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Technische Ausbildung für Höhlenbefahrung

Andreas Bigler
Peter Jordan Str. 18-24/1/4; A-1190 Wien
Mobiltelefon: +43-650-901 04 67
Mail: andreasbigler1@mac.com
Site: www.andreasbigler1.com

*** Sicherheit in der Höhle ***

"Sicherheit in der Höhle" ist ein Arbeitsskriptum für die befahrungstechnische Ausbildung. Der
Verfasser, Andreas Bigler, weist ausdrücklich darauf hin, dass "Sicherheit in der Höhle" kein
Lehrbuch zum Zweck des Selbststudiums ist und auch keine Ergänzung des "Höhlenführerskrip-
tums" des VÖH darstellt!

"Sicherheit in der Höhle" wird regelmäßig, unter Berücksichtigung des Norm- und Sicherheits-
standards (Prüfergebnisse, Zusammenarbeit mit Höhlenforschung und Höhlenrettung, sowie Berg-
rettung) aktualisiert. Diese Aktualisierungen werden in Form von "Merkblättern" veröffentlicht.

Änderungen von "Sicherheit in der Höhle" dürfen ausschließlich durch den Verfasser vorge-
nommen werden. Ausdrucke und Vervielfältigungen von "Sicherheit in der Höhle" sind nur mit
Zustimmung des Verfassers und ausschließlich zu nicht kommerziellen Zwecken gestattet! Wider-
rechtliche Änderungen des Inhalts und nicht genehmigte Vervielfältigungen von "Sicherheit in
der Höhle" werden strafrechtlich verfolgt!

Schutzgebühr für die CD "Sicherheit in der Höhle" im PDF – Format, beträgt € 20,- pro Ausgabe
*** Der Download von "Sicherheit in der Höhle" ist kostenlos ***

"Sicherheit in der Höhle" ist auch als gebundenes Printmedium (inklusive Merkblätter)
für € 12,- pro Exemplar erhältlich.

Glück tief
Andy Bigler

Neu überarbeiter Auflage 2001


© Andreas Bigler, A-1190 Wien
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A U S R Ü S TU N G B E IM HÖ H L E N F O R S C H E N (!)

1 . ) G R UN D A US R ÜS T UN G

1a.) Un te rk l e i du n g:

Wärmeisolierende, sowie schweißsaugende Unterkleidung ist unerläßlich. Der Fachhandel bietet spezielle Höh-
lenunterwäsche an, die als "Unterschlaz" bezeichnet wird. ("Schlaz" ist die Abkürzung für "Schliefanzug").

1b.) Übe rk l e i du n g:

Ein spezieller Overall, "Schlaz" genannt, schützt vor Schmutz und Feuchtigkeit. Der "Superschlaz" wird aus
PVC hergestellt und ist wasserdicht. Er kommt hauptsächlich in Wasserhöhlen und sehr kalten Regionen zum
Einsatz. In den letzten Jahren gewann der "Leichtschlaz" zunehmend an Bedeutung. Er wird aus strapazfähigem
Gewebe, welches auf der Innenseite beschichtet ist, hergestellt. Der Leichtschlaz ist wasserabweisend und bietet
ein wenig Atmungsaktivität.

1c.) S ch u h we rk u n d Han ds ch u h e :

In sehr nassen Höhlen haben sich Gummistiefel sehr bewährt, aber auch
Hartschalen- und Lederbergschuhe kommen immer wieder zum Ein-
satz.
Bei den Handschuhen werden von vielen Höhlenforschern spezielle
Gummihandschuhe bevorzugt, aber auch Lederarbeitshandschuhe
werden oftmals getragen.

1d.) He l m u n d Be l e u ch tu n g:

Es werden keine speziellen Höhlenhelme erzeugt, aber es sollte unbe-


dingt ein Steinschlaghelm mit Prüfzeichen verwendet werden.
Die Beleuchtung sollte grundsätzlich aus zwei voneinander unabhängigen
Lichtquellen bestehen. Die bewährte "Karbidlampe" dient meist als
Hauptlichquelle. Ein spezieller "Karbidentwickler"(?) erzeugt die entsprechende Gasmenge. Die Helmkarbid-
lampe gewinnt zunehmend an Bedeutung und ist derzeit in Kombination mit einer Elektrostirnlampe (batteriebe-
trieben), die am häufigsten verwendete Lichtquelle. Der Fachhandel bietet geprüfte Helme mit fertig montierten
Karbid/Elektro-Kombinationen an.

(! )
Wir sind bestrebt wertfreie Informationen zu liefern und unterlassen daher jede persönliche Produkt-
beurteilung. In jedem Fall soll darauf geachtet werden, daß Ausrüstungsgegenstände mit einem Güte-
bzw. einem Prüfzeichen versehen sind. Daher ist es vorteilhaft im Fachhandel einzukaufen.
(?)
Wenn Karbid mit Wasser in Berührung kommt entsteht Azetylen, ein leicht entzündliches Gas, wel-
ches ein grelles räumliches Licht erzeugt.

Karbid/Elektro-Kombination
2

1e .) S on s ti ge Gru n dau s rü s tu n g:

Der Höhlenrucksack wird als "Schleifsack" bezeichnet und ist aus hochfestem Kunststoff gefertigt. Schleifsäcke
werden in Größen von 15 L bis 60 L angeboten. Ein normaler Rucksack würde den Anforderungen einer Höhle
nicht standhalten.
Erste Hilfe-Packerl, Reservebatterien, Reservekarbid, sowie ein Notlicht und persönliche Verpflegung sollten
immer mitgenommen werden.

2 . ) S c ha c ht a us rüs t ung ( * * )

Die in Punkt 1 beschriebenen Ausrüstungsgegenstände werden den Anfor-


derungen einer Horizontalhöhle gerecht, wer aber Schachthöhlen befah-
ren möchte, der benötigt zusätzliche Ausrüstung.

2a.) S i tz - u n d Bru s tgu rt:

Höhlensitzgurte sind den Sportklettergurten sehr ähnlich. Sie sind jedoch


voll verstellbar, abriebgeschützt und der Zentralpunkt - bei Sportkletter-
gurten Anseilpunkt genannt - liegt tiefer. Der Höhlenbrustgurt ist meis-
tens nur ein gekreuztes Schlauchband mit verstellbarem Schnellverschluß.

H öh l en s i t z - u n d B r u s t gu r t e ei gn en s i ch n i ch t z u m A l pi n kl et t er n ! ! !

2b.) Abs e i l ge räte :

Für die Schachtbefahrung wurden spezielle


Abseilgeräte entwickelt. Das "Rack" und der
"Stop" sind die am meisten eingesetzten Gerä-
te. Auf kurzen Abseilstrecken kommen auch
"Achter" und "HMS" zum Einsatz.

Rack
Stop

(**)
Die richtige Handhabung der Schachtausrüstung wird im Abschnitt "Einseiltechnik" beschrieben.
3

2c.) Kl e mme n u n d S i ch e ru n gs e l e me n te :

Es werden Hand- Brust- (meist Typ "Croll") und Fuß-


steigklemmen angeboten, die je nach Steigmethode ver-
schieden kombiniert zum Einsatz kommen. Ein "Kuh-
schwanz" mit zwei Karabinern, dient zur Selbstsicherung.
Hierfür werden entweder Bergseile entsprechend geknotet,
oder es wird das "Energyca" (speziell vernähte Schlingen
mit Prüfzeichen) verwendet.
Bei den angeführten Ausrüstungsgegenständen in Punkt
1 und 2 handelt es sich um persönliche Höhlenausrüs-
tung, die jeder Höhlenkamerad besitzen sollte.
" (Abb. links: Handsteigklemme mit Steigschlinge).

Croll

3) Hö hle ns e ile ( ! )

Höhlenseile dienen zur Fortbewegung und nicht zur Sturzsicherung, daher sollen sie
auch nicht mehr Gebrauchsdehnung als 2,5% bis 5,0% haben. Solche Seile werden auch als
Statikseile bezeichnet. Höhlenseile werden mit Durchmessern von 8,0 mm bis 10,5 mm
hergestellt und haben DIN-Bruchlastwerte von 18.000 N bis ca. 33.000 N. Seile mit einem
kleineren Durchmesser als 9,0 mm sollten nur von erfahrenen Forschern verwendet werden.
Laut Auskunft des Fachhandels werden Seile mit 9,0 mm und 10,0 mm Durchmesser am
häufigsten gekauft.

4) M a t e ria l f ür de n S c ha c ht e inba u ( * * * )

Für den Seileinbau in Schächten werden spezielle Karabi-


ner oder Schraubglieder, sowie Bohranker, Befesti-
gungslaschen, Bandschlingen und Repschnüre benötigt.
Hammer, sowie
Akku-Bohrmaschine oder Spitsetzer (spezieller Handboh-
rer), und entsprechende Schraubenschlüssel müssen eben-
falls mitgenommen werden. Spitsetzer

(!)
Nähere Informationen und technische Daten über Höhlenseile in der Broschüre "Materialtesttag"
(***)
Detailierte Informationen im Abschnitt "Befestigungssysteme"
4

B E F A H R U N G S TE C H N I K (E I N S E I L TE C H N I K )

Wer die im Kapitel Schachtausrüstung beschriebenen Hilfsmittel besitzt, ist bezüglich Materialerfordernis für
Schachtbefahrungen gut gerüstet. Aber die beste Ausrüstung ist nur halb so gut, wenn der Umgang mit den
einzelnen Geräten nicht beherrscht wird. Die richtige Anwendung sollte laufend geübt werden, um Gefahrensitua-
tionen vermeiden zu können.
Die Fortbewegung in Höhlen wurde in den letzten Jahren durch die Entwicklung der Einseiltechnik sehr verein-
facht. Auf- und Abstiege auf Drahtseilleitern gehören zwar nicht der Vergangenheit an, aber bei der Befahrung
von tiefen Schächten bedienen sich moderne Forscher ausschließlich der Einseiltechnik. Hundert Meter Seil sind
wesentlich leichter und bei weitem nicht so voluminös, wie zwanzig Meter Drahtseilleiter. Außerdem erspart
man sich die zusätzliche Seilsicherung. All diese Vorteile sprechen für die Einseiltechnik.
Die Einseiltechnik zu erlernen ist nicht allzu schwierig. Sich wie eine Spinne auf einem Faden fortzubewegen ist
ein ganz besonderes Erlebnis, auch wenn sich bei den ersten Versuchen ein flaues Gefühl in der Magengegend
bemerkbar macht.
Es ist nicht ratsam, die ersten Steig- und Abseilübungen sofort in einem Schacht durchzuführen, denn psychi-
sche- und physische Belastung sind in der Höhle sicherlich größer, als unter freiem Himmel. Es ist besser, die
ersten Versuche in einem Klettergarten zu starten, denn hier herrscht Sichtkontakt zwischen "Trainer" und "Lehr-
ling". Auch die verbale Verständigung ist hier leichter als in einer Höhle . Außerdem ist eine eventuell notwen-
dige Hilfestellung einfacher durchzuführen. Prinzipiell stünde den ersten Versuchen am Einfachseil nichts mehr
im Weg, allerdings sollte vorher die Ausrüstung - auch "Steigzeug" oder "Schachtzeug" genannt - eingestellt
werden.

1. ) A NLEG EN UND A NP AS S EN DER A US RÜS TUNG :

Die einzelnen Ausrüstungsgegenstände sollten unbedingt vor dem ersten Einsatz an den Körper angepaßt werden.
Zu lockere Beinschlaufen am Sitzgurt, oder zu lange Selbstsicherungen, sowie zu kurze Steigschlingen, sind
nicht nur lästig, sondern können auch Gefahrensituationen erzeugen.

1a.) S i tz - u n d Bru s tgu rt:

Unterschlaz und Schlaz müssen angezogen werden, erst dann können die Gurte optimal eingestellt werden. Sitz-
und Brustgurt müssen so eingestellt sein, daß sie bei Belastung nicht hochrutschen. Bei einem "Hängetest"
lassen sich Paßform und Komfort sehr einfach feststellen. Eine Teppichstange oder die Befestigungshaken einer
Kinderschaukel reichen für dieses Vorhaben völlig aus.
Im Sitzgurt wird ein "Maillon" (halbkreisförmiges Schraubglied aus Stahl oder Alu) eingeschraubt, auf wel-
chem die einzelnen Geräte befestigt werden. Bei der "Frosch/Raupen-Steigmethode"(?) wird eine Bruststeig-
klemme zwischen Sitz- und Brustgurt befestigt (am Sitzgurt im Maillon, im Brustgurt mit einem Dreieck-
Schraubglied).

(?)
Erklärungen im Abschnitt "Aufstieg am Einfachseil".
5

1b.) Län ge de r S i ch e ru n gs s ch l au fe n u n d de r S te i gs ch l i n ge n :

Die genaue Längenanpassung der einzelnen Sicherungsschlaufen erfolgt individu-


ell. Grundsätzlich sollten mindestens zwei Sicherungsschlaufen (z.B. Energy-
ca) mit Karabinern - eine zur Sicherung der Handsteigklemme und eine weitere
als Selbstsicherung - verwendet werden. Es ist jedoch wesentlich bequemer, zwei
verschieden lange Selbstsicherungen plus eine zusätzliche Sicherung für die
Handsteigklemme zu verwenden.
Die Sicherungsschlaufen sollten keinesfalls zu lang sein. Sie sollten beim freien
Hängen mit leicht ange-
winkelter Hand bequem
zu erreichen sein. Die
kurze Selbstsicherung ist
ca. 1/3 kürzer als die lange
Selbstsicherung. Bis die
optimale Länge gefunden
ist, bedarf es sicherlich
einiger Tests, die nicht erst
im Schacht durchgeführt
werden sollten!
Die Längeneinstellung für
Steigschlingen ist sehr
einfach. Beide Beine wer-
den in die Fußschlaufe
gestellt. Bei gespannter
Steigschlinge sollte sich
die H a n d s t e i g k l e m m e
ungefähr in Brusthöhe
befinden

Energyca
doppelte Selbstsicherung

2. ) A B S EILEN AM E INFAC H S EIL :

Im Gegensatz zum Bergsteigen, wo der Berg von unten nach oben begangen wird, ist es bei der Höhlenforschung
meistens umgekehrt. Der Höhlenforscher seilt sich zuerst bis zum Schachtgrund ab und steigt erst am Rückweg
auf. In der Höhlenforschung wird der Abseilvorgang auch als "Abseilfahrt" bezeichnet.
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Wie bereits im Abschnitt "Ausrüstung beim Höhlenforschen, Punkt 2 (Schachtausrüstung)" erwähnt, sind die am
meisten verwendeten Abseilgeräte der "Stop" und das "Rack". Egal für welches Gerät man sich entscheidet,
die Anwendung muß trainiert werden.

2a.) D e r " S top" :

Der "Stop" ist ein Abseilgerät mit automa-


tischer Bremse. Um sich abseilen zu können,
muß mit einer Hand der Hebel gedrückt
werden, und mit der anderen Hand am freien
Seilende gebremst werden. Wird dieser Hebel
nicht vollends zusammmengedrückt, kann
auch auf diese Weise der Seildurchlauf (und
dadurch auch die Abseilgeschwindigkeit)
geregelt werden. Läßt man den Hebel los,
bremst der "Stop" automatisch (Abb.
links) bis zum Stillstand ab.

