Sie sind auf Seite 1von 5

Mifegyne (Mifepristone)

Stand / Letzte Aktualisierung durch Elisabeth Rieping 04.11.2007

Mifepristone auch Mifegyne genannt, ist ein Progesterongegenspieler, der als Abtreibungspille auf dem Markt ist. Ich habe aber noch einen
weiteren Progesterongegenspieler gefunden, der wesentlich leichter zu erhalten ist, und zwar sowohl als Chemikalie als auch als Medikament.

Progesterongegenspieler

Er könnte aber auch zur Vorbeugung beim erblichen Brustkrebs nützlich sein. Und zur Behandlung von Brustkrebs unter bestimmten Umständen.
Und wenn eine Frau wegen befallener Lymphknoten Brustkrebsmetastasen befürchtet oder schon hat, kann sie auch mit ihrem Gynäkologen
besprechen, ob dieses verschreibungspflichtige Medikament für sie nicht von Nutzen sein könnte.

Denn wie unten beschrieben scheinen Brustdrüsenzellen von Frauen mit einer Mutation für erblichem Brustkrebs dauernd viel mehr
Progesteronrezeptoren zu haben. Und zwar schon bevor der Brustkrebs ausbricht.

Normalerweise zeigen die Brustdrüsenzellen diese Rezeptoren nur in einer kurzen Zeitphase des Monatszyklus.

Progesteron ist nämlich ein Hormon, das nicht immer, sondern hauptsächlich in der zweiten Zyklushälfte der Frau ausgeschüttet wird, besonders
stark aber während der Schwangerschaft. Vermutlich deshalb zeigen die Brustdrüsenzellen auch nicht immer Rezeptoren, die mit diesem Hormon in
Kontakt treten.

Das scheint durch die Mutation, bei den Trägerinnen, die mit diesen Mutationen leben und oft an erblichem Brust-, Eierstock- oder Darmkrebs
erkranken, anders zu sein. Hier zeigen sich die Progesteronrezeptoren, auch außerhalb der üblichen Zeit, verstärkt auf den Brustdrüsenzellen und
können mit Progesteron in Kontakt treten.

Dazu diese Arbeit http://www.nzz.ch/2006/12/13/ft/articleEPWO5.html, in der dieser Sachverhalt beschrieben wird, Neue Zürcher Zeitung,
Brustkrebs durch ständige Hormonwirkung? 13. Dezember 2006, Science 314, 1467-1470 (2006).

Deshalb waren diese Mäuse vielleicht besonders empfindlich für Progesteron und das könnte natürlich auch bei Menschen mit dieser Mutation der
Fall sein.
Die Mäuse wurden wirksam mit dem Progesteron-Hemmer Mifepristone, hier Abtreibungspille, und unter ihrem Produktnamen Mifegyne genannt,
behandelt.

Die Frau hat in anderen, als den üblichen Zyklusphasen gar nicht viel Progesteron im Blut, außer wenn sie schwanger ist, und deshalb könnten die
Progesteronrezeptoren sich oft ohne Folgen ins Blut strecken, weshalb Frauen mit dieser Mutation auch früher sehr viel seltener Brustkrebs
bekamen als heute.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten eine Veränderung der Milchproduktion erlebt, die zu einem Anstieg von Schwangerschaftshormonen in der
Milch führen geführt hat, nämlich die Angewohnheit, schwangere Kühe zu melken und die Kühe zu einer erhöhten Milchproduktion mit
zusätzlichen Hormonen zu bringen.

Da der Progesterongehalt in der Milch so angestiegen ist, könnte das auch ein Grund dafür sein, dass Brustkrebs bei Frauen mit erblichem
Brustkrebs in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen ist. Früher erkrankte nur ein viel kleinerer Teil der Frauen mit diesen Mutationen, wie
Mary-Claire King schon vor einigen Jahren nachgewiesen hat.

Es könnte bedeuten, dass für Frauen mit erblichem Brustkrebs Progesteron besonders gefährlich ist und eine von Milchprodukten freie Diät und die
Behandlung mit Mifepristone sinnvoll sein könnte.

Vielleicht auch für andere Frauen, denn Brustkrebs ist allgemein epidemieartig angestiegen.

Bei Metastasen oder befallenen Lymphknoten

Auch bei Metastasen könnte man Mifegyne versuchen. Zum Beipiel in Kombination mit Antiöstrogenen, besonders solchen wie dem bewährten
Tamoxifen, das auch gegen die Stimulation von Hormonrezeptoren wirkt.

