Sie sind auf Seite 1von 5

1.1. Was ist Linguistik?

LINGUISTIK ist eine neuere, auch internationalere


Bezeichnung für den herkömmlichen Begriff SPRACHWISSENSCHAFT.
Sprachwissenschaft (= Linguistik) ist die Wissenschaft von der Sprache und den Sprachen.
Sprache ist etwas, das alte Aspekte des menschlichen Lebens durchdringt und somit in den
vielfältigsten Zusammenhängen eine wesentliche Rolle spielt.
1.2. Der Gegenstand der Linguistik
1.2.1. SPRACHE ALS ALLTAGSBEGRIFF
Die Sprache bildet den Gegenstandsbereich der Sprachwissenschaft. Dieser ist sehr vielgestaltig
und wird daher durch Fragen ganz verschiedener Art erschlossen
Bei genauerer Betrachtung läßt sich allerdings feststellen, daß das Wort
Sprache dabei je nach Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen hat. Die Frage “Was ist
Sprache?” ähnelt, oberflächlich betrachtet, der Frage “Was ist eine Sprache?”.
Es bestehen allerdings Unterschiede, sowohl in der Form als auch in der Bedeutung, zwischen
beiden Sätzen (LYONS 1981:1f.). Im ersten Satz wird das Wort Sprache ohne Artikel benutzt und
benennt etwas, worüber der Mensch im Gegensatz zu anderen Lebewesen als Gattung verfügt
und was ihm ermöglicht, eine spezifische Sprache zu lernen und zu sprechen. Im zweiten Satz
wird das Wort Sprache mit dem unbestimmten Artikel eine benutzt und bezeichnet eine
Einzelsprache, wie sie in einer Sprachgemeinschaft verwendet würde, wie z.B. Deutsch oder
Englisch.
(a) Er spricht fünf Sprachen(b) Er spricht Deutsch (= Er kann Deutsch)(c) Er spricht jetzt
deutsch(d) Die Sprache Goethes(e) Eine natürliche (kunstvolle, gezierte, geschraubte etc.)
Sprache sprechen(f) Die Sprache der Bienen; Programmiersprachen.
Im Beispielsatz (1.1.)(a) bezieht sich Sprache auf mehrere Einzelsprachen; (1.1.)(b) bedeutet
soviel wie Er ist der deutschen Sprache mächtig und bezieht sich ebenfalls auf Sprache in der
Bedeutung des französischen langue. Im dritten Beispielsatz kommt eine neue Bedeutung in
Bezug auf Sprache hinzu. Der Ausdruck (1.1.)(c) kann mit Die Äußerungen, die er gerade
macht, können als deutsch identifiziert werden umschrieben werden, es geht also um Sprache
im tatsächlichen Gebrauch oder um Sprache als Produkt. Im Französischen gibt es dafür ein
eigenes Wort: parole. Im vierten Beispielsatz wird Sprache verwendet, um die linguistischen
Eigenheiten eines Einzelnen, seinen Stil, zu benennen. Am fünften Beispielsatz wird deutlich,
daß es innerhalb einer Einzelsprache unterschiedliche Stilebenen gibt, die, je nach Situation,
angebracht oder unangebracht sein können.
Das Ziel dieser Überlegungen war es zunächst, zu verdeutlichen, daß das Wort Sprache in
seiner alltagssprachlichen Verwendung ganz unterschiedlichen Bedeutungen hat und daher als
wissenschaftlicher Begriff nicht sonderlich geeignet ist. Leider ist es häufig der Fall, daß
Wörter, wie sie in der Alltagssprache gebraucht werden, zu vage und mehrdeutig sind, um
ohne weiteres als Bestandteil einer wissenschaftlichen Terminologie bestehen zu können.
1.2.2. WAS IST SPRACHE ALS GEGENSTAND DER LINGUISTIK?
Man schätzt, dass es mehr als 10.000 verschiedene Sprachen und Dialekte gibt. Kein Volk der
Erde lebt ohne eigenes Idiom, Sprache scheint das Natürlichste auf der Welt. Doch wie so oft,
wenn die Dinge selbstverständlich scheinen, ist ihre Definition nicht ganz einfach – Generationen
von Sprachwissenschaftlern haben sich daran versucht
Edward Sapir definiert den Gegenstand der Linguistik wie folgt:
Language is a purely human and non-instinctive method of communicating ideas, emotions
and desires by means of a system of voluntarily produced symbols.