*** Das freie Seilende darf niemals losgelassen werden, solange der Hebel ge-
drückt wird! ***

Das Einhängen des Seils ist sehr einfach (Abb. rechts oben) und erfolgt ohne den "Stop" aus dem Karabiner
auszuhängen. Es braucht nur ein Schenkel aufgeklappt werden.
Der "Stop" funktioniert bis zu einer Direktabseilstrecke von ca. 70 Metern, auf Seilen mit Durchmessern von
9,0 mm bis 10,5 mm einwandfrei.

2b.) D as " Rack " :

Das "Rack" ist ein Abseilgerät mit Bremsstegen. Je mehr Bremsste-


ge eingehängt sind, um so größer ist die Bremskraft und dadurch die
Verminderung der Abseilgeschwindigkeit. Das "Rack" eignet sich
besonders für sehr lange Direktabseilstrecken. Es hat keine automati-
sche Bremsvorrichtung. Daher ist es vorteilhaft, mit einem zusätzli-
chen Sicherungsgerät (z.B. "Shunt") abzufahren. Eine ähnliche Wir-
kung wird mit einem Karabiner erzielt, der am höchsten Punkt des
Racks als Umlenkung befestigt wird. Dadurch wird bei Zug nach
unten (am freien Seilende) eine höhere Bremskraft bewirkt.
(Abb. rechts: Einhängen des Seils ins "Rack"; erhöhte Bremskraft
durch Karabinerumlenkung).

*** Ohne Sicherung darf auch beim "Rack" das freie Seilende niemals losgelassen werden! ***
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3. ) Aufstieg am Einfachseil:
In Höhlen ist es meistens nicht möglich, einen Schacht mit alpiner Technik zu erklettern, denn das Gestein ist
sehr rutschig und die Struktur eines Schachts bietet keine Tritt- und Griffmöglichkeiten.
Der Höhlenforscher steigt daher auf dem Seil, welches er fürs Abseilen benutzt hat, auch wieder auf. Dabei
kommen die verschiedensten Steigmethoden zum Einsatz. Egal auf welche Art am Seil aufgestiegen wird, es
werden mindestens zwei Steigklemmen benötigt.

Die bekanntesten Techniken sind: Die "Jumar-Technik" (zwei Handsteigklemmen


mit je einerSteigschlinge kommen zum Einsatz).

Die "Fuß-Hand-Technik" (Eine Handsteigklemme mit


Steigschlinge, eine Bruststeigklemme und eine Fußsteig-
klemme werden verwendet).

Die "Frosch/Raupen-Technik" (Eine Handsteigklemme mit


Steigschlinge und eine Bruststeigklemme werden benötigt).

In der Höhlenforschung wird hauptsächlich die Frosch/Raupen-Technik angewendet. Die Fuß-Hand-Technik ist
nur eine Erweiterung der Frosch/Raupen-Technik. Sehr sportliche Forscher steigen auch mittels Jumar-Technik.
Die Entscheidung auf welche Steigmethode die Wahl fällt, ist individuell. Dieses Skriptum beschreibt bei der
Steigtechnik ausschließlich die Frosch/Raupen-Technik.

3a.) D i e Fros ch /Rau pe n -Te ch n i k :

Die Bruststeigklemme
(z.B. Typ "Croll")
wird zwischen Sitz-
und Brustgurt befes-
tigt, wodurch diese
Klemme bereits gesi-
chert ist. Die Hand-
steigklemme wird mit
einer Sicherungsschlau-
fe ebenfalls am Sitz-
gurt gesichert (Längen-
einstellung der einzel-
nen Sicherungen und
der Steigschlinge siehe
Punkt 1b.).

Hand- und Bruststeig-


klemme werden am
Seil eingehängt und
ein Bein (Raupentech-
nik) oder beide Beine
(Froschtechnik) werden
in die Steigschlinge
gestellt. Eine Hand (es
werden Klemmen für
Links- und Rechtshän-
der angeboten) schiebt
die Handsteigklemme
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am Seil nach oben, gleichzeitig werden die Beine angehockt (siehe Abb. linker Bildteil). Anschließend wird der
Körper durch Strecken der Beine wieder aufgerichtet, wodurch ein Aufwärtshub entsteht (siehe Abb. rechter Bild-
teil).
Nun wird die Handsteigklemme wieder hochgeschoben und der Vorgang wiederholt. Solange das Seil völlig frei
hängt, ist ein kraftsparender und zügiger Aufstieg möglich. Bei Felskontakt ist es günstiger, mit nur einem Bein
in der Steigschlinge zu stehen und mit dem anderen Bein in der Felsstruktur mitzusteigen.

Die Kraftübertragung soll durch Beinarbeit geleistet werden. Die Hände dienen als Balanceausgleich und leisten
nur wenig Arbeit. Der Körper soll immer aufrecht am Seil entlanggeführt werden, so daß die Beinarbeit vertikal
verrichtet wird.

*** Der häufigste Anfangsfehler ist das Zurücklehnen, wodurch ein ungünstiger Steigwinkel entsteht und
sehr viel Arbeit von den Händen verrichtet werden muß, was sich als sehr kraftraubend erweist. ***

4. ) Umsteigstellen

Da Seile nicht über Kanten laufen dürfen, werden an solchen Stellen Zwischenveranke-
rungen eingebaut. Beim Abseilen und auch beim Aufstieg, müssen diese Zwischenveran-
kerungen überwunden werden. Dabei müssen die jeweiligen Geräte von einem Seilteil auf
einen weiterführenden Seilteil umgehängt werden. In der Höhlenforschung wird dieser
Vorgang "umsteigen" genannt.

4a.) Ums te i ge n be i m Abs e i l e n :

# Bis auf gleiche Höhe mit der Zwischenverankerung abseilen!

# (Kurze) Selbstsicherung in die Zwischenverankerung einhängen und weiter abseilen, bis die
Selbstsicherung voll belastet ist!

# Nun wird die Handsteigklemme (ca. in Kinnhöhe) als zweite Sicherung im oberen Seilteil
eigehängt (Zwei-Punkt-Sicherung)!

# Erst jetzt (!) wird das Abseilgerät geöffnet und in den unteren Seilteil eingehängt!
(Handhabung der Abseilgeräte siehe 2a. und 2b.)

# Fuß in die Steigschlinge stellen und Körper aufrichten. Dadurch wird die Selbstsicherung
entlastet und kann ausgehängt werden! (Tip bei Verwendung des Abseilgerätes "Stop": In
die Steigschlinge stellen und den "Stop" bis zum Knoten hochziehen und anschließend be-
lasten. Dadurch wird beim Umsteigen der Kraftaufwand reduziert).

# Jetzt kann auch die Handsteigklemme ausgehängt und der Abseilvorgang fortgesetzt weden!
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4b.) Ums te i ge n be i m Au fs ti e g:

# Handsteigklemme bis ca 5 cm unter den Seilknoten schieben (wird die Handsteigklemme


bis zum Anschlag an den Knoten geschoben, besteht die Gefahr, daß sie sich nur sehr
schwer öffnen läßt)!

# (Lange) Selbstsicherung in die Zwischenverankerung hängen, Handsteigklemme öffnen und


am oberen Seilteil (so hoch wie möglich) einhängen (Zwei-Punkt-Sicherung)!

# Fuß in die Steigschlinge stellen, Körper aufrichten und gleichzeitig die Bruststeigklemme
öffnen! (Das Öffnen der Bruststeigklemme sollte ohne Hilfe der zweiten Hand möglich
sein, da diese an der Handsteigklemme Balance hält).

# Nun wird auch die Bruststeigklemme am oberen Seilteil eingehängt, die Selbstsicherung
gelöst und der Aufstieg fortgesetzt!

Anmerkung:

Die mehrmals erwähnte Zwei-Punkt-


Sicherung kann als das wichtigste Element
der Befahrungstechnik gesehen werden, denn
wer sich nur mit der Selbstsicherung (Ein-
fachsicherung) einhängt und anschließend das
Abseilgerät öffnet und umhängt, oder beim
Aufstieg sofort die Handsteigklemme öffnet
und umhängt, hat keine zusätzliche Sicherheit
falls die Selbstsicherung versagen sollte!

Sich dieser Zwei-Punkt-Sicherung zu bedienen


hat außerdem den Vorteil, kraftsparend umstei-
gen zu können. Sichert sich der Höhlenforscher
zum Beispiel beim Abseilen nur mit der
Selbstsicherung, muß er sein ganzes Körperge-
wicht mit "Klimmzug" der Hände hochheben,
um die Selbstsicherung lösen zu können, was
bei mehreren Umsteigstellen hintereinander,
sehr kraftraubend ist.

Wer alle beschriebenen Vorgänge wirklich


beherrscht, kann sich jetzt bereits in der Höhle
testen. Hier können aber noch einige unliebsa-
me Überraschungen in Erscheinung treten. Die
Seile werden in der Höhle sehr rasch feucht bis
triefend naß und können außerdem rasch ver-
lehmen, was zu kleinen Unannehmlichkeiten
führen kann. Beim Abseilen kann es bei der
Verwendung des "Stop" zu ruckartigen Brems-
10

Beschleunigungsphasen kommen, was aber


kein Grund zur Sorge ist. Beim Aufstieg kann
es sein, daß die Bruststeigklemme nicht "frei-
willig" am Seil entlang fährt, sondern stecken
bleibt. Der Kamerad am Schachtgrund hält das
Seil ein wenig fest und die Bruststeigklemme
ist wieder frei beweglich. Hängt man völlig frei
im Schacht, wird das Seil einfach zwischen den
Schuhen festgeklemmt, wodurch das Seil beim
Anhocken der Beine automatisch entlastet und
beim Strecken der Beine angespannt wird, was
ebenefalls eine freie Beweglichkeit der Brust-
steigklemme bewirkt.

Zu kurze Schlaufen einer Umsteigstelle können


ebenfalls sehr lästig sein. Sind Seile in Höhlen
längerfristig eingebaut, kann es durch die an-
dauernde Wassereinwirkung zu Seilverkürzun-
gen kommen (hängt vom Seiltyp ab). Bei
Verwendung solcher Seile ist es ratsam, einfach
einige "Verkürzungszentimeter" einzukalkulie-
ren.
Wenn eine Umsteigstelle beim Seileinbau(*) zu
kurz geraten ist, dann sollte diese sofort verlän-
gert werden, um den schwächeren Fahrtenteil-
nehmern keine unnötigen Schwierigkeiten zu
bereiten.

Die ersten Schächte sollten nicht zu tief sein


und vorallem sollten diese nur in Begleitung
erfahrener Höhlenforscher befahren werden,
denn Übermut und Selbstüberschätzung können
böse Folgen haben.

Legende zu den Seiten IX und X:

Z ................ Zwischenverankerung (Umsteigstelle)


1 ................. Selbstsicherung
2 ................. Handsteigklemme
A ................ Abseilgerät (STOP)
B ................ Bruststeigklemme (CROLL)

(*)
Nähere Details zum richtigen Seileinbau im Abschnitt "Befestigungssysteme und Seileinbau".
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B E F E S TI G U N G S S YS TE M E UND SE IL E IN B A U

Wer sich mit der Einseiltechnik bereits vertraut gemacht hat und diese auch schon beherrscht, sollte sich - um
ein vollwertiges Mitglied einer Arbeitsgruppe zu werden - mit dem Thema "Seileinbau und Befestigungssyste-
me" beschäftigen.
Der Seileinbau ist sicherlich einer der wichtigsten Bereiche in der Höhlenforschung. Je sorgfältiger der Seilein-
bau vorgenommen wird umso sicherer wird die Befahrung. Seile dürfen - wie bereits im Abschnitt "Ausrüstung
beim Höhlenforschen, Punkt 3" erwähnt - nicht über Felskanten laufen, da dies zu gefährlichen Sollbruchstel-
len(!) führt. Bei Einstiegen von Außenschächten kann sich der Höhlenforscher meist natürlicher Befestigungssys-
teme (Bäume etc.) bedienen. Im Schacht selbst, wird das Bohren von Ankerpunkten nicht zu verhindern sein,
daher sollte jeder Höhlenforscher mit Spitsetzer und Bohrmaschine arbeiten können.
Für den Seileinbau sollten außerdem Achterknoten(?) gebunden und gesteckt beherrscht werden. Ein solides
Grundwissen der mechanischen Gesetze erweist sich dabei immer wieder als vorteilhaft. Wer seinen erfahrenen
Kameraden oftmals zusieht und sich die notwendigen Erklärungen holt wird sehr bald über die richtigen Fach-
kenntnisse verfügen, um einen sorgfältigen Einbau durchführen zu können.
In diesem Abschnitt werden die wichtigsten Systeme und deren richtige Anwendung dargestellt. Damit können
wir allerdings nur einen Bruchteil dieses umfangreichen Themas bearbeiten.
Gespräche mit Mitgliedern der Höhlenrettung werden sich als sinnvolle Ergänzung erweisen, da diese Kameraden
über große technische Erfahrung und Praxisbezogenheit verfügen.

1. ) Material für den Seileinbau:

1a.) Karabi n e r u n d S ch rau bgl i e de r:

Karabiner sind meistens aus Alu gefertigt und sollten unbedingt über eine Sicherungsschraube verfügen. Der
Höhlenkarabiner ist oval und universell einsetzbar. Der Materialdurchmesser beträgt 10 mm bis 12 mm. Seine
Bruchlastwerte liegen bei 22 kN bis 25 kN in Längsrichtung und 8 kN bis 12 kN in Querrichtung. Keinesfalls
sollten irgendwelche Billigprodukte ohne Prüfzeichen verwendet werden!

Schraubglieder werden ausschließlich aus Stahl gefertigt und weisen wesentlich höhere Bruchlastwerte auf als
Karabiner. Bei einem Durchmesser von 10 mm kann von einer Bruchlast von ca. 50 kN ausgegangen werden. Da
in der Höhlenforschung Bruchlastwerte im Bereich von 20 kN völlig ausreichend sind, kommen Schraubglieder
eher aus folgenden Gründen zum Einsatz: Sie sind um ca 50% billiger als Karabiner, Stahl "ermüdet" nicht so
rasch wie Alu, sie sind weniger schlagempfindlich als Karabiner, sie können fest zugeschraubt und daher nur
schwer entwendet werden.
Als Nachteil können sicherlich das hohe Gewicht (ca. doppelt so schwer wie ein Karabiner) und der Schraubme-
chanismus (eher unbequem) angeführt werden.
Schraubglieder kommen aufgrund ihrer Robustheit hauptsächlich bei Langzeiteinbauten (Forschungsprojekte)
zum Einsatz, während Karabiner meistens für kürzere Fahrten verwendet werden.

