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Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb

11. Fortsetzung 21.07.05 Seite 1

FERNSEMINAR ROHRVORTRIEB
www.maxscherle.com

11. Fortsetzung als Zugabe am 21.07.05

Eine Anwenderinformation für alle am Rohrvortrieb Interessierten von:


Dr.-Ing. Max Scherle in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Ing. Uwe Rößler,
Fa. Herrenknecht AG, Tunnelvortriebstechnik und
Norddeutscher Wirtschaftsverlag GmbH.

Thema:

Statische Berechnung von Vortriebsrohren


im Festgestein und
im gemischten Locker-Festgestein

 Dr.-Ing. Max Scherle


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Hinweis für die Anwender


Mit diesem Seminar stellt der Autor, Dr.-Ing. Max Scherle, allen am Rohrvortrieb
Interessierten und Beteiligten Anregungen und Arbeitshilfen zur Verfügung. Die
Seminarunterlagen wurden von ihm auf der Grundlage seiner Ausbildung zum
Maschineningenieur und zum Bauingenieur, seiner langjährigen Erfahrungen im Tiefbau
im Allgemeinen und im Rohrvortrieb im Besonderen, seiner eigenen Forschungen und
Veröffentlichungen, seiner früheren Seminare und den damit verbundenen Diskussionen,
seiner neunzehnjährigen Tätigkeit als Obmann des gemeinsamen Arbeitskreises
Rohrvortrieb der Abwassertechnischen Vereinigung und des Deutschen Vereins des Gas-
und Wasserfaches nach bestem Wissen und Gewissen mit einem Höchstmaß an Sorgfalt
erstellt.

Mit der Anwendung der Seminarunterlagen entzieht sich niemand der Verantwortung für
eigenes Handeln.

Regressansprüche gegen den Autor oder gegen die an der Gestaltung und Durchführung
des Seminars Mitwirkenden sind ausgeschlossen.

 Dr.-Ing. Max Scherle


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11. Fortsetzung 21.07.05 Seite 3

Meine sehr verehrten Damen,


meine sehr geehrten Herren,

ich begrüße Sie zu dieser nunmehr endgültig letzten Fortsetzung unseres


Fernseminars – man möge es mir nachsehen, ich konnte nicht anders. Und wenn Sie
am Ende sich selbst bestätigen könnten, es hat sich gelohnt, auch diesen Beitrag noch
gelesen zu haben, er bot mir noch etwas Neues – dann wäre schon viel getan.

Festgestein als solches ist längst nichts Neues. Was unter Festgestein beim Rohrvortrieb
zu verstehen ist, beschreibt DIN 18319. Doch offensichtlich beschreibt dieses Normblatt
das Festgestein im Hinblick auf jene Eigenschaften, die dessen Abbau bestimmen. Für die
statische Berechnung von Vortriebsrohren wären noch weitere wesentliche Angaben
erforderlich.

Das Arbeitsblatt A161 der Abwassertechnischen Vereinigung kennt den Begriff


„Festgestein“ gar nicht.

Das Arbeitsblatt A125 der Abwassertechnischen Vereinigung erwähnt zwar Festgestein,


doch mit dem kargen Hinweis, dass bei Antreffen von Festgestein ingenieurmäßige
Überlegungen anzustellen sind.

So bleibt bisher die statische Berechnung von Vortriebsrohren im Festgestein auf der
Strecke und der Statiker blieb hilflos allein!

Und wenn schon das Wort „Festgestein“ im Vokabular des Rohrvortriebes bisher
weitgehend noch ein Fremdwort ist, so ist das vom Verfasser neu zitierte Wort
„Gemischtes Locker- Festgestein“

 Dr.-Ing. Max Scherle


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nicht einmal ein Fremdwort – es ist als käme es von einem anderen Stern – so mag es ein
Reizwort sein oder werde. Was gemischtes Locker- Festgestein ist, hat der Verfasser in
diesem Beitrag erläutert.
Gemischtes Locker- Festgestein ist keine neue Gesteinsformation, es ist vielmehr nur eine
Gesteinskombination, eine Kombination bekannten Gesteins.

