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Schweizerische Bauzeitung

Maillart, Rob.

Zur Frage der Biegung


Schweizerische Bauzeitung, Vol.77 (1921)

PDF erstellt am: 17.09.2007

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30. April 1921. SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG !95

INHALT: Zur Frage der Biegung. Ein Holzhaus in Riehen hei Basel. anlagen. Neue Eisenbahn-Brücke über den Hoangho. Konkurrenzen: Ausbau des
Zwei Räume der Schweizer Mustermesse. Das automatische Blocksystem der Unter-. Hafens von Trelleborg. Nekrologie: P. Cuypers. Literatur. Vereinsnach-
grundbahn .Nord-Süd" in Pafis. Miscellanea: Ueber die neuere Entwicklung der iicbten; Schweizerischer Ingenieur- und Architekten-Verein. Stellenvermittlung.
flammenlosen Oberflächenverbrennung. Automatische Vorrichtung zum Verhüten des Tafel 17: .Ein Holzhaus in Riehen bei Basel.

Heisslaufens von Lagern. Steigerung der Werknutzung von Niederdruck-Wasserkraft¬ Tafel j8: Zwei Räume der Schweizer Mustermesse.

Band 77. Nachdruck von Text oder Abbildungen ist nur mit Zustimmung der Redaktion und nur mit genauer Quellenangabe gestattet. Nr. 18.

Dass statt dieser Spahnungsverteilung eine solche


Zur Frage der Biegung.1)
gemäss Abbildungen 2 und 3 beobachtet wurde, führt nun
Von Ing. Rob. Maillart, Genf. Bach ohne Weiteres auf die Asymmetrie des Querschnittes
zurück. Dass dies ein Trugschluss ist, hätte sich sofort er¬
In der letzten Auflage von Bachs Elastizität und
geben, wenn Bach einen symmetrischen Querschnitt in
Festigkeit"2) sind auf Seite 267 Biegungsversuche mit
gleicher Weise belastet hätte. Denken wir uns nämlich den
einem Q Eisen erwähnt, die zu lebhaftem Meinungsaus¬ Steg des J-Eisens vom Querschnittsrand in die Mitte ge¬
tausch führten, mit dem Resultat, dass man sich diese rückt, sodas ein symmetrisches T-Profil entsteht, die Lasten
Versuchsergebnisse noch nicht recht erklären kann.8) aber in den gleichen Punkten wirkend, so hätten sich
Bach stellt als Bedingungen zur Gültigkeit der Haupt ebenfalls Abweichungen vom normalen Spannungsdiagramm
gleichungen der Biegungslehre (ZI. 12, S. 236) fünf Be- gezeigt, trotzdem in der Mittelstrecke die erste Bedingung
dingunge'n auf (S. 259). Die erste dieser Bedingungen lautet: sowohl als die vierte restlos erfüllt erscheinen.
Die auf den geraden, stabförmigen Körper wirkenden
Es ist eben folgender Umstand in Betracht zu ziehen:
äusseren Kräfte ergeben für jeden Querschnitt nur ein In den Aussenstrecken, wo nicht nur ein Moment, sondern
Kräftepaar", während als vierte Bedingung ausgesprochen auch eine Querkraft wirkt, treten in der obern und untern
wird: Der Stabquerschnitt ist symmetrisch, und die Ebene
des Kräftepaares fällt mit der Symmetrie-Ebene des Stabes
Querschnittshälfte (gleiche und entgegengesetzte) Quer¬
momente auf, die dann, gleich dem Vertikalmoment, auch
zusammen oder ist ihr parallel." in der Mittelstrecke vorhanden sind und die gleichmässige
Den Nachweis für die Berechtigung dieser vierten
Spannungsverteilung stören.
Bedingung (der Symmetrie) glaubt Bach durch die erwähn Das nämliche würde der Fall sein bei folgender Ver¬
ten Versuche mit dem (unsymmetrischen) QEisen erbracht
suchsanordnung, die ebenfalls der ersten und vierten Be¬
und damit die bisherige Annahme, die Symmetrie sei nicht
dingung entspricht: Auf die beiden Enden eines I-Balkens
nötig, es reiche aus, wenn die Ebene des Kxäftepaares den wirke je ein gleiches und entgegengesetztes Kräftepaar,
Querschnitt in einer der beiden Hauptaxen schneide"
derart, dass zwei axial gegeneinandergerichtete gleiche
wiederlegt zu haben. Druckkräfte exzentrisch an einem Flansch und zwei ebenso
Bach belastete einen QBalken Nr. 30 gemäss Abbil¬
gerichtete gleiche Zugkräfte bei gleicher Exzentrizität am
dungen 1, 2 und 3. In Abb. 2 und 3 sind die gemessenen andern Flansch angreifen. Trotz Erfüllung der Bedingun
Spannungen eingeschrieben und aufgetragen, dieEnddunkte
gen wird die Spannungsverteilung in den Flanschen un-
zu Spannungsdiagrammen verbunden. Die normale, d. h.
gleichmässig sein. Die Einwirkungsart der Kräftepaare
nach üblicher Methode berechnete Spannung von 272 kgjcm*
wird bis um 53 und 90 °/0 überschritten. Offenbar belas¬ erzeugt eben wiederum störende Quermomente. Nur in
einem Spezialfall, wenn nämlich die Kräfte in der Sym-
tete Bach lediglich in der Stegmitte und im Schwerpunkt,
metrieaxe angreifen, wird die Spannungsverteilung gleich-
weil er a priori annahm, es könne für die Möglichkeit
einer normalen Spannungs massig.
P°1300 P*1500 verteilung nur einer dieser
w gl
J L Punkte in Betracht fallen. Das
Vorhandensein eines dritten v'M
-l-WO" -l*ioo~ *-£-
charakteristischen Punktes zog
Qp ä
K -t-272*

