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MEDICON eG GERMANY · 47º 57’ 31.4” N · 8º 46’ 58.

6” E

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Instrumenten-
aufbereitung
N
 ot all products illustrated in this documentation are available for sale in all countries.
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THE ART OF SURGERY

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeine Informationen 2 12. Lagerung 45

1.1 Allgemeine nationale Bestimmungen 3 13. Tipps & Tricks 47

1.2 Warnhinweis hinsichtlich CJK-Patienten und 6 13.1 Tipps zur Organisation des Instrumenten- 47
CJK-Verdachtsfällen transports
1.3 Wichtige Symbole zur Kennzeichnung von 7 13.1.1 Allgeimeine Tipps 47
Medizinprodukten
13.1.2 Tipps zur Entsorgung 47
2. Fabrikneue Instrumente 8
13.2 Tipps zum Beladen der Siebkörbe 48
3. Vorbereitung am Gebrauchsort 9
13.3 Tipps zur Reinigung und Desinfektion 48
3.1 Entsorgung 9
13.4 Tipps zur Kontrolle, Wartung und Pflege 49
3.1.1 Trockenentsorgung 10
13.4.1 Pinzetten 49
3.1.2 Nassentsorgung 11
13.4.2 Gelenke 50
3.2 Transport von OP / Stationen in ZSVA 13
13.4.3 Instrumente mit Doppelgelenk 52
4. Vorreinigung 14
13.4.4 Schiebeschaft Instrumente 52
4.1 Manuelle Vorreinigung 15
13.5 Tipps zur Verpackung 53
4.2 Maschinelle Vorreinigung 15
13.6 Tipps zur Dokumentation 53
4.3 Ultraschallbehandlung 16
14. Prozesschemikalien 54
5. Vorbereitung der Instrumente zur 19
Reinigung 14.1 Reinigungsmittel 54

6. Maschinelle Reinigung und Desinfektion 21 14.2 Neutralisationsmittel 55

7. Manuelle Reinigung und Desinfektion 24 14.3 Pflegemittel 55

8. Trocknung 26 14.4 Nachspülmittel 55

8.1 Maschinelle Trocknung 26 14.5 Grundreinigungsmittel 55

8.2 Manuelle Trocknung 26 14.6 Wasser 56

9. Kontrolle, Wartung und Pflege 27 15. Werkstoffe chirurgische Instrumente 57

9.1 Kontrolle 27 15.1 Hochlegierter Edelstahl 57

9.2 Wartung 29 15.1.1 Legierung 59

9.3 Pflege 30 15.1.2 Passivschicht 60

10. Verpackung 32 15.2 Titan 61

10.1 Zusammenstellung / Packen der Sets 32 15.3 Aluminium 62

10.2 Hartverpackung 34 15.4 Kunststoffe 63

10.3 Weichverpackung 36 16. Materialveränderungen und ihre Ursachen 64

10.4 Kennzeichnung 38 16.1 Beläge 64

11. Sterilisation 39 16.2 Verfärbungen 68

11.1 Dampfsterilisation 41 16.3 Korrosion 70

11.2 Resterilisation 44 16.4 Alterung und Quellung 74

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

Diese Broschüre beschäftigt sich ausschließlich mit wiederverwendbaren chirurgischen


Instrumenten und gibt einen Einblick in deren fachgerechte Aufbereitung.
Auf Grund der erhöhten Infektionsgefahr bei der Handhabung von kontaminierten, chirurgi-
schen Instrumente müssen zum Schutz von Patienten, Anwendern und Dritten die für eine
Mehrfachverwendung vorgesehenen Instrumente nach ihrer Anwendung und vor jeder
nachfolgenden Anwendung gemäß der gesetzlichen Vorgaben wiederaufbereitet werden.
Die nationalen Richtlinien sind stets zu beachten.
Zur Erhaltung von Funktion und Sicherheit - kurz zur langzeitigen Werterhaltung der
Instrumente - muss die Wiederaufbereitung und Pflege sach- und fachgerecht erfolgen. Die
Gebrauchsanweisungen und Herstellerangaben der Medizinprodukte, der bei der
Aufbereitung verwendeten Geräte (Reinigungs- und Desinfektionsgerät, Sterilisationsgerät),
der Chemikalien (Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Pflegeöl) und des Verpackungsmate-
rials sind stets zu beachten. Nur durch eine fachgerecht durchgeführte Wiederaufbereitung
und Handhabung der Instrumente ist deren Funktionsfähigkeit und lange Lebensdauer
gewährleistet.
Alle Einzelschritte der Wiederaufbereitung müssen auf das Medizinprodukt, die vorausge-
gangene und nachfolgende Anwendung abgestimmt sein. Außerdem müssen die Einzel-
schritte der Wiederaufbereitung aufeinander abgestimmt sein, lückenlos und mit stetiger
Kontrolle des Ergebnisses durchgeführt und dokumentiert werden.
Der Aufbereitungskreislauf eines Medizinprodukts besteht aus folgenden Schritten:

Handhabung
von fabrik-
neuen und Vorbereitung der
OP-Einsatz
reparierten Instrumente
Instrumenten

Maschinelle oder
Lagerung manuelle Reinigung
und Desinfektion

Kontrolle,
Sterilisation
Wartung und
Pflege
Verpackung

Die Anwendung von validierten Verfahren gewährleistet die Nachvollziehbarkeit und die
Reproduzierbarkeit der Prozessschritte und sichert die Qualität der Wiederaufbereitung. Der
gesamte Wiederaufbereitungsprozess und das aufbereitete Medizinprodukt darf zu keiner
Zeit die Sicherheit von Patienten, Anwendern und Dritten gefährden.

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

1.1 Allgemeine nationale Bestimmungen

Risikostufen:
Die Medizinprodukte werden für die Wiederaufbereitung bewertet und in Risikostufen einge-
stuft. Die Einstufung erfolgt durch den Betreiber unter der Berücksichtigung

• der vorangegangenen und der nachfolgenden Anwendung


• der Angaben des Herstellers
• der Konstruktionsmerkmale
• der Eigenschaften des Medizinproduktes.

• unkritische Medizinprodukte  Medizinprodukte, die lediglich mit intakter Haut in


Berührung kommen
• semikritische Medizinprodukte  Medizinprodukte, die mit Schleimhaut
(Gruppe A und B) oder krankhaft veränderter Haut in Berührung
kommen
• kritische Medizinprodukte  Medizinprodukte zur Anwendung von
(Gruppe A, B und C) Blut, Blutprodukten und anderen sterilen Arzneimit-
teln und Medizinprodukte, die die Haut oder
Schleimhaut durchdringen und dabei Kontakt mit
Blut, inneren Geweben oder Organen kommen,
einschließlich Wunden

• Gruppe A  ohne besondere Anforderungen an die Aufbereitung


• Gruppe B  mit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung
• Gruppe C  besonders hohe Anforderungen an die Aufbereitung
(RKI-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinproduk-
ten“ Bundesgesundheitsblatt 2001/ 11, Seite 1115-1126)

Es ist zu empfehlen in Zweifelsfällen und bei Problemen bei der Wiederaufbereitung den Rat
des Herstellers einzuholen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.medicon.de.

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

Zusammenhang zwischen den Medicon eG Handbuchkapiteln und der Abschnite der


RKI-Empfehlung („Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinproduk-
ten“, Bundesgesundheitsblatt 2001/ 11, Seite 1115-1126) und der Norm DIN EN ISO 17664
- Sterilisation von Medizinprodukten:

MEDICON eG RKI-Empfehlung DIN EN ISO 17664


Handbuchkapitel

1. Allgemeine
Informationen
2. Fabrikneue Instrumente

3. Vorbereitung am 2.1 Aufbereitung nicht 3.3 Vorbereitung am Ge-


Gebrauchsort angewendeter Medizin- brauchsort
produkte
2.2 Aufbereitung angewen-
deter Medizinprodukte
5. Vorbereitung der Instru- 2.2.1 Vorbereitung der 3.4 Vorbereitung vor der
mente zur Reinigung Aufbereitung, Reini- Reinigung
gung/ Desinfektion,
Spülung und Trock-
6. Maschinelle Reinigung nung 3.5 Reinigung
und Desinfektion 3.6 Desinfektion
7. Manuelle Reinigung und
Desinfektion

8. Trocknung 3.7 Trocknen

9. Kontrolle, Wartung und 2.2.2 Prüfung der tech- 3.8 Kontrolle, Wartung und
Pflege nischfunktionellen Prüfung
Sicherheit

10. Verpackung 2.2.3 Verpackung 3.9 Verpackung


2.2.4 Kennzeichnung

11. Sterilisation 2.2.4 Sterilisation 3.10 Sterilisation


2.2.6 Freigabe zur Anwen-
dung
2.2.7 Dokumentation

12. Lagerung 3. Transport und Lagerung 3.11 Lagerung

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

1.2 Warnhinweis hinsichtlich


CJK-Patienten und CJK-Verdachtsfällen

Für die Wiederaufbereitung von Instrumenten, die Kontakt mit CJK-Patienten


(Creutzfeldt-Jakob-Patienten) oder CJK-Verdachtsfällen hatten, gelten aufgrund der hohen
Infektionsgefahr besondere Anforderungen. Die nationalen Richtlinien sind zu beachten.
Folgende prionenspezifische Schutzmaßnahme (v)CJK für die Instrumentenaufbereitung ist
angezeigt.
• Diagnose einer definitiven oder wahrscheinlichen (v)CJK:
Ist die Verwendung von Einmalartikel nicht möglich, muss das verwendete Instrumenta-
rium, bei welchem eine Kontamination stattgefunden hat bzw. nicht ausgeschlossen ist,
als Verbrennungsabfall entsorgt werden.
• (v)CJK-Verdachtsfall:
Bei Verdacht auf Prionenkontamination wird die Verbrennung gemäß Task-Force (v)
CJK-Abschlussbericht empfohlen.
• Ausschluss einer (v)CJK:
Das Instrumentarium kann nach abschließender Aufbereitung weiterverwendet werden.
Ansonsten muss das Instrumentarium, bei welchem eine Kontaminati on stattgefunden
hat bzw. nicht ausgeschlossen werden kann, als Verbrennungsabfall entsorgt werden.
• Nicht erkennbare (v)CJK Erkrankung:
Auch wenn nichts über das Vorliegen einer Prionenkrankheit bekannt ist, sollen zur
Aufbereitung zwei Verfahren mit mindestens teilweiser Prionenwirksamkeit eingesetzt
werden - z.B. alkalische maschinelle Reinigung kombiniert mit Dampfsterilisation.
Wenn keine alkalische maschinelle Reinigung oder ein anderes Reinigungsverfahren mit
nachgewiesener Prionenwirksamkeit eingesetzt wird und es sich um Medizinprodukte
mit Kontakt zu Risikogeweben (ZNS, Auge, lymphatischem Gewebe) handelt, empfiehlt
das RKI eine verlängerte Sterilisationszeit von 18 Minuten bei 134 °C.

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THE ART OF SURGERY

1. Allgemeine Informationen

1.3 Wichtige Symbole zur Kennzeichnung von


Medizinprodukten

• nicht zur Wiederverwendung

• nicht erneut sterilisieren STERILIZE

• verwendbar bis

• Chargenbezeichnung

• Herstellungsdatum

• Hersteller

• steril

• Achtung

• untere Temperaturbegrenzung

• obere Temperaturbegrenzung

• Temperaturbegrenzung

• Gebrauchsanweisung beachten

• vor Sonnenlicht geschützt aufbewahren

• trocken aufbewahren

• unsteril

• bei beschädigter Verpackung nicht verwenden

Verweise:

DIN EN 980 Symbole zur Kennzeichnung von Medizinprodukten


DIN ISO 15223-1 Medizinprodukte - Bei Aufschriften von Medizinprodukten zu verwen-
dende Symbole, Kennzeichnung und zu liefernde Informationen -
Teil 1: Allgemeine Anforderungen

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THE ART OF SURGERY

2. Fabrikneue Instrumente

Fabrikneue Instrumente, die unsteril angeliefert werden, müssen aus der Verpackung
genommen und wie folgt gelagert werden:
• luftoffen
• in trockenen Räumen
• nicht in der Umgebung von Chemikalien

Gut zu
wissen • Bei der Lagerung in einer geschlossenen Kunststoffverpackung
können Temperaturschwankungen zur Bildung von Kondenswas-
ser führen. Die Gefahr von Rostbildung wird erheblich erhöht.
• Die Chromanteile des Instrumentenstahls reagieren bei luftoffener
Lagerung mit dem Sauerstoff und die Passivschicht bildet sich
weiter aus (Passivschicht  Kapitel 15.1.2).
• Die aggressiven Inhaltsstoffe der Chemikalien können in unver-
dünnter Form korrosive Dämpfe entwickeln und das Material der
Instrumente angreifen.

Ein sensibler Umgang mit fabrikneuen Instrumenten ist wichtig, da bei ihnen die
Passivschicht noch nicht so stark ausgebildet ist und die Oberfläche leichter beschä-
digt werden kann.

Vor der ersten Anwendung

Die Instrumente müssen vor der ersten Anwendung den kompletten Aufbereitungs-
kreislauf durchlaufen um mögliche Kontaminationen aus dem Fertigungsprozess und
von der Verpackung zu entfernen. Obwohl die Instrumente nach der Herstellung
gründlich gereinigt werden, kann es dennoch zu Kontaminationen der Instrumente
kommen. Durchlaufen die Instrumente vor der Sterilisation nicht den Reinigungs- und
Desinfektionsprozess, führen die Kontaminationen bei der Sterilisation meist zu
Flecken- und Belagsbildung.

Mit Instrumenten, die aus der Reparatur zurückkommen, ist grund-


sätzlich gleich zu verfahren.

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THE ART OF SURGERY

3. Vorbereitung am Gebrauchsort

Die Vorbereitung der Instrumente für eine erfolgreiche Reinigung


umfasst nicht nur die Vorreinigung und das Beladen der Sieb-
schalen für die Reinigung, sondern beginnt bereits im OP.
Grobe Verschmutzungen und Rückstände sollten unmittelbar
nach der Anwendung vom OP-Personal mit Tupfern, Tüchern
etc. entfernt werden. Die Entsorgung der Instrumente muss für
die nachfolgende Reinigung und Desinfektion optimal gewählt
werden. Die Gebrauchsanweisung der Instrumente ist zu beachten.

Gebrauchsort OP

3.1 Entsorgung

Unter Entsorgung versteht man den Weg und die Behandlung der Instrumente direkt
nach der Anwendung bis zur eigentlichen Aufbereitung der Instrumente in der ZSVA.
Hier wird zwischen wirklich benutztem und unbenutztem Instrumentarium nicht unter-
schieden. Instrumentensiebe, welche im OP waren und ggf. nicht zur Anwendung ka-
men, sind als unsteril, kontaminiert anzusehen und entsprechend zu behandeln.
Die Entsorgung aller Instrumentensiebe ist in jedem Fall so zu organisieren, dass weder
Personen, die Umgebung oder Medizinprodukte zu Schaden kommen. Es ist ratsam das
Instrumentarium der ZSVA (Zentrale Sterilversorgungsabteilung)zeitnah zuzuführen.
Es muss zwischen wiederaufbereitbaren Instrumenten und Single-Use-Artikeln unter-
schieden werden. Hierbei sind die Angaben des Herstellers zu beachten.
• Aufbereitbare Instrumente werden dem Instrumentenkreislauf zugeführt.
• Single-Use-Artikel werden gemäß Abfallvorschrift in den Sondermüll entsorgt.
Zur Entsorgung werden Behälter aus festem Material empfohlen. Ein fester Werkstoff
(z.B. Aluminium, Edelstahl, Kunststoff) ist gegen mechanische Einwirkung (scharfe,
spitze Instrumente) resistent und zudem wasserundurchlässig.
Sind die Transportbehälter an der Außenseite sichtbar verschmutzt, müssen diese vor
dem Transport außen gereinigt werden (reinigende Wischdesinfektion). Die Infektionsge-
fahr für das Transportpersonal und die Kontaminationsgefahr der Umwelt werden ge-
senkt.
Kontaminierte, aufbereitbare Instrumente können nach ihrer Anwendung auf verschiede-
ne Arten entsorgt und dem Aufbereitungskreislauf zugeführt werden. Eine Trockenent-
sorgung von chirurgischen Instrumenten ist der Nassentsorgung vorzuziehen. Es sollte
keine Entsorgungsvariante dazwischen gewählt werden, bei welcher die Instrumente nur
teilweise mit Flüssigkeit benetzt sind.
In jedem Falle sind lange Wartezeiten, die die Korrosionsgefahr erhöhen, zu vermeiden.

