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GFS von Philipp Deuchler zu dem Thema “Moderne Kurzgeschichten”

Gliederung

1 Allgemeines
2 Botho Strauß “Die Geschickte”
3 Nadja Einzmann “Es ist eines nicht wie das andre”
4 Vergleich der beiden Kurzgeschichten
5 Fazit (Eigene Stellungnahme)

1. Allgemeines

Jede Literatur ist geprägt von ihrer Zeit und der damit verbundenen Symbolik,
welche den aktuellen Themen besonders Ausdruck verleihen sollen. Themen der
Modernen Kurzgeschichte sind v.a. die Auseinandersetzung mit Fragen nach
Wahrheit und Wirklichkeit, Identität oder auch Selbstdefinition und dem
Selbstbewusstsein.
Aufgrund ebendieser recht komplexen Fragestellungen bzw. Themen, mit denen
sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens zwingend beschäftigt, ist die Nähe zum
Leser gewährleistet. Weiterhin kann man über die Moderne Kurzgeschichte sagen,
dass durch ihre Kompaktheit und der Reduzierung auf das Wesentliche ein
literarisch angemessenes Niveau erreicht wird, was dazu führt, dass die Moderne
Kurzgeschichte die breite Masse anspricht, also keine besondere Lesegruppe
anzielt.
Folglich kann die die Kurzgeschichte, trotz “neuer” literarischer Form, normal
gedeutet werden und in Bezug auf eigener Lebenswirklichkeitsperspektive gedeutet
werden.

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Als die Beamten sie ihm erleichtert und stolz nach Hause brachten. die den übernächtigten Fabrikanten von seiner schlimmsten Befürchtung zwar ablenkte. Sie hatte die Reifen abmontiert. Die ihm Zu-. Schon am nächsten Morgen . er sei von der Ungewissheit über das Schicksal seiner Frau noch immer so durchdrungen un besetzt. ob die Anwesenheit dieser einfühlsamen Unbekannten nicht ein tückischer Hinterhalt sein könnte. Solch eine Verstörung sei bei Opfern einer Entführung und ihren Angehörigen nichts Ungewöhnliches und werde sich bald wieder geben. die Schläuche geflickt. Aus seinen dunkelsten Stunden war also unversehens diese völlig Fremde.fand er sie in der Garage vor einem am Drahtseil aufgehängten Fahrrad. Botho Strauß “Die Geschickte” Zu einem Fabrikanten. stutzte er und erklärte: Es ist ihnen ein Fehler unterlaufen.2. wachsam und eben ganz neu. diese aber keinesfalls zerstreute. Als 2 . der gelehrten. kehrte nach Zahlung eines hohen Lösegelds eine Frau zurück. Eine Fahrradflickerin! dachte der Mann. die er nicht kannte und die ihm nicht entführt worden war. dass er sie nicht auf Anhieb wiedererkenne. Darauf nickten die Beamten verständnisvoll. dem kaum benutzten Fahrrad ihrer Vorgängerin. jedoch nicht Zurückgeführte stand indessen hübsch und ungezwungen vor ihm. die betreten unter sich blickten. diese helle und muntere Person aufgetaucht. dessen Gattin ihm während eines Messebesuchs entführt worden war. bedenkenlos patente Heimwerkerin geschickt hätten. zu verhöhnen.sie schlief im Gästezimmer . und auch der tatsächlich verwirrte Mann nickte ein wenig mit. gab sie zu verstehen. Den Beamten. ihm diese naive. Dies ist nicht meine Frau. Außerdem schien sie schlagfertig und geistesgegenwärtig zu sein. Ob die Entführer nicht aus reinem Zynismus und nur um die Liebe zu seiner geraubten Frau. was die Zukunft wohl für sie beide bereithalte und ob er je mit ihr auf große Tour gehen werde. Neben den flüchtigen erbaulichen Momenten bewegten ihn aber Zweifel. Eine gelehrte Frau habe ich verloren und eine Fahrradflickerin bekommen! Aber dann spekulierte er für den Bruchteil einer Sekunde. ihr Mann habe unter den Strapazen der vergangenen Wochen allzusehr gelitten. der ihr eine Weile bei den Verrichtungen zusah. die Felgen geputzt und die Pedale geölt.