Es könnte eine schonende und auch nicht teure Behandlung sein, die auch keinen Krankenhausaufenthalt nötig macht. Mifepristone ist als Mifegyne
in der Apotheke erhältlich und erfordert keinen Klinikaufenthalt. Man kann es einnehmen. Es ist verschreibungspflichtig und es darf auf keinen Fall
in unbefugte Hände fallen, weil es Schwangerschaften beendet.

Wenn man Metastasen hat, kann man selbst beurteilen, ob Medikamente vielleicht in Kombination mit einer entsprechenden von
Milchprodukten freien Diät wirken, indem man die eigenen Symptome, wie z.B. Knochenschmerzen, beobachtet. Denn es muss ja nicht
jeder Tumor gleich reagieren. Und wenn es einer Frau nichts nützt, ist es sinnlos, auch noch auf viele leckere Sachen zu verzichten. Aber
siehe weiter unter, man kann seine Zellen auch auf den Progesteron-Rezeptoer alpha testen lassen, hoffe ich, und dann über eine Mifegyne
Behandlung nachdenken.

Zur Vorbeugung

Besonders wenn man die BRCA1 Mutation oder die BRCA2 Mutation hat, sollte man die Möglichkeiten von Mifegyne in Kombination mit einer
milchproduktfreien Diät zu nutzen versuchen.

Wie das in Bezug auf andere Mutationen und den epidemischen Brustkrebs aussieht, kann man leider nicht sagen, weil es nicht untersucht ist.

Da aber beide Brustkrebsarten ähnlich angestiegen sind, ist es nicht unmöglich, dass sie ähnlich auf die Progesterone und ihre Hemmer reagieren
und auch auf eine milchproduktfrei Diät.

Weitere Untersuchungen der Mifegyne Wirkung bei BRCA1 und BRCA2

Eine neue Arbeit zur Vorbeugung von Brustkrebs bei BRCA1: [ Science. 2006 Dec 1;314(5804):1370. Prevention of Brca1-mediated mammary
tumorigenesis in mice by a progesterone antagonist.] Poole AJ 2006

Und endlich die Arbeit von Mote PA 2004 , die ich leider nicht früher gefunden habe, über die Progesteron-Rezeptor alpha Ansammlung bei beiden
BRCA Mutationen. [Artikel falsch verlinkt, muss neu recherchiert werden.]

Oft wird nur BRCA1 untersucht und mit BRCA 2 steht man dann da und fragt sich, was ist mit mir? Hier wurden Gewebe von Frauen mit beiden
Mutationen untersucht. Bei einer Frau natürlich nur eine.

Und da zeigte sich, dass im Brustgewebe bei beiden Mutationen schon bevor der Krebs entsteht der Progesteronrezeptor alpha überwiegt und
sich ansammelt.

Beide Mutationen sind also demnach durch ein Fehlen von Progesteronrezeptor beta und ein Überwiegen von Progesteronrezeptor alpha
gekennzeichnet.

Was das bedeutet und wie es mit der Krebsentstehung und Entwicklung zusammmenhängt, muss noch untersucht werden. Es ist wichtig, die
unterschiedlichen Funktionen beider Progesteronrezeptoren zu erforschen.
Es könnte auch für die Behandlung Konsequenzen haben, wenn man bedenkt, dass der Progesteronggenspieler Mifegyne die Entwicklung von
Brustkrebs bei Mäusen mit BRCA1 völlig unterdrücken konnte. Wobei die Entstehung und Behandlung von Krebs natürlich verschiedene Schuhe
sind. [Medikalsierung!]

Die BRCA-Proteine sind auch bei Menschen ohne erbliche Mutation oft verändert, jedoch nicht durch eine erbliche Mutation, sondern durch andere
Einflüsse. Ein Hinweis darauf könnte eine solche Ansammlung von Progesteronrezeptor alpha sein. Ob es bereits untersucht ist, weiss ich nicht.
Aber ich suche danach.

Ist ein Versuch mit Mifegyne nur bei Frauen mit BRCA1-Mutation sinnvoll?

Auch der Rezeptor für den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor IGF ist in Brustkrebszellen von Frauen mit BRCA1-Mutation erhöht. Und wenn man
das BRCA1-Gegenprodukt zugibt, geht diese Erhöhung zurück. Maor S 2007 [Cancer Lett. 2007 Nov 18;257(2):236-43. Epub 2007 Sep 4: Elevated
insulin-like growth factor-I receptor (IGF-IR) levels in primary breast tumors associated with BRCA1 mutations]. Sie könnte also eine Folge der
Ansammlung des Progesteronrezeptors alpha sein, die bei der BRCA1- und auch BCA2-Mutation auftritt. Mote PA 2004 [Artikel falsch verlinkt,
muss neu recherchiert werden].

