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Das Münchener Modell

Methoden: Bausteine
Lehrersprache
Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider Störungs-
übergreifende Metasprache
Methoden
Handlungsbegleitendes Sprechen

Baustein Lehrersprache Bausteine


Aussprache
Wortschatz
(störungsübergreifend) Grammatik
Störungs-
spezifische Kommunikation
Methoden
Sprachverständnis
Schriftsprache
Redefluss
Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #2

Semantisch-lexikalische Störungen

Intervention: Bausteine zur Lehrersprache Ausgangssituation

Lehrersprache Sender

Allgemeine Merkmale Medien sind


Verbale Mittel Nonverbale Mittel
Modellierungstechniken (Körperhaltung, Gestik, Mimik)
Reflektierbar, beeinflussbar
Nur teilweise reflektierbar,
Impuls- und Fragetechnik: Reduktion von Lehrersprache beeinflussbar

Äußerungskomplexität reduzieren Empfänger

Strukturierung der Lehrersprache Watzlawik: Man kann nicht nicht kommunizieren!

Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #3 Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #4
Kurzer Exkurs: Mittel der nonverbalen Kommunikation Abhängig von:

Alter
Sender Geschlecht
Kultur (Norden versus
Süden)
Territorium (Park,
Wartezimmer, U-Bahn)
Gestik, Blick- Körper- Distanz-/ Pers.
Raumverhalten http://www.linus-
Mimik verhalten haltung (proxemisches Vh.) Merkmale geisler.de/ap/distanz.gif

Empfänger

DVD Wilma: Zusammenschnitt


Mimik & Gestik

Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #5 Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #6

Basis: kommunikationsfreundliches Milieu Lehrersprache – allgemeine Merkmale


Lehrersprache: DON‘Ts

• Klare, lautreine Artikulation


• NICHT: „Das war falsch“ oder „Das musst du so sagen“ • Antlitzgerichtetheit (Mundbild), aufmerksames Zuhören
• NICHT: „Wiederhole, bitte“ oder „Sag es nochmal“ • Kurze, prägnante Sätze mit geringer Komplexität
• V.a. Hauptsätze, Sätze mit Modalverben
Dies entspräche nicht normaler Kommunikation! • Verzicht auf Nebensätze
Dies entspräche nicht der Höflichkeit! • Sprachniveau nur etwas über dem der Kinder
• Einsatz von Mimik, Gestik: prosodische und nonverbale
DVD Rene Marik:
Hinweisreize DVD Wilma: Lehrersprache
Sprecherziehung „Allgemeine Merkmale“

Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #7 Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #8
Semantisch-lexikalische Störungen

Intervention: Bausteine zur Lehrersprache


Modellierungstechniken
Lehrersprache
Allgemeine Merkmale

Modellierungstechniken Hörmodelle, die der Kindliche


Sprachmodelle, die
kindlichen Äußerung Äußerung der kindlichen
Impuls- und Fragetechnik: Reduktion von Lehrersprache vorausgehen Äußerung nachfolgen
Äußerungskomplexität reduzieren
Ziel: Prävention Ziel: Intervention
Kind soll gleich richtig sprechen Kind hat etwas Falsches gesagt,
Strukturierung der Lehrersprache muss korrigiert werden

Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider #9 Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider # 10

Video DVD
Modellierungstechniken ISB Vorausgehendes Modellieren: Hörmodelle
Angebot zweier (Impulse) - Richtig präsentieren
Alternativfrage Alternativen

der kindl.
Äußerung
Präsentation Auditives Bombardement Wie präsentiert man eine wichtige Stelle? Eine Schnecke
vorausgehend

Versprachlichen kindl.
1. Pause DAVOR hat
Parallelsprechen 2. Sprechtempo LANGSAM
Modellierungs
Intentionen
einen braunen
Wiedergabe der kindl. 3. Lautstärke HOCH
-techniken
Korrektives Feedback Äußerung mit berichtigter
Zielstruktur Körper
der kindl.
Expansion
Vervollständigung unter
Einbau der Zielstruktur
Unterstützend visualisieren:
Äußerung
nachfolgend
Handzeichen, Geste, Wortkarte
Sachlogische
Extension Weiterführung
Nachahmung kindl.
Modellierte Selbstkorrektur Fehler mit sofortiger
Korrektur
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Semantisch-lexikalische Störungen

Übung: Modellieren im Nachhinein Intervention: Bausteine zur Lehrersprache

Wie würden Sie auf folgende kindliche Äußerungen reagieren? Lehrersprache


Allgemeine Merkmale
Katze auf Baum Mama heute
Modellierungstechniken
nicht
kommen. Impuls- und Fragetechnik: Reduktion von Lehrersprache
Ich kann nicht Äußerungskomplexität reduzieren
schreiben, weil die
Strukturierung der Lehrersprache
Stift ist kaputt.
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Studienergebnisse Reber/Schönauer-Schneider 2013

