Sie sind auf Seite 1von 98

226.

018 Wassergütewirtschaft
Teil 4: Wasserversorgung - Technologien

Norbert Kreuzinger

Institut für Wassergüte,


Ressourcenmanagement
und Abfallwirtschaft - TU Wien

226.026 Wassergütewirtschaft
Grundverfahren der Wasseraufbereitung
• Begriffe:
– Rohwasser:
Wasser vor der Aufbereitung zu Trink- oder Brauchwasser (z.B.
Uferfiltrat)
– Brauchwasser:
aufbereitetes Wasser für industrielle oder gewerbliche Zwecke
(nutzungsbezogen)
– Trinkwasser:
gesetzlich geregelte Qualitätsanforderungen, hygienisch (medizinisch)
begründet

226.026 Wassergütewirtschaft
Grundverfahren der Wasseraufbereitung

• Technologien der Trinkwasseraufbereitung und Abwasserreinigung


haben sich historisch weitgehend getrennt entwickelt, werden
heute aber immer mehr miteinander kombiniert und
weiterentwickelt
• Verfahren der Trinkwasseraufbereitung heute als weitergehende
Abwasserreinigungsschritte verwendet

• Grundsätzliche Gemeinsamkeiten in der Aufgabe:


– Aufbereitung von Eingangswässern (Rohwasser, Abwasser)
– Für anschließende Nutzung (Trinkwasser, Ablauf)
– Durch Entfernung unerwünschter Stoffe
– Mittels technischer Verfahren

226.026 Wassergütewirtschaft
Grundverfahren der Wasseraufbereitung

Trinkwasseraufbereitung
Abwasserreinigung

Qualität
Verschmutzung

226.026 Wassergütewirtschaft
Grundverfahren der Wasseraufbereitung

• Zu Grundverfahren werden gezählt


– Siebung
– Sedimentation, Absetzen
– Flotation , Aufschwimmen
– Filtration (Sandfilter, Membranfiltration)
– Chemische Fällung
– Flockung
– Entkeimung
– Behandlung von Schlämmen
– Ozonung
– Aktivkohle
• Verfahren für spezifische Fragestellungen
– Biologische Verfahren
– Neutralisation
– … 226.026 Wassergütewirtschaft
typische Verfahrensketten Trinkwasser

226.026 Wassergütewirtschaft
typische Verfahrensketten Trinkwasser
Beispiele typischer Grundwasser Behandlungs Schemata

Aerobes Leicht anaerobes Anaerobes


Grundwasser Grundwasser Grundwasser Uferfiltrat

Entnahme Entnahme Entnahme Entnahme

Konditionierung Belüftung Belüftung Uferfilration

Physikalisch-chemische
Speicher Trockenfiltration Belüftung
Behandlung

Speicher Belüftung Trockenfiltration

Schnellfiltration Belüftung

Speicher Schnellfiltration

Aktivkohlefiltration

Desinfektion

Speicher

226.026 Wassergütewirtschaft
typische Verfahrensketten Trinkwasser
Beispiele typischer Oberflächenwasser Behandlungs Schemata

Modernes Setup
Traditionelles Setup Modernes Setup mit Ozonung Membran Filtration

Entnahme Entnahme Entnahme Entnahme

Pufferbecken Pufferbecken Pufferbecken Pufferbecken

Fällmittel Fällmittel Fällmittel Fällmittel

(PAC) (PAC) (PAC)

Flockungsfiltration Flockungsfiltration Flockungsfiltration Flockungsfiltration

Schnellfiltration Sedimentation Ozonung Schnellfiltration

Desinfektion Aktivkohlefiltration Schnellfiltration Aktivkohlefiltration

Speicher Belüftung Aktivkohlefiltration Ultrafiltration

Desinfektion Desinfektion Umkehrosmose

Speicher Speicher Speicher

226.026 Wassergütewirtschaft
Stoffliche Kriterien für technische Umsetzungen
• Trinkwasser
– Ungelöste, partikuläre Stoffe
• mineralisch (Sand, Tontrübe)
• organisch (Algen, Mikroorganismen)
• Krankheitserreger (Viren, Bakterien)
– Gelöste Stoffe:
• Anorganisch
(Salze, z.B. NaCl bei Meerwasser, Fe2+,Mn2+ ,NO3, NH4 , Zn, Cu, Sb, Ra, )
• Organisch
(Mikroverunreinigungen wie Farb- Geschmackstoffe, Kosmetika,
Haushaltschemikalien, Pharmazeutika, Pestizide, Herbizide,
Lösungsmittel, etc.)