als wir mit dem ganzen Club. Meine Handtasche war gerade noch da. wie sie’s immer war. Da trat aus seinem Inneren ein Bild hervor. hübsch und rund: mein Schuldenberg. aber auch zur Vorbereitung neuer Erpressungen. Ganz verstehe ich es immer noch nicht. sagte er auf einmal mit entwaffnender Unbeholfenheit. Die Menschen wechseln offenbar ihr Inneres genauso schnell wie ihr Äußeres. dann hätte ich besser aufgepasst. ich muss nehmen.über Politik. Es bleibt mir keine andere Wahl.zusätzliche Marter. dass sie mir im nächsten Augenblick gestohlen würde. dass man ihm die falsche Frau nach Hause gebracht hatte. Man lädt die besten Freunde ein. unseren besten Freunden auf der Plaza Mayor - Natürlich. Sie lächelte hinter flimmernden Speichen und sagte: Genau wie seinerzeit in Madrid. was sich bietet. Mit einem Schlag hatte sein Geist die Farbe. Es stellte sich jedoch heraus. Sie stülpen sich um und bleiben doch dieselben! Mir scheint. als er bisher gedacht hatte . Da dachte der Mann der Entführten: Es muss doch wohl an mir liegen. seine Kinder und seine Vergangenheit. und er sah die Entführte in einem Kellerloch. Schon war sie weg! Und das am Morgen deines dreißigsten Geburtstags! Ausgerechnet. Ich erinnere mich. Und hätte mich nicht dies lähmende Vorausgefühl ergriffen. Du erinnerst dich? Ich hatte doch immer dies lähmende Vorausgefühl. so war’s aber. Geld. schon mit einem Anklang von gewöhnlicher Ehegattennachfrage. Also wäre die junge Fahrradflickerin am ende doch niemand anderes als meine umgestülpte Frau. ich habe da eine bestimmte Entwicklung nicht ganz mitbekommen. In Madrid? fragte der Mann. sie ist wohl die meine. War’s nicht so? So war’s doch aber. Schluss mit dem Falschspiel! Du kannst das nicht wissen. dass der echauffierte Mensch auf einmal über alles anders dachte. und irgendein Dieb ist immer darunter. Nicht du! Na. Aufhören! rief der Mann ungehalten. 3 . Ja. in ihrer Haft. Da sitzt sie nun auf meinem Bett. Er traf ihn in der Hoffnung. einen Zeugen dafür zu gewinnen. ich könnte die nie ein zweites Lösegeld bezahlen. Am Nachmittag war er mit einem guten Freund verabredet. die Richtung und sogar die Geschwindigkeit gewechselt. Ich habe weit mehr als mein Vermögen für sie geopfert. ja. den Geschmack.

Dieselbe Bemerkung kam nun von der Geschickten. Da rieb sich der Mann die Hände und sagte in einem veränderten. Zu beidem war er bereit: zu des Rätsels Lösung wie auch das Rätsel zu leben. die er seit Jahren einmal am tag auswarf und zusammen mit seiner Frau auflas. Die Stäbchen aus dem lackierten Zedernholz lagen auseinandergefallen auf dem hellen Birnbaumtisch. da sie den Arm gerade zum Spiel ausgestreckt hatte. Sie entgegnete ihm mit einem unterdrückten Fluch. Man wird sich im nachhinein fragen. und sie lächelte dazu vollkommen ungezwungen.so hatte es stets geheißen. Eines Morgens bestimmt. freiliegende Spitzen zu drücken. München/Wien. was du kannst! Dazu gab er ihr einen burschikosen Klaps auf die Schulter. Schließlich lüpfte die ruhige Hand den ranghöchsten Stab ohne die geringste Einwirkung auf die kreuzenden und überliegenden. Am Abend lud er die Geschickte zu einem Mikadospiel mit kostbaren.. So sah er die Gelehrt. Eines Morgens wird es zu einigen sich überstürzenden Ereignissen kommen. dass nichts geschah. Sie nahm ihn in die Hände und zerbrach den Mikado in stillem Unfrieden. Ihre ruhig Hand löste nun etliche Stäbe aus labilster Lage. als diese Spitze durch die linke Wange der Frau zu stoßen. 5-9 4 . Eines Tages würde sich alles klären. durch ihre Zunge zu bohren und aus der rechten Wange wieder hinaus. du kleines Rätsel. aufgeräumten Ton: Nur zu. ohne dass sich im Stapel etwas rührte. Und gänzlich ohne Bücher. Oder aber es würde sich niemals klären. Nur um füreinander die Fingerspitzen ein wenig zu sensibilisieren . Er hatte kein anderes Empfinden mehr. Nun zeig. Das Spiel mit den wertvollen Stäben war für immer zerstört. Hanser Verlag 2006. Gestoßen und gestochen. wenn seine Frau ihn zum Spiel bat und sich mit dem schiefen Lächeln einer Gelehrten eine dezente Anzüglichkeit erlaubte.. ja. uralten japanischen Stäben.Ein Stuhl. Nicht jetzt. S. Aber eines Morgens. Die unruhige Hand ergriff zitternd einen der untergeordneten Stäbe und hielt ihn wie einen Spieß umklammert. Seine unruhige hingegen war nicht einmal fähig. Nur eine Entscheidung zwischen dem einen und dem anderen konnte er sich nicht abringen. ein Schlafsack und ein Campingklo. ohne andere zu bewegen. In: Botho Strauß: Mikado. Der Mann betrachtete die nadelfeine Spitze. und so verharrte sie in der Gefangenschaft. wie es überhaupt so lange hat dauern können.

