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Gregor Wurst Das Bêmafest der ägyptischen Manichäei
Gregor Wurst
Das Bêmafest der
ägyptischen Manichäei
Arbeiten zum spätantiken und koptischen Ägypten Herausgegeben von Prof. Dr. Martin Krause 8 (íregor Wurst,
Arbeiten zum spätantiken und koptischen Ägypten
Herausgegeben
von
Prof. Dr.
Martin
Krause
8
(íregor
Wurst,
Das Bêmafest der ägyptischen Manichäer.
Oros Verlag, Altenberge
ISBN 3-89375-111-4
1995, VIII+ 258 S.,
DM
70,-.

152

Mani der »Sieger im Kampf« ist, nur weil durch den Aufstieg seiner Seele zum Vater die Mächte »zuschanden wurden«, hat er die Vollmacht, auf dem eschatologischen Bêma Christi zu sitzen. Die Motive, mit denen die Befindlichkeit der Gläubigen angesichts des Bêmas beschrieben wird, fin- den sich ebenso in den für die manichäische „Totenmesse" bestimmten sog. Jesus-Pss wieder, woraus sich ergibt, daß der Akt der Vergebung eine Vorwegnahme des Seelen- bzw. des Endgerichts ist: Er ist ein »Myste- rium«, das die Gemeinde am Bêmatag »vollbringt«, indem Mani hier sei- nen »Sieg« an sie weitergibt, indem er ihr den Siegeskranz verleiht und sie gewissermaßen schon jetzt der Erlösung teihaftig werden läßt. Vor die- sem Hintergrund und aufgrund der Tatsache, daß es keine Quelle gibt, die die Existenz eines Bêmafests schon zu Lebzeiten Manis belegen könnte, ist das Hauptfest der Manichäer als eine Gemeindebildung ein- zustufen.

8

Übersetzung der Bêma-Psalmen

Die hier vorlegete Übersetzung der Bêma-Pss basiert auf der Edition Allberry's 1 , die anhand der Druckvorlagen für die Faksimile-Edition 2 überprüft worden ist. Von der Erstausgabe abweichende Lesungen oder Ergänzungen werden im Apparat im koptischen Wortlaut angegeben. Alle nicht besonders gekennzeichneten Ergänzungen stammen von All- berry und wurden übernommen. Darüberhinaus wurden die auch in der Erstedition verwendeten und gelegentlich zitierten Abschriften mehrerer Seiten konsultiert, die Polots- ky zu Beginn seiner Arbeit an den koptischen Manichaica im Jahre 1931, teilweise mit einer englischen Übersetzung und einigen Anmerkungen versehen, für Chester-Beatty angefertigt hat. Sie befinden sich heute im Crum-Nachlaß in Oxford und werden unter Polotsky's Namen zitiert 3 . Da es noch nicht möglich war, das Original der Handschrift in Dublin zu kollationieren, sind die hier neu vorgeschlagenen Lesungen zumindest zum Teil als vorläufig zu betrachten. Die editorischen Zeichen sind die allgemein in der Papyrologie übli- chen: Es bedeuten also:

\βγ

nicht sicher lesbare Buchstaben.

ker]

Reste von, in diesem Fall drei, unleserlichen Buchstaben. Ergänzung einer Textlücke, dh. einer in der Handschrift zer­

[—]

störten Stelle. ] Textlücke von in diesem Fall etwa drei Buchstaben Umfang. Textlücke größeren Umfangs. In der Übersetzung wird jede Text­

<χβγ>

lücke, ob es sich nun um Beschädigung der Handschrift oder um Unleserlichkleit handelt, so gekennzeichnet. Emendation des Textes: die eingeklammerten Buchstaben/ Worte sind in der Handschrift entweder ausgefallen (zB. durch

1 Psb. 1-47.

2 Giversen 1988b.

3 Vgl. Psb. p. V. — Benutzt wurden Abschriften der Seiten 2, 7-11,15-16,18-19 und

23-25, dh. eine Seite weniger, als Allberry ebd. angibt. Entweder handelt es sich dabei um eine falsche Angabe oder das betreffende Blatt fehlt im Crum-Nachlaß. Jedenfalls hat Allberry in Psb. 26 keine abweichenden Lesungen Polotsky's notiert. Die meist sehr kurzen Anmerkungen Polotsky's beziehen sich vor allem auf mythologische Sachverhalte:

So hat er zB. zu einigen der in BPs 219 genannten manichäischen Gottheiten die

griechische, lateinische oder syrische Namensform notiert Crum hat u. a. diese Abschriften

im Dictionary

als »Mani 1« zitiert.

154

Übersetzung

Haplographie) und müssen folglich ergänzt werden, oder es liegt ein Schreibfehler des Kopisten vor. Im letzteren Falle ist der Wortlaut der Handschrift auf jeden Fall im Apparat verzeichnet. Emendation des Textes: Die eingeklammerten Buchstaben/ Worte sind zu tilgen. Textverderbnis. antike Ausbesserung des Textes durch eine zweite Hand. In der Handschrift nicht beschriebener Raum von hier etwa drei Buchstabenlängen. Beginn einer neuen Seite in der Handschrift (bzw. in der Edi­ tion Allberry's). Beginn einer neuen Zeile in der Handschrift (bzw. in der Edi­ tion Allberry's), wobei jede dritte Zeile gezählt wird.

Der Übersetzung liegt eine metrische Gliederung der Psalmen zugrunde, die auf den Untersuchungen von Säve-Söderbergh basiert 1 . Entsprechend wurde eine Verszählung eingeführt. Doch wurde ebenfalls die Seiten- und Zeilenzählung der Edition Allberry's hinzugefügt, in welcher der Text in dieser Hinsicht diplomatisch wiedergegeben ist. Auf die früher übliche besondere Kennzeichnung der griechischen Lehnworte wurde bewußt verzichtet. Die Übersetzung versucht, dem ge­ hobenen Stil der Psalmen Rechnung zu tragen. Sie ist daher so wörtlich wie möglich gehalten, aber auch so frei, wie es notwendig ist, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Inwieweit dies gelungen ist, sei dem Urteil des Lesers anheimgestellt.

ΤλΒΓΤ

vacat

±3

1 Säve-Söderbergh 1949; vgl. auch Fecht 1964; wenn die Versabteilung aufgrund des

schlechten Erhaltungszustands nicht zu eruieren ist, wird der Text der betreffenden Strophe(n) fortlaufend geboten.

Bêma-Psalmen Nr. 218/219 155 [Bêma-Psalmen] 1 [218] Intro. [ [Unser] sanftmütiger Vater [—] ] 2
Bêma-Psalmen
Nr.
218/219
155
[Bêma-Psalmen] 1
[218]
Intro.
[ [Unser] sanftmütiger Vater [—]
] 2
[---]
Dox.
Φ·
nen heiligen Erwählten! Sieg der
Theona, Maria. I
Ehre und Ruhm unserem Herrn Manich[aeus und] I all'sei­
[Seele des Pšai], I ( 3 ) Cmnoute,
219 3
Intro.
( Ρ· W Wir bitten Dich, unser Gott, Barmherziger:
Unsere Sünden I * 6) vergib uns! 4 1
1,1
Gott , wi r bitte n Dich,
Vater, Erster der Götter 5 ,1
1 Das erste, vielleicht auch die zwei ersten Blätter der Gruppe der Bêma-Pss sind
nicht erhalten. Im Index wird der Gruppentitel in abgekürzter Form als »bhh^tiiv«
angegeben (Psb. 232b,16), was zu (ψαλμοί) βηματικ(οί) zu ergänzen ist (vgl. o. S. 43).
2 Das Incipit von BPs 218 ist im Index überliefert: »[πΗ]|ωτ H2ASHT [—
« (Psb.
232b,18)
3 Zu dieser litaneiartigen Anrufung der manichäischen Götterwelt, die, mit dem Vater
der Größe beginnend, zunächst an die Gottheiten des Urzustandes gerichtet ist (Vv. 1-5),
dann an diejenigen der ersten (Vv. 6-7), der zweiten (Vv. 8-16) sowie der dritten Berufung
(Vv. 17-19) und deren Ende leider nicht erhalten ist (Vv. 20-22), vgl. den ähnlich
strukturierten BPs 237. — Zum manichäischen Mythos insgesamt, dessen Kenntnis hier
und im folgenden zumindest in groben Zügen vorausgesetzt wird, sei auf die bekannten
Darstellungen verwiesen, insbesondere Polotsky 1977, darüberhinaus Puech 1949; 1972;
Böhlig 1980 und Merkelbach 1986; zu den Namensformen der manichäischen Gottheiten
vgl. generell Sundermann 1979 und für die koptischen Quellen jetzt Van Lindt 1992.
4 Vor dem Hintergund des engen Verhältnisses, daß im allgemeinen zwischen der
Introductio und der Doxologie eines Ps besteht (vgl. o. S. 58), ist hier in der Introductio
wohl eher Mani als der Vater der Größe (vgl. V. 1) angesprochen; vgl. BPs 225,4,1 und
Horn. 1,19, wo er ebenfalls als »Gort« angeredet wird.
5 Der »Vater« (sc. der Größe) - »rtfca^in rcarc« (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912:
313,15-16)); »b πατήρ τοΰ μεγέ«ους« (Zach. schol. cap. sept. c. Man. 3 [Richard/Aubineau
1977: p . XXXIV Z. 60)); »ΠΪωτ ΗΤβ TMŇTH\5« (zB. Psb. 50,30; 136,14) - wird auch sonst
im Psalmenbuch einfach nur »Vater« genannt, zB. BPs 223 Strophe 3; 224,5,1 u. ö.; vgl.
CMC 68,7-8.14-15 (Zitat aus dem „Lebendigen Evangelium"): »o έμος κατήρ« bzw. »ö μα-
καριώτατος μου πατήρ» (Koenen/Römer 1988:46); zu den Epitheta in den Vv. 1,1b. 2a vgl.
Psb. 136,19; Psb. 155,37-38; 161,31; 171,26-27.

156

Übersetzung

1,2

Verborgener, dessen Licht offenbar ist:

Wir ruf[en] I

Dich an, erhöre uns! 1 1

2,1

Das Land des Lichts, das Haus des Vaters, der Thron des Herrn I aller [—],

2 die Quelle aller Ehren:

Breite dein I (12 ) [Erbarmen] über uns aus! I

3,1

[Die Z]wölf großen Mächte, die unermeßlichen Äonen [— I —] ,

2 in denen weder Fehl noch Makel, [die] stolze I <15 ) [Kr]o[ne] des Vaters der Lichter 2 .1

4,1

Der Glanz des Lichtes all', an dem die Götter sich I erfreuen.

2 die Luft unserer gepriesenen Stadt,

die I < 1 8 ' ganz offenbar ist. 3 1

5,1

Die Blüten von unvergänglicher Schönheit, die [—] Sprößlinge [des] I Erhabenen,

2 die Geehrten, die Söhne des [- --], die I (21 ) Hausgenossen des Lichtlandes. I

6,1

Die Mutter, die sie alle hervorbrachte, die Gebärerin aller I Lebendigen 4 ;

1 Zur Anrufung der Gottheiten des Urzustandes in den Vv. 1,1-5,2 ist insgesamt BPs

223 Strophe 3 zu vergleichen, wonach das »Königreich des Lichts« aus »fünf Größen« be­ steht, nämlich dem »Vater«, »seinen zwölf Äonen«, den »Äonen der Äonen«, der »lebendi­ gen Luft« sowie dem »Lichtland«. Darüberhinaus wird dort noch der »Große Geist« er­ wähnt, der »sie alle durchwehte und mit seinem Licht nährte« (vgl. u. S. 171 Anm. 4). Mit dieser Beschreibung stimmt die Anrufung im vorliegenden Ps größtenteils überein: So wer­ den in V. 1,1 der »Vater«, in V. 2,1 das »Land des Lichts«, in V. 3,1 die »Izjwölf großen Mächte«, die »Äonen«, und in V. 4,1 der »Glanz des Lichtes all'«, das ist »die Luft unserer gepriesenen Stadt« (V. 4,2), genannt. Folglich sind die »Blüten von unvergänglicher Schön­ heit« (V. 5,1; vgl. auch BPs 237,2,1a) mit den »Äonen der Äonen« zu identifizieren. Hin­ gegen werden weder hier noch in den BPss 223 und 237 die fünf Verstandeskräfte (»ixiuiur.«) des Vaters: »ruften«, »rtiw , »rtu^-i«, »rtAiaauurj«, »rciu^ifc« erwähnt (Theod. lib. schoi. 11 [Scher 1912: 313,16-171); griechisch: »νοΰς«, »Iwoia«, »φρόνησις«, »ένβΰμησις«, »λογισμός« (Act. Arch. 10,1 [Beeson 1906: 15,10-11]); koptisch: »NOYC«, »ΗΒβγ«, »OBCU«, »a^xriB«, »ΗλΚΗβκ« (zB. Keph. 64,20ff; 76,19/f; BPs 228,9-11).

2 Zum Bild der Strahlenkrone vgl. Psb. 87,11-12: »[E]hre sei dir, dem Gott der

Wahrheit, der gekrönt ist mit seinen [ÄJonen«, sowie Psb. 136,29-30; 144,11-12; Aug. c. Faust. 15,5 (Zycha 1891: 425,4ff).

3

Psb. 1,17-18 ergänze: »βτ|ογαΐΜ2 Tjípčj [λΒ\Λ.]«.

4

Mit der »Mutter« (sc. des Lebens) - »rtui* reo«« (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912:

313,27-28]); >»ή μητήρ της ζωής« (Act. Arch. 7,3 [Beeson 1906: 10,6]); »ΤΗβγ Rnu»M2« bzw. »Πιιβτ\ιΐ2« (BPss 237,2,1b; 235,3,2) - beginnen die Anrufungen der Gottheiten der ersten Berufung (Vv. 6,1-7,2). — Anstatt »Gebärerin aller Lebendigen« könnte auch »allen

ι Bêma-Psalm Nr. 219 157 6,2 die erste Rüstung Gottes, [die I (24 ) gejkommen
ι
Bêma-Psalm
Nr. 219
157
6,2
die erste Rüstung Gottes,
[die I (24 ) gejkommen [ist (7)] 1 und die Feindseligkeit
zerstörte. I
7,1
Der Krieger, der tapfere Starke,
der die Rebellen demütigte I durch seine Macht,
2
unser Vater, der Erste Mensch des Ruhmes, I
< 27 >
dessen Sieg und Kranz gepriesen seien 2 .1
8,1
Der Geliebte der Lichter, der gekrönt ist 3 ,
der [- -1 - -] zur Erlösung,
2
[—] strahlend 4 [- -1 (30 ) - -] des ganzen Universums,
[—] Sieg (?) [- -1 - -] sie wurden gebunden. I
9,1
Der Vortreffliche, der Große Baumeister 5 ,
der erste [aller Bau]leute,
2 **Ρ· [der be]stimmt [ist] für den Neuen Äon 6 ,
ihn zu errichten I [—] I
Lebens« übersetzt werden. Der koptische Text lautet: »Tpeqxno MHU>N?| ΤΗρογ* (Psb.
1,22-23), wörtlich: »Gebärerin aller Leben«. Bei dieser ungewöhnlichen Pluralform (vgl.
auch unten V. 17,2b [Psb. 2,26]: »rtpo Ππβζΐο R]RioN2«) wird es sich um eine sehr wört­
liche Übersetzung eines syrischen rüu handeln, was sowohl „die Lebendigen" als auch
„das Leben" bedeuten kann - und worauf bekanntlich auch die zweifache Namensform
der Mutter des Lebens zurückzuführen ist (vgl. Schmidt/Polotsky 1933: 66; Nagel 1980:
29 Anm. zu V. 13,2) - , so daß hierin ein Indiz für ein aramäisches Original dieses Ps gese­
hen werden kann (vgl. o. S. 64). Der Plural Ru>N2 begegnet darüberhinaus noch in Psb.
75,27; 145,8 sowie mehrfach in den Thomas-Pss (Psb. 210,18; 213,22; 222,10).
1 Inhaltlich ist Psb. 1,23-24 wohl so zu ergänzen. Die Rekonstruktion des koptischen
Wortlautes ist jedoch problematisch, da die Lücke mit »[τβτ\ο]|βι« nicht ausgefüllt ist.
2 Zum Mythos vom »Urmenschen« bzw. »Ersten Menschen« (»πφ».ρΠ RpoiMe«) -
«ΓΟΛΛΠ rtaurx« (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 313,28]); «πρώτοςfivt>pamoç«(Act.
Arch. 7,3 [Beeson 1906:10,6-7]); »primus komo« (Aug. c. Faust. 2,3 [Zycha 1891: 256,3]) -
vgl. u. S. 173 Anm. 1. Eventuell ist schon in V. 6,2 von ihm und nicht mehr von der
»Mutter« die Rede, denn das dort verwendete Epitheton »erste Rüstung Gottes« begegnet
meist in Verbindung mit dem Urmenschen: vgl. Psb. 137,19.39; Theod. lib. schol. 11 (Scher
1912: 314,1: »rtw«); Aug. c. Faust. 2,3; 11,3 (Zycha 1891: 256,3ff; 316,20ff); Act. Arch. 73
(Beeson 1906: 10,7ff).
3 Mit dem »Geliebten der Lichter« (»ΠΗβριτ RRoYMNe«) - syrisch »rrtiou
(Theod. lib. schol. 11 [Scher 314,15]), während sein Name in griechischen und lateinischen
Quellen bislang nicht nachgewiesen werden konnte - folgt die erste Gottheit der zweiten
Berufung (Vv. 8-16). Seine genaue Funktion ist nach wie vor unklar, vgl. Polotsky 1977:
118; Van Lindt 1992: 76-77.
4
Psb. 1 3 lies:
.]
Micurre
.\ne .
.[.]πρΐα>ογ
.
.«.
5
»rm^S ReKUiT«, syrisch »rcai (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 314,16]).
6
Psb. 1,32-2,1 ergänze, in Anlehnung an den Vorschlag AUberrys (ebd. Anm. zu Z.
32): »RRpeçiM[oYHK *ΤΗρο]γ [πβϊ βτίτωφ* . — Der »Neue Aon« ist der Ort, an dem sich
die Mächte des Lichts in der Endzeit aufhalten werden, wenn die ursprüngliche Trennung
der beiden Prinzipien wieder hergestellt sein wird, vgl. BPs 223 Strophe 18.

158

Übersetzung

10,1

[—] und sein ganzes Geschlecht, der Bezwinger [all]er Söhne I des Abgrundes,

2

der Erlöser unseres Führers von [An]beginn an, I der Lebendige Geist, unsere erste Rechte. 1 1

11,1

(6 > [Der Splenditenens] 2 , der in der Höhe der Himmel ist,

zwischen

den I [Herumjirrenden und den Festen, 3

2

der Zehnte, [in desse]n Händen I die Glänzenden sind, der das All in der Schwebe hält und über es wacht 4 . |

12,1

(9 ) [Der König] der Ehre, der starke Gott, der [in] I der siebten Himmels(sphäre) ist, 5

1 Als letzte und wichtigste Gottheit der zweiten Berufung folgt der »Lebendige Geist«

(»nriTFi. eTaaij«) - »ruu roioi« (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 314,16-17]); »ζών

πνεύμα» (Act. Arch. 7,4 [Beeson 1906: 10,13]); »spiritus

[Zycha 1891: 545,28-29]) -, der seinerseits fünf Söhne berufen hat - »sein ganzes Geschlecht« - , von denen in den Vv. 11,1-15,2 die Rede ist. Das Epitheton »Bezwinger [all]er Söhne des Abgrundes« verweist auf seine Funktion als Demiurg (vgl. BPs 223 Strophe llff; Keph. 175,26; Alex. Lyc. c. Man. 3 [Brinkmann 1989: 6,8]; Theod. Hb. schol. 11 IScher 1912: 315, 7ff]; Aug. c. Faust. 20,9 [Zycha 1891: 545,29ff]), während »Erlöser unseres Führers von [Anjbeginn an« auf die Errettung des Urmenschen durch ihn anspielt (vgl. u. S. 174 Anm. 1).

2 Daß hier der »Splenditenens« - die lateinische Form (vgl. Aug. c. Faust. 15,5 [Zycha

potens« (Aug. c. Faust. 20,9

1891: 424,5f]) wird als

schol. 11 [Scher 1912: 314,17]), griechisch/koptisch »φεγγοκάτοχος« (Zach, schol. cap.

sept. c. Man. 3 [Richard/Aubineau 1977: p. XXXIV Z. 67]) - genannt gewesen sein muß,

steht wegen des Kontextes außer Zweifel. Die Ergänzung des koptischen Textes (Psb. 2,6:

der geläufige Name verwendet; syrisch

»r«tv,i 4^ « (Theod. lib.

»[±

] \τβ«) bleibt jedoch problematisch. In Psb. 138,54 findet sich zwar die ver­

kürzte Schreibung »iuno<|>op« für ωκοφοροο, so daß man hier mit einer abgekürzten Schreibung von φβΓΤΟΚλΤοχοο rechnen kann; außerdem wird dieser Name oft ohne Artikel verwendet, vgl. zB. Horn. 40,8-9; Keph. 170,24; 171,12. Aber eine Namensform * (ψβΓΓοκ]ί.τβ, die von der Größe der Lücke her vielleicht ergänzt werden könnte, ist nicht belegt.