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation
• Der Einsatz der Sedimentation als Trennverfahren richtet sich
nach dem Trennziel und kann im Wesentlichen durch die
folgenden Aufgabenbereiche charakterisiert werden:
– „Klärung“ zur weitergehenden Abscheidung der suspendierten
Feststoffe
– „Eindickung“ von Feststoffen (Schlämmen) zur Erzielung eines
möglichst hochkonzentrierten feststoffreichen Teilstroms
– Klassieren zur Erzeugung verschiedener Partikelfraktionen
unterschiedlicher Durchmesser
– Sortieren zur Trennung verschiedener Stoffe auf Grund einer
unterschiedlichen Dichte.

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation
• Sedimentationseigenschaften von Partikeln
hängen ab von:
– Größe
– Dichteunterschied Partikel – Umgebung
– Temperatur

• Teilchen mit Durchmessern unter ca. 10 µm – 30 µm setzen


sich innerhalb technisch sinnvoller Aufenthaltszeiten nicht ab
(Sedimentation). zB.:
– Mikroflocken aus Fällung
– Freie Bakterien
– Kolloide
226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation - Durchströmung
• Bei bekannter Sinkgeschwindigkeit kann die Dimensionierung eines
durchflossenen Sedimentationsbeckens durchgeführt werden.
• Modellhaft:
– Abfluss und Zufluss erfolgen nur über die Oberkante des Beckens.
– Ein Teilchen wird entfernt, wenn es die Beckensohle erreicht hat, bevor es mit dem
Abfluss ausgetragen wird.
– Damit hat es den längsten denkbaren Weg zurückzulegen.
– Diagonale ist Grenzlinie für abgeschiedene und nicht abgeschiedene Teilchen
– Je größer / schwerer
Teilchen, desto früher
setzt es ab; desto
effizienter ist
Sedimentation
Sedimentation - Durchströmung
• Einlaufgestaltung

• Verhältnis Beckenlänge zu Beckentiefe


L1 L2

T1 T2

T1 STÖRUNGSZONE T2

L1 KURZSCHLUSSTRÖMUNG
= KLEIN L2
T1 = GROSS
T2

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation - Durchströmung
• Dichteströmungen

ZULAUF SCHWERER: ZULAUF LEICHTER:


höherer Salzgehalt geringer Salzgehalt
höherer Schwebstoffgeh. geringer Schwebstoffgeh.
kälter wärmer

• Ablaufgestaltung

RUNDBECKEN
Detail A RECHTECKBECKEN

ZAHNSCHWELLE
(Detail A)

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Sedimentation

226.026 Wassergütewirtschaft
Belüftung, Voroxidation

226.026 Wassergütewirtschaft
Belüftung, Voroxidation
• Belüftungskaskade zur Eisen/Manganoxidation

226.026 Wassergütewirtschaft
Enteisenung und / oder Entmanganung
- In der Aufbereitungsanlage
- Oxidation von gelösten Eisen- und Manganverbindungen
- Eisen wird vor Mangan oxidiert (Redox-Potentiale)
- Fe2+ -> Fe3+
- Mn2+ -> Mn4+
- dadurch Überführung vom gelösten in den ungelösten Zustand
- Eisen- und Manganoxide (-hydrate)
- dadurch filtrierbar

-Anforderungen an Trinkwasser:
- Trinkwasserverordnung:
Fe: < 0,2 mg/l
Mn: < 0,05 mg/l
- Zielwerte der Aufbereitung:
Fe: < 0,05 mg/l
Mn: < 0,02 mg/l 226.026 Wassergütewirtschaft
Flockung / Fällung