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THE ART OF SURGERY

3. Vorbereitung am Gebrauchsort

3.1.1 Trockenentsorgung

Vor der Entsorgung des Instrumentariums, sind grobe Verschmutzungen am Gebrauchs-


ort zu entfernen. Die Trockenentsorgung der Instrumente erfolgt in geeigneten Entsor-
gungscontainern ohne jegliche Zugabe von Flüssigkeiten wie Wasser, Desinfektions-
und Reinigungsmittel. Auf keinen Fall sollte das Instrumentarium mit den Resten der
während der Anwendung benötigten physiologischen Kochsalzlösung behandelt
werden.
Sind die Rückstände auf den Medizinprodukten getrocknet, führen sie dem Instrument
weniger Schaden zu als in feuchtem Zustand. Die Reinigung wird jedoch erschwert.
Trotz längerer Lagerungsmöglichkeiten der Instrumente bei der Trockenentsorgung ist
eine schnellstmöglich folgende Reinigung und Desinfektion unumgänglich. Lange Warte-
zeiten bis zur Reinigung sind zu vermeiden.
Die Rückstände von Eiweiß und Blut werden erst durch Feuchtigkeit wieder aktiviert und
reagieren. Dadurch kann das Material der Instrumente beschädigt werden. Die im OP
zum Einsatz kommende physiologische Kochsalzlösung ist für den Instrumentenstahl
am gefährlichsten. Bei langzeitiger Benetzung der Instrumentenoberfläche führen die
Chloridanteile der Kochsalzlösung zu Lochkorrosion und das Instrument wird dauerhaft
geschädigt.

+ Vorteile Nachteile
-
• beladene Behälter sind leichter  • nachfolgende Reinigung kann
kein zusätzliches Gewicht durch durch angetrocknete Rückstände
Flüssigkeit erschwert werden
• Rückstände trocknen an  trocke-
ne Rückstände führen dem Instru-
mentenstahl weniger Schaden zu
(Lochkorrosion, Rückstände sind
in flüssigem Zustand für Instru-
mentenstahl gefährlich)

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THE ART OF SURGERY

3. Vorbereitung am Gebrauchsort

Checkliste Trockenentsorgung

Alle Instrumente, die im OP waren - auch nicht benutzte - sind zu entsorgen und
dem Aufbereitungskreislauf zuzuführen
Instrumente öffnen
Zerlegbare Instrumente gemäß Herstelleranweisungen zerlegen
Instrumente ablegen keinesfalls abwerfen
Entsorgungsbehälter gut verschließen, Verletzungs- und Kontaminationsgefahr für
Personal ausschließen
Siebe bereits „reinigungskompatibel“ beladen
 Umpacken der kontaminierten Instrumente in der ZSVA vermeiden
Siebe nicht überladen
 Umpacken der kontaminierten Instrumente in der ZSVA vermeiden.

3.1.2 Nassentsorgung

Das Instrumentarium ist bei der Nassentsorgung in einer Desinfektionslösung abzulegen.


Hier dürfen keine fixierenden Mittel oder warmes Wasser (> 40 °C) verwendet werden 
Fixierung der Rückstände. Das Desinfektionsmittel muss national zugelassen und die
Wirksamkeit und Materialverträglichkeit nachgewiesen sein.
Die Konzentration der Desinfektionslösung ist genauestens einzuhalten, da (besonders
kombinierte) Reinigungs- und Desinfektionsmittel bei einer Fehldosierung Rückstände
auf dem Instrument fixieren können. Die Herstellerangaben des Desinfektionsmittels sind
unbedingt zu beachten.

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THE ART OF SURGERY

3. Vorbereitung am Gebrauchsort

Checkliste Nassentsorgung

Die desinfizierende Lösung ist in der vorgeschriebe-


nen Konzentration vorzubereiten. Nur auf ihre Wirk-
samkeit und Verträglichkeit geprüfte Desinfektions-
mittel dürfen verwendet werden. Die jeweils gültigen
nationalen Richtlinien sind zu beachten.
Zuerst die Desinfektionslösung ansetzen, dann erst
das Instrumentarium darin einlegen.
Pulverförmiges Desinfektionsmittel muss vor dem Schräges Eintauchen eines
Einlegen der Instrumente vollständig im Wasser Instruments mit Lumen
gelöst sein.
Die Instrumente müssen vollständig mit der Desin-
fektionslösung bedeckt sein. Sorgen Sie für vollständiges Durchspülen von Lumen
und Hohlräumen mit der Lösung. Durch schräges Halten beim Eintauchen kann die
Luft in den Hohlräumen entweichen und Desinfektionslösung nachströmen.
Gelenke der Instrumente müssen geöffnet sein. Zerlegbare Instrumente sind gemäß
der Herstelleranweisungen zu zerlegen.
Möglichst unverzüglicher Transport der Instrumente in die ZSVA.
Entnahme der Instrumente aus der Desinfektionslösung und sofort gründlich mit
Wasser spülen und dem Reinigungs- und Desinfektionsprozess zuführen. Eine
feuchte Zwischenlagerung ist aufgrund von Korrosionsgefahr und zum Schutz des
Personals unbedingt zu vermeiden.
Die desinfizierende Lösung ist stets frisch anzusetzen.
(Herstellerangaben des Desinfektionsmittels beachten).

Gut zu
wissen
Die antimikrobiellen Wirkstoffe, die im Desinfektionsmittel enthalten sind,
führen zu einer Reaktion mit den Rückständen. In dieser chemischen
Reaktion werden diese verbraucht und die Wirksamkeit der Desinfekti-
onslösung lässt nach. Gleichzeitig nehmen jedoch die Schmutzbelastung
der Reinigungslösung und die Korrosionsgefahr zu.

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THE ART OF SURGERY

3. Vorbereitung am Gebrauchsort

+ Vorteile Nachteile
-
• Rückstände trocknen nicht an  • Entsorgungsbehälter sind durch
nachfolgende Reinigung fällt die zusätzliche Desinfektionslö-
leichter sung schwerer
• Die Entsorgungsbehälter mit
Entsorgungsdeckel müssen ver-
schlossen und dicht sein.
• Gefahr des Verschüttens der
kontaminierten Desinfektionslö-
sung  Infektionsgefahr

3.2 Transport von OP/ Stationen in ZSVA

Der Transport der kontaminierten Instrumente sollte nach einem Plan ablaufen, nach
welchem die Instrumente zeitnah in die ZSVA transportiert und aufbereitet werden. Die
Transportwege sollten definiert sein, wobei Wege mit viel Personenverkehr zu vermeiden
sind.
Wir empfehlen den Transport der kontaminierten Instrumente vom Gebrauchsort in die
ZSVA in geschlossenen Transportbehältern durchzuführen. Behälter mit kontaminierten
Instrumenten müssen entsprechend und gut erkennbar gekennzeichnet sein.
Für den Transport von Entsorgungsbehältern mit kontaminierten Instrumenten sollten
geeignete Entsorgungswägen verwendet werden. Das Tragen der Entsorgungsbehälter
über längere Strecken ist zu vermeiden (Gewicht, Verschütten, Instrumente rutschen,
verkratzen und beschädigen sich ggf. gegenseitig).
Zu empfehlen ist die Entsorgung und der Transport in den verschließbaren
Medicontainern des Medicontainersystems und im Container-Transportwagen mit
abschließbaren Türen der MEDICON eG.

MEDICONTAINER 2.0

Transportwägen und Entsorgungsbehälter müssen vor ihrer Wiederverwendung dekon-


taminiert werden.

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THE ART OF SURGERY

4. Vorreinigung

Beim Umgang mit kontaminierten Instrumenten muss eine


geeignete Arbeitsschutzkleidung getragen werden. Hierzu
gehören:
• Haarschutz
• Mundschutz
• Einweghandschuhe
• Schutzbrille / Gesichtsschutz
• Schürze

Instrumente, die gemäß ihrer Gebrauchs-/ Aufbereitungs-


anweisung eine Vorreinigung erfordern, wie z.B. Instrumente mit
Rohrschaft, Schiebeschaft, Lumen oder Dopplegelenken, sind
auszusortieren und die Vorreinigung entsprechend durch- Arbeitsschutzkleidung
zuführen.
Wir empfehlen eine Vorreinigung auch bei Instrumenten, die sehr
starke Verschmutzungen aufweisen, oder die Rückstände angetrocknet und eingebrannt
sind (dies betrifft in der Regel monopolare und bipolare Instrumente  Gebrauchsanwei-
sung beachten).

Die Vorreinigung kann je nach den Beschreibungen in der


Gebrauchs-/ Aufbereitungsanweisung
 manuell (4.1 Manuelle Vorreinigung)
 maschinell (4.2 Maschinelle Vorreinigung)
 im Ultraschallbad (4.3 Ultraschallbehandlung)
erfolgen.
In allen drei Fällen reicht das Verfahren jedoch nicht als alleinstehendes Reinigungsverfahren
aus. Diese dienen lediglich zur Unterstützung des maschinllen oder manuellen Reinigungs-
und Desinfektionsprozesses.

Es ist zu empfehlen handwarmes, vollentsalzt Wasser zu verwenden.


Das Ergebnis der Vorreinigung und somit die Voraussetzungen für eine
Gut zu
wissen erfolgreiche Reinigung und Desinfektion werden verbessert. Zu hohe
Temperaturen (> 45°C) führen jedoch dazu, dass Proteine denaturieren
und die Eiweiße koagulieren. Organische Rückstände werden auf dem
Instrument fixiert anstatt gelöst.

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THE ART OF SURGERY

4. Vorreinigung

4.1 Manuelle Vorreinigung

Bei der manuellen Vorreinigung kann ein Dampfreinigungsgerät (Steamer) oder eine Kunst-
stoffbürste zum Einsatz kommen.

Checkliste manuelle Vorreinigung

Handwarmes, vollentsalztes Wasser verwenden:


 Temperaturen > 45 °C vermeiden.
Schutzkleidung tragen.
Vorreinigung ist kein alleinstehendes Reinigungsverfahren.
Instrumente für 5 Minuten in kaltes Wasser einlegen.
Instrumente unter kaltem Wasser bürsten bis alle sichtbaren Verschmutzungen
entfernt sind.
Kunststoffbürsten verwenden, auf keinen Fall Metallbürsten, diese beschädigen die
Oberfläche und Passivschicht ( 15.1.2 Passivschicht)
Innere Hohlräume, Gewindegänge und Bohrungen jeweils 10 Sekunden mit der Was-
serpistole spülen und erneut bürsten.
Instrumente gründlich abspülen.

4.2 Maschinelle Vorreinigung

Eine Vorreinigung ist in das Reinigungsprogramm des Reinigungs- und Desinfektionsge-


räts integriert. Die Vorgehensweise entspricht der maschinellen Reinigung und Desinfek-
tion (Kapitel 6). Die Siebkörbe sind entsprechend Kapitel 5 zu beladen.

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THE ART OF SURGERY

4. Vorreinigung

4.3 Ultraschallbehandlung

Gut zu
wissen Prinzip der Ultraschallbehandlung:
Die Ultraschallreinigung erfolgt nach dem Prinzip der Kavitation.
An Grenzflächen von Wasser zu einem festen Gegenstand (z.B. einem chirurgischen
Instrument) entstehen Gasbläschen. In diesen Bläschen herrscht ein Unterdruck, der zur
Implosion  dem Zusammenfallen des Gasbläschens führt.
Beim Zusammenfallen wird eine Energie freigesetzt, die wiederum zur mechanischen
Ablösung der dem Instrument anhaftenden Schmutzpartikel beiträgt.
Ultraschallwellen werden durch Schallgeber hervorgerufen und breiten sich in einer
Flüssigkeit - hier der Reinigungs- und Desinfektionslösung - aus. Die Intensität der
Schallwellen nimmt mit der Entfernung zur Schallwelle stark ab.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Ultraschallbehandlung durchzuführen:


• manuell im Ultraschallbecken
• maschinell mit einer optionalen Ausstattung im Reinigungs- und Desinfektionsgerät
• maschinell, integriert in einer Taktbandanlage

Die Angaben des Geräte- und Reinigungsmittelherstellers sind unbedingt zu beachten. Dies
gilt besonders im Bezug auf
• Schallzeitvorgaben
• Temperaturvorgaben
• Eignung des Reinigungsmittels
• Konzentration des Reinigungsmittels
Um eine vollständige Reinigung zu gewährleisten oder Schädigungen der Instrumente zu
vermeiden müssen die Parameter aufeinander abgestimmt sein.

Gut zu
wissen Für eine erfolgreiche Durchführung ist wichtig:
• Auswahl des Gerätes passend zur Größe der verwendeten Siebkörbe
• Auswahl der Siebkörbe (Medicontainer Container System), Siebkörbe aus Loch-
blech mit kleinen Löchern sind für Ultraschallbehandlung ungeeignet. Die kleinen
Löcher hindern die Ultraschallwellen an ihrer Ausbreitung.
• die Eignung des zu reinigenden Materials für die Ultraschallbehandlung

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THE ART OF SURGERY

4. Vorreinigung

Checkliste manuelle Ultraschall-


behandlung im Ultraschallbecken

Die 0,5 % Reinigungslösung vorbereiten, passenden


ultraschallgeeigneten Reiniger verwenden.
Das Ultraschallbecken entsprechend der Angabe des
Gerätehersteller hinsichtlich minimaler/ maximaler Be-
füllung füllen
 effektive Übertragung des Ultraschalls im Wasser
Die Instrumente für 15 Minuten in das Ultraschallbad
bei 40 °C legen und beschallen.
Schallschatten vermeiden.
Passende ultraschallgeeignete Trays verwenden Ultraschallbecken
Die Instrumente müssen korrekt in das Sieb gelegt
werden. ( 5. Vorbereitung der Instrumente zur Reinigung (Beladen der Siebkörbe))
Alle Instrumente müssen komplett mit Flüssigkeit bedeckt sein. Das Durchspülen
von Lumen und Hohlräumen mit der Lösung muss sichergestellt sein. Durch schrä-
ges Halten beim Eintauchen kann die Luft in den Hohlräumen entweichen und Des-
infektionslösung nach strömen (siehe Abbildung Kapitel 3.1.2 Nassentsorgung).
Instrumente entnehmen und mit kaltem, vollentsalztem Wasser abspülen.

Gut zu Die Ultraschallbehandlung löst angetrocknete Rückstände gut vom


wissen Instrument, spült sie aber nicht ab. Rückstände von Reinigungs- und
Desinfektionsmittel sorgen darüber hinaus im RDG für unnötige Bil-
dung von Schaum, welcher den Druck des Wassers und die Reini-
gungskraft erheblich reduziert. Das Reinigungsergebnis kann dadurch
stark beeinflusst werden.
Die Instrumente sind unmittelbar nach der Ultraschallbehandlung dem nachfolgen-
den Reinigungs- und Desinfektionsprozess zuzuführen.
Eine regelmäßige Erneuerung der Reinigungslösung (mindestens einmal täglich)
Die Abstände zwischen dem Auswechseln der Lösung sind abhängig von:
• der Häufigkeit der Benutzung
• dem Grad der Verschmutzung
• den Angaben des Reinigungsmittelherstellers

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THE ART OF SURGERY

4. Vorreinigung

Eignung für die Ultraschallbehandlung:

Vor allem feine Instrumente und Medizinprodukte mit erhöhten Anforderungen an die
Aufbereitung können durch die Ultraschallbehandlung erfolgreich gereinigt werden.
Die Ultraschallbehandlung ist besonders für harte Materialien wie Metall, Glas und
Keramik geeignet. Aufgrund des flexibleren Materials von Kunststoffen entsteht nur ein
niedrigerer Schalldruck und das Reinigungsergebnis fällt schlechter aus (siehe Prinzip
der Ultraschallbehandlung). Optiken oder weiche Kunststoffe dürfen aufgrund der
Zerstörungsgefahr keinesfalls mit Ultraschall gereinigt werden.

Gut zu
wissen
Die antimikrobiellen Wirkstoffe, die im Reinigungsmittel enthalten sind,
sind für die Reaktion mit Rückständen zuständig. Das heißt, sie werden
durch die chemische Reaktion verbraucht. Die Wirksamkeit der Reini-
gungslösung lässt mit zunehmender Schmutzbefrachtung nach und die
Korrosionsgefahr nimmt zu.

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THE ART OF SURGERY

5. Vorbereitung der Instrumente zur Reinigung

Beladen der Siebkörbe

Für die nachfolgende Reinigung und Desinfektion wird das Instrumentarium in Siebkörbe
abgelegt (Medicontainer Siebkorb). Die Medicontainer Siebkörbe sind für die Reinigung und
Desinfektion in validierten Reinigungs- und Desinfektionsgeräten geeignet.

 Gelenke

Alle Instrumente mit Gelenken und Schlussteilen - unabhängig


davon, ob sie maschinell oder manuell aufbereitet werden - geöffnet
ablegen und reinigen. Optimal ist ein Öffnungswinkel von 90 °.
Gut zu Die verdeckte Fläche wird minimiert. Die Reinigung
wissen und Desinfektion im Schluss- und Maulteil sind
möglich.
Öffnungswinkel von 90°

 Instrumente mit schöpfenden Hohlräumen (Löffel, Schalen)

Scharfe Löffel, Nierenschalen und Becher mit der Öffnung nach unten ablegen.
Ansammeln von Wasser und Reinigungsmittel vermeiden.
Gut zu
wissen Verschleppung der Reinigungs- und Desinfektionsmittel verhindern, die
sich durch den kompletten Reinigungsprozess zieht.

 Zerlegbare Instrumente

Zerlegbare Instrumente sind vor der Reinigung zu demontieren und in ihren Einzelteilen
in die Siebschale abzulegen. Bei der Demontage ist die Gebrauchsanweisung zu beach-
ten.

 Lumen

Es muss gewährleistet sein, dass Schläuche, Lumen und andere Hohlkörper durchspült
werden. Diese müssen auf dafür vorgesehene Vorrichtungen und Düsen von Spezialrei-
nigungswägen gestülpt werden.

