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Alter Orient und Altes Testament

Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte des Alten Orients


und des Alten Testaments
Herausgeber Manfried Dietrich • Oswald Loretz

Band 296

Altorientalische und semitische


Onomastik

herausgegeben von
Michael P, Streck und Stefan Weninger

2002
Ugarit-Verĩag
M ü n ste r
Altorientalische und semitische
Onomastik

herausgegeben von
Michael P. Streck und Stefan Weninger
Alter Orient und Altes Testament
Veröffentlichungen zur Kultur und Geschichte des Alten Orients
und des Alten Testaments

Band 296

Herausgeber

Manfried Dietrich • Oswald Loretz

Beratergremium
R. Albertz • J. Bretschneider • St. Maul
K.A. Metzler • H. Neumann • U. Rüterswörden
W. Sallaberger • G. Selz • W. Zwickel

2002
Ugarit-Verlag
Münster
Altorientalische und semitische
Onomastik

herausgegeben von
Michael P. Streck und Stefan Weninger

2002
Ugarit-Verlag
Münster
Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme

Altorientalische und semitische Onomastik / hrsg. von Michael P. Streck


und Stefan Weninger. - Münster : Ugarit-Verl., 2002
(Alter Orient und Altes Testament ; Bd. 296)
IS B N 3-934628-25-7

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ļ MAfìBunG___________ \

© 2002 Ugarit-Verlag, Münster


(www.ugarit-verlag.de)
Alle Rechte Vorbehalten
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storcd in a retrieval System, or transmitted, in any form or by any means,
electronic, mechanical, photo-copying, recording, or otherwise,
without the prior permission of the publisher.
Herstellung: Weihert-Dmck GmbH, Darmstadt
Printed in Germany

ISBN 3-934628-25-7

Printed on acid-free paper


Vorwort

In Altorientalistik und Semitistik erbringt die Namenforschung seit langem wich­


tige Erkenntnisse zu Sprachen, Religionen und Geschichte der orientalischen
Kulturen. In zunehmendem Maße verlangt ihre Komplexität jedoch der methodi­
schen Rückbesinnung. W as kann Namenforschung leisten? Mit welchen Mitteln
sind Ergebnisse zu erzielen? Welche grundlegenden Charakteristika zeichnen
Namen aus? Die in vorliegendem Band gesammelten Aufsätze zur altorientali­
schen und semitischen Onomastik versuchen, in einigen Bereichen auf diese und
ähnliche Fragen Antworten zu finden.
Diese Aufsätze gehen auf Vorträge zurück, die in einem von den beiden
Herausgebern organisierten Panel während des X X V III. Deutschen Orientalisten­
tages in Bamberg (26.-30. März 2001) gehalten wurden. Im Mittelpunkt dieser
Vorträge standen somit weniger Einzelfragen der altorientalischen und semiti­
schen Namenforschung. Vielmehr wurden grundlegende methodische Probleme
erörtert oder ganze Namencorpora in ihren Charakteristika dargestellt. A ls beson­
ders fruchtbringend erwies sich dabei der interdisziplinäre Ansatz, der es erlaubte,
die wesentlichen Gemeinsamkeiten zwischen einigen altorientalischen und semiti­
schen Namencorpora einerseits, die charakteristischen Unterschiede zwischen
ihnen andererseits herauszuarbeiten. Die Herausgeber sind daher der Überzeu­
gung, daß vorliegender Band einen wichtigen Beitrag zur Onomastik im Vorderen
Orient und zugleich ein schönes Zeugnis fachübergreifender Forschung darstellt.
In erster Linie danken die Herausgeber allen Autoren für ihre Bereitschaft,
am Panel mitzuwirken und ihre Referate unter Beachtung rigider Zeitvorgaben
und technischer Konventionen einzureichen.
Michael P. Streck dankt der Deutschen Forschungsgemeinschaft für das
großzügige Heisenbergstipendium, das ihm die Mitwirkung an dieser Arbeit er­
möglicht hat, und darüber hinaus für die Bereitstellung einer Hilfskraft. In letzte­
rer Funktion hat sich Herr cand. phil. Viktor Golinets in zahllosen Stunden um die
Herstellung des druckfertigen Manuskripts verdient gemacht, wofür ihm herzlich
gedankt sei.
Stefan Weninger dankt den studentischen Hilfskräften Frau cand. phil.
Petra Wagner und Frau cand. phil. Sandra Ramos, die die Herausgeber beim Le­
sen der Korrekturen und beim Erstellen der Indices maßgeblich unterstützt haben.
Die Herausgeber der Reihe Alter Orient und Altes Testament, Manfried
Dietrich und Oswald Loretz, erklärten sich freundlichst zur Veröffentlichung die­
ses Bandes bereit. Dafür sei ihnen herzlich gedankt.

München/Marburg, den 11.7.2002


Michael P. Streck Stefan Weninger
Inhaltsverzeichnis

V orw ort...................................................................................................................... v
Inhaltsverzeichnis.....................................................................................................vii

M anfred K rcbcrnik
Zur Struktur und Geschichte des älteren sumerischen Onomastikons...... 1
Johann Tischler
Zur Morphologie und Semantik der hethitischen Personen- und
Göttem am en.................................................................................................75
Günther Vittmann
Ägyptische Onomastik der Spätzeit im Spiegel der nordwestsemiti­
schen und karischen Nebenüberlieferung...................................................85
M ichael P. Streck
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen
Personennamen...........................................................................................109
G abor K alla
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen in der
altbabylonischen Z e it................................................................................. 123
Rcginc Pruzsinszki
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung anhand
des Emar-Onomastikons............................................................................ 171
Hans Rcchcnmachcr
Eigennamen in einer Datenbank. Methodische Überlegungen am
Beispiel des althebräischen K o rp u s.......................................................... 185
Alexander Sima
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung.................. 195
Stefan Weninger
Arabische Imperfektnamen..................................................................... 209

Indizes 227
Zur Struktur und Geschichte des älteren sumerischen
Onomastikons

von Manfred Krebemik - Jena

Dem Andenken Norbert Kargs (1954-2001) gewidmet

Vorbemerkung: Auf Quellen (und Alter) der zitierten Namen wird jeweils in knappster Form durch
Siglen hingewiesen, die sich auf Referenzwerke bzw. Indices von Texteditionen beziehen (in der
angegebenen, etwa der Chronologie entsprechenden Reihenfolge):

U (,,Uŕ‘): Burrows (1935:27-39).


NI („Names and Professions List 1“): s. u. Anm. 9.
F („Fāra“): Pomponio (1987:3-289).
S („Abu Şalābĩţ}“): Biggs (1974:34f.) und Pomponio (1991:142-146).
N2 („Names and Professions List 2“): s. u. Anm. 9.
L („Lagaš“): Struve (1984:10-216).
A („Altsumerische Bau- und Weihinschriften“): Behrens & Steible (1983:390-407).
E („Earliest Land Tenure Systems“): Gelb & Steinkeller & Whiting (1991:163-181).
0 („Old Sumerian ... Texts“): Westenholz (1975b:75—106 und 1987:195-199).
01 („Old Sumerian ... Texts“): Westenholz (1975b:75—106).
02 („Old Sumerian ... Texts“): Westenholz (1987:195-199).
Ur III („Ur III-Zeiť‘): Limet (1968:359-569).

Individuelle Quellen sind nur angegeben, wenn erforderlich (z. B. wenn ein Name in der genannten
Literatur nicht vorkommt oder die dortige Lesung von der hier vertretenen abweicht). Um das
Auťīinden zu erleichtern, wurden konventionelle Lautwerte wie b á r a, s u m oder š e š nicht
modernisiert (zu p a r a10, š ú m bzw. š e š ).

1. Einleitung

Ob den ältesten Keilschrifttexten bereits das Sumerische zugrundeliegt, ist um­


stritten, da uns diese Sprache erst einige Jahrhunderte nach der Schrifterfindung in
einem weiterentwickelten Schriftsystem deutlich entgegentritt. 1 Das in histori-1

1 Englund (1998:73-81) weist Argumente für die Sumerizität der ältesten Texte zurück

und plädiert für eine vorsumerische Sprache. Er nimmt an, daß die Sumerer erst kurz vor
Beginn des Frühdynastikums eingewandert seien. Immerhin lassen sich aber in den älte­
sten lexikalischen Texten typisch sumerische Homophone wahrscheinlich machen. So
enthält die schon in der ältesten Schriftstufe bezeugte Liste ED 1ú A die (nach späterer
Tradition) a b g a 1zu lesende Zeichenkombination N U N . M E zwischen Ausdrücken,
2 Manfred Krebemik

scher Zeit im äußersten Süden Mesopotamiens beheimatete Sumerische geriet


zunehmend unter den Einfluß des nördlich benachbarten Akkadischen, von dem
es schließlich - wohl zu Beginn des II. Jt. - verdrängt wurde. Um das Schriftsy­
stem dem vom Sumerischen sehr verschiedenen semitischen Idiom anzupassen,
wurde das phonographische Prinzip ausgebaut und neben dem logographischen
emanzipiert. Das resultierende System aus Wort- und Silbenschrift verbreitete sich
rasch über weite Teile des Vorderen Orients.
Die Anciennität der Sumerer schlug sich in der besonderen Wertschätzung
nieder, die ihre Sprache weit über das ursprüngliche Verbreitungsgebiet hinaus
und noch lange nach ihrem Erlöschen genoß. Aber nicht nur sumerische Gram­
matik und Literatur wurden weitergepflegt: schon am Ende der frühdynastischen
Zeit finden wir auch sumerische Personen- und Göttemamen im fernen Syrien.2
Bis ans Ende der Keilschriftkultur hielt sich in Babylonien und Assyrien die Sitte,
Tempeln sumerische Namen zu geben - so trug beispielsweise der Sîn-Tempel im
südostanatolischen Ḥarrān den sumerischen Namen É - 1) ú 1 - h ú 1 (etwa
„Freudenhaus“). In neubabylonischer Zeit ist noch von einem „Sumerer-Haus“ als
Eigentümer von Tontafeln die Rede .3 Nabonids Tochter erhielt nach alter Tradi­
tion als En-Priesterin einen sumerischen Namen: e n - n í ğ - a l - d i - dn a n n a
„En-Priesterin-(nach-dem)-Wunsch-des-Nanna “ .4 Sogar noch in achämenidischer
Zeit bezeichneten sich einige Personen - vielleicht um ihr „akademisches“ Anse­
hen zu unterstreichen - als „Sumerer“ .5

Zwar gehen wir mit Selbstverständlichkeit davon aus, daß Personennamen


im Mesopotamien des ausgehenden IV. Jt. längst üblich waren,6 doch bereitet ihre

die mit dem Element G A L „groß“ (Englund & Nissen 1993, S. 17, i 15) gebildet sind.
Nimmt man an, daß die Lesungen g a l bzw. a b g a l schon für die Uruk-Zeit gelten
und die Anordnung somit auf teilweiser Homophonie (gemeinsames Element /gal/) be­
ruht, so wäre das sumerische Lemma g a I bereits fiir das IV. Jt. gesichert. Auch der
Folge E N . M E . G l , E N . M E . M U (ibd. iv 3-4) liegen wohl die später bezeugten
Lesungen e n g i z bzw. e n d u b zugrunde, was die Lemmata e n bzw. g i (das durch
das Zeichen auch bildlich dargestellte „Rohr“; hier als Lautindikator verwendet) bereits
für die Frühzeit sicherstellen würde.
2 In Mari und Ebla waren sumerische Namen bei Schreibern und Musikern beliebt, s.

Steinkeller (1993a).
3 S. Oelsner (2000:316 mit Anm. 24).

4 Die überlieferten Namen von En-Priesterinnen sind bei Edzard (1959:16f.) und Renger

(1967:126, Anm. 91-93) aufgezählt.


5 Zusammengestellt bei Oelsner (2000:313f), s. a. George (1991:162).

6 Als Kuriosum sei erwähnt, daß Herodot IV 184 von einem Stamm in Nordafrika be­

richtet (gemeint sind die Ataranten, zwischen Garamanten und Atlas), der angeblich
keine Personennamen verwendete.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 3

Identifikation in den frühesten Textcorpora vom Ende des IV. bzw. Anfang des
III. Jt. (aus Uruk, Gemdet Naşr und Teil ‘ Uqayr) Schwierigkeiten. Während in den
ungefähr gleichzeitigen frühesten ägyptischen Schriftdenkmälern neben
Toponymen auch Personennamen, nämlich insbesondere einiger prädynastischer
Pharaonen, erkennbar sind , 7 können wir noch keine Persönlichkeiten der frühen
mesopotamischen Geschichte mit Sicherheit namhaft machen.8 Die Gründe dafür
müssen noch weiter geklärt werden. Sie liegen jedenfalls nicht nur in dem archai­
schen Schriftsystem und einem vom späteren stark abweichenden, vielleicht
(wenigstens teilweise) nicht-sumerischen Onomastikon, sondern auch darin, daß
die ältesten Wirtschaftsdokumente auf Personen überwiegend durch
Funktionsbezeichnungen und nicht durch Eigennamen Bezug nehmen. Dies spie­
gelt auch die älteste lexikalische Tradition wider, in der Listen von Berufs- und
Funktionsbezeichnungen eine wichtige Stelle einnehmen, während Personenna­
menlisten noch gar nicht existieren; erst aus frühdynastischer Zeit kennen wir -

7 Ob die bislang ältesten ägyptischen Schriftzeugnisse aus dem Friedhof von Abydos eine
ganze Reihe von Herrschemamen enthalten, wie Dreyer (1998) annimmt, darf mit J. Kahl
in seiner noch ungedruckten Rezension bezweifelt werden.
8 Zu mutmaßlichen Personennamen in frühen Texten s. Edzard (1998:94f. § 1). In archai­

schen Dokumenten über Arbeitskräfte (MSVO 212—14; W 23999,1; W 20274; s.


Englund 1998:177) lassen sich keine sumerischen Namen sicher identifizieren. In frühen
Urkunden über Grundstückstransaktionen (ELT Nr. 1-11) finden sich jedoch schon ei­
nige sehr wahrscheinliche Kandidaten. Zu den ältesten, in die ED I-Zeit hinaufreichen­
den Dokumenten, die eindeutig sumerische Namen erkennen lassen, zählen die
„Ušumgal-Stele“, die „Figure aux plumes“ (ELT Nr. 12; 18; zu letzterer s. Wilcke 1995)
sowie einige der archaischen Texte aus Ur mit altertümlicherer Schrift (Burrows 1935:3
nennt die Nummern 1; 63; 64; 232; 233).
4 Manfred Krebemik

neben Listen, die Personennamen und Berufsbezeichnungen kombinieren9 - auch


reine Personennamenlisten. 101
Die Geschichte des sumerischen Onomastikons (vgl. die nebenstehende
chronologische Übersicht) beginnt für uns also noch mit einem „dunklen
Zeitalter“ . Das erste umfangreichere Corpus deutlich erkennbarer und
analysierbarer Personennamen liefern die ca. 750 Personennamen enthaltenden11
archaischen Texte aus Ur, die unter dem berühmten Königsfriedhof gefunden
wurden und wohl ins 28. Jh. v. Chr. datieren.12 Die nächstjüngeren Textcorpora
stammen aus Fāra-Šuruppak (26. Jh.; ca. 1800 Namen), Teil Abu Şalābīļ}
(gleichzeitig oder wenig jünger) 13 und dem präsargonischen Lagaš (25./24. Jh. v.
Chr.; ca. 1500 Namen). Besonders reich an Texten aus verschiedenen Orten und
entsprechend ergiebig für das Onomastikon sind schließlich die Archive der

9 Weit verbreitet war offensichtlich die in Teil Abü Şalābĩļ) und Ebla sowie in einem Ur
Hl-zeitlichen Textzeugen dokumentierte „Names and Professions List“, s. Archi (1981;
1984) und Fales & Krispijn (1989-90). Eine bislang nur in Fāra bezeugte Liste dieser Art
repräsentieren die Textzeugen SF 28 // 29 // 44. Die beiden Listen werden im folgenden
unter den Siglen N2 bzw. N I zitiert. Für N I werden die genauen Belegstellen in den
Anmerkungen gegeben (alle Textzeugen wurden von mir kollationiert); für N2 wird auf
die Edition von Archi (1981 bzw. 1984) verwiesen. —N I enthält einige im aktuellen, d.
h. durch die Wirtschaftstexte dokumentierten, Onomastikon von Fāra nicht gebräuchli­
che, jedoch für das Onomastikon der archaischen Texte aus Ur typische Elemente wie
A N . D Ù L . M E (SF 29 viii 4 // 44 i 2), ( I G I .) B U R (SF 28 v 5' // 29 iii 14; SF
29 iii 17) und Š E Š +I B (SF 28 viii 11 // 29 v 13; 29 vii 1). Auffällig ist ferner der
Name k u l - a b - k i - d ù g (SF 29 viii 17 // 44 iii 1). NI reflektiert also eine ältere, aus
Südsumer stammende Tradition.
10 Die ältesten Beispiele stammen aus Fāra. Das Fragment SF 2 enthält die Reste zweier

Kolumnen mit theophoren Personennamen, s. Krebemik (1986:167). SF 25 ist eine frag­


mentarische, z. T. radierte und zu Übungszwecken wiederverwendete Tafel; Kol. i ent­
hält ausschließlich Personennamen: [... R ] U ?, ru r !?1-di n a n a , k u - 1i - 1i, s i -
d ù , a - N E - S A G x Ḥ A , m e s - a b z u , u r - dn i s a b a , m e s - p à d , K4-[?]-
lum, S A L . x [. x] (kollationiert).
11 Diese und die folgenden Schätzungen sollen nur als ungefähre Anhaltspunkte dienen.

Sie beziehen sich auf die Anzahl selbständiger sumerischer Namensformen, bloße
Schreibvarianten sowie fragmentarische Namen sind nicht berücksichtigt. Die Zahlen
würden beträchtlich niedriger ausfallen, wenn die vollständige Form eines Namens und
deren Abkürzungen jeweils nur einfach gezählt würden.
12 Nach Karg (1984) ist die mit den Textfunden vergesellschaftete Glyptik jünger (ED II-

bzw. ,,Mesilim“-Zeit) als zuvor angenommen (ED I).


13 Einer großen Mehrzahl lexikalischer und literarischer Texte stehen nur sehr wenige

Wirtschaftstexte gegenüber. Diese enthalten - ebenso wie die Kolophone der lexikali­
schen und literarischen Texte - einen hohen Anteil semitischer Namen.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 5

Chronologische Übersicht

3200
Uruk IV a-IIľ. Archaische Texte

3000 Ğemdet Nasr ʿUqayr

2800

Ur. Archaische Texte

2600

Fāra
Abu Şalãbīh
Ur. K önigsfriedhof
Lagaš: Präsargonische Texte
2400

REICH VON AKKADE

2200

REICH DER III. DYNASTIE VON UR

2000
6 Manfred Krebemik

III. Dynastie von Ur (21. Jh. v. Chr.; ca. 4000 Namen).


Ich möchte im folgenden versuchen, die Grundzüge des frühen sumeri­
schen Onomastikons in historischer Perspektive zu skizzieren und durch Fallstu­
dien charakteristischer Namenstypen zu illustrieren. Ausgangspunkt sind dabei die
archaischen Texte aus Ur als unser vorläufig ältestes Corpus. Zunächst ist auf die
Schwierigkeiten hinzuweisen, mit denen eine detaillierte Analyse verbunden ist:

(a) Die Abgrenzung eines Namens vom Kontext ist bisweilen unsicher. Fälle, in de­
nen dasselbe Fach neben dem Personennamen auch eine erkennbare Berufsangabe
enthält, gemahnen zur Vorsicht.

(b) Die Zeichenanordnung innerhalb der einzelnen Fächer ist noch frei, muß also
nicht der grammatischen bzw. syntaktischen Lesefolge entsprechen.

(c) Manche archaischen Zeichenformen lassen sich nicht sicher identifizieren bzw.
lesen.

(d) Die archaische Orthographie ist überwiegend logographisch und berücksichtigt


grammatische Morpheme und Postpositionen erst in geringem Umfang.

(e) Nach Ausweis zahlreicher variierender Formen waren für mehrgliedrige Namen
Abkürzungen überaus gebräuchlich. So scheint der Name Eanatums von Lagaš laut
Geiersteleninschrift in seiner vollen Form É - a n - n a - di n a n a - i b - g a l - k a -
k a a - 1 ú m „des Tempels Eana der Inana-Ibgala wurde er (für) würdig (befun­
den)“ gelautet zu haben. 14 Auch der Name seines fünften Nachfolgers wird gewöhn­
lich in der Kurzform Lugalanda benutzt, lautete aber vollständig l u g a l - a n -
d a - n u - ŧ ) u ğ - ğ á „ist der König nicht ein mit An [d.h. wohl: nach dem Willen
Ans] eingesetzter?“. Kurznamen können sich mit Fällen defizitärer Orthographie
überlappen, aber auch mit Göttemamen, Verwandtschaftstermini und anderen Ap­
pellativen.

Die archaischen Texte aus Ur enthalten ca. 750 Personennamen. Soweit erkenn­
bar, sind sie fast ausschließlich sumerisch. A ls akkadisch zu identifizieren ist je­
doch mindestens KA-lá-lum (wohl zú-lá-lum /şulālum/ zu lesen) , 15 der später auch

14 Steible & Behrens (1982a:124, Ean. 1, 5:26-28); s. zu dieser Stelle ausführlich Bauer
(1998: 464-466) mit Lit.
15 UET 2,77: ľ; 203 i 4'. U Nr. 380: ka-lal-lum. Akkadische Namen finden sich ferner auf

einem Fragment, das zusammen mit zwei weiteren Texten aus paläographischen Gründen
Fāra-zeitlich eingestuft wurde: ilsu-m a-lik /’ il-šu-mālik/ (UET 2, 308: ľ; U Nr. 732:
u r - i l - m a š k u m - m a ) , is-x-il (UET 2,308:2'; nicht im Index).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 7

in Fāra belegt ist . 16 Das Bild ändert sich geringfügig in den 150 bis 200 Jahre jün­
geren Texten aus dem nördlicher gelegenen Fāra: dort sind ca. 2-3 Prozent der
Namen akkadisch - gegenüber mindestens 40 Prozent in den etwa zeitgleichen
Texten aus dem noch weiter nördlich gelegen Teil Abu Şalābïl) . 17

2. Publikations- und Forschungsgcschichtc

Der Onomastik ist in der Sumerologie nicht soviel Aufmerksamkeit zuteil gewor­
den wie der Grammatik, dem Lexikon oder der Literatur. Das Standardwerk, die
1968 erschienene Monographie von Henri Limet (Limet 1968), hat das Onomasti­
kon der Ur Ill-Zeit zum Gegenstand. In der Tat bietet dieses Corpus einen günsti­
gen Zugang: das Sumerische ist noch lebendig, die Quellen sind sehr zahlreich
und verteilen sich auf mehrere Orte und Archive, das Schriftsystem ist soweit
entwickelt, daß sich nicht nur die Hauptkomponenten der Namen, sondern auch
grammatische Morpheme und phonetische Erscheinungen abzeichnen. Vergleich­
bar ausführliche Untersuchungen zum Onomastikon der älteren Textcorpora exi­
stieren nicht. Hier lag das Augenmerk eher auf der Prosopographie, die wiederum
für die Ur III-Texte noch zu leisten ist.
Burrows gab seiner 1935 erschienenen Edition der archaischen Texte aus
Ur (Burrows 1935 = U E T 2) einen durchnumerierten Personennamen-Index bei
(UET 2 S. 27-39; im folgenden zitiert als U Nr. ...), dessen Lesungen freilich
mittlerweile großenteils revisionsbedürftig sind. Die Indices der Deimeľsehen und
Jestin’sehen Publikationen von Fāra-Texten (Deimel 1923 und 1925; Jestin 1937
und 1957) sind heute wegen ihrer oft veralteten oder ungenauen Lesungen kaum
mehr zu benutzen. Einen brauchbaren Überblick über die Personennamen bietet
Francesco Pomponios Prosopographie (Pomponio 1987). 1994 veröffentlichte
Pomponio zusammen mit Giuseppe Visicato eine Bearbeitung von 180 Wirt­
schaftstexten aus Fāra (Pomponio & Visicato 1994), 1995 folgten eine Bearbei­
tung weiterer 47 Texte durch Visicato (Visicato 1995). Die beiden Publikationen
weisen gegenüber Pomponio (1987) manche korrigierten Lesungen auf. Visicato
(1995) enthält einen Personennamen-Index, Indices zu Pomponio & Visicato
(1994) bietet Visicato (1997).
Was die Texte aus Abu Şalābīh betrifft, so hat Biggs (1974:34f.) seiner
Edition eine Liste der in den Kolophonen genannten Schreiber beigegeben, wäh­
rend Pomponio (1991) die Personennamen der Wirtschaftstexte behandelt.

16 Pomponio (1982:128): K A -lá-lum. Lesung mit Westenholz (1988:112).


17 Vgl. Krebernik (1998:261 bzw. 265).
8 Manfred Krebemik

Die Personennamen der bis in die Sechzigerjahre des 20. Jh.s publizierten
präsargonischen Texte aus Lagaš hat Vasilij Struve gesammelt, seine Arbeit
wurde jedoch erst Jahre nach seinem Tode (1969) aus dem Nachlaß herausgege­
ben (Struve 1984). Die jüngeren Publikationen präsargonischer Lagaš-Texte von
Josef Bauer und Joachim Marzahn (Bauer 1972; Marzahn 1991 und 1996) ent­
halten vollständige Namens-Indices (Selz 1989 und 1993 berücksichtigt nur
kommentierte Lemmata). In seiner Arbeit zum Pantheon des präsargonischen
Lagaš berücksichtigt Selz (1995) auch Personennamen mit theophorem Element.
Das sumerische Onomastikon der Akkade-Zeit ist einschlägigen Textpu­
blikationen bzw. deren Indices (vor allem Westenholz 1975b:6—10; 75-106;
1987:195-199; Kienast & Sommerfeld 1994:29-71; Yang 1995:433-442) sowie
den gleich zu nennenden periodenübergreifenden Werken zu entnehmen.
Die ältesten Rechtsurkunden haben Dietz Otto Edzard, Joachim Krecher
und Ignace J. Gelb zusammenfassend ediert und die darin enthaltenen Personen­
namen durch Indices erschlossen (Edzard 1968; Krecher 1978; Gelb & Steinkeller
& Whiting 1991). Die Personennamen der von Horst Steible und Hermann Beh­
rens edierten frühdynastischen Bau- und Weihinschriften (Steible & Behrens
1982) findet man bei Behrens & Steible (1983:390-424). Personennamen des 3.
Jt., die das Konzept der persönlichen Schutzgottheit zum Ausdruck bringen,
behandelt die Dissertation von Robert A. Di Vito (Di Vito 1993). Visicatos Studie
über die Schreiber des III. Jt. vor der Ur Iü-Zeit (Visicato 2000) enthält auch
einschlägige Namenslisten.
Den Forschungsstand faßte Edzard (1998) zusammen, wobei deutlich
wurde, daß unser Bild des sumerischen Onomastikons einseitig vom jüngeren
Material geprägt ist.

3. Struktur und Semantik sum erischer Namen

Vollständige - d. h. nicht-abgekürzte - Personennamen sind entweder einfach


oder zusammengesetzt. Einwortnamen umfassen gewöhnliche Appellative (und
deren hypokoristische Derivate) sowie bedeutungsleere „Lallnamen“ (deren
Grenze zu Hypokorista fließend ist). Mehrgliedrige Namen lassen sich auf syntak­
tischer Ebene in nomenwertige (d. h. aus einer Nominalphrase bestehende) und
satzwertige (d. h. aus einem Satz bestehende) einteilen. 18
Nomenwertige, bedeutungstragende Namen fungieren gewissermaßen als
Attribute oder Appositionen des Namensträgers: sie beziehen sich also inhaltlich

Vgl. Limet (1968:61-112) und Edzard (1998:95).


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 9

auf diesen selbst —sei es aktuell oder virtuell, 19 auf realer oder mythisch-religiöser
Ebene, historisierend, deskriptiv oder programmatisch. Dagegen besitzen Satzna­
men ein grammatisches Subjekt, das —wiederum aktuell oder virtuell - mit dem
Namensträger identisch oder von diesem verschieden sein kann.
Sumerische Personennamen sind normalerweise zusammengesetzt. Es exi­
stieren sowohl nomenwertige als auch satzwertige Namen. Beide folgen einem
begrenzten Repertoire von Strukturmustem unter Verwendung eines begrenzten
Wortfeldes. Nomenwertige Namen bestehen gewöhnlich aus einfachen Genitiv­
verbindungen, wobei als regen s (erstes Element) nur sehr wenige Nomina ge­
bräuchlich sind, die ein Verhältnis zu dem semantisch im Vordergrund stehenden
zweiten Element ausdrücken. Bei Satznamen lassen sich zwei Grundtypen un­
terscheiden: substantivische Nominalsätze (ohne Kopula) und mehrgliedrige Sätze
der Form X (+ Y) +Z +Verb. A n erster Position steht in beiden Fällen meist eine
(göttliche oder menschliche) Person, seltener eine (religiös oder sozial bedeut­
same) Örtlichkeit. X ist in Satznamen grammatisches Subjekt (im Sinne von to-
p ic ). Y kann der Personenklasse oder Sachklasse (dies der häufigere Fall) angehö­
ren. Z ist ein Dimensionalobjekt, meist im Lokativ-Terminativ oder Ablativ. Als
Prädikat erscheint in älterer Zeit bzw. in älteren Namenstypen eine Verbalbasis
ohne Konjugationsmorpheme.
Entscheidend für das Verständnis sumerischer Satznamen ist, daß das
grammatische Subjekt X nicht mit dem Namensträger identisch ist: die Aussagen
beziehen sich vielmehr auf Entitäten, die in der sozial-religiösen Umwelt des Na­
mengebers bzw. Namenträgers von Bedeutung sind .20 Dies ergibt sich aus der
Analyse vollständiger Namen, die jedoch nicht den Regelfall darstellen. Vielmehr
werden satzwertige Namen meist in abgekürzten Formen gebraucht, deren B il­
dung ebenfalls nach bestimmten Mustern erfolgt.21
Die auf der Oberfläche nicht immer klare Syntax vollständiger Namen wie
auch die nicht immer erkennbaren bzw. auf ihre volle Gestalt zurückfuhrbaren
Abkürzungen können leicht zu Fehlinterpretationen fuhren. So wurde etwa der als
Nominalphrase mißverstandene Name m e s - a n - n é - p à - d a seinerseits na­

19 Ob und in welchem Umfang die Namengebung semantisch motiviert ist, hängt vom

kulturellen, historischen und sozialen Kontext ab. Im sumerischen Onomastikon sind ei­
nige „dynastisch“ motivierte Namen bezeugt, bekanntestes Beispiel sind die Namen der
präsargonischen „I. Dynastie“ von Ur: Mes-kalam-dug, A-kalam-dug, Mes-ane-pada, A-
ane-pa-da. Vgl. Edzard (1998:99).
20 Ausnahmen sind bei Akzessionsnamen von Herrscher(inne)n und Priester(inne)n

denkbar.
21 S. vorläufig Limet (1968:91-94; 95-99).
10 Manfred Krebemik

mengebend für die „Mes-ane-pada-Konstruktion“ - nach Ausweis paralleler Na­


men wie a - a n - n é - p à - d a handelt es sich jedoch um einen Satznamen.22
Im folgenden wird - als Arbeitshypothese - davon ausgegangen, daß den
sumerischen Namen prinzipiell grammatische und semantisch sinnvolle Struktu­
ren zugrundeliegen. Zugunsten dieser Hypothese läßt sich anftihren, daß die zahl­
reichen strukturellen und lexikalischen Veränderungen, die sich im sumerischen
Onomastikon des 3. Jt. beobachten lassen, und die Wechselwirkungen zwischen
sumerischer und akkadischer Namenbildung ein Bewußtsein für die
Namensinhalte voraussetzt. Es ist jedoch nicht ganz auszuschließen, daß mit dem
Baukastenprinzip der sumerischen Namenbildung auch rein formale, mehr oder
weniger sinnentleerte Analogiebildungen generiert wurden.

4. Appellative u n d ,, Lallnam cn “

Einwortnamen, die nicht aus einer Abkürzung mehrgliedriger Namen resultieren,


sind im sumerischen Onomastikon - anders als z. B. im akkadischen - generell
selten23 und in den archaischen Texten aus Ur nur unsicher bezeugt; mögliche
Beispiele sind aa s a lx (LAK212 ) 24 „Euphratpappel“, vielleicht auch a n š e
„Esel “ 25 und l u m - m a 26 als Appellative, 1u -1 u (häufig, später auch
Theonym) und d a - d a27 als „Lallnamen“ .

22 Vgl. Falkenstein (1950:53): „Jüngling, den An berufen hat“; danach Thomsen

(1984:263): „the young man, called by An“. Richtiggestellt bei Edzard (1998:95): „der
junge Mann (ist einer), der seitens An berufen worden ist“.
23 Vgl. Limet (1968:97) zu den Ur III-zeitlichen Beispielen.

24 U Nr. 49: A +S. 134. Der Personenname aa s a lx ist neben 8's aa s a lx - g a 1 „große

Pappel“ auch in Fāra belegt (Pomponio 1987:51 f.).


25 U Nr. 202 (UET 2, 32 ii 3); fraglich, ob Personenname.

26 Nach einer viel diskutierten Stelle (Steible & Behrens 1972a: 149, Ean. 2, 5: 10-14)

trug Eanatum von Lagaš diesen Namen zusätzlich zu „seinem eigenen Namen“ ( m u ú -
r u m - m [a] - n i) als „seinen Amurriter(?)-Namen“ (m u G í R I . G í R I - n i).
(d,l u m - m a heißt auch eine Gottheit, weshalb Bauer (1998:516) den Personennamen als
Kurzform einer mit dem Göttemamen gebildeten Langform deutet. Dies ist aber nicht
zwingend, vielmehr könnten in beiden ein Appellativ vorliegen, wofür dann in erster
Linie 1u m (- m a) = unnubu „fruchtbar“, „blühend“ in Frage kommt, vgl. Pomponio
(1984:14f.) und Selz (1995:171).
27 U Nr. 216. Der einzige Beleg UET 2, 80: 2 ist möglicherweise unvollständig.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 11

5. Genitivverbindungen

Nominalphrasen in Gestalt von Genitivverbindungen X + Y - ( a ) k machen zu


allen Zeiten einen Großteil des sumerischen Onomastikons aus. Sie bekunden -
zumindest virtuell - eine Beziehung des Namensträgers X zu einer ihm bzw. dem
Namengeber irgendwie übergeordneten Größe Y : Gottheiten, (höhergestellte) Per­
sonen, Orte und Objekte von mythisch-religiöser oder sozialer Bedeutung.
In den archaischen Texten aus Ur dient als Genitivexponent in erster Linie
das Wort a m a r- „Kalb“ . Soweit erkennbar, bildet es männliche Namen. Der
Metapher liegt vielleicht die Vorstellung des Umsorgtwerdens zugrunde. Dazu
würde stimmen, daß mit demselben Zeichen später auch das Verbum z u r =
kunnúm „pflegen“ , „freundlich behandeln“ geschrieben wird .28 Der Typ a m a r
+Genitiv lebte in reduziertem Umfang bis in die Ur Ill-Zeit weiter und wurde im
Akkadischen nachgebildet (bür- „Kalb“ +Genitiv).
Neben den charakteristischen a m a r-Namen gibt es in den archaischen
Texten aus Ur auch schon mit u r- gebildete. Dieses Element gewann etwa in der
Fāra-Zeit die Oberhand , 29 und schließlich wurde u r + Genitiv zum gebräuchlich­
sten sumerischen Namenstyp überhaupt. Lexikalisch ist u r- als Element von Per­
sonennamen nicht abschließend geklärt. Das Zeichen stellt einen Tierkopf dar und
steht primär für „Hund“ bzw. „hundeartige“ Tiere30. Daß u r- in Personennamen
ursprünglich „Hund“ bedeutete, 31 scheint angesichts der alten mit a m a r- gebil­
deten Namen durchaus möglich. Die beiden offenbar in Anlehnung an das Sume­
rische gebildeten altakkadischen Namen kà-la-ab-c-a „Hund des Ea “ 32 und kál-

28 Die Lesung z u r wird auch in dem bis in sargonische Zeit gebräuchlichen Namen
A M A R . A M A R angesetzt (z. B. U Nr. 770; Westenholz 1975a:105; 1987:199), der
aber vielleicht ein Hypokoristikon zu a m a r +Genitiv darstellt (wo die Lesung z u r
dann konsequenterweise ebenfalls einzusetzen wäre).
29 Da die Quellen diachron und lokal gestreut sind, lassen sich eventuelle synchrone Un­

terschiede nicht erkennen, so daß Aussagen über generelle Entwicklungen für diese Zeit
noch hypothetisch sind.
30 u r - g i r)5 „Hund“, u r - b a r - r a „W olf1, aber auch u r - m a (j „Löwe“ (m a (ļ „sehr

groß“).
31 So z. B. Limet (1968:65): „Une évolution sémantique compréhensible a fait passer le

terme à la signification de ‘sujet, serviteur’, compte tenu de la fidélité et de la docilité du


chien, domestiqué depuis ľépoque néolithique. Ensuite, on est arrivé à ľidée de
‘homme’, sens attesté par les listes lexicographiques des la période de Fanden
babylonien“.
32 Gelb & Steinkeller & Whiting (1991, Nr. 40 [Maništušu-Obelisk], B xi 4).
12 Manfred Krebemik

bù-aš-tár „Hund der Ištar“ 33 dürften Indizien dafür sein, daß man das sumerische
Namenselement so verstand. Gegenwärtig neigt man jedoch eher dazu, in u r-
ein Pronomen oder ein altes Wort für „Mann“ zu sehen.34
Weitere, analog zu u r- verwendete Elemente sind A K - und g a n-, A K -
ist auch noch in Fāra üblich, kommt aber nicht lange danach außer Gebrauch .35
Eine Interpretation a k a- „gemacht (von)“ erscheint zwar naheliegend, ist jedoch
aus lexikalischen Gründen und mangels Parallelen unsicher, g a n- verschwindet
ebenso wie A K - in präsargonischer Zeit. Im präsargonischen Lagaš läßt sich
jedoch beobachten, daß der Name derselben Frau zunächst g a n - 1 í 11 a und
später g é m e - 1 í 11 a geschrieben wird. Auch in zwei altakkadischen Texten aus
Nippur variieren g a n- und g e r n e - im Namen derselben Person .36 Demnach
wäre g a n hier eine ältere Schreibung für g é m e, die möglicherweise auch eine
ältere Lautgestalt des Wortes reflektiert.37 Dazu paßt, daß die präsargonischen
g a n-Namen weiblich sind, was für diejenigen aus Fāra, soweit es Hinweise auf
das Geschlecht gibt, ebenfalls gilt. Als Stütze für die Identität von g a n und

33 Ol Nr. 47 i 3. Der Text enthält, wie Westenholz im Kommentar anmerkt, mehrere


ungewöhnliche Namen.
34 Edzard (1971:165f.) bzw. Krecher (1987:19); zusammenfassend Edzard (1993:202)

und Edzard (1998:95). Einwände gegen ersteren Vorschlag sind: (a) ein sumerisches
Pronomen /ur/ existiert zwar, wird jedoch gewöhnlich u r5 (Ḥ U R ) geschrieben (was auf
unterschiedliche Lautung hinweisen könnte) und ist nicht für die Personenklasse üblich;
(b) u r- ist auf männliche Namen beschränkt, wohingegen eine Genus-Unterscheidung im
sumerischen Pronominalsystem sonst nicht existiert. Krechers scharfsinnige Rekonstruk­
tion eines Wortes /ur/ „Mann“ aus u r d u (- d) „Sklave“ - u. a. aufgrund des Ver­
gleichs mit e m e d u (- d) in der ebenfalls erschlossenen Grundbedeutung „Sklavin“ -
hat viel für sich. Mögliche frühdynastische Belege scheinen auch die Personennamen
U R - É N +É - s i (F) und U R - a n - s i (S) zu enthalten, doch ist dort vielleicht
U R = t é š zu lesen.
35 In den präsargonischen Texten aus Lagaš sind keine mit A K - gebildeten Namen

mehr belegt (a g - g a - g a ist ein Hypokoristikon des ,,Banana“-Typs). Die Position von
A K ist nicht unumstritten, Bauer (1987:2) und andere nehmen Endstellung an. Die
Weihinschrift eines A K - de n - 1í 1 aus Nippur (Goetze 1970:52; Steible 1982b:242),
die vielleicht etwas jünger als die Fāra-Texte datiert ist und eine feste Zeichenfolge hat,
weist auf Anfangsstellung hin. Dies gilt auch für die Ebla-Version von N2, die in Z. 2 (s.
Archi 1984:171) den Namen A K - u t u enthält, sowie für den Text Westenholz
(1975a: Nr. 24), wo sich in iii 5 das mit einem Personennamen gebildete Toponym é -
A K - da š - 1 á ŕ findet.
36 Westenholz (1975a, Nr. 39 ii 19'): g e rn e - da š n a n (vgl. Kommentar) // 44 iii 12':

g a n - da š n a n .
37 So Deimel (1928:121f.) und Bauer (1989/90:80). Die Umstellung erfolgte im vierten

Regierungsjahr des Königs URUKAgina.


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 13

g e r n e könnte man ferner die - freilich erst später bezeugte - Emesalform /gin/
von g e r n e anfìihren. Allerdings ist die Identifikation nicht ganz unproblema­
tisch: (a) neben g a n- kommt wohl schon Fāra-zeitlich auch g e r n e - vor; (b)
analog gebildete männliche Namen mit dem Element 1r- oder i ru- „Diener“ feh­
len in kontemporären Quellen. Ich möchte daher nicht ausschließen, daß der Er­
satz von g a n durch g e r n e auf der Umdeutung eines von g e r n e ursprüng­
lich verschiedenen, nicht mehr gebräuchlichen bzw. verstandenen Wortes beruht.
Von einem erratischen Beleg in den archaischen Texten aus Ur 38 abgese­
hen, kommt der Typ ì r/i ru + Genitiv erst in präsargonischer Zeit auf und wird
bis zur Ur III-Zeit ziemlich häufig - sehr wahrscheinlich unter dem Einfluß
semitischer, mit akkadisch warad- bzw. amurritisch ʿabd- „Diener“ gebildeter
Namen. In etwa parallel zu ì r/i rn + Genitiv kommt 1ú + Genitiv auf, wobei
1ú „Mensch“ hier auf „Mann“ eingeengt ist. Im Akkadischen existiert als genaue
Entsprechung aw īl- +Genitiv, im Amurritischen mut(u) +Genitiv.
Einen Überblick über die Entwicklung der mit a m a r-, A K -, g a n-,
g e r n e -, 1r/i ru-, 1 ú- und u r- gebildeten Namen vermittelt Tabelle 1 im An­
hang. Die Wechselwirkungen zwischen den Typen u r/1 u/ì r + Genitiv und den
akkadischen Typen šū/awīl/warad + Genitiv bedürfen noch einer detaillierten
Untersuchung. Denkbar ist etwa folgende Entwicklung: die akkadischen (auch im
semitischen Umfeld bezeugten) Typen šü + Genitiv und warad/ʿabd + Genitiv
färbten auf das Verständnis von sumerisch u r- ab und riefen die mit u r-Namen
konkurrierenden Typen ì r/1 u + Genitiv hervor. Spezifisch akkadisches awĩl- +
Genitiv wiederum könnte dann sumerischem 1ú +Genitiv nachempfünden sein.

6. Satznamcn

Die allermeisten Satznamen lassen sich in eine Matrix von großenteils miteinan­
der austauschbaren Elementen einordnen, wobei als Träger von Aussagen nur ein
sehr kleines Wortfeld gebräuchlich ist. Dies veranschaulichen die Tabellen 3 und
4. Sie basieren auf den archaischen Texten aus Ur und dürften mindestens 80
Prozent der dort belegten vollständigen Satznamen erfassen. Die Träger der Aus­
sagen sind horizontal auf die zwei Tabellen verteilt. In Tabelle 3 sind Termini
eingetragen, die Familienmitglieder und andere nahestehende Personen bezeich­
nen: a „Vater“, a m a „Mutter“, d u m u „Kind“, š e š „Bruder“ sowie B I L x(-

38i rn -1 u g a 1 (UET 2, 128 iv' 5'). Krecher (1987:16, Anm. 38) erwägt auch eine
Deutung I u g a 1- u rx „der König ist ein Mann“.
14 Manfred Krebemik

g a) 39 und p a4 , deren genaue Konnotationen (etwa „älterer Verwandter“


[Großvater, Onkel] bzw. „älterer Bruder“) nicht klar sind,4 0 sowie k u -1 i
„Freund“ und Š E Š +1 B mit ähnlicher Bedeutung .41 Tabelle 4 enthält die allge­
meineren Personenbezeichnungen l u „Mensch“ , m e s 42 „Jüngling“ , m u n u s
„Frau“ ; 43 die kultischen bzw. sozialen Titel en ,,Herr(in)“ (Herrscher- oder
Priestertitel), 1u g a 1 „König“, n i n „Herrin, Königin“ und „Schwester“ 4 4 so-

39 Als Vorläufer der späteren Graphie G I Š . G I B I L = b ì l (s. Falkenstein 1949:8f.)

erscheint hier die Kombination S.377. P A4 . N E (S.377: Zeichen Nr. 377 der Zeichen­
liste UET 2, Plate 1-37). Sie findet sich auch, bisher unerkannt, in älteren Schriftdenk­
mälern wie dem „Blau’schen Obelisken“ (ELT Nr. 10): Z. 4 enthält den Namen B I L „ -
a 1a m - G í R? - g u, womit die im archaischen Ur belegte Kurzform B I Lx - a 1a m zu
vergleichen ist (s. a. Anm. 230). Das Zeichen S.377 fällt später mit G I Š zusammen.
Die archaische Schreibung entspricht späterem b ì l - g a . N E = b ì l dürfte Lautindi­
kator sein, von den beiden verbleibenden Zeichen ist P A4 wohl semantischer In­
dikator.
40 Zu den Verwandtschaftstermini b ì l - g a und p í íą s . Sjöberg (1967:214-219), zu
b ì l auch PSD 2:153.
41 Der Ausdruck enthält graphisch š e š „Bruder“ und i b, das hier vielleicht als Kultto-

ponym zu verstehen ist, wie es in dem Tempelnamen i b - g a 1 bezeugt ist. Demnach


könnte es sich vielleicht um Angehörige einer kultischen „Bruderschaft“ handeln; vgl.
die entsprechende Spezialbedeutung, die das indogermanische Wort für „Bruder“ im
Griechischen (<ļ)pċéTTļp) annahm. In Ebla sind mit Š E Š . I B gebildete Ausdrücke lexi­
kalisch mit gamālum „wohltun“ und raʾårnurn „lieben“ geglichen:
I B . Š E Š . 2 . M Í . D U„. G A = ga-rna-lu-urn ; I B . Š E Š . 2 . D A R . M Í . D Un.
G A =ra-a-rnu-urn (Pettinato 1982, VE Nr. 236f.). Diese Bedeutung steckt allerdings
schon in M I . D Un . G A allein.
42 In den archaischen Texten aus Ur scheint das Zeichen MES (UET 2, PI. 24, Nr.297)

mit UM (o.c., PI. 7, Nr.77) zu variieren, von dem es sich nur durch einen kleinen Keil
unterscheidet.
43 Lesung konventionell; anstelle von m u n u s kommt auch die Lesung m í in Be­

tracht (nach Krecher 1987:12 „wohl Verkürzung aus em e4“). Ein mögliches Indiz ist
die unten in Anm. 90 zitierte Schreibung n i r - ğ á l für m u n u s ( =m í ? ) - U L 4 -
g a 1. Präsargonisch ist m í durch die Variante m í - s à g - n u - d i (DP 135 i 10) des
gewöhnlich m e - s à g - n u - d i geschriebenen Namens (L) gesichert.
44 Erstere dürfte die häufigere Bedeutung sein. Da n i n< 9) „Schwester“ erst später gra­

phisch von n i n „Herrin, Königin“ differenziert wird und man parallel zu anderen Ver­
wandtschaftstermini auch die „Schwester“ als Element von Personennamen erwarten
darf, erhebt sich die Frage, wann n i n „Schwester“ bedeutet. Einigermaßen klare Fälle
sind z. B. n i n - š e š (F; bei Pomponio 1987:228 als š e š - n i n verzeichnet mit der
Vermutung, daß es sich um einen Beruf handeln könnte), n i n - š e š - d a , n i n -
š e š - r a - k i - á ğ (beide L), wobei sich zumindest die letzteren beiden Namen auf das
göttliche Geschwisterpaar Dumuzi und Geštin-ana beziehen dürften.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 15

wie unter den Siglen N D und N L Göttemamen bzw. Toponyme im weitesten


Sinne (darunter auch Kultgebāude und eventuell Kultobjekte). In der Vertikalen
sind alphabetisch die prädikativen Elemente eingetragen, mehrgliedrige verbale
Prädikate stehen unter dem jeweiligen Verb. Dieser Teil des onomastischen V o­
kabulars ist wesentlich umfangreicher als der erstere.
Der bekannteste mit dem soeben erwähnten Element Bilga- zusammenge­
setzte Name ist zweifellos der des sagenhaften Königs Bilgames (Gilgamesch)
von Uruk. Sein Träger bzw. dessen historisches Vorbild könnte etwa zur Zeit der
archaischen Texte aus Ur regiert haben. „Bilgames“ ist im frühdynastischen Ono­
mastikon allerdings bisher nicht bezeugt, wenn man von dem entsprechenden
Eintrag in der Großen Götterliste aus Fãra absieht.45 Falls der Name sumerisch ist,
dürfte es sich, da bloßes m e s als prädikatives Element („der Alte ist ein Jüng-
ling/Held“ o. ä . ) 46 nicht üblich ist, um eine Kurzform handeln. Die Kombination
von B I Lx(- g a) mit m e s kann ich nur in dem einmal belegten Namen B I L x-
m e s - u t u - p à d - d a (U47) nachweisen, dessen Zeichenfolge und Lesung aber
unsicher sind. Falls richtig interpretiert, bedeutet er „der Onkel/Großvater ist ein
von Utu erwählter Held“ - was merkwürdigerweise zur späteren Tradition stimmt,
der zufolge Gilgameschs Vorgänger von Utu abstammten.
Namen wie l ů - b á r a - d ù g (U, F) „der 1ú ist jemand, der am Kult­
postament gut handelt (?)“ oder l ú - b á r a - s i (F) „der 1 ú ist jemand, der das
Kultpostament [mit Me?] füllt“ zeigen, daß sich selbständiges 1ú „Mensch“ als
Aussageträger auf eine hochgestellte Person bezieht. Dasselbe scheint für
m u n u s „Frau“ zu gelten, d u m u „Kind“ wird übrigens analog behandelt und
dürfte sich nicht auf den Namensträger beziehen (sondern vielleicht, als Epitheton,
auf eine Gottheit).
Daß zu den Aussageträgem von Personennamen der archaischen Texte aus
Ur auch das in einigen Personenbezeichnungen vorkommende Element P A ge­
hört, wie es Burrows Index suggeriert, ist in den meisten Fällen zweifelhaft:48

45 SF 1 xiii 7, s. Krebemik (1986:182).


46 Diese in neuerer Zeit häufig vertretene Deutung geht letzlich auf Falkenstein (1949:8f.
mit Anm. 1) zurück, der 1. c. auch auf den ähnlich klingenden Namen Abalgamaš eines
Akkade-zeitlichen Herrschers von Barahši (Marhaši) hinweist.
47 U Nr. 713: u m - U D - S.377 - b ì l (S.103b) - p à d - d a.

48 In den das Zeichen SI enthaltenden Ausdrücken könnte P A ( . S I ) wenigstens teil­

weise eine archaische Schreibung für P A . T E . S I = é n s i „Stadtfürst“ sein, wie


Bauer (1987) mit Hinweis auf Burrows (1935:16) annimmt. P A allein läßt sich eben­
falls als Funktionärsbezeichnung (u g u 1a „Aufseher“) interpretieren.
16 Manfred Krebemik

( 1) p a - b i k ( - g a ) 49
PA -dùg
PA-GA.GAL
PA -g ud
PA-gú-tuku
PA.'IB-dùg
PA-EN.ME.KI
P A (. S 1) - B U . M A 50
P A . S I - G I Š 51
P A . S I - Š U L 52
P A . S I - U L 53
P A . S I - ú r i54

Wie bei den Genitivverbindungen, so zeichnen sich auch bei den Satznamen lo­
kale Unterschiede und historische Veränderungen des Vokabulars ab. Von den
Aussageträgem ist beispielsweise Š E Š +1B auf Ur und Lagaš , 55 p a4 hinge­
gen auf Fāra beschränkt. Im Onomastikon der archaischen Texte aus Ur fielen
schon dem Herausgeber die zahlreichen mit a m a „Mutter“ gebildeten Satznamen
auf, 56 die eine gegenüber jüngeren Perioden wichtigere Rolle der Frau widerspie­
geln (worauf auch andere Indizien deuten). Was die Prädikate angeht, so ist z. B.
das Schwinden von m u d oder das Aufkommen von b a „schenken“ und
s u m „geben“ zu beachten.

6 .1. Satznamen mit substantivischem Prädikat

Die strukturell einfachsten Satznamen sind Nominalsätze, die aus zwei - eventuell
attributiv erweiterten - Substantiven bestehen. Typische Beispiele für diesen in
frühdynastischer Zeit recht gebräuchlichen Namenstyp sind:

49 U Nr. 589: P A - g i š - b í 1; U Nr. 590: P A - [ g i ] š (?) - S.377 - b í 1; U Nr. 601:


P A - S.377 - b í 1- g a. Wohl Verwandtschaftsbezeichnung als Kurzname.
50 U Nr. 594: P A - m a - g í d; U Nr. 595: P A - m a - g í d - s i.

51 U Nr. 335: g i š - P A - s i; U Nr. 334: g i š - P A (in UET 2, 247 i ist nachder Kopie

wohl [s i] zu ergänzen).
52 U Nr. 681b: š u 1- s i.

53 U Nr. 698: P A - u 1- s i. Die Kopie (UET 2, 112 iv Mitte) zeigt ein zusätzliches Zei­

chen B A R .
54 U Nr. 699: P A - u r í - s i.

55 In einem Fāra-zeitlichen Text aus Girsu (RTC 1 vii 7) sowie auf der „Enţļeğal-Tafel“

(Gelb & Steinkeller & Whiting 1991, Nr. 20 v 10) findet sich Š E Š +I B - ğ e š t i n . ln
Fãra begegnet Š E Š +I B als Element von Personennamen nur in N I, vgl. Anm. 9.
56 Burrows (1935:20).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 17

(2) a - u r - s a ğ (U) „der Vater ist ein Held“ 57


d i ğ i r - a m a - ğ u i o (U) „die Göttin ist meine Mutter“
e n - ģ u r u š - z i (F) „der En ist ein rechter Jüngling“
B I L x- á n z u musel1 (U) „der Großvater (?) ist ein Anzu“
l u g a l - z i - K A L A M (F) „der König ist das Leben des Landes/Volkes“ 58
m u n u s - U L 4- g a l (U, N I59, F) „die Frau ist eine Schutzhecke (?)“
n i n - t é š - ğ u i o (F) „die Herrin ist meine Lebenskraft“
p a 4 - u r - s a ğ (F) „der ältere Bruder ist ein Held“
š e š - ds ù d (F) „der Bruder ist Sud“
u t u - u r - s a ğ (U, F) „Utu ist ein Held“

Unter den mutmaßlichen Prädikatsnomina sind ğ e š t i n und 1 à 1 besonders


charakteristisch für das frühdynastische Onomastikon. ğeštin ist mit allen
oben erwähnten Personenbezeichungen sowie mit den Titeln G A . G A L,
SANGA, šita und unklarem A .D A M belegt. Es ist wohl mit
ğ e š t i n „Wein“ identisch, wie parallel mit 1à 1 „Honig, Sirup“ gebildete N a­
men nahelegen. Die beiden Wörter stehen in späteren literarischen Texten oft ne­
beneinander. Sie scheinen hier metaphorisch - ungefähr im Sinne von „lieblich“ -
verwendet zu werden .60 Im Unterschied zu ğ e š t i n wird 1à 1 jedoch auch
und sogar öfter von Örtlichkeiten ausgesagt: A B (wohl è š „Heiligtum“ ; weniger
wahrscheinlich a b „Meer“), b á r a und ğ i š g a 1 „(Thron-)Postament“, é
„Haus, Tempel“ , engur „Grundwasserozean“ (oder ein damit assoziiertes
Heiligtum); ungewöhnlich sind die Kombination mit m e und s a g „Haupt“ .
Der Bedeutung nach vergleichbar sind Namen des Typs X + k i - d ù g „ X ist

57 Wiedergabe konventionell; u r - s a ğ wird in Personennamen auch mit a m a


„Mutter“ (Ol), m u n u s „Frau“ (Ol), a š - b a r „Entscheidung“, K A ( - n i ) „(sein)
Mund, Wort“ und é „Haus“ (alle F) kombiniert.
58 Die später zu beobachtende paläographische Differenzierung von k a 1a m und u n

(u ğ) scheint frühdynastisch so nicht zu gelten, vgl. Krebemik (1998:281). l u g a l -


z i - K A L A M könnte auch Kurzname mit Ellipse eines Verbums sein (z. B. s i oder
d ù g, s. u. 6.2.1), weniger wahrscheinlich ist dies jedoch in dem parallel gebauten Na­
men l u g a l - a - K A L A M (F) „der König ist der Vater des Landes/Volkes“. Vgl.
auch l u g a l - z i - š à - ğ á l ( F ) „der König ist Leben“.
59 SF 29 vi 1.

60 Vergleichbar ist der metaphorische Gebrauch von L A M und L A M +R U, falls

diese „Mandel/Pistazien“-artige Früchte bezeichnen sollten (vgl. L A M x K U R =


šìqdu, L A M . G A L / G A R = buţumtu), und von š u - m e ( . E R E N ) = íurmēnu
„Zypresse“ in den Personennamen a - L A M (U), n i n - L A M (U), a m a -
L A M +R U (U); m u n u s - š u - m e (AB), a - š u - m e . E R E N (L).
18 Manfred Krebemik

ein guter Ort“ 61 und X + i r - n u n „X ist (wohlriechendes) Harz ( ? ) “ .62 Selten


kommt in beiden Namenstypen ein zusätzliches Element a b z u vor, das wegen
dieser Parallelität vielleicht eher mit ğ e š t i n bzw. 1 à 1 zu verbinden ist, als
mit dem jeweils vorangehenden Element. Folgende Namen der Form X +
ğ e š t i n/1 à 1 (- a b z u) sind belegt:

(3) a - ğ e š t i n (U, N I63, F, O l) a-làl (U, F, O l, Ur III)


a - a b z u - ğ e š t i n (S64)
A . D A M - ğ e š t i n (F)64a
A B - l à l (F)
a m a - ğ e š t i n (U65) a m a - ( l ú - ) l à l (U66)
A M A - l à l - a b z u (F)
b á r a -1 à 1 (F)
B I Lx- 1à 1 (U67)
d u m u - ĝ e š t i n (U68,N I 69)
é - l à l ( - a b z u ) (F)
e n - ğ e š t i n (F) e n -1 à 1 (U)
e n g u r -1 à 1 (E)
G A . G A L - ğ e š t i n (F)
ğ i š g a 1- 1à 1 (Ur III70)

61 S. u.(19).
62 Belege für die Verbindung von i r - n u n mit Bautermini, auch außerhalb von Perso­
nennamen, bietet Bauer (1972:450 und 1980), ohne jedoch eine Interpretation vorzu­
schlagen. Ich vermute, daß damit auf den Duft wertvoller Materialien, insbesondere Ze-
demholz, angespielt wird, i r - n u n wird selten auch mit Personen verbunden, vgl. Ta­
belle 4. In Ebla ist i r - n u n mit ar-gú-um geglichen (MEE 4, S. 314, VE 1042), das
vielleicht mit arab. ʿaraq „Schweiß“ zu verbinden ist.
63 SF 29 viii 10//44 ii 7.

64 Im Kolophon von IAS 254 findet sich vermutlich derselbe Name mit einem zusätzli­

chen, beschädigten Zeichen. Biggs (1974:34): a - x - g e š t i n - a b z u .


64a Schreibemame im Kolophon NTSŠ 229: 4'. Lesung nach Pomponio (1987:4). Die
Kopie zeigt NIN. Zusatz zu a - ğ e š t i n?
65 Der Personenname lebt später als Name einer Göttin, nämlich der Schwester Dumuzis,

fort und wird z u da m a - ğ e š t i n - a n - n a umgeformt. Selz (1995:19) hält da m a -


ğ e š t i n für eine Verkürzung der längeren Form und deutet den Namen in traditioneller
Weise als „Mutter: Weinrebe (des Himmels)“. Bemerkenswerterweise erfahrt der alte
Personenname a m a - u š u m g a l eine analoge Entwicklung und wird als Name Du­
muzis zu da m a - u š u m g a 1(- a n - n a), s. Anm. 85.
66 U Nr. 109: a m a - G U D +D U G (?).

67 Ob hierher auch jüngeres b ì 1- I a - I a (A), b ì 1-1 à 1- 1a (E) gehört, ist unsicher.

68 U Nr. 3 1 8 : g e š t i n - t u r .

69 SF 28 iii 12//29 Ü14.


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 19

k u - l i - ğ e š t i n (F)
I ú - ğ e š t i n (U, S) 1ú - 1à 1 (U7 71, F)
0
l u g a l - l à l (U72,N 173)
m e - l à l (N I74)
m u n u s - ğ e š t i n (U75, F)
n i n - l à l (Ol)
p a 4- ğ e š t i n (F, E) p a 4 -1 à I (F)
s a ğ - 1à I (U)
S A N G A -(1 ú -)ğ e š t i n (U76)
š e š - ğ e š t i n (F) š e š - 1à 1 (F)
Š E Š +I B - ğ e š t i n (U, E)
š i t a - ğ e š t i n (F)

Wohl gleichbedeutend mit einfachem ğ e š t i n /1 à 1 ist „substantiviertes“ 1ú -


ğeštin/làl in SANGA-lú-ğeštin bzw. ama-lú-làl. Als
(hypokoristische) Kurzformen sind einfaches ğ e š t i n (U) sowie redupliziertes
1à 1 -1 à 1 (U) belegt. Für l ú - ğ e š t i n / l à l sind zwei Interpretationen mög­
lich: entweder handelt es sich um zweigliedrige Namen lú +ğ e š t i n / l à l (mit
ğ e š t i n / l à l als Prädikat) oder um Kurzformen von X +l ú - ğ e š t i n / l à l (mit
ğ e š t i n / l à l als Prädikat). 1 ú - ğ e š t i n kann ferner auch Bemfsbezeichnung
sein, 77 während 1 à 1 auch als theophores Element vorkommt, 78 so daß theore­
tisch auch eine Interpretation von 1ú -1 à 1 als „Mann des L .“ in Frage kommt,
was aber vom Namenstyp her für die Zeit, aus der die Belege stammen, wenig

70 Limet (1968:412): G À L -1 à 1. Statt der ibd. verzeichneten Form G À L -1 à 1-1 a


(CT 3, 14603:3) ist nach Pettinato (1976:141) G À L - l à l - t a zu lesen (Konstruktion:
k i P N -ta ).
71 So wahrscheinlich auch in UET 2, 126 i statt s a g -1 à 1 (U Nr. 609).

72 UET 2, 224 ii 2; im Index emendiert zu 1ú -1 à 1 (U Nr. 438).

73 SF 29 vii 18.

74 SF 29 x 13.
75 U Nr. 611: s a 1- g e š t i n.

76 UET 2, 135 BIS Z. 5; 298:3. Von Burrows (UET 2, S. 17 Nr. 6 6 ) als Titel aufgefaßt.

Ein weiterer mit S A N G A gebildeter Name ist, wenn richtig interpretiert,


S A N G A - M I - s u d 4- á ğ (UNr. 673: š i t i - m i - á g - g í d ) .
77 In NPL 115 steht 1ú - ğ e š t i n „Weinmann“ neben dem Personennamen u r-
LAK647 (Şaläbīţĵ) // u r i - a (Ebla) // u r - è - a (Ur III), wozu die folgende Zeile of­
fenbar eine Parallele bildet: u t u - è m u (ļ a 1d i m „U„ Koch“.
78 a m a r -1 à 1 (U Nr. 180 und 175 [a m a r - G U D + D Ù G]); g é m e -1 à 1-1 a,

l à l - l a - g u - l a , 1ú - dl à 1 (alle Ur III). 1à 1 als theophores Element ist vielleicht


mitd(M Ù Š.) L À L = Alammuš (Wesir des Mondgottes) identisch (Limet 1968:331).
20 Manfred Krebemik

wahrscheinlich ist. Seit altbabylonischer Zeit ist ein Gott namens dl ú -1 à 1 be­
zeugt, der Affinitäten zu Inana besitzt. 79
Mit prädikativem ğ e š t i n bzw. 1à 1 gebildete Namen wurden offen­
bar in präsargonischer Zeit weitgehend obsolet, Ur Ill-zeitlich finden sich nur
noch überkommenes a -1 à 1 (in jüngerer Orthographie a - a -1 à 1) und früher
(wohl zufällig) nicht bezeugtes ğ i š g a 1 - 1 à 1 ,80

Schon im Onomastikon der archaischen Texte aus Ur und noch im prä­


sargonischen Onomastikon, am häufigsten aber in Fāra, ist Anzu ,81 das in der Ge­
stalt eines Löwenadlers personifizierte Gewitter, belegt. Wohl in ähnlichem Sinne,
wenn auch seltener, wird u š u m g a 1 „Drache“ gebraucht. Anzu bzw.
u š u m g a 1 dienen metaphorisch als Prädikat von Personen (a, a m a, B I Lx,
d u m u, 1 u g a 1, m u n u s , n i n, p af), Gottheiten (dG IB IL ô , dn i n - i r i g a 1,
ds ù d, du t u) 82 und Orten (a b z u, é, é - ds ù d, e n g u r, z à) : 83

(4) a - a n z uxy (F) a - u š u m g a l (U)


a b z u - a n z u xy (F) a b z u - u š u m g a l (F84)
a m a - a n z u ,, (U) a m a - u š u m g a l (U ,N I85)
B I L x - a n z u ,, (F)
d u m u - a n z uxy (F)
é - a n z uxy (F, L) é - u š u m g a 1 (F)

79 Das akkadische Pendant Latarak wird teils mit ihm idenfiziert, teils als sein Zwillings­
bruder angesehen; s. Lambert (1988).
80 S. Limet (1968:331) auch zu anderen mit 1à 1 gebildeten Namen der Ur Ill-Zeit:

d u g 4 - g a - l à l - b i , l à l - š ui0.
81 Geschrieben (d)(I M.) M I (m uS“°, seltener (d)(I M.) D U G U D(mušen). Die verschiedenen
Graphien sind im folgenden unter dem Sigel a n z u ,, zusammengefaßt.
82 Daß in Fāra neben der Stadtgöttin Sud gerade Girra und Nin-irigala mit Anzu kombi­

niert werden, ist vielleicht kein Zufall: Girra und Ninirigala gelten später als Gatten, und
für eine Verbindung von Nin-irigala mit Sud bzw. Šuruppak gibt es weitere Hinweise,
vgl. Krebemik (2000). Der häufige, auch als Siegellegende bezeugte Name Sud-Anzu
wurde früher „Imdugud-Sukurru“ gelesen als Bezeichnung der betreffenden Stilstufe in
der Glyptik verwendet, vgl. Krebemik (1998:237).
83 Anzu als Beiwort des von Gudea erbauten Ningirsu-Tempels Eninnu hat also eine alte

Tradition.
84 Pomponio (1987:272): u š u m - g a l - a b z u .

