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Mit freundlicher Unterstützung von Carina B., Luisa H. & Roger V.

Perioden der Berufsgeschichte in Deutschland

1. Präjournalistische Periode

2. Korrespondierender Journalismus

3. Schriftstellerischer Journalismus

4. Redaktioneller Journalismus

5. Redaktionstechnischer Journalismus

1. Präjournalistische Periode

(bis Ende des 16. Jahrhunderts) (Ende 16. bis Mitte 18. Jahrhundert) (Mitte 18. bis Mitte 19. Jahrhundert) (seit Mitte des 19. Jahrhunderts) (seit den 1970er Jahren)

Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern um 1450 macht die Massenproduktion von Druckwerken erst möglich und begünstigt so das Entstehen von Zeitungen.

Zeitraum vom Mittelalter bis zum Ende des 16. Jahrhunderts

sporadisches, nicht berufsmäßig betriebenes Nachrichtenwesen

Entwicklung des (privaten) Briefs zu einer Art „brieflichen Zeitung“ + sog. „wandernde Journalisten“ als Nachrichtenüberbringer

Wachsendes Bedürfnis an Nachricht(en): Herausbildung eines ständigen Botenwesens

handschriftliche Vervielfältigungen: „Korrespondenten“ (Boten, Abschreiber etc.)

eher beruhend auf Gerüchten / Sensationen als auf seriöse Berichterstattung

durch Obrigkeit: öffentliche Meinungsvermittlung sehr beschränkt

Journalisten

o

Keine hauptberuflichen: als Berichterstatter fundgieren Boten, Dichter, Sekretäre und Chronisten

o

Zunächst war der Drucker die entscheidende Person für die Verbreitung

o

Ab dem 16. Jahrhundert gibt es Verleger

Quellen: offizielle Informationsquellen

Medien:

o

Briefe zwischen Behörden, Fürsten, Kaufleuten und Gesandtschaften

o

Flugblatt: Nachricht etwa über einen Unglücksfall oder eine Himmelserscheinung; Blätter mit mehreren Meldungen nannte man „Zeitungen“

o

Später auch Flugschriften: Medium der religiösen und politischen Debatten

Externe Faktoren:

o

Bildungsbewegung des Humanismus breitet sich aus: Bedarf nach Büchern griechischer und lateinischer Autoren

o

Neue Handelsverbindungen: Bedarf nach zuverlässigen Informationen über Preise und Kriege steigt

o

Luther: Reformation: heftiger Meinungsstreit

o

Die Obrigkeit bekämpft die freie öffentliche Meinungsäußerung

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B., Luisa H. & Roger V.

2. Korrespondierender Journalismus

Auch „referierender“ oder „relatorischer“ Journalismus

Zeitraum: Ende 16. bis Mitte 18. Jahrhundert

neutral vermittelnde Berichterstattung rubriklose Nachrichtenblätter

Mitteilungen, Gerüchte, Meldungen über lokale / allgemeine Obrigkeiten, Meldungen über allgemein sichtbare Begebenheiten; später auch politische Inhalte

Etablierung des Postwesens im 17. Jh. intensiverer Nachrichtenverkehr

Zensurmaßnahmen; Einschränkung der Berichterstattung auf rein nachrichtliche Darstellungen

meist nebenberufliche Korrespondenzfunktion der „Bericht Erstatter“

(innerhalb der Zeitungen aber keine „journalistische“ Tätigkeit)

Medien: Flugschriften und Avisenzeitungen

o

Seit 1600 entstehen die ersten Wochenmedien

o

1605 – Relation – Straßburg

o

1609 – Aviso – Wolfenbüttel

o

Ungeprüfte Aneinanderreihung von Nachrichten

o

Keine redaktionelle Bearbeitung oder Kommentierung

o

Angabe von Ort und Zeit des Geschehens, Nachrichtenquelle

1650 erste Tageszeitung: „Einkommende Zeitungen“ – Leipzig

Journalisten:

o

Herausgeber: Nachrichtensammler und –schreiber, Drucker und Verleger in einer Person

o

Korrespondenten: Beamte, Konsulatsschreiber, Gebildete, politisch Interessierte

o

Publizisten (Flugschriften) vs. Zeitunger (Zeitungen)

Quellen: offizielle Informationsquellen, Gerüchte

Externe Faktoren: Zensur, Nachfrage nach Nachrichten durch Entstehung gebildeter Schichten

Das ist in dieser Periode neu:

o

Aus Briefen werden Avisen Zeitungen

o

Selbstverständnis der Journalisten (=Zeitunger):

Sie sehen ihre Nachrichtenweitergabe als ihre (häufige neben) berufliche Aufgabe an. Sie geben Informationen ungefiltert und ungeprüft weiter. Sie nennen in den Nachrichten stets Ort, Zeit, Umstände und meinst eine Quelle – sonst gilt ein Informantenschutz. Sie kommentieren nicht und bleiben meist anonym.

o

Die Publizisten als Flugschriftenverfasser dagegen verbreiten Meinungen und definieren sich über ihren Hauptberuf.

