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Land- und Waldbau Beatrix Heller

1. Unterrichtsabend
___________________________________________________________________

2. Naturschutzrecht

Übersicht wichtige Rechtsgrundlagen:


- Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz -
BNatSchG)
- Gesetz zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die
Erholungsvorsorge in der freien Landschaft Baden-Württemberg
(Naturschutzgesetz BW – NatSchG BW)
- RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 Zur Erhaltung der
natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen
(gebräuchliche Abkürzung: „FFH-Richtlinie“ von: Flora-Fauna-Habitat)
- Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der
wildlebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie)
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)
- Schutzgebietsverordnungen (NSG, LSG, etc.)
(Rote Listen) – Kein unmittelbarer Rechtsstatus!

2.1 Bundesnaturschutzgesetz + Naturschutzgesetz BW:

BNatSchG gibt die Grundziele des Naturschutzes vor und setzt internationales Recht, bzw.
internationale Vereinbarungen in nationales Recht um.
BNatSchG ist ein Rahmengesetz, welches bundesweit unmittelbar geltendes Recht enthält
(z. B. Artenschutz, Definition geschützter Teile von Natur und Landschaft) und durch die
Ländergesetzte ergänzt wird.

Im NatSchG BW (Landesgesetz Baden-Württemberg) werden diese Regelungen größtenteils


inhaltsgleich übernommen und durch landesspezifische Regelungen ergänzt. Abweichungen
gibt es z.B. im Bereich der geschützten Biotope (Küstenbiotope wurden beispielsweise
weggelassen), Ergänzungen vor allem im Bereich der Organisation (Behördenaufbau,
Anerkennung von Verbänden, Aufgabenverteilung, etc.).

Wichtigste Inhalte/Bestimmungen aus BNatSchG und NatSchG BW:


Ziele der Naturschutzes und der Landschaftspflege (§1 BNatSchG):
Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und
Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im
besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze so zu
schützen, dass
- die biologische Vielfalt,
- die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der
Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie
- die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf
Dauer gesichert sind;

Der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die
Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz).

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2.2 Begriffsbestimmungen (§7 BNatSchG)
2.2.1 Biologische Vielfalt: Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten einschließlich der
innerartlichen Vielfalt sowie die Vielfalt an Formen von Lebensgemeinschaften und
Biotopen;
2.2.1 Naturhaushalt: Die Naturgüter Boden, Wasser, Luft, Klima, Tiere und Pflanzen sowie
das Wirkungsgefüge zwischen ihnen;
2.2.2 Erholung: Natur- und landschaftsverträglich ausgestaltetes Natur- und Freizeiterleben
einschließlich natur- und landschaftsverträglicher sportlicher Betätigung in der freien
Landschaft, soweit dadurch die sonstigen Ziele des Naturschutzes und der
Landschaftspflege nicht beeinträchtigt werden;
2.2.3 Tiere:
a) wild lebende, gefangene oder gezüchtete und nicht herrenlos gewordene sowie tote
Tiere wild lebender Arten
b) Eier, auch im leeren Zustand, sowie Larven, Puppen und sonstige
Entwicklungsformen von Tieren wild lebender Arten,
c) ohne weiteres erkennbare Teile von Tieren wild lebender Arten und
d) ohne weiteres erkennbar aus Tieren wild lebender Arten gewonnene Erzeugnisse;
Pflanzen:
a) wild lebende, durch künstliche Vermehrung gewonnene sowie tote Pflanzen wild
lebender Arten,
b) Samen, Früchte oder sonstige Entwicklungsformen von Pflanzen wild lebender Arten,
c) ohne weiteres erkennbare Teile von Pflanzen wild lebender Arten und
d) ohne weiteres erkennbar aus Pflanzen wild lebender Arten gewonnene Erzeugnisse;
Als Pflanzen im Sinne dieses Gesetzes gelten auch Flechten und Pilze;
2.2.4 Art: jede Art, Unterart oder Teilpopulation einer Art oder Unterart; für die Bestimmung
einer Art ist ihre wissenschaftliche Bezeichnung maßgebend;
2.2.5 Biotop: Lebensraum einer Lebensgemeinschaft wild lebender Tiere und Pflanzen;
2.2.6 Lebensstätte: Regelmäßiger Aufenthaltsort der wild lebenden Individuen einer Art;
2.2.7 Population: Eine biologisch oder geografisch abgegrenzte Zahl von Individuen einer Art;
2.2.8 Heimische Art: Eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, die ihr Verbreitungsgebiet oder
regelmäßiges Wanderungsgebiet ganz oder teilweise
a) im Inland hat oder in geschichtlicher Zeit hatte oder
b) auf natürliche Weise in das Inland ausdehnt;
Als heimisch gilt eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart auch, wenn sich verwilderte
oder durch menschlichen Einfluß eingebürgerte Tiere oder Pflanzen der betreffenden
Art im Inland in freier Natur und ohne menschliche Hilfe über mehrere Generationen
als Population erhalten (Beispiele: Fasan, Damwild);
2.2.9 Gebietsfremde Art: Eine wild lebende Tier- oder Pflanzenart, wenn sie in dem
betreffenden Gebiet in freier Natur nicht oder seit mehr als 100 Jahren nicht mehr
vorkommt;
2.2.10 Invasive Art: Eine Art, deren Vorkommen außerhalb ihres natürlichen
Verbreitungsgebiets für die dort natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder
Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellt; (Beispiele: Drüsiges Springkraut,
Waschbär)

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2.3 Schutz bestimmter Teile von Natur und Landschaft:

2.3.1 Naturschutzgebiete (§ 23 BNatSchG, §26 NatSchG BW) „NSG“:


Rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete,
Schutzzweck: Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen:
a) zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung von Lebensstätten, Biotopen oder
Lebensgemeinschaften bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten,
b) aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
c) wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit
Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des
Naturschutzgebiets oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen
können, sind (…) verboten.