 Feine und kleine Instrumente

Feine Instrumente in vorgesehene Haltevorrichtungen (Racks) ablegen, um das Risiko


der Beschädigung zu reduzieren.
Die Instrumente für die Reinigung nicht in Instrumentenlagerungstrays lassen. Instru-
mentenlagerungstrays für die Sterilisation sind oftmals nicht für die Reinigung im RDG
geeignet.
Gut zu Instrumentenlagerungstrays weisen oft zu wenige oder zu kleine Löcher
wissen für das Wasser und das Reinigungsmittel auf. Es wird eine zu große
Fläche verdeckt und Spülschatten entstehen bzw. die Trocknung wird
erschwert.

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THE ART OF SURGERY

5. Vorbereitung der Instrumente zur Reinigung

 Kabel
Um das Beschädigungsrisiko zu reduzieren, Kabel aufwickeln und nicht zwischen
Instrumenten ablegen.

Checkliste Beladen der


Siebkörbe

Instrumente locker und versetzt übereinander legen  siehe ICON


 Spülschatten (durch großflächige Instrumente) vermeiden
für eine optimale Reinigung dürfen die Siebkörbe nicht überladen werden
 Instrumente müssen vollständig umspült werden, Spüldruck darf nicht beein-
trächtigt werden
Instrumente dürfen nicht aus Siebkörben herausragen
 Verletzungsgefahr und Beschädigung der Instrumente!
Spülarme müssen sich ungehindert drehen können
Instrumente, die nass entsorgt oder einer Vorreinigung unterzogen wurden, sind vor
der Reinigung gründlich abzuspülen.
Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmittel sorgen im Reini-
gungsgerät für unnötige Schaumbildung, dadurch werden der Druck des
Wassers und die Reinigungskraft erheblich reduziert.
Das Reinigungsergebnis kann stark beeinflusst werden.

Korrekt beladener Siebkorb für die Reinigung

Falsch beladener Siebkorb für die Reinigung

20
THE ART OF SURGERY

6. Maschinelle Reinigung und Desinfektion

Dieses Kapitel entstand mit freundlicher Unterstützung der Miele & Cie. KG

Spätestens seit dem Auftreten von Mehrfachresistenzen (MRSA) werden an Kranken-


häuser besonders hohe Anforderungen im Hinblick auf Hygiene und Vorbeugung von
Infektionen gestellt.

Gesetzlicher Hintergrund

Das Robert-Koch-Institut hat Empfehlungen zur Krankenhaushygiene und Infektionsprä-


vention formuliert: „Den thermischen Verfahren in Reinigungs- und Desinfektionsauto-
maten ist [...] der Vorrang vor chemischen und thermo-chemischen Verfahren zu geben.“
(Robert-Koch-Institut, Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizin-
produkten, Punkt 4.4.)

Maschinelle Reinigung und Desinfektion

Reinigungs- und Desinfektionsautomaten zur maschinellen Instrumentenaufbereitung


ermöglichen eine gründliche Innen- und Außenreinigung der Instrumente – eine Grund-
voraussetzung für eine sichere Desinfektion und Sterilisation.
Neben den gleichbleibend sicheren
Ergebnissen, zeichnet sich die
maschinelle Reinigung und Desinfekti-
on durch eine hohe Wirtschaftlichkeit
aus.

Reinigungs- und Desinfektionsautomaten in der ZSVA

Quelle: Miele & Cie. KG

21
THE ART OF SURGERY

6. Maschinelle Reinigung und Desinfektion

Phasen der maschinellen Instrumentenaufbereitung

Der Prozess der maschinellen Aufbereitung umfasst die Reinigung, Spülung, Desinfek-
tion und Trocknung der chirurgischen Instrumente. Die folgende Abbildung zeigt
beispielhaft einen Programmablauf zur Instrumentenaufbereitung.

Diagramm des Reinigungsprogramms

Reinigung
Bei der Reinigung wird die Verschmutzung – meist Blutanschmut-
zungen – von der Oberfläche abgelöst. Damit die Blutreste auf den Instrumenten
nicht denaturieren, erfolgt der erste Reinigungsschritt bei einer Wassertemperatur
von 20 °C. (vgl. Abb.)
Hierbei werden auch Prozesschemikalien (z. B. Reinigungsmittel, Netzmittel,
Emulgatoren, Neutralisationsmittel) verwendet.
Durch die Injektordüsen ist eine gründliche Innenreinigung von Hohlkörperinstru-
menten sichergestellt.

Quelle: Miele & Cie. KG

22
THE ART OF SURGERY

6. Machinelle Reinigung und Desinfektion

Spülung

Bei der Spülung werden die abgelöste Verschmutzung und die eingesetzten
Prozesschemikalien abgespült. Die Spülung kann aus einzelnen Programmblöcken
bestehen. Die Wahl der Wasserqualität (z. B. Stadtwasser, VE-Wasser, Reinstwas-
ser) ist von der Anwendung und der örtlichen Wasserhärte abhängig.

Desinfektion

Bei der Desinfektion wird eine infektiöse Kontamination soweit abgetötet/inakti-


viert, dass von dem Instrumentarium keine Infektionsgefahr mehr ausgehen kann.
Einerseits dient die Desinfektion dem Personalschutz in der Praxis, die mit infektiö-
sen Kontaminationen arbeiten. Andererseits verhindert die Desinfektion die Keim-
übertragung von Instrumenten auf die folgenden Patienten und die Umwelt. Somit
ist ein hygienisch einwandfreies Arbeiten gewährleistet.

Trocknung

Die Reinigungs- und Desinfektionsautomaten verfügen je nach Modell und Ausfüh-


rung über eine aktive Heißlufttrocknung, um neben einer Außentrocknung auch
eine Innentrocknung englumiger Instrumente zu ermöglichen. Auch komplex
geformte Instrumente werden mittels Heißlufttrocknung zuverlässig getrocknet.

Quelle: Miele & Cie. KG

23
THE ART OF SURGERY

7. Manuelle Reinigung und Desinfektion

Eine erfolgreiche Reinigung ist die Grundvoraussetzung für eine gute Desinfektion und eine
sichere Sterilisation.
Nach Möglichkeit ist die maschinelle Reinigung einer manuellen Reinigung vorzuziehen. Nur
Medizinprodukte, die aufgrund ihrer Materialauswahl, Konstruktion oder Verschmutzung
eine erfolgreiche maschinelle Reinigung und Desinfektion nicht gewährleisten, sind manuell
aufzubereiten.
Im Gegensatz dazu ist die maschinelle Reinigung standardisierbar und bietet einen besseren
Schutz für das Personal (RKI-Empfehlung).
Die Gefahr einer Rekontamination der Instrumente ist bei der manuellen Reinigung größer
als bei der maschinellen Reinigung, da der gesamte Prozess in einem Raum stattfindet. Die
Instrumente werden an der gleichen Stelle in das Reinigungsbecken geladen, an der sie
nach der Einwirkzeit wieder entnommen werden. Um eine Rekontamination der Instrumente
zu vermeiden, ist ein genaues Trennen zwischen unreinen und reinen Arbeitsprozessen
durch das Personal notwendig.
Dies fordert eine mehrmalige Wischdesinfektion des Arbeitsplatzes oder ein Wechsel der
Gummihandschuhe und der restlichen Schutzkleidung. Das Tragen der notwendigen Schut-
zausrüstung ist unerlässlich ( Kapitel 4. Vorreinigung). Insbesondere bei der manuellen
Aufbereitung ist die Infektionsgefahr durch den ständigen Kontakt mit kontaminierten Instru-
menten für das Personal sehr hoch.

Checkliste manuelle Reinigung

Die Reinigungs- und Desinfektionslösung in der vorgeschriebenen Konzentration


vorbereiten.
 Nur geprüfte Reinigungs- und Desinfektionsmittel verwenden
 Die nationalen Richtlinien beachten
Die Herstellerangaben bezüglich Einwirkzeiten, Temperaturen und Konzentration
müssen unbedingt eingehalten werden.
 Materialverträglichkeit muss gewährleistet sein
 Fehldosierungen vermeiden
Pulverförmiges Reinigungsmittel muss vor Einlegen der Instrumente vollständig in
der Flüssigkeit aufgelöst sein.
Alle Instrumente mit Gelenken und Schlussteilen müssen geöffnet gereinigt werden,
zerlegbare Instrumente sind gemäß der Herstellerinformationen zu zerlegen (siehe
Kapitel 5. Vorbereitung der Instrumente)
Die Instrumente vollständig mit der Reinigungslösung bedecken
Das Durchspülen von Lumen und Hohlräumen mit der Lösung sicherstellen. Durch
schräges Halten beim Eintauchen kann die Luft in den Hohlräumen entweichen und
Reinigungslösung einströmen (siehe Abbildung Kapitel 3.1.2 Nassentsorgung).
Instrumente nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit entnehmen und 2 Minuten mit
vollentsalztem Wasser spülen. Lumen vollständig durchspülen  Wasserpistole
anwenden 

24
THE ART OF SURGERY

7. Manuelle Reinigung und Desinfektion

 Achtung Fortsetzung der Checkliste

Befinden sich noch sichtbare Verschmutzungen auf dem Instrument, ist der Reini-
gungsvorgang zu wiederholen.
Ggf. Nutzung eines Ultraschallbeckens zur Unterstützung von Reinigung und Desin-
fektion ( 4.3 Ultraschallbehandlung).
Eine regelmäßige Erneuerung der Reinigungslösung (mindestens einmal täglich) trägt
zum wesentlichen Erfolg der Reinigung bei. Die Abstände zwischen dem Auswech-
seln der Lösung sind abhängig von:
• der Häufigkeit der Benutzung
• dem Grad der Verschmutzung
• den Angaben des Reinigungsmittelherstellers

Die antimikrobiellen Wirkstoffe, die im Reinigungsmittel enthalten sind, sind für die
Reaktion mit den Rückständen zuständig. Das heißt, sie werden durch die chemi-
sche Reaktion verbraucht.
Die Wirksamkeit der Reinigungslösung lässt nach. Gleichzeitig nehmen jedoch die
Schmutzbelastung der Reinigungslösung und die Korrosionsgefahr zu.

25
THE ART OF SURGERY

8. Trocknung

Eine ausreichende und gründliche Trocknung ist unmittelbar nach der Reinigung und Desin-
fektion äußerst wichtig und sicherzustellen. Die Trocknung muss unter Bedingungen stattfin-
den, die eine Rekontamination ausschließen.
Anhaftende Feuchtigkeit fördert besonders Fleckenbildung, Verfärbungen, Loch- und Spal-
tenkorrosion ( Kapitel 16.3 Korrosion). Ferner können Feuchtigkeitsreste bei Temperatur-
veränderungen zu Kondensatbildung in der Verpackung führen. Dies erhöht die Korrosions-
gefahr.

8.1 Maschinelle Trocknung

Bei der maschinellen Reinigung ist eine Trocknungsphase meist bereits in das Programm
des Reinigungs- und Desinfektionsgerätes integriert. Die Trocknung erfolgt durch Heiß-
luft.
Die Temperatur der Trocknung ist vom Material des Medizinprodukts und dessen Tem-
peraturstabilität abhängig. Die Herstellerangaben und die Gebrauchsanweisung sind zu
beachten.

Gut zu
wissen
• empfohlene Trocknungstemperatur: 70-80 °C
• thermolabile Instrumente bei max. 60 °C

8.2 Manuelle Trocknung

Die manuelle Trocknung erfolgt mit Druckluft und flusenfreien Tüchern.

Druckluft:
Bei der Trocknung mit Druckluft sind Parameter wie Druck und Luftqualität gemäß
Herstellerangaben einzuhalten. Die Druckluft zeigt bei der Trocknung eine sehr gute und
rasche Wirkung. Aus diesem Grund ist sie nach Möglichkeit anderen manuellen Trock-
nungsverfahren vorzuziehen.
Besonders in Lumen, Hohlräumen und an anderen schwer zugänglichen Stellen sind die
Instrumente oft noch nass. Diese müssen mit Druckluft gründlich durchgeblasen
werden.

Tücher:
Sollte die Anwendung von Druckluft nicht möglich sein, werden die Instrumente mit
flusenfreien Tüchern trocken gerieben. Besonderes Augenmerk gilt den schwer zugängli-
chen Stellen.

Instrumente, die nicht sterilisiert werden können oder aufgrund ihrer Anwendung
nicht sterilisiert werden müssen, werden nach der Reinigung einer Schlussdesin-
fektion unterzogen (manuell oder maschinell, chemisch oder thermisch). Werden
die Instrumente anschließend mit Druckluft getrocknet, muss dies mit steril
filtrierter Druckluft erfolgen.

26
THE ART OF SURGERY

9. Kontrolle, Wartung und Pflege

Die Kontrolle, Wartung und Pflege der Medizinprodukte erfolgt erst nach vollständiger
Trocknung und Abkühlung der Instrumente auf Raumtemperatur.
Die Gefahr von Metallabrieb wird reduziert. Metallabrieb entsteht durch die Reibung
zweier Instrumentenflächen aneinander.

9.1 Kontrolle

Sauberkeit

Die Instrumente müssen nach der Reinigung und Desinfektion makroskopisch sauber
sein. Es dürfen sich keine sichtbaren Rückstände auf dem Instrument befinden. Die
Kontrolle wird visuell durchgeführt.
Eine erfolgreiche Reinigung und die Sauberkeit der Instrumente ist die
Grundvoraussetzung für eine sichere Sterilisation.

Gut zu
wissen
Restverschmutzungen werden durch die darauffolgende Behandlung
fixiert und können in späteren Aufbereitungsprozessen nicht mehr abge-
löst werden. Die Korrosionsbildung wird begünstigt.

Besondere Aufmerksamkeit bei der Kontrolle


auf Sauberkeit gilt:
• Gelenken
• Maulteilen
• Griffstrukturen
• Hartmetalleinsätzen
• Lumen

Instrumente, die makroskopisch nicht sauber


sind und Rückstände wie Blut und Gewebe
aufweisen, müssen schnellstmöglich zur Nach- Instrument mit sichtbaren organischen
reinigung zurück auf die unreine Seite gegeben Rückständen im Gelenkbereich
werden. Die Instrumente werden dem Aufberei-
tungskreislauf erneut zugeführt und müssen den kompletten Reinigungs- und Desinfekti-
onsprozess nochmal durchlaufen.

Nachreinigung:
Die Nachreinigung erfolgt zunächst manuell und ggf. durch eine Ultraschallbehandlung.
Weisen die Instrumente keine sichtbaren Rückstände mehr auf, werden sie im Reini-
gungs- und Desinfektionsgerät erneut maschinell aufbereitet. Die Herstellerangaben der
Instrumente sind zu beachten. Ggf. ist eine manuelle Reinigung statt einer maschinellen
Reinigung nötig.

27
THE ART OF SURGERY

9. Kontrolle, Wartung und Pflege

Funktion

Alle Instrumente sind auf Funktion zu prüfen. Die produktspezifischen


Gebrauchsanweisungen sind zu beachten.

Besonderheiten der Funktionskontrolle:


• Schärfe der Schneidkanten  Vorsicht: Verletzungsgefahr
• richtiges Einrasten von Rasterschließungen
• Unversehrtheit der Maulteile (siehe Kontrolle auf Unversehrtheit)
• vollständige Durchgängigkeit von Lumen
• demontierte Instrumente gemäß produktspezifischer Gebrauchsanweisung mon-
tieren und in montiertem Zustand auf Funktion prüfen
• Gängigkeit der Gelenkinstrumente
• Isolierungen und Kontakte der HF-Instrumente und Elektrokabel prüfen

Spezielle Prüfmethoden für die Funktionsprüfung der Medizinprodukte sind ggf. beim
Hersteller einzuholen. Hilfsmittel, die für die Funktionsprüfung benötigt werden, dürfen
die darauf folgenden Schritte der Instrumentenaufbereitung wie die Sterilisation nicht be-
einträchtigen.

Weitere Tipps zur Funktionskontrolle siehe 13. Tipps & Tricks.

Unversehrtheit

Alle Instrumente sind auf Beschädigungen zu prüfen. Beschädigungen können sein:


• Haarrisse
• Abrieb
• Rost
• abgebrochene Teile
• verbogene Teile

(Weitere Beschädigungen siehe


16. Materialveränderungen und ihre Ursachen)

Beschädigtes Instrument mit sichtbaren


Rückständen

Verbogenes Maulteil einer


Klemme

28
THE ART OF SURGERY

9. Kontrolle, Wartung und Pflege

Zu kontrollieren sind außerdem


• Vollständigkeit
• lose Teile
• Lesbarkeit der sicherheitsrelevanten Kennzeichnung
• Rückstände von Reinigungs- und Desinfektionsmittel
• Dichtheit
• elektrische Isolation

Beschädigte Instrumente müssen zur Reparatur in einen autorisierten Reparaturfachbetrieb


(MRS Medicon Repair Service) gegeben oder ersetzt werden. Es dürfen keine eigenen
Reparaturversuche unternommen werden.
Unsachgemäße Reparaturen gefährden die einwandfreie
Gebrauchstauglichkeit der Instrumente. Die Funktion und Anwen-
dung ist für Anwender und Patient nicht mehr sicher.
Aus hygienischen Gründen und zum Personalschutz des
Reparaturservices müssen die Instrumente vor der Abgabe in die
Reparatur den kompletten Instrumentenaufbereitungskreislauf
gesondert durchlaufen haben.