3 Gemeint sind die Planeten und die Fixsterne, wie der Vergleich mit Keph. 167,11-14

zeigt: »Sowohl diese zwölf Tierkreiszeichen, die an die Sphaira geheftet sind (6T&.cn~ gfi τοψλΐρ*), als auch diese fünf Sterne, die auf ihnen kreisen (βτκαιτβ λΧα>ογ) - diese und jene, sie alle sind Archonten ihrem Wesen nach«.

4 Psb. 2,7-8 lies: »ΠΗ&.2ΗΗΤ eTepe Ππρ|6feŇlNekjiix«; zum Plural Ηπρϊβ vgl. Psb.

204,25; 214,11. 13; 223,4. Nach Keph. 170,23ff bewacht der Splenditenens die drei obersten, dh. den achten bis zehnten Himmel, woher seine Benennung als »Zehnter« hier wohl zu verstehen ist (vgl. auch Psb. 138,29). »In seinen Händen« hält er »den Glanz« (Psb. 138,31: »neTe ππρϊβ 2ři neqsix«), was in etwa der Feststellung bei Theod. lib. schol. 11 entspricht, daß »er die fünf lichten Götter an ihren Lenden festhält« (»iiÄj •jvgyg'»-) ΓΟΛ,Ι r<orOrt recjiu uy^Vi «m rtcvi>«[Scher 1912: 315,13-14]); vgl. auch Aug.

c. Faust. 15,5 (Zycha 1891: 424,5ff): »Munt enim diets capita elementorum tenere mundum- que suspendere« .

\ Bèma-Psalm Nr. 219 159 12,2 der die Dämonen richtet, die Ausgeburten des I Abgrun]des,
\
Bèma-Psalm
Nr. 219
159
12,2
der die Dämonen richtet, die Ausgeburten des I Abgrun]des,
wir besingen und wir preisen ihn 1 .1
13,1
<12 ) [Der] unbezwungene [Ad]am[as] des Lichts 2 ,
der a[uf I die — ] der Erde tritt,
2
indem sie bebt [- -1 - -]
indem sie inmitten der Weiften] liegt. I
14,1
(15 ) [Der] Ruhmes-fKönig], die heilige Erwägung 3 ,
der im Ab[grund I die] drei Räder antreibt, 4
2
das der Winde, das des Wasser[s und das des] 5 lebendigen I
[Feuers],
die Rüstungen unseres Vaters, des Erste[[n Menschen.] I
15,1
(18 ) [Der Atl]as, der große Lastenträger,
der [mit] seinen Fußsohlen [auf die] I [- - -] [tritt,]
2
die Erden [mit seinen Händen] stützt I
und schwer [an] der Last der Schöpfungen trägt 6 .1
1 Zum »rex honoris« (Aug. c. Faust. 15,6 [Zycha 1891: 428,8-9[; syrisch »rosi roA»
rtirurtn« bei Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 314,18)) vgl. Psb. 138,35ff und Keph.
170,29-30, wonach sich sein Thron im siebten Himmel befindet und »seine Macht sich über
die sieben Firmamente unterhalb von ihm erstreckt«.
2 »KICNEU XOCONNRC« (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 314,19]); er ist der »heros
Aug. c. Faust. 15,6 (Zycha 1891: 428,9f).
belliger dextra
hastam
tenens
et sinistra
dipeum«,
Nach Psb. 138,42; 209,26; 210,4ff »bändigt er die Hyle« und ist derjenige, der die Feinde
demütigt, vgl. Nagel 1980:81-84; Van Lindt 1993.
3 Der vierte Sohn des Lebendigen Geistes, der »gloriosus rex« (Aug. c. Faust. 15,6
[Zycha 1891: 428,11)) bzw. »CUIÄVX w^r* (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 315,23]),
wird hier auch »heilige Erwägung« (»c\XN6 ejoY^ee«) genannt, weil der Lebendige
Geist ihn aus seiner ένΛύμησις (=c\XN6) berufen hat: »
und der Lebendige Geist berief
seine fünf Söhne: den Splenditenens aus seinem Nous, den großen König der Ehre aus
seinem Denken, den Adamas des Lichts aus seiner Einsicht, den König der Herrlichkeit aus
seiner Erwägung (cnfr-ιτ art), den Atlas aber aus seiner Überlegung« (Theod. lib. schol.
11 [Scher 1912:314,15-20]). Ihm untersteht der Betrieb der »drei Räder« »des Windes, des
Wassers und des Feuers«, »die täglich aus der Tiefe aufsteigen« (Psb. 145,2) und wie
Sonne und Mond (s. u. zu den Vv. 16,1-2) Bestandteil der kosmischen Maschinerie zur
Befreiung des Lichts sind (vgl. Psb. 138,45-48; Horn. 27,9; Aug. c. Faust. 15,6 [Zycha 1891:
428,10-11]). Daß diese drei »Räder« in V. 14,2b als die »Rüstungen« des Urmenschen
bezeichnet werden, wird auf eine Verwechselung mit dreien der fünf Lichtelemente (vgl. u.
S. 173 Anm. 1) zurückzuführen sein.
4 Psb. 2,15 lies: «πβχοιτβ ζΠ πν[ουν
«;
Polotsky las »πβτο|τβ«. — Daß es sich
bei diesem ciTe um dasselbe Wort handelt, dessen Bedeutung Crum 1939a: 360a mit
•throw, sow (offener) & related meanings« angibt (vgl. auch Vyčichl 1984: 198a;
Westendorf 1965ff: 198), erscheint mir zweifelhaft. Kasser 1964:57a nimmt zu Recht eine
eigene Wurzel auf. Ist CiTe, „(sich) drehen"/„antreiben", auf sdj, „(die Füße) in Bewe­
gung setzen" (Erman/Grapow 1971 Bd. 4:367), zurückzuführen?
5 InPsb.2,16ff antike Ausbesserungen des Codex, vgL O.S. 45 Anm. 10.
6 Als fünfter Sohn des Lebendigen Geistes folgt der Atlas, syrisch »ccXam« (Theod.
lib. schol. 11 [Scher 1912: 315,15]), griechisch/koptisch »ώμοφόρος« (Act. Arch. 8,2

160

Übersetzung

16,1

< 21 > [Der] Mond 1 , der den Schlaf nicht kostet, die Sonne, die das Geläuterte I |[emporthebt 2 ,]|

2

Abdruck und Ebenbild vom Bilde des Vaters 3 ,1 das Zeichen der Freude, der erhabene Sieg. I

17,1

(24 ) Jesus, der Arzt der Verwundeten, der [[Erretter der] I lebendigen Seelen,

2

der Weg, [nach dem die Verirrten suchen,] I

das Tor zum

Schatzhaus [des] Lebens 4 .1

18,1

(27 ) Die geliebte Tochter ihres Vaters, die ge[p]riesene Jungfra[u] d[es I L]i[chts],

2

die mit [ihrer] unbe[schreibli]chen Schönheit beschämt I die Mächte, die voll des [Frevels] 5 .1

17,2 VGL. JO 10,9; 14,6

[BEESON 1906:11,9]). HÄLT DER SPLENDITENENS DAS FIRMAMENT VON OBEN IN DER SCHWEBE, SO STÜTZT DER ALTAS ES VON UNTEN: VGL. AUG. C. FAUST. 15,6 (ZYCHA 1891: 428,12-13): »atlas

mundum

ferens

humeris,

et eum genu

flexo

bracchiis

ulrimaue

secus fulciens«;

S. AUCH EBD.

20,9. 11 (546,4-5; 551,26); VGL. AUCH CUMONT 1908:69FF.

1

LIES

MIT ALLBERRY (PSB. 2 ANM . ZU Z 21) : »[Π]ΟΟ?« .

2

VGL. BPS 223 STROPHE 13.

3

DIES IST WOHL IN DEM SINNE ZU VERSTEHEN, DAß DIE SONNE DAS »EBENBILD«, DER MOND

HINGEGEN DER

»NACH DEM [B]ILD ([E]IRIE) DER ERSTEN GRÖßE« ERSCHAFFEN WORDEN, UND NACH KEPH. 35,8 IST DER DRITTE GESANDTE, DER JA BEKANNTLICH IN DER SONNE THRONT, DAS »BILD (ΠΡΟΤΟΜΉ) DES KÖNIGS DER LICHTER«.

4 ZU DEN GOTTHEITEN DER DRITTEN BERUFUNG, DIE IN DEN FOLGENDEN VERSEN ANGERUFEN

»ABDRUCK« VOM »BILDE DES VATERS« SEI. NACH KEPH . 158,29 F IST DIE SONNE

WERDEN, VGL. ALLGEMEIN POLOTSKY 1977:120FF. ZUNÄCHST WIRD JESUS IN SEINER FUNKTION ALS DERJENIGE, DER DEN MENSCHEN DIE GNOSIS UND DAMIT DIE ERLÖSUNG VERMITTELT, ERWÄHNT (ZUM MOTIV DES ARZTES VGL. AMOLD-DÖBEN 1978 : 97FF) - GEMEINT IST ALSO JESUS DER GLANZ, »ΊΗ- ΣΟΰΣ ΤΗΣ Ε'ΊΛΗΣ« (VGL. CMC 11,12-13 [KOENEN/RÖMER 1989: 8]) BZW. »RCICU» ^COCJ«, DER DEN UNWISSENDEN ADAM AUS DEM TODESCHLAF ERWECKTE, IHM DAS WISSEN ÜBER SEINE HERKUNFT OFFENBARTE UND IHN VOM BAUME DES LEBENS KOSTEN LIEß (THEOD. LIB. SCHOL. 1 1 [SCHER 1912 :

317,15FF]). ZUR JESUS-AUFFASSUNG IM MANICHÄISMUS VGL. ALLGEMEIN WALDSCHMIDT/LENTZ 1926; POLOTSKY 1977: 138FF; ROSE 1979; PEDERSEN 1988; ZUM MANICHÄISCHEN DOKETISMUS DARÜBER HINAUS HELDERMANN 199 1 SOWIE DIE INTERPRETATION VON HPSI I 6 (PSB. 193,13FF) BEI RICHTER 1994: 222FF. — ZU V. 17,2B: »NPO ΗΠ62[Ο Ň]Ň(UTLŽ« VGL. SPRACHLICH O. S. 156 ANM. 4, DARÜBERHINAUS KEPH. 41,23: »ΠΙΙΪ ΠΤΒ H6TMT2«, WOZU SCHON POLOTSKY (EBD. ANM.) AUF DEN MANDÄISCHEN BEGRIFF „HAUS DES LEBENS" VERWIES (VGL. LIDZBARSKI 1925:60 8 S. V.) .

5 PSB. 2,2 9 ERGÄNZE: »STHH2 vacat ± 6 Η[ΒΗΓ]«. — ALS ZWEITE GOTTHEIT DER DRITTEN BE­

RUFUNG FOLGT DIE LICHTJUNGFRAU - SYRISCH »RCICNCU 40I«4UJ« BEI EPHRAEM (MITCHELL 1921:

208,44-45), GRIECHISCH »Ή ΠΑΡΘΈΝΟΣ ΤΟΰ ΦΩΤΌΣ» (ACT. ARCH. 13,2 [BEESON 1906: 21,11]) ANGESPIELT WIRD HIER AUF DAS BEKANNTE MYTHOLOGEM VON DER „VERFÜHRUNG DER ARCHONTEN", DAS NICHT NUR BEI THEOD. LIB. SCHOL. 1 1 (SCHER 1912 : 316,LLFF) ÜBERLIEFERT IST, SONDERN AUCH VON AUG. NAT. B. 44 INNERHALB EINES LANGEN ZITATS AUS DEM SIEBTEN BUCH VON MANIS „SCHATZ DES LEBENS" (ZYCHA 1892 : 881,20FF); VGL. GRUNDLEGEND CUMONT 1908 : 54-6 8 SOWIE HUTTER

1989:

171FF.

Bêma-Psalmen Nr. 219/220 161 19,1 < 30 > Der [geehjrte 1 [- - -], der
Bêma-Psalmen
Nr.
219/220
161
19,1
< 30 > Der [geehjrte 1 [- - -], der Held,
das Geschenk unseres [Vaters], I der drit[te] Gesandte 2 ,
2
der aufgerichtet ist seit * ( Ρ· 3 ' 1 ) [—
---]
20-22
[- - -]
Dox.
(12 ) [Eh]re und Sieg dem Geist der Wahrheit,
unseren He[rrn, unse]rem L[icht], I Manichaeus 3 ,
und all' seinen [heiligen, vollkomme]nen I Erwählten
und der Seele der seligen Maria. I
220
Intro.
( Ρ· 3 ' 16 > Ehre sei dir, Wort Gottes 4 , du [- -1 - - -] I
1,1
<18 ) Den unübertrefflichen Anfangslosen, der würdig ist [-
- -1 - -] rühmen [wir (?)],
2
auch den Sohn und den h[eiligen] Geist, I
wahrhaft beten [wir] sie an,
3
den ersten des [—] I
t 21 > den Parakleten Manichaeus 5 .1
1 Psb. 2,30 ergänze: »Ň[e]vť«.
2 Erst an dritter Stelle folgt hier der Dritte Gesandte - »r(:CW<« (Theod. lib. schol. 11
[Scher 1912: 316,2]); »6 πρεσβύτης (für πρεσβευτής) ό τρίτος« (Act. Arch. 13,2 [Beeson
1906: 21,11-12]); lateinisch »tertius
legatus«,
jedoch nur einmal belegt bei Euod. fid. 17
(Zycha 1892: 958,1) - , der nach den von Theod. verarbeiteten Exzerpten die Hauptfigur
der dritten Berufung ist (vgl. Scher 1912: 315,27ff). Welche Funktion er hier wahrnimmt,
wird nicht deutlich (vgl. Polotsky 1977: 120Í). Wie der Urmensch wird er als tapferer
Kämpfer bezeichnet, vgl V. 7,1.
3
Psb. 3,12-13 lies: »rmx\[ïc π]Ηογ|[λϊΝβ] ΠΗλΜίΧλίοο (ογ sehr unsicher).
4
»cexe« gibt hier sicher griechisches λόγος wieder. Der Logos kommt in den Bêma-
Pss mehrfach vor, zT. als Bezeichnung für Mani wie hier, vgl. BPss 221 Intro.; 222,1,1b;
223 Strophe 6 u. ö.
5 Nur auf den ersten Blick erscheint es so, als würde hier neben dem »unüber-
trefflichen Anfangslosen« - dh. dem Vater der Größe (vgl. BPs 219,1,10 - , dem »Sohn« und
dem »Geist« der Paraklet Mani als vierter genannt; denn es ist durchaus möglich, V. 13 ab
Apposrition zum »H[eiligen] Geist« aufzufassen. Dann nämlich stünde die Aussage dieser
Strophe durchaus im Einklang mit den trinitarischen Doxologien, die sich mehrfach im
Psalmenbuch finden und in denen Mani als Paraklet eben die dritte Stelle des Geistes
einnimmt (vgl. o. S. 118 Anm. 2-3).

162

Übersetzung

2,1

Die der Schöpfung vorausliegenden Geheimnisse hast du [deinen] I Gläubigen offenbart,

2

daß an[fangs] das Licht existierte I * 24 * [üb]er dem dunklen Abgrunde 1 ,

3

[in] dem I die Finsternis (herum)kroch, die mit den fünf [—] 2 1

3,1

[Den An]fangs[losen] der Sünde, den Feind Gottes 3 , du sollst ihn erniedrigen I <27 ) [und zurückwerfen 4 ,

2

denjenigen, den der geehrte Geist der [— I

] Feuer und Verlangen,

3

und du sollst( ?) geben [— I

] bis zum Ende. I

4,1

(30 ) [Als du] zum Geschlecht der [—] gelangtest 5 , [- - -1 Ge]bote,

2

3

5

6

diejenigen, die der Alte Mensch verkündet hatte und den I [—] der Erde,

du hast fortgeschafft den [—

*(p.4,i)

]

ι

[

] durch

das Licht des I < 3) [ ] der kalt ist, du hast ihn ver­ ] denjenigen, der in die Irre führt die Völker durch

achtet I [

das Wasser 6 [— I ] I

(6 )

[

] gut

I [

] er hat [

] hinein [

1

] hinein in die

[—] die Mutter des I ( 9 ) ganzen [—] I

2,2-3 vgl. Gn 1,2

4,2 vgl. Rm 6,6; Eph 4,22.

1 Psb. 3,23-24 ergänze: »Μφλ[ρπ (vgl. Allberry's Anm. z. St.) ne| aJxR ΠΝθγΝ«. Wie hier, so wird auch in BPs 229,8,1-9,2 deutlich auf die Genesis Bezug genommen.

2 Vom Inhalt her gesehen wäre in dieser Lücke etwa στοιχεία oder ταμιεΐα zu

erwarten (vgl. BPs 223 Strophe 4), doch passen beide Begriffe nicht zu den erhaltenen Spuren.

3 Gemeint ist der König der Finsternis - »rc^nsui uyl» «(Theod. lib. schol. 11 [Scher

1912: 313,18]) -, der jedoch, soweit ich sehe, nur ein einziges Mal im Psalmenbuch so genannt wird (vgl. Psb. 201,17: »nppo Ππκβκβ«), in den Kephalaia hingegen wesentlich häufiger (Keph. 29,18-19; 30,33; 55,27).

4 Psb. 3,27 ergänze: »[rïKT]ÇT\.q«.

5 Ergänzung nach Allberry, Psb. 3, Anm. zu Z. 30: »[ΗΤβρβ]κΓΚ02«.

Bêma-Psalm Nr. 220 163 7 [—] der Führer der [— I - - -] indem
Bêma-Psalm
Nr.
220
163
7
[—] der Führer der [— I - - -] indem er unwissend ist über das,
was geschieht I (12 ) [- - -] zur Zauberei. Der Unselige I wollte
Krieg führen und wurde herausgerissen aus seinem Land. I
8,1
[---] ,
wie (?) der Erlöser dich zuerst nannte: I * 15 > [—J 1 ,
2
den die Welt nicht [— I
---]
3
und nicht ertragen konnte,
denn du hast die Verblendung 2 1 des [Gottes
bloßgestellt 4 .1
(?)] dieses Äons 3
9,1
<18 ) [—], die Gott als Geschenk gegeben hat,
nachdem wir sie gesehen hatten, I waren [wir fr]oh;
2
die einer von tausend I [—
] sieht,
3
[an deren] unbefleckter [Schönheit (?)] 5 1
ÖD du dich erfreut hast mit deinem heifligen] Geist. I
10,1
[Es erhoben sich] die, die zur Hylê gehören,
die Söhne des Irr[tums] I.
2
Deinen unerschütterlichen Baum
wollten sie I < M > j[ n ih] r Land verpflanzen 6 .
3
Sie waren
eifrig bei der Sache 7 ,
doch es gelang ihnen nicht I [—] Geschöpfe der Schande. I
11,1
[—] über die kleine Herde,
über die dein Vater I <27 > [—].
2 Du setztest den Grad der Vollkommenen ein I
und trenntest sie von denen, die in det Welt sind. 8
8,3b vgl. Jo 12,31; 2Cor 4,4
1 Allberry vermutet in seiner Übersetzung etwa folgenden Sinn: »This is the name (?)
that the Saviour first gave thee, the Holy One (?)
«.
2
Zu ΗΜΤΒλΗφΜ vgl. Psb. 4, Anm. zu Ζ. 16; Černý 1976: 234f.
3
Ergänze mit Allberry (Psb. 4, Anm. zu Z. 17): »π[Νογτβ]« oder. »nfApxum] ΗΠΙ-
MU)N«, in Anlehnung an entweder 2Cor 4,4 (vgl. Psb. 56,31; 172,260 oder Jo 12,31 (vgl.
BPs 228,13a).
4
χπι ο * έλίγχ«ν, έντρέιαιν, Crom 1939·: 778b; vgl. auch S. 119 Anm. 2.
5
So nach Allberry, Psb. 4, Anm. zu Z. 21: »βτογ|Γ>ιβ »Ji(e)eofefë«.
6
Zu ntopR jixH vgl. Allberry, Psb. 4, Anm. zu Z. 23.
7
Zu xtuM vgl. Westendorf 1965ff: 423.
8
Gemeint ist die Zweiteilung der manichäischen Kirche in Auditores und Electi.

164

Übersetzung

11,3

Du bestimmtest I ein Werk für einen jeden von ihnen unter dem Joche Jesu. I

12,1

(30 ) Die scWimmen Verfolgungen des Feindes Gottes, die Sek[ten sinďs], I die sie ausgeführt] haben.

2

Dem Blut [- - -],

 

du hast

es vergossen wefgen 1 1

3

--- ]

du hast ihnen geholfen [—] I < 33 * zum Leben. I

13

[—] es ziemt sich, daß wir alle ihn anbeten, den [—

 

*(p.5)

( Z z 1M8 ? unleserlich bzw. zerstört)

Dox.

- - -] (19? » Theona. I

 

Intro.

[221]

( Ρ· 5 ' 217 ) [Schenke uns,] 2 ο Wort Gottes, die Sündenvergebung

Zz. 22? -30? unleserlich bzw. zerstört

(p. 5,31?)

den sie geschickt haben [— I — ] wah[r —

der Sünde [

---] !