Wie entsteht nun Gemischtes Locker- Festgestein? Lockergestein überlagert Festgestein


– ein ganz normaler Vorgang. Soweit wir uns auf oder im Lockergestein befinden, befindet
sich darunter stets festes Gestein. Der Übergang vom Lockergestein zum Festgestein
kann plötzlich erfolgen. Er kann in sehr geringer Tiefe, aber auch erst in sehr großer Tiefe
erfolgen.

Solange der Rohrvortrieb im uneingeschränkten Lockergestein erfolgt, gelten die Regeln


für den Vortrieb im Lockergestein. Erfolgt er im uneingeschränkten Festgestein, gelten die
hier aufgezeigten Rechenansätze.

Erfolgt der Vortrieb der Rohre in einer Tiefe und in einer Zone, in der der Übergang vom
Lockergestein zum Festgestein von statten ging, dann ist der Zustand des Gemischten
Locker- Festgesteins gegeben. Die vom Lockergestein umgebenen Rohre liegen auf
Festgestein auf. Die Auswirkung auf die statische Berechnung wird im folgenden Beitrag
dargestellt und es werden zur Lösung Rechenansätze in den Bildern 21 und 22 gegeben.

Da drängt sich die Frage auf: Wie oft kommt der Zustand des Gemischten Locker-
Festgesteines vor? Öfter als angenommen wird! Nur erkannt wurde er – wenn überhaupt –
nur äußerst selten! Nur die Folgen wurden gesehen: Längsrisse im Scheitel und –
soweit diese zugänglich ist – in der Sohle, obwohl die Rohre nach dem Arbeitsblatt
A161 korrekt berechnet wurden waren. Die Ursache dieser Risse blieb ungeklärt. Die
Risse wurden - so gut es ging saniert und vergessen. Eine kraftschlüssige Sanierung ist
jedoch unmöglich. Der die Rohre verursachende Spannungszustand bleibt bestehen, da
die Auflast bestehen bleibt. Diese Rohre sind nachhaltig geschädigt.

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Ist der Zustand des gemischten Locker- Festgesteins während des Vortriebes oder nach
Abschluss desselben festgestellt, kann an den bereits eingebauten – oder den bereits
vorgefertigten Rohren – nichts mehr verbessert werden!

Eine begrenzte Verbesserung kann durch eine nachträgliche, sehr sorgfältige


Verpressung des Ringspaltes zwischen den Rohren und dem Lockergestein mit einer
Wasser- Zement- Mischung – keines Falls einer Wasser- Bentonit- Suspension – durch
eine Vergrößerung des Auflagerwinkels und eine Verbesserung des Seitendruckbeiwertes
erzielt werden.

Es ist gut, zu wissen, dass es eine – wenn auch nur begrenzte – Möglichkeit zur
Minderung von Schäden, die durch Gemischtes Locker- Festgestein entstanden sind, gibt.

Besser ist es aber, zu wissen, dass durch eine sorgfältige Erkundung des
Baugrundes und durch eine nach dem anschließenden Bericht ausgeführte
Statische Berechnung und Bemessung der Rohre, Schäden bei Vortrieb im
Gemischten Locker- Festgestein verhütet werden können.

Dr.- Ing. Max Scherle

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Statische Berechnung von Vortriebsrohren im Festgestein und im


