Sie sind auf Seite 1von 1

Tages-Anzeiger · Freitag, 13.

Juni 2008 EURO 08 21

«Köbi Kuhn hat


Erfolgreiche Schweizer Fussballer
GESTE DES TAGES

Das Lob von oben


sich bedankt» Aufgepasst, liebe
Also, eigentlich ist doch reiniger weg. Der Formanstieg berichtete, dass Jasmin Hutter auf stritten übrigens Spanien und Leserinnen und
Jakob Kuhn, 85, ist alles gar nicht so übel: punktgenau auf den Beginn der der Ersatzbank jeweils «Bring en Schweden, die morgen Samstag Leser: Diese neue
Euro hin war bemerkenswert – das hei» gesungen habe. auch an der «echten» Euro in Inns- Geste könnte zum
©

Namensvetter unseres Die Schweiz hat in jüngster Hinspiel am 17. April in Zürich ging Wir Schweizer setzten indes bruck aufeinander treffen. Renner der Saison
aktuellen Nationaltrainers. Zeit gleich mehrere nämlich noch mit 2:7 verloren. nicht nur im hohen Norden, son- Und im Gegensatz zu Roger Fe- werden. Weniger
Er wohnt mit seiner Frau Und was die städtischen Ange- dern auch auf hohen Bergen fuss- derer bewegte sich die Mannschaft wegen ihres Namens – sie heisst
Triumphe im europäischen stellten können, können die höhe- ballerisch Akzente: An der Berg- Schweiz 1 auf Sand souverän. An «Burzli-Burzli» – als wegen der
Alice in Wohlen und wird Fussball feiern können. ren Staatsdiener schon längst: In dorf-EM im Walliser Dorf Gspon der Footvolley-EM Ende Mai in entspannenden Wirkung, die ihr
häufig verwechselt. Helsinki gewann der FC National- (2008 Meter über Meer) über- Oftringen stiess sie in den Viertel- innewohnt: Hat man nämlich die
rat – angeführt vom unverletzt ge- zeugte die Schweizer National- final vor, nachdem sie in den Grup- Hand so geformt wie auf der Abbil-
Gerne erinnern wir uns zum Bei- bliebenen Captain Toni Bortoluzzi mannschaft auf der ganzen Linie. penspielen nur von Portugal 1 be- dung zu sehen, fährt man damit
Von Daniel Zumoberhaus spiel an den Auftritt der Schweizer – Ende Mai ein Parlamentarier- Triumphal zog sie ins Halbfinale zwungen worden war. von oben her einer (bestimmten)
Strassenwischer-Fussball-Nati An- turnier gegen Amtskollegen aus ein, in welchem sie am 25. Mai im Schade bloss, dass alle diese po- Person ins Haar, beginnt sanft zu
Herr Kuhn, wie gehts Ihnen nach fang Juni in Wien: 3:1 putzten wir Deutschland, Österreich und Finn- Penaltyschiessen auch noch die sitiven Vibrationen Basel offen- kraulen und spricht leise die
dem Aus- damals die österreichischen Stadt- land. Die «Schweizer Illustrierte» Franzosen besiegte. Das Finale be- sichtlich nie erreichten. (tsp) Worte «Burzli-Burzli». Was damit
scheiden ausgedrückt wird, ist ein Lob, so-
der Schwei- zusagen ein unausgesprochenes
zer Nati? «Das hast du sehr gut gemacht».
Leiden Sie
mit dem Na-
tionaltrai-
Ja, ja, ja, ist ja schon gut! An der Euro 08 hat sich die Geste
bislang noch nicht durchgesetzt,
an der WM vor zwei Jahren in
ner mit? Deutschland dagegen wurde
Die «Burzli-Burzli» regelmässig ange-
Freude ist wandt, insbesondere von afrikani-
momentan schen Spielern. Die nun nahe lie-
an einem gende Vermutung, diese Geste sei
