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Mithraismus

Mithraismus Fresko mit Stiertötungsszene aus dem Mithräum in Marino , 2. oder 3. Jahrhundert Der Mithraismus

Fresko mit Stiertötungsszene aus dem Mithräum in Marino, 2. oder 3. Jahrhundert

Der Mithraismus oder Mithraskult war ein seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. im ganzen Römischen Reich ver- breiteter Mysterienkult, in dessen Zentrum die Gestalt des Mithras stand. Ob diese Gestalt mit dem iranischen Gott oder Heros Mithra identifiziert oder aus ihr abge- leitet werden kann, wie bis zur Mitte des 20. Jahrhun- derts noch allgemein angenommen wurde, ist ungewiss, denn der römische Mithraskult weist in seiner Mytho- logie und religiösen Praxis deutliche Unterschiede zur indisch-iranischen Mithra-Verehrung auf. Somit ist heu- te umstritten, ob sich der römische Mithraskult aus ei- ner Seitenströmung des Zarathustrismus oder eigenstän- dig entwickelt hat.

Während die Göttergestalt Mithra in Kleinasien seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. belegt ist, wird der römische Mi- thraismus erstmals vom römischen Dichter Statius († 96) erwähnt. Die ältesten Mithräen stammen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts, die spätesten aus der Mitte des 5. Jahrhunderts. Seinen Höhepunkt erreichte der Kult Ende des 2. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert, nachdem sich Kaiser Commodus (180–192) ihm angeschlossen hatte. Die Verbindung zum Sonnengott Sol wurde dabei im Laufe der Zeit immer enger, bis Mithras und Sol schließ- lich oft verschmolzen. Als Sol Invictus Mithras wurde der Gott so besonders seit Aurelian von zahlreichen Kaisern verehrt, so auch noch vom jungen Konstantin I. (306– 337). Mit der Durchsetzung des Christentums im Römi- schen Reich verschwand der Mithraismus jedoch inner- halb weniger Generationen und geriet in fast vollständige Vergessenheit, bis er in der Neuzeit durch archäologische Funde wiederentdeckt wurde.

Der Mithraskult war zu seiner Blütezeit im ganzen Römi- schen Reich verbreitet. Die Mithras-Heiligtümer wurden Mithräen genannt und waren oft unterirdisch angelegt

oder höhlenartig in Fels gehauen. Die Zeremonien fanden allerdings nicht öffentlich statt. Wie die übrigen Mysteri- enkulte der griechisch-römischen Welt kreiste auch der Mithraismus um ein Geheimnis, das nur Eingeweihten enthüllt wurde. Bei Eintritt in den Kult wurde jedes neue Mitglied zum strengsten Stillschweigen verpflichtet. Des- halb gründet sich unser Wissen über den Mithraismus nur auf die Beschreibungen außenstehender Chronisten und auf die zahlreich erhaltenen Bildwerke der Mithras- Heiligtümer.

Der Mithraismus erfreute sich vor allem unter den rö- mischen Legionären großer Popularität, umfasste jedoch auch sonstige Staatsdiener, Kaufleute und sogar Sklaven. Dagegen waren Frauen strikt ausgeschlossen. Die Orga- nisation des Kults bestand aus sieben Weihestufen oder Initiationsebenen, die der Gläubige bei seinem Aufstieg durchlief.

Da so gut wie keine literarischen Nachrichten über den Mithraskult (sofern es solche überhaupt gegeben hat) er- halten sind, beruhen alle heutigen Überlegungen über sei- nen Inhalt und seine Formen auf bildlichen Darstellun- gen, die keine erklärende Beischrift tragen, und Inschrif- ten, die meist lediglich aus kurzen Widmungsworten be- stehen. Daher muss bei allen heutigen Deutungen und vor allem bei allen allzu stringenten Darstellungen ein hohes Maß an Spekulation in Rechnung gestellt werden.

