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Das Fundament 5/2007

Information und Kreativität:


Computer gegen Mensch?
Prof. Dr.-Ing. physiol. habil. Manfred Spreng lehrt Physiologie und Biokyberne-
tik an der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg.
Werden Computer uns bald beherrschen? Gibt es bald künstliche Intel-
ligenz in Maschinen, die den Menschen endgültig ersetzen werden? Wir
leben im sogenannten Informationszeitalter. Was aber ist Information und
Informationsaustausch? Wie geschieht das genau?
Auf dem DCTB-Regionaltreffen in Malmsheim/Baden-Württemberg er-
läuterte Prof. Spreng, dass zwischen dem menschlichen Gehirn und einem
Computer Welten liegen und dass die Kreativität des Menschen eine Gabe
des Schöpfers ist, die den Menschen ganz wesentlich von der Maschine
unterscheidet. Es folgt eine Mitschrift des Vortrages.

Verabredung physikalischen Gegebenhei­ten er-


zeugen und empfangen können. Es
  Informationsaustausch und müssen gewisse Kenntnisse vonein-
-Verarbeitung können nur dort ander und übereinander vorhanden
stattfin­den, wo eine Verabredung sein, wenn ein Informationsaus-
zwischen einem Sender und einem tausch sinnvoll zwischen Systemen,
Empfänger vorhanden ist, getroffen aber auch Menschen funktionie­ren
wurde oder getroffen wird. Physi- soll. Wir wollen uns dies besonders
kalische Gegebenhei­ten werden erst merken, denn letztlich und ganz
dann zu Signalen, welche Infor- besonders gilt dies auch für einen
mation tragen können, wenn sie Information­saustausch mit un-
entsprechend verabredet wurden. serem Schöpfer.
Wenn Sender und Empfänger über Die Verabredung zwischen
die gleichen Nachrichtenele­mente menschlichen Individuen erfolgt
verfügen und die ent­sprechenden durch Lernen, insbesondere das


Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

von Allgemeinwissen. Denn Objekt erkennen


Allgemeinwisse­n ist etwas, das sehr
schwer - wenn überhaupt - einem Dies ist die Fähigkeit zum Klassi-
technischen System, einem Compu- fizieren. Und diese Fähigkeit zum
ter, also einem Experten- oder wis- Objekterkennen kann reduziert
sensbasierten System, beizubringen werden, auf die Fähigkeit, begriff-
ist. Dabei geschieht dieses Lernen lich zu zählen. Das „Objekt“ ist
beim Menschen anfangs auf eine ein Synonym für das „Zähl­bare“.
an sich primitive Art und Weise, Objekte zu erkennen und die
indem man Objekte zeigt und die Fähig­keit, zählen zu können, sind
jeweilige Klasse benennt. Dieses untrennbar miteinander verbun-
menschliche Lernen ist nur da- den. Das Zählbare muss ein von
durch so einfach möglich, da es auf allen anderen Unterscheidbares
einer dem Menschen immanenten sein. Es darf deshalb nicht durch
Eigenschaft aufbaut, die dafür Vor- eine beliebig kleine Änderung
aussetzung ist: Die Fähigkeit zum in ein Anderes überführbar sein.
Objekterken­nen. Wir kommen auf diese - für die


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Informationsverar­beitung des Computer gegen


Menschen entscheidend wichtige -
Eigen­schaft nochmals zurück, wenn
Mensch - künstliche
im Lichte der Schöp­fungsgeschichte Intelligenz?
die Frage der menschlichen Kreativi­ Computersysteme haben sich in der
tät betrachtet werden wird. Tat mit einer ungeheuren Dynamik
entwickelt. Vor 40 Jahren hatte man
einen ZUSE Z 22 löffelweise zu füt-
tern wie ein Baby. Der Output war
Fassen wir also zu interpretieren wie Babygestam-
zusammen: mel. Heutzutage produzieren Com-
puter fantastische Graphiken, glas-
Die Voraussetzung für den Informa- klare Sprachausgaben und erlauben
tionsaustausch ist die Verabredung. fast grenzenlose Bildverarbeitungs­
Die Voraussetzung für die mensch- möglichkeiten und globale Vernet-
liche Informationsverarbeitung zung. Der Computer ist aus dem
und Kreativität ist das begriffliche Alltag nicht mehr wegzudenken und
Zählen, das Objekterkennen. der Mensch ist bereits mit ihnen
Sind diese beiden Eigenschaften multimedial verknüpft per Handy-
nun wirklich typisch menschlich computer (Telefon, Mailbox, Ka-
und eine ent­scheidende Basis mera, Web-Verbindung), trägt
für die natürliche Intelligenz, intelligente Kleidung, wohnt
oder vielleicht auch Computer­ in computergesteuerten
systemen zu eigen, zumal diese Wohnungen (Kühlschrank
ja durch Menschen gebaut bestellt Ware) und trägt in sich
und mit Program- Implantate (Herzschrittmacher,
men versorgt Cochlea-Implantat, Chip-
werden? Gibt Implantation im Gehirn).
es so etwas Computer drängen
wie künstliche sich immer
Kreativität und stärker auf.
künstliche Intel- Die Abhän-
ligenz? Dies führt gigkeit von
zu der im Thema ihnen wird
aufgeworfenen Frage:


Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

immer deutlicher spürbar. Computer siologe kann zwar eine Vielzahl von
scheinen immer menschenähnlicher Funktions­prinzipien und Informa-
zu werden. Wie geht es weiter? Gibt tionsverarbeitungsprozessen der
es irgendwann keinen Unterschied Sinnesorgane und des Gehirns be-
mehr zwischen natürlicher und schreiben (zum Beispiel Richtungs-
künstlicher Intelligenz? Sind also der hören, Konturensehen). Diese sind
Computer oder komplex vernetzte entscheidende Vorverarbeitungen für
Computersysteme irgendwann dem bewusstes Wahrnehmen und Erken-
menschlichen Gehirn überlegen und nen. Jedoch von einer Kenntnis der
intelligenter als der Mensch? Wird eigentlichen kognitiven Funktion
der Computer damit auch wert- des Gehirns sind wir unendlich weit
voller, weil er nicht krank werden entfernt, nahezu ebensoweit wie zu
kann? In diesem Zusammenhang Zeiten Descartes, der die Problematik
spielen auch die nicht unbegründe- als Leib-Seele-Problem (psychophy-
ten Ängste vor einem computeraus- sischer Parallelismus) beschrieben
gelösten Krieg, vor dem ungeheuren hat: „Ich denke, also bin ich.“
Machtkomplex der weltweiten
Computer-Netze und vor der die
Arbeitsplätze bedrohenden Robotik
eine nicht zu unterschätzen­de Rolle. Gefühle messbar?
Analogien zwischen Informations-
verarbeitung unseres Gehirns und
unserer Sinne und der zugehörigen
Das Gehirn Bewußtseinsinhalte sind einerseits
Wir wissen recht wenig darüber, zwar quantitativ bis zu einem gewis-
wie das menschliche Gehirn funk- sen Grade möglich. Der qualitative
tioniert. Grundsätzlich ist zunächst Aspekt unserer Sinnes­empfin­
zur künstlichen Intelligenz zu sagen, dungen, Gedanken und Ge­fühle
dass für eine Abgrenzung gegen- bleibt unseren Messungen jedoch
über der „natürlichen“ Intelligenz verschlossen. Derzeit weiß auch der
eben diese genaue Kenntnis der größte Forscher nicht, auf welche  -
kognitiven Funktion des Gehirns naturwissenschaft­lich wahrschein-
vorausgesetzt werden muss. Der lich gar nicht interpretierbar, Weise
Biokybernetiker oder der Neurophy- die Erre­gung einer Zellgruppe im


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Gehirn „Lust“ bewirkt, und die Zusammenfassend können wir


eines nur wenigen Millimeter ent- deshalb sagen, dass die Gehirnfunk-
fernten anderen ganz gleichartigen tion in ihrer Komplexität weitgehend
Zellhau­fens „Schmerz“ als Emp- unbekannt ist und das Bewusstsein et-
findung in unserem Bewusstsein was sein möchte, dessen Phänomen
auslöst. Sicher werden wir diesbe- nur erfahrbar und nicht mit üblichen
züglich weitere Fortschritte in naher Raum-Zeit behafteten Messgeräten
Zukunft erwarten dürfen. vermessen werden kann.