Abb. 1. er nicht in Erwägung; und I'BJ

doch liegt es gar nicht so fern ' ¦s SdV.


SD
zu vermuten, dass, sofern die Verschiebung der Last von 1

Stegmitte um 2,2 cm nach links eine Mehrüberschreitung


der normalen Spannungen von 90 53 37 °/0 ergab,
die Ueberschreitung verschwinden dürfte, wenn man die

Belastungsebene um 2,2 X * 3,2 cm von Stegmitte


^ >3Ö- £=37-1

nach rechts verschiebt.


Abbildung 4 zeigt, eng schraffiert, die normale" Span¬
nungsverteilung gemäss der Hauptgleichung der Biegungs¬
lehre. Die Resultierende der Biegungsspannungen jeder
Schnitthälfte geht durch einen Druck- und Zugmittelpunkt ÜZ m
Sa und Sz, deren Lage sich ermittelt zu: a.y
(?*

2(y* ä F\ Jx
yo 12,7
2(y d F) 2 Sx
h^U-H 34^
2 (xy F) Sy(h- -d) Sy (hd) yt
Xq
2 (v J F) Jx
3>°- Abb. 2 Abb. 3. Abb. 4.

(Darin sind Sx und Sy sind die statischen Momente


der Querschnittshälften; alle Werte sind stets in cm und Gleiches wird aber auch eintreten, wenn der Ver¬
kg verstanden). such mit einem |-Eisen wiederholt wird, wobei eine Ver¬
drehung nicht stattfinden wird, wenn die Kraftangriffs¬
*) Die 'Veröffentlichung dieser, schon Ende letzten Jahres einge
punkte in der Vertikalen durch Zug- und Druckmittelpunkt
reichten Arbeit hat sich lediglich durch ein Versehen unsererseits unliebsam
Red.
liegen, Ein prinzipieller Unterschied im Verhalten des
verzögert.
2) « Elastizität und Festigkeit», von Prof. Dr.-Ing. C: Bach, Vorstand
symmetrischen und unsymmetrischen Querschnittes ist also
des Ingenieur-Laboratoriums und der Materialprlifungsanstalt an der Tech¬
nicht vorhanden. Beim symmetrischen Querschnitt haben
nischen Hochschule Stuttgart. Unter Mitwirkung von Prof, R. Raumann. wir lediglich den Spezialfall, dass Zug- und Druckmittel¬
Berlin 1920. Verlag von Julius Springer. (Vergl. Besprechung auf S. 203) punkt in die Symmetrieaxe fallen. Damit die Biegungs¬
8) Vergl. «S. B. Z.» Bd. LXXVI, Seite 206 (Nov Dez. 1920). gleichung für eine beliebige Stellung der Kräftepaar-Ebene
SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG [Bd. LXXVII Nr. 18
196