Gemischten Locker- Festgestein

Über das Für und Wider des Arbeitsblattes A161 der Abwassertechnischen Vereinigung
und der Zwängungstheorie hat der Verfasser in den letzten Heften von biUmweltBau
berichtet. Damit ist der Großteil aller Rohrvortriebe, die überwiegend im Lockergestein
aufgefahren werden, angesprochen. Immer häufiger aber werden Rohre auch im
Festgestein vorgetrieben – Hochentwickelte Vortriebsmaschinen ermöglichen dies.
Die Entwicklung statischer Berechnungen von Rohren, die im Festgestein vorgetrieben
werden, ist bislang zurückgeblieben. Das Arbeitsblatt A125 sagt zwar im Abschnitt 5.5
aus, dass „Für Rohre, die im Festgestein Vorgetrieben werden, im Einzelfall unter
Berücksichtigung der Eigenschaften des Gebirges und der Vortriebstechnik
ingenieurmäßige Überlegungen anzustellen sind“.
Damit ist sicher der Statiker, der in jedem Einzelfall und unter Termindruck Angaben zur
Bemessung der Rohre machen muss, hoffnungslos überfordert. Wo findet er irgend einen
Anhalt, wo findet er Erfahrungsberichte in der Literatur??

Während dem Statiker festgeschriebene und jahrelang erprobte Regelwerke der Technik
mit ihren aus der Erfahrung entstandenen Ergänzungen zur Verfügung stehen, gibt es für
die statische Berechnung von Vortriebsrohren im Festgestein keine vergleichbaren
Hinweise und Hilfen. Die Zeit ist jetzt reif dafür, denn der Rohrvortrieb im Festgestein
geht unaufhaltsam weiter.

Bevor eine Aussage gemacht werden kann, was Inhalt einer statischen Berechnung von
Vortriebsrohren im Festgestein sein soll, ist zunächst festzustellen, welchen Einfluss das
Festgestein auf die Rohre während des Vortriebes hat bzw. nicht haben darf!

Zunächst ist zu klären, wann Festgestein im Sinne des Rohrvortriebes vorliegt. Es gibt
zwar seit dem Jahr 1996 das Normblatt DIN 18319, das Festgestein in 3 Klassen
unterteilt: Bis 5 NM/m², von 5 bis 50, von 50 bis 100 und über 100 NM/m² einachsialer
Druckfestigkeit mit Unterteilung nach dem Trennflächenabstand. Diese Klassifizierung
lässt den Schluss zu, dass der Abbau des Gesteins als das sichtbare Merkmal des
Rohrvortriebes im Vordergrund stand. Doch die Rohre unterliegen beim Rohrvortrieb im

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Allgemeinen, beim Rohrvortrieb im Festgestein im Besonderen ihren eigenen


Kriterien. Diese sind:
1.) Rammsondierungen sind unmöglich.
2.) Der Schild kann nicht dem Abbau vorauseilend in das Gestein getrieben
werden.
3.) Der Abbau kann nicht von Hand oder mit leichtem Gerät erfolgen.
4.) Die Ortsbrust bedarf keiner Abstützung.
5.) Das Festgestein übernimmt durch Spannungsumlagerung seitwärts der Rohre
die durch den Ausbruch weggefallene Stützung des Ausbruchsraumes selbst.
6.) Der Ausbruchsraum bleibt für eine unbegrenzte Zeit erhalten.
7.) Die Rohre werden durch das Festgestein weder vertikal belastet noch horizontal
entlastet.
8.) Gebirgsdruck kann ausgeschlossen werden.
9.) Bergschläge sind auszuschließen.

Wenn diese 9 Kriterien erfüllt sind, können allgemein gültige Rechenansätze für die
statische Berechnung von Vortriebsrohren im Festgestein aufgestellt werden.

Davon ausgehend, dass die Rohre durch einen kreisförmigen Hohlraum vorgetrieben
werden, dessen Durchmesser zur Aufnahme eines Schmiermittels und zum Ausgleich
gekrümmter Gradienten angemessen vergrößert worden ist, werden die Rohre im
Bauzustand quer zu ihrer Achse
• ständig durch ihr Eigengewicht und
• nicht ständig durch Zwängungen belastet.

Diese Belastung erscheint auf den ersten Blick ähnlich der Belastung im Lockergestein.
Doch bestehen im Festgestein grundlegende Unterschiede.

Sowohl beim Eigengewicht als auch bei den Zwängungen gehen die Rechenansätze im
Lockergestein von Auflagerwinkeln von jeweils 2 mal 90° aus.

