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Frischekost am Lernbüfett:

Wie Sie Stationenlernen in 5 Schritten


erfolgreich umsetzen
Chrisitne Hagemann
Das Geheimnis guten Unterrichts: Struktur und Klarheit,
Schülerorientierung und Angebote für selbstständiges Lernen. Diese
Vorzüge vereint das Stationenlernen sehr effektiv, weil Ihre Schüler beim
Besuch der verschiedenen Stationen interessengeleitet vorgehen. Zugleich
bekommen sie Übung in verschiedenen Lernstrategien.

© Christian Schwier, Fotolia.com


Erfolgreiches Stationenlernen braucht einige Vorbereitung. Aber dann wird
es für Sie umso entspannter. Sie können beobachten, welchen
Lernfortschritt Ihre Schüler machen und was noch nicht so gut klappt. Und
steht die Planung einmal, können Sie das Material immer wieder
verwenden. Wie Sie Stationenlernen im Unterricht umsetzen, erfahren Sie,
wenn Sie einfach weiterlesen.
Inhalt
1. Was ist Stationenlernen?
1.1 Wie sind die Stationen aufgebaut?
1.2 Für welche Zielgruppe ist Stationenarbeit geeignet?
2. Welche Vorteile hat das Lernen an Stationen?
3. Wann setzte ich das Stationenlernen im Unterricht ein?
4. Wie setze ich die Methode der Stationenarbeit richtig um?
4.1 Schritt 1: Bereitstellung im Klassenraum
4.2 Schritt 2: Einführung – Anleitung für die Schüler
4.3 Schritt 3: Durchführung – Arbeiten an den Stationen
4.4 Schritt 4: Präsentation und Überprüfen der Ergebnisse
4.5 Schritt 5: Auswertung
5. Zeit – im Unterricht ein kostbares Gut

Was ist Stationenlernen?


Das Stationenlernen, auch Stationenarbeit, Lernbüfett, Lernstraße oder
Lernlandschaft genannt, ist eine handlungsorientierte Methode, um ein
Lernthema zu gliedern und verschiedene Lernwege zu ermöglichen. Dazu
bereitet die Lehrperson im Raum verschiedene „Lernstationen“ vor. Jedes
der Kinder wählt eine Station aus, mit der es beginnen möchte. An jeder
Station gibt es einen konkreten Arbeitsauftrag und Materialien, mit denen
ein Aspekt des Themas erarbeitet wird – entweder einzeln, im Tandem
oder in der Gruppe. Ist die Aufgabe erledigt, gehts weiter zur nächsten
Station.
Für das Lernen an Stationen gilt: Die Kinder arbeiten selbstständig,
jedes in seinem individuellen Tempo. Nur der organisatorische und
zeitliche Rahmen ist vorgegeben. Die Lernkontrolle übernehmen die
Schüler selbst. Der Lehrer fungiert als Prozessbeobachter und Lernberater,
der notfalls auch mal Hilfestellung gibt.

Wie sind die Lernstationen aufgebaut?


Das Besondere am Stationenlernen: Die Schüler bearbeiten jeden
Arbeitsauftrag, entscheiden jedoch selbst, in welcher Reihenfolge sie das
tun. Dadurch geben Sie Ihren Schülern die Freiheit, ihren Lernweg selbst
zu bestimmen. Bei der Verteilung des Lernangebots auf mehrere Stationen
können Sie nach verschiedenen Gesichtspunkten vorgehen.

 Ein Thema wird in verschiedene Teilbereiche untergliedert. Zur Bearbeitung


hält jede Station die entsprechenden Medien bereit.
Zum Beispiel gibt es beim Thema „Der Wald im Jahreslauf“: Bäume im Wald,
Pilze und Farne, Waldtiere, Wechsel der Jahreszeiten, Früchte im Herbst,
Naturschutz etc.
 Ein Thema wird über verschiedene Lernkanäle oder Arbeitsformen
angeboten. Kopf, Herz und Hand sollen angesprochen werden. Jede Station
bietet eine andere Herangehensweise an: Informationstext, Bild,
Versuchsanleitung, Experimentierbox oder Anschauungsobjekte.
 Ein Thema wird so aufgeteilt, dass gezielt die verschiedenen Sinne
angesprochen werden, um Wahrnehmung und Kreativität zu fördern.
In unserem Beispiel: Waldgeräusche, Vogelstimmen, Holz, Tannennadeln,
Heidelbeeren, Moos, feuchtes Laub, Blätter malen, mit dem Wald basteln,
Waldgedichte etc.

Weitere Varianten ergeben sich, wenn Sie ein Thema an Stationen in


verschiedenen Sozialformen – in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit –
bearbeiten lassen. Oder Sie unterscheiden nach Stationen mit
Pflichtaufgaben und Kürprogramm.
Für Anfänger müssen es nicht gleich 12 Stationen sein. Ein Lernzirkel mit
5 Stationen in Gruppenarbeit erleichtert den Einstieg und macht die
Schüler mit dieser Lernweise vertraut. Dazu sollten die Stationen nicht
nummeriert, sondern farblich gekennzeichnet sein.

Für welche Zielgruppe ist Stationenarbeit geeignet?


Wenn das Stationenlernen gut vorbereitet ist, kann es mit allen Zielgruppen
realisiert werden. Gerade in heterogenen Gruppen ergeben sich gute
Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Wechselnde Konstellationen fördern
die Teamfähigkeit. Beim Lernen an Stationen sind alle Kinder intensiv
beteiligt, davon profitieren auch lernschwächere Schüler.
Das Lernen an Stationen hebt die übliche Sitzordnung in der Klasse auf.
Hat eine Gruppe noch keine Erfahrung mit der Werkstattarbeit, ist eine
gute Einführung wichtig. In der Anfangszeit fühlen sich die Kinder
sicherer, wenn sie sich bei Unklarheiten und Fragen jederzeit an Sie
wenden dürfen.

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abwischbare Oberfläche, auf der anderen Seite befindet sich eine Tasche
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Welche Vorteile hat das Lernen an Stationen?


Was Kinder brauchen, um sich im Lernen zu orientieren und ihr
Wissensnetz zu knüpfen, ist eine anregende Lernumgebung und
Bewegungsfreiheit. Durch die Art und die Auswahl der Lernaufträge
betonen Sie die Vielfalt möglicher Zugänge, damit fördern Sie
die Lernbeweglichkeit Ihrer Schüler.
Beim Experimentieren mit verschiedenen Arbeitsformen entwickeln die
Kinder Methodenkompetenz und lernen ihre Stärken kennen. Durch die
Gruppenarbeit entwickeln sie die Fähigkeit, Lösungen auszuhandeln,
Entscheidungen zu begründen und abweichende Meinungen
einzubeziehen.
Beim Stationenlernen bauen Ihre Schüler eine Beziehung zu ihren
Projekten auf. Sie können sich besser mit der Materie identifizieren und
erkennen den Wert ihrer Arbeit. Das gibt Sicherheit, erhöht
die Lernbereitschaft und baut Ängste vor vermeintlichen Leistungshürden
ab. Oft merken die Kinder gar nicht, wie viel sie tatsächlich gelernt haben.

Wann setzte ich das Stationenlernen im Unterricht ein?


Stationenlernen kann als Einstieg in eine Unterrichtsreihe dienen, indem
die einzelnen Stationen verschiedene Inhalte eines facettenreichen Themas
anreißen. So gewinnen Ihre Schüler einen Überblick und werden motiviert,
interessante Aspekte später zu vertiefen. Das Material an den Stationen soll
Neugier wecken, kreative Aufgaben enthalten und zu Fragen animieren.
Lernen an Stationen eignet sich ausgezeichnet zur Erarbeitung einer
Thematik. Dazu verteilen Sie das Thema in Teilthemen auf verschiedene
Stationen, die nicht aufeinander aufbauen. An den Stationen finden Ihre
Schüler Materialien, Hilfestellungen und gezielte Arbeitsanweisungen, die
handelndes und entdeckendes Lernen fördern.
Besonders sinnvoll setzen Sie die Stationenarbeit ein, wenn es um Üben
und Vertiefen von Wissen geht. Die Aufgabenstellungen an den Stationen
festigen die Kenntnisse und Fertigkeiten Ihrer Schüler. Dazu konzipieren
Sie die Stationen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Beim
selbstständigen Wiederholen bekommen die Kinder Rückmeldung über
ihren Wissensstand, so wird manche Lücke noch gefüllt. Und als
Beobachter haben Sie Zeit, die Lernstände zu diagnostizieren. So können
Sie möglichen Förderbedarf erkennen und in Zukunft berücksichtigen.

