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Faust

Faust ist eine historische Tragödie.

Der „Faust“ ist Goethes bedeutendstes Werk, das er selbst als sein
„Hauptgeschäft“ empfindet. Als 24-Jähriger beginnt er es und erst als 82-
Jähriger setzt er den Schlusspunkt. Der zweite Teil wird nach seinem Tod im
Jahre 1832 gedruckt.

Historischer Kern:
Georg Faust (später Johann genannt) wird 1480 in Knittlingen (Württemberg)
vermutlich als Sohn eines Bauern geboren, ist wie Paracelsus ein
Naturwissenschaftler, zieht durch Europa, bietet dabei seine Kenntnisse in
marktschreierischer Weise dar, wird für einen Zauberer und Teufelsbündler
gehalten und kommt vermutlich durch eine Explosion, die während eines
Versuches ausgelöst wird, gewaltsam in Staufen im Breisgau ums Leben.

Stoffliche Grundlagen bzw. Faustbearbeitung vor Goethe:


Im Volksbuch „Historia von Dr.Johann Fausten“ (der Doktortitel ist vermutlich
eine Anmaßung) 1587 verlegt bei Johann Spieß in Frankfurt am Main, werden
erstmals die Zaubergeschichten um Faust aufgezeichnet. In diesem Buch, das
viele Auflagen und Übersetzungen erfährt, glaubt der Student Faust, durch den
Verkauf seiner Seele an den Teufel sein Wissen erweitern zu können. Nach
Ablauf der vereinbarten Frist bereitet ihm der Teufel ein schreckliches Ende(vgl.
Explosion).

Der Engländer Christopher Marlowe dramatisiert das ins Englische übersetzte


Volksbuch. Seine „Tragödie des Dr.Faust“ wird auch im deutschsprachigen
Raum von englischen Komödianten aufgeführt und bewirkt die Entstehung
vieler Volks- und Puppenspiele um Faust.
Vom Aufklärer Gotthold Emphraim Lessing ist uns ein Dramenfragment
erhalten, in dem Faust wegen seines von Gott stammenden Erkenntnisdranges
gerettet wird.

Im Sturm und Drang stellt sich Faust nicht neben die Gesellschaft, sondern
gegen sie. Bei Friedrich Müller hilft der Teutel Faust, seine positiven Seiten zu
entfalten. Friedrich Maximilian Klinger identifiziert Faust mit dem Mainzer
Buchdrucker Johann Fust, in seinem Roman „Fausts Leben, Taten und
Höllenfahrt“ versucht der Titelheld, durch den Teufelspakt Reichtum und
Unabhängigkeit von den Menschen zu erlangen.

Anregungen:
Goethe lernt bereits als Kind das Faust – Puppenspiel, in reiferen Jahren auch
das Volksbuch kennen. Während in diesen Bearbeitungen Faust dem Teufel
verfällt, wird Faust bei Goethe Schuld und Sünde vergeben, weil er nie
aufgehört hat, dem menschlichen Dasein einen Sinn zu geben.

Die im Jahr 1772 wegen der Ermordung ihres unehelichen Kindes in Frankfurt
hingerichtete Susanne Margarete Brand inspiriert ihn zur Konzeption der
Gretchentragödie (diese wird von seinem Straßburger Studienfreund Heinrich
Leopold Wagner zur Tragödie „Die Kindesmörderin“ verarbeitet, was Goethe als
Plagiat (geistiger Diebstahl) wertet).

Entstehung der Goetheschen Faustdichtung:

In seiner Sturm- und Drangzeit plant Goethe eine Große Titanentragödie, die
den Faust als einen Bruder des Götz und des Prometheus darstellen soll.
Zwischen 1772 und 1774 entsteht nun der „Urfaust“, in dem in Prosa und in
Knittelversen primär die Gretchentragödie behandelt wird. Schließt mit der
Kerkerszene.
Um einige Szenen vermehrt umgearbeitet – Faust wendet sich vom bloßen
Sinnesgenuss ab. Titel „Faust. Ein Fragment“ wird gedruckt.
Erst durch das Drängen Schillers wird die Arbeit am Faust wieder
aufgenommen, ein Plan für die Fortsetzung festgelegt und die Gretchentragödie
zu einer Episode im Leben des Faust herabgedrückt. Das Individuelle wird dabei
zum Allgemein – Menschlichen ausgeweitet.

Aufbau:
Goethes Faustdichtung besteht aus einer dreifachen Einleitung (Zueignung,
Vorspiel auf dem Theater, Prolog im Himmel).
Aus einem ersten Teil, der nicht in Akte gegliedert ist, sondern 25 Szenen
umfasst, und aus einem zweiten Teil, der in fünf Akte zerfällt.

Inhalt:

Die Zueignung bringt in vier Stanzen eine elegisch gestimmte Rückschau auf
jene frühen Erlebnisse, aus denen die Dichtung erwachsen ist. Der Dichter ist
besorgt, ob er mit seinem Werk die Menschen werde begeistern können.

Im Vorspiel auf dem Theater setzen sich der Theaterdirektor, der Dichter und die
lustige Person über den Wert der Bühne auseinander: der Direktor will
verdienen, die lustige Person unterhalten und der Dichter ein Kunstwerk
schaffen.
Der Prolog im Himmel bringt nach einem Lobgesang der Erzengel auf die
Schöpfung und einer Kritik Mephistos am Menschengeschlecht einen Dialog
zwischen dem Herrn und Mephisto über Faust. Da auch das Böse auf der Welt
von Gott gestattet ist, schließen beide darüber eine Wette ab, ob Faust vom
Bösen verführt werden könne oder nicht.