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GEMEINSAM GEGEN GEWALT

Ergebnisse des Ministerratsbeschlusses


zur Task Force Strafrecht
Ergebnisse des Ministerratsbeschlusses
zur Task Force Strafrecht

13. Februar 2019

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© BMI, Alexander Tuma
VORWORT

Gemeinsam gegen Gewalt

Im Rahmen unserer im Februar 2018 gestarteten Task Force Strafrecht haben wir ge-
meinsam mit über 120 Expertinnen und Experten eine Vielzahl an konkreten Vorschlä-
gen zum besseren Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt diskutiert und ausgear-
beitet. Wurde zu Beginn des Arbeitsprozesses die Sinnhaftigkeit der Task Force von
manchen in Frage gestellt, ist das heute nicht mehr der Fall. Tragische Ereignisse und
Gewalttaten haben in der Zwischenzeit deutlich gemacht, dass es bei Gewalt- und Se-
xualdelikten gegen Frauen und Kinder keine Toleranz geben darf. Es braucht mehr Ab-
schreckung in Richtung der Täterinnen und Täter und mehr Prävention und Schutz für
die Opfer.

Auf Basis der Beratungen in den beiden Kommissionen der Task Force zu den Themen
Strafrecht sowie Opferschutz und Täterarbeit liegen nun konkrete Maßnahmenvor-
schläge für Verschärfungen im Strafrecht, für einen möglichst niederschwelligen Zu-
gang zum Opferschutz sowie für eine bessere Vernetzung der Behörden vor.

Die Arbeit der Task Force hat nicht nur klar gezeigt, dass wir auf vielen Ebenen anset-
zen müssen, sondern dass es im Kampf gegen Gewalt einen Schulterschluss über ins-
titutionelle Grenzen hinaus braucht. Nur gemeinsam erreichen wir den bestmöglichen
Schutz von Frauen und Kindern.

In diesem Sinn danke ich allen beteiligten Mitgliedern der Bundesregierung, den Mit-
arbeiterinnen und Mitarbeitern der Ressorts sowie den Expertinnen und Experten für
ihr großes Engagement!

Mit besten Grüßen,

Ihre

Mag.a Karoline Edtstadler


Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres
Leiterin der Task Force Strafrecht

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1. Maßnahmen im Strafgesetzbuch und im Strafverfahren

»» Anhebung der Mindeststrafe bei sowie unter besonderen Tatbegehungsumständen, wie


Vergewaltigung (§ 201 StGB): etwa durch Einsatz oder der Drohung mit einer Waffe, oder
Neu: mindestens 2 Jahre (Bisher: mindestens 1 Jahr) durch Einsatz außergewöhnlicher Gewalt sollen Mindest-
Qualifikationen wie schon bisher: 5 – 15 Jahre bzw. strafen eingeführt oder bestehende Mindeststrafen ange-
10 – 20 Jahre oder lebenslang hoben werden. Dies wird generell auch bei gemeinschaftli-
cher Tatbegehung angestrebt, wo dies nicht bereits im
Gesetz berücksichtigt wird.
»» Bei Vergewaltigung keine gänzlich bedingte
Strafnachsicht mehr möglich (§ 43 StGB):
Damit wird nur mehr eine teilbedingte Strafnachsicht »» Neuer Erschwerungsgrund
möglich und ein Verurteilter muss jedenfalls einen Teil der (§ 33 StGB Abs 1 Z 6a):
Freiheitsstrafe tatsächlich verbüßen. Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten sind schwerer Trau-
matisierung ausgesetzt, die in den gesetzlichen Strafdro-
hungen derzeit zu wenig berücksichtigt wird. Die nachhal-
»» Beharrliche Verfolgung – Stalking tige Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens des
(§ 107a StGB): Opfers wird daher als neuer Erschwerungsgrund eingeführt.
Erweiterung der Tatbestände um „Veröffentlichung von
Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen
Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung“ »» Weitere erschwerend zu wertende Umstände
Bei Delikten gegen Leib und Leben, Freiheit oder die sexu-
elle Integrität / Selbstbestimmung sind hinkünftig folgen-
»» Verschärfung bei fortgesetzter de Umstände erschwerend zu werten (§ 33 StGB Abs 2):
Gewaltausübung:
Setzung legistischer Maßnahmen, um fortgesetzte Gewalt- • Tat von Volljährigen an Minderjährigen (oder in
ausübung gegen Unmündige und Wehrlose künftig strenger Wahrnehmung durch diese)
zu ahnden. • Tat gegen Angehörige (bis hin zur ehemaligen
Lebensgefährtin)
• Missbrauch einer Autoritätsstellung
»» Erhöhung der Höchststrafen für Rückfalls­ • Ausnützung einer besonderen Schutzbedürftigkeit
täter (§ 39 StGB): • Außergewöhnlich hohes Gewaltausmaß
Voraussetzung: Zwei rechtskräftige Verurteilungen inner- • Tat mit Einsatz einer Waffe oder unter Drohung
halb der letzten 5 bzw. 10 Jahre wegen strafbarer Handlung mit einer Waffe
gegen Leib und Leben, Freiheit oder sexueller Integrität/
Selbstbestimmung.
»» Lebenslanges Tätigkeitsverbot als Sanktion
Bei rechtskräftigen Verurteilungen wegen Straftaten ge-
»» Einführung bzw. Anhebung von gen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung einer
Mindeststrafen: minderjährigen oder wehrlosen Person wird ein lebenslan-
Bei bestimmten vorsätzlich begangenen Straftaten gegen ges Tätigkeitsverbot hinsichtlich der Tätigkeit mit Kindern
unmündige oder besonders schutzbedürftige Personen oder wehrlosen Personen vorgesehen.