3. Schriftstellerischer Journalismus

Auch „räsonierender“ Journalismus

Zeitraum: Mitte 18. bis Mitte 19. Jahrhundert

Hintergrund: Geist der Aufklärung öffentlicher „Kampf um die Freiheit des Denkens“

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B., Luisa H. & Roger V.

geistig anspruchsvolle Flugblatt und Zeitschriftenliteratur (vs. eher anspruchslose „Avisenpresse“)

historische, philosophische, religiöse u. später auch politische Fragen

Ausdruck in gelehrter Zeitschriftenliteratur, wissenschaftlich belletristische Journalliteratur, moralische Wochenschriften

literarisch politische Zeitschriften: Literat, Herausgeber u. Verleger in einer Person, dann:

Übertragung der Unternehmerfunktion auf Verleger

Politisierung der Journalliteratur

Medien: (Gelehrten ) Zeitschriften; Herausgeberzeitungen vs. Verlegerzeitungen

Herausgeberzeitungen:

o

Herausgeber als selbstständige Haupt und Alleinverfasser

o

Z.B.

Joseph Görrers: Rheinischer Merkur

 

Christian Schubart: Deutsche Chronik

o

Oft kurze Lebensdauer wegen Verbots oder Wirtschaftsproblemen

o

Öffentliche politische Diskussionen

Verlegerzeitungen:

o

Seher langlebig, z.T. gibt es die Titel bis heute

o

Ziel: ökonomischer Erfolg

o

Werden über Generationen in der Verlegerfamilie weitergegeben

Journalisten:

o

Zahl der hauptberuflichen Journalisten steigt: um 1800 sind es rund 100 in Deutschland

o

Erste Journalisten arbeiten als Angestellte. Sie müssen meist der politischen Linie der Verleger folgen.

o

Viele sind Akademiker und arbeiten zeitgleich als Schriftsteller.

Quellen:

o

Breite der Quellen nimmt zu.

o

Erste Korrespondenten werden entsandt, auch ins Ausland. Die Zeitschrift „Minerva“ hatte seit 1791 einen festen Korrespondenten in Paris.

Externe Faktoren:

o Politische Ereignisse im Zeitalter von Aufklärung, Französischer Revolution, Vormärz lassen Informationsbedürfnis der Bevölkerung wachsen.

Das ist in dieser Periode neu:

o

Hauptberuflicher Journalismus und Korrespondentenwesen entstehen

o

Nachrichten werden zunehmend (zuerst in Herausgeberzeitungen in Gegenden liberaler Zensurgesetze) kommentiert und eingeordnet.

o

Forderung nach Pressefreiheit wird in den deutschen Staaten laut – diese wird verstanden als Informationsfreiheit.

o

Augsburger „Allgemeine Zeitung“ des Verlegers Johann Friedrich Cotta wird zum Prototyp der sich entwickelnden modernen Zeitung. Zu seinen Korrespondenten zählt Heinrich Heine

o

Drucktechniken werden verbessert

o

Das Lesen fand oft in Lesezirkeln statt.

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4. Redaktioneller Journalismus

„Der redaktionelle Journalismus entstand nicht zufällig bald nach der Aufhebung der Zensur (1848) um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem (planmäßigem) Zusammenwirken von Nachrichtenwesen und Tagesliteratur – also durch die Vereinigung korrespondierender und schriftstellerischer Leistungen in der redaktionellen Fraktion.“

Nachrichtenbedarf (beschaffung u. bearbeitung) stieg

politische Verflechtungen / wachsendes Interesse an Außenpolitik

Gemeindewachstum Bedarf an Lokalberichterstattung

wirtschaftliche u. kulturelle Ereignisse als Quelle aktueller öffentlicher Nachrichten

Arbeitsteilung notwendig Redaktion:

Prüfung, Sichtung, Ergänzung, Bearbeitung (allgemeinverständliche Darstellung)

größere Leserkreise: Vielseitigkeit steigt

Notwendigkeit der kostenmindernden Massenproduktion durch Inseratengeschäfte

2 (bzw. 3) Zeitungstypen:

o

„Generalanzeiger“Presse (Aktualität, allgem. Information, wirtschaftlicher Gewinn)

o

Parteienpresse (politische Gesinnung)

o

Qualitätszeitungen (überregionale Blätter)

Redaktioneller Journalismus:

o

(ganztäglicher) Hauptberuf

o

Funktionen des Verlegers, Herausgebers und Redakteurs bildeten sich heraus

o

Lokal , Wirtschafts und Kulturteil bildeten sich heraus

Zeitraum: seit Mitte des 19. Jahrhunderts

Medien:

o

Seit Ende des 19. Jahrhunderts aufkommen der Generalanzeiger und Massenpresse

o

Finanzierung der Zeitungen auch durch Anzeigen

o

Abgrenzung von parteilichen Zeitungen, wirtschaftliche Konkurrenz zu alten Verlegerzeitungen

o

Entstehung und Ausbau von Lokalteilen

o

Konzentration auf Nachrichten statt auf Kommentierung

o

Anspruch der Unparteilichkeit

Ab 1886 revolutionierte Ottmar Mergenthalers Erfindung der Setzmaschine „Linotype“ die Zeitungsherstellung und begünstigte das Entstehen der Massenpresse

Journalisten:

o

Unabhängige Beobachter, nicht mehr Vertreter einer politischen Richtung

o

Sie müssen für ein breites, nicht intellektuelles Publikum schreiben und entsprechende Nachrichten auswählen

o

Das Berufsfeld des Lokalreporters entsteht – Vor Ort Recherchen werden nötig, Ressorts bilden sich heraus

Quellen: Nachrichtenagenturen, andere Zeitungen, Korrespondentennetz, eigene Recherchen

Externe Faktoren: Lockerung der Zensur 1848

1848, Reichsverfassung (Artikel 4), „(1) Jeder Deutsche hat das Recht, durch Wort, Schrift, Druck und bildliche Darstellung seine

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Meinung frei zu äußern. (2) Die Pressefreiheitdarf unter keinen Umständen und in keiner Weise durch vorbeugende Maßregeln beschränkt, suspendiert oder aufgehoben werden.“

Diese Gesetzgebung bestand allerdings nur auf dem Papier

Artikel 118 der Weimarer Reichsverfassung von 1919 garantiert Meinungsfreiheit und Zensurverbot. „Jeder Deutsche hat das Recht, innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze, sein Meinung durch Wort, Schrift, Druck Bild oder in sonstiger Weise frei zu äußern. An diesem Recht darf ihn kein Arbeits oder Anstellungsverhältnis hindern, und niemand darf ihn benachteiligen, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.“

Die der SPD nahestehende „Volks Zeitung“ aus Dortmund wird wie viele andere Zeitungen im Zuge der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten am 26. Februar 1933 verboten.