Ebendieses gefällt dem Mann überhaupt nicht. 17 ff). Des weiteren kristallisiert sich heraus. eine Frau “zurückgegeben” wird. der ihr eine Weile bei den Verrichtungen zusah. dass der Mann mit Veränderungen nur schwer zurecht kommt und am liebsten sofort wieder zur Normalität des Alltags übergehen will. nachdem er ein hohes Lösegeld für seine entführte Ehefrau bezahlt hat. seiner Textsammlung “Mikado” sinnvoll. dass die Veränderung sicher nicht beim Ehemann stattgefunden haben kann. sondern auch in anderen Werken der Textsammlung die Protagonisten mikadospielerähnliche Eigenschaften aufweisen. ist in diesem Fall eine Vorbetrachtung des Autors bzw. da nicht nur in “Die Geschickte”.B. Dieses Vorwissen vereinfacht später die Charakterisierung des Protagonisten. ob sich der Mann nun wirklich irrt oder ob die erzeugten Verwirrungen von Seiten der so krass veränderten Frau oder seiner eigenen Wahrnehmung her stammen. was dem Leser zunächst das Wirklichtsbild dessen aufzwingt. Die Kurzgeschichte ist aus der Perspektive des Ehemannes erzählt. Im Laufe der Erzählung wird klar. Nach dieser Vorbetrachtung. wie man z. Das Fahrrad kann hier auch als Symbol der Veränderung und Vergänglichkeit der Dinge gesehen werden. indem dem Protagonisten zu Beginn. ist auch nicht von großer Beständigkeit. 19 f.) erkennen kann. da Mikadospieler bekanntlich immer sehr vorsichtig. wie man an dem kurzen Monolog “Eine Fahrradflickerin! dachte der Mann. da sich diese allzu unterschiedlich im Vergleich zu den Erinnerungen des Mannes an seine Frau verhält. bei der Reparatur des Fahrrads durch die “Neue” erkennt (vgl.Bevor man nun zur Interpretation übergeht. Die darauf folgende Vorstellung mit ihr “auf große Tour” zu gehen. kann nun zur Interpretation der Kurzgeschichte übergegangen werden. Z. Eine gelehrte Frau habe ich verloren und eine Fahrradflickerin bekommen!”(Z. Die Kurzgeschichte “Die Geschickte” von Botho Strauß setzt sich mit der Wirklichkeitsfrage auseinander. Er wird sich die Frage stellen müssen. da er gleich darauf 5 . da in diesem Titel einige Hinweise auf die Charakteristik des Protagonisten zu finden sind. da er sich (Verweis: Mikadospieler) sehr vorsichtig und unauffällig handelnd durch die Geschichte bewegt. leise und unauffällig handeln. die er nicht als seine Ehefrau wiedererkennt.