ist die weitere Bedingung zu stellen, dass die So ergibt sich als Summe der Momente der Schubspan¬
gültig sei,
Krafteinwirkung dem ganzen Querschnitt vermittelt werde. nungen bezogen auf den Stegmittelpunkt
Denken wir uns den soeben erwähnten Versuch so durch¬ M--
P (hd) f4 ,-,
¦zFr
| (hd) 2 Ff
geführt, dass die Balkenenden von starren Köpfen um¬ 2 Jx
so wird die
gössen sind, an denen die Kräfte angreifen, P
Sy (hd) (h -2d)
einfache Biegungsformel gültig sein für jedes Mass der ¦2lx~
Exzentrizität und zwar für alle symmetrischen und unsym¬ da das statische Moment der Flanschfläche Ff - s annähernd
metrischen Querschnitte, wenn die Momentenebene parallel gleich ist dem statischen Moment des halben Querschnittes.
zur Verbindungslinie von Druckmittelpunkt und Zugmittel Also ist der Abstand der Resultierenden vom Steg
punkt liegt. mittelpunkt :

Darin also, dass Bach die erste Bedingung nicht in M Sy (hd) (h2d) 3»i.
strengem Sinne erfüllte (indem er die verdrehenden Quer¬ 2 Jx
momente nicht ausschaltete), liegt der Grund der von ihm Wir haben somit gefunden, dass wenn die Belastungs
gefundenen Anomalien. Seine vierte Bedingung entbehrt ebene vertikal ist und durch einen 3,1 cm von der Stegaxe
deshalb der Begründung. Damit hat auch der Vorbehalt, entfernten Punkt geht, den wir Schubmittelpunkt nennen
den Bach eingangs des § 21 macht, dahinzufallen. Hier wollen, die normale Spannungsverteilung stattfinden wird.1)
werden Querschnitte beliebiger Form behandelt. Bestünde Um nun zu ermitteln, wie sich die Spannungen än¬
die vierte Bedingung zu Recht, so wären alle in diesem
dern, wenn die Lastebene sich im Abstand a von diesem
Kapitel enthaltenen Ableitungen haltlos und konsequenter Punkt befindet (Abb. 4), zerlegen wir die Last in eine durch
weise hätte sie Bach ganz weglassen müssen. Immerhin,
den Schubmittelpunkt und eine durch die Stegmitte gehende
wohl da etwas Besseres nicht an ihre Stelle zu setzen war,
Vertikalkomponente. Letztgenannte hat die Grösse
behält er sie, etwa als rohe Annäherung bei, bemerkend,
diese Entwicklungen seien die üblichen", womit er sozu¬ P' p P. ¦
e
und durchblicken lässt,
sagen die Garantie dafür ablehnt Die dieser Komponente entsprechenden Qf sind nun
man habe entsprechend dem QEisen-Versuch in gewissen die einzigen Kräfte, die auf den ganzen Querschnitt dre¬
Fällen Fehler bis 90 °/0 zu erwarten. Dies ist nun nicht hend und auf die beiden Querschnitthälften ausbiegend
zutreffend, sobald nur die erste Bedingung streng erfüllt wirken, indem die Querkraft P' mit der Resultierenden
wird; dann können die Ergebnisse dieser Entwicklungen der Schubspannungen des Steges zusammenfällt. Wir haben
vertrauensvoll benützt werden. Wohl wird also bei unregel¬
uns also zu beschränken, die Wirkung der Qf zu unter¬
mässigem Querschnitt die Durchbiegung im allgemeinen
suchen, wobei wiederum nur deren Horizontalkomponenten
nicht in der Kraftebene erfolgen und die neutrale Axe
nicht zu ihr senkrecht stehen; aber das alte Biegungs¬ H P' Sy (hd) P' P
beim Jx h 2d (h2d)
prinzip bleibt gültig und Verdrehungen, wie
2
sie
in Betracht zu ziehen sind.
Q Eisen -Versuch beobachtet wurden, sind ausgeschlossen.
All das Gesagte bewegt sich im Rahmen der ersten Die Ausbiegungen der obern und untern Querschnitt¬
hälften sind gleich aber entgegengesetzt, sodass aus Sym¬
Bedingung, also der Beanspruchung des Stabes durch ein
Kräftepaar allein, also mit Ausschluss einer Querkraft.. In metriegründen in Stegmitte keine Biegung wirken und sie.
der Praxis ist eine solche aber fast immer vorhanden und weder längs noch seitlich ausweichen kann; die neutrale
ihre Berücksichtigung ist deshalb geboten, umsomehr als Axe für Ausbiegung wird also den Stegmittelpunkt ent¬
leicht einzusehen ist, dass ihr Hinzutreten nicht nur Schub¬ halten müssen und ergibt sich als dessen Verbindungs¬
zusätzliche Biegungs¬ linie mit dem Druck- (oder Zug-) Mittelpunkt. Die Fläcben
spannungen erzeugt, sondern auch elemente sind nämlich mit y y0 multipliziert in Rechnung
und Torsionsspannungen. Damit nämlich unter Einwirkung
:

der Bedingung, dass die Verdrehung in


einer Querkraft P und des Momentes P l Gleichgewicht zu führen, um

herrscht, müssen nicht nur die Biegungspannungen dem Stegmitte Null ist und gegen die Flanschen zunimmt, zu
Biegungsmoment, sondern auch die Schubspannungen
der genügen. Statt des Trägheitsmomentes ist also ein Wert
Querkraft Gleichgewicht halten. Nun ist aber die Schub T 2 (ä F £2 -?A
spannungs-Verteilung von der Biegungspannungs-Verteilung
zu nehmen und statt des Schwerpunktes der Druck- (oder
abhängig. Für die normale Biegungspannungs-Verteilung
ergibt sich also ein ganz bestimmtes System der Schub¬ Zug-) Mittelpunkt. Die Spannung in irgend einem Punkte
und Angriffs¬ der Mittelstrecke wäre dann:
spannungen mit einer nach Grösse, Richtung H -l-z.y p.a.- I- ~-y
punkt ganz bestimmten Resultierenden; sie ist gleich und
entgegengesetzt der Querkraft und muss denselben Angriffs P--Xo (h2d)T-y0
punkt haben wie diese. Wenn wir also den Angriffspunkt und die entsprechende Ausbiegung in der Mitte des Trägers:
der dem normalen Spannungsystem entsprechenden Resul¬ P p
o ¦ 23
P-a y-
tierenden der Schubspannungen ermitteln, so ist damit die /»
24 g E 24 (*2rf) -T- a

Ebene bestimmt, in der die Querkraft wirken muss, damit 2äf=26,8, T= 188 ergibt sich
der normale Biegungsfall realisiert ist. Fällt die Querkraft
Für P= 1500, /=ioo, h

fb 0,01065 d -y.
ausserhalb dieser Ebene, so wird Gleichgewicht nur vor¬
handen sein können durch Hinzutreten von partiellen Aus- Nun wirkt aber auch der Drehwiderstand dem Aus¬
biegungs- sowie Torsionserscheinungen, wie sie Bach beim weichen entgegen. Wäre er allein -vorhanden, so ergäbe
T-Eisen-Versuch konstatiert hat. sich die Verschiebung desselben Punktes für das Dreh¬
Die Schubspannungen sind im Normalfall im Steg moment H (h arf) P a zu: ¦

vertikal gerichtet, dagegen in den Flanschen fast horizontal V(Jx + Jy)l P a


und zwar die Horizontalkomponenten in den beiden Flan¬ /» G /* ¦
¦

Die Grösse der Resultierenden


schen entgegengesetzt. Für P 1500 / 100 yj 40 Jx + Jy= 8521,
sowohl der Horizontal- als auch der Vertikalspannungs- G 800000, F 58,8 ergibt sich
S des Flan
Komponenten ist durch die statischen Momente fa 0,00535 a y.
sches in Bezug auf dessen rechten (mit der Stegaxe über¬
einstimmenden) und unteren Rand annähernd bestimmt, In Nr. 23 von Band LXXVI (Seite-)66, 4. Dezember 1920) der
')
Seine
indem S. gibt A. Eggenschwyltr ein ähnliches Resultat bekannt.
B. Z.
Dieser Wert
P(hTd) cBiegungsaxe» hat den Abstand 3,25 cm von Stegmitte.
H und V % 4- S ¦ S
wenn man Qf in Flansclunitte horizontal angreifend denkt:
l 2 Jx ergibt sieh,
Sy (h-dY
io mittlere Flansch-Spannung - -). e= 2 Jx
30. April 1921.] SCHWEIZERISCHE BAUZEITUNG 197