Wie setze ich die Methode der Stationenarbeit richtig um?


Das Stationenlernen ist eine ausgesprochen lebendige Unterrichtsmethode.
Der Erfolg hängt wesentlich von einer guten Planung ab, denn genauso
lebendig wird es auch im Klassenraum zugehen. Wenn die Gruppe zum
ersten Mal Stationenarbeit macht, ist eine umfassende Einführung
unerlässlich. Ein Übungszirkel eignet sich für den Anfang am besten, da er
verhältnismäßig einfach zu konzipieren ist.

Schritt 1: Bereitstellung im Klassenraum


Zunächst stellen Sie sicher, welche Materialien gebraucht werden und was
bereits vorhanden ist. Die geplanten Lernziele werden nun in
Arbeitsaufträge übersetzt und die entsprechenden Arbeitsblätter kopiert. Zu
den Arbeitsmitteln gehören auch die „Laufzettel“ für die Schüler (Abb. 1).
Dann richten Sie die Arbeitsplätze ein. Farbig unterschiedliche,
stabile Aufsteller für Lernstationen leisten hier gute Dienste, damit nachher
keine losen Blätter herumfliegen und alles übersichtlich bleibt.

Abb. 1: Laufzettel fürs Stationenlernen – Beispiel zum Thema „Märchen“

Laufzettel gratis als Kopiervorlage


Schritt 2: Einführung – Anleitung für die Schüler
Wenn Ihre Schüler in den Raum kommen, werden sie gleich sehen, dass
der Unterricht anders stattfindet. Sind die Kinder bisher nur
Frontalunterricht gewohnt, kann es anfangs recht laut zugehen. Umso
wichtiger, dass Sie die Regeln des Stationenlernens (Abb. 2) vorab
verdeutlichen. Hängen Sie die Regeln als Plakat mit Magneten an die
Tafel, so sind sie allen präsent.
Alle erfahren nun, um welches Thema es geht und wie Stationenarbeit
funktioniert. Dazu laufen Sie mit der Gruppe einmal die Stationen ab und
erläutern jeweils den Arbeitsauftrag samt Lernhilfen. So können die Kinder
besser entscheiden, wo sie beginnen möchten.
Abb. 2: Plakat mit 5 Regeln für das Stationenlernen
Schritt 3: Durchführung – Arbeiten an den Stationen
Die Schüler starten nun ihre Arbeit mithilfe des Lernauftrags, dafür liegen
an jeder Station Arbeitsblätter bereit. Jedes Kind hat einen Laufzettel, auf
dem es einträgt, welche Station es absolviert hat. Zusätzlich können die
Schüler vermerken, ob ihnen die Aufgabe gefallen hat oder nicht und wie
sie damit zurechtgekommen sind.
Werden die Lernstationen in Gruppen durchlaufen, dann gibt es
Zeitvorgaben. Dazu müssen alle Arbeitsaufträge allerdings etwa gleich viel
Zeit beanspruchen. Eine Glocke läutet dann den Wechsel ein. Zur
Selbstkontrolle, wie viel Zeit an einer Station noch bleibt, setzen Sie
Stoppuhren ein. Optimal sind Zeitdauer-Uhren wie Time Timer, auf denen
die Zeitdauer deutlich sichtbar ist. An den einzelnen Stationen sind
auch Sanduhren-Sets nützliche Helfer.

Schritt 4: Präsentation und Überprüfen der Ergebnisse


Das Überprüfen und Vorzeigen von Ergebnissen gehört zu jedem
erfolgreichen Lernprozess. Das Stationenlernen bestärkt Schüler darin, ihre
Arbeitsweise und ihren Lernfortschritt selbst kritisch zu beurteilen. Daher
sollten Sie die Ergebnisse nicht benoten. Es gibt jedoch die Möglichkeit
einer klassischen Leistungsbewertung, etwa wenn die Schüler ein
Arbeitsjournal oder Portfolio anfertigen. Bei gruppenbezogenen Verfahren
ist es unbedingt notwendig, der Gruppe ein Feedback zu geben.

Schritt 5: Auswertung
Zum Abschluss kommt die ganze Gruppe zusammen und tauscht sich über
ihre Erfahrungen aus. Wichtig dabei ist, dass Schüler und Lehrer
gleichberechtigt teilnehmen, und dass Schüler auch äußern, was sie nicht
so gut fanden. Allen soll deutlich werden, wie das Lernen gelungen ist. Die
folgenden Fragen können als Leitfaden dienen:

 Wie ist es mir ergangen?


 Hat die Stationenarbeit Spaß gemacht?
 Was hat mir besonders gefallen? Was ist mir gut gelungen? Wo hatte ich ein
Aha-Erlebnis?
 Was war schwierig? Was hat nicht geklappt? Hätte ich mehr Hilfe
gebraucht?
 Bin ich mit der Qualität meiner / unserer Ergebnisse zufrieden?
 Was sollten wir in Zukunft anders oder noch besser machen?

Zeit: im Unterricht ein kostbares Gut


Zeit ist im Schulunterricht ein kostbares und meist knappes Gut. Lernen
braucht Zeit, viel Zeit. Genauso wichtig wie dichte Erklärphasen sind
Phasen der intensiven eigenen Auseinandersetzung. Nur wenn das
Zusammenspiel passt, wird die Unterrichtszeit optimal als Lernzeit
genutzt. Das Stationenlernen bietet solche Gelegenheiten zum intensiven
Weiterlernen.
Kinder, die Frontalunterricht gewohnt sind, müssen mit der offenen Form
des Stationenlernens erst umgehen lernen. Sicher wird mancher verleitet,
Ergebnisse einfach beim Nachbarn abzuschreiben. Die Erfahrung, so
keinen Lernerfolg zu feiern, gehört auch zum selbstständigen Lernprozess.
Machen Sie deshalb auch Ihren Schülern bewusst, dass die Aufgaben sie
in Lernsituationen, nicht in Leistungssituationen bringen. Das heißt,
Fehlermachen ist ausdrücklich erlaubt.
Nicht jeder Inhalt eignet sich, um an Stationen erlernt zu werden. Doch
zum Üben und Vertiefen ist diese Methode optimal. Wenn Sie
Stationenlernen öfter einsetzen, wird Ihr Zeitaufwand deutlich minimiert.
Zum einen finden Sie für jedes Fach vielfältige Broschüren mit fertigen
Stationsläufen und Kopiervorlagen. Zum anderen sind alle Materialien, die
Sie zu einem Themenkomplex in
einer Aufbewahrungsbox zwischenlagern, immer schnell einsatzbereit.
Durch die Methode Stationenlernen fördern Sie bei Ihren Schülern die
Fähigkeit, ihr Lernen selbst zu steuern, verschiedene Lernkanäle zu nutzen
und zielführende Strategien anzuwenden. Diese Schlüsselkompetenz hilft
für den Schulerfolg und darüber hinaus für das lebenslange Lernen.
Auf der Suche nach Umsetzungsmöglichkeiten für die Ideen "Globalen Lernens" im Unterrichtsalltag
bin ich auf eine Methode gestoßen, die

 Schülerlnnen von ihren Lernvoraussetzungen her ernst nimmt (z.B. dadurch, dass sie den
unterschiedlichen Lerntypen entgegenkommt),

 Lehrerinnen und Lehrern ermöglicht, viele Unterrichtszugänge einzubringen, die im


lehrerorientierten Unterricht nur wenig Platz finden können (Arbeit mit Bildbänden,
(populär)wissenschaftlichen Zeitschriften, Einbeziehen des Computers beim Einsatz von CD
-Roms (oft zum Lernen konzipiert) oder zur eigenständigen Recherche im Internet, Nutzen
von Lern-Spielen, Planung von Entspannungsphasen),
 oft Möglichkeit bietet, Störungen im Unterricht dadurch zu begegnen, dass man/frau sich
einzelnen Schülern mehr zuwenden kann.

Es geht um das Lernen an Stationen und das Lernen in Lernzirkeln, wenn mehrere Stationen
miteinander verbunden werden.

Grundidee der Arbeitsform

Was SchülerInnen im Rahmen einer Unterrichtseinheit stückweise nach und nach über Medien,
Arbeitsblätter, Übungs- und Wiederholungsaufgaben, Arbeitsanweisungen, Spielen, ... angeboten
wird, steht beim Stationenlernen am Beginn der Unterrichtseinheit alles auf einmal verteilt auf
verschiedene Lernstationen, die durchaus auch mehrfach vorhanden sein können, zur Verfügung.