Erneut fällt seine Abneigung zur Veränderung auf.Z. bis diese entführt wurde. Es folgt eine zentrale Szene der Kurzgeschichte: der Handtaschendiebstahl. indem er trotz dem Wissen. für ihn wieder an Bedeutung gewonnen hat und somit auch wieder seine aktive Beachtung. 30 ff. wohl auch ein Zeichen für den Verlust des Ehepartners auf verschiedenen Ebenen. mit der Veränderung nicht zurecht kommend. welches für die fehlende Bereitschaft oder den Mut zur Handlung stehen könnte. Nicht du!” (Z. Man könnte nun also auch davon ausgehen. Diese Stelle könnte nun als ironische Vorwegnahme der Entführung durch den Autor gedeutet werden. eher wie ein Mikadospieler. da seine Frau.bedachter Mensch. welche eigentlich zwingend wäre. gibt er die Frage an seine “neue” Frau weiter und zeigt sich folglich ziemlich hilflos. Außerdem ist das von der “Geschickten” beschriebene “lähmende Vorausgefühl” (Z.) 6 . handelt. wie schon geklärt. dass die Tasche das Symbol für die Frau. Dies lässt spätestens jetzt den Leser verwirren. 31) auf die Erzählung reagiert. da eine solche Erinnerung nur die “wirkliche” Ehefrau haben kann. und so durch seine egozentrische Lebensweise ebendiese Veränderung versäumt hat. weshalb auch der Ehemann “mit einem Anklang von gewöhnlicher Ehegattennachfrage” (Z. was der eigentliche Grund für die Anwesenheit der “Neuen” ist (vgl.in dem Fall sein Leben .39 f. Anstatt jedoch eine Entscheidung zu treffen. Dementsprechend könnte man von einer Distanzierung des Fabrikanten zu seiner Frau sprechen. die solang anhielt. der eigentlich dem Mann bezeugen soll.Zweifel hegt. Die “Neue” erzählt dem Fabrikanten von einem Handtaschendiebstahl in Madrid an seinem 30. Z.30). dass es keine “neue” Frau gibt. dass er die “falsche” Frau zurückbekommen hat. also auch eher auf sein eigenes Spiel . das nur die “echte” Ehefrau haben kann. Geburtstag (vgl. Also dient die Entführung quasi als Augenöffner für den Fabrikanten.). Z. dagegen rebelliert und schon fast verzweifelt ruft: “Das kannst du nicht wissen. auch wegen des hohen Lösegelds (“mein Schuldenberg” . da dieser ja. 22). was zur Folge hätte.53). sondern die Veränderung seiner “alten” Frau bis zur Entführung an dem Fabrikanten vorbeigegangen ist. Weiterhin wäre die Verdächtigung eines der besten Freunde ebenfalls eine Vorwegnahme des Kommenden: der Freund.

als während einem Mikadospiel die Frau plötzlich einen der sehr wertvollen Mikadostäbe zerbricht und so das komplette Spiel unbrauchbar macht (vgl. den Leser zum Nachdenken anregen.hier. Gewohnheiten aufzugeben und Veränderung zu akzeptieren.75 ff. dass daraus eine Art indirekter Appell entsteht. Zu beidem war er bereit: zu des Rätsels Lösung wie auch das Rätsel zu leben” (Z. Folglich beginnt der Mann an sich zu zweifeln und akzeptiert so langsam die geschehene Veränderung. Jedoch gibt er sich. da er auch . Doch während dieses Gedankenganges kommen ihm Gewissensbisse. Jedoch ist das nicht alles. Diese ausdrückliche und am meisten aussagende Stelle.). 7 . Z. Z.58 ff. Gegen Ende der Kurzgeschichte kommt es zum Höhepunkt der Geschichte.Nun kommt der bereits angesprochene Freund. Oder aber es würde sich niemals klären.44). dass hier noch einmal die Handlungsunfähigkeit des Mannes dargestellt werden soll. dass “[sich] eines Tages alles klären würde. Diese Einstellung zeigt erneut das Egozentrische und seine Diskursionsunfähigkeit. anstatt nun spätestens jetzt dem Spuk ein Ende zu machen. Doch was genau will uns der Autor mit dieser Geschichte zeigen? Klar. dass es eine “neue” Frau ist. das eben genannte. ein “echauffierter Mensch” (Z.). Weiterhin will er daran appellieren. soll den Leser so über das Verhalten des Mannes empören. dass er ein zweites Lösegeld nicht bezahlen könne (vgl. also selbst Flexibilität zu beweisen.54 ff). die er nach der Entführung bekommen hat. hinzu. da er tief im Inneren immer noch an eine Vertauschung der Ehefrau glaubt. die Bereitschaft zu besitzen. Darauf kommt der Mann zum ersten Mal aus seinem Alltagstrott heraus. damit zufrieden.durch seine egozentrische Haltung . der den Leser erneut verwirren soll. indem er Rachegefühle entwickelt und seiner Frau mit einer Mikadospitze die Backe zu durchstechen. Es ist offensichtlich. Jedoch handeln tut er auch hier nicht .an sein Geld denkt und feststellt. niemals so zu handeln wie der Mann. Vor allem will Botho Strauß durch die die in der Geschichte angelegten Fragen nach Wahrheit und Wirklichkeit. in einer Extremsituation. da er dem Fabrikanten nicht bestätigt.

