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Literatur

Universität ……………………..
Lage...........

FAKULTÄT……………………………………………………………………
…………..

DISSERTATION

Das Kind in der deutschen und rumänischen


Phraseologie und Parömiologie

Lehrer-Koordinator,
………………………...

Αbsolvеnt,

…………………………………

1
Bukarest
2014

Inhaltsverzeichnis

Einführung...................................................................................03-04

Kapitel I
I. Phraseologismen als Untersuchungsgegenstand
1.1. Begriffsbestimmung Phraseologismus vs. Phraseologie…………........05-11
1.2. Phraseologie im engeren Sinne und Phraseologie im weiteren Sinne.
Eigenschaften von Phraseologismen.............................................................11-14
1.3. Klassifikation der Phraseologismen.......................................................15-20

Kapitel II
II. Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten.
Gemeinsamkeiten vs. Besonderheiten
2.1. Punkt.......................................................................................................21-00
2.2. Punkt.......................................................................................................00-00
2.3. Punkt ......................................................................................................00-40

Kapitel III
III. Redensarten und Sprichwörter mit der Komponente „Kind“
im Deutschen und Rumänischen
3.1. Übersicht über die Materialgrundlage....................................................41-00
3.2. Darstellung der vorgeprägten Ausdrucksformen und Sprichwörter......00-00
3.3. Vorkommende phraseologische Typen..................................................00-00
3.4. Versprachlichte Inhalte..........................................................................00-57

Schlussfolgerungen.....................................................................58-59

Literaturverzeichnis....................................................................59-60

2
Einführung

Die Phraseologie, die relativ junge Wissenschaft von den Phrasemen, ist zu Recht ein
zentraler Zweig moderner linguistischer Forschung und Lehre. Denn ihr Forschungs- und
Lehrgegenstand, das Phrasem, gehört zu unserem Sprachalltag wie die Schwalbe zum
Sommer“(Donalies 2009, 1).

Im ersten Schritt der Leser damit vertraut gemacht ist, freie und feste Wortverbindungen
zu bestimmen, den Begriff eines Phraseologismus zu definieren und den
Untersuchungsgegenstand der Phraseologie festzulegen. Es wird auf die immer noch
existierenden terminologischen Probleme hingewiesen. Im nächsten Schritt werden detailliert
die morphologischen, syntaktischen, pragmatischen sowie weitere Definitionskriterien der
festen Wortverbindungen (pragmatische, illokutionäre und situative Fixiertheit, Idiomatizität,
Polylexikalität, Reproduzierbarkeit und Gebrauchsfrequenz) beschrieben, wobei der
syntaktischen Anomalie und der transformationellen Defektivität eine besondere
Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Anschließend werden die wichtigsten Klassifikationstypen der deutschen


gemeinsprachlichen Phraseologie analysiert: Erstens werden die Idiome vorgestellt, die
jüngste diesbezügliche Theorie von Dobrovol‘skij/ Piirainen beleuchtet und die
Errungenschaften in diesem Forschungsbereich genannt. Zweitens werden die aktuellen
Forschungsprobleme der Kollokationen besprochen, drittens die Sprichwörter, wobei
akzentuiert wird, dass die Sprichwortforschung der phraseologischen Forschung zugeordnet
wird, die Parömiologie also Bestandteil der phraseologischen bzw. phraseographischen
Forschung geworden ist. Viertens werden die Kinegramme analysiert, die in der Sprache eine
auβerordentlich wichtige Rolle als non-verbale Kommunikationsmittel erfüllen, fünftens die
Routineformeln, ohne die eine Kommunikation zwischen den Kommunikationspartnern
erschwert wäre und schlieβlich, sechstens, die phraseologischen Vergleiche, die es erlauben,

3
zusammen mit Idiomen und Sprichwörtern ein sprachliches Weltmodell einer Nation zu
erarbeiten.

Raum und Zeit haben als die beiden Variablen zu gelten, derer sich
Humanwissenschaften kaum gänzlich entziehen können. Für die Phraseologieforschung gilt
jedoch, dass der zeitlichen Dimension weitaus mehr Beachtung geschenkt wird als der
räumlichen. In zuverlässigen Darstellungen (theoretischer oder praktischer, z. B.
phraseographischer Art) wird der diachronische Aspekt berücksichtigt, indem das Veralten
oder in Mode kommen eines Phraseologismus dokumentiert wird (z. B. "antiquiert",
"Neologismus"); diatopische Markierungen finden sich hingegen zumeist nicht.
Phraseologieforschung in historischen.

