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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

7. Fortsetzung 06.06.04 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

7. Fortsetzung am 06.06.04

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

- Einflüsse des untertägigen Abbaues auf die statische Berechnung


von Vortriebsrohren
- Sicherungsmaßnahmen bei Rohrvortrieben unter
Bahnbetriebsgelände

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im
Tiefbau im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen
Forschungen und Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit
verbundenen Diskussionen, seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des
gemeinsamen Arbeitskreises Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung
und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches nach bestem Wissen und
Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung
für eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und
Durchführung des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Dr.-Ing. Max Scherle

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie zugleich im Namen meines Partners, Herrn Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
der Firma Herrenknecht AG und des Norddeutschen Wirtschaftsverlages GmbH. Ich
freue mich, dass Sie immer noch – oder auch ganz neu – Interesse an unserem
Fernseminar haben. Das Thema „statische Berechnung von Vortriebsrohren“ ist fast
schon zum „Dauerbrenner“ geworden – doch diesmal in einer ganz neuen Variante:
Einflüsse des untertägigen Abbaues. Ich würde mich nicht wundern, wenn Sie fragen
würden, was soll der untertägige Abbau in einem Seminar, das alle am Rohrvortrieb
Interessierten ansprechen soll. Zugegeben, untertägiger Abbau kommt – wenn man
die Anwendungsmöglichkeiten des Rohrvortriebs insgesamt betrachtet - nur sehr
selten vor.

Was ist nun untertägiger Abbau? Es ist die Gewinnung von Bodenschätzen im
Untertagebau. Dazu gehört in erster Linie die Gewinnung von Steinkohle, aber auch
von Erzen, von Salzen, von Edelgestein usw. Wenn man von untertägigem Abbau
spricht, dann meint man meist „Kohlebergbau“. Dieser ist auch am augenfälligsten.
Ganze Städte, ganze Regionen sind um 10 Meter oder mehr abgesenkt. Teilweise
sieht man nur noch die Spitzen der Kirchtürme. Wenn man untertägigen Abbau
meint, dann spricht man meist von Bergsenkungsgebieten. Dieser Senkungsprozess
ging nicht ohne Schäden vonstatten, deshalb auch „Bergschadensgebiete“. Daraus
rührt die vereinfachende Vorstellung: Gebiet des untertägigen Abbaues =
Bergsenkungsgebiet = Bergschadensgebiet. So einfach ist es aber nicht.
Bergsenkungen und Bergschäden sind für den Hochbau und für den allgemeinen
Tiefbau bereits eingehend erforscht. Die Bergschäden der Vergangenheit sind im
Rahmen des Möglichen behoben bzw. reguliert.

Bei Gebieten des untertägigen Abbaues, in denen der Abbau seit längerer Zeit schon
eingestellt ist, spricht man von Bergruhe.

Bergruhe lässt sich definieren als Zustand, in dem an der Erdoberfläche keine
weiteren Senkungen mehr messbar sind.

Gebiete des untertägigen Abbaues – ob alt oder neu, ob Gegenwart oder


Vergangenheit – machen nur einen geringen (vielleicht sogar äußerst geringen)
Anteil an den für den Rohrvortrieb in Frage kommenden Gesamtgebieten aus.

Doch auch für den Rohrvortrieb ist der Markt sehr groß geworden – deutschlandweit
– europaweit – weltweit! So kann jeder Planer ganz plötzlich mit dem untertägigen
Abbau genauso wie jede Vortriebsfirma, jeder Rohrhersteller und jeder Prüfingenieur
mit dem untertägigen Abbau konfrontiert werden.

Mit diesem Seminar will der Autor den mit dem Rohrvortrieb Befassten –
Bauherren, Planern und Bauausführenden einen Einblick in die geheimnisvolle
Welt des untertägigen Abbaues geben, ohne den untertägigen Abbau selbst

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anzusprechen. Er will versuchen, die Ursachen, die zu den sichtbaren


Veränderungen an der Oberfläche der Landschaft führen bzw. schon geführt haben,
zu ergründen. Er will versuchen, die Veränderungen, die sich im Baugrund aus
dem untertägigen Abbau ergeben und ihre Auswirkungen auf den Rohrvortrieb
darzustellen.