85 (d)a m a - u š u m g a l ( - a n - n a ) ist seit der Fāra-Zeit als Name des Gottes Dumuzi

bezeugt; vgl. Anm. 65 zum Namen seiner Schwester (Ama-)ğeštin(-ana). Auf die Paral­
lele von Götter- und Personenname wies bereits Falkenstein (1954:43) hin. In NI (SF 28
i 7 // 29 i 7) findet sich neben dem Personennamen a m a - u š u m g a l die Berufsan­
gabe m u n s u bx(P A . U S A N) „Oberhirt“, was vielleicht kein Zufall ist. Zwei Zeilen
weiter wird derselbe Name mit ì - d u8 „Türhüter“ kombiniert.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 21

é - ds ù d - a n z u , , (F)
e n g u r - UŠUM (E)
dG IB I L 6 - a n z uxy (F)
1u g a I - a n z uxy (U, F, L) 1u g a 1- u š u m g a 1(E86)
m u n u s - anzu, j(F) munus-ušumgal(F)
n i n - a n z u ,, (F)
dn i n - i r i g a 1- a n z uxy (F)
p a 4 - a n z uxy (F, S)
ds ù d - a n z u ,, (F)
du t u - a n z uxy (L)
z à - u š u m g a l (F)

Als Kurzformen solcher Namen sind bloßes Anzu bzw. u š u m g a 1 in Ur und


Fära belegt.
A u f Personennamen aus Fāra beschränkt ist anscheinend der gewöhnlich
U N K E N (. A) transliterierte Ausdruck, dessen erstes Zeichen sich allerdings
von der Form U N K E N = LAK649 geringfügig unterscheidet.87 Belegt sind:

(5) d u m u - z i-„ U N K E N “
é - k u r (- r a)-„ U N K E N “ . A
de n -1 í 1- „ U N K E N “ (. A)
di n a n a - , , U N K E N “ . A
di š t a r a n ?- „ U N K E N “ . A
n i n - „ U N K E N “ (. A )
ds ù d - „ U N K E N “ . A
utu-,, U N K E N “ . A

Als typische Prädikatsnomina frühdynastischer Personennamen seien schließlich


noch i g - g a 1 „große Tür“88, I G I +B U R 89 und U L 4 - g a l90 erwähnt
(Bedeutung jeweils unsicher).

86 Kienast & Sommerfeld (1994, 47). Ensi von Lagaš zur Zeit von Narām-Sîn und Šarka-
lišarrì.
87 „ U N K E N“ hat einen senkrechten Keil weniger als LA K 649 und ist in LA K nicht
verzeichnet. Im Gegensatz zu den oben zitierten Namen erscheint in Verbindung mit
dn i n - P A die normale Zeichenform im Wechsel mit G A L . U N K E N = k i n g a l
(s. Pomponio 1984:200) so daß dort wohl ein Titel k i n g a l dn i n - P A gemeint ist.
Krebemik ( 1986: 167) vermutete in „ U N K E N “. A eine Schreibung für d i r i, wozu
die lokativische Rektion in é - k u r ( - r a ) - „ U N K E N“. A stimmen würde. Aller­
dings gibt es in Fāra auch die Graphie d i r i = S I . A - u. a. in dem Personennamen
é - k u r - d i r i , Identität zwischen den Personen é - k u r ( - r a ) - „U N K E N“. A
und é - k u r - d i r i ist jedoch nicht feststellbar.
22 Manfred Krebemik

6.2. Satznamen mit verbalem Prädikat

Was die verbalen Prädikate angeht, so fällt auf, daß im ältesten Onomastikon,
wenn man von ambivalenten Formen mit der Negation n u- absieht, keine durch
Präfixe bzw. Präfixketten charakterisierten finiten Verbformen sicher belegbar
sind, sondern nur einfache Basen ,89091 für deren Interpretation mehrere Möglichkei­
ten in Betracht kommen: (a) die Verbalbasen haben partizipiale Funktion, wie sie
auch außerhalb von Personennamen reich bezeugt ist (so die communis opinio);
(b) es handelt sich um Relikte einer älteren Sprachstufe, in der präfixlose Formen
finit gebraucht werden konnten; (c) es handelt sich um gewöhnliche finite For­
men, deren Präfixe lediglich auf der Schriftebene fehlen.
Möglichkeit (c) ist weitestgehend auszuschließen, da einerseits die Persi­
stenz vieler Namenstypen in jüngeren Schriftstufen die Präfixlosigkeit der invol­
vierten Verbbasen bestätigt, andererseits neue Namentypen mit präfixhaltigen fi­
niten Verbalformen seit der Fāra-Zeit zunehmend in Gebrauch kommen .92 Letzte­
res spricht jedoch nicht unbedingt gegen Möglichkeit (b), denn es könnte sein, daß

8 S. dazu Bauer (1972:64) mit Lit.

891 G I . B U R kommt in den archaischen Texten aus Ur auch als theophores Element
vor: a m a r - I G I . B U R . Fāra-zeitlich ist es in literarischem Kontext belegt, s.
Krebemik (1984:22f. mit Anm. 23; S. 62). N I (SF 28 vi 1 // 29 iii 16) erwähnt einen
k i n g a l I G I +B U R „Vorsteher der Versammlung von I.“.
90 Einmal (U Nr. 15) erscheint in dem ziemlich häufigen Namen a - U L 4 - g a l die
Postposition - g i m: „der Vater ist wie ein U.“ (möglicherweise ist hier stattdessen
š i t i m „Baumeister“ zu lesen). Das Zeichen U L 4 = G í Rgunů wird im archaischen
Ur ebenso wie Fāra-zeitlich und z. T. noch später von einfachem G í R unterschieden.
Der wohl älteste Beleg eines mit U L 4 - g a 1 gebildeten Namens findet sich auf der
„Ušumgal-Stele“ (ELT Nr. 12, Seite D): n a m - k u d a - U L 4 - g a 1; die dortige Zei­
chenform ist eher einfaches G í R oder G í Ršessig. U L 4 - g a 1, das mit G I Š de­
terminiert später auch in literarischem Kontext begegnet, bedeutet wörtlich wohl etwa
„große Dornenhecke“ als Metapher für „Schutz“, s. zuletzt Flückiger-Hawker (1999:166)
mit Lit. In N2, Z. 8 (Archi 1981:181) findet sich für den Namen m u n u s - U L « - g a l
(Şalãbĩţļ) die unklare Variante n i r - ğ á 1 (Ebla); in Z. 55 stimmen beide Textzeugen
jedoch überein. Möglicherweise beruht n i r - ğ á 1 auf einem Hörfehler, was bei einer
Lesung m í statt m u n u s denkbar wäre.
91 Sehr unsichere Ausnahmen sind etwa a - ì - b a, a b - ì - g á I (so U Nr. 16 bzw. 56)

oder Ḥ É . A K , Ḥ É . G 1(4), falls dies affirmative Verbalformen ļļ e - a k/g 1^4) „hat


gemacht/zurückgebracht“ sein sollten.
92 Mehr oder weniger sichere Beispiele sind: a - b a - m u - d a - n i - e , n i n - ģ uio-b a -

da ķ, a m a - b a - z i , b a - t i , b a - z i , e - t a - e n , g a l - a n - d a b 6 -e, ğ ì r i -
n é - b a - d a b 6, n i n - ğ u i o - n u - n a - D U , n u - m u - d a - í l , ( s a ğ - e - ) a n -
dab6 -si, u t u - m u - k ú š .
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 23

alte Formen nicht mehr verstanden bzw. umgedeutet wurden und sprachliche
Neuerungen erst verzögert Einlaß in die Namenbildung fanden. Ferner ist damit
zu rechnen, daß die zunehmende Verwendung präfixhaltiger finiter Verbalformen
(auch) unter akkadischem Einfluß erfolgte, da entsprechende Satznamen - beson­
ders in der Form *yaPRvS-X - gemeinsemitisch sind. So treten Namen wie sume­
risch NDe-manba, NDe-manšum „N D hat mit geschenkt“ bzw. „gegeben“ erst in
altakkadischer Zeit und wohl unter akkadischem Einfluß in Erscheinung, während
ihre akkadischen Entsprechungen N D -iqīšarn/iddinam in Wortstellung und im
Gebrauch des Ventivs sumerischen Einfluß verraten.

6.2.1. Namen mit -s i

Das im ältesten sumerischen Onomastikon beliebteste Verbum ist s i „füllen“ . Es


wird, wie seit der Fāra-Zeit belegte Pieneschreibungen zeigen, mit einer Ortsbe­
zeichnung im Lokativ-Terminativ konstruiert. Die häufigen Namen des Typs X
+Z -e + s i werden gewöhnlich so verstanden, daß die Person X den Ort Z
„(aus)füllt“93, also z. B. lugal-bára-ge-si „der König (erfüllt =) nimmt
das Thronpostament ein “ .94 Eine entsprechende Verwendung von s i ist später in
literarischem Kontext gut belegt, wobei das Verbum öfters transitiv mit der Person
als Objekt („inthronisieren“) gebraucht wird .95 Sie stimmt jedoch kaum zu den
semantisch sehr breitgefächerten Kombinationen von si in frühdynastischen
Namen: wie soll man sich etwa vorstellen, daß „der Vater den Abzu“ oder „das
Land“ „(als Sitz) einnimmt“ (a - a b z u/K A L A M - s i ) ? Zwar kann man sich im
Deutschen mit Komposita wie „ausfüllen“ oder „erfüllen“, welche die konkrete
Grundbedeutung des Verbs ins Metaphorische rücken, behelfen, doch ist es me­
thodisch nicht legitim, diese Metaphorik einfach für das fhihdynastische Sume­
risch vorauszusetzen. Das sumerische Verbum s i wird gewöhnlich mit einem
direkten Objekt Y im Absolutus und einem dimensionalen Objekt Z im Lokativ-
Terminativ verbunden96 und bedeutet entsprechend „ Y in Z füllen“ bzw. „Z mit Y
füllen“. Geht man von diesem Sprachgebrauch aus und berücksichtigt man die
Tatsache, daß im sumerischen Onomastikon Abkürzungen mehrgliedriger Namen
an der Tagesordnung sind, so könnte man fragen, ob in Namen des Typs X +
Z - e + s i nicht ein Sachobjekt von s i hinzuzudenken ist. A ls solches ist der
spezifisch sumerische, konventionell mit „göttliche Kräfte“ wiedergegebene Be­

93 Limet (1968:291): „Le sens de si est ,remplir, combler (de ses bienfaits)’.“
94 So Edzard (1998:95).
95 Vgl. PSD 2, 139. Akkadisch wird b á r a - g e s i ( - a ) (Lugal-e 24) mit ãšĩb parakki

„der auf dem Thron sitzt“ wiedergegeben.


96 Selten im Lokativ; einziges klares Beispiel ist e n - a n - n a - s i (Ur III).
24 Manfred Krebemik

griff m e gut bezeugt97 - allerdings fehlt in den betreffenden Namen gewöhnlich


die Person oder die Ortsangabe: so findet man z. B. in den archaischen Texten aus
Ur sowohl ama/lugal-me-si wie auch me-abzu-si und me -
... . N U N - s i. Die vollständige Gestalt zeigt vielleicht der Name des frühdyna­
stischen Königs En-me-barage-si von K iš wie ihn die Sumerische Königsliste
überliefert, während zeitgenössische Quellen bloß m e - b á r a - s i schreiben.98
En-me-barage-si könnte dann wörtlich heißen „der En ist einer, der Me in das
Postament füllt“ oder „gefüllt hat“ oder auch „(dessen) Me das Postament füllen“
bzw. „gefüllt haben“ . Nach diesem Muster würden sich zahlreiche mit dem um­
strittenen Element me gebildete Personennamen als Kurzformen dieses
Namenstyps (s. u.) erklären lassen. Erhärtet wird die These durch einige vierglied­
rige Namensformen, die sich in den archaischen Texten aus Ur finden:

(6 ) a m a - m e - N U N - s i (U)
l ú - m e - K I S A L - s i (U)
l ú - m e - [ ? ] . N A M - s i (U99)

Dasselbe Textcorpus enthält auch zwei Namen, die möglicherweise anstelle von
me ein anderes Objekt aufweisen. So ist S A 6 in ama-S A^-abzu-si
und a m a - S A í - I G I +B U R - s i vielleicht nicht Attribut von a m a („die
gute/schöne Mutter“), sondern Objekt von s i, da im selben Textcorpus auch (als
Kurzname?) a m a - S A ć - s i existiert100 und Kurznamen der Struktur X - si
kaum gebräuchlich sind (s. u.). In é - a l a m - g a l - g a l - s i, 101 einem Kurzna­
men mit elliptischem Subjekt, könnte a l a m - g a l - g a l Objekt von s i sein
(„[X] ist einer, der das Haus mit großen Statuen füllt“), doch ist auch nicht auszu­

97 S. zusammenfassend G. Färber (1990) mit Lit. Die Frage, welche Bedeutungen) m e


in den Personennamen hat (etwa ,Aura“ oder „Selbst“ etc.), muß solange hintangestellt
bleiben, bis die Struktur der Namen und damit auch die Funktion(en) dieses Elements
besser geklärt sind. Einzelne Namen sollten nicht ohne diese Vorarbeit als religionsge­
schichtliche Quellen herangezogen werden, wie dies etwa bei Oberhuber (1991) ge­
schieht, dessen Interpretationen mit m e gebildeter Namen strukturtypologisch bzw.
grammatisch oft fragwürdig sind.
98 Zu Enmebaragesi und seinem Namen siehe Edzard (1959:19), der Mebaragesi mit

Lugalzagesi parallelisiert (also in Me ein zu Lugal paralleles Element sieht) und an­
nimmt, daß sich die Form En-Mebaragesi „aus der Einbeziehung des Titels e n in den
Namen erklärt“.
99 U Nr. 454:1 ú?(S.237) - n a m - m e? - s i.

100 Parallel ist a - S A¿ - s i in N 1, s. (9).

101 U Nr. 275: é - s i - a l a m - g a l - g a l .


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 25

schließen, daß das Dimensionalobjekt é - a l a m - g a l - g a l „Haus der großen


Statuen“ lautet.
Weitaus am häufigsten begegnen die mit s i gebildeten Namen freilich in
der dreigliedrigen Form X + Z(e) + si , worin X eine Person ist, Z ein
(Kult-)Ort (7). Seltener ist die oberflächlich identische Form Y + Z (e) + s i (8 )
mit einem Sachobjekt an erster Position, wobei dieses in der Regel m e ist,
eventuell auch U R = t é š (falls dieses nicht u r „Mann“ zu lesen ist).
Derselben syntaktischen Struktur gehört auch é - k i - b é - s i an, falls elliptisch
für „[X] hat das Haus seinen Platz einnehmen lassen“ . Belege für das Schema (9)
X +Y + s i (mit Y = m e und eventuell S A ô) sind dagegen selten.

(7) a - a b z u - s i (U, F, L)
a - a n - s i (U102)
a - E Z E N - s i (F103)
a - G Á - s i (U 104)
a - ğ i š - g i - s i (N I105)
a - K A L A M - s i (U)
a - É N +É - s i (F106)
a - 1 í 11 a - s i (U107)
a - u r u - s i (U)

a m a - A - s i (F108)
a m a - A B ?- s i (F109)
a m a - a b z u - s i (U, F)
a m a - A M A - s i (U)
a m a - a n - s i (U)
a m a - b á r a - s i (U, F)
a m a - B U R - s i (U)
a m a - é - s i (U)
a m a - É . N U N - s i (U)

102 Oder A N - d i r i; U Nr. 229: d i n g i r - d i r i .


103 Pomponio (1987:105): e z e n - d i r i .
104 U Nr. 304: g á - d i r i.

105 SF 29 x 6 .

106 Pomponio (1987:194): n i ği n x (LAK 358) - d i r i (oder a - n i ĝi n - s i?).

107 U Nr. 558: n a p - d i r i.

108 Oder a m a - d i r i oder a - A M A - s i . Pomponio & Visicato (1994:406) lesen in

WF 1 i v 6 a m a - a g a - a - s i statt a m a - A - s i n i ğ i r . Das Zeichen A kann


frühdynastisch für späteres Í D „Fluß/Kanal“ stehen, vgl. Krebemik (1998:283 mit
Anm. 525).
109 Pomponio (1987:28): a m a - rè š?1 - s i.
26 Manfred Krebemik

a m a - É N +É - s i (U)
a m a - G Á . B Á R A - s i (U)
a m a - ğ a n u n - s i (U)
- -- • -no
ama-gis-gi-si
a m a - K I S A L - s i (U ,N lln)
a m a - Š E N ? - s i (U1 012)
1
a m a - T I R - s i (U113)
a m a - ù r ?- s i (U114)
a m a - u r u - s i (U)
a m a - X +É - s i (U115)

B I L « - a b z u - s i ( U " 6 ,N 1 117)

e n - A - s i (N I118)
e n - a b z u - s i (U, F , L)
e n - a n - n a - s i (UrIII)
e n - b á r a - s i (F)
e n - B U R - s i (U,N1119)
e n - e d e n (- n é)- s i (U?120, F, O l)
e n - K I S A L (- e)- s i (L, Ur III)
e n - k u 1- a b4- s i (U121)

I ú - b á r a - s i (F, A, E)
1ú - é - s i (U122)
1ú - K I S A L - s i (F)
l ú - z à - g e - s i (Ur III)

1u g a 1- A - s i (F123)

110 DP 137 (=Edzard 1968, Nr. 105) iv 7.


111 SF 29 vi 6 .
112 U Nr. 133: ama-písan-si.
113 U Nr. 130: a m a -n i d a b a - s i.

114 U Nr. 125: a m a -1 í 1?(S.366) - si.

115 U Nr. 117: a m a -K A ! +S A? - si.

116 U Nr. 5 7 : a b z u - B [ I L ] - s i .

117 SF 28 iv 8 // 29 iii 4.

118 SF 29 vi 13.

119 SF 28 v 5’ //29 iii 14.


120 U Nr.99: a m a - e d i n . Nach Kopie (UET 2, 248 iv 4') vielleicht a m a - e d e n - [ s i ] ,

121 U Nr. 292: e n - k u 1- a b - s i; U Nr. 293: e n - k u 1- a [b ?] .

122 Vgl. 1ú - é - s i4 (U).


123 Oder 1u g a 1- d i r i.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 27

lu g a l - a n - n é - s i (Ur III)
lu g a l - b á r a - s i (U.F)
lu g a l - é - s i (F)
lu g a l - é - G A B A - s i (U)
lu g a l - É . N U N - s i (U, NI
lu g a l - e d e n - n é - s i (F)
lu g a l - E Z E N - s i (U1 1251
4
2 )
6
2
lu g a l - G Á - s i (U)
1 u gal - k a r - s i (E)
1 u gal - K I S A L - S i (A)
lu g a l - k u r - s i (A)
126^
lu g a l - s i 1 a - s i (A
lu g a l - u r u - s i (U)
lu g a l - z à - g e - s i (A)

m e s - b á r a - s i (F, E)
m e s - X - s i (U127)

m u n u s - b á r a - s i (F)

n i n - a n ( - n é ) - s i (01-2, Ur III128)
n i n - b á r a - g e - s i (UrIII)
n i n - é - g a 1-1 e/e - s i (L, Ur III)
n i n - é - g a l - N I - s i (Ol)
n i n - é š - d a m - N I - s i (Ol)
n i n - K I S A L - s i (A)
n i n - t ù r - e - s i (Ur III)

PA - G I Š- s i (U129)
PA - B U . M A - s i (U)
PA - Š U L - s i (U)
PA - U L - s i (U)
PA - ú r i - s i (U)

124 SF 28 iii 3 // 29 ii 6 .
125 U Nr. 492: 1u g a 1- S.300 - s i.
126 Behrens & Steible (1983:401): l u g a l - T A R - s i .

127 U Nr. 536: m e s - S.212a - s i.

128 Als Kurzname von n i n - a n - s i ist n i n - e n - n é bezeugt, s. Westenholz


(1995:81).
129 Die Gruppe mit P A - gebildeter Namen ist von äußerst zweifelhafter Interpretation,

s. Anm. 48.
28 Manfred Krebemik

p a - b i l x - g a - a b z u - s i (N I130)

S A N G A - [ x ] - s i (U131)

U R - a n - s i (S132)
U R - É N +É - s i (F1331
, S)
4
3

ur-sağ - s a - p a r 4- s i (U )

X - a m b a r - s i (U135)
r x ' - S I K ľ - s i (U136)

(8 ) é - k i - b é - s i (Ur III)
m e - A - s i (U137)
m e - a b z u - s i (U, F)
m e - A M A - s i (U138)
m e - a n (- n é) - s i (F, S, L)
m e - b á r a - s i (F)
m e - é - K A L A M - s i (U)
m e - é - m u g ! - s i (E139)
m e - É . N U N - s i (U,N1140)
m e - K A L A M - s i (N I141)
m e - k a r - s i (E)
m e - K I S A L - [s i?] (E)
m e - N A G A - s i (U142)

130 SF 28 iv 5 // 29 ii 20.
131 U Nr. 634: s a n g a - s i [ ] . Auch [x]-Š I D - s i wäre denkbar.
132 In Anbetracht des ziemlich fest umrissenen Bestands an Personenbezeichnungen, die

als Aussageträger fungieren, ist U R in diesem und dem folgenden Namen vielleicht
eher t é š „Lebenskraft“ als u r „Mann“ (?) zu lesen; die beiden Namen wären dann in
die nächste Gruppe einzureihen.
133 Pomponio (1987:257): u r - n ì g i n (LAK358) - s i.

134 U Nr. 743: u r - s a g - k i s a l - s i - s a .

135 U Nr. 611: s a g - s u g - s i. Erstes Zeichen nach Kopie (UET 2, 63 i 1) unklar, viel­

leicht u r! - s a ğ !, vgl. den vorangehenden Namen ebenfalls aus Ur.


136 U Nr. 702: u d u 7 - s í g - s i.

137 Oder a - m e - s i oder m e - d i r i (so U Nr. 504).

138Oder a m a - m e - s i (soU N r. 127).


139 Vgl. m u g - s i. Die Personennamen beziehen sich wohl auf dasselbe m u g wie der

Name der Göttin dn i n - m u g.


140 SF 29 ix 4: m e - K A L A M - s i //44 iii 1: m e - É . N U N - s i .

141 Vgl. die vorige Anmerkung.


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 29

m e - N U N - s i (U1 143, F)
2
4
m e - s i l a ! ?- s i (U144)
m e - dš u r u p p a g - s i (F145)
m e - u n u g k l - s i (L146)

(9) a - m e - s i (U147)
a - S A 6 - s i (N I148)
a m a - m e - s i (U149)
1 u g a 1- m e - s i (U)

Die zweithäufigste der mutmaßlichen Kurzformen von X + Y + Z (e) + s i ist


zweigliedriges Z (e) + s i (IO ) . 150 Der Ur III-zeitliche Name é-kur-ba-si
ist anscheinend mit einer finiten Verbalform gebildet. Die zweigliedrigen
Schemata (11) X +s i und (12) Y +s i sind dagegen selten und verhältnismäßig
spät.

(10) A - s i (F151)
A M A - s i (U152)
a m b a r ( - r é ) - s i (L)
b á r a - s i (F)
B U R - s i (U)
B U R . N U N - s i (F153)

142 U Nr. 511: m e - n i d a b a - s i. Mit NAGA ist vielleicht Nisabas Kultort Ereš

(é r e š ) gemeint, vgl. m e - u n u gkl - s i.


143 U Nr. 585: N U N . M E - s i.

144 U Nr. 513: m e - m e - s i . Vgl. l u g a l - s i l a - s i .

145 Pomponio (1987:170): m e - ds ù d - s i. Aus Analogiegriinden besser wie oben zu

lesen (vgl. m e - u n u g ^ - s i ) oder ds ù d - m e - s i (dann zur nächsten Gruppe).


146 Bei Struve (1984:120) auch unter der Fehllesung m e - a l - k i - s i gebucht.

147 Oder m e - A - s i oder m e - d i r i (so U Nr. 502).

148 SF 28 v 6’ //29 iii 15.

149 Wohl eher m e - A M A - s i .

1 5 0 I n é - e d e n - n é - s i und é - k i - g a l - s i könnte man theoretisch auch dreiglied­

rige Formen mit é als Subjekt sehen („das Haus ist eines, das die Steppe bzw. den
,großen O rť füllt“), doch bedürfte es zur Bestätigung weiterer, eindeutiger Beispiele;
aufgrund der zahlreichen Parallelbildungen liegt es näher, é - e d e n und é - k i - g a I
als Kulttoponyme aufzufassen.
151 Unsicher; mögliche Parallelen sind a m a / l u g a l - A - s i (zu A vgl. Anm. 108),
doch vgl. auch a - s U (- s Ì4) (F).
152 A M A dürfte hier ein Toponym sein, vgl. a m a - A M A - s i , me-AMA-si
(U). Dasselbe gilt vielleicht auch für jüngeres A M A (- b i) - A (. D U ) . N A, s. u. (48).
30 Manfred Krebemik

d u 6 - k ù - s i153a
é - a l a m - g a l - g a l - s i (U1
154)
3
5
é - a m a r - s i (E)
é - d a m - s i (L155)
é - e d e n - n é - s i (L)
é - k i - g a l - s i (F)
é - k u r - b a - s i (UrIII)
é - m u š - s i ! (E)
é - N E (. G A R) - s i (U156)
é - s i (U)
e d e n ( - n é ) - s i (F, E)
g i r i m x - s i (A157)
ğ i š - g i - s i (U)
ğ i š g a 1- s i (F, L)
K A L A M - s i (U)
k i n ( - n i r ) - s i (F)
K I S A L - s i (U)
k u 1- a b 4 - s i (U)
k u n 7- s i (E)
m u g - s i (F158, E)
Š Ù B A - s i (F)
t i r - k ù - g e - s i (L)

(11) e n - s i (L159)
I u g a 1- s i (Ur III)
n i n - s i (Ur III)
u r - s a ğ - s i (L 160)

(12) me-si(E)

153 B U R . N U N wird in einer sumerischen Beschwörung aus Ebla mit Enki assoziiert

(TM.75.G.2459 xvi 5f.), Krebemik (1984:182) denkt an eine syllabische Schreibung für
b u r a n u n „Euphrat“.
153a BIN 8 , 15 (=Edzard 1968 Nr. 63) iii 6 .
154 U Nr. 275: é - s i - a l a m - g a l - g a l . Analyse unsicher, s. o.

155 Vgl. g é m e - é - d a m (L).

156 U Nr. 263: é - B I L (i z i?) - s i; U Nr. 267: é - i z i - g a r - s i . Analyse unsicher,

eventuell (n í ğ -) é - N E - s i.
157 Geschrieben A . B U . Ḥ A . D U - s i , s. Steible & Behrens (1982b:307f„ Z. 9).

158 Pomponio (1987:279): z a d i m - s i. Vgl. m e - é - m u g - s i und Anm. 139.

159VS 27, 13 iii 2.


160 So bei Struve (1984:198); nach der Kopie (DP 177 vi 7) ist allerdings u r - K A - s i

zu lesen!
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 31

Einige Namen, die eine negierte Verbalform n u - s i enthalten (13), repräsentie­


ren vielleicht eine Variante des in Rede stehenden Namentyps, wobei die positive
Aussage in eine rhetorische Frage („ist X nicht jemand, der Z mit Y füllt?“ oder
„(dessen) Y Z füllt?“) gekleidet wäre:

(13) n i n - K A - n u - s i (L161)
d ù g - n u - s i (L)
é - k u r - n u - s i (F162)
M Ù Š(.ZA)- n u - s i (N I163, L 164)

Abschließend seien, auch um deren quantitatives Verhältnis zu den gängigen Ty­


pen sichtbar zu machen, Namen aufgeführt, die zwar ein Element s i enthalten
(oder zu enthalten scheinen), deren Zugehörigkeit zum Typ X +Y +Z (e) + s i
jedoch unsicher oder ausgeschlossen ist:

(14) A B . G A R . S I (F165)
a n - d a b í - s i (F ,0 1 166)
G I Š. K A - s i (F)
G U D - s i (L)
(i/i n-)m u - n a - s i (Ur HI)
K A - s i (L, Ur III167)
1 ú - G U D - s i (U)
N I M G I R - s i (L)
n i n - l ú - n i - n u - s i - g e (UrIII)
s a ğ - e - a n - d a bć- s i (F)
s i - d ù (U, F, L, A, E, 0 2 l68)
u r u - é - n u - m u - s i (L)

161 Struve (1984:139): n i n - d u (g)4? - n u - s i.


162 Vgl. einerseits é - k u r - n u - š è , é - n u - s i(4), é - n u - š è - š è, andererseits é -
k u r - b a - s i.
163 SF 28 vii 6 // 29 iv 13: M Ù Š- n u - s i.

164 Struve (1984:40): š e12 - n u - s i. Vgl. Š Ù B A - s i (U).

165 So Pomponio (1987:17). Vielleicht n í ğ - è š - s i zu lesen, mit n í ğ als direktem

Objekt von s i.
166 Vgl. s a ğ - e - a n - d a b 6 - si .

167 Struve (1984:90), Limet (1968:437): i n i m - s i; vgl. u r - K A - s i (L), 1ú - K A -

s i (UrIII).
168 U Nr. 255: D U - s i (sic).
32 Manfred Krebemik

Alle bislang angeführten Kurzformen zeichneten sich durch das Vorhandensein


des verbalen Elements s i aus. Es wurden jedoch zu dem Namenstyp X + Y +
Z (e) +s i auch Kurzformen mit Ellipse des verbalen Elements gebildet, wie der
Fall n i n - a n - s i = n i n - e n - n é zeigt. Weitere Kandidaten sind z. B.:

(15) m e - K I S A L - N l ( =l é ? ) (U)
a m a - b á r a - g e (F)
a m a / e n - e d e n - n é (Ol)
m e s - a b z u (F)
m e - é - z i - d a (F)
m e - k i s a l - l e (L)

Kurznamen dieser Form können freilich auch durch Ellipse anderer Verben ent­
standen sein: bei explizit ausgedrücktem Lokativ-Terminativ kommt außer s i
hauptsächlich d ù g in Betracht (s. u.); ist graphisch kein Kasus erkennbar, dann
dehnt sich das Feld ergänzbarer Verben möglicherweise auch auf Verben wie è
oder m u d aus, die mit Ablativ konstruiert werden. Kurz- und Langform sind
einander mit letzter Sicherheit nur aufgrund prosopographischer Daten zuzuord­
nen.
Abschließend sei hier noch auf einige potentielle Kurzformen von s i-
(oder d ù g-, è-?) Namen hingewiesen, die statt eines Lokativ-Terminativs einen
Lokativ auf /a/ zu enthalten scheinen:

(16) a - b á r a - a n - n a (Ol)
a m a - k a l a m - m a (Ol)
e n - k a l a m - m a (L)
l u g a l - k a l a m - m a (U rIII169)
l u g a l - k i - g a l - l a (0 2 )
l u g a l - u n - ğ á (0 2 )

Hier ist die Endung jedoch kaum als Lokativ zu interpretieren, sondern eher als
ein morphologisches Mittel zur Markierung einer Kurzform.

6.2.2. Namen mit -d ù g

Das Eigenschaftsverbum d ù g „süß/angenehm/gut (sein/machen)“ wird in ver­


schiedenen Satzmustem verwendet.

169 Limet (1968: 466) bucht auch eine Form l u g a l - k a l a m - m a - k a , doch liegt in

dem betreffenden Beleg (TUT 254:5) doppelter Genitiv vor: ki PN d u m u l u g a l -


kalam-ma-ka-ta.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 33

In dem einfachsten Typ X + d ù g (- g a) ist d ù g (- g a) prädikatives Ad­


jektiv. Gleichbedeutend mit d ù g ist wohl „substantiviertes“ 1ú - d ù g „guter
Mensch “ . 170 X bezeichnet meist eine Person (insbesondere Verwandte) (17), aber
auch Sachen und Abstrakta (18):171

(17) a - a - d ù g - g a (UrHI)
B I L x - d ù g (F)
e n -1 ú - d ù g (L)
1 u g a 1- d ù g (N2172)
n i n ( 9 ) - d ù g - g a (UrIII)
m u n u s - d ù g (F)
n i t a - d ù g (F173)
š e š - d ù g - g a (Ur III), š e š -1 ú - d ù g (L)
Ù S A R - d ù g (F)

(18) á - á ğ - d ù g (F)
a n - d ù l - d ù g (F)
k i - b i/n i + d ù g (F)
n a m - l u g a l - N I - d ù g (E)
šùd-dùg-ga, šùd-ni-dùg(F)

Möglicherweise gehören auch die unten unter (25) aufgeführten Namen des Typs
e n/n i n/1 u g a 1- m e/m u - d ù g ( - g a ) wenigstens z. T. hierher („mein Herr
[etc.] ist gut“). Alle diese Namen ähneln inhaltlich den mit g e š t i n gebildeten
und könnten jene z.T. in jüngerer Zeit ersetzt haben (im Akkadischen gibt es viel­
fach Entsprechungen der Form X-tăb).
A u f den bereits im archaischen Ur bezeugten Namenstyp X + k i - d ù g
wurde bereits in Zusammenhang mit der ungefähr gleichbedeutenden Formulie­
rung X + l à l „ X ist ein guter Ort“ hingewiesen. Fiühdynastische Belege sind : 174

(19) dI B - k i - d ù g (U175)
a b z u -k i - d ù g (F)

170 Bauer (1972:114) rechnet auch mit der Möglichkeit, daß 1ú in solchen Fällen als

Dativ zu verstehen ist: e n - l ú - d ù g „der Herr (ist) dem/den Menschen gut“.


171 Die hier und unter (20) zitierten Formen könnten z. T. auch Abkürzungen mehrglied­

riger Namen sein, weshalb die zweigliedrigen d ù g - Namen unten sub (30) zusammen­
gefaßt sind.
172 Z. 109 (Archi 1981:184); zu Z. 176 s. (21) mit Anm. 191.

173 Pomponio (1987:272): U Š - d u,0.

174 Für die Ur III-Zeit s. Limet (1968:262).

175 U Nr. 392: k i - d ù g - (d.) i b.


34 Manfred Krebemik

a m b a r - k i - d ù g (F)
é - k i - d ù g - g a (N I176, F)
é - S I G . T A - k i - d ù g (F177)
é - [ t i ? ] - l a - k i - d ù g (F)
ğ i š - š à - k i - d ù g (A)
i s i n x ( I N ) - k i - d ù g (F)
k i - n u - n i r - k i - d ù g (A)
k u l - a b - k i - d ù g (N I178)
N IN A - k i - d ù g (L)
ù r i - k i - d ù g (U)
u r u - k i - d ù g (F)
u š u m - k i - d ù g (F)

Inhaltlich ähnlich sind é - ğ i s s u - b i - d ù g ( F , L ) , 179 é - ú r - b i - d ù g (F), é -


m u - b i - d ù g ( L ) „das Haus: sein Schatten/Fundament/Name ist gut“ (F). Wei­
tere Namen dieser Art (ohne verdeutlichendes Pronomen am zweiten Glied)
könnten sein:

(20) é - s a ğ - d ù g (U)
é - e z e n - d ù g (F)
é - K A S 4 - d ù g (F)
é - N E - d ù g (F)
é - š ù d - d ù g (F)

Vor allem im älteren Onomastikon sind Namen der Struktur X +Z (e) + d ù g


gebräuchlich. Sie sind mehrheitlich im archaischen Ur und in Fāra belegt; später
kommen sie anscheinend fast außer Gebrauch oder überleben in abgekürzten For­
men. X ist eine Person, Z gehört der Sachklasse an: es bezeichnet meist eine Ört­
lichkeit (21), seltener Körperteile (22), ein Textil (23)180 oder andere Gegenstände
(24): a p i n „Pflug“ und P A „Szepter“ (?). Zumindest in diesen Fällen steht Y
im Lokativ-Terminativ, der allerdings nur selten - manchmal nur in der Kurzform,

176 SF 29 x 5.
177 Pomponio (1987:94): é - U D!? ( S I G ) - 1 a - k i - d Ui0.
178 SF 29 viii 17//44 iii 1.

179 Verkürzt: é - ğ i s s u - b i (Ol), é - ğ i s s u (Ur III).

180 Die betreffenden Namen enthalten in verschiedenen Graphien das später gewöhnlich

lugn í ğ / á ğ - b à r a geschriebene Textil, s. Krecher (1973:247) und Steinkeller


(1993b: 144f), der es zu b a r aj/4 = (w)uşşû „ausbreiten“ stellt und als „Decke“ deutet,
jedoch in den Personennamen eine Bedeutung „release“ oder „freeing“ vermutet. Die
Tatsache, daß das Lemma in Personennamen nur mit I u g a I und n i n assoziiert ist,
könnte auf eine kultisch-zeremonielle Funktion des fraglichen Textils hinweisen.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 35

immerhin aber schon in Fāra ( l u g a l - b á r a - g e - d ù g ) - graphisch ausge-


drückt ist. Singulär ist der lexikalische Beleg (25), der eine Personenbezeichnung
im ersten und zweiten Glied enthält.181 Schließlich gibt es einige Belege (26), in
denen das zweite Glied (m e, m u) mehrdeutig ist. Falls es sich nicht um Posses­
sivsuffixe („unser“ bzw. „mein“) handelt, sondern um Substantive („Me“ bzw.
„Name“), könnte man diese mit m e / m u in Namen des Typs (27) m e/m u +
Z (e) + d ù g parallelisieren. Beide könnten dann Abkürzungen der viergliedri­
gen Bildung X + m e/m u +Z e +d ù g (28) sein. Von den belegten Langformen
nin/dumu-mu-an-né-dùg ausgehend, würde man in dem vorletzten
Glied einen Agentiv vermuten, also etwa „ X ist jemand, dessen Namen An gut
gemacht hat“ .182 Dazu könnte z. B. der verblose Kurzname b á r a - e n - n é (O l)
mit e n anstelle von a n stimmen; allerdings kommt in derselben Textgruppe
nin-en-né als Kurzform von n i n - a n - s i vor,183 so daß ersteres (u. a.
auch) von * b á r a - a n ( - n é ) - s i kommen kann. Ein klares Gegenbeispiel ist
m u - K A - g e - d ù g mit K A (k a „Mund“ oder d u g4 „Rede“) anstelle von
a n. Folglich sind die betreffenden Namen vielleicht zu verstehen als ,,[X ist je ­
mand, (dessen)] Y für Z gut (gemacht) ist/sind“ . Damit stellt sich dasselbe Pro­
blem wie bei Namen des Typs X +Z ( e ) +s i , nämlich ob eine entsprechende
Ellipse (von m e, m u etc.?) auch für Namen des Typs X +Z (e) +d ù g voraus­
zusetzen ist.
Ur III-zeitlich werden schließlich auch Namen mit finiten Formen von
d ù g gebildet (29).

(21) a - K A L A M - d ù g (F, S184)


a m a - é - d ù g (U)
a m a - L Á L - d ù g (U)
B 1 L x - a n - d ù g (N2185)
B I L x - K A L A M - d ù g (F)
e n - A M A - d ù g (U186)

181 Sollte en in p a ^ - e n - d ù g auf an zurückgehen, wie dies in einem gleich zu


erwähnenden Fall bezeugt ist? Denselben Verdacht erweckt der in N2 folgende Name
m e - e n - d ù g im Vergleich mit sonst bezeugtem m e/m u - a n - n é - d ù g , vgl. (27).
182 Vgl. Bauer (1972:213) zur Kurzform m u - a n - n é - d ù g : „den Namen: An (hat

ihn) gut gemacht“.


183 Westenholz (1987:81f.): Nr. 69:3 =Nr. 70 ii 2.

184 Auch Name eines präsargonischen Königs von Ur, erwähnt auf dem Siegel seiner

Gemahlin: Sollberger (1960:81, Nr. 12).


185 Z. 141 und 195 (Archi 1981:185f.). In der Ur III-Fassung ist der Name zu B Ì L - á -

n u - d ù g verballhornt (Fales & Krispijn 1979-80:42).


186 U Nr. 100: a m a - e n - d ù g .
36 Manfred Krebemik

e n - É . N U N - d ù g (U)
e n - K A L A M - d ù g (F)
e n - k i - d ù g - g a (N I187)
l ú - b á r a - d ù g (U188, F)
l u g a l - b á r a ( - g e ) - d ù g (N I189, F190)
l u g a l - b á r a - g a - n é - d ù g (E)
l u g a l - k a s k a l - d ù g (N2191)
lugal-ki-DÚR-dùg(F)
lugal-NÁ-dùg(-ga)(F)
m e s - K A L A M - d ù g (A)
m u n u s - ğ i š g a l - d ù g (U192)
m u n u s - K A L A M - d ù g (N I193, F)
n i n - b á r a - d ù g (F194)
n i n - K A L A M - d ù g (N2195)
n i n - k i - D Ú R - d ù g (F)
n i n - U R U x A - N I - d ù g (L)
P A - 1 B - d ù g (U)
p a - b i l „ - K A L A M - d ù g (F)
p a 4 - K A L A M - d ù g (F, E)
U N K E N - K A L A M - d ù g (N2196)

(22) a m a - K A - d ù g (U)
lugal-KA-ge-dùg (L197)

187 SF 28 ii 12//29 ii 3.
188 U Nr. 426: l ú - b á r a - d ù g (with P A). Letzteres ist wohl Titel (u g u 1a, Ensi?).
189 SF 28 iii 4 // 29 ii 7.

190 Bei Pomponio & Visicato (1994:51f. mit Anm. 30) wird die betreffende Person (WF

70, v 10) mit l ŭ - b á r a - d ù g in TSŠ 150 iv 9 gleichgesetzt.


191 Z. 176 (Archi 1981:186) und Archi (1984:171). Die obige Alternative zur bisherigen

Interpretation ( l u g a l - d ù g mit Benifsbezeichnung g a r a š4) stützt sich auf die Tat­


sache, daß auch in der Abü Şalābīķ-Version, die gewöhnlich die einzelnen Lemmata
voneinander trennt, alle Zeichen in einer Zeile stehen. Andererseits kommt der Name
l u g a l - d ù g in Z. 109 derselben Liste vor.
192 U Nr. 311: g à 1- d ù g - s a 1.
193 SF 29 vii 8 .

194 Vgl. n i n - b á r a - g e (F, E).

195 Z. 149 (Archi 1981:185).

196 Z. 171 (Archi 1981:186).

197 Struve (1984:100): l u g a l - d u g 4 - ( g ) i - d u (g) 3 und o.c. 102: l u g a l - g i -

K A - d u (g)3.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 37
l u g a l - S A G - d ù g (F1981
)
9
Š E Š +I B - K A - d ù g (U)
Š E Š +I B - š u - d ù g (U ,N 1'")

(23) 1u g a 1- n í ğ - bab à r a/b a r a r d ù g (F, A, E, O200)

(24) a - P A - d ù g (U, S)
l u g a l - P A - d ù g (F)
m u n u s - P A - d ù g (F)
l u g a l - a p i n - d ù g (01-2201)
l u g a l - P A - d ù g (F)

(25) p a 4 - e n - d ù g (N2202)

(26) e n - m u - d ù g (F)
e n - m u - d ù g - g a (UrIII)
l u g a l - m u - d ù g (E)
n i n - m e - d ù g (- g a) (F, O l)

(27) m e - a n - n é - d ù g (F)
m e - e n - d ù g (N2203)
m u - a n - n é - d ù g (L)
m u - K A - g e - d ù g (L204)

198 Die Belegangabe bei Pomponio (1987:160) muß heißen: RA 32 (1935) 126 iii 2-3.
Möglicherweise ist der Name in l u g a l - K A - d ù g z u emendieren.
199 SF 28 viii 11 //29v 13.

200 Bei Pomponio (1987:151) als l ú - n í ğ - b a - d a g - d u i o gebucht, bei Westenholz

(1975:88) als 1u g a I - b a - d a g - d Uio, doch ist in dem jeweils einzigen Beleg


[1 u] g a 1 (WF 116 ii) bzw. [n í ğ] (Ol Nr. 46 i 3) zu ergänzen. - Vgl. die Kurzformen
I u g a l - n í ğ - b a r a 4 - g e (02), n i n - n í ğ - hab à r a - g e (ECTJ 34 iv 13; PBS 9,
65 Rs. 8 '; 67 Rs. 8 ').
201 Der auch noch Ur III-zeitlich geläufige Name wird gewöhnlich l u g a l - e n g a r -

d Uio gelesen, doch ist vom Namenstyp her an zweiter Position eher ein Sachobjekt, also
a p i n, zu erwarten. Dies wird durch die Kurznamen 1u g a 1- a p i n (- n é) (L, Ur III)
und <|,s)a p i n - d ù g (Ur III) bestätigt. Der bei Limet (1968:461) als l u g a l -
e n g a r - r a - n i zitierte Name ist nach Lafont & Yildiz (1989:57) l u g a l - ú r - r a -
n i zu lesen.
202 Z. 272 (Archi 1981:188).

203 Z. 274 (Archi 1981:188).

204 Die bei Struve (1984:124) gebuchte Form m u - d u g4 - (g) e - d ù g - (g) e steht im

Agentiv; vgl. Selz (1989:203).


38 Manfred Krebemik

(28) d u m u - m u - a n - n é - d ù g (L)
n i n - m u - a n - n é - d ù g (L)

(29) l u g a l - ğ u i o - m a - d ù g (UrIII)
u r u - ğ u i o - m a - d ù g (UrIII20S)

Die folgende Liste faßt die zweigliedrigen mit d ù g gebildeten Namen (außer X
+ k i - d ù g) zusammen, deren Zuordnung entweder zu den weiter oben bespro­
chenen Nominalsätzen oder zu den Kurzformen des drei/viergliedrigen Schemas
im Einzelfall oft unsicher ist:

(30) a - a - d ù g - g a (UrIII)
á - á ğ - d ù g (F)
a n - d ù l - d ù g (F)
B 1 L x - d ù g (F)
é - d ù g ( - g a ) (U ,F206)
é - e z e n - d ù g (F)
é - K A S 4 - d ù g (F)
é - N E - d ù g (F)
É . N U N - d ù g (F207)
é - s a ğ - d ù g (U)
é - š ù d - d ù g (F)
é - t i - l a - d ù g (E)
é - ú r - b i - d ù g (F)
e n - l ú - d ù g (L)
ģ i š - g i - d ù g (U)
ğ i š g a 1- d ù g (U208)
i g - g a 1- I a - d ù g (F)
K A - d ù g - g a (A209)
k a - k a - n i - d ù g (L210)
K A L A M - d ù g (F)
K A S 4 - d ù g - g a (F)
k i - b i / n i - d ù g (F)
l u g a l - d ù g (N2211)
m u n u s - d ù g (F)

205 Limet (1968:228): „Le roi m’a fait du bien“ bzw. „Ma ville m’a fait du bien“.
206 Vgl. a m a - é - d ù g (U).
207 Vgl. e n - É . N U N - d ù g (U).
208 Vgl. m u n u s - ğ i š g a l - d ù g .
209 Behrens & Steible (1983:398): i n i m - d u)0 - g a.
2,0 Struve (1984:88): i n i m - i n i m - n i - d ù g .
211Z. 109 (Archi 1981:184); zu Z. 176 s. (21) mit Anm. 191.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 39

n a m - l u g a l - n i - d ù g (E)
n í ğ - ğ á l ( - l a ) - d ù g (F)
n i n ( 9 ) - d ù g - g a (UrIII)
n i t a - d ù g (F212)
P A - d ù g (U, F213)
š e š - d ù g - (g a) (U, Ur III), š e š -1 ú - d ù g (L)
š ù d - d ù g - g a , š ù d - n i - d ù g (F)
t ú l - s a ğ - d ù g , t ú l 7- s a ğ - D Ú R - d ù g (F)
ú r - d ù g (F)
Ù S A R - d ù g (F)

6.2.3. Namen mit -m u d und -è

Typisch für das frühdynastische Onomastikon ist auch das in der Ur III-zeitlichen
Namenbildung schon nicht mehr gebräuchliche Verbum m u d. Es bildet u. a.
dreigliedrige Namen der Form X +Y ( - t a ) + m u d (31) und seltener X +Y (-
e) + m u d (32, 33):

(31) a - É . N U N - m u d (U)
a m a - a b z u - m u d (U)
e n - a b z u ( - t a ) - m u d (F)
m u n u s - a b z u - m u d (F)
p a 4 - a b z u ( - t a ) - m u d (F)
' x ' - É . N U N - m u d (U214)

(32) a - e n - m ud (N I215)
e n - a n - m u d (N I216)
p a 4- e n - m u d (F)

(33) é - a n - n é - m u d (L)

In Gruppe (31) ist X eine Person und Y ein Ort, und zwar jeweils der als a b z u
oder É . N U N bezeichnete Grundwasserozean (bzw. ein diesen repräsentieren­
des Heiligtum). In (32) und (33) gehört Y der Personenklasse an und steht im
Agentiv, während X eine Person (32) oder ein (Kult-)Gebäude (33) ist.

212 Pomponio (1987:272): U Š - d u,0.


213 Vgl. a - P A - d ù g (U, S).
214 U Nr. 271: é - n u n - s i - m u d .
215 SF 29 ix 3//44 iv 1.
216 SF 29 ix 12.
40 Manfred Krebemik

Mit m u d gebildete Namen erscheinen jedoch mehrheitlich in einer kür­


zeren Form. Im einfachsten Falle fehlt lediglich die Postposition (was aber wohl
nicht nur ein graphisches Phänomen ist): e n / m u n u s / p a 4 - a b z u - m u d .
Meist wird jedoch einer der nominalen Bestandteile weggelassen, woraus sich die
meisten zweigliedrigen Formen erklären dürften. Diese enthalten nämlich meist
(soweit erkennbar) als ersten Bestandteil eine Ortsbezeichnung im weitesten
Sinne:

(34) A B ( - t a ) - m u d (F217)
a b z u ( - 1 a)- m u d (F)
a n - m u d218
Á Š - m u d (F, S219)
B Ù - m u d (F220)
e - g à r - m u d (L)
é - m u d (F)
(d)I B - m u d (U, S221)
í d - m u d (L)
di r ļ j a n , - m u d (U222)
k a r - m u d (F)
M I - m u d (F, S)
N I . U D - m u d (U223)
N ì G I N - m u d (F, L 224)
N U N - m u d (U225)
ds u ’ e n - m u d (F226)

217 Pomponio (1987:105): è š - m u d , è š - t a - m u d .


218 ELT Nr. 13 Rs. iii 1 (dort M U L? . M U D gelesen).
219IAS 516 i 4. Ein weiterer mit Á Š gebildeter Name ist Á Š - k i - g a 1 (F).
220 Pomponio (1987) 237: š ù d - m u d. Möglicherweise meint B Ù hier dasselbe wie

B Ù . M A.
221 Der von Biggs (1974:35) I b - dM u d und von Pomponio (1991:142) di b - m u d

gelesene Name aus Teil Abu Şalābīţ) ist wohl nicht semitisch ib-AN-mud zu interpretie­
ren (so Krebemik 1998:267 mit Blick auf ib-uç-mu-du/ud aus Ebla), da die Schreibung
mit Gottesdeterminativ durch < d)I B - k i - d ù g (U; vgl. Anm. 175) bestätigt wird.
222 Geschrieben dB A L A G . T I N . B U / S U D . N U N ir ŧ l - m u d . U Nr. 227:
( d . ) b a l a g - s í r - i r - ţ ) a - t i n - m u d - n u n . Zur Gottheit lrţ)an s. Wiggermann
(1999).
223 U Nr. 218: d à g? - m u d?. Möglicherweise ist N I . U D als NA 4 „Stein“ zu interpre­
tieren.
224 Gegen U Nr. 567 (n ì g i n - m u d - ?) in den archaischen Texten aus Ur wohl noch

nicht bezeugt: die Kopie (UET 2, 354 ii 4) zeigt kein klares N ì G I N. Auch sonst ist
N I G I N in diesem Textcorpus nicht zu belegen.
225 U Nr. 538: m u d - n u n.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 41

ú r - m u d (F, L)

Es ist allerdings nicht ganz auszuschließen, daß einige dieser Namen zweiglied­
rige Nominalsätze sind („X ist Schöpfer“), was besonders für ds u ’ e n - m u d
naheliegt, das aber auch eine Kurzform sein kann.
Auch bei den mit m u d gebildeten Namen ist damit zu rechnen, daß zu
ihnen Kurzformen ohne Verbum gehören. Eine entsprechende Interpretation bietet
sich vor allem für Kurznamen an, die einen Ablativ enthalten. Mehrere Typen sind
belegt. Die ausführlichste Form i s t (34): X + Y + Z - t a mit m e als direktem
Objekt des elliptischen Verbums (falls nicht das Possessivsuffix der 1. Person
Plural gemeint ist). (35) besteht nur aus Person + Ortsbezeichnung im Ablativ.
Am häufigsten begegnet X + Y - 1 a, wobei X ein Sachobjekt (meist m e, aber
auch a 1a m, n a m, n a m - 1 i) ist (36), selten eine (als Subjekt zu denkende)
Person (37).

(35) n i n - m e - è š - t a (UrIII)
n i n - m e - u r u - b a r - t a (A2
627)
2

(36) a - k i - g a 1- 1 a (U228)
1ú - K I S A L - 1 a (Ur III)
š e š - k i - g a l - t a (U229)

(37) a l a m - k u r - t a (U230)
m e - a b z u - t a (F)
m e - é - š à - t a (F)
m e - é - z i - t a (F231)
m e - g i r i mx - 1 a (A232)

226 Pomponio (1987: 279): dz u ’ e n - m u d.


227 Steible & Behrens (1982b:285, Z. 2) lesen n i n - m e - t a - b a r - r é .

228 U Nr. 388: k i - a - g a l - t a .

229 U Nr. 389: k i - a - š e š - g a l - t a . Kopie (UET 2, 84 ii 3) hat jedoch kein A.

230 Weitere mit a 1a m „Statue“ gebildete Namen in den archaischen Texten aus Ur

sind a - a l a m , a - a l a m - a b z u , a l a m - a b z u , l u g a l - a l a m ( U Nr. 73:


a l a m - l u g a l ) , B I L x - a l a m ( U Nr. 74: a 1a m - S.377 - b il) , a m a - a l a m - g i ,
m u n u s - a l a m - A K (U Nr. 619: s a l - a l a m - a g ) . Ihnen liegt wohl das Schema
X + a l a m +Y +Verb zugrunde. In a l a m - k u r - t a ist vielleicht das in a m a -
a l a m - g i vorliegende Verbum g i (für g i4) „zurückbringen“ zu ergänzen, vgl.
k u r - t a - m u - g i 4 (Ur III) „[der König?] ist aus dem Fremdland zurückgekehrt“ oder
„hat aus dem Fremdland [...] zurückgebracht“; s. a. Anm. 39.
231 Daneben gibt es m e - é - z i - d a ; zugrunde liegt wohl *m e - é - z i - d a - 1 a.

232 Geschrieben m e - A . B U . H A . D U - t a , s. Steible & Behrens (1982b:308, Z. 2).


42 Manfred Krebemik

m e - k i - g a l - t a (F233)
m e - k ù - 1 a (F)
m e - N ì G IN - 1 a (L)
n a m - š à - t a (U, F234)
n a m - t i - è š - t a (UrIII)

(38) ds ù d - z à - 1 a (F235)

Einen Extremfall stellen Namen dar, die auf ein Dimensionalobjekt im Ablativ
reduziert sind:236

(39) é - s a b a r - t a (F237)
ğ i š g a 1- 1 a (Ur III238)
k a - 1 a (Ur III)
k i - g a 1-1 a ( - 1 a) (F)
k ù - g a - 1a (Ur III)
t ú 1- 1 a (Ur III239)
z à - 1 a (F)
Die Zugehörigkeit solcher verblosen Kurzformen zu den mit m u d gebildeten
Namen ist allerdings unsicher und wäre erst nachzuweisen, da in der Namenbil­
dung auch andere mit Ablativ konstruierte Verben Vorkommen, und zwar am häu­
figsten è „hervorkommen (lassen)“ .240 Mit è gebildete dreigliedrige Namen sind:

(40) e n - ú r - è (U241)
n i n - z à - 1a - è (F)
p a 4- e - s a ( ) s r - r a - e " (F )
,i i_ x '2 a t *242\

233 Zugrunde liegt wohl * m e - k i - g a l - l a - t a , vgl. die Kurzformen k i - g a 1-1 a -

ta und m e - k i - g a l - l a .
234 Zu vergleichen ist vielleicht n í ğ - š à ( - t a ) - n u - è (F).

235 Vgl. weiter gekürztes z à - 1 a (F).

236 Nicht aufgefuhrt ist angebliches e n g a r - d u i o - t a (Limet 1968:405); der dort an­

gegebene Beleg (TMH 1-2,143:27) hat k i š i b a p i n - d u i o - t a (häufiger, auch


*lsa p i n - d Uio geschriebener Name +Postposition - 1 a).
237 Daneben gibt es é - s a ( ) a r - r a (F); zugrunde liegt wohl * é - s a ļ j a r - r a - t a .
238 Limet (1968:413): G À L - 1 a.

239 Kurzform von t ú l - t a - p à - d a (Ur III) „aus dem Brunnen Aufgelesene(r)“.


240 Außer è und p à (vgl. vorige Anm.) kommt noch g Ì4 „zurückkehren (lassen)“ in

Frage: k u r - t a - m u - g h (Ur III; s. a. Anm. 230). Zu den Ur Ill-zeitlichen Namen mit


è s. Limet (1968: 237f.).
241 U Nr. 287: e n - d ù g - t ú m ; nach Kopie (UET 2, 103 ii 1): e n - ú r -
è ! ( ḤI +D U).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 43

(41) l ú - m e - è - a (U rH I)
l u g a l - m e - è ( - a ) ( U r III)

(42) n í ğ - š à ( - 1 a) - n u - è (F)

In (40) und (41) steht an erster Position eine Person, die wohl als Subjekt fungiert,
(42) hat hier ein Nomen der Sachklasse (n í ğ), das eher als direktes Objekt aufzu­
fassen ist. Dies gilt wohl auch von m e, das in (41) die zweite Position einnimmt,
doch könnte hier auch das Possessivsuffix der 1. Person Plural gemeint sein; der
Name wäre dann zweigliedrig und würde zu Typ (43) gehören. (40) und (42) ha­
ben an zweiter Position eine (ablativische) Ortsbezeichnung.
Zweigliedrige Formen bestehen gewöhnlich aus Person +Verb (43) oder
aus Ortsbezeichnung (im Ablativ) + Verb (44); selten ist dagegen Sachobjekt
(m u - n i „sein/ihr Name“ , a p i n „Pflug“) +Verb (45);

(43) db a - ú - è - a (Ur III)


1ú - b a - 1a (- a b) - è (Ur III)
1ú - n u - m u (- d a) - è (F)
1u g a 1- a b - è (L2 243)
4
l u g a l - b a - r a ( - a b ) - è (UrIII)
l u g a l - b a - t a ( - a b ) - è (UrIII)
l u g a l - í b - t a - è (UrIII)
l u g a l - í b - t a - n i - è (L)
l u g a l - p a - t a ( - a b ) - è (UrIII)
n i n - í b - t a - è (UrIII)

(44) é7- d a - è (F)


é - è (F)
é - s a ļ j a r - t a - è (F244)
é - š e - è (L245)

242 Pomponio (1987:207): pa 4 - é !?( S A ) - s a ţ j a r - r a - s a ğ (oder p a i - ^ s a h a r -


r a - s a ğ ?). Vgl. die Kurzform é - s a ţ j a r - t a - è (F).
243 Aufgrund der analogen Namensformen ist A B hier eher als Verbalpräfix und nicht
als Substantiv (è š „Heiligtum“, a b „Meer“) zu verstehen, doch ist letzteres nicht ganz
ausgeschlossen.
244 Vgl. die Langform pa 4 - é ! - s a ţ } a r - r a - è (F).
44 Manfred Krebemik

é - t a - b a - r a - è - a (UrIII)
é - t a - è - a (UrIII)
é - U D - g i m - è (F2 246)
5
4
š à ( - 1 a) - n u - è (U, F247)

(45) A P I N - è (U rlll248)
m u - n i - b a - t a - è (UrIII)

Die Ortsbezeichnung ist wohl immer ablativisch zu verstehen, auch wenn die
Postposition fehlt. Der Vergleich U D - g i m „wie die Sonne“ oder „wie der
Tag“ in (44) bezieht sich demnach nicht auf das „Haus“ als Subjekt, sondern auf
die Person oder Sache, die daraus hervorkommt oder hervorgebracht wird.
Ur III-zeitlich ist schließlich eine Anzahl von Kurznamen belegt, die le­
diglich aus einer finiten Form des Verbums è bestehen:

(46) a b - è (UrIII)
a b - t a - a b - è (UrIII249)
b a r - r a - a b - è (UrIII)
b a r - 1 a - è (Ur III)
ì - t a - è ( - a ) (UrIII)
í b - 1 a (- a b) - è (Ur III)
í b - 1 a - è - a (Ur III)
i n - t a - è - a (UrIII)
N I - a b - è (Ur III)

245 Bauer (1972:356), der zum Vergleich é - ì - g á r a - s ù heranzieht, interpretiert den


Namen als „Haus, das Getreide herausgehen läßt“, was als Personenname kaum sinnvoll
ist. Aufgrund der oben behandelten Parallelen vermute ich einen Kurznamen, worin é -
š e ein virtuell im Ablativ stehendes Kulttoponym bezeichnet. Weniger wahrscheinlich,
aber nicht völlig auszuschließen ist, daß š e neben ablativischem é das Objekt darstellt,
in welchem Fall der Name dreigliedrig wäre: ,,[X hat aus] dem Haus Getreide hervorge­
hen lassen“.
246 Pomponio (1987:93). Hierzu wohl auch é - g i m - è und é - u t u - è (beide F) mit
fehlerhafter Auslassung von u tu bzw. g i m.
247 Vgl. die Langform n í ğ - š à ( - t a ) - n u - è (F).
248 Limet (1968:405): e n g a r - è. Das erste Glied ist eher a p i n „Pflug“ (mit Bezug

auf das erste Saatpflügen durch den König beim Neujahrsfest?) oder à b s i n
„Saatfurche“ zu lesen.
249 Hier und in dem vorausgehenden Beleg könnte A B auch als è š „Heiligtum“ inter­

pretiert werden.

ļ U N IV E H ¿ļ. ì > I ĪH E K
j MAfíBUfiG
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 45

Vor allem aus den relativ vielen Ur III-zeitlichen Belegen läßt sich ein Grundmu­
ster erschließen, das allerdings in seiner vollen Gestalt nicht explizit belegbar ist:
*X +Y +Z - 1 a +. . . t a . . . b - è „ X hat Y aus Z hervorkommen lassen“.
Die finiten Verbformen weisen überwiegend auf ein Sachobjekt Y hin, wo­
für explizit m e und m u „Name“ belegt sind. X ist eine höhergestellte Person
(e n, 1u g a 1 und wohl in demselben Sinne 1ú , n i n, p aţ) oder eine Gottheit
(db a - ú). Z ist meist ein Kulttoponym (é, é - d a (?), é - s a l j a r - r a , é-še,
è š, z à); nur im ältesten Textcorpus findet sich ú r „Schoß“, in Ur III auch
A P IN („Pflug“?).
Gesondert zu betrachten sind die beiden Namen mit negiertem Verb.
níğ-šà(-ta)-nu-è nebst Kurzform š à ( - t a ) - n u - è könnte, als rhetori­
sche Frage formuliert, dem eben beschriebenen Typ angehören. Allerdings stellen
sowohl das mutmaßliche direkte Objekt n í ĝ „Sache“ (im Sinne von späterem
níğ-šà-ga-ni „ihre Leibesfrucht“?) als auch das Dimensionalobjekt šà
„Inneres“ (= „Tempelinneres“ oder „Mutterleib“?) lexikalische Besonderheiten
dar.250
Neben l ú - n u - m u ( - d a ) - è existiert der auffallend ähnliche Name
l ú - n u - m u ( - d a ) - D I . Wegen des Komitativinfixes würde man in letzterem
s á = šanãnu vermuten: ,,[X] ist jemand, mit dem sich niemand messen kann“ .
Andererseits scheint DI jedoch auch im Wechsel mit m u d vorzukommen,
vgl. a b z u - t a - D I und a b z u - t a - m u d (beideF).
Damit kommen wir auf die mit m u d gebildeten Namen zurück. Tabelle
2 im Anhang gibt einen vergleichend-chronologischen Überblick über die mit
m ud bzw. è gebildeten Namen und deren potentielle, verblose Kurzformen.
Für m u d in Personennamen wird im allgemeinen die - wohl auch der Zeichen­
bildung (Vogel mit Ei) zugrundeliegende - Bedeutung „gebären, erzeugen“ po­
stuliert, 251 obwohl aus späterer Zeit verschiedene Bedeutungen bzw. lexikalische
Gleichungen überliefert sind .252 Für die Annahme, daß in den Personennamen tat-

250 Zumindest oberflächliche Ähnlichkeit zeigen š à - n u - ğ a r (S) bzw. š à - n u - ğá I


(L).
251 So deutet Edzard (1962:103, Anm. 43) é - a n - n é - m u d als „Haus, das An er­
schaffen hat“, e n - a b z u ( - t a ) - m u d als „der Herr (Enki) erzeugt aus dem Abzu
heraus“.
252 Sie lassen sich folgendermaßen bündeln: (a) „gebären, erzeugen“ (alădu, banû, banû
ša alādi)\ (b) „dick werden/machen“ (im Parallelismus mit b ù 1u ğ ); (c) „erschrecken“
(galãtu, galtu, gilittu-, parădu, piritíu); (d) ein (stock-/röhrenförmiges) Gerät (răʾizu
„Gabel, Rechen“, nappãsu „Schlagstock“, pē/ĩsu „Flegel“, šulb/pů „Riegel“, uppu
„Hülse, Röhre“); (e) unorthographische Schreibung für m ú d (damu „Blut“; adăru,
da ʾămu „dunkel sein“); (f) unorthographische Schreibung für mu d ; (qūlu
„Schweigen“, rīšătu „Jubel“).
46 Manfred Krebemik

sächlich das später mit „gebären, erzeugen“ wiedergegebene Verbum vorliegt,


spricht die Kombination mit ú r „Schoß“ und mit dem Heiligtum N ì G I N , das
in späteren Quellen mit Geburt assoziiert wird .253 Die Konstruktion mit Ablativ
ist zwar mit diesem Bedeutungsansatz zu vereinbaren, doch denkt man angesichts
ihrer Regelhaftigkeit eher an ein Bewegungsverbum. Wie aus obiger Zusammen­
stellung ersichtlich, sind die mit m ud gebildeten Namen in den älteren
Textcorpora zahlreicher als die mit è gebildeten. Später kehrt sich das Verhältnis
um und die mit m u d gebildeten Namen sterben aus, werden aber nicht etwa
durch Bildungen mit dem ungefähr synonymen Verbum (ù -) t u ersetzt.254 Man
könnte daher vermuten, daß m u d einst ein mit è etwa synonymes Verbum mit
der allgemeineren Bedeutung „hervorkommen (lassen)“ war, das sekundär auf das
im Begriff enthaltene „Gebären“ eingeengt wurde. Dafür spricht, daß mit ú r
„Schoß“ beide Verben bezeugt sind (ú r - m u d, e n - ú r - è), und daß das Objekt
von m u d auch ein Tempel sein kann, denn é/e n - a n (- n é) - m u d wird
schwerlich etwas anderes bedeuten als „das Haus ist ein von An hervorgebrach­
tes“ bzw. „der En ist ein von An hervorgebrachter“ .255 Desweiteren wäre anzufüh­
ren, daß die mit m ud kombinierten ablativischen Toponyme meist keine se­
mantische Affinität zum Begriff des „Gebärens“ besitzen - auffällig ist vielmehr
der häufige Bezug zum Wasser: a b z u, É . N U N, í d, di r 1} a nx und wohl
auch e - g à r bezeichnen (z. T. mythische) Gewässer, dazu kommen k a r „Kai“
und vielleicht N U N , falls sich darin Enkis Kultort Eridug oder eine Abkürzung
von É . N U N verbirgt. Wahrscheinlich spielen die betreffenden Namen auf my­
thische Vorstellungen von Schwangerschaft und Geburt an, wie sie erst in viel
jüngeren Texten explizit greifbar werden: sie besagen, daß der Embryo bzw. die
Mutter ein Gewässer (konkreter Hintergrund: Fruchtwasser und Blut) zu durch-
oder überqueren haben. 256
Wie der Tabelle zu entnehmen ist, enthalten die mit m u d gebildeten
Namen aus dem archaischen Ur als Personenbezeichnungen nur „Vater“ und
„Mutter“, Fāra-zeitlich finden sich „En“, „Frau“ und „(älterer) Bruder“ . Die Aus-

253 Die nur lexikalisch bezeugte Bedeutung „Fötus“ ist vielleicht künstlich aus der
(mythologischen) Funktion des N ì G I N - Heiligtums abstrahiert; s. zu diesem zuletzt
Stol (2000:29) mit Lit.
254 Bei Limet (1968) ist das Verbum im „Repertoire des termes“ nicht erwähnt. Der ein­
zige damit gebildete Ur ül-zeitliche Name ist i n - 1 u - d a, vgl. Limet (1968:80 und
438).
255 Der inhaltlich auffällige zweigliedrige Name ds u ’ e n - m u d ist wahrscheinlich
ebenso wie a n ( - n é ) - m u d eine Kurzform dieses Namenstyps. Nicht ganz auszu­
schließen scheint jedoch eine akkadische Interpretation (Suʾin-bāni „Su’in ist
Schöpfer“), zumal der Mondgott hier unter seinem akkadischen Namen erscheint.
256 Vgl. Stol (2000:60-65) und die dort zitierten Beschwörungen.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 47

sage der Namen bezieht sich kaum auf die Geburt dieser Personen selbst (a m a -
a b z u - m u d heißt nicht „die Mutter ist aus dem Abzu hervorgekommen“), son­
dern vielmehr auf ihre Rolle bei der Geburt des (nicht explizit genannten) Kindes.
Diesem Sinn werden verschiedene Interpretationen gerecht, die jedoch alle eine
Ellipse voraussetzen: (a) „der Mutter ist [das Kind] aus dem Abzu hervorgekom­
men“ ; (b) „die Mutter hat [das Kind] aus dem Abzu hervorkommen lassen“ ; (c)
„[Gottheit X] hat der Mutter [das Kind] aus dem Abzu hervorkommen lassen“ .
A u f die Schwierigkeiten, die verbalen Elemente der frühen Personennamen
grammatisch zu interpretieren, wurde bereits hingewiesen. In p a 4 - e n - m u d
und é - a n - n é - m u d , aber auch in dem häufigeren soeben diskutierten Typ
p a 4 - a b z u - t a - m u d würde man, falls m u d partizipal zu verstehen ist, dem
späteren Sprachgebrauch nach ein „¿iam/«-Partizip“ * m u d - d a erwarten, wo­
für die Schreibungen aber keinen Hinweis liefern, obwohl das Zeichen D A be­
reits Fāra-zeitlich als Syllabogramm benutzt wurde.257 Es ist daher zu vermuten,
daß der Gebrauch der einfachen Basis im Sinne eines späteren „£a/w/«-Partizips“
ein älteres Sprachstadium reflekiert. Entsprechend ist wohl auch ältere Graphie
(ohne auslautendes -a) der Theonyme dm e s - l a m - t a - è ( - a ) und dš u 1 -
p a - è (- a) zu beurteilen.
Wie Tabelle 2 zeigt, gibt es zwischen den mit m u d gebildeten Namen
und den verblosen Kurznamen, die einen Ablativ enthalten, wenig Gemeinsam­
keiten: es sind dies die relativ häufigen (Kult-)Toponyme a b z u und N ì G I N .
Sachobjekte wie m e, das in den meisten Kurznamen auftritt, sind in Kombina­
tion mit m u d hingegen nicht belegt, wohl aber mit è. Weitere Übereinstim­
mungen zwischen den ablativischen Kurznamen und den Namen mit è sind die
Toponyme é, é - s a ļ j a r , è š, š à und z à. Somit ist in ablativischen Kurzna­
men als Verbum überwiegend - wenn m e und ähnliche Elemente vorhanden
sind, sogar ausschließlich - è zu ergänzen, in seltenen Fällen g i4 oder p à und
vielleicht auch m u d .