Die traditionelle Phraseologieforschung geht von der Vorstellung eines homogenen


Bestandes an Phraseologismen, oberhalb einer regionalen Ebene, d. h. von einer
Gleichsetzung von (National-) Sprache und Raum (in dem diese Sprache gesprochen wird).
Raum und Zeit haben als die beiden Variablen zu gelten, derer sich Humanwissenschaften
kaum gänzlich entziehen können. Für die Phraseologieforschung gilt jedoch, dass der
zeitlichen Dimension weitaus mehr Beachtung geschenkt wird als der räumlichen. In
zuverlässigen Darstellungen (theoretischer oder praktischer, z. B. phraseographischer Art)
wird der diachronische Aspekt berücksichtigt, indem das Veralten oder in Mode kommen
eines Phraseologismus dokumentiert wird (z. B. "antiquiert", "Neologismus"); diatopische

Markierungen finden sich hingegen zumeist nicht. Phraseologieforschung in historischen.


Die traditionelle Phraseologieforschung geht von der Vorstellung eines homogenen
Bestandes an Phraseologismen, oberhalb einer regionalen Ebene, d. h. von einer.
Gleichsetzung von (National-)Sprache und Raum (in dem diese Sprache gesprochen
wird)aus. Gerade für eine Sprache wie Deutsch, das historisch auf einer Reihe von Dialekten
basiert, ist dieses Konzept nicht haltbar. Die Dialekte haben deutliche Spuren in der
Phraseologie sowohl der Schriftsprache als auch der standardnahen, mündlich gebrauchten
Umgangssprachen hinterlassen. Andererseits wird beobachtet, dass bestimmte
Phraseologismen in weit größeren Sprachräumen als dem einer Einzelsprache existieren.

Phraseologieforschung in europäischen Bezügen und darüber hinaus steht ebenfalls noch


am Anfang und verlangt nach sorgfältigen empirischen Erhebungen. Ziel dieses Beitrags ist
es, auf die Problemkomplexe und Forschungslücken zunächst einmal hinzuweisen.

4
Kapitel I
I. Phraseologismen als Untersuchungsgegenstand

1.1. Begriffsbestimmung Phraseologismus vs. Phraseologie

Mit dem Thema der Phraseologieforschung beschäftigen sich seit dem 19. Jahrhundert die
russischen Linguisten, die nach Eckert (1979, S. 74 zitiert nach Krohn 1994, S. 13) dazu
beigetragen haben, dass „das Russische (…) heute wohl zu den vom Standpunkt der
Phraseologie am besten beschriebenen Sprachen in der Welt“ gehört.
1982 hebt Fleischer in „Phraseologie der deutschen Gegenwartsprache“ hervor, dass
„(…) die Phraseologie als wissenschaftliche Teildisziplin [der Linguistik] (…)
außerordentlich jung [ist] (…)“1 und ihre Entwicklung ist der sowjetischen
Sprachwissenschaft zu verdanken. Obwohl das wichtigste Werk zur Klassifizierung der
Phraseologismen nach dem Grad der Motiviertheit schon 1909 von Charles Bally „Traité de
stylistique française“ verfasst wurde, wird es erst von Russe Viktor Vinogradov (1946)
aufgegriffen und gründlich verarbeitet, so Fleischer. Heute beschäftigen sich zwar viele
Linguisten mit der Phraseologieforschung, die maßgebenden Werke stammen aber nach
Gréciano (1983, S. 232 zitiert nach Krohn 1994, S. 14) von Burger et al. „Handbuch der
Phraseologie“ (1982) und Fleischer „Die Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache“
(1982). Bemerkenswert sind auch die jährlichen Tagungen der Europäischen Gesellschaft für
Phraseologie „EUROPHRAS“2, die alle neuesten Beobachtungen zur Phraseologiforschung
in den Sammelbänden anbietet, so Krohn3.
Die Lehre, die sich mit der Forschung der Phraseologismen befasst, heißt Phraseologie.
Da aber sowohl in der Phraseologieforschung als auch in den Nachschlagewerken „ein
wahres terminologisches Chaos“ herrscht, ist die Bestimmung vom Wesen des
1
Fleischer W, Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. M. Niemeyer, Tübingen. 1982, Seite 10
2
www.europhras.org
3
zitiert nach Krohn 1994, Seite 14