(9) [

in [- - -I - - -] daß (?) [- - -] in deiner

.] seiig. We r

]

*(p. 64)

1

. | (3). - -1 - - -]

M 6 * — ] erfüllt von

1

] des Verlangens [

] der Heiligen [

] Vorteil finden [

] dein e Lehre n [

] erkenne n jetzt

[- - -I - - -] Iwarten] 3 [- - -I

(12)

un d (?) [- - -] un d (?) [- - -] [un d auch die Gliefder ]11 [— ] beschmutzt, diejenigen, die (?) [ — I — ] I

]

(?)

11,3b vgl. Mt 11,29-30

1 Allberry: »6Τβ[ιιτογ«, »wegen ihnen« (Psb. 4,31), was jedoch nicht überzeugend

ist, denn Mani hat sein Blut ja nicht für die Sekten vergossen. Unter Vergleich von BPss 227,5,2f; 241,14 ist: »βτβ{β Νβκφΐιρβ», »um (deiner Söhne] willen«, oder ähnliches zu erwarten.

2 Vgl. Psb. 232b,21: »p2tivr M6N ncefxe - - - «.

\ Bêma-Psalmen Nr. 220/221 165 (15) [ [- - -1 1 1 ] ([gemeinsam]] [-
\
Bêma-Psalmen
Nr. 220/221
165
(15) [
[- - -1
1
1
] ([gemeinsam]] [- - -1 < 18 > - - -] [mit uns (?)1
] [wir haben
sie verändert
(?)] [- - -]
die Sünde I
[---Ii
(21) Dg,, ganze Kosmos, aus (?) [
1
] du weißt
[
] denn I
du [ ] der Gnosis der Wahrheit [ ] I (24 ) der groß ist [ ]
denn die Schutzwälle deines [Königreiches [
[---]l
1
] mit uns
Wir haben Ehre empfangen, unser heiliger Vater, wir haben (?)
[ ] ι (27)
üb e r mem e Unwissenheit [ 1 ] die bitt're Ver­
sammlung [ ] I hinauf in die Sphaira [- - -] über sie [- - -] I
(30) ich werde (?) [— ] nu r den (?) unzerstörbaren] Geist [- - -1
---]l
Eine kleine und eine große List [—
— I (33)
] auf ihnen,
die (?) sie gegen uns angezettelt haben [—
— ] *<Ρ· 74) neue un d andere Kämpfe,
aber wir vertrauen I auf deine Barmherzigkeiten,
daß du dich uns zuwendest und dich rasch erbarmest. I
Ö) Laßt uns uns niederwerfen, indem wir dich bitten
und I deine Barmherzigkeit anflehen, d u Barmherziger.
I
Dox.
Dein ist jeder Sieg, ο Heiliger,
du Verkünder der Heilsbotschaft, I Manichaeus:
Der Sieg des Anfangs und der der Mitte,
die dein Vater I dir geschenkt hat;
und auch der Sieg des Endes,
den jedermann I erwartet;
denn du bist der wahre Verkünder I
W) des Anfangs,
der
Mitte und des
Endes 1 .
Sieg der Seele der I seligen Maria. I
1 Diese sog. „Drei-Zeiten"-Formel bildet eines der beiden Grunddogmen der mani­
chäischen Religion. In ihrer östlichen Form besagt sie (vgl. insbesondere das in chine­
sischer Sprache überlieferte Kompendium, K. 81, al-a9 (Schmidt-Glintzer 1987: 75),
darüberhinaus die bei Puech 1949:157-159 [=Anm. 284] zusammengestellten Quellen), daß
es im Anfang eine „Urzeit" gab, in der die beiden Prinzipien des Lichts und der Finsternis
von einander getrennt waren, sodann eine „mittlere Zeit", in der es zu ihrer Vermischung
kam, die Welt erschaffen wurde und In der die Menschen leben, und schließlich, daß es eine
„Endzeit" geben werde, in der die ursprüngliche Trennung des Lichts von der Finsternis
wiederhergestellt und letzteres auf ewig besiegt sein werde. Daneben gibt es noch eine sog.
westliche Variante, von der Kephalaia cap. 17 handelt (Keph. 55,17ff), wonach die „drei
Zeiten" drei Abschnitte der „mittleren Zeit" der östlichen Quellen bilden (vgl. dazu
insbesondere Nagel 1974). Da sich beide Varianten in den koptischen Manichaica

166

Intro.

1,1

Übersetzung

222 1

vom selben (Verfasser) 1

( Ρ· 7 ' 1 2 ' Seele, erkenne dieses große Zeichen, denn dies ist das Zeichen I für die Vergebimg deiner Sünden 3 .1

Dieses sichtbar e Bêma ist's , welches das Wort 4 vor dein Angesicht stellte, I

nachweisen lassen und dh. auf einer doch recht frühen Überlieferungsstufe, sind sie bis auf weiteres beide als zum Urbestand der manichäischen Religion gehörig anzusehen (vgl dazu ausführlich Wurst 1994). Hier in BPs 221 liegt die westliche Auffassung zugrunde - mit dem »Sieg des Anfangs« ist entsprechend cap. 17 der Kephalaia der Sieg des Urmenschen gemeint usw. (vgl. Keph. 55,27ff) - , während in BPs 223 klar die östliche Form belegt ist.

1 Wie oben schon erwähnt (vgl. o. S. 51), existiert zu BPs 222 als einzigem Text dieser

Gruppe eine, wenn auch nur fragmentarische, Parallelüberlieferung in Form des von Gard- ner 1993a: 36f teilweise herausgegebenen Textes Nr. A/5/ 6 Recto 1 - Verso 7 aus Kellis Hier seien nur die wesentlichen, für das Textverständnis entscheidenden Varianten im

Apparat notiert.

2 Griechisch: »τογ λγτογ«, dh. der Ps wird demselben Verfasser zugeschrieben wie

die vorangehende Nr. 221, wo die Angabe aber leider nicht erhalten ist.

3 Das »große Zeichen«, das die Sündenvergebung symbolisiert, ist das Bêma, wie aus

den Vv. 1,1-3 eindeutig hervorgeht. Die Seele wird aufgefordert, es zu »erkennen«, was bedeutet, daß sie sich angesichts des Bêmas (V. 1,1b) des »verborgenen Gerichts« bewußt werden soll (V. 1,2b), das sie »vergessen« habe (V. 1,3, vgl. dazu S. 167 Anm. 1). Damit kann sowohl das Seelengericht als auch das Endgericht gemeint sein, im Endeffekt läuft dies auf dasselbe hinaus; denn der Punkt, um den es hier geht, ist der, daß das Bêma das kommende Gericht schlechthin symbolisiert. Es ist somit an der Zeit, seine Sünden zu

bekennen, sich seines Endes bewußt zu werden und sich mit seinen Werken darauf vor- zubereiten (vgl. V. 2), mit einem Wort, es ist Zeit, umzukehren (vgl. BPs 239,1,2). — Diese auf den ersten Blick vielleicht überflüssig erscheinenden, weil selbstverständlichen Aus- führungen, richten sich gegen die von Dubois 1991 vorgetragene Interpretation dieses Ps und insbesondere dieser Stelle. Er übersetzt: »O âme, connais ce mystère, il est grand: ce mystère est celui de la rémission de tes peches« (ebd. 278) und will hier eine Anspielung auf bzw. ein Zitat von Eph 5,32 (»ib μυστήριον τοΰτο μέγα έστιν«) sehen. Das Problem ist nur, daß das, was Dubois übersetzt, definitiv nicht im Text steht. Der koptische Text

lautet: »[Τ]τυΧΗ cNoytUN ΠπΐΗβΪΗβ βΤλϊ

bekannten Wörterbücher „Zeichen" oder ähnliches (vgl. zB. Crum 1939a: 170bf), keines-

«.

falls aber „Geheimnis". Dies weiß natürlich auch Dubois, der ebd. 282 auch einmal »litte- ralement« mit »signe« übersetzt, aber dann gleich wieder ein erklärendes »mystere« hinzusetzt, als wäre eben ein „Zeichen" generell ein und dasselbe wie ein „Geheimnis". Desweiteren: Über dieses »Zeichen« wird hier keinesfalls ausgesagt, daß es groß ist, son- dern es wird durch einen Relativsatz als so beschaffen bestimmt - wörtlich ist also zu übersetzen: „dieses Zeichen, das groß ist", dh. „dieses große Zeichen". Inwiefern nun

zwischen den beiden Sätzen »

groß« eine literarische Beziehung bestehen soll, ist nicht einsichtig. Unverständlich ist desweiteren, inwiefern dieses vermeintliche »Mysterium« mit der doketistischen Interpre- tation der Passion Jesu in Verbindung stehen soll, wie Dubois dies suggeriert, indem er

schreibt: »

tère', dirait le Psaume 222, p. 7,12« (ebd.). Von der Passion Jesu ist in diesem Ps mit wirk- lich keinem Wort die Rede.

Heme bedeutet nach Auskunft aller mir

erkenne dieses große Zeichen« und »dieses Geheimnis ist

la croix n'a qu'une valeur symbolique; c'est littéralment 'un signe', 'un mys-

\ Bêma-Psalm Nr. 222 167 1,2 (15 ) um dir durch das Sichtbare einzupflanzen die
\
Bêma-Psalm
Nr.
222
167
1,2 (15 ) um dir durch das Sichtbare einzupflanzen
die Erinnerung I an das verborgene Gericht,
3
das du vergessen hast seit dem Tage, I
als du das Wasser des Wahnsinns trankest 1 .
Refr.
Seele 2 1
2,1
(18 ) Siehe, das Geschenk des Tages der Freude ist zu dir
gekommen.
Bekenne Du selbst I heute ohne Furcht all' deine Sünden,
2
sei eingedenk I deines Endes und mach dich bereit in deinen
Werken,
denn I <21 ) darum 3 erregt dich das Bêma der Weisheit. I
3,1
Paulus , de r Ehrenvolle, bezeugt es, indem er dir sagt:
»Das I Bêma Christi ist's, vor dem es kein Ansehen der Person
gibt« 4 .
3,1b vgl. Rm 2,11; 14,10; 2Cor 5,10.
1 Wie aus mehreren Parallelen im Psalmenbuch hervorgeht, wird mit diesem Bild der
Zustand der Vergessenheit beschrieben, in den die Seele durch die Vermischung der beiden
Prinzipien und ihre Fesselung an den Körper geraten ist: Vgl. Psb. 116,24ff, ein Ps in dem
die Seele ihren »Erlöser« Christus um Aufnahme ins Paradies bittet und dessen Sitz im
Leben die manichäische „Totenmesse" ist (vgl. o. S. 57 Anm. 2). Die Seele spricht zunächst
von ihrem »ersten Kampf« («πιρλρπ Η\β-λθΗ«), aus dem sie siegreich hervorgegangen sei
(Psb. 117,17-18; vgl. BPs 221 Dox.) und womit eindeutig der Urmensch-Mythos gemeint ist
(vgl. BPs 223 Strophen 7-10). Doch habe sie noch »einen anderen Kampf« zu bestehen, und
zwar ihre Fesselung »in das Fleisch«, die dazu geführt habe, daß sie ihre »Göttlichkeit
vergaß« (Psb. 117,19-20):
Man ließ mich den Klech des Wahnsinns trinken
und ließ mich gegen mich selbst anstürmen.
Die Herrschaften und Gewalten,
sie kamen herein und wappneten sich gegen mich (ebd. 21-23).
Vgl. auch Psb. 54,llff; 57,19ff sowie Giversen 1988a: Taf. 140, Zz. 3 und 2 von unten:
•xftrrreei vrc\p^ ».pecto nenvr ŇTšuie MINOYCI ΠογχΐΝβ ei xe eq^t ne Hnp-
nueye«, übersetzt: »Als du (sc. die Seele) in das Fleisch kamst, hast du den Kelch des
Vergessens getrunken. Der Licht-Nous kam, um dir die Erinnerung (zurück-)zugeben«,
worauf Dubois 1991: 285 verweist.
2 Bei diesem letzten Wort der ersten Strophe kann es sich durchaus um eine Refrain-
angabe handeln. Eine Parallele bietet zB. HPsII 6, wo der Kehrvers ebenfalls nur ein
einziges Mal in abgekürzter Form angegeben wird (vgl. Psb. 193,16).
3 Wörtlich: »wegen ihm« (sc. deinem Ende), vgL Psb. 7 Anm. zu Z. 21.
4 Das Paulus-Zitat reicht mE. nur bis hierher und umfaßt nicht auch noch V. 3,2a, wie
Allberry (Psb. 7,22-24) und auch andere nach ihm meinten (vgl. Leipoldt 1940:234; Dubois
1991: 278).

168

Übersetzung

3,2

Ob wir wollen I (24 > oder nicht, wir alle werden dies [Urteil (?)] empfangen. 1 Auch dies ist's, I was das Bêma schweigend verkündet. I

4,1

Die zügellosen Stunden 2 der Schlechtigkeit, beherrsche sie gänz[lich, I (27 ) das] un[ruhige Feuer] des schmutzigen Verlangens 3 ,

2

und I [—] den Zorn, den [Ne]id und die Traurigkeit; auch I die bitteren [Fessel]n 4 der Schlechtigkeit, löse sie heute. I

5,1

(30 ) Der Ri[chter soll] dich sehen, wie du diese Gebote halst, I

[auf daß er] dich ehre und dir

das Leben gebe. 5

2

Die ganze Sündenvergebung, er [wird] I sie dir [schenk]en-

komm also und ersteige diese heiligen

I (33 ) Stufen. 6

6,1

* ( Ρ· 8'D Möge

da s Bêma di r zu m Ankerplat z deiner I Tage

werden, zum Ort der Reinigung für dein Leben, zu an Belehrung,

einer Lade, I < 3 ) voll

2

zu einer Leiter zur Höhe (und) einer Waage I

für deine Werke 7 ;

und, das Ebenbild dieser Dinge im I Bêma sehend, preise es! I

1 Die Ergänzung bleibt unsicher; Polotsky las »ne

THpR«, Allberry

\t |

Tupil«, wozu er anmerkte »ne j \p\c | vid.« (Psb. 7 Anm. zu Z. 24); Crum 1939b: 477 schlug die Lesung »neipai.« vor, was etwa griechischem πεΐραν λαμβάνειν entspräche, jedoch sehr unwahrscheinlich ist. Letzteres gilt auch von der von Dubois 1991:278 Anm. 6 vermuteten Ergänzung »xi neï[Kp]».c|«, denn warum sollte die Gemeinde dem Bêma „auflauern" (vgl. Crum 1939a: 119a: »use guile, lie in wait«), was dann mit »attendre« übersetzt wird? Unter Vergleich von BPs 241,66 und Psb. 105,19 ist vielleicht: »nejfeen]« zu ergänzen.

2

3

Psb. 7,26 lies mit Polotsky: »ΝογΗ\γβ«.

Psb. 7,26-27 ergänze: »Π\Ν|[ΤΙΟΟ Tce]j[e] Νλ[Τ2]ρ*.[κ]« und lies mit Polotsky:

»FiT6 T2IIA.OHM«. „Feuer" und „Verlangen" werden oft in einem Zuge genannt, vgl. Keph. 26,15f; 27,7f;

»FiT6 T2IIA.OHM«. „Feuer" und „Verlangen" werden oft in einem Zuge genannt, vgl. Keph. 26,15f; 27,7f; BPs 220,3,2; Psb. 55,27f; 152,17.

4 Ergänze mit Allberry (Psb. 7 Anm. zu Z. 29): »H |[K\lMpp]e«.

5 Gemeint sind die Gebote, zu deren Einhaltung die Seele in den Vv. 4,1-2 aufgefordert wurde. Wer dies tut, der wird auch die Absolution empfangen; zur Notwendigkeit der Beachtung der Gebote vgl. BPs 227,11,1 und BPs 239,12,1-13,2.

6 Vgl. Aug. c. ep. Man. 8 (Zycha 1891: 202,12): »

nah

«.

quinque

gradibus

instructo

tribu-

Bêma-Psalm Nr. 222 169 7,1 (6 ' Sprich zu ihm: Gepriesen seist du, großes Werkzeug
Bêma-Psalm
Nr.
222
169
7,1
(6 ' Sprich zu ihm: Gepriesen seist du, großes Werkzeug des
Wortes 1 ,1
aufgerichtetes Bêma des Großen Richters, I
2
Thron der Väter des Lichts, die fern der Verirrung, I
(9 > Fundament des süßen Sieges und voll an Weisheit. I
8,1
Gegrüßet seist du, Bêma des Sieges, großes Zeichen unserer
Stadt 2 ,
freudvoller, I strahlender Kranz für die siegreichen Seelen 3 ,
2
für die I ^
Sünder aber Gericht und Verurteilung:
Gegrüßet seist du, Bêma I des Nous <der> heiligen Schriften 4 .1
9,1
Siehe 5 , alle Bäume
6 sind wieder neu geworden,
siehe, die Rosen I (15 ) haben ihre Schönheit entfaltet;
2
denn zerschnitten wurde I das Band, das einzwängte ihre
Blätter 7 -
Zerschneide auch du I unserer Sünden Fesseln und Band! I
10,1
(18 ) Der ganze Äther erstrahlt, es funkelt 8 die Sphaira heute,
auch I die Erde erblüht 9 , die Wogen des Meeres sind stille,
2
denn I der düst're Winter ist vergangen, der voller Qual:
Mögen I ß D auc h wir dem Übel der Bosheit entkommen. I
1 Vgl. O.S. 161 Anm. 4.
2 Vgl. BPs 219,4,2a; Psb. 136,40ff.
3 Zu »Kranz« und »Sieg« vgl. o. S. 114 (mit Anm. 3).
4 Emendiere mit Allberry (Psb. 8 Anm. zu Z. 13): »Η<Ν)Γρ\φλγβ«. »Bema des Nous
<der> heiligen Schriften«, das bedeutet: Bêma des Lichtapostels Mani, der sich als Nous
(vgl. BPss 225 Strophe 8; 2293,1) in den auf dem Bêma liegenden heiligen Schriften, seinen
Büchern (vgl. BPs 232 Strophe 6; Horn. 28,21-24), der Welt offenbart hat. Zu Manis
Schriften vgl. BPs 241,83ff u. o. S. 23 Anm. 6, S. 24 Anm. 1.
5 Psb. 8,14: Die Partikel »eic« fehlt in Kellis A/5/6 (Gardner 1993a: 36).
6 Die Bedeutung von »2ΐποογβ« ist nach wie vor ungeklärt. Polotsky übersetzte kom­
mentarlos mit »to-day«. Allberry schlug vor (Psb. 8 Anm. zu Z. 14), dies entweder als die
manichäisch-lykopolitanische Form von 2ΐπογ6 (vgl. Crum 1939a: 471b: »at a distance«)
oder als 21 „und" sowie den Plural von griechisch πόα „Gras" aufzufassen. Letzterem
schloß sich Nagel 1980:124 an. — Zu den Vv. 8,1-10,2 vgl. die Übersetzung Nagels inner­
halb seiner Interpretation von ThPs 18 (Nagel 1980:122-124). »Die Sündenvergebung
findet ihre Krönung in der Visison von einer wunderbaren Erneuerung der Natur, die den
Zustand vorausdarstellt, dessen sich die Gläubigen im Neuen Aon erfreuen« (ebd. 124).
Zum Motiv des Paradiesesgartens allgemein vgl. Orter 1991.
7
. Emendiere mit Allberry (Psb. 8 Anm. zu Z. 16): »Π<Ν>ογΛυββ«.
8
Zu pespeS vgl Černý 1976: 143; Westendorf 1965ff: 172.
9 Zu 20Ypeujpeuj vgl. Vyčichl 1983: 197b-198a; Černý 1976: 143 und Westendorf
1965ff: 171.

170

Übersetzung

11,1

Vergib 1 denen, die um dein Mysterium wissen, I denen offenbart wurde das Wissen um die Geheimnisse des Höchsten, l

2

(24 ) durch die <unversehrte> Weisheit 2 , in der kein Irrtum, I unseres Vaters, des Parakleten, heiliger Kirche. I

12,1

Das freudenvolle Gut des geehrten Geistes, I (2 7) schenke es uns und laß es uns allen zuteil werden;

2

und I wasche uns freudig rein und [—] I auch seine Tropfen, die reinwafschen wer]den [—] I

Dox.

(30 ) Ehre sei Dir, unserem Vater, Manichaeus, dem Ehrenvollen und From] I men [—

die] ganze [Sündenvergebung 3 , die V[er] I kündigung des Lebens, der Abgesandte derer in der [Höhe] I. (33 ) Ehre deinem Bêma, deinem Thron, das gibt (?) [—

*(p. 9,1) Möge auch [die] Seele Marias zu deinem Erbarmen ge- langen, mein Herr. 4 1

1 Kellis A/5/6 hat anstatt des Imperativs »ΚλΝλΒβ λβ*Λ« ein Substantiv: »rw\N&ee

λβλλ« (Gardner 1993a: 35). Dabei handelt es sich mE. aber um einen Schreibfehler, so daß das π des Paralleltextes also zu tilgen ist.

2 Gegenüber dem im Psalmenbuch überlieferten Text »TCO+1\ 6Τογ».Ββ« (Psb. 8,24),

der von V. 11,2b »TeKKAiici* βτογλβ6« (Psb. 8,25) her beeinflußt sein wird, kann die von Kellis A/5/6 gebotene Lesart »βτογλχ« (Gardner 1993: 36) als ursprünglicher gelten. Entsprechend wurde hier emendiert.