6.2.5. Namen mit anderen verbalen Prädikaten

Von den sonstigen, größtenteils wesentlich weniger häufigen verbalen Elementen


frühdynastischer Personennamen, die hier nicht alle und in gleicher Ausführlich­
keit behandelt werden wie die obigen, seien als typische Beispiele noch á - n u -
k ú š und ( A . ) D U . N Á erwähnt.
Ersteres, eine negierte Form des zusammengesetzten Verbum á - k ú š, er­
scheint als Prädikat fast ausschließlich neben Verwandtschaftstermini:

257 Als einzige Ausnahme findet sich bei Struve (1984:123) eventuell der Kurzname
m u d - d a, doch zeigt die Kopie D A R - d a (DP 231 xvi).
48 Manfred Krebemik

(47) B I L x ( - á ) - n u - k ú š (N I258, F)
d u m u - á - n u - k ú š (F)
e n - á - n u - k ú š (F259)
m e s ?- á 7 - n u - k ú š 7 (F)
m u n u s - á - n u - k ú š (U260, F)
p a 4 ( - á ) - n u - k ú š (F)
š e š - á - n u - k ú š (F, L)

Als Kurzform solcher Namen ist selbständiges á-nu-kúš zu werten,


das in sehr viel späterer Zeit als Theonym wieder auftaucht.261 Ansonsten ist á
- kúš später kaum mehr als finites Verbum gebräuchlich, sondern nur mehr
substantivisch: á-kúš-ú = mānaḫtum „Mühsal“ . Unter der Voraussetzung
eines positiven Namenssinns sind die obigen Namen wohl zu verstehen als „X ist
jemand, der [für Y?] den Arm nicht müde werden läßt“ . Außer dem Kom ­
positum á - k ú š wird auch das verbum Simplex zur Namenbildung verwendet;
mit Komitativ konstruiert, steht es wohl für š à - k ú š „sich beraten“ .262

Einen verbalen Kem besitzt wahrscheinlich auch der noch nicht gedeutete,
vermutlich prädikative Ausdruck ( A .) D U . N Á , der Fāra-zeitlich bis präsargo-
nisch als Teil von Personennamen bzw. (abkürzend) auch allein als Personenname
belegt ist :263

(48) A M A - A . N Á (F), A M A - b i - A . D U . N Á
bára-A.DU.NÁ
eden-ba-A.DU.NÁ
e n -A . D U . N Á
en-kug-A.DU.NÁ
en-kur-ra-A.DU.NÁ
lú-zi-DU.NÁ
lugal-A.DU.NÁ
mes-A.DU.NÁ

258 SF 28 vii 5 // 29 iv 12.


259 Eine unorthographische Schreibung desselben Namens könnte e n - a n - n u - k ú š
(F) sein.
260 U Nr. 628: s a l - n u - k ú š - d a .
261 S. Lambert (1988:164).
262 Bauer (1972:94): n i n - u r u - d a - k ú š „die Herrin (ist) sich mit der Stadt bera­
tend“. Der Name l u g a l - m u - d a - k ú š , nach Bauer „mit meinem Herrn sich bera­
tend“, erscheint in Ebla unorthographisch als n u - g a l - m u - d a - k á š und n u -
g a l - m e - g a - š u - è , s. Steinkeller (1993a:237f„ Nr. 23). Ein (defektiv geschriebe­
nes) Beispiel aus Fāra ist u t u - m u - k ú š.
263 Für Belege siehe, wenn nicht anders vermerkt, Krecher (1973:198).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 49

n i n - [ ? ] - A . D U . N Á (L264)
sipa-A.DU.NÁ
šeš-(A.)DU.NÁ
ur-sağ-A.DU.NÁ

Die meisten Beispiele haben als erstes Glied eine Personenbezeichnung, Ausnah­
men bilden b á r a „(Thron-)Sockel“ (das metaphorisch allerdings auch eine ent­
sprechende Person bezeichnen kann), eden und wohl auch A M A , 265 das
wie e d e n mit einem Possessivpronomen der Sachklasse versehen ist. Anderer­
seits erscheint in einem Fall neben der Personenbezeichnung (e n) noch ein N o­
men der Sachklasse, das wie e d e n - b a im Lokativ steht ( k u r - ra); k u g ist
vielleicht parallel dazu zu sehen. Vielleicht darf man daraus auf ein allen Namen
zugrundeliegendes Schema X ( +Y ) +Z ( - b i - a/e) + A . D U . N Á schließen,
wobei sich das Suffixpronomen auf ein elliptisches Nomen der Sachklasse (Y)
bezieht.
Abschließend seien noch zwei Namenstypen erwähnt, in denen das - ver­
mutlich verbal zu denkende - Prädikat von Hause aus elliptisch ist.2 6 6 Namen der
Form X ( - d a ) - n u - m e ( - a ) „ohne X “, worin X eine positive höhere Macht
bezeichnet, sind wohl unvollständige rhetorische Fragen, etwa: „ohne Y : [was
vermöchte X]!?“ 267

(49) a n - d ù l - n u - m e (F)
d i ğ i r - n u - m e (U268, F)
e n - n u - m e (U269)
l u g a l - d a - n u - m e - a (L)
n i n - d a - n u - m e - a (L)
p a 4- n u - m e (F)
đs ù d - n u - m e (F)
u t u - n u - m e (U270, F)

264 Vgl. n i n - a - D U . T I (L)?


265 Vgl. Anm. 152.
266 Ein zusätzliches Element unklarer - möglicherweise prädikativer - Funktion zeigt a -
n e - d a - n u - m e - g i (F), das vielleicht zu verstehen ist als „ist [X] ohne ihn/sie
fest/sicher?“. Kürzere Formen bzw. Graphien desselben Namens sind a - n e - n u -
m e - g i , n e - d a - n u - m e - g i , n e - n u - m e - g i . Zu vergleichen ist a - n e - d a -
n u - m e - a (L).
267 Ähnlich Bauer (1972:192) mit Verweis auf A. Falkenstein: „ohne X - was wäre da?!“.
268 U Nr. 514: m e - n u - A N .
269 U Nr. 515: m e - n u - e [ n ].
270 U Nr. 516: m e - n u - U D.
50 Manfred Krebemik

Andere elliptische Namen haben die Struktur s a ģ - X - d a (Zeichenfolge durch


präsargonische Belege gesichert), wobei X wie oben (meist) eine Gottheit oder
hochgestellte Person bezeichnet:

(50) s a | - a - d a (U271)
s a | - B I L x - d a (F)
s a ğ - n a n n a - d a (U272)
s a g - dn a n š e - d a (L)
s a ğ - dn i n - | í r - s u - d a (L)
s a ģ - B I L x - d a (F)
s a | - n i n - d a (F)
s a ğ - u t u - d a (F)
s a | - A Š- d a (F273)

Syntax und Bedeutung sind unklar, die wörtliche Übersetzung „beim Haupte von
X !“, im Deutschen eine Beteuemngsformel, erweckt wahrscheinlich falsche Asso­
ziationen. Ein Name dieses Typs verbirgt sich vielleicht auch unter der syllabi-
schen Schreibung s á - g i - i l - d a aus Ebla .274

7. Zusamm enfassung

In den vorausgehenden, notwendigerweise selektiven Ausführungen habe ich ver­


sucht, die Grundstrukturen und einige Entwicklungslinien des sumerischen Ono­
mastikons zu skizzieren. Dabei dürfte deutlich geworden sein, wie sehr sich das
sumerische Onomastikon vom akkadischen unterscheidet und daß seine umfas­
sende, systematische Erforschung - trotz wichtiger Vorarbeiten - noch in den An­
fängen steckt. Vorläufig und mit aller gebotenen Zurückhaltung seien folgende
Beobachtungen und Eindrücke festgehalten:
1. Die Aussagen sumerischer Namen betreffen in der Regel nicht den Na­
mensträger selbst, sondern seine gesellschaftlich-religiöse Umwelt. Dies gilt nicht
nur auf syntaktischer Ebene für satzwertige Namen, sondern sinngemäß auch für
nomenwertige, da die häufigen Genitivverbindungen den Namensträger ebenfalls
zu übergeordneten gesellschaftlich-religiösen Größen in Beziehung setzen. Falls

271 UNr. 34: a - s a g - d a.


272 U Nr. 556: n a n n a - s a g - d a .
273 Vgl. s a ğ -1 ú - A Š- d a (F; Zeichenfolge unsicher). Eine andere wohl hierher gehö­
rige Form mit zusätzlichem Element und ebenfalls unklarer Zeichenfolge ist s a ğ -
l u g a l - A B - d a (Pomponio 1987:156liest l u g a l - è š - s a ğ - d a ) .
274 So Steinkeller (1993a:237/239, Nr. 28).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 51

die alten, präfixlosen Verbalformen im Sinne von Partizipien zu verstehen sind,


sind die Aussagen zunächst statischer Natur, fokussieren also nicht Ereignisse
(wie die yaqtul-Ŧorta&n des semitisch-akkadischen Onomastikons), sondern
(eventuell resultative) Zustände. Geburt und Nachkommenschaft scheinen generell
nicht so sehr im Vordergrund zu stehen wie im akkadischen, amurritischen oder
nordwestsemitischen Onomastikon; gegebenenfalls wird (mit den m u d - Na­
men) die Geburt eher in ihrer mythischen Dimension thematisiert und nicht in
ihrer genealogischen, wie dies z. B. in den akkadischen Ersatznamen der Fall ist.
2. Aus historischer Perspektive ist festzustellen, daß sich das sumerische
Onomastikon im Laufe des 3. Jt. trotz der Persistenz elementarer Strukturtypen
(Genitivverbindungen, Satznamen mit prädikativer, präfixloser Verbalform) und
eines relativ kleinen Grundvokabulars strukturell und substantiell signifikant
verändert. Unter den Neuerungen ist die - vermutlich unter akkadischem Einfluß
erfolgte - Ausbildung von Satznamen mit verschiedenartigen finiten (d. h.
präfixhaltigen) Verbalformen hervorzuheben.
52 Manfred Krebemik

Tabelle 1: Genitivverbindungen X +theophores Element

Arch. Ur Fãra Präsarg. Lagaš U rlll


ca. 750 PN ca. 1800 PN ca. 1600 PN ca. 4000 PN
AK- ca. 15 ca. 20 - -

amar- ca. 45 ca. 45 ca. 20 ca. 10


gan- ļpTÏ
TF® ca. 15 -
gerne- - 1-3277 ca. 20 ca. 140
ÌR- - - ----------------
jeweils ca. 10,
IR.i- - - z.T. wechselnd2 9802
8
*2
5
7 1
8
lú- - 228ĭ 3 ¿ś¿
ca. 140
ur- ca. 15 ca. 90 ca. 75 ca. 250

ga n- a ma , - nanna.
275

27ć g a n - a b z u , - A M B A R . G A M +G A M , - É - gal , - É - g i b i l ,
- E Z E N, - d e z i n u, (T I R), - g i r i mx (A . ḤA . M U Š/B U . D U), - d g ú -1 á , -
dl a m m a, - ds ù d (- d a), - u t u .
277 g é r a e - A B . D Ú N , - L A G A B ? / ( =S I K I ) (wohl kein NP); g é m e !!-
m a - m a (Pomponio & Visicato 1994:59: a m - m a - m a ; bei Visicato 1997 nicht
verzeichnet).
278 ìr - a b z u, - k ù - n u n - n a.
279 i rn -1 u g a 1. S. o. Anm. 38.
280 Die beiden Zeichen werden in Kopien und Umschriften nicht immer sorgfältig unter­
schieden. W. Sallaberger macht mich darauf aufmerksam, daß logographisches ì R statt
I R n in Ur HI-Texten wohl immer Kopier- oder Lesefehler ist.
2811ú - d i ğ i r - m a ţj, - u t u .
282 1ú - dA B - i r - n u n, - db a - ú, - e n - n a.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 53

Tabelle 2: Namen mit - m u d und - è im Vergleich

-mud Verblose Kurzformen -è


mit Ablativ
Person Sache Ort Person Sache Ort Person Sache Ort
Archaische Texte aus Ur
a - É.NUN a - ki-gal-ta en - úr
ama - abzu šeš - ki-gal-ta šà-ta283
IB alam kur-ta
dir|)anx nam šà-ta
NI.UD
NUN
Fāra, Teil Abū Şalabiŧ)
a - abzu “sùd - zà-ta nin - zà-ta
en - abzu(-ta) me abzu-ta P&t - é-safoar-ra
munus - abzu me é-šà-ta níğ šà-ta284
P&t - abzu(-ta) me é-zi-ta é
dsu’en - - me ki-gal-ta é-da
AB (-ta) me kù-ta é-saļjar-ta
abzu(-ta) nam šà-ta šà-ta285
ÁŠ é-sabar-
ta
BÙ ki-gal-
la(-ta)
é zà-ta
IB
kar
MI
NÌGIN
úr
Präsargonisch
e-gàr nin me uru-bar- é-še
ta
íd me girimx-ta
NÌGIN me NÌGIN-
ta
úr
jh ivianirea ^re o e rn iK

-mud Verblose Kurzformen -è


mit Ablativ
Person Sache Ort Person Sache Ort Person Sache Ort
UrHI
lú - KISAL- dba-ú - -

ta
nin me èš-ta lú me -

nam-ti èš-ta lú - -

GIŠGAL lugal me -

-ta
ka-ta lugal - -
kù-ga-ta nin me èš-ta
túl-ta283245286 nin - -
apin -
mu-ni -
é-ta

283 š à - 1 a - n u - è.
284 n í ğ - š à - 1 a - n u - è.
285 š à - 1 a - n u - è.
286 Kurzform von t ú l - t a - p à - d a .
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 55

Tabellen 3 und 4: Satznamen

Die Quellen für die einzelnen Namen sind durch die eingangs erläuterten Siglen symboli­
siert; „+“ verweist auf zusätzliche Belege, die jeweils in den Fußnoten spezifiziert sind.
Grundlage der beiden Tabellen sind die archaischen Texte aus Ur. Möglichst voll­
ständig erfaßt sind die in diesem Corpus belegten Personennamen der Struktur X + Prä­
dikat, wobei X =a, a ma , b i lx ( - g a ), d u m u , k u - l i , pa 4 , š e š , Š E Š +I B,
1ú, m e s, m u n u s, e n, l u g a l , ni n, ND (Göttemamen), N L (Toponyme u.
a.). Mehrgliedrige Prädikate mit Verbum sind unter letzterem aufgeführt, also z. B.
K A L A M - d ù g , K A L A M - s i unter d ù g bzw. s i. Unvollständig erhaltene Na­
men sowie Kurzformen, in denen entweder das Subjekt oder das Prädikat gänzlich fehlt,
sind nicht berücksichtigt.
Aufgenommen sind ferner die oben behandelten Namenstypen mit ihren teilweise
aus jüngeren Perioden stammenden Belegen. Darüberhinaus wurden die jüngeren
Textcorpora selektiv zu Vergleichszwecken herangezogen, wobei die Übereinstimmun­
gen zwischen Ur (U), Fära (F) und Lagaš (L) möglichst vollständig erfaßt wurden.
Wegen der eingangs erwähnten Schwierigkeiten des archaischen Schriftsystems
muß die Analyse der Namen oft formalistisch-mechanisch erfolgen, wobei das Erkennen
und Zuordnen von Kurzformen besondere Probleme auťwirft. Es ist daher zu erwarten,
daß sich in dem vorgegebenen Raster auch etliche Irrläufer verfangen haben. Anderer­
seits mag die einen Großteil der frühdynastischen Satznamen erfassende Synopse weitere
Untersuchungen erleichtern.

Tabelle 3: Verwandtschaftstermini (u. ä.) mit Prädikaten

a ama BILx(-ga) dumu ku-li pa4 šeš ŠEŠ+IB


a(-ğuio) F ŗ 287
A.DU.NÁ288 1355 F
á-nu-kúš N1290 F F F F
AGA U291 F292 U
Ḥ ...A K u N I293
U R 4 .D A .A K ü«4
alam295 U u U2%
ALIM F
an-DAR W
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Anzu F ū 555 F F FS
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diğir-ğuio
diri u F3ðrl
akšakk,-DU u äW
tilmunk,-DU i í ľ U ________________ 1 1
56 Manfred Krebemik

a ama BILx(-ga) dumu ku-li pa4 šeš ŠEŠ+IB


dùg
an-dùg N2306
E-dùg U
KA(-ge)-dùg Ü307 Ü
KALAM-dùg F Š +3oS F FE
LAL-dùg U
PA-dùg U FS
šu-dùg ÏF® ........
N I310
Ė-gal ļĵïīT
Ė.NLTN-da U
en-da UF
gal U
GAM+GAM.KU U
G
ğeštin U N I312 U u jy F FE F UE
FOl
alam-gi u
GUD.ALIM” •ļjrni
GUD.AN LI
GUD.UD ’ n i 3iS
ig-gal316 UF
IGI+BUR317 U U ļjĩīl ļjra
o
*Tļ

ir
c

ir-nun321 L
ki-galf-ta)J¿¿ u 323 f F U3i4
KI.SAHAR U
LAGAB Ū 353
LAK527 ĪP
LAM(+RU)327 LI U
LIPIŠ u
LI-gal U
LU u 328 f U329
lú-ADAB u
(lú-)làJ U FO l U TT55 F
Ur III
lurn,331 U
MAŠKIM W 1
me-KISAL-NI u
menx-kalam333 u
mes-utu-pàd-da ĪF 2
(?)
abzu(-ta)-mud U : F
... .NUN-mud u
en-mud F
MÙŠ(-gal) ĪF 3
nun-gal u ? 336 1
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 57

a ama BIL,(-ga) dumu ļ ku-li | pa4 | šeš I ŠEŠ+IB


PA-úri u ļ i ; i ļ ; 1
pàd .......^ ..... ]................ ;................... [ ļ | īF :
an-né-pàd-da
ÑÏÏÑ-pàd.............
pa-È F i i j ;
j : ;F i
si (F)338 ; (U)339 j ļ i i i---------- i------------
A-si 1J9Ï4Ó ţ p ï « .........|................... j.............*...........................|.............1................
AB........................
abzu-si ï ï f ........] ü H3........ r u ^ N i '« n .............i............. i.............[.............i................
AMA-si
an-si
bára-si
BÜR-si.................
É-si
....NUN-si
eden-si
...N+É-si
EZEN-si................
GÁ-si

ğanun-si
ğiš-gi-si Ñ ïi?v....
KALAM-si ï ; ..........
kisÄ i'-si...............
me-si
me-NUN-si
SA6-BUR-sì..........
SA6-si s \ m .....
ŠEN'-sï.................
tílla-si ï ™ .......
ŤÏŔ-sí...................
ùr-si
uru-si i ; ...........
asùd F F
sùd-zi-da pj6l
nu-ŠÈ363 F F
lú-nu-ŠÈ i 1 i I ; I Ü3<M i
šeš F
É-ti365 U i ! i
i i j 1 1 ! ! Ü366
UL4-gal367 U N I368 U U370 N I371 F
F N2369
58 Manfred Krebemik

a ama BILx(-ga) dumu ku-li pa< šeš ŠEŠ+IB


ur-sağ u F
ùri u
ušumgal u UNI

287 Pomponio (1987:12): a - p a*.


288 Vgl. S. 46—47, (48). Inbegriffen sind auch die kürzeren Graphien D U . N Á und
A.NÁ.
289 a m a - A . N Á.
290 SF 28 VÜ5//29 iv 12.
291 U Nr. 30: a - m e r.
292 Pomponio (1987:8): a - m e r.
293 SF 29 iii 6.
294 U Nr. 141 und 142: a m a - u r 4- d a - m e - a g ; „M E“ ist nach Kopie (UET 2, 291 i
2') wohl nur Kratzer.
295 Wohl Kurznamen mit a 1a m als Objekt eines elliptischen Verbs, vgl. Anm. 230.
296 U Nr. 74: a 1a m - S.377 - b i 1. Vgl. Anm. 39.
297 U Nr. 86: a m a - d a r - a n.
298 U Nr. 89: a m a - d i n g i r - k a 1a m - [ ].
299 U Nr. 115: a m a - i m - g [ í g -...].
300 U Nr. 87: a m a - d i 1i.
301 Pomponio (1987:) 39: A N - a - ğ U|0. Reihenfolge der Elemente unsicher; in jüngeren
Texten mit fester Zeichenfolge findet sich sowohl a - d i ğ i r - ğ Uio (Struve 1984:12f.)
als auch die umgekehrte Folge d i ğ i r - a - ğ u i 0 (Struve 1984:22f.: AN- a - ğ Ui o ) .
Letztere ist bei d i ğ i r - a m a - ğ uļ0 und d i ğ i r - š e š - ğ u]0 die Regel.
302 Oder a - A M A - s i, vgl. a m a - A M A - s i .
303 Pomponio (1987:27): a m a - a - s i .
304 U Nr. 119: a m a - k i - S.248 - è.
305 U Nr. 129: a m a - „N I +T U K “-K I - 1ú m.
306 Z. 141 und 195 (Archi 1981:185f.).
307 U Nr. 116: a m a - i n i m - d ù g.
308 Sollberger (1960:81, Nr. 12): präsargonischer König von Ur.
309 U Nr. 674: š u - š e š - i b - d ù g .
310 SF 28 viii 11 //29 v 13.
311 Kurzname mit Ellipse eines Verbs.
312 SF 29 viii 10//44 ii 7.
313 U Nr. 317: ğ e š t i n - 1 u r.
3,4 U Nr. 109: a m a - g u d - l u l - l i m .
315 SF 29 viii 13//44 ii 3.
316 Vgl. Anm. 24.
317 Wohl Dimensionalobjekt eines elliptischen Verbums.
318 U Nr. 363f.: I G I +B U R - S.377 - b í I (- g a).
319 Auch U Nr. 503: m e - d a r - š e š - i b - I G I +B U R ; m e - D A R ist wohl
ebenfalls PN.
320U Nr. 375: a - i r.
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 59

321 Vgl. Anm. 62.


322 Dimensionalobjekt eines elliptischen Verbums.
323 U Nr. 388: k i - a - g a 1- 1 a.
324 U Nr. 389: k i - a - š e š - g a l - t a . Die Kopie (UET 2, 84 ii 3) zeigt jedoch kein A.
325 U Nr. 31b: a - n i g í n. Analyse unsicher.
326 U Nr. 54: a - S.413.
327 Zur mutmaßlichen Bedeutung s. Anm. 60.
328 U Nr. 696: U D U - a.
329 U Nr. 140: a m a - U D U.
330UNr . 416: l à l - S . 377 - b i l .
331 Zur Lesung des Zeichens Z U +Z U +S A R s. Pomponio (1984:10-18), der dort
auch die Namen a -1 u mx, 1u mx - m a und 1u mx - m a - m e s - z i der archaischen
Texte aus Ur behandelt. Ob ersterer a „Vater“ enthält, ist allerdings unsicher.
332 U Nr. 603: p a r i m - a m a .
333 me n , = G Á ? E N. Wohl zu einem elliptischen Verb (d ù g, s i ?) gehörige
Objekte.
334 U Nr. 713: u m - U D - S.377 - b ì l (S.103b) - p à d - d a. Analyse unsicher.
335 U Nr. 131: a m a - n i n n i . U Nr. 578: n i n n i - a m a - g a l . Wohl nicht i n a n a -
a m a ( - g a 1) zu lesen, da das Theonym in Ur sonst mit Gottesdeterminativ geschrieben
wird.
336 U Nr. 132: a m a - n u [n] - g a 1. Nur ein Beleg, N U N unsicher.
337 Präsargonischer König von Ur.
338 S. Anm. 151.
339 S. Anm. 152.
340 Oder a - d i r i (so U Nr. 5) oder a - A M A - s i .
341 Oder a m a - d i r i oder a - A M A - s i .
342 Pomponio (1987:28): a m a - rè š?1 - s i.
343 Auch a m a - S A j - a b z u - s i .
344 U Nr. 57: a b z u - B [I L] - s i.
345 SF 28 iv 8 // 29 iii 4; SF 28 iv 5 // 29 ii 20: p a - b i lx - g a - a b z u - s i.
346 S. o. Anm. 151.
347 Oder A N - d i r i; U Nr. 229: d i n g i r - d i r i .
348 U Nr. 135: a m a - s i - a n.
349 U Nr.99: a m a - e d i n. Nach Kopie (UET 2, 248 iv 4’) vielleicht a m a - e d e n -
[si],
350 Pomponio (1987:194): n i ğ i n x (LA K 358) - d i r i (oder a - n i ğ i n x - s i ? ) .
351 Pomponio (1987:105): e z e n - d i r i .
352 U Nr. 304: g á - d i r i.
353 SF 29 x 6.
354 DP 137 (=Edzard 1968, Nr. 105) iv 7.
355 SF 29 vi 6.
356 Oder m e - A M A - s i .
357 SF 28 v 6'//29 iii 15.
358 UNr. 133: a m a - p í s a n - s i .
359 U Nr. 558: n a p - d i r i.
60 Manfred Krebemik

360 U Nr. 130: a m a - n i d a b a - s i .


361 U Nr. 125: a m a - l í ľ (S.366) - s i.
362 Pomponio (1987:208): pa 4 - đs ù d - d a - z i .
363 Zeichenfolge und Interpretation der mit - Š È gebildeten Namen unsicher.
364 U Nr.449: l ú - š e š - n u - š ù .
365 Zeichenfolge und Analyse der mit t i gebildeten Namen unsicher.
366 U Nr. 666: Š E Š +I B . ğ i š - K A L A M - t i . Das zusätzliche Zeichen GIŠ ist mir
unklar.
367 In U ist U L 4 jeweils g í r transkribiert. Zur Bedeutung s. Anm. 26.
368 SF 29 vi 2.
369 Z. 39 und 199 (Archi 1981:182 bzw. 186).
370 U Nr. 325: g í r - g a 1- S.377 - b í 1.
371 SF 29 vii 2.
372 Vgl. oben Text (4).
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 61

Tabelle 4: Weitere Personenbezeichnungen, Theonyme und (Kult-)Toponyme mit


Prädikaten

lú mes munus en lugal nin ND NL


a-DU.NÁ373 F F F
a(-ğuio) N1374 F375
A.x-sikil TF
ú-nu-kúš u 377 f F
ŗJ78
AGA
alam-AK ū 575
y....AK i NI i U381 i j iU ļ U382 i
alam383 u (U F)384
F Ol ţj385 p386
ama-gU|o
O l387
F U388 F F p389 j^390 F i®
Anzu
L
BAR.TAB U
ì iu UF ţj394 : ţj395 ŗ396
dirǐ393
an-diri F i : i
dùg ! :F N2Wí j | ÍT P
AMA-dùg .............] ] U5*
• . x 4ÖÔ
apm-dug ° ; !
bára(-ge)- UF i j i ;F
dùg
bára-ga-né- E | j i
dùg
....NUN- i i ;U
dùg
ğišgal-dùg ............ | .............. f ü 481...........|..............
KA-ge-dùg L ļ
KALAM- i Ã405 i Ñ ï4® F i F j N2JŎ4 !
dùg
kaskal-dùg N24ös : ;
ki-dùg(-ga) i ! ; NÏ4ôé ............|................ i....................ju 'eï¿w '
ki-DÚR-dùg F |F i ļ
me-dùg(- i F Ol
\408
ga)
MU-dùg(- i F Ur III
„ v409
ga)
NA-dùg(-ga) F j
níğ-i’abara3/4- f ’a e ....ļ"
dùg O !
PA-dùg :F
mm
..... !"
SAG-dùg
URUxA-NÏ-
dùg______
úr-è U
gal
62 Manfred Krebemik

lú mes munus en lugal nin ND NL


ğeštin u s413 u 4,4f F L
g> iU ; ;
«5
,b

nu-GISGAL TF3
GÚ.MU U
ig-gal416 F' L L F
IGI+BUR417 u jjm ---------
ir-nun417 F F 133S j^4äl 1
KA.NI422 U
KU/DÚR u u«ä
làl UF U U454 Ol Ē 455------
LAM426 u
U «7
LIPIŠ-nu
LU F u 428
LÜ.LU......... F.......... ü ......... í................|.................... UNÏ**“
me-LU .............
üm .......
lum„-ma-zi ļ ? 11
menx U
mud ŗ4 « +433
abzu(-ta)- ;F ļF ; j i .....j...............
mud
an-né-mud
E.NUN-mud
NÌG.X irr3
______ L _ J _________
pàd(-da) FL ļ IT ” i ļ ju
+«6 i N i438 f ! ! í : i
an-né-pàd- ..............
da
á-MUG.GU- ...................1
pàd
MA/SI-pàd |F 1 j ; j
mg-pàd :F i i f : !
šà(-ge)-pàd(- if j ; ;
da)
ÜDľBÏĽx'-pà- ............ļ üw ...... j .................j
da
pa-è F F pW—
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di443 N I445
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A-si44“ ļ ] ļ !F
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an(-né)-si ļ ] ] fÜrffl....ľ Öï.......... 1....................j...............
bára(-ge)-si F A E F E....... Í f ...............ļ F............ ļ'Ü N l«U '
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BÜR-si......... ........... 1..............í..................ļu N Ï® 8"]..............!'
. Ë Í I ľ ľ ľ J ũ .........ĩ ..............|..................í............... [ f ...........f
Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 63

ìú ļ mes ļ munus J en ND NL
Ė-GABA-si :U
é-gal- ; L Ol
le/e/NI-si ; Urin
ľľÑÜNlíľ' ! UNI '*sr;

1 1
] !F
eden(-né)-si F O....... ? "
EN+E-si.....
éš-dam-NI- i Ol
si
EZEN-si.... ;;;;;.....]........... u ? «
GA-si ..... ]............|Ü.....
KALAM-si
kar-si ļ ........... ÍE.....
kïŠAL(-e)- ......... Î l Ur IH Î a ..... : A
si
kul-ab4-si lu
kur-si !A
me-KISAL-
si
me- ü 453....
[?].NAM-si
me-si ļU
sila-si Ţa"
tùr-e-si i Urin
uru-si Tu"
zà-ge-si Ur III ”Î’a "
X-si............
si-sá U455
nu-SE456 ;F
é-kur-nu-ŠÈ ĩ.............. 1................. j.............. ŗ............. j ............... ļ ................... !'f « t........
kalam-nu- i
ŠÈ |...........
kur-nu-ŠÈ ................. ţŗ« « ....... ļ1............. ļ............... j................... i...............
iú-nu-ŠE ’ ÏÏ4SÒ......] F.............. .............. ľ............. ;............... !................... ļ...............
šeš-ğu10 ŗ4fcj

É-ti462 U443
kalam-ti ........ !...................

NUN-ti (?) "ÏP ...... ........... .................... ...............


TÜN.UNU u
UL4-gal467 U UN1468 F U
N2469
„UNKEN“.( F p4/l F 472

A)470
ŗ 475
ur-sağ F u ţj4/:í F474
ùri UF
um ļ UL
ušumgal™ Ē ? 77- p478£479
64 Manfred Krebemik

lú mes munus en lugal nin ND NL


zi(-da) U4S0F 1F1
L
zi-DÙ U
ki-nu-zu U F

373 Vgl. S. 46-47, (48). Inbegriffen sind auch die kürzeren Graphien D U . N Á und
A.NÁ.
374 SF 29 iii 5: u t u - a.

375 Pomponio (1987:39): A N - a - ğ ui0.

376 U Nr. 27: a -1 u g a 1- s i k i 1- ?

377 U Nr. 628: s a l - n u - k ú š - d a .

378 Pomponio (1987:102): e n - n i ğ i r.

379 U Nr. 619: s a l - a l a m - a g .

380 SF 28 vi 3//29 iii 18.

381 U Nr. 624: s a I - fce - a g.

382 u t u - Ḥ ... . A K (U Nr. 689: U D - ļļ e - a g).

383 Wohl Kurznamen mit a I a m als Objekt eines elliptischen Verbs, vgl. Anm. 230.

384 Entsprechende Kombinationen sind wohl prädikativ (mit Ellipse von Subjekt und

Verb): a l a m - a b z u (U, F; Pomponio 1987:17: a b z u - a I a m), a l a m - é - M I


(F; Pomponio 1987: 17: é - a 1a m - ĝ i6), a l a m - k u r - t a (U).
385 d i ğ i r - a m a - ğ Uio (U Nr. 90: a m a - d i n g i r - m u).

386 Pomponio (1987:39): A N - a m a - ğ uio.

387 d e z i n u - , dn i n - 1 í 1 - a m a - ğ Ui0.

388 U Nr. 463:1 u g a 1 - (d) i m - g í g.

389 dn i n - i r i g a 1- , dG I B I Lé - , ds ù d - A n z u.

390 du t u - A n z u.

391 a b z u - , é - (ds ù d) - A n z u.

392 é - A n z u.

393 Statt d i r i kann jeweils auch A - s i gelesen werden.

394 a n - d i r i (U Nr. 229: d i n g i r - d i r i ) , di n a n a - d i r i (U Nr. 247:


(d.) n i n n i - l a m - k a - i m í n - d i r i ) , n a n n a - d i r i , u t u - d i r i (U Nr. 6 8 8 :
U D - d i r i).
395 G Á - d i r i; oder a - G Á - s i zu lesen?

396 é - k u r - d i r i .

397 Z. 109 (Archi 1981:184); zu Z. 176 s. (21) mit Anm. 191.

398 In Ur sind belegt: é - , é - s a ğ - , ğ i š - g i - , ğ i š g a l - , m e - d ù g (oder a -


m e - s i oder m e - A - s i). Für weitere Kombinationen (z. T. Kurzformen) s. o. Text
(30).
399 U Nr. 100: a m a - e n - d ù g.

400 Zur Lesung s. Anm. 201.

401 U Nr. 311: g à 1- d ù g - s a 1.

402 Präsargonischer König von Ur.

403 SF 29 vii 8 .

404 Z. 149 (Archi 1981:185).


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 65

405 Z. 176 (Archi 1981:186) und Archi (1984:171). Zur Lesung s. Anm. 191.
406 SF 28 ii 12//29 ii 3.
407 Für die einzelnen Toponyme s. o. (19).

408 m e ist vielleicht Suffixpronomen.

409 M U ist vielleicht Suffixpronomen.

410 Vielleicht in l u g a l - K A - d ù g z u emendieren, vgl. Anm. 198.

411 U Nr. 287: e n - d ù g - t ú m ; nach Kopie (UET 2, 103 ii 1): e n - ú r - è! ( ḤI +D U).

412 n a n n a - g a 1.

413 Zu 1ú - ğ e š t i n als möglicher Berufsbezeichnung s. Anm. 77.

4,4 U Nr. 622: s a l - ğ e š t i n .

415 U Nr. 312: g à l - N U - s a l . Zeichenfolge unsicher, eventuell m u n u s - ğ i š g a l -

n u (mit Ellipse eines Verbs). Oder mit l u g a l - n u - š i l i g (NI: SF 29 x 10) zu


vergleichen?
416 Vgl. Anm. 24.

417 Wohl Dimensionalobjekt eines elliptischen Verbs.

418 u t u - 1 G I . B U R (U Nr. 362:1 G I +B U R - U D).

419 Vgl. S. 13 mit Anm. 39.

420 a b z u díd - i r - n u n.
42 l b á r a - , ğ i š g a l - i r - n u n .

422 U Nr. 475: l u g a l - k a - z a l . Lesung g i r iļ 7 - z a 1 unsicher, da dies Fāra-zeitlich

S I x T A G 4 - z a 1 geschrieben wird.
423 U Nr. 527: s a 1- K U.

424 UET 2, 224 ii 2; im Index emendiert zu 1ú -1 à 1 (U Nr. 438).

425 e n g u r - 1 à 1.

426 Zur mutmaßlichen Bedeutung s. Anm. 60.

427 U Nr. 535: m e s - ? - S.142b - N U.

428 U Nr. 534: m e s - U D U.

429 U Nr. 269; SF 28 viii 4 // 29 v 6 : é - L U . L U.

430 U Nr.270: é - m e - u d u (or - m e -1 u).

431 U Nr. 528: m e s - m a - S.137-z i. Pomponio (1984:16), auf den die Lesung des

Zeichens Z U +Z U +S A R = l u m, zurückgeht, interpretiert den Namen als


l u m x - m a - m e s - z i . Der obige Vorschlag beruht auf Parallelisierung mit p a4 -
ds ù d - d a - z i (F).
432 ds u ' e n - m u d (Pomponio 1987: 279: dz u ' e n - m u d ) . Wohl Kurzform, vgl. Anm.

255.
433 a n - m u d (ELT Nr. 13 Rs. iii 1). Vgl. vorige Anm.

e-an-ne-mud.
435 U Nr. 489:1 u g a 1- U Z . G A R. Das fragliche Zeichen ähnelt LAK175 =S.279.

436 Behrens & Steible (1983:399).

437 Wohl auch U Nr. 711, 712: u m - p à d (- d a).

438 SF 29 viii 1: u m - p à d.

439 Präsargonischer König von Ur; Behrens & Steible (1983:402).

440 Behrens & Steible (1983:399); vielleicht l u g a l - M U G . G U - p à - d a ! zu lesen.

441 U Nr. 713: u m - U D - S.377- b ì 1(S.103b) - p à d - d a.


66 Manfred Krebemik

42 é-, é - k u r é - z i - p a - è; wohl alles Kurzformen mit Ellipse eines (persönlichen)


Subjeks.
443 Möglicherweise ist der über einen langen Zeitraum gebräuchliche Name bára-
s a g 7 - n u - d i (und Var.) eine Kurzform von ,,[X ist jemand, dessen/deren] Postament
unerschütterlich ist“. Analoges gilt für m e - s à g - n u - d i (L): ,,[X ist jemand,
dessen/deren] Me unerschütterlich sind“.
444 b á r a - s a g7 - n u - d i (U Nr. 210: b á r a - N U - D I - g a n).

445 SF 29 x 14: b á r a - Sis a g7 - n u - d i.

446 Pomponio (1987:399): b á r a - (si)s a g a nx (G A N) - n u - d i.

447 Behrens & Steible (1983:399): b á r a - Sas a g7 - n u - d i.

448 Oder 1u g a 1- d i r i.

449 SF 28 iii 4 // 29 ii 7.

450 SF 28 v 5'//29 iii 14.

451 SF 28 iii 3 // 29 ii 6 .

452 U Nr. 492: l u g a l - S.300 - s i.

453 U Nr. 454: 1ú?(S.237) - n a m - m e (?) - s i.

454 U Nr. 536: m e s - S.212a - s i.

455 b a 1a ğ- s i - s á. Wohl Kurzname mit Ellipse des Subjekts.

456 Zeichenfolge und Interpretation der mit - Š È gebildeten Namen unsicher.

457 Pomponio (1987:88): é - n u - k u r - š è . Vgl. é (- k u r) - n u - s i (F)?

458 Pomponio (1987:102): e n - n u - k a l a m - š è.

459 Pomponio (1987:102): e n - n u - k u r - š è. Vgl. e n - k u r - n u (F).


460 U Nr. 443: l ú - m e s - n u - š ù .

4 6 1 d i ğ i r - š e š - ğ u)0. Pomponio (1987:48): A N - š eš - ğuļ0.

462 Zeichenfolge und Analyse der mit t i gebildeten Namen unsicher.

463 U Nr. 492: s a 1- é - 1 i.

464 Pomponio (1987:200): n i n - t i - k a l a m .

465 U Nr. 530: m e s - t i - g a r .

466 U Nr. 531: m e s - t i - n u n - s i g - g a . Der einzige Beleg ist die Siegelabrollung

UET 2, 324. Möglicherweise gehören die Zeichen S I G und G Á R A (!?) nicht zum
Namen (falls es sich überhaupt um einen solchen handelt).
467 In U ist U L 4 jeweils g í r transkribiert. Zur Bedeutung s. S. 10 mit Anm. 26.

468 SF 29 vi 1.

469 Z. 8 (mit Var. n i r - ğ á I), vgl. Anm. 90.

470 Vgl. o. Text (5) mit Anm. 87.

471 d u m u - z i - , de n - l í l - , di n a n a - , di š t a r a n - , ds ù d - , utu-
„U N K E N“ (. A).
472 é - k u r ( - r a ) - „UNKEN“.A.

473 n a n n a - u r - s a ğ. U Nr. 38 und 39: a - u r - s a g - n a n n a , doch ist ,A “ nach

Kopie (UET 2,143 ii 7) wohl nur ein Kratzer in S A G .


474 d
n a n n a - u r - s a g -.
475 d(,)b u r a n u n x ( K I B . N U N ) - u r - s a ğ (Pomponio 1987:137: dK I B . N U N

(. A) - u r - s a ğ).
476 Vgl. oben Text (4).

477 Kienast & Sommerfeld (1994:47).


Zur Geschichte des sumerischen Onomastikons 67

478a b z u - , é-, z à - u š u m g a l .
479 e n g u r - UŠU M.
480 U Nr. 714: u m - z i.
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Zur Morphologie und Semantik der hethitischen Personen- und
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von Johann Tischler —Dresden

Das in den hethitischen Quellen überlieferte onomastische Material ist sehr reich­
haltig; über 6000 Namen sind in den bisher edierten Texten belegt, und durch je ­
den neu herausgegebenen Editionsband hat sich dieses Material vermehrt. Quan­
titativ betrachtet überwiegen dabei die Personennamen (etwa 2500 Namen, davon
etwa 15% weiblich), es folgen die Toponyme (etwa 2400, davon etwa 10% Ge­
wässernamen und weitere 10% Bergnamen), und den dritten Platz nehmen stati­
stisch gesehen die Göttemamen (etwa 1100) ein.
Dieses reichhaltige Material ist nur teilweise aufgearbeitet: Am besten ist
die Situation im Falle der PN, die Laroche 1966 nicht nur gesammelt, sondern
auch sprachlich analysiert hat, wozu im folgenden einige zusätzliche Bemerkun­
gen gemacht werden sollen; als inzwischen auch bereits überholte Supplemente
dazu sind Laroche 1981 (bloße Auflistung neuer Namen) sowie Tischler 1982a
(mit sprachlicher Analyse der neugefundenen Namen) anzusehen.
Auch für die hethitischen Göttemamen hat Laroche bereits 1946/47 eine
erste Sammlung und sprachwissenschaftliche Gliederung vorgelegt, in der etwa
550 Namen behandelt sind. Angesichts des in der Zwischenzeit auf mehr als das
Doppelte angewachsenen Materials muß eine erneute Behandlung als Desiderat
bezeichnet werden. Die Grundlagen dazu hat Gessel 1997 durch seine voluminöse
vollständige Matererialsammlung (mit weit mehr als 25000 Belegstellen) gelegt.
Nur formal besser ist die Situation bei den Toponymen. Hier liegt mit Del
Monte-Tischler 1978 zwar eine vollständige Sammlung vor, die durch Comil
1990 bzw. (besser) Del Monte 1992 aktualisiert worden ist, eine sprachliche
Analyse des umfangreichen Materials fehlt indes; bisher liegen lediglich Behand­
lungen ausgewählter Bildungen durch Laroche 1957 und 1961 sowie von Neu­
mann 1988a/b vor. A u f die Toponyme soll hier nicht weiter eingegangen werden,
da ihre Analyse spezielle Substratprobleme aufwirft.
76 Johann Tischler

Hcthitischc Personennamen

Ein großer Teil der im hethitischen Schrifttum belegten Personennamen ist aus
dem bekannten hethitisch-luwischen Wortschatz erklärbar. Dabei sind Benen­
nungsmotive und Bildungsprinzipien durchaus mit denen in anderen indogermani­
schen Sprachen vergleichbar. Es können also Adjektive oder Substantive entweder
äußerlich unverändert als Namen verwendet werden (Ura „Groß“, Mašḫuiluwa
„Maus“), oder aber sie können durch Suffixe bzw. vermittels Komposition zu
Eigennamen umgebildet werden. Ihre Flexion entspricht der der zugrundeliegen­
den Nomina, wobei allerdings häufig - ausgehend von akkadischen syntaktischen
Konstruktionen - auf die Anfügung der Kasusendungen verzichtet wird und die
bloße Stammform erscheint, vgl. U M M A ^ T I T ^ mŠuppilulium a L U G A L K U R
m u Hatti „folgendermaßen (spricht) die Majestät Suppiluliuma, der König des
Landes Ḥatti“.
Die meisten der dabei beobachtbaren Wortbildungselemente sind auch aus
dem appellativischen Bereich bekannt, speziell „onomastische“ Suffixe sind nicht
auszumachen. Auch das vieldiskutierte und traditionell als ,,-umna-ʿ angesetzte
Herkunftssuffix vom Typus Hattušum(n)a „aus Hattusa stammend“, das sich häu­
fig in PN findet, ist ein „normales“ Wortbildungselement, wenngleich das zu po­
stulierende adjektivische Zwischenglied häufig nicht erhalten ist.1 Es erscheint
ablautend in den Formen -uman/urnen/urnn- (was allein schon seine indogermani­
sche Herkunft aus *-(u)won-/-(u)wcn- erweist) und ist mit anderer Ablautsvertei­
lung auch im appellativischen Bereich nachweisbar (Oettinger 1982).
Für die Morphologie der hethitischen Personenamen ist die Nominalkom­
position von Bedeutung. Hier ist sie wichtiger als im appellativischen Bereich, wo
die Zahl der gesicherten Nominalkomposita begrenzt ist.1
2 Dies ist aber nur ein
scheinbarer Gegensatz, weil auch im onomastischen Bereich nur eine beschränkte
Anzahl von Lexemen als Kompositionsteilglieder produktiv geworden ist: Das
wohl wichtigste Element ist muwa- „Kraft, Stärke“,3 weswegen Landsberger 1954
sogar eine „muua-Sprache“ als Quelle postulierte. Für die keilschriftliche Epoche
sind zunächst eingliedrige Namen wie Muwa sowie erweitertes M uwala anzufüh-

1 Die Wortbildungskette ist üblicherweise ON —>Herkunftsadjektivuni —» Eigenname,


wobei Teilglieder fehlen können wie im Falle des bekannten Königsnamens
Šuppiluliurna, wo die mittlere Stufe (Adjektiv *suppiluliumna-) unbelegt ist.
2 Haupttypen sind Karmadhăraya-, Tatpuruşa- und ßa/iuvn/ií-Komposita, s. Tischler
1982b.
3 Oder eine andere, Ehrfurcht einflößende Eigenschaft, im appellativischen Bereich nur
selten belegt; etymologisch möglicherweise zu gr. pueÀóç „Markjugendliche Kraft“ aus
*ļiuf-eko-.
Zur Morphologie und Semantik der hethitischen Personen- und Göttemamen 77

ren. Bei den zusammengesetzten Namen können verschiedene semantische Grup­


pen unterschieden werden: Häufig sind Kombinationen mit geographischen Na­
men, vgl. H alpa-m uwa, Harrana-muwa, Hattuša-muwa, Gašga-muwa,
Maša-muwa oder Mittanna-muwa. Sodann finden sich Verbindungen mit Götter­
namen, vgl. Arma-muwa, Hcpat-muwa, Iyara-muwa, Šanta-muwa, Šauška-muwa
oder Tiwat-muwa; diese theophoren Bildungen sind als Satznamen aufzufassen:
„Gott X (ist) die Lebenskraft (des Namensträgers)“ (Neumann 1978, 1979).
Schließlich sind auch Verbindungen mit Appellativa belegt, vgl. Irḫa-m uwa (irḫa-
„Grenze“) oder Parna-m uwa (parna- Stammform der obliquen Kasus von p ir-
„Haus“ oder assimilierte Form von parsna- „Panther“). Von besonderer Bedeu­
tung wäre der Name Pariya-muwa, in dem häufig - aber wohl zu Unrecht - die
einheimische Vorform von Iīp ía p o ç , des Königs von Troja gesehen wird.4
Innerhalb der Gruppe dieser rnnwa-Namen sind Frauennamen wie
fHepamuwa, fMizramuwa, fMuwananni und (häufig) fMuwatti von Bedeutung,
weil sie dagegen sprechen, daß - wie gelegentlich angenommen - die Grundbe­
deutung von muwa- „Sperma“ war.5 Im hieroglyphisch-luwischen Bereich werden
sie häufig verkürzt mit dem Zeichen L 107 (das akrophonisch den Lautwert /mu/
besitzt) geschrieben, z. B. LUNA-107 (entsprechend keilschriftlichem
Arma-muwa), Mi-zi+ rali-107 (zum Landesnamen M izri .Ägypten“) oder
SOL-wa-íà-107 = Tiwata-muwa. - Chronologisch ist bemerkenswert, daß dieses
Element bereits in den kappadokischen Urkunden vereinzelt (Puna-muwa-ti,
fMuwananni) auftritt, in der Großreichszeit immer häufiger wird und auch in der
späteren alphabetschriftlichen Überlieferung eines der wichtigsten Wortbil­
dungselemente darstellt.
Für die besondere Produktivität dieses Typus ist im übrigen eine Beob­
achtung wichtig, welche die Namen mit dem Kompositionshinterglied para-

4 So Ševoroškin 1967:233; Meriggi 1980:374 (üpíapoi; Bildung wie deutsch Fürst);


Watkins 1986:54, 56 (mit unbeweisbaren Folgerungen bezüglich der Ethnizität Trojas);
Neu 1995:1 (Ilpíapoç aus keilschriftlich belegtem Pariya-muwa Noms Nr. 939 „(mit)
überragender Stärke (versehen)“ sowie üapu;, - iô o ç aus Pari-ziti Noms Nr. 942
„überaus mannhaft“). - Gegen diese Theorie hat indes bereits Neumann (1993:294;
1999:16) eingewendet, daß das in Ilpíapoç angeblich enthaltene Element muwa-
„Stärke“ ganz überwiegend im Süden Kleinasiens bezeugt ist; daß es nirgendwo Paralle­
len für die angebliche Kürzung von -muwa —>-mo gibt; daß die meisten der übrigen
kleinasiatischen Personennamen auf -amo- wie Tuptapoç, Ataapoç, Ipßpapoç,
Aaoapoç, IlepÀaļioç, niypapoç, QÀapoç u. a. ursprüngliche Einwohnerbezeichnun­
gen sind und daß schließlich Iīpíapo«; eher mit dem Personennamen npietoç zusam­
menhängt, der phrygisch ist und etwa „geliebt“ bedeuten wird.
5 Güterbock 1950:208-238 („Sperma, Same, Nachkommenschaft, Abkömmling“);
Laroche 1964:23; 1966:322-324 („Sperma, Lebenssaft“).
78 Johann Tischler

„Atem“ betrifft: Auch diese Namen enthalten einen G N als Vorderglied, vgl. den
PN Tiwata-para (mTi-ua-ta-pa-ra K B o V 7 Rs. 28) „der den Atem des Sonnen­
gottes in sich hat“, in alphabetschriftlicher Überlieferung S a v ò a ira p iç aus Kili-
kien.6 Diese Namen entsprechen zwar formal den zahlreichen PN mit muwa-, die
ebenfalls einen G N als Vorderglied enthalten. Im Falle der Namen mit para-
„Atem“ wird man aber an semitischen Einfluß denken, weil dort dieser Na­
menstypus geläufig ist. So finden sich hier beispielsweise Namen mit akkadisch
šāru „Wind; Atem, Hauch“, seltener zīqu „Wehen, Hauch“ und einem G N als
Teilglieder. Diese stellen Kurzformen von Satznamen wie Ţãb-šãr-G N „gut ist
der Atem des Gottes N “ bzw. Ina-šār-G H -allakl-ablut „im Schatten des Gottes N
wandle ich/bin ich lebendig geworden“ dar (Hinweis M. P. Streck).

A u f die hethitische Epoche beschränkt sind die zahlreichen PN mit dem Hinter­
glied -ziti „Mann“ ,7 vgl. H alpa-ziti (ON H alpa „Aleppo“), Arma-ziti (Arma
„Mondgott“) oder Immara-ziti (luwisch irnmara- „Feld“). - Im appellativischen
Bereich unbelegt sind die Hinterglieder -piya- und -wiya-: Die auf allen Überlie­
ferungsebenen häufigen Namen mit -piya- entsprechen funktional dem griechi­
schen Typus Ǿeóôoopoç, das Hinterglied -piya- gehört also etymologisch zum
Verbum pai-ļpiya- „geben“ , wobei die morphologischen Verhältnisse allerdings
undurchsichtig sind. Die Vorderglieder sind häufig GN, vgl. Arma-piya (Arma
„Mondgott“, entspricht demnach griechisch Miļvó-ÔOTOÇ oder Mtļvó-Ôoűpoç),
Šanda-piya oder Tarḫunta-piya. Mit dem Hinterglied -wiya- dagegen werden
(Tischler 1981) feminine PN gebildet, wiederum entweder zu geographischen
Grundwörtern (Gaššuliya-wiya von *Gaššuliya „Gebiet der Stadt Gaššula “), von
GN (Tiwata-wiya) oder Appellativa (Paršana-wìya von paršana- „Panther“). Da
derartige Namen oft maskuline Gegenstücke mit dem Hinterglied -ziti oder -muwa
neben sich haben, ist man versucht, in -wiya- ein ursprüngliches Lexem mit der
Bedeutung „Frau“ zu sehen, das allerdings als solches nirgends belegt ist. - Etwas
anders steht es um das gleichfalls feminine PN bildende Element -šara-, das be­
reits in den kappadokischen Texten belegt ist (fH ašušar, fNiwaḫšušar) und später
in einigen femininen G N (DŠaḫḫaššara, °K urḫazuššara sowie (D)Darnnaššara-,
Götterstatue in Tiergestalt, Art Sphinx?) zu finden ist. Dieses -šara- „Frau“ ist im
appellativischen Bereich immerhin verbaut belegt (vgl. išḫašara- „Herrin“,

6 Zum GN Eáv¿kov, vgl. Zgusta 1964 § 1370-12.


7 Als Appellativum ist -ziti nur im Luwischen belegt (Melchert 1993:284), dazu das No­
minalabstraktum zidahit- „Männlichkeit“; außerdem vgl. noch lykisch sidi „Ehemann“.
Zur Morphologie und Semantik der hethitischen Personen- und Göttemamen 79

ḫaššušara- „Königin“ sowie luwisch nanašriya- „Schwester“ und ašrulaḫit-


Weiblichkeit“8).

H cthitischc Göttcrnamcn

Vor allem die Zahl der in hethitischen Texten belegten G N hat sich durch Neu­
funde stetig erhöht und beträgt nun mehr als 1100; es ist also wörtlich zu nehmen,
wenn in hethitischen Texten von den „tausend Göttern des Landes Ḥatti“9 die
Rede ist. Ihrer Herkunft nach ist diese onomastische Gruppe besonders hetero­
gen,101was sich durch die Bereitschaft erklärt, mit der die Hethiter fremde religiöse
Vorstellungen und Gebräuche aufhahmen, wovon ja auch die zahlreichen rituellen
Vorschriften mit den eingestreuten fremdsprachigen Gebetsformeln beredtes
Zeugnis ablegen. Es finden sich hier sowohl Namen, die von der einheimischen
Vorbevölkerung übernommen worden waren (protohattisches Substrat), sodann
viele hurritische Namen (deren Zahl im Laufe der Zeit zunimmt), sowie syrische
und schließlich auch sumerisch-akkadische Gottheiten. Bei den zuletzt genannten
mesopotamischen Gottheiten ist allerdings stets zu bedenken, daß die entspre­
chenden Ideogramme bzw. Akkadogramme sicherlich meist nur graphischer Aus­
druck für die funktionell entsprechenden einheimischen Namen sind, vgl. DIM
(HZL 33711) oder DU bzw. DX (Zahlzeichen „10“, H Z L 261) „Wettergott“ , zu le­
sen als Tarḫunľ,12 °IŠTA R (H ZL 263) „Ištar“, zu lesen als Šauška; ^ T U
„Sonnengott“ , in althethitisehen Texten zu lesen als Šiuš, später als Ištanu;
DA M A R .U TU =Marduk, zu lesen als Šanta; DEN .ZU =DZ U EN bzw. akkadogra-
phisch dŠÎN „Mondgott“ (H Z L 40), auf Grund astrologischer Vorstellungen auch

8 ln wirklich freier Verwendung findet sich dagegen luwisch asrì- „Frau“, das eine an­
dere Ablautsstufe als sara- aufweist, aber wie dieses auf das vieldiskutierte indogermani­
sche *ésõr „Frau“ zurückgeht, das in Resten auch in anderen Sprachen greifbar ist, z. B.
in awestisch hãirisī- „Frau“ usw., vgl. Oettinger 1998:107 (*°sōr —► *°sr-os —► °ssar ->
°ssar-a-s; freilich müßte dann die Schreibung mit *°s-r° durch Synkope erklärt werden,
während sie bei Herleitung aus einem indogermanisch ablautenden Paradigma mit
*°sor/°sr- sich in den schwachen Kasusformen lautgesetzlich ergeben hätte).
9 ¿/A/DINGIRmeS (KUR muHatti), Belege bei Gessel 1997:978f.
10Vgl. Laroche 1946/47; von Schüler 1965; Haas 1994.
11 HZL =Zeichennummer gemäß Neu - Rüster 1989.
12 Die frühere Transkription DIŠKUR anstelle von °IM ist dagegen nur dann berechtigt,
wenn in Übersetzungsliteratur tatsächlich der sumerische Wettergott gemeint ist.
80 Johann Tischler

DX X X (H ZL 331) geschrieben, zu lesen als Arma usw.13 Die Namen weniger be­
deutender Gottheiten oder Heroen (Gilgam eš, Huwawa, Enkidu u. a.) wurden da­
gegen auch als solche übernommen.
Vergleichsweise gering ist demgegenüber die Anzahl "echter" hethi-
tisch-luwischer Namen. Hier sind zunächst eine Reihe von vergöttlichten Begrif­
fen der umgebenden Natur wie °A runa (auch ideographisch DA .A B .B A ) „Meer“,
DH alki (auch ideographisch ^ I S A B A ) „Getreide“, Paḫḫur „Feuer“ oder DŠiwatt
(auch ideographisch dU D ) „Tag“ zu nennen.
Aus der Grundsprache ererbt ist der Name des Sonnengottes Šiu (mit en­
klitischem Personalpronomen Šiuš-šum m iš „unser Sonnengott“), etymologisch
entsprechend dem indogermanischen Lichtgott *dyēus (griechisch Z e v ç usw.).
Allerdings spielt dieser Gott lediglich in althethitischen Texten eine größere Rolle,
später wird er sowohl formal als auch funktionell verdrängt: Die Rolle des Son­
nengottes übernimmt der protohattische Ištanu, die Funktion des wichtigsten
Gottes im hethitischen Pantheon wiederum nimmt der Gott Tarḫunt ein, dessen
Name mit ererbten indogermanischen Mitteln neugebildet wurde und der etymo­
logisch als „Sieger, Held“ zu deuten ist (zu hethitischem tarḫ- „mächtig sein; sie­
gen, besiegen, bezwingen, überwinden“). Er erscheint zunächst in der Form
*Tarḫu(a)n- bzw. *Tarḫuna- und wird dann im Hethitischen von Tarḫunta- ab­
gelöst, das aus dem Luwischen übernommen wurde. Luwisch Tarḫunt- ist in pho­
netischer Schreibweise (Nominativ Tarḫunza), öfter dagegen ideographisch mit
phonetischen Komplementen belegt, so Dativ *Tarḫunti in dIM-ři usw. Dieser
Konsonantstamm Tarḫunt- ist auch im Hieroglyphenluwischen sehr oft belegt,
Dativ *Tarḫunti in dTONITRUS-/iwh usw.
Unter den Wortbildungselementen der G N ist neben den bereits bei der
Bildung der Anthroponyme behandelten Morphemen -šara- „Frau“ und -ašši-
bzw. -ašša- v. a. das Element -šepa- zu nennen. Dieses als Simplex bisher unbe­
legte *šepa- „Genius (o. ä.)“ dient zur Bildung der Namen von weniger bedeuten­
den Genien, wobei durch Verblassung der ursprünglich religiösen Bedeutung auch
profane Gegenstandsbezeichnungen entstehen konnten, vgl. Išpanzašepa „Genius
der Nacht“; D aganzipa „Genius der Erde; Erde, Boden, Fußboden“ ; Miyatanzipa
„Genius der Fruchtbarkeit“ (*miyatn-sepa- zu miyatar- „Wachstum“); Taršanzipa

13 Analoges gilt dann auch für die zahlreichen theophoren PN, die scheinbar die Namen
mesopotamischer Gottheiten enthalten, in der Regel aber nur als graphische Maskierun­
gen einheimischer Äquivalente zu interpretieren sind, also z. B. ""ʾAMAR.UTU (vom
bereits erwähnten DAMAR.UTU =Marduk), zu lesen als mŠanta (aber später wirklich
übernommen, vgl. DMa-ru-ta-ka in der hieroglyphenluwischen Inschrift von Erkilet I),
und entsprechend zusammengesetztes "^ʾAMAR.UTU-LÚ (LÚ „Mann“, luwisch ziti-) als
mŠantaziti oder "^S/N-LÚ (SIN „Mondgott“), zu lesen als mArmaziti usw.
Zur Morphologie und Semantik der hethitischen Personen- und Göttemamen 81

(Örtlichkeit im Tempel; Art Bühne oder Art Raumteiler, der den Eingangsbereich
vom eigentlichen Tempelraum trennt).14

Auffällig hoch ist sowohl bei den hethitischen Personen- als auch bei den hethiti­
schen Göttemamen der Anteil der komponierten Namen. Er liegt signifikant über
dem Anteil der Komposita im appellativischen Bereich. Es mag sein, daß sich
hierin ein bisher kaum beachteter semitischer, d. h. akkadischer Einfluß manife­
stiert, von dem bereits oben im Zusammenhang mit den akkadischen Satznamen
die Rede war, die gewisse hethitische Namentypen gefördert haben dürften.