"Das Verfahren ist vielen aus dem Sportunterricht (Zirkeltraining) bekannt. Entwickelt wurde es von
den Engländern Morgan und Admson als Trainingssystem, das sich entsprechend seinem Aufbau
"Circuit = Kreislauf, UMlauf nannte. Dabei werden verschiedene Stationen im Raum aufgebaut. Man
geht gemeinsam die einzelnen Stationen ab und führt dann die entsprechenden Übungen allein, zu
zweit oder in der Gruppe durch. Zu Beginn der 90er Jahr hat man erste Versuche unternommen,
Zirkelprogramme auf andere Fächer zu übertragen und sie als eine Form des spielerischen Lernens
einzusetzen: Auf Gruppentischen sind Übungsmaterialien ausgebreitet, die von SchülerInnen nach
bekannten/vereinbarten Regeln bearbeitet werden. ... unterschiedliche Stationen werden durchlaufen"
(F. Menze, AOL - Verlag).

 Stationenlernen ermöglicht verschiedenen Lerntypen (Hören, Lesen, Sehen, Aktivität)


wesentlich leichter Lernen als lehrerzentrierter Unterricht.
 Stationenlernen ermöglicht den Einsatz vieler unterschiedlicher ganz verschiedener
Materialien und Medien, die normalerweise in den "normalen Unterricht" kaum eingebracht
werden können. Die Erfahrung zeigt, dass Artikel aus Zeitschriften (z.B. GEO) an
Lernstationen, Informationsmaterialien von NIchtregierungsorganisationen und aus der
staatlichen Entwicklungshilfe und auch Spiele (z.B. Brettspiele und Kartenspiele die oft auch
von Nichtregierungsorganisatgionen auf den pädagogischen Markt gebracht worden sind) an
Lernstationen an denen jeweils 1- 3 SchülerInnen arbeiten, mit Erfolg genutzt werden können.
Ähnliches gilt für Hörkassetten, an denen einzelne SchülerInnen mit Hilfe eines Walkmanns
so arbeiten können, dass andere nicht gestört werden. Auch der PC mit CD - ROM - Laufwerk
und/oder Internetzugang, der im Klassenraum in den seltensten Fällen eine Rolle spielt
bekommt als Lernstation (vielleicht sogar im Lehrerzimmer oder Sekretariat) plötzlich eine
wichtige Bedeutung (Arbeit mit Hilfe von CD - ROMs, Erkundungsaufgaben im Internet).

 Stationenlernen muss sich nicht am Durchschnittsniveau orientieren, sondern kann die


Bandbreite der Leistungsmöglichkeiten von SchülerInnen beachten. Für alle gibt es einen
Grundstock an Aufgaben ("Muss - Aufgaben"), der ein gemeinsames Fundament für
Diskussion und Auseinandersetzungen legen kann. Darüber hinaus gibt es viele
Möglichkeiten zur Differenzierung ("Wahlaufgaben", "Zusatzaufgaben mit gestalterischem
Schwerpunkt", "Erkundungsmöglichkeiten"). Alle Schüler werden so ihren Möglichkeiten nach
gefordert und gefördert. Jede/r hat nach der Lernzirkelarbeit ein Grundpensum erarbeitet.
Wahl- und Zusatzaufgaben fördern darüber hinaus viele zusätzlich nach ihren Möglichkeiten.

 Schüler arbeiten an - in der Regel vorher festgelegten Fragestellungen -weitgehend


selbständig.

Möglichkeit 1: Sie erhalten je nach Vorkenntnissen und Erfahrung formulierte Aufgaben.

Möglichkeit 2: Materialien sind so ausgewählt, dass Fragestellungen selbständig entwickelt werden


können

 Die Abfolge der einzelnen Stationen ist meist frei wählbar. Die Arbeit an jeder Station wird
dokumentiert. "Laufzettel", Beitrag zu einer Mappe, Beiträge zu Gemeinschaftsproduktionen
wie Wandzeitung, Projektwand aber auch Video oder Audioproduktionen.

 Stationenlernen ist in verschiedene Sozialformen möglich (Einzelarbeit, Partnerarbeit,


Gruppenarbeit)

 Es kann auch an verschiedenen Lernorten gelernt werden (z.B. Einbeziehung eines Dritte -
Welt - Ladens am Ort, Erkundung bei einer Kirchengemeinde, Interview im Büro einer
Nichtregierungsorganisation, Gespräch in einer Buchhandlung ...).

 LehrerInnen und Lehrer kommen in eine neue Rolle. Gefragt sind sie als Berater und
Moderatoren. Wenn es Störungen gibt, sind dies Störungen an einer Lernstation, die dort eine
Intervention notwendig machen . Oft wird es möglich sein, dass die Arbeit an den anderen
Stationen "weiterläuft". Eine Chance auch für den Umgang mit Disziplinproblemen, die genutzt
werden sollte.

Unterschiedliche ARTEN BEIM Lernen an Stationen

Verschiedene Stationenarten, die den laufenden Unterricht ergänzen und sebstbestimmtes Lernen
ermöglichen können.

 Übungsstationen (Wiederholung, Lernspiel, Arbeitsblätter)

SchülerInnen werden die Übungsangebote umfassend angeboten:


Materialien können sein: Aufgaben in unterschiedlichster Verpackung (Kopiervorlagen, Aufgaben aus
Büchern, Lernspiele, Materialien aus der Freien Arbeit , Stumme Karten, ...)

 Vertiefendes Arbeiten (Weiterarbeit an Aufgabenstellung aus dem Klassenunterricht)

Einführungsphasen, Einführungsstunde, Einführungssequenzen werden ergänzt durch Sequenzen zur


individuellen Bearbeitung.

Alle - auch sonst nur einmal vorhandenen Materialien (Spiele, Bücher aus der Schulbibliothek,
Kassetten, Computer - Lernprogramme können hier eingesetzt werden.

 Vorlagen und Medien aufarbeiten (helfende Aufgabenstellungen)

Es gibt Vorgaben z.B. auch in vielen Unterrichtseinheiten aus dem Bereich des Globalen Lernens
(Nichtregierungsorganisationen, Verlage):

 selbständiges Erarbeiten (Präsentation von Materialien und Medien, keine direkte


Aufgabenstellung, diese wird von den Schülern selbst entwickelt.)

Angebot, ein Thema vollkommen selbständig, forschend und entdeckend zu erarbeiten.

Materialien die werden bereitgestellt. Im Idealfall bauen diese Materialien Spannung auf, lassen selbst
die Fragestellungen entwickeln und weisen selbst mögliche Wege.

So erhalten hier Weg und Ziel gleichrangige Bedeutung

 Kreativitätsstationen (künstlerische und handwerkliche Produktionen, auch Schulküche)

 Erkundungsstationen (Rechercheaufgaben, oft auch an anderen (Lern(Orten, im Internet ...)

Schüler/in haben Zeit für

 Sammlung von Informationen


 Übung
 selbständige Untersuchung eines Problems/Phänomens
 kreatives Gestalten

Lehrer/in hat die Möglichkeit:

 Schüler/innen zu beobachten
 Schüler/innen individuell zu betreuen
 sich zurückzuhalten
 Lernabläufe zu moderieren

 
1 Vgl. Uta Wallaschek, in B. Lehmann, Kinderschule - Lehrerschule, 1991, S.85ff
Quelle: 
URL: seminar-loerrach.stepnet.de/Offene%20Unt...el/lernzirk.htm

Im Regelfall werden Lernzirkel an einzelnen Stationen Elemente von mehreren der hier aufgezeigten
Formen enthalten.

Checkliste Lernen an Stationen

Sind die Lerneingangskanäle berücksichtigt?

- auditiv (Hören und Sprechen

- visuell (Sehen)

- kinästethische Ebene (Handeln, Bewegen, auch: Schmecken und Riechen)

In unserem Unterricht dominiert das Gedruckte. Beim Stationenlernen eröffnet sich die Chance auch
andere Eingangskanäle zu berücksichtigen. Zum Beispiel:

- Besprechen und Abhören von Kassetten (Walkmann), kann die Situation für Schüler/innen die über
das Hören lernen wenigstens verbessern;

- Rollenspiel, Elemente des Psychodramas (Statue bauen, Verhältnisse von Nähe und Ferne zu
einem Thema darstellen usw. sollten wenigstens angedacht werden;

- Handlungen (Versuche und ähnliches);

- Sachverhalte zeichnerisch darstellen;

- durch Texte beschreiben in Texte umsetzen.

Werden andere Lernorte genutzt?

- Lernen an anderen Orten einbeziehen Bibliotheken/Buchhandlungen, z.B. Reisebüros (z.B.


