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Zum weisen Akyrios.

Im Anschlufs an den voranstehenden Artikel des Herrn Professor


Jagic mag es dem Unterzeichneten gestattet sein, einige Notizen, welche
er sich gelegentlich ber die Haik r-Geschichte zusammengestellt hatte,
hiermit in thunlichster K rze zum Abdruck zu bringen.
Die beiden Pers nlichkeiten Haik r und N d n, wie sie in den
arabischen Texten heifsen, entstammen nach G. Hoflmanns treffenden
Bemerkungen, Ausz ge aus syrischen Akten persischer M rtyrer (= Ab-
handl. f. d. Kunde des Morgen!. VII. Nr. 3) p. 182 — vgl. auch A. M ller
in den Beitr. z. Kunde der indogerm. Spr. XIII 233 f. — dem Buche
Tobit1), und zwar ist Haik r, syr. Ahikar der 'Λχιαχαρος von Tobit
AC = 'Λχειχαρος 'Λχεικαρος 'Λχιχαρος 'Λχιαχαρ von Tobit B, N d n
der Ναβαδ Ναδαβ von B = Ναβας von C, welcher in A 11, 17 zu
Ναοβας und in A 14, 10 zu 'Λμαν entstellt ist und in A 11, 17 als
εξάδελφος (Neffe) des 'Λχιαχαρος bezeichnet wird. Die Grundlagen der
Erz hlung selbst sind einerseits A l, 21: [Tobit erz hlt] xal έβαόίλευαε
Σαχερδονύς νιος αυτού [des Σενναχηρίμ] άντ' αυτού, καΐ εταξεν
'Λχιάχαρον τον Άναήλ νΓον τον αδελφού μου επί παόαν την έκλο-
γιβτίαν της βαβιλείας αντον καΐ επί παοαν την διοίχηβι,ν. 22. καΐ
ήξίωβεν 'Λχι,άχαρος περί έμ,οϋ, xctl %λ&ον εις Νινευή. 'Λχιάχαρος ί£
ί\ν 6 οΙνοχόος xal επί τον δακτνλιον xcci διοιχητής xccl έκλογιότής, xccl
χατέότηβεν αντον ό Σαχερδονος έχ δεντερας (wesentlich ebenso B,
jedoch mit dem Zusatz επί Σενναχηρείμ, βαβίλέως 'Λόονρέων hinter
έχλογιΰτής) und andrerseits A 14, 10: [Ermahnung des alten Tobit an
seinen Sohn] τέχνον, £δε τι έποιηβεν Αμάν 'Λχι,αχάρω τω &ρέψαντι,
αντον, ώ^ έχ τον φωτός ήγαγεν αντον εις το οχότος xal ο6α άνταπ-
εδωχεν αντω* xal 'Λχιάχαρον μεν Ιαωοεν, έχείνω δε το άνταπόδομα
άπεδό&η, xal αυτός κατέβη είς το βκότος. Μαναοβής2) έποίηβεν

1) Beil ufig mag auf die nicht unwichtigen, den Theologen und Orientalisten
— wie es scheint — g nzlich entgangenen Bemerkungen hingewiesen sein, in
denen Simrock, Der gute Gerhard und die dankbaren Todten p. 131 f. auf den
Zusammenhang des Tobit-Buches mit dem weitverbreiteten M rchen vom dank-
baren Toten aufmerksam gemacht hat.
2) S. Fritzsche zur Stelle.

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128 I. Abteilung

έλεημοβννην xal έόώ&η έχ παγίδος θανάτου ης έπηζεν αντω. '