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Im Festgestein, in das sich die Rohre nicht wie im Lockergestein in den Baugrund
eindrücken lassen,
kann nur mit Auflagerwinkeln von
2 mal 15°,
maximal 2 mal 30°
gerechnet werden! In besonders ungünstigen Fällen kann Linienlagerung nicht
ausgeschlossen werden!

Im Lockergestein bleiben vertikale Zwängungen sowohl im Scheitel als auch in der Sohle
außer Ansatz, da sie der Erdlast entgegen wirken und dadurch aufgehoben werden.

Im Festgestein drücken vertikale Zwängungen die Rohre gegen das Gestein und
belasten sich dadurch selbst. Sie erzeugen dabei in der Sohle positive Momente,
welche die innere Bewehrung bestimmen.

Die äußere Bewehrung bestimmen die negativen Momente in den Kämpfern, welche
ihren Ursprung in den vertikalen Zwängungen in der Sohle haben.

Bild 16 stellt Rechenansätze für die statische Berechnung von Vortriebsrohren im


Festgestein entsprechend den hier aufgezeigten Kriterien für die nicht ständig wirkenden
Zwängungen dar. Es zeigt, dass
vertikale Zwängungen
• in der Sohle positive Momente für die innere Bewehrung und
• in den Kämpfern negative Momente für die äußere Bewehrung
erzeugen.

Horizontale Zwängungen bleiben unerwähnt, da sie nur eine Wende um 90° gegenüber
den vertikalen Zwängungen bedeuten würden, wodurch in den Kämpfern die gleichen
positiven Momente erzeugt werden würden, wie sie die vertikalen Zwängungen in den
Sohlen erzeugten!

Bild 17 stellt Beispiele zur Berechnung der zulässigen Vorpresskraft und der
Schnittkräfte von Vortriebsrohren im Festgestein dar.

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Nicht oft, doch öfter als angenommen, schiebt sich, deshalb „mischt“ sich
Festgestein unter Lockergestein, darum
Gemisches Locker- Festgestein.
Dabei entsteht keine neue Gesteinsformation, sondern nur eine neue
Gesteinskombination.

Was ist nun Gemischtes Locker- Festgestein, wie entsteht es und wie wird es erkannt?

Lockergestein lagert auf Festgestein auf, nichts Ungewöhnliches, wie Bild 18 zeigt.

Die kritische Zone, das ist der Übergang von Lockergestein zum Festgestein, wird im Zuge
der Baugrunderkundung durch auf NN eingemessene Rammsondierungen in
ausreichender Anzahl festgestellt. Die Rammsondierdiagramme sind maßstabgetreu
in die Längenschnitte der Vortriebsmaßnahme zusammen mit den Bohrprofilen zu
übernehmen.

Während des Vortriebes wird das Auffahren des Vortriebsschildes bzw. der
Vortriebsmaschine auf Festgestein durch ein – meist unerklärliches – Aufsteigen des
Vortriebschildes bzw. der Vortriebsmaschine, erkennbar wie dies Bild 19 zeigt. Das
Festgestein ist, soweit es sich um Handabbau handelt, bei gleichzeitiger Sicherung der
Ortsbrust abzubrechen und es ist ein angepasstes Auflager für die nachfolgenden Rohre
zu schaffen – ein schwieriges Unterfangen! Bei maschinellem Vortrieb ist die
Vortriebsmaschine dem Festgestein entsprechend nachzurüsten! Für alle Rohre, die sich
bereits in der Vortriebsstrecke befinden, ist eine neue statische Berechnung zu
erstellen. Da diese Rohre nicht mehr verändert werden können, kann eine Anpassung der
zulässigen Vorpresskräfte nur durch Verbesserung der Vermessungs- und Steuertechnik
und damit eine Aufbesserung des Zwängungskennwertes erreicht werden. Um den
aufgezeigten Schwierigkeiten vorzubeugen, bieten Rammsondierungen in
genügender Anzahl in ausreichender Tiefe unter Rohrsohle (soweit möglich!) die
bestmögliche Gewähr!