Erkundung außerhalb: Afrika beim Reisebüro), Schulküche (z.B. Arbeit in der Schulküche -
Aufsichtsfrage lösen); Kirchengemeinden, Nichtregierungsorganisationen, Initiativen am Ort (z.B.
Umfragen, Experten einbeziehen); Computerraum (Internetrecherche); Schulbibliothek benutzen,
Umfrage, Modell im Freien aufbauen ?????)

Festlegung von Minimalanforderungen - Andeuten von maximalen Möglichkeiten

- "muß - kann - Stationen"

- Fundament für alle Schüler

- Wahlaufgaben (Zusatzstationen)

Dies soll einen Lernerfolg für alle gewährleisten : Jede/r hat das Notwendige erreicht, einige haben
einen zusätzlichen Erfolg, wenn sie Zusatzaufgaben
erfolgreich bearbeiten konnten - an dem in der Auswertungsphase dann auch die anderen
partizipieren können.

Sind unterschiedliche Zugänge angeregt?

Gibt es Offene Stationen?

Stationen an denen es den Schüler/innen überlassenbleibt, wie sie die Aufgabe angehen. Oft genügt
ein Themenstichwort (z.B. Meine Meinung /Was tun? /...)

Sind die Bruner'schen Repräsentationsebenen berücksichtigt?

Nach Bruner durchläuft ein Mensch beim Lernen 3 Ebenen

-enaktive Ebene

- ikonische Ebene (zeichnerische/bildliche Darstellung)

- symbolische Ebene (Darstellung mit Hilfe von Symbolen - Buchstaben, Rechenzeichen ...)

Sind Entspannungsstationen eingeplant?

Die Lernbiologie zeigt, dass Lernen Entspannungsphasen braucht.

Beim Stationenlernen können diese Phasen eingeplant werden.

( Es bieten sich z.B. an: Puzzles, Jonglieren, Mandalas, Bewegung im Freien, Meditation z.B. mit Hilfe
von Impulsen - Bild, Musik - aus der Dritten Welt)

Können Arbeitsergebnisse gesichert werden?

 Mappe anlegen, hier werden an jeder Station Arbeitsergebnisse, Notizen gesammelt.

d.h. Aufträge so aufbauen, dass das Führen der Mappe sinnvoll ist

(z.B. zu Hörstation: Programmhinweis entwerfen, Cover gestalten)

zu Diskussionsstation: die Position aufschreiben, die am stärksten verändert hat (Pro- Kontra ...)

 an den einzelnen Stationen eine Wandzeitung entstehen lassen


 gegenseitige Kontrolle - gegenseitiges Testat
 Kombination der verschiedenen Möglichkeiten
 Sammlung für eine Ausstellung
 Multimediale Möglichkeiten (vom HTML - Text bis zum Video ...)

Sind Schüler/innen bei der Planung von Stationen einbezogen?

Schüler/innen sind auch Experten für das Lernen.

Kann ein Büchertisch zusätzliche Arbeitsimpulse ermöglichen?


Jugendbücher, Lexika, Zeitschriften, CD' s Kassetten, Schulbücher, Atlanten

Grafiken: (folgen per Post)

-Raumplan

- Themenplan Lernzirkel Afrika

- Grafische Übersicht Lernzirkel "Fahrrad" (Brot für die Welt)

TIPPS für die Praxis

Zur Arbeit in Lernstationen eignet sich jeder Klassenraum (Schülertische, Lehrerpult und auch die
Fensterbänke können genutzt werden).

Jede Station erhält eine eindeutige Nummer, wird eine Station mehrmals aufgebaut (damit sich mehr
SchülerInen gleichzeitig mit den Aufgabenstellungen auseinandersetzen können) wird die Nummer mit
Zusatzbuchstaben versehen.

Alle Schüler/innen erhalten einen Laufzettel, auf dem sie festhalten an welcher Station sie bereits
gearbeitet haben. Für alle einsehbar gibt es eine Übersicht, was die einzelnen Schüler/innen schon
bearbeitet haben.

Pflicht, Zusatz- und Wahlaufgaben werden mit verschiedenfarbigen Punkten deutlich markiert.

Idealtypischer Verlauf

 Planungsphase

- Eignet sich das Thema zur Bearbeitung in Lernstationen?

- Sammlung der Schwerpunkte, Aufteilung nach Stationen

- Gibt es Lernschritte, die aufeinander aufbauen, dann Stationen evtl. mehrfach einbauen, damit
parallel gearbeitet werden kann

- Wird eine Einführungsstunde benötigt?

 Einstiegsphase (Voreinstellungen erheben - z.B. brainstorming, mindmapping - , Entwicklung


von übergreifenden Fragestellungen, die am Ende der Unterrichtsarbeit noch einmal
angegangen werden sollten
 Stationenarbeit (an verschiedenen Lernstationen)

 Zwischenberichtsphasen (z.B. nach jeweils 2 Unterrichtsstunden einbauen

 Zusammenfassung der Arbeitsergebnisse (Sichtung Arbeitsergebnisse - gegenseitiges


Informieren, Ausstellung, Wandzeitung ...)

 Überlegungen: Wie geht es weiter? Handlungsorientierung: Was tun - Engagierte Aktionen?


Information der (Schul)Öffentlichkeit, Kontaktaufnahme mit Institutionen und Personen? ... ?

Beispiel: Lernstation "Gemeinsame Zukunft " (liegt bereits vor)

Diese Station ist in vielen Zusammenhängen im Unterricht einsetzbar:

 z.B. in einer Unterrichtseinheit, die sich mit zukünftigen Entwicklungen beschäftigt.

Der Vergleich zwischen europäischen und afrikanischen Antworten kann der eigenen Urteilsbildung
wichtige Impulse geben.

 z.B. in einer Unterrichtseinheit "Afrika" . Verschiedene Lebensentwürfe und


Zukunftsvorstellungen ermöglichen eine Verbindung von "Lokoal und Global".

 z.B. in einer Unterrichtseinheit: "Leben in der Einen Welt".

Hier werden zunächst die elementaren Bestandteile des Stationenlernens besprochen und dann die
einzelnen Phasen der Planung und Durchführung dargestellt.

4.1 Elemente des Stationenlernens

Die Bestandteile des Stationenlernens sind folgende:

 das Thema oder Themengebiet und die entsprechende Lernziele,


 ein Lernraum (Klassenzimmer o.ä.),
 eine Gruppe von Lernenden,
 mindestens eine Lehrperson,
 Arbeitsaufträge,
 Arbeitsmaterial und Arbeitshilfen zu allen Aufträgen,
 eine Anzahl von Lernstationen (feste Plätze im Lernraum, an denen die Aufträge ausliegen),
 Arbeitsplätze für alle Lerner,
 Laufzettel oder Fortschrittslisten, auf denen jeder Lernende „seine“ Lernstationen abhaken
kann,
 Auf- und Abbau, Vorbereitung und Auswertung, Pausen!

Zu diesen unverzichtbaren Elementen können weitere hinzukommen:

 ein Arbeitsjournal für jeden Teilnehmer, in dem sie sich anhand von Leitfragen Rechenschaft
über den Lernverlauf ablegen können,
 eine Dokumentenmappe oder Portfolio, worin die Arbeitsergebnisse gesammelt werden,
 ein Hilfesystem - das ist eine Struktur, die den Lernenden ermöglicht, Rat und Hilfen
einzuholen bzw. anzubieten.

Zu den einzelnen Punkten:

Gut geeignet für diese Methode ist ein Thema im allgemeinen dann, wenn es Raum für
Erfahrungslernen bietet, wenn es über vielfältige Zugänge erschlossen werden kann, wenn es in eine
größere Zahl von tendenziell unabhängigen Lernabschnitten unterteilt werden kann und wenn es allein
mithilfe gegebener Informationen, Kenntnisse und Fähigkeiten (einschließlich des Materials an den
Lernstationen) erarbeitet werden kann. Mit einem solchen Thema können themenspezifische Lernziele
mit entwicklungsspezifischen Lernzielen, wie zum Beispiel das Lernen als erlernbares Verhalten zu
begreifen, verknüpft werden.
 
Der Lernraum ist häufig ein Klassenzimmer oder ein ähnlich großer Raum, in dem genug Platz für
den Aufbau der Stationen und der Arbeitsplätze zur Verfügung steht. Das Stationenlernen kann auch
auf mehrere Räume ausgedehnt werden. Auch gegen eine (teilweise) Durchführung im Freien spricht
grundsätzlich nichts.

Die Lernstationen sind feste, ausgewiesene Orte im Lernraum, an denen Arbeitsaufträge ausliegen.