sehr kleinen Jakob Kuhn. aus einem geheimen Voodoo-Kult
Ort. Ich und hervorgegangen, ist aber falsch.
meine Frau Alice sind enttäuscht, Ihre Wurzeln liegen erstaunlicher-
vor allem, weil die Niederlage ge- weise im Zürcher Oberland, er-
gen die Türkei in letzter Minute dacht hat sie unseren Angaben zu-
eingetroffen ist. Wir nehmen sie folge ein Herr Steiner, ihm gehört
aber sportlich. auch das Copyright an dieser
Geste. (thw)
Kommt es eigentlich zu Verwechs-
lungen mit Ihnen und Köbi natio-
nal? TIPP DES TAGES
Es gab immer wieder mal Ver-
wechslungen. Vor allem weil wir
im Telefonbuch als Jakob und
Das musikalische Duell
Alice Kuhn aufgeführt sind. Ich Es ist das grosse Duell der ewigen
habe zahlreiche Briefe erhalten, Rivalen, die Neuauflage des WM-
die nicht für mich bestimmt waren Finals aus dem Jahr 2006: Frank-
– in den vergangenen Wochen fast reich gegen Italien, die «Bleus» ge-
täglich. Zu meinem Vorteil ausge- gen die «Azzurri». Der Knüller-
nützt habe ich die Namensver- match findet zwar erst am kom-
wandtschaft aber nie, und ich habe menden Dienstag im Zürcher Let-
die Briefe umgehend an Köbi Kuhn zigrund statt. Doch eine Art Vor-
in Birmensdorf weitergeschickt. Es spiel geht schon heute über die
kam auch immer wieder mal zu Bühne – und zwar im Stall 6 (im
lustigen Situationen. Theaterhaus Gessnerallee). In der
Party, die um 22 Uhr beginnt und
Welche Situationen? irgendwann in den frühen Mor-
Ein Mädchen beispielsweise hat genstunden enden wird (Verlänge-
sich bei mir nach dem Spiel gegen rung und Penaltyschiessen inklu-
die Tschechen über die Aufstel- sive), treten die beiden DJ-Duos
lung beschwert und liess mich «Les Deux Goals» und «Altobelli
nicht zu Wort kommen. Als ihr Soundsystem» zu einem fairen
dann die Verwechslung doch noch musikalischen Zweikampf auf dem
bewusst wurde, war ihr die Sache Plattenteller an. Die Franzosen
peinlich. werden mit Chansonniers wie
BILD DORIS FANCONI Gainsbourg, Dutronc, Bardot &
Nicht lustig ist die Niederlage der Co. auflaufen, im Startteam der Ita-
Schweiz. Weshalb haben Köbis liener werden die Cantautori Ce-
Mannen verloren?
Die Schweiz hat zwar gut ge-
spielt, aber zu viele Chancen aus-
Eine Hymne KOLUMNE lentano, Battisti Rossi etc. stehen.
Ziel ist es nicht, einen Sieger zu er-
mitteln, sondern ein amüsanten
gelassen. Und wer die Chancen
nicht nutzt, der hat am Schluss das mit Rhythmus Oh, Holland, errette uns! und ausgelassenen Tanzabend zu
feiern. Um das akustische Feuer-
Nachsehen. Alex Frei hat der irritiert am Strassenrand, bleich Lippen verbrennen. Holland, an werk auch optisch rüberzubringen,
Mannschaft klar gefehlt. Sie sind das Salz in der Suppe von Von Jürg Halter vor Neid, weil sie sich nicht so dich will ich meinen Verstand wird Miss Blubbblubb all die un-
Europa- und Weltmeisterschaften gehen lassen können wie dein verlieren! sterblichen Helden dieser beiden
schlechthin: die Nationalhymnen. ch habe wirklich versucht, holdes Volk, oh, Holland, du Am Morgen nach der Party Nationen über die Leinwand hüp-

