BVerfGG
- §43 BVerfGG Antrag auf Parteiverbot: BT, BR o. B Regierung
c. Gründungs- und Betä5gungsfreiheit; Chancengleichheit
- Programm- und Betä?gungsfreiheit aus Art. 21 I 2 GG
- Chancengleichheit der Parteien: Art. 21 GG; Art. 3 GG
-> verbietet die Beeinflussung des We[bewerbs der Parteien untereinander durch
den Staat
d. Innere Ordnung der Parteien
- Innere Ordnung muss demo Grundsätzen entsprechen (Art. 21 I 3 GG)
- Innerparteiliche Meinungsfreiheit und gleiche Mitwirkungsrechte
e. Prozessuale Stellung der Parteien
- Parteifähig nach Art. 93 I Nr. 4a GG
- Wenn Parteien in verfassungsrechtlichen Status betroffen sind könne sie vor BVerfG
in Organstreitverfahren (Art. 93 I Nr. 1 GG) klagen
III. Rechtsstaatsprinzip
Rechtsstaatsprinzip nicht klar definiert, sondern in verschiedene Unterprinzipen
aufgeteilt.
1. AuPau der Rechtsordnung -> Normpyramide
Formelle Gesetze = Parlamentsgesetze
- Normgeber ist ein Parlament
(verfassungsrechtlich vorgeformtes,
weitgehend ö:entliches
Gesetzgebungsverfahren)
Materielle Gesetze = z.B. Verordnung, Satzung
- Normgeber ist nicht das Parlament,
sondern die Regierung, ein Ministerium
oder eine Verwaltungsbehörde (zumeist
nicht ö:entliches Verfahren)
Unterschied/ Gemeinsamkeiten
- Inhaltlich meist kein Unterschied, da in
der Regel abstrakt-generelle
Verbindlichkeit
- Bei Antragsgegenstand/ Verfahren vor
BVerfG entscheidend!
c. Rechtsverordnungen/ Delega5onsgesetze
• Verordnungen sind Rechtsnormen, die durch die Exeku?ve gesetzt werden
• Voraussetzung:
o Gesetzliche Ermäch?gungsgrundlage
o Hinreichend bes?mmt in: Inhalt, Zweck, Ausmaß (vgl. Art. 80 I 2 GG)
o Wesentlichkeitstheorie (bei wesentlichen Themen muss das Parlament
entscheiden)
o Verfassungsmäßig
o Adressaten nenne (Art. 80 I 1GG)
• Häufig Zus?mmung BR erforderlich (vgl. 80 II GG)
2. Rechtsstaatsprinzip
Rechtsstaatlichkeit bedeutet die rechtliche Bindung aller staatlichen Gewalt. Der Bürger soll
nicht der Willkür staatlichen Handels ausgesetzt sein.
! wird in Art. 28 I GG genannt. Man stützt das Rechtsstaatsprinzip aber auf Art. 20 II, III
GG da diese Absätze der VorschriS wesentliche Gedanken des Rechtsstaatsprinzips
ausdrücken
a. Gewaltenteilung
Legisla?ve = Gesetzgebung – Exeku?ve = vollziehende Gewalt – Judika?ve = Rechtsprechung
b. Gesetzmäßigkeit der Verwaltung
Nach Art. 20 III GG Verwaltung ist an Gesetz und Rechts gebunden. Beinhaltet
Vorrang und Vorbehalt des Gesetzes
aa. Vorrang des Gesetzes
è Verwaltung darf nicht entgegen dem Gesetz handeln
bb. Vorbehalt des Gesetzes
è Bes?mmtes Handeln der Verwaltung bedarf einer gesetzlichen Grundlage
c. Bes5mmtheitsgebot
• Jede Norm muss hinreichend bes?mmt werden
-> muss so formuliert werden das betroffene sie verstehen
d. Rückwirkungsverbot
• Gesetze, die in die Vergangenheit zurückwirken, sind nur in sehr eingeschränkt
zulässig
• Unterscheidung in echt und unechte Rückwirkung
aa. Echte Rückwirkung
Eine echte Rückwirkung legit vor, wenn an einen abgeschlossenen, in der Vergangenheit
liegenden Tatbestand neue Rechtsfolgen geknüpS werden.
Nur selten zulässig, wenn
- Mit einer Neuregelung gerechnet werden musste
- Eine „unklare und verworrene“ Rechtslage bereinigt wird,
- Bagatellfall vorliegt
- Zwingende Gründe des Gemeinwohls es erfordern
bb. unechte Rückwirkung
Von unechter Rückwirkung spricht man, wenn an einen in der Vergangenheit begonnen,
noch nicht abgeschlossenen Sachverhalt neue Rechtsfolgen geknüpS werden
- Ist grundsätzlich zulässig
- Erfordert Abwägung Allgemeinwohlinteressen
e. Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
Staatliche Gewalt ist gegenüber dem Bürger möglichst schonend und mäßig auszuüben.
f. Rechtsschutzgaran5e
Bürgern steht ein effek?ver Rechtsschutz gegenüber Akten der öffentlichen Gewalt zu. Art.
19 IV GG: Wer durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt wird, dem steht der
Rechtsweg offen.
IV. Bundesstaatsprinzip
Elemente:
• Staatsqualität (Merkmale nach Völkerrecht: Staatsgebiet, Staatsvolk und
Staatsgewalt)
• Organisa?onshoheit und Verfassungsautonomie der Länder Art. 28 I GG
• Gesetzgebungskompetenz und Abgrenzung Verwaltung zwischen Bund und
Ländern
• Prinzip der Bundestreue, d.h. des fairen und schonenden Umgangs von Bund und
Ländern miteinander
1. Gesetzgebungskompetenz
Soweit nicht anders bes?mmt legit Kompetenz bei Ländern Art. 79 GG. Andere
Bes?mmungen treffen allerdings vor allem die Art. 71 ff. GG
a. Ausschließliche Gesetzgebungskompetenz
-> hat Bund in durch 73 GG zugewiesenen Bereichen, so wie in einigen anderen
im Grundgesetz vorgesehen Fällen
b. Konkurrierende Gesetzgebungskompetenz
-> hat Bund (Art. 74 GG) ebenfalls die Gesetzgebungskompetenz.