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1. Maßnahmen im Strafgesetzbuch und im Strafverfahren

»» Weibliche Genitalverstümmelung »» Klarstellung, dass Opfer Recht auf gebühren­


im Strafgesetzbuch freien Erhalt der Anzeigebestätigung und des
Aktuell kann die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) Vernehmungsprotokolls haben
als „erhebliche Verstümmelung“ im Sinne des § 85 Abs 1 Z Bereits jetzt ist vorgesehen, dass Opfer von Straftaten
2 und damit als schwere Dauerfolge qualifiziert werden. einen Anspruch auf kostenfreie Ausfolgung von zwei Aus-
§ 90 Abs 3 StGB stellt auch klar, dass eine Einwilligung des fertigungen ihrer Anzeige haben. Da diese Regelungen in
Opfers in die weibliche Genitalverstümmelung nicht mög- der Praxis immer wieder zu Problemen führen, wird diese
lich ist. Durch eine legistische Anpassung soll klargestellt Regelung neu gefasst, um Vollzugsprobleme zu vermeiden.
werden, dass weibliche Genitalverstümmelung jedenfalls
eine schwere Dauerfolge im Sinne des § 85 Abs 1 Z 2
darstellt. »» Anpassung der Verweise in der StPO an
geänderten Regelungsinhalt des § 38a SPG
Durch die Neufassung des Betretungsverbots in § 38a SPG
»» Entfall der Sonderregelung für junge wird eine Anpassung der korrelierenden Bestimmungen in
Erwachsene bei schweren Verbrechen der StPO erforderlich. So sind etwa die Bestimmungen in
Keine herabgesetzten Strafrahmen mehr bei schweren §§ 173 Abs 5 Z 3 oder 206 Abs 1 StPO den neuen Regelun-
Gewalt- und Sexualverbrechen sowie Formen terroristi- gen des SPG anzupassen.
scher und organisierter Kriminalität.

»» Neustrukturierung des § 70 StPO
»» Recht besonders schutzbedürftiger Opfer (Recht auf Information) im Hinblick auf
auf Dolmetschleistungen durch Person des bessere Verständlichkeit
gleichen Geschlechts in Gerichtsverfahren § 70 StPO regelt das Recht von Opfern auf Information
Insbesondere für Opfer, die in ihrer sexuellen Integrität und präzisiert dabei den in § 10 Abs. 2 StPO verankerten
und Selbstbestimmung verletzt worden sein könnten, Grundsatz, wonach Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft
Gewalt in Wohnungen (§ 38a SPG) ausgesetzt gewesen und Gericht verpflichtet sind, alle Opfer über ihre wesent-
sein könnten oder minderjährig sind, sowie besonders lichen Rechte im Verfahren sowie über die Möglichkeit zu
schutzbedürftige Opfer iSd § 66a Abs. 1 StPO, kann ihre informieren, Entschädigungs- oder Hilfeleistungen zu er-
Vernehmung schambesetzt sein. Hierbei haben die Erfah- halten. § 70 Abs. 1 StPO soll zur besseren Lesbarkeit und
rungen der Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen ge- Verständlichkeit neu strukturiert und allenfalls umformu-
zeigt, dass bei weiblichen Opfern aus anderen – insbeson- liert werden. Inhaltlich sollen jedoch keine Änderungen
dere muslimischen – Kulturkreisen diese Problematik noch vorgenommen werden, insbesondere soll die Differenzie-
ausgeprägter ist. Um den besonderen Bedürfnissen be- rung, der zufolge die jeweiligen Opfergruppen über die
sonders schutzbedürftiger Opfer gerecht zu werden, wird ihnen zustehenden Rechte informiert werden, beibehalten
vorgesehen, dass Dolmetschtätigkeiten auf Verlagen nach werden, um eine „Überfrachtung“ an Informationen
Möglichkeit von einer Person des gleichen Geschlechts hintanzuhalten.
vorgenommen werden.

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1. Maßnahmen im Strafgesetzbuch und im Strafverfahren

»» Klarstellungen beim Antragsrecht von Opfern oder Zeugen mit dem Beschuldigten kommt. Eine solche
und Zeugen auf eine schonende Vernehmung schonende Vernehmung hat bei besonders schutzbe-
iSd § 165 Abs. 3 StPO dürftigen Opfern oder sonst eines Zeugen oder sonst im
Bei der schonenden Vernehmung wird die Gelegenheit Interesse der Wahrheitsfindung auf Antrag der Staatsan-
zur Beteiligung derart beschränkt, dass die Beteiligten waltschaft oder von Amts wegen zu erfolgen. Es soll klar-
des Verfahrens und ihre Vertreter die Vernehmung unter gestellt werden, dass Opfer und Zeugen unter bestimm-
Verwendung technischer Einrichtungen zur Wort- und ten Voraussetzungen ein Recht auf eine schonende
Bildübertragung mitverfolgen und ihr Fragerecht aus- Vernehmung haben.
üben können, ohne bei der Befragung (direkt) anwesend
zu sein, wodurch es zu keinem direkten Kontakt des Opfers

2. Sonstige Maßnahmen des BMVRDJ

»» Einstweilige Verfügung (Wohnsitzwechsel)


Novellierung der Exekutionsordnung mit der Möglichkeit
beurteilen, ob auf Grund der vorliegenden Tatsachen Ver-
waltungsverfahren, etwa zum Entzug einer Berechtigung,
der Übertragung einer einstweiligen Verfügung bei einem eingeleitet werden müssen.
Wohnsitzwechsel.