*** Schraubglieder mit kleineren Durchmessern als 10 mm sollten nicht verwendet werden, da zu geringe
Materialstärken eine "Scherwirkung" in der belasteten Knotenschlinge erzeugen! ***

(?)
Nähere Details siehe im Infoblatt "Knotenlehre"
12

1b.) Ban ds ch l i n ge n u n d Re ps ch n ü re

Repschnüre verschiedener Durchmesser, sowie Bandschlingen sollten immer mitgeführt werden, da sie für die
Nutzung von "Felsköpfel" und "Sanduhren" (natürliche Öffnungen im Fels) benötigt werden. Auch bei der Kon-
struktion von Ausgleichsverankerungen(*) werden sie benötigt.
Für die Verknotung von Bandschlingen sollte unbedingt der Bandschlingenknoten(?) verwendet werden, Rep-
schnüre werden entweder mit gestecktem Achter(?) oder mittels Spierenstich(?) verknotet. Genähte Bandschlingen
mit Prüfzeichen werden in den verschiedensten Längen angeboten und weisen Bruchlastwerte von ca. 25 kN auf.
Ihnen sollte gegenüber geknoteten Bandschlingen der Vorzug gegeben werden.

1c.) Ei n bau we rk z e u ge :

Die Benützung einer Bohrmaschine hat den Vorteil, Bohrungen schnell und kraftsparend durchführen zu können.
Die Anschaffung einer höhlentauglichen Bohrmaschine ist jedoch sehr kostenintensiv. Außerdem müssen ca 7 kg
zusätzliches Transportgewicht einkalkuliert werden.

Meistens kommen Akku-Bohrmaschinen zum Einsatz, aber auch Benzinbohrmaschinen werden verwendet.
Der Vorteil einer Benzinbohrmaschine liegt darin, daß sie wirtschaftlicher arbeitet. Drei Liter Benzin reichen für
50 bis 60 Bohrlöcher. Ein voll geladener Akku, der ungefähr gleich schwer ist, schafft maximal 15 Bohrlöcher.
Allerdings ist die Vergasereinstellung einer Benzinbohrmaschine oft sehr kompliziert und auch die Rauchent-
wicklung kann sich sehr unangenehm auswirken. Benzinbohrmaschinen werden hauptsächlich bei Höhlenret-
tungseinsätzen verwendet und bei Forschungsfahrten wo man mehrere Tagesmärsche vom Eingang entfernt ist.
Die Mitnahme von zusätzlichen Akkus wäre in diesem Fall eine große Belastung.

Die meisten Bohrlöcher werden jedoch mittels Spitsetzer(**) und Hammer installiert. Der kostengünstige An-
schaffungspreis und geringes Gewicht, sowie kleines Packmaß sprechen für sich. Der Kraftaufwand beim Bohren
ist allerdings wesentlich größer, als beim maschinellen Bohren. Der Zeitaufwand für ein Bohrloch beträgt je nach
Felshärte 5 bis 15 Minuten.

Um die einzelnen Laschen und Ringe befestigen zu können, müssen auch Schraubenschlüssel mit den entspre-
chenden Schlüsselweiten mitgenommen werden.

2.) Bef est i gu n gssyst em e:

Grundsätzlich wird zwischen Maschinenbohrlöchern und geschlagenen (von Hand aus) Bohrlöchern unterschie-
den. Bei den geschlagenen Bohrlöchern ist eine entsprechende Bohrtiefe unbedingt einzuhalten, da bei zu tiefen
Bohrlöchern keine Klemmwirkung im Fels erzielt wird. Zu tief gebohrte Maschinenlöcher bereiten keine Pro-
bleme, da die Klemmwirkung durch das Festschrauben der Lasche erzielt wird.

*** Egal ob eine Seilverankerung maschinell oder von Hand aus gebohrt wird, man sollte sein Leben nie-
mals nur an einen einzigen Haken hängen. Als Rückversicherung sollte unbedingt eine zweite Seilveran-
kerung gebohrt werden! ***

(*)
Details siehe Punkt 3 "Seileinbau"
(?)
Nähere Details siehe im Infoblatt "Knotenlehre"
(**)
Details siehe in Punkt 2 "Befestigungssysteme"
13

2a.) Ge s ch l age n e Boh rl öch e r:

2a/1.) Felshaken:

Felshaken, die mittels Hammer in kleine Felsrisse geschlagen werden, kommen in der Höhlenforschung nur
selten zum Einsatz, da ihre Haltekräfte nicht berechenbar sind. Für Seilumlenkungen, die nur einer geringen
Belastung ausgesetzt sind, können sie jedoch verwendet werden. Eine Umsteigstelle mit einem Felshaken zu
installieren ist nicht ratsam, denn die hier auftretenden Kräfte könnten einen Felshaken sehr leicht ausreißen.

2a/2.) Spit:

Der Spit ist ein Keilankerdübel. An seiner Spitze befindet sich ein integrierter Kronebohrkopf. Mittels Spitset-
zer und Hammer wird der Spit in den Fels geschlagen. Um eine Bohrwirkung zu erzielen, wird der Spitsetzer
während des Schlagens gedreht. Zwischendurch müssen Spit und Bohrloch immer wieder ausgeblasen werden,
um einen optimalen Sitz des Spits zu gewährleisten.
Ist die entsprechende Bohrtiefe erreicht, wird der Spit an seiner Spitze mit einem Rundkeil bestückt und an-
schließend mit einigen Hammerschlägen im Bohrloch befestigt (Preßsitz). Nun kann die Befestigungslasche im
Spit verschraubt werden. Die Befestigungsschraube darf in keinem Fall extrem festgezogen werden, da auf diese
Weise eine starke Vorspannung die Schraube ungünstig belasten würde.

Ist das Bohrloch nicht tief genug, werden die Haltekräfte eines Spits extrem reduziert. Ist das Bohrloch zu tief,
kann der Keil keinen Preßsitz bewirken, was zur Folge hat, daß der Spit bei ungünstiger Belastung aus dem
Bohrloch gerissen wird.
Die untenstehende Skizze zeigt den richtigen Vorgang des Spitsetzens.

Abb. 1 bis 6:
Richtiges Setzen eines
Spits.

Beim Kauf von Spits


ist darauf zu achten, daß sie aus rostfreiem Stahl gefertigt sind. Die Laschen sind meistens aus Alu und werden
komplett mit Schraube und Dichtring ausgeliefert. Seit 01.01.95 sind diese Schrauben ebenfalls aus rostfreiem
Stahl gefertigt. Vorher waren die Schrauben nur verzinkt. Da es in der Höhlenforschung üblich ist, alle Laschen
beim Verlassen der Höhle auszubauen, wurde die Verzinkung durch das ständige Ein- und Ausschrauben frühzei-
tig abgerieben, was zum Rosten der Schrauben führte.
Ein richtig gesetzter Spit kann bis zu drei Jahren verwendet werden. Die Verwendung über einen längeren Zeit-
raum hinaus ist nicht ratsam, da Spits korrosionsanfälliger sind als Bohranker für Maschinenbohrlöcher. Auch
die Erosion (natürliche Aushöhlung des Gesteins rund um das Bohrsystem) ist zu beachten, obwohl sie nur sehr
langsam abläuft.
14

2b.) Mas ch i n e n boh rl öch e r:

2b/1.) Long Life:

Der Long Life wird oft als Spit bezeichnet, da das Bohrloch nicht nur maschinell gebohrt, sondern auch mittels
Spitsetzer geschlagen werden kann. In diesem Fall dient der Spit nur als Bohrer. Der Spit wird nicht bis zur
Markierung in den Fels geschlagen, sondern bis zum Anschlag am Spitsetzer, da der Long Life genau die dop-
pelte Bohrtiefe eines Spits benötigt. Dieses Verfahren
ist aber sehr zeit- und kraftraubend, daher wird der Long
Life meistens maschinell installiert.
Der Long Life ist mit einer integrierten Befgestigungs-
lasche versehen. Um den Preßsitz des Long Life zu
gewährleisten, wird ein konischer Stift in den Schaft
des Long Life geschlagen. Sollte das Bohrloch etwas zu
tief sein, hat das keinerlei negative Auswirkungen auf
die Haltekräfte dieses Befestigungssystems.
Der Long Life ist aus hochwertigem, rostfreiem Edel-
stahl gefertigt und kann bis zu fünf Jahren bedenkenlos
verwendet werden. Die integrierte Lasche kann nicht
demontiert werden, was sich manchmal als Nachteil
erweist, da nur ein Laschentyp angeboten wird (siehe
Abb. Long Life, P38).

2b/2.) Bohranker:

Bohranker (siehe Abb. P32, oben) werden in den verschiedensten Durchmessern und Längen hergestellt. Der
Stahl aus dem sie gefertigt sind ist oberflächenvergütet und rostfrei. Die Bohrung kann nur maschinell durchge-
führt werden. Der Bohranker wird mit leichten Hammerschlägen im Bohrloch versenkt. Die richtige Einschlag-
tiefe ist farblich gekennzeichnet. Ein spezieller Konus mit Quetschring, der sich am Schaftende des Bohrankers
befindet, erzeugt bei der Verschraubung der Lasche den gewünschten Preßsitz.
Bei langfristigen Einbauten empfiehlt es sich die mitgelieferte Mutter durch eine Selbstsicherungsmutter zu
ersetzen. Je geringer der Durchmesser eines Bohrankers ist, umso größer sollte seine Gesamtlänge sein. Wir
verwenden hauptsächlich Bohranker mit einem Durchmesser von 10 mm und einer Schaftlänge von 50 mm.
Bohranker können bis zu vier Jahren verwendet werden. Sie sollten jedoch zwischenzeitlich immer wieder nach-
gezogen werden.

*** Ist ein Nachziehen eines Bohrankers nicht mehr möglich, da sich dieser im Fels mitdreht, dann ist die
Lasche zu entfernen und der Bohranker im Fels zu versenken! ***

Dieses Durchdrehen des Bohrankers wird meistens durch Korrosion des Quetschrings hervorgerufen, aber auch
die Erosion kann der Grund dafür sein. Damit ein beschädigter Bohranker im Fels versenkt werden kann, sollte
das Bohrloch immer ein wenig tiefer sein als nötig.

Abb.: Richtige Installa-


tion eins Bohrankers.
15

2b/3.) Verbundtechnik ("Klebehaken"):

Die Verbundtechnik
- im Fachslang als
"Klebehaken" (Siehe
Abb. P55, Collinox)
bezeichnet - gewinnt
immer mehr an Be-
deutung. Beim Al-
pinklettern, speziell in
Klettergärten, ist
dieses Befestigungs-
system seit mehr als
10 Jahren in Verwen-
dung. Aber auch in
der Höhlenforschung
gewinnen "Klebeha-
ken" immer mehr an
Bedeutung.

"Klebehaken" werden Abb: Richtige Installation eines "Klebehakens"


aus hochwertigem,
oberflächenvergütetem ,nicht korrosionsanfälligem Stahl gefertigt. Die Bohrung wird maschinell durchgeführt
und ihr Durchmesser ist um 15% bis 20% größer als der des "Klebehakens".
Das Bohrloch wird mit einer Zwei-Komponenten-Verbundmasse ausgefüllt. Anschließend wird der "Klebeha-
ken" in die Verbundmasse eingeschraubt. Der Sinn liegt darin, daß durch die Schraubbewegung die Verbund-
masse gleichmäßig zwischen "Klebehaken" und Bohrloch verteilt wird.

*** Klebehaken dürfen nicht sofort nach dem Einbau benützt werden, da die Aushärtezeit der Verbund-
masse 2 bis 10 Stunden beträgt! ***

Klebehaken kommen hauptsächlich bei Langzeiteinbauten zum Einsatz. Beim Abstieg in einen Schacht wird der
Seileinbau vorerst mit den herkömmlichen Befestigungssystemen durchgeführt. Gleichzeitig werden die "Klebe-
haken" an geigneten Stellen installiert. Beim Verlassen der Höhle wird das Seil einfach umgehängt.
Die Erosion kann auch mit diesem Befestigungssystem nicht ausgeschaltet werden, aber durch die hergestellete
Verbindung "Fels-Verbundmasse-Klebehaken" wird der Zeitfaktor so klein, daß die Erosion keinerlei bedenkliche
Auswirkungen mit sich bringt. Auch das Problem der Korrosion ist bei diesem Befestigungssystem sehr klein,
da die Verbundmasse eine Art Schutzmantel bildet.
"Klebehaken" sind teurer als herkömmliche Befestigungssysteme, aber das sicherste Befestigungssystem welches
derzeit erhältlich ist. Ihre Plazierung sollte sinnvoll und überlegt durchgeführt werden. Die Anwendung der Ver-
bundtechnik in stark befahrenen Schächten ist sicherlich gerechtfertigt, weil dadurch das Restrisiko wieder ver-
kleinert wird. "Klebehaken" können sieben bis acht Jahre bedenkenlos verwendet werden.

Anmerkung:

Egal ob ein Spit gesetzt, ein Long Life, ein Bohranker, oder ein "Klebehaken" installiert wird, die Haltekräfte
sind in erster Linie von der richtigen Anwendung der einzelnen Befestigungssysteme abhängig. Daher ist es
ratsam die ersten Versuche unter der Anleitung fachlich versierter Höhlenforscher durchzuführen. Es bedarf großer
Erfahrung, abschätzen zu können, welcher Fels "gesund" ist. Außerdem ist es wichtig, die geeignete Einbaustelle
zu erkennen. Es ist mühsam den Installationsvorgang wiederholen zu müssen, weil das Befestigungssystem
nicht optimal plaziert wurde. Außerdem können mehrere Haken, die knapp nebeneinander installiert wurden, den
Fels sprengen.
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3.) Seileinbau:

Der richtige Einsatz von Bohrmaschine und Spitsetzer genügt nicht, um einen sicheren Seileinbau durchführen
zu können. Die richtige Plazierung eines Befestigungssystems ist genau so wichtig, wie die Wahl der geigneten
Befestigungslasche. Das Seil sollte niemals den Fels berühren und darf auf keinen Fall über scharfe Kanten lau-
fen. Die richtige Plazierung einer Umsteigstelle und die Länge der Seilschlaufe beinflussen den Sicherheitsfaktor
ebenfalls.
Es ist klüger das Image eines "Sicherheitsfanatikers" zu erlangen, als mit Körperschäden und der Gewißheit ein
"wilder Hund" gewesen zu sein, weiterzuleben!

3a.) Pl az i e ru n g u n d Las ch e n wah l :

Wie bereits mehrmals erwähnt, sollten Seile nicht am Fels aufliegen. Daher ist es wichtig, die richtige Lasche zu
wählen.

Muß ein Befestigungssystem


an einem Felsüberhang pla-
ziert werden, dann ist eine
"gedrehte Lasche" zu ver-
wenden. Nur so wird ermög-
licht, daß der Karabiner oder
das Schraubglied frei hängt
und keine Hebelwirkung an
der Lasche entsteht (siehe
Abb. Plazierung und La-
schenwahl, oben).
Wird das Seil vertikal, ent-
lang einer Felswand geführt,
darf keine "gedrehte La-
sche" verwendet werden, da
sonst der Seilknoten am Fels
scheuern würde. Hier muß
eine "gebogene Lasche"
verwendet werden. Dadurch
liegt eine Schenkel des Ka-
rabiners am Fels auf und der
Seilknoten hängt frei (siehe
Abb. Plazierung und La-
schenwahl, Mitte). An Fels-
überhängen soll diese Lasche
nicht verwendet werden, da
äußerst ungünstige Hebelbe-
lastungen entstehen. Beide
Laschentypen sind für Spits
und Bohranker erhältlich.

