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Die geheime Kraft von Aikido

J APAN

Für den Kampfsport braucht man keine Bärenstärke, sondern nutzt geschickt die Energie des Gegners.

I der Theorie wirkt Aikido, die japanische Kampfkunst, recht freundlich: „Kämpfe

niemals gegen einen Feind, sondern passe dich deinem Gegner an, als wäre er dein Freund“, lautet ein Aikido-Prinzip. Die Praxis sieht auf den ersten Blick weniger friedfertig aus: Der Angreifer packt den Gegner am Handgelenk, verdreht dessen Arm mit Schwung. Darauf gibt der Gegner der Bewe- gung scheinbar nach, kommt ihr sogar Bruch- teile von Sekunden zuvor – um dann doch dem Angreiferer zu entgleiten und sich zu wehren: Er packt blitzschnell ein Bein des Ag- gressors und zwingt diesen zum Boden – falls der nicht selbst geschickt ausweicht.

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Den Gegner entmutigen

Figuren wie Hebel, Salti und Würfe wechseln einander während eines Kampfes unzählige Male ab. Wer Aikido nicht kennt, guckt un- gläubig, wenn sich die Kämpfer danach höf- lich verneigen und mit heilen Gliedern von der Matte spazieren. Laien vermuten rasch ir- gendeinen Trick. Aikido-Meister Maik Gräfe von der Ersten Aikidoschule Dresden lächelt dann und verweist auf die Prinzipien der Kampfkunst: „Aikido lehrt, uns nicht von den Problemen in Konfrontationen überrennen zu lassen, sondern die Möglichkeiten der Situati- on geschickt zu unserem Vorteil zu nutzen“, sagt er. Für Ralph Jäckel, den Vorsitzenden des Aikido-Verbandes Sachsen, beginnt Aiki- do sogar vor dem Handgemenge: „Wer eine solche Ausstrahlung hat, dass Streitigkeiten gar nicht erst aufflammen, der lebt Aikido.“ Diese Aura zu verströmen, schaffen nur Meister – und das erst nach jahrzehntelangem Training. Und so müssen sich Aikidokas – so heißen Aikido-Übende – den Respekt hand- greiflich verdienen. Die Technik liefert ihnen dazu das Handwerkszeug. Aikido gilt unter den japanischen Selbstverteidigungstechni-

Aikido gilt unter den japanischen Selbstverteidigungstechni- DIE AIKIDO-AUSRÜSTUNG Trainiert wird meist in weißer Hose

DIE AIKIDO-AUSRÜSTUNG

Trainiert wird meist in weißer Hose und Jacke, auch im Judo-Anzug (ab 30 Euro). Farbige Gürtel werden je nach Graduierung des Kämpfers getragen. Höhere Grade tragen über dem Anzug einen schwarzen oder dunkel-

blauen Hosenrock (Ha- kama; Foto). Ab welcher Graduierung ein Haka- ma getragen werden darf, regeln Aikidover- bände unterschiedlich. Waffen kommen nach

Interesse und meist in extra Lektionen zur Verwendung: Der Stock (Jo), 125 bis 130 Zentimeter lang , im Internet ab 11 Euro. Das rund ein Meter lange Schwert (Bokken), Nachbildung echter Schwerter, im Internet ab 11 Euro und im Handel etwa 30 Euro. Das Messer (Tanto), 30 bis 40 Zentimeter lang, kostet im Internet ab 5 Euro (kat.)

bis 40 Zentimeter lang, kostet im Internet ab 5 Euro (kat.) „Schöne Kunst“: Sarah Leipert und
bis 40 Zentimeter lang, kostet im Internet ab 5 Euro (kat.) „Schöne Kunst“: Sarah Leipert und

„Schöne Kunst“: Sarah Leipert und Gerhard Strauss sagen, sie seien durch das regelmäßige Aikido-Training gelassener und besonnener geworden.

Beide lernen seit Jahren in der Aikidoschule in Dresden die asiatische Kampfkunst.