5. Redaktionstechnischer Journalismus

Zeitraum: seit den 1970er Jahren

Massenpresse bis 1970er: getrennte Bereiche für redaktionelle und technische Arbeiten

ab ca. 1975: Redaktionscomputer; Verschmelzung beider Bereiche elektronische Datenbanken, computergesteuerte Bildbearbeitung etc. („optischer Journalismus“)

Medien:

o

Print, Radio, Fernsehen, Online

o

Einfluss technischer Neuerungen verändert das Berufsbild

Journalisten:

o Sie sind nicht mehr nur für die Inhalte sondern auch für die Form ihrer Beiträge

verantwortlich

Quellen:

o Zugriff auch elektronische Datenbanken verändert dir Recherche

Externe Faktoren:

o Erfindung elektronsicher Datenverarbeitung (EDV)

6. Entstehung des modernen Journalismus in Großbritannien

Geburtsphase:

o

Whigs und Tories nutzen die Zeitungen für politische Ziele:

1726

Henry SaintJohn Bolingbroke gründet den „Craftsmen“ als publizistische

Plattform der Opposition. Es entsteht erstmals eine politisch räsonierende Öffentlichkeit.

o

Funktion der Presse: Erweiterung des Parlamentsforums, Fortführung der Debatten in der Öffentlichkeit

o

Whigs und Tories kaufen oder gründen in der Folge Zeitungen als Organe der jeweiligen lokalen Parteiorganisationen.

Ab 1830: Die Penny Press feiert ökonomische Erfolge

Als Redaktion erkennt die „Times“ Unabhängigkeit als Wert

o Ökonomische Gründe: „Independence is a marketable commodity”

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Die politische Rolle spielten Zeitungen später noch einmal für die entstehende Arbeiterbewegung (Northern Star)

o Ihr Ziel bestand darin, zu agitieren, Anhänger zu gewinnen und auf diese Weise die Gesellschaft umzuformen.

Medien:

o

o

Die „Quality Press“ versteht sich als „Fourth Estate“ – als vierte Gewalt im Staat

Mit ihrem hohen Anspruch grenzt sie sich von der PennyPress und später der Massenpresse („Daily Mirror“ & „Daily Mail“) ab.

Journalisten:

o

o

Sie sehen es als ihre Pflicht an, wahrheitsgemäß zu berichten und die Regierenden zu kontrollieren

Mit dem „new journalism“ ab Ende des 19. Jahrhunderts kommt der (Sozial ) Reportagejournalismus auf.

7. Entstehung des modernen Journalismus in den USA

Medien in der Geburtsphase:

o

1760er

Samuel Adams schreibt für die „Boston Gazette“ (Er kämpft für die Unabhängigkeit von England)

o

1789

Gründung der „Gazette of the United States“ durch Alexander Hamilton (Finanz und Wirtschaftsminister)

o

1791

Gründung der „National Gazette“ durch Thomas Jefferson (politischer

Gegner Hamiltons)

Alle Zeitungen dienten in der Phase der Staatsbildung als Foren zur Unterstützung der jeweiligen politischen Linie. Die politische Parteilichkeit blieb auch danach strikt erhalten.

Medien ab etwa 1830:

o

Aufkommen der Penny Press, z.B. „New York Sun“

o

1835

Gründung des “New York Herald” durch James Gordon Bennett:

Prototyp der nicht parteigebunden Zeitung: neue Entwicklung!

Journalisten beim New York Herald:

o

Sie recherchieren ihre Nachrichten selbst und geben sie nicht nur einfach weiter

o

Sie verstehen sich als politisch unabhängig

o

Sie locken ihre Leser mit sensationellen Nachrichten

Quellen:

o Eigene Recherchen stehen im Mittelpunkt Ab etwa 1865 setzt ein Wettbewerb um die schnellsten exklusiven Nachrichten ein.

Die Sozialreportage gewinnt an Bedeutung, in der einfach Leute die Hauptrolle spielen. Einige Journalisten wie etwa Jacob A. Rils (ab 1877 Polizeireporter in New York) werden sogar zu Sozialreformern. Auch die Investigativrecherche und die Rollenreportage entstehen in dieser Zeit (z.B. Elisabeth Cochrane)

Phase des „Muckranking“ (1902 17)

o Geprägt von Enthüllungsreportagen, die landesweit in „ten cent“ –Magazinen wie etwa „Collier’s“ oder „Cosmopolitan“ erschienen. Lukratives Geschäft, hoher „news value“

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B., Luisa H. & Roger V.

o

Zeitund kostenintensive Recherchen sind möglich Bsp.: Für eine Reportage über die Standart Oil Company recherchiert Ida M. Tarbell vier Jahre lang – ihr Verleger trägt die Kosten von 50.000 $

o

Die umfangreichen, kritischen Artikel bewirken ein politisches Reformklima

o

Die Presse ist als Kontrollinstanz anerkannt.