Zweitstärkste Schutzgebietskategorie! (nach Nationalpark)

Ca. 1.000 NSG in Baden-Württemberg, derzeit 25 im Landkreis Lörrach.


Ausweisung durch Höhere Naturschutzbehörde (beim Regierungspräsidium)
Unterschutzstellung durch Rechtsverordnung – Jedes NSG hat seine eigne Schutzgebiets-
verordnung! In der VO werden Schutzzweck, Schutzziel und alle dafür notwendigen
Maßnahmen und Nutzungs-Einschränkungen festgelegt. Oftmals Wegegebot, Verbot der
Errichtung baulicher Anlagen, Verbot der Entnahme von Pflanzen und Tieren.
Ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft kann i. d. R. weiterbetrieben werden,
Ausnahme: Schutzzweck gefährdet.

Jagd: Häufig gibt es je nach Schutzzweck bestimmte Einschränkungen. Teilweise


komplettes Jagdverbot, häufiger auch örtliche, sachliche und/oder zeitliche Begrenzungen,
z. B. Verbot von Kirrungen/Fütterungen, Verbot der Jagd auf Federwild, etc

Nationalparke (§ 24 BNatSchG, §27 NatSchG BW) „NP“:


Rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die großräumig (als
Zielgröße werden i. d. R. mindestens 10.000 ha genannt!), weitgehend unzerschnitten und
von besonderer Eigenart sind, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die
Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und sich in einem überwiegenden Teil
ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflußten Zustand befinden
oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu
werden (= „Entwicklungsnationalpark“), der einen möglichst ungestörten Ablauf der
Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet.

Stärkste Schutzkategorie!

Da die natürlichen Vorgänge weitestgehend ohne menschlichen Einfluß ablaufen sollen, ist
normalerweise jegliche Nutzung ausgeschlossen. Ausnahmen können nur unter strenger
Beachtung des Schutzzweckes bestehen.
NP können in BW nur per Gesetz installiert werden.
Am 28.11.2013 wurde mit dem „Gesetz zur Errichtung des Nationalparks Schwarzwald“ der
erste NP in BW ausgewiesen. Damit gibt es Bundesweit 15 Nationalparke.
Der NP Schwarzwald ist ein „Entwicklungsnationalpark“, da u. a. die derzeitige Baumarten-
zusammensetzung nicht den natürlichen Gegebenheiten entspricht und daher in den
kommenden Jahrzehnten zielorientiert beeinflußt werden soll.
NPe haben große Bedeutung für naturwissenschaftliche Untersuchungen und Tourismus!
Jagd: In NP oftmals verboten oder stark eingeschränkt! Die jeweils gültigen Gesetze und
Verordnungen sind entsprechend zu beachten!
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2.3.2 Biosphärenreservate (§ 25 BNatSchG), bzw. Biospärengebiete (§27 NatSchG BW):
Rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die großräumig und für
bestimmte Landschaftstypen charakteristisch sind und in wesentlichen Teilen
Voraussetzungen eines NSG, ansonsten überwiegend eines LSG erfüllen. Sie dienen
vornehmlich der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch
hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und der darin historisch
gewachsenen Arten- und Biotopvielfalt, einschließlich Wild- und früherer Kulturformen
wirtschaftlich genutzter oder nutzbarer Tier- und Pflanzenarten.
Im Gegensatz zum Nationalpark, wo ein vom Menschen möglichst wenig beeinflußter
Landschaftsteil geschützt werden soll, ist hier also die Erhaltung der Kulturlandschaft
vorrangig!
Typisch für Biosphärengebiete:
- Errichtung nach UNESCO-Standard
- Einteilung in 3 Zonen:
a) Kernzone: Kompletter Nutzungsverzicht (wie bei NP), Schutzstatus i. d. R. NSG,
häufig ist die Jagd hier nicht oder nur eingeschränkt möglich!
b) Pflegezone: Erhaltende, zielorientierte Bewirtschaftung der Ökosysteme rund um die
Kernzonen (zum Schutz/Erhaltung der Kernzonen und Weiterentwicklung der
Pflegezone).
c) Entwicklungszone: Weitgehend uneingeschränkte Nutzungen möglich.
Bundesweit derzeit 15 BG, ca. 3 % der Gesamtfläche.
BW: Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit insgesamt 85.000 ha seit 2009 von der UNESCO
anerkannt. Derzeit läuft die Einrichtung eines weiteren BG im (Süd-) Schwarzwald, von dem
auch ein großer Teil des Landkreis Lörrach betroffen sein wird.