»» Unterbringungsrecht (Voraussetzung,
»» Vernetzung von Gerichten und Schaffung von Kooperationsangeboten,
Sicherheitsbehörden medizinische Behandlung, Minderjährige,
Wenn in Verfahren vor Strafgerichten oder in gerichtlichen Schulungsmaßnahmen)
Verfahren nach dem Unterbringungsgesetz Tatsachen be- Die verschiedenen Akteure im Unterbringungsbereich,
kannt werden, die für andere Behörden wie etwa Führer- insbesondere bei der Anwendung des Unterbringungsge-
scheinbehörden oder Waffenbehörden für möglicherweise setzes, sollen besser vernetzt und die Informationsflüsse
einzuleitende Entzugs- oder Überprüfungsverfahren von zwischen ihnen optimiert werden, um eine effiziente und
Bedeutung sind, sollen diese Informationen schon wäh- rasche Reaktion auf psychisch Erkrankte mit Selbst- und/
rend des laufenden Verfahrens und unabhängig vom Aus- oder Fremdgefährdung zu gewährleisten. Die richtige An-
gang desselben den zuständigen Behörden übermittelt wendung des Unterbringungsrechts ist durch regelmäßige
werden. Diese Behörden haben dann eigenständig zu Schulungen aller Akteure im eigenen Bereich sicherzustellen.

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2. Sonstige Maßnahmen des BMVRDJ

»» Forschung „Justizielle Verfahrenserledigung Die Studie wird von BMVRDJ und BMI in Kooperation
bei Partnergewalt“ durchgeführt.
Es bedarf Klärung der Frage nach der Einstellungspraxis
durch eine bundesweite Analyse von Ausmaß, regionaler
Unterschiede und der Begründung samt Empfehlungen für »» Adaptierung der Einstweiligen Verfügung
ein Vorgehen im Bereich Partnergewalt. Die geschaffene Durch die Änderungen im Bereich der Wegweisungen im
wissenschaftliche Grundlage dient sowohl für Schulungen Sicherheitspolizeigesetz sind auch Anpassungen der bei
der Justiz und Sicherheitsexekutive, als auch für mögliche der einer Wegweisung nachgelagerten einstweiligen Ver­
Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger. fügung erforderlich.

3. Maßnahmen des BMBWF

»» Aufklärungsunterricht
Der Aufklärungsunterricht dient auch der Thematisierung
Themen-Live-Streams etc.) sowie die Verknüpfung mit
Angeboten der Kriminalprävention.
wie in der Sexualität miteinander umzugehen ist. Strafpro-
zesse bei Vergewaltigungen von Mädchen haben gezeigt,
dass es insbesondere bei jugendlichen Sexualstraftätern »» Leitfaden für die missbräuchliche Verwen­
sehr unterschiedliche Einschätzungen über das Thema dung von digitalen Medien in Schulen
Freiwilligkeit des Geschlechtsverkehrs gibt. Daher ist es Betreffend der missbräuchlichen Verwendung von digitalen
die Aufgabe der Schule, in Zusammenarbeit mit den Eltern, Medien in der Schule (z.B.: Cyber-Mobbing, Verbreitung von
altersadäquate Präventionsmaßnahmen zu setzen, und kinderpornographischen Aufnahmen, Gewaltvideos etc.)
zwar nicht als Einzelmaßnahme, sondern als kontinuierli- kommt es wiederholt zu Konflikten im Schulbetrieb und der
che Begleitung, im Rahmen eines bestehenden Unter- Involvierung der Polizei. Für alle handelnden Personen
richtsfaches (z.B. Biologie, Religion, Ethik). stellt sich dabei eine Reihe an rechtlichen, organisatori-
schen, technischen, sozialpsychologischen Fragen, die in
der Praxis von den handelnden Personen vor Ort oft nicht
»» Sexuelle Belästigung im Netz oder nicht ausreichend rasch beantwortet werden können.
Diese Maßnahme dient der Aufklärung von Kindern und Mit Hilfe dieses Leitfadens werden diese Fragen präventiv
Jugendlichen zum Thema sexuelle Belästigung im Internet. bzw. in der jeweiligen Situation bestmöglich beantwortet.
Ziel ist der Ausbau von Informations- und Beratungsange- Die jeweiligen Vorfälle können dadurch im Sinne aller Betei-
boten in digitalen Medien/auf Social-Media-Plattformen ligten ehestmöglich und effizient bearbeitet werden. Insbe-
unter Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden, sondere soll die Zusammenarbeit zwischen der Schule und
Melde-/Beratungsstellen und Sozialen Medien (Videos, der Polizei damit erleichtert werden.

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4. Maßnahmen des BKA

»» Frauenhaus – Wechsel in ein anderes »» Vernetzungsplattform der Verantwortlichen


Bundesland möglich machen zum Schutz des Kindeswohls
Seitens der Frauenministerin wurden Gespräche mit den Die bestehende Plattform zur Vernetzung von Verantwor-
für die Schaffung von Frauenhäusern zuständigen Landes- tungsträgern der Kinder- und Jugendhilfe soll weiter forciert
referenten geführt, damit dieser besonders gefährdeten werden, um die Zusammenarbeit der Einrichtungen, mit
Gruppe von Frauen bestmögliche Unterstützung und denen regelmäßig Überschneidungspunkte gegeben sind,
Sicherheit geboten werden kann. Wir brauchen einen Büro- im Interesse des Kindeswohls zu verbessern.
kratieabbau im Gewaltschutz: der Wechsel in ein Frauen-
haus in ein anderes Bundesland bei besonders schwer­
wiegenden Fällen oder jenen an der Landesgrenze muss »» Beratung bei sexueller Gewalt
künftig möglich sein. Die Fachberatungsstellen bei sexueller Gewalt müssen
flächendeckend in jedem Bundesland installiert werden.
Daher bedarf es eines Ausbaus in vier Bundesländern:
»» Opfernotruf vereinfachen, Etablierung einer Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und Vorarlberg.
dreistelligen Notrufnummer
Mit der Einführung einer eigenen dreistelligen Notrufnum-
mer können sich Frauen hinkünftig in Akutsituationen ein- »» Übergangswohnungen in den Bundesländern
fach und schnell an eine Anlaufstelle wenden. Diese Not- Die österreichische Bundesregierung erkennt die Bedeu-
rufnummer soll kurz, ohne Vorwahl erreichbar und leicht tung von sicheren Plätzen für von Gewalt betroffene Frau-
zu merken sein. Hier dienen die bereits vorhandenen Not- en. Die Evaluierung hat ergeben, dass der Ausbau von
rufnummern der Polizei, Feuerwehr und Rettung als Bei- Übergangswohnungen notwendig ist. Der Bund wird daher
spiel. Zudem soll die Nummer 365 Tage im Jahr, rund um gemeinsam mit den Ländern Mittel für mehr Plätze in Über-
die Uhr, anonym und kostenlos zur Verfügung stehen. gangswohnungen zur Verfügung stellen.
Betroffene bekommen nicht nur rasche Hilfe in Akutsitua-
tionen, sondern auch Erst- und Krisenberatungen sowie
weiterführende Informationen zu Anlaufstellen, die Bera-
tung und Unterstützung anbieten.