1 Die Stiertötungsszene

in Rechnung gestellt werden. 1 Die Stiertötungsszene Relief mit Stiertötungsszene aus Heidelberg-Neuenheim ,

Relief mit Stiertötungsszene aus Heidelberg-Neuenheim, 2. Jahr- hundert

Das Hauptmotiv auf Mithrasdenkmälern, Reliefs und Wandmalereien in Mithräen, die so genannte Tauroktonie

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2 MÖGLICHE URSPRÜNGE

2 2 MÖGLICHE URSPRÜNGE Statue mit Stiertötungsszene, Vatikanische Museen oder Stiertötungsszene, zeigt Mithras beim

Statue mit Stiertötungsszene, Vatikanische Museen

oder Stiertötungsszene, zeigt Mithras beim Töten eines Stieres. Nach der mithräischen Mythologie hat Mithras diesen Stier verfolgt, eingefangen und auf seinen Schul- tern in eine Höhle getragen, wo er ihn zur Erneuerung der Welt opfert. Aus dem Blut und Samen des Stiers re- generieren sich die Erde und alles Leben. Möglich sind hier mythologische Querverbindungen zum Himmelsstier Mesopotamiens und des Gilgamesch-Epos.

Mithras wird als Jüngling dargestellt und ist mit einer rö- mischen Tunika und einer phrygischen Mütze bekleidet. Er kniet in der Stiertötungsszene mit einem Bein auf dem Rücken des Stiers. Mit dem anderen Bein stemmt er sich ab, mit der linken Hand reißt er den Kopf des Stieres nach hinten und mit der rechten Hand tötet er das Tier durch einen Dolchstoß in die Schulter. Dabei wendet Mithras sein Gesicht vom Stier ab, ähnlich wie Perseus beim Tö- ten der Medusa. Die Innenseite von Mithras’ Mantel ist oft wie ein Sternenhimmel dekoriert.

Außer Mithras und dem Stier sind auf der Tauroktonie eine Reihe anderer Gestalten abgebildet: eine Schlan- ge, ein Hund, ein Rabe, ein Skorpion sowie manchmal ein Löwe und ein Kelch. Die Deutung dieser Gestal- ten ist umstritten: während der belgische Mithrasforscher Franz Cumont in seinen Publikationen von 1896 und 1899 darin Gestalten aus der altiranischen Mythologie sah, deuteten andere Forscher vor allem in neuer Zeit die- se als Sternbilder. Dabei entspricht der Stier dem Stern- bild Stier, die Schlange dem Sternbild Wasserschlange, der Hund dem Sternbild Kleiner Hund, der Rabe dem Sternbild Rabe und der Skorpion dem Sternbild Skorpion. Der Löwe entspricht dem Sternbild Löwe und der Kelch entweder dem Sternbild Becher oder Wassermann. Am Nachthimmel zeigen die Plejaden im Sternbild Stier die Stelle an, an der der Dolch von Mithras in die Schulter des Tieres eindringt.

Ebenfalls werden in der Stiertötungsszene fast immer zwei Fackelträger namens Cautes und Caut(e/o)pates dargestellt, wobei ersterer die Fackel nach oben und letzterer die Fackel nach unten hält. Diese symbolisie- ren die Tagundnachtgleichen: Cautes mit der erhobenen Fackel symbolisiert die Frühlings-Tagundnachtgleiche, Caut(e/o)pates mit der gesenkten Fackel die Herbst- Tagundnachtgleiche. Die Fackelträger sind wie Mithras gekleidet und haben ihre Beine gekreuzt, was möglicher- weise den Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ek- liptik am Frühlings- und Herbstpunkt symbolisiert.

Die Ära der Stiertötungsszenen deutet der US- amerikanische Religionshistoriker David Ulansey mit der – damals allerdings noch unbekannten – lang- samen Bewegung des Himmelsäquators. Im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. lag der Frühlingspunkt noch im Sternbild Stier (ab dem 1. Jahrhundert im Widder, heute in den Fischen). Die Tötung des Stieres symbolisiere das Ende dieses Zeitalters.