5
Phraseologismus nicht einfach, so Pilz. In Langenscheidt Großwörterbuch ist ein
Phraseologismus: „eine idiomatische Wendung z. B. j-m e-n Korb geben = j-s Angebot
ablehnen“ und im Duden Wörterbuch (vgl.: www.duden.de) „[ein] Idiom.
Synonyme zu Phraseologismus: Fügung, Idiom, Redewendung, Sprichwort, Wendung“.
Obwohl die Begriffsdefinition von Idiom nach Duden (ebd.) eindeutig ist: „eigentümliche
Wortprägung, Wortverbindung oder syntaktische Fügung, deren Gesamtbedeutung sich nicht
aus den Einzelbedeutungen der Wörter ableiten lässt, z. B.
Angsthase = sehr ängstlicher Mensch“, stellen Synonyme zu Idiom, wie z.B.: „feste
Verbindung, feste Wendung, [Rede]wendung, Wortgruppe; (Sprachwissenschaft) Fügung,
idiomatische Wendung, Kollokation, Phraseologismus, Wortfügung, Wortgruppenlexem“
(ebd.) nur Teilsynonyme dar, die als Bedeutungserklärung von Synonym nicht gelten können.
Nach Palm können Phraseologismen nicht nur „(…) in System und Satz Funktion und
Bedeutung einzelner Wörter übernehmen (…), [sondern auch als] ein Mittel zur Erweiterung
des Wortschatzes (…)“4 angesehen werden. Charakteristisch für Phraseologismen ist auch
„(…) Bennenung (Nomination) und Verarbeitung der Welt in der menschlichen
Sprachtätigkeit (…) [z.B.:] Emotionen, Einstellungen, [oder] (negative) Verhaltensweisen
(…)“, so Palm (ebd.). Die Sprachwissenschaftler wie Burger oder Fleischer definieren die
Phraseologismen wie folgt:
a) „Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn (1) die
Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht
voll erklärbare Einheit bilden, und wenn (2) die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft
wie ein Lexem gebräuchlich ist. Die beiden Kriterien stehen in einem Bedingungsverhältnis:
wenn (1) zutrifft, dann auch (2), aber nicht umgekehrt“ (Burger et al. 1982, S. 1 zitiert nach
Krohn 1994, S. 16).
b) „(…) [Phraseolexeme sind] Wortverbindungen mit wenigstens e i n e m
Autosemantikon [d. h. mit einem Wort, das eigene Bedeutung hat, wie z. B. „Buch“ oder
„Kalender“. Der Gegenbegriff ist Synsemantikon, dessen Bedeutung vom Satz ableitbar ist,
z. B.: „dieses“ oder „dieser“ (ESB)], die alle drei Hauptmerkmale aufweisen: Idiomatizität
(vollständig oder teilweise), Stabilität (unikale Komponente, syntaktische oder
morphologisch-flexivische Anomalie oder transformationelle Defektivität) [und]
Lexikalisierung. Dazu tritt als syntaktisches Strukturmerkmal: nicht geprägte Sätze.“. 5

4
Palm, Ch.,Phraseologie. Eine Einführung. G. Narr, Tübingen, 1997, Seite 1
5
Fleischer Wolfgang, Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. M. Niemeyer, Tübingen. 1982, Seite 72