2.4.4 Landschaftsschutzgebiete (§ 26 BNatSchG, §29 NatSchG BW):


Rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete. Schutzzweck kann sein:
1. Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des
Naturhaushalts oder der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der
Naturgüter, einschließlich des Schutzes von Lebensstätten und Lebensräumen bestimmter
wild lebender Tier- und Pflanzenarten,
2. Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der besonderen kulturhistorischen Bedeutung der
Landschaft oder
3. Besondere Bedeutung für die Erholung
- Schwerpunkt liegt eher auf der Erholungsfunktion als beim Schutz für Arten und
Lebensräume, daher relativ niedrige Schutzkategorie!
- In BW gibt es über 1.500 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von über
800.000 ha (ca. 22,4 % der Landesfläche), im Landkreis Lörrach derzeit 17 LSGe
Ausweisung durch die Landratsämter und Stadtkreise
- Jedes LSG hat eine Verordnung, verboten sind i. d. R. Handlungen, die den Charakter
des Gebietes verändern, den Naturhaushalt schädigen oder die Nutzungsfähigkeit der
Naturgüter zerstört.
- Der Nutzungsgedanke ist im LSG durchaus ausgeprägt, daher ergeben sich keinerlei
Einschränkungen für die Land-, Forst- und Fischerei-Wirtschaft, sofern sie im Rahmen der
guten fachlichen Praxis ausgeführt werden.
- I. d. R. keine jagdlichen Einschränkungen!

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2.4.5 Naturparke (§ 27 BNatSchG, §30 NatSchG BW):
Rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete zum Zwecke der Erholung
und des Tourismus. Sie sollen großräumig sein und überwiegend aus NSG und LSG
bestehen.
Schwächste Schutzkategorie, da kein Schutzgebiet im engeren Sinn sondern eine vorbildliche
Landschaft für die naturnahe Erholung.
Keine Nutzungseinschränkungen für die verschiedenen Bewirtschaftungsformen.
Normalerweise keine jagdlichen Einschränkungen! Ausnahmen können sich allenfalls durch
integrierte Gebiete höherer Schutzkategorien (z. B. NSG) ergeben.
Derzeit 8 Naturparke in BW.
Großer Teil des Landkreis Lörrach liegt im NP Südschwarzwald.

2.4.5 Naturdenkmale (§ 28 BNatSchG, §31 NatSchG BW):


Rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen
bis zu 5 ha Größe, deren Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder
landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich
ist, z. B. alte, starke Einzelbäume, Baumalleen, besondere Felsformationen.
In der Rechtsverordnung werden der Schutzgegenstand, der wesentliche Schutzzweck, die
dazu erforderlichen Verbote und Erlaubnisvorbehalte, Schutz- und Pflegemaßnahmen für das
Naturdenkmal sowie seine geschützte Umgebung bestimmt.
Die Naturschutzbehörde kann Verbote und Schutz- und Pflegemaßnahmen auch durch
Einzelanordnungen treffen.
Keine jagdlichen Einschränkungen. Ausnahme: Das Aufstellen von jagdlichen Einrich-
tungen an, auf oder in unmittelbarer Nähe von Naturdenkmalen kann dem Schutzzweck
widersprechen. (Beispiel: Keine Ansitzleiter an einen Baum nageln, der als
Naturdenkmal ausgewiesen ist!)

2.4.6 Besonders geschützte Biotope (§ 32 NatSchG BW):


Folgende Biotope sind besonders geschützt (prüfungsrelevant!):
1. Moore, Sümpfe, naturnahe Bruch-, Sumpf- und Auwälder, Streuwiesen, Röhrichtbestände
und Riede, seggen- und binsenreiche Nasswiesen;
2. natürliche und naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich
ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation
sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche, Altarme und regelmäßig
überschwemmten Bereiche, Quellbereiche, naturnahe Uferbereiche und naturnahe Bereiche
der Flachwasserzone des Bodensees;
3. offene Binnendünen, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Trocken- und
Magerrasen, Gebüsche und naturnahe Wälder trockenwarmer Standorte, jeweils
einschließlich ihrer Staudensäume, Krummholzgebüsche;
4. offene Felsbildungen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und
Lösswände;
5. Höhlen, Dolinen;
6. Feldhecken, Feldgehölze, Hohlwege, Trockenmauern und Steinriegel, jeweils in der freien
Landschaft.
Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung oder erheblichen oder nachhaltigen
Beeinträchtigung der besonders geschützten Biotope führen können, sind verboten!
Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen, die zur Erhaltung oder Wiederherstellung der
besonders geschützten Biotope notwendig sind; können (i. d. R. nach Genehmigung der
Unteren Naturschutzbehörde) durchgeführt werden.
Alle in § 32 aufgeführten Biotope haben automatisch durch das Vorhandensein in der
Natur den entsprechenden Schutzstatus. Eine gesonderte Ausweisung, Erhebung oder
Kartierung ist nicht erforderlich.
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Vereinfachte Faustregel: Alle besonders feuchten, bzw. nassen, trockenen und felsigen
Biotope gelten als schützenswert!