8. Zusammenfassung

In allen vier Staaten gibt es eine Phase der parteilichen Presse

Dabei weisen britische und amerikanische Presse des 19. Jahrhunderts relativ große Ähnlichkeiten auf

o

Weitgehende Pressefreiheit

o

Vergleichsweise geringe Änderung im politischen System

o

Relativ stabiles, bipolares parlamentarisches Parteiensystem

In Frankreich bleiben die Interessen der Journalisten lange identisch mit den Interessen von Politik, Wirtschaft und Kultur.

9. Hintergrundinformationen: Vom „Zeitunger“ zum Publizisten

- Frühe Neuzeit (ca. 1450 bis 1800): „öffentliche Kommunikation“ als Nebengewerbe

Zeitunger: Niedriges Ansehen sog. „Zeitunger“, aber: journalist. Grundregeln;

Angabe von:

o

Herkunftsort u. Datum Zuverlässigkeit & Aktualität

o

Zeugen des Geschehens u. Informanten Beglaubigung & Absicherung

aber: Art Informantenschutz

o

Quellenangabe (generell)

o

möglichst genaue Angaben

o

kein Zusatz eigener Kommentare Objektivität wichtig

o

abhängige Stellung; nicht hoch geachtet

Publizist:

Weitergabe von Meinungen & Argumenten Anregung zur öffentl. Debatte meist: Politiker, Juristen, Theologen (hoch angesehen) 16. u. 17 Jh. ökonom. Absicherung dieser Personen musste gewährleistet sein: nur Gewinn an „Ansehen“ (Ehre) durch Schreibertätigkeit

Regeln zur Abfassung von Flugschriften:

o

sorgfältige Gliederung

o

Zulassung von Gegenmeinungen (ggf. Zitate)

= Verwirklichung: Gebot der Fairness & Sachlichkeit

-

ABER: 16. Jh.: gefühlsbetonte Themen – persönliche Angriffe; viele Schmähschriften (Sanktionen für Beleidigungen zu schwach; zu viele Vorkommnisse der Art)

-

Politische Publizistik damals: viel Korruption (Fälschungen, verdeckte Ermittlung etc.)

viele falsche / verzerrte Nachrichten (politische & geschäftliche Interessen)

-

wissenschaftliche Publizistik: noch undifferenziert

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Stellung & Ansehen der Publizisten / Journalisten waren in der frühen Neuzeit durch deren Hauptberuf definiert

Der „Verlegerpublizist“ des 18. und 19. Jahrhunderts

-

Publizist :

 

o

„Belehrung“ & „Erziehung“ des Publikums über die Gesellschaft (UNTERHALTSAM)

finanzielle und geistige Unabhängigkeit (Lebenserfahrung) nötig

-

Ziel : Setzen von Maßstäben des „guten Geschmacks“ u. gesellschaftlichen Umgangs

Art „kritischer Journalismus“ (keine festen Regeln)

-

Einfachheit, Eingängigkeit u. Unterhaltsamkeit; Realitätsnähe

-

aktueller, kritischer politischer Journalismus (informierend / kommentierend): Ausnahme

-

NEU: nicht bloße Weitergabe, sondern Einordnung & Bewertung der Meldung

wird zum Ideal des journal. Stils

-

Warum? : * Orientierung in der Gesellschaft bzw. Erziehung politisch bewusster Staatsbürger & * Journalist „Sprachrohr der öffentlichen Meinung“ Darstellung der „öffentl. Meinung“ vor den Regierenden ( noch keine parlamentarische Herrschaft; Journalist als Ersatz bis

1848

)

-

Differenzierung der gesamtöffentlichen Meinung nach der Revolution: Parteiensystem

kommentierte Mitteilung rückt (vor der sachl. Berichterstattung) immer mehr in den Vordergrund

19. Jh.: Zeitalter der „GESINNUNGSPUBLIZISTIK“

Journalisten und Verleger seit dem Ende des 19. Jahrhunderts

-

bis Mitte des 19.Jh.: Journalismus kein eigenständiger Beruf

(„Durchgangsstudium“ zu akademischen Berufen)

-

oftmals: Publizist, Verleger u. Drucker in einer Person; Journalist eigentlicher Herausgeber

-

Reichspressegesetz 1874: Berufsjournalist ist Angestellter des Verlegers (Machtgefüge)

-

Ende des 19. Jh.: Entwicklung der Massenpresse Vergrößerung der Redaktionen

Leistungsausbau „Kampf um den Leser“ – redaktionelle Differenzierung (fortschreitende Spezialisierung)

* quantitative Ausdehnung + * qualitative Ausdifferenzierung

journalistische Selbstorganisation: „Journalistentage“ (1864)

(vermeintliche) publizist. Vielfalt: Tiefschlag im 1. WK und während der Inflation / WWK

starke Gehaltsschwankungen

Fazit: Berufsverständnis „Journalist“ im 19. Jh. :

-

GESINNUNGSPUBLIZISTIK; Parteilichkeit, Erziehung im Sinne einer parteilichen Überzeugung

-

1910: „ Reichsverband der dt. Presse

-

1916: erste Forderungen nach einem Journalistengesetz

Ziel: „redaktionelle Pressefreiheit“ (Entspannung des Verhältnisses zw. Redakteur – Verleger)

1933: Schriftleitergesetz; freier Zugang zu journalist. Berufen unmöglich

Journalist als verlängerter Arm / Funktionär der diktatorischen Herrschaft

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B., Luisa H. & Roger V.