Bei Vortrieb im uneingeschränktem Lockergestein wird die Auflast des die Rohre
überlagernden Gesteins von den Rohren aufgenommen und von diesen an die Sohle zur

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dortigen endgültiger Aufnahme in den Baugrund abgeleitet. Die Lastübernahme im


Scheitel und die Lastabgabe in der Sohle erfolgt nach der getroffenen Annahme jeweils
unter Winkeln von 2 mal 90°.

Bei Vortrieb im uneingeschränktem Festgestein erfahren die Rohre nach den


festgestellten Kriterien keine Belastung durch das überlagernde Gestein, so dass die
Rohre in der Sohle keine Last an das unterliegende Gestein abzugeben haben.
Dementsprechend werden die Rohre bei uneingeschränktem Festgestein im Sohlbreich
nicht durch den Baugrund belastet.

Ist der Fall des Gemischten Locker- Festgesteines festgestellt bzw. ist er
eingetreten, dann bleibt die Auflast aus dem die Rohre überlagernden Lockergestein
unverändert erhalten.

Sie muss im Scheitel von den Rohren aufgenommen und von diesen zu deren Sohlen zur
dortigen Aufnahme durch den Baugrund abgeleitet werden. Da die Rohre nunmehr in der
Sohle jetzt uneingeschränktes Festgestein vorfinden, kann nur mit einem Auflagerwinkel
von 2 mal 15° bis maximal 2 mal 30° gerechnet werden. Dadurch entstehen im
Gemischten Locker- Festgestein im Gegensatz zum uneingeschränkten Lockergestein
Auflagerreaktionen, die wesentlich höher ausfallen müssen als bisher im
uneingeschränkten Lockergestein vorhanden bzw. zu rechnen war!!

Da den für (uneingeschränktes) Lockergestein bisher aufgestellten und auch hier


aufgezeigten Rechenansätzen ausschließlich Auflagerwinkel von 2 mal 90° zugrunde
liegen, können sie für die Ermittlung der Schnittkräfte im Gemischten Locker-
Festgestein nur sinngemäß in Anspruch genommen werden.

Hier hilft das


Handbuch für Rohre aus
Beton, Stahlbeton, Spannbeton
Herausgegeben vom
Bundesverband Deutsche Beton- und Fertigteilindustrie e.v. Bonn
BAUVERLAG GMBH WIESBADEN UND BERLIN 1978,

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weiter, das für alle nur denkbaren Belastungs- und Auflagerfälle die Grundlagen liefert. Um
den Lesern und Anwendern dieses Berichtes die Mühe des Aufsuchens und jeweils
erforderlichen Schnittkraftsvorwerte aus der schier unendlichen Anzahl von Ausdrucken zu
ersparen – und da wohl nicht mehr alles Leser und Anwender dieses Berichtes im Besitze
des genannten äußerst wertvollen Handbuches sein können – hat der Verfasser die für
gemischtes Locker- Festgestein jeweils relevanten Werte ausgewählt und in Bild 20
dargestellt.

Die statische Berechnung von Vortriebsrohren im Gemischten Locker- Festgestein erfolgt


sinngemäß nach den Bildern 1 bis 15 des vorausgegangenen Berichts „Hand in Hand“
mit den jeweils gültigen Vorwerten für Gemischtes Locker- Festgestein nach den Bildern
21 bzw. 22 mit freier Eingabe der für die gegebene Baumaßnahme zu treffenden Werte
von kappa, gamma, Raumgewicht des Bodens, Überdeckungshöhe, Rohrdurchmesser,
Rohrwanddicke und Raumgewicht der Rohre.

Es bleibt dem Ermessen des Planers, des Baugrundgutachters und des Statikers
vorbehalten, ob als Auflagerwinkel 2 mal 15° oder 2 mal 30° gewählt wird. Dabei ist davon
auszugehen, dass bei Vorhandensein von hartem bis sehr hartem Gestein ein
Auflagerwinkel von 2 mal 15° nicht überschnitten werden darf.