*** Seile dürfen niemalsdirekt in eine Lasche eingebunden werden, da eine extreme Scherwirkung in der
Knotenschlaufe entstehen würde! ***
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Der "Clown" ist ein spezieller Laschentyp und kann nur in Spits geschraubt werden (siehe Abb. Plazierung
und Laschenwahl, unten). Bei diesem Laschentyp wird das Seil direkt in die Lasche eingebunden, wodurch die
Verwendung eines Karabiners entfällt. Der "Clown" ist für Einbauten entlang der Felswand ebenso geeignet,
wie für Überhänge und Deckenverankerungen.
Da die Befestigungsschraube gleichzeitig auch als Seilauflage dient, ist sie speziell ausgeführt und kann gegen
keine andere Schraube ausgetauscht werden, was einen Einsatz in Verbindung mit Bohrankern unmöglich macht.
Der Einbau ist außerdem nicht sehr bequem, da entweder zuerst der "Clown" verschraubt und anschließend das
Seil mit einem gesteckten Achterknoten eingebunden wird; oder es wird zuerst ein Achterknoten gebunden, der
ziemlich mühsam in den "Clown" eingefädelt werden muß, bevor dieser verschraubt werden kann.

3b.) Au s gl e i ch s ve ran k e ru n ge n u n d Rü ck ve rs i ch e ru n ge n :

Es wurde bereits mehrmals erwähnt, daß es sinnvoll ist, ein Seil nicht nur an einem Punkt zu befestigen, son-
dern zumindest eine Rückversicherung einzubauen.

Bei der Ausgleichsverankerung


werden mindestens zwei Veran-
kerungspunkte installiert. Diese
Verankerungspunkte werden mit
einer Bandschlinge verbunden.
Nun wird das Seil verknotet
und mit einem Karabiner in die
Bandschlinge eingehängt. So
werden beide Verankerungs-
punkte immer gleichmäßig
belastet. Zusätzlich kann das
lose Seilende an einem der
Verankerungspunkte nochmals
rückversichert werden.

*** Ein Teil der Bandschlin-


ge muß um 180° verdreht
werden. So kann bei einem
eventuellen Bruch eines Ver-
ankerungspunktes der Kara-
biner nicht aus der Band-
Ausgleichsverankerung: schlinge rutschen (Abb. Ausgleichsverankerung:
Ein Teil der Bandschlinge wird um links)! *** Beide Verankerungspunkte werden
180° verdreht immer gleichmäßig belastet

Ausgleichsverankerungen sind materialaufwendig (drei Karabiner und eine zusätzliche Bandschlinge), daher wird
das Seil meistens nur an einem Verankerungspunkt befestigt und an einem zweiten Punkt mit dem losen Seilen-
de rückversichert. In den meisten Fällen ist diese Art der Seilbefestigung ausreichend. Bei Bergungen und
Transport schwerer Lasten sollten aber unbedingt Ausgleichsverankerungen gebaut werden.

3c.) Ums te i gs te l l e n :

Umsteigstellen erhöhen die Sicherheit. An jeder scharfen Felskante muß eine Zwischensicherung eingebaut wer-
den, um ein Durchscheuern des Seils zu verhindern. Außerdem wird durch den Einbau von Umsteigstellen die
Seildehnung reduziert, was besonders beim Aufstieg als sehr angenehm empfunden wird. Umsteigstellen können
auch als "Zwischenrast" verwendet werden.
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Bei Umsteigstellen genügt meistens die Instal-


lation eines einzigen Befestigungspunktes, da
die Rückversicherung durch die obere Umsteig-
stelle, beziehungsweise durch die Verankerung
am Schachteinstieg gebildet wird. Wirkt der
Fels aber nicht absolut "gesund", sind auch hier
mindestens zwei Verankerungen pro Umsteig-
stelle zu installieren.

Die Länge der durchhängenden Schlaufe einer


Umsteigstelle ist von entscheidender Bedeu-
tung. In der Höhlenforschung gibt es zwar
keine dynamischen Stürze (Faktor 2) wie beim
Alpinklettern, aber kleine Ausrutscher passieren
auch hier immer wieder (z.B. verlehmte Klem-
men). Ein freier Fall von zwei bis drei Metern
in Knotennähe (z.B. durch Bruch der Zwi-
schenverankerung hervorgerufen), kann böse
Folgen haben. Daher darf die durchhängende
Schlaufe niemals zu lang sein! Profis sprechen
von einer Karabinerlänge, was Anfängern kei-
nesfalls zu empfehlen ist, da sich bei derart
kurzen Schlaufen die Abseilgeräte nur sehr
schwer öffnen lassen.

Als Ideallänge der durchhängenden Schlaufe


können 30 cm bis 40 cm angegeben werden.

Umsteigstelle

Damit Umsteigstellen optimal eingebaut werden, sind folgende Punkte zu beachten:

$ Verankerung installieren!

$ Karabiner für die Seilbefestigung in die Lasche hängen!

$ Selbstsicherung in die Lasche (nicht in den Seilkarabiner) einhängen!

$ Abseilen bis die Selbstsicherung belastet ist und die Handsteigklemme als zweite Sicherung
einhängen! Das Seil ist nun völlig entlastet.

$ Seil einbauen (Achtung, Seillänge für Knoten einkalkulieren), anschließend wie im Abschnitt
"Befahrungstechnik, Punkt 4a" beschrieben, umsteigen!
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K not e nl e hr e

Um Seile befestigen, oder verbinden zu können, müssen einige Knoten beherrscht werden. Ein falsch gebundener
Knoten kann den Tod bedeuten.

Knoten werden in drei Gruppen eingeteilt:

1.) An s ch l ag- ode r Ve rbi n du n gs k n ote n :

Anschlagknoten haben Tropfenform und dienen zur Seilbefestigung an Fixpunkten. Lassen sich diese Fix-
punkte öffnen (Karabiner und Schraubglieder), werden die Knoten gelegt. Ist ein Öffnen der Fixpunkte nicht
möglich, müssen die Knoten gesteckt werden.

Verbindungsknoten haben Ringform und kommen zum Einsatz wenn zwei Seilenden miteinander verbunden
werden sollen. Daher sind Verbindungsknoten immer gegengleich gesteckt.
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1a.) Sackstich:

Der Sackstich ist


ein universeller
Knoten, der so-
wohl als An-
schlag- wie auch
als Verbindungs-
k n o t e n zum Ein-
satz kommt. Au-
ßerdem ist der
Sackstich in Ring-
form der einzige
Knoten der sich
zur Verbindung
von Bandmaterial
eignet. Alle ande-
ren Knoten würden
sich lösen. Dieser
Knoten wird im
Fachjargon Band-
schlingenknoten
genannt.

Bandschlingenknoten

1b.)Achterknoten:

Der Achterknoten ist


eine Erweiterung des
Sackstichs und wird
ebenso als Anschlag-
und Verbindungs-
k n o t e n von Seilen
eingesetzt. Sein Vor-
teil besteht darin, daß
er noch größeren Be-
lastungen standhält als
der Sackstich. Außer-
dem läßt sich dieser
Knoten leichter lösen.
21

An dieser Stelle muss auf einen besonderen Knoten eingegangen werden, dem Rettersitzknoten, auch "Hasenoh-
ren", oder "Mickey Mouse Knoten" genannt:

1b.a.) Rettersitzknoten:

Dieser Knoten bietet die Möglichkeit, die Belastung auf zwei Verankerungen gleichmäßig zu verteilen. Er funk-
tioniert, wenn die Schlaufenlängen in Lastrichtung ohne Schlupf eingebaut werden, wie eine Ausgleichsveranke-
rung – siehe Abschnitt "Befestigungssysteme und Seileinbau" - und man braucht weniger Material (eine Band-
schlinge und ein Karabiner werden eingespart). Gute Einbaumethode für die Hauptverankerung in Innenschäch-
ten, wo keine natürlichen Befestigungsmöglichkeiten vorhanden sind.

1c.) Schlagfolge:

Hierbei handelt es sich um ein Anschlagknotensystem, welches sich auch an belasteten Seilen anbringen läßt.
Diese Knotenfolge (mindestens zweifach anschlagen) eignet sich sehr gut zum Absichern des Abseilgeräts RACK
(z.B. bei Einbauarbeiten).
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2.) Kl e mmk n ote n :

Der wirksamste Klemmknoten ist der Prusikknoten. Die-


ser Knoten ist ein doppelter Ankerstich und wird aus-
schließlich an Seilen angebracht. Das Knotenmaterial muß
einen wesentlich kleineren Durchmesser aufweisen, als das
Seil selbst (z.B.: 10mm-Seil/5mm-Repschnur). Unter Be-
lastung wird eine Klemmwirkung erzielt, unbelastet kann
der Knoten am Seil verschoben werden. Dieser Knoten kann
als Notsteigklemme und als Sicherung beim Abseilen ver-
wendet werden. Sollte die Klemmwirkung zu gering sein,
wird der Ankerstich dreifach ausgeführt.

3.) Bre ms k n ote n

Der bekannteste und sicherste Bremsknoten ist der Halbmastwurf, oder auch Halbmastfurfschlinge genannt
(Kurzform: HMS), in Verbindung mit einem speziellen birnenförmigen Karabiner.

Dieses System eignet sich hervorragend zur Personensicherung, zum Ablassen von schweren Lasten und als
Notabseilgerät für kurze Abseilstrecken.

Ist die Bremskraft des Systems zu gering, genügt eine weitere Halbe Drehung des Sicherungsseils.

Anmerkung:

Wer die hier angeführten Knoten beherrscht und sie entsprechend einsetzt, ist in der Lage, Seile sicher zu
verankern und zu verbinden. Außerdem ist es empfehlenswert mit erfahrenen Höhlenforschern in Verbin-
dung zu treten, da man von diesen Kameraden sicherlich wertvolle Tipps erhält.
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Materialtests

Manfred Dittler von "UP & Away" (einziger Ausrüster auf dem Höhlensektor in Österreich) organisierte mehr-
mals bei der Firma Teufelberger ("Edelweiß") eine Betriebsexkurison mit Versuchsreihen - Seileinbau in Höhlen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei der Firma Teufelberger herzlich bedanken, daß uns die Möglichkeit einge-
räumt wurde, selbst erleben zu können, was sich so mit "Seil und Co" abspielt. Außerdem wurden uns keine
Kosten berechnet, wofür ich nochmals zu danken habe!

Immer wieder wird in Höhlenvereinen diskutiert, welches Seil gut und welches Seil weniger gut sei. Immer
wieder hört man Aussagen wie; alles halb so wild, es ist noch nie was passiert, usw... .

Daß dem nicht so ist, kann an Hand der folgenden Tabelle festgestellet werden. Zuvor aber noch einige Erklä-
rungen zu den Testvorgängen.

An gabe n de r e i n z e l n e n Bru ch l as twe te :

Die Bruchlast ist immer in NEWTON (1.000 N = 1kN ^ 100 kg) angegeben. Die Tests erfolgten in neutralem
Zustand. Das heißt, von außen einwirkende Faktoren wie Temperaturschwankungen, Verschmutzung, usw.,
wurden nicht berücksichtigt (betrifft die Tests mit neuen Seilen).

D IN -N e n n bru ch l as t:

Das sind jene Werte, die auch in Produktbeschreibungen verwendet werden. Nur so ist es möglich, beim Einkauf
einen Vergleich zu haben. Bei diesen Werten handelt es sich aber nicht um die tatsächlichen Bruchlasten.

Beim DIN-Bruchlasttest wird eine bestimmte Seillänge "endlos" (ohne Knoten) über zwei Spanntrommeln bis
zum endgültigen Bruch belastet.

Wir wollten die Differenz zwischen DIN und Praxis feststellen. Daher unterzogen wir neue, sowie gebrauchte
Seile einem praxisnahen Test.

Praxi s n ah e r Te s t:

Ein Seilende wurde mit einem Achterknoten belegt und in einem Schraubglied befestigt. Das andere Ende wurde
"endlos" über eine Spanntrommel bis zum endgültigen Bruch belastet.

Die Bruchlasten der verwendeten Schraubglieder waren um ein Vielfaches größer als die DIN-Bruchlasten der
einzelnen Seile, Bandschlingen und Repschnüre. So konnte eine Verfälschung der Ergebnisse ausgeschlossen
werden.
24

Tabe l l e - Bru ch l as tte s ts :

S p el äos ei l : T es tart: B ru ch l as t i n N,
Typ, % in mm Knoten, Verbindung, Art des Belastungstests Bruchstelle

Bruchlast nach DIN. 29. 800


E d el wei ß 11 (NE U!) Seil wird "endlos" über zwei Zugtrommeln bis zum end- (entspricht Herstellerangabe)
gültigen Bruch belastet.

Praxi s n ah e T es ts

Achterknoten wird im 10 mm-Schraubglied eingehängt. 12. 300 (& & & )


E d el ri ed 8 (NE U!) Zugbelastung "endlos" über Spanntrommel. im Knoten

16. 500
E d el ri ed 9 (NE U!) Wie bei Edelried 8 im Knoten

17. 000
B eal 9 (NE U!) Wie bei Edelried 8 in Knotennähe

Mammu t 9 (NE U!) 15. 700


Wie bei Edelried 8
(pink/leuchtend) im Knoten

Meta 10, 5 (NE U!) 15. 800


Wie bei Edelried 8
Tschechisches Prod. in Knotennähe

T es ts mi t geb rau ch ten S ei l en

Zwei Jahre altes Seil. Wurde immer per Hand gewaschen,


war nie langfristig eingebaut.
12. 100
E d el wei ß 10 Achterknoten wird im 10 mm-Schraubglied eingehängt.
in Knotennähe
Zugbelastung "endlos" über Spanntrommel (praxisnaher
Test!!!)

Drei Jahre altes Seil. 18 Monate Fixeinbau in einer Höh-


12. 600
E d el wei ß 10 le. Wurde immer mit Seilwaschgerät MHD gewaschen.
im Knoten
Testart wie vorher.

Leihseil, wurde immer in Haushaltswaschmaschine gewa-


9. 800 (& & & )
E d el wei ß 10 schen.
im Knoten
Testart wie vorher.

Sieben Jahre alt. Ca. fünf Jahre Fixeinbau in einer Höhle.


10. 100 (& & & )
E d el wei ß 10 Knoten konnten nicht mehr gelöst werden.
im Knoten
Testart wie im vorangegangenen Test.
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Fortsetzung - Bruchlastwerte
G eb rau ch te Rep s ch n ü re u . B an d s ch l i n gen

a.) geknotet a. ) 14. 200


Beide Bandschlingen ca. 5 Jahre alt.
B an d s ch l i n ge Bandschlinge reißt im
Eine Befestigung im 10 mm-Schraubglied, zweite Befes- Schraubglied
b.) genäht tigung im Spannbolzen. b . ) 14. 000

Im 10 mm Schraubglied befestigt und über Spannbolzen 8. 900 (& & & )


Rep s ch n u rgefl . 5 belastet. im freien Teil

K n oten i m Vergl ei ch s tes t

Ein Ende mit Sackstich im 10 mm-Schraubglied befes- 23. 500


B eal 11, 5 (NE U!)
tigt. Am anderen Ende Achterknoten im Spannbolzen im Sackstich
befestigt.