Eine Lernstation setzt einen thematischen Schwerpunkt (z.B. „Wind“ als ein Teilgebiet zum Thema
Wetter), oder einen didaktischen Schwerpunkt (z.B. „Übung“, wenn es gleichzeitig Stationen zu
weiteren Schwerpunkten wie „Vertiefung“, „selbstständiges Erarbeiten“ usw. gibt). Alle Arbeitsaufträge
einer Station sind dann diesem Schwerpunkt zu-  bzw. untergeordnet. Die Aufteilung des Themas in
Stationen ermöglicht den Lernenden, sich auf ihrem Lernweg zu orientieren, wobei sie in der Regel
ihren Weg von Station zu Station selbst bestimmen können. Ist eine Station einmal gewählt, dann
kann ein weiteres Mal die Möglichkeit bestehen, zwischen verschiedenen Aufträgen auszuwählen.
Pflichtelemente sind möglich und oft auch sinnvoll, sowohl bei den Aufträgen wie bei den Stationen. In
diesem Fall ist die Wahlfreiheit einer Station, wenn denn alle Stationen zur Erledigung aller Aufgaben
notwendig sind, in der Regel nicht gegeben. Auch kann die Wahl einer bestimmten Station wegen
„Überfüllung“ schwierig sein, wenn diese bereits von einer anderen Gruppe/anderen Teilnehmern
gewählt wurde. Im Sinne eines Zirkels werden Stationen auch gerne nach festen Zeitabläufen
durchlaufen. Dann hat jede Gruppe z.B. 15 Minuten pro Station und der Zeitdruck wird genutzt, um
einen Wettkampcharakter anzuregen (= die besten Lösungen in festgesetzter Zeit).

Arbeitsaufträge innerhalb des Stationenlernens sind meist von überschaubarem Umfang. Manche


Autoren betonen, dass sie etwa innerhalb von 20 Minuten vollständig zu bearbeiten sein sollten. Diese
Vorgabe geht aber eher mit dem üblichen 45-Minuten-Takt an Schulen einher und stellt keine
methodische Zwangsläufigkeit dar. Generell aber gilt, dass das Stationenlernen eher kleinschrittiges
Lernen ist. Der Lernfortschritt ergibt sich durch die Abfolge von Stationen, die der Reihe nach
bearbeitet werden. Jeder einzelne Arbeitsauftrag präsentiert nur einen Ausschnitt, eine Besonderheit
des Gesamten. Er sollte so beschaffen sein, dass seine Lösbarkeit für die Lernenden einsehbar ist
und die abgeschlossene Bearbeitung als eigenständiger Erfolg verzeichnet werden kann. Nach und
nach addieren sich die Einzellösungen dann zu einem Gesamtbild. Hier aber darf die Reihenfolge der
Bearbeitung in der Regel nicht völlig festgelegt sein, weil sonst die Stationen nur in einer Richtung
durchlaufen werden dürfen (das wäre eher ein Sonderfall, der wenig praktikabel bei größeren Gruppen
ist, aber dennoch im individuellen Arbeitsplan durchaus funktionieren kann). Deshalb müssen die
Arbeitsaufträge inhaltlich voneinander relativ unabhängig sein. Es gibt jedoch Formen des
Stationenlernens, z.B. die Lernstraße, bei denen die Reihenfolge der Bearbeitung klar vorgeschrieben
wird und der Schwierigkeitsgrad der Aufträge kontinuierlich zunimmt. Arbeitsaufträge müssen in so
ausreichender Zahl vorhanden sein, dass jeder Lernende zu jeder Zeit an einem Auftrag arbeiten
kann.
Inhaltlich verhalten sich die Aufträge zueinander und zum Lernthema wie die berühmten „Wege nach
Rom“ – es gibt viele von ihnen, jeder ist anders, aber alle haben etwas gemeinsam und jeder führt ans
Ziel. Aus Sicht des Stationenlernens ist es aber geradezu unerlässlich, sich dem Ziel, also dem
Lerngegenstand, aus unterschiedlichen Richtungen und mit jeweils verändertem Blickwinkel zu
nähern. Daraus folgt, dass die einzelnen Aufträge sowohl inhaltlich als auch didaktisch verschiedene
Zwecke verfolgen. So können einzelne Aufträge z.B. dem Lernzweck des „aufnehmenden Lernens“
dienen und dementsprechend zu eher aufnehmender Lerntätigkeit wie Lesen, Einprägen,
Nachmachen auffordern. Sie sind dann eher rekonstruktiv ausgerichtet. Andere können Anregungen
zum Entdecken oder Interpretieren enthalten (Lernzweck „ausbauendes Lernen“), wieder andere
haben kreative Entwürfe und Gestaltung als Ausdruck „konstruierenden Lernens“ zum Inhalt. Auch de-
konstruktive Tätigkeiten wie kritische Einschätzungen, Suche nach Lücken und Auslassungen sollten
nicht fehlen. Weiter können sich Arbeitsaufträge danach unterscheiden, ob sie Erfahrungen direkt oder
medial vermitteln, ob sie eher zur Einfühlung anregen oder zur Gefühlsäußerung führen. Für die
Stationenarbeit ist zudem ganz entscheidend, ob sie einzeln, in Partner- oder in Gruppenarbeit
durchgeführt wird. Nicht zuletzt ist Art und Menge der eingesetzten Materialien ein wichtiges
Unterscheidungsmerkmal.

Die Arbeitsmaterialien und Arbeitshilfen fallen themenabhängig sehr unterschiedlich aus. Im Prinzip


ist keine Materialform ausgeschlossen. Im sprachlichen oder mathematischen Bereich kann das
Material überwiegend aus schriftlichen Anweisungen und ebensolchen Hilfen bestehen. Im
physikalischen oder musischen Bereich sind Versuchsanordnungen denkbar, aber auch Lernstationen
am Ufer eines Baches oder am Stamm eines Baumes können sinnvoll sein. Zu jeder Station muss
eine schriftliche Anweisung gehören, welche Aufgabe hier zu lösen ist, welcher Hilfsmittel sich die
Lernenden bedienen können und was mit dem Ergebnis der Bearbeitung  geschehen soll. Außerdem
sollten die Stationen deutlich erkennbar markiert werden, um die Orientierung auf dem Lernweg zu
gewährleisten.

Jeder Lernende braucht zur Bearbeitung seiner Aufträge einen Arbeitsplatz. Dieser kann sich an der
Station selbst befinden, er kann aber auch mit seinem angestammten Arbeitsplatz, etwa im
Klassenzimmer, identisch sein. Wenn eine Station so beschaffen ist, dass mehrere Schüler
gleichzeitig an ihr arbeiten sollen, muss dies beim Platzangebot und der Zeitplanung (z.B. durch
Rotation) berücksichtigt werden.

Das Stationenlernen eignet sich insbesondere für größere Gruppen, z.B. Schulklassen, weil hier
seine Vorteile stärker zum Tragen kommen als bei Kleingruppen. Generell ist eine Anwendung mit
mittleren oder kleinen Gruppen aber nicht ausgeschlossen. Unterhalb von fünf, sechs Teilnehmern
gehen jedoch manche Vorzüge im Bereich des kooperativen Arbeitens verloren. Der Lernprozess
selbst kann sowohl individuelles Lernen wie kooperative Arbeitsformen einschließen.

Mindestens ein Lehrender wird in der Regel die Durchführung begleiten und beaufsichtigen. Bei
größeren Gruppen können weitere Lehrer hilfreich sein. Generell ist diese Methode aber nicht in
hohem Maße von der Präsenz einer Leitungsperson abhängig. Bei eingeübten Gruppen kann die
Durchführung sogar zeitweise ganz ohne Lehrperson funktionieren. Am besten eingeführt ist die
Methode bisher in klassischen Unterrichtssituationen an Schulen, wo die Lehrperson sowohl
Vorbereitung und Durchführung anleitet, wie auch bei der Auswertung eine wesentliche Rolle spielt.

Laufzettel oder Fortschrittslisten sind Zettel oder Pläne, auf denen die Lernenden vermerken, welche
Stationen sie bearbeitet haben. Solche Zettel können sie mit sich führen, sie können aber auch für alle
einsehbar ausgehängt werden. Ihr Zweck ist es, auf dem Lernweg eine Orientierung zu geben und
das bereits Zurückgelegte mit dem geplanten Pensum abzugleichen. Sie können zugleich auch einen
Wettkampfcharakter annehmen, wenn es darum geht, die schnellste Lösung oder das erste richtige
Gesamtergebnis zu finden.