14 Zur Funktion dieses Lexems, die der des personifizierenden -aní-Suffixes vergleichbar
ist, s. Neu 1989:10f. - Ein einziger appellativischer Beleg wäre mit si-pa-an da-iš „(der
Wettergott) nahm sipa- hinweg“ in mittelhethitisch KUB XXXIII 66 II 14 gegeben, so
Hoffner 1974:84; Starke 1982:363; da sipa- hier in einer Aufzählung negativer Dinge
genannt ist, wird es sich hierbei indes eher um einen Beleg von sipa- c. „Eiter“ (?) han­
deln, s. Tischler 1981b:188f.
82 Johann Tischler

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Ägyptische Onomastik der Spätzeit
im Spiegel der nordwestsemitischen und karischen
Nebenüberlieferung

von Günter Vittmann - Würzburg

Für das fortgeschrittene 1. Jt. v. Chr. haben wir sowohl ägyptisch - hierogly-
phisch, hieratisch, demotisch - als auch in fremder Nebenüberlieferung weitaus
vielfältigeres Material als für die früheren Zeiten. Damit meine ich nicht, daß in
der Spätzeit mehr Namen kursiert hätten als im Neuen Reich oder noch früher -
der Gesamtbestand ist im Gegenteil geringer - , sondern daß ägyptische Namen
nunmehr infolge des genannten Umstands in bunterem, abwechslungsreicherem
Gewände erscheinen. Vor diesem Hintergrund möchte ich den Versuch wagen, ein
Bild der ägyptischen Spätzeitonomastik unter besonderer Berücksichtigung der
nordwestsemitischen (und ergänzend der karischen1) Nebenüberlieferung zu
zeichnen.
Sämtliche Dokumente, die im folgenden herangezogen werden, haben mit­
einander gemeinsam, daß sie aus Ägypten stammen. Hierin unterscheiden sie sich
von den neuassyrischen und neubabylonischen Keilschrifttexten, die zahlreiche
Namen von Ägyptern zumeist in Mesopotamien nennen (und deren Edition und
Analyse noch im Gange ist).1
2
Was die aramäischen Texte aus Ägypten betrifft, muß man sich bewußt
machen, daß sie die umfangreichste Quelle zur Nebenüberlieferung ägyptischer
Wörter, Personen- und Ortsnamen in vorhellenistischer Zeit darstellen. Erst für die
späteren Epochen wird die griechische Dokumentation zahlreicher und wichtiger.
Die überwiegende Masse der Aramaica aus Ägypten ist ins 5. Jh. zu datie­
ren; die Mehrzahl stammt bekanntlich aus Elephantine, wo in der Perserzeit eine
aus Fremden bestehende Garnison zum Schutz der Südgrenze stationiert war. Es
gibt aber aramäische Texte auch aus anderen Landesteilen, vor allem aus Mem-
phis/Sakkara, das in der Perserzeit zentraler Verwaltungssitz war und wo Semiten
und Karer in eigenen Vierteln lebten und Grabstelen hinterließen. Eigens erwäh­
nen möchte ich auch den großen Tempel von Abydos in Mittelägypten, in dem

1Vgl. hierzu zuletzt Vittmann 2001 mit einem Index der ägyptischen Namen.
2 An neuerer Literatur hierzu vgl. Zadok 1977; Zadok 1992; Bongenaar & Häring 1994;
Zeidler 1994; Leahy o. J.
86 Günter Vittmann

sich zahlreiche fremde „Pilger“ - v. a. Phöniker, Aramäer, Karer - verewigt ha­


ben, sowie Edfü (nördlich von Aswan), von wo Papyri und Ostraka aus dem 4.
und 3. Jh. v. Chr. auf uns gekommen sind.
Das gesamte Textcorpus, wie es zum großen Teil in dem vierbändigen
Werk von B. Porten & A. Yardeni, Tcxtbook o f Aramaic Documents from Ancicnt
E gypt (TAD A -D ) erfaßt ist, enthält über 200 verschiedene Personennamen, die
als ägyptisch identifiziert werden können. Die damit bezeichneten Personen sind
gleichermaßen Ägypter wie Fremde; sicher läßt sich das leider aber nicht in jedem
Fall entscheiden.3
Eine nicht immer ausreichend berücksichtigte Grundtatsache ägyptischer
Spätzeitonomastik ist ihre religiös-ideologische Fundierung,4 mit anderen Worten:
Nahezu alle Personennamen sind in irgendeiner Weise auf einen oder mehrere
Götter oder aber auch auf einen lebenden oder verstorbenen König hin ausgerich­
tet. Gewiß war das auch schon früher ein bestimmender Zug in der ägyptischen
Namengebung, aber nicht in der rigorosen, nur mehr wenige Ausnahmen dulden­
den Weise wie in der Spätzeit.
Das gesamte originale ägyptische Namengut der Spätzeit läßt sich im Prin­
zip in wenige Grundmuster gliedern;
1. Gottesname ohne jegliche Epitheta
2. Gottesname in Verknüpfung mit einem Epitheton
3. Substitution primärer Gottesnamen durch Epitheta u. ä., die als PN
gebraucht werden
4. Theophore Syntagmen ohne expliziten Bezug zum Namenträger
5. Theophore Syntagmen mit explizitem Bezug zum Namenträger
6. Hypokoristika
7. Basilophore Namen
Ich möchte im folgenden diese Grundmuster an Hand ausgewählter Belege vor­
stellen.

3 Für meine Ausführungen habe ich zwei Konkordanzen benutzt: eine zu „Egyptian
Names in Aramaic Documents from Ancient Egypt“, die Porten in Zusammenarbeit mit
dem Referenten erstellt hat und die in absehbarer Zeit erscheinen wird (Porten 2001;
Namenformen geordnet nach dem hebräischen Alphabet; mit vollständigen Stellenanga­
ben), sowie eine von B. Porten zur Verfügung gestellte, prosopographisch aufbereitetete
Konkordanz zu dem gesamten in TAD A-D enthaltenen Namenmaterial (Porten & Lund,
im Druck). Meine frühere Arbeit (Vittmann 1989a) ist nach dem Erscheinen von TAD
nur mehr eingeschränkt benutzbar, und Kornfeld 1978 - worauf sich der genannte Artikel
bezogen hatte - ist nun definitiv überholt. Übrigens ist Muchiki 1999 nur mit großer
Vorsicht zu benutzen.
4 Vgl. Vittmann 1997/98.
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 87

1. Die einfachste Form theophorer Personennamen5 ist die simple Verwendung


des Gottesnamens ohne jegliche Epitheta. In einem bemerkenswerten Unterschied
zur früheren Zeit ist dies in der Spätzeit nur mehr in ganz wenigen Fällen üblich.
Der in allen Landesteilen am häufigsten belegte Spätzeitname überhaupt ist H r6
[hör] „Horns“ , und die aramäische Dokumentation spiegelt diesen Befund getreu­
lich wieder: W ir kennen 17 verschiedene Personen namens ḤW R, davon minde­
stens 6 Nichtägypter an den weit auseinanderliegenden Orten Memphis, Abydos,
Edfu und Aswan.7 Auch in phönikischen und karischen Inschriften läßt sich der
Name in den Formen ḤR bzw. O r identifizieren.8 Zur wachsenden Beliebtheit hat
sicher die Rolle des Horns in der Osirislegende beigetragen. Ansonsten besteht
eine auffallende Scheu, die Namen der alten Hochgötter rein und ungemischt als
Personennamen zu gebrauchen. Namen wie „Chnum“ , „Isis“, „Re“, „Sobek“,
„Thot“, die in früheren Zeiten nicht ungewöhnlich waren, sind aus der Mode ge­
raten und nur noch vereinzelt anzutreffen - und da eher noch in hieroglyphischen
Quellen als in demotischen und aramäischen (was schlichtweg damit zusammen­
hängt, daß die beiden letzteren alles in allem jünger sind als die ersteren und mit­
hin die späteren Phasen in der Entwicklung der ägyptischen Onomastik besser und
umfassender dokumentieren!).9
Bei „kleineren“, weniger altehrwürdigen Göttern hatte man offenbar weni­
ger Skrupel. Zwei Gottesnamen, die in der Spätzeit häufig als Personennamen

5 Für eine knappe Skizzierung ägyptischer theophorer Personennamen vom pharaoni-


schen bis zum christlichen Ägypten vgl. LUddeckens 1985.
6 Vgl. Demot. Nb. 786ff. Da das Demot Nb. gegebenenfalls immer auch auf Ranke ver­
weist, können wir uns hier und in den folgenden Anmerkungen entsprechende Verweise
ersparen.
7 Stellenangaben bei einem derart häufigen Personennamen dürften sich erübrigen (das
gilt auch für andere häufig belegte Namen). Man wird nach Erscheinen die in Anm. 3
zitierten Konkordanzen bzw. einfach die Namenindices in TAD B-D (A hat leider noch
keinen) konsultieren.
8 Für die phönikischen Quellen vgl. Muchiki 1999:24. Anders als im Aramäischen wer­
den im Phönikischen Defektivschreibungen (also ḤR anstelle von ḤWR) bevorzugt; vgl.
ähnlich aramäisch YMḤW T : phönikisch YMḤT, s. unten mit Anm. 18 und 19. Die be­
treffenden karischen Texte haben die Sigeln Ab. 10 F und M 33; vgl. Umschrift bei
Adiego 1994:60 (lies jetzt richtig p d u b e f ors) und 61 und zur Interpretation Vittmann
2001. Ausschlaggebend für die Identifizierung war die Erkenntnis, daß h-Laute im
Karischen generell nicht wiedergegeben werden.
9 So kommt z. B. „Isis“ (te.t) als PN in der ersten Hälfte des 1. Jt. hieroglyphisch vor
(vgl. Ranke 1935:3, 18), demotisch aber überhaupt nicht. Unsicher sind die in Demot.
Nb. 914 und 1344 aufgefiihrten Belege für Sbk (ein einziger; Lesung nicht über jeden
Zweifel erhaben!) und Dḥwtj(?) (letzteres mehrfach belegt, aber wahrscheinlich Kurz­
schreibung eines mit “Thot” zusammengesetzten Namens).
88 Günter Vittmann

gebraucht werden, sind B es101und Tutu,11 wobei Tutu erst in ptolemäischer Zeit an
Bedeutung gewinnt. Das aramäische Material stimmt mit diesem Befünd überein:
Wir haben einige perserzeitliche Belege für B S ʾ als Name von Aramäem aus
Norden und Süden,12 während TT W nur mit einem einzigen ptolemäerzeitlichen
Beispiel aus Edfü vertreten ist.13 Einer gewissen Beliebtheit erfreute sich nach den
ägyptischen Quellen der Frauenname Šmtj (Šsmtt) [šmĩti] Smithis,14 obwohl die
namengebende Göttin nie zu den „großen“ Göttern des Landes zählte. Eine ägyp­
tische bzw. wohl eher ägyptisierende Stele mit der einzigen Aufschrift Š M Y T Y
(in aramäischer Schrift)15 ist m. E. einer Ausländerin dieses Namens zuzuschrei­
ben.
Besondere Verehrung genoß in der Spätzeit der vergöttlichte Imhotep, je ­
ner Wesir des Djoser, der die Stufenpyramide in Sakkara erbaute.16 Seinen Namen
( ʾlj-m-ḥtp [jimhōtp]) trugen viele Personen in allen Teilen Ägyptens.17 In den
aramäischen Quellen haben fünf Männer - es scheint sich durchwegs um Semiten
zu handeln - diesen prestigehaltigen Namen (YM Ḥ W T).18 Dazu kommt ein Phö-
niker aus Elephantine (Y M Ḥ T ).19

2. Verbreiteter als der bloße Gottesname ist die Verknüpfüng eines Gottesnamens
mit einem Epitheton. Bei Horns, dessen Name ja für sich alleine als Personen­
name gebraucht wird, überrascht es natürlich nicht, wenn wir auch Bildungen wie
ļĵr-(p/-)bjk20 [har(p)bēk] „Horns der Falke“ (aramäisch Ḥ R B K 21 als Name eines
Arabers aus Teil el-Masļĵüţa) und H r-nfr,22 aramäisch Ḥ R N W PY 23 [hamũfe]
„schöner Horns“ (neubabylonisch H ar-nu-pi- ʾ) finden. Zu dem parallel gebildeten
Pth-nfr24 [ptahnūfe] „schöner/guter Ptah“, aramäisch PTḤ N W PY,25 ist jedoch

10Vgl. Demot. N b 146.


11 Vgl. Demot. N b 1273f.
12 TAD B3.13:2, 15; D 18.9; 18.10a/b; 19.4.
13 TAD C3.28, 100 (da es sich um einen Mann handelt, kann nicht Ta-tì.wj „Die der bei­
den Länder“ gemeint sein).
14 Vgl. Demot. Nb. 968. Inzwischen ist auch ein frühdemotischer Beleg (aus Sakkara)
bekannt geworden; vgl. Martin 1999 (Z. 2 des dort veröffentlichten Ehevertrags).
15 TAD D22.54.
16Vgl. Wildungl977.
17Vgl. Demot. N b 55f.
18 TAD B8.2, 21; C3.8, 3; 4.2, 11; D5.54a, 1; Segal 1983, Nr. 156, 1.
19Lidzbarski 1912:Nr. 14a; vgl. Muchiki 1999:25.
20 Vgl. Demot. Nb. 799 und 802.
21 TAD D l5.2.
22 Vgl. Demot. N b 824.
23 TAD A4.3, 5 (Ägypter(?) aus Elephantine).
24 Vgl. Demot. Nb. 489.
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 89
einfaches „Ptah“ demotisch überhaupt nicht belegt, und das wird in Anbetracht
des Gesagten kein Zufall sein (bei den beiden von Ranke 1935:138, 9 unter Spät
genannten Beispielen könnte es sich um Abkürzungen handeln). Dasselbe gilt
mutatis mutandis für den seit dem Neuen Reich geläufigen Frauennamen ṯs.t-
wr.t2
26 [eswēre] „Isis (die) Große“, der auch in aramäischer Wiedergabe (ʾS W R Y )
5
gut belegt ist.27
Besonders interessant ist natürlich, wenn die Nebenüberlieferung Namen­
formen bezeugt, die von ägyptischer Seite bisher nicht bekannt waren. So sind im
Zusammenhang mit den eben besprochenen Namen des Typs „Gottesname +Bei­
wort“ besonders Ḥ R PN Ḥ S28 *H r-pì-nḥsj [harpenhas] „Horns der Nubier“ und auf
einer phönikischen Kruginschrift aus Elephantine Ḥ R K P29 *Hr-(p/)-k/p
[har(p)kēp] „Horns der Vogelfänger“ zu nennen. Solche Fälle sind auch für die
Erforschung und Dokumentation ägyptischer Glaubensvorstellungen von hohem
Wert, kann man doch grundsätzlich davon ausgehen, daß die Fremden solche Na­
men nicht einfach erfunden haben, sondern Vorgefundenes übernahmen. Da die
Quellen als solche aber nicht in das eigentliche Arbeitsgebiet des Ägyptologen
fallen, werden sie leider meist zum Nachteil des Faches außer Acht gelassen.
Bisweilen kommen auch adverbielle Ergänzungen zum Gottesnamen vor:
Ein sehr geläufiger Spätzeitname ist tfr-ḫ b 30 (es gibt verschiedene Transkripti­
onsmöglichkeiten) [harļjēbe] „Horns in Chemmis“ - eine mythische Lokalität, in
der Horus im Verborgenen großgezogen worden sein soll. Ein Siegel gibt den
Namen - was eine große Seltenheit ist - in hieroglyphischen und in aramäischen
Schriftzeichen.31

3. Üblicher als der begrenzte Gebrauch primärer Gottesnamen als Personennamen


ist in der Anthroponymie der Spätzeit die Substitution durch Epitheta. Eine alte
Bezeichnung des Osiris ist Wn-nfr „das vollendete Wesen“ o. ä. Dieser Ausdruck
ist eigentlich selbst schon zur Gottesbezeichnung geworden und kann auch in eine
Kartusche gesetzt werden.32 A ls Männemame kommt dieses Wn-nfr in ganz
Ägypten sehr häufig vor;33 zweimal auch in der Form W N PR [wennofre] in ara­

251 Beleg aus Sakkara (TAD B8.7 passim), ethnische Zuweisung unbestimmt.
26Vgl. Demot. Nb. 76f.
27 TAD A2.7, 2; B5.5, 2; D6.13a, 1.
281 Beleg aus Sakkara (TAD 2.33a, 4), ethnische Zuweisung unbestimmt.
29 Lidzbarski 1912:Nr. 54.2; vgl. Muchiki 1999:24.
30 Vgl. Demot. Nb. 830f.
31 TAD D14.3 (aramäisch HRHBY entspricht hieroglyphisch Hr-n-ḫb (sic)).
32In der Spätzeit häufig; vgl. Literatur bei Vittmann 1991:130(d).
33Vgl. Demot. Nb. 118f.
90 Günter Vittmann

mäischer Überlieferung in Elephantine.343


5Demotisch recht häufig ist Sm ì-tì.w j33
[semtõu], aramäisch SM TW , SN TW 36 „Vereiniger der Beiden Länder“, was als
sekundärer Gottesname aufgefaßt werden kann. Hierher gehört auch P a -tì.w j „Der
der beiden Länder“ [patóu],37 aramäisch häufig als PT W belegt.38 Auch hier
erlaubt das nordwestsemitische Material gelegentlich Präzisierungen des
innerägyptischen Befundes: So ist der Name P ì-m sḥ [pemsah] „Das Krokodil“ -
gemeint Sobek? - hieroglyphisch gar nicht, demotisch zwar ober- und unterägyp­
tisch sehr gut, aber erst ab der Ptolemäerzeit nachgewiesen.39 In einem aramäi­
schen Text aus Sakkara erscheint PM SḤ - und zwar mit Sicherheit für einen
Ägypter, keinen Semiten - bereits gegen Ende des 5. Jh.40

4. Eine größere Gruppe theophorer Personennamen ist dadurch gekennzeichnet,


daß sie einen vollständigen Satz konstituieren, ohne daß jedoch sprachlich ein
direkter Bezug zum Namenträger hergestellt würde. Es handelt sich dabei über­
wiegend um Aussagen des Inhalts, daß die Gottheit lebt ( ʿnḫ), dauert (rnn), wohl­
behalten (wḍĩ) und „gekommen ist“ (Iw) - vermutlich, um im Orakel die Geburt
des Namenträgers zu verheißen - , gesprochen hat (ḍd; ebenfalls im Orakel), stark
(nḫí), wirksam (mnḫ), gut (nfr), wahrhaft bzw. gerecht (ml ʿ), gnädig (ḥíp) und
zufrieden (hrj) ist, rettet (nḥm), sich freut (rs) oder die Feinde ergreifen soll (tĵj).
Am häufigsten sind innerägyptisch die Zusammensetzungen mit „leben“,
„kommen“ und „gnädig sein“ .
Bei den Verbindungen mit ʿnḫ „leben“ - wobei das Verbum am Anfang
steht, also eigentlich „möge ... leben“ - dominiert sowohl innerägyptisch als auch
in der aramäischen Nebenüberlieferung ʿnḫ-Hp ['anftohapi (o. ä.)] „Möge der
Apis leben“ .41 Der Name findet sich nicht etwa nur in Memphis, wie man meinen
könnte, sondern häufig auch in Oberägypten. Die aramäischen Bezeugungen be­
treffen gleichermaßen Ägypter wie Semiten. An anderen Gottheiten begegnen in
dieser Verbindung aramäisch Chons, Mnevis und Horus42 ( ʿnḫ-Hr war in Ägypten

34 TAD C.3.14, 35; D3.15, 2.


35 Vgl. Demot. Nb. 924f.
36 TAD C4.9, 4 (Sakkara); B8.4, 13. 14 (Elephantine).
37 Vgl. Demot. Nb. 42lf.
38 Z. B. in TAD B3.12, 3; C3.28, 41.
39 Vgl. Demot, N b 191.
40 TAD C3.19, 13.
41 Vgl. Demot. N b 103.
42 Chons: m HHNS TAD D 2. 31, a, 2 (Sakkara, ethnische Zuordnung unsicher); vgl.
Demot Nb. 104. Mnevis: 'NḤMNWY, CHMNWY (TAD C 4.9, 3 und 4; C 3.8, IV, 2; C
3.12, 34; alle Memphis, ethnische Zuordnung unsicher). Horus: HHR TAD C 3.4, 7
(Elephantine, Aramäer?), reflektiert schön die verkürzte ägyptische Aussprache [ļjahōťļ;
vgl. Demot. Nb. 104.
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 91
besonders beliebt). Seltsamerweise fehlt das innerägyptisch im ganzen Land ge­
läufige ʿnḫ-pì-ḫrd „Möge das göttliche Kind leben“43 aramäisch (und karisch erst
recht) völlig.
Ich will nicht mit einer Vorführung all der verschiedenen Möglichkeiten
langweilen, in denen ein Gottesname mit den vorher genannten Ausdrücken - die
sich zweifellos vermehren ließen - kombiniert werden kann. Nur auf einiges
möchte ich hinweisen. Den in der Spätzeit überall in Ägypten außerordentlich
beliebten, übrigens auch in keilschriftlichen Wiedergaben überlieferten Namen
H r-w ḍì [harwóğ] „Horus ist heil, unversehrt“ trugen auch mehrere Aramäer und
ein Phöniker.44 E s ist aber nicht sicher, ob grundsätzlich immer jedes Ḥ R W Ş -
dies die übliche nordwestsemitische Wiedergabe des ägyptischen Namens - als
H r-w ḍì zu erklären ist. Bei jenem Ḥ RW Ş, Sohn des Palţu, der ein Haus im Ara-
mäerviertel von Elephantine besaß und Priester (KM R) einer wegen einer Zerstö­
rung im Papyrus nicht sicher identifizierbaren Gottheit rḤ 1[...]rTY(?)1 - im Zu­
sammenhang schwerlich ägyptisch!45 - war, möchte man eigentlich eine innerse­
mitische Ableitung (vgl. Ḥārūş, Schwiegervater des Königs Manasse, 2 Könige
21, 19) bevorzugen.
Zu dem hier besprochenen Typ gehört auch der in der Spätzeit vor allem
im memphitischen Raum häufige Männemame Hp-m n46 [hapimēn] „(der heilige)
Apis(-Stier) lebt“ . Während die aramäischen Namenformen Ḥ PY M N und
ḤPM N47 nie einen Zweifel daran ließen, daß es sich um Wiedergaben des ge­
nannten ägyptischen Namens handelt, ist die Situation mit karisch Apmcn anders.
Das fängt schon damit an, daß diese Lesung erst ein Ergebnis der neuesten Fort­
schritte in der Erschließung der karischen Schrift ist; noch vor kurzem las man
hier nämlich Apmjk ʾ.48 Wenn man in Erwägung zieht, daß 1. das Karische kein /h/
kennt, 2. enttonte Vokale der Vortonsilben häufig unbezeichnet bleiben und 3. die
betreffende Stele (mit dem Siglum M 36) aus Sakkara stammt, ergibt sich die
Identifizierung von Apm cn als ägyptisch Hp-m n fast automatisch.

43 Vgl. Demot Nb. 99.


44 Aramäisch u. a. in den Hermopolis-Briefen, vgl. TAD A2.3, 3-8 u. ö. Zu dem phöni­
kischen Beleg vgl. Muchiki 1999:24.
45 TAD B2.7, 15. Das Paar Chnum und Satis, an das man gelegentlich gedacht hat, kommt
schon aus Platzgründen nicht in Frage!
46 Vgl. Demot Nb. 781. - Die Ausführungen zu Hp-mn waren noch nicht in dem Bam-
berger Vortrag enthalten; ich wollte sie aber doch wenigstens nachträglich einarbeiten,
da mir das Beispiel für gewisse Probleme im Umgang mit der Nebenüberlieferung zur
ägyptischen Onomastik lehrreich erscheint.
47 Die vollere Wiedergabe ist häufiger (TAD B8.4, 6; C 3.19, 16; 4.2, 10), die kürzere
erscheint in TAD D 10.2, 1. Alle Belege stammen aus Sakkara; die ethnische Zuweisung
ist nicht eindeutig.
48 Vgl. Kammerzell 1993:215 (M 36). Richtige Lesung inzwischen bei Adiego 1994:61.
92 Günter Vittmann

Von besonderem Interesse sind auch bei dieser Gruppe die Bildungen, die in-
nerägypisch schlecht oder gar nicht bezeugt sind. Ein bei Ranke (1935:197, 5) nur
singulär und mit Fragezeichen49 und ohne Übersetzung notierter Name Nfr-nbw
[nefemub] ist eindeutig mit N P R N W B 50 in einem wahrscheinlich aus Edfü stam­
menden ptolemäischen Ostrakon zu identifizieren. Dem onomastischen Zusam­
menhang nach könnte die Frau mit dem hübschen Namen „Schön ist die Goldene“
(gemeint ist Hathor) eine Nichtägypterin gewesen sein, obwohl das wie in vielen
anderen Fällen nicht stringent zu beweisen ist. Der Beleg ist dem Schriftduktus
nach um rund zwei Jahrhunderte jünger als die innerägyptische Bezeugung.
Der Name eines Aramäers aus Sakkara (SN BN T),51 der ägyptisch als
*Snb-nj.t [senebnéit] „Neith ist gesund“ zu erklären ist, mag zunächst nicht wei­
ter auffällig scheinen; der Beleg gewinnt aber insofern an Interesse, als in der
Spätzeit Bildungen mit snb „gesund sein“ (das Wort ist bekanntlich urverwandt
mit ŠLM , salim a) sonst auf basilophore Königsnamen reduziert sind und zudem
an zweiter Stelle im Namen stehen.
Es gibt auch theophore Namen ohne explizierten Bezug zum Namenträger,
bei denen das theophore Element nur durch ein Pronomen präsent ist. Sehr beliebt
ist Hrj=w [heriéu] „Mögen sie (die Götter) zufrieden sein“ . Daß der Masse an
hieroglyphischen und demotischen Belegen nur ein einziger aramäischer (H RYW )
gegenübersteht,52 mag einfach daran liegen, daß der Name erst zu einer Zeit so
richtig häufig wird - nämlich seit der Ptolemäerzeit - , als die aramäische Doku­
mentation in Ägypten nur mehr sporadisch ist.
Zwei weitere typische Spätzeitnamen, die mit einem Suffix der 3. P. PI.
gebildet werden, sind ʾIr.t-Hr-r.r=w [jinharóu] „Das Auge des Horus ist gegen sie
(die Feinde) gerichtet“, aramäisch Y N Ḥ R W ,53 und ʾIr.t=w-r.r=w [jituróu] „Ihre
(der Götter) Augen sind gegen sie (die Feinde)“, aramäisch Y T R W , karisch
Ituroú,54

49 Die Lesung ist freilich auch ohne Blick auf den aramäischen Beleg sicher. Publikation
der diese Frau nennenden Statue Wien 28 und Hinweis auf weitere Denkmäler: Rogge
1992:92ff.
50 TAD D 8.10, 5.
51 TAD B 8.4, 13 und 14.
52Vgl. Demot. Nb. 746ff.; TAD C 4.9, 5 (Sakkara, ethnische Zugehörigkeit unbestimmt).
53 Vgl. Demot. Nb. 72f; TAD D:150 (Korrekturen zu A6.6, 3); TAD A6.7, 7 (mit Lesung
...nd/rw; Vittmann 1989a:216 bevorzugt rY 1N[H]RW; vgl. auch Muchiki 1999:89). Von
einer literarischen Figur in TAD D 23.1.5a, 11; TAD D 23.1.9, 4 und 7 (dort SNHRW
gelesen; in Anbetracht des schlechten Erhaltungszustandes ist die sehr viel besser in den
Zusammenhang passende Lesung mit Y statt S am Anfang vorzuziehen).
54 Vgl. Demot. Nb. 70; der aramäische Beleg auf der Etikette Ashmolean Museum
1910.732 (nicht in TAD), der karische auf der Sakkara-Stele M 24, vgl. Adiego 1994:61.
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 93

Indirekt ist die Gottheit auch in zwei anderen typischen Spätzeitnamen gegenwär­
tig: Für D d-ḥr [ğeháʾ] „Das Gesicht (im Orakel) hat gesprochen“55 = Ş Ḥ ʾ (vgl.
mŞc-ḫa-a in den Assurbanipal-Annalen) lassen sich in aramäischen Quellen rund
30 verschiedene Personen ausmachen, wesentlich mehr, als für irgendeinen ande­
ren ägyptischen Namen! Unter ihnen ist ein qedaritischer Araber hervorzuheben,
der der Göttin Hanilat eine der Silberschalen von Teil el-Masŧ)ūŧa im Ostdelta
geweiht hat.56 Für die Beliebtheit des Namens auch bei Fremden spricht, daß ihn
ein persischer Beamter als Beiname führte57 —und die Perser befleißigten sich in
diesen Dingen ansonsten einer auffallenden Zurückhaltung, soweit die Quellen
dies erkennen lassen.58 Der andere der zwei Spätzeitnamen ist Ţ >j-n.lm=w
[čamóu], was sich aus Ţìj-X-n.lm= w59 „Möge Gott X sie (PL) ergreifen“ verselb­
ständigt hat. Beispiele für die Vollformen wie auch für die Abkürzung (ŠM W )
finden sich gleichermaßen phönikisch und aramäisch.60 Die Abkürzung ist viel
verbreiteter, vor allem im Raum Memphis. Der karische Besitzer einer Totenstele
aus dieser Region (Siglum M Y H) stellt sich in der Hieroglypheninschrift als Ţ>j-
Hp-jm=w „Möge Apis sie ergreifen“, in der karischen Partie indessen als tamou
vor. Derselbe Name verbirgt sich m. E. in einer karischen Besucherinschrift aus
Abydos unter der Form Šamoú.61

5. Die zweite, quantitativ mit Abstand am umfangreichste Gruppe von Spätzeit­


namen, denen wir uns nun zuwenden müssen, ist dadurch charakterisiert, daß ein
explizites Verhältnis zwischen Namenträger und Gottheit hergestellt wird. Dieses
Verhältnis kann in einfachen Syntagmen oder in vollständigen Sätzen ausgedrückt
werden. Das Repertoire an verschiedenen Mustern ist relativ begrenzt, umso höher
ist dafür die Anzahl der jeweiligen Kombinationen. A m verbreitetsten sind Namen
des Typs „Der, den / Die, die Gott X gegeben hat“ P ì-dj-..., Tì-dj-.,.,62 womit auch
die nordwestsemitische und karische Nebenüberlieferung übereinstimmen: in
aramäischer Nebenüberlieferung sind es 18 Männer- und 4 Frauennamen, in kari-

55 Vgl. Demot N b 1368f.


56 TAD D 15.3, 1.
57 Posener 1936:128.
58 Vor einigen Jahren wurde in Sakkara eine Stele entdeckt, die einem Manne von per­
sisch-ägyptischer Abkunft gehörte. Der Vater trägt noch einen iranischen Namen, er
selbst aber (wie auch die Mutter) einen ägyptischen: Dd-ḥr-bs “Das Gesicht des Bes hat
(im Orakel) gesprochen”. Vgl. Mathieson et al. 1995.
59 Vgl. Demot. N b 1348f.
60 Aramäisch z. B. TAD A6.2, 8; TAD C3.14, 7; für den phönikisch-punischen Befund
vgl. Muchiki 1999:42.
61 Graffito Ab. 3bc F; vgl. Adiego 1994:60; Vittmann 2001 (Exkurs III).
62 Vgl. Demot. Nb. 280ff.; 1154ff.
94 Günter Vittmann

scher 7 Männer- und 1 Frauenname.63 Die Position des theophoren Elements wird
sehr gern durch Isis und Osiris besetzt, wobei nordwestsemitisch die männliche
Bildung P ì-d j-ìs.t mit Abstand am häufigsten ist.64 Allein in den aramäischen
QueUen \assen s\cʼn 2A Personen dieses S am en s ausmacʼnen (Vn den Formen
P Ţ ʾS Y , P Ţ S Y ; freilich nicht alles Aramäer); und bereits zur Zeit des 22. Dynastie
(10./9. Jh.) hat ein Gesandter von Kanaan P i-d j-ìs.t eine Statue ägyptischen Stils
mit hieroglyphischer Inschrift errichten lassen.65 Fremde dieses Namens treffen
wir auch außerhalb Ägyptens an, z. B. auf einem phönikisch beschrifteten Käst­
chen aus Ur.66
Außer den genannten Göttern kommen in diesem Namentyp natürlich noch
viele andere vor: aramäisch u. a. Amun, Atum, Chnum (speziell in Elephantine),
Horus, Harpokrates, der vergöttlichte Imhotep, Sobek.
Der Mensch kann onomastisch auch in Satzform als Gabe der Gottheit
bezeichnet werden nach dem Schema „Gott X ist es, der ihn/sie gegeben hat“ (X-
l lr-dj-s). Auch dies ist eine sehr beliebte, für die Spätzeit typische Konstruktion,
wie sie gräzisiert etwa im Namen des Königs Amyrtaios (um 400) erscheint. Aus
Gründen, die uns verborgen bleiben müssen, hat man in bestimmten Fällen jeweils
die eine oder die andere Konstruktion bevorzugt. So wird der besagte Satznamen­
typ mit „Osiris“ nur sehr selten gebraucht (in aramäischer Überlieferung über­
haupt nie), während er in Verbindung mit dem „Mond“ umgekehrt ziemlich häu­
fig vorkommt und hier wiederum die Bildung mit Pì-dj-... in den Hintergrund
gedrängt wird. So ist ʾI ʿḥ-l.lr-dj-s ʾḤ R Ţ Y S [aherţais] „Der Mond(gott) ist es, der
ihn (bzw. sie) gegeben hat“ sehr verbreitet,67 die synonyme Form P ì-d j-l ʿḥ P Ţ ʾḤ
[peţeʾafi] „Der, den der Mond(gott) gegeben hat“ dagegen eher selten.68

63 Zu den aramäischen Wiedergaben mit PŢ-, TŢ- vgl. generell die in Anm. 3 zitierten
Indices; für den karischen Befünd Vittmann 2001 und dort den (nach den ägyptischen
Originalnamen geordneten) Index im Anhang.
64 Vgl. Demot. Nb. 290f. und wieder die in Anm. 3 zitierten Indices.
65 Publiziert von Steindorff 1939.
66 Vgl. Gibson 1982:72 (Nr. 20); Amadasi Guzzo 1990:59.
67 Vgl. Demot. Nb. 57. Beispiele aus aramäischen Quellen: Als Männemame u. a. TAD C
3.13, 35; Segal 1983, Nr. 41, 9; 43, II 3. Als Frauenname nur TAD B 8.4, 19.
68 Ich kenne nur zwei hieroglyphische Belege: Ranke 1935:121, 21 (1 Beleg) und Statu­
ette Berlin 13130, vgl. Ausf. Verz. 295. Die aramäische Entsprechung findet sich in TAD
C 4.9, 5 (Memphis, ethnische Zuweisung unsicher). Man beachte, daß die aramäischen
Wiedergaben von lʿḥ das etymologische Ayin generell durch Aleph ersetzen (auch im
Namen NHMSʾḤ =Nḥm-sw-lʿḥ TAD C 4.1, 1), was einen Rückschluß auf die zeitgenös­
sische ägyptische Lautung dieses speziellen Wortes (>koptisch ooh, oh; bohairisch iofj;
fayyumisch aa/1, ah) zuläßt!
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 95

Zunehmende Verbreitung gewannen im 1. Jt. Namen, die ihren Träger als


„Sohn“ (bzw. gegebenenfalls natürlich auch „Tochter“) der Gottheit hinstellten.
Dabei tritt das mittelägyptische zì/zìt, das noch im Neuen Reich in diesem
Namentyp üblich war, zugunsten des neuägyptischen (und mit dem bestimmten
Artikel versehenen) šr, šr.t fast völlig in den Hintergrund.69 Sucht man nach
aramäischen Namenbildungen mit P Š N ..., stellt man überrascht fest, daß sie alles
in allem seltener sind, als man erwarten würde. Zwei verschiedene Bildungen
dieses Typs finden sich in einem Ostrakon des 3. Jh. aus Edfü: PŠN PW R P ì-šr-n -
p ì-w r [pšenpwēr] „Der Sohn des Großen“ und PŠN PM W Y P ì-šr-n -pì-m ìj
[pšenpmui] „Der Sohn des Löwen“ .70 Weitere Zusammensetzungen - die übrigens
in Verbindung mit dem femininen Pendant *T ŠN ... bisher fehlen - wird man bei
Porten (2001) finden. In den karischen Inschriften konnte bisher nichts Passendes
identifiziert werden.
Die Abhängigkeit des Menschen von der Gottheit wird des weiteren durch
einen in der Spätzeit äußerst beliebten Namentyp zum Ausdruck gebracht: Ns-
Gottesname „Er/Sie gehört Gott X “ .71 Die fremdsprachlichen Wiedergaben gehen
natürlich von der tatsächlichen Aussprache aus, in der das anlautende n abgefallen
war; der erste Namensbestandteil erscheint also abwechselnd als ʾS oder S, was in
Analogie zu griechischen Wiedergaben (Eo-, E -) zwei Aussprachevarianten wi­
derspiegeln wird. Unter den Gottheiten, die speziell im aramäischen Material er­
scheinen, sind Horns, Chnum (in Elephantine) und Min72 sowie —typisch für die
Onomastik von Elephantine, wenngleich innerägyptisch nicht auf diese Region
beschränkt - , der „personifizierte heilige Stab“ (ʾS M T Š B S = N s-pì-m dw -špsj
[espmeţšeps],73 ʾS P M T =N s-pì-m dw [espmēţ]74). Von den verschiedenen Perso­
nen mit Namen ʾS Ḥ W R =N s-ḥr [eshör]75 in den aramäischen Urkunden möchte
ich einen hervorheben, der im sogenannten Archiv der Mibtahia eine Rolle

69Zu den mit PJ-šr- und Tì-šr.t - beginnenden Namen vgl. Demot. Nb. 221ff.; 1086ff.
70 TAD D8.3, 7 und 8; vgl. Demot. Nb. 234 und 235.
71 Vgl. Demot. N b 657ff.
72 Für die Verbindung mit Homs vgl. unten. Chnum: TAD D 9.9, 2 und 12 (’ SHNWM);
D 1.12, 8 (SHNWM). Min: D 7.13, 1 (ʾSMN). Auch der letztere Beleg stammt aus Ele­
phantine.
73 TAD D9.9, 1; Demot. N b 666. Die Transkription mdw („Stab“) ist historisch; in der
Demotistik wird dafür meist - wie z. B. auch im Demot. Nb. - mtr geschrieben.
74 Für ʾSPMT vgl. die Indices zu TAD B-D (Elephantine); die Form SPMT findet sich in
TAD D9.10, 5 (ein Aramäer aus Elephantine; der Sohn hat einen babylonischen Namen).
Für den ägyptischen Befund vgl. Demot. Nb. 664ff.
75 Vgl. Demot. N b 685. Aramäisch gibt es einmal die Schreibung ’ SḤR (TAD D 22.30,
Wadi el-Hudi, ein Aramäer). Derselbe Name verbirgt sich möglicherweise hinter karisch
isor (Siglum M Y C), vgl. Vittmann 2001.
96 Günter Vittmann

spielt.76 Er war Sohn eines Ş Ḥ ʾ (also D d-ḥr, wie bereits besprochen), von Beruf
königlicher Baumeister (ʾR D K L Z Y M L K ʾ), wurde Mann jener Mibtahia und
erhielt den semitischen Beinamen „Nathan“ (NTN), einen der allerhäufigsten und
beliebtesten Namen in den aramäischen Dokumenten! Die wohl zutreffende com­
munis opinio, daß es sich um einen waschechten Ägypter handelt, ist ebenso
schwer strikt zu beweisen wie zu widerlegen, die Annahme eines Fremdnamens
durch einen Ägypter im eigenen Lande in vorhellenistischer Zeit - ohne erkennba­
ren staatlichen Druck - ist aber doch recht bemerkenswert.
Ein innerägyptisch nicht bekannter Name, der in den Aramaica aus Ele­
phantine zweimal auftaucht und sich davon mindestens einmal auf einen Nicht­
ägypter bezieht, lautet ʾS P 'M R ʾ/ S P 'M R ʾ.77 Die Deutung ist nicht recht klar: In
Frage käme „Er gehört zu dem an Beliebtheit Großen“, doch ist das zweifelhaft.
W as bei diesem Namentyp auffällt, ist das weitgehende - und demotisch
und aramäisch völlige - Fehlen von Isis und Osiris. Religiöse Gründe kann das
kaum haben, denn in anderen Bildungen kommen diese beiden Götter ja durchaus
vor. Ob man womöglich die Folge der beiden s-Laute - man hätte die entspre­
chenden Namen [(e)sēsej und [(e)susĩre] aussprechen müssen - als störend
empfand und darum lieber vermied?
Eine sozusagen „neutrale“ Art, die Zugehörigkeit zu einer Gottheit anzu­
geben, besteht im Gebrauch des Possessivartikels pa-/feminin ta- (entspricht in
der Funktion etwa arabisch ḍü). Auch dieser Typ ist im 1. Jt. v. Chr. sehr produk­
tiv78 und in der aramäischen Überlieferung dementsprechend häufig. Ein Beispiel
ist PN Y T (d. h. Pa-N j.t [panéit]) „Der der Neith“ als Name eines Aramäers aus
Memphis.79 Denselben Namen finden wir auch bei zwei Karem,80 und der Vater
jenes ägyptisierten Phönikers Chahap, dessen Stele in Berlin aufbewahrt wird,
hieß ebenso.81
Ein schöner Name, der in der ägyptischen Überlieferung kein Äquivalent
hat, sei angeführt, weil er eine wertvolle Bereicherung des Repertoires an aussa­
gekräftigen Personennamen darstellt. Ein Aramäer aus Sakkara hieß
PQ Ţ N W T Y ,82 was bisher immer falsch verstanden wurde, m. E. aber nur „Der,
den der Gott gebaut hat“ (fP ì-r.ąd-nṯr [peqeţnüte]) bedeuten kann. Der Name

76Dieser Mann erscheint mehrfach in TAD B 2.6 und 2.9.


77 TAD D9.9, 3; B5.5, 12 (Elephantine; ethnische Zuweisung unklar; eine Person oder
zwei?).
78 Vgl. Demot. N b 348ff.; 1161 ff.
79 TAD C4.9, 2.
80Pancit (Graffito Ab. 2a F); Pncit (Graffito GSS 72 F); vgl. Adiego 1994:60 und 59.
81 Vgl. Demot. N b 385 und hier speziell Beleg 2.
82 Segal 1983, Nr. 11, 3. Zauzich 1985:117 übersetzt „Der Baumeister Gottes“, was
Muchiki 1999:130 („The builder of god“) übernommen hat.
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 97

illustriert eine vielzitierte Stelle aus der Lehre des Amenemope: „Was den Men­
schen betrifft, ist er Lehm und Stroh, und Gott ist sein Baumeister (pì nṯr p>j=f
qđ)“ *3

6. Schließlich gibt es eine Reihe von Hypokoristika und Kurznamen, die sich
schlecht etymologisieren lassen, wie das auch in der aramäischen Überlieferung
häufige, unübersetzbare P B Y /T B ʾ8
848
3 5= demotisch Pa-bj, Ta-bj.ss Theophore Ele­
mente sind hier allenfalls indirekt enthalten. Z. B. geht das häufige, ägyptisch und
aramäisch belegte Pa-sj/P S Y 86 letztlich auf P ì-d j-w slr [peţusĩre] „Der, den Osiris
gegeben hat“87 zurück.

7. Zum Schluß müssen wir noch einen Blick auf die andere der beiden großen
Namengmppen werfen, nämlich die basilophoren Personennamen. Hier gibt es
solche, die aus dem Königsnamen allein bestehen, und solche mit weiteren Zusät­
zen. In der Perserzeit (wie auch später noch) griff man gerne auf die Namen der
saitischen Könige (664-525) zurück. Dazu gehörte auch ein, wenn man so sagen
darf, „protosaitischer“ Herrscher, nämlich Bokchoris (um 700), den Diodor als
großen Gesetzgeber rühmt und der auch in der spätägyptischen „nationalen Lite­
ratur“ eine Rolle spielt.88 Der Vater einer aramäischen Dame, die sich in Memphis
eine sehr grobe Totenstele mit ägyptischen Elementen errichten ließ, tmg diesen
Namen (BKR N P), der natürlich auch in hieroglyphischen Quellen nicht fehlt.89
Dieses Bìk-rri=f ist eine etwas merkwürdige Bildung; sie scheint „Diener seines
(eines Gottes) Namens“ zu bedeuten. Der göttliche Name nimmt hier also gleich­
sam die Stelle der Gottheit ein, in ähnlicher Weise wie in einem hieratischen Graf­
fito aus der Libyerzeit in Karnak, wo der Name des Amun den Schreiber beschüt­
zen soll.90

83 XXIV, 13-14 =25. Kapitel; Übersetzung (von der unseren etwas abweichend) in TUAT
III, 247.
84 Beide Namenformen aramäisch häufig; man beachte besonders den „Babylonier“
(BBLY) PBY in TAD D 22.3 in den Steinbriichen von Maťşara in Unterägypten. Der
PBY in TAD D2.35, 5 muß als Schreiber der Urkunde bzw. Unterschriftleistender ein
Nichtägypter sein. Was T B ʾ betrifft, ist auch die gleichlautende altsüdarabische
(minäische) Namenform, die sich auf drei verschiedene Frauen aus Ägypten bezieht, von
Interesse, vgl. Müller & Vittmann 1993:3f.
85 Vgl. Demot. NI>. 363 und 1172f.
86Vgl. Demot. Nb. 412f. und für die aramäische Form z. B. A2.1, 10. 11; C3.6, 9.
87Vgl. Demot. Nb. 298f.
88 Zu den sogenannten Prophezeiungen des Lammes des Bokchoris vgl. Thissen
1998:1043ff. (mit Literatur).
89 TAD D 20.2, 1; vgl. Demot. Nb. 147.
90Vgl. Vittmann, im Druck.
98 Günter Vittmann

A m häufigsten in ägyptischen wie in aramäischen Quellen ist verständli­


cherweise aber Psm ṯk [psamčik] „Psametich“91 (etymologisch sicherlich nichtä­
gyptischen - sehr wahrscheinlich libyschen - Ursprungs, aber als dynastischer
Name sozusagen assimiliert). Und in den karischen Inschriften ist Psametich mit 9
Belegen der häufigste Name überhaupt.92 Viel seltener ist das ebenfalls von Haus
aus unägyptische Njkìw [nikau] „Necho“, das glücklicherweise aber auch in ara­
mäischer (N K W ) und karischer Wiedergabe (Niqau) als gewöhnlicher Personen­
name bezeugt ist.93 Eine karische Stele aus Sakkara kennt sogar eine Ntokri
[nitoqre] „Nitokris“ = Nj.t-lqr(J) „treffliche Neith“ (nach der in der Thebais als
„Gottesgemahlin des Amun“ amtierenden Tochter Psametichs I. benannt).94
Was „Psametich“ angeht, können wir nun etwas recht Originelles feststel­
len: Während die Aramäer sonst die ägyptischen Namen unverändert - und allen­
falls lautlich adaptiert - übernommen haben, kürzten sie „Psametich“ (PSM ŠK)
gern zu P S M Y 95 „Psami“ ab. Das kommt bei verschiedenen Personen vor, und
alle sind sie tatsächlich Aramäer! Die ebenfalls häufige Vollform findet sich hin­
gegen gleichermaßen bei Ägyptern und Aramäem - ein „Psammi“ ist dagegen mit
einer einzigen späten Ausnahme96 in hieroglyphischen bzw. demotischen Texten
unbekannt. Ein aramäischer Papyrus bezeugt die mit der besagten Abkürzung ge­
bildete Zusammensetzung P S M SN Y T 97 „Psammi Sohn der Neith“ für einen Ka-
rer. Es gibt aber aramäisch auch ein von der Vollform ausgehendes Compositum
P S M Š K Ḥ S Y 98 „Psametich ist gelobt“, das unsere Kenntnis der späten basilopho-
ren Personennamen ergänzt: die genannte Bildung ist nämlich nur in einem einzi­
gen aramäischen Text (und zwar als Name eines entlaufenen ägyptischen Sklaven)
belegt.

91 Vgl. Demot. Nb. 212. Aram. (PSMŠK) z. B. in TAD A6.3 passim; 6.4, 2.4 etc. (in TAD
A stets dieselbe Person, ein Ägypter); B4.3, 24 (ein Aramäer aus Elephantine).
92 Die verschiedenen Varianten (Pismašk, Pismaśk etc.) sind unten im Anhang unter
Psmṯk aufgelistet; Belegnachweise bei Vittmann 2001.
93 Vgl. Demot. Nb. 624; TAD C 4.1, 2 (Sakkara, wohl ein Ägypter); Sakkara-Stele M 10;
vgl. Adiego 1994:61. Als historischer Königsname erscheint NKW 1 Variante NKW in
einem schlecht erhaltenen narrativen Text aus Schech Fadl in Mittelägypten, vgl. TAD D
23.1.8, 12; 23.1.5A, 11; 23.1.12, 7.
94 Vgl. Demot. Nb. 628; Sakkara-Stele M 27; vgl. Adiego 1994:61.
95 Vgl. z. B. TAD A2.1, 13; 2.2, 4; B 3.2,13; Segal 1983, Nr. 122A, 1.
96 Demot. N b, Korrekturen und Nachträge zu S. 482 (ein bilingues Graffito, worin grie­
chisch Ŧaļiļiic; demotisch Psrmjs'1 - wenn die Ergänzung des stark beschädigten Na­
menendes zutreffend ist - entspricht. Die demotische Wiedergabe geht also offenbar von
der gräzisierten Form aus, nicht umgekehrt).
97 TAD A 6.2, 2. 7.
98 TAD A 6.3, 3. 6 (Memphis).
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 99

Sehr beliebt bei Ägyptern wie Aramäem war auch W ìḥ-lb-r [wahprē<
]-
das ist gleichzeitig Thronname Psametichs I. und Geburtsname des Apries - samt
Zusammensetzungen. (Eine vielleicht nicht uninteressante Information am Rande:
Den Namen W ìḥ-lb-r ʿ-m -ìḫ.t [wahpre<
mache] „Wahibre ist im Horizont“ trug
auch ein in Ägypten lebender Grieche in der ersten Hälfte der 26. Dynastie!).9
100
9
Ob es Zufall ist, daß das in ägyptischen Texten ebenfalls häufige ʾIʿḥ-m s
[ahmōse] (d. h. „Am asis“)101 in nordwestsemitischen Quellen extrem selten ist102
- und dann anscheinend Ägypter, keine Semiten bezeichnet - , bleibe vorerst da­
hingestellt, ich glaube aber eher, ja.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß das aramäische Material - das


phönikische und karische ist insgesamt leider zu dürftig - im wesentlichen alle im
damaligen Ägypten üblichen Haupttypen enthält und diese in reichlicher Verwen­
dung auch für Nichtägypter bezeugt. Das Bild, das wir aus den originalen ägypti­
schen Quellen gewinnen, wird dadurch zum einen bestätigt, zum anderen aber oft
- wie wir an ausgewählten Beispielen gesehen haben - in wünschenswerter Weise
ergänzt und erweitert.

99 Vgl. Demot. Nb. 112-114 (Wìḥ-lb-r ʿ \md Zusammensetzungen).


100Griffith 1916:143; Pemigotti 1999:98f.
101 Vgl. Demot. Nb. 58.
102 Aramäisch ʾHM SY TAD D 7.38, 6 (Elephantine); phönikisch ʾHMS Muchiki
1999:14f. (Abu Simbel).
100 Günter Vittmann

Anhang
Àgyptisch-nordwcstscm itisch-karischc Namcnkonkordanz

Geboten wird ein nach dem ägyptischen Transkriptionsalphabet geordneter Index


der in den nordwestsemitischen (insbesondere aramäischen) und karischen Quel­
len enthaltenen ägyptischen Namen. A u f Quellennachweise konnte verzichtet
werden. Für die aramäischen Namenformen findet man sie bei Porten 2001 (vgl.
Anm. 3), für die phönikischen bei Muchiki 1999:14-43, für die karischen bei
Vittmann 2001. Alle nicht eigens gekennzeichneten Entsprechungen sind ara­
mäisch; phönikische sind mit „P“ versehen bzw. gegebenenfalls - falls auch ara­
mäisch überliefert - dem Vermerk „auch P“ . Dabei ist zu beachten, daß die Kenn­
zeichnung durch „P“ nur für die unmittelbar vorangehende Form gilt, keineswegs
für alle. Die Entsprechungen ʾḤ M S Y , ʾḤ M S (P) unter ʾlʿḥ-rns sollen also besa­
gen, daß die Form ʾḤ M S Y aramäisch, ʾḤ M S hingegen phönikisch überliefert ist.
Der ägyptisch-aramäische Index in Vittmann 1989a:226-229 ist nunmehr
im wesentlichen überholt; Abweichungen und scheinbare Lücken gegenüber die­
ser früheren Arbeit gehen zu deren Lasten. So ist - um nur ein Beispiel zu nennen
- der damalige Eintrag *Pì-rm ṯ-njt P R M N Y T verschwunden, weil der aramäische
Name in Wirklichkeit W Ḥ P R M N Y T zu lesen ist, was natürlich anders zu analy­
sieren ist (nämlich W ìḥ-lb-R ʿ-mrj-Nj.t).
Die karischen Entsprechungen sind am Kursivsatz (sowie der Präsenz von
Vokalen in der Transkription) zu erkennen und bedürfen somit keiner besonderen
Hervorhebung.
Meiner Einschätzung nach allzu imsichere Etymologien wurden nicht auf­
genommen, ebensowenig die bei Muchiki 1999:14-44 einen sehr großen Teil
ausmachenden sprachlich rein phönikischen Bildungen mit ägyptischem theopho-
ren Element (man kann hier nicht gut von „Egyptian proper names“ sprechen).
Überhaupt habe ich mich in der Aufnahme phönikischen Materials großer Zu­
rückhaltung befleißigt und mich mit Absicht im Großen und Ganzen auf das in
Vittmann 1989b gesammelte Material beschränkt.
Der Deutlichkeit halber wurden theophore Bestandteile ägyptischer Perso­
nennamen - nicht jedoch Toponyme - groß geschrieben (nur bei is t „Isis“ war
dies aus evidenten Gründen nicht möglich). Ein ? unmittelbar vor der fremd­
sprachlichen Wiedergabe drückt die Unsicherheit der Äquivalenz aus. Rekonstru­
ierten bzw. hypothetischen ägyptischen Bildungen geht ein Asterisk (*) voran.
Die Abkürzung „K g.“ steht bei Namenformen, die sich konkret auf Könige
beziehen (nicht aber bei Königsnamen, die als Name von Privatpersonen ge­
braucht sind!).
Ägyptische Onomastik der Spätzeit ļ Q1

ìs.t-ì.ìr-dj-s ʾS R Ţ Y S P i-ḥ rj PḤ R Y
ìs.t-wr.t ʾS W R Y ; P i-ḫ ìʿ-s PK<S
ʾW S Y R Y (sic; für ʾS W Y R Y ) *Pi-ḫm PḤ YM
ìs.t-rštj ʾS R Š W T ; ʾS R Š T P ì-sb i-ḫ ʿj-m-njw.t ? Psüsaini-qom
* j- H r ? Aor *P ì-sšn PSŠN
ʾlj-m-ḥtp Y M Ḥ W T ; Y M Ḥ T (P) P ì-šr-(n-)B ìst.t P Š W B ST Y
ʾlʿḥ-l.ìr-dj-s ʾḤ R Ţ Y S P ì-šr-n -p ì-w r PŠNPW R
ʾl ʿḥ-mn ʾḤ M N (auch P) *Pi-[šr-n-pi-]bw-rḫ= f P[ŠNP]BRḤP
ʾI ʿḥ-ms ʾḤ M S Y ; ʾḤ M S (P) P i-šr-n -p ì-m ij PŠN PM W Y
ʾlm n-U r-dj-s ʾM W R Ţ Y S (Kg.); P ì-šr-n -ptḥ PŠNPTḤ
ʾM R Ţ Y S Pì-šr-(n-)M ḥj.t P ŠM Ḥ Y (P)
ʾI.r=w lroú *(Pi-)šr-n-ni-hb.w ŠR N Ḥ Y B
}Ir.t=w-r.r=w Y T R W ; Iíuroú P ì-šr-n -tì-ìsw PŠN TSW
ʾlr.t-Hr-r.r=w Y N Ḥ R W (vgl. oben!) Pi-šr-(n-)Tw tw PŠTW T
ʾlḥj ʾḤ ʾ *Pì-qd-(pi-)nṯr PQ ŢN W TY
ʿnḫ=f-n-Mì ʿ.t CN Ḥ PM CY P i-kip, P i-kp PKYP
ʿnḫ-Mr-wr (N Ḥ M N W Y ; ‘ Ḥ M N W Y *PÌ-tpj PTPY
ʿnḫ-Hp CN Ḥ Ḥ PY; CḤ Ḥ PY; ʾḤ Ḥ PY P ì-d j ? PŢʾ
ʿnḫ-Hr ḤḤR P i-d j-is.t P Ţ ʾS (P); P T ʾS Y (auch P);
ʿnḫ-Hnsw r o ḤḤNS P T Y S Y ; P Ţ SY
W ìḥ-lb-R ʿ WḤPR< (auch P) P i-d j- ʾlj-m -ḥtp P Ţ M Y Ḥ T (sic,
W ìḥ-ìb-R ʿ-m-ìḫ.t WḤPR<MḤY statt PTY M Ḥ T)
W ìḥ-lb-R ʿ-mrj-Nj.t W Ḥ P R M N Y T (sic) P ì-d j- ʾlʿḥ PŢ ʾḤ
*W>ḥ-lb-R ʿ-nḫt [W]ḤPR<NḤ[T] P i-d j- ʾlrnn PTM W N ; ? PŢM N
Wn-nfr W NPR P i-d j- ʾlnp Ptnupi
Wrš-nfr W R ŠN P P i-d j- ʾltm PŢTW M ; Pdtom
W ḍì-Hr W ŞḤ W R P i-d j- ʿnq.t ? P tn u 'q ( iy i( l)
Bik-rn=f BKRNP P i-dj-W sìr P Ţ W S Y R Y ; PŢ W SR Y ;
Bl BLʾ P Ţ SW R Y (sic); P T SR Y
Bl.t B LḤ *Pi-dj-BÌ-nb-ḍd.t PŢ B N Ţ Ţ (P)
Bḫ BḤY P i-d j-B ist.t P T W B ST Y ; P Ţ B ST Y ;
Bs B S ʾ; B SḤ PdubcC
Pì-lw ìw (vgl. auch P ìj-ìw ) ? PYʾ Pi-dj-(pi-)nṯr ? P tn u 't( iy i( l)
P i- ʿḫm vgl. * P i-tì.w j P i- ʿḫm * P i-d j-M ij-ḥsi PŢM YḤ W S
Pì-w nš PW N Š Pi-dj-M n ? PŢM N
P i-w hr P u o 'ŕ Pi-dj-M ḥj.t ? PŢM ḤW
P i-m ij ? PM Yʾ Pì-dj-n= j-ìs.t P Ţ N ʾS Y
*P i-m sj (oder * P a -m sp ) PM SY Pi-dj-( ni- )nṯr. w PŢNTR
Pi-m sḥ PM SḤ Pi-dj-N j.t Pdneít
Pì-n-... s. unter Pa-. ..! Pi-dj-N fr-ḥtp PŢNPḤTP
102 Günter Vittmann

P i-d j-H r PŢḤ W R; PŢYḤ R; *Pij=w-ḥrj-ib PW ḤRB


? PTḤ W R P ij-W sïr (vgl. auch P a -w sìr!) ? P isiri
P i-d j-H r-pi-ḫrd PŢH R PḤ RŢ P ij—f-ṯìw - ʿ.wj-Nj.t PPŢ‘W NYT
P i-dj-Ŗ nsw PŢ K N S P ìj-f-ṯìw - ʿ.wj-Hnsw Tʾ’ PT ÍsicjH N S
Pi-dj-Sbk P T SB Q Psm js (Psammis) P S M Y (vgl. oben)
*Pi-dj-ti-w r.t PTTW RY Psmṯk PSM ŠK ; SM ŠK
*P i-d j-tiw j ? Puu (Abkürzung:) PSM Y
P ì-d j-.n.. PŢM K BSʾ Pǐsmašk; Pismaśk;
*Pa- ʾI ʿḥ P ʾḤ Psmašk; Psmaš[k; Psma[
(NB. Ranke 1952:279, 23 ist nur ʾlʿḥ Psmṯk- ʿwj-Nj.t Psmškúncit
zu lesen!) Psm ṯk-m -ìḫ.t ? PSM ŠK M [Ḥ Y (?)]
Pa- ʾlmn PM W N; ? PM N *Psmṯk-mrj PSM ŠK M R
Pa-lr=w (oder Pa-r.r=w) PRW *Psm ṯk-ḥsj P SM ŠK Ḥ SY
Pa- ʾĩtm PTW M Psm ṯk-sì-Nj.t P S M SN Y T (sic)
Pa-wn PW N P tḥ-U r-dj-s PŢ Ḥ R Ţ Y S (sic)
Pa-w slr (vgl. auch P ij-W sìr !) PSRY Ptḥ-w r 7PTḤ W R
Pa-w sr PW SY Ptḥ-m s Tamosi
Pa-B ìst.t / P i-n -B ìst.t PiubeÇ; ĭʾiub[a\ f l Ptḥ-nfr pthnw py
P a-bj PBY; PBʾ *Ptḥw i PTH W ʾ
Pa-p ?P Pʾ *M iʿ-(pi-)nṯr M ‘ NW TY
Pa-M n ? PM N Mnḫ- ʾlmn / M nḫ-Mn s. unter (Ni)-etc.
*Pa-m sj (oder *Pi-rnsj) ? P M SY M nḫ-Ìb-R ʿ M Ḥ PR ‘
Pa-mdw/mtr PM T; PM Ţ *Msḫn.t ? M SḤNH
P a -nì PN ʾ (Nì-)mnḫ- ʾlmn / *(Nì-)mnḫ-Mn
Pa-Nj.t PN Y T ; Pancít; Pncit M NḤM N
*Pa-Nfr-trn PNPTM *Ni-sn.w ? N SNW
Pa-r.r=w (oder Pa-Ìr=w) PRW Nìj=f- ʿw-rd N P CW RT
Pa-rt PRT N j.t-U r-dj-s NYTRŢYS
P a-ḥì.t / Pa-ḥj PḤH, PḤ Y N j.t-jqr / N j.t-lgr Ntokri
P a-ḥr PḤ ʾ N jkiw N K W ;N K W ʾ (Kg.); Niqau
Pa-H p PH PY Nfr-nbw.t N PRN W B
P a-H r PḤ W R N fr-ḥr Npro
Pa-Hnm PḤ N W M ; PH NM Nhm-s/w)- ʾlʿḥ N Ḥ M SʾḤ
P a -sj PSY; PSʾ N ḫt-H r NḤTḤW R
P a-sw r PSW *N s-pi- ʿì-mr ʾS P CM R ʾ; S P CM Rʾ
Pa-km.t PKM Y Ns-pi-mdw/mtr ʾSPM T; ʾSPM T; SPMT
Pa-ti.w j PTW Ns-(pì-)mdw/mtr-spsj ʾS M T S B S
*Pa-tì.w j P i- ʿḫm P T W P 'H M N s-pì-ntj-n-snj ʾSP ŢN SN Y
*Pa-Twtw ? PTT N s-(pi-)qi-šw tj ʾS K Š Y T ; ? ʾS K Y Š W
P ij-lw (vgl. auch Pi-Ìw ĩw ) Picú N s-Pth ʾSTḤ
Ägyptische Onomastik der Spätzeit 103

Ns-M n ʾS M N K ì-m n KM N
N s-H r ʾS Ḥ W R ; ʾSḤ R ; Iso r K l-nfr K N P Y (P); K N W P Y ; QN PY
Ns-Hnm ʾSḤ N W M ; SḤ NW M Gm=w-Hp Q M W Ḥ PY
Rnpd-nfr.t R N PN PR Y T ì-ʾìšr T ʾŠ R
Ĺjlw LYLW Tì-wr.t TW RY
Hrj=w HRYW Tì-nt- ... s. unter Ta-.. .!
Hrj-W ìḍ.t HRYW Ţʾ T>-r.ḥn=w, Ta-ḥn=w TḤ N ʾ
Hkr, H gr HQR T ì-rj (oder Ta-rj) TRY
Ijp-iw Ḥ PY W (auch P); Ḥ P Y ʾW T)-rmṯ(.t)-n-)s.t T R M N SY
Hp-mn Ḥ PY M N ; Ḥ PM N; Apmcn Tì-šr-(n-)pl-w r TŠPW R
Hp-mnḥ Ḥ P Y rM (?)1NḤ Tì-dj-W sìr T Ţ W SR Y ; T Ţ S R Y
(TAD C3.26, 7 liest H P Y CNḤ) Tĩ-dj-Bìst.t TtubaÇi; Ttba(i
Hn=w-(s-n-)Nj.t ḤNW NYT *Ti-dj=f ? TTP
*Hnts Ḥ N TS (P) T>-dj-Hr-wr TŢḤ RW R
Hr Ḥ R (P); Ḥ W R; O r Tì-dj-H r-pi-ḫrd T[ŢḤR]PḤRŢ
H r-w ḍì Ḥ R W Ş (auch P) Tl-dj-H r-(n-)p Ţ T Ḥ R PY
Hr-(p>-)bjk ḤRBK Ta-ìmn ? TM N
*H r-pi-nḥs ḤRPNḤS Ta-ir=w (oder Ta-r.r=w) TR W
*Hr-(pì-)k]p Ḥ R K P (P) Ta-w ì T W ʾ; T W Y ʾ
Hr-m -ìḫ.t ḤRM ḤY Ta-Wn-nfr TW NPRY
H r-m ì ʿ-ḫrw Ḥ R M ‘ ḤR Ta-W slr TSRY
Hr-mn ḤRMN Ta-bj T B ʾ; T B Y
Hr-nfr Ḥ R N W PY *Ta-p>-wr-ß-ḫm TPW RTḤ M
Hr-ḥtp Ḥ RḤT Ta-pì-mdw/mtr TPM T; TM T;
Ŗ r-ḫb (bzw. H r-m -ìḫ-bj.t) HRHBY T PM M T (sic)
*H r-kips. *Hr-(pì-)kip Ta-pì-ḫj TPḤ Y
H r-ß-bì.t H RTBʾ Ta-Mn T M Y N ; ? TM N
H r-si-is.t Ḥ R SYSY Ta-Nj.t TNYT
H rj Ḥ W RY; ḤRY; ḤRʾ Ta-nfr TN PY
H kì-l.ĩr-dj-s ḤKRŢYS Ta-r.r=w (oder Ta-ìr=w) TR W
Uʿj= f ? Ḥ YW P; ? Ḥ Y P Ta-rj (oder Tì-rj) TRY
Hnm-lw ḤNMW Ta-rt TR Ţ
Sì-ptḥ SPTḤ (P) Ta-ḥi.t TḤH; ? T Ḥ Y
Sm i-tì.wj SM TW ; SN TW Ta-hj ?TḤ Y
*Snb-Nj.t SN BN T Ta-Hp TḤ PY
*Šp- ʾltm ŠPTM Ta-ḥn=w s. unter T>-r.ḥn=w
*Šp-Nj.t ŠPN Y T Ta-ḥr T Ḥ ʾ; T Ḥ W ʾ
Šm ʿ-nfr ŠM Y N P Y Ta-ḫìbs TḤ BS
Šmtj /Šsrnt.t ŠM YTY Ta-ḫj ?T Ḥ Y
Š(š)nq ŠNQ (?) Ta-Hnm TḤ NW M
104 Günter Vittmann

Ta-ḫrd T Ḥ R T (sic) (> Ţlj-n.lm=w) mrnou


Ta-sj TSY; TSʾ Ţ)j-Hnsw-n.lm=w Ş K N SM W (P)
Ta-Šj, Ta-Šìj TŠY; TŠʾ D j-S tj ŢSTY
Tìj=f-nḫt(.t) TPN Ḥ TY Dḥwtj-m) ʿ.w T Ḥ W T M 'W
Twtw TT W D d-ḥr ŞḤ ʾ (auch P)
Thrq (Kg.) T H R K ʾ (Kg.) Dd-ḥr-Hnm ŞḤḤNW M
Ţ)j-n.ìm=w ŠM W (auch P); Šamoá Ð dḫj ŞḤ Y
Ţ ìj-H p -jm -w ŠḤ PYM W ; ŠḤ PM W

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Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen
Personennamen

von Michael P. Streck - München

0. Einleitung

Personennamen (PN) sind sprachliche Äußerungen. Doch welche Sprache geben


sie wieder? In welchem Verhältnis steht die Sprache der Namen zur Sprache -
oder wir sollten besser sagen - den Sprachen der Namensträger? Daß PN A r­
chaismen enthalten können, ist ein Gemeinplatz onomastischer Forschung. Doch
wie verbreitet und welcher Art sind diese Archaismen? Und spiegeln PN nicht
auch die Innovationen der Sprache der Namensträger wider? Schließlich: Wie sind
die geographischen Dialekte einer Sprache im Onomastikon repräsentiert?
Unter den altorientalischen und semitischen Sprachen bietet das Akkadi-
sche sehr gute Voraussetzungen für eine Beantwortung dieser Fragen. Eine über
2000 Jahre währende Sprachgeschichte ist durch Texte reichlich dokumentiert.
Zugleich enthalten alle diese Texte durch alle Zeiten hindurch überaus zahlreiche
PN. Mit Babylonisch und Assyrisch besitzt das Akkadische schließlich zwei klar
voneinander abgegrenzte Dialekte.
Die folgende Untersuchung ist so angelegt, daß zunächst die Geschichte
des babylonischen Zweiges des Akkadischen vom Altakkadischen bis zum Neu-
und Spätbabylonischen verfolgt wird. Mit Ausnahme des Altakkadischen sind bei
jeder Sprachstufe sprachliche Innovationen, welche die Namen und die Texte ge­
meinsam haben, und onomastische Archaismen differenziert. Weil die Überliefe­
rung mit dem Altakkadischen einsetzt, wären hier Innovationen allenfalls im Ver­
gleich mit dem rekonstruierten Protosemitischen erkennbar. Da aber viele Rekon­
struktionen mit Unsicherheiten behaftet sind, wird auf diesen Vergleich verzichtet.
Stattdessen werden beim Altakkadischen Gemeinsamkeiten zwischen onomasti­
scher und außeronomastischer Sprache verzeichnet, die zugleich besonders cha­
rakteristische Unterschiede zu den jüngeren Sprachstufen des Akkadischen mar­
kieren. Die sprachlichen Erscheinungen sind in der Reihenfolge Phonologie, Mor­
phologie (Pronomen, Nomen, Verb), Syntax und Lexikon angeführt.1 Anschlie­
ßend präsentiere ich charakteristische Unterschiede zwischen dem Assyrischen
und Babylonischen, wobei wieder die drei Sprachstufen Alt-, Mittel- und Neuas­

1 Orthographische Archaismen in Namen werden nicht behandelt. Für sie s. etwa Stol
(1991:193f.) und Streck (1999b:658f.), beide zum Altbabylonischen.
110 Michael P. Streck

syrisch differenziert sind. Alle Belege verstehen sich lediglich als Beispiele. Um­
fangreiche Dokumentation findet sich in den für jede Sprachperiode oder jeden
Dialekt angegebenen Namenbüchern. Für das außeionomasǔsebe Material werden
die sprachlichen Erscheinungen weder durch Belege noch Sekundärliteratur do­
kumentiert. Stattdessen verweise ich auf die gängigen Grammatiken und Lexika.
Unsere Studie kann sich nur auf wenige Vorarbeiten stützen. Stamm
(1939:93) streift die Thematik nur kurz bei seiner Behandlung der Tempora in den
PN: „Erst in der spätesten babylonischen Sprachperiode dringt die Umgangsspra­
che in die Namensbildung ein, indem an Stelle von -iddina vielmehr -ittannu ge­
setzt wird“ . Layton (1990:8f.) führt das ta-Präfix für die 3. P. Sg. f. und das flek­
tierte Determinativpronomen an. Stol (1991:195f.) nennt die „predicate state en-
ding“ la/, „the locative-terminative - č “, das Element Ilak- „Dein Gott“ und den
Dual des Personalpronomens als Archaismen in altbabylonischen Namen, doch
sind einige seiner Beispiele problematisch.2 Edzard (1998:107f. § 3.1) stellt fest:
„Wie bei den sum. PN läßt sich beobachten, daß die akk. PN teils der Umgangs­
sprache ihrer Zeit, auf jeden Fall aber der Literatursprache sehr nahe stehen, so
daß sie zu einem beträchtlichen Teil, wenn nicht überhaupt ganz überwiegend, als
lebendiges Sprachgut zu verstehen sind ... Besonders interessant ist die Erkennt­
nis, daß sich die für eine zeitliche und örtliche Variante des Akkadischen typi­
schen Lauterscheinungen auch in den Namen widerspiegeln ... Syntaktisch hat
dagegen der akk. PN die Regel, daß das Prädikat eines Satzes am Ende steht, in
seinem babylonischen Zweig nie konsequent nachvollzogen“ ; ebd. (110 § 6.1)
heißt es: „Da die Sprache der akk. PN durch die Zeiten immer nahe an der zeitge­
nössischen Sprache geblieben ist ..., können wir damit rechnen, daß Namen mit
neuem Vokabular aufgekommen sind“ . In Streck (2000:141-144 §§ 1.124-127)
wird demonstriert, daß sich das altbabylonische Verbalparadigma aus den PN
weitgehend rekonstruieren läßt und daß sich die Dialekte des Neubabylonischen
und Neuassyrischen auch im Onomastikon voneinander abheben.

