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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 23.3.2006 22. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

CDUler unterstützt
Berlusconi Kaffekränzchen für Kriegs-
Düsseldorf/Rom. Der Düsseldorfer
CDU-Stadtrat Maurizio Giangreco tritt
verbrecher gesprengt
für Berlusconis Partei „Forza Italia“ an.
Der in Palermo geborene Italiener, der
für eine internationale Stahl-Holding
tätig ist, wirbt um die Stimmen von 2
Millionen Italienern, die im Ausland le-
ben und nun erstmals per Briefwahl an
den Parlaments- und Senatswahlen am
9./10. April in Italien teilnehmen kön-
nen. Giangreco gehört seit 17 Jahren
der CDU an und ist nicht Mitglied der
Berlusconi-Partei. Sollte der CDU-
Mann gewählt werden, will er zwischen
Düsseldorfer Stadtrat und dem römi-
schen Parlament pendeln. Dem neuen
Wahlbündnis Berlusconis gehört auch
die neofaschistische „Alternativa So-
ciale“ um die Mussolini-Enkelin Ales-
sandra Mussolini an. Auch mit der neo-
faschistischen Partei „Movimento So-
ciale - Fiamma Tricolore“ hat es bereits
erste Gespräche gegeben. Deren Sekre-
tär, Luca Romagnoli, hatte erst kürzlich
den Holocaust geleugnet.
Der italienische Bestsellerautor Um- Antifaschisten hatten gründlich So fragte Antje Kosemund vom Lan-
berto Eco sieht Italien vor dem Ab- recherchiert: Seit zehn Jahren desvorstand der VVN den Vertreter der
grund der Diktatur. Das Schiff könnte treffen sich die Kriegsverbrecher Handelskammer, wie das Treffen der
untergehen, warnt der Buchautor seine der Waffen-SS in der Pachtgaststätte Handwerkskammer zehn Jahre verbor-
Landsleute. Beim Urnengang gehe es „Remter“ im Gebäude der Hamburger gen bleiben konnte, ohne dass dem Päch-
darum, die Demokratie und die Institu- Handelskammer. Bei Kaffee und Kuchen ter oder dem bedienenden Personal et-
tionen zu retten. hma ■ versammelten sich bis zu einhundert äl- was aufgefallen sei. Die HIAG sei nicht
teren Kriegsveteranen und ihre Frauen als Organisation aufgetreten sondern
General a.D. im Interview ein Mal im Monat, um – wie auf einem habe sich eingeschlichen. Wie lange die-
heimlichen Mitschnitt dokumentiert – se dubiosen Treffen zurückreichen kön-
Zülpich. Brigadegeneral a.D. Andreas gegen die „Herrschaft des Weltjuden- ne, er deshalb nicht sagen, so Haas. „Bis
Broicher, zuletzt General für die Ausbil- tums“ zu geifern, die eigene Jugend, den zum 4. Februar 1975“ konterte Felix
dung im deutschen Heer, hat der „Deut- Krieg und die Waffen-SS zu verherrli- Krebs, Sprecher des antifaschistischen
schen Nationalzeitung“ des DVU-Chefs chen. Doch damit ist nun Schluss! Aktionskreises. Hier habe sich die HIAG
Gerhard Frey ein Interview gegeben. Am 16. März blockierten etwa 100 nachweislich zum ersten Mal im Haus
Broicher ist Verfasser des Buches „Ger- Gegendemonstranten den Eingang zur der Handwerkskammer getroffen.
hard von Scharnhorst. Soldat – Refor- Handelskammer, wo die Jahreshauptver- Weniger in einem direkt organisatori-
mer – Wegbereiter“, das im Aachener sammlung der Hamburger Gruppe der schen –, wohl aber inhaltlichen Zusam-
„Helios-Verlag“ von Karl-Heinz Pröhu- „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit menhang steht die Initiative für eine
ber erschienen ist. Im vergangenen Jahr der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS“ strafrechtliche Verfolgung von NS-Ver-
war Broicher Mitunterzeichner des Auf- (HIAG) stattfinden sollte. Gegenüber der brechen. Unter dieser Forderung rufen
rufs „Gegen das Vergessen“ des um die reichlich anwesenden Presse ließ der Hamburger AntifaschistInnen zu abge-
„Junge Freiheit“ angesiedelten „Institut aufgeschreckte Handwerkskammer-Vor- stimmten Aktionen gegen die noch le-
für Staatspolitik“. hma ■ standssprecher Peter Haas denn auch benden Kriegsverbrecher des Massakers
nicht lange auf sich warten. Eine halbe von Sant’Anna di Stazzema in der ersten
Stunde nach Beginn der Blockade trat Maiwoche rufen auf. Darunter:
Aus dem Inhalt: Haas vor die Demonstranten und kündig- ◗ Hamburg und Schleswig-Holstein:
te an, dass die Altnazis „sofort“ aus dem Gerhard Sommer
Mannheim: Eine Region wehrt sich!
Nazidemo für 8.4. geplant . . . . . . . 5
Gebäude gewiesen werden, dessen Nut- ◗ Berlin-Brandenburg: Karl Gropler
Frankreich: Militante Neofaschisten zung sie sich unter falschen Namen er- ◗ Nordrhein-Westfalen: Horst Richter,
als Streikbrecher . . . . . . . . . . . . . . .8 schlichen hätten. Doch der Imagescha- Alfred Schöneberg, Ludwig Heinrich
den für die Standesorganisation bleibt. Sonntag Fortsetzung Seite 3
: meldungen, aktionen
des Naziregimes mit „Heldenkundge-
bungen“ relativiert und die Opfer des Fa-
schismus verleumdet werden.
Rechtsextremisten wollen mitleidslos verprügelt. Die Opfer muss- Dr. Hans Coppi
„Slow Food“ unterwandern ten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Vorsitzender der Berliner VVN-BdA
Nur 6 Tage später wurden zwei linke Ju- Presseerklärung vom 13. März 2006 ■
Auf zwielichtigen Zuwachs muss sich gendliche von 3 Neonazis vor einer Suh-
wohl die Bewegung „Slow Food“ ein- ler Kneipe zusammengeschlagen. Ca. 25
stellen, die die Kultur des Essens und PassantInnen und BesucherInnen der
Trinkens pflegen und lebendig halten Gaststätte schauten regungslos zu. Schon
will. Zur Mitgliedschaft in der „interna- über den gesamten Abend versammelten
tionalen Vereinigung bewusster Genießer bis zu 20 Neonazis in der Kneipe und be-
und mündiger Konsumenten“ (so die Ei- schimpften politisch-links anmutende
gendarstellung) hat jetzt nämlich auch Menschen.
die rechtsextremistische „Nationaldemo- Durch das aggressive Auftreten der
kratische Partei Deutschlands“ (NPD Neonazis entwickelt sich in Suhl schon
aufgerufen. In einem entsprechenden seit geraumer Zeit ein Klima der Angst
Aufruf, der vom Verfassungsschutz unter für alle Menschen, die nicht in das kran-
anderem wegen antisemitischer Aktivitä- ke Weltbild der Neonazis passen. Diese
ten beobachteten Partei, wird gewürdigt, Entwicklung gilt es zu stoppen.
„Slow Food“ setze sich für den Erhalt www.agst.antifa.net
gewachsener kulinarischer Bräuche ein agst@systemli.org
und lege Wert darauf, Genuss nicht mit Antifaschistische Gruppe Südthüringen ■
Luxus zu verwechseln.
Allerdings ist auch der NPD klar, dass Gespenstischer Aufmarsch
ihre Mitglieder nicht mit offenen Armen
bei „Slow Food“ empfangen würden: in Halbe
„Die Verantwortlichen von Slow Food Berlin. Als die Veranstalter erstmals für
würden sich selbst wohl nicht als rechts den 11. März 2006 die Demonstration in
bezeichnen. Dennoch ist es für jeden na- Halbe anmeldeten, hatten sie offensicht-
tional und konservativ Denkenden nahe- lich in den Tausendjährigen Kalender der
Courage gegen Rechts!
liegend, sich ihnen anzuschließen.“ Nazis geschaut. 1939 verfügte Hitler, am Die „Kameradschaft Gütersloh“ hat am
Thomas Klaus ■ 16. März, dem Tag der Wiedereinfüh- 25.3. ab 12 Uhr eine Demonstration in
rung der allgemeinen Wehrpflicht im Gütersloh angemeldet. Unterstützt wird
Erneut brutaler Naziüber- Jahre 1935, den Heldengedenktag zu be- sie dabei vom „Aktionsbüro West-
gehen. Wenn der 16. März nicht auf den deutschland“ und anderen Nazi-Gruppie-
griff in Suhl Sonntag fiel, sollte er am Sonntag zuvor rungen.
In Suhl kam es in der Vergangenheit im- stattfinden. Für den verbrecherischen Seit über 25 Jahren hat es in Gütersloh
mer wieder zu brutalen rechtsextremis- Krieg bedurfte es wieder toter Helden. keinen Nazi-Aufmarsch mehr gegeben.
tisch-motivierten Übergriffen und Pöbe- Der sinnlose Kriegstod wurde zum Hel- Das Bündnis „Courage gegen Rechts“
leien auf politisch-linke Jugendliche. So dentod umgedeutet. möchte dafür sorgen, dass es auch in Zu-
auch am vergangenen Wochenende. In Der gespenstige Demonstrationszug kunft so bleibt. Der menschenverachten-
der Nacht vom 3. zum 4. März gegen 24 am 11. März in Halbe stand in Kontinui- den Ideologie der Faschisten setzen wir
Uhr griffen etwa 7 Neonazis zwei Punks tät zu den kriegsverherrlichenden Insze- unser solidarisches Miteinander und fan-
am Suhler Kaufhof an und schlugen die- nierungen der braunen Welteroberer und tasievollen Widerstand entgegen. Keinen
se zusammen. Die Täter traten und ihrer millionenfachen Verbrechen. Statt Fußbreit den Faschisten! Kein Naziauf-
schlugen alle gleichzeitig auf ihre am die Veranstaltung in Halbe als „national- marsch in Gütersloh und anderswo!
Boden liegenden Opfer ein. Von den an sozialistische Heldenverehrung“ und da- Treffpunkt: 9.00 Uhr am Hauptbahnhof
den Haltestellen stehenden Menschen mit als eindeutiges Propagandadelikt zu Weitere Informationen unter:
griff niemand ein. Selbst der SNG (Suh- verbieten, sorgten die Zuständigen dafür, www.courage-gegen-rechts.de.vu ■
ler Nahverkehrsgesellschaft) Busfahrer dass die Nazis in Halbe die Trommeln
setzte seine Fahrt fort, als einer der An- schlagen, marschieren und den „Helden- Gedenkinstallation wieder
gegriffenen hilfesuchend an seine Fah- gedenktag“ in Kontinuität zu ihren natio-
rertür schlug. nalsozialistischen Vorbildern begehen „an Ort und Stelle“
Lediglich zwei Jugendliche, die das Ge- konnten. Köln. Die Gedenkinstallation „Die
schehen aus einiger Entfernung mitbeka- Die Polizei schirmte die Veranstaltung Schwelle“, die von der Kölner Initiative
men, konnten helfen, als die Angreifer der Nazis weiträumig ab. Gegendemons- „Die Bahn erinnern“ im Rahmen des Ge-
bereits geflüchtet waren. Die Opfer er- tranten standen mit ihrem Protest nicht denktages zur Befreiung von Auschwitz
statteten Anzeige. Laut ZeugInnenaussa- nur weit weg von dem gespenstigen Auf- vor dem Hauptbahnhof am 28.1.2006
gen wurden auch „Tatverdächtige“ auf- zug. Sie mussten zuvor entwürdigende enthüllt und den BürgerInnen der Stadt
gegriffen. Inwieweit diese strafrechtlich Kontrollen über sich ergehen lassen, und Köln übergeben wurde, wurde Rosen-
belangt werden, wird sich zeigen. ihre Personalien wurden festgehalten. montag (27.2.) von ihrem Platz vor dem
In der unmittelbaren Vergangenheit Die Berliner Vereinigung der Verfolg- Kölner Hbf. entfernt. Erst nach einem
kam es in Suhl oftmals zu brutalen Über- ten des Naziregimes- Bund der Antifa- längeren Moment der Unklarheit erfuh-
griffen auf Punks, Alternative und ver- schisten protestiert gegen die Kriminali- ren die InitiatorInnen, dass „Die Schwel-
meintliche Linke. In der Nacht zum 23. sierung antifaschistischen und zivilge- le“ in das Gepäckcenter des Kölner
Dezember wurden vor der Gaststätte sellschaftlichen Engagements und erwar- Hauptbahnhofes verbracht worden ist. In
„Ziegenberger Bierstübchen“ im Suhler tet, dass Propagandaveranstaltungen der einem Gespräch am 3.3. mit dem Bahn-
Stadtteil Nord zwei alternative Jugendli- Neonazis verboten werden, auf denen die management wurde ihnen versichert,
che von über 6 RechtsextremistInnen Geschichte verfälscht, die Verbrechen dass der Grund der Entfernung an die-