Beschädigtes Instrument

9.2 Wartung

Die Wartung erfolgt gemäß den produktspezifischen Herstellerangaben. Ggf. sind Teile
von Medizinprodukten regelmäßig auszutauschen und zu kalibrieren.
Beispiele für den Austausch einzelner Komponenten sind:
• Dichtungen
• O-Ringe
• Single-use Komponenten
• Gummieinsätze

29
THE ART OF SURGERY

9. Kontrolle, Wartung und Pflege

9.3 Pflege

Alle aneinander reibenden und sich drehenden Teile müssen mit Instrumentenpflegeöl
(MEDICON Instrumentenpflegeöl) behandelt werden. Die Bewegungsmöglichkeit und ein
leichtgängiges Bedienen werden erhalten.
• Gelenke
• Schlüsse
• Gewinde
• Gleitflächen
müssen gepflegt werden.

Während der Anwendung entsteht Reibung zwischen zwei sich gegeneinan-


Gut zu
wissen der bewegenden Instrumententeilen. Die Reibung von Metall auf Metall
verursacht Abrieb, Reibkorrosion und die Schwergängigkeit des Instruments.

Aufbringen des Pflegeöls:

 Pflegeöl manuell, punktuell und gezielt auf die betroffene Stelle des
Instruments aufbringen
 Ölen des Instruments in geöffnetem Zustand
 durch Bewegen der Instrumententeile Pflegeöl verteilen
 überschüssiges Pflegemittel auf der Instrumentenoberfläche mit flusen-
freiem Tuch entfernen
 komplettes Besprühen der Instrumente vermeiden

Gut zu
wissen
Die betroffenen Stellen sind meist schwer zugänglich, verdeckt und durch
grobes Übersprühen der Instrumente nicht zu erreichen. Komplettes
Besprühen schützt das Instrument nicht zusätzlich vor Korrosion.
 Kunststoffoberflächen nicht mit Instrumentenpflegemittel benetzen

Pflege von Arterienklemmen mit Pflege von Arterienklemmen mit


Instrumentenpflegespray Instrumentenpflegeöl

30
THE ART OF SURGERY

9. Kontrolle, Wartung und Pflege

Anforderungen an das Instrumentenpflegeöl:

Das Pflegemittel muss +


• auf medizinischem Weißöl basieren (nach DAB).
• biokompatibel sein.
• dampfsterilisationsfähig und dampfdurchlässig sein.

Das Pflegemittel darf keine Silikonanteile enthalten. -


Silikonanteile verfestigen sich und verursachen
Gut zu
wissen Schwergängigkeit. Zusätzlich ist eine sichere 46.00.40 46.00.44
Sterilisation nicht gewährleistet. Medicon Instrumentenpflegeöl

Die Herstellerangaben der Instrumentenpflegemittel sind zu beachten.

Checkliste Kontrolle, Wartung, Pflege

Nur abgekühlte Instrumente der Kontrolle, Wartung und Pflege unterziehen


Sauberkeit prüfen
 Maulteile, Rasten, Gelenke, Oberflächen und Riefungen
 bei nicht ausreichender Sauberkeit, Instrument der Nachreinigung
zuführen
 siehe Kapitel 16.1 und 16.2 Materialveränderungen - Beläge, Verfärbungen
Funktion prüfen
 Tipps zur Funktionskontrolle in Kapitel 13 Tipps & Tricks
 nicht funktionierende Instrumente aussortieren
Unversehrtheit der Instrumente prüfen
 Risse, Brüche, Korrosion
 siehe Kapitel 16.3 und 16.4. Materialveränderungen - Korrosion, Alterung und
Quellung
Wartung - Verschleißteile prüfen und ggf. wechseln
Pflege - Gelenke, Schlüsse, Gewinde, Gleitflächen nach jeder Reinigung ölen

31
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

Nach erfolgreicher Dekontamination und Pflege müssen die Instrumente für die Sterilisation
und Lagerung verpackt werden.
Die Verpackung dient zum einen als mechanischer Schutz der Instrumente vor Beschä-
digungen z.B. durch den Transport und zum anderen als Sterilbarrieresystem.
Die Verpackung ist für den Erhalt der Sterilität der Medizinprodukte nach der Sterilisati-
on bis zur Anwendung verantwortlich und muss eine aseptische Entnahme ermöglichen.
Das Sterilbarrieresystem muss die Rekontamination der Medizinprodukte verhindern.
Hierbei sind jedoch folgende Bedingungen der Lagerung zu beachten:
 Temperatur
 Luftfeuchtigkeit
 Sonneeinstrahlung
 Sauberkeit
 Keimbelastung
Es dürfen keine Mikroorganismen, die die Instrumente kontaminieren können, in die
Verpackung gelangen.
Die Verpackung muss in Abhängigkeit von
• den zu verpackenden Instrumenten
• dem darauf folgenden Sterilisierverfahren
• der vorgesehenen Lagerung
gewählt werden.
Die Verpackung muss folgende Aufgaben erfüllen:
• mechanischer Schutz
• Bewahrung der Sterilität
• ggf. Umverpackung für den Transport
Die Angaben des Verpackungsmaterialherstellers sind zu beachten.

10.1. Zusammenstellung / Packen der Sets

• Die Instrumente werden entweder gemäß Packlis-


te zu Siebkörben und Sets zusammengefasst und
verpackt oder je nach Einsatz auch einzeln ver-
packt.
• Instrumente sollten mehrfach verpackt werden
(Primärverpackung, Sekundärverpackung, Umver-
packung für den Transport), um die aseptische Ordnungsgemäß beladener Siebkorb
Gut zu Bereitstellung am Einsatzort zu
wissen gewährleisten.
für die Sterilisation

Die Sicherheit, dass die Sterilität erhalten bleibt, wird erhöht.

32
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

• Ladung je Siebkorb oder Set soll das Gewicht von 10 kg nicht überschreiten.

Die Sterilisation und vorallem die anschließende Trocknung des Sterilgutes


Gut zu
wissen wird durch ein zu hohes Gewicht an Instrumenten bei Überladung der
Siebe erschwert. Es bildet sich eine größere Menge an Kondensat, weil die
Gesamtfläche der Instrumente, auf der der Dampf kondensiert, größer ist.
Das Kondensat muss während der Trocknungsphase wieder aus der
Verpackung entweichen
 längere Trocknungszeit ( sonst Korrosionsgefahr).
• Instrumente mit einer Rastenschließung dürfen nur im ersten Zahn geschlossen
werden.

Die Spannungen im Instrument werden reduziert


Gut zu
wissen und daraus resultierende Spannungsrisse ver-
mieden. Die Spannungen entstehen im Instrumen-
tenwerkstoff durch die Temperaturbelastung
während der Sterilisation und der Abkühlung.
Nur in erste Raste geschlos-
sene Rastenschließung

Checkliste Zusammenstellung
und Packen der Sets

Wahl der Verpackungsart in Abhängigkeit der Umgebungsbedingungen (Lagerung


und Nutzung der Sets bzw. Einzelinstrumente)
Gewichtsgrenze 10 kg beachten
Schweres Instrumentarium unten im Sieb lagern, feine Instrumente oben
Geeignete Lagerungshilfen zum Schutz von empfindlichen Instrumenten benutzen
Instrumentenrasten nur im ersten Zahn schließen
Packordnung berücksichtigen
Unterstützt die Verpackungsart die aseptische Präsentation des Instrumentariums im
OP ?

Verweise:
DIN EN 868-2 Verpackungen für in der Endverpackung zu sterilisierende Medizinprodukte
- Teil 2: Sterilisierverpackung –
Anforderungen und Prüfverfahren
DIN EN 868-8 Wiederverwendbare Sterilisierbehälter für Dampf-Sterilisatoren (nach DIN
EN 285 – Sterilisation - Damp-Sterilisation - Groß-Sterilisation) 

33
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung


Verweise (Fortsetzung):
DIN EN ISO 11607-1 Verpackung für in der Endverpackung zu sterilisierende
Medizinprodukte – Teil 1: Anforderungen an Materialien,
Sterilbarrieresysteme und Verpackungssysteme

DIN 58953-7 Sterilisation - Sterilgutversorgung - Teil 7: Anwendungstechnik von


Sterilisationspapier, Vliesstoffen, Papierbeuteln und heiß- und
selbstsiegelfähigen Klarsichtbeuteln und -schläuchen

DIN 58953-9 Sterilisation - Sterilgutversorgung - Teil 9: Anwendungstechnik von


Steriliseirbehältern von Sterilisierbehältern

10.2 Hartverpackung

Zur Hartverpackung zählen alle Arten von Sterilisationscontainern. Container haben sich vor
allem für die Dampfsterilisation bewährt.
Bei Sterilisationscontainern kommen verschiedene Mechanismen zum Einsatz, die den Ein-
und Austritt des Dampfes ermöglichen und zugleich das Sterilbarrieresystem bilden.
• Einmalfilter aus Papier
• Langzeitfilter (Textil- und Teflonfilter)
• Permanentfilter (Pasteur’sche Schleife)
 Einmalfilter müssen vor jeder erneuten Verwendung des Containers
ausgetauscht werden. Ein Einmalfilter darf keinesfalls mehrmals
verwendet werden. Labyrinth - Filter auf
 Langzeitfilter haben eine lange, aber dennoch begrenzte Nutzungs- Basis der Pasteur-
schen Schleife
dauer: Eine Überwachung der Anwendungsanzahl ist notwendig.
 Permanentfilter haben oft wartungsarme Mechanismen, die das
physikalische Verhalten von Keimen nutzen, um die Sterilität des Verpackungsinhaltes zu
erhalten.

Vorteile der Sterilisationscontainer


+
• Wiederverwendbarkeit  ökonomisch und ökologisch günstig
• guter mechanischer Schutz für die Medizinprodukte
• gute Stapelfähigkeit bei der Lagerung

34
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

Checkliste Hartverpackung

Container auf eventuelle Schäden und eine intakte Dichtung prüfen. Container und
Dichtungen müssen regelmäßig gewartet werden.
Herstellerangaben beachten.
Um eine Entnahme der Medizinprodukte aus dem Sterilisationscontainer unter
aseptischen Bedingungen zu ermöglichen, kann eine Innenumhüllung mit non-wo-
ven Material erfolgen. Die Innenumhüllung gilt nicht als eigenständige Verpackung.
Baumwolltücher sind zu vermeiden.
Instrumente sicher in die Container legen. Instrumente dürfen nicht verrutschen und
sich gegenseitig beschädigen, Rasten nur im ersten Zahn schließen
Deckel des Containers sicher verschließen und verplomben.

Gut zu Es muss von außen zu erkennen sein, ob der Sterilisationsbehälter


wissen nach der Sterilisation geöffnet wurde. Der Inhalt ist in diesem Fall nicht
mehr steril.
Korrekte Kennzeichnung des Containers (siehe Kapitel 10.3.)

Empfehlung: Medicontainer Container System


 Container, Verschlussplomben, Kennzeichnungsschilder

Verschlussplomben

Medicontainer Container 2.0 Kennzeichnungsschilder

35
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

10.3 Weichverpackung

Zur Weichverpackung von chirurgsch Instrumenten zählen Klarsichtverpackungen aus


Papier und Folie, Papierbeutel, Sterilisationskrepppapier und -vlies.
Aufgrund des geringeren mechanischen Widerstandes (im Vergleich zu den Hartverpa-
ckungen) muss verpackungsbeschädigenden Instrumente mehr Aufmerksamkeit gewid-
met werden.
Klarsichtbeutel und Papierbeutel werden in aller Regel für die Sterilisation und Lagerung
von Einzelinstrumenten und kleineren Instrumentensets genutzt. In Steilisationskrepppa-
pier oder -vlies können ganze Siebkörbe fachgerecht verpackt werden.

Checkliste Weichverpackung

Klarsichtbeutel:
Spitze und scharfe Instrumententeile mit Schutzkappen versehen.
 Beschädigung der Verpackung vermeiden
Klarsicht- und Papierbeutel nur zu 75 % füllen.
 Eine aseptische Entnahme wird ermöglicht. Die Gefahr des Aufplatzens während
der Sterilisation wird reduziert.
Klarsichtbeutel müssen zum Erhalt der Sterilität mit einer korrekt verschlossenen
Siegelnaht versehen sein.
Bei zweifacher Verpackung in Klarsichtbeutel
 Papier auf Papier / Folie auf Folie (Inhalt der Verpackung ist gut sichtbar)
 die Primärverpackung in der Sekundärverpackung nicht umgeknickt werden.
 die Siegelnähte dürfen nicht aneinander kleben
Die Klarsichtverpackungen zur Setrilisation vorbereiten
 In geeignete Siebkörbe
 Papier an Papier / Folie an Folie  Andernfalls Dampfaustausch durch die
Bedeckung der Papierseite (durchlässig) mit der Folienseite (dicht) vermindert.

Siegelnaht - eine korrekt verschlossene Siegelnaht ist maßgebend für das Sterilbarriere-
system:
Siegelnaht muss faltenfrei sein
Siegeltemperatur für Klarsichtverpackung und Papierbeutel gemäß Hersteller-
angaben
Siegelnaht muss mindestens 6 mm breit sein
Herstellerangaben des Verpackungsmaterials müssen beachtet werden.
Siegelgeräte müssen nach Herstellerangaben gewartet und kalibriert werden.

36
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

 Achtung Fortsetzung der Checkliste


Sterilisationskrepppapier und -vlies (non-woven Material):
Für Sterilverpackung von sperrigen Gütern geeignet
Als Innenumhüllung bei Containern
Verpackung von Instrumentensiebkörben und Instrumentensets
Verpackung nach DIN 58953-7  Sterilisation - Sterilgutversorgung - Teil 7: Anwen-
dungstechnik von Sterilisationspapier, Vliesstoffen, Papierbeuteln und heiß- und
selbstsiegelfähigen Klarsichtbeuteln und -schläuchen
Für eine Zweifachverpackung mit Sterilisationskrepppapier oder -vlies muss der
Verpackungsprozess zweimal hintereinander durchgeführt werden.
Gut zu Es reicht nicht aus, den Prozess einmal mit einer doppelten
wissen Lage an Vliesstoff oder Krepppapier durchzuführen. Dies ergibt keine
Zweifachverpackung.

Verpackungsverfahren
mit non-woven Material,
Bsp: Diagonal-
verpackung

Schritt 1: bestückten Siebkorb auf die Mitte


des non-moven Tuchs stellen

Schritt 2: eine Ecke über das Sterilgut Schritt 3: die linke Ecke über das Sterilgut
einschlagen einschlagen

Schritt 4: die rechte Ecke über das Sterilgut Schritt 5: die letzte Ecke über das Sterilgut
einschlagen  es entsteht eine Tasche an einschlagen und in die Tasche stülpen
der Oberseite  ein Zipfel für die aseptische Entnahme
herausragen lassen

37
THE ART OF SURGERY

10. Verpackung

10.4 Kennzeichnung

Alle Siebkörbe, Sets und einzeln verpackte Medizinprodukte müssen für die Sterilisation
und Lagerung gekennzeichnet werden.
Die Kennzeichnung erfolgt meist durch ein von der EDV-Dokumentation angefertigtes
Etikett mit Barcode. Das Etikett muss gut sichtbar auf der Verpackung des Siebes, Sets
und Medizinprodukts angebracht werden.
Zur Bestimmung der Sterilgutlagerfrist sind die Herstellerangaben des Verpackungs-
materials zu berücksichtigen.
Bei der Kennzeichnung der Verpackung ist folgendes zu beachten. Das Kennzeich-
nungssystem darf
• die Kompatibilität des Verpackungsmaterials und/ oder -systems mit dem anzuwen-
denden Sterilisationsverfahren nicht nachteilig beeinflussen.
• durch das anzuwendende Sterilisationsverfahren nicht unlesbar gemacht werden.
• nicht mit einer Farbe bedruckt oder beschriftet werden, die auf das Medizinprodukt
übertragen werden kann.
• keine Reaktion des Verpackungsmaterials und/ oder -systems bewirken, die deren
Nutzen beeinträchtigt.
• nicht derart die Farbe wechseln, dass die Kennzeichnung unlesbar wird.

Checkliste Kennzeichnung

Bezeichnung des Verpackungsinhalts


Sterilisationsdatum
Sterilgutlagerfrist (Verfallsdatum)
Namenskürzel des ZSVA-Mitarbeiters, der die Medizinprodukte verpackt
Chargennummer
Ggf. Angabe für single use ( Kapitel 1 - Symbol „nicht zur Wiederverwendung“)
Behandlungsindikator (Farbumschlag durch Sterilisation z.B. von rosa in braun)
 zeigt, ob das Medizinprodukt den Sterilisationsprozess durchlaufen hat
(Eignung für darauf folgendes Sterilisierverfahren)
 Unterscheidung zwischen sterilisierten und nicht sterilisierten Produkten

Verweise:
RKI - Empfehlunegn
DIN EN 868-2 Verpackungen für in der Endverpackung zu sterilisierende Medizin-
produkte - Teil 2: Sterilisierverpackung – Anforderungen und
Prüfverfahren

38
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

Das Ziel der Sterilisation ist es, sterile Medizinprodukte zu erhalten. Die Sterilität soll
während der Lagerung bis zur Anwendung oder dem Verfallsdatum erhalten bleiben.
Grundsätzlich gibt es verschiedene Sterilisationsverfahren. Die Herstellerangaben bezüg-
lich der Eignung des Sterilisationsverfahrens für die Medizinprodukte sind zu beachten.