Als "Rundum-Seil" mit gestecktem Achterknoten über 38. 700


E d el wei ß 10 (NE U!) zwei Spanbolzen belastet. in der freien Länge

An me rk u n g z u r Ve rwe n du n g von S e i l e n :
Wer sich die Tabelle genauer ansieht, wird feststellen können, daß ein Seil mit einem Durchmesser von 8 mm
sicherlich nicht das Maximum an Sicherheit bietet und höchstens im Forschungseinsatz akzeptiert werden kann.
Allerdings sollte bedacht werden, daß ein Seil mit geringem Durchmesser bei Scheuerbelastung viel schneller
einen Mantelriß erleiden wird, was einen sehr sorgfältigen Einbau (Umsteigstelle bei der geringsten Scheuermög-
lichkeit) unabdingbar macht!

Ein Seil mit einem Durchmesser von 11,5 mm bietet zwar ein Maximum an Sicherheit, ist aber in der "Normal-
höhlenforschung" nicht nötig. Allerdings eignet es sich hervorragend für Rettungseinsätze.

Ein Seil mit einem Durchmesser von 10 mm wird allen Ansprüchen eines Höhlenforschers gerecht. Auch
Seile mit einem Durchmesser von 9 mm können verwendet werden, da auch sie genügend Sicherheitsre-
serven bieten.

Letztendlich entscheidet aber jeder Höhlenforscher selbst, welches Material er verwenden will. Es sollte aber
unbedingt nur geprüftes Material von Qualitätsherstellern verwendet werden.

Zur Seilpflege sei bemerkt, daß die Reinigung in einer Haushaltswaschmaschine "seilmordend" wirkt.
Laut Aussage eines Herstellers wirkt sich dieser Reinigungsvorgang so aus, als ob eine Pferdeherde über
das Seil getrampelt wäre. Die beste Alternative ist die Handwäsche mit klarem Wasser.

Wie lange ein Höhlenseil verwendet werden kann, hängt von der Handhabung ab. Die richtige Seilpflege und
schonende Handhabung (Umsteigstellen bei allen möglichen Scheuerpunkten, richtiger Durchmesser von
Schraubgliedern und Karabinern, usw. ...) tragen wesentlich zur Lebensdauer eines Seils bei, aber der Zeitpunkt
für die Entsorgung kann nur durch regelmäßige Überprüfung herausgefunden werden.

Unabdingbare Tauschkriterien sind sicherlich ein extrem rauher, oder stark aufgefaserter Seilmantel,
sowie unregelmäßig weiche Stellen, die bis in den Kern reichen!
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An me rk u n g z u r Ve rwe n du n g von S ch rau bgl i e de rn :


Im Mai 1999 wurde ich vom TGM - Wien zu einem Bruchlasttest von Stahlverbindungen eingeladen. Für mich
wurde eine Testgruppe "Seil - Schraubglied" eingerichtet. Die Ergebnisse wurden von den Schülern in einer
Projektarbeit verwendet. Ich durfte mir die Ergebnisse nur notieren, aber leider keine Computeraufzeichnungen
(Diagramme, Tabellen, usw. ...) mitnehmen.

Das Testseil war ein 10 mm - Edelweiß und die Testschraubglieder waren SSG 6 mm, 8 mm und 10 mm.
Das gesamte Testmaterial war selbstverständlich neu!

Das Seil wurde mit einem Achterknoten in das jeweilige Schraubglied eingebunden und im

"Test A" mit kontinuierlichen Zug bis zum Bruch belastet, im

"Test B" wurde eine Belastung im freien Fall (ruckartige Belastung) aus 1,5m Höhe simuliert.

SSG 10 mm:

"Test A": Bruch nahe dem Knoten bei 15.130 N. "Test B": Bruch nahe dem Knoten bei 14.310 N

SSG 8 mm:

"Test A": Bruch nahe dem Knoten bei 13.950 N, "Test B": Bruch im Schraubglied bei 9.960 N
starke Mantelverschmelzung im SSG - Bereich!

SSG 6 mm:

"Test A": Bruch im Schraubglied bei 7.200 N, "Test B": Bruch im Schraubglied bei 5.960 N (& ),
starke Deformierung des Schraubglieds. starke Deformierung des Schraubglieds.

Ein kleinerer Schraubglieddurchmesser als 8 mm ist äußerst gefährlich, da aufgrund der geringen Wand-
stärke eine hohe Scherwirkung auftritt. Außerdem entsheht aufgrund der verkleinerten Fläche eine extreme Wär-
meentwicklung im SSG, was der Wirkung eines Schneidekolbens (!) entspricht.

Ein SSG 8 mm ist mit einer Bruchlast von 35 kN zwar überdimensioniert - bezogen auf die Bruchlast
von Höhlenseilen - aber laut wörtlicher Aussage der Techniker, die einzig sichere Verbindung zwischen
Seil und Befestigungslasche für Langzeiteinbauten!!!

Außerdem sollten keine Alulaschen gemeinsam mit SSG verwendet werden, da durch auftretende Pendelbewe-
gung (Tropfwasser usw....) die weichere Alulasche durch die Bewegung des SSG innerhalb kurzer Zeit ausgefräst
wäre.

Von der Methode - Faserseil mit Stahlkausche unterlegt - direkt in die Lasche eingebunden, ist ebenso
abzuraten, da ähnliche Hitzeentwicklungen auftreten wie bei zu kleinen Schraubgliedern!!!

Für kurzfristige Einbauten ist ein entsprechender Karabiner besser geeignet als ein SSG 10 mm, da seine Bruch-
lastwerte völlig ausreichend sind und er wesentlich leichter ist. Für Langzeiteinbauten ist ein Karabiner ungeeig-
net (Problem - Pendelbewegung, empfindlicherer Öffnungsmechanismus usw. ...).
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Si c he r he i t s r e ge l n

1.) Al armz e i t:

Vor dem Beginn einer Höhlenfahrt ist einer Vertrauensperson die Alarmzeit bekanntzugeben, damit diese im
Notfall die Höhlenrettung alarmieren kann.

Beispiel: Pfannloch (1816/55), Ötscher in Niederösterreich, sechs Teilnehmer, spätester Rückmeldetermin


am Donnerstag dem ......... um 22.00 Uhr.

D i e z e n tral e N otru fn u mme r fü r Ö s te rre i ch l au te t:


02622/144
(Genaue Notrufpläne gibt es bei den einzelnen Einsatzstellen)

2.) Mi n de s tte i l n e h me rz ah l :

Eine Gruppe sollte aus mindestens drei Personen bestehen. So kann ein Kamerad beim Unfallopfer bleiben,
während der dritte Kamerad aus der Höhle aussteigen kann, um Alarm zu geben.

Die optimale Gruppengröße besteht aber aus vier oder mehr Personen. So können zwei Personen die Höhle
verlassen, was die Sicherheit des Alarmierenden erhöht!

3.) N otfal l s au s rü s tu n g:

Reservebatterien, Reservekarbid, Wasser, Notverpflegung (Müsliriegel, Schokolade ...), Biwaksack und


Erste-Hilfe-Packerl müssen in jedem Schleifsack Platz finden!

Auch die Mitnahme eines Notschlafsacks, sowie einiger Taschenöfen (in jedem Camping-Outdoorgeschäft erhält-
lich, nicht größer als eine Zigarettenpackung), haben sich als sehr sinnvoll erwiesen.

An me rk u n g:

Eine gute Fahrtenplanung, sowie eine entsprechende Vorbereitung, ersparen viele Probleme und unnötige Gefah-
rensituationen.

Die Aussage, die Hälfte vom Lebensnotwendigen sei genug, ist unklug und leichtsinnig!

Die beste Notfallsausrüstung ist jene, die nie benützt werden muß, aber im Ernstfall griffbereit und funk-
tionfähig ist!
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Höhlenschutz

Höhlenschutz betrifft das Objekt selbst, sowie das Leben in der Höhle. Es handelt sich um natürliche Biotope
die für eine gesunde Umwelt von großer Bedeutung sind.

Höhlen sind die Zufluchtsstätten vieler nützlicher Tiere, insbesondere zahlreicher Fledermausarten, die im Alltag
leider viel zu oft mit abartigen Schauergeschichten bedacht werden. Gerüchte, daß Fledermäuse den Damen in
die Haare fliegen würden und daß sie Blutsauger seien und außerdem alle möglichen Krankheiten über-
tragen würden, sind schlicht und einfach Unsinn!
Es ist vielmehr so, daß Fledermäuse der Indikator für eine gesunde Umwelt sind. Diese Jäger der Nacht sind
besonders fleißige und effizient arbeitende "Kammerjäger". Eine einzige Fledermaus vernichtet pro Jagdausflug
bis zu 3000 (!!!) Schädlinge, das ohne Pestizide und sonstige Gifte!
Nicht alle Höhlenbewohner verlassen ihre "Unterkünfte" um uns von Schädlingen zu befreien. Daher erscheinen
sie dem Laien nicht sehr nützlich. Aber auch diese Tiere sind für den Kreislauf der Natur äußerst wichtig, denn
alle Lebewesen haben eine bedeutungsvolle Aufgabe in diesem Kreislauf!

Die Höhle als Objekt gesehen, ist nicht nur ein feuchtes grausiges Loch, sondern ein Meisterwerk der Baukunst.
Tiefe Spalten und Röhren, riesige Hallen und tosende Bäche ziehen oft kilometerweit durch den Berg. Aber es
handelt sich nicht nur um gewaltige Dimensionen, sondern auch um märchenhafte und äußerst zerbrechliche
Schönheit. Von riesigen Tropfsteinen bis zu winzigen Röhrchen und Kristallen bekommt man alles geboten.
Wasser, eines der bedeutensten Elemente des Lebens, ist glasklar und Tropfsteine manchmal sogar durchsichtig,
so rein ist es hier!

Es sind nicht die Naturkatastrophen die unsere Umwelt schädigen, sondern die Auslöser solcher Katastro-
phen, die Menschen. Alle Schäden, die wir der Natur zufügen, schaden im Endeffekt uns Menschen am
meisten! Daher sollte der Höhlenbesucher die folgenden Regeln unbedingt beachten:

1.) Weder in Höhleneingängen, noch in Höhlen ein offenes Feuer entfachen!

Der Rauch bleibt oft tagelang in den Gängen, was nicht nur zu einer unschönen Schwärzung der Wände führt,
sondern den Tod vieler Lebewesen bedeutet.

2.) Niemals Fackeln als Lichtquelle benützen!

Ihre starke Rußentwicklung führt ebenfalls zur Schädigung der Höhle und ihrer Bewohner.

3.) Jeder Unrat ist aus der Höhle mitzunehmen und in den entsprechenden Mülltonnen zu entsorgen!

Der verborgene Dreck kommt wieder ans Tageslicht und zwar in Form von vergiftetem Trinkwasser. Ein beson-
deres Augenmerk sei dem Karbid gewidmet. Es handelt sich um Calciumkarbid, das mit einer Körnung von ca.
20 bis 40 mm zum Einsatz kommt. In Verbindung mit Wasser entsteht Azetylengas, welches leicht brennbar ist
und ein grelles, räumliches Licht erzeugt. Sind diese Steinchen alle aufgebraucht, entsteht ein sumpfartiges Ge-
misch, das entsorgt werden muß, um den Karbidentwickler (siehe Kapitel "Ausrüstung") mit neuen Karbidstein-
chen füllen zu können. Restkarbid ist unbedingt aus der Höhle mitzunehmen, um es fachgerecht zu entsor-
gen!!! Karbid ist keinesfalls ungiftig, wie oftmals behauptet wird. Eine einzige Karbidfüllung (ca.350g) ver-
seucht mehrere Tausend Liter Wasser!

4.) Keine Tropfsteine abschlagen, achtgeben wo man hintritt und Höhlentiere nicht berühren!

5.) Hinweisschilder an Höhleneingängen beachten!

6.) Von November bis März sollte wegen des Fledermausschutzes auf Höhlenbefahrungen verzichtet wer-
den!
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Allgemeine Tips für die Einseiltechnik

Problemquellen beim Abseilen:

' Abseilgerät "STOP" bewegt sich ruckartig abwärts.

' Der Bremshebel muss immer bis zum Anschlag durchgedrückt werden,
die Abseilgeschwindigkeit wird ausschließlich über das freilaufende Sei-
lende reguliert (je kleiner der Winkel, desto geringer die Geschwindig-
keit)!

' Abseilgerät "RACK" fährt zu schnell.

Die Anzahl der benützten Bremsstege reguliert die Abseilgeschwindigkeit


(je mehr Bremsstege, desto geringer die Geschwindigkeit).
' Es ist ratsam immer alle Bremsstege zu benützen!

' Abseilgerät "STOP" fährt trotz losgelassenem Bremshebel.

Auf neuen, beziehungsweise trockenen Seilen mit einem Ø < 10 mm


kann dies durchaus der Fall sein.
' Die beste Abhilfe hierfür ist die Montage eines zusätzlichen Umlenkkara-
biners am Sitzgurt. Sollte die Stop - Funktion auf verschmutzten Seilen
ebenfalls nicht vorhanden sein, dann muss das Abseilgerät unbedingt zu
einem Fachhändler zur Inspektion gebracht werden!
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Problemquellen beim Aufstieg:

' Brust- oder Handsteigklemme rutschen bei Belastung durch.

Die "Schmutzabweiser" der Klemmen sind verstopft, daher verlieren die


Klemmen teilweise ihre Haltekräfte.
' Die Klemmen sollten vor jedem Aufstieg kontrolliert und falls erforder-
lich auch gereinigt werden!

' Das Seil läuft mit grossem Widerstand durch die Bruststeigklemme.

Der Oberkörper ist zu weit vom Seil entfernt (Rücklage), daher entsteht
ein ungünstiger Reibungswinkel.
' Der Oberkörper muss aufrecht am Seil entlang geführt werden. Die
Steigbewegung mit den Beinen erfolgt vom Gesäß abwärts, schräg nach
hinten und nicht schräg nach vorne!
Bei verschmutzen Seilen ist es meistens auch noch erforderlich, dieses
während der Steigbewegung zwischen den Füßen einzuklemmen, um ei-
nen "Gegenzug" zu bewirken.

' Trotz korrekter Steigtechnik ist der Aufwärtshub zu gering.

Die Steigschlinge der Handsteigklemme ist zu lang, die Brussteigklemme


ist zu hoch montiert und das ganze Gurtsystem sitzt zu wenig straff.
' Wenn bei richtig eingestelltem "Schachtzeug" beide Beine in der Steig-
schlinge stehen, und der Körper am Seil voll aufgerichtet wird, sollte der
Abstand zwischen Bruststeigklemme (Sicherungsschlinge gespannt) und
Handsteigklemme zirka 5 cm betragen!
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Problemquellen bei Umsteigstellen ohne Standplatz:

' Abseilgerät kann nur schwer geöffnet werden.