226.026 Wassergütewirtschaft
Fällung - Flockung
• Sedimentation
In einem Zweiphasengemisch sinkt der dispergierte (Fest-)Stoff auf Grund seiner
höheren Dichte unter dem Einfluss der Schwerkraft ab und kann so abgeschieden
werden.
• Fällung
ist die Bildung einer unlöslichen festen Phase aus zwei oder mehr gelösten, in der
Regel ionischen Komponenten. Es handelt sich um einen Phasenübergangsprozess
(gelöst  ungelöst).
• Flockung
ist kein Phasenübergangsprozess. Es werden kleinere, ungelöste Feststoffe in
größere Verbände übergeführt. Diese ungelösten Feststoffe können bereits im
Abwasser vorhanden sein oder durch Fällungsprozesse entstanden sein. In
letzterem Fall spricht man dann von primärer Flockung.
• Fällmittel
werden zur Elimination von gelösten Abwasserinhaltsstoffen eingesetzt. Es kommt
zu einer chemische Reaktion zwischen zu entfernender Substanz und Fällmittel.
226.026 Wassergütewirtschaft
Fällung - Flockung
– Einfangmechanismen:
Koagulation
Flockulation
– Transportmechanismen
Mischen
Absetzen
– Einflussfaktoren
1) Art (elektrische Ladung) und Menge der Stoffe
(Kolloide und Schwebstoffe)
2) Art (Ladungswirksamkeit) und Menge
der zugegebenen Chemikalien
3) Umweltbedingungen
- Mischung (Mischgeschwindigkeit)
- pH
- Temperatur
226.026 Wassergütewirtschaft
Begriffe
• Flockungsmittel
sind für die primären Flockung verantwortlich.
– Sie führen zur Elimination von gelösten oder kolloidal gelösten
Abwasserinhaltsstoffen organischer und anorganischer Herkunft.
– Meist sind diese Inhaltsstoffe hydrophil (wasserlöslich) und tragen
eine negative Ladung. Durch die Zugabe positiv geladener
Flockungsmittel (z.B. Aluminium- oder Eisensalze) werden diese
Teilchen neutralisiert bzw. umgeladen und treten zu größeren Flocken
zusammen.
– Dieser Prozess wird als Koagulation bezeichnet.

226.026 Wassergütewirtschaft
Begriffe
• Flockungsmittel
– Unterstützen Quervernetzung der
Primärflocken zu größeren absetzbaren
Einheiten
– Beispiel:
• Polyacrylamid dar,
aus Acrylamid Monomeren hergestellt

• Acrylamid-Acrylsäure-Copolymere, bei denen


– im Acrylamid Monomer die
–NH2 Gruppe durch ein –O (Acrylsäure)
ersetzt ist sind Beispiele für anionische
Polyelektrolyte.
– Als kationische Polyacrylamide werden z.B.
Modifikationen eingesetzt, die quaternäre
Ammoniumverbindungen enthalten
226.026 Wassergütewirtschaft
Flockungshilfsmittel
• Wirkweise - Veranschaulichung
– Zugabe eines kationischen Flockungshilfsmittels
• FHM lagert sich an die negativen Flocken.
• Sie kompensieren somit die gleichen Oberflächenladungen und
• führen zu einer Quervernetzung der Flocken, indem sie sich nicht nur an eine Flocke
anlagern, sondern auf Grund der positiven Ladung auch andere Flocken anziehen.

226.026 Wassergütewirtschaft
Flockungshilfsmittel
• Dosierung
– Für jeden Schlamm und eigentlich für alle Betriebsbedingungen und
Anwendungsfälle muss somit vor der Anwendung die optimale FHM-Menge,
die eingesetzt werden soll bestimmt werden.

226.026 Wassergütewirtschaft
Flocken und Filtrieren

226.026 Wassergütewirtschaft
Einflussfaktoren
• Wirksamkeit von Flockungsmittel

Optimum

• Einfluss des pH-Wertes auf die Flockenbildung

Optimum

226.026 Wassergütewirtschaft
Flockung / Fällung

226.026 Wassergütewirtschaft
Flockung / Fällung

226.026 Wassergütewirtschaft
Filtration

226.026 Wassergütewirtschaft
(Sand-) Filtration
LANGSAMFILTER SCHNELLFILTER
vF ~ 5 m/d vF ~ 5 m/h
Wasseraufbereitung: Wasseraufbereitung:
bakteriologische und vor allem
physikalische Wirkung physikalische Wirkung
letzter Aufbereitungsschritt für
Trinkwasser vor der Entkeimung
händische Reinigung durch Abziehen maschinelle Reinigung durch
der Schmutzdecke Rückspülen
Flächenfilter Raumfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
(Sand-) Filtration
• Schnellfilter

• Langsamsandfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellfilter
• Offene Schnellfilter
• Geschlossene Schnellfilter
• Einstufenfilter
• Mehrstufenfilter
• Mehrschichtenfilter.