Bei der Jagdausübung sollten diese Sonderstandorte beachtet werden (z. B. keine Befahrung
von feuchten Bereichen, keine Ansitzeinrichtungen in/an den besonders sensiblen Bereichen,
keine Nährstoffzufuhr auf Magerrasen, etc.).
Sofern bei Maßnahmen jeglicher Art ein besonders beschütztes Biotop betroffen ist, muß im
Vorfeld eine entsprechende Genehmigung von der unteren Naturschutzbehörde eingeholt
werden.
Genehmigte Eingriffe müssen in der Regel ausgeglichen werden.

2.5 Europäische Schutzgebiete (§§ 32 ff BNatSchG, §§ 36 ff NatSchG BW):


2.5.1 RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 Zur Erhaltung der
natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen
- Gebräuchliche Abkürzung: FFH-Richtlinie (von Flora-Fauna-Habitat)
- Die Richtlinie bestimmt Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensraumtypen, deren
Schutz/Erhalt von gemeinschaftlichem Interesse aller Mitgliedstaaten ist.
- Um die Erhaltung der Arten und Lebensräume langfristig zu sichern, sind die
Mitgliedstaaten verpflichtet, ein Netz aus entsprechenden Schutzgebieten auszuweisen.
Zusammen mit den Vogelschutzgebieten (s. unten) bilden sie das „Natura 2000-
Netzwerk“.
- Die Gebiete werden von den Bundesländern gemeldet und von der EU abgenommen
und ausgewiesen. Das Verfahren ist in BW seit 2007 abgeschlossen.
- In BW gibt es 260 FFH-Gebiete, im Landkreis Lörrach gibt es insgesamt 11 Die
Bundesländer müssen für jedes FFH-Gebiet einen Managementplan (MAPL) mit
konkreten Vorgaben für Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, Einschränkungen, etc.
entwickeln. Verbote, Nutzungseinschränkungen, etc. ergeben sich aus dem
Schutzzweck sowie den vorhandenen Lebensräumen und Arten.
- Bis ein MAPL vorliegt, gilt im FFH-Gebiet allgemein das Gebot, den Erhaltungszustand
der natürlichen Lebensräume als „günstig“ zu erhalten. Daraus ergibt sich automatisch
Verschlechterungsverbot!
- Die Jagd wird in FFH-Gebieten i. d. R. nicht eingeschränkt!

2.5.2 RICHTLINIE 2009/147/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES


vom 30.11.2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten
- Gebräuchliche Abkürzung: Vogelschutz-Richtlinie (VSR)
- Meldung von entsprechenden Vogelschutzgebieten (VSG) wie bei FFH-Gebieten durch
die Bundesländer, Ausweisung durch EU
- Melde- und Ausweisungsverfahren in BW seit 2007 abgeschlossen
- In BW insgesamt 90 Vogelschutzgebiete, im Landkreis Lörrach insgesamt 3 mit
eindeutigem Hintergrund (Rhein: diverse Wasservögel, Südschwarzwald: Auerwild,
Tüllinger Berg und Gleusen: Vorkommen der Zaunammer)
- Zusammen mit FFH-Gebieten liegen in BW 17,6 % der Landesfläche im europaweiten
Natura-2000-Verbund von Schutzgebieten

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2.6. Schutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten
(§§ 39 ff BNatSchG, §§ 43 ff NatSchG BW):

2.6.1 Verbote Auszug § 39 BNatSchG:

Es ist verboten,
a) wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu
fangen, zu verletzen oder zu töten, (Einzeltierschutz!)
b) wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder
zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten,
c) Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu
beeinträchtigen oder zu zerstören.

Achtung: Die in §39 angegebenen Verbote gelten für grundsätzlich für alle diesem
Recht unterliegenden Tier- und Pflanzenarten unabhängig vom Schutzstatus!!
(Allgemeinschutz!) Auszug § 43 NatSchG BW:

In der Zeit vom 1. März bis 30. September ist es (…) verboten,
a) Hecken, lebende Zäune, Bäume, Gebüsche, Schilf- und Röhrichtbestände zu fällen,
zu roden oder auf andere Weise zu zerstören, abzuschneiden oder erheblich zu
beeinträchtigen,
b) Bäume mit Horsten oder Wohnhöhlen zu besteigen.
Ausnahmen: u. a. zulässige Bauvorhaben, Verkehrssicherung, land- und forst-
wirtschaftliche Bodennutzung und die fischereiwirtschaftliche Nutzung oberirdischer
Gewässer, soweit sie der guten fachlichen Praxis …entspricht,
Achtung: Während es für Land- und Forstwirtschaft diese Ausnahmeregelung
(„Legalausnahme“) gibt, gilt dies nicht für Tätigkeiten im Rahmen der reinen
Jagdausübung. So fällt beispielsweise das Aufschneiden von Schuß-Schneisen in
Verjüngung, Hecken oder Röhrichtbeständen unter das Verbot nach §43 und muß im Zeitraum
von Oktober bis Ende Februar erfolgen (Einverständnis des Grundeigentümers
vorausgesetzt).