3 Psb. 8,30-31 lies: »π&.πβ\γ [πρΠ]|ΠΝογτ6

.[πκ*. Ν]λΐβ λβ*λ THpčj«. Zu

Allberry's Lesung/Ergänzung »[ΠΝΛ£ ] ΗΜθγτβ nÇëûp* ist festzustellen, daß »nCJüp« auf dem Foto nicht nachzuvollziehen und das Epitheton „Großer Gott" im Psalmenbuch nicht

belegt ist.

4 Zu χι ογ\ϊ φ λ- vgl. Allberry 1939:170-172. — Dieser Gebetswunsch, der von der

üblichen Formulierung der „Egyptian doxology" erheblich abweicht, gehört sicher nicht zum ursprünglichen Ps. Es wird sich um eine Art Kolophon handeln, daß im Zuge der Überlieferung als zum Ps gehörig betrachtet und somit weiter tradiert wurde, wie dies ja auch mit dem Explicit »xqxiüK« in SPs 31 (Psb. 177,29) der Fall ist.

\ Bêma-Psalm Nr. 222/223 171 223 1 Intro. ( Ρ· 9 ' 3 ) [L]aßt
\
Bêma-Psalm
Nr. 222/223
171
223 1
Intro.
( Ρ· 9 ' 3 ) [L]aßt uns den Geist des Parakleten anbeten. I
1 [L]aßt uns unseren Herrn Jesus preisen, der uns I den Geist der
Wahrheit geschickt hat. Er kam und trennte uns von der Verir-
rung I M der Welt. Er brachte uns einen Spiegel, wir schauten
(hinein) [und] I sahen das All darin 2 .1
2 Als der heilige Geist gekommen war, offenbarte er uns I < 9 ) den
Weg der Wahrheit. Er lehrte uns, daß es zwei I Naturen sind, die
existieren, die des Lichts und die der Finsternis, I von Anbeginn
an voneinander [getrennjt 3 .1
3 (12 * [Das Königreich des Lichts, es bestand aus fü[nf]
I Größen,
nämlich dem Vater und seinen zwölf I Äonen und den Äonen
der Äonen, der lebendigen Luft I <15 > und dem Lichtland; und der
Große Geist durchwehte sie alle I und nährte sie mit seinem
Lichte 4 .1
Strophe 1 Jo 15,26
1 Dieser Text gehört zu den bekanntesten manichäischen Psalmen und ist mehrfach
ubersetzt worden: vgl. Adam 1969: 39-42; Haardt 1967: 224-227; Böhlig 1980: 118-121;
H.M. Schenke in: Leipoldt/Grundmann 1986: 404-407. Besprochen wurde dieser Ps bei
Jonas 1964: 419-424; Ries 1972; Wurst 1991; 1994. Feldmann 1987: 65f hebt zurecht
hervor, daß dieser Ps ein gutes Beispiel für die Assimilierung christlichen Gedankengutes
durch die Manichäer sei, indem die Vielheit der manichäischen Götterwelt hier auf den
.Vater", den „ersten" und den „zweiten Sohn" sowie den „Geist" reduziert sei. — Mit
Ausnahme der beiden letzten Strophen, bei denen es sich um zwei Disticha handelt, war es
nicht möglich, das Metrum dieses Ps zu eruieren (vgl. auch schon Säve-Söderbergh 1949:
41). Von daher wird der Ps, abgesehen von den Vv. 19,lff, nur in Strophen, nicht aber in
Versgliederung vorgelegt.
2 Psb. 9,7 lies mit Polotsky: »nTHpq«. — Zur Formulierung vgl. BPs 227,6,2-3. Die
Schau des Alls ist identisch mit der Gnosis, dh. dem Wissen um die „Drei Zeiten" des
Anfangs, der Mitte und des Endes (vgl. Doxologie), über die der folgende Bericht des
Mythos Auskunft gibt; zur „Drei-Zeiten"-Formel s. o. S. 165 Anm. 1.
3 Dies ist neben der Lehre von den „Drei Zeiten" das andere Grunddogma des Mani-
chäismus: vgl. zB. Theod. lib. schol. 11 (Scher 1912:313,13f): »«^ ^ =ui .^οΛ nom V"*
.rtx. o roiurto«; Epist. fund. frag. 4c: »
ut
possis
luminis
seiungere
naturam
ac
tenebrarum«
sowie frag. 5a: »haec quippe
in exordio fuerunt
duae substantial
a
se
divisae«
(Feldmann 1987:12); Keph. 23,1-3.
4 Der Große Geist ist mit der Mutter des Lebens zu identifizieren: vgl. Keph. 34,26-29:
»Er also, der geehrte Vater, berief drei Berufungen (προβολή) aus sich (selbst). Die [ers]te
ist der Gro[ße] Geist, die erste Mutter (rm\[S] ΜΓΓΗ"\ Τφ*.ρπ ΗΜβγ), die aus dem Vater
hervorgegangen ist und zuerst erschien«; vgl. o. S. 156 Anm. 4 und Schmidt/Polotsky
1933: 65.

172

Übersetzung

4 Das Königreich der Finsternis aber besteht 1 aus fünf I (18 ) Kam­ mern, nämlich dem Rauch und dem Feu[er] und I dem Wind und dem Wasser und der Finsternis; und ihr (böser) Ratschluß I kriecht in ihnen herum, erregt sie und stachelt sie an 2 ,1 Öl) gegen­ einander Krieg zu führen 3 .1

5 Während sie sich nun gegenseitig bekriegten, wagten sie es (ein­ mal), I ihre Hand gegen das Lichtland zu erheben, da sie bei sich dachten, daß sie I * 2 4 ' es (wohl) besiegen könnten. Doch wissen sie nicht, daß I sie über sich selbst bringen werden, was sie er­ sonnen. I

6 [Es] gab nämlich viele Engel im Lande des Lich[ts, 107) die] im­ stande waren auszuziehen, um den Feind [de]s Vaters I zu de­ mütigen, dessen Wille es war, durch sein [Wojrt 4 , dasl [er aus]senden [werde], die Feinde zu demütigen, die sich I < 3 0 ' [er­ heben] wollten über den, der erhabener als sie. I

7 [Wi]e ein Hirte, wenn er einen L[öwen] sieht, [der] herankommt, *(p.l0,l) u m seine Herde zu vernichten, listig I [ei]n Lamm nim[mt] und es als Falle auslegt, auf daß er ihn I < 3 ) damit ein- fange - denn mit einem einizigen Lamm rettet er (so) seine I Herde; danach heilt er dies Lamm, das I von dem Löwen ver­ wundet wurde -, I

1 SCHON POLOTSKY WIES IN SEINEM ABSCHRIFTEN FÜR CHESTER-BEATTY DARAUF HIN, DAß HIER

EIN TEMPUS DER GEGENWART (»ECUJOON«) VERWENDET SEI, WÄHREND IN DER VORANGEHENDEN STROPHE DAS IMPERFEKT STEHE (»NECUJOON«). OB DIES EINE TIEFERE BEDEUTUNG HAT ODER OB NICHT EINFACH NUR EIN Ν AUSGEFALLEN IST, SEI DAHINGESTELLT.

2 PSB. 9,2 0 LIES MIT POLOTSKY: »EQNE?[C] E HH^Y«.

3 ZU DIESER BESCHREIBUNG DER WELT DER FINSTERNIS UND IHRER ELEMENTE VGL. THEOD. LIB.

SCHOL. 11 (SCHER 1912: 313,19-21): »RCFC^COEJU ENTIRES (SC. RC^FTACU VYL*>) «AM rivt

.RÜ»

71ΊNCV .ROIOI

.RCICU YI\SR>

.ROIFC y*\\

.>CNCOIX£ Γ<ΤΤΙΙΙ-Ι

. RT^CVM«; VGL. KEPH. 30,13FF; 68,16F; EPIST. FUND. FRAG. 6 (FELDMANN 1987 : 13) . DER BÖSE »RATSCHLUß«, DIE ΈΝΒΎΜΗΣΙΣ DES TODES, IST DAS WESENSMERKMAL DES BÖSEN PRINZIPS (VGL. KEPH. 26,17FF; POLOTSKY 1977: 124); SIE FÜHRT ZU STÄNDIGER ZWIETRACHT IM REICH DER FINSTERNIS UND AUCH ZUM ANGRIFF AUF DAS LICHTLAND (STROPHE 5) , WOMIT DIE MITTLERE ZEIT, DIE ZEIT DER VERMISCHUNG, BEGINNT (VGL. WURST 1994:173F).

4 PSB. 9,28 : »2M NEC|[CE]X6« . ERGÄNZT MAN DIE LÜCKE IN DIESEM SINNE - WAS SOWOHL

ALLBERRY ALS AUCH POLOTSKY GETAN HABEN - , SO WIRD MAN FÜR DIE GRIECHISCHE VERSION DIESES

PS HIER ΛΌΓΟΣ ANZUSETZEN HABEN, SO DAß DER VATER ALSO SEINEN LOGOS IN DEN KAMPF MIT DER FINSTERNIS SENDET. DIES STEHT JEDOCH IM WIDERSPRUCH ZU DER VERSION DES MYTHOS, DIE VON THEOD. ÜBERLIEFERT WIRD UND WONACH DER VATER IN FORM SEINES »SELBST«, SEINER »SEELE« (SCHER 1912 : 313,26 : »,- ^ »•-«<) UND DAS HEIßT IM KONTEXT DES MYTHOS, IN FORM EINER WEITEREN BERUFUNG BZW. EMANATION, DIE ER AUS SICH SELBST HERVORBRINGT, GEGEN DEN FEIND AUSZIEHT (VGL. POLOTSKY 1977:115).

Bêma-Psalm Nr. 223 173 8 (6 ) [s]o handelte auch der Vater, der seinen I
Bêma-Psalm
Nr.
223
173
8
(6 ) [s]o handelte auch der Vater, der seinen I starken [So]hn aus-
sandte. Er aber brachte aus sich selbst seine I [Tu]ngfrau hervor,
die aufgeteilt war in fünf Kräfte, um zu I ( 9 ) [kä]mpfen gegen die
fünf Abgründe der Finsternis 1 .1
9
[Als] d(ies)er Späher 2 Stellung bezogen hatte an den Gren[zen I
des] Lichts, zeigte er ihnen seine Jungfrau, das I (12 · [heißt] seine
Seele. Sie gerieten in Erregung in ihrem Abgrund, denn sie I
wo[ll]ten sich über sie erheben; sie öffneten ihren Rachen, da
sie I sie verschlingen [woll]ten. I
10
<15 )
[Er]
packte
sie am einen Ende 3 ,
warf sie über ihnen aus wie I
ein Netz über Fische und ließ sie auf [sie] herabregnen I [wie]
reine Wasserwolken. Sie fuhr in I * 18 * sie hinein [wie] ein schnei-
dender Blitz; sie kroch in ihr I Inneres und band sie all', ohne
daß sie es merkten. I
1 Die Strophen 7-11 erzählen nun den Mythos vom Urmenschen (vgl. Polotsky 1977:
γαρ της ϋλης Λάνατον τον μετά ταΰτά ποτέ της δυνάμεως ταύτης χωρισμόν».
114ff), der zweiten Gottheit der ersten Berufung (vgl. BPs 219,7,1-2). Dieser beruft
seinerseits seine fünf Söhne (Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912: 313,28-314,2]), die fünf
lichten Elemente άήρ, άνεμος, φως, ΰδωρ und πύρ (vgl. BPs 237,2,2; Psb. 137,19ff; Aug. c.
Faust. 2,3; 11,3 [Zycha 1891: 256,3ff. 316,20ff]), und wappnet sich mit ihnen zum Kampf
(vgl. o. S. 159 Anm. 3). Doch wurde er von der Finsternis besiegt, die ihrerseits die fünf
Elemente verschlang, womit die Vermischung der beiden Prinzipien ihren Anfang nahm.
Aus Sicht des guten Prinzips war dies jedoch keine Niederlage, sondern durch diese
Vermischung wird die Finsternis so gebunden, daß sie in Zukunft ohne das Licht nicht
mehr wird existieren können. Der Urmensch handelte »wie jemand, der seinem Feind ein
tödliches Gift in einem Kuchen gemischt gibt«, so Manis eigene Worte bei Theod. lib. schol.
11 (Scher 1912: 314,4-10); vgl. Alex. Lyc. c. Man. 3 (Brinkmann 1989: 5,23-25): »έσεστ>αι
— Hier im Ps
zieht der Urmensch nicht mit den fünf Lichtelementen bewaffnet gegen die Finsternis aus,
sondern mit seiner »Jungfrau«, die mit seiner Seele identisch ist (Strophe 9) und ihrerseits
aus »fünf Kräften« besteht. Zu vergleichen ist Psb. 137,22f, wo zumindest eines der Licht­
elemente, das »lebendige Feuer«, als »Jungfrau des Lichts« bezeichnet wird: »[T]N^P «e -
iio c Ππογ\ΪΝ6 eT 6 RT»>C T e TceT e 6T\N2«; und wenn es dann weiter heißt, daß er
den Mächten im Abgrund diese seine »Jungfrau« zeigte, was zur Folge hatte, daß diese in
Erregung gerieten (Strophe 9), so scheint hier das Motiv der „Verführung der Archonten"
(vgl. o. S. 160 Anm. 5) mit dem Urmensch-Mythos verwoben zu sein. — Das Handeln des
Vaters, den Angriff der Finsternis durch die Preisgabe seines Sohnes abzuwehren, wird in
den Strophen 7-8 mit dem Gleichnis vom Hirten beschrieben, der, um die Herde zu retten,
eines seiner Schafe als Köder auslegt, um den angreifenden Löwen so abzulenken und
einzufangen. Dieses Gleichnis ist auch in Act. Arch. 28,2f (Beeson 1906: 40,33ff) über­
liefert.
2 Zu M^2MJTČ] vgl. Psb. 10, Anm. zu Z. 10; der Verweis bei Adam 1969:40 Anm. 6 auf
Iren. adu. haer. 1,2,2 - und das bedeutet die Identifikation dieses »Spähers« mit dem
valentinianischen Äon "Ορος - ist mE. abwegig.
3 Diese Stelle hat fast allen Übersetzern Schwierigkeiten bereitet. Allberry übersetz­
te: »He held her power fast« (Psb. 10,15), Adam 1969: 40: »Er hielt fest ihre Kraft«, ahn-

174

Übersetzung

11 Als der Erste Mensch seinen Krieg [vollenjdet hatte, I < 21 > da sandte der Vater seinen zweiten Sohn. I Er kam und half seinem

Bruder heraus aus dem Abgrund 1 .1 Er

[Kojsmos aus der Vermischung, die I * 2 4 ' dem Licht mit der Fin­

sternis widerfahren

errichtete [diesen] ganzen

war 2 .1

12 All' die Mächte des Abgrundes wurden auf zehn Himmel und I acht Erden verteilt 3 . Er schloß sie damals ein in diesen I (27 ) Kos­ mos und machte ihn zum Gefängnis für alle Mächte [der Fin- ster]nis I, doch ist er (auch) ein Ort der Reinigung für die Seele, die in ihnen I verschlungen ist. I

13 < 30 >

Sonne und Mond wurden erschaffen und in die Höh[e] ge­

setzt, [damit siel die S]eele läuter[n]. Was täglich gereinigt wird, tragen sie [zur] I Hö[he; den] Bodensatz aber, sie streifen ihn ab *(pH4) [in den] A[bgrund]; das [Vermischte 4 , sie beför­ dern [es I nach] oben und nach unten. I

lieh Haardt 1967: 225. Doch bedeutet αρχή nicht nur „Anfang", „Kraft", „Stärke", son­ dern auch das „Ende" (zB. eines Seiles), vgl. Lampe 1961:234a, eine Bedeutung, die zum folgenden Bild des Netzes sehr gut paßt. Böhlig 1980:119 umgeht das Problem mit einer sehr freien Wiedergabe: »Er begann damit, sie auszubreiten«. Allein Schenkes Über­ setzung »|Er] packte ihren Anfang« (Leipoldt/Grundmann 1986: 405) trifft das Richtige, ist jedoch, da zu wörtlich, nur schwer verständlich.

1 Der »zweite Sohn« ist der Lebendige Geist, die dritte Gottheit der zweiten Berufung

(vgl. BPs 219,10,1-2), der dem Urmenschen zu Hilfe kommt und ihn aus der Macht der Archonten befreit, indem er ihm die rechte Hand reicht (vgL o. S. 117 Anm. 2). Damit kommt der vom Urmenschen handelnde Teil des Mythos zu seinem Abschluß. Sein Kampf und seine Errettung durch den Lebendigen Geist waren für die Manichäer das Sinnbild der Erlösung schlechthin, »symbolischer Archetyp und reale Bürgschaft aller Erlösung«, wie Jonas 1964: 303 es formulierte. Vor diesem Hintergrund ist seine Bezeichnung als »unser Führer (sc. zum Heil) von [Anjbeginn an« in BPs 219,10,2a.zu verstehen; vgl. auch BPs

227,10,2.

2 Desweiteren (vgl. Theod. lib. schol. 11 [Scher 1912:315,7ff]) bestraft der Lebendige

Geist die Archonten für das, was sie »seinem Bruder« angetan haben, indem er seinen Söhnen (vgl. BPs 219,11,1-15,2) befiehlt, sie teils zu schinden, teils zu töten, um dann aus ihren toten Körpern den Kosmos zu erschaffen (Strophe 12); vgl. Aug. c. Faust. 20,9 (Zycha

1891: 545,29ff): »Spiritus potens de captiuis corporibus genlis tenebrarum an potius de

membris dei uestri uictis atque subiectis mundum fabricans

«;

Act. Arch. 8,1 (Beeson

1906: ll,4ff).

3

4

Psb. 10,25 lies mit Polotsky: »*.γο»>ρογ·«.

Psb. 10,31 ergänze mit Polostky: »ce« | M[H\qJ« . Allberrys »cegi[Tq « ist gramma­

tisch unmöglich. — Psb. 10,32-11,1 ergänze vielleicht: »ce2U >K6 Fi[M \q \*2P»i \Π]Ν[ΟΥΗ]

tisch unmöglich. — Psb. 10,32-11,1 ergänze vielleicht: »ce2U>K6 Fi[M\q \*2P»i \Π]Ν[ΟΥΗ] π[βτ)τΜΤ«. Hier liegt die Vorstellung zugrunde, daß der Kosmos, der »Reinigungsort für die Seele« (Strophe 12), eine gigantische Maschinerie zur Befreiung des mit der Finsternis vermischten Lichtes sei, vgl. Polotsky 1977:121.

Bêma-Psalm Nr. 223 1 7 5 14 (3 ) Während [dieser] ganze [Kos]mos für eine
Bêma-Psalm
Nr.
223
1 7 5
14 (3 ) Während [dieser] ganze [Kos]mos für eine Zeit lang Bestand
hat, [gibt es I ein g]roßes Gebäude, das außerhalb [dieses I Ko]s-
mos I errichtet wird. Sobald j[ene]s Gebäude 1 vollendet sein
wird, I *® wird der ganze Kosmos aufgelöst werden und es wird
F[eue]r I an <ihn> 2 gelegt werden, damit es ihn zerschmelze 3 .1
15 Das ganze [Le]ben, der Rest des Lichts, der sich überall befin-
det, [es wird] I sich bei sich selbst ansammeln und sich zu ei-
ner Sta[tue] bilden 4 '.
I Aber auch der Ratschluß des Todes, die
ganze Finsternis, sie wird [sich] einsammeln] I und sich selbst
zu [einer Fessel (?) I * 1 2 ' für die Ar]chonten bilden. 5 1
16 [Kojmmen wird plötzlich der Lebendige Geist [- -1 - -] er wird
dem Lichte helfen. Den Ratschluß [aber des] I (15 ) Todes und der
Finsternis, er wird ihn einschließen in das G [rab], das I für ihn
errichtet [wurde] 6 , damit er auf ewig
darin gebunden werde. I
17 Es gibt keine andere Möglichkeit, den Feind zu binden, als diese;
denn I < 18 · er wird nicht ins Licht (aufgenommen werden, da er
ihm fre[md ist]; I doch kann er auch nicht in seinem [f]insteren
Lande gelassen werden, damit I er nicht einen größeren Krieg
anzettele als den ers[ten]. I
1 Psb .
11, 5
lie s
mi t
Polotsky :
»π[ι]κωτ« .
Mi t
de r
Lesun g
»πβκαιτ «
mu ß
Allberr y
ei n
Fehle r be i de r Abschrif t unterlaufe n sein , den n di e Handschrif t zeig t de n Befund :
»π[ . ]κωτ« , SO da ß Polostky s Lesun g al s richti g gelte n muß . Darau s ergebe n sic h weit ­
reichend e inhaltlich e Konsequenze n fü r Stroph e
15, den n
di e Einsammlun g
de s Licht s
un d
d e r Finsterni s bei m Weltenend e is t somi t nich t al s da s Wer k diese s vermeintliche n Bau ­
meister s anzusehen , wi e die s mi t Ausnahm e Böhlig s di e frühere n Bearbeite r verstande n
haben .
2 Emendier e mi t
Allberr y
(Psb .
11 ,
Anm .
z u
Z .
7 )
zu :
»i>.p\<C|>«.
3 Da s
»Gebäude «
wir d
mi t
de m
i n
Stroph e
1 6
erwähnte n
»G[ra b
(?)J«
z u
iden ­
tifiziere n sein , da s fü
r
di e Finsternis , di e
ένβύμησι ς
de s Todes ,
errichte t
wurde ,
dami t
si e
»au f ewi g dari n gebunde n werde« . Zu r manichäische n Eschatologi e un d de n
Vorstel ­
lunge n vo m Weltenbran d
vgl .
de n
apokalyptische n
„Logo s
vo m
Große n
Krieg" ,
insbe ­
sonder e Horn . 39,22ff , sowi e zB . Keph . 105,lff .
4
Da ß
da s
Lehnwor t
ζωγραφεΐ ν
i n
de n
koptisch-manichäische n
Texte n
nich t
nu r
„malen "
bedeute t
wi e
i m
Griechischen ,
sonder n
auc h
„bilden"/„formen" ,
als o auc h
da s
Bedeutungsfel d
vo n
griechisc h
πλάσσε ι ν
umfaßt ,
ha t
Nage l
1981 :
228f f
überzeugen d
dargeleg t (gege n Ada m 1969 : 4
1
Anm .
13). —
Zu
r
Bildun g
de r
»Statue «
vgl .
Keph .
28,34 -
29,6; 54,9-55,11 , besproche n
be i Schmidt/Polotsk y
1933 :
78f .
5
Psb .
11,11-1 2
ergänz e
vielleicht :
»Η[ογΜρρ] β
R |[Ηλρ]χωΝ« .
6
Psb .
11,15-1 6 lies : »λΠΤλ<Ηοο] neTfeYlc]MNTCJ« .
Polotsk y
meint e
i n
eine r
Anmer ­
kun g
z u
seine r Abschrift ,
»gan z schwach e Spure n z u
erkennen , di e au f T\«(>po c
z u
deute n
scheinen« , doc h is t di e
Lück e mE .
dafü r
z u
klein .