-> solang Bund hier keinen Gebrauch von gemacht hat, haben die Länder die
Gesetzgebungszuständigkeit
c. Abweichungsgesetzgebung -> selten Klausurrelevant
Art. 72 II GG hat Bund Recht zur konkurrierenden Gesetzgebung. Hat er von seiner
Gesetzgebungskompetenz Gebrauch gemacht, so können die Länder allerdings
hiervon abweichende Regelungen erlassen.
d. Sons5ge Gesetzgebungskompetenzen
• KraS „Natur der Sache“
-> ergibt sich aus Wortlaut „Bundeswappen“, „Bundeshauptstadt“
• KraS Sachzusammenhang
-> Sache muss zwingend mit geregelt werden
Bsp. Rundfunkwerbung für Parteien muss in Zusammenhang mit ParteienG geregelt
werden
• Annexkompetenz
-> Sache steht in unlösbaren, funk?onalen Zusammenhang mit anderer Sache
Bsp.: Bahnpolizei; Bundeswehrhochschule
2. Bundesrecht bricht Landesrecht
• Wenn ein Bundes- und ein Landesgesetz widersprechen, geht das Bundesgesetz vor.
(Art. 31 GG)
-> eher selten der Fall durch AuSeilung der Kompetenzen
• Konflikt möglich, wenn Land Gesetz im Bereich der konkurrierenden
Gesetzgebungszuständigkeit erlässt und Bund später Gebrauch von Kompetenz macht
-> dann früher erlassenes Landesgesetz gül?g, wird jedoch durch entsprechende
Bundesregelung verdrängt. (Art. 31 GG)
3. Verwaltungszuständigkeit
Grundsätzlich Zuständigkeit bei den Ländern so lang nicht anders geregelt (Art. 30, 83
GG)
Verwaltungskompetenz = Ausführung von Gesetzen, d.h. Befugnis zur Umsetzung von
abstrakt-generellen Gesetzesregelungen im Einzelfall
a. Verwaltungszuständigkeit der Länder
• Art. 83 GG: Länder frühen sowohl Landes- als auch Bundesgesetze aus
-> Staatsqualität der Länder -> grundsätzlich selbst verantwortlich für
Verwaltungsauuau
- > gibt eindeu?ge Zuordnung der Verwaltungskompetenz - > Verbot der
Mischverwaltung (Ausnahme hiervon Art. 91a ff. GG)
! In verwaltungsrechtliche Klausuren: zuständige Behörden werden prak?sch nie in einem
Bundesgesetz bes?mmt. Dies wäre ein grobe Kompetenz verstoß: Der Verwaltungsauuau
ist Ländersache!
• Art. (84 I 2 GG) Bundesgesetze dürfen zwar VorschriSen hinsichtlich der Verwaltung
machen
-> Länder könne aber davon abweichen (Art. 82 I 5, 6 GG)
• Auuürdung von Aufgaben von Bund direkt auf Kommunen ist unzulässig (Art. 84 I 7
GG)
è Bundesregierung jedoch rechtlich Aufsicht über Ausführung der Länder (Art. 84 III, IV)
Ausführung von Bundesgesetzen:
Grundsätzlich Landeseigenverwaltung, Art. 83, 84 GG
Ausnahmen: BundesauXragsverwaltung, Art. 85 GG
Bundeseigenverwaltung, Art. 86 GG (Ausführung liegt bei Bund)
- > müssen von GG entweder bes?mmt oder zugelassen werden
(Art.83 GG)
Landeseigenverwaltung, Art. 83, 84 GG (Regelfall)
- Länder vollziehen die (Bundes-) Gestze
- Länder bes?mmen das Verfahrensrecht und die Behördenorganisa?on
- Eingriffsrecht des Bundes: im wesentlichen Rechtsaufsicht (Art. 84 III GG)
- Prozessuale Besonderheit: B-L-Streit mit Vorverfahren, Art 84 IV (sog.
Mängelrügeverfahren)
BundesauXragsverwaltung, Art. 85 GG:
- Länder vollziehen die Gesetze im AuSrag des Bundes
- Obligatorische BundesauSragsverwaltung: im Grundgesetz zwingend
bes5mmt, z.B: Art. 104a III 2
- Fakulta?ve BundesauSragsverwaltung: Im GG zugelassen, Anordnung kann
dann im jeweiligen Gesetz erfolge, z.B. 87b II S. 1
- Weitergehende Eingriffsrechte des Bundes: Sach- und Rechtsaufsicht (Art. 85
IV GG) Weisungsbefugnis (Art. 85 III GG)
- > Sachkompetenz, d.h. inhaltliche Bes?mmung, kann vom Bund beansprucht
werden
- > Wahrnehmungskompetenz, d.h. Handeln und Verantwortlichkeit nach
außen bleibt beim Land
Rechtmäßigkeit einer Weisung des Bundes gem. Art. 85 III GG
I. Ermäch?gungsgrundlage, Art. 85 III GG
Vorliegen von BundesauSragsverwaltung?