Der Autor will aber auch versuchen, einen Einblick in den Wortschatz des
untertägigen Abbaues zu geben, um die Sprache des Bergbaues besser verstehen
zu können, zum Beispiel:

Tiefe = Teufe
absenken = abteufen
Geländeoberfläche = Tagesoberfläche

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Einflüsse des
untertägiges Abbaues auf die
Statische Berechung von
Vortriebsrohren
von Dr.-Ing. Max Scherle
Quelle: Grundbautaschenbuch
Ernst & Sohn
3. Auflage, Teil 2
Abschnitt 2.15
Gründungen in Bergbaugebieten
von o. Prof. Dr.-Ing. Helmut Nendza, Essen

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Einführung
Die Lehre von der Bodenbewegung infolge untertägigen Abbaues ist die

Bergschadenskunde.

Die Bewertung bergbaulicher Bodenbewegungen und Festlegung von baulichen


Maßnahmen gegenüber Abbaueinwirkungen wird mit

Bergschadenssicherung

bezeichnet. Die Grundlagen dazu liefert der

Markscheider

Er gibt aufgrund von Messungen und Erfahrungen die Größenordnung, Richtung und
den zeitlichen Ablauf der Bodenbewegung an.

Der Bodenmechaniker
hat zu prüfen, ob die Reaktionskräfte vom Bauwerk schadlos aufgenommen werden
können und welche konstruktive Maßnahmen zu treffen sind, um eine
Schadensfreiheit (bzw. eine Schadensminderung) zu erreichen.

In der Bergschadenkunde wird zwischen

Abbau in großer Teufe


und oberflächennahem Abbau
unterschieden. Als oberflächennaher Abbau wird allgemein ein solcher mit einer
Teufe von 100 bis 150 m bezeichnet. Die Einwirkung bergbaulicher Maßnahmen aus
oberflächennahem Abbau auf die Tagesoberfläche ist naturgemäß gefährlicher als
die Einwirkung bergbaulicher Maßnahmen in großen Teufen.

Für den Abbau in der obersten und damit am meisten gefährdeten Zone wurde der
Begriff des

tagesnahen Bergbaues

eingeführt.

Auswirkung des untertägigen Abbaues auf die statische Berechnung von


Vortriebsrohren, so lautet das Thema unseres gegenwärtigen Seminars und nicht
Analyse des untertägigen Abbaues. Mit dieser – zugegeben sehr grob gefassten –
Darstellung wollte der Autor die Entstehung der Senkungen als sichtbares und auf
Dauer bleibendes Zeichen des untertägigen Abbaues vor Augen führen. Es fällt nicht
schwer, sich vorzustellen, welche gewaltigen Kräfte erforderlich waren, um ganze
Regionen in Bewegung zu versetzen.

Der Rohrvortrieb erfolgt – und das ist wohl eine Binsenwahrheit – im Untergrund
genauso wie der untertägige Abbau, wenn auch der untertägige Abbau in sehr viel

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größeren Teufen erfolgt als der Rohrvortrieb. Maßgeblich ist allein die Wirkung und
der untertägige Abbau wirkt sichtbar bis zur Tagoberfläche hinauf.

Die Wirkung des untertägigen Abbaues auf den Rohrvortrieb hat der Autor im
Rahmen seiner gutachterlichen Tätigkeit untersucht. Rohre waren zu Schaden
gekommen, obwohl der Vortrieb seit 10 Jahren eingestellt und Bergruhe eingetreten
war. Dafür eine Erklärung zu geben und Vorschläge für Abhilfe zu machen, war die
gestellte Aufgabe. So entstand die nachstehende Analyse des untertägigen
Abbaues, die Eingang in die Dissertation des Autors im Jahre 1990 an der Universität
Hannover gefunden hatte.

Und der Vortrieb ging mit neuen, nach der Analyse geänderten Rohren
schadlos weiter!

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Bild 2a

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Hier im gegenwärtigen Seminar stellt sich die Frage, wie wirkt sich der untertägige
Abbau auf den Rohrvortrieb, der in Tiefen von einigen Metern bis zu einigen zehn
Metern erfolgt, aus.