Liegt jedoch ein mäßig hartes bis stark angewittertes oder gebräches Gestein vor, dann
kann ein Auflagerwinkel von 2 mal 30° angenommen werden.

Unter Gemischtes Locker- Festgestein fallen auch Böden, die auf Grund ihrer
Kornzusammensetzung noch unter Lockergestein einzustufen wären, jedoch auf Grund
ihrer sehr hohen Lagerungsdichte – erkennbar an sehr hohen Schlagzahlen bei der
Rammsondierung mit der schweren Ramme – bereits als Festgestein einzustufen sind.
Hier muss mindestens mit einem Auflagerwinkel von 2 mal 30° gerechnet werden, falls
nicht auf Grund extrem hoher Schlagzahlen bei der Rammsondierung mit einem
Auflagerwinkel von 2mal 15° zu rechnen ist.

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Um die Rechenergebnisse von Festgestein mit denen von Gemischtem Locker-


Festgestein vergleichbar zu machen und um diese wiederum mit den Ergebnissen von
Lockergestein vergleichen zu können, wurden für die Rechenbeispiele von Festgestein
und Gemischtem Locker- Festgestein die Vorgaben von den Rechenbeispielen für
Lockergestein übernommen.
Es sind dies: di = 2,00 m, s = 0,25 m, l =3,00 m, hü=15,00 m, R=1000 m, gamma
E=20kN/m³.
Die Ergebnisse der Rechenbeispiele Bilder 1 bis 11, 16 und 17 sowie 21 und 22 sind im
Bild 23 zusammengefasst.

Der Vergleich Lockergestein – Festgestein – Gemischtes Locker- Festgestein macht das


starke Abfallen der zulässigen Vorpresskraft von 5.921 über 3.479 auf 1.572 besonders
drastisch – was jedoch nicht überraschen darf. Zwängungen wirken sich im Festgestein
wesentlich stärker aus als im Lockergestein – Festgestein gibt eben nicht nach, wenn die
Rohre gegen das Gebirge gedrückt werden.

Während die Bemessungsschnittkräfte für die Kämpfer beim Übergang vom Lockergestein
zu Gemischtem Locker- Festgestein nur wenig erhöht werden, werden diese in den
Sohlen bei Festgestein deutlich, bei Gemischtem Locker- Festgestein drastisch
erhöht!

Hier schaffen die zur Verbesserung der zulässigen Vorpresskraft im vorausgehenden


Beitrag aufgezeigten Maßnahmen in gleicher Weise und dies gleichzeitig und im
gleichen Verhältnis die erforderliche Verbesserung.

Die Vielzahl der hier angesprochenen Bilder, die wegen ihres Umfanges den Platz in
biUmweltBau überfordern würde, wurde in das Internet eingestellt, wo es unter
www.maxscherle.com
unentgeltlich ausgedruckt werden kann.

 Dr.-Ing. Max Scherle


Fernseminar – Scherle, Rößler – Rohrvortrieb
11. Fortsetzung 21.07.05 Seite 13

So wird der Rohrvortrieb den Herausforderungen im Festgestein und im


Gemischten Locker- Festgestein angepasst.

Der Autor würde es nicht wagen, die Lösung eines so schwierigen, bislang – vielleicht
weltweit – ungelösten Problems mit seinen eigenen Gedanken zu veröffentlichen, wenn
die dargestellten Rechengänge nicht bereits mehrfach erfolgreich getestet worden
wären.

Dr. – Ing. Max Scherle


Kapellengasse 25
67 071 Ludwigshafen
Tel: 0621 / 6882-300
Fax: 0621 / 6882-302

 Dr.-Ing. Max Scherle


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11. Fortsetzung 21.07.05 Seite 14

Anlage
zu

Statische Berechnung von Vortriebsrohren

im Festgestein und im Locker- Festgestein

Bilder 16 bis 23

 Dr.-Ing. Max Scherle