Bei Vorhandensein beider Widerstände ergibt sich dann beidseitig bedeutenden Abständen unter Bestimmung der
die Ausbiegung aus Ausbiegungen und Spannungen, wobei letztgenannte auch
am Steg in den Vierteln ermittelt werden sollten. So wäre
f fb fd es leicht, sowohl die Lage des Schubmittelpunktes als auch
die Grösse der Koeffizienten für f und o experimentell zu
fb ¦
fd
zu: / 0,00356 a - y, ermitteln und damit die Rechnung zu korrigieren.
A+fd Bei symmetrisch angeordneten Flanschen fällt der
womit die Biegungspannung sich berechnet zu:
Schubmittelpunkt mit dem Stegmittelpunkt zusammen und
24 E es findet natürlich keine Ausbiegung statt, wenn in der
23 ¦ fi f. e 0,780 a y f.
Stegaxe belastet wird. Bei einer Abweichung um a können
Allerdings ist die hiermit gemachte Annahme, die gestützt auf obige Erwägungen die Spannungen ermittelt
Ausbiegungskurve sei nach dem gleichen Gesetz geformt, werden, indem auch die neutrale Axe mit der Stegaxe
das ohne Vorhandensein des Drehwiderstandes gilt, nur
zusammenfallen wird (J x) und man T' Jh setzen
eine Annäherung, die bei anderen Belastungsfällen nicht 2 ¦
yo

immer zulässig wäre. In Wirklichkeit ist das Biegungsmo¬ kann. Beispielsweise ergäbe sich für zwei mit den Stegen
ment M in der Mittelstrecke nicht konstant, sondern nimmt aneinander befestigte QProfile N. P. 30 unter gleicher Be¬
von der Mitte gegen die Lastpunkte hin zu. Zur genauen lastungs-Anordnung mit 2 P:
Lösung des Problems der Beziehung zwischen M und Md 23 2 /s 2 P ¦ a ¦
y
ist zu beachten, dass die Differenzialquotienten der durch ¦'fr. 0,00389 a - y
24 (h2d) - Jh - E ¦
(hd)
M bestimmten Ausbiegungskurve die Drehwiderstände er¬ y> (2 Jh + 2 Jx) l ¦ 2 ¦ P ¦ a ¦
y
gäben, die als Belastungen betrachtet die Momente Ma erge¬ fd G (2 Pf
0,00140 a y

ben müssen. Man gelangt wohl am ehesten zum Ziel auf


fb ¦
fd
graphischem Wege durch sukzessive Annäherung; denn f fb'+fd 0,00103 a y
die Auflösung der sich ergebenden Differentialgleichung E
24
vierter Ordnung bietet Schwierigkeiten.
23 f f x 0,226 a y x.
Die sich hiermit ergebende Spannungsverteilung ist
So ergibt sich beispielsweise für Belastung in 0,5
für y 14,5 und den äusseren Stegrand in Abbildung 4
ersichtlich gemacht. vom Querschnittrand die Spannung in Ausserkante Flansch:
0,226 9,5 14,5 10,0 311;
Vergleichen wir Vorstehendes mit den Bach'schen
a ;

also ist die Gesamtspannung mit 272 -f- 311 583 schon
Versuchsresultaten, so sehen wir, dass in der Messlinie
mehr als doppelt so gross, als für zentrische Belastung.
y ^p 14,5 die Horizontal-Biegungspannungen in einem
Hierbei ist immer im Auge zu behalten, dass noch Tor¬
von der Stegaxe um 3,3 bis 3,4 cm entfernten Punkt Null
sind. Dies stimmt mit der Lage der von mir angenom¬ sionspannungen auftreten, die, mit den normalen Biegung¬
menen neutralen Axe überein; denn es ergibt sich als spannungen kombiniert, noch grössere Hauptspannungen
entsprechende Grösse ergeben, sowie oft lokale Spannungen aus dem Lastangriff.
Es muss deshalb nachdrücklich als ein Irrtum be¬
I4i5 3.4 zeichnet werden, wenn symmetrische Querschnitte (z. B.
)'o