Die Dampfsterilisation ist für thermolabile Materialien nicht geeignet.


Gut zu
wissen  Hierfür ist ein geeignetes Niedertemperatur-Sterilisationsverfahren zu
wählen.

Bedeutung "steril":
Medizinprodukte werden als „steril“ angesehen, wenn die theoretische Wahrscheinlich-
keit, dass sich ein lebensfähiger Mikroorganismus auf dem Produkt befindet,
≤ 1 : 1.000.000 Produkten ist.
Somit ist die Sterilisation ein Prozess, bei dem die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mikroor-
ganismus überlebt bei weniger als 1 : 1.000.000 liegt. Das validierte Sterilisationsverfah-
ren muss eine Reduktion, d.h. das Abtöten oder die irreversible Inaktivierung der lebens-
fähigen Mikroorganismen, von 10-6 erreichen.

Voraussetzung:
Eine sichere Sterilisation basiert auf einer erfolgreichen Reinigung und Desinfektion. Die
Instrumente müssen vor einer Sterilisation makroskopisch sauber und unbeschädigt
sein.

Gut zu
wissen
Bei Rückständen auf den Medizinprodukten kann nur die Oberfläche der
Verschmutzung sterilisiert werden. Im inneren des Restschmutzes leben
die Keime und Mikroorganismen jedoch weiter, vermehren sich und
können das Material beschädigen.
Diese Medizinprodukte sind nicht steril!
Die Verpackung, in der die Medizinprodukte verpackt sind, muss für das Sterilisations-
verfahren geeignet sein. Ebenso muss der Behandlungsindikator der Kennzeichnung auf
das Sterilisationsverfahren abgestimmt sein.

39
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

Checkliste Beladung der Sterilisations-


wägen und des Sterilisators

Klarsichtverpackungen mit Papierseite an Papier-


seite und Klarsichtseite an Klarsichtseite in Sterili-
sationssiebkörbe stellen
 Eine ausreichende Dampfdurch dringung wird
ermöglicht.

Merke:
Papier an Papier und Folie an Folie Klarsichtverpackungen mit Papierseite
an Papierseite sterilisieren

Die Ladung darf die Kammerwand des Sterilisators nicht berühren Ladung je Sieb-
korb oder Set soll das Gewicht von 10 kg nicht überschreiten.

Gut zu
wissen
 Kapitel 10. Verpackung

schwere Medizinprodukte im Chargenwagen unterhalb von leichteren sterilisieren


Schwere Medizinprodukte sammeln mehr Kondensat als leichtere an.
Gut zu
wissen Werden schwere Medizinprodukte unten sterilisiert, kann das Kon-
densat direkt abfließen und sammelt sich nicht auf anderen Medizin-
produkten an und durchnässt diese nicht.
Freigabe und Dokumentation

Dokumentation und Freigabe:


Der Sterilisationsprozess und die Freigabe müssen für die Rückverfolgbarkeit dokumen-
tiert werden. Die Freigabe zur Lagerung nach der Sterilisation darf nur erfolgen, wenn
folgende Kriterien erfüllt sind:
• Die Sterilisationsparameter wurden nachweislich erreicht.
• Die Farbe des Behandlungsindikators ist durch den Sterilisationsprozess korrekt
umgeschlagen.
• Die Verpackung ist vollkommen trocken.
• Die Verpackung/das Sterilbarrieresystem ist nicht beschädigt.

40
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

11.1 Dampfsterilisation

Dieses Kapitel entstand mit freundlicher Unterstützung der Miele Cie.KG


Die Sterilisation ist der nächste Schritt in der Hygienekette - erfolgt nach der Reinigung
und Desinfektion des Instrumentariums.
Aufgrund der hohen Bedeutung der Sterilisation, müssen Sterilisatoren eine Vielzahl an
Richtlinien und Normen erfüllen (z. B. DIN EN 13060 - Dampf-Klein-Sterilisatoren).
Zur Aufbereitung von Sterilisiergütern sind auch die Informationen der Hersteller von
Medizinprodukten (siehe auch DIN EN ISO 17664 - Sterilisation von Medizinprodukten)
zu beachten.

Groß-Sterilisatoren in der ZSVA

Quelle: Miele & Cie. KG

41
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

Der Sterilisationsprozess
Der Klein-Sterilisator verfügt über einen doppelwandigen Druckbehälter und arbeitet mit
einem fraktionierten Vor-Vakuum-Verfahren. Das Sterilisationsprogramm gliedert sich in
14 Phasen, die auch im Prozessprotokoll für die Prozessdokumentation einzeln aufgelis-
tet werden.

Ablauf eines Sterilisationsprogramms (134 °C Universal)


Phase/Prozess Druck Zeit
Dampfdurchströmung Anstieg auf ca. 120-135 kPa ca. 120 s
1. Fraktionieren: Vakuum Absenkung auf ca. 50 kPa max. 100 secs.
1. Fraktionieren: Dampfeinlass Anstieg auf ca. 140 kPa max. 180 secs.
2. Fraktionieren: Vakuum Absenkung auf ca. 10 kPa max. 300 secs.
2. Fraktionieren: Dampfeinlass Anstieg auf ca. 160 kPa max. 180 secs.
3. Fraktionieren: Vakuum Absenkung auf ca. 25 kPa max. 120 secs.
3. Fraktionieren: Dampfeinlass Anstieg auf ca. 180 kPa max. 180 secs.
4. Fraktionieren: Vakuum Absenkung auf ca. 65 kPa max. 120 secs.
Druckaufbau für Sterilisation Anstieg auf ca. 200 kPa
Stabilisierung für Sterilisation Anstieg auf ca. 314 kPa ca. 120 s
Sterilisation: Beginn Haltezeit ca. 314 kPa Programmabhängig
Trocknung: Beginn Absenkung auf ca. 10 kPa max. 300 secs.
Belüftung: Beginn Absenkung auf ca. 4 kPa 420 s
Prozessende Anstieg auf ca. 100 kPa 60 s

Sterilisationsprogramm, 20 mbar Absolutdruck

Quelle: Miele & Cie. KG

42
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

Prozessablauf

Prozessablauf

Die effiziente Vakuumpumpe entfernt nach Programmstart zuverlässig die Luft aus der
Kammer und gewährleistet damit eine vollständige Dampfdurchdringung in der an-
schließenden Sterilisationsphase. Das erzeugte, sehr tiefe Vakuum im Sterilisations-
prozess und der im Doppelmantel integrierte Dampferzeuger garantieren schnelle
Prozesse, sichere Ergebniss und ein sehr gutes Trocknungsergebnis.

Einfache Bedienung durch


Klartext:
Anzeige des Programmablaufs
und Ergebnisses im Display

Bediendisplay

Sicherheit: Helix-Test
Zur Überprüfung der Dampfdurchdringung
von Hohlkörpern wird ein sog. Helix-Test
durchgeführt. Hierbei wird die Dampf-
durchdringung von Instrumenten simuliert.

Helix-Test

Quelle: Miele & Cie. KG

43
THE ART OF SURGERY

11. Sterilisation

Für die Sterilisation ist unter Berücksichtigung der nationalen Bestimmungen folgendes
Sterilisationsverfahren anzuwenden:
• Fraktioniertes Vakuumverfahren: dreifach fraktioniert, mit ausreichender Produkttrock-
nung (min. 15 Minuten)
• Dampfsterilisator entsprechend DIN EN 13060 - Dampf-Klein-Sterilisatoren bzw.
DIN EN 285 Sterilisation - Dampf-Sterilisatoren - Groß-Sterilisatoren und gemäß DIN
EN ISO 17665-1 Sterilisation von Produkten für die Gesundheitsfürsorge - Feuchte Hitze
- Teil 1: Anforderungen an die Entwicklung, Validierung und Lenkung der Anwendung
eines Sterilisationsverfahrens für Medizinprodukte
• Sterilisationszeit und Temperatur:
Mindestens 5 Minuten Haltezeit bei 134 °C

bei abweichenden nationalen Vorschriften:


mindestens 18 Minuten Haltezeit bei 134 °C

Fraktioniertes Vakuumverfahren:
Beim fraktionierten Vakuumverfahren wird mehrmals im Wechsel evakuiert und Dampf in
die Sterilisierkammer gegeben. Auf diese Weise wird die Luft aus der Ladung entfernt
und das Vakuum für das Einströmen des Dampfes zur Sterilisation erzeugt.

11.2 Resterilisation

Eine Resterilisation bedeutet, dass das Medizinprodukt erneut sterilisiert werden muss.
Eine neue Verpackung und eine neue Kennzeichnung mit der entsprechenden Sterilgut-
lagerfrist sind unbedingt notwendig.
Die Kontamination oder Beschädigung des Medizinprodukts muss ausgeschlossen sein.
Ist dies nicht der Fall, muss die komplette Aufbereitung mit Reinigung und Desinfek-
tionund Neuverpackung erfolgen.
Eine Resterilisation wird gefordert, wenn
• der Behandlungsindikator durch die Sterilisation nicht umgeschlagen ist.
• die Verpackung nach der Sterilisation und Trocknungsdauer nicht vollständig
trocken ist ( Korrosionsgefahr).
• die Verpackung beschädigt ist.
• die Sterilgutlagerfrist abgelaufen ist.
• die Sterilisationsparameter nicht erreicht wurden.
Ist der Behandlungsindikator bei mehreren Artikeln einer Charge nicht
Gut zu
wissen umgeschlagen oder sind mehrere Verpackungen einer Charge nicht
ausreichend trocken, sollte die Funktion des Sterilisators überprüft
werden.

44
THE ART OF SURGERY

12. Lagerung

Nach der Sterilisation können die sterilen Instrumente entsprechend der Verpackungsart
in einem geeigneten und dafür ausgelegten Sterilgutlager bis zur Anwendung aufbewahrt
werden. Es empfiehlt sich die Aufbewahrung/ Lagerung der Medizinprodukte zu organi-
sieren, hierbei können das Anwendungsgebiet des Siebes sowie Prinzipien wie
„First-in-First-out“ in Betracht kommen.
Es ist besonders wichtig, dass vor Einlagerung der Medizinprodukte in das Sterilgutlager
ein erfolgreicher Sterilisationsprozess dokumentiert nachgewiesen ist:
• die Sterilisationsparameter dokumentiert erreicht wurden
• die Farbe des Behandlungsindikators verändert ist
• die Verpackung vollkommen trocken ist
• die Verpackung unbeschädigt ist
Nur wenn diese Kriterien erfüllt sind, dürfen die Siebkörbe und Sets zur Lagerung freigege-
ben werden. Die Freigabe muss dokumentiert werden.
Aus dem Sterilgutlager werden die Medizinprodukte dem OP und der Station zugeführt.
Weder der Transport noch die Lagerung dürfen die sterilen Eigenschaften oder die Funktion
der Medizinprodukte beeinträchtigen.
Der Transport von sterilen Medizinprodukten sollte grundsätzlich geschützt in Containern
und geschlossenen Transportwägen erfolgen.

Anforderungen an die Lagerräume des Sterilgutlagers:


• Raumtemperatur von 24 °C (75°F)
• 4 mal Luftaustausch pro Stunde
• relative Feuchtigkeit darf 70 % nicht übersteigen  kontrollieren
• für den allgemeinen Verkehr nicht zugänglich
• Innenwände der Räume
(Wände, Decken, Boden) sollten glatt sein
 Reinigung und Desinfektion ermöglichen
• Abstand von Schränken und Regalen
 zum Boden: mindestens 20-25 cm
 zur Decke: mindestens 45 cm
 zur Außenwand: mindestens 5 cm
 sorgt für eine gute Luftzirkulation

Sterillgutager - HUPFER®
Metallwerke GmbH & Co. KG

Verweise:

ANSI/ AAMI ST79 Comprehensive guide to steam sterilization and sterility assurance
in health care facilities

45
THE ART OF SURGERY

12. Lagerung

Die Lagerung der Medizinprodukte in Schränken ist zu empfehlen.


Ein geschlossener Schrank bietet Schutz vor Staubablagerungen auf der
Gut zu
wissen Verpackung. Staubablagerungen können beim Öffnen der Verpackung zu
Kontaminationen des Medizinprodukts führen.
Die Schränke müssen für Gewicht und Konfiguration der Sterilverpackung konzipiert sein.

Lagerdauer:
Die Lagerdauer ist meist nicht zeit-, sondern ereignisbezogen. Die Sterilgutlagerfrist ist
vom Betreiber unter Berücksichtigung der Angaben des Verpackungsmittelherstellers
festzulegen. Die angegebene Lagerzeit des Herstellers von bereits steril angelieferten
Sterilprodukten ist aber nur unter korrekter Handhabung und entsprechenden Lagerbe-
dingungen gültig.
Es gibt keine vorgeschriebenen Sterilgutlagerfristen. Der allgemeine Richtwert beträgt
unter den Bedingungen eines Sterilgutlagerraumes sechs Monate.

First-in-First-out-Prinzip:
Die Lagerung von Sterilgut sollte nach dem First-in-first-out-Prinzip geschehen. Das
Medizinprodukt oder der Siebkorb mit dem frühesten Verfallsdatum wird vorne gelagert
und das Medizinprodukt, das frisch aus der Sterilisation kommt, wird hinten eingelagert.
 Die Gefahr der Überlagerung von Medizinprodukte wird reduziert.

Resterilisation:
Überlagerte Medizinprodukte, deren Sterilgutlagerfrist abgelaufen ist, müssen zur
Resterilisation. Vor der Resterilisation müssen die Medizinprodukte neu verpackt
werden. Eine erneute Sterilisation der Medizinprodukte in der alten Verpackung ist nicht
zulässig.
Medizinprodukte in feuchten, verstaubten, beschädigten und angebrochenen Verpa-
ckungen müssen ebenfalls neu verpackt und resterilisiert werden. Diese Verpackungen
stellen kein sicheres Sterilbarrieresystem mehr dar. Das Medizinprodukt ist unsteril.

Checkliste Lagerung

Sterilisiergut auf korrekt erfolgte Sterilisation prüfen


Lagerungsbedingungen optimal gestalten
Lagerungsdauer vom Betreiber festlegen
Entnahmemodus definieren

46
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.1 Tipps zur Organisation des


Instrumententransports

Eine gute Organisation des Hol- und Bringdienstes der Instrumente von der ZSVA zum OP
und umgekehrt ist sehr wichtig. Die Schnittstellen müssen für einen einwandfrei funktionie-
renden Instrumentenkreislauf kooperieren.

13.1.1 Allgemeine Tipps

Es sollte eine ausreichende Anzahl von Instrumentensieben für die jeweilige Anwen-
dung zur Verfügung stehen.
Die erforderliche Gesamtaufbereitungszeit ist bei Sieben, die mehrmals täglich be-
nutzt werden, zu berücksichtigen, um eine rechtzeitige Bereitstellung der Instrumente
zu ermöglichen.

13.1.2 Tipps zur Entsorgung

Bereits im OP sollten zur Verbesserung des Reinigungserfolgs grobe Verschmutzungen


(Blut, Gewebe, Kochsalzlösung) direkt nach der Anwendung entfernt werden.
Die Instrumente sollten zur Entsorgung geordnet im Siebkorb abgelegt werden (kei-
nesfalls abwerfen), sodass die Instrumente sich nicht gegenseitig beschädigen oder
Kabel beschädigt werden.
Die Instrumente sollten nicht aus den Siebkörben herausragen.
 Verletzungsgefahr
Instrumente aus verschiedenen Siebkörben sollten bei der Entsorgung nach Möglich-
keit nicht durcheinander gemischt werden.
 Die Instrumente müssen in der ZSVA wieder sortiert und den Siebkörben ent-
sprechend zugeordnet werden.
Es sollten keine Einmalprodukte zur Aufbereitung in die ZSVA gegeben werden. Diese
sollten bereits im OP entsorgt werden, da sie nicht aufbereitet werden dürfen.
 Verwechslungsgefahr ausschließen
Um das Durchspülen von Lumen und Hohlräumen bei der Nassentsorgung zu ermög-
lichen, das Instrument beim Eintauchen schräg halten. Die Luft kann aus den Hohl-
räumen entweichen und die Desinfektionslösung nach strömen.
Instrumente mit Gelenken geöffnet ablegen.

47
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.2 Tipps zum Beladen der Siebkörbe

Instrumente mit spitzen, gebogenen Maulteilen mit dem spitzen Ende zum
Siebinneren ablegen
 spitze Enden stechen nicht durch Sieblöcher hindurch

Gut zu
wissen
Es dürfen keine Instrumente aus dem Siebkorb herausragen
 Verletzungs- und Infektionsgefahr
Kleine Instrumente sollten nicht als oberstes im Siebkorb abgelegt werden.
 Es besteht die Gefahr, dass die Instrumente durch die Kraft des Wasserstrahls
in der Reinigungskammer herumgewirbelt werden.

