Sie sind auf Seite 1von 4

Thema: Ein Gedicht analyse

Fach: Theorie der Literatur

Betreuer: Martin Mato

Vorbereitet von: Helga Icka

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?


Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -


Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -
"Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand."

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,


Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -

"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?


Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein."

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort


Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -

"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;


Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt."
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -

Dem Vater grausets, er reitet geschwind,


Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
Autor
Johann Wolfgang von Goethe
Bestimmung der Gedichtart
Ballade
Das Thema des Gedichtes
Der Stoff der Ballade stammt aus dem Dänischen, dort heißt der
Erlkönig Ellerkonge (Nebenform von Elverkonge), also ‚Elfenkönig. Der Vater reitet in der Nacht
mit seinem kranken Jungen zurück zum Hof durch einen magischen und gespenstischen
Erlenbruchwald (woraus sich vermutlich das Wort "Erlkönig" ableitet). Das Kind leidet dabei an
zunehmend schweren Halluzinationen, bei dem ihm immer wieder der bedrohlich anmutende
Erlkönig erscheint und ihn in sein Reich zu seinen Töchtern locken will. Der Vater versucht den
Jungen zu beruhigen und beeilt sich nach Hause zu kommen. Die rechtzeitige Rückkehr
misslingt und das Kind verstirbt in seinen Armen.
Aufbau des Gedichtes

Strophen :8, Verse: 32

Jede Strophe enthält zwei Paarreime. In den Strophen 2, 4, 6 und 7 wird der Dialog


zwischen Vater und Sohn wiedergegeben. Die beiden entfernen sich im Laufe der
Ballade – auch formal – voneinander:

 In Strophe 2 sind Rede und Gegenrede jeweils in einem Reimpaar miteinander


verbunden.
 Die Reimpaare in Strophe 4 und 6 enthalten jeweils nur die Äußerungen von Vater oder
Sohn.
 In Strophe 7 schließlich erhält der Sohn auf seinen verzweifelten Ausruf keine Antwort
mehr vom Vater (denn den »grauset’s«, Strophe 8).

Rhethorische Mittel

 Das Stilmittel Repetitio in den Versen 13, 21, 23 und 27 unterstreicht die


Dringlichkeit, mit der der Sohn den Vater zu erreichen bzw. der Vater den Sohn zu
beruhigen versucht: »Mein Vater, mein Vater«, »Mein Sohn, mein Sohn«.

 Das Stilmittel Anapher ist besonders augenfällig in den Strophen 3 und 4. Das


Personalpronomen »er« für den Vater wird dort dreimal benutzt: er hat, er fasst, er hält.
Dies ist eine deutliche Steigerung der Nähe zwischen Vater und Sohn. Ein weiteres
Beispiel enthalten die Verse 18 und 19 (zugleich Repetitio) oder Vers 15 (»Sei ruhig,
bleibe ruhig«)

 Das Stilmittel Alliteration findet sich in mehreren Versen, zum Beispiel »bunte


Blumen« (Vers 11) oder »meine Mutter« (Vers 12).

 Während der Vater rational mit dem Kind umgeht, spricht der Erlkönig mit seiner
Wortwahl Emotionen an (»schöne Spiele, bunte Blumen, gülden Gewand, warten
schön, wiegen, tanzen, singen«).

 Das langgezogene »i« in den Versen 9 und 10 hat lautsymbolische Wirkung: Vor


dem geistigen Auge entfaltet sich ein Welt voll Anmut und Lieblichkeit. Das gleiche gilt
für den Vokal »a« in Strophe 7.

 Schließlich sei der Kontrast erwähnt, den Goethe in Strophe 1 einsetzt: Die


Unwirtlichkeit der Situation, in der Vater und Sohn sich befinden » durch Nacht und
Wind«, wird durch die Schilderung der Geborgenheit des Kindes in den Armen des
Vaters kontrastiert.