Die Selbstsicherung ist zu lang, daher kann das Abseilgerät nicht entlastet
werden.
' Für das Umsteigen beim Abseilvorgang sollte eine möglichst kurze
Selbstsicherung verwendet werden ("Wegersparnis" = Kraftersparnis)!

' Nach dem Umhängen des Abseilgeräts kann die Handsteigklemme nicht
mehr geöffnet werden.

Die Handsteigklemme wurde zu hoch eingehängt, daher konnte nach dem


Aushängen der Selbstsicherung kein Lastwechsel auf das Abseilgerät er-
folgen (selbes Problem auch bei zu kurzer Handsteigklemmensicherung).
' Die Handsteigklemme sollte sich beim "Abseilumsteigvorgang" in Kinn-
höhe oder etwas tiefer befinden!

' Seildehnung beim Umsteigen.

Beim Umsteigvorgang im Zuge der Abseilfahrt, ergibt sich oftmals das


Problem, dass die Selbstsicherung nicht entlastet werden kann, obwohl
die Steigschlinge der Handsteigklemme bereits voll belastet ist.
Beim Umsteigen im Zuge des Aufstiegs ergibt sich ein ähnliches Problem
mit dem Öffnen der Bruststeigklemme.
' In beiden Fällen muss die Seildehnung "überlistet" werden: Anstatt die
Steigschlinge der Handsteigklemme zu benützen, wird eine Zusatzsteig-
schlinge verwendet, welche direkt in die Verankerung der Umsteigstelle
eingehängt wird. Die Handsteigklemme dient nur noch als Sicherung,
wodurch die Seildehnung fürs Umsteigen an Bedeutung verliert!
Merkblatt: Sturz ins Seil

Daß es absolut nicht egal ist, welcher technischer Hilfsmittel man sich in der Verti-
kale bedient, soll dieses Merkblatt vermitteln. Soweit möglich, wird auf rechnerische
Erklärungen verzichtet.

Zwischen dem alpinen Klettern und dem Befahren von Schächten gibt es viele Un-
terschiede, jedoch haben beide Szenen einen gemeinsamen Begleiter, die physikali-
schen Gesetze.

Der Kletterer verwendet sein Seil beim Aufstieg ausschließlich zur Sicherung bei
eventuellen Stürzen, während der Höhlenforscher am Seil aufsteigt und es nicht
(!) zur Sturzsicherung verwendet. Die Befahrungstechnik von Schächten
(Einseiltechnik) wird im Arbeitsheft "Sicherheit in der Höhle" ausführlich beschrie-
ben, daher wird hier auf die Details nicht näher eingegangen.

Die meisten Kletterer kennen die Wörter Sturz, Fangstoß und Sturzfaktor -
auch in der Einseiltechnik spielen diese Begriffe eine nicht unwesentliche Rolle, da-
her wird hier ein kleiner Vergleich zum besseren Verständnis der mechanischen
Belastung von Mensch und Material dargestellt.

Bei jedem Sturz kommt es zum "freien Fall" (Sturzhöhe), egal ob man beim
Gehen stolpert und anschließend stürzt, oder von einem Sprungturm springt, oder
beim Klettern ausrutscht und ins Seil fällt. Etwas vereinfacht dargestellt, je länger
die Strecke des freien Falls, desto größer die auftretenden Kräfte! Diese Kräf-
te müssen vom Sicherungssystem aufgenommen werden, daher sollten sie so klein
wie möglich gehalten werden!

Nach dem "Sturz" (Ausrutscher) kommt also der "freie Fall" und anschließend
der "Fangstoß" (der freie Fall ist zu Ende und die Fallgeschwindigkeit wird bis auf
0 km/h reduziert). Das Verhältnis zwischen Sturzhöhe und ausgegebener Seillänge
wird im "Sturzfaktor" dargestellt.

Sturzfaktor = Freier Fall (Sturzhöhe) : ausgegebene Seillänge

Im schlechtesten Fall kann beim alpinen Klettern der Sturzfaktor 2 auftre-


ten, das ist dann der Fall, wenn der Vorsteigende ohne Zwischensicherung beim
Sichernden (Stand) vorbeistürzt, egal ob die Sturzhöhe 4 Meter oder 10 Meter be-
trägt (siehe Grafik).

Obwohl bei zunehmender Sturzhöhe die frei werdende Energie größer wird, ist die
Größe des Fangstoßes ebenfalls unabhängig von der Sturzhöhe, da bei mehr ausge-
gebenem Seil auch dessen Energieaufnahmefähigkeit steigt! Sobald Zwischensi-
cherungen eingehängt sind ist der Sturzfaktor in jedem Fall kleiner als 2
(siehe Grafik).

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 1


© A. Bigler; c.o.: Heiligenstädterstraße 10, Top 4; 1090 Wien
Die frei werdende Energie im Fall eines Sturzes kann nur durch eine entspre-
chende Seildehnung gedämpft werden, daher dürfen für Kletteraufstiege jegli-
cher Art ausschließlich dynamische Seile (Bergseile) verwendet werden, das gilt
auch für die Höhlenforschung (beim Erklimmen von Schloten muß teilweise alpine
Klettertechnik angewandt werden).

Statische Seile verfügen nur über eine geringe Dehnung und können daher so gut
wie keine Fangstöße (frei werdende Energie) absorbieren.

Bandschlingen eignen sich in der Höhlenforschung sehr gut als Sicherung für
Handsteigklemmen, aber nicht als Selbstsicherungen, da sie ebenfalls statisch
sind und sich daher nicht als dynamische Sicherungen eignen.

Beispiel: Ein Höhlenforscher hat eine 0,6 Meter lange Bandschlinge als Selbstsiche-
rung und ist damit auf einem Zwischenstandplatz gesichert. Nun steigt er ohne zu-
sätzliche Sicherung in der Struktur einen guten halben Meter nach oben und stürzt
ungebremst 1,2 Meter ab, bis er von der Zwischenverankerung in einem Bruchteil
von Sekunden auf 0 km/h abgebremst wird - Sturzfaktor 2!!! Mit Sicherheit ergibt
das mindestens blaue Flecken, denn der gesamte Fangstoß muß vom Körper und
der Zwischenverankerung absorbiert werden. Die frei werdenden Kräfte sind derart
groß, daß ein Gurt reißen kann, oder eine etwas ältere Verankerung im schlechtes-
ten Fall brechen könnte, daher sollten in der Höhlenforschung dynamische
Selbstsicherungen verwendet werden!

Statische Seile eignen sich ausschließlich zur Fortbewegung am Seil. Stürze


wie man sie aus der alpinen Kletterei kennt, gibt es bei der Einseiltechnik nicht, da
sich der Höhlenforscher niemals frei zwischen zwei Fixpunkten bewegt.

Allerdings könnte es sein, daß eine Zwischenverankerung bricht, diese befindet


sich aber in jedem Fall oberhalb des abseilenden, oder aufsteigenden Höhlenfor-
schers, sodaß dessen Sturzhöhe gleich der zweifachen Schlaufenlänge der Umsteig-
stelle (Zwischenverankerung) ist. Die ausgegebene Seillänge ist die Summe der
zweifachen Schlaufenlänge plus der Seillänge zwischen der gebrochenen und der
darüber liegenden Verankerung (siehe Grafik).

Der Sturzfaktor ist zwar kleiner als 1, aber der Fangstoß wird nur unzureichend
vom Seil absorbiert, daher sollten die Schlaufenlängen von Umsteigstellen möglichst
kurz sein, damit der freie Fall so kurz wie möglich ist!

Die Wahl der geeigneten Verankerungselemente, sowie deren richtige Plazie-


rung sind von größter Bedeutung, da sie im Fall eines Sturzes extremsten
Belastungen ausgesetzt sind! Bereits vorhandene Einbauten sind unbedingt
auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen!

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 2


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Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 3
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Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 4
© A. Bigler; c.o.: Heiligenstädterstraße 10, Top 4; 1090 Wien
Merkblatt: "Einbau"

Der Einbau eines Statikseils muss mit grosser Sorgfalt erfolgen. Die geringe Seil-
dehnung ist für den Aufstieg am Seil unbedingt erforderlich, aber im Fall eines
Sturzes (siehe Merkblatt "Sturz ins Seil") - der zum Beispiel durch den Bruch einer
Zwischenverankerung hervorgerufen wird - muss der Fangstoss aufgrund fehlender
Seildynamik grossteils vom Körper absorbiert werden.

Schachteinstiege:
Im Allgemeinen eignen sich gesunde Bäume hervorragend für eine Seilbefestigung.
Der erste Knackpunkt ist durch die Kante des Schachtmunds vorprogrammiert,
hier ist die Anbringung eines Seilschoners unabdingbar und wenn es die Beschaf-
fenheit des Gesteins erlaubt, sollte unmittelbar nach der Kante bereits eine Zwi-
schenversicherung installiert werden.
Natürlich eignen sich auch kompakte Felsköpfl zur Seilbefestigung, allerdings sollten
scharfe Kanten entfernt werden. Eine Rückversicherung zu einem Baum oder zu
einer technischen Verankerung ist ratsam!
*** Tip: Wird eine Seilschlaufe über ein Felsköpfl gelegt, ist ein Stück Garten-
schlauch, durch welches das Seil vor dem Verknoten gefädelt wird, ein sehr effek-
tiver Seilschoner!
Oberhalb der Baumgrenze ist die Installation von technischen Verankerungen meist
unumgänglich, auch wenn sich Latschen in der Nähe des Einstiegs befinden (die
Tragkraft von Latschen ist mit freiem Auge nicht einschätzbar).

Erstverankerungen immer doppelt oder dreifach installieren - zum Beispiel mit einer
Ausgleichsverankerung - um eine Rückversicherung zu gewährleisten!

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 5


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Abstiege in der Höhle:
Grundsätzlich spricht nichts dagegen Tropfsteine und Sanduhren für Seilbefestigun-
gen zu verwenden, aber aufgrund der Versinterung ist nicht immer eindeutig festzu-
stellen, ob sich die ausgesuchten Befestigungspunkte auch wirklich eignen. Klemm-
blöcke eigenen sich nur bedingt zur Seilbefestigung, da diese bei ungünstiger Belas-
tung ganze Verstürze in Bewegung bringen können.
Auch hier gilt die Regel: Verankerungen bei Schachteinstiegen mindestens doppelt
installieren und natürliche Befestigungen nur dann als Hauptverankerung verwen-
den, wenn ihre Tauglichkeit eindeutig feststellbar ist!
Für Abstiege in stark versinterte Schächte sollten folgende Tatsachen berücksichtigt
werden: Sinter ist einerseits spröde wie Glas, andererseits sehr weich. Beim Spitset-
zen können sich oft ganze Platten ablösen, da zwischen den einzelnen Schichten nur
wenig kompakte Bindung besteht. In diesem Fall hat man Zeit und Kraft ver-
schwendet, im ungünstigen Fall lassen sich Spits und Laschen zwar installieren, aber
durch die Fortbewegung am Seil entstehen Rotationskräfte, welche die Sinterschich-
ten loslösen können!
Sinter ist schlagempfindlich (technisch ausgedrückt, Zug- Druck- indifferent). Beim
Einschlagen von Spits entstehen viele Haarrisse im Gestein, die eine Sollbruchstelle
erzeugen. Maschinell gebohrte Verankerungen sind in diesem Fall besser geeignet,
da die Schlagbohrkräfte wesentlich gleichmäßiger sind. Es sollten Segmentanker mit
mindestens Ø 8 mm x L 75 mm verwendet werden.

Werden im Sinter Verankerungen mit Spits installiert ist darauf zu achten, dass diese
mindestens doppelt ausgeführt sind und der Abstand zwischen den Spits gross ge-
nug ist - eine grosse Schenkellänge des Kräftedreiecks bewirkt einen günstigeren
Kraftfluss. Der Schlaufendurchhang einer Umsteigstelle muss so kurz wie möglich
gehalten werden (geringst möglicher Fangstoss bei eventuellem Bruch einer Veran-
kerung).

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 6


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Brüchiges Gestein - wie zum Beispiel Gutensteiner Kalk - verhält sich einbautech-
nisch gesehen, ähnlich wie Sinterplatten; bei Aussenschächten ist hier besondere
Vorsicht geboten!
Im Regelfall ist bei Innenschächten meistens "gesunder Fels" zu finden, der sich für
den Schachteinbau eignet. In diesem Fall müssen technische Verankerungen von
Umsteigstellen (Zwischenverankerungen) nicht mehrfach installiert werden, da die
darüber liegende Umsteigstelle (bzw. der Einstieg) eine Art Rückversicherung dar-
stellt.

Umsteigstellen erhöhen die Sicherheit: Je mehr Umsteigstellen, desto besser die "Si-
cherungskette". Durch die kürzeren freien Seilstrecken wird die Seildehnung redu-
ziert, was einen günstigeren Kraftfluss in den Verankerungen bewirkt.

Technische Verankerungen:
Spit:
Spits sind Keilankerdübel. Die exakte Einschlagtiefe ist von grosser Bedeutung,
Spitlänge + ca. 3 mm (Markierung am Spitsetzer). Ist das Bohrloch zu tief, kann die
Befestigungslasche nicht ausreichend festgeschraubt werden; ist die Bohrung nicht
tief genug, ragt der Spit aus dem Fels und verliert einen Grossteil seiner Haltekräfte!
Für Deckenverankerungen sind Spits weniger gut geeignet!
Segment- oder Durchsteckanker:
Obwohl spezielle Handbohrer im Fachhandel erhältlich sind, ist die Verwendung
eines Bohrhammers besser, da dieser effizienter und genauer arbeitet. Die Mindest-
bohrtiefe ist gleich der Länge des Bohrankers, tiefer gebohrte Löcher haben keine
nachteiligen Auswirkungen, da die Keilwirkung durch Zug (beim Verschrauben der
Lasche) erreicht wird.
!!! Tip: Laschen bereits vor der Höhlentour auf die Anker montieren ("Verlust-
sicherung"), vor dem Einschlagen Befestigungsmutter bis ca. 3 mm vor Gewin-
deende aufschrauben (optimale Klemmwirkung beim Verschrauben).

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 7


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Verbundanker:
Für Langzeiteinbauten - speziell für frostgefährdete Zonen - ist diese Verankerungs-
technik sicherlich die beste Lösung. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Ver-
bundmasse gut vermischt wird, da sie sonst keine Verbindung mit dem Gestein ein-
geht. Herstellerangaben unbedingt beachten!!!

Achtung: Seile dürfen niemals direkt in die Befestigungslaschen eingebunden wer-


den. Als Verbindung zwischen Lasche und Seilknoten dienen Karabiner mit
Schraube oder Stahlschraubglieder (Ø min = 8 mm). Die Schraube eines Karabiners
darf niemals am Fels aufliegen (Laschenwahl).