Bewusstsein Mensch - Maschine


Zu der riesigen Komplexität unserer Diese beiden Bemerkungen helfen
Gehirnfunktionen tritt noch das Phä- uns, bei der Diskussion Mensch
nomen „Bewusstsein“ auf. Es ist näm- - Maschine auf die Argumentationen
lich bis heute in keiner Weise vorstell- mit Verhaltensunter­schieden zu
bar, wie „es“, also das „Be­wusstsein“, verzichten, auf die man sich bisher
auf die komplexen Erregungswogen weitgehend konzentriert hat. Eine
unserer Gehirnstruk­tur, das „deter- bessere Vorgehensweise ist es, nur die
ministi­sche Chaos“, tatsächlich Unterschiede im Aufbau, bezie-
„blickt“ und es sogar „bewertet“. hungsweise Her­stellungsprozess, zu
Nun ist der Versuch, das Be- betrachten, also auf dem Boden der
wusstsein zu deuten, so alt wie die Tatsachen zu bleiben.
Menschheit. Es gibt zu denken, Aus dieser Sicht ist es selbstver-
dass bisher kein nennenswerter ständlich, dass der Mensch an sich
Erkenntniszuwachs zu ver­zeichnen Fähigkeiten erlebt, von denen er
ist. Bewusstsein ist ja weit mehr als nicht weiß, ob sie prinzipiell und
bloßes Instinktverhalten der Tiere: wenn ja, wie, mit materiell - energeti­
es bietet uns die Möglichkeit der schen Strukturen realisierbar sind.
Modellabbildung der Umwelt, der Der Mensch ist ja kein Produkt
Voraus­planung (Antizipation) und von Menschen. Da andererseits der
der Selbstreflexion, als auch die- Konstrukteur einer Maschine nicht
jenige der Raum-Zeit-Enthebung weiß, wie man Bewusst­sein und qua-
(Immanuel Kant). litative, subjektive Informationser-


Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

Computer Wafer

fahrung einer Maschine konstruiert, Das Gehirn hat eine Kapazi-


besteht nicht der geringste Anlass, tätsdichte um ca. 107 größer als
dieser Maschine solche Fähig- derzeitige Computer. Die Dichte
keiten zuzu­schreiben. Wie soll man und Zahl der Bauelemente eines
Lust- und Schmerzempfindungen Rechners ist in den letzten Jah-
- die Betonung liegt auf „Empfin- ren erstaunlich angestiegen. Der
dungen“, nicht auf summatorisch, wesentlich (ca. 1 Milliarde = 109
statistischen Signalgruppierungen fach) schnellere Rechner (Mensch
- in die Maschine hinein konstruie- max. 10 Hz Taktfrequenz; Rechner
ren? Das ist zunächst tröstlich und 10 MHz bis 1010 Hz: 100 picosek
nimmt uns etwas die Angst. = 0,1 nanosek) kann zwar seine
Schnelligkeit bei „dummen“ Rech-
nungs- und Suchvorgängen voll
ausspielen. Aber er bietet kaum die
Vergleich: Mög­lichkeit, die Komplexität der
Ganglien-Zell-Verschaltungen im
Gehirn - Computer Gehirn annähernd zu kompensie-
Natürlich sind aber noch viele ren. Das Gehirn hat eine hoch vari-
Details in diesem Zusammenhang able Plastizität. Ganz im Gegensatz
zusätzlich zu nennen. zu einfachen Rechnerschaltern


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funktionieren die Synapsen an den nur mit Schaltern (Relais) funkti-


Gehirnzellen auf analoge Weise. onsfähig aufbaubar, natürlich von
Trotz Folgen diskreter Aktions- irrsinniger Größe und mit nicht
potentiale arbeiten sie weitgehend aufbringbarem Energiebedarf.
kontinuierlich und nicht getaktet. Das Gehirn arbeitet mehr-
Dabei haben die neuralen Schalt­ fach parallel und fehlertolerant.
elemente einige 100 Eingänge, sie Die Mehrfach-Parallel-Anlage
besitzen variable Schwellen, können der Funktionswege des Gehirns
ihre Zugehörigkeit zu Funktions- versucht man heutzutage bescheiden
einheiten plastisch verändern und im Computerbau nachzuahmen,
verschiedene andere Dinge. Com- um Fehlertoleranz und zusätzliche
puter dagegen kennen nur Ja/Nein. Beschleunigung bei Bearbei­tung
Ist ein Bit falsch, dann bricht das zeitkritischer Probleme zu erreichen.
ganze Programm zusammen, weil Wenn man bedenkt, dass ab dem
der Computer nur die einfachs- 20. Lebensjahr bis zu 80 % (täg-
te Form eines „Automaten“, den lich etwa 1000) der Hirnzellen des
simplen Schalter, verwendet. Jeder Menschen im Alter degenerieren
Rechner (auch mit modernster können, ohne dass Routine-Funk-
Chip-Integration) wäre im Prinzip tionen zum Erliegen kommen, er-
kennt man, dass zwischen Gehirn-
funktion und Computer-Funktion
Welten liegen. Letzterer kann beim
Versagen eines einzigen Bitschalters
bereits völlig ausfallen.
Der Computer versagt weit-
gehend bei scheinbar einfachen
Aufgaben (4-seitiges Domino) und
ist ohne Programm ausdruckslos
und ohne Aufnahmefähigkeit. Zu
dem Domino-Problem gibt es keine
allgemeine Rechenregel (Algorith-
mus). Solche Probleme sind vom
Computer prinzipiell nicht, bezie-
hungsweise nur schwer (durch „un-
endliches“ Ausprobieren), zu lösen.