II. Formell
a. Zuständigkeit: zuständige oberste Bundesbehörde, Art. 85 III S. 1 GG
b. Verfahren: grds. Vorherige Ankündigung und Anhörung des Landes
(ungeschriebene Voraussetzung)
c. Form: grds. Zu richten an die oberste Landesbehörde, Art. 85 III S. 2 GG
III. Materiell
a. Bes?mmtheit der Weisung
b. Kein Rechtsmissbrauch (Bsp. Wenn Land die Weisungen nicht
durchsetzen kann
b. Verwaltungszuständigkeit des Bundes
• BundesauSragsverwaltung (Art. 85 GG) Länder sind an rechtliche, fachliche Weisung
des Bundes gebunden (vgl. Art. 85 II, IV GG)
• AuSeilung der Verwaltungskompetenz zwingend (Art. 83 ff.GG)
-> „Mischverwaltung“ unzulässig
Bundeseigenverwaltung, Art. 86 GG
- Bund vollzieht die Gesetze
- Bund regelt das Verfahrensrecht und die Behördenorganisa?on
- Gegenstände: Art. 87-90 GG
- > obligatorische Anordnung, z.B. Art. 87 I S. 1 (Auswer?ger Dienst,
Finanzverwaltung)
- > fakulta5ve Zulassung, z.B. Art. 87 I S. 2 (Grenzschutz, Gefahrenabwehr)
4. Finanzwesen
Wenig Klausur geeignet noxalls nochmal nachlesen
5. Bundestreue
Bundestreue/ „bundesfreundliches Verhalten“: Bund und Länder verpflichten sich zur
gegensei?gen Rücksichtnahme
! Art „Generalklausel“ des Bundesstaatsprinzips; sollte nur drauf zurückgegriffen werden,
wenn es keine spezielleren VorschriSen gibt, die den Fall regeln. In Klausur darf
Kompetenzordnung nicht von allgemeiner Erwägung der Bundestreue „überspielt“
werden.
V. Sozialstaatsprinzip (Art. 20 I GG und Art. 28 I GG)
Erwähnt in Art. 20 I GG und in Art.28 I GG Es bedeutet, dass staatliches Handeln immer
auch auf die Herstellung und Erhaltung sozialer Sicherheit und Gerech?gkeit gerichtet sein
muss.
• Sozialer Sicherheit:
o Absicherung des Einzelnen vor zentraler Lebensrisiken
Bsp. Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit…
• Sozialer Gerech?gkeit:
o „Schutz des schwächeren“ im WirtschaSsrecht
Bsp. Miet- und Arbeitsrecht, Bildungspoli?k, staatliche WirtschaSspoli?k…
• Sozialstaatprinzip:
o Gewährleistung tatsächlicher Chancengleichheit der Bürger
! eher geringe Klausur Bedeutung: niemals Anspruchsgrundlage, nur in Verbindung mit
Grundrechten; Hauptbedeutung als „Argumenta?onstool“
VI. Staatsziel: Umwelt- und Tierschutz, Klimaschutzurteil des BVerfG
1. Umwelt- und Tierschutz
• Verankert als Staatsziel in Art. 20a GG
-> scha{ jedoch keine subj. Rechte, die einklagbar sind
-> wirkt obj. Verpflichtend für Staat
-> muss bei allem staatlichen Handel berücksich?gt werden
! Klausur: obj. Verpflichtung wir relevant bei: Auslegung von Rechtsnormen und bei der
Rechxer?gung staatlicher Eingriffe in geschützte Rechtsposi?onen
Bsp.: Ein Bannwaldgrundstück des Großgrundbesitzers G wird unter Naturschutz gestellt. Bei der
Prüfung der Verfassungsmäßigkeit des Eingriffs in Art. 14 GG (Eigentumsgarantie) kann mit Art. 20a
GG argumentiert werden.
2. Klimaschutzurteil des BVerfG
• Nach Rspr. Ist Klimaschutz von Art. 20a GG erfasst
• Art. 20a GG gewährt kein subj. Recht
o Problema?sch, da dann kein Kläger denkbar wäre, der vom Staat ak?v
geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz einklagen könnte.
o BVerfG hat Klagerecht aus der allg. Abwehrfunk?on der Grundrechte abgleitet
B. Die fünf obersten Bundesorgane
Oberste Bundesorgane:
• Bundestag (BT)
• Bundesrat (BR)
• Bundesregierung (B Regierung)
• Bundespräsident (BP)
• Bundesverfassungsgericht (BVerfG)
I. Bundestag Art. 38 ff. GG
BT ist das Parlament des deutschen Volkes auf Bundesebene. Als oberste Repräsenta?on
des Volkes ist der das wich?gste Bundesorgan.