Fest steht, dass die statische Berechnung für Vortriebsrohre – soweit nicht
Störungen wie untertägiger Abbau vorliegen – für ungestörten Boden erfolgt.

Fest steht, dass in ungestörten Böden


a) die mittragende Wirkung des Bodens – ausgedrückt durch den
Abminderungsfaktor Κ entsprechend Abschnitt 5.2.1 des Arbeitsblatts A161 der
Abwassertechnischen Vereinigung e.V. (ATV) – zur Entlastung der
Vortriebsrohre herangezogen wird.
b) der seitliche Erddruck ausgedrückt durch den Seitendruckbeiwert Κ2
entsprechend Abschnitt 6.2.2. des Arbeitsblattes A161 der Abwassertechnischen
Vereinigung e.V. – zur Minderung der Spannungen aus den vertikalen Lasten
herangezogen wird.

Die beiden Kriterien nach den Absätzen a) und b) haben sich als Stand und
Regeln der Technik unangefochten weltweit in nicht mehr zählbaren Fällen
bewährt. Sie haben den Rohrvortrieb erst wirtschaftlich vertretbar und in großen
Tiefen erst möglich gemacht.

Fest steht, dass als Folge des untertägigen Abbaues bei der Entstehung des
Senkungstroges Verschiebungen vor sich gehen, die Zerrungen und Pressungen
bewirken.

Zerrungen bedeuten Zug ist gleich Zugspannungen im Boden.

Pressungen bedeuten Druck ist gleich Druckspannungen im Boden.

Doch was soll das ganze Theoretisieren, wenn doch der untertägige Abbau in dem
vom geplanten Rohrvortrieb betroffenen Gebiet schon seit x Jahren eingestellt ist
und seit dieser Zeit keine Bewegungen an der Tagoberfläche mehr beobachtet
wurden – Veränderungen, Senkungen und Verschiebungen, wurden nicht mehr
gemessen. Also ruht der Berg. Es ist Bergruhe eingetreten.

Welche Einflüsse soll dann noch ein der Vergangenheit angehörender untertägiger
Abbau auf die statische Berechnung von Vortriebsrohren ausüben?

Mit dem Schlagwort Bergruhe sollen alle Sorgen und Bedenken der den
Rohrvortrieb Planenden und Berechnenden zerstreut und ausgeräumt werden.
Leider trifft das so pauschal nicht zu!

Durch den untertägigen Abbau wurde der Berg in Bewegung versetzt. Teile davon
wurden in die Senkungsmulde hineingezerrt. Teile wurden in die Senkungsmulde
hineingepresst. Es entstanden Zerrungen, es entstanden Pressungen.

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Als Folge der Zerrungen entstanden Zugspannungen und Dehnungen, als


Folge der Pressungen entstanden Druckspannungen und Stauchungen im
Boden.

Die Zug- und Druckspannungen bleiben solange im Boden bis sich die sie
bildenden Zerrungen und Pressungen zurückgebildet haben. Eine Rückbildung
aber ist nur durch neue Bewegungen im Berg oder durch einen
Konsolidierungsprozess möglich.

Neue Bewegungen im Berg scheiden aus, da Bergruhe herrscht!

Am gravierendsten ist der Einfluss der Zerrungen auf die statische Berechnung
der Rohre. Er betrifft sowohl
den Abminderungsfaktor Κ als auch
den Seitendruckbeiwert Κ2.

Der Abminderungsfaktor Κ drückt die Abstützung des die Rohre überlagernden


Bodens auf den seitlichen Boden aus (siehe Fernseminar 4. Fortsetzung!). Wenn
aber der seitliche Boden unter Zugspannungen als Folge von Zerrungen steht, weicht
er nach rückwärts aus, wenn sich der die Rohre überlagernde Erdkörper auf ihn
abstützen will. Damit geht die stützende Wirkung zum Teil oder ganz verloren. Dies
wirkt sich in einer Verschlechterung des Abminderungsfaktors Κ aus.

Κ ist als derjenige Faktor gekennzeichnet, mit dem die die Rohre überlagernde
Last abgemindert werden darf, deshalb Abminderungsfaktor.