Gesetz der zwei Drittel:


Lehrer beanspruchen zwei Drittel
der Sprechanteile für sich • Lehrer erfolgreicherer Lerngruppen haben tendenziell
(vgl. Untersuchungen zum Frontalunterricht, Flanders 1967, Grell 1975, Mayer 2005, geringere Sprechanteile und greifen weniger lenkend in
Glück 2011, DESI-Konsortium 2008) die Gesprächsführung ein
(vgl. Untersuchungen Amidon/Giammatteo 1965, DESI-Konsortium 2008)
• Dies deckt sich mit Befunden zur Bedeutung von
Eigenaktivität
(vgl. Konstruktivismus: z.B. Pelech/Pieper 2010)
und allgemeinen Ergebnissen aus der schulpädagogischen
Reber/Schönauer-Schneider 2013
Bildungsforschung zur Qualität guten Unterrichts
(vgl. Angebots-Nutzungsmodell des Unterrichts, Helmke 2010)

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Impuls- und Fragetechnik Fragenorientierter Unterricht Reber/Schönauer-Schneider 2013

• Essentieller Bestandteil des


Unterrichts, aber auch nicht
unumstritten

• Formen: Lehrerfrage – Schülerfrage

Fragenorientierter Unterricht Implusorientierter Unterricht

MEYER 2005: Unterrichtsmethoden II, Praxisband, S. 204 Wikipedia 2012

Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider # 17 Dr. Karin Reber & Dr. Wilma Schönauer-Schneider # 18

Formen von Fragen 1 Reber/Schönauer-Schneider 2013 Formen von Fragen 2 Reber/Schönauer-Schneider 2013

Unterscheidung nach Fragetypen: Unterscheidung nach grammatikalischer Frageform:

• Wissensfrage (Wie heißt …?) versus Denkfrage (Impuls) • Fragen mit Fragepronomen: W-Fragen
(Erkläre das genauer!)
• Verberstfragesätze bzw. Entscheidungsfragen: Wächst der
• Konvergente (Was passierte am 20. Juli 1944?) versus divergente Löwenzahn im Frühling?
Fragen (Was hättest du an Stauffenbergs Stelle gemacht?)
• Intonationsfragen: Der Löwenzahn wächst im Frühling?
• Gefühlsgerichtete (Wie fühlt sich der Zauberlehrling …?) und
ablaufgerichtete Fragen (Seid ihr schon fertig?) • Fragen in Form von Aufforderungen: Nenne mir …!

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Studienergebnisse Klassischer Turn:
Fehlformen der Lehrerfrage: so nicht!
Lehrer: Welcher Tag ist heute?
Schüler: Dienstag.
Lehrer: Super! • W-Fragen: Was ist das?
• Geschlossene Frage: Ist das eine Blüte?
• Untersuchungen zeigen, dass Unterricht durchschnittlich aus • Suggestivfrage: Ist das vielleicht eine Blüte?
60% Wissensfragen, 20% Denkfragen und 20% Verfahrensfragen • Rhetorische Frage: Sollen wir dann mal anfangen?
besteht (Gall 1970 nach Sommer 1981, 104 f.) • Kettenfragen: Wann blüht denn der Löwnzahn? Und wie sind die
Schirmchen? Mögen die Bienen die auch?
• Alltag: 76% der Fragen dienen dazu, Informationen zu erhalten • Echofragen: (L wiederholt Schülerantwort in der Frage) Meinst du
Schule: Anteil der echten Informationsfragen liegt bei 14% auch, dass das eine Blüte ist?
(Long/Sato 1983, 280)

Reber/Schönauer-Schneider 2013 Was bewirken derartige Fragetechniken?

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Impuls- und Fragetechnik Impuls- und Fragetechnik

Ein Impuls ist eine „geplante oder spontan geäußerte


Einwirkung auf den Schüler, die dessen Eigenaktivität bei der
Bewältigung von Problemen und Aufgabenstellungen sowie bei
Störungen im Lernprozeß stimulieren, strukturieren und steuern
soll.“
(KECK 1998, 13)
Reber/Schönauer-Schneider 2009, 50

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Sachimpuls Medien, Gegenstände, Repräsentationen Übung Impulse: Um welche Impulse handelt es sich?

