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Prostata

In diesem Blogartikel beschreibt Herr Knies seine Beschwerden während seines


Termins in einer Praxis für Urologie

Nach über 40 Arbeitsjahren wollte Herr Ulrich Knies gemeinsam mit seiner
Frau Hildegard seine wohlverdiente Rente so richtig genießen. Kleinere
Reisen mit dem Wohnmobil waren ebenso geplant wie der Besuch von Sohn
Alexander, der seit seinem Studium in Kanada lebt. Doch plötzlich werden
die Pläne des Ehepaars Knies durchkreuzt, denn Herr Knies hat erhebliche
Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin und starke Rückenschmerzen.
Frau Knies googelt die Beschwerden ihres Mannes und ist erschrocken. Alles
deutet auf eine Erkrankung an der Prostata hin, womöglich ein Krebs? Nach
kurzer Rücksprache mit dem Hausarzt erhält Herr Knies eine Überweisung
an einen Urologen. Heute hat er einen Termin in einer Praxis für Urologie,
bei Dr. Ansgar Demel.

Dr. Demel: Guten Tag, Herr Knies. Was führt Sie heute zu mir?

Hr. Knies: Tja, wie es aussieht, hab' ich Prostata.


Dr. Demel: Aha. Hat Ihr Hausarzt schon eine Diagnose gestellt?

Hr. Knies: Nein, nein. Er hat mich nur überwiesen. Aber meine Frau hat
meine Beschwerden im Internet recherchiert und da kam eindeutig Prostata
raus. Wahrscheinlich Krebs.

Dr. Demel: Verstehe. Ihre Frau hat es sicher gut gemeint, Herr Demel und
es ist gut, dass Sie heute zu mir gekommen sind. Ich möchte Ihnen jetzt
erst einmal ein paar Fragen stellen und Sie im Anschluss untersuchen. Dann
sehen wir, was die Ursache Ihrer Beschwerden sein könnte. Sind Sie damit
einverstanden?

Hr. Knies: Ja, klar. Bitte.

Dr. Demel: Schön. Herr Knies, Sie sind 66 Jahre alt und Rentner, richtig?

Hr. Knies: Ja. Ich bin seit letztem Jahr in Rente. Ich habe über 30 Jahre für
die Bahn gearbeitet, erst als Lokführer, dann im Innendienst.

Dr. Demel: Ach, das war sicher eine spannende Arbeit. Herr Knies, welche
Beschwerden sind denn bei Ihnen aufgetreten?

Hr. Knies: Na ja. Angefangen hat es vor 4 Wochen. Ich hatte schon immer
ein bisschen Probleme beim Wasserlassen…aber seit 4 Wochen ist da so ein
Brennen dazu gekommen, sehr unangenehm.

Dr. Demel: Verstehe. Ist der Harnstahl auch verändert?

Hr. Knies: Ja. Jetzt wo Sie fragen. Er ist viel flacher als zuvor. Und leider
habe ich auch Blut im Urin, Herr Doktor.

Dr. Demel: Heißt das, dass der Harn rötlich ist?

Hr. Knies: Ja. Allerdings nicht immer. Bisher so 3 bis 4 Mal.

Dr. Demel: Müssen Sie jetzt öfter Wasserlassen? Auch nachts?

Hr. Knies: Ja, bestimmt doppelt so oft, auch nachts. Aber es kommt ja auch
nicht so viel raus. Ich hab das Gefühl, meine Blase entleert sich gar nicht
richtig.

Dr. Demel: Und wie sieht es mit dem Stuhlgang aus? Irgendwelche
Veränderungen?

Hr. Knies: Nein, nicht dass ich etwas bemerkt hätte.

Dr. Demel: Wie sieht es mit Erektionsproblemen aus?


Hr. Knies: Geht so. Die letzten Jahre hatte ich oft Probleme.

Dr. Demel: Haben Sie Schmerzen beim Samenerguss oder Blut in der
Samenflüssigkeit? 

Hr. Knies: Nicht übermäßig, nein. Und Blut ist, wie gesagt, nur im Urin.

Dr. Demel: Gut. Haben Sie noch weitere Beschwerden?

Hr. Knies: Ja. Ich hab ganz schreckliche Rückenschmerzen.

Dr. Demel: Wo im Rücken? Eher in den Schultern oder im unteren Bereich?