I
Wo haben Sie das Spiel mitverfolgt?
Ich war zu Hause vor dem Fern- Manch einer tut sich schwer damit, cool zu bleiben in den letz- personalisierter Ausnahme- erwache ich auf einem Camping- fen lassen. (thw)
seher. Wissen Sie, mit 85 besucht allerdings aus unterschiedlichen ten Tagen. Die EM zu ignorie- zustand! platz irgendwo da
man keine Fanzonen mehr. Als Gründen. Den rumänischen Natio- ren wie ein It-Girl im Zürcher In deinem Fahnen- draussen vor Flamatt
Zeichen der Verbundenheit mit nalspielern etwa hat sie zu wenig Edel-Cervelat-Promi-Club Saint meer will ich schwim- und hebe den Kopf aus ZITAT DES TAGES
dem Team habe ich eine drei Me- Rhythmus. Eine neue soll her, sagt Germain einen Bauern, der sich men, in deinen Tul- dem Schlamm. Ich
ter grosse Fahne ausgehängt. Ioan Lupescu, Direktor des rumä-
nischen Fussballverbandes. Aller-
unwillentlich in diese Puderdose
verirrt hat. Doch da erreichte
penfeldern mich wäl-
zen, in deinen Holz-
fühle mich wie eine
Orange, die sich nach
Köppels Sicht der Dinge
Kennen Sie Köbi Kuhn persönlich? dings sang bisher kein anderes mich von der Front die Nachricht: schuhen die Füsse einem Alkoholkoma «Nein, sehen Sie sich doch nur die
Nein. Er hat sich zwar einmal in Team die Hymne mit derart viel Die Holländer kommen! Und ich wund tanzen! Deinem plötzlich im inneren Jugendkriminalität in der Schweiz
einem Brief bei mir bedankt, aber Inbrunst, wie dies die Rumänen im war plötzlich, unerklärlicherweise, modischen Diktat will Exil wiederfindet. an.»
ich habe ihn noch nie gesprochen. Letzigrund taten. Der deutsche in heller Aufregung. ich mich unterwerfen: Ich rufe Herrn Dür-
Nationalspieler Mario Gomez Wie lange schon, habe ich mir Organe! Oranger! Hol- renmatt über den Das war gestern Morgen die Ant-
Haben Sie an den Sieg geglaubt? stimmt indes aus Überzeugung insgeheim nichts sehnlicher ge- land! Wolken an, schlage wort von «Weltwoche»-Chefre-
Auch ich hatte den Traum, dass nicht ein. Bis zum 15. Lebensjahr wünscht, als in eine orange Hose Lass mich in deinen ihm vor, die Schweizer daktor und -Verleger Roger Köp-
es die Schweiz weit bringt. Gestern habe er nie gesungen und prompt gekleidet, einen überdimensio- Wohnwagen eintreten! Lass mich Fahne orange zu färben, auf dass pel auf die Frage des Radio-1- Mo-
war ich zu Spielbeginn eher skep- Tore erzielt, sagt er. «Seit dem nierten Plüschhut auf dem Kopf, deine 2-Meter-Frauen umarmen! wieder ein grosses Nationalgefühl derators, ob den Schweizern gene-
tisch nach der unglücklichen Start- nicht mehr.» Genutzt hats gegen bierselig mit tausenden von Oran- Lass mich an ihren Busen hei- aufkommen möge. Nach unserem rell ein so genannter Killerinstinkt
niederlage. Aber nach dem fulmi- die Kroaten allerdings herzlich we- jes vor dem Bundeshaus zu hollän- misch werden. Ausscheiden müssen wir uns fehle. (TA)
nanten Start habe ich gedacht, nig. Besser er lernt jetzt subito den dischem Schlager zu taumeln. Unsere Käse sollen zu einem zu neuer Farbe bekennen: Hup
«jetzt sind wir über den Berg», und Text, damit es nicht noch zur Neu- Oh, Holland, du entspannter einzigen Freundschafts-Fondue Holland!
habe an den Sieg geglaubt. Und ich auflage des Wunders von Cordoba Gegenentwurf zu unseren Bergen! verschmelzen! Jenseits der Stil- BLÖDSINN DES TAGES
hätte ihn Köbi Kuhn im Speziellen von 1978 kommt, bei dem die Ös- Deine Flachheit erhebt mich! sicherheit will ich von deinen lieb-
auch ganz herzlich gegönnt. Er tut
mir Leid, vor allem auch wegen
terreicher die Deutschen mit 3:2
demütigten und aus dem WM-
Holland, betritt frohgemut unser
neutralisiertes Reduit!
lichen Fan-Gesängen in den Schlaf
gewogen werden. An deinem
Jürg Halter (27) ist Dichter und
unter dem Namen Kutti MC Rap-
Bombige Verspätung
seiner kranken Frau Alice. Turnier warfen. (TA) Herr und Frau Schweizer stehen königlichen Joint will ich mir die per. Er lebt im Inneren von Bern. Auf eine abstruse Idee kam ein
deutscher Sportreporter, nachdem
er seinen Flug nach Wien zu ver-
passen drohte. Um den Start der
Maschine von Verona aus aufzu-
UEVA halten, rief er bei der Polizei an
und erklärte, in der Maschine der
von Air Dolomiti sei eine Bombe. Der
Jaermann/ Flughafen wurde daraufhin für
Schaad zwei Stunden geschlossen. Fünf
Minuten vor Abflug tauchte der
Reporter vor dem Schalter auf. Als
ihm gesagt wurde, dass er zu spät
sei, erwiderte dieser, er habe ge-
hört, dass das Flugzeug noch nicht
startbereit sei. Dies hatte der Flug-
hafen aber für sich behalten. Der
Reporter verstrickte sich in Wi-
dersprüche und wurde mittels sei-
nes Handys überführt. Die Polizei
nahm ihn fest, der Flieger hob ohne
ihn nach Wien ab. (TA)