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Textinterpretation ,,Die Maus“

Im Juni 2010 erschien im „Philipp Reclam" die Kurzgeschichte von Beat


Brechbühl mit dem Titel:,,Die Maus". Die Geschichte handelt von einem
Mädchen mit einem außergewöhnlichen Wunsch und thematisiert die
Erziehung und Entwicklung von Kindern.

Eva wird von ihren Eltern gut erzogen. Eines Nachts vor dem Schlafengehen
erzählt sie ihrem Vater, dass sie gerne eine Maus sein würde. Sie stößt jedoch
auf Abneigung und wenig Begeisterung. Am nächsten Morgen finden die Eltern
ein Zimmer im Haus, das aussieht, als wäre es von einer Maus zerstört worden.
Nach mehreren ähnlichen Vorfällen wird Eva in die Anstalt gebracht. Die Ärzte
konnten allerdings nichts finden, was mit dem Mädchen nicht stimmen könnte.
Einige Tage später war die halbe Anstalt verwüstet, aber es war keine Maus zu
finden, welche das angerichtet haben könnte. Ebenso war Eva verschwunden.
Zehn Jahre später erledigt Eva ihre normale Büroarbeit in einem Raum mit
Stahl- und Plastikmöbeln, welchen das Mädchen selbst eingerichtet hat.

Der Text kritisiert den so ganten autoritären Erziehungsstils (hohe


Erwartungen, Belohnung und Bestrafung). Evas Eltern wollen, dass aus Eva
etwas wird, denn sie soll es in ihrem späteren Leben zu etwas bringen, jedoch
fehlt den Eltern ein wesentlicher Teil, um dies erreichen zu können – Liebe.
Dies hat für die Familie schwere Folgen, zum einen wird die Tochter in eine
Anstalt gebracht und die Ehe der Eltern scheitert und beide ziehen um. Als das
Mädchen ihrem Vater von ihrem Wunsch, eine Maus zu sein erzählt, hört
dieser Ihr nicht gut zu und antwortet nur kurz und knapp. Dies ist ein häufiges
Problem, auf welches der Autor aufmerksam machen möchte. Eltern
behaupten sie machen ihren Kindern alles möglich und erfüllen ihnen jeden
Wunsch – jedoch scheitert es schon am kleinsten und einfachsten Wunsch –
einfach nur angehört und geliebt zu werden. Der Einstieg in die Kurzgeschichte
erinnert an ein Märchen, der Grund hierfür ist der Einleitungssatz, welcher mit
den Worten „Es war einmal…“ beginnt. Vorgesetzt wird mit einer längeren
Vorgeschichte, welche anschließend mit den Worten „Das ist zehn Jahre her.“
in die Gegenwart wechselt. Diese lässt es für den Leser so wirken, als würde er
sich gerade im Gespräch mit einer Person befinden, welche Eva persönlich
kennt. Mit dem offenen Ende „Ihre Wohnung kenne ich nicht.“ lässt der Autor
viel Freiraum für Spekulation und Fantasie. Schlüsselbegriffe wie „eine dicke
böse Maus“ oder „armdicke Löcher“ wiederholen sich im Text des Öfteren und
bestätigen somit, dass es sich immer wieder um ähnlich Vorfälle handelt, was
kein Zufall sein kann. Der Text sagt aus, dass Eltern oft einen Weg für ihre
Kinder planen, von welchem sie nicht abweichen möchten. Oft hat dies für die
Kinder gravierende Folgen – auch in ihrer Entwicklung. Das Thema Erziehung
und Entwicklung wird immer ein aktuelles Thema sein, da immer wieder neue
Forschungen angestellt und somit auch neue Ergebnisse erzielt werden.

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