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H e t u c e

^ L T V v r e R

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G e G e N W X R i"

KLOST6R o e s HL. JoHXNNGS ()es VORLXUFeRS


C H ^ N tX K R 6 T X
2,007
ZusammengesteHt und aus verschiedenen Sprachen
ins Deutsche tibersetzt vom
Kioster des Hi. Johannes des Voriăufers
Chania, Kreta

IK'r JanAreM a// ///. V/d'.sietvt MnJ ICr/ggen,


Jie u/?.s /Mr r/;'e fhrwenJMMg von /ItrszMger; mes* IferAet?,
we/cAe .sie &'e Rec/tie 6e.s;7ze/?, <7ie /reHMci/icAe
Fr/aM&nM eriei/i At/Aen.

ISBN 978-960-88698-8-2

@ 2007 Kioster HI. Johannes des Voriăufers, Chania

Postadresse:
Iera Moni Timiou Prodromou
Korakies
GR-73100 Chania, Kreta

Computersatz: Kometia Bender-Nikoloudaki, Livaniana, Chora Sfakion, Kreta.


Gesamtherstellung: Typokreta, Heraklion.
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we/'ye Dov^Ve//MMg /Ave^ EeAeM^ MM/Z /Avev EeAveM ZM vev^cAq//eM, /Z/wzzZ ^/'e
M/'cA^ ^o /oMgeyeMev geE E geM TVoAvMMg eM^AeAveM woeAfeM, /Z/'e MM^ /Zev ZZevv
<Zovve/'cA/ /ZMveA Ee/Me ZM^evvvoA//eM.

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^ S ieh e L ite ra tu ra n g a b e n am S c h lu ss je d e s K ap itels.
7

^ L T T V A r r e R ^M P H !LO C H !O S
VON
P v rrM o s

( 1889- 1970)
^/^a?er^mpMoc/i;o.s' vo?;
9

Kapitel 1

^ L jrv x re R
^M P H !LO C H !O S V O N PAJTMOS
er selige Altvater Amphilochios Makris war ein echter Jiinger
Jiingers der Liebe und wurdiger Fortsetzer des Werks des
Heiiigen und Gotttragenden Christodoulos des Wundertăters. Er lebte
ein untadeliges Leben, frei von jedem sittlichem Makei, und ieuchtete
kraft seiner strahienden Tugenden wie ein Stern erster Grosse am
geistigen Firmament der Heiiigen K irche.. Dieses Leben spielte sich
zur Hauptsache ab auf der heiiigen Insei Patmos, Mutter der sieben
Kirchen Asiens - Ephesos, Smyma, Pergamon, Thyatira, Sardes,
Philadelphia und Laodikăa- - dem Ort, wo das letzte Kapitel des Neuen
Testaments offenbart und geschrieben wurde und der iiber die
Jahrtausende hinweg ein aktiver Herd des Christentums blieb, vom 11.
Jahrhundert an neu belebt durch das Kdoster des HI. Johannes des
Thcologcn-, wăhrend der dustcrcn Zeit des Turkenjochs durch die
Kirchliche Schule von Patmos**, aus der mehrere Kollyvaden und andere
Wegbereiter der Befrciung des Gottesvolks aus geistiger und politischer
Knechtschaft hervorgingen.
In seinem Portrăt des Altvaters, von dem er selbst, als westlicher
Konvertit zur Orthodoxie und Monch des Klosters des FM. Johannes des

' Metropolit Ignatios Trianti von Berati, Avlona und Kanina, in seiner Biographie des
Altvaters (siehe Bibliographie am Kapitelende).
'S ieh eO ftb 1,11-3,22.
^ Gegrundet um 1088 vom hl. Christodoulos (Fest 16. Mărz).
" Gegrundet um 1713 vom hl. Makarios (Kalogeras) (Fest 17. Januar). 1-lier studierten
u.a. Neophytos von Kavsokalyvia, spăter Leiter der „Athoniada" und einer der fuh-
renden Kollyvaden, sowie der hl. Hieromartyrer Gregor V., Patriarch von Konstan-
tinopel (Fest 10. April) usw.
10

Theologen auf Patmos, entscheidende Impulse empEng, schreibt Bi-


schof KaHistos Ware: „Das charakteristischste seines Wesens war seine
Liebenswiirdigkeit, sein Humor, die W ănne seiner Zuneigung und die
Ausstrahiung einer stiilen, doch zugleich triumphierenden Freude. Sein
Lăcheln war voii von Liebe, doch bar jeder Sentimentaiităt. Leben in
Christus, so wie er es verstand, ist nicht ein schweres Joch, eine Last,
die man mit iustioser Resignation herumschleppt, sondem eine person-
iiche Beziehung, der man sich mit grossem Eifer des Herzens hingib...
Zwei Dinge vor aliem sind mir in Erinnerung geblieben iiber ihn.
Einerseits seine Liebe zur Natur, besonders zu den Băum en...
Andrerseits der Rat, den er mir gab, als fur mich, damals neu geweih-
ter Priester, der Augenblick der Riickkehr von Patmos nach Oxford
kam (1966), wo ich in der Universităt lehren solite. Er selbst hatte den
Westen nie besucht, doch er kannte die Situation der Orthodoxie in der
Diaspora sehr genau. 'Fiirchte dich nicht', sagte er eindringlich.
'Fiirchte dich nicht wegen deiner Orthodoxie. Fiirchte dich nicht, weil
du, als Orthodoxer im Westen, oftmals isoliert und stets in einer klei-
nen Minderheit sein wirst. Mach keine Kompromisse, doch sei nicht
aggressiv gegen die Heterodoxen. Sei weder defensiv noch aggressiv.
Sei einfach das, was du bist."'
Im Laufe seines funfzigjăhrigen Wirkens bereicherte Altvater
Amphilochios die heilige Insei um ein weiteres Ausstrahlungszentrum
orthodoxen Christentums, das Kloster der Verkiindigung, das heute 65
Monchinnen zăhlt, mit Tochtergriindungen auf mehreren anderen
Inseln des Dodekanes sowie im iibrigen Griechenland und hieraposto-
lischer Tătigkeit weit iiber die Landesgrenzen hinaus.

KaHistos Ware, 77?s /nner Kingo'om („Das Innere Reich"), Voi. 1 of the Coli. Works,
St. Vladimir's Press, Crestwood N.Y. 2000, Kapitel „The Spiritual Guide in Ortho-
dox Christianity" („Der geistige Fiihrer im Orthodoxen Christentum"), S. 149-150.
!)

I. - Leben

7. G^ĂMrf
A ltvater Amphilochios wurde am 13. Februar 1889 auf Patmos
Y \.g e b o re n , als erstes Kind zutiefst gottesfuchtiger Eltem. Sein Vater,
Emmanuel Makris, stammte von der Insei Lipsos (dstlich von Patmos),
seine Mutter, Irini, von Patmos. Fiinf Kinder wurden dem Paar
insgesamt geboren, zwei Sohne und drei Tochter, von denen zwei
Monchinnen werden sollten (die dritte starb schon bald nach der
Geburt). Um die Familie durchzubringen, wanderte der Vater zeitweilig
nach Amerika aus, und da er Christus in seinem Herzen mit sich trug,
nahm er keinen Schaden davon. Sein Leben war so gottgefallig, dass
ihm, da er sich keinen bezahlten Helfer leisten konnte, bei der Emte-
arbeit ein Engel half.
Der Erstgeborene der Familie erhielt bei der Heiligen Taufe den
Namen Athanasios. Taufpate war der vormalige Metropolit von Pelu-
sion (Patriarchat von Alexandria), Amphilochios Kappos, geburtig aus
Patmos und Verwandter der Mutter, der seinen Lebensabend in einer
der vielen Einsiedeleien seiner Fleimatinsel verbrachte, zusammen mit
seinem leiblichen Bruder, dem Priestermonch und Beichtvater Nikodi-
mos. Unter der Anleitung dieser beiden ehrwiirdigen Greise machte der
kleine Athanasios seine ersten Schritte auf dem Weg zu Gott.
Nach Abschluss der Grundschulen begann er sein Studium an der
Kirchlichen Schule von Patmos, das er aber schon nach einem Jahr ab-
brechen musste, weil die Schule anfangs 1906 von den Turken
geschlossen und nach Samos verlegt wurde. Da trat er, nunmehr 17
Jahre alt, als Novize in das altehrwurdige Kloster des HI. Johannes des
Theologen ein, dem eigentlichen Eigentumer und Regenten der heiligen
Insei, gemăss der Chrysobulle des byzantinischen Kaisers Alexios I.
Komnenos aus dem 11. Jahrhundert.

2. AfoMcA A7#sf<?rs 77/. ToAaMnas r/^.s

Nach wenigen Monaten schon, im Sommer 1906, wurde der


hingebungsvolle Novize unter dem Namen Amphilochios - nach
seinem Oheim, Taufjpaten und ersten Geronta, dem Metropoliten von
12 4/tvater4wjy/;iidc/H'o.s von Daiwos'

Pelusion ( t 1902) - zum rassontragenden Monch geschoren. Beseelt


von einer tiefen Sehnsucht nach Gott, ergab er sich vorbehaitios dem
Ram pf des Monchslebens, den er mit grosser Gewissenhaftigkeit fuhr-
te. Nach dem Werk des Tages widmet er sich, in seine Zelle und in sich
seibst zuruckgezogen, dem heihgen Werk der Nacht, gemăss den
Worten des heihgen Basiiios des Grossen, die er sich ins Herz geschrie-
ben hatte: „W eicher Gedanke ist begluckender ais jen er der
Erhabenheit Gottes? welche Sehnsucht des Herzens so heftig und uner-
trăghch wie jene, die erwăchst, wenn Gott sich der von aller Bosheit
gereinigten Seele naht, sodass sie in wahrer Gesinnung spricht:
ferzehri hm /'ch uo/t Je r Zfehe (Hld 2,5)."'
Sooft ihm die Gelegenheit dazu gegeben wurde, besuchte er die
Asketen, die in verschiedenen Gegenden der Insei iebten und die
Flamme der hesychastischen Tradition auf Patmos am Brennen hieiten.
Einer von ihnen war Theoktistos der Hesychast, der aus Thyatira in
Kieinasien stammte. Er hatte den Heihgen Berg und Jerusaiem besucht,
war auf Samos Monch geworden und dann ins Kioster des Hi. Johannes
des Theoiogen von Patmos gekommen. Danach lebte er vieie Jahre in
verschiedenen Einsiedeieien der Insei, zuletzt in den Ruinen der aiten
Schule von Patmos, wo er 1917 im Alter von 90 Jahren entschlief. Er
hatte das Charisma der Unterscheidung und des ununterbrochenen
Gebets und wurde dem jungen Monch zu einer grossen Hiife.
191 i piigerte Amphiiochios mit dem Segen seines Abts zum Heiligen
Berg, wo er das Handwerk der Hoizschnitzerei erlemen solite. Er
besuchte alie Grossktoster und Skiten und begegnete heiiigen Monchs-
vătem wie Daniel von Katounakia, die unausloschliche Eindrucke hin-
teriiessen in ihm. Der Ausbruch des Makedonischen Befreiungskampfs
gegen die Turken im Herbst 1912 notigte ihn jedoch, nach Patmos
zurilckzukehren, ohne das Ziel seiner Reise gănziich erfuilt zu haben.
Im Fruhjahr 1913, ais er 24 Jahre alt wurde, empflng er im Kathisma
des Apoiio' das Grosse Monchsgewand aus der Hand von Altvater
Makarios (Antoniadis) von Samos (f 1935), einem Nachkommen der

' HI. Basiiios der Grosse, 'Opot xaio. îtÂMiog. E ltE Bao. Mey. rou. 8A'. Dt. Die
Monch^regeiM, Die lăngeren Regeln, 2. Eos-Verlag, St. Ottilien 1981. Ubers. d.
Zitats v. Hrsg.
^ Einsiedelei an der Nordostkuste von Patmos, anfangs des 19. Jh. erbaut vom
peloponnesischen Asketen Apollo, mit einem Kirchlein zu Ehren Aller Heiligen.
Die Einsiedeieien von Patmos gehoren praktisch alle zum Kioster des HI. Johannes.
7. 7ehen 13

Kollyvaden, die nach ihrer Vertreibung vom Athos in der 2. Hălfte des
18. Jahrhunderts auf den Inseln der Âgais, von Chios bis Patmos und
von Skiathos bis Ikaria eine Reihe von Klostem gegriindet oder wieder
aufgebaut hatten, in denen die hesychastische Tradition des inneren
Gebets gepflegt wurde.' Altvater Makarios, geboren auf Samos, wurde
Monch im Kioster der Verkundigung auf Ikaria, dann Abt des Klosters
Megâlis Panagias von Samos und kam schliesslich ins Kioster des HI.
Johannes des Theologen nach Patmos. Er wirkte 30 Jahre lang ais
Beichtvater im Kathisma des Apollo, wo ihn unzăhlige Glăubige von
uberallher aufsuchten, und ubte daneben das Handwerk des Buchbin-
ders aus. Von diesem Altvater, den er regelmăssig besuchte, wurde
Amphilochios in die hoheren Stufen des Lebens im Heiligen Geist
eingeweiht.

D er DasfMHgs'hnM <7as Ăl/o^ter^ Jar 777 JoAanne^ Ja? 77ao/ogen

In der Gemeinschaft seines Klosters zeichnete sich der Monch


Amphilochios aus durch seinen Gehorsam und seine grosse Demut. Mit
Gottes Hilfe hatte er den Dămon der Ruhmsucht besiegt und mied mit

' Die Bewegung der benannt nach den TioJ/yren, d.h. dem gekochten
Weizen der Gedăchtnisfeiern tur die Entschlafenen, begann um 1754 ais Widerstand
gegen die Verlegung dieser Gedăchtnisfeiern vom Samstag, Tag der Entschlafenen,
auf den Sonntag, Tag der Auferstehung, die antanglich in der Skite der HI. Anna ein-
gefuhrt wurde. Die Sache weitete sich aus zu einer Konfrontation zwischen der
Tradition der Heiligen Văter und der Tendenz zur Verweltlichung, einer Auswirkung
des westlichen Rationalismus in gewissen orthodoxen Kreisen.
t4 von Faimos

Fleiss jedes menschliche Lob. Er fîihlte sich am Wohlsten im Hinter-


gmnd, und diese nnauffalligc Alt solite ihn sein Leben lang kenn-
zeichnen.

d. Zm* Dfukonswet/ie t/?s Emir/

Nicht lange nach seiner Tonsur zum Monch des Grossen Gewands, im
Mai 1913, beschloss der Âltestensrat des Klosters, ihn fur die Weihe
zum Hierodiakon vorzuschlagen. Nach langem Kampf mit sich selbst -
denn er ftihlte sich der hohen Wtirde und Verantwortung des Klcrikers
vollig unwtirdig - fugte er sich widerwillig, doch auf der Fahrt nach
Kos, dem Sitz des Metropoliten, der fur die Weihen zustăndig war,
iiberwăltigte ihn abermals der Schrecken, und in Kalymnos verliess er
das Schiff, indem er zu dem ihn begleitenden Bruder, der ebenfalls
geweiht werden solite, sagte: „Mein Bruder, ich bin einer solche Wtirde
unwtirdig. Lieber ziehe ich bettelnd von Ort zu Ort mit reinem
Gewissen, als dass ich die Wtirde des Diakons unwtirdig empfange. Du
reise weiter in Frieden. Was mich angeht, ich gehe ins Heilige Land."
Uber Rhodos gelangte er nach Alexandria, wo er von Verwandten
aufgenommen wurde, die der dortigen Patmer-Kolonie angehorten.
Diese versorgten ihn mit dem Notigen fur die Weiterreise ins Fîeilige
Land. In seinem Reisetagebuch, das erhalten blieb, schreibt er uber
seine Ankunft in Jerusalem, Jew Gri, wo Jte .s'ome.s' R om i
„Ich bin ausserstand, die Freude zu beschreiben, die ich
empfand, als ich die Stadt des Grossen Konigs sah. Wăhrend ich von
der Station zur Stadt Davids wanderte, sagte ich fortwăhrend: F/vMe
r/icA, Z/'o/i AoiV/ge, Muiter d/er A/rc/ie/i, Go//os...
Er verehrte das Allheilige Grab und den furchtgcbictenden Golgotha,
zog weiter nach Bethlehem und besuchte dann, als echter Asket, die
Einsiedeleien und Kloster beim Jordan und schliesslich das Kloster des
Heiligen Sabas in der Kedron-Schlucht, all dies selbstverstăndlich zu
Fuss. Dort traf er Monche, die sich in Fortsetzung der jahrtausendealten
Tradition der Lavrioten' Palăstinas jedes Jahr in die tiefe Wtiste
zurtickzuziehen pflegten.

D.h. der Monchsvăter der Lavren. „Lavra" bezeichnet ursprungiich ein Wtisten-
kloster, in welchem Asketen unter Leitung eines erleuchteten Altvaters ein auf das
Gebet zentriertes Leben fiihrten.
15

4.

Nachdem er wie die emsige Biene iiberail den geistigen Nektar


gesammelt hatte, den er fi ti den konnte, kchrtc er im Sommer 1913 in
sein Kloster zuruck und bat die Văter um Vergebung fur seine Flucht.
Sie wurde ihm gewăhrt, jedoch unter Auferlegung der Strafe, eine
gewisse Zeit ausgeschlossen zu bleiben von der Bruderschaft, im
Kathisma des Apollo. Nichts konnte dem Liebhaber der Stille und des
Gebets willkommener sein! So blieb er von Juli bis September jenes
Jahres bei seinem Altvater Makarios in dessen Einsiedelei und wurde
dann wieder in die Gemeinschaft aufgenommen. Mit vorbildlichem
Gehorsam setzte er sein monchisches Leben fort und nahm seine
Diakonie in der Bibliothek des Klosters wieder auf.'

Im Jahr 1914 musste Amphilochios, damals 25 Jahre alt, zu ărztlicher


Behandlung nach Athen reisen. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auf
dem nahen Âgina den heiligen Nektarios, Metropolit der Pentâpolis
und vormals Leiter des Rizarios-Priesterseminars in Athen, der damals,
im Alter von 68 Jahren, eben sein Kloster zur Ehren der Heiligen
Dreiheit fertiggebaut hatte. Damit begann eine Beziehung, die bis zum
Hingang dieses grossen Heiligen unserer Zeit im Jahr 1920 fortdauern
solite.
Spăter schrieb Altvater Amphilochios hiember: „Ich betrachtete ihn
als einen lebenden Heiligen, durchdrungen von echtem orthodoxem
Geist. Mein Umgang mit ihm erfullte meine Seele mit einem Gefuhl
tiefer Achtung und Ehrfurcht vor seiner Heiligkeit, und jedes Mal,
wenn ich bei ihm beichtete, konnte ich seine grosse Liebe wahmehmen,
seine ăusserste Demut und die Tiefe seiner Spiritualităt. Er war meine
Stutze in den Prufungen meines Monchslebens. Ich pflegte vom Kloster
meiner Metanie, von Patmos herzukommen und nahm alle Opfer und
Muhen auf mich, um dem Gottesmann zu begegnen... Kein Arg war in

' Die Bibliothek des Klosters des HI. Johannes von Patmos wurde schon zur Zeit des
hl. Chriştodoulos angelegt und umfasst heute rund 1100 alte Handschriften, darunter
300 Pergamente, sowie rund 15 000 handgeschriebene und ebensoviele gedruckte
Bucher.
16 /f^:/7/n7oc/;/'o.S' w/; Putn;os'

seinem Herzen.. Und an anderer Stelle: „Ich besuchte ihn regelmăssig


und emphng die Gotthche Kommunion aus seinen Hănden. Ich war
begeistert von der Ordnung und Gottesfurcht der Monchinnen, beson-
ders der Âbtissin Xeni, die blind war von G eburt..."
Vom hi. Nektarios vor aliem emphng AItvater Amphilochios damals
die ersten Imputse fur sein spăteres hierapostoiisches Werk - die
Grundung von Klostern zur Stărkung der Kirche in ihrem Ram pf gegen
die fremden Unterdriicker, gegen die systematische Unterhohlung der
wahren christiichen Werte und den Zerfali der Gcsehschaft.

6. Prics/^ntciAc onr/ crstc Ao/ţ//iAic


/n/7 r/cr imATniscAc/t Z?^safzMHgSHi#cAf

1919 empfing Amphilochios, mittlerweile herangcreift im Verstănd-


nis der Dinge, schiiesslich doch die Diakonsweihe und baid danach die
Weihe zum Priester. Doch als er am 24. Aprit jenes Jahres von Samos
zuriickkehrte, wo ihn der zustăndige Metropoiit in den Priesterstand
erhoben hatte, wurde er von der itaiienischen Poiizei' zur Rede gesteht
wegen der Taufe eines jungen Turkcn, bei welcher er aktiv mitgewirkt
hatte. Die heitige und gottgewollte Tătigkeit der Katechese und Taufe
jenes Junglings war fur die katholischen Besetzer politisch inopportun,
und so trat der junge Monchspriester den Weg an ins Exil, gemăss den
Worten des Herm: llh/n? .sie cttcA m/.s em er fiorii vcr/reiAen, .so geAi in
cine Er ging zuerst nach Âgina und von dort nach Athen, wo
er in engere Beziehung trat zur Bruderschaft Zcoij (Zoi, „Leben"), einer
hierapostoiischen Gemeinschaft von Theoiogen, die ihn mit verschie-
denen Aufgaben als Beichtvater in Epiros und anderen Gegenden
betraute.

' 1912 hatten die Itaiicner im Rahmen ihres Kriegs mit der Tiirkei den Dodekanes
besetzt. Damals forderte das Volk dieser Inseln den Anschluss an das griechische
Mutterland, was aber von den Italienem abgelehnt wurde. Der von den Grossmăchten
ausgehandelte Vertrag von Lausanne von 1923/24 sprach den Dodekanes endgiiltig
Italien zu. Nach Mussolinis Machtergreifung im Jahr 1922 nahm die italienische
Besetzung immer mehr den Charakter einer faschistischen Diktatur an, die die
Ausmerzung des griechischen Charakters der Inseln anstrebte und schiiesslich sogar
den Unterricht der griechischen Sprache in den Schulen verbot. Dieser Zustand
endete erst mit dem Zusammenbruch des Faschismus im 2. Weltkrieg.
' Mt 10,23.
17

7. (/er //// Do^AoA!^ 7920-/926

1920 kehrte er nach Patmos zuriick und wirkte daraufhin 6 Jahre


lang als Priester im Klostcr des Geliebten Jiingers. Damals reifite sein
Plan, geboren aus dem Schmerz angesichts der schlimmen Zustănde,
wo immer moglich Kloster zu griinden als Ausstrahlungszentren fur
die geistige Emeuerung des damiederliegenden und mancherlei verderb-
lichen Einflussen ausgesetzten Volkes, insbesondere der Jugend, und
seine Ruckfuhrung zu einer orthodoxen christlichen Lebensweise, sodass
es die Moglichkeit zuruckerlangen konnte, das gottgewollte Ziel allen
menschlichen Daseins zu erreichen. Er empfand innigst die hohe Ver-
antwortung der Christen dieses Landes, dieser Inseln, die von den Jiingem
selbst unseres Herrn geistig gepflugt und besăt worden waren mit dem
Samen des Evangeliums. Diese Verantwortung reichte auch hiniiber zu
den sieben Kirchen der Apokalypse am anderen Ufer der Âgăis, und
eine der innigsten Sehnsuchte des Altvaters blieb zeitlebens, dass eines
Tages die Lampen jener Kirchen wieder brennen mochten.
Im jenem Jahr 1920 fand er durch gotthche Vorsehung die Person,
die ihn bei diesem hierapostolischen Werk entscheidend unterstiitzen
solite, eine junge gottesfurchtige Lehrerin namens Kalliopi Gounari aus
Kalymnos, die spătere Âbtissin Eustochia. Mit ganzem Herzen stimmte
sie jenem Vorhaben zu und stellte sich fortan mit ihren vielseitigen
Begabungen vollstăndig in seinen Dienst.
Das Werk beginnt mit der Einfuhrung einer systematischen
Erwachsenen- und Jugendkatechese auf Kos und Kalymnos, bald auch
auf Nisyros und Leros und anderen Inseln. Unmittelbares Ziel ist, der
allgegenwărtigen katholischen Propaganda entgegenzuwirken, die vor
aliem von italienischen Nonnen in den von diesen unterhaltenen
Schulen und Wohltătigkeitsorganisationen vorangetrieben wird und die
Kinder ihrem eigenen Volk und Glauben zu entfremden sucht.
Da Repressalien vorauszusehen sind, grundet Vater Amphilochios
auf Patmos die erste „Geheimschule", nach dem Muster jener verborge-
nen christlichen Schulen der Turkenzeit, wo die griechischen Kinder in
ihrer Sprache und ihrem Glauben unterwiesen werden konnten. Den
Grund dazu hatte er, in weiser Voraussicht, schon einige Jahre fruher
gelegt, durch den Erwerb einer verfallenen Einsiedelei, die er nach und
nach instand stellte und durch Pflanzen vieler Băume in eine richtig-
gehende Oase verwandelte. Hier wurden junge Mădchen von Patmos
und den umliegenden Inseln unterrichtet und zu einem gottgefalligen
18 yEtva?e7M777g/?7'Mc/77'o,s vo?7 Pat777o^

Leben gcfuhrt, sodass jener Ort auch zu einer geistigen Oase wurde,
dank den Gebeten von Vater Amphilochios und dem Segen Gottes.
„Unter Trănen bete ich zum Herrn", schreibt er an Kalliopi bezuglich
jener geistigen Pflănzlinge, „dass Er von oben den himmiischen Tau
herabsenden moge, damit sie nicht eingehen in der aligemeinen D une
der Menschheit von heute. Und als Sein Knecht werde ich mich im Geist
keinen Augenblick abwenden vom Wachen uber die Blumen Christi,
damit sie nicht etwa Schaden erleiden durch irgendwelche Insekten und
besonders durch Raupen - womit ich schiechte Gesellschafit meine -
und untaugiich werden, sodass es mir unmoglich wird, sie einzusam-
meln zu einem harmonischen Strauss und sie Christus darzubringen."
Als nach 1920 der Fluchtlingsstrom aus dem benachbarten Klein-
asien einsetzt - infolge der Vertreibung der Griechen aus ihrer jahrtau-
sendealten Heimat durch die Turken, mit der Duldung, dann der akti-
ven Zustimmung der westlichen Grossmăchte im Vertrag von
Lausanne' entsteht auf Iniţiative von Vater Amphilochios eine
Schwestemschaft, die sich der Fluchtlinge annimmt. 1922 schreibt er
angesichts des namenlosen Elends dieser Menschen:
„Ich bin zutiefst erschuttert. Ich bin wie ausser mir. Ich kann weder
essen, noch schlafen und denke unaufhorlich an das Martyrium unserer
christlichen Brfider. Ich bin voller Zom. Nicht gegen die unzivilisierten
Turken, sondem gegen die pseudo-kultivierten gottlosen Europăer."
Mit allen seinen Krăften gibt er sich dem Hilfswerk hin fur diese
gerAg.s'te/? Je r CArEt/ g bemuht sich um die unzăhligen Wai-
senkinder, die dieser Stunn der Unmenschlichkeit hervorgebracht hat,
denn er weiss, dass er damit Christus selbst dient. Er scheut keine Muhe,
keine Drangsal, keine Verfolgung, sondem drăngt unaufhaitbar vor-
wăns, getrieben, wie er selbst sagt, von der „nănischen Liebe fur meine
Kinder" und mit dem Vorbild des gekreuzigten Herm auf dem Golgotha
vor Augen. „Nichts anderes steht mir im Sinn als Christus und meine
geistige Familie." Diese geistige Familie, das ist die mittlerweile liber
den ganzen Dodekanes verstreute - vorlăufig noch laizistische -
Schwestemschaft und die von ihr betreuten Kinder. Er reist von Insei
zu Insei, trostet, ermutigt, berichtigt, inspiriert durch sein Wort und
durch sein Beispiel, all dies im unablăssigen Gebet zu Ihm, Der allein
UeJe/'Aen g/'N / sodass das Werk allmăhlich Gestalt annimmt.

' Siehe Fussnote S. 78.


' Vgl. Mt 25,40.
' 1 Kor 3,7
/. Ze&en !9

Es geschehen kleine, aber tăgliche Wunder, wie er wiedemm an


Kalliopi schreibt: „Siehst du nun Christi Macht? Hofffest du je, dass
kleine und unreife Kinder Christus so sehr lieben konnen? Zu Ende ist
die Unordnung, die Gebete und der Gesang zum Lobpreis Gottes haben
angefangen."

& Hn.stcAer des Tf/nsters de/* 77d///e de/* (7926-7972)

Nachdem er dem Kloster des HI. Johannes des Theologen sechs Jahre
lang als Priester gedient hatte, wurde er vom Âltestenrat desselben zum
Vorsteher des Klosters der HI. Hohle der Offenbarung emannt, das
etwas weiter unten am selben Berghang rund um die Hohle angelegt ist,
in welcher der hl. Apostel und Evangelist Johannes die Ofîenbarung
empfing. Er bemuhte sich um dessen Instandstellung und plîanztc auch
hier viele Băume, hauptsăchlich Zypressen und Fichten. Da letztere auf
dem fast baumlosen Patmos bis dahin unbekannt waren, nannte das
Volk sie „Amphilochios-Băume". Er hatte auch eine innere Beziehung
zu seinen Băumen, ebenso wie zu den Tieren, vor aliem den Vogeln,
die tăglich bei ihm ihr Futter holten.

Der Aed/'ge Rage/ von Pa/zno^.'


Ganz o6en d;'e Pe^/a/:g de^ P/o^/er^ de^ 7d/. doAanne^ de^
PAeo/ogen, 6'nG an/en da^ P/oy/er der Td. dfd'A/e, ;'w der Afd/e
d/'e n:oder/:e/; Paa/en der 6*c/::de von Pa/zno.S'.
20 4/?v6Yer T/w^A/Voc/no^ von Pa^mo^

Die Zeiebration der Gottiichen Liturgie in der Heiiigen Hohte erhob


ihn auf neue geistige Hohen und Hess ihn die Ergriffenheit der ersten
Christen fuhlen. So schreibt er in einem Brief: „Wir haben einen
paradiesischen Tag eriebt. Das Pascha in der Heiiigen Hohie der
Offenbarung war wie das Pascha des ersten Jahrhunderts."

in jenen Jahren war das Kloster der Heiiigen Hohie nicht nur ein Pilger-
ort, sondem wurde fur Unzăhiige zum Hafen des Heils. Endios stromten
Glăubige aus dem ganzen Dodekanes zu ihm, um Rat und geistige
Weisungen zu empfangen und Frieden zu findcn fur ihre Seeien.

1933 wurde Altvater Amphilochios vom Âltestenrat des Klosters des


Hi. Johannes zum Ekkiesiarchen, d.h. zum Steiivertreter des Abts,
gewăhlt. Doch er versah dieses Amt nur 40 Tage lang, denn die
itaiienische Besetzungsmacht versagte der Wahl ihre Zustimmung, und
von da an bis Ende 1935 wurde das Kloster auf deren Verlangen und
im Widerspruch zu den kanonischen Bestimmungen von einer kioster-
iichen Verwaitungskommission geieitet, unter dem Vorsitz eines
Monchs, der den Italienem wiilfahrig war.
Damais erreichte der Streit um die ieidige Frage der Autokephalie
des Dodekanes ihren Hohepunkt. Diese war von den Italienem schon
1924 vorgeschiagen worden, als Teii ihres Plans, die Insein nicht nur
21

politisch, sondem auch geistig zu unterjochen, einerseits durch


Abschaffung der griechischen Sprache und andrerseits durch die
Losung der Insein vom Okumenischen Patriarchat, um sie dem Vatikan
zu untersteiien. Der Widerstand des Volkes war jedoch kategorisch,
weshaib die itaiienische Besatzungsmacht 1934 zu verschiedenen
Druckmittein griff, insbesondere dem Verbot, ohne ihre ausdruckiiche
Zustimmung neue Priester zu weihen. Die Metropoliteu des Dodekanes
sahen sich deshaib genotigt, dem Okumenischen Patriarchat das Gesuch
um Verkundung der Autokephalie zu unterbreiten. Der Widerstand von
Klerus und Volk aber blieb unbeugsam, besonders auf Kalymnos, wo ab
Januar 1935 alle Kirchen und Schulen aus Protest geschlossen blieben.
„Das Volk - ein Volk, dessen Leben von jeher engstens verbunden
war mit der Kirche, fur welches das Gelăut der Glocken die einzige
Erlosung bedeutete in der Drangsal, die einzige Botschaft der Freude -
nahm diese Massnahme hin ohne jeden Widerspruch. Mit jenem
schwerlastenden Schweigen ăusserte es seinen beredtesten Protest
gegen die Gewalt des allmăchtigen Herrschers, der sich vorgenommen
hatte, die jahrhundertealte orthodoxe Uberlieferung zu entwurzeln.'"
Die Besetzer fuhlten ihre Demutigung, und am 3. April 1935 unter-
nahmen sie es, die Kirchen mit Gewalt zu offnen. Da erhoben sich die
Frauen von Kalymnos, und es folgte ein dreităgiger Kampf, wobei die
itaiienische Polizei militărische Hilfe anforderte. Beim Truppeneinsatz
gegen das Volk wurde ein Jtingling getotet. Trotz Vergeltungsmassnah-
men der Machthaber - Verhaftungen, Gefangnis, Ausweisungen -
brachte der mutige Kampf schliesslich seine Frucht. Nach mancherlei
Interventionen von aussen waren die Italiener im Fruhjahr 1937
gezwungen, sich dem unbeugsamen Willen des orthodoxen Volks zu
fugen. Die Frage der Autokephalie wurde begraben, und so feierten die
Glăubigen am Pascha jenes Jahres eine zweifache Auferstehung.

70. A/u r/c.s A/u.stnns r/ns 77/. r/ns F/mu/ugr'u f / 035-7 93 7) -


/f/ustcrs (/gr FbrA0w(//gM/!g

Im November 1935 wurde im Kloster des FM. Johannes des


Theologen auf Verlangen des Okumenischen Patriarchats und mit

Th. Kapellâ, O ayd)vag rwv yuvo.rKo'jv oro 1935 xoa o 11eipoitoA pog („Der
Kampf der Frauen von 1935 und der Krieg der Steine"), Kalymnos.
22 /l/?w?ef'v4M;p/M7dc/H'o.s' von <Paf?Mo.s

Bewilligung der Besatzungsmacht das kanonische Venvaltungssystem


und die Abtschaff wieder eingeEihrt. Die allgemeine Versammlung der
Monche wăhlte als ihren neuen Abt Altvater Amphilochios. Diese Wahl
war zwar den itabenischen Machthabem ades andere als genehm, doch
aus Furcht vor einem neuen Volksaufstand wagten sie zu jenem Zeit-
punkt nicht, dagegen einzuschreiten.
Der neue Abt setzte sich energisch ein fur die Wiederherstellung des
liturgischen Lebens in seiner Vollstăndigkeit und in Ubereinstimmung
mit der orthodoxen Tradition. Er sorgte auch fur die Verjungung und
Erneuerung der Bmderschaff und nahm trotz Verbot der itabenischen
Machthaber die Tonsur neuer Monche vor. fn Fortffihrung der Tradition
des Kdosters kummeile er sich ausserdem mit grosser Hingabe um den
Unterhalt der Schulen der înşel, die ărztbche Versorgung ihrer Bewohner
und die Hilfe an die Bedurftigen.
Die Ausstrahlung des Altvaters wurde liberal I spiirbar. Das Kloster
lebte sichtbch auf, und im geistigen Leben des Volkes von Patmos
begann ein frischer Wind zu wehen.
Das wichtigste Werk der Abtschaft von Altvater Amphildchios
jedoch war die Grfindung des Klosters der Verkundigung, das zum
Schwerpunkt seines weiteren Wirkens werden solite. Als Standort des
neuen Klosters wăhlte er eine alte
Einsiedelei am sudwestbchen Rând
der înşel, 15 Gehminuten vom
Johannes-Kloster entfemt, die im
17. Jh. vom kretischen Monch
N ikiphoros Chartophylax, dem
spăteren M etropoliten von
Laodikăa, gegrfindet worden war,
mit einer Kirche zu Ehren der
Verkundigung, zwei Nebenkirch-
lein und einem Festungsturm.
Nachdem der Altvater diesen alten
Bauten mehrere Zellen beigefrigt
hatte, schor er im Fruhsommer
1936 frinf seiner geistigen Tochter
zu Monchinnen, darunter Kalbopi
Gounâri, die den Namen Eustochia
erhielt und als Âbtissin die Leitung der kleinen Gemeinschaft fiber-
nahm. Die Schwestem machten sich sogleich ans Werk, um in ihrem
Kloster eine weitere „verborgene Schule" aufzubauen - eine dringende
7 23

Notwendigkeit, denn fur September 1937 hatten die itabenischen


Machthaber die Abschafbmg der griechischen Sprache in allen offent-
lichen Schulen angektindet.

77. - Wnr/n r/n/ r/rrs .7^ A n


Die Tătigkeit der Schwestem kam jedoch der itabenischen Besatzungs-
macht zu Ohren, und am 1. September 1937 entsandte sie bewaffnete
Polizisten ins Kloster, die Âbtissin Eustochia ergriffen und sie zwangen,
den Weg ins Exil anzutreten. Auch verschiedene Laienpersonen
wurden aus dem Kloster verwiesen. Zuriickbbeben die vier tibrigen
verwaisten Schwestem, die die Behorden durch amtliche Belăstigun-
gen ebenfalls zu vertreiben gedachten.
Zwei Wochen spăter, am 15. September, kam die Reihe an das
Kloster des HI. Johannes selbst. Es wurde von der itabenischen Polizei
buchstăblich gesturmt. Ohne jede Vorwamung rtickte ein bewaffneter
Polizeitmpp ein und besetzte die Pforten, wăhrend ein anderer Trupp
rings um das Kloster in Stellung ging. Die Monche wurden einer nach
dem anderen hergerufen und dariiber informiert, dass Abt Amphilo­
chios abgesetzt und durch einen gewissen anderen, der Regierung
genehmen Monch zu ersetzen sei. Als Grund fur die Massnahme nann-
ten die Behordevertreter die „Einmischung des Abts in die Politik".
Dann wurden die Monche unter Androhung gewaltsamer Vertreibung
und Verbannung genotigt, eine Erklămng zu unterzeichnen, wonach sie
an diesem Tag einstimmig besagten Monch zu ihiem Abt gewăhlt hatten
und die italienische Regierung ersuchten, diese Wahl zu billigen...
Die Monche unterzeichneten, um zu verhindem, dass das Kloster zur
Gănze in die Hănde der Besetzer fiel. Dies war nămlich deren Ziel, weil
sie wussten, dass die Italianisierung und Katholisierung des Dodekanes
viei leichter sein wtirde, wenn sie die Festung der Orthodoxie, das Kloster
des HI. Johannes des Theologen von Patmos, in ihrer Macht hatten.
Als im Empfangsraum des Abtes dieselbe Erklămng auch Altvater
Amphilochios selbst zur Unterzeichnung vorgelegt wurde, sagte dieser:
„Ich kann das nicht unterzeichnen, denn vor der Kirche lege ich
Rechenschaft ab und von ihr nehme ich Weisungen entgegen und nicht
vom Staat. Wenn mir das Okumenische Patriarchat befiehlt, zu unter­
zeichnen, so werde ich es bereitwillig tun."
Als ihm der italienische Gouvemeur De Vecchi mit der Verbannung
droht, antwortet er unerschrocken wie der hl. Basilios der Grosse einst
dem Prăfekten Modestus: „Jeder Ort auf Erden ist mir Vaterland."
24 ^/^a?er^7?ipMdc/M'c.s von PadMO-s

Als man ihn auftordeAe, der Inthronisierung des neuen Abts beizu-
wohnen und ihm den Abtsstab zu ubergeben, lehnte er auch dieses ab,
mit dem furchtlosen Hinweis, dass er das den Kanones der Heiiigen
Kirche gănzlich zuwiderlaufende Vorgehen der Behotden in keiner
Weise sanktionieren werde.
Hier zeigte sich in Wahrheit, dass der in aiien anderen Dingen so
demiitige und sanfte Altvater von unbeugsamer Harţe war, wenn es um
die unantastbaren Gesetze der Heiiigen Kirche Christi ging, denn er
furchtete niemanden ausser Gott.
Wăhrend in der Kirche die Zeremonie der erzwungenen Einsetzung
des staatstreuen Abts begann, befahi Altvater Amphiiochios, die
Giocken des Kiosters im Trauer-Klang zu iăuten. Der Monch, der es
tat, wurde schon nach drei Schlăgen von der Poiizei gehindert, doch
diese drei Glockenschlăge reichten aus, um das draussen versammelte
und bange Voik in Kenntnis zu setzen tiber das, was drinnen vorging.

72. Das 74:r/c (7942)

Zunăchst woiite man den Altvater auf den Monte Cassino in Italien
verbannen, doch auf Furbitte des Metropoliten von Rhodos wurde als
Exilsort schliesslich Athen bestimmt. Dort war er zunăchst Gast der
Bruderschaft Zrnf) und wirkte dann in deren Auftrag als Beichtvater in
Ioannina und Thessaloniki. Im Verlauf des Jahres 1938 ging er nach
Kreta und wurde von der Synode der Kirche von Kreta zum
Beichtvater fur die ganze Insei emannt.
Nachdem im September 1938 bereits Âbtissin Eustochia aus dem
Exil zuruckgerufen worden war, kehrte im Fruhjahr 1939 auch der
Altvater nach Patmos zurtick und ubemahm dort vortibergehend die
Betreuung des Heiligtums der Rettenden Gottesmutter. A uf Rhodos
begegnete er abermals dem italienischen Gouvemeur De Vecchi, der
sich, beeindruckt von der asketischen Gestalt des Altvaters, fur sein
fruheres Verhalten entschuldigte.
Als die italienische Besetzung mit der Niederlage Italiens im 2.
Weltkrieg 1942 endlich ihren Abschluss fand, wurde auch das Kloster
des HI. Johannes erlost aus seiner Knechtschaft und erhielt einen neuen
Abt, nachdem Altvater Amphiiochios es abgelehnt hatte, wieder in
sein Amt einzutreten. Im gleichen Jahr betraute ihn der Âltestenrat
stattdessen wie schon friiher mit der Leitung des Kiosters der Heiiigen
Hohle.
25

Daneben widmete er sich der Wiederbelebung und Festigung seiner


monastischen und hierapostolischen Griindungen im Dodekanes, vorab
des Kiosters der Verkundigung (geweiht der Ailheiiigen Gottesmutter,
„Mutter des Geiiebten") auf Patmos, dessen Ao/hoh/'/rscAc und liturgische
Ordnung er bis ins Einzeine festiegte und das nun unter der hingebung-
vollen Leitung von Âbtissin Eustochia einen raschen Aufschwung
nahm.
in der Năhe băute er die Einsiedeiei des Hi. Joseph des Veriobten in
Kouvări, die er dem mănniichen Monchtum vorbehieit. Auch hier sorgte
er personiich fur die Aufforstung, mit Hiife seiner geistigen Kinder,
denen er, ais Bussubung fur begangene Siinden, das Pfianzen von
Băumen auferiegte!

Nach der Wiedereingiiederung des Dodekanes in das griechische


Mutterland im Mărz 1947 wurde Altvater Amphiiochios von der grie-
chischen Miiitărverwaitung ersucht, die Wohltătigkeitseinrichtungen
26

auf Rhodos zu tibemehmen, die bisher von italienischen Nonnen


betrieben worden waren und die sich in einem erbarmungswiirdigen
Zustand befanden, darunter ein Spital, ein Săuglingsheim und ein
Waisenheim fur Mădchen. Der Altvater betraute Âbtissin Eustochia
und mehrere ihrer Monchinnen mit dieser Aufgabe, und dank ihrer
Geduld und Liebe gelang es ihnen, die Kinder des Waisenheims, die
von ihren fremden Betreuerinnen mit Hass erfullt worden waren gegen
ihr eigenes Volk, zu besănftigen und zu befrieden, sodass sie sich, mit
dem Gebet und der Zuneigung des Altvaters, zu gesegneten Kindern
Gottes entwickelten.
1950 grtindete Altvater Amphilochios auf Âgina das Kloster des HI.
Minâs. 1954 ubemahm er zudem die geistige Betreuung und Neuord-
nung des Klosters der Verkundigung auf Ikaria, und 1957 leitete er
die Grundung des
Klosters der Er-
barmenden Gottes-
mutter von Rotsou
auf Kalymnos ein.
1960 schliesslich
inspirierte er den
Bau der ersten
Kirche zu Ehren
des hl. Nektarios
sowie die Grundung
des dazugehoren-
den W aisenheims
in Chania auf
Kreta. Alle diese
Grundungen betreute er personlich, unter grossten Opfem bis zur
Erschopfung seiner Krăfte. Er reiste von einer Insei zur anderen, goss
seine Liebe aus liber alle jene Seelen, die Christus ihm anvertraut hatte,
damit er sie zu Ihm fuhre, machte gerade, was krumm war, und heilte,
was krank war in ihnen. Er war in Wahrheit der Vater aller und ihr
zuverlăssiger Ftihrer auf dem Weg zu Gott. So wandelte er in den
FuBstapfen des Geliebten Jiingers, des hl. Evangelisten Johannes des
Theologen, als ein neuer Menschenfischer im Dienste des Herm.
/. Z,ede/; 27

Er stand in enger geistiger


Beziehung zu vielen anderen
bedeutenden Altvătern seiner Zeit,
insbesondere zum Abt von Lango-
varda, Philotheos Zervăkos (s.
Kapitel 8), sowie zu Archimandrit
Justin Popovip von Celije (s. Kapi-
tel 5), der ihn hoch schătzte und
einem seiner geistigen Sohne sei-
nen Namen gab, dem spăteren Bi-
schof AmElochije von Montene-
gro. Ein anderer geistiger Sohn
von Altvater Justin, der spătere
Metropolit von Bosnien und Eler-
zegowina Anastasije Jevtic, be-
suchte ihn mehnnals auf Patmos.

Auch zum Westen hatte er viele Kontaktc, vor aliem durch neu zur
Orthodoxie Zuruckgekehrte und durch seine geistigen Kinder, die an
westlichen Hochschulen studierten. Die orthodoxe Hierapostolie im
Westen lag ihm sehr am Elerzen, und er bemiihte sich um die Forderung
derselben im Geist der wahren Tradition der Kirche, welche schon da-
mals von gewissen Kreisen verfalscht zu werden begann. So wamte er
1960 in einem Brief an einen Theologie-Studenten in Paris vor der
„Falie der neo-orthodoxen Franzosen, die sich nicht auf die Grundlage
der Orthodoxen Kirche stiltzcn".' Von seinen geistigen Sohnen und
Mitarbeitem verlangte er, dass sie neben dem theologischen Wissen
auch eine breite Erfahrung des liturgischen Lebens der Kirche erwarben
und durch Aufenthalte in geeigneten Klostern - wie z.B. Longovarda
auf Păros, dem Kloster von Altvater Philotheos Zervăkos - alle Aspekte
des orthodoxen Monchslebens aus der Praxis kennenlernten.
Sein hierapostolisches Wirken erstreckte sich auch auf den afrikani-
schen Kontinent und auf Asien. Aus allen diesen Gebieten empfing er
zahlreiche Besucher auf Patmos und stărkte sie mit seinen geistigen
Weisungen und seinem Gebet fur ihr Wirken in ihren Heimatlăndem.

Siehe Ignatios Trianti, op. cit., S. 212.


28 /Ovo^e/' /!mp/n'/oc/?;'o.s' von Po^no.s

Sein văteriiches Herz


und seine Sorge um das
Heil des Bruders schloss
aiie ein, und er erachtete
es ais heiiige Pflicht jedes
wachen Orthodoxen, sich
in dieser Zeit der allge-
meinen Apostasie ohne
Riicksicht auf persontiche
Interessen autzuopfern zur
ErfiiHung des Auftrags
unseres Herrn seibst.
„Wir haben nicht das
Recht," schreibt er 1963,
„uns taub zu stellen. Wir sind verpflichtet, auch diesen unseren Briidern
unsere Hand darzureichen, die solchermassen erschopft sind, denn liber
lange Zeit hinweg wandelten sie fem von unserer Orthodoxen Kirche.
Vorwărts also, setzt den geistigen Atommeiler in B etrieb...!"'
Damit meinte der Altvater das Monchtum, das in der Orthodoxen
Kirche von jeher der eigentliche Trăger und die Seele der Hierapostolie
gewesen ist, vom ht. Antonios, dem hi. Basilios, dem hl. Euthymios
und dem hl. Symeon dem Styliten liber die Studiten und die Erleuchter
der Slawenvolker, die heitigen Monche Methodios und Kyrillos sowie
ihre Nachfolger, die russischen Monche des Hohen Nordens, bis zu den
hl. Âtoliem Eugenios und Kosmas sowie den heutigen Athoniten und
anderen in Afrika, Asien und Europa.
Einem Studenten der Theologischen Schule von Chalki, der zu sei-
nen geistigen Kindern zăhlte, schrieb er hiertiber im Jahr 1959: „Damit
diese Tătigkeit des M onchtums... bekannt werden kann, diirfen nur
orthodoxe Theologen ohne Vorurteile, ohne Einfllisse aus Protestantis-
mus und Rationalismus, iiber dieses wichtige Thema lehren. Denn nur
so konnen die grossen Werke des Monchtums wăhrend der ganzen
Dauer seiner Geschichte wahrheitsgetreu dargestellt w erden... Bemiiht
euch, im Herzen der Orthodoxie, das heisst in der Theologischen
Schule von Chalki, einen lebendigen hierapostolischen Geist zu pfle-
gen, damit in der neuen Generation von Theologen wărmeres Blut zu
fliessen beginnt... Die Christen verlangen von uns Flihrer, die das

Ebenda, S. 211.
/ LcAcn 29

Licht in sich haben, damit sie sie herausfuhren konnen aus der
Finstemis und aus dem Nebei. Das Licht werdet ihr empfangen in der
Schuie von Chaiki, die Inspiration zur Hierapostoiie von der Lăuterung
eurer Seeie und eures Herzens und die Kraft dazu von den Heiiigen
Vătern unserer Kirche. So werdet ihr, wohiausgertistet mit der Fackei
der Theotogie und dem Hirtenstab der Hierapostei, nach Verlassen der
Schuie fahig sein, die veriorenen Schafe wiederzufinden und sie
zuruckzufuhren in ihr Gehege, die Orthodoxe Kirche."'
Der Empfanger dieses Briefs war der Student Dimitrios Archontonis,
der heutige Okumenische Patriarch Bartholomăos.

75.
In den letzten Jahren seines Lebens empfand Aitvater Amphiiochios
vermehrt das Bedurfnis, sich in die Einsamkeit zuriickzuziehen, um
sich im Gebet und innerer Betrachtung auf seinen Hingang vorzuberei-
ten. Er verbrachte viei Zeit in der Einsiedeiei von Kouvâri, „um mich
zu prtifen", wie er schreibt, „ob ich bereit bin fur den Auszug dorthin,
wo jeder Sterbiiche unausweichiich zu erscheinen haben wird", das
heisst vor dem Thron Gottes.
Am 16. Mărz 1970, dem Tag, an weichem das Kdoster des Hi.
Johannes das Fest seines Grunders, des hi. Christodoulos, feiert,
erkrankte Aitvater Amphiiochios an einer Grippe, die sich zur
Bronchopneumonie entwickeite. Damais besuchte ihn zum ietzten Mai
Aitvater Phiiotheos von Langovarda, sein geistiger Bruder (beide
waren geistige Sohne des hi. Nektarios) und Vater (beide hatten sich
gegenseitig ais Beichtvater). „Unsere Freude iiber das Wiedersehen war
unbeschreibtich", schrieb Aitvater Phiiotheos spăter, „und fur beide von
grosstem geistigem Nutzen... Ich betete zu Gott, damit ich zusammen
mit dem heiiigen Gerontas und Beichtvater Amphiiochios sterben
mochte. Doch der Herr nahm ihn aiiein und empfing ihn ais einen, der
r/e/? hhg hat, damit er ausruhe von
seinen Muhen und Werken und im Himmel den unverwelkiichen Kranz
empfange. Mich Sfinder aber iiess er zuriick, damit ich mich bekehre,
weii ich auf Erden kein gutes Werk voiibracht und mit der Umkehr
noch gar nicht angefangen hatte..."^

' Ebenda, S. 393-94.


i Ebenda, S. 345.
30 von Pa^wo^

Nachdem Altvater Amphilochios alle Angelegenheiten gcrcgcit,


den Monchinnen seine ietzten Weisungen gegeben und fur aiie seine
geistigen Kinder nah und fem sowie fur die ganze Kirche und aile
Menschen innig gebetet hatte, iibergab er am 16. April 1970, im Alter
von 81 Jahren, in Frieden seine Seele dem HeiTn.
In einem Nachruf auf den heiligen Altvater schrieb Metropolit
Antonios von Sisaniou und Siatistis (t2005), selbst ein heiliger Mann
der Kirche, der als Lehrer an der Schule von Patmos iiber lange Jahre
hinweg engen Umgang hatte mit ihm: „In der Person von Gerontas
Amphiiochios fanden wir den echten geistigen Vater, den bereitwilli-
gen Fiihrer und Erzieher zum Leben in Christus. Er war ein wahrer und
vollkommener Mann Gottes... gekennzeichnet durch seine Demut,
seinen Seelenadel, seine Treue zur Tradition der Heiligen Văter, ein
Zelote und Lehrer des ununterbrochenen inneren G ebets... Er gehorte
zu jenen Mănnem, die nichts anderes wussten als weiterzubauen am
Bau der Heiligen Kirche, unserer Mutter, dessen Grund der Herr gelegt
h at..."'
Als seine Reliquien am 19. September 1980 gehoben und im Kloster
der Verkundigung hinterlegt wurden, im Beisein von Erzbischof
Timotheos von Kreta sowie der Metropoliten von Rhodos und Leros,
Kalymnos und Astypalăa, erfiillte sich die ganze Gegend mit
Wohigeruch, und seither haben die Reliquien zahlreiche wunderbare
Heilungen gewirkt.

Ebenda, S. 522-23.
7/. Le/n'e 3!

H. - Aus den Briefen'

Die himmiische Heimat

eliebte, ich sinne nach daruber, wie heiiig und wunderbar unsere
\J h im m iis c h e Heimat ist, wo es nichts gibt von dem, was wir hier
sehen. Dort ist die Wahrheit, hier die Liige, dort das Leben, hier der
Tod. Dort die Liebe, hier Neid. Dort weder Kriege, noch Parteien, noch
die geringste Unruhe. Dort ist Christus Konig. Dort die Stadt der
Heiiigen, das Heer der Engel... AHes dort ist heiiig, und jede Bewegung
Ausdruck geistiger Freude, in welcher nichts Falsches ist. Dort ist das
Gluck. Wie notig ist es, dass der Geist und das Herz sich zuruckwenden
zu jenen ersten Tagen unseres Febens, da unsere Eltem und unser Pate
uns in die Biirgerliste der Kirche Christi eingeschrieben haben, damit
wir die Rechte und auch die Pfhchten jener Gemeinschaft erlangen...
Dort sind wir Miterben Christi, damit wir mit Ihm herrschen in
Ewigkeit. Das Testament wurde unterzeichnet auf dem Hugel des
Goigotha mit Seinem eigenen kostbaren Biut. Trotz alledem missachten
wir das Bekenntnis der Taufe, missachten wir den himmlischen Ruf,
weigem uns, uns zu iosen vom Irdischen, das wir doch ohnehin eines
Tages anderen uberlassen werden. Zu Recht beweinte der heilige
Ephrem der Syrer diese Verfassung der Christen seiner Zeit. Ich bete
zum Herm, damit Er uns die Augen offne, sodass in Bălde die
Sehnsucht nach der gottlichen Heimat in uns erwachen mochte, bevor
der Tod kommt und wir uns femab finden von jener geistigen Freude
und Seligkeit.

Die geistige Quelle


/ ^ e l i e b t e r E., hor nicht auf, zur geistigen Quelle des Eriosers zu
v J g e h e n , das heisst zur Kirche mit ihren Heiiigen, wo sie in Wahr­
heit gegenwărtig ist. Denn wie der heilige Nikodimos der Agiorit sagt,
gleicht der Christ, einem Schwamm, der immerzu voii Wasser ist. Und

Die Zitate sind entnommen dem Buch von Metropoiit Ignatios Trianti, op. cit. (siehe
Bibliographie am Ende des Kapitels).
32

damit er das sein kann, muss er entweder in der Quelle odei* in einem
Gefass mit Wasser sein. Ist er fem davon, trocknet er aus. Und naht
er sich dem Feuer der Versuchungen, trocknet er nicht nur aus,
sondern verbrennt auch. Deshaib ninun dich in Acht vor dem Feuer und
bleib nicht fem von der geistigen Quelle, der orthodoxen christiichen
Lehre.

Untătigkeit und Aktivismus


Ţ ch bete zu Gott, damit Er euch behiite vor jenen beiden grossen
J^Krankheiten - der Untătigkeit und dem Aktivismus. Wandelt aliezeit
wie die Apostel und so viele andere Văter unserer Kirche. Mehr
innigeres Gebet und Voranschreiten in christlicher Gesinnung. Weder
Am-Ort-Treten noch Rennen. Dies ist der Weg, dem ihr folgen solit,
damit ihr heiiige und reiche Frucht bringt.

Geistige Waffen
A chte auf das Thema des Glaubens und der Reinheit, denn diese
vA ^sind die Zunder der geistigen Atombomben. Sind sie schwăchlich,
werden sie nicht ztinden... sie werden vielmehr Unheil bringen iiber
jene, die sie zu gebrauchen versuchen... Deshaib erleme bei dem weisen
und heiligen Bischof die rechte Handhabung diesel* Waffen, des
Glaubens und der Reinheit. Fug ihnen die Wachsamkeit und das Gebet
hinzu, damit deine theologischen Kenntnisse sich auf diese festen
Grundlagen sttitzen mochten.

Studium der neptischen Văter


Ţ Q s fieut mich zu horen, dass ihr aufmerksam die neptischen Văter
J —/unserer Kirche studiert. Lasst eure Seele in Einfachheit den Schatz
annehmen, den jene heiligen Texte darbieten, und bemuht euch,
denselben zu bewahren durch die Tugend der Demut. Ihr werdet innig
die gottliche Gnade empfinden, wenn euch in eurem Studium auch die
heiiige Furcht begleitet.

Wahre Theologie
Ţ eider haben wir die Theologie verzerrt, wir leben sie nicht
J —/innerlich, und deshaib ist sie zu einer toten Wissenschaft geworden,
77. ZeAre 33

zur beruflichen Sachkenntnis. In Wirklichkeit ist die Theologie ein


Mysterium, das sich vollzieht in jenen Seelen, die sich zur Gănze Gott
dargebracht haben. Sie ist eine lebendige heiiige Erfahrung. Erst dann
wirkt sie und widerspiegelt sich auch ăusserlich. Der wahre Theoioge
ist jener, der die mystische Vereinigung mit dem Herrn erlangt hat.
Diese Vereinigung wird erlangt erstens naturlich durch die gottliche
Gnade und zweitens dadurch, dass der Mensch alles verlăsst um der
Torheit des Kreuzes willen. Durch Losung (dtJtoiayij) und
Unterordnung (ujtoiayf)) wird er fahig, die „W issenschaft der
Wissenschaften" zu erlemen, das Leben, das uns „Seltsames verheisst,
unaussprechliche Schătze, Jie /roin ^nge govoAt/nt nnJ /roin ven-
no/n/nen nnJ Jay /Veoz <r/e.s' Men.se/ton n/cA/ Annnie (1 Kor 2,9)".'

Das Priester- und Monchsgewand


T ^ \e r Rasson ist die Flagge der Kirche Christi. Deshaib mussen wir,
J-V d ie wir ihn tragen, uns durch ein in jeder Hinsicht heiligmăssiges
Leben sehr darum bemuhen, ihm die gebuhrende Ehre zu erweisen.
Dann erst werden auch jene ihn ehren, die ihn nicht tragen.
Der Rasson ist wie die Uniform des Soldaten. Er zeigt, dass wir
Soldaten des Grossen Konigs sind. Daher muss auch unser Leben hier
ein einziges machtvolles Bekenntnis sein vor der Welt, welches zeigt,
dass wir in der Tat Ihm angehoren.

Kirche und Staat


enn die Kirche in Gefahr ist, vom Staat geknechtet zu werden,
sind die ehrwurdigen Hierarchen verpflichtet, aufzustehen
dagegen. Sie dtirfen nichts furchten. Wenn notig, mussen sie das Exil,
den Verlust ihrer Stellung in Kauf nehmen und sich selbst als Opfer
darbringen.

Richten und Selbsterkenntnis


7/e.s'o/?t/ene.s' Gew/eA/ ntn.s.s' Jen .s'e//ge y4/7va/en t/er S'nnt/e r/ev P/e/?7e/t.s'
nhen an Jere Ae/, n n J /enen, t//e in t//e.se S'nne/e ge/a//en waren, yt//egie

' Nikephoros der Monch, P/n'/oG/ie, Bd 4. Mit jenem Leben ist das Monchsleben
gemeint, das von den Hi. Vătern jenem der Engei gieichgesteilt wird.
34 von PaUna?

c r <7?e 7e?7/?a^e a/? <7e?: /7a/7/'gc/? A7r.S'Pai'eu za :7/7te/*,saga/!. E r bato/7ta,


<7a.s.s' P/'cA/a/? a/7<7ere /?A7?/ /aa* eu? A7auga/ a/: PA/^e i.s't, yonJerH
aac/? eu? Mu??ge/ au &^/rs'ta/7raw?/u;.s', uu<7 w?'e<7a/7?a//e z?//* fera/7.sa/?a?7-
/?c/?????g o/?* /b/geu<7e77 Dia/og.*

A ber, warum falie ich so oft in die Sunde des Richtens? iragte einer
Y ^ d e r Monche der alten Zeit seinen Altvater. Und jener antwortete
ihm :
- Weil du dich selbst nicht erkannt hast, mein Kind.

Reumut
Ţ Ţ astet nicht beim Lesen des Psalters und beim Singen der Hymnen,
-TlLals ob jemand hinter euch her wăre. Diese Art betmbt mich sehr.
Lest und singt langsamer, damit euer Herz teilnimmt an dem, was ihr
sagt. îch mochte sogar, dass ihr weint, wenn ihr singt, doch... Mochte
ich es noch erleben, dass ihr weinen lernt. Die alten Monche hatten in
den Gottesdiensten stets Taschentiicher bei sich...

Das Gebet
Ţ ^ \a s Gebet ist der Rettungsring unserer Seele und unseres Leibs.
J -V Selbst wenn du mit einem kleinen Schifflein unterwegs bist auf
dem Ozean - solange du das Gebet sagst, reisest du ohne Furcht.

A H 7^nn ihr das Gebet pflegt, werden euch die St urme der Versuchung
VV nicht beruhren. Es bringt sie zum Erliegen, sodass jene nichts zu
tun vermag.

Ţ I ' s gibt keine andere Art der Reinigung und Lăuterung, die dem inne-
J —/ren Gebet gleichkăme.

AH ^ gehen hin, mein Kind, um zu beten, und unser Geist wandert


VV hierhin und dorthin. Je nach unserer Neigung belădt uns der
Satan wie Lasttiere und treibt uns, wohin er will. Doch wenn der Esel
mhig ist, weder beisst noch ausschlăgt, trăgt er seinen rechtmăssigen
Herm mit Bereitwilligkeit und tut, was Er will.
77. TLeAre 35

Ţ Ţber das Gebet kann ich dir nicht viei schreiben, denn es faiit mir
L J schwer, dir das hohe Thema des Gebets in Worten darzulegen. Das
nur sage ich dir: Christus vernimmt das Gebet des Herzens, deshalb
achte darauf, dass das 'Hcrr Jesus Christus...' niemals aufhort in deinem
Geist. Was du auch empfinden magst in deinem Herzen, achte nicht
darauf. A uf das Gebet nur achte.

A m Anfang des Betens empfindest du Freude, danach Stisse und am


Y jLEnde kommen ais Frucht die Trănen. Denn nun sptirst du Christi
Gegenwart.

ehorsam ohne die innere Arbeit des Gebets hat keinen Wert. Denn
v J aucli die Kommunisten gehorchen ihrer Ideoiogie, doch was ist
das?

A /fit dem Jesus-Gebet ist der Mensch immerzu frohgemut, erfullt


iV ^Lund erleuchtet. Das innere Gebet macht ihn Christus ăhnlich, ver-
bindet ihn mit Ihm und heiiigt ihn.

T A u rc h das Gebet wirst du alles gewinnen. So wird der Mensch gerei-


J -v n ig h zum Leuchten gebracht, geheiligt. Bemiihe dich, jeden
Augenbiick diese reine Luft einzuatmen, jene des Jesus-Gebets.

Ţ )fle g t das Gebet. Es wird euch ins Paradies fuhren. Ihr werdet die
-L Gnade Gottes augenscheinlich sehen und die Freude des Flimmels
erlangen. Wenn ihr das innere Gebet pflegt, werdet ihr zu Kindem des
Konigs, die im Palast wohnen. Dann reicht ein Wink, und euer Herz
hupft in heiliger Freude. Durch das Gebet wird der Mensch wie ein
Kind. Das Gebet bringt ihn zuruck zur Einfachheit und Arglosigkeit,
die Adam im Paradies hatte vor dem Fall. Er hort auf, den Unterschied
zum anderen Geschlecht zu empfinden. Vorwărts Kinder, ergebt euch
dem Gebet. Dieses hat das Paradies mit Heiligen gefullt.

Das Monchtum

O h n e orthodoxes Monchtum kann es keine Kirche geben.


36 y4/^a?erztmpMoc/H'c.s' WM

l ^ \ i e Monche sind die Wăchter der Festungen der Kirche. Sie


J-V beschutzen sie vor ihren Feinden, die sich in der heutigen Epoche i
des Materialismus wie Wolfe auf sie sturzen, um sie zu zerreissen.

Ţ ^ \ie Vertalschung der orthodoxen Gesinnung kommt dann, wenn die


J-V K loster sich leeren, die Festungen der Orthodoxie.

" \ Ţ u r das Saiz Christi, das heisst Menschen, die sich zur Gănze
i i hingegeben haben an Ihn, wird imstande sein, der im Zerfall
befindlichen Gesellschaft die Gesundheit wiederzugeben und den Nebei
des Materiatismus und der Stinde aufzulosen.

Die Bedeutung der Heiiigen Taufe I

Ret Je r ^ g / ^ g s * ^M.s* Jgr TY/r^g/ ggbb/7/gg/?


m J/g KircAg spmcA Jg/M /tm tgr M.a. /o/gg^Jg RbAg/

Ţun bist du heraufgestiegen aus jenem heiiigen Taufbecken, aus


i i dem auch wir heraufgestiegen sind, zusammen mit Millionen von
Martyrern, heiiigen Monchen und Flierarchen. Auch du nun gehorst
von heute an zur Kirche der Martyrer und heiiigen Monche, deren
Herrlichkeit gross ist im Himmel und auf Erden. Vor so vielen Zeugen,
Engeln und Menschen, hast du den Glauben und die Flingebung
bekannt, und deshalb wirst du dein weiteres Leben auf Erden mit
grosser Achtsamkeit fuhren musscn, indem du die Gebote des Herrn
erfullst und zum Vorbild wahren christlichen Lebens wirst fur all jene,
die verblendet sind und sich in der Finsternis des Unglaubens befinden.
Damit wirst du auch uns erfreuen sowie alle, die im Himmel sind. Denn
bleibst du bis zu deinem letzten Atemzug dem treu, was du bekannt
hast, und horst nicht auf, Beispiel der hingegebenen Christin zu sein,
darfst du den Siegerkranz erwarten.
Der Teufel wird dir viele Ârgernisse vor Augen fuhren und
Hindemisse legen auf den Weg deines Lebens. Du aber vertraue auf
Christus, damit Er dich fuhre und sttitze als Sein wahres Kind. Der Sieg
gehort immerdar jenen, die Christus folgen. Ihm also folge mit festem
Glauben und sei gewiss, dass du stets siegen und am Ende das Reich
Christi erben wirst. !
37

Die Mundart des Gottmenschen

l ^ \ e Gott des Friedens sei mit euch. Schwester in Christus, Niki,


-L ^ fie u e dich im Herm. Wie steht es mit deinem Umgang mit
Christus? Hast du die Mundart des Gottmenschen erlemt? Ich giaube,
du vermagst nun mit dem geiiebtesten Jesus zu reden. Weiche Freude
wird es fur mich sein, wenn ich komme und du mir Dolmetscher sein
wirst fhm gegentiber. Die hăufigen Prtifungen und Versuchungen
konnen dir nur zur Lăuterung von Geist und Fferz gereichen und dich
stărken in deiner Hoffnung auf fhn. Dein Herz hat gelernt, „Jesus" zu
sagen? Wenn es dies in der Tat gelernt hat und fortfahrt, jenen
sussesten aller Namen anzurufen, dann wisse, dass du den Punkt der
Verstăndigung mit Ihm erreicht hast. Jesus will nicht viele Worte des
Mundes. Ihn erfreuen die Worte des Herzens. Des Herzens, das
begriffen hat, in welchem Abgrund der Stinde es sich befand, bevor es
ihn kannte.

Das kleine Erbteii Christi

Ţ ^\rau ssen wutet der Sturm und ărgert sich, dass wir ihn ausgesperrt
J-V haben, auch das Meer beklagt sich, dass jener winterliche Wind es
so heftig peitscht, und der Regen, herangetrieben von den schwarzen
Wolken, versucht ihn zu besănftigen, ihn zu besiegen, damit nicht nur
das gepeinigte Meer den Frieden wiederfînde, sondern auch die Erde
mit ihren Băumen, ihren Tieren und mit den Menschen selbst, von
denen einige in hellerleuchteten Salons singen und tanzen, wăhrend
andere weinend vor den Sărgen ihrer Geliebten stehen und Trănen des
Kummers und des Schmerzes vergiessen.
Nur ein ganz kleiner Teii kniet unter den Kuppeln der Kirchen und
verherrlicht den Gott unserer Văter, ohne gross zu achten auf jenes
Toben der Natur, denn er sucht sich stets aufmerksam vor dem
Angesicht des Konigs Christus zu halten, unbekummert um jedwelchen
Sturm, sei er innerlich oder ăusserlich.
Dies ist das kleine Erbteil Christi, das nicht nur aus Mănnem besteht,
sondern auch aus Frauen und aus Jungen, auf der ganzen Erde. Es ist
die unter den Waffen stehende Phalanx des Nazorăers, der alles wie
nichts gilt und die /Nn /o/gt, wo/?/'/? E r nncA geN .'

Siehe Offb 14,4.


38 yh^a?erdw;pMoc/n'o,s von

Gast auf Erden

ross ist das Unheil, wenn der Mensch glaubt, dass er Herr werden
v J w i r d tiber die Erde, die ihn beherbergt als Gast, obwohl er mit
seinen eigenen Augen sehen kann, dass unter seinen Fiissen die
unzăhlige Menge der Menschen liegt, die auf die Auferstehung der
Toten wartcn. Nur der wahre Christ iebt hienieden ais Wanderer und
wendet seinen Geist zu seinei* heiiigen Heimat hin, die im Himmel ist.
Mit Liebe sehnt sich sein Herz nach dem Ort, wo keine Trauer ist, kein
Seufzen, sondern Freude und todloses Feben und Gemeinschaft mit
den Heiiigen und Gerechten.

Biumen des Schmerzes


/^Nhristus schmuckt deine vortreffliche Seele mit so vielen Biumen
y ^ d e s Schmerzes, dass sie eines Tages ein Vorbild christlicher
Geduld sein wird, um all dessen willen, was du jetzt auf dem
Krankenlager ertrăgst. Ich bitte dich innigst, zeig keinen Unmut liber
deine Schmerzen. Ich glaube, dass auch hier dein Frohmut, den du
immerzu hast, fortfahren wird, die ganze Schonheit deiner Seele zu
offenbaren, den Schmuck ihrer Stărke, ihres Muts, ihrer Geduld und
der Freude dariiber, dass du gewiirdigt wardst, in Christi Hănden zu
sein.

Was der Mensch nicht vermag

X ngstige dich nicht. Alles wird dem Gebet gemăss geschehen. Âng-
Z y s tig e dich nicht. Dies nur - glaube, dass das, was wir Menschen
nicht zu tun vermogen, Gott tun wird. Das halte dir vor Augen und
denk daran zu jeder Zeit.

Erfuiier von Gottes Gesetz

Ţ asst uns zuerst uns selbst kultivieren. Die Welt will Menschen
J-^/sehen, die Gottes Gesetz erfullen. Solche sind selten geworden in
unserer Zeit.
39

Das Geheimnis des gottiichen Schutzes

T I mpfangt hăufig die Gottliche Kommunion, betet mit Innigkeit, seid


J —/geduldig in der Drangsai, und ihr werdet sehen, wie eine starke
Hand euch halt.

L / i e b t den Einen, und selbst die wilden Tiere werden euch lieben.

Eenn die Flamme der Gottesliebe lodert, wird alles Bose, das sich
V V dem Menschen năhem will, sogleich verbrannt.

Christus Derseîbe heute wie gestern

/C h ris tu s ist Derseîbe, heute wie gestern. Wir aber halten unsere
\^ /A u g e n geschlossen und sehen nur Finstemis. Indem wir so
dahintaumeln, fallen die einen in den Schmutz, die anderen stiirzen zu
Tod.

Das schiimmste Ubei


T ^ \ a wir heutigen Christen keinen Glauben und keine Gottesfurcht
J-V m e h r haben, lassen wir uns so leicht irrefuhren von
tausendundzwei Irrlehren. Wir gleichen jenen oberflăchlich
eingepEanzten Băumen, die der geringste Windstoss umwirft, wăhrend
unsere Văter wie măchtige alte Eichen waren, mit tiefen Wurzeln, die
kein Sturm zu erschiittem vermochte... Moge Gott uns befreien von
der Verblendung, denn Verblendung ist das schiimmste Ubel. Wenn
einer stindigt, spiirt er es, doch wenn er verblendet ist, sptirt er es nicht.
Verblendung - und moge uns Gott behtiten vor jeder Art von
Verblendung - ist stets die Frucht von Uberheblichkeit und Egoismus.
Bemtihen wir uns deshalb, Demut zu erlangen, dann wird der Heilige
Geist uns immer in der Wahrheit fuhren.

Des Menschen Pakt mit dem Satan


A n der Stelle des gesturztcn Satans erschuf Gott den Menschen.
Y A H eute jedoch hat der Mensch einen Pakt geschlossen mit dem
Satan, und nun kămpfen beide zusammen gegen Gott. Der erste Rebeli
40

gegen Gott war Luzifer' mit seinen Gesellen. Nun steht auch der
Mensch, den Gott nach Seinem Bi)d erschaffen hat, auf dessen Seite.
Deshalb hat Gott den Menschen mit Torheit geschlagen, sodass er, wie
die heutige Lage der Dinge zeigt, mit seinen eigenen Hănden die Erde
zerstort durch seine destmktiven Erfîndungen. So wird die abtrunnige
Seele des Menschen, die sich abgewandt hat von ihrem Schopfer, ihren
Lohn aus ihrer eigenen Hand empfangen und ihrem Verbundeten
Luzifer auf immer in die Finsternis foigen.
Wir aber woilen unsere Seele stets nahe bei ihrem Schopfer halten.
So wird nichts uns erschrecken, selbst wenn die Erde verbrennt und
vemichtet wird von den Ertindcrn des 20. Jahrhunderts.

Interpretation der Apokalypse


" r \ a m i t einer die interpretieren kann, muss er die Kraft
JL vund gottliche Inspiration ihres heiligen Verfassers haben, des
Evangelisten Johannes des Theologen, des Geliebten Jtingers des Herm.
Das heisst, er muss die Gnadengabe der Prophetie empfangen haben.
Es gibt jedoch verschiedene Anzeichen, die uns den kommenden Krieg
und das Verschwinden der Menschheit vorankunden. Als eines davon
nenne ich die Gleichgultigkeit der Vielen gegeniiber der christlichen
Wahrheit und das Auftreten der vielfaltigen, vom Satan gesteuerten
Hăresien.

Aufruf zur Umkehr


Ţ Ţnsere Kirche muss das Volk aufrufen zu tiefem und aufrichtigem
L J Sinneswandel. Gott hatte die Macht, Niniveh zu vernichten. Doch
Er tat es nicht. Er suchte die Bewohner der Stadt zur Umkehr zu
bewegen. Deshalb sandte er Jonas zu ihnen. Auch heute ist es notig,
dass flammende Verkunder die Regierenden und das Volk bewegen zur
Umkehr zum Gott unserer Văter.
Lasst uns die Drangsale dieses Lebens um Christi willen mit Geduld
ertragen. Die Welt moge uns fur Verruckte halten. Man moge uns
bezeichnen als was immer, als das, was wir uns nicht einmal vorstellen
konnen. Es kommt die Stunde, da wir erlost werden von dieser Welt

' Griech. Emocpopoţ, worti. „Herbringer des Morgenlichts", d.h. Morgenstem, davon
abgeleitet das lateinische „Luzifer".
^ Das griech. WoU Anox6Xur)a(; bedeutet wortlich „Enthiiilung, Offenbarung".
//. LeAre 41

mit ihren Freuden und ihren Leiden und hinaufgenommen werden, um


uns der wahren Ruhe zu ertieuen, da wir eintreten werden in den
Konigspaiast Jesu.

An die Mutter

A H dies bedenkend, verachte die Dinge dieser Weit und gib acht nur
YA^auf die Erziehung deiner Kinder, denn hierin liegt deine heitige
Pflicht. Sooft du Zeit hast, lies die Heiiigen Schriften und nahe dich
Gott im Gebet.

Ţ " \a s einzige, was ich von dir wi!i ist, dass du die Liebe zu Christus
J -V tie f einpftanzest in die Herzen deiner Kinder.

Ţ Ţ ab grosse Acht auf deine Kinder, denn von ihnen hăngt deine
JTlLRettung ab.

A H 7 ^ ich dir schon in einem anderen Brief geschrieben habe - das


V V einzige, was Christus erfreut ist, dass du deinen Kindem eine
christliche Erziehung gibst und christlichen Gehorsam zeigst gegeniiber
deinem Ehemann.
42 von Patmos'

- 'Iy v aito n A. T p tav it, M tiiportoX lion Begordon, AEXtovog x a t Kavtvrig, "O
fipovrc^ r^ H d ^ to n , A/.t^tAd%to^ Maxpt)^, Bto^ - 'YdoP?)xat - Mapruptat.
("D er A ltvater von Patmos, A m philochios M akris, Leben, Weisungen,
Zeugnisse"), hrsg. vom HI. Kloster der Verkundigung, Patmos )997.
-N tx tiia p â nanX on AQXtp-ctvăption, "O fepovra$; A^nptAoxto^ Maxpttg'
(„Altvater Amphildchios M akris"), hrsg. Ekd. Heptalophos, Athen 2. Auflage
1984.
- O fep o v rd g uacr („Unser Gerontas"), hrsg. vom HI. Kloster Panagias Eleousis,
Rotso-Kalymnos, 1986. Engl. Ubers. 0 :/r Geronta, F;i AmpA//dcA;'os Ma&A,
hrsg. vom selben Kloster.
^L T V ^T O R G PH RO M

VON
K ^ V T O U N X K !^

(1912-1998)
44

^4/fva^er von
45

Kapitel 2

^ L lV X tG R
GPHReH V O N K x T O U N ^ K t X
Ţ ^ \e r selige Altvater", schreibt Abt Ephrem vom HI. Kdoster
^^J-V V atopedi, „war ein Gottesmann, ein 'gewaltsamer' Monch, der
die Definition des hl. Johannes vom Sinai bestătigte, wonach der
Monch 'stăndigc Gewalt ist gegen die N atur'2 Er diirstctc unersăttlich
nach der gottlichen Gnade, bewahrte seinen anfanglichen Eifer bis ans
Ende seines Lebens und besass die Tătigkeit und den geistigen Zustand
des Gebets. Er hatte auch die Gnadengabe der Trănen, und dies in
einem unglaublichen Mass. Er weinte aus ganzer Seele wăhrend der
Liturgie und die ganze Nacht hindurch in seinem Gebet fur seine
leidenden Bruder und fur die Rettung der ganzen Welt. Seine
Erscheinung allein schon verriet seinen hohen inneren geistigen Stand -
du glaubtest in das Antiitz des gottsehenden Moses zu blicken. Wenn
du vor ihm standest, wurdest du gleichsam durchsichtig, und mit den
helisichtigen Augen seiner Seele nahm er dein 'geistiges Rontgenbild'
auf. Betrachtete er einen Laien, erkannte er sogleich, ob er ein gutes
geistiges Leben fuhrte oder nicht, und war es ein Monch, ob er in
rechtem Gehorsam lebte. Kraft der Genauigkeit seines Gewissens und
der ăussersten Hingabe an die Askese des Gehorsams und des Gebets
erreichte er, unter Mitwirkung der gottlichen Gnade, die Hohen eines
heiligen agioritischen Vaters der Gcgenwart.'"

' Klimax, Stufe 1, 10.


^ Tepoviog twoiîq) BarojraL&woiJ, O X aptpuarouxog Yjroraxrtxoc, fe p o v ra j
E<ppat/.t o X arouvaxtoing, I. M. M. Vatopedi, Agion Oros 2005\ Vorwort.
46

I. - Leben

/. MH(/

A ttvater Ephrem wurde am 6. Dezember 1912, zur Zeit der Balkan-


Z Y k rieg e, im D orf Ambelochori bei Theben (Bootien, Mittelgrie-
chenland) geboren, als zweiter Sohn einer armen, aber gottesfurchtigen
Familie. Sein Grossvater Nikitas war Priester des Dorfes, eine geachtete
und strenge Personlichkeit. Sein Vater, Ioannis Papanikitas, Kantor im
linken Chor der Kirche, brachte die Familie mit dem spărlichen Ertrag
einiger Felder durch und erbrachte grosse Op fer, um seinen drei
Sohnen den Abschluss der Mittelschule zu eimoglichen. Die Mutter,
Viktoria, war eine grossmutige Seele, voller Liebe und Mitgefuhl fur
alle Menschen, begabt mit einer schier unbegrenzten Geduld.
Ihr zweiter Sohn empfing bei der Heiligen Taufe den Namen
Evangelos. Er war ein guter Schuler, sittsam und aufrichtig von Natur,
seinen Eltem untertan und geduldig in der Pmfung. Als die beiden
ălteren Sohne die Sekundarstufe eiTeichten, zog die Familie nach
Theben, um ihnen die Studien zu erleichtem. DoB wurde Evangelos
fmhzeitig bekannt mit Monchen, die in die Stadt kamen, und lemte von
ihnen, wie man gewissenhaft seine Beichte ablegt und seine Gebets-
regel erfullt. Als er heranwuchs, besuchte er oft und gem die Kdoster
der Umgebung, doch nach Abschluss der Schule im Jahr 1930 hatte er
zunăchst nicht im Sinn, Monch zu werden. Er suchte sich eine Situation
in der Welt zu verschaffen, was ihm jedoch misslang. In aliem, was er
versuchte, fand er sich vor verschlossenen Tiiren. Selbst in der Armee,
wo er seine Dienstpflicht erfullen wollte, wurde er abgewiesen, auf
Grund eines chronischen, allergie-bedingten Geschwfirs am Bein, das
ihm sein Leben lang zu schaffen machen solite.

2. Xn/H

Uberzeugt, dass Gott ihm mit all diesen Hindernissen den Weg wies
zum Fleiligen Berg, und bestărkt hierin durch einen Traum seiner
Mutter, in welchem ihr ein ehrwiirdiger Greis die Richtigkeit seines
Entschlusses bestătigte, kam Evangelos im September 1933 auf den
Athos. Er ging geradewegs nach Katounăkia, der Eremitensiedlung in
den Felsen des siidwestlichen Zipfels der Athos-Elalbinsei, und wurde
7. Ze&e?! 47

dort in die GemeinschaR des von der Grossen Lavra abhăngigen


Hesychastirions des Hi. Ephrem des Syrers aufgenommen, wo er sein
Leben lang bieiben soiite. Die Văter dieser GemeinschaR, Ephrem der
Âitere, N ikiphoros und Prokopios,
stammten aus seinem heimatiichen
Theben und waren ihm von dorther
bekannt. Sie waren aile drei bereits
betagt, und Ephrem, liber achtzig Jahre
alt, entschhef bald zum H enn, worauf
Nikiphoros die Leitung der BruderschaR
ubemahm.
Nach angemessener PruRtng wurde der
junge Novize nach einem Jahr Rassophor
unter dem Namen Longinos. 1935 emp-
Rng er das Grosse Monchsgewand unter
dem Namen Ephrem, nach dem hl.
Ephrem dem Syrer, dem die Kirche der
Einsiedelei gewidmet ist. 1936 schliess-
lich wurde er, in Anbetracht seines vorbildlichen Gehorsams, seiner
Demut, seiner edlen Gesinnung und tiefen GottesRircht zum Diakon
und bald darauf zum Priester geweiht, obwohl er noch so jung war. Von
da an war er unter den Asketen des sudlichen Athos als Papă-Bphrem
von Katounakia bekannt.
Sein Leben unter der Leitung von Altvater Nikiphoros (Mitte des
Bildes, sitzend) war alles andere als leicht, denn der Altvater hatte
einen schwierigen Charakter. Wie Vater
Prokopios (links im Bild) wurde auch er
oRmals versucht vom Gedanken, die
GemeinschaR zu verlassen, doch
jedesmal siegte bei beiden Vătern,
mit Hilfe der Gnade Gottes, der
Entschluss, um der Liebe Christi
und des monchischen Ethos willen
mit Geduld das Kreuz zu tragen
und den Gehorsam zu bewahren.
So blieb er bis zur Entschlatung
seines Gerontas im Jahr 1973 dessen
treuer d.h. Untergebener,
und pRegte ihn liebevoll wăhrend der
schweren Krankheit seiner letzten Jahre.
48

Das Handwerk der Gemeinschaft war die Herstellung von holzemen


Sicgcln fur die Prosphoren. Dies bedeutete Schwerarbeit, denn zuerst
mussten die Baumstămme herangeschieppt werden, aus weit entlege-
nen und schwer zugăngiichen Wăldem, mit Hitfe von geliehenen
Mauitieren. Dann mussten die Stămme mit der Handsăge in Scheiben
zersăgt, behauen und schiiessiich an einer Drehbank mit Fussantrieb
soweit bearbeitet werden, dass man sie schnitzen konnte. Die fertigen
Siegei wiederum mussten in Săcke gepackt auf dem Rucken zu den
Grossklostem oder zur Schiffsanlegestelle transpoBiert werden.
Unter diesen Umstănden das „Fasten, Wachen und Beten" der Heiligen
Văter in seiner ganzen Strenge einzuhaiten, war sehr schwierig, doch
da Gott den guten Willen und das aufrichtige Streben des jungen
Monchs sah, stand Er ihm bei durch Seine Gnade. Die Trostungen der
gottlichen Gnade waren soicherart, dass Ephrem aile Mudigkeit vergass
und mit der jugendiichen Einfachheit, die ihn kennzeichnete, bei sich
zu sagen pflegte: „Tretet beiseite ihr Engei und Erzengel, dass ich
meinen Herrn schauen moge, den Stachel meiner Liebe!" Und die
Siisse dieser Gedanken Hess ihn gănziich entbrennen in Gottesliebe.
Uber jene Epoche seines Lebens mit seinen Aitvătem sagte Altvater
Ephrem spăter: „Sie waren einfache Mănner. Das Handwerk, die
Gottesdienste in der Kirche, nichts weiter. Ais ich auf den Heiiigen
Berg kam, suchte ich etwas, doch ich selbst wusste nicht, was es war.
Tagsiiber tust du dein Handwerk, nachts widmest du dich deiner Regei.
Doch das erfullte mich nicht, es geniigte mir nicht. Mich verlangte nach
etwas hoherem, nach etwas, das mehr war ais das. Gero-Nikiphoros
war gut, doch er konnte dich nicht einen Weg iehren, den er selbst nicht
gegangen war, weii er ihn nicht kannte."
So hăuften sich die unbeantworteten Fragen, besonders nachdem er
begonnen hatte, geistige Zustănde zu erfahren. Einmai, im Vesper-
Gottesdienst, wăhrend Vater Prokopios den einleitenden Psalm 103 las,
wurde Papâ-Ephrem im Geist entriickt und er sah, wie die ganze
Schopfung Gott verherrlichte. Erst ais ihn Vater Prokopios am Schluss
des Psalms anstiess, damit er das „Jetzt und immerdar" sage, sodass sie
die Akoluthie fortsetzten konnten mit dem Psalter-Kathisma, kam er
wieder zu sich. Er hatte auch erste Erfahrungen von Hellsichtigkeit und
sah das Schiff, mit welchem Gero-Nikiphoros von Athen nach
Thessaloniki zuruckkehrte. Er konnte sogar den Namen des Schiffes
lesen. Doch er erfuhr auch hohere Zustănde. „Die gottliche Gnade trug
ihn in unfassbare Hohen, in andere Welten. Hier erfuhr er die
'unaussprechlichen Dinge'. Da gab es keinen menschlichen Gedanken
7. 7,67)6/: 49

mchr. Ais er wieder zu sich kam, fand er sich an derselben Stelle, wo


er vorher gewesen war und dachte: 'A n jenem Tag schwinden alle seine
Gedanken dahin' (Ps 145,4)."'
Doch wer konnte ihm alt die Fragen beantworten, die er hatte, ihm
helfen, voranzukommen im geistigen Leben?

„Das was ich suchte, fand ich in Altvater Joseph. Deshalb sagte er zu
mir, ais ich ihm begegnete: 'Ich suchte dich, und du suchtest m ich / Der
Altvater gab mir die Gebetsschnur/ Er gab mir das Gebet. Glaubst du,
du wirst in die Himmel hinaufsteigen aus eigener Kraft? Wenn du es
tust, so heisst das, dass du der Tăuschung erlegen bist. Geh zu einem
Menschen, damit er dich lehrt, welches die Schlingen des Teufels sind,
damit er dich den Weg lehrt, auf dem du in den Himmel hinaufsteigst.
Auch Altvater Joseph selbst war belehrt worden. Von Gero-Kallinikos
und von Gero-Daniel."^
Damals lebte Altvater Joseph in der Skite des HI. Basilios oberhalb
von Katounakia, in etwa 600 m Hohe (1923-1938). Papa-Ephrem
besuchte ihn dort erstmals mit seinem Geronta Nikiphoros, der fur
Altvater Joseph besondere Verehrung empfand. Deshalb hinderte er ihn
in der Folge auch nicht, ihn oft zu besuchen und sich von ihm einweihen
zu lassen in die Uberlieferung der Heiligen Vater.
Bei dieser ersten Begegnung stellte Altvater Joseph Gero-Nikiphoros
eine Frage, die Vater Ephrem bewegte und verwunderte. Er fragte
nămlich nicht, wie es iiblich war, ob der junge Monch sein Handwerk
recht mache und ob er seinen anderen Aufgaben in der Einsiedelei
gewachsen sei. Er fragte ihn: „Papa Nikiphoros, ist Ephrem gehorsam?"
Spăter sagte Altvater Ephrem hierzu: „Das beruhrte mich. Ich fuhlte,
dass dieser Altvater Leben und Gnade in sich hatte..

' Tepovioc; Imoptp BortojtcuNvou, op cit., S. 36.


Psalterzitate und andere AT-Stellen des vorliegenden Bandes sind nach dem griechi-
schen Text in LXX ubersetzt.
* Dies ist nicht so zu verstehen, dass er die Gebetsschnur vorher nicht benutzte, denn
er tat es, sondem in dem Sinne, dass er sie nun erst n'cM g benutzen lemte.
^ Op. cit., S. 38. Betreffend Gero-Kallinikos und Gero-Daniel siehe Kapitel tiber
Altvater Joseph den Hesychasten.
" T{ipovioq Itnofup Botiojtat&tvou, op. cit., S. 48.
50 ^/tvaier von ĂiaioMwoAm

Von da an besuchte er ihn oft. în kurzer Zeit lehrte ihn Aîtvater


Joseph die Bedeutung des geistigen G esetzes' und die rechte
Kampfweise im unsichtbaren Krieg. Damaîs woîîte Papâ-Ephrem
seinen Geronta verlassen, weiî er dort nichts Geistiges fand, doch
Aîtvater Joseph riet ihm, mit demutiger Gesinnung dort zu bîeiben, und
versprach ihm, ihm im Geiste beizustehen. „Er sah in mich hinein, er
sah mich zur Gănze. Er legte mir bis ins Einzeîne dar, was mir bis ans
Ende meines Lebens geschehen wird. Nun da ich aîl das sehe, begreife
ich, was ein Gottesmann ist, was ein Heiîiger ist."^
Nach und nach wurde er dank dem Beistand von Aîtvater Joseph in
die Mysterien der eingeweiht, der Lăuterung des Geistes, des
Herzens, aus weîcher gottîiche Erleuchtung foîgt.

4. A A

Drei bis viermai in der Woche pfîegte Papâ-Ephrem von Katounakia


nach Agios Basilios hinaufzusteigen, um tur Aîtvater Joseph und seine
Gemeinschatt die Gottîiche Liturgie zu zeîebrieren. Der Aîtvater lehrte
ihn, sie mit jener Ruhe und Abgeklărtheit zu zeîebrieren, die der
Verinnerlichung forderlich ist. Von da an îiess Aîtvater Joseph niemand
anderen zeîebrieren bei sich. Er pfîegte zu sagen: „Ich glaube, es gibt
auf dem ganzen Heiligen Berg keine schonere Liturgie."
Wenn Papâ-Ephrem die Liturgie feierte - und er feierte sie bis ins
hohe Alter jeden Tag wurde seine ganze innere Welt offenbar. „Er
war ein wunderbarer Liturge: gesammelt, mit gemessenen, sicheren,
etwas langsamen Gebărden. Man hatte den Eindruck, dass er aus einer
ehrwurdigen, tiefen Vergangenheit kam, um voîler Zuversicht voran-
zuschreiten in eine endlose Zukunft."^ Er fuhlte und erfuhr gottîiche
Dinge dabei und wurde oftmaîs entruckt. „Er zelebrierte mit brennen-

' Das „geistige Gesetz": Gottes Vorsehung, um dem Menschen zu hclfen, von seinem
gefaHenen Zustand zuruckzulinden zu seiner wahren Natur als Gottessohn. Es
schreibt oft gegensătzliche Tugenden und Praktiken vor, um die Leidenschaften und
andere sundige Neigungen zu bekămpfen (z.B. Fasten zur Bekămptung der Esslust
usw.) und ist weit eher ais therapeutisches Mittei zu sehen denn ais Siihne (Giossar
der engi. Ausgabe des Buches Tepoviog Itoopcp BaiOJtebtvou, op. cit. Siehe
Bibiiographie am Schiuss des voriiegenden Kapitels).
- Feoovioq Imofttp Barojtat&tvou, op. cit., S. 49.
Fcpovra^ E'tppaty Agion Oros 2000, S. 119.
/. Leâen 5!

dem Herzen und in vodstăndigem Gewahrsein der gottlichen Gnade.


Oftmals war er wegen der Trănen und der gottiichen Offenbarung nicht
imstand, die Ekphonesen auszusprechen."' Wie er seibst bezeugte,
zeiebrierte er nie, ohne dass er sah, wie bei der Epikiese der Heiiige
Geist herabkam auf die Gaben, und nach der Umwandiung sah er
tatsăchlich das Fleisch und das Blut Christi. Nur in der Zeit mit den
Zeioten (s. unten) lag wie ein Schleier iiber den Gaben, sodass er es
nicht sehen konnte.
Er bemuhte sich, all jener zu gedenken, die ihn im Laufe der Zeiten
um seine geistige Ehlfe gebeten hatten. Seine besondere Sorge galt den
Entschlafenen, denn er hatte die Gewissheit, dass das Gebet tur sie von
grosser Wirksamkeit war. Er vermochte die geistige Verfassung jener
zu schauen, tur die er betete, der Lebenden ebenso wie der Dahin-
gegangenen, und ihnen so besser zu hetfen.
Er pfîegte zu sagen: „Fur mich ist die Liturgie Gebet. Das wichtigste
aller Gebete."

Ais Aîtvater Joseph 1938 mit seiner Gemeinschaft von Agios


Basilios hinabzog in die Skite der Kleinen HI. Anna, durfte Vater
Ephrem dort zwei Monate lang bei ihm leben. „Diese beiden Monate",
sagte er spăter, „erlaubten mir, die gottîiche Gnade zu tlnden, so wie
die Heiligen Vater sie beschreiben. Ein wachsames Leben ist die unab-
dingbare Voraussetzung dafur, insbesondere das Niedertreten des
Eigenwillens, aliem voran aber das reine Gebet...
Ais Papâ-Ephrem eines Abends intolge eines Fehlers, den er begangen
hatte, zu spat eintraf fur die Liturgie zur vorgesehenen Zeit (nach
Aîtvater Josephs unverănderlichem Programm begann diese jeweils
nach Mittemacht, s. Kapitel 6), tadelte ihn der Aîtvater und jagte ihn
aus seiner Zelle. Drei Tage lang hielt er ihn fem von sich, so sehr
dieser auch unter Trănen um Vergebung bat. Ais ihn der Aîtvater
wiederum zuliess, begriff er, dass dies ein Prufung gewesen war mittels
praktischer Erfahrung, um die Bedeutung der Genauigkeit zu erfassen,
die notwendig ist fur den geistigen Fortschritt, sodass einer von der
Praxis zur Betrachtung aufsteigen kann.

' răpoviog Iutoficp BaroicarbrvoiJ, Vorwort von Abt Ephrem, S. 11.


^ Ebenda, S. 50.
52 F/;p7v?H vo??

„Ich habe keinen Menschen so sehr geliebt - noch auch so sehr


gefurchtet - wie den Altvater", sagte er spăter, „Er wurde das Idea!
meines Lebens und blieb es, sowohl als er noch !ebte, als auch nach
seinem Hingang. Er wurde zu meinem Lebensretter. Die blosse
Erinnerung an ihn zog mich weg von hitum ern und setzte mich auf den
Weg des geistigen Fortschritts, mein ganzes Leben hindurch."' Zu
seinen geistigen Kindern sagte er in der Foige: ,,Altvater Joseph war
ein Riese des Geistes, ein von Gott Se!bst belehrter Lehrer des inneren
Gebets."
Bis in seine !etzten Jahre fuhr er fort, die von Altvater Joseph
cingcfuhrtc tăgliche Nachtwache so genau einzuhaiten, wie es das
monastische Programm in Katounakia zutiess. Im Sommer pflegte er
sie draussen zu halten und las dabei die Zeit an den Stemen ab.
Zu seiner geistigen Nahrung gehorten auch die Heilige Schrift und
die Schriften der Heiligen Văter, vor aliem die Philokalie, von der er
ganze Teile, die vom inneren Leben und den Geheimnissen der
gottlichen Gnade handeln, auswendig wusste.

6. D/c r/cu Zc/utc/:

Als im Jahr 1924 der neue Kalcnder eingefuhrt wurde, blieb der
Heilige Berg aus Grtinden der Tradition dem alten Kalcnder treu, doch
ohne die Kommunion abzubrechen mit dem Okumenischen Patriarchat
und dadurch mit allen Oifskirchen. Einige athonitische Monche aber
erklărten sich (in Anlehnung an die Studiten wăhrend der Zeit des
Ikonoklasmus) als „Zeloten" und brachen die Kommunion mit dem
Patriarchat und ebenso mit dem iibrigen Teii des Heiligen Berges ab.
Katounakia war eine der Hochburgen der Zeloten, und auch die Văter
der Einsiedelei des HI. Ephrem des Syrers gehorten dazu, Altvater
Ephrem inbegrilfen.
Als er Joseph dem Hesychasten begegnete, schlossen sie sich beide,
bewegt von ihrem geistigen Eifer, der harten Linie der Matthăer
(benannt nach dem kretischen Monch Matthăos) an. Doch spăter er-
kannte Altvater Joseph, dass durch den Fanatismus dieser extremen
Linie der Zeloten der Widersacher Einfluss gewonnen hatte liber ihn

Ebenda, S. 59.
7. ZeâeH 53

und dass er deswegen in seinem Gebet behindert war. în einer Vision


wurde ihm daraufhin die Gefahr gezeigt, die die Trennung von der
Kirche mit sich bringt. Bine ăhnliche Vision hatte zur gîeichen Zeit
auch Papâ-Ephrem. Deshalb wechselten sie tiber zur gemăssigten Linie
der Fîoriner (nach Bischof Chrysostomos von Florina). A uf ein
gottliches Zeichen hin kehrten sie schîiesslich in die Kommunion der
Kirche zuriick, und ihre Seeîen fanden den Frieden wieder.
Doch Gero-Nikiphoros, Papă-Ephrems Gerontas, der sein Leben iang
gewohnt war, mit den Zeloten zu verkehren, begann aufzubegehren
gegen seinen Standpunkt, und dies in solchem Mass, dass sich Papâ-
Ephrem nach einem grossen Gewissenskonflikt um 1952 schweren
Herzens entschloss, dem Gehorsam zu folgen und sich zu gedulden bis
zum Hingang von Gero-Nikiphoros. Nach dessen Entschlatung loste er
sich auf immer und auf Iriedliche Weise von den Zeloten. Da hob sich
auch der Schleier, der in jener ganzen Zeit mit den Zeloten wăhrend der
Gottlichen Liturgie auf den Heiligen Gaben gelegen hatte, und der
Altvater konnte wieder in der Ftille des Lichts der Gnade zelebrieren.

7 .7V#c/: r/rw tw ; H /trntcr ./nsc/V:

Nach dem Hingang von Altvater Joseph im August 1959 ging Papâ-
Ephrem durch eine besonders schwierige Zeit. 1963, im Anschluss an
die Entschlafung seiner Mutter, die noch kurz vorher unter dem Namen
Maria das Grosse Monchsgewand empfangen hatte, kam sein Vater,
Kyr Ioannis, im Alter von liber 80 Jahren auf den Heiligen Berg und
wurde Monch in der Einsiedelei, unter dem Namen Hiob. Dies fuhrte
zu Spannungen mit Gero-Nikiphoros, die erst aufhorten, als Gero-Hiob
1971 in Frieden entschlief. In jenen schweren Jahren, geplagt von
Krankheit und von der Last der drei Greise, fur die er zu sorgen hatte,
empfing Papâ-Ephrem oftmals Trost von Altvater Joseph, der ihm im
Traum erschien und ihn ermutigte: „Mein geliebtes Kind, gedulde dich,
denn hier oben wirst du dein Entgelt und deinen Lohn findcn."
1968 zog auch Gero-Prokopios nach kurzer Krankheit aus ins andere
Leben, und Papâ-Ephrem blieb allein zuriick mit Gero-Nikiphoros, der
an zunehmendem Gedăchtnisschwund litt, sodass er ihn betreuen
musste wie ein Kind. Er tat dies mit der Hingabe eines treuen Jtingers
bis zum Hinschied des Altvaters im Jahr 1973. Kurz vor seinem Tod
rief ihn Gero-Nikiphoros zu sich und gab ihm, nach all den Jahren der
Plage, seinen Segen: „Moge Gott dich segnen, mdge Gott dich segnen,
54 ^/tvoter EAprew von ^atonnoVo

moge Gott dich in die Mitte des Paradieses stellen. Du bist nicht ein
Mensch, sondern ein Engel!"

& n/s

Mit der Entschlafung von Gero-Nikiphoros kam Papâ-Ephrems Leben


als gehorsamer Junger nach vierzig Jahren zum Abschluss, und sein
Leben als Gerontas und geistiger Vater fing an. Gemăss der Weisung
von Altvater Joseph begann er nun Junger anzunehmen. Um 1980 hatte
sich eine neue Gemeinschabt um ihn gebildet, und dieser gab er die
Schătze weiter, die er selbst empfangen hatte

„Trăger geworden der durch Offenbarung empfangenen Erfahrung


und Theologie der Vater",' lehrte er unermudlich sowohl durch das
Wort als auch durch das Beispiel. Fur jede Situation hatte er ein Wort
aus der Heiligen Schriht, aus den Heiligen Vătem oder auch aus der
einfachen Volkstradition. Die Eiauptpunkte, die er seinen Jungem
vermittelte, waren die Bedeutung des Altvaters im Leben des Monchs,
die Unerlăsslichkeit des Gehorsams als Ausdmck der Selbstentsagung,
die Hingabe an das Gebet und Geduld in der Bedrăngnis.

Tepovrog tcjofup Bo.ioaovbtvov, op.cit., S. 63.


7. 55

Neben seinen eigenen Jungem hatte er in wachsendem Mass auch


Besucher oder Korrespondenten von ausserhalb des Heiligen Bergs zu
betreuen, was ihm nicht geringe Unbill brachte. Das ging so weit, dass
er eines Tages seufzte: „Dank dem Segen des Teufels und dem Fluch
Gottes hat sich das Geriicht verbreitet, dass ich ein Heiliger sei, und
nun ist es um meine Ruhe geschehen!" Nichts war dem demutigen
Monch so peinlich wie die Ehrerbietung der Menschen. Er selbst hielt
sich fur nichts und empfand, dass er nichts Bedeutsames getan hatte in
seinem Leben. Alles, pflegte er zu sagen, war ihm von der gottlichen
Gnade umsonst geschenkt worden.
Er liebte alle Menschen und wurde auch von allen geliebt. Er betete
fur alle, doch er fuhlte sich nicht berufen zum Hirten vieler, und
obwohl er Priester war, pflegte er nur ausnahmsweise Beichten
entgegenzunehmen. Die verhăltnismăssig wenigen, die er empfing,
cmpfing er mit tiberstromender Liebe und befriedete sie in ihrem
tiefsten Wesen. In seinen letzten Jahren, als er bettlăgerig war, pflegte
er sie in seiner Zelle zu empfangen. Sie knieten nieder vor seinem
Lager und er legte ihnen seine Hănde auf, indem er aus seinem Herzen
betete. Eine Reihe dieser spontanen Gebete des Altvaters sind
aufgezeichnet worden und bilden zusammen mit seinen Briefen und
seinen iiberlieferten Lehren einen geistigen Nachlass von grosser Tiefe
und Schonheit.
Ein Student aus Athen, der spăter Monch wurde auf dem Athos, sagt
Folgendes iiber seine erste Begegnung mit dem Altvater:
„Ich sah nicht einen frommen Asketen, wie ich ihn mir zuvor
gedacht hatte, sondem vielmehr eine ubematurliche Gestalt, wie sie
sich unsere gegenwărtige Generation nicht einmal vorstellen kann. Da-
mals empfing ich einen Eindruck, eine Ahnung von dem, was man als
'liber der N atur' bezeichnet, was die Dimensionen von Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft umschliesst und fur den menschlichen
Verstand unergriindlich ist. Damals begriff ich, was ein Heiliger ist."

9.