6
Wie Krohn betont, „decken sich [Fleischers Phraseolexeme] mit Burgers
Phraseologismen im engeren Sinne“.6 Beide Linguisten bestimmen aber Definition von
Phraseologismus nach semantischen und syntaktischen Kriterien. Als Gegenbegriff zum
Phraseologismus nennt Burger „freie Wortverbindung“, die im Gegensatz zur „feste[n]
Wortverbindung(…)“ 7wortwörtlich verstanden werden kann.
Damit der Unterschied zwischen Phraseologismen und freien Wortverbindungen sowie
Sätzen erläutert werden kann, sollen die wichtigsten Eigenschaften der phraseologischen
Wortverbindungen, nämlich Polylexikalität, Festigkeit, Idiomatizität, Lexikalisierung und
Reproduzierbarkeit näher betrachtet werden.
Polylexikalität ist ein Merkmal vom Phraseologismus, das die untere und obere Grenze
von Phraseologismus bestimmt, so Burger8. Nach Burger, besteht ein Phraseologismus
mindestens aus zwei Wörtern, wobei die Sprachwissenschaftler nicht einig sind, ob es um
zwei „(…) Autosemantika (wie Öl, geben) und/oder Synsemantika (wie an, und)“ 9 geht. Die
obere Grenze von Phraseologismus wird hingegen von einem Satz bestimmt, wobei die sog.
„Sagwörter (oder Wellerismen)“ auch als Phraseologismen angesehen sein können
(ebd.). Wellerismen („Wellerismus“ nach Samuel Weller in Charles Dickensʼ Pickwick
Papers“10 sind erweiterte Sprichwörter mit einem zusätzlichen Kommentar des Erzählers wie
z. B.: „Das ist eine Versuchung, sagte der Hofprediger, und erlag ihr“ 11 oder „Was ich nicht
weiß, macht mich nicht heiß, sagte der Ochse, als er gebraten wurde“ 12 . Wie Burger
hervorhebt, können die längere Texte als „Sagwörter“, wie z. B. Gedichte oder Gebete nur
dann als Phraseologismen gelten, wenn sie nicht von einer Person, sondern von ganzen
Gruppen auswendig gelernt und im Alltag verwendet werden.
Zusammenfassend können die phraseologischen Wortverbindungen in Form einer
Nominalphrase „Peter baut das Haus. → a) Der Bau des Hauses durch Peter. b) Das Bauen
des Hauses durch Peter. c) Der Hausbau durch Peter.“13, eines Satzes „Gelegenheit macht
Diebe“ 14 oder Adverbiale „hin und her“ (ebd.) im Text auftreten.

6
Krohn 1994, Seite 16
7
N.Burger, Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. E. Schmidt, Berlin,2007, Seite 12
8
N.Burger, Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. E. Schmidt, Berlin,2007, Seite 15
9
N.Burger, Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. E. Schmidt, Berlin,2007, Seite 14-15
10
Palm, Ch.,Phraseologie. Eine Einführung. G. Narr, Tübingen, 1997, Seite 4
11
Brecht, Mutter Courage zitiert nach Palm 1997, Seite 4
12
N.Burger, Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. E. Schmidt, Berlin,2007, Seite 15
13
Fleischer W, Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. M. Niemeyer, Tübingen. 1997, Seite 58
14
N.Burger, Phraseologie. Eine Einführung am Beispiel des Deutschen. E. Schmidt, Berlin,2007, Seite 12