1. Wahl des Bundestages
a. Allgemeines und Wahlgrundsätze
• BT wird alle 4 Jahre gewählt (vgl. Art. 39 I 1 GG)
o Näheres zu Wahl wird im BWahlG geregelt
• GG legt 5 Wahlrechtsgrundsätze fest (vgl. Art. 38 I 1GG): AUFGG
Allgemein - Unmi[elbar – Frei - Gleich - Geheim
Allgemeinheit der Wahl:
- Gleiche Fähigkeit aller deutschen zu wählen und gewählt zu werden
- Beschränkungen: Wahlalter (Art. 38 II GG)
Unmi[elbarkeit der Wahl:
- Keine Zwischeninstanz zw. Wähler und dem gewählten Abgeordneten
- Jede S?mme muss unmi[elbar einem bes?mmten Wahlbewerber zurechenbar sein
Freiheit der Wahl:
- Akt der S?mmenabgebe muss frei von äußerem Zwang und Beeinflussung sein
- Freies Wahlvorschlagsrecht
- Chancengleichheit der Kandidaten
- P: ob auch fernbleiben einer Wahl umfasst (Bsp. Für Klausur: Einführung gesetzlicher
Wahlpflicht)
- P: Paritätsgesetz: gleichmäßige Repräsenta?on von Frauen und Männern im
Parlament (BVerfG steht so einem Gesetz bisher kri?sch gegenüber)
Gleichheit der Wahl:
- Gleicher Zählwert und Erfolgswert der S?mmen
- Zählwert: „one Man, one vote”
- Erflogswert: jede S?mme Umgesetzt in Parlamentssitz
o Wird tangiert durch 5% Hürde -> gerechxer?gt durch Funk?onalität es
Parlaments
• Chancengleichheit der Parteien wird auch aus Art. 21 I GG hergeleitet
Gemeinheit der Wahl:
- Niemand darf gegen den Willen eines andren feststellen können, wie dieser wählt
• Wahlgrundsätze gelten auch für die Wahlen in den Ländern, Kreisen und Gemeinden
(vgl. Art. 38 I 1GG)
• Sind allgemeine Verfassungsgrundsätze und gelten für alle pol. Wahlen und
Abs?mmungen auf jeder Ebene
o Bei Wahlen von SelbstverwaltungskörperschaSen sind sie unter Umständen zu
modifizieren
Offenheit der Wahl -> von Rsp. Des BVerfG kreiert
- Leitet sich aus demo Prinzip ab
- Möglichkeit der öffentlichen Kontrolle und Nachvollziehbarkeit des Wahlvorgangs
b. Wahlsystem
• Geregelt in BWahlG
• Folgt den Grundsätzen der sog. „personalisierten Verhältniswahl“
Verhältniswahlrecht = Wahlsystem bei denen primär Parteien gewählt werden -> Verteilung
der Parlamentssitze
Mehrheitswahlrecht = Wahlgebiet wird in Wahlkreise aufgeteilt -> in jedem Kreis gewinnt der
Bewerber, der letztlich die meisten S?mmen hat
• GG schriebt keines der beide vor, sondern überlässt dem Gesetzgeber
è Verhältniswahlrecht + Elemente des Mehrheitswahlsystem (vgl. §6 BWahlG)
Funk?onsweise des Wahlsystems:
- BT grundsätzlich 598 Abgeordnete (§1 I BWahlG)
-> HälSe Direktmandat, andere HälSe über Landesliste !!! Änderung
-> Ersts?mme: Direktkandidat
-> Zweits?mme: für Partei
- Nach Auszählung der S?mmen wird für jedes Bundesland getrennt
- Anhand der Zweits?mmen wird ermi[elt, welche Partei welchen prozentualen
S?mmenanteil bekommen hat (§ 6 I, II BWAhlG)
-> Hiernach bes?mmt sich (allein) die Sitzverteilung der Parteien im BT
! 5 % Klausel
- Wird geschaut wie viele Direktmandaten Parteien errungen haben
- Mit ihnen werden zuerst die Sitze der Parteien aufgefüllt
-> kann zu Problem mit „Überhangmandate“ führen (§ 6 IV 2 BWahlG)
2. Rechte des einzelnen Abgeordneten
a. Freies Mandat Art. 38 I 2 GG
• Vertreter des ganzen Volkes
• Sind nicht an AuSräge und Weisungen gebunden -> unterliegen nur ihrem
Gewissen
-> dürfen bei jeder Abs?mmung im BT grundsätzlich so abs?mmen wie sie wollen
b. Indemnität und Immunität
• Abgeordnete werden durch die Grundsätze der Indemnität und Immunität geschützt
(vgl. 46 GG)
o Indemnität: grundsätzliche Straflosigkeit parlamentarischer Änderungen (Art.
46 I GG) -> freie Äußerung in Deba[en und wich?gen öffentlichen Belangen
o Immunität: Strafverfolgung eines Abgeordneten wegen Tat außerhalb des
Parlaments nur mit Genehmigung des BT möglich (vgl. 46 II-IV GG)
c. Spannungsverhältnis zur Frak5on
• Frak?onsdisziplin
o Zulässige: etwa die Drohung mit einem Verlust des „sicheren Listenplatzes“ für
die nächste Wahl oder im Fall wiederholt abweichenden S?mmverhaltens des
Frak?onsausschlusses, ist in der Regel zulässig.
o Unzulässig (Frak?onszwang): z.B. die Vereinbarung von Strafzahlungen oder
eines Mandatsverzichts für den Fall abweichenden S?mmverhaltens, ist
unzulässig
! Abgrenzung zw. Frak?onsdisziplin und Frak?onszwang ist im Einzelfall fließend
3. Untersuchungsausschüsse
• Au€lärung von Missständen in z.B. Regierung oder Verwaltung
• B Regierung kann jeder Zeit einsetzen (Art. 44 GG)
o Eigenes Untersuchungsausschussgesetz (PUAG) geregelt
• Muss eingesetzt werden, wenn mind ¼ der Mitglieder des BT es fordern (Art. 44 I 1
GG, § 1 PUAG)
• Wenn Mehrheit sich gegen Einsetzung von 44 I/ Untersuchungsausschuss weigert
kann die Opposi?on in Organstreitverfahren erzwingen
• Folgendes muss beachtet werden:
o Untersuchungsausschuss ist Unterorgan des BT -> muss sich im
Kompetenzbereich des BT bewegen (§1 III PUAG)
o Wegen Gewaltenteilung: kein eingriff in Kernbereich der exeku?ven
Regierungsausübung Verweigerung einzelner Beweiserhebung kann wegen
wesentlichem Staatsinteresse Geheimhaltung gebieten §§ 18, 23 PUAG
4. Abs5mmung und Gesetzgebungsverfahren
a. Allgemeines
• BT verhandelt öffentlich (Art. 42 I GG)
• Bei Abs?mmungen reicht grundsätzlich die Mehrheit der abgegebenen S?mmen (Art.