Dementsprechend ist der niederste Wert von Κ der günstigste und der höchste Wert
von Κ, das heißt Κ = 1,0 der ungünstigste Wert.

Das heißt, dass der nach der Formel für den Abminderungsfaktor Κ der ATV-
A161 Abschnitt 5.2.1 errechnete Wert für Κ angemessen bis gegen 1,0 erhöht
werden muss. Im Zweifelsfall ist bei anzunehmenden Zerrungen stets Κ = 1,0
anzusetzen.

Der Seitendruckbeiwert Κ2 nach dem Arbeitsblatt A161 der ATV Abschnitt 6.2.2
bringt zum Ausdruck, dass und wie horizontaler Erddruck die Rohre horizontal
belastet und dadurch vertikal entlastet.

Ein Boden, der als Folge von Zerrungen horizontal unter Zugspannungen steht,
kann keinen oder nur einen entsprechend stark verminderten Druck auf die
Rohre ausüben und damit die Rohre nicht vertikal entlasten!

Der Seitendruckbeiwert Κ2, der in ungestörten Böden meist zwischen 0,5 und
0,3 liegt, muss in durch Zerrungen belasteten Böden angemessen bis gegen 0
abgesenkt werden. Im Zweifelsfall ist bei anzunehmenden Zerrungen

stets Κ2= 0 anzusetzen.

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Pressungen sind – wenn auch nicht in gleichem Maß gefährlich wie Zerrungen –
nicht zu unterschätzen.

Pressungen wirken ebenso horizontal wie Zwängungen. So wirken auch die von
Pressungen bewirkten Druckspannungen horizontal.

Horizontale Druckspannungen unterstützen die mittragende Wirkung des


Bodens nach Abschnitt 5.2.1 der A161. Eine dadurch bedingte Verbesserung des
Seitendruckbeiwertes Κ2 bleibt jedoch außer Ansatz, da sie mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln nicht nachweisbar sind.

Nicht vernachlässigbar sind jedoch die erhöhten Druckspannungen als Auslöser


für ein verstärktes Eindringen des Bodens in den vom Überschnitt geschaffenen
Spalt zwischen dem Boden und den Rohren, wodurch die Vorpresswiderstände bis
zu einem Festhalten der Rohre erhöht werden können.

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Resümee

Rohrvortrieb ist in Gebieten des untertägigen Abbaues möglich und vertretbar,


wenn die während des untertägigen Abbaues entstandenen Veränderungen im
Baugrund auch bei eingetretener Bergruhe in der statischen Berechnung der
Vortriebsrohre angemessen berücksichtigt werden.

Bergruhe heißt: Der Berg ruht, solange man ihn in Ruhe lässt. Doch er kann
sehr unruhig werden, wenn er in seiner Ruhe gestört wird – zum Beispiel durch
einen Rohrvortireb. Dann ist es gut zu wissen, wie man ihn beschwichtigen kann –
zum Beispiel durch eine angepasste statische Berechnung!

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7. Fortsetzung 06.06.04 Seite 36

Befestigung der Meßlatte an der Schiene

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7. Fortsetzung 06.06.04 Seite 39

Setzungsmessung im Untergrund

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Damit verabschiedet sich der Autor und dankt Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Hoffentlich war es ein wenig interessant, einmal einen Einblick in die geheimnisvolle
Welt des untertägigen Abbaues zu tun.

Mit dem Bergmannsgruß „Glückauf“


laden Sie herzlich ein Ihre

Max Scherle
Uwe Rößler
Fa. Herrenknecht AG
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH

zu unseren

letzten beiden Seminaren,

die vorgesehen sind

für den 08.08.04 als 8. Fortsetzung


mit dem Thema „Rohrverbindungen, Zwischenpressstationen und
Vortriebsschilde“

und

für den 11.11.04 als 9. Fortsetzung


mit dem Thema „Rohrvortrieb in Druckluft“

Fragen zu diesem Seminar sowie Anregungen zu den beiden nächsten Seminaren


bitte an Fax 0621/6882 302.

 Dr.-Ing. Max Scherle