2 Mögliche Ursprünge

Die Römer selbst glaubten, dass der Mithraskult aus Persien stamme, und diese Annahme teilten auch die meisten Religionshistoriker bis zur Zweiten Internationa- len Mithraskonferenz von 1975. Es wurde angenommen, dass die Römer den iranischen Kult um Mithra über- nahmen und adaptierten (ähnlich wie im Falle der ägyp- tischen Isis); heute ist man vielfach deutlich vorsichti- ger. Zweifelsohne ist „Mithras“ die hellenisierte Form des Namens „Mithra“, und viele Elemente des Mithraskults sind mit der iranischen Kultur verbunden. Zum Beispiel gibt es den mithräischen Weihegrad „Perser“, und Mi- thras selbst trägt in der Ikonografie das Gewand eines Per- sers. Jedoch zeichnet sich der römische Mithraskult durch Merkmale aus, die dem iranischen Kult um Mithra völ- lig fehlen: die Weihestufen, die Geheimhaltung der Glau- benslehre, die Betonung der Astronomie, die höhlenar- tigen Tempel und die Stiertötungsszene. Das Motiv der Stiertötung existiert zwar in der altiranischen Mythologie (wie auch in vielen anderen antiken Kulturen). Aber es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der iranische Licht- und Bündnisgott Mithra irgendetwas mit einer Stiertö- tung zu tun hatte. Laut Plutarch (um 100 n. Chr.) wurde der Mithraskult von Seeräubern aus Kilikien den Römern überliefert; nicht wenige Forscher nehmen daher an, der römische Mysterienkult um Mithras habe seine Wurzeln im hellenistischen Kleinasien, wo sich iranische und grie- chische Elemente vermischt hätten.

David Ulansey vertritt dagegen seit 1989 die These, dass der römische Stiertötungsgott Mithras gar nicht auf dem altiranischen Mithra basiere, sondern vielmehr eine Ver- bindung zum Gott und Sternbild Perseus habe. Mög- licherweise gehe die Entstehung des Mithraskults auf den Perseuskult in Tarsos zurück: Der griechische As- tronom Hipparch hatte um 128 v. Chr. die bedeuten-

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de Entdeckung gemacht, dass das Koordinatensystem der Fixsternsphäre nicht unverrückbar fest steht, sondern insgesamt eine langsame Umwälzung, die Präzession, durchführt. Gemäß heutiger astronomischer Auffassung ist die Präzession eine langperiodische Taumelbewegung der Erdachse, deren Zyklus 25.920 Jahre dauert. Von den damaligen Astrologen wurde sie als Kippbewegung des Himmelsäquators beobachtet, dessen Schnittpunkte mit der Ekliptik (Frühlings- und Herbstpunkt) sich lang- sam nach Osten verschoben. Hipparchs Entdeckung zeig- te, dass der Frühlingspunkt – der damals im Sternbild Widder stand und im 1. Jahrhundert in das Sternbild Fische überging – sich 2000–3000 Jahre früher im Stern- bild Stier befunden haben musste.

Es war, so Ulansey, naheliegend, den Untergang des „Stierzeitalters“ durch die Tötung eines Stieres zu symbo- lisieren. Bei den Stoikern, die traditionell ein großes In- teresse an Astrologie, Astralreligion und astronomischen Zyklen hatten, war es üblich, ein göttliches Wesen als die Quelle aller Naturkräfte anzusehen. Da die Präzession (scheinbar) die gesamte Fixsternsphäre bewegt, musste der ihr zugrunde liegende Gott mächtiger als die Götter der Sterne und Planeten sein. So ist die Entstehung ei- nes Kultes um diesen „neu entdeckten Gott“, der offen- bar die größte Macht über den gesamten Kosmos hatte, plausibel. Dabei bot sich laut Ulansey der Gott Perseus besonders an, die Stiertöterfigur darzustellen, da sich sein Sternbild genau oberhalb des Sternbilds des Stiers befin- det. Da Perseus aufgrund seines Namens mit Persien as- soziiert wurde, ist es denkbar, dass er durch den einer ira- nischen Gottheit, Mithra, ersetzt wurde. Zudem herrsch- te damals in Kleinasien der König Mithridates VI. Eupa- tor, dessen Name „von Mithra gegeben“ bedeutet und der seine Abstammung (in mystischer Weise) auf Perseus zu- rückführte. Auch durch diesen Umstand könnte Perseus mit Mithra assoziiert worden sein. Ulanseys Hypothese wurde in der Forschung intensiv diskutiert und fand Zu- stimmung und Ablehnung; Kritiker merkten an, viele sei- ner Annahmen seien rein spekulativ. Allgemein durchge- setzt hat sich seine Hypothese daher keineswegs.