176

Übersetzung

18

(21 ) Ein neuer Äon wird erbaut werden anstelle [dieses Ko]s- mos, I der sich auflösen wird, auf daß herschen werden in [ihm] die I Mächte des Lichts; denn sie haben den ganzen [Wil]len des

Vaters ausgeführt und I (24 ) vollendet, sie haben den Verhaßten

gedemütigt

und [- - -] über ihn I ewiglich. 1 1

 

19,1

Dies ist die Gnosis des Manichaeus,

laßt uns ihn anbeten I (27 ) [und] preisen.

2

Selig ein jeder, der

an [ihn] I glaub[t] 2 ,

denn er ist's, der leben wird mit all' den Gerechten. I

Dox.

Ehre [un]d Sieg unserem Herrn Manichaeus,

 

dem Geist d[er I (30 ) Wahrhei]t, der vom Vater her ist;

der uns offenbarte I

den Anfang,

die Mitte und das

Ende 3 .

Sieg der Seele der I [selige]n Maria, Theona, Pšai, Cmnoute. I

 

[224]

Intro.

<Ρ· 1 2 ' 2 ' [Laßt uns] preisen

und singen [- -1

 

1

[

(3) -' - Jünge r (?)] unsere s Herrn . I

] zu dir (?) 4 mit voller Überseinstimmung [- -1 - -] laßt uns

- -] indem er urteilt

über unsere Gedanken, der [- -1 - -] sein Bêma, der gebracht hat

die [- -1 - -] unserer Werke. I

preisen den Herrn unseres Lebens [- -1 ^

2 (9) [- - -] di e Früchte 5 unseres Geistes, laßt sie uns darbringen,

[—]

Geschenke I, die ihm Wohlgefallen, die Demut und die Liebe

u[nsere I Gebete, unse]re Fasten und unsere Almosen 6 , die

223 Dox b Jo 15,26

Strophe 2 »Früchte

224 unseres

len* vgl.

Rm

12,1;

Ph 4,18;

IPt

2,5.

Geistes*

vgl. Gal. 5,22; »Geschenke,

die

ihm

Wohlgefal-

1 Vgl. BPs 219,9,1-2. In dieser Strophe wird kurz die Endzeit, die dritte Zeit der

wiederhergestellten Trennung der beiden Prinzipien beschrieben, vgl. Wurst 1994:174/.

2

Psb.

11,27-28 emendiere: »eT{J.lHi.2l [T e i>p\q]« .

3

Vgl.

o. S. 165 Anm. 1.

4

Psb. 12,4 las Allberry: »λρ&κ«, mE. jedoch zweifelhaft.

5

xno kann auch γέννημα, σκόρος wiedergeben, vgl. Crum 1939a: 779b.

Bêma-Psalmen Nr. 223/224 177 2 - strebet danach (?), I < 12 > [euch] mit
Bêma-Psalmen
Nr.
223/224
177
2
- strebet danach (?), I < 12 > [euch] mit ihm [zu versöhnen 1 an sei-
nem heiligen Tage. I
3,1
[
] Jesus,
der erhabene König, der auf [seinem I Bêma] sitzt 2 ,
2
[der] unsere Gedanken [sieht] 3 , unsere Worte und Werke,
[die I <15 ) wir getan haben] 4 des Nachts und am Tage -
3
laßt uns I [ihn
also] bitten 5 , wir alle, die wir (versammelt sind> 6 ,
daß er uns I all' un[sere] Sünden vergebe. I
4,1
(18 ) [Einen] g[roßen] Tag gibt es, groß ist sein Zeichen 7 ,
groß ist auch I [—].
2
All' die Heiligen, die zum Lachte gehören,
sie I [—] Hymnen 8 ohne Maß.
3
Auch wir I (21) , die wir [zu ihr]em lichten Geschlecht gehören,
laßt un s
die Blumen I unseres (?) [— ] darbringen 9 .1
5,1
Die Mächte , [die] Söhne, di e Berufungen de s Vaters,
und seine Lichter, I <24 ) die in der [Höhe] sind,
2
all' die Engel und Omophoroi, I
die starken Säulen und Elemente des Lichts, I
3
sie preisen dich, da du (es) getan un d vollbracht hast, I
<27 * ihnen
allen Ruhe verschafft hast durch dein [Kommen]. I
6,1
Der geliebte
Sohn,
de r Christus 1 0 , Jesus,
er bekränzt dich [i]n I großer Freude;
2 denn sein Gebäude, das zerstört war, hast du I ®® aufgebaut,
seinen Weg, der verdunkelt war, hast du erleuchtet, I
1
Psb. 12,llf lies bzw. ergänze vielleicht: »ujme | [λ.τ(ρ)βτ]Η[2]ωτΠ Nenec|«.
2
Vgl. BPs 239 Intro.
3
Psb. 12,13f ergänze: »aixfi nef.c||BHM* (6)ο|Ν6]γ«.
4
Psb. 12,14f ergänze: »zeriye [Ηβτ|λ.Νβιρβ m]m*Y«.
5
Psb. 12,16 ergänze etwa: »[<Se MMaJq«. Es sind zwar noch Buchstabenreste zu
erkennen, doch kann dies nur am Original verifiziert werden.
6
Emendiere im Anschluß an Allberry, Psb. 12, Anm. zu Z. 16: »neTC\Y2lO«.
7
Vgl. BPs 222 Intro.
8
Oder allgemeiner: »Lobpreisungen«.
? Dieser metaphorische Ausdruck ist als Aufforderung zu Psalmengesang zu ver­
stehen, vgl. BPss 227,4,4; 241,98f.
10 »Christus« ist hier offenbar nicht als Name, sondern als Titel verwendet, vgl. BPs
225,19,1a und o. S. 116f.

178

Übersetzung

6,3

seine Schriften, die verwirrt waren, hast du wie[der] in Ordnung gebracht 1 , und seine I verbrogene Weisheit hast du ausgelegt. I

7 (33 )

Siehe, sein heiliges Bêma hast du gefestigt für ihn [- - -

8,1

*(p. 13,1) —

] ι (3) durc h dein e Stärke , d u has t sie überführ t

ι durch die [- - - damit (?)] I du sie nicht Befleckung über Gott bringen ließest [—]. I

[Du bist] ein wahrhaft [Großer (?)] 2 und Aufrechter, du hast vollbracht [- -1 < 6 ) - -] deines Vaters.

2 Du hast uns allen deine Wfeisheit] I verkündet,

uns belehrt über das, was war, ist I [und] sein wird 3 .

3 Du hast uns befreit aus

der Finsternis [- -1 < 9 > - -],

vor (?) den zur Vermischung der Finsternis mit dem Licht Gehörenden, [das/die innen ist (?)] 4 .1

9,1

AU'[die - --] , die die Alten verkündigt haben in ihren I [Schjriften,

2 wir haben uns ihrer erinnert [- -1 (12 ) - -] Fabeln, bevor d u erstrahltest [—] in (?) die I [Sejelen,

3 du Weisheit unseres Herzens, Licht

[—]

und (?) I großer Verkünder, der unsere Fein[de] der Schande preisgibt. I

1 DIESE AUSSAGE STEHT EINDEUTIG IM WIDERSPRUCH ZU ANDEREN MANICHÄISCHEN QUELLEN,

WONACH ES EBEN KEINE VON JESUS SELBST STAMMENDE, SCHRIFTLICHE FIXIERUNG SEINER LEHRE GIBT.

GERADE DARIN BESTEHT JA DIE ÜBERLEGENHEIT MANIS, DAß ER ES NICHT SEINEN NACHFOLGERN ÜBERLASSEN HAT, DIE HEILIGEN SCHRIFTEN ZU VERFASSEN, SONDERN SELBST EINEN AUTHORITATIVEN KANON HINTERLIEß (VGL. ZB. KEPH. 7,27FF; CAP. 154 BEI SCHMIDT/POLOTSKY 1933: 40FF). — EINE ÄHNLICHE AUSSAGE FINDET SICH JEDOCH AUCH IM PS NR. 136 AUS DEM NOCH UNPUBLIZIERTEN ERSTEN TEIL DES CODEX (GIVERSEN 1988A: TAF. 189F), ZU DEM ICH MICH AN ANDERER STELLE

ÄUßERN WERDE. DABEI HANDELT ES SICH UM EINEN DIALOG ZWISCHEN DER SEELE UND

ERLÖSER CHRISTUS, DER SIE U. A. FOLGENDERMAßEN BELEHRT: » . DEMÜTIGE DIE NATUR DER UNZUCHT,

DIE DU NICHT HAST (? ) [

WELT STIRBT, WIRD EWIGLICH BEI

[I ]HT(\ Τ2β ΒΤΛΐΡΦΛΡΠ HXOOC

C|\U>ii2 2\ΤΗΪ IY\BAU«, GIVERSEN 1988A: TAF. 190 ZZ. 18-20).

IHREM

) WIE ICH ES SCHON IN MEINEN SCHRIFTEN GESAGT HABE: 'WER IN DER

MIT LEBEN' (» . IPU»C T+YCI C ΠΤΠΟΡΝΊ». ΒΤ Β

MŇT6C |

ΗΛΓΡ*.Ψ*.Γ|[Β JSE] ΠΒΤΛΜΟΓ 2R ΠΚΟΟΜΟΟ

2 VGL. PSB. 13, ANM. ZU Z. 13: »INIT. FORT. NT* OYM^S«.

3 WIE MIT DEN BEGRIFFEN »ANFANG, MITTE UND ENDE« (BPS 22 3 DOX.), SO KANN DIE „DREI-

ZEITEN"- LEHRE AUCH DURCH DIE FORMULIERUNG »DAS, WAS WAR, IST UND SEIN WIRD« WIE HIER ODER MIT DEN WORTEN »ALLES, WAS GEWORDEN IST UND WAS WERDEN WIRD« (CM C 66,12-1 5 IKOENEN/RÖMER 1988:46] ) ZUM AUSDRUCK GEBRACHT WERDEN (VGL. WURST 1994:168) .

Bêma-Psatm Nr. 224 179 10,1 <15 ) Siehe, deine Gerechtigkeit, unser Vater, die du verkündet
Bêma-Psatm
Nr.
224
179
10,1 <15 ) Siehe, deine Gerechtigkeit, unser Vater,
die du verkündet hast bei [deinem] I Kommen,
2
ist weder fehlerhaft noch geringer noch irgend schwächer I
geworden,
wegen der Sorge deiner Lehrer, der starken [Wächter] 1 ,1
3
< 18 > die über sie wachen und sie aufbauen
[und] sie [vollenden] 2 1 in all' deinen Gesetzen. I
11,1
Siehe, deine heiligen Gemeinden
haben sich ausgebreitet bis in die I * 2 1 > vier Ecken der Welt;
2
siehe, deine Weinstöcke er[füllen] I jeden Ort;
siehe, deine Söhne sind in jedem L[an]d berühmt. I
3
Siehe, dein Bêma ist gefestigt an j[edem] 0[rt,
wie ein] Fluß I (24 ) (ist es) jetzt, der die ganze Welt
durchströmt. I
12,1
Du großer Sieger, unser Herr und [Licht,
[der] seinen geliebten [Söhnen] I den Sieg [geben wird] 3 ,
2
vor dir [beu]gen [wir] die Knie I <27 ) und [bit]ten dich,
unsere [Seel]en vor I deinem Bêma wälzend,
3
daß du dich uns zuwendest und dich unser erbarmest I
und uns führest, bis daß wir deinen Willen I (3t » erfüllen. I
13,1
[—] 4 unser Steuermanfn — ]
unser erster I Führer.
2 Du bist unser Hirte, der uns w[eidet]
*(p. 14,1) (
|
_
3 .--|<3)
— ] all' unserer Werke. I
1
Ergänze mit Allberry, Psb. 13, Anm. zu Z. 17: »[Ν2θγρβΤ6 R]xu»|pe«.
2
Psb. 13,18 ergänze: »i.xcu[c eyxcoK] M|HA.C«.
3
Psb. 13,25f: »πΗ[ογλΪΝβ ri6TiJq t Rlnspo«: von den unsicheren Buchstaben q-t/M
ist anhand der Faksimile-Edition nur die Lesung des + nachzuvollziehen. Gegen Allberrys
Lesung sind aber inhaltliche Bedenken geltend zu machen, denn die Gemeinde hat den
»Sieg«, dh. die Erlösung, ja noch nicht erhalten, sondern bittet erst noch darum, vgl. BPs
241,100f. Von daher schlage ich die Ergänzung: »neTaJf« vor.
* Allberry (Psb. 1331) ergänzte: »tnqjxpn Rpu>n]e,« doch ist es mE. sehr unwahr­
scheinlich, daß hier der Urmensch genannt gewesen sei.

180

Übersetzung

14

[—] nicht, unser Vater, um zu verkünden [- -1 - -] wie [—] un­ seren Nous und unser Denken [- -1 ( 6 ) - -] sprechen (?) über deine Größe, denn das Fleisch [- - -] I gegeben auf uns. Du wurdest geehrt, unser Vater, ge[mäß der Art (?)]* I deines Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. I

15,1

(9 ) Auch wir, deine Söhne, wir verehren dich [—]; I

 

2

wir ver[ehren] dein Königreich, aus dem du zu uns gekommen; [wir ver] I ehren [deinen Vater], der dich zu uns gesandt;

3

wir verehren [das] I (12 ) Gericht, [das] uns durch dich [offenbar]; Ehre ei[nem I jeden, der] dein Fest [begeht.] I

Dox.

[

] unserem Vater, dem Geist der Wahrheit, dem Parakleten.

[

I (15)

.

.] unserem Herrn und Licht, Manfichaeus I

] der

lebendig macht seine Söhne und seine I [heiligen Erwähl]ten. Sieg

der Seele

der seligen Maria, I (18 * Theona, [Pšai, C]mnoute.

I

 

225 2

vom Herrn (?)

Syrus 3

Intro.

( Ρ· 14 ' 2 0 ) [- - - dei]ner Tochter, der Kirche, Paraklet, I (21 ' unser (?) barmherziger [— ] 4 1

1

[Zu wem] soll ich ge[hen], Witwe? 5 Denn Verleumder

sind all'

die [- - -]; I wer von ihnen ist's, der fortwischen wird meine I

(24) [

Wehe, Wehe (mir) I ob der [Gejwalt, denn [sie verjfolgen mich wie I (27 ) [Wöl]fe, die ein Schaf [verfolgen. 6 1

] vo n mir (?) auf der Welt? I Verleumder [

Mö]rder.

1 PSB. 14,7 ERGÄNZE: »Κ\[ΤΛ npnT 6 R]«, VGL. ALLBERRY'S ÜBERSETZUNG.

2 VGL. DIE ÜBERSETZUNG DER VV. 6,1-10 3 BEI NAGEL 1992:223-225 .

3 ALLBERRY'S LESUNG »Κ(ΓΡΙΟ)Γ ΟΓΡΟΓ« (PSB. 14,19) IST NICHT SICHER. VIELLEICHT ISI AUCH: »ΤΟΓ ΟΓΡΟΓ« ZU LESEN, SOWEIT DIES ANHAND DER FAKSIMILE-EDITION ENTSCHIEDEN WERDEN KANN.

(PSB. 14,21), WAS DIE LÜCKE ME. ABER NICHI

AUSFÜLLT.

4 ALLBERRY ÜBERSETZT »MERCIFUL GOD (?)«

5 NACH ALLBERRY (PSB. 14 , ANM. ZU Z . 22) : »ΒΪΛ.Β(Θ[Κ *.ΡΒΤΣ ] ŇHI]H TXtipx« . —

MIT DER

»WITWE« WIRD DIE IN DER INTRODUCTIO GENANNTE KIRCHE GEMEINT SEIN, VGL. HORN. 7,18-19, 44,26; 61,7-8.

Bêma-Psalmen Nr. 224/225 181 2 Wieviel Schafften], wieviel Unglück [ ] I die Furcht [-
Bêma-Psalmen
Nr. 224/225
181
2 Wieviel Schafften], wieviel Unglück [
] I die Furcht
[- - -1
(30) 1 1 - -] um Gewalt anzutun; aber ver[laß] *<P- 1S -
mich nicht, mein seliger König, der m[ein I Herz] kennt. I
1 )
3,1
<3 ) [Ich ent]kam aus den Höhlen 1 , mein Haar war aufgelöst,
w[ie] I eine Verrückte fragte ich einen jeden, der mir
[be]gegnete: I
2 »Wer ist's, der mir Kunde bringt von meinem Hirten
und I < 6 ) mir
[bericbjtet, wie sie ihn getötet haben in der gott-
losen Stadt, I
3 die gesetzlosen Sekten, die Bestien,
durch das Gi[ft] I ihrer freurigen Flammen zum Wahnsinn
getrieben?« I
4,1
w * [Ich habe] von euch gehört, ihr Magier, Priester des I
[Feu]ers 2 ,
daß ihr meinen Gott ergriffen habt mit euren [besu]delten I
Händen,
2 ihr Frevler, wahnsinnig und gottlos,
ihr Brüdfer
I
(12 ) der] Juden, der Mörder Christi 3 .
3 Ein Feuer hat I euer Herz verze[hrt],
den gerechten Gesandten] I zu töten. 4 1
5,1
<15 ) Seht, dies sind die frevlerischen Werke grausamer Menschen,
dies ist der Weg, den sie errichteten und [der] sie I in die Hölle
führen wird.
2 Ich habe (noch) keine Bestie gesehen, aufgestachelt 5 wie I
(18) diese,
auch (noch) kein Feuer, das Heu 6 verzehrt 7 (wie sie). I
3 Nicht fand sich ein Barmherziger, [der] aufgestanden wäre,
ihnen I zu entreißen diesen Sündlosen und Gerechten. I
1 WIE IN THPS 1 1 (VGL. PSB. 216 , ANM. ZU Z . 15 ) BEDEUTET UJH*. HIER DIE „HÖHLE" EINES
WILDEN TIERES. ALS SOLCHE (»DNPIOV«) WERDEN DIE »SEKTEN« BZW. DIE »MAGIER« IN DEN VV.
3,3A UND 5,2A BEZEICHNET, EIN BEGRIFF, MIT DEM SIE EINDEUTIG DÄMONISIERT WERDEN (VGL. PSB .
54,13; 66,20F; 214,1-2).
2
PSB. 15,9-10 LIES: »ΟΓΗΒΒ ŇT|[C6] T6«.
3
VGL. BPS 241,26F.
4
PSB. 15,12-1 3 LIES BZW. ERGÄNZE: »ΟΓΚΙΥ?Τ ^QSTTI|[NE] \N6TFL2HT« . ZUR ÜBERSET­
ZUNG DES LIMITATIVE ALS FINALSATZ VGL. TILL 1970:158-15 9 ( § 312) .
5 ZUR BEDEUTUNG VON DES QUALITATIVE TXQE VGL. ČERNÝ 1976: 202.
6 ALLBERRY ÜBERSETZTE HIER UND IN PSB. 188,18 »CHAFF«. WIE SICH ABER AUS EINER STELLE
IM THOMAS-BUCH ERGIBT, WO UJNI. IN PARALLELE ZU ΧΌΡΤΟΣ STEHT (NH C II : P . 144,23.26-27) , BE­
DEUTET DIESES WORT „GRAS" BZW. „HEU", VGL. SCHENKE 1989:50 S. V.
7 EMENDIERE MIT ALLBERRY (PSB. 15 , ANM. ZU Z . 18 ) ZU: »E<C>STÜNE«.