Eine tiefe Liebe verband Papâ-Ephrem mit seinen geistigen Briidern


und Neffen, das heisst den anderen Jungem von Altvater Joseph dem
Hesychasten und deren eigenen Jungem, die fast alle Klosterăbte
wurden, wie z.B. die Altvater Ephrem von Philotheou (heute in
Arizona/ USA), Charâlampos von Dionysiou (Ţ 2001), der jahrelang
56 EEvate?' FApre/H von Aiato:;7:aVa

sein Beichtvater war, oder Joseph, dem geistigen Vater von Vatopedi,
sowie Ephrem, dem heutigen Abt von Vatopedi. Auch die Âbte
Emiiianos von Simonos Petra, Gabriel von Dionysiou ( t 1983),
Athanasios von der Grossen Lavra und Georgios von Grigoriou standen
ihm sehr nahe. Allen schenkte er sein ganzes Herz, unterwies sie,
wachte dabei aber mit grosser Sorgfalt uber seine Seele. Er war in
Frieden mit allen, selbst mit den Zeloten, iiber die er nicht richtete. Was
ihm am Herzen lag, war die Einheit und Liebe unter allen Athoniten
und den Orthodoxen tiberhaupt. Deshalb lehnte er alles ab, was zu
Spaltungen fuhren konnte unter ihnen.
Als es auf dem Athos zu Unstimmigkeiten kam wegen dem Besuch
von Patriarch Dimitrios im Vatikan, wurde Altvater Ephrem vom
Proton, dem Vorsitzenden
der F/uVuAu', ge&agt, was
er zu tun rate. Der Altvater
antwortete: „Geronta, die
Trennung, das Schisma
kommt leicht zustande,
doch die Wiedervereinigung
ist schwer. Was mich
angeht, ich verfolge diese
Dinge nicht, ich achte auf
mein Gebetsschnurchen, um
die Wahrheit zu sagen. Was
die Kirchen tun, die
AGAo EV, das wird mir von
anderen zugetragen, ich
selbst suche es nicht zu
erfahren. Ich sage: Geronta,
hast du gesehen, was die
Russen taten? Sie haben die
Mysterien den Katholiken
Die EEvater EpArew v. VaioMKaD'a pWEtef gegeben und die Katholiken
Lp/a'e??! v. P/n'/oiAeoM anE Jo^epA v. den Russen. Was hat die
HxiopeEi pecAis)- Kirche getan? hat sie sie
etwa hinausgeworfen? Nein. Geduld. Gewiss, hier haben die Russen,
vergebt mir, einen Fehler gemacht. Doch die Kirche lenkt auf andere*

' Exekutive der Monchsrepublik


* D.h. die Legislative des Heiligen Bergs.
7. Le&ew 57

Art. Die Kirche ist die Kirche! Du kannst zwar exkommunizieren,


gewiss, doch die Wiedervereinigung hinterher ist schwer."'

„Da er die gotthche Ericuchtung in sich hatte, trat er ohne Hinder-


nisse ein in die Erkenntnis der Mysterien Gottes, und erkiomm, gemăss
der Prophezeiung seines geistigen Vaters, die Leiter des gottlichen
Aufstiegs bis zur Heiligkeit, dem Endpunkt von Gottes Verheissungen
zur Erfullung der Bestimmung des Menschen."^ Er besass viele
Charismen des Eieiligen Geistes, insbesondere jene der HeHsichtigkeit,
der Unterscheidung der Geister und der Prophetie.
Einem athonitischen Altvater erschien er noch zu Lebzeiten in einem
gottlichen Licht und wies ihn an, seine Gemeinschaft zu einem mehr
innerlichen Leben zu fuhren. Einem anderen, der sich einer grossen
Prufung gegenubersah, erschien er ebenfalls in einem tiberstromenden
Licht und sagte zu ihm: „Durch das Kreuz ist Freude gekommen in alle
Welt." Bei diesen Worten empfand der Geprufte eine unsăgliche
Freude und aller Kummer wich von ihm.
Ein Theologe befragte ihn eines Tages liber den Duft, der von den
Reliquien der Heiligen ausgeht. Da senkte der Altvater sein Haupt zu
seinem Herzen hinab und vcrtiefte sich ins Gebet. Plotzlich wurde der Ort
von einem unbeschreiblichen Wohlgeruch erfullt. Die Anwesenden
blickten einander an und brachen in Trănen aus. Nach einigen Minuten
sagte der Altvater zu jenem, der ihn gefragt hatte: „Weil ich es dir nicht
mit Worten erklăren konnte, bat ich Gott, Er selbst mochte es dir zeigen."
Er sagte oft, dass jene, die den Beistand und den Trost der gottlichen
Gnade empfangen, schwere Prufungen und Versuchungen durchstehen
mussen. „Aus der Erfahrung rede ich - die grossen Trostungen und der
Beistand der Gnade haben einen hohen Prcis."

77. D/V Jrz/zzc

Von seinem 80. Altersjahr an wurde er zunehmend von Lăhmungen


befallen, die auf Deshydratation und die daraus folgende Blutver-
dickung zuruckgingen. Gegen 1994 erblindete er fast ganz, und im

' E<ppat^t K a ro w a x td ir^ , op. cit., S. 2Î3.


^ repoviog Iwoiicp BaiojtaOi.vor!, op. cit., S. 18-19.
58 /Gwtc/' EAprew von AiotonnoVo

November 1996 erlitt er einen Schlaganfall. Von da an war er vollstăn-


dig gelăhmt (Tetraplegie). Er konnte nicht mehr sprechen, doch er horte
noch sehr gut und antwortete auf die ermuntemden Worte seiner Jtinger
und Besucher mit einem friedlichen Lăcheln. Die meiste Zeit dieser
letzten, schmerzensreichen 15 Monate sass er auf seinem Bett, den
Rucken an Kissen angelehnt und den K opf tief vomubergebeugt, in das
Gebet vertieft. în dieser Position rief ihn der Herr in Frieden zu sich am
14./27. Februar 1998, im Alter von 86 Jahren.
Sein Wunsch war gewesen, dass sein Begrăbnis im engsten Kreis
stattfinde, doch die Nachricht von seinem Hingang verbreitete sich wie
ein Lauffeuer, und viele Athoniten kamen, um ihm den letzten Kuss zu
geben. Einer von ihnen bezeugte spăter: „In der Nacht seines Hingangs
sah ich ihn im Schlaf, angetan mit einem leuchtend weissen
Priestergewand, und er sagte freudestrahlend zu mir: „Mein Văterchen,
ich gehe, um die Liturgie zu zelebrieren."

72. A7;c/ir;(/

„Was wir in seinem Leben sahen, war die Verwirklichung der wahren
Metanie', das heisst der eigentlichen Essenz und des Ziels der Uberlie-
ferung unserer heiligen Văter. Der Sieg der Metanie in der Person des
Altvaters entkrăftet alle Zweifel und Bedenken, die die Schlummemden
vorschieben zu ihrer Rechtfertigung. Denn er zeigt, dass das Verspre-
chen des Herm, „Siehe, Ich bin bei euch" (Mt 28,20) nicht nur „in
jenen Tagen" galt, sondem auch jetzt gilt, auch heute, und dass Er mithin
absolut „treu ist in allen Seinen Worten" und „jedem, der bittet", die
gottliche Gnade und den Segen schenkt, das heisst jedem, der Ihm
folgen und Ihm nachleben will."^

' Gr. geidvoLU, wortlich „Sinneswandel". Es bedeutet die Abkehr von Sunde und
Lcidenschaften und die Hinwendung zu Gott.
' reoovrog t(uor)<p Buion;aL&vod, op. cit., S. 16.
59

II. - Lehren

Gehorsam
Ţ h r wisst ja, dass unser Gerontas, Altvater Joseph, ein Hesychast
Ahochsten Ranges war, ein Mann des inneren Gebets. Doch als Erstes
hat er uns nicht die De-sycAm und das innere Gebet uberliefert, sondern
den Gehorsam und das Gemeinschaftslcbcn!

AH ihr die Schriften der heihgen Văter studiert, werdet ihr sehen,
W dass viele der Văter mit Leichtigkeit und ohne Ptage
heilig wurden, ohne grosse Opfer und asketische Kămpfe. Was taten
sie? sie wăhiten den Weg des Gehorsams.
Gehorsam ist die Praxis der Demut, und De/mit/gen xcAer/rt Gott
^eme GnerJe (s. Jak 4,6/Spr 3,34).

ehorsam frihrt den Menschen zur Leidenschaftsiosigkeit nicht nur


\ J d e s Leibes, sondern auch des Geistes.

( j e h o r s a m ist Leben, Ungehorsam ist Tod.

TJ'orscht nach, woher der Gehorsam stammt. Von der Dreieinigen


JT Gottheit Seibst. Christus sagt: 7cA Am geAowwer, r/eAt MWMeAre/r
lD7/eM ZM tMn, s'onJern Jen lD7/e?? De.s.s*en, D er A7icA ge^anJt Ar/t
(Lk 22,42). Hier beginnt der Gehorsam. Deshaib, wer gehorcht, wird
Nachahmer Christi!

Eillst du das Gebet erlangen? wilist du, dass von deinen Augen
W Trănen stromen, wenn du das 7/err Je.SM.s- CA/i'.stM.s\.. sagst? willst
du das Leben der Engel leben? Dann wisse nichts ausser „AV/AgAo??
(Segne!)" und „Moge es gesegnet sein!"
60

T ^ \e r Altvater wurde gefragt:


J -V - Geronta, was ist biinder Gehorsam?
Er antwortete:
- Ich will es dir zeigen.
Er sagt zu einem seiner Jiinger:
- Ho! ein Glas Wasser.
Der Jiinger hoit es.
- Giess es aus!
Der Jiinger giesst es aus.
- Du Dummkopf, du hast es ausgegossen?
- Ev/ogAon. Vergib mir.
- Seht ihr? Das ist biinder Gehorsam! Nicht dass ihr euch rechtfertigt:
„Du selbst hast mir ja gesagt, ich soli es ausgiessen." Nein, nicht so.

Ţ ^ \e r grosse Kampf des Menschen besteht darin, sich nicht auf sein
J -^ e ig e n e s Uileil zu verlassen. Wenn dein Altvater abwesend ist, frag
deinen Bruder, und tu alles, was er dir sagt. Es ist nicht einfach, sich
selbst in solcher Weise niederzuwerfen. Doch anders geht es nicht.
Willst du dem Gesetz des Monchs folgen, musst du diesen Weg
beschreiten.

/ ^ \ f t mogen auch wir als Altvater einen Fehler begehen. Du aber


V vgehorche, und du wirst Nutzen daraus ziehen, du wirst nicht
Schaden nehmen davon! Gehorsam bringt niemals Schaden, denn er
bedeutet Nachfolge Christi.
Um deines Gehorsams willen wird Gott die fehlerhafte Weisung des
Altvaters zum Guten wenden.

Ţ ch habe gesehen, dass jener, der gehorcht, in Frieden ist. Sein


J-Gewissen kann ihm nichts vorwerfen!

( ţ elbst wenn du nichts hast, wenn du gehorsam bist, wirst du gerettet


k^w erden.
//. Le/?/'c 61

Ţ l 's gibt drei Stufen des Gehorsams:


J —/Die erste Stufe: Ich gehorche, um mir nicht durch Ungehorsam
Zuchtigungen zuzuziehen.
Die zweite Stufe: Ich gehorche, um Lohn dafur zu empfangen. Dieser
Gehorsam ist besser als der erste, doch nicht vohkommen.
Die dritte Stufe: Ich gehorche aus Verehrung und Liebe fur den
Altvater, der die Weisung gibt, und wei! er an der Stelle Christi steht.
Der Altvater ist die Stimme Christi. Unser Gehorsam gegen ihn geht
tiber auf unseren Herrn.

Ţ J in Jungmonch suchte Altvater Ephrem auf, gequălt von finstercn


J —/G edanken. Der A ltvater fragte ihn: „Gehorchst du deinem
Geronta?" „Gewiss", antwortete jener. „Was immer mir der Gerontas
sagt, das tue ich." „Eh, wie ein Tier gehorchst du. Wahrer Gehorsam,
mein Kind, besteht darin, dass du das, was man dir befiehlt, aus Liebe
tust und mit Eifer fur Gott. Setz dich hin, damit wir dich anschauen."
Er fasste ihn bei der Hand und sah ihm tief in die Augen.
„Ich sehe, deine Lattiche haben gekeimt. Eines Tages werden auch wir
davon essen. Doch der alte Mensch ist noch drin. Wieviele Jahre bist
du Monch?" „Vier", antwortete jener. Der Altvater gab ihm weitere
nutzliche Ratschlăge. Am Schluss druckte er den K opf des Monchs an
seine Brust und betete. AHes, was er ihm gesagt hatte, prăgte sich
unausloschlich in das Herz jenes Monchs ein. Von da an besuchte er
den Altvater jedes Jahr.

" \Ţ a c h vielen Jahren wird der Gehorsam mit Unterscheidung


i i kommen, doch in dem Alter, in dem ihr seid, soilt ihr alle blinden
Gehorsam uben. Seht ihr, was Johannes von der Leiter sagt? Ein
Altvater ging zu einem Jungmonch. Dann ging er auch zu einem, der
schon 15 Jahre lang Monch war. Er sagt zum Jungmonch:
- Singe.
- Moge es gesegnet sein.
Und er singt. Der Altvater sagt zum Âlteren:
- Singe.
Jener antwortet:
- Av/dgAo/r, vergib mir.
62 yhtmfer FAprem w/; FatoMHaA/a

Beide taten recht. Was der zweite tat, gilt nicht als Ungehorsam. Hătte
der erste so gehandelt, wăre es Ungehorsam gewesen, denn er war noch
Anfănger. Am Anfang musst du durch das Nadelohr gehen, durch den
Gehorsam ohne Unterscheidung.

A chtet auf dieses: Christus betet zuerst zum Vater, erst dann
Y Y schrcitct Er fort zum Wirken von Wundem.

Der Altvater

isst ihr, was ein Ahvater ist? Der Teufel allein weiss es wirklich.

T ^ \e r Jtinger eines Aitvaters lag im Sterben. Da kamen die Dămonen


J-V u n d sagten hămisch zu ihm: „Du gehorst uns, morgen kommen wir
und bringen dich in die Holle, deswegen und deswegen. . und sie sag­
ten das Ubliche, was die Dămonen in soichen Fălien sagen. Der Jtinger
erschrak zutiefst. Da kam der Altvater und fragte ihn:
- Warum, mein Kind, bist du verstort?
Er antwortet:
- Geronta, ich werde in die Holle fahren. Die Dămonen sind gekommen
und haben mir gesagt...
- Mein Kind, sagt da der Altvater, du bist ein untergeordneter Monch.
Wenn die Dămonen wiederkommen, sag ihnen: „Ich habe einen
Altvater."
- Moge es gesegnet sein, erwidert der Jtinger.
Als die Dămonen wiederkamen, sagte er zu ihnen: „Was kommt ihr zu
mir? Ich bin ein untergeordneter Monch, ich habe einen Altvater!"
Kaum horten die Dămonen das „ich habe einen Altvater!" verschwan-
den sie allesamt! Das ist die Bedeutung des Aitvaters.

T ^ \e Segen deines Aitvaters ist măchtiger als alles in der Welt. Hast
du den Segen deines Aitvaters erhalten? Dann hast du nichts zu
furchten, nirgendwo.
//. Z,e/;re 63

ehorchst du deinem Altvater? Du gehorchst Gott und der


v jA llh c ilig c n Gottesmutter.

A uch ich habe aus der Erfahrung geiernt. Ich pflanzte viele Băume
Y Y i n unserer Einsiedelei, doch nur jene gediehen, die ich mit dem
Segen des Geronta pflanzte. Die anderen, die nicht mit seinem Segen
gepflanzt wurden, gingen a) le ein.

T l tin f Jahre lang bekiiegte mich der Teufel, damit ich meinen
Altvater, G ero-Nikiphoros, verlasse. Ich tat keinen Schritt.
Schliesslich horte der Krieg von alleine auf.

l ^ \ i e Quelle der die Quelle der Gnade, die Quelle des


J -v H e ils , die Quelle des Paradieses ist der Altvater.

Der Jiinger

l ^ \ e r Jtinger ist Konig. Er wird nicht gerichtet. Er hat nicht


J -V Rechenschalt abzulegen, er braucht (nach seinem Hingang) nicht
durch die Zollstationen zu gehen, weil sein Register leer ist. Wenn dein
Register leer ist, haben die Dămonen keine Macht tiber dich - ich
meine, wenn du gehorsam bist.

Das Kreuz

1 ^ \ c Kreuz fehlt nie. Warum? Weil so wie unser Anfuhrer aufs Kreuz
J -V gestiegen ist, auch wir hinaufsteigen mtissen. A uf der einen Seite
ist es stiss und leicht, auf der anderen aber bitter und schwer. Das hăngt
von unserer Neigung ab. Wenn du das Kreuz Christi mit Liebe trăgst,
ist es leicht wie eine Feder, doch wenn du es anders siehst, ist es schwer
und unertrăglich.

"TA ies hat die Erfahrung auch mich gelehrt: „Moge der Wille Gottes
J-V geschehen." „Von Gott wurde es gefugt." So findest du Frieden.
Doch wenn du sagst: „Warum dieses, warum jcncs?" wirst du niemals
64 ^4/Aater EAprew; von AWoMnnAM

Frieden fin den. Es war nicht Gottes Witle, dass ich am Sonntag abreise,
sondem am Montag. Nicht am Dienstag, sondem am Mittwoch. So hat
Er es gefugt. Wenn du die Dinge anders nimmst, von deinem eigenen
Urteii her, tăuschst du dich und wirst keinen Lohn empfangen. Keinen
Lohn!

ein Heiliger hat Gott je gebeten, ihn zu erlosen von seinen


J \j3 e d ră n g n isse n , sondem darum, dass Er ihm die Geduid schenke,
sie zu ertragen. Wenn du dich geduldest, wirst auch du einen kleinen
Lohn empfangen. Doch wenn du ein Leben ohne Leiden wiilst, wirst
du nichts haben, keinen Lohn.

Ţ 7reude trostet, doch sie bringt uns nicht năher zu Gott. Sie tăuscht
-T dich, und du vergisst, dich zu befleissigen, dein Kreuz zu tragen.
Ich selbst habe oft Schaden erlitten durch die Freude. Drangsale,
Versuchungen, Betrubnisse - ah dies lăutert dich, und du fuhlst Gott
nahe bei dir. Das Kreuz macht dich demutig, es bringt dir die
Auferstehung. Siehst du nicht, was geschrieben steht? N'eAe, En/vA tA;.s
FrcMz A? a /F EE/f.'

Selbstrechtfertigung

Ţ n der Heiligen Schrift steht nichts von Selbstrechtfertigung. Die


J-Heiligen rechtfertigen sich nicht, sie ieiden vielmehr Eeiwillig fur
die anderen.

IV " orrigiere dich selbst. Warte nicht auf die anderen. Steil dich unter
J \ ^ s i e , damit alle auf dich treten. Dann bist du in Ordnung. Sonst
aber...

appne dich mit Geduid, denn dies ist der Weg des Kreuzes.

Aus dem Gebet D;'e dM/eryteAMng CArAff das wir jeden Sonntag nach
dem Evangelium des Orthros sagen.
65

Das Gebet

fd/Ov/Zv* ./ose/t/; von E /to p e J/ .sc/u'c/VV'd

Ţ n Papă-Ephrem fand das Gebot, &eZ?t oAne G/tie/'/o,s.s- (1 Thess


9 9-L5,17), seine ganze Erfullung. Niemals, in keiner Phase seines
Lebens, ertrug er es, sein Gebet zu unterbrechen. Es wăre jenseits ailen
Begreifens, woiiten wir versuchen, die Hohe und Tiefe des Gebets
seines Herzens zu beschreiben, das sein ganzes Wesen verwandeite und
durch das er in Visionen und Ekstasen entriickt wurde. Er schaute das
Kunftige, kannte das Vergangene und besass insbesondere die Gabe,
die Leidenden zu trosten. Wenn sie ihn im Gebet um Hiife anriefen, sah
und fuhlte er die Gefahren, denen sie sich gegentibersahen, und kam
ihnen zu Hilfe durch sein Gebet."*

Q tăndig wiederhoite er uns:


3 Das Gebet wird aus dem Gehorsam geboren, und aus dem
Gebet die Theologie."^

^ 7"iele befragten Altvater Ephrem tiber die Anwendung von


V Atmungstechniken beim Jesus-Gebet, wie sie von gewissen
Vătem erwăhnt werden, doch er empfahi sie nicht. Er betonte vielmehr
die Wichtigkeit der Intensităt im Gebet."**

* T \a s Gebet beginnt mit den Worten /Ve/T Jastt.s' erAo/'/nc


/nAne/: Dies ist das erste Stadium. Das zweite Stadium ist,
wenn die Seele aufhort, alle jene Worte zu sagen, weil es sie ablenkt.
Sie sagt nur noch: Mct'n ./as'M,s', tuAn ./c.stt.s'. Wenn Gott die Seele auf
eine noch hohere Stufe heben will, horen die Worte zur Ganze au f...
Wenn die Gnade des Gebets im Menschen die Oberhand gewinnt,
beginnt seine Erneuerung, und der „alte M ensch" mit seinen
Gewohnheiten und Leidenschaften verschwindet. Der Mensch hort auf,

' Eepovrog Imotîcp Bortojtatătvou, op. cit., S. 119.


' Ebenda. Unter „Theologie" versteht die orthodoxe geistige Tradition nicht einen
akademischen Studienzweig, sondem die wahre Gotteserkenntnis, die durch die
Gnade des Heiligen Geistes empfangen wird.
'E benda, S. 130.
66

das zu sein, was er bisher war, ein Gefangener der Empfindungen


dieser Weit. Was schon und anziehend ist nach den Kriterien der Welt
iockt ihn nicht mehr, sondem stosst ihn vieimehr ab. In ihm bieibt nur
die Sehnsucht nach der Liebe Christi, die alles zur Ftiile bringt.

/E/iie/n Zn/en, Aer /An //Aer ./esM.s-GeAe/ Ae/rng/ A<?//e, r/e/ er.)

^ Ton den 24 Stunden des Tags behăite dir eine halbe Stunde vor, um
V das Gebetlein zu sagen. Wann iminer es dir moglich ist. Der Abend
aber ist die beste Zeit. Sag es ohne Gebetsschnur, bittend,
flehend, mit Trănen. „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner."
Pflege dies, und du wirst sehen, welche Frucht es bringt. Aus der
halben Stunde wird eine ganze werden. Halt fest an jener Zeit. Ob das
Telephon lăutet, ob du etwas zu erledigen hast, ob du schlăfiig bist oder
ob ein lăstemder Gedanke dich angreiit. Gib nicht nach. Stell das
Telephon ab. Beende deine Arbeit vor dem Gebet. Halt dich an diese
halbe Stunde, und du wirst sehen. Du hast einen kleinen Baum
gepflanzt, und morgen oder iibermorgen wird er Frucht tragen. Der
heilige Johannes Chrysostomos und der heilige Basilios begannen
beide auf diese Weise, und sie wurden zu grossen Feuchten fur die
ganze Welt. Der hl. Symeon der Neue Theologe hatte seine ersten
Erfahrungen des Ungeschaffencn Fichts, als er noch in der Welt lebte.
Wieviele Weltliche erscheinen ăusserlich als solche, sind aber inwendig
Monche!

Die gottliche Gnade

Gnade, Gnade! Komm auch zu uns, komm geschwind, komm!


V v W ie verăndert sich der Mensch, wie wird er verwandelt, wie
anders wird der elende Mensch, wenn ihn die gottliche Gnade
uberschattet! Die gottliche Gnade bewirkte, dass die Martyrer nicht nur
unempfindlich wurden fur die Schmerzen der Tortur, sondem sich
dartiber hinaus freuten, fur Christus leiden zu diirfen. Ani Deine/w/Zen
wer^en w/r A//?ge.scA/acA/et Jen g<7nzen Thg, o/s* S*cAq/e zi/r
wnrJen w/r emcA/e/ (Ps 43,23). Eines ist, die Gnade zu erfahren, ein
anderes, dartiber zu lesen oder zu reden.
//. LeAre 67

Ţ ^ \ie Gnade ist eine einzige, doch entsprechend dem Mass eines jeden
J-V m anifestiert sie sich, wirkt sie und wird sie gesehen. Ja, sie wird
gesehen! Ach, wie hiipft es in dir, wenn du diese gottliche Gnade siehst,
sie emptindest! /cA .sagte, ;Ar .sc/7/ Gotter NtAre r/as- 7/ocA.ster a/P -
(Ps. 81,6).

o kommt die Gnade: Wăhrend ich schlief, sah ich vor mir einen
kJsechsflugligen Cherub oder vielăugigen Seraph, ich weiss es nicht.
Ich fiel nieder vor ihm und ktisste ihn. Als ich es spăter dem Altvater
(Joseph dem Hesychasten) berichtete, sagte er: „Nicht ein Cherub oder
Seraph vom Himmel her, mein Kind. Die Gnade ist es, die auf diese
Weise kommt."

Ţ c h hatte mich oft gewundert, warum die Heiligen Văter ihre Hănde
J^erhoben, wenn sie beteten. Ich konnte es nicht begreifen. Doch als
die Reihe an mich kam, begriff ich e s .... P ater wenn diese Gnade
kommt, kann man sich nicht zuruckhalten. Man kann es nicht. Wenn
die Gnade uberstromt, bist auch du ausser dir. Wenn sie sich dann
zuriickzieht, erschauerst du. Wo war ich? wo war ich?

Ţ I ' ines Tages las ich Mandeln zusammen in unserer Umgebung. Ein
J —/Flugzeug flog vorbei. Da wir zwischen Felswănden sind, in der
Schlucht, widerhallte das Brummen des Flugzeugs, und es entstand wie
eine Melodie, wie ein Chorgesang. Im Nu wurde meine Seele entrtickt,
plotzlich wurde sie hinweggehoben, sie entflog, um ihrem himmlischen
Brăutigam zu begegnen, wie der Apostel sagt: lUr werJea e/itrAcA/
we/v/e/; a a/' Ro/Ae^, zur Pegegaaag ru? r/e/u /7errr A? J e r Au/i, ur<r/ s*o
we/Pe/? wir iwrwerriar /rit <:ie/r R g rrr zMA'a/r/re/? .sc/7/ (1 Thess 4,17). In
solchen Augenblicken verstehen wir aus der Erfahrung, was der
Apostel meint. Wenn du es nicht erlebt hast, verstehst du es teilweise,
doch zur Ganze verstehst du es nicht. Man versteht es, wenn man
diesen Weg geht. Und ich sage, siehe, deshalb hat der Apostel gesagt,
wir werJen cz/triicAt wer&*/?. Diese Dinge rufst nicht du herbei, sie
kommen von alleine. Eines ist, sie zu planen, sie zu studieren, dartiber
zu schreiben, und ein anderes, wenn sie von alleine kommen.
68 d itv a/er AAprem von AaioMnaAia

A H 7^nn du dich einem geistigen Menschen năherst, empfangst du.


W Du empfangst. Das bedeutet, die Gnade wird ubertragen. Auch
liber das Gebet wird sie ubertragen, aus der Entfemung.

enn die Gnade komrnt, vergisst du die Betriibnisse und Ptagen, es


wird alles zu nichts. Wenn die Drangsal kommt, vergisst du die
Gnade und sagst: Oh weh, Gott hat mich verlassen, nicht einmal beten
kann ich. Er hat mich verstossen, mich gieichsam fur die Holle
bestimmt. Wendet man sich nach dieser Seite, vergisst man jene.
Wendet man sich nach jener, vergisst man diese. So ist es. Das ertuchtigt
den Menschen zur Demut. M c A/ icA, .sonciern Jie GnnJe, cA'e Ac/ mir
Ai, wie auch der Apostei sagte (1 Kor i5,10). So wird der Mensch zur
Demut erzogen.

Ţ ^ i e Gnade wird bewahrt durch die Demut und die Danksagung an


J-V G ott. Demut ist dies: /cA Am nicAi wiiMig, Aein .S'oA/? geAcA.se/? zn
we/rien. Ain/ie n?ieA wie einen r/einec AnecAie (vgl. Lk 15,19).

Die Gnade der Heiligen Taufe'

Ţ ch sah in einem Traum, wie ich in mein Dorf ging, dort wo ich
Ageboren wurde. Ich ging nicht zu meinem Eltemhaus, sondern zur
Kirche. Ich trat in die Kirche ein und ging ins Allerheiligste. Dort sah
ich das Taufbecken, in welchem ich getauff worden war, in welchem
die Gnade zu mir kam. Ich kniete nieder und umarmte es, ich kusste es,
kiisste es und kusste es, unter vielen Trănen.

(O?;.s* einem G'e.sprA'cA mii einem ./AngeG

Q ag mir, Vater, was ist jenes Licht, das du in deiner Brust trăgst?
** Es ist das Grosse Schema, Geronta.
- Was ist es?
- Das Engelsgewand.

Es versteht sich, dass der Altvater hier von der orthodoxen Taufe spricht.
69

- Ich sehe das Engelsgewand. Ich rede von etwas anderem. Das
Engelsgewand ist rot, doch das Licht dort innen, das ich sehe, ist
weiss.
Was ist es?
- Ich weiss nicht, Geronta. Was ist das fur ein Licht?
- Du hast es und kennst es nicht? Ich will dir sagen, was es ist. Dieses
Licht kommt von der Heiligen Taufe. Es ist die Gnade, die du in der
Heiligen Taufe empfangen hast.

Ţ I ' s ist wahrhaft traurig, dass wir den grossen Schatz, den wir in der
J —/Heiligen Taufe empfangen haben und den wir, wie der Apostel sagt,
m Ge/d's-.scn (2 Kor 4,7) tragen, das heisst die Annahme als
Sohne, nicht kennen. Aus diesem Grund fa)ten wir leicht in Trăgheit, in
Gleichgultigkeit, in Missachtung, mit einem Wort - wir sturzen leicht.
Selig ist jener, der die Gnade empfing und starb mit ihr. Seliger aber ist
jener, der lebte und sie zum Wachsen brachte, sie zunehmen liess und
dann entschlief.

Ţ Ţ u rc h das innere Gebet erlangt der Mensch nach und nach die erste
J -V Gnade der Taufe zuruck.

Prlestertum

Ţ Ţ Tenn du zelebrierst, bedenke, dass du ein Mittler bist. Dass du von


VV der Welt Leid, Trănen, Krankheit, Bitten empfangst, um sie
emporzuheben bis zum Thron der Gottheit. Von dort herab wiederum
bringst du der Welt Trost, Heilung, das, was jeder notig hat. Welch
grosser Wfirde hat Gott dich gewurdigt, mein Kind! Pflege sie. Gottes
Ohr ist dem Mund des Priesters nahe.

Ţ I in Priester darf nicht die Liturgie zelebrieren, wenn er in Zwist ist


JC /m it jemandem. Einmal kam ich auf dem Passagierboot und sprach
mit einigen Pilgem. Ich bemerkte nicht, dass das Boot dort anlegte, wo
ich aussteigen solite. Erst als es wieder abfuhr, wurde es mir bewusst.
Ich sagte es dem Kapităn, und dieser fuhr wfitend und unter
Protestrufen zuruck. Als ich von der Anlegestelle zur Einsiedelei
aufstieg dachte ich: „Wie kann ich morgen die Liturgie feiem?" Ich
70 ^4/tvater von ĂiotoMnakM

sagte es meinem Geronta. Ich musste wieder hinuntergehen und die


Sache ins Reine bringen mit dem Kapităn. Ich ging und machte ihm
eine Metanie. Er hatte keine Ahnung, weshalb ich es tat, denn er hatte
dem Vorfall keinerlei Bedeutung beigemessen. „Nein", sagte ich zu
ihm, „wir mtissen einander vergeben, damit ich morgen die Liturgie
zelebrieren kann."

A H ^ gross ist die Macht des E/v?meVu7;'o/?!' Das EpifrocAi/ion ist


W die Versohnung des gefallenen Menschen mit dem himmlischen
Vater, mit seinem Schopfer. Deshatb musst du dich bemuhen, beim
Gedenken der Lebenden und der Entschlafenen^ soviele Namen zu
nennen wie du nur vermagst.

Gotteslob

(Eme von Popd-EpArenr grzdAEJ

Ţ n einem Kloster beginnen die Monche mit dem Friihgottesdienst:


-L„Da wir erwachen vom Schlafe, werfen wir uns nieder vor Dir, o
Gtitiger, und singen Dir den Hymnos der Engel, o Măchtiger: Heilig,
Heilig, H eilig..."
„Quak, Quak, Quak" tont es vom nahen Teich dazwischen.
- Geh, mein Kind, sagt der AItvater zu einem seiner Monche, und sag
den Froschen: „Ich soli euch ausrichten: Der AItvater hat gesagt, ihr
solit jetzt aufhoren, denn wir wollen die Akoluthie lesen."
- Es moge gesegnet sein, Geronta.
Jener war ein richtiger Jiinger. Seht ihr? Er sagte nicht: „Geronta, zu
den Froschen soli ich reden?" Nein, Gehorsam! Er geht also hin und
sagt:
- Hort zu, ihr Frosche! Der AItvater hat gesagt, ihr solit jetzt aufhoren,
denn wir wollen die Akoluthie lesen.
Da ergriff einer der Frosche das Wort! Er sagte:
- Sag dem AItvater, dass wir nun fertig sind mit nns'erow Gotteslob und
hingehen, um uns auszuruhen.

' Die Priesterstola, der eigentlichste Teii des Priestergewands, ohne den keine liturgi-
sche Handlung voilzogen werden kann.
^ D.h. wăhrend der Pro.sTomkA'o, der Vorbereitung der Gaben fur die Gottliche Liturgie.
///. Gemele MMJ Nyw:MeM 71

Auch die Frosche iobpreisen Gott! Die ganze Schopfung lobpreist


und verherriicht Gott, und nach dem Grad unserer Reinheit horen auch
wir diese geheime Doxoiogie, diese mystische, iautiose Hymnologie,
die seibst noch die Steine emporsenden zu Gott... Lene?; 7/age/,
FA usw. (Ps. 148) - alles wirkt mit an jener
grossen Doxoiogie. Auch die Berge, die Băume, das Meer und die
Fische, alle Iobpreisen Gott. Wir aber, die wir die Vemunft unserer
Seele verdtistert haben, begreifen wenig davon, sehr wenig. Je mehr du
dich inwendig lăuterst, desto mehr empfangst du eine Erleuchtung,
eine Wahrnehmung, dass kein Geschopf Gottes untătig ist, dass alle
Gott verherrlichen. Wenn du inwendig rein wirst, wirst du jene geheime
Doxoiogie an Gott vernehmen, und dann wirst du sagen: O elender
Mensch, du allein verherrlichst Gott nicht. Alle Dinge verkunden Seine
Herrlichkeit!

III. - Gebete und Hymnen des Altvaters

ŢîA? -spoHtmray (AAet <7e.s- d/tm ters',

Liebe! Liebe Gottes! deren Friede und deren Liebe kein Ende ist.
Liebe! gottliche Liebe! die Du aus Liebe zum Menschen die
unsichtbare und diese sichtbare Welt erschaffen hast; alle Dinge in ihr
verkunden, alle zeigen, alle besingen, alle verherrlichen, alle Iobpreisen
Tag und Nacht, uberall und allezeit Deine unsichtbare, doch aller-
siisseste und seligmachende Gegenwart,
die Unendlichkeit Deiner Weisheit,
die Unendlichkeit Deiner Liebe,
die Unendlichkeit Deiner Barmherzigkeit,
mit ihrer Stille, mit ihrem Schweigen, mit ihrer Schonheit, mit ihrem
Duft, mit ihrer heimlichen Doxoiogie.
O stisseste, allduftende, geheime und wortlose Verherrlichung Gottes
durch Seine Geschopfe!
72 4 /tv ater EAprem von

O mein Gott! mein Gott! Offne die Augen meiner Seele, damit auch
ich jene Erhabenheit Deiner Natur erblicke. Offne die Ohren meiner
Seele, damit auch ich diese Psalmodie, diese Deine Melodie vernehme.
O Liebe! gbttliche Liebe! die Du uns aus Liebe zum Menschen alle
Deine Mysterien umsonst geschenkt hast;
umsonst die Gnade der Taufe,
umsonst das Chrisma,
umsonst Deinen heiligen Leib und Dein heiliges Blut,
umsonst auch dieses Dein Paradies.
O Liebe! gbttliche Liebe! die Du aus Liebe zum Menschen den
Himmel verliessest und herabkamst und den Dornenkranz trugst und
Dich ans Kreuz hăngen liesst.
O Liebe! gbttliche Liebe! die Du aus Liebe darauf wartest, dass wir
zu Dir kommen, und statt dass wir kamen, Selbst zu uns gekommen
bist, in uns gekommen bist und jedem von uns auf verschiedene Weisen
erscheinst. Und Dich sehen lăsst, Dich beruhren und opfem lăsst, Dich
essen und trinken lăsst.
O Liebe! gbttliche Liebe! lass mich Dir nahen und ein wenig von Dir
kosten, von dieser Deiner Liebe, die immerzu brennt in mir und mir
keine Ruhe lăsst, dass ich meinen Durst ein wenig losche.
„Und es ward in meinem Herzen das Gedenken Gottes zu einem
tlammenden Leuer, und es drang mir bis ins Mark."
O Durst! Durst! mein susser Durst! wann werde ich ihn loschen?
Soviel ich auch trinke, soviel auch wăchst mein Durst nach Dir, so sehr
dtirste ich und kann nicht sattwerden an Dir, nicht loschen meinen
Durst, sondem brenne immerzu noch mehr von Durst.
O Liebe! gbttliche Liebe! je mehr ich mich auch muhe, Dich zu
kosten und mich zu săttigen an Dir, desto mehr sehe ich, dass ich
hungere nach Dir, und je năher ich Dir komme, desto mehr sehe ich,
dass ich fem bin von Dir.
„Die Mich essen, werden noch hungem, und die Mich trinken, wer-
den noch dursten" (Sir 24,21).
O Liebe! gbttliche Liebe! die Du aus Liebe zu uns Menschen riefst
und immerdar rufst:
„Ich bin das Licht der Welt. Als Licht bin Ich in die Welt gekommen"
(Joh 8,12/12,46).
73

O Licht! Licht vor aiier Zeit! Du mein aliersiissestes Licht, mein


ailersussestes Licht! erleuchte auch diese meine Finstemis, ios auf, o
mein Licht! meine Versteinerung, meine Dunkeiheit.
O Licht! Licht! wann werde ich Dich wiedersehen?
Komm, o Licht! o Licht meiner Seeie! meine Geduid ist zu Ende, ich
habe keine mehr.
O meine Seele! meine Seele! wie lange noch wirst du deine Augen
geschlossen halten? ich selbst habe sie dir geschlossen mit jenem
meinem Ungehorsam.
O meine Seele! meine Seele! wie sehr hab ich dir Unrecht getan, und
wenn ich daran denke, wie ich ja immer daran denke, weine ich wie
Petrus bitterlich, mit bittersten Trănen weine ich.
Doch komm dennoch zum Licht, und bist du auch blind. Er, das
Licht, wird sie dir offnen, und du wirst Ihn wieder schauen und wie ein
neuer Thomas rufen: „O mein Herr Du und mein Gott!" (Joh 20,28).
O ewige Wahrheit!...

Wie ein Narr hab ich geredet. Vergebt mir.

ann endlich kommt jener gesegnete Tag, jener grosse und


deutliche, da wir alle zusammen, Menschen und Engel, uns
vereinen in der Verherrlichung Gottes inmitten des ewigen Lichts!
Inmitten der ewigen Freude!
Inmitten der wohlduftenden geistigen Stisse!
O, welche ewige Freude erwartet die Christen!
O unaussprechliche Freude! O flammende Liebe Christi! O geistige
Trunkenheit! die du uns andere Augen bffhest, sodass sie die Stisse der
Natur und der Verherrlichung Gottes schauen!
Es spricht der erhabene und allehrwiirdige Mund: „Ich komme und
werde kommen und euch zu Mir nehmen, damit da, wo Ich bin, auch
ihr seid" (s. Joh 14,3).
O flammende Liebe Jesu! wir werden Ihn schauen von Angesicht zu
Angesicht in alle Ewigkeit!
74 zl/tvalgr EZprgw von VatonnaZm

E/V/og ZM e/ncnt ?bxZ <Zen &Y* HEr-a/gf /PP4 ycEn'eE n n J Jerg/gt'c/Mttw


.S'gE? AEyc/n'e&EgE uv//* t/g/n? g/'/tg/t Mona7 .s/^dig/* g/'E/E?t/g/g er;

Ţl^s spricht der erhabene und allehrwurdige Mund: „Es wird keine
J —/Verlassenheit geben fur euch, Freundc."' „Himmei und Erde werden
vergehen, doch Meine Worte werden nicht vergehen!" (Mt 24,35).
Amen.

-T e p o v io g 'Iworttp B a ro jta tb tv o b , "O X a p n rg a ro u x o g "Y jrom xrtxog,


E epovrag 'E<ppatg o K arouvaxtm rpg, WnxmtpeXti B aiojratbtvct 12, hrsg.
vom HI. Kloster Vatopedi, Agion Oros 2001, 3. Auflage 2005. Engl. Uberset-
zung: Elder Joseph o f Vatopedi, ObgJz'gncg EZi/e, ZMgrZjuArgn! o/KntoMnaZm,
hrsg. vom HI. Kloster Vatopedi, Ag. Oros 2003.
- Z epovrag 'ZgY)Mg; K arouvaxnbrpg, hrsg. vom HI. Hesychastirion „Agios
Ephraim", Katounakia, Agion Oros 2000.
Engl. Ubersetzung/ Z /Jgr EpArabn pE KatozmaZm, hrsg. HI. Hesychastirion
„Agios Ephraim", Katounakia, Agion Oros 2003.
Franz. Ubersetzung.' Pere Joseph de Katounakia, Z '/Incien ZpArgn: <7g Zg/OM-
naZin, Ed. L'Age d'Hom m e, Serie Grands Spirituels Orthodoxes du 20e siecle,
Lausanne 2002.

Siehe 1. Ode des Iambischen Kanons zu Pfingsten.


^ L T V X T O R Jx K O V O S

VON
6 uRO^<

(1920-1991)
76

^[/^va^er JoA'ovo^, Ă//o^^/'^ Jar


77/. DowT/ von En^oa
77

Kapitel 3

^L T V ^T S R
J^K O V O S VON G uR O X

A ltvater Jăkovos lebte in GesellschaE der Heiligen, und dies ist


^ ^ Y \.e in e s der hauptsăchlichsten Merkmaie seines Lebens. Er lebte
mit den Heiligen, er redete mit ihnen, er sah sie. Er hatte ihnen gegeniiber
einen Freimut, der uns in Erstaunen versetzte", sagte einer seiner
geistigen Sohne.' Und nicht nur mit den Heiligen lebte er, sondem auch
mit den Engeln, die mit ihm die Gottliche Liturgie zelebrierten. „Wenn
du Altvater Jăkovos sahst, hattest du das Gcfuhl. dass er einer anderen
Welt angehoile. Er redete wohl tiber deine Probleme, doch aus einer
anderen Sicht. Du spuilest, dass er, obwohl er neben dir war, anderswo
lebte, und dies erfullte dich mit einem Geffihl grosster Freude."^
Die Gnadengaben, die Gott ihm seiner Demut und seiner gănzlichen
Hingabe wegen geschenkt hatte, verbarg er mit grosser Kunst, und
einer seiner hăufigsten Ausspruche, im Gesprăch nicht nur mit seinen
Besuchern, sondem auch mit seinen eigenen Monchen, war: „Vergebt
mir". Wenn es indessen notig war fur jene, die zu ihm karnen und ihn
um Hilfe ersuchten, machte er davon Gebrauch zur Verherrlichung
Gottes. Nie schrieb er irgendetwas sich selbst zu, sondem hielt sich fur
einen erbarmenswerten Stinder. Als ihn die Monche eines benachbarten
KJosters einmal baten, er mochte zu ihnen kommen und sie mit seiner
Gegenwart segnen, antwortete er: „Văter, ich bin ein toter Hund, was
soli ich zu euch kommen und euch die Luft verpesten?" Und das sagte
er, wăhrend jene, die um ihn waren, deutlich wahmehmen konnten,
dass schon zu Lebzeiten der himmlische Duft heiliger Reliquien
ausging von ihm.

' Kfitos Ioannidis, fep o v n x o rou 20ou Anâvoc, Athen 2002\ S. 47.
^ Ebenda, S. 44.
78 Z/tvater Jdkovoy von EuMa

I. - Leben

7. /a EyAF^n

A ltvater Jăkovos stammte aus Kleinasien, aus jenen alten


z v c h ristlic h e n Landen, die so viele Heilige unserer Kirche hervor-
gebracht haben. Er wurde am 5. November 1920 in Liblsi an der Ktiste
von Lykien geboren, westlich von Myra, dem Bischofssitz des hl.
Nikolaus, im Gebiet der heutigen turkischen Stadt Kas (auf der Hohe
der Insei Kastelorizo). Seine Familie gehorte zu den bessergestellten
des Dorfes, doch ihr wahrer Reichtum war ihr tiefer christlicher Glaube.
Sieben Generationen von Priestermonchen, ein Hierarch und ein Heiliger
waren aus ihr hervorgegangen. Seinen Eltem, Stavros und Theodora
Tsalikis, wurden insgesamt neun Kinder geboren, doch nur drei iiber-
lebten, zwei Knaben und ein Mădchen. Jăkovos war das zweitălteste
der uberlebenden und von schwacher Konstitution, weshalb ihn seine
Mutter ein „Hcrbstkukcn" nannte.
Als er kaum zwei Jahre alt war, brach die Kleinasiatische Katastrophe'
liber die Griechen des Landes herein und seine Familie wurde wie viele
andere in die Flucht getrieben. Der Vater aber blieb als Gefangener der
Tlirken zurlick.

' Die systematische Vemichtung des seit fast 3000 Jahren in Kleinasien ansăssigen
Griechentums - Trăger des tausendjăhrigen christlichen Reichs von Byzanz und
seiner geistigen Kultur - durch die nationalistische Bewegung der Jungtiirken hatte
um 1914 begonnen und erreichte im September 1922, nach dem Zusammenbruch
des griechischen Widerstands infolge Preisgabe durch die westlichen Alliierten,
mit der Zerstorung Smyrnas und dem Massaker von 130 000 Griechen und
Armeniern ihren Hohepunkt. Den turkischen Aktionen „ethnischer Săuberung"
fielen, mit stillschweigender Duldung der Grossmăchte, bis 1923 insgesamt fast
zwei Millionen Griechen und ebenso viele Armenier sowie Angehorige anderer
Minderheiten zum Opfer. Die uberlebenden Griechen (1,5 Mio) wurden schliesslich
kraft des Vertrags von Lausanne von 1923 nach Hellas zwangsausgesiedelt, das mit
seiner eigenen Armut den riesigen Fluchtlingsstrom kaum verkraften konnte. Nur
die Griechen Konstantinopels durften bleiben, doch das Pogrom vom September
1955 trieb auch sie grosstenteils ins Exil. Liber die Ereignisse in Smyma, die wie die
anderen aus wirtschahspolitischen Interessen mit Schweigen verhiillt worden sind,
siehe M.H. Dobkin, .S'/uywM 7922 - 7%e Dextruchon o/*a City, New York 1998, und
-Swţyrna 7922 - Mn^7 armenAcăen
C. TTaAcăen'au, Chronos-Verlag, Zurich 2005.
7. Ee&e/: 79

2. A/s /w

Als sie im Hafen von Pirăus ankamen, geschah etwas, das den
kleinen Knaben so tief prăgte, dass er es nie wieder vergessen solite: er
horte, wie jemand Gott lăsterte. Da sagte die Grossmutter zu ihm:
„Wozu sind wir hierhergekommen? Es ist fur uns besser, zuriick-
zukehren und uns umbringen zu lassen von den Tiirken, als solche
Woi*te zu horen."' In Kleinasien, pflegte er spăter zu sagen, war eine
solche Stinde undenkbar.
Von Pirăus brachte man die kleinasiatischen Fluchtlinge an
verschiedene Orte Griechenlands. Die Familie Tsalikis kam zunăchst in
ein Fluchtlingslager im Gebiet von Agios Georgios Amfissas (Phokida).
Sie lebten zwei Jahre lang in einem Lagerschuppen, der durch
Vorhănge unterteilt war in verschiedene Abteile fur die Familien.
Schon damals zeigte sich Jăkovos' grosse Liebe zu den Dingen Gottes.
Sein liebstes „Spielzeug" war eine Răucherschale, die er sich aus einer
gebogenen Tonscherbe zugerichtet hatte. Damit pflegte er mit Hingabe
das eigene „Haus" zu weihrăuchern, hob dann den Vorhang und
răucherte auch das der Nachbam, indem er „Alleluja, Alleluja" sang.
Jeden Abend ging er mit seiner Grossmutter in das nahe Kirchlein und
half ihr beim Anzunden der Ollămpchen, wăhrend sie ihm aus den
Leben der Heiligen erzăhlte. So wuchs er heran in Frommigkeit, unter
der Leitung seiner Grossmutter, vor aliem aber seiner Mutter, mit der
er zeitlebens eng verbunden blieb, nicht bloss durch das naturliche
Bând, sondern mehr noch durch ein geistiges. Er sagte spăter von ihr,
dass sie eine vollkommene monchische Gesinnung hatte. Sie lehrte ihn
von zartester Jugend an, zu fasten und viele Metanien zu machen.
Vom Vater blieben sie in diesen ersten Jahren ohne jede Nachricht,
und auch jener wusste nicht, ob seine Frâu und Kinder noch am Leben
waren. Doch durch Gottes Fugung kam auch er schliesslich in dasselbe
Dorf, ohne zu wissen, dass die Seinen hier waren. Er arbeitete auf einer
Baustelle - er war nămlich Bauhandwerker von Beruf und eines
Tages ging die Grossmutter an dem Ort vorbei und erkannte ihn an
seiner Stimme. Gross war, wie man sich vorstellen kann, die Freude
des unerwarteten Wiedersehens und vor aliem die Dankbarkeit gegen
den barmherzigen Gott.

' E vag Aytog fepovm g, O 77. /dxaj/log, hrsg. v. Kloster des HI.
David, Limni Evvias 1996, S. 9.
80 von EEM a

J. Afur/Ar*/t OM/ Er/6oa

In der Folge siedelte die Familie nach Euboa iiber, in das Dorf
Farâkla im Norden der Insei, wo man ihnen Land zuteilte und wo der
Vater ein Haus băute fur die Familie. Hier lebte Jâkovos bis zu seinem
Eintritt ins Kloster.
Die Berufung zu einem gottgeweihten Leben prăgte sich immer
deutlicher aus. Mit 6 Jahren wusste Jâkovos bereits die ganze Liturgie
auswendig, das heisst al Ies, was der Priester und die Kantoren in
sonntăglichen Liturgie lesen und singen. „Sein reiner Geist war wie ein
Schwamm, der mit Leichtigkeit alles aufnahm, was mit der Kirche zu
tun hatte." Er mied die lărmigen Spiele seiner Altersgenossen und zog
sich mit Vorliebe in das umliegende Gebirge zuruck, um sich dem
Gebet hinzugeben. Wie er selbst erzăhlte, fand er Hohlen oder grub
sich selbst welche, breitete Zweige aus auf dem Boden und legte ein
altes Sttick Teppich daruber. „Dann kniete ich nieder und betete
stundenlang, wobei ich mir vorstellte, ich sei ein Asket." Er ass nie
Sussigkeiten oder Fettgebackenes, und die Gabe, mit sehr wenig
Nahrung auszukommen, kennzeichnete ihn bis ans Ende seiner Tage.
Das Leben der Familie war, den kleinasiatischen Gepflogenheiten
gemăss, geprăgt durch Frommigkeit, Askese und Werke der Năchsten-
liebe. Die Mutter besass die gottliche Tugend der Barmherzigkeit
gegen die Armen in solchem Mass, dass sie oft selbst das weggab, was
fur ihre eigenen Kinder notig war an Kleidung und Nahrung, und diese
nahmen es als etwas Normales hin, zum Wohl anderer auf Dinge zu
verzichten. Sie hatten fur ihre Eltem eine natiirliche Achtung, und
bevor sie am Sonntag, nach strengem Fasten, die Gottliche Kommunion
empfingen, pflegten sie ihnen und den Grosseltern die Hand zu ktissen.
„Die Gnade Gottes war in solcher Fulle in uns", sagte er spăter, „dass
wir trotz mangelnder Kleidung nie froren und glucklich waren; immer
war Frieden bei uns zuhause."'
Einen Arzt gab es nicht im Dorf, und die einzige Zuflucht der
Menschen war Gott mit Seinen Heiligen. Der heilige Charâlampos,
dessen wundertătige Ikone die Familie als kostbarstes Erbe von
Generationen her aus Kleinasien mitgebracht hatte, heilte den Knaben
von einer gefahrlichen Brustfellentzundung, und die Gottesmutter von

Ebenda, S. 12.
/. bebe/? 81

X eniâ' befreite ihn auf wunderbare Weise von chronischen


Geschwtiren an den Fusssohten, die ihm jedes Gehen zur Quai gemacht
hatten. Auch die heiiige Paraskevi erzeigte ihm ihre Huid. Eines
Abends, ais er etwa 9 Jahre alt war, erschien sie ihm, wie der Altvater
berichtete, bei ihrem Kirchlein in den Bergen, das der Knabe oft
besuchte, um es zu reinigen, die Lămpchen anzuziinden und zu beten,
und sagte ihm nebst vielem anderen auch voraus, dass er zwar viele
Ehren sehen, aber sie nicht annehmen werde und dass viei Gold durch
seine Hănde gehen, aber ihn nicht beruhren werde. Dies solite sich spă-
ter bewahrheiten, wie wir im Weiteren feststellen werden.
Da die Dorfbewohner das heiligmăssige Leben des kleinen Jâkovos
sahen, achteten sie ihn und betrachteten ihn als ein Kind der Kirche, ein
Kind Gottes. Das D orf hatte keinen Priester, und deshalb wandten sie
sich an ihn, wenn es notig war, dass jemand Gebete las fur Kranke,
Sterbende, Gebărende oder auch Besessene. Obwohl er sich wehrte
dagegen, konnte er sich ihrem Drăngen nicht entziehen, und so
gehorchte er und ging und sagte die Gebete, salbte die Leidenden mit
Ol von den Lămpchen der Gottesmutter oder der Heiligen, und mit
Gottes Hilfe fanden die Kranken Heilung, die Gebărenden gute
Entbindung, die Sterbenden Frieden und die Besessenen Erlosung.
Als Jâkovos die Grundschule abgeschlossen hatte, wollte der Lehrer,
dass der begabte Knabe sein Studium in der Mittelschule von Chalkida,
dem Hauptort von Euboa, fortsetze. Die Eltem indessen befurchteten,
dass er fem vom Eltemhaus Schaden nehmen konnte an seiner Seele,
und damit fand Jâkovos' Schulbildung an diesem Punkt ihr Ende.
„Detjenige aber, Der <A<? Lnge&z'Afeten ULA/te/t /c/i/V und FAcAer
ttA 77teo/ogen ertu/as', ubemahm es, ihn die wahre Weisheit zu lehren
und ihn zum echten Theologen und Vater der Kirche zu machen."^

' Beruhmte wundertătige Ikone sehr hohen Alters, die dem hi. Evangelisten Lukas
zugeschrieben und, ebenfalls aus Kleinasien gekommen, seit ca. 1200 im Kloster
Xeniă bei Voios verehrt wird.
i Op. cit., S. 13.
82 AR0W.S vow FnĂoa

4. Ffw:ga?:g AfMffgr

Nach Schulabschluss half Jâkovos seinem Vater bei den Bauarbeiten,


die dieser in den umbegenden Dorfem ausfuhrte. Er schleppte Steine
her, bereitete den Mortel und tat ohne Murren jedwelche andere Arbeit,
die ihm aufgetragen wurde. War Fastenzeit, pflegte er far das Mittags-
mahl nach Hause zuruckzukehren, um nicht von den tippigen Speisen
essen zu miissen, die ihnen ihre Arbeitgeber brachten. So hielt er sich
an die Regeln der Kirche und nutzte die langen Fusswandemngen zum
Gebet und zum Besuch der Kirchlcin am Weg.
Als Jăkovos 22 Jahre alt wurde, empfing seine Mutter von einem
Engel die Nachricht tiber ihren baldigen Hingang. Der Korperlose sagte
ihr nicht nur den Tag, sondem auch die genaue Stunde voraus. Und in
der Tat, plotzlich erkrankte sie, und zur angesagten Stunde entschlief
sie in Frieden zum Herm. Die Trennung von seinei* Mutter traf ihn so
tief, dass er einige Zeit fast verzweifelte und endlos Trănen vergoss, bis
sie ihm im Traum erschien und ihn mutterlich zurechtwies wegen dieser
Auflehnung gegen Gottes rechten Willen. So fand er Trost und setzte
sein bisheriges asketisches Feben fort, bis er 1947 eingezogen wurde
zum Dienst in der Armee.

Er riickte ein mit der kleinen w undertătigen Ikone des hl.


Charălampos in der Tasche und bemuhte sich, Askese und Gebet auch
in diesem neuen Feben aufrechtzuerhalten, was ihm gelang, wenn auch
zum Preis des Spotts der anderen Soldaten, den er mit Sanftmut ertrug.
Jahre spăter sollten ihn nicht wenige von ihnen im KJoster besuchen
und bekennen, wie sehr ihnen sein Beispiel geholfen hatte, um
zuruckzukehren zu einem gottgefalligeren Feben. Deshalb pflegte der
Altvater zu sagen: „Das Feben der Tugend belehrt und bringt immer
Friichte, mag es auch erst nach Jahren sein."'
Dies war die Zeit des Burgerkriegs, eine der schlimmsten Perioden
der griechischen Geschichte. Dank Gottes Hilfe kam Jăkovos nie in die
Situation, einen Menschen toten zu miissen. Spăter wurde er nach
Athen verlegt, wo er als Vorgesetzten einen gottesfurchtigen Mann
hatte, den Obersten Polykarpos Zoi, der ihm oft die Sondererlaubnis

Op. cit., S. 31.


7. Le&en 83

erteilte, Kirchen und KJoster zu besuchen und an Gottesdiensten


teiizunehmen.
Nach Abschluss seiner Dienstzeit wurde er 1950 aus der Armee
entlassen und kehrte in sein Dorf zuriick, um in Erfullung des Gebots
seiner Mutter die Versorgung seiner Schwester zu iibernehmen.
Nachdem er eine Mitgift ftir sie erarbeitet und sie verheiratet hatte, war
er trei, die Welt zu verlassen und ungehindert seinen Weg zu Gott zu
gehen.

5. Tf/uster t/as 77/. DuwW run 7952)

Sein Wunsch war, ins Heilige Land zu pilgem und sich als Eremit in
die Wuste zumckzuziehen. Doch zuerst wollte er das KJoster des HI.
David besuchen, um den Segen des Heiligen fur dieses Unterfangen zu
erbittenJ Dieses KJoster, nicht allzu weit entfemt von seinem Dorf
Farăkla, war ihm wohlbekannt, denn von KJndheit an hatte er es oft
besucht. Doch als er diesmal, am 15. Juli 1952, nach mehrstundigem
Fussmarsch das in der Bergwildnis oberhalb von Limni gelegene
KJoster erreichte, erlebte er eine grosse Uberraschung.
Der ganze Ort war plotzlich wie verwandelt. „Ich sah das Kloster
voller Pracht und Schonheit, ein stattlicher Bau aus einer anderen
Epoche. Auch die Umgebung war zu einer wunderbaren, reizenden
Stătte geworden, mit einer Vielzahl von Hăuschen, die wie kleine
Palăste aussahen, harmonisch eingebettet in die baumbestandene
Landschaft, sodass das Ganze wie eine bewundemswerte kleine Stadt
w irkte... Vor der KJosterpforte erwartete mich ein ehrwfirdiger Greis
mit einem langen weissen Bart. Es war der Heilige selbst. fch grusste
ihn und fragte ihn:
- Geronta, was ist das fur ein schoner Ort? was sind das fur schone
Hăuschen? woher kommen sie? ich habe sie noch nie gesehen?
- Das hier, mein KJnd, ist die Stadt der Asketen. Jeder von ihnen hat
sein Hăuschen, antwortete mir der Heilige.
Gefesselt von dem paradiesischen Anblick, sagte ich zu ihm:
- Geronta, ist es moglich, dass fhr auch mir ein solches Hăuschen gebt?
Ich wunsche es mir sehr.

Der hl. David (16. Jh., Fest 1.11.) ist mit dem hl. Johannes dem Russen (f 1730, Fest
27.5.), dessen Reliquien sich in Prokopi betinden, der bedeutendste Heilige Euboas.
84 yldm ter JăAwo,s von FMâo'a

- Mein Kind, wenn du hierbliebest, wiirden wir dir eins geben, doch du
bist ja gekommen, um anzubeten und dann zu verreisen, entgeguete er
mir.
Da sagte ich spontan zu ihm:
- Geronta, ich bleibe hier.
Sobaid ich dieses Versprechen gegeben
hatte, schien mir, ais ofîne sich die Mauer
des Klosters, der Gerontas ging hinein
und die Mauer schloss sich wieder. So
entschwand er meinen Augen. Zusammen
mit dem Heiligen verschwand augen-
bbcklich auch alles andere. An der Stelle
der Stadt der A sketen sah ich die
Gegend, wie sie war - eine Wiidnis mit
dichtem Gestrupp. Das Klostcr erschien
wieder, wie ich es kannte, ein halbver-
fallener Bau mit einigen Zellen, die dem
Zusammenbruch nahe waren, mit den
teilweise eingesturzten Dăchern und der
kleinen, vernachiăssigten Kirche, die
eher wie ein Landkirchiein aussah als wie das Katholikon eines
Klosters. Nach alledem machte ich eine Metanie und gab dem Heiligen
mein Versprechen, dass ich ihm dienen werde von ganzem Hcrzcn."'
Damals lebten im Kloster des HI. David zwei, drei greise Monche
nach dem idiorhythmischen System. Jeder hatte seine Zelle, seine
Ktiche und sein eigenes Programm. Abt war der selige Archimandrit
Nikodimos, der im D orf Limni unten wohnte, wo man ihn als Priester
eingesetzt hatte. Er kam jedoch in regelmăssigen Abstănden ins Kloster
und regelte, was notig war. Er war, wie der Altvater spăter schilderte,
ein Mann von hoher Tugend und grosser Barmherzigkeit. Ihm leistete
der Novize Jâkovos vorbehaltlosen Gehorsam und ergab sich unter
seiner Leitung mit grossem Eifer dem asketischen Kampf.

6. AfoncAsfoMSMr und IHd/u? zuw AfdncAsp/v'gstgr (End^ 79J2J

Im November desselben Jahren 1952, als er das Alter von 32 Jahren


erreichte, wurde Jâkovos zum Monch geschoren, und kurz danach, im

Op. cit., S. 34.


85

Dezember 1952, weihte ihn B ischof Grigorios von Chalkida


nacheinander zum Hierodiakon und zum Monchspriester. Wenige Tage
spăter erhielt er zudem die bischdfliche Erlaubnis, als Beichtvater zu
wirken. Fur ihn selbst war diese Erhebung vollig unerwartet und
unverdient, und nur aus Gehorsam nahm er sie an.
Nun fuhrte er im Kloster, im Anschluss an den Fruhgottesdienst, die
tăgliche Feier der Gottlichen Fiturgie ein, die noch vor Tagesanbruch
endete. „Indem ich tăglich die Makellosen Mysterien empfing", sagte
der Altvater an seinem Febensabend, „empfand ich in mir solche Kraft,
dass ich wie ein Fowe war. Meine Seele entbrannte in solchem Mass
vom gottlichen Feuer, dass ich den ganzen Tag riber weder Hunger
noch Durst empfand, noch die Hitze oder die Kălte spiirte. Von
fruhmorgens bis spătabends arbeitete ich pausenlos, ohne zu
ermiiden.'"
Der Metropolie fehlte es an Priestem, und deshalb ubertrug man
Vater Jâkovos die priesterliche Verantwortung fur die umliegenden
Dorfer, sodass er oft unterwegs war, zu Fuss oder mit dem Esel, um zu
zelebrieren, zu taufen, Eheschliessungen und Begrăbnisse zu feiern, die
Beichten abzunehmen und geistigen Rat zu erteilen. Damit verhalf er
manchen Dorfbewohnem, die seit Jahren in Nachlăssigkeit dahinlebten,
zur Emeuerung ihres geistigen Febens als orthodoxe Christen. Oftmals
auch brachte er die wundertătigen Reliquien des heiligen David in die
Dorfer, damit die Kranken und Behinderten sie verehren und JJeilung
empfangen konnten von ihnen.
Da die Berglandschaft als Folge fruherer Waldbrănde fast kahl
geworden war, pflegte er auf seine Wanderungen zu den Dorfem
Fichten- und Tannensamen mitzunehmen und sie unterwegs, stets mit
dem Gebet, zu săen, sodass mit den Jahren liberali der Wald wieder zu
wachsen begann. Der Altvater betete im Besonderen dafur, dass die
Băume behiitet werden mdchten vor den verheerenden Brănden, deren
Ursache, nach seinen Worten, „nebst anderem die Missgunst des
Teufels ist, der seine Werkzeuge einsetzt zur Zerstomng der Wălder".
So trug er auch zur wirtschaftlichen Entfaltung der Gegend bei, denn
zu den Einkommensquellen der Ortsbewohner gehorten die Gewinnung
von Baumharz und die kontrollierte Flolzfallerei.

Ebenda, S. 47.
86

Do.s* <r/c,s' /V/. DawW /?eMfe

7. r/as A/u.st(?rs

Neben seinen pricstcrlichen Aufgaben widmete sich Vater Jâkovos


unter Einsatz aller seiner Krăfte dem Wiederaufbau des verfallenen
Klosters, zur Ehre des heiligen David, dem er von ganzem Herzen
zugetan war, und zum Ruhme Gottes, seines Hcrrn.
Nun kamen ihm die Kenntnisse zugute, die er als Gehilfe seines Vaters
im Baugewerbe erworben hatte. Er stelite eigenhăndig die Zeiien wieder
her, băute Untcrkunfte fur die Piiger, reparierte die Dăcher usw. Nur
seine eigene Zelle iiess er im Zustand der Verwahrlosung, um der
Askese wilien, und im Winter, wenn der Schnee meterhoch stand
draussen und auch in der Zeile drinnen weisse Bănder iagen von
Schneeflocken, die der Wind durch die Ritzen getrieben hatte, half er
sich tiber die Kălte hinweg, indem er mit einem Kienspan in der Hand
(das arme Kdoster konnte sich keine Petrollampen und auch keine
Ollămpchen leisten) die ganze Nacht hindurch den Psalter las.
Er nahm die brachliegenden Felder des Klosters wieder in Kultur,
pflanzte Bohnen, Kichererbsen und Gemuse, nicht nur zur Deckung
der Bedurfhisse der Monche selbst, sondern auch, um den Bedurftigen
helfen zu konnen, von denen es damals sehr viele gab.
AII dies tat er praktisch aliem, denn die anderen Monche waren betagt
und zudem argwohnisch gegentiber all diesen Emeuerungen, da sie
nicht wie Vater Jăkovos Kenntnis erhalten hatten davon, welche Plane
7. 87

Gott mit diesem Kloster hatte. So fand er sich vor mancheriei


Schwierigkeiten und Hindernissen, doch mit Gottes Hiife und seiner
Geduid und Demut uberwand er sie.

& r/n/vA r/m DA/HO/ma

Als der Hasser ades Guten sah, wie unaufhaitsam der Athlet Christi
vorwărts eiite auf dem Weg zu seinem gottlichen Ziel, ănderte er die
Taktik, und statt ihn zu bekămpfen durch andere Menschen und durch
Dinge, griff er ihn offen an, zusammen mit seiner Dămonenschar.
Eines Tages, erzăhite der Aitvater spăter, iegte er sich nach
anstrengenden Bauarbeiten in den Zeiien in einer derselben kurz hin,
um etwas auszuruhen. Es war um die Mittagszeit. Pidtzlich ging die
Tur auf, und eine Schar von rund 20 Dămonen in verschiedener Gestait
sturmten herein. Sie sttirzten sich auf ihn, schiugen ihn, rissen ihn an
den Haaren und am Bart und richteten ihn so ubel zu, dass er uberal!
biutete. Drei der Dămonen hielten seine Finger fest, sodass er untahig
war, das Kreuzeszeichen zu machen. Als er sie endlich Ireibekam und
sich bekreuzigte, sprang die ganze Horde zum Fenster hinaus und
verschwand.'
Solche Prtifungen stărkten ihn jedoch vielmehr in seinem tiefen
Glauben und spomten ihn an in seinem Kampf. Er erlangte schliesslich
grosse Macht tiber die Dămonen, die aus den Besessenen flohen, wenn
er ihnen auch nur mit seinem Stock drohte.

9. EEoA/g A/. DrmA/


Er bemtihte sich, im Verborgenen zu kămpfen. Oftmals verbrachte er
die Nacht im Gebet in der Hohle des heiligen David, die etwa 20
Minuten vom Kloster entfernt war. Damit niemand etwas davon
bemerkte, pflegte er zu warten, bis sich alle in ihre Zellen zuiiickge-
zogen hatten. Da es dann stockdunkel war, betete er zum Heiligen, er
mochte ihn fuhren, damit er nicht abkam von dem schmalen Pfad, der
zur Hohle fuhrte. „Ein kleiner Stern kam dann vom Himmel herab und
erhellte den Pfad vor mir, sodass ich sehen konnte und zur Hohle kam.
Dort erwartete mich - ich rede im geistigen Sinn - oftmals der heilige
Gerontas selbst und sagte zu mir: 'Setz dich und ruh dich a u s/ Ich aber

Ebenda, S. 42-43.
88 vow Fnăoa

wartete mit Ehrfurcht, bis der Heilige hinausgegangen war aus der
Hohle. Danach verbrachte ich die ganze Nacht im Gebet zum Herm.
Bevor die Dămmerung anbrach, verliess
ich die Hohie, und jener kleine Steni
kam wiedemm herab und erheilte mei-
nen Weg, bis ich im Kioster ankam ..
Auch in vieien anderen Fălien
erschien ihm der Heilige und stand ihm
auf wunderbare Weise bei, entweder
allein oder zusammen mit der Gottes-
mutter oder anderen Heiligen. Als einmal
die Reserven an Olivenol des Klosters
zur Neige gingen und dieses nicht mehr
in der Lage war, seine iiblichen Ver-
teilungen an die umliegenden Kirchen
und die Armen vorzunehmen, betete
Vater Jăkovos innig zur Gottesmutter
und zum heiligen David und ebenso
zum Propheten Elias. Als er nach dem Gebet ins Lager
hinabging und das letzte Fass ansah, indem noch Ol war, bemerkte er
dass der Deckel sich bewegte und Ol uberfloss. Er dachte, eine Maus
sei wohl hineingefallen, und machte sich grosse Sorgen, denn nun war
selbst das tibriggebliebene Ol unbrauchbar, sowohl tur die Kirche als
auch fur die Tafel. Doch als er den Deckel hob, sah er, dass keine Maus
da war, sondem dass das Ol auf wunderbare Weise von selbst aus dem
Fass stromte, sodass man auch die anderen Făsser wieder fullen
konnte. „Dieses Wunder", sagte er, „geschah deshalb, weil wir mit dem
Ol alle Kirchen und Fandkirchlein ringsum versorgten und es damber
hinaus als Almosen an die Armen verteilten."
Altvater Jăkovos' Barmherzigkeit, die er von seinei* Mutter geerbt
hatte, wurde beinahe so sprichwortlich wie jene des hl. Johannes des
Barmherzigen. Nun solite sich die Prophezeiung der hl. Paraskevi
erfullen, wonach viei Gold durch seine Hănde gehen aber ihn nicht
beriihren werde. In der Tat blieb von all den Spenden, die ihm spăter
als Klosterabt zutlossen, nicht das geringste in seiner Hand, sondem
alles floss sogleich weiter an jene, die ihrer bedurften. Wenn jemand
sich scheute, etwas anzunehmen, pflegte er zu sagen: „Ich gebe funf,

Ebenda, S. 43.
89

Gott gibt mir funtzig zurtick." Er sah in der Praxis, dass Gott
tatsăchlich umso mehr gibt, je mehr einer die empfangenen Gaben
weitergibt an andere.

70. 7Gvmn//n/!^ zn/n AOrstr'rs ^7975)

Nach der Entschiafung von Abt Nikodimos wurde Vater Jăkovos


1975 durch Entscheid von M etropolit Chrysostomos zu dessen
Nachfolger als Abt des Klosters des Hl. David ernannt. Er solite dieses
Amt 16 Jahre lang versehen, bis zu seiner Entschiafung, doch er selbst
frihlte sich niemals als Abt. Er pflegte zu sagen: „Der Abt hier, mein
Kind, ist der heilige David." Er empfand sich bloss als dessen Diener.

Unter seiner Leitung erlebte das Kloster eine richtiggehende


W iedergeburt. N ach der Einfuhrung des G em einschaftssystem s
wuchs die Bruderschaft innert kurzer Zeit von drei auf
zehn Monche, und das Kloster wurde zu einem geistigen Zentrum von
grosser Ausstrahlung. Aus ganz Griechenland, aber auch aus dem
Ausland stromten unablăssig Pilger her, Menschen aller Altersstufen
und Gesellschaftsschichten, um bei dem demiitigen und liebevollen
Altvater, dem der Herr die Gnadengaben der Hellsichtigkeit und der
Prophetie sowie viele andere Charismen gewăhrt hatte, Rat, Trost oder
Heilung zu empfangen. Obwohl er solches nie gesucht hatte, sondem
90 VdAcwM von EMbda

sich im Gegenteii stets im Hintergrund zu haiten suchte, wurde sein


Name liberali bekannt, und andere bedeutende Altvăter seinei* Zeit
anerkannten ihn als einen echten Mann Gottes. Der heutige Okumeni-
sche Patriarch Barthoiomăos, damals noch M etropoiit von
Philadelphia, besuchte ihn zweimal und zelebrierte im Kloster des HI.
David.

77. Z/fMi'gh? /in/

Die Quelle seinei* Kraft war die Heilige Kirche - das heisst Christus
selbst. Ihi* liturgisches Leben', ihre Mysterien waren sein tăgliches Brot.
Ei* zeichnete sich aus durch eine unvertalschte kirchliche Gesinnung in
der Tradition der Heiligen Văter. „In der Kirche", sagte er fast jeden
Tag, „finden wir die Gesundheit, den Trost, die Hoffnung und das Heil
unserer Seele."
„Wenn diesel* Altvăter die Gottliche Liturgie zelebrierte, war er in
Wahrheit wie ein Engel auf Erden, und du hattest das Gefuhl, dass
dieser Mensch nicht ein Mensch war, sondem ein himmlisches Wesen,
das herabgekommen war, um diese Gottliche Liturgie zu zelebrieren...
Er zelebrierte mit grosster Aufmerksamkeit. Ein Wort nach dem ande-
ren kam aus seinem Mund, feierlich, aus der Urtiefe seines Wesens.
Anders gesagt, es war otfenkundig, dass er das Mysterium der
Gottlichen Eucharistie wahrhaftig lebte, das M ysterium der
Hinopferung des Leibes und des Blutes Christi. Es blieb dir kein
Zweifel, dass zu jener Stunde Christus selbst, mit den Engeln und den
Heiligen, die ganze Kirche gegenwărtig war. Und wie er selbst uns
sagte, sah er Christus oftmals in der Gottlichen Liturgie. Sehr oft auch
zelebrierte er die Liturgie zusammen mit den Engeln, die den Heiligen
Altar umstanden. So viele von ihnen waren da, sagte er uns einmal in
seiner Einfachheit, dass er, als er sich anschickte, die Kostbaren Gaben
von der Prothesis zu nehmen tur den Grossen Einzug, zu ihnen sagen
musste: „Macht Platz, damit ich durchgehen kann."^
„Die Menschen, mein Kind, sind blind", sagte er ein andermal, „sie
sehen nicht, was wăhrend der Gottlichen Liturgie in der Kirche

' Das liturgische Leben bedeutet die Gesamtheit der Gottesanbetung der Kirche.
^ Metropoiit Athanasios von Lemessos (Zypem) in: KXettou Iwavvt&ri, fepovirxo
rou20ouA ubvo^, S. 157-158, Athen 2002b
7. Ze&e?: 91

geschieht. Einmal, als ich zelebrierte, konnte ich den Grossen Einzug
nicht vollziehen wegen dem, was ich sah. Der Kantor wiederholte
immer wieder: vru* Jeu Kom'g u//ez* ew/i/uugeu, und plotzlich
sprirte ich, wie mich jemand an der Schulter beriihrte und mich zur
Prothesis hin schob. Ich glaubte, es sei der K antor.. doch als ich mich
umwandte, sah ich einen riesigen Flugel, den der Erzengel iiber meine
Schulter gelegt hatte und mich fiihrte, darnit ich den Grossen Einzug
beginne. Was geschieht nicht alles wăhrend der Gottlichen Liturgie im
Allerheiligsten! Manchmal kann ich es nicht ertragen und setze mich
auf den Stuhl, weshalb einige Mitliturgen glauben, ich habe Probleme
mit meiner Gesundheit. Sie wissen nicht, was ich sehe und hore.
Welches Flugelrauschen, mein Kind, von den Engeln her!'"
Âhnliche Erfahrungen hatte er auch beirn Kommemorieren der
Namen der Glăubigen wăhrend der Proskomidie. „Wenn ich die Gaben
vorbereite", sagte er, „sehe ich die Seelen, die an mir voriiberziehen
und mich bitten, ihrer zu gedenken. Selbst wenn ich sie vergessen
wollte, wăre es mir nicht mdglich."^

72. u/s ge/stiger Fhtw*

„Die Seele von Altvăter Jâ-


kovos", sagt einer seinei* Mon-
che und geistigen Sohne, „war
voller Erbarmen. Nie auferlegte
er strenge Bussiibungen und
Strafen. Das bedeutet nicht, dass
er die heiligen Kanones miss-
achtete, alles andere! Doch da er
sah, dass wir heutigen Menschen
so viei Egoismus in uns haben,
benutzte er das wirksamste
Mittel gegen diese unsere grosse
Siinde - die Liebe... Wenn es
notig war, benutzte er freilich
auch das Skalpell, doch er tat es

' 'F v acA y to r F tpovm r, op. cit., S. 81.


' Ebenda, S. 84.
92 ^w U erA A ovo.s' von EM&o'a

mit solcher Feinheit, dass du nicht begriffst, dass eine Operation im


Gang w ar...
„Er lebte sein geistiges Leben als etwas vollig naturliches, und so
wie wir tiber A lltăgiiches reden, redete er tiber die geistigen
Erfahrungen und Visionen, die er hatte. Doch nur das Wenigste davon
enthuilte er uns, nur jene die Dinge, die wir verkraften konnten. Seine
Ausdrucksweise war einfach und schiicht, deshalb auch taten seine
Worte ihre W irkung... Die Menschen horten ihn reden, wurden
crgriffcn in ihren ! Ierzcn und kamen zur Reue tiber ihre Stinden... Er
forderte uns nie mit Worten auf, seine strenge Askese nachzuahmen.
Sein Leben selbst war eine Herausforderung an unsere Hochherzigkeit,
eine Einladung zur Nachfolge...
„Wir sahen, dass der Gerontas die ganze Last jener Menschen, die zu
ihm kamen auf sich nahm, nicht nur ăusserlich, indem er ihnen seine
Zeit widmete, sondern ihre eigentliche, innere Btirde. Er nahm das
personliche Kreuz eines jeden von ihnen auf sich, ais ihr geistiger Vater
und Ftihrer."'
Wenn es zu Missverstăndnissen kam unter seinen Monchen, gab er
ihnen ansteiie irgendeines Rats jene Worte Christi: Lovut von Afu; Jenn
/c/2 A/n unr/ Jenvntfg von Fforzen (Mt 11,29). Und als einer von
ihnen ungehorsam war, sagte der Altvater mit viei Takt und Demut zu
ihm: „Da du dem Geronta nicht gehorchen magst, will ich dem
untergebenen Monch gehorchen." Danach hielt er ihn einige Tage in
Distanz von sich, damit der Bruder zur Besinnung komme, und am
Schluss bat er ihn dafur um Vcrgcbungf

72. Du? Pru/nug - /frun/i/m/tcn


Bis etwa zum 55. Lebensjahr erfreute sich der Altvater einer eisernen
Gesundheit, doch von 1975 an litt er mit Gottes Erlaubnis zunehmend
an verschiedenen Krankhcitcn. In jenem Jahr musste er sich einer
komplizierten dreifachen Operation unterziehen. Mit dem Beistand des
heiligen David und des heiligen Johannes des Russen, die auf Bitte des
Altvaters hergekommen waren und, wie er sah, leibhaftig anwesend
waren im Operationssaal, verlief sie jedoch erfolgreich. Der hl. David
heilte ihn auch von einem schweren Anfall von Lumbago, der ihm jede

' Ebenda, S. 111-H2.


' Ebenda, S. 118-119.
93

Bewegungsfahigkeit nahm, und als er im Winter auf dem Eis sturzte


und sich mehrere Wirbel brach, erschienen ihm nach 30 Tagen totaler
Bewegungslosigkeit die hl. Uneigennutzigen Kosmas und Damian und
heilten ihn.
Er litt auch an Darmrissen, die ihm unertrăgliche Schmerzen
bereiteten, sowie an einem stăndigen Schwindelgefuhl, das es ihm
unmoglich machte, den Kopf zu bewegen. Jene Krankhcit aber, die ihn
schliesslich ans Ende seiner Tage brachte, war die Ischămie des
Herzmuskels. So blieb kaum ein Teii seines Leibes heil, und die
Vielzahl seiner Leiden liess in einem seiner Besucher, einem Knaben,
eines Tages den Gedanken aufkommen: „Wie kommt es, dass der
Altvater, da er doch in so hoher Gunst steht beim hl. David und vielen
anderen Heiligen und da er doch selbst manchem Kranken geholfen
hat, an so vielen Krankheiten leidet. Warum heilt ihn der hl. David
nicht?" Der Altvater sah seinen Gedanken und antwortete ihm: „Mein
Kind, Gott lăsst zu, dass mein Fleisch nach all den Jahren gepeinigt
wird, aus einem einzigen Grund: damit ich demutig werde."'
In allen seinen Leiden horte der Altvater nicht auf, Gott zu bekennen
und zu preisen mit den Worten des Propheten Elias: E r /e/v, Je r Aer/; Je r
Gott & r Aeers'c//ore// (s. 3 Kon 17,1). Dieselben Worte pflegte er zu sagen,
wenn ein Wunder des hl. David oder eines anderen Heiligen geschah.

73. AWge EnfscMo/M/ig

Ebenso wunderbar wie sein Leben war auch die Entschlafung von
Altvater Jâkovos. Er war im voraus unterrichtet iiber den Zeitpunkt
seines Hingangs, und deshalb bat er einen Hierodiakon vom Hl. Berg
Athos, der damals bei ihm beichtete, bis zum Nachmittag des
betreffenden Tages zu bleiben, um ihn „einzukleiden", wie er sagte.
An jenem letzten Tag seines irdischen Daseins, dem 21. November
1991, war er besonders frohlich. Am Morgen sang er mit bei der
Festliturgie zum Einzug der Gottesmutter in den Tempel und am
Nachmittag empfing er verschiedene Leute zur Beichte. Mitten im
letzten Beichtgesprăch vemahm er eine Stimme, die ihn rief, und er er-

' Auch andere heihge Akvăter unserer Zeit litten jahrelang an einer Vielzahl schwe-
rer Kiankheiten, wie Vater Paissios und Vater Pophyrios (s. Hap. 7 und 9). Nach
aliem, was man hierliber weiss, waren diese Krankheiten ein sichtbarer Aspekt des
besonderen Kreuzes, das diese Diener Christi zum Wohl der heutigen Menschheit
auf sich nahmen.
94 ^ /rra te rJ a A o iw von EaAoa

erhob sich, um die Tur zu offnen. So fand er seinen geliebten Hemr,


Dem er von Kind an sein Leben Iibergeben hatte, und zog aus zu den
Wohnstătten der Heiiigcn. Er hatte das Alter von 71 Jahren erreicht.
Die Kunde von seinem Hingang verbreitete sich wie ein Lauffeuer
im ganzen Land und dariiber hinaus. Zu seinem Begrăbnis fanden sich
Tausende ein und erlebten ein wahres Fest der Auferstehung. Sein Leib
wirkte wie jener eines Lebenden, fuhlte sich warm und weich an, ohne
irgendein Anzeichen von Starre, und auf seinem Gesicht lag ein stilles
Lăcheln.
Seit seiner Entschlafung hat der Altvater nicht aufgehort, durch vie-
lerlei Zeichen zu zeigen, dass er Gnade erlangt hat vor dem Angesicht
Gottes und Flirbitte einlegt fur die Glăubigen. Seine Monche, die
tăglich und in wachsender Zahl Berichte erhalten liber die wunderbare
Erfullung ihrer Gebete an den Geronta, erklăren: „Es scheint, dass nun
das bedeutendste Kapitel des Wirkens des Altvaters begonnen hat."

II. - Worte und Zeugnisse


„Dz'g Ifbrtg voa Z/tratga7aAows' waaga aicAt ^giag gz'ggaga Ifbrtg. waaga
Ifbatg MfMerer 77giA'gga KarAg, <7ga T/gfA'gga ScAn/t aa<7 ^g;* 77giA'gga Fatgt;
JocA ^t'g warga zMtfgAt gg/gAt vca fA/a. Dgs'Aa/A giagga ^t'g <7ga NgaycAga
JA'gAt aM 77gaz a a J waAtga ia /Aaga Jt'g gafg bgawaaJ/Mag.

J —/r lebt, der Herr, der Gott der Heerscharen...

T T a b t Vertrauen zu Gott. Bittet, und es wird euch gegeben werden.


J"T j)ic sc r Glauben, dieses Vertrauen erhălt mich seit 70 Jahren.

einer soli Zweifel haben, meine Kinder, noch auch Unglauben.


T \ j d a b t Gottvertraucn wie ein Senfkom, und um was ihr auch bittet,
Gott wird es euch geben.

'Evaţj Aytog Tepovrag, op. cit., S. 144. Die nachfolgenden Zitate sind zur
Hauptsache demselben Buch entnommen.
77. TLeAre 95

ein einziges Gebet, meine Kinder, geht verioren. Auch mich hat
J \ ^ d a s Gebet so viele Jahre iang getragen.

A lles stiitzt das Gebet. Seien wir nicht ăngstlich, furchten wir uns
Y V nicht. Wenn Gott mit uns ist, vermag niemand etwas gegen uns.

^ a h lr e ic h sind die Versuchungen, meine Kinder, zahireich die Fallen


A -jdes Teufels, sowohl im Kloster als auch draussen in der Weit. Doch
mit dem Gebet und mit der Gnade Gottes werden sie aile zunichte.

Ţ n diesem sterbiichen Leib wohnt unsterblicher Geist. Lasst uns


-Ldeshalb Sorge tragen zu unserer Seele, einem unsterblichen Ding.
Seid eifrig bemiiht um die Seele, die unsterbliche.

/ ^ \ h n e Reinheit der Seele haben wir keinerlei Nutzen von der


v v G o ttlic h e n Kommunion.

X 7 ertreibt die schlechten Gedanken, die Phantasien, die der Teufel


V eingibt. Messt ihnen keinerlei Bedeutung bei. Weist sie zuriick.

'"Vogert nicht, schămt euch nicht. Was ihr auch getan habt - der
A ^B eichtvater hat vom Gebieter Christus Selbst, tiber die Apostel, die
Volhnacht empfangen, durch sein Epitrachilion auch die grosste Siinde
zu vergeben. Was der Beichtvater vergibt, vergibt gleichzeitig auch
Gott im Himmel, und was er nicht vergibt, bleibt unvergeben.

AY Tenn ich bei denen, die beichten, keine Reue sehe, kann ich das
V V Gebet der Vergebung nicht lesen. Es ist mir nicht erlaubt, weil die
Reue fehlt.
96 ddvaYerJeAcw.s' vo?; EnAoa

Ţ A e r Glăubige soli anderen nicht bekanntmachen, was er gebeichtet


J-V h at, noch auch sod er sein Leben oder sein geistiges Werk
offenbaren. Ades geschehe im Verborgenen und mit dem Rat des
Beichtvaters adein.

ZH ed:e??: Pries'ie^ der d m ;//?? P at gedete/? Aatte, s'agte der Z/trater.'

A /Tein Vater, ich ieide mit dem Menschen, der beichtet. Ich
IV J^cm pilndc seinen Schmerz zusammen mit ihm. Ich empfinde den
Schmerz und weine tiber den Beichtenden. Ich bat den hi. David
darum, dass ich nach jeder Beichte ades vergesse, was nicht notig ist,
und mich nur an das erinnere, wofur ich beten muss. Denn ich bete Iur
jene, die zur Beichte gekommen sind. Ich sorge mich um sie und warte
auf sie, bis sie wiederkommen.

D/e Ikdrde der Pr/e^ter


Ţ A ie Priester sollen sich ihr Haar nicht schneiden. In KJeinasien
-L ypflegten sie, wenn sie sich kămmten, ein weisses Tuch hinzulegen,
und die Haare, die darauf delen, lasen sie zusammen und legten sie in
ein Săcklein. Wenn der Priester starb, legte man das Săcklein mit ihm
zusammen in sein Grab. Denn wenn bei der Handauflegung' der
Heilige Geist herabkommt, wird der Priester geheiligt. Selbst seine
Haare noch sind heilig.

T A ie Presbyterinnen (Ehefrauen der Priester) mtissen ein heiliges


J -V Leben Irihren, fast wie Monchinnen, in grosser Ehrfurcht vor dem
Priester, und sich mit grosser Bescheidenheit kleiden.
Der Z/tvater riet deM Pres'dyterzdneM OMcA, s'ic/? der Per:d&tddgkeit ZM
eatAadew, s'o die Z/î/ecAtMwge/r der didt za W!eide7r, deaen .sie de^o/rders'
aMS'ges'etzt ^d:d, dena da.s WaMptzie/ de^ 7e:(/eD Dt, darcA s'ie dea Priester
s'e/^t ZMtrecea.

A Ţie sod einer zum Priester geweiht werden, bei dem Hindemisse
i 1 hiefur vorhanden sind. Ich sah einen Priester, der das
Făhigkeitszeugnis eines Beichtvaters erhielt, ohne eine vodstăndige
Beichte abgelegt zu haben, und nach vier Jahren bekannte er mir die

D.h. bei der Priesterweihe.


/7. ZeAre 97

Sunde, die ein Hindemis war fur die Priesterweihe. Sein Gesicht war
diister vor Kummer, er hatte keine Spur von Freude mehr in sich. Sein
Zustand betrubte mich zutiefst.

RErf r/gr m t/g;* /h-usAuz/th/yg

^"Y Fenn der Priester wăhrend der HI. Proskomidie Partiket


W entnimmt' und die Namen der Glăubigen kommemoriert, kommt
ein Engel des Herm herab und nimmt jene Kommemoration und bringt
sie vor den Thron des Gebieters Christus seibst, als Gebet fur jene,
deren Namen kommemoriert wurden. Bedenkt deshaib den hohen Wert
des Gedenkens eurer Namen in der Hi. Proskomidie.

/?g/;dfgf gtv/g /ff/vr/gg


" r \ a s Femsehen - der Teufelskasten - richtet grossen Schaden an,
J-V insbesondere bei den Kindem, deshaib schafft es aus dem H aus...

i y ein Femsehen im Haus. Dass ihr am Bildschirm etwas Rechtes


J \^ s e h t, einen Priester, der spricht, einen Gottesdienst - das ist keine
Sunde. Doch oftmais wird auch Unanstăndiges gezeigt, wie mir viele
Christen sagen. Soiche Dinge gehoren nicht zu uns. Es ist Eir uns
besser, die Heiiige Schrift zu lesen, den Bittkanon an unsere
Gottesmutter zu singen, funf Metanien zu machen oder funf Psaimen
Davids zu iesen als femzusehen. Deshaib - behuten wir unsere Kinder
vor dem Femsehen, vor unanstăndigen und schiechten Dingen.

7/r r/g7* AgMfz'ggT? Z tM tu W g /g g fg Jgr* Z / t v u t g r ^gtMgTZ ggMfz'ggt?


5*oA7!g77 MTid T o c A tg m 77grz, ^ o z g /S /n 'g da/'UM /' ztz acA fg/!, 7wz't wgtt? z'Arg
ÂiPt Jg7* f/777gU7tg AuĂgT!.

Ţ J s ist nicht gut, dass eure Kinder mit irgendweichen anderen um-
J —/herziehen. Sie soiien bei ihren Eitern bieiben, mag man ihnen auch
vorwerfen, sie seien asozial.
Sie soiien auch nichts annehmen von Leuten, die sie nicht kennen.

' Die Proskomidie ist die Vorbereitung der Hi. Gaben fur die Gottiiche Liturgie. Die
Partikei fiii* die Lebenden und die Entschlafenen werden einem besonderen, aus der
Prosphore herausgeschnittenen Stiick entnommen.
98 ^itv a te r Jdkovo^ von EnAon

Den Ditern, Jie /'An //*ngten, wn.s .sie inn .soiien, wenn ri/'e Kin/Aer nicAi
geAorcAen, n/?iworieie er/

Ţ ) etet mit Gottvertrauen und ermahnt sie, soviel ihr konnt, in Liebe,
J D a u f die gute Art. Denn, vergebt mir, mit Strenge erreicht man
nichts. Das Kind wird dir bioss sagen: Ich stehe auf und gehe, und es
geht... und heute ist die Welt Sodom und Gomorrha oder noch schlimmer.

Fnsten

ŢJ'astet, meine Kinder, hort nicht auf jene, die sagen, Fasten sei nichts,
. F es sei bioss eine Erfindung der Monche. Es ist nicht eine ErEndung
der Monche, meine Kinder, vergebt mir, es ist ein Gebot Gottes. Das
erste Gebot Gottes war Fasten, und auch unser Christus fastete.

Ţ J in m a l kam einer zu mir und sagte: „Der und der hat mir gesagt, es
J —/gebe kein Fasten, und nirgendwo in der Schrift stehe etwas von
Fasten." Ich antwortete ihm, er solie dem Betreffenden sagen, er
mochte die Bibel ofEien und nachsehen, wo vom Fasten geschrieben
steht: ...nnr mii Feien nnri mii Fo.sien... steht im Evangelium unseres
Christus', und vieles anderes mehr. Mit Beten und Fasten werden
Dămonen und Krankheiten und alle Leidenschaften vertrieben. Der
heilige Vorlăufer, was ass er in der Wuste? Was ass der heilige David
hier? Mit einem Stucklein Antidoron verbrachte er die ganze Woche in
seiner Einsiedelei. „Durch Fasten, Wachen und Gebet hast himmlische
Charismen du erlangt'A Deshalb heiligte ihn Gott, sodass er seit 450
Jahren hier an dieser heiligen Stătte lebt - als hochst wundertătiger und
lebendiger Heiliger.

Diirren
wnrJe Je r 4(ivoier von einem seiner geAiigen .So'Ane, einem
Drie.sier im .snWiicAen GriecAenionri, er.sncA.i, er mocAie tien Ai. D aviJ
nm /iegen Aiiien /Ar .sein GeAiei, weii e.s* Jo ri .şeii eineinAoiA JoAren
nicAi meAr geregnei Aoiie, .so<:(o.s'.s gro.s.se Aoi AernscAie Aei Afe/rseA,
D er nnJ P/innzen. D er Aiivoier oniworieie iAm/

' Mt 17,21, Mk 9,29. S. auch Mt 6,16-18.


^ Apolytikion im Ton 1 fur hl. Monche und Asketen („Als Burger der Wuste").
99

A / f ein Vater, ihr habt euren Bischof dort, und ihr Priester seid Văter
IV J^d er Rirche. Sagt den Leuten, sie soiien fasten. Was sie in der
Vergangenheit taten, soiien sie auch heute tun. Die Christen soiien
beten, ihre Siinden bereuen und beichten, sie soiien die heiiigen Ikonen
und die heiiigen Reiiquien nehmen und eine Prozession machen. Und
wegen unserem Giauben, wegen unserem Gebet wird Gott uns geben,
um was immer wir Ihn bitten. Dies taten wir in Kleinasien, in unserer
Heimat, wie uns unsere Mutter sagte. Dasseibe tun wir auch hier in den
Dorfem. Sobaid die heiiigen Reiiquien herauskommen aus dem Kiostcr,
erscheint ein Woiklein iiber dem D orf jener Christen, die um Regen
bitten, und danach iăsst Gott regnen innerhalb der Grenzen jenes
Dorfes. Er iăsst regnen und gibt Seinen Segen. Seibst wenn Er nicht
regnen iăsst, gibt Er uns Seinen Tau und Seinen Segen. Wir haben den
Regen notig, doch auch die Sorge fur unsere Seeie haben wir notig.
Diirren und aile anderen Katastrophen riihren von den Siinden der
Menschen her. Dafur iăsst uns beten, dass wir Christus und Seiner
Kirche nahe sind.

D er

ZJG.S' E o/genbe AerAAtct J e r A arb io /o g e Ucorg/'o.s* Pa^azacA o^,


Pro/e.s'.s'or a/? J e r MeJ/zmMcAen EbAnEdY ber Je r
b/tw /ter JdEovoy /'/n ^//ge^emer? PtaaPz'cAen Sgba/ in /iiAen Eennen-
/ernie, wo bie.sef seiner DerzCranEAeii wegen beAnnbe/i wnrbe.

Ţ c h ging und setzte mich ans Bett von Altvater Jâkovos, und dieser,
-Lsobald er mich erblickte, sagte zu mir:
- ich kenne dich nicht. Zum ersten Mal sehe ich dich. Doch ich sehe,
dass hinter dir dein Engei steht.
Was er sagte, bewegte mich zutiefst... Er fugte hinzu:
- Aiie Menschen haben einen Engei. Doch den deinigen sehe ich. Hab
acht, damit du ihn nicht wegtreibst von dir.
Noch heute, wenn ich daran denke, ergreift mich der Schrecken, wie
damais. Der Aitvater schloss:
- Jener Engei wurde dir am Tag deiner Taufe gegeben. Vom Tag deiner
Taufe an begleitet er dich, und er darf nicht von deiner Seite weichen.
Er ist es, der am Schluss deine Seeie in seine Hănde nehmen und sie
am Tag des Gerichts fuhren wird. Wenn dann die Dămonen kommen
und sagen: 'Er hat dieses getan, er hat jenes getan, er hat diese Sunde
)00 yt/Ovae/' Jo/covoy von EaAd'a

begangen und jene', wird dein Engel antworten: fia, er hat es getan,
doch auch dieses Gute hat er getan und jenes.' Er ist der Anwait, der
dich verteidigen wird. Hab acht deshalb, dass du ihn nicht von dir
entfemst. Ich habe gesehen, dass er bei dir ist.'

Mc/?? „ MV!", SY!/!Y/a!7! „MW"

Ţ Ţ Fir werden nicht geheiiigt durch den Ort, an dem wir ieben, sondem
V V durch die Art, in der wir ieben. Wir mogen uns auf dem Heiiigen
Berg befinden, in unseren Gedanken aber in der Weit sein. Oder wir
konnen uns in der Weit befinden, doch geistig auf dem Heiiigen Berg
sein. Ein wahrer Monch ist liberali auf dem Heiiigen Berg.

Ţ I ' s gibt auch heute in der Weit christiiche Ehepaare, die ieben wie
J —/Monche und sogar besser ais wir Monche hier, mit Fasten, Gebet,
Koboskini, Metanien, mit Gehorsam und Liebe gegeneinander.

WEAtS o/?MC .SEg^H ia/!

A /T ein Kind, Ungehorsam und aiies, was der Monch ohne Segen tut,
1VJL bedeutet Tod. Wenn wir etwas ohne Segen tun, sind wir Gott
nicht wohigefaiiig, sondem wir betruben Ihn. Deshalb, was immer du
tun wiiist, hoi dir den Segen dazu. Und wenn es dir nicht mogiich ist,
ihn am seiben Tag zu empfangen, dann warte bis zum năchsten. Wenn
es auch am năchsten nicht mogiich ist, dann warte bis zum ubemăch-
sten. Es ist besser, dass sich die Sache verzogert, ais dass du sie ohne
Segen tust.

Era/HHg^H

enn der Aitvater befragt wurde daruber, wie man sich den
Prtitungen des Lebens stelien soii, pflegte er mit den Worten des
hl. Jakobus des Herrenbruders zu antworten:
EracAtet e.s' aA /aaier EaeaEe, a/eiae EraEa/; waaa iAa ia a:aacAea/ei
Eaii/aagea geratet, ia! iU'.s'.sea Earaa/, Ea.s*.s' <E'e Egwa'Araag eare^
GiaaAea.s* GeriaEi wirAt... (Jak 1,2-3).

In fep o v n x d ro a 20oa Aaâvo^, S. 43-44.


77. 7c7?rc )0t

D^r ^oA/assa/ zM'M Darar//??s

Ţ ch begehrte weder Abtschaft noch Ruhm, noch Prachtsbauten, noch


J^Ehren. Ich begehrte das Paradies! Der heihge David, der in Hohten
und Einoden wohnte und nichts hatte von atledem, was tat er? Mit der
Einfachheit und der Demut gewann er das Paradies. Lesen wir irgendwo,
dass die Heiiigen diesen und jenen Empfangsaa) bauten oder diesen
und jenen Gebăudetrakt und so das Paradies gewannen? Nichts von
dem. Sie opferten sich seibst, beteten, fasteten, schiiefen am Boden und
dergieichen mehr. Mit diesen gewannen sie das Paradies.

Das
d/.s' /t/V MA'oJ/'/Ho.s' .sio/f?, /?*ogte s/cA dArote?' JoAovos, wie es woA/ .sei/?er
5*ee/e ergeAe. Da so/? e/; /o'cAt ?'??? 7?*o:?/??, so/?<r/e/7? ;'/?? ikr?cAz?;.s7o/?<;/, /o/ge??Ae
H'.s?'oo.'

A /T ein Gerontas stand da, barhăuptig, den K opf gesenkt, die Hănde
i \ k L gekreuzt mit grosser Ehrfurcht und Andacht. ihm gegentiber sass
auf einem hohen Thron der Grosse Hohepriester. Der Thron schwebte
ein Meter uber dem Boden. Sein Antiitz ieuchtete, es war goldfarben,
wie reines Kerzenwachs, ich kann es nicht beschreiben, mein Kind.
A uf Seinen Knien iag ein aufgeschiagenes Buch, und darin war das
Leben meines Geronta aufgezeichnet. Der Grosse Hohepriester steilte
Fragen, und der Gerontas antwortete... ich sah, mein Kind, dass unser
ganzes Leben aufgezeichnet ist, Werke, Worte, Gedanken, ades. Fur
ades werden wir Rechenschaft ablegen mussen.
102 /I d r a fe r Jd/;oro.s' von EM^dn

- Evay Ayto^ fepovra^, o M axaptoro^ H. /dxtn^og, Hyod^evo^ r% 7epd^


Movny Oatou Aa/itd fepovro^ („Ein heiliger Altvater, der Selige Vr Jakovos,
Abt des HI. Klosters des HI. David des Gcrontas"), hrsg. von den Vătem des HI.
Klosters Osiou David, Limni Ewias, 1996.
- Kkeiion I(navvibn, fepovrtxo ron 20ou Atcdvo^ (Klitos Ioannidis,
„Gerontikon des 20. Jahrhunderts"), hrsg. Ekd. Nekt. Panagopoulos, 3. AuEage
Athen 2002.
- Stylianos Papadopoulos, EAe Gnrden o/'/Ac A/o/y E/dgr /aA'oro.s* Rnd'ArA,
hrsg. Kyriakidis Pubiications, Thessaloniki.
^ L T V X T C R J o seP H
()6 R
H eSY C H ^ST

(1898-1959)
i04
105

K apitel4

^ L T V X T G R Jo86P H OGR H e S Y C H X S T

T ^ \ie se r himmlische Mensch war in Wahrheit ein Meister in der


^ ^ J -V Heilung seiner Junger von ihren Leidenschaften. Wenn es ihnen
geiang, in Gehorsam bei ihm zu bleiben, erfuhren sie eine
geistige Wiedergeburt... Nach weitiichen MaBstăben war Aitvater
Joseph ungebildet. Er hatte nur zwei Jahre Primarschuie abgeschiossen.
Doch er war weise in den gottiichen Dingen, denn er war von Gott
belehrt. In der Universităt der Wildnis Iernte er, was wir zur
Hauptsache notig haben: das Gottliche.
„Er hatte nicht akademische Theologie studiert, doch er besass
tiefstes theologisches Wissen. In einem seiner Briefe (dem 48.) schreibt
er: 'D er Monch, der in Gehorsam und innerer Stille seine Sinne
gelăutert hat und dessen Geist und Herz rein geworden sind, emplangt
die gottliche Gnade und das Licht des Wissens, er wird ganz Licht,
ganz Geist, ganz Klarheit. Er uberstromt in solchem Masse von
Theologie, dass selbst drei Schreiber nicht imstande wăren, aii das
festzuhalten, was die Gnade in Fulie hervorstromen lăsst und das im
ganzen Leib Frieden und Stillstand der Leidenschaften bewirkt. Das
Herz lodert von gottiicher Liebe, und er ruft: Halte zuriick, o mein
Jesus, die Fluten Deiner Gnade, denn ich schmelze wie Wachs! Und er
schmilzt wirklich, unfahig, es zu ertragen. Sein Geist wird entruckt in
die Anschauung Gottes und eine Verschmelzung geschieht, und der
Mensch wird verwandelt, er wird eins mit Gott, sodass er sich seibst
nicht mehr kennt, sich selbst nicht mehr unterscheiden kann, so wie das
Eisen im Feuer erglriht und dem Feuer gleich w ird'"'

Archimandrit Ephrem, Prohigumen des Athos-Klosters Philotheou, einer der Jiinger


von Aitvater Joseph, in seinem Vorwort zu dessen Briefen (s. Bibliographie am Ende
des Kapitels).
106 y4/?va?er von

Der Beitrag von Altvater Joseph zur Emeuerung des damieder-


liegenden athonitischen Monchtums in den letzten Jahrzehnten des 20.
Jahrhunderts war von entscheidender Bedeutung. Sechs der Grosskloster
des Heiiigen Bergs werden heute von direkten oder indirekten geistigen
Nachkommen des grossen Altvaters geleitet und viele ihrer Dependen-
zen (Kellien, Einsiedeieien) sind bevoikert von Jiingem seiner Jiinger.
Doch auch ausserhalb des Athos iibte er einen starken Einfluss aus,
insbesondere auf Zypem und in Nordamerika, wo sein Jiinger Ephrem
(vormals Abt von Philotheou)' bis heute nahezu 20 Kloster gegrundet
hat, die aile die Tradition von Altvater Joseph fortsetzen.
„Als hauptsăchlichstes Vermăchtnis des Altvaters an die zeitgenos-
sische Welt, an Monche wie auch an Laien, kann man die Pflege des
inneren Gebets betrachten. Die Askese des monologistischen Gebets
(d.h. des Jesus-Gebets) ftihrt zur lebendigen Erfahmng der gottlichen
Gnade, zur Empfindung Gottes, und damit erreicht der Mensch eine
hohere Ebene des Se ins.
Ein orthodoxer Theologe des Westens, der die direkten Jiinger von
Altvater Joseph personlich kennenlemte, schreibt: „Noch vor ihren
Worten beriihrte, beeindruckte und prăgte mich ihre Erscheinung, ihre
Art, ihre Umgangsweise. Alle hatten sie ganz offenkundig die geistigen
Eigenschaften ihres Altvaters geerbt - die zugleich auch die eigentlich-
sten christlichen Eigenschaften sind - und driicktcn sie zuallererst aus
durch ihre Elaltung: ein tiefes und unausgesetztes Gefuhl geistiger
Zerknirschung und Trauer (was sich bei einigen von ihnen durch die
Trănen ăusserte, die ihnen stăndig iibers Gesicht liefen), tiefe Demut,
gănzliche Einfachheit des Geistes und des Herzens, eine grosse
Sanftmut, grenzenloses Erbarmen gegeniiber dem Năchsten, vollige
Selbstvergessenheit, ausschliessliche Bindung an Gott und totale Uber-
gabe an Seinen W illen... Sie sind fur mich die lebendigen Zeugen der
Wahrheit der Verheissungen des Evangeliums bctrcffcnd die Heiligung
und Vergottlichung des Menschen durch die ungeschaffenen Energien
Gottes."^

' Nicht zu verwechseln mit Altvater Ephrem von Katounakia (s. Kapitei 2)
^ Archimandrit Ephrem, Abt des HI. Klosters Vatopedi, in seinem Vorwort zur
Biographie des Altvaters aus der Feder von Geronta Joseph von Vatopedi (s.
Bibliographie am Ende des Kapitels).
^ Jean-Claude Larchet, in seiner Einfuhrung zur franzosischen Ausgabe der Biogra­
phie von Aitvater Joseph (s. Bibliographie).
107

I. - Leben

7. MAAl/
A ltvater Joseph wurde 1898 auf der Kykladen-Insel Păros geboren,
Z v i m D orf Lefkes, und erhielt bei der Taufe den Namen Frankiskos.
Seine Eltern waren einfache und arme Leute, und die Kinder mussten
von kiein an mitarbeiten, um der Familie das Uberleben zu sichern. Der
Vater starb Iruhzeitig, und so gesellte sich zur Armut die Verwaisung.
Seine zutiefst gottesfurchtige Mutter, „wahrlich ein Israelit ohne Fehl",
wie er sie spăter zu charakterisieren pflegte, nahm ihn stets mit in die
einsamen Landkirchlein, von denen es auf der Insei unzăhlige gibt, um
die Ollămpchen zu richten und zu beten oder an der Gottlichen Liturgie
teilzunehmen. Sie wusste nămlich, dass das Kind fur Gott bestimmt war,
denn gleich nach seiner Geburt war ihr ein Engel erschienen und hatte ihr
zu verstehen gegeben, dass es nicht ihr gehorte, sondem dem Hen*n.
Als Frankiskos herangewachsen war, ging er als Gelegenheits-
arbeiter nach Pirăus. Nachdem er seinen Militărdienst in der Flotte
absolviert hatte, eroffhete er mit wenigen Erspamissen in Athen einen
Kleinladen, wurde Markthăndler und erwarb sich in kurzer Zeit eine
recht gute Situation. Tatkrăftig und voller Gute, war er jedem Unrecht
und Betrug abhold und achtete in seinen Geschăften stets auf
Sauberkeit. Er hatte einen starken Charakter und Heldenmut, eine
hochherzige und kămpferische Natur. „Ich nahm es mit Tausenden
a u f', sagte er einmal, „ich hatte das Herz eines Lowen, doch die Liebe
Christi machte mich zum Lamm.'"