2 : antifaschistische nachrichten 6/2006


Fortsetzung von S.1
sem Tage ausschließlich die „besondere Selbst. Zeitschrift für nationale Identi- ◗ Hessen: Heinrich Schendel
Rettungsweg-Situation“ am Rosenmon- tät“, der „Criticon“ und dem „Deutsch- ◗ Baden-Württemberg: Ludwig Göring,
tag gewesen sei und in Absprache mit der land-Magazin“. Auch für das „Ostpreu- Georg Rauch und StAW Stuttgart
Bundespolizei und der Feuerwehr ge- ßenblatt/PAZ“ und die „Junge Freiheit“ ◗ Sachsen: Alfred Mathias Concina
schehen ist. Das Ordnungsamt der Stadt greift der Vizepräsident des „Freien (Freiberg)
Köln wolle demnächst über der weiteren Deutschen Autorenverbandes“ (FDA) In Sant’Anna di Stazzema ermordete die
Umgang mit der Schwelle entscheiden. zur Feder. In die Schiedskommission der SS-Einheit dieser Männer am 12. August
Am 7. März gegen 11.30 Uhr haben UOKG wurde u.a. Sybille Dreher ge- 1944 560 Menschen. Am 22. Juni 2005
einige der InitiatorInnen das Gepäckcen- wählt, die dem Frauenverband des „Bund wurden zehn der Täter vom italienischen
ter im Hauptbahnhof aufgesucht und der Vertriebenen“ vorsteht. Dreher ge- Militärgericht in La Spezia in Abwesen-
nach einigen Wirren um Zuständigkeiten hörte unlängst auch zu den Unterzeich- heit zu le-
„Die Schwelle“ schließlich wieder an nern eines Appells „für Pressefreiheit“ benslanger
den Ort verbracht, an dem sie den ge- der „Jungen Freiheit“. Gast der Vor- Haft verur-
samten Februar über auch zu sehen war. standssitzung war auch die „Bundesbe- teilt (die AN
Auf den Bahnhofsvorplatz neben dem auftragte für die Stasi-Unterlagen“, Ma- berichtete in
„Zeitcafe“. rianne Birthler. hma ■ verschiede-
Kontakt zur Initiative „DIE BAHN nen Ausga-
ERINNERN“: Zahl rechtsextremer Straf- ben). Doch
jc-courage@netcologne.de ■ in Deutsch-
taten anhaltend hoch land ver-
Erneute Verurteilung wegen Berlin. Das Bundesinnenministerium schleppt die
hat erneut auf die monatliche Standard- Staatsan-
Volksverhetzung frage der Abgeordneten Petra Pau geant- waltschaft
Hannover. „Das Amtsgericht Northeim wortet. Demnach wurden im Januar 2006 Stuttgart
hat am 23.3.2006 erneut den bereits bundesweit 807 rechtsextreme Strafta- das Vorer-
mehrfach vorbestraften Neonazi-Führer ten, darunter 54 Gewalttaten registriert. mittlungs-
Thorsten Heise wegen Volksverhetzung In absoluten Zahlen führt Nordrhein- verfahren.
in zwei Fällen zu einem Jahr Freiheits- Westfalen die Monats-Statistik an. Ver- Der ak-
strafe verurteilt.“ So berichtet die „Han- glichen mit der Einwohnerzahl haben distomo in
noversche Allgemeine Zeitung“. Die Brandenburg und Sachsen die meisten Hamburg stellt sich hinter die Forderung
Strafe wurde, wie schon in früheren Fäl- rechtsextremistischen Straftaten zu ver- der Überlebenden und Hinterbliebenen
len erneut zur Bewährung ausgesetzt. zeichnen. PM Petra Pau ■ des Massakers von Sant’Anna und for-
„Als Auflage muss der 36-jährige Anfüh- dert die Anklageerhebung und Prozess
rer der ‚Kameradschaft-Northeim‘, der Mahnruf: Für einen 1. Mai gegen die Täter in Deutschland!
inzwischen im thüringschen Eichsfeld Bereits 1971 richtete die damals in
lebt und Mitglied im Bundesvorstand der ohne Nazis! Hamburg verbotene VVN als „Vereinigte
NPD ist, 200 Stunden gemeinnützige Ar- Rostock. Die neonazistische NPD plant Arbeitsgemeinschaft der Naziverfolgten
beit leisten. Das Gericht sah es als erwie- für den 1. Mai 2006 eine bundesweite e.V. Hamburg“ ein Schreiben an den
sen an, dass Heise vor rund vier Jahren Demonstration in Rostock. Ein breites Hamburger Senat und protestierte gegen
einem Presswerk in Thailand den Auf- Bündnis will verhindern, dass dieser die „Hinauszögerung der Ermittlungen
trag zur Produktion von 6000 CD’s der Aufmarsch stattfindet. Sie haben einen als die Hamburger Methode, die anhän-
Gruppe ‚Sturm‘ mit volksverhetzenden Mahnruf verfasst, in dem es heißt: gigen SS-Verfahren auf dem Weg der
Liedtexten erteilt hatte, um diese in Wem gehört der 1. Mai? biologischen Amnestie zu erledigen“.
Deutschland zu verteilen. Der Staatsan- Dreißig Jahre später und über 60 Jahre
walt nannte die Liedtexte ‚widerlich, Als weltweiter Tag der Arbeiter- und Ge- nach der Befreiung vom Faschismus
volksverhetzend und menschenverach- werkschaftsbewegung steht der 1.Mai in klingt das erschreckend aktuell.
tend‘.“ bee ■ der Tradition des Strebens nach Freiheit, kun (www.partigiani.de,
Demokratie, Gleichberechtigung und so- Kontakt: santanna@gmx.net,) ■
Unter einem Dach zialer Gerechtigkeit. Nazis haben bereits
früher den 1.Mai für ihre dieser Tradition
Berlin. Die „Union der Opferverbände entgegengesetzten Ziele missbraucht.
kommunistischer Gewaltherrschaft“ Am 1. Mai 1933 inszenierten die Nazis
(UOKG), ein Dachverband von 30 anti- den „Tag der nationalen Arbeit“, am 2.
kommunistischen Vereinigungen, hat Mai 1933 verboten sie die Gewerkschaf-
sich auf seiner letzten Vorstandssitzung ten und verschleppten viele Mitglieder in
gegen die Umbenennung einer Berliner KZs. Der Ausschaltung der Arbeiterpar-
Straße in „Rudi-Dutschke-Straße“ aus- teien und Gewerkschaften folgten Juden-
gesprochen. Unterstützt wird hingegen verfolgung, Krieg und millionenfacher
ein Entwurf zur Errichtung eines „Zen- Massenmord. Nach der Befreiung 1945
tralen Denkmals 17. Juni 1953“ am Ber- forderten Überlebende die nachfolgen-
liner Bundesministerium der Finanzen. den Generationen auf, wachsam zu sein:
Der Vorschlag stammt von Carl-Wolf- Wehret den Anfängen! Nie wieder Fa-
gang Holzapfel („Vereinigung 17. Juni schismus, nie wieder Krieg!
1953“), wiederholt Interviewpartner des Den Nazis ihren Wahlkampfauftakt
rechten Wochenblattes „Junge Freiheit“. versalzen!
Dem neuen Vorstand der UOKG gehört
auch der Publizist Siegmar Faust (Würz- Im Herbst wird ein neuer Landtag ge-
burg) an. Faust war in der Vergangenheit wählt. Die NPD will mit der „Großde-
Autor in der aus der nationalrevolutionä- monstration“ am 1.Mai in Rostock ihren
ren Ecke kommenden Zeitschrift „Wir Landtagswahlkampf einläuten. S. 4

: antifaschistische nachrichten 6/2006 3


Wir sprechen Nazis das Recht ab, ihre antifaschistischer Protest kriminalisiert Jelpke, Ulla (MdB, Die Linke) – Keiper, Man-
fred (andere buchhandlung) – Klähn, Martin –
Hetze unter dem Schutz der Meinungs- wird. Viel wurde in den letzten Jahren Kleiminger, Christian (MdB, SPD) – Klein, Rü-
freiheit zu verbreiten – Faschismus ist über den Kampf gegen Rechtsextremis- diger (IG Metall Rostock u. Schwerin, Ge-
keine Meinung, sondern ein Verbrechen! mus geredet - getan wurde zu wenig: Wir schäftsführer) – Kluger, Björn (Redaktion „Stadt-
gespräche“) – Koebe, Kristina (Übersetzerin) –
Solidarität gegen Rassismus! fordern von der Landesregierung und der Köppen, Peter (Historiker) – Krüger, Amandus
Stadt Rostock eine eindeutige Positionie- (Geschäftsführer Volkssolidarität KV Bad Dobe-
Die rassistische Hetze der NPD findet rung gegen den Aufmarsch und für anti- ran/Rostock-Land) – Langer, Jens (Pastor i.R.) –
ihre tätliche Entsprechung in einer unge- faschistische Zivilcourage! Leuchter, Wolfgang (Regionalwissenschaftler,
Kreisvorsitzender der Linkspartei.PDS) – Ley-
brochenen Serie rechter Gewalt. Im Jahr Wir rufen alle antifaschistischen und de- pold, Markus E. (Dipl.-Phys.) – Maercker, Tom
2005 hat die Opferberatungsstelle Lobbi mokratischen Bürgerinnen und Bürger, (Dipl.-Ing.) – Mahlburg, Fred (Pastor i.R) –
e.V. 62 Übergriffe von Nazis in Mecklen- Organisationen, Verbände, Gewerkschaf- Mannewitz, Cornelia (Slawistin) – Methling,
burg-Vorpommern dokumentiert - Dun- ten, Institutionen und Parteien in Stadt Wolfgang (Umweltminister und Stellv.Mininis-
terpräsident M-V, Stellv.Parteivors.
kelziffer unbekannt. Gegen Rassismus und Land auf, sich aktiv an Protesten ge- Linkspartei.PDS) – Möller, Hartmut (Musikwis-
jeder Art setzen wir antirassistische Soli- gen den Nazi-Aufmarsch zu beteiligen: senschaftler, Vors. deutscher Tonkünstlerver-
darität und die Forderung nach gleichen • Gemeinsam gegen Faschismus, Auslän- band) – Oschwald, Ulrike (Supervisorin) – Rapp,
Rechten für alle hier lebenden Men- derfeindlichkeit und Antisemitismus! Markus M. (Bildhauer) – Reis, Olaf (Psycholo-
ge) – Piontek, Steffen (Generalintendant) - Schä-
schen. Wir widersetzen uns rassistischem • Antifaschistische Zivilcourage zeigen - del, Monty (Erzieher, Bundessprecher DFG-VK)
Denken, egal wo und wie es sich offen- den Aufmarsch der NPD verhindern! – Schmidt, Georg-Peter (Rentner) – Schnauer,
bart. Erstunterzeichner/innen: Jutta (Pröpstin i.R.) – Schnauer, Arvid (Pastor
Bachmann, Sybille (Vors. Fraktion Rostocker i.R.) – Schultze,Tom (Projektkoordinator Mau-
Klare Positionen sind gefragt! Club) – Speckin, Verina (Rechtsanwältin) –
Bund/AfR) – Blaudzun, Klaus (institut für neue
medien) – Bunge, Martina (MdB, Die Linke) – Spehr, Matthias (Filmemacher, Kulturpreisträger
Wegsehen ist keine Lösung – Nazis ver- Brock, Günther (Journalist, Mitglied KV WASG des Landes M.-V.) – Staszak, Heinz-Jürgen (Lite-
schwinden nicht dadurch, dass sich de- Rostock) – Cárdenas, Rubén (Vors. Talide e.V.) – raturwissenschaftler) – Vogt, Steffen (Sozialar-
beiter, Asylbewerberhaus Rostock)
mokratische Kräfte verstecken und den Cüppers, Ralf (Arzt, DFG-VK) – Dörre, Karsten
Nazis die Straße überlassen. Es kann und (Landesvorstand WASG) – Fuchs,Christel (An- Kontakt:
darf nicht sein, dass Nazis am 1.Mai von
gestellte) – Fanning, Hiltgunt (Prorektorin für AK Mahnruf c/o Rostocker Friedens-
Studium und Lehre, FH Stralsund) – Geitmann, bündnis, Jawaharlal-Neru-Straße 32,
einem Großaufgebot der Polizei ge- Peter (Bezirksvors. Ver.di - Rostock) – Hill, Re- 18147 Rostock oder per e-mail:
schützt durch Rostock marschieren und nate (Geschäftsführerin Landesfrauenrat M.-V.) – mahnruf@gmx.de ■