7
Festigkeit/Fixiertheit/Stabilität. Das nächste Kriterium der Abgrenzung der
Phraseologismen von den freien Wortgefügen bildet die Fästigkeit, die von Burger (2007, S.
31) „relative“ Festigkeit genannt wird.
Obwohl viele Phraseologismen in verschiedenen Varianten auftreten können, z. B.:
„große (dicke) Töne reden (schwingen), jd (etw) durch (in) den Schmutz ziehen/ jd (etw) in
den Schmutz treten, keine Ruhe geben (lassen), jm eine (ein paar) runterhauen, (…)“ (Palm
1997, S. 29), verursacht der Prozess der Phraseologisierung, dass sie nur in einer bestimmten
Wortverbindung gekannt und gebraucht sind.
Wie die Forschungsberichte der Sprachwissenschaftler zeigen (vgl. Fleischer 1982, S.
41), können die Komponenten der Phraseologismen weder nach Belieben durch ihre
„territoriale Doubletten“ ersetzt werden, wie z. B.: „die Treppe hinauffallen, nicht Stiege;
zuerst vor seiner eigenen Tür kehren sollen, nicht fegen; den Rahm abschöpfen, nicht die
Sahne“ (Palm 1997, S. 30) noch als veränderte Phraseologismen abgerufen werden, wie z.B.:
„1 Da drücken wir Ihnen alles Gute. 2 Beispiele aus den Haaren saugen. Schließlich kann ich
nicht zwei Fliegen auf einmal dienen.“ (Burger 2007, S. 18).
Wie am obengenannten Beispielen zu sehen ist, fungieren Phraseologismen im
Bewusstsein der Sprecher „(…) ähnlich wie ein Wort“ und deswegen können sie nur in
solcher Wortverbindung abgerufen werden, in welcher sie im Allgemein bekannt sind
(Burger 2007, S. 18). Es bedeutet, dass die nicht korrekt angewendeten Phraseologismen, wie
z .B.: „1 Da drücken wir Ihnen alles Gute. [oder] 2. Beispiele aus den Haaren saugen.“,
werden nach Burger (2007, S. 18) fast automatisch als zwei verschiede Phraseologismen von
den Deutschsprachlern erkannt, d. h.: „1 (…) jmdm. den Daumen drücken/ jmd alles Gute
wünschen (…) [und] 2 (…) sich etw. aus den Fingern saugen und etw. an den Haaren
herbeiziehen (…)“ (ebd.).
Die Festigkeit der Phraseologismen verursacht, dass die unikalen Komponenten wie z.B.:
„gang und gäbe“ (Burger 2007, S. 12) oder „jm Fersengeld geben, (…), frank und frei“ (Palm
1997, S. 30) noch heutzutage verwendet sind, obwohl sie als veraltend oder seltenes
Wortschatz klassifiziert sind (vgl.: www.duden.de). Der Festigkeit wegen zeichnen sich auch
Phraseologismen durch verschiedene Anomalien aus, d. h.
Irregularitäten und Beschränkungen (vgl.: Burger 2007, S. 20; Palm 1997, S. 31). Als
Beweis für Irregularität gilt nach Burger (2007, S. 20-21) z. B. die „Einfrierung“ der heutigen
Lexik „in der älteren Form (…)“, wie etwa „auf gut Glück - unflektiertes attributives
Adjektiv; in (des) Teufels Küche kommen - vorangestelltes Genitivattribut (…)“; oder das
Abweichung der Verben von ihrer üblichen Valenz, was der Fall beim Verb fressen im
8
Phraseologismus „an jmdm. einen Narren fressen“ ist (das Verb bekommt noch zusätzliche
Ergänzung, d.h. ein Präpositionalobjekt „an jmdm.“). Sowohl Burger (2007, S. 22-23) als
auch Fleischer (1982, S. 41) präsentieren in ihren Untersuchungen, dass weder
morphologisch-syntaktischen noch lexikalisch-semantischen Modifikationen in allen
Phraseologismen durchgeführt werden können. Am Beispiel des Phraseologismus „Das ist
kalter Kaffee“ 'das ist längst bekannt, uninteressant'“ (Burger 2007, S. 22) wird gezeigt, dass
sowohl durch die syntaktische Modifikation „Der Kaffe ist kalt“ als auch durch die
morphologische Veränderung „Das sind kalte Kaffees“ die idiomatische Bedeutung des
Phraseologismus verloren geht. Zum gleichen Ergebnis können nach Burger (2007, S. 23 ff.)
auch semantisch-lexikalischen Änderungen führen, was am Beispiel des Phraseologismus
„Die Flinte ins Korn werfen → das Gewehr ins Korn werfen, die Flinte in den Hafer werfen“
veranschaulicht wird (vgl. dazu noch Fleischer 1982, S. 41).
Einerseits kann nicht jede Komponente nach Belieben durch ein anderes Synonym ersetzt
werden, andererseits tritt aber nach Burger (2007, S. 25) die Mehrheit der festen
Wortverbindungen nicht in „eine[r] vollständig fixierte[n] Nennform“ auf, sondern erscheint
in den zahlreichen, lexikalischen Variationen und Modifikationen (mehr dazu: Fleischer
1997, S. 205 ff., Dobrovol΄skij 1988, S. 161 ff. und Hyvärinen 1996, S. 409 ff. zitiert nach
Burger 2007, S. 25-26). Infolgedessen sind nach Burger (2007, S. 25-28) sowohl
verschiedene Variationen, d. h. „usuelle Erscheinungen“, wie etwa: seine Hand/ seine Hände
im Spiel haben (…), bis an/ über den Hals in Schulden stecken, (…) sich etw. im Kalender