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5. Maßnahmen des BM.I

»» Betretungsverbot (Neuregelung) zum Arbeitsplatz, um eine Schule, um einen Kindergarten


Die Neuregelung des Betretungsverbotes stellt eine Ver- oder auch um einen Sportplatz usw. handelt.
besserung des Opferschutzes dar, weil eine Kombination
des Annäherungsverbotes auf 50 Meter, unabhängig vom
Alter der gefährdeten Person, mit einer Vereinfachung des »» Die Etablierung der 3. Gewaltschutzsäule
Vollzugs verbunden wird. Analog zur bundesweiten Institutionalisierung der Interven-
tionsstellen und Gewaltschutzzentren zum Schutz und zur
Die neue Fassung des §38a beinhaltet: Beratung von Opfern nach Fällen von Gewalt in der Privat-
sphäre gilt es, bundesweit Gewaltinterventionszentren (GIZ)
»» Annäherungsverbot einzurichten und diese nachhaltig zu etablieren, welche Tä-
Derzeit kann die Polizei ein Betretungsverbot über eine ter/Gefährder nach einem polizeilichen Betretungsverbot
Wohnung aussprechen, in der eine gefährdete Person nach §38a SPG aktiv kontaktieren und nachgehend im Sinne
wohnt, sofern in dieser Wohnung mit gefährlichen Angrif- des Opferschutzes betreuen. Die zeitnahe und unmittelbare
fen gegen Leben, Gesundheit oder Freiheit gerechnet wer- Kontaktaufnahme (Weggewiesenenberatung) mit Täter/Ge-
den muss (Prognoseentscheidung). Seit 2013 kann die fährder nach dem Betretungsverbot tragen zur Deeskalation
Polizei auch institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen bei und nutzen das „window of opportunity“ zum Gewalt-
(Kindergärten), Schulen und Horte als Schutzbereich fest- stopp und zur Verhaltensänderung. Die Arbeit mit den
legen und dem Gefährder gegenüber Betretungsverbote Tätern/Gefährdern in den GIZ ist Teil der Interventionskette
für diese Örtlichkeiten aussprechen. Die derzeitige Rege- und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Opferschutz, da
lung des erweiterten Schutzbereiches ist äußerst kompli- sie ein möglichst frühzeitiges Durchbrechen der Gewaltspirale
ziert und die derzeitige Rechtslage weist einige Problem- erzielen soll. Aufgrund der frühzeitigen Intervention entste-
felder in der Vollziehung auf, die durch eine Anpassung der hen weniger Kosten für das Sozialsystem und die Justiz.
gesetzlichen Bestimmung gelöst werden.

Die Neuregelung beinhaltet nicht mehr die Festlegung des »» Gefährdungsmanagement


Schutzbereiches der unmittelbaren Umgebung durch das Das Gefährdungsmanagement ist die Schaffung einer ein-
Organ, sondern ex lege durch Normierung einer „Bann- heitlichen Regelung für die Gefährdungseinschätzung und
meile“ (eine 50-Meter-Grenze) mit festzulegenden Aus- Sicherheitsplanung nach häuslicher Gewalt. Zukünftig soll
nahmen, etwa durch die Sicherheitsbehörde. es einen raschen Abgleich der Gefährdungseinschätzung
mit den Gewaltschutzzentren geben. Die Sicherheitspla-
Weiters wird eine Festlegung der „gefährdeten Personen“ nung umfasst die Verknüpfung von Maßnahmen mit der
durch die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes ein- Gefährdungseinschätzung. Diese Maßnahme erhöht nicht
geführt, womit ex lege das Verbot für den Betroffenen ver- nur den Opferschutz, sondern gewährleistet zeitgleich das
bunden sein wird, sich diesen Personen auf 50 Meter zu Monitoring der betroffenen Opfer, als auch die Nachvoll-
nähern, unabhängig davon, wo sich die Person gerade ziehbarkeit der gesetzten polizeilichen Maßnahmen.
befindet. Die Vorteile der Neuregelung sind der Entfall der
komplizierten Festlegung der einzelnen Schutzbereiche,
das Alter der geschätzten Person wäre irrelevant und das »» Fallkonferenzen (High-Risk-Victims)
Annäherungsverbot umfasst alle Örtlichkeiten, unabhän- Diese Maßnahme dient der Festlegung von Kriterien sowie
gig davon, ob es sich um den Arbeitsplatz, um den Weg der Schaffung der Möglichkeit verbindliche Fallkonferen-