182

Übersetzung

6,1

OD Mit einer Stimme riefen sie alle zu dem gottlosen Richter, I und sprachen zu ihm Worte, in denen keine I Wahrheit:

2 »Siehe, ein Mensch trat

auf I

< 2 *) in diesen Tagen,

der gegen uns kämpft und unsere Werke zunichte macht. I

3 Wir bitten dich, König, wir alle zusammen:

Hinfort mit ihm, I denn er ist ein menschenverführender

7,1

Lehrer.« 1 1

<2 7) Ais e r diese Worte hörte, der Herzlose, der König dieser I Unbarmherzigen, war er verstört, dieser Unselige und zur Bosheit gehörige; I

2 er schickte und (ließ) rufen nach meinen Hirten und sprach zu ihm I * 3 0 ) zornig mit lauter Stimme:

3 »Wer ist's, der Dir [be]fahl I, diese Dinge zu tun; und wer bist Du, (daß) Du Werke [vollbringst, die] allen I Menschen [scha]den?«

8 * ( Ρ· 16 ' 1 ) Der geehrte Nous antwortete und sprach zu [ihm] I ge­ radeheraus: »Erkenne, König, daß Gott es ist, der Dir I ( 3 ) [hilft] 2 , während Du (nur) ein Mensch bist. Das Gesetz des Lebens

[ 1 ] vollendete Gebote Christi. Meine Lehren [ 1 1

9,1

(6)

Er öffnete seine Lippen und schrie in I [- - :

]

z

u

Dir.« I

»

.

.

I (9)

]

wird Dir erscheinen.

2 Du bist ein Fremder, nichtswürdig (?) 3 und [- -1 - - ein] Armer, dem es an allem mangelt.

3

Du bist ein [- -1 - - -]

zu spenden diese Gnade und dieses unaussprechliche] I < 12 > Geschenk.«!

10,1

»Die Frommen 4 streben nicht nach Gold und weltlichen] Besitz­ tümern. I Gott ist's, der befiehlt, es gibt keine Be[fehle I (15 ) außer von] ihm 5 .

1

2

3

4

5

Vgl. o. S. 112.

Ergänze mit Thompson (Psb. 16, Anm. zu Z. 2-3): »neT».q t [ŇTO]|OTR«.

Zur Bedeutung von 2VfA s. Psb. 52, Anm. zu Z. 26 und Černý 1976: 301.

Lies mit Allberry, Psb. 16, Anm. zu Z. 13: »Ν*»ΠΝθγτβ«.

Psb. 16,14-1 5 ergänze: »ογλ2<?[λ2Ν6| XBHA *p ] i > q « oder »

Das von ist im Psalmenbuch

c ^elx]\q« .

Thompson (Psb. 16, Anm. zu Z. 15) vorgeschlagene » nicht belegt.

fineAAkq«

Bêma-Psalm Nr. 225 183 10,2 Gott ist's (auch), der belehrt, wen er will [und I
Bêma-Psalm
Nr. 225
183
10,2
Gott ist's (auch), der belehrt, wen er will
[und I ihm] die Gnade [erweist], die alle Gnade übertrifft,
3
als (?) Siegel I [---] prophetisch (7) 1 ,
der wahre Fromme in I (18 ) seinen Werken und Worten.« I
11,1
Er [schjnaubte vor brennendem Zorn, der unruhige Kampfes
lustige, I
er gab [ihnen] den Befehl, den Gerechten zu binden, I
2
* 21 > damit er die Ma[gi]er zufriedenstelle,
die Lehrer Persiens I und Diener des Feuers.
3
Wahrlich, auf diese Weise richteten I sie
den Sieger, den Engel und Parakleten. I
12,1
<24 ) Wieviele Tage der Furcht hast du ertragen, mein Vater,
bis du I abschnittest und abschlugst das Geschlecht der
Schreckgesichter? 2
2
Ganze I sechsundzwanzig Tage und ihre Nächte
hast
du verbracht 3 , gebunden I < 27 > in Bêlâbâd 4 ,
3
du Stolz der Äonen des Lichts, I
du großes Abbild 5 der Mysterien Gottes. I
13,1
O ihr Hände, die so viele Seelen befreiten, I
(30) (jj e heute gebunden wurden mit Eisenfesseln.
2
Zul wem soll ich nun gehen,
daß er mir diese barmherzigen Hände I befreie?
3
Mein Gott, verlaß mich nicht,
denn I <33
) [all'] meine Feinde verspotten [mich Armen] 6 .1
14
* ( Ρ· 17 ' 1 > [—]mein Herr Manichaeus, Richter [des] Alls I [ 1
(3)
.
ι
] deine freudigen Flügel. Zuerst hast du gebetet zu
1 Das Manuskript ist zu stark zerstört, um in dieser Stelle einen eindeutigen Beleg für
die Bezeichnung Manis als „Siegel der Propheten" sehen zu können, die ihm von verschie-
denen arabischen Autoren wie al-Bîrûnî, as-Sahrastânî oder Ibn al-Murtardâ zugeschrie-
ben wird. Vgl. jetzt grundlegend Colpe 1989 (besonders 227ff = Kapitel IX).
2
Zu »φλβΐ2θ« vgl. o. S. 114 Anm. 2.
3
Emendiere mit Allberry (Psb. 16, Anm. zu Ζ 26) zu: »6ΪΤ <ογ > eKMHp« .
* Solang währte nach einhelliger Überlieferung die Gefangenschaft Manis, vgl. BPss
226,9,1; 241,33; Horn. 60,11-12.
5 »lyicne« = είδωλον, vgl. Horn. 71,23. Es könnte sich um eine Anspielung auf das
Bildnis Manis handeln, das auf dem Bêma stand (»εΐκων«, Horn. 27,18-24; 28,16-17; 33,17-
20); vgl. Henning 1936a: 9.
6 Ergänze mit Allberry (Psb. 16, Anm. zu Z. 33): »ç ç IKIUMCÇ [ΤΗρο γ RCCDÏ njHKe ] Ňxi
ΙΙλΧλΧ6« .

184

Ubersetzung

 

14

G[ott, I deinem] Vater 1 , den toten Körper aber warfest du [vors Angesicht] I < 6 ) deiner Feinde. I

15

[

] der Natur des Betrugs [- -1 - -] verbittert, das Zeichen [- -1

 

(9)

]

e r wollte im Wahn seines Zorns, im [

], I die Schönheit

deiner Glieder zerstören. In [- -1 - -] hast du

dich zur Höhe er­

hoben ohne irgendein Hindernis. I

16,1

* 1 2 ) [Er er]zümte, der

mordende Dämon, und er [- -1 - -]:

 

»Vielleicht ist's eine Arznei, welche du (?) [- -1 - -].«

 

2

Er befahl den Ärzten und [- -1 < 15 > - -],

 
 

deinen Körper [zu u]ntersuchen, deinen heiligen Körper, I

 

3

[den] er verlacht und gegen den er Pläne ersonnen hatte.

 

Er entfachte ein Feuer [in] I einem großen

ΛI

17,1

<18 * Der Drache, der (nur) von seiner Schande lebt, und all' [- - - -] I er hat nicht (?) [- - -

 

2

 

— ]

I (21) vo n

den Gebäuden der Tore der Stadt.

 

3

Er vergoß sein

Blut I umsonst 3 .

 
 

Doch wurde seine Ermordung 4 zum Zeichen für alle I barmherzigen Menschen 5 .1

18,1

04) Am Tage nach dem Herrentag 6 empfingst du den Ruhm des I Sieges, du bandest dir das Diadem auf den Kopf;

1

PSB. 17,4-5 ERGÄNZE: »ΨΛ ΠΝ[ΟΓΤΒ| Π6Κ]ΐΑ>Τ«.

 

2

ZU »\2ΡΤΛΓ« VGL. PSB. 17, ANM. ZU Z. 17 SOWIE WESTENDORF 1965FF: 251.

3

PSB. 17,2 1 LIES: »\CJ6U>UJ«? DIES VERMUTETE AUCH CRUM SCHON, WIE SICH AUS EINER

NOTIZ IN SEINEM HANDEXEMPLAR DES PSALMENBUCHES ERGIBT. — »A.P6Y«: „UMSONST", WÖRTLICH „UM WAS ZU TUN?" VGL. PSB. 10* S. V.; WESTENDORF 1965FF: 264.

4 PSB. 17,22: »AwncJKM2u »TE E

ZURÜCK?

«; GEHT DIESES Κ*.Ι AUF EIN GRIECHISCHES ADVERSATIVES ΚΑΙ

5 DIES IST VOR DEM HINTERGRUND DES GEDANKENS DES OPFERTODES ZU VERSTEHEN (VGL. BPSS

227^,2-4 ; 24132) : WEIL MANI SICH FÜR SEINE GLÄUBIGEN IN DEN TOD GEGEBEN HAT, DESHALB IST

SEINE ERMORDUNG ZUM ZEICHEN DER BARMHERZIGKEIT ÜBERHAUPT GEWORDEN. VGL. AUCH CAP. 6 3 DER KEPHALAIA »ÜBER DIE LIEBE« (155,30FF), WONACH DER APOSTEL AUCH »LIEBE« GENANNT WERDE, WEIL ER SICH SELBST FÜR SEINE KIRCHE DAHINGEHE, WAS MIT EINEM REKURS AUF JO 15,1 3 BEGRÜNDET WIRD: »NICHT GIBT ES EINE GRÖßERE LIEBE, ALS DIESE, DAß EINER [SICH) IN DEN TOD [GIBT] FÜR SEINEN FREUND« (KEPH. 156,12-16).

6 KOPTISCH: »ncHS Y ΠΤΚΓΡΐΛΚΗ'«, SO AUCH IN BPS 226,1,2: WÖRTLICH: „DER ZWEITE (SC

TAG) DES SONNTAGS", DH. VON SONNTAG ALS DEM ERSTEN TAG AN GERECHNET, ALSO „MONTAG" ENTSPRECHEND HORN. 63,11: »NU)».MT ΝΤΚΓΡ[ΐΛ)ΚΗ«, »DER DRITTE (TAG) VON SONNTAG AN« = DIENSTAG. ALLBERRY ÜBERSETZTE ZUNÄCHST »ON THE SECOND DAY OF THE WEEK* (PSB. 17,24; 18,6). WAS ER DANN ABER IN DEN »ERRATA« ZU »PROPERLY ON THE DAY AFTER SUNDAY'« KORRIGIERTE (PSB. P. XXIV). ΠΟΝΒΓ KANN GRIECHISCHES ΤΗ ΕΠΑΎΡΙΟΝ WIEDERGEBEN, VGL. CRUM 1939»:

346B, DER AUF NU 33,3 SAH. VERWEIST.

Bèma-Psalmen Nr. 225/226 185 18,2 denn du hast das finstere Geschlecht I getötet, im Monat
Bèma-Psalmen
Nr. 225/226
185
18,2
denn du hast das finstere Geschlecht I getötet,
im Monat Phamenôth, am vier[ten] Tage, [nach dem] I
<2 ? ) Mondijahr) 1 .
3 Du empfingst deinen Kranz, mein Vater, Sieger im I Kampf:
Erbarme dich meiner, ich bitte dich, Paraklet. I
19,1
Du Zeuge der unaussprechlichen Wohltaten des ersten I
< 30 > Christus,
Zeichen der Seele, deren Ruhm sich über die Erde verbreitet
hat, I
2 dir kommt es zu, unser Vater, diesen Kranz zu empfangen
in freud[vollen] I Festen und Nach[t]wachen 2 .
Dox.
Der Sieg sei mit dir, unserem Herrn I ^
Manichaeus.
Sieg auch deinem Bêma, dem Ehrenvollen, das *<Ρ· 16 'V ge­
priesen sei,
und der Seele Marias und Theona. I
2 2 6
Intro.
<Ρ· 18 '3) Alle [Mys]terien haben sich in Dir erfüllt, unser Vater,
[Geist I der Wahr]h[eit] 3 , unser Herr Manichaeus. I
1,1
A m Tag e de s Kreuze s
übergab er sich I < 6) [den Mäjchten 4 ,
2 am Tage nach dem Herrentag 5 ,
[— I am] vierten [Tag] des Monats Phamenôth,
3 zur Zeit [der elftjen I [Stunde] des Tages
gab er sich in den [Tod]. I
1 Psb. 17,26-27 ergänzte Allberry: »Ποογς|Τλ[γ riij|noo2«. Wahrscheinlicher ist
mE. » . M oder ŇTe] | noog« . Auf jeden Fall ist anzunehmen, daß in der griechischen Vor­
lag e της σελήνης stand, das wiederum auf syrisches Kimoi u (=nach dem Mondjahr)
zurückgehen wird, vgl. im einzelnen o. S. 75f, zum historischen Todesdatum o. S. 78 Anm. 2.
2 Gemeint ist das Bêmafest. Die Plurale sind wohl in dem Sinne zu verstehen, daß am
Bêmatag in allen Gemeinden der manichäischen Kirche (vgl. zB. BPs 224,11,1) des Todes
und Aufstiegs Manis gedacht wird. Aber auch in der patristischen Literatur wird von der
einen Ostervigil häufig im Plural gesprochen, so zB. auch bei Aug. c. ep. Man. 8, zitiert
o. S. 20.
3 . Psb. 18,3-4 ergänze: »nNTiuj [ππΠ\| ŇTH]H[6]«.
4 Psb.
18,5-6 ergänze:
i >c| t MH^ q Η[το(ο)τογ|
»[Ň2pHÍ ] 2Ň πξίοογβ HnecT^YPO C
RRe5jçYçi&.«.
5 Vgl. S. 184 Anm. 6.

186

Übersetzung

 

2,1

<9 ) [Unser Vater] 1 , der Selige, unser Herr Manichaeus, er b[eug]te I [seine] Knie und bat um Erbarmen,

2

er rief zu G[ott]: I »Öffne mir das Tor und erlöse mich I 02) a[us mei]nen Leiden«. I

3,1

[Die Ar]chon[ten] der Welt richteten mich 2 in ihrem Zorn [--!--] ihre lügnerischen Worte,

2

durch Worte [- -105) - -] diese, welche verändern und verwandeln das Süße [un] I d es bitter machen 3 .1

4,1

[Am Ta]ge, als sie mich vor den Richter brachten,

 

[.-.

I (18)

 

2

- - -] gefestigt

[- - -] alle I [- - -

 

keiner] von ihnen [hat] mir geholfen. I

 

5,1

AU' die Gesetzlosen richteten mich, die Gottlosen, die Ausgeburten I Ol) der Sünde.

2

Sie hielten mich fest inmitten der ganzen Schar 4 ,1 wie ein Schaf, das keinen Hirten hat. I

1

PSB. 18,9 ERGÄNZE: »[ΠΝΪΟ>Τ] ΠΜλΚλριοο .

2

BEI DEN VV. 3,LFF HANDELT ES SICH MC' FTF UM DIE FORTSETZUNG DES GEBETS, DAS DIE

GEMEINDE IN V. 2,2 „ZITIERT" HAT, SONDERN UM EINE ICH-ERZÄHLUNG DES BEIM FEST ANWESENDEN MANI, VGL. O. S. 102F.

3 MIT DEN »[AR]CHON[TEN]« UND »MÄCHTEN« (V . 1,1B), DIE MANI RICHTETEN, SIND DIE

MAGIER UND DER KÖNIG GEMEINT, DIE HIER WIEDERUM DÄMONISIERT WERDEN. ALS »<ΐρχοντες« UND »ΈΞΟΥΣΊΑΙ« WERDEN IM PSALMENBUCH IMMER BÖSE, GOTTFEINDLICHE MÄCHTE BEZEICHNET, VGL. PSB. 52,10; 54,13F; 112,3F; 117,23F; 193,27-29. ZU DEN »LÜGNERISCHEN WORTEN« VGL. BPS 241,28 WONACH DIE MAGIER »LÜGNERISCHE ANKLAGESCHRIFTEN« (βιβλίδια) GEGEN MANI VERFAßT HABEN

SOLLEN. IHRER CHARAKTERISIERUNG ALS »MÄCHTE DES BÖSEN« (V . 13,1A) DIENT AUCH DAS BILD VON

DER VERWANDLUNG DES SÜßEN INS VERGLEICHEN SIND (PSB. 54,17-21):

BITTERE, WOZU ZB. FOLGENDE VERSE AUS JP S 24 6 ZU

DIE HYLE UND IHRE SÖHNE, SIE TEILTEN MICH (SC. DIE SEELE) UNTER SICH AUF, SIE (VERBRANNJTEN MICH MIT (IHJREM FEUER

UND GABEN MIR EINE BITTRES AUSSEHEN

SIE KOSTETEN VON MEINER SÜßE UND WOLLTEN MICH BEI SICH FESTHALTEN.

4 VGL. CM C 100,8FF (KOENEN/RÖMER 1988: 70): »κατέσχον δέ με| μεταξύ κάντων

κατεβόωνΙ δέ μου δια μεγίστης! φωνής ώσε'ι κατά δει|[σι]δαίμονος κικραινό|[μ)ενοι καΐ

όργιζόμενοιΙ [καΐτ' έμοΰ

«, WO ABER DAS VORGEHEN DER TÄUFER DEM JUNGEN MANI GEGENÜBER

« VGL. V. 6,LBF, ZU »όργιζόμενοι« DIE Vv. 3,1A; 7,1A: »JH Toy -

BZW. TeqelKe « UND ZU »ΠΙΚΡΑΙΝΌ1Μ]ενοι« V. 14,2B: »JN NOYOYIAE«. DIE HAGIOGRAPHI- SCHEN MOTIVE, MIT DENEN DAS VERHALTEN DER GEGNER DEM APOSTEL GEGENÜBER BESCHRIEBEN WIRD, WIEDERHOLEN SICH.

GEMEINT IST. ZU »κατεβόων

Bêma-Psalm Nr. 226 187 6,1 Wie Wespen schwirrten sie um mich herum 1 , wie
Bêma-Psalm
Nr.
226
187
6,1
Wie Wespen schwirrten sie um mich herum 1 ,
wie I (24 ) Löwen brüllten sie mich an,
2
und sprachen mit lauter Stimme zu mir: I
»Wir billigen nicht, daß du diese Dinge tust.« I
7,1
Er zürnte mir in seinem Zorn
und ging über mich I< 2 7 ) mit seinen Vornehmen zu Rate.
2
Auch schwor er mir beim Heil I seines Vaters:
»Von nun an werde ich dich nicht mehr in die Welt I
lassen.« 2 1
8,1
(30 ) Sie legten mich in Eisen wie die Sünder
und banden I *<P- M »M m[ich] wie die Diebe.
2
Sie richteten mich [w]ie die I [—] ,
sie [—] wie die Zauberer. I
9,1
* 3 ) [V]om Tag an, als sie mich banden, bis zum Tag des
Kreuzes, I
im ganzen ergibt (dies) sechsundzwanzig Tage,
2 während derer sie mich bewachten des I Na[chts] und am Tage
und Wächter einsetzten, die über mich wachten. I
1 Allberry übersetzte »They buzzed (?) at me like wasps«, wozu er anmerkte:
«βογβογ in this sense is not known elsewhere« (Psb. 18, Anm. zu Ζ. 23). Trifft seine
Übersetzung wohl das Richtige, so ist es doch fraglich, ob es sich bei diesem Wort um
dieselbe Wurzel wie das bekannte βογβογ handelt (vgl. Crom 1939a: 29a: »shine«,
»glitter«; Kasser 1964: 7a; Černý 1976: 21. Westendorf 1965ff: 20 und Vyčichl 1983: 25b
nehmen eine zweite Wurzel βογβογ auf, als deren Bedeutung »summen«, »schwirren«
angegeben wird. Dieses zweite βογβογ ist mE. auf mittelägyptisch bjbj zurückzuführen,
das eine »Art Insekt, das ein Haus hat« - also eine Wespe oder Hornisse (?) - bezeichnet
(vgl. Erman/Grapow 1971 Bd. 1: 442).
2 Vgl. Horn. 45,26f, wo der König während des Verhörs zu Mani sagt: »Ich schwöre
di[r bei meiner Glückseligkeit un(d meiner Seejle und der Seele meines Vafters — «. Sun-
dermann 1986: 258 weist darauf hin, daß offenbar dieselbe Szene auch in dem mittelpers.
Text M 3 geschildert wird, wo der König zu Mani sagt: »I have sworn not to let you come
to this country* (Henning 1942:951). Dies stimme zwar nicht mit dem in der koptischen
Homilie überlieferten Inhalt des Schwures überein, aber in etwa mit den Nachrichten
einiger islamischer Autoren (Bîrûnî, Masřudí, Ya'qûbî), wonach Wahrâm I Mani wegen
Mißachtung eines von šabuhr I ausgesprochenen Verbannungsgebotes habe hinrichten
lassen. In diesem Kontext, so Sundermann weiter, sei dann auch »die große Verfolgung«
sechs Jahr vor dem Tod Manis zu sehen, von der in V. 12,1 die Rede ist, die ja noch zur
Regierungszeit Sâbuhrs I stattgefunden haben müßte.

188

Übersetzung

10,1

(6 ) [Sie legten mi]r sechs Eisenfesseln an 1 und banden mich mit I [Kett]en 2 .

2

Alle Erwählten und I Kate[chu]menen weinten, als sie meine Leiden sahen, in denen ich mich befand. I

11,1

W All' die[se SJünder, sie ließen es nicht zu, daß ich meine I [S]öhne und meine Jünger sähe,

2

meine Hirten und meine I [Bijschöfe, als sie sie sahen, wie sie zu mir kommen wollten. I

12,1

02) [Vom] Tage der großen Verfolgung bis zum Tage des Kreu[zes] I sind sechs Jahre vergangen.