- Professionalisierung des Journalismus: seit Ende des 19. / Anfang des 20. Jh.:

o

hauptberufliche Tätigkeit

o

Entwicklung journalist. Eingangsvoraussetzungen

o

Redaktionelle Differenzierung

o

Verbandsentwicklung

Presse heute:

- weiterhin privat organisiert

- größere u. weniger anfällige Zeitungen als vor 1933

- mehr Journalisten, weniger Zeitungen (im Vergleich zu damals)

- Spannungsverhältnis Redakteur – Verleger: Richtlinienkompetenz beim Verleger Begriff „innere Pressefreiheit“

- mehr soziale Sicherheiten der Journalisten heute

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Nachrichtenauswahl – Grundlagen des Journalismus

Meldungstypen 2007

1934

Unmittelbarkeit eines Ereignisses Räumliche Nähe Prominenz der beteiligten Personen Ungewöhnlichkeit Konflikt Spannung Emotionen Auswirkungen

Konflikt Spannung Emotionen Auswirkungen 2007 Aktuelle Meldung Lokalmeldungen Gesprächswert

2007

Aktuelle Meldung Lokalmeldungen Gesprächswert Meldungen Gesprächswert Meldungen diverse Kategorien diverse Kategorien HumanInterestMeldungen Service Meldungen

Journalismus und Selektionsforschung

Die Selektionsforschung nimmt in der Journalistik eine zentrale Rolle ein.

Besondere Bedeutung innerhalb der Selektionsforschung kommt der journalistischen Nachrichtenauswahl zu.

Hier besteht die Aufgabe, ein internationales und damit komplexes Angebot sinnvoll zu reduzieren und relevante Informationen auszuwählen.

Die Nachrichtenauswahlforschung ist der etablierteste und empirisch ertragreichste Zweig der Selektionsforschung.

Einar Östgaard – 1965

Simplifikation

Identifikation

Sensationalismus

Drei Ansätze bei der Nachrichtenauswahlforschung

GatekeeperForschung:

o

Begriff des „Gatekeepers“ vergleicht die Rolle des Journalisten im Nachrichtenfluss mit der eines Torhüters, der darüber entscheidet, was das Tor passieren darf.

o

Die GatekeeperForschung beschäftigt sich mit den selektionsrelevanten

Eigenschaften von Journalisten und Medienunternehmen.

NewBias Ansatz:

o Hier liegt der Fokus auf den politischen Einstellungen der Journalisten und der daraus resultierenden Tendenzen für die Berichterstattung.

Nachrichtenwertforschung:

o

Die Nachrichtenwerttheorie geht davon aus, dass der Nachrichtenwert eines Ereignisses von Nachrichtenfaktoren bestimmt wird.

o

Nachrichtenfaktoren sind (wiederum von Journalisten „zugeschriebene“) inhaltliche Merkmale von Ereignissen. Sie verleihen einem Ereignis einen bestimmten Nachrichtenwert und sind damit Entscheidungshilfen für Journalisten, um den Berichtswert zu erkennen.

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B. & Roger V.

o

Die Höhe des Nachrichtenwertes entscheidet, ob ein Ereignis überhaupt berichtet wird, wie prominent die entsprechende Nachricht platziert wird und wie ausführlich sie ist.

o

Nachrichtenwert beruht auf Summe und unterschiedlichen Ausprägungen der Nachrichtenfaktoren

Winfried Schulz: „Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien“

Je mehr eine Meldung über ein Ereignis dem entspricht, was Journalisten für wichtig und mithin berichtenswerte Eigenschaften der Realität halten, desto größer ist ihr Nachrichtenwert.

18 Nachrichtenfaktoren

6 Dimensionen

o Zeit

Nähe Status Dynamik

Valenz

Identifikation

2 ­Komponentenmodell von Hans Mathias Kepplinger:

Die beiden Variablen Nachrichtenfaktor und Nachrichtenwert sind unabhängig voneinander Wandel im Mediensystem und Generationswechsel verändern Nachrichtenwert zahlreicher Nachrichtenfaktoren.

Johann Friedrich Staab:

Umfang einer Nachricht stark abhängig von Nachrichtenfaktoren, bei Platzierung nicht solche Abhängigkeit

Nachrichtenfaktoren nach Galtung/Ruge 1965

Frequenz:

Schwellenfaktor/Außergewöhnlichkeit

Eindeutigkeit

Bedeutsamkeit

Konsonanz

Erscheinungsperiodik

Einfachheit und Überschaubarkeit des Ereignisses

Betroffenheit und Tragweite

Übereinstimmung mit vorhandenen Vorstellungen und Erwartungen

Überraschung

Kontinuität

Variation/Komposition

Elite Nationen

Elite Personen

Personalisierung

Negativismus

was einmal als Ereignis berichtet wurde, wird weiter berichtet

Schwellenwert niedriger, wenn es zu anderen Nachrichten passt

= wirtschaftlich, militärisch & politisch mächtig

je tragischer umso eher wird es zur Nachricht

Auswahlhypothesen nach Galtung/Ruge

1. Selektivitätshypothese

Je mehr ein Ereignis den aufgeführten Kriterien entspricht, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es als Nachricht registriert wird.

2. Verzerrungshypothese

Die Merkmale, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen, werden akzentuiert.