Arbeitsjournal, Dokumentenmappe und Hilfesystem sind nützliche Ergänzungen zum


Stationenlernen. Im Arbeitsjournal können sich die Lernende (z.B. anhand von Leitfragen) oder die
Lerngruppe Rechenschaft darüber ablegen, was sie erarbeitet haben und welche Schlüsse sie daraus
ziehen. Es kann so ebenso zur Selbstüberprüfung dienen wie zum Austausch mit und zur Überprüfung
durch die Lehrperson. In der Dokumentenmappe können alle wichtigen Materialien gesammelt
werden: Laufzettel, Arbeitsjournal, besonders wichtige oder besonders gute Arbeitsergebnisse usw.
Die Dokumentenmappe (das Portfolio) kann vor allem bei der Auswertung der Lernphase eine
zentrale Rolle spielen. Ein Hilfesystem schließlich dient Lernenden und Lehrenden dazu, Hilfe oder
Rat bei der Arbeit einzufordern oder anzubieten. Zum Beispiel können einzelne Schüler
„Patenschaften“ für eine bestimmte Lernstation übernehmen, mit der sie sich auskennen. Wenn ein
anderer Schüler an dieser Station nicht weiterkommt, wendet er sich an den zuständigen „Paten“.

Auf- und Abbau, sowie Vorbereitung und Auswertung sind in hohem Maße wichtig für den Erfolg
dieser Methode. In der Regel sind alle Teilnehmer des Stationenlernens auch an diesen Phasen
mitverantwortlich beteiligt. Im Sinne eines dauerhaften Lernerfolges ist es bedeutsam, ob die
Lernenden schon bei der Vorbereitung mit dem Thema und den Lernzielen Kontakt aufgenommen
haben, ob ihr Interesse geweckt wurde und ob sie bereit sind, für ihr Lernen Verantwortung zu
übernehmen. Analog dazu werden viele der Erkenntnisse und Erfahrungen der Durchführungsphase
erst dann voll zum Tragen kommen, wenn sie vor der Gruppe dargestellt, gemeinsam durchdacht und
bewertet wurden. Nicht zuletzt sind es die notwendigen Pausen während der Arbeit und zwischen
einzelnen Lernschritten, die die Integration von neuem Wissen mit erleichtern helfen können.
Pausenloses Lernen ist auch mit dieser Methode weder möglich noch erstrebenswert. Es bietet sich
z.B. auch an, diesem „Lernzweck“ eine eigene Station zu widmen!

4.2 Planung und Durchführung

Beim Stationenlernen kann man sechs Arbeitsphasen unterscheiden:

 Planung und Konzeption


 Praktische Vorbereitung und Bereitstellung
 Einführung
 Durchführung (= Arbeiten an den Stationen)
 Ergebniskontrolle und Präsentation
 Auswertung

Die Phasen im Einzelnen:

(1) Phase 1: Planung und Konzeption


Das Stationenlernen ist eine planungsintensive Methode. Bislang haben wir hauptsächlich ihre
strukturellen Merkmale kennen gelernt. Der Erfolg des Stationenlernens ist aber in hohem Maße von
der Qualität der Vorbereitung abhängig. In der Planungs- und Konzeptionsphase geht es um die
folgenden Festlegungen:

 Themenwahl: Um welches Thema soll es gehen? Ist das Thema für Stationenlernen
geeignet? Kann es entsprechend in Teilthemen pro Station aufbereitet werden?
 Lernzweck: Geht es um die Vertiefung/Einübung eines bekannten, oder um die Erschließung
eines relativ neuen Themengebietes?
 Leitstruktur und Teilziele: Welche Lernziele sollen im Verlaufe des Lernvorgangs erreicht
werden? Wie hängen die Teilziele untereinander und mit dem Thema zusammen? Ist eine
bestimmte Reihenfolge des Lernens erforderlich? Wie müssen die Lernaufträge gruppiert
werden?
 Sonstige Ziele: Sollen zusätzlich zum Lernen am Thema bestimmte Kompetenzen geübt
werden (Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Eigenverantwortung, Hilfe erbitten usw.)? Solche
sonstigen Ziele müssen bei der Auftragsgestaltung unbedingt berücksichtigt werden.
 Voraussetzungen der Lernenden: Welche Kenntnisse und Fertigkeiten bringen die
Lernenden bereits mit? Wie muss das Niveau der Lernaufträge beschaffen sein?
 Konzept zur Beurteilung: Um welche Leistungsziele soll es gehen? Wie sollen
Arbeitsergebnisse überprüft und bewertet werden?
 Zeit- und Raumplanung: Wie lange soll die Durchführungsphase dauern und wo soll sie
stattfinden?

Diese Phase wird in den meisten Fällen von den Lehrpersonen durchlaufen. Je nach Alter und
Methodenerfahrung der Lernenden können sie jedoch auch schon in die Planung mit einbezogen
werden, etwa bei der Themenwahl oder bei einer Diskussion der Leistungskriterien. Auch das
Erstellen von Lernstationen für andere Gruppen kann für Lernende eine sehr positive und
herausfordernde Aufgabe sein, die sich z.B. auch als Stationenarbeit durchführen ließe (oder als
Projekt usw.).
(2) Phase 2: Praktische Vorbereitung und Bereitstellung
Das Konzept muss nun in Lernaufträge übersetzt und im Lernraum installiert werden. Im Einzelnen
geht es um:

 Materialsammlung: Welche Materialien werden gebraucht, was ist vorhanden?


 Aufträge formulieren: Die vorformulierten Lernziele müssen in Arbeitsaufträge übersetzt
werden – Textaufgaben, Bastelanweisungen, Versuchsanordnungen, Rechercheanweisungen
usw.
 Hilfen: Wo findet der Lernende welche Informationen? An wen kann er sich wenden? Wie
werden ihm Hilfen bereitgestellt?
 Arbeitsmittel: Laufzettel, Arbeitsjournale, Dokumentenmappen, Kennzeichnung für die
Lernstationen, Regelwerke etc. werden angefertigt.
 Aufbau: Lernstationen werden aufgebaut und ausgeschildert, Aufträge ausgelegt, Pläne
aufgehängt, Arbeitsplätze bereitgestellt.

Wenn Lernende in die Gestaltung dieser Phase mit einbezogen werden, kann sich u.U. die
nachfolgende Einführungsphase erübrigen.

(3) Phase 3: Einführung


Spätestens in dieser Phase sollen alle Beteiligten erfahren, wie die bevorstehende Lernstationenarbeit
funktionieren wird. Ihnen sollen das Thema, die Lernziele und die Arbeitsregeln verdeutlicht und
erklärt werden. Zudem sollten sie Gelegenheit haben, die einzelnen Stationen mit den zugehörigen
Aufträgen zu betrachten, um ihren Arbeitsweg schon
vorausplanen zu können. Die Lernenden sollten ihre Arbeitsmittel und die Hilfen kennen und benutzen
können. 
Diese Phase ist keineswegs unwichtig, wie sich jeder angesichts der komplexen Arbeitsweise des
Stationenlernens vorstellen kann. Dennoch plädieren manche Autoren dafür, die Lernenden entweder
durch Mitwirkung in Phase 2 oder durch „Learning by doing“ in Phase 4 an die Praxis des
Stationenlernens heranzuführen.

(4) Phase 4 – Durchführung


Die Lernenden wenden sich – oft in einer frei gewählten Reihenfolge – den Stationen und deren
Aufträgen zu. Anhand ihrer Laufzettel können sie vermerken, welche Stationen sie durchlaufen und
welche sie noch vor sich haben. Im einfachsten Falle müssen sie in einer gegebenen Zeit eine
bestimmte Zahl von Stationen in beliebiger Reihenfolge bearbeiten. Wenn das Lerngebiet
vorstrukturiert wurde, dann sind die Stationen mehrstufig gegliedert. Man beginnt z.B. mit Stationen
des Buchstabens A und wählt sich etwa aus A1 bis A6 drei Stationen aus. Hat man diese bearbeitet,
geht man zu den B-Stationen über.
Die Phase 4 des Stationenlernens wird sehr oft nach ein, zwei Stunden beendet sein. Sie kann sich
aber auch über viele Unterrichtseinheiten erstrecken, wobei der Arbeitsrhythmus dann besonders im
Abgleich mit anderen Lernphasen, die die Stationenarbeit unterbrechen, abzustimmen ist. Gerade
längere Phasen der Stationenarbeit sind typisch für den Offenen Unterricht, in dem diese Methode
sehr wichtig ist. Die Methode kann im Bedarfsfall auch von Elementen der Phasen 5 und 6
unterbrochen werden.
Wenn die Lernstationen in Gruppen durchlaufen werden, dann bieten sich Rotationsverfahren an. Die
Gruppen wechseln nach einer bestimmten Zeit zur nächsten Station. In diesem Fall müssen alle
Stationen so bestückt sein, dass die Arbeitsaufträge gleich lange Zeit beanspruchen. Die
arbeitsteiligen Ergebnisse werden pro Gruppe zusammengetragen, aber die Stationen dürfen dann
nicht mehr in bestimmter Reihenfolge durchlaufen werden, da die Gruppen überall einsetzen und
weiterarbeiten müssen.