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Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

Dazu wird Einfallsreichtum „Sinnvolle“ Informations-Aus-


und Kreativität benötigt. Natur- wahl und Vergessenkönnen sind
gemäß ist der Computer ohne weitere entscheidende Unterschiede
Programme völlig funktionsste­ril zwischen Gehirnfunktion und
und ausdruckslos, während bereits Computer. Letzteres ist geradezu
das Kleinstkind aufgrund seiner ge- lebenswichtig, um langfristige
netisch erworbenen und bereits prä- „Blockaden“ zu verhindern. Das
natal entwickelten hierarchischen willkürliche Löschen von Daten
Gehirnstrukturen und Funktionen im Computer ist hierzu keine
emotionale Aus­drucksformen und Entsprechung, sondern dient nur
Aufnahmefähigkeiten mit breiter dazu, Spei­cherplatz zu schaffen.
Palette be­sitzt. Bei der sinnvollen Auswahl spielt
Nun gibt es jedoch mindestens wieder die ganzheitliche Funktions-
zwei noch entscheidendere Unter- weise des Gehirns eine große Rolle
schiede zwischen der Leistung des (emotionale Kompo­nente), aber
Zentralnervensy­stems (letztlich auch übergeordnete abstrahierende
der menschlichen Intelligenz) und Bewertungen durch hierarchisch
einem Computer. höhere Areale des Gehirns (Filte-
rung, Weglassen).

Das Gehirn
arbeitet ganzheitlich Künstliche Intelligenz
Die sich stets gegenseitig be­ Gehen wir zu Maschinen über,
einflussenden logischen Informa- welche „künstliche Intelligenz“
tions-Verarbeitung, emotio­nale besitzen sollen, so zeigt sich, dass
Befindlichkeit und Erinne­rungs- diese entscheidend darauf beruhen,
Assoziation sind auf das engste mit- dass die zu verarbeitende, sachbezo­
einander verknüpft. Dies ist beim gene Informationsmenge, also das
Rechner deutlich anders, der für Wissen über einen bestimmten
Spei­chern und Rechnen weitgehend Problembereich, eklatant größer
getrennte Funktionsteile besitzt, die ist, als dies früher möglich war.
einzeln austauschbar sind. Dies wird durch die heute verfüg-
baren, preiswerteren und größeren

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Das Fundament 5/2007

Laufroboter,
Bionik-Ausstellung 2006,
Karlsruhe

Speicher ermöglicht, weniger durch tenkanäle macht sie so nützlich


hineinprogrammierte sogenannte und erleichtert die menschliche
künstliche Intelligenz. Routinearbeit enorm, auch hin-
Eigene Intelligenz oder eigen- sichtlich von Entscheidungen, die
ständiges Lernvermögen besitzen auf solchen einfachen Prozessen
derzeit solche Expertensyste­me beruhen. Kreativ - aus sich heraus
oder KI-Systeme nicht, was - werden solche Systeme auch bei
auch von den Fachleuten - wenn Zugabe von „Rauschen“ nicht. Sie
vielleicht auch widerstrebend erweitern ihr Wissen stets durch
- weitge­hend zugegeben wird. Ihre Rück­fragen, wodurch natürlich ein
Geschwindig­keit beim schlichten nicht zu unter­schätzender Wissens­
Durchsuchen großer Wissensda- umfang erreicht werden kann.
tenbanken, beim schnellen Ab-
fragen einer Vielzahl von Alter-
nativen oder beim zeitkritischen
Verknüpfen einfacher Messda-

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Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