Foto: Ronald Bonss

ken als die effektivste – obwohl sie defensiv ausgeübt wird. Die Regel lautet: Aikidokas su- chen den Kampf nicht, weichen ihm aber auch nicht aus. Die Methode steht in der Tradition alter Samuraitechniken. Ziel ist, die Gewalt- spirale vor und während des Angriffs zu un- terbrechen und den Gegner von der Sinnlosig- keit seiner Attacke zu überzeugen. Das Ergeb- nis eines Kampfes ist Kontrolle, nicht die Ver-

Das Ergeb- nis eines Kampfes ist Kontrolle, nicht die Ver- KONTAKTE In Dresden: Aikidozentrum, Tel. (0351)8035330,

KONTAKTE

In Dresden: Aikidozentrum, Tel. (0351)8035330, www.aikido-dresden.de; Erste Aikidoschule, Tel. (0351)311 53 40, www.aikidoschule-dresden.de; Takebayashi e.V., Tel. (0351)25029 03, www.takebayashi-dojo.de; Shinki Rengo, Tel. (0351)8580864, www.shinki-dresden.de; Tao Ryu Aikido, Tel. (0351)4700137, www.aikido.jp.pn. In Bautzen (ab Juli): PSC Bautzen e.V., Tel.

(03591)604277.

Verbände: Bundesverband für Aikido in Deutsch- land (www.Bundesverband-aikido.de), Landessport- bund Sachsen (www.sport-fuer-Sachsen.de), Deut- scher Aikidobund (www.aikido-bund.de), Bundes- verband der Aikidoschulen (www.bdas.de), Aikido- Union Deutschlands e.V. (www.aikido-union.de). Un- ter www.aikido-sachsen.de finden sich Infos über die sächsische Aikidoszene in Vereinen. www.aikidoin- fo.de ist ein europaweiter Aikidoserver. Magazin: www.aikidojournal.de (kat)

nichtung des Feindes. Darauf legte der Be- gründer des Aikido, O-Sensei Ueshiba Mori- hei (1883 – 1969), höchsten Wert. „Aikido ist keine Methode, sich rasch ein paar Tricks zu ergattern, um sich herumprügeln zu können“, sagt auch Gräfe, Träger des dritten Meister- grades (Dan). Zehn Grade gibt es insgesamt. Aikido-Prinzip ist, die Kraft des Gegners auszunutzen: „In jedem Angriff stecken Ener- gie und eine Seele, derer man habhaft zu wer- den versucht – und zwar für eigene Zwecke“, drückt es Jäckel aus. Sein Schüsselerlebnis hatte er gleich zu Beginn der Aikido-Lehre. „Als ich einen Meister angriff, bekam ich ihn nicht zu packen. Es war, als würde ich versu- chen, einen überdimensionalen Ball unter Wasser zu drücken. Er entglitt mir immer wie- der“, erinnert sich Jäckel. Das liegt an der Me- thode: Der Verteidiger lenkt die Energie des Angriffs über Kreis- und Spiralbahnen auf den Aggressor zurück. So bringt er den Angreifer aus dem Gleichgewicht und zu Boden – um dann dort mit Griffen für Kontrolle zu sorgen. Wer diese Technik beherrschen will, muss regelmäßig trainieren. Und da der Ferne Os- ten keine scharfe Trennung zwischen Geist und Körper kennt, gehören Atem- und Medi- tationsübungen ebenso dazu wie Gesten des Respekts gegenüber dem Gegner. Bei den Übungen übernimmt abwechselnd ein Part- ner die Rolle des Angreifers, der andere die des Verteidigers. Trainiert wird gemischt, un-

abhängig von Alter, Geschlecht und Gewicht. Nur kleine Kinder üben in extra Gruppen. Der Einsatz von stilisierten Waffen wie Schwert oder Stock ist im Training gang und gäbe:

„Wer zusätzlich mit Waffen aus Holz übt, ver- bessert das Verständnis für die Technik von Aikido“, sagt Gräfe. Fitness und Geschmeidig- keit stellen sich beim Training rasch ein, be- stätigt Sarah Leipert aus Dresden. Sie übt seit einem Jahr, sei „zielgerichteter, ehrgeiziger und gelassener“ dadurch geworden. Gerhard Strauß, seit elf Jahren Aikidoka, geht heute „besonnener mit Schwierigkeiten um“.