Sapir vertrat die Ansicht, dass alle Sprachfamilien im Detail erforscht werden müssen, um die
grundlegenden Eigenschaften von Sprache zu entdecken. Für ihn besitzen alle Sprachen der Welt
die gleiche Ästhetik und Komplexität.
Leonard Bloomfield definiert Sprache mithilfe der Begriffe Utterance und Speech-Community wie
folgt:
The totality of utterances that can be made in a speechcommunity is the language of that
speech-community.
Sprache bedeutet für Bloomfield also die Menge aller potentiellen Äußerungen in einer
Sprachgemeinschaft. Oberflächlich betrachtet scheint es hier Gemeinsamkeiten zu geben mit der
folgenden Definition von Noam Chomsky: “From now on I will consider a “language” to be a set
(finite3 or infinite) of sentences, each finite in length and constructed out of a finite set of
elements.” = eine endliche oder unendliche Menge von Sätzen.
Was nach dieser Definition eine Sprache im konkreten Fall ist, hängt nämlich davon ab, aus
welchen Elementen sie aufgebaut ist. Der britische Sprachwissenschaftler M.A.K. Halliday
schließlich betrachtet Sprache als etwas
Dynamisches: Language is an activity basically of four kinds: speaking,
listening, writing and reading. Damit haben wir nun vier verschiedene (alte) Definitionen von
Sprache: • Symbolsystem zur Kommunikation (Sapir) • Gesamtheit der möglichen Äußerungen in
einer Sprachgemeinschaft (Bloomfield) • eine Menge von Sätzen (Chomsky) • eine Tätigkeit
(Halliday). Der amerikanische Strukturalist H.A. Gleason sagt z.B.: Linguistics is the science which
attempts to understand language from the point of view of its internal structure
Der britische Linguist R.H. Robins sagt : Die unterschiedlichen Definitionen zeigen, dass es keine
einstimmige Meinung über den Gegenstand der Linguistik gibt, und daß dieser offensichtlich
nicht leicht zu definieren ist.
Der zentrale Gegenstand der Linguistik ist also Sprache, die bestimmte Eigenschaften hat, die
beschrieben werden sollen. Dabei analysiert man i.d. Regel zunächst eine Einzelsprache. Dabei
kann man sich mit der Geschichte und Entwicklung der Sprache beschäftigen (Historische
Linguistik), dem Phonemsystem und den Regeln der Kombinierbarkeit von Phonemen etc.
(Phonologie), den Wörtern der Sprache und ihrer Veränderbarkeit (Morphologie), den einzelnen
Wörtern der Sprache (Lexik), die Struktur der Sprache (Syntax). Sprachen können ferner mit
einander verglichen werden (Kontrastive Linguistik und Sprachtypologie) 3 Man kann sich der
Frage nach der Verbindung von Sprache und Gesellschaft widmen (Soziolinguistik) Mit der
Sprachverwendung beschäftigt sich die Pragmatik, der Frage nach dem Spracherwerb die
Psycholinguistik oder auch Spracherwerbsforschung, und mit der Frage nach Wahrnehmung und
Sprache (z.B. Raumwahrnehmung, Farbwahrnehmung) die Kognitive Linguistik.
1.2.5. DER SPRACHBEGRIFF FERDINAND DE SAUSSURES:
Sprache stehen sich im System Saussures als abstraktes überindividuelles System von
Zeichen (la langue) und Sprachfähigkeit als Funktion des Individuums (faculté de langage)
gegenüber, die durch den Terminus langage zusammengefaßt werden. Die Sprache (langue)
ist der gemeinsame Besitz einer Sprachgemeinschaft und ist ihrem Wesen nach
gesellschaftlich bedingt und vom einzelnen Individuum unabhängig.
Die Sprache bildet nach Saussure »ein System von Zeichen, in dem einzig die Verbindung von
Sinn und Lautzeichen wesentlich ist. die Aufgabe der Linguistik im engeren Sinne ist die Sprache
als langue in ihrer inneren Struktur zu untersuchen.
1.2.6. DIE SPRACHAUFFASSUNG VON NOAM CHOMSKY :
Die Entwicklung der modernen Sprachwissenschaft wurde seit Ende der fünziger Jahre bis heute
ganz entscheidend durch die Arbeiten von Noam Chomsky. In seinem 1965 erschienenen Buch
traf er eine dem Gegensatz von langue und parole analoge Unterscheidung zwischen
competence und performance.