2. F&n (7u%

In jenei* Zeit begann er Biicher iiber die Heiligen zu lesen. Besonders


fesselten ihn die Leben der grossen Asketen. Eines Nachts, im Jahr
1921, als er 23 Jahre alt war, hatte er einen seltsamen Traum. Er sah
sich vor einigen Palăsten stehen, und plotzlich kam ein Gardeoffizier
und fuhrte ihn in den Palast des Konigs. Dort wurde ihm gesagt: „Von
nun an wirst du hier dienen". Dann fuhrte man ihn zum Konig, damit er

7. Brief
108 xGvater Jo-sep/; vo/;

ihm die Ehre erweise. Er erwachte sogleich, und alles, was er in jenem
Traum gesehen und vemommen hatte, prăgte sich ihm so tief ein, dass
er nichts anderes mehr denken konnte. „Mein ganzer Zustand", erzăhlte
er spăter, „der innere wie der ăussere, ănderte sich totai. Nichts
Irdisches kiimmerte mich mehr, doch ich wusste nicht, was das
Gesehene bedeutete, noch was ich tun solite." Da wurde ihm von
Bekannten ein Buch geliehen, welches die Leben gros-
ser Heiligen enhălt, deren Feste in der Sommerzeit gefeiert werden.
Wie er es las, entbrannte in ihm ein solcher gottlicher Eifer, dass er es
nicht lănger ertrug, im Lărm der Welt zu verweilen. Er verliess die
Stadt und durchstreifte deren einsame Umgebung, vor aliem das nahe
Pentelikon-Gebirge. Dort lebte er einige Zeit wie ein Asket, in Fasten,
Wachen und Gebet, so wie es ihm mit seinen bescheidenen
Kenntnissen moglich war. Schliesslich begegnete er in Athen einem
athonitischen Monch, dem er das Versprechen abnahm, ihn bei seiner
Riickkehr auf den Heiligen Berg mitzunehmen. Dann ging er hin und
verteilte al Ies, was er hatte, als Almosen an die Armen sowie an seine
ebenfalls armen Angehorigen. Im gleichen Jahr 1921 verliess er,
zusammen mit jenem Monch, die Welt und ging auf den Athos.

Er begab sich direkt nach Katounakia, am sridlichen Felshang des


Athos, einem Gebiet, wo viele Asketen lebten. Zunăchst suchte er Alt-
vater Daniel ( t 1929) auf, den unvergesslichen Griinder und Vorsteher
der Ikononmaler-Gemeinschaft der Danieliden.' Doch sein brennendes
Verlangen nach Einsamkeit liess ihn nicht lange in dieser Gemeinschaft
verweilen. Wie der Hirsch, der durstet nach den lebendigen Wassem,
eilte er zu dem grossen Hesychasten Kallinikos ( t 1930)^, der ebenfalls
in Katounakia lebte, doch dieser Meister des inneren Gebets empfing
ihn nicht, denn die gottliche Vorsehung hatte, wie sich zeigen solite,
einen anderen Weg vorgezeichnet fur den Jungling. Enttăuscht, doch

' Sein Leben ist erschienen in dem 10 Hefte umfassenden Werk von Archimandrit
Chembim, IbyxQOveg AyLOQein,xeg MoQtpeţ, hrsg. vom HI. Kloster Paraklitou,
Oropos Attikis, 11. Aufl. 2002.
Engl. Ubers. St. Herman Press, Platina Ca. 1992.
^ Siehe ebenda, Heft 3 der griechischen Originalausgabe.
t09

ohne sein Vorhaben aufzugeben, zog dieser von Hohie und Hohte und
geiangte schliesslich nach Vigla, der asketischsten Gegend des Athos,
hoch iiber dem weiten Meer, wo er eine Zeitlang in der Hohie des
heiligen Athanasios des Athoniten, des Griinders der Grossen Lavra,
verbrachte, in der Năhe der rumănischen Skite Prodromou. Spăter
geselite er sich als Gast sozusagen, ais „Kaviotis" in der athonitischen
Sprache (Bezeichnung tur jemanden, der keinen reguiăren Status hat
ais Novize oder Monch), zu einem Greis, der in der Gegend in einer
Hritte wohnte. Doch dieser iegte ihm soiche Hindernisse in den Weg fur
sein ungestfimes und brennendes Veriangen nach der wahren EFasycAm,
dass er ihn eines Tages verliess und sich in eine Schiucht zunickzog, an
einen Ort, an dem er hăufig zu beten pfiegte.

Dort setzte er sich hin und weinte viele Stunden iang in seinem
fruchtlosen Bemuhen, ohne Ablenkung zu beten, und seinem
Unvermogen, einen geeigneten Fuhrer zu finden, der ihn in diese Kunst
einweihen konnte. Und alidieweil bat er Gott aus ganzem Herzen und
mit Schmerzen, ihn nicht zu veriassen.
„Ich ging dorthin am titihen Morgen und biieb, weinend und betend,
bis zum Nachmittag. Als ich endlich ganz erschopft war, begann ich
zum Gipfel des Athos hinzublicken, denn man konnte ihn sehen von
dort, wo ich war in der Schiucht, und insbesondere zum Kirchlein
unserer Herrin der Gottesmutter, das mir besonders lieb war. Wăhrend
ich dorthin blicke in meiner tiefen Betrubnis und Ratlosigkeit, sehe ich
plotzlich einen hellen Lichtstrahl ausgehen von dem Kirchlein und sich
ausbreiten tiber mich, und ich wurde ganz Licht und Wohlgeruch, mehr
noch, er war nicht nur um mich, sondem auch in mir, und da begann in
meinem Herzen das Gebet mit grosser Siisse von selbst sich zu sagen.
Dies bewirkte in mir eine soiche Verwandlung, dass ich nicht wusste,
ob ich noch lebte und auf der Erde war. Meine Sinne funktionierten
nicht mehr, noch auch vermochte mein Denken sich zu bewegen. Ich
sah bloss, mit Verwunderung und Entruckung, jenes blendend weisse
Licht, das in mir war - oder vielmehr, in dem ich war - und jene Srisse,
mit welcher das Gebet in meinem Herzen gesagt wurde. Mein Herz
sagte das Gebet von selbst, ohne Anstrengung, ohne Mtihe, und dies in
einem so harmonischen Rhythmus, dass ich mich wunderte, ob ich
allein war oder ob ich aus zwei Selbsten bestand.
110 d/tvuter von

Wie lange dieser Zustand andauerte, kann ich nicht sagen... Von da
an wich jene Gnade, das Gebet zu sagen, nicht mehr aus meinem
înnem. Zwar biieb sie nicht mit jener ubermăssigen Intensităt, doch die
Energie der Gnade biieb, und mit Gottes Huld sagt sich das Gebet ohne
Miihe und Anstrengung in mir. In der Foige bestand meine ganze
Anstrengung und Bemuhung darin, die geeignete Umgebung zu finden,
wo ich das Gebet ohne Unterbrechung sagen konnte. Von jenem Greis
ging ich weg und zog allein umher, dort wo keine Menschen waren und
wo keine Gesprăche mich abhielten vom Gebet. Besonders liebte ich
das Kirchlein unserer Herrin auf dem Athos oben, von wo mir so
Grosses geschehen war, und fast den ganzen Sommer liber biieb ich
dort. Ich fabrizierte kieine Handbesen aus Ruten vom Wald und brachte
sie in die Lavra, und sie gaben mir Trockenbrot dafur. So kam ich durch
und widmete mich aiiein dem Gebet."'

A UBc/* A/*se///ns
Doil oben auf dem Athos iemte er den um 12 Jahre ălteren Monch
Arsenios^ kennen, der fortan sein unzertrennlicher Gelahrte in der
Askese sein soiite. Dieser stammte aus dem Pont (Kleinasien), war aber
schon in seiner Kindheit mit seinei* Familie nach Sudrussland, genauer
gesagt in den Kaukasus ausgewandert, um der stăndigen Bedrăngung
durch die Tiirken zu entraten. Um 1910 pilgerte er ins Heilige Fand,
und wurde dort mit Altvater Hieronymos von Âgina bekannt, der
damals als Priester im Dienst des Patriarchats von Jerusalem tătig war2
Um 1918 wurde er im Kloster des 40-Tage-Bergs (bei Jericho) zum
Monch geschoren, und bald darauf begab er sich auf den Heiligen Berg,
wo er in das damals noch idiorhythmische Kloster Stavronikita eintrat
und das Grosse Gewand empfing. Doch auch er sehnte sich nach dem

' Aus dem Ersten Leben, verfasst von Altvater Joseph von Vatopedi im Jahr 1962 und
2005 erstmals veroffentlicht unter dem Titel Ortag X aptrog F/ureiptrg, Tfpovro^
o Ruuyatmig, Bioypcnpta - Avexdorr^ BjrturoAeg xat
TToui^ara (s. Bibliographie am Kapiteiende), S. 34-36.
^ Sein Leben, aus der Feder von Monch Joseph Dionysiătis, ist 2004 in Thessaloniki
erschienen unter dem Titel O Brpmv Apuevto^ o ^jn?A atm r^ (s. Bibliographie am
Ende dieses Kapitels).
^ Siehe n e ip o ţ Mjtotciig, Tepovrag* Aptuvu^og o Ruuyo;ur?)$' -nig* At/ivag*, Athen
2001 .
7. 111

hesychastischen Leben und zog sich zuriick auf die Hohen des Athos.
Durch gottliche Fiigung begegneten sich die beiden Liebhaber der
Stille um 1922 wăhrend der Agrypnie zum Fest der Transfiguration, die
alljăhriich in der Nacht vom 5. auf den 6. August in dem derselben
geweihten Kirchlein zuoberst auf dem Athos-Gipfel gefeiert wird. Sie
wurden sich einig, zusammen weiterzufahren in ihren Kămpfen, und
obwohl Frankiskos soviel jiinger und noch nicht Monch war, erkannte
Vater Arsenios seine aussergewohnlichen Făhigkeiten und sagte zu
ihm: „Von nun bist du das Auge und ich das Ohr."

6. T?c/ GL/vj-L/jA/'e/H /A/ssA/nr/r'r m 7/927-7922J

In Erkenntnis der Notwendigkeit, sich nicht ohne den Rat erfahrener


Altvater auf den Weg zu machen zu ihrem Ziel, suchten sie abermals
Daniel von Katounakia auf, und dieser riet ihnen, das Eremitenleben
nicht zu beginnen, ehe sie den Segen eines Altvaters empfangen hatten,
indem sie ihm gehorchten bis an sein Lebensende. In der Folge unter-
stellten sie sich einem herzenseinfachen und schweigsamen Asketen,
der in der Kalyva der Verkiindigung in Katounakia lebte, Gero-Ephrem
dem Fassbinder. Dieser suchte ihren Durst nach intensivem Gebet nicht
zu hindern. Nach kurzer Zeit verlieh er Frankiskos das Grosse Gewand
unter dem Namen Joseph, und dieser stiirzte sich mit gltihendem Eifer
in neue Kămpfe. Jeden Abend zog er sich in eine kleine Hohle zuriick,
wo er sich sechs Stunden lang ununterbrochen dem inneren Gebet hingab.
„Mein Ziel, nachdem Gott mich gewiirdigt hatte, Seine Gnade zu
schaucn," sagte er spăter, „war nichts anderes mehr, als mir Gewalt
anzutun und darauf zu achten und unablăssig damber zu wachen, dass
ich sie nicht nur nicht verlor, sondern iiberdies, dass ich sie vermehrte
- nicht ich, versteht sich, sondem sie selbst, von sich aus."
Deshalb hielt er sich fem von aliem, was ihn ablenken konnte, und
dies schuf oft Missverstăndnisse seitens der anderen Vater der Umge-
bung, die nicht akzeptieren konnten, dass dieser junge Asket den
Patronatsfesten der umliegenden Kellien femblieb und Kontakte mit
den anderen Vătem soweit wie moglich mied.

7. D/r* F7s7on r/cr r/rr*/ A m & r

Eines Nachts, als die anderen zu einer Agiypnie gegangen waren,


sass Joseph wiederum in seiner Hohle und sagte mit grosser Sorgfalt
das Gebet in seinem Herzen. „Da sehe ich den Ort von Licht und
112 v4Avater JogepA von NasycAo.s'?

Wohlgeruch erfullt, und plotzlich erscheinen vor mir drei wunder-


schone kleine Kinder, einander voiiig gleich in Grosse und Gestalt. Sie
waren sich so ăhniich, dass sie nicht voneinander zu unterscheiden
waren, auch nicht im geringsten kieinen Ding. Sie waren ausserdem so
schon und volier Anmut, dass mein Blick, mein Denken und mein
ganzes Wesen voiiig in Bann gezogen war von ihnen. Sie kamen auf
mich zu mit einem einzigen Schritt, mit einer einzigen Bewegung und
mit einem einzigen Rhythmus, und sangen auf hochst metodische und
klare Weise jene Worte, eins nach dem anderen: /Ar AA /7?r A?
CA/'Atn.s* worJew AoA/ a^gezogew, So
suss war ihre Stimme und so sehr drang sie in mich, dass ich ausser
mich kam und nicht mehr wusste, ob ich mich auf der Erde befand oder
gestorben war. Nachdem sie nahe zu mir gekommen waren, gingen sie
wieder ruckwăBs, ohne den Rucken zu wenden, und wiederholten den-
selben Hymnos, mit der gleichen wundersiissen Melodie. Als sie ganz
zuruckgegangen waren, begannen sie nach oben zu schreiten, wobei sie
mit ihrem rechten Hăndchen das Segenszeichen JarM-y
machten, so wie es der Priester tut, alle drei zur gleichen Zeit. Ich weiss
nicht, wie lange dies dauerte. Nach und nach schwăchte sich das Licht
ab, und mit dem Licht verschwanden auch jene. Als ich wieder zu mir
kam, begriff ich, dass viei Zeit verflossen war, denn der Wecker, den
ich in einiger Entfemung hatte, damit er wie gewohnt um die sechste
Stunde lăute, hatte schon lange gelăutet."
Als ihn seine Junger nach vielen Jahren, als er dies erzăhlte, fragten,
was er sich gedacht habe bei der Erscheinung der drei Kinder,
antwortete er: „Glaubt ihr denn, dass in solchen Augenblicken die
Sinne des Menschen funktionieren? Der G eisf ist gefesselt von der
Vision, und das nur verwunderte mich, wie sie so schon zu segnen
wussten, da sie doch so klein waren."
Doch je grossere Gnade er erfuhr im Gebet, desto grosser wurden
auch die Anfechtungen von aussen, sodass sich die kleine Gemeinschaft
schliesslich entschloss, an einen anderen Ort zu ziehen, wo sie Ruhe
finden konnten.

' Gal 3,27.


^ Griech. votlg.
])3

& //: r/cs ///. f792T-793ă9 -


J/c i^/YASSY'/: Aa/W/^/b

Um 1923 zogen die drei Văter von Katounakia in die hoher gelegene
stille Skite des HI. Basilios, wo sie sich unter viei Mtihe - Baumaterial
gab es kaum in jener Gegend, und alles musste auf dem Rucken von
weither herbeigetragen werden - eine Hiitte bauten. Gero-Ephrem
uberlebte den Umzug nicht lange. Nachdem er seinen beiden Jungern
seinen Segen gegeben hatte, entschlief er in Frieden zum Herrn. Von da
an ergaben sich Joseph und Arsenios noch strengerer Askese. Sie
wohnten nur im Winter in der Htitte und verbrachten den Sommer im

D;'e Aa/yva voa z'wJer

Freien, auf den Hohen des Athos oder in anderen entlegenen Gegenden.
Dabei bewahrten sie strenges Schweigen untereinander und emăhrten
sich nur von etwas Trockenbrot, das man ihnen in den Kldstern gab und
das sie am Abend zu sich nahmen. Einmal gab man ihnen ein Sack mit
Trockenbrot, das voller Wurmer war. Um die Segensgabe nicht zu
entweihen, indem sie das verdorbene Brot fortwarfen, und ausserdem
als zusătzliche Askese, emăhrten sie sich viele Wochen lang davon,
indem sie einfach die Essenszeit in die Nacht hinein verschoben, sodass
sie die Wurmer nicht sahen. Spăter fanden sie eine Pfanne und kochten
hin und wieder etwas Wildgemuse, das sie am Ort einsammelten. So
lebten sie in gănziicher Freiheit von irdischem Sorgen, um ganz zu Gott
hingewandt zu sein.
Nach acht Jahren solcher Kămpfe gaben sie dieses Wanderieben auf
und biieben das ganze Jahr hindurch in ihrer Hiitte in Agios Basiiios.
Damals ging Joseph durch eine Phase schwerer Anfechtungen, und da
begegnete er schiiesslich dem Meister, dem von alier Tăuschung freien
Fuhrer, den er seit iangem unter vieien Gebeten an Gott und vielen
Trănen gesucht hatte - Papâ-Daniei dem Hesychasten (ca. 1830-1930),
der in gănziicher Zuruckgezogenheit in der noch hoher gelegenen
Einsiedelei des HI. Petros des Athoniten in Kerasiâ lebte.' Dieser
Anachoret, den grossen Wustenvătern der Vergangenheit vergleichbar,
pflegte im Gebet zu verharren vom Sonnenuntergang bis Mitternacht
und dann sehr langsam, drei bis vier Stunden lang, die Gottliche
Liturgie zu zelebrieren, und dies stets unter vielen Trănen. Er lehrte
Joseph, wie man gegen die Versuchungen kămpft und ubermittelte ihm
seine Lebensregel, die er und spăter seine Jtinger als kostbares Erbe
bewahren sollten.
Eine Besonderheit von Altvater Joseph war, dass er sehr grossen
Wert legte auf die Einhaltung des Tagesprogramms und unter keinen
Umstăndcn davon abwich. Er pflegte den heiligen Ephrem den Syrer zu
zitieren: „Jene, die keine Ordnung haben, fallen wie die Blătter." Der
Hauptpunkt jenes Tagesprogramms war, dass um die Mittagszeit die
Vorbereitung fur die Nachtwache begann, sodass kein Besucher mehr
empfangen wurden, wer er auch sei und aus welchem Grund er auch
kam. Nachdem sie sich am Vormittag betend dem Handwerk - dem
Schnitzen von Holzkreuzen - hingegeben hatten, wurde die Tur am
Mittag rigoros geschlossen, und es wurde nicht mehr gesprochen. Jeder
sagte in seiner Zelle mit der Gebetsschnur den Vesper-Gottesdienst,
dann fanden sie sich zusammen zum gemeinsamen Mahl, dem einzigen
des Tages, dem kărglichen. Die Nachtwache selbst begann, nach
einigen Stunden der Ruhe, bei Sonnenuntergang und dauerte bis in den
fruhen Morgen. Viermal in der Woche wurde nach Mitternacht die
Gottliche Liturgie zelebriert, wăhrend der Zeit in Agios Basiiios vom
damals noch jungen Monchspriester Ephrem von Katounakia (s.
Kapitel 2), einem der engen Jtinger von Altvater Joseph. An den Tagen
ohne Liturgie pflegte der Altvater nach Mitternacht diejenigen zu emp­
fangen, die ihn zu sprechen wtinschten.

Uber diesen Asketen siehe O rcpMV AodEvmţ o XmActubinţ, S. 60-64.


/. Z,e&e?i H5

In jenen Jahren der schweren Piiifungen, sowoht von aussen, von


Vătem der Umgebung, die die beiden Asketen fur verbiendet und
veniickt hielten und sie verleumdeten, als auch von innen, den eigenen
Schwăchen, und schiiesslich von den Dărnonen, empfing Joseph auch
vieie grosse gottliche Trostungen, die ihm die Kraft gaben, seinen
Kampf fbrtzusetzen. Einmal, als er der Verzweiflung nahe war, machte
er sich mitten in der Nacht auf den Weg zu Papâ-Daniek Es war eine
Voiimondnacht. Er war so erschopft, dass er kaum gehen konnte. Da
vemahm er pldtziich wunderbaren Vogeigesang, wie er ihn nie zuvor
gehort hatte. Er wurde entriickt in das himmlische Jerusalem und kam
erst am fruhen Morgen wieder zu sich, so vollkommen getrostet und
von Freude erfullt, dass er in seine Hiitte zuriickkehrte, ohne Papâ-
Daniei aufzusuchen. Ein andermai, als er wiederum von grenzenlosem
Schmerz erfullt war, erschien ihm Christus lichterfullt am Kreuz und
sagte zu ihm, indem Er Sein Haupt beugte: „Siehe, wie Ich gelitten habe
fur dich." Und sein ganzer Schmerz verflog wie Rauch.
Deshalb pflegte er seinen Jiingem spăter einzuschărfen, nicht nach
Trostungen zu suchen um ihrer Annehmlichkeit willen, denn jede
Trostung wird um einen schweren Preis erlangt. Sie ist eine Stărkung
entweder im Hinblick auf bevorstehende Priifungen oder nach einem
erschopfenden Kampf. Das aber, was den Kămpfer voranbringt auf
seinem Weg, ist nicht die Trostung, sondem die Prufung selbst, wie alle
heiligen Văter lehren; „Ohne Prufung wird keiner gerettet."

Nach 1930 begann Altvater Joseph, seine ersten Jfinger anzunehmen:


seinen leiblichen Bruder Athanasios und zwei andere. Auch kamen
immer mehr Besucher, weshalb die Văter im Januar 1938 beschlossen,
um grosserer Ruhe willen in die Skite der Kleinen Heiligen Anna hin-
abzuziehen. Wie die fruheren Umzugc waren sie rasch vollzogen, denn
sie hatten nichts, was ihnen grosse Last bereit hatte - ein paar Biicher
und ihre Kleider. Sie liessen sich in mehreren nebeneinanderliegenden
Hohlen im Steilhang unterhalb der Skite nieder, wo sie wiederum eine
Hiitte bauten, unterteilt in winzige Zellen. Sie errichteten auch ein
Kirchlein zu Ehren des Heiligen Vorlăufers. Damals war Altvater
Josephs Gesundheit bereits schwer angeschlagen und er hatte Muhe
116 /tdvaferJo.s'epA vo?: 77eyMcAeK^

beim Gehen. Doch er liess sich nicht verdriessen und setzte seine
strenge Askese und sein Programm fort wie bisher.
Im Sommer 1947 gesellten sich mehrere Novizen zu den Altvătem,
einer davon war Joseph, spăter Biograpli von Altvater Joseph und
Gerontas des Athos-Klostcrs Vatopedi. Er schreibt: „Der Reichtum der
freiwilligen Armut, der den inneren Menschen mit der Empfindung der
Gegenwart Gottes erâillt, lăsst die Bedtirfnisse auf ein absolutes
Minimum absinken. Der Geist, der in der Seligkeit der Losung von
aliem schwimmt, Eieht soweit wie moglich die Sorge um das Viele,
und deshalb fanden wir, als wir 1947 herkamen, praktisch nichtsA Erst
nach langem Drăngen hatten die Altvater eingewilligt, Novizen
anzunehmen.

A/rcA/eA: de^ 7//. thr/d7</er^ M der ^Ade der A7. 77/. dnna

Ihr Durst, stăndig und ganz zu Gott gewandt zu bleiben, auferlegte


ihnen diese Zuruckhaltung, denn die Erfahrung hatte ihnen gezeigt,
dass nur wenige imstande waren, ihrer strengen Regel zu folgen. Nur
solche, die selbst das Raliber von grossen Kămpfem hatten, hielten es
aus bei ihnen.
tl7

„Er wollte, dass wir a)te unsere geistigen und korpertichen Krăfte in
den Dienst unseres asketischen Kampfes stellen. Er pflegte zu sagen:
' Was wir nicht Gott geben in unseren Kămpfen, wird der andere (d.h.
Satan) sich nehmen. Unser Herr gebietet uns, Ihn zu tieben mit unserer
ganzen Seele und unserem ganzen Herzen.'"
Trotz der Hărten, des Fehlens von ah dem, was das Leben des Men-
schen erteichtert und woran sich der modeme Mensch so sehr gewohnt
hat, rnochte keiner von ihnen diesen Hafen des Heits verlassen. Einer
davon schreibt: „Nie werde ich jene Tage vergessen. Sie waren wirklich
die schonsten meines Lebens. Wie gross ist meine Sehnsucht, jene
strahtenden und stillen Tage von neuem zu erleben! Indem wir in so
kiarer, reiner Weise lebten, sprangen unsere jugendlichen, arglosen
Seelen vor Freude, umhegt von jener grossen und wahrhaft văterlichen
LJmsicht und Liebe. Die Wachsamkeit des Altvaters, die Frtichte der
Dasyc/n'a und das Gefuhl der Sicherheit, das wir empfanden, gaben uns
die innere Gewissheit und Bestătigung, dass wir gefahrlos und mit
Zuversicht voranschreiten konnten. Denn eines ist, zu kămpfen und
sich zu muhen mit gutem Vorsatz und dem Wissen, das aus Buchem
stammt, etwas anderes aber, in der Năhe, neben einem Experten und
Lehrer zu leben, der gewissermassen jede deiner Bewegungen lenkt."
Was sie besonders beeindruckte, war die aussergewohnliche Făhig-
keit des Altvaters, die Heiligen Schriften auszulegen und die person-
liche Problematik eines jeden Fragestellers auf so wunderbare Weise zu
klăren und zu entwirren, dass es jenem ins Herz drang und alle
Dunkelheit daraus vertrieb, kraft der Gnade, die in ihm war. "Dann
riefen wir innerlich von Freude erfullt: Den /?<Mer wir ge/nnJen, vo/7
Ten? Mo.se .sprieAt hn Ge.se^z nnJ ^ie E/*opA eten(Joh 1,45)'
„Wir pflegten die ganze Nacht im Gebet zu wachen. Dies war unser
Typikon. Er verlangte, dass wir gegen Schlaf und fleischliche Gedan-
ken kămpften, unser 'Blut vcrgosscn' dabei. Er selbst wachte in der
Dunkelheit seiner winzigen Zelle, mit seinem unzertrennlichen Gefahr-
ten, dem inneren Gebet. Obwohl er in seiner Zelle in Klausur war,
wusste er genau, was draussen vorging und was wir taten. Mit einem
blossen Blick vermochte er unsere Gedanken zu lesen..."
Nicht nur seinen eigenen Jungem war er geistiger Fuhrer und Vater,
sondern gegen Ende seines irdischen Daseins auch manchen Asketen

Tepovrog Iworup Baiojmt,&voij, O fepovra^ o S. t31-132.


118 /h /v a to r Jo scp A von //esych a.s't

und Klostermdnchen ausserhalb seiner Gemeinschafit, auf dem Heiligen


Berg ebenso wie draussen in der Welt. Auch mit Monchinnen stand er
damais in regelmăssigem Briefkontakt, wie seine Briefe zeigen, und
unterwies sie in der echten monchischen Lebensweise.
Schweigen war ein bedeutsamer Teii der Askese des Altvaters. Er
redete nur, wenn es notig war, und dasseibe gait fur alle anderen der
Gemeinschaft. „Wenn er sah, dass wir geistige Stărkung notig hatten,
pflcgtc er uns von den wunderbaren asketischen Heidentaten der atho-
nitischen Văter zu erzăhlen. Er war ein fesselnder Erzăhier, und wenn
er zu sprechen begann, woiltest du ihm immerfort zuhoren.' Doch trotz
dieser naturlichen Gabe des Ausdrucks, wenn er zu uns iiber die gott-
iiche Erleuchtung und die verschiedenen Gnadenzustănde sprechen
woiite, zeigte er sich oftmais betriibt, denn die armselige menschliche
Sprache eriaubte ihm nicht, uns seine tiefgrundige Erfahrung mitzutei-
ien. Er blieb wie stumm, wie fem von uns, da er nicht iiber jene Dinge
zu sprechen vermochte, die auf dem ganz unfassbaren, iiberhellen
hochsten Gipfei des mystischen Wissens iiegen, da wo die einfachen
und absoluten, die unwandelbaren und unaussprechlichen Mysterien
der Theologie sind."^
„Er war ein echter Gotttrăger, ein geistiger Fuhrer erster Gute,
ăusserst erfahren im K am pf gegen die Leidenschaften und die
Dămonen. Es war unmdglich, dass einer, der zu ihm kam und bei ihm
blieb, nicht geheilt wurde von seinen Leidenschaften, wie zahlreich
und hartnăckig sie auch sein mochten, vorausgesetzt, dass er ihm
gehorchte."^
Der Altvater lehrte seine Monche unentwegt, dass Gehorsam von der
Art, in welcher Christus Seinem himmlischen Vater gehorchte
(ge/?07is'<3/7! bA m 7otf, Jen 7oJ WreMz), im geistigen Leben
wichtiger ist als alles andere. Er eriaubte seinen geistigen Kindem, die
in der Welt lebten, das innere Gebet zu praktizieren, doch nur unter der
Fuhrung solcher, die erfahren waren hierin, denn er hatte viele
Tăuschungen gesehen in dieser Hinsicht und war sehr vorsichtig

' Obwohl der Altvater keinerlei hohere Schulbildung hatte, sprach er vorzuglich in
ĂiaAarevoM^a, der gehobenen griechischen Sprache seiner Zeit. Dies belegen auch
seine Schriften („H Aexdtptnvog ZotXjtty^", Briefe, Gedichte, s. Bibliographie am
Kapitelschluss).
^ Altvater Ephrem von Philotheou in seinem Vorwort zu den Briefen von Altvater
Joseph (s. Bibliogr.).
Ebenda.
7. Ze&ew 119

geworden. Oftmals sagte er zu uns. 'Wenn du jemanden siehst, der


nicht um Rat fragt oder den erteiiten Rat nicht beachtet, dann sei darauf
gefasst, dass er bald der Tăuschung verfailt/'
„Die Reinheit des Altvaters war wirklich erstaunlich. Ich erinnere
mich, dass seine Zelle, wenn ich sie in der Nacht betrat, von Wohlge-
ruch erfullt war. Ich spurte, wie der Duft seines Gebets a) ie Dinge um
ihn durchdrang und nicht nur unsere inneren Sinne beriihrte, sondem
auch die ăusseren. Wann immer er zu uns iiber die Reinheit von Seele
und Leib sprach, nahm er die AHheiiige Gottesmutter zum Beispiei.
'Ich kann euch nicht schiidem', sagte er, 'wie sehr die P<37?<?g7<3 Keusch-
heit und Reinheit liebt, denn sie ist die einzige Reine Jungfrau, und des-
haib wiii sie und liebt sie, dass wir aiie rein sin d ...' Die Liebe des
Altvaters fur die Gottesmutter lăsst sich nicht beschreiben. Sobald er
auch nur ihren Namen nannte, stromten Trănen von seinen Augen." Sie
erschien ihm mehrmals in Visionen, und sie auch war es, die ihm am
Ende seines irdischen Daseins seinen Hingang ankundete.

70. /w AEt/r*;:

1951 zogen die Văter abermals um, und zwar in die Neue Skite
(Nea Skiti) nahe beim Meer, wo die klimatischen Verhăltnisse
ertrăglicher waren fur die Jungmonche. Um Altvater Joseph und seinen
M itasketen, A ltvater Arsenios, hatte sich m ittlerweile eine
Gemeinschaft von sieben engen Jungern versammelt, die fur die
weitere Entwicklung der Athos-Kloster von entscheidender Bedeutung
werden solite. Die meisten von ihnen wurden entweder Âbte dieser
Kloster oder bildeten Jfinger heran, die Âbte wurden und in ihren
Gemeinschaften eine tiefgreifende geistige Emeuerung herbeifuhrten.
Doch wăhrend sich mit diesem neuerlichen Umzug die Verhăltnisse
besserten fur die Jungen, verschlechterten sie sich fur den Altvater. Mit
seiner Gesundheit ging es rasch bergab. Sein ganzes Leben lang als
Monch war er krank gewesen, doch nun wurde sein Zustand fast uner-
trăglich. Wenn ihn seine Jfinger besorgt zur Schonung seiner selbst zu
bewegen suchten, pflegte er zu sagen: „Kinder, offnet nicht den Weg
fur die Krankheit des Sorgens!" Und als ihn einer von ihnen fragte,
warum er denn selbst jetzt noch so streng faste, wo er doch vollig

Ebenda.
t20

d/frale?- Jo^epA ^;YzenJ, w?zY^oc^) w;7 M;Yg/;'e&rH ^efMer Gemez'nycAq/?.'


vow /wG nac/i rec/;&.'
t^: ye;'n /e;T)/7'cAe7*37'M<7er,' F/: EpA/vw;, ^paYe7'^Al von PMolAeoM/
yt/lvclerd^^eM /o^, JoyepA (IspaYe?' Ge^'o/ila^ W7? t^loped;^), ^e;n .Bzogvap/?.'
!^-. 777gopA;7a^o^,' [7: CA a/*a/am po^ 3pâYery4&?WHD;'ony.M'oM.

erschopft sei, antwortete er: „Jetzt, mein Kind, faste ich, damit unser
gutei* Gott euch Jungen Seine Gnade schenke."
Er konnte sich kaum noch bewegen und litt sehr unter Atemnot. Er
hatte kaum noch Biut, und wenn es geschah, dass er sich schnitt, floss
Wasser aus der Wunde. Die geringste Anstrengung ermiidete ihn sehr.
Doch bei alledem empfand er in sich soiche Freude und Seiigkeit, dass
er keine Worte fand, es auszudriicken. Er sagte, "etwas wie das
Paradies" sei in ihm. A uf seinen Auszug aus dieser Welt wartete er mit
freudiger Ungeduld und bereitete sich darauf vor wie auf ein Fest.
7. 121

77. 777/!^o/:^ &"t

Wăhrend der Agrypnie zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter,


am 14. August 1959, nahm er unter grosser Anstrengung teii am Chor-
gesang. Nachdem er in der Morgendămmerung des 15. August die
Gdttliche Kommunion empfangen hatte, setzte er sich im H of des
Kellions nieder, und als er allen Jungem seinen Segen erteilt und sie
weggeschickt hatte, rief er seinen treuen Gefahrten, Altvater Arsenios,
zu sich. Er nahm seine Hand und sagte zu ihm: „Alles ist vollendet. Ich
gehe, ich breche auf. Eu^oyetie!" Mit diesen Worten ubergab er seine
geheiligte Seele in Gottes Hand.
„In uns", schreibt einer seiner Junger, „verbreitete sein Hingang das
Gefuhl der Auferstehung. Wir hatten zwar einen Toten vor uns, und
Trauer wăre am Platz gewesen, doch in unserem Inneren erlebten wir
die Auferstehung. Dieses Gefuhl hat uns bis heute nicht verlassen."'

Altvater Joseph hinterliess der heutigen Welt nicht nur das Beispiel
seines heldenhaften geistigen Kampfes, sondem auch eine Anzahl
Schriften, vor aliem seine 7Me/b, gerichtet an seine geistigen Sohne
und Tochter - Monche, Monchinnen, Kleriker und Laien - ausserhalb
des Athos, die zu einem neuen Standardwerk der orthodoxen Literatur
geworden sind.

Altvater Ephrem von Philotheou, in seinem Vorwort zum Buch Fepoviog Imopcp,
122 T/tvaterdo^ep/i vou TTevrcAas't

II. - Lehren'
„Durch seine Kămpfc und Prufungen erlangte der selige Altvater Joseph in
unseren Tagen die Erfahrung der heiligen Asketen Christi aller Zeiten. Deshaib
enthalten seine Lehren nichts Neues, sondem bestătigen jene der heiligen Văter
vor ihm. Sie zeigen den heutigen Gottsuchem, dass der von den Heiligen der
alten Zeit vorgezeichnete Weg seine ganze Giiltigkeit bewahrt."^

l ^ \ i e Flut der Gedanken erstaunt meinen Sinn:


stammelt meine Zunge, da sie nicht vermag,
ihr im Aussprechen der Worte zu folgen.
Strome von Tau entsprudein unaufhaitbar
den Rohren des Geistes,
doch in unseren Tagen ist wenig Ackerboden da.
Der Schătze unseres Herrn sind viele,
doch wenige der Erben, leider.
Sie zu erben, erheischt blutigen Kampf,
hier aber herrscht Trăgheit.
So sehe ich mich genotigt,
die Rinnen zu ofînen zur Welt,
denn es besteht HofFnung,
dass reine Seelen das Wort annehmen werden
und auch mir Nutzen wird aus dem Lohn der Liebe.
So vemehmt denn meine Worte,
schenkt mir euer G ehor..."

Des Menschen Bestimmung


Fr/e/"2, un emenj'MMgen Mens'cAeM m der WF/t)

/ ^ r o s s e Freude bereitete mir dein Eifer, deiner Seele wohlzutun.


Auch mich diirstet, jedem Bruder wohlzutun, der das Heil sucht.
Deshaib, mein teurer und geliebter Bruder, oftne deine Ohren.

' Die hier folgenden Texte sind den Briefen des Altvaters entnommen. Siehe Biblio-
graphie am Schluss des Kapitels.
^ 15. Aug., S. 722. Hrsg. K.l. HI. Johannes d. Vorl., Chania 2006.
//. L<?/?/*(? )23

Des Menschen Bestimmung, vom Augenblick seiner Geburt in dies


Leben hier, ist, Gott zu tinden. Doch er kann Gott nicht finden, wenn
nicht Gott Seibst zuerst ihn findct. /A/n Aben w/'r nnJ ^ewegen wir
Da die Leidenschaften jedoch die Augen unserer Seeie
verschiossen haben, sehen wir nichts. Wenn aber unser tiberaus guter
Gott Sein iiebendes Auge zu uns hin wendet, erwachen wir wie aus
dem Schiaf und fangen an, unser Heii zu suchen.

7, aw

Gott ist der Anfang und das Ende. Seine Gnade ist es, die alles wirkt.
Sie ist die treibende Kraft. Die Liebe wirkt durch das Haiten der Gebote.
Wenn du aufstehst in der Nacht und betest, wenn du den Kranken siehst
und ieidest mit ihm, die Witwe und die Waisen, die Betagten, und
Erbarmen hast mit ihnen, dann liebt dich Gott. Und dann iiebst auch du
Ihn. Er ist es, der zuerst liebt und Seine Gnade ausgiesst. Und wir
geben Ihm zurtick, was wir von Ihm empfangen haben, Deme von

Drei Stufen des gelstigen Lebens

7?n'e/*2, an

l ^ \ a s geistige Leben gliedert sich in drei Stufen, und analog zu


J -V diesen wirkt auch die Gnade im Menschen.
Die erste Stufe ist jene der EdMterMMg. Hier wird der Mensch
gelăutert. Was du jetzt hast, ist die Gnade der Lăuterung. Diese fuhrt
den Menschen zum SinneswandeU Der ganze Eifer, den du hast fur
geistige Dinge, kommt von der Gnade. Nichts ist dein Eigenes. Sie ist
es, die im Verborgenen alles wirkt. Wenn du dir Gewalt antust, bleibt
diese Gnade in dir fur einige Jahre. Wenn der Mensch voranschreitet
durch das innere Gebet, empfangt er danach eine andere Gnade, die
sehr verschieden ist von dieser h ier...
Diese andere Gnade wird Gnade der Fr/eMcAmng genannt. A uf dieser
Stufe empfangt einer das Licht der Erkenntnis und wird erhoben zur

' Apg 17,28


- Griech. ireidvom.
124 A/OWer JosepA von Re^ycAoMt

Anschauung' Gottes. Nicht Lichter, nicht Phantasien, nicht Bilder,


sondem Erhellung des Geistes, Reinheit der Gedanken, Tiefe des
Erkennens. Damit dies kommen kann, muss der Betende in grosser
Stiile leben und einen zuverlăssigen Fiihrer haben.
Die dritte Stufe - Uberschattung durch die Gnade - ist die Gnade der
Sie ist ein grosses Geschenk. Hieruber will ich dir jetzt
nicht schreiben, wei) es nicht notwendig ist. Wenn du daruber iesen
wiilst, so verschaffe dir ein kieines Werklein, das ich in meinem
Anaiphabetentum von Hand geschrieben habe,
Beschafte dir auch den heiligen Makarios sowie Abba Isaak,
und du wirst grossen Nutzen finden.

Gottlicher Koder

e in e n y M n g m d n c A , d e r ^ o e A e n d fe A W H jp / A a A n A e tre to w A o t , R n 'e / *3 )

T ^ \ie gottliche Gnade, mein Kind, ist wie ein Koder, der in die Seeie
J-^/kom m t und den Menschen ohne Gewait zu den hohen und
hoheren Dingen zieht. Sie weiss uns vernunftbegabte Fische zu fangen
und sie aus dem Meer dieser Welt zu ziehen. Doch was geschieht dann?
Nachdem Gott den Anwărter auf das Monchsleben aus der Welt
genommen und ihn in die Wildnis gebracht hat, zeigt Er ihm nicht
sogleich seine Leidenschaften und Versuchungen. Er tut es erst, wenn
er Monch wird und Christus ihn bindet mit der Gottesfurcht. Nun
beginnt die Prufung, der Kampf und das Ringen.

Demut

Fne/"3, an

ute Taten, Almosen und alle anderen ăusseriichen guten Dinge ver-
mogen den Dunkel des Herzens nicht zu mildem. Geistige Arbeit,
der Schmerz der Reue, Zerknirschung und Demut, diese sind es, die
den rebellischen Geist unterwerfen.

' Griech. Gempta.


^ „Vom Geist bewegte Posaune", enthalten in der griechischen Originalausgabe der
Biographie des Altvaters (s. Bibliographie am Kapitelschluss).
//. Le Are 125

Nur mit grosster Gedutd seitens der Aitvăter und mit der Nachsicht und
der Liebe der Briider konnen halsstarrige Jtinger zu sich kommen.
Doch siehe: Oftmals sind auch sie so nlitzlich wie eine rechte Hand.
Und fast immer falit es jenen, die irgendeine Gnadengabe mehr haben
als die anderen, besonders schwer, sich zu erniedrigen. Sie halten sich
fur etwas und die anderen fur nichts.

Viei harţe Arbeit und Geduld ist mithin notig, bis das alte Fundament
des Hochmuts ausgegraben und die Demut sowie der Gehorsam Christi
als neues Fundament gelegt ist. Doch wenn der Herr ihre Anstrengung
und ihre gute Absicht sieht, lăsst Er zu, dass eine Prufung tiber sie
komrnt, die ihrer Leidenschaft entgegenwirkt, und in Seiner Barmher-
zigkeit rettet Er auch sie, denn Er will, <^//c gereffef we/r/c/r

Schon wăre es, wenn alle einen guten Charakter, Demut und Gehorsam
hătten. Doch wenn es vorkommt, dass einer von Natur aus hărter ist als
Eisen, soli er nicht verzweifeln. Er muss kămpfen, doch mit der Gnade
Gottes wird er siegen. Gott ist nicht ungerecht, sodass Er mehr
verlangen wurde, als Er gegeben hat. Gemăss den Gaben, die Er gab,
verlangt Er Gegenleistung.

Tlrie/* 77, aw eine ATo'ncAHp

Sprich nicht mussig liber die Demut, sondem werde wie Unrat, auf den
die Menschen treten, wenn du willst, dass Christus dich besucht.

Talente

X Ton Anbeginn der Schopfung teilte Gott die Menschen in drei


V Klassen. Dem einen gab Er funf Talente, dem anderen zwei, dem
dritten eins.' Der erste hat die hochsten Gaben: er hat grossere geistige
Făhigkeiten und man nennt ihn „von Gott belehrt", weil er unmittelbar
von Gott empfangt, ohne Belehrung durch andere, wie der heilige
Antonios der Grosse, der heilige Onuphrios, Maria von Âgypten, Kyrill
Phileotis, Lukas vom Steirion und Tausende anderer, die in den alten
Tagen die Vollkommenheit erlangten, ohne einen Fiihrer zu haben. Der

Siehe Mt 25, 14 ff.


126 ^ttv ater JoyepA von NasycAa.s'?

zweite muss bclchrt werden uber das Gute, damit er es tut. Der dritte
aber, selbst wenn er hort, selbst wenn er lemt, verbirgt die Gabe in der
Erde. Er tut nichts.

Setbsterkenntnis

T ^ \esh alb geht a)lem anderen das „erkenne dich selbst" voran. Das
.L /h e is s t, du solist dich erkennen, so wie du in Wirklichkeit bist, nicht
so wie du meinst, dass du seist. Mit dieser Erkenntnis wirst du zum
weisesten der Menschen. Mit dieser Erkenntnis erlangst du Demut und
empfangst Gnade vom Herrn.

Wer hat den Teufel besiegt? Jener, der seine eigenen Schwăchen,
Leidenschaften und Măngel erkannt hat. Wer sich furchtet vor der
Selbsterkenntnis, bleibt dem wahren Wissen fem, und er liebt nichts
anderes, als Fehler in den anderen zu sehen und sie zu verurteilen. Er
sieht in den anderen keine Gaben, sondem nur Măngel. Und in sich
selbst sieht er keine Măngel, sondem nur Gaben. Dies ist wahrlich die
Krankheit, die uns Menschen des Achten Âons' plagt - dass wir die
Gaben der anderen nicht anerkennen. Dem einzelnen Menschen fehlt
vieles, doch die vielen zusammen haben alles. Was der eine hat, fehlt
dem anderen. Wenn wir das anerkennen, werden wir sehr dcmutig.
Dann ehren und verherrlichen wir Gott, Der die Menschen auf
mancherlei Weisen geschmuckt und Ungleichheit gezeigt hat in allen
Seinen Geschopfen. Nicht so wie die Gottlosen meinen, die alles
gleichschalten und Gottes Schopfung auf den Kopf stellen mochten. A?
jfbAAeit Aot Gott o/A?.s'

Deshalb, mein Kind, jetzt, da du noch am Anfang stehst, sieht zu, dass
du dich selbst erkennst, sodass du die Demut zur festen Grundlage
nimmst. Sieh zu, dass du Gehorsam lemst und das Gebet erwirbst. Das
FForr Jos'M.s' CAfAtuv, gr&n'oio D/'c/t wetner werde dir zum Atem. Lass
deinen Geist nicht untătig, damit du nicht Schlechtes lemst. Gestatte dir
nicht, auf die Fehler der anderen zu blicken, denn so wirst du, ohne

' Nach den Heiligen Vătem ist das Achte Aon das Zeitalter, das dem Erscheinen des
Antichrist unmittelbar vorangeht.
i Siehe Ps 103,24.
7/. 7 <?/:/*<? 127

dass du es merkst, zum Mitstreiter des Bosen und kommst nicht voran
in der Tugend. Werde nicht aus Unwissenheit zum Verbiindeten des
Feindes deiner Seeie!

Wir kămpfen nicht mit einem Menschen, den du auf viele Arten
umbringen kannst, sondem mit den Măchten und Fursten der Finstemis.
Und diese werden nicht besiegt mit Lutschbonbons und Kuchen,
sondem mit Stromen von Trănen, mit Seelenschmerz bis zum Tod, mit
tiefster Demut und grosser Gedutd. B)ut muss fiiessen vor Ubcrmudung
im Gebet. Du musst zusammenbrechen vor Erschopfung wochenlang,
ais wărst du emstlich krank. Und du darfst nicht aufgeben, bis die
Dămonen geschlagen sind und weichen. Dann wirst du die Freiheit von
Leidenschaften eriangen.

Deshaib, mein Kind, tu dir Gewalt an von Anfang an, um einzutreten


durch das enge Tor, denn es aiiein fuhrt in die Weite des Paradieses.
Beschneide deinen EigenwiHen jeden Tag, zu jeder Stunde, und suche
keinen anderen Pfad ais diesen. Dies ist der Pfad, den die Heiiigen
Văter gingen. Enthuile deinen Weg dem Flerm, und Er wird auch dich
fuhren. Enthuile deine Gedanken deinem Altvater, und er wird dich
heilen. Verbirg nie einen Gedanken, denn in diesem verbirgt der Teufei
seine List. Sobaid du ihn offeniegst, verschwindet er. Enthuile nicht
den Fehier eines anderen, um dich selbst zu rechtfertigen, denn sonst
wird die Gnade, die dich bis dahin bedeckte, sogieich deine eigenen
Fehler aufdecken. In dem Masse, wie du deinen Bruder in Liebe
deckst, wird die Gnade auch dich wărmen und behtiten vor den
Verleumdungen der Menschen.

Wisse mit Genauigkeit, dass der Anfang des unverfalschten Weges


Gottes und das Kommen alles Guten dies ist: dass der Mensch seine
eigene Schwăche erkennt. Und damit er sie erkennen kann, muss er in
grosse Versuchungen kommen, die seine Krăfte ubersteigen. Ohne
solche uber die Natur hinausgehende Versuchungen vermag er die
Schwăche der Natur nicht zu erkennen. Und wenn er sie erkannt hat,
hat er alles erkannt, und alles wird ihm in die Hănde fallen. Dann ist die
wahre Demut nahe. In dieser ist auch die Geduld. Auch die Erkenntnis
der Mysterien hat er empfangen, und er wird bcschutzt durch die
Unterscheidung. Und von der Liebe empfangt er die UAU/zte Jar
128 T /ralerJo ^ep A vo/;

Ggisias' - Ar<?:;</e, ErieEe^, Aungru/t, G /u u /er. E/?i/;u/i.s'u/u-


/gii.'

Die Năhe Gottes

B/le/ddl

Ţ ^ \e m Menschen am năchsten ist Gott. Keiner ist ihm năher als Gott.
- L / I n /A/?! /e /e r wir :m</ Ren ege/: wi/* ;/r.s/ In Seinen Armen sind wir
allezeit. Deshalb konnen wir mit jedem Atemzug zu Ihm rufen mit
einem inneren Ruf: „Mein Gott, wo bist Du! Eile mir zu helfen, steh
mir bei, behtite mich! O mein Jesus, erbarme Dich!"

Rn'e/ 7^1

Du rufst zu Ihm: „Wo bist du, mein Gott?" Und Er antwortet: „Hier bei
dir bin Ich, mein Kind! Bei dir bin Ich allezeit." Sowoh) innen als auch
aussen, oben und unten, wo immer du dich hinwendest, rufen alle
Dinge: „Gott!" //? /Am /e /e r wir u/Mi Aewugen wir Wir atmen Gott,
wir essen Gott, von Gott sind wir umhullt. Alle Dinge besingen und
segnen Gott. Die ganze Schopfung verkundet mit lauter Stimme Seinen
Lobpreis. Alte beseelten und unbeseelten Geschopfe sprechen auf
wunderbare Weise und verherrlichen den Schopfer. d/ie/* d/em /o /e Jun
//e r r n f

Lies das Alte Testament mit Ehrturcht, und du wirst gottlichen Nektar
des Glaubens und der Liebe daraus gewinnen. In diesem sprach Gott
unmittelbar zu den Menschen, und die Engel lenkten sie.

Das Heilige Evangelium trage allezeit in deiner Tasche, und wenn du


eine kleine Gelegenheit Endest, lies einen Abschnitt. So gibt dir
Christus Licht und fuhrt dich zum Halten Seiner Gebote. Er fugt hinzu
zu deiner Liebe und leitet dich an, Ihm nachzufolgen.

' Gal 5,22.


' Apg 17,28.
' Ps. 150,5.
//. LeAre 129

Die Anfănge des Gebets

(14M.y g ln e w F r / e / * a n e ;'n e n J A n g / A z g , J e r i'Aw A le n '/ A e r Ae /l*ag ^ A a M e J

A A Fillst du das innere Gebet erlangen, dann tu dir Gewalt an, damit
V V du ohne Unterlass das Gebet mit dem Munde sagst. Am Anfang
sag es rasch, damit der Geist' nicht Zeit findet, ablenkende Gedanken
zu forrnen. Achte allein auf die Worte AVer/' ./as'M.s' CArAmy,
D?*c% /m'cA. Wenn man das Gebet tiber eine iange Zeit hinweg mit
dem Munde sagt, gewohnt sich der Geist daran und beginnt es
schliessiich selbst zu sagen. Da wird es fur dich so sfiss, als hăttest du
Honig in deinem Mund, und du willst es immerfort sagen. Wenn du
aufhorst damit, fuhlst du dich sehr betriibt.

Das Gebet soh innerlich gesagt werden. Doch da der Geist am Anfang
nicht daran gewohnt ist, vergisst er, das Gebet zu sagen. Deshalb sagst
du es zuweiien mit dem Mund, zuweilen mit dem Geist. Dies tue, bis
der Geist davon gesăttigt ist und die Gnade zu wirken beginnt inwendig.
Was die Zeit des Gebets angeht: Da du in der Welt lebst und fur
mancheriei zu sorgen hast, bete, wann immer du Zeit fîndest dafur.
Doch tu dir stets Gewalt an, sei nicht nachlăssig.

-Bn'e/' 72. an elne Ato'ncAA:9

Um den inneren Menschen zur Entfaltung zu bringen, um Frieden zu


finden von den Leidenschaften, und um die Frucht deines guten Werks
zur Reife zu bringen, muss alles begleitet sein vom fortwăhrenden und
ununterbrochenen inneren Gebet. Wăhrend deiner Arbeit, sag das
Gebet ohne Unterlass, entweder mit dem Mund oder im Geist.

(14:^ F n ' e / * a n e/wen

Gott schenkt seine Gnade je nach der Absicht eines jeden. Wenn einer
das Gebet ohne Reumut sagt, wird entweder das Gebet aufhoren oder
der Betende wird in Tăuschung fallen.

Es geht nicht bloss darum, das Gebet zu sagen, sondem auch darum,
dass du dich vorsiehst. Dass du wachst tiber die Gedanken, sie lenkst

Griech. voâg
130

mit grossem Geschick. Sonst werden sie es sein, die dich ienken, und
am Schiuss wirst du zum Gespott der Dămonen. Ich habe nie eine
Seeie gesehen, die Fortschritte machte im Gebet ohne aufrichtiges
Bekenntnis der verborgenen Gedanken.

Beichte

A'Y Fillst du, mein Kind, den K opf der Schlange zertreten? Bekenne in
W der Beichte aufrichtig deine Gedanken. In der Bosheit der
Gedanken steckt die Kralt des Teufels. Hăltst du sie zuriick? Er
versteckt sich, Bringst du sie ans Licht? Er verschwindet. Und dann
Ireut sich Christus, das Gebet kommt voran, und das Licht der Gnade
heilt und befriedet deinen Geist und dein Herz.

(14tMBn'e/"67)

Die Beichte ist eines der sieben Mysterien unserer Kirche. Ohne
Beichte zăhlt die Reue nicht, und ohne Reue kann keiner gerettet
werden.

Wenn ein Mensch beichtet, wird seine Seeie gereinigt, sodass sie fun-
kelt wie ein Diamant.

Der Kampf gegen die Dămonen

(14M^ Fn'e/*36, aw MoMcA/Q

Ţehmen wir ein Beispiel: Am Meeresufer ist eine Quelle, die reines
1 i Wasser spendet. Plotzlich entstehen hohe Wellen, und das Meer
triibt mit seinem Wasser unsere kleine Quelle. Nun sieh zu, wie du, so
klug du auch sein magst, das Wasser der Quelle scheidest vom
Meerwasser. Dasselbe geschieht mit dem Geist.
Achte sorglaltig auf das Folgende: Die Dămonen sind Geister. Deshalb
sind sie verwandt mit unserem Geist' und ihm ăhnlich. Der Geist als

Griech.: pe io Lbotov pag nveupa, iov vonv.


7/. LeAre 131

Emăhrer des Herzens - denn er bringt die Wahmehmung und Erkennt-


nis jeder inneren Bewegung zum Herzen, das sie sichtet und weitergibt
an die Vemunft - wird von ihnen getăuscht in derselben Weise, wie die
Quelle in unserem Beispiel vom Meer verschmutzt wurde. Das heisst,
der unreine Geist verschmutzt insgeheim den Geist des Menschen, der
das, was er hat, wie gewohnt an das Herz weitergibt. Wenn das Herz
nicht rein ist, gibt es den Schmutz weiter an die Vemunft. So wird die
Seeie verdunkelt und geschwărzt. Von da an empfangt sie statt wahrer
Betrachtungen unablăssig Phantasien. A uf diese Weise entstanden alle
Verblendungen und Hăresien.
Doch wenn der Mensch von der Gnade erfullt ist, stets Vorsicht
bewahrt, niemals tollkuhn wird und nicht auf sich selbst vertraut,
sondem allezeit Furcht in sich trăgt bis ans Ende des Lebens, dann wird
er, wenn der Bose sich naht, bemerken, dass etwas Anomales vor sich
geht, dass etwas Storendes da ist. Und dann sucht der Geist, das Herz,
die Vemunft, die ganze Kraft der Seeie Denjenigen, Der zu retten
vermag. Denjenigen, Der alles aus dem Nichtsein ins Sein gebracht hat
und ein jedes Ding genau kennt. Denjenigen, Der ffb&s'er von '
zu scheiden vermag. Und indem du innig zu Ihm rufst unter vielen
Trănen, wird die Tăuschung aufgedeckt und du lemst, auf welche
Weise du dich dem Trug entziehst. Nachdem du solches viele Male
erfahren hast, wirst du ein „erfahrener'" Mensch. Dann dankst du und
verherrlichst Gott ohne Ende, fhn, Der uns den Geist offnet, sodass wir
die Fallen und Kniffe des Bosen erkennen und sie meiden konnen.

Wenn einer dem Trug zum Opfer gefallen ist, besteht die Mdglichkeit,
dass er befreit wird, indem er einem in diesen Dingen Erfahrenen
gehorcht, sodass der Bose die Kontrolle verliert liber ihn. Deshalb răt
und tiberzeugt der Teufel denselben, keinem anderen mehr zu glauben,
keinem anderen je zu gehorchen, sondem von nun an nur seinen
eigenen Gedanken zu folgen und nur auf sein eigenes Urteil zu ver-
trauen. In dieser demutslosen Gesinnung nistet der gewaltige Egoismus,
der luziferische Hochmut der Hăretiker und aller Verblendeten, die
nicht zur Wahrheit zuriickkehren wollen. Moge unser Christus, Der das
wahre Licht ist, einen jeden, der zu Ihm kommen will, erleuchten und
seine Schritte lenken.

' Vgl. Gen 1,6.


^ Griech. jcpaxuxdţ
t32 ztAvafe/Do.s'epA vow

Warnung vor Hăretikern

Fn'e/"<$0, a/: ewen jungen Men^cAe/; ;'w<7er

Q ei vorsichtig, mein Rind, nimm dich in Acht vor den Hăretikern,


l^ d c n n du tebst unter fremden Volkern und Sprachen... Sprich
iiberhaupt nicht mit ihnen, denn dein reines Seelchen wird vemnreinigt
durch ihre lăstemden Worte. Die Orthodoxc Kirche hat sie ausgestossen.

Weittiche Gesinnung

^4:^ Fr;'e/"47, ar ewe A/oHc/an)

Ţ ^ \u batest mich, unseren Freunden einen Brief zu schicken. Doch da


J -v k e in e Grundiage vorhanden ist, keine Bercitschaft der Seeie,
was kann ich tun? Sie mussen fragcn, um zu lemen, dann werde ich
antworten. So aber schlagen wir bioss leere Luft. Einer will schreiben,
doch er fragt nicht, was seine Seeie betrifft, seine Stinden, seine Fehler,
wie er sie berichtigen kann. Er sagt bioss: „Was gibts Neues"! Selbst
der Herr sagt uns nicht, wir sollen jenem geben, der nicht bittet. Er sagt
vielmehr: D er <A'cA AEte/, g/'A.' Tausende von Seelen bitten um
unseren Rat, und Gott verlangt, dass wir ihn geben. Denjenigen aber,
die nicht bitten, hilft mehr das Gebet. Lasst uns beten fur sie, damit sie
zur Vemunft kommen. Dann werden auch sie Rat suchen. Und wir
werden ihnen, mit Liebe und Freude, ohne weiteres geben von dem,
was Gott uns gegeben hat.

Wehe uns, wir sind in der Verbannung und wollen es nicht wahrhaben.
Wir wollen nicht sehen, aus welcher Hohe wir gesturzt sind. Mit
unserem eigenen bosen Willen verstopfen wir unsere Ohren und
verschliessen unsere Augen, machen uns freiwillig blind, damit wir die
Wahrheit nicht sehen mussen. Wehe uns, denn wir halten die Finstemis
hier fur Licht. Um eines vergănglichen Genusses willen, den uns diese
Welt darreicht, meiden wir das Licht von oben, als wăre es Finstemis.
Wir meiden es wegen der kleinen Entbehrung, die der Leib zu ertragen
hat, und verlieren den Frieden von oben. Wehe unserem Elend! Denn

Mt 5,42.
//. Zg/?re 133

Gott rutt uns, Seine Kinder zu werden, doch wir werden Sohne der
Finstem is. Deshalb - selig derjenige, der diese Verbiendung
durchschaut und sich der tltichtigen Genusse enthălt um der kunftigcn
Seiigkeit willen.

Geduld in der Priifung

(14::y 661

ott ist liberali, und Sein Auge beobachtet jedes Ding, doch Er
v J s i e h t hinweg iiber unsere Siinden, weil Er auf unsere Umkehr
wartet. Wenn wir uns verfehlen, sei es geringfugig oder schwer, so
sieht Er es, weil Er gegenwărtig ist, doch wir sehen Ihn nicht, weil wir
kleine Kinder sind, was die Erkenntnis betrifft. Und wenn Er uns
bestraft, damit wir uns zu Ihm hin wenden, meinen wir, wir litten
ungerechterweise. Doch wenn wir uns emiedrigen, offnen sich die
Augen unserer Seeie und wir erkennen, dass alles, was der Herr tut,
sehr gut ist.

(14 671

Du sagst: 'Alle sind glficklich. Warum sind wir allein traurig?' Dies
zeigt, dass euer Leben Gott wohlgefallig ist. Denn nur dann sendet der
Elerr Betmbnisse, wenn ein Mensch dem gottlichen Willen folgt.
Betriibnisse sind Gnade und ein Geschenk vom Herm. Deshalb bekennt
ihr ungewollt, dass ihr auserwăhlte Kinder Gottes seid. Denn wen Je r
A err /A/v, zMcAAgf Ar <^McA, MnJ Ar ,s'C'/AJgt /EJcr ,S'o/n?, Jen Ar
Deshalb fasst Mut oder vielmehr, freut euch, denn der Herr
liebt euch sehr. Seid nicht mehr traurig.

(14;: ewe gelsAge 7ocA?e;; A'g ew groMe^ t/::g/:'lcA ge&*oA*;; Aa^e ^4w 661

Ich bitte dich instăndig, hor auf meine nichtswfirdige Stimme und wirf
den Kummer von deiner Seeie. Denn ubennăssiger Kummer bringt
andere Ubel hervor. Keiner kennt die Ratschliisse Gottes, niemand
weiss, wie Er wirkt, um uns zu retten. Doch auf welche Weise auch die

Heb 12,6.
134 ./o.s'cpA von //gsycAa.sf

Dinge geschehen, sie sind zu unserem Nutzen, ungeachtet dessen, ob


wir uns grămen und uns scheint, Gott habe uns veriassen. Man kann
nicht folgem, dass uns das Unheil geschah, weil wir siindigten oder uns
verfehlten. Wohl aber kann man foigem, dass mittels des Schmerzes,
den wir empfinden, unsere Verfehiungen vergeben werden, die wir von
Jugend an begangen haben.

Es kann sein, dass wir ein wenig Hochmut hatten, und durch die
Betrubnis erwerben wir grosse Demut. Vielleicht wiit der Herr uns
prtifen, ob wir Ihm treu bieiben auch nach dem ungiucklichen Ereignis.
Er wili die Geduid sehen, die wir haben, und unsere Liebe zu ihm.

Der Mensch siindigt von Kindheit an: mit seinem Wort, mit dem Biick,
mit dem Denken, durch Einwiiiigung, durch Handein. Doch durch
einen einzigen ptotzlichen Schreck, ein Ungiuck. einen grossen
Schaden, wird ihm all das vergeben und er wird, vom Gias, das er bis
dahin war, zum Diamanten.

Nebst aii diesem kommen die Kummemisse auch durch den Hass des
Teufeis. Wenn er sieht, dass wir gerettet werden woiien, steiit er sich
uns ais Ehndemis und Stein des Anstosses in den Weg, um unsere gute
Absicht zu hintertreiben, uns zur Verzweifiung zu treiben, uns in
Unglauben und Mutiosigkeit zu stiirzen und uns krank zu machen vor
Kummer und Schmerz, sodass wir dahinwelken wie Blumen, die der
Nordwind schtittelt.

Aus aiien diesen Grtinden, die wir angefuhrt haben, empfangen wir
grossen Lohn, wenn wir gedutdig sind.

Verzweifiung

Rn'e/"331

Ţeder Gedanke, der Verzweifiung und schweres Leid bringt, ist vom
J Teufei. Es ist der Dampf der Leidenschaften, und du musst ihn
sogieich vertreiben mit der Hoffnung auf Gott, mit Beichte und mit den
Fiirbitten der Âlteren.
7/. ZeAre 135

Die Gottesmutter

nsere Panagia ist die Mutter des Erbarmens, Quelle der Gutheit.
Ihre Gnade kommt ailem zuvor. Sobaid du deinen Mund ofFnest,
um sie zu rufen, eilt sie schon herbei, wie eine wahre Mutter. Deshaib
zogere nicht, sie jeden Augenbiick zu rufen, und du wirst in ihr eine
uneigenniitzige Heiferin und Ârztin finden in aiien deinen Betrubnissen.

Rufe allezeit zur Gottesmutter, iies die FreM^engrA^e', und sie wird
dich behiiten. Sie wird dich bewahren von aiiem Bosen.

Eigenwiiien und Gerechtigkeit

Fn'e/*36)

ebt euren eigenen Willen auf, denn er ist Tod fur die Seele des
v J Menschen. Jeder von euch decke die Fehier des anderen zu, damit
Christus Seinerseits die eurigen zudecke. Denn wenn ihr von eurem
Bruder Recht fordert, findet ihr euch sogleich ais Gegner Gottes, Der
euch Siinder ertrăgt. Jetzt, da Er euch geweckt hat durch Seine Gnade,
wollt ihr euren schwachen Bruder nicht ertragen. Wo also ist eure
Gerechtigkeit? Und was wird geschehen, wenn Christus Seine Gnade
wegnimmt von euch und die zehntausend Taiente fordert, die ihr
schuldet? /m.s7 MM&mAAarer <?M?n'cA/ ew/i/imge/?
Aa.st? UnJ e^g/angen, wa.v AriUtet <?M JicA yeJen 7hg, aA

Sag zu dir selbst: „Wenn du fest stehst, meine Seele, so nur deshaib,
weil die Gnade dich trăgt. Und wenn der Bruder stiirzt, so deshaib, weil
die Gnade nicht da ist." Deshaib, danke Gott und eigne dir nicht
fremdes Gut an, als wăre es deins. Sonst wird Gott Seine Gnade
wegnehmen und sie jenem geben, sodass du nun stiirzt, indes dein
Năchster aufsteht. Da wirst du deinen Fehier einsehen, doch zu spat.

' Griech. Ot Xcupertogot, das heisst die 24 Stanzen des


i Siehe 1 Kor 4,7.
136 Altvater Joseph von Hesychast

Wenn jemand von euch nach Gerechtigkeit strebt, so wisse er, dass sie
hierin besteht: die Last deines Bruders zu tragen bis zu deinem ietzten
Atemzug und deinem geistigen Vater vollkommenen Gehorsam zu
leisten. Denn nur mit der Liebe wird der Schwache aufgebaut.

Die Schopfung und der Fad des Menschen

A ^ e i n geiiebtes Kind, meine gottliche und heilige Liebe. Ich bete,


IV JLdass es dir stets wohi ergehen moge. Achte auf das, was ich dir
hier schreibe, und bewahr es sorgfaltig auf. Studiere es, und ich glaube,
es wird dir Nutzen bringen.
Gott, mein Kind, formte den Menschen aus Erde, nachdem er alie
Geschopfe geschaffen hatte wie in einem Garten, die Leuchten am
Firmament, den Mond als Herrscher iiber alle Steme der Nacht, wie ein
mit vielen Lichtem, kleinen und grossen, die den Himmel
schmucken und verschonern, die Erde mit einer Vieifait von kieinen
und grossen Băumen, die wiiden Tiere und das Gewurm, die Vogel
jeder Grosse, die dahinfiiegen unter dem Ehmmei, die Haustiere und
das Geflugel zum Gebrauch des Menschen, das Meer mit allen Arten
von Fischen. AH das, damit der Mensch sich ernăhre davon und es
bewundere. Und iiber alledem machte er die grosse Leuchte, damit sie
herrsche iiber den Tag, alle Wesen erwărme und hege mit ihrer Wărme
und mit ihrem Licht alles schon und wohlgefallig mache.
Der Mensch wurde zuletzt erschatfen, als Konig iiber alles, gemfen als
Beschauer des Schauspiels. O welche Erhabenheit! O welche Ehre fur
den Menschen! Alle Geschopfe lobpreisen Gott, die beseelten ebenso
wie die unbeseelten. Die einen mit ihrer Stimme, die anderen mit der
Bewegung ihrer Blătter. Jedes hat seine eigene Stimme. Selbst das
kleine Grăslein, wenn du es zerdriickst, schreit auf. Der Duft, den es
abgibt, ist seine Stimme.
AII das also, was die Heilige Schrift berichtet, alles geschah um des
Menschen willen. Deshalb auch wurde der Mensch als letztes aller
Geschopfe erschaffen. Damit er sehe, dass alle .se/tr gMf waren, und
sich freue und frohlocke bei ihrem Anblick.

' Rundleuchter mit vielen Lichtem in den orthodoxen Kirchen.


' Gen 1,31.
//. Z,<?Afg 137

Wie nun wurde der Mensch erschafîen? Gott nahm Erde, das niedrigste
aller Materialien, damit er stets demutig sei. Es gibt nichts demutigeres
als die Erde. Er entwarf das kleine irdene Hăuschen, und indem Er ihm
Seinen Atem einblies, schuf Er die Seele des M enschen... Wie in vier
Wănde aus Lehm mithin setzte Er die gdttliche Einblasung, setzte Er
Seinen gottlichen Atem.
O himmlische Erhabenheit! O wie gross ist die Herrlichkeit und Ehre
des Menschen! Er ist niedriger Lehm, doch er ist auch gottlicher Atem!
Der Augenblick wird kommen, da er sich verăndem wird. Erc/g /v'.s/
MnJ ZM/* EA/g u-h*.s7 z;;/'MgAkg/u'g7t' Das Wort unseres Schopfers wird
sich erfullen. Doch die gottliche Einblasung, der gottliche Atem, was
wird daraus? So wie die Erde zur Erde zuruckkehrt, so wird auch die
Seele, die die Einblasung Gottes ist, zuruckkehren zu Gott. Ja, doch wie?
Als sie ausging von Gott, war sie der wohlduftende Atem Gottes, doch
jetzt, ist sie es noch? Nein, sie ist es nicht. Was also wird geschehen?
Reinigung tut not, Trănen, Trauer, Schmerz, denn du hast deinen so
guten und wohltătigen Gottvater betrilbt, Ihn, Der dich, den Lehm, so
sehr verherrlicht hat, dir Seinen gottlichen Atem geschenkt hat. Die
Werke der UmkehE werden dich, mit Seiner Gnade, rein machen.
Weine daher und trauere, damit Er dich wieder zuruckbringe in den
ersten Zustand.
Und wenn du weinst mit hcftigcm Seelenschmerz, weil du dich gegen
Gott versundigt hast und Ihn betriibtest, wird dich nach den Trănen
Trost und Wohlwollen bedecken. Dann wird sich die Tur oftnen zum
Gebet.
Ich habe einen Menschen gesehen, der weinte und seine Trănen
zuruckhalten wollte, weil jemand vorbeiging, und er vermochte es
nicht. Denn sie stromten mit grosser Heftigkeit, so als hătte ihn jemand
todlich verwundet.
Wenn das Gebet mit Schmerz gesagt wird, bringt es die Trauer hervor.
Die Trauer bringt die Trănen hervor. Die Trănen wiederum bringen ein
reineres Gebet hervor. Denn die Trănen, wie wohlduftendes Myron,
entfemen den Schmutz, und so wird Gottes Atem rein, der wie eine
Taube eingeschlossen ist in den vier Wănden, gleichsam wie in den
vier Elementen... Und da, sobald die Wănde sich auflosen und zusam-
menbrechen, entfliegt die Taube sogleich zum Vater, aus Dem sie
gekommen war.

' Gen 3,19.


- Griech. gerctvom.
138

^4 ^r;'e/*d3)

Wir sagten, dass wir Gottes Atem sind. Da wir Vcrwandtschaft haben
mit Gott und da Gott uberall gegenwărtig ist, sind wir Gott abezeit
nahe. Wir sind Seine Kinder. Und da wir die Wurde sehen, die Er uns
geschenkt hat, die Wurde nămhch, Sein Atem zu sein, mussen wir sorg-
faltig darauf achten, Ihn nicht zu betruben. 7cA erbh'cAte Jen /Ve/vvv, E r
At ZM Warner EecAten, rA/wA icA ntcAt wo/Ae.'

Da wir unseren GeisF, unser Herz und unseren Leib befieckt haben
durch Worte, Taten und Gedanken, haben wir nun keinen Freimut vor
Gott. Wir haben kein AocAzAA'cAas' G ew anJk Deshalb mussen wir uns
reinigen - mit Beichte, mit Trănen, mit Seeienschmerz und aliem voran
mit dem Gebet, das den Menschen lăutert und voUkommen machtd Das
Gewand, von dem wir horen in der Grossen Woche, „Ich sehe Dein
Brautgemach wohlgeschmuckt, o Du mein Retter, doch ich habe kein
Gewand, sodass ich eintreten kdnntc", ist die Gnade Gottes, die durch
das schmerzensreiche reine Gebet erlangt wird.

Zuerst betet der Mensch mit der Einfachheit, die er am Anfang hat,
unter Vergiessen vieler Trănen. AII das kommt von der Gnade Gottes,
die als Gnade der Lăuterung bezeichnet wird und die den Menschen
kăngt wie mit einer Fischangel und ihn zur Umkehr fuhrt. Denn es ist
unser Gott, Der gut ist in aliem und gegen alle, Der uns findet. Er sieht
uns. Er lădt uns ein. Er zuerst gibt Sich uns zu erkennen. Danach, wenn
Er uns mit dem Myron Seines gottlichen Erbarmens salbt, erkennen
auch wir Ihn. Deshalb ist der Sinneswandel, die reumutige Trauer, das
Weinen und alles, was dem Bereuenden geschieht, der gottlichen
Gnade zu verdanken.

Es gibt kein gutes Ding, das nicht von Gott kommt, ebenso wie es kein
schlechtes Ding gibt, das nicht vom Teufel kommt. Deshalb lass in dir
niemals den Gedanken aufkommen, dass du etwas Gutes getan hast

' Siehe Ps 15,8.


^ Griech. vohq.
^ Siehe Mt 22,12.
' Exapostilarion im Orthros der Grossen Woche.
139

ohne Gott. Denn sobald du solches denkst, zieht sich die Gnade
sogleich zuruck, und du wirst ratios sein, damit du deine Schwăche
kennenlemst, damit du das erkenne <A'cA .s*e/A.s't iemst.
Damit einer die Schwăche seinei* Natur erkennt, muss er vieien und
grosse Versuchungen begegnen. Und durch die vieien Priifungen wird
er gedemiitigt und erlangt die wahre Demut. Doch das braucht Zeit.

Demut besteht nicht in blossen Worten, indem wir sagen, „ich bin ein
Stinder" usw. Demut ist die Wahrheit. Dass einer erkennt, dass er nichts
ist. Nichts ist das, was war, bevor Gott die Schoptung schuf, das heisst:
nichts. Dieses Nichts also ist das, was wir sind. Deine Wurzel, dein
Dasein beginnt aus dem Nichts, und deine Mutter ist der Lehm, doch
dein Schopfer ist Gott. HAs* Aa-sA nfa, Ja m'cAt aia/i/aagea AaAasA?...

Es ist ein grosses Geschenk Gottes an den Menschen, die Wahrheit zu


erkennen. Und diese Wahrheit, sagte der Herr, macht uns trei von der
Sunde.'

Gott erkennen heisst Gott schauen, denn es ist die geistige Erkenntnis,
die Gott kennt, nicht die natiirliche Erkenntnis. Natiirliche Erkenntnis
ist das Unterscheiden zwischen Gut und Bose, und alle Menschen
haben sie, doch die geistige Erkenntnis kommt von der geistigen
Arbeit, zusammen mit dem „erkenne dich selbst". AH dies geschieht
uns aus der Gnade Gottes, mittels des Gebets. Die Gnade Gottes wird
im Geiste geschaut und vom Geist sptirbar erfahren^ einzig und aliem
zur Stunde des Gebets.

Uber die gottiiche Liebe

72 "t??*;'e/e.s a?: elwen AasycAa.stM'cAe?: 7?remhen '9

Eahrlich, mein Kind, hătte ich selbst alle Zungen der Menschen
W seit Adam als Helfer, scheint es mir doch unmoglich, die gottiiche
Liebe in wiirdiger Weise zu lobpreisen. Und was sage ich „in wiirdiger
Weise"! Eine sterbliche Zunge ist gănzlich ausserstande, auch nur im

' Siehe Joh 8,32.


^ Griech. pXejtEica voeQwq x ai yvMQHerai ev aioQiioei voog.
140

Entfemtesten etwas auszusagen liber die gottlichc Liebe, wenn nicht


Gott Seibst, die aus Sich Seibst seiende Wahrheit und Liebe, uns die
Kraft der Worte und die Weisheit und die Erkenntnis gibt, wenn nicht,
vennittels menschiicher Zunge, Gott Seibst, unser geliebtester Jesus
Christus, Er Seibst mit Sich Seibst die Liebe benennt und lobpreist.
Denn die Liebe ist nichts anderes als der Retter Seibst, zusammen mit
dem Vater und dem Gottlichen Geist, der geliebteste Jesus.

Viele tugendreiche Menschen der heutigen Zeit, die ein gutes Leben
fuhren und Gott wohlgefăllig sind mit ihren Werken und Worten und
ihrem Năchsten Gutes tun, glauben, dass sie durch das kleine Werk der
B annherzigkeit und des M itgefuhls, das sie fur den Năchsten
empfinden, die Liebe erreicht haben (und werden betrachtet als solche,
die sie erreicht haben). Doch die Wahrheit ist anders. Gewiss halten sie
das Gebot der Năchstenliebe, das uns der Herr gegeben hat, als Er
sagte: e/nmM/e/i' Und wer dies tut, verdient Lob als Erfuller der
gottlichen Gebote. Doch dies ist nicht eine Wirkung der gottlichen
Liebe. Es ist der Weg zur Quelle, doch nicht die Quelle seibst. Es sind
Stufen zum Palast des Konigs, doch nicht die Tur. Es ist ein konigliches
Gewand, doch nicht der Konig seibst. Es ist Gottes Gebot, doch nicht
Gott seibst.

Deshalb, wer liber die Liebe sprechen will, muss das Mysterium der
Liebe in lebendiger Erfahrung bewusst gekostet haben, und dann, wenn
es die Quelle der Liebe, der susse Jesus, erlaubt, kann er von der Frucht,
die er empfangen hat, weitergeben an den Năchsten, und dieser wird
mit Sicherheit grossen Nutzen empfangen davon. Es besteht nămlich
sonst grosse Gefahr, dass wir Falsches reden und in Unwissenheit
denken und uns einbilden, zu kennen, was wir nicht kennen.

So wisse denn mit Genauigkeit, mein Kind: ein Ding ist das Erfullen
des Gebots der Liebe durch Werke der Năchstenliebe, und ein anderes
ist das Wirken der gottlichen Liebe. Das erste ist allen Menschen mog-
lich, wenn sie es wollen und sich Gewalt antun, doch das zweite ist es
nicht. Die gottliche Liebe erwăchst nicht aus Werken, noch auch hăngt
sie ab von unserem Wollen - ob, wie und wann wir wollen. Sondern sie
hăngt ab von der Quelle der Liebe, unserem geliebtesten Jesus, Der sie
uns schenkt, wenn Er es will, wie Er will und wann Er will.

Joh 13,34.
7/. LeAre 141

Wenn wir in Einfachheit wandeln, die Gebote halten und geduldig und
beharriich die gdttliche Liebe suchen unter Schmerz und Trănen, indem
wir Jethros Schafe wie Moses mit Sorgfalt hliten' - das heisst die guten
und geistigen Bewegungen und Betrachtungen des Geistes bewahren
wăhrend der Hitze des Tages und wăhrend der Kălte der Nacht unaus-
gesetzter Kămpfe und Versuchungen, indem wir uns Gewalt antun und
uns seibst in Demut niedertreten werden wir der Gottesschau
gewtirdigt werden und den Dombusch erblicken, der vom gottlichen
Feuer der Liebe brennt und doch nicht verbrennt. Und da wir uns
năhem durch das innere Gebet, vemehmen wir die gdttliche Stimme,
die im M ysterion des mystischen Wissens spricht: Lolre Je/'ue
&y//&de/7 von Je/non F u ^ o n /d a s heisst, leg ab jeden Eigenwiilen und
jede Sorge des gegenwărtigen Âons und jede kindische Gesinnung und
unterordne dich dem Heiligen Geist und Seinem Heiligen Willen, Jonn
<W/* Ort, un Je/n &/ ,s'tc/!.st, /'.st Z/e/V/gP

Und nachdem er sich geiost hat von aiiem, wird ihm der Schutz des
Volkes anvertraut, und er lăsst liber den Pharaoh Plagen kommen - das
heisst, er empfangt die Unterscheidung und die Herrschaft kraft der
gottlichen Gnadengaben und den Sieg liber die Dămonen. Danach
empfangt er die gottlichen Gesetze, nicht wie Moses die auf Steintafeln
geschriebenen, die verderben und zerbrechen, sondem die durch gott­
liche Einmeisselungen des Heiligen Geistes in unseren Herzen wirken-
den. Und nicht nur zehn Gebote, sondem soviele, wie unser Geist zu
fassen vermag, gemăss der Erkenntnis und der Natur. Danach tritt er
ein in das, was /unfer Jezn fbU/ung //'cgtd

Und wie die gdttliche Wolke herabkommt als Feuersăule der Liebe,
wird auch er ganz Feuer, und da er es nicht ertrăgt, ruft die gdttliche
Energie der Liebe zur Quelle der Liebe vermittcis menschlicher Lippen:
1%/* vurn/dcAte /mcA zu tre/zne// von Defner .s/'/'.s.sc// L/'cbc, o Jc.su.s
Und als das leise Lliftchen stărker zu wehen begann - ob tw Le/'b oJer
uu.s'.scr/m/b, Gott u'e/'.s.s a s / ob in der Hlitte oder in den Luften, Gott

' Siehe Ex 3,1


' Ex 3,5
' Ebenda.
^ Siehe Hebr 6,19.
^ Siehe Rom 8,39.
' 2 Kor 12,3.
142

weiss es - , sah jener, der es sah, nur dieses: dass er ganz Feuer
geworden war mit dem Feuer, sodass er, Trănen der Liebe vergiessend,
in Verwunderung und Erstaunen rief: „Hat! an, o siisse Liebe, die
Strome Deiner Gnade, denn der Zusammenhalt meiner Glieder ist
zerftossen!" Und wăhrend er dies spricht und der Wind des gottlichen
Geistes weht mit Seinem wundersamen und unaussprechiichen Duft,
stehen alie seine Sinne stiil, keiner kdrperlichen Regung mehr fahig.
Und gefangen ganz und gar, in Schweigen versunken, vermag er nur
noch den Reichtum der Herrlichkeit Gottes zu bewundern, bis die
Woike vorribergegangen ist.
Und er verharrt wie einer, der den Verstand verloren hat,
ausser sich, wie trunken von W ein...

Die Fiille alles Guten und die Vollendung aller Dinge ist Gott, Er, Der
gut ist, barmhcrzig, ailerbarmend, durch Den alles geworden ist aus
dem Nichtsein und ohne Den auch nicht ein einziges Ding geworden
ist. Ihm deshalb gebtihrt alle Herrlichkeit, Liebe, Ehre, Anbetung,
Verehrung, zusammen mit Seinem geliebten Sohn, unserem
allersirssesten Retter, Jesus Christus, und Seinem Allheiligen und
Guten und Lebenspendenden Geist, jetzt und immerdar und in die
endlosen Ewen der nimmer endenden Ewen. Amen.
143

- Tepoviog Imofiq), E x<ppact^M ovaxtx% Epjrftpta$A „A usdm ckM onchischer


Erfahrung", die Briefe des Altvaters), hrsg. vom HI. Kloster Philotheou, Agion
Oros, 5. Auftage 1996.
Engl. Ubers. EAg EgEgrs' o / EMgr Jo^gpA tAg RgsycAa^t,
hrsg. St. Anthony's Greek Orthodox Monastery, Florence, Arizona 1998.
- Eepovioq Imoiîtp B aiojtarbtvou, O Eepovra^ Eucrp<p o Rcrpxatmig', /L o g
At6acrxaA/a, 'R Aexd<pmvo$' ZdA jny^' („Altvater Joseph der Hesychast,
Leben, Lehre, Die Zehnstimmige Posaune"), hrsg. vom HI. Kloster Vatopedi,
Agion Oros, 7. Aufl. 2005.
Engl. Ubers (ohne die Schrift „Zehnstimmige Posaune"). Elder Joseph of
Vatopaidi, EA/g?^ Jo^gpA /Ag RgyycAus'/, Arngg/gg Expgr/gncgg 7gugA/ngg
hrsg. HI. Kloster Vatopedi, Agion Oros 1999.
Franz. Ubers. (ohne die Schrift „Zehnstimmige Posaune") Pere Joseph de
Vatopaidi, EHnc/gn Jos'gpA /RâsycAaVg, Ed. du Cerf, Paris 2002.
- (derselbe) Xdptroct Epjretp/eg Eepovrag' Jmcrpq? o RtruxaoYpg
EjrtoroAtpam Etoypa<pta, Avex6ore^ E%ttrroAe^ xat Rotp^am.
(„Erfahrungen der Gottlichen Gnade. Altvater Joseph der Hesychast -
Biographie in Briefform, unveroffentlichte Briefe und Gedichte". Das erste
„Leben", geschrieben 1962.). Hrsg. vom HI. Kloster Vatopedi, 2. Auflage Agion
Oros 2006.
- (derselbe) O Eeprnv itncrptp o R<7t%dCT% x a t p R a re p tx p R apddocrt^
(„Altvater Joseph der Hesychast und die Uberlieferung der HI. Văter"), HI.
Kloster Vatopedi, Agion Oros, 2. Auflage 2004.
- ApxLB- EtpQcdp,, KaOpyoupevou I.M. Movrtq B a io n a tb to u , Atodpcrt^
A d a v d ro u - OptAte^ yta ro v Eepovm Eucrp<p ro v R o p x ao rp („EmpEndung
todlosen Lebens, Homilien uber Altvater Joseph den Hesychasten"), hrsg.
HI. Kloster Vatopedi, Agion Oros, 2. Auflage 2005.
- Ju)cf)(p M ovaxou A tovuotaiou, O Eeprnv A pcevto^ o EjrpAatmrp^ (7&%-
(„Altvater Arsenios der Spileote"), Thessaloniki, 3. Aufl. 2004.
Engl. Ubers. EMgrAr^gn/os' /Ag Cuvg-Dwg//gr, Thessaloniki 2005.
- (derselbe) R axaxapdA ayuro^ A tovuotdrp^ (Leben und Lehre eines engen
Jungers von Altvater Joseph, Abt des Athos-Klosters Dionysiou, f 2001),
Thessaloniki 2003*.
Engl. Ubers. HAAot R am /aw po^ D/owys'M/M, /Ag 7gacAgr o/" VogA'c Eroygp
Thessaloniki 2004.
Siehe femer Bibliographie zu Kap. 2, Altvater Ephrem von Katounakia.
145

A jjr v x r r e R J u s n N
VON
C e u j e

(1894-1979)
(Popow'c) von Ce/f/'e
[47

Kapitel 5

^ L T V ^ T O R J U S T !N V O N C e H J O

Ţ I 'in Mann trat auf, von Gott gesandt, sein Name war Justin."'
yMit diesen Worten charakterisierte ein athonitischer Gerontas
den Altvater von Celije, den Aitvater Serbiens, diesen „Mund der
Orthodoxie" und Kirchenvater unserer Tage.
Von Natur aus Phiiosoph, war er es im wahrsten Sinne. Seine
Philosophie war nicht menschiicher Art. A uf Grund seines Lebens der
Hingebung an Christus und Seine Kirche, der Askese und des Gebets,
des Ringens um die heiligen Tugenden des Evangeiiums, hatte ihn die
gottliche Gnade zur „wahren Philosophie des Heiligen Geistes" gefuhrt.
Er war Theologe und anerkanntermassen einer der grossten unserer
Zeit, doch kein Scholastiker, kein Raţionalist. Vielmehr suchte er „die
zeitgenossische orthodoxe Theologie zu befreien von den fremden
Einflussen der Scholastik und des Rationalismus des Westens und sie
zuruckzufuhren zu den reinen Quellen der echten patristischen
Theologie."^ Diese Quellen sind die Heilige Schrift und die lebendige
Gotteserfahrung der Heiligen Văter. „Eine der grossen Botschaften von
Vater Justin in unseren Tagen ist dies - Dogma und Erfahrung sind
nicht zwei voneinander geschiedene Dinge, sondem ein- und dasselbe,
denn das Dogma druckt die geistige Erfahrung aus, und die geistige
Erfahrung artikuliert sich als Dogma der Kirche.
Er war Liturge, aus ganzer Seele und reinen Herzens hingegeben an
das Geschehen der Gdttlichen Liturgie.

' Vgl. Joh 1,6.


' Prof. I. Karmiris in seinem Vorwort zu Altvater Justins Buch x at Oeav-
dpmjrog, Athen 1969.
^ Bischof Irinej Bulovic von Backa in: KXettou Iwavvtări, fepovrtxo rov 20ou
Atcnvog, S. 187.
148 /t/Aater von Cg/i/'e

Er war Pădagoge, einer, fur den Erziehung und Bildung noch ihren
eigentlichen Sinn bewahrten, nămlich Hinfuhrung zu sein zum wahren
Leben, zum Leben in Christus, durch die heiligen Tugenden des
Evangeliums.
Er war auch Dichter, und seine Schriff „Das Reh des veriorenen
Paradicscs'" gehort zu den schonsten Werken der serbischen Literatur.
Selbst in der Theoiogie bediente er sich nicht einer trockenen,
seelenlosen Sprache. Seine dreibăndige Dogmatik, die er bezeichnen-
derweise betitelte mit „Orthodoxe Philosophie der Wahrheit", gehort
zusammen mit seinen anderen Werken zum inspiriertcn poetischen
Schrifttum der Orthodoxen Kirche.
„Vater Justin war und bleibt eine aussergewohnliche Pcrsonlichkcit",
sagte Metropolit Amfilochije von Montenegro, einer seiner geistigen
Sohne, „und dieser aussergewohnliche Charakter zeigt sich in seinem
ganzen Leben und seinem ganzen Werk... Wo immer er lebte und wirkte,
begannen stagnierende Siimpfe sich zu ruhrcn. Seine unerschutterliche
Haltung und seine feurige Natur wiihlten das Meer des grauen Alltags
auf..."^
„Er ubersttomte von Leben und Bcwcgung", sagt ein anderer seiner
geistigen Sohne, Bischof Irinej Bulovic von Backa. Er schildert seine
erste Begegnung, als junger Student, mit dem Altvater, den er bisher
nur aus dessen Schriften kannte, foigendermassen: „Der Altvater war
noch beeindmckender als in seinen Schriften zutage trat. Wenn er die
Gottliche Liturgie zelebrierte, wenn er von Christus sprach oder riber
irgendein Thema unseres Glaubens, wurde er zur Gănze ergriffen, in
seinem ganzen Wesen. Er war ein geistiger Vulkan! Dabei war das
Feurige seiner Rede stets verbunden mit tiefster Demut und Liebe.
Diese Verbindung mag seltsam und unglaubhaft erscheinen, doch in
der Person von Altvater Justin war sie Wirklichkeit."^
Er war innig vertraut mit der Problematik und dem Denken des
Westens, die er eingehend studiert hatte. „Wie keiner von uns - Bischof
Nikolaj, sein Lehrer, ausgenommen - erkannte er, dass die ganze
europăische Kultur in eine furchtbare Sackgasse fuhrt, weil sie aus
diesem Universum, aus dem menschlichen Herzen und Geist, aus der

' Franz. Ubers. in der Zeitschrift „Contacts" Nr. 93 (1976).


^ Grabrede zu Ehren des Altvaters im Mărz 1979 (als Metropolit Amfilochije noch
Priestermonch war) veroffentlicht in der Zeitschrift des Athos-Kdosters Chilandar.
^ In KXetion Imavvtări, op. cit., S. 185.
149

Kultur und der Ccscllschaft der Menschen ihren einzigen Herrn und
Retter veilreibt, den Gottlichen Logos... Er spiirte die schreckiiche
Gefahr, die iiber der ganzen europăischen Zivilisation schwebt infoige
dieser Verwerfung des Gottmenschen, und betonte unabiăssig, vom
Anfang seines Wirkens bis zu seinem Ende, die zentrale Bedeutung der
Person Christi fur die Geschichte, fur den M enschen, in der
Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft... Wenn Vater
Justin iiber diese Dinge sprach, hatte er ganz Europa vor seinen Augen,
die ganze zeitgenossische Welt."'
Was er ihr sagt, ist von so grundlegender Bedeutung in unserer Zeit
totalei* Desorientierung und wachsender Umnachtung des menschlichen
Geistes liberali in der Welt, dass er fur die gottesfurchtigen Christen in
Wahrheit ein Bote Gottes ist. Denn „er sprach nicht als Einzelperson,
sondem als Mund der Kirche'V
„Zu allen Zeiten", sagt Metropolit Amfilochije, „hatten wir solche
leuchtende Gestalten, die die Kirche und die Seelen stărkten, und so
haben wir sie auch heute. Zum Gliick, denn unsere Epoche hat sich wie
kaum eine andere zuvor entfemt von der Erfahrung Gottes und dieselbe
ersetzt durch die Erfahrung der Welt. Deshalb haben wir mehr denn je
solche Personen notig, die Gott erfahren, damit sie uns fuhren konnen...
Wenn heute viele junge Menschen in Serbien zuriickkehren zur Kirche,
so ist das dem Wirken von Vater Justin Popovic zu verdanken."^

' Metropolit Amfilochije, Grabrede, loc.cit.


' Abt Georgios vom Athos-Kloster Grigoriou in der Zeitschrift O 'Ocroj
B d5, S. 45.
^ Metropolit Amfilochije in XArtrou Jmavvtd??, op. cit., S. 179 u. 182.
150

î. - Leben

7. MHt/ JMg^H(/

A ltvater Justin wurde am Fest der Verktindigung des Jahres 1894 im


Y V sudserbischen Vranje geboren, und Gottes Fugung wollte es, dass
auch seine Entschlafung, 85 Jahre spăter, an diesem Tag erfolgte,
sodass man mit einem seinem Biographen sagen kann: „Sein Leben
erstreckte sich zwischen zwei Freudengriissen des Engels an die
Gottesmutter - FreM G'cA, <G Je r 77err Mi wn't A;'/*."'
Er war Spross des alten Priestergeschlechts der Popovic, das seit
mindestens sieben Generationen Liturgen der Heiligen Kirche hervor-
gebracht hatte. Sein Vater, Spyridon, bildete aliem eine Ausnahme,
denn die zeitlichen Umstănde erlaubten ihm nicht, die kirchliche
Schule abzuschliessen, weshalb er eine weltliche Laufbahn einschlug,
doch er diente der Kirche auf vielfaltige andere Weisen und war im
Dorf hochgeachtet als gottesfurchtiger und rechtschaffener Mann. Bei
der HI. Taufe erhielt der Knabe den Namen Blagoje, abgeleitet von
AGgore.sk was „Verkundigung'' bedeutet. Er war das 7. von insgesamt
acht Kirtdern, von denen jedoch nur drei uberlebten.
Sein Eltemhaus war fur ihn eine Schule orthodoxer Frommigkeit und
Lebensweise, wo er von zartestem Alter an lernte, sein Leben in
Christus zu leben und ganz in den Dienst Seiner Kirche zu stellen. Als
Knabe besuchte er oftmals das nahegelegene Kloster des HI. Prochor
von Psynije des M yronspenders\ dem er sehr zugetan war, und wurde
dort Zeuge der wunderbaren Heilung seiner todkranken Mutter
Anastasia durch den Heiligen. Die tiefe Glăubigkeit seiner Mutter
nahm er spăter oft als Beispiel in seinen Unterweisungen an seine
geistigen Kinder. Ihre selige Entschlafung (1945) solite fur ihn zu einer
prăgenden geistigen Erfahrung werden. Sie gab ihm die Gewissheit der
Unsterblichkeit. „Welche Seligkeit", schrieb er in seinen Notizen,
„Mensch zu sein mit der Empfindung, der leibhaften Empfindung der
Elnsterblichkeit... Dies war das letzte Geschenk, das ich empfing von
der Mutter, meiner Wohltăterin. Durchweht ist meine ergriffene Seele

' Einleitung zu Altvater Justins Buch L ViowMe e/ /e DteM-Nowme, Lausanne 1989.


- Fest am 15.Januar. Er lebte im 10./11. Jh.
V. Zuhen 15!

vom Atem der ewigen Wahrheit des Damaszeners: A*/? /u'u r/uv
D eiuer uuuuyspuecA/ic/teu TTeuu/icA^eA...".
Die andere Quelie geistiger Biidung des jungen Biagoje war die
Heilige Schrift. Vom Alter von 14 Jahren an las er tăglich drei Kapitel
des Neuen Testaments, und diese Regel bewahrte er bis ans Ende
seines Lebens.

2. /a 7/9ti5-/9/47 -
Z?e*gcguu/t,g ;n% r/c/u /:/. A/Au/u/ vou Zid# uur/ DcArA/

Mit elf Jahren trat er 1905 in die Kirchliche Schule des HI. Sava in
Belgrad ein, wo er als Lehrer den hl. Nikolaj (Velimirovic) hatte, den
nachmaligen Bischof von Zică und Ochrid, damals noch Priester-
m onch.' Diese grosse G estalt der
Kirche Serbiens und der Orthodoxie
uberhaupt, der,, serbische Chrysosto-
mos", wie man ihn nennt, wurde der
geistige Vater des jungen Biagoje und
offhete ihm neue Horizonte des Lebens
in Christus. So begann zwischen diesen
beiden Dienem des Herm eine enge
geistige Verbindung, die ihr ganzes
Leben wăhren und selbst den Tod tiber-
dauem solite. Beide fanden die Ant-
worten auf die brennenden Probleme
unserer Zeit in der Heiligen Schrift, bei
den Hl. Vătem der Kirche und im Leben
der Heiligen, der „gelebten Bibel",
dem „fleischgewordenen Dogma". Der
hl. Nikolaj forderte in Biagoje den
Wunsch, Monch zu werden, und als A/. A%oiu/ voH Zz'cu Mu7 OcAWJ
dieser 1914 sein neunjăhriges Studium
an der Schule des Hl. Sava abschloss, hatte er nur einen einzigen
Wunsch: u//e 7uge .seiuas* Ze6gu.s' iu? Auu.se Je.s Aeruu zu wo/tueu, u/u
<7ie ,Se/ig/fe?7 <7ex /Ye?vu zu .scAuueu uuri eiuzuireieu iu <$*eiu Aeiiigtu???
(Ps 26,4).

Nachdem er schon ab 1985 loka! verehrt wurde, hat ihn die Kirche von Serbien im
Jahr 2003 offizielt kanonisiert. Fest am 5. Mărz.
152 w?: Ce/l/'e

7. Ar/EgsY/m/tst M/:(/ (7974-7976)

Infolge des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs musste Blagoje sein


Verlangen nach dem Monchsleben einstweiien aufschieben, denn noch
im gleichen Jahr wurde er in die Armee eingezogen. Er diente in den
Sanitătstruppen und erlebte die bittere Not des serbischen Riickzugs
durch die Berge von Montenegro nach Albanien, bei dem Ende 1915
iiber 100 000 Serben an Kălte, Hunger, Krankhcit und Erschopfung
starben. Er uberlebte diese grosse Prufung, die seinen Glauben noch
vertiefte und ihn bestărkte in seinem Wunsch, Monch zu werden.
Im albanischen Skadar suchte er den serbischen Metropoliten und
spăteren Patriarchen Dimitrije auf, der sich, ebenso wie die Regierung
Serbiens, vor den Invasoren mit den Truppen nach Albanien
zuriickgezogen hatte.' Mit seinem Segen wurde er in der Nacht zum 1.
Januar 1916, wăhrend der Nachtwache zu Ehren des hl. Basilios, in der
orthodoxen Kirche von Skadar zum Monch geschoren unter dem
Namen Justin, nach dem hl. Martyrer Justin dem Philosophen (Fest
1.6.). Die Wahl dieses Heiligen zum Namenspatron deutete bereits das
ganze weitere Lebenswerk des jungen Monchs an: die Christus
gemăsse Philosophie und das Zeugnis fur Ihn.

4. ut A TAtgrsTm/'g D.y/htY/ (7976-7979)

Kurz nach seiner Tonsur, im selben Monat Januar 1916, wurden


Justin und mehrere andere junge Theologen von Metropolit Dimitrije
nach Russland entsandt, um dort ihre Studien fortzusetzen und so die
Zukunft der Kirche nach dem Krieg vorzubereiten.
Uber Bari und Paris reisten sie zunăchst nach London, wo sie den hl.
Nikolaj (Velimirovic) wiedertrafen, der damals in der britischen
Hauptstadt Ichrte. Uber Norwegen, Schweden und Finland erreichten
sie schliesslich St. Petersburg. In der dortigen Kirchlichen Akademie
machte sich Vater Justin in den folgenden Monaten enger vertraut mit
den Theologen Russlands und vor aliem mit den grossen russischen

' Im Oktober 1915 waren die Mittelmăchte (Osterreicher, Deutsche und Bulgaren) in
Serbien eingefallen und hatten Belgrad erobert. Im November 1915 gewannen sie
die Schlacht in Kossovo und im Dezember eroberten sie Montenegro. Dies gab den
Anlass zum serbischen Ruckzug in das neutrale Ftirstentum Albanien, das dann im
Januar 1916 ebenfalls besetzt wurde.
7. Le&ew t53

Heiligen wie Seraphim von Sarow, Sergij von Radonesh, Johannes von
Kionstadt u.a., fur die er zeitiebens tiefe Verehrung empfand, ebenso
wie fur die spăteren Neumartyrer, insbesondere den hi. Patriarchen
Tychon, der zur Zeit von Vr. Justins Russiand-Aufenthait noch Bischof
von farosiawl war.
Die vorrevohitionăren W inen in Russland veraniassten Vr. Justin
schon im Juni t9 t6 , nach England zuriickzukehren. Sein geistiger
Vater, der hl. Nikoiaj, ienkte ihn nach Oxford, wo er, nach der notigen
sprachiichen Vorbereitung, bis Mai 1919 studierte. Ein Stipendium der
britischen Regierung lehnte er ab, um seine Freiheit zu bewahren, und
finanzierte seine Studien durch Arbeit in einer Fabrik in Birmingham.
Seine Abschlussarbeit widmete er der „Philosophie und Religion von
F.M. Dostojewski". Sie wurde jedoch von den englischen Professoren
abgelehnt, weil er sich weigerte, die von diesen geforderten Abstriche
an seiner Kritik des westlichen Humanismus und des Anthropozentris-
mus des abendlăndischen Christentums vorzunehmen. Diese Kritik
richtete sich nicht gegen Gelehrtheit und Wissenschaff als solche,
sondern gegen die verhăngnisvolle Verkfirzung ihrer Perspektiven
durch den (auf die vorchristliche Philosophie zuruckgehenden)
westlichen Rationalismus, der den Menschen und seine begrenzte
Vemunft als Mass aller Dinge nimmt und ihm damit selbst zur Falie
wird, indem er ihn - durch all die mannigfachen Âusserungen einer auf
diesen Prămissen basierenden Kultur - gleichsam wie in einen Kăfig
einspent in sich selbst, in diese vordergrtindige Welt allein, in dieses
irdische Dasein allein, sodass er geistig erstickt. Dem aliem stellte Vr.
Justin die orthodoxe Sicht des Menschen als goR/z/e/McAt/cAe-s' Rb.se/?
gegentiber, von Gott als solches gewollt und erschaffen zur
U nsterblichkeit hin, das seinen Sinn, seine Wurde und seine
Bestimmung allein im Gottmenschen Christus hat und finden kann -
nicht durch Denken, Spekulieren und Schlussfolgem, sondem durch
ein Feben gemăss dem Evangelium, die Erfahrung Gottes in der
Askese und ohne Ihn zwangslăutig ein Nichtwesen ist und bleiben
muss.
Vr. Justin fand sich mit der Zumckweisung seiner Dissertation ab
und verliess England im Friihjahr 1919, ohne den Doktortitel erhalten
zu haben. Sein Leben lang solite er dieser Elaltung der wahren Jtinger
Christi treu bleiben - eher personlichen Nachteil und Schaden
hinnehmen als Verrat begehen an der Wahrheit der Kirche Christi, zum
billigen Lohn des Beifalls der Welt.
154 A/ivatgr./M,s/;'H vow C e /p e

5. DoAforoi A: A)i/:e/: (79/9-7927, 7926)

Nach Serbien zunickgekehrt, lehrte er eine Zeitlang am Seminar von


Sremski Kariovats, und wurde dann im September 1919 von Patriarch
Dimitrije mit seinen Studienkollegen zur „orthodoxen Vollendung",
wie es der Patriarch ausdriickte, nach Griechenland geschickt. Dort
studierte er bis zum Fruhjahr 1921 an der Theologischen Fakultăt der
Universităt Athen, wo er eine Dissertation tiber den heiligen Makarios
den Âgypter vorbereitete, genauer gesagt, tiber dessen Lehre beztiglich
des Mysteriums der menschlichen Person und des Mysteriums der
Gottcscrkcnntnis.' Mit dieser Arbeit promovierte er 1926 in Athen in
orthodoxer Patristik.
Wăhrend seines rund zweijăhrigen Aufenthalts in Griechenland
lernte er die byzantinische Tradition der HI. V ăter in ihrer
unmittelbaren Lebendigkeit kennen und wurde mit der altverwurzelten
Frommigkeit der Griechen vertraut. Wie das eigene serbische und das
russische liebte er auch das griechische orthodoxe Volk zeitlebens von
ganzem Herzen. Spăter pflegte er seine eigenen Schtiler nach
Griechenland zu schicken, damit sie die griechische Sprache und echtes
orthodoxes Leben erlernten.
„Allen seinen geistigen Kindem, zu denen auch ich gehorte", bezeugt
B ischof Irinej Bulovic, „pflegte er zu sagen: 'OA//g 7A gr/'ecAAcAe
AprocAe Aon//i (Ar gio.s* &7:/*//ii///H Agr 777 Fo'igr ///'gAi Ae//rg/?ig/7?g/!. D//A
oA//g /A'g 777 G rier M/r^erer Dz'reAg g/'Ai g.s* weAer recAie 7 //.s7gg////g Aer
77g/'A'gg/! AkArz/ig/! nocA D/eoiog/e. lfo.s' Aumer Ag//ie gasoAr/gAg/; w/rA -
M'g/u? g.s- ///'gAi o///' Ag/? 777 FAigr// ///.s.si, Aoi as' /r/'cAA zu iu/! /mi Aer
gg/eAig// DriAoAoxe// D/go/og/e. DasAo/A geAi //ocA Gr/'ecAe//io//A, wo
A/'g DAg/A;'a/g/7///g ////^erer D/reAe or/cA Ag//ie //ocA A/ t///ggA/'ogAg//gr
Do//i/7////'iAi we/'ierieAi. D o ri g/Ai as' ge/'.si/'gg Ze//i/*e/: ////A 7y(o/!z.sioiigr,
<7ori g/Ai g.s' Ae// 77e/7/'ge// Ttg/g. D o ri Ai A/e D/goiog/'g ///'cAi eiway
AA.si/Y/Aias', .so//Agr// AgAg// ////A P/Y/v/W*

5. (7e/'.si/ge 77A//////e

Alle jene Jahre waren Rir den Monch Justin eine Zeit intensiver
geistiger Kămpfe. Mit seinem ganzen Wesen, unter Schmerzen, strebte

' Siehe Bibliographie am Schluss des Kapitels.