Bärenkräfte braucht es nicht

Manche spotten, Aikido sei ein Esoteriker- Sport, mit dem man nach zehn Jahren etwas anfangen könne, dann aber nicht mehr wolle. Auch wenn sie übertreiben: Aikido-Kämpfer lernen, mit Geist und Körper die Kräfte des Gegners für sich zu nutzen. Auch deshalb ist dieser Sport für Leute geeignet, die nicht über Bärenkräfte verfügen. Sie können sich damit gegen schwere Angriffe wehren – selbst wenn es bei Aikido-Meistern nur selten zu solchen kommt: Wer Aikido trainiert, strahlt Gelas- senheit, Fitness und Sicherheit aus: das schreckt potentielle Angreifer oft von vornhe- rein ab. Auch wegen dieser Aura, die Aikido- Kämpfer umgibt, zählt Tobias Hänsel, Trainer aus Bautzen, Aikido zu den „schönen Künsten der Welt“. Katlen Trautmann

Sonnabend/Sonntag

2008

26./27. April

Notiert
Notiert

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Open-Air Zeltausstellung vor der Dresdner Hütte

Zum Auftakt der Camping-Saison veranstaltet der Dresdner Bergsportladen „Die Hütte“ er- neut eine Ausstellung von Outdoor-Zelten im Freien. Diese findet am Sonnabend, den 3. Mai, sowie am 14. Juni von 9 bis 16 Uhr auf der Bautzner Straße 39 in der Dresdner Neu- stadt statt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Familienzelten. (SZ)

ADFC-Faltblatt gibt Tipps zum richtigen Kauf des Kinderrads

Rosa sollte es sein, am besten noch mit einem Wimpel: Kinder suchen sich ihr Rad nach an- deren Kritierien aus als Eltern. Worauf diese beim Kauf eines Kinderfahrrads achten soll- ten, hat jetzt der Allgemeine Deutsche Fahr- rad-Club (ADFC) in einem Faltblatt zusam- mengefasst. Auf acht Seiten informiert die Broschüre über Rahmengröße, die richtige Technik, Zubehör und Sitzhaltung. (SZ) Das Faltblatt „Fahrradkauf kinderleicht“ des ADFC kann im Internet über www.adfc.de, Rubrik „Ver- kehr“, Unterpunkt „Mobil mit Kind und Rad“ he- runtergeladen oder über die E-Mail-Adresse kon- takt@adfc.de kostenlos bestellt werden.

Studie belegt: Tanzen kann Alterungsprozesse stoppen

Wer sich regelmäßig auf dem Tanzparkett be- wegt, hat Spaß, bleibt fit – und hält Alterungs- prozesse im Körper auf. Das sagt der Allge- meine Deutsche Tanzlehrer Verband (ADTV) und verweist auf eine Studie der Ruhr-Uni-Bo- chum: Dieser zufolge fördere Tanzen auch „soziale Kontakte in Verbindung mit emotio- nalen und auch erotischen Komponenten“ – und damit „einzigartig alles, was für Körper und Gehirn im Alter wichtig ist“. (SZ)

Nach dem Sport nicht zu lange mit der Mahlzeit warten

Nach dem Sport ist den Wenigsten sofort nach Essen zumute. Dennoch sollte man nach ei- nem Waldlauf oder einem Tennismatch nicht allzu lange mit der nächsten Mahlzeit warten, sagt die Berliner Sport- und Ernährungsmedi- zinerin Susanne Wiesner. Denn die erschöpf- ten Energiedepots des Körpers müssen wieder mit Nährstoffen gefüllt werden. Wer dies ver- säumt, riskiere Leistungseinbußen und einen Abbau der Muskelmasse. Ideal sei, schon in der ersten Stunde nach dem Sport wenigstens eine Kleinigzeit wie einen Quark zu essen:

Nach dem Sport braucht der Körper in erster Linie Eiweiß. (ddp)

Schwangerschaftsstreifen mit Aminosäuren vorbeugen

Wer sich ausgewogen ernährt und viele Ami- nosäuren und Vitamin C zu sich nimmt, kann der Bildung von Schwangerschaftsstreifen bis zu einem gewissen Grad vorbeugen. Eine sol- che Ernährung unterstütze die Kollagenbil- dung und die Elastizität des Bindegewebes, so die Kölner Hautärztin Anne Hundgeburth. Zusätzlich regten fruchtsäurehaltige Pflege- präparate den Hautstoffwechsel an. Während ein Baby im Bauch heranwächst, vermindern hohe Östrogenspiegel die Elastizität der Haut. Durch die schnelle Dehnung des Bindegewe- bes kann es zu Rissen der Fasern im Unter- hautfettgewebe kommen, die als breite, blau- rote Streifen sichtbar werden – und in Form heller Streifen vorhanden bleiben. (AP)

In einer Woche
In einer Woche

In

einer

Woche

Auf unserer nächsten Wohlfühlseite kom- menden Sonnabend lesen Sie zum Thema „Mode & Schönheit“ alles über Jeans-Trends und wie Sie die passende Hose finden.