• Einflussfaktoren:
Abscheidewirkung ist abhängig von:
1. Korndurchmesser und Füllhöhe des Filtermaterials,
einschließlich der Überstauhöhe;
2. Rohwasserqualität (Konzentration der auszuscheidenden Stoffe);
3. Filtergeschwindigkeit vF= Q/A (Oberfläche des Filters)
4. Umweltbedingungen (Temperatur, pH-Wert usw.).

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellfilter Rückspülvorgang
• Zufolge des Rückhaltes von Feststoffen erhöht sich laufend
der Filterwiderstand und/oder die Abscheidewirkung wird
geringer: es gibt daher 3 Kriterien (Messergebnisse) für das
Auslösen eines Rückspülvorganges:
– max. Druckverlust (= max. Wasserspiegel über dem Filterbett)
– Maximale Trübe im aufbereiteten Wasser (Qualität)
– Maximale Laufzeit ohne Rückspülung um zu lange Aufenthaltszeit von
(organischen) Feststoffen zu vermeiden (Sicherheit), z.B. alle 48
Stunden

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellfilter Rückspülvorgang
Der Rückspülvorgang erfolgt in 5 Schritten und dauert
etwa 30 bis 40 Minuten:
1. Schließen des Zulaufs und Ablaufen des Wassers aus dem Filter.
2. Druckluft wird über den Düsenboden verteilt eingeblasen, sodass das
Filterbett intensiv in Turbulenz gerät und sich die Verunreinigungen von den
Sandkörnern lösen.
3. Zusätzlich zur Druckluft wird (gereinigtes) Wasser über den Düsenboden
eingebracht, dass bei noch hoher Turbulenz die Verunreinigungen aus dem
Filterbett ausgetragen und abtransportiert werden (der Filterschlamm muss
weiter behandelt und entsorgt werden).
4. Druckluft wird abgestellt und gereinigtes Wasser weiter über den
Düsenboden verteilt, bis der ganze Filter mit gereinigtem Wasser gefüllt ist
(danach werden die Spülwasserpumpen abgestellt)
5. Der Rohwasserzufluss wird wieder geöffnet und bis zum nächsten
Rückspülvorgang konstant gehalten (Filterlaufzeit etwa 12 bis 48 Stunden)
226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellfilter Rückspülvorgang

226.026 Wassergütewirtschaft
Einschichtfilter bei Rückspülung Model im
Wasserwerk
Lengg
Zürich

226.026 Wassergütewirtschaft
Offener Schnellfilter

Filtersand Filtersand

Filtersand

226.026 Wassergütewirtschaft
Geschlossener Schnellfilter

Filter

Filterboden
Entlüftung
Spülluft
Spülwasser
Rohwasser
Reinwasser
Schlammwasserkanal
226.026 Wassergütewirtschaft
Filterlauf

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellsandfilter (Bemessungsbeispiel)
Wassermenge: Q = 500 m³/h
Filtergeschwindigkeit qF = vF = 5 m/h
erf. Oberfläche O = 500/5 = 100 m²
gewählt: 4 Filter jeweils: Länge = 10,0 m Breite = 2,5 m = 25 m²

Filterschicht Höhe = 1,5 m


Filtervolumen 1,5 * 100 = 150 m³
Filtersand 1,0 - 1,5 mm
Überstau (OK. Rinne) 0,5 m

Spülluft (3-5 m Druck) qL = 80 m/h


(jeweils 1 Filter) QL = 80 * 25 = 2000 m³/h
gewählt: 2 Gebläse (p = 0,5 bar) = 2000 m³/h