*** Tip: Falls eine Karabinerschraube Felskontakt haben sollte und keine ent-
sprechende Lasche verfügbar ist, nimmt man ein Schraubglied (Lage der Ver-
schraubung ist egal) - in dieses kann nun der Karabiner eingehängt werden, ohne
dass die Verschraubung Felskontakt hat.
Befestigungslaschen:
Laschen dürfen keinen extremen Hebelwirkungen ausgesetzt sein, da dies ihre
Bruchlast erheblich vermindern würde, daher ist bei der Platzwahl für das Bohrloch
darauf zu achten, dass die Lasche mit der gesamten Flanke aufliegt und dass das
Seil frei hängt.
*** Tip: Langzeiteinbauten immer ein wenig "überdimensionieren":
NIRO-Bohranker (min. Ø 8 mm x L 70 mm), NIRO-Laschen und Stahlschraub-
glieder (min. Ø 8 mm). Der Seildurchmesser sollte mindestens 9 mm betragen und
die Seildehnung 4% nicht überschreiten.
Die gesamte "Sicherungskette" mehrmals jährlich auf einwandfreie Funktion ü-
berprüfen und schadhafte Teile gegebenen Falls austauschen.

Geländeform und Gesteinsbeschaffenheit bestimmen die Art des Einbaus, das Know
How des Höhlenbefahrers und der Zustand der Einbauausrüstung bestimmen den
Grad der Sicherheit!

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 8


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Legende zu den Abbildungen "Einbau"

Die Abbildungen I, II und IIA zeigen die Einbauten eines Vertikalabstieges im Gu-
tensteiner Kalk (keine gesunden Bäume, kein kompakter Fels im Eistiegsbereich,
sehr brüchiges Gestein auf der Kante).
Abb. I:
Mit einem Bergseil wurde eine abgebundene Ausgleichsverankerung ("A") über
mehrere umgestürzte Bäume gelegt. "A" dient als Hauptverankerung. Das Höhlen-
seil wird mittels Schraubkarabiner und zusätzlicher Knotensicherung in die Veran-
kerung "A" eingehängt ("F" zeigt die Richtung der Belastung) ......
Abb. II:
Auf der Kante bietet sich nur eine einzige Möglichkeit für eine sinnvolle Seilbefesti-
gung an - ein kompaktes Felsköpfl ("A"). Aufgrund der Brüchigkeit des Gesteins
wurden zwei Bandschlingen (U = 240 mm, genäht) über das Felsköpfl gelegt. Die-
ses Felsköpfl ist nun die Hauptverankerung, mit der in Abb. I gezeigten Konstrukti-
on als Rückversicherung.
Abb IIA:
Abb. IIA zeigt eine machinelle Verankerung ("B"), von dieser führt ein Höhlenseil
als zusätzliche Sicherung zur Umsteigstelle beim Felsköpfl in Abb. II. Dieses Höh-
lenseil ist konstant "auf Zug belastet. ("F" = Belastungsrichtung).

Auf den ersten Blick scheint die Rückversicherung über Ausgleich plus Zusatzsiche-
rung übertrieben, aber da keine hundertprozentig tauglichen Befestigungspunkte
zur Verfügung standen, musste die Befahrungssicherheit durch Zusammenschluss
mehrerer "Teilsicherungsketten" gewährleistet werden.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 9


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Abb. III:
Diese Abbildung zeigt einen "echten" Forschungseinbau: Grundsätzlich ist dieses
(mit einem Pfeil gekennzeichnete) Felsköpfl sehr gut für eine Hauptbefestigung ge-
eignet, allerdings wurde dieser Einbau aus sicherheitstechnischer Sicht nicht optimal
gestaltet:
*** Die Bandschlinge (U = 240 mm, genäht) ist zu kurz, dadurch
entsteht ein Belastungswinkel >120°.
*** Die Bandschlinge liegt nicht tief genug und könnte daher vom
Felsköpfl abrutschen.

Anstatt der Bandschlinge hätte man ein Höhlenseil mit entsprechender Länge als
Blockverankerung installieren müssen, so wäre die Verankerung befahrungstech-
nisch wesentlich sicherer gewesen (Winkel <120°; das Abrutschen unmöglich)

Abb. IV:
Diese Abbildung zeigt eine richtig installierte Ausgleichsverankerung mit Schraub-
karabinern und genähter Bandschlinge. Der Verankerungspunkt "A" ist allerdings
sicherheitstechnisch nicht einwandfrei!
*** Der Karabiner in "A" liegt mit der Verschraubung am Fels auf.

Man hätte einfach ein Schraubglied zwischen Lasche und Karabiner hängen müs-
sen, oder anstatt der gedrehten Lasche eine gebogene installieren müssen, dann hät-
te die Karabinerschraube in "A" keinen Felskontakt.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 10


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Abb. V:
Diese Ausgleichsverankerung wurde mit zwei Durchsteckankern befahrungs- und
sicherheitstechnisch richtig installiert:
Der Verankerungspunkt "A" ist mit einer gebogenen Lasche bestückt, so liegt die
Verschraubung des Karabiners nicht am Fels auf. Allerdings hat "A" einen von der
Natur gegebenen, kleinen "Schönheitsfehler".
Der Fels ist etwas "weich", der Durchsteckanker kam beim Festschrauben der La-
sche relativ weit aus dem Fels raus, daher hat sich der Einbauer für die Installation
einer Ausgleichsverankerung entschieden - eine Installation an einer anderen Stelle,
war aufgrund des brüchigen Gesteins nicht möglich.
Die Verankerung "B" wurde im asolut "gesunden" Fels installiert. Der Ausgleich
funktioniert einwandfrei und auch das Seil hängt frei.
In Bezug auf die Haltekräfte von "B", wäre "A" nicht notwendig gewesen, aber der
Verlauf des Seils ohne Felsberührung könnte nicht gewährleitet werden.
Die Felssektion "???" ist hachelig, brüchig und vorallem durch Wetterführung "auf-
gesprengt", was jeglichen Einbau absolut unmöglich macht.

Für einen Langzeiteinbau wäre es empfehlenswert die Karabiner durch Schraub-


glieder und den mit "X" gekennzeichneten Teil durch eine NIRO-Kette zu ersetzen.
Der Bandschlingenteil "B" wird mit einem Schraubglied in die NIRO-Kette einge-
bunden, so wird das Aufscheuern der Bandschlinge verhindert, aber die Ausgleichs-
funktion nicht verändert.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 11


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Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 12
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Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 15
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Allgemeine, wichtige Tips für den Einbau von Vertikalstrecken

" Seilschoner an der Einstiegskante anbringen!

" Umsteigstelle in Kantennähe installieren!

" Tiefere Direktschächte "falllinienversetzt" einbauen (Steinschlag)!

" Gefährliche Gesteinsschuppen und Geröll vor dem Einbau entfernen,


jedoch kein unnötiges Abräumen, Verstürze lösen sich in der Regel erst
durch Fremdeinwirkung (vorsichtige Befahrung und Hirn einschalten)!
" Steinschlag- und fließwassergeschützt einbauen!

" Richtige Platzwahl für die Verankerung: "Gesunder Fels", Seil muss
nach der Umsteigstelle frei hängen, Standplätze sind bequem aber nicht
immer sinnvoll für die Installation einer Umsteigstelle ("Passprobe",
oder "Steinchentest")!
" Der direkte Weg muss nicht immer der beste sein: Querung in einen
Nebenschacht, wenn dort weniger Steinschlaggefahr herrscht; zur vis a
vis Wand pendeln, wenn dort ein scheuerfreier und sicherer Einbau
möglich ist!
" Eiseinbauten immer mehrfach versichern, Eisschrauben werden durch
die Seilbewegung mit der Zeit locker (Reibungswärme); tiefe, freihän-
gende Eiseinbauten wenn möglich vermeiden. Eisnägel nur zur Selbst-
sicherung auf Standplätzen verwenden!

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 16


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Merkblatt: Seilverlängerungen

Oftmals reichen Seile nicht bis zum Schachtgrund und müssen daher entsprechend
verlängert werden.

Verlängerung in der Umsteigstelle:


Bietet sich die Möglichkeit in der Nähe des Seilendes eine Umsteigstelle einzurich-
ten, so ist das die optimale Lösung.
Ins Seilende wird ein Achterknoten mit Schlaufe gebunden, jetzt wird mittels
gestecktem Achterknoten das weiterführende Seil in diese Schlaufe eingebunden.
Anschließend werden beide Seilschlaufen in den Karabiner (ins Schraubglied) der
Umsteigstelle eingehängt.

Das Ineinanderknoten beider Seilschlaufen dient als Rückversicherung, falls es zum


Bruch des Karabiners kommen sollte.

Direkte Seilverlängerung:
Wenn sich keine Möglichkeit für den Einbau einer Umsteigstelle bietet, müssen bei-
de Seile direkt miteinander verknotet werden.
Eine der sichersten und "umsteigfreundlichsten" Methoden ist die Marbach - Ver-
längerung.
Ins Seilende wird ein Achterknoten mit Schlaufe gebunden, in diesen Achterknoten
wird das weiterführende Seil eingebunden (gesteckter Achterknoten). Die losen
Seilenden der Knoten sollten mindestens 20 cm lang sein (mit halben Schlägen an
den Seilsträngen verknoten, so kommt es zu keinem "Seilsalat"). Die Seilschlaufe
am "alten" Seil dient zur Selbstsicherung beim Übersteigen des Knotens.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 17


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Beim Ausbau muss allerdings bedacht werden, dass dieser Knoten sehr voluminös
ist und sich leicht an Felskanten verhängen kann, daher sollte das verlängerte Seil
nicht einfach hochgezogen werden.

!!! Tip: Es ist nicht besonders angenehm diese Seilverbindung freihängend zu


lösen (starke Pendelbewegung des Seils, grosser Kraftverbrauch beim Aufschießen
des Verlängerungsteils). Wenn sich die Möglichkeit bietet, sollte der Ausbauer bis
zur nächsten Umsteigstelle aufsteigen und hier die Seilverbindung lösen und den
Verlängerungsteil aufschießen.

Für kürzere Seilverlängerungen (10 - 15 Meter) ist die alte Bergsteigermethode der
Sackstichverlängerung auch in der Höhlenforschung sinnvoll, denn dieser Knoten
kann auch hochgezogen werden.

Allerdings ist zu bedenken, dass ein gelegter Sackstick die Normbruchlast eines
Seils um zirka 40% schwächt. Daher sollten nur Seile mit einer Normbruchlast von
mindestens 20 kN zum Einsatz kommen (Sicherheitsreserven).

Die beiden Seilenden werden nicht gesteckt (gesteckte Knotenverbindungen sind


immer "rundumvoluminös"), sondern parallel gelegt. Diese Seilverlängerung hat
eine "flache Seite". Die losen Enden an den Knoten sollten mindestens 50 cm lang
sein, denn sie müssen als Sicherungsschlaufe miteinander verknotet werden.
Der Nachteil dieser Seilverlängerungsmethode besteht darin, dass gelegte Sack-
stichverbindungen nach erfolgter Belastung ziemlich schwer zu lösen sind.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 18


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Seilverlängerungsknoten sollten auch beim Abseilvorgang mit Klemmentechnik ü-
berstiegen werden. Prizipiell würde der Einsatz von Selbstsicherung und Handsteig-
klemme genügen, da eine "Zweipunkt - Sicherung" gewährleistet ist, aber die zusät-
liche Verwendung der Bruststeigklemme spart Kraft, da die "Arbeitswege" beim
Übersteigen des Knotens kürzer werden.

Übersteigen eines Seilknotens:


1. " So nahe wie möglich an den Knoten heranfahren.
2. " Selbstsicherung in die Knotenschlaufe einhängen.
3. " Handsteigklemme oberhalb des Abseilgeräts einhängen.
4. " In die Steigschlinge stellen, Bruststeigklemme zwischen Abseilgerät
und Handsteigklemme einhängen.
5. " Nun ist die Bruststeigklemme belastet, das Abseilgerät wird geöffnet und
knapp unterhalb des Knotens eingehängt.
6. " Handsteigklemme möglichst nahe an die Bruststeigklemme heranführen.
7. " In der Steigschlinge aufrichten und Bruststeigklemme öffnen,
anschließend langsam in Hängeposition übergehen.
Nun ist das Abseilgerät belastet und der Knoten somit überstiegen.
*** Tip: Es ist darauf zu achten, dass nach dem Öffnen der Bruststeigklemme
nicht die Sicherung der Handsteigklemme belastet ist. In diesem Fall muss der
Körper nochmals in der Steigschlinge aufgerichtet und die Bruststeigklemme
knapp oberhalb des Knotens eingehängt werden.
Nun wird die Handsteigklemme nochmals in Richtung Bruststeigklemme herange-
führt und der Umsteigvorgang (ab Punkt 7) wiederholt. So ist die Belastung des
Abseilgeräts gewährleistet; Handsteigklemme und Selbstsicherung lassen sich
problemlos öffnen.

Beiblatt: "Ausbildung - Einseiltechnik", Sicherheit in der Höhle 19


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"Quergänge" (Zusatz zum Merkblatt: "Einbau")

Manchmal ist es nicht möglich den direkten Abstieg zu wählen, da zum Beispiel der
Seilverlauf über einen labilen Deckenversturz führen würde oder viele, kurz aufein-
ander folgende Umsteigstellen zu installieren wären.
Ein stark "falllinienversetzter" Einbau wird erforderlich, was meistens mit einer
"Querung", oder einem "seitlichen Vorbeinageln" verbunden ist.
Es macht wenig Sinn sich "weitarmig" vorwärts zu bohren, denn jeder Ausrutscher
wird mit einem Pendelsturz "belohnt", der meistens unkontrolliert abläuft.

Beim Einbau von Querpassagen ist darauf zu achten, dass die Fixpunkte nicht zu
weit voneinander entfernt sind - was in erster Linie von der Art und Häufigkeit si-
cherer "Tritte" und "Griffe" abhängig ist - und dass der "Einbauende" während sei-
ner Arbeit immer zusätzlich gesichert ist (Cliffhanger, Klemmkeil, stabile Felsnase
oder Sanduhr, usw. ).

Diese zusätzliche "statische" Sicherung während des Arbeitens soll einen Pendel-
sturz verhindern, welcher den gesamten Einbau extrem ungünstig belasten würde.
Für den Einbauenden hat ein Pendelsturz zumindest Blutergüsse zur Folge, da der
Sturzweg meistens entlang einer Felswand führt!

Für Querungen mit erhöhter Sturzgefahr ist unbedingt ein Bergseil zur Sicherung
des "Einbauenden" zu verwenden (Aufbau einer dynamischen Sicherungskette, z.B.
mit HMS - Sicherung), da im Fall eines Sturzes nur ein "dynamisches Seil" die auf-
tretenden Kräfte ausreichend absorbieren kann (Merkblatt "Sturz ins Seil"). Das
Höhlenseil wird für die Nachkommenden als "Seilgeländer" zur Selbstsicherung
eingebaut.

Bei rein technischer Fortbewegung (glatter Fels, fast keine Griffe und Tritte) bewegt
sich der Einbauende mittels Abseilgerät am Höhlenseil vorwärts. Die Abstände zwi-
schen den einzelnen Verankerungen sind von der "Armreichweite" des Einbauen-
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den abhängig. Um die nächste Verankerung zu installieren, hängt sich der Einbau-
ende mit seiner langen Selbstsicherung in die zuvor installierte Verankerung, und
versucht so weit wie möglich entfernt zu bohren. Die geringen Abstände zwischen
den Verankerungen erfordern keine Bergseilsicherung.
*** Tip: Die Verwendung von stabilen natürlichen Befestigungspunkten erspart
die mühsame Installation technischer Verankerungen.