Kein Krieg gegen Iran –


für eine politische Lösung!
Am Samstag, 18. März, an dem in vie- wie Ölraffinerien und militärische Ziele Wir rufen daher Alle
len Städten Friedensgruppen zu einem bombardiert werden sollen. auf, sich mit Demonstratio-
Aktionstag gegen einen möglichen ◗ Durch Chaos und Zusammenbruch der nen, Kundgebungen und Resolutionen ge-
Krieg gegen den Iran aufgerufen hat- Versorgung sollen Revolten der iranischen gen den geplanten Angriffskrieg der USA
ten, erschien in der FR eine Anzeige, Bevölkerung mit all ihren ethnischen Min- zu wehren. Wir, als ein Teil des weltweiten
die von mehr als 800 Organisationen derheiten provoziert und das Islamische Protestes, wenden uns auch gegen die
und Einzelpersonen unterzeichnet Regime durch ein US-freundliches ersetzt Drohung mit Krieg als dem sog. „letzten
wurde. Wir dokumentieren den Text. werden. Nachdem sie in Afghanistan und Mittel“. Krieg ist der große Terror. Wir
Irak militärisch präsent sind, zielen die wollen jedoch Deeskalation, Nichtan-
Die USA scheinen entschlossen, gegen USA auf die vollständige Kontrolle der griffsgarantien und Gewaltverzicht.
den Iran einen Luftkrieg zu führen. Dies- Ölquellen und Transportrouten im gesam- Von der Bundesregierung und der Bundes-
mal könnte es Washington gelingen, die ten Mittleren Osten. kanzlerin fordern wir mit Nachdruck:
EU vor ihren Kriegskarren zu spannen, Die US-Regierung scheut wegen eige- ◗ Unterlassen Sie jegliche Droheskalation,
wenn sich nicht die Bürgerinnen und Bür- ner Hegemonialinteressen nicht davor zu- die unweigerlich in einen Krieg einmün-
ger dagegen zur Wehr setzen. Wir lehnen rück, den Weltfrieden zu gefährden und ei- det. Schließen Sie jede deutsche Unterstüt-
mit aller Entschiedenheit einen neuen nen Flächenbrand in der Region zu riskie- zung für einen Krieg gegen den Iran und
Krieg ab. ren. erst recht eine deutsche Beteiligung daran
Selbst wenn Teheran Atomwaffen an- Ein Krieg gegen Iran hätte fatale Konse- unmissverständlich und grundsätzlich aus.
strebte, die wir ebenso ablehnen, könnte quenzen nicht nur für die Völker im Mitt- Setzen Sie sich auch innerhalb der EU
der Iran auf absehbare Zeit niemanden mit leren und Nahen Osten, sondern auch für hierfür ein.
Atomwaffen bedrohen, ungeachtet aller Europa. Neue ethnische Konflikte, Bür- ◗ Treten Sie ein für die Bildung einer Lang-
verbaler Attacken des iranischen Präsiden- gerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten zeit-Konferenz für Sicherheit und regiona-
ten Ahmadinedschad, die wir scharf verur- im Irak, Verwicklung Saudi-Arabiens und le Zusammenarbeit im Mittleren und Na-
teilen. Eine friedliche politische Lösung Syriens sind sehr wahrscheinlich. hen Osten, die auch das Ziel verfolgt, dort
ist also durchaus möglich. Die Vereinigten Es muss auch mit der Blockade der Öl- – wie in der IAEO-Resolution vom 4. Feb-
Staaten nutzen jedoch die iranischen transportrouten und rasant steigenden Öl- ruar 2006 hervorgehoben – eine Atomwaf-
Atomanlagen nur als Anlass für viel weiter preisen gerechnet werden. Nur Arbeitslo- fenfreie Zone zu errichten, die Israel ein-
reichende Ziele: sigkeit und Attentate hätten Konjunktur. schließt. Unternehmen Sie dafür schon
◗ Der Iran soll zu einer unbedeutenden Nach den vielen Lügen Washingtons zur jetzt erste Schritte.
Macht zurückgebombt werden, um Ame- Rechtfertigung des Angriffskrieges gegen ◗ Treten Sie dafür ein, dass Atomwaffen-
rikas Vormachtstellung im Mittleren Osten den Irak braucht die US-Regierung für ei- staaten ihre Verpflichtung zur Abrüstung
weiter auszubauen. Deshalb ist zu be- nen Krieg gegen Iran die moralische Legi- ihrer Atomarsenale gemäß Artikel VI des
fürchten, dass außer Atomanlagen auch timation, wenn nicht gar die Unterstützung Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags
die Infrastruktur des Landes, wie 1991 im der EU-Staaten. Diese Legitimation und endlich erfüllen.
Irak, wichtige Versorgungseinrichtungen Unterstützung darf es nicht geben! www.uni-kassel.de/fb5/frieden/ ■
: antifaschistische nachrichten 6/2006
4
Am Samstag, den 8. April 2006,
wollen die „Freien Nationalis-
ten Rhein-Neckar“ eine bundes-
Eine Region wehrt sich!
weite und große Demonstration an-
geblich für Presse- und Meinungsfrei-
Gegen Holocaust-Leugner, gegen Nazi-Aufmärsche
heit durchführen. Diese jungen Nazis und gegen Gewalt! Aufruf des Bündnis gegen Rechts Mannheim:
haben sich Mannheim als Ort ausge-
wählt, weil hier einer ihrer Vordenker Wir wollen eine offene und eine de- Aktionen, Veranstaltungen oder durch
Ernst Zündel vor Gericht steht. mokratische Region sein, die Toleranz, Gesten der Solidarität und Mitmensch-
Verständigung und ein gutes Miteinander lichkeit.
Zündel ist angeklagt wegen Volksverhet- mit ausländischen Mitbürgerinnen und In unserer Region gibt es keinen Platz
zung, der Anstachelung zum Rassenhass Mitbürgern pflegt. Unsere Lehre aus der für Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und
sowie der Verbreitung rechtsradikaler Nazi-Diktatur ist, dass wir jederzeit und Naziaufmärsche. Alle sind aufgerufen, in
Propaganda im Internet. So bestreitet er gemeinsam gegen alte und junge Nazis der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz oder
beispielsweise die Massentötung von Ju- aufstehen und dass wir uns auch mit der in Vereinen und Gruppen einen Beitrag
den, Sinti und Roma durch Zyklon B in Geschichte auseinandersetzen. Zu Holo- zu leisten. In diesem Sinne unterstützen
Auschwitz. Zündel und Co. leugnen oder caust-Leugnern und Nazi-Aufmärschen wir alle Initiativen in der Bürgerschaft,
relativieren den Holocaust, also die sys- dürfen und werden wir nicht schweigen. die aktiv für Toleranz, Liberalität und Of-
tematische Vernichtung von Millio- fenheit einstehen. Wir appellieren vor
nen von Menschen in den Konzentra- allem an die Schulen und Hochschu-
tionslagern der Nazis, wofür Ausch- len, an die Kirchen, Parteien, Jugend-
witz als Synonym steht. Zündel und gruppen, soziale Institutionen, Sport-
andere unverbesserliche Nazi-Grö- vereine und kulturelle Einrichtungen,
ßen, die in Haft sitzen, gefallen sich jedem Ansatz von Fremdenfeindlich-
selbst in der Rolle der politisch unter- keit und rechter Gewalt entschieden
drückten „Kämpfer“ für „Deutsch- entgegenzutreten. Wir unterstützen
lands Ehre“. Sie treten gegen die in Veranstaltungen, Diskussionen und
ihren Augen immer noch bestehende Begegnungen, um sich mit den Ursa-
Fremdbestimmung durch die Alliier- chen und Motiven von rechter Gewalt,
ten des 2. Weltkrieges auf. Und sie ge- Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und
ben sich als Opfer einer politisch mo- Antisemitismus zu befassen.
tivierten Justiz aus. Über solche ver- Alle sind aufgerufen, sich an der
queren Ideologiekonstrukte betreiben gemeinsamen und friedlichen Kund-
diese alten Nazis den Schulterschluss gebung und Demonstration gegen den
mit jungen Nazis. Diese haben sich in Nazi-Aufmarsch am 8. April in Mann-
so genannten „freien Kameradschaf- heim zu beteiligen und die vielfältigen
ten“ zusammengeschlossen und re- weiteren antifaschistischen und ge-
krutieren den Nazinachwuchs. waltfreien Aktionen zu unterstützen.
Für die Verbreitung von rassisti- Die Kurpfalz: offen, tolerant und
schen Parolen und die Leugnung des demokratisch! Keine Chance für
Holocaust kann es keine Liberalität Fremdenhass, Gewalt und Holocaust-
und keine Presse- und Meinungsfrei- Leugner! Kein Naziaufmarsch am 8.
heit geben. Nicht umsonst ist die „Au- April!
schwitzlüge“ ein Straftatbestand in Bündnis gegen Rechts (1)
Deutschland. Wir appellieren an die Bürgerinnen c/o DGB Mannheim, Hans-Böckler-
Wir wollen nicht wegschauen sondern und Bürger in der Region, überall und je- Straße, 68161 Mannheim ■
offensiv und deutlich hörbar widerspre- derzeit gegen Gewalt, Fremdenhass, An-
chen und keine falschen Zugeständnisse tisemitismus und Rassismus Stellung zu (1) Dieser Aufruf wird von vielen Einzel-
machen. Die Leugnung der Naziverbre- beziehen und sich mit Zivilcourage ein- personen und fast 70 Organisationen un-
chen ist keine Meinungsäußerung, die zumischen: einzeln und gemeinsam, in terstützt.
eine Demokratie aushalten muss. Fa-
schismus ist und bleibt menschenverach- Junge Nationale drohen Markt der Kulturen
tend!
Diese Jungnazis haben die Rhein-Ne- Pirna. Der SPD-Abgeordnete Ulrich Kimmel sorgt sich um die Sicherheit des
ckar-Region zu einer Hochburg für Nazi- „Marktes der Kulturen“. Der findet am 20. Mai in Pirna statt. Kimmel stellte des-
Rock-Konzerte ausgebaut. Einzelne von halb zwei Anträge. Er forderte, dass der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung darüber
ihnen verdienen sich eine goldene Nase beraten soll, wie der Markt der Kulturen geschützt werden kann. Außerdem stellte
an den Tonträgern mit Nazimusik. Sie er den Antrag, dass der Stadtrat den NPD-Mann Mirko Liebscher auffordern soll,
wollen sich bei Grünstadt ein riesiges sein Mandat niederzulegen. Auslöser waren für Kimmel Texte, die derzeit im Inter-
Grundstück mit Anwesen als eigene Ver- net veröffentlicht werden. In einem der Beiträge wird eine Störung des Marktes der
sammlungsstätte erwerben. Dem müssen Kulturen angedroht. Ziel des Marktes ist es unter anderem, verschiedene Men-
wir entschieden entgegentreten. schengruppen zusammenzubringen, um so mehr über andere Länder und Kulturen
Wir verurteilen mit Nachdruck jede zu erfahren sowie für Verständnis und Toleranz zu werben. In ihren Internettexten
Form von Gewalt, Antisemitismus, Ras- rufen die JN zum Beispiel zu unorganisierten Einzelaktionen auf. Außerdem kündi-
sismus und Faschismus. Wir wehren uns gen sie an, dass beim diesjährigen Markt „mehr Besucherandrang abzusehen ist, als
dagegen, dass Menschen – gleich wel- den Betreibern lieb sein dürfte.“
cher Nationalität, Religion, ethnischer „Diese Texte sind eine unverholene Drohung“, so Kimmel. Reaktionen zu seinem
oder sonstiger Herkunft – durch Gewalt Antrag zur Mandatsniederlegung Liebschers gab es nicht. OB Ulbig will die Anträ-
oder Diskriminierung verletzt oder belei- ge prüfen. Quelle: Sächsische Zeitung, 2. Februar 2006 ■
digt werden.

: antifaschistische nachrichten 6/2006 5


Verwaltungsgericht Karlsruhe bestätigt Berufs-
verbot gegen antifaschistisch engagierten Lehrer
Das Verwaltungsgericht Karlsru- wurde vor Gericht bescheinigt, Zivilcou- 1995 wurden Berufsverbote vom Euro-
he hat am Montag, den 13.3.2006 rage und Engagement gegen Rechtsex- päischen Gerichtshof für menschen-
bekannt gegeben, dass die Klage tremismus zu zeigen, persönlich friedlie- rechtswidrig erklärt. In Baden-Württem-
des Heidelberger Realschullehrers Mi- bend und für seinen Beruf bestens quali- berg gab es zwischen 1983 und 1993
chael Csaszkóczy gegen das über ihn fiziert zu sein. Allein seine Mitglied- noch zwölf Ablehnungen für Lehramts-
verhängte Berufsverbot abgewiesen schaft in der Antifaschistischen Initiative bewerber aus politischen Gründen, da-
wird. Heidelberg wird ihm zum Vorwurf ge- nach war Csaszkóczy der einzige Fall.
Obwohl in der Verhandlung am macht, weil diese vom Verfassungs- Die GEW unterstützt Csaszkóczy bei
10.3.2006 sowohl vom Schulamt als schutz beobachtet und als „linksextre- seiner Klage und will erreichen, dass die
auch vom Gericht keinerlei Hinweise für mistisch“ eingestuft wird – „im Zweifel rechtlichen Grundlagen des so genannten
ein irgendwie geartetes Fehlverhalten be- also gegen den Lehramtskandidaten, des- „Radikalenerlasses“ aus dem Landes-
hauptet wurden und ihm sogar „Friedfer- sen weitere Lebensperspektive und Be- recht gestrichen werden.
tigkeit und Zivilcourage gegen Rechtsex- rufskarriere mit die-
tremismus“ attestiert wurden, betrachtet sem in der Bundes-
das Verwaltungsgericht das Berufsverbot republik einzigarti-
als legitime Maßnahme des Kultusminis- gen Berufsverbot er-
teriums. heblich beschädigt
Wegen seiner Mitgliedschaft in der werden“, sagte Rolf
Antifaschistischen Initiative Heidelberg Gössner.
wird Csaszkóczy seit Anfang des Jahres GEW Hessen:
2004 untersagt seinen Beruf auszuüben.
Zahlreiche Menschenrechtsgruppen so- „Ich bin mir sicher,
wie die Gewerkschaft Erziehung und dass dieses Urteil
Wissenschaft verurteilten diese Maßnah- keinen Bestand ha-
me als nicht zu rechtfertigende politische ben wird. Offenkun-
Einschüchterungsmaßnahme. dig hat das Gericht
Das Solidaritätskomitee gegen das Be- kurz vor der Land-
rufsverbot betrachtet das Urteil des Ver- tagswahl ein politi-
waltungsgerichts als ein fatales Signal sches Urteil gefällt,
gegen Menschenrechte, Demokratie und das rechtsstaatliche
Meinungsfreiheit. Wir rufen zur Teilnah- Maßstäbe vermissen
me an der Demonstration gegen Berufs- lässt“, kommentierte
verbote am 25.3.2006 in Karlsruhe auf. der Vorsitzende der
Michael Csaszkóczy wird mit Unter- Gewerkschaft Erziehung und Wissen- Tobias Pflüger (baden-württember-
stützung der GEW Rechtsmittel gegen schaft, Jochen Nagel. gischer Europaabgeordneter der
das Urteil einlegen. Die GEW Hessen war als Prozessbe- Linksfraktion (GUE/NGL):
Solidaritätskomitee gegen das obachter bei der Verhandlung am 10. „Das Gericht verletzt damit auch das im
Berufsverbot ■ März 2006 anwesend. EU-Vertrag festgeschriebene Recht auf
Prozessbeobachter Rolf Gössner Inter- „Die Nichteinstellung von Michael freie Berufswahl und das EU-Diskrimi-
nationale Liga für Menschenrechte: Csaszkóczy verstößt gegen das Grund- nierungsverbot.
recht auf Meinungsfreiheit und Berufs- Zugleich ist das Urteil ein Verstoß ge-
Liga-Präsident Dr. Rolf Gössner, der freiheit“ erklärte Carmen Ludwig, stell- gen die Europäische Menschenrechts-
auch im Auftrag des Komitees für vertretende Landesvorsitzende der GEW konvention, in der die Berufsfreiheit ga-
Grundrechte und Demokratie und des Hessen. „Wir werden auch weiterhin al- rantiert ist. Bereits 1995 wurden Berufs-
Republikanischen Anwältinnen- und An- les dafür tun, dass Michael Csaszkóczy verbote vom Europäischen Gerichtshof
waltsvereins den Prozess beobachtet hat, in den Schuldienst Übernommen wird“, für menschenrechtswidrig erklärt.
zu dem Urteil: „Das Gericht hat es ver- so Carmen Ludwig Berufsverbote waren schon in der
säumt, der berüchtigten Berufsverbot- GEW Baden-Württemberg: Hochphase nach dem so genannten Radi-
spraxis früherer Jahrzehnte einen Riegel kalenerlass ein Skandal, heute sind Be-
vorzuschieben und hat stattdessen im Er- „Wir werden Csaszkóczy auch weiterhin rufsverbote mehr denn je völlig fehl am
gebnis ein mehr als zweifelhaftes Be- bei seinem Kampf für Meinungsfreiheit Platz. Es ist ein Weg zurück in eine düs-
rufsverbot gerichtlich abgesegnet.“ Mit unterstützen. Zuerst ist aber jetzt die Po- tere Vergangenheit.
dieser Entscheidung werde einem quali- litik gefragt. Wir erwarten von Minister- Die heutige Bundesbildungsministerin
fizierten Bewerber für den Schuldienst präsident Günther Oettinger und Kultus- Annette Schavan hat sich mit dem Be-
wegen seines antifaschistischen Engage- minister Helmut Rau noch vor der Land- rufsverbotsverfahren gegen Michael
ments und seiner politischen Gesinnung tagswahl am 26. März eine klare Aussa- Csaszkóczy in Baden-Württemberg in
der Weg in den Schuldienst weiterhin ge, ob sie dieses undemokratische und bleibende Erinnerung gebracht, sie ist
versperrt. Zwar sind die Urteilsgründe antiquierte Mittel ihrer Amtsvorgänger wesentlich verantwortlich für das Ver-
noch nicht bekannt. weiter anwenden wollen. Es darf nicht bauen seiner Lebensperspektiven.“
Doch für Prozessbeobachter ist während sein, dass Lehrerinnen und Lehrer bei
der mündlichen Verhandlung deutlich politischem Engagement mit Sanktionen Bundesweite Demonstration gegen
geworden, dass dem betroffenen Kläger rechnen müssen“, sagte am Montag Berufsverbote am
persönlich keinerlei Fehlverhalten oder (13.03.) in Stuttgart Rainer Dahlem, 25. März in Karlsruhe,
gar verfassungsfeindliches Verhalten Landesvorsitzender der Gewerkschaft Kronenplatz, 12.00 Uhr
vorgeworfen wird – im Gegenteil: Ihm Erziehung und Wissenschaft (GEW).