Die Dichotomie Performanz und Kompetenz wurde von Noam Chomsky im Rahmen seiner
Transformationsgrammatik eingeführt. Sie führt damit Ferdinand de Unterscheidung von Langue
und Parole fort 1.2.6.1. Kompetenz und Performanz :
Performanz ist die Bezeichnung für die Sprachverwendung, das Sprechen. Das Gegenstück zur
Performanz ist die Kompetenz.
sprachliche Kompetenz : Sprachliche Kompetenz beinhaltet in diesem Kontext folgende
Fähigkeiten:

 Ein Sprecher kann mit einem endlichen Inventar von Elementen (Lauten, Wörtern)
und Verknüpfungsregeln im Rahmen der Performanz eine prinzipiell unendliche Zahl
verschiedener Äußerungen hervorbringen.
 Ein Hörer kann mit dem erworbenen sprachlichen Wissen Äußerungen verstehen, die
er nie zuvor gehört hat, sowie trotz gewisser Unterschiede (z. B. in der Aussprache)
gleichbedeutende Äußerungen als solche identifizieren.
 Sprecher/Hörer können sprachliche Äußerungen im Hinblick auf
ihre Grammatikalität, Mehrdeutigkeit und Paraphrasebeziehungen beurteilen.
Die Art und Weise, wie wir von diesem Wissen in konkreten Kommunikationssituationen
bedingt durch Faktoren wie Gedächtnis, Konzentration, Müdigkeit etc. — mehr oder weniger
einwandfreien Gebrauch machen, wollen wir als sprachliche Performanz bezeichnen.
sprachliche Performanz: Performanz nennt man den Gebrauch, den ein Sprecher/Hörer in
einer konkreten Kommunikationssitiation von seiner Kompetenz macht, möglicherweise
beeinträchtigt durch Faktoren wie Begrenztheit des Gedächtnisses, Konzentrationsmängel,
Müdigkeit, Alkohol etc.Teilweise als Antwort auf Kritik am Kompetenzbegriff wird neuerdings
zusätzlich zwischen GRAMMATISCHER und PRAGMATISCHER Kompetenz unterschieden.
pragmatische Kompetenz : Pragmatische Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit, auf der
Grundlage einer grammatischen Kompetenz korrekt gebildete Sätze situationsangemessen
und zweckentsprechend zu verwenden
Die Aufgabe des Linguisten ist nach Chomsky primär die Rekonstruktion der die Kompetenz
konstituierenden Regelbeherrschung von Muttersprachlern.
1.3. Linguistik als Wissenschaft:
die Fragen sind : wieso einen Gegenstand wissenschaftlich zu behandeln und was die
wissenschaftlichen Merkmale eines linguistischen Ansatzes der Erforschung von Sprache sind ?
Was in der Linguistik als wissenschaftlich gelten soll, hängt in gewissem Maße von den
philosophischen Ansichten ihrer Vertreter ab. In anderen wissenschaflichen Disziplinen
außerhalb der Sprachwissenschaft besteht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass
Forschung EXAKT, SYSTEMATISCH und OBJEKTIV sein muß um als wissenschaftlich anerkannt zu
werden.1.3.1. EXAKTHEIT :Um das Kriterium der Exaktheit zu erfüllen, muß eine Aussage,
Definition usw. eindeutig und vollständig formuliert werden und darf nicht Gegenstand
subjektiver Auslegung sein. Auch die Annahmen, auf welchen die Forschung basiert, müssen klar
dargelegt und so gestaltet sein, daß die Zwischenstufen einer Argumentation durchschaubar
sind. Fachtermini müssen präzise und konsistent definiert sein.
1.3.2. SYSTEMATIK : …
2.5.1. DAS ZEICHENMODELL VON DE SAUSSURE :Für Saussure besteht die Sprache aus Zeichen,
welche Ideen ausdrücken. Sprachliche Zeichen sind, laut ihm, materielle Einheiten, die
bestimmte Bedeutungen besitzen. D.h. ein sprachliches Zeichen verbindet die Vorstellung, die
der Mensch von einem Symbol hat, mit dem Lautbild, das zu diesem Symbol gehört. Sprachliche
Zeichen sind unterteilbar in Signifikat (Bezeichnetes) und Signifikant (Bezeichnendes). Diese
Unterteilung wird auch bilaterales oder zweiseitiges Zeichenmodell genannt.