da diese Dinge Grundlagen für das individuelle Leben und auch für das Zusammensein darstellen. Weihrauch und Myrrhe im Handgepäck und vielleicht einen Stern. Vor dem Haus fährt ein Wagen vor. “Mein Lieber. 3. Längst hat sie gelernt zu gehen wie er und beim Sprechen reißt sie die linke Augenbraue hoch. das kann sie gut.Diese Themen machen die Kurzgeschichte zu einer sehr wichtigen in meinen Augen. Die Welt ist nicht umsonst rund. sie hat keine Hand mehr frei. Es ist Zeit. 8 . die klein und weiß ist. In Schatzkisten und Kästchen wird sie seine Traurigkeit bewahren und seine Blicke unter zärtlichen Wimpern hervor. Nadja Einzmann “Es ist eines nicht wie das andere” Natürlich wird sie ihn nicht vergessen . so groß war er und so schön. Sag nichts. mehr kann sie nicht für ihn tun. Sie verschließt ihm die Lippen mit dem Mund. Von Blüte zu Blüte und von Haus zu Haus muss sie ziehen.Aber. Adieu zu sagen ist nie leicht. dass ihm die Tränen in die Augen treten.wer würde einen solchen Mann vergessen? Und will es auch nicht. Was wäre. nein. von seinem stolzen Gang und seinen unzähligen Gesichtern: Da gab es einmal einen. In einem Zelt sitzen. Kindern und Kindeskindern wird sie von ihm berichten. er würde es nicht anders machen. Fast möchte sie . so lebendige Lippen. wird sie sagen. Sie erinnert sich gerne. und wusste sie es nicht? “Gib mir deine Hand!” Sie liest ihm ein Leben aus seiner Lebenslinie. ein Glas Wasser. soll er doch später einmal vorbeikommen. Wie soll sie ihn jetzt umarmen. Ihr Bündel ist gepackt. und eine Hand an der Klinke. dann spreche ich weiter. vom Sandsturm umtost. du wirst mein Liebster bleiben!” Er hat so süße Lippen. Er muss verstehen. Sie wird mit Armen und Fingern erzählen. und es wachsen Menschen auf allen Kontinenten. was kann es Schöneres geben? Und bitte. das würde ihr gefallen. wenn sie zu liegen käme auf einer Bahre und sie in die großen hungrigen Kinderaugen nichts hineinerzählen könnte? So aus einer Welt gehen mit rein gar nichts auf der Hand. und einen Samen legen in so ein kleines kindliches Herz. das wünscht sie ihm nicht und sich nicht. Ist es der? Fragt er und schaut aus dem Fenster. er hätte euch gefallen. Lernen und sich Kostbarkeiten aus dem Unrat klauben: Augenblicke. Seid so lieb.