Hr. Knies: Na, so Kreuzschmerzen, in der Gegend vom Steißbein. Als hätte
ich mich überhoben, 'nen Hexenschuss oder Ischias. Aber ich kann mich
nicht erinnern, wo ich mir was geholt haben könnte.

Dr. Demel: Was ist das für ein Schmerz? Könnten Sie ihn beschreiben? Eher
ziehend oder stechend?

Hr. Knies: Es sticht und brennt. Im Liegen geht es besser. In der Badewanne
ist er fast weg.

Dr. Demel: Haben Sie noch weitere Schmerzen in den Knochen?

Hr. Knies: Nein, nicht wirklich.

Dr. Demel: Haben Sie Wasser in den Beinen bemerkt?

Hr. Knies: Nein. Die sind wie eh und je.

Dr. Demel: Gut. Herr Knies. Wie sieht es mit Vorerkrankungen aus? Leiden
Sie etwa an Bluthochdruck oder Diabetes?

Hr. Knies: Nein. Ich war in meinen 45 Arbeitsjahren nur 2 Wochen


krankgeschrieben, als ich mir beim Skifahren das linke Bein gebrochen habe.
Das war's.

Dr. Demel: Und wie sieht es in Ihrer Familie aus? Gab es da


Prostataerkrankungen oder andere schwerwiegende Erkrankungen?

Hr. Knies: Meinen Vater habe ich nie kennengelernt, über den weiß ich
nichts. Geschwister hab' ich nicht. Und meine Mutter ist knapp 90 und noch
bei guter Gesundheit. 

Dr. Demel: Das hört man gerne. Hatten Sie in letzter Zeit Fieber oder
Nachtschweiß?
Hr. Knies: Fieber nicht. Aber ich bin ein paar Mal schweißgebadet
aufgewacht in der Nacht. Das kannte ich so noch nicht.

Dr. Demel: Hm. Herr Knies, Sie haben angegeben, dass Sie bei einer
Körpergröße von 180 cm, 75 Kilo wiegen. Haben Sie in letzter Zeit merklich
an Gewicht verloren?

Hr. Knies: Na ja. Drei Kilo sind runter im letzten halben Jahr. Aber ich hab'
ja auch viel trainiert, ich hab' ja jetzt Zeit…also ich bin viel Fahrrad gefahren
und war oft Wandern mit meiner Frau.

Dr. Demel: Klingt gut. Es ist wichtig, auch im Rentenalter aktiv zu bleiben.
Wie ich höre, machen Sie das.

Hr. Knies: Ja. Wir wollen fit bleiben, um noch viel erleben zu können...Aber
jetzt wird wohl nichts daraus.

Dr. Demel:  Das sehen wir noch, Herr Knies. Noch wissen wir nicht, was los
ist. Ich habe erst einmal alle wichtigen Information erhalten und möchte Sie
jetzt untersuchen.

Hr. Knies: Oh. Jetzt wird’s unangenehm.

Dr. Demel: Keine Sorge, Herr Knies. Das kriegen wir hin. Ich mache das
mehrmals täglich.

Anamnese

Seit 4 Wochen leidet der Patient unter Dysurie. Er schildert Pollakisurie mit
zunehmender Algurie und abgeflachtem Miktionsstrahl. Ebenso klagt der
Patient über Nykturie sowie bis zu viermaliger Hämaturie. Probleme bei
Defäkation sowie Hämatospermie wurden verneint.

Erektile Dysfunktion liege seit ein paar Jahren vor.


Zudem berichtet der Patient über starke Rückenschmerzen im Bereich der
LWS mit unklarer Ursache.
Es bestünde weder eine Ostalgie noch Beinödeme.

V.A.: Nächtliche Hyperhidrosis, keine Allergien - bis auf letztjährig erstmal


aufgetretene allergische Rhinitis - bekannt, bedarfsweise Aspirin bei
Kopfschmerzsymptomatik

F.A.: Unauffällig

IPSS: 19 Punkte
Körperlicher Untersuchungsbefund:

180 cm gr., 75 kg, RR 130/85 mm Hg beidseits.

Patient ist in sehr gutem AZ. 

DRU: Prostata vergrößert tastbar, nicht schmerzempfindlich und von prall-


elastischer Konsistenz, Fehlen der mittleren Furche. 