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3. Replikationshypothese/ Wiederholungshypothese

Selektivität und Verzerrung finden auf allen Stufen des Nachrichtenflusses statt, von der ersten Beobachtung eines Ereignisses über alle Phasen der Übermittlung und Weiterverarbeitung bis zur Veröffentlichung. Die Wirkung dieser Mechanismen verstärkt sich also im Nachrichtenfluss, und sie ist daher besonders ausgeprägt bei solchen Nachrichten, die viele Übermittlungsstadien durchlaufen.

4. Additivitätshypothese

Je mehr Nachrichtenfaktoren auf ein Ereignis zutreffen, desto größer ist seine Chance, zur Nachricht zu werden.

5. Komplementaritätshypothese

Wenn ein Ereignis eines oder einige der Kriterien überhaupt nicht oder nur in geringem Maße erfüllt, dann müssen die anderen Faktoren in umso stärkerem Maße zutreffen, damit das Ereignis als Nachricht ausgewählt wird.

Der Faktor „Nähe“ Die wichtigsten Ergebnisse

„Nähe“ hatte in sehr vielen Studien große Erklärungskraft

World of the News Study (1979): Regionalismus

Foreign News Study (1995): Struktur internationaler Beziehungen

Der Faktor „Nähe“ muss im internationalen Journalismus differenziert werden

Geographische Nähe

Kulturelle Nähe

Ökonomische Nähe

Politische Nähe

News ­Bias ­Forschung

Bias bedeutet allgemein: Unausgewogenheit bzw. Verzerrung

Elisabeth Noelle­ Neumann (1987) „The Event as Event and the Event as News”

Methode: Vergleich von extramedia (Augenzeugen) und intramedia (Berichte) Daten.

Ergebnis: Opinion Leader = Meinungsführer definieren die Relevanz von Ereignissen

>> Agenda Setting

Kennzeichen von Opinion Leader:

1. Große Reichweiter unter der Bevölkerung und unter den Journalisten

2. Elitepublikum

3. Hohe Ressourcenausstattung (Korrespondenten, Reporter, Redakteure)

4. Verlässlichen Zugang zu Quellen

Folge: Konsonanz = Uniformität oder Ähnlichkeit in der Tendenz der Berichterstattung

Meinungsklima strukturiert Argumentationslinien

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Medienethik und Journalismuskatastrophen

Was ist Ethik?

Teilgebiet der Philosophie:

Definition des „guten“ und des „schlechten“ menschlichen Handelns

Teleologischer Ansatz:

o „Richtig“ ist, was den Zweck erfüllt: Genuss, Allgemeinwohlfahrt

Deontologischer Ansatz:

o „Richtig“ ist ein absoluter Begriff der entweder fremd(z.B. christliche Ethik) oder eigenbestimmt (z.B. kategorischer Imperativ) ist.

Philosophischer Ansatz:

o

moralisches / sittlich richtiges Handeln

o

Moral: eigene Neigungen / spontane Handlungswünsche mit Rücksicht auf andere

o

„Krisenreflektion“

o

moralischer Verantwortungshorizont: Hinblick auf sich ergebende Konsequenzen

durch die Reichweite von Entscheidungen für die

1. natürliche Umwelt &

 

2. zukünftige Generationen

o

Ethik: keine Berufung auf politische oder religiöse Autoritäten, sondern:

Kriterien:

Rationalität Begründung Verallgemeinerungsfähigkeit

keine „objektiven Werte“, stattdessen: intersubjektive Gültigkeit

(innerhalb eines bestimmten Zeitraums und einer bestimmten Kultur)

o

Diskrepanz: Ideal vs. Praxisnormen:

(normative ) Ethik: Theorie „richtigen Handelns“; moralische Entscheidungsprobleme innerhalb von (Handlungs )Normen, Werten, Grundorientierungen des Menschen (aber: keine „absolute“ Wahrheit)

Normative Ethik:

o

individuelle demokratische Rechte (Grundlage: Verfassung)

o

Verpflichtungen durch Vertragsmodelle

o

Pflichten im Sinne normativer Erwartungen an gewählte oder zugeschriebene Rollen

o

allgemeine Prinzipien mit bestimmten Bindungen

Kontinuum: normative und praktische Fragen der Ethik

Grundprinzipien : Wechselseitigkeit, Allgemeingültigkeit, Gerechtigkeit

angewandte Ethik: Bezug auf Lebensgestaltung und gesellschaftliches Zusammenleben

Normen: Verbindungsglied zwischen Wünschenswertem und praktischen Problembereichen

Idealnormen: philosophische Fundierung (meist aber

wirklichkeitsfremd; zu allgemein, unbestimmt, rigide ) Praxisnormen: rechtliche und politische Fundierung (Angleichung der Idealnormen an faktische Verhältnisse )

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Ableitung der Praxis aus den Idealnormen

Ethik: das „Sollen“ vs. Pragmatik: das „Können“ (in der Praxis)

o Ebenen:

1. Ideale Ebene : abstrakte Moralprinzipien ohne Rücksicht auf strukturelle Einschränkungen, menschliche Schwächen oder Macht/Herrschaftsverhältnisse

2. Ebene der sozio kulturellen und politischen Rahmenbedingungen: faktisch bestehende Verhältnisse der Interaktion der Individuen

3. Ebene der Interessen : unterschiedliche Präferenzen der Akteure (innerhalb eines moralischen Entscheidungsfindungsprozesses)

4. Ebene der „menschlichen Unvollkommenheit“ : Schwächen menschlicher Akteure (Zeitpräferenz, Willensschwäche, Ungeduld, egoistische Motive )

Ethische Problemfelder

Kommerzialisierung

Konkurrenzdruck

Konzentrationsprozesse

Anonymisierung von Verantwortung

Zunehmende Komplexität

Journalistische Kompetenz

Ethische Konzepte für die Medien

Individualethik

Der einzelne Journalist trägt die Verantwortung für eine ethischkorrekte Problemerstattung

Mitmenschlicher Respekt gegenüber Publikum und Betroffenen

Berichterstattung von Tatsachen ohne Manipulation

Professionsethik

Selbstkontrolle durch Berufsverbände, welche Kodizes, Standesethiken, etc. erlassen

Institutionsethik

Verantwortung der Verleger und des Gesetzgebers zur Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zur Entfaltung ethischer Medienarbeit.