Nonverbaler Mimik, Gestik, Räuspern, Schweigen, Was war das Beispiel


Impuls Nicken, Augenkontakt Du weißt bestimmt, was zum Regenbogenfisch?
Impulsformen
du jetzt machen sollst!
nach Thiele (1981)
Zu einem Thema L: Es gibt verschiedene Monate!
S1: Ja, die heißen Januar, ...
S2: Es gibt zwölf Monate.
Zur Aussprache S3: Der November ist auch ein Monat.
L: Sofa hat ein „s“.
Verbaler Impuls S1: Maus hat auch ein „s“.
S2: Hase hat auch ein „s“.
Zu einem Begriff (WS)
Lehrer hat Kopfrechenaufgaben
Lehrer hängt stumm ein Gestellt (z.B. 5+4, 15+4, 25+4, ...). Er
Zur Grammatik hält inne und zuckt fragend die
Bild an die Tafel.
Schultern.
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Semantisch-lexikalische Störungen

Zusammenfassung:Techniken zur Reduktion der Intervention: Bausteine zur Lehrersprache


Lehrersprache
• Einsatz von Impulsen (vgl. oben) statt geschlossener Fragen
Lehrersprache
• Offene Fragen: Was weißt du noch?
• Sammeln von Schülerbeiträgen ohne sofortige inhaltliche Wertung Allgemeine Merkmale
• Einsatz von Demonstrationstechniken:
Vormachen statt Sprechen!
Modellierungstechniken

Impuls- und Fragetechnik: Reduktion von Lehrersprache

Äußerungskomplexität reduzieren

Strukturierung der Lehrersprache


• Einsatz von Techniken zur Präsentation von Bildern
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Reduktion der Komplexität der Lehrersprache: Reduktion der Komplexität der Lehrersprache:
Allgemeine Vereinfachungen (vgl. Sprachverstehen) Syntaktisch-morphologische Vereinfachungen

• Handlungsreihenfolge entspricht Äußerungsreihenfolge (order of mention) • Präsens statt Imperfekt verwenden


• Maximal drei Arbeitsschritte/Aspekte etc. auf einmal • Personalpronomen durch Eigennamen ersetzen
• Einsatz von Strukturierungshilfen • Parataktische statt hypotaktischer Satzkonstruktionen nutzen (wenig
Nebensätze)
• Aktive Satzkonstruktionen statt passiver verwenden
• Genitiv durch Dativ ersetzen, Dativ evtl. durch Akkusativ
• Direkte, wörtliche Rede statt indirekter Rede einsetzen
• Bevor-/nachdem-Konstruktion vermeiden, bei denen die Reihenfolge
der Nennung nicht der Reihenfolge der Umsetzung entspricht (z. B.
„Bevor Max nach Hause geht, kauft er noch ein. Was macht Max
Schlamp-Diekmann 2010 , 6 zuerst?)
• Arbeitsanweisungen visualisieren
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Semantisch-lexikalische Störungen

Reduktion der Komplexität der Lehrersprache: Intervention: Bausteine zur Lehrersprache


Semantisch-lexikalische Vereinfachungen
Lehrersprache
• Unbekannte Wörter durch bekanntere Wörter ersetzen
• Konkrete statt abstrakte Begriffe verwenden Allgemeine Merkmale
• Vorsicht bei Metaphern und Redewendungen mit übertragener
Bedeutung: Sprachbehinderte Kinder tendieren zu einer wörtlichen
Interpretation
Modellierungstechniken
• Unterstützung durch Bilder
Impuls- und Fragetechnik: Reduktion von Lehrersprache

Äußerungskomplexität reduzieren

Strukturierung der Lehrersprache

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Handlungsbegleitendes Sprechen

Strukturierung der Lehrersprache: Pausen


Ausblick: Pädagogischer Rahmen 1 - Gesprächsregeln

Die wichtigsten suprasegmentalen phonologischen Phänomene sind:


Gesprächsregeln:
• Akzent (Betonung): Wort- versus Satzakzent
1. Einführung
Ich ziehe Köln Düsseldorf vor.
Ich ziehe Köln Düsseldorf vor. 2. Einsatz der Regel
3. Reflexion
• Intonation Paul will Paula nicht.
• Pausen und Längungen (Quantität) Paul will Paula nicht? in immer längeren
Paul will Paula, nicht?
Unterrichtsphasen
Gerade Pausen lassen sich Paul, will Paula nicht?
Paul will, Paula nicht.
auch zur Hervorhebung nutzen!
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Handlungsbegleitendes Sprechen Kontakt

Ausblick: Pädagogischer Rahmen 1I – Schüleranteile


erhöhen: Kommunikationstrainings

Dr. Karin Reber Dr. Wilma Schönauer-Schneider


Kommunikationstraining nach Klippert 2010
Sonderschullehrerin im Hochschuldienst Akademische Rätin
Ansätze zur Förderung der Erzählfähigkeit nach (Sprachheilpädagogik, Informatik) Sonderschullehrerin (Sprachheilpädagogik,
Schelten-Cornish 2008, Clausen 1995/2006, dgs 2012a/b Sprachheilpädagogin M.A. Verhaltensgestörtenpädagogik)
Ludwig-Maximilians-Universität München Sprachheilpädagogin M.A.
Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik Ludwig-Maximilians-Universität München
Leopoldstr. 13 Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik
80802 München Leopoldstr. 13
80802 München
karin.reber@edu.lmu.de
schoenauer@lmu.de

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