42 II 1GG)
• In bes?mmten Fällen fordert GG für Abs?mmungen die Mehrheit der gesetzlichen
Mitgliederzahl vgl. Art. 121 GG
• Verfassungsänderungen ist nach Art. 79 II GG eine zwei- Dri[el- Mehrheit erforderlich
• Grundsätzlich wird von der Abs?mmungsfähigkeit des BT ausgegangen
b. Gesetzgebungsverfahren
aa. Gesetzgebungsini5a5ve
• Ini?a?vrecht Art. 76 I GG: B Regierung, BR und BT
• Gesetzentwürfe aus der Mi[e des BT -> Frak?on o. mind 5% der
Mitglieder des BT
• Vorlagen der B Regierung sind zunächst dem BR zur Stellungnahme
vorzulegen Art. 76 II GG
• Vorlagen des PR sind zunächst der B Regierung zur Stellungnahme
vorzulegen Art. 76 II GG
o P: Verkappte Regierungsvorlage:
-> Grundsätzlich zulässig weil freies Mandat
o P: Formulierung von Gesetzen durch externe Anwaltskanzlei
im AuSrag von Ministern, nach h.M: zulässig soweit
Einbringung der Vorlage im parlamentarischen
Gesetzgebungsprozess eindeu?g einem dazu befugten
Organ zurechenbar ist
bb. Beschlussfassung des BT
• Gesetzesentwurf wird von BT grundsätzlich in drei Lesungen behandelt
(vgl. § 78 GOBT)
o Erste Legung: Überweisung an die Ausschüsse
o Zweite Lesung: Angeordnete Änderungsanträge und
EinzelvorschriSen zur Abs?mmung
o Dri[e Lesung: Änderungen nur schwer möglich (vgl. im Einzelnen
§85 GOBT)
• Nach dri[er Beratung findet Schlusssitzung sta[
• Mit Zus?mmung von BT zur Gesetzvorlage liegt ein Gesetzesbeschluss im
Sinne von Ar. 77 I GG vor
o Einfache Mehrheit erforderlich gem. Art. 42 II 1 GG
! Verstöße gegen dir GOBT sind als solche für Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes
unbeachtlich so lang die GOBT nicht auch zugleich Verfassungsprinzipen absichert -> weil
GOBT einfaches Binnenrecht
cc. Beteiligung des BR
• Mit Verabschiedung der Gesetzesvorlage wird der Gesetzesbeschluss dem
BR zugleitet
• Unterscheidung in, bei Beteiligung des BR
o Einspruchsgesetz: Einspruch des BR kann letztendlich vom BT
übers?mmt werden
o Zus?mmungsgesetz: Gesetz kommt nur mit Zus?mmung des BR
zustande
! wenn im GG nicht ausdrücklich geregelt ist, dass das Gesetz Zus?mmung bedarf,
handelt es sich um Einspruchsgesetz
1. Einspruchsgesetze
• BR kann Vermi[lungsausschuss anrufen (Art. 77 II GG)
• Wenn VermA Änderung beschließt, muss BT darüber erneut Beschluss fassen
(Art. 77 II 5 GG)
è sonst teilt Vorsitzender VermA mit dass das Verfahren ohne Änderung
abgeschlossen sei
• BR kann binnen 2 Wochen Einspruch einlegen (Art. 77 II GG)
è Kann von BT zurückgewiesen werden (Mehrheit der Mitglieder BT vgl.
77 IV GG)
2. Zus5mmungsgesetze
Zus?mmungsbedürSige Gesetz sind im GG abschließend aufgezählt
• Wenn eine Regelung im Gesetz zus?mmungsbedürSig ist mach dass das ganze
Gesetz zus?mmungsbedürSig
è Regierung kann nach h.M. Gesetz zweiteilen um
Zus?mmungsbedürSigkeit zu steuern
• P: zus?mmungsbedürSiges Gesetz wird durch Gesetz geändert
o e.A. Änderung zus?mmungsbedürSig, BR habe Verantwortung für
gesamtes Gesetz übernommen
o a.A. (BVerfG) nur Zus?mmungsbedürSig wenn,
§ Änderungsgesetz zus?mmungsbedürSige VorschriSen ändert,
§ selbst zus?mmungsbedürSige VorschriSen enthält
§ o. Gesetz wesentlich andere Bedeutung/ Tragweite gibt
Verfahren:
• BR kann entweder VermA anrufen oder direkt Zus?mmung verweigern (Art.
77 II 4 GG)
è BT o B Regierung kann in diesem Fall VermA anrufen (Art. 77 II 4 GG)
• VermA Kann Änderung an Gesetz vorschlagen
è BT muss zunächst dazu befinden
• Lehnt BR auch diese Änderung ab ist Gesetz endgül?g gescheitert
dd. Ausfer5gung und Verkündung
Gesetz ist zustande gekommen vgl. Art. 78 GG
• Gegenzeichnung Bundeskanzler o den zuständigen Ministern (vgl. 82 I, 58 GG)
• Ausfer?gung des Gesetzes durch den BP (UnterschriS des BP unter
Gesetzurkunde) (P: Verweigerung der Ausfer?gung)
• Verkündung im Bundesgesetzbla[
ee. Grundgesetzänderung
• GG kann durch Gesetz geändert werden, da den Text der Verfassung selbst
ändert o entgrenzt (Art. 79 I 1 GG) „Verbot der Verfassungsdurchbrechung“
• Verfassungsänderung bedarf nach Art. 79 II GG 2/3 Mehrheit der Mitglieder
im BT (vgl. Art. 121 GG) sowie der S?mme des BR
Ewigkeitsklausel Art. 79 III GG!