Publikumsethik

Verantwortung des Publikums unethisches Medienverhalten durch Nichtrezeptions zu sanktionieren.

Analyse ­Schema (Weischenberg)

Auf der Ebene der Normen (Ethikkataloge und ihre Verschränkung mit rechtlichen Regelungen);

Auf der Ebene der Strukturen (institutionelle Voraussetzungen für individuelle Selbstregulierung journalistischen Handelns);

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Auf der Ebene der Funktionen (Übereinstimmung von ethischen Prinzipien mit den Kommunikationsabsichten der Journalisten und den Kommunikationserwartungen des Publikums;

Auf der Ebene der Rollen (Disposition von Journalisten gegenüber ethischen Entscheidungssituationen)

Verständnis der Medienethik

Merkmale:

Idealebene: individualethische Konzeptionen für Journalisten (professionsethische Maßstäbe, verankert in Berufskodizes idealtypische Richtlinien und Standards)

Praxisebene: systemspezifische Institutionenethik; Berücksichtigung der vorherrschenden Machtstrukturen (politische, ökonomische, juristische Gegebenheiten; sozio ökonomische Rahmenbedingungen )

„Orientierungsrahmen “: allgemeine Idealebene

Medienethik: Sensibilisierung und Verantwortungszuschreibung;

o Aufzeigen von Defiziten in den Bereichen:

Medienangebote

Mediennutzung

Programminhalte

medienethische Reflexion: alternative Handlungskonzepte, „anhand derer die Qualität und

Angemessenheit medialen Handelns bewertet werden können“

zentrale Diskussion von:

Medienkonzentration (Machtaspekte)

Medieninhalten (moralisch fragwürdige Programme; Sensationslust, Enthüllungsgier )

Reichweite moralischer Verantwortung:

Individualethik

Institutionsethik

Professionsethik

Rollenverantwortung des einzelnen Journalisten

Verantwortung der Medienunternehmer, Gesetzgeber, Medieneigner, Medienmitarbeiter; außerdem Moral des politischen und des medialen Systems

Kodizes in Standesethiken der Berufsverbände Selbstkontrolle,

transparentes Agieren der Journalisten. DEUTSCHER PRESSERAT:

publizistische Grundsätze [1957]: Achtung des Privatlebens, Methoden zur Informationsbeschaffung, Verbot der Diskriminierung, Manipulationsverbot, Informationssachlichkeit

Aber: dt. Presserat verfügt über keine Sanktionsgewalt! („zahnloser Tiger“)

Publikumsethik

„mündiger Zuschauer“; Verweigerung der Rezeption moralisch fragwürdiger Medieninhalte / Programme Boykott. Anhebung des Qualitätsniveaus; aufgeklärtes, emanzipertes Publikum

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B. & Roger V.

Regeln des Presserats:

Publikumsorientierung

Trennung von Nachricht und Meinung

Wahrheit und Wahrhaftigkeit

Ausgewogenheit und Objektivität

Beschaffungskriterien (korrektes Recherchieren)

Pflicht zur Richtigstellung

„lautere“ Methodenausrichtung

Wahrung des Berufsgeheimnis (Zeugnisverweigerungsrecht)

Schutz der Privatund Intimsphäre

Verbot der Verletzung sittlicher oder religiöser Empfindungen

Verbot der Diskriminierung (Rassenund/oder Geschlechtszugehörigkeit)

Probleme der Einhaltung ethischer Grundsätze:

- kommerzielle Interessen, Zeitund Konkurrenzdruck, Zwang zur Aktualität ( vs. Recherche, Überprüfung der Richtigkeit, Hintergrundinformation ): Spannungsverhältnis der ethischen Postulate und Leitbilder und faktischer Gegebenheiten journalistischer Praxis Lügen, Fälschungen, Manipulationen (Fotomontagen, Zensur, Vermischung mit PR, Behinderung von Polizeiarbeit, Bloßstellung von Opfern, einseitige Darstellung, „SexAnbieter“)

Normativ ­ontologisches Verständnis

„Im Journalismus gibt es eine personale Verantwortungszuweisung.“

„Von Tugenden, von Verantwortung, von Schuld und Gewissen muss gesprochen werden.“

Normativ ­ontologischer Ansatz

Boventer 1996

„Journalistische Verhaltensnormen dürfen […] nicht ausschließlich situationsbezogen relativiert und additiv behandelt werden. Sie müssen zwar situations und menschenbezogene Differenzierungen sowie Güterabwägungen in Sachfragen erlauben, allein, sie bedürfen auch dauerender Grundlagen, bleibender Werte.“

Empirisch­Analytischer Ansatz

Für Rühl und Saxer ist:

Bosshart 1985

„eine Ethiktheorie für Kommunikation einzubetten in die durch konkrete Personalund Sozialsysteme konstituierenden Situationssysteme, die sich wiederum in einer gesellschaftlichen Gesamtlage (soziale Umwelt) spezifischer Kulturen befindet.“

Empirisch­analytisches Verständnis

Rühl/Saxer 1981

„Nicht mehr der einzelne als ‚ganzer Mensch‘ macht Journalismus, sondern Journalismus wird durch organisatorisches Handeln produziert.“

Mit freundlicher Unterstützung von Carina B. & Roger V.