anstreichen/ sich etw. rot im Kalender anstreichen, (…) jmdm./ für jmdn. eine Extrawurst
braten, (…) mit beiden Beinen/ Füßen im Leben/ [fest] auf der Erde stehen, (…) auf dem
aufsteigenden/ absteigenden Ast sitzen, (…) sich jmdm. in den Weg stellen, jmdm. im Wege
stehen, jmdm. aus dem Wege gehen (…)als auch Modifikationen, d. h. „(…) die
okkasionelle[n] für die Zwecke eines Textes hergestellte[n]“ Phraseologismen, wie etwa:
„Schlechter Rat ist teuer“ (statt: „Guter Rat ist teuer“) möglich mehr dazu siehe auch
Fleischer 1982, S. 70-72).
Idiomatizität Das nächste Kriterium für Abgrenzung der festen Wortverbindungen von
den freien Wortverbindungen ist Idiomatizität (vgl. Fleischer 1982, S. 35; Burger 2007, S.
31). Nach Burger/ Buhofer/ Sialm (vgl.: „Handbuch der Phraseologie“ 1982, S. 1 zitiert nach
Burger 2007, S. 32) ist eine Wortverbindung als „phraseologisch“ zu verstehen, wenn ihren
Sinn erstens direkt von der Zusammenfügung der Komponenten nicht abgeleitet werden kann
und zweitens wenn die Bedeutung eines Phraseologismus durch ein Lexem im Satz ersetzt
werden kann: Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn
9
(1) die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung
nicht voll erklärbare Einheit bilden und wenn (2) die Wortverbindung in der
Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem, gebräuchlich ist.
Die Idiomatizität (im engeren Sinne) bedeutet nach Burger (2007, S. 11) die Diskrepanz
zwischen der wörtlichen und phraseologischen Bedeutung eines Phraseologismus. Mit den
anderen Worten, je größer der Diskrepanz zwischen der wörtlichen und phraseologischen
Bedeutung ist, desto schwerer ist der geborgene Sinn der Äußerung von den einzelnen
Komponenten herzuleiten ist (Burger 2007, S. 31).
Beispiele für vollidiomatische Phraseologismen sind: „Öl ins Feuer gießen 'einen Streit
noch verschärfen(…)', jmdm. einen Korb geben 'jmds. Heiratsantrag ablehnen; jmdn.
abweisen' (…), gang und gäbe sein 'allgemein üblich sein'“ (Burger 2007, S. 11); oder
„Gustav hat bei seinem Vater einen Stein im Brett (…) 'bei jmdm. sehr beliebt sein, sich
jmds. Wertschätzung erfreuen'“ (Fleischer 1982, S. 35). Die teilidiomatische
Phraseologismen behalten nach Burger (2007, S. 32) nur zum Teil ihre idiomatische
Bedeutung bei. In der Redewendung „einen Streit vom Zaun brechen“ ist die Komponente
„einen Streit“ wortwörtlich aber „vom Zaun brechen“ idiomatisch zu verstehen. Im
Gegensatz dazu bleibt in den nicht-idiomatischen Phraseologismen „(…) keine oder nur
minimale semantische (…)“ Diskrepanz, wie z. B. im „sich die Zähne putzen“, so Burger
(2007, S. 32).
Im semantischen Sinn ist die Idiomatizität der Gegenbegriff zur Motiviertheit (vgl.
Burger 2007, S. 69), weil in den motivierten Phraseologismen „(…) die Bedeutung (…) aus
der freien Bedeutung der Wortverbindung oder aus den Bedeutungen der Komponenten
verstehbar ist“, so Burger (2007, S. 69).
Palm (1997, S.10) hebt hervor, dass die idiomatische Bedeutung der Phraseologismen
unterschiedlich in den verschiedenen Ländern sein oder noch zusätzliche Bedeutungen haben
kann. Beispielsweise bedeutet die Redewendung „jn auf die Schippe nehmen“ im
Ungarischen „jn feuern“, im Deutschen aber „sich über jn lustig machen, jn veralbern“. Der
Phraseologismus „ins Gras beißen“ hat im Deutschen nur eine idiomatische Bedeutung:
„sterben“ im Schwedischen jedoch zwei: „sterben“ und „scheitern, misslingen“, so Palm
(1997, S. 10).
Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit Lexikalisierung und Reproduzierbarkeit gelten
neben Polylexikalität, Festigkeit und Idiomatizität als nächste Merkmale des
Phraseologismus.Unter dem Terminus Lexikalisierung versteht man (vgl. Fleischer 1982, S.
67; Palm 1997, S. 36) die Einspeisung der Phraseologismen als Lexikoneinheiten im Lexikon
10
und die Berücksichigung ihrer „(…) semantischen, syntaktischen, stilistischen und
pragmatischen Aspekte“ (vgl. Koller 1977, S. 87). Bemerkenswert ist, dass die
Lexikalisierung der Phraseologismen nur dank ihrer Idiomatizität und Stabilität möglich ist
(vgl. Fleischer 1982, S. 69), wobei die Lexikalisierung der Wörter „das Normale“ im Fall der
Wörter ist, so Fleischer (1982, S. 67). Im Gegensatz zu einzelnen Lexemen können
Phraseologismen nach ihrer Lexikalisierung nicht mehr den syntaktischen Regeln zufolge in
einer Aussage „produziert“, sondern nur als „fertige lexikalische Einheit reproduziert“
werden, so Fleischer (vgl. 1982, S. 67).