• Änderung der Gliederung des Bundes in Länder
• Mitwirkung der Länder bei Gesetzgebung
• Art. 1 und 20 GG Grundsätze (demo Prinzip. Rechtsstaatsprinzip usw.)
è Grundrecht Änderung dieser ist unzulässig
• aus Art. 2-19 GG sind zwar nicht explizit genannt sind aber wohl im Kernbereich
(=Menschenwürdegehalt) von der Ewigkeitsgaran?e umfasst
5. Grundsatz der Diskon5nuität
• Neue BT ist nicht an die Beschlüsse des alten BT gebunden
• Grundsatz folgt aus dem demo Prinzip
o Neuer BT repräsen?ert den aktuellen Willen des Wählers, soll nicht an alte
Beschlüsse gefesselt sein
• Gibt auch Ausnahmen
II. Bundesregierung Art. 62 ff. GG
Die Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler und den Bundesministern
1. Wahl des Bundeskanzlers
• BK wird vom BT auf Vorschlag des BP gewählt (Art. 63 I GG)
• Erreicht Vorgeschlagene nicht die Mehrheit der S?mmen der Mitglieder des BT, kann
BT innerhalb 14 Tagen mit mehr als HälSe seiner Mitglieder eine andere Person zum
BK wählen (Art. 63 II, III GG)
• Wenn nicht zustande kommt findet unverzüglich neuer Wahlgang sta[, in dem
gewählt ist, wer die meisten S?mmen bekommt
• Erreicht Kandidat Mehrheit der S?mmen muss BP ihn ernennen
• Hat Kandidat nicht die Mehrheit oder nur die meisten S?mmenkann der BP ihn
ernennen oder den BT auslösen (Art. 63 IV GG)
• Bundesminister werden auf Vorschlag des BK vom BP ernannt
o Nach h.M. hat BP hier kein ermessen sondern muss die Vorgeschlagenen
ernennen
2. Aufgabenverteilung in der Regierung
Aufgaben Verteilung wird durch drei Prinzipen bes?mmt
- Kanzlerprinzip – Ressortprinzip – Kollegialprinzip
a. Kanzlerprinzip
- Bes?mmt Richtlinien für Poli?k und trägt Verantwortung (Art. 65 S. 1 GG)
-> Bundeskanzler hat letztes Wort bei grundlegenden Entscheidungen
-> Richtlinienkompetenz
- BT kann sich gegen Richtlinienkompetenz von BK stellen
! Koali?onsvereinbarung nicht rechtlich binden, unverbindliche pol Absprache.
Koali?onsvertrag nicht im Organstreitverfahren einklagbar.
b. Ressortprinzip
- Jeder Bundesminister leitet sein Ministerium (=Ressort) in eigener
Verantwortung (vgl. Art. 65 S. 2 GG)
- BK darf zwar Ministern Weisungen erteilen nicht aber den Mitarbeitern
c. Kollegialprinzip
- Meinungsverschiedenheit, alle Angelegenheiten von Bedeutung werden vom
Kabine[ verhandelt (Art. 65 S. 3 GG)
-> Gesetzes- und Verordnungsentwürfe
- Rechtsverordnungen nach Art. 80 I GG, für die die B Regierung verantwortlich
ist müssen von ihr verabschiedet und verantwortet werden
-> Informa?on aller Minister, Beschlussfähigkeit, Mehrheit im Kabine[
- „Umlaufverfahren“ = Verordnungen, die nacheinander allen Ministerien
vorgelegt wird -> greiS nur, wenn Zus?mmung/Ablehnung/ Enthaltung aller
Minister schriSlich vorliegt
3. Öffentlichkeitsarbeit der Regierung
• Unterliegt staatlicher Neutralität
• Chancengleichheit der Parteien muss gewahrt sein
• Äußerungen von BK oder Ministern daher danach zu unterscheiden, ob sie als
Parteipoli?kern tä?gen oder in amtlicher Stellung
4. Sturz des Bundeskanzlers
(1) Konstruk?ves Misstrauensvotum
- Nach Art. 67 I GG BT kann BK jederzeit Misstrauen mit Mehrheit seiner
Mitglieder aussprechen und neune Kanzler wählen
- Begründet: Kanzler braucht um vernünSig regieren zu können Mehrheit des
Parlament hinter sich
- Wenn sich nach streite neue Mehrheitskoali?on findet kann neue Regierung
gebildet werden, ohne dass neu gewählt werden muss (Art. 67 GG)
(2) Vertrauensfrage
- BK kann Vertrauensfrage ans Parlament stellen um zu prüfen ob Mehrheit
hinter sich hat (Art. 68 GG9
-> Kann nach Art. 81 I 2 GG auch mit einer Gesetzesvorlage verbinden, die ihm
besonders wich?g ist
- Wenn sich keine Mehrheit findet kann BP Parlament auflösen (Mit folge von
Neuwahlen Art. 68 I 1 GG)
! BK ist nicht gezwungen, nach der nega?ven Beantwortung der Vertrauensfrage beim BP
Antrag auf Auflösung zustellen
-> kann weiterregieren, dann allerdings Mit Regierung ohne Mehrheit
(Minderheitenregierung)
- P: wenn Auflösung des BT nach Art. 68 I GG passiert und die Vertrauensfrag
des BK mit der Absicht der Auflösung gestellt wurde („auflösungsgerichtete
Vertrauensfrage“)
-> nach h.M. im Prinzip unzulässig
- Art. 68 GG beinhaltet ungeschriebenes TB Merkmal, dass „tatsächliche
Regierungskriese“ vorliegen muss um von VorschriS gebrauch zumachen
- Selbstauflösungsrecht des BT ist mit Absicht nicht vorgesehen!