81 ένέπεβεν είς την παγίδα xal άπώλετο = Β: ΓΑ£, παιδίον^ ο<5α Ναδάβ
έποίηόεν Άχει,χάρω τω έχ&ρέψαντι αυτοί/, ουχί ζων χατηνέχ&η εις την
γήν; xal άπέδωχεν δ &εος την άτιμίαν χατά πρόαωπον αυτόν, χαϊ
έζήλ&εν εις το φως 'Λχίχαφος, χαϊ Ναδάβ είβήλ&εν είς το βχότος τον
αΙώνος ότι έζήτηόεν αποκτεΐναι 'Λχείχαρον. εν τω ποιήοαί με έλεημο-
οννην έζήλ&εν έχ της παγέδος τον θάνατον rp έπηξεν αντω Ναδάβ,
χαϊ Ναδάβ ίπεβεν είς την παγίδα τον θανάτου χαϊ άπώλεβεν αυτόν.
Man sieht: eine bei dem Mangel anderweitiger Angaben f r uns
ziemlich r tselhafte Intriguengeschichte, von der sich thats chlich eben
nur sagen l fst, dafs sie offenbar in ihren Grundz gen mit der Haik r-
Geschichte bereinstimmt. Letztere schliefst sich brigens zun chst
an den berarbeiteten Text B, da sie wie dieser den Haik r zwei
K nigen, Vater und Sohn, dienen l fst; freilich hat sie mit Sen-
charib, dem Sohne Sarchadoms (Bresl. bers, d. 1001 Nacht (1836) XIII
76. 87), das in Buch Tobit korrekt beobachtete historische Verh ltnis
von Σαχεφδονός (Assarhaddon) als dem Sohne des Σενναχηρίμ, geradezu
umgekehrt.1) Ich trage kein Bedenken, mit Hoflmann a. a. 0. der
Geschichte von Haik r syrischen Ursprung zuzuschreiben. Denn dieser
wird nahe genug gelegt durch das syrische Fragment weiser Spr che
Ahikars, welches Hoflmann aus Brit. Mus. Add. 7200 fol. 114 nach-
weist, nebenbei wohl auch durch den Umstand, dafs die Handschriften
des arabischen Textes zum Teil kars nisch, d. h. arabisch in syrischer
Schrift abgefafst sind (wenn auch z. B. die Gothaer Handschrift nach
Cornill am unten anzuf hrenden Orte p. 40. 43 erst aus einem rein
arabischen Texte umgeschrieben ist). Ich habe deren folgende ver-
zeichnet gefunden: J. S. Assemani, Bibliotheca Orientalis Clementino-
Vaticana*. T. II 508b („Hicari Philosophi Mosulani praecepta" in Nr. XL
— geschrieben anno Graecorum 1766 — der arabischen Handschriften,
die durch Andreas Scandar, resp. Innocenz XIII. in die Vaticana ge-
kommen sind). HI l, 286a. Nr. XXI („Historia Hicari sapientis, et
quae ipsi contigere cum Nadan sororis suae filio, et cum Rege Aegypti"
in Cod. Arab. Vatic. 55).2) — S. E. et J. S. Assemani, Bibliothecae
Apostolicae Vaticanae Cod. Man. Catal. Partis primae T. III 315

1) Auf Ahikar als Repr sentanten der Weisheit mag nebenbei auch der
chald ische Weise 'Λκίκαρος oder Άκίχαρος bei Theophrastus und Pseudo-Demo-
critus von Einflufs gewesen sein (s. Gruppe, Die griechischen Kulte und Mythen
I 335 f.).
2) An letzterer Stelle macht Assemani bereits die Bemerkung: „De Hicaro
eadem fere narrantur, quae de Aesopo Phryge." Er ist demnach der erste, dem
diese Beziehung aufgefallen ist.

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E. Kühn: Zum weisen Akyrios 129

(„Hicari Sapientis Fabulae . . . Arabice litteris Syriacis" Nr. XXXII,


fol. 160—166 des Cod. CLIX in fol., der 1628 und 1632 geschrieben
ist, „inter Codices Syriacos Beroeenses olim Primus"). — J. Forshall,
Catalogus cod. man. Orient, qui in Museo Brit. asservantur. P. I p. lll a
Nr. 14 („Historia Haikari sapientis Assyrii, qui Sennacheribi regis
tempore floruisse dicitur", fol. 182b—212 des Cod. Carshun. Nr. VIII
in kl. 4°). — Codices orientales bibl. regiae Hafhiensis. P. II p. 139 f.
(„Historia fabulosa fHaiqäri, Persici philosophi, qui San'häribi aetate
vixisse fertur", fol. 1—41 des arabischen Cod. CCXXXVI in kl. 8°, „ex
libris Sancti Montis Carmeli. 1670", von einem syrischen Priester in
Aleppo geschrieben). — W. Pertsch, Die arabischen Handschriften d.
Herz. Bibl. zu Gotha. IV 405 (Geschichte Haikärs des weisen Philo-
sophen, Vezirs des Königs Sanhärib, und Nädäns des Sohnes seiner
Schwester, fol. 47 b —64 b der Handschrift 2652, karsünisch — vgl.
Cornill, Das Buch der weisen Philosophen p. 32. 40 ff.). — Dazu
kommen die Handschriften, welche den sogleich zu nennenden Über-
setzungen zu Grunde liegen.
Gedruckt ist ein arabischer Text syrischen Dialektes neuerlich in
den Contes arabes edites par le pere A. Salhani, S. J. Beyrouth, Im-
primerie catholique 1890 (s. Trübner's Becord. Third Series. Vol. II
p. 77b. 97a); einen früheren Druck besitzt Professor A. Socin in Leipzig.
Übersetzungen im Anschlufs an „1001 Nacht", in deren Hand-
schriften die Erzählung jedoch nicht begegnet, finden sich bei Chavis-
Cazotte Bd. II, resp. Cabinet des Fees XXXTX 266—362 (Pariser
Handschrift, s. Breslauer Übers, der „1001 Nacht" (1836) Bd. XIII
p. XXIII Anm.**), bei GaUand-Caussin de Perceval Bd. VIH 167 ff.
(nach der gleichen Handschrift); bei Galland-Gauttier nach Agubs
Übersetzung aus zwei arabischen Handschriften („beide durch einander
berichtigt und ergänzt") und danach deutsch in der Breslauer Übers.
(1836) Bd. XIII 73—110 (vgl. p. XXXV und p. 304. 325); ferner in
Sir Richard Burton's Supplemental Nights (nach Trübner's Record
a. a. 0. p. 77b).
Aus dem Arabischen stammt der äthiopische Text der Sprüche
Haikärs, s. Mashafa Faläsfä Tabibän. Das Buch der weisen Philo-
sophen nach dem Äthiopischen untersucht von Carl Heinrich Cornill.
Leipzig 1875, p. 19—21, 40—44 (15 Sprüche in Übersetzung und im
äthiopischen Original nach einer Frankfurter und einer Tübinger Hand-
schrift mit den karsünischen Parallelen aus der Gothaer Handschrift).
Indische Parallelen und die in den mittelalterlichen
aufgenommene Bearbeitung erörtert Benfey in seinem Aufsatz „Die
kluge Dirne. Die indischen Märchen von den klugen Räthsellösern und
Byzant. Zeitschrift I I . 9