Labor: 

MSU: Rötliche Färbung und Trübung, keine Entzündungswerte

Uroflowmetrie: Maximalflow: 13 ml/sec, Miktionsvolumina von 120 ml 

PSA-Wert 3 ng/ml

Sonografie:

TRUS: Prostatahyperplasie, Karzinom nicht nachweisbar

Vorläufige Diagnose:

benigne Prostatahyperplasie

Weiteres Vorgehen:

Ich bitte um Wiedervorstellung in 4 Wochen. Bei gleichbleibender


Symptomatik empfehle ich Durchführung von Urethrozystoskopie sowie
PCA3-Score.

Jährliche Kontrolluntersuchung mit Basismessung PSA-Wert ist notwendig.

Dem Patienten wurde die Einnahme von Phytotherapeutika empfohlen und


eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme angeraten. 

Mit besten kollegialen Grüßen

Dr. Ansgar Demel

Abkürzungen

V.A.: Vegetative Anamnese

F.A.: Familienanamnese

IPSS: International Prostate Symptom Score


RR: Blutdruck

mm Hg: Millimeter Quecksilbersäule

AZ: Ernährungszustand

DRU: Digitale rektale Untersuchung

MSU: Mittelstrahlunrin

PSA-Wert: Prostataspezifische-Antigen-Wert

TRUS: Transrektaler Ultraschall

PCA3-Score: Prostate Cancer Gen3 Test

ng/ml: Nanogramm pro Milliliter


Ein Bandscheibenvorfall
Sprachliche Hürden in der Arztpraxis

Der 31jährige Wladimir Hof stellt sich mit akuten Schmerzen in der
allgemeinärztlichen Praxis Dr. Seiler vor. Schon im Eingangsgespräch mit der
medizinischen Fachangestellten wird deutlich, dass die Deutschkenntnisse
von Herrn Hof, der vor zwei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland
gekommen ist, noch sehr begrenzt sind.

Dr. Seiler: So, guten Tag Herr Hof, ich bin Dr. Seiler, was fehlt Ihnen denn?

Herr Hof: Fehlt? Äh, guten Tag Doktor. Haben Schmerz, hier (zeigt erst auf
Rücken, dann auf Bein).

Dr. Seiler: (Schaut interessiert und nickt)

Herr Hof: Ja, hier Schmerz in der Rück und Bein. Tut sehr weh, kann nicht
laufen gut und stehen. Und kann nicht sitze. Nur liege auf Sofa.

Dr. Seiler: Wann sind denn die Schmerzen aufgetreten?

Herr Hof: Nein, nicht treten kann auch nicht.


Dr. Seiler: Entschuldigung, Herr Hof, ich meine, seit wann haben Sie die
Schmerzen?

Herr Hof: Aga, habe seit gestern abends. War ich zu Training, bin zu Hause
und bum, war Schmerz.

Dr. Seiler: Ok, beim Training waren Sie, was machen Sie denn für einen
Sport?

Herr Hof: Gehe ich in Fitness, äh, hebe…, ah, wie heißt… (imitiert
Bewegungen eines Gewichthebers)

Dr. Seiler: Aha, sie trainieren mit Gewichten. Ist der Schmerz beim Training
gekommen?

Herr Hof: Da, ja. Also wenn ich war zuhause.

Dr. Seiler: Gut, ich fass zusammen: Sie haben ein Hanteltraining gemacht,
sind dann nach Hause gegangen und seitdem haben Sie Schmerzen. Habe
ich das richtig verstanden?

Herr Hof: So ist.

Dr. Seiler: Dann stelle ich Ihnen jetzt erstmal ein paar Fragen zu Ihren
Schmerzen, Herr Hof. Bitte sagen Sie mir gleich, wenn Sie mich nicht gut
verstehen, Sie dürfen mich immer unterbrechen, also stoppen, ja?

Herr Hof: Ist gut, danke.

Dr. Seiler: Wann genau haben Sie die Schmerzen? Nur in Bewegung oder
auch in Ruhe?

Herr Hof: Bewegung?

Dr. Seiler: Ich meine, schmerzt es auch, wenn Sie nur sitzen oder liegen?
Oder nur, wenn Sie sich bewegen (macht Bewegungen mit den Beinen)?

Herr Hof: Aga, habe schon gesagen, sitzen ist schlecht, Schmerz in Rück,
laufen viel schlecht, viel Schmerz in Fuß, nur liegen ist gut.

Dr. Seiler: Verstehe, aber meinen Sie wirklich nur den Fuß beim Laufen?

Herr Hof: Nee, ganze Fuß (zeigt Bein und Fuß).


Dr. Seiler: Also Bein und Fuß der rechten Seite schmerzen.