Vor allem in der deutschsprachigen Forschung hat hinge- gen die auf Reinhold Merkelbach zurückgehende Hypo- these, der Mithraismus sei eine unter Kaiser Vespasian in Rom von einem unbekannten Stifter begründete Religion gewesen, die sich lediglich einen orientalischen Anstrich gegeben habe, um altehrwürdig zu erscheinen, zahlreiche Anhänger.

Festzuhalten bleibt daher letztlich, dass es so gut wie kei- ne allgemein als gesichert angesehenen Erkenntnisse zu den Ursprüngen des römischen Mithraskultes gibt, ob- wohl in der Literatur teils anderes suggeriert wird.

3 Mithras als Sonnengott

Viele antike Abbildungen zeigen Mithras gleichrangig mit dem Sonnengott Helios bzw. Sol oder als Sieger über den sich ihm unterwerfenden Sol/Helios. Mithras führte später immer öfter den Beinamen Sol invictus, d. h. „un- besiegter Sonnengott“, wohl um auszudrücken, dass er die Rolle des neuen Kosmokrators (Beherrscher des Kos- mos) übernommen hatte, die vorher Helios besaß. Den- noch ist Mithras nicht einfach identisch mit Sol und war ursprünglich auch keine Sonnengottheit.

Auch der iranische Gott Mithra war Jahrhunderte zuvor schon oft mit der Sonne gleichgesetzt und als Sonnengott verehrt worden.

4 Der löwenköpfige Gott

In der mithrischen Kunst wird häufig auch eine andere Göttergestalt dargestellt, deren Name und Bedeutung un- klar ist. Sie stellt eine nackte, aufrecht stehende Men- schenfigur mit Löwenkopf dar, um deren Leib sich spiral- förmig eine Schlange windet. Möglicherweise stellt auch diese Figur eine von Mithras unterworfene Macht dar, ähnlich wie Perseus die Gorgo/Medusa besiegte. Es wird vermutet, dass der löwenköpfige Gott die Ordnung des Kosmos in seiner Gesamtheit symbolisiert. Eine ähnli- che, ebenfalls geflügelte und schlangenumwundene Ge- stalt ist der aus dem Dionysoskult stammende Aion oder Phanes. Außerdem wird die zoroastrische Verkörperung des negativen Prinzips, Ahriman, der Widersacher des Schöpfergottes Ahura Mazda, löwenköpfig und von einer Schlange umwunden dargestellt.

5 Initiationsgrade

von einer Schlange umwunden dargestellt. 5 Initiationsgrade Mithräum von Santa Maria Capua Vetere nahe Neapel Die

Die sieben Initiationsstufen oder Weihegrade des Mi- thraismus sind:

1. Corax (Rabe)

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7 DAS ENDE DES MITHRAISMUS

2. Nymphus (Bräutigam)

3. Miles (Soldat)

4. Leo (Löwe)

5. Perses (Perser)

6. Heliodromus (Sonnenläufer)

7. Pater (Vater)

Diese Weihegrade wurden auch den sieben Wandelge- stirnen Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Sonne und Mond zugeordnet und waren nach Kelsus eine Metapher für die Reise der Seele durch die Planetensphären zum Licht, zu den Fixsternen.

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Riten

Da der Mithraskult keine Textquellen hinterlassen hat, sind polemische Darstellungen christlicher Autoren fast die einzige Quelle für die rituellen Handlungen der Mi- thrasanhänger. Einige wenige Informationen gibt auch Porphyrios in De antro nympharum. Die Reliefs aus den Mithräen sind in dieser Hinsicht nur sehr vorsichtig zu be- nutzen. Hinweise auf Riten gibt ferner die Archäologie, etwa durch Funde von Tierknochen oder Kultgeräten.

Die in der älteren Forschung oft beobachtete Gleichar- tigkeit mithräischer und christlicher Riten (besonders auf das „Kultmahl“ bezogen) hat zur Annahme eines histori- schen Zusammenhangs geführt. Die Beobachtungen be- ruhen hauptsächlich auf den Schilderungen christlicher Schriftsteller, die solche Zusammenhänge sehr bewusst in eigenem Interesse herstellen. Sowohl Justin als auch (hier wohl auf Justin beruhend) Tertullian behaupten, bei den Mithrasmysterien handele es sich um vom Teufel initiierte Imitationen christlicher Sakramente. Entspre- chend dürfte eine Angleichung der paganen Riten an die- se These stattgefunden haben; sie ist etwa auch nachzu- weisen bei Firmicus Maternus.