2 Die Interpretation des Elementes na-da ist nach wie vor umstritten: nãda „ist geprie­
sen“ oder nãdā „preist!“? Baba- ʾila, ʾAnāku- ʾilama und ʾUmmĭ-ṯāba sind amurritisch
oder amurritisiert. -niʾāš, -šiʾāš enthalten nicht den Terminativ, sondern mit von Soden
(1962:150b) verkürzte Dativpronomina - allerdings ebenfalls ein Archaismus.
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 111

1. Altakkadisch3

S. allgemein M A D 2 und 3.

1.1. Gemeinsamkeiten zwischen onomastischer und außeronomastischer Sprache

Im Altakkadischen sind protosemitisch */š/ und */?/ in ein S geschriebenes und /ś/
transferiertes Phonem zusammengefallen, während */ţ/ >/š/ (geschrieben Š) ein
selbständiges Phonem ist. Onomastische Beispiele sind Sá-lim-a-ḫu /Śalim-ʾaļju/
(/ś/ <*/š/) „Heil ist der Bruder“ M A D 3, 2 7 2,1-si-rn-D IN G IR /Yiśĩm-ʾil/ (/ś/ <*
/ś/) „Bestimmt hat der Gott“ M A D 3, 260 und Ša-li-ba /ŠaUiba/ „Fuchs“ M A D 3,
258. /V und /ē/ sind distinktive Phoneme (Sommerfeld 1999:18f.): N a-ra-m e-ì-li
/Narām=ilē/ „Liebling der Götter“ M A D 3, 231, ì-lí-du-gul-ti /ʾllī-tukultī/ „Mein
Gott ist meine Zuversicht“ . Ebenso sind möglicherweise /u/ und /ū/ auf der einen
und /ō/ auf der anderen Seite differenziert (Sommerfeld 1999:21): I-ku%-núm
/Yikōnum/ (*kwn) M A D 1, 201, Åľn-rn-«ò-DINGIR.DINGIR /Kumb-ʾilē/ „Bete
die Götter an!“ M A D 3, 150. Uneinheitlich verhalten sich sowohl onomastische
als auch außeronomastische Sprache bei der Behandlung von /ʿ/. Neben Erhalt ist
auch Schwund unter begleitendem Umlaut von */a/ zu /e/ bezeugt. Für die au­
ßeronomastische Sprache s. M A D 2, 190; 3, 274f. und Edzard (1998:108 § 3.2);
letzterer stellt fest, daß Schwund vor allem in Südbabylonien anzutreffen und
vielleicht durch sumerischen Einfluß zu erklären ist. Für das Onomastikon vgl. Iš-
tmó-D IN G IR /Yiśma(-ʾil/ „Gehört hat der Gott“ M A D 3, 275 neben Zwwe-dUTU
/Yiśmē-Śamaś/ „Gehört hat Śamaś“ M A D 3, 275 (präsargonisch).
Das Determinativpronomen wird voll flektiert: Šû-clum „Der des Gottes“
(Gruppenflexion) M A D 3, 251, Šāt-Tišpak „Die des Tišpak“ M A D 3, 253.

1.2. Archaismen

Der /a/-Kasus als Zitierkasus und in prädikativer Funktion (Streck 2000:283-290


§§ 3.43-52) ist nur noch im Onomastikon belegt: Aba-Samaš „Vater ist Śamaś“
M A D 2, 148 (noch in der Ur III-Zeit). In derselben Funktion wird jedoch auch
onomastisch schon innovativ der Nominativ verwendet: Abum-Amar-Su ʾcn „Vater
ist Am ar-Suʾen“ M A D 3, 10 (Ur III).
Unklar ist, ob binu „Sohn“ onomastisch einen Archaismus darstellt: Bin-
kali-šarrë „Sohn aller Könige“ M A D 3, 97. Außeronomastisch fehlen jedenfalls
syllabische Belege für m arʾu „Sohn“ ; „Sohn“ wird immer mit dem Sumerogramm

3 Sofern nicht anders angegeben, sind alle Belege sargonisch.


112 Michael P. Streck

D U M U geschrieben, das für binu oder mar ʾu „Sohn“ steht. Im jüngeren Akkadi­
schen ist binu nur in lexikalischen Listen und nicht zu häufig in literarischen
Texten bezeugt (nach AHw. 127 jungbabylonisch dichterisch; C A D B 242f).

2. Altbabylonisch

S. allgemein Stamm (1939).

2.1. Innovationen

Altakkadisches /ś/ fällt altbabylonisch mit /š/ < */\ļ zusammen: Šalim -pãliḫ-
Marduk „Wohl ergeht es dem, der Marduk fürchtet“ B A 6, 112, Lišīm -il
„Bestimmen möge der Gott“ C A D Š/l, 359a. /ʿ/ und /h/ schwinden stets unter
Umlaut von */a/ zu /e/:4 Išm c-A dad „Erhört hat Adad“ (*šm ʿ) Stamm (1939:189),
Inun-Ea „Gnädig gezeigt hat sich Ea“ {*ḥnń) AHw. 217. Die Orthographie lässt
eine Differenzierung von /u/ bzw. /ŭ/ und /ō/ nicht mehr erkennen. Der Plural Ob-
liquus der Nomina lautet nun auf /ĩl aus: A w īl-ilī „Mann der Götter“ Stamm
(1939:76).
Der /a/-Kasus als Form des nominalen Prädikats und als Zitierform ist
nicht mehr belegt. Für aus dem Onomastikon gewonnene Verbalparadigmen s.
Streck (2000:142-143 § 1.125).
Vereinzelt kommt onomastisch schon das -ŕa-Perfekt zur Bezeichnung
isolierter vergangener Sachverhalte5 vor: Ātanaḫ-ilī „Ich bin müde geworden,
mein Gott“ Stamm (1939:163), Ātamar-Sîn „Ich habe Sîn geschaut“ Stamm
(1939:183). Außerhalb des Onomastikons gehört es in dieser Funktion wohl
hauptsächlich der Umgangssprache an (Streck 1999a:117f. 4.2). Die Verwendung
des Perfekts im Onomastikon taucht nicht zufällig zuerst bei Verben in der 1. P.
Sg. auf: Die Rede des Namengebers wird in einer der Umgangssprache naheste­
henden Form wiedergegeben.

2.2. Archaismen

Das Determinativpronomen kann im Onomastikon noch flektiert werden: Šü-


Mama „Der der Mama“ C A D Š/3, 153a,6 Šãt-Aja „Die der Aja“ Stamm

4Für */h/>/\}/ s. Tropper 1995:61-64.


5 Die Funktion lässt sich gegen Stamm 1939:94 nicht als Schilderung von „unmittelbar
Erlebte[n]“ beschreiben.
6 Korrigiere Stamm 1939:263 Anm. 7: ŠU ist altbabylonisch noch nicht Girnil- zu lesen;
diese Lesung ist erst neubabylonisch einzusetzen.
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 113

(1939:263). Sieht man von idiomatischen Verbindungen wie z. B. šāt m ŭši „die
(Wache) der Nacht“ ab, so stammen die letzten außeronomastischen Belege aus
dem (Früh-)Altbabylonischen, s. C A D Š/2, 184 und Š/3, 152f. Die innovative,
unflektierbare Form ša dringt aber ebenfalls in das Onomastikon ein: Ša-ili(m)
„Der des Gottes“ Stamm (1939:263). Das Onomastikon kennt noch eine Dualform
des Personalpronomens 3. P.: Šinī-damqã „Die beiden (Göttinnen) sind gut“ A R M
16/1, 197 (vgl. Stol 1991:196) neben dem innovativen femininen Plural Šina-
damqă (ebd.). Der Terminativ hält sich in Namen wie Iliš-tikal „A u f Gott ver­
traue!“ (G A G § 67b; Stol 1991:195). Außeronomastisch begegnet er bei Substan­
tiven vor allem in literarischen Texten. Das Verbum besitzt im Onomastikon noch
das ta-Präfix für die 3. P. f., wenn auch nur in Kongruenz mit dem Genus der Na­
mensträgerin (Edzard 1962): fTašm ē-Ištar „Gehört hat Ištar“ Z A 55, 116. Außero­
nomastisch ist das to-Präfíx nur in literarischen Texten manchmal erhalten.
Die archaische Wortstellung ist beim altererbten Namenstyp „Verbum im
Präteritum - Subjekt“ erhalten, während neue, durch Suffixe erweiterte Na­
menstypen die innovative Stellung „Subjekt - Prädikat“ bevorzugen: Ibnī-N N
„Geschaffen hat N N “ , aber Ilšu -ib n ī „Sein Gott hat erschaffen“ (s. Stamm
1939:107f). Voranstellung des Verbums kommt außeronomastisch in literari­
schen Texten vor.
Ein lexikalischer Archaismus ist wohl das Wort ipqu „freundliche Umar­
mung“, das sich nur onomastisch belegen lässt, s. Edzard (1998:107 § 3.1): Ipiq-
N N „(In der) Umarmung des N N “ AHw. 385. Hierher gehört ebenfalls das Wort
puzru in der Bedeutung „Geborgenheit“ : /ʾ«z«r-NN „(In der) Geborgenheit des
N N “ AHw. 885; außeronomastisch bedeutet puzru immer „Verborgenheit, Ge­
heimnis“ . Stol (1991:195) spricht von „literary flavour“, der bisweilen im Lexikon
altbabylonischer Namen zu spüren sei.

3. M ittclbabylonisch

S. allgemein Hölscher (1996).

3.1. Innovationen

/šs/ wird zu /ls/, /št/ zu /hl: A lsīš-ablut „Ich rief ihn an, da lebte ich a u f1Hölscher
(1996:27) und Edzard (1998:107 § 3.1), Bāltī-Adad „Mein Schutzgeist ist Adad“
Hölscher (1996:248). Die Mimation schwindet: s. z. B. marrnu und balu in
M annu-balu-Šamaš „Wer ist ohne Šamaš?“ ebd. 135. Im Präteritum von D - und
Dt-Stamm wird /a/ der ersten Silbe öfter zu /e/: Ligd cššer „Er möge stark gemacht
werden“ ebd. S. 131. Stimmhafte Geminaten werden gerne dissimiliert: Pungulu
114 Michael P. Streck

„Sehr stark“ ebd. 169, Şunduru/Şundurtu „Stark schielend“ ebd. 260. Anlautendes
Av/ fällt ab: S. ebd. 263 s. v. (w)aqāru und (w)aqru, z. B. Aqar-M arduk „Kostbar
ist Marduk“ .
Das flektierte Determinativpronomen ist zugleich mit dem ganzen Na­
menstyp 5i</5ä//5a-Gottesname aus dem Onomastikon verschwunden.
Erst ab der mittelbabylonischen Zeit ist gabbu „alles“ in Texten und Na­
men belegt: N inurta-gabbu-ìlānī „Ninurta ist alles für die Götter“ ebd. 251. Das­
selbe gilt für dagālu „schauen“ (s. AHw. 149b): Adaggal-pān-M arduk „Ich will
das Antlitz Marduks schauen“ Hölscher (1996:249). rīmŭtu „Geschenk“ läßt sich
ebenfalls außeronomastisch und onomastisch erst ab dem Mittelbabylonischen
nachweisen: Rīm ŭt-Gula „Geschenk der Gula“ Hölscher (1996:259). Das früher
häufige puzru „Geborgenheit, Schutz“ ist nur noch vereinzelt belegt, s. ebd. 169.
Dafür tritt oft das elamische Lehnwort kidinnu im Namenstyp Kidin-N N „(Im
Schutz) des N N “ auf, s. ebd. 120-123 und Edzard (1998:111 § 6.1); das Wort
begegnet schon altbabylonisch selten in PN (AHw. kidinnu le), kommt außero­
nomastisch aber erst ab der mittelbabylonischen Zeit vor.

3.2. Archaismen

Der Terminativ bei Substantiven begegnet noch „vereinzelt“ (G A G § 67b) im


Namenstyp Iliš-tikal „A u f den Gott vertraue!“ . Für das ŕa-Präfix s. Edzard
(1962:119).
In der Regel verwenden die PN das Präteritum für isolierte Sachverhalte
der Vergangenheit; für das Perfekt s. etwa Hölscher (1996) unter den Lemmata
amāru, anăḫu (beide Verben schon altbabylonisch onomastisch mit Perfekt be­
zeugt), arămu und balātu. In mittelbabylonischen Briefen ist dagegen das Perfekt
in dieser Funktion die normale Form. W ie altbabylonisch ist onomastisch die
normale Wortstellung „Präteritum - Gottesname“ ; so sind z. B. mit nadānu
„geben“ bei Hölscher (1996:88-90) 55 Namensträger mit Namen Iddin-N N
„Gegeben hat N N “ gebucht, aber nur einer (ebd. 93) mit der umgekehrten Wort­
stellung Ilī-iddin „Mein Gott hat gegeben“ .7
Das selbständige Possessivpronomen gehört ab dem Mittelbabylonischen
nur noch der literarischen Sprache an. Auch onomastisch ist dieser Archaismus
belegt: Jă ʾu -bā ni „Der Meinige ist Schöpfer“ Hölscher (1996:253). Für „Löwe“
gebraucht das Onomastikon stets das literarische Wort labbu, nie das umgangs-

7 Die Angabe von Stamm (1939:108), daß in nach-altbabylonischer Zeit bei zweigliedri­
gen Namen die Stellung „Subjekt - Prädikat“ überwiege, ist zu korrigieren.
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 115

sprachliche nešu: Labba-kašid „Der Löwe ist überwältigend“ Hölscher


(1996:130).*

4. Ncu-/Spätbabylonisch

5. allgemein Tallqvist 1905.

4.1. Innovationen

Auslautende kurze Vokale fallen ab: Ebabbar-ša-du-nu l-šadûnl „Ebabbar ist un­
ser Berg“ Tallqvist (1905:57a). Beim Verb nadānu assimiliert sich bei Kontakt­
stellung der zweite an den dritten Radikal: Nabû-tattann(u)-bullissu „Nabû, du
hast gegeben; erhalte ihn am Leben!“ (ebd. 323b).
Der Prekativ der 3. P. D-Stamm hat Präfix lu-: Ninurta-lukin „Ninurta möge fest
machen“ Tallqvist (1905:270b).
Erstmals dringt das -ta-Perfekt in größerem Umfang in das Onomastikon
ein: N abû-tultabši-līšir „Nabû, du hast entstehen lassen, er möge gedeihen“, s.
Streck (2001:118). Daneben ist aber nach wie vor oft ebenso wie in literarischen
Texten das Präteritum zur Bezeichnung isolierter Sachverhalte der Vergangenheit
gut bezeugt. Andererseits hat in einigen Namen das Präteritum die in neu-
/spätbabylonischen Briefen bezeugte Wunschfunktion, z. B. in Tcrik-šarrŭssu
„Lang währe sein Königtum“ Streck (2001:118).
Das nach-altbabylonisch außeronomastisch nur noch literarisch belegte
Wort bŭru „Kalb“, das im älteren Onomastikon noch gut bezeugt ist, kommt nun
in PN nicht mehr vor.

4.2. Archaismen

Immer noch häufig sind das Präteritum zur Bezeichnung isolierter Sachverhalte
der Vergangenheit (s. 4.1) und die Wortstellung „Präteritum - Gottesname“, s.
z. B. Tallqvist (1905:323b) für Iddin-NN.
bâru „Bestand haben“ ist nach dem Altbabylonischen nur noch literarisch
bezeugt (AHw. 108). Für das neubabylonische Onomastikon s. Tallqvist
(1905:301a) s. v. abâru, z. B. N abû-šum u-libür „Nabû, der Name möge Bestand
haben“ . Für „Dienerin“ verwendet das Neubabylonische außeronomastisch das
Wort qallatu. Onomastisches andu < *amtu in Andi-Sutĩti „Dienerin der Sutītu“8

8 Beachte auch den erstarrten a-Kasus, der nur noch hier begegnet. Schon Stamm
(1939:132 Anm. 1) bezeichnet den Namen als „hinsichtlich beider Bestandteile archa­
isch“ .
116 Michael P. Streck

ist ein Archaismus, s. Streck (1992:148) und Tallqvist (1905:304). šumma „wenn“
statt des außeronomastischen kī ist ebenfalls ein Archaismus: Šumma-Nabû
„Wenn doch Nabû (da wäre)“ Tallqvist (1905:334a).

5. A ssyrisch und Babylonisch

S. allgemein Stephens (1928) und Edzard (1998:107 § 3.1).

5.1. Altassyrisch

Die assyrische Vokalharmonie zeigt sich im Namen Šalmaḫum (Nominativ),


Šalmcḫem (Genitiv) „Heil ist der Bruder“ Stephens (1928:60). Statt babylonisch
Ava/ im Anlaut hat das Assyrische /ʾu/ wie in Urad-Kubim „Diener des Kubum“
ebd. 68 (babylonisch warad-).
Der Genitiv lautet babylonisch auf /i(m)/, assyrisch aber auf /e(m)/ aus:
Puzur-šadū ʾc (geschrieben -e) „(Im) Schutz des Berges“ ebd. 31.

5.2. Mittelassyrisch

S. allgemein StPohl 6 und Freydank/Saporetti (1979).


Dem babylonischen /ʾi/ < */ya/ im Anlaut entspricht assyrisch /ʾe/: E ša r-
dën-Nusku (geschrieben E-) „Gerecht ist das Urteil des Nusku“ StPohl 6/2, 118.
Babylonisch /wa/ im Anlaut entspricht assyrisch /ʾu/: Aḫātu-uqrat „Die Schwester
ist kostbar“ StPohl 6/2, 167 (babylonisch waqrat). Fehlender Umlaut */a/ > /e/:
Imāru „Esel“ (babylonisch imēru) Freydank/Saporetti (1979:167), Šamaš-këna-
išammc „Šamaš hört den Gerechten“ ebd. 177 (babylonisch išemmc). Statt Lang­
vokal + Einfachkonsonanz im Babylonischen hat das Assyrische Kurzvokal +
Doppelkonsonanz: A ššur-abuttī „Aššur hat mir gegenüber die Vaterschaft inne“
ebd. 157 (babylonisch abütu).
In den präfixlosen Formen von D - und Š-Stamm entspricht babylonischem
/u/ in der ersten Silbe assyrisches /a/: P a ḫ ḫ ir-ilĩ „Versammle (die Familie), mein
Gott!“ StPohl 6/2, 145, A ššur-bêla-šallim „Aššur, erhalte heil den Herrn!“ ebd.
157, Šamrusãku „Ich bin besorgt“ Freydank/Saporetti (1979:170) (babylonisch
puḫḫir, šullim , šumrusāku). Im Š-Stamm haben die Verba I-ʾ e-Klasse in den prä­
fixlosen Formen babylonisch /ū/, assyrisch /ē/: Šamaš-šczib „Šamaš, rette!“ StPohl
6/2, 119 (babylonisch šūzib).
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 117

5.3. Neuassyrisch

S. allgemein Tallqvist (1914), PN A und Streck (2000:144 § 1.127).


Bei den Verba I-ʾ e-Klasse hat im G-Stamm die 3. P. Sg. assyrisch Präfix
c- gegenüber babylonisch ī-: Šarru-cmuranni (geschrieben -c-mur-) „Der König
hat mich angesehen“ Tallqvist (1914:268) (babylonisch īmur). Der Prekativ G-
Stamm 1. P. Sg. hat babylonisch Präfix lu-, assyrisch aber la-: Pān-Aššur-lām ur
„Das Antlitz Aššurs will ich sehen“ ebd. 268 (babylonisch lūmur). Das Verbum
epĕšu ist im Assyrischen a/u-Klasse, im Babylonischen dagegen u/u-Klasse: Ilu-
eppaš „Der Gott wird (es) machen“ ebd. 197 (vgl. Stamm 1939:197 für mittelba­
bylonisches Ilu-ippuš). D - und Š-Stamm Imperativ: A ššur-ballit „Aššur, erhalte
am Leben!“ Tallqvist (1914:274), N abû-šabši „Nabû, lasse entstehen!“ ebd. 276
(babylonisch bullit, šubší).9 Verba mediae vocalis bilden im Gegensatz zum Ba­
bylonischen den Imperativ des D-Stammes stark: A ššu r-bcl-kaʾʾin „Aššur, stabili­
siere den Herrn!“ ebd. 37 (babylonisch lān). Š-Stamm Verba I-ʾ e-Klasse: Adad-
šczibanni „Adad, rette mich“ ebd. 265 (babylonisch šŭzibam i).

6. Zusamm enfassung

Die akkadischen PN weisen Archaismen in den Bereichen Morphologie, Syntax


und Lexikon, nicht aber in der Phonologie auf. Während sich die syntaktischen
Archaismen lange halten können (s. die Verwendung des Präteritums und die
Erststellung des Verbums, beide bis zum Neu-/Spätbabylonischen), sind morpho­
logische Archaismen kurzlebiger und verschwinden einige Jahrhunderte nach ih­
rem Aussterben in der Sprache der Namensträger auch aus der Sprache der Namen
(s. den a-Kasus im Altakkadischen, das flektierte Determinativpronomen und den
Dual des Personalpronomens bis zum Altbabylonischen, den Terminativ bis zum
Mittelbabylonischen).10 Die lexikalischen Archaismen stehen in Bezug auf die
Lebensdauer anscheinend zwischen den morphologischen und syntaktischen (ipqu
bis zum Altbabylonischen, puzru in der Bedeutung „Geborgenheit“ und j ā ʾu bis
zum Mittelbabylonischen, bâru bis zum Neubabylonischen).
Zugleich spiegeln die PN die Innovationen der Sprache der Namensträger
wider, allerdings in verschiedenen Bereichen in unterschiedlichem Maß: in der

9 Sofern hier nicht Sandhi für Nabû-usabsi „Nabû hat entstehen lassen“ vorliegt.
10 Das to-Präfix ist alt- und mittelbabylonisch Archaismus, im Neu- und Spätbabyloni­
schen dagegen kommt es auch wieder in Briefen vor; letztlich läßt sich also nicht ent­
scheiden, ob sein Vorkommen in neu- und spätbabylonischen PN als Archaismus oder
Innovation bewertet werden soll.
118 Michael P. Streck

Phonologie immer, oft in der Morphologie und im Lexikon, in geringerem Maß


dagegen in der Syntax. Wichtig ist dabei die Beobachtung, daß zur selben Zeit bei
derselben sprachlichen Erscheinung - besonders im morphologischen Bereich -
Archaismus und Innovation nebeneinander stehen können (etwa a- und 0-Kasus
im Altakkadischen, flektiertes Determinativpronomen neben unflektiertem ša im
Altbabylonischen, pu zru neben kidinnu im Mittelbabylonischen, durch alle Zeiten
hindurch Perfekt neben Präteritum und Erststellung des Verbums neben Endstel­
lung). Graphisch lässt sich das Verhältnis von Archaismen zu Innovationen im
Onomastikon stark schematisiert etwa wie folgt zusammenfassen (Zahl der „ X “
bedeutet die Menge an Archaismen bzw. Innovationen; je weiter links die Ar­
chaismen stehen, um so langlebiger sind sie):

Archaismen Innovationen
Lexikon XXX XXXXXXX
Syntax XXXXXXX XXX
Morphologie XXX XXXXXXX
Phonologie xxxxxxxxxx

Die beiden Hauptdialekte des Akkadischen, Babylonisch und Assyrisch, sind -


wenn auch aufgrund des beschränkten Materials nicht in allen Details - auch im
Onomastikon greifbar.
Vergleicht man die Sprache der Namen mit der der überlieferten akkadi­
schen Texte, so stellt man eine relative Feme zu den der Umgangssprache nahe­
stehenden Briefen, dagegen zu allen Zeiten eine besondere Nähe zur Literatur im
engeren Sinne fest. Auch akkadische literarische Texte stehen immer im Span­
nungsfeld von Archaismen und Innovationen. Alle in PN anzutreffenden A r­
chaismen sind, soweit die Textbasis Aussagen zulässt,11 ebenfalls literarisch be­
legt. Auch in der Literatur ist die Phonologie am stärksten und die Syntax am we­
nigsten innovativ.1
12 Die Nähe zur Literatursprache lässt keinen Zweifel an der

11 Altakkadische literarische Texte sind - von Königsinschriften abgesehen - fast nicht


belegt. Aufgrund der hier vorgestellten Beobachtungen darf man vermuten, daß der a-
Kasus der Namen sich auch in der literarischen Sprache dieser Zeit finden würde.
12 „Das Jungbab. ... ist als reine Schul- und Literatursprache in sich besonders uneinheit­
lich, weil es sich der Einwirkung der gleichzeitigen gesprochenen Dialekte ... zu keiner
Zeit entziehen konnte ... Im Lautstand ist die Abhängigkeit von diesen am stärksten ...
Der jB Satzbau steht vorwiegend unter dem Einfluss der älteren Sprache“ (GAG § 191).
S. ferner Stein (2000:76) zur Sprache der mittel- und neubabylonischen Königsinschrif­
ten: „Schon ein grober Überblick zeigt, daß in weiten Bereichen der Morphologie und
vor allem auf dem Gebiet der Syntax die untersuchten Inschriften deutliche Differenzen
zu den zeitgenössischen Texten des Alltagsleben zeigen, während sie beispielsweise in
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 119

weitgehenden Verständlichkeit auch der archaischen Elemente in Personennamen.


Mögen auch bestimmte literarische Texte vielleicht nur einem engeren Kreis von
Schriftkundigen sprachlich voll zugänglich gewesen sein, so wurden etwa K ö ­
nigsinschriften, kultisch-literarische Texte und vor allem Rechtsurkunden13 mit
ihren Archaismen von einem weiteren Publikum verstanden. Die folgende Gra­
phik zeigt einige Textgattungen des Akkadischen mit der Menge ihrer syntakti­
schen Innovationen (stark schematisiert):

Syntaktische Archaismen
Literarische Texte xxxxxxxxxx
Königsinschriften xxxxxxxxxx
Personennamen xxxxxxxxxx
Rechtsurkunden xxxxx
Briefe XXX

Interessant wäre ein hier im Detail nicht durchführbarer Vergleich zwischen Spra­
che und Theologie der PN. W as die theophoren Elemente betrifft, so ist die
Theologie der PN zumindest ganz überwiegend innovativ. Schon oft ist beobach­
tet worden, daß PN „Spiegel des lebendigen Volksglaubens und seiner Wandlun­
gen sind“ (Edzard 1998:111 § 6.1). Die zu einer bestimmten Zeit besonders ver­
ehrten Götter treten auch im Onomastikon stark hervor. Ebenso ist die Verehrung
von Lokalgöttem im Onomastikon nachvollzogen (Edzard 1998:111 § 6.2).14 In­
wieweit die theologischen Aussagen der Wandlung unterliegen, ist bisher aller­
dings nur ansatzweise untersucht worden.15
Verlassen wir das Akkadische und fragen zum Schluß nach der methodi­
schen Relevanz der vorangegangenen Untersuchung für nur oder hauptsächlich
onomastisch überlieferte Sprachen. Mein Blick richtet sich hier besonders auf das
ebenfalls keilschriftlich tradierte, geographisch und chronologisch dem Akkadi­
schen ganz nahestehende Amurritische, wo bekanntlich ein Bezugspunkt in Form
von Texten völlig fehlt. Dies erschwert und beschränkt die Rekonstruktion der

der Orthographie, aber auch in manchen morphologischen Punkten, weitgehend mit letz­
teren übereinstimmen“.
13 S. Streck (1995:153f. § 33e) für syntaktisch archaisierende Teile spätbabylonischer
Rechtsurkunden.
14Kein theologischer Archaismus liegt vor, wenn ein an einem Ort aufgegebener Kult an
einen anderen Ort verschoben wird und dann auch im Onomastikon weiterlebt. Beispiele
dafür aus spätaltbabylonischer Zeit nennt Pientka (1998:179-196).
15 S. Edzard (1998:111 § 6.1) mit Bezug auf eine Studie von A. L. Oppenheim. Stamm
(1939:4) hat „darauf verzichtet zu untersuchen, wie weit sich die religiöse Entwicklung
in der Namengebung wiederspiegelt“.
120 Michael P. Streck

amurritischen Sprache zwar beträchtlich, ist aber nach den hier vorgetragenen
Ergebnissen kein grundsätzliches Hindernis überhaupt. Allerdings darf die Rekon­
struktion nicht erwarten, außerhalb der Phonologie und teilweise auch der Mor­
phologie und dem Lexikon eine der Umgangssprache der Namensträger naheste­
hende Sprachform wiederzugewinnen. Vielmehr wird es sich bei dem Rekonstrukt
besonders im syntaktischen, in geringerem Maße auch im morphologischen und
lexikalischen Bereich um eine Sprachform handeln, die durch ein Nebeneinander
von archaischen und innovativen Elementen charakterisiert ist16 und für die die­
selben methodischen Maßstäbe wie für die Analyse von Literatursprachen gelten
sollten. Für die Herausarbeitung amurritischer Dialekte ergibt sich, daß nur solche
sprachlichen Varianten in Frage kommen, die sich eindeutig regional eingrenzen
lassen; andere Varianten dürften eher Archaismus neben Innovation sein und so­
mit verschiedene sprachhistorische Zustände dokumentieren.

16 Ein gutes Beispiel aus der Morphologie liefert das amurritische Kasussystem mit ei­
nem Nebeneinander von wohl archaischem a- und innovativem O-Kasus; allerdings fin­
det sich hier teilweise eine vermutlich sekundär phonologisch geregelte Verteilung, s.
Streck (2000:257-290 §§ 3.1-3.52).
Sprachliche Innovationen und Archaismen in den akkadischen Personennamen 121

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Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen
in der altbabylonischen Zeit

von Gábor Kalla (Budapest)

Personennamen dienen hauptsächlich zur eindeutigen Identifikation einer Person.


Innerhalb einer kleineren Gemeinschaft genügen einfache kurze Namen, z. B. sol­
che, die sich auf Eigenschaften der Namensträger beziehen; die Zahl dieser Spitz­
namen bleibt aber sehr begrenzt. In einer größeren Gesellschaft, besonders wenn
die sozialen Kontakte vielseitig sind, braucht man viel mehr Namensformen. Je
größer eine Gesellschaft ist, desto schwieriger ist die Identifikation der Personen
durch einfache Namen. Die großen städtischen Zivilisationen, in denen diese
Identifikation besonders große bürokratische und juristische Relevanz hat,1 haben
verschiedene Lösungen dieses Problems gefunden: die Individualnamen werden
bei den meisten Kulturen mit Filiationsangaben versehen, oder man ergänzt sie
durch Familiennamen bzw. andere nähere Bestimmungen.2
In Mesopotamien ist die Verwendung von Familiennamen nur in der neu-
und spätbabylonischen Zeit bekannt. Vorher war die Bestimmung einer Person
durch Filiationsangabe (Vatersname) üblich. Der Name wurde in einzelnen Fällen
durch den Beruf oder die Funktion ergänzt. Der Name des Großvaters oder des
Clan-Oberhauptes wurde gelegentlich in altakkadischer Zeit angegeben.3
In den Perioden, in denen man neben dem Individualnamen nur den V a­
tersnamen zur Bezeichnung einer Person benutzte, versuchte man, durch die Ein­
führung neuer Namensformen den Namenvorrat zu ergänzen. Stamm (1939:14)
schreibt: „Bei diesem Zuwachs an Namenbildungen haben wir die sukzessive Be­
reicherung durch vereinzelte Neuprägungen und neue „Namenmoden“ zu unter­
scheiden, bei denen in weitem Umfange neue Strukturtypen in Gebrauch kommen
und sogar neue Gedanken in die Namengebung eindringen.“

1 Dieser Zusammenhang erklärt, daß das römische Familiennamensystem mit dem Nie­
dergang des römischen Reiches verschwindet. Vgl. Rix 2000:627.
2 Besonders verfeinert ist das römische Namensystem mit Praenomen (Individualname),
Gentile (Familiennname), Filiationsangabe, Angabe des Tribus und Cognomen; vgl. Rix
2000 .
3Edzard 1998:112. Es war bisweilen auch in der altbabylonischen Zeit üblich, die Enkel­
kinder als Kinder einer Person zu bezeichnen. Z. B. wird Iddin-Amurrum (Larsa: Familie
1) mehrmals als mär Sanum identifiziert, obwohl er Enkel des Sanum ist (Leemans
1950:58).
124 Gabor Kalla

D ie altbabylonischc N am engebung

In der altbabylonischen Zeit werden die akkadischen Namen vielfältiger als frü­
her.4 Es kommen immer mehr dreigliedrige Namen in Mode. A ls neue Tendenz
lässt sich beobachten, daß sie eine sehr enge Beziehung zwischen dem Namens­
träger und den Gottheiten ausdrücken.5 Inhalt der Namen sind Dank, Bitten, Wün­
sche, Vertrauen, Klagen usw. Die grundlegende Arbeit von Stamm „Die akkadi-
sche Namengebung“ (1939) hat viele akkadische Namentypen der altbabyloni­
schen Zeit ausführlich untersucht; man konnte seitdem dieses Bild nur an wenigen
Stellen ergänzen.6
Ich möchte in vorliegender Arbeit nur éinen Aspekt der altbabylonischen
Namengebung behandeln: Nach welchen Kriterien haben die Eltern oder andere
Namengeber für das Kind aus Tausenden von Möglichkeiten einen Namen ausge­
wählt? Was für eine Bedeutung haben die theophoren Elemente der Namen für die
Namensträger und ihre Familien?
A ls Antwort auf die erste Frage kommen mehrere Möglichkeiten in B e­
tracht. Die Familien wählten einen traditionellen Namentyp oder gaben situations­
bedingte, neu formulierte Namen. Obwohl der zweite Fall seltener war, gab es
immer die Möglichkeit, daß neue Strukturtypen erscheinen, durch die auch neuere
theologische Auffassungen ausgedrückt werden konnten. Damit wurden alte Na­
menstypen immer wieder durch neuere ersetzt. E s ist sehr wenig darüber bekannt,
wer die Schöpfer dieser neuen Namen waren. Stamm (1939:14-15) schreibt einen
Teil der Namenschöpfung der „volkstümlichen Phantasie“, einen anderen Teil der
„gelehrten Sphäre“ zu.
In den mehr als dreihundert gut dokumentierten Jahren der altbabyloni­
schen Zeit (ca. 1930-1595 v. Chr.), aus der wir aus Urkunden und Briefen meh­
rere tausend Personennamen kennen, kann man viele Zeichen für wechselnde
Namenmoden finden. In der fiühaltbabylonischen Zeit sind eingliedrige Namen
viel häufiger als später. In der spätaltbabylonischen Periode begegnen wir immer
mehr Namen, die als Reaktion auf eine unsichere Welt eine sehr pessimistische
Weltanschauung widerspiegeln,7 und Namen, die stark durch Gebete beeinflußt
sind.8 Harris (1972:103) hat für Sippar beobachtet, daß einige Namentypen für die
Zeit vor Ḥammu-rapi charakteristisch sind (Aḫulap-GN, Inbu-GN, K asap-GN,
und Nŭr-GN) und andere (z. B. Pirḫi-G N ) für die spätere Zeit. Die Verwendung

4 Ich beschäftige mich hauptsächlich mit akkadischen Namen.


5 Edzard 1998:110-111.
6 S. Stol 1991 und Edzard 1998 mit Literatur.
7Edzard 1998:111.
8 Stol 1991:198
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 125

einiger Kombinationen von Göttemamen und anderen Namenselementen sind


ebenfalls zeitlich begrenzt: das Element ipqu- wurde bis Samsu-iluna mit Adad
und Ištar, später aber hauptsächlich mit Nabium und Annunĩtum kombiniert.
E s gab verschiedene Faktoren, die gegen den Prozess des Austauschs von
Namen wirkten. Die überwiegende Zahl der Namen war traditionell, Namen, die
viele Jahrhunderte lang benutzt wurden. Die meisten davon waren einfache, all­
tägliche Namen aller Typen.9 Die besonderen, seltenen Namen wurden wahr­
scheinlich dann benutzt, wenn auch die Situation der Familie zur Zeit der Geburt
oder die Umstände der Geburt selber außergewöhnlich waren. Auch diese Situa­
tionen entsprachen bestimmten Mustern: die Familie hat in dieser Zeit viel gelitten
(Klagerufe: Aḫulap-Šam aš „Genug, o Šamaš“ ; Adi-anniam „Bis hierher (und nicht
weiter)“),101es war eine schwierige Geburt (Ana-Šamaš-līsi „Möge er ans Sonnen­
licht herauskommen“,11 die Eltern warteten sehr lang auf einen erstgeborenen
Jungen (Bitte: Šum um -libši „Möge ein Erbe da sein“)12 usw. Sie konnten sich
auch in diesen Fällen aus dem vorhandenen reichen Namenvorrat bedienen; einen
neuen Namen zu schaffen, war wohl eine Ausnahme.
Nach einer unpublizierten prosopographischen Zusammenstellung von
Woestenburg und Ferwerda13 gab es allein in Sippar während der altbabylonischen
Zeit ungefähr 6000 verschiedene Namen.14 Die gleichen Namen mit verschiede­
nen theophoren Elementen vermindern diese Zahl höchstens auf die Hälfte. Nach
mehreren Stichproben ist die Anzahl der zweigliedrigen, akkadischen Namen die
höchste (ca. 50-60 %). Die verschiedenen Hypokoristika (ca. 10-12 %), andere
eingliedrige Namen (8-10 %, mit Lallnamen) und dreigliedrige Namen (8-10 %)
sind dagegen seltener. Es bleibt ein Rest amurritischer (6-8 %), sumerischer (6-8
%) und unbestimmbarer Namen. Bei den frühaltbabylonischen Namen ist die
Verteilung erheblich anders: der Anteil der eingliedrigen Namen beträgt 25 %, der
Anteil der amurritischen Namen liegt mit 12 % viel höher als später.
W as auch immer die Umstände der Namengebung waren, so ist sicher, daß
die Mesopotamier immer die Bedeutung der Namen vor Augen hatten und diese

9 Stamm (1939) hat diese Namen nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifiziert: Satz-
und Bezeichnungsnamen; „okkasionelle“ und „intendierte Namen“; situationsbedingte
und situationsfreie Namen; konkret und allgemein formulierte Sätze; die psychologischen
Situationen; Einteilung der Namen nach ihren Sprechern.
10 Stamm 1939:162-164.
11 Stamm 1939:150-151.
12 Stamm 1939:148-150.
13 Ferwerda & Woestenburg o. J. Ich bin E. Woestenburg sehr verbunden, daß sie mir ihr
Manuskript zur Verfügung stellte. Ich habe diese Sammlung auch für die Rekonstruktion
von Sippar-Stammbäumen benutzt.
14 Die Zahl 18 000 bei Harris (1972:102) ist wohl übertrieben. Sie wird sich auf die Zahl
der einzelnen bekannten Personen beziehen.
126 Gábor Kalla

Bedeutung nicht in Vergessenheit geraten war.15 Ähnliches bezeugen verschie­


dene Textstellen für die alttestamentlichen Namen.16 Diese Tatsache erklärt sich
dadurch, daß sich im größten Teil der Namen religiöse Vorstellungen widerspie­
geln. Sie drücken die persönlichen Beziehungen zwischen Mensch und Gott aus,
so daß sie für uns eine wichtige Quelle der nicht offiziellen, privaten Frömmigkeit
darstellen.17
Wenden wir uns wieder unseren Fragen zu: wie wurden die Namentypen
und die theophoren Elemente ausgewählt? Gab es dafür eine Regel? W ir kennen
natürlich fast nie die Umstände der Familie zur Zeit der Geburt. Deshalb bleibt
vieles im Dunkeln. Wir können jedoch einige Aspekte mit Hilfe von Familien­
stammbäumen untersuchen. Edzard (1998:99) hat diese Möglichkeit klar formu­
liert: „Schwer zu beantworten ist die Frage, ob die Namengebenden in jedem Fall
einen Namen bewußt nach seiner Bedeutung und Aussage aussuchten oder ob bei
der Namenwahl auch andere Gründe maßgebend waren: Familientradition, B e­
nennung nach einer markanten Persönlichkeit, Anklang an den Namen von Eltern,
Geschwistern und anderen Verwandten. Zu einer genaueren Beantwortung der
Frage müßten wir über möglichst viele durch mehrere Generationen möglichst
vollständige Familienstammbäume verfügen.“ A u f S. U l f . aber schreibt er:
„Wenn wir von Herrscherfamilien absehen, verfügen wir aber nicht über genü­
gend umfangreiche Familienstammbäume, um ein ausführliches Bild zu zeich­
nen“ .

D ie altbabylonischcn Fam ilien und ihre Stammbäume

Es ist tatsächlich ziemlich selten, daß man für mehr als zwei Generationen einen
vollständigen Stammbaum erstellen kann. Wir kennen meistens nur Verwandte in
direkter Linie, und zwar fast ausschließlich die Patrilinie (väterliche Vorfahren).
Diese Tatsache hängt grundsätzlich mit den Eigenschaften der altbabylonischen
Privatarchive zusammen. Die Archive wurden nach den einzelnen Haushalten
getrennt aufbewahrt; diese Haushalte entsprachen Kleinfamilieneinheiten

15 Man hat den Eindruck, daß man statt der vielen Lallnamen und anderer schwer zu
deutender, eingliedriger Namen der frühen altbabylonischen Zeit gerade deswegen
mehrgliedrige Namen wählte, damit ihr Inhalt verständlich wurde. Damit kann man fer­
ner erklären, daß der Wandel der Umgangssprache allmählich auch die Namensformen
veränderte: Namen kennen neben Archaismen ebenfalls sprachliche Innovationen (vgl.
Streck 2002).
16 Rechenmacher 1997:2.
17 Albertz 1978:96-139. Er hat als Quelle für die Erforschung der persönlichen Fröm­
migkeit neben Personennamen die Grußformulare der Briefe benutzt und hat gezeigt, daß
beide viele Gemeinsamkeiten haben.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 127

(Kemfamilie, nuclear family). Dem widerspricht nicht, daß größere Familienein­


heiten (Großfamilien, Clans) im sozialen Leben und damit auch in der Namenge­
bung eine wichtige Rolle gespielt haben könnten.
Andere Familienzweige (Verwandte von Seitenlinien) sind nur dann in den
Archiven bezeugt, wenn sie gemeinsame Angelegenheiten mit dem Archivinhaber
hatten, etwa wenn sie ein Erbgut gemeinsam geteilt hatten, gegeneinander prozes­
siert hatten oder ihre Besitztümer durch den Archivinhaber aufgekauft worden
waren. Manchmal tauchen die Verwandten aus Seitenlinien als Zeugen auf. B e­
sonders hilfreich sind Fälle, in denen mehrere Brüder zusammen Vorkommen.
Wenn wir einen der größten altbabylonischen Stammbäume, den der Akšãja-Fa­
milie, anschauen (Abb. 1), sehen wir, daß die Hauptpersonen (Fett) zur Hauptlinie
gehören; die anderen Personen sind durch den K au f von Rechtstiteln oder als Zeu­
gen in das Archiv gelangt. Solche Aufkäufe durch den Archivinhaber kommen
aber nicht so oft vor. Eine typische Situation ist, daß wir nur den Hauptzweig oder
nur eine oder zwei Generationen mit mehreren Zweigen besser kennen. Die
Matrilinien (mütterliche Vorfahren) sind fast nie bekannt, weil die Familie der
Frau in der Regel keinen Anspruch auf Besitz hatte, so daß sie in den Rechtstiteln
nicht repräsentiert sind. W ir hören höchstens aus Heiratsverträgen über die Eltern
der Frau wie bei der Warad-Sîn-Familie (Sippar: Familie 6). E s ist aber auffällig,
wie selten man die Heiratsurkunden in Archive einordnen kann.
Trotz dieser Schwierigkeiten können wir einige Aspekte der Namengebung
mit Hilfe der Stammbäume untersuchen. Ein solcher Aspekt sind die theophoren
Elemente. In der altbabylonischen Zeit dominieren die mit konkreten Göttern zu­
sammengesetzten Namen. W ie wurden diese Götter ausgewählt? W as bedeuten
die Göttemamen in der Namengebung? Eine tabellarische Zusammenstellung von
Stamm (1939:68-69) hat schon die folgende, allgemeine Regel der Namengebung
ergeben: die größeren Götter kommen viel häufiger vor als die kleineren. In jeder
Stadt sind die lokalen Stadtgötter und ihre Kreise sehr beliebt. Šamaš und Sin je ­
doch spielen überall eine noch wichtigere Rolle. Daneben haben auch die Götter
Ištar, Adad, Ea und Enlil überregionale Bedeutung. Die Männer bekommen Na­
men, in denen hauptsächlich Götter Vorkommen, die Frauen dagegen solche mit
Göttinnen.18
Wie verhält sich nun die Wahl der Götter zu der in den Namen so charak­
teristisch ausgedrückten persönlichen Beziehung zwischen Gott und Mensch?
„War nun der im Namen geführte Gott mit dem Schutzgott des Trägers iden­
tisch?“ - diese Frage stellte schon Stamm (1939:59).

Stamm 1939:67-70.
18
128 Gabor Kalla

D ie Fam iliengötter

Für die Untersuchung des Problems der persönlichen Schutzgötter hat die For­
schung schon seit Anfang des 20. Jh. die Siegellegenden benutzt. Diese Legenden
enthalten außer dem Namen des Inhabers den Vatersnamen, gelegentlich den B e­
ruf und einen Ausdruck des Inhalts, daß der Inhaber „Sklave“ (Diener) eines Got­
tes ist (ìr GN). Eine wichtige Arbeit von Charpin (1990) hat die frühere Vermu­
tung bestätigt, daß diese Götter Familiengötter waren. Er hat viele Beispiele ge­
sammelt, bei denen die Mitglieder einer Familie Diener der gleichen Gottheit sind.
Man kann leider diese Beispiele nur selten über mehrere Generationen eines
Stammbaums verfolgen. Den Grund dafür muß man in der Siegelungspraxis su­
chen. Man siegelte nämlich immer nur als Verpflichteter gegenüber anderen die
Urkunden (als Verkäufer, als Schuldner, als Zeuge oder als verantwortlicher Be­
amter). Diese Tafeln waren natürlich nicht im eigenen Archiv gelagert.19 Man
kann jetzt die Belege von Charpin durch weitere Beispiele ergänzen. Bei der Nūr-
///iu-Familie (Sippar: Familie 13; Abb. 19) sind vier Brüder als Diener der Göttin
Ninsianna bezeugt. Die Ilī-arnranni-Familie aus Dilbat (Familie 1; Abb. 9) hat
Lāgamāl und Ninsianna als Familiengottheiten.
Dieses Problem verkompliziert sich dadurch, daß viele Siegelinhaber sich
als Diener eines Tempels oder eines Königs ausgeben. Ein gutes Beispiel sind die
Beamtenfamilien des Šamaš-Tempels (É-babbar) in Sippar. In der Regel waren
die verschiedenen Beamten, - sağa (oberster Tempelverwalter), ugula lukur dUtu
(Aufseher der Šam aš-naŵ u), ì-dus ká ga gîm (Pförtner des Klosters)20 - Diener
des É-babbar21 bis Ḥammu-rapi. Es gibt aber auch Ausnahmen. So ist noch
einfach zu verstehen, daß Warad-Sîn (II) und Annum-pî-Aja (I) Diener der Göttin
Aja, der Gemahlin des Šamaš, sind (Sippar: Familie 8; Abb. 17). Der Fall von
Šalim -paliḫ-M arduk und Etcl-pî-N abium jedoch ist sehr auffallend (Sippar:
Familie 10; Abb. 17). Sie sind nämlich Diener des Marduk bzw. des Nabium. Eine

19 Man muß die seltenen Fälle einzeln erklären, in denen die Siegelabdrücke der
Archivinhaber Vorkommen. Ein solcher Fall ist das Archiv der Irngw-E-idirn-anna-
Familie aus Lagaba (s. Lagaba: Familie 1).
20Zu den Beamten des Šamaš-Tempels s. Harris 1975:142-208.
21 Vgl. Sippar: Familie 8, 9, 12. Von den Pförtnern des Klosters (vgl. Harris 1975:193—
196) sind die folgenden Diener des É-babbar: Adad-rěmēm, Sohn des Darnu-galzu
(MHET 2/1, 35/CT 4, 26b; Sa); Bulālum, Sohn des Akum (MHET 2/1,44/CT 6, 47a; Sa
10); Idadurn, Sohn des Pala-Sîn (CT 48, 59; AS); Šamaš-tajjăr, Sohn des Ana-qăti-
Šamaš-anaṯtal (CT 47, 11; Sm); Kalŭmum, Sohn des Adad-remeni (MHET 2/1, 113; Sm
6); Libūrram, Sohn des Hunnubum (MHET 2/1, 113; Sm 6); Šamaš-tappê, Sohn des
Šamaš-littul (MHET 2/1, 113; Sm 6); Sabium-ilĩ, Sohn des Abum-ilī (MHET 2/2, 158;
Ḥa 10); Nannatum, Sohn des Libŭrram (CT 47,42; Ḥa 32).
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 129

mögliche Erklärung dafür ist, daß diese Personen aus Babylon hierher versetzt
wurden.22 Sie waren zweite sağa des Šamaš (Junior-sağa), die vielleicht gerade zu
dem Zweck ernannt wurden, daß sie die königlichen Interessen im Tempel
schützen. Gegenüber den 13 Generationen der ersten sağa-Priester (von Immerum
bis Ammi-şaduqa ca. 300 Jahre; Sippar: Familie 8) haben die zweiten sağa-
Familien öfter gewechselt (Sippar: Familie 9-11; Abb. 17).23
Ähnlich erklärt sich wahrscheinlich, daß während der Zeit Ḥammu-rapis
mehrere Pförtner des Klosters auftreten, die nicht Diener des É-babbar sind, son­
dern anderer Götter: E lali, Sohn des Ea-bāni (ìr Sîn); Warassa, Sohn des Sîn-šcm i
(ìr dAN.Martu).24 Obwohl diese Ämter meistens erblich sind, sind die Väter Bei­
der nicht aus Sippar bekannt. Anders verhält es sich mit M arduk-tajjăr (Sohn des
Bulălum), dessen Vater Bulālum (Sohn des Alanń) noch Diener des É-babbar war,
während sich der Sohn schon als Diener des Bunene und ‘‘Nì-si-sá bezeichnete.25
Diese Gottheiten gehörten zum Kreis des Šamaš.26 Also steht diese Beziehung
nicht gegen die Familientradition. E s ist aber nicht ausgeschlossen, daß diese B e­
amten mehrere Siegel mit unterschiedlichen Herren besaßen, wie es anderswo
belegt ist.
Mir sind zwei solche Beispiele bekannt: Bala-ğuio-nam -ḫé aus Larsa ist
einerseits Diener des Enki, andererseits Diener des Warad-Sîn (Larsa: Familie 2;
Abb. 2). Bēlšunu aus Lagaba ist Diener des Nabium bzw. Diener des Samsu-iluna
(Lagaba: Familie 1; Abb. 20). In beiden Fällen steht ein Gott einem König gegen­
über, so daß es möglich ist, daß es sich um die offiziellen bzw. privaten Siegel mit
unterschiedlichem Nutzungsbereich handelt.
Seit der Zeit des Ḥammu-rapi wurde es bei Tempelbeamten üblich, daß
alle sich auf ihrem Siegel als Diener des jeweiligen Königs und nicht als Diener
des Tempels bezeichneten (vgl. Sippar: Familien 8, 11; Abb. 17). Es ist nicht aus­
geschlossen, daß sie in diesem Fall auch ein anderes Siegel besaßen. Diese Fälle,
besonders die obenerwähnten Sonderfälle von Šalim-paliḫ-M arduk und von Etel-
pí-Nabiurn, nähren die Vermutung, daß die Götter der Siegellegenden tatsächlich

22 Vgl. Harris 1975:160. Nabium galt als Sohn des Marduk. Ihre Kulte waren in der alt­
babylonischen Zeit miteinander verbunden (s. Pomponio 1978:15-25). Die Familien aus
Babylon haben oft die Götter Nabium und Marduk in den Namen abgewechselt. Ein gu­
tes Beispiel ist die Ŝarnaš-nadītu Babilītum aus Sippar, die offensichtlich aus Babylon
kam, und ihre Geschwister Eriš-Sagila, Ubãr-Nabium und Marduk-nãşir
(Prozessurkunde CT 6, 7a; Si 5; vgl. schon Harris 1976:152). Zu Nabium im Onomasti­
kon von Babylon s. Klengel 1983:8.
23 Für andere 2. sağa des Šamaš siehe noch Woestenburg 1997/98:358-359.
24 Beide z. B. CT 47, 42 (Ḥa 32).
25 Z. B. CT 47,45 (Ḥa 37).
26 Beide waren sukkal des Šamaš vgl. An: Anum 111:139 und 143 (Litke 1958:152).
130 Gábor Kalla

Familiengötter waren und daß die Inhaber nicht unbedingt Beamte oder Priester
dieses Gottes sein mußten. Charpin (1990:74-78) hat die Wahl der Götter zum
Teil durch den Beruf erklärt - die Schreiber sind oft Diener des Nabium - und
zum Teil durch den Wohnort.
Das bedeutet, daß die Familiengötter die Identität und Tradition einer Fa­
milie ausdrückten. Falls sie eine neue Heimat suchten, nahmen sie ihre alten Fa­
miliengötter und ihren Kult mit. Die Diener des Marduk oder des Nabium kom­
men wahrscheinlich aus Babylon, die Diener der Ninsianna und Gula (zusammen)
aus Isin, Diener des Šušinak aus Elam. Natürlich lassen sich nicht alle Götter so
einfach erklären; die größeren Götter haben zu viele verschiedene Kultorte, als
daß man sie einfach mit einer bestimmten Stadt verbinden könnte. Ein anderes
Problem bietet der Gott Amurrum, den man in mehreren unserer Stammbäume als
Familiengott findet (Larsa: Familie 1; Abb.l/Kutalla: Familie 1; Abb. 4/ Sippar:
Familie 1; Abb. 10). Keiner davon enthält jedoch amurritische Namen. Wenn
diese Familien amurritischer Herkunft sind, müßte diese Tradition schon sehr alt
sein.
Eine weitere wichtige Frage ist, wie die Verehrung der Familiengottheiten
organisiert war. Wurden die Opferhandlungen nur in den Privathäusem vollzo­
gen? Gab es eine spezielle Verbindung zwischen Dienern derselben Gottheiten?
Wenn man die nadītu des Šamaš27 oder die Diener des É-babbar betrachtet, muß
man die letzte Frage bejahen. Die nadītu lebten alle in der Gemeinschaft des so­
genannten Klosters (gagûm ) in Sippar-Jaļjrurum und durften keine eigene Familie
gründen. Sie waren alle Dienerinnen des Šamaš und der Aja, abgesehen von de­
nen, die aus hochrangigen Familien mit anderen Gottheiten kamen. Das ist natür­
lich ein extremer Fall. Die Diener des É-babbar gehörten auch zur Gemeinschaft
des Šamaš-Tempels, hatten aber ihr eigenes Familienleben vielleicht mit anderen
Familiengöttem (siehe oben!). E s ist theoretisch möglich, daß es sich bei den
nichtpriesterlichen Familien anders verhielt. Man muß aber bedenken, wie viele
kleine Tempel und Kapellen in einer babylonischen Stadt standen.28 Es wäre in­
teressant zu wissen, ob an einem speziellen Kultort viele Familien dieselbe Gott­
heiten verehrten oder nicht. Leider gibt es nur sehr wenig Möglichkeiten, das zu
prüfen, denn der Fundort der meisten Archive ist nicht bestimmbar. Eine positive
Ausnahme bietet vielleicht das Heiligtum des Nimintabba in Ur. Es gibt mehrere

27 Zu den nadītu des Šamaš und anderen Frauen mit besonderem Status s. Renger 1967b;
Harris 1975:303-332 (mit älterer Literatur).
28 Für einen Überblick über die vielen lokalen Kulte s. Renger 1967a und Richter 1999.
Archäologisch sind die kleinen Kapellen nur in Ur gut bezeugt (AH-site, vgl. Woolley-
Mallowan 1976).
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 131

Hinweise, daß in seiner Umgebung viele Familien diesen sehr seltenen Gott ver­
ehrten.29
Van der Toom (1996:93) faßte die Bedeutung der Familiengötter folgen­
dermaßen zusammen: „The Akkadian devotion to their family god was a devotion
to the settlement, the district, or the neighbourhood where the worshippers were
bom and raised, and usually still lived. The Amorite religion o f the ‘gods o f the
fathers’, on the other hand, was a loyalty to tradition and a sign o f solidarity with
those o f the same descent“ .

Wahl der thcophorcn Elem ente

Kehren wir zur Namengebung zurück. Stamm (1939:59-60) hat schon richtig
festgestellt, daß die theophoren Elemente nicht immer mit den Familiengöttem
übereinstimmen. Stol (1991:206) schreibt eindeutig: „The name o f the family god
does not systematically appear as a theophorous element in the names o f the
family members; on the contrary“ . Wenn wir akzeptieren, daß die Götter in Na­
men Familiengottheiten sind, würde diese Übereinstimmung bedeuten, daß alle
Mitglieder einer Familie das gleiche theophore Element haben müßten. Doch wird
sofort klar, daß dem nicht so ist.
Gibt es überhaupt eine feste Beziehung zwischen den meist großen Göttern
in den Namen und zwischen der privaten Frömmigkeit? Albertz hat in seinem
wichtigen Buch „Persönliche Frömmigkeit und offizielle Religion“ (1987) für
dieses Problem eine bemerkenswerte Lösung angeboten. Er hat die Grußformulare
der altbabylonischen Briefe bzw. die Personennamen einerseits und die Königsin­
schriften andererseits untersucht und schließt, daß die private Frömmigkeit einen
völlig anderen Charakter hatte als die offizielle Religion (religionsintemer Plura­
lismus). Er schreibt (S. 138f.): „Šamaš und Marduk in den Gmßformularen soll
alles Göttliche umgreifen, was in altbabylonischer Zeit für den Einzelnen und
seine Familie Bedeutung hat. Der Einzelne erlebt im alltäglichen Lebensvollzug
„Gott“ nicht in der komplizierten Vielheit der polytheistischen Hochreligion, son­
dern primär als Einheit hinter einer vielgestaltigen Ausformung.“ „Trotz der offi­
ziellen polytheistischen Religion in Mesopotamien ist die persönliche Frömmig­
keit von einem „primitiven“ , d. h. unreflektierten Henotheismus beśtmünt“ .
Nach dieser Theorie von Albertz war die Verbindung eines Gottes mit ei­
nem Prädikat in der Namengebung nicht durch seine Eigenschaft in der Hochreli­
gion bestimmt, sondern die Wahl der beiden Elemente wurde auf zwei verschie­
denen Ebenen getroffen. Die Namen sprechen nicht über spezielle Götter, sondern
über die Beziehung der Menschen zum Göttlichen. Wichtig sind die - in der Regel

29 S. Charpin 1986:144-147. Vgl. auch van der Toom 1996:83.


132 Gábor Kalla

nicht spezifischen - Aussagen, die Götter selbst sind aber frei variabel. E s kom­
men viele Götter mit dem gleichen Prädikat und einzelne Götter mit vielen
verschiedenen Prädikaten vor, so daß manchmal theologischer Unsinn entsteht.30
Man wählte die Göttemamen unabhängig von ihrer Stellung und ihren Aufgaben
im Pantheon aus.
Diese wichtigen Beobachtungen können in vieler Hinsicht richtig sein.
Allerdings stützen sie sich auf Statistiken, die zahlreiche Erscheinungen
verdecken. Die statistische Zusammenstellung von Göttemamen im Onomastikon
einzelner Städte31 ist sehr hilfreich, ermöglicht aber nur begrenzte Schlußfolge­
rungen über die Rolle der Göttemamen in der Namengebung. Falls man einzelne
Familien untersucht, bekommt man dagegen ein etwas schärferes Bild.
Stamm konnte damals nur kleinere Familieneinheiten untersuchen. Heute
können wir jedoch größere Familienstammbäume überprüfen. Schauen wir die
einzelnen Familien an, wobei jetzt nur die Namen mit konkreten Göttern, Tem­
peln oder Städten und die Familien, von denen mindestens drei Generationen,
mehrere Familienzweige und/oder Familiengötter bekannt sind bzw. bei denen ein
spezielles Muster zu erkennen ist, zur Sprache kommen.
Die Wahl des theophoren Elements drückt ebenso die Identität, Tradition
und Solidarität einer Familie aus wie die Familiengötter. Die Personenamen mit
theophoren Elementen unterliegen aber anderen Regeln als die Familiengottheiten.
Trotzdem lässt sich oft die ganze Familiengeschichte aus der Verteilung der Göt­
ter in den Namen ablesen. Diese Annahme ist natürlich nicht ganz neu; die lokalen
Götter im Onomastikon wurden schon früher oft für die Bestimmung der Herkunft
einzelner Tafeln benutzt.

Larsa: Fam ilie 1 (Sanum-Familic; Abb. 1)

Der Familiengott ist Amurrum. Nach der Untersuchung von Leemans bestand sie
wahrscheinlich aus Geschäftsleuten (dam-gàr). Amumim kommt in drei Namen,
Ištar (mit Nanaja32) in drei Namen und Sin in zwei Namen vor. Der Kult von
Amurrum ist in Larsa nachweisbar,33 jedoch hat dieser Gott keine spezifische B e­

30 Stamm 1939:64-66. In unserem Material sind Iddin-Lāgamāl (,JLāgarnăl hat gegeben 'j
und Uraš-muballiţ („Uras erhält am Leben“) solche Fälle. Lāgāmal (sein Name heißt:
„Keine Gnade“) und Uraš sind Unterweltsgötter, deren Rolle mit diesen positiven Aussa­
gen nicht zu vereinbaren ist (Dilbat: Familie 1; Abb. 9).
31 Siehe z. B. Pomponio 1978:35; Sommerfeld 1982:95,98,100,104; Harris 1972:102.
32 Nanaja ist eine lokale Variante von Innin/Ktar. Zu dem Problem der Gleichsetzung s.
Richter 1999:255-259.
33 Vgl. Richter 1999:328-331.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 133

ziehung zu dieser Stadt. Inanna/Ištar dagegen besaß einen wichtigen Kult in


Larsa.34 E s ist auffällig, daß mit Šamaš, dem Stadtgott von Larsa, zusammenge­
setzte Namen fehlen.

Larsa: Fam ilie 2 (Sîn-nŭr-mãtim-FamiHc; Abb. 2)

Der Familiengott ist Enki aus Eridu und seine Gattin Damgalnunna. Ea/Enki
kommt in zwei Namen, Damgalnunna bzw. die Stadt Eridu jeweils in einem Na­
men vor. Es gibt außerdem drei Sîn-Namen und einen Šamaš-Namen. Diese
Familie spielte eine wichtige Rolle in der Verwaltung des Enki-Tempels in
Larsa.35 Dieser Tempel wurde wahrscheinlich gemeinsam mit dem Enki-Tempel
in Eridu verwaltet,36 woher auch die Familie stammen könnte.37 Es ist auch
möglich, das Eridu nur eine göttliche „Hypostase“ darstellt38 und lediglich die
Beziehung der Familie zu Enki ausdrückt, allerdings halte ich das für weniger
wahrscheinlich.

Kutalla: Fam ilie 1 (Sîn-šcm i-Fam ilie; Abb. 4)

Der Familiengott war Amurrum. Merkwürdigerweise hat aber keine Person der
Familie dieses theophore Element. Falls sie amurritischer Herkunft sein sollte,
drückte Sin, der viermal vorkommt, diese Tradition aus. Außerdem sind Šamaš
zweimal, Ištar und Ilabrat (Ištar-Kreis) je einmal belegt. Nichts ist über die lokalen
Götter von Kutalla bekannt. Die Šamaš-Namen lassen sich wohl mit dem Einfluß
von Larsa erklären.