Information und mit seinem Schöpfer. Gott hat


ja ebenfalls im zweiten Schöp­
Kreativität: Mensch- fungsschritt ordnend in das Chaos
liche Kreativität eingegriffen, als er die Himmel
Die menschliche Kreativität ist der und die Erde gestaltete: „Und die
bedeutsamste Unterschied zum Erde war wüst und leer“ (1. Mose
Computer. Bezüglich mensch- 1, 2). Er hat also gegenüber dem
licher Kreativität können wir an wahrscheinlicheren Chaoszustand
das eingangs Gesagte anknüpfen: den unwahr­scheinliche­ren Ord-
„Voraussetzung für menschliche nungszustand geschaffen. Es ist dies
Informationsverarbeitung ist das also eine wichtige Äußerung der
Objekterkennen (Zäh­len)“. Da- in den Menschen vom Schöpfer
rauf aufbauend will ich die Frage hin­eingelegten Kreativität, indem
nach der mensch­lichen Kreativität er Ordnung schafft und damit dem
anhand zweier hochinter­essanter Chaos entgegenwirkt. Zum anderen,
Schilderungen in der Schöpfungs­ nicht völlig von der bereits mehr-
geschichte näher beleuchten. fach erwähnten „Auswahlfähig­keit
Die Kreativität des Menschen und Objekterkennungsfähigkeit“
äußert sich vor allem darin, dass des Menschen trennbar, aber doch
er in der Lage ist, wahrscheinliche eigens her­vorhebens­wert, zeigt sich
Zustandsänderun­gen seiner Um- die Krea­tivität des Menschen in der
welt nicht einfach hinzuneh­men, Fähigkeit der Findung, speziell der
sondern zu wählen und zu sortieren Erfindung. Vereinfacht ausgedrückt,
bzw. unwahr­scheinlichere Verhal- der Mensch kann - im Rahmen
tensweisen will­kürlich auszuwäh- seiner Mög­lichkeiten - etwas völlig
len. Vereinfacht ausge­drückt: der Neues, vorher nie Dagewesenes
Mensch kann Ordnung schaffen, schaffen, schöpferisch tätig sein.
dem Chaos entgegenwirken. Unser Wahrnehmungsapparat hat
die Fähigkeit, aus unseren Wahr-
nehmungen Objekte zu extrahieren
und dann eine Vielfalt von Objekten
aus unserer Erfahrung auf einen
Chaos - Ordnung Typ (Klassenrepräsentanten) zu
Hier zeigt sich zu einem Teil die verdichten. Dies geschieht nahezu
Ebenbildlichkeit des Menschen automatisch. Von dieser Erkenntnis

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Das Fundament 5/2007

ausgehend ist es nur noch ein kleiner auch erkannt, aber ebenso deutlich
Schritt zur Kreativität. die Tatsache, dass es Computerwerke
sind. Es ist bisher nicht möglich,
neuartige Stilarten mit Computern
aus sich selbst heraus ohne Analyse
von Künstlern zu schaffen.
Erfindung Deshalb müssen wir uns fragen:
Ähnlich, wie wir bei Wahrnehmun- Wie steht es denn mit der mensch­
gen aufgrund unserer Informations­ lichen Kreativität, wie verhalten
verarbeitung quasi „zuordnen sich Information und Kreativi­tät
müssen“ („Zuordnungszwang“), zueinander? Was ist ihr Ursprung?
so stehen wir auch unter einem Woher kommt nun diese Fähigkeit
Drang, Objektklassen zu ergänzen zum begrifflichen Zählen und da-
(„Ergän­zungs­zwang“). Derartige mit zum Bilden von Objekt­klassen
Objektklassen werden also auch bei (Begriffen) in unserer menschlichen
der Findung (Erfindung) gebildet. Informationsverarbei­tung als Basis
Allerdings ist dann zuerst der Typ unserer Kreativität? Es ist eine
vorhanden und Klas­senmitglieder Fähigkeit, die wir inter­essanterweise
folgen später nach (zum Beispiel beim Tier überhaupt nicht finden,
Rad). Dabei wird zum Beispiel abgesehen von antrainierten Reflex-
eine Wahrnehmung (zum Beispiel handlungen.
rollender Stein, oder Baumstamm)
als Typ (Begriff: Rad) etabliert und
in seiner Objektfülle (Räder, Rollen,
Flaschenzüge, Übersetzungen usw.
der verschieden­sten Art) ergänzt: das
ist Kreativität. Mit Computern ist
dies bisher nicht möglich gewesen,
ohne entsprechende Informatio­nen
vorher eingegeben zu haben. Es ist
zwar möglich, mit dem Computer
artistische Stile durch entsprechende
Eingaben zu erfassen und dann neue
„Werke“ zu produzieren. Der Stil
(zum Beispiel „typisch“ Bach) wird
 ortsetzung auf S. 31