Die Frage, die sich im Anschluß wieder stellt, ist, wie sieht es beim nicht mutationsbedingten Brustkrebs aus. Sind auch da die BRCA-Proteine
nicht funktionsfähig oder die Gene stillgelegt? Bei denjenigen Frauen, bei denen das der Fall ist, könnte Mifegyne auch etwas bewirken.

In der folgenden Arbeit wird gezeigt, dass ein Protein - nämlich MAGE-D1 - das durch ein funktionierendes BRCA2-Gen stabilisiert wird, durch
ein mutiertes Gen jedoch nicht, auch in vielen Brustkrebszelllinien von vermutlich sporadischem Brustkrebs nicht stabilisiert ist. Tian XX 2005
[Cancer Research 65, 4747-4753, June 1, 2005, BRCA2 Suppresses Cell Proliferation via Stabilizing MAGE-D1 Xin-xia Tian]. Dies könnte
darauf hinweisen, dass auch beim "Feld-, Wald-, und Wiesenbrustkrebs" das BRCA-2 Gen nicht so funktioniert, wie in der gesunden Zelle.
In der Untersuchung war das bei 6 von 16 untersuchten Zelllinien der Fall, also bei mehr als einem Drittel. Das heißt natürlich nicht, dass sich auch
hier der Progesteronrezeptor alpha ansammelt. Aber man kann seine Zellen ja auf den Progesteronrezeptor alpha untersuchen lassen.

Und wenn man sich entschließt, einen Behandlungsversuch mit Mifegyne zu machen, sollte man seine Zellen mittels Vakuumbiopsie entnehmen
und auf den Progesteronrezeptor alpha untersuchen lassen. Die Betonung liegt dabei auf alpha. Denn der Progesteronrezeptor beta ist ja etwas
anderes und soll in auch in Zellen mit BRCA1-Mutation fehlen. Siehe oben.
Bei vielen Untersuchungen, in denen einfach der Progesteronrezeptor untersucht wird, kann man mit dem Ergebnis nichts anfangen, weil die beiden
Arten nicht unterschieden wurden. Man sollte also gezielt nach der Ansammlung von Progesteronrezeptor alpha suchen lassen. Ich hoffe, dass es im
Einzelfall möglich ist, damit man unnötige Behandlungsversuche vermeiden kann.

Über die Nebenwirkung von Mifegyne nach Informationen von ProFamilia [Webseite liegt bei Netdoctor].

Bei Katzen wird Mifegyne-Derivat gegen Fibroadenome, also gutartige Brusttumore, mit großem Erfolg eingesetzt. Es heißt dort Aglepristone,
Markenname Alizin, und wird den Tieren gegen die Brusttumore in einer Dosierung von zweimal 10 mg Aglepristone pro Kilo im Abstand von 24
Stunden gegeben. Das vollständige Verschwinden dauert mehrere Wochen.

Ein 90 kG schwerer Mensch bräuchte also 900 mg. Bei Schwangerschaftsabbrüchen gibt man 600mg Mifepristone. Nur mit dieser Dosierung gibt
es also beim Menschen viel Erfahrung. Vielleicht sollte man deshalb zunächst mit dieser Dosierung anfangen.

Untersuchungen der Mifegynewirkung auf Brustkrebszellen im Labor

An Zellen kann man eine tödliche Wirkung der Kombination von Antiöstrogenen und Antiprogesteronen auf Brustkrebszellen zeigen. Schoenlein
PV 2007 [Int J Oncol. 2007 Sep;31(3):643-55. Downregulation of retinoblastoma protein is involved in the enhanced cytotoxicity of 4-
hydroxytamoxifen plus mifepristone combination therapy versus antiestrogen monotherapy of human breast cancer]. Dabei bewirkt das Mifegyne
die Herunterregulierung des Retionoblastomproteins und das soll den Brustkrebszellen den Tamoxifentod bringen.

Schoenlein: From these studies, we conclude that Rb protein downregulation is required for 4-OHT-treated, estrogen receptor positive (ER+) breast
cancer cells to undergo active cell death.

We discuss the potential of using an antiprogestin such as MIF plus antiestrogen treatment to more effectively downregulate Rb in ER+ breast
cancer cells to increase the overall cytotoxic action of hormonal therapy.

[Eine etwas kürzere Version dieser Inhalte hatt Elisabeth Rieping auch auf ihrer Indexseite veröffentlicht.]

Permalink Archive.org: http://web.archive.org/web/20071216011318/http://www.erieping.de/mifegyne_oder_mifepristone.htm