Nippur: Fam ilie 1 (Lú-dN in-urta-Fam ilie; A b b 5)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Mitglieder der Familie sind mehrmals als Sän­
ger des Ninurta bezeugt. Auffällig ist, daß von 16 Personen 8 mit Lugal- und 3 mit

34 Vgl. Richter 1999:310-313.


35 Vgl. Dyckhoff 1999.
36 Vgl. Richter 1999:302-304.
37 Es ist möglich, daß diese Übersiedlung gleichzeitig mit der Übertragung des Kultes
von Enki nach Larsa erfolgte (parallel dazu nach Ur, s. Charpin 1986:343-418, beson­
ders 415^418.)
38 Zu einer solchen Benutzung von Stadtnamen s. Stamm 1939:269. Vgl. aber die Bemer­
kungen von Charpin zum Namen Eridu-liwwir „Eridu möge leuchten“ (1986:418).
134 Gábor Kalla

Lú- zusammengesetzte Namen haben.39 Ninurta kommt in drei Namen vor


(zweimal im gleichen), Su’en/Sîn einmal, Mar-tu/Amurrum einmal und die sonst
fast unbekannte Stadt Girgilukl einmal. Die Göttin dieser Stadt, Nin-Girgilukl ge­
hört zum Inanna-Kreis und ist in Nippur nachweisbar.40 Ninurta war einer der
wichtigsten Götter der Stadt.41 So verbinden die Ninurta-Namen die Familie mit
Nippur.

Nippur: Fam ilie 2 (Im gur-Sîn-Fam ilic; A b b 6)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Šamaš und Sîn kommen in Namen dreimal
bzw. zweimal, Ninurta und Enlil jeweils einmal vor. Auffällig sind die bei den
anderen Familien aus Nippur nicht so häufigen Šamaš-Namen. Sie besaßen viel­
leicht eine Verbindung mit Larsa.

N ippur: F am ilie 3 (Im gua-Fam ilie; A b b 7)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Ninurta kommt dreimal im selben Familien­
zweig vor, Sîn dreimal (mit Kurzform Sîjjatum) und Enlil bzw. Imin-bi/Sibittu
einmal. Ninurta und Enlil verbinden auch diese Familie eng mit Nippur.

Nippur: Fam ilie 4 (Nin-líl-zi-ğuio-Fam ilic; A b b 8)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Enlil und Ninlil kommen fünfmal vor
(zweimal bzw. dreimal), Damu dreimal, Ninurta, Nanna/Sîn und Iškur/Adad je ­
weils zweimal, Ekur (der Enlil-Tempel) einmal. Die Familie besaß eine pašīšu-
(nam-guduO-Tempelpfründe der Ninlil und eine sogenannte nam-bur-šu-ma-
Würde der Söhne von Nippur, Isin und des Landes Martu (nam-bur-šu-ma dumu
Nibrukl dumu I-si-inkl-na ù dumu kur Mar-tu) im Tempel der Ninlil.42 Die Enlil
und Ninlil-Namen, bzw. der Tempel Ekur drücken eindeutig die Zugehörigkeit zu
Nippur aus, die Damu-Namen und diese Würde weisen aber auf eine spezielle
Verbindung zu Isin hin. Bemerkenswert ist ferner, daß in der sechsten Generation
ein isolierter amurritischer Name, M utum -El (Mu-tum-diğir) vorkommt.

39 S. schon Edzard 1998:99.


40Vgl. Richter 1999:108.
41 Vgl. Richter 1999:47-60.
42 Vgl. Stone 1987:41-53.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 135

Dilbat, Fam ilie 1 (Ilī-am ranni-Fam ilie; Abb. 9)

Der Familiengott ist Lāgamāl, der Sohn des Uraš, des Stadtgottes von Dilbat,43
bzw. der Ninsianna. Einige Familienmitglieder bezeichnen sich auf ihrem Siegel
als Diener des Lāgamāl (Nì-ga-Nanna, Ŗuzălum), andere als Diener der Ninsianna
Ųddin-Lăgamãl, und wahrscheinlich Ilī-iddinam 44 und Etcl-pî-Sîn) bzw. beider
Götter (M arduk-năşir). Dies zeigt, daß man mehrere Familiengötter innerhalb
einer einzigen Familie verehren konnte.45 Die theophoren Elemente sind stark
durch das lokale Pantheon geprägt: Uraš und Lāgamāl kommen einmal bzw.
zweimal vor, Nanna/Sîn dreimal, Marduk, Amurrum und Ilabrat (Ištar-Kreis) je ­
weils einmal. Interessant ist das Vorkommen des seltenen Gotts Tutu, des ur­
sprünglichen Stadtgottes von Borsippa, der schon in der altbabylonischen Zeit mit
Marduk gleichgesetzt wurde.46 M arduk-nāşir war ein Modename unter königli­
chen Beamten der späteren altbabylonischen Zeit (vgl. unten). Interessanterweise
kommt Ištar in keinerlei Gestalt (Inanna, Ninsianna usw.) vor, obwohl sie einer
der Familiengötter ist.

Sippar, Fam ilie 1 (Akšaja-Familic; A b b 10)

Die Hauptpersonen der Familie waren verantwortliche Oberhirten (na-gada,


nãqidu)-, sie hüteten die königlichen Herden in der Umgebung von Sippar. Von
den neun Generationen der Familie sind 25 verschiedene männliche und 26 weib­
liche Mitglieder bekannt, die sich in einen Stammbaum einordnen lassen.
Der Familiengott ist vielleicht Amurrum, was aber nur bei Sîn-rēmēni,
Sohn des Sîn-erībam bezeugt ist. Andere Mitglieder besitzen Siegel, auf denen sie
als Diener verschiedener Könige bezeichnet werden (Sumu-la-El, Ḥammu-rapi
und Samsu-iluna) bzw. als Diener des Šamaš-Tempels (ìr É-babbar). Die Sîn-Na-
men dominieren (11). Šamaš kommt viermal vor (dreimal in «a¿/í/w-Namen),
Mamu dreimal (immer im «arítw-Namen Amat-Mamu), Marduk zweimal, A ja (in
einem naíŴw-Namen), Ištar und Erra jeweils einmal. Diese Familie hatte früher in
der Kleinstadt Ḥalļĵalla in der Umgebung von Sippar gelebt. Wir kennen zwei

43 Sie sind Unterweltsgötter. Vgl. Lambert 1980-1983.


44 Eine andere Person mit diesem Namen und Vatersnamen erscheint mehr als hundert
Jahren später. Sie ist auf ihrem Siegel schon als Diener des Kabta (Ištar-Kreis) bezeich­
net (YOS 13, 408, Siegel B; Aş 8; VS 7, 63, ad 32). Es ist möglich, daß auch sie zu die­
ser Familie gehört.
45 Es gibt viele Beispiele dafür, daß jemand Diener zweier Gottheiten ist.
46Zu Tutu siehe Sommerfeld 1982:37. Vgl. auch AN:Anum 11:196 (Litke 1958:111).
136 Gabor Kalla

spezifische Gottheiten von dort, Ikũnum und Urkĩtum,47 die aber hier nicht Vor­
kommen.
Zweimal erscheint eine Kurzform eines mit der Stadt Akšak gebildeten
Namens: Akšāja (wahrscheinlich Imgur-Akšak). Dieses in Sippar auffallend oft
vorkommende Namenselement48 weist auf eine Einwanderungswelle aus der
Diyāla-Region in die Umgebung von Sippar hin.49 Dieser Ursprung erklärt auch
die zahlreichen Sîn-Namen; Sîn war nämlich der Stadt- und Schwurgott von
Akšak.50 Es gab in Sippar-Amnānum ein Tor des Sîn von Akšak, das die Vereh­
rung dieses speziellen Mondgottes bezeugt.51 Der Familiengott Amurrum und die
Sîn-Namen weisen vielleicht auf einen amurritischen Hintergrund hin52 (siehe
unten!). Der Name Nakkarum „Fremdling“ kann ebenfalls etwas mit der Einwan­
derung zu tim haben. Šamaš war der Stadtgott von Sippar, Mamu gehörte zu sei­
nem Kreis und Aja war seine Gattin, aber diese Göttemamen - sieht man von ei­
nem Šamaš-Namen ab - trugen nur nadītu des Šamaš. Marduk drückte die Loya­
lität der königlichen Beamten aus (vgl. oben das zum Namen M arduk-nãsir Ge­
sagte).

Sippar: Fam ilie 2 (U r-U tu-Fam ilie; Abb. 11)

Das Archiv dieser Familie wurde von belgischen Archäologen in Sippar-


Amnānum (Tall al-Dēr) ausgegraben und ist mit seinen 2000 Texten das größte,
von wissenschaftlichen Grabungen endeckte Privatarchiv aus der altbabyloni­
schen Zeit. Die Hauptpersonen der Familie waren Klagepriester (gala =kalt2) bzw.

47 S. Stol 1998:437—438. Urkĩtum war wahrscheinlich Inanna von Uruk (vgl. Charpin
1986:404), Ikũnum ist dagegen nur aus Ḥalļjalla bekannt.
48 Die Belege s. in RGTC 3:7-9.
49 Akšak lag wahrscheinlich an der Mündung des Diyāla in den Tigris. Wir kennen auch
einen Mann namens Puzur-Akśak aus Sippar, der ebenfalls aus der Diyāla-Region ein-
wanderte, nämlich aus Šadlaš (vgl. Harris 1976:148-51). Die beiden Städte lagen nicht
weit voneinander.
50 S. die Prozessurkunde CT 48, 2 (Ḥa 30) aus Sippar, die wahrscheinlich in Akšak aus­
gestellt wurde. Der Eid ist bei Sîn, Šamaš, Marduk und Ḥammu-rapi geschworen. Die
Ältesten von Akšak und Sarda’i (ein sonst unbekannter Ort) haben das Beweisverfahren
vor dem Emblem des Sin durchgeführt (Z. 11-15: šu-ri-nu-um ša dEN.ZU/ši-6w-«ř '“Ú Ḥ 1“
ù Sà-ar-da-ť'/us-bu-ma ţup-pa-sa la-bi-ra-am/ša er-še-ti-ša iš-mu-ú/ù a-wa-ti-sa i-mu-
ru-ma). Der erste Zeuge ist ein „Statthalter“ der Leute von Akšak (šagina lú ÚḤkl). Auch
der Bau des Temples von Sîn in Akšak ist belegt (vgl. Renger 1967a: 139).
51 MHET 2/6, 895 (Ad 34). Z. 12: sağ-bi-l-kam-ma sila sa me-eh-re-et ká? dEN.ZU ÚḤkl.
52 Es ist möglich, daß es mit der Stadt Akšak umgekehrt ist. Sie verehrten Sin von Akšak;
der Stadtname steht in Namen als göttliche Hypostase.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 137

Ober-Klagepriester (gala-maţ) =galamaḫḫŭ) der Göttin Inanna-Jaţ)rurum tmd spä­


ter der Göttin Anmmītum.53 Dekiere54 konnte aus diesen Tafeln einen Stamm­
baum von sieben Generationen mit 30 Personen rekonstruieren.
Die Texte des Archivs sind weitgehend imveröffentlicht. Bisher wurden
nur zwei Siegel aus der Familie bekannt. Inanna-mansum (Sohn des Marduk-
nāsir) wurde als Diener des Ammi-ditāna bezeichnet, Ur-Utu (Sohn des Inanna-
mansum) besaß dagegen ein Siegel mit einer sumerischen Gebetslegende an Utu.55
Es ist daher möglich, daß der Gott der Familie - trotz ihrer Ämter im Tempel der
Inanna-J aļjrurum früher und im Tempel der Annunĩtum später - Šamaš war. In
einem B rief nennt dagegen Ur-Utu Annunītum als seine Herrin im Grußformu­
lar.56 Außerdem schrieb er einen sehr persönlichen Gottesbrief wahrscheinlich an
Annunītum.57 Man kann die Frage des Familiengottes vielleicht mit Hilfe der im­
publizierten Texte entscheiden.
Es ist auffällig, daß Inanna/Ištar auch in der Variante Ninsianna (insgesamt
fünfmal) vorkommt, der Name von Annunĩtum aber trotz ihrer Beliebtheit im
spätaltbabylonischen Onomastikon von Sippar nicht benutzt wurde. Man findet
ferner viermal Utu/Šamaš-Namen, dreimal Sîn-Namen und zwei Marduk-Namen
(einer davon ist M arduk-nãsirl). Die Klagepriester in der Familie benutzten gern
sumerische Namenformen, wie sie die Priester auch in Nordbabylonien bevorzu­
gen.
Die theophoren Elemente drücken schön die Identität der Familie aus: ihre
Beziehung zur Göttin Inanna/Ištar in ihrem Beruf und ihre Heimat, Sippar, durch
Šamaš.

Sippar, Fam ilie 3 (Iddin-Sîn-Fam ilic; Abb. 12)

Der Familiengott ist nicht bekannnt. Enlil erscheint für Sippar ungewöhnlich oft,
nämlich viermal. W ir kennen des weiteren fünf Sîn- und drei Šamaš-Namen.
Auch kommt ein Name mit der Stadt Akšak vor. Die Enlil-Namen weisen auf eine
mögliche Verbindung zu Nippur hin.

53 Zu dieser Familie s. unter anderem van Lerberghe & Voet 1991 und Janssen 1992 mit
älterer Literatur.
54 Dekiere 1994.
55 Vgl. van Lerberghe & Voet 1991:158-159.
56 MHET 1, 70:1-2: bēltĩ Annunītum aššumija lilabbirka. Absender ist nach seinem Sie­
gel Ur-Utu.
57 S. de Meyer 1989.
138 Gábor Kalla

Sippar: Fam ilie 4 (Sĩn-nāsir-Fam ilie; A b b 13)

In einem interessanten Text aus Sippar aus der Zeit des Ammi-ditāna,58 einem
Gebet an Sîn aus Anlaß einer privaten Totenkulthandlung, werden die Vorfahren
(kimtu) eines Mannes namens Sîn-năsir angeführt.
Leider kann man diese Tafel nicht in ein Archiv einordnen. Allerdings
dürfte der Familiengott auf Grund dieses sehr persönlichen Gebets wahrscheinlich
Sîn sein. W ir finden sieben Sîn-Namen, fünf Ea-Namen, zwei Utu/Šamaš-Namen
und drei Aja-Namen (Gattin des Šamaš; zweimal in naditn-Namen). Es kommen
ferner Annunītum (eine Variante der Ištar, Hauptgöttin von Sippar-Amnānum),
Mamu (Götterkreis des Šamaš, in einem nadītu-Namen), der Tempel É-babbar
(Tempel des Šamaš) und der Tempel É-ļjursağ59 vor. Auffallend sind die für Sip­
par außergewöhnlich zahlreichen Ea-Namen, die fast alle in früheren Generatio­
nen erscheinen. E s ist ungewiß, ob das auf einen südlichen Ursprung der Familie
hindeutet. Ea wurde auch im Tempel der Annunĩtum in Sippar-Amnānum ver'
ehrt.60 Diese Familie lebte wahrscheinlich in Sippar-Amnānum, wo wohl auch
diese Tafel gefunden wurde.61

Sippar. Fam ilie 5 (Dawdănum -Fam ilic; A b b 14)

Es handelt sich um einen auffälligen Stammbaum, in dem neben amurritischen


Namen (Dawdānum, Bclakum, Qaqqadānum) akkadische Namen mit konkretem
Gott Vorkommen. W ir finden hier Sîn als das einzige theophore Element. Diese
Familie62 lebte in einer Kleinstadt, Ḥalļjalla in der Umgebung von Sippar. Ihre
Mitglieder gehörten wahrscheinlich zu den Ältesten der Stadt: Sie waren oft Zeu­
gen von Immobiliengeschäften.
Der Familiengott ist leider nicht bekannt. Die Namen zeigen eine amurriti­
sche Herkunft und eine spezielle Beziehung zu Sîn. Auch in anderen Fällen läßt

58CBS 473 (Wilcke 1983:49-54).


59 Hier ist das einzige Vorkommen dieses Tempels im Sippar-Onomastikon. Es ist un­
wahrscheinlich, daß der Tempel des vergöttlichten Šulgi in Ur oder ein früherer Tempel
der Ninļjusaģa (Muttergöttin) gemeint ist. Möglicherweise handelt es sich um eine Kurz­
form des Namens É-ljur-sağ-kalam-ma, des Tempels der Btar von Kiš. Zu diesem Tem­
pelnamen s. George 1993:100-101.
60Vgl. Harris 1975:148.
61 CBS 473 gehört zur First Khabaza Collection, die 1888 vom University Museum
(Philadelphia) gekauft wurde. Diese Tafeln stammen größtenteils aus Sippar-Amnānum
(Tall al-Dĕr). Vgl. Kalla 1999: 206-210.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 139

sich beobachten, daß amurritische Namen viel öfters mit akkadischen Sîn-Namen
in einer Familie Vorkommen als zusammen mit anderen theophoren Elementen.

Sippar: Fam ilie 6 (W arad-Sîn-Fam ilic; Abb. 15)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Die Sîn- und Šamaš-Namen (einmal in einem
naíŴw-Namen) sind fast gleichmäßig verteilt (jeweils drei). Ferner kommt jeweils
ein Name mit Ilabrat (Ištar-Kreis) und Adad vor. Das ist ein gewöhnliches Bild bei
den Sippar-Familien.

Sippar: Fam ilie 7 (Šam aš-rabi-Fatnilic; Abb. 16)

Der Familiengott ist nicht bekannt. W ir finden eine ähnliche Verteilung wie bei
Familie 6, mit acht Sîn/Nanna-, vier Šamaš/Utu- und einem Adad-Namen. Es
kommen ferner A ja und der Tempel Ulmaš (Tempel der Annunītum in Sippar-
Amnānum; beide in Frauennamen) vor.

Sippar: Fam ilie 8-11 (sağa dUtu bzw. s a ğ a áA ja-Fam ilien; Abb. 17)

Wir haben schon oben die möglichen Familiengötter dieser Familien behandelt. In
Familie 8 dominieren die Sîn-Namen (sechsmal). Šamaš- und Aja-Namen kom­
men drei- bzw. zweimal vor. Daneben finden wir einen Ištar- und einen Kabta-
Namen (Kreis der Ištar). Diese Verteilung entspricht grundsätzlich der bei vielen
Familien aus Sippar. Aus Familie 8 kennen wir nur Sîn-Namen. In den Familien
10 und 11 weisen die theophoren Elemente Marduk (ein- bzw. zweimal) und
Nabium (jeweils einmal) auf einen Ursprung aus Babylon hin. Die übrigen Namen
enthalten den Namen von Sîn (ein- bzw. zweimal) und Šamaš (einmal in Familie
11).

Sippar: Fam ilie 12 (Im lik-Sin-Fam ilic; Abb. 18)

Der Familiengott ist nicht bekannt. Wahrscheinlich waren die Mitglieder dieser
Familie alle Diener des E-babbar-Tempels. Alle Frauen haben Aja als theophores
Element (viermal). Daneben kommen Šamaš zweimal, Nunu zweimal (im selben
Namen; Götterkreis der Ištar) und Ninšubur/Ilabrat ebenfalls zweimal vor. Diese 6
2

62 Vgl. Stol 1998:442.


140 Gábor Kalla

Familie stand angesichts des seltenen Gotts Nunu wahrscheinlich in enger Bezie­
hung zur Ištar, die in Sippar-Amnānum als Annunĩtum Stadtgöttin ist.

Sippar: Fam ilie 13 (N ūr-ilišu-Fam ilie; A b b 19)

Die Familiengöttin ist Ninsianna. Von sieben Mitgliedern der Familie haben nur
drei konkrete Göttemamen als theophores Element. Abgesehen vom Marduk-Na-
men, der sich mit babylonischem Einfluß erklären läßt, finden wir noch Gula und
Lú-làl (Lulu).63 Ninsianna ist eine Variante der Inanna/Ištar,64 die in
Südbabylonien während der altbabylonischen Zeit mit der Heilgöttin Gula, der
Stadtgöttin von Isin, gleichgesetzt wurde. Lú-làl gehörte auch zum Kreis der
Inanna und wurde ebenfalls in Isin verehrt.65 Alle diese Daten lassen eine
Abstammung dieser Familie aus Isin vermuten.66

Lagaba: Fam ilie 1 (Im gur-É-idim -anna-Fam ilie; A b b 20)

Der Familiengott ist Nabium. Diese Familie hatte intensive Verbindungen zu Ba­
bylon. Einige Mitglieder der Familie wohnten dort auch. Die theophoren Elemente
der Personennamen sind Marduk (zweimal im selben Namen), Nabium, Sîn,
Amurrum und Zababa (jeweils einmal). Der Tempelname É-idim-anna bezieht
sich auf einen Sîn-Tempel; er kommt mehrfach in Personennamen vor. Sîn,
Amurrum und Zababa gehörten zu den wichtigsten Göttern des Lokalpantheons.
Nabium und Marduk spielten dagegen eher eine untergeordnete Rolle.67 Die theo­
phoren Elemente spiegeln die doppelte Identität der Familie wider: Nabium und

63 Nach Schreibvarianten von Ubãr-Lulu/Ubãr-Lú-làl ist Lulu hier nicht die Abkürzung
von Lugal-marada (zu Lulu =Lugal-marada s. Stol, RLA 7:148 s. v. Lugal-marada), son­
dern von Lú-làl (Lātarāk).
64 Vgl. AN:Anum IV: 172 (Nin-si4-an-na = Ištar kakkabi) (Litke 1958:180). Sie wurde
auch in Nordbabylonien schon früh verehrt und bekommt von dem babylonischen König
Sumu-abum (4. Jahr, Datenformel) einen Tempel. S. Heimpel 2001.
65 Richter 1999:204.
66 Es gab in Sippar-Jaļ)rurum eine weite Straße der Isiniter (sila-dagal-la lú-meš ì-si-in-
na1"; alle Belege sind spätaltbabylonisch, vgl. de Graef 1999b:7), wo offensichtlich viele
aus Isin übersiedelte Leute lebten. Ubãr-Lulu (Sohn des Nür-ilišu) kaufte Grundstücke
auch in Sippar-Jahrurum, allerdings in der Bunene-Straße. (Vgl. MHET 2/6, 874 (Si 30);
876 (Si 30); 880 (Si 33)). Es ist möglich, daß er mit seiner Familie von Isin nach Sippar
kam, als Isin allgemein verlassen wurde. Die letzte datierte Tafel aus Isin ist Si 29 (s.
Gasche 1989:126).
67 Siehe dazu die Opferliste TLB 1, 76 (=SLB 3/1, 76). (vgl. Sommerfeld 1982:39).
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 141

Marduk wurden wahrscheinlich wegen ihrer Beziehung zu Babylon gewählt,68


Sin, Amumim und Zababa drücken möglicherweise ihre Eingliederung in die lo­
kale Gesellschaft aus. Eine Erklärung für den Familiengott Nabium kann auch der
literale Hintergrund der Familie sein.

Nach diesem Überblick (vgl. auch Tabelle 1) können wir feststellen, daß trotz der
Vielfalt der theophoren Elemente die Göttemamen nach bestimmtem Muster ge­
wählt wurden. Sie können einerseits mit dem Familiengott Zusammenfällen oder
zu seinem Kreis gehören; andererseits treten auch Fälle auf, in denen kein Mit­
glied der Familie seinen Namen trägt.
Nanna/Sîn findet man abgesehen von zwei nicht allzu gut dokumentierten
Familien (Sippar: Familien 12 und 13) überall. In vielen Fällen ist er der häufigste
Gott. Seine Beliebtheit steht wahrscheinlich mit der starken amurritischen Tradi­
tion in der altbabylonischen Zeit in Zusammenhang, wurde doch der Mondgott
(Yarab/Eraţj) bei den Amurritem besonders verehrt. Yuhong und Dalley stellten
die These auf, daß Sîn Stammesgott einiger amurritischer Stämme,69 z. B. der
Amnānum und Jaļjrurum, gewesen sei. Andere Stämme haben Amurrum oder
Adad (-addu) als Schutzgott.70 Man kann damit die allgemeine Verbreitung von
Sîn gut erklären, denn die Stämme Amnānum und Jaţļrurum siedelten überall in
Mesopotamien. Das bedeutet zudem, daß die städtische Bevölkerung nomadischen
Ursprungs ihre Traditionen bei Familiengottheiten und in der Namengebung fort-
fuhrte.
Durch den amurritischen Mondgott wird der Einfluß des Nanna von Ur
verstärkt, so daß Nanna/Sîn zu einer universalen Gottheit wird.
Šamaš besaß ebenfalls universellen Charakter. Allerdings kommt er viel
seltener in Namen vor als Sîn. Man muß dabei bedenken, daß er in zwei Städten,
Larsa und Sippar, Stadtgott ist. Aus diesen Städten besitzen wir die meisten altba­
bylonischen Tafeln und die meisten Beispiele stammen aus diesen Städten oder
aus ihrem Einflußgebiet (z. B. Kutalla). Eine wichtige Ausnahme ist die Im gur-

68 Sommerfeld weist auf die zentrale Bedeutung von Marduk in der privaten Frömmigkeit
in Lagaba hin, die im Gegensatz zu seiner untergeordneten Rolle im offiziellen Pantheon
steht (1982:41). Man muß aber beachten, daß wir nur ein einziges Familienarchiv aus
Lagaba kennen und daß gerade diese Familie in engen geschäftlichen Beziehungen zu
Babylon stand. Viele Personen, die in den Urkunden und in den Briefen Vorkommen,
lebten in Babylon (s. Tammuz 1996). Die Statistik von Sommerfeld bezüglich der Götter
im Onomastikon von Lagaba (1982:40) ist daher mit einen gewissen Vorbehalt zu benut­
zen.
69 Besonders interessant ist die Namensform Sin-Amurrum, die aber nur einmal belegt ist
(AbB 2, 82).
70Yuhong & Dalley 1990. Vgl. auch van der Toom 1996:88-93.
142 Gábor Kalla

Sí«-Familie aus Nippur (Familie 2; Abb. 6). Hier kann man mit einer Verbindung
zu Larsa rechnen.
Die Kultorte der verschiedenen Inanna/Ištar-Gestalten (Ninsianna, Nanaja,
Annunĩtum) waren im Land weit verbreitet. Die Göttin wurde in jedem wichtigen
Ort verehrt. So ist es nicht überraschend, daß sie in Namen überall vorkommt.
Einige Varianten wie z. B. Nanaja und Annunītum zeigen starke lokale Züge.
Eine Erklärung für die zerstreuten Adad-Namen ist schwieriger. Vielleicht
hängen sie ebenfalls mit der amurritischen Tradition zusammen (siehe oben!).
Andere große Götter wie Enlil und Enki/Ea dagegen kommen nur in bestimmten
Familien vor. Die lokalen Götter wie Uraš und Lāgamāl in Dilbat oder Marduk
und Nabium in Babylon wurden zunächst nur in ihren Heimatorten in Namen
verwendet und strahlten sekundär von dort aus.
Man kann also feststellen, daß die theophoren Elemente nicht beliebig ge­
wählt wurden, sondern wichtige Ausdrucksmittel für Identität (Beruf, Wohnort)
und Tradition (Herkunft) waren. Allerdings war die Namengebung konservativ
und reagierte nicht sofort auf neue Situationen. So vergab die Ur-Utu-Familie
(Sippar: Familie 2; Abb. 11) keine Annunītum-Namen, obwohl sie mindestens seit
zwei Generationen im Dienst des Annunītum-Tempels stand.
Die Kombinationen von theophorem Element und Prädikat folgten wahr­
scheinlich verschiedenen Modewellen, besonders bei den mit den großen Göttern
(Šamaš, Sîn, Ištar, Adad) zusammengesetzten Namen. Besonders auffallend ist die
große Anzahl der M arduk-nāsīrs unter den königlichen Beamten seit Samsu-iluna.
Mode kann auch sein, daß bestimmte Kombinationen nie Vorkommen: nach der
Untersuchung von Sommerfeld werden einige sonst so beliebte Elemente wie
Imgur-, Išme-, Lipit-, -m agir,- ra bi nicht ein einziges Mal mit Marduk verbunden.
Dieses Phänomen läßt sich nicht durch religiöse Ursachen erklären.71 Diese und
die obenerwähnten Beispiele von Modeerscheinungen aus Sippar zeigen, daß trotz
Analogiebildungen die theophoren Elemente und Prädikate als Einheit funktio­
nierten.

Benennung nach Vorfahren

Bei der Benennung von Vorfahren kombinierte man normalerweise nicht beliebig
eine Gottheit und ein Prädikat, sondern man hatte einen ganzen Namen vor A ut
gen. Wahrscheinlich wurden die Kinder oft nach Vorfahren benannt. Entspre­
chendes wurde schon von Stamm (1939:60) für assyrische Könige erwähnt. Man
kann aber viele Beweise dafür finden, daß es sich auch bei anderen Familien so
verhielt.

71
Sommerfeld 1982:136.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 143

Bei den Priesterfamilien findet man oft eine Namensgleichheit von Groß­
vater und Enkeln,72 ähnlich der Papponymie bei den Griechen.73 Ich möchte das
hier an zwei Beispielen demonstrieren, einer Familie aus Ur (//fc-ibbtfu-Familie;
Abb. 3) und einer aus Sippar (Familie 12: Im lik-Sîn-Fam ilic; Abb. 18). In anderen
Fällen war der zeitliche Unterschied größer. Bei der Eţirum -Familie (Kiš: Familie
1; Abb. 21) trug ein Bruder den Namen des Großvaters (Utul-Ištar), der andere
den des Urgroßvaters {Eţirum). Die alte Familie der ersten sağa des Šamaš
(Sippar: Familie 8; Abb. 17) vergab mehrfach denselben Namen: Warad-Sîn tritt
viermal, Šam aš-tappcšu und Annum-pî-Aja je zweimal auf. Wir sehen bei den
zweiten sağa-Familien (Sippar: Familie 9-12; Abb. 17), daß das keineswegs eine
feste Regel war.
Wir können die Benennung nach Vorfahren auch bei anderen Familien be­
obachten. In unserem größten Stammbaum, dem der rffcřq/a-Familie (Sippar: Fa­
milie 1; Abb. 10), finden wir fünf Männernamen und sechs Frauennamen, die je ­
weils gleich lauten. Sîn-ilum kommt in der zweiten und in der fünften Generation
vor, Nakkarum in der zweiten und in der vierten, Akšăja in der dritten und in der
sechsten, Ikūn-pî-Sîn in der fünften und in der achten und M arduk-nãsir zweimal
in der sechsten. Abgesehen von den zwei Marduk-nāşirs wurden dieselben Namen
nach mehreren Generationen wieder vergeben. Dieser Befund zeigt uns, daß diese
Personen wohl nach ihren schon verstorbenen Verwandten benannt wurden. Man
kann dabei zwei verschiedene Muster feststellen. Bei dem einen Muster sind die
in den Namen verewigten Verwandten geradlinige Vorfahren der Benannten
(Akšăja, Ikūn-pî-Sîn), bei dem anderen die Brüder des Urgroßvaters (Sîn-ilum und
Nakkarum) und gehören somit zu einem anderen Familienzweig.
Im Fall der zwei M arduk-năsir kann man entweder an einen gemeinsamen
Vorfahren denken oder es handelt sich um einen Modenamen der Beamten des
Palastes.
Die Frauen gehören zu verschiedenen religiösen Frauenklassen. Die mei­
sten sind nadītu des Gottes Šamaš (Abkürzung lu U = lukur dutu). Es gibt ferner
eine nadītu des Marduk (Abkürzung lu M = lukur dmarduk) und eine kulmašītum
(Abkürzung nb =nu-bar). Obwohl man auch hier dieselben Namen wiederfindet,
kann man daraus keine Schlüsse ziehen, weil die zu diesen Frauenklassen gehöri­
gen Personen eine sehr begrenzte Anzahl von Namen benutzten. Aus Larsa haben
wir zwei Beispiele, nämlich die Familie des Sanum (Larsa: Familie 1; Abb. 1) und
die Familie des Sîn-nūr-mātim (Larsa: Familie 2; Abb. 2). Im ersten Fall taucht
der Name Sanum vier Generationen später wieder auf und im zweiten bekommt
der Enkel des berühmten B ala-ĝuì 0-nam-ḫé wieder denselben Namen, wobei
letzterer allerdings auch in verkürzter Form als Balaja bezeugt ist.

72 Vgl. Renger 1969:131-132,137-138.


73 Rix 2000:623.
144 Gábor Kalla

Die N inlil-ziğu-Familie aus Nippur (Familie 4; Abb. 8) ist von besonderem


Interesse. Hier tritt nämlich nicht nur der Name N inlil-ziğu nach vier Generationen
wieder auf, sondern auch zwei seiner Söhne, ŵj -ŠI-ŠI und Ka-Damu, tragen die­
selben Namen wie die Söhne des Urgroßvaters. Die zwei Personen namens U 4-
duydu? wurden wahrscheinlich nach einem gemeinsamen Vorfahren benannt. Im
Stammbaum der Familie des Lů -dNin-urta (Nippur: Familie 1; Abb. 5) finden wir
zwei gleichlautende Namen, Lú-dN inurta in der ersten und der vierten Generation
sowie Lugal-nte-lám in der dritten und der vierten oder fünften.74
Bei der ř/r-ř/ŕu-Familie (Familie 2; Abb. 11) aus Sippar sehen wir eben­
falls zwei Entsprechungen, Ur-Inanna in der ersten und der fünften Generation
sowie Ur-Utu in der zweiten und der siebten Generation. Sîn-nãsir (Sippar:
Familie 4; Abb. 13) wurde nach einem Bmder seines Großvaters benannt, also
nach einer Person eines Nebenzweigs. Der Name Ibb i-E n lil wurde in der Iddin-
Sŵ-Familie (Sippar: Familie 3; Abb. 12) in der dritten und in der vierten Genera­
tion vergeben. Die zwei N ŭr-ilišu aus der JVur-i/żĵu-Familie (Sippar: Familie 13;
Abb. 19) waren Großvater und Enkel.
Aus diesen Beispielen lassen sich einige Regeln erkennen. Man vergab of­
fenbar ungern denselben Namen mehrfach in derselben Generation, ja sogar ähn­
lich lautende Namen innerhalb einer Generation wurden vermieden. Selten sind
Fälle wie die Sîn-nūr-mãtim-Fwca\Yic in Larsa (Familie 2; Abb. 2), in der es Brüder
mit Namen Şillī-Šam aš und Şillī-Ištar gibt und ein anderer Sohn des Sîn-nūr-
rnãtim Sîn-šār-mātim heißt. Man kann feststellen, daß zeitliche Unterschiede zwi­
schen den gleichen Namen fast immer so groß waren, daß die ältere Person wahr­
scheinlich nicht mehr lebte, als die jüngere geboren wurde. Die Beispiele mit ge­
ringerem zeitlichen Abstand müssen einzeln überprüft werden. Bei der Iddin-Sîn-
Familie (Sippar: Familie 3; Abb. 12) ist der Unterschied nur eine Generation, doch
war vielleicht Ibbi-Sîn I zur Zeit der Geburt von Ibbi-Sîn II schon tot.75
In einigen Fällen kann man an gemeinsame Vorbilder denken. Diese Vor­
bilder waren nicht einfach Verwandte, sondern schon verstorbene Ahnen der Fa­
milie. Diese Sitte steht wohl im Zusammenhang mit der allgemeinen kultischen
Verehrung der Ahnen, die in der altbabylonischen Zeit gut bezeugt ist.76 Wie
Texte der Sín-nāsir-Ŧamilie und andere, mit Kulthandlungen zusammenhängende
Genealogien, z. B . der Hammu-rapi-Dynastie,77 beweisen, hielten die Familien
ihre Vorfahren in Erinnerung. Einige der Vorfahren wurden sogar wie Götter

74 Lugal-me-lám ist ein Erbe der Du-du-kal-la. Allerdings ist möglich, daß er nicht sein
Sohn, sondern sein Enkel ist.
75 Der zeitliche Abstand zwischen dem Erscheinen der beider Personen ist mindestens 65
Jahre: CT 8 , 16a/MHET 106:8 (Sm) und OLA 21,95/96 (Si 22).
76 S. van der Toom 1996:42-65 mit Literatur.
77 Finkeistein 1966.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 145

verehrt und wurden zu Familiengottheiten.78 Die Eltern hofften wahrscheinlich,


mit dem Namen der Ahnen das Schicksal der Kinder positiv zu beeinflussen. Die
Menschen erwarteten, daß sie ebenso wie die Götter mit der Namensnennung
zugleich das Schicksal des Benannten entschieden.

Zusamm enfassung

Die altbabylonische Zeit hat eine vorher nicht gesehene Vielfalt von Namen her­
vorgebracht. Die Kombinationen von theophoren Elementen und Prädikaten wa­
ren wohl deshalb so vielfältig, damit möglichst zahlreiche Namenformen vorhan­
den waren. Dieses Ziel erreichte man durch zwei verschiedene Mittel: man schuf
neue Namentypen und tauschte die theophoren Elemente der schon bekannten
Namen aus. So wurde das unspezifische theophore Element ilu der akkadischen
Namen des III. Jt. v. Chr. durch konkrete Götter (und Tempel, Städte und Flüsse)
ersetzt.79 Allerdings ist nicht jede mögliche Kombination bezeugt; viele i/w-Na-
men bleiben ohne Parallelen.
Dieser Prozeß wurde von einer theologischen Entwicklung beeinflußt: die
früher sehr allgemein ilu (Gott) genannten Schutzgötter der Familie wurden mit
den größeren und kleineren Göttern der örtlichen Panthea mindestens in Namen
gleichgesetzt. Immer mehr Personen bekamen Familiengötter, Götter aus ihrem
Kreis oder mit ihnen in engem Zusammenhang stehende Stadt-, Tempel-, oder
Flußnamen als theophores Namenelement. Die Prädikate wurden spezifischer.
Diese Moden gingen wahrscheinlich von theologisch gebildeten Literaten aus. Die
neu geschaffenen Namentypen wurden vielleicht unter Einfluß herausragender
Persönlichkeiten durch Analogiebildungen weiterverbreitet. Innerhalb einer Fami­
lie wurden nur wenige theophore Elemente benutzt. Bei vielen Kindern versuchte
man aber, für die Namen zwischen mehreren Gottheiten zu wählen. Man benutzte
wahrscheinlich im Alltag Hypokoristika, weil die gleichen Göttemamen in vielen
Fällen vielleicht verwirrend waren.
Man kann beobachten, daß, wenn eine Familie in eine Stadt einwandert,
sie einerseits theophore Elemente benutzt, die sich auf ihre ursprüngliche Heimat
beziehen, und anderseits solche, die Loyalität zu der neuen Heimat ausdrücken. In
der bewegungsvollen Geschichte der altbabylonischen Zeit haben viele ihren ur­
sprünglichen Wohnort verlassen80 und nahmen ihre Namengewohnheiten mit.
Damit wurden die örtlichen Onomastika, besonders die theophoren Elemente,

78 Beispiele s. bei Stol 1991:203.


79 Vgl. Stamm 1939:59 und Westenholz bei Albertz (1987:138).
80 Zu den Fremden in der altbabylonischen Zeit s. Harris 1976; Charpin 1992; De Graef
1999a-b.
146 Gábor Kalla

vielfältiger. Sie brachten des weiteren ihre Kulte mit, was zu dem Scheinbild
führt, diese Götter würden zu den originalen Lokalpanthea gehören.
In Tempelgemeinschaften gab es oft spezielle Regeln für die Namenge­
bung. So wurden oft sehr komplizierte sumerische Namen vergeben. Diese Namen
wurden in Listen gedeutet. Ein Beispiel nennt Charpin (1986:396-402) für die
gudu4 -Priester von Enki in Ur. Manche Besonderheiten der Namengebung lassen
sich durch die Benennung nach Vorfahren (lineare und laterale Verwandte) erklä­
ren: z. B. viele Archaismen oder besondere Götter in Namen. Es ist denkbar, daß
man normalerweise die Familien- und Stadtgötter in den Namen verwendete. Die­
ses System wurde damit gekreuzt, daß viele Kinder nach Vorfahren benannt wur­
den, die andere Familiengötter hatten. Wichtig wäre es zu wissen, ob und wie
lange die verschiedenen Nebenzweige die ursprünglichen Familiengötter beibe­
hielten und wann man unter Umständen neue wählte. Als Vorbild dienten viel­
leicht bisweilen Ahnen der mütterlichen Linie, wodurch neue Götter den Namen­
vorrat variierten. So läßt sich möglicherweise erklären, wie der amurritische Name
Mutwm-El plötzlich in der sechsten Generation einer alten Familie aus Nippur
auftaucht, die bis dahin nur sumerische und akkadische Namen kannte. Die vielen
Personen, die Zärtlichkeitsnamen und Spitznamen trugen (z. B. Huzãlum
„Gazellenjunges“), wurden vielleicht ebenfalls nach Ahnen benannt, die noch in
der Zeit lebten, als diese Namen in Mode waren.
Natürlich müssen wir mit vielen weiteren Faktoren in der Namengebung
rechnen, von denen ein Teil uns für immer verborgen bleiben wird.

Bem erkungen zu den Stammbäumen

In den Klammem unter den Personen wurden der Beruf - sofern bekannt - und die
möglichen Familiengötter (ìr GN) nach Siegelinschriften angegeben.
Die unterstrichenen Namen sind Frauennamen. Die Abkürzungen der ver­
schiedenen Frauenklassen mit besonderem Status81 sind die folgenden:
lu Nu =lukur ^Ninurta (nadītum des Ninurta)
lu M =lukur dMarduk (nadītum des Marduk)
lu U =lukur dUtu (nadītum des Šamaš)
nb =nu-bar (kulmašītum)
ng =nu-gig (qadištum)

81 Zu den einzelnen Frauenklassen s. zusammenfassend Renger 1967b.


Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 147

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Abb. 1. Larsa: Familie 1

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Abb. 2. Larsa: Familie 2 (Sîn-nŭr-mātim-Familie)

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Gábor Kalla

Ilšu-ibbišu (II) Sîn-ibbišu


(ša13-dub-ba gudu4-ab-zu, ìr Samsu-iluna)
Abb. 4. Kutalla: Familie 1 (Sîn-šemi-Familie)
Abb. 6. Nippur: Familie 2 (Imgur-Sîn-Familie)

Lipit-Ištar Sîn-erîbam
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 151

Abb. 8. Nippur: Familie 4 (Ninlil-ziĝu-Familie)


Abb. 9. Dilbat: Familie 1 (Ilī-amranni-Familie)
Abb. 10. Sippar: Familie 1 (Akšāja-Familie)
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen

Ibni-Sîn Amat-Mamu Sîn-išmeanni Sîn-nāşir


(na-gada) (lu U) ļ
| Pirķi-ilišu
Ikūn-pî-Sîn (II)
153
154 Gábor Kalla

Abb. 11. Sippar: Familie 2 (Ur-Utu-Familie)

(gala-maļ) Annunītum) (lu M)


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Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 155
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Abb. 12 Sippar: Familie 3 (Iddin-Sîn-Familie)

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156

Abb. 13. Sippar: Familie 4 (Sîn-nāşir-Familie)


Gábor Kalla

Ḥuzālum Iltani Rabût-Sîn Qaqqadānum Idišum Manna-ša


(lu U) (=Rabûssa) (lu U)
Abb. 15. Sippar: Familie 6 (Warad-Sîn-Familie)
Cd
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen

Sîn-ublam Bēltani Taram-Ulmaš Warad-Sîn Sîn-remeni Sîn-muballiţ Ašqudum Sîn-iqĩšam Sîn-abušu Nannatum Šamaja Aia-tallik
(lu U) (nb) (lu U)
157
158 Gábor Kalla

Abb. 17. Sippar: Familie 8-11 (saģa dUtu bzw. sağa dAja- Familien)

saěa dUtu 1 saĕa dUtu 2 ísaēa Aia)

Warad-Sîn (I) (keine sağa) (Familie 8) Sîn-imittĩ (keine sağa) (Familie 9)


1 1
Annum-pĩ-Šamaš (Annum-pĩšu) Sîn-ennam
(Im-Sl) (ìr É-babbar; Sa-As)
| 1
Šamaš-tappêšu (I) Šamuļ)-Sîn (Šummuŧ)-Sîn)
(ìr É-babbar, SI) (AS-Sm)
1
Lipit-Ištar
(SI-Sa) Sîn-gãmil (keine sağa) (Familie 10)
ļ ļ
Warad-Sîn (II) Šalim-pãliļ)-Marauk (Šalim-påliļjšu)
(ìr Aja; AS-Sm) (ìr Marduk; Sm)
1 l
Annum-pî-Aja (I) Etel-pĩ-Nabium
(ìr Aja; Sm-Si) (Ir Nabium; Sm-Ḥa)
ļ
Šamaš-tappêĩu (II)
(ìr Samsu-iluna; Si) Ikūn-pī-Šamaš (keine sağa)
I (Famüie 11)
Ŵarad-Sîn (III) 1
(ìr Samsu-iluna; S i ) Išme-Sîn
| (Ir Ųammu-rapi; Ųa-Si)
Annum-pĩ-Aja (II)
(Ir Abi-ešuţj; Ae-Ad)
|
Sîn-erĩbam
(Şi)
1
1
Marduk-mušallim, sağa dAja
Warad-Sîn (IV)
(ìr Ammi-ditäna; Ad) (Ir Ammi-ditana; Ae-Ad)
ļ ļ
1
Sîn-iqīšam Etel-pI-Nabium, sağa dAja
(ìr Ammi-ditāna; Ad) (ìr Ammi-ditana; Ad-Aş)
1 l
Ilšu-ibni Marduk-nāşir, sağa dAja
(Ad) (Aş)
I
1
Nur-Kabta
ļ
Ikūn-pI-Sîn
(Aş)
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 159


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Abb. 18. Sippar: Familie 12 (Imlik-Sîn-Familie)

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CO < <
<
Abb. 19. Sippar: Familie 13 (Nũr-ilišu-Familie)
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 161
Abb. 21. Kiš: Familie 1 (Eţirum-Familie)

H
162 Gábor Kalla

Tabelle 1: Die Verteilung der Götternamen in der Personennamen1

L =Larsa D =Dilbat +=Familiengott


K =Kutalla S =Sippar
N =Nippur La =Lagaba

LI L2 Kl NI N2 N3 N4 Dl SI S2 S3 S4 S5 S6 S7 S8 S S La
12 13 1
A d ad /Išk u r 2 1 1
A ja 1 2 i
A m u rru m / 3+ +? 1 1 +
M artu
A n n u n ītu m 1
D am g al- 1+
n u n n a/
D am k in a
D am u 3
E a/E n k i 2+ 5
E n lil 1 1 2 4
E rra 1
G u la 1
IštarA n an n a 2 1 1 4
Ilab rat 1 1 1 2
K ab ta +?
L āg am āl 2+
L ãtarā k / 1
L ú -làl
M am u
M ard u k 1 2 2 1 2
N ab iu m 1+
N an aja 1
N in lil 3 +
N in sian n n a 1
N in u rta 4 1 3 2
N unu 2
S eb ettu / 1
Im in b i
S în /N an n a 2 3 4 1 2 3 2 3 11 3 5 7 2 3 8 6 1
Š am aš/U tu 1 2 3 1 4 3 2 2 4 3 2
T u tu
U raš 1
Z ab ab a 1

1Die Frauennamen wurden hier nicht berücksichtigt.


Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 163

Anhang: Die bibliographischen Angaben der Stammbäume

Larsa: Familie 1 (Sa/ií/m-Familie):


Nach Matouš 1949 und Leemans 1950. Zu der Familie s. Matouš 1949 und Lee-
mans 1950:54-63. Für die Siegelinschriften vgl. Charpin 1990:62-63.

Larsa: Familie 2 (Sîn-nūr-mãtim-Familie):


Nach Charpin 1987 und Dyckhoff 1999. Zu der Familie s. Dyckhoff 1999 mit
älterer Literatur. Der Stammbaum von Charpin wurde nach Argumenten von Dyckhoff
zum Teil modifiziert. Es gibt keinen zwingenden Beweis, daß Nabi-Damgalnmna und
Erìdu-liwwir Brüder waren; sie können auch Onkel und Neffe sein. Dagegen wird Nabi-
Damgalnunna auf seinem Siegel als Sohn des Bala-ğuio-nam-ķé identifiziert (vgl. Char­
pin 1990:62) und Eridu-liwwir als Sohn des Iddin-Ea.
Für die Siegelinschriften s. Charpin 1990:62. Für das Siegel des Sîn-măgir, Sohn
des Sîn-nŭr-mãtim s. Dyckhoff 1999:66-73 (YBC 6673).

Ur: Familie 1 Ųlšu-ibbišu-F&mì\ié)\


Nach Charpin 1986:120-125.

Kutalla, Familie 1 (5ŵ-šem/-Familie):


Nach Charpin 1980:62. Zu der Familie s. dort S. 62-78.

Nippur, Familie 1 (Lu-Ninurta-Ŧamiììé):


Nach Kraus, 1951:186 (vgl. Renger 1969:185 und Stone 1979:139). Zu der Fa­
milie s. Kraus 1951:184-187.

Nippur, Familie 2 Ųmgur-Sîn-Ŧ amiVté)


Nach Stone 1977:135. Zu der Familie s. dort S. 133-137.

Nippur, Familie 3 (/mgwa-Familie):


Nach Stone 1977:118. Zu dieser Familie s. Stone 1977:114-125 und Prang 1977
mit ein wenig verschiedenen Stammbäumen.

Nippur, Familie 4 (MW/V-z/gw-Familie):


Nach Stone 1987:44 (mit Modifikationen).
Stone setzt in den Stammbaum nur eine Person mit dem Namen Urduydu7, aber
nach der Prozeßurkunde BE 6/2, 10 waren Adad-rabi und Ut-duydu? eindeutig Brüder
und der Prozeß fand zwischen den Vettern Mutum-El und Mãr-ersetim bzw. ĩškur-gìr-ra
und lpqatum statt.

Dilbat, Familie 1 Ųddm-Lăgamāl-Familie):


Nach Desrochers 1978:237 mit Modifikationen. Für die Familie s. Desrochers
1978 und Klengel 1976.
164 Gabor Kalla

Die Siegelinschriften sind die folgenden: Nì-ga-dNanna (Sohn des Iddin-


Lăgamāľ) TLB 1, 237 (Sm 7): [ìr d]rLa-ga-ma-aP (unsicher); Huzãlum (Sohn des
Nãḫilumy. G 59 (Ḥa 38); VS 7, 21 (Si 5) (benutzt sein Sohn Marduk-nãşir): ìr iLa-ga-
ma-al; Etel-pî-Sîn, Sohn des Ŗuzălum: VS 7, 40 (Si); VS 18, 16 (Si): ìr dNi[n-sÌ4-an-na?];
Marduk-nãşir (Sohn des Ŗuzãlum): VS 7, 175 (Tonverschluß): [ìr] àLa-ga-ma-\aī\/\iĄ
d[N]in-[si4-an-na]
Ilī-iddinam (Sohn des Tutu-nāşir =Tudutum; vgl. VS 7, 40): VS 7, 17 (Si 2); VS
7, 26 (Si 6); VS 7, 40 (Si): ìr dNi-i[n?-x-x]. Eine ungewöhnliche syllabische Schreibung
für Ninsianna?
Iddin-Lãgamāl (Sohn des Ilĩ-idinnam): VS 7, 30 (Si 7); [ìr] dNin-si4-ranl!-[na].

Sippar, Familie 1 (Akšãja-īamilie):


Das Archiv dieser Familie wurde von Einheimischen in Sippar-Amnänum (Tall
al-Dër) zwischen 1888 und 1891 entdeckt und vom British Museum aufgekauft. Seit der
ersten Rekonstruktion von vier Generationen der Familie durch Harris ist sie als Akšăja-
Familie bekannt, und ich habe diesen Namen beibehalten. Für frühere Stammbäume vgl.
Harris 1969 und Stol 1998. Die Texte dieser Familie umfassen fast die gesamte Zeit­
spanne der altbabylonischen Zeit, von Sumu-la-El bis Ammi-şaduqa, und man kann neun
verschiedene Generationen rekonstruieren. Eine umfassende Arbeit über diese Familie
wird vom Autor vorbereitet.

Sippar, Familie 2 (ř>-ř//u-Familie):


Nach Dekiere 1994.

Sippar, Familie 3 (AÄ/in-Sín-Familie):


Abum-waqar (Sohn des Iddin-Sîn): CT 4, 33b:5 (AS); CT 6, 7b, 24/MHET 2/1,
65:8’(AS).
Itŭr-kīnum und Abum-waqar (Kinder des Iddin-Sîn): CT 8, 8:14’—15’ (Sm).
Kinder des Abum-waqar. CT 4,10:8,9,10.
Inbaíum, lukur dUtu (Tochter des Abum-waqar)'. CT 4, 10:19.
Lamassãm, lukur dUtu (Tochter des Abum-waqar): CT 4,10: 45 (AS).
Ibbi-Enlil, Sîn-mågir, Enlil-issu, Inbuša (nu-bar), Annum-pîša (Kinder des
Abum-waqar): CT 8, 16a/MHET 106:8 (Sm); OLA 21, 95/96 (Si 22).
Amat-Šamaš, lukur dUtu, Tochter des Sîn-măgir: CT 4, 10:28.
Enlil-nãşìr, Sohn des Itūr-kinum: CT 8 ,16a: 9/MHET 106:8 (Sm).
Akšak-iddinam, Sîn-bël-aplim, Warad-Sîn, Luštammar-Sîn, Puzur-Šamaš,
Annum-pî-Šamaš, Tarĩbuša und Inibšina, ihre Mutter: BM 22512 up.//BM 22702
up.//MHET 2/3,347//440//460 (Si 24) (Fünf Teilzettel einer Erbteilung).
Sîn-bcl-aplim, Sohn des Sîn-măgir: CBS 565, 2 (ZA 73, 56-57; Si 10).
Kalūmtum, Tochter des Annum-pî-Šamaš: CBS 565, 15, 17 (Wilcke ZA 73, 56-
57; Si 10).
Ibbi-EnlU, Ilšu-ibbi, Bēlessunu (Kinder des Enlil-nãşir): OLA 21,95/96 (Si 22).
Lamassăni, lukur dUtu (Tochter des Warad-Sîn): CT 4,10:29.
Namengebung und verwandtschaftliche Beziehungen 165

Sippar, Familie 5 (Dawdãnum-F am\\\e):


Nach Stol 1998:442.

Sippar, Familie 6 (/èw-Sín-Familie):


Warad-Sîn (Sohn des Ibni-Sîri) und Ištar-ummĩ (Tochter von Buzazum und
Lamassatum): VS 8, 4/5 (Im); VS 8, 6/7 (Im).
Šallūrtum, Sîn-iqīšam, Mãd-dummuq-ilī (Kinder des Warad-Sîn): VS 8, 27 (Sm
7).
Mãd-dummuq-ilī (Sohn des Warad-Sîn) und Amat-Šamaš (seine Tochter): VS 8,
31/32 (Sm 10); VS 8, 33/34 (Sm 10).
Ibni-Šamaš, Nūrum-līşi, Warad-Ilabrat, Ibni-Adad (Kinder des Sîn-iqīšam): VS
8,31/32 (Sm 10); VS 8, 45 (Sm 15); VS 8, 56/57 (Sm); VS 8, 101 (Ḥa 3); VS 8, 108/109
(Ḥa 4); VS 9, 7/8 (Ḥa 18); Huššutum (Tochter des Ibni-Šamaš): CT 4, 20a (Sm 15); BM
78811/78812 (AOAT 25, 189)(Ḥa33).
Nūr-Šamaš, Ilīma-aḥī, Palatum, Hummurum (Kinder des Ibni-Šamaš): VS 8, 112
(Ḥa 9); BAP 95 (Ḥa [...]; Zeugen); BM 78811/78812 (AOAT 25, 189) (Ḥa 33).

Sippar: Familie 7 («Sïn-raèi-Familie):


Vgl. JCS 11, 17, n. 2 (Sm 12), RSO 2, 539-541 (Sm 12); CT 48, 1 (Sm 12); CT
48, 3 (Ḥa 6); VS 8,71 (-).

Sippar, Familien 8-11 (sağa dUtu-Familien)


Nach Woestenburg 1997/98:358-359.

Sippar: Familie 12 (/w/¿^-Sí«-Familie)


Nach Woestenburg 1997/98:359.

Sippar: Familie 13 (Ubãr-Lulu-F amilie):


Vgl. MHET 2/6 S. 2.
Lagaba, Familie 1 (Imgur-E-idim-anna-F am'ûie):
Für diese Familie s. Frankena 1978:308 und Tammuz 1996 mit Belegen. Ich habe
hier hauptsächlich den Stammbaum von Frankena mit Ergänzungen wiedergegeben.
Für Tarăm-Sagila, Tochter des Šū-Amurrum, und Rīšatum, ihre Mutter s. NBC
7308 (vgl. Tammuz 1996:217-218). Bêlšunu, Sohn des Imgur-É-idim-anna hat zwei
verschiedene Siegel. Auf einem wird er als Knecht von Nabium, auf dem anderen
dagegen als Knecht von Samsu-iluna bezeichnet. Vgl. Tammuz 1996:469-470.

Kiš, Familie 1 (Ēţirum-Fam\\\é):


Nach Charpin 1986:407-409.
166 Gábor Kalla

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Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung
anhand des Emar-Onomastikons*

von Regine Pruzsinszky - Wien

Auch heute richtet sich die Wahl des Namens primär nach dem Geschlecht des
Kindes. Im allgemeinen gelten Konvention und Tradition als Kriterien der Na­
mengebung. Die Namenwahl ist jedoch ein komplexer Vorgang, der durch zahl­
reiche weitere Faktoren, wie religiöse Überzeugung, Familientradition, Gefühl,
Stimmung u. a. bestimmt wird. Hierbei werden schon oft Hinweise auf bestimmte
zu erwartende Fähigkeiten, Merkmale oder Eigenschaften gegeben.1 Der Name
wird generell von einem Repräsentanten der sozialen Einheit bzw. den Eltern des
Kindes vergeben.*1
2 Die Namenvergabe als solche wird als Zeichen der Integration
des Kindes in die Gemeinschaft angesehen und manifestiert auch die soziale Auf­
nahme des Benannten.

’ Belege zu den hier genannten Namen finden sich im Katalogteil meiner im Druck be­
findlichen Arbeit „Die Personennamen in den Texten aus Emar“, die in der Reihe Studies
on the Civilisation and Culture of Nuzi and Hurrians erscheinen wird. Folgende Textkür­
zel wurden gewählt: AuOrSI (Amaud 1991), E (Amaud 1985-87), HCCT-E (Tsukimoto
1991), RE (Beckman 1996), SMEA (Amaud 1992).
1 S. allgemein Debus 1995a:393ff. Das wohl bekannteste Beispiel eines Programmna­
mens stammt aus dem Lied von Ulli-kummi (hurritisch „Halte Kumme zurück!“): hierzu
s. Salvini 1991:179-180 und Giorgieri 2000:276288. Die Bestimmung des Kindes läßt
sich auch sonst nur in der Mythologie nachweisen: so werden die Brüder der Appu-Er-
zählung Idalu (hethitisch „schlecht“) und Danza (hethitisch „gerecht“) gemäß ihrer Cha­
raktereigenschaft im Laufe der Erzählung benannt. Vgl. Hofíher 1998:120.
2 Aufgrund des Inhalts vieler Namen ist es wahrscheinlich, daß im Alten Orient der Akt
der Namengebung in der Regel kurz nach der Geburt von Seiten des Vaters oder des
pater familias vollzogen wurde (Edzard 1998:97-98, 109). Zum Zeitpunkt der Namenge­
bung s. jüngst Ziegler 1997:49. Die Benennung durch die Mutter ist uns aber z. B. auch
aus dem Alten Testament bekannt: hierzu vgl. Stamm 1965:414 und Winter 1983:22ff.
Nakata (1995:24066) geht aufgrund von Nameninhalten (insbesondere zum Thema Ge­
burt) des Mari-Onomastikons davon aus, daß die Mutter oder ein weibliches Mitglied der
Familie als Namengeberin fungiert hat. In Anbetracht der zahlreichen Namentypen unter­
schiedlicher Aussagekraft in der semitischen Namengebung ist es jedoch kaum denkbar,
daß lediglich das Thema Geburt (meist durch Danknamen zum Ausdruck gebracht) die
zentrale Rolle in der Namengebung für Frauen gespielt haben sollte. Die Frage nach dem
Namengeber bleibt indes weiterhin ungelöst.
172 Regine Pruzsinszky

Da Sprache naturgemäß im sozialen Kontext einer Sprachgemeinschaft


existiert und funktioniert, sind auch Eigennamen als sozial verankerte sprachliche
Zeichen und als Teil des sprachlichen Inventars einer Gemeinschaft zu betrachten.
So formuliert Gladigow „Benennung und Namengebung sind elementare Vor­
gänge einer Sprachpraxis, deren Wirksamkeit über die einfache ‘Identifizierung’
hinaus im Namen-Rufen kontrolliert werden kann“ .3 Der Name identifiziert und
repräsentiert nicht nur eine Person, ohne Namen besitzt der Mensch auch keine
soziale Existenz.
Der Arbeitsschwerpunkt der Sozio-Onomastik ist vorwiegend das Studium
der Eigennamen mit deutlich markiertem Sozialbezug wie Ruf-, Kose-, Neck-,
Schimpf- und Spottnamen sowie Pseudonyme. Eine solch spezifische Untertei­
lung der Personennamen läßt sich für die altorientalische Namengebung in der
Regel allerdings nicht nachweisen.4 E s kann daher nur tentativ mit den Überle­
gungen aus der modernen Namenforschung gearbeitet werden.
Während „sex“ oder auch das „natürliche Geschlecht“ offensichtliche und
grundlegende, feststehende Charakteristika besitzt, so setzt sich „gender“, das
„soziale Geschlecht“, aus verschiedenen von der Gesellschaft kreierten Vorstel­
lungen zu männlichen und weiblichen Verhaltensweisen oder dem geschlechts­
spezifischen Wesen zusammen. Das heißt, „gendeť“ ist eine soziale Konstruktion
polarisierten Verhaltens, das auf der natürlichen Geschlechtsidentität basiert.
Diese ist variabel und aufgrund unterschiedlicher Faktoren Veränderungen un­
terworfen.5
Geschlechtsattributionen6 tauchen auch in Personennamen auf und sind als
geschlechtsspezifische Konnotationen zu berücksichtigen. Sie sind Wahrnehmun­
gen einer Gestalt, in der die einzelnen Zeichen wechselseitig aufeinander wirken
und damit ihr soziales Geschlecht (= Gender) erzeugen. Aufgabe ist es daher, spe­
zifische Namenbildungen zu isolieren und die Elemente der Frauen- und Männer-

3 Gladigow 1998:209.
4 Für die altbabylonische Zeit vgl. Stol 1991:210. Eine überaus interessante Studie zu
Namengebungspraktiken im römerzeitlichen Ägypten bietet die Papyrologin Hobson
(1989:157ff.), die an Studien der Anthropologie und der politischen Linguistik anschließt
und erstaunliche Ergebnisse für das von ihr behandelte Material erzielt: so kann sie ver­
schiedenste Namen („formal names“ und „nicknames“) für ein und dieselbe Person, die
in unterschiedlichen Kontexten auftreten, nachweisen.
5 Zum Bewußtsein der Geschlechterdifferenz im Alten Orient sowie zur Trennung zwi­
schen sozialem und biologischem Geschlecht s. jüngst van der Toom 1994b:20ff. (mit
weiterführender Literatur).
6 Zu symbolischen Geschlechtsattributionen s. z. B. Hoffner 1966:326ff„ Groneberg
1997:134ff. Beachte auch das einleitende Kapitel „The Life Course“ der im Jahr 2000
erschienenen Studie von Harris.
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung 173

namen der Emar-Texte zusammenzutragen und einander gegenüber zu stellen.7


Anhand der Namengebung kann jedoch nur ein ungefähres, recht statisch wirken­
des Bild, aufgezeigt werden, das der Vorstellungswelt zu Mann und Frau der
Menschen Nordsyriens im 2. Jt. v. Chr. nahekommt bzw. sie widerspiegelt.
Schon Stamm wies im Kapitel zur akkadischen Namengebung
(1939:122ff.) „Verteilung der Namenstypen auf soziale Klassen (Frauennamen)“
auf Unterschiede zwischen Männer- und Frauennamen hin und führte die wichtig­
sten Charakteristika an. Das auffallendste Merkmal ist die regelmäßige Verwen­
dung von Namen weiblicher Gottheiten in Frauennamen;8 Theonyme maskuliner
Götter finden sich hingegen vorrangig in Männemamen. Da mesopotamische
Gottheiten in wesentlichen Zügen Projektionen menschlicher Gegebenheiten sind,
wird die sexuelle Zugehörigkeit mancher Gottheiten mit den geschlechtsspezifi­
schen Rollen in der menschlichen Gesellschaft assoziiert. Die Götterwelt kann
sozusagen als Spiegel der Gesellschaft betrachtet werden, in welcher die Auftei­
lung des Kosm os zwischen weiblichen und männlichen Kräften als elementares
Ordnungsschema verstanden wurde. Die soziale Aufteilung der Götterwelt proji­
ziert bestimmte Aktivitäten, die lediglich dem Mann Vorbehalten waren, andere
Bereiche (Haushalt und Produktion) wurden hingegen mit der Frau assoziiert.
Von Bedeutung ist die Beobachtung Stamms, daß die Frauennamen weni­
ger theophore Bildungselemente enthalten. Bei Frauennamen überwiegen hinge­
gen die sogenannten Bezeichnungs- und Kurznamen. Bemerkenswerterweise stellt
Debus (1995:1734), ein Vertreter der Sozio-Onomastik, für die gegenwärtige
deutsche Namengebung fest, daß Kurz- bzw. Koseformen sowie „wohlklingende“
Namen prozentual bei Frauennamen häufiger aufìreten als bei Männemamen.
A b der kassitischen Periode verzeichnet Stamm ein Ansteigen an Vertrau­
ens-, Klage- und Bittnamen. Durch die Bestimmung verschiedener Namengattun­
gen9 wird versucht, Tendenzen aufzuzeigen, die uns Informationen zu der sozial­
geschlechtlichen Rolle von Mann und Frau im Alltag des Alten Orient vermitteln
können.
Insgesamt fällt die Anzahl der Frauennamen im Verhältnis zu der der
Männemamen im Emar-Korpus sehr gering aus. Es können jedoch bereits anhand
der insgesamt Uber 400 weiblichen Personennamen charakteristische Merkmale

7 Die Kennzeichnung eines Frauennamens im Text erfolgt in der Regel mit einem Frau­
endeterminativ. In manchen Fällen fällt dieses aus und kann kontextuell (z. B. Bezeich­
nung als „Tochter“, „Frau“, „Sklavin“ etc.) erschlossen werden.
8 Eine eingehendere Studie widmet Stamm 1967:301-339 den hebräischen Frauennamen
(mit Einbeziehung einer knappen Darstellung zu akkadischen Frauennamen: pp. 305-
306).
9 Eine rezentere Zusammenstellung der Namengattungen nach Stamm findet sich bei Di
Vito (1993:277-284).
174 Regine Pruzsinszky

festgestellt werden. Allerdings muß vorweggenommen werden, daß die Beobach­


tungen zu den Merkmalen nur anhand des vorliegenden westsemitischen und ak­
kadischen Namenmaterials vorgenommen wurden und nicht repräsentativ für den
syrischen Raum dieser Zeit sind (vgl. beispielsweise das Onomastikon von Ugarit
und Alalaķ). Betrachtet man kontemporäre Namenkorpora anderer Archive, so
lassen sich vom Emar-Material differierende Merkmale feststellen. Weitere Text-
ftinde aus Emar können natürlich hier getätigte Beobachtungen widerlegen.
Gemäß der formalen Beobachtungen Stamms ist die Satznamen-Formation
Ilĩ-G N „Mein Gott ist G N “, die sehr oft in Männemamen auftritt, nie in akkadi­
schen Frauennamen aus Emar zu beobachten. Hingegen ist die Namenbildung
GN-z7z' „GN ist mein Gott“, wenn auch vergleichsweise selten, als Frauenname
belegt. Während bei Frauennamen das Theonym oder theophore Element in der
Regel an der ersten Stelle steht und das prädikative Element hierauf folgt, existiert
hingegen bei akkadischen Männemamen keine syntaktische Festlegung der ein­
zelnen Elemente (z. B. R ašap-ilī und Rašappa-ilī, Šamaš-ilï).