FITNESS

Wer auf Hüpfstelzen durch die Welt zieht, trainiert jede Partie.

Sachsen sieht man sie noch selten. An-

ders in Hamburg. Wer an der Außenalster

spazieren geht, wird immer wieder von Sprin- tern überholt, die mit energischen Riesen- schritten vorbeirasen. Denn hier treffen sich regelmäßig Hüpfstelzenfans, um ihrem fe- dernden Hobby nachzugehen. Einer davon ist Niklas Dziobek. „Das macht unheimlich Spaß“, schwärmt er. „Auf Stelzen entdeckt man die Welt ganz neu, fast wie ein Kind“. Der 21-jährige Sportstudent nimmt seit knapp ei- nem Jahr an dem offenen Hüpfstelzen-Lauf- treff „Bouncen in Hamburg“ teil. Der Wun- derschuh, der das „bouncen“ (engl.: to bounce = hüpfen, springen) ermöglicht, besteht aus einer Halterung mit Schnallen, einer bewegli- chen Aluminium-Stelze mit Gummifuß und einem stabilen Fiberglas-Stab, der beim Auf- prall durchgebogen wird, ohne zu brechen. Diese federnde Konstruktion schnallt man an Füßen und Unterschenkeln fest.

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Trampolin unter den Füßen

und Unterschenkeln fest. I n Trampolin unter den Füßen ein Stück Kuchen verspeist, ohne aus dem

ein Stück Kuchen verspeist, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten. Man müsse sich nur daran gewöhnen, dass die abgerundeten Gummifüße an den Stelzen keinen ruhenden Stand zulassen, sondern man immer leicht in Bewegung bleiben muss, erklärt der angehen- de Sportwissenschaftler.

Unter den Hamburger Bouncern sind viele Experimentierfreudige, die mit hohen Sprün- gen und spektakulären Salti das sonntägliche Publikum an der Alster beeindrucken. Andere möchten durch das Laufen mit den Stelzen eher ihre Fitness verbessern. „Um sich auf den Stelzen aufrecht zu halten, muss man seinen

Ein Mann springt in Hamburg an der Außen- alster mit Hüpfstelzen in die Luft. Foto: ddp

Beim Gehen fühlt sich das ein bisschen so an, als hätte man ein Trampolin an den Füßen. Je nach Körpergewicht gibt es verschiedene Stelzenmodelle. Die leichtesten Hüpfer dürfen 30 Kilo wiegen, und bis 120 Kilo sind der Sprungkraft keine Grenzen gesetzt. Man sollte den Stelzenlauf erst einmal testen, bevor man sich für den Kauf der Stiefel entscheidet. Man- che Fachgeschäfte haben dazu eigens Probier- paare auf Lager. Das Gehen auf Hüpfstelzen selbst lernt man schnell. „Der Bewegungsab- lauf auf den Stelzen ist dem normalen Gehen sehr ähnlich. Nach spätestens 20 Minuten ge- lingt es den meisten Anfängern, den Höhen- unterschied zu vergessen und sich freihändig darauf fortzubewegen“, sagt Dziobekes – zu- mal es immer genügend Laternenmasten, Straßenschilder oder Bäume gibt, an denen man sich zwischendurch festhalten kann. Dziobekes selbst spaziert inzwischen so sicher auf den Hüpfstelzen umher, dass er nebenbei

Körper perfekt ausbalancieren. Nicht nur die Beine, auch die Rückenmuskulatur und die Bauchmuskeln sind ständig in Aktion und werden effektiv trainiert“, erklärt Dziobek. Auch für die Stärkung der Ausdauer eigne sich das Laufen mit Sprungstelzen. Das Gewicht von bis zu fünf Kilo pro Stelze sorgt für den zu- sätzlichen Trainingseffekt. Menschen mit Hö- henangst ist die sprunghafte Sportart aller- dings nicht unbedingt zu empfehlen: Auf Hüpfstelzen für Erwachsene wandelt man bis zu 40 Zentimeter höher über dem Boden als gewöhnlich. „Trotzdem sind die Stürze von Sprungstelzenläufern selten dramatisch, da man wie beim Gehen intuitiv richtig fällt“, sagt Niklas Dziobek. Auf Schutzkleidung soll- te man daher nicht verzichten. Handgelenk- schoner, Ellenbogenschützer und ein Helm gehören zur Ausrüstung der Bouncer. Die Knie sind beim Sturz außerdem durch einen gepolsterten Bügel geschützt. (ddp)