^ In KXetiou Iwavvt&p, op.cit., S. 185-186.
7. Z,gAgH 155

er hin zu Gott. Damals schrieb er in sein Tagebuch: „Was bedarf ich der
Augen, in dieser siindigen Welt, wenn sie nicht weinen? Die Seele, was
bedarf ich ihrer, wenn sie nicht Christus gehort? Ohne Ihn ist sie
verdammt zur Hoile. Was ist die Hoile? Der Oi*t, wo der Herr Jesus
Christus nicht ist." Und in einem Brief: „Meine Augen gehoren nicht
mir, sondem Christus, deshaib mussen sie dem Herm dienen! Meine
Ohren, mein Leib, mein Bewusstsein, meine Seele, meine Gedanken,
mein Ftihlen, alle gehoren nicht mir, sondem dem Herm allein. Deshaib
mussen sie dem Herm dienen! Ohne Tod gibt es keine Auferstehung."'
Er fastete streng, durchwachte seine Năchte im Gebet und machte
Tausende von Metanien. Durch diese harten Kămpfe wurde er einer der
grossen Asketen seiner Zeit, den heiligen Vătem der Vergangenheit
ebenburtig, die sich mit ihrem ganzen Sein dem Gottmenschen Christus
hingaben.

6. Ce/niAi/gAeii //? Afm7rmr/is Priesienre/Ae

Im Fruhjahr 1921 kehrte Vater Justin von Griechenland nach Serbien


zuruck, und im Herbst jenes Jahres begann er am Seminar von Sremski
Karlovats Exegese des Neuen Testaments zu lehren. Spăter lehrte er
auch Dogm atik und Patrologie. Bezeichnend fur seine ganze
Lebensweise ist, dass er seine Lektionen nie begann - und auch spăter
seine Predigten und Homilien ohne zuvor zum Herm gebetet zu
haben, Er mochte ihn erleuchten. Er tat nichts in seinem Leben ohne
inniges Gebet, und fur seine Schuler betete er sein Leben lang.
Gleich zu Beginn seiner Lehrtătigkeit bemuhte er sich um die Auf-
nahrne der Heiligenleben als Pflichtfach in den Lehrplan der Schule.
„DA/;e Jie /VeiA'gew", sagte er, e.s' Aei/?e DriAoJovie... DriAoJovie
Ai J e r reeAie GC/MAe/: <7er TVeiA'ge/t Die 77e/7;'ge/r <7ie w<r/A/'e/7
ZeArer <7er O/vAo&wie. 7/; <7er EE/i J e r /ne/rscAiieAe/v /iee/iidi Ai
Dei/igAeii r/er Mq/AiaA J e r DriAo Jovie, M/Mi Mo/i.s'iaA <7er DeiA'gAeii Ai
&;.s' /W^.s.s' <7er 77/'iAo<:/ovie... 77ei/igAeii Ai <r/e,s* AeAe/? i/M /fi. GeAi. "*
Vater Justin war kein Lehrer ev caiAeJm, sondem ein lebendiger und
treuer Zeuge Christi, der nur eines im Auge hatte: seine Schuler
hinzufuhren zum ewigen Leben. „Sein schonstes und hochstes Werk",
erinnert sich einer von ihnen, „war dies - dass er uns lehrte, Christus zu

' In: A. navayojroijkon, 77. 7owrtvou77djro/A,rj, 77iogxat77oAtreia, Patras 1995,


S. 49.
^ Ebenda, S. 61
156 vcw Ce/ţ/'e

lieben. Die Liebe zu Christus, die reine, unverfălschte, das war es, was
uns mit unserem Lehrer verband, und fur vide von uns wurde er zum
wahren Vater im Geiste."' Durch sein Vorbild und das ununterbrochene
Gebet lehrte er sie die oilhodoxe Lebensweise, das Leben der Askese
und der heiligen Tugenden.
Bereits 1920, wăhrend eines
Besuchs in der Heimat, war Vater
Justin zum Hierodiakon geweiht
worden. Im August 1922 weihte ihn
Patriarch Dimitrije zum Priester.
Schon als Diakon hatte er sein
Leben ganz auf die Liturgie ausge-
richtet. Noch in Griechenland uber-
setzte er die Gottliche Liturgie des
hl. Johannes Chrysostomos aus dem
Griechischen ins Serbische, in einer
wunderbaren poetischen Sprache,
und druckte sie 1922 in Karlovats.
Bis ans Ende seines Lebens zele-
brierte er die Liturgie unermlidlich
und mit tiefster Ergriffenheit. „Er
weinte oft wăhrend der ganzen
Dauer der Liturgie", sagt Metropolit
Amfilochije, „doch das bemerkten
nur jene, die im A llerheiligsten
waren, denn er sprach ruhig und langsam und schluckte seine Trănen
hinunter. Jene Trănen der Ergriffenheit waren eines der bedeutsamsten
Merkmale des Altvaters."^
Wann und wo immer er zelebrierte, predigte er auch. Seine Homilien
bewegten die Seelen der Glăubigen zutiefst, und deshalb wurde er an
viele Orte gerufen, als Liturge und Prediger und auch als Redner. Er
zelebrierte und sprach praktisch im ganzen Land. Als geistiger Vater
fuhrte er zahlreiche Seelen auf dem P /hJ. Sehr bald
versammelten sich viele Menschen um ihn, nicht nur seine Schuler
vom Seminar, sondem auch Glăubige aus allen Schichten des Volkes,
darunter sehr viele Junge. Mit besonderer Liebe stand er auch den
frommen bei, den Mitgliedern jener Gebetsbewegung, die

' Ebenda, S. 64.


^ In KketTon tmavvtbn, op.cit., S. 181.
7. Ze&en 157

nach dem 1. Weltkrieg in Serbien entstanden war und spăter vom hi.
Nikoiaj unter die Fittiche genommen wurde, sodass sie sich zu einer
positiven Kraft geistiger Erneuerung entwickelte.
In jenen Jahren trat er auch in engen Kontakt mit mehreren russi-
schen Hierarchen, die vor den Bolschewiken nach Serbien gefiohen
waren, insbesondere mit dem Metropoiiten Antonij (Khrapovitski) von
Kiew' und Erzbischof Anastasij von Kishinjew.

7. D/r* Zr'/t.sc/uţ/t „ Att/tcu " f7922-7927)

1922 grundete Vater Justin zusammen mit einer Gruppe junger


Professoren eine Zeitschrift mit dem Titei ZAot
(„Christliches Leben"), die zu den hervorragendsten christlichen
Publikationen im Serbien jener Zeit gehorte und bald einen grossen
Einftuss ausiibte auf das geistige Leben des Landes. In dieser
veroffentlichte Vater Justin u.a. seine von den Englăndern abgelehnte
Dissertation iiber Dostojcwskiv die bemerkenswerte Schrift „Uber die
innere Mission unserer K irche"\ die Abhandiung iiber die Erkenntnis-
iehre des hl. Isaak des Syrers** sowie viele andere bedeutsame Beitrăge.
Die Zeitschrift informierte zudem iiber wichtige Entwicklungen und
Ereignisse in der ganzen orthodoxen Okumene.
Da Vater Justin in diesen Heften auch unerschrocken Kritik iibte an
MiBstănden und sich damit etliche Feindschaften zuzog, vor aliem sei-
tens jener, die sich modemistischen Stromungen verschrieben hatten,
wurde er im Sommer 1927 von Karlovats an die Kirchlichc Schule des
fernen Prizren (Kossovo) zwangsversetzt, womit die Zeitschrift
„Christliches Leben" ihr Erscheinen einstellen musste. Dies war denn
auch der eigentliche Zweck der Disziplinarmassnahme gewesen, und
selbst die Fiirsprache von Patriarch Dimitrije konnte diese Entwicklung
nicht verhindem. Vater Justin nahm diese Priifung wie jede andere mit
Gelassenheit hin: „Der Mensch verfolgt den Menschen - nichts, wortiber
man zu erschrecken hătte!... Fur den Christen sind Drangsale ein Mittel
zur Lăuterung," schrieb er in der letzten Nummer der Zeitschrift. Ein
Jahr spăter, 1928, rief man ihn nach Karlovats zuriick, doch die Berufung

' Er solite der erste Hierarch der Russischen Kirche im Ausland werden.
^ 77;e Siehe Bibliographie am Kapitelende.
^ Originaltitel: CrAi^e. Siehe Bibliographie am Kapitelende.
" Siehe Bibliographe am Kapitelende.
158 JM-sEn wn Ce/pe

eines Schulleiters aus Belgrad, der an der Schule eine der orthodoxen
Tradition vollig zuwiderlaufende Linie einfuhrte, brachte neue
Konftikte.

& UfrAgu Egr uur/ /n f/939-/933J

Im Dezember 1930 entsandte die Synode der Kirche Serbiens Vater


Justin in die russischen Kaipaten, mit dem Auftrag, Bischof Joseph von
Manastir-Bitola zu unterstiitzen beim Aufbau der Orthodoxen Kirche
der Tschechei und der Wiedereingiiederung ah jener Glăubigen, die
von den Kathohken zum Uniatentum zwangsbekehrt worden waren
und nun, nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie, zur
Orthodoxic zurtickzukehren wunschten.
1931 wurde Vr. Justin die Wahl zum Bischof der neugegrundeten
Diozese von Mukatshewo vorgeschlagen, doch er lehnte ab. In seiner
Antwort an die Synode schrieb er: „Ich habe mich lange und emsthaft
betrachtet im Spiegel des Evangeliums und bin zu diesem unumstoss-
lichen Schluss und unwiderruflichen Entscheid gelangt: ich kann und
darf auf keinen Fall den Bischofsrang annehmen, denn ich habe nicht
einmal die fundamentalsten evangelischen Qualităten hiefar."
Nach Vollendung seines hierapostolischen Auftrags in den russi­
schen Karpaten kehrte Vater Justin anfangs 1932 nach Serbien zuriick.
In kurzester Zeit schrieb er den ersten, der Trinitătslehre gewidmeten
Bând seiner beruhmten dreibăndigen Dogmatik, OrtAoJoxe P/n'/o.so-
pAA <7er ELArAeL', der im August desselben Jahres veroffentlicht
wurde. Kurz darauf erhielt er einen neuen Lehrauftrag far Auslegung
der HI. Schrift und Dogmatik am Seminar von Manastir-Bitola. An
dieser Schule, wo damals auch der ktinftige Erzbischof von Shanghai
und San Francisco, der hl. Ioann (Maximowitschy lehrte, wirkte er
zwei Jahre lang, auch hier mit allen seinen Krăften bemiiht, die Schtiler,
ktinftige Theologen, durch eine allseitige evangelische Bildung und
Praxis im Geist der Hl. Vater vorzubereiten auf ihre Aufgaben.

' Siehe Bibliographie am Schluss des Kapitels.


^ Fest 19.Juni.
7. Le&en 159

&Z , G n / r c r s i t r i t f7935-79459

1934 wurde er als Dozent fur Vergleichende Theologie an die


Universităt Belgrad berufen, und anfangs 1935 erfolgte seine
Emennung zum ordentlichen Professor fur dogmatische Theologie.
Gleichzeitig publizierte er den zweiten Bând seiner Dogmatik, welcher
der Christologie und Soteriologie gewidmet ist und worin er die
Wahrheit der Orthodoxie uber den Gottmenschen und Sein Heilswerk
darlegt.

Gleichzeitig verteidigte er, in Predigten, Vortrăgen und Artikeln, den


orthodoxen Glauben gegen die immer m assiver auftretenden
Kommunisten. Einer von diesen brachte ihn sogar vor Gericht, doch
Vater Justins briliante Apologie fuhrte zur Verurteilung des Lăsterers.
Der 2. Weltkrieg und die kommunistische Machtubemahme in Serbien
warfen bereits ihre dunklen Schatten voraus, und 1938 schrieb er in
einem Brief: „Unsichtbare Hănde haben sich ausgebreitet liber den
jungen Seelen, die Christus gehoren, und wollen sie wegreissen vom
Weinberg des Herm... Heute wie nie zuvor ist es notig fur uns, dass wir
die Vollrtistung Gottes anziehen..."'

A. Panagopoulos, op. cit., S. 91-92


160 T/tvater von Ce/ţ/'e

Wie ein biblischer Prophet und Hirte der Kirche verfolgte er das
Schicksal seines Volkes mit grosser Autmerksamkeit, ohne sich in die
politischen Wirren zu mischen, doch indem er unerschrocken sein
Urteil abgab. So bekămpfte er, zusammen mit dem hi. Nikoiaj, das
Konkordat, das der Vatikan dem bedrăngten Jugoslawien aufzwingen
woiite und das den romischen Kathoiizismus zur Staatsreligion des
Konigsreichs gemacht hătte.
Kurz vor Kriegsausbruch hatte er eine Vision des gekreuzigten
Christus, die ihm die bevorstehenden Leiden seines Voikes ankundigte,
die Besetzung des Landes durch die Nazis und den Genozid an den
Serben Kroaticns'. Ais diese schmerziichen Ereignisse eintraten, wirkte
er mit am Protest der Kirche Serbiens. Nach der Schiiessung der
Theoiogischen Fakultăt in Belgrad durch die Nazis zog er sich in ein
Kioster zuriick, wo er den grossten Teii der Besatzungszeit im Gebet
und Fasten tur die Weit sowie im Schrittstudium verbrachte.

1945 ubernahmen die Kommunisten die Macht in Jugoslawien, und


Vater Justin als unbequemer und furchtloser Kritiker wurde mit 200
anderen Professoren aus seinem Fehramt vertrieben. Man ergriff ihn im
Kioster Soukov, wo er sich aufhielt, und steckte ihn in Belgrad ins
Getangnis. Derjenige, der schon vor der kommunistischen Macht-
ergreifung dem royalistischen General Michailovic erklărt hatte, der
Staat diirfe sich nicht in die Angelegenheiten der Kirche einmischen
und tur die letztere gelte das Apostelwort, A7ar? wt/xx Goii /tteAf
geAorcAe?? a A &/? machte nun dem atheistischen Staat klar,
dass die Orthodoxe Kirche „nicht die Kollaboration, sondem nur die
Kocxistcnz" mit demselben annehmen konne. Fim ein Haar wăre er als
„Volksfcind" zum Tod verurteilt worden, doch auf Intervention von
Patriarch Gabriel, der, zusammen mit Bischof Nikoiaj aus dem
Konzentrationslager Dachau entlassen, nach Serbien zuruckgekehrt
war, liess man ihn trei, entblosste ihn aber aller Rechte und Mittel.

' Zur Zeit des 2. Weltkriegs wurden in Kroatien im Zug systematischer Vemichtungs-
aktionen seitens der katholischen Ustashis und der Nazis rund 700 000 orthodoxe
Serben getotet. 250 000 weitere wurden deportiert und 240 000 zum Kathoiizismus
zwangsbekehrt.
' Apg 5,29.
i. 16 !

7 A D er tw : Gc/ţye (794^-7979)

Nach manchen Drangsalen und Ortswechseln kam Vater Justin im


Jahr 1948 schliesslich ins Kioster der Heiligen Erzengel von Celije
beim Dorf Lelic, dem Heimatdorf des ht. Nikoiaj, in der Năhe der Stadt
Valievo (rund 100 km sudwestlich von Belgrad), dessen Schwestem-
schaft er bis zu seiner Entschlafung als Archimandrit und geistiger
Vater vorstehen solite. In diesem Kioster war der hl. Nikoiaj getauft
und erzogen worden. Elier konnte Vater Justin sein geistiges und theo-
logisches Werk fortsetzen und vollenden, allerdings unter schwierigen
Bedingungen, denn er stand praktisch unter Hausarrest, stăndig tiber-
wacht und oft bedrăngt vom kommunistischen Sicherheitsdienst, der
ihm jede Teilnahme an Synoden oder anderen kirchlichen Anlăssen
verunmoglichte und ihn oft zum Verhor aus dem Kioster holten. Die
kommunistischen Behorden verboten auch die Publikation seiner
Schriften, die von da an bis in die 1970er Jahre nur ausserhalb Serbiens
publiziert werden konnten. Doch der Kămpfer Christi Hess sich nicht
einschiichtem, und sein Einfluss im orthodoxen serbischen Volk wuchs
unablăssig weiter. Bis zu seinem Hingang war er unbestritten die Săule
der Orthodoxie in seinem Land.'

ĂVcAe Je r R/. Erze^ge/ R/. von Cg/ţ/'e

Gegen Ende seines Lebens, berichtet Âbtissin Glykeria, kam eines


Tages eine kommunistische Delegation und verlangte, dass Altvater
Justin den Abriss der Klosterkirche gestatte, da man an dieser Stelle

' Bischof Nikoiaj war nach seiner Befreiung aus Dachau in die USA gegangen und
setzte sein Werk in der serbischen Diaspora in der Neuen Welt fort.
162 Jn.s'fM w n Ce/l/e

eine Eisenbahnlinie durchziehen wolle. Der Altvater horte ihnen zu,


ohne mit der Wimper zu zucken. Als sie feriig waren, zeigte er mit dem
Finger auf die Kirche der Hi. Erzengel und sagte: „Ich wili ihnen nicht
missfaiien... Dass ich damit euch missfalle, ist die geringste meiner
Sorgen!"
Unter seiner Leitung wurde das K loster Celije zu einem bedeutenden
Ausstrahhmgszentrum des Geisteslebens. Es emeuerte sich auch ăus-
seriich durch den Bau einer Kirche zu Ehren des hi. Johannes Chry-
sostomos und neuer Zellentrakte sowie durch die Schafîung einer
Ikonenmal-Schule, die den serbisch-byzantinischen Stil wieder autnahm.
Trotz aii ihrer Versuche vermochten die Gegner den „Mund der
Oifhodoxie" nicht zum Verstummen zu bringen. Das Licht Christi
konnte nicht verborgen bieiben, und gross war die Zahi jener, die sowohl

AeMle w/: Moatenegro (3. ron /z'nGf

aus Serbien als auch aus dem Ausland nach Celije stromten, um den
heiligen Bekenner und Asketen zu konsultieren und ihn predigen zu
horen. Auch das einfache Volk der Umgebung kam mit grossem Eifer
zur Liturgie, die der Altvater tăglich zelebrierte.
7. 7e7en 163

ii. dm* d ^ ' 7f/rc/m

Als sich in den 1960er Jahren auch unter gewissen Orthodoxen der
Zeitgeist des Relativismus und der Nivellierung in Glaubensfragen
breitzumachen begann und einige im Namen einer falsch verstandenen
oder auch bloss zum Vorwand genommenen christlichen Liebe soweit
gingen, die Heilige Apostolische Tradition der Orthodoxie und ihre
Glaubenswahrheit selbst zu relativieren, erhob Altvater Justin die
Stimme des Gewissens der Kirche und appellierte an die Verantwort-
lichen, um sie zur Besonnenheit und Aufrichtigkeit zu ermahnen.
Im Bewusstsein der 71'g/e und der Cdnge Mnd Rrede des
Mysteriums der Kirche empfand er mit grossem Schmerz die vielge-
staltige Apostasie unserer Epoche und verurteilte mit seiner gewohnten
Furchtlosigkeit und Offenheit den Okumenismus protestantischer Her-
kunlt - die PnnMrasde, wie er ihn nannte, weil er alle anderen vorher-
gehenden Hăresien rckapitutiert der auf einer der Orthodoxie vollig
fremden Ekklesiologie beruht. Die Kirche Christi, betonte er, ist wie
Christus selbst ewig unteilbar und ungeteilt. Im Laufe der Zeiten sind
manche abgefallen von ihr, wie die Reben im Gleichnis des Herrn (Joh
15, 1-8), und der einzige Weg zur Wiedervereinigung mit ihr ist
aufrichtiger Sinneswandel, /Wcdmo/d, die Ruckkehr zur Wahrheit des
Gottmenschen, denn <7A udrd eMcAyheduacAen (Joh 8,32).'
Beseelt von einer unverbmchlichen Liebe zum ewigen Wesen des
Menschen, liess er nicht ab, mit eindringlichen Worten klarzumachen,
dass der Mensch seine gottgewollte Bestimmung, die Losung von sei­
ner durch die Sunde bewirkten Verhaftung im Endlichen und die
Verwirklichung seiner Unvergănglichkeit, seiner Gottebenbildlichkeit,
niemals erlangen kann durch menschliche Ideologien, wie klug auch
immer, sondem allein durch die ewige gottliche Wahrheit selbst, den
Gottmenschen Jesus Christus - vom Menschen empfangen, erfahren,
erlitten und erkannt im Heiligen Geist in Seiner Kirche, die keine
menschliche Organisation ist, sondem ein lebendiger gottmenschlicher
Organismus, Christus Selbst, „die Seele seiner Seele, das Herz seines
Herzens".
Deshalb ist das zentrale Problem des modemen Menschen westlicher
Prăgung seine „Entkirchtichung", bewirkt durch den Verlust des Sinns

' O rtodox CAMrcA and EcMwenMm, Kapitel TAe CĂaracterMdc^ o/*tAe CAarcA,
S. 47 tf. Lazarica Press, Birmingham 2000.
164 4 /tv a te r WH C e /ye

fur das Mysterium der Rirchc - das eigentliche Mysterium des christ-
lichen Glaubens als Folgc seiner Selbsttiberhebung, die ihn zwingt,
einen „Christus" oder Ersatzgott nach seinem eigenen menschlichen
Mass ausserhalb Seiner Kirche zu suchen, mit dem Ergebnis, dass er
sich letztlich seibst zum „Gott" macht und schamios seine eigene
Unfehlbarkeit crkiărt.
Der einzige Ausweg aus dieser fatalen Sackgasse ist die Umkehr, die
Rtickkehr zum einzigen Erioser, zum Gottmenschen Jesus Christus,
„dem immerdar Leben Spendenden und Wunder Wirkenden, dem ein­
zigen Freund der Menschen in allen Welten."'
Dieser Aufruf zur Rtickkehr zur Wahrheit Christi ist der Grundton
des gesamten Wirkens und schriftstelierischen Werks von Aitvater
Justin. In Celije voilendete er seine dreibăndige Dogmatik mit dem
dritten Bând, welcher der Ekkiesiologie gewidmet ist, das heisst der
orthodoxen Lehre von der Kirche. Hier entstanden zwischen 1954 und
1962 auch die 12 Bande der t7er Ffet/tgenk die er aus
verschiedenen Quellen zusammentrug und ins Serbische tibersetzte.
Femer schrieb oder tibersetzte er eine Reihe von Gebetsbtichem und
iiturgischen Texten. Insgesamt fullt sein vielseitiges Werk mehr als 40
Bande, von denen seibst heute noch nicht alle verdlîentlicht und die
wenigsten tibersetzt sind. Eines der
charakteristischen Merkmale dieses
Werks ist seine wunderbare, vom
Heiligen Geist durchwehte Sprache,
die sich nicht im Abstrakten verliert,
sondem zur Seele und zum Herzen
des lebendigen M enschen spricht.
In der Tat, obwohl Aitvater Justin
ein hochgebildeter Theologe und
Dogmatiker war, hatte er nichts von
einem trockenen Theoretiker, sondem
zeichnete sich aus durch ausgespro-
chene menschliche W ărme und
Herzlichkeit. Er liebte die Kinder und die Blumen, von denen er viele
pflanzte, und oftmals sagte er: „Die Kinder und die Blumen, sie sind es,
die uns vor Gott rechtfertigen werden."^* Er liebte alle Menschen als

' Pere Justin Popovitch, et /TJcwwie-DieM, op. cit., S. 153


^ Z;Yi/'<2 ^veAA. Siehe Bibliographie am Ende des Kapitels.
^ Zitiert von Metropolit Amfilochije in: KXetrou Imavvt5t], op. cit., S. 182.
165

Menschen und betete fur alle. Er weinte viei ilber sein Volk, vor aliem
aber iiber die Kinder, die aufwachsen ohne Gott.

72.

Am 25. Mărz 1979 (nach dem Alten Kalender), dem Fest der Ver-
kiindigung, an dem er 85 Jahre fi uher geboren worden war, entschlief
der heilige Aitvater nach kurzer Krankheit in Frieden zu seinem all-
geliebten fterrn. Die Nachricht von seinem Hingang verbreitete sich
mit Windeseile nicht nur im ganzen Land, sondem auch in den Zentren
der Orthodoxie uberall auf der Welt, wo spontan Bittgottesdienste
abgehalten wurden fur ihn. Zu seinem Begrăbnis neben der Kloster-
kirche von Celije am 28. Mărz fanden sich Unzăhlige ein, darunter
viele Hierarchen aus Serbien und dem Ausland.
„Keiner in der Geschichte seines Volkes", sagte Priestermonch
Amfilochije (der heutige Metropolit von Montenegro) in seiner
Grabrede, „hat so innig wie er das wunderbare Antlitz des mensch-
gewordenen Logos Gottes zelebriert und gegenwărtig gem acht... Jedes
seiner Worte, jeder seiner Gedanken begann in Ihm und endete in Hun."
Seither ist sein Grab Pilgerort tur Orthodoxe aus aller Welt, und
wunderbare Ereignisse sind beobachtet worden an der Stătte, die einen
himmlischen Duft verbreitet.'

1991 wurden die Reliquien des hl. Nikolaj aus den USA nach Celije zuruckgebracht
und neben Aitvater Justins Grab beigesetzt, womit der Ort zur doppelten Pilgerstătte
geworden ist.
166 ^4/tvater von Ce/ţ/e

II. - Aus den Schriften


7cA &;'?! der l^Fg, d/e !Kd?r/:ed :;/;d da.s AeAe/!.
Joh 14,6.

Der Gottmensch - die Grundwahrheit der Orthodoxie


A lle Wahrheiten der Orthodoxie gehen hervor aus einer einzigen
Z X . Wahrheit und fuhren hin zu einer einzigen Wahrheit, der
unendiichen und ewigen Wahrheit. Diese Wahrheit ist der Gottmensch
Christus. Wenn du irgendeine der Wahrheiten der Orthodoxie zur
Gănze ertahrst, wirst du unweigerhch erkennen, dass ihr Kem der
Gottmensch Christus ist. AHe Wahrheiten der Orthodoxie sind
tatsăchiich nichts anderes ais verschiedene Aspekte der einen Wahrheit -
des Gottmenschen Christus.

Orthodoxie ist Orthodoxie auf Grund des Gottmenschen und von nichts
anderem. Ein anderer Name fur Orthodoxie ist deshaib:
Gottmenschentum. Nichts in ihr existiert kraft des Menschen, aus dem
Menschen, sondern alles kommt vom Gottmenschen und existiert kraft
des Gottmenschen.

Warum ist der Gottmensch die Grundwahrheit der Orthodoxie? Weil Er


aile Fragen beantwortet hat, die den menschiichen Geist quălen und
bedrăngen: die Frage von Leben und Tod, die Frage von Gut und Bose,
die Frage von Himmel und Erde, die Frage von Wahrheit und
Falschheit, die Frage von Fiebe und Fiass, die Frage von Gerechtigkeit
und Ungercchtigkeit. Kurz: die Frage von Gott und Mensch.

Warum ist der Gottmensch die Grundwahrheit der Orthodoxie? Wei! Er


durch Sein Feben auf Erden auf offenkundigste Art bewiesen hat, dass
Er die fleischgewordene, menschgewordene und persongewordene
ewige Wahrheit ist, die ewige Gerechtigkeit, die ewige Fiebe, die
ewige Freude, die ewige Kraft. Die Wahrheit selbst, die Gerechtigkeit
selbst, die Fiebe selbst, die Freude selbst, die Kraft selbst.

Nur durch den Gottmenschen vermag der Mensch die vollstăndige


Wahrheit uber den Menschen, liber den Sinn und Zweck seines eigenen
7/. ZeAre 167

Daseins zu erkennen. Ohne Ihn wird der Mensch zum Phantom, zur
Vogelscheuche, zu einer Absurdităt. Ohne Ihn findest du bloss den
Bodensatz eines Menschen, Bruchstucke eines Menschen, das Wrack
eines Menschen. Echtes M enschsein ist moglich nur in der
Gottmenschiichkeit. Eine andere Art von Menschsein gibt es nicht
unter dem HimmeL

Der Gottmensch brachte atle gottiichen VoHkommcnhcitcn vom Himme!


herab auf Erden. Nicht nur brachte Er sie herab, Er lehrte sie uns auch
und gab uns die gnadenerfullte Kraft, sie zu unserem Leben zu machen,
zu unserem Denken, unserem Ftihien, unserem Tun. Deshaib sind wir
berufen, sie in uns seibst und in der Weit um uns zu inkamieren.

Betrachten wir das Beste der besten Menschen des Menschen-


geschlechts. In a)ten von ihnen ist der Gottmensch das Beste, das
Wichtigste, das Ewige. Denn Er ist die Heiligkeit der Heiiigen, das
Martyrertum der Martyrer, die Gerechtigkeit der Gerechten, die
Apostolizităt der Apostel, die Gutheit der Guten, die Barmherzigkeit
der Barmherzigen, die Liebe der Liebenden.

Nur in Ihm, dem allerbarmenden Herrn Jesus, findet der von irdischen
Tragodien gequălte Mensch den Gott, Der dem Leiden wahrhaft Sinn
geben kann, den Troster, Der ihn wahrhaft trosten kann in jedwelchem
Ungluck und Leid, den Beschutzer, Der ihn wahrhaft beschutzen kann
vor aliem Bosen, den Retter, Der ihn wahrhaft retten kann aus Sfinde
und Tod, den Lehrer, Der ihn w ahrhaft ewige W ahrheit und
Gerechtigkeit lehren kann.

Er erhebt den Menschen zum Unendlichen. Er erhebt ihn zu Gott. Er


macht ihn zum Gott der Gnade nach. Er erfullt ihn mit allen gottiichen
VoIIkommenheiten. Der Gottmensch hat den M enschen mehr
verherrlicht, als irgendetwas oder irgendwer es je zu tun vermochte. Er
hat ihm ewiges Leben geschenkt, ewige Wahrheit, ewige Liebe, ewige
Gerechtigkeit, ewige Gutheit, ewige Segnung. Durch den Gottmenschen
erlangt der Mensch gdttliche Erhabenheit.

Wăhrend das Fundament der Orthodoxie der Gottmensch ist, ist das
Fundament jeder Heterodoxie der Mensch, genauer gesagt Fragmente
des Menschen - seine Vernunft, sein Wille, seine Sinne, seine Psyche,
sein Leib, sein Sachwissen.
168

Der ganze Mensch ist der Heterodoxie unbekannt. Sie zerteilt ihn in
Atome, Partikel. So wie „Kunst um der Kunst wilien" eine Absurdităt
ist, so ist es auch „der Mensch um des Menschen wilien". Dieser Weg
fuhrt zum erbănnlichsten Pandămonium, in welchem der Mensch der
oberste Gotze ist - und es gibt nirgends einen Gotzen, der erbărmlicher
wăre ais er.

Die erste Wahrheit der Orthodoxic ist, dass der Mensch nicht um seiner
selbst willen existiert, sondem um Gottes wilien, genauer gesagt, um
des Gottmenschen wilien. Im Gottmenschen allein ist Begreifen des
M enschseins moglich. In Ihm allein ist Rechtfertigung des
menschlichen Daseins moglich. Alle Mysterien von Himmel und Erde
sind enthalten in dieser Wahrheit, alle Werte aller Welten, die der
Mensch betrachten kann, alle Freuden aller Vollkommenheiten, die der
Mensch erlangen kann.

In der Orthodoxie ist der Gottmensch alles, sowohl mittelbar als auch
unmittelbar, und so west der Mensch in Ihm. Doch in der Heterodoxie
gibt es nur den Menschen.

In ihrem eigentlichen Wesen ist die Orthodoxie nichts anderes als die
Person des Gottmenschen Christus Selbst, ausgedehnt uber alle Zeiten,
ausgedehnt als die Kirche. Die Orthodoxie hat ihr eigenes Siegel und
Zeichen, durch das sie sich kennzeichnet. Es ist die strahlende Person
des Gottmenschen Jesus.

Alles was diese Person nicht hat, ist nicht orthodox. Alles was die
Gerechtigkeit, Wahrheit, Liebe und Ewigkeit des Gottmenschen nicht
hat, ist nicht orthodox. Jeder Versuch, das Evangelium des Gottmen­
schen in dieser Welt zu verwirklichen durch die Methoden dieser Welt,
durch die Methoden der Reiche dieser Welt, ist nicht orthodox, sondem
bedeutet Verfall an die die dritte Versuchung des Teufels (s. Mt 4,8).

Orthodox sein bedeutet, den Gottmenschen unablăssig in deiner Seele


zu tragen, in Ihm zu leben, in Ihm zu fuhlen, in Ihm zu handeln. Mit
anderen Worten, orthodox sein bedeutet, Christus-Trăger und Geist-
Trăger zu sein. Ein Mensch erlangt dies, wenn im Leib Christi, der
Kirche, sein ganzes Wesen, von oben bis unten, erfullt wird mit dem
77. Z,e/?re 169

Gottmenschen Christus. Deshalb ist der orthodoxe Mensch /?n'7


C/n*7s7M.s' m Go/t v<?/'bo/*gen (Kol 3, 1-3).

Der Gottmensch ist die Achse aller Welten, von der Welt des Atorns bis
zur Welt der Cherubim. Jedes Geschopf, das abbricht von dieser Achse,
sttirzt in Schrecken, in Qual, in Todesangst. Luzifer brach ab - und
wurde Satan. Engel brachen ab - und wurden Dămonen. Der Mensch
brach weitgehend ab - und wurde unmenschlich (ein Nicht-Mensch).

Alles Geschopfliche, das abbricht davon, sttirzt unweigerlich in Chaos


und Leid. Wenn ein Volk als ganzes den Gottmenschen verleugnet,
wird seine Geschichte zu einer Wanderung durch Holle und Horror.

Der Gottmensch ist nicht nur die Grundwahrheit der Orthodoxie,


sondem auch ihre Kraft und Allmacht, denn Er allein rettet den
Menschen vom Tod, von der Siinde und vom Teufel.

Kein Mensch, wer immer er sei, noch auch die Menschheit als ganze
vermochte und vermochte dies je zu tun. Des Menschen Kampf gegen
Tod, Siinde und den Teufel fiihrt stets zur Niederlage, es sei denn, er
wird vom Gottmenschen gefuhrt. Nur durch den Gottmenschen
Christus vermag der Mensch Tod, Siinde und den Teufel zu besiegen.

Deshalb ist die Bestimmung des Menschen: sich selbst zu fiillen mit
dem Gottmenschen in Dessen Leib, der Orthodoxen Kirche;
transfiguriert zu werden in Ihm durch Grosstaten christlicher Askese
kraft der Gnade: măchtig zu werden zu aliem Guten, sodass er,
wăhrend er leibhaftig durch diesen traurigen irdischen Ameisenhaufen
wandert, in seiner Seele oben lebt, wo Christus zur Rechten Gottes
sitzt, und sein Leben durch das Gebet unablăssig ausspannt zwischen
Erde und Himmel, wie einen Regenbogen, der den Gipfel der Himmel
verbindet mit dem Abgrund der Erde.

Unsterblich zu werden in Ihm durch die Macht des Heiligen Geistes,


einszuwerden mit Gott, mit dem Gottmenschen - das ist die
Bestimmung, die wahre Bestimmung des gesamten M enschen-
geschlechts. Es ist auch die Freude, die einzige wahre Freude in dieser
Welt grenzenlosen Leids und vergiftender Bitterkeit.
170 JM-s^'n von C e/y'e

Orthodoxie ist das, was sie ist, durch den Gottmenschen. Und indem
wir Orthodoxen den Gottmenschen bekennen, bekennen wir indirekt
das Christus-Biid im M enschen, den gottiichen Ursprung des
Menschen, die gottliche Bestimmung des Menschen und damit auch
den gdtthchen Wert und die Heiligkeit der menschlichen Person.

Der Kampf fur den Gottmenschen ist tatsăchiich der Kampf fur den
Menschen. Nicht die Humanisten, sondern das orthodoxe Volk mit
seinem Glauben und Leben im Gottmenschen trăgt den Kampf aus fur
den wahren Menschen, den Menschen nach dem Biide Gottes, nach
dem Biid Christi.'

Der Mensch
7enn der Mensch aus seinem Erdenleib erwacht und die geistigen
W Realităten wahrnimmt, erkennt er, dass die materiellen Realităten
nur insofem real sind, als sein Geist sie als solche begreift, und damit
kommt er sogleich zum paradoxalen Schluss, dass die Menschen, als
besondere Kategorie von Lebewesen, die Realităten der materiellen
Welt durch den Geist erkennen, der selbst keine der Eigenschaften der
materiellen Welt besitzt und weder materiell objektiviert noch als
hyper-subjektive Realităt bewiesen noch fur die Sinne greifbar werden
kann...

Nachdem er erwacht ist, kommt der Mensch, von seinem immateriellen


Geist in die Mysterien der materiellen, physischen Welt gefuhrt, zu
immer klarerer Erkenntnis, dass sein Geist seine grosste und
unmittelbarste Realităt ist, und mithin auch sein hochster Wert. Aus
dieser Situation heraus begreift der M ensch die unbestreitbare
Wahrheit der Worte des Herm liber die menschliche Seele als die
erhabenste Realităt und den hochsten Wert, eine Realităt, die realer ist
als die gesamte sichtbare Welt, und ein Wert, der alle Sonnensysteme
ubertrifft. Da/m wu,s' /rn'tzt a.s' Ja/M Afan^aAan, <7ia g arza RE/t zu
gawhuza^, nan/! ar Az/ja/ &7:aa/ar a/? .sa/'rar .S'aa/a? G Jar

' Erstmals publiziert 1937 in der Zeitschrih G/a^ („Stimme des Hirten"), Nr. 1,
Kragujevats. Engl. Ubers. 77;e GoJ-Atan, FoMrJaA'oH o/" r/?e 77MrA o/*
(s. Bibliographie).
7/. LeAre t71

/rb'/m/g J e r gebc/; Cege/?we/7 /h7* ygme 6*gg/e? (Mt


16,26/Mk 8,36). Mit anderen Worten: Es gibt in der sichtbaren Welt
keinen Wert, der jenem der menschlichen Seele gleichkăme... Die
Seele ist mehr wert als alle Welten zusammengenommen.

Tatsăchlich beruht das ganze sichtbare Leben des Menschen, sein


Leben in Zeit und Raum, auf Unsichtbarem, nămlich auf seinei* Seele,
auf seinen Gedanken, auf seinem Bewusstsein...

Durch sein Denken ist der Mensch verbunden nicht nur mit der Welt
der sichtbaren, materiellen Realităten, sondem auch mit der Welt der
geistigen Realităten. Der Mensch orientiert sich in der Welt der
sichtbaren Realităten und Geschehnisse durch sein Denken, und durch
dieses misst und bewertet er alles, wăhrend es selbst unsichtbar ist.
Noch naturlicher und logischer ist, dass er sich auch in der Welt der
geistigen Realităten und Werte durch dasselbe orientiert. In der
Erkenntnislehre konnen selbst die extremsten unter den Sensualisten
dies nicht leugnen, und wir mussen es anerkennen: der menschliche
Geist ist eine Werkstatt der Wunder, wo die Sinneseindrucke auf
unbegreifliche Art in Gedanken umgewandelt werden.

Der emsthafte Beobachter der Welt, von welcher Seite auch immer er
sich ihren m ateriellen und geistigen Realităten năhert, sprirt
notw endigerw eise in allen Phănomenen die Gegenwart des
unendlichen Mysteriums. Dies ist der Tribut, den jeder Denker
zwangslăufig dem rătselhaften Mysterium dieser Welt zahlen muss.
Unzweifelhaft hăngt die rechte Orientierung in dieser rătselhaften Welt
vom Geist ab, kraft dessen sich der Mensch orientiert, genauer gesagt
von der Natur des G eistes...

Der menschliche Geist strebt unaufhorlich nach ewigem Wissen, nach


ewigem Leben, nach ewigem Sein. In alledem verfolgt er ein Einziges:
die Uberwindung des Vergănglichen, des Fliichtigen, des Begrenzten,
und die kraftvolle und sichere Feststellung des Ewigen, des
Unbegrenzten, des Unendlichen. Die Bemtihungen des menschlichen
Geistes in allen Kulturen und allen Zivilisationen laufen letztlich auf
eine einzige gigantische Anstrengung hinaus, auf diese oder jene Weise
den Tod und die Sterblichkeit zu besiegen und die Unsterblichkeit zu
sichem, das ewige Leben...
172 zGrale?* w n Ce/ţ/'e

Woher kommt diese Sehnsucht, dieses allseitige Streben des


m enschbchen Geistes nach dem Unendiichen? Was treibt das
menschliche Denken von Problem zu Problem, von Unendlichkeit zu
Unendlichkeit?... Die Sehnsucht nach dem Unendiichen liegt in der
Natur selbst des menschbchen Geistes... Der Durst nach Unendlichkeit,
nach Unsterblichkeit ist der urtumlichste, der metaphysische Durst des
menschlichen Geistes.

Es liegt auf der Hand, dass die Sehnsucht nach dem Unendiichen dem
Menschen nicht von seiner materiellen Natur auferlegt worden sein
kann, denn letztere ist selbst vergănglich und begrenzt und hat diese
Sehnsucht nicht in sich. Ebenso offensichtlich ist, dass auch der
menschliche Leib nicht die Quelle dieser Sehnsucht ist, denn auch er
ist vergănglich. Deshalb bleibt als einzige logische Antwort: die
Sehnsucht des M enschen nach dem Unendiichen, nach der
Unsterblichkeit, griindet im Wesen selbst des menschlichen Geistes.
Der nach dem Bilde Gottes erschaffene Mensch ist zur Gănze in dieser
Sehnsucht enthalten. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen ist es, die
sich sehnt nach den unendiichen Wahrheiten Gottes in allen Welten.
Das dem Geist des Menschen innewohnende Gottesbild drăngt den
Menschen, sich auszustrecken nach allen Grenzenlosigkeiten Gottes
und sich zu sehnen danach.

Es ist fur die nach dem Bild Gottes gestaltete, die gottgestaltige Seele
nur natiirlich, sich zu sehnen nach Gott, ihrem Urbild... Die ganze
Erfahrung des Menschengeschlechts zeugt von dieser măchtigen und
mystischen Sehnsucht des m enschlichen Geistes nach dem
Unendiichen, nach dem ewigen Leben, entweder in dieser Welt oder in
der anderen... Wenn wir den Menschen auf seine gmndlegenden
Komponenten hin untersuchen, finden wir in jedem Fall diese
Sehnsucht nach der Unsterblichkeit als das Fundament, auf dem der
Mensch griindet und von dem er ontologisch abhăngt.

Indem Gott den Menschen nach Seinem Bilde schuf, goss Er seinem
ganzen Wesen die Sehnsucht ein nach der gottlichen Unbegrenztheit
des Lebens, nach der gottlichen Unbegrenztheit des Wissens, nach der
gottlichen Unbegrenztheit der Vbllkommenheit. Aus eben diesem
Grund kann die grenzenlose Sehnsucht, der grenzenlose Durst des
//. LeAre 173

menschlichen Wesens durch nichts anders zur Gănze gestillt werden als
durch Gott allein.

Indem Christus unser Retter die gottliche Vollkommenheit als hochstes


Ziel der menschlichen Existenz verkundete -
w/'e gMer fhter m TVzhîwe/n ro/Z/ro/u/ue/r Z.st (Mt 5,48) - antwortete
Er auf das elementarste Bedurfnis und Verlangen des gottgestaltigen
und sich nach Gott sehnenden menschlichen Wesens.

Die Gottebenbildlichkeit ist die Essenz der Essenz des menschlichen


Wesens. Ihr gemăss gestaltet sich der Mensch und băut er sich auf in
dieser Welt. Und in der Tat - im menschlichen Sein steht Gott an erster
Stelle und der Mensch an zweiter. Anders gesagt, der Mensch ist
erschaffen als ein /wtcHhcZZ gottmenschliches Wesen und ist gerufen,
sich selbst, gefuhrt von seiner gottgestaltigen Seele, in aliem gănzlich
Gott anzugleichen, sodass er zu einem gottmenschlichen Wesen
wird, das heisst zu einem Wesen, in welchem der Mensch auf vollkom-
mene Weise einsgeworden ist mit Gott und in Seinen grenzenlosen
gottlichen Vollkommenheiten lebt.

Doch stattdessen loste der Mensch seinen Geist von aliem Gottlichen,
das in ihm ist, und schritt ohne Gott voran zu den Mysterien dieser
Welt, das heisst er schritt voran ohne seinen natiirlichen Fuhrer. Des-
halb kam er in dieser Welt an unuberbruckbare Abgrtinde, an furchter-
regende Absturze und Schlunde.

In seinem eigentlichen Wesen bestand der Sturz des Menschen in einer


Revolte gegen die Gottebenbildlichkeit seines Wesens. Der Mensch
verliess Gott und die Dinge Gottes und beschrănkte sich auf die blosse
Materie, auf den blossen, den entblossten Menschen. Mit seiner ersten
Revolte gegen Gott gelang es dem Menschen, Gott zum Teii aus sich
zu vertreiben, aus seinem Gewissen, aus seinem Wollen....

Der Humanismus [d.h. die Denk- und Existenzweise des von Gott
getrennten, in seiner blossen menschlichen Natur eingeschlossenen
Menschen] ist das grundlegende Ubel, das Ur-Ubel des Menschen. Im
Namen der menschlichen Autonomie hat der Mensch Gott in eine uber-
menschliche transzendente Sphăre verbannt und ist allein geblieben,
allein mit sich selbst und in sich selbst.
174

Doch es ist ihm nicht gelungen, die Merkmale der Gottebenbiidlichkeit


gănzlich zu tiigen aus seinem Geist. Sie manifestieren sich seibst noch
innerhalb seines Humanismus, in Fonn seines Strebens nach unbe-
grenztem Fortschritt, unbegrenztem Wissen, unbegrenzter Vervoll-
kommnung, nach endiosem biologischem Dasein.

Bewusst oder unbewusst versucht der Mensch in allen Kămpfen, die er


innerhalb seines Humanismus fuhrt, das verlorene Gottesbild zuriick-
zuerlangen. Und es gelingt ihm zum Teii - soweit, wie notig ist, um ihn
zur Einsicht zu bringen, dass er aus sich seibst, krait seiner blossen
menschlichen Natur, ohne Gott, niemals imstande sein wird, seinen
Geist zu heilen, die Gottebenbiidlichkeit seines Wesens wiederher-
zustellen. Mit der Stimme all seiner humanistischen Nostalgien ruft der
Mensch in Wirklichkeit nach dem Gottmenschen.

Deshalb war das Erscheinen des Gottmenschen Christus in dieser Welt


etwas Naturliches, Folgerichtiges und Notwendiges. Denn nur der
Gottmensch erlost den kranken und durch den Humanismus
entgottlichten menschlichen Geist zur Gănze von allen seinen
Qualen... Er aliem befreit die Anlagen zum Gottmenschentum im
menschlichen Geist aus der Tyrannei des gottfeindlichen Humanismus
und macht sie wieder fahig, sich zu entfalten zu ihrer ganzen unsterb-
lichen Fulle...

Der Gottmensch ist nicht etwas, das der Natur und den Bedurfnissen
des Menschen kremd wăre. Er ist im Gegenteil das Notwendigste von
aliem. So notwendig, dass Er Seibst, der allwahre Gott und Herr, Sich
als das einzig VohveuJ/ge offenbart hat (s. Lk 10,42).

In der gottmenschlichen Person Christi ist die fundamentalste, die


rationalste und vollste Vereinigung des Lebens hienieden mit dem
jenseitigen Lebens verwirklicht, und kraft dessen auch die Vereinigung
des irdischen mit dem jenseitigen Wissen sowie die Vereinigung des
menschlichen mit dem gottlichen Empfinden. Dies bedeutet, dass der
klaffende Abgrund zwischen dem Leben, Denken und Empfinden
Gottes und dem Leben, Denken und Empfinden des Menschen,
zwischen dieser und jener Welt, uberbriickt worden ist.
7/. T,e/;re 175

Deshalb emphndet der in Christus wesende Mensch lebhakt das Eins-


sein beider Welten, das Einssein Gottes mit dem Menschen, des Irdi-
schen mit dem Transzendenten, des Natiiriichen mit dem Ubematiir-
iichen. Er empfindet intensiv und erkennt mit alier Deutiichkeit, dass
sich in ihm seibst der Hintibergang vom Sterblichen zum
Elnsterblichen, vom Zeitlichen zum Ewigen volizogen h at...'

Der Gottmensch einziger wahrer Mahstab des Menschen


eil Christus als gottmenschliche Person der allerhochste Wert ist,
ist Er auch das hochste Kriterium alier wahren Werte. In dieser
Welt kann kein Wesen unterhalb des Gottmenschen wahrer WcrtmaS-
stab sein, eben deshalb, weil der hochste Wert die Person des Gottmen­
schen ist. Das Mass kann in keiner Weise der Mensch sein, denn er ist
ein Wert, der sehr weit unter jenem des Gottmenschen liegt.

„Was ist Wahrheit?" Iragte Pilatus die fleischgewordene Wahrheit (Joh


18,38). Er wollte mit seinen Ohren horen, was er mit seinen Augen
nicht sehen konnte...

Der Gottmensch Christus ist die Wahrheit - nicht als Bcgriff, nicht als
Lehre, noch auch als eine bestimmte Energie, sondem als vollkommene
und ewig lebende gottmenschliche Hypostase. Als gottmenschliche
Person nur ist Er das Kriterium der Wahrheit. Aus diesem Grund sagte
Er von Sich nicht nur /cA 6 A d/'c sondem auch /c/? /v'w r/er
UEg (Joh 14,6), das heisst, Er Seibst ist der Weg zur Wahrheit, das
Kriterium der Wahrheit, die Essenz der Wahrheit. Das Kriterium der
Wahrheit ist die Wahrheit seibst...

Im Christentum ist Wahrheit nicht ein philosophisches Konzept, nicht


eine Theorie, eine Lehre oder ein Lehrsystem, sondem sie ist die
lebendige gottmenschliche Hypostase, der geschichtliche Jesus Christus

' Aus: O W/Wm ox/o/ogz/'e / A?7/e?7o/og//'e („Der hochste Wert und das
letzte Kriterium der Orthodoxie"), Antrittsvoriesung des Altvaters als Ordinarius fur
Dogmatik an der Universităt Belgrad, 1935. Erstmals gedruckt in der Universităts-
zeitschrift „Bogoslovlje", 1935/1. Spăter in griech. Ubers. im Sammelband Avdprn-
jrog xut dedvdpwjrog, Athen , 7. Aufl. 2001, S. 102-110 (siehe Bibliographie).
176 ZktvaterJM^tw von CeA/'e

(Joh 14,6). Vor Christus konnten die Menschen nur mutmassen tiber
die Wahrheit, denn sie besassen sie nicht. Mit Christus, dem
fleischgewordenen gottlichen Logos, kommt die ewige gottliche
Wahrheit in ihrer ganzen Fiille in die Welt. Deshalb sagt das
Evangelium: Die EhA/AAt JMrcA Je.sM.s' CA/'AtM.s' (Joh 1,17).

Was ist das Leben? das echte, das wahre Leben? und welches ist das
Kriterium des Lebens? Die Person des Gottmenschen Christus.
Wiederum die Person und nicht Seine Lehre, abgeschnitten von Seiner
wunderwirkenden und lebenspendenden Person. Kein einziger unter
den Menschen hat je gewagt zu sagen, „ich bin das Leben", denn alle
sind sterblich. Doch der Gottmensch hat gesagt: 7cA Am Jas' LeAew (Joh
14,6), und dies zu Recht, denn durch Seine Auferstehung hat Er den
Tod besiegt und durch Seine Auffahrt und Sein Sitzen zur Rechten des
Vaters hat Er sich als ewig lebendig erwiesen. Deshalb ist der
Gottmensch Selbst das Leben und das Kriterium des Lebens...

Seine ganze Lehre und Sein ganzes Werk rekapituliert Christus in


Seiner gottmenschlichen Person und erklărt es durch Sich Selbst.
Deshalb fasst die Apostolische Orthodoxe Kirche die Gesamtheit des
Christentums in der lebenspendenden Person des Gottmenschen
Christus zusammen - die Lehre und die Wahrheit und die Gerechtigkeit
und das Gute und das Leben.

Die Person des Gottmenschen Christus ist der hochste Wert und der
grosste Schatz der Kirche. Alle anderen Werte empfangt die Orthodoxe
Kirche wie Sonnenstrahlen von der einzigen Sonne, Christus.'

ZST rAV AWc/n?

"Y ^L ir dtirfen uns nicht irrefuhrcn lassen - das Christentum ist


V V Christentum durch Christus und durch nichts anderes. Darin liegt
seine aussergewohnliche Bedeutung, sein Wert und seine KraR. Der
Gottmensch Christus hat Sich Selbst, Seine gottmenschliche Person,
als Kirche hinterlassen. Deshalb ist die Kirche das, was sie ist, aliem
durch den Gottmenschen und im Gottmenschen. Alles im Neuen

Ebenda, S. 114-116.
77. LeAre 177

Testament verdichtet sich zu dieser kolossaien und allumfassenden


Wahrheit: der Gottmensch ist das Wesen und die Bestimmung und der
Sinn und der absolute Wert der Kirche. Er ist ihre Seele, ihr Herz und
ihr Leben. Er selbst ist die Kirche, in ihrer ganzen gottmenschlichen
Ftille. Denn die Kirche ist nichts anderes als der Gottmensch Christus
Selbst, ausgedehnt liber alle Zeiten: S/eAe, /cA Az'n /ni/ encA n/A 7hge,
AA Ende der Zeii (Mt 28,20. Siehe auch Eph 1, 21-23).

Der Gottmensch ist du.s' /AuyA de.s' Ae/'A.s* der WrcAe (Kol 1,18, Eph
1,22 und 5,23), das einzige Haupt. Als solcher ist Er auch der Z?e77er
des* Ae/A.s' der WrcAe (Eph 5,23), der einzige Retter. Durch Ihn, den
einzigen, alleinigen und ungeteilten Gottmenschen, ist die Kirche
allezeit einzig, alleinig und ungeteilt. Denn Er Selbst als Gottmensch
bewahrt den ganzen Leib der Kirche in einer ungeteilten Einheit der
Gnade, der Wahrheit und des Lebens. Durch Ihn wăchst der Leib der
Kirche und empfangt alle Dimensionen des gottlichen Lebens, wdcA^t
er in gottlicher Weise hin zn/n /bdnm.s'.s' der gottmenschlichen AYd/e
CArişti, denn ndas' Ist dnrcA /An und nn/ /An Ain er.scAu)/en (Eph 4,15-
16 und 13, Kol 1,16)...

Aus allen diesen Grunden hat die Kirche, durch ihre Apostel, ihre
Martyrer, ihre Bekenner, ihre heiligen Văter und ihre Glăubigen,
unerschlitterlich die Gottm enschlichkeit des Herrn Jesu, Seine
wunderbare und unersetzliche gottmenschliche Person bekannt und
mehr als alles andere verteidigt. Wăhrend sich die Kirche mit Erbarmen
iiber die Slinder beugt, hat sie stets unbeugsam und unerbittlich all jene
verurteilt und von sich gestossen, die auf diese oder jene Weise die
Gottmenschlichkeit Christi leugneten, verwarfen oder verzerrten. Sie
ist immerdar bereit, mit Freuden zu jedwelchen apokalyptischen
Martern zu schreiten, wenn es darum geht, die gottmenschliche Person
Christi zu verteidigen und zu bewahren.'

DA /Asenz der DrtAndnar/e

Telches ist die Essenz der Orthodoxie? Der Gottmensch Christus.


W Deshalb hat alles, was orthodox ist, gottmenschlichen Charakter -
das Wissen, die Erfahrung, das Wollen, das Denken, die Ethik, die

Ebenda, S. 116-118.
178 vow Ce/i/'e

Dogmatik, die Philosophie, das Leben. Die Gottmenschlichkeit ist die


einzige Kategorie, in weicher sich aiie Kundgebungen der ORhodoxie
bewegen und ereignen. Uberali hat Gott den ersten Piatz und der
Mensch den zweiten. Gott fuhrt und der Mensch folgt. Gott wirkt, der
Mensch wirkt mit. Und Gott wirkt nicht wie irgendein transzendenter,
abstrakter Gott des Deismus', sondem ais der Gott der unmitteibarsten
geschichthchen Wirklichkeit, als der Gott der Offenbarung, ais der
Gott, Der Mensch geworden ist und innerhaib den Kategorien unseres
eigenen menschiichen Lebens geiebt und sich uberali ais absolut heiiig,
absolut gut, absolut wissend, absolut gerecht, absolut wahr kund-
gegeben hatd

* T \ie gottliche Kraft des Gottmenschen wirkt immerdar in Seinem


gottmenschlichen Leib, der Kirche, und macht die Menschen eins
mit Gott durch das heilige Leben in der Gnade. Denn die Kirche ist
nichts anderes als jener wunderbare gottmenschliche Organismus
selbst, in welchem durch Zusammenwirken der gottlichen Gnade und
des freien menschiichen Handelns der ganze Mensch und alles
Menschliche, die Stinde ausgenommen, unsterblich und gottmenschlich
gemacht wird.

Im gottmenschlichen Organismus der Kirche ist jeder Glăubige eine


lebende Zelle, organischer Bestandteil desselben, belebt durch die
lebenspendende gottmenschliche Kraft Christi. Denn Mitglied der
Kirche sein bedeutet, dem Gottmenschen Christus einverleibt zu
werden, eines Leibes zu werden mit Ihm (s. Eph 3,6), organisches
Glied Seines gottmenschlichen Leibs (Eph 5,30, 1 Kor 12, 12-13), mit
einem Wort - gottmenschlich zu werden in der ganzen Realităt der
menschiichen Person.

Wenn der Mensch dies erreicht, hat er die gottmenschliche Einheit des
Lebens erlangt und die lebendige und unsterbliche Gewissheit, dass er

' Deismus: Religionsphilosophische Anschauung, die zwar aus Vemunftgninden


einen Weltenschopfer anctkcnnt, aber dessen weitere Einwirkung auf das Weltge-
schehen leugnet.
'Ebenda, S. 118.
7/. LeAre 179

/?;'??MAefgegangen fst vom 7o<? h?.s* Fe6en (Joh 5,24, 3,36, 11,25-26).
Dann erfahrt er fortwăhrend mit seinem ganzen Wesen, dass die Kirche
als gottmenschlicher Organismus der Gottmensch Selbst ist, ausgedehnt
liber alle Zeiten. Christus in Seiner gottmenschlichen Person ist
unwiederholbar, doch als gottmensch]iche Kraft und gottmenschhches
Leben wiederholt Er sich fortwăhrend in j edem Christen, der organisches
Glied Seines gottmenschlichen Leibes, der Kirche, ist.

Indem der Apostel die Kirche bezeichnet als Fei6 CAriW (Eph 1,23,
Ko] 1,24), verbindet er ihr Sein mit dem Mysterium der Inkarnation des
gottlichen Logos und zeigt, dass das lebendige und unverriickbare
Fundament der geschichtlichen Wirklichkeit der Kirche eben darin
hegt, dass UbA F/eAcA wMfJe (Joh 1,14). Ausserdem zeigt er
damit, dass die Kirche, als Leib Christi, unmittelbar und fortwăhrend
abhăngt vom fleischgewordenen gottlichen Logos Selbst, in aliem, was
sie zu dem macht, was sie ist. Von îhm empfangt sie die unermessliche
FtiHe der gottmenschlichen Charismen und Krăfte, denn F r o//
&rs* /Ar/'ge m/t (s. Eph 1,23, Kol 2,9).'

AFc/FicAg.s

Fie bewahrt die Oilhodoxe Kirche ihren grossten Schatz, die


W allheilige Person des Gottmenschen Christus? Sie bewahrt ihn
durch ihren einen und einzigen, heiligen, katholischen und
apostolischen Glauben. Durch die FmAeA des Glaubens bewahrt die
Orthodoxe Kirche durch alle Zeiten hindurch die Einheit und
Einzigkeit des gottmenschlichen Lebens und der gottmenschlichen
Wahrheit. Durch die FFi/igFeA bewahrt sie die alleinige Heiligkeit des
Lebens und der Wahrheit in ihrem gottmenschlichen Leib. Durch die
FatAoFzAd? bew ahrt sie die Vollstăndigkeit und Ganzheit des
gottmenschlichen Lebens und der gottmenschlichen Wahrheit. Durch
die ztjpoVo/izz'Fh gewăhrleistet sie, dass die Realităt und das Leben des
gottmenschlichen Leibs und das Werk Christi im geschichtlichen
Ablauf unverăndert fortdauem und weitergehen?

' Ebenda, S. 118-120.


^ Siehe hierzu Fussnote S. 191.
' Ebenda, S. 120-121.
180 von Ce/i/e

Nur z:^u/7!/weu wii a//e/7 EEei/ige/? kann nach dem Apostel Paulus (Eph
3,18) das wunderbare Mysterium der Person Christi erfahren werden,
anders gesagt: kann einer den wahren und rechten Glauben an den
Gottmenschen Christus erlangen. Nur indem einer zM,sYU7?/ng/7 /77/f r/Z/e/?
/Vgi/ige;? in der katholischen Einheit des Glaubens lebt, kann einer
wirklich Christ sein, ein authentischer Junger des Hemr. Das Leben in
der Kirche ist in der Tat ailezeit kathoiisch, vollzieht sich stets in
Gemeinschaft 7 7 7 r///g77 EM/ige??. Deshalb cmpfindet ein echtes
Mitglied der Kirche stets aufs Deutlichste, dass es eines Giaubens ist
mit den Aposteln, den Martyrem und den Heiligen aller Zeiten. Es
spiirt, dass diese ewig leben und dass sie alle durchdrungen sind von
ein und derselben gottmenschlichen Kraft und Energie, von ein und
demselben gottmenschlichen Leben, von ein und derselben gott­
menschlichen Wahrheit.

Ausserhalb der Kirche kann es keine Katholizităt geben, denn nur das
echte und wahre Leben innerhalb der Kirche bewirkt im Menschen das
Empfinden der Katholizităt des Glaubens, der Wahrheit und des
Lebens, gibt ihm jenes Leben 777/1 <VA/? EEe/Z/gen, mit allen
Gliedern der Kirche aller Zeiten. „Es ist unmoglich, die katholische
Bildung des Geistes anders zu erlangen als durch die Einverleibung in
die Kirche und das Leben in ih r..

In der Kirche ist die Vergangenheit stets auch Gegenwart. Die Gegen-
wart innerhalb der Kirche ist Gegenwart durch die stets lebendige
Vergangenheit, denn der Gottmensch Christus, Der AtgeVer?!
7 / 7 7 J Ag7gg M7iJ in <E/e Eiveu (Hebr 13,8), lebt fortwăhrend in Seinem
gottmenschlichen Leib durch dieselbe Wahrheit, dieselbe Heiligkeit,
dieselbe Gutheit, dasselbe Leben, und macht die ganze Vergangenheit
zur Gegenwart. Deshalb sind fur das lebendige orthodoxe Empfinden
und Bewusstsein alle Glieder der Kirche, von den heiligen Aposteln bis
zu den gestem Entschlafenen, als immerdar in Christus Lebende auch
heute gegenwărtig. Fur j eden wahrhaft orthodoxen Menschen sind alle
heiligen Apostel und Martyrer und die heiligen Văter immerdar
Zeitgenossen. Fur den echten Orthodoxen sind sie sogar noch realer
(lebendiger) als viele seiner Zeitgenossen dem Fleische nach.

' G. Florovski, OcevDow in: „Hriscanski Zivot", 1926, S. 166.


//. LeAre 181

Dieses Empfinden der katholischen Einheit des Glaubens, des Lebens


und des Erkennens bildet die Essenz des orthodoxen kirchlichen
Bewusstseins.

Die Orthodoxe Kirche besitzt die volistăndige Lehre des Gottmenschen


Christus, weil sie ohne Abweichung festhălt an der gottmenschiichen
Methodoiogie der heiiigen Apostei und der Okumenischen Konzile.
Der Mensch des orthodoxen Glaubens, des Glaubens der Apostel und
der HI. Văter, empfindet und weiss, dass die orthodoxen Menschen nur
Mitwirkende des Heiligen Geistes sind, und nicht mehr - Mitwirkende,
die im Gebet stăndig hinhorchen auf das, was der Heilige Geist sagt,
die unablăssig tun, was der Heilige Geist will, und die ihr Denken und
ihre Worte unablăssig an Ihm als MaBstab ubetprufcn.'

Dc/ wcst/R/m

Ţ m europăischen Westen ist das Christentum nach und nach zum


J- Humanismus geworden. Uber lange Zeiten hinweg und mit
Beharrlichkeit hat man den Gottmenschen dort verengt und ihn
schliesslich zum Menschen reduziert - zum unfehlbaren Menschen von
Rom und zum nicht weniger unfehlbaren Menschen von Berlin. So
erschien auf der einen Seite der christlich-humanistische Maximalismus
(der Papismus), welcher Christus alles entreisst, und auf der anderen
Seite der christlich-humanistische Minimalismus (der Protestantismus),
der von Christus nur das Mindeste will, oftmals auch gar nichts. In
beiden Făllen aber wurde an die Stelle des Gottmenschen als hochster
Wert und letztes Kriterium der Mensch gestellt. So vollzog man die
schmerzliche „Berichtigung" des Gottmenschen, Seines Werks und
Seiner Lehre!...

In der romischen Kirche hat man den Gottmenschen in den Himmel


zuriickgeschickt und an Seiner Statt den Stellvertreter eingesetzt:
CAf/'.sti. Welch tragischer Intum! einen Ersatzmann und Stell­
vertreter einzusetzen fur den allgegenwărtigen Herm und Gott! Es ist
jedoch eine Tatsache, dass dieser Irrtum sich im w estlichen
Christentum inkamiert hat. Damit wurde der inkamierte Gottmensch
gewissermassen desinkamiert...

Ebenda, S. 120-125.
]82 ^4/A nter von C e/i/'e

In der Praxis ăusserte sich diese Ersetzung des Gottmenschen durch


den Menschen in der offenkundigen Ersetzung der Grundsătze der
gottmenschiichen christlichen Methode durch die menschtiche Metho-
de. Daraus folgte die Vorherrschaft des Aristotelismus in der Schoiastik,
die Rasuistik, die Inquisition, die păpstiiche Diplomaţie in den interna-
tionalen Beziehungen, der păpstiiche Staat, der Sundenerlass durch
Ablassbriefe und neuerdings per Radio, das Jesuitentum in seinen
verschiedenen Formen usw.

AH dies fuhrt zum Schluss, dass das humanistische Christentum in


Wirklichkeit der entschiedenste Protest ist gegen den Gottmenschen
und Seine Werte, Seine K riterien...

Indem der Humanismus das Christentum im Westen reduzierte, hat er


es unbestreitbar vereinfacht. Damit aber hat er es auch zerstort... Die
Stimmen einiger Menschen aus dem Protestantismus, die verlangen
„Zurtick zu Jesus!" sind wie schwache Rufe in der mondlosen Nacht
des hum anistischen Christentums des Westens, das die
gottmenschiichen Werte und MaHstăbe aufgegeben hat und nun
erstickt in den Sackgassen der Verzweiflung, wăhrend aus den Tiefen
der Jahrtausende die harten Worte des Propheten Jeremias
heraufklingen: „Verflucht der Mensch, der seine Hoffnung auf den
Menschen setzt" (Jer 17,5).'

r/e.s / tir r/m

T l 's gibt nichts Neues unter der Sonne - ausser der Person des
J —/Gottmenschen Christus7 Sie ist das einzige Neue, das ewig Neue.
Sie ist es, die die Neuheit des Neuen Testaments ausmacht und die
neutestamentliche Wahrheit ewig neu sein lăsst. Weil die Person des
Gottmenschen in ihrer Vollkommenheit ewig neu und jung ist, kann
sie weder ausgetauscht noch ersetzt werden. Sie bleibt Sich Selbst
immerdar gleich und treu. Deshalb ist das Evangelium uberall und *

' Ebenda, S. 126-129.


* Joh. v. Damaskus, Genane Dar/egMHg has ortAo&rxen G/auAn.s', 111,1 BKV Serie I,
Bd. 44, Miitichen 1923. Engl. Ubers. in: St. John of Damascus, Jth'hngs', Catholic
University of America Press, Washington DC 1999.
7/. t83

immer dasselbe - sowohl fur die Menschen auf Erden als auch fur die
Engef im Himmef...

Die unvergieichtiche Bedeutung des Christentums fur das Menschen-


geschiecht iiegt in der iebenspendenden und unwandeibaren Gott-
menschtichkeit Christi, die ailem Menschlichen seinen Sinn gibt und es
aus der Nichtigkeit des Nichtseins ins Licht des Aitseins bringt. Nur
durch seine gottmenschliche Kraff ist das Christentum das Salz der
Erde, das den Menschen davor behfitet, in Siinde und Bosheit zu
verderben.

Doch wenn das Christentum aufgelost wird in mancheriei Humanismen,


wird es toricht, dann wird &rs' 5*^/z s'cAa/, sodass es, nach dem
allwahren Wort des Erlosers, zn /vieAAs* weifer /uMg/, a/.s- as*
/h/MM.s'get-tw/e/? M/tt/ zerfrefen t-t'i/W vo/t Jen (Mt 5,13).

Jeder Versuch, jede Bemiihung, das Christentum gleichzuschalten mit


dem Geist dieser Welt, mit den kurzlebigen Bewegungen irgendwelcher
geschichtlicher Epochen oder gar mit politischen Parteien und Systemen,
entblosst es seines eigentlichen Werts, der aus ihm die einzige gott­
menschliche Religion der Welt macht.

Nicht Anpassung des Gottmenschen Christus an den Zeitgeist, sondern


Anpassung und Angleichung des Zeitgeistes an den Geist der Ewigkeit
Christi, der Gottmenschlichkeit Christi - das ist die einzige wahre
Sendung der Kirche Christi, der Apostolischen und Orthodoxen
Kirche, in der Welt.'

C? op. et loc. cit., S. 130-132.


184 Hitvate?* W7: Ce/l/'e

Cro-M Gt Ga^ Aţy^te/GM^?; Ge7* waGeM T^et/gto/!.'


Gott Gt w; LteGcA e7"^c/H'e7!eM G 7Dn 3,7G

Das Mysterium der Kirche


T ^ \a s ganze Mysterium des christlichen Glaubens ist die Kirche. Das
ganze Mysterium der Kirche ist der Gottmensch. Das ganze
Mysterium des Gottmenschen iiegt darin, dass Gott Fieisch wurde und
mit Seiner ganzen Gottiichkeit, mit ailen Seinen gottlichen Krăften und
Vollkommenhcitcn in einem menschtichen Leibe wohnte...

Der schwache menschliche Leib hat Gott enthalten in Seiner ganzen


Ftiile, in Seiner unaussprechlichen und unendiichen Erhabenheit. Gott
wurde Mensch, ganzer und voHkommener Mensch und biieb dabei
ganz und volikommen Gott. Dies ist nicht ein einziges Mysterium,
sondern alie Mysterien des Fiimmels und der Erde zusammen, vereint
im Mysterium der Person des Gottmenschen, im Mysterium der Kirche.

Alles Bekannte, alles Unbekannte, alies Gesagte und Unsagbare ist


vereint und zusammengefasst im Leib des gottlichen Logos, in der
Fleischwerdung und Menschwerdung Gottes. In dieser Wahrheit ist das
ganze gottmenschliche Leben der Kirche als Leib Christi enthalten,
und sie allein lehrt uns, wie w;'r wo/tGc/o ,so//e/t /tt; Gottes, Go.s*
Gie W/v/te Ge.s' Gottes Gt, .S'ot//e totG G/'to?G/e.sto Ger
Hb/nGteG (1 Tim 3,15).

Gott Gt on F/eGc/t or.sc/tie/te/t - hierin, sagt der gottliche Chryso-


stomos, Iiegt die ganze Heilsokonomie, die der Welt und den Engeln
verkrindet wird von der Kirche. „Gross ist in der Tat dieses Mysterium:
Gott wurde Mensch und der Mensch wurde Gott. Lasst uns deshalb in
einer Weise leben, die dieses Mysteriums wiirdig ist."*

Im Gottmenschen und mit dem Gottmenschen ist der Mensch selbst zu


einem Wesen geworden, das neu ist unter der Sonne, zu einem gottlichen,
einem gottmenschlichen Wesen, das bedeutsam und kostbar ist vor
Gott, von gottlicher Ewigkeit und Komplexităt. Das Mysterium Gottes

HI. Johannes Chrysostomos, 11. Homilie zum 1. Brief an Timotheos.


//. AeAre 185

hat sich unauflosbar verbunden mit dem Mysterium des Menschen -


zwei Mysterien in einem, das hochste Mysterium ader Weiten.

So entstand die Kirche. Denn der Gottmensch /s7 die Kirche. Die zweite
Person der Allheiiigen Dreiheit, die Person des gottiichen Logos, ist
Mensch geworden, ist Gottmensch geworden und wohnt in unserer
irdischen Welt und in allen Weiten ais die K irche...

Mit dem Gottmenschen Christus als ihrem Haupt ist die Kirche das
voiikommenste und kostbarste Wesen in allen Weiten. Alles, was dem
Gottmenschen gehort, gehort ihr - alle Seine gottlichen Krăfte, durch
welche Er auferweckt, transfiguriert, vergottlicht, gehoren ihr zu eigen
in Ewigkeit. Das Wunderbarste und Bedeutsamste ist, dass die Person
des gottlichen Logos Selbst, in Seiner grenzenlosen Liebe tur das
Menschengeschlecht, zur ewigen Hypostase der Kirche geworden ist...

Im auterstandenen und hinaufgenommen Gottmenschen ist der vor aller


Zeit gefasste Plan des Dreieinigen Gottes vollstreckt: A CAisA/v a/A
D/ngg za.sa/n/ncazn/a/?ren, EA //a /VAaaa/ anE an / DrEen v/aE (Eph
1,10). Diese Zusammenfuhrung ward vollzogen in der Kirche, Seinem
gottmenschlichen Leib. In ihr hat der Herr alle Engelwesen, alle
Menschen, alles Geschaffene zu einem einzigen, ewig lebendigen
Organismus vereint. Deshalb ist die Kirche EA EYEA Da.s.s'aa, D er n/A,s*
A a/An ar/a/// (Eph 1,23), das heisst des Gottmenschen Christus, D er...
als ewiger Hohepriester uns Menschen erlaubt, in dieser Fulle der
Kirche zu leben durch die heiligen Mysterien und die heiligen
Tugenden.'

1%/ne DAa/aaaAEat

e Kirche ist Christus der Gottmensch Selbst, ausgedehnt tiber alle


J-v Z e ite n , in alle Ewigkeit. Mit dem Menschen und durch den
Menschen gehort auch die gesamte Schopfung Gottes - alles was durch
den gottlichen Logos geschatîen wurde im Himmel und auf Erden - der

' Aus: Pravos'/avHa CrAva eAaweaAa/M, Thessaloniki 1974. Griech. Ubers. (von Am-
filohije Radovic und Atanasije Jevtic) R Opbobo^o^ ExxAnu/a xat o
Otxou^rvar^dg, S. 17-21. Engl. OrAoJov C/naR: a/A L'cMwewAw, Lazarica
Press, Biiînmgham 2000, S. 3-5. Franz. in der Zeitschrihha Dan/ere A/ R?abo/*, Nr.
30, S. 63-72.
186 WM C e /ye

Kirche an. AH das bildet die Kirche, den gottmenschlichen Leib, Dessen
Haupt Christus ist. Das Haupt ist das Haupt des Leibes, und der Leib
ist der Leib des Hauptes, untrennbar voneinander, voiistăndig das eine
durch das andere, <YF Fi/Y/e Dessen D er <F/e.s- in a//en er/YY/t (Eph î ,23).

Jeder Christ, der durch die Heilige Taufe Giied der Kirche wird, wird
untrennbarer Teii der FYYF De^yen, D er <r///e.s- in ^//en er/YY/t, und
zugieich seibst erfuilt mit der gm;zer FY/F Go/tas* (Eph 3,19). Damit
eriangt er die ganze Fiiiie seines Menschseins, seiner menschiichen
Person. Diese Fiiiie eriangt jeder Christ durch die heiiigen Mysterien
und die heiiigen Tugenden, im Mass seines Giaubens und seines
Lebens in der Gnade innerhaib der Kirche.

Dies giit fur aiie Christen aller Zeiten, fur aiie, die erfuilt werden von
<Yer FY/F De.s\s*er D er a/Fs* m a/F n er/YZ/t, und „in allen" heisst: in uns
Menschen, in den Engein, in den Stemen, den Vogeln, den Pflanzen,
den Mineraiien, kurz - alles in alien Geschopfen Gottes. Deshalb sind
wir Menschen gottlich verwandt mit alien Geschopfen Gottes und mit
Seiner ganzen Schopfung, denn wo die Gottlichkeit des Gottmenschen
ist, dort ist auch Seine Menschlichkeit und dort sind auch alle Glăubi-
gen aller Zeiten, Engel wie Menschen. So werden wir Menschen in der
Kirche erfuilt mit der gaazea FY/F <fer GoiFraY (Kol 2,9).

Von fhm, dem todlosen Haupt der Kirche, stromen lebenspendende


Krăfte der Gnade durch den ganzen Leib der Kirche und beleben uns
mit Unsterblichkeit und Ewigkeit. Alle gottmenschlichen Empfindun-
gen der Kirche kommen vom Gottmenschen Seibst: von fhm, in fhm
und durch fhn. Alle heiiigen Mysterien und Tugenden in der Kirche,
durch die wir gereinigt, wiedergeboren, transfiguriert, geheiligt und
vergottlicht werden, Christus dem Gottmenschen gleich, Gott gleich,
der Heiiigen Dreiheit gleich und so gerettet werden, kommen vom
Vater durch den Sohn im Heiiigen Geist, kraft der hypostatischen
Vereinigung des gottlichen Logos mit unserer menschiichen Natur in
der wunderbaren Person des Gottmenschen, des Herm Jesus.

Die Kirche ist die Firile der gottlichen Wahrheit, der gottlichen
Gerechtigkeit, der gottlichen Liebe, des gottlichen Lebens und der
gottlichen Ewigkeit, die Fiiiie aller gottlichen und auch aller mensch­
iichen Vollkommenheit, denn der Herr Jesus Christus ist Gottmensch,
das heisst eine zweifache Firile - des Gottlichen und des Menschiichen.
7/. TLeAre 187

Die Kirche iebt durch die unsterbiichen und iebenspendenden Krăfte


des inkarnierten gottlichen Logos. Dies empfînden alle wahren
Mitglieder der Kirche und am vollsten die Heiiigen und die Engel.
Diese Fulle der gottmenschlichen VoHkommenheit Christi ist in der Tat
das ErZ^e a'or ZVeZZZgea und <7/'e TZoTjZaaag J a r Gera/eaea (s. Eph 1,18).

Die Kirche ist nicht bloss Sinn und Bestimmung aller Wesen und alles
Geschaffenen, von den Engeln bis zu den Atomen, sondem sie ist
ihr einziger und allumfassender Sinn, ihre einzige und altumfassende
Bestimmung. In ihr hat Gott uns in Wahrheit gayegaeZ /a/7 aZZea
gaZ.s'O'goa 6egaa/?gga (Eph 1,3). In ihr hat Er uns alle Mittel gegeben,
die notig sind, um AeZZZg zu svera'ga a/:<7 oAae TarZeZ vor Gott (Eph
1,4)...

In ihr hat Er uns das ewige MpstertuTu .Se/'aos' IH7Zga.s' offenbart (Eph
1,9). In ihr hat Er die Zeit mit der Ewigkeit vereint (s. Eph 1,10). In der
Kirche hat Er uns und durch uns alien Wesen, aliem Geschaffenen die
Moglichkeit gegeben, in Christus zu sein und Christus zu werden, im
Geist zu sein und Geist zu werden, in der Dreiheit zu sein und Dreiheit
zu werden (s. Eph 1,13-18).

AH dessen wegen ist die Kirche das grosste und heiligste Mysterium
Gottes in alien Welten. Verglichen mit Gottes anderen Mysterien ist sie
das Mysterium der Mysterien.

In der Kirche ist jedes gottliche Mysterium eine Freudenbotschaft,


Seligkeit, Paradies, da erfuilt vom Geliebten Herrn Jesus. Ja, vom
Geliebten Herm! Denn durch Ihn aliem ist das Paradies Paradies und
die Seligkeit Seligkeit...

Die grundlegende Frohbotschaft und, aus ihr, die grundlegende Freude


aller Freuden, fur alle Geschopfe und alle Welten, ist dies: Christus der
Gottmensch und Seine Kirche in Ihm ist alles fur alle, in alien Welten.
Und die grosste Frohbotschaft ist dies: das Haupt der Kirche ist der
Gottmensch, Christus. E r Z.s7 vor aZZea DZagga, aa<7 JarcZ? /Zm Z?aZiea
aZZe ZArea Z?as7aH<7 (1 Kol 1,17). Denn Er ist Gott, Er ist der Schopfer,
Er ist der Vorsehende, Er ist der Erloser.

Er ist das Leben des Lebens, das Sein alien Seins, & a a rZarcZ? 7Zm aa<7
aa/VZza Zn'a warrZe aZZe.s* gr^cAa^ea (Kol 1,16). Er ist das Ziel von aliem,
188 ^t/va /e /'JH S t/H vo?? Cet//'e

was ist. Die ganze Schopfung wurde erschaffcn als Kirche und bildet
die Kirche, und E r /'st &/,v EE///pt <r/as Ee/7/.s r/er A/'/*c//e (Koi i,18).
Dies ist die All-Einheit der Schopfung und ihre allumfassende
Endbestimmung im gottiichen Logos. Die Siinde hat einen Teii der
Schopfung von dieser All-Einheit im Logos abgetrennt und sie in
Sinnlosigkeit ausserhalb des Logos gesttirzt, in Tod, Holle und Leiden.

Aus diesem Grund kommt Gott der Logos herab in unsere irdische
Welt, wird Mensch und vollzieht als Gottmensch die Erlosung der Welt
von der Siinde. Der Zweck Seines gottmenschlichen Heilswerks ist,
alles zu reinigen von der Siinde, alles zuriickzufiihren in den gottiichen
Logos, alles zu heiligen, alles Seinem gottmenschlichen Leib, der Kirche,
einzuverleiben und damit aliem die All-Einheit und die allumfassende
Endbestimmung im gottiichen Logos wiederzugeben.

Gott wurde weder Gottengel, noch Gottcherub, noch Gottseraph, son-


dem Er wurde Gottmensch. Damit erhob Er den Menschen iiber alle
Engel und Erzengel, iiber alle iibermenschlichen Wesen, und Egtc u//as
//uter ,SE///e E/'/'.s.sc durch die Kirche: jrrh 'm ujro trou^ Jtddag
A Erou' (Eph 1,22). Durch die Kirche und in der Kirche als gott-
menschlichem Leib wăchst der Mensch auf Hohen iiber den Engeln
und den Cherubim...

Lasst alle Zungen schweigen, denn hier spricht Gottes unaussprechliche


und unstillbare Liebe, die Liebe zum Menschengeschlecht des einzigen
wahren Menschenfreunds, Christus des Herm. Hier beginnen die
Ds/'o/ze/: zz/zE Qt)e//Er//"M//g6// Jes EFr/*// (2 Kor 12,1), die unausdriick-
bar sind in jedwelcher Sprache, der Menschen wie der Engel 2

67// /st/ g/Y/s.stu (7//Ac - /t/u A//r7/u

A A /^as sind <2/'e Gr/Ee// (7//'/st/ (Eph 4,7)? Alles, was der Herr
W Christus als der Gottmensch in die Welt gebracht und fur die Welt
bereitet hat. Er brachte <2z'e Ez'/'Ee <2er Gott/zcz't als Gabe, damit die
Menschen daran teilhaben und erfîillt werden mochten von J e r E/'/Ee

In griechischer Sprache im serbischen Originaltext enthalten.


Ebenda, griech. S. 21-26, engl. S. 5-8.
//. Z,e/?7*e 189

Gottes (Eph 3,19, 4,8-10, Kol 2,10). Femerhin hat Er den Heiligen
Geist gegeben als Gabe an die Menschen, damit durch Seine gnaden-
schenkende Kraft, die Ftille der Gottheit in ilmen Wohnung nehmen kann.

AH das bildet zusammen die grosste Gabe Christi des Gottmenschen an


die Welt - die Kirche. Alle Gaben des Dreieinigen Gottes sind in ihr.

AH diese Gnade uwWe y'eJew von :o?s gewo/?ri in? Mo.s.s <2c/' Go6e
CArAii (Eph 4,7). Doch von uns hăngt ab, von unserem Glauben,
unserer Liebe, unserer Demut und den anderen asketischen Tugenden,
in welchem Mass wir diese Gabe nutzen, uns zu eigen machen und
durch sie und in ihr leben werden.

In Seiner grenzenlosen Liebe zur Menschheit hat der Herr Christus


einem jeden von uns die Gănze Seiner Selbst geschenkt, alle Seine
Gaben, alles was Er geheiligt hat, das heisst Seine ganze Kirche. Wir
empfangen diese Gabe in dem Mass, wie wir uns der Kirche und
Christus einverleiben und einswerden mit der Kirche, mit Christus.

Seine grosste Gabe ist das ewige Leben. Deshalb verkundet der
Apostel: Die Go6e Goiie.s Ai ewige Cei?en JnrcA C/?ri.si:/.s' ./e.s*n.s'
nn^eren /Ven/*n (Rom 6,23)2

Der Doi/spio/? nn?/ r/ie 7/ei/so?v/nnng Gottes

* T \a m it die Kirche den ewigen Plan des Dreieinigen Gottes fur das
J-vM enschengeschlecht erfullen kann, hat ihr der Herr Christus
f o s t e i , PropAeten, DvongeiAten, Dirten o/??/ EeArer gegeben (Eph
4,11). Er „gab" sie der Kirche und gab ihnen alle notigen gottiichen und
gottmenschlichen Krăfte, durch welche sie wurden, was sie sind.

Ein Apostel ist insofern Apostel, als er lebt, denkt und wirkt kraft der
gottmenschlichen Gnadengabe der Apostolizităt, die er von Christus
empfangen hat. Ein Prophet ist Prophet, weil er lebt, denkt und wirkt
kraft der gottmenschlichen Gnadengabe der Prophetie, die er vom
Herm Jesus empfangen hat. Desgleichen sind der Evangelist, der Hirte

Ebenda, griech. S. 38-39, engl. S. 17.


!90 ^4/ma?er ww CeA/e

und der Lehrer das, was sie sind, weil sie ieben, denken und wirken
kraft der gottmenschiichen Gnadengaben des Evangeiisierens, der
Fuhrung und der Lehre, die sie vom Herm Jesus Christus empfangen
haben (1 Kor 12,28 u. 4,5,6,11, Eph 2,20).

Was ist ein Apostel? Ein Diakon (heiliger Diener) der Kirche. Und
Apostolizităt? Diakonie (heiliger Dienst) far die Kirche. Dies ist so
gg?7M'vs' J e r AAe?Ao?^??M7?g G'o??as' ("xctrd r?}v otxovoptov rod GeoA)
(Kol 1,25).' Solcherart ist die gottliche Heilsordnung (?) o(xovo^tq)
zur Rettung der Welt. Denn Rettung ist Diakonie fur die Kirche, und
der Kirche dienen heisst der Kirche gehorchen. Der gănzlich aus der
Liebe kommende Gehorsam gegen Christus ist das hochste Gesetz des
gottmenschiichen Lebens in der Kirche.

Warum gab der Herr diese heiligen Diakone? F u r &?.s* OC/A Dm-
dtt/At??? Aet'Aas- CArAt? A'ic otxoAop?)v rod otpuoro^
ro d X ptorod)^ (Eph 4,12). In was besteht dieses „Werk der
Diakonie"? Im Aufbau des Leibes Christi, das heisst der Kirche. Als
Ftihrer und Lenker in diesem heiligen Werk hat Gott Mănner von aus-
sergewohnlicher Heiligkeit berufen.

Und die Christen, was miissen sie tun? Alle sind gerufen, sich selbst zu
heiligen durch die heiligen Krăfte der Gnade, die ihnen geschenkt
werden durch die heiligen Mysterien und Tugenden?

Da?* A ??//????? ?/as Aat'Aas GA?*A?/

Fie wird der Aufbau des Leibes Christi vollzogen? Durch den Zu-
W wachs der Glieder der Kirche. Jeder Christ wird dem Leib Christi
eingepfropft durch die HI. Taufe, womit er AaiAa^ (Eph 3,6) wird
mit ihr. So nimmt der Leib Christi zu, er wăchst, wird aufgebaut.

Es gibt noch eine andere Art des Aufbaus des Leibes Christi. Dies ist
das geistige Wachstum, die geistige Vervollkommnung, der Aufbau der
Glieder der Kirche, detjenigen, die ama-y Aat'Aay sind mit ihr. Am
Aufbau des Leibes Christi wirkt jedes Glied mit, wenn es sich muht in

' Griechisch im serbischen Originaitext.


^ Griechisch im serbischen Originaitext.
^ Ebenda, griech. S. 40-4i, engi. S. 19.
19!

jedwelchem dem Evangeiium gemăssen Werk, denn jedes Werk dieser


Art erbaut die Kirche, und damit wăchst ihr Leib. Er wăchst durch
unser Gebet, unseren Giauben, unsere Liebe, unsere Demut, unseren
Gehorsam, unsere Barmherzigkeit, unsere Gottesfurcht. Sie wăchst
durch alles in uns, was dem Evangeiium gemăss ist, voii von den hei-
iigen Tugenden, von Sehnsucht nach und Liebe zu Christus, durch
unsere Angieichung an Christus.

Wir selbst wachsen geistig durch die Kirche, und die Kirche ihrerseits
wăchst durch unser W achstum... AHe wachsen wir himmelwărts durch
die Kirche, und jeder von uns wăchst durch ahe und ahe durch je d en ...

Welches ist der Zweck des Aufbaus der Kirche? Dass wir ahe
hingelangen :

1. ZM/" EA Ae/t Jas* Sb/?/?e.s* Gottas'.


2. ZM77! ro//Ao/77/7!<?77e/7 Me/t.S'cAet?
3. Mo.s.s' <?er C/nAA.

Einheit des Glaubens und der Erkenntnis Christi kann nur eriangt
werden zM^amman mit rt/fen /Yei/igtm (Eph 3,18), nur durch konziliares
(katholisches') Leben m/'t a/ier? /Wi/ige??, unter der hochsten Fuhrung
der heiligen Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten, Văter und Lehrer
der Kirche.

Ein FFm z

l ^ \ e r Leib der Kirche ist einer, und er hat em Aerz und eme .S'ee/e
J-V (s.A pg 4,32). Wir treten ein in dieses eine Herz, das konziliare
(katholische) Herz der Kirche, und in diese eine Seele, die konziliare
(katholische) Seele der Kirche, und werden eins mit ihnen kraft der
Energie der Gnade des Heiligen Geistes, indem wir unseren Sinn (gr.
nous) in Demut beugen vor dem heiligen konziliaren Sinn der Kirche

' Hier ist daran zu erinnem, dass „katholisch" im orthodoxen Sinn nichts zu tun hat
mit dem romischen Katholizismus, sondem gemăss dem griechischen Wort xaQ'okov
bedeutet: 1. „in sich vollstăndig, ohne dass irgendetwas fehlt", 2. „allen gemeinsam".
In den slawischen Sprachen benutzt die Kirche fur „Katholizităt" das Wort
„Sobomost", das auch mit „Konziliarităt" wiedergegeben wird und sich speziell auf
die 2. Bedeutung bezieht.
)92 vo/! Ce/ye

und unseren Geist vor dem Heiligen Geist der Kirche. So erlangen wir
das unerschutterliche EmpEnden und Bewusstsein, dass wir vom selben
einen Glauben an den Herrn Christus sind zusammen mit aiien heiligen
Aposteln, Propheten, Vătem und Lehrem, vom selben Glauben an den
Herrn und derselben Erkenntnis des Herrn.'

Eas ist ein vollkommener Mensch und wer ist der vollkommene
W Mensch? Bis zum Kommen Christi des Gottmenschen auf Erden
wussten die Menschen weder, was ein vollkommener Mensch ist, noch
wer der vollkommene Mensch ist. Der menschliche Geist war unfahig,
sich einen vollkommenen Menschen vorzustellen, weder als Konzept
noch als Ideal und noch viei weniger als Wirklichkeit. Daher so viei
fruchtloses Suchen selbst der besten Denker des Menschengeschlechts.

Erst seit dem ICommen des Gottmenschen zu den Menschen gibt es


Menschen, die erkannt haben, was der vollkommene Mensch ist, weil
sie Ihn in Wirklichkeit sahen, in ihrer Mitte. Deshalb wissen sie ohne
jeden Zweifel: Jesus Christus ist der vollkommene Mensch.

Was die Wahrheit angeht - sie ist zur Gănze in Ihm, so sehr, dass
ausser Ihm keine Wahrheit ist, denn Er Selbst ist die Wahrheit. Was die
Gerechtigkeit angeht - auch sie ist zur Gănze in Ihm, so sehr, dass es
ausser Ihm keine G erechtigkeit gibt, denn Er Selbst ist die
Gerechtigkeit. Das Hochstmass alles Guten und Erhabenen, alles
Gottliche und Vollkommene ist Wirklichkeit in Ihm. Es gibt kein
Gutes, das ein Mensch wiinschen konnte, das nicht zu Enden wăre in
Ihm.

Und hinwiederum: keine Sunde, die sich ein Feind Christi auszudenken
vermochte, ist zu finden in Ihm. Er ist zur Gănze ohne Siinde und
erfullt von jeder Vollkommenheit - der vollkommene Mensch, der
ideale Mensch. Ist es nicht so, dann findet einen anderen, der Ihm
gleichkăme. Ein solcher Mensch ist nicht zu finden, denn es gibt ihn
nicht in der Geschichte der M enschheit...

Ebenda, griech. S. 41-44, engl. S. 19-20.


//. ZeA/ e !93

Dr/s M ass Fii//^ CA/is t/

FV r/.s* vo//g Mr/.s.s* &/* F^'/Ze CAr/st/ erreichen - was heisst das? Was
J L v ist es, das die ganze Grosse, die F////e Christi biidet? Mit was ist
Er gefullt? Mit den gottiichen Voiikommenheiten und Krăften. Denn m
7A/// woA//t J/e FA7/<? J e r CrVtAe/7 in /e/AAo/ter Ife/se (Kol 2,9),
das heisst innerhaib des menschiichen Leibes.

Damit zeigt der Erioser, dass der menschiiche Leib imstande ist, die
ganze Ftiiie der Gottheit zu enthaiten und dass dies in Wirklichkeit das
Ziel des menschiichen Daseins ist.

D<vs* ro//<? A7^.s'.s* afgr Fh7/e CAr/st/ erreichen bedeutet mithin, dass wir
hinanwachsen zu allen Seinen gottiichen Voiikommenheiten und
Energien, sie alle aufnehmen in uns, dass wir geistig und der Gnade
nach einswerden mit ihnen, dass wir uns selbst einfugen in sie, das
heisst in ihnen leben.

Mit anderen Worten, es bedeutet, dass wir Christus, die in Ihm wesen-
de Fiille der Gottheit, als unser eigenes Leben leben, als unsere eigene
Seele, unsere eigene Ewigkeit, unseren eigenen hochsten Wert und
Sinn, als unser eigenes letztes Ziel. Dass wir Ihn erfahren als den
einzigen wahren Gott und den einzigen wahren Menschen, als
vollkommenen Gott und vollkommenen Menschen, in Dem alles
Menschiiche die letzte mogliche Hohe menschlicher Vollkommenheit
erreicht hat. Dass wir Ihn erfahren als die vollkommene gottliche
Wahrheit, die vollkommene gottliche Gerechtigkeit, die vollkommene
gottliche Liebe und die vollkommene gottliche Weisheit, als das
vollkommene gottliche Leben, das ewige Leben. Mit einem Wort, dass
wir Ihn erfahren als den Gottmenschen, den letzten Sinn aller von Gott
erschaffenen Welten (s. Kol 1,16-17, Hebr 2,10).

D%.s AThvs* J e r AYA/e CA/isY/ erreichen heisst nichts anderes als ein
wahres Glied der Kirche werden, denn die Kirche /ist die Fulle Christi.

Durch die Kirche und in der Kirche aliem konnen die Menschen das
Ziel, den Sinn und die letzte Bestimmung des Menschen in allen
Welten erreichen.'

Ebenda, griech. S. 46-48, engl. S. 23-24.


194 von C e/ye

Dfg r/^r P^rso/: r/cr Gasg/Ac/!r{/f

^"T ^ahrlich, nur im gottmenschlichen Organismus der Kirche


W arbeiten alle fur jeden und jeder fur alle. AHe ieben fur jeden
und jeder fur alle. Die Probleme der Person und der Gesellschaft sind
auf vollkommene Art nur in der Kirche gelost worden. Nur in der
Kirche sind die perfekte Personalităt und die perfekte Gemeinschaft
verwirklicht worden. Tatsăchlich gibt es ausserhalb der Kirche weder
wahre Person noch wahre Gemeinschaft.'

AH gehoren nicht uns selbst. Wir gehoren allen, die in der Kirche
VV sind, und zuallerst der Seele der Kirche, dem Heiligen Geist. Das
Empfinden dessen ist das hauptsăchlichste und fortwăhrende
evangelische Empfinden jedes wahren Glieds der Kirche.

Das Gefuhl dieser Konziliarităt (Sobomost, Katholizităty und der


personlichen Verantwortfichkeit ist ein charakteristisches Merkmal
jedes Christen. Er weiss, dass er, wenn er stfirzt, auch andere mit sich
herabzieht, und dass er, wenn er aufsteht, auch andere emporzieht. Sein
Leben gehort nicht ihm aliem, sondem ist verwoben mit den Leben
seiner Bruder im Glauben, denn alle bilden wir zusammen den einen
und einzigen Leib der Kirche.

In der Kirche haben wir gewehMaw: Gott, die Heiligkeit, die


Seele, das Gewissen und das Herz und alle gottlichen Gaben. Kraft
dem Gebet und der Gnade ist auf wundersame Art jeder in allen, und
alle sind in j edem.

Die Liebe der heiligen Konziliarităt vereint die Glieder der Kirche auf
eine gottmenschliche Weise, sodass alle zusammen und jeder person-
lich das konziliare Leben der Kirche lebt.

' Ebenda, griech. S. 65, engl. S. 36.


^ Siehe Fussnote S. 191.
//. Ae/;/'e }95

a/?: Jcsas C/u/stas

T ^ \ie se heilige Liebe der Konziliaiităt hăngt ab von ihrem Glauben an


-L ^C hristus und ihr Leben in Ihm. Deshalb ruft der gottweise Apostei
den Christen zu: So Jga/! u-ic ;7u* CA/'Atn.s' .7e.s'n.s' Jca /Veraa c/a^/uagea
Au6/, .s'o u-uar/e/t /a //na (Kol 2,6). Verăndert nichts am Hen*n Jesus
Christus, noch auch tugt Ihm etwas hinzu. So wie Er ist, ist Er vollkom-
men, gottlich und menschlich. So haben wir, die Apostei, euch Christus
Jesus den Eierrn den Gottmenschen, verkundet und
iiberliefert, so habt ihr ihn empfangen. So auch wandelt in Ihm.

R haJe/t ia 7/?n^ lebt in Ihm - dies ist das Gebot der Gebote. Passt Ihn
nicht euch selbst an, sondem passt euch selbst Ihm an. Gestaltet Ihn
nicht um nach eurem Bilde, sondem gestaltet euch selbst um nach
Seinem Bilde.

N ur die hochmiitigen Hăretiker, die torichten Seelenverderber,


verăndem, adaptieren und verzerren den Gottmenschen Christus nach
ihren eigenen Geliisten und Meinungen. Deshaib gibt es in der Welt
soviele „Pseudochristusse" und soviele Pseudochristen.

Der wahre Herr Jesus aber, in der ganzen Fiille Seiner evangelischen
und gottmenschlichen Geschichtlichkeit und Wirklichkeit, lebt zur
Gănze in Seinem gottmenschlichen Leib, der Orthodoxen Katholischen
Kirche, wie zur Zeit der Apostei, so auch heute und in die Ewen.

Durch den gottmenschlichen Leib der Kirche erstreckt sich Sein


gottmenschliches Leben liber die gesamte Dauer der Geschichte und in
alle Ewigkeit. Indem wir mithin in der Kirche leben, leben wir ia //na.

Jede Verănderung, Minderung, Vereinfachung, Verkurzung oder An-


thromorphisierung des christlichen Ziels zerstort das Christentum, ent-
leert es seiner Essenz, macht es zu etwas Irdischem, emiedrigt es zu
einer gewohnlichen menschlichen, zu einer seichten humanistischen
Religion, Philosophie, Moral und Wissenschaft, zu einer seichten
humanistischen Konstruktion und Gesellschalt.'

Ebenda, griech. S. 63-65, engi. S. 34-36.


196 yh^va^rjM^n'M VOM Ce/ţ/'e

Die Eigenschaften der Kirche


T ^ \ie Eigenschafiten der Kirche sind unzăhlig, weii sie tatsăchiich die
J-VEigenschaAen des Gottmenschen, des Herrn Christus selbst sind
und durch Ihn jene des Dreieinigen Gottes. Doch die heiiigen und gott-
weisen Văter des Zweiten Okumenischen Konzils, gefuhrt und belehrt
vom Heiiigen Geist, fassten sie im 9. Artikei des Giaubensbekenntnisses
zusammen in vier: „Ich giaube an eine Einzige, Heilige, Kathoiische
und Apostolische Kirche". Diese Eigenschaften der Kirche - Einheit,
Heiiigkeit, Kathoiizităt und Apostolizităt - ergeben sich aus der Natur
seibst der Kirche und ihres Daseinszwecks. Die definieren auf kiare
und genaue Weise den Charakter der Orthodoxen Kirche Christi, der
sie als gottmenschliche Gemeinschaft und Institution von jedweicher
menschiichen Gemeinschaft und Institution unterscheidet.

D/n/:eA, D/n^/^AeA n/n/ Cntef/AurAeA der A^/rcAe


Ql o wie die Person des Gottmenschen Christus eine einzige ist, so ist
N ă u c ii die von Ihm, in Ihm und auf Ihn gegrtindete Kirche eine
einzige. Die Einheit der Kirche fofgt zwangsiăufig aus der Einheit der
Person des Herm Christus, des Gottmenschen. Da die Kirche der in
allen Welten einzigartige, organisch intakte gottmenschliche Leib ist,
ist sie, nach allen Gesetzen von Himmel und Erde, unteilbar. Jede
Teilung, jede Spaltung in ihr wfirde ihr Tod b edeuten^...

Alles in ihr ist durch die Gnade organisch verbunden in dem einzigen
gottmenschlichen Leib unter seinem einen und einzigen Haupt - dem
Gottmenschen, dem Herm Christus. Alle ihre Glieder, obwohl als
Personen immerdar ganz und unverletzbar, sind durch ein und dieselbe
Gnade des Heiiigen Geistes vermittels der heiiigen Mysterien und der
heiiigen Tugenden zu einer organischen Einheit vereint und bilden
einen einzigen Leib und bekennen einen einzigen Glauben (s. Eph 4,4-
5), der sie an den Herm Christus und aneinander bindet.

Die von Gott inspirierten und Christus-tragenden Apostel verkiinden die


Einheit und Einzigkeit der Kirche auf Grund der Einheit und Einzigkeit
ihres Grunders - des Gottmenschen, des Herm Christus, und Seiner gott­
menschlichen Person: Denn Aed? /We/rscA Dnm e/nen nnJeren Gm/zr/
/egen o A Den, D er ge/egt AI, D er Af ,/e.szrs' CArAtu.s' (1 Kor 3,11).
197

Wie die heiiigen Apostel bekennen auch die heiiigen Văter und Lehrer
der Kirche, mit der Weisheit der Cherubitn und der Feurigkeit der
Seraphim, die Einheit und Einzigkeit der Orthodoxen Kirche. Daraus
ist der feurige Eifer zu verstehen, welchen die heiiigen Văter der Kirche
in allen Făllen von Spaltung und Apostasie zeigten, ihre Unbeug-
samkeit gegenuber Flăresien und Schismen. In dieser Hinsicht sind die
heiiigen Okumenischen Konzile und die heiiigen lokalen Konzile von
grosster Wichtigkeit. Gemăss ihrem von Christus gegebenen Geist und
Verstăndnis ist die Kirche nicht nur eins und ungeteilt, sondem sie ist
auch die Kirche. Denn so wie der Herr Christus nicht mehrere
Leiber haben kann, kann Er auch nicht mehrere Kirchen haben. Ihrer
gottmenschlichen Natur gemăss ist die Kirche ungeteilt und einzig,
geradeso wie Christus, der Gottmensch, ungeteilt und einzig ist.

Eine Teilung, eine Spaltung der Kirche ist deshalb ontologisch und
unmoglich. Eine Spaltung innerhalb der Kirche hat es nie gegeben und
kann es nicht geben, wogegen es Abfall von der Kirche gegeben hat
und weiterhin geben wird, nach der Art jener sterilen Reben, die durr
geworden sind und abfallen vom ewig lebendigen gottmenschlichen
Weinstock - dem Herm Christus (Joh 15,1-6).