2.7 Schutzstaus verschiedener Arten


Eine zentrale Rolle im Bemühen, die Artenvielfalt zu sichern, kommt sowohl im BNatSchG
(§44, s. oben) als auch in der BArtSchV dem gesetzlichen Artenschutz zu. Hier lassen sich
allgemeiner, besonderer und strenger Artenschutz unterscheiden.

Dabei gilt: Strenger Artenschutz ist hierbei die höchste Schutzkategorie! Streng
geschützte Arten sind automatisch auch immer besonders geschützt!

2.7.1 Allgemeiner Artenschutz


Der allgemeine Artenschutz gilt für alle wildlebenden Tiere und Pflanzen. (u. a. Verbot,
wildlebende Pflanzen- und Tierarten ohne vernünftigen Grund ihrem Standort zu ent-nehmen,
sie zu schädigen, zu fangen, zu töten oder ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu
beeinträchtigen oder zu zerstören.

2.7.2 Besonderer Artenschutz


Eine Reihe von Arten - besonders und streng geschützte - unterliegen dem besonderen
Artenschutz. Für sie gelten bestimmte Zugriffs-, Besitz- und Vermarktungsverbote, die
sich nach § 44 BNatSchG finden.
Die besonders geschützten Arten sind im BNatSchG in §7 Abs. 2 Nr. 13 definiert:
Besonders geschützt sind:

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- Arten der Anhänge A und B der EG-Artenschutzverordnung 407/2009
- Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie
- "europäische Vögel" im Sinne des Art. 1 der EG-Vogelschutzrichtlinie
- Arten der Anlage 1 Spalte 2 der Bundesartenschutzverordnung

2.7.3 Strenger Artenschutz


Zusätzlich zu den Bestimmungen, die für die besonders geschützten Arten gelten, gilt bei den
streng geschützten Tierarten sowie den europäischen Vogelarten zusätzlich das Verbot, sie
während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs-, und Wanderungszeit
erheblich zu stören.
Die streng geschützten Arten sind im BNatSchG in §7 Abs. 2 Nr. 14 definiert:
Zusätzlich (zum besonderen Schutz) streng geschützt sind:
- Arten des Anhanges A der EG-Artenschutzverordnung 407/2009
- Arten des Anhanges IV der FFH-Richtlinie
- Arten der Anlage 1 Spalte 3 der Bundesartenschutzverordnung

2.8 Bedeutung für die Jagd


Im Rahmen der Jagdausübung sind vor allem die Tiere aus der Klasse der Säugetiere und der
Vögel von Interesse/Bedeutung.

2.8.1 Säugetiere:
Nach BArtSchV sind alle wildlebenden Säugetierarten besonders geschützt!
Ausnahmen:
- Dazu gibt es eine Liste mit konkreten Ausnahmen:
Schermaus, Rötelmaus, Feldmaus, Erdmaus, Hausmaus Bisamratte, Wanderratte,
Hausratte
Amerikanischer Nerz (Mink), Marderhund, Waschbär, Nutria (diese 4 unterliegen in
BW dem Jagdrecht!)
- Die nach §2 BJagdG dem Jagdrecht unterliegenden Tierarten!
Achtung: Folgende Arten unterliegen nicht dem JWMG aber dem BJagdG und
sind damit nach Naturschutzrecht nicht besonders geschützt:
Wisent, Elchwild, Schneehase, Murmeltier, Mauswiesel, Fischotter, Seehund
Diese Arten genießen (sofern sie in BW vorkommen/auftauchen sollten), nur den
allgemeinen Schutz.

Beispiele für besonders geschützte Säugetierarten: Wolf, Biber, Eichhörnchen, Igel,


Siebenschläfer, Haselmaus
Arten, die nach Anhang IV der FFH-Richtlinie europaweit streng geschützt sind, unterliegen
damit automatisch auch nach §7 Abs. 2 Nr. 14 dem BNatSchG.

Folgende dem JWMG unterliegende Haarwildarten sind streng geschützt:


Wildkatze, Luchs

2.8.2 Vögel:
Während die dem BJagdG unterliegenden Säugetierarten in der BArtSchV ausdrücklich vom
Schutzstatus ausgenommen werden, ist dies beim Federwild nicht möglich. Nach der EG-
Vogelschutzrichtlinie und damit auch nach §7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG sind alle
europäischen Vogelarten und damit auch die Federwildarten besonders geschützt!
Folgende dem JWMG unterliegende Vogelarten sind nach BArtSchV zusätzlich streng
geschützt:
Auerwild, Habicht, Sperber (seit Sept. 2018), Wanderfalke, Knäkente, Moorente,
Rothalsgans

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2.8.3 Aneignungsrecht
Grundsätzlich darf sich der Jagdausübungsberechtigte alle Tiere, die dem JWG
unterliegen, unabhängig von der Einstufung in die Managementstufe und ihrem
Schutzstatuts alle Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, aneignen.
Ausnahmen:
Bei Arten, die dem Schutzmanagement unterliegen, dürfen keine lebenden Exemplare
angeeignet werden.
Bei Arten, die nach Anhang IV der FFH-Richtlinie europaweit streng geschützt sind,
besteht ein komplettes Aneignungsverbot (derzeit betroffen: Luchs, Wildkatze)

Umgekehrt besteht bei allen Tierarten, die nicht dem Jagdgesetz unterliegen, kein
Aneignungsrecht. Dies ist unabhängig vom Schutzstatus und gilt sowohl bei seltenen
(Beispiele: Wolf, Biber) als auch bei weniger seltenen Arten (Beispiele: Amsel,
Siebenschläfer, Eichhörnchen, etc.).
Daher ist es wichtig, den Artenkatalog des Jagdgesetzes zu kennen (vgl. Liste mit allen dem
JWMG unterliegenden Haar- und Federwildarten sowie jeweiligem Schutzstatus- im Unterricht
verteilt)!