14
Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

 ortsetzung von S. 14

Schöpfungsgabe Fähigkeit der Begriffs- beziehungs-


weise Typbildung.
Kreativität Fassen wir zusammen: Eine ers-
Wir müssen sie eindeutig als te Basis unserer Kreativität ist also
Mitgift des Schöpfers erkennen. einmal die vom Schöpfer mitge­
Der Schöpfer weiß, dass wir gebene Fähigkeit zum bewussten
diese typische Eigenschaft der Zählen, zur begrifflichen Informa­
Informationsverar­beitung haben tionsver­arbeitung, zur Bildung
und benützt sie auch. Interessanter- und Ergänzung von Objektklassen
weise lesen wir in der Schöpfungs- (Ordnung und Findung).
geschichte, dass es nicht nur beim
„Macht euch die Erde untertan“ (1.
Mose 1, 28) bleibt. An zwei Stellen
der, an sich ja sehr kurzen, Schöp­
fungsgeschichte, lesen wir „Herr-
schen über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels und
über das Vieh“ (1. Mose 1, 26; 1.
Mose 1, 28). Dies setzt die Fähig-
keit des Zählenkönnens und damit
der Objektklassifizierung letztlich
unbedingt voraus, die Gott uns
mitgegeben hat. Noch deutlicher
wird uns die Tatsache, dass Gott
unsere von ihm geschenkte Fähig-
keit derartig bewusster, begrifflicher
Informa­tionsverarbeitung kennt
und ausdrücklich benützt, wenn
wir 1. Mose 2, 19-20 lesen: „Er
(der Schöpfer) brachte die Tiere zu
den Menschen, um zu sehen, wie er
sie nennen würde.“ Hier haben wir Kommunikation
nichts anderes, als die Vorführung
von Objekten und die Anwendung Eine weitere Basis für die uns vom
der dem Menschen innewohnenden Schöpfer geschenkte Kreativität,

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Das Fundament 5/2007

insbesondere für einfaches kreatives nicht zu finden sind. Hören ist


Zusammenwirken unter uns Men- die komplexeste Sinnesleistung
schen, kommt noch hinzu. Kreati- überhaupt, denn das Wort muss
vität wird nämlich noch entschei- verstanden sein, wenn der Schall
dend durch eine zweite, typisch verklungen ist, während ein Bild
menschliche Fähigkeit ermöglicht: mehrfach betrachtet werden kann,
die Begriffliche Kommunikation auch wenn es sich bewegt. Unsere
zwischen Menschen. Gott schuf Fähigkeit zu artikulieren ist an-
den Menschen nicht paarweise nur dererseits extrem ausdifferenziert.
im Hinblick auf die Fortpflanzung Die Sprache scheint wirklich etwas
und Vermehrung, wie dies bei den typisch Menschliches zu sein,
Tieren geschah. Er zielte vielmehr wobei angeborene Detektorsy­steme
auf eine dem Adam entsprechende
Hilfe (1. Mose 2, 18).
„Darum werden sie zu einem
Fleisch werden“ (1. Mose 2, 25).
Dieses „Ein-Fleisch-Werden“
beinhaltet wiederum die entschei-
dende Fähigkeit des Menschen,
sein begriffliches Denken über
Sprache dem Mitmenschen, nicht
dem Tier, weiterzugeben. Denn
„Ein-Fleisch-Werden“ bedeutet
nicht nur das Zusammenziehen
oder die geschlechtliche Vereini-
gung, sondern Gleichklang der
Informationsverarbeitungssysteme, existieren, die speziell auf mensch-
die optimale Austauschmöglich­ liche Sprachelemente ansprechen.
keit von Gedanken und Gefühlen. Hinsichtlich der kreativitätsauslö-
Wieder müssen wir von einer senden Wirkung von begrifflicher
entscheidenden Mitgift unseres Kommunika­tion mit den Mit-
Schöpfers sprechen. Denn in der menschen über Sprache brauche
Tat weist die menschliche Sprache ich wohl nicht ausführlicher zu
und das zugehörige Hören Eigen­ werden. Sie wissen, was falsche und
schaften auf, welche im Tierreich richtige Worte anrichten können!