6 : antifaschistische nachrichten 6/2006


Dass politische Auseinanderset-
zungen und ideologische Kämpfe
heutzutage auch im Internet und mit den
Zoff um eine Homepage
Mitteln der modernen Kommunikations-
technologien ausgetragen werden, ist tion und Volk verpflichteten Ideen ver- Nehmen Sie lieber Antisemitismus,
oder darf’s etwas mehr antiarabi-
eine simple Feststellung. Nicht banal ist tritt“, argumentierte dazu der 29-jährige scher Rassismus sein ?
dagegen der Rechtsstreit, der jüngst zwi- Generalsekretär der Villiers-Partei, Guil-
schen dem rechtsextremen Front Natio- laume Peltier. An der Demonstration am 26. Februar
nal (FN) und der bisher als rechtskatho- Der junge Mann weiß, wovon er spricht: 2006 im Zusammenhang mit der Ermor-
lisch und ultrakonservativ geltenden Bevor er zum hauptsächlichen, wichtigsten dung eines 23-jährigen jüdisch stämmi-
Kleinpartei Mouvement pour la France Mitarbeiter von Philippe de Villiers wurde, gen Verkäufers durch eine Bande, die ihn
(MPF, „Bewegung für Frankreich“) tob- war er (von 1998 bis 2001) Mitglied der zuvor im südlichen Umland von Paris ent-
te. Über ihn hatte ein Pariser Gericht zu FN-Jugendorganisation, des Front national führt hatte, versuchten sowohl Philippe de
entscheiden, dessen Urteil am 13. März de la jeunesse (FNJ). (Vgl. dazu ,Le Mon- Villiers als auch einzelne FN-Vertreter
fiel. Dabei ging es um einen Auftritt im In- de‘ vom 17. März 06, die ihm und seiner teilzunehmen. MPF-Chef de Villiers ver-
ternet. Karriere eine volle Seite widmet.) Später suchte sich in die erste Reihe zu stellen.
trat er zu den Rechtskatholiken über. Wie Von dort wurde er aber durch Anhänger
„Es gibt 5.000 Blautöne, aber es ist just einige mehr oder minder hochrangige Ka- antirassistischer Organisationen wie SOS
das Blau des Front National, das der MPF der der Partei Le Pens vor und vor allem Racisme, welche die Demonstration mit
für seine Webpage benutzt. Dasselbe gilt nach ihm – beispielsweise der letzte FN- organisiert hatte, vertrieben. Philippe de
für den Schrifttyp“ behauptet Wallerand Bürgermeister einer Stadt mit mehr als Villiers ging es an jenem Tag vor allem
de Saint-Just, der Rechtsanwalt des FN. 10.000 Einwohnern, Jacques Bompard, darum, die Empörung über den grausa-
Er hatte einen Eilantrag auf Erlass einer Rathauschef im südfranzösischen Orange, men Mord gegen die Bevölkerung der
Einstweiligen Verfügung gegen die rechte der Ende vorigen Jahres zum MPF über- Vorstädte mit Migrationshintergrund –
Konkurrenz gestellt. Doch dieser wurde trat. Vergangene Woche ist jetzt auch das aus der viele, aber nicht alle der mittler-
am Montag, 13. März durch die Pariser letzte Kommunaloberhaupt überhaupt, das weile verhafteten Bandenmitglieder stam-
Zivilkammer abgewiesen. zum FN zählte, aus der rechtsextremen men – zu kehren und rassistisch umzupo-
Sehr zum Missfallen des FN und seines Partei ausgetreten: Marie-Christine Bi- len.
Anwalts. Und tatsächlich ist es schwierig, gnon, Bürgermeisterin in Chauffailles, ei- In der rechtsextremen Presse, die dem
die Gemeinsamkeiten zwischen den ner kleineren Kommune auf halbem Wege Front National nahe steht, führten die
Homepages beider Rechtsaußenparteien zwischen Lyon und Dijon. Die Kleinunter- Demo und die Zwischenfälle dagegen zu
zu verkennen: Identische Schriftgröße, nehmerin, die Bompard nahe steht, hatte unterschiedlichen Bewertungen. Die Wo-
identischer Aufbau mit einander gleichen- seit 1987 dem FN angehört. „In den kom- chenzeitung ,Minute‘, die ein Scharnier
den Themenleisten, und eben auch dersel- menden Tagen“, so meldete ,Le Monde‘ zwischen Rechtskonservativen und dem
be Blauton. Musste der MPF, der sich erst vom 10. März 06, werde sie auch dem Spektrum rund um den FN bildet, begrüß-
seit vorigem Jahr ernsthaft im Parteiauf- MPF beitreten. te die – anonym gebliebene – Teilnahme
bau – am äußersten Rande des konservati- In der Vergangenheit hatte es der Front einiger FN-Regionalparlamentarier an der
ven Lagers – befindet und dabei eifrig National geschafft, mit zwei unterschiedli- Demo vom 26. Februar.
klassische rechtsextreme Themen bedient, chen Diskursmustern ein jeweils anderes Ihr zufolge gebe es Anzeichen dafür,
derart deutlich unterstreichen, dass er das Publikum anzusprechen. Auf der einen „dass die antirassistische Front Risse be-
Publikum des Front National zu gewinnen Seite bediente er mit einer Mischung aus kommt“ (so die Titelschlagzeile) und es
trachtet? Ablehnung von „zu viel“ Sozialstaat, gelingen könne, sie zu spalten. Die in
Nicht nur bisherige Wähler, sonndern Steuern und staatlicher Unterhaltspflicht Frankreich lebenden Juden müssten in ein
auch frühere Mitglieder und bis vor kur- für Arme sowie einer rassistisch unterleg- Bündnis gegen arabischstämmige Ein-
zem aktive Kader der Partei von Jean-Ma- ten Abweisungshaltung gegenüber Zu- wanderer und zur Verteidigung des Wes-
rie Le Pen möchte er erklärtermaßen ge- wanderung ein Milieu, das eher den kon- tens, des Abendlands integriert werden.
winnen. Diese Ambition verheimlicht der servativen Mittelschichten und dem Klein- (Ausgabe vom 1. März 06)
MPF-Vorsitzende und Graf Philippe de bürgertum entstammte. Andererseits Dagegen höhnt in der FN-eigenen Wo-
Villiers nicht nur nicht, sondern er strich sprach er, verstärkt nach 1989, mit einem chenzeitung ,National Hebdo‘ (Nummer
sie bei mehreren Anlässen offen heraus. sozialdemagogischen Programmdiskurs vom02. März) zumindest eine prominente
Personalidentität und antisemitisch unterfütterten Pseudo- Autorin, die regelmäßig unter dem Pseu-
Antikapitalismus nunmehr auch Teile der donym ,Topoline‘ veröffentlicht, in höchst
Die Affäre um die Homepage ist da nur sozialen Unterschichten und ehemalige ironischen Formulierungen über die
ein sichtbares Symptom. Sie hat im Übri- Linkswähler an. Berührungsflächen mit „pseudo-religiöse Bittprozession“ gegen
gen einen bezeichnenden Hintergrund: Es konservativen Kreisen gab es dabei vor al- den Antisemitismus. Ihr zufolge ist es
ist nämlich so, dass der Webmaster des lem in der Zuwanderungsfrage und bei ei- zweifelhaft, ob dem Verbrechen der Vor-
MPF nicht einfach jenen des Front Natio- nem antiarabischen Rassismus, der sich in stadtbande Antisemitismus zugrunde lie-
nal einfallslos nachgeahmt hat. Sondern einigen Milieus auch stark aus der Erinne- ge und dieser das wirkliche Problem dar-
es handelt sich um ein und dieselbe Per- rung an den Algerienkrieg speist. Kaum stelle. Den Hinauswurf de Villiers’ be-
son: Romain Létang, der die Homepage möglich war die Verständigung des FN mit trachtet sie als Manifestation einer (un-
Front-national.com entworfen hatte, ist eher bürgerlichen Rechten dagegen bei ausgesprochen: jüdischen) „Konfessions-
mitsamt seinem handwerklichen Können Fragen wie dem Antisemitismus und der polizei“, während dieser in Wirklichkeit
zum MPF übergelaufen. „Wenn ein Holocaust-Relativierung, die zumindest durch nicht-jüdische Antirassisten vorge-
Künstler zwei Bilder malt, dann gibt es ei- von Einigen in der Partei betrieben wird. nommen wurde.
nige Ähnlichkeiten (zwischen beiden). Es Vor allem die erstgenannte Hälfte des FN- Beide Zeitungen spotten unterdessen
handelt sich um das geistige Eigentum Publikums wird nun aber verstärkt vom über Philippe de Villiers, der einen „Me-
des Autors. Die Führungsleute des Front MPF umworben, der sich als Scharnier diencoup“ habe landen wollen, indem er
National sollten sich lieber fragen, warum zum konservativen Flügel der politischen sich allzu demonstrativ an der Spitze der
ihre Kader sich einer Partei (Anm.: dem Klasse anbietet und damit Aktivisten auch Demo zu platzieren suchte.
MPF) anschließen, die dynamisch die Na- scheinbar Aufstiegschancen bietet. Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 6/2006 7


Militante Neofaschisten betätigen
sich als Streikbrecher
In Frankreich weitet sich die Be- genommene „aus unterschiedlichen La-
wegung gegen den so genannten gern“ in polizeilichem Gewahrsam, nach-
„Ersteinstellungsvertrag“ oder dem am Abend und in der Nacht zuvor
Contrat première embauche (CPE) in den insgesamt 187 Festnahmen in Paris (und
letzten Wochen rapide aus. Beim CPE annähernd 300 frankreichweit) erfolgt
handelt es sich um einen Sondervertrag, waren. Nur eine Minderheit von ihnen
der eine zweijährige kündigungsschutzlo- dürften Rechtsextreme gewesen sein.
se Periode nach Eintritt in das Arbeitsver- Große Überraschung: Unter diesen Ver-
hältnis beinhaltet. Er stellt dabei nur ein hafteten befand sich auch der „Direktor“
Glied in einer längeren Kette von Sonder- (so lautet sein Titel) des Front national de
bestimmungen dar: Der Regierung geht es la jeunesse (FNJ), also der offiziellen Ju-
darum, durch die Vervielfachung von gendorganisation des Front National, na-
Sonderverträgen geltende arbeitsrechtli- mens Alexandre Ayroulet. Er blieb bis am
che Schutzbestimmungen und insbeson- Freitag um 17 Uhr in Polizeigewahrsam.
dere den Kündigungsschutz auszuhebeln. Protest in Paris am 18.3.06 Seine Festnahme, und Freilassung nach
Näheres über die Proteste selbst und ihren knapp 24 Stunden, wurde auch durch ein
Gegenstand kann, vom Autor dieser Zei- vor der geschlossenen, aber von Protestie- Kommuniqué des FN hochoffiziell bestä-
len, regelmäßig auf Labournet nachgele- renden umstandenen Sorbonne aufge- tigt. Natürlich wird Alexandre Ayroulet
sen werden (Special zur Anti-CPE-Bewe- taucht. Unter anderem mit dem Ruf „Pa- darin als unschuldiger Politmärtyrer hin-
gung unter: http://www.labournet.de/in- rasiten raus aus den Unis!“ griffen sie An- gestellt. Aber Fakt ist, dass dieses Doku-
ternationales/fr/cpe.html ). wesende körperlich an. Die militanten ment belegt, dass er sich unter den rechts-
Seit über einer Woche ist nun auch die Neofaschisten wurden am Dienstag abend extremen Militanten befand – und dass er
extreme Rechte bzw. ihr militanter Flügel durch die CRS-Einheiten zerstreut, aber sich im Umfeld der Demonstration bzw.
aktiv – aber mit dem Ansinnen, die Pro- es wurden keinerlei Verhaftungen in ihren der Örtlichkeiten der späteren Anarcho-
teste zu brechen. Dabei sind ihre jungen Reihen vorgenommen. Im Anschluss Aktivitäten herumtrieb. (Das Kommuni-
Anhänger selbst über die Einschätzung konnten die auseinander gelaufenen qué findet sich hier: http://vox-fn.hautet-
des CPE äußerst gespalten. Dessen Ein- Rechtsextremen sich noch in unmittelba- fort.com/archive/2006/03/17/alexandre-
führung wurde durch den Chef der rechts- rer Nähe des Hauptquartiers der Pariser ayroulet-est-libre.html .)
extremen Partei Front National, Jean- Polizei sammeln, um ein Gruppenfoto un- An der Universität Toulouse-1, einer
Marie Le Pen, in einem Kommuniqué ter der Statue von „Karl dem Großen“ sehr konservativ geprägten Universität für
vom 8. Februar 2006 prinzipiell begrüßt, (zwischen der Kathedrale Notre Dame Juristen und Sozialwissenschaftler, kam
obwohl er darin zugleich die Maßnahme und der Polizeipräfektur) aufzunehmen, es am Donnerstag, 16. März ebenfalls zu
„angesichts eines unbezahlbar geworde- wie die Tageszeitung ,Libération‘ am fol- ähnlichen Zwischenfällen. Die Hochschu-
nen französischen Sozialsystems“ als genden Tag bemerkte. le Toulouse-1 hatte am Mittwoch zum ers-
schwächliches Reförmchen abtat. (Das Am Donnerstag abend (16. März) ten Mal überhaupt (denn das hatte es dort
Kommuniqué vom 8. Februar findet sich, tauchten erneut militante Neofaschisten, auch im Mai 1968 nicht gegeben!) per
leicht kommentiert, unter folgender rund 80 an der Zahl, mit Helmen und Mehrheitsvotum einer studentische Voll-
Adresse auf der Homepage einer antifa- Schlagstöcken bewaffnet im Quartier La- versammlung für die Blockade gestimmt.
schistischen Gewerkschafterinitiative: tin, dem Stadtviertel rund um die Sor- 449 Stimmen wurden dafür abgegeben,
http://isa.isa-geek.net/article.php3? id_ar- bonne, auf. Sie riefen unter anderem wie- 322 dagegen. Man soll also nicht behaup-
ticle=27 .) derum Parolen gegen Linke („Linksradi- ten, die Gegner hätten sich nicht ausdrü-
Doch die Jugendorganisation der Partei kale, gebt unsere Unis frei!“) und „Parasi- cken können! Aber am Donnerstag früh
scheint zerstritten, zumal mindestens ein ten“. Dabei verfolgten sie auch einzelne um 7.45 Uhr überfielen rund 25 mit Ei-
Teil ihrer Anhänger nicht aus sozial besser Demonstranten oder Randalierer und senstangen bewaffnete Rechtsextreme die
gestellten Kreisen kommen dürfte und da- schlugen zu. Erstmals kam es auch in ih- Streikposten. Laut „Le Monde“ in ihrer
her potenziell betroffen ist. Aber anschei- ren Reihen zu Verhaftungen. Letztere Freitagsausgabe handelte es sich überwie-
nend stellt man zumindest in einem Teil- wurden durch Innenminister Nicolas Sar- gend um „Studenten dieser Universtität,
bereich des rechtsextremen Spektrums kozy jedoch genutzt, um ein Amalgam an- die schon vorher für ihre extremistischen
das Kalkül auf, dass man in einer Situati- zurühren und vor laufenden Kameras zu Positionen bekannt waren“. Demnach be-
on starker Polarisierung Sympathien beim behaupten, es seien „Links- und Rechts- grüßten oder ermutigten auch einige an-
konservativen und streikfeindlichen Teil radikale sowie Rowdys aus den Banlieu- wesende Professoren die Angreifer unge-
der Studierenden einheimsen könne, es“ verhaftet worden. Dadurch sollte der niert und offen, wie auch der Präsident der
wenn man sich als die konsequentesten Eindruck erweckt werden, Mitglieder ge- Hochschule feststellte und anscheinend
Streikgegner erweise. gensätzlicher politischer Lager fänden beklagte („Einige Hochschullehrer haben
Auch die rechte Studentenorganisation sich auf verwirrende Weise in dem Protest sehr wenig Zurückhaltung an den Tag ge-
UNI macht kräftig gegen den Streik Stim- oder den im Anschluss an manche Demos legt“). Gegen 9 Uhr früh verließen die
mung, allerdings ist ihr eine reale Mobili- nachfolgenden Krawallen wieder. Das ist rund 100 anwesenden Besetzer/innen das
sierung breiterer Kreise bisher nicht ge- jedoch absolut unzutreffend: Kommen Hochschulgelände, um noch gewalttätige-
lungen. Anarchos und manche Banlieue-Kids re Zwischenfälle zu vermeiden. Am Don-
Gewalttätige Eingriffsversuche vielleicht, um Auseinandersetzungen mit nerstag tagsüber beschloss der Universi-
der Polizei zu suchen, so ist es das aus- tätspräsident Henry Roussillon daraufhin,
Bereits am Dienstag abend (14. März 06) schließliche Ziel der Neofaschisten, Pro- die administrative Schließung der Hoch-
waren mehrere Dutzend Anhänger der testierer zu schlagen. Am Freitag vormit- schule anzuordnen.
Neonaziorganisation „Bloc identitaire“ tag befanden sich noch insgesamt 77 Fest- Bernhard Schmid, Paris ■