Spülwasser qW = 20 m/h
(jeweils 1 Filter) QW = 20 * 25 = 500 m³/h
gewählt: 2 Kreiselpumpen (p > 0,5 bar) = 500 m³/h
Wasserverbrauch (15 min) je Filter 500/4 = 125 m³

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellsandfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
Schnellsandfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
Langsamsandfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
Langsamsandfilter (Bemessungsbeispiel)
Wassermenge Q = 10.000 m³/d
Filtergeschwindigkeit qF = vF = 5 m/d
erford. Oberfläche O = 10.000/5 = 2.000 m²

gewählt: 4 Filter Länge = 50,0 m Breite = 10 m


erford. Druckhöhe = 0,5 - 1,5 m
Filterhöhe = 1,3 m

gesamtes Filtervolumen 1,3 * 2.000 = 2.600 m³


davon - Stützschicht: 0,3 * 2.000 = 600 m³
- Feinsand (  0,2 - 0,4 mm) = 1,0 * 2.000 = 2.000 m³

Filterreinigung:
Abtrag der obersten 2 cm Filterschichte: 0,02 * 2.000 = 40,0 m³

226.026 Wassergütewirtschaft
Langsamsandfilter

226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltrationen
• Ultrafiltration:
– eignet sich zur Abtrennung von Makromolekülen und Kolloiden aus ihren
Lösungsmitteln (Porengröße abhängig von Molekulargewicht)
– der osmotische Druck ist vernachlässigbar klein
– die Arbeitsdrücke liegen bei 1- 5 bar
– Anwendung: Industrieabwasserreinigung

• Umkehrosmose:
– ist eine weiter verfeinerte Ultrafiltration, wobei Membranen mit geringerer
Durchlässigkeit verwendet werden.
– Der osmotische Druck ist nicht zu vernachlässigen, sondern ist die
verfahrensbestimmende Größe
– Betriebsdrücke: 20 - 150 bar
– Anwendung: z.B. Meerwasserentsalzung
226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltrationen
• Trenngrenzen verschiedener Trennverfahren

226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltration

226.026 Wassergütewirtschaft
Wickelmembranmodul

226.026 Wassergütewirtschaft
Einteilung Membranen
Membran (0,2 µm)
Polysulfon-Layer (40 µm)

Stützschicht (120 µm)

226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltrationen

226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltrationen

226.026 Wassergütewirtschaft
Membranfiltrationen

226.026 Wassergütewirtschaft
Ultrafiltration – Umkehrosmose
Das Prinzip der umgekehrten Osmose

226.026 Wassergütewirtschaft
Ultrafiltration – Umkehrosmose
Das Prinzip der umgekehrten Osmose

226.026 Wassergütewirtschaft
Ultrafiltration – Umkehrosmose

226.026 Wassergütewirtschaft
Chemische Oxidationsverfahren

226.026 Wassergütewirtschaft
Ozonung – Grundlagen
• Ozon - sehr starkes Oxidationsmittels (E0 = 2,07 V)
 chemischer Angriff
• bei eingesetzten O3-Dosen  keine Mineralisation, sondern
„nur“ Transformation der Substanzen (chemische Strukturen
zerstört)
• Direkter & indirekter Oxidationsweg
• O-Radikal (direkt) oxidiert bestimmte chem. Struktur
– Doppelbindungen, Ringverbindungen, deprot. Amine
• Beispiel Diclofenac (Huber et al., 2003)

• -> nicht alle Substanzen entfernt!

226.026 Wassergütewirtschaft
AOP (Advanced Oxidation Prozess)
• Selten Einsatz reiner Ozonung (O-Radikal); oft Kombination
mit OH-Radikalen
• Bildung von OH – Radikalen durch
kombinierte Anwendung von
– Ozon und Wasserstoffperoxid
– Ozon und OH- Ionen (hoher pH-Wert)
– Wasserstoffperoxid und UV – Strahlung
– Ozon und UV – Strahlung
– UV – Strahlung
• Unspezifische / nicht zielgerichtete Reaktion
• Auch Verbindungen angegriffen, die durch O3 alleine nicht abgebaut
werden
• komplexe Reaktionschemie

226.026 Wassergütewirtschaft
Ozonung – technische Umsetzung
• O3-Eintrag
– gasförmig
– angereicherter Flüssigkeitsstrom (mittels Injektor)
– Flüssigsauerstoff
– Vor Ort aus Luft erzeugt (PSA)