13.3 Tipps zur Reinigung und Desinfektion

Instrumente sollten siebweise gereinigt werden. Bei umfangreichen Sieben


müssen die Instrumente auf mehrere Siebkörbe verteilt werden, um die Siebkör-
be nicht zu überladen und ein vollständiges Umspülen der Instrumente zu ge-
währleisten. Die Siebkörbe müssen, um eine Zuordnung nach der Reinigung zu
ermöglichen, gekennzeichnet werden. Die zueinander gehörenden Siebkörbe
sollten direkt nach der Entnahme aus dem RDG wieder einander zugeordnet
werden.
Auf keinen Fall dürfen bei der Aufbereitung von Medizinprodukten Metallbürsten
verwendet werden.
 immer Kunststoffbürsten für die manuelle Reinigung und Flaschenbürsten aus
Kunststoff für Hohlräume verwenden (auf Durchgängigkeit prüfen)
Keine scheuernden Reinigungsmittel verwenden.
 Diese Dinge sollten sich nicht an Arbeitsplätzen in der ZSVA befinden. Durch
Bereitstellen der geeigneten Arbeitsmittel wird die richtige Arbeitsweise gewähr-
leistet.
Ein Dampfreinigungsgerät (Steamer) zur Vor-/ Nachreinigung benutzen.
 löst angetrocknete, verkrustete Rückstände auch an schwer zugänglichen
Stellen von Instrument ab (insbesondere für BipolarInstrumente geeignet). Die
Instrumente müssen aber dennoch den maschinellen/ manuellen Reinigungs-
und Desinfektionsprozess durchlaufen (Herstellerangaben beachten).
Um die Gefahr von Rekontamination zu reduzieren, zweitürige RDGs verwenden.
 strikte Trennung zwischen dekontaminierten und kontaminierten Instrumenten.
Bei eintürigen RDGs erfolgt die Be- und Entladung an der gleichen Stelle. Da-
durch ist das Rekontaminationsrisiko höher.
Vor allem bei der manuellen Reinigung sollte auf geeignete Schutzkleidung
geachtet werden.  zum Personalschutz vor Verletzungen und Infektionen

48
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.4 Tipps zur Kontrolle, Wartung und Pflege

Bei der manuellen Reinigung kann der Behälterboden mit einer Silikonmatte ausge-
legt werden.
 Beschädigungen der Instrumente werden vermieden
Eine regelmäßige Reinigung der Arbeitsflächen trägt zur Hygiene bei und senkt das
Rekontaminationsrisiko.
 reinigende Wischdesinfektion
Werden beschädigte, rostige oder funktionsuntüchtige Instrumente aussortiert und
ggf. in Reparatur gesendet oder entsorgt, ist der Siebkorb nicht mehr vollständig
bestückt. Um das Set trotzdem weiter benutzen zu können, sind Nachlegereserven
an Instrumenten zur Reparaturüberbrückung sinnvoll (auf entsprechende Lagerung
achten).
Prüfmittel zur Funktionsprüfung und spezielle, gut geeignete Prüfverfahren können
beim Hersteller erfragt werden.
Für ein gezieltes, punktuelles Aufbringen des Pflegemittels einen Ölstift verwenden.

13.4.1 Pinzetten
• Pinzetten müssen federnd und parallel von Maulspitze aus schließen
• beim Schließen dürfen sich Maulspitzen nicht öffnen oder seitlich verschieben
• Führungsstift darf nicht verbogen sein  muss seitliches Verschieben der Schenkel
verhindern
• Feder darf nicht verbogen sein
• in geschlossenem Zustand müssen Fassflächen fest aufeinander liegen
• Fassflächen dürfen nicht abgenutzt, beschädigt oder verbogen sein
• Rillen und Zahnungen der Fassflächen müssen ineinander greifen
• chirurgische Pinzette  Zähne müssen in geschlossenem Zustand
ineinander greifen, dürfen nicht festhaken, verbogen oder abgebrochen sein
 Zähne müssen spitz und in Größe und Symmetrie gleichförmig sein

49
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.4.2 Gelenke

• Leichtgängigkeit der Gelenke prüfen


• fester Sitz der Gelenkschrauben und Stifte prüfen
• Bei Verwendung von Prüfmaterial sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen.

Schere
• in geschlossenem Zustand: Blattspitzen müssen deckungsgleich sein
• Sitz der Schlussschraube muss in jeder Öffnungs-Stellung fest sein
• beim Schließen der Schere: nach dem ersten Drittel der Schneidelänge muss der
Gang gleichmäßig und satt sein  nicht zu leicht- und nicht zu schwergängig
• Schneideprobe
 Versuchsmaterial ist von Größe und Verwendungszweck der Schere abhängig
( DIN 58298)
• bei Schneid- und Gangprüfung keinen seitlichen Zug/ Druck
auf die Branchen ausüben
• drei ununterbrochene Schnitte durchführen
• Schneidprüfung schräg und quer zu den Webrippen des
Versuchmaterials ausführen
• von der Spitze aus müssen 2/3 der Schneidlänge glatt
schneiden  ohne ausreißen, verklemmen, zupfen oder
Schneidprobe
schieben
• wegen gewissem Verschleiß der Schneidkanten durch die Schneidprüfung, die
Schneidprüfung nur bei auffälliger Leicht oder Schwergängigkeit durchführen, oder
wenn der Anwender die Schneidleistung beanstandet

50
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

Atraumatische Klemmen
• Maul muss symmetrisch und gratfrei sein  Prüfung erfolgt visuell und taktil mit den
Fingerkuppen, Zahnung darf nicht in Haut einhaken oder zupfen
• Klemme muss sich gleichmäßig schließen
• Maulteile müssen in Deckung zueinander stehen
• Zähne des Maulteils müssen voll ausgeprägt, gratfrei und auf beidenSeiten in Größe
und Symmetrie gleichmäßig sein
• Rastersperre darf nicht unbeabsichtigt geöffnet werden können  aufspringen
• Sperren müssen sich in geschlossenem Zustand decken, Zähne müssen vollständig
ineinander einrasten
• Stellung der Branchen und Ringe: auf ebene
Unterlage legen (Tisch)  Ringe müssen parallel
aufliegen, Branchen und Ringe dürfen nicht
verbogen sind

Ringe müssen
parallel aufliegen
Stellung der Ringe und Branchen

Ring-Nadelhalter
• Prüfung des Maulteils: Verrundung der Innenseite der Maulspitzen, Maulkanten,
Maulkehlen, Maulprofil prüfen  Prüfung erfolgt visuell und taktil mit den Fingerkup-
pen, Zahnung darf nicht in Haut einhaken oder zupfen
• Spalt an Maulspitze ist unzulässig
• Zahnungen des Maulteils müssen in geschlossenem Zustand ineinander greifen
• Maulteile müssen symmetrisch und seitlich deckend sein
• Prüfung der Rastersperre: Sperren müssen sich in geschlossenem Zustand decken,
Zähne müssen vollständig ineinander einrasten
• Stellung der Branchen und Ringe: auf ebene Unterlage legen (Tisch)  Ringe müssen
parallel aufliegen, Branchen und Ringe dürfen nicht verbogen sein

51
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.4.3 Instrumente mit Doppelgelenk


• Maulteile müssen symmetrisch sein und in Deckung zueinander stehen
• Schrauben müssen fest sitzen und dürfen sich auch bei starker Beanspruchung nicht
lockern
• Schluss-/ Gelenkbereich muss spiel- und wackelfrei sein
• in geöffnetem Zustand müssen Gelenkinnenflächen gleichmäßig anliegen
• Federn dürfen nicht beschädigt oder verbogen sein

13.4.4 Schiebeschaft Instrumente


• häufige Beschädigungen sind: - verbogenes, deformiertes Schieberteil
- verbogener Stanzenfuß (durch Überbeanspruchung)
- Bruch des Stanzenfußes
- abgenutzte Schneidflächen
- Scharten und Deformationen an den Schneidflächen
- defekte Federn
- lockere Schrauben
• bei der Montage muss sich das Schieberteil ohne Hilfsmittel sauber in die
Führungsnute einsetzen lassen
• Schieberteil muss ohne klemmen über Griffhauptteil gleiten
• Führung (Griffhauptteil und Schieberteil) darf kein großes Spiel haben
• Stanzenfuß darf nicht nach oben oder nach unten verbogen sein
• Schieberteil und Stanzenfuß dürfen an der Schneidkante nicht deformiert sein
• Schrauben müssen fest sitzen und dürfen sich bei Gebrauch nicht lockern
• Federn dürfen nicht beschädigt sein

52
THE ART OF SURGERY

13. Tipps & Tricks

13.5 Tipps zur Verpackung

Die Packlisten siebweise inklusive Musterbilder in der EDV-Dokumentation hinterle-


gen. Eine Reihenfolge der Liste in der Packreihenfolge und entsprechende Hinweise
zum Ablegen (Siebkorb linke Seite und Griffe nach links, Siebkorb rechte Seite und
Griffe nach unten…) vereinfachen und beschleunigen den Packprozess.
Die Sieblisten sollten stets auf dem Laufenden gehalten und überarbeitet werden. Es
ist zu empfehlen nicht mehr benötigte Instrumente auszusortieren und ggf. durch
neue Instrumente sinnvoll zu ergänzen, um eine effiziente Arbeitsweise zu ermögli-
chen. Die Sieblisten und Musterbilder müssen dementsprechend zeitnah aktualisiert
werden und die Dokumente bereitgestellt werden.
In den Packlisten sollten auch Besonderheiten zu Instrumenten hinterlegt werden z.B.
besondere Pflegehinweise, Montage, Verpackungsart. etc.
Siebkörbe mit feineren Gitterlöchern sind für die Verpackung besser geeignet.
 Instrumente können nicht hindurch stechen und die Verpackung von innen be-
schädigen.

13.6 Tipps zur Dokumentation

Die Dokumentation per EDV-System mit Barcodesystem ist am effizientesten. Das


Fehlerrisiko wird reduziert und die Nachvollziehbarkeit ist gegeben.
Im EDV-System können alle Stammdaten eines Instruments hinterlegt werden.
 Hersteller, Typ, Vergleichstyp, Modell, Bild, Risikoklasse, Aufbereitungs-, Sterilisati-
onsprozess etc.
Es müssen für jeden Arbeitsschritt Arbeitsanweisungen vorliegen.
Die Daten und Arbeitsanweisungen müssen immer für jeden ZSVA-Mitarbeiter zu-
gänglich sein. Das heißt sie müssen auch in Papierform vorliegen (im Falle eines
Ausfalls des Dokumentationssystems). Sinnvoll ist die Arbeitsanweisungen direkt am
Arbeitsplatz als Merkblatt auszuhängen.

53
THE ART OF SURGERY

14. Prozesschemikalien

Dieses Kapitel entstand in Zusammenarbeit mit Dr. Weigert.


„Prozesschemikalien“ ist ein Sammelbegriff für die bei manueller oder maschineller
Instrumentenaufbereitung verwendeten Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel, Neutrali-
sationsmittel, Pflegemittel, Nachspülmittel und Grundreinigungsmittel.
Auch die Qualität des Wassers, das in den verschiedenen Prozessschritten der Instru-
mentenaufbereitung zur Verdünnung der Prozesschemikalien sowie für Vor-, Zwischen-
und Nachspülschritte verwendet wird, hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die
Ergebnisse des Gesamtprozesses und man muss ihr eine große Beachtung schenken.
Prozesschemikalien zur Instrumentenaufbereitung müssen ein CE-Zeichen nach dem
Medizinproduktegesetz tragen. Hierbei sind Reinigungsmittel, Neutralisationsmittel,
Pflegemittel, Grundreinigungsmittel und Nachspülmittel Medizinprodukte der Klasse I,
Desinfektionsmittel sind Medizinprodukte der Klasse II a bzw. der Klasse II b, wenn sie
zur Desinfektion von invasiv einzusetzenden Medizinprodukten ausgelobt werden.
Nachstehend sind die verschiedenen Prozesschemikalien charakterisiert:

14.1 Reinigungsmittel

Reinigungsmittel können grob klassifiziert werden:


• pH-neutrale, enzymatische Reiniger
• alkalische, enzymatische Reiniger
• alkalische Reiniger mit Prion-Wirksamkeit
• hochalkalische Reiniger
Ein Reiniger entfernt Verunreinigungen durch seine zersetzende, emulgierende,
dispergierende und schmutzdurchdringende Eigenschaft. Darüber hinaus gehend
sollte ein Reiniger in einem maschinellen Prozess nicht zum Schäumen neigen
bzw. idealerweise sogar Fremdschaum, der z.B. aufgrund von Blutresten entste-
hen kann, unterdrücken. Neben der Reinigungsleistung ist auch die Vermeidung
einer Redeposition entfernter Schmutzrückstände von Bedeutung. Das Material-
verhalten ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Vor diesem Hintergrund haben sich in
den letzten Jahren mild-alkalische, enzymatische und tensidhaltige Reiniger, wie
z.B. neodisher MediClean forte, bewährt.
Bei Einsatz solcher Reiniger ist auch die Anwendung eines Neutralisationsmittels
im ersten maschinellen Nachspülschritt nach der alkalischen Reinigung nicht mehr
erforderlich.
Eine neue Herausforderung stellt z.B. die Risikominimierung bei der Aufbereitung
solcher Instrumente dar, die mit TSE-Risikogewebe in Kontakt waren
(TSE=transmissible spongiforme Enzephalopathien, z.B. CJK und vCJK). Hier
können nach nationalen Empfehlungen Reiniger eingesetzt werden, die eine begut-
achtete Prion-Wirksamkeit gemäß Methodenvorschlägen der WHO oder z.B. des
RKI haben und somit nachweislich wirksam gegen verschiedene Prionstämme
sind.

Quelle: Dr.Weigert GmbH & Co. KG

54
THE ART OF SURGERY

14. Prozesschemikalien

14.2 Neutralisationsmittel

Neutralisationsmittel werden dem ersten Nachspülwasser nach einer höher alkali-


schen Reinigung zudosiert. Neutralisationsmittel basieren üblicherweise auf Phos-
phorsäure oder Zitronensäure und erleichtern die Abspülbarkeit von hochalkali-
schen Reinigern.

14.3 Pflegemittel

Pflegemittel zur Erhaltung der Gleitfähigkeit von z.B. Gelenkinstrumenten können


entweder maschinell dem letzten Nachspülwasser oder manuell z.B. in Form von
Sprays vor der Sterilisation eingesetzt werden. Instrumentenpflegemittel basieren
auf Paraffinum perliquidum und müssen dampfdurchlässig sein, d.h. auch Emulga-
toren beinhalten.

14.4 Nachspülmittel

Nachspülmittel reduzieren die Oberflächenspannung des Wassers und werden


dem letzten Nachspülwasser zudosiert, um eine bessere und auch schnellere
Trocknung im Sinne der Vermeidung einer Rekontamination der aufbereiteten
Medizinprodukte zu bewirken. Wie auch andere Prozesschemikalien müssen
insbesondere Nachspülmittel einer toxikologischen Risikobewertung gemäß
EN ISO 10993 unterzogen werden.

14.5 Grundreinigungsmittel

Grundreinigungsmittel dienen dazu, verfärbte oder Rostansatz zeigende Instru-


mente aus nichtrostenden Stählen in einem separaten Aufbereitungsprozess
grundzureinigen. Üblich hierfür sind Grundreiniger auf Basis von Phosphorsäure,
die verschiedene mineralische Verfärbungen und Belagsbildungen entfernen
können.

Allgemeines:
Der Hersteller der Prozesschemikalien ist verpflichtet, Technische Datenblätter
sowie Sicherheitsdatenblätter zur Verfügung zu stellen.

Quelle: Dr.Weigert GmbH & Co. KG

55
THE ART OF SURGERY

14. Prozesschemikalien

14.6 Wasser

Die Anforderungen an Wasserqualitäten zur Instrumentenaufbereitung sind in


verschiedenen Normen und Richtlinien, wie z.B. DIN EN 285 (Sterilisation - Dampf-
Sterilisatoren - Groß-Sterilisatoren), Deutsche Validierungsleitlinie, AAMI TIR34
(Water for the reprocessing of medical devices) beschrieben.
Es empfiehlt sich zur Schlussspülung eines maschinellen Aufbereitungsprozesses
vollentsalztes Wasser einzusetzen, ebenfalls zur Speisung eines Reindampferzeu-
gers. Auch andere Prozessschritte einer maschinellen Aufbereitung können mit
vollentsalztem oder mindestens enthärtetem Wasser optimiert werden.

Quelle: Dr.Weigert GmbH & Co. KG

56
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

Im Folgenden werden die in der Instrumentenherstellung am häufigsten verwendeten Werk-


stoffe aufgeführt. Hierzu zählen verschiedene Sorten an hochlegierten Edelstählen, Titan,
Aluminium und verschiedene Kunststoffe.