1.2.Phraseologie im engeren Sinne und Phraseologie im weiteren Sinne.


Eigenschaften von Phraseologismen

1.3. Klassifikation der Phraseologismen

In der Vergangenheit wurde versucht, die Phraseologismen zu klassifizieren15. Aufgrund ihrer


sehr heterogenen Beschaffenheit erweist sich die Gruppierung nach einem einzigen Kriterium
als sehr schwierig und auch nicht sinnvoll. Deshalb werden heute vorwiegend semantisch-
syntaktisch-pragmatische Mischklassifikationen vorgeschlagen16. Ziel von Klassifikationen
ist es, einen Überblick über die verschiedenen Erscheinungen zu bekommen und zu
bestimmen, welche Phänomene man zu den Phraseologismen rechnet und welche nicht.
Anhand der Basisklassifikation von Burger, auf die sich die Arbeit im Folgenden bezieht, soll
eine kurze Übersicht zur Orientierung gegeben werden, bevor eine Abgrenzung des eigenen
Materials erfolgt.

Basisklassifikation nach Burger17

Burger unterscheidet referentielle, strukturelle und kommunikative Phraseologismen. Die


weitaus größte Gruppe bilden die referentiellen Phraseologismen. Sie beziehen sich auf
15
Vgl. dazu ausführlicher Fleischer et al. 2001: 3-16.
16
Eine Übersicht über verschiedene Klassifikationen gibt z. B. Fleischer 1997: 110-123.
17
Burger 2007: 36ff.

11
Objekte der realen oder fiktiven Welt, auf Eigenschaften, Geschehnisse oder Sachverhalte,
und unterteilen sich des Weiteren in nominative und propositionale Phraseologismen. Dabei
bezeichnen nominative PHRn satzgliedwertige Verbindungen mit Bezeichnungsfunktion und
die propositionalen PHRn satzwertige (oder textwertige) Verbindungen mit Aussagefunktion.
Es ergibt sich folgendes Schema:

Referentielle Phraseologismen

Zu den nominativen PHR zählt die große Gruppe der Idiome und Teil-Idiome, die als
Kernbereich des phraseologischen Bestandes bereits erwähnt wurden. Sie sind
deckungsgleich mit den Phraseologismen im engen Sinn. Verschiedene Begriffe existieren
hier nebeneinander. Einige Autoren benutzen alternativ den Begriff Phraseolexem18. Burger
bezeichnet Idiom als den gegenwärtig geläufigsten Terminus für die idiomatischen
Wortverbindungen19. Im HSK wird Phraseolexem (PL) sogar als älterer Terminus bezeichnet,
der sich nicht durchsetzen konnte20. Als Hommage an die Leipziger, in der Tradition von
Fleischer stehende Phraseologieforschung soll hier dennoch dem Begriff Phraseolexem für
idiomatische und teilidiomatische Verbindungen der Vorzug gegeben werden21.

18
Zum Beispiel Fleischer et al. 2001.
19
Burger 2007: 38.
20
HSK 2007: 5.
21
Zu Vor- und Nachteilen des Terminologiegebrauchs vgl. Häcki Buhofer/Burger, in: FLuL 21: 11-32.

12
Zu den nominativen Phraseologismen gehören nach Burger auch die Kollokationen, die er im
Sinne von Gläser (1990) und Feilke (1994, 1996) als alle nicht- bzw. schwach-idiomatischen
Phraseologismen verstanden wissen will.
Zu den propositionalen PHR sind laut Burger zu rechnen:

- Sprichwörter (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.) und Gemeinplätze (Andere
Länder, andere Sitten.)22,
- feste Phrasen, welche sich auf die Situation oder auf die vorangehenden Äußerungen
des Gesprächspartners beziehen und z. B. mit deiktischem Element,
z. B. da, an den Text angeschlossen werden (Da brat mir einer einen Storch!).
- feste Phrasen, die von Fleischer auch „festgeprägte prädikative Konstruktionen“
genannt werden und welche ein Subjekt und ein Prädikat enthalten und durch die
Besetzung der freien Stelle der Valenzstruktur an den Text angeschlossen werden
(jmdm. wird die Milch sauer).