• Signifikante Ozonzehrung durch (Rest-)DOC


– spezifische Ozondosis (Angabe in mg O3/L nicht ausreichend!)
zB: 0,7 g O3/g DOC ,
– mittlere hydraulische Aufenthaltszeit bei Trockenwetter: 20 min (2x10)

• Reaktorgeometrie
– Pfropfenströmung
– voll durchmischt

226.026 Wassergütewirtschaft
Aufbau einer AOP-Anlage
Restozon-
H2O2 Pumpe
vernichter
Zulauf

Reaktor 1: Reaktor 2:
Pumpe Injektor
Reaktions-
Statischer behälter Vorlage-
P1 P2 P4
Mischer behälter
Pumpe Injektor P3

P O3

Ozon- Sauerstoff- P5 Ablauf


generator generator
Containergrenze
Mess- Bezeichnung
punkt
1 Rohwasser
2 Probe mit Ozon und Wasserstoffperoxyd
nach statischem Mischer
3 Mitte Reaktionsbehälter (Reaktor 1)
4 Ablauf Reaktionsbehälter (Reaktor 1)
5 Ablauf Vorlagebehälter (Reaktor
226.026 2)
Wassergütewirtschaft
Aufbau einer AOP-Anlage
• Luft - Kompressor • Sauerstoff Generator
• (=PSA Anlage)

226.026 Wassergütewirtschaft
Aufbau einer AOP-Anlage
• Puffer Behälter für O2 • Ozon Generator

226.026 Wassergütewirtschaft
Aufbau einer AOP-Anlage
• Ozon Injektor • Eintrag in Wasser gelöstes Ozon
in Hauptleitung

226.026 Wassergütewirtschaft
Aufbau einer AOP-Anlage
• Vorlagebehälter mit Dosierung • Eintrag zwischen Ozon und stat.
H2O2 Mischer

226.026 Wassergütewirtschaft
Aktiv Kohle Anwendung

226.026 Wassergütewirtschaft
Adsorption an Aktivkohle
• Aktivkohle aus kohlenstoffhaltigen Rohstoffen
• Hohe innere Oberfläche 1000-1500 m²/g
• Physikalisch-chemisches Verfahren  Anlagerung
(Adsorption)
– van der Waal’sche, elektrostatische Kräften (physikalisch)
– Valenzkräfte, Oberflächenreaktionen (chemisch)

226.026 Wassergütewirtschaft
Adsorption an Aktivkohle
• Adsorptionseigenschaft eines Stoffes sinkt mit zunehmender
Polarität (Wasserlöslichkeit), Kettenlänge, Molekülgröße und
Ladung
• Adsorption bis Gleichgewicht erreicht
– Einzeladsorptionsgleichgewicht vs. Gemisch
– Konkurrenz um Adsorptionsplätze und ev. Verdrängung/ Desorption
– Konkurrenz zwischen natürlichem DOC (Huminsäuren) und zu
entfernenden Spurenstoffen
• -> nicht alle Substanzen adsorbieren!

226.026 Wassergütewirtschaft
Aktivkohle Adsorption
A + B <=> A.B
Adsorbat Adsorbent Adsorbierte Substanz

Gelöste
Moleküle
gebundenes
Wasser

Makroporen
Flüssigkeitsfilm

Mikroporen

~ 1000 m² / g
226.026 Wassergütewirtschaft
Arten von Aktivkohle

Granulierte Aktivkohle, GAK Pulver-Aktivkohle,


Pellets körnig PAK

226.026 Wassergütewirtschaft
Standzeit von Aktivkohle
• Pulveraktivkohle (PAC)
– sollte so lange wie möglich mit dem Wasser in Kontakt sein
– Kann nur einmal verwendet werden

• Granuläre Aktivkohle (GAC)


– Kriterien:
• Durchbruch eines Schadstoffes (Beladung)
• Festgelegte Standzeit
• Materialermüdung
– Kann reaktiviert werden (bei Temperaturen von 600 – 800oC
„ausgeheizt“)