Frauenname Männername
Abī-ilī llī-abĭ
Adamma-ilī -
Dagãn-ilī Ilī-Dagân
Hepat-ilī Ilī-Hepa
Išḫara-ilī -
Rašap-ilī Rašap-ilī
Šaggar-ilī Ilī-Šaggar
Milkī-Dagān Dagăn-milkī
Nūrī-Dagãn Dagãn-nūrī

Geschlechtsspezifische Namenelemente werden häufig an der Stelle des prädika­


tiven Elements beobachtet (s. u.).
Genitivnamen sind allgemein nur äußerst selten in der Gruppe der Frauen­
namen belegt (z. B. ʿAbdi- ʾili,101Bitti-D agãn, H in n a -đ)E N ,u Mārat-Arimc, Mcrta-
Ba ʿli und Şz//z-[GN]12).
Fragesatznamen finden im akkadischen Namengut in Frauennamen häufig
Verwendung: Al-abaia, Al-aḫaia, Al-aḫãtī, A l-aḫī und Al-ummī. Im westsemiti­
schen Onomastikon von Emar sind sie hingegen nicht vertreten.13

10Die Namenbildung mit ʿabd ist lediglich in AuOrSI 34,2 als fPN belegt.
11 Maskuline Namen dieses Typus sind stets mit dIŠKUR bzw. dU geschrieben. Das Ele­
ment hinnu ist ansonsten nicht in fPNn belegt.
12 Auch şillu ist nur in RE 8, 31 und AuOrSI 99, r41 als Bestandteil eines Frauennamens
belegt.
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung 175
Im Bereich der Verbalsatznamen lassen sich insgesamt sehr wenige Frau­
ennamen beobachten. Für das akkadische Emar-Onomastikon sind folgende femi­
nine Eigennamen belegt: Irʾam -ila, N crgal-irâm ši und Šaggar-um arri. Eine ge­
nuskongruente Form 1
34 konnte nur für das westsemitische Onomastikon nachge­
wiesen werden: Baʿla-taḥanna (vgl. hierzu den mPN Iaḥanni- ʾi/ī).15 Die Abfolge
ist abweichend von maskulinen PNn in der Regel (G)N-V.
Dreigliedrige Satznamen, die insgesamt im Emar-Onomastikon nur selten
nachgewiesen werden können, sind als Frauennamen mit Ausnahme von Na ʿmi-
mãt- ʾili (SM E A 13, r41) nicht belegt.
Nur wenige Frauennamen können formal den Namen mit einem präposi-
tionalen Element zugeordnet werden. Hierzu zählen A ḫa-lī16 und Itti-E N .17 Im
westsemitischen Onomastikon von Emar ist dieser Namentypus bis auf eine mög­
liche Ausnahme {A d -d a -li^la ŕ in AuOrSI 18, r81) gänzlich ungebräuchlich.
Die femininen Kurznamen, die zahlreich belegt sind, lassen sich mehrheit­
lich dem Namentypus der Zärtlichkeitsnamen zuordnen. Für das reicher in Emar
belegte westsemitische Namengut sind auch verkürzte Danknamen sowie Be­
zeichnungsnamen nach Beruf (eher selten18) und Herkunft (mit femininem Bil­
dungssuffix19 versehen) belegt.20 Ganz selten trifft man im Gegensatz zu der
Gruppe der Männemamen auf verkürzte Attributnamen. Im Bereich der femininen
Kompositnamen läßt sich jedoch folgende Verteilung der Namengattungen fest­
stellen: So können vermehrt Attributnamen nachgewiesen werden. Ebenso sind
auch häufig Vertrauensnamen anzutreffen. Dank-, Klage- und Ersatznamen wer­
den als Frauennamen verhältnismäßig selten beobachtet. Bittnamen lassen sich
hingegen nicht nachweisen.
Im groben gesehen stimmen meine Beobachtungen zu den Frauennamen
mit Stamms überein und liefern einen Überblick zu den vertretenen Namengattun­
gen. Sie besitzen jedoch für Emar statistisch gesehen aufgrund der geringen An­
zahl von nur ca. 5% und der möglicherweise daraus resultierend fehlenden Na­

13 Ausnahme: Lami-Ba ʿla (nur als fPN belegt; vgl. hingegen Lami-Dagăn, der als mPN
bezeugt ist).
14 Edzard 1962:120.
15 Vgl. im weiteren den fPN La-tiʿša bzw. La-tīsaʿ in AuOrSI 21, 1 (La-ti-iʾ-ša). Zur
Genuskongruenz in PNn mit stativischem Prädikat vgl. Ţäb-dadmŭ und Ţăb-Dagān
(beide mPN) und 7’ābat-maliktu (fPN).
16Beachte hierzu den mPN Aḥĭ-lV.
17Die Lesung des Logogrammes EN ist in den meisten Fällen ungewiß und wird daher in
diesen Fällen nicht weiter aufgelöst.
18Z. B. Agra, Sëbû und Şariptu (möglicherweise ein Toponym?).
19Wilcke 1997-1998:356-357.
20Ahlamû (m) —Aḥlamītu (f), Mariarmu (m) - Mariannatu (f), Subarû (m) - Subartu (f;
Landesbezeichnung anstatt Subarītu), Šubartu (m) - Šubarītu (f).
176 Regine Pruzsinszky

mentypen wenig Aussagekraft für eine repräsentative Darstellung der Rolle von
Mann und Frau.21 Ebenso kann Nakatas (1995:24466) Interpretation bezüglich des
Mangels an Danknamen in Mari nicht gefolgt werden: ,Js the poor showing o f
Danknamen for a baby girl in the women’s personal names a reflection o f the low
estimate o f girls in the society? Probably so.“ Obschon auch in Emar Danknamen
nur spärlich als Frauennamen belegt sind, zeigen insbesondere Rechtsurkunden
aus Emar, daß die Frau in der Gesellschaft am mittleren Euphrat in der zweiten
Hälfte des 2. Jt. v. Chr. einen rechtlichen Status inne hatte, der sich in vielen
Punkten von dem des Mannes nicht wesentlich unterschied: Sie war
erwerbsberechtigt und erbberechtigt und durfte an den religiösen Handlungen im
privaten Sektor teilhaben.22
Im Folgenden sollen daher einzelne Namenbestandteile betrachtet werden,
die teils in Kombination mit anderen nur in Männer- bzw. Frauennamen beob­
achtet werden:
So sind gewisse Namenbildungen bzw. -elemente nur Frauen Vorbehalten.
Dies läßt sich z. B. anhand folgender Anthroponyme mit dem adjektivischen Ele­
ment lã ʾi/u mit der Bedeutung „mächtig (sein)“ nachweisen: Die Namen D agān-
lã ʾi und Šam aš-lā ʾi sind als Frauennamen belegt. Hingegen treten die Bildungen
Bãbu-lă ʾi/u und Rašap-lã ʾi nur als Männemamen auf.
In femininen Kompositnamen ist das Adjektiv in der Regel an der finalen
Stelle positioniert.23 Ausnahmen bilden hierzu der PN N aʿm i-šada24 „Das
Land/der Berg ist lieblich/meine Lieblichkeit“25 sowie Na ʿmi-rnãt- ʾili, die aus­
schließlich als Frauennamen bekannt sind. Die Bildung folgt hier der der Männer­
namen, in der das adjektivische Element häufig auch die erste Position im Satz­
namen einnimmt (Na ʿma-Dagăn, Na ʿmi- ʾilī, N a ʿmi-šalamu).
Ebenso ist die Verwendung des prädikativen Elements a-ú/ia-ú (< ḥayya)
beachtenswert, das atypisch für Frauennamen in der ersten Position (Au-milki

21 Hierbei ist auch auf die zahlreichen Verständnisschwierigkeiten der Kurznamen ver­
wiesen.
22 S. z. B. van der Toom 1994a:38-59 und 1995:35-50. Es ist nicht zulässig, aufgrund
eines Namentypus und gleichzeitiger Vernachlässigung anderer Typen direkt auf den
Status der Frau in der Gesellschaft zu schließen.
23 Vgl. die lă ʾi- und na ‘mz'-Namen: z. B. ʾAbī-na ʿmi und Šamaš-lā ʾi.
24 RE 61, 7/161; AuOrSI 41, r31.7.14.[19].31.33; AuOr SI 42, 2.6: hierbei sollte der
Wechselschreibung für šadâ mit den Logogrammen A.ŠA und KUR Beachtung ge­
schenkt werden.
25 Uneinigkeit besteht dahingehend, ob das Element als Adjektiv oder Nomen verstanden
werden soll: s. zuletzt Pagan 1998:143. Nakata (1995:240) stellt für das Mari-Onomasti-
kon fest, daß die Form naʿm in zweiter Position in Frauennamen und nuʿm neben naʿm
in erster Position in Männemamen belegt ist.
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung 177

„(Mein) König ist lebendig“), in Männemamen26 hingegen stets in der zweiten


Position ( ʾAḫī-au, ʾAbī-au und als Kurzname Au) anzutreffen ist. Hiermit scheidet
wohl die Erklärung des finalen -au als hypokoristische Endung aus. Unter Um ­
ständen kann das Element auch als theophores Element gemäß der zuvor getätig­
ten Beobachtung verstanden werden.
In Bezug auf finale Namenelemente möchte ich auf zwei Akkadogramme
verweisen, die in der Vergangenheit oft mißgedeutet wurden: Aufgrund einer
Reihe von parallelen Namenbildungen kann festgestellt werden, daß B E für ba ʿl
in Männemamen und B E -a für ba ʿla in Frauennamen steht, das stets analog zu
anderen verkürzten Elementen27 in finaler Position belegt ist.28

Frauennam e M ännernam e
Ba ʿla-B/E-a Baʿia-BE
Weitere Bildungen:
Aštar-B/E-a Dagăn-BE
Dūru-BE
la ʿnü-BE
Ibni-BE
Šaggar-BE

Die logographischen Wechselschreibungen mit dIŠ K U R und dN IN für die GNn


B a ʿl bzw. Ba ʿla weisen hingegen größere Schwierigkeiten bei der eindeutigen
Identifizierung der Gottheit auf.
Die Elemente ʿabdu, abii, ʾadūnu, aḫu, amclu, aplu, bĕlu, būnu, ḫatānu,
iš, kudurru, lãd, mãru, rnūtu, šu ʾû und zü, die als Ausdruck des natürlichen Ge­
schlechts gelten, sind kennzeichnend für Personennamen für Männer. Das etwaige
Auftreten der sonst als typisch maskulin bezeichneten Namenselemente abu und
aḫu („Verwandtschaftsbezeichnungen“) in Frauennamen kann auf die Verwen­
dung von Ersatznamen zurUckgeführt werden. D a die Namenbestandteile aḫa und
aḫaia nur in Frauennamen (Aḫa-lī, Aḫa-mādu, ʾAḫa-mi und Al-aḫaia) belegt sind,
darf wohl angenommen werden, daß es sich um die Kurzform der Verwandt­
schaftsbezeichnung aḫătu „Schwester“ handelt. Letztere tritt ausschließlich in
Frauennamen auf.
In Frauennamen lassen sich folgende Ausdrücke des natürlichen Ge­
schlechts beobachten: aḫa, aḫaia, aḫătu, amtu, bclct, bim , martu, mcrtu und
urrrnrn.

26Vgl. hingegen die Schreibungen Ha-(a)-ia-a-ḫu in E 52,53.60


27 Hierzu zählen -ba, -ga, -ḫa, -ḫc, -ka, -li, -rna, -rni, -rn, -qa, -ra und -ta (die Zuordnung
zu den Langformen ist häufig nicht eindeutig feststellbar).
28Die folgenden genannten Namensformen sind nicht in syllabischer Wiedergabe belegt.
178 Regine Pruzsinszky

Weitere Beobachtungen zeigen, daß bestimmte Theonyme nur oder


hauptsächlich in Männemamen belegt sind: Adad, Aia, A ššur, Aštartu, Bãbu,
Nãna/i, Rašap, Irša(ppa), lšar(a), Šarruma, Šim igc, Tcššup, Wadḫa, Išar(a)
(Namen maskuliner und femininer Gottheiten).
Der Mondgott Šaggar, der zumeist in Männemamen Verwendung findet,
ist aber in der Kombination mit kĩmu „Familie“, welches als Pendant zu dem in
Männemamen eingesetzten Element liʾm u „Stamm“ zu beobachten ist, aus­
schließlich in Frauennamen belegt.29
Ebenso lassen sich Göttemamen, die ausschließlich in Frauennamen
auftreten, nachweisen: ʿAnat, Baʿla(t), Kubaba, Nikkal und Išartc (Namen femi­
niner Gottheiten).
Die Theonyme Adamma, Aštar, D agān und Hcpa(t) treten hingegen in
beiden Gruppen auf (Namen femininer und maskuliner Gottheiten).
Nicht allzu große Aussagekraft kann daher, wie bisher angenommen, an­
hand der in weiblichen Personennamen beobachteten Göttemamen gemacht wer­
den: zwar werden vorzugsweise feminine Gottheiten genannt, welche sich aller­
dings eben sooft in Männemamen nachweisen lassen. Wichtige Gottheiten des
lokalen Pantheons sind in beiden Namengruppen in geschlechtsspezifischen Na­
menbildungen belegt.
Ihre Darstellung in der Mutterrolle ist den meisten Göttinnen gemein. Zum
weiteren zählt als charakteristische Eigenschaft von Göttinnen die Rolle der Ehe­
frau, die sich der häuslich-wirtschaftlichen Angelegenheiten sowie der Kinder
annimmt. Aber wie es Frymer-Kensky (1992:58-69) anhand der Gestalt von
Inana/Ištar gut darstellen konnte, werden Göttinnen auch kriegerische, typisch
männliche Eigenschaften zugeschrieben. In der Namengebung fällt das aggressive,
kämpferische Element, die viel diskutierte Ambiguität mancher Göttinnen ganz
aus. Nur selten wird vergleichsweise auf die Stärke und Kraft einer Göttin hinge­
wiesen (vgl. die PNn mit lāʾĩ), was im Namenkontext wohl eher im Sinne der
Schützenden und der zu Vertrauenden verstanden werden darf. Inwieweit eine
bewußte Wahl von Gottesnamen bei der Namengebung stattgefunden hat, läßt sich
anhand des vorliegenden Materials nicht nachweisen.
Attribute, die im semantischen Zusammenhang mit „stark, mächtig (sein)“
stehen, sind aber im allgemeinen Männemamen Vorbehalten: z. B. hurritisch adali
(„stark“) und talrni („groß“) und semitisch dannu, kabar, qarrād und rab(b)íi.
Hierbei handelt es sich offensichtlich um typisch maskuline Konnotationen, die
vor allem neben Macht im (politisch)gesellschaftlichen Bereich auch die physi­
sche Stärke der Gottheit zum Ausdruck bringen wollen. M it diesen spezifischen

29 Das Element kĩmu ausschließlich in fPNn: Aštar-kīmī, Ba ʿla-kīmĩ und Šaggar-kĩmī.


liʾm ausschließlich in mPNn: ʾAbī-Uʾmu, Baʿl-liʾmu/ī, Iddiʿ-liʾmu, ìkŭn-liʾmu, Liʾm-
ʾabĩ, Li ʾmi-Da und Li ʾmi-šarm.
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung 179

Bezeichnungen wird nicht nur die Gottheit mit einem ihr zugeeigneten Epitheton
versehen; aufgrund der getätigten Beobachtungen darf angenommen werden, daß
viele der in Eigennamen auftretenden Attribute auch als geschlechtsspezifische
Konnotationen zu werten sind, die auf den Namenträger wirken.
E s kann beobachtet werden, daß die Verwendung der attributiven Ele­
mente in Kombination mit Gottesnamen keinen großen Schwankungen unterlegen
ist. Ein gutes Beispiel zur Verwendung der Epitheta von Gottesnamen ist in den
weiblichen und männlichen Anthroponymen mit Aštar und Aštartu30 zu erkennen.
Offensichtlich liegt hier, von ein paar wenigen Ausnahmen abgesehen, eine
bewußt vorgenommene Verwendung von maskulinen (Aštar in fPNn) und femini­
nen (Aštartu/i meist in mPNn) Gottesnamen vor. Die prädikativen Elemente sind
allerdings auf den Benannten „geschlechtsspezifisch“ abgestimmt.

• spezifisch feminine prädikative Elemente: B E-a, bītu,3


31 bištu, kīmu, na-
0
wăru/niwăru32 sim ã tī33 simcrtī.
• spezifisch maskuline prädikative Elemente: BE, dannu, libbu, liʾm u, lītu, nüru,
qarrād, rab(b)û, etc.

30 S. Heimpel 1982:9-22.
31 Die Lesung des Logogrammes E wurde fälschlicherweise häufig mit westsemitischem
bitti („Tochter“) wiedergegeben und als Pseudologogramm verstanden. Das ausschließ­
lich in fPNn nachzuweisende Element bitti wird stets logographisch (DUMU.MÍ) mit
einer Ausnahme (syllabisch fŵ-/í-ft-dKUR in AuOrSI 77, 7.13) wiedergegeben. Hierzu
sind die Genitivnamen Bitti-Dagăn und Bitti-EN belegt. Hingegen ist das Element bĩtu
(„Haus“), das selten auch in mPNn belegt ist, in gänzlich verschiedenen Namenbildungen
zu beobachten, wobei es in zusammengesetzten Namen stets logographisch wiedergege­
ben wird: vgl. Abĩ-bītu (...-É-tu4 geschrieben), Aḫātī-bītu, Åstar-bītu, Baʿla-bĩtii, Dagăn-
bītu und Ummĩ-bĭtu (eine Lesung (G)N-töi ist in Einzelfallen natürlich nicht auszu­
schließen). Für den Kurznamen Bītu (stets m) besitzen wir sowohl eine logographische
(E 207,7) als auch eine syllabische (E 76,25) Schreibung.
32 Die Verwendung von nūru derselben Bedeutungsebene ist hingegen stets in erster Po­
sition in mPNn zu beobachten (s. u.)! Eine Ausnahme bildet hierzu der fPN Dagãn-nŭrī
in HCCT-E 43, 5sq. Das westsemitische Element ʾŭru ist in Einwortnamen belegt, die
ausschließlich von Männern getragen wurden. Für niwāru/ī, das stets an zweiter Stelle in
Satznamen positioniert ist, existiert in RE 15, 3.sq. die Verkürzung auf -ni in Dagān-ni.
33Aštar-simătĭ, Ba ʿla-sirnãtī und Dagăn-simătī.
180 Regine Pruzsinszky

Frauenname Männername
Aštar-abu343 5 Aštar-abu
Aštar-BE-cŕs Aštartu-līt
Aštar-bītu3631
0
4
9
8
7 Aštartu-qarrăd*0
Aštar-kīmĩ laḥşi-A štar3
Aštar-simătŕ1 Š uršia-bīt-Aštar42
Aštarti- ʾila3t Zikra-Aštar43
Aštar-takultŕ9 Zū-Aštarti
Aštar-ummī

Die Ambiguität der Gottheiten in Bezug auf ihre Eigenschaften ist somit scheinbar
durch eindeutig geschlechtlich zuordenbare Attribute bei Berücksichtigung des
Geschlechts des Namensträgers zum Ausdruck gebracht worden.44
Reproduktion und Stabilität im häuslichen Bereich stehen im alten Orient
im Vordergrund im Leben einer Frau. Dies sollte offensichtlich auch in der Na­
mengebung zum Ausdmck gebracht werden. Insbesondere im Bereich der Attri­
butionen lassen sich große Unterschiede zwischen Männer- und Frauennamen bei
Verwendung gleicher Gottheiten feststellen. D. h. Gender-Merkmale lassen sich in
der Namengebung vor allem anhand der attributiven bzw. prädikativen Na­
menelemente feststellen, die an der Seite der theophoren Elemente stehen.

34 Mehrheitlich als mPN belegt (insgesamt neunmal); Ausnahme: E 111, 11.


35 SMEA 8, [2].sq.; SMEA 11, 3.8 (insgesamt zweimal).
36 AuOrSI 22,13; E 91, 4.r211 (insgesamt zweimal).
37 AuOrSI 42, 16 (einmal). Das Element simătī ist jedoch gut in den (ausschließlich fe­
mininen) PNn Ba ʿla-simātī und Dagãn-sìmătī bezeugt.
38 AuOrSI 46, 4 (einmal).
39 SMEA 9, 7 (einmal).
40 E 215, 17 (einmal).
41 E 97, r41 (einmal).
42 AuOrSI 53, 1 (einmal).
43 AuOrSI 19, 8; RE 96, r81(insgesamt zweimal).
44 Vgl. die Beobachtungen zum neuassyrischen Onomastikon bei Lipiński 2000:611.
Beobachtungen zur geschlechtsspezifischen Namengebung 181

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Eigennamen in einer Datenbank
Methodische Überlegungen am Beispiel des althebräischen
Korpus

von Hans Rechenmacher - München

Im Rahmen des Münchner Projekts „Biblia hebraica transcripta“, das Wolfgang


Richter nach jahrzehntelangen Vorstudien mit der Anschaffung eines Unix-Rech-
ners vor etwa 15 Jahren begann und seither kontinuierlich weiterfuhrt,1blieben die
Eigennamen1
23zunächst als Sonderproblem hinsichtlich ihrer morphologischen und
syntaktischen Analyse unberücksichtigt, da diese für den Kontext nicht relevant
ist; sie fungieren als Einheit.
In dem auch als Buch edierten Basistext erscheinen alle Eigennamen in
Großbuchstaben transliteriert. Bei Ortsnamen werden grammatische Morpheme
isoliert, wenn dies aufgrund von Oppositionen möglich ist ( ʿZ-ã versus ʿZ-at-a-h).
In Frage kommen -ã, -at, -ōt, -īm, -aym? E x 1,1a als Beispiel:

Ex 1,1a w= ʾ i ŕ ä šim ot banc YŚR ʾL ha= bã ʾīm MŞR-aym-a-h


Dies sind die Namen der Israeliten, die nach Ägypten kamen

Die morphologische Datenbank enthält im Falle der Eigennamen grundsätzlich


keine Einträge hinsichtlich Stamm, Bautyp, Basis, Lexem. Von den grammati­
schen Formkategorien (Status, Genus, Numerus) wird bei Personennamen das
Genus notiert (also in unserem Beispiel „maskulin“ im Fall von YŚR ʾL), bei Orts­
namen wie MŞR-aym-a-h erscheint im Feld Erweiterung die Angabe aym-a-h und
im Feld Erweiterungsfunktion die Angabe l,d. 1 notiert für aym (lexikalisiertes)
Morphem für lokalis, d für a-h direktiv. Das Feld Wortart schließlich verzeichnet

1wWW-Zugang über http://www.fakl2.uni-muenchen.de/arf/bht/mbht.html, an Büchern


sind besonders zu beachten die transkribierten Texte selbst (1991-1993) sowie die Ma­
terialbände zu den Nominalformen (1998), zu den Wortfügungen (2000) und eben zu den
Eigennamen (1996).
2 Diese Abkürzungen werden im Folgenden verwendet: ON Ortsname, PN Personen­
name, SUB Substantiv, ATK Artikel, PTZ Partizip, G-SK Suffixkonjugation im Grund­
stamm, ATKV Artikelverbindung, CSV Constructus-Verbindung, ATTV Attributiwer-
bindung, ANNV Annexionsverbindung, ABS absolutus.
3Ferner wird regelmäßig die Nisbe der Individualnamen angegeben: -ī, -īí, -īymă, -ī*ymă.
186 Hans Rechenmacher

Differenzierungen nach Funktionsklassen: Götter-, Personen-, Orts-, Kollektivna­


men.

A u f der Wortfügungsebene funktionieren Eigennamen regelhaft wie determinierte


Nominalgruppen. Die Behandlung der Eigennamen erfordert deshalb keine von
anderen Wortarten grundsätzlich verschiedene Verfahrensweise. Für unser Bei­
spiel findet sich folgender Strukturbaum in den Daten:

CSV

SUB limōt
ATTV

Der Personenname Y ŚR ʾL könnte beispielsweise durch eine Pronominalverbin­


dung wie ʾa ḥ ī-w („sein Bruder“) und der Ortsname MŞR-aym-a-h durch eine
Artikelverbindung wie ha=y( ʾ)ōr-a-h („nach dem (Nil-)Fluß“) ersetzt werden.
Gleiches gilt für noch höhere Beschreibungsebenen, nämlich Satz- und
Satzfügung.

1. Analyscschrittc
1.1. Transkription

Der erste Schritt von Analyse und Erfassung der Daten besteht in der Transkrip­
tion der vorerst nur transliterierten Eigennamen. E s entsteht eine zweispaltige
Datei, die der B H ' entnommenen Folgen von Großbuchstaben eine Transkription
zuordnet.
Verfahren wird nach denselben Prinzipien, die auch für die übrigen Text­
elemente in B H ' angewandt worden sind.4 D. h.: Das Hebräische der tiberischen
Masora wird struktural transkribiert. E s soll damit nicht versucht werden, eine
althebräische Sprachstufe zu erreichen, wie Kritiker von B H ' fälschlicherweise
behauptet haben. Die strukturale Argumentation rekurriert vielmehr zunächst auf

4 Richter 1991:1-11; grundlegend zu Transkription und Transliteration vgl. Richter


(1983).
Eigennamen in einer Datenbank 187

die masoretische Vokalisation, erst bei deren Mehrdeutigkeit auf weitere sprachli­
che oder zwischensprachliche Kriterien.
Durch diese Transkription wird die morphologische Struktur der Wörter
sichtbar: Im obigen Beispiel etwa fìir die beiden ersten Substantive šim ot und ba
ne die Quantität (kurz) und Qualität (<i> bzw. <a>) des jeweils ersten Vokals für
den die Masora in beiden Fällen Schewa mobile hat. Das Demonstrativprono­
men ʾ i ŕ ä erscheint tiberisch mit verdoppeltem <1>. Struktural liegt aber keine
Doppelkonsonanz vor. Diese sekundäre Gemination wird durch das hochgestellte
Pluszeichen markiert.
Diese Beispiele zeigen schon, daß die Transkription orthographiebezogen
ist: Punkt über dem Kurzvokal zeigt Restitution aus Schewa an, hochgestelltes
Pluszeichen deutet auf Dagesch der Tiberer. Weitere orthographische Besonder­
heiten, wie Piene- und Defektivschreibung, Ersatzdehnung, etymologisches Aleph
etc. werden ebenfalls berücksichtigt.5
Speziell für die Eigennamen ist folgendes Inventar von Trennzeichen zu
berücksichtigen: Bei auseinandergeschriebenen Namen zeigt der Unterstrich Spa­
tium in der Vorlage an (M alkī_sadq); Bindestrich steht zwischen lexematischen
Elementen in (zusammengeschriebenen) Namen (Malkĭ-rām); wie in BH'-Texten
werden Pro- und Enklitika mit Gleichheitszeichen abgetrennt (Mī-ka= ʾil).

1.2. Zerlegung

Mit diesem Schritt wird begonnen, eine zweite Datei anzulegen. Die erste Spalte
gibt den Namen in transkribierter Form wieder, ist also identisch mit der zweiten
Spalte von oben. Sie ist zugleich das Verbindungselement mit dieser und damit
letztlich zum BH '-Text sowie zu den Datenbanken (Morphologie, Morphosyntax
etc.).
Das zweite Feld enthält zusätzlich gliedernde Trennzeichen: Doppelpunkt
trennt grammatische Morpheme ab (B i[n J:t_ šabʿ), Unterstrich nominale Prä-
und Suffixe (M a_ʿš[y]i-Y ahi2), ferner Bindevokal6 ( ʾab ī-ʾil), Doppelkreuz ver­
bale Präfixe (Yi# ʿqub).

5Vgl. im Einzelnen Richter (1991:6-9).


6 Der Unterstrich zur Anzeige des Leerraums wird auf dieser Ebene verdoppelt, so daß
keine Verwechslung möglich ist (vgl. oben schon Bi[nJ:t šab ʿ).
188 Hans Rechenmacher

1.3. Funktionsklassen

In diesem Feld werden die Eigennamen ihrer Funktion nach klassifiziert. Die in
der Grammatik relevante Unterscheidung von Ortsnamen, Kollektivnamen und
Personennamen (und Göttemamen) ist bereits in der morphologischen Analyse
durch die Wortartangabe notiert, ebenso für Personennamen das Genus.
Daiüberhinaus werden einige Sachklassen bei den Ortsnamen notiert, ferner bei
den Kollek-tivnamen, die eventuellen Bezugsgrößen:

GN Göttemame -b -Berg, Gebirge


-m -masculin -i -Insel
-f -feminin -fl -Fluß
PN Personenname KN Kollektivname
-m -masculin -s Stamm, Sippe
-f -feminin -v Volk
-m, ep -masculin, Eponymus -z: zugehörig zum:
-m, sym -masculin, symbolisch, ON-g Gebiet
Spott-, Beiname ON-o Ort
ON Ortsname KN-v Volk
-0 -Ort KN-s Stamm, Sippe
-g -Gebiet PN-m Person

1.4. Syntaktische Analyse

In diesem Feld wird bei zusammengesetzten Namen die Wortgruppenart bzw. die
Satzart notiert, bei den einfachen Namen bleibt es leer. Kurzformen (Auslassung
des theophoren Elementes) werden nur dann angenommen, wenn entsprechende
Langformen tatsächlich belegt sind, ferner bei isolierten Verbalformen.
Folgende Kriterien erlauben im allgemeinen eine konsequente Scheidung
zwischen Nominalsatz-Namen und Constructus-Verbindung-Namen im Fall von
Strukturen X + Göttemame: Eine Constructus-Verbindung wird angenommen,
wenn X = [anim], ([subord]) (Sohn, Knecht, Mann etc.) oder X = [abstr], wobei
von einem Verbum abstrahiert ist, das in Verbalsatz-Namen vorkommt und dort
von seiner Valenz her auf den Namenträger als Objekt zielt: z. B. Mattan-Yah
„Geschenk des Yah“ zu ntn und M a ʿši-Yahü „Tat des Yah“ zu ʿšy _I.

Bei der Satzartangabe wird auch die Stellung der Syntagmen notiert. Für
Namen mit zwei nur potentiell theophoren Elementen7 wird sinnvollerweise nach

7 Im bibelhebräischen Onomastikon gibt es eigentlich nur ein theophores Element, das


nicht auch als Nomen appellativum aufgefaßt werden kann, nämlich den Jahwenamen,
der in Voranstellung Yahō oder Yō lautet (selten Yē), in Nachstellung Yah oder Yahŭ. Für
Eigennamen in einer Datenbank 189

einer Stellungsregel vorgegangen, die schon Noth angewendet hat, nach der
These, „daß die normale Stellung im semitischen Nominalsatz Subjekt - Prädikat“
sei:*8 ʿammī- ʾil ist also „Amm ist Gott“ und nicht „Onkel ist II“ . Entscheidend für
den Wert der Daten bei späteren Abfragen ist immer die Transparenz der Ent­
scheidungen dessen, der die Daten erfasst hat.
Die Klassifizierung der Satznamen erfolgt durch Satzbaupläne. Satzbau­
pläne bieten Strukturen, die auf der Ausdrucksseite greifbar sind, zugleich aber
inhaltlich bestimmte Aussagetypen darstellen, z. B. Nominalsatz III. 1
(determinierte Nominalgruppe.+indeterminiertes Adjektiv) einen qualifizierenden
Aussagetyp („X ist gut“) oder Verbalsatz VI. 1 (Prädikat + Subjekt + direktes
Objekt + indirektes Objekt) einen donativen Aussagetyp („X hat Y Z gege-
ben/geschenkt/geliehen/etc.“). Die Vorgehensweise verspricht transparente und
kontrollierbare Ergebnisse und vermeidet rein inhaltlich motivierte, den „Ideen“
des Analysanten entspringende Gliederungsmuster.
Eine grobe Übersicht zu den für die bibelhebräischen Personennamen
wichtigsten Verbalsatz-Bauplänen verdeutlicht die Relevanz dieser Analyse:

Beispiel Prädikat Aussagetyp


hat sich als gut erwiesen +Verb (u. z. Zustandsverb) Qualität
ist aufgestrahlt +Verb (ohne weiteres Satzglied) Ergehen
ist gekommen (wohin/-her?) +Verb (mit Ortsangabe) Fortbewegen
hat beschützt (wen?) +Verb (mit Objekt) Machen, Behandeln
hat geschmückt (wen?; womit?) +Verb (mit zweimal dir. Objekt) Versehen mit
hat gegeben (was?; wem?) +Verb (mit dir. u. indir. Objekt) Geben
hat befreit (wen?; woraus?) +Verb (mit Objekt u. Ortsangabe) Setzen

Besonders interessant und, wie ich meine, für die Namendeutung von heuristi­
schem Wert, ist die Frage nach dem Inhalt der obligatorischen Syntagmen. In den
PN mit Verben des Gebens liegen diese Inhalte auf der Hand und werden bei­
spielsweise in dem akkadischen Namen Adad-šuma-iddina „Adad hat mir einen
Erben gegeben“ auch ausgedrückt. Im hebräischen Onomastikon fehlen, wie ge­
sagt, solche vielgliedrigen Namen. Im literarischen Bereich lassen sich Tilgungen
von obligatorischen Syntagmen meist aus dem Kontext auflösen. Im onomasti-
schen Bereich ist es die Situation der Namengebung, aus der eine solche Auflö­
sung möglich wird.
Also für Elnatan: „El hat gegeben, nämlich (wem?) uns, den Eltern, d. h.
den Namengebem, (wen oder was?) das Kind, d. h. den Namenträger.“ Ein Satz-

Namen mit einem dieser Elemente ist die Frage nach der Position des Subjekts von vor-
neherein klar.
8Noth 1980:17.
190 Hans Rechenmacher

bauplan und ein klares semantisches Konzept, nicht immer sind indes die Dinge
so einfach.9

1.5. Morphologische Analyse

Zwei weitere Felder bestimmen Wortart und (falls Hauptwort) Bautyp. Der Ge­
brauch von Musterbasen wird aufgegeben. Die Basisradikale werden durchge­
zählt,101Prä- und Suffixe werden transkribiert, Kurzvokale durch Klein-, Langvo­
kale durch Großbuchstaben dargestellt, also lautet der Eintrag für den Ortsnamen
M ispĕ(h)_G à lʿa d „Warte Gileads“ SUB,mil2i3+ON,lal2a3, für den Personenna­
men Šim ʿōn „Gehört hat X “ SU B , 1i230n<G-SK, 1a2a3.
Das letzte Beispiel zeigt, wie auch Wortartwechsel notiert wird, nämlich
durch Winkelpfeil. Bei Šim ʿŏn handelt es sich um ein Phänomen, das für das He­
bräische so nur im Onomastikon zu beobachten ist: Der Übergang einer Verbal­
form in eine Nominalform im Fall von Kurznamen. Aus den Texten vertraut ist
die Substantivierung von Adjektiv, Verbaladjektiv und Partizip. Sie ist onoma­
stisch einschlägig vor allem bei eingliedrigen Namen.
Die hebräische Basis (Kleinbuchstaben) mit semitischer Wurzel
(Großbuchstaben) wird in einem weitem Feld angegeben. Homonyme werden
indiziert nach einem Standardlexikon (HAL).
Bei der morphologischen Analyse ist zu beachten, daß der Ausgangspunkt
in jedem Fall die tiberisch überlieferte Form ist. Ein Personenname wie ʾilī-ḥurp,
historisch sehr wahrscheinlich aus ägyptischen Elementen abzuleiten, muß syn­
chron als ein hebräischer Name gedeutet werden: Auch das zweite Element zeigt
durch die Nominalform, daß der Personenname hebräisch „verstanden“ worden
ist. Es ist somit konsequent die Auffassung des Rezipienten analysiert.11

1.6. Semantische Analyse

In diesem letzten Feld steht bisher nur eine deutsche Übersetzung. Wünschenswert
wäre ein metasprachlicher Eintrag, der die semantischen Komponenten adäquat
darstellt.

9 Ausführlich zu den semantischen Konzepten der bibelhebräischen Personennamen vor


dem Hintergrund ihrer syntaktischen Strukturen s. Rechenmacher (1997).
10 Ein Verfahren, das sich v. a. im Hinblick auf die EDV sehr bewährt hat. Aber auch
sonst können vielfach Zweideutigkeiten vermieden werden, vgl. etwa qēl für lē3 mit qal
für la2.
11 Auf die Herkunft der Namen wird bei den Einträgen in den einschlägigen Feldern ver­
wiesen.
Eigennamen in einer Datenbank 191

2. Grundsätzliche Problem e

Ein schwieriges Problem ist natürlich, daß bei der Erstellung des Datensatzes un­
zählige umstrittene Entscheidungen miteinfließen. Als Beispiel sei hier die Ana­
lyse des <ĩ> zwischen zwei nominalen Elementen genannt, das von einigen Auto­
ren als enklitisches Personalpronomen interpretiert wird, also etwa ʾabī-gayl
„Mein Vater ist Freude“ . Wer nach einem solchem 1.sg.-Morphem in der Münch­
ner Datenbank sucht, wird dort nicht viel finden - eben weil das umstrittene <ī>
in der Wortfüge als Bindevokal bewertet worden ist.12
Das schmälert aber den Wert der Daten grundsätzlich nicht. Denn wer in
diesem Punkt anderer Meinung ist, kann die von ihm gewünschten Belege trotz­
dem finden, nämlich mit der Suchbedingung J - und zugleich Nominalsatz.
Komplizierter sind Einzelfragen, etwa bei Bildungen, die nur zwei Radi­
kale erkennen lassen und wo sich oft mehrere mehr oder weniger gleich plausible
Analysen gegenüberstehen. Erfolgt hier nur ein Eintrag, so wird bei Suchläufen u.
U. viel wichtiges Material nicht gesichtet. Und hier läßt sich das Problem auch
nicht dadurch lösen, daß man eine einfache Grundentscheidung der Datenerfas­
sung kennt und bei der Abfrage entsprechend berücksichtigt. Eine Möglichkeit
besteht darin, daß man mehrere Einträge zuläßt, wobei dann u. U. für statistische
Überlegungen Probleme entstehen.
Um diese Schwierigkeit zu vermeiden, sind diese Zweit-, Dritt- u. s. w.
-Einträge als solche zu kennzeichnen.
Dieselbe Prozedur, wie sie hier für den biblischen Textbestand beschrieben
ist, kann selbstverständlich auch auf das epigraphische Material angewandt wer­
den. Als Grundlage hat Richter hier das Werk von Davies gewählt, ergänzend
dasjenige von Renz & Röllig.13 Der entsprechende Bestand beläuft sich auf über
2000 Eigennamen, davon über 600 unterschiedliche Personennamen, d. h. etwa
ein Drittel des AT-Bestandes. Hier kommen freilich noch spezielle Probleme
hinzu, vor allem unsichere Lesungen und natürlich das Fehlen von Vokalzeichen.

12 Mit guten Gründen: Vgl. Rechenmacher (1997:15f), Zadok (1988:46), ferner Noth
(1980:33-35), der wie Fowler (1988:30) von einem funktionslosen Bindevokal ausgeht;
anders - und in diesem Punkt weniger überzeugend: Layton (1990:145-150) und Stamm
(1980:61), beide zu wenig auf die innerhebräische Evidenz bedacht.
13Davies 1991; Renz & Röllig 1995.
192 Hans Rechenmacher

3. Ausblick

Mit diesem Datenbestand ist es möglich, nach orthographischen Besonderheiten,


graphischen Elementen, ferner nach Basen, Bauformen, Verbalstämmen, gram­
matischen Formkategorien etc., aber auch nach Satzbauplänen abzufragen. Bei der
Analyse von Einzelnamen steht dann immer das gesamte Material nach einem
beliebigen Kriterium der Abfrage zur Verfügung.
Der Nutzen einer solchen Materialbasis kann schwer überschätzt werden.
Er ist weit höher als der einer Konkordanz für die Arbeit an einem Textkorpus,
weil die Konkordanz immer nur ein Fragekriterium und ein Ordnungsschema zu­
läßt, während eine elektronische Datenbank offen ist für jedes denkbare Fragekri­
terium und jedes denkbare Ordnungsschema.
Überdies muß die Möglichkeit des gleichzeitigen Zugriffs auf andere Da­
tenbereiche unter den gleichen Kriterien bedacht werden, etwa die der epigra­
phisch belegten Namen oder der biblischen Texte und der epigraphischen Texte,
dies wieder unter beliebigen Einschränkungen, z. B. Prosa, Poesie, Textsorten. Im
Unterschied zum biblischen Material14 bietet das epigraphische überdies die
Möglichkeit, zeitlich und räumlich spezifisch zu recherchieren.

14 Außer man geht von der Zuverlässigkeit irgendeiner der vielen recht unterschiedlichen
literaturhistorischen Entwürfe in der alttestamentlichen Wissenschaft aus.
Eigennamen in einer Datenbank 193

LITER A TU R V ER ZEIC H N IS

Davies, G. I.
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Rechenmacher, Hans
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St. Ottilien: EOS.
Renz, Johannes & Röllig, Wolfgang
1995 D ie althebräischen Inschriften. Darmstadt: Wissenschaftliche Buch­
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Text und Sprache im Alten Testament 19. St. Ottilien: EOS.
1991-3 Biblia Hebraica transcripta. Arbeiten zu Text und Sprache im
Alten Testament 33,1-16. St. Ottilien: EOS.
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Arbeiten zu Text und Sprache im Alten Testament 47. St. Ottilien: EOS.
1998 Materialien einer althebräischen Datenbank Nominalformen. Arbeiten
zu Text und Sprache im Alten Testament 51. St. Ottilien: EOS.
2000 Materialien einer althebräischen Datenbank Wortfügungen Arbeiten zu
Text und Sprache im Alten Testament 53. St. Ottilien: EOS.
Stamm, Jakob
1980 Beiträge zur hebräischen und altorientalischen Namenkunde. Orbis
Biblicus et Orientalis 30. Freiburg: Universitätsverlag.
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talia Lovaniensia Analecta 28. Leuven: Uitgeverij Peeters.
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung

von Alexander Sima - Heidelberg

In kaum einem anderen Gebiet der semitischen Namenforschung war in den letz­
ten Jahren ein solcher Fortschritt zu verzeichnen wie im Bereich des Altsüdarabi­
schen. Vier umfangreiche Monographien, die das altsabäische, minäische und
qatabanische Onomastikon sowie gesondert die altsüdarabischen Frauennamen
behandeln,1 könnten nur zu leicht den Eindruck entstehen lassen, daß auf diesem
Feld die Arbeit nunmehr erledigt sei.
Ganz im Gegenteil: Die nunmehr gut aufgearbeitete Materialbasis, über die
andere Disziplinen wie etwa Hebraistik, Aramaistik oder Akkadistik längst verfü­
gen, bietet nun auch der Sabäistik endlich die Möglichkeit, systematische Fragen
aller Art mit einiger Aussicht auf Erfolg anzugehen.
Die folgenden Ausführungen wollen anhand von drei Problemfeldem, die
mehr oder weniger willkürlich aus einer Fülle möglicher Fragen herausgegriffen
wurden, aufzeigen, wie sich die nunmehr wesentlich verbesserte Ausgangstage für
weiterführende onomastische Forschung nutzen ließe.

1. D as Ü bersetzungs-Dilem m a der sabäischcn Namen des Typs yfʿl- ʾl

Bei Namen des Typs y fʿl- ʾl1 - verbales Element der Präfix-Konjugation +theo­
phores Element - ist im Sabäischen eine auffällige Entwicklung zu beobachten:
Während der Typ y fʿl- ʾl im Altsabäischen sehr stark vertreten ist - Tairan (1992)
verzeichnet 21 Namen dieses Typs - , kommt er mit Beginn der mittelsabäischen
Periode so gut wie völlig außer Gebrauch.1
3
2

1 Tairan (1992), al-Said (1995), Hayajneh (1998) und Sholan (1999). Das Onomastikon
der Amĩr in der Region zwischen Haram und Nağrān wurde von Eisendle (1973) mono­
graphisch behandelt. Durch den rasanten Zuwachs an neuen Texten ist diese Arbeit je­
doch heute sehr ergänzungsbedürftig.
2 Grundlegend hierzu ist die Arbeit von Bron aus dem Jahr 1991, die viele der in Ab­
schnitt 1 vorgetragenen Ansichten angeregt bzw. bereits vorweggenommen hat.
3 Aus mittelsabäischer Zeit sind mir nur yhrnʾl (Ja 707/2 =CIAS II 91, Gl 1142/3) und
yšrh ʾl (Ir 8/1) bekannt.
196 Alexander Sima

ln der sabăistiscben Literatur vńtd das vetbate EtemsHV soVdaat ta rn e n


sehr unterschiedlich aufgefaßt: präsentisch „Gott tut“ , füturisch „Gott wird tun“
oder volitivisch „Gott möge tun“.
Nun spricht aber manches dafür, daß der onomastische Typus y fʿl- ʾl be­
reits in der ältesten Phase der Überlieferung, also schon in altsabäischer Zeit, nicht
mehr produktiv gewesen ist:4
5

(1.) Die Bandbreite der theophoren Elemente ist beim Typ y fʿl- ʾ/ ungewöhn­
lich stark eingeschränkt: es kommen nur - ʾl, - ʿm und -mlk vor. Keine ein­
zige altsüdarabische Gottheit taucht explizit in Namen dieses Typus auf.
(2.) Die überwiegende Zahl solcher Namen hat offensichtliche formale Paral­
lelen im althebräischen, altaramäischen und amurritischen Onomastikon,67
vgl. z. B.

ysm ʿ- ʾl // hebräisch Yišmã ʿ- ʾēl, amurritisch Ia-áš-rna-aḫ-dIM


„Gott/Hadda hat (die Bitte der Eltern) erhört“
y ʿḍr- ʾl // altaramäisch y ʿdr- ʾl, amurritisch Ia-aḫ-zi-ir-ì-il
„Gott hat geholfen“
ybḥr- ʾl // altaramäisch ybḥr- ʾl, amurritisch Ia -a b -ḫ a -a r^lM 1
„Gott/Hadda hat erwählt“

Bei den altsabäischen Namen des Typs y fʿl- ʾl handelt es sich offenbar um eine
ererbte, westsemitische Bildungsweise, deren Entstehung lange vor dem Beginn
der altsüdarabischen Textüberlieferung, spätestens in der ersten Hälfte des 2. Jt. v.
Chr. im syrisch-palästinischen Raum anzusetzen ist, in einem sprachlichen Milieu
also, das die Präfixkonjugation in vorzeitiger Verwendung kennt. M it der Ein­
wanderung der Sabäer8 ist diese Gruppe von Personennamen nach Südarabien
gelangt, wo sie als besonders altertümliche Schicht in die früheste historische
Phase hineinragt. Zwei Faktoren könnten das doch ziemlich rasche Verschwinden
von Namen des Typus y fʿl- ʾl begünstigt haben:

4 So finden sich etwa bei al-Said (1995) ohne erkennbare Kriterien alle drei Über­
setzungen nebeneinander: y ʾw sʾl „ʾII gibt Ersatz“, ybḥrʾl „ʾIl möge (ihn) erwählen“
(beide p. 180), yškrʾl „er wird Gott danken“ (p. 183-184).
5 Als Materialgrundlage dient im folgenden die Monographie von Tairan (1992); ein
bibliographischer Nachweis der einzelnen Belege erübrigt sich daher.
6 Vgl. die entsprechenden Einträge bei Bron (1991) und Tairan (1992); zum Amurriti­
schen vgl. jetzt Streck (2000).
7 Im Hebräischen ist davon nur die verkürzte Form Yibḥãr bezeugt.
8 Vgl. dazu Nebes (2001). Der onomastische Befund könnte zur Stützung des Einwande­
rung-Modells herangezogen werden.
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung 197

(1.) Das spezifisch sabäische Pantheon fand keinen Eingang mehr in diese Na­
men, d. h. der Typus war nicht mehr produktiv.
(2.) Vom Standpunkt der synchronen altsüdarabischen Grammatik war ein
sinnvolles Verständnis dieser Namen nicht mehr möglich, da die Präfix­
konjugation im Altsüdarabischen keine Vergangenheitsbedeutung mehr
hat, sondern sich auf den Ausdruck gleich- und nachzeitiger Sachverhalte
beschränkt.

Damit ist auch klar, welchem Dilemma sich jeder, der sabäische Namen des Typs
yfʿl- ʾl partout übersetzen möchte, gegenüber sieht:
Sowohl die offensichtlichen formalen Parallelen im Hebräischen, Altara­
mäischen und Amurritischen als auch der Aussagegehalt der Namen selbst legen
für die altsabäischen Namen dieses Typs eine vergangenheitliche Übersetzung
nahe - also „Gott hat erhört“ , „Gott hat geholfen“ und „Gott hat erwählt“ . Wendet
man aber die synchrone altsabäische Grammatik auf z. B. den Namen ysm ʿ- ʾl an,
d. h. versucht man diesen Namen aus dem synchronen, altsabäischen Sprachzu-
stand zu verstehen - also so wie ein Sabäer sie zweifellos verstanden hat - , so ist
keine andere Übersetzung als „Gott erhört bzw. Gott wird erhören“ möglich.

Nun verschwinden die yfʿl- ʾ/-Namen aber nicht spurlos aus der sabäischen Ono­
mastik: Bereits in altsabäischer und dann vermehrt in mittelsabäischer Zeit ent­
wickelt sich durch Verkürzung ein neuer Namentypus, der nur aus einer Verbal­
form Präfixkonjugation 3. Sg. m., also yfʿl, besteht. Dieser Namentypus geht wohl
ursprünglich auf y fʿl- ʾl mit Elision des theophoren Elements zurück. Durch diese
Verkürzung werden solche Namen im Rahmen der synchronen Grammatik wieder
verständlich und für neue Deutungen offen: Die Verbalform der Präfixkonjugation
bezieht sich nun nicht mehr auf das vergangene Handeln einer Gottheit, sondern
kann z. B. auf das gegenwärtige Handeln des Kindes oder eines Verwandten be­
zogen werden.9 Nun kann der neuentstandene Typus y fʿl auch wieder produktiv
werden: Vgl. das Beispiel in Abschnitt 3 sub a.

Ein durch tiefgreifende sprachliche Veränderungen im Sabäischen - in diesem


Fall durch den vorhistorisch anzusetzenden Verlust der Präteritum-Funktion der

9 Dafür gibt es übrigens eine schöne Parallele im Alten Testament: Der Name des Patriar­
chen Yişhãq stellt - wie schon J. J. Stamm mit guten Gründen vermutet hatte - die Kurz­
form eines theophoren Satznamens *Yişhãq-ʾēl „Gott hat zugelächelt“ wohl im Sinne
von „Gott hat (den Eltern gnädig) zugelächelt“ (vgl. dazu den gedankenreichen Aufsatz
von Hirsch [1982]) dar. Durch den Wegfall des theophoren Elements wird der Name frei
für allerlei Umdeutungen, mit denen schon das AT selbst nicht spart bis hin zu modernen
Deutungen, die den Namen auf das Lachen des Kindes beziehen wollen.
198 Alexander Sima

Präfixkonjugation - unverständlich gewordener, archaischer Namentypus wird


durch Verkürzung, d. h. Elision des theophoren Elements, wieder in das synchrone
Sprachsystem integrierbar und somit offen für eine sinnvolle Umdeutung. Darüber
hinaus kann der neue Typus wieder produktiv werden und Neubildungen hervor­
bringen. Daraus sollte man vielleicht die Lehre ziehen, daß volks-etymologische
Umdeutungen und Entstellungen mitunter wesentlich mehr über das Denken der
betroffenen Personen aussagen als eine vom Standpunkt der diachronen Linguistik
korrekte Deutung, die auf ein Jahrhunderte älteres, zum Zeitpunkt der Verwen­
dung der Namen längst obsoletes Sprachstadium rekurrieren muß.

2. D a s Pantheon des Onomastikons und seine rcligionsgcschichtlichc Bedeutung

Der „theologische Gehalt“ von theophoren Namen hat stets großes Interesse her­
vorgerufen und wurde als eine - wenn nicht sogar die zentrale - Aufgabe der Na­
menforschung betrachtet. Dies ist gerade in der Sabāistik nur zu verständlich, lie­
fern doch die altsüdarabischen Inschriften zwar eine Fülle von Göttemamen, sa­
gen aber über diese Gottheiten selbst faktisch nicht viel aus. Von daher lag es
nahe, das Onomastikon als religionsgeschichtliche Informationsquelle zu nutzen.
Einschränkend ist allerdings vorauszuschicken, daß eine solche Auswer­
tung im strengen Sinn nur für den Zeitpunkt der Entstehung eines Namens zuläs­
sig ist. Daß der Zeitpunkt der Entstehung eines Namens mit dem Zeitraum seiner
Verwendung keineswegs deckungsgleich sein muß, hat sich schon in Abschnitt 1
bei den Namen des Typus y fʿl- ʾl deutlich gezeigt. Da bei so gut wie keinem alt­
südarabischen Namen der Zeitpunkt seiner Entstehung bekannt ist, ist jede religi­
onsgeschichtliche Auswertung, die sich einzig und allein auf die onomastische
Evidenz beruft und nicht durch andere epigraphische Daten gestützt wird, von
vornherein äußerst problematisch.
Stellen wir diese Bedenken aber beiseite, so könnte sich ein in jüngster
Zeit mehrfach erfolgreich angewandtes Konzept als sehr nützlich erweisen: Das
Onomastikon spiegelt im tillgemeinen eher die private, familiäre denn die offizi­
elle Seite der jeweiligen Religion wider.10
Schon eine erste Durchsicht einiger altsüdarabischer Onomastika zeigt, daß
ein nicht unbeträchtlicher Teil der inschriftlich bezeugten Gottheiten, die noch
dazu in den jeweiligen offiziellen Panthea prominente Positionen einnehmen, im
Onomastikon gänzlich fehlt:

10Vgl. Rechenmacher (1997:3-4) und Streck (2000:145) mit weiterführender Literatur.


Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung 199

(1.) Im altsabäischen Onomastikon werden nur drei Gottheiten namentlich


genannt: ʿṯtr, S m ʿ und Šhr.n Die in altsabäischen Texten unmittelbar
nach ʿļtr genannten Gottheiten H w bs, ḍtHmym, ḍtBʿdnm und vor allem
ʾlmąh kommen niemals in Personennamen vor.
Auffällig ist vor allem das Fehlen des ʾlmąh im altsabäischen Onoma­
stikon: Erst in mittelsabäischer Zeit wird er in die Namengebung integriert,
aber auch dann niemals mit seinem eigentlichen Namen, sondern nur in
Gestalt seines Haupttempels ʾwm oder seines Beinamens ṯhw n}2
(2.) Im minäischen Pantheon wird die wichtige Gottheit Nkrḥ stets zusammen
mit ʿṯtr und Wd genannt, im Gegensatz zu diesen beiden kommt sie aber in
keinem einzigen Namen vor. Dafür ist umgekehrt die Sonnengottheit Šms,
die in keinem minäischen Text bezeugt ist, in der minäischen Namenge­
bung präsent.
(3.) In Qataban ist die Situation etwas komplizierter, da sich der Name des
qatabanischen Hauptgottes ʿm nicht vom Nomen ʿm „Oheim“, das in allen
altsüdarabischen Onomastika Verwendung findet, unterscheiden läßt. An­
dere qatabanische Gottheiten, wie ʾnby, Hwkm, ḍtZhrn, ḍtŞntm sind im
Onomastikon niemals vertreten.

Hinsichtlich der theophoren Elemente läßt sich also festhalten:

(1.) Die Namengebung spiegelt das jeweilige Pantheon nur teilweise wider.
Dies läßt sich am ehesten damit erklären, daß diejenigen Gottheiten, die im
Onomastikon keine Verwendung finden, in der privaten, familiären
Frömmigkeit eine geringe oder gar keine Rolle gespielt haben.
(2.) Der Name des sabäischen Hauptgottes ʾlmąh unterliegt einem onomasti-
schen Tabu oder einer Restriktion, deren Gründe noch unbekannt sind.
Diese Gottheit wird erst mit einer erheblichen Verzögerung ins Onomasti­
kon integriert, der Name ʾlmąh aber konsequent durch den Namen seines
Haupttempels ʾwm oder durch seinen Beinamen ṯhwn ersetzt.
(3.) Mit Ausnahme der Sonnengöttin Šms kommen keine weiblichen Gotthei­
ten im Onomastikon vor.
(4.) Die genuin nordarabischen Gottheiten al-Lāt, Manāt und al-cUzzā finden
bereits sehr früh im altsüdarabischen Onomastikon Verwendung - die frü­
hesten minäischen Belege stammen aus der 2. Hälfte des 1. Jt. v. Chr., we-1
2

11 Von denen der Gott Šhr im sabäischen Textmaterial eine erstaunlich marginale Rolle
spielt.
12 Die einzige Ausnahme bildet ʾmtʾlrnqh in Ja 706/1 aus dem ʾwm-Tempel bei Mārib
(vgl. Sholan 1999:97). Möglicherweise handelt es sich hierbei aber gar nicht um einen
Personennamen, sondern eher um einen Titel: ʾmtʾlmqh/sb ʾytn/bt2 ḫdqm.
20 0 Alexander Sima

sentlich zahlreicher erscheinen sie dann im Mittelsabäischen. Inschriftliche


Erwähnungen dieser Göttinnen, deren Verehrung ursprünglich wohl auf
nordarabische Einwanderer beschränkt war, tauchen aber erst ab der
mittelsabäischen Zeit - und auch dann nur sehr spärlich - auf. In den offi­
ziellen Kult sind sie wohl nie integriert worden, sie begegnen aber im
Bereich der persönlichen Frömmigkeit z. B. auf Amuletten oder Statuetten.
Im Fall von al-Lāt, Manāt und al-cUzzā eilt das Onomastikon offen­
sichtlich der sehr zögerlichen offiziellen Akzeptanz voraus.

Eine Untersuchung der onomastischen Verwendung des Pantheons, d. h. konkret


des im Onomastikon präsenten Ausschnitts aus dem Pantheon, kann in Zukunft
noch durchaus bedeutsame Aspekte der altsüdarabischen Religionsgeschichte zu
Tage fördern.

3. K riterien der N amcnswàhl

Die große Bedeutung, die der semantischen Deutung von Namen - d. h. überspitzt
formuliert: deren Übersetzung - in der altsüdarabischen und darüber hinaus in der
semitischen Namenforschung zugemessen wird, schlägt sich in der Vorstellung
nieder, daß sich die Namenswahl der Eltern im Alten Orient weitgehend oder aus­
schließlich an der Bedeutung der Namen orientiert hat.13 Dies setzt einerseits vor­
aus, daß (1.) den Sprechern diese Bedeutungsebene sprachlich überhaupt zugäng­
lich war - was angesichts der bekannten Konservativität von Namen problema­
tisch scheint (vgl. Abschnitt 1) und daß (2.) diese Bedeutungsebene, wenn sie
denn semantisch zugänglich war, von tatsächlicher Wichtigkeit bei der Namens­
wahl war. Da zu dieser Problematik im Rahmen der Sabäistik noch keine detail­
lierten Untersuchungen vorliegen,14 möchte ich als letzten Punkt hier noch die
Frage aufgreifen, inwieweit wir die Motive, durch die sich die Eltern im antiken
Südarabien bei der Wahl des Namens für ihr neugeborenes Kind leiten ließen,
rekonstruieren können.

13 Hierbei dürften Beispiele aus dem AT wie die von Rechenmacher (1997:2-3) zitierten
(z. B. Gen 16,11) Pate gestanden haben.
14 Aber auch in den meisten anderen Bereichen der Semitistik fehlen solche Arbeiten
erstaunlicherweise. Umfangreiche Daten zu dieser Frage, die auf Feldforschungen bei
den Beduinen des (heute saudi-arabischen) Nağd beruhen, hat Hess (1912:6-8) publi­
ziert. Manche der von ihm aufgezeichneten Erklärungen, warum jemand einen bestimm­
ten Namen erhalten habe, erwecken aber den starken Verdacht, daß es sich um
nachträgliche, volksetymologisch aus dem Namen selbst abgeleitete Erklänmgs- und
Rationalisierungsversuche handelt.
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung 201

a. Namenswahl aufgrund besonderer Geburtsumstände

Es existiert bislang nur ein einziger Text, Ry 375 = C IA S II 75-77, der die Na­
menswahl ausführlich beschreibt. Die Tatsache, daß dieser Vorgang inschriftlich
festgehalten wurde, läßt bereits vermuten, daß es sich dabei um einen eher
außergewöhnlichen Fall handelt, der gerade nicht das alltägliche Procedere
beschreibt:

[NN/wNN/wN] 2N/hąnyw/[ ʾ] 3[lm jąhb ʿl ʾwm/slmn/ḍḍhbn/lqb 4ly/ḍtl ʾl/ḥyw/lhw/


wldm/wr ʾ 5kstyd ʿ/wšftl ʾlmqh/km ʿnmw 6yḫmrnhmw/wldml ʾsm/fʾwl ʾṯt 7m/bnl
ʾṯthmw/N sN/wr ʾ/kḫmrhmw/ġlmm/ḍys 9[m]yn/yʿmr
„NN und N N und N N haben gewidmet dem ʾAlmaqah, dem Herrn des (Tempels)
ʾAwwām, die Statuette aus Bronze, weil ihm (d. h. einem der Stifter) kein Kind
am Leben geblieben ist. Und siehe, da hat er eine Orakelanfrage (an ʾAlmaqah)
gerichtet und dem ʾAlmaqah versprochen: Wenn er ihnen ein männliches oder
weibliches Kind von ihrer Frau N N schenken wird, (dann werden sie diese Statu­
ette und Inschrift widmen). Und siehe, da hat ihnen ʾAlmaqah einen Buben ge­
schenkt, den er Y cmr nennen wird.“ 15

Nachdem dem Stifter sämtliche Kinder kurz nach der Geburt verstorben waren
und er sich Hilfe suchend an ʾAlmaqah gewandt hatte, erhält das erste Kind, das
ihm laut Orakel durch die Gnade des ʾAlmaqah am Leben bleiben soll, den sinn­
reichen Namen Y ʿm r „er (d. h. der neugeborene Bub) möge lange leben“.16 Hier
besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen der Bedeutung des Namens
und den näheren Umständen der Geburt - nämlich der Tatsache, daß, nachdem
sämtliche Kinder (wahrscheinlich kurz nach der Geburt) verstorben waren, die
Gottheit den Eltern durch das Orakel zugesagt hatte, daß ihnen dieses Kind am
Leben bleiben werde.

15 Beeston in CIAS I I 76 übersetzt passivisch: „a boy named Y cmr.“


16 In diesem Fall verstehen die Eltern die Imperfektform y ʿrnr wohl eindeutig als auf das
Kind bezogen. Hierbei handelt es sich vermutlich nicht um eine Verkürzung aus yʿmr +
theophores Element, sondern um eine Neubildung analog zu Namen des Typus Yfʿl <
*Yfʿl-ʾl.
202 Alexander Sima

b. Namengebung durch Orakelentscheid

Oftmals ist in altsüdarabischen Inschriften davon die Rede, daß kinderlose Perso­
nen sich Hilfe suchend an eine Gottheit gewandt haben und ihnen durch das
Orakel die Geburt eines Kindes zugesichert wurde. Im Fall von Ja 705 hat
Ryckmans (1981) die Ansicht vertreten, daß in diesem Zusammenhang auch der
Name des zu erwartenden Kindes durch das Orakel vorgegeben wird. Die von
Ryckmans vorgeschlagene Übersetzung der fraglichen Passage ist jedoch äußerst
unsicher, da sie auf teilweise problematischen Argumenten ruht. Obwohl die
Möglichkeit, daß Orakelentscheide bei der Vergabe des Namens für ein
neugeborenes Kind eine Rolle gespielt haben, prinzipiell durchaus wahrscheinlich
ist, fehlen für das antike Südarabien jegliche sicheren Zeugnisse.17

17 Ohne hier auf Jammes refutatio (Jamme 1982:7-16) der Interpretation von Ryckmans
eingehen zu wollen, bleibt Ryckmans Wiedergabe der Passage l 4 wfy/bnhmw/
ḍbʿn/dsmy/ ʾlmq 5 h/ʾwsʾl „pour le bien-être de leur descendant P b cn, qu’ ʾAlmaqah a
nommé à ʾwsʾl“ doch allzu problematisch: (1.) Die Akkusativrektion von smy läßt sich
zwanglos als “jemanden (be)nennen” verstehen - also „für das Wohl ihres Sohnes Dbcn,
den ʾAlmaqah ʾwsʾl genannt hat“ - auch wenn uns die hinter der von ʾAlmaqah
veranlaßten Umbenennung stehende ratio verborgen bleibt, (2.) die Tatsache, daß dieser
ʾws ʾl zuvor überhaupt nicht genannt wurde (auch nicht unter den Stiftern der Inschrift),
aber danach in Z. 6-7 um das Wohl bnhmw/ʾwsʾl „ihres Sohnes ʾwsʾl“ gebeten wird,
macht doch wahrscheinlich, daß es sich um das in Zeile 4 genannte Kind der Stifter und
nicht um eine andere Person handelt, (3.) das Argument „Ce changement de nom paraît
surtout inacceptable en raison des superstitions et des tabous attachées à ľemploi du nom
chez les Sémites“ (Ryckmans 1981:288) hätte der Stützung durch einschlägige Zeugnisse
bedurft. So berichtet z. B. Hess (1912:8) das Gegenteil: „Im spätem Alter werden oft
Namen nach auffallenden Eigenschaften oder bemerkenswerten Ereignissen gegeben, die
dann die frühem verdrängen“.
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung 203

c. Papponymie

Papponymie ist im antiken Südarabien durchaus nicht selten, vgl. z. B .18

(1) rḍwm/bn/rḍwm (Y M 545/3 =C IA S 1215)


(2) mskm/bn/mskm (Ry 590/1-2)
(3) ʿmyṯ ʿ/bn/ ʿmyṯ ʿ (CIH 854)
(4) šrḥṯt/bn/šrḥṯt (o. Sig. [Avanzini in E gitto e Vicino Oriente 7 (1984) 165])

d. Gebrauch eines bestimmten Repertoires an Namen innerhalb einer Familie

Im Gegensatz zu anderen Bereichen der semitischen Epigraphik, die über große


zusammenhängende und dichte Textkomplexe wie Archive von Großfamilien,
privaten Handelshäusern oder öffentlichen Verwaltungseinrichtungen verfügen,
sind solche Textgruppen im Altsüdarabischen eher die Ausnahme. Die Erstellung
von Familienstammbäumen selbst über einen relativ kurzen Zeitraum hinweg ist
nur in Ausnahmefällen möglich. Die bedeutendste Ausnahme bilden die relativ
dicht aufeinander folgenden Inschriften der Adelsfamilie Y azʾan aus dem späten
5./fnihen 6. Jh. n. Chr.19 Auffälligerweise sind es über mehrere Generationen hin­
weg nur sechs Namen, die ständig wiederkehren: L ḥyʿt, Smyfʿ, M ʿdkrb, Šrḥʾl,
Šrḥb ʾl, M rṯd ʾln. Hätte nicht jedes Familienmitglied auch einen Beinamen, so lie­
ßen sich die vielen gleichnamigen Personen kaum auseinanderhalten. Abgesehen
von der spätsabäischen Neubildung M rṯd ʾln waren all diese Namen zu jener Zeit,
d. h. gegen Ende der spätsabäischen Periode, schon mehr oder weniger antiquiert,

18 Angesichts der vokallosen Schreibung läßt sich allerdings nicht sagen, ob echte Ho­
monymie oder bloße Homographie vorliegt. Zumindest in Bsp. (3) und (4) ist letztere
jedoch mit ziemlicher Sicherheit auszuschließen. Um bloße Homographie handelt es sich
mit Sicherheit jedoch in den folgenden Fällen, in denen jeweils zwei Immobilien
“gleiche” Namen tragen:
(1) nḥlnhn/grt/wgrt „die beiden Palmenplantagen (namens) Grt und Grt“ (RES
4627/5)
(2) bytnyhn/hrn/whrn „die beiden Häuser (namens) Hm und Hm“ (RES 3958/13)
(3) bytnhyn/hrn/whrn „die beiden Häuser (namens) Hm und Hm“ (MAFRAY-al-
M i'sāl 6/1)
(4) hgrnhnl ʿṯy/w ʿṯy „die beiden Städte ‘ ţy und ‘ ţy“ (Ja 576/8)
(5) şḥftnhn/šbm/wšbm „die beiden Bastionen (an der Stadtmauer von Barãqiš)
(namens) Šbm und Šbm“ (M 163/1: Barāqiš)
(6) [ʾ]bythmw/ygr/wyʿd/wyʿdmw „ihre Häuser (namens) Ygr und Y ‘ d und Y ‘d“
(RES 4169/5)
19Vgl. die Stammbaumdiagramme bei Robin (1979:83).
204 Alexander Sima

möglicherweise hatten sie für ihre Zeitgenossen einen etwas “aristokratischen”


Klang. Keiner dieser Namen läßt übrigens erahnen, daß die Familie Y azʾan ein
energischer Verfechter des Judentums war, wie ihre prominente Beteiligung an
der durch den jüdischen König Y ūsuf inszenierten Christenverfolgung des Jahres
663 himyarischer Ära zeigt.

e. Paronomastische Namengebung

Bislang unbeachtet geblieben ist ein Phänomen, das ich als „paronomastische
Namengebung“ bezeichnen möchte:

aa. Die Namen mehrerer nahe verwandter Personen werden von derselben Wurzel
abgeleitet:

(1) mbḥḍ/bnl ʾbḥḍ (Gl 799/6 =CIH 46)


(2) ḥr ʿḍ/wmḥr ʿdm/bnw/ ʿm ʿly (AM 60.1284/1)
(3) bnhw 2 zydm/wzyd
zyḍm/wzyḍ ʾl (CIH 37/1)
(4) wbnhmw...
wbnḥmw... ʾ 2 sdm/wʾsydm
sḍm/wʾsyḍm (MAFY/Ḥamida 2/1)
(5) yhmd/w
yḥmd/w ʾḫyhw/mḥmḍ 2 m (Ja 738/1)
(6) ʿlyn/w ʿly (Ry 455/1 aus Qaryat al-Faw)
(7) yḥmd.. . 2 w ʾḫyhw/ ʾḥmd
ʾḥmḍ (Ja 690/1)
(8) Rznm und sein Sohn ʾrzn in Fa 88/1,320

bb. Den Namen mehrerer nahe verwandter Personen ist éin Element gemeinsam:

(9) ʿmsm ʿ/w- ʿmḍ[k]r/w- ʿm ʾns/w- ʿmdr ʾ/bh[ny...]