6.1 Initiation

Entgegen älteren Ansichten ist über die Initiationsriten des Mithraskultes so gut wie nichts bekannt. Ein Relief aus Capua belegt möglicherweise einen Brotritus; Tertul- lian spricht von einer „Darbringung von Brot“. Porphyrios nennt Honigriten bei der Einweihung in den Grad des Lö- wen. Justin vergleicht Eucharistie und die Initiationsze- remonien des Mithraskultes; in diesem Kontext berichtet er, Brot und Wasser würden unter Ausspruch bestimmter Formeln gereicht. Tertullian berichtet, dem Mithrasan- hänger werde ein Kranz angeboten, den dieser abzuleh- nen habe mit den Worten „Mithras ist mein Kranz“. Die Initiationsreliefs aus Capua können die Ansicht teilweise bestätigen, dass mit der Initiation gewisse Torturen ver- bunden waren.

6.2 Stieropfer

Die in der älteren Forschung weit verbreitete Ansicht, im Mithraskult sei ein Stier geopfert (oder das Taurobolium vollzogen) worden, konnte durch die Archäologie nicht bestätigt werden: Die Knochenfunde, die bisher analysiert wurden, enthalten keine Stierknochen.

6.3 Mahl

Das nach der Stiertötung häufigste Motiv der mithräi- schen Reliefs zeigt Sol und Mithras beim gemeinsamen Mahl. Gelegentlich wird deutlich, dass dabei das Fleisch des Stieres gegessen wird. Die Mithrasanhänger haben anscheinend ihr Gemeinschaftsmahl vor diesem Hinter- grund verstanden. Reliefs aus S. Prisca legen den Ein- druck nahe, dass die Träger der höchsten Grade (Pater und Heliodromus) auf einer besonderen Bank (die auch in Capua archäologisch bezeugt ist) die Rollen von Mithras und Sol einnahmen. Unklar ist aber, ob die anderen Mit- glieder der Gemeinde zum gleichen Zeitpunkt aßen, ob also jedes Gemeinschaftsmahl diese Form hatte oder dies nur ein einmaliger Ritus war. Die Vermutung, dass Brot und Wein beim Mahl Fleisch und Blut des Stieres sym- bolisierten, ist naheliegend. Reliefs zeigen auch Trauben und Fische als Gegenstand des Mahls. In Tienen (Belgi- en) sind Überreste eines großen Festmahls gefunden wor- den, das nicht im begrenzten Kreis der Besucher der Mi- thrasgrotte stattgefunden haben kann. Offenbar war zu- mindest hier die Teilnahme auch Nichtmitgliedern mög- lich. Es ist unklar, ob dem Mahl eine kultische Bedeutung zukam.

6.4 Dramatisierung des Mythos

Wenn das Mahl der Mithrasanhänger so gehalten wur- de, wie es Mithras und Sol getan haben, lässt es sich als ein „Nachspielen“ bzw. eine „Reaktualisierung“ des My- thos im Ritual begreifen. Weitere Beispiele dafür finden sich auf dem Mainzer Mithrasgefäß (in der Deutung von Roger Beck): Der Pater wiederholt den Pfeilschuss, mit dem Mithras Wasser aus einem Fels quellen ließ. Der He- liodromus imitiert – nach Beck – den Lauf der Sonne (des Sonnengottes Sol). Es habe sich also nicht um ei- nen Mythos, sondern um eine Doktrin gehandelt. In der engen Beziehung von Mythos und Ritual kann man eine Gemeinsamkeit von Mithrasmysterien und Christentum sehen.