da die Frau mit einer Biene verglichen wird. Durch die personale Erzählweise wird bewirkt.Einer. Einen Sandsturm wünscht sie sich als sie geht. diese Stimme süß und rau. Geschichten von der Liebe”..und ihm wünscht sie es auch (vgl. Sie wird es lernen.9) und ihren Drang damit rechtfertigt. Und dass er keine Lippen hat und kein Ohr für sie. innere Widersprüche und auch Wirklichkeitswahrnehmung anschneiden und den Leser dazu bringen. und wenn er geht.). sich teilweise mit ihr zu identifizieren.12). als ob die Frau sich auf den Abschied von ihrer großen Liebe vorbereitet. zielt auf die Problematik der Wirklichkeitswahrnehmung ab. Fischer Verlag GmbH. [ziehen muss]” (Z. und hört schon das Sausen und Brausen. etwas erlebt zu haben . es wird ein nächster kommen und ein nächster. Doch würde er das wirklich tun? Diese erzwungene Frage. dass die Widersprüchlichkeit der Frau aufgedeckt werden kann. Z. da zunächst eine schwärmerische Ausdrucksweise benutzt wird (vgl. Weiterhin rechtfertigt die Frau ihr Verhalten damit. über ebendiese nachzudenken. Frankfurt am Main In der Kurzgeschichte “Es ist eines nicht wie das andre” von Nadja Einzmann aus dem Jahr 2001 geht es um eine Trennung einer Frau von ihrem Geliebten. trägt er die Last der Welt auf seinen Schultern. Anfangs scheint es so. Nicht schöner als du. Einmal so gehen. sagt sie. dass sie mit dem Wissen sterben will. 2001 S.1-7). die “von Blüte zu Blüte . Aus: Nadja Einzmann: “Da kann ich nicht nein sagen. nicht klüger. Die Autorin will mit ihrer Geschichte Themen wie Gefühlsverwirrung. dass sich der Leser kein klares Bild über die Trennung machen kann. Also rechtfertigt sie quasi ihr Verhalten durch Rücksichtnahme auf das Leben ihres 9 . dass der Leser die innere Bewegung der Frau miterlebt und so dazu gezwungen wird. Jedoch wird recht schnell deutlich. dass ihr Geliebter an ihrer Stelle dasselbe tun würde (vgl.9 f. was dazu führt. Jedoch ist die Geschichte so erzählt. Nur dieser Ton. Z. und was er erzählt ist nicht wichtig.. auf die die Autorin keine Antwort gibt. Z. dass das anfängliche Bild zu trügen scheint.

von ihrem Geliebten zu erzählen (vgl.15). nachdem er sie mit Lebenserfahrung.3). dass eine gemeinsame Zukunft nicht ausgeschlossen ist. Jedoch wird nicht beschrieben. als sie sich selbst in einem Zelt sitzend beschreibt und von einem Sandsturm umtost wird. Ein Abschied. 18). eingehen kann. im bildlichen Sinne gesprochen. einem Symbol für die Zukunft. wie in der Weihnachtsgeschichte (vgl. sich und ihm aber gleichzeitig keine gemeinsame Zukunft zugesteht. Z. Z. ohne darüber Bescheid zu wissen. dass er wieder verschwindet.16 f. Z. ob dies auch der Realität entspricht. da die Frau in der Kurzgeschichte eher nur solange “nimmt”. Man findet sich mitten im Abschied. dass bei diesem sehr emotionalem Abschied. 22).Partners. Hier wird die Frage nach der Wirklichkeitswahrnehmung durch ihre innere Widersprüchlichkeit ergänzt. Es ist wahrscheinlich.). Ob sich das miteinander vereinen lässt. vor der Tür schon der nächste auf die Frau wartet (vgl. indem sie sich zuerst vornimmt. da sich 10 . da auch ein Sandsturm immerfort in Bewegung ist. beschenkt hat. so dass der Leser davon ausgehen muss. Damit könnte die Autorin an das “Geben-und- Nehmen”-Prinzip einer Beziehung appellieren. Es folgt ein Bruch in der Geschichte und man wird aus der Gedankenwelt der Frau zurück in die Gegenwart geholt (vgl. die hier zum Vorschein kommt. um ihr Geschenke und einen Stern mitbringt. der einmal vorbeikommt. bleibt offen. Außerdem wünscht sie sich einen König. der zwar etwas Beendendes hat. nicht auf die Gefühle oder Bedürfnisse des Partners eingeht bzw. ihren Kindern. Z.29). Z. zeigt sich im nächsten Abschnitt.9). Weiterhin möchte Frau Einzmann wohl an den Sinn des Lebens aufmerksam machen. Z. dass der Besucher bleibt. Erneut wird im letzten Satz das Bild des Sandsturms aufgegriffen (vgl. dass die Frau durch ihre egozentrische Verhaltensweise. Z. Das Widersprüchliche ist. bis sie zur nächsten “Blume weiterfliegt”. deren sie sich zumindest teilweise bewusst ist. Dass sie das Abenteuer liebt. welches für die Abenteuerlust der Frau steht und wohl auch für ihre stetig anhaltende Veränderung. jedoch irgendwie die Hoffnung lässt. da sie sich sonst nicht zu rechtfertigen versuchen würde. Gleichzeitig möchte sie aber auch ihre Erfahrung an Kinder weitergeben (vgl. um ebendiese zu einer erlebnisreicheren zu machen (vgl. Es ist ein zärtlicher Abschied.