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5. Maßnahmen des BMI

zen mit allen zuständigen Organisationen, unter Einbezie- »» Infoblätter Polizei, verständliche
hung des Gefährders, einzuberufen. Ziel ist die einheitliche Opferinformationen
Regelung von Fallkonferenzen auf Initiative und unter der Derzeit gibt es für Opfer ein mannigfaltiges und unüber-
Leitung der Polizei und unter Einbeziehung von Vertretern sichtliches Angebot an Informationen. Ein Großteil der Opfer
der gefährdeten Person und des Gefährders. Die Fallkon- von Straftaten nimmt die Unterstützungsangebote und
ferenzen sollen zeitnah aufgrund einer Individualentschei- Opferrechte nicht in Anspruch, weil die Betroffenen nicht
dung der Polizei über die Erforderlichkeit einberufen wer- zielgruppengerecht informiert werden. Die Information
den. Weiters wird für die Teilnehmer von Fallkonferenzen durch die Exekutive erfolgt oft zu einem Zeitpunkt, zu dem
die rechtliche Grundlage für einen Informationsaustausch die Betroffenen nicht in der Lage sind, die Fülle und die
geschaffen und die weitere Verwendung der gewonnen Komplexität der Informationen zu verstehen und zu verar-
Informationen rechtlich abgesichert. beiten. Daher kann eine Überarbeitung und Neustrukturie-
rung der polizeilichen Infoblätter für Opfer zu einer
Optimierung der Opferinformationen führen. Die Neustru­
»» Informationsaustausch kturierung der Infoblätter für Opfer beinhaltet die Gliede-
Derzeit bestehen Defizite in der Vernetzung und bei den In- rung der von der Polizei bei Anzeige ausgegebenen Info-
formationsflüssen zwischen den verschiedenen Beteilig- blätter in die Fachbereiche der Opferschutzeinrichtungen
ten. Die Rechtsordnung steht vor fehlenden oder unklaren (von Gewalt betroffene Kinder, häusliche Gewalt, sexuelle
Regelungen für den Informationsaustausch zwischen den Gewalt etc.).
verschiedenen Berufsgruppen und Behörden für das ziel-
gerichtete Vorgehen.
»» Leitfaden für die Kommunikation mit
Eine Durchbrechung von Geheimhaltungs- und Verschwie- älteren Menschen
genheitspflichten ist manchmal notwendig, um erhebliche In enger Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und der
Gefährdungen Dritter durch Klienten/Parteien/Patienten Forschung soll ein Leitfaden für die gelungene Kommuni-
zu verringern oder zu beseitigen, weil dafür Informationen kation mit älteren und hochaltrigen Menschen im öffentli-
anderer Personen/Institutionen notwendig sind, die im chen Raum erstellt werden, der praktische Tipps beinhal-
Dialog, aber auch in Fallkonferenzen oder durch Case ten wird. Der Leitfaden wird auf den Polizeiinspektionen
Management weitergegeben werden. Daher bedarf es aufliegen sowie durch diese versendet werden.
einer gesetzlichen Regelung, die Trägerinnen und Träger
von gesetzlichen und vertraglichen Geheimhaltungs- und
Verschwiegenheitspflichten nun berechtigt, diese Ver- »» Ausrollung und Ausbau des Projekts
pflichtungen zu durchbrechen, wenn und soweit dies zur „Under18“
Bekämpfung einer ernstlichen und erheblichen Gefähr- Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche (vorgestaffelt
dung des Lebens oder der Gesundheit anderer erforderlich Lehrende und Erziehungsberechtigte). Österreichweit
und verhältnismäßig ist. werden standardisierte Schulungsmaßnahmen durch die
Kriminalprävention eingeführt. Der Fokus liegt auf drei
Zudem sollen personenbezogene Daten, die ausschließlich Themenbereiche u.a. Gewaltprävention im Kontext digita-
auf dieser Grundlage übermittelt werden, von den Empfän- ler Medien, Durchführung in Form des Mehrebenenansat-
gerinnen und Empfängern nur zum genannten Zweck ver- zes (Lehrende, Erziehungsberechtigte, Schülerinnen und
arbeitet werden dürfen. Schüler), Einhaltung des Nachhaltigkeitsprinzips (zumin-

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5. Maßnahmen des BMI

dest zehn Unterrichtseinheiten mit der Zielgruppe) sowie Kinder- und Jugendhilfe zu setzen sind. Derzeit werden
die Stärkung der Lebenskompetenzen, um ein delinquen- Anzeige, ergänzenden Berichte, Vernehmungsprotokolle
tes Verhalten hintanzuhalten. o.ä. erst nach Abschluss der Ermittlungen von der Polizei
weitergeleitet, sofern keine unmittelbare Gefährdung des
Kindeswohls erkannt wird. Dadurch wird in Zukunft sicher-
»» Interdisziplinäre Jour fixe gestellt, dass eine frühzeitige und tatbezogene Interventi-
Die Einrichtung eines regelmäßigen interdisziplinären Jour onsmöglichkeit die Wirksamkeit der zu setzenden Maß­
Fixe zwischen Strafrechtspflege, Kriminalpolizei, Klini- nahmen erhöht, zumal die Veränderungsmotivation im
scher Medizin, Gerichtsmedizinischer Expertise und Opfer- Zeit­raum knapp nach der Tat am größten ist. Damit kann
schutz in den Sprengeln der Staatsanwaltschaft ist ein ein Abgleiten des Betroffenen in die Kriminalität besser
wesentliches Element für das Funktionieren der Untersu- verhindert werden.
chungs- und Aufklärungsprozesse bei Gewaltdelikten.
Der regelmäßige Austausch und der Perspektivenwechsel
innerhalb der interdisziplinären Arbeitsgruppen helfen Forschung „Justizielle Verfahrenserledigung
Arbeitsabläufe zwischen Institutionen zu optimieren und bei Partnergewalt“
zu vereinfachen. Es bedarf Klärung der Frage nach der Einstellungspraxis
durch eine bundesweite Analyse von Ausmaß, regionaler
Unterschiede und der Begründung samt Empfehlungen für
»» Sofortinfo KJH ein Vorgehen im Bereich Partnergewalt. Die geschaffene
Zukünftig werden frühzeitig Informationen der Polizei über wissenschaftliche Grundlage dient sowohl für Schulungen
Strafanzeigen bei unter 14-jährigen an die Kinder- und Ju- der Justiz und Sicherheitsexekutive als auch für mögliche
gendhilfe weitergeleitet. Es geht bei Verdacht einer straf- Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger.
baren Handlung durch den unter 14-jährigen um eine mög- Die Studie wird von BMVRDJ und BMI in Kooperation
lichst rasche Abklärung, welche Maßnahmen seitens der durchgeführt.