(5) Phase 5: Ergebniskontrolle und Präsentation


Das Überprüfen und Vorzeigen von Ergebnissen gehört zu jedem erfolgreichen Lernprozess dazu. Die
konstruktivistische Didaktik legt hierauf besonderen Wert, da sich hierüber Interaktionen und
Anerkennungen als notwendiger Rahmen jedes Lernprozesses erst ergeben. Wann diese
Überprüfung geschieht, durch wen und mit welcher Konsequenz, dafür gibt es innerhalb des
Stationenlernens weitreichende Spielräume. In Phase 5 geht es darum, dass die Lernenden einzeln
und gemeinsam die Ergebnisse ihrer Arbeit überprüfen, darstellen und auf einen größeren
Zusammenhang beziehen können. Im Kleinen sollte dies schon am Ende jedes Arbeitsauftrages
geschehen, etwa indem der Schüler seine Ergebnisse in sein Arbeitsjournal einträgt und Fragen dazu
beantwortet. Es kann bei bestimmten Aufgabentypen auch sinnvoll sein, eine direkte
Korrekturmöglichkeit anzubieten. In anderen Fällen reicht es aus, wenn in größeren Abständen oder
sogar erst im Anschluss an die Arbeitsphase, eine Ergebniskontrolle stattfindet. Ebenso kann es
vorkommen, dass eine öffentliche Präsentation der Arbeitsergebnisse die abschließende Überprüfung
durch den Lehrenden vollständig ersetzt.
Das Stationenlernen bestärkt Lernende darin, ihre Arbeitsweise und ihren Lernfortschritt selbst kritisch
zu beurteilen. Eine klassische Leistungsbeurteilung durch den Lehrer kann diesem Ziel
entgegenstehen. Dennoch gibt es die Möglichkeit einer Leistungsbewertung im Sinne klassischer
Schulnoten auch bei dieser Methode. Bei gruppenorientierten Verfahren ist es unbedingt notwendig,
ein gruppenbezogenes Feedback zu geben und möglichst Reflecting Teams einzusetzen.

(6) Phase 6: Auswertung


Das Lernen an Stationen ist zu diesem Zeitpunkt weitgehend abgeschlossen. Die Auswertung
geschieht im Idealfall gemeinsam zwischen Lehrperson(en) und Schülern. Allen soll deutlich werden,
wie den Lernern das Lernen und den Lehrenden das Lehren gelungen ist. Die folgenden Fragen
können dafür als Leitfaden dienen:

 Wie ist es den Teilnehmern ergangen?


 Wie ist es dem Lehrer ergangen?
 Hat die Arbeit Spaß gemacht?
 Was hat besonders gefallen/ist gut gelaufen/hat Aha-Effekte gehabt?
 Was war schwierig? Was hat nicht geklappt?
 Wurden die Hilfen gebraucht/benutzt?
 Wie war die Qualität der Ergebnisse?
 Wurden die Lernziele erreicht? Welche Ziele wurden nicht erreicht und warum?
 Was sollte man anders machen und wie?
 Wo sollte man das Lernen fortsetzen?
 Gibt es Vorschläge für weiterführende Stationen/Themen?

Die Auswertung kann und sollte natürlich bei Bedarf auch individuell erfolgen, z.B. indem die
Lehrperson mit einzelnen Lernern deren Erfahrungen und Ergebnisse reflektiert.
Die Ergebnisse einer gründlichen Auswertung kommen Teilnehmern, Lehrern und der weiteren
Anwendung der Methode zugute. Ihre Vorteile sollten in keinem Falle unterschätzt werden.
Insbesondere für die Lerner, die während der Arbeitsphase höchstwahrscheinlich eigenständiger als
sonst gearbeitet haben, kann es von großer Wichtigkeit sein, wie sie und andere den Arbeitsprozess
erlebt haben.

Binnendifferenzierung durch
Stationenlernen
Das Stationenlernen ist eine ausgesprochen lebendige Methode der
Binnendifferenzierung, weil die Lernenden einerseits sehr interessenorientiert
vorgehen können, andererseits über den Besuch der verschiedenen Stationen
Übung in verschiedenen Zugängen zu einem Thema bekommen. Wie
Stationenlernen umgesetzt werden kann, erfahren Sie hier.

Beschreibung 
Auch Lernlandschaft, Lernbuffet oder Lernstraße genannt, sieht die Methode
Stationenlernen in einem Raum verschiedene Lernecken vor, die durch den/die
Lehrende vorbereitet sind. Je nach Interesse, Lernvoraussetzungen, Lernstil oder
auch Tagesform wählen die Teilnehmenden eine Lernecke oder Lernstation aus, um
dort etwas zu erarbeiten, zu üben oder auch zu vertiefen. Sie können dabei sowohl
allein als auch gemeinsam mit anderen arbeiten. Es gilt: jeder in seinem Tempo und
zu dem Themenaspekt, der ihm oder ihr wichtig ist. Regelmäßige Zusammentreffen
der Gesamtgruppe bieten Raum für Diskussionen und offene Fragen. Das
Stationenlernen vereint individuelles und gemeinsames Lernen in der Gruppe.

Das Stationenlernen ist planungsintensiv und sollte auf alle Fälle mit den
Teilnehmenden ausgewertet werden. Allerdings: Steht die Planung einmal, kann man
den gewählten Themenkomplex immer wieder einsetzen.

Umsetzung
Es gibt viele Varianten des Stationenlernens. Der Prototyp ist der nachfolgend
beschriebene, vier weitere Varianten sind danach zur Anregung Ihrer methodischen
Phantasie skizziert.

Lern-Stationen entstehen, indem Sie an verschiedenen Stellen des


Unterrichtsraumes unterschiedlich gestaltete bzw. verschiedene Arbeitsaufträge zu
einer Thematik zur Bearbeitung auslegen. Das Besondere: Die Teilnehmenden
bearbeiten jeden Arbeitsauftrag, wählen jedoch selbst, in welcher Reihenfolge sie
dies tun. Sie geben Ihren Teilnehmenden also die Freiheit und übertragen ihnen die
Verantwortung, ihren Lernweg selbst zu entscheiden. Ihre Teilnehmenden machen
die Erfahrung, dass solche Lernentscheidungen situativ unterschiedlich motiviert sein
können und dürfen: eher interessengeleitet, eher der aktuellen physischen
Verfassung folgend oder an den eigenen Vorkenntnissen und Fähigkeiten orientiert.

Varianten

 Ein Thema wird in Teilaspekte gegliedert und an verschiedenen Stationen in


seinen Teilaspekten zur Bearbeitung angeboten. Jede Station hält
entsprechend aufbereitete Materialien bereit.

 Ein Thema wird über verschiedene Sinneskanäle oder Lernformen angeboten.


Während eine Lernstation einen Lesetext vorsieht, liegt an einer anderen
Station ein Praxisbeispiel, an der nächsten ein Bild, an der nächsten gibt es
einen manuellen Zugang zu einem Thema usf.

 Ein Thema wird an den Stationen passend zu verschiedenen Sozialformen zur


Bearbeitung angeboten (Einzelarbeit, Tandem, Kleingruppe).

 Eine vierte Variante unterscheidet zwischen Pflichtstationen und Kürstationen.

Einsatz
Im Stationenlernen können Sie durch die Art und die Auswahl der Lernaufträge die
Vielfalt möglicher Zugänge zum Lernthema betonen und dadurch die
Lernbeweglichkeit Ihrer Teilnehmenden fördern. Durch die Art des gewählten und
dargebotenen Lernmaterials werden viele Sinneskanäle angesprochen und: Sie
ermöglichen Ihren Teilnehmenden eine aktive Rolle innerhalb ihres Lernprozesses
einzunehmen und Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.

Die Stationenarbeit eignet sich sowohl zur Einführung in ein Lernthema (Neugierig-
Macher, Vorwissen aktivieren, freies Assoziieren), zur Erarbeitung von Basiswissen
zu einem Lernthema (mit Hilfe verschiedener Zugänge), zum Üben und Vertiefen.