III. Bundespräsident Art. 54 ff. GG
1. Allgemeines
• BP ist Staatsoberhaupt des BRD
• Wird durch Bundesversammlung gewählt
-> hälS BT abgeordnete und andere HälSe von Landesparlamenten entsandten
Delegierten
• Wird auf 5 Jahre gewählt
• Einmalige Wiederwahl möglich
• Eher repräsenta?ve Funk?on
• Macht nur in Regierungskreisen, besonders wenn Kanzler keine Mehrheit hat
• Aufgaben:
o Ausfer?gung, d.h Unterzeichnung der Gesetze (Art. 82 I GG)
o Ernennung des BK und der Bundesminister (Art. 63, 64 GG)
o Völkerrechtliche Vertretung der BRD nach außen (Art. 59 I GG)
o Entscheidungen bei Regierungskreisen, z.B. über die Auflösung des BT
o Ausübung des Begnadigungsrechts (Art. 60 II GG)
• Anordnungen und Verfügungen des BP bedürfen Gegenzeichnung des BK oder die
zuständigen Minister (Art. 58 S1. GG)
• Reden, Handlung müssen Neutralität entsprechen (Art. 21 i.V.m. Art. 3 GG)
• Immunität: Schutz vor Strafverfolgung (Art. 60 IV GG)
• Präsidentenklage (Art. 63 GG vor BVerfG) bei vorsätzlicher Verletzung des GG oder
eines anderen Bundesgesetzes
2. Prüfungsrecht des Bundespräsidenten
Formelles Prüfrecht:
• Unstrei?g
• Darf und muss prüfen, ob das Gesetz nach den VorschriSen des GG zustande
gekommen ist (z.B. Gesetzgebungskompetenz, Gesetzgebungsverfahren)
Materielles Prüfrecht:
• Umstri[en
• Gesetze auch inhaltlich auf seine Verfassungsmäßigkeit zu überprüfen
- insgesamt schwache Rolle des BP auf dem GG
- zuständiges oberstes Organ für die materielle Prüfung ist eigentlich das BVerfG
und nicht der BP
- Gesetz was durch den BT gegangen ist, trägt schon eine gewisse Vermutung der
Verfassungsmäßigkeit in sich -> kann nicht davon ausgegangen werden dass BT ein
verfassungswidriges Gesetz verabschieden würde
• h.M. beschränkt materielles Prüfrecht auf eine „Evidenzkontrolle“
-> BP darf Ausfer?gung nur verweigern wenn Gesetz evident verfassungswidrig
(„Gesetz steht auf die S?rn geschrieben, dass es verfassungswidrig ist“)
Poli?sche Prüfrecht:
• nicht zulässig
IV. Bundesrat Art. 50 ff. GG
• Vertretung der Länder auf Bundesebene (vgl. Art. 50 I GG)
• Wirkt bei Gesetzgebung mit
• Vertreter der Länder werden von jeweiliger Regierung bes?mmt
-> S?mmzahl richtet sich dabei nach Größe der Länder (vgl. Art. 51 GG)
-> S?mmen könne nach Art. 51 III 2 GG grundsätzlich nur einheitlich abgegeben
werden -> Bei Dissens ist S?mme nach h.M. ungül?g
V. Bundesverfassungsgericht
1. Allgemeines
• Oberstes deutsches Gericht, wacht über Einhaltung der Verfassung
• Sitz in Karlsruhe
• Besteht aus zwei Senaten mit je 8 Richtern (§ 2 BVerfGG)
-> werden von speziellem Wahlausschuss aus BT und BR auf 12 Jahre gewählt
-> keine Wiederwahl
Besonderheit der Vorgehensweise des BVerfG bei Rechxer?gung: (wich?g für Tenor)
- Bevor Gesetz für Verfassungswidrig erklärt wird immer versucht es durch eines
verfassungskonforme Auslegung zu behalten
- Zurückhaltung bei Prognoseentscheidungen -> erweist sich die Prognose des
Gesetzgebers als unrich?g, kann unterumständen zur Nachbesserung verpflichtet sein
! in Klausur Prognoseentscheidungen beim Prüfungspunkt der „Geeignetheit“ eines
Gesetzes bei der Verhältnismäßigkeitsprüfung. Hier steht Gesetzgeber weiter
Einschätzungspeilraum zu. -> Gesetze scheitern in Klausur nur selten an diesem Punkt
- Liegt verfassungsverstoß vor wird Norm grundsätzlich für nich?g erklärt (vgl. §§ 78 S.
1, 82 I, 95 III 1 BVerfGG)
- Beschränkt sich auf die Feststellung der Verfassungswidrigkeit, wenn eine drohende
Rechtsunsicherheit vermieden werden und dem Gesetzgeber wird Frist gegeben um
Rechtswidrigkeit zu besei?gen
-> alte Regelung gilt bis Ablauf der Frist fort.
-> gleiches gilt wenn Gesetze gegen den Art. 3 I GG (Gleichheitsgrundsatz) verstoßen
- Entscheidungen wirken inter omnes = für alle vgl. § 31 I BVerfGG
- Haben GesetzeskraS -> Entscheidungsformel wird auch um Bundesgesetzbla[
veröffentlicht (§ 31 II BVerfGG)
- Entscheidungen wirken sich grundsätzlich ex tunc (= mit Wirkung auch für die
Vergangenheit)
-> ist in der Praxis durch die VorschriSen des §§ 79 II, 82, 95 III 3 BVerfGG stark
eingeschränkt
Klagens arten Übersprungen kommen ausführlich am ende S. 62 ff
C. Die internaAonalen Beziehungen der Bundesrepublik und ihre
Einbindung in das System des Grundgesetzes
I. Abschluss und Umsetzung völkerrechtlicher Verträge
• GG „völkerrechtsoffene“ und „völkerrechtsfreundliche“ Verfassung
• Art. 24 ff. GG verschieden Regelungen: Wille zu posi?ver unterna?onaler
Zusammenarbeit
è Wich?g zw Abschlusskompetenz und Umsetzungskompetenz zu
unterscheiden
o Abschlusskompetenz: wer ist für den Abschluss
interna?onaler Verträge verantwortlich
o Umsetzungskompetenz: wer ist für die innerstaatliche
Umsetzungsverantwortlich
1. Abschlusskompetenz
- Zuständigkeit des Bunds o Länder für Abschluss = Verbandskompetenz
- Nach Art. 32 I GG auswer?ge Beziehungen Sache des Bundes
- > unstri‚g so lang Verträge über die Gegenstände der ausschließlichen o
konkurrierenden Gesetzgebungszuständigkeit des Bundes geht
!