6. Maßnahmen des BMDW

»» Online-Verzeichnis
Für Betroffene, Beratungsstellen, Polizei etc. wird ein Vereinfachung der Suche und eine stärkere Sichtbarwer-
laufend aktualisiertes Online-Verzeichnis von Melde- und dung von Melde- und Beratungsstellen wird das Angebot
Beratungsstellen in ganz Österreich rund um das Thema auf dem Bürgerportal oesterreich.gv.at sowie help.gv.at
„Gewalt- und Sexualdelikte im Internet“ erstellt. Für eine abgebildet.

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7. Maßnahmen des BMEIA (Integration)

»» Elternbrief zur Prävention von weiblicher »» Leitfaden bei Gewalt im Namen der Ehre
Genitalverstümmelung Bei Gewalt im Namen der Ehre handelt es sich um Gewalt,
Es gab bereits im Jahr 2006 ein Schreiben der Ärztekam- welche aus einer vermeintlich kulturellen oder religiösen
mer an alle Gynäkologen mit einem „Elternbrief“ vom Arzt Verpflichtung heraus verübt wird, um die sogenannte Fa-
v.a. an verstümmelte Mütter bzw. an Eltern von potentiell milienehre zu schützen oder wiederherzustellen. Berufs-
gefährdeten Frauen zur Prävention von weiblicher Genital- gruppen, die mit Tätern und Opfern bei diesen Delikten
verstümmelung. Dieser soll nun von BMASGK und Ärzte- Berührungspunkte haben (z.B. Polizeibeamte, Kranken­
kammer gemeinsam mit Unterstützung von BMEIA evalu- pflege­personal, Pädagoginnen/Pädagogen, Sozialar-
iert, allenfalls in wichtige Fremdsprachen übersetzt und beiterinnen/Sozialarbeiter) sollten flächendeckend ent-
versendet werden. sprechend dafür sensibilisiert werden. Dafür würden sich
ein Leitfaden, Lernunterlagen und Folder im Rahmen der
Aus- und Fortbildung für diese Berufsgruppen eignen.
»» Sensibilisierung betreffend Passentzug bei Die Erarbeitung dieser Unterlagen wird durch das BMEIA
drohender weiblicher Genitalverstümmelung unterstützt.
und Zwangsheirat
Wenn Indizien für eine Gefährdung betreffend drohender
Zwangsverheiratung oder weiblicher Genitalverstümme- »» Beratung gegen Gewalt im Namen der Ehre
lung im Ausland bestehen, sollte die Kinder- und Jugendhil- Es gibt zwar bundesweit Anlaufstellen für Männer, die
fe (KJH) einschreiten und den Entzug der Reisedokumente Opfer von Gewalt wurden, jedoch keine Einrichtung, die
veranlassen. Bei Gefahr in Verzug kann die Kinder- und sich spezifisch um Opfer von Gewalt im Namen der Ehre
Jugendhilfe eine erforderliche Maßnahme (z.B. Passentzug sowie Täter von Gewalt im Namen der Ehre kümmert.
oder Entzug des Personalausweises) auch sofort setzen, Auch männliche Jugendliche sind immer wieder Opfer von
muss dann aber binnen 10 Tagen einen Antrag an das Ge- Gewalt im Namen der Ehre (z.B. Zwangsheirat) bzw. als
richt stellen. Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe Täter von Gewalt im Namen der Ehre (z.B. gegenüber weib-
müssen in diesem Bereich sensibilisiert werden. Anderer- lichen Familienmitgliedern) betroffen. Daher wird das
seits sollten ebenfalls die Passbehörden über diese Mög- BMEIA gemeinsam mit einschlägigen Organisationen in der
lichkeit der Kinder- und Jugendhilfe informiert und insofern operativen Arbeit einen stärkeren Fokus auf Gewaltpräven-
sensibilisiert werden, als sie im Fall des Passentzuges oder tion bei Männern und Jugendlichen, aber auch bei noch
Entzuges des Personalausweises durch die Kinder- und nicht Deliktfähigen, legen. Spezielle Programme für männ-
Jugendhilfe oder das Pflegschaftsgericht keinen neuen liche Jugendliche sind auch deshalb wichtig, weil Gewalt im
Pass oder Personalausweis ausstellen. Diese Maßnahmen Namen der Ehre für männliche Familienmitglieder oftmals
werden durch das BMI und das BMFFJ gemeinsam mit dem mit Männlichkeit bzw. Bindung zur Familie verbunden ist.
Österreichischen Integrationsfonds unterstützt. Überdies Durch diesen speziellen Fokus könnten Männer und
kann etwa das BMEIA im Rahmen von Themenabenden/ Jugendliche einerseits selbst vor Gewalt geschützt werden
Multiplikator-Schulungen Mitarbeitern der KJH auf traditi- (Empowerment) bzw. andererseits könnten diese davon
onsbedingte Gewalt und bestehende Handlungsmöglich- abgehalten werden, (weitere) Straftaten zu begehen (prä-
keiten aufmerksam machen. ventive Täterarbeit).