Von Zeit zu Zeit haben sich Hăretiker und Schismatiker abgeschnitten


und sind von der einen und unteilbaren Kirche Christi abgefallen,
womit sie aufhorten, Glieder der Kirche, Teii ihres gottmenschlichen
Leibes zu sein. Die ersten, die abfielen, waren die Gnostiker, danach folg-
ten die Arianer, dann die Makedonianer (Pneumatomachen), dann die
Nestorianer und Monophysiten, dann die Ikonoklasten, dann die romi-
schen Katholiken, dann die Protestanten, dann die Uniaten und so foii -
alle anderen, die zur Legion der Hăretiker und Schismatiker gehoren.

A lle Heiligkeit der Kirche liegt in ihrer Natur. ... Sie ist heilig als der
zV gottm enschliche Leib Christi, dessen ewiges Haupt der Herr
Christus Selbst ist und dessen todlose Seele der Heilige Geist ist.
Deshalb ist alles in ihr heilig - ihre Lehre, ihr Segen, ihre Mysterien,
ihre Tugenden, alle gottmenschlichen Mittel des Heils und der
Heiligung. Die Kirche ist tatsăchlich die gottmenschliche Werkstatt der
Heiligung der Menschen und, durch diese, alles Geschaffenen.
198 ,/M.s'^'M von CeJl/'e

Als unser Gott und Herr Jesus Christus in Seiner unvergieichiichen


Liebe zum Menschengeschiecht durch Seine Inkarnation zur Kirche
wurde, heiligte Er sie durch Seine Leiden, Seine Auferstehung und
Auffahrt, durch Seine Lehre, Seine Wunder, Sein Gebet und Fasten,
Seine Mysterien und Tugenden - mit einem Wort, mit Seinem ganzen
gottmenschlichen Leben.

Die geschichtliche Realităt zeigt jedoch, dass die Kirche ubervoll ist
von Sundern. Wird durch ihre Gegenwart in der Kirche deren
Heiligkeit verringert, verletzt oder zerstort? Nicht im geringsten! Denn
die Heiligkeit ihres Hauptes, des Herm Christus, und ihrer Seele, des
Heiligen Geistes, ist unwandelbar und unverlierbar, und in Ihnen sind
auch ihre gottliche Lehre, ihre Mysterien und ihre Tugenden unwandel­
bar und unverlierbar heilig.

Die Kirche umarmt auch die Stinder, belehrt sie und erzieht sie, um sie
zur Umkehr zu bringen, zur Reue zu erwecken und ihnen zur geistigen
Genesung, Wiedergeburt und Transfiguration zu verhelfen. Deshalb
sind sie kein Hindemis fur die Heiligkeit der Kirche. Nur jene Stinder,
die beharren im Bosen und in gottfeindlichem Hass sich weigern,
umzukehren, werden von der Kirche ausgeschlossen, entweder durch
den sichtbaren Akt der gottmenschlichen Autorităt der Kirche oder
durch den unsichtbaren Akt des Gottesurteils, um so das Heil der
anderen Glieder und die Heiligkeit der Kirche zu schiitzen. ScAq/??
Amweg <3M.s* CMrer MtRg (1 Kor 5,13).

AAc/m

* T \ie Natur selbst der Kirche ist katholisch, denn der gottmenschliche
J-V O rganism us der Kirche, der Leib Christi, enthălt alles: die gesam-
te Schopfung Gottes und insbesondere die Heilsordnung Gottes tur die
Welt und den Menschen. Der Gottmensch, der Herr Christus, hat durch
Sich Selbst und in Sich Selbst Gott und den Menschen auf die vollkom-
menste und vollstăndigste Weise vereint. Durch den Menschen hat Er
auch alle Welten und alles Geschaffene mit Gott vereint. Das Geschick
der Schopfung ist grundlegend an jenes des Menschen gebunden (s.
Rom 8,19-24). In ihrem gottmenschlichen Organismus umfasst die
Kirche alles wa.s* wMrJe, wrM iw /A'wwe/ At wa.s' azv/"
C rJe/7, <r/a.s* Ja.s' 06 T/mone or/er
o Jer AVd'cAte oJer (Kol 1,16). 4//as' Aat ;'/?!
7/. ZeAre 199

.se/'^e/? 7?asZ<27?<i E r fsZ Ja x ZZaMpt <7e.s' E e z '^ J a r EircA e


(Kol 1,17-18).

^ o ^ fo /E E a f r/er Efre/:e

Ţ ^ \ie wichtigste Tradition der Orthodoxen Kirche ist Christus Selbst,


-L v d e r ewig lebendige Gottmensch, vollumfanglich gegenwărtig im
gottmenschlichen Leib der Kirche, dessen unsterbliches und ewiges
Haupt Er ist. Dies ist nicht bloss eine frohe Botschaft, sondern die
hochste Frohe Botschaft der heiligen Apostel und ihrer Nachfolger, der
heiligen Văter. Sie wissen nichts anderes als Christus, gekreuzigt,
auferstanden und aufgefahren. Mit ihrem ganzen Leben und allen ihren
Lehren bezeugen sie einstimmig: Christus der Gottmensch west zur
Gănze in Seiner Kirche...

Die Apostolische Sukzession, ist von Anfang bis Ende gottmensch-


licher Natur. Was uberliefern die Apostel ihren Nachfolgem? Den
Gottmenschen, Christus Selbst, mit alt den unvergănglichen Schătzen
Seiner wunderbaren gottmenschlichen Person... Wenn nicht das
tiberliefert wird, hort die Apostolische Sukzession auf, apostolisch zu
sein, dann gibt es keine apostolische Tradition, keine apostolische
Hierarchie, keine apostolische Kirche.'

Dfe EerM/hng r/e.s C/m/sZen

Ţ J i n Christ ist Christ insofem, als er durch die Heilige Taufe ein
J —/lebendiger, organischer Teii des gottmenschlichen Leibs der
Kirche, eines Leibes mit ihr geworden ist, umgeben und erfullt von
Gott auf allen Seiten, innen und aussen, ko-inkamiert mit Ihm, mit
Seiner gottlichen Fiille. Durch die Taufe sind die Christen berufen zu
einem neuen Leben in und durch den inkamierten Gott, unseren Elerrn
Jesus Christus, in und durch die Kirche, denn sie ist Sein Leib, <E'e
TEV/e De.s.se/r, D er a//e,s' m a//en er/h'/E (Eph 1,23).

Die Berufung des Christen ist, in sich selbst Gottes ewigen gottlichen Plan
fur die Menschheit zur Wirklichkeit zu machen (Eph 1,1-10). Dies ge-
schieht durch das Leben in und durch Christus, in der Kirche und durch sie2

' Ebenda, griech. S. 80-90, engl. S. 47-54.


^ Ebenda, griech. S. 35-36, engl. S. i5.
200 voM Ce/Z/'o

Dă? P//z7nsvz/z/zzc z^cs Azz^zc/zz-A^zz

* T \ie Philosophie des Teufels liegt zur Gănze hierin: Gott und Seine
J -V Gegenwart in der Weit zu leugnen, Seine Menschwerdung, Seine
Inkamation in der Weit zu bestreiten... und zu verkunden, dass im Men-
schen nichts Gottliches, Unsterbiiches ist, sondern dass alies im ihm
der Tierwelt angehoil und dass es deshaib natrirlich ist fur ihn, zu leben
wie die Tiere, seine einzigen rechtmăssigen Vorfahrcn und natiiriichen
Brii der. Dies ist die Philosophie des Antichristen, der danach strebt,
Christus um jeden Preis zu verdrăngen und sich Seinen Piatz in der
Weit und im Menschen anzueignen. Vorlăufer, Bekenner und Jiinger des
Antichristen hat es in der Menschheitsgeschichte unzăhlige gegeben.

D z c F z *c / 7 :c z Z z/<?.s W r'zzsc /zc zz

T ^ \a der Mensch ais gottăhnliches Wesen erschaffen wurde, ist er aus-


J-V g estattet m it gottăhniicher Freiheit. Diese Freiheit ist
unermesslich. In seinem Eeien Wilien kann der Mensch sogar Gott
verwerfen und sich zum Teufei gesellen. Mehr noch, er kann, nach
seiner freien Wahl, Gott der Gnade nach werden oder ein Teufei. Macht
der Mensch von seiner Freiheit mit gottlicher Weisheit Gebrauch,
bringt sie ihn zu Gott, und er wird eins mit Ihm. Missbraucht er sie,
fuhrt sie ihn zum Teufei, und er wird eins mit diesem. Die
Menschheitsgeschichte gibt ein beredtes Zeugnis hiervon.

Deshaib wurde Gott Mensch, um in Seiner gottmenschlichen Person,


dem Menschen zu zeigen und ihn zu belehren daiiiber, wie er von seiner
Freiheit gottweisen Gebrauch machen kann, um seine gottăhnliche
Natur durch die Gnade vollstăndig zu lăutem und seine Gottăhnlichkeit
zu verwirklichen.

Um dem Menschen die gottlichen Krăfte zur Erreichung dieses Ziels zu


verschaffen, griindete Er die Kirche, mit allen ihren heiligen Mysterien
und Tugenden. Indem der Mensch kraft der heiligen Mysterien und
Tugenden cAe.s* it-hU mit dem gottmenschlichen Leib, der
Kirche (Eph 3,6), verwirklicht er seine von Gott gegebene Bestimmung:
Gott der Gnade nach zu werden.

Die ganze rettende gottliche Weisheit, die der Christ empfangt, besteht
darin, seinen freien Wilien von sich aus dem gottlichen Wilien des
77. ZU;re 201

Herm Christus unterzuordnen, nach dem Beispie) Christi Selbst, Der,


in Seiner gottmenschlichen Person, Seinen menschlichen Wilien Seinem
gottlichen Wilien unterordnete... Dies ist das zuhochst vollkommene
und unerlăssliche Gesetz im gottmenschlichen Leib Christi, der Kirche.

Alle Gnade, die vom Dreieinigen Gott kommt, wird im gottmenschli­


chen Leib der Kirche gegeben. Sie rettet uns von Stinde, Tod und Teufei
und gibt uns neues Leben, transfiguriert uns, heiligt uns, vergottlicht
uns, macht uns eins mit Christus, mit der Allheiligen Dreiheit.

Der Herr Christus bemisst das Geschenk Seiner Gnade an jeden von
uns gemăss seinem Bemtihen (1 Kor 3,8), gemăss seinem Eifer im
Glauben, in der Liebe, im Gebet, im Fasten, im Wachen, zum Erlangen
von Sanftmut, Zerknirschung, Demut und Langmut sowie aller anderen
heiligen Tugenden...

Unsei* Platz im lebenspendenden gottmenschlichen Leib der Kirche, der


von der Erde bis liber alle Himmel hinaus reicht, hăngt ab von unserer
eigenen Anstrengung, um die gottlichen Gaben Christi zu mehren. Je
mehr einer durch die Gnade Christi lebt, desto mehr Gaben emptangt
er und wird er, als Teii des Leibes Christi, durchdrungen von den gott­
menschlichen Energien der Kirche, die uns reinigen von jeder Stinde,
uns heiligen und vergottlichen und dem Gottmenschen gleich machen.'

.TA/cr 7/1 imd/Tir

Q o lebt jeder von uns in allen und fur alle, denn alle sind wir em Leib.
l ) Deshaib freut sich jeder tiber die Gaben, die seine Briider empfan-
gen, besonders dann, wenn sie grosser sind als seine eigenen/

Die Sendung der Kirche


Ţ ^ \ie Definition der Kirche, das Leben der Kirche, ihr Ziel, ihr Geist,
J -V ihr Programm und ihre Methoden - all das ist ihr gegeben in der
wunderbaren Person des Gottmenschen, Christus. Deshaib besteht die
Sendung der Kirche darin, alle Glăubigen organisch und personlich mit

' Ebenda, griech. S. 98-100, engl. S. 61-63.


^ Ebenda, engl. S. 63.
202 w /; Cg/i/'e

der Person Christi zu verbinden, ihr Selbstgefuhl in Christus-Gcluhl zu


verwandeln, ihre Seibsterkenntnis (Selbstbewusstsein) in Christus-
Erkenntnis (Christus-Bewusstsein), ihr Leben zum Leben in Christus und
Air Christus zu machen, ihre Seele zur Seele in Christus und tur Christus,
ihre Person zur Person in Christus und fur Christus, sodass in ihnen nicht
mehr sie seibst ieben, ^onJg/^n CA/'E'/M.v /gh/ m /7ntgn (s. Gai 2,20).

Fernerhin ist die Sendung der Kirche, jedem ihrer Mitglieder zum
Bewusstsein zu bringen, dass der Normalzustand der menschhchen
Person die Unsterbiichkeit und Ewigkeit ist und nicht die Endlichkeit
und Sterblichkeit, dass der Mensch ein Wanderer ist auf dem Weg
durch Zeitlichkeit und Sterblichkeit hindurch zur Unsterbiichkeit und
Ewigkeit.

Die Kirche ist die gottmenschliche Ewigkeit, inkamiert innerhalb der


Grenzen von Zeit und Raum. Sie ist ?'n rA'gygr Rg/7, r/ogA .y/g /y/ n/gAt
von J/e^er Rb/t (Joh 18,36). Sie behndet sich in dieser Welt, um diese
Welt zu erheben bis in jene Hohe, in der sie seibst ihren Ursprung hat.*

D/g 7t/os/tAgn:/g r/g.s Ahhoun/E/uns

Ţ ^ \ie Kirche ist okumenisch, katholisch, gottmenschlich, ewig, und


-L vdeshalb ist es Blasphemie, unentschuldbare Blasphemie gegen
Christus und gegen den Heiligen Geist, wenn wir aus der Kirche eine
naţionale Institution machen und sie verengen auf kleine, uberholte,
zeitlich bedingte naţionale Zielsetzungen und Methoden. Ihr Ziel ist
ubemational, okumenisch und bezieht die ganze Menschheit ein. Es
besteht darin, alle Menschen ohne Unterschied der Nationalităt, der
Rasse oder Klasse in Christus zu vereinen. Do g/7/ n/cA/ /ngAr .An/g onJ
/7g//gng, /n'gA/ ,S7Aovg nn<7 D/*g/'g/* n/cA/ Monn nn<7 Fron, r/g/n? o//e .yg/r/
/Ar g/n.y /n CTmEm.y ,/g.yu.y (Gal 3,28), denn o//g.y nn<7 /n o//gn C7?r7ytn.y
(K o l3 ,ll).

' Aus: wAţ/'a CrAve („Die innere Sendung unserer Kirche"), erst-
mals veroffentlicht in Hriscanski Zivot 1923. Griech. Ubers. von Atanasije Jevtic in:
Avdpwjrog xat op. cit., S. 54-55 (&anz. und engl. Ubers. s. Biblio-
graphie am Kapitelende).
//. Le/u'e 203

Die Methoden dieser gesamtmenschiich-gottmenschiichen Vereinigung


alier Menschen in Christus sind gegeben von der Kirche in ihren heiiigen
Mysterien und gottmenschiichen Werken (Askesen, Tugenden). Und in
der Tat - das Mysterium der Gottlichen Eucharistie konstituiert,
deEniert und bildet die Methode Christi und das Mittel zur Vereinigung
ader Menschen. Durch dieses Mysterium wird der Mensch organisch
vereint mit Christus und mit aden Giăubigen. Durch persondche
Askese' in den gottmenschiichen Tugenden des Glaubens, des Gebets,
des Fastens, der Liebe, der Sanftmut und Demut, der Barmherzigkeit
gegen ade, des Almosengebens, festigt sich der Mensch in dieser
Einheit, bewahrt er sich seibst in dieser Heiligkeit, erfahrt er Christus
in sich seibst als die Einheit seiner Personlichkeit und als die Essenz
seiner Einheit mit den anderen Gliedem des Heiiigen Leibes Christi,
der Kirche...

Die Kirche ist die Person des Gottmenschen Christus, ein


gottmenschlicher Organismus, und nicht eine menschliche Organisation.
Die Kirche ist unteilbar, im gleichen Sinn wie die Person des
Gottmenschen, wie der Leib des Gottmenschen unteilbar ist. Deshalb
ist es ein grundlegender Fehler, den unteilbaren gottmenschiichen
Organismus aulzuteilen in kleine naţionale Organisationen.

In ihrem Gang durch die Geschichte haben sich viele Ortskirchen im


Nationalismus eingegrenzt, in nationalen Zielsetzungen und Methoden.
Viele Ortskirchen, darunter auch die unsrige. Die Kirche hat sich dem
Volk angeglichen, wăhrend das Richtige das Gegenteil ist: dass das Volk
sich der Kirche angleicht. Auch unsere Ortskirche hat diesen Fehler
oftmals begangen. Doch wir wissen, dass dies Ja-y unseres
kirchlichen Lebens war, jenes Unkraut, das der Herr nicht ausreisst,
sondem wachsen lăsst, zusammen mit dem Weizen, bis zur Zeit der
Emte (Mt 13,29-30). Wir wissen auch (der Herr hat es uns gelehrt),
dass dieses Unkraut von unserem Erzfeind und Feind Christi stammt,
vom Teufel (Mt 13,25-28). Doch dieses unser Wissen ntitzt uns nichts,

' Das griechische Wort AcxTian, dt. Askese, bedeutet im engsten Sinn: Austibung,
etwas praktizieren, in die Tat umsetzen. Im weiteren Sinn bedeutet es: Ubung, sich
in etwas uben, ertiichtigen. Im geistigen, monchischen Sinn schliesslich bedeutet es
Bnthaltung von allen stindigen Regungen des Geistes und des Fleisches.
204 ^ /tv o te r von Cg/^/'e

wenn es nicht venvandelt wird in Gebet, damit Christus uns inskunftig


bewahre davor, zu Săem und Anbauem von Unkraut zu werden.

Es ist hochste Zeit, es ist zwolfte Stunde, dass unsere kirchlichen


Vertreter aufhoren, ausschiiessiich Diener des Nationalismus zu sein,
und dass sie Hierarchen und Priester der Einen, Heiiigen, Katholischen
und Apostoiischen Kirche werden. Die Sendung der Kirche, die ihr von
Christus Seibst gegeben und von den heiiigen Vătern verwirklicht
wurde, ist: dass der Seele des Volkes die EmpEndung und das
Bewusstsein eingepflanzt und getbrdert wird, dass jedes Glied der
Orthodoxen Kirche eine katholische Person ist, eine ewige und
gottmenschliche Person, Christus gehort und deshalb Bruder aller
Menschen ist, Diakon aller Menschen und alles Geschaffenen. Dies ist
das von Christus gegebene Ziel der Kirche. Jede andere Zielsetzung
stammt nicht von Christus, sondern vom Antichrist.'

D/g go^/Hgn^gA/fg/rgM AsAgsgr!-7f^g/? Jg/r

T ^ \ie erste der gottmenschlichen Askesen-Tugenden ist die Askese


J-V d e s G /or/^g^... An Christus glauben bedeutet, Christus zu dienen,
und Ihm allein, in allen Bereichen und Geschehnissen seines Lebens.

Gg/?gt J Fa^tgH sind die von Christus gegebenen allmăchtigen Mittel


zur Reinigung von jeder Unreinheit, nicht nur der menschlichen
Person, sondem auch der Gesellschaft, des Volkes, der Menschheit
insgesamt... Sie sollen nicht nur fur die eigene Person oder das eigene
Volk praktiziert werden, sondem fur alle und fur alles - fur Freunde
und Feinde, fur unsere Verfolger und unsere Morder. Denn in diesem
unterscheiden sich die Christen von den Heiden (Mt 5,44-45).

Die Cfg^g Christi ist stets eine allumfassende Liebe. Diese Liebe wird
durch das Gebet erlangt, denn sie ist eine Gabe Christi. Und das
orthodoxe Herz betet mit Hingabe: Herr der Liebe, gib mir Deine
Liebe, fur alle und fur alles!

Ebenda, S. 55-56.
7/. 205

Die vierte der gottmenschlichen Askesen-Tugenden ist jene der


Nur jener, der E7 von /Verze/7 (Mt 11,29),
zăhmt die aufstăndischen und wilden Herzen. Nur jener, der Je/m'it/g At
roz? Fferzen (Mt 11,29), demtitigt die hochiniitigen und arroganten
Seelen. d/A? A'u/7/i/7777/ z7/ zeigen gege/7 <3//e /Wc/7.sY.7?c/7 (Tit 3,2) ist jedem
wahren Christen geboten, doch erst dann, wenn er den sanften und
demtitigen Christus zum Herz seines Herzens macht, wird der Christ
sanft und demiitig... Jeder muss lemen zu beten: Sanfter Herr,
besănftige meine heftige Seele!

Die funftc der gottmenschlichen Askesen-Tugenden ist CNAE<7 M/rJ


DewtA, d.h. dass du Unrecht ertrăgst, das Bose nicht mit Bosem
vergiltst, barmherzig Beschimpfungen, Verleumdungen, Verletzungen
vergibst. Christus gehoren bedeutet: dass du immerdar J e r Rb/t
gekreMzigt bist, verfolgt von ihr, beschimpft und bespuckt von ihr. So
wie die Welt Christus nicht ertrug, so ertrăgt sie die Christus-tragenden
Menschen nicht. Das Martyrium ist der Zustand, in welchem der Christ
Frucht trăgt. Dies muss unser Volk temen. Fur den Orthodoxen
bedeutet Martyrium: Lăuterung... Deshalb bete: Langmutiger Flerr, gib
mir Langmut, Nachsicht und Sanftmut!

Die Sendung unserer Kirche ist, diese gottmenschlichen Tugenden-


Askesen zur Lebensweise des Volkes zu m achen... denn hierin liegt die
Rettung der Seele von der Welt und von allen seelentotenden,
todbringenden und gottlosen Bewegungen und Organisationen der Welt.

Die Orthodoxie, einziger Trăger und Bewahrer der vollkommenen und


lichterfullten Person des Gottmenschen, wird allein mit den
gottm enschlichen orthodoxen M itteln dieser Askesen-Tugenden
verwirklicht, und nicht durch Entlehnungen aus dem romischen
Katholizismus oder dem Protestantismus, denn dies sind Formen des
Christentums, die vom stolzen europăischen Menschen geprăgt wurden
und nicht vom demtitigen Gottmenschen.

Die Orthodoxie bringt immer wieder asketische Renaissancen hervor.


Eine andere Art von Renaissance kennt sie nicht.'

Ebenda, S. 57-6 F
206 ww Cg/f/'e

D/g g/Hz/gg;: Ff/gruprAstg/ (/gr Og^/m^oWg

Ţ ^ \ie Asketen sind die einzigen Hierapostel der Orthodoxie. Askese


J -V is t die einzige Schule fur Hierapostolie der Orthodoxie.
Orthodoxie bedeutet Askese und Leben. Deshalb wird die OAhodoxie
nur durch Askese und Leben verkiindet, und nur vennittels dieser
erfullt sie ihre Sendung...

Das Leben in Askese mussen wir entwickeln, sowoh) im personhchen


ais auch im gemeinschaftlichen kirchlichen Bereich... Die Kirch-
gemeinde muss zum asketischen Zentmm werden. Doch das kann nur
einem Priester geiingen, der selbst Asket ist. Gebet und Fasten, das
kirchiiche Leben auf der Ebene der Gemeinde, das iiturgische Leben -
dies sind die hauptsăchlichsten Mittel der Orthodoxie, mit denen sie
emeuemd einwirkt auf die Menschen.'

Zusammen mit alien Heiiigen


A A Fer die Zg6gn Jgr Zfgz'Z'gg/r gelesen hat, fuhlt und begreift mit
V V seinem ganzen Sein, dass er nur zM.sr//H/Hg/; /VgiZgg/?
(Eph 3,18) Christus als Gott kennen kann und alles, was m //?/??
arM T7?77? At (s. Eph 3,18-19)... Sie empfangen die Heiligkeit
a//g mrs' gmgw Zmz/ggM (Hebr 2,11), dem Einzigen, Der heilig ist.

A uf Grund ihrer asketischen Kămpfe, denen sie sich in ihrer Sehnsucht


nach Christus hingeben, wird ihnen der Heilige Geist gegeben, Der allein
die Tiefen Gottes kennt, die Tiefen des Gottmenschen Christus. Und im
Heiiigen Geist reden sie zu uns liber das unaussprechliche Mysterium
Christi und alle jene unsagbaren Gaben, die uns gegeben worden sind
durch Christus Gott (s. 1 Kor 2,9-12). Ja, nur durch den Heiiigen Geist
wird das Mysterium Christi offenbart, und dies nur den Heiiigen (s. Eph
3,3-5, Hol 1,26). Deshalb sind die Heiiigen die vollkommensten und
authentischsten Zeugen Christi, unseres Gottes und Erlosers.

Nun wissen wir, durch das Leben der Heiiigen, Wer Gott ist und Was
Gott ist. Auch das wissen wir nun - wer der Mensch ist, was der

Ebenda, S. 61.
7/. LeA/v 207

Mensch ist. Schon sind wir ausgestiegen am himmlischen Ufer des


Jenseits und betrachten vom Himmel her die ganze irdische Welt. Und
indem wir herabschauen, was gewahren wir am deutlichsten auf der
Erde unten? Weder die Berge noch die Meere, weder die Stădte noch
die Woikenkratzer, sondern den Menschen. Denn die menschiiche
Seele, geschaffen nach dem Biide Gottes, ist eine Sonne auf Erden. Es
gibt ebensovieie Sonnen auf der Erde wie Menschen. Und jede dieser
Sonnen ist sichtbar vom Himmel her. O Wunder der Liebe Gottes!
diese kleine Erde, dieses winzige Gestirn, eines der kleinsten,
beherbergt zwei Milliarden Sonnen! Im Erdenleib des Menschen
leuchtet die Sonne! Der Mensch? Ein kleiner Gott, mitten im Schlamm.

Dies ist die Frohe Botschaft, die allwahre Frohe Botschaft - nicht meine,
sondem jene der Heiiigen Gottes - , dass der Mensch ein grosses
Mysterium ist, ein heiliges Mysterium Gottes. So gross und so heilig,
dass Gott Selbst Mensch geworden ist, um uns die ganze Tiefe des
Mysteriums des Menschen darzulegen. Die Wahrheit des Evangeliums,
die Allwahrheit ist, dass Gott Mensch wurde, um den Menschen zum
Gott der Gnade nach zu machen.'

Der Strom des unsterblichen gottlichen Lebens begann zu stromen,


unablăssig zu stromen aus dem Gottmenschen Christus, und in ihm
gelangen die Christen ins ewige Leben. Die Christen sind das
Evangelium Christi, das sich fortsetzt durch alle Zeiten des Menschen-
geschlechts hinweg.

In den Zg&en J e r /Ve/V/ge/t ist alles nattirlich, wie im Evangelium, doch


gleichzeitig ist alles paradox, wie im Evangelium. In beiden ist alles
wahr und wirklich auf die gleiche einzigartige Weise, nach derselben
gottmenschlichen W ahrheit...

Durch die Heiiigen Gottes wird die Erde zum Paradies... Da wo sie
sind, da ist auch Gott der Herr zur Ganze, in ihnen, mit ihnen, in ihrer
Mitte. Da ist auch die ganze ewige Wahrheit Gottes und die ganze
ewige Gerechtigkeit Gottes und die ganze ewige Liebe Gottes und das
ganze ewige Leben Gottes.

' Epilog zu den 12-băndigenLeAeu JerTMA'gen, verfasst 1962. Griech. Fassung von
A. Jevtic in AvOptonoţ xca Oedvepojtog, op. cit., S. 95.
208 /t/frater Ar??;';; ww Cg/ţ/'e

Das wahre Leben des Menschen beginnt mit dem Glauben an Christus,
einem Glauben, der dem Herm seine ganze Seele, sein ganzes Herz,
sein ganzes Denken, seine ganze Kraft ubergibt, und Er heiligt,
transEguriert und vergottlicht all das nach und nach.

Die Heiligen sind jene Menschen, die auf Erden die heiligen, ewigen
und gottlichen Wahrheiten leben. Deshalb sind die Je r Ne/E'gen
in Wirklichkeit eine „praktische Dogmatik", denn alle heiligen und
ewigen Wahrheiten der Dogmen wurden von den Heiligen gelebt, in
ihrer ganzen schopferischen und lebenspendenden Kraft. Dies zeigt
aufs Offenkundigste, dass die Dogmen nicht blosse ontologische
Wahrheiten an sich oder um ihrer selbst willen sind, sondern dass jedes
Dogma Quelle ewigen, heiligen geistigen Lebens ist...'

Orthodoxie ist der rechte Glauben der Heiligen... Sie sind unsere Fuhrer,
unsere Lehrer der Orthodoxie. Sie sind die Posaunen des Heiligen
Geistes, die Eingeweihten der Heiligen Dreiheit, die Augen ChristD

D/g woArgn Cg/ncr

Ţ *^ie Bildung nach dem europăischen Modell der sogenannten


J-V „A ufklărung" kann nicht Bildung sein tur uns. Das orthodoxe
EmpEnden und Bewusstsein akzeptiert und anerkennt nur die Heiligen
als wahre Lehrer und Pădagogen und nur die Heiligkeit als Aufklărung
und Bildung im wahren Sinn. Nach dieser durstet und hungert unsere
Seele zutiefst, tiefer als viele unserer Intellektuellen ahnen. Und
niemand kann diesen Durst und diesen Hunger stillen als nur Christus
und Seine Heiligen allein.

Der Mensch, der aufrichtig nach dem Sinn und dem Licht des Lebens
sucht, findet stets eine unaussprechliche geistige Freude und
Beflugelung, Ansporn und weite Horizonte in der heiligen und mysti-
schen Orthodoxen Kirchef

' Prolog zum selben Werk, in op. cit., S. 87-89.


^ Zitiert in: A. Panagopouios, op. cit., S. 61-62.
^ Le/eA za RrAtow („Trauer um Christus"). Griech. Ubers. in: AvdpcuTrog xat
op.cit., S. 75.
Z/. LeAre 209

Die Gottesanbetung der Kirche


1^ \ s Leben der Kirche besteht im ununterbrochenen Gottesdienst, in
der ununterbrochenen Anbetung Gottes. Deshalb ist jeder Tag in
der Kirche ein Fest. Jeden Tag lobpreisen wir Gott in der Kirche und
feiern einen oder mehrere Heiiige. Das Leben der Kirche ist
unablăssiger Gottesdienst, unablăssiges Leben zmYwuMen nu? a/Ze??
EZeZZige?? (Eph 3,18). Die Heiligen des heutigen Tags reichen denen von
morgen die Hand, und die Heiligen von morgen denjenigen des
năchsten Tags und so fort. Der jăhrliche Zyklus hat kein Ende.

Indem wir die Feste und die Heiligen im Gebet feiern, erfahren wir in
Wahrheit ihre Gnade und ihre heiligen Tugenden, im Mass unseres
Glaubens, denn die Heiligen sind nichts anderes als die Person-
gewordenen, die fleischgewordenen heiligen Tugenden des Evange-
liums und unsterblichen Dogmen unseres Glaubens.

In der Gottesanbetung der Kirche ist alles Himmlische und alles


Irdische und alles Gottmenschliche gegenwărtig, alles was Gott mit
dem Menschen verbindet, den Himmel mit der Erde und die Ewigkeit
mit der Zeit. Alles Irdische lebt durch den Himmel, das Zeitliche wird
genăhrt vom Ewigen, und der Mensch lebt in Fulle durch Gott. .. .Denn
die Kirche ist der Himmel auf Erden, Gott im Menschen, und der
Mensch in Gott.

Die Orthodoxe Gottesanbetung ist das Leben der Kirche, in welchem


ihre Mitglieder, die daran teilnehmen, alles erfahren, was vom Gott-
menschen, von den Aposteln und von den Heiligen Vătem kommt, kurz
gesagt, alles, was orthodox ist. Die ganze gottmenschliche Ver-
gangenheit der Kirche ist stets gegenwărtig als unmittelbare Wirklich-
k eit... Diese Tradition der Gottesanbetung der Kirche bewahrt fur uns,
mit heiliger Furcht und Zittem, das Kostbarste in allen Welten - den
Herm Christus und alles, was mit Ihm zu tun h at...

Rettung besteht in Wirklichkeit in der ununterbrochenen Erfahrung des


Gebetslebens der Kirche. Dies ist die Askese der Einswerdung mit der
Kirche.

Das heiiige gottmenschliche Mysterium des Heilswerks Christi voll-


zieht sich in allen Gottesdiensten und besonders in der Gottlichen
210 T/tvaie/^dM ^da von C ed/d

Liturgie... In unserer lebendigen, betenden Teilnahme daran geschieht


unsere Rettung und Vergottlichung. Durch unsere volle Einverleibung
in die Kirche vollzieht sich unsere volle Einswerdung mit dem Gott-
menschen, Dessen Leib sie ist.'

Der gottliche und ewige Sinn des Denkens


Ţeder Gedanke, jede Empfindung des orthodoxen Christen beginnt
J und endet im Gebet. Er steht in betender Beziehung zu sich selbst
und zu seiner Umwelt und aliem voran zu unserem Herm und Gott
Jesus Christus.

Alles wird gottmenschlich und hat Gott als letztes Ziel. Das Denken
wird zum Denken liber Gott, zum Gottgedenken und zum Gebet, denn
dies ist der gottliche und ewige Sinn des Denkens...^

ArAen/tt/ns

Ţ ^ e r Rationalismus betrachtet die Vernunft (lat. m t/o) als


J -V unicii Ibares Erkenntnisorgan. Deshalb erscheint er in bezug auf
die menschliche Person in ihrer Ganzheit wie ein anarchischer Rebeli,
wie eine Rebe, die sich abgeschnitten hat vom Weinstock, obwohl sie
doch ohne denselben die Fiille des Lebens nicht haben kann und steril
bleiben muss. Der Rationalismus kann nicht zur Erkenntnis der
W ahrheit gelangen, weil er in seiner egozentrischen Isolation
gespalten, zerstreut und voller Lticken ist. Doch die Wahrheit offnct
sich dem durch Askese der gottmenschlichen Tugenden gelăuterten,
geheiligten, transfigurierten und vergottlichten Geist (gr.

Um sich die gottliche Wahrheit anzueignen, als tatsăchliche innere


Gegenwart, muss sich der Mensch durch diese Askese der gottmensch­
lichen Tugenden den Gottmenschen zu eigen machen als die Seele
seiner Seele, das Herz seines Herzens, das Leben seines Lebens.*'

' Aus: 7%e CLarcA'-s Divine Itbrs'Aip, o:.* 77;e O rtodox Cdarc/?, op. cit., S. 79-82.
^ Ebenda, S. 83.
^ Aus: La Gnoseologie & A Lsaac ie („Die Erkenntnislehre des hl. Isaak des
Syrers") in: Les tbies do /a Connaissauce de Diea, Lausanne 1998, S. 149-150.
//. ZeAre 2 !)

Okumenismus
/^*\kum enism us ist eine koliektive Bezeichnung fur das Pseudo-
V-V Christentum der Pseudo-Kirchen Westeuropas. Sein Herz ist der
europăische Humanismus, an dessen Spitze der Papismus steht. Dieses
ganze Pseudo-Christentum, alie diese Pseudo-Kirchen, sind nichts als
eine Hăresie nach der anderen. Ihr kollektiver Name, vom Evangelium
her gesehen, ist „Panhăresie". Warum? Im Laufe der Geschichte
leugneten oder verzerrten verschiedene Hăresien bestimmte Aspekte
des Gottmenschen, des Herrn Christus, doch diese europăischen
Hăresien schaffen den Gottmenschen zur Ganze beiseite und stellen
den europăischen Menschen an Seinen Platz. Es gibt in der Tat keinen
grundlegenden Unterschied zwischen Papismus, Protestantismus, Oku­
menismus und den anderen Hăresien, deren Name „Lcgion" ist.

Das Orthodoxe Dogma, das heisst das universelle Dogma liber die
Kirche, ist verworfen und ersetzt worden durch das hăretische lateini-
sche Dogma des universellen Primats und spăter der Unfchibarkeit des
Papstes, das heisst des Menschen. Diese Hăresie brachte weitere Hăre­
sien hervor und fahrt fort, solche hervorzubringen: das Filioque, die
Abschafîung der Epiklese, die Einfuhrung der geschaffenen Gnade, des
ungesăuerten Brots, des Fegefeuers, der Anhăufung uberzăhliger
Werke, mechanistischer Lehren liber die Erlosung, daraus abgeleitet
mechanistische Lehren liber das Leben, Papo-Zentrismus, Inquisition,
Ablassbriefe, die Ermordung von Stindem wegen ihrer Stinden, Jesui-
tentum, Scholastik, Kasuistik, Monarchismus, Sozialhumanismus,
Sozialindividualismus usw.

Der Protestantismus, das liebste und loyalste Kind des Papismus,


strauchelt in seiner rationalistischen Scholastik von einer Hăresie zur
anderen und trinkt sich voii mit stăndig neuen Giften seiner hăretischen
Irrtiimer. In alledem fuhren păpstliche Arroganz und „Unfchlbarkcits"-
Torheit das Zepter und verheeren die Seelen ihrer Anhănger. Im Prinzip
ist in Glaubensfragen jeder Protestant ein unabhăngiger und
unfehlbarer Papst. Dies fîihrt unweigerlich von einem geistigen Tod
zum anderen, zu einem Sterben ohne Ende, denn die geistigen Tode des
Menschen sind unzăhlig...
2 t2 T/?va?erjMA?;'n von Ce/i/'e

Ohne Sinnesănderung und Eintritt in die wahre Kirche Christi ist es


widersinnig und unnattirlich, von Vereinigung der „Kirchen" zu reden,
von „Diaiog der Liebe", von „Interkommunion"' (d.h. vom gemein-
samen Kelch). Das Wichtigste ist, Giied des gottmenschlichen Leibs
der Kirche Christi zu werden und damit Teilhaber, im Heiiigen Geist,
an der Seeie der Kirche und am Erbe aller unsterbiichen gotthchen
Schătze, die der Gottmensch gibt.

Der derzeitige „Diaiog der Liebe", der in Form eines hohlen Sentimen-
taiismus gefuhrt wird, ist in Wirklichkeit eine treulose Leugnung der
rettenden FFet'h'gMftg r/as' /Fc?7?'gc?? GeAtcv ?t/?<7 <r/as* G/t?t?he??,s' a/! J?e
fK?A?^/?e?7 (2 Thess 2,13), das heisst der aiiein rettenden C?ehe
fK?/??*Ae?7 (2 Thess, 2,10). Die Essenz der Liebe ist die Wahrheit.
Wahrheit ist das Herz jeder gottmenschlichen Tugend, die Liebe
eingeschlossen... Wir leben in Christus, indem wir J?e fK?/??*/?e?7 ???
C?ehe AY/gc/r...

Lassen wir uns nicht tăuschen: es gibt auch einen „Dialog der Luge",
wenn die Unterhăndler einander bewusst oder unbewusst belugen. Ein
solcher Dialog ist kennzeichnend fur den fhfer J e r Frige, den Teufel,
denn er ?v/ eh? Zt?g?rer :????/ her K/ter Je?* Thge (Joh 8,44). Er ist auch
kennzeichnend Fur alle seine willigen oder unfieiwilligen Mitarbeiter,
wenn sie ihr Gutes mit bosen Mitteln erreichen, ihre „Wahrheit" mit
Hilfe von Lfigen finden wollen. Es kann keinen „Dialog der Liebe"
geben ohne Dialog der W ahrheit...

Die Lehre der gottmenschlichen Orthodoxen Kirche Christi, formuliert


durch die heiiigen Apostel, die heiiigen Văter und die heiiigen Konzile,
sagt in bezug auf die Hăresien Folgendes: Hăresien sind nicht die
Kirche und konnen es nie sein. Deshalb konnen sie keine Fleiligen
Mysterien haben, insbesondere keine Fleilige Eucharistie...

Gemăss der Orthodoxen Lehre uber die Kirche und die Mysterien ist
das einzige und allumfassende Mysterium die Kirche Selbst, der Leib
Christi des Gottmenschen, und als solcher ist sie die einzige Quelle und
und der einzige Gehalt aller gotthchen M ysterien...

' An anderer Stelle legt der Attvater dar, dass schon der Begriff „Interkommumon"
vom Gesichtspunkt der orthodoxen Ekklesiologie vollig widersinnig ist.
77. Z,e/:re 213

Gemăss der Orthodoxen Ekklesiologie und in Ubereinstimmung mit


der ganzen Orthodoxen Tradition, anerkennt die Orthodoxe Kirche
folgiich keine Existenz anderer Mysterien oder Sakramente ausserhaib
ihrer seibst, noch auch anerkennt sie solche als Mysterien, und keiner
kann ihre Mysterien empfangen, solange er sich nicht in Reue gelost
hat von den hăretischen „Kirchen", d.h. den Pseudo-Kirchen. Bis dann
bleibt er ausserhaib der Kirche, nicht vereint mit ihr durch die Reue,
und ist, von der Kirche aus gesehen, ein Hăretiker und deshalb
ausgeschlossen von der rettenden Gemeinschatt, der KoAo/u'o, der
Kirche.'

Der Ausweg aus aHen Sackgassen


Ţ " \ e r Ausweg aus allen Sackgassen, den humanistischen,
J-V okum enistischen, papistischen usw., ist der historische
Gottmensch, der Herr Jesus Christus und Seine gottmenschliche
Schopfung, die Kirche, deren ewiges Haupt und ewiger Leib Er Seibst
ist. Der apostolische, patristische, uberlieferte, konziliare, katholische
Orthodoxe Glaube ist, innerhalb der Kirche, Rettung aus allen
hăretischen Toden, mit welchem Namen man sie auch benennen mag.
Denn jede Hăresie stammt vom Menschen und folgt den G&er/ie/eruM-
geM vo/z A7oM,s'c7?g/?. Jede von ihnen stellt den Menschen an den Platz
des Gottmenschen, ersetzt den Gottmenschen durch den Menschen. So
leugnet und verwirft jede von ihnen die Kirche, die zur Gănze im, vom
und gemăss dem Gottmenschen ist.

Welche Rettung gibt es aus alledem? Den apostolischen, gottmensch­


lichen Glauben, die allseitige Ruckkehr zum gottmenschlichen Weg der
heiiigen Apostel und der heiiigen Văter, die Ruckkehr zu ihrem
makellosen Orthodoxen Glauben an Christus den Gottmenschen, zu
ihrem Leben in der Gnade innerhalb der Kirche kraft des Eleiligen
Geistes, zur Freiheit in Christus, die Er uns gegeben hat, zu ihrer
gesegneten gottmenschlichen Erfahrung im Heiiigen Geist, zu ihren
heiiigen gottmenschlichen Tugendend

' Aus: Pravo^/avna CAva e^M7MenMam, op.cit., griech. Ubers. op.cit. S. 224-230,
engl. op. cit., S. 153-58.
^ Ebenda, griech. S. 256-257, engl. S. 177.
214 /1/tvomr jM.sf;'/! von Co/;'/'e

Vom Lesen der Heiîigen Schrift


" T \ie Bibel' ist nicht ein Buch, sondem Leben, denn ihre Worte
GLAf .s7/?<7 Le^e/t (Joh 6,63). Deshalb konnen ihre Worte nur
verstanden werden, wenn wir sie mit dem Geist ihres Geistes und dem
Leben ihres Lebens betrachten.

Sie ist ein Buch, das mit dem Leben gelesen werden muss - indem wir
es in die Tat umsetzen. Zuerst miissen wir es ieben, erst dann konnen
wir es verstehen.

Hier gelten die Worte des Eriosers: iTb/m emer ILV/e/t Gottes* A//?
mi//, er erAenngn, o6 <7A.s'e LeAre vo/t Gott AT... (Joh 7,17) Tu es,
damit du es verstehen kannst. Dies ist die Grundregel orthodoxer
Bibel-Exegese.

Zuerst liest man die Bibel gewohnlich schnell, doch dann immer lang-
samer, bis einer dahingelangt, dass er nicht einmal mehr Wort fur Wort
liest, weil er in jedem Wort ewige Wahrheit entdeckt, unaussprechli-
ches Mysterium.

Lest j eden Tag mindestens ein Kapitel des Alten und eines des Neuen
Testaments, doch gleichzeitig setzt eine Tugend des einen und des
anderen in die Tat um. Ubt euch darin, bis es euch zur Gewohnheit wird.

In der Bibel hat Gott absolut alles gesagt, was den Menschen gesagt
werden m usste... Was die Welt ist, woher sie kommt, wohin sie geht,
wie sie enden wird; was der Mensch ist, woher er kommt, wohin er
geht, woraus er besteht, welches seine Bestimmung ist... was die Tiere
und die Pflanzen sind... was das Gute ist... was das Bose ist... der ganze
Weg des Menschen vom Guten zum Bosen... von der Empfangnis bis
zur Auferstehung von den Toten... Die Biographie jedes Menschen
ohne Ausnahme ist in der Bibel enthalten.

' Darunter ist die gesamte Heilige Schrift zu verstehen: Altes nnd Neues Testament,
die eines ohne das andere nicht zu verstehen sind, weder das Alte ohne das Neue,
noch das Neue ohne das Alte. Fur das Orthodoxe Bibelverstăndnis gehoren beide
Testamente untrennbar zusammen, denn das Alte ist die Vorbereitung des Neuen,
und das Neue ist die Erfullung des Alten.
215

In der Bibel hat Gott alle Fragen beantwortet. Es gibt keine Frage, die
die menschliche Seele plagt, die in der Bibel nicht ihre Antwort findet,
direkt oder indirekt. Wenn ihr die Antwort nicht findet, so bedeutet das,
dass ihr entweder eine sinnlose Frage gestellt habt oder nicht wusstet,
wie die Bibel zu lesen ist.

In der Bibel werdet ihr die Arznei finden fur alle eure Laster und
Schwăchen und Nahrung fur alle eure Tugenden und Stărken.

Es ist wichtig zu wissen, wnrM/M wir die Bibel lesen sollen. Ebenso
wichtig ist zu wissen, wie wir die Bibel lesen sollen. Die besten Fuhrer
hierbei sind die Heiligen Văter, allen voran der hl. Johannes
Chrysostomos', der sozusagen ein funftes Evangelium geschrieben hat.

HnAcreAnng

l ^ \ i e Heiligen Văter empfehlen, dass wir uns emsthaft vorbereiten,


J-V b ev o r wir die Bibel lesen und betrachten. Welches ist diese
Vorbereitung? Zu allererst das Gebet. Betet zum Herm, dass Er euren
Sinn erleuchten moge, damit ihr die Worte der Bibel verstehen konnt,
und dass Er euer Herz erfulle mit Seiner Gnade, damit ihr die Wahrheit
und das Leben jener Worte zu empfinden vermogt.

So wie Er es einst tat, so spricht der Herr auch heute Seine Worte zu
dir, zu mir, zu jedem von uns. Doch wir mussen innehalten und uns in
sie vertiefen und sie annehmen - mit dem Glauben des Hauptmanns
von Kaphemaum. Dann wird uns ein Wunder geschehen, und unsere
Seelen werden geheilt werden, so wie der Knecht des Hauptmanns
geheilt wurde (s. Mt 8,5 ff).

Solches tut Er auch heute, denn der Herr Jesus At Derive/Ae geVern Mnr/
m AwigAgA (Hebr 13,8).

Deshalb sagt Er: /A'/n/Me/ rmA A/vA werJew ve^geAen, JocA Meme
HbrA werJeM /?AA/ vergeAew (Mt 24,35).

' In der Patristischen Sammlung „Bibliothek der Kirchenvăter" (Kosel Munchen


1915-1936) sind in dt. Ubersetzung 8 Bande seiner Schriftkommentare erschienen,
die er in Form von Predigten unmittelbar zu den Glăubigen sprach und auch fur uns
Heutige ohne weiteres verstăndlich sind.
216 von Ce/ţ/e

Wenn ein Mensch sie annimmt, wird er bestăndiger ais Himmel und
Erde, denn in ihnen ist eine Kraft, die den Menschen unsterbiich und
ewig m acht... IfhAr/AA, waAr/icA, 7cA e^cA, wer Ubr/e
AeuY;A/7, wAr/ Jen 7o<7 ^cAoMe^ (Joh 8,51).

Aus jedem Wort Christi kommt eine Kraft, die uns reinwăscht von
Stinde. Deshaib sagte der Herr beim Mystischen Abendmahl zu Seinen
Jtingem: /Ar ,s'<W/ Aere/A Jas' Ifb/Ve.s' wegen, ^,s* 7cA zt/ e:;cA
gasyrocAe?? A<?Ae (Joh 15,3).

Christus der Herr und Seine Apostel bezeichnen das, was in der Bibel
geschrieben steht, als Woi*t Gottes.' Wer es nicht als solches liest und
annimmt, bleibt gefangen in den stummen, stammelnden Worten der
Menschen, in Leerheit und Eitelkeit.

Gross ist das Mysterium des Worts - so gross, dass die zweite Person
der Allheiligen Dreiheit, Christus der Herr, „das Wort" genannt wird,
„der Logos" der Bibel.

Der gottliche Logos hat Gottes Plan fur die Welt und Gottes Liebe fur
die Welt offenbart. Gott das Wort hat zu den Menschen liber Gott
gesprochen mit Hilfe von Worten, soweit wie menschliche Worte den
unfassbaren Gott zu fassen vermogen.
Alle Worte Gottes, die Gott zu den Menschen gesprochen hat, kommen
vom Ewigen Wort - dem Logos Gottes, Der das Wort des Lebens ist
und ewiges Leben schenktd

' Siehe Joh 17,14; Apg 6,2; 13,46; 16,32; 19,20; 2 Kor 2,17: Kol 1,5; 2 Thess 3,1).
^ Publiziert in: O Aytog NeKrdptoţj o Oaa/mzoL'pydg, Nr. 1, Thessaloniki 1980.
77. Zg/n'g 217

A. Biographisches:
TZaMpAyng/Ign <7gr RiograpAz'g von Z/tvater Jnyn'n yz'nJ f7z'g ZgAgny&gycArgz'Azzngen in
ygrdMCĂgr 6^racAe any Jgn 7<g(7gr ygingf vz'gr engyign 5*c7Migr; <7er RAcAo/g Zianayi/'g
Jeviic von TZgrzegovina (in: J. Popovic, 77a Rogocovecazzs'Aom Pnin, [„Auf dem Weg
des Gottmenschen", S. 5-96, Belgrad 1980], Znţ/i/o7i/e Rariovic von Monignggro,
7ring/ Rzziovic von RacAa an<7 Zrignzi/'e Rarioyaviigvic von Priznen, Jig in vgyycAigffg-
nen Zgiis'cAri/îgn oc7en a 7 korspann zn RncAern Jgy ^//vaier-y grycAigngn yinJ. 7ing
ZMyaznzngnyig/iHng Jigygr Gzzei/gn gniAaii <7z'g gnigcZAcAg Zns'gaAg.'
- Ercroxojtov A8av. HePiLig, Btop rott Otrtou Tîarpog lo w n v o u 77ojro/3trg,
Ekd. Nekt. Panagopoulos, Athen 2. Aufl. 2007.
Ferner:
- A. navayojioOXov, 77. Io n o r t v o t' /7dm)(itrp, B to^xatT foA treta, Patras 1995.
- R Z eiicu Im avviăp, fe p o v n x d ro u 20on Atmvo^, Ekd. Nekt. Panagopoulos,
Athen 3. Aufl. 2002 (gniAali GaspracAe mii Jen 77igrarcAgn Znr/iioAi/'g
7?ar7ovz'c a n J Iring/ Ba/ovic).
- St. Vladim ir's Theological Quarterly, Nr. 1-2, Voi. 13, New York 1969.
- Le Messager Orthodoxe Nr 88, Paris 1981.
- Sobornost, Oxford 1980
- Der Schmale Pfad, Nr. 6, Dezember, Appelern 2003.

B. Scht iften von Aîtvater Justin (Auswaht):


- 77g P/ziioyopAy an d Rg/igion o/* Doyio/'gvyAy („Die Philosophie und
Religion von Dostojewski"), Dissertation in engl. Sprache, die in Oxford
wegen der Kritik am europăischen Anthropozentrismus abgelehnt wurde.
Serbisch erstmals publ. in Sremski Karlovac 1924.
- 7g^ kbig^ <7e /a ConnaByancg <7g Dz'ga („Die Wege der Gotteserkenntnis"),
Ed. L'Age d'Hom m e, Lausanne 1998. Sammelband bestehend aus I. 7 a Pgr-
yonng gt /a G onnai^ancg ^g/on & Macairg B'Pgypig („Person und Erkenntnis
nach dem hl. Makarios dem Âgypter"), franz. Ubers. der Dissertation des
Altvaters an der Lfniversităt Athen, erstmals in Griech. publiziert Athen 1926;
II. 7 a Gno^goiogig Jg Yi Tyaac (g Yyrign („Die Brkenntnislehre des hl. Isaak
des Syrers"), in Serbisch verfasst 1927, erstmals publ. 1934; eine deutsche
Ubersetzung hiervon erschien in der deutschen orthodoxen Zeitschrift „Der
Schmale Pfad", Nr. 3, April 2003; engl. Ubers. in Ort/zoBox Paz'i/z anzl 7z/g z'n
C/zziAi (s. unten); sowie III. Cgzzizznz'g a.yggtz'zytzg gigno^goiogz'^ag, 100 Kapitel
liber die Lehre des hl. Symeon des Neuen Theologen, zusammengestellt von
Atanasije Jevtic aus dem Nachlass des Altvaters.
- Avdpmjrog x a t Oedvdptwrog („Mensch und Gottmensch"), Athen 1969, 7.
Aufl. 2001. Sammelband mit mehreren Abhandlungen, darunter jene tiber die
218 4Avrae/' .ZM.sV::: von Ce/;/'e

Innere Mission der Kirche (şerb. Originaltitel: UaMavesa/'a /a A;'/:: /:u.se CrZve,
1923), iiber den Hochsten Wert und das Letzte Kriterium der Orthodoxie (şerb.
O riginaltitel: O 3'::.s'Aa; A7v:vo,s7avae av:'o/og:'/e Ar:7e/*;'o/og:'/e, 1935),
Betrachtungen iiber das romische Unfehlbarkeitsdogma (1967), iiber den Neo-
Arianismus Europas (1925), iiber die Heiligen (1954, 1962), iiber die orthodoxe
Bildung (şerb. Originaltitel Le/eA za ZZeAioa;, „Trauer um Christus", 1937),
Ekklesiologische Kapitel (Ausziige aus dem noch unveroffcntlichtcn Kommcn-
tar des Altvaters zu den Briefen des Apostels Paulus, verfasst 1954-1957) usw.
Aus dem Serbischen ins Griechische iibersetzt von Bischof Atanasije Jevtic.
- A'Aorawe ei / 7Vo/H/::e-ZJ:'e:: (Ed. L'Agc d'Hom m e, Lausanne 1989). Integrale
Lfbersetzung des obigen Buches, ergănzt durch eine Lebensbeschreibung und
Wiirdigung des Werks.
- 0/iAoAov FaAZ a/?<Z Z:/e in CA/'i.sZ („Orthodoxer Glaube und Leben in Christus"),
hrsg. Institute for Byzantine and Modem Greek Studies, Belmont Mass., 1994,
3. Aufl. 2005. Sammlung von Abhandlungen, die mit einigen Unterschieden
dem Bând A v dpw rog x m entspricht. Die Unterschiede sind:
Einschluss der Abhandlung iiber den hi. Isaak den Syrer sowie von zwei
Abhandlungen iiber den Okumenismus, da fur Weglassung von vier kleineren
Abhandlungen. Ubersetzung nicht immer zuverlăssig. Enthălt eine umfangreiche,
aber nicht vollstăndige Liste der Werke des Altvaters (Originaltitel nur in engl.
Ubers. wiedergegeben).
- ZAavo.sZavna C/7rva : e/rHn:en/',san: („Die orthodoxe Kirche und der Okumenis­
mus"), publ. Thessaloniki 1974 in einer serbischen und einer griechischen
Ausgabe. Griech. ZZ Op9d<5o^og ExxAtyoZa x a t o Otxou^evtopdg, iibers. von
Amfilohije Radovic und Atanasije Jevtic, neu hrsg. vom Kloster der Erzengel
von Celije im Verlag „Lydia", Thessaloniki 2006. Engl. Ubers. 7%e OnAo&Jx
CAarcA aa<7 PcMareaAa:, hrsg. von Lazarica Press, Birmingham 2000. Das Buch
besteht aus 2 Teilen: 1. 77:e G/VAo<7ov 7eucAA:g oa tAe CAarc A („Die Orthodoxe
Lehre iiber die Kirche") und 2. Fcaa:eaAa: („Okumenismus").
- 77:e GoJ-AZaa, 77ze FoaaJaA oa o/' /Ae TraiA o/' GriAorioxy („Der Gottmensch,
Das Fundament der Wahrheit der Orthodoxie"), Einzelartikel, im serbischen
Original erstmals publiziert in der Zeitschrift „Pastirski Glas", Kragujevac 1937.
In mehreren englischen Ubersetzungen im U m lauf im Internet (serbische
Webseiten).
- Pravo.sZavaa F:7o.so/:/'a ZsZ/'ae („Orthodoxe Philosophie der W ahrheit").
Dogmatik der Orthodoxen Kirche in 3 Bd., Belgrad 1932,1935,1978. Franz.
Ubers. PA:7o.s'opA:'e G/'/Aoriove Je /a Tenie, 4 Bde, hrsg. Ed. L'Age dT lom m e,
Lausanne 1992-1997.
- Z:7i/a 5veh'A („Leben der Heiligen"), 12 Bande, publ. B elgrad 1972-1977.
219

^ L r r v x r e R K L e o r x
VON
S tH ^ S T R t^

(1912-1998)
220

XYeopa
221

Kapitel 6

tW l^ C R K LG O PX
V O N S tH X S T R !^
A 7 om Mutterschoss an von Gott erwăhlt, um Hirte zu werden von
V vieien und schliesslich zum geistigen Vater und Lehrer des ganzen
rumâni schen Volks, begann dieser apostolische Mann seinen Weg als
Schafhirt in den Bergen der Moidau. Hier in der StiMe, im Angesicht
der Schonheit von Gottes Schopfung, im emsigen Studium der HI.
Schritt und der Heiiigen Vater und im inneren Gebet, wurde er durch
Gottes Lenkung vorbereitet auf die Ertullung des hohen Auftrags.
Spăter, wenn hochgesteilte Personlichkeiten, Professoren, Theologen,
Wtirdentrăger usw. sich tiber sein profundes Wissen in so vieien
Bereichen wunderten und ihn tragten, was und wo er denn studiert habe,
pflegte er lăchelnd zu antworten: „Seht ihr diesen Stock dort hinter der
Tur? Mit ihm habe ich die Schafe gefuhrt. Seht ihr diese Hirtentasche
am Nagel? In ihr trug ich die Bucher mit, die ich vom Kloster Neamts
borgte und die ich las, wăhrend ich die Schafe hiitete. Dies ist meine
Wissenschaft. Was meine Universităten angeht, so heissen sie: Bei-
den-Holzscheiten, Am -Kreuzesfuss, Beim-Kleinen-Busch, Beim-
Grossen-Busch, Kuppe-von-Dubau, Buchenhain, Bach Solomazdras,
Kuckucksfuss, Klamm von Coroi, Waldlichtung-des-Joseph, Lichtung-
des-Sergi, Lichtung-des-Glutofens und all die anderen Orte, die ich
zehn Jahre lang durchwanderte mit den Schafen des Kdosters.'"

' Arhim. Ioanichie Bălan, V Hevo/H/e/ed/'AwMH^n'lM/M/ C/eopa //le, 2. Ausgabe


Ed. Trinitas, lassi 2002. Franz. Ubers.: Pere Ioanichie Balan, Le Pere C/eopa^, Ed.
L'Age d'Homme, Coli. Grands Spirituels Oilhodoxes du 20e siecle, Lausanne 2003,
S. 124. Engl. Ubers.: ^AepAerr/ of&w/s', St. Herman Press, Platina (Ca) 2000.
222 Â 7ecpa von

Er war ein grosser Asket, ein Mann des Gebets, vor aliem aber ein
grosser Bekenner Christi, unseres einzigen Eriosers, zur Zeit der
kommunistischen Verfoigung und Verteidiger des Orthodoxen
Giaubens gegen die Hăresien, die, vom Westen hergetragen, das
orthodoxe Volk Rumăniens bis heute bedrăngen. Als hervorragender
Kenner der Heiligen Schrift, der Theologie der Heiiigen Văter und der
hi. Kationcs der Kirche verfasste er im Auftrag verschiedener rumăni-
scher Bistiimer Anleitungen fur Beichtvăter, Katechesen fur die
Glăubigen, Wideriegungen von Irrlehten usw. A uf Veriangen der
Heiiigen Synode der Kirche von Rumănien schrieb er auch eine
Dariegung uber die irrtumer der schismatischen Aitkaiendarier, um
ietztere in die Kirche zuruckzufuhren. Er ist femerhin Autor vieier
Homeiien zu den Festen der Kirche und zu aiien Sonntagen des
Kirchenjahrs sowie einer Reihe asketischer und philokalischer
Schriffen - ein Gesamtwerk von uber 20 Bănden, das bisher nur in
rumănischer Sprache zugănglich ist, mit Ausnahme von drei Bănden,
die in griechischer Ubersetzung erschienen sind.
Im Wissen, dass ohne rechten Giauben und ohne rechtes Leben die
gottiiche Gnade unerlangbar und ein Fortschritt auf dem geistigen Pfad
unmogiich ist, war er kompromisslos in Giaubensfiagen sowie in der
Forderung nach Einhaitung der Ordnung der Heiiigen Kirche und der
Gebote des Evangeliums, besonders seitens des Klerus und der Monche,
die dem Gottesvolk Vorbild sein sollen. Zugieich aber war er voiier
Liebe und Zărtiichkeit tur die einfachen Giăubigen, die Leidenden und
die Kinder, und oftmals sagte er zum versammeiten Voik: „Ach, konnte
ich euch doch aile in meine Hirtentasche stecken und ins Paradies
tragen!"
„Vieles ist zu sagen tiber unseren Vater Kieopa", sagte einer seiner
Junger, „doch das Wichtigste ist dies - dass er Gott in seinem Herzen
trug. Er lebte in Gott und Gott in ihm."
223

I. - Leben

7. GEAmt MHi/ ATA:

A ltvater Kleopa kam am 10. April 1912 im D orf Sulitsa (Bezirk


Z v B o to ş a n i) im nordostlichsten Zipfel Rumăniens zur Welt, in einer
angesehenen und zutiefst gottesfurchtigen Familie von Schafziichtem,
den Ilie. Diese waren urspriinglich aus Transsylvanien (Nordwest-
mmănien) in diese Gegend gekommen, um der religiosen Verfoigung
durch die Uniaten' zu entgehen. Er war das fiinfte der insgesamt zehn
Kinder seinei* Eltem und das einzige, das ein hohes Alter erreichte. Die
anderen neun starben alle in jungen Jahren, zwei schon im
Kleinkindesalter. Die vier Sohne der Familie wurden alle Monche,
ebenso eine der Schwestem.
Sein Vater, Alexandru Ilie, war ein gerechter und frommer Mann.
Niemand sah ihn je betrunken oder rauchen, niemand horte ihn je fluchen
oder dergleichen. Jeden Sonntag und bei jedem Fest begab er sich mit
Frâu und Kindern in die Kirche, und er half den Armen, wo er nur
konnte. Er war auch sehr asketisch und lehrte seine Kinder fasten, beten
und in Einfachheit leben. Wenn Anna, seine Frâu, zu ihm sagte, er solie
doch die Stiefel anziehen, um in die Kirche zu gehen, antwortete er:
„Frâu, hast du in der Kirche je einen Heiiigen gesehen, der mit Stiefeln
dargestellt ist? Alle tragen GpAicAG Auch ich werde Opmcn tragcn."
Dass man vor dem Mittag ass und das ohne vorher mindestens eine
Stunde gebetet zu haben, war undenkbar. „Er war ein Licht fur die
ganze Familie", sagte Vr. Kleopa spăter liber seinen Vater, „und fhr uns
Kinder der Lehrer."
Bei der Taufe erhielt unsei* Altvater den Namen Konstantin. Er war
ein krănkliches Kind, und als man einmal seinen unmittelbaren Tod
befurchtete, weihte ihn seine Mutter auf Rat eines Eremiten der
Allheiligen Gottesmutter. Das Knăblein genas und war von da an
kemgesund. So war es nur natiirlich, dass Konstantin von zartester

' Siehe u.a. hl. Bessarion und andere rumănische Martyrer im .SynaxYMWf? am 21.10.
^ OpiMCH*: Bundschuhe, d.h. Schuhwerk aus Leder und Stoffstucken, die um die Waden
gewickelt und mit Lederriemen zusammengehalten wurden, das traditionelle
Schuhwerk der rumănischen Landleute.
224

Kindheit an tiefe Verehrung empfand fur die Allheilige und zeitfebens


tăglich den Akathistos-Hymnos, den Bitt- und Trostkanon sowie andere
Kanones zu ihren Ehren betete. Den Akathistos wusste er schon im
Aiter von eif Jahren auswendig.
Sein Eitemhaus war fur ihn wahrhaftig eine Kirche im Kleinen, ein
KJoster geradezu, wie es damais in den chrisftichen Famiiien nicht nur
Rumăniens, sondem ader orthodoxen Lande ubiich war. Zusammen
betete die ganze Familie am fruhen Morgen und am Abend vor den
fkonen, oftmals auch in der Nacht, zusammen fasteten alle und zusam­
men assen sie unter Danksagung das einfache Mahl, das ihnen mit dem
Segen Gottes und der Arbeit ihrer Hănde die Erde gespendet hatte.
So wuchsen die Kinder heran in Frommigkeit, und die drei ălteren
Sohne im Besonderen - Basilie, Gheorghe und Konstantin - wetteifer-
ten untereinander in den Werken der Askese.

2. AAAe -

Jeden Sommer pflegte Alexandm Ilie seine 150 Schafe auf den Hugeln
und Waldlichtungen in der Umgebung der Skite Cozancea zu sommem,
5 km von seinem D orf entfernt, und als seine drei erstgeborenen Sohne
alt genug waren, iibergab er die Herde in ihre Obhut.
In der Năhe der Skite lebte zu jener Zeit (um 1925) in einer
Einsiedlerzelle der nachmals beruhmte Hesychast Paissie Olaru (1897-
1990), und die drei Junglinge begannen, ihn regelmăssig zu besuchen.
Er weihte sie ein in das Jesus-Gebet, hielt sie an zum Schweigen und
beriet sie in allen Schwierigkeiten, die auftauchten in ihrem Leben in
der Einsamkeit. Dazu gehorte insbesondere die Belăstigung durch die
Dămonen, die den reinen Lebenswandel der drei Junglinge nicht
ertragen konnten. A uf Rat des Altvaters gewohnten sie sich daran,
stăndig das Gebet zu sagen, viele Metanien zu machen und nicht zu
achten auf die Provokationen des Widersachers. Sie nahmen auch teii
an den Gottesdiensten und an der Gottlichen Liturgie der nahege-
legenen Skite, halfen den Monchen bei der Gartenarbeit und sangen
mit im Chor.
Wenn sie abends fertig waren mit dem Melken der Schafe in der
Hurd, setzten sie sich ums Feuer und lasen abwechselnd den Psalter.
Dann sangen sie den Akathistos an die Gottesmutter und vertrieben so
die Măchte der Finsternis.
225

7. /a r/tE (7929)

Der erste der drei Briider, der sich aufmachte, um Monch zu werden,
w ar Gheorghe. N unm ehr 20 Jahre alt, wurde er 1927 in die
Gemeinschaft der Skite Sihăstria' aufgenommen, wo man ihn spăter
unter dem Namen Gerasim zum Monch schor.
1929 folgten ihm seine beiden Brtider Basilie und Konstantin. Abt
von Sihăstria war damals Altvater loanichie Moroi, der zehn Jahre lang
auf dem Athos gelebt hatte und in Sihăstria das athonitische Typikon
einfuhrte. Er war ein grosser Asket - er zelebrierte tăglich die Gottliche
Liturgie und nahm unter der Woche nur die HI. Kommunion und das
Antidoron zu sich - und ein begnadeter Starez, der vom Herm reiche
Gnadengaben empfangen hatte. Er zog viele Postulanten an, sodass die
Skite unter ihm eine grosse Blute erlebte.

Die ^kite A'Aas'tn'a am der Ds*Aarpaten

' Diese Skite, westlich von Tărgu-Neamts in den Auslăufem der Ostkarpaten geiegen,
war im 17. Jh. von einem heiligen Hesychasten namens Athanasie gegrundet worden,
als Dependenz des Kdosters Neamts. In der Bergwildnis oberhaib von Sihăstria lebte
im tnihen 18. Jh. die hl. Theodora von Sihla (Fest 7.8.).
226 XYeopa von

Die Eltern begleiteten ihre Sohne bis an den Rând des Dorfes, und
im Augenbiick des Abschieds, nachdem sie die Gebete des Fahrtsegens
gesprochen hatten, brachen sie in Trănen aus. Da stimmte Basilie, der
ăltere der beiden Bruder, das des Akathistos an den Erloser
an: „Herr, unser allmăchtiger Beschiitzer, Besieger Du des Hades, Der
Du uns erlost hast vom ewigen Tod, Dir bringen wir unseren Lobpreis
dar, wir Deine Knechte und Deiner Hănde W erk..." Dann kussten sie
die Hand ihres Vaters und ihrer Mutter und machten sich auf den Weg,
der ins Reich der Himmel fuhrt.
Als sich Basilie und Konstantin nach mehilăgigem Fussmarsch an
der Pforte der Skite Sihăstria meldeten und ihren Wunsch ausdruckten,
in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wurden sie der iiblichen
Prozedur unterworfen, mit welcher man hier die Eignung und
Entschlossenheit der Postulanten auf die Probe stellte. Man gab jedem
von ihnen einen Stock und wies sie an, damit auf einen Baumstrunk zu
schlagen, der bei der Pforte stand, und mit jedem Schlag das Jesus-
Gebet zu sagen. Nachdem sie das den ganzen Tag getan hatten, holte
man sie gegen Abend ins Găstehaus, damit sie ein wenig ausruhten.
Um Mittemacht wurden sie geweckt, um in der Kirche mit den
Monchen am Gottesdienst teilzunehmen. Am Morgen fingen sie von
vome an, den Baumstrunk zu schlagen und zu beten. So ging es weiter
drei Tage lang, ohne dass man sie zum Essen rief.
Am Abend des dritten Tages wurden sie zum Abt gebracht. Der
Altvater fragte sie:
- Nun, Bruder, hat der Baum etwas
gesagt?
- Er sagte nichts, Eure Heiligkeit.
- Mochte es auch mit euch so sein.
Danach nahm der A ltvater ihre
Beichten ab, gab ihnen vom Wasser der
Theophanie zu trinken und liess sie ins
Găstehaus zuruckfuhren, wo man ihnen
zu Essen brachte. Am năchsten Tag
empfingen sie die Heilige Kommunion.
So wurden die beiden gesegneten
Bruder als Novizen angenommen in
Sihăstria und mit der Diakonie in der
H Schăferei im Gebirge betraut.
Konstantin war 17 Jahre alt, als er in
H die Skite eintrat.
7. Zehen 227

Afft a ///,S c /;< ţ/h ^ M ^

Hier in der Stille, umgeben von den majestătischen Karpaten, wurde


die Seele des kunftigen geistigen Hirten der Rumănen geformt. „Als ich
Schafhirt der Skite war", erinnerte er sich spăter, „lebte ich in grosser
Freude... Damals las ich die Dogmatik des hl. Johannes von Damaskus,
seine GewaMe Dar/egMTtg tfas**Ort/torfoxe/t Wie kostbar war
jene Zeit fur mich! Bei gutem Wetter brachten wir die Lămmer und die
Widder zur Kirschweidc, wo viei Gras war. Die Weide war von
Btischen umgeben, und so liefen sie nicht davon. Dort setzte ich mich
hin und las..." Aus den Bibliotheken der umliegenden Skiten und
Kloster, besonders aus Neamts und Secu\ holte er sich auch die
/Yo/mV/'e/t des hl. Makarios des Âgypters, die Lefter des hl. Johannes
vom Sinai, die Aatec^e-se/r des hl. Theodor vom Studion, die
Dar/egrmgen des hl. Isaak des Syrers, das .See/i.s-tagewerA des hl. Basilios
des Grossen, Werke des hl. Ephrem des Syrers, des hl. Johannes
Chrysostomos und anderes mehr. Mit besonderer Vorliebe las er auch
die Nef/fgen/e&eM, von denen er sich schon friiher alle 12 Bande
verschafft hatte.
Jeden Tag, nachdem er seine Gebetsregel beendet hattte, nahm er
diese Bucher und las bis zum Abend, in der Gesellschaft der Schafe.
Diese Lektfiren absorbierten ihn so sehr, dass er die Zeit und das Essen
vergass. „Mir schien, als săhe ich die Heiligen leibhaftig vor mir - den
hl. Antoni os, Makarios den Grossen, Johannes Chrysostomos und all
die anderen. Sie sprachen auch zu mir. Ich sah den hl. A ntonios... er
redete mit mir in solcher Weise, dass alles, was er sagte, meinem Geist
eingeprăgt wurde wie Schriftzeichen dem Wachs. Ich werde es nie
vergessen..."^
Er war begabt mit einem aussergewohnlichen Gedăchtnis und behielt
alles in Erinnerung, was er las. Dies solite ihm spăter bei seinem
pastoralen Werk zugute kommen.
Damals begegnete er auch dem heiligen Johannes von Chozeba, der
noch Monch in Neamts war, wo er in der Bibliothek diente, bevor er ins

' Siehe Fussnote S. 182.


* Diese beiden tnoldavischen Kloster waren im 18. Jh. Mittelpunkt der hesychas-
tischen Emeuerung unter dem hl. Paissy Welitschkowski gewesen. Hier wurden
viele Werke der Hl. Văter ins Rumănische ubersetzt.
^ q F o p . cit., S. 49.
228 ^4/tv a te r von

Heilige Land zog und seine Tage als Eremit im Felsenkloster Chozeba
(bei Jericho) beschioss.'
Gemăss dem Typikon der Skite legte der junge Novize Konstantin
jede Woche seine Beichte ab beim Abt. Seine Gebetsregel, in der
Schăferei, bestand im Lesen der Morgengebete und des Akathistos an
die Gottesmutter in der Fruhe, der Gebete vor der Nachtruhe und des
Bitt- und Trostkanons an die Gottesmutter am Abend sowie, den ganzen
Tag liber, im ununterbrochenen Beten des F/err ,/e.sM.s' C A r ...

5.

A uf ihren Wanderungen mit den Schafen begegneten die beiden


Briider oftmals Eremiten, die sich in die Berge von Sihia zurtickgezo-
gen hatten, vor aliem in der
Umgebung der Hohle der h).
Theodora, bei der Klamrn von
Coroi.
Hier entdeckten sie eines
Tages eine Einsiedlerhutte, die
unter den Zweigen einer
măchtigen Tanne versteckt
war. Da sie auf ihr Klopfen
keine Antwort erhielten, offne-
ten sie die Tiir und traten ein.
A uf dem Tisch fanden sie
einen Zettel, auf dem geschrie-
ben stand: „Hier wohnt ein
wildes Tier. D.C." Und sie
wunderten sich, wieviele ver-
borgene Diener der Herr in
diesen W ăldem hatte.
Einige Tage spăter erschien
ein hochgewachsener hagerer
Asket in der Schăferei und gab
sich den Brudem zu erkennen als „das wilde Tier" - Hierodiakon
Christofor. In seinem Rucksack trug er einen Schădel mit sich. Es war

Er entschlief 1960. Seine Reliquie blieb gănzlich unversehrt und wird im Kloster
Chozeba verehrt. Fest 5.8.
229

der Schădel des hl. Pavel des Hesychasten. Diesel* lebte im 17. Jh. und
war der geistige Vater der hl. Theodora von Sihla gewesen. Am Ende
seines Lebens hatte er sich in diese Wildnis zuriickgezogen und war
hier entschlafen, ohne dass jemand zugegen war, der seinen Leib
begraben konnte. Er erschien dem Hierodiakon Christofor in einem
Gesicht und enthullte ihm, wo seine Reliquien waren, damit er sie
bestatte. Dieser fand sie und tat wie geheissen. Doch den Schădel, der
einen wunderbaren Duft verbreitete, behielt er und trug ihn von da an
stets mit sich. Nach diesem Besuch in der Schăferei begab sich der
Asket mit seinem kostbaren Schatz in die Skite Sihăstria, wo die
Reliquie wăhrend einer feierlichen Nachtwache von allen Monchen
verehrt wurde. Danach legte er sie wieder in seinen Sack und kehrte in
die Wildnis zurrick. Niemand hat ihn je wiedergesehen, und auch seine
Hutte vermochte niemand wiederzuEnden.

1931 erkrankte Konstantins ălterer Bruder Basilie, und innert weniger


Tage entschlief er in Frieden zum Herm, gemăss einer Voraussage, die
ihm die Gottesmutter in einer Vision gemacht hatte. Er war nur 26
Jahre alt. 1933 zog auch der zweite Bruder, der Monch Gerasim, nach
kurzer Krankhcit aus zum Herm, ebenfalls im Alter von 26 Jahren.
Die jungen Asketen, die sich beide durch ihr heiligmăssiges Leben
ausgezeichnet hatten, wurden im Friedhof der Skite Sihăstria bestattet.
1935 wurde Konstantin zur Armee eingezogen, wo er fortfuhr, wie
im Kdoster zu leben, und seine Gebets- und Fastenregel vollumfănglich
einhalten konnte. Er diente im Lazarett, und jeden Morgen und Abend
fuhrte er die Soldaten zum Gebet in die Kapelle seines Regiments. In
jener Zeit vor dem Kommunismus war Rumănien ein tief christliches
Land, und viele waren dankbar fur die Gegenwart des gottesfurchtigen
Novizen, die sie als Segen empfanden.
Nach Erfullung seiner Dienstpflicht kehrte Konstantin 1936 in die
Skite Sihăstria zuruck, und im folgenden Jahr, 1937, empfing er, nach
sechsjăhrigem Noviziat, unter dem Namen Kleopa die Monchstonsur.
Damals zăhlte sie Skite rund 35 Monche. Tăglich wurde die
Gottliche Liturgie zelebriert, doch die Heiligen Mysterien empfîngen
die Monche nur alle dreissig oder vierzig Tage. Jede Woche legten sie
die Beichte ab. Um Mittemacht erklang die Glocke - „die Stimme des
Erzcngcls", wie die Vater sagten - , und alle gingen zum Fruhgottes-
230 A 7eopa w w

dienst in die Kirche. Erst wenn die ganze Gemeinschaft versammelt


war, gab Altvater Ioanichie den Segen zum Beginn des Akoluthie. An
Fastentagen - d.h. in den Klostem Montag, Mittwoch und Freitag - gab
es nur eine einzige Mahlzeit, um 3 Uhr nachmittags (zur 9. Stunde nach
byzantinischer Zeitrechnung), und diese ohne Oi. An den anderen
Tagen gab es zwei Mahizeiten, mit Ol und Kăse. Die Zelienregel der
Monche bestand aus 300 grossen und 600 kleinen Metanien und der
Fesung des Psalters. Wer seine Regei nicht erfullte, bekam an jenem
Tag nichts zu essen. Niemand durfte einen Familienangehorigen in
seiner Zeile empfangen, Geld besitzen oder tiber weltliche Dinge
reden. Der Sinn und das Herz der Monche hatte vor aliem anderen und
jederzeit auf das Jesus-Gebet gerichtet zu sein. Uber diese Regeln
hinaus kămpfte jeder gemăss seinen Krăften. Mit dem Segen des Abts
zogen sich einige in Einsiedlerhiitten zuruck, andere besuchten die
Einsiedler und brachten ihnen Nahrungsmittel.

7. ZershyrMMg r/e/* (7947)

Am 30. Mai 1941 ting eine der Mdnchszellen durch einen Funken
Feuer. Es herrschte Durre und ein heisser Wind blies - innerhalb einer
knappen Stunde brannte die ganze aus Holz erbaute Skite nieder,
einschliesslich der Holzkirche zu Ehren der Gottesahnen Joachim und
Anna. Nur die Steinkirche blieb stehen, doch ohne ihr holzemes Dach.
Mit knapper Not vermochte man die liturgischen Gefasse, das
ArtopAorhw, das Evangelium und einige Ikonen zu retten. Durch ein
Wunder entgingen auch die heiligen Reliquien den Flammen.
Der hochbetagte Abt Ioanichie, der damit das Werk von dreissig
Jahren in Asche liegen sah, machte drei grosse Metanien vor der
unbedachten Kirche und sprach die Worte des gerechten Ehob: D er
77e?T Aat gegehen, <7er 77e/T /mi ge/!o/7?/?7e/?, ge/ohi Je r <r/e.s-
77e7T7t d/He/r (Hiob 1,21) Dann sagte er: „Unserer Siinden wegen ist es
geschehen, und damit neue Grunder erscheinen." Er sprach den
Monchen Mut zu und forderte sie auf, sich unverbruchlich an die Regei
zu halten und allen Widrigkeiten zum Trotz den tăglichen liturgischen
Zyklus fortzusetzen. „Wenn ihr dies tut, ein reines Leben fuhrt und die
Liebe unter euch wahrt, so wisst, dass die Gottesmutter diese heilige
Wohnstatt aus der Asche wieder aufrichten w ird... Gott hat mehr
Gefallen an einem Kloster, das vereinsamt ist aber rein, als an einem
Kloster mit vielen Monchen, die in Zwietracht leben!"
7. Ze&en 231

& Z?e?*M/Mng ZM/M ^46^ ^0/: W /m st/fn (7942-794^1

Nach diesem Grossbrand gestaltete sich das Leben in Sihăstria sehr


schwierig. Vieie der Monche fanden Unterkunft in den Kdostem Secu
und Neamts, die anderen in einer nahegeiegenen Hohle. Altvater
Ioanichie wurde immer krănker; zudem uberfiei ihn der Bandit Baita
und schlug ihn so sehr, dass er ein Auge verlor.
Im Sommer 1942 wurde der nunmehr dreissigjăhrige Vater Kleopa,
der auch nach seinei* Monchstonsur in der Schăferei diente, auf Vorschlag
von Abt Ioanichie zu dessen Nachfolger bestimmt. Der Vorschlag des
gottweisen Abts hatte vieie uberrascht, die Vater Kleopa nur als den
Schăfer-Monch kannten, der immerzu im Gebirge umherzog mit den
Tieren. Sie wussten nichts von seinen inneren Aufstiegen. Eines seiner
charakteristischen Merkmale war in der Tat seine Zuriickhaltung, was

seine eigene Person anging, und diesen Zug bewahrte er bis an sein
Lebensende. Wenn er von seinen inneren Erfahrungen sprach, dann
immer so, als sprăche er von jemand anderem.
Als die Vater zur Schăferei hinaufzogen, um ihm seine Wahl
bekanntzumachen, fanden sie ihn mit der Schafschur beschăftigt. Als er
den Grund ihres Kommens vemahm, antwortete er:
232 .VmpgrÂdeopa w/? VAa^Ma

„Ich bin zu jung, ich kann nicht Starez der Skite sein, sucht euch
einen anderen, denn ich verstehe nichts von Seelenfrihrung und bin ein
sundiger Mensch."
Da die Văter darauf beharrten und ihn aufforderten, die Wahi aus
Gehorsam anzunehmen, erbat er sich eine Bedenkzeit von einem Monat,
und nachdem er den Rat von Aitvater Paissie Otaru eingeholt hatte,
ubernahm er die administrative Leitung der Skite.
Er erwies sich als hochst dynamischer und umsichtiger Verwalter.
Bereits im Oktober desseiben Jahres wurde dank der materiellen Hiife
des Klosters Neamts und der Glăubigen der Umgebung mit der Neu-
bedachung der Steinkirche und dem Neubau von zwei Zelientrakten
begonnen. Nach vorubergehender Einsteiiung der Arbeiten infolge der
Geschehnisse des 2. Weltkrieges - die Frontlinie veriief ganz in der
Năhe, verschob sich aber spăter auf die Westseite der Karpatcn - soilte
der Wiederaufbau 1945 mit der Einweihung eines neuen Tafelsaals
grosstenteils vollendet werden, 1946 ergănzt durch die Weihe der
neuen Holzkirche (Winterkirche).
Am 5. September 1944 entschlief Aitvater Ioanichie in Frieden, und
im Januar 1945 empfing Vater Kdeopa von Bischof Galaction, Abt von
Neamts, die Priesterweihe.
Kurz darauf wurde er offi-
ziell als Abt von Sihăstria
eingesetzt.
Von da an stiessen viele
neue Briider zur Gemein-
schaft, und Sihăstria erlebte
eine aussergewohnliche gei-
stige und m aterielle Ent-
faltung. Die Seele dieser
Entwicklung war Abt Kdeopa,
dessen aussergewohnliche
Qualităten als Priester, Abt
und geistiger Vater immer
deutlicher hervortraten. Er
erwies sich als hervorragen-
der Prediger und Redner,
und allen wurde klar, dass er
von Gott begnadet worden
war zur Erbauung des ortho-
Ădeopa a/^ doxen Volks.
7. Le&en 233

Im Juni 1947 wurde die Skite Sihăstria durch Entscheid des


Patriarchats von Rumănien in den Rang eines Klosters erhoben, und
Abt Kleopa wurde zum Archimandriten ernannt, in Anerkennung der
Tatsache, dass es ihm gelungen war, die vollig zerstorte Skite innerhalb
von fnnf Jahren in ein wohlorganisiertes und anerkanntes Kloster zu
verwandeln. Diesem wurde nun auch die Skite von Sihla unterstellt.
Im Herbst desselben Jahres 1947 schor Aitvater Kleopa seine
verwitwete Mutter unter dem Namen Agathe zur Monchin. Sie solite
bis zu ihrem Hingang im Jahr 1968 im Kloster Alt-Agapia ein
gottgelalliges Leben fuhren.
Nicht lange danach, gegen Ende 1947, wurde das Kloster abermals
hart bedrăngt von der Răuberbande des Banditen Balta. Aitvater
Kleopa selbst schildetfe den Vorfall spăter: „Eines Abends wăhrend der
Nachtwache kamen Balta und seine Bande in die Kirche. Sie holten
mich heraus und verlangten Wein, Nahrungsmittel und Geld. Da wir
nichts hatten, ergriffen sie mich und tuhrten mich in den Wald, wo sie
mich an einen Baum fesselten, um mich zu erschiessen. Da sagte einer
von ihnen: 'Erinnerst du dich nicht, wie er uns zu essen gab, als er noch
in der Schălerei war? und nun willst du ihn erschiessen?" Sie begannen
zu streiten untereinander und gingen in den Wald. Als sie zuruckkamen,
losten sie meine Fesseln und liessen mich ins Kloster zuruckkehren.'"
A uf Rat des Bischofs von Neamts liess er daraufhin in der Kirche
Tag und Nacht den Psalter lesen und eine Nachtwache zu Ehren des
Schutzes der Gottesmutter feiern. Nach wenigen Tagen wurden die
Ubeltăter gefasst und so wurde das Kloster belreit von dieser Bande,
die Sihăstria sechs Jahre lang auf mancherlei Weisen bedrăngt hatte.
Ende 1948 ubersiedelte der im ganzen Land hochgeachtete Aitvater
Paissie Olaru auf Wunsch von Abt Kleopa von der Skite Cozancea nach
Sihăstria, um ihn zu unterstutzen bei der Betreuung der Glăubigen, die
in stăndig wachsender Zahl nach Sihăstria stromten, um zu beichten
und Rat und Trost zu finden.

Im Jahr 1947 war in Rumănien die Volksrepublik ausgerufen worden,


unter der Prăsidentschaft des kommunistischen Diktators Gheorgiu-Dej.

o / * o p . cit., S. 96.
234 T/fvater Ăf/eopa von

1948 starb Patriarch Nikodim unter unklaren Umstănden, und danach


wurden Hunderte von Hierarchen, Priestern, Monchen, Monchinnen
und einfachen Glăubigen umgebracht, die sich weigerten, Christus zu
verleugnen. Die Gelangnisse fullten sich mit solchen die von den
kommunistischen Machthabem als gefahrlich betrachtet wurden. Sie
wurden grausamen korperlichen und psychischen Martem unterworfen,
die man von der Sowjetunion iibernommen hatte, wo in den ver-
gangenen 40 Jahren kommunistischer Diktatur eine bose Wissenschaft
entwickelt worden war zur Zerstorung der menschlichen Person, mit
dem Ziel, die christliche Tradition auszumerzen und eine „neue
Gesellschaft" zu schaffen.
in seiner Abgeschiedenheit war Sihăstria bisher verschont gebiieben
von der Verfolgung, doch Abt Kleopa, der die Christen stărkte mit
seinem inspirierten Wort, war den Machthabem ein Dorn im Auge, und
so suchten sie nach einer Gelegenheit, ihn mundtot zu machen.
Am 21. Mai 1948, dem Fest des hl. Konstantin und der hl. Helena,
zelebrierte Altvater Kleopa die Gottliche Liturgie. In seiner Homilie
zum Fest sagte er unter anderem: „Moge Gott fugen, dass wir auch
heute wieder Ftihrer haben wie der heilige Kaiser und die Kaiserin,
damit die Kirche verherrlicht wird in die Ewen!"
Noch bevor er seine priesterlichen Gewănder abgelegt hatte, wurde
er von bewaffheten Angehorigen der Geheimpolizei Securitate ergrif-
fen und zum Verhor nach Tărgu Neamts abgefuhrt. Frinf Tage lang hielt
man ihn in einem Beton-Keller fest, wo man ihn ununterbrochen
verhorte. Er durfte sich nicht hinlegen und erhielt weder Speise noch
Trank. Sie unterwarfen ihn auch der Tortur der Scheinwerfer, bei
welcher den Verhorten grelles Licht aus vielen Scheinwerfem in die
Augen gestrahlt wurde.
„Sie wollten, dass ich mein Gedăchtnis verliere, sodass ich nicht
mehr sprechen konnte", sagte er spăter, als er seinen engen Jungem
offenbarte, wie er diese Tortur uberstand. „Jeder, der dorthin kam,
verliess den Ort halbwahnsinnig. Auch mich brachten sie dorthin, um
mir den Verstand zu rauben. Ich konnte nicht mehr sehen mit meinen
Augen, und die Hitze war unertrăglich. Da senkte ich meinen Geist
hinab ins Herz mit dem Jesus-Gebet. Nach einer Stunde holten sie mich
heraus und wunderten sich, dass ich immer noch reden und gehen
konnte, ohne dass man mich stutzen musstc."'

op. cit., S. 104.


7. Ze&en 235

Nach diesem Einschuchterungsmanover Hess man ihn gehen. A uf


Rat eines geheimen Besuchers und nach Rucksprache mit den Vătem
des Klosters beschtoss Abt Kleopa, fur eine Zeit unsichtbar zu bieiben
und sich in die Bergwiidnis zuruckzuziehen, an einen Ort namens
Kuckucksfuss. Dort grub er sich am Fuss einer Tanne eine Hohie und
băute darin eine kieine, haib unterirdische Holzzelie.
Einmal in der Woche kam Priestermonch Makarie vom Kloster,
brachte ihm etwas Nahrung und nahm seine Beichte ab. Auch die Văter
in der Schăferei besuchten ihn hin und wieder. Er gab sich ganz der
Askese und dem inneren Gebet hin. Dabei hatte er schwere Versuchun-
gen und Anfechtungen seitens der Dămonen zu bestehen. Einmai um
Mittemacht, wăhrend er die Gebete seiner Regel las und eben den
Akathistos des Schutzes der Gottesmutter anfangen wollte, vemahm er
plotzlich ein măchtiges Getose. „Ein Erdbeben! dachte ich. Als ich die
Tur offnete, sah ich ein Rad so hoch wie eine Tanne und rund herum
abscheuliche schwarze Gestalten mit fcurigcn Spiessen. Einer von
diesen sagte: 'Das ist der Abt von Sihăstria! Legt ihn auf das Rad!' Und
sogleich fand ich mich oben auf dem Rad. Das Rad begann sich zu
drehen, und sie streckten ihre Spiesse aus, um mich aufzuspiessen,
wenn ich herunterfiel. Doch ich hatte das Buch der Akathisten bei mir
und sagte: 'Geht mir aus dem Weg! ich habe die Urkunden der Gottes­
mutter bei mir!' Und sogleich fand ich mich wieder in meiner Zelle.'"
Zuweilen zelebrierte er auf einem Baumstumpf vor seiner Kdause,
auf dem er sein ausbreitete, die Gottliche Liturgie. Dabei
pflegte sich eine Schar kleiner Vogel einzufinden, wie er sie sonst
nirgends gesehen hatte, denn sie hatten alle ein Kreuz auf ihrem
Kopfchen. Sie setzten sich auf die Zweige der Tanne und sangen mit
wunderschonen Stimmen. Wenn die Liturgie zu Ende war, flogen sie
wieder davon. Als sie zum ersten Mal erschienen, wunderte sich Vater
Kleopa: „Was mag das bedeuten?" Da sagte eine Stimme zu ihm: „Das
sind deine Chorsănger."

Nach sechs Monaten in der Wildnis kehrte er ins Kloster zuruck und
nahm seine Tătigkeit als Abt wieder auf. Doch im Sommer 1949 traf

Ebenda, S. 107.
236 K /e o p a vo/;

ein neuer Schlag die Gemeinschaft von Sihăstria: Patriarch Justinian,


der Altvater Kieopa hoch schătzte, emannte ihn zum Abt des Klosters
Siatina bei Suceava (rund 50 km nordlich von Sihăstria) und entsandte
ihn dorthin mit 30 seiner Monche, um jenes Kioster neu zu bemannen
und geistig zu erneuern. Zu denen, die Abt Kieopa auswăhite, um mit
ihm nach Siatina zu ziehen, gehorte auch Aitvater Paissie Oiaru. Neuer
Abt von Sihăstria wurde Protosinghei' Joei, der treue Jtinger von
Altvater ioanichie Moroi.
Die Teiiung der Gemeinschaft war schmerziich fur alie. Aitvater
Kieopa und die 30 Văter wurden von den Zuruckbleibenden begleitet
bis zum Weissen Bach, und dort nahmen sie unter Trănen Abschied
voneinander. In eben diesem Augenbiick kam der Beichtvater vom
Kioster Agapia daher, Archimandrit Maxim, der auch ein beruhmter
Kantor war. Ais er die Văter weinen sah, rief er aus: „Was trauert ihr, o
Văter? Die heiligen Văter gaben ihr Leben fur Christus hin und
verteidigten die Orthodoxie, und ihr weint hier wie die Hebrăer un rfen
von /V/by/o/L? Hort, was die Kirche singt: 'Ihr heiiigen
Martyrer, die ihr den guten Kampf gekămpft und Kronen errungen
habt, bittet den Herrn, dass Er unsere Seeien rettc!' Gehorcht mithin,
und Gott wird euch beistehen, durch die Gebete der Oottcsmuttcr!"
Soicherart gestărkt, sangen sie alie zusammen das „Wtirdig ist cs"
und „Der unbesiegbaren Heerftihrerin" und zogen ihres Wegs.
Das im 16. Jh. gegrtindete Kioster Siatina zăhlte damais nur noch
7 greise Monche und befand sich in einem Zustand geistigen
Niedergangs. Altvater Kieopa stelite ais erstes das normale liturgische
Leben wieder her, mit dem vollstăndigen Zykius der Gottesdienste und
der tăglichen Gottlichen Liturgie. Er fuhrte auch das koinobitische
System ein, das er nach dem Typikon des Studion-Klosters ordnete,
sowie die wochentliche Beichte. Uberdies grundete er eine Kioster-
schule fur Novizen.
Nach 1950 traten mehrere Asketen und gebiidete Theoiogen, die
Altvater Kieopa hoch achteten, in die Gemeinschaft von Slatina ein,
darunter Petroniu Tanase, heute Vorsteher der rumănischen Skite
Prodromou auf dem HI. Berg, Antoniu Plamadela, der spătere
Metropolit von Transsylvanien, der Hesychast Daniel Tudor, unter dem

' Protosinghei: In der Kirche von Rumănien Ehrentitel eines Priestermonchs, von
niedrigerem Rang ais Archimandrit.
- Ps. 136
7. 237

Namen Sandu Tudor ais grosser Dichter bekannt, Mitgriinder der


Bewegung des Brennenden Buschs und spăter Abt der hesychastischen
Skite Rarau, Dositei Morariu, spăter Abt von Putna, Arsenije Papacioc,
vormals Richter und bekannter Bildhauer, aktiver Gegner des kom-
munistischen Regimes, der Vr. Kleopas Mitstreiter in der Wildnis wer-
den solite, und der tapfere Bekenner Marcu Dumitrescu, der viele Jahre
von den Rommunisten ge-
fangengehalten wurde und
schlimme Torturen durch-
stand. So entstand eine ein-
zigartige M onchsgemein-
schaft, die viele weitere
Briider anzog, sodass Slatina
innerhalb von nur drei
Jahren zu einem geistigen
Zentrum von grosser Aus-
strahlungskraft wurde. Vater
Petroniu băute auch einen
K irchenchor von rund 30
Monchen auf, der den alten
byzantinischen Kirchenge-
sang wieder aufnahm.
Bald wurde Abt Kleopas
von den moldauischen Hier-
archen mit der Aufsicht iiber
eine Reihe anderer Kioster
und Skiten der M oldau
betraut, namentlich Putna,
M oldovitsa, Raşca, Rarau
und Sihla. Er besuchte alie
diese K ioster und Skiten
regelmăssig, iorderte uberall ti' /c a 7?;'c/;;'e T?a/a77.
das ordnungsgemăsse litur-
gische Leben, die Praxis des Jesus-Gebets und die wochentliche
Beichte. Besonderes Gewicht legte er auf den Gehorsam in Liebe.
Bis 1952 war die Gemeinschaft von Slatina auf 80 Monche ange-
wachsen, und Scharen von Glăubigen stromten an Festtagen ins
Kioster, um an der Gottlichen Liturgie teilzunehmen und Erbauung zu
finden im himmlischen Gesang der Monche und den Predigten von
Altvater Kieopa.
238 4/rva?er A7eopa von

77. /VfH(? -
Z u^/t^r 7?McAzMg (7952-7954)

Diese leuchtende &a<7/ OM/ /7erg konnte dem Fursten der


Finstemis nur missfaMen, und so stachelte er seine Diener an, um wenn
moglich ihr Licht auszuloschen. Eines Nachts im Jahr 1952 erschienen
zahlreiche Beamte der Geheimpolizei im Kloster und
unterwarfen Abt Kleopa sowie die bekannteren unter den Monchen
dem Verhor. Dann fuhilen sie den Abt, Vater Arsenios Papacioc und
Vater Marcu (Konstantin) Dumitrescu nach Fălticeni ab, wo man die
ganze Nacht fortfuhr, sie zu verhoren.
Sie warfen Altvater Kleopa vor: „Du hast die ganze Bucovina mit
Mystizismus in Brand gesteckt und sabotierst die Wirtschaft des
Landes. Du sagst: 'Heute ist Georgstag, morgen Basilios-Tag, es ist
Festtag', und so legen die Leute ihre Werkzeuge nieder und weigem
sich, zu arbeiten!"
In seiner arglosen Einfachheit antwortete ihnen Altvater Kleopa:
„Wie kann ich nicht sagen, dass es ein Festtag ist, da es doch im
Kalender der Heiligen Kirche geschrieben steht?"
Mit der Wamung, keine weitere „religiose Propaganda" zu betreiben,
entliess man die Vater schliesslich.
Nach Slatina zuruckgekehrt, beschloss der Altvater nach Rucksprache
mit dem Monchsrat, sich zusammen mit Vater Arsenios abermals in die
Wildnis zuruckzuziehen, bis sich der Aufruhr gelegt hatte. Sie nahmen
die Heiligen Mysterien mit sich und versteckten sich in den Wăldem
des Stanisoara-Gebirges. Dort fanden sie zeitweilige Unterkunft in
einer verlassenen Schăferei, wo ihnen fromme Dorfbewohner hin und
wieder etwas Nahrung brachten, obwohl diese Berggegend voller
Wolfe war. Doch sie vertrauten auf die Gebete der Vater und furchteten
sich nicht. Manchmal trennten sich die beiden Asketen und suchten
andere Orte auf, um sich in gănzlichem Schweigen dem Gebet
hinzugeben. Alle zwei bis drei Wochen kamen sie zusammen, um die
HI. Mysterien voneinander zu empfangen. Neben den Hărten der
Witterung hatten sie auch geistige Prufungen zu bestehen seitens der
Dămonen, die keinen in Ruhe lassen, der sich emsthaft dem Gebet
hingibt.
Nachdem sie dieses Leben der Entbehrung und Prufungen zwei
Jahre lang gefuhrt hatten, erwirkte Patriarch Justinian im Sommer 1954
von den staatlichen Behorden die Erlaubnis, die beiden Monchsvăter
zuruckzurufen. Als die Abgesandten des Patriarchen kamen, um sie aus
239

den Bergen herabzuholen, zogerte Altvater Kleopa zuerst, da er eine


Falie befurchtete. Er begann zu beten, damit Gott ihm zeige, ob er
gehen solie oder nicht. Da vernahm er innerlich die Worte des hl.
Johannes vom Sinai: „Es ist eine Schande fur den Hirten, den Tod zu
furchten, wo doch Gehorsam definiert wird als Furchtlosigkeit vor dem
Tod."' Dies bedenkend, sagte er sich: „Wer ruft mich? Der Patriarch der
Kirche ruft mich! Schickt er mich in den Tod, will ich in den Tod
gehen!"
So verliessen die beiden Vater die Bergwildnis und begaben sich
zum Patriarchen nach Bukarest, der sie mit Liebe cmpfing. Er sandte
sie in die Kloster der Flauptstadt, um die Monche dort zu erbauen und
ihre Beichten abzunehmen. Dann kehrten sie nach Slatina zuruck, zur
grossen Freude der Monche und des Gottesvolks.

7?HCÂAc/:r /mc/! ,S7/ms?;*m /7956-79J9/

Anfangs 1956 wurde Altvater Kleopa von seinen Pflichten als Abt
von Slatina befreit und mit zwei Jungem nach Timişoara und Arad
(Westrumănien) entsandt, um auch dort das Monchsleben zu erneuem.
Im Kloster Gai bei Arad fuhrtc er das Typikon von Sihăstria ein,
doch als die Glocke des Klosters diesem Typikon gemăss zum ersten
Mal um Mittemacht lăutete, um die Monche zum Gottesdienst zu
rufen, alarmierten die Bewohner der Umgebung die Feuerwehr, im
Glauben, Feuer sei ausgebrochen im Kloster, denn von Gottesdiensten
zu dieser Stunde hatten sie noch nie etwas gehort. Der Altvater nutzte
die Gelegenheit, um alle in die Kirche zu rufen, und hielt eine
seelenbewegende Predigt, in welcher er ausrief: „Moge das Feuer, das
hier im Kloster von Gai entfacht worden ist, nicht erloschen bis ans
Ende der Welt!"
Und in der Tat, Liberal! wo Altvater Kleopa hinging, verbreitete sich
wie ein Buschfeuer ein neuer Eifer fur das Leben in Christus. Nachdem
er mehrere andere Kloster Westrumăniens besucht hatte, kehrte er in
die Moldau zuruck und liess sich fur einige Monate im Kloster Putna
nieder, um dessen Monche im geistigen Leben zu unterweisen. Dort
liess er Archimandrit Dositei Morariu zuruck, der bald darauf Abt von
Putna werden solite.

Brief an den Hirten, Abs. 67.


240 4/tv^7er Af/eopa von

Obwohl damals vicie eingekerkert und umgebracht wurden, wcil sie


uber den christlichen Glauben gesprochen hatten, und obwohl er
personlich bedroht worden war deswegen, sprach Altvater Kleopa in
seinen Predigten furchtlos uber die Schonheit und Wahrheit der
Orthodoxie, liber die Kămpfe der heiligen Monche und Fiirsten der
Vergangenheit, dank denen das Licht der Orthodoxie am Brennen und
die Seele des rumănischen Volkes am Leben erhalten blieben.
Im Herbst 1956 nahm Altvater Kdeopa seinen Mantei aus Schaffell,
packte seine geistigen Biicher zusammen, die er so sehr liebte, und
kehrte heim in das Kloster seiner Metanie, nach Sihăstria.
Dorthin war ihm schon 1953 Altvater Paissie Olaru vorausgegangen,
der sich in einer Waldklause niedergelassen hatte und dort seine
zahlreichen geistigen Kinder empfing. Abt von Sihăstria war nach wie
vor Altvater Joel Gheorghiu, der sich mit grosser Hingabe der Leitung
der Monchsgemeinschaft widmete und unfehlbar an allen Gottes-
diensten teilnahm. Altvater Kleopas fur seinen Teii etablierte sich in
einer Zelle auf einem nahen Hiigel und empfing hier die Glăubigen. So
erfreute sich das Kloster Sihăstria in jenen Jahren der Gegenwart
dreier gesegneter Altvater, von denen jeder auf seine eigene besondere
Art die Monche und das Gottesvolk auf die schwierigen Zeiten
vorbereitete, die bevorstanden. Altvater Paissie hielt sie an zu einem
Leben in Schweigen und Gebet, Altvater Kleopa mahnte sie, die Stunde
des Todes nicht zu vergessen, und Abt Joel rief sie zur Bestăndigkeit im
Gottesdienst.

73. Dh? 6Tus.s<? P&r/b/gwig -


ms f/959-7944j

Im April 1959 lancierte das kommunistische Regime in Rumănien


einen Generalangriff gegen das Monchtum, dem Bollwerk der Orthodo­
xie und Hauptstutze des Volks in seinem Widerstand gegen die atheisti-
sche Ideologie. Fast alle Âbte und Beichtvăter wurden aus ihren Klostem
vertrieben, ebenso alle Novizen und Rassophoren, d.h. die Jungmonche.
Gegen Ende desselben Jahres erging in Bukarest ausserdem ein Dekret,
das alle Monche unter 55 Jahren und alle Monchinnen unter 50 Jahren
zwang, ihre Kloster zu verlassen. Die Ausfuhrung dieses Dekrets
wurde von bewaffneten SecM7iA<3?e-Angeh6rigen mit Unerbittlichkeit
und unter Gewaltanwendung durchgesetzt. So fanden sich in weniger
als einem Jahr uber 4000 Monche und Monchinnen in der Verbannung.
7. 241

Die Kloster der Moldau waren am hărtesten betroffen. Uberall blieben


nur Greise zuruck, viele kleinere Kloster und Skiten entvolkerten sich
ganz, und die hierapostolischen Kloster wurden in Kirchgemeinden
unter weltlichen Priestem verwandelt. Nirgends durften neue Postu-
lanten aufgenommen werden.
Viele der verbannten Monche und Monchinnen bildeten am Ort ihrer
Verbannung geheime Gemeinschaften in Privathăusem, andere flohen
ins Gebirge. Noch andere fanden sich ab mit der Vertreibung, legten
ihre Monchsgewănder ab und heirateten. Es war eine Zeit der Schei-
dung, des Trennens von Weizen und Spreu.
In Slatina wurden die Văter Arsenios Papacioc und Marcu Dumi-
triescu verhaltet. In den frtihen Morgenstunden, als sie nach dem
Orthros die Kirche verliessen, warteten 89 bewaftnete Soldaten auf sie!
Vater Arsenios spottete: „Die Berge erzitterten vor Angst und hervor
kam eine Maus! Wozu das Theater? Ein Telefonanruf hătte genugt, und
ich wăre gekommen!'"
In Sihăstria wurden Abt Joel und 40 Monche vertrieben und zur
Zwangsresidenz in ihren Heimatdorfem veranlasst. Altvater Kleopa
selbst zog sich abermals ins Gebirge zuruck, wo er diesmal beinahe
sechs Jahre verbingen solite. Zuerst hielt er sich in der Năhe des Dorfes
Hangu auf, dann zog er liber die Berge von Halauca-Pipirig weiter nach
Norden bis zum hochsten Punkt des Petru-Vodă, wo er sich eine kleine
Holzhutte băute. Hier blieb er zwei Jahre lang, versorgt von einem
frommen Christen der Gegend. 1962 stiess einer seiner engen Jtinger
zu ihm, Vater Barsanufie. Zusammen ergaben sie sich in den năchsten
drei Jahren an verschiedenen Orten der Askese, wobei sie sich
gegenseitig die wochentliche Beichte abnahmen und fortfuhren, dem
klosterlichen Programm der Gottesdienste zu folgen, mit dem Lesen
von Akathisten, Kanones sowie des Psalters zur vorgeschriebenen
Stunde. Die tibrige Zeit des 24-Stundenzyklus widmete Altvater
Kleopa dem inneren Gebet, worin er weitere Stufen erklomm.
In den Jahren dieses dritten Ruckzugs in die Wildnis verfasste
Altvater Kleopa „im Schatten der Tannen" nicht weniger als acht
Bticher: den Bând „Aufstieg zur A uferstehung" (Homilien fur
Monche)d einen Leitfaden fur die Beichte der Hierarchen, einen fur die

' op. cit., S. 121.