8 : antifaschistische nachrichten 6/2006


Sinti und Roma wurden im Na-
tionalsozialismus verfolgt,
misshandelt, deportiert, ver-
Sinti und Roma: Vergessene
nichtet. Ihr Schicksal glich dem der ver-
folgten Juden. Im öffentlichen Geden- Opfer des Faschismus
ken kommen sie aber kaum vor. Sie
werden neben der großen Opfergrup- Nur zu oft werden die Sinti und Roma eignisse der Verfolgungsgeschichte von
pe der Juden oft ignoriert. Und ihr Leid auch von den Antifaschisten und Antifa- Sinti und Roma auf lokaler und regionaler
dauert weiter. Denn die Überlebenden schistinnen vergessen. Zwei Tage nach Ebene sowie in der Gedenkstättenarbeit in
haben oft keine oder sehr geringe Ent- der Veranstaltung der Sinti und Roma Baden-Württemberg,
schädigungen bekommen und erhal- fand am gleichen Ort im Gewerkschafts- ● in der Bürgerrechtsarbeit, d.h. der
ten bis heute zu wenig Unterstützung, haus die Ausstellungseröffnung zum Ge- umfassenden gesellschaftlichen Vertre-
um sich in die Gesellschaft gleichbe- denken an die jüdischen Kinder statt, die tung der Sinti und Roma sowie als An-
rechtigt eingliedern zu können. mit der Reichsbahn in die KZs transpor- sprech- und Vermittlungspartner gegen-
tiert wurden. über allen gesellschaftlichen Institutionen
Diese Veran- und Einrichtungen,
staltung war ● in der Öffentlichkeitsarbeit gegen
sehr anrüh- Diskriminierung und Benachteiligung
rend und zu- von Sinti und Roma,
gleich aufrüh- ● im sozialen Bereich in der Beratung
rend zum Ge- und Einzelfallhilfe,
denken und ● im Bildungsbereich in der schuli-
zum Wider- schen, beruflichen und politischen Bil-
Im Hof des Sammellagers Hohenasperg, Mai 1940 stand gegen dung sowie Erwachsenen- und Weiterbil-
alles Unrecht. dung,
Am 25. Januar 2005 veranstaltete der Ver- Ein Hinweis auf die deportierten Kinder ● in der kulturellen Arbeit, d.h. in der
band Deutscher Sinti und Roma – Lan- der Sinti und Roma kam im Konzept nicht Rekonstruktion und der Bewahrung der
desverband Baden-Württemberg im Stutt- im Nationalsozialismus
garter Gewerkschaftshaus eine Tagung zerstörten Kultur der Sinti
„Antiziganismus in Europa – Antiziganis- und Roma,
mus in der Region, Gegenwart – Gegen- ● in der Förderung und
strategien“. Hier wurde berichtet, in wel- Entwicklung einer eigen-
chen Formen Sinti und Roma auch heute ständigen kulturellen Iden-
noch diskriminiert werden. Immer noch tität sowie in der Entwick-
wird das Schimpfwort „Zigeuner“ ge- lung eines interkulturellen
braucht, wodurch sich die Überlebenden Dialogs mit der pluralisti-
beleidigt fühlen. Im sogenannten Brauch- schen Mehrheitskultur.
tum an Fasnacht, Fasching oder Karneval Für alle, die dieses An-
wird das Bild des „Zigeuners“ abwertend liegen unterstützen wollen,
eingesetzt. Fahrende Familien werden auf gibt es Material und Infor-
Campingplätzen vertrieben und der Auf- mation beim Verband
enthalt verweigert. Sinti und Roma wird Deutscher Sinti und Roma,
das Asylrecht verweigert und sie werden Der Weg zum Bahnhof in Asperg, 22. Mai 1940 Landesverband Baden-
in osteuropäische Staaten abgeschoben, Württemberg, U3, 14,
wo ihnen die materielle Lebensgrundlage vor. Auch in den Materialien der Stiftung 68161 Mannheim, Tel. 06 21/156 96 45,
entzogen wird, wo sie ausgeschlossen Geisstraße bzw. des Vereins Zeichen der www.sinti-roma-bawue.de.
sind von schulischer und beruflicher Bil- Erinnerung kommt die Verfolgung der Über das Schicksal der Sinti und Roma
dung, wo sie aus den Städten vertrieben Sinti und Roma nicht vor. gibt es eine Ausstellung: … weggekom-
werden und gewaltsame Übergriffe alltäg- Sinti und Roma verstehen ihre Organi- men – Abschied ohne Wiederkehr. Die
lich sind. Die bei uns wohnenden Sinti sation als Bürgerrechtsbewegung. Die Bilder auf dieser Seite sind Beispiele aus
und Roma leben in deutlich schlechteren Schwerpunkte sind: der Ausstellung. Die Ausstellung kann
sozialen Verhältnissen als der Durch- ● Protest und Aktionen gegen polizeili- von Vereinen und Schulen entliehen wer-
schnitt der Bevölkerung. Ihre Sprache, che Sondererfassung und Übergriffe, den. Der Landesverband der Sinti und
ihre Kultur und Kunst wird nicht aner- ● Aktionen gegen die Etikettierung Roma bietet Referenten und Vorträge für
kannt. Da die Großeltern und Eltern, vom „Zigeuner“ über „Landfahrer“ zum ein Begleitprogramm an. ulk ■
Überlebende der Verfolgung im Faschis- „HWAO“ (häufig wechselnden
mus, keine Schulen besuchen und keinen Aufenthaltsort),
Beruf lernen konnten, können sie ihre ● Aktionen gegen die altherge-
Kinder nicht ausreichend unterstützen brachte Propaganda gegen Min-
beim Bildungserwerb. In den Schulen ist derheiten als „Verbrecherban-
ihre Kultur nicht bekannt und sie werden den“ und „Seuchengefahr“,
nicht entsprechend unterstützt und geför- ● weitere Bürgerrechtsarbeit
dert. Ganz alltägliche Dinge machen oft z.B. gegen diskriminierendes
Probleme. So berichtet eine Mutter, dass Unterrichtsmaterial und Desin-
sie ihr Kind nicht mit ins Schullandheim formation über die Geschichte
gehen lassen will. Aufgrund ihrer Kultur und Kultur der Minderheit.
und der traumatischen Erfahrungen der Der Verband der Sinti und
Familie soll es nicht „bei Fremden“ über- Roma sieht seine Hauptaufgaben
nachten. Das verstehen Lehrer und Schul- ● in der Aufarbeitung und Do-
behörden nicht. kumentation der historische Er- … weggekommen

: antifaschistische nachrichten 6/2006 9


In zahlreichen Städten der BRD
finden zurzeit Veranstaltungen Sudetendeutsche Landsmann-
der Sudetendeutschen Lands-
mannschaft zum sog. „Tag der Selbstbe- schaft sucht neue Konfrontation
stimmung“ statt. Die Formel für die An-
heizung antitschechischer Emotionen bei Aber Beckstein will eben genau das richtshof für Menschenrechte betreibt
diesen Veranstaltungen wurde von der sagen: dass die „Vertreibung“ der Sude- und damit vor einigen Wochen abgewie-
SL-Spitze bereits Ende letzten Jahres tendeutschen keine Folge des Krieges sen wurde. Mirtes wurde Anfang 2005
vorgegeben. Sie lautet: „Die kollektiven und der NS-Verbrechen gewesen sei, zusammen mit seinem Intimus Edmund
Massenvertreibungen von über 15 Mil- sondern ein von Edvard Beneš, dem ers- Liepold aus dem Witikobund ausge-
lionen Deutschen aus ihrer Heimat wa- ten Außenminister und späteren Präsi- schlossen, nachdem innerorganisatori-
ren keine ‚Kollateralschäden des Zwei- denten der 1. Tschechoslowakischen Re- sche Intrigen gegen den WB-Bundesvor-
ten Weltkrieges’, sondern eiskalte ethni- publik, schon seit der Staatsgründung sitzenden Horst-Rudolf Übelacker im
sche Säuberungen, um Grenzen zu ver- 1918/19 eiskalt geplanter Völkermord. NPD-Organ „Deutsche Stimme“ ausge-
schieben und ethnisch reine Staaten zu In Kreisen der Landsmannschaft wird breitet worden waren. „Bernd Posselt“,
begründen.“ So beispielsweise der SL- Beneš, während der deutschen Besat- so heißt es in dem SdZ-Bericht über die
Vorsitzende Bernd Posselt (MdEP-CSU) zung Kopf der tschechoslowakischen Buchvorstellung am 21. November, „be-
am 11. November 2005 in Schwandorf Exilregierung in London und nach seiner kundete seine langjährige Verbundenheit
(Oberpfalz). Rückkehr 1945 provisorischer Staatsprä- mit den sudetendeutschen Lehrern, die
Damit hat eine neue Kampagne gegen das Entstehen des Buches zu fördern be-
Tschechien begonnen. Sie wurde Ende reit waren“.
November von der SL-Bundesversamm- Der aggressivste Slogan seit vielen
Edvard
lung beschlossen und soll offenbar einen Beneš Jahren
noch aggressiveren Ton anschlagen als
die Kampagne, die im Wahljahr 2002 Entsprechend lautet der Slogan, unter
hochgekocht und bis zum EU-Beitritt dem die SL-Kampagne 2006 ablaufen
Tschechiens 2004 am Kochen gehalten soll: „Vertreibung ist Völkermord – dem
wurde. Nach dem Gedenkjahr 2005, in Recht auf die Heimat gehört die Zu-
dem der Befreiung vom deutschen Fa- kunft.“
schismus und der Opfer der NS-Verbre- Das ist der aggressivste Slogan seit
chen gedacht wurde, soll 2006 bundes- vielen Jahren. Er wurde vorbereitet in
weit an einen angeblichen „Völkermord den Reden auf dem Sudetendeutschen
an den Sudetendeutschen“ erinnert wer- Tag 2004 und 2005, wo der Zusammen-
den. An der Sitzung, bei der die SL-Bun- hang zwischen Krieg und Umsiedlung
desversammlung (nach eigenem Ver- ausdrücklich geleugnet wurde. Und
ständnis das „Exilparlament der sudeten- durch die Vorsitzende des Bundes der
deutschen Volksgruppe“) dies beschloss, Vertriebenen Erika Steinbach (Mitglied
nahm als Ehrengast der bayerische In- sident, als Dämon und Massenmörder des CDU-Vorstands), die seit Jahren stets
nenminister Günther Beckstein (CSU) beschimpft und nicht selten ganz offen „Vertreibung und Völkermord“ als un-
teil. Laut Bericht der Sudetendeutschen mit Hitler auf eine Stufe gestellt. So zertrennliches Wortzwillingspaar ver-
Zeitung bezeichnete Beckstein in seiner heißt es beispielsweise in einer Bespre- wendet, um in jedem Kopf die Assoziati-
Ansprache „die Beneš-Dekrete als chung des jüngsten „Doku-Romans“ von on „Völkermord“ zu wecken, wenn das
‚Knackpunkt’ im deutsch-tschechischen Sidonia Dedina „Der Pyrrhussieg des Wort „Vertreibung“ fällt.
Verhältnis. Hinzu komme, dass die Edvard Benesch“ in der Sudetendeut- Unter dem dreisten Slogan „Vertrei-
tschechischen Mörder und Menschen- schen Zeitung vom 20.1.2006: „Doch so, bung ist Völkermord“ wird nicht nur der
schinder der Nachkriegsjahre immer wie ein Heinrich Himmler, ein Hermann Sudetendeutsche Tag 2006 zu Pfingsten
noch unbehelligt geblieben bzw. straffrei Göring oder Joseph Goebbels das kranke (3./4. Juni) als Höhepunkt der Kampagne
gestellt seien. Dies sage er vor dem Hin- Hirn eines Adolf Hitler brauchten, um ablaufen, sondern zahlreiche weitere Ak-
tergrund des Gedenkens an die Nürnber- die Judenvernichtung, dieses Projekt des tivitäten. Geplant sind:
ger Kriegsverbrecher-Prozesse, die vor epochalen Horrors, voranzutreiben, so ◗ auf Bundesebene eine zentrale Kund-
60 Jahren begonnen hätten“. brauchten Nosek* & Co. ebenfalls ein gebung auf dem Marienplatz in Mün-
Relativierung der NS-Verbrechen pervertiertes Hirn als Antreiber, um die chen, eventuell auch eine solche in Ber-
und Delegitimierung der Tsche- Vertreibung der Sudetendeutschen … in lin am Brandenburger Tor;
chischen Republik dieser Form durchführen zu können. ◗ auf Landesebene zentrale Kundgebun-
Dieses Hirn war nachweislich Beneš.“ gen in allen Landeshauptstädten;
Was für ein Vergleich! Auf der einen Sei- Das Buch, eine Fortsetzung von „Be- ◗ Informationsstände der Kreisgruppen;
te die staatlichen Planer und Strategen nesch, der Liquidator – Dämon des Ge- ◗ eine intensive Medienarbeit;
von Weltkrieg II und Holocaust, die in nozids an den Sudetendeutschen und To- ◗ eine zentrale Briefkastenaktion: „Dabei
Nürnberg angeklagt und verurteilt wur- tengräber der tschechoslowakischen De- soll ein Flug- oder Faltblatt mit einer
den – auf der anderen Seite Menschen, mokratie“ derselben Autorin, wurde am Kurzinformation über die Benes-Dekre-
die 1945 nach Jahren des Besatzungster- 21. November im Sudetendeutschen te, über den Verlust der Heimat, die deut-
rors ihren Hass auf die Nazis nicht zü- Haus in München in Anwesenheit von schen Opfer sowie über die Forderungen
geln und dabei nicht unterscheiden konn- SL-Chef Posselt vorgestellt. Herausge- der SL zur Heilung des Vertreibungsun-
ten zwischen schuldigen und unschuldi- ber beider Bücher ist Hans Mirtes, Vor- rechts zum Einwurf gelangen.“
gen Deutschen. Oder auch Menschen, sitzender der Arbeitsgemeinschaft Sude- Derartige Aktivitäten sind zweifellos
die die zeitliche Lücke zwischen dem tendeutscher Lehrer und Erzieher, Chef geeignet, die deutsch-tschechischen Be-
Zusammenbruch der Besatzungsmacht der „Studiengruppe Erbland Sudeten- ziehungen erneut schwer zu belasten.
und der Wiederherstellung der tschecho- land“ und Mitgründer der „Sudetendeut- Renate Hennecke ■
slowakischen Staatsmacht zu kriminel- schen Initiative“, die die Entschädi- * Václav Nosek: tschechoslowakischer Innenmi-
len Taten ausnutzten. gungsklagen beim Europäischen Ge- nister unter Beneš