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8. Maßnahmen des BMASGK

»» Vereinheitlichung der Anzeige-und Melde­ »» Sensibilisierung von Schulärztinnen und


pflichten für Mitarbeiterinnen und Mitarbei­ Schulärzten betreffend Opfer von Gewalt
ter in Gesundheitsberufen und weiblicher Genitalverstümmelung
Die unterschiedlichen und meist sehr allgemein formulier- Schulärztinnen und Schulärzte sind für gesundheitliche
ten Regelungen in diversen Berufsgesetzen zur Anzeige- Fragen von Schülerinnen und Schülern, soweit sie den
und Meldepflichten lassen oft Interpretationsspielraum zu. Unterricht und den Schulbesuch betreffen, zuständig. Sie
Das führt in der Praxis zu Unsicherheiten bei der Umset- sollten in Verdachtsfällen auch von Lehrkräften herangezo-
zung. Daher ist die Vereinheitlichung der Anzeige- und gen werden. Eine Sensibilisierung von Schulärztinnen und
Meldepflichten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Schulärztenen zum Thema der weiblichen Genitalverstüm-
Gesundheitsberufen wichtig. melung, zum Beispiel durch Schulungen, ist daher wesent-
lich und unerlässlich.

»» Änderung des § 54 Ärztegesetz 1998 zur bes­
seren Vernetzung involvierter Institutionen »» Gefährdungseinschätzung bei weiblicher
Ein rascher Datenaustausch zum Zwecke des Opferschutzes Genitalverstümmelung
zwischen in Verfahren involvierten Institutionen – wie Im Rahmen der Geburt oder Geburtsanmeldung im Kran-
Jugend­wohlfahrtträger, Justiz, etc. – ist überaus wichtig kenhaus von werdenden Müttern, die selbst Opfer von
und muss durch die Änderung des § 54 Ärztegesetz 1998 weiblicher Genitalverstümmelung geworden sind, soll
rechtlich möglich gemacht werden. durch dieses eine Information an die Kinder- und Jugend-
hilfe erfolgen. Die in diesem Zuge mögliche Gefährdungs-
einschätzung dient einerseits der Beratung der werdenden
»» Änderung der Verjährungsregelung im Mutter und andererseits dem Schutz und Wohl des Kindes.
Verbrechensopfergesetz
Die Antragsfrist zur Geltendmachung von Ersatzansprü-
chen bei Kriseninterventionen, für Bestattungskosten, für »» Möglichkeit der Änderung der Sozialversiche­
Pauschalentschädigung für Schmerzensgeld, etc. gemäß § rungsnummer nach Namensänderung
10 Abs 1 Satz 1 Verbrechensopfergesetz soll von 2 auf 3 Opfer von Gewalt im Namen der Ehre wollen oft ein neues
Jahre ausgedehnt werden. Das soll unter anderem zu einer Leben beginnen und sehen als einzigen Ausweg die Schaf-
Minimierung von Härtefällen führen. fung einer neuen Identität, um jeglichen Kontakt mit den
Tätern zu vermeiden. Die Änderung des Namens alleine ist
oftmals nicht ausreichend, um nicht gefunden zu werden;
»» Novellierung des Verbrechensopfergesetzes vielmehr bedürfte es auch der Änderung der Sozialversi-
Das Verbrechensopfergesetz ist durch viele Gesetzesno- cherungsnummer. Derzeit besteht keine gesetzliche
vellen für Opfer und Berater schwer verständlich geworden Antragsmöglichkeit eine Änderung der Sozialversiche-
und weicht zum Teil von den Terminologien des Strafrechts rungsnummer zu beantragen. Eine solche Möglichkeit soll
ab. Um eine bessere Handhabung zu gewährleisten ist hier geschaffen werden.
eine Harmonisierung und Anpassung notwendig.
Im Rahmen des Verbrechensopfergesetzes werden auch
andere Anpassungen bzw. Änderungen geprüft.

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8. Maßnahmen des BMASGK

»» Sensibilisierung von Gesundheitsberufen In die österreichweite Vereinigung sollten Kinderschutz-


betreffend weiblicher Genitalverstümmelung gruppen eingegliedert und zentrale Anlauf- bzw. Service-
Eine Klarstellung von Meldepflichten von Ärztinnen und stellen errichtet werden. Die Aufgaben sollten zentrale
Ärzten bei Opfern von weiblicher Genitalverstümmelung ist Themenbereiche, wie qualitätsgesicherte und standardi-
notwendig. Durch eine Erweiterung der Anzeigepflicht bzw. sierte Erhebungs- und Dokumentationsbögen, Etablierung
Meldepflicht könnten Ärztinnen und Ärzte auch präventiv einer zertifizierten Ausbildung in Kindesmisshandlung,
tätig werden. Ein diesbezüglich zu erstellender Leitfaden Datenerfassung sowie Einbindung in internationale Verei-
wird Ärztinnen und Ärzten mehr Rechtssicherheit geben nigungen und Arbeitsgruppen zur Thematik Kindesmiss-
und diese sensibilisieren. handlung u.v.m. umfassen.