2.9. Verbote nach BNatschG: (Auszug) § 44 BNatSchG:

Es ist verboten,
a) wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu
fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu
entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören, - Individuenschutz!!
b) wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten
während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und
Wanderungszeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn
sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art
verschlechtert, - Populationsschutz!
c) Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten
Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
(so ist z. B. jeder Baum mit einer Spechthöhle automatisch geschützt!)
d) wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen
aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören
(Zugriffsverbot).
Beispiele: Schneeglöckchen, Märzenbecher, Gewöhnliche Stechpalme
Es ist ferner verboten,
a) Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam
zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten
(Besitzverbot),
b) Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten (..) zu verkaufen, zu kaufen,
zum Verkauf oder Kauf anzubieten, zum Verkauf vorrätig zu halten oder zu befördern,
zu tauschen oder entgeltlich zum Gebrauch oder zur Nutzung zu überlassen,
c) zu kommerziellen Zwecken zu erwerben, zur Schau zu stellen oder auf andere Weise
zu verwenden (Vermarktungsverbot).

Ausnahmen der Verbote nach §44:


Entspricht die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung und die Verwertung der
dabei gewonnenen Erzeugnisse den in § 5 Absatz 2 bis 4 dieses Gesetzes genannten
Anforderungen (…) und den sich aus dem Recht der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft
ergebenden Anforderungen an die gute fachliche Praxis, verstößt sie nicht gegen die Zugriffs-,
Besitz- und Vermarktungsverbote.

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= Legalausnahme für Land-, Forst- und Fischerei-Wirtschaft!

2.9 Bundesartenschutzverordnung

Die Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) wurde zum Schutz wildlebender Tier- und


Pflanzenarten erlassen. Sie ist eine auf Grund des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG)
erlassene Rechtsverordnung, die den Artenschutz der Verordnung EG Nr. 338/97,(aktualisiert
durch die neue Fassung 407/2009) - „Artenschutzverordnung“ auf nationaler Ebene umsetzt.
Die EG-Verordnung wiederum dient der Überwachung des internationalen Handels mit
Exemplaren gefährdeter Tier- und Pflanzenarten und setzt das Washingtoner Artenschutz-
Übereinkommen (WA; engl. CITES (Convention on International Trade in Endangered Species
of Wild Fauna and Flora)) sowie weitere europäische Schutzbestimmungen um.
In der BArtSchV wird zwischen besonders und streng geschützten Arten unterschieden. In
einer Tabelle wird allen aufgeführten Arten der jeweilige Schutzstatus (besonders oder streng)
zugewiesen.

2.10 Rote Listen:


Rote Listen sind Verzeichnisse gefährdeter, verschollener und ausgestorbener Tier- und
Pflanzenarten. Sie geben Auskunft über den Gefährdungsgrad einzelner Arten und beziehen
sich immer auf ein bestimmtes Gebiet wie beispielsweise ein Bundesland oder einen
Naturraum.
Auch wenn Rote Listen kein juristisches Element sind und der Schutzstatus einer Art nicht
aus ihnen hervorgeht, so sind sie für den Naturschutz doch unverzichtbar. Der Auftrag
zur Erstellung der Listen ist daher im Landesnaturschutzgesetz (§42 NatSchG) verankert.
Rote Listen dienen der Information von Öffentlichkeit und Behörden über die Gefährdung
einzelner Tier- und Pflanzenarten, der Prioritätensetzung im Arten- und Biotopschutz, als
Entscheidungshilfen bei der Landschafts- und Eingriffsplanung, als Argumentationshilfe bei
Schutzgebietsausweisungen als Entscheidungshilfe für den rechtlichen Schutz von Arten.

2.11 Amtlicher und Ehrenamtlicher Naturschutz, Verbände

2.11.1 Naturschutzbehörden in Baden-Württemberg:


2.11.1.1 Behördenaufbau (3-stufig) nach §60 NatSchG BW:
Oberste Naturschutzbehörde: Ministerium (für Ländlichen Raum und
Verbraucherschutz)
Höhere Naturschutzbehörden: Regierungspräsidien (FR, KA, ST, TÜ)
Untere Naturschutzbehörden: Land- und Stadtkreise (44 in BW, bei uns LRA Lörrach)

Aufgaben der Naturschutzbehörden (§10 NatSchG BW):