10 : antifaschistische nachrichten 6/2006


: ausländer- und asylpolitik
vor der Vergabe der Halbjahreszeugnisse
stattfinden sollte, indem die Kinder aus
der Schule gerissen wurden und nicht
Aufruf: Kein Wahlkampf haven und der Polizei bei der Abschie- einmal die Chance hatten sich von der
auf dem Rücken von bung der Familie Mucaj. Großmutter zu verabschieden, die gleich
„Die Eheleute Arifete und Fadil Mucaj um die Ecke wohnt. Erst nach mehrfa-
Migranten! wissen nicht mehr ob es drei oder vier chem, drängendem Bitten habe sie ganz
Wir dokumentieren einen von 50 Uhr war, als am 19.1.2006 gegen ihre kurz mit der Schwiegermutter telefonie-
Künstlern, Gewerkschaftern, Migra- Wohnungstür in der Grenzstraße gehäm- ren dürfen, erinnert sich Arifete Mucaj.
tionsforschern und Politikern unter-
zeichneten Aufruf vom 8. März zu mert wurde. Vor der Tür standen Mitar- Die Nacht- und Nebelaktion endete
den bevorstehenden Wahlen: beiter der Ausländerbehörde und die Po- am Flughafen Düsseldorf. Um 12 Uhr
lizei, die unmissverständlich klar mach- sollte die Familie ins Flugzeug steigen.
ten, worum es ging. „Keine Widerrede, Dann sei das Wunder geschehen, um das
„Kein Wahlkampf auf dem Rücken von zieh dich an, weck die Kinder, pack die sie inständig gebetet habe. Bei einer ihrer
Migrantinnen und Migranten! Koffer“, waren die ersten Worte die Ari- Begleiterinnen klingelte das Handy. Das
Der zu Jahresbeginn in Baden-Würt- fete Mucaj hörte. Weder ihr Flehen, der Verwaltungsgericht in Oldenburg hatte
temberg eingeführte „Gesinnungstest“ Familie doch eine Chance zu geben, die Abschiebung nach Intervention eines
für Einbürgerungsbewerberinnen und noch ihr hinhaltender Widerstand konn- Anwalts, den die Schwiegermutter noch
-bewerber muslimischen Glaubens führ- ten den Ablauf der Dinge beeinflussen. alarmieren konnte, im letzten Augen-
te zu einer breiten öffentlichen Diskussi- Die Koffer seien ihr vor die Füße gewor- blick gestoppt. Einigen ihrer Begleiter
on. Es ist zu befürchten, dass die Debatte fen worden. Die beiden Söhne, sechs und sei die Enttäuschung anzumerken gewe-
eine weitere Ausgrenzung von Menschen zehn Jahre alt, wurden geweckt. Wenn sen, dass sie die Arbeit nicht abschließen
muslimischen Glaubens zur Folge haben sie selbst sich nicht sofort anziehe, müs- konnten und wir wieder nach Wilhelms-
wird. se sie im Pyjama mitkommen, hätten ihr haven zurückgebracht werden mussten.
Der Fragebogen und die damit verbun- die Mitarbeiter der Ausländerbehörde er- Für die Familie zählte jedoch nur der
dene Diskriminierung und Stigmatisie- klärt. „Wir sind keine Kriminellen, wir Satz: „Ihr seid frei“.
rung gibt besonders im Hinblick auf die haben doch nichts getan“, sagt Fadil Mu- Wie lange die Freiheit währt, ist unge-
bevorstehenden Landtagswahlen in Ba- caj, der vor 15 Jahren als 19-jähriger Ko- wiss. Wegen der unzureichenden Form
den-Württemberg, Rheinland-Pfalz, sovo-Albaner aus der serbischen Armee der Ankündigung durch die Stadt Wil-
Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklen- desertierte und nach Wilhelmshaven helmshaven hat die Kammer des Land-
burg-Vorpommern und die Kommunal- kam. Im Bosnien-Krieg habe er für einen gerichts Oldenburg die Abschiebung aus-
wahlen in Hessen und Niedersachsen Staat kämpfen sollen, den die muslimi- gesetzt. Freiwillig wird die Familie nicht
Anlass zur Sorge. sche Mehrheit im Kosovo nicht als den ausreisen. Freundinnen und Freunde der
Wenn Parteien und Politiker bei Wäh- ihren anerkannte. Seit 15 Jahren lebe er Familie Fadil und Arifete Mucaj haben
lerinnen und Wählern weit verbreitete in Deutschland, wie auch sein Bruder sich in einer Petition an den Niedersäch-
Vorurteile und ablehnende Haltungen be- und seine Eltern. Jetzt soll er mit seiner sischen Landtag gewendet mit der Bitte,
wußt bedienen, um Wahlerfolge zu erzie- Familie von einem Tag auf den anderen die Abschiebung der Familie und insbe-
len, fügen sie der Demokratie und dem zurück in ein Land, das längst kein Zu- sondere auch der Kinder Leutrim (10
friedlichen Zusammenleben in der Bun- hause mehr ist und dessen Sprache die in Jahre) und Donjet Mucaj (6 Jahre) in den
desrepublik schweren Schaden zu. Wilhelmshaven geborenen Söhne kaum Kosovo zu unterbinden
Die Unterzeichnerinnen und Unter- verstehen. Unfassbar für die Eheleute ist flucht mailing list /
zeichner dieses Aufrufs fordern Politiker auch, dass die Abschiebung wenige Tage flucht@nds-fluerat.org. ■
und Parteien deshalb dazu auf, die bevor-
stehenden Kommunal- und Landtags-
wahlkämpfe nicht auf dem Rücken von
Migrantinnen und Migranten auszutra-
gen.
Wir, die Unterzeichnerinnen und Un-
terzeichner dieses Aufrufs, fordern fer-
ner die Rücknahme des Fragebogens in
Baden-Württemberg, der vorherrschende
Ressentiments gegen Menschen musli-
mischen Glaubens bedient.“
Zu den Unterzeichnern zählen u. a.:
Sevim Dagdelen, Mitglied des Bundesta-
ges; Humanistische Union e.V.; Frank
Bsirske, ver.di-Bundesvorsitzender; Ul-
rich Thöne, GEW-Bundesvorsitzender;
Feridun Zaimoglu, Schriftsteller; Peter
Sodann, Schauspieler; Rolf Becker,
Schauspieler und Regisseur; Roger Wil-
lemsen, Journalist und Schriftsteller ■ Zehn Tage nach einer Großdemonstration in der belgischen Hafenstadt Antwerpen demonstrierten am
25.2. rund 7000 Menschen in Brüssel für die Legalisierung der Menschen ohne Papiere. Aufgerufen hatten
mehrere Flüchtlingsorganisationen, unterstützt wurde die Demonstration u.a. auch von den Gewerkschaf-
„Dann wird man auf einmal ten. Die Veranstalter kritisieren die belgischen Einwanderungspolitik, die viele tausend Einwanderer zu
hinausgeworfen“ „Menschen ohne Papiere“ und das heißt ohne Möglichkeit zur Arbeit und ohne Zugang zu Schule, Ausbil-
dung und Gesundheitsversorgung macht. Die „Union zur Verteidigung der Menschen ohne Papiere“ hat ei-
Unter dieser Überschrift berichtete die nen Gesetzentwurf zur Legalisierung der Einwanderer ausgearbeitet. Der Entwurf sieht vor allem deutliche
Wilhelmshavener Zeitung am 27.1.2006 Kriterien – sie fehlen im geltenden „Fremdengesetz“ vollständig – und vor allem auch dauerhafte und für
über das Vorgehen von Mitarbeitern der alle Einwanderer gleich geltende Kriterien zur Legalisierung vor. Eine Gruppe von „Illegalen“, die eine Kir-
Ausländerbehörde der Stadt Wilhelms- che besetzt hält (Bild), ist in den Hungerstreik getreten. Quelle und Bild: Indymedia Belgien ■

: antifaschistische nachrichten 6/2006 11


Bündnisgrüne und Linksfraktion wollen
Bleiberechtsregelung erreichen Dokumentiert
Berlin. In unmittelbarem zeitlichem geduldet im Bundesgebiet aufhalten, land. Häufig sind bereits Kinder in
Zusammenhang mit der Debatte um die eine Aufenthaltserlaubnis erteilen. Deutschland geboren und aufgewachsen,
Reform des Ausländerrechts durch den C. Alternativen die ihr „Heimatland“ allenfalls aus Er-
Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung Denkbar wäre es, eine diesem Anliegen zählungen oder dem Fernsehen kennen.
aufenthalts- und asylrechtlicher Richtli- entsprechende Regelung über ein ein- Diese Menschen sind vielfältigen Ein-
nien der Europäischen Union durch die stimmiges Votum der Innenministerkonfe- schränkungen unterworfen, die ihrer
Bundesregierung haben Mitglieder von renz (IMK) herbeizuführen. Die IMK hat vollständigen Integration in die deutsche
Bündnis90/Die Grünen und Die Linke sich jedoch im Dezember 2005 erneut als Gesellschaft entgegenstehen, obwohl sie
sowie ihre Fraktionen Gesetzentwürfe handlungsunfähig oder unwillig erwiesen. faktisch bereits „Inländer“ geworden
zur Änderung des geltenden Ausländer- sind.
rechts in den Bundestag eingebracht, die D. Kosten
sich mit dem Thema Kettenduldungen Keine. Im Gegenteil ist mit der Einspa- B. Lösung
befassen. Nach einer halbstündigen kon- rung öffentlicher Mittel zu rechnen, da Nach fünf Jahren rechtmäßigem oder ge-
troversen Debatte wurden die Entwürfe aufgrund der hier vorgeschlagenen Rege- duldetem Aufenthalt in Deutschland soll
an die Ausschüsse, fe-
derführend den Innen-
ausschuss verwiesen.
Bündnis90/Die Grü-
nen bezeichneten ihre
Initiative als Entwurf
eines Zweiten Geset-
zes zur Änderung des
Aufenthaltsgesetzes
(Altfall-Regelung)
(BT-Drs. 16/218). Er
besteht aus der Schaf-
fung eines neuen §
104a AufenthG.

Gesetzentwurf
der Abgeordneten
Josef Philip Winkler,
Volker Beck (Köln),
Wolfgang Wieland,
Claudia Roth (Augs-
burg) und der Frak-
tion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN

Entwurf eines Zweiten


Gesetzes zur Ände-
rung des Aufenthalts-
gesetzes (Altfall-Rege-
lung lung mit einem reduzierten Aufkom- ein Anspruch auf Erteilung einer Aufent-
men von ggf. gerichtlichen Wider- haltserlaubnis bestehen. Dadurch wird
A. Problem spruchsverfahren zu rechnen ist. Zudem den Betroffenen die Entwicklung einer
Auch nach Inkrafttreten des Zuwande- wird durch die Erteilung eines rechtmä- Lebens- und Integrationsperspektive in
rungsgesetzes leben über 200 000 Men- ßigen Aufenthaltsstatus auch der Arbeits- Deutschland ermöglicht. In Härtefällen
schen als Geduldete in Deutschland. marktzugang für die Betroffenen erleich- soll vom Erfordernis des fünfjährigen
Über 150 000 hiervon leben bereits län- tert. Dies führt zu einer Reduzierung von Aufenthaltes abgewichen werden kön-
ger als fünf Jahre unter uns. Kinder aus sozialen Transferleistungen. nen.
diesen Familien sind häufig hier geboren
und aufgewachsen. Gleichwohl sind sie Gesetzentwurf C. Alternativen
immer noch von Abschiebung bedroht. der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Keine
Das Aufenthaltsgesetz hat nicht ver- Dagdelen, Petra Pau und der Fraktion
mocht, für diese Menschen den Zustand DIE LINKE. D. Kosten
sog. Kettenduldungen zu lösen, d. h. ih- Keine. Im Gegenteil ist eine Entlastung
nen einen rechtmäßigen Aufenthaltssta- Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Än- der öffentlichen Haushalte zu erwarten,
tus in Deutschland zu verschaffen. derung des Aufenthaltsgesetzes und an- weil mit der Erteilung der Aufenthaltser-
derer Gesetze laubnis, die zur Erwerbstätigkeit berech-
B. Lösung tigt, auch die größere Chance zur Unab-
Die Ausländerbehörden sollen Auslände- A. Problem hängigkeit von Leistungen der öffentli-
rinnen und Ausländern, die sich beim In- Rund 200 000 Menschen leben seit meh- chen Hand verbunden ist.
krafttreten des Aufenthaltsgesetzes seit reren Jahren nur mit einer Duldung oder Quelle:
mindestens fünf Jahren rechtmäßig oder einer Aufenthaltsgestattung in Deutsch- BT-Plen.prot. 16/11, 797 D ff ■