Die Spannungen ergeben sich in den Messpunkten das I-Profil) gegenüber dem p- Profil für besser geeignet
Bachs gemäss Abb. 2 bei c 3,1: gehalten werden. Denn in der Praxis spielen Exzentrizi¬
täten von einigen Zentimetern eine geringe Rolle und
±
mf 3.9;
'3
y
x37
14,5;
272 409;
gerade die Belastung auf dem Querschnittrand ist keine
seltene. Es zeigt sich sogar, dass in gewissen Fällen
f | -+- 6,1; y ± 14,5; das Q Profil vorzuziehen ist, z. B. bei einem aus zwei Balken
l o2= a4 4- 214 272 58; mit aufliegendem Belag bestehenden Steg, wo infolge der
Gemäss Abb. 3 bei a 5,3: Durchbiegung des Belages die Belastung die Querschnitt¬
i f 3.9; y ± 14.5; ränder trifft. Es ist dann gemäss obigen Resultaten die Bean-
\ öl o3 234 272 506; spruchungs-Ueberschreitung beim ~\V-Querschnitt grösser
-f-6,r.; ± 14,5; (ii4°/o) als beim einfachen (53%), sofern die Balken mit
Jf y
den Stegseiten nach innen verlegt w.erden, wie das ja
\
a2 c4 + 366 272 -f- 94.
allgemein geschieht.
Die Rechnungsresultate sind in Abbildung 2 und 3 Bach trifft also nicht das Richtige, wenn er bemerkt,
gestrichelt angegeben. Die Uebereinstimmung ist für den die angeblich in der Asymmetrie des Querschnittes liegende
oberen Flansch sehr gut und im ganzen befriedigend mit Gefahr (der Ueberschätzung von dessen Tragfähigkeit)
Hinblick auf die Unvollkommenheiten der Rechnung einer¬ könne beispielsweise beim Q- Eisen vermieden werden
seits und sekundäre Einwirkungen beim Versuch anderseits; durch paarweises Aneinandernieten. Vielmehr muss man
letztgenannte sind durch das ungleiche Verhalten der Quer- zum Schlüsse kommen, dass ein Balken irgendwelchen
schnitthälften charakterisiert. Bestimmt man aus den Span¬ Profiles stets durch die Möglichkeit exzentrischer Belastung
nungsdiagrammen Abbildung 2 und 3 die Druck- und stark gefährdet ist. Die Gefahr wird vermindert oder be¬
Zugmittelpunkte, so findet man gegenwältige Horizontal- seitigt, wenn Konstruktionsteile vorhanden sind, welche
Abweichungen von der Vertikalen von 2,15 1,80 0,35 die quergerichteten Kräftepaare, denen der Balken nun
und 1,51 1,07 0,44. Die Lastebene lag also nicht eben einmal nicht gewachsen ist, aufnehmen. Oder: der
parallel zur Stegaxe. Diese Horizontalverschiebung, welche Balken muss durch ausser ihm liegende Mittel an der Ver¬
die beiden S-Punkte gegeneinander erfahren, berechnet Schon ein lose aufgelegter
drehung gehindert werden.
sich nach obigem zu: Belag hat eine günstige Wirkung; aufgeschraubt oder auf
2/ 2 0,00356 a y0
genietet wird er zwar bei ungleichseitigen Belastungen
ergebend 0,26 und 0,44, d. h. gut übereinstimmend mit selbst verdrehend wirken; setzt aber den Verdrehungen,
den aus dem Versuch erhaltenen Werten. Es ergibt sich besonders indem er das seitliche Ausweichen erschwert,
also, dass die Lastebene vertikal geblieben ist und die enge Grenzen. In idealer Weise wird die Gefahr aber
Stegebene sich geneigt hat. erst beseitigt durch gute, womöglich in den Lastpunkten
Trotz diesen guten Resultaten ist zu bedenken, dass angeordnete Querversteifungen, die sowohl Verdrehung wie
die beiden ziemlich nahe gelegenen Laststellungen nicht Ausweichen verhindern. Dann können die Balken in
gestatten, weitgehende Schlüsse mit genügender Sicherheit üblicher Weise, berechnet werden, ob sie nun symmetri¬
zu ziehen. Es wäre höchst erwünscht, die Versuche zu schen oder unsymmetrischen Querschnitt haben
ergänzen durch Belastung im Schubmittelpunkt, sowie in