Herr Hof: Genau.

Dr. Seiler: Und wie sind die Schmerzen? Stechen oder drücken sie
(entsprechende Gestik)?

Herr Hof: Ist stechen in Rücken, wie mit Messer, und geht von oben nach
unter in Fuß, Bein.

Dr. Seiler: Der Schmerz bewegt sich – wie ist der Schmerz im Bein?

Herr Hof: Ist ganz schnell und stark, wie Steckdose.

Dr. Seiler: Aha, so wie ein kleiner Stromschlag. Gibt es etwas, das den
Schmerz lindert, ok, das den Schmerz nicht so stark macht?

Herr Hof: Ja, ich sagen, liegen auf Sofa und alles gut. Liegen Bein hoch.

Dr. Seiler: Haben Sie so etwas schon mal früher gehabt?

Herr Hof: Nein, Doktor, ist erste Mal.

Dr. Seiler: Und gibt es noch etwas anderes, das nicht so wie immer ist, also
nicht normal?
Herr Hof: Nein, sonst alle gut.

Dr. Seiler: Schön, Herr Hof, ich fasse das mal zusammen, nach Ihrem
Gewichtetraining gestern Abend sind Sie heimgegangen und hatten dann
plötzlich starke Schmerzen vom Rücken über das rechte Bein in den Fuß. Die
Schmerzen haben Sie bei Bewegung und auch im Sitzen, nur im Liegen mit
hochgelagerten Beinen ist es besser (begleitet Aussagen mit Gestik). Sie
haben keine anderen Beschwerden, äh, Probleme. Ist das so richtig?

Herr Hof: Ist richtig.

Dr. Seiler: Gut, dann würde ich Sie jetzt gern kurz untersuchen.

Herr Hof: Was musse machen?

Dr. Seiler: Bitte ziehen Sie sich bis auf die Unterwäsche aus. Also die
Unterwäsche nicht ausziehen. Können Sie das allein?
Herr Hof: Ja, geht in Sitzen.

Dr. Seiler: Gut, dann stellen Sie sich bitte hin und versuchen abwechselnd
auf Ferse und Zehenspitzen zu laufen (demonstriert das selbst).

Herr Hof: Ai, tut so weh.

Dr. Seiler: Ok, dann legen Sie sich bitte hier auf den Rücken, ich helfe. Jetzt
drücken Sie bitte mit dem rechten Fuß gegen die Hand, so fest Sie können.
Ok, anderer Fuß. Ok, und jetzt ziehen Sie bitte den Fuß in Richtung Nase,
also zur Nase hin, gegen meine Hand.

Herr Hof: Weiter kann nicht!

Dr. Seiler: Gut, die Nerven in den Beinen sind in Ordnung und Sie haben
genug Beinkraft, bitte jetzt noch das Knie beugen und strecken (deutet
Bewegungen beim Patienten an).

Herr Hof: Ai, hier schmerzt sehr.

Dr. Seiler: Gut, das reicht auch. Als nächstes bewege ich meine Hand leicht
über ihre Beine, bitte sagen Sie mir, wenn Sie das nicht spüren (testet auf
Taubheit).

Herr Hof: Hand war immer da, Doktor.

Dr. Seiler: Sehr gut. Jetzt testen wir noch die Reflexe, lassen Sie das Bein
einfach ganz ruhig nach unten hängen.

Herr Hof: Hoppla, ok, Bein funktioniert (lacht).

Dr. Seiler: So, und zum Schluss hebe ich jetzt noch jedes Bein ausgestreckt
nach oben, Sie müssen nichts machen. Bitte sagen Sie mir, ab wann der
Schmerz kommt.

Herr Hof: Ai, bitte stopp!

Dr. Seiler: Gut, Herr Hof, wir sind schon fertig mit der Untersuchung, ziehen
Sie sich bitte wieder an, ich helfe Ihnen mit der Hose.

Herr Hof: Viele Dank, Herr Doktor, und, was habe Ich?

Dr. Seiler: Das ist ein Bandscheibenvorfall, Herr Hof, aber Sie müssen sich
keine zu großen Sorgen machen. Ich erkläre Ihnen gleich, was das genau
ist, was wir dann noch an Untersuchungen machen müssen und wie wir
Ihnen helfen können.

Herr Hof: Ah, gut, vielen Dank, Herr Doktor.

Unsere Blogautor*innen: Jana Kirchberger und Markus Ammon