»» Forcierung der Gerichtsmedizin »» Standardisierte Vorgaben zur Dokumentation


Die Gerichtsmedizin stellt die zentrale Kompetenz zur zwecks Spurensicherung bei gewalttätigen
Abklärung gerichtsverwertbarer Dokumentation bzw. Übergriffen, einheitliche Dokumentation bei
Spurensicherung dar und wirkt so nicht nur für die Straf- Verletzungen
verfolgung, sondern auch für den Opferschutz und die Nach gewalttätigen Übergriffen ist nicht nur bei der medi-
Gewaltprävention. Aktuell ist jedoch ein Mangel an ge- zinischen Versorgung, sondern auch bei der Dokumentati-
richtsmedizinischem Nachwuchs festzustellen. Es soll ein on der vorliegenden Verletzungen und Beschwerden
Gremium gebildet werden, um Maßnahmen zur Forcierung zwecks Spurensicherung professionelles Handeln geboten.
der Gerichtsmedizin in Österreich zu erarbeiten. Das ist vor allem auch für die Beweisführung vor Gericht
für das Opfer relevant. Daher sind einheitliche Vorgaben
BMASGK: Wird von der § 44 Kommission bearbeitet. Ein für die Dokumentation überaus wichtig und notwendig.
Entwurf soll bereits vorliegen. Soll im Rahmen der Ärztin- Bei Verletzungen, die laut Aussage des Patienten/der Pati-
nen-/Ärzte-Ausbildungsordnung (ÄAO) umfasst werden. entin nicht von gewalttätigen Übergriffen herrühren, sollen
die medizinischen Dokumentationen bildgebend erfolgen,
um bei späteren möglichen Gerichtsverfahren als Sachbe-
»» Österreichweite Vereinigung für Kinderschutz weis verwendet werden zu können.
in der Medizin
Die Durchführung von interdisziplinären Fachgesprächen
zur Errichtung einer österreichweiten Vereinigung für Kin-
derschutz in der Medizin mit zentralen Service- und An-
laufstellen sind der erste Schritt. Beim Kinderschutz müs-
sen die besonderen Bedürfnisse dieser höchst gefährdeten
Altersgruppe berücksichtigt werden.

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9.
Eingebundene Organisationen

Wir bedanken uns bei allen Organisationen, die in die Arbeit der
Task Force Strafrecht eingebunden waren.

Schulische Präventionsstelle – KIS – Landesschulrat Salzburg


Beratungsstelle TARA – Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt Steiermark
Bezirkspolizeikommando Vöcklabruck
Bildungsdirektion Salzburg
Bundeskanzleramt
Bundeskriminalamt
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort
Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres
Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort
Bundesministerium für Inneres
Bundesministerium für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz
Bundesverband der Frauenberatungsstelle
Bundesverband Kinderschutzzentren
Center of Legal Competence (CLC) – Managementzentrum Opferhilfe
Die Möwe – Kinderschutzzentrum Wien
DMÖ – Dachverband Männerarbeit Österreich
Expertenrat für Integration
Fachstelle für Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche
FH Campus Wien
Forensik Kompetenz
Frauenberatung
Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt Steiermark
Freiraum – Frauen und Familien-Beratung
Gerichtsmedizin Universität Wien
Gewaltschutzzentrum Burgenland
Gewaltschutzzentrum Niederösterreich
Gewaltschutzzentrum Oberösterreich
Gewaltschutzzentrum Steiermark
Heroes – Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark
HPE Österreich – Hilfe für Angehörige und Freunde psychisch Erkrankter

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9.
Eingebundene Organisationen

IFGK – Institut für Gewaltprävention und Konfliktmanagement


IFS – Institut für Sozialdienste
Institut Ethik und Recht in der Medizin
Institut für Fort- und Weiterbildung PH Salzburg
Institut für Konfliktforschung
Internet Service Providers Austria
IRKS – Kriminalsoziologie
IRPB – Institut für Religionspädagogische Bildung Salzburg
Jugendheilkunde, AKH
Jugendpsychiatrie
Kassandra – Verein zur Beratung, Betreuung und Förderung von Mädchen und Frauen
Kinderschutz-Zentren
Kirchlich-Pädagogische Hochschule Salzburg
Tirol Kliniken GmbH
Kuratorium Sicheres Österreich
Landesklinikum Niederösterreich
Landeskriminalamt Salzburg
Landeskriminalamt Wien
Landesschulrat Salzburg
Frauengesundheitszentrum FEM Süd
LOK – Humanes Leben ohne Krankenhaus
Landespolizeidirektion Burgenland
Landespolizeidirektion Oberösterreich
Landespolizeidirektion Wien
Ludwig-Boltzmann-Institut
MA 57 – Frauenservice Wien
MA 11- Wiener Kinder- und Jugendhilfe
Man(n)agement – Verein zur Gewaltprävention
Männerberatung Steiermark
Männerberatung Wien
Med Uni Wien
MEN-Süd – MännerGesundheitsZentrum
Neustart – Bewährungshilfe, Haftentlassenenhilfe, Konfliktregelung, für Jugendliche und Erwachsene
Niederösterreichische Landesregierung
Niederösterreichisches Landesklinikum Mödling
Opferschutzanwaltschaft
Orient Express – Beratungs-, Bildungs- und Kulturinitiative für Frauen

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9.
Eingebundene Organisationen

Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation


Pädagogische Hochschule Salzburg
PSD – Psychosozialer Dienst Wien
queraum. kultur- und sozialforschung
Rechtsanwaltskammertag
Vereinigung der österreichischen Richterinnen und Richter
Safer Internet
Schulische Präventionsstelle der Bildungsdirektion Salzburg
SOS Kinderdorf – Advocacy Kinder- und Jugendrechte
Stadtpolizeikommando Eisenstadt
Univ. Klinik für Kinder und Jugendheilkunde, AKH
Univ. Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie
Universität Linz
Universität Wien
Verein Frauenhaus Villach
Vereinigung ö. StA
Vertretungsnetz
Weisser Ring – Verbrechensopferhilfe
Wendepunkt – Frauen- und Familienberatungsstelle
Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie
Wirtschaftsuniversität Wien
ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit
Zentrum für Gerichtsmedizin
ZÖF – Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser und Frauenschutzzentren

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10.
Notizen

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