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130 I. Abteilung. E. Kühn: Zum weisen Akyrios

ihre Verbreitung über Asien und Europa" im Ausland 1859, p. 457 ff,
jetzt wiederholt in seinen Kleineren Schriften. Zweiter Band. Dritte
Abtheilung p. 156ff.; vgl. daselbst namentlich p. 164ff. 173ff. 181 ff. 185ff.
Die Texte des mittelalterlichen Bios Afaaitov bedürfen einer neuen
zusammenfassenden Untersuchung auf Grund des gesamten handschrift-
lichen Materials. Der in einigen Handschriften dem Planudes zuge-
schriebene Text, welcher schon früher mehrfach gedruckt ist und als
die Vulgata bezeichnet werden kann, ist neuerlich von Alfred Eberhard
in den Fabulae romanenses graece conscriptae, Vol. I (Lipsiae 1872),
226—305 herausgegeben worden, hauptsächlich nach Cod. Marcianus
11, 2 und Vindobonensis Philosophicus 192. Ziemlich abweichend ist
der Text in: Vita Aesopi. Ex Vratislaviensi ac partim Monacensi et
Vindobonensi codicibus nunc primum edidit Antonius Westermann,
Brunsvigae 1845, p. 7—57 (die der Haikär-Geschichte entlehnten Ab-
schnitte übersetzt bei Benfey a. a. 0. p. 187 ff); er beruht in erster
Linie auf einer modernen Abschrift eines gewissen Cober von Unge-
wisser Herkunft in der Breslauer Universitätsbibliothek, die jedoch mit
Codex Monacensis 525 im wesentlichen übereinstimmt, und ist in den
Weisheitssprüchen ziemlich stark namentlich aus Menander interpoliert,
wie schon Westermann in den Anmerkungen zu p. 46 ff. nachwies (vgl.
jetzt auch Wilhelm Meyer in den Abhandlungen d. philos.-philol. Cl.
d. K. Bayer. Akad. d. Wissensch. Bd. XV 423 ff.). Eine dritte, der
eben genannten nahestehende Rezension liegt vor in der nach 1448
verfafsten lateinischen Übersetzung des Rimicio, richtiger Rinuccio
d'Arezzo, welche oft gedruckt und in mehrere abendländische Sprachen
übersetzt worden ist, worüber man aufser Grässe, Lehrbuch einer all-
gem. Literärgesch., Zweiter Band, Zweite Abtheilung, p. 1113—1116
und Goedeke, Grundrifs zur Presch, d. deutschen Dichtung P 369 f.
noch Grässes Tresor des livres rares et precieux I und Brunets Manuel
du libraire I unter dem Wort „Aesopus" vergleichen mag.
Über rumänische Bearbeitungen sowie über mehrere Einzelheiten
der Erzählung überhaupt sehe man noch die Bemerkungen von M. Gaster,
Literaturä popularä romänä p. 104—113.
München, Mai 1892. Ernst Kahn.

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