7 Das Ende des Mithraismus

Anders als das Christentum wurde der Mithraskult im Römischen Reich zunächst nicht verfolgt. Kaiser Aurelian (römischer Kaiser von 270 bis 275) machte den Kult des Sol Invictus, welcher im Einklang mit dem Mi-

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thraismus stand, sogar kurzzeitig zur Staatsreligion. Der Mithraismus war allerdings nie ein öffentlicher Kult des Römischen Reiches und erlebte trotz seiner starken Ver- breitung keine staatliche Unterstützung. Erst 391, als das Christentum durch Kaiser Theodosius I. zur Staatsre- ligion wurde, wurde die Ausübung anderer Religionen bei Todesstrafe verboten. Als Folge davon ging der Mi- thraismus offenbar innerhalb kürzester Zeit unter. An- sprechend ist die These von Reinhold Merkelbach, dass der Mithraismus als Religion der Loyalität zum Kaiser mit dessen Hinwendung zum Christentum einfach seinen Gegenstand verloren habe.

zum Christentum einfach seinen Gegenstand verloren habe. Mithras-Altar aus Gimmeldingen , im Historischen Museum

Mithras-Altar aus Gimmeldingen, im Historischen Museum der Pfalz, Speyer

Die Mehrzahl der ergrabenen Mithräen wurde einfach aufgelassen, die gefundenen Kultbilder weisen meist kei- ne Anzeichen willkürlicher Zerstörung auf. Wo über Mi- thräen christliche Kirchen gebaut wurden (z. B. Rom, Sa. Prisca und S. Clemente), ist dies am ehesten auf die Ei- gentumsverhältnisse zurückzuführen und die aufgelasse- nen Mithräen sind lediglich durch die Baumaßnahmen beschädigt worden.

Das 1926 in Gimmeldingen bei Neustadt an der Weinstraße entdeckte Mithras-Heiligtum stammt laut Weiheinschrift von 325. Seine Reste sind heute im Historischen Museum der Pfalz zu Speyer ausgestellt und gehören laut dortiger Inschrift zu der jüngsten, bisher im Römischen Reich bekannten Mithras-Kultstätte.

8 Mithraismus und Christentum

Hauptartikel: Mithraismus und Christentum

Von manchen Religionswissenschaftlern werden Paralle- len zwischen dem Mithraismus und dem Christentum, und insbesondere zwischen der Figur des Mithras und Jesus Christus aufgeführt.

9 Literatur

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11 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen

11.1 Text

Mithraismus Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mithraismus?oldid=144073500 Autoren: Wst, Weitbrecht, Jed, Aka, DF5GO, Irm- gard, Crux, Seewolf, Robodoc, Maclemo, Dominik~dewiki, Geof, Zwobot, D, Southpark, Robbot, Thomas Ihle, Robert Huber, Rdb, Benowar, Neitram, Okatjerute, Martin-vogel, Roughneck, Gerhardvalentin, Robin Hood~dewiki, DorisAntony, Dickbauch, Momotaro, OnkelMongo, Sascha Luehrs, BWBot, Mh26, FlaBot, Liberal Freemason, Godewind, Agnete, AaronThoma, Niugini, Procopius, AlterVis- ta, Saehrimnir, Hydro, Siffler, RobotQuistnix, YurikBot, Asia Minor, Wasseralm, BishkekRocks, Eskimbot, PortalBot, Saippuakauppias, Thornard, Chrisqwq, Globetrottl, Thomas Schulte im Walde, Abderitestatos, Nwabueze, Roo1812, Thijs!bot, A.M.A., Reiner Stoppok, JCIV, Cautopates, JAnDbot, CommonsDelinker, Anoushirvan, Don Magnifico, Bernhard Wallisch, J Safa, DodekBot, Pippo-b, Alnokta- BOT, Idioma-bot, AlleborgoBot, BotMultichill, Tiroinmundam, Funkruf, Berlow, Olaf von Glehn, Rotkaeppchen68, Emdee, Tusculum, Pittimann, Giftpflanze, Ambross07, Bertramz, Cartinal, LinkFA-Bot, FinnBot, Sa-se, Cäsium137Bot, Luckas-bot, GrouchoBot, Xqbot, ArthurBot, Howwi, Pwagenblast, Behoush, Frakturfreund, Jacky Dope, Vs21~dewiki, D'ohBot, MorbZ-Bot, TobeBot, Fredo 93, Mab- schaaf, Historiographisticus, Korrekturen, Letdemsay, Ebrambot, ChuispastonBot, Esilence, Krdbot, KLBot2, Wikisupporting, Dexbot, Altera levatur, Holmium, Ns21 und Anonyme: 52

11.2 Bilder

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11.3 Inhaltslizenz