Mit dem Stationenlernen können Sie die Methodenkompetenz Ihrer Teilnehmenden


fördern. In der Einzelarbeit sind die Teilnehmenden bspw. gefordert, Aufgaben
gezielt und in bestimmter Reihenfolge zu bearbeiten, dabei ggf. Zeitregelungen
einzuhalten, Entscheidungen zu treffen und zu begründen, Lösungen zu
dokumentieren und ggf. zu präsentieren. In der Gruppenarbeit befördern Sie bspw.
bei Ihren Teilnehmenden die Kooperationsfähigkeit, die Kompetenz sich auf
Entscheidungen begründet zu einigen, Meinungen auszutauschen und abweichende
Meinungen mit einzubeziehen.

Zielgruppe
Für das Stationenlernen gilt: Wenn es gut vorbereitet ist – inhaltlich, methodisch und
praktisch – dann kann es mit allen Zielgruppen realisiert werden. Gruppen, denen
diese offene Lernform unbekannt ist, brauchen eine gute Einführung und die
Sicherheit, bei Unklarheiten und Fragen jederzeit auf Sie als Kursleiterin zukommen
zu können. Gerade in der Anfangszeit brauchen die Teilnehmenden ggf. auch
Entscheidungshilfen, um ihren Laufweg zu planen.

Stationenlernen Schritt für Schritt


Die Qualität und der Erfolg des Stationenlernens hängen sehr davon ab, dass das
Lernen an den Stationen inhaltlich, methodisch und organisatorisch gut vorbereitet
ist.

1. Schritt: Einführung

Wenn Sie das erste Mal mit einer Gruppe Stationenlernen machen, empfiehlt sich
dringend eine gute und umfassende Einführung. Wenn die Teilnehmenden den
Raum betreten, werden sie schon optisch sehen, dass der Kurs anders stattfindet.

Alle sollten nun erfahren, wie die bevorstehende Lernstationenarbeit funktioniert.


Dazu gehört, dass Sie Ihren Teilnehmenden das Thema, ggf. auch die Ziele und
die Arbeitsregeln (Abb. 1) verdeutlichen und erklären. Laufen Sie mit den
Teilnehmenden einmal die einzelnen Stationen ab und erläutern Sie jede Station mit
den Aufträgen, Arbeitsmitteln und Lernhilfen. Nur dann können die Teilnehmenden
für sich gut entscheiden, mit welcher Station sie starten wollen und wie ihr Laufweg
aussehen soll.
Abb. 1: Regeln für das Stationenlernen. (Bild: Rosemarie Klein, CC BY-SA 3.0 DE)

2. Schritt: Durchführung – Arbeiten an den Stationen

Die Teilnehmenden besetzen nun – in einer frei gewählten Reihenfolge – die


Stationen und starten mit Hilfe der Lern-Aufträge ihre Arbeit. Anhand ihres
Laufzettels können sie notieren, welche Stationen sie bewältigt und welche sie noch
zu erledigen haben. In einer vorgegebenen Zeit eine entsprechende Anzahl von
Lernstationen zu bearbeiten ist die einfachste Variante. Mit Blick auf die Zielgruppe
der Geringqualifizierten empfiehlt es sich, die Durchführung nicht sofort mit einer
Zeitvorgabe zu verbinden, sondern vielmehr den zeitlichen Freiraum zu geben, den
jeder benötigt. Abhängig von Ihren Kurs- bzw. Maßnahmezeiten kann diese Phase
30 bis 60 Minuten umfassen. Sie kann sich aber auch über mehrere Termine
erstrecken.

Planen Sie, die Lernstationen in Tandems und Gruppen durchlaufen zu lassen, dann


gibt es Zeitvorgaben und ggf. ein Gong oder eine Glocke, die den Wechsel der
Gruppen in andere Stationen einläuten. Die Herausforderung: In diesem Fall müssen
Sie alle Stationen so bestücken, dass die Arbeitsaufträge entweder gleich viel Zeit
beanspruchen oder es nicht erforderlich ist, alle Aufgaben erledigt zu haben, weil
eine andere Gruppe die Weiterbearbeitung übernimmt.

3. Schritt: Präsentation und Überprüfen der Ergebnisse

Jetzt geht es darum, dass die Teilnehmenden einzeln oder gemeinsam die
Ergebnisse ihrer Arbeit präsentieren und das Ergebnis kontrollieren. Es gibt –
abhängig vom Lernthema und vom Aufgabentypus – innerhalb des Stationenlernens
große Spielräume, wie diese Präsentation und Überprüfung geschehen kann, durch
wen und mit welchen Folgen:

 Haben Ihre Teilnehmenden mit einem Arbeitsjournal gearbeitet, wo sie nach


jeder Station Ergebnisse bereits eingetragen haben oder auch Fragen zu
einem Lernthema beantwortet haben, bietet sich eher ein Einzelgespräch an.

 Entpuppt sich eine Aufgabe für zwei oder mehr der Teilnehmenden als zu
große Herausforderung können Sie mit diesen Teilnehmenden ein
Fehlerkorrekturgespräch führen.

 Es kann auch sinnvoll sein, Arbeitsergebnisse durch Teilnehmende selbst in


der Gesamtgruppe präsentieren und kollektiv kommentieren oder ggf.
korrigieren zu lassen.

4. Schritt: Auswertung

Die Auswertung des Stationenlernens geschieht dann gemeinsam und bedient sich
eines Feedbacks.  Reflexionsfragen für die Teilnehmenden und die
Kursleitung können sein: 

 Wie ist es mir ergangen?

 Hat mir das Stationenlernen Freude bereitet?

 Was hat mir besonders gefallen? Was ist gut gelaufen? Was ist mir gut
gelungen? Wo lag mein persönlicher Aha-Effekt?

 Was war schwierig? Was hat nicht so gut funktioniert? Woran lag das?

 Wie zufrieden bin ich mit der Qualität der eigenen bzw. gemeinsamen
Ergebnisse?

 Was sollten wir zukünftig anders machen, damit es (noch) besser läuft?

 Wie soll es weiter gehen? Usf.

(Auflistung frei nach Methodenpool der Uni Köln)

Eine individuelle Auswertung kann und sollte natürlich bei Bedarf ebenfalls möglich
sein, z.B. im Rahmen eines Lernberatungsgespräches. Insbesondere für Lernende,
die mit dem Stationenlernen mehr in ihrer Eigenständigkeit gefordert waren als sonst,
ist eine reflexive Auswertung in der Gruppe oder auch im Einzelgespräch wichtig.

5. Schritt: Voraussetzungen und  Rahmenbedingungen

Die Methode kostet in der Vorbereitung sehr viel Zeit. Sie braucht Planung und
Konzeption seitens der Lehrkraft und ganz praktische Vorbereitungen. Der Raum
muss entsprechend hergerichtet werden (Anzahl der Stationen, Arbeitsplätze für
Teilnehmende) und die Lernmaterialien (Arbeitsaufträge, Arbeitsmaterial und
Lernhilfen) für die verschiedenen Stationen müssen inhaltlich und methodisch
vorbereitet, kopiert und an den Stationen ausgelegt sein. Wenn die Teilnehmenden
zwischen Stationen wandern sollen, dann braucht es sogenannte Laufzettel (Abb. 2)
oder Entwicklungslisten (Abb. 3), auf denen die Teilnehmenden festhalten können,
an welcher Lernstation sie waren und was sie dort bewältigt haben. 

Abb. 2: Laufzettel
Abb. 3: Entwicklungsliste

Das Stationenlernen braucht den/die Kursleitende im Raum, um ggf. auftretende


Fragen zu klären. Gerne wird das Stationenlernen auch mit einem Lerntagebuch
oder Arbeitsjournal verbunden. In einem Heft kann anhand von Reflexionsfragen
jede/r Teilnehmende seinen Lernverlauf knapp festhalten.

Was ist der Gegenwert zum Aufwand? Stationenlernen ermöglicht auf der Inhalts-
und Beziehungsebene sehr positive Lernerfahrungen, fördert die Lernbeweglichkeit,
die Selbstlernkompetenzen und das „Sich-methodisch-Ausprobieren“.

Für die Methode sprechen die gute Systematik, die lebendige Lernatmosphäre und
die verschiedenen Zugänge, die Lernende zu einem Thema erhalten. Vorsicht ist
geboten, wenn Teilnehmende nur Frontalunterricht gewöhnt sind bzw.
Frontalunterricht ihrer Lernerwartung entspricht. Dann können  sie nicht plötzlich mit
den hohen Freiheitsgraden umgehen, die dieser Methode zu Grunde liegen. Die gute
Einführung und Prozessbegleitung ist dann unabdingbar. 

https://www.schule-studium.de/Deutsch/2-Unterrichtsmaterial/Deutsch-Unterrichtsmaterial-
Stationenlernen.html