12 : antifaschistische nachrichten 6/2006


: neuerscheinungen, ankündigungen

Rezension: 15. Oktober 1941 die von den gänge zugeschnitten, dass der „Zyklus von fünf Stadien“
Detaillierte Autoren ausführlich beschrie- Prozess der Deportationen studiert : „(1) Die Entstehung
Dokumentation über bene zweite Deportationspha- greifbar wird. Greifbar wird, einer Bewegung; (2) ihre Ver-
die „Juden- se mit einem Transport von wie die als Juden oder Zigeu- ankerung im politischen Sys-
deportationen“ 1005 Menschen von Wien ner rassisch verfolgten Men- tem; (3) ihr Griff nach der
nach Litzmannstadt (Lodz) schen aus den jeweiligen Macht; ( 4) die Machtaus-
Mehr als sechzig Jahre begann. Allei ne bis zum 3. Städten herausgerissen und übung und schließlich, (5)
nach Ende des Zwei- November folgten weitere abtransportiert wurden. Deut- die längerfristige Entwick-
ten Weltkriegs er- Transporte mit ungefähr lich wird, dass dieser Vorgang lung, wobei für faschistische
scheint nun ein „ansatzweise 19.000 Personen aus mehre- von der Bevölkerung nicht Regimes hier die Alternative
vollständiges Verzeichnis“ ren Städten des Deutschen unbemerkt bleiben konnte. In Radikalisierung oder Nieder-
der „Judentransporte“ aus Reiches zum gleichen Ziel. der Regel waren es nicht die gang lautete.
dem Deutschen Reich, dem Die Transporte von mehreren Güterwaggons, die bei den Obwohl jedes Stadium
Gebiet des damaligen zehn tausend Personen in die Deportationen aus den besetz- eine Voraussetzung für das
Deutschlands einschließlich Ghettos von Minsk, Kowno ten Gebieten eingesetzt wur- nächste ist, muss keine fa-
des bereits angeschlossenen und Riga folgten bis zum den, sondern normale Perso- schistische Bewegung sie alle
Österreichs sowie Böhmen Februar 1942. Ab Mai 1942 nenzüge – manchmal auch durchlaufen oder sich gar nur
und Mähren. Aufgelistet wer- begannen die Transporte in nur ein Waggon, der z.B. von in eine Richtung entwickeln“
den 648 Transporte, in denen die Vernichtungslager, erst in Berlin Anhalterbahnhof bis (S.41).
268.000 Menschen mit der Zügen mit relativ geringer nach Theresienstadt fuhr und Der Erste Weltkrieg war
Reichsbahn in die Lager und Personenzahl nach Ausch- an einen regulären Zug ange- die „entscheidenste direkte
Ghettos im Osten gefahren witz, dann in steigender Per- hängt wurde. Vorbedingung für den Fa-
wurden. 470 dieser Transpor- sonenzahl auch in die anderen Im Deutschen Technikmu- schismus“ (S. 48) . Nach
te werden kommentiert: Wie Vernichtungslager. seum Berlin ist dazu eine Kriegsende und seinen sozia-
viele Menschen waren es? Das Buch verdeutlicht, kleine Ausstellung im Lok- len und politischen Verwer-
Woher kamen sie? Wo waren dass sich die Methoden der schuppen II zu sehen, wo ein fungen stürzte „eine Bevölke-
die Sammellager? Welcher Deportationen dynamisch von Güterwaggon daran erinnert, rung, die gelernt hatte, öffent-
Vorwand wurde den Depor- Monat zu Monat änderten, bis dass es die Reichsbahn war, liche Lösungen der ökonomi-
tierten genannt? Außerdem sie das Stadium der durchor- die Millionen in den Tod schen Probleme zu erwarte-
das Durchschnitts alter, der ganisierten Massentransporte transportierte. ten, ins Ungewisse (S. 50).
Bahnhof, die Strecke, der erreichten. Die Autoren konn- Thomas Blum ■ Bereits die faschistischen
Zug. Was widerfuhr den De- ten auf weitgehend vollstän- übernommen aus „monitor“, „Urprogramme“, die die Kri-
portierten bei der Ankunft? dige Namenslisten zurück- rundbrief des apabiz, Nr. 24 senlage reflektierten und erst
Wie viele Personen haben den greifen, die vom Bundesar- die Praxis zeigten, dass der
Holocaust über lebt? chiv dieses Jahr veröffentlicht Gottwald, Alfred; Schulle, „Antikapitalismus der Fa-
Das Buch arbeitet in einer werden sollen. Sie sichteten Diana: „Die ,Judendeporta- schisten höchst selektiv war“
ausführlichen Einleitung über die zur Verfügung stehenden tionen‘ aus dem Deutschen (S.86). Um an die Macht zu
frühe Deportationen im NS Quellen aus der Literatur, aus Reich 1941-1945“. Wiesba- kommen, trafen Mussolini
Staat heraus, wie sich das Lokalstudien, aus Bahnunter- den 2005, 509 S., 15 Euro und Hitler „pragmatische Ent-
System schrittweise entwi- lagen und sammelten, was scheidungen“ (S. 87) – gegen
ckelte. Angefangen von den aus GESTAPO-Akten noch Paxton: „Anatomie die faschistischen „Puristen“.
massenhaften Ausweisungen zur Verfügung steht. So legten Entgegen allen Mythenbil-
polnischer Juden aus dem sie Wert auf die faksimilierte des Faschismus“ dungen kamen Mussolini und
„Großdeutschen Reich“ in Wiedergabe möglichst sämtli- (Jetzt auf Deutsch!) Hitler nicht via Coup d’Etat,
den Wochen vor der Reichs- cher „Deportationsrichtlini- sondern durch Zusammenar-
pogromnacht 1938, als die lo- en“ der GESTAPO sowie da- Paxtons Buch über- beit mit (Teilen von ) konser-
gistischen Erfahrungen ge- rauf, Beispiele für die Vor- rascht durch seine vativen Eliten an die Macht
sammelt wurden, die sich be- gänge der Deportation mit der prozesshafte Metho- (S. 142 ff.). Es kam zu einem
reits bei der Einweisung von Eisen- bahn in historischen de. Statt eine – im Hegel- „Herrschaftskompromiss“ (S.
26.000 bis 30.000 männlichen Aufnahmen abzubilden. An- schen und Marxschen Sinne – 149). Paxton durchaus diffe-
deutschen Juden in die Kon- hand der vielen Fotos, Stadt- „abstrakte“ Formel für den renziert: „Das Nazi-Regime
zentrationslager nach der Po- pläne, Landkarten und Doku- Faschismus zu geben, wird zu und die Wirtschaft hatten
gromnacht auswirkten. Be- mente wird der grausige Pro- Beginn an dessen konkret - konvergierende, aber keine
richtet wird, wie die erste zess anschaulich. Zitiert wer- historische Funktion erinnert: identische Interessen“ (S.
Phase der Deportationen mit den Briefwechsel und Verord- Schaffen einer „Diktatur ge- 145).
Beginn des Krieges am 1. nungen der NS-Bürokratie, gen die Linke unter der be- Die Machtergreifung von
September 1939 gestartet die Praxis der Deportationen geisterten Zustimmung der Mussolini und Hitler war in
wurde, als die Möglichkeiten wird in Beziehung gesetzt zu Bevölkerung“ (S.11). keiner Weise „unvermeidlich“
zu Flucht und Migration er- den politischen Beschlüssen Ein weiterer methodischer S. 151). Die Politik liberaler
heblich eingeschränkt waren. des Regimes. Baustein ist für Paxton wich- und konservativer Eliten bzw.
Die in dieser Phase gemach- Hervorzuheben ist, dass tig: „Ich konzentriere mich das Versagen der ArbeiterIn-
ten Erfahrungen wurden per- diese detaillierte Dokumenta- im Gegensatz zur üblichen nenbewegung machte sie
fektioniert, bevor im Oktober tion sich weder im Konkreten Praxis stärker auf die Hand- möglich. Paxton bewusst pro-
1941 ein allgemeines Aus- verstrickt noch im Allgemei- lungen der Faschisten als auf vokant: „Die genauere Be-
wanderungsverbot für Juden nen verliert. Die Informatio- ihre Worte“ (S. 9). trachtung, wie faschistische
aus dem deutschen Machtbe- nen sind so knapp und präzise Genesis und Entwicklung Führer Regierungschefs wur-
reich verhängt wurde und am auf die dokumentierten Vor- des Faschismus werden als

: antifaschistische nachrichten 6/2006 13


den, ist eine Übung in Anti- Wenn jemand so ausgehun- Kommandos „Hornisse“ an-
determinismus“ (Ebd.). gert ist, dann geht ja auch das schaulich rekonstruiert. Sie
Im Schlusskapitel wird die Seelen leben kaputt ... “ geben den weithin vergesse-
Frage diskutiert, ob ein „up- Gemeint sind die Häftlinge nen Opfern des Programms
dated“ Faschismus heute aus dem KZ Neuengamme, „Vernichtung durch Arbeit“
möglich ist S. 252ff.). Pax- die man im Sommer 1944 als ihr Gesicht wieder und le-
ton bejaht diese Möglichkeit, Marinekommando „Hornis- gen – entgegen anderen
verweist jedoch auf wesentli- se“ in Waggons nach Bremen Verlautbarungen – dar, in
che Unterschiede zur Zwi- transportierte. Im November welchem Maße die Hanse-
schenkriegszeit: u. a. das an- 1944 brachte man sie im stadt, Betriebe und Stadt-
dere ökonomische Ambiente „Riespott“ unter, einem kurz viertel von Lagern durch-
im Gegensatz zur Großen De- zuvor ins Leben gerufenen setzt waren, in denen
pression oder den weitgehen- Außenlager des KZ Neuen- Zwangsarbeiter, Kriegsge-
den Verzicht der aktullen ex- gamme, in Sichtweite der fangene und KZ-Häftlinge
tremen Rechten auf den „Pri- Norddeutschen Hütte. Täg- leben, leiden und sterben
mat der Politik“, also das Set- lich trieb man die Gefange- mussten.
zen auf den „freien Markt“. nen unter Schlägen und Fuß- Die Herausgeber:
Sehr informativ und hilf- tritten durch die Straßen Grö- Eike Hemmer, Jg. 1937,
reich ist der abrundende „Bi- pelingens zur Zwangsarbeit Abitur, Studium, aktiv in
bliografische Essay“ (S.322 für die Bremer Werft Deschi- der 1968er- Bewegung, seit
ff.). In knapper, kommentier- mag/AG Weser. Ihre Aufga- 1973 als Walzensteuermann
ter Form wird die wichtigste be: der Bau eines Bunkers, in auf der Klöckner- Hütte,
Literatur vorgestellt – in der dem U-Boot-Sektionen zu 1984 Betriebsrat, 1996 Mit-
Bandbreite „Allgemeine Ar- fertigen waren, die später in glied im Europäischen Be-
beiten“ bis hin zu „Faschisti- dem Bunker „Valentin“ in triebsrat der ARBED, seit
sche und neofaschistische Bremen-Farge zum U-Boot- schließlich zur Idee, verstärkt 2001 in Rente.
Bewegungen seit 1945“. XXI zusammengefügt wer- in verbunkerten Anlagen zu Robert Milbradt, Jg. 1944,
Hermann Dworczak ■ den sollten. produzieren. Zunächst griff Bootsbauer und ein paar Jah-
Den Hintergrund für die- die Naziführung für deren re Hochseefischerei, seit
Robert O. Paxton: Anato- sen Plan stellte ein lange vor Bau auf russische und italie- 1965 bei Klöckner, 1972 Be-
mie des Faschismus. 1939 entwickeltes giganti- nische Kriegsgefangene zu triebs rat, seit 1982 mit Eike
München, Deutsche Ver- sches Aufrüstungsprogramm rück, ab August 1944 auch Hemmer und weiteren Kolle-
lagsanstalt . 447 Seiten, dar. Die Deschimag/AG We- auf Häftlinge des KZ Neuen- gen der Klöckner-Hütte
20,60 Euro. ser sollte eine Serie von Zer- gamme. Ein offener Schlepp- Nachforschungen über
störern, Torpedo- und Unter- kahn beförderte die Gefange- Zwangsarbeit und das Lager
Bunker „Hornisse“ seebooten produzieren. Der nen zur Baustelle. Die Hälfte „Riespott“, heute Rentner.
Mehrheitsanteil der Aktien von ihnen starb an Entkräf-
„Das waren eigentlich nur des Unternehmens, bis Mitte tung, den Misshandlungen Eike Hemmer u. Robert Mil-
schemenhafte Gestalten für der 1930er Jahre in den Hän- der Kapos und auf den Todes- bradt: Bunker „Hornisse“.
mich“ – erinnert sich Marian- den von Bremer Kaufleuten märschen. KZ-Häftlinge in Bremen
ne Chantelau an die Men- und zwei Banken der Hanse- Die ehemaligen Betriebsrä- und die U-Boot-Werft der
schen, die ihr im Bremer stadt, ging 1941 an die „Rüs- te der Stahlwerke Eike Hem- „AG Weser“ 1944/45.
Stadtteil Gröpelingen begeg- tungsschmiede“Krupp. mer und Robert Milbradt ha- Donat Verlag, 143 Seiten,
neten. „Sie zogen vorbei. Sie Die zunehmende Bombar- ben aus Zeugenaussagen, Ar- 32 Abbildungen,
hatten kein richtiges Gesicht dierung der Hafenanlagen chivmaterialien und Doku- Hardcover, 12,80 Euro,
mehr und einen kahlen Kopf durch alliierte Flieger führte menten die Geschichte des ISBN 3-938275-02-2

Buchankündigung: III. Islamismus, Terrorismus und


Massenmedien, Migration und Integration „Ausländerkriminalität“ als
In der aktuellen Diskussion über Zuwanderung, aber auch das Medienthemen
Verhältnis des Westens zum Islam bzw. zu den Muslimen IV. Alternativen für Journalismus
spielen die Massenmedien eine Schlüsselrolle. Sie filtern für und Pädagogik
die Meinungsbildung wichtige Informationen und beeinflus-
sen so das Bewusstsein der Menschen, denen sich die gesell- Herausgeber/in:
schaftliche Realität zunehmend über die Rezeption von Me- Prof. Dr. Christoph Butterwegge
dien erschließt. Medien liefern nicht nur (Zerr-)Bilder von leitet die Abteilung für Politikwis-
Migrant (inn)en und ethnischen Minderheiten, die das Den- senschaft und ist Mitglied der For-
ken und Handeln der Einheimischen negativ beeinflussen, schungsstelle für interkulturelle
sondern prägen auch deren Haltung im Hinblick auf Modelle Studien (FiSt) an der Universität
für das Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedli- zu Köln
cher Herkunft, Kultur und Religion, indem sie Möglichkeiten Prof. Dr. Gudrun Hentges lehrt Politikwissenschaft an der
bzw. Grenzen der Integration ausloten und öffentliche Debat- Hochschule Fulda und ist Mitglied der Forschungsstelle für
ten darüber organisieren. interkulturelle Studien (FiSt) an der Universität zu Köln
Inhalt:
I. Massenmedien: Motoren und Multiplikatoren der Christoph Butterwegge/Gudrun Hentges (Hg.) Massen-
Ethnisierung? medien, Migration und Integration
II. Zuwanderung und Rassismus in den Medien Wiesbaden (VS - Verlag für Sozialwissenschaften) 2006,
260 Seiten, ISBN-Nr. 3-531-15047-2, 19,90 EUR