^ Dieses Buch im philokalischen Geist ist im rumănischen Original von der Metropolie
Bucovina veroffentlicht worden, in bisher zwei Auflagen: 1992 und 1998. Eine
griechische Ubersetzung erschien schon 1988 in Thessaloniki.
242 T/tvater AVeopa w/?

Beichte der Âbte, einen fur die Beichte der monchischen Beichtvăter,
einen fur die Beichte der Gemeindepriester, einen fur die allgemeine
Beichte der Monche, femer einen Bând mit dem Titel „Uber Traume
und Visionen"' sowie „Die Wunder Gottes in Seiner Schopfung"h
In Sihăstria tibte unterdessen der greise Altvater Paissie Olaru die
geistige Leitung aus, wăhrend die Abtschaft von Caiiopie Apetri ver-
sehen wurde, einem Jtinger von Altvater Kleopa. Es kamen auch neue
Anwărter auf das Monchsleben, denn keine Macht der Erde vermag
den R uf Gottes zu hindem, und diese tarnte man mit Arbeiterkleidem,
sodass sie nicht auffîelen. Alle, die nach Sihăstria kamen, fragten sich,
wo Altvater Kleopa wohl sein konnte - sein Aufenthaltsort ănderte sich
oft und war nur den wenigsten bekannt - und vermissten seine văterliche
Gegenwart und trostenden Worte. Am ungeduldigsten aber erwartete
ihn seine Mutter, die bald 90-jăhrige Monchin Agathe vom Kloster Alt-
Agapia, die tagtăglich an der Klosterpforte stand und jeden Besucher
fragte: „Vergib mir, hast du vielleicht meinen Kleopa gesehen?"^

74. D/c 7?%cM^/ir - 77htg 7?MMi(WM^Hs f7964-799^)

Im August 1964 erliess die kommunistische Regierung eine


allgemeine Amnestie fur alle politischen Hăftlinge und gleichzeitig
erhielten auch die Kloster ihre Freiheit zurtick. Eine Welle der Freude
ging durch das Land und iiberall wurden Dankgebete erhoben in den
Kirchen zu Gott.
Vater Ioanichie Balan, Jtinger und spăterer Biograph von Altvater
Kleopa, wurde ausersehen, ins Gebirge hinaufzusteigen und ihm die
gute Nachricht zu tiberbringen. Mit viei Mtihe fand er das Versteck der
beiden Asketen. Kaum vermochte er die Freude zu fassen, die er
empfand beim Wiedersehen seines geistigen Vaters nach so vielen
Jahren. „Es schien mir wie ein Traum", sagte er spăter. Als er ihm die
Bitte der Vater ubermittelte, er mochte ins Kloster zurtickkehren,
zogerte der Altvater. Er hatte sich an die selige Stille gewohnt, an die
Năhe des Himmels. Doch nach zwei Wochen, die er im Gebet*

' Publiziert im rumănischen Original Bukarest 1993 und Bacau 1994.


* Publiziert von der Metropolie Moldau und Bucovina 1999.
^ Nachdem sie ihn wiedergesehen hatte, solite sie 1968 im Alter von 92 Jahren in
Frieden entschlafen.
/. Zeben 243

verbrachte, machte er sich mit Vater Barsanufie zusammen auf und


kehrte auf Wegen, die sie atlein kannten, nach Sihăstria zurfick, wo sie
mit Freudentrănen begrusst wurden.'
Damit begann ein neuer Abschnitt im Leben von Aitvater Kleopa.
Kaum wurde die Nachricht seiner Riickkehr bekannt, setzte ein
Pilgerstrom nach Sihăstria ein, der nicht mehr abreissen solite. Im
ganzen Land feierte man ihn als Helden der Orthodoxie und
himmlischen Segen fur die Nation. In den folgenden 34 Jahren war er
unbestritten der gute Hirte des orthodoxen rumănischen Volkes. Er
fuhrte es auf die ewig bltihenden Weiden der Tradition der Apostel und
der Heiligen Vater, stărkte es im Glauben und im Leben gemăss den
Geboten Christi und verteidigte es gegen die Wolfe, die es zu
verschlingen drohten - Hăresien, modeme Gotzenkulte und Apostasien
jeder Art, wie sie in diesem apokalyptischen Zeiten uberall wimmeln.
Als 1990 Protestanten aus dem Westen in Suceava ein Fussball-
stadion mieteten und die Orthodoxen kiihn zur dffentlichen Debatte
herausforderten, nahm Altvater Kleopa auf Bitte der Glăubigen die
Herausforderung an. Und es geschah, was jene Unvorsichtigen nicht
erwartet hatten - der vom Heiligen Geist erfullte Altvater, der so
unubertrefflich war im Verstăndnis der Heiligen Schrift, dass er zur
Verktindigung des Evangeliums geboren schien, bereitete ihnen eine
vollstăndige Niederlage, sodass sie nichts mehr zu sagen wussten3
Das erste, was Altvater Kleopas von allen Glăubigen verlangte, war
Treue zu den Dogmen des Orthodoxen Glaubens, denn ohne rechten
Glauben kann niemand gerettet werden, selbst wenn er gute Werke tut.
Sodann betonte er die Notwendigkeit der regelmăssigen Beichte,
wenigstens viermal im Jahr, sowie des tăglichen Gebets. Als
Mindestregel fur alle nannte er die Morgengebete und den Akathistos
an die Gottesmutter in der Friihe, die Gebete zur Nachtruhe und den
Bitt- und Trostkanon an die Gottesmutter am Abend und in der ubrigen
Zeit des Tages die Wiederholung des Jesus-Gebets. Er selbst betete fur
alle, und oftmals wirkten seine Gebete Wunder. Jeden ermunterte er zu
Taten der Barmherzigkeit, und dies stets im Namen Christi. „Lasst
keinen mit leeren Hănden von euch gehen", pflegte er zu sagen. „Und

' Vr. Barsanufie solite einer der engsten Junger von Altvater Kleopa bleiben. Nach
dem Hinschied des greisen Paissie Olaru war er sein Beichtvater bis zu seinem eige-
nen Auszug im Jahr 1997.
^ q/AoML, op. cit., S. 135, und 7%e OrtAo&w Nr. 162 (1992).
244 ^ /fv a te r A 7eo/M vo?? & 7io^t/'M

Z/rva?er A7ecpo mi Ge^procA 7?ii2 ternei! vi'e/ey; Fo^McAo/ii


vor ^ei'iîer Ze//e i7i &7ia^^ri'a

wenn ihr auch nur wenig geben konnt und bedauert, nicht mehr zu
haben - euer Almosen gelangt vor Gott so schnell wie der Blitz Warum?
weii hier zwei grosse Tugenden zusammentreffen: Barmherzigkeit und
Dcmut."
Oftmals empfing der Altvater mehr als hundert Besucher an einem
Tag. Er beantwortete alle Fragen, von den einfachsten bis zu den
kompliziertesten, und seine Antwort war stets dem Verstăndnis dessen
angepasst, der sie stellte. Deshalb gingen die einfachen Menschen
ebenso erbaut von dannen wie die hochgebildeten. Er fuhile viele
Abtrunnige zum Glauben zutiick und formte Tausende von Seelen zum
Leben in Christus und fur Christus heran - Monche wie Laien, Priester
und Hierarchen. Er war Beichtvater nicht nur der Monche von Sihăstria
und mancher anderer Kdoster sowie vieier Giăubiger, sondem auch
mehrerer Bischofe und zweier Patriarchen. Jedem sagte er stets offen,
mit wenigen Worten, was fur sein Eieil notwendig war. Wegen dieser
Direktheit war er von allen geschătzt.
1974 untemahm Altvater Kleopa zusammen mit Vr. Joel, mehreren
Jungem und einer Gruppe von mmănischen Glăubigen eine Pilgerfahrt
ins Heilige Land sowie auf den Berg Sinai, und 1977 begab er sich mit
vier anderen Vătem auf den Heiligen Berg Athos. Er besuchte praktisch
alle Grosskloster und natrirlich die rumănischen Skiten und Kellien. Er
7. 245

begab sich auch zu Altvater Paissios', der damals in Kapsala wohnte,


und fuhrte mit ihm ein lăngeres Gesprăchd Danach besuchten sie Athen
und die Kloster in dessen Umgebung. Sie gingen zu Altvater
Porphyrios^ nach Kallisia, und auf der Rtickreise tiber Kerkyra, Bari
und Rom besuchten sie das Kloster Celije in Serbien, um Altvater
Justin Popovic" zu begegnen. Zwei Tage lang unterhielt er sich mit ihm
durch einen Dolmetscher tiber geistige Fragen. Er fragte ihn auch um
Rat hinsichtlich seines innigen Wunsches, den Rest seines Lebens auf
dem Athos zu verbringen. Vater Justin anwortete ihm unter anderem:
„Ich wtirde sagen, bleib in deinem Land, und du wirst dich selbst
retten und beitragen zur Rettung anderer. Dies ist die grosste gute Tat
der heutigen Monche. Besonders jetzt, da wir zu kămpfen haben gegen
Unglauben, Sekten und religiose Gleichgultigkeit." Diesem Rat folgetid,
kehrte Altvater Kleopa in Frieden nach Sihăstria zurtick.

75. 77mgo/!g

In den letzten 20 Jahren seines Lebens gab sich Altvater Kleopa immer
intensiver dem Gebet hin - vierzehn bis funfzehn Stunden am Tag. Es
gab auch Tage, an denen er mit niemandem sprach, nicht einmal mit
seinem Zellendiener. Er hatte geheime Plătze, wohin er sich zum Gebet
zurtickzuziehen pflegte, sodass niemand ihn storen konnte.
Als er 70 Jahre alt wurde, begann seine bisher eiseme Gesundheit
nachzulassen. Er musste mehrmals operiert werden, einmal wegen
doppeltem Leistenbruch, dann wegen Nierensteinen, dann wegen einer
Kieferinfektion und schliesslich wegen einem Blasentumor. Nach dieser
letzten Operation in Iaşy brachte man ihn in die Intensivstation, wo er
drei Tage und Năchte ununterbrochen schlief und - ununterbrochen
sprach! Jene, die bei ihm waren, zeichneten auf, was er sagte: es waren
Predigten, die er in den letzten 30 Jahren gehalten hatte! Wăhrend
dieses Spitalaufenthalts brachten ihm die Leute soviele Nahrungsmittel,
dass davon das ganze Krankenhaus ernăhrt werden konnte! Seine
Gegenwart beruhrte alle Menschen um ihn. Die Ârzte von Iaşy fuhrten

' Siehe folgendes Kapitel.


^ Wiedergegeben auf Rumănisch in: Ioanichie Balan, Pe/enuo/' /a
^ Siehe Kapitel 9.
^ Siehe Kapitel 5.
246

sogar einen besonderen Stunden-


plan ein, um Altvater Kleopas
geistigen Gesprăchen mit seinen
Besuchem beiwohnen zu konnen.
„Man wurde nicht mtide, ihm
zuzuhoren", erinnert sich einer
seiner Jiinger. „Alles, was er
sagte, war interessant. Er erzăhlte
oh aus seiner Kindheit, aus dem
Leben im Kloster, daruber wie er
verfoigt und verhaftet wurde und
in die W ălder ftoh, uber den
Dienst am Volk, iiber seine Reisen
nach Jerusaiem und auf den Hi.
Berg... OAmals weinten jene, die
ihm zuhorten, oftmais weinte
auch Vater Kdeopa selbst. Alle
waren bewegt in ihren Seelen,
nicht nur wegen dem, was er sagte, sondem wegen der Gnade Gottes,
die in ihm wirkte. Es war seine Gegenwart, erfullt von der Gnade des
Heiiigen Geistes, die die Herzen der Menschen verwandeite.'"
Obwohi er oft starke Schmerzen litt und nur noch mit
Schwierigkeiten gehen konnte, war er stets frohgemut und lehrte so
durch sein Beispiei, Prufungen mit Geduid zu ertragen. Da er den
inneren Frieden erlangt hatte, jenen ErmJe?! Gottes, J e r <V/e.s' Rcgrei/e/:
(Phil 4,7), antwortete selbst die Natur anders auf ihn als auf
andere Menschen. Als er einmal, in Begleitung zweier Vater, von der
Kirche in seine Zelle zuruckkehrte, kam eine Schar kleiner Vogel
zwitschemd dahergeflogen, die sich auf seinen Kopf, seine Schultem
und seine Hănde setzten und wie im Spiel an seinem Bart und Rasson
zu knabbem anfingen, wăhrend sie die beiden Begleiter gar nicht
beachteten. Als sie wieder wegflogen, sagte der Altvater: „Ach, wie
gem wiirde ich wieder in den W ăldem leben mit den Vogeln!" Unter
allen Tieren des Waldes liebte er die Vogel im besonderen und wusste
ihre Stimmen und ihren Gesang vortrefflich nachzuahmen.
Bis in seine allerletzten Tage fuhr er fort, Besucher zu empfangen
und ihnen Rat und Segen zu erteilen. Er sprach ruhig und wunderschon

q/AoM/,s, op. cit., S. 191.


7. Z,e6en 247

zu allen, die ihm Fragen steiiten, und verbreitete Freude und Ruhe um
sich. Am 1. Dezember 1998 las er ungewohnlicherweise die Morgen-
gebete am Abend vorher, und auf die verwunderte Frage seines
Zellendieners antwortete er: „Ich lese sie jetzt, denn am Morgen gehe
ich zu meinen Brudern." Und in der Tat, am anderen Morgen, dem 2.
Dezember 1998, ubergab er in aller Friihe seine Seele friedlich in die
Hănde des Hen*n. Er hatte das Alter von 86 Jahren erreicht.
Drei Tage lang wurde der Psalter uber ihm gelesen, wăhrend
Tausende von Glăubigen aus dem ganzen Land herstromten, um
Abschied zu nehmen von ihrem Vater in Christus. Acht Hierarchen
zelebrierten den Gottesdienst fur die Verstorbenen, und am Schluss
wurde der kostbare Leib zu Grab getragen, wăhrend die Hirten der
Umgebung auf ihren traditionellen langen Hirten-Blashomem den
letzten Tribut zollten an ihren Bruder, der zum Hirten des ganzen
Volkes geworden war. Man bestattete ihn an der Seite seines Altvaters
Paissie Olaru, der ihm um sieben Jahre vorausgegangen war.

!
248 TAvater E/eopa von V A ^ tria

II. - Lehren

Dus /cAto W?r?

EAt/ge ZeA vor .so/nont ZE'ngong .sprocA Z /Eofer EEopo vor Je r ver-
.so/r/re/ton Gon?o/'n.soAo/i Aer AAdrcAe von 5?Ao.strio .sein „ Aeizias
IfbrE'. DoAei .sogie er un ier onAerent.'

A / f eine geliebten Văter und Brtider, wisst, dass die Kirche unsere
IV H geistige Mutter ist. Sie hat uns in der Taufe geboren on.s hG,s.ser
nnA GeAt (Joh 3,5). Ihr habt gehort, wie der Apostei Paulus sagt: /Ar
AoA/ Aen GeAt Aer .SoAn.seAo/i ent^/ongen (Rom 8,15) im Taufbecken,
und E r reAete nns AnrcA Aos EoA Aer HA'eAergeAnrt nnA Aer
ErneMernng Ae.s A/eiA'gen GeAte.s (Tit 3,5). Von da an sind wir aiie
Sohne Gottes der Gnade nach, da wir getauft wurden im Namen der
Aliheiligen Dreiheit. Deshaib bitte ich euch aus meinem ganzen
Herzen - iiebt die Kirche, eure Mutter. Die Kirche sei euch teuer, und
soviel ihr konnt, geht zu ihren heiligen Gottesdiensten Tag und Nacht.
Die Âlteren, die hinfallig sind im Leibe, konnen weniger lang bieiben.
Die Jtingeren konnen lănger bieiben, denn das liturgische Leben der
Kirche bereichert den Sinn eines jeden, und die Gnade des Heiligen
Geistes kommt tiber den, der mit Ehrfurcht teilnimmt daran.'

EAer A/e GoAes/uuAer

A H 7^oHt ihr sie als Beschutzerin haben, dann lest am Morgen den
VV Akathistos-Hymnos, mit brennendem Ollămpchen, und am
Abend den Bitt- und Trostkanon ebenso. So werdet ihr Hilfe fin den
wăhrend eures Lebens, zur Stunde des Todes und am Tag des Gerichts.
Wisst ihr, was die Gottesmutter vermag vor dem Thron der Aliheiligen
Dreiheit? Wăre es nicht ihretwegen, ich glaube, diese Welt wăre lăngst
verloren?

' AAepAerJ o/AcuA, op. cit., S. 185.


^ Ebenda, S. 195.
77. 7,eAre 249

A A farjem an d in Unruhe iiber die heutige Zeit und fragte: „Was wird
VV geschehen, Vater?", pftegte er zu antworten: „Die Jahre und
Zeiten sind in Gottes Hand. AHes, was Er wiii, wird Er tun!" Und wenn
jem and sagte: „Das Wetter ist schcusslich!" entgegnete er: „AHes, was
der Herr gibt, ist gut.'"

arum muss das Ende der Welt kommen und die Emeuerung der
Schopfung? wurde der Aitvater gefragt. Er antwortete: „Die
Heiligen Văter sagen, dass das Weitende und das Kommende Gericht
aus vier Griinden geschehen muss: 1. Damit die Gerechtigkeit Gottes
offenbar wird. 2. Damit die Ungerechtigkeit der Menschen im
Angesicht der Gebote Gottes biossgelegt wird. 3. Damit die Siinde und
Ungerechtigkeit dieser Weit bestraft wird, und 4. damit die guten
Werke der Gerechten beiohnt werden.

Ţ " \ i e Zahi 666 (Offb 13,18) ist eine symbolische und apokalyptische
J-V Z ah l, die der hl. Andreas von Casarea^ folgendermassen
interpretiert: Die erste Zahi symbolisiert die unverniinftige Begierde,
d.h. die ungeztigelte Verbreitung der Lasterhaftigkeit und aller
fleischlichen Leidenschaften in der letzten Zeit. Die zweite Zahi
symbolisiert andere schlimme Leidenschaften wie der ungebăndigte
Zom, der in den letzten Zeiten in der Welt vorherrschen w ird... Die
dritte Zahi symbolisiert weitere apokalyptische Leidenschaften wie die
unvemunftige Phantasie, die die Menschheit in den letzten Zeiten
tăuschen w ird... Vor dem Ende der Welt werden die Menschen keine
geistige Empfindsamkeit mehr haben in ihren Herzen. Sie werden
keinen Eifer mehr haben fur die Kirche, fin* das Gebet, das Lesen
heilsamer Bticher, fur das Fasten, fur gute Werke. Da ihr Herz leer sein
wird von aliem, was heilig und gottgefallig ist, werden sie nur in den
Empfindungen der materiellen Welt leben, in egoistischen Phantasien,
mit dem Ziel, anderen zu gefallen, das Lob der Welt zu gewinnen. Wie

' S. 199.
- Erzbischof von Casarea in Kappadokien, der im 6./7. Jh. einen Kommentar zum
Buch der Offcnbarung schrieb.
250

der Prophet tsaiah sagt: De/* 7o<7 tm t e/// 7;//v7? ////,se/*e f/w/uz? (d.h. der
Sinne). Jene, die sich entfemen vom wahren Glauben an Christus,
werden auf der Ştim und auf den Hănden, d.h. in ihrem Geist, ihrem
Wiiten, ihrem Denken und ihrem Tun, das Zeichen der drei identischen
Zahien empfangen, d.h. die Leidenschaften, die diese Zahien
symbohsieren. Die drei Bereiche ihi er Seeie werden vom Satan gcfangcn
sein - der Geist, der Wille und das Herz. Deshalb werden diese
Menschen das Zeichen des Sieges und der Erlosung, das Kostbare
Kreuz, abiehnen und es nicht machen wollen mit ihrer Hand und ihrem
Herzen. Die treuen Christen aber, die das Kostbare Kreuz ehren,
werden verfolgt und gehasst werden von ailen Volkem wegen dem
Namen Christi. Doch we/* z;/tz.s7zu/*/*t b/'.s' u/rs* E/zJe, w/'/*J gerettet tve/*r/<?/z.

N Ţ ic h t die WatTen werden die ganze Erde zur Einode werden iassen,
1 i sondem die Siinde.

Ţ N e Schopfung Gottes wird nicht zur Ganze vemichtet werden,


J-V sondem sie wird emeuert werden... wenn Gott <?/'//e/z z/ezze/z
/Vz'/zz//zz?/ M//J e///e //<?:/<? D/We schaff'cn wird (2 Petr 3,13; Offb 21,1)2

Dr/s /f/*<?//zusz^A7:u//

'Ţ 'u t nichts ohne euch mit dem Kreuzeszeichen zu bekreuzigen! Wenn
J . ihr aufbrecht zu einer Reise, wenn ihr eure Arbeit beginnt, wenn ihr
zum Studium geht, wenn ihr aliem seid und wenn ihr mit anderen
zusammen seid, besiegelt euch mit dem Eleiligen Kreuz auf eurer Ştim,
eurem Leib, eurer Brust, eurem Herzen, euren Lippen, euren Augen,
euren Ohren. Euer ganzes Wesen sei besiegelt mit dem Zeichen von
Christi Sieg liber die H olle... Dann werdet ihr euch nicht rnehr turch-
ten vor Bezaubemng und bosen Geistem oder Magie, denn kraft der
M acht des Kreuzes zerfliesst all das wie Wachs im Feuer,
zerstiebt wie Staub im Wind.

Zwe/

Tillst du den geraden Weg gehen vor Gott, dann hast du zwei
W Schutzwălle notig. Nicht solche aus Stein, Ziegel oder Erde,

' re p o v io ţ K keoaa HAe, ZtaAoyoz, Ekd. Orthodoxos Kypseli,


Thessaloniki i986, 2. Auft. 1999, S. 129-133.
7/. ZeA/e 251

sondem zwei geistige Schutzwălle. Habe die Gottesfnrcht zu deiner


Rechten, denn der Prophet Daniel sagt: Dig G ottg^rcA t M /t o'gu
Mguyg^gn a/? von o//gn? Rd'sgn. Zu deiner Linken habe die Todesfurcht,
denn der Sohn Sirachs sagt: ,S'o/?n, /?gdg/;kg dg;'o D/n/g, nn<r/ Jn w;'f.sZ
nicAt ^unJiggn. Diese beiden guten Taten - G ottesfurcht und
Todesgedenken - belreien einen Menschen von jeder Sunde.'

V//7zgu r/gs ytn/gsggr/g/!kg/:s

l ^ \ a s Worl „Tod" war das erste, mit dem Gott dem Menschen drohte,
J-V a ls dieser im Paradies war, und es ist die stărkste Waffe gegen die
Sunde. Der Grosse Basilios sagt, dass der beste Rat jener des
Todesgedenkens ist, und der heilige Damaskinos sagt: „O Tod, Tod,
richtiger ist, dich Leben zu ncnncn!" Und er hatte absolut recht. Denn
selbst der weise Salomo, hatte er des Todes gedacht, wăre nicht in
Ausschweifung gefallen mit den Frauen und hatte die Weisheit nicht
verloren, die Gott ihm geschenkt hatte.^

7Yg/<? IUr/'cg/u udt/g

Der Altvater sagte zu einigen jungen Monchen: „Meine Kinder, ihr seid
hoch wie Tannen, doch wie diese konnte ihr gefallt werden vom Sturm,
denn ihr treibt eure Wurzeln nicht hinab in die Heiligen Schriften, noch
auch in die Zg&gn der Heiligen Văter, die fur uns wie das Wort des
Evangeliums sind."

Hw /g/:g, <V;'g /g/r/gu u'g/v/gn /ii/* r/g/: G/oM^gM

Ţ I ' in Bruder fragte ihn: „Vater, wenn wir eingesperrt werden unseres
J —/Glaubens wegen und man unseren Sinn verăndert durch Hypnose,
sind wir dann schuldig?" Der Altvater antwortete: „Es ist unmoglich,
einen Menschen zu verăndem, wenn er in seinem Herzen das Jesus-
Gebet hat. Doch dazu muss er schon vorher ein Leben des Gebets
fuhren. Wenn du sagst: /Ygrr Jg.sM.s' C/uisZM.s*... erzittert die ganze Holle,
doch nur dann, wenn du es aus dem Herzen sagst.

' S. 200.
^ TTveu^artxoiZtdAoyot, S. 158.
S. 201.
252 A 7eopa vo/;

Ţ *^as Gebet ist die Nahrung und das Leben der Seele. Geradeso wie
J-V d e r Leib stirbt ohne Speise und Trank, so auch stirbt die Seele
ohne Gebet.

*TAer Altvater wurde gefiagt: Wie konnen die Menschen heute das
J-V G ebot des Apostels Paulus erfullen, Fetet o/me Er
antwortete: „Jeder kann ohne Unterlass beten, wenn er im Geist und im
Herzen stăndig vor Gott steht. Mit den Hănden arbeitet er, wăhrend er
seinen Geist und sein Herz zu Gott erhoben halt... Der Geist und das
Herz seien allezeit ungetrennt von Gott, wo immer wir uns befinden."

Tiederum wurde der Altvater gefragt: „Was ist reines Gebet?" Er


VV antwortete: „Mit dem Geist zu begreifen und mit dem Herzen zu
tuhlen, was du sagst mit dem Mund."

A H 7^nn wir mit dem Geist hinabtauchen in unser Herz, mussen wir
VV drei Turen schliessen: die sichtbare Tur unserer Zelle, um Stomng
seitens der Menschen zu vermeiden; die Tur unserer Lippen, damit wir
mit niemandem reden, und die Tur unseres Herzens, um den Widersacher
auszusperren, wobei wir als Tiirhuter unseren Geist einsetzen. Wenn
der Mensch mit dem Herzen betet, west er in der Liebe Gottes und
begehrt nichts anderes, als immer darin zu bleiben, so wie Petrus bei
der Transfiguration wunschte, immerdar mit Christus auf dem Berg
Thabor zu sein.

'"V ur Zeit des Gebets muss der Geist blind, taub und stumm sein, das
^ j heisst, er soli nichts sehen, nichts horen und nichts denken ausser
Jesus Christus aliem. Dies ist das Jesus-Gebet, das auch monologisches
Gebet („Ein-Wort-Gebet") usw. genannt wird und bei dem das Denken
ausschliesslich auf den Namen Jesu fixiert ist. Wenn der Geist vom
Heiligen Geist entruckt wird, verkurzt er das Gebet, um nicht herunter-
gezogen zu werden durch den Widersacher wegen der Vielzahl der Worte.

A us dem reinen Gebet wird die wahre Liebe geboren, nicht umge-
Z l^ k e h rt. Der hl. Isaak sagt, dass wir in dem Mass, wie wir mit dem
Herzen beten, die wahre Liebe erlangen. Und der hl. Maximos der
//. Z,e/??v 253

Bekenner sagt: „AHe guten Werke helfen dem Menschen, die Gottesliebe
zu erlangen, doch keines so sehr wie das Gebet." Der Grosse Basiiios
sagt, dass die Liebe zu Gott geboren wird aus der geistigen Betrachtung
der Schopfung, der Harmonie und Pracht der Geschopfe Gottes.'

Ţ I ' iner der heiiigen Văter sagt: „So wie das Wasser das Feuer Ioscht,
J —/so ioscht das Vergessen das Gebet." Heute vermdgen wir nicht
mehr zu beten wie die heiiigen Văter vor uns, weil wir Gott vergessen
haben und vergessen. Das Vergessen ist Voriăufer der Entfernung von
Gott. Zudem beten wir heute nicht mehr mit der gleichen Ehrfurcht wie
die Aiten, weii sich in allen von uns der Giaube verringert hat. Wer
utiverruckt an Gott giaubt, furchtet Gott, iiebt Ihn und betet unablăssig
zu Ihm, weil er nicht leben kann ohne Gott, fem vom Himmiischen
Vater. ich giaube, dass in allen Kategorien von Glăubigen die
Schwăche unseres Glaubens an Gott die grosste Ursache der Schwăche
unseres Gebets ist. Deshalb auch lassen sich viele Orthodoxe von den
Hăretikem irrefuhren, denn statt ianger Stunden des Gebets bringen
ihnen jene anreizende Lieder und Botschaften und ergotzen damit jene,
die iau sind im Glauben.

AGtwcm/igAf/? r/as /funtp/bs

Ţ Ţ nsere Glăubigen beten nicht viei heutzutage und haben keine Geduld
L J im Gebet, weil sie sich oft zur Gănze absorbieren lassen von der
Sorge um die Dinge dieses Lebens, von den Geniissen, von der
Trunkenheit, von der Habsucht, von der Hoffart dieser Welt, des
Versuchers. Doch wenn wir wollen, dass Gott sich unser erbarmt, uns
unsere Siinden vergibt und uns beschutzt vor jeder Versuchung und
Gefahr, mussen wir uns selbst Tag und Nacht anhalten zum heiiigen
Gebet, vor aliem zum Lesen des Psalters, dem grosse geistige Kraft
innewohnt, der Gottesdienste des Tages aus dem Stundenbuch, des
Akathistos-Hymnos an die Gottesmutter, des Bitt- und Trostkanons, und
an den Festtagen mussen wir, wie der Hirsch zu den Wasserquellen, in die
Kirche eilen, um teilzunehmen an der Gottlichen Liturgie. Und wenn der
Teufel uns bekămpft mit Vergesslichkeit, mit Unglauben, mit Trăgheit,
Schlaf und Alltagssorgen, wollen wir dem entgegenwirken, indem wir, so

77ven^artxot/ltdAoyot, op. cit., S. 156-157.


254 T /tv a te r A 7eopa w w

viei wir konnen, beten mit dem Mund, gemăss der Gebetsregel, die uns
unser geistiger Vater gegeben hat. Und mit der Zeit werden wir mit Hiife
des Herm von der Quantităt zu Qualităt ubergehen, vom mtindlichen
Gebet, bei dem man ieicht abwandert in Gcdatikcn, zum inneren Gebet
und zum Herzensgebet, und dann, wenn wir die Freude des Heiligen
Geistes kosten, werden wir begreifen, welch grosses Gut der Herr ist.'

(7/At r*.s

T I ' in Christ sagte zum Altvater: „Ich glaube nicht, dass es den Teufei
J —ygibt!" Nachdem ihn dieser ausreichend belehrt hatte hieruber aus
der Heiiigen Schrift, sagte er zu ihm: „Wenn du immer noch nicht
glaubst, dass es den Teufei gibt, dann geh in die Wildnis, wage zu
fasten und zu beten, und er wird dir keine Ruhe lassen."

(Wr/u/r/

T ? in anderer Bruder fragte ihn, wie er gerettet werden konne. Der


i —y Altvater antwortete: „Geduld, Geduld, Geduld." Der Bruder Ifagtc:
„In was soli ich geduldig sein?" Und der Vater sagte: „Ertrage geduldig
jede Beschimpfung und Unehre um der Liebe Christi willen!"

lU'sscu u/u/ P/v/Ws

T I in anderer Bmder, der dem Altvater viele Male zugehort hatte,


J —y fragte ihn: „Vater, was muss ich tun, um gerettet zu werden?" Und
der Altvater, der sein Herz kannte, gab ihm die Antwort, die seinem
Mass entsprach: „Tu, was du weisst, und du wirst gerettet werden." Da
begriff der Bmder, dass das einzige, was ihm fehlte, die Umsetzung in
die Tat war, denn er kannte alle Lehren der Heiligen Vater.

7ragf Vurgc zur Vcy/c


T T Tiederum sagte er zu den Brudem: „Alles ist vergănglich! Deshalb
VV tragt Sorge zur Seele, beichtet, empfangt die Heilige Kommunion,
fuhrt ein reines Leben, gebt Almosen der Barmherzigkeit, tut alles, was
ihr konnt, und lebt in Liebe zueinander, denn <r/A AAAc geAf nA/uc/L
(1 Kor 13,8).

Ebenda, S. 145-146.
//. LeAre 255

Ţ J r sagte ausserdem: „Habt das Herz eines Sohnes gegenuber Gott,


J —/ den Sinn eines Richters gegenuber euch seibst, und eurem Năchsten
gegenuber das Herz einer Mutter."

V/c/tt Ae/az/tsteAe/!

" T \ e r Altvater pflegte seine Jilnger zu mahnen: „Mein Kind, steh nicht
J-V untătig herum, vergeude nicht deine Zeit. Nimm ein Buch in deine
Tasche, wohin du auch gehst, mit den Schafen, mit den Ktihen oder
wohin immer man dich schickt, und lies das Wort Gottes."

Der F/aeA r/es d7eMsc/;e/;/at)s

( 1 ehr oft zitierte der Altvater die Worte des Erlosers: ihe/te, we/u? a//e
A7e/tscAen Gutes sagen euc/? (Lk 6,26), und fugte dann hinzu:
„Und wenn ihr Lob grosser ist als unsere Taten!" Er tat, was er konnte,
um dem Lob der Menschen zu entraten, und wenn er sah, dass jemand
ihm hohe Achtung zollte, setzte er sich seibst herab, indem er sich als
sterilen Feigenbaum bezeichnete und anderes mehr.

An r//e /Gw;AeH

A A 7^enn die Kranken zu ihm kamen, ptlegte er ihre Namen zu


V V notieren, um zu beten fur sie. Dann sagte er zu ihnen: „Die gross-
te Quelle der Heilung fur die Kranken ist der Gottesdienst der Heiligen
Salbung. Doch lasst ihn nicht zelebrieren, bevor der Kranke gebeichtet
hat. Zuallererst soli einer alle seine Sunden beichten, erst dann soli der
Gottesdienst der Heiligen Salbung zelebriert w erden..."

Das Gate aat lke/s7;e;7 taa

Ţ ^\cnjcnigcn, die nach ihrem eigenen Willen handelten, ohne zu


J -V achten auf die Lehren der Heiligen Vater und der Heiligen Schrift,
und deshalb in viele Versuchungen und Prufungen gerieten, pflegte der
Altvater einen Spruch zu zeigen, den er an die Wand geheftet hatte:
„Das Gute ist nicht gut, wenn es nicht mit Weisheit getan wird."'

<S7?ep/?e?'J op. cit., S. 200-207.


256

Ţ T ier Dinge sind es, durch die wir den Frieden des Herzens eriangen
V konnen: 1. Immer das Schiichte suchen. 2. Danken fur alles, seibst
das Unbedeutendste. 3. Immer darum beten, dass in unserem Leben der
Wille Gottes geschehen moge. 4. Alles dem Willen Gottes uberlassen.

Ţ ^ \ie heiligen Văter sagen - und unter ihnen auch Antonios der
J-V G rosse dass die Konigin der Tugenden die Unterscheidung ist.
Viele stiirzten sich in die Flut der Leidenschaften, um andere vom Tod
zu retten, und ertranken seibst dabei. Nirgendwo in der Heiligen Schrift
habe ich gelesen, dass einer in seiner Seele sterben soli, um andere zu
retten. Alle Tugenden mussen mit Mass und Unterscheidung getibt
werden. Mit anderen Worten, wir mussen dem koniglichen Weg der
Mitte folgen, entsprechend der Gnadengabe, den naturlichen
Făhigkeiten, dem Eifer und dem Wesen eines Jeden, damit wir nicht
von einem Extrem ins andere fallen, denn in den Extremen haust der
Teufel, wie die heiligen Văter sagen.'

Ţ I ' in Bruder, der eine schwere Prufung durchmachte, fragtc Altvater


J —/Kleopa: „Was soli ich tun, Vater, in diesem Schmerz, den ich
habe?" Der Altvater antwortete: „Dich gedulden, Bruder, bis zum
Ende, und Gott danken, denn diese Pein ist das Zeichen des Erbarmens
Gottes und nicht Seines Zoms."

Ţ e mehr tugendreiche Christen es gibt in der Welt, in einem Land,


J einer Gemeinschaft, desto mehr wird jenes Land oder jene Gemein-
schaft bewahrt von Gefahren, Kriegen, Unruhen, Hungersnoten und
jedem anderen Ubel. Doch je weniger Gottesmănner es gibt, desto
strenger ist auch der gottliche Ratschluss. Ein Heiliger wurde einmal
gelragt: „Kann ein einziger Mensch eine ganze Stadt retten?" - „Er
kann es", antwortete jener. „Ein Beispiel dafur ist der Prophet und

nveu/rartxotztm A oyot, S. 157.


7/. Z,e/;re 257

Konig David. Vemimm, was Gott sagt: Gm /Memay DnviJ


werJg/cA J;'e .S7t/c/t ./erM.sa/e/7? zer.s7oren (vgl. 4 Kon 19,34,
Is. 37,35).

Wo s/nr/ ^

T T oren wir, was der heilige Johannes Chrysostomos sagt: „Wenn du


unverfalschten Glauben suchst - im einfachen Volk wirst du ihn
finden..." Die Aufrichtigkeit der Einfachen, ihre Demut und ihre Reue
liber ihre Slinden nimmt Gott als Opfer an...

G/tr7s?/lc/?<w

Ţ ^ e r A ltvater ermahnte
J-V alle christlichen Fami-
lien, ob sie auf dem Land
lebten oder in der Stadt,
Kinder zur Welt zu bringen.
Gemăss den heiligen
Kanones der Kirche verbot
er streng die Abtreibung
und jede andere Art von
Ermordung ungeborener
Kinder, die er als eine der
schwersten Slinden der
Christen bezeichnete. Den
Jungen empfahl er, in
Keuschheit zu leben bis zur
kirchlichen Eheschliessung.
Wenn am Sonntag nicht die
ganze Familie zur Kirche
gehen kann, gebot er, soli
wenigstens ein Familien-
mitglied entsandt werden, gleichsam als „Apostel der Familie", wăhrend
sich die anderen zu Hause der geistigen Lektiire oder dem Gebet
hingeben. Sie sollen warten mit der Mahlzeit, bis jener zurtickkehrt von
der Kirche und das Antidoron mitbringt fur alle.'

Z,e Pere C/eopay, op. cit., S. 104.


258 ^/UwAer Â7eopa vor VAo^Arta

D/<? /!OcAy^ ErAeWAA^MM

A Ţ an fragte den Altvater: „Welches ist die hochste Erkenntnis fur


l V i e i n e n Christen?" Er antwortete: „Afle heiiigen Văter sagen, dass
die hochste Erkenntnis jene der eigenen Schwăche ist."'

D/e IZrsacAe r/er /:eM^e/A

Ţ A ie Grundursache der heutigen Kleinglăubigkeit ist eine einzige: die


-LvZunahm e der Gesetziosigkeit unter den Menschen. Der Glaube
verringert sich hauptsăchlich infolge des Hochmuts, des Vertrauens der
Menschen auf ihren Verstand, woraus die Hăresien erwachsen, des
Ungehorsams gegenuber dem Wort des Evangeliums und den Hirten
der Kirche, der Entfremdung der Christen von der Kirche, des Mangels
an tugendvollen Hirten, der Trunkenheit, der Ausschweifung usw.
Diese Wahrheit druckt unser Herr Selbst aus, wenn Er sagt: ffEf/ ^'e
Gas-etz/oVgke/t w /rJ J/e LieAe <?er vfe/en er/^/te/7 (Mt
24,12).

D/e //ores/e/7
Ţ A ie Christen, die sich endgultig getrennt haben von der Kirche,
-L vstellen sich den orthodoxen und apostolischen Dogmen unseres
Glaubens entgegen und haben eine irrige Glaubenslehre geschaffen.
Das sind jene, die Hăretiker genannt werden. Hăresien hat es seit
Anfang der Verkundigung des Evangeliums gegeben und wird es geben
bis ans Ende der Zeiten. In ihnen zeigt sich der Unglaube der Menschen
und zugleich ein măchtiges apokalyptisches Zeichen. Es gibt immer
Menschen, die die Kirche verlassen und in Hăresie fallen, und dies aus
folgenden Gninden: 1. Aus Unwissenheit, d.h. auf Grund mangelnder
Kenntnis des Wortes Gottes, der Heiiigen Uberlieferung und der Lehre
der Heiiigen Văter. 2. Wegen der Tăuschung durch den Teufel, Je r
u/7?Aerge/?t w/e em ĂrM//e77Jer Lowe MnJ we/7 er rer.scA/n?ge
(1 Petr 5,8), und dem es gelingt, viele Christen inezuleiten durch
Leidenschaften, Selbstzufriedenheit, Unglauben usw. 3. Aus Hochmut,
welcher die meisten der Hăresien und Schismen in der Geschichte der
Christenheit hervorgebracht hat. 4. Aus dem Hang zu fleischlichen
Genussen usw.

Tîveu^anxoizttdAoyot, S. 166-168.
//. LeA re 259

T ^ i e Vervielfaltigung der Hăresien und falschen Propheten in


J -V unserer Zeit ist ohne Zweifei auch ein apokaiyptisches Zeichen
des nahenden Weltendes. Diese Wahrheit offenbart uns unser Ertoser
Selbst, Der in Hinsicht auf Sein Zweites Erscheinen sagt: E n J vieie
yhAcAe ProgAeieu werJen uu/xieAcn MnJ vieie irre/giieu... (Mt 24,11)

^Aumjp/HHg rias P/vAs^i^iAun/y Je r NarafiAar

A u f die Frage, wie die Orthodoxe Kirche, ihre Hirten und ihre
Y Y Glăubigen dem Proselytismus der Hăretiker besser entgegenwirken
konnen, antwortete der Altvater: „Um die Verderbung des wahren und
apostolischen Glaubens durch die Hăretiker zu verhindem, miissen
sowohl die Hirten, d. h. die Hierarchen, Priester und Monche, als auch
unsere orthodoxen Christen auf drei Weisen vorgehen: Erstens miissen
sie ofter und mit grosser Ehrfurcht und Sorgfalt die Heilige Schrift und
die Glaubenslehren unserer Orthodoxen Kirche lesen. Zweitens
miissen alle, sowohl die Hirten als auch die Glăubigen, die Dogmen
unserer Orthodoxen Kirche studieren, um danach ihrerseits die
Mitglieder der Kirchgemeinden zu lehren. Drittens mussen sich unsere
Hirten und Glăubigen darum bemiihen, gemăss den Geboten des
Evangeliums Christi zu leben, damit sie fur alle zum Vorbild werden
durch ihre Werke. Unser Erloser Jesus Christus verlangt von uns zuerst,
dass wir nach Seinen Geboten leben, und danach, dass wir dariiber
auch zu den anderen sprechen, denn Er sagt: HEr ay aAer AArt,
wi/U g/*o.y.y ge^a/v^i werJeu im 7?aicA J e r ZVimmei (Mt 5,19). Dasselbe
lehrt auch der Apostel Paulus seinen Jiinger Titus: /n uiiem zeige ciicA
a A kbrAiiri gMier IK/Ae (Tit 2,7). Und der hl. Isaak der Syrer sagt: „Du
selbst schweige, damit deine Werke sprechen" (Darlegung 23).

Zum DAumcuA/uuy

Ţ Ţ b e r seinen Standpunkt zum Okumenismus befragt, antwortete


L J Altvater Kleopa: „Wiirde die okumenische Bewegung von der
Orthodoxen Kirche gelenkt, wăren die Hoffnungen auf Vereinigung
aller Christen grosser. Doch solange sie regiert wird von Laien, das heisst
von den Protestanten, die keine Hierarchie haben und infolgedessen
260 ^4/lvaler Ăl/gopa von

auch der rettenden Gnade crmangetn, ist eine Hoffnung auf Vereinigung
praktisch unmoglich...

T ^ i e Begegnungen (von Vertretem der Orthodoxen Kirche mit den


J -V Heterodoxen) sind an sich gut, dem Evangeiium gemăss, denn auf
diese Weise iernen sie sich besser kennen und so hort der Hass auf
zwischen ihnen. Doch von da bis zur Vereinigung iiegt eine Distanz,
die so gross ist wie jene zwischen Himmel und Erde, denn keine der
heterodoxen 'K irchen' wird ihren Giauben aufgeben und zum
Orthodoxen Giauben kommen.

V^Pvgnr/^g Efa/fMMg r/g/* mvA^r/r^g/? fhrr/gtgr

7*on den Gliedem der Orthodoxen Kirche, die dieselbe vertreten, ist
V zu verlangen, dass sie sehr vorsichtig sind, damit wir nichts
preisgeben von unserer Uberlieferung, von den Lehren der Heiligen
Văter und aliem voran von den Dogmen der Orthodoxen Kirche, die
von so vielen Heiligen zum Preis so grosser Opfer behutet und
bekrăftigt worden sind. Denn wenn die Heiligen Văter, die sich bei der
Einberufung der Sieben Okumenischen Konzile und der lokalen Konzile
in den ersten christlichen Jahrhunderten versammelten, nicht mit hoch-
ster Sorgfalt fur die Bewahrung der Dogmen und Lehren des rechten
Glaubens gekămpft hătten, găbe es heute wahrscheinlich keine recht-
glăubigen Christen mehr. Deshalb mussen wir sehr darauf achten, dass
jene Opfer der Heiligen nicht zunichte gemacht werden. Andemfalls
werden wir unsere Seelen verlieren und die Glăubigen der Orthodoxen
Kirche spalten...

Mimn g.s „gmg 77g/v/g uur/ g//!g/: 7/utgn " ^gg/)gn f

^ \^ 7 e n n alle christlichen und heterodoxen Volker zum wahren


VV orthodoxen Giauben an Gott kommen, Der als Dreiheit angebetet
und verherrlicht wird. Dies wird erst am Ende der Zeiten geschehen,
auf eine Weise, die Gott allein weiss.'

Ebenda, S. 180-184.
7/. LeAre 261

Dos /tf/'/c/m

'"V u r Rettung unserer Seelen gab A ltvater Kleopa allen den


folgenden Rat: „Bteibt im Schiff der Kirche, gehorcht ihr, denn sie
ist der Leib Christi. Sie ist unsere gemeinsame Mutter. Durch die
Kirche werden wir geboren, in ihr leben wir und mit ihr ziehen wir aus
aus dieser We)t ins ewige Leben. Wir Christen sind wie ein Bautn, den
Gott gepflanzt hat. Der Zweig, der abfallt vom Baum, verdorrt und
kann nicht lănger leben. So auch ergeht es den Christen, die sich
abschneiden von der Kirche - sie sterben und konnen nicht lănger
Leben in sich haben und ebensowenig das Heil, es sei denn, sie kehren
zurtick in den Schoss der Kirche. Wenn ein Mensch schwankt im
Giauben und schliesslich die Kirche verlăsst, sind alle seine guten
Werke um sonst... Die Heiligen Văter sagen auch, dass in den letzten
Zeiten zwei Dinge der Kirche und ihren Glăubigen helfen werden: der
Ruckzug in die Wtiste, d.h. in die Berge, die Hohlen und die Wălder,
und die Behtitung des Glaubens im inneren Heiligtum des Herzens der
kămpfenden Christen.'"

Ebenda, S. 188-189.
262 P/edya von V/da.s-ni'a

- Arhim. Ioanichie Bălan, Uapz y/ nevo/n(e/e ArA/n!anJn'tM/M/ C/eopn //A


(„Leben und Lehre von Archimandrit Kleopa Ilie") 2. Aud. Editura Trinitas,
Iaşy, Rumănien 2002.
- Archimandrite Ioanichie Balan, -SZcpAerJ o / VouA, 7'/?e Z//e an<7 7eacA//!g.s'
o/' E/Jer C/eo^a, /Wa.S'ter o/" 7nner Proyer an7 EatAer o/* Pon;a/ua
(79/2-/99^), St. Herman Press, Platina Ca., 2000. Ubers. des obigen Bandes.
- Pere Ioannichie Balan, Ee Pere C/eoya.s', Collection Grands Spirituels Ortho-
doxes du XXe siecle, Ed. L'Age d'Homme, Lausanne, 2003. Franzosische
Ubersetzung des obigen Bandes.
- Apxtp. iMavvLxion MîtaZdv, 77 Zmp xat or ayrbvcp ron fepovrop KAeojra,
Pov^dvon TFcruxaarod xar AtdacrxdAov, hrsg. Orthodoxos Kypseli,
Thessaloniki. Griech. Ubers. des obigen Bandes.
- Fepovrog KXrojro. HXre, 77vfu/rartxot AtdAoyot, hrsg. Orthodoxos Kypseli,
Thessaloniki 1986, 2. Aufl. 1999. Die rumănische Originalausgabe dieser
„Geistigen Gcsprăche" umfasst zwei Bande und erschien erstmals 1984/1988,
seither mehrere Neuauflagen.
- I rpovTog KXeoJta 1f/ue, Avd/ioor; yrpop rpv Avdoraon. hrsg. Orthodoxos
Kypseli, Thessaloniki 1988 (vergr.). Rumân. Originalausgabe 1992 und 1998.
- Tepovrog Kkeojta H/ue, A vrtatprrtxo/ AtaAoyot („Antihăretische Dialoge"),
hrsg. Orth. Kypseli, Thessaloniki, o. D.

W e ite r e S c h r ift e n des A l t v a t e r s :

- „Vom Orthodoxen Glauben" (Rumănisch), Vorwort von Vr. Dumitru Staniloae,


4. Auflage Bukarest 2000.
- „Homilien zu den Grossen Festen und den Heiligen-Festen" (Rumănisch),
Bistum Roman 1986/1996.
- „Homelien fur alle Sonntage des Jahres" (Rumân.), Bistum Roman,
1990/1996.
- „Vom Wert der Seele" (Rumănisch), Galaţi 1991, Bacau 1994.
- „Uber Trăume und Visionen" (Rumănisch), Bukarest 1993, Bacau 1994.
- „Von den Wundem Gottes in der Schopfung" (Rumăn.), Bistum Roman 1996.
- „Vater Kleopas spricht zu uns" (Rumăn.), 12 Bănde, Bistum Roman 1995-2002.
- „Akathisten-Buch", von Archimandrit Kleopas Ilie und Schima-Monch
Paissie Olaru (Rumănisch), Iaşy 1996 und 1998.
- „Gedichte an die Gottesmutter" (Rumăn.), Metropolie Moldau/Bucovina, 1999.
- n. Kmvoiaviivon Kopdv/ApxLp. hna.vvLxiou Mna/.dv, O Tepovrag riat'OLog
Okdpon, (Konstantinos Koman/Archimandrit Ioannikije Balan, "Altvater Paissios
Olam"), hrsg. Orthodoxos Kypseli, Thessaloniki o.D.
^ L T V X r e R P^!SS!OS
OGR
A d C !O R !T

(1924-1994)
264
265

Kapitel 7

^ L T V X T e R P x!S 8 !OS 3 6 R AdC!OR!"T

Q agt uns ein Wort, Geronta", baten ihn eines Tages einige seiner
3 3 k)geistigen Kinder. „Was soli ich sagen?" „Was euer Herz sagt."
Da antwortete der Altvater: „Was mein Herz sagt ist dies - dass ich ein
Messer nehme, mein Herz in Stuckiein schneide und an die Menschen
verteiie und dann sterbe."'
Dies war in der Tat das Leben von Altvater Paissios auf dieser Erde.
Bis zur gănzlichen Erschopfung aller seiner Krăfte gab er sich, in der
Nachfolge Christi, den Menschen hin, denen, die litten in der Seele
oder am Leib, damit sie das Leben hătten, das er sich selbst entzog. Er
war einer von denen, die um der Liebe Gottes willen sich selbst zur
Gănze abgeschrieben haben, nicht mehr fur sich selbst leben, sondern
aliem tur Gott und Seine Geschopfe. Seine allumfassende Liebe trieb
ihn, ein Mensch zu sein fur die anderen. Er war, wie die Junger des
Herm, „bettelarm, doch reich an Segnungen, die er mit seinem Gebet
vom Himmel auf die Erde herabbrachte; schwach und krank, doch all-
măchtig und gluhend durch die Gnade Gottes, sodass selbst die
Naturgesetze hintallig wurden vor ihm; ein in der Einsamkeit lebender
Monch, doch sehr nahe den Noten der Menschen; ein Asket, der streng
war mit sich selbst, doch mildtătig bis zur Selbstaufopferung fur die
Schwachen, die Kranken und jene, die Unrecht erlitten."^
„Er hatte das Mass des Menschlichen, der menschlichen Natur
uberschritten. Doch er wirkte durchaus menschlich, durchaus verstănd-

' FEQOvTog rtatoio)] AymQetiou, Aoyot A', Mr Hovo xat Aydyr?? ytd rov
ouyxpovo AvdpMjro, hrsg. vom HI. Kloster des Evangclisten Johannes des
Theologen, Souroti, Thessatoniki, 10. Aufl. 2006, S. 23.
^ deQogovdxou Ioadx, Tepovro^ J7amiou rod Aytopetrou, Ag. Oros 2004,
S. 23.
266

lich, durchaus naturlich. Dabei blieb dir stets bewusst, dass er etwas
anderes war. Er flosste dir eine heiiige Ehrfurcht ein, zugleich aber
auch Einfachheit und Spontaneităt. Du konntest mit ihm reden wie mit
deinem Vater, wie mit deiner eigenen Mutter. Er war auch witzig, er
hatte einen wuuderbaren Humor."' Mit diesem sagte er den Menschen
Wahrheiten liber sie selbst auf eine Weise, die sie annehmen konnten,
als Medizin zur Heilung. Er wurde um Rat und Hilfe ersucht von
M enschen jeder Herkunft, von jugendlichen Rebeiien und
Verzweifeiten, von einfachen Leuten des Volks bis zu Wissenschaftem
von Weltruf, von Monchen, Priestem und Hierarchen,
Sein hauptsăchiichstes Werk war das Gebet. Er betete fur die ganze
Weit, fur jede Art von Menschen, in jedwelchem Zustand, und da er
sich selbst ganz hingab an Gott, wurden seine Gebet erhort, sodass
Wunder geschahen in grosser Zahl, nicht nur zu seinen Lebzeiten,
sondern auch nach seiner seligen Entschlafung.
Da er das Kommende sah, war er auch ein unablăssiger Warner - vor
der vielgestaltigen Apostasie unserer Zeit, den Modemismen, mit
denen sich der heutige Mensch das Leben leicht zu machen und den
unerlăsslichen geistigen Kampf zu umgehen sucht, im Unwissen
daruber, dass, wie der A ltvater oftmals sagte, „alle diese
Erleichterungen letztlich umschlagen in Erschwemngen", weil sich der
Mensch damit den Weg verbaut zum wahren Leben. Denjenigen, die
glauben, die Kirche Christi „emeuem" zu mfissen, hielt er entgegen:
„Wir haben nicht das Recht, unserer Schwăchen wegen ein Christentum
zu machen nach unserem Mass."^

' Monch Nikodimos Bilălis in: Kk. iMavvi&T), fepovnxd rou20oa AnOvoţ, S. 281.
^ Aoyot A', S. 360.
267

I. - Leben

7. G^AMrf Mt
w/tt/ H%(/; G ^cA ^a/a/tt/

A ltvater Paissios wurde am 25. Juli 1924 im D orf Fărassa in


ZA .K appadokien geboren, rund 130 km siidlich von Casarea,' der
Heimat des Grossen Basilios. Fărassa war das grosste von insgesamt
sechs griechischen Dorfern, die zusammen eine unabhăngige Oase des
Hellenentums und der Orthodoxie bildeten in den Tiefen Kleinasiens
und die Tradition, Kultur und Sprache der Vorvăter seit byzantinischen
Zeiten in ungebrochener Kontinuităt am Leben erhielten. Sie zăhlten
noch damals rund 50 Kirchen. Der Standhaftigkeit und Tapferkeit ihrer
Bewohner wegen waren sie unbehelligt geblieben von den tiirkischen
Partisanen und dienten oftmals als Lfnterschlupf Fur Griechen anderer
Gegenden, die von den Ttirken verfolgt wurden. Deshalb nannte man
die Farassioten auch „Makkabăer".
Die grosse Gestalt unter den Farassioten jener Zeit war der heilige
Arsenios von K appadokien/ auch Chatsi-Effendis genannt, „der
Mcistcrpilger" - Monchspriester, geistiger Vater, Arzt, Lehrer und
Beschlitzer der ganzen GemeinschaFt. Alle zehn Jahre pflegte er als
Pilger zu Fuss ins Heilige Land zu ziehen. Er wirkte so viele Wunder, dass
selbst die Mohammedaner zu ihm stromten, wenn sie Hilfe brauchten.
Die Familie des Altvaters, mit dem ursprunglichen Namen Chatsi-
digenis, spăter zur Tamung vor den Turken, die ihnen nach dem Leben
trachteten, vertauscht mit Eznepidis, tibte seit Generationen die
PrăsidentschaFt aus in der Gemeinde Fărassa, und auch sein Vater,
Prodromos Eznepidis, versah dieses Amt, neben seiner Berufstătigkeit
als Landwirt und Schmied. Er war ein frommer Mann und hielt den hl.
Arsenios in hohen Ehren. Seine Mutter, Evlogia (Eulampia), die mit
dem Heiligen verwandt war, zeichnete sich aus durch ihren tiefen
Glauben. Sie tibte einen starken Einfluss aus auf ihren Sohn. Das Paar
hatte insgesamt zehn Kinder, vier Sohne und sechs Tochter, von denen
zwei im Kleinkindesalter starben.

' Turk. Kayseri


- 1841-1920, Fest 10. Nov. Sein Leben solite spăter Altvater Paissios schreiben. S.
Bibliographie am Ende dieses Kapitels.
268 Z t/tv a te r PH.MW.S d e r ^ g io n Y

Damals, im Sommer 1924, kam der Befehl zur Aussiedlung aller


Griechen aus Kleinasien, wie sie im Vertrag von Lausanne unter den
Grossmăchten ausgehandelt worden war, im „Austausch" gegen die
Aussiedlung der Tiirken aus Griechenland.' Eine Woche vor dem
Exodus der Farassioten, am 7. August 1924, taufte der hl. Arsenios in
der Elauptkirche von Fărassa, geweiht den Hl. Martyrern Jonas und
Barachisiosk alle Kinder, die das Heilige Mysterium der Wiedergeburt
noch nicht empfangen hatten. Darunter war auch der kaum 14 Tage alte
Sohn von Prodromos Eznepidis. Als der Augenblick kam, wo der Vater
den Namen des Kindes sagen solite, nannte dieser, der Sitte gemăss,
den Namen des Grossvaters, Christos. Doch der hl. Arsenios entgegnete
ihm: „Ihr wollt, versteht sich, dem Grossvater einen Nachkommen
hinterlassen. Kann nicht auch ich einen Monch an meiner Stelle
lassen?" Dann sagte er, zur Taufpatin gewandt: „Sag: Arsenios." So
empting das Knăblein den Namen des Heiligen, der mit seinem
Charisma die Berufung des Kindes im voraus erkannte.
Am 14. August brachen die Farassioten mit dem liber 80-jăhrigen
hl. Arsenios als Anfuhrer und seinem kaum 3 Wochen alten Schritzling
auf zum langen und beschwerlichen Marsch zur Kuste, wo man sie auf
Schiffe verfrachtete. Am 14. September, Fest der Kreuzerhohung,
trafen sie in Pirăus ein. Nach einigen Wochen im Fliichtlingslager des
Hl. Georgios sandte man sie nach Kerkyra (Korfu), wo der hl. Arsenios
am 10. November 1924 seiner Voraussage gemăss seine Seele in Gottes
Hănde tibergab.

2. .Argem/ /w Ad/rrArr (7926-7943)

Nach eineinhalb Jahren auf Kerkyra zog die Familie Eznepidis nach
Igoumenitsa und schliesslich nach Konitsa (Epiros). Hier wuchs der
kleine Arsenios auf und besuchte die Grundschule, die er mit Auszeich-
nung abschloss. Von klein auf war er beseelt vom Wunsch, Monch zu
werden. Er fand wenig Geschmack an den Spielen der Gleichaltrigen,
wurde aber von allen geschătzt wegen seiner guten Art und Dienst-
fertigkeit. Sobald er fliessend lesen konnte, begann er tăglich das
Evangelium und die Heiligenleben zu studieren. Was er las, versuchte
er auch in seinem eigenen Leben zu tun. Oftmals stand er des Nachts

' Siehe hierzu Fussnote S. 78 im Kapitet iiber Aitvater Jakovos.


'F e s t 29.3.
7. LeAen 269

auf, um zu beten oder den Psalter zu lesen, obwohl ihn sein ălterer
Bmder zu hindem suchte. Er fastete viei und pflegte in den Wald zu
gehen, wo er sich, mit einem selbstgefertigten Holzkreuz in der Hand,
dem Gebet hingab. Als er 15 Jahre alt war, erschien ihm Christus in
einer Lichtvision, um ihn zu trosten nach dem Versuch eines Atheisten,
ihn abzubringen von Gott durch die irrigen Lehren des Darwinismus.'
Der Herr sagte zu ihm: /cA Am &v,s* ZcAen. IFbr <2/7
/WAA u'Av/ /cAe/t, rnrcA we/u? Ai (Joh 11,25).
Nach Abschluss der Grundschule wollte Arsenios nicht aufs
Gymnasium, denn sein Wunsch war, wie der Herr Zimmermann zu
werden. Er lernte das Handwerk bei einem Meister und eroffnete dann
eine eigene Werkstatt, wo er auch Ikonostasen herstellte. Er war ein
geschickter Holzschnitzer, wovon seine spăteren Miniatur-Schnitz-
arbeiten auf dem Heiligen Berg zeugen. Auch in diesem Beruf bewies
er seinen Edelmut. Wenn ihm beispielsweise jemand einen Sârg
beştelite, lieferte er diesen kostenlos, um auf diese Weise den Schmerz
der Familie zu teilen und zu lindern. Was er einnahm, gab grosstenteils
als Almosen weg.
Seine freie Zeit verbrachte er in einem kleinen Landkirchlein, das
der hl. Barbara geweiht war und wo er mit gleichgesinnten Freunden
tăglich den Vesper-Gottesdienst und das Apodipno zu feiem pflegte.
Mit diesen zusammen besuchte er auch Kloster und Altvăter der weiteren
Umgebung. Mehrere dieser Freunde sollten wie er selbst Athos-
Monche werden, darunter Pavlos Zisakis, spăter Abt der Grossen
Lavra, und Kyrillos Manthos, Vorsteher des Kellions Bourazeri.

d. aA (7945-7949)

Im Jahr 1945, als er das Alter von 21 Jahren erreichte, zog man ihn zum
Militărdienst ein und teilte ihn den Ubermittlungstruppen zu, sodass er,
durch Gottes Gnade, bewahrt wurde vor dem Waffendienst. Er diente
als Funker seiner Einheit und zeichnete sich aus durch seinen selbstlo-
sen Einsatz. Damals herrschte in Griechenland Burgerkrieg, und der

' Das heisst die Lehre iiber die angebiich „nattirliche Entstehung der Arten" und mithin
die Seibstentstehung des Universums. Im Licht der neueren wissenschaftiichen
Forschungen uber die DNS (Gen-Code) u.a. wird diese Lehre selbst von Wissen-
schaftem zunehmend angefochten (s. hierzu z.B. Der ^c/nwa/e D/A4 Nr. 28,
Dezember 2006).
270 Aitvater P a ^ io ^ der

Kampf gegen die kommunistischen Partisanen spielte sich im Gebirge


ab. Ofitmals iibemahm er gefahrliche Missionen, um dieseiben anderen
zu ersparen, die Famiiienvăter waren. Todesfurcht war etwas, das er
nicht kannte.
Einmai bei einem schweren Gefecht hatte er sich einen kieinen Un-
terstand gegraben. Da kam ein anderer und bat, ebenfaiis hineinkauem
zu diirfen. Arsenios driickte sich zur Seite, und so fanden beide Piatz.
Bald kam ein dritter, worauf Arsenios ihm seinen Piatz tiberliess und
ins Freie trat. Da kam ein Geschoss und fuhr haarscharf iiber seinen
unbeheimten Kopf hinweg. Er blieb unverietzt, nur sein Haar war wie
wegrasiert auf einem Streifen von 6 cm Breite! „Ich sagte mir: 'Besser,
icA werde getotet ais jener, wofur mich mein Gewissen quăien wiirde
mein Leben iang. Wie konnte ich den Gedanken aushaiten, dass ich ihn
hatte retten konnen und es nicht tat?' Eind naturiich gewăhrt Gott rei-
che Fiiife demjenigen, der sich aufopfert tur die anderen."'
Auch wăhrend seinei* Dienstzeit fuhr er foii mit seiner Askese. Er
fastete und betete, soviel er konnte, denn er war entschiossen, Monch
zu werden. Einer seiner Dienstgefahrten, Pantelis Tsekos, erzăhlte
spăter, wie Arsenios einmai in einem Gefecht, als sie vollig umzingelt
waren von Partisanen, mitten im Kugeiregen stand und mit erhobenen
Ftănden betete, bis die Flugzeuge kamen und sie aus ihrer schiimmen
Lage befreite. Reines der Geschosse hatte ihn getroffen!

Ais Arsenios i 949 aus der Armee entiassen wurde, ging er auf den
Fieiiigen Berg. Er besuchte viele Skiten, Kalyven und Keliien, denn er
sehnte sich nach dem hesychastischen Leben und suchte einen Aitvater,
der ihn auf diesem Weg ftihren konnte. Er fand zwar einen, bei dem er
gem geblieben wăre - Papâ-Kyrillos von der zum Kloster Koutlou-
moussiou gehorenden Skite des Hi. Panteleimon\ nachmais Abt jenes
Klosters. Doch da es hierbei Schwierigkeiten gab, kehrte er einstweiien
nach Konitsa zuriick, dem R uf seines aitemden Vaters folgend, der ihn
um Hiife gebeten hatte. So nahm er fur eine Zeit seine Tătigkeit als
Zimmermann wieder auf, um der Familie zu helfen.

' lEQopovdxou Ioadx, op. cit., S. 67.


^ Siehe Aitvater Paissios der Agiorit,^tĂ07HtMcAe Fater in dt. Ubers.
hrsg. vom HI. Kioster des Evangelisten Johannes des Theologen, Souroti 2007.
7. Leben 27!

tns A/tÂSter (795^-7954) -


7<?MSMr ZM/M /G/SSYt/t/ntr

1950 kehrte Arsenios auf den Heiligen Berg zurtick, und da ihm
Papă-Kyrillos geraten hatte, sich zuerst im Leben zu
uben, trat er ins Kloster Esphigmenou ein, das damais noch nicht von
den Zeloten besetzt war. Es hatte eine gute Ordnung und Văter, die dem
asketischen Kampf zugetan waren. Arsenios gab sich beflissen dem
Gehorsam und den Muhen des Gemeinschaftslebens hin. Er diente im
Tafelsaal und in der Brotbăckerei, was sehr ermudend war, denn der
Teig wurde in grossen Trogen von Hand geknetet. Spăter schickte man
ihn in die Kioster-Schreinerei, und auf eigene Bitte teilte man ihm
uberdies dem Găsteempfang zu. Er war auch verantwortlich fur zwei
Kirchlein ausserhaib des Klosters, wo er tăglich die OHampen richtete
und andere Arbeiten versah. Wenn er fertig war mit allen seinen Diako-
nien, ging er nicht etwa in seine ZeHe, um auszuruhen, sondem half
anderen, die schwach waren, damit sie eher fertig wtirden und ausruhen
konnten.
Nie verliess er sich auf sein eigenes Urteil, sondem befragte dem ti­
ng in aliem seinen Beichtvater, nachdem er zu Gott gebetet hatte, Er
mochte diesen erieuchten, damit er ihn dem gottlichen Willen gemăss
lenke. Er las viei, vor aliem die Heiligenleben, das GerontAon' und
Abba Isaak den Syrer, von dem er sich nie trennte. Soofit er konnte,
besuchte er auch die geisttragenden Greise der Umgebung, um ihren
Segen zu empfangen und ihren Ratschlăgen und Erzăhlungen zuzu-
horen, die er mit seinem reinen Herzen aufnahm, ohne sie in Zweifel
zu ziehen, weshalb er grossen Nutzen gewann daraus/
In jener Zeit cmpfing er auch erste Besuche der gottlichen Gnade,
die ihn mit tiefster Seligkeit erfullten. Doch auch erste Kămpfe mit den
Dămonen hatte er dort auszutragen.
Uber seine Zeit in Esphigmenou sagte er spăter: „Dort war ein Vater,
der mir sehr half. Er sprach uberhaupt nicht. Er empfand das Bedurfhis,
mit Christus zu sprechen, und deshalb brachte er es nicht tibers Herz,
mit den Menschen zu reden. Doch es genugte, ihn auch nur anzu-
sehen... Obwohl die Monche nicht reden, wenn sie sich in einem

' Sammîung der Ausspruche der Wustenvăter Âgyptens des 4. und 5. Jh. Dt. tters'Mu-
geu der Puter, Pauhnus Trier, 5. Aufl. 2002.
^ Uber diese Greise berichtet der Aitvater in seinem Buch ^rAondAcAe kdter, op. cit.
(s. Bibbographie).
272 7 /tvater Je r 7 g;'or;7

sochen Zustand behnden, werden selbst Weltliche bei ihrem Anbiick


verwandelt. Dies ist die wortlose Predigt der Monche.'"
1954 wurde Arsenios im Kloster Esphigmenou unter dem Namen
Averkios zum Rassophor geschoren. Er war nun dreissig Jahre alt.

6. //u A/tAstcr PM/otMoH (7954-795#) -


47o/:c/! r/gs A7<7;;<?H

Im gleichen Jahre ubersiedelte er auf Rat von Papâ-Kyrillos, bei dem


er einige Zeit in der Stille verbrachte, in das damals idiorhythmische
Kloster Philotheou, um sich vermehrt dem Gebet hingeben zu konnen.
Man gab ihm die Diakonie des Vonatsverwalters und betraute ihn mit
der Verteilung der Nahrungs-
mittel an die Văter. Wie in
Esphigmenou zeichnete er
sich auch hier aus durch
seine Sanftmut und die
Selbstlosigkeit, mit der er
den anderen Vătem diente.
Im Sommer 1956 erkrank-
te er auf den Lungen und
wurde zur Therapie nach
Konitsa zuruckgeschickt. Er
blieb 3 Monate dort, und im
folgenden Frrihjahr, Mai
1957, empfîng er in
Philotheou die M onchs-
tonsur des Kleinen Gewands
unter dem Namen Paissios,
nach dem damaligen Metro-
politen Paissios II. von
Casarea, der wie der Alt-
vater aus Fârassa stammte.
Wăhrend seiner Zeit in
Philotheou lemte er weitere heilige Greise kennen, darunter den russi-
schen A ltvater Augustinos und Gero-Petros („Petraki") von
Katounakia, ausserdem einen bedeutenden rumănischen Asketen
namens Papâ-Thanâsi von der Skite Lakkou.

' JeQogovăxor' Ioaâx, op. cit., S. 86-87.


7. Ze&en 273

Damals geschah es, dass Vater Paissios die Aiiheilige Gottesmutter


erschien. Er befand sich am Landesteg des Klosters Iviron und wailete
auf das Motorboot. Erschopft von einer durchwachten Nacht und lăn-
gerem Fasten, war er nahe daran, in Ohnmacht zu fallen. Deshaib ging
ihm der Gedanke durch den Kopf, die Gottesmutter um Hilfe anzuru-
fen, doch sogleich sagte er zu sich selbst: „Du Elender, haben wir denn
die Gottesmutter um des Brotes willen?" Kaum hatte er das gesagt, sah
er die Gottesmutter selbst vor sich, die ihm ein noch warmes Brot und
Trauben reichte! Einer, der dem Altvater zuhorte, als er dies spăter
erzăhlte, ftagtc ihn erstaunt: „Und als du gegessen hattest, Geronta,
blieb dir da der Traubenstil in den Hănden?" „Sowohl der Traubenstil
als auch die Brosamcn", antwortete der Altvater mit Nachdruck.'

7. VfM VtdMMM/; Ar*/ Ad/M'AM (79J#-7962)

Obwohl er immer dringender das Verlangen empfand, sich in die


Wildnis von Katounakia zuruckzuziehen, um sich ausschliesslich dem
Gebet zu widmen, wurde er 1958 in das der Gottesmutter geweihte
Kloster Stomion im Gebirge iiber Kdnitsa gerufen, das durch einen
Brand zerstort worden war, um bei dessen Wiederaufbau zu helfen, vor
aliem aber, um den protestantischen Proselytismus zu bekămpfen, der
sich in jener Gegend auszubreiten begonnen hatte.
Mit Gottes Hilfe gelang es ihm in der Tat, 80 Familien der Umge-
bung, die in die Hăresie gefallen waren, wieder zur Orthodoxie
zuruckzufuhren und die Drahtzieher der hăretischen Organisation aus
der Gegend zu vertreiben. Auch andere Wolfe, die sich in die Herde
Christi eingeschlichen hatten, machten sich davon, als sie von Vater
Paissios als das entlarvt wurden, was sie waren.

& &VH Rgrg VmM/ (7962-7964)

Nachdem er das Kloster Stomion unter grossen Anstrengungen mit


Hilfe der Ortsbevolkerung wieder aufgebaut hatte, ging er 1962 auf den
„von Gott beschrittenen" Berg Sinai. Nach einiger Zeit im Kloster der
HI. Katherina zog er sich in die Einsiedelei der Heiligen Galaktion und

Ebenda, S. H5.
274 ^4/twder der ^4g/ord

Bpistimi nieder, die auf einer Terrasse in der Feiswand ostlich des
Sinai-Kdosters iiegt, eine Wegstunde von diesem entfemt, und aus einem
Kirchlein sowie einer winzigen Zeiie besteht. Hier fand er endlich, was
er sich so iange gewiinscht hatte. rsV Jos Ja r
von J e r
Tagsuber sagte er das Gebet, wăhrend er mit den Hănden seine
Handarbeit, die Holzschnitzerei, verrichtete. Nachts betete er mit der
Gebetsschnur, unter unzăhligen Metanien. Aiie seine Krăfte konzen-
trierte er auf die Askese, ohne jede Ablenkung. Wasser fand er in
einiger Entfemung, wo es aus dem Feisen tropfte - gerade genug fur
seinen eigenen Tagesbedarf
und jenen der Vogel der
Wiiste, die sich hier einzu-
finden pflegten und ihm
Geseilschaft leisteten. Als
Nahrung dienten ihm dtinne
Teigfladen, die er in der
Sonne zu „Brot" trocknete.
Seine Kuchenausrustung
bestand aus einer Konser-
vendose und einem Loffel,
um Tee zu kochen. Damit
wărmte er sich in den eisi-
gen Wustennăchten.
Jeden Samstag oder
jeden zweiten pflegte er ins
Kloster hinabzusteigen, um
am Sonntag an der
Gottlichen Liturgie teilzu-
nehmen und die FU. Myste-
rien zu empfangen, womit
er sich stărkte fur den
K am pf gegen den
Widersacher, der ihn in jener Wusteneinsamkeit heftiger angriff ais je
zuvor. Er nahm auch an gemeinsamen Arbeiten teii und half den Vătem
mit seinem Schreiner-Handwerk. Seine Schnitzarbeiten gab er dem
Kloster, das sie verkaufte, und was er dafur bekam, verteilte er an die
Beduinen. Einige der Văter liessen sich von ihm geistig beraten und

' ParaAd'dAi (7?McA der <S Tone), Stufengesănge des 5. Tons, f Antiphon.
275

schătzten seine Unterscheidungsgabe. Auch der damalige Erzbischof


des Sinai, Porphyrios, achtete ihn und horte auf seine Ratschlăge
beztigiich der Wiederbemannung des Klosters.

A uf dem Sinai eriebte Vater Paissios nicht nur heftigere Anfechtungen


seitens des Widersachers, er empfing auch grossere Gaben der gdttii-
chen Gnade. Er spiirte intensiv die Gegenwart Gottes, und die Gottes-
iiebe ergriff vollig Besitz von ihm, sodass ihn das Gebet seibst im
Schlaf nicht veriiess. „Ich fuhle, dass in mir etwas anderes aufzugliihen
beginnt", schrieb er damals. Im Geist eriebte er die grossen Ereignisse,
die hier auf dem Gottesberg geschehen waren zur Zeit des Propheten
Moses, ais J e r f/c rr uu Fguer Ae/v/AAa/u au/ /Au'.

9. TfucAAcAr au/ r/cu vou /r/ruu,


//964-7967)

Wăhrend er dies gluckselige Leben lebte, verschlechterte sich seine


Gesundheit. Wegen dem hohebedingten Sauerstoffmangel - seine
Einsiedelei lag auf 2000 m Hohe - litt er unter starken Kopfschmerzen,
und mit der Zeit stellte sich Asthma ein, sodass er sich gezwungen sah,
den Sinai zu verlassen. In den Willen Gottes ergeben, kehrte er 1964
auf den Athos zurtick.

Ex 19,18.
276 4 /trate?- Pa&s/o.$ der ^gtor/t

Dort Hess er sich in der Kalyva der HI. Erzengel nieder, die zu der
halb verlassenen Skite des Klosters Iviron gehorte. Sie hatte wie die
anderen Htitten ihr eigenes Kirchlcin fur die tăglichen Gottesdienste,
und am Sonntag versammeiten sich afle Văter zur Goftiichen Liturgie
im der Hauptkirche der Skite. Baid geseilten sich andere
Văter zu ihm, darunter die Priestennonche Basiiios und Grigorios, die
spăter das Kioster Stavronikita wiederbeteben soilten mit Vater Basiiios
als Abt. Um mehr Ruhe zu haben tur das Gebet, băute sich Vater
Paissios in der Năhe einen winzigen Verschlag aus Brettern, in den er
sich oft zuruckzog. Eine Zeitlang versah er auch das Amt des /AWo.s',
d.h. Vorstehers, der Skite von Iviron.
Damals hatte Vater Paissios als Beichtvater den russischen
Priestermonch Papâ-Tychon', den er schon seit seiner Zeit in Esphig-
menou kannte und der in der zum Kioster Stavronikita gehorenden
Kalyva des Kostbaren Kreuzes (Timiou Stavrou) lebte. Dort schor ihn
der Starez am 11. Januar 1966 zum Monch des Grossen Gewands.
Im gleichen Jahr erkrankte Vater Paissios abermals auf den Lungen,
und nach anfanglicher Fehldiagnose auf Tuberkulose und nutzloser
Penicillin-Therapie wurde er Ende 1966, im Alter von 42 Jahren, in
Thessaloniki wegen einem Bronchiengeschwtir operiert, wobei man ihm
die ganze linke Lunge und ein Stuck der rechten entfemte. Fur diese
schwere Operation war viei Blut notig. Dieses spendeten mehrere frorn-
me junge Frauen, die von der Notlage des Vaters gehort hatten. So ent-
stand der erste Kontakt mit jenen, die spăter die Schwesternschaft des
Klosters des HI. Evangelisten Johannes des Theologen bilden soilten.
In der Tat versuchten diese Jungen seit langem, ein Kioster zu
griinden, was ihnen aber bisher nicht gelungen war. Als der Vater genas,
fand er tur diese Gmndung einen geeigneten Ort in Souroti suddstlich
von Thessaloniki und unterstutzte das Grundungswerk in allen seinen
Phasen. Er gab der Schwesternschaft auch die notwendigen geistigen
Richtlinien und blieb bis ans Ende seines Lebens der geistige Vater des
Klosters von Souroti. Spăter betreute er auch das Kioster des Eli.
Johannes des Vorlăufers in Metamorphosis (Chalkidike) und das nahe-
gelegene Kioster des HI. Arsenios von Kappadokien.

' Sein Leben, verfasst von Altvater Paissios, ist enthalten in ^t/?o?;/tAcAe Taier,
op.cit.
7. 7e6ew 277

//: TfafoMMaAva - f/c /tt (7% 7 -/%<*?)

Nach seiner Entlassung aus dem Spital kehrte Vater Paissios in die
Skite von Iviron zuriick und nahm seinen asketischen Kampf wieder
auf. Doch sein Gesundheitszustand erforderte unbedingt einen
Klimawechsel, denn die Umgebung der Skite war sehr feucht. Zudem
empfand er den Wunsch nach grosserer Stille. So siedelte er im Juli
1967 nach Katounakia iiber, in die Felsensiedlung der Eremiten im
sudwestlichen Zipfel der Athos-Halbinsel.
Dort ubemahm er die von der Grossen Lavra abhăngige Kalyva des
HI. Hypatios, bei den sogenannten Wallachischen Kellien, oberhalb der
Danieliden, der Ikonenmaler. Es war eine bescheidene Hritte, ohne
eigenes Kirchlein, doch sehr still. Nicht weit davon befand sich die
Blechhutte, wo Gero-Ephrem der Elende' gelebt hatte. Dorthin zog sich
Vater Paissios oft zuriick, um zu beten, denn der Ort war geheiligt
durch die Kămpfe jenes Altvaters.
In Katounakia gewăhrte ihm der Herr eine grosse Gnade. Eines
Nachts, erzăhlte er spăter, wăhrend er das Gebet sagte, begann ihn eine
himmlische Freude zu erfassen. Gleichzeitig erstrahlte seine dunkle,
nur von einer Kerze erhellte Zelle langsam von einem wunderschonen
weissblăulichen Licht. Das Licht war sehr hell. Er spiirte, wie seine
Augen gestărkt wurden, damit sie diesen Glanz ertragen konnten. Er
blieb viele Stunden in dem Licht und verlor jedes Gefuhl ftir die
irdischen Dinge, er war in einer anderen, einer geistigen Welt, die sehr
verschieden ist von jener hier, der fleischlichen. Als das Licht
schliesslich abzunehmen begann, kam er langsam wieder in seinen
vorherigen Zustand. Nach einer Weile trat der Vater aus seiner Zelle,
und da schien ihm, es sei Nacht, Vollmondnacht. Deshalb ging er zu
seinem Nachbam und sagte zu ihm: „Was geht vor, Bruder? der
Tagesanbruch scheint sich heute zu verzogem. Wieviel Uhr ist es
denn?" Der andere antwortete tiberrascht: „Vater Paissios, was hast du
gesagt? Ich habe dich nicht verstanden." Es war zehn Uhr morgens,
und der „Vollmond" war in Wirklichkeit die Sonne! So hell war das
Ungeschaffene Licht gewesen, dass im Vergleich dazu die Sonne
dunkel schien!

Siehe FăYer, op.cit.


278

77. 7;n Ă^g/Z/o/: 77/M/oM -


77/;;gHHg w n A/ZwZ^ 7yc/:oH f/96<V/9799

Im August 1968, nach


einem Jahr Askese in Ka-
tounakia, tibersiedelte Alt-
vater Paissios ins Kloster
Stavronikita, um den Vă-
tem Basilios und Grigorios
beim W iederaufbau des
fast ganz verlassenen Klo-
sters zu helfen, wie er es
ihnen schon fruher ver-
sprochen hatte. Da es an
Hănden fehlte, half er mit
bei allen Diakonien. Er
torderte die Reorganisation
des Klosters nach dem
System und im
Geist der Heiligen Văter.
Im Sommer desselben
Jahres kam sein geistiger
Vater, der greise Papă-Ty-
chon, in seine letzten Tage.
Er lebte, wie gesagt, im
Kellion Timiou Stavrou,
das zu Stavronikita gehort
und zwischen diesem Kloster und Karyes liegt, in der Gegend von
Kapsâla. Er war dort ganz ohne Hilfe, denn er wollte nicht, dass jemand
bei ihm blieb, um nicht gestort zu werden beim Gebet. Doch am Ende
rief er Vater Paissios zu sich, damit er ihm die letzten Dienste erweise.
In der Biographie von Papâ-Tychon schreibt Vater Paissios: „Jene
letzten 10 Tage, die ich bei ihm blieb, waren fur mich in Wahrheit der
grosste Segen G ottes...'" Der Altvater gab ihm seinen besonderen
Segen und druckte seinen Wunsch aus, dass er sein Nachfolger werde
in dem Kellion. Er entschlief in Frieden am 10. September 1968, und
einige Monate spăter zog Vater Paissios in jenes Kellion ein, wo er fast
elf Jahre lang bleiben solite.

Siehe op. cit.


279

In der Folge erschien ihm Papâ-Tychon mehrere Male, wie er es ihm


versprochen hatte. Auch andere Heilige besuchten ihn dort, unter
anderem die heilige Euphemia', der er besonders verbunden war und
von der er durch die Schwestern in Souroti eine Ikone anfertigen iiess
in der Gestait, in der sie ihm erschien.
Immer hăufiger wurde Vater Paissios nun von Piigem aufgesucht,
die ihn um Rat und Hilfe baten bei ihren Problemen. So begann sein
geistiges Werk als allerbarmender Ftirbitter vor Gott. Viele ersuchten
ihn auch brieflich um Rat, sodass er lange Stunden mit Schreiben
verbrachte. Die Zahi der Besucher nahm so sehr zu, dass er sich mit
dem Gedanken trug, auf den Sinai zuruckzukehren, doch im Gebet
zeigte ihm Gott, dass dies nicht Sein Wille war. So biieb er und steilte
seine eigenen Wunsche zurtick, um den Menschen zu helfen.
Er hatte sein Leben so sehr vereinfacht und den Schiaf so sehr
reduziert, dass er ein Hochstmass an Zeit fand fur das geistige Werk. Er
teiite seine Tage und Năchte zwischen innerem Gebet, Gottesdienst im
Kirchlein des Kellion, Flandwerk und Empfang der Besucher, die er
stets eigenhăndig bewirtete und ihnen ihre innere Biirde abnahm,
sodass sie mit neuer Kraft ihr Leben fortsetzen konnten. Meist gab er
ihnen auch kieine Segensgaben mit, die er selbst herstellte - kleine
Holzikonen und Holzkreuze, die er auf der Presse herstellte, anhand
von stăhlemen Matrizen, die er mit grosser Fertigkeit bearbeitet hatte.
„Er kămpfte mit Dămonen, sprach mit Heiligen, pflegte Umgang mit
den wilden Tieren und lieh seinen geistigen Beistand den Menschen"^,
die ihn notig hatten. Seine Vertrautheit mit den Tieren war erstaunlich,
nicht nur mit Vierbeinem und Vogeln, sondern auch mit Froschen,
Schtangen und anderen. Fur alle betete er, auch fur die Tiere, ja, selbst
fur die Dămonen. Oftmals brachte man Besessene zu ihm, und Gott
erhorte sein Gebet und erloste sie. Auch viele Verblendete kamen, und
fanden dank dem Altvater das Licht Christi wieder.
Mehrmals untemahm er Pilgerfahrten, einmal nach Tinos, wo er die
wundertătige Ikone der Gottesmutter verehrte, von der er bezeugte,
dass sie „zur Gănze lebendig" ist, und 1972, zusammen mit Abt
Basilios, nach seinem Geburtsort Fârassa in Kappadokien und nach
Konstantinopel. 1977 reiste er, abermals mit Abt Basilios, nach
Australien, um auf Einladung der lokalen Hierarchie die Glăubigen dort

' Fest 16. Septemberund 11. Juni.


^ lEQopovctxou lo aax, op.cit., S. 211.
280 P(M.S7'o.s de7* ^gtonY

zu stărken. 1982 schliesslich pilgerte er ins Heilige Land und besuchte


anschliessend den Sinai, wo er jedoch die frtihere Stiile und
Friedlichkeit vermisste, die im Lărm des „Fortschritts" verlorengegan-
gen war, sodass er dort nicht lange blieb.

72. 7/;: 7Vmugud7r; - „gc/sV/gr'r (7979-7992)

Im Mai 1979 wechselte Altvater Paissios abermals seinen Ort und


liess sich im Kathisma Panagouda („Kleine Panagia") des Klosters
Koutloumoussiou nieder, das zwischen Iviron und Karycs in einer
Waldlichtung liegt und ein Kirchlein zu Ehren der Gcbuit der Gottes-

Â77f/:M7HC! Pa7?ago:7<7a

mutter umfasst. Dies solite sein letzter Wohnort auf dem Athos sein. Es
solite auch zur meistbesuchten Stătte des Heiligen Berges werden, so
sehr, dass der Fussweg dahin vollig ausgetreten wurde, und dies auf
zwei Spuren! Der selige Vater wurde zum richtiggehenden „geistigen
Magnctcn", der den Schmerz der Leidenden auf sich zog.
281

Tausende von Menschen jedes Standes fanden hier Heitung von


ihren seelischen und korperlichen Krankheiten, Linderung ihrer
Pein, Losung ihrer Probleme. Gott Hess zu, dass Altvater Paissios, der
Asket und Hesychast,t, der nichts
so sehr liebte wie die Unauffallig- « ^ ... .

keit, liberali beriil mrt wurde,


nicht nur in Grieclnenland, son-
dem in der ganzen orthodoxen
Welt und auch bei A ndersglăubi-
gen, von denen ihn rncht wenige
besuchten und von ihm empfin-
gen, was ihnen not tat. Oftmals
nannte der Altvate * seine Be-
mhmtheit seinen „gri ssten Feind".
Viele kamen auc î nur aus
Neugier, ohne emstl che geistige
Interessen. Doch se bst mit die-
sen wusste er umzm ehen,sodass
ihnen ein innerer Nul ^ n erwuchs.
Eine besondere gei dige Bezie-
hung verband den Mtvater mit
den Jungen, die er liebte wie
seine eigenen Kind<er und von
denen er vielen half, loszukom-
men von Abhăngigkeiten aller Art und ihren Weg zu finden im Leben.
Sie spiirten seine echte Liebe, und deshalb vertrauten sie ihm, gehorch-
ten ihm und verehrten ihn.
Anfanglich hatte der Altvater versucht, sich fur gewisse Zeiten zu-
riickzuziehen von dem nicht abreissenden Besucherstrom, vor aliem
wenn er krank und erschopft war. Im Sommer ging er jeweils fur eini-
ge Stunden in den Wald, um dort zu beten, im Winter schloss er sich in
seine Zelle ein. Doch da sich die Menschen nicht abhalten liessen und
stundenlang warteten, bis er erschien, gab er diese Versuche auf, im
Gedenken an das Gebot des Herrn: AA'-stct, trd.s tct Mein fb//r, Golf
(Is 40,1). Die geistige Kraft, dies alles durchzuhalten und den Schmerz
zu tragen, den sein empfindsames Herz mit den Leidenden litt, gab
ihm, wie er selbst bezeugte, die gottliche Gnade allein. Oftmals wurde
er beim năchtlichen Gebet cn truc kt und blieb viele Stunden lang in
einem himmlischen Zustand. Die Gottesmutter und der Herr selbst
stărkten ihn mit ihrer Erscheinung, und ebenso viele Eleilige.
282 Pa-MiCM d e r T g /o rd

73. M/!^/ Z f ^ a /^ g fn AoHro^/ fZ994f

Mit der Zeit jedoch erschopften sich seine korperlichen Krăfte, und
er begann, an verschiedenen Krankheiten zu ieiden, deren schwerste
ein Dannieiden war, das sich zusehends verschiimmerte, umso mehr,
als er ărzliche Unter-
suchungen und Behand-
iung ablehnte. Er iitt
immer mehr an
Biutungen, und der star-
ke Biutveriust fuhrte
dazu, dass er hăufig
ohnmăchtig wurde. In
den ietzten Jahren
geschah es oft, dass er
mitten im Gottesdienst
zusammenbrach. Doch
kaum war er wieder zu
sich gekommen, stand
er auf und fuhr weiter
mit den Lesungen. Die
Văter, die Zeugen dieses Martyriums wurden, baten ihn, sich doch hin-
zulegen und sich zu schonen, doch fur den Kămpfer Christi konnte von
Selbstschonung keine Rede sein. Den Empfang von Besuchem aller-
dings musste er notgedrungen einschrănken. Er hăngte ein Plakat an
die Tur, mit dem er die Besucher auffbrderte, auf einen Zettel zu schrei-
ben, was sie ihm sagen woiiten, und diesen in den danebenstehenden
Kasten zu werfen. Dem ftigte er hinzu: „Ich werde euch mehr helfen
mit dem Gebet als mit viei Gerede. So werde ich Zeit haben, einer gros-
seren Zahi von Leidenden zu heifen. An diesen Ort bin ich ja gekom­
men, um zu beten, und nicht um den Meister zu spielen."
1993 hatte sich sein Zustand so sehr verschlechtert, dass er aile halbe
Stunden Biutungen hatte. Jede Einnahme von Speisen bereitete ihm
Schwierigkeiten. Damals brachte ihm einer der Văter vom Kloster
Vitamin- und Eisentabletten und suchte ihn zu bewegen, diese
einzunehmen, damit er zu Krăften kăme. Mit seinem ublichen Humor
lehnte er ab und sagte: „So wie es mit mir steht, reicht Eisen nicht mehr
aus, da ist schon Stahl notwendig."
Am 5. November 1993 verliess er den Heiligen Berg zum Ietzten
Mal, um sich ins Kloster des HI. Evangelisten Johannes des Theologen
283

in Souroti zu begeben und dort wie jedes Jahr am 10. November an der
Agrypnie zu Ehren des HI. Arsenios von Kappadokien tcitzunehmcn.'
Dort eriitt er eine akute Verschtimmerung seines Zustands, sodass er
unverziiglich ins Spiţa) eingeliefert werden musste. Die Ârzte steilten
fest, dass er an Darmkrebs )itt, mit Metastasen in Leber und Lunge.
Nach mehrwochiger Strahlentherapie wurde er anfangs Februar 1994
in Thessaloniki operiert. Zur Erhotung brachte man ihn zuruck ins
Kloster Souroti, und im April 1994 wurde er ein zweites Mal operiert.
Seine Ietzten Monate, gekennzeichnet von grossen Schmerzen, die er
jedoch mit Danksagung, Frohmut und seinem ublichen Humor ertrug,
verbrachte er im Kloster Souroti.
Viele kamen, um ihn zu besuchen und seinen Rat zu empfangen.
Oftmals wurde er gefragt: „Geronta, warum bittet ihr Gott nicht, euch
zu heilen, da wir euch doch so notig haben?" Er antwortete: „Wie das?
dtirfen wir denn Gottes spotten? Habe ich selbst Ihn doch gebeten, mir
diese Krankheit zu gcben..." Einem anderen, der ihn um ein letztes
Wort bat, sagte er: „Mochten wir geistigen Edelmut haben, denn damit
erlangen wir Verwandtschaft mit Christus."
Ende Juni horte er auf, Besucher zu empfangen und nachdem er allen
Schwestern seinen Ietzten Segen erteilt hatte, tibergab er am 12. Juli
1994 gegen Mittag seine geheiligte Seele dem Herrn. Er war 70 Jahre
alt. Sein Leib wurde seinem Wunsch gemăss in aller Stille im Kloster
bestattet, wo sein Grab seither eine vielbesuchte Pilgerstătte ist. So
ftigte es das Erbarmen Gottes, damit alle ungehindert Zutritt haben zu
jenem Ort und seinen Segen empfangen konnen, was auf dem Heiligen
Berg nicht moglich gewesen wăre. Auch nach seinem Hingang fahrt
der Altvater fort, die Gebete der Glăubigen vor Gott zu tragen, und
tăglich mehren sich die Wunder, die der Herr durch ihn wirkt.

Seine Reliquien befinden sich in Souroti, wo ihm eine der Kirchen des KJosters
geweiht ist. Altvater Paissios selbst hatte sie 1958 in Kerkyra erhoben und spăter ins
Kloster Souroti gebracht.
284

II. - Lehren'

D/r*

Ţ A e meisten Menschen unserer Zeit sind weltlich gebildet und eden


weltlicher Hochstgeschwindigkeit dahin. Da ihnen jedoch
die Gottesfurcht fehlt - <7<?r OEAAeA A? r/A Gottas'/irrcAt
(Ps ] 10,10) fehlt die Bremse, und so enden sie im Abgrund.

Ţ A ie Menschen sind ratlos und die meisten sehr verwirrt. Sie haben
JL 7die Orientierung verloren... In allen Lăndern siehst du Sturme,
grosse Wogen! Die arme Welt - moge Gott Sich ihrer erbarmen! -
brodelt wie der Schnellkocher. Was tun die Grossen? Sie kochen und
kochen, ades werfen sie in den Schnellkocher, und nun pfeift er.
Binnen kurzem wird das Ventil platzen! Kurzii eh sagte ich zu einem,
der eine hohe Stedung hat: „Warum achtet ihr nicht auf gewisse Dinge?
was wird geschehen?" Er antwortete mir: „Vater, zuerst war das Ubel
wie ein wenig Schnee. Nun ist es zur Lawine geworden. Nur ein
Wunder kann uns helfen."

A /f it der Art und Weise, wie einige den Zustand zu bessern suchen,
IV JLm achen sie die Lawine nur noch grosser. Statt bestimmte
Massnahmen zu ergreifen im Bildungswesen usw., verschlimmern sie
die Dinge.

Ţ eh habe zweifachen Schmerz: Zum einen wenn ich voraussehe, was


-L geschehen wird, und rufe, damit wir einem Ubel zuvorkommen, und
zum anderen wenn sie nicht darauf horen - nicht unbedingt aus
Missachtung - und das Ubel eintritt und sie mich dann um Hilfe bitten.
Nun verstehe ich, was die Propheten zu erdulden hatten. Die grossten
Martyrer waren die Propheten!... Sie riefen und riefen, und die anderen
spotteten. Und wenn die Stunde schlug und Gottes Zom kam deswegen,
litten auch sie zusammen mit jenen.

' Die Lehren von Altvater Paissios sind in vieien Bănden erschienen, vorab in den
bisher 3 Bănden der „Logoi" („Reden"), Fragen und Antworten tiber eine Vieizahl
von Themen, hrsg. vom Kiostcr Souroti, sowie in verschiedenen Sammlungen ande-
rer Herausgeber (siehe Bibtiographie am Ende des Kapitels).
//. Z,e/?/*e 285

Ţ Ţ eute ist die Weit voiier Versicherungen und Riickversicherungen,


JT1L doch da sich die Menschen entfernt haben von Christus, empfinden
sie grosste Verunsicherung. Zu keiner anderen Zeit taten die Menschen
soviel fur die Sicherheit. Doch da ihnen die menschlichen Absicherungen
nicht heifen, beeiien sie sich nun, ins Schiff der Kirche zu steigen, weil
sie sehen, dass das Schiff der Weit versinkt. Wenn sie aber sehen, dass
auch hier ein wenig Wasser eindringt, dass einige Leute vom weltiichen
Geist ergriffen worden sind und ihnen daher der Heiiige Geist fehit,
werden sie enttăuscht sein, weii sie nicht mehr wissen, woran sie sich
festhaiten konnen.

Ţ A ie Weit ieidet, sie hat sich verirrt, und ieider sind aiie Menschen
J-V gezw ungen, in der Hoite dieser Weit zu ieben... Die Menschen
suchen, woran sie sich lehnen, sich festhaiten konnen. Und wenn sie
nicht den Giauben haben, an den sie sich lehnen konnen, wenn sie nicht
auf Gott vertrauen, sodass sie sich zur Gănze ihm iiberiassen, werden
sie schwer gepiagt sein. Eine grosse Sache, das Gottvertrauen!

A Ţ a n fragte den Aitvater: „Warum, Geronta, failen wir so ieicht ins


IV iS c h ie c h te , wăhrend es uns so schwer faiit, das Gute zu tun?" Er
antwortete: „Deshaib, weii zum Guten zuerst der Mensch seibst heifen,
sich bemuhen muss, wăhrend zum Schiechten der Teufei hiift. Ausser-
dem haben die Menschen geringen Hang, das Gute nachzunahmen,
auch an guten Gedanken fehit es ihnen."

Ţ n dem Zustand, in dem sich die Menschen heute befinden, tun sie,
-L was ihnen der Gedanke sagt. Die einen nehmen Tabietten, die
anderen Rauschgift... Hin und wieder tun sich drei, vier zusammen
und machen eine neue Reiigion. Doch vergleichsweise geschieht
wenig, an Verbrechen, Unfaiien und dergleichen. Gott hiift... Gott hat
uns nicht verlassen. Die heutige Weit halt der Gute Gott mit Seinen
beiden Hănden. Friiher hieit Er sie nur mit einer Hand. Heutzutage,
inmitten aii der unzăhiigen Gefahren, in denen der Mensch iebt, behiitet
ihn Gott wie die Mutter ihr kieines Kind, wenn es eben gehen lemt.
Christus, die Gottesmutter, die Heiiigen heifen uns sehr heutzutage,
doch wir begreifen es nicht...
286

Ţ Ţ Tie seht* hasst der Teufel die menschliche Gattung und will sie zum
W Verschwinden bringen! Und wir vergessen, mit wem wir ringen.
Wenn ihr wtisstet, wievieie Male der Teufei die Erde mit seinem
Schwanz umschiungen hat, um sie zu vemichten! Doch Gott iăsst ihn
nicht gewăhren. Er hintertreibt seine Plane. Das Bose, das das
Bocklein' zu tun vorhat, macht Gott nutzbar, um viei Gutes zu wirken.
Der Teufel pfliigt jetzt, doch letztlich wird es ChrisEts sein, Der sat.

ott Iăsst zu, dass nun eine starke Erschutterung geschehen wird. Es
v J k o m m e n schwierige Jahre... Nehmen wir das emst, leben wir auf
geistige Weise. Die Umstănde zwingen uns und werden uns zwingen,
geistige Arbeit zu leisten. Doch es ist gut, dass wir dies mit Freude und
freiwillig tun, nicht aus Drangsal, notgedrungen. Viele Heilige hătten
sich gewunscht, in unserer Zeit zu leben, um zu kăm pfen... Freuen wir
uns, dass uns heute diese Gelegenheit gegeben wird. Der Lohn ist sehr
gross...

Ţ etzt kămpfen wir nicht mehr, um die Heimat zu schutzen oder um zu


J verhindern, dass die Barbaren uns die Hăuser niederbrennen oder
uns unsere Schwester wegnehmen und uns entehren, noch auch kămpfen
wir fur ein Volk oder eine Ideologie. Jetzt kămpfen wir entweder fur
Christus oder far den Teufel. Fiare Front... Wir werden Iurchterregende
Dinge sehen. Es werden geistige Schlachten ausgetragen werden. Die
Heiligen werden sich weiter heiligen, die Unsauberen werden sich
weiter beflecken (s. Offb 22,11).

Ţ I ' inen Trost empEnde ich bei alledem: Es ist ein Gewittersturm (der
J —/ vorubergehen wird), und der Kampf ist von Wert, denn nun haben
wir als Gegner nicht Ali-Pasha oder Hitler oder Mussolini, sondem den
Teufel selbst. Deshalb werden wir himmlischen Lohn empfangen.
Moge Gott als Guter Gott das Bose zum Guten wenden. AmcnJ

' Dieses Wort gibt den griech. Ausdruck layxa/.dxL. wieder, mit dem der Altvater den
Teufei oft bezeichnete.
^ Aus: Tepovrog fiato to u Aytoupetro'u, Aoyot A', S. 25-40.
287

T ^ \a s Schlimme ist, dass heute, da die Stinde zur Mode geworden ist,
i^ 7 d ie Menschen einen, der nicht dem Strom der Epoche foigt, der
nicht stindigt und ein wenig fromm ist, als rtickstăndig, als zuruckge-
blieben bezeichnen. Sie halten es tur eine Heraustorderung, wenn einer
nicht stindigt, und die Stinde halten sie tur Fortschritt. Dies ist das
Schlimmste von aliem. Wenn die heutigen Menschen, die in der Stinde
leben, dies zumindest anerkennten, wtirde sich Gott ihrer erbarmen.
Doch sie rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist, und lobpreisen
die Stinde. Dies ist die grosste Blasphemie gegen den Heiligen Geist -
dass sie die Stinde als Fortschritt betrachten und den Sauberen als
rtickstăndig bezeichnen. Deshalb haben jene, die in der Welt kămpfen
und ein sauberes Leben tîihren, grossen Lohn, grossen Wert.

Das Canassaa

Las die Menschen auch tun, selbst wenn sie gefuhllos sind, sie
W tînden keine Ruhe. Sie mogen rechtfertigen, was nicht zu
rechtfertigen ist, doch innerlich sind sie gequălt, geăngstigt. Deshalb
suchen sie Zerstreuung, eilen in die Disco, betrinken sich, sehen
stundenlang fem. Anders gesagt, sie bummeln umher, um zu vergessen,
denn sie empfinden die innere Anklage. Selbst wenn sie schlafen -
glaubst du, sie ruhen? Es gibt, siehst du, das Gewissen.

T ^ \ie erste Heilige Schrift, die Gott den Ersterschaffenen gab, ist das
J -V Gewissen, und wir empfangen sie in Photokopie von unseren
Eltem. So sehr einer sein Gewissen auch niedertreten mag, er wird
doch innerlich angeklagt von ihm. Deshalb sagt das Sprichwort: „Der
Holzwurm zernagt ihn." Ja, es gibt keine glucklichere Sache als ein
sauberes Gewissen. Es gibt dem Menschen Fltigel, und er fliegt.

Cattas Aa/m sac/mn

Ţ e mehr sich einer von Gott entfemt, um so schwieriger werden die


J Dinge. Es kann sein, dass ein Mensch nichts besitzt, doch wenn er
Gott hat, fehlt ihm nichts. Das ist es! Doch wenn er alles besitzt und
Gott nicht hat, ist er innerlich gequălt. Deshalb soli jeder sich Gott
năhem, soviel er kann. Nur in Gottes Năhe findet der Mensch wahre
und ewige Freude.
288

7enn die Menschen nicht ihren Sinn ăndern, wenn sie nicht
VV umkehren zu Gott, veriieren sie das ewige Leben. Dem
Menschen muss gehoifen werden, den tieferen Sinn des Lebens zu
flihien, wieder zu sich zu kommen, damit er den gottiichen Trost
empfmden kann. Das Ziel ist, dass der Mensch geistig aufsteigt, nicht
bioss, dass er nicht sundigt.'

Dm se*/^st fGJr'/'snr/mr r/m T/fr

T T e u t e gibt es in der Weit viei Besessenheit. Der Teufei ist am


-TT-Dreschen, denn die heutigen Menschen haben ihm viele Rechte
eingerăumt und empfangen nun furchterregende dămonische Einwir-
kungen. Jemand sagte richtig: „Frtiher gab sich der Teufei mit den
Menschen ab, heute nicht mehr. Er hat sie auf seine Bahn gesetzt und
ihnen gute Reise gewiinscht, und nun ziehen die Menschen dahin!"

hristus hat dem Teufei die Macht genommen, Boses zu tun. Nur
dann, wenn der Mensch seibst ihm Rechte einrăumt tiber sich, kann
er Boses tun. Wenn einer nicht teiinimmt an den Mysterien der Kirche,
răurnt er dem Versucher Rechte ein und empfangt dămonische Einflusse.

A /f an fragte den Altvater: „Geronta, wie anders noch răurnt man ihm
i V J , Rechte ein?" Er antwortete: „Mit Logik\ Widerrede, Zwăngen,
Eigenwiilen, Ungehorsam, Frechheit. Diese sind Eigenschaften des
Teufeis. In dem Masse, wie ein Mensch diese hat, empfangt er einen
Einfiuss von aussen. Doch wenn er seine Seele lăutert von diesen,
nimmt der Heiiige Geist Wohnung in ihm und schenkt ihm Seine
Gnade.

