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Überstunden durch Arbeitnehmer

Zur Erklärung: Überstunden im klassischen Sinne sind eine Arbeitsleistung des Arbeitnehmers, die
dieser über die zumeist tarifvertraglich oder in einer Betriebsvereinbarung geregelte, regelmäßig
verteilte Arbeitszeit hinaus erbringt.
Bei Arbeitszeitmodellen, die eine flexible Arbeitszeit vorsehen und bei denen die Normalarbeitszeit
unregelmäßig verteilt ist, wird auch bei einer langen Tagesarbeitszeit nicht von Überstunden im
Rechtssinne gesprochen. In diesem Fall müssen sich die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die
Tarifparteien oder der Betriebsrat und die Geschäftsleitung darüber einigen, ab welchem Zeitpunkt
"Überstundenzuschläge" gezahlt werden sollen.

Zur Situation: Auch wenn tarifvertragliche Regelungen bestehen, die eine 37,5-Stunden-Woche oder
noch weniger vorsehen, so werden doch in vielen Fällen von den Beschäftigten Überstunden geleistet.
Statistische Auswertungen haben ergeben, dass in der Bundesrepublik 1999 ca. 1,6 Milliarden, im
Jahr 2000 sogar 1,8 Milliarden Überstunden geleistet wurden. Das entspricht der Arbeitsleistung von
ca. 1.000.000 Vollzeitbeschäftigten.

Folgende Themen sollen an dieser Stelle behandelt werden:

1. Wann muss der Arbeitnehmer Überstunden leisten?

2. Wie werden Überstunden vergütet?

3. Möglichkeiten zum Abbau von Überstunden

1. Wann muss der Arbeitnehmer Überstunden leisten?

1. Existiert keine ausdrückliche Vereinbarung, ist der Arbeitnehmer grundsätzlich nicht zur Leistung
von Überstunden verpflichtet. Bedeutung hat dies insbesondere in Betrieben, die keiner Tarifbindung
unterliegen und die keinen Betriebsrat haben. Hier muss die Verpflichtung zur Ableistung von
Überstunden ausdrücklich im Arbeitsvertrag geregelt sein. Andernfalls ist der Arbeitgeber nicht befugt,
Überstunden anzuordnen.

Ausnahmsweise kann sich aber aus Treu und Glauben eine Verpflichtung zur Leistung von
Überstunden ergeben. Beispiel: Ein Betrieb der sich in oder knapp vor einer finanziellen Schieflage
befindet, kann zusätzliche kurzfristige Aufträge erhalten, wenn sie umgehend abgearbeitet werden. Ist
es dem Arbeitgeber aufgrund der wirtschaftlichen Lage im übrigen nicht möglich, weitere
Arbeitnehmer einzustellen, besteht eine Verpflichtung der Arbeitnehmer zur Leistung von
Überstunden.

2. Oftmals enthalten Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen Regelungen zur Ableistung von


Überstunden. Auch diese Regelungen finden ihre Grenzen jedoch im allgemeinen Arbeitszeitrecht
(48-Stunden-Woche; vorübergehender 10-Stunden-Tag). Verstoßen die Vereinbarungen hiergegen,
kann der Arbeitnehmer die Mehrarbeit verweigern. Sind die Vereinbarungen rechtmäßig, so ist der
Arbeitnehmer in dem gesetzten Rahmen zur Leistung der Überstunden verpflichtet.

3. Verweigert der Arbeitnehmer unberechtigt Überstunden, so kann dies Grund für eine
außerordentliche (fristlose) Kündigung seitens des Arbeitgebers sein.

2. Vergütung von Überstunden

1. In Tarifverträgen, aber auch in Einzelverträgen, ist oftmals geregelt, dass die geleisteten
Überstunden durch Freizeit auszugleichen sind. Eine Vergütung in Geld findet dann nicht statt.
2. Besteht eine solche Vereinbarung nicht, kann sich ein Anspruch auf Vergütung der Überstunden
nur aus Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder dem Arbeitsvertrag ergeben. Einen gesetzlichen
Anspruch auf Überstundenvergütung gibt es seit 1994 nicht mehr. Fragen Sie ihren Betriebsrat oder
die Gewerkschaft, inwieweit entsprechende Regelungen bestehen.

3. Voraussetzung für eine Vergütung ist weiterhin, dass die Überstunden vom Arbeitgeber angeordnet,
jedenfalls aber bewusst geduldet wurden. Macht der Arbeitnehmer von sich aus Überstunden, kann er
keine Vergütung verlangen.

4. Ist eine Überstundenvergütung vereinbart, berechnet sich die Vergütung auf der Grundlage der
üblichen Arbeitszeit und des jeweiligen Arbeitentgelts.

5. Ein Zuschlag auf das gewöhnliche Entgelt kann nur verlangt werden, wenn er in Tarifverträgen,
Betriebsvereinbarungen oder dem Arbeitsvertrag vereinbart ist. Üblich ist, für Überstunden an
Werktagen ein Zuschlag von 25 %, für Überstunden an Sonn- und Feiertagen einer von 50 %.
Entsprechendes gilt für einen Freizeitausgleich.

6. Da ein gesetzlicher Anspruch auf eine Überstundenvergütung nicht mehr besteht, ist es möglich, im
Arbeitsvertrag zu vereinbaren, dass sämtliche Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Dies gilt
jedoch nur für nicht tarifgebundene Arbeitsverhältnisse.
Die Grenze für solche Vereinbarungen wird durch § 612 Abs. 1 BGB (= übliche Vergütung), § 242
BGB (Treu und Glauben) und § 138 BGB (Sittenwidrigkeit) gezogen.

3. Möglichkeiten zum Abbau von Überstunden

1. Das der Beschäftigte seinem Arbeitgeber gegenübertritt und dessen Anliegen ablehnt, ist eher
unwahrscheinlich. Schließlich will er seinen Arbeitgeber nicht verärgern. Aber auch der
Zusatzverdienst wird gerne angenommen und zwar auch dann, wenn nur die Zuschläge gezahlt
werden.

2. Auch über das Arbeitzeitgesetz lässt sich eine Begrenzung der Überstunden kaum erreichen, da es
von einer statistischen 48-Stunden-Woche ausgeht und - wenn auch nur vorübergehend - den 10-
Stunden-Tag zulässt.

3. Eine Möglichkeit zur Abhilfe stellen entsprechende Regelungen in den Tarifverträgen dar. Zum
einen käme eine Verteuerung der Überstunden in Betracht. Um einen weiteren Lohnkostenanstieg zu
vermeiden, könnten die Überstunden in Freizeit abgegolten werden. Die Überstundenzuschläge
würden dabei erhalten bleiben.
Daneben wäre auch an die Einführung einer quantitativen Begrenzung zu denken, so dass nur noch
eine bestimmte Anzahl an Überstunden pro Woche zulässig ist.

4. Da die Anordnung von Überstunden der Zustimmung des Betriebsrates bedarf, hat dieser die
Möglichkeit die Zustimmung zu verweigern. Dies wird ihm oftmals aus betrieblichen Gründen nicht
möglich sein. Er sollte dann darauf achten, dass der Arbeitgeber an anderen Stellen Zugeständnisse
gegenüber der Belegschaft macht.

5. Der Betriebsrat kann auch von seinem Initiativrecht Gebrauch machen und dem Arbeitgeber die
Einführung einer Obergrenze für Überstunden vorschlagen. Der Arbeitgeber muss über diesen
Vorschlag verhandeln.