Sollte eine Schachtquerung erforderlich sein (auf der gegenüberliegenden


Schachtseite befindet sich eine Fortsetzung) bewegt sich der Einbauende, entspre-
chend der Geländebeschaffenheit (wie zuvor beschrieben) vorwärts. Bei einfacheren
bis mittelschwierigen Querungen benützen die Nachkommenden das zuvor einge-
baute Seilgeländer.

Bei langgezogenen, schwierigeren Schachtquerungen wird für die Nachkommenden


ein Seil für eine "Pendelquerung" eingebaut, was die Befahrung, verglichen mit der
Benützung des Seilgeländers, wesentlich vereinfacht.

*** Tip: Der Einbau von Querungen sollte immer von jener Person durchgeführt
werden, welche die besten alpinen Kletterkenntnisse hat.

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Legende zu den Abbildungen "Querung"

Abb. 1:
Prinzipiell wäre ein Abseilen über den Befestigungspunkt "A" möglich, jedoch wä-
ren mehrere Umsteigstellen auf nur wenigen Abseilmetern zu installieren und die
Abseilstrecke würde sich genau unter einem riesigen Klemmblock befinden (das
Entfernen dieses Klemmblocks ist unmöglich), was sich durch den Einbau der Be-
festigung "B" verhindern läßt:
Der Standplatz (auf der Abbildung nicht zu sehen) liegt zirka drei Meter von "A"
entfernt, der Höhenunterschied zwischen Standplatz und "A" beträgt knapp zwei
Meter. Die Überwindung der drei Meter Längendifferenz wird von einem riesigen
Klemmblock erschwert. Eine Seilbefestigung auf diesem Klemmblock wäre extrem
gefährlich.
Der Klemmblock wird vorsichtig überstiegen, um anschließend "A" einzubauen.
Der Einbauer sichert sich mit der langen Selbstsicherung in "A", durch leichtes
Hinauslehnen ist die Installation von "B" nicht besonders schwierig.
Durch die Installation dieser Verankerung ist ein freihängender Seileinbau gewähr-
leistet, der Klemmblock ist nun unschwierig zu übersteigen und die Abseilstrecke
befindet sich außerhalb der Gefahrenzone des Klemmblocks.

Abb. 2:
Diese Abbildung zeigt (von rechts nach links) die Querung oberhalb eines labilen
Versturzes zu einem Schachteinstieg. Das Blockwerk am Schachtmund ist extrem
absturzgefährdet, daher wäre der Zugang zum Schachtmund auf den Versturzblö-
cken sehr gefährlich. Um die gesamte Situation richtig einschätzen zu können, be-
ginnt der Einbauende bereits gute sechs Meter vor dem eigentlichen Schachtabstieg
mit dem seitlichen "Vorbeinageln" oberhalb des Versturzmaterials.
Bildteil I: Der "Stand" ist maschinell gebohrt und zu einem Felsköpfl rückversi-
chert. Der Einbauende bewegt sich über sein Abseilgerät am Höhlenseil vorwärts.

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Um die Zwischensicherung "A" (stabiles Felsköpfl) einzubauen, wird die Steig-
klemme auf "Zug" in Richtung Stand ins Höhlenseil eingehängt.
Das rechte Bein hat einen sehr guten Halt in einer Nische und das linke Bein wird
vom Knie abwärts auf Reibung belastet. Der schräg aufwärts führende "Zug" des
Seils wirkt wie ein Griff für eine Hand, so hat der Einbauende beide Hände frei, um
die Befestigung "A" zu montieren. Nun wird eine Selbstsicherung (in diesem Fall
die kurze) in die Befestigungsschlinge am Felsköpfl eingehängt. So hat der Einbau-
ende beide Hände für den Seileinbau frei, ohne in Sturzgefahr zu sein (zusätzlich ist
die Entlastung von Beinen und Händen gewährleistet).
Bildteil II: Die Fortbewegung von "A" nach "B" (Distanz ca. 3,5 m) wird durch
gute Tritte und Griffe ein wenig entschärft (der Einbauende befindet sich bereits
über dem Schacht). "B" ist für einen Seileinbau nicht geeignet, da dieser Felsab-
schnitt teilweise hohl ist.
Sich weiter vorwärts zu bewegen wäre zu gefährlich (Pendelsturz). Daher wird eine
zusätzliche Sicherung mittels Cliffhanger installiert. Der schräg nach oben gerichtete
"Zug" des Höhlenseils und die vertikal belastete Selbstsicherung im Cliffhanger er-
möglichen ein sicheres Arbeiten mit beiden Händen.
Da in der näheren Umgebung von "B" kein sicherer Einbau möglich ist (hohle Ge-
steinsschuppen), muss sich der Einbauer etwas hinauslehnen und mit der linken
Hand einen Bohranker im Bereich des "?" installieren. Hierbei ist darauf zu achten,
dass die Cliffhangersicherung immer belastet wird! Bei Entlastung besteht die Ge-
fahr, dass der Cliffhanger abrutscht, was einen Pendelsturz in Richtung "A" zur
Folge haben könnte.

Cliffhanger sollten immer oberhalb, beziehungsweise unterhalb des Kopfbereichs


eingehängt werden, um im Fall eines Sturzes keine Gesichts- oder Halsverletzungen
zu erleiden. Der Kopf selbst ist durch den Helm sehr gut geschützt.

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Beiblatt: Ausbildung Einseiltechnik – "Sicherheit in der Höhle"
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andreasbigler1@mac.com http://homepage.mac.com/andreasbigler1

Künstliche Verankerungen im Höhlenfels

Bisher galt der "Spit" als die Verankerung schlecht hin. Seine Funktion, seine Haltekräfte und
seine Zuverlässigkeit wurden niemals in Frage gestellt. "Spits" in Verbindung mit natürlichen
Verankerungsmöglichkeiten sind bis dato die am meisten verwendeten Befestigungen für Höh-
lenseile. Selbstverständlich, sind Akku- oder Benzinbohrmaschinen und "Durchsteckanker"
auch bekannt, aber wegen des hohen Gewichts und des erhöhten Anschaffungspreises verzichten
die meisten Höhlenforscher auf diese Errungenschaft, was eigentlich auch verständlich ist.
"HKDs" (einfach ausgedrückt, Spits für Maschinenbohrlöcher) wurden bisher hauptsächlich in
der Schlotforschung ("raufschlossern") eingesetzt, da der Setzvorgang schnell und unkompliziert
durchgeführt werden kann.

Als PETZL den "Rockpecker" (Setzgerät, ähnlich dem Spitsetzer, allerdings fürs händisches
Bohren mittels Maschinenbohrer) auf den Markt brachte, wurde der HKD auch als händisch zu
installierende Verankerung immer interessanter.

In diesem Merkblatt möchte ich die Unterschiede, Vor- und Nachteile der jeweiligen künstlichen
Verankerungsmethoden darstellen und einen guten Kompromiss zwischen teurem High Tech
und günstigem Standard zeigen (siehe nachstehende Tabelle).

Auf die Technik der Verankerung, die Wahl der richtigen Platzierung und die Laschenwahl wird
nicht näher eingegangen, da diese Themen im Arbeitsskriptum "Sicherheit in der Höhle" aus-
führlich beschrieben werden (Ausnahme: Neue Produkte).
Zuvor noch eine kurze Anmerkung: Ich habe viele Hersteller kontaktiert, aber nur HILTI war
entgegenkommend und hilfsbereit, so dass ich in diesem Merkblatt ausschließlich HILTI - Daten
und -Abbildungen verwende. Alle angeführten Produkte wurden von meinem Team und mir
ausführlich in der Praxis getestet.

Wieso technische Verankerungen?


Ich verdamme Sanduhren, Felsköpfel und stabile Blöcke keines Falls, aber ein gut platzierter
Maschinenanker ist auf die Dauer wesentlich zuverlässiger, als ein natürliches Befestigungsmit-
tel. Bereits beim Bohren lässt sich sehr leicht feststellen, ob der Fels "gesund" ist, oder nicht.
Ebenso spricht die längere Lebensdauer einiger technischer Verankerungen für sich. Die techni-
schen Werte von CE oder EU zertifizierten Elementen können weitgehend auch für Naturfels
herangezogen werden. Wie bei allen technischen Angelegenheiten, sind die Herstellerangaben
unbedingt zu beachten.

In der Höhle dürfen ausschließlich Produkte verwendet werden, die für die so genannte
"gerissene Zone zugelassen" sind (HILTI Durchsteckanker nur HST)!
Ich möchte hier unbedingt zwischen Höhlenforschung und allgemeiner Höhlenbefahrung unter-
scheiden!

In der Höhlenforschung arbeiten im Normalfall nur absolute Profis zusammen. Die Art des Ein-
baus ist meist an das Können und die Erfahrung der einzelnen Fahrtenteilnehmer angepasst.

Die Technik des "Light Riggings" und des "einmaligen Tiefenvorstoßes" haben in der allgemei-
nen Höhlenbefahrung nichts verloren!

Irgendwelche vorhandenen Spits sollten nicht einfach zur Laschenbefestigung verwendet wer-
den, da eine Funktionsprüfung nicht wirklich durchgeführt werden kann.

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Auch vorhandene HKDs sollten nicht sorglos verwendet werden, vor
allem dann, wenn es keine NIRO HKDs sind.

Die einwandfreie Funktion eines vorhandenen Durchsteckankers (HST; HST-R) dagegen ist
ziemlich einfach zu überprüfen. Ist die Lasche nach einigen Gewindegängen festgezogen und
lässt sich der Durchsteckanker unter Belastung nicht bewegen, dann sind im Normalfall auch
genügend Haltekräfte vorhanden. Ein Hammerschlag aufs Bolzenende sollte einen satten, dump-
fen Ton ergeben. Dreht der Anker beim Festziehen der Lasche durch, dann ist er unbrauchbar
(wenn möglich, ist so ein Anker im Bohrloch zu
versenken, um Unfallquellen auszuschalten)!

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Die Haltekräfte von Verbundankern sind noch einfacher zu überprüfen. Bei Ankern mit auf-
geschmiedeter Lasche (Petzl Collinox) dient ein Karabiner als Hebelarm; bewegt sich der Anker
unter Belastung, darf er nicht benützt werden (wenn möglich ausbohren, oder Laschenkopf
absägen). Ankerstangen überprüft man mit Hammerschlägen aus verschiedenen Richtungen;
satter Klang, keine Bewegung; Anker o.k.!

In der Höhle darf nur der Kleber HVU-TZ


(gerissene Zone) verwendet werden! Anstatt der
HVU –TZ "Klebersackerl" (1 Klebersackerl pro Anker) kann auch mit zwei Komponenten –
Patronen gearbeitet werden (HIT-ICE)!

Persönliche Anmerkung:
Die beste Alternative zum Spit ist sicherlich HKD ø 10 mm – Rockpecker – "vierschneidiger"
Steinbohrer. Die Anschaffungskosten bewegen sich auf gleichem Niveau; das händische
Bohren des Lochs nimmt etwas weniger Zeit in Anspruch und wenn etwas zu tief gebohrt wird,
ist das auch nicht tragisch, denn die HKDs haben einen "Anschlag". Zum Eintreiben des Keils
nimmt man einen Splintentreiber ø 6mm.

Für Langzeiteinbauten und oft befahrene Hauptstrecken haben sich Durchsteckanker (HST-R*) bewährt.

Für touristisch genutzte Langzeiteinbauten empfehle ich unbedingt die Verbundtechnik, da sie sowohl in Frost-
zonen, wie auch in extrem nassen Bereichen beste Langzeithaltekräfte bietet.

Die nachfolgende Tabelle bietet einen kurzen Vergleichsüberblick.

*
R steht für NIRO
4
Tabelle, der für die Höhlenforschung sinnvollen Verankerungen:

Bezeichnung Werkzeuge Zeitaufwand Vorteile Nachteile Bemerkungen

SPIT Spitsetzer, Ham- 7 bis 10 min, je Kein zusätzliches Keine CE – Prü- Durch das Ein-
mer, Schrauben- nach Felsbe- Bohrwerkzeug, fung! Exakte schlagen be-
ø 12 mm,
schlüssel mit Sw schaffenheit Werkzeuggewicht: Bohrtiefe sehr kommt der Spit
Innengewinde
13 mm, Blas- max. 1 kg wichtig, Bohr- Haarrisse, 2002
für Bolzen M8.
schlauch zur kronen brechen sind viele min-
Vertrieb: Petzl
Bohrlochsäube- leicht aus derwertige Spits
rung (Materialbruch)
in Umlauf ge-
bracht worden!

HKD Rockpecker 5 bis 7 min, je CE – geprüft! Nicht kompatibel Keine Material-


(Petzl), Steinboh- nach Felsbe- mit Spitsetzer schwächung, da
ø 10 mm, Integrierter Spreiz-
rer vierschneidig schaffenheit das Bohrloch mit
Innengewinde keil, kann nicht
(HILTI), Splinten- einem separaten
für Bolzen M8 verloren gehen,
treiber, Hammer, Werkzeug ge-
Werkzeuggewicht:
Vertrieb: HILTI
Schraubenschlüs- schlagen wird.
< 1 kg, kann auch
sel mit Sw 13,
maschinell gebohrt Die beste Alter-
Blasschlauch
werden native zum
SPIT!

HST/HST-R Bohrhammer, < 30 sec. EU zertifiziert, für gesamte Aus- Gute Alternati-
Durchsteckanker Steinbohrer, Überkopfmontage rüstung sehr ve für Langzeit-
ø 8 od. 10 mm,
Hammer, Schrau- geeignet, hohe schwer > 4 kg, einbau, NIRO
Außengewinde
für Muttern M8 benschlüssel mit Haltekräfte, hohe Anschaf- Ausführung hält
od. M10
Sw 13 od. 17 schnelle und siche- fungskosten ca. 10 Jahre
Vertrieb: HILTI
re Montage

HVZ und Bohrhammer, ca. 3 min. EU zertifiziert, für gesamte Aus- Für touristisch
Steinbohrer, alle Montageebe- rüstung sehr befahrene Höh-
HIT-RTZ
+ Aushärtezeit
Hammer, Schrau- nen geeignet, sehr schwer > 4 kg, len und frostge-
Ankerstangen
! 60 min
für Verbund- benschlüssel mit hohe Haltekräfte, sehr hohe An- fährdete Zonen
technik, M10
Sw 17 oder ent- großer Anwen- schaffungskos- sehr gut geeignet
und größer
Vertrieb: HILTI sprechend größer dungsbereich ten, gutes Mon-
durch verschiedene tagefachwissen
Verbundmassen erforderlich

Egal welche Verankerungsmethode zum Einsatz kommt, das entsprechende Fachwissen ist unbedingt erfor-
derlich. Eine entsprechende Schulung ist daher mehr als nur ratsam!
Nähere Infos auf meiner Homepage