Ţ eider woiien die Menschen unserer Epoche ihre Leidenschaften,


- L / ihren Eigenwiilen nicht beschneiden, sie nehmen keinen Rat an.
Deshaib reden sie mit Dreistigkeit und vertreiben die Gnade Gottes.
Wo sich der Mensch dann auch befindet, vermag er keinen Fortschritt
zu machen, weil er dămonische Einflusse annimmt. Er hat bereits die
Kontroiie liber sich seibst verioren, denn der Teufei lenkt ihn von
aussen h er...

' Ebenda, S. 44-50.


^ D.h. die Rechthaberei des oberflăchiichen Verstandes, die der geistigen Unwissen-
heit entspringt.
7/. L<?/?/'<? 289

eue und Beichte heben die Rechte des Teufels au f... Uber einen,
-LV der Glauben hat, zur Kirche geht, beichtet und kommuniziert, hat
der Teufei keineriei Macht, keinerlei Kraft. Er kann nur ein wenig
klăffen, wie ein Hund ohne Zăhne. Doch uber einen, der nicht giaubt
und ihm Rechte einrăumt, hat er grosse Macht. Er kann ihn zerreissen.'

Ţ ^ \e r grosste Feind der Seele, grosser noch als der Teufei, ist der welt-
J-V liche Geist, denn er verfuhrt uns auf sfisse Weise und macht uns
schiiessiich bitter in Ewigkeit... Die Menschen haben die „Welt" (das
N ichtige) eingeiassen in ihr Inneres und Christus aus sich
vertrieben.

T ^ e r weitiiche Geist dringt nach und nach ein, wie der Igei in das
J-V N est des Hasen: Am Anfang bat der Igei den Hasen, seinen K opf
ein wenig hereinstrecken zu durfcn, weii es regnete. Danach steckte er
ein Bein hinein, dann das andere und schiiessiich war er ganz drin und
drăngte mit seinen Stachein den Hasen hinaus. So fangt auch uns die
weitiiche Gesinnung mit kieinen Zugestăndnissen, bis sie nach und
nach alie Macht gewinnt uber uns.

e Heiiigen Văter machten die Wuste zur geistigen Stadt, und wir
1 -^ h e u te machen sie zur weitlichen Stadt.

T ^ \a s Wichtigste heute ist, sich nicht anzupassen an diesen weitlichen


-L v Geist. Auch das ist ein Zeugnis fur Christus. Lassen wir uns nicht
irreleiten durch diese Stromung, bemuhen wir uns darum, soviel wir
konnen.

Ţ ^ \ie klugen Fische lassen sich nicht fangen. Sie sehen den Koder,
J-^b eg reifen , was er ist, und entfemen sich. Die anderen sehen ihn
und sturzen sich darauf und tak! schon sind sie gefangen. So hat auch
die Welt ihre Koder und fangt die Menschen.

Ebenda, S. 51-54.
290 fa,s,s7'o.s' <r/<?r Ag;'o/';7

Ţ " \ie weltliche Gesinnung ist eine Krankheit. So wie man sich vor
J-V leiblichen Krankheiten schtitzt, soli man sich auch schiitzen vor der
weitiichen Gesinnung, wo immer man sie findet. Entfernen wir uns vom
Geist der weitiichen Entwicklung, damit wir uns geistig entwickeln
konnen, geistig gesunden und uns auf engelhafte Weise fieuen.'

E/sgrng AA^rz^n

" T \ a die menschlichen Erleichterungen die Grenzen uberschritten


J-V haben, sind sie zu Erschwerungen geworden. Die Maschinen
vervielfaltigten sich, es vervielfaltigte sich auch die Ablenkung, der
Mensch selbst wurde zur Maschine, und jetzt wird er von den
Maschinen und vom Eisen kommandiert. Deshalb sind auch die Herzen
der Menschen eisem geworden...

A/cA HM;/gn P/ntz r/g.s HM^/vn stg//gM

Ţ ^ \a m it einer zu Gott beten kann, muss er entsprechende Vorarbeit


J-V geleistet haben, das heisst, wir mussen uns an den Platz des
anderen stellen, der leidet, und seinen Schmerz zu unserem Schmerz
machen. So wird das Herz weich, und Gott erhort das Gebet des
Herzens.

E/H/HcAgr /gA^M

Ţ e mehr sich die Menschen entfernen vom naturlichen, einfachen


J Leben und fortschreiten im Luxus, desto mehr wăchst auch die
menschliche Angst. Und je mehr sie sich von Gott entfernen, umso
weniger fînden sie Ruhe irgendwo. Deshalb kreisen sie voller Unruhe
sogar um den Mond, denn der ganze Planet reicht nicht aus, um ihre
grosse Unruhe zu fassenA

ott will, dass die Seele einfach ist, ohne viele Gedanken und
v J Wissen. Dass sie wie ein kleines Kind ist, das alles von seinen
Eltem erwartet. Deshalb hat der Herr gesagt: 1%/?// /Ar ///cAt werJet w/e
J/'e Ăi/7/Agg Ad7///t /Ar ///'cAt e/rgcAe// /'//.s* Re/'cA /fer A/Au/z/e/ (Mt 18,3).

' Ebenda, S. 70-84.


i Ebenda, S. 143 und 157.
77. 7,eAre 291

FAvcA r/c.s

Ţ ch habe gesehen, dass es zum Verderb des Menschen fuhrt, wenn er


JL ades im Uberfluss hat. Dann spfirt er schwerhch die Gegenwart
Gottes und Seine Wohltaten. Wilist du jemanden entfernen von Gott?
Dann gib ihm stăndig materielie Giiter im Uberfluss, und er wird Gott
und alies andere vergessen. Dies wurde mir an mir selbst bewusst, ais
ich jtinger war. Als ich auf dem Sinai war, hatte ich kein Wasser an dem
Ort, wo ich wohnte. Ich musste eine weite Strecke gehen bis zu einem
Felsen, wo Wasser heraustropfeite. Dort steilte ich meinen Krug hin
und wartete etwa eine Stunde, bis er sich gefullt hatte. Jeden Tag betete
ich zu Gott, Er mochte das Wasser weiter tropfeln lassen, und jeden Tag
dankte ich Ihm dafur, dass ich wiederum meinen Krug fullen konnte.
Als ich den Sinai veriiess und in die Skite Iviron ging, fand ich dort
Wasser im Uberfluss. Es stromte in grossen Mengen ohne Unterlass.
Da spurte ich, wie sich in mir nach und nach ein anderer Zustand
bildete... Ich vergass, dass das Wasser ein Geschenk Gottes ist und
dass ich Ihm dafur danken muss. So geschieht es mit allen Dingen.

Ţ ^ e s h a lb , wenn uns irgendeine Schwierigkeit trifft, sollen wir uns


J -v n ic h t ărgern dariiber, sondem vielmehr begreifen, dass Gott uns
auf diese Weise năher zu Sich bringt und uns bewusst macht, dass Er
es ist, Der uns alies verschafft.

/)/<?

ott ist gut, und da Er gut ist, sieht Er vor und sorgt fur alle Seine
Geschopfe. Im iibrigen sorgen ja selbst die Menschen - und auch
die vemunftlosen Tiere - von Natur aus fur ihre Kinder. Wer nicht sorgt
fur sie, gilt als schlecht. Da Gott zudem allweise ist, sorgt Er fur die
ganze Schopfung auf die allerbeste Weise. Wenn wir auf die Werke der
gottlichen Vorsehung achten, konnen wir uns nur verwundern liber die
Gute Gottes und miissen Ihn verherrlichen. Wir mussen alle Werke der
gottlichen Vorsehung annehmen, ohne sie zu untersuchen, seibst wenn
sie uns zuweilen ungerecht und unverstăndlich erscheint.

T l i 7*enn einer einfach und in demutiger Gesinnung lebt und jede


V V Sorge fur sich selbst vertrauensvoll Gott fiberlăsst, iiberschattet
ihn die gottliche Vorsehung und das gottliche Erbarmen.
292 /t/fr a ie r Pa.S'.s;'o,S' J e r ^g;'or;7

l ^ \ e r Altvater", bezeugt ein Monch, der ihn oft um Rat bat, „mahn-
^ ^ J ^ t e uns immer, gute Gedanken zu haben. Er sagte uns aber auch,
dass unser Ziel sich nicht hierin erschopft, das heisst, im Haben von
guten Gedanken, denn auch von diesen muss sich unsere Seele ietztiich
reinigen, sodass sie von aliem entblosst und nur noch mit der gottlichen
Gnade bekleidet ist, die wir bei der Heiligen Taufe als Geschenk emp-
fangen haben. 'Dies ist das Ziel', pflegte er uns zu sagen, 'dass sich
unser Geist' zur Gănze der gdttlichen Gnade unterordnet. Christus ver-
langt von uns nur dies - die Demut. Alles andere wirkt danach die gott-
liche Gnade.'"

Ţ ^ \ie Gedanken sind wie Flugzeuge, die in der Luft dahinfliegen.


J-V Wenn du nicht darauf achtest, gibt es kein Problem. Worauf wir
achten mrissen ist, dass wir nicht in uns Flugplătze bauen, sodass sie
landen!

in Monch ging zu Altvater Paissios und fragte ihn:


- Geronta, was ist jenes Besondere, das unsere Heiligen haben und
das sie unterscheidet von den anderen Menschen, sodass sie die
gottliche Gnade empfangen?
Der Altvater erwiderte:
- Unsere Heiligen hatten goW/icAe GerecMgAezf und nicht menschliche.
Der Monch fragte wiederum:
- Und was ist gottliche Gerechtigkeit?
Der Altvater antwortete:
- Nehmen wir an, zwei Menschen setzen sich zu Tisch, um zu essen.
Vor sich haben sie einen Teller mit zehn Aprikosen. Wenn der eine aus
GenuBlust und ESsucht sieben davon isst und dem anderen drei
ubriglăsst, dann hat er eine Ungerechtigkeit begangen und dem anderen
Unrecht getan. Das also ist das
Wenn er sich aber sagt - 'hier sind wir zwei, Aprikosen hat es zehn,
also gehoren jedem von uns funf', und funf davon isst, wăhrend er dem
anderen funf ubriglăsst, dann hat er menschliches Recht angewandt

gr. vouţ.
//. Lc/i/'g 293

und hat foigiich wa/rscA/icAe GeracAhg^eh. Oft eilen wir zu den


Gerichten, um uns dieses menschliche Recht zu verschaffcn.
Wenn aber jener Mann sieht, dass der Bruder gem Aprikosen isst,
und deshaib vorgibt, dass er selbst Aprikosen nicht mag, nur eine
einzige isst um des Gedankens wihen und zum Bruder sagt: „Bruder,
iss du die anderen Aprikosen, denn ich mag sie nicht besonders, und sie
tun mir nicht gut, deshaib esse ich iieber keine mehr", dann hat er
gott/AV?e bewiesen, kraft welcher er es vorzieht, vom
menschiichen Standpunkt gesehen Unrecht zu erleiden. Er wird
indessen beiohnt mit der gottiichen Gnade, und dies tiber das Mass
seines Opfers hinaus. Er empfangt gieichsam „einen Sack voii"
gottlicher Gnade.

Ţ e geistiger ein Mensch ist, desto weniger Rechte hat er in diesem


J Leben. Ein wirkiich geistiger Mensch hat keineriei Recht in diesem
Leben. Er ist verpfiichtet zur Geduid und zum Ertragen von Einrecht.
Seine Rechte bewahrt ihm Gott tur das andere Leben.

Ţ ^ \ie menschliche Gerechtigkeit hat keineriei Bedeutung tur einen


J-v g e istig en Menschen. Sie ist bioss eine Bremse tur die ungerechten
Menschen.'

/z/r /Z/h A/////Za /Za.s ZZ/7//Zars

Q tchon ais junger Monch, wenn er jemanden in Sunde faiien oder


kJungiăubig und ohne Reue sah, pfiegte sich Vater Paissios zu sagen:
„Ich bin schuid daran, dass der Bruder sich in diesem Zustand befindet,
denn tăte ich selbst aii das, was Christus wiii, wtirde Er mein Gebet
erhoren, und so wăre der Bruder nicht in diesem Zustand. Nun aber
bieibt er darin wegen meiner eigenen erbărmiichen Verfassung."
So machte er das Problem seiner Mitmenschen zu seinem eigenen
und betete unablăssig zu Gott, damit Er der ganzen Weit heite, die,
gemăss seiner demutigen Anschauung, auf Grund seiner eigenen
Nachiăssigkeit und geistigen Trăgheit ieidet.

KXetiou [MO.vvL&i, Frpovnxd ro a 20on anuvog, S. 278.


294 /}/W a /er Pa.s.s'fo.s* J e r

u/tt/ EfocAA^rzrgA^A A! u//c/u

A Itvater Paissios betonte stets, dass alles, was einer tut, nur dann
YA-W ert hat, wenn es in hochherziger Gesinnung getan wird. Er
ermahnte alte, mit Hochherzigkeit zu kămpfen und nicht aus
Eigennutz. Seibst den Giauben an Christus wolite er auf Edeimut und
Hochherzigkeit' gcgrundet sehen. Er sagte oft:
- Jener, der nach Wundern veriangt, um an Gott zu giauben und ihn zu
iieben, hat keinen Edeimut. Wenn Gott wiii, kann Er in Sekunden auf
ubematuriiche Art bewirken, dass aile Menschen giauben. Doch Er tut
es nicht, weil Er damit der Freiheit des Menschen Gewait antun wrirde.
So wrirde der Mensch an Gott giauben nicht aus hochherziger
Gesinnung, Seiner unfassbaren Gutheit wegen, sondem wegen Seiner
ubematurlichen Macht. Fur Gott aber ist von Wert und zăhlt dieses:
dass der Mensch Gott aliem deswegen liebt, weii Er gut ist.

A us Liebe wurde unser Christus Mensch, iiess Er sich beschămen,


VA.anspucken, schlagen, entblossen und unter Vergiessen Seines
Biutes ans Kreuz schlagen. Mit alledem zeigt Er aufs deutlichste jedem
von uns, dass Er die wahre Liebe ist. Deswegen, weil Gott Jie ZtcAe At
(1 Joh 4,8), und von daher allein sollen wir bewegt werden, Ihn zu
Iieben und an Ihn zu giauben, dass Er unser Gott ist, r/c/t/t E r fst gut,
MMO? ou.vser f/uu ke/t/te/t wir keinen ort/crerd

T ^ e r gute Christ tut das Gute nicht zu irgendeinem eigennutzigen


J-V Z w eck, zum Beispiel, um Belohnung oder einen Kranz zu
empfangen datrir, oder um nicht in die Holle zu kommen oder um ins
Paradies zu kommen. Er tut es allein deshalb, weil er es liebt und es

' Mit „Edeimut" ist hier ctQxovrtă iibersetzt, mit „Hochherzigkeit" tptkoitpo - zwei
Begrifte, die Altvater Paissios sehr oft gebrauchte. Das erstere konnte auch mit
„Herzensadel" oder „Seelenadel" wiedergegeben werden, das zweite mit „Uneigen-
niitzigkeit" oder „Selbstlosigkeit", doch fehlen den beiden letzteren Begriffen einige
Aspekte von (prÂditpo, so wie der Altvater das Wort gebraucht: .ghAdituo ist die
chrwurdige Essenz der Gutheit, die uberaus dankbare Liebe, die ganz Gutheit und
Demut ist. Es ist die gelăuterte Liebe des demutigen Menschen, der in aliem, was er
tut, sich seibst vollig aus dem Spiel lăsst und dessen Herz erttillt ist von geistigem
Feingcfitil 1, von Empfrndsamkeit und Dankbarkeit gegenuber Gott und dem Bilde
Gottes, seinen Mitmenschen." (Aoyot E', S. 255)
^ S. Ps 135,1 und das GebetDie^M/ers'feAMMg CGisA das wir im sonntăg-
lichen Orthros nach der Lesung des Evangeliums sagen.
77. 7e/?re 295

dem Bosen vorzieht. Aiies weitere ist die natiirliche Folge des Guten
und kommt in seine Seele, ohne dass er es begehrt hat. Nur so trăgt das
Gute den Stempel des Edeimuts. Ailes andere basiert auf dem Typikon
des Krămergeists, „was gibst du mir, wenn ich dies tue?" oder „ich tue
dieses, gib mir jenes".

7 ieie reden iiber die Liebe (wie ich seibst), doch wir wissen nicht,
V wieviele Karate unsere Liebe hat. Woiite uns Christus prufen,
damit jeder von uns begreift, welchen Wert unsere Liebe hat, und
wiirde zu uns sagen: „Meine Kinder, das Paradies ist voii, Ich habe
keinen Platz mehr fur euch darin", so wurden einige von uns mit
Unverschămtheit entgegnen: „Und warum hast du uns das nicht schon
fruher gesagt?" Andere wurden sogieich wegeilen, um keine Minute zu
veriieren, und sich in die Zerstreuung sturzen, von Christus aber nicht
einmai mehr reden horen woiien. Doch die hochherzigen Kinder Gottes
wurden ehrerbietig sagen: „Sei ubcrhaupt nicht bekummert unser-
wegen. Es gentigt uns, dass das Paradies voii geworden ist. Das macht
uns so giuckiich, ais ob wir seibst im Paradies wăren!" Dann wiirdem
sie frohgemut foilfahren wie bisher mit ihren hochherzigen geistigen
Kămpfen, um Dessen willen, Den sie mit wahrer Liebe iieben.'

Ţ ăuterung der Seeie, gottliche Gerechtigkeit, Demut, Liebe,


Gehorsam, Gebet, Besitziosigkeit und alle anderen Tugenden sind
ein und dasseibe Ding. Christus wiii, dass wir im Eigenwiiien uberail
„Nuii" verbuchen.

Ţ ăuterung der Seeie bedeutet deren Lăuterung und Reinheit von


aiiem eigenen Woiien. Gottiiche Gerechtigkeit bedeutet Aufgabe
unseres Wiilens zugunsten des gottiichen Wiliens. Demut bedeutet,
unseren eigenen W iiien herabzusetzen und den W iiien Gottes
aufzurichten. Gehorsam bedeutet, keinen Eigenwiiien zu haben,
weshalb du dem Wiiien des anderen gehorchst. Gebet bedeutet, dass du

' repovroţ IlaYotou Ay^opetiou, Souroti 1994, S. 204.


296

deinen Geist von aH deinem viellaltigen Wollen lost und ihn aHein zu
Gott hin lenkst. So siehst du, dass die Ubung jedwelcher Tugend dich
zum selben Ergebnis fuhrt - zur Reinigung und zur Ausmerzung deines
eigenen Willens. Erst dann kann der Mensch vorankommen und
Nutzen Enden, wenn er seinen eigenen Wiilen auf Nuli reduzieE hat.
Es ist wie das, was die Amerikaner tun, wenn sie eine Rakete in den
Weitraum schiessen. Sie zăhien i 0,9,8,7,... 1,0 und wenn sie bei Nuli
angekommen sind, erfolgt die Zrindung und die Rakete steigt. Das
gleiche geschieht mit der Seele, wenn sie anfangt, ihr vielfaches
Wollen zu verringem und sich zu reinigen. Wenn sie den Nullstand
erreicht und keinerlei Eigenwillen mehr hat, steigt sie auf!

A ^ it der Heiligen Taufe kam die Gnade Christi in unsere Seele, und
I V i dieses Geschenk ist tur alte dasselbe. Oftmals aber meinen wir,
dass Gott einern Heiligen mehr Gnadengaben gegeben habe. Das ist ein
Irrtum. Christus liebt alle Seine Kinder im selben Mass. Doch nicht alle
Seine Kinder haben das gleiche Mass an Hochherzigkeit. Wenn ein
Mensch sehr hochherzig ist und glaubt, dass die Gnade Christi seit der
Heiligen Taufe in unserer Seele wohnt, und deshalb seinen Wiilen
zuriicksetzt, damit die Gnade wirken moge, dann meinen wir, weil die
Gnade in dieser Seele wirkt, dass Gott ihr mehr Gnadengaben
geschenkt habe. Die Wahrheit aber ist, dass diese Seele grosse Liebe
hat zu Christus und Ihn dank ihrer Demiitigkeit in sich wirken lăsst.

Ţ Ţ ns fehlt nichts von dem, was die Heiligen Apostel hatten. Jene
L J hatten den Herm leibhaftig bei sich, und Er half ihnen, doch auch
wir haben Ihn von klein auf, kraft der Gnade der Heiligen Taufe, in
unserer Seele.

Dm r/cr

Ţ"Aen meisten Menschen heute ist die Freude der Selbstaufopferung


J-V unbekannt, und sie mogen keine Anstrengung. Faulheit, Bequem-
lichkeit und viei Komfort ist zur Regel geworden. Selbstlosigkeit,
Aufopferung fur andere fehlen. Sie halten es fur eine prăchtige
Leistung, wenn ihnen etwas ohne Mtihe gelingt, wenn es so geht, wie
es ihnen angenehm ist. Sie ireuen sich nicht, wenn etwas nicht leicht
ist. Betrachteten sie jedoch die Dinge aus geistiger Sicht, mrissten sie
sich eben dann freuen, weil ihnen damit die Gelegenheit zum Kampf
geboten wird.
297

lucklicherweise gibt es auch Ausnahmen. Ein Jungling von Chal-


v J kidike legte in drei Schuien Examen ab und bestand sie aiie, in
einer ais erster, in einer anderen ais zweiter. Doch es verschaffte ihm
grosseren Frieden, irgendwo eine Arbeit zu finden, um seinem Vater,
der Grubenarbeiter war, das Leben zu erleichtem. So verzichtete er auf
ein Studium und ging arbeiten. Eine soiche Seeie ist fur mich Medizin.'

T J inige Jugendliche von einer christiichen Organisation kamen zu


J —/m ir in die Kalyva und riefen volt Seibstvertrauen: „Wir haben
niemanden notig, wir werden unseren Weg alieine Enden!" Wer weiss?
Sie hatten woht Zwănge erlitten und waren deshaib irgendwie
rebellisch geworden. Ais sie aufbrachen, um wegzugehen, fragten sie
mich, wie sie auf den offentlichen Weg zurtickgelangten, um nach
Iviron zu wandern. „In welche Richtung mussen wir gehen?"
„Menschenskinder", sagte ich zu ihnen, „ihr habt doch gesagt, dass ihr
euren Weg selbst finden werdet und dass ihr niemanden braucht. Habt
ihr das nicht gesagt vorhin? Wenn ihr diesen Weg hier verpasst, wird
euch nicht viei geschehen, weiter unten wird sich schon jemand finden,
der euch sagen wird: 'H ier gehf s lang.' Doch den Weg nach oben, zum
Himmel, wie werdet ihr ihn alieine finden, ohne Fiihrer?" Da sagte
einer von ihnen: „Fast scheint, ais hătte der Gerontas recht."

/?/W; /; (Wsyr/i/hM g

Ţ " \e r Altvater erzăhlte tiber einen Aufenthalt in Souroti:


J -V - Heute kamen drei, vier Studentinnen und sagten zu mir:
„Geronta, betet dafur, dass wir die Prufungen bcstchcn." Ich antwortete
ihnen: „Ich werde darum beten, dass ihr die Reinheitsprufung besteht.
Das ist das Wichtigste. Danach wird sich alles andere von selbst erge-
bcn."... Eine grosse Sache heute, wenn du in den Gesichtem der Jungen
Bescheidenheit und Reinheit siehst. Eine grosse SacheP

'A o y o tA ', S. 237-238.


i Ebenda, S, 250-251.
298 /G v a fs r Pa.s,S70.S' J e r

Gc/.st/vg M/AvoA^H

IV " urzlich kam einer zu mir, um sich den Segen zu hoten fur das
J\^ .S tu d iu m der Liturgik in Italien und die Verfassung einer
Doktorarbeit. „Du bist woht nicht recht bei Trost", sagte ich zu ihm.
„Du willst zu den Jesuiten gehen, um deine Doktorarbeit schreiben,
und kommst riberdies hierher, damit ich dir den Segen gebe dazu?"
Diese Leute wissen nicht, was ihnen geschieht! Dort lehren Uniaten,
Jesuiten, und was? Hier ist Vorsicht geboten in jeder Hinsicht. Sie
gehen und studieren in Engiand, Frankreich usw., erwischen die
europăischen Mikroben und schreiben dann eine Doktorarbeit. Sie
studieren z.B. die Griechischen Kirchenvăter in der Ubersetzung der
Fremden in deren Sprache, und da jene den Sinn nicht richtig wieder-
zugeben vermochten oder aus Hinterlist nicht richtig wiedergeben
woilten, mischten sie darunter ihre eigenen irrigen Meinungen. Und
unsere Feute wiederum, die Orthodoxen, die die fremden Sprachen
erlemen, erwischen von daher die fremden Mikroben und bringen sie
hierher, und danach lehren sie sie sogar. Fur einen, der sich vorsieht, ist
es selbstverstăndlich leicht, das Gold vom Blech zu unterscheiden.'

Follten die Menschen die Geschwindigkeit ihres Denkens etwas


W bremsen, wăre ihr K opf besser ausgeruht und die gottliche Gnade
wurde sich ihnen leichter năhem. Wissen ohne Erleuchtung wirkt
Unheil. Wenn einer an sich selbst geistige Arbeit leistet, wenn er
kămpft, wird er von Gott erleuchtet. Dann hat er gottliche Erleuchtung,
gottliche Erfahrungen und nicht eigene Gedanken. Deshalb auch sieht
er w eit... Der leiblichen Augen sind zwei, doch der geistigen sind
viele.

Ţ eider hat der westliche Rationalismus auch auf die orthodoxen


J-^/Fuhrer des Ostens eingewirkt und so bcfindcn sie sich nur dem
Feibe nach im Osten, in der Orthodoxen Kirche Christi, wăhrend sie

Ebenda, S. 296.
299

sich mit ihrem ganzen Wesen im Westen betinden, den sie weitlich
herrschen sehen. Wurden sie den Westen geistig sehen, mit dem Licht
des Ostens, mit dem Licht Christi, săhen sie den geistigen Untergang
des Westens, der nach und nach das Licht der geistigen Sonne, d.h.
Christi, verhert und der tiefen Finsternis entgegengeht. Sie versammeln
sich und haiten Seminarien ab, an denen endios diskutiert wird uber
Dinge, die nicht mehr zur Diskussion stehen und uber die seibst die
heiligen Văter in aii dieser Zeit nicht diskutierten.' Alle diese Umtriebe
gibt der Bose ein, um die Giăubigen zu verwirren und zu schockieren
und sie entweder in die Hăresie zu treiben oder zum Schisma, sodass
der Teufei Boden gew innt...

A ii das, woher kommt es? Man ieistet keine geistige Arbeit, ist aber
Y A -ertuiit vom Gedanken, man sei ein geistiger Mensch, und dabei
sagt man unvemunftige Dinge. Ein Kind mit der nattirlichen Reinheit
des Geistes und dem wenigen Wissen, das es hat, wird dir Richtiges
sagen. Einer hingegen mit grosser Biidung, dessen Sinn rauchge-
schwărzt ist von der dămonischen Einwirkung, die er empfangen hat,
sagt dir Dinge, die grosste Biasphemie sind.

A H 7^nn die menschiiche Erkenntnis geheiiigt wird, wird sie gottiich


VV und hiift. Wenn nicht, bieibt sie biosse menschiiche Reaktion,
Vemunttelei, weitiiche Logik.

Q o sind die Menschen heute. Ailes sehen sie mit der trockenen
^ Logik. Diese Logik wirkt Unhei). Heisst es nicht: D/e ErAe/mtuA
b/u/A UM/ (1 Kor 8,2)? Wenn einer nicht gottiiche Erleuchtung hat, ist
die Erkenntnis unntitz, sie bringt Unheii.

* T \a s ganze Ubei geht aus vom Verstand/ wenn er nur um die


J -V Wissenschatt kreist und gănziich fern ist von Gott. Deshaib auch
konnen jene Menschen ihren inneren Frieden und ihr Gleichgewicht
nicht finden. Doch wenn der GeisF um Gott kreist, nutzen die
Menschen auch die Wissenschatt zu ihrer inneren Kuitur und zum
Wohl der Welt, denn in diesem Făli ist der Verstand geheiiigt.

' Der Aitvater meint damit die Fragen, die iăngst von den Hi. Okumenischen und
lokalen Konzilen im Hi. Geist gekiărt und geregeit worden sind.
^ gr. guoAo, wortiich „Him".
^ gr. vouţ.
300

Ţ ^ i e Menschen Gottes mogen zwar oftmais weniger Diptome haben,


1-V doch sie heifen mehr, weil sie statt vieler Grade viei Gnade haben.
Die Weit ist heute voii von Stinde, und deshaib ist viei Gebet und
iebendige geistige Erfahrung notig. Die vieien Schriften sind
Papiergeid, und ihr Wert wird abhăngen von der Goiddeckung. Deshaib
ist Arbeit notig im „Bergwerk" der Seele.'

A itvater Paissios war ein Monch mit ausgeprăgter kirchiicher


Z ^ G e s in n u n g und kirchiichem Bewusstsein. Er empfand die Kirche
als seine wahre Mutter. Sein Standpunkt in ekkiesiaien Fragen war
durch und durch orthodox. Wie fur aiie heiligen Văter war auch fur ihn
die Kirche im Besitz der ganzen Fiiiie der offenbarten Wahrheit. Er
pfiegte zu sagen: „Alles was die Kirche hat, ist zur Gănze gelăutert."
Er empfand sich voiiends ais Giied der Kirche: „Indem ich mich selbst
korrigiere, korrigiere ich einen Teii der Kirche." Er unterwarf sich
ihrem Wiiien und opferte sich auf fur ihr Wohi. Von seiner Einsiedeiei
aus verfolgte er stiii und unauffaiiig die Entwickiung der kirchiichen
Angelegenheiten. Er betete dafur, sprach und schrieb und wenn er dazu
innerlich gerufen wurde, ging er vom Eh. Berg in die Weit, um
bestimmte Fiierarchen aufzusuchen. So besuchte er einmai Erzbischof
Hieronymos von Athen und ein andermai den Metropoiiten Augustinos
von Fiorina.

A ^ T i e aiie heiligen Aitvăter war auch A itvater Paissios ein


V V entschiedener Gegner der Hăresien und des Okumenismus. Er
sprach oft fiber die Erhabenheit und Einzigkeit der Orthodoxie, wie sie
ihm die in seinem Eierzen wohnende gottiiche Gnade offenbarte.
Gemeinsame Gebete mit Nicht-Orthodoxen lehnte er ab: „Damit wir
mit jemandem zusammen beten, mussen wir uns einig sein im
Glauben", sagte er. Klerikem, die an gemeinsamen Gebeten mit
Heterodoxen teilnahmen, ging er aus dem Weg und unterhielt keine
Beziehungen zu ihnen. Die „Mysterien" der Heterodoxen anerkannte er

Ebenda, S. 208-212.
//. ZeAre 30!

nicht, und stets riet er, die zur Orthodoxie Ubertretenden vor ihrer
Taufe grundlich im Glauben zu unterweisen.'

itvater Paissios sagte:


- Lebten wir wie die Heiligen Văter, so wăren wir aiie im Besitz
der geistigen Gesundheit, um die uns aiie Heterodoxen beneiden wur-
den, sodass sie ihre kranken Irrungen verlassen und gerettet wurden,
ohne dass man ihnen zu predigen braucht. Heute sind sie nicht ergrifîen
von unserer heiiigen Văter-Tradition, weii sie auch unsere Văter-
Nachfoige sehen mochten, unsere tatsăchiiche Verwandtschaft mit
unseren Heiiigen. Wozu jeder Orthodoxe aufgefordetl ist, ist dies -
dass er die heiisame Beunruhigung auch den Heterodoxen eingibt,
damit sie begreifen, dass sie auf dem Irrweg sind, und nicht ihr
Gewissen auf trugerische Weise beruhigen und in diesem Leben hier
der reichen Segnungen der Orthodoxie entbehren und im kommenden
Leben der noch reicheren und ewigen Segnungen Gottes. Hier in die
Kalyva kommen auch einige kathoiische Kinder mit sehr guter
Neigung, bereit, die Orthodoxie kennenzulernen. „Wir wolien, dass du
uns etwas sagst, um uns geistig zu helfen", sagen sie zu mir. „Seht her",
antworte ich ihnen, „nehmt die Kirchengeschichte und ihr werdet
sehen, dass wir fruher einmal zusammen waren, und danach, wo ihr
heute angelangt seid. Das wird euch sehr heifen. Tut das, und das năch-
ste Mal werden wir uber vieles reden."^

T J ine Zeitlang strich er wie fast alle Athoniten den Namen von
J —/Patriarch Athenagoras aus seinen Diptychen, wegen der ge-
fahrlichen Offnungen desselben gcgcnuber den romischen Katholiken.
Doch er tat es mit Schmerzen: „Ich bete", sagte er, „damit Gott von
meinen Tagen wegnimmt und sie dem Patriarchen Athenagoras gibt,
damit er seine Umkehr zur Vollendung bringen kann."

ezuglich der Antichalkedonier (Monophysiten)^ sagte er: „Jene


J I ) sagen nicht, dass sie selbst die heiligen Văter nicht verstanden,

' Siehe IeQOgovdxou Ioadx, op. cit., S. 687 ff.


' Aoyot A', S. 348-349.
' D.h. die Kopten, Âthiopier, Armenier, jakobitischen Syrer und Inder, heute auch a!s
„orientalische orthodoxe Christen" bezeichuet, obwohl sie wegen ihrer hăretischen
severianischen Christologie bis heute m'cAt in Kommunion sind mit der Orthodoxen
Kirche.
302 H P v a ter <?er d g io n 't

sondern dass die heiligen Văter Ve nicht verstanden. Das heisst soviel
wie wenn sie selbst recht hătten und von jenen missverstanden worden
wăren." Die vorgeschiagene „Săuberung" der liturgischen Bucher von
der Charakterisierung der Hăretiker Dioskoros und Severos ais solche
bezeichnete der Aitvater als Blasphemie gegen den Heiligen Geist. Er
sagte: „Soviele heilige Văter, die die gottliche Erleuchtung hatten und
Zeitgenossen derselben waren, sollen sie nicht verstanden und sie
falsch interpretiert haben und nach all den Jahrhunderten kommen wir
Heutigen, um die Heiligen Văter zu korrigieren? Auch dem Wunder der
heiligen Euphemia tragen sie nicht Rechnung? hat auch sie den
der Hăretiker missverstanden?"

H/tAr/An&tHcr

* T \e r Aitvater bedauerte die Abspaltung der Altkalendarier und betete


J-V viei deswegen. Dank seinen Bemuhungen kehrten mehrere alt-
kalendarische Gemeinden von Athen und Thessaloniki in den Schoss
der Kirche zurtick, unter Beibehaltung des alten Kalenders. Er sagte:
- Gut wăre es, wenn diesel* Kalenderunterschied nicht bestunde, doch
dies ist nicht eine Angelegenheit des Glaubens.
A uf das Argument, der neue Kalender sei das Werk eines Papstes,
erwiderte er:
- Den neuen Kalender machte ein Papst und den alten machte ein
Gotzenanbeter (d.h. Julius Căsar).'

Drr*/

l ^ \ e r Teufel hat drei Fangnetze: fur die Armen den Kommunismus,


J-V fu r die Glăubigen den Okumenismus und fur die Reichen die
Freimaurerei?

Dm /m/m rAs Mdnc/rs

HA aM/ H/e AorHert/ng wePP'cA Gas/P/Pe/:

J e r AozPEa/AeP ZMwfJwen, .s'cAr/EE J e r H/Aater;

' lepogovâxov IoaotK, op. cit., S. 690-692.


- Tepoviog n a to to u Ay^opefiou, Xaptrw/reveg At(5a%eg, Thessaloniki 2004, S. 26.
77. 7,eAre 303

Ţ ch wundere mich, wie es kommt, dass sie die hohe Berufung des
JL Monchs nicht verstehen konnen! Der Monch zieht sich zuriick aus
der Weit, nicht weil er die Menschen hasst, sondern weii er die
Menschen liebt, und auf diese Weise hilft er ihnen mehr durch sein
Gebet, in Angelegenheiten, die mit menschlichen Mittein nicht zu
iosen sind, sondem ailein durch gottiichen Eingriff.

^ o rettet Gott die Weit. Der Monch sagt niemais: „Ich wiii die Welt
k J retten", sondern er betet fur die Rettung der ganzen Weit, zusam-
men mit der seinigen. Wenn der Gute Gott sein Gebet erhort und der
Weit hiift, sagt er wiederum nicht: „Ich habe die Weit gerettet",
sondem: „Gott hat es getan."

T ^ \ie Monche sind, kurz gesagt, die Funker der Kirche, unserer
J-V M utter, und wenn sie deshaib weit weggehen von der Weit, so tun
sie das aus Liebe, denn so weichen sie den Storsendem aus und stellen
eine bessere Verbindung her zu Gott, damit sie der Weit mehr und besser
helfen konnen.

ăglich ruft die Sozialfursorge: „Heilige Văter unserer Zeit, uber-


JL lasst die Miidtătigkeit uns Laien, die wir ja doch etwas anderes
nicht zu tun vermogen, und kummert ihr euch um etwas Geistigeres."

Ţ " \ie Bemfung des Monchs ist mithin nicht die Beschăftigung mit
J-V v ie i Handarbeit, um Geid zu sammein, sodass er den Armen
heifen kann, denn soiches ist eine geistige Entgieisung, kann er diesen
doch mit Tonnen und nicht mit ein paar Kilos helfen, wenn z.B. auf
Grund seines Gebets Regen falit in Zeiten der Durre.

T ^ \ie Monche gehen nicht aus der Wildnis in die Weit, um einem
J -V Armen zu heifen, noch auch um einen Kranken zu besuchen im
Spital und ihm einen Apfei oder sonst einen Trost zu bringen (dies tun
gewohnlich die Laien, von denen Gott soiches veriangt). Vielmehr
beten die Monche fur alie Kranken, damit sie ihre zweifache
Gesundheit, die geistige und die ieibliche, empfangen mochten, und
der Gute Gott erbarmt sich Seines Geschopfs... Noch auch besuchen
die Monche Gefangene, denn sie selbst sind freiwiilig Gefangene ihrer
grossen Liebe zu Christus, ihrem Wohităter und Erioser...
304

A T it alledem will ich die hohe Berufung des Monchs unterstreichen,


iV T d i e etwas weit Ernsthafteres ist als menschiiche Philanthropie.
Denn noch bevor einer Monch geworden ist, hat er die entsprechende
Phiianthropie vollstreckt, indem er, wie Christus dem jungen Mann riet
(s. Mt 19,21), alle seine Habe weggegeben und tiberdies sich selbst zur
Gănze dem Herm iibergeben hat. So hat er jetzt, als Sein Kind (als
besitzloser Monch), Anteil an dem, was Gottes ist, und bittet seinen
barmherzigen Vater um alles, was er will, und der Vater gewăhrt es in
der Ftille Seiner Barmherzigkeit.

T A ie Monche sind nicht Laternen, die die Gassen der Stadt erhellen,
J-v so n d e rn Leuchtturme auf den Felsen in der Ferne, die mit ihrem
Lichtglanz den Schiffen, die auf dem Weltmeer dahinziehen, die
Richtung weisen.'

IFYMn/s

/^A gesegnete Wildnis, die du so sehr hilfst, das Geschopf Gottes


v V wieder mit seinem Schopfer zu versohnen und dich dann zum
irdischen Paradiese w andelst und wiederum die w ilden Tiere
versammelst um den Menschen, den du gezăhmt!

EjrmroAej, op. cit., S. 20-26.


305

<Sc/77'//Zg77 77777/ Bg/77*^77 7/<?SA//f77/7?7*S


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Deutsch: ^//tottt'/Ac/te Fr/Zet* MTtT/^Z/toMt'ZAc/tes', Souroti 2007. Engl. ^Z/toTt/Ze Bn/Aers'
77777/ yfZ/tOTtt'Ze Ma/ZeTr?, Souroti 1999, 2. Aufl. 2002. Franz. B'/eMrs' 7/77 JarJin r/e /a
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///te/tet* 77/*e7*A//t'7t/gZ' P777SS777S 7777/ B/et/et'gtt/te t'7777 Bltt'/ett ZA77SU'77/t/i


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^ L T V A l^ e R P m L O T H eO S
VON
PxR O S

(1884-1980)
308

^4/^va^er P/;;7d^eo^ vo/7 Paroy, W7; Lo/!gow7*Ja

)
309

Kapitel 8

^L T V V T C R
PH tL O TH eO S VON P^ROS

T ^ \ie se r Gotte^' lebte sein ganzes Leben auf Erden als eine
J-V P ilg erfah rt zur Ewigkeit. Er empfand sich als „Wanderer,
Voruberziehender und Frem dling", wie au f seinem Grabstein
eingemeisselt steht, stets den Hiniibergang in die himmlische Heimat
vor Augen, so sehr, dass er seine Monchszelle zur Grabkammer machte,
oder die Grabkammer zur Zelle, wie man will.
Da er aufs Innigste die von unserem Herrn im Evangelium verkun-
dete und von allen Heiligen geschaute Wahrheit erfuhr, dass dies Leben
hienieden nichts anderes ist als eine Vorbereitung auf das Kunftige, der
Kampfplatz, auf dem sich fiir jeden Menschen entscheidet, was ewig
wăhren wird, gab er sich ganz dem gr/te/? (2 Tim 4,7) hin und rief
auch seine in Vergessenheit, Nachlăssigkeit oder Irrtum dahinlebenden
Briider und Mitmenschen dazu auf, damit sie nicht verloren gehen moch-
ten. „Als Priester des Allerhochsten und geistiger Vater empfinde ich es
als meine Pflicht, euch zu enuahnen", sagte und schrieb er oftmals. Er war
in der Tat „ein grosser Prediger der Umkehr und eine unerschutterliche
Săule der Orthodoxie", wie ihn einer seiner Mitstreiter, der unvergessliche
Altvater Gabriel, Abt des Athos-Klostcrs Dionysiou, charakterisierte.
Als Verkunder des Wortes Gottes in ganz Griechenland und geistiger
Vater Tausender von Glăubigen in der Heimat und in aller Welt, als
Verteidiger des orthodoxen Glaubens sowie der wahren evangelischen
Gesinnung innerhalb der Kirche und in allen Bereichen des offentli-
chen Lebens hinterlăsst er nicht nur den Namen, sondem das lebendi-
ge Erbe eines authentischen Hierapostels und treuen Arbeiters im
Weinberg des Herm.

Dies ist die Bedeutung des Namens „Philotheos".


310 A/fvnfer PMotAeo.s' von Paro^

I. - Leben'
7. M/M? r/^/h/e//! P^/o/70/:/MS

A ltvater Philotheos wurde im Mai 1884 als Sohn gottesfurchtiger


^ V E lte m im Siidosten des Peloponnes geboren, in Lakonien, in
einem D orf namens Pâkia, zwischen Sparta und Monemvasia. Bei der
Taufe erhielt er den Namen Konstantinos. Von Kindheit an liebte er die
Kirche. Er sang mit beim Gottesdienst und las die heiligen Biicher mit
gluhendem Eifer. Sein Durst nach diesen Wassem des Lebens war so
gross, dass er beim Lăuten der Kirchenglocken am Morgen und am
Abend sogleich alles fallen liess und zum Gottesdienst eilte. Deshalb
verzichteten seine Eltem darauf, ihm irgendwelche Arbeiten aufzutra-
gen, wenn die Stunde der Gottesdienste nahte.
Er las auch mit grosser Hingabe die Eleiligenleben, und eines Tages
wăhrend dieser Lektiire besuchte ihn die gottliche Gnade. „Ich spiirte",
schrieb er spăter, „wie ein Strahl gottlichen Lichts mein Herz mit un-
aussprechlicher Siisse, Freude und Seligkeit erfullte und in meiner Seele
eine tiefe Sehnsucht, eine brennende Liebe zu Gott und den himmli-
schen Dingen weckte. Von da an stand mir der Sinn nur noch nach dem
Himmlischen, ob ich ass oder dahinwanderte oder mit anderen redete,
und mein Herz blieb irgendwie gebunden an Gott und die himmlischen
DingeA" Damals kam ihm der Wunsch, Monch zu werden.
Doch der Menschenfeind, den solches mit Bitterkeit erfullt, liess
keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen und suchte den Jungling
mehrmals mit erschreckenden dămonischen Erscheinungen und
Trăumen heim, doch jedesmal rief er die Gottesmutter zu Hilfe und
wurde so befreit.

' Hauptquelle fur die Biographie des Altvaters ist das autobiograph. Werk O Odot-
jropog', M ia odouropia a%o ryrtyeiou xarpidog' oupavion
FrponaaA??^ („Der Wandersmann, Eine Wanderung in Gottesfurcht von der irdi-
schen Heimat zum himmlischen Jerusalem"), in poetischer Form geschrieben in der
3. Person, mit Gebeten und Belehrungen, Păros 1947, 7. Aufl. Athen 1983, wovon
der Altvater 1978 eine aktualisierte, gekurzte und in der Ich-Form geschriebene
Prosa-Fassung schrieb, mit dem einfachen Titel A r'ro/koyponyia, publ. im 1. Bând
des Gesamtwerks, O Frpmv (PrAddeog Zrp/kAog,Vcrlag Orthodoxos Kypseli,
Thessaloniki 1980.
^ Auro/3toypa<pia, loc.cit., S. 5.
7. 3![

2. Dm;/7^/!rcr Fiu/A/ (7997-7994)

Nachdem er die Grundschuie in seinem Dorf abgeschlossen hatte,


sandten ihn seine Eitern in die nahe Stadt Moţăi, wo er das
Lehrerseminar besuchte. Nach und nach schwăchte sich seine Sehn-
sucht nach dem Monchsleben ab, und er begann die Dinge dieser Weit
zu begehren - Reichtum, Ehren, Position, sinniiche Geniisse und
Freuden. Doch der barmherzige Gott liess ihn nicht versinken darin,
sondem bot ihm Gelegenheit, sich wieder aufzufangen.
Mit 17 Jahren wurde Konstantinos Lehrer und erhielt einen Posten
im nahegelegenen Dorf Finiki. Dort befreundete er sich mit einem Uni-
versitătsstudenten, mit dem er Musikinstrumente zu spielen pflegte,
denn er hatte nebst einer ausgesprochenen dichterischen auch eine
grosse musikalische Begabung und sang zudem sehr schon. Bei diesem
Freund sah er eines Tages ein Buch mit dem Titel „Diamanten des
Paradieses". Er schlug es auf und fand als erstes die Elomilie des hl.
Basilios des Grossen „Uber das Wachen iiber sich selbst". Da wurde
seine Seele zutiefst beruhrt. Er erbat sich das Buch und eilte nach
Hause, um sich ganz in dessen Lekture zu vertiefen. Sie brachte ihm
zum Bewusstsein, wie sehr er sich an die Welt verloren hatte, und
Entsetzen ergriff ihn beim Gedanken, was mit seiner Seele geschehen
wurde, wenn er in diesem Augenblick sterben miisste. So geschah es,
dass er von dem Tag an Musik, Gesang und Verlangen nach weltlichen
Dingen vollig liegen liess und sich mit seinem ganzen Wesen wieder
der Liebe Christi und den himmlischen Schătzen zuwandte. Fortan
mied er die Gesellschaft weltlich gesinnter und in nichtigem Denken
befangener Menschen und suchte nur noch den Umgang mit Priestem
und anderen Leuten, die fur ihre Frommigkeit und Tugend bekannt
waren.
Auch seine Schulcr brachte er zu einem gottgefalligen Leben,
gewohnte ihnen das Fluchen ab und lehrte sie nicht nur beten, sondem
auch singen, sodass sie „von wilden Tieren zu zahmen Lăniniern"
wurden. Er bildete mit ihnen zwei Kirchenchore, die so schon sangen,
dass man sie zu allen grossen Kirchenfesten der Provinz rief.
Zusammen mit seinen Schtilem băute er auch einen richtigen Friedhof
fur das D orf und sorgte fur den Bau eines anstăndigen Schulgebăudes,
wofur er auf dem Briefweg Gelder sammelte bei Brirgem des Dorfes,
die nach Amerika ausgewandert waren.
312

3. 0^/!^grM/!ggH ggAAgg EA/rg/g

Im Sommer 1902 verliess der junge Lehrer Konstantin heimlich das


Eltemhaus, in der Absicht, sich auf den Heiligen Berg Athos zu
begeben, um Monch zu werden. Unterwegs machte er Halt in einem
kleinen Kloster, wo ein in der Gegend wohlbekannter Altvater lebte.
Seine Eltern erfuhren, dass er dort war, und sein Vater kam, um ihn
zuruckzuholen. Er drohte seinem Sohn sogar, er werde sich ertrănken,
wenn er nicht nach Hause zuruckkehre. So folgte er ihm denn, doch mit
dem Gedanken, sich baldmoglichst wieder auf den Weg zu machen.
Dies tat er einige Tage spăter. Mitten in der Nacht, ohne irgendetwas
mitzunehmen ausser einem kleinen Evangelium, ohne Tasche, ohne
Stock, brach er auf, barfuss, und wanderte auf einsamen Pfaden durch
Wălder und liber Berge ohne anzuhalten, bis er die Grenzen der heimat-
lichen Provinz uberschritten hatte und sich einigermassen sicher fuhlte
vor der Begegnung von Bekannten.
Ermuntert vom Wort des Psalmisten, 07/;/ Ag/rg 3o/gg a r / J g r /fg/an,
E r w/r<7 <7AA gr/A/Argr (Ps 54,23), setzte er seinen Weg nach
Norden fort. Sein Ziel war, die Kloster der Heiligen Lavra und Mega
Spileon zu besuchen, in der Erwartung, dort von Gott die Weisung tur
alles Weitere zu empfangen. Er ertrug Hitze und Kălte, Hunger und Durst,
Erschopfung und entmutigende Einflusterungen des Widersachers, der
ihm vorhielt, was er tue sei Torheit und sinnlos, und ihm den Verzicht
auf weltlichen Komfort, auf Familie und Freunde sowie das Leben in
Christus in den dunkelsten Tonen auszumalen suchte. Doch er kămpfte
tapfer und griff zum Evangelium, das er als Waffe und Ştab in der Hand
hielt, und es sagte ihm: OCr fA/gr o<7gr AfrAgr rrgAr //g/A a/.s* AA'cA,
At Afg/rgr r/gAt wgrt (Mt 10,37) und: 077/ g/rgr AA'r ragA/o/ggr, .s'o
vgr/grgrg gr .s7cA .sg/A.sV r r J rgArvg .S'gb7 Argrz ar// .s/cA... <3grr way
rA7z/ g.s' g/rgw A7g7tsgAgr, w grr gr r//g garzg ifb/t ggu/'r/A, aAgr
6'cAaa'gr rara?/ a r s-g/rgr Egg/g? (Mt 16,24 und 26).
„In solchen Augenblicken", schrieb er spăter, „schien mir, als ob
Christus Selbst zu mir redete und als săhe ich Ihn leibhaftig vor mir. Ich
war ergriffen, Trănen flossen von meinen Augen und meine Seele
wurde erfullt von Freude und Jubel. Ich fuhlte solche Kraft in mir, dass
ich mir sagte: „Um der Liebe Christi willen, vergiss alles. Moge alles
verschwinden vor meinen Augen - Eltem, Verwandte, Speise, Trank,
Geld, Besitz, Freunde und Behaglichkeit, ja selbst die ganze Welt,
wenn ich nur Christus gewinnc." Und er fugte hinzu: „Welch leuchtende
Sttitze ist das Heilige Evangelium in jeder Situation unseres Lebens!
V. 313

Wie sehr miissen die Christen es iieben, es stets bei sich haben und es
iesen mit heiiiger Ehrfurcht Tag und Nacht!"
Dann und wann stărkte er sich unterwegs in einem Dorf mit der Teil-
nahme an der Gottlichen Liturgie. Da und dort gewăhrte ihm ein Dorf-
priester Unterkunft fiir die Nacht oder Hirten auf dem Feid erlaubten
ihm, sich an ihrem Feuer zu wărmen, und er ias ihnen vor aus dem hei­
ligen Buch. Seine von Domen zerstochenen und von Steinen zerfetzten

Der /Mnge tthnderer Z'e^t den Tdfrtew dem Dvange/mm,


Ze;'c/!HMMg dem „ hd^der^maMM

Fusse schmerzten immer mehr, doch er trostete sich mit dem Gedanken
an die heiligen Martyrer, die von den Tyrannen gezwungen wurden, in
nagelgespickten Schuhen iiber weite Strecken zu laufen.
Einmal, als er, von Flunger geschwăcht und von dunklen Gedanken
geplagt, der volligen Entmutigung nahekam, erschien ihm ein himmli-
scher Jungling, reichte ihm Brot und Trauben und sagte zu ihm: „Was
furchtest du? was bangst du? Du wanderst auf Gottes Weg. Du darfst
dich nicht furchten, denn Gott ist mit dir. Mit Mut und Eifer folge dem
Pfad, den du begonnen hast, und Gott wird deine Schritte zum Guten
lenken."
Eines Abends, nach vielen Tagen und einem Fussmarsch von gut 200
km iiber Berge und Taler gelangte er, via Sparta und Tripoli, zum
Kloster des HI. Athanasios bei Filia (rund 60 km nordlich von Tripoli),
wo er erschopft zusammenbrach. Seine Fusse waren nur noch eine
3)4 H/tvaler B/H'/dtAeoy von Puroy

einzige Wunde. Durch ein Wunder aber wurden sie in jener Nacht
voilstăndig geheilt. Er blieb mehrere Tage in jenem Kloster, wo er mit
Ergriffenheit an aiien Gottesdiensten teiinahm, und setzte dann seinen
Weg fort zur Heiiigen Lavra, oberhalb von Kaiâvrita.' Von dort
geiangte er zum Heiiigen Kloster Mega Spiieon („Grosse H ohie'y.
Die Văter der Grossen Hohle ieiteten ihn weiter nach Âgion, und von
da sandte man ihn nach Patras, zu Aitvater Eusebios Matthopouios.
Dieser riet ihm, vorlăufig zu seinen Eltern zuruckzukehren und erst
dann, nach Erfuiiung seinei* miiitărischen Pflichten, seinem innigsten
Wunsch zu foigen: „Gib Căsar, was Căsar gehort, dann geh und diene
dem Himmiischen Konig."
Konstantin gehorchte und kehrte in seine Heirnat zuriick, wo er seine
Lehrtătigkeit fortsetzte und wo Gott auf sein Gebet hin seine todkranke
Mutter heilte. Nach eineinhaib Jahren ging er abermals nach Patras,
biieb dort ein Jahr unter den geistigen Fittichen von Aitvater Eusebios
und diente ais Kantor in der Kirche des Hi. Alexios.

4. A////7M/v/â?Ms? /// r/c/- fcM.


Z?^i%gMMMg /Mit P////M-P/MMMS MM// H/EvMM///'OS PM/IM///M/MMMt/S

Nach diesem Jahr wurde er, um 1905, zur Armee eingezogen und
dem 2. Kavalierieregiment zugeteiit, das in Athen stationiert war. Hier
diente er rund zweieinhaib Jahre, stieg bald auf zum Sergeanten, dann
zum Adjutanten. in seiner freien Zeit besuchte er Kirchen, namentlich
jene der Entschiafung der Gottesmutter in Monastiraki, wo damais sein
geistiger Vater Eusebios zelebrierte und predigte, sowie auch jene des
Propheten Elisăos, wo er oftmais, zusammen mit den Schriftsteilem

' Eines der beruhmtesten historischen Kloster Griechenlands, gegrundet um 961 vom
Monch Eugenios, Gefahrte des h). Athanasios d. Athoniten, der damais die Grosse
Lavra auf dem Athos erbaute. Es iiegt rund 6 km nordiich v. Kaiâvrita, unweit der
Nordktiste des Peloponnes. 1821 wurde die HI. Lavra zum Ausgangspunkt des Be-
heiungskriegs gegen die Trirken. Im 2. Weltkrieg solite diese Gegend besonders hart
leiden unter den deutschen Besetzern. 1943 brannten diese die Hl. Lavra nieder und
brachten die Monche um. In der Foige băute man das Kloster wieder auf.
' Rd 18 km nordl. der Hi. Lavra geiegen. Nach einer Erscheinung der Gottesmutter
Anf. 9. Jh. erbaut von den Hl. Symeon u. Theodoros (Fest 18.10.) in einer grossen
Hohie, daher sein Name. Gehort zu den meistbesuchten Pilgerstătten Griechenlands,
wegen der uraiten wunderwirkenden Ikone der Gottesmutter, der es seine Grtindung
verdankt. 1943 erlitt das Kioster das gleiche Schicksal wie die Hl. Lavra.
7. Zeâen 315

Alexandros Papadiamântis und Alexandros Moraitidis, als Kantor an


den denkwiirdigen Nachtwachen des hl. Nikoias Pianăs,' des meistge-
liebten Priesters von Athen, teiinahm. Spăter schrieb er ein bewegendes
Zeugnis liber diesen demiitigen Diener Christi, das uniăngst in dessen
Biographie veroffentiicht worden ist3 Von Alexandros Papadiamântis,
einem erstklassigen Kirchensănger, wurde Konstantin damais in die
hohere Kunst der Psaitik eingefuhrt.

Er war entschiossen, nach Erfuiiung seiner Dienstpfiicht Monch zu


werden, und ais sich der Tag seiner Entiassung nahte, machte er sich
bereit zum Aufbruch zum Eieiligen Berg. Da versuchte der Widersacher
ein weiteres Mai, ihn ins Verderben zu sturzen. Er gab seinem
Vorgesetzten ein, ihn zu einem Einsatz ins Dirnenviertel von Athen zu
entsenden, doch der barmherzige Gott bewahrte ihn vor jedem Sturz.
Da sich der Versucher betrogen sah, entfesseite er seine ganze
dămonische Wut gegen den Diener Christi. Innerhaib einer einzigen
Nacht versuchte er viermal, denseiben physisch auszuloschen - einmai,
als sein Pferd durchging und einen Abhang hinunter au f die
Eisenbahnschienen sturzte, das zweite Mai, als ein Rudei wiitender
Hunde den Reiter anfiei, das dritte Mal, ais sein Pferd sich băumte,
sodass Konstantins Kopf gegen einen Teiegraphendraht stiess, und das
vierte Mal, ais sein Pferd gleich dreimat hintereinander sturzte. Bei
aiiedem biieb Konstantin durch ein Wunder voilig unverietzt. Aus
ganzer Seele sagte er danach: Rh.s' ka/m AA Jem wz'eJergeAen /Ar
a// Ja.s', wav F r Aat /Ar m/cA? (Ps 115,3).

6. A/. /VfAmrAts -
WbMMMg AtacA Fmvts /FrAA/rtAr 79A7)

Nach seiner Entiassung aus dem Militar machte sich Konstantin


sogleich daran, seinen innigsten Wunsch zu verwirkiichen und in den
Dienst des himmiischen Konigs zu treten. Vor seinem Aufbruch zum
Heiiigen Berg aber suchte er den Rat des hl. Nektarios, Bischof der

' „Papă-Planâs", Fest 2. Mărz.


^ O A yto^ Astir, Athen 1999, S. 115 ff.
3)6 ZfAvater PM o^ec,s von Fnros'

Pentapolis (Fest 9.11.), der damals als Direktor des Priesterseminars


Rizarion in Athen lebte. Er ging zu ihm und legte ihm seinen Plan dar.
Der Heilige antwortete ihm: „Dein Vorhaben ist gut, doch ich rate dir,
in kein anderes Kloster einzutreten als jenes auf Păros (Longovarda),
wo viele tugendreiche Văter sind." Da Konstantin auf seinem Wunsch
beharrte, auf den Athos zu gehen, erwiderte er: „Wenn du in
Griechenland' bleibst, dann geh ins Kloster Longovarda, doch wenn du
darauf beharrst, auf den HI. Berg zu gehen, dann geh mit meinem
Gebet. Du wirst dort verschiedene Lebensweisen und Systeme fur
Monche flnden. Es gibt idiorhythmische Kloster, koinobitische Kloster,
Skiten und Einsiedeleien. Meide die idiorhythmischen, unter den
anderen aber wăhle, was dir zusagt..."
Bald solite sich zeigen, dass der junge Kandidat auf das Monchs-
leben nicht gut daran tat, den Rat des Heiligen zu missachten.

7. r/f/: ufrArţ/tct - A/. DAM/Aws

Anfangs Mai 1907 reiste Konstantin mit einem Freund, der ebenfalls
Monch werden wollte, im Schiff von Pirăus nach Thessaloniki, wo sie
die Reliquien des hl. Dimitrios verehrten und dann weiterreisen wollten
zum Heiligen Berg. Doch die turkischen Behorden verweigerten ihnen
die Erlaubnis dazu, obwohl sie die notigen Papiere hatten, und
beschuldigten die beiden, Spione zu sein. Man stellte sie unter
Bewachung, und nachdem diese Situation einige Tage gedauert hatte,
verlor Konstantin die Geduld und begab sich zum Sitz des turkischen
Pashas, um sich zu beschweren. Da er zudem beseelt war vom Wunsch,
Zeugnis abzulegen fur den Glauben, kam es zu einem Wortwechsel mit
dem Sekretăr des Pashas, worauf dieser seine Soidaten rief und den
„Rebellen" zum Weissen Turm abfuhren liess.
A uf dem Weg dahin aber kam unvermittelt der Pasha selbst daher,
schickte die Soidaten weg und ubergab Konstantin einem Mann, der
ihn auf einen bestimmten griechischen Dampfer brachte, mit der
Weisung, nach Griechenland zuruckzukehren.

' „Unter 'Griechenland' verstand man damals, d.h. 1907, den von den Tiirken be-
freiten Tei) Griechenlands. Makedonien mit Thessaloniki und dem Athos blieb unter
tiirkischer Herrschaft bis zum 1. Balkankrieg von 1912. Gemăss dem Statut von
1926 ist der Hl. Berg (der kirchlich vom Patriarchat von Konstantinopel abhăngt)
heute Teii des griechischen Staates, geniesst jedoch innere Autonomie.
3)7

Erst zwei Jahre spăter solite Konstantin erfahren, dass ihn der
Sekretăr des Pashas zum Tod verurteilt hatte und dass man ihn zum
Weissen Tunn fuhrte, um ihn dort hinzurichten. Dem Pasha aber war
zur selben Stunde der hl. Dimitrios erschienen, der Schutzpatron von
Thessaloniki, und hatte ihm befohlen, sich sogleich aufzumachen an
einen bestimmten Ort in der Stadt, um einen jungen Mann zu befreien,
der von seinem eigenen Sekretăr zu Unrecht zum Tod verurteilt worden
sei, und ihn auf einem bestimmten Dampfer nach Griechenland zuruck-
zuschicken.
„So vemahm ich, dass mein Retter und Erloser der heilige Grossmar-
tyrer Dimitrios der Myroblyt gewesen war. Die Prophezeiung des hl.
Nektarios hatte sich erfullt - wohin ich auch gehen mochte, am Ende
wurde ich doch in Longovarda landen. Daraus lernte ich eine wichtige
Lektion: Es ziemte sich fur mich, meinem geistigen Vater gănzlichen
Gehorsam zu leisten, ohne Widerrede, und nicht meinen Willen zu tun,
sondem jenen meines geistigen Vaters, nach dem Vorbild unseres Herm
Jesus Christus, D er in Jie PEA /rorî, r/c/?t r/r; M m or PE//er z r trr,
^or J e r r <7er P77/er ,SEire.s' fote/w, D er/An ge^orJf Aotte (s. Joh 6,38)."'

Der Dampfer brachte ihn nach Voios, und von dort reiste er, nach
einigen weiteren fruchtlosen Versuchen, auf den Heiligen Berg zu
gelangen, schliesslich zur Insei Păros. Bei seiner Ankunft dort besuchte
er zuallererst die unweit des Hafens gelegene ehrwurdige Kirche der
Hundert Tiiren (Motor/o/v7mm'D um den Segen und Beistand der
Allheiligen Gottesmutter zu erbitten, der das Heiligtum geweiht ist.
Dann stieg er hinauf zum Kloster der Lebenspendenden Quelle
(Zoo<7oc/?or PigA) Longovarda, wohin ihn der Hl. Nektarios gewiesen
hatte, und bat dessen Abt Hierotheos darurn, in die Bruderschaft
aufgenommen zu werden. Seiner Bitte wurde stattgegeben, und so trat

' Avro/ftoypaqpta, loc.cit.


- Eine der ăltesten erhaltenen Kirchen Griechenlands, erbaut im 4. Jh. von der Hl. He-
lena und im 6. Jh. vergrossert von Kaiser Justinian von Byzanz. Ais sich die Insei
im 9. Jh. infolge der Piratenzuge jener Zeit entvolkerte und von Waid iiberwachsen
wurde, fand die hi. Theoktisti (Fest 9.11.) hier Zuflucht und lebte 35 Jahren in volli-
ger Abgeschiedenheit in dieser Kirche, wo bis heute ihr Grab verehrt wird.
318 ,4inv?fe7* PMo?/?eo.y W7? Pa7o^

Konstantin im Fruhsommer 1907, im Alter von 23 Jahren, als Novize


in Longovarda ein.
Als er, wie er selbst erzăhlt, die schone Ordnung, Frommigkeit und
Harmonie, den Gehorsam, die Liebe und Barmherzigkeit der Văter sah,
wurde er von solch himmlischer Freude erfrillt, dass er glaubte, er sei
im Paradies. „Wahrlich, es ist Paradies und hochste Gliickseligkeit,

Ălio^ie7* Zo77gora7*<7a aM/Paro.y

wenn Briidcr in Eintracht leben. Wie der heilige Sânger David sagt,
S'/'eAc, wo.s' Ai .scAd/m/i wo.s' oA <7o.s' Zu.s'o/7?/7;g/?Ai7c/2 72/!i<?7*
P7^'7<r/e/*/7? (Ps 133,1).
Am 29. Dezember 1907, sieben Monate nach seinem Eintritt in das
Kloster, wurde Konstantin unter dem Namen Philotheos zum Monch
geschoren, und wenige Tage spăter zum Diakon geweiht.

9. 7rrgw:/f 7/nr/ Pi/gu/* (7999-7979) -


mmcr/ic/m 7^ciiu7!g 7Mrc9 r/u/7 9/. Din^iirios

Beseelt vom Verlangen nach Einsamkeit, verliess der junge


Hierodiakon eines Nachts im September 1909 in aller Heimlichkeit
sein Kloster und stieg hinauf zum hochsten Punkt der Insei, dem 755 m
hohen Berg des Propheten Elias, wo sich ein Kirchlein zu Ehren des
Propheten befand. Hier verbrachte er drei Wochen oi/ein mii &??!
o/io/vrige/; Goii, im Gebet und Lesen der Heiligen Schritt.
319

Dieser Riickzug in die Stille prăgte ihn so tief, dass er im weiteren


Verlauf seines Lebens oft hierhin zuruckkehren und schliessiich das
Kirchlein Aller Heiiigen bauen solite, das sein
bevorzugter Gebetsort wurde.
Da er das Kdoster ohne den Segen seines Abts veriassen hatte, wurde
er von Gewissensbissen ergriffen und kehrte schliessiich in Reue iiber
seinen Ungehorsam in die Gemeinschaff zuriick.
Im Friihjahr 1910 pilgerte er, diesmal mit dem Segen des Abts und
vorsichtshalber ohne in Thessaloniki auszusteigen', zum Heiiigen Berg,
mit dem heimlichen Wunsch, wenn moglich dort zu bleiben. Im Verlauf
eines dreimonatigen Aufenthalts besuchte er alle Grosskloster, viele
Skiten und Einsiedeleien, begegnete heiiigen Monchsvătem wie Daniel
und Ignatios von Katounakia und wurde im Kloster Vatopedi durch die
kostbare Reliquie des Heiiigen Giirtels der Gottesmutter von einer
schweren Erkrankung geheilt.
Doch da die athonitische Monchsgemeinschaft damals durch innere
Konfliktc und Spaltungen aufgestort war, beschloss er auf Rat mehrerer
Altvăter, nach Longovarda zumckzukehren. Einmal mehr bestătigte
sich, dass ihn der hl. Nektarios nicht umsonst nach Păros geschickt
hatte.
A uf der Rtickfahrt beschloss er trotz der Gefahr neuer Komplikatio-
nen, in Thessaloniki Halt zu machen, um das Grab des hl. Dimitrios,
seines Beschtitzers und Retters, zu verehren. Die stets misstrauischen
Ttirken hielten ihn abermals fur einen Spion und stellten ihn unter
Bewachung, und als Vater Philotheos einige Tage spăter versuchte, sich
einzuschiffen, wurde er im Hafenzoll festgenommen und in ein Sta-
cheldrahtgehege gespent. In derselben Stunde ftng ein in den Hafen
einlaufendes Schiff Feuer, worauf lăute Explosionen und haushohe
Flammen folgten, sodass ganz Thessaloniki in Aufruhr geriet. In dem
allgemeinen Durcheinander verliessen die Wăchter ihre Posten, und ein
Jiingling, der aufs Haar dem hl. Dimitrios auf dessen Ikone glich,
nutzte die Gelegenheit, durchschnitt mit einer Zange, die er bei sich
hatte, das Stacheldrahtgeflecht und fuhrte den Diener Christi ins Freie.
Dann bestieg er mit diesem zusammen ein Boot, das ihn zu einem
griechischen Schiff brachte. Als Vater Philotheos eingestiegen war und
sich umwandte, um dem Jiingling zu danken, konnte er ihn nirgends
mehr fin den.

Es gab damals eine direkte Schiffslinie von Pirăus nach Daphni.


320 P/H'/o^Aeo^ von P a /w

Als Dank fur diese zweifache Rettung pflegte der Altvater bis in
seine letzten Jahre regeimăssig zum Jahresfest des heiiigen Dimitrios
am 26. Oktober nach Thessaioniki zu pilgern.

Vor der Rtickkehr nach Păros wollte Vater Phiiotheos abermais den
heiiigen Nektarios besuchen, und als er in Athen erfuhr, dass dieser sich
inzwischen nach Âgina in das von ihm gcgrundctc Kloster zurtick-
gezogen hatte, schiffte er sich nach jener Insei ein. Es war an einem
heissen Augusttag des Jahres 1910. Als er erschopft und von der Hitze
schwindlig geworden das neuerbaute Kloster erreichte, war hoher
Mittag. Vor der Klosterpforte fand er einen weissbărtigen Greis in zer-
schlissenem Monchsrock, das Haupt vor der sengenden Sonne durch
einen fief ins Gesicht gedruckten Strohut geschiitzt, der mit dem
Aufhacken des Bodens beschăftigt war und eine Karre neben sich
hatte. Vater Phiiotheos hielt ihn tur einen Klosterarbeiter, und nachdem
er ihm den Gruss entboten hatte, fiagte er ihn:
- Ist der Bischof da?
- Er ist da.
- Schon. Geh bitte und sag ihm, dass eines seiner geistigen Kinder da
ist, ein Diakon, und ihn sehen mochte.
- Moge es gesegnet sein, antwortete der Greis demtitig, legte seine
Hacke nieder und zeigte dem Besucher einen Raum bei der
Klosterpforte, damit er dort auf den Bischof warte.
Nach funf Minuten kam der Bischof und - zu seiner grossen Uber-
raschung und Beschămung sah der junge Hierodiakon, dass der Greis,
den er fur einen Arbeiter gehalten und herumkommandiert hatte, nie-
mand anderer war als der Bischof selbst!
„O Tiefe des Reichtums grenzenloser Demni.!", schrieb der Altvater
spăter. „Ich war sprachlos und kniete nieder, bat ihn unter Trănen um
Vergebung fur meinen Hochmut und meine tiblen Manieren. Und er, in
seiner Sanftmut, seiner Arglosigkeit, in der Demut seines Herzens,
vergab m ir..."
Ich fragte ihn: „Vater, wie werde ich diesen gottverhassten Hochmut
los?"
„Mein im Herm geliebtes Kind", antwortete der hl. Nektarios, „unsere
heiiigen Vater sagen, dass jede Stinde, sei sie gross und zum Tode, sei
sie klein und verzeihlich, besiegt wird durch die ihr entgegengesetzte
7. 321

Tugend. Eifersucht wird besiegt durch die Liebe, Hochmut durch die
Demut, Geldgier durch die Besitzlosigkeit, Habsucht und Erbarmungs-
losigkeit durch das Almosengeben und die Barmherzigkeit, Nachlăssig-
keit durch Sorgfalt, Esslust und Anbetung des Bauchs durch das Fasten
und die Enthaltsamkeit, Schwatzhaftigkeit durch das Schweigen, Kritik
anderer und bose Nachrede durch die Selbstruge und das Gebet, Lustem-
heit, Unzucht, Ehebruch und die anderen Siinden des Fleisches durch
das Denken an den Tod, an das Kommende Gericht, die Vergeltung und
die Hoile. So wird genereh jede Siinde besiegt durch die Tugend, wie
der Prophet und Konig David sagt: EE/?<7e oh vo/u Rose/? M//R t//
&/.S' Gt/te. Wiilst du also, dass auch du und ich und aiie Christen befreit
werden von der Siinde des Hochmuts, der Mutter aller Siinden und
Urheberin allen Unheiis, so werden wir davon freiwerden durch die
demtitige GesinnungV

77. P/'/este/', Pe/c7/tw/te/*;;//?/ P/etR^e/' - 1T//Ae/: //// To/:r/

Im Mărz 1912 wurde Vater


Phiiotheos zum Priester ge-
weiht und im Oktober 1913
erhob ihn der Metropoiit von
Paronaxia zum Archimandri-
ten. Von da an begann er als
Beichtvater zu wirken und
das Wort Gottes zu verkiin-
den, zunăchst auf Păros und
auf der Nachbarinsel Naxos,
spăter auch auf Syros und
Tinos sowie in Athen. Sein
R uf als Beichtvater und
Prediger verbreitete sich
immer mehr, und bald rief
man ihn an viele verschiede-
ne Orte. So dehnte sich sein
Wirken ab 1916 allmăhlich
auf ganz Griechenland aus.

Auro^toypaq/ta, loc.cit., S. 64-65


322 PMdtAeo.y von Păros'

72. P/^/yh/:r^w -
77ft7/^as Z,#H% Amr/t, Â gyp^/:, Hr/;ns, TSTo/M^oA^/nopg/

Immerdar auf der Wanderschaft zum oberen Jerusalem im Geiste,


war der Altvater auch auf dieser Erde ein unermiidlicher Pilger, stets
auf der Suche nach den Spuren des himmiischen Geliebten. 1924
unternahm er eine mehnnonatige Piigerfahrt ins Heilige Land, auf den
Sinai und nach Âgypten, tiber die er in zahireichen Briefen an seinen
Abt in Longovarda berichtete und deren geistige Friichte er mit seinen
Mitmenschen teilte in einer seiner charakteristischsten Schriften, mit
dem Titet Meya x at O aupaoiov jtoooxijviipo. ev 11a k a to i ivii x a t I tv a
(„Grosse und wunderbare Piigerreise nach Palăstina und auf den Sinai").
Nach seiner Ruckkehr aus Âgypten im Sommer 1924 pilgerte er ein
zweites Mal auf den Athos, wo er abermals alle Kloster und Skiten
besuchte.
1934 schliesslich begab er sich nach Konstantinopel, der „Konigin
der Stădte", die zu sehen er sich seit langem gesehnt hatte. „Hier ver-
sammelten sich die meisten der Heiligen Okumenischen und lokalen
Konzile, durch welche der Orthodoxe Glaube gefestigt worden ist. Hier
geschahen mehr Ereignisse von grosser kirchengeschichtlicher Trag-
weite als in irgendeiner anderen Stadt, Jerusalem ausgenommen. în
Konstantinopel gibt es viele bedeutsame historische Kirchen, deren
wichtigste jene der Hagia Sophia (der „Heiligen Weisheit Gottes") ist...
Aus Griinden, die der Herr allein weiss, wurde diese Kirche wie viele
andere nach der Eroberung Konstantinopels durch die Tiirken in eine
Moschee verwandelt.' Mein sehnlichster Wunsch war, Hagia Sophia
wiederum als christliche Kirche zu sehen und darin die Gottliche Litur-
gie zu zelebrieren. Doch weil die Sunden von uns Griechen, des Klerus
ebenso wie des Volkes, uberhandgenommen haben und ubcrbordcn, hat
der Konig Aller dies bisher nicht zugelassen, denn Er wartet auf unse-
ren Sinneswandel und unsere Umkehr."^
Wie jeder Jiinger Christi beseelt von einem tiefen und unerschutter-
lichen Glauben an das Heilswerk des Herm und an die Einzigkeit des
Heilswegs in Seiner Kirche, hatte Vater Philotheos, ursprunglich die
Absicht, Mustapha Kemal Ataturk aufzusuchen, um ihn zur Annahme
des Christentums zu bewegen. Patriarch Photios jedoch, der hiervon
neue Repressalien gegen das Patriarchat von Konstantinopel befurchte-

' Kemat Ataturk solite sie 1935 zu einem Museum machen, was sie bis heute ist.
^ Op. und ioc.cit., S. 91.
7. Le&en 323

te, riet ihm davon ab, und so begnugte sich der Aitvater schiiesslich
damit, einen Brief an den turkischen Ftihrer zu schreiben. Nicht lange
danach erkrankte ietzterer und 1938 starb er noch jung.

/3. ZM/M HAt vow ron


M/id A^/rr7m/!

Schon einige Jahre vor seiner Reise nach Konstantinopel, nămlich


1930, war Aitvater Philotheos als Nachfolger des entschlafenen Abtes
Hierotheos zum neuen Abt des Klosters Longovarda gewăhlt worden.
Auch in diesem Amt fuhr er fort, als Prediger und Beichtvater zu wirken,
nicht nur auf Păros und den umgebenden Inseln, sondem in vielen
anderen Teilen Griechenlands, und der Kreis seiner geistigen Sohne
und Tochter wurde immer breiter.
Im gleichen Jahr erbaute er das
Kirchlein Aller Heiligen auf dem
Berg des Propheten Elias - der
seither Berg A ller Heiligen
genannt wird mit Asketen-
zellen nebenan, wohin er sich
fortan des ofteren zurtickzog und
mehrmals 40 Tage in volliger
Enthaltung von jeder Speise aus-
ser dem Antidoron verbrachte.
Ausserdem erweiterte und ver-
schonerte er das nahegelegene
alte Kirchlein des Propheten
Elias, und 1935 grundete er fur
einige seiner geistigen Tochter
am Nordfuss des Bergs, an einem
einsamen Ort namens Thapsanâ,
das Kloster der Gottesm utter
Myrtidiotissa. An diesem Ort be-
fand sich von alters her eine kleine Metochie des Klosters Nea Moni
von Chios, mit einem Kirchlein zu Ehren der Heiligen Begegnung
(Ypapanti). Der hl. Nektarios, der Monch war von Nea Moni, pflegte
sich friiher hin und wieder an diesen Ort zuruckzuziehen. Es gelang
dem Aitvater, mit Hilfe einiger seiner geistigen Kinder diese Metochie
zu erwerben, und 1938 zogen die ersten Monchinnen in das neue
324 H/fvater PMof/?eo.s von

Kloster ein. Heute ist es, nach mehrmaligen Erweiterungen und dem
Bau einer neuen Kirche im Jahr 1979, mit 34 Monchinnen das grosste
Kloster von Păros.
Der Altvater griindcte noch ein anderes, kleineres Kloster auf Păros
sowie insgesamt rund ein Dutzend Kirchen. Er sorgte auch fur die
Ruckfuhrung der Reliquien des hl. Athanasios von Păros (Fest 24.6.),
der in Chios entschlafen war, in seine Heimat und forderte die Ver-
ehrung anderer bedeutender Heiligen dieser kleinen, aber an geistigen
Schătzen so reichen Kykladen-Insel', insbesondere jene der hl.
Theoktisti (Fest 9.11.) und des hl. Arsenios (Fest 18.8. und 31.1.),
deren Leben er schrieb und fur die er die Fest-Gottesdienste verfasste.

74. Zmc/Aa* vo/: /25 zHw 7b</


Wăhrend der deutsch-italienischen Besetzung im Zweiten Weltkrieg
(1941-1944) emăhrte das Kloster Longovarda viele Notleidende, und
wie der Altvater selbst schildert, vermochte es dank der Fiirbitten der
Allheiligen Gottesmutter, der Schutzherrin von Longovarda, und der
wunderbaren Erbarmungen Gottes tăglich 150 bis 200 Personen zu
speisen, obwohl die Vorrăte nur fur 80 reichten. So wurden in jenen
schweren Jahren rund 1500 Menschen, nicht nur von Păros, sondem
auch von den umliegenden Inseln, vor dem sicheren Hungertod gerettet.
Im Mai 1944 wurden in einem der Dorfer der Insei zwei junge deut-
sche Soldaten umgebracht und ein dritter verwundet. Als Vergeltung
erhăngten die Deutschen einen Jungling, den sie fur einen Komplizen
der Schuldigen hielten, und forderten zudem von den griechischen
Behorden die Auswahl und Auslieferung, bis zu einem bestimmten
Termin, von 125 Junglingen, um sie zu erschiessen. Alle Bemuhungen
der Notabeln von Păros, die deutschen Besetzer abzubringen von diesem
grausamen Entscheid, schlugen fehl. Der Ortskommandaiit G raf von
Beremberg liess bekanntmachen, dass der Entscheid nicht zur Diskus-
sion stehe und dass alle, die versuchten, in der Sache zu vermitteln,
streng bestraft wurden.
A uf Anregung eines gottesfurchtigen deutschen Leutnants lud Abt
Philotheos den Ortskommandanten daraufhin ins Kloster ein. Der

' Păros zăhlt insgesamt iiber 35 kteinere und grossere Kloster, die meisten heute
allerdings nicht mehr in Betrieb, sowie Hunderte von kleinen Landkirchlein. Die
Insei ist auch die Heimat von Altvater Joseph dem Hesychasten (s. Kapitel 4).
325

freundliche Empfang und die Gastfreundschaft der Monche machten


auf den strengen OIHzier soichen Eindruck, dass er am Schluss durch
seinen Dolmetscher sagen Hess, der Abt moge ihn urn eine Gunst bitten.
Altvater Phiiotheos bat ihn darum, das Leben der 125 Junglinge zu
schonen. Der Graf antwortete, untcr Berufung auf den Befehlsnotstand',
dass er diese Bitte nicht gewăhren konne, und sagte dem Abt, er solie
urn etwas anderes bitten. Da sagte der Altvater, der alle Menschen und
vorab jene von Păros als seine eigenen Brtider und Kinder empfand,
zum Dolmetscher:
- Wenn er das nicht gewăhren kann, dann moge er mir gewăhren, dass
auch ich zusammen mit den zum Tod Verurteilten hingerichtet werde,
und ich werde dies als grosse Gunst betrachten.
Dies bewegte den Kommandanten. Er reichte dem Abt die Eland, indem
er sagte:
- Ich schenke sie dir. Doch wame die Leute, damit inskunftig nichts
Âhnliches mehr geschieht, denn sonst werde ich gnadenlos sein.
Und er verliess das Kloster in Frieden, erfreut und erbaut von seinem
Aufenthalt dort.
Als die Besetzer einige Zeit spăter die Kirchlein Aller Heiligen und
des Propheten Elias auf dem Berg entweihten, empfand der Altvater
tiefsten Schmerz. Er weinte und rief den Allmăchtigen Gott sowie die
hl. Grossmartyrerin IrcnU an, damit sie die Besetzer vertrieben und
Frieden brăchten liber die Welt. Danach lud er alle Bewohner der Insei
zum gemeinsamen Gebet auf den Gipfel Aller Heiligen ein. Die gottes-
furchtigen Parioten folgten dem R uf wie ein einziger Mann. Von allen
Seiten her zogen sie, Junge und Alte, Gesunde und Kranke, zu Fuss
oder auf Reittieren zum Kirchlein hinauf und dort oben, năher bei Gott,
liessen sie zusammen mit ihrem Hirten, dem heiligen Altvater, ihre
innigen Gebete zum Himmel aufsteigen. Sie wurden erhort, und nicht
lange danach zogen die Besetzer ab von Păros und aus Griechenland
uberhaupt, hinterliessen allerdings tiefe Spuren ihres Aufenthalts.
Spăter băute man in Thapsanâ ein Kirchlein zu Ehren der hl. Irene,
zum Dank hiefur, aber auch zum Gedenken an jenen bewunderswerten
Freimut vor Gott.

' Er hatte nămlich den Befehi, fur jeden Deutschen, der getotet wurde, 50 Griechen
hinzurichten.
^ Fest 5. Mai. Ihr Name bedeutet „Frieden".
326 PMof/ieoj von Pu/os'

7 6 . 6 * g//n?.s /?/(/brs /7: lEnst^

Nach Ende des griechischen Btirgerkriegs im Jahr 1946 und bis ins
hohe Alter fuhr Altvater Philotheos fort, nebst seiner Tătigkeit als Abt
von Longovarda und geistiger Vater der Kloster Thapsană und Christou
Dâsso', zwei bis dreimal jăhrlich, auf Einladung ortlicher Metropoliten,
ausgedehnte Rundreisen zu unternehmen durch die Kykladen,
Makedonien, Thessalien, Mittelgriechenland und Peloponnes, um zu
predigen und Beichten abzunehmen. Die Zahl seiner geistigen Kinder
in diesen Gebieten ging in die Tausende, und mit Tausenden anderer in
der ganzen Welt stand er in regelmăssigem Briefkontakt.
„Seine Rede", bezeugt Metropolit Amphilochios von Montenegro,
der als junger Theologiestudent in Athen oft zu ihm nach Păros ging,
„floss wie ein friedlicher Strom, und du fuhltest, dass seine Woile nicht
aus seinem Him kamen, sondem aus seiner Seele. Sie waren das
Distillat seines Lebens. Wenn ich ihm zuhorte, in Longovarda oder im
Bergkirchlein Aller Heiligen,
wohin er sich in Askese
zurtickzuziehen pflegte, emp-
fand ich ihn als Patriarch der
Insei. Und seither, wann im-
mer ich an ihn denke, sehe
ich ihn so - als Patriarch von
Păros.
Unzăhlige fanden durch
ihn zum wahren Leben in
Christus, neuen Mut im Le­
ben und im geistigen Kampf.
Viele auch fuhrte er von Hă-
resien und Schismen zurilck
in die Kirche, und manchen
anderen verhalf er durch sein
Gebet zur Heilung von seeli-
schen und nach menschli-
chem Ermessen unheilbaren

' Der Transllguration geweihtes Ktoster aus dem 18. Jh. oberhatb des Insethauptorts
Parikia, als Grabstătte des hl. Arsenios von Păros heute ein vielbesuchter Pilgerort.
^ Kketiou iMavvtbii, fep o v n x d ron2 0 o u anuvo^, S. 137.
i. LeAe/i 327

korperiichen Leiden. Gott schenkte ihm vieie Gnadengaben, und die


Zeugnisse tiber seine Heilsichtigkeit und Kenntnis kommender Dinge
sind gross an Zahl.
in aii jenen Jahren nach Kiiegsende, ais die katastrophaien Folgen
der Parteiungen, der Kriegswirmisse und der fortschreitenden Verwelt-
iichung - sittiicher Verfall, Abkehr von Gott, Verzerrung des kirchii-
chen Lebens, Abfaii von der apostolischen Tradition und den Lehren
der Hi. Văter, Unterwerfung der Kirche unter irdische Zieisetzungen -
immer deutiicher hervortraten, erhob Altvater Phiiotheos die Stimme
eines Rufers in der Wiiste, um aiie, von den obersten Fuhrem von
Kirche und Staat bis zum einfachsten Glăubigen und Btirger, aufzu-
rufen zur Reue und zur Umkehr, nicht nur in seinen Predigten und
Homiiien, sondern auch in Schreiben an Staatsprăsidenten, Patriarchen
und Erzbischofe, an die Synode der Kirche von Griecheniand und das
griechische Pariament, in Buchem, Zeitschriften usw.
Darunter ragt besonders hervor die Schrift Ff Fo^(pata
(„Das nahende Schwert"), worin er seine Landsleute eindringlich zur
Einheit aufruft und wamt davor, sich in jedweicher irdischen Gefahr
auf die Măchtigen dieser Erde zu veriassen, gemăss dem Wort des
Psaimisten: FErtmttt /Ec/A att/ FFe/viscAeg att/' Fe/
Aeme F?gEMttg Ai (Ps 145,3). Denn die Rettung kommt von Gott
aiiein, und dies nur dann, wenn wir aufrichtig unsere Stinden bereuen
und umkehren zu Ihm.
Anfangs der 60er Jahre wandte er sich gegen die vcrfruhtcn Mass-
nahmen von Patriarch Athenagoras zur Vereinigung mit Rom, ohne
dass die hiefur uneriăssiichen Voraussetzungen gegeben wăren, und hier
fuhrte er die diesbezugiichen Schriften des heiligen Nektarios an, die
diese Voraussetzungen im Geist der Orthodoxie kiar dariegen, insbe-
sondere: Verzicht auf den păpstiichen Primatsanspruch, Anerkennung
der Okumenischen Konzile als Grundlage der Kirche, Abkehr der west-
iichen Kirche von ihrem bisherigen Sonderieben und ihre reumutige
Riickkehr in den Schoss der Kirche.' Er wamte den Patriarchen vor der
Gefahr weiterer Spaltungen unter den Orthodoxen ais Foige solcher
eigenmăchtiger und durch begrenzte Interessen motivierter Schritte, wo

' N exiapton Ere. neviajtbkewg, rmvAAtravrov^'xipM arogxatJTEpt


rov A b w a ro u ?? z tw a ro v („Studie uber die Ursachen des Schismas
und uber die Unmogiichkeit oder Mogiichkeit der Vereinigung"), Athen i 9H, S.9,
Neuauflage Athen 1998. Zitiert in O ffprnv <PtAo&o^ Zep/fdxog', Togog A',
Orlhodoxos Kypseli, Thessaloniki 1980, S. 291-292.
328 von Paro^

doch das Gebot der Stunde fur die Kirche zunăchst ist, die bestehenden
Schismen und Konllikte unter den Orthodoxen selbst zu uberwinden.

Altvater Phiiotheos unterhielt enge Beziehungen zu vielen anderen


geistigen Mitstreitem und Aitvătem seiner Zeit, insbesondere zu Alt­
vater Amphiiochios von Patmos (s. K ap.l), Abt Gabriel von Dionysios,
Vater Epiphânios Theodoropoulos von Athen, Archimandrit Joel Gian-
nakopoulos von Kalamâta u.a. Zu seinen geistigen Sohnen gehorten
auch eminente Verteidiger der heiligen Tradition wie Photis Kontoglou,
Dichter, Schriftsteller und Emeuerer der authentischen orthodoxen
Ikonographie. Er inspirierte ferner die Grundung des Verlags
„Orthodoxos Kypscti" zur Verbreitung der Schriften der Heiligen Vater.

76. M/n/ 77f/!gaHg

Die letzten zehn Jahre seines irdischen Daseins, das heisst 1970-
1980, verbrachte Altvater Phiiotheos, nunmehr um die 90, meist in
Thapsanâ, wo er 1970 ausserhalb der Klostermauem ein Kirchlein zu
Ehren des hl. Nektarios erbaut hatte, mit einer kleinen Monchszelle
nebenan, die bereits sein Grab enthielt. Als man ihn einmal tragte,
warum er dies so geordnet habe, antwortete er:
- Mein ganzen Leben lang habe ich mich stets bemirht, niemandem zur
Last zu fallen. Jetzt, wo ich alt geworden bin, kann Gott mich
jederzeit zu sich nehmen. Deshalb habe ich mir selbst das Grab
7. Ze&eM

gerichtet, und ich hoffe, dass ich mir


in meinem Leben wenigstens soviel
verdient habe, dass sich jemand finden
wird, der mich vom Bett ins Grab trăgt.
Wtisste ich die Stunde meines Todes
im voraus, wurdc ich mich statt ins
Bett ins Grab iegen, damit ich selbst in
dieser Sache meinen Năchsten nicht
zur Last falie.'
Sich selbst aber schonte er in keiner
Weise. Sein brennendes Verlangen,
jeder leidenden Seele zu helfen, liess
ihn seinen altemden Leib vergessen.
Oftmals fiel er, nach unununterbroche-
ner Abnahme von Beichten wăhrend
des ganzen Tags, am spăten Abend wie
tot aufs Lager, mit dem Gefuhl, dass er nicht wieder aufstehen werde.
„Doch in der Fruhe erwachte ich vollig heil und gesund. Dies verwun-
derte mich oft und brachte mir meine eigene Schwăche und die Stărke
der Gnade Gottes zum Bewusstsein, ohne die wir nichts tun konnen.
Und ich sagte mir: Nicht ich habe mich gemtiht, vielmehr war es die
Gnade Gottes, die mich stărkt."
„Sein Schmerz fur jene, die sich entfemt hatten vom Willen Gottes",
erinnem sich die Schwestem von Thapsanâ, „und fur die Fehler jener,
die die Kirche leiten, war grenzenlos. Die Neigung seines Herzens,
allen Menschen zu helfen durch sein inniges Gebet, bewog ihn zu
verschiedenen Arten der Furbitte. Oftmals gab er uns Schwestem
Weisung, damit auch wir alle mitwirkten an seinem Bemuhen. Er sagte.
'Betet eine Gebetsschnur in euren Zellen und bittet den Flerrn, die
Hierarchen der Kirche von Griechenland zu erleuchten, damit sie die
Orthodoxie unverfalscht bewahren.' Andere Male fugte er bei: 'Betet
eine Gebetsschnur zur Allheiligen Gottesmutter, damit sie uns alle
bewahre vor den Fallen des Teufels.' Oder: 'Betet auch eine Gebets­
schnur mit der Bitte an die Apostel, den Glăubigen zu helfen, fest zu
bleiben im Orthodoxen G lauben'... Wenn ihn ein speziflsches Problem
beschăftigte, enthielt er sich jeder Nahrung."^

' In: KXeiion Imavvt&p, Fepovrtxo, op.cit., S. 135.


^ Erinnerungen der Schwestem v. Thapsana, in: O Fepmv thtAddeo^, op.cit., S. 567 ff.
330 von Paro.y

Obwohl er im 20. Jahrhundert lebte, fuhrte er das asketische Leben


der Wustenvăter des 4. Jahrhunderts. Bei aiiedem bewahrte er stets
tiefste Demut und bemtihte sich, seinen inneren Schatz zu verbergen.
Einmai sagte er: „Ich kann das Lob der Menschen nicht ertragen. Sie
kommen hierher und verehren mich, ohne zu wissen, dass ich der
schlimmste Siinder bin, und so uberliefem sie mich dem Widersacher."
Und am Schluss seiner Autobiographie schrieb er: „Was immer Gutes
getan wurde durch mich, war nicht von mir, sondem von der Gnade
und Hilfe Gottes. Mein sind nur die vielen Sunden..."
Fur die Schwestem von Thapsană war jenes letzte Jahrzehnt eine
goidene Zeit: „Die Gegenwart des heiligen Altvaters erfullte unsere
Seelen. Das liturgische Leben des Klosters hatte die ganze Majestăt der
Kloster des Heiiigen Bergs... Wăhrend der Gottesdienste war er wie
ein himmlisches Wesen. Er hatte so viei gottliches Feuer in seinem
Herzen, dass er es aiien ubermittelte, die um ihn w aren..."'
Bis ins Aiter von 92 Jahren zeiebrierte er wdchentiich drei bis funf
Liturgien, und dies stets mit grosser Ergriffcnheit und unter Trănen. O h
zeiebrierte er auch oben in seinem geliebten Kirchlein Aller Heiligen,
jener gesegneten Stătte, wo er sich tagelang absolutem Fasten, dem
ununterbrochenen Gebet und der inneren Betrachtung hingab. Im Juli
1979 ritt er, 95-jăhrig, auf dem Maultier zum letzten Mal dort hinauf.

Ebenda, S. 570.
331

Im Februar 1980 erkrankte der AItvater. Er sagte zu den Schwestern:


„Ob ihr es wollt oder nicht, ich werde weggehen. Im ubrigen ist zu
eurem Vorteil, wenn ich gehe... Finde ich Freimut vor Gott, werde ich
aHezeit bei euch sein." Obwohi er erschoplt und so schwach war, dass
er sich kaurn noch bewegen konnte, liess er es sich nicht nehmen, an
aHen Gottesdiensten der Grossen Fastenzeit teilzunehmen, die die
Schwestern in seiner Zelle lasen, mitsamt aHen zusătzlichen Lesungen
aus den Heiligen Vătem, wie sie in Kldstem ublich sind. Sein Durst nach
dem Wort Gottes, nach den Gebeten und Hymnen der Kirche war so
gross, dass er sie Tag und Nacht horen konnte, ohne ihrer uberdrtissig
zu werden. Er nahm so innigen Antei! an aHem, was gelesen wurde,
dass er oftmals weinte und ausrief: „Herr, erbarme Dich. Ehre sei Dir,
o Gott!"
Bei aHen Schmerzen wusste sein heiliger Mund nur eines zu sagen.
„Verherrlicht sei Gott." Als sie in der Woche nach Pascha stărker
wurden, Iragten die Schwestern:
- Geronta, wolit ihr, dass wir euch eine Pille bringen, um den Schmerz
zu lindem?
- Jawohi, ich will, dass ihr mir „Der Engei rie f' singt.
Und so wurde ihm das Megalinarion der 9. Ode des Pascha-Kanons
zum Schmerzmittel. Die Hymnen der Kirche waren die beste Medizin
Iur den heitigen AItvater.
Am fruhen Morgen des 8. Mai 1980 entflog seine Seele mit drei
Atemzugen zu den himmlischen Wohnstătten, nach denen sie sich von
jeher gesehnt hatte.
Sein Leib wurde seinem Wunsch gemăss in seinem Grab in der Zelle
des Kirchleins des HI. Nektarios beigesetzt. Die Hebung der wohlduf-
tenden Reliquien erfolgte am 24.9.1993, und heute befinden sie sich in
der Hauptkirche des Klosters Thapsanâ.
332 y4Ava?er P/nVotAco^ von Poro^

II. - Aus den Schriften

E/^Af Gott...

A 4" eine ge)iebten Kinder, Iiebt Gott, damit ihr ewige Gnade Endet.
IV J^Z ieh t nichts Seiner Liebe vor, damit ihr, wenn Er in Seiner
Herriichkeit kommt, Erquickung Endet zusammen mit ailen Heiiigen
und durch deren Fiirbitten sowie jener der AHheiligen Mutter unseres
Herrn Jesus Christus des Reichs der Himmel tur wurdig befunden
werdet. Dies ist mein ietztes Vermăchtnis an euch. Es ist der grosste
Reichtum, das grosste Erbe, das ich euch hinteriasse. Seinesgleichen
oder ein hoheres gibt es nicht.'

...und euren Năchsten wle euch selbst


Ţ ch mochte auf einen hohen Berg steigen und eine măchtige Stimme
J-haben, um zu rufen, sodass aile Welt es horen kann: Menschen,
Menschen, warum iiebt ihr das Nichtige und hăngt euch an Trug,
Habsucht und Unrecht? warum beneidet ihr einander? Woilt ihr
giuckiich sein im jetzigen, vergăngiichen Leben und noch glucklicher
im kommenden und ewigen? Dann Iiebt Gott mit eurer ganzen Seeie
und eurem ganzen Herzen, Iiebt auch euren Năchsten wie euch seibst,
denn a/; tA'aygM AcA/c/t GeAoten AA'/tget? At/.s* ga/tze Gc.sctz ttnJ Jt'e
PropAeteo (Mt 22,40).

Dos ITAnAc/* Atrzl/jostG

A is unser Herr Jesus Christus, wenige Tage vor Seiner treiwiliigen


Y Y Passion und Seiner Auferstehung in Eterriichkeit drei Tage danach,
den Jungem Seine letzten Gebote und Weisungen erteiite, gab Er ihnen
auch folgendes Gebot: AA'e,s geAiete AcA eocA - tA/vs* /Ar em onJer A'eAt
(Joh 15,17). Indem sie dieses Gebot hielten, gelang es den heiiigen
Aposteln und Jungem des Erlosers, ohne Krieg, ohne Vergiessen von
Blut (es sei denn ihres eigenen), ohne Mord, ohne Raub und Unrecht
den gesamten damals bekannten Erdkreis dem Christentum unterzu-

Aus dem Geistigen Testament, in: O Peptov PtAoAeog, op. cit., S. 693.
333

ordnen, dem Banner des Gekreuzigten. Gross wahrhaftig ist dieser


Erfolg! Ein grosses Wunder, das jeden vemunftig Denkenden und
Fuhlenden erstaunt! Zwoif einfache Menschen, ungebildete Fischer,
ohne Waffen, ohne Tasche, ohne Ştab, arm, ohne Geld in ihren Gurteln,
bewaffnet ailein mit dem Giauben und der Liebe, zogen los von
Jerusalem, um den ganzen Erdkreis zu erobern.'

Ţ I ' s ist als săhe ich sie leibhaftig heraustreten aus Jerusaiem, und ich
i —/ frage sie:
- Jtinger und Apostei des Erlosers, wo geht ihr hin?
- Wir gehen, die Volker unter das Banner des Kreuzcs zu stellen, das
Kreuz des Gekreuzigten.
- Aber, wie werdet ihr das tun? Ffabt ihr Waffen, habt ihr ein Heer?
- Wir haben weder Ştab noch Tasche.
- Wie dann werdet ihr, so wenige, bloss zwoif an der Zahl, alie Voiker
unterordnen?
- Wir werden sie unterordnen.
- Eiabt ihr Reichtum, Goid, um ihnen zu schmeicheln und sie zu locken?
- Nein, wir haben nichts, keinen Heller.
- Eiabt ihr vieheicht Weisheit? Seid ihr Gelehrte, sodass ihr sie mit
euren weisen Worten, mit euren Lehren uberzeugen werdet?
- Nein, wir wissen nichts, wir sind ungebildet. Die meisten von uns
sind Fischer.
- Aber, wie denn werdet ihr sie unterordnen?
- Mit dem Giauben und mit der Liebe. Mit diesen beiden Waffen
werden wir die ganze Welt unterordnen?

A Îs die Leute vemahmen und begriffen, dass die heiiigen Apostei


T A eine neue Religion verkundeten, einen Gekreuzigten Gott, erhob
sich die ganze Welt gegen sie. Kaiser, Konige, Statthalter, Gouvemeure,
Satrapen, Heerfuhrer, alle Geschlechter der Menschen, alle Schulen der
Philosophen, sturzten sich wie wilde Tiere, wie reissende Wolfe mit
Wut und Barbarei, mit Schwertem, mit Dolchen, mit allen Mord- und
Kriegswerkzeugen der damaligen Zeit, auf die Zw oif Schafe, die Jun-
ger Christi, die waffenlosen und armen Fischer vom See Genezareth,
um sie in Stficke zu hauen. Doch jene armen Fischer, die unbewaffne-
ten und ungebildeten, besiegten die ganze Welt! Wie besiegten sie

' Aus der Schrift „Liebt einander", loc. cit., S. 239 ff.
- Homelie zum Fest des HI. Nektarios, loc. cit., S. 174.
334 ztAvater FAAoAieo^ vor

sie? Mit dem Glauben und mit der Liebe. Deshalb sagten sie, sich des
Herm rtihmend: D;A.S' At A<?/* &eg, Aer Aie ReA Ae.s;'egt Aot - u/rs'er
G/or/Ae (1 Joh 5,4).

iaube und Liebe sind untrennbar miteinander verbunden. Glaube


v J ohne Liebe kann weder Glaube genannt werden, noch ist er es. Es
ist ein Pseudo-Glaube, ein toter Glaube... Desgleichen ist Liebe ohne
Glaube nicht wahre Liebe, sondem eine Pseudo-Liebe, eine tote Liebe.

A / f it dem Glauben und mit der Liebe besiegten die zw olf einfachen
1VJL und unbcwaffnetcn Mănner in der Tat die ganze Welt. Aber, ist es
je moglich, dass zw olf waffenlose Menschen soviele Millionen
besiegen? Unmoglich, unmoglich! Ftir Menschen ist es in der Tat
unmoglich, fur Gott aber ist es durchaus moglich, denn Aei Aen
Afens'cAen MnwogAc/! A/, At wd'g/A'A hei Gott... Die heiligen Apostel
hatten die Liebe, und wer die Liebe hat, hat Gott bei sich, wie der in
den Hohen kreisende Adler der Theologie, Johannes der Evangelist,
uns sagt: Gott At Aie D'eAe, nnA wer tn Aer LieAc we.s't, we.s*t to Gott orA
Gott A: tAm (1 Joh 4,16). Gott ist stărker und măchtiger als alle. Mit
einem einzigen Wort erschuf Er die Welt, mit einem einzigen Wink
lăsst Er die Erde erzittem und erbeben, wie der Prophet und Konig
David sagt: Ah D er OM/ Ate DrAe .s'eAoMt, M/zA.sie erztttert (Ps 103,32).

Ţ A esh alb verktindet die aus Gold getriebene Trompete unserer


J-V K irche, jene goldene Zunge und Seele, jenes goldene Herz,
Johannes Chrysostomos, voii der Bewunderung fur die Macht der
Tugend der Liebe: „Nichts ist hoher als die Liebe, und nichts kommt ihr
gleich. Die Bosheit, selbst wenn sie die ganze Welt auf ihrer Seite hat,
ist schwăcher als alle, die Liebe aber, solite sie auch allein dastehen, ist
stărker als alle, denn Gott steht bei ihr." Der strahlende Sieg der
heiligen Apostel war mithin nicht Menschenwerk, er war das Werk der
Macht Gottes. Sie wirkten dies unubertroffene Werk und Wunder, weil
sie die Liebe hatten, das heisst Gott.

Aos GAA, A: Ae?n Am ZAcAe reg/ert

Q elig das Volk, in dem die Liebe regiert. Selig die Kirche und der
k J Staat, wo die Gott gemăsse Liebe wohnt, wo Friede und Eintracht
herrscht zwischen Regierenden und Regierten. Welcher Segen Gottes
77. 7,e/?re 335

ist dort! welches Gltick! welche Seligkeit! welch irdisches Paradies!...


O selige Liebe, wie lichtvoll bist du! wie siiss! Warum? Weil du Gott
in dir hast.

Ţ 'X ie Liebe bindet alles zusammen zur Einmtitigkeit, zum Frieden


J-V u n d zur Eintracht, sie vereint den Menschen mit dem Menschen
und ahe Menschen mit Gott und Gott mit den M enschen... Soiange uns
die echte und aufrichtige Liebe fehlt, leben wir fem von Gott. Von
dieser Stunde an und bis ans Ende lasst uns danach streben, die Liebe
zu erlangen, damit wir bei Gott bleiben und Gott bei u n s...

O Afe??se/?e/?, /m/ici ei??/

Menschen! Menschen! Ich bitte euch, haltet ein! Warum eiit ihr so
V V schnei) dahin auf dem Pfad der Siinde? Seht ihr nicht die Gefahr?
Seht ihr nicht den Abgrund, den Absturz vor euch? Die Tiere, die ohne
Vemunft sind, wenn sie an einen Abgrund geiangen, zu einem
Felsabsturz, halten sie an. Sie lassen sich lieber toten, als dass sie sich
in den Abgrund sturzen. Und ihr Menschen, die ihr Augen habt, ich
bitte euch, mit offenen Augen stiirzt ihr euch in den Abgrund?'

l ^ \ e r hl. Johannes von Damaskus, der Lehrer der Orthodoxie, sagt


-L vuns: „Wir haben von Gott die Macht empfangen, Kinder Gottes zu
werden, doch wir werden nicht Seine Kinder werden, wenn wir nicht
unsere Leidenschaften ablegen."