„Individuelle Wertvorstellungen, Gesinnungen und Willensentscheidungen sind im Journalismus gegenüber organisatorischen Arbeits und Berufsprämissen zurückgetreten.“

Ethische Konflikte in den Medien

Falsche Tatsachenberichterstattung

o Stern: Hitlertagebücher

Rühl 1996

Vereinnahmung von Journalisten zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung

o Pentagon: Kriegsberichterstattung über ‚Briefing‘

Verletzung von Persönlichkeitsrechten

o Benetton: blutdurchtränkte Kleidung eines Unfallopfers

Jugendschutz

o TV, Internet, Computersoftware, Videos

Beeinflussung von Ereignissen

o Gladbecker Geiseldrama 1988

Analyse des Spiegelbeitrags

über Geiselnahme 16.Aug. 1988 in Bank, forderten 300 000 DM Lösegeld

- gab zahlreiche Möglichkeiten einzugreifen, doch wurde nicht getan dies war der eigentliche Skandal

- Journalisten als einzige Verhandlungspartner

- Verbrecher gaben Fernseh Interviews!?

- eine Geisel stirbt im Blitzlicht der Journalisten Moral / Ethik (wie fühlt sich Familie u. Opfer)

- Beamte inkompetent, Polizei greift nicht ein, fehlt Munition usw.

Journalistisches Fehlverhalten:

- Aufpuschen der Verbrecher falsch (durch Interviews/Radiointerview)

- Journalist hat Taten nahe gelegt

- Auffällig war die Sprache, normales Interview? Routine?

- Moral? Filmen einer Tragödie ←→ behandeln wie Normalität

- Auch Behinderung der Polizei durch Journalistenmassen

- eine Geisel wird entgegen ihrem Willen gefilmt und ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt, dies bedeutet neben der eigentlichen Tat zusätzlich Gefahr

Dieser Vorfall hat zu Bewusstseinswandel der Journalisten geführt

Im Zweifelsfall nicht berichten!

Mit freundlicher Unterstützung von Roger V.

Theorie und Praxis der journalistischen Darstellungsformen

Journalismus Typ

Klassischer Journalismus

Bis ins 19. Jahrhundert

Gegen Ende 19. Jahrhundert

Moderner westlicher (bürgerlicher) Journalismus I

Formenstruktur

melden – berichten betrachten – beurteilen sowie FeuilletonFormen

zusätzlich:

analytische Formen:

Leitartikel, Kommentar

authentische Erzählformen

gesellschaftspolitisches Modell & marktwirtschaftliche Begründung

Angelsächs. & USA

tatsachenbetonte

meinungsbetonte

Angelsächs. & USA tatsachenbetonte meinungsbetonte   Formen Variabilität news/reporting editors
 

Formen

Variabilität

news/reporting

editors mind/

story telling/

easy

background

Walter von La Roche (pragmatischer Ansatz) Darstellungsformen

von La Roche (pragmatischer Ansatz) Darstellungsformen Informierende a) Nachricht b) Bericht c) Reportage d)

Informierende

a) Nachricht

b) Bericht

c) Reportage

d) Feature

e) Interview

f) Korr.bericht / analyt. Bericht Informieren

f) Korr.bericht / analyt. Bericht Informieren meinungsäußernde a) Kommentar b) Glosse c) Rezension &

meinungsäußernde

a) Kommentar b) Glosse c) Rezension & Kritik

bewerten

Mit freundlicher Unterstützung von Roger V.

Siegfried Weischenberg (konstruktivistischer Ansatz) Darstellungsformen

(konstruktivistischer Ansatz) Darstellungsformen Nachrichten~ Meinungs~ Unterhaltungs~ a)
(konstruktivistischer Ansatz) Darstellungsformen Nachrichten~ Meinungs~ Unterhaltungs~ a)
(konstruktivistischer Ansatz) Darstellungsformen Nachrichten~ Meinungs~ Unterhaltungs~ a)

Nachrichten~

Meinungs~

Unterhaltungs~

a) Nachricht

a) Kommentar

a) Reportage

b) Meldung

b) Glosse

b) Feature

informieren

bewerten

analysieren

Fischerlexikon für Publizistik (Kurt Reumann) (legitimistischer Empirismus)

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Darstellungsformen

Reumann) (legitimistischer Empirismus) Darstellungsformen tatsachenbetonte meinungsbetonte phantasiebetonte
Reumann) (legitimistischer Empirismus) Darstellungsformen tatsachenbetonte meinungsbetonte phantasiebetonte

tatsachenbetonte

meinungsbetonte

phantasiebetonte

a) Nachricht

a) Kommentar

a) Zeitungsroman

b) Reportage

b) Glosse

b) Kurzgeschichte

c) Feature

c) Leitartikel

c) Feuilleton

d) Interview

d) Kolumne

d) Comic

e) Dokumentation

e) Porträt

e) Spielfilm

f) Karikatur

f) Hörspiel

g) Kritiken & Essay

h) politisches Lied

informieren

überzeugen

unterhalten

Journalismus Typ

Moderner westlicher (bürgerlicher) Journalismus II

Formenstruktur

staatspolitische, ökonomische & gesellschafts politische Begründung

In Deutschland