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Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

Von der einfachen Anregung zum Der autonome Mensch


Schaffen bis zur Aufforderung zur
barmherzi­gen Zuneigung und Tat, Warum will uns Gott, unser Schöp-
vom schlichten Widerspruch und fer, erreichen? Warum will er die
aufbauender Kritik bis hin zur uns mitgegebenen, kreativitäts-
massiven Beschimpfung und Dro- begründenden Eigenschaften zur
hung spannt sich hier der Bogen Kontaktaufnahme benutzen? Weil
im Zusammenhang mit ausgelöster der Mensch trotz seiner hochentwi-
Kreativität. ckelten Fähigkeit, Informationen zu
verarbeiten, trotz seiner exzellenten
Denkfähigkeit und Kreativität aus
sich heraus nicht fähig ist, seine
Umwelt, seine Mitmenschen richtig
zu erfassen, seine Daseins­aufgabe
Vorläufige in gottgewollter Weise zu erkennen
Schlussfolgerung oder gar zu bewältigen. Oft sehen
Ohne Verabredung gibt es kei- wir einen gottlosen, autonomen
nen Informationsaustausch. Menschen, der sich als ein „vernünf-
Es muss also eine Verabredung tig“ verstehendes Wesen versteht.
zwischen Gott und Mensch Aber er ist ein Wesen, das bewusst
stattgefunden haben, wenn der nicht nach Gott ausgerichtet ist, den
Schöpfer die Informationsver­ Informations­austausch mit seinem
arbeitungsprinzipien in uns kennt Schöpfer ablehnt und notwendi­
und vor allem nutzt. Die Verab- gerweise durch das Anlegen falscher
redung geschieht dadurch, dass Maßstäbe einem falschen Denken
er uns die beiden grundlegen­den und Handeln verfällt. Dieses Au-
Fähigkeiten mitgegeben hat: die tonomiestreben steckt bis zu einem
des Zählens, des Begriff­bildens, gewissen Grade in jedem Menschen.
des Denkens und der begrifflichen Heutzutage wird es jedoch beson-
Kom­munikation. Es sind dies ja ders deutlich, wenn man unsere
auch die beiden Fähigkeiten, welche Ego-Gesellschaft, unsere Spaßgesell-
Gott noch heute benutzt, um uns schaft und Machertypen betrachtet.
zu erreichen, wenn er in seinem Vor allem sind es oft auch führende
Wort (der Bibel) unser Begreifen Persönlichkeiten, welche demons-
über die Sprache anstoßen will. trativ Gott aus ihrem Leben und

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Das Fundament 5/2007

Handeln ausklammern und dadurch gebundenen, hochkom­plexen, aber


jede gesunde Autorität, jeden Vor- letztlich doch beschränkten Denken
bildcharakter zur Wertevermittlung und Erkennen preisgegeben. Sie sind
verlieren. sich autonom selbsteinschätzend
In Römer 1, 21 - 23 lesen wir: einem falschen Bild der Wirklich-
„Denn obwohl sie von Gott wussten, keit verfallen und handeln auch
haben sie ihn nicht als Gott gepriesen entsprechend. Mit anderen Worten:
noch ihm gedankt, sondern sind dem Unser Verstand, den unser Gehirn
Nichtigen verfallen in ihren Gedan- „produziert“, ist zwar bewunderns-
ken, und ihr unverständiges Herz wert, aber er reicht nicht aus, um
ist verfinstert. Da sie sich für weise uns „richtig“ im Sinne des Schöp-
hielten, sind sie zu Narren gewor- ferplans zu verhalten. Wir sehen es
den und haben die Herrlichkeit des beispielsweise im Wettrüsten und
unvergänglichen Gottes vertauscht mit der Umweltproblematik weltweit
einem Bild gleich dem eines vergäng- und in Selbstvor­würfen, Angst und
lichen Menschen und der Vögel und Depression beim Einzelnen.
der vierfüßigen und der kriechenden
Tiere.” Verdrossenheit, Unsicherheit
und Angst nehmen deshalb zu!
In 1. Korinther 3, 19 - 21 heißt es
ergänzend dazu: „Denn die Weisheit
dieser Welt ist Torheit bei Gott. Denn
es steht geschrieben: ‚Die Weisen fängt
er in ihrer Klugheit’, und wiederum:
‚Der Herr kennt die Gedanken der
Weisen, dass sie nichtig sind.’“