226.026 Wassergütewirtschaft
Durchbruchskurve

gesättigt
Beladung

unbeladen

c/c0

t Ideale Durchbruchszeit
226.026 Wassergütewirtschaft
„Polizeifilter“ – Schaltung bei Druckfiltern für GAC:

226.026 Wassergütewirtschaft
Aktivkohlefilter

Wasserwerk
Obersiebenbrunn
Niederösterrreich

226.026 Wassergütewirtschaft
Dimensionierung von Aktivkohlefiltern
Wesentlichster Faktor: Kontaktzeit
als Leerbettkontaktzeit (EBCT) 15 – 30 Minuten
Filtergeschwindigkeit: 5 – 20 m/h
Schichthöhe: 1,5 – 4,0 m
Sauerstoffzehrung: rund 200 g O2/m³ d
Abbau organische Substanz: rund 100 g DOC/ m³ d
Erforderliche Ozondosis: 0,5 – 1,0 g O3 / g DOC

226.026 Wassergütewirtschaft
Desinfektion

226.026 Wassergütewirtschaft
Desinfektion
• Methoden
– Chlorgas gasförmig dosiert, flüssig gelagert
– Chlordioxid aus Chlorgas und Natriumchlorit oder aus Salzsäure und
Natriumchlorit
– Chloramin aus Chlorgas und Amoniak
– UV - Bestrahlung Wellenlänge 254 nm
• Weiters
– Ozon aus Umgebungsluft oder Reinsauerstoff vor Ort hergestellt
– Natriumhypochlorit flüssig gelagert und dosiert
(150 g/l Aktivchlor )

226.026 Wassergütewirtschaft
Desinfektionsmöglichkeiten Vor-/Nachteile
• Auf Chlorbasis
– haben eine Depoteffekt
– ->Sicherheit im Netz
• UV
– Lokale Wirkung, keine Depotwirkung
– Penetrierendes Verfahren
• Ozon
– Lokale Wirkung, keine Depotwirkung
– Wirkt nur oberflächlich (wenige µm)

226.026 Wassergütewirtschaft
Desinfektion
• Für 99%
Inaktivierung
• Minimalwerte
mg/l oder
mJ/cm2

226.026 Wassergütewirtschaft
Dosierung - Chlordesinfektion
Kontaktzeit Endkonzentration

Chlor min. 30 Minuten 0,3 mg/l

0,05 mg/l (Nachweis)


Hypochlorid min. 30 Minuten 0,3 mg/l

Chlordioxid min. 15 Minuten 0,05 mg/l

• Maximale Dosierung von Chlordioxid auf 0,4 mg/l begrenzt -> Vermeidung
der übermäßigen Chloritbildung (< 0,2 mg/l)

226.026 Wassergütewirtschaft
Nebenprodukte - Chlordesinfektion
• Chlor und Chlordioxid
– Reaktion mit organischen Wasserinhaltssoffen
• Bildung von Trihalogenmethanen
– Chlorform, Bromoform, Dichlorbrommethan, Dibromchlormethan)
• Bildung von Chlorphenolen
– Apothekergruch!
– ng/l – Konzentrationsbereich reicht aus!
• Bildung von anderen Geruch- und Geschmackstoffen
• AOX

226.026 Wassergütewirtschaft
Wirkungsweise der UV - Bestrahlung

„Reproduktiver Zelltot“ Verlust der Vermehrungsfähigkeit und Inaktivierung


226.026 Wassergütewirtschaft
Chlordesinfektion

226.026 Wassergütewirtschaft
UV-Desinfektion (Niederdruckstrahler)

226.026 Wassergütewirtschaft
Namibia - Windhoek
• New Goreangab Water Reclamation Plant (NGWRP)

226.026 Wassergütewirtschaft
Namibia - Windhoek

226.026 Wassergütewirtschaft
Namibia - Windhoek

BAC Stufe 226.026 Wassergütewirtschaft


Namibia - Windhoek

UF Stufe 226.026 Wassergütewirtschaft


WW Tulln

Warte 226.026 Wassergütewirtschaft


WW Tulln

Fe/Mn Filter & Ak Filter 226.026 Wassergütewirtschaft


WW Tulln

226.026 Wassergütewirtschaft
WW Nakuru /Kenia

226.026 Wassergütewirtschaft