Die Sprache bildet nach Saussure »ein System von Zeichen, in dem einzig die Verbindung von
Sinn und Lautzeichen wesentlich ist [...]« (Saussure 1967: 18). Saussure nennt dies Artikulation:
»[...] jeder Bestandteil der Sprache ist ein kleines Glied, ein articulus, wo ein Gedanke sich in dem
Laut festsetzt, und wo ein Laut das Zeichen des Gedankens wird.« (ebd., S. 134) Gegenüber
Positionen, in denen das sprachliche Zeichen einen Namen und Objekt in sich vereint (vgl. Abb. 1
oben), postuliert Saussure eine Verbindung von
Lautbild und Vorstellung als Zeichen konstitutiv. Das
sprachliche Zeichen hat also nach Saussure ein
Siginifikat (signifié) bzw. eine Bedeutungsseite (z.B.
BAUM), und einen Signifikanten (signifiant, vgl. auch
Abb. 2), durch den das sprachliche Zeichen manifestiert ist (/baʊm/). Die Verbindung von
Lautseite und Bedeutung ist arbiträr, d.h., es gibt keine Motivation dafür, dass dem Signifikat
BAUM genau das Lautbild /baʊm/ entspricht.
Prinzip der Arbitrarität :Nach Saussure besitzt das Zeichen zwei wesentliche Eigenschaften, das
der ARBITRARITÄT und das der LINEARITÄT.
Die Eigenschaft der Arbitrarität haben wir bereits kennengelernt. Sie besagt, daß trotz der
wechselseitigen Abhängigkeit von Signifikant und Signifikat (Ausdruck und Inhalt), diese
Verbindung nichts Naturgegebenens ist. Sie ist vielmehr WILLKÜRLICH oder ARBITRÄR. Dabei
ist WILLKÜRLICH hier in dem Sinne zu verstehen, daß die Zeichenform (Ausdruck) in keiner
Weise durch den Inhalt bestimmt ist und umgekehrt auch der Inhalt nicht aus der Form
ableitbar ist. Daß dies so ist, wird deutlich, wenn man die Ausdrücke in verschiedenen
Sprachen für äquivalente Inhalte vergleicht: dt. Baum /baum/, engl. tree /tri:/, frz. arbre /arbrÄ/,
swahili mti, japanisch ki , arabisch ·M9T /Sagar(at)/,russ.
Das Prinzip der Arbitrarität gilt jedoch strikt nur bei den Basiswörtern einer Sprache, und
auch da bilden die ikonischen Zeichen eine Ausnahme. Bei komplexen Zeichen, d.h. bei
zusammengesetzten und abgeleiteten Wörtern (Komposita: Eisenbahn, Sonnenuntergang;
Ableitungen: Arbeiter, unmöglich), ist die Zuordnung von Inhalt und Ausdruck nicht völlig
arbiträr. Die Bedeutung komplexer Zeichen ist wenigstens partiell aus den Bedeutungen der
Grundzeichen herleitbar. Die Assoziation zwischen dem Ausdruck und dem Inhalt solcher
komplexen Zeichen ist RELATIV (zu den Grundwörtern) MOTIVIERT.
Das Prinzip der Arbitrarität spielt eine wichtige Rolle in der Logik der historisch
vergleichenden Sprachwissenschaft, die den Prozeß der Veränderung von Sprache in der Zeit
zum Gegenstand hat. Würde das Prinzip der Arbitrarität nicht gelten, dann wäre die Tatsache,
daß Ausdruck und Inhalt sprachlicher Zeichen sich unabhängig voneinander verändern
können, schwer zu erklären.
Andererseits können wir feststellen, daß die Zeichenformen von äquivalenten Zeicheninhalten
in ganz verschiedenen Sprachen sehr große Ähnlichkeiten aufweisen können.In Einzelfällen mag
eine solche Identität zufällig sein. idg. *ma ¯ te ¯ (r), pÄte ¯ (r), *bhra ¯ te ¯ (r)
Konventionalität Arbitrarität bedeutet nicht, daß es in die freie Wahl Sprechers gestellt ist,
welche Ausdrücke mit welchen Inhalten assoziiert werden, sondern daß ein Ausdruck nicht
durch den Inhalt motiviert ist.
Prinzip der Linearität:
Die primäre Ausdrucksform der Sprache ist die gesprochene Sprache. Da Sprechen einen
zeitlichen Ablauf hat, folgt daraus, daß Sprache linear ist.