In anderen Klassifikationen werden die festgeprägten prädikativen Konstruktionen mit zu den


Phraseolexemen gerechnet23 oder die hier als feste Phrasen und durch deiktisches Element an
den Text angeschlossene bezeichneten Phraseologismen zu den so genannten Routineformeln
oder kommunikativen Formeln gezählt. Letztendlich ist nicht entscheidend, welche Termini
oder Klassifikationen Verwendung finden, sondern dass sie adäquat beschrieben werden.

22
Zum Unterschied zwischen Sprichwort und Gemeinplatz vgl. Burger 2007: 42.
23
Zum Beispiel Fleischer 1997: 68; Wotjak/Heine, in: DaF 2005: 145.

13
Kommunikative Phraseologismen

Gemeint sind nichtidiomatische Formeln, die Funktionen bei der Herstellung, beim Ablauf
und beim Abschließen von Sprechakten erfüllen. Dazu gehören z. B. die Tischformeln (bon
appétit !, hat es geschmeckt?).

Strukturelle Phraseologismen

Die strukturellen Phraseologismen sind nach Burger „die kleinste und am wenigsten
interessante“ Gruppe24. Sie haben eine innersprachliche Funktion und stellen grammatische
Bezüge her. Als Beispiele nennt er sowohl... als auch... und in Bezug auf.

Spezielle Klassen

Als spezielle Klassen, die strukturelle Besonderheiten aufweisen, sind an dieser Stelle die
Paarformel/Zwillingsformel/phraseologisches Wortpaar bzw. les constructions parallèles/
binômes/groupes binaires/doublets und die phraseologischen Vergleiche/komparativen
PHRn bzw.  les comparaisons zu nennen, die im untersuchten Korpus recht häufig auftreten.

Die Zwillingsformeln, um bei der Terminologie von Burger zu bleiben, sind PHRn, die aus
zwei Wörtern der gleichen Wortart oder auch zweimal demselben Wort bestehen und mit
einer Konjunktion (z. B. und) oder einer Präposition zu einer paarigen Formel verbunden
werden. Die Reihenfolge ist nahezu nicht abänderbar, was auch damit zusammenhängt, dass
die Glieder oft rhythmisch oder klanglich gebunden sind25. Idiomatizität liegt nicht
zwangsläufig vor. Es handelt sich um PHRn folgender Strukturtypen:

(17) weder Fisch noch Fleisch;


(18) bei jmdm. ist Hopfen und Malz verloren;

24
Burger 2007: 37.
25
A. a. O.: 46.

14
(19) qui vole un œuf, vole un bœuf
wörtlich: Wer ein Ei klaut, klaut auch ein Rind.
dt.: Wer einmal klaut, klaut immer. Oder: Man kehrt immer zu alten
Gewohnheiten zurück.;
(20) ménager la chèvre et le chou
wörtlich: es der Ziege und dem Kohl recht machen
dt.: unterschiedliche Interessen/Dinge unter einen Hut bringen; es allen recht
machen.

Die komparativen PHRn sind durch einen festen Vergleich gekennzeichnet, „der häufig der
Verstärkung eines Verbs oder Adjektivs dient, die selbst in ihrer freien Bedeutung verwendet
sind“26. Das sind z. B. folgende Konstruktionen:

(21) jemanden ausquetschen wie eine Zitrone;


(22) etw. ist klar wie Kloßbrühe;
(23) qqn est rouge comme une tomate
wörtlich: jmd. ist rot wie eine Tomate (also: sehr rot);
(24) retourner qqn comme une crêpe
wörtlich: jmdn. umdrehen wie einen Crêpe
dt.: jmdn. herumkriegen/überreden.

Es gibt verschiedene Bezeichnungen für die Komponenten, aus denen ein komparativer PHR
besteht. Nach der hier zugrunde liegenden Terminologie von Burger ist für einen Vergleich
ein Vergleichsempfänger (quelqu’un/jemand), ein Vergleichsspender (tomate/Tomate) und
das so genannte Tertium Comparationis (rouge/rot) notwendig, d. h. dasjenige Merkmal, das
beide zu vergleichenden Objekte eint. Hinzu kommen meist ein Vergleichssignal
(comme/wie) und ein Verb (meist être/sein).
Idiomatizität liegt nicht in jedem Fall vor. Vergleiche dienen häufig der Intensivierung des
Gesagten oder der Steigerung der Expressivität. Meistens werden durch sie negative
Wertungen zum Ausdruck gebracht27.

26

Ebd.
27
Vgl. Fleischer et al. 2001: 15.

15
16