15.1 Hochlegierter Edelstahl

Hochlegierte Stähle enthalten mehr als 5 % an besonderen Legierungselementen. Diese


Legierungselemente zeichnen die verschiedenen Edelstähle in ihren Eigenschaften und
Verwendung aus (siehe 15.1.1 Legierung).
Bestandteile:
• Eisen
• Kohlenstoff
• Legierungselemente (siehe 15.1.1 Legierung)

Im Edelstahlbereich wird hauptsächlich zwischen zwei Hauptgruppen unterschieden:


• martensitischer Stahl  härtebarer Stahl für z.B. Klemmen, Scheren, Pinzetten
• austenitischer Stahl  zähfester Stahl für z.B. Schalen, Behälter, Federn, Implantate

Meistverwendeter Werkstoff in der Instrumentenproduktion:


Martensitischer Instrumentenstahl, Werkstoff-Nr. 1.4021 (Kurzname X20Cr13)
• Endbehandlung: Härten
• zähharte Werkstoffeigenschaften
• Ausgangsmaterial für z.B. Klemmen, Nadelhalter, Wundhaken, Wundsperrer, Hohlmei-
ßelzangen, Elevatorien

Weitere Stahlsorten:
• Martensitischer Instrumentenstahl, Werkstoff-Nr. 1.4034 (Kurzname X40Cr13)
 zur Herstellung schneidender und scharfer Instrumente
 festharte Werkstoffeigenschaften
 Ausgangsmaterial für z.B. Messer, Meißel, Schneidezangen

• Austenitischer Instrumentenstahl, Werkstoff-Nr. 1.4301


(Kurzname X5CrNi18 10)
 Endbehandlung: Vergüten
 zähfeste, säure- und laugenbeständige Werkstoffeigenschaften
 Ausgangsmaterial für z.B. Schalen, Spatel, Griffteile, Sonden, Wundhaken

57
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

• Austenitischer Instrumentenstahl, Werkstoff-Nr. 1.4305 (Kurzname X8CrNiS 18 9)


 ähnlich wie 1.4301
 durch Zulegierung von Schwefel  spröde Werkstoffeigenschaften
(Verbesserung der Spanbarkeit)
 Ausgangsmaterial für z.B. Schrauben, Instrumentenschäfte, allg.
Kleinbauteile

Mindestanforderungen an chirurgische Stähle:


• Rostfreiheit
• Korrosionsbeständigkeit (hauptsächlich abhängig von Chromgehalt, Härte, Ober-
flächenqualität, Ausbildung und Ausprägung der Passivschicht
 15.1.2 Passivschicht)
• Härte
• Oberflächenanforderung
• Sterilisierbarkeit
• hohe Elastizität
• Zähigkeit
• Steifigkeit
• gutes Schneideverhalten
• hohe Verschleißbeständigkeit
• chemische Beständigkeit

Stahlbezeichnung (gemäß DIN EN 10027 - Bezeichnungssysteme für


Stähle):
Beispiel: X20Cr13
Bedeutung: X  hochlegiert
20  0,2 % Kohlenstoffanteil
Cr  Chrom ( Legierungselement)
13  13 % Legierungselement (hier: Chrom)

Vor- und Nachteile von hochlegiertem Edelstahl:

+ Vorteile Nachteile -
• alle im Krankenhaus üblichenAuf- • hohes Gewicht
bereitungsverfahren einsetzbar • geringe Wärmekapazität und
(wie chirurgische Instrumente) Wärmeleitfähigkeit  können die
Trocknung beeinträchtigen
• keine Farbcodierung möglich

58
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

Verweise:

DIN EN ISO 7153 Chirurgische Instrumente – Metallische


Werkstoffe Teil1: Nichtrostender Stahl

DIN 58298 Medizinische Instrumente – Werkstoffe,


Ausführung und Prüfung

ASTM F899 Standard Specification for Wrought Stainless


Steels for Surgical Instruments

15.1.1 Legierung

Eine Legierung ist ein metallisches Material, das aus mindestens zwei
chemischen Elementen besteht.

Legierungselemente können sein:

Legierungselement Funktion
Kohlenstoff  Härte, Festigkeit
Chrom  Korrosionsbeständigkeit (Passivschicht)
Nickel  Zähigkeit, Durchhärtbarkeit,
Korrosionsbeständigkeit
Schwefel  Sprödbrüchigkeit
 bessere Zerspanbarkeit
Molybdän  Zugfestigkeit, Schneidhaltigkeit
Vanadium  Härte (ohne Härtvorgang), Warmfestigkeit

Weitere Legierungselemente: Silizium, Mangan, (Verunreinigungen: Schwefel, Phosphor)

59
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

15.1.2 Passivschicht

Die Passivschicht ist eine sehr dünne, makroskopisch nicht immer erkennbare Chrom-
oxidschicht. Die Schicht bildet sich durch die Reaktion des Chromanteils im Instrumen-
tenstahl mit dem Sauerstoff der Luft. Dieser Prozess wird Passivierung genannt.
Die Passivschicht ist die Schutzschicht der Instrumente vor den aggressiven Medien in
OP und ZSVA. Wird die Schicht beschädigt, kommt es schneller zu Flecken- und Korro-
sionsbildung.
Die Passivschicht kann durch salzhaltige Halogenide (Chloride) beschädigt werden. Es
bildet sich chlorinduzierte Korrosion (Lochkorrosion).
Chloride sind enthalten in
• Trinkwasser
• unzureichend aufbereitetes VE-Wasser
• Lösungen aus dem OP (physiologische Kochsalzlösung)
• Blut und andere Körperflüssigkeiten
• Salzverschleppung aus Ionentauschern (bei Herstellung von VE-Wasser)
• Verschleppung aus Wäsche
• nicht zugelassene Reinigungsmittel

Je nach Ausprägung, Dichte und Dicke der Chromoxidschicht kann eine matte oder
glänzend grauschwarze Schicht sichtbar werden. Die Schicht ist hygienisch unbedenk-
lich und darf aufgrund der Schutzfunktion nicht beseitigt werden.
Die Ausbildung und Ausprägung der Passivschicht sind abhängig von
• Metallzusammensetzung (mindestens 12 % Chromanteil)
• metallurgischem Gefüge des Stahls
• Alter bzw. Nutzungsdauer des fertigen Instruments
• Aufbereitungsbedingungen
(v.a. zu Beginn der Nutzungsdauer)
Die natürliche Passivierung des Instrumentenstahls bildet nur
eine sehr dünne Passivschicht aus, da das Chrom-Eisenverhältnis
nicht optimal ist und Verunreinigungen durch Schwefel zu lokaler Chromreduktion
führen. Um einen besseren Schutz für das Instrument zu erhalten, wird in der Industrie
auf eine chemische Passivierung zurückgegriffen. Dies kann mit Salpetersäure-, Zitro-
nensäure-, Sequestrierungs- oder Elektropoliturverfahren erfolgen.
Die chemische Passivierung kann eine bis zu 3-5-mal dickere Passivschicht bilden als
die natürliche Passivierung. Dies liegt daran, dass durch die chemische Passivierung das
Chrom-Eisenverhältnis an der Oberfläche des Instrumentenstahls optimiert wird. Die
freien Eisenteile in der Oberfläche und andere Rückstände wie z.B. Schwefelanteile, Öl-
und Fettpartikel werden entfernt. Der Chromgehalt an der Oberfläche wird erhöht, was
zur Erhöhung des Chromoxidanteils führt.
Die chemische Behandlung beschleunigt und unterstützt außerdem die Ausbildung der
Passivschicht.

60
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

15.2 Titan

Es werden verschiedene Titanwerkstoffe zur Herstellung von Implantaten und Instru-


menten verwendet. Hauptsächlich lässt sich Titan in zwei Kategorien unterteilen
• Reintitan  >99,2 % Titan,
Rest sind Begleitelemente (Sauerstoff, Kohlenstoff, Eisen)
• Titanlegierung  Titan verbunden mit unterschiedlich große Anteilen an Legierungs-
elementen (Aluminium, Vanadium, Zinn, Chrom, Zirkonium)
Aus den verschiedenen Titanwerkstoffen werden Implantate und Instrumente hergestellt
(Platten, Schrauben, Aneurysmen Clips etc.).

Vor- und Nachteile von Titan:

+ Vorteile Nachteile -
• biokompatibel • kann zu farblichen Veränderungen
• bioadhäsiv der Oberfläche kommen
 wird problemlos vom Körper (gleichmäßig, fleckig, mehrfarbig)
angenommen, Gewebs- und
Knochenzellen können gut am
Implantat anwachsen
• korrosionsbeständig gegenüber
Körperflüssigkeiten
• geringe Dichte
• stabil und belastbar

61
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

15.3 Aluminium

Aluminium wird vor allem verwendet für:


• Instrumentengriffe
• Rippenspreizer
• Container

Eloxalschicht
Die Eloxalschicht ist eine oxidische Schutzschicht von Aluminiuminstrumenten. Sie wird
durch das Anodisierverfahren hergestellt. Die Eloxalschicht ist silbern, kann aber in belie-
bige Farbtöne eingefärbt werden
 Einlagerung von Farbstoffen in die Poren der Oxydschicht.

Vor- und Nachteile von Aluminium:

+ Vorteile Nachteile
-
• leicht • Verformung durch Fallenlassen
• hohe Wärmekapazität und geringe oder übermäßigem Stoß  durch
Wärmeleitfähigkeit  gutes Trock- mechnische Einwirkung
nungsergebnis • Oberfläche (Eloxalschicht) ist
empfindlich gegenüber ungeeigne-
ten Aufbereitungsprozessen und
mechanischem Zerkratzen
• farbige Eloxalschichten verblassen
im Laufe der Zeit

62
THE ART OF SURGERY

15. Werkstoffe chirurgische Instrumente

15.4 Kunststoffe

Thermoplaste Duroplaste Elastomere

• Produkte werden in • Produkte werden im • Produkte werden in


Formen gegossen, Spritzgussverfahren Formen gegossen,
gepresst oder hergestellt. gepresst oder
gespritzt. gespritzt.
• anschließend mit
Vernetzungsmittel
weitmaschig vernetzt

Elastomere können sich


Thermoplaste lassen bei Zug- und Druckbe-
Duroplaste können im
sich in einem bestimm- lastung verformen und
Gegensatz zu
ten Temperaturbereich finden dann wieder in
Thermoplaste nach der
auch noch nach der ihren ursprünglichen
Aushärtung nicht mehr
Aushärtung verformen. Zustand zurück.
verformt werden.

Bei nicht sachgemäßer Lagerung (z.B. unter UV-Licht) und Behandlung kann es zu vorzeitiger
Alterung des Kunststoffs kommen
( 16.2.1 Materialveränderungen und ihre Ursachen).

Vor- und Nachteile von Kunststoffen:

+ Vorteile Nachteile
-
• leicht • geringe Wärmekapazität und
• schlagfest Wärmeleitfähigkeit
• farbecht  können die Trocknung
• kratzfest beeinträchtigen
• formstabil • ungeeignete Chemikalien können
zur Zerstörung des Kunststoffs
führen

63
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

16.1 Beläge

Im Laufe der Nutzungsdauer der Instrumente kann es zu Materialveränderungen kommen.


Diese können Hersteller bedingte Materialfehler wie auch Materialveränderungen durch
fehlerhafte Aufbereitung und Handhabung sein.

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• rotbraune und rost/- blutfarbene • Nachreinigung mit Ultraschall oder


Beläge, aber kein Rost gezielte manuelle Nachreinigung
• meist in Gelenkschlüssen • bei erfolgloser Nachreinigung
müssen die Instrumente aussortiert
werden
Organische Rückstände

64
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Beläge sind Ablagerungen, Schichten und Krusten auf der Instrumentenoberfläche, welche
aus verschiedenen Gründen entstehen und sich in ihrem Aussehen unterscheiden.
Alle Werkstoffe (Metall, Kunststoff etc.) können durch Fehler im Aufbereitungsprozess von
Belägen betroffen sein.

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• durch Rückstände aus OP-Einsatz  • grobe Anschmutzungen sofort nach


Blut, Eiweiß, Gewebe, Kochsalzlö- OP entfernen  Antrocknen
sung, Arzneimittel verhindern
• durch zu lange Wartezeit zwischen • Wartezeit zwischen Anwendung und
Anwendung und Aufbereitung trock- Aufbereitung verkürzen  Gefahr von
nen die Rückstände an Antrocknung und Fixierung
( erschwerte Reinigung) reduzieren
• nicht ausreichende Reinigung durch • sicherstellen, dass der erste
Spül- oder Schallschatten (fehlerhafte Spülgang mit kaltem Wasser erfolgt
Beladung der Siebkörbe, Überladung • gründliche Reinigung der Instrumente
 Kapitel 5. Vorbereitung der Instru- durch korrekte Vorbereitung ermögli-
mente zur Reinigung) chen, wenn nötig müssen die Sieb- Organische Rückstände
• eine zu hohe Wassertemperatur in körbe auf eine andere Art beladen
der ersten Spülphase fixiert die werden ( 5. Vorbereitung zur Reini-
Kontaminationen gung)
• durch zu geringen Spüldruck ist • Beachtung der Herstellerangaben
Reinigung nicht erfolgreich (durch hinsichtlich Demontage und Reini-
Schaumbildung durch hohe Mengen gung
an Blut oder Verschleppung von • ausreichende Zwischen- und
Reinigungs- und Desinfektionsmittel) Schlussspülung mit VE-Wasser muss
• nicht ausreichende Schlussspülung sichergestellt sein
nach der Reinigung • Verschleppung von Reinigungsmitteln
• ungeeignete Desinfektionsmittel verhindern
können die Rückstände fixieren • Funktion der Dosiereinrichtung
• bereits benutzte, verschmutzte regelmäßig kontrollieren
Reinigungs- und Desinfektionslösun- • Wasserqualität bei Dampfsterilisation
gen können bei weiterer Verwendung einhalten (DIN EN 285 - Sterilisation
die eingelegten Instrumente verunrei- - Dampf - Sterilisatoren - Groß-Sterili-
nigen satoren oder DIN 58946)
• mangelhafte Wartung des Reini-
gungs- und Desinfektionsgeräts

65
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• hell bis dunkelgraue Beläge • mit fusselfreiem Tuch abreiben


• Beläge können über eine ganze
Fläche gehen, fleckig oder punk-
tuell sein
Rückstände von Prozesschemikalien (Reinigungs-,

• durch die Sterilisation werden die


Beläge noch stärker sichtbar
• Ablagerung von Reinigungsmit-
teln und Kalkrückständen in RGD
Desinfektionsmittel…)

66
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• Prozesschemikalien wurden bei der • grobe Anschmutzungen sofort nach


Zwischen- bzw. Schlussspülung OP entfernen  Antrocknen
nicht ausreichend entfernt verhindern
• durch Spülschatten oder fasche • Wartezeit zwischen Anwendung und

Rückstände von Prozesschemikalien (Reinigungs-,


Beladung (z.B. Reinigungsmittelver- Aufbereitung verkürzen  Gefahr
schleppung durch schöpfende von Antrocknung und Fixierung
Gefäße) der Siebkörbe ausreichende reduzieren
Spülung nicht möglich • sicherstellen, dass der erste Spül-
gang mit kaltem Wasser erfolgt
• gründliche Reinigung der Instrumente
durch korrekte Vorbereitung ermögli-

Desinfektionsmittel…)
chen, wenn nötig müssen die Sieb-
körbe auf eine andere Art beladen
werden ( 5. Vorbereitung zur
Reinigung)
• Beachtung der Herstellerangaben
hinsichtlich Demontage und Reini-
gung
• ausreichende Zwischen- und
Schlussspülung mit VE-Wasser
muss sichergestellt sein
• Verschleppung von Reinigungsmit-
teln verhindern
• Funktion der Dosiereinrichtung
regelmäßig kontrollieren
• Wasserqualität bei Dampfsterilisation
einhalten (DIN EN 285 - Sterilisation
- Dampf - Sterilisatoren - Groß-
Sterilisatoren oder DIN 58946)

67
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• milchig weiße bis graue Beläge • saure Grundreinigung (mit vom


• Beläge sind flächendeckend oder Hersteller empfohlene Spezialrei-
fleckig niger)
• Ränder der Wasserflecken sind
scharf abgegrenzt
• sowohl auf Instrumentenoberflä-
che als auch im Reinigungs- und
Desinfektionsgerät sichtbar
Kalkrückstände

• gelbbraun bis violett schimmern- • saure Grundreinigung (mit vom


Silikatrückstände und Rückstände von anderen

de Beläge (Anlauffarben) Hersteller empfohlene Spezialrei-


• Beläge können flächendeckend, niger)
fleckenartig oder tröpfchenförmig • mechanische Oberflächenbear-
sein beitung durch Hersteller oder
mineralischen Verbindungen

• keine klar abtrennbaren Ränder zertifizierten Reparaturservice


erkennbar

68
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• zu hohe Konzentration an Mineral- • grobe Anschmutzungen sofort nach OP


stoffen im Wasser entfernen  Antrocknen verhindern
• Kalkgehalt des Wassers im letzten • Wartezeit zwischen Anwendung und Aufbe-
Reinigungsschritt oder des letzten reitung verkürzen  Gefahr von Antrock-
nung und Fixierung reduzieren
Spülwassers zu hoch ( Wasser
• sicherstellen, dass der erste Spülgang mit
nicht ausreichend enthärtet)
kaltem Wasser erfolgt
• kein VE-Wasser im letzten Spüls- • gründliche Reinigung der Instrumente durch
chritt korrekte Vorbereitung ermöglichen, wenn

Kalkrückstände
• Wasserqualität im Sterilisator nötig müssen die Siebkörbe auf eine andere
entspricht nicht DIN EN. 285 - Sterili- Art beladen werden ( 5. Vorbereitung zur
sation - Dampf Sterilisation - Großs- Reinigung)
terilisation • Beachtung der Herstellerangaben hinsicht-
lich Demontage und Reinigung
• ausreichende Zwischen- und Schlussspü-
lung mit VE-Wasser muss sichergestellt sein
• Verschleppung von Reinigungsmitteln
verhindern
• Funktion der Dosiereinrichtung regelmäßig
kontrollieren
• Wasserqualität bei Dampfsterilisation
einhalten (DIN EN. 285 - Sterilisation - Dampf
- Sterilisatoren - Groß-Sterilisatoren oder
DIN. 58946)

• Kieselsäureschlupf bei der Herstel- • grobe Anschmutzungen sofort nach OP

Silikatrückstände und Rückstände von anderen


lung von VE-Wasser entfernen  Antrocknen verhindern
• silikathaltiger Reiniger wurde durch • Wartezeit zwischen Anwendung und Aufbe-
unzureichen de Zwischenspülung in reitung verkürzen  Gefahr von Antrocknung
den letzten Spülgang verschleppt und Fixierung reduzieren
• sicherstellen, dass der erste Spülgang mit
mineralischen Verbindungen

• im letzten Spülwasser bei der


maschinellen Aufbereitung oder im kaltem Wasser erfolgt
Dampfkondensat bei der Sterilisati- • gründliche Reinigung der Instrumente durch
on befinden sich andere minerali- korrekte Vorbereitung ermöglichen, wenn
sche Inhaltsstoffe nötig müssen die Siebkörbe auf eine andere
• vorhandene Silikate und Schwer- Art beladen werden ( 5. Vorbereitung zur
metallionen lagern sich auf Instru- Reinigung)
• Beachtung der Herstellerangaben hinsichtlich
menten ab
Demontage und Reinigung
• ausreichende Zwischen- und Schlussspülung
mit VE-Wasser muss sichergestellt sein
• Verschleppung von Reinigungsmitteln
verhindern
• Funktion der Dosiereinrichtung regelmäßig
kontrollieren
• Wasserqualität bei Dampfsterilisation einhal-
ten (DIN EN 285 - Sterilisation - Dampf - Ste-
rilisatoren - Groß-Sterilisatoren oder
DIN 58946)

69
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

16.2 Verfärbungen

Bei Verfärbungen des Materials handelt es sich um einen Verlust der ursprünglichen Farbe.
Die Farbe kann sich verändern und variieren oder bis zum kompletten Farbverlust verblassen.
Von Materialverfärbungen sind sowohl Metalle als auch Kunststoffe betroffen.