Die Naturschutzbehörden haben dafür zu sorgen, dass die Vorschriften des Rechts des
Naturschutzes, der Landschaftspflege und der Erholungsvorsorge und die aufgrund dieser
Vorschriften erlassenen Anordnungen eingehalten werden. Sie haben die zur Durchführung
dieser Vorschriften notwendigen Maßnahmen und Anordnungen zu treffen.
Die Naturschutzbehörden haben bei ihren Planungen und Maßnahmen alle Behörden und
Träger öffentlicher Belange, deren Aufgabenbereich wesentlich berührt sein kann, so
rechtzeitig zu beteiligen, dass diese ihre Belange wirksam wahrnehmen können. Soweit
wesentliche Belange der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft berührt werden, sind deren
Berufsvertretungen zu beteiligen.
Die Naturschutzbehörden sind nach §9 NatSchG BW bei der Vorbereitung von Planungen,
Maßnahmen und sonstigen Vorhaben, die wesentliche Belange des Naturschutzes, der
10
Landschaftspflege und der Erholungsvorsorge berühren können, so rechtzeitig zu beteiligen,
dass sie die ihnen nach diesem Gesetz obliegenden Aufgaben wirksam wahrnehmen können.

2.11 Ehrenamtlicher Naturschutz

2.11.1 Naturschutzbeauftragte: Ehrenamtliche Kenner von Natur und Landschaft, die nach
§61 NatSchG von den Stadt- und Landkreisen jeweils auf fünf Jahre bestellt werden, um der
Unteren Naturschutzbehörde mit ihrem Rat zur Seite zu stehen. Sie beraten und unterstützen
insbesondere bei der Beurteilung von Vorhaben und Planungen, die mit Eingriffen in Natur und
Landschaft verbunden sind.
Darüber hinaus erarbeiten sie Stellungnahmen zu den Fachplanungen anderer Verwaltungen
und werden bei allen Vorhaben angehört, bei denen die Belange von Natur und Landschaft in
den Stadt- und Landkreisen berührt sind.
Im Kreis Lörrach sind derzeit 7 Personen beauftragt! (Aufteilung in örtliche
Zuständigkeitsbereiche)

2.11.2 Naturschutzwarte: Die unteren Naturschutzbehörden können nach §68 NatSchG


geeignete Personen ehrenamtlich für den Naturschutzdienst (Naturschutzwarte) einsetzen. Die
Naturschutzwarte unterstehen der Aufsicht der Naturschutzbehörde, die sie bestellt hat. Ihnen
können folgende Aufgaben übertragen werden:
1. Besucher der freien Landschaft über die Vorschriften zum Schutz der Natur und Landschaft
zu informieren und Zuwiderhandlungen gegen Rechtsvorschriften, die den Schutz der Natur,
die Pflege der Landschaft und die Erholung in der freien Natur regeln und deren Übertretung
mit Strafe oder Geldbuße bedroht ist, festzustellen, zu verhüten sowie bei der Verfolgung
solcher Zuwiderhandlungen mitzuwirken,
2. Die Naturschutzbehörde über nachteilige Veränderungen in Natur und Landschaft zu
unterrichten und bei deren Beseitigung mitzuwirken.
Naturschutzwarte sind verpflichtet, der Naturschutzbehörde die Verletzung von Vorschriften
des Naturschutzrechts zu melden. Sie müssen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ein
Dienstabzeichen tragen und einen Ausweis über ihre Bestellung mit sich führen, der auf
Verlangen vorzuzeigen ist.
Naturschutzwarte sind berechtigt, Personen, die einer Rechtsverletzung verdächtig
sind, zur Feststellung der Personalien anzuhalten. Weitere hoheitliche Befugnisse können
nicht übertragen werden.

Achtung! Von der UNB bestellte Naturschutzwarte sind nicht mit den gleich bezeichneten
Naturschutzwarten von Vereinen/Verbänden zu verwechseln! (z. B. KJV, Naturschutzvereine).
Im Landkreis Lörrach gibt es derzeit 56 bestellte Naturschutzwarte, darunter auch einige
Jäger.
Hinweis: Naturschutzwarte sind als „Hilfs-Sheriffs“ der Unteren Naturschutzbehörde zu
verstehen (das ist nicht abwertend gemeint, sondern beschreibt sehr gut ihre
Stellung/Funktion!). Da es durchaus vorkommen kann, dass man als Jäger im Revier in
Kontakt/Konflikt mit diesen Personen kommen kann, sollte man ihre Aufgaben und
Rechte kennen!

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2.11.3 Naturschutzvereine, Landesnaturschutzverband (§§ 66+67 NatSchG): Nach §67
NatSchG kann ein rechtsfähiger Verein wird auf Antrag als Naturschutzverein anerkannt
werden, wenn er u. a. nach seiner Satzung ideell und nicht nur vorübergehend vorwiegend
die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege fördert, die Gewähr für eine
sachgerechte Aufgabenerfüllung bietet, wobei Art und Umfang seiner bisherigen Tätigkeit, der
Mitgliederkreis sowie seine Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen sind und landesweit tätig
ist.
Der Landesjagdverband ist ein nach §67 anerkannter Naturschutzverein! Dies ist auch
politisch bedeutend, da sich für anerkannte Naturschutzvereine bestimmte (Mitsprache-
Rechte ergeben (§67 Abs. 4, Auszug):
Einem anerkannten Verein ist Gelegenheit zur Äußerung und zur Einsicht in die einschlägigen
Sachverständigengutachten zu geben

1. bei der Vorbereitung von Verordnungen und anderen im Rang unter dem Gesetz
stehenden Rechtsvorschriften der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen
Behörden,
2. bei der Vorbereitung von Programmen und Plänen (…),
3. bei der Vorbereitung von Programmen staatlicher und sonstiger öffentlicher Stellen zur
Wiederansiedlung von Tieren und Pflanzen verdrängter wild lebender Arten in der freien
Natur,
4. vor Befreiungen von Verboten und Geboten zum Schutz von Naturschutz-Gebieten,
Nationalparken, Biosphärengebieten und sonstigen Schutzgebieten..