innere Widersprüchlichkeit und die Gefühlsverwirrung angeschnitten. ist dieses Werk ein wertvollen und weiterempfehlenswertes. jedoch auch.die Protagonistin mit diesem Thema ebenfalls beschäftigt. dass jeweils die Problematik anhand von Liebesbeziehungen dargestellt wird. überdenkenswert ist. das Ziel verfolgt haben. So ist die Problematik der Wirklichkeitswahrnehmung ein zentraler Punkt. Meiner Meinung nach ist diese Kurzgeschichte sehr aussagekräftig und regt zum Nachdenken an. dass beide einige Parallelen aufweisen. Auffällig ist auch. Weiterhin ist auffällig dass diese thematisierte Veränderung jeweils mit Bildern für Bewegung . ebenfalls in beiden Fällen. die noch in der Selbstfindungsphase sind. die jeden Menschen. weil sie den Leser verwirrt. 11 . einher mit der Thematik der Veränderung geht. kann man nun auch sagen. geführt werden kann. Außerdem will die Autorin aufzeigen. Der Leser wird in dieser Kurzgeschichte dazu verleitet über die Grundlagen für Beziehungen nachzudenken. Außerdem werden die oben bereits genannten Themen wie Wirklichkeitswahrnehmung. 4. trotz eher gegensätzlicher Charaktere.unterstützt ist. dass beide Autoren. Durch diese Erkenntnis. dass die Art und Weise. sozusagen symbiontisch. vor allem jüngere. über die Grundlagen einer Beziehung nachzudenken. nicht zuletzt. betreffen und beschäftigen. welche. zum anderen der Sandsturm . Da Themen angesprochen werden. ist es offensichtlich. dass Veränderung nötig ist. um ein lebenswertes Leben führen zu können. den Leser dazu zu animieren. die Wahrnehmung der Wirklichkeit aufgegriffen.zum einen das Fahrrad. Vergleich der beiden Kurzgeschichten Nach der Interpretation der beiden Kurzgeschichten. unabhängig voneinander. wie man ein solches Leben führt. da nur so eine Beziehung zum Vorteil beider. Zum Beispiel wird.

Um jedoch nicht nur Gemeinsamkeiten aufzuzählen.Weiterhin kann man erkennen. Vor allem durch ihre verwirrende Darstellung. weil diese Kurzgeschichten mich selbst zum Nachdenken angeregt haben. Beeindruckend ist auch. kommt man nicht daran vorbei. Fazit Mir persönlich hat diese Arbeit sehr gut gefallen. auf der anderen Seite aber auch. welche ich persönlich besonders herausfordernd fand. zum anderen ist das Verhältnis der beiden Hauptakteure insofern verschieden. sich über angesprochene Probleme Gedanken zu machen. Philipp Deuchler 12 . dass beide Kurzgeschichten allgemein der Selbstfindung dienen sollen. werden nun noch einige auffällige Unterschiede der beiden Kurzgeschichten genannt. 5. dass allein durch die richtige Sprachwahl. die jedoch überwiegen. dass in der einen Geschichte der Protagonist die handelnde Person ist und in der anderen die passive. wohingegen bei Strauß ein neues entsteht. Auf der einen Seite deshalb. weil ich mich wohl sonst nie so intensiv mit Modernen Kurzgeschichten beschäftigt hätte. dass in Einzmanns Geschichte ebendieses beendet werden soll. ein Mensch dazu bewegt werden kann. Zum einen fällt auf. sein Leben zu überdenken und es eventuell sogar zu verändern.

“Neue kurze Prosa” (Ausgabe: November 2007.Quellen: Praxis Deutsch. Jahrgang) 13 . 34.