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• glänzende oder matte, grau- • Beseitigung nicht empfohlen 


Hochlegierter

schwarze Schicht (Passivschicht Passivschicht schützt das Instru-


Edelstahl

 hygienisch unbedenklich) ment vor Korrosion

• gleichmäßige farblich variierende • Beseitigung nicht empfohlen 


oder fleckige, mehrfarbige Ober- Passivschicht schützt das Instru-
flächenverfärbung ment vor Korrosion
Titanwerkstoffe

• farbige Eloxal-Schichten verblas- • Beseitigung ist nicht nötig, da es


sen mit der Zeit (hygienisch hygienisch unbedenklich ist,
unbedenklich, jedoch geht die jedoch geht die farbliche Kenn-
farbliche Kennzeichnung zeichnung verloren  Neube-
Aluminium

verloren) schichtung durch Hersteller oder


zertifizierten Reparaturservice
möglich

• Vergilbung, braune Verfärbung  • Verfärbung ist hygienisch unbe-


Alterung denklich und muss nicht beseitigt
Kunststoffe

• matt-weiß gebleicht werden


• bei Alterung und sichtbaren
Rissen müssen die Instrumente
aussortiert und ersetzt werden

70
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• Passivierung von Instrumentenstahl • Vorbeugung ist aus hygienischer

Hochlegierter
( 15.1.2 Passivschicht) Sicht nicht nötig

Edelstahl
• durch Oxidation an der Oberfläche, • Vorbeugung ist aus hygienischer
ausgelöst durch feuchte Hitze oder Sicht nicht nötig
bestimmte Reinigungsmittel

• durch ungeeignete Reinigungsmittel • nur geeignete Reinigungsmittel und Titanwerkstoffe


(pH-Wert im neutralen bis mild Wasser mit ausreichender Qualität
alkalischen Bereich geeignet) oder verwenden (VE-Wasser)
ungeeignete Qualität des verwende-
Aluminium

ten Wasser kann die Eloxal-Schicht


angegriffen werden

• durch langjährigen Gebrauch, vor • licht- und temperaturgeschützt


allem in Kombination mit Desinfekti- lagern
Kunststoffe

onslösungen • Kontakt mit ungeeigneten Prozes-


• durch ungeeignete Reinigungsmittel schemikalien vermeiden
• ausreichende Schlussspülung mit
VE-Wasser sicherstellen

71
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

16.3 Korrosion

Die Korrosion beschreibt die Reaktion eines Werkstoffes mit seiner Umgebung. Meist wird
sie durch Sauerstoff und Feuchtigkeit ausgelöst. Die Werkstoffoberfläche wird verändert und
die Funktion der Instrumente beeinträchtigt. Betroffene Werkstoffe: Metall

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• Korrosionslöcher, häufig mikros- • saure Grundreinigung (mit vom


kopisch klein Hersteller empfohlene Spezialrei-
• von rotbraunen oder farbig niger)
Lochkorrosion (Lochfraßkorrosion)

schillernden Korrosionsprodukten • anschließende visuelle Überprü-


umgeben fung, ob die Oberfläche unbe-
• die Ablagerung der Korrosionpro- schädigt ist
dukten um das Korrosionsloch ist • verbleibende Korrosionsstellen
häufig kreisfömig und -löcher durch mechanische
Bearbeitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsriss-
korrosion müssen aussortiert
werden, eine Beseitigung ist nicht
möglich

• Braunverfärbung bzw. Rostbil- • saure Grundreinigung (mit vom


dung um eine blank geriebene Hersteller empfohlene Spezialrei-
Fläche (meist im Gelenk/ bereich) niger)
• anschließende visuelle Überprü-
fung, ob die Oberfläche unbe-
schädigt ist
Reibkorrosion

• verbleibende Korrosionsstellen
und -löcher durch mechanische
Bearbeitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsriss-
korrosion müssen aussortiert
werden, eine Beseitigung ist nicht
möglich

72
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• durch Halogenide insbesondere • Wasser mit geringem Chloridgehalt


Chloride (in Kochsalzlösung, Blut verwenden  VE-Wasser
und anderen Körperflüssigkeiten), • langzeitiges Einwirken und Antrock-

Lochkorrosion (Lochfraßkorrosion)
die die Passivschicht an Fehlstellen nen von organischen Rückständen
lokal durchdringen und die Korrosi- und anderen chloridhaltigen Flüssig-
onslochbildung auslösen (Fehlstellen keiten vermeiden
der Passivschicht durch z.B. einge-
lagerte Fremdmetallpartikel)
• durch lang anhaftende organische
Rückstände
• durch eine zu hohe Konzentration
oder Antrocknung von chloridhaltigen
Flüssigkeiten (zu hoher Chloridgehalt
im letzten Spülwasser, physiologische
Kochsalzlösung)
• insbesondere fabrikneue Instrumente
sind anfälliger gegenüber chloridhal-
tigen Medien

• durch Reibung von Metall aufeinander • Instrumente nach der Reinigung auf
• feinster metallischer Abrieb raut Raumtemperatur abkühlen lassen
Oberfläche stark auf und zerstört die • Pflege der Instrumente  gezieltes
Passivschicht Aufbringen von Pflegeöl
• unzureichende Schmierung und/ • Pflegeöl durch mehrmaliges Öffnen
Reibkorrosion

oder Fremdkörper führen vor allem und Schließen des Instruments


in Gelenkbereichen zu Reibkorrosion gleichmäßig verteilen
• in Reibstellen setzen sich leicht
Feuchtigkeit und Beläge ab Korrosion

73
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• führt meist zu sichtbaren Rissen • saure Grundreinigung (mit vom


oder Brüchen Hersteller empfohlene Spezialreini-
• teilweise Rissbildung nicht sichtbar ger)
Spannungsrisskorrosion

 verdeckt z.B. im Gelenkbereich • anschließende visuelle Überprü-


• an Bruchstellen ist der Rissfort- fung, ob die Oberfläche unbeschä-
schritt mit angelagerten Korrosi- digt ist
onsprodukten zu erkennen • verbleibende Korrosionsstellen und
-löcher durch mechanische Bear-
beitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsrisskor-
rosion müssen aussortiert werden,
eine Beseitigung ist nicht möglich

• mattgrauer bis weißgrauer Oberflä- • saure Grundreinigung (mit vom


chenangriff Hersteller empfohlene Spezialreini-
• oft mit Korrosionsablagerungen als ger)
Folge • anschließende visuelle Überprü-
Flächenkorrosion

• es können sich ganze Flächen fung, ob die Oberfläche unbeschä-


verfärben und das Material brüchig digt ist
werden • verbleibende Korrosionsstellen und
• bei Farb-Eloxal-Schichten nimmt -löcher durch mechanische Bear-
die Farbintensität bis zum vollstän- beitung durch Hersteller oder
digen Farbverlust ab zertifizierten Reparaturservice
• bei Lötstellen ist eine Dunkelfär- entfernen lassen
bung und Materialabtragung • Instrumente mit Spannungsrisskor-
sichtbar rosion müssen aussortiert werden,
eine Beseitigung ist nicht möglich

• kleine braunblaue Verfärbungen • saure Grundreinigung (mit vom


• punkt- oder ringförmig Hersteller empfohlene Spezialreini-
• geringe Bildung von Korrosionsbe- ger)
Kontaktkorrosion

lag im Bereich der Kontaktstelle • anschließende visuelle Überprüfung,


• im Gegensatz zur Lochkorrosion ob die Oberfläche unbeschädigt ist
im Zentrum der Korrosionsstelle • verbleibende Korrosionsstellen und
kein Loch -löcher durch mechanische Bear-
beitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsrisskor-
rosion müssen aussortiert werden,
eine Beseitigung ist nicht möglich

74
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• bei Instrumenten unter Spannung  • Reinigung von Instrumenten mit


Spannungsrisskorrosion durch Tem- Gelenken in geöffnetem Zustand
peraturunterschied im Aufbereitungs- • Rastersperre für Sterilisation nur in

Spannungsrisskorrosion
prozess (Erhitzen - Abkühlen) erste Raste schließen
• an Stellen, die hohen Zugspannungen • Einwirkung von Chloriden minimieren
ausgsetzt sind  Niet- oder Schraub- • unsachgemäße Anwendung, die zur
verbindungen, Schweiß-, Lötverbin- Überbeanspruchung führt, vermeiden
dungen • Instrumente nur an Hersteller oder
• durch unsachgemäße Reparatur zertifizierten Reparaturservice zur
können zu hohe Spannungen auf das Reparatur geben
Instrument aufgebracht worden sein
• durch Aufbereitung der Instrumente
unter Spannungen (z.B. geschlossene
Rastersperre)
• bei der Nutzung wurden die Instru-
mente überbeansprucht

• Einfluss von Wasser / Feuchte über • Einmalprodukte aus Stahl oder Altinst-
längere Zeit rumente aus Stahl mit beschädigter
• Passivschicht wird angegriffen (Säure, Beschichtung aussortieren und durch
alkalische Chloridionen) oder an nichtrostenden Stahl ersetzen

Flächenkorrosion
Stellen, an Fehlstellen der Passiv- • Einfluss von Feuchtigkeit über längere
schicht (eingelagerte Fremdmetallarti- Zeit vermeiden
kel, Verunreinigungen) • Eloxal nur mit Reinigungs mitteln mit
pH-Wert im neutralen bis mild alkali-
schen Bereich verwenden

• bei engem Kontakt von unterschied- • alle Gefahren, die Vibrationen zwi-
lich edlen Metallen schen den Instrumenten verursachen
• vor allem bei der Werkstoffkombination können, sollten vermieden werden
Kontaktkorrosion

von nichtrostendem Stahl und Bunt-


metall (Neusilber, Messing, Kupfer)
• durch Mikroreibung wird an den
Berührungsflächen die Passivschicht
abgerieben  Oberfläche wird emp-
findlich
• bei Ignorieren Übergang in dauerhafte
Korrosion  Instrument wird „ange-
steckt“

75
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Aussehen Behandlungsmöglichkeit

• brauner Korrosionsniederschlag • saure Grundreinigung (mit vom


• einzelne, verteilte Rostpartikel Hersteller empfohlene Spezialrei-
Fremd- und Flugrost/ Folgerost

• meist lokal begrenzt niger)


• anschließende visuelle Überprü-
fung, ob die Oberfläche unbe-
schädigt ist
• verbleibende Korrosionsstellen
und -löcher durch mechanische
Bearbeitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsriss-
korrosion müssen aussortiert
werden, eine Beseitigung ist nicht
möglich

• Korrosionsablagerung in Spalten • saure Grundreinigung (mit vom


und im Bereich von Spalten Hersteller empfohlene Spezialrei-
• auch in Spalten zwischen Metall niger)
und anderen Werkstoffen möglich • anschließende visuelle Überprü-
• zwischen enganliegenden, fest fung, ob die Oberfläche unbe-
Spaltkorrosion

zusammengefügten Instrumen- schädigt ist


tenteilen gebildeter Rost • verbleibende Korrosionsstellen
und -löcher durch mechanische
Bearbeitung durch Hersteller oder
zertifizierten Reparaturservice
entfernen lassen
• Instrumente mit Spannungsriss-
korrosion müssen aussortiert
werden, eine Beseitigung ist nicht
möglich

76
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

Ursachen Maßnahmen zur Vorbeugung

• durch ungenügend aufbereitetes • Einmalartikel nicht wiederaubereiten


Wasser bei der Reinigung, rosthalti- • Instrumente, die nicht rosfrei sind,
ger Dampf bei der Sterilisation

Fremd- und Flugrost/ Folgerost


aussortieren und nicht zusammen
• Rostpartikel können über das Lei-
tungssystem oder von Instrumenten mit unbeschädigten Instrumenten im
eingetragen werden, die bereits von Aufbereitungskreislauf weiterführen
Korrosion befallen sind  ansonsten überträgt sich der Rost
• Rostpartikel lagern sich auf Instru- durch das Spülwasser und Reini-
menten ab (können sich auch in gungsmittel auf andere Instrumente
Reinigungs- und Desinfektionsgerät
und das RDG oder während der
und Sterilisierkammer ablagern)
Sterilisation auf die Sterilisierkammer
• bei Ignoranz dauerhafte Schädigung
• Rostbildung im Leitungssystem
 Anstecken des Instrumentes
verhindern, erforderliche bauliche
Maßnahmen umsetzen

• durch korrosive Medien und anhal- • grobe Verschmutzungen sofort


tende Feuchtigkeit in den Spalten entfernen  Antrocknung vermeiden
(Überlappungen, aufgesetzte Stege) • geringer Salzgehalt im Nachspül-
• Passivschicht wird angegriffen wasser gewährleisten  VE-Wasser
• durch Hemmung von Sauerstoffzu-
Spaltkorrosion

tritt im Spalt kann sich die Passiv-


schicht nur schlecht regenerieren 
Einfluss von Feuchtigkeit führt zu
Korrosions bildung

77
THE ART OF SURGERY

16. Materialveränderungen und ihre Ursachen

16.4 Alterung und Quellung

Unter Alterung versteht man die Versprödung, Verhärtung oder auch Erweichung von Kunst-
stoffen im Laufe der Zeit. Die Quellung ist das Aufquellen des Materials an der Oberfläche,
ausgelöst durch das Eindringen von Gasen und Flüssigkeit.
Von Alterung und Quellung sind teilweise Kunststoffe betroffen.

Aussehen Ursachen Behandlungs- Maßnahmen zur


möglichkeit Vorbeugung

• braune Verfärbung, • trockene Hitze Instrumente mit • licht- und tempera-


Material vergilbt  • wenn Kunststoffe Kunststoffen, die turgeschützt lagern
Farbveränderung bei der Lagerung durch Alterung und • Kontakt mit unge
• Material erweicht gedehnt oder über Quellung beschädigt eigneten Prozes-
oder verhärtet sich dehnt werden sind, müssen aus- schemikalien
 Versprödung, sortiert und ersetzt vermeiden
• Sonnenlicht/ UV-
Verhärtung des werden. Eine Beseiti-
Strahlung • ausreichende
Materials gung der Schäden
• Einwirkung von Schlussspülung mit
ist nicht möglich.
• Quellung  aufge- Sauerstoff  VE-Wasser sicher-
quollene, weiche, Oxidation ist die stellen
klebrige Oberfläche eigentliche Alterung
(kann reversibel
• durch den Aufberei-
oder irreversibel
tungsprozessbilden
sein)
sich unter be-
• dünnwandige Teile stimmten Umstän-
können aufplatzen, den Risse (hohe
zerreißen Temperaturen,
• sichtbare Riss bestimmte Chemi-
bildung und Brü- kalien)
che sind möglich • Quellung  wenn
Gase und Flüssig-
keiten in die Ober-
fläche eindringen
(reversibel: durch
flüchtige Lösungs-
mittel und Treibga-
se, irreversibel:
durch Kontakt mit Kabel mit sichtbarer Quellung des
Kunststoffs
Ölen, Vaseline,
ungeeignete Desin-
fektionsmittel)

78
THE ART OF SURGERY

Einen Überblick über das MEDICON-Gesamtprogramm finden Sie im Internet.

www.medicon.de

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