Ţ*"\er Apostel Paulus sagt: Rer&7 ???ei??e Aac/?r?A???e?; .s*o wie ic/?
J-VAGc/?<3/??7?er CDis??* /??7? (1 Kor 11,1)... Werdet selbst Heilige.
Auch wenn ihr nicht das Mass erreicht, das er erreichte, zumindest lasst
uns die Siinde hassen und sie verlassen, denn die Siinde gebiert den
Tod. D er Lo/??? J e r .SYAtZe i.st J e r 7or/ (Rom 6,23). Lieben wir die
Tugend und lieben wir Gott.

ott gebietet uns nicht unmogliche Dinge. Wir sind es, die sie un-
v J moglich machen, denn wir finden Gefallen am Weg des Teufels,
am Weg der Siinde, der Falschheit, der Verleumdung, der iiblen Nach-
rede und jeder anderen Verderbtheit. Doch es ist nicht schwer, meine

' Aus der Schrift Ayuymre AXATiAcug („Liebt einander"), loc. cit., 239-247.
336

Kinder, die Tugend zu lieben und insbesondere die Liebe zu iieben,


jene Liebe, die Gott ist.

Q o macht denn heute den Anfang, indem ihr euch zuallererst reinigt
^ von jeder Befieckung der Siinde, durch Reue und durch Beichte.
Diese beiden machen den Menschen rein von jeder Siinde, sie machen
ihn vom Siinder augenbiickiich zum Gerechten. Der Schăcher war
siindig, seine Hănde trieften von Biut, doch ais er bereute und das
GeJenAe /Mcmct; //cr/i wcMM Du Ao/tt/trs't in Dcinc/!! Kd/u'g/un: sagte,
gewann er in einem einzigen Augenblick das Erbarmen Gottes,
empfing er die Vergebung und ward gerettet. Doch jenes
/Mcmct; E/err sagte er aus der Tiefe seines Herzens, er sagte es mit auf-
richtiger Reue. Er sagte es mit Seutzen und unter Trănen, und deshaib
wurde er augenbiickiich erhort. /Vc;Pe /;oc/? iv/r.st t/a /uit Mm
Pa/v/<dA,se .sch? (Lk 23, 42-43).

^ P erschwenderisch, verderbt, unniitz, unziichtig und ausschweifend


V war der Veriorene Sohn, doch sobald er zur Besinnung kam und
sich entschioss, zuriickzukehren zu seinem Vater, kam ihm der Vater
entgegen. Er eilte, ihn zu umarmen, kusste ihn und nahm ihn wieder an.
Er machte ihn wieder zu seinem Kind. Von solcher Giite ist Gott. Seid
deshaib nicht nachiăssig, denn wir wissen nicht die Stunde und den
Augenbiick des Todes. Vieiieicht sterben wir schon morgen, und so
werden wir in Siinde sterben, und in der Totenwelt ist Reue und
Umkehr nicht mehr moglich. Deshaib soiien aiie, die Siinden auf sich
tragen, sich abkehren davon und bereuen von dieser Stunde and

D/c Mtc/m MocA t/ca! GVacA

A ile Menschen in ailer Welt, junge und alte, Mănner und Frauen,
Y Y w o ile n giiicklich sein. Schon von klein an und mehr noch, wenn
sie herangewachsen sind, iiberiegen sie sich, wie sie reich, wie gliick-
lich werden konnen in diesem vergăngiichen Dasein. Die meisten
Menschen meinen, das Giiick sei der Reichtum. Sie giauben, dass der
Reiche wirklich giiicklich sei. Deshaib streben aiie danach, vergăng­
iichen irdischen Reichtum zu eriangen. Sie miihen sich in der Arbeit,
gehen in die Fremde, plagen sich Tag und Nacht um eines verderb-

Homilie zum Fest des Fii. Nektarios, ioc. cit., S. 178-179.


77. 7e/;re 337

lichen Reichtums willen, eines materiellen und kurzlebigen Reichtums,


der die Menschen, die ihn besitzen, nicht giiicklich macht. Oftmals
macht er sie sogar unglucklich, und deshaib sagt unser Herr Jesus
Christus im heiligen Evangelium: &7/7?/7?e/7 .ScAd'tze 7777/ 'Err/c/?,...
.sYwwze/t &'/?h7ze in Jc/; T7in;/77e/n (s. Mt 6, 19-21).

Ec7'gA/:g/7c/7Ac7t #//^s /7Y//sc/7C77

* T \e r Reichtum, den einer hienieden erwirbt, vergeht. Oftmals


J -V werden Menschen, die Reichtum besitzen, von Dieben ermordet,
weil diese ihren Reichtum fur sich selbst haben wollen. Andere Male
wiederum kommen Ungliick, Krankheit und weitere Ubel und machen
die Reichen unglucklich und arm. Und selbst wenn sie ihren Reichtum
ihr Leben lang bewahren, werden sie ihn doch am Ende verlieren, denn
wenn sie ausziehen aus diesem vergănglichen Leben, konnen sie nichts
mitnehmen davon. Hienieden sind wir alle Fremdlinge und Voriiber-
ziehende, und kein Mensch wurde geboren, der nicht auch sterben
w ird... und nach dem Tod A/eiAt &Y* /70cA m/cA
Acg/cAct J a r mii Jew 7^o/77777c/7 Je.s- ToJes' verycAwm Jet ai/

l ^ \ i e Reichen verlassen diese Welt ebenso wie die A rm en... Deshaib


J-V sin g t der Prophet und Konig David: hhw? Je r /A'e.s.s't,
AAJgt 777'cAt eMgr AAerz J 07Y777 (Ps 61,11).

A ndere Leute meinen, Ehren und gute Stellung wiirden ihnen zum,
Z x .G lu c k verhelfen. Sie glauben, wenn jemand ein hohes Amt
erlange, gute Bildung erwerbe und Professor werde oder Minister,
General, Ronig, Patriarch, Metropolit usw., so sei dies das Gliick, der
einzige Ruhm. Doch auch sie sind im Irrtum, denn irdische Ehren und
Ruhm bringen nicht Glrick.

och andere, elender und torichter als die vorhergehenden, glauben,


1 i dass des Menschen Glrick darin liege, gut zu essen, zu trinken,
sich seinen siindigen Begierden hinzugeben und sich im Morast der
Unzucht zu wălzen... Sie glauben, dass jene, die sich abgeben mit
solchen Dingen, giiicklich sind. Doch sie sind die unglucklichsten und
erbarmenswertesten von allen. Sie werden krank und enden in
Spitălem und Psychiatrischen Kliniken.
338 vo/? Paro^

Dos G/AcA

T ^ \a s wahre Gliick, meine Kinder, liegt weder im Reichtum, noch in


J - v d e n Ehren noch in den Geniissen des Leibs. Das wahre Gliick liegt
in der Tugend. Jene, die darum ringen, die Tugenden zu erlangen und
die Gebote Gottes zu halten, sie sind es, die wirklich gliicklich sind...
Der Tugendreiche hat Gott bei sich und deshalb fehlt ihm nichts. EAm
Goii ttth tt/ts* ist, vertrtag Achter ctuw.s' gege/t ://M. Wenn Gott mit uns ist,
was mehr konnten wir begehren? Wer ist reicher als Gott? Wer wăre
besser imstand, uns zu ehren, uns zu verherrlichen und uns gliicklich zu
machen?

Ţ assen wir uns nicht irrefiihren vom Satan und das Gliick anderswo
J-^/suchen, denn nur mit dem Halten der Gebote Gottes und dem
Erwerb der Tugenden werden wir das wahre Gliick erringen.

D i e guten Dinge werden nur mit Miihe und mit Schmerz erlangt.

Ţ Ţ altet euch allezeit das Beispiel der heiligen Apostel und des heili-
j n gen Vorlăufers vor Augen, sowie auch jenes der anderen Heiligen,
die den vergănglichen Reichtum verachteten und hingingen und in
Wiisten, Hohlen und Lochem wohnten, um den verborgenen Schatz zu
finden, die kostbare Perle, Christus. Sie zogen es vor, zu leben wie der
Vorlăufer und sich wie er zu emăhren von wilden Krăutern und trocke-
nem Brot, einzig und allein um einszuwerden mit Christus.'

/frrsst r/cH EfocA/MMt

Wenn alle Tugenden vorhanden sind, aber die Demut fehlt, reichen sie
nicht aus, sind nutzlos und sogar gefahrlich... Achtet sehr darauf, den
Hochmut zu hassen, den der Teufel unablăssig im Denken des
Menschen sat, indem er ihm einfliistert, er sei etwas, er tue etwas, und
ihn soweit bringt, dass er die anderen verurteilt.

' Aus der Homelie „Uber das Gltick", loc.cit., S. 187 ff.
//. LeAre 339

A H 7^^ sind in schwierigen und bosen Tagen angelangt. Der Zorn des
V V Herm ist tiber uns gekommen. Noch wird er zuriickgehalten
durch die Gebete und Furbittcn Seiner Allheiiigen Mutter und der
Heiligen im Himmel sowie der wenigen Auserwăhlten auf Erden. Doch
wir miissen uns bereithalten - unseren Sinn ăndern und umkehren zu
Ihm, damit wir wenigstens unsere Seelen retten...

ur eine einzige Ursache der Kriege tinde ich - die vielen Siinden
1 i der Menschen. Sie sind es, die die Kriege verursachen. Dies sagt
der untrtigerische Mund unseres Erlosers, Jesus Christus: IPcgen c/cn?
G/7c?7?cn7c/nc/?n?cn c/es' EnrecAt.s cr/rc?/ici c/ie EieOe c/er vie/en (s. Mt
24,12).

^ 7 u Unrecht schieben die Menschen einander die Schuld zu tur den


A-cKrieg. Die Ursache ist die Stinde, die den Menschen von Gott
entfemt, und fem von Gott verderben die Menschen, wie der Heitige
Geist durch den Propheten David sagt: Die .sic/? eri/er/?en von Di?:
ge/?en in.s Urc/crOcn (Ps 72,27).

Warnw: wir nicAi /:ei/ig werc/en

Ţ ^ \ie Ursache liegt bei uns selbst. Es ist erstens unsere schlechte
J-V N eigung, zweitens unsere Nachlăssigkeit und Trăgheit, drittens
unsere geringe oder tiberhaupt nicht vorhandene Liebe tur Gott und die
himmlischen Dinge und viertens die vorbehaltlose Liebe zum Mammon
sowie die Fesselung an die Materie und die niederen Dinge.

tP/cAtige Erccge

Ein ?Uc;/?n, c/cr ?'??/o/gc von Ericg.sver/eiznngen .scit 20 .VoArcn o?? n/Zen
GZicc/crn gc/d7?/??t wc?r /7ci/*c?gZcgic) ??nc/ c/c/?? c/ic Zrzie gesogi Aoiien,
cine 77ci/??ng .sci c???.sgc.sc7?Zo.s,scn, e.s .sci cZcnn cZ??rc7? ein iFnnc/c?* Goiies,
/?Y?gic .sic/? /nnge Zeii, wie er Goii /incZcn Aonne, c/cn?? er /eZ?ie, oAwo/?Z
er geic???/i wc?/; /cr?? von c/er EircAc. Einc.s 7c?gc.s bc.s??c7?ie iAn, o??/
gd'ii/ic7?e EingcA????g, Z/ivoier E/?i/dt/?eo,s in c/er /n.siii??iion /?'ir /nvc?Zic/c
in Zi/?en. 4n? Enc/e iArey Gc.sg?Y'ic/?.s /rc/gic c/er AEtnn.'
340 ^4/tvoter PMdtAeo.y von Po/'o^

^ 7*ăterchen, ist es schwer, sich Gott zu năhem?


V - Mein Kind, so schwer es auch scheinen mag, in Wirkiichkeit ist
es sehr ieicht. Es gentigt, dass du es wiilst, dass du es giaubst und dass
du betest dafîir. Die Beichte und die Gottliche Kommunion sind die
ersten Stufen. Sind diese Dinge schwer?

D er Mann /o/gtc /U/t, GUt/dc/t nn<? .S'cA/;'e.s.s7R7!


J u r e /: G e m e te Jc.s* d /im t e r s * .so w /'e J e y A/. A cA dm 'o.s* r o /f s /d n e /ig
gg/zei/t.'

Ldc/' nud

Ţ ch rate dir, dass du, sooft du sundigst, statt zu verzweifeln sogieich


J- bereust und zu deinem geistigen Arzt eilst, um zu beichten, und um
die Therapie bittest, das heisst um das Erbarmen Gottes. Und der Herr,
Der in die Welt kam, nicht um die Gerechten zu retten, die der Seeie
nach Gesunden, sondem die Siinder, die Kranken, Er wird dich mit
grosser Liebe und Barmherzigkeit annehmen, so wie Er den Verlorenen
Sohn annahm, die Dime, den Dieb, den Zollner und Mihionen Siinder,
die gerettet wurden durch die Reue und die Beichte. Diesen văteriichen
Rat hinterlasse ich dir - niemals, niemais solist du verzweifeln, sooft
du auch sundigst, sondem fass Mut und Hoffhung auf das grenzenlose
Erbarmen Gottes, bereue und beichte, und du wirst gerettet werden.

ennzeichen der wahren Reue ist das tiefe Bewusstsein der eigenen
Vcrfchlung, die Zerknirschung und Pein des Herzens dariiber,
durch die Siinde den menschenliebenden Gott und zărtlichen Vater
betrtibt und erztimt zu haben, die Seufzer, die Gebete, das Fasten, das
Wachen, die Trănen. Eine solche Reue ist echt und wahr. Eine solche
Reue ist heilsam und bringt dem beichtenden Siinder Vergebung. Sie
macht den Menschen augenblicklich vom Siinder zum Gerechten, vom
Feind zum Freund und Vertrauten Gottes.

Gţ o wie man den Baum an seinen Friichten erkennt, erkennt man


auch die Reue. Kennzeichen der unechten Reue ist die Beichte, die
unfreiwillig, notgedmngen abgelegt wird, ohne Schmerz und Betriibnis
des Herzens, ohne Zerknirschung und Empfindcn der eigenen Siind-
haftigkeit, ohne Seufzer und Trănen. Solche Reue zeigte der Pharao

In: OagMaord feyovora, Ioc. cit., S. 638 ff.


34)

nach jeder Plage, die tiber ihn kam. Kaum war die Plage voriiber, ver-
gass er sie und blieb unreuig wie zuvor. Solche unechte Reue zeigten
die Juden, die in den Priifungen und ungliicklichen Geschehnissen
bereuten und sich an Gott erinnerten, Ihn aber sogleich wieder vergas-
sen, wenn das Unheil vorbei war. Solche unechte Reue zeigen auch
heute die meisten Menschen, die, wenn sie in Gefahr oder Bedrăngnis
geraten, bereuen, umkehren und um Vergebung bitten, doch sobald die
Gefahr oder Bedrăngnis vorbei ist, ist es auch vorbei mit ihrer Reue.
Solche Reue bringt keinen Nutzen.

Eas fur den Leib des Menschen die Krankheit, ist fur seine Seele
VV die Siinde. Und so wie sich der leiblich kranke Mensch an den
Arzt wendet und von diesem die notige und geeignete Arznei empfangt,
so muss sich jener, der an Siinden leidet, d.h. an seelischen
Krankheiten, an den Seelenarzt wenden, den geistigen Vater, und ihm
seine Siinden, d.h. die Krankheiten seiner Seele offenbaren. Danach
empfangt er von diesem die entsprechende, notwendige und heilsame
Arznei.

T ^ \e r geistige Vater muss verstăndig sein, weise, mit dem Charisma


J -V der Unterscheidung begabt, erfahren und einsichtig. Er muss den
Heiligen Geist in sich haben, damit Diesel* ihm zeigt, wie er den Seelen
der Siinder helfen und sie heilen kann. Vor aliem aber muss er Liebe
und Zărtlichkeit haben fur den Beichter. Solche geistige Vater sind heute
zwar selten, doch es gibt sie, und wer sich bemiiht, kann sie finden.

T ^ i e Mehrzahl der heutigen Theologen, mit einigen wenigen und


J-V seltenen Ausnahmen, sind zu Bekămpfem der Orthodoxic und
Freunden der papistischen und lutherokalvinistischen Kirche geworden.
Deshalb besteht ein grosser und dringender Bedarf an jungen, gliihen-
den Verteidigem des Orthodoxen Glaubens und der Orthodoxen Kirche,
der Uberlieferungen der Apostel und der Heiligen Vater, um den pietăt-
losen und undankbaren Wilderem mutig entgegenzutreten und sie weg-
zutreiben von der Herde Christi. Aus diesem Grund billige ich, dass du
studierst, doch sieh dich vor, damit du nicht wie andere irregefuhrt
wirst durch philopapistische Professoren.
342 ^/tratez* von

A/c/A<?a

A Hes was die allweisen heiligen Apostel und gotttragenden Văter


Y Y unserer Heiligen Orthodoxen Kirche uns iiberliefert haben,
mochten viele ihrer heutigen Diadochen abschaffen und die Kirche
wegrucken von ihrem Fundament. Doch es wird ihnen nicht geiingen,
denn der Herr wird sie wie Ge/iA-ye aM.y 7oM (Ps 2,9). Selbst
die wenigen Auserwăhlten werden wanken, und von den Wenigen
werden nur Wenige standhaft bleiben. Tun wir uns Gewalt an, um treu
und standhaft zu bleiben in dem, was wir von den gottlichen Aposteln,
den heiligen Vătern und Lehrern der Kirche empfangen haben... Was
du zu tun vermagst, das tue und schreibe, doch das heutige bose
Geschlecht A<P /h/ge/7 a a J VeA/ /n'cAt, GAren Aort mcAt... Es naht
die Vollendung des gegenwărtigen trugerischen Âons. Bereuen wir
unsere Stinden und halten wir uns bereit, denn wir wissen nicht, zu wel-
cher Stunde der Herr kommt und der Tod.

Tann immer der Widersacher dich versucht mit Gedanken des


W Unglaubens, sag aus ganzem Herzen: „Ich glaube vollends alles,
was die Kirche glaubt, was Christus im Heiligen Evangelium sagt, was
die heiligen Apostel und die heiligen Văter sagen. Dir aber, Teufel,
glaube ich nicht, denn du bist ein Lugner und ein Dieb."

zar E//A saa^ vo/!

"TA ie Orthodoxe Kirche hat nicht die Gewohnheit, Neuerungen zu


J-V m achen, wie es die Katholiken und die Protestanten tun, sondern
vielmehr, den Lehren der Apostel, der Heiligen Văter und der Sieben
Heiligen Okumenischen Konzile zu folgen. Die Weisen unter den La-
teinem und den Protestanten tăten gut daran, ebenfalls diesen Lehren zu
folgen, sodass sie erlost werden von den Anathemata, den Bannspru-
chen und Exkommunikationen durch die Heiligen Okumenischen
Konzile und die Heiligen Văter. Wir sind verpflichtet, zu beten fur sie,
damit Gott sie von der Verblendung zurtickbringt auf den geraden Weg
und damit wir alle eine einzige Herde werden, mit dem Herm und
Begrunder unseres wahren Orthodoxen Glaubens als Fuhrer, Jesus
Christus, dem Retter und Erloser unserer Seelen und unserer Leiber.
343

etzen wir unsere Hoffnung nicht auf unsere eigenen Krăftc,


k ) sondem auf Gott.

Ţ ^ \a s gegenwărtige, vergăngliche Dasein der Menschen gieicht einem


J-V M eer, und wir Menschen sind wie Schiffe. So wie die Schiffe, die
dahinziehen auf dem Meer, nicht imrner ruhiges Wetter haben, sondem
oftmals in heftige Sturme und Wogen geraten und unterzugehen dro-
hen, so auch wir, die wir auf dem Meer dieses Daseins reisen. Wir
begegnen Versuchungen, Prufungen, Drangsaien, Noten, Krankheiten,
Verfolgungen, Gefahren. Ermannen wir uns, haben wir Mut und
Gottvertrauen. Und wenn wir unserer menschiichen Kleinmutigkeit
und Kleinglăubigkeit wegen verzagen, dann lasst uns wie Petrus zu
Christus rufen, unserem geiiebten Gott, Der iiberaii gegenwărtig ist:
MeAfe/i rette wicA/ (ifft 74,^0). Und sogleich wird unser geiiebter Jesus
Seine Rechte ausstrecken und uns ergreifen.

T ^ u schreibst, mein Kind, dass du Pein ieidest in der Welt, bedruckt


J-V b ist durch ihre Nichtigkeit, ihren Trug und ihre Pietătlosigkeit,
durch ihre Sunde und ihren Trubei. Um deine Betrubnis etwas zu
lindem, empfehie ich dir Foigendes:
Zuerst, bedenke, dass Gott liberali gegenwărtig ist, und folglich in
der Weit ebenso wie in der Wildnis, auf dem Land ebenso wie auf dem
Meer. Er ist liberali. Und Er ist nicht fern von jedem von uns, wie der
Apostel Paulus den Athenem sagte. Deshalb, mein Kind, da Gott dir
nahe ist, lass die torichte Welt, lass sie tun, was sie will, denn du wirst
nicht Rechenschaft abzulegen haben fur die Welt. Bei der Zweiten
Parusie wird jeder Rechenschaft ablegen nur fur sich selbst.
Zweitens, sag bezuglich jener, die lărmen und dich belăstigen Tag
und Nacht: „Jene tun ihre Arbeit, lass rnich die meinige tun. Sie schrei-
en, singen, tanzen und preisen Satan mit unzuchtigen Liedem und Tăn-
zen und abscheulichen Worten. Ich aber will Gott preisen, besingen und
verherrlichen und Ihn bitten, mich zu retten, rnich zu Ihm ins Paradies
zu nehmen, so wie Er den Dieb zu Sich nahm und den Verlorenen
Sohn, die Dirne, den Zollner. Denn ist es nicht, mein Kind, eine gros-
se Schande fur uns Nachlăssige, Laue und Trage, dass jene mehr Eifer
haben in ihrer Arbeit fur Satan als wir in unserer Arbeit fur Gott?
Deshalb rate ich dir, hab Geduld und wende dich nicht ab vom unun-
terbrochenen inneren Gebet. Lass Gott nicht weichen von deiner Seite.
344

Joseph war in Âgypten, dem Ort der Stinde, und er sundigte nicht, weii
er stăndig Gottes gedachte und Ihn stets an seiner Seite hatte. Adam
dagegen war im Paradies, wo es keine Siinde gibt, doch weii er Gott
vergass, missachtete er Sein Gebot und horte auf den Teufei, und so
verior er das Paradies. So ist es denn ///EAt de/* O/d, .s'o/?de/*/? d/'e d/*/, die
den Menschen rettet, wie der gottliche Chi*ysostomos zu sagen pfiegte.

Z/;/* Air//e//de/;//Y/ge
EA ei Seinern Zweiten Kommen wird uns der Herr daraufhin prtifen,
J D ob wir Werke des Glaubens vollbracht haben, der Liebe zu Ihm
und zum Năchsten... Er wird uns nicht danach fragen, welchem
Kalender wir gefolgt sind. Die Heiiigen alle wurden nicht heiiig, weii
sie einem bestimmten Kalender folgten, sondem weii sie Gott iiebten
und den Năchsten wie sich selbst. Gewiss trifft zu, dass die Ânderung
des Kalenders Verwirrung und Spaltung geschaffcn hat in der Kirche
(und deshalb wăre sie besser unterbiieben)... Alle musscn wir aufrichtig
bereuen und den Allerhochsten Gott und Himmlischen Vater um Verge-
bung bitten und uns wieder vereinigen durch das Bând der Liebe, des
Friedens und der Einmiitigkeit...

7Ann du gerettet werden willst, dann folge Christus und nicht


VV Kalendem, denn das Heil kommt von Gott, nicht von den
Kalendern.'

repovioţ <5Ao6eou ZeQ[3dxon, Nou&utat, Thessatoniki 1980.


345

S c h r ifte n des A itv a te r s :

- O fepajv <PtAo&o^ Zep^dxo^, O Oupavodpo/ro^ OdotJrd^og^ („Aitvater


Philotheos Zervakos, Der Wanderer auf dem Weg zum Himmel"),
Gesammelte Schriften, 2 Bande, hrsg. Orthodoxos Kypseli, Thessaloniki
1980.
- O Odotjropog M ta EPCE)3p^ odotjropta ajro rpp &wyetbu jrarptdo^ rpg
oupavton iEpowaAptt („Der Wandersmann, Eine Wanderung in Gottesfurcht
von der irdischen Heimat zum himmlischen Jerusalem"), 1947, Astir, 7. Aufl.
Athen 1983.
- tPtdAd&o^ OdotJropta („Gottliebende Wanderung"), Autobiographie, 1978,
neu hrsg. HI. Kloster Panagia Myrtidiotissa Thapsanon, Păros 2005. Engl.
Ubers. Hzzto7t;'ogrup/zy, Tfozm'd'gs' uu<7 APrng/g^, Orthodoxos Kypseli,
Thessaloniki 2006.
- Meya xat 0 a ^ ta c rd v 77portxdvp^ta ev TTctAato'trtvp xat Ztvd („Grosse und
wunderbare Pilgcrl'alnl nach Palăstina und auf den Sinai"), hrsg. HI. Kloster
Panagia Myrtidiotissa Thapsanon, 5. Auflage Păros 2004.
- n a ip tx a t VoudEcrtat („Văterliche Ratschlăge"), Aus den Briefen des Altvaters
an seine geistigen Kinder, Orthodoxos Kypseli, Thessaloniki 1980. Engl.
Ubers. Palgr/zn/ Cozzns'g/.s', 2 Bde, Orthodoxos Kypseli, Thessaloniki 2005.

S c h r ifte n iib e r d e n A i t v a t e r :

- Movaxou OeoKkhiou Atovuotdrou, O Octo^ <PtAd&o^ rp^ 77dpou, Eva^


Ev&og' Acrxprpg' xat PepajrdtrroAo^ (Monch Theoklitos von Dionysiou,
„Der gottgeweihte Philotheos von Păros, Ein gotterfiillter Asket und
Hierapostel"), hrsg. HI. Kloster Panagia Myrtidiotissa Thapsanon, Păros
1999, 2. Aud. 2007.
- A<ptepm/ta Etg rov Apx^tavdp. 77. <PtAd6eov Zep^dxov rov Aytov Tepovra
77dpou („Widmung an Archimandrit Vater Philotheos Zervakos, den
heiligen Aitvater von Păros"), aus Anlass des 20. Jahrestags seines Hingangs,
hrsg. HI. Kloster Panagia Myrtidiotissa Thapsanon, Păros 2000.
- TeMQytonTptavTatphkXonnQoiojtQeoPniEQon, OAyto^Tepovrag' (PtAd&o^
o ev 77dptu. AyyEÂog' 7MyEto$', Avdptoxo^ Oupdvto^ („Der heilige Aitvater
Philotheos von Păros, Irdischer Engel, himmlischer Mensch"), hrs. HI. Kloster
Panagia Myrtidiotissa, Păros.
- Constantine Cavarnos, P/g&s'gJ E/Jgr PAzVot/zgo^ ZgfvoAro^, Series Modern
Orthodox Saints, Voi. 11, hrsg. Institute for Byzantine and Modern Greek
Studies, Belmont Mass.
347

^ L Y V X T O R PoRPHYRtOS
VON
K A V S O K V L Y V tX

(1906-1991)
348

Pc7pAy7*;'o,y
349

Kapitel 9

^ L T V xrreR
PoRPHYR!OS V O N K ^ V S O K ^ L Y V t X

A Îs eine „wahrhaft grosse Gestalt der Kirche", ais einen „Propheten


Z l^ u n se re r Zeit" und „Zeugen der Auferstehung", ais „konigliche
Eiche" und zugieich ais „Mann der Demut" ist Altvater Porphyrios
charakterisiert worden von soichen, die ihn kannten im Heiiigen Geist.
„Er war eine jener Gaben Christi, die der Eierr, m J/e
TVoAe... Jezz ycAe/zkte (Ps 67,19, Eph 4,8). Mit seinem Leben
offenbarte Altvater Prophyrios EE/c, tU.s' /'/?? .sAzt, das
Grosse Licht, Christus, und rief uns alle in dies wunderbare Licht. In
seiner Person vereinten sich die viellaltigen Quaiităten des Aposteis,
des Propheten, des Evangeiisten, des Hirten, des Lehrers und vor ailem
des Vaters. Alle diese Gnadengaben wurden ihm gegeben zum Aufbau
des Leibes Christi, der Kirche, und diesem diente er sein ganzes Leben
lang... 'Unsere Religion, pflegte er zu sagen, ist etwas Erhabenes. Sie
heiit jedes Ubei. Liebt Christus, dann wird alles in euch und um euch
sich ăndern.' Und wenn er das Wort 'Christus' sagte, hattest du das
Gehuhl, dass die Buchstaben in dein Herz geschrieben wurden, einer
nach dem anderen, und du empfandest einen Schmerz. Du fuhitest,
dass J e r y'eJe/zz Aawg/z At, in dein Herz eingebrannt
wurde mit feurigen Lettern."'
„Ich sah ihn weiss, sehr weiss, einfach, ătherisch und zugieich erd-
verbunden, ohne irgendeine Spur von Diinkel oder Frommelei. Er war
von gewinnender Menschlichkeit, doch zugieich ganz transzendent.
Ais ich ihn sah, fragte ich mich, bezaubert, ob er nicht ein Engel wăre,

' Alexandros Stavropoulos, Prof. derTheologie an derUniversităt Athen, in: K/.etiov


Itnavvt&p, O fepcnv 77op(pvpto^, MaprupAg xat E^jretpA^ 8. Aufl. Athen 200!,
S. 230.
350 H/tvater PorpAyrtos' vo/; Xav^oAra/yvta

hienieden im Leib erschienen. Er war zugleich heiter und emst,


frohlich, doch gekreuzigt. Er war durchaus zugănglich und gleichzeitig
fem. Es ist unmoglich, ihn angemessen zu beschreiben. Wenn du in
seiner Năhe bist, empEndest du etwas, das ganz anders ist, das du nie
zuvor empfunden h ast... Du spurst, dass du in Gegenwart eines wahren,
eriosten, Eeien, ewig jungen Menschen bist, ohne Alter trotz seines
hohen Alters, erleuchtet und gut. în seiner Năhe empfindest du eine
soiche Freude, dass du endlos bei ihm verweilen mochtest. Es ist, als
weiltest du in der Ewigkeit.'"
Nebst aliem anderen hatte Altvater Porphyrios die Gabe der
Unterscheidung der Geister sowie die Gabe der Hellsichtigkeit und der
Vorausschau empfangen, und dies in einem ungewohnlichen Mass. „Er
konnte in die Seele jedes Menschen sehen und wusste alles tiber ihn,
tiber die Probleme, die er hatte, iiber den Zweck seines Besuchs bei
ihm ... Wie er selbst zu sagen pflcgtc, zeigte ihm Gottes Gnade Orte,
Bauten, Personen, Dinge und Geschehnisse der Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft. Er sah sie alle als gegenwărtig. In den letzten
Jahren seines Lebens war er blind. Doch er sah mit den Augen seiner
Seele... Wie jeder von der Gnade erfullte Mensch hatte Altvater
Porphyrios einen solchen Grad der Vertrautheit mit Gott erlangt, dass
er die Stunde seines Hingangs wăhlen konnte, so wie man es auch sagte
vom Grossen Basilios."^
„Vater Porphyrios zeigt auf eindriicklichste Art, dass Heiligkeit auch
in unserer Zeit existiert. Fehlten die Heiligen, wiirde der Welt ihr Sinn
fehlen. Die Heiligen sind es, die die Welt erhalten, und daher ist das,
wessen die Welt am meisten bedarf, die Heiligkeit."^

' Erzbischof Irenăos von Kreta, vomials Metropolit von Chaniă, in einer Radio-
sendung tiber den Altvater nach dessen Besuch in Chania im Jahr 1977, wiederge-
geben in: Kketiou tmavvtbri, op.cit., Seite 192 ff.
^ Metropolit Athanasios von Lemessos (Zypem), vormals Protos des HI. Bergs, loc.
cit., S. 58.
^ Altvater Moses vom Heiligen Berg, loc. cit., S. 104.
351

I. - Leben'

7. MHt/ /Mgrt/n/ mţ/

A ltvater Porphyrios wurde am 7. Februar 1906 auf der griechischen


Z l d n s e l Euboa geboren, im D orf Agios loânnis, im mittleren Teii der
Insei, nicht weit von Aliveri entfemt. Bei der Taufe erhielt er den
Namen Evângelos. Seine Eltem, Leonidas und Eleni Bairaktâris, waren
arme, aber gottesfurchtige Leute. Sein Vater wollte urspmnglich Monch
werden, doch schliesslich wurde nichts aus dem Plan. Er wirkte jedoch
als Kantor im Dorf, und als solcher begleitete er mehrmals den heiligen
Nektarios, der in jener Zeit an verschiedenen Orten Griechenlands die
Liturgie zu zelebrieren und zu predigen pflegte. Da Leonidas Miihe
hatte, seine kinderreiche Familie durchzubringen, ging er spăter nach
Amerika und arbeitete mehrere Jahre lang am Bau des Panama-Kanals.
Evângelos war das vierte der funf Kinder der Familie. Von klein auf
liebte er Gott und Seine Heiligen. Sein Vater lehrte ihn die Gebete und
Hymnen der Kirche, besonders den Bitt- und Trostkanon an die
Gottesmutter. Wăhrend der Knabe die Schafe htitete auf dem Berg, las
er - besser gesagt, buchstabierte er, denn er konnte kaum lesen - , das
Leben des hl. Johannes des Kalyvitcn*, das ihm tiefen Eindruck machte
und in ihm friihzeitig den Wunsch weckte, Monch zu werden. Er
besuchte die Volksschule nur ein Jahr lang, und selbst in dieser kurzen
Zeit lemte er kaum etwas, denn der Lehrer war meist krank. Im Alter
von 7 Jahren musste er der Armut seiner Eltem wegen Schule, Familie
und D orf verlassen, um im nahegelegenen Stădtchen Chalkida zu
arbcitcnf Nach zwei, drei Jahren als Gehilfe in einer Gemischtwaren-
handlung dort kam er nach Pirăus, wo er im Lebensmittelgeschăft eines
Veiivandten arbeitete. Uberall wurde der Knabe seines Gehorsams,
seiner Sanftmut und seiner Arbeitsamkeit wegen geschătzt. Doch sein
sehnlichster Wunsch war, Eremit zu werden.

' Eine austuhrliche Lebensbeschreibung, in den Worten des Altvaters selbst, gibt das
Buch T/tvaier Porpâyriov Eehen Lgâre, in dt. Ubersetzung herausgegeben vom
Hl. Kloster Chrysopigi, Chania 2006.
^ Fest 15. Januar.
^ Kinderarbeit war damals in der Tat ein hăufiges Phănomen, nicht nur in Griechen-
land, sondem in ganz Europa.
352 ^ /tv o te r P o/y/ryn'o.y von Ăiavs'oka/yvM!

2. t/c//! (79M-/92.?)

Mit 12 Jahren ging er heimlich auf den Heiligen Berg. Dies fiel ihm
keineswegs leicht, denn er hing sehr an seinen Eltem. Zweimal bestieg
er das Schiff zum Athos' und kehrte nach mehreren Stationen unter
Trănen wieder um, doch beim dritten Mal entschloss er sich fest, sich
durch nichts abbringen zu lassen von seinem Vorhaben. Dabei half ihm
der Herr und fugte es, dass in Thessaloniki, wo viele Monche zustiegen,
auch jener heilige Greis an Bord kam, der sein Altvater werden solite -
Papâ-Panteleimon von der Skite Kavsokalyvia. Dieser Gottesmann
nahm ihn unter seine Fittiche und ermoglichte ihm nicht nur den Zutritt
zum Heiligen Berg, der so jungen Kindem an sich verboten ist, sondem
nahm ihn auch als Novizen auf in seine Kalyva des HI. Georg, die ganz
am Rând von Kavsokalyvia in der Wildnis liegt und wo fruhcr der
beruhmte Altvater Chatsi-Georgis^ gelebt hatte. Hier ergab sich der
Rnabe mit Begeisterung dem asketischen Kampf und dem absoluten
Gehorsam gegen seine beiden Altvater, denn mit Papă-Panteleimon *

D;'e vo?7 Aiav^oko/yvm FfMhe ^/tvateT-y h'egt

' Damals gab es eine direkte Linie von Chalkida nach Daphni, dem Hafen des Athos.
* S. dessen Leben aus der Feder von Altvater Paissios (s. Bibhographie S. 304).
7. 7eăen 353

zusammen lebte seit vielen Jahren dessen leiblicher Bruder, auch er


Priestermonch, Papâ-Ioannikios. Beide waren strenge Asketen, erfah-
ren im geistigen K am pf und treue Bewahrer der athonitischen
Tradition. Sie iehrten den jungen Novizen nicht mit Worten, sondern
mit ihrem eigenen Beispiei. Er liebte sie aus ganzer Seele, und aus
dieser Liebe heraus gehorchte er ihnen aufs Wort, nicht etwa aus Zwang.

ĂlaŢpva 777 Georg am T^aad der 5%de

„Gehorsam! Was soii ich euch sagen uber ihn? Ich kannte ihn!",
sagte er spăter zu seinen geistigen Kindem. „Ich ubergab mich ihm mit
Freuden. Jener absolute Gehorsam hat mich gerettet. Seinetwegen hat
mir Gott das Charisma geschenkt. Ja, ich sage es euch abermals. Ich
brachte meinen AItvătern ăussersten Gehorsam entgegen. Nicht
erzwungenen Gehorsam, sondem Gehorsam mit Freude und Liebe. Ich
liebte sie in Wahrheit, und weil ich sie liebte, liess mich diese Liebe
auch spuren und verstehen, was sie wollten. Bevor sie es mir sagten,
wusste ich, was und wie sie es wollten, in jeder Sache. .. .Deshalb Log
meine Seele vor Freude bei ihnen. Ich dachte an niemand anderen.
Verschwunden die Eltem, verschwunden die Bekannten, verschwunden
die Freunde, verschwunden die Welt. Mein Leben war Gebet, Freude,
Gehorsam gegenuber meinen AItvătern."'

Altvater Porphyrios, op.cit., S. 36.


354 4 /tv a te r F oypA yn'o^ von F a w o ^ a p v M

d. AfOMC/: ^ S (7/YAS.SY*^ GcnYA/!A/s (HAM 7922)

Mit 14 Jahren machte ihn Altvater Panteleimon zum Rassophor, und


zwei oder drei Jahre spăter wurde er im /frrkAA'dn, in der Hauptkirche
der Skite, zum Monch des Grossen Gewands geschoren, unter dem
Namen Nikitas. Spăter solite er sagen: „Vom Augenblick an, da ich
Monch wurde, empfand ich, dass es den Tod nicht gibt, dass ich ewig
bin, unsterblich.'"
Er gab sich mit noch grosserem Eifer der Askese hin. Er verstărkte
sein Fasten, vetlătigcrte seine Nachtwachen und empfand immer
intensiver den Wunsch, sich als Eremit in die Wildnis zurtickzuziehen,
um wie die Nachtigallen
im Verborgenen sein
Gotteslob zum Himmel
aufsteigen zu lassen. Die
Nachtigallen des Heiligen
Bergs bewegten seine
Seele zutiefst, und oft
sptirte er ihnen nach in
den einsamen Schluchten,
wo sie in aller Frtihe ihren
wunderbaren Gesang er-
klingen liessen.
A uf dem Fîeiligen Berg
lernte der junge Monch
auch richtig lesen, und
mit grossem Lerneifer
vertiefte er sich in die
Fleilige Schrift, die litur-
gischen Bticher und die
Heiligenleben. Andere
Bticher wie etwa die
Schriften der grossen
Monchsvăter, die P/n'/o-
AnPe und ăhnliches
erlaubten ihm seine
Gerontes nicht zu lesen,

' KXetiou IwavvtbYi, O FepcovNopfpuptog, op.cit., S. 232.


355

da dies in den ersten Stadien des geistigen Kampfes abtrăgiich ist ftir
die Demut und weii er aiizu eifrig war in seinem Veriangen nach har-
ter Askese, und deshalb Gefahr lief, das gesunde Mass zu ubersteigen.
Neben den Gottesdiensten im Kirchiein der Kalyva, dem Gebet, den
verschiedenen Diakonien und dem Handwerk - die beiden AItvăter
beschăftigten sich mit der Hoizschnitzerei - verbrachte er jeden Tag
viele Stunden mit jenem Studium, und spăter pftegte er zu oft sagen,
dass die liturgischen Bticher, die von unseren Heitigen stammen, die
„Universităt der Kirche" sind und dass wir grossen Nutzen gewinnen
durch unsere Beschăftigung damit. „Auf diese Weise wird der Mensch
geheiiigt, ohne dass er es gewahrt. Er erwirbt Liebe und Demut und
aites iibrige, wenn er die Worte der Heiiigen hori, im Mm&w, in der
/G 7YA////V0 . . A'

Damals wurde der junge demtitige Monch Nikitas von der gdtthchen
Gnade besucht. Er empfing das Charisma der Hehsichtigkeit und damit
vollzog sich in seiner Seeie, seinem Geist und auch in seinem Leib ein
grundiegender Wandel, die fbnva/rJ/Mng, <Ae r'OH r/er Rec/Aen <7as'
/ronurn (Ps 76,11). „Mein Leben wurde lauter Freude und
Jubel. Ich lebte in den Stemen, im Unendlichen, im Himmel... Ich
'sah' viele Dinge, doch ich sagte nichts. Das heisst, ich hatte nicht das
Recht, etwas zu sagen, ich hatte keinen inneren Auftrag hiezu. Ich sah
alles, ich bemerkte alles, ich wusste alles... Ich wurde ein anderer, ein
neuer Mensch, verschieden vom fruheren. Was immer ich sah, machte
ich zum G ebet... Alles sah ich mit der Gnade Gottes. Ich sah, doch ich
redete nicht...
Die nattirlichen Gaben, die er hatte, vervielfaltigten sich gewisser-
massen. Sein Gedăchtnis wurde so geschărft, dass es ihm genugte,
einen Text oder einen Hymnos in der Kirche ein einziges Mal gelesen
oder gesungen zu horen, um ihn nicht wieder zu vergessen. Er kannte
das ganze Neue Testament, den Psalter und mehrere andere Bticher des
Alten Testaments auswendig. Auch seine Beziehung zur Natur
wandelte sich, zu den Tieren, den Vogeln, den Pflanzen. Selbst die
Felsen offenbarten ihm ihre Geheimnisse. Alle seine Sinne offneten

' Ebenda, S. 133.


^ Ebenda, S. 61-62.
356 Pofp/ry7*;'o,s r<?7?

sich. Er sah durch den Berg, als wăre er aus Glas. Er sah auch Dinge,
die tief unter der Erde lagen, Wasser, versunkene Kitchen, Ikonen,
Grăber usw. Vor aliem aber sah er die Seelen der Menschen, ihre
Vergangenheit, ihre Zukunft, und dies bis in kleinste Einzelheiten. Die
Grenzen von Zeit und Raum waren fur ihn aufgehoben, und alles
Geschehen erschien ihm in einem ewigen Jetzt, alle Orte in einem
einzigen Hier.
Dieses Geschenk der gottlichen Gnade hatte er, wie er selbst
bezeugte, nie gesucht, ja er hatte nicht einmal gewusst, dass es so etwas
gibt. Er suchte es auch nie zu entwickeln. Als er seinem Altvater
offenbarte, was ihm widerfuhr, sagte ihm dieser: „Miss diesen Dingen
keine Bedeutung bei und sag niemandem etwas davon, denn der Bose
lauert."' Wenn man ihn spăter uber sein Charisma belragte, pflegte er
zu antworten: „Gott schenkte mir das Charisma, damit ich gut w erde...
Gott liebt auch Sunder wie mich und wil), dass sie gut werden."
Fiir sich selbst erbat er nie etwas anderes als die Liebe Christi, und
wenn er in den spăteren Jahren seines Lebens von den Gnadengaben
Gebrauch machte tur die anderen, dann stets mit Unterscheidung und
allein deshalb, „damit die Menschen die Umarmung spiiren, mit der
Christus uns alle umarmt. Mein Anliegen ist, dass den Christen
geholfen werde", sagte er, „und dass sie gerettet werden mochten durch
ihr Eintreten in die Liebesgemeinschaft mit Christus". Dann fugte er
auf seine demiitige und einfache Art hinzu: „Vergebt mir, dass ich das
so sage. Niemals bitte ich Gott, dass Er mir etwas offenbare, denn ich
mag nichts von Ihm verlangen. Ich glaube, dass das gegen Seinen
Willen wăre, dass es unhoflich wăre und - noch schlimmer - , dass ich
Ihn damit notigen wurde.'"

Nie hătte der junge Monch Nikitas auch nur die Moglichkeit in
Betracht gezogen, den Heiligen Berg zu verlassen. Sein einziger
Wunsch war, hier in tiefster Abgeschiedenheit allein nur Gott zu leben,
bis ans Ende seiner Tage. Doch die gottliche Vorsehung wollte es
anders. 1925 erkrankte er sehr schwer an einer Brustfellentzundung
und kam dem Tode nahe. Deshalb schickten ihn seine Altvăter in sein

' Ebenda, S. 60.


' Ebenda, S. 358-359.
7. Ze&ew 357

D orf zuriick, damit er die notige Pflege erhalte, die auf dem Heiligen
Berg nicht verfugbar war. So geschah es, dass er nach sieben Jahren auf
dem Athos in die Welt zuruckkchrtc.
Als er genas, ging er wieder nach Kavsokalyvia, doch nach einigen
Wochen wurde er abermals krank und musste emeut wegreisen. Auch
ein dritter Versuch, auf den HI. Berg zuruckzukehren, scheiterte am
Ruckfall in die Krankheit, sodass ihm die beiden Gerontes schliesslich
geboten, in der Welt zu bleiben, da Gott offenkundig andere Plane hatte
mit dem begnadeten jungen Monch.

A uf Euboa trat Nikitas in das Kloster des HI. Charalampos beim


Dorf Levka ein, wo er fortfuhr, nach dem Typikon von Kavsokalyvia
zu leben, das Fasten vorlăufig ausgenommen, denn seine extreme
korperliche Schwăche notigte ihn, stărkende Nahrung zu sich zu
nehmen. Als er allmăhlich wieder zu Krăften kam, beteiligte er sich an
allen Arbeiten des Klosters. Seine liebste Beschăftigung aber blieb das
Gebet, wozu er sich jeweils nachts in den nahen Wald zuruckzog, auf
einen Baum, wo er sich einen „Asketenhorsf' eingerichtet hatte und wo
ihm einmal die Allheilige Gottesmutter erschien.
Im Juli 1927, als er das Alter von 21 Jahren erreicht hatte, weihte ihn
Erzbischof Porphyrios III. vom Sinai, der damals auf Euboa zu Besuch
weilte und auf den jungen Monch aufmerksam geworden war, zum
Diakon und gleich danach zum Priester, wobei er ihm seinen eigenen
Namen gab. Zwei Jahre spăter machte ihn der Bischof von Kymi zum
Beichtvater, und von da an begannen viele Menschen zu ihm zu stromen.
Das Gottesvolk erkannte, dass die Gnade in ihm war, und so verbreitete
sich sein R uf bald in der ganzen Umgebung. Tag und Nacht nahm er
Beichten ab, oftmals 24 Stunden hintereinander ohne eine einzige
Unterbrechung.
Nach einigen Jahren wurde das Kloster des HI. Charalampos in ein
Frauenkloster verwandelt, und so suchte Vater Porphyrios einen neuen
Ort, einen Ort der inneren Einkehr, „wie ein verfolgtes Voglein, das sich
sehnt, sich durch das innere Gebet in den Schoss Gottes zu fluchten",
wie er selbst sagte. Um 1938 ubersiedelte er in das kleine verlassene
und verfallene Klosterchen des HI. Nikolaus beim D orf Ano Vâthia
Evvias, wo er drei Jahre bleiben solite. Um dieselbe Zeit verlieh man
ihm den Titel eines Archimandriten.
358 zi/tv a te r Po?pA yn'o.s w a

7. Pw^sfgr^rPo/yA/MMA^fA^H 77949-7973)
I'
Zur Zeit von Griechenlands Eintritt in den 2. Weitkrieg kam Vater
Porphyrios nach Athen und wurde Priester der beim Omonia-PIatz, d.h.
mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt, gelegenen Rirche des
Hi. Gerasimos der Athener Polyklinik. Damit erfhllte sich sein inniger
Wunsch, den ieidenden Menschen zu dienen, der seiner tiefen Liebe zu
Christus und Seiner Herde entsprang. „Ich lebte dort 33 Jahre, als wăre
es ein einziger Tag", soilte er spăter sagen.' Jeden Tag besuchte er die
Kranken, trostete sie, nahm ihre Beichten ab und half ihnen durch sein
Gebet und seine Gnadengaben.
Viele Ârzte dort bemerkten diese aussergewohnlichen Gaben, die er
von Gott empfangen hatte. Sie empfanden grosse Achtung vor ihm,
baten um sein Gebet bei schwierigen Operationen und suchten oftmals
seinen Rat, wenn sie keine klare Diagnose zu stellen vermochten.
Als Liturge zeichnete sich Vater Porphyrios aus durch seine tiefe
Andăchtigkeit. Wenn er die Liturgie zelebrierte, so wie auch bei allen
anderen Gottesdiensten, wurden die Menschen in ihren Herzen ergriffen.
Deshalb rief man ihn oft auch in Privathăuser, um Wasserweihen und
Olweihen zu zelebrieren.

& 7o; Tf/dstrvr/mu MAo7ao^ 7fr//7Am - 77933-7979)


G/tcr M/;r/ Arzt ru/:

In den ersten Jahren seines Wirkens an der Athener Polyklinik


wohnte er mit seinen Eltem und seiner Schwester auf der Anhohe von
Tourkovounia im Nordwesten von Athen, wo sie alle zusammen in
grosster Einfachheit und strenger Askese lebten. Doch die Sehnsucht
nach der Wildnis verliess ihn nicht, und 1955 nahm er vom Rloster
Penteli eine kleine Metochie in Pacht, das einsam gelegene Klosterchen
des HI. Nikolaus von Kallisia, in den bewaldeten Hugeln Attikas,
nordostlich von Athen.
Hier liess er sich mit den Seinigen nieder und widmete sich in seiner
freien Zeit dem Anpflanzen und der Pflege von Hunderten von frucht-
tragenden Băumen. Er war stets arbeitsam gewesen, und Musse war
etwas, das er nicht kannte. So pflegte er zu sagen: „Arbeite, als wărst du
unsterblich und lebe, als lăgst du im Sterben". Damit betonte er zugleich

Ebenda, S. 89.
359

Day von kia/JAia fdttAa)


die Bedeutung schopferischen Tuns und jene der Besitziosigkeit,
womit sich einer davor bewahrt, an den irdischen Dingen zu hangen.
Nach und nach begannen Leute herzukommen, um an der Liturgie
teiizunehmen, die Vater Prophyrios im Kirchlein des Hi. Nikoiaus
zelebrierte, oder um zu beichten. „Mit aiien diesen", sagte er seibst,
„wurden wir eine grosse Familie, die Familie von Kallisia."'
Spăter wurde das Băchlein zum Strom, und unzăhlige Menschen
kamen tăglich vom nahen Athen, aus anderen Gegenden Griechenlands
und dem Ausland, um bei dem gotttragenden Altvater Trost, Heilung,
neuen Glauben und neue Hoftnung zu tinden. Ihre Zeugnisse tiber die
wunderbare Hilfe jeder Art, die sie von ihm empfingen, fullen mittler-
weile viele Bande.
„In seiner Person", schreibt einer seiner geistigen Sohne, „erlebten
wir, wie in einem wahrgewordenen Traum, all jene Geschehnisse und
wunderbaren Dinge, die in den Leben der heiligen Monchsvăter nieder-
geschrieben und uns tiberliefert worden sind. In unseren Begegnungen
mit ihm erlebten wir, gleichsam konzentriert, das ganze Leben unserer
Kirche. Es ist wirklich ein Wunder, wie du aus seiner Zelle trittst mit
der Gewissheit des Glaubens, mit der Festigkeit der Hoftnung, nachdem
du die siissen Fruchte seiner Liebe gekostet hast."^

' Ebenda, S. 121.


^ Prof. Aiexandros Stavropoulos in: Kkeiiou iM awtăîi, op.cit., S. 232.
360

Er war in der Tat ein „Baum voii kostiicher Fruchte", ein „schatten-
spendender Laubbaum",' der vieie emăhrte und ihnen Schutz gewăhrte.
„ich erinnere mich", sagt eines seiner geistigen Kinder, „an den Faii
eines hochgesteiiten Mannes, der, von dusterer Verzweiflung gepackt,
eines Abends sein Auto nahm und losfuhr und bei der Zeiie des
Aitvaters parkieile. In der Frtihe fuhr er, voiiends getrostet, wieder
zurtick, ohne auch nur versucht zu haben, mit ihm zu sprechen. Der
Aitvater hatte seine Gegenwart gesptirt. Er spurte vieies und tat vieies,
das die anderen sptirten."^
„Wir werden seine Worte stets mit tiefster Bewegung im Gedăchtnis
bewahren, denn es waren Worte des Febens, die uns beseeiten... Er
wiederhoite uns oft dieseiben Dinge, um Einzeiheiten kiarzumachen,
die uns entgingen. Wir wunderten uns sogar, warum er uns diese Dinge
schon wieder sagte... Da wir engstimig waren, konnten wir die
Offenheit nicht verstehen, in die er uns rief. Mit der Enge unserer
Herzen widerstanden wir der Weite des seini gen ..
Er war erfuilt vom „tiefen Wunsch, die formiose Masse unseres
steinernen Ich zu behauen, um das Biid Christi in uns zu formen und
uns zu verwandeln. Dies geschah unter Geburtswehen seinerseits, um
uns zu stărken, sodass wir nie verzweifeln und aufgeben wurden... Er
war immerdar damit beschăftigt, Losungen zu finden fur alles.
Sackgassen gab es nicht fur ihn. Er pflegte zu sagen: 'Wenn etwas hier
nicht mogiich ist, lasst uns woanders anfangen. Wichtig ist, dass wir
anfangen, dass wir nicht mtissig bleiben.' Den meisten von uns w arf er
Trăgheit vor. Er 'schntiffelte' uns aus an unserer Art zu gehen, an unse­
rer Art zu reden, an der Art, wie wir etwas anfassten und unsere Hănde
bewegten. 'Sieh ihn an, Menschenskind, er kann seine Ftisse nicht
heben und wili geistig vorwărts kommen!' ...Unsere Nachlăssigkeit
und Gleichgultigkeit bereitete ihm grossen Kummer. 'Ein Christ muss
sich fur alles interessieren. Wie kann die Welt vorankommen, wenn die
Christen gleichgiiltig sind? Wir mussen sorgfaltig sein. Der Dieb ist
sorgfaltig. Auch wir mussen 'stehlen', mussen uns vorsehen wie er,
unsere Aufmerksamkeit anspannen.
„Er nahm unsere Masse. Du fandest nie etwas (in seinen Weisungen),
das aus der Luft gegriffen war. Es war immer etwas, das dir genau

' Akathistos-Hymnos, 13. Stanze.


^ Ebenda, S. 233.
7. 7.e6en 361
angepasst w ar... und immer vermittelte er dir etwas von seinem
Enthusiasmus, von seinem eigenen Aufstieg, von seinen Fltigen.'"
„Er offnete uns fur eine Weile den Himmei - er hatte irgendwie <r/A
&7?/u.s\se/ r/as' (s. Mt 16,f9) und wir schauten fur eine
Weiie und kehrten dann, weil wir Srinder sind, zum Gewohnten zuriick.
Doch die heiiige Erinnerung an Altvater Porphyrios wird stets verbun-
den bleiben mit jenen himmiischen Gesichten, mit jenem Aroma des
Paradieses Christi."^
Ein anderes seiner geistigen
Kinder, ebenfaiis ein Universi-
tătsprofessor, berichtet: „An
einem Fruhlingsnachmittag fan-
den wir ihn draussen, beim Jăten
der Erdbeerbeete, fast hinge-
streckt am Boden. Er pfluckte
einige Beeren und gab sie uns,
damit wir die Fruchte der Erde
kosten mochten. Dort unterhiel-
ten wir uns. Ohne viele Rat-
schlăge und M oralisieren be-
schneidet er die Seefe mit tiefem
Schnitt und giesst den Balsam der
Gnade Gottes hinein. In solchen
Stunden strahlt und leuchtet er
und freut sich wie ein Kind.''^
N ach K allisia kamen auch
mehrere Theologen von der Uni-
versităt Athen, um an den
Agrypnien im Kirchlein des Eli. Nikolaos teilzunehmen, darunter der spă-
tere Abt von Stavronikita und Iviron, Archimandrit Basilios, sowie die
Serben Amfilochije Radovic und Irinej Bulovic, zwei geistige Sohne
von Altvater Justin von Celije (s. Kapitel 5), nachmals Metropoliten
von Montenegro bezw. Backa. Der letztere, zu jener Zeit junger
Priestermonch, zelebrierte sieben Jahre lang an Sonntagen in Kallisia,
um den Altvater zu entlasten. Er suchte auch oftmals dessen geistigen
Rat. Da er sich hingezogen fuhlte zum hesychastischen Leben und

' Ebenda, S. 229-230.


- Klcitos Ioannidis, im Vorwort zur 1. Ausgabe seines Buches O repmv77opQ9dpmg.
' Ebenda, S. 237.
362 zhtvater Po7pAy?*;'c.s' von

zogerte, der BemEtng ins Hirtenamt mit aiien seinen Umtrieben zu fol-
gen, sagte ihm Altvater Porphyrios:
„Hor zu, mein Kind. Wenn es die Kirche ist, die aii das von dir ver-
langt, und dein geistiger Vater seinen Segen dazu gibt und du aufiichtig
gehorchst, dann kann dieser dein Gehorsam, mit der Liebe unseres
Christus, aiie diese ăusseren Umtriebe in Gebet verwandeln, ohne dass
du es begreifst. Hinwiederum, wăhlst du setbst den stiilsten Winkel des
Heiiigen Bergs oder irgendeines Klosters, dies aber aus deinem eigenen
Witlen tust, damit du selbst etwas davon hast, sei es auch in einem
geistigen Sinn, um eines sagen wir, geistigen Komforts wiilen, ohne
den Segen der Kirche oder deines geistigen Vaters, dann wird aites im
Niedrigen bieiben und nirgendwohin fuhren, wie sehr du dich auch
bemtihen magst."'

9.

Altvater Porphyrios litt an vielen Krankheiten, und am Ende seines


Lebens gab es praktisch keinen einzigen Teii seines Organismus mehr,
der heil war. Nachdem er schon anfangs der 70er Jahre wegen eines
Nierenleidens operiert werden musste, erlitt er 1978 einen Herzinfarkt.
Spăter wurde er wegen grauen Stars operiert, und in der Folge erblin-
dete er ganz. Er litt auch an Darmgeschwuren, Leistenbruch, Hypo-
physen-Krebs, chronischer Bronchitis usw.
Einer der behandelnden Ârzte, der auch ein geistiger Sohn war von
ihm, der Kardiologe Prof. Georgios Papazachos, berichtet hiertiber: „Er
hatte die Geduld H iobs... Nie zeigte er im geringsten, dass er Schmerzen
hatte, nicht ein einziges M urmeln... Ich hatte mir nie vorgestellt, dass
ein Mensch seine Krankheit auf solche Art hinnehmen kann." Als er an
Krcbs erkrankte, nahm er dies nicht nur mit Gelassenheit hin, sondem
mit Frohmut und Dankbarkeit. Er erklărte dem Professor, dass er den
H enn schon als junger Monch auf dem Athos darum gebeten hatte, Er
mochte ihm Krebs schicken, damit er leiden konne mit Ihm. „Und jetzt,
JwgdZa /non, hat Er mir den Krebs geschickt! Verstehst du, welch gute
Wendung das ist?" Der Professor schreibt: „Ich war verblufft. Zum
erstenmal in meiner ărztlichen Laufbahn horte ich solches: 'Gott sei
Dank, ich habe Krebs!" Doch ich hatte vergessen, dass ich keinen
gewohnlichen Menschen vor mir hatte, sondem Altvater Porphyrios."'

In: Kketiou iMCtvvihTi, Fepovnxo roa20oa aaovo^, op.cit., S. 59.


363

Der Altvater war nicht nur Patient, er war auch Arzt, und nicht seiten
kam es vor, dass er Ârzte, wăhrend sie ihn wegen seiner korperlichen
Leiden behandelten, von ihren seeiischen Krankheiten heilte.
Er pfiegte zu sagen: „Krankheiten bringen uns grossen Nutzen, wenn
wir sie ohne Murren hinnehmen und Gott verherriichen dafur und Sein
Erbarmen suchen... Das Vollkommene ist, dass wir uberhaupt nicht
beten fur unsere Gesundheit. Beten wir nicht, damit es uns gut geht,
sondem damit wir gut werden."^

70. 0: 47//<^s/ f7 9 79-7 997)

1970 nahm der Gerontas, nunmehr 64 Jahre alt, seinen Rucktritt als
Priester der Athener Poliklinik. Einige Zeit setzte er diese Tătigkeit
noch teilweise fort, bis ein
Nachfolger gefunden war.
Doch ab 1973 kam er nur
noch seiten in die Stadt
und war meist in Kallisia.
In jenen Jahren suchte er,
einem alten Wunsche fol-
gend, nach einem geeigne-
ten Ort fur die Grundung
eines Klosters, was in
Kallisia aus verschiedenen
Griinden nicht moglich
war. Schliesslich fand er
das Gesuchte in Milesi bei
Oropos (Attika), gegen-
uber seiner Heimatinsel
Euboa.
Nachdem er sich eini-
germassen erholt hatte von
seinem Herzinfarkt, liess
er sich 1979 dort nieder,
zunăchst in einem Wohn-

' Ebenda, S. 221 ff.


^ op.cit., S. 341 und 343.
364

wagen, dann in einem provisorischen Hăuschen aus Zementziegeln und


schliesslich, als die Bauarbeiten vorangediehen waren, in dem neuen
Kioster, das er der Transhguration des Erlosers weihte. Âbtissin wurde
seine Schwester, die unter dem Namen Porphyria Monchin geworden
war.
Der Besucherstrom ănderte seine Richtung und Boss nun nach
Milesi. Hier hatte der Altvater auch ein Telefon, iiber das er mit seinen
geistigen Kindem in der ganzen Welt in Verbindung stand. Es gibt
unzăhlige Zeugnisse dariiber, wie diese in Augenblicken der Gefahr,
der Priifung oder der Ratlosigkeit durch einen unerwarteten A nruf des
Altvaters gewamt, aufgerichtct oder auf den richtigen Weg gebracht
wurden, und dies, ohne dass sie ihn iiber ihre Situation benachrichtigt
hătten. Gott zeigte ihm, was vorging in ihrem Leben, nichts war ver-
borgen vor seinen geistigen Augen, wăhrend jene des Leibes erloschen
waren. Ab 1987 sah er mit diesen tiberhaupt nichts mehr.
Als seine korperlichen Krăfte immer mehr dahinschwanden und das
Sprechen ihm zunehmend schwerer fiel, schrănkte er seine Gesprăche
mit den Menschen ein und konzentrierte sich mehr auf das Gebet fur
sie. Nunmehr bettlăgerig, betete er zu Gott im Schweigen, mit grosser
365

Liebe und Demut fur atle, die das gottfiche Erbarmen suchten. „Und er
sah mit geistiger Freude, wie die Gnade Gottes ihre Wirkung tat in
ihnen. So war Aitvater Porphyrios ein lebendiges Beispiei (der Worte
Christi), die der Apostel der Voiker Paulus schrieb: /n <7er
AotttttEMeme Alv;// zt/r (2 Kor 12,9)."'

u/?r/ E/:r\c7i/u/itug 77997)

Schon im Jahr 1984 hatte der Altvater das verlassene Kellion des HI.
Georg in Kavsokalyvia, in dem er Monch geworden war, von der
Grossen Lavra erworben und dort mehrere Jungmonche installiert. Von
da an ging er oft auf den Heiligen Berg, und sein innigster Wunsch war,
vor seinem Hingang endgiiltig nach Kavsokalyvia zuriickzukehren, um
dort seine letzten Tage in der Einsamkeit und im Gebet zu verbringen.
Dies tat er am Vortag des Festes der HI. Dreiheit des Jahres 1991, als
er 85 Jahre alt geworden war. Nachdem er wie gewohnt seine Beichte
abgelegt hatte bei seinem hochbetagten Beichtvater in Athen, ging er
auf den Heiligen Berg, in sein Kellion in Kavsokalyvia, in der Absicht,
dasselbe nicht wieder zu verlassen. Am 17. Juni desselben Jahres sand-
te er durch einen seinei* Monche einen Abschiedsbrief an seine geisti­
gen Kinder, der einmal mehr seine grosse Demut zeigte und worin er
allen ans Herz legte, „Gott zu lieben, Der Alles ist, damit Er uns wiir-
digen mochte, in Seine ungeschaffene Kirche auf Erden einzugehen")
A uf Drăngen der vielen, die untrostlich waren iiber seinen Weggang,
kehrte er zweimal fiii* kurze Zeit nach Milesi zuriick. Einige besuchten
ihn auch auf dem Heiligen Berg, doch als sich sein Zustand verschlim-
merte, empfing er Besuche nur noch ausnahmsweise.
Am ft'iihen Morgen des 2. Dezember 1991 schliesslich iibergab der
heilige Altvater im Beisein der Monche des Kellions des HI. Georg
seine Seele in die Hănde seines allgeliebten Herm. Viele SEtnden lang
hatte er zuvor jene Worte des hohepriesterlichen Gebets Christi wieder-
holt: ...&wn7 .svE e/'/i.s' .sotEn (Joh 17,11 und 22). Danach sagte er nur
noch ein einziges Wort, das am Schluss des Buchs der Offenbarung
steht: „Komm."

' KAeftou ImavvîbT), op. cit., S. 34.


^ Ganzer Text siehe yt/tvater op.cit., S. 140-141.
366

Sein Leib wurde in die Hauptkirche von Kavsokalyvia gebracht, wo


die Văter der Skite der monchischen Tradition gemăss den ganzen Tag
tiber die Evangelien iasen und danach eine Nachtwache feierten, die bis
zum Morgen dauerte. In der Frrihe des 3. Dezember wurde er im
Friedhof der Skite beigesetzt.
Seinen Weisungen gemăss wurde die N achricht von seiner
Entschlafung erst nach seiner Bestattung verbreitet. Nach dem ersten
Schmerz aii jener, die sich damit als Waisen in dieser Welt empfanden,
wich dies menschliche Gefuhl der Gewissheit, dass der selige Altvater
Ahu'^ergegmgg?? i.s/ vo/H 7bJ di.s' und dass er ilmcti. wie er es
ihnen oft vorausgesagt hatte, nun noch năher ist, denn „nach dem Tod
entfallen die Distanzen".'

KX. Imavvtări, O frpMvI7op(joăptog, op.cit., S. 225.


367

II. - Lehren'

C/tWS?MS /sV^)//<?s

A H 7^snn Christus in den Menschen kommt, wenn Er in unsere Seeie


VV kommt, wird die Seeie anders. Dann lebt sie uberall, sie lebt in
den Stemen, in der geistigen Welt, im Unendlichen, im AH...

Ţ ^ \a s Leben ohne Christus ist nicht Leben... Wenn du nicht in allen


J-V deinen Werken und Gedanken Christus vor Augen hast, bist du
ohne Christus.

ŢC r ist unser Freund, Er ist unser Bruder, Er ist jedwelches Gute und
J —/ Schone. Er ist Alles. Doch Er ist auch unser Freund und Er ruft es
lăut: „Ihr seid meine Freunde, Menschenskinder! begreift ihr es nicht?
Wir sind B ruder... Menschenskinder, Ich bin nicht... Ich halte nicht die
Holle in der Hand, Ich drohe euch nicht, Ich bebe euch. Ich will, dass
ihr euch mit Mir zusammen des Lebens crfrcut." Verstehst du?

o ist es mit Christus. Da ist keine Niedergeschlagenheit, keine


k J Melancholie, keine Verschlossenheit, in welcher der Mensch
gequălt wird von allerlei Gedanken und von Betrubnissen, die ihn zu
verschiedenen Zeiten verletzt haben in seinem Leben.

hristus ist neues Leben. Wie kann ich es ausdriicken? Christus ist
V-y Alles. Er ist die Freude, Er ist das Leben, Er ist das Licht, das
wahre Licht, das bewirkt, dass der Mensch sich freut, dass er fliegt,
dass er alles sieht, alle sieht, Mitleid luhlt mit allen, alle bei sich haben
will, alle bei Christus.

hristus ist Alles. Er ist die Quelle des Lebens, das hochste Ziel aller
Sehnsilchte.

ŢJ* ern von Christus aber ist Traurigkeit, Trauer, Bedrilckung,


Gereiztheit, Spannung, Erinnerung an die Wunden, die das Leben
geschlagen hat, an die Zwănge, die bangen Stunden. AH das erleben

Eine austîihrliche Wiedergabe seiner Lehren findet sich in Hifvater op.cit.


368

wir, wenn wir fern sind von Christus. Wir wandem umher, gehen
hierhin, dorthin, finden nichts, stehen nirgendwo still. Doch wenn wir
Christus finden, und sei es auch in einer Hohle, dann bleiben wir dort
und woiien nicht weggehen, aus Furcht, Christus zu veriieren. Lest und
ihr werdet sehen. Die Asketen, die Christus kannten, sie woliten ihre
Hohlen nicht veriassen... Sie wohten dort bleiben, wo sie Christi
Gegenwart fuhlten. Christus ist Alles. Christus ist die Quelle des
Lebens, der Freude.

l ^ \ o c h auch den Satan gibt es, die Flolle gibt es, den Tod gibt es. AII
J-V d ies gibt es, gibt es wirklich. Es ist die andere Seite, das Bose, die
Finstemis, all das gehort zur Finsternis. Der Mensch Christi muss
Christus lieben, und wenn er Christus liebt, wird er bcfrcit vom Teufel,
von der Holle, vom Tod.'

Ţ ^ \ie Beziehung zu Christus ist Liebe, ist gottlicher Eros,


J-^/Gottbegeisterung, Sehnsucht nach dem Gottlichen. Christus ist
Alles. Er ist unser Geliebter, Er ist unsere Flamme. Die Liebe zu
Christus ist eine unauflosbare Liebe. Aus ihr entspringt die Freude.

Ţ ^ \ie Freude ist Christus selbst. Sie ist eine Freude, die aus dir einen
J-v a n d e re n Menschen macht. Sie ist eine geistige Narrheit, jedoch in
Christus. Sie macht dich trunken wie der unvermischte Wein, jener
geistige Wein. Wie David sagt: Afit O/ wein FfaMpigeya/Ăt, nwf
Dew Ne/cA wacAi wie A WwAen wie .stn/Aer IFein (Ps 22,5).

Ţ I ' ines sei unser Ziel - die Liebe zu Christus, zur Kirche, zum
J —/Năchsten. Die Liebe, die Anbetung Gottes, die Sehnsucht, das
Einswerden mit Christus und mit der Kirche ist das Paradies auf Erden.

T ^ \ie Liebe zu Christus ist auch die Liebe zum Năchsten, zu allen,
J -V selbst zu den Feinden. Der Christ leidet Schmerzen fur alle. Er
will, dass alle gerettet werden, dass alle das Reich Gottes kosten. Das
ist Christentum.

' Auszuge aus derTonbandaufzeichnung eines năchtlichen Gesptăchs in einem Land-


kirchlein auf Euboa, zwischen dem Aitvater und einigen geistigen Kindem, im
Sommer )988. Die Aufzeichnung ist vom Kioster der Transfiguration in Miiesi ais
Kassette herausgegeben worden. Text in K A ii ou tmavviăi), O repmv7Top(ptipto^,
op.cit., S. 49 ff.
7/. LeAre 369

Ţ asst uns Christus iieben aliem um Seinetwillen. Niemals um


J-^/unsretwillen. Er moge uns hinstellen, wo Er will. Er moge uns
geben, was Er will. Lieben wir Ihn nicht um Seiner Gaben willen.'

T ^ \ie Kirche ist anfanglos, endlos und ewig, ebenso wie der Drei-
J-V einige Gott, ihr Grtinder, anfanglos, endlos und ewig ist. Die
Kirche ist ungeschaffen, so wie Gott ungeschaffen ist. Sie existierte vor
aller Zeit, vor den Engeln, vor der Erschaffung der Welt - vor C nm J-
/egrmg J e r HL/t, wie der Apostel Paulus sagt (Eph 1,4). Sie ist eine
gottliche Institution und in ihr tvo/?/?i Jto gooze <7or GottAe/7 (Kol
2,9). Sie ist Ausdruck der mannigfaltigen Weisheit Gottes. Sie ist das
Mysterium der Mysterien. Sie war im Nichtoffenbaren und ward offen-
bart o/?! F/rJe Jo/* Ze/'te/! (1 Petr 1,20). Die Kirche bleibt unerschtittert,
weil sie in der Liebe und in der weisen Vorsehung Gottes wurzelt.

Ţ ^ i e drei Personen der Heiligen Dreiheit bilden die ewige Kirche. Im


J-V D enken und in der Liebe des Dreieinigen Gottes existierten von
Anfang an auch die Engel und die Menschen. Wir Menschen wurden
zwar jetzt geboren. In der AHwissenheit Gottes aber existierten wir vor
allen Zeiten.

T ^ \ie Liebe Gottes formte uns nach Seinem Bild und Seiner Âhnlich-
J-V keit. Er schloss uns mit ein in die Kirche, obwohl er um unsere
Abtrunnigkeit wusste. Er gab uns alles, um auch uns zu Gottern zu
machen durch das Ireie Geschenk der Gnade. Wir jedoch machten
schlechten Gebrauch von unserer Freiheit und verloren die ursprirng-
liche Schonheit, die ursprlingliche Gerechtigkeit, und schnitten uns ab
von der Kirche. Ausserhalb der Kirche, fem von der Heiligen Dreiheit,
verloren wir das Paradies.

A usserhalb der Kirche gibt es keine Rettung, kein Leben. Deshalb


V lH ie s s uns das erbarmende Herz Gottes, unseres Vaters, nicht
ausserhalb Seiner Liebe. Er olfnete uns abermals die Pforten des
Paradieses, am Ende der Zeiten, und erschien im Fleisch.

4/va?erPc7pAyr;'o.s, op.cit., S. 159-161.


370 P oyp /ţyn o-s w n

T ^ \a s Haupt der Kirche ist Christus, und der Leib, das sind wir, die
J-^/M enschen, die Christen. Der Apostei Pauius sagt: E r A? Jn-y Tfaupt
Je^ Lei^e^, <7er K/rcAe (Kol ), 18). Die Kirche und Christus sind eins.
Der Leib kann nicht existieren ohne sein Haupt. Der Leib der Kirche
wird genăhrt, geheiiigt, am Leben erhaiten von Christus.

hristus hat den Leib der Kirche geeint mit dem Himmei und mit
der Erde. Mit den Engein, den Menschen und aiien Geschopfen,
mit der ganzen Schopfung Gottes, mit den Tieren und den Vogeln, mit
jedem kleinen Wiesenblumchen, mit jedem winzigen Insekt. So wurde
die Kirche zur F:i7/e Desper, D er a/Zes* m er/fA/t (Eph 1,23), das
heisst Christi. Atles in Christus und mit Christus. Dies ist das
Mysterium der Kirche.

y \ a s Wichtigste ist, dass wir tatsăchlich hineinkommen in die


J-V K irche, dass wir einswerden mit unseren Mitmenschen, mit den
Freuden und den Leiden aller. Dass wir sie als die unsrigen empfinden
und beten fur alle, Schmerz leiden fur ihre Rettung und darob uns
selbst vergessen. Dass wir alles tun fur sie, so wie Christus es getan hat
tur uns. In der Kirche werden wir eins mit jedem Unglucklichen, jedem
Leidenden, jedem Siinder.

ahre Christen sind wir dann, wenn wir uns zutiefst ats Glieder des
mystischen Leibes Christi, der Kirche, fuhlen, in einer ungebro-
chenen Beziehung der Liebe, wenn wir in Christus geeint leben, das
heisst, wenn wir die Einheit innerhalb Seiner Kirche leben mit dem
Gefuhl des Einsseins. Deshalb betet Christus zu Seinem Vater,
.sie ei/rs* .seien (s. Joh 17,11 und 22). Er sagt es wieder und wieder, und
auch die Apostei betonen es uberall. Dies ist die tiefste Tiefe, der hoch-
ste Sinn der Kirche. Hier ist das Mysterium - dass alle eins werden wie
ein einziger Mensch in Gott. Keine andere Religion kommt dem gleich.

Ţ ^ \ie Kirche ist das neue Leben in Christus. In der Kirche gibt es
J-V keinen Tod, keine Holle. Im Evangelium des Johannes heisst es:
Wenn einer A7e/'n Rbri hewnArt, w irJ er Jen 7o<7 nic/ri /ro.sie/r in
Dwig^eii (Joh 8,51). Christus schafft den Tod ab. Wer in die Kirche
eingeht, wird gerettet, wird ewig.
371

A /fit Christus wird der Tod zur Brucke, die wir in einem einzigen
IVJLAugenbiick iiberqueren werden, um weiterzuieben im Licht ohne
Untergang.

A /f it der Anbetung Gottes iebst du im Paradies. Wenn du Christus


IV JL kennst und Iiebst, iebst du im Paradies. Christus ist das Paradies.
Das Paradies beginnt hier. Die Kirche ist das Paradies auf Erden,
durchaus jenem gieich, das im Himmei ist. Dasseibe Paradies, das im
Himmei ist, ist auch hier auf der Erde. Dort sind aiie Seeien eins, so wie
die Heiiige Dreiheit drei Personen ist, die jedoch vereint sind und ein
Einziges biiden.

T Ţ m unsere Einheit zu bewahren, mussen wir gehorsam sein


L J gegenuber der Kirche, ihren Bischofen. Indem wir der Kirche
gehorchen, gehorchen wir Christus Seibst.

A A Tir mussen Schmerz ieiden fur die Kirche, sie iieben mit grosser
V V Hingabe. Wir durfen es nicht hinnehmen, dass man ihre Vertreter
verurteiit. Die Geistesart, die ich auf dem Heihgen Berg lernte, war
orthodox, tiefgrundig, heilig, schweigsam, abhoid aliem Streit, aller
Zănkerei und Verurteilung anderer. Denjenigen, die Kleriker anklagen,
sollen wir keinen Glauben schenken. Und săhen wir mit eigenen Augen
etwas Negatives, das durch einen Kleriker geschieht, glauben wir es
nicht und denken wir nicht daruber nach und tragen wir es nicht weiter.

A chten wir auch auf die kirchliche Ordnung. leben wir die
Z A . Mysterien der Kirche, insbesondere das Mysterium der Gottlichen
Kommunion. In diesen Endet sich die Orthodoxie.'

fst uv/Arr'

ŢI Religion nur gibt es: die orthodoxe christliche Religion. Und


J j/d ie s e r orthodoxe Geist ist der wahre. Die anderen Geister sind
Geister der îrrung, und ihre Lehren sind verwirrt.

1 ^ \ i e Wahrheit ist in der Orthodoxie. Ich habe sie gelebt, und dank der
J -v G n a d e Gottes kenne ich sie... Es gibt viele Lichter, doch das
wahre Licht ist eines. Und wenn du sagst: „Du bist verblendet!",

Ebenda, S. 146A52.
372 PorpA yno.s' voH Ă ia w o & a /rvM

antworte ich: Menschenskind, mochte doch die ganze Welt diese


Vcrblcndung erlangen!

Ţ ^ \ie Wahrheiten Gottes, so wie Er sie uns offenbart hat von Anfang
J-V an , das ist es (woran wir glauben). Es gibt keine anderen
Wahrheiten, neue, die notwendig geworden wăren, weii die Weit und
die Wissenschaft fortgeschritten ist und die Menschen zu den Stemen
geiangt sind.

Ţ I ' s kann sein, dass im Plan Gottes eine Zeit kommt, da die Menschen
J —/ zur Besinnung kommen werden, da sie das Chaos ganz konkret vor
sich sehen und rufen werden: „Wir sttirzen ins Chaos, wir gehen verloren.
Alle zuruck, alle zutuck, kehrt um, wir haben uns vcrirrt!" sodass sie
wieder den Weg Gottes betreten und der orthodoxe Glaube sie erleuchtet.'

Ţ Ţ nsere Religion ist die Religion der Religionen, jene die aus der
L J Ofîenbarung stammt, die wirkliche, die wahre Religion.

V/r/tts uY/v/ r/tt/Ytus

A Îs sich einige beunruhigten wegen dem Dialog mit dem Vatikan,


sagte der Altvater; „Habt keine Angst. Die Absicht des Papstes
war schon immer, die Orthodoxe Rirchc zu unterwerfen, doch es
kommt die Zeit, da der Dialog zunichte werden wird. Nichts wird
daraus werden. Ausserdem ist vollig klar, dass es den Uniaten, jenem
Trojanischen Pferd, um nichts anderes geht als darum, dass die Ortho-
doxen den Papst als Haupt anerkennen.'^

Ţ I ' in Athonit erzăhlt: „Als wir in der Neuen Skite lebten, hatten wir
J —/ einen katholischen Monch zu Gast, der gekommen war, um mehr
zu erfahren tiber das Leben der Athos-Monche, das asketische Leben
und die athonitische Gemeinschaft im allgemeinen. Wir erzăhlten ihm
von Altvater Porphyrios, und als er spăter nach Athen reiste, besuchte

' Aus: repovioţ noptpuptou, To /îvruga ro Opdodo$o Avat ro


Tonbandaufzeichnung eines Gesprăchs mit New Age-Anhăngem, Kassette und Text
hrsg. vom Ht. Kloster der Transfiguration, Milesi.
^ Tepovrog noQqmpiou, AvdoAoyto Zug/GuADv, Milesi 2002, S. 290.
77. ZeAre 373

er ihn dort. Als der Altvater ihn sah, begann er, ohne dass iltm jener
etwas gesagt hătte, das Kdoster jenes Monchs in Norditaiien zu
beschreiben. Er beschrieb sogar ein benachbartes Frauenkloster. Er sah
alle Monche und Nonnen dort und beschrieb alle bis in die Einzelheiten.
Der Monch war buchstăblich sprachlos, denn zum ersten Mal begegnete
er einem solchen Menschen. Als er danach auf den Athos zurtickkehrte,
sagte er zu uns: „Hătte mir jemand uber diese Dinge erzăhlt, wtirde ich
sie nie geglaubt haben..." Jener Monch fragte Altvater Porphyrios, wie
es ihm moglich sei, all jene Dinge zu sehen, und der Altvater antwortete
ihm: „Gottes Gnade offenbart die Mysterien uns Orthodoxcn."'

Ţ I ' twas ăhnliches geschah einem tschechischen Priester, der auf


J —/ Besuch war in Griechenland. Er hătte zwei sehr ernste Probleme,
das eine personlicher, das andere kirchlicher Art. Er bat darum, zu
Altvater Porphyrios geftihrt zu werden. Als sie sich begegneten, ergriff
der Altvater die Hănde jenes Priesters und sagte zu ihm mit jenem
freundlichen und entwaffnenden Lăcheln, das ihn kennzeichnete:
„Mein Vater, ihr habt zwei Probleme, die euch quălen" (er sprach
griechisch und ein Dometscher tibersetzte es dem Besucher in dessen
Sprache), und dann legte er ihm dar, wie er sowohl das eine als auch
das andere losen konnte. Als der Tscheche zu seinem Gastgeber
zurtickkehrte, sagte er: „Zum ersten Mal habe ich begriffen, was
Orthodoxie bedeutet." Diesel* Priester stammte aus nicht-orthodoxen
Kreisen und war orthodox geworden, doch was er in den Btichern der
Kirche las, schien ihm immer vollig theoretisch und irgendwie
mythisch. „Jetzt aber", sagte er, „habe ich selbst festgestellt, dass Gott
tatsăchlich Gnade schenkt, und diese Gnade findet sich in der
Orthodoxie."^

DM MM<? /c/: SMM/ CM?S

Ţ I ' iner seiner geistigen Sohne fiagte den Altvater, wie er denn fur all
J —/ die Menschen bete, die ihn darum ersuchten. Er antwortete ihm:
- So mache ich es - ich sage 'Herr, Jesus, Christus, erbarme Dich
meiner.'
- 'Erbarme Dich meiner" sagt ihr? Aber jene baten euch doch, fur sie zu
beten und nicht fur euch selbst, entgegnete ich ihm verwundert.

' In: KA. Imavvi&n, O ffpMv77op<phpto^, op. cit., S. 59.


^ Ebenda, S. 62.
374 .4 /tv a ter Po?pAyn'o.s von A law o/faŢrvM

Doch der Altvater tibenaschte mich einma) mehr, indem er sagte:


- Aber, weisst du denn nicht, dass Gott, wenn Er Sich meiner nicht
erbarmt, Sich dann auch deiner nicht erbarmt? Weisst du nicht, dass
du und ich eins sind?
Bei einer anderen Gelegenheit sagte der Aitvater, dass dieses Gefuhi
unseres Einsseins mit dem anderen das Geheimnis des geistigen
Lebens in Christus ist.'

D/e Freo^/e rter /t/z/erste/no!^

T " \e r Aitvater sagte:


J -V - Mit Seiner Auferstehung hat uns Christus nicht hinubergefuhrt
uber einen Strom, einen Kanai oder einen See. Er hat uns hinuberge­
fuhrt uber einen Abgrund, den der Mensch aus eigener Kraft unmogiich
uberschreiten konnte. Er hat uns hinubergefuhrt vom Tod ins Leben.
Nun ist dank der Auferstehung unseres Christus aiies Freude. Eiast du
die Zickiein gesehen, jetzt im Fruhiing, wie sie herumspringen auf der
Weide, ein wenig trinken bei der Mutter und dann wieder davonhupfen?
So soiien auch wir htipfen und springen vor unsăglicher Freude uber
die Auferstehung unseres Fierrn und die unsriged

7rop/en r/er C/e^e Gottes

A iie Dinge in der Schopfung beiehren uns und fuhren uns zu Gott.
v \ . A l i e Dinge um uns sind Tropfen der Liebe Gottes. Die beseeiten
ebenso wie die unbeseelten, die Pfianzen, die Tiere, die Vogel, die
Berge, das Meer, der Sonnenuntergang, der Stemenhimmei. Es sind
kleine Lieben, die uns zur grossen Liebe fuhren, zu Christus.

Der C /irăt /s? e/n Poet

Ţ ^ \a m it einer Christ werden kann, muss er eine poetische Seeie


J-V haben, muss er Poet werden. „Grobschlăchtige" Seeien mag
Christus nicht um sich haben. Der Christ, und wăre es auch nur, wenn
er liebt, ist ein Poet, er iebt in der Poesie. Poetische Menschen machen
sich die Liebe zu eigen...

' Konstantinos Giannitsioti in seinem Buch Kovrd oro Cepovra Hopqwpto, Athen
1993, S. 50-31.
^ Av6?oAoyto, op.cit., S. 441.
77. Ze/me 375

*\^Y7*enn euch eine schone Landschaft begeistert, ein Kirchiein,


VV irgendetwas Schones, so bieibt nicht stehen dabei, sondem geht
daruber hinaus zur Doxoiogie, zum Lobpreis Gottes tur aiies Schone,
damit ihr TAn erfahrt, den ailein Schonen...

teilt Fragen, iernt und vervoiistăndigt eure Kenntnisse uber ein


k ) Jegiiches, steht nicht einfach gieichgtiitig da. Dies wird euch zu
einer tieferen Anschauung der Wunder Gottes verheifen. Aiies kann ftir
uns Geiegenheit werden zur Verbindung mit aiiem und mit aiien,
Anlass zur Danksagung an den Herm des Alls, zum Gebet zu Ihm. Lebt
in aiien Dingen, in der Natur. Die Natur ist das geheime Evangeiium.'

er Aitvater erzăhite:
- Dort auf dem Heiiigen Berg verbrachte ich ein paradiesisches
Leben. Ich ging dorthin, ais ich noch kiein war, zwoitjăhrig nur, ich
hatte zwei Greisiein, denen ich aufs Wort gehorchte. Sie schickten
mich, Erde zu hoien, zwei Săcke voii, fur ihre G ărtiein... Und ich ging,
ich rannte, hupfte uber die Feisen, barfuss, ungekămmt, und rief mitten
in der Wiidnis: "Unbcflccktc, Makeiiose, Unversehrte, Unberuhrte.. A*
„Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner" und andere Verse, die ich
auswendig gelernt hatte aus der 7U/vA/;7/Vd und den Hatte
mich jemand gesehen, wiirde er gesagt haben: „Es ist um ihn gesche-
hen, das Monchiein, es ist nărrisch geworden." Und tatsăchiich, der
gottiiche Eros ist eine gottiiche Narrheit, und wenn sie den Menschen
beherrscht, verwandeit sie ihn, Seele und Leib.

Ţ iebe Christus, und du wirst aiie jene Verwandiungen in dir seibst


J —/ sehen. Gib Christus dein Herz, und aiies andere wird Er tun.

l ^ \ u musst wissen - mit deiner Tonsur zum Monch wird Christus dich
J-V um arm en, dich kiissen, du wirst Sein und Er wird dein. Christus
macht deine Seeie zur Seiner Braut, fur immer. Fur die Ewigkeit.

' Aitvater Po/pAyn'as, op.cit., S. 327-328.


^ Gebet an die Gottesmutter im Apodipno.
376

A H fen n du Christus mir der ganzen Kraft deines Herzens liebst, wird
V V ades ieicht sein. Der Gehorsam und die Demut. Dann wirst du
a)ie Brtider iieben, muhelos und spontan, mit derseiben Liebe Christi.
Denn dann wirst nicht du es sein, der iiebt, sondern Christus Seibst,
Der dein Herz in Besitz genommen hat.'

L/cbc ///^ 7% /////:^/:

Ţ ^ \e r Aitvater sagte zum angehenden Monch:


Liebe die Prufungen, die kommen, dann wirst du nicht
erschrecken, noch auch wirst du dich betruben...
Jener erwiderte:
- Wie ist es moglich, dass ich Prufungen und Schwierigkeiten liebe?
- Eine grosse Sache. Es gibt Wege und Weisen. Wenn Christus in das
Herz kommt, erfullt Er es mit Seiner Liebe. Dann gibt es kein „nur dies
nicht", „bloss das nicht" usw ... Nur Liebe... Uber aliem die Liebe?

Ţ7estnagelung. Weisst du, was das heisst?... Es heisst, dass du wie


mit Năgeln befestigt bist an dem, was du liebst. Nagle dich fest an
unserem Christus. Ich liebe unseren Christus sehr und glaube an Seine
Kraft. Menschenskind, die Apostel gingen durch die Strassen, und ihr
Schatten heilte die Glăubigen! Ist unser Christus nicht Derselbe? hat Er
sich etwa verăndert? ICC sind es, die uns verăndert haben! Was heisst
da Bange, Nerven, Psychosen? Ich glaube, dass in alledem der Teufel
steckt. Weil wir uns nicht in Liebe Christus unterordnen, kommt der
Teufel und bringt uns durcheinander?

D<?////;? - 7b/' ZHZ' L/!^^sr7/r/^b//c// A// c7:^


A H fs n n das Herz die heilige Demut hat, sieht es alles als gut und lebt
W schon jetzt in der Ungeschaffenen Kirche Gottes auf Erden.
Nicht jene Demut, die wir mit Worten sagen. Die heilige Demut ist ein

' Ayotjuou Movaxon, H Oetx?) (pAoya, Athen 2002, S. 25-26.


i Ebenda, S. 37-39.
' Ebenda, S. 53.
7/. fe A r e 377

Geschenk Gottes an die Seele. Gott schenkt sie, wenn Er saubere


Vorbereitung Endet. Dann sieht Er mit Wohlgetâllen auf jene Seele und
zieht sie zu Sich.

A uch du, deshaib, sag nicht: „Dieser ist ein Griesgram, jener ist
V i^eifersuchtig, jenerjăhzom ig" usw. Sag nicht: „Mit dem kann ich
nicht auskommen, niemais." Das ist keine Art. Das ist nicht orthodox,
es ist nicht christiich. So bist du tiberhaupt nicht in der Liebe Gottes.
So trennst du dich ab von der Gnade Gottes weii du dich von deinen
Briidern abtrennst. Du soiist im Gegentei) hinwegsehen riber ihre
Schwăchen und, ohne dass du sie nachahmst, einswerden mit ihnen in
der Zusammenarbeit. Tu was sie wollen und wie sie es wolien. Sie
wollen es so? Dann tu es so. Sie wolien es anders? Dann tu es anders.
A uf diese Weise fallen die Mauem, die uns trennen von unseren
Briidern. So verbinden wir uns mit Christus.'

Ţ ^ \u sagst mir, dass dich das Gebet, die Akoluthie ermudet. Was
J-V fehlt? Der gottliche Eros fehlt.
- Wie werden wir ihn erlangen, Geronta?
- Das hăngt nicht ab von unseren Anstrengungen. Es ist ein Geschenk
Gottes. Er zuerst ist es, Der uns liebt, wenn wir Ihm gefallen, Elnsere
eigenen Anstrengungen aber und der ăussere Druck konnen in unserer
Seele das Gegenteil bewirken: das Scheitern im Geistigen.
- Und wie wird es geschehen, dass Gott uns liebt?
- Damit Gott uns liebt, ist etwas anderes notig unsrerseits. Und was ist
das? Dass wir uns demtitigen, dass wir uns beugen, dass wir lieben,
dass wir beten, dass wir Gott suchcnr

Es y/bt AtT/mn 7br/


Ţ I ' s gibt keinen Tod. Furchte dich nicht vor dem Tod. Wer fur
J —/ Christus gestorben ist, fur den gibt es keinen Tod. Doch wenn du
nicht gestorben bist, wirst du sterben?

' Ebenda, S. 59-60.


^ Ebenda, S. 64.
Ebenda, S. 59.
378 ^ /7 w 7 e/' Po7p/ry?*?'o,y ATzwoAa/yw'a

fH/S 7/77S E777Y77/mS 7St

laub nicht, dass wir, wenn wir sterben, dorthin gehen werden, um
v J uns der Gluckseligkeit Gottes zu erfreuen, um sie zu spiiren. Von
hier an miissen wir sie spuren. Wenn wir nicht hier einswerden mit
Christus, gekieuzigt werden mit Ihm, werden wir auch dort nicht bei Ihm
sein. Das Paradies bedeutet nicht schone Băume, kostiiche Frtichte,
Blumen usw. Es ist die mystische Gluckseligkeit, die die Seeie in Gott
ertahrt.'

Drrs tG'c7;7Ygst(?

T ^ \a s Wichtigste fur uns alle ist, uns mit ganzem Herzen Christus
-L^hinzugeben.

/C h r is tu s , M enschenskind, Christus soiien wir iieben, mit


V-zLeidenschaft, mit gdtttichem Eros. Glucklich der Monch, der
gelernt hat, ahe zu Iieben auf heimliche Weise. Er selbst verlangt keine
Liebe von den anderen, noch auch kummert es ihn, ob sie ihn Iieben...
Jene die sagen: „Liebst du mich? warum liebst du mich nicht?" wie
fem sind sie von der Liebe Christi! welche Armut, welche Arm ut des
Geistes! Lass es nie dein Kummer sein, ob man dich liebt?

Am/! 7/^7*Z77777S

Ţ I in Monch sagte zu Altvater Porphyrios:


JC / - Geronta, ich werde oft zornig.
- Eine gute Sache, der Zom.
- Eine gute Sache?
- Gewiss. Den Zom hat Gott in uns gelegt. Er ist die Energie der Seeie.
Er ist Kraft. Er hat ihn uns gegeben, damit wir unseren Leidenschaften,
dem Teufel zumen und sie abwehren. Hier ist der richtige Platz des
Zoms. A uf diese Weise ziehen wir diese Kraft zuriick vom Teufel und
geben sie Christus. Gib dich Christus hin mit Kraft, mit Energie?

' Ebenda, S. 89.


^ Ebenda, S. 8E
^ Ebenda, S. 65.
379

D/c f/cf A///r/c7'

Ţ A ie Erziehung der Kinder beginnt zur Stunde ihrer Emptangnis. Der


J-^VEmbryo sptirt und fuhlt im Schoss seiner Mutter... Deshatb sol) die
Mutter wăhrend der Schwangcrschaft viei beten und ihr ungeborenes
Kind Iieben, es streicheln in ihrem Leib, Psalmen lesen, Hymnen
singen und ein heiliges Leben filhren. Das bringt auch ihr selbst
Nutzen. Sie erbringt Opfer fur das Woh) des ungeborenen Kindes,
damit es heiliger wird und sein Leben von Anfang an eine heilige
Grundlage hat. Wisst ihr, welche subtile Sache es ist fur die Frâu, ein
Kind auszutragen? Welche grosse Verantwortung! Welche Ehre!

Ţ A as Verhalten der Kinder steht in unmittelbarer Beziehung zur


J-V V erfassung der Eltern. Wenn die Kinder verwundet sind vom
schlechten Verhalten der Eltern unter sich, verlieren sie die Kraft und
die Bereitschaft, im Leben voranzukommen. Sie werden gleichsam
schief aufgebaut, und das Gebăude ihrer Seeie droht jeden Augenblick
zusammenzubrechen.

as die Kinder rettet und gut macht, ist das Leben der Eltem
zuhause. Es ist notig, dass die Eltern sich der Liebe Gottes
hingeben... Die Losung der Probleme kommt mit der Heiligung der
Eltem. Werdet heilig, und ihr werdet keine Probleme haben mit euren
Kindern. Die Heiligkeit der Eltern erlost die Kinder von ihren
Problemen. Die Kinder brauchen heilige Menschen um sich, Menschen
mit viei Liebe, die sie nicht einschuchtem und sie nicht bloss belehren,
sondem ihnen das heilige Beispiel geben und beten fur sie.

A / f it dem stăndigen Lob werden die Kinder nicht aufgebaut. Sie


1 V J . werden selbstsuchtig und eitel. Sie wollen ihr ganzes Leben lang
von allen immer nur gelobt werden, und wăre es auch mit Lugen.
Leider haben heute alle gelemt, auch Lugen zu erzăhlen, und die Eitlen
nehmen sie geme an, sie sind ihre N ahrung... Gott aber will solches
nicht. Gott will die Wahrheit. Leider begreifen das nicht alle und tun
genau das Gegenteil.

A H 7^nn du Kinder stăndig und ohne Unterscheidung lobst, werden


V V sie versucht vom Widersacher. Er setzt die Mtihle der Selbstsucht
in Bewegung. Von klein auf gewohnt, von Eltem und Lehrem gelobt zu
werden, schreiten sie zwar voran in der Schulbildung, doch was ist der
380 y4/tva?e?* von Aiav.s'cG/yw'a

Nutzen hiervon? Sie werden ais Egoisten ins Leben hinaustreten und
nicht ais Christen.

J —/goisten konnen niemais Christen sein.

Ţnsere Reiigion wunscht nicht diese Art von Erziehung. Sie wiii im
Gegentei), dass die Kinder von kiein auf die Wahrheit iernen. Die
Wahrheit Christi betont, dass du den Menschen, wenn du ihn iobst, zum
Egoisten machst. Der Egoist ist verwirrt, er wird gefîihrt vom Teufei,
vom bosen Geist. Und nachdem er so aufgewachsen ist in der
Eigensucht, unternimmt er es ais erstes, Gott zu verleugnen und sich ais
unangepasster Egoist in der Geseilschaft breitzumachen.

r \ u soilst die Wahrheit sagen, damit der Mensch sie iernen kann.
-L ^S o n st unterstutzt du ihn in seiner Unwissenheit.

lemals soiien wir unsere Mitmenschen ioben und ihnen schmeichein,


1 i sondem wir soiien sie zur Demut und zur Liebe Gottes fuhren.

r \ i e M entalităt der heutigen Geseiischaft schadet den Kindern. Sie


-L ^b eru h t a u f einer anderen Psychoiogie, einer anderen Pădagogik,
die sich an die Kinder von Gottiosen wendet. Diese Mentalităt fuhrt zur
Zugellosigkeit.

^sn Heiligen Vătern werden die Kinder iemen. Die Lehre der
V Heiligen Văter wird unsere Kinder beiehren iiber die Beichte, liber
die Leidenschaften, iiber die bosen Taten, sie werden ihnen zeigen, wie
die Heiligen ihr schiechtes Selbst besiegten. Und wir selbst werden zu
Gott beten, dass Er Sich hinabbeugen moge in sie.'

/l/tvate?- op.cit., S. 296 tf.


38 i

A . W o r te des A it v a t e r s :
- Pfpovroq JPo^xpu^tou Kaooo%aAu/iirou, Btocj xcn Aoyot, hrsg. m . Kioster
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M/?<VTgArg, vom setben Herausgeber, Chania 2006. Engiisch: Roundgd dyPovg,
PAg P(/g nnJ tAg iH'^Jo^w qfPMgr PorpAyHo^, hrsg. Denise Harvey Pubi., Limni
Evias 2005. Ubers. auch Russ., Şerb., Rumân., Arab. u. Ital. von div.
Herausgebern. Ausziige aus den Original-Tonbandaufhahmen des Aitvaters, aus
denen das Buch zusammengesteiit ist, auf CD hrsg. vom EH. Kdoster
Chrysopigi, Chania.
- Aoyot 77ep( Aymy?)^ rmv 77atdtmv („Dariegungen iiber die Erziehung der
Kinder"), hrsg. Hi. Kioster Chrysopigi, Chania 2. Aufl. 2006.
- Aoyot 77e^t 77ve^tartx?)g Zm?)g („Dariegungen iiber das geistige Leben"),
hrsg. EH. Kioster Chrysopigi, Chania 2. Auf). 2005.
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H/Ro/ogfg Jg -sf Par/ntg/g Por/in'g, vom selben Herausgeber.
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Auszugen aus der Pascha-Liturgie mit Aitvater Porphyrios und einer Darlegung
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Kassette und Heft, hrsg. Hi. Kioster der Transfiguration, Miiesi.

B . Z e u g n is s e i i b e r d e n A i t v a t e r ( A u s w a h i )
- KXefron Iwavvidp, O Pr^mv Eîopqotipto^, M apruptr^ xat T^uretpfeg
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Ggro?? PorpAgHc,?, Pgnmfgnnggs' gt Eypgrfgncg^, Miiesi, Athen 2005. Rumân.
PnrdRg/g Por/?r;'g MnHMn'i Pxpgn'ntg, vom selben Herausgeber.
- KMvoiaviLVOu TLavvtiotMip, R o v ra oro P rp o v ra Pfop<pdpto, P va
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Pgwgmdgrs', itai. Hgmo n Pndrg Po^H o, Dno Pfgd'o 5pfrdMa/g PfgcorJa,
sowie rumănische und russische Ubers. beinr seiben Herausgeber.
382 H/tvate?* PorpA yn'o^ von R av.soR [/yv;'a

- Ayanton Movaxou, R &t^t? tpAdya jrou avatpe crr??v xapdta ^ou o feprnv
Roptptpto^ („Die gottliclie Fiamme, die Aitvater Porphyrios in meinem Herz
entfachte"), hrsg. H). Rloster d. TransEguration, Miiesi, 4. Auft. Athen 2002.
Engl. Monk Agapios, 7%<? Dtw'ne P/awe FM<?r Po^pAyn'os' /;Yd: R eaR Athen
2005, sowie ita!., rumân., russ., buigar., schwed. und franz. Ubers. beim seiben
Herausgeber.
- Avaoi. Tţ,al5dQaq, Ava^vtictet^ ajro rov fep o v ra Ro^xpEpto, hrsg. HI.
Kdoster d. TransEguration, Miiesi, i i. Auft. Rumân.: Hwdddd Defere Padina/
P o^H e, Miiesi.
- remQy. KQonoiaXXctxp, O fepm v Ro^<ptipto^ o R w u /tam td ^ R arepa^ xat
Ratdaymyog' („Aitvater Porphyrios der geistige Vater und Erzieher"). Auch
Rumănisch. Hrsg. Hi. Kdoster d. TransEguration, Miiesi.
- Avapy. KaXXtdTOov, O R a R p Rop<ydpto^ o A topanxd^, o Rpoopartxo^,
o Fa^artxo^, Athen i996, 5. Aud. 2002. Auch Rumănisch u. Russisch. Alie
hrsg. Hi. Kdoster der TransEguration, Miiesi.
- O aR taord ffy o v o ra xat 2/ty;/dottAe$: rou Pf^ovro^ Ro^<pu^tou, hrsg. Hi.
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- KArticm Itnavvtăp, To Tepovrtxd rou 20ou andvo^, 3. AuE. Athen 2002, S.
55-82.
383

!N H ^ L T S V e R ^ e !C H N !S

Zu diesem B u c h ............................................................................................................ 5

XapzYe/ 7
/l/Yva^grylzzz/z/zz/dc/zz'o^ vo?? Podzzo^ ("7<$<5^-7970).................................................. 7

FapzYg/ 2
FpArew vow ("7972-799<$).................................................. 43

Fap;7e/ 3
y4/fya7er JaTrovo-y vozz Fzzdo'a ("7920-7997).............................................................75

ĂYzpzYe/ 4
^/F<37er Jo-ygp/? <7ez^ 7 7 6 ^ 7 ; ^ ("7<$9&7939)....................................................... 103

ATzpzYg/ 3
/ l / F ^ g r Jzz^dz W77 Ce/z/e ("7^94-7979)................................................................ 145

FzzpzYe/ 4
/!/F < 3 ^ F/eo/M vozz 5*z7zzz^frz7z ("7972-799^1........................................................219

ATzpzYe/ 7
^Fm ^grPzzz^z'o^ Jgr^lgioziY ("7924-7994).........................................................263

FzzpzYe/ <9
/1/Ywz4gr P/zz7o0zeo^ vozz ^7^4-79<$0)......................................................307

FzzpzYe/ 9
^/Fa^gz*Pozp/;yz*z'o^ vozz FawoTra/yvzTz ("7904-7997)....................................... 347
384

W e ite r e P u b lik a t io n e n des K lo s te r s des H i . J o h a n n e s des V o r l ă u fe r s , C h a n i a :

D<23 Synaxar/on, D/g Ta^en <7<?r /7g///gg/; r/gr O/vAo&ne/? Af/'/'che, gestritzt auf die
6-băndige Ausgabe des HI. Klosters Simonos Petra, mit s/w und
Farbikonen sowie geographischen Karten, 2 Bande:
Bând 1 - September bis Februar, 800 Seiten, 2005.
Bând H - Mărz bis August, 856 Seiten, 2006.
D/c/nex Gg&gAZ?Mc/t /a r 0/'t/;or/oxe CA/'Atc/? (Mitternachtsgottesdienst, Orthros,
Klcinc Stunden, Vesper, Kl. Apodipno, Akathistos, Ki. Bittkanon an die
Gottesmutter, Vorbereitung auf die Gotti. Kommunion und Danksagung,
Apolytikien und Kontakien, Fastenregein gem ăss Typikon des
Patriarchats von Konstantinopel, Festkalender), 182 Seiten, 2006.
D gr 4 /ta//;A/o.s*-F/y/no.s- an <7/g A//grAg;7/g^/e Go//e.s/;n///gr, vollstăndige
Akoiuthie, mit Notenteii, 62 Seiten, 4. Auf!. 2006.
Zo&gasang a n J OTA/r/agg z a r GraA/ggang a/t.s'grg.s* Dgrrn 7g.sa.s C/a/.s/M.s
(Enkomia), 48 Seiten, 3. Auf!. 2006.
D ar A7gfne 7/;//- ;/n<7 7)'o.s7Fa/;o/: a?! /l///;g;7/gg Go//g.s'nna/g/: vo!!stăndige
Akoiuthie, mit Notentei!, Taschenformat, 48 Seiten, 4. Auflage 2006.
fbr6grg/7ung an/' r//g Go////gAg Aantnaaa'on, voitstăndige Akoiuthie, Taschen­
format, 48 Seiten, 4. verbesserte Auflage 2006.

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