- > h.M. Abschlusskompetenz auch dann beim Bund wenn es um Gegenstände der
ausschließlichen Ländergesetzgebungszuständigkeit geht („zentralis?sche Theorie“ )
Bsp. Kultur, Schulwesen, Medien
§ Wortlaut der Art. 32 I, III GG
§ In der Praxis muss sich der Bund nach dem sog. „Lindauer Abkommen“
mit den Ländern ins Benehmen setzen
Lindauer Abkommen: abkommen zw Bund und Ländern für die Umsetzung von
völkerrechtlichen Verträgen in innerstaatliches Recht. Rechtsnatur umstri[en. Fak?sch ist es
jedoch für die Rechtsbeziehung zw Bund und Ländern in diesem Bereich verbindlich.
- Organkompetenz: welches Organ auf Bundesebene ist für den Abschluss zuständig
a. Ausgehandelt werden Verträge und Abkommen von der B Regierung, da die
gesamte Außenpoli?k in der Kompetenz der Bundesregierung fällt
b. Zur Abschließung nach Art. 59 II GG kann ein Zus?mmungsgesetz des BT
erforderlich sein
- > ist erforderlich wenn:
§ Pol Beziehungen des Bundes geregelt werden
§ Gegenstände der Bundesgesetzgebung beziehen
§ BT kann Völkerrecht vertag nur im Ganzen zus?mmen
§ Änderungen sind unzulässig
§ Zus?mmung des BR nach h.M: nur in den durch das GG ausdrücklich
angeführten Fällen erforderlich
c. Abschluss durch den BP Art. 59 I GG acht den Vertrag völkerrechtlich verbindlich
für die BRD
2. Umsetzungskompetenz (auch: Transforma?onskompetenz)
- Umwandlung des Völkerrechtlichen Vertrag in innerstaatliches Recht
- Fällt Vertrag in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes:
§ Zus?mmungsgesetz
- Fällt Vertrag in Gesetzgebungskompetenz der Länder:
§ nach h.M. neben einem evtl. Zus?mmungsgesetz des Bundes (gem.
Art. 59 II GG) ein Umsetzungsgesetz in jedem Bundesland erforderlich
II. Sonderproblem: Einsatz der Bundeswehr
• Einsatz der Bundeswehr im In- und Ausland ist verfassungsrechtlich
begründungsbedürSig
• Nach Art. 87a II GG darf die Bundeswehr außen nur zu Verteidigung eingesetzt
werden, wenn GG es zulässt
(1) Ausland
- Nach h.M. durch Art, 24 II GG gedeckt - > Auslandseinsatz im Rahmen eines
Systems der kollek?ven Sicherheit
Bsp.: UNO, NATO
- Über Entsendung ins Ausland hat immer der BT zu entscheiden
- > Ausnahmen können sich bei Gefahr im Verzug ergeben, BT ist unverzüglich
zu informieren - > Überprüfung liegt bei BVerfG
- Einschätzung on Einsatz als „bewaffnet“ gilt hat allein das BVerfG zu
überprüfen
(2) Inland
- Ausdrückliche Erlaubnis durch GG (Art. 35 II, III, 87a III, IV GG
( - > regionalen o überregionalen Katastrophennotstand Art. 35 II, III GG)
- Durch Rsp. Des BVerfG keinen allgemein Parlamentsvorbehalt - > ergibt sich
aus einzelnen VorschriSen
III. Grundgesetz und EU-Recht
• Konflikt über Vorrangigkeit aus Art. 4 II EUV (EU- Recht ist vorrangig) und Art. 1 III GG
(Bindung aller Staatsgewalt ans. Grundrechte)
• Grundsätze des BVerfG für diesen Konflikt:
o Demo Prinzip (Art. 20 I, I, 23 I 3 i.V.m 79 III GG) Übertragung der Staatsgewalt
an die Eu nur so weit mit demo Mindeststandards vereinbar
o Müssen substan?elle pol. Gestaltungsmöglichkeiten für deutsches Volk
verbeilen
o Sachbereiche: Lebensumstände der Bürger – pol Prozesse die auf kulturelle,
pol und historische Vorverständnis angewiesen sind
- > Bsp.: Strafrechtspflege, Polizei und Militär, Steuer- Sozialpoli?k,
Bildungspoli?k, Umgang mit ReligionsgemeinschaSen
• Kompetenz-Kompetenz: unzulässig, der EU recht zu übertragen sich selbständig
weitere Kompetenzen zu übertragen
- > BT und BR müssen jegliche Kompetenzerweiterung für die EU gem. Art. 23 I 2 GG
ra?fizieren
• Wenn EU sich nicht an diese Grundsätze hält kann BVerfG Rechtsakte der Eu für
verfassungswidrig erklären
Hier folgen im Hoffmann Skript dann Beispiele für die Grundrechtsprüfung i.V.m. EU recht ->
Grundrechte noch nicht teil des ersten Semesters