2

Ich verbrachte sie, indem ich inmit[ten] I der Welt wandelte wie die Kriegsgefangenen inmit[te]n I05) [der] Fremden. I

13,1

Sie erbebten und erzitterten, die Mächte des Bösen, sie wandten I ihr Schwert gegen den Demütigen,

2

denn sie wünschten, 108) mich nicht mehr zu sehen auf den Straßen ihrer Städte. I

14,1

Seht, Himmel und Erde und die beiden (Himmels-)Lichter, sie legen Zeugnis ab I für mich in der Höhe,

2

daß ich Gutes I Ol) unter ihnen getan habe; in ihrer Grausamkeit aber kreuzigten sie mich. I

15,1

Ich schaute zu meinem Paargenossen 3 mit meinen Lichtaugen und sah I meinen geehrten Vater,

2 den, der

mich all'zeit behütet 4 ,1

(24) w j ee r jag j o r zur Höhe vor mir öffnete. I

1 Κολλάριο ν (^lateinisch collarium) bedeutet eigentlich „Halseisen", wird im Psalmen­

buch aber auch als Bezeichnung für eine Fessel um den Leib verwendet: vgl. BPs 241,30:

»\Yt 2ΜΚβκολλλριοΝ \2HTR« (Psb. 43,26-27); Psb. 214,17-18: »H^pRf ΚΟΑλλριοΝ i ^HTq« . Vgl. Horn. 48,20-22.

Polotsky hingegen, dem ich mich

Allie

anschließe: »2 ŇIfeiO-YClicnepe

2 Allberry las Psb. 19,6-7:

.)ioN epe

«,

«, Möglich wäre jedoch auch die Ergänzung »2Ň I [ne -

« (=πέδη „Fußfessel", vgl. Psb. 201,29-30; 209,29; 210,7; Horn. 48,21.24).

3 Wie im Verlauf seines ganzen Lebens konnte Mani auch in seiner Todesstunde auf

die Hilfe seines »allerseligsten σύζυγος« vertrauen, seines »Herrn und Helfers« («δεσπότης τε κα[Ί| έπονασχών«, CMC 101,13ff [Koenen/Römer 1988: 70)). Er hat ihm zugesichert, »jederzeit sein Beistand und Helfer zu sein« (CMC 33,2-6 [Koenen/Römer 1988: 20]; vgl. auch Keph. 36,6-9). In BPs 241,11 wird der Paargenosse mit »Christus, dem Urheber unseres Gutes« identifiziert; zum σύζυγος vgl. Henrichs/Koenen 1970: 161-189, Fauth 1986 sowie Böhlig 1990: 46ff.

Bima-Psalm Nr. 226 189 16,1 Ich breitete meine Hände aus und betete zu ihm, beugte
Bima-Psalm
Nr. 226
189
16,1
Ich breitete meine Hände aus und betete zu ihm,
beugte meine I Knie und huldigte ihm nochmals,
2
auf daß ich I (27 ) das Ebenbild des Fleisches auszöge
und ablege die menschliche I Gestalt. I
17,1
Seht, sein Körper wurde herausgebracht
in die Stadt I (30 ) der Sünder,
2
gleich nachdem sie seinen Kopf abgeschlagen I
und inmitten der ganzen Schar aufgehängt hatten.
18> 1
*(p. 20,1)
— ] I die Erwählten und die Katechu[menen —
2
- - -] I < 3 > ihr großer Hirte,
der sich aus [ihrer Mitjte 1 erhoben hat. I
19,1
[—] nachdem der Geliebte zum Himmel erhöht worden war,
bestimmte (?) er [- -1 - - für (?)] seine Erwählten,
2
daß sie [— ]
I ( 6 ) des Nachts und am Tage
20,1
Breitet 2 eure Hände aus, all' ihr Erwählten
und I < 9) [Kajtechumenen des Glaubens,
2
21,1
die mich sehen [ — Li]cht (?), I
2
diese, die in der Kirche sind [— ]
[die wac]hen I über sie des Nachts und am Tage. I
Dox.
(15 ) Ehre und Sieg unserem Herrn Manichaeus,
[dem Geist] I der Wahrheit, der vom Vater her ist,
und all' seinen heiligen I [Erwählten].
Sieg der Seele Marias. I
Dox. b Jo 15,26.
1
Ergänze mit Allberry (Psb. 20, Anm. zu TL 3): »ογτ[ιι>ογ]«.
2
Allberry las: »fl . ψ
NMSTRSIX« , WOZU er anmerkte »ilncuptj f vid.«
(Psb. 20,
Anm. zu Ζ 8). Dies scheint auch wirklich dazustehen und ist zu »{Π}πφρφ« zu emendie-
ren. i— Die Vv. 20,1-21,2 enthalten offenbar eine weitere direkte Rede Manis (vgl. V.
21,1b: »mich«).
3 Psb. 20,9-10 ergänze: »MTeTRTUM ?
Strophe 7 (Psb. 33,24. 28).
[Ň2 ]p [H Í
2Ň] |
ογΝλ . 6
ŇTU >B2« , vgl.
BPs 235

190

Übersetzung

2 2 7

Intro.

<Ρ· 20 ' 1 9 ) Wir huldigen dir, Richter, Paraklet, wir I preisen dein Bêma, auf dem du sitzt. I

1,1

OD D u bis t i n Friede n gekommen , Geist der Wahrheit, Paraklet, den I Jesus geschickt hat.

2

Du bist in Frieden gekommen, neuel Sonne der Seelen.

 

3

Du bist in Frieden gekommen, unser Herr 104) Manichaeus.

4

Wir huldigen deinem Bêma und deinem I neuen Bund 1 .!

2,1

Erbarme dich also deines Volkes, Paraklet, barmherziger I 07) Vater,

2

und vergib uns unsere Sünden, all' die, welche wir I begangen;

3

ziehe uns nicht dafür zur Rechenschaft,

denn dies ist I der Tag, den du uns schenktest,

4

damit

wir I ( 3 °) dich bitten, unser Herr,

 

daß du uns unsere Sünden vergebest. I

3

Das Bêma Jesu [ist] dies, und der Jungfrau des *(ρ·2ΐ,ΐ) Lichts und des Richters der Kirche. Dies ist das Zeichen I des Bêmas

des Richters, der in der Luft ist 2 . Das

Bêma des [-10) - -] Bêma

des [— I —

I f]ür das Königreich. I

4,1

< 6) [Du hast] uns der Traurigkeit [ent]kleidet, die [Freude] legtest du uns I heute an 3 .

1,1B

VGL. JO 14,16-17; 15,26; 16,7FF

1 DER AUSDRUCK »NEUER BUND« (»AixetiK H SEPPE«) IST MEHRDEUTIG: ES KANN DAMIT SO­ WOHL DAS „LEBENDIGE EVANGELIUM" MANIS GEMEINT SEIN (SO LATTKE 1991:19 8 UNTER VERWEIS AUF PSB. 139,57) ALS AUCH, IN ANLEHNUNG AN LC 22,20; LCOR 11,25, DER „NEUE BUND" DES BLUTES MANIS, DAS ER FÜR DIE SEELEN DER GLÄUBIGEN VERGOSSEN HAT (VGL. V. 5,2FF)- EINE EINDEUTIGE ENTSCHEIDUNG FÜR EINE DIESER BEIDEN MÖGLICHKEITEN KANN NICHT GETROFFEN WERDEA AUFGRUND DES KONTEXTES ERSCHEINT MIR DIE ZWEITE JEDOCH WAHRSCHEINLICHER.

2 ZUR „LICHTJUNGFRAU" VGL. BPS 219,18,1-2 , ZUM „RICHTER": KEPH. 35,24FF; 80,29FF;

83,5F.

3 GEMEINT SIND DIE TRAUER ÜBER MANIS TOD UND DIE FREUDE ÜBER SEINEN GEIST, DER ZUM

HIMMEL AUFGEFAHREN IST, VGL. BPS 241,49. AUF EINE SCHON ERFOLGTE SÜNDENVERGEBUNG KANN DIESER VERS HINGEGEN NICHT BEZOGEN WERDEN, DENN DARUM HAT DIE GEMEINDE MANI JA GERADE ERST GEBETEN (V. 2,LFF).

Bêma-Psalm Nr. 227 191 4,2 Unser Herr, Paraklet, all' deine Kirchen I [v]ollbringen dein Mysterium
Bêma-Psalm
Nr.
227
191
4,2
Unser Herr, Paraklet,
all' deine Kirchen I [v]ollbringen dein Mysterium 1 .
3
Heut' bringen wir unsere Rose dar, I
< 9) wie Bäume, die Früchte hervorbringen,
4
auf daß sie I uns zum Kranz wer[de]
und du ihn [uns aussetzest 2 .1
5,1
[Wer] <diesen Tag> 3 verachtet,
[de]r wird verachtet werden I * 12 * am Tage, wenn er seinen
Körper ablegt.
2
[Du legtest I deinen] Ruhm [ab]
und gabst dich für die Seelen in den Tod.
3
Du [überjgabst I dich dem Feinde,
auf daß sie dein Blut vergössen, I
4
um uns aus der Finsternis zu erretten,
denn [au]ch I wir haben uns für das Königreich hingegeben. I
6,1
Du ließest uns nicht in Ermangelung der Mittel,
um I * 18 ) vor dem Richter der Wahrheit Verteidigung zu finden.
2
Du brachtest uns I einen Spiegel
aus deinem Königreich.
3
Wir schauten hinein und sahen I das All darin,
all' das, was war und was [sein wird
und] l< 21 » was ist [---]l 4 .
7,1
Ihr Electi [und ihr Kate]chu[menen,P laßt uns nicht I
[das! Gesetz verachten, das wir empfangen haben.
2 [Wir] ha[ben uns erinjnert 6 in Iunsere m [Herzen,
daßj unser Gott ein [—].
1 . Hier wird das Wort μυστήριον eindeutig im Sinne einer kultischen Handlung
verwendet, s. o. S. 139 Anm. 2.
2 Schon Allberry (Psb. 21, Anm. zu den Zz. 8-9) verwies hierzu u. a. auf BPs 241,98f.
Wie in BPs 224,4,3b ist auch hier mit dem Bild vom Darreichen der Blume auf den
Psalmengesang der Gemeinde angespielt. Indem sie dies tut, windet sie sich selbst den
Siegeskranz, dh. eine der Insignien der Erlösung, in der Hoffnung, daß Mani ihn ihr dann
auch darreichen werde (im einzelnen vgl. o. S. 139ff).
3
Psb. 21,11 emendiere zu: »ΗΠ<ΐ2>οογβ«.
4
Zu V. 6,2f vgl. BPs 223 Strophe 1.
In Psb. 21,23-31 finden sich wiederum antike Ausbesserungen des Manuskripts, vgl.
O.S. 45 Anm. 10.
5
6 Psb. 21,23 ergänze: »\[N p ΠΜβ]6γ« .

192

Übersetzung

7,3

[(Zwar) (können?) wir] I [ihn nicht] sehen 1 [mit] diesen fleiscMchen Augen,

 

4

er a[be]r ist [offenjbar I in unserer [[Mitte 2 wie] die Sonne, die am [Himmel] scheint. I

8,1

07) Der große, erha|[bene König] sitzt auf seinem Bêma, I er sieht [die Werke] eines jeden von uns.

2

Denn unser Herr I [sprach:

»Mein] Thron [—] I

3

00) m ein e [Kirchen]] sind wie [—] I für die [Gerechten,

4

die] wachen 3 mit [— — ] l Irrtum«.

9

*'P- [L]aßt uns also wachen 4 [- - -] keiner hat s[ich]

lustig

gemacht (?) I

und seine [- - -] hinter sich gelassen 5 . Die

Electi

[

1 (3)

] ; jig Katech[ume I n]en

[- - -] mit ihren Almosen 6

unter [- -1 - -] am Tage des Gerichts zur Ehre G[ottes] 7 .1

 

10,1

< 6 > [Dies ist] der Weg der Wahrheit, dies ist die Treppe, die I [zur] Höhe [führt], die uns hinaufführen wird ins Licht.

2 Er i[st] I der Weg von Anbeginn an, der Erste Mensch 8 u[nd (auch) I ( 9 ) J]esus der Glanz und der Geist-Paraklet.

3 Du bist berufen, o [See] I le, dich auf ihm zur Höhe zu erheben. I

1 Psb.

21,24f ergänze: »ΠΗΝΘΓΤΒ ΟΓ[±

ΗΤΝ((0?)]| Ney *.pi>q ΒΝ«.

2 Psb. 21,25 ergänze: »Λ[ΑΑ]Λ. qfoykN?«; vgl. BPs 239,l,lf wo sich eine ähnliche Aussage über Jesus rindet.

3 Psb. 2131 lies: »expMC« (gedrungen geschrieben).

4 Psb. 22,1 lies: »[n]*pRpaJc«.

e « (ob

cno(YA]ti?). Das Präfix des negativen Perfekts Hne ist anhand der Faksimile-Edition nur schwer nachzuvollziehen, vom Inhalt her gesehen würde man eher Rniup Te erwarten,

im Sinne von: „

Eifer (?)" oder ähnlich.

5 Psb. 22,1-2: »iine A\ye ctuee H[M».C|]| RqKU) Rccuq

fiTeqçn

und keiner mache (sich (selbst)] lächerlich und lasse hinter sich seinen

6 Psb. 22,4 lies: »MR N6YHRTNA.6«.

7 Mit Allberry (Psb. 22, Anm. zu Z. 5) lies bzw. ergänze: »ΗΠΝ[ογτβ]«.

Bima-Psalm Nr. 227 193 11,1 Empfange das heilige Siegel vom Nous der Kir[che] I (12)
Bima-Psalm
Nr.
227
193
11,1
Empfange das heilige Siegel vom Nous der Kir[che] I
(12) und erfülle die Gebote 1 ;
2
der Richter selbst, d[er in] I der Luft ist,
er wird dir seine drei Geschenke überreichen;
3
die Taufei der Götter,
im [Vollkommenen] Menschen 2 wirst du sie empfangen;
4
(und) [die] I < 1 5 ) (Himmels-) Erleuchter werden dich vollenden
und in dein [König]reich geleiten. I
12,1
Dein Vater, der Erste Mensch, wird dir dein [wahres] Leben 3
schenken, I
das, welches du von deinem Ursprung her besitzt 4 ;
2
der göttliche I * 18 * Gesandte der Wahrheit,
er wird dir <dein> Diadem 5 des Lichts verleihen; I
3
[---]
wird dir deinen stolzen Kranz I der [—]
überreichen;
4
[---]
denn du hast fortgewischt I < 21 > den [—]. I
Dox.
Ehre [und S]ieg dem Geist-[Parakle]ten,
dem [fruchtbringenden Baume I des Lebens.
Sieg unserem Apostel,
unserem Herrn
I < 24 > Manich[aeus,
und den] zwölfen und den zweiundsiebzig
Ge I sand[ten der W]ahrheit,
und 6 einem jeden, der besingt und preist
I den [—] der Weis[h]eit und der Seele Marias. I
1 HIER IST OFFENBAR EINE REALE „VERSIEGELUNG", WOHL IN FORM EINER HANDAUFLEGUNG,
GEMEINT. V . 11, 1 BEZIEHT SICH JEDENFALLS AUF DIE GEGENWART, DH. AUF DAS BÊMAFEST, IN DESSEN
RAHMEN DIESE ΣΦΡΑΓΊΣ EMPFANGEN WERDEN SOLL, WÄHREND DIE VV. 11,2-12,4 SICH AUF DAS
SCHICKSAL DER SEELE NACH DEM TOD BEZIEHEN. DER AUSDRUCK »TAUFE DER GÖTTER« IST ALSO
KEINESWEGS IM SINNE EINER KULTISCHEN TAUFE ZU VERSTEHEN, DIE DIE MANICHÄER BEKANNTLICH
KATEGORISCH ABGELEHNT HABEN (ZU DEN VV. 10-12 VGL. INSGESAMT O. S. 133FF).
2 DER „VOLLKOMMENE MENSCH" IST DIE SÄULE DER HERRLICHKEIT, EIN BESTANDTEIL DER
MASCHINERIE ZUR LÄUTERUNG DES LICHTS, VGL. PSB . 139,19FF UND POLOTSKY 1977:121 .
3
PSB. 22,16
LIES BZW.
ERGÄNZE: »ΜΠβωΝ ? [RMH6]«.
4
PSB.
22,1 7 LIES: »ΠΒΤΒ [Ο ]γΗΤββ <4· « ES HANDELT SICH UM DIE 2 . PERS. SING. FEM.
vo n
υγϊΐΤ6 « MIT OBJEKTSUFFIX Q, VGL. TILL 1970 : 14 8 ( § 291) , DIE AUCH IM LYKOPOLITANISCHEN
LOHANNESEVANGELIUM BELEGT IST (JO 4,18
[THOMPSON 1924: 3J: «ΠΒΤ Β OYŇTEEQ
Π62ββ ι
«IN] ΠΒ«).
5 IN Analogie ZU »neiUN? « (V. 12,1A) UND »neKAA H « (V.12,3B) EMENDIERE IN PSB. 22,
18 ZU:
»ΗΤ < Β >βρΗΠ6« .
6 PSB. 22,24F LIES BZW. ERGÄNZE: »NPECLECYTHC (SO NACH ALLBERRY) [NTH]H6 HH«.

194

1,1

Übersetzung

2 2 8

(P. 22,28) Unser H[err, der Paraklet], ist gekommen, er setzte sich nieder auf sein Bêma. I

2

[Laßt uns a]lle [bitten], meine Brüder, daß er unsere Sün[den I (30 ) ver]gebe. I

2

Der [Vater der Größe] 1 ist's, der ihn ausgesandt hat

im Ratschluß I * ( Ρ· 23 ' 1 ) mit den Äonen der Unsterblichkeit 2 .

Refr.

(Wir) alle bitten ihn 3 .1

3

Er salb[te] ihn mit seiner Kraft,

er vollendete ihn im Geiste I ( 3 ) seiner Liebe 4 .

Refr.

(Wir) alle bitten ihn. I

4

Er bestimmte ihn für drei Wunder,

für Bedrückung, (die) Re[ch]te I und für Glückseligkeit.

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

5

(6 ) Er legte das Heilmittel des Lebens in seine Hände,

damit er die

I Verwundeten heile 5 .

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

3A VGL. ACT 10,3 8

3 B VGL. LJO 2,5 ; 4,12.1 7

5 VGL. ACT. 103 8

1 PSB. 22,31 ERGÄNZE: »Π[ΪΑΙΤ ΗΤΒ THRTM».«] neT\cjTHH \YCI« ,

S. 115.

VGL. AUSFÜHRLICH O.

2 VGL BPS 219,3,1-2.

3 DIESER PS IST EINER DER WENIGEN INNERHALB DER GRUPPE DER BÈMA-PS MIT VOLLSTÄNDIG

NOTIERTEM REFRAIN (VGL. O. S . 88F). NUR NACH V . 2 2 IST ER NICHT ANGEGEBEN. DA NACH V . 1 4

»THTU)B2

H H & q THpM e LAUTET, VIELLEICHT SOGAR *TŇTWB2 HM& q Tripn e x e eqM< & ŇŇN \ e e ΛΚΜ. (VGL. V. U) .

fiM^q « NOTIERT IST, IST WOHL ANZUNEHMEN, DAß DER REFRAIN GENERELL *THTU>»5

4 ZU DEN VV. 3-5 VGL. O. S. 115FF.

Bêma-Psalm Nr. 228 195 6 Er 1 ließ sein Licht in unseren Lampen aufscheinen, gießt
Bêma-Psalm
Nr.
228
195
6
Er 1 ließ sein Licht in unseren Lampen aufscheinen,
gießt ö l in I < 9 ' sie durch
euren
Glauben 2 .
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
7
Er setzte den Steuermann in die Schiffe,
das Butterstück legte er
(Wir alle) bitten ihn. I
in I die warme Milch 3 .
Refr.
6 vgl. Mt. 25,1-13
1 Von V. 6 an ist nicht mehr vom Vater (vgl. V. 2a), sondern von Mani die Rede, vgl. o.
S. 116.
2 Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt 25,lff) war bei den Manichäern sehr
beliebt, wie schon die zahlreichen Anspielungen allein im Psalmenbuch belegen: Vgl. BPs
229,11,2, darüberhinaus Psb. 53,23f; 60,12; 80,13f; 154,1; 161,19f u. ö. In HPsII 5 findet
sich das vollständige Gleichnis in überarbeiteter Form (Psb. 191,18-192,1), wozu auf
Richter 1994: 157ff zu verweisen ist. — Das »Licht« der Lampen ist hier eine Metapher
für die Gnosis, die der Apostel bzw. der Licht-Nous den Gläubigen offenbart hat: Vgl. SPs
28 (Psb. 173,170:
[Die] Lampe, die du (sc. der Licht-Nous) entzündet hast,
nicht ließ ich sie verlöschen durch das Öl des Glaubens.
JPs 258 (Psb. 70,14-17):
Als du erkanntest, fromme Seele,
daß es aber ein schwaches Haus ist, in dem du dich befindest (sc. der Körper),
da hast du deine Lampen entzündet
und öl in deine Leuchter gegossen,
und du hast sie nicht verlöschen lassen,
bis daß man kam und dich gerufen hat.
3 Das Bild des Schiffes wird nicht nur für die „Lichtschiffe" Sonne und Mond ver-
wendet (so in BPs 241,9; vgl. auch Psb. 55,11; 75,4; 133,14.16 u. ö.), sondern auch in bezug
auf die Kirche, wie der folgende Parallelismus aus SPs 18 (Psb. 161,5-6) zeigt:
[Schjön ist das Schiff, wenn der Steuermann an Bord ist
schön ist die Kir[che], wenn der Nous sie führt,
neeq kann κυβερνήτης wiedergeben, vgl. Crum 1939a: 238b; zum Bild des Schiffes all­
gemein vgl. Nagel 1990. In V. 7a geht es somit darum, daß Mani den Nous in die heilige
Kirche eingesetzt habe (vgl. Keph. 35,21-24; 182,20-21, wonach dies ein Werk Jesu des
Glanzes ist). V. 7b beschreibt diese Einsetzung mit einem Bild, das der manichäischen
Eschatologie entlehnt ist. In Kephalaia cap. 16 heißt es über die ένΟύμησις des Lebens, daß
sie am Ende der Zeiten die noch im Kosmos verbliebenen Lichtteilchen an sich ziehen und
daraus die Letzte Statue bilden werde (vgl. BPs 223 Strophe 15), und zwar gerade so, wie
ein in warme Milch gelegtes Butterstück »die Kraft und den Geschmack der Milch an sich
zieht« und »den Rahm und das Fett und die Schönheit (sc. der Milch) bei sich versammelt«
(Keph. 54,24-55,11, worauf schon Polotsky und Allberry [Psb. 23, Anm. zu Z. lOff]
verwiesen haben). Durch die Übertragung dieses Bildes auf den Nous soll dessen Tätigkeit
an der Kirche bzw. den Gläubigen verdeutlicht werden, wovon in den Vv. 9-11 die Rede
ist. Wie die Butter den Rahm der Milch an sich zieht, so formt der Licht-Nous den „Neuen
Menschen" in den Gläubigen, indem er ihre von der Sünde im Körper gefesselte Seele erlöst

196

Übersetzung

8

02) [Er gab] das Brot des Lebens den Hungernden, das Gewand brachte er I [den Nackjten 1 .