14 : antifaschistische nachrichten 6/2006


: ostritt
Empörung und Enttäuschung
über Entscheidung des D
ie Sudetendeutsche Stiftung hat
am 25. Januar das 20-jährige Be-
stehen des Sudetendeutschen
Bundesverfassungsgerichts Hauses in München gefeiert. Das Gebäu-
de verfügt über eine Nutzfläche von 5.000
Die „Internationale Föderation verbrecher, wie zum Beispiel die Ge- Quadratmetern und beherbergt die wich-
der Widerstandskämpfer“ (FIR) birgsjäger-Kompanie, die sich alljährlich tigsten Einrichtungen der sogenannten
reagierte mit Empörung und Ent- am Brenten in Mittenwald treffen, von Volksgruppe: Die Sudetendeutsche
täuschung auf das Urteil des Bundesver- der Bundeswehr unterstützt werden. Das Landsmannschaft, die Sudetendeutsche
fassungsgerichts, den Prozessantrag der ist ein Skandal,“ erklärte Dr. Schneider. Verlagsgesellschaft (Herausgeberin der
Angehörigen der Opfer des SS-Massa- Mehr als 60 Jahre nach dem Ende der fa- Sudetendeutschen Zeitung), das Collegi-
kers von Distimo/ Griechenland abzuleh- schistischen Herrschaft zeigt das Urteil um Carolinum, das Sudetendeutsche Ar-
nen. Damit wird den Angehörigen der des Bundesverfassungsgerichts, wie ak- chiv, die Sudetendeutsche Akademie der
Opfer des NS-Massenverbrechens, dem tuell die Forderung bleibt: „Entschädi- Wissenschaften und Künste, den Adal-
über 300 Menschen zum Opfer fielen, gung der Opfer! Schluss mit der Ehrung bert-Stifter-Verein und den Sudetendeut-
jegliche Möglichkeit zur Entschädigung der Kriegsverbrecher!“ schen Rat. Selbstverständlich hat hier
bestritten. Das Verfahren wurde – wie gez. Dr. Ulrich Schneider, Generalsekre- auch die Sudetendeutsche Stiftung ihren
schon in den unteren juristischen Instan- tär der Internationalen Föderation der Sitz, die offizielle Trägerin des Sudeten-
zen – mit formalen Tricks ausgehebelt. Widerstandskämpfer (FIR), deutschen Hauses ist.
Ein individueller Entschädigungsan- Berlin, 3.3.2006, Das Sudetendeutsche Haus sei „sicht-
spruch Einzelner bestehe nach Kriegs- e-mail: bundesbuero@vvn-bda.de, barer Ausdruck unserer Schirmherrschaft
handlungen nicht, ein Amtshaftungsab- Internet www.fir.at ■ über den vierten Stamm“ Bayerns, erklär-
kommen habe damals nicht bestanden, te der Stiftungsratsvorsitzende der Sude-
somit könnten die Betroffenen keine NS-Raubkunst wird wieder tendeutschen Stiftung, Edmund Stoiber,
Klage gegen die Bundesrepublik in seiner Festansprache. Damit bezog er
Deutschland erheben. Nach dem Karls- erforscht sich auf die maßgebliche Rolle, die der
ruher Beschluss können die griechischen Köln. Mit breiter Zustimmung hat der Freistaat Bayern bei der Errichtung des
Opfer auch aus den Entschädigungszah- Rat der Stadt Köln am 14.2.2006 einen Gebäudes spielte. Im März 1976 stellte
lungen Deutschlands an rassisch und po- Antrag der Fraktion Die Linke.Köln an- die bayerische Landesregierung das
litisch verfolgte NS-Opfer keine Ansprü- genommen, ab 2007 eine Stelle zur Er- Grundstück in der Hochstraße 8 in Mün-
che ableiten, denn die Verbrechen seien forschung der Herkunft und des Ver- chen zur Verfügung – 3.200 Quadratmeter
„nur Kriegsverbrechen“ gewesen. bleibs der NS-Raubkunst in ihren Mu- aus staatlichem Besitz. Am 1. August
„Besonders empörend ist es, dass das seen einzurichten. 1980 erklärte sich der Freistaat bereit, die
Gericht außerdem behauptet, nach dem Damit wird die vor einigen Jahren mit Hälfte der gesamten Baukosten zu über-
Krieg habe es bereits eine Entschädigung privaten Geldern auf zwei Jahre befriste- nehmen. Auf 11,2 Millionen DM belief
gegenüber Griechenland gegeben“, beton- te Forschungsarbeit wieder aufgenom- sich schließlich die Summe, die aus Steu-
te der Generalsekretär der FIR, Dr. Ulrich men und nachhaltig durch öffentliche ermitteln des Landes dem Bau des Revisi-
Schneider. Es sei bekannt, dass die grie- Mittel bezahlt. Während der NS-Herr- onszentrums zugute kam. Ergänzend
chische Regierung in früheren Jahren schaft von 1933 bis 1945 sind der jüdi- zahlte der Bund mehr als eine halbe Milli-
massiv unter Druck gesetzt worden sei, schen Bevölkerung durch willkürliche on DM, Beträge bis zu 12.000 DM kamen
keine Forderungen gegenüber Deutsch- Entrechtung und Enteignung Gemälde, von einzelnen Städten und Gemeinden.
land zu erheben, obwohl griechische Ge- Skulpturen und Kunsthandwerk geraubt Drei Millionen DM übernahm die Bayeri-
richte die Ansprüche der Opfer bis in worden. Die Museen beteiligten sich an sche Landesstiftung, vier Millionen
höchste Instanzen bestätigt hätten. diesen Raubzügen. Vieles davon wurde brachten einzelne Spenderinnen und
„Während die Opfer der faschisti- nach dem Krieg nicht zurückgegeben, Spender auf, so dass auf die Sudetendeut-
schen Politik entrechtet und verhöhnt vieles blieb bis heute unauffindbar oder sche Stiftung schließlich nur noch 5,2
werden, erleben wir auf der anderen Sei- ist eindeutig als Raubgut zuzuordnen. Millionen DM entfielen.
te, dass Traditionsverbände der Kriegs- www.pds-koeln.de ■ Das Sudetendeutsche Haus soll, so lau-
tete in den 1970er Jahren der Projektauf-
trag, „Wege (...) suchen, um das Fortbe-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. stehen und die Weiterarbeit der verschie-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de denen Einrichtungen der Sudetendeut-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach schen und ihrer Landsmannschaft auch
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, für die Zukunft sicherzustellen“ – für die
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Zeit, wenn aufgrund der damals schon ab-
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. zusehenden Altersstruktur der „Vertriebe-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. nen“-Verbände die Personalstärke drama-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind tisch abnehmen wird. Außerdem soll es,
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. das betonte Edmund Stoiber in seiner
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Festansprache erneut, den „sudeten-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung deutsch-tschechische(n) Dialog auf allen
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. kulturellen Ebenen“ am Laufen halten.
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
Denn das, so der bayerische Ministerprä-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., sident, schafft „Vertrauen“ und erleichtert
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Jochen Koeniger (Ar- es, mit der Tschechischen Republik „über
beitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vor-
standes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten);
die Lösung der sudetendeutschen Fragen
Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter offen und fair zu sprechen“.
hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. jk (nach DOD 2/2006) ■

: antifaschistische nachrichten 6/2006 15


: aus der faschistischen presse
gegen Briten und Freifranzosen in Nord-
afrika durch. 1943 wurde die 13. SS-Waf-
fengebirgsdivision ,Handschar‘ aus mu-
Islamismus in der rechten mus, Feminismus, Multikulturalismus, selmanischen Freiwilligen gebildet. Sie
Diskussion ,One World‘ im weitesten Sinn“. kämpfte gegen die Sowjets und kommu-
Nation & Europa März 2006 Damit sind, Annhaus sei’s gedankt, die nistische Partisanen auf dem Balkan. Eine
Inhaltlicher Schwerpunkt des Märzheftes Fronten direkt zu Anfang geklärt. Damit der ältesten islamischen Dachorganisatio-
von „Nation & Europa“ ist im Kern die es aber auch von jedem verstanden wird, nen, die ,Islamische Gemeinschaft in
Frage, wer in der gegenwärtigen weltpoli- wird er noch deutlicher: „Die Frontlinie Deutschland‘ (IGD) wurde 1958 unter
tischen Situation Hauptgegner der Rech- verläuft dabei nicht zwischen Orient und Beteiligung muslimischer Kriegsvetera-
ten ist: Die muslimische Welt oder der Okzident, wie so gerne behauptet. Es ist nen gegründet“.
globale US-amerikanische Hegemoniean- vielmehr der Kampf des US-amerikani- Auch Leserbriefschreiber Jens Siebert
spruch. Anders ausgedrückt: Setzen die schen Universalismus (für Annhaus eine aus Stade hat nichts gegen den Islam, aber
Neofaschisten stärker auf Fremdenfeind- direkte Folge der Philosophie der Aufklä- viel gegen die USA: „Wer jetzt in den
lichkeit und Rassismus oder sollen sie zur rung – tri) gegen einen besonders wider- Chor der Islamfresser einstimmt, betätigt
Zeit eher einen deutschen Herrschaftsan- spenstigen Teil der Erde mit einer vorherr- sich als nützlicher Idiot der Bush-Krieger
spruch, der sich durchaus als europäischer schenden Religion, die Kampfeswille, Vi- und ihrer räuberischen, völkerfeindlichen
tarnen kann, in den Mittelpunkt ihrer Pro- talität und Selbstbewußtsein zu vermitteln Aggressionspolitik im Namen von ,free-
paganda stellen? scheint. Für die europäische Rechte sollte dom and democracy‘. Also: Kampf der
Die Debatte wird bereits mit der Titel- dies Anlaß sein, ihre eigene derzeitige Po- Kulturen – ja bitte. Aber wir sollten dabei
seite eröffnet, die den US-Präsidenten vor sition in jenem ,Kulturkampf‘ zu hinter- auf der richtigen Seite stehen“.
einem Folterfoto (aus dem Irak?) zeigt fragen. So könnte man als Hüter eigener Aber wie verträgt sich diese Orientie-
und ihn unter dem Bild mit der Aussage Werte dem leidenschaftlichen Widerstand rung, die nach dem Prinzip „Der Feind
zitiert: „Die beste Hoffnung für Frieden in der Muslime durchaus positive Seiten ab- meines Feindes ist mein Freund“ handelt,
unserer Welt liegt in der Ausbreitung von gewinnen“. mit der traditionellen Fremdenfeindlich-
Freiheit überall in der Welt“. Und auch in Folgen einige Illustrationen seiner The- keit der Rechten? Aus einer Rezension
dem an prominenter Stelle, direkt nach se von der inhaltlichen Verbundenheit, des Buches „Falsche Fremden-Freund-
dem Editorial, platzierten Beitrag von wenn nicht gar Verwandtschaft zwischen lichkeit: Islamisches Frauenbild gefährdet
Christoph Annhaus geht es um die gleiche Islamismus und rechter Ideologie: „Wirft europäische Lebensart“: „Falthausers Stu-
Frage, die in der Rechten bisher offen- man einen Blick auf die Protagonisten des die aber geht Unterschieden auf den
sichtlich nicht gelöst ist. Annhaus nennt antiislamischen Kulturkampfes, wird Grund, die hierzulande gern tabuisiert
seinen Beitrag mit dem Titel „Karikatu- schnell klar, wes Geistes Kind sie sind. werden, weil sie von Unvereinbarkeiten
renstreit, Koran, Kulturkampf: Feindbild Nicht selten handelt es sich um Altlinke, zeugen. ,Multi-Kulti‘, das bunte Neben-
Islam“ deshalb auch ausdrücklich einen die, nachdem die Völker Europas ihre einander, kann nur dort halbwegs funktio-
„Diskussionsbeitrag“. Traditionen weitgehend verloren haben, nieren, wo gemeinsame Wertvorstellun-
Nachdem er festgestellt hat, dass sich die Kraft ,kreativer Zerstörung‘ nun auf gen im Grundsätzlichen herrschen. Dabei
neuerdings Linke und Rechte einig sind die islamische Welt lenken“. Und die geht es nicht zwangsläufig um ,gut‘ oder
gegen den vermeintlich rückständigen Schlussfolgerung: „Die deutsche und eu- ,schlecht‘. Die Unterschiede als solche
und intoleranten Islam, stellt er zuerst ein- ropäische Rechte tut gut daran, sich nicht sind das Problem“. Auch Überschriften
mal die ideologischen Gegensätze inner- bei denen einzureihen, die prinzipiell wie „Bi-nationale Ehen oft unglücklich“,
halb der vermeintlich Verbündeten dar: nichts mit tradierten Werten und kulturel- „Zwangs-Integration jetzt auch im Kran-
„Der Rechten geht es seit jeher vor allem len Unterschieden anzufangen wissen“. kenhaus“, „Fachkräfte raus, Sozialfälle
um die Frage der Überfremdung und um Und damit Anhaus’ Thesen auch von rein“ und Aktuelles aus Multikultopia“
die Begrenzung bzw. Rückgängigma- jedem eingefleischten Neonazi akzeptiert (alle der Märzausgabe von N&E entnom-
chung der Einwanderung. Linken und Li- werden können, zitiert dieser seine histo- men) sprechen für sich und belegen, dass
beralen ging es statt dessen immer darum, rischen Vorbilder: „ Im Zweiten Weltkrieg sich in Punkto Rassismus bei den Heraus-
im missionarischen Sinn `Aufklärung´ zu kämpften islamische Einheiten auf deut- gebern und Autor(inn)en nichts Wesentli-
betreiben und eigene Vorstellungen zu ex- scher Seite. Die ,Arabischen Sicherungs- ches geändert hat. Als Verbündete im
portieren, Vorstellungen wie Egalitaris- verbände z.B.V.‘ legten ihren Eid auf den Kampf gegen die in den USA verorteten
Koran ab und führten Spezialoperationen Prinzipien der Aufklärung, wie z.B. glei-
che, unveräußerliche Rechte aller Men-
schen, sind (reaktionäre) Muslime will-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
kommen. Als Nachbarn, mit gleichen, un-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: veräußerlichen Rechten sollen sie bleiben,
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich wo der Pfeffer wächst.
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Für Antifaschist(inn)en gilt es, genau
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
diese fortschrittlichen Prinzipien der Auf-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
klärung gegen neofaschistische und isla-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). mistische Reaktionäre zu verteidigen und
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
gleichzeitig, die aggressive und in vielen
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Staaten selbst faschistische Züge anneh-
mende Politik der USA zu bekämpfen.
Name: Adresse: Bundesgenossen sind dabei natürlich
auch unter fortschrittlichen Muslimen zu
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts finden – und sie müssen gefunden wer-
den. Dabei stehen sowohl antideutsche Is-
Unterschrift lamophobie als auch prinzipienlose An-
biederung an die islamische Reaktion ei-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
ner fortschrittlichen, antifaschistischen
Politik im Weg. tri ■

16 : antifaschistische nachrichten 6/2006