Gottlos ohne Ziel


Ohne Ausrichtung auf Gott scheint
Dahingegeben
der Mensch die göttlichen Gaben
Im Grunde hat Gott diese Men- der Begriffsklassenbildung und der
schen, die jegliche göttliche Informa- begrifflichen Kommunikation und
tion ablehnen, langfristig ihrem, an damit seine Kreativität nicht richtig
die einmal angelegte Gehirnstruktur einzusetzen, sondern sie zu miss-

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Information und Kreativität: Computer gegen Mensch?

brauchen. Gott gibt jedoch den un- Information:


gehorsamen, ihn ablehnenden Men-
schen nicht so ohne weiteres seinem
Gott rettet in Jesus
„ziellosen Dasein“, seinem falschen Gott hat uns die einfachst mögliche
autonomen Denken und Handeln Information gegeben. Eine für uns
preis. Er weiß, dass der Mensch leicht fassbare Information. Er zeigt
aus diesem Teufelskreis sich nicht uns ein Beispiel eines nicht abge-
selbst befreien und erlösen kann. fallenen Menschen(sohns). In Jesus
Gottes Entgegenkommen ist durch Christus, in dem das Wort Fleisch
das Ungehorsamsein des Menschen wurde. Gott selbst wird in ihm, sei-
nicht abgerissen. Seine Gnade und nem Sohn, zum Geschöpf. Er begibt
Liebe ist so groß, dass der abgefal- sich aus der raumzeitlosen Herrlich-
lene Mensch informiert wird, und keit in unseren Raum-Zeit-Käfig,
zwar deutlich und klar informiert begnügt sich weitgehend mit der
wird über sein Abgefallen­sein, über an eine menschliche Gehirnmasse
seine Schuld und seine Trennung gebundenen Fähigkeiten („nimmt
von Gott. Knechtsgestalt an“) und wird damit

Matthäuskirche, Frankfurt am Main

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Das Fundament 5/2007

wahrer Mensch. Jesu Verbindung dung zu Gott, unter seiner gütigen


oder Verabredung zum Schöpfer Führung und zu seiner Ehre? Gottes
bleibt aber ganz stark. Jesus zeigt Hilfe für diese Entscheidung ist groß.
absolut kein autonomes Verhalten, Da ist zum Ersten das Beispiel von
sondern seine Informationsver­bin­ Jesus Christus, der in enger Verbin-
dung zum Vater ist ungeheuer eng. dung und ohne autonomes Lossagen
Er sagt sich nicht selbstherrlich von in der Verbindung zu seinem Vater
Gott los, obwohl er das als Mensch lebte. Zum Zweiten ist der Geist
hätte tun können. Oft genug muss Gottes da, durch den Gott in unser
er dieser Versuchung widerstehen. raumzeitloses Bewusstsein auch
Ja, er ist so gehorsam, dass er für heute noch eingreifen kann, was
uns stellvertretend als Sündloser durch Gebet geschehen kann. Und
die völlige Trennung von Gott, die drittens haben wir das Beispiel von
entsetzliche Informationslosigkeit Menschen, die Frieden mit Gott
erduldet. Er als der Schöpfer aller gemacht und ihr Leben unter seine
büßt für uns alle! Und auch nur er Führung gestellt haben. Sie haben
kann dies tun. Hier übersteigt Got- das Angebot Jesu angenommen, der
tes Liebe bei weitem unser Verste- für sie die schreckliche Strafe der ewi-
hen. Aber dadurch, dass Jesus unser gen Gottesferne erduldet hat.
Bruder wurde, dürfen wir sagen: Notwendig auf unserer Seite ist das
Gott kennt unsere Probleme, unser Bekennen und Bereuen der bisher
Eingebildet­sein auf unsere kreativen unterbrochenen persön­lichen Ver-
Fähigkeiten, denen doch letztlich so bindung, der Wunsch in Verbindung
enge Grenzen gezogen sind. mit Gott über Jesus Christus ein
wirklicher Mensch, ein sinnerfüllter
Mensch sein zu wollen. Dann wird
es mög-lich, die eigene Fähigkeit, die
Persönliche uns deutlich vom Computer unter-
scheidet - nämlich die begriffliche
Stellungnahme Informationsver­arbeitung - also mög-
Wie will ich meine geschenkten Fä- lichst viel Kreativität einzusetzen, um
higkeiten der begrifflichen Informa- Gottes Ebenbild, Gottes Gegenüber
tionsver­arbeitung und der Kreativität zu werden. So werden wir Men-
nutzen? Ohne Verbindung zu ihrem schen, die für die Aufgaben, die Gott
Geber und Schöpfer oder in Verbin- stellt, verfügbar sind.  

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