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

9

[Er st]rahlte seine Liebe in unseren Nous, seinem Glauben I05) ließ er in unserem Denken aufgehen.

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

10

Er brachte unserer Einsicht Vollendung und Geduld unserem I Ratschluß.

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

11

08) Ej- schenkte Weisheit unserer Überlegung, damit sie I uns zum Butterstück werde.

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

12

Er bließ seine Trompete in den Welten, die fernen und die I OD nahen erweckte er.

Refr.

(Wir alle) bitten ihn. I

8 Vgl. Tob 4,16; Mt 25,26-27; Jo 6,35

12a vgl. Mt 24,31

und deren Glieder, die »fünf strahlenden Götter« νους, Iwoict, φρόνησις, ένβύμησις, λογισμός (vgl. ο. S. 156 Anm. 1 - die Seelenglieder entsprechen den »fünf Wohnungen« des Vaters der Größe) zu den »fünf großen lebendigen Gliedern« des Neuen Menschen formt (vgl. Keph. 96,8-30); und er tut dies dadurch, daß er den einzelnen Seelengliedern die fünf Tugenden »Liebe«, »Glaube«, »Vollendung« »Geduld« und »Weisheit« vermittelt, wie es in den Vv. 9-11, parallel zur Schilderung in Keph. 9630-97,4, beschrieben wird. Diese Tugenden sollen der Gemeinde zum »Butterstück« werden (V. IIb), dh. zur Keimzelle des „Neuen Menschen".

1 Eingeschoben zwischen die das Handeln des Licht-Nous beschreibenden Vv. 7 und

9-11 ist das Bild von der Vermittlung geistiger Speise und Kleidung, die den Gläubigen zuteil wurden: Zum „Brot des Lebens" vgl. Jo 6,32ff; BPs 229,6,1; Psb. 1773; 193,20 sowie die bei Bultmann 1953: 165-166 und 133-136 umfassend zusammengestellten Parallelen zum Motiv der „geistigen Speise". In SPs 31 (Psb. 1773) ist das Gebot das »Brot für die Hungernden« und das »Wasser für die Dürstenden«, es handelt sich also wiederum um Bilder für die Vermittlung der Gnosis. Dies gilt auch für das in V. 12 verwendete Motiv von der Trompete, die Mani habe erschallen lassen: Vgl. Psb. 93,16-18; Horn. 26,4-6.

Bima-Psalm Nr. 228 197 13 Der Herrscher der Welt erhob sich 1 gegen ihn, er
Bima-Psalm
Nr.
228
197
13 Der Herrscher der Welt erhob sich 1 gegen ihn,
er verfolgte ihn I in seinen Städten.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
14 (24 ) Er bekleidete sich mit dem Herz seiner Richter,
auf daß sie ihn wie I einen Gottlosen verurteilten.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
15 Sie schlössen ihn ein in ihre Gefängnisse,
sie beluden seine I * 2 7 ) Glieder mit Eisen.
Refr.
Wir (alle) bitten ihn. I
16 Sie gingen über ihn zu Rate in ihren bösen Versammlungen,
um ihn I täglich zu besudeln 2 .
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
17 I 30 )
der Kraft seines geehrten Vaters
m
[erhob] er [sich und]
gab 3 seinen I Geist dahin.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
18 Der Richter der Ungesetzlichkeit] wurde zuschanden 4 ,
er brachte seinen Zorn *<P- M »U herab
über seinen Körper.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
13a vgl. Jo 12,31; 14,30; 16,11
17b vgl. Mc 15,37 par; Jo 19,30
1 Was hier in den Vv. 12b und 13a als »erwecken« bzw. »sich erheben« übersetzt ist,
wird im Koptischen durch nur ein Verbum zum Ausdruck gebracht »N62C6« . Es liegt also
ein Wortspiel vor, das den Übergang vom Lobpreis Manis als des Vermittlers der Gnosis
zur Passionsgeschichte in den Vv. 13ff markiert und das im Deutschen nicht adäquat wie­
dergegeben werden kann. In der anzunehmenden griechischen Vorlage des koptischen
Textes wird dem riejc e im ersten Fall έγείρειν, im zweiten έγείρεσΰαι entsprochen ha­
ben. — Zum Weltherrscher und zur folgenden Darstellung der Passion Manis überhaupt
vgl. o. S. 118ff.
2 Zur Bedeutung von ».Tee vgl. Psb. 23, Anm. zu Z. 29; Kasser 1964: la und Černý
1976: 3.
3 Für Psb. 23,30 sind mehrere Ergänzungen möglich: »λςι[τ*.ϊΑ.β/χβοτϊΐ/βι *ΛΑΛ
λ/ejqf«·
4 Vgl. ο. S. 119 Anm. 2.
198 Übersetzung 19 Sie hängten seinen Kopf am Stadttor auf, 1 unwissend über I0) das,
198
Übersetzung
19 Sie hängten seinen Kopf am Stadttor auf, 1
unwissend über I0) das, was sie taten.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
20
Die Weisen aber unter den Menschen,
sie legten Zeugnis ab über I seine Erhabenheit.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
21
(6 ) Laßt uns ihn nun loben, meine Brüder,
und laßt uns ihn besingen I mit unserem Geist.
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
22
Wir bitten dich alle zusammen,
die Erwählten I ( 9 ) und die Gläubigen:
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
23
Ziehe uns jetzt nicht zur Rechenschaft, unser Herr,
für I unsere vielen Sünden.
24
02) Ehre sei dem Vater, der dich ausgesandt hat
zur Erlösung deiner I heiligen Gemeinden.
Re fr.
(Wir alle) bitten ihn. I
Dox.
Ehre und Sieg dem Parakleten,
unserem Herrn und Licht 105) Manichaeus,
und der Seele Marias
Refr.
(Wir alle) bitten ihn. I
19b Lc 23,34
1 Vgl. BPs 241,42-44.

Bêma-Psalmen

Ντ.

228/229

2 2 9

1,1

<Ρ· 2447) Gegrüßet seist du, unser Herr, Paraklet, gegrüßet seist du, Geist der Wahrheit. I

2 (18) Wir alle freuen uns, wenn wir dein Bêma sehen, die Heiligen I und die Katechumenen. I

2,1

Gegrüßet seist du, strahlendes Bêma,

f egrüßet seist

du, Zeichen des Richters, I

Richter über die ganze Welt,

Erlöserderl Seelen.I

3,1

Gegrüßet seist du, Nous des Vaters 1 , stolze Krone der Äonen, I

199

2 (24 ) Heiliger Geist, der alles ergründet, vollendete I Liebe des Vaters. I

4,1

Gegrüßet seist du, Freude der Götter, Herzensruhe der Engel, I

2 (27 > ganzer Wille der Mächte des Lichts, Hoffnung I der Söhne des Königreichs. !

5,1

Gegrüßet seist du , Geschenk des Vaters, heilige Gnade der I (30 > Äonen,

2 [- - -] der

Götter (und) Engel 2 ,

lebendige I Hoffnung der [—]. I

6,1

Gegrüßet seist du, Brot [des Lebens] 3 ,

heiliges unvergängliches Wasser,

2 unergründliche Quel[le] 4 *'P- ^ D des Lebens, Weisheit, voll an I Geheimnissen. I

7,1

°> [Gegrüßet] seist du, Tor des Lichts, gerader Weg zum Leben 5 ,1

3,2a lCor 2,10

6,1a vgl. Jo 6,35

7,1 vgl. Jo 10,9; 14,6

1

2

3

4

Vgl. BPs 225 Strophe 8.

Oder, »der Engel-Götter«.

Psb. 24^0 ergänze: »ΠΛ.ΪΚ. [Rnumä · ]«; vgl. BPs 228,8a

Psb.

2432-25,1 lies: »·&λλ *[Μβ]« , wie auch schon Allberry im Apparat vorschlug

(Psb. 25 Anm. zu Ζ. 1). Das λ ist wegen des Zeilenendes zwar eng geschrieben, mE. aber

eindeutig ein λ. Polotsky las »-ββλ*[πιο]«.

200

Übersetzung

7,2

guter Hirte seiner Schafe, Hoffnung des Lebens I für die Seelen. I

8,1

(6 ) Ge[grüßet] seist du, Baum der Erkenntnis, der inmitten I der vielen anderen Bäume steht,

2

von dem wir aßen, (so daß) wir, I die wir blind waren, sehend wurden. I

9,1

W [Gegrüßet] seist du, Geist der Wahrheit,

der all' die

Sekten der Schande preisgegeben I hat 1 ,

2

jene, die von den vielen (anderen) Bäumen essen, da sie [bl]ind I und nackt sind. I

10,1

(12 ) [Gegrüßet] seist du, Auferstehung der Toten, neuer Äon der I [Se]elen,

2

der uns den Alten Menschen ausgezogen

und I den

Neuen Menschen angelegt hat 2 .1

11,1

(15 ) G[egrüßet] seist du, Tag der Freude, gepriesener I Bräutigam;

2

siehe, unsere Lampen sind bereit, siehe, unsere Gefäße I mit Öl gefüllt! 3 1

12,1

< 18 > [Wir] huldigen dir, Paraklet, wir bitten dich angesichts I [deines] Bêmas,

2

daß du uns unsere Sünden vergebest, I die wir begangen haben das ganze Jahr hindurch. I

13,1

(21 ) Denn es gibt niemanden in diesem Fleisch, der rein von der Sünde wäre in seinem I Herzen.

2

Du allein bist der Herzenserforscher - vergib uns, I was wir getan! I

7,2A

VGL. JO 10,11. 14

8,1-2

VGL. GN 2,9;

3,7

9,1

JO 15,26; 16,8

9,2B

VGL. GN 3,7

10,2 VGL. KOL 3,9-10; EPH 4,22. 24

1 1

VGL.

MT 25,1-13

13,1 VGL. RM 3,9

13,2A VGL. RM

8,27

1

VGL. BPSS 228,18A; 230,6,2; 241,30.

 

2

VGL. BPS 228,9-11 UND S. 195 ANM. 3.

3

VGL. O. S. 19 5 ANM. 2 . — DAß ALS HINTERGRUND DIESES VERSES EIN REALES ENTZÜNDEN

VON LAMPEN ANZUNEHMEN SEI, WIE RICHTER 1994:183-18 5 VERMUTET, IST ME. ZWEIFELHAFT. DAß ES EINE NACHTWACHE BEIM BÊMAFEST GAB, IST ZWAR GESICHERT (VGL. O. S. 1050, ADE R DIESER VERS

LÄßT SICH GÄNZLICH ALS AUSDRUCK DER BEREITSCHAFT DER GEMEINDE FÜR DEN EMPFANG DER VERGEBUNG VERSTEHEN, UM DEN SIE IN DEN VV. 12,1-13,2 BITTET; VGL. DESWEITEM DIE ANM. ZU BPS 237,12,1.

Béma-Psalmen Nr. 229/230 201 14,1 ß4 ) Du seist geehrt, gepriesenes Bêma, das herrschen wird
Béma-Psalmen
Nr. 229/230
201
14,1
ß4 ) Du seist geehrt, gepriesenes Bêma,
das herrschen wird bis I ans Ende der Welt,
2
bis Jesus kommen und auf ihm Platz nehmen I
und alle Geschlechter richten wird. I
15,1
ß7 ) Selig die Erwählten und die Katechumenen,
diel an diesem Tage feiern,
2
und fasten, beten I und Almosen darbringen,
damit sie im Neuen Äon herrschen werden. I
Dox.
(30 ) Ehre und Sieg dem Parakleten,
dem [Geist der Wahrheit, der vjom I Vater her ist und (von)
unserem Herrn 1 .
Wir verfehren MJanichaeus und seine I heiligen Erwählten,
und die Seel[e der seli]gen M[ari]a 2 .1
230 3
l t l (p. 26,2) strahlendes Licht, Bêma,
du bist gekommen zu (?) [—] I ( 3 ) zu dir 4 ,
2
die Söhne des Parakleten,
unseres Herrn Manifchaeus]. I
2,1
Heut' will ich dir ein Fest feiern
(und) habe ich mein Herz gereinigt 5 ,
2 [o] Bêma 6 ,1 du heiliges Abbild,
du Erschrecker dessen, der sich [ihm] nähert. I
14,2 vgl. Mt 25,31-32
Dox. b Jo 15,26
1 Mit dem »Herrn« ist wohl Jesus gemeint, der nach Jo 14,26; 15,26 den Parakleten
schicken wird.
2 Psb. 25,32 lies: »
Polotsky:
»
Ηλ]ρι& « (?), All­
H^KiJpi* .
Η [>ρι]».« .
ΗλΚλρΐ λ
berry: »
Η\κ\]ρΐ λ
ΗΛ ,ρι\ «
(?) .
3
Zum Verhältnis der BPM 230 und 231 zueinander, vgl. o. S, 72/f.
*
Allberry: »<4)ί.[ΝΜογτβ1Ι ογβιικ « (Psb. 26,2). Unter Vergleich von BP» 231,1,1: »
ΛΒ^Α 2MTR ΗΗΗΜΘ«
(Psb. 27,17-18) wäre hier etwa »U;Í[PMS
ig*pa. N
Μβτρλγ τ
Νβτίββ τ
OOeTCMtTJI OYBHK« (vgl. Psb. 201,4; 202,4) zu erwarten. Es könnte aber auch »SuiqjT)
OYBMK« (vgl. Psb. 71,25; 81,1) gelautet haben.
5 Ein Hinweis auf eine schon stattgefunden habende Beichte? Vgl. o. S. 142f.
6 Ergänze mit Allberry, Psb. 26, Anm. zu Z. 4: »[u>] ΠΒΗΜ\«.

202

3,1

Übersetzung

(6 ) Ich preise dich, du Sitz, der geehrt ist, du Z[eiche]n I der Weisheit,

2 ich 1 [be]te das Zeichen deiner Größe an [und] I deine unaussprechlichen [Mys]terien 2 .1

4,1

<9 ) Du bist die selige Wurzel, du bist die Stärkung I der Erleuchter.

2 Du bist das Geschenk der Luft, du bi[st die I Off]enbarung von des Lichtes Sieg. I

5,1

02) wi r sehen dich jetzt, Seliges, du Wort, das in I Zufriedenheit (dasteht).

2 Wir schauen dich an, Heiliges, I du wahrhaft neuer Ä[on] 3 .1

6,1

05) d u bist's, der auf Christus wartet, daß er Gericht halte über alle Sün[der I d]urch dich 4 .

2 Auch ist's heute durch dich, daß der Nous die I Sekten des Irrtums der Schande preis­ gibt 5 . I

7,1

08) Gnade sei mit dir un d Friede,

der Kranz und die Palme 6 .

2 Du bist I der Neujahrstag der Freude 7 , du bist die S[tunde] I des Frohlockens. I

8,1

Ol) Du [bist] die Arznei zu r Heilung unserer welche sind I [—

Wunden,

2 un]d die unheilbaren Wunden der Gläubigen I [—] zur Erlösung und Ruhe. I

6,1 vgl. Mt. 25,31-32

1 Psb. 26,7 lies: »t[oy]u>iyT«.

2 Vgl. BPs 229,6,2b und o. S. 139ff.

3

4 Vgl. BPs 229,14,1-2.

5 Vgl. BPs 229,9,1.

Ergänze mit Säve-Söderbergh 1949: 73 Anm. 1: »n *[iuiN]« .

6 Wie der „Kranz" (vgl. o. S. 1140 «st auch die „Palme" eines der eschatologischtn Heilszeichen: vgl. Psb. 65,8; 102,23; 151,31; 152,8.

7 Psb. 26,18-19 lies: »RT^KI ne οογβ H2M fip\nne Rnpeiye«. coye = coy-oy«,

„der erste Tag", das meist artikellos gebraucht wird. Der Ausdruck entspricht sahidi schem οογΛ . řiTpo»tne Nappe (vgl. Crum 1939a: 43a). — Diese Stelle wurde wiederholt aU Beleg dafür angeführt, daß die Manichäer mit dem Bêmafest zugleich das Neujahrsfest begangen hätten, vgl. o. S. 144.

Bêma-Psalmen Nr. 230/231 203 9,1 04) Du bist's, der die Schlechtigkeit bezwingt, indem du die
Bêma-Psalmen
Nr.
230/231
203
9,1
04) Du bist's, der die Schlechtigkeit bezwingt,
indem du die Göttlichkeit bekränzt. I
2
Du bist's, der das Licht von der Finsternis reinigt,
Du bist's, I der den Seelen Ruhe gibt. I
10,1
°7) Du bist die Ehre, die geehrt ist
in den Augen 1 aller Apostel. I
2
Du bist der Thron der Richter der Göttlichkeit,
die I die zwei Naturen scheiden. I
11,1
0°) Du
bist [ganz Erbarmen und] Rücksichtnahme 2 ,
du bist ganz Barmherzigkeit. I
2
Du bist deiner Katechumenen [Her]zens-Stärkung, I
Du bist der
[HJeiligen [Schutzwall] 3 .
12
*<Ρ· 2 7 4 ) [- - -] unsere Werke I [— | C3> — ] |
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Dox.
[Ehre] sei dir, Manichaeus,
Sieg auch deinem Bêma. I
[Sieg den EJlecti und deinen Katechumenen
[und der 105) See]le [der] Maria, Čmnoute, Pšai. I
231 s
vom Herrn Syrus 6
1,1
Φ· 27,17) Z u
uns [bist d u gekommen] 7 , freudenvolles Bêma,
die wir uns freuen und 108) täglich auf dich warten.
2 Wir sind die Söhne des Parakleten, I
unseres Herrn Manichaeus. I
1 ΗΛ.2ΡΗ kann auch έν όφΰαλμόΐς und verwandte Ausdrücke wiedergeben, vgl. Crum
1939a: 649b.
2
Psb. 26,30 ergänze: »ο[γΗλβ TRI]J>[ q HR OYlfco«, vgl. BPs 231,11,1 (Psb. 28,16).
3
Psb.
26,31-32 ergänze: »ΝΤΛ[Κ] ne π[τ\χρο R2)HT RN6KK\THXOYH6NOC| RTM *
n e [nc\e T RneJTOYi.ee«, vgl. BPs 231,11,2 (Psb. 28,17-18).
4
Psb.
27,9 lies: »[± · • . · 1 · TU)B 2
M[- - -]« .
5
Vgl. o. S. 72ff.
6
Vgl. BPs 225 Superscr.
7
Psb. 27,17 ergänze: »Γ>κβι]«, vgl. BPs 230,1,1 (Psb. 26,2).

2 0 4

Übersetzung

2,1

Wir wollen [dich] heute preisen mit unserem Herzen, das [—] I <21 ) zu dir,

2

o B[êma, das] geehrt ist, das vergilt dem [— I —] . I

3,1

Ehre sei dir, d u du Sitz des I

geehrter [Thro]n, < 24 > [wahren] Richters] 1 .

2

Wir beten dich an, denn wir haben I deine [Ehre] gesehen [und deine unbeschreiblichen [M]ysterien. I

4,1

[Du bist die] seli[ge Wurzel], auch b[ist d]u die I * 2 7 ) Stärkung d[er] Er[leuchter.

2

D]u bist [das Geschenk] der Luft, du [bist I die ganze Offenbarung von des Lijchtes Si[eg] 2 .1

5

[---d] u bist I < 30