Die Naturschutzbehörden können gemäß §66 NatSchG Naturschutzvereinen auf Antrag in


bestimmtem Umfang die Betreuung von geschützten Gebieten oder geschützten
Gegenständen widerruflich übertragen. Hoheitliche Befugnisse können nicht übertragen
werden.
Ein rechtsfähiger Zusammenschluss von überörtlich tätigen Naturschutzvereinen, dessen
Tätigkeit sich auf das gesamte Landesgebiet erstreckt, kann auf Antrag von dem Ministerium
als Landesnaturschutzverband anerkannt werden.
In Baden-Württemberg gibt es einen solchen Landesnaturschutzverband (der auch diesen
Namen trägt). Derzeit besteht er aus 34 Mitgliedern/Vereinen, darunter auch:
Landesjagdverband, Landesfischereiverband, Ökologischer Jagdverein BW e.V.
Weitere Infos zu den Mitgliedsvereinen LNV sind unter http://lnv-bw.de/ueber-uns/mitglieder/
zu finden.

3. Betreten von Natur und Landschaft (Ergänzung)


Nach § 59 BNatSchG ist das Betreten der freien Landschaft auf Straßen, Wegen und
ungenutzten Flächen zum Zweck der Erholung jedermann gestattet.
3.1 Ausnahmen vom Allgemeinen Betretungsrecht:

a) Landwirtschaft:
- Sonderkulturen (z. B. Gartenbau, Weinbau)
- Ackerflächen: Während der Nutzzeit (Von Saat/Bestellung bis zur Ernte)
- Weiden/Wiesen: Zeit des Aufwuchses, bzw. der Beweidung

Hinweis: Das Betretungsverbot gilt hier für den Erholungssuchenden. Im Rahmen der
ordnungsgemäßen Jagdausübung dürfen diese Flächen betreten werden, wobei natürlich
Rücksicht auf die Belange des Bewirtschaftenden genommen werden muß. Schäden, die im
Rahmen der Jagdausübung an diesen Flächen/Kulturen entstehen (=Jagdschäden), müssen
gegebenenfalls ersetzt werden.
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b) Forstwirtschaft:
Naturverjüngungen und Kulturen (Pflanzflächen)
Hinweis: Das Betretungsverbot gilt hier für den Erholungssuchenden. Im Rahmen der
ordnungsgemäßen Jagdausübung dürfen diese Flächen betreten werden!
- Waldwege/Waldflächen, die wegen Holzernte-Arbeiten oder aus sonstigen Gründen
nach §38 LWaldG gesperrt sind.
Hinweis: Dieses Betretungsverbot gilt auch für die Jagdausübung! (Bei Sperrung nach
§38 LWaldG evtl. Ausnahmen in Abhängigkeit vom Zweck der Sperrung)

c) Naturschutz:
- Nach §32 NatSchG besonders geschützte Biotope, sofern sie durch Betreten
beeinträchtigt werden können (z. B. Feuchtbiotope)
- In ausgewiesenen Schutzgebieten gemäß Angaben der jeweiligen Schutzgebiets-
Verordnung (in Naturschutzgebieten i. d. Regel Wegegebot)
- Wenn besonders geschützte Pflanzenarten beim Betreten zerstört werden können
(man sollte beispielsweise nicht auf eine Orchidee treten!)

Diese Betretungsverbote gelten i. d. R. auch bei der Jagdausübung! Ausnahmen regeln evtl.
die SG-VO

3.2 Diverse Formen der Erholung in der Natur


Das unter Punkt 1.1 genannte allgemeine Betretungsrecht gilt zunächst nur für
Erholungssuchende, die zu Fuß unterwegs sind (Spaziergänger, Jogger, Nordic-Walker).
Für Radfahrer/Mountainbiker gilt die Einschränkung, dass sie sich nur auf geeigneten
Wegen (also nicht querfeldein!) bewegen dürfen und auf Fußgänger Rücksicht nehmen
müssen. Nach LWaldG dürfen Radfahrer im Wald nur auf Wegen fahren, die mindestens
2 m breit sind.

Da dies vielen Radsportlern, insbesondere Mountainbikern, zu einfach/langweilig ist, werden


derzeit vermehrt entsprechende Strecken/Pisten ausgewiesen. Somit soll einerseits dem
Bedürfnis dieser Sportler nachgekommen werden, andererseits sollen mögliche
Konfliktpotentiale (z. B. mit Spaziergängern, Belangen des Naturschutzes, etc.) durch gezielte
Streckenführung minimiert werden.

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