ʾ/bhlny...] ,,‘ m -sm ' und cm-dkr und
cm -ʾns und ‘ m-drʾ, die Söhne des [...]“ (M 74/1 =M acIn 64)

cc. Die Namen zweier nahe verwandter Personen bestehen aus den gleichen Ele­
menten in vertauschter Reihenfolge:

(10) ʾlsʿd/w
ʾlsʿḍ/w ʾḫyhw
ʾḫyḥw /sʿdʾl
/sʿḍʾl „ ʾl-s cd und sein Bruder S cd-ʾ1“ (CIH 102/1)

20 Auch dieses Phänomen ist - vgl. Fn. 17 - bei Immobilien belegt:


(7) rn ʾglyhw /7 ylgb/wdtḥthw/yhlgb „seine beiden Zisternen (namens) Ylgb und die
unterhalb davon gelegene (namens) Yhlgb“ (Ja 1819/6)
(8) rnhfdyhn/yd ʼn/wyḍt ʾn „die zwei Türme (namens) Y dʾn und Ydtʾn“ (RES
2687/4, hadramitisch)
(9) kl/ ʿ 8 brthrn 9 (w)lrḥbrn 10 wyfʿ/[w] 111ʿd/wt12 ʿwḍ „alle ihre Landgüter (namens)
Rhbm und Y fʿ und T (d und T<wď‘ (MAFY/YāšE 1/7)
(10) bkdnn/ḍwdftn/wwdyfn „an dem Felsen von Wdftn und Wdyfh“ (Ja 574/6).
Neue Möglichkeiten der altsüdarabischen Namenforschung 205

(11) ʿmn/ ʾw s 2 ʾl/w ʾl ʾws/wyṯmt/bny/nš ʾn (Absenderangabe des Briefes


Bayerische Staatsbibliothek, Mon. script. sab. 132/1; Mitteilung S.
Weninger).

f. Politisch-ideologisch motivierte Namengebung

Neben den genannten Beispielen aus dem Bereich der eher privaten Namengebung
sollen abschließend noch zwei Beispiele für eine mehr offizielle bzw. auf Öffent­
lichkeitswirkung bedachte Namengebung kurz erwähnt werden. Seit langem ist
bekannt, daß sämtliche altsabäischen Herrscher, die den Titel rnkrb führen, einen
von sechs Thronnamen tragen: k rbʾl, y ṯʿʾm r, ḍm rʿly, ykrbmlk, y d ʿʾl, sm hʿly. Der
Grund für diese Praxis ist noch unbekannt. Ist es eine bloße Tradition - wie sie in
vielen Herrscherdynastien zu beobachten ist - oder aber gibt der Thronname eine
Art Regierungsprogramm vor - ähnlich wie die Namenwahl der Päpste?
In der Dammbauinschrift des Abraha, der nach der Eroberung des Jemen
vom äthiopischen Kaiser als Vizekönig eingesetzt worden war, werden die Namen
dreier hochrangiger Personen genannt: grh/ḍ-zbnr (CIH 541/19) sowie wth/w-
ʿwdh/ḍy/gdnm (CIH 541/36-37). Müller (1978:167) hatte diese Namen als äthio­
pisch identifiziert. Bemerkenswert ist allerdings, daß - wie die Familiennamen
zeigen - diese drei Personen alteingesessenen sabäischen Adelsfamilien aus Mārib
angehören. Ist die Tatsache, daß diese Personen äthiopische Namen tragen, reine
Modetorheit oder nicht vielmehr doch ein politischer Kniefall vor den nunmehr
äthiopischen Herrn des Jemen?
Da wir mm schon in den Niederungen ideologisch-politisch motivierter
Namengebung angelangt sind, darf auch der in C IH 541/82 genannte Sohn des
Abraha nicht imerwähnt bleiben: Der Sohn des ehemals aksumitischen Vizekönigs
im Jemen trägt den Namen ʾksrn. Bloßer Zufall ist die Wahl dieses Namens wohl
nicht.
206 Alexander Sima

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Hildesheim: Olms.
Arabische Imperfektnamen

von Stefan Weninger - Marburg

A. E inleitung

Liest man Darstellungen über arabische Anthroponomastik, gewinnt man schnell


den Eindruck, daß Verbalsatznamen im Arabischen ausgesprochen selten und
höchstens als Reste vorhanden sind. Emil Gratzl (1906:24) spricht von
„kärglichen Resten jener einst so verbreiteten Bildung von Eigennamen durch
Verbalsätze“ und auch Stefan W ild betont zu Recht, daß „Personennamen, die auf
arabische Verbalformen zurückgehen (...) viel seltener [sind] als in anderen semi­
tischen Sprachen (1982:15s).1 Dieser Eindruck der Marginalität mildert sich je­
doch etwas ab, wenn man beginnt, derartige Namen aus verschiedenen Quellen zu
sammeln. Nimmt man Personennamen und tribale Namen zusammen, kommt
doch eine nicht ganz geringe Anzahl zusammen. Meine Untersuchung konzen­
trierte sich auf Imperfektnamen. Es gelang mir ohne große Mühe, 85 tribale und
persönliche Imperfektnamen zu sammeln. Nimmt man noch die im S iğill asrnā ʾ
al-ʿA rab / Treasury o f Arab Nam es (Ibn az-Zubayr 141 l/1991b) verzeichneten
Namen hinzu sowie die in aš-Šammarîs (1410/[l990]) Buch über Frauennamen
enthaltenen Imperfektnamen, so läßt sich diese Zahl auf 260 steigern. Die nur im
Treasury und bei aš-Šammarî enthaltenen Namen bieten zwar oft interessante
Formen und Lexeme, die sich gut deuten ließen, wie z. B. Yadrĩ „Er weiß“ , Yatba ʿ
„Er folgt nach“ o. ä. Doch handelt es sich bei dem Sondergut des Treasury und
von aš-Šammarî zum größten Teil um ausgesprochen seltene und moderne B il­
dungen bzw. Namen von unklarer Bezeugung. Im folgenden möchte ich, um den
Rahmen des Sammelbandes nicht zu sprengen, dieses Material nicht berücksichti­
gen und mich auf die früh bezeugten Namen beschränken. Ausgeschlossen bleibt
die Toponomastik, die zwar mit Namen wie Yaṯrib2 „tadelt“, T a b ša ʿ3 „ist absto­
ßend“ oder Yaṯqub1
4 „durchbohrt“ auch zahlreiche interessante Imperfektnamen
3
2
aufweist, aber wegen der Substratproblematik eine andere Herangehensweise ver-

1Vgl. zum Thema Verbalnamen auch Caetani & Gabrieli (1915:54).


21. e. Medina.
3Ort im Ḥiğāz bei Hud. 119,3 / (Farrāğ) I I 603, 6 =Yāqūt Buldän 1823,15 / I I 13 b ult.
4 Ort von unbekannter Lage bei Nābiģa D. (Appendix) 7, 1 / (Fayşal) 6, 1 (vgl. Ahlw.
Aechth 105), der von Yäqūt al-Hamawĩ (Yāqūt Buldăn IV 1010, 21 / V 431 b 9) aus­
drücklich als Imperfektname interpretiert wird.
210 Stefan Weninger

langt. Auch Theonyme wie Ya ʿūq „hindert“ oder Yaġŭṯ „hilft“ müssen wegen der
damit verbundenen religionswissenschaftlichen Fragestellungen anderen Arbeiten
Vorbehalten bleiben.

Verbalnamen sind im Arabischen grundsätzlich eingliedrig, d. h. sie bestehen nur


aus der Verbform. Das Subjekt oder eventuelle Objekte bleiben ungenannt, was
dem Onomastiker die Interpretation nicht erleichtert. Der oft zitierte Name
Ta ʾabbata Šarran „Er trug Übles unter der Achsel“ ist erstens nur ein Beiname
und stellt zweitens innerhalb der arabischen Onomastik eine Ausnahme dar.5

Ta ʾabbata Šarran (cog. m.)6 „Er trug Übles unter der Achsel“ (V. Stamm, Perf. 3.
Sg. m., zu ʾibt „A ch sel“ +„Übel“ Akk. Sg. indet.)

Wo in Verbalnamen, die in arabischen Quellen auftauchen, theophore Elemente


Vorkommen, liegt in jedem Fall ein fremder Name vor, wie z. B. bei Šarãḥīl, der
aus dem Altsüdarabischen stammt, oder bei Ismā(ĩl, der bekanntlich hebräischen
Ursprungs ist:

Šarãḥīl (m.)7 <sab. Šrḥ ʾl „Gott hat geschützt“


ʾlsm ã ʿīl (m.)8 <hebr. Yišma ʿ-ĕl „Gott hat erhört“

Arabische Verbalnamen können Perfekta, Imperfekta oder Imperative sein.

Šammar (trib.)9 „er machte sich bereit“ (II. Perf. 3. Sg. m.)
Yaḥyā (m.)101„er lebt“ (I. Impf. 3. Sg. m.)
Işm it (ON)11 „Schweig!“ (I. Impt. 2. Sg. m.)

Daß es sich hier um ursprüngliche Verbformen handelt, war den arabischen Phi­
lologen wohl bewußt. Verbalnamen sind diptot, haben also nicht drei Kasus u - i -
a mit folgender Nunation, sondern nur einen Nominativ -u und einen Genitiv-Ak­

5 Unter deutschsprachigen Orientalisten genießt Taʾabbaţa Šarran eigentlich nur deshalb


einen so hohen Bekanntheitsgrad, weil seine Biographie aus dem Kităb al-Aġăhi als erste
der Dichterbiographien in der Chrestomathie von Brünnow und Fischer (1984 [*18951:21
ff.) abgedruckt ist.
6 Beiname des vorislamischen Dichters Ţābit ibn ŏäbir ibn Sufyān.
7Name mehrerer ķadīţ-Tradenten der ersten Generationen.
8 Passim.
9Nomadische Stammesföderation, hauptsächlich in Saudi-Arabien.
10Passim.
11 Ortsname bei Ră(ĩ (Wpt.) 17,20; vgl. Yāqūt Buldān 1301,1 /1212 a, -5.
Arabische Imperfektnamen 211

kusativ - ű .12 Offenbar ist die Endung des Imperfekt Indikativs -u als Morphem des
diptoten Nominativs umgedeutet worden:

yazīdu („nimmt zu“, Impf. Ind. 3. Sg. mask.) > Yazīdu (Nom.) / Yazĩda (Gen. /
Akk.)

Das umgekehrte Verfahren ist bei den Perfektnamen zu unterstellen:

šammara („machte sich bereit“, Perf. 3. Sg. mask.) > Šamrnara (Akk./Gen.) /
Šammaru (Nom.)

Gerade die Imperfektnamen werden in der einheimischen philologischen Literatur


oft explizit als Verbalformen beschrieben.13 Personennamen und tribale Namen
sind oft nicht leicht zu unterscheiden. Nachdem die arabischen Genealogen jeden
Stamm als Nachfahren eines Stammeseponyms behandeln, erscheinen Stammes­
namen in den Quellen zunächst als Personennamen, die manchmal auch mit Sa­
genstoffen verbunden werden. Erst ein genaueres Studium des Kontexts ermög­
licht in der Regel die Unterscheidung. E s zeigt sich dann, daß eine ganze Reihe
von Namen ausschließlich als tribale Namen Vorkommen, andere ausschließlich
als Personennamen, wieder andere in beiden Verwendungen. Wenn wir uns nicht
auf das Studium von Namen als abstrakten linguistischen Einheiten beschränken
wollen, müssen wir auch hier die Prosopographie mit berücksichtigen.

B. Impcrfcktnamcn und klassische Lexik und Grammatik

1. ri-Präfix

Nicht immer stimmen arabische Imperfektnamen mit den Regeln der klassisch­
arabischen Grammatik überein. So sind zum Beispiel zwei Namen belegt, bei de­
nen das Imperfektpräfix des Grundstammes im Aktiv nicht wie im Klassischen
Arabisch ta- lautet, sondern ti- wie im Dialekt oder wie im Nordwestsemitischen
oder vermutlich im Altsüdarabischen:14

12Zur Diptosie der Verbalnamen vgl. Wright (1896-1898:1243).


13 Vgl. z. B. die Erklärung zu dem Namen Tadūl: wa-Tadūlu tafʿulu min dăla yadŭlu
„und ‘Tadũľ ist das feminine Imperfekt des [Verbs] dăla u“ b. Durayd Ištiqāq (Hārün)
372, 11.
14Zum Präfixvokal im Sabäischen vgl. Nebes (1994:192).
212 Stefan Weninger

Tiḥyã (m.)15 vs. Yaḥyã (m.)16


Ti ʿlā (m.)17 vs. Ya ʿlã (m.)18

2. Längung des Vokals in der Stammsilbe

Bei einigen Namen ist der Vokal der Stammsilbe gelängt. Die Längung dürfte
Produkt von Anredeformen sein:

Talīd (trib. / m.)19 <talid „bringt hervor“


Ya ʿfūr (m.)20 < Ya ʿfur (trib. / m .)21 „ist Staubfarben“

Für den Namen Ya ʿfūr gibt Ibn Ḥağar al-(Asqalānī ausdrücklich an, daß er iden­
tisch mit Ya ʿfur ist (b. Ḥağar Işāba V I 352). Natürlich dürfen solche Namen nicht
mit Nomina der Nominalform ya fʿŭ l verwechselt werden, wie z. B. Y arbūʿ
„Wüstenspringmaus“, die ja auch als Personenname auftritt.

3. Basen und Stämme

Auch der Vokal der Imperfektbasis im Grundstamm stimmt nicht immer mit dem
in außeronomastischer Verwendung üblichen überein. So hat das Verbum nakafa

15 Mehrere Personen mit der kunya Abu Tiljyā bei b. Ḥağar Tabşĩr I 194 [Bei den
Quellennachweisen zu Personen ist hier und im folgenden Vollständigkeit nicht
intendiert],
16Passim.
17 Ein ‘ Ubayd ibn TiMä bei b. Ḥağar Tabşĩr IV 1496.
18Passim.
19Nach b. Ḥağar Tabşĩr 202, 5 mehrfach („ğamă ʿa“); Talid ibn Zayd, ein Gewährsmann
Abu Miļpiafs bei Ţab. Tãrīl) I I 46,11 / V 195, 5, Talĩd ibn Kilāb aI-Layŧī bei Tab. Tārīţ} I
1682, 5 / in 92, 3, Talĩd ibn Sulaymān al-Muhāribĩ bei Ḥaţīb Bagdad VII 136-138 / §
3582 und b. Ḥağar Tahdĩb 1, 509 / § 948, ein Ibn Talid bei Balād. Futüh 332, -6, sowie
Talĩd ibn al-Yahmad als Eponym bei Caskel (1966: I I 543).
20 Vgl. Abū Ya‘ fflr <Urwa ibn al-Muġĩra in Kufa bei Ţab. Tāiī[j ü 873, 10 / V I 210, 4 u.
ö.; ein anderer Abü Ya'fūr bei Ţab. Tārīl) II 1638,3 / V I I 140, -6; Muhammad ibn Ya'fūr
al-<Abdī bei b. Ḥağar Tabşĩr 1495 ult; Ya'fūr ad-Quhlĩ bei b. Ḥağar Tabşīr IV 1495, -4.
Nebenbei bemerkt trug auch ein Esel des Propheten Muhammad den Namen Ya'fūr
(Eisenstein 1985:105-106), doch dürfte hier wohl die Gazellenbezeichnung yaʿfŭr
„Staubfarbige“ zugrunde gelegen haben (so auch Lis, 6, 267, -8 / 4, 590 b, 15).
21 Häufig tribal, z. B. Caskel (1966: II 589). Zu Yaʿfur als persönlichen Namen vgl. den
vorislamischen Dichter al-Aswad ibn Yacfur, einen Ya'fu/ar ibn Rüdĩ als rãwī bei b.
Ḥanbal Musnad II 88, 7, ferner A scad ibn abï Ya(fur (Jemen, gest. 332/944, vgl. Ziriklī
1389/1969:1292) und Ya'fur ibn ‘ Abd ar-Rahĩm al-Ḥiwālï (Ziriklĩ 1389/1969: IX 251).
Arabische Imperfektnamen 213

„aufhalten; verschmähen, nicht mögen; zurückweisen“ normalerweise den Imper­


fektvokal u (yankufu). Der tribale Name Y ankifhst dagegen

Yankif(tńb.)22 „hält a u f ‘ vs. nakafa, yankufu „aufhalten“

Ähnlich verhält es sich bei dem Männemamen Yarḥum „ist gnädig“, denn das
Verbum raḥima „sich erbarmen, gnädig sein“ hat bekanntlich den Imperfektvokal
a:

Yarḥum (m.)23 „ist gnädig“ vs. raḥima, yarḥamu „sich erbarmen, gnädig sein“

Mitunter stehen Namen auch in Verbalstämmen, die anderweitig nicht belegt sind,
wie z. B. der bereits erwähnte, vermutlich tribale Name Tulādim.24 Außeronoma­
stisch ist von der Wurzel l-ḍ-m kein dritter Stamm belegt:

Tulãdim (trib. ?)25 „ist erpicht a u f‘ (?), vgl. laḍama „an etw. hängen, erpicht sein
auf etwas; an (bi-) einem Ort bleiben; verweilen“ ; HI 0

Abweichungen dieser Art zeigen m. E. zweierlei: Erstens: Im arabischen Onoma­


stikon schlagen sich auch dialektale bzw. archaische Formen nieder. Dies spricht
eher für ein hohes Alter der arabischen Namen. Zweitens erweist die Bewahrung
solcher devianter Formen die grundsätzliche Zuverlässigkeit der Namensüberliefe­
rung durch die arabischen Genealogen, Historiker und Philologen, die, obwohl sie
den Charakter dieser Namen als Verbform erkannten, nicht korrigierend nach den
Regeln der klassischen Grammatik eingriffen.

C. Verbalstämmc, V crbalklasscn Diathcsc

Die Mehrheit der arabischen Imperfektnamen besteht, wie kaum anders zu erwar­
ten, aus Verben im aktiven Grundstamm. Dabei kommen Imperfektbasen mit allen
drei Vokalen vor.

Viele Verbalnamen sind Handlungsverben mit z'-Imperfekt:

Taġlib (trib.)26 „siegt“

22 Caskel (1966: II 590).


23 Yarhum ibn cAlĩ aţ-Ţūsī, cf. Dahabī Muštabih 667, 1 und b. Hağar Tabşĩr IV 1488.
24 Zum III. Stamm s. auch unten.
25 Caskel (1966: I I 546).
214 Stefan Weninger

Tamlik (f.)2
27 „herrscht“
6
Yankif(trib.) „er weist zurück“

Auch a-Imperfekte finden sich häufig:

Yaġnarn (m.)28 „erlangt“ (zu ġanirna a „erlangen, erbeuten“)

M-Imperfekte sind in der Regel von Handlungsverben mit ű-Perfekt gebildet:

Yaḍkur (trib.)29 „gedenkt“ <ḍakara u „gedenken, sich erinnern“


Taḫntur (f. / trib.)30 „verschleiert sich“ <ḫarnara u „verschleiern“

Ein einziger Name ist sicher nachweisbar, der aus einem finiten Verb im Passiv
besteht:

Tuktam (f.)31 „wird verborgen“ (Passiv)

Die Deutung des Namens Yu ʿãr, der ebenfalls ein Passiv des Grundstammes sein
könnte, ist nicht klar.

Yu ʿār (m.)32 „wird geschützt“ (?)33

Es sind relativ wenige Namen, die aus Verben von abgeleiteten Stämmen gebildet
werden.34 Im dritten Stamm, dem Zielstamm, mit langem Vokal in der ersten
Stammsilbe werden die folgenden Namen gebildet:

26 Zu den Taģlib vgl. Lecker (2000). - Taġlib als persönlicher Name bei Taģlib ibn ad-
Dahhāk, der bei b. Hağar Lisān I I 71 / § 270 als schwacher Traditionarier geführt wird.
27 Tamlik aš-Šaybĩya al-'Abdarĩya als frühe Traditionarierin in Mekka (Kahķãla
1377/1958-1379/1959: I 178) sowie eine Tamlik im späten ersten Jahrhundert in Kufa
(b. Sa'd Ţabaqāt VIII 362, Kahhāla 1377/1958-1379/1959: I 178); weitere Personen
namens Tamlik bei Šammarî 1410 / [1990]: 122.
28 Yaġnam ibn Sãlim ibn Qanbar, ein Schüler von Anas (gest. Ende 1. / Anf. 8. Jh.) bei b.
Hağar Tabşīr IV 1424 paen. und b. Hağar Lisān VI 315 / §1131.
29 Caskel (1966: II 589).
30 Tafomur bint Zayd bei Caskel (1966: II 542).
31 Tuktam bint al-ċawţ, Dichterin, zitiert in Lis. 18, 6, 11 /14, 6 b, -3 ( ʾby), vgl. Kahhāla
(1377/1958-1379/1959:1 176).
32 Als Vater einer Ţabĩta bint Yu'är al-Anşārĩya bei b. Hağar Tabşĩr IV 1494 (bi-ḍ-
ḍamrnľ.).
33 Vgl. die Diskussion bei Hayajneh (1998:277 f).
Arabische Imperfektnamen 215

III. Stamm:
Yuġābir (trib.?)3
35
4 „bleibt zurück“ (?)36
Yuḥãbir (m. / trib.)37 „ist schön“38
Yuḫāmir (?, m.)39 „verdeckt sich mit einem Tuch (ḫimãr)“
Yukālim (trib.)40 „er spricht (mit j-m )“
Tulāḍim (trib.?) „sie hängt an (etw.)“ / „sie ist erpicht auf (etw.)“41
Tumāḍir (f.)42 „sie bereitet Yoghurt“ (?)43
Turãġim (trib.)44 „verläßt (im Zorn), läßt im Stich“

Die Namen, die von Verben im dritten Stamm gebildet sind, stehen alle im Aktiv.
Auffällig oft ist der III. Stamm der betreffenden Verben außeronomastisch nicht
belegbar. Auch unter den Namen, die im vierten Stamm stehen, findet sich ein
Beleg im Passiv:

34 Yazdăd (nach b. Ḥağar Tabşīr IV 1490, 3 mehrfach bezeugt; Yazdäd ibn Fasäʾa al-
Yamänĩ, vgl. Wensinck [1988] 294 und b. Ḥağar Işãba VI 358, Yazdād ibn Mūsa und
Yazdäd ibn cAbd ar-Rahmān bei Ḥaţĩb Bagdad 14, 355-356/ § 7678-7679, ein cAlĩ ibn
Muhammad ibn Yazdād ist im 5. / 11. Jahrhundert als qāḍī in al-Wāsiţ bezeugt, vgl.
Ziriklĩ 1398/1969: V 147) ist nicht VIII. Stamm von zyd; vielmehr ist der Name
persischen Ursprungs: „Gabe Gottes“.
35 Yuģābir ibn Yuţayc bei Caskel (1966: I I 597).
36 Der III. Stamm scheint im Arabischen nicht belegt zu sein; vgl. ġabara u „bleiben,
Zurückbleiben“.
37 Yuhãbir ibn Mālik als Stammesgruppe bei Caskel (1966: II 597), erwähnt auch Aġ. 11,
172,8/ 13, 104,8.
38 Der III. Stamm dieser in der semitischen Onomastik gut bezeugten Wurzel (vgl. z. B.
Said 1995:83) scheint außeronomastisch im Arabischen nicht belegt zu sein.
39 Mālik ibn Yu[}āmir as-Saksakī, wohl aus Südarabien, aus dem Kreis um den
Prophetengefährten Mucād ibn Ğabal (van Ess 2001:144—147). Allerdings stehen Lesung
und Vokalisierung des Patronyms nicht ganz fest (van Ess 2001:146, Fn. 206)!
40 Yukãlim ibn 4Arîb, ein Stamm der Ḥimyar bei Caskel (1966: I I 597).
41 Der III. Stamm dieser Wurzel ist außeronomastisch nicht belegt; vgl. laḍirna a „an etw.
hängen, auf etw. erpicht, versessen sein“ oder „verweilen, bleiben“.
42 Mehrfach als altarabischer Frauenname. Am bekanntesten ist die Dichterin Tumādir
bint 'Amr ibn al-Ḥāriţ mit dem Beinamen al-Ḥansāʾ. Zu weiteren Personen dieses
Namens vgl. Kahhāla (1377/1958-1379/1959:176-177), Ţab. Tārîb I 1556, 10 / B 642,
13; Caskel (1966: I I 546), Šammarî (1410/Ḥ990]).
43 So die Deutung von Fischer (1995:873); oder gehört der Name zu den Muḍar (n. pr.
trib.)?
44 b. Durayd Ištiqäq (Hārūn) 372, -4; Caskel (1966: n 546).
216 Stefan Weninger

IV. Stamm:
Yu ʿfir (m. / trib.)4
*45
3 „(?)“ (Aktiv)
Yuḥmid (m.)46 „preist“ (?)47 (Aktiv)
Tufliḍ (trib.)48 „verteilt“ (Aktiv)
Tuğīb (trib.)49 „antwortet“ (Aktiv)
Tuḥyā (f.)50 „wird belebt“ (Passiv)

Doch die überwiegende Mehrheit der arabischen Imperfektnamen steht im aktiven


Grundstamm. Das arabische Onomastikon stimmt in dieser Hinsicht mit den ande­
ren altsemitischen Onomastika überein.

D. Subjekt und G enus

Einige Namen kommen in einer maskulinen ebenso wie in einer femininen Aus­
prägung vor:

Yaġlib (m. / trib.?)51 - T aġlib


Ya ʿmur (m. / trib.)52 - Ta ʿmar (f.)53

43 Es ist fraglich, ob der Name mit dieser Vokalisation, die al-Hamdānī für das
Spätsabäische angibt (Beiname des S2rķbʾl, vgl. Abdallah 1975:99) im Arabischen
überhaupt vorkommt (Yu'fir ibn aş-Şabäb bei b. Sa(d Ţabaqãt V I 172, 7 und Yu'fir ibn
cAbd ar-Raljmãn bei Caskel 1966:597). Auch die Semantik der Wurzel ʿfr (s. o.) ist
unter den Prämissen der Onomastik mit dem aktiven Kausativstamm schwer in Über­
einstimmung zu bringen. Vielleicht ist doch Ya ʿfur zu lesen.
46 Laut b. Hağar Tabşïr IV 1487 mehrfach. Außerdem Abu Umayya Yuhmid aš-Šacbānĩ
(b. Hağar Taqrîb 620 / § 7947). Dagegen hat Samcānĩ Ansãb 13, 484, 8 / § 5309 die
Vokalisation Yahmad.
47 Kausativstämme von hmd sind nicht ohne Parallelen, vgl. yhḥrnd als cognomen im
Sabäischen (CIH 300/1).
48 Tuflid ibn Zayd Allah: Zweig der cAmr b. Māzin bei Caskel (1966: II 545); bei b.
Durayd Ištiqāq (Hārūn) 486, 1 allerdings als Grundstamm: wa-štiqãqu Taflida min
qawlihimfalaḍati l-lahma.
49 Caskel (1966: II 545); ausdrücklich als tribaler Name auch bei b. Hağar Tabşïr 169.
50 Hammād ibn Tuhyā bei b. Hağar Tabşĩr I 194; Tubyã bint al-Barāʾ bei b. Sacd Ţabaqãt
V 207, 11.
51 Bei b. Ḥağar Tabşĩr I 198 in der Genealogie mehrerer Personen. Es bleibt unklar, ob es
sich um einen tribalen oder persönlichen Namen handelt; Samcānĩ Ansãb 13, 514 / §
5326.
52Nach Qahabï Muštabih 670, 4 mehrfach („ğamã ʿa“)\ vgl. daneben: Eine Umm Ya'mur
bei Naq. ŏ .F.; Laqĩţ ibn Ya'mur (vorisl. Dichter); mit der Vokalisation a: Ya'mar ibn
cAwf (vorisl.) bei Ziriklĩ 1389/1969: IX 270 f.
Arabische Imperfektnamen 217

Yazīd (m.)5
54 - Tazīd (trib. / m. [?])55
3
Ya ʿlā (m.)56 - Ta ʿlā (m.)57

Bei persönlichen Namen richtet sich das Genus des Imperfektnamens in der Regel
nach dem Geschlecht des Namensträgers. Yazīd ist daher Name für einen männli­
chen Namensträger, Tamlik oder Tuktam für weibliche. Verwickelter sind die
Verhältnisse bei tribalen Namen. Da Stammesnamen im Arabischen grammatisch
feminin konstruiert werden, sofern nicht durch die constmctio ad sensum der Plu­
ral verwendet wird (Wright 1896-1898: II 292 A), sind zahlreiche Imperfektna­
men, die Stämme oder Clans bezeichnen, feminin, z. B.:

Tadūl (trib.)58
Taġlib (trib.) „siegt“
Tarḫum (trib.)59 „ist angenehm“
Tazīd (trib.) „nimmt zu“
Tufliḍ (trib.) „verteilt“
Tuğīb (trib.) „antwortet“
Turāġim (trib.) „verläßt im Zorn, läßt im Stich“

Nachdem aber nun die Genealogen in der Regel von männlichen Stammesepony-
men ausgehen, kommt z. B. ein T aġlib ibn W āʾil „ ‘sie siegt’, der Sohn des Wã ʾil“
zustande (Nöldeke 1861:808, Anm. 1).

Die Kongruenz von grammatischem Genus des Namens und natürlichem Ge­
schlecht des Namensträgers sagt allerdings noch nichts über das primäre Subjekt
des Verbs aus. W ir kennen schon aus dem Akkadischen die Erscheinung, daß
Namen mit männlichem theophoren Element durch einen weiblichen Namensträ­
ger ein feminines Prädikat erhalten können, obwohl dieses ja mit seinem männli­

53 Ta'mar bint Maslama as-Sa(dĩya bei Dahabĩ Muštabih 670, 5 und b. Ḥağar Tabşĩr IV
1496, vgl. Kahhäla (1377/1958-1379/1959: I 172); Ta<mar bint al-cItr (cUtar?) bei b.
Ḥağar Tabşïr IV 1496. Daneben existiert Tacmur auch als tribaler Name (b. Ḥağar Tabşïr
1507).
54 Passim.
55 Häufig tribal, vgl. Caskel (1966: II 545) usw. - Vielleicht daneben auch als
Männemame; jedoch bevorzugt b. Ḥağar Tahdīb 1, 509 / § 546 bzw. b. Ḥağar Taqrîb 121
/ § 657 für den Traditionarier Tazĩd ibn al-Aşram, von dem schon Dahabĩ Du'afāʾ 1118/
§ 1016 sagt, er wäre unbekannt, die Lesart Burayd.
56 Passim.
57 cUbayd ibn Ta'lã, ein „Nachfolger1der ersten Generation bei Dahabĩ Muštabih 670, 8.
58 Caskel (1966: II 541).
59 Tribaler Name bei Dahabï Muštabih 667, 4 und b. Ḥağar Tabşĩr IV 1489.
218 Stefan Weninger

chen Subjekt kongruieren müßte (Edzard 1962). Genau dies scheint mir auch bei
nicht wenigen arabischen Imperfektnamen vorzuliegen:

Bei einer Frau namens Tamlik, die offenbar nicht aus einer bedeutenden Familie
stammt, da ihre Abstammung nur unvollständig bezeugt ist, die aber dadurch be­
kannt ist, daß sie in der ersten Generation nach den Prophetengefahrten ḥadīṯe
überlieferte, kann sich das Verb malaka „beherrschen, besitzen“ kaum auf die
Namensträgerin beziehen. V iel plausibler ist die Interpretation analog zu dem he­
bräischen Namen Yam liķ mit Rechenmacher (1997:98) als ein „Name vom Herr­
schen“, also einer theologischen Aussage über eine Gottheit.

Tamlik (f.) „herrscht“, vgl. hebr. Yamlik, ʾ^līm œ lœ k „El ist König“, aram. ymlk,
sab. mlk ʾl usw.

Malik „Herrscher“ als Gottesprädikat ist ja auch im frühen Islam gegenwärtig. Es


liegt hier also der Rest eines ursprünglich theophoren Namens vor. Auch Tuğīb
„antwortet“ dürfte sich ursprünglich auf eine Gottheit bezogen haben, die den
Kinderwunsch der Eltern erhört hat. Um es noch einmal mit Rechenmacher
(1997:77) zu sagen, liegt hier ein „Name vom Wahmehmen oder Antworten“ vor:

Tuğīb (trib.)60 „antwortet“, vgl. hebr. ʿÀnã-Yã „Y H W H hat geantwortet“

Eine andere denkbare Interpretation der femininen Form ehemals theophorer Na­
men ist bei Hayajneh (1998:45) angedeutet: Das Prädikat kann sich auch auf eine
weibliche Gottheit beziehen, die feminine Form wäre damit ganz normal. Neben
solchen ursprünglich theophoren Namen stehen natürlich auch genügend Namen
mit direktem Bezug auf den Namensträger, die Eigenschaften bezeichnen, die ihm
der Namensgeber für seinen Lebensweg wünscht:

Yaġnam (m.) „er erlangt“


Yanāl (m.)61 „er erreicht“
Yaḫlud (trib.)62 „er dauert“
Yankif(trib.) „er weist zurück“
T aʿğuz (f.)63 „wird alt“

60 Caskel (1966: II 545).


61 Mehrere Personen, deren jeweilige Väter Yanăl heißen, bei Dahabĩ Muštabih 672 und
b. Hağar TabşīrIV 1499.
62 Als tribaler Name bei Caskel (1966: II 589 f.) und Tab. Tänfj I 1103, 12 / II 263, -6; in
diesen Zusammenhang gehört auch (Ātika bint Yaļjlud ibn Nadr, eine angebliche
Vorfahrin Muhammads (Ţab. Tãiĩlļ I 1101, 14/11262, 2, b. Hağar Tabşĩr IV 1270, 1).
Arabische Imperfektnamen 219

Auch die Familie des Namensträgers kann Subjekt sein, wie im Falle von Yazĩd,
der m. E. entgegen Wild (1982:158) und Fischer (1995:872) nicht mit „er ver­
mehrt“ zu übersetzen ist, sondern mit „nimmt zu“, da erstens die Grundbedeutung
dieser Wurzel nicht „vermehren“ , sondern „zunehmen“ ist, und es zweitens unter
den zahlreichen frühnord- und altsüdarabischen Namen, die die Wurzel *zyd ent­
halten, keine mit sicherem Verb zu finden sind.6
64 Von daher ist es unwahrschein­
3
lich, daß in Yazīd eine Kurzform mit apokopiertem göttlichen Subjekt vorliegt:

Yazīd (m.) „(Familie des Namensträgers) nimmt zu“

Der Name Yamŭt, unter dem sein Träger sehr gelitten haben soll,65 ist wohl
apotropäisch und bezieht sich daher auf den Namensträger selbst. Die zugrunde­
liegende Vorstellung ist wohl, einer bedrohlichen Macht durch den Namen vorzu­
spiegeln, der Namensträger wäre schon verstorben. Eine Verbindung mit amurriti­
schen Namen wie *Yamŭt-Ba ʿal „Baal ist gestorben“66 ist schwer vorstellbar, da
dieser nur vor dem Hintergrund des Baals-Mythos erklärbar ist.67 Von dem arabi­
schen Namen trennt ihn eine zu große zeitliche Kluft:

Yarnūt (m.)68 „ (Namensträger) stirbt“

Bei Ya ʿīš „lebt“ kann man wirklich zweifeln, ob es ein Wunsch für den Namens­
träger ist, oder ausdrücken soll, daß sich die Gottheit als lebendig erwiesen hat,
oder bei Yanfa ʿ „nützt“ , wo es sich wahrscheinlich um einen Wunsch für das Kind
handelt, das sich als der Gemeinschaft nützlich erweisen soll, der aber, sollte er alt
sein, auch so interpretiert werden kann, daß die Gottheit der Familie genutzt hat:

63 Fiktive Ahnherrin der 'Abd Šams bei Balād. Ansāb IV A 1, 3 / ('Abbäs) IV 1,3.
64 So gibt es unter den zahlreichen frühnord- und altsüdarabischen Namen, die die
Wurzel *zyd enthalten, keine mit sicherem Verb plus theophorem Element. Namen wie
Zydʾl etc. sind also nominal „Zunahme des II“ im Sinne von „durch II bewirkte
Zunahme“ zu übersetzen.
65 „Er machte keine Krankenbesuche aus Furcht, sie könnten in seinem Namen ein
schlimmes Omen erblicken. Er sagte immer: ‘Ich bin geplagt von dem Namen, den mein
Vater mir gegeben hat!’“ b. Ḥall. Wafayãt (cAbbās) VII 54, 12.
66 Gelb 1980:320.
67 Ich danke PD Dr. Michael P. Streck für den Hinweis.
68 Yamūt ibn al-Muzarric, ein Neffe al-Ğālji?s, der in der adab-Literatur oft genannt wird,
vgl. Ziriklĩ (1369/1969: IX 277).
220 Stefan Weninger

Ya ʿīš (m.)69 „er (Namensträger / Gottheit?) lebt“


Yanfa ʿ (m.)70 „er (Namensträger / Gottheit?) nützt“

Doch Wilds Aussage, es müsse „offenbleiben“ , ob arabische Verbalnamen „ur­


sprünglich mit einem göttlichen oder einem menschlichen Subjekt gedacht sind“
(1982:158), erscheint mir insgesamt etwas zu skeptisch. Bei vielen Imperfektna­
men sind zumindest begründete Hypothesen über den Bezug möglich.

E. Arabische Imperfektnamen als sem itisches E rbe

Das arabische Onomastikon der vor- und frühislamischen Zeit hat in der semitisti-
schen Forschung eine merkwürdige Doppelstellung. Einerseits versäumt es nie­
mand, herauszustellen, wie sehr sich das arabische Onomastikon von den anderen
altsemitischen Onomastika unterscheidet. Andererseits gibt es keine Monogra­
phien, die für Namensetymologien auf das Zitieren arabischer Parallelen verzich­
ten wollen. Und so möchte ich hier noch einmal ausdrücklich der Frage nachge­
hen, inwieweit sich in den Imperfektnamen altsemitisches Erbe niederschlägt. A u f
zwei ursprünglich theophore Namen aus alter Tradition wurde oben schon hin­
gewiesen, Tamlik und Tuğĩb. Es gibt weitere Namen, die ihre Wurzeln in altse­
mitischen Religionsvorstellungen haben: Der Name Yarfa ʾs, des Freigelassenen
des Kalifen cUmar ibn al-Ḥaţţāb, eines Mannes ohne Abstammung, muß übersetzt
werden „er heilt“ . In diesem „Namen vom Heilen und Trösten“ (Rechenmacher
1997:92) liegt ein altes Prädikat vor, das in zahlreichen semitischen Onomastika
vorkommt, stellvertretend sei hebr. Raphael genannt. Der ehemalige Sklave
Yarfaʾ hat damit auch die selbe Namenssemantik wie der große babylonische K ö ­
nig Hammurapi.71

Yarfa ʾ (m.)72 „er heilt“, vgl. min. yrfʾl, ug. yrpʾu, hebr. R epā ʾēl „El heilt“, alta-
ram. yrp ʾl „II heilt“ , amurr. * ʿAmmu-rāpi ʾ „Vatersbruder ist heilend“.

Auch Yarīm „ist hoch“ ist ein altes Prädikat, das sich onomastisch schon in Mari,
im Ugaritischen, im Altsabäischen und im Safaitischen nachweisen läßt, ähnlich

69 Passim.
70 Yanfa' ibn Ismä'ĩl al-Anşāñ (3.-4./9.-10. Jh.) bei Ḥaţľb Baģdäd 14, 361 f. / § 7688.
71 Zum Namen Hammurapis vgl. Streck (1999).
72 Als ġulărn, hãğib oder rnawlã des cUmar häufig genannt, vgl. z. B. b. Sa'd Ţabaqāt
(Index), Ţab. Tāñb (Index) Wensinck (1988:294a), b. Hağar Işäba VI 358 / § 358;
daneben kommt Yarfā (sic!) auch als tribaler Name vor (Caskel 1966: II 591).
Arabische Imperfektnamen 221

wie Yaškur „dankt“ (mit Bezug auf den Namensgeber) bzw. „siegt“73 (mit Bezug
auf die Gottheit, evtl, sogar auf den Namensträger), das schon im Amurritischen,
Altsüdarabischen usw. zu belegen ist:

Yarīm (m. / trib.)74 „ist erhaben“, vgl. amurr. *ʿAmmu-răma „Vatersbruder ist er­
haben“ (Streck 2000:276), ug. yrm b ʿl „Baal ist erhaben“, sab. y rm ʾl „Gott ist er­
haben“, şaf. yrm „ist erhaben“ .
Yaškur (trib.)75 „dankt“ / „siegt“, vgl. amurr. *Yaškur-ʾil (Hufftnon 1965:246),
min. und ha«Jr. Y ŕk r ʾl, min. Y ŕk r, şaf. Yškr und andere Namen von dieser Wurzel.

Bei dem noch in islamischer Zeit vorkommenden Namen Yayṯa ʿ liegt, wie aus den
frühnord- und altsüdarabischen Parallelen hervorgeht, auch ein altes Gottesprädi­
kat vor, das vielleicht mit W. W. Müller (1979) ebenfalls als „ist erhaben“ zu
deuten ist:76

Yaytaʿ (trib.)77 „ist erhaben“ , vgl. qat. ʾb y ṯʿ „Der Vater ist erhaben (?)“ ; daneben
* yṯʿ auch als theophores Element: Sab. y ṯʿʾm r „ Y ţc hat gesprochen / Y ţc ist Ora­
kel“

Das Prädikat „vorangehen“, das im Arabischen nur im tribalen Namen Yaqdum


vorkommt, tritt im Altsüdarabischen auch in persönlichen Namen auf:

Yaqdum (trib.) „erscheint“ , vgl. sab. und hadr. yqd m ʾl „II ist erschienen“ (Bron
1991:88)78

Wir sehen also, daß eine ganze Reihe von Imperfektnamen im Arabischen sehr
alte semitische Wurzeln haben und nicht als Neubildungen interpretierbar sind.

73 Zu dieser Deutung vgl. Said (1995:183f.) und Hayajneh (1998:170).


74 Yarīm tritt nicht nur in historischen Kontexten auf, wie man angesichts der
Quellenangaben bei Tairan (1992:245) denken könnte. Yarim wurde noch in
frühislamischer Zeit verwendet. Als tribaler Name bei Caskel (1966: II 591, mehrfach).
Als persönlicher Name: Hubayra ibn Yaiīm bei b. Saťd Ţabaqãt VI 118, 16, Dahabĩ
Muštabih 667, 8 und b. Hağar Tabşīr IV 1489, -3, Yarĩm ibn ‘ Āmir ibn Sacd bei b. Hağar
Işäba V I 358 / § 9390, ein Yarīm ibn A s‘ ad al-Hamadänĩ bei Ḥaţĩb Baģdäd 14, 356 f. / §
7682.
75 Mehrfach bei Caskel (1966:592); bei b. Ḥağar Tabşĩr IV 1494, -4 ausdrücklich als
Stammesname gekennzeichnet; Sam'ānĩ Ansăb 13, 509 / § 5323.
76 Dagegen: Voigt (1997).
77 Yayţac ibn al-Hawn bei Dahabĩ Muštabih 112,4 und b. Ḥağar Tabşīr 1 195.
78 Ob auch hebr. Qaḍrnïʾël dazugehört, sei dahingestellt. Rechenmacher (1997:35) deutet
den Namen mit Bezug auf den Namensträger: „Vor II [ist er]“.
222 Stefan Weninger

Sehr häufig auftretende Namen wie Yazīd, Yaḥyā, Y aʿlā und Y a ʿīš machen es
auch schwer, den Typ des Imperfektnamens im Nordarabischen mit Hayajneh
(1998:41) pauschal als Import aus dem Südarabischen anzusehen.

Eine Bemerkung zur Tempus-Semantik ist noch angebracht. Bisher wurden, die
klassisch-arabische Endung des Imperfekts Indikativ ernst nehmend und synchron
vorgehend, die Imperfektnamen stereotyp mit deutschen Präsentia übersetzt. Doch
dies trifft sicherlich nicht in allen Fällen den ursprünglichen Sinn der Imper­
fektnamen. W ie z. B. Rechenmacher (1997:53) fürs Hebräische gezeigt hat, ist die
Präfixkonjugation, besonders bei den theophoren Namen, die vom Eingreifen der
Gottheit handeln, in aller Regel als Ausdruck eines individuellen Sachverhalts der
Vergangenheit zu werten, also als P K -K F , das ehemalige Präteritum. Wollten wir
dieses Ergebnis auf analoge arabische Namen übertragen, so besteht das Problem,
daß die korrespondierende Form nicht das Imperfekt Indikativ yafʿalu ist, sondern
der Apokopat yafʿal. W ir müssen also davon ausgehen, daß z. B. ein Name wie
Tuğīb(u) „antwortet (die Gottheit auf den Kinderwunsch)“ ursprünglich endungs­
los war und erst sekundär als Imperfekt Indikativ aufgefaßt wurde, als der ur­
sprüngliche Sinn des Namens nicht mehr vollständig verstanden wurde. Deshalb
blieb auch die eigentlich zu erwartende Kürzung des Langvokals in geschlossener
Silbe aus.

*Tuğīb >Tuğĩbu statt *tuğib

F. Ausblick

Stefan Wild schreibt im Grundriß über arabische Verbalnamen, sie seien „im Ge­
gensatz zu Nominalformen kaum noch produktiv.“ (1982:158). Das ist im Prinzip
richtig, doch lassen sich auch Ausnahmen finden. A u f die vielen offenbar neuge­
bildeten, wenn auch selten auftretenden Namen im S iğill asmă ʾ al- ʿArab (Ibn az-
Zubayr 1411/199lb) wurde bereits oben hingewiesen, und Annemarie Schimmel
berichtet (1989:75) von einem Fall im modernen Ägypten, wo ein Mädchen
Tuhãdã genannt wurde. Sie übersetzt Tuhãdā mit „fit to be given as a present“ .
Ohne die näheren Umstände zu kennen, würde ich allerdings auch heute eine In­
terpretation für möglich halten, bei der die Geburt des Kindes als Geschenk aufge­
faßt wird.
Arabische Imperfektnamen 223

Tanãl (f.)79 „sie erreicht“ (modern)


Tuhādā - (f.) „fit to be given as a present“ (Schimmel 1989:75) / „sie wird (den
Eltern) geschenkt“

Zahlreich sind aber auch die Fälle, bei denen Imperfektnamen nicht mehr als sol­
che verstanden werden und Umdeutungen unterworfen werden. So wird Yazīd
mittels der nominalen Femininendung zum Frauennamen gemacht oder Ya ʿīš er­
hält den Artikel. Dies sind Konstruktionen, die dem verbalen Charakter dieser
Namen vollkommen zuwiderlaufen:

Yazīda (f.)80 < Yazīd (m.) „er nimmt zu“ +-a (ţã ʾ marbūţa)
al-Ya ʿīš (m.)81 „der ‘er lebt’“ <Ya ʿīš - m. „er lebt“ +al- (Artikel)

Doch dies sind sekundäre Entwicklungen.

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79 Bei Ibn az-Zubayr (141 l/1991a: 1253) ausdrücklich als Neubildung bezeichnet.
80 Moderner Frauenname, Ibn az-Zubayr (141 l/1991b: IV 2623).
81 Ibn az-Zubayr (1411/199la: II 1896).
224 Stefan Weninger

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82 Soweit die Abkürzungen nicht in W KAS II verwendet werden (vgl. Wörterbuch der
klassischen arabischen Sprache. Vorläufiges Literatur- und Abkürzungsverzeichznis zum
zweiten Band (Lām), zusammengestellt von Manfred Ullmann. 3. erweiterte Auflage.
Wiesbaden: Harrassowitz, 1996).
Indizes

A. Zitierte Autoren

Der folgende Index verzeichnet die zitierten modernen Autoren. Verfasser von
zitierten antiken und mittelalterlichen Quellen sind nicht aufgeschlüsselt.

Abdallah, Y. Dalley, S.
216 141
Adiego, I.-J. Davies, G. I.
91-93, 96, 98 191
Albertz, R. Debus, F.
126, 131 171, 173
Amadasi, G. Deimel, A.
94 7, 12
Archi, A. Dekiere, L.
4, 12, 22, 33, 35-38, 60, 64f. 137, 164
Amaud, D. Del Monte, G.
171 75
Bauer, J. Derochers, M. J.
6, 8, 10, 12, 15, 18, 22,33,35, 163
44, 48f. Di Vito, R. A.
Beckman, G. 8, 173
171 Dreyer, G.
Beeston, A. F. L. 3
201 Dyckhoff, Ch.
Behrens, H. 133,163
6, 8, 10, 27, 30, 38, 41, 65f. Edzard, D. O. 2f., 8-10, 12, 23f, 26, 30,
Biggs, R.D. 42, 59, 1lOf., 113f., 116, 119,
7, 18, 40 123f., 126, 134, 171, 175,218
Bongenaar, A. Eisendle, E.
85 195
Bron, F. Eisenstein, H.
195f„ 221 212
Brünnow, R. E. Englund, R. K.
210 1-3
Burrows, E. Ess, J. van
3, 7, 15f., 19 215
Caetani, L. Fales, F. M.
209 4,385
Caskel, W. Falkenstein, A.
212-218, 220f. 10, 14f., 20, 49
Charpin, D. Färber, G.
128, 130f., 133, 136, 145f., 163, 24
165 Ferwerda, G.Th.
Comil, P. 125
75, 79 Finkeistein, J. J.
144
228 Indizes

Fischer, A. Heimpel, W.
210 140, 179
Fischer, W. Hess, J. J.
215,219 200, 202
Flückinger-Hawker, E. Hirsch, H.
22 197
Fowler, J. D. Hobson, D.
191 172
Frankena, R. Hoffner, H. A. Jr.
165 81, 17 lf.
Freydank, H. Hölscher, M.
116 113-115
Frymer-Kensky, T. Hufímon, H. B.
178 221
Gabrieli, G. Ibn az-Zubayr, M.
209 209, 222f.
Gasche, H. Jamme, A.
140 202
Gelb, I. J. Janssen, C.
8, 11, 16,219 137
George, A. R. Jestin, R.
2, 138 7
Gessel, B. H. L. van Kahhāla, CU. R.
75, 79 214f., 217
Gibson, J. C. L. Kahl, J.
94 3
Giorgieri, M. Kalla, G.
171 138
Gladigow, B. Kammerzell, F.
172 91
Goetze, A. Karg, N .
12 1,4
Graef, K. de Kienast, B.
140, 145 8,21,66
Gratzl, E. Klengel, H.
209 129, 163
Griffith, F. LI. Kornfeld, W.
99 86
Groneberg, B. R. M. Kraus, F. R.
172 163
Güterbock, H. Krebemik, M.
77 4, 7, 15, 17,20-22, 25,30,40
Haas, V. Krecher, J.
79 8, 12-14, 34, 48
Häring, B. Krispijn, Th. J. K.
85 4,35
Harris, R. Lafont, B.
124f., 128-130, 132, 136, 138, 37
145, 164, 172 Lambert, W. G.
Hayajneh, H. 20, 48, 135
195,214,218
Indizes 229

Landsberger, B. Neumann, G.
76 77
Laroche, E. Nisssen, H. J.
75, 77, 79 2
Layton, S. C. Nöldeke, Th.
110, 191 217
Leahy, A. Noth, M.
85 189, 191
Lecker, M. Oberhuber, K.
214 24
Leemans, W. F. Oelsner, J.
132, 163 2
Lerberghe, K. van Oettinger, N.
137 76, 79
Lidzbarski, M. Oppenheim, A. L.
88f. 119
Limet, H. Pagan, J. M.
7-11, 19f., 23, 31-33, 37f., 42, 176
44, 46 Pemigotti, S.
Lipiński, E. 99
180 Pettinato, G.
Litke, R. L. 14, 19
130, 135, 140 Pientka, R.
Lüddeckens, E. 119
87 Pomponio, F.
Lund, J. A. 7, 10, 14, 18, 20f., 25, 28-31,
86 33, 34, 36f„ 39-42, 50, 52, 58
Mallowan, M. 60, 64-66, 132
130 Porten, B.
Marzahn, J. 86, 95, 100
8 Posener, G.
Mathieson, I. 93
93 Prang, E.
Matouš, L. 163
163 Ranke, H.
Melchert, H. G. 87, 89, 94
78 Rechenmacher, H.
Meriggi, P. 125f, 190f, 198, 200,218,
77 220-222
Meyer, L. de Renger, J.
137 2, 130, 136, 143, 146, 163
Muchiki, Y. Renz, J.
86-88,91-93,96, 99f. 191
Müller, W. W. Richter, W.
97, 205, 221 130, 132-134, 140, 185-187,
Nakata, I. 191
171, 176 Rix, H.
Nebes, N. 123, 143
196,211 Robin, Ch.
Neu, E. 203
77, 81
Indizes

Rogge, E. Steinkeller, P.
92 2, 8, 11, 16, 34, 48,50
Röltig, W. Stephens, F. J.
191 116
Rüster, Ch. Stol, M.
79 46, 109f., 113, 124, 131, 136,
Ryckmans, J. 139, 140, 145, 164f, 172
202 Stone, E. C.
al-Said, Said F. 134, 163
195f., 215 Streck, M. P.
aš-Šammarî, H. 78, 109-112, 115-117, 119f.,
209, 214 126, 196, 198, 219-221
Sallaberger, W. Struve, V. V.
52 8, 29-31,36-38, 47,58
Salvini, M. Tairan, S. A.
171 195f„ 221
Saporetti, C. Tallqvist, K. L.
116 115-117
Schimmel, A. Tammuz, O.
222f. 141, 165
Schüler, E. von Thissen, H.-J.
79 97
Segal, J.B. Thomsen, M.-L.
88, 96, 98 10
Selz, G. Tischler, J.
8, 10, 18,37 75f, 78, 81
Ševoroškin, V. V. Toom, K. van der
77 131, 141, 144, 172, 176
Sholan, A. M. Tropper, J.
195, 199 112
Sjöberg, A. Tsukimoto, A.
14 171
Soden, W. von Visicato, G.
110 7, 25, 36, 52
Sommerfeld, W. Vittmann, G.
8,21,66, 111, 132, 135, 140- 85f, 89, 93-95, 97f„ 100
142 Voet, G.
Sollberger, E. 137
35, 58 Voigt, R.
Stamm, J. J. 221
110, 112-115, 119, 123-125, Weninger, S.
127, 131-133, 141, 145, 171, 205
173, 191, 197 Wensick, A. J.
Starke, F. 215,220
81 Westenholz,
Steible, H. 7, 8, l l f , 27,35,37, 145
6, 8, 10, 12, 27, 30, 38, 41, 65f.Whiting, R. M.
Stein, P. 8, 11, 16
118 Wiggermann, F.
Steindorf, G. 40
94
Indizes 231

Wilcke, C. Yildiz, F.
3, 138, 175 37
Wild, S. Yuhong, W.
209, 219f., 222 141
Wildung, D. Zadok, R.
88 85, 191
Winter, U. Zauzich, K.-Th.
171 96
Woestenburg, E. Zeidler, J.
125, 129, 165 85
Woolley, C. L. Ziegler, N.
130 171
Wright, W. Ziriklĩ, Ḥ.
211,217 212, 215f, 219
Yang, Z. Zgusta, L.
8 78
Yardeni, A.
86
232 Indizes

B. Stichwörter

Abkürzung Althebräisch
4, 6, 23, 98 (s. a. Kurzname) 196
Ablativ (sum.) Althethitisch
9, 32, 41—44, 46f. 80
Ablaut Altsabäisch
79 195f., 199f.
Abstraktum Altsüdarabisch
33 195ff„ 210f., 219, 221
Achämenidisch (s. a. Altsabäisch., Minäisch,
2 Mittelsab., Qatabanisch, Sab.,
Adjektiv (hethit.) Spätsab.)
76 Amulett
adverbielle Ergänzung 200
89 Amurritisch
Agentiv (sum.) 13,51, 110, 119f., 125, 133f.,
35, 37, 40 138, 141, 196f., 221
Ägypten Anredeform
85 212
Ägyptisch Apokopat (arab.)
3, 85ff, 190 (s. a. Demotisch, 222
Koptisch, Mitteläg., Neuäg.) apotropäische Namengebung
Ahne 219
144 Appellativ
Akkadisch 8, 10, 78
2, 6, 7, lOf., 13,33,46, 50f., 76, Apposition
78,81, 109ff., 173,217 8
(s. a. Altakk., Altassyrisch, Araber
Altbabylonisch., Assyr., Babyl., 93
Frühaltbabyl., Mittelassyr., Arabisch
Mittelbabyl., Neuassyr., 209ff. (s. a. Frühnordarab.)
Spätaltbabyl., Spätbabyl.) Aramäer
Akkadistik 86
195 Aramäisch
Akkadogramm 85ff., 88ff, 93-95, 97f.
79, 177 (s. a. Altaram.)
Aktiv (arab.) Aramaistik
215 195
Akzessionsname archaisch
9 (s. a. Thronname) 13, 14
Alalaļ) Archaismen, orthographische
174 109
Altakkadisch Archaismus
1 1 ,109f., 118,123 109ff., 126, 146,213
Altaramäisch Archiv
196f. 4, 7,126
Altassyrisch Artikel
109 223
Altbabylonisch Assimilation
20,110,112-115,123ff. 115
Indizes 233
Assyrien Beruf
2 142, 175
Assyrisch Berufsbezeichnung
109,116-118,142 19, 36,65
Ataranten Bewegungsverbum
2 46
äthiopische Namen Bewußtsein für Namensinhalte
205 10
Atlas Bezeichnungsname
2 173
Attribut Bindevokal
8 191
attributive Erweiterung Bindewort
16 191
attributives Namenelement Bitte
180 124
Attributname Bittname
175 173, 175
Ausländerin Bohairisch
88 94
Aussageträger Brief
15f, 28 117, 119, 124
Awestisch Clan-Oberhaupt
79 123
Babylonien constructio ad sensum
2 217
Babylonier Constmctus-Verbindungsname
97 188
Babylonisch Dank
95, 109, 116-118 124
basilophore Namen Dankname
86, 97f. (s. a. Königsname) 171, 175f.
Basis Datenbank
185 185
Bauform Dativ (sum.)
192 33
Baukastenprinzip Dativpronomina
10 110
Bautermini Demotisch
18 85ff.
Bautyp Demotistik
185 95
Beamtenfamilie Determinativpronomen (akk.)
128 110-112, 117f.
Beduine Diathese
200 213
Beiname Dimensionalobjekt
199,210 9, 25, 42, 45, 58f., 65
Bergname Diptosie
75 210
234 Indizes

D i s s im i la t io n F i l ia t io n
113 123
D o p p e lk o n s o n a n z f i n it e V e r b a l f o r m
116 3 5 , 4 5 , 51
d r e ig l i e d r i g e N a m e n F ra g e
125 3 1 ,4 5 , 49
d r e ig l i e d r i g e S a tz n a m e n F ra g e s a tz n a m e
1 75 174
E b la F ra u e n n am e
18 77, 1 7 3 ff., 1 9 5 , 2 1 5 , 2 2 3
E ig e n s c h a f t F r ö m m ig k e it
123 1 2 6 , 1 3 1 , 1 4 1 , 19 9
e in f a c h e N a m e n F r ü h a l tb a b y l o n is c h
1 88 1 2 4 f.
E in f a c h k o n s o n a n z f r ü h d y n a s t is c h
116 3 , 8 , 12, 1 6 f., 2 1 , 2 3 , 2 5 , 3 3 , 3 9 ,
E in f l u ß , a k k a d i s c h e r 4 7 , 55
23 F rü h n o rd a ra b is c h
E in f l u ß , s e m it i s c h e r 2 1 9 ( s . a . S a f a itis c h )
78 F u n k t io n ä r s b e z e i c h n u n g
e in g l i e d r i g e N a m e n 15
1 2 4 f. F u n k t io n s b e z e i c h n u n g
E in w a n d e r u n g 3
136, 196, 2 0 0 G a ra n te n
E in w o r tn a m e 2
10, 179 G ebet
E la m is c h 124
114 G e b u rt
E llip s e 5 1 , 9 0 , 1 7 1 ,2 0 1
17, 3 2 ,3 5 , 4 7 ,5 8 , 6 4 , 6 6 G e b u rts u m s ta n d
e ll i p ti s c h 201
2 5 ,5 0 g e m e i n s e m i ti s c h
E lte r n 23
126 G e m in a t io n
E nkel 113
1 2 3 , 143 G ender
E p it h e to n 172
86, 88 G e n e a lo g e n
E r s a tz n a m e 2 1 3 ,2 1 7
5 1 , 1 75 G e n itiv
F a m ilie 116
2 0 3 ,2 1 9 G e n i ti v - A k k u s a t i v ( a r a b .)
F a m il i e n g o t t h e i t 210
1 2 8 , 1 3 0 , 1 3 2 f f ., 1 3 7 f f „ 1 4 5 ff. G e n i ti v e x p o n e n t
F a m il i e n m i tg l i e d 11
13 G e n i ti v n a m e
F a m il i e n n a m e 1 7 4 , 17 9
123 G e n i ti v v e r b i n d u n g
F a y y u m is c h 9, l l f . , 16, 5 0 f.
94 G enus
1 8 5 ,2 1 6
Indizes 235

geographische Namen Hethitisch


77 75ff„ 171 (s. a. Althethit.)
Geschlecht Hieratisch
12, 172,217 85ff„ 97
geschlechtsspezifische Hieroglyphen
Namengebung 85ff, 97
171ff. Hieroglyphen-Luwisch
Geschwister 77, 80
126 Historiker
Gewässernamen 213
75 Hochgötter
Göttemame 87
2, 6, 10, 15,55, 75, 79ff., 86, Hochreligion
88f, 186, 188 (s. a. Theonym) 131
Gottesprädikat Homographie
218 203
Gottheit Homonymie
93, 124 (s. a. Familiengotth., 203
Lokalgötter, Schutzgotth., Homophon
Stadtgotth.) 1
Gottheiten, nordarabische Hurritisch
199 79, 171, 178
Griechisch Hydronyme
85 s. Gewässernamen
Großvater Hypokoristikum
123, 143 8, 11,86, 97, 125, 145 (s. a.
Grundstamm (arab.) Abkürzung, Kurzname,
212f. Kurzform)
Grundwort, geographisches hypokoristisches Derivat
78 8
Grußformulare Hypostase
126 133,136
(ļamţu-Partizip Identität
47 137, 140, 142
Handlungsverben Ideogramm
213f. 79
Hebräisch idiomatische Verbindung
1851Ï., 190, 196f., 210, 218,220 113
(s. a. Althebr.) Immobilien
Hebraistik 203f.
195 Imperativ (arab.)
Heirat 210
127 Imperfekt (arab.)
Henotheismus 210
131 Imperfektbasis
Herkunft 212
175 Imperfektform
Herkunftsadj ektiv 201
76 Imperfektname
Herkunftssuffix 209ff.
76
236 Indizes

Individualname Kopula
123 9
Indogermanisch Körperteil
14, 76, 78-80 34
Innovation Kosename
109ff., 126 172
Iranisch Kultgebäude
93 (s. a. Persisch) 15
Judentum Kultobjekt
204 15
Kappadokien Kulttoponym
78 14, 29, 44f.
Kappadokisch Kurzform
77 19, 21, 29, 32, 38, 41—45, 54f.,
Karer 64, 66, 136, 138
86 Kurzname
Karisch 6, 16f., 24,35,37, 46f., 58, 64,
85ff. 66, 97, 173, 175, 190
Kassiten (s. a. Abkürzung)
173 Lallname
Kasussystem 8, 10, 125f.
120 Langform
Kausativ 35, 44
216 Lehnwort
Kilikien 114
78 Lexem
Klage 185
124 Lexik, arabische
Klagename 211
173, 175 Lexikon
Kollektivname 109, 113, 117f., 120
186, 188 Literaten
Komitativ (sum.) 145
45,48 Literatursprache
komponierte Namen 113f., 118
81 logographisches Prinzip
Komposition 2
76, 81,98 Lokalgötter
Kompositname 119
\75f. Lokalpantheon
König 140
86 Lokativ-Terminativ (akk.)
Königsinschrift HO
119 Lokativ-Terminativ (sum.)
Königsname 9, 23, 32, 34
76 Loyalität
Königsname, basilophorer 145
92 Luwisch
Koptisch 76, 78ff„ 80
94 Libyerzeit
97
Indizes 237

Libysch Namenträger
98 8f., 11, 15,50, 86, 90, 92f, 109,
Lykisch 123f., 180, 189,217-221
78 Namentyp
Männemame 6, 9, 19, 22, 24, 46, 55, 145
173, 176ff., 213 Namenüberlieferung
Maskierung, graphische 213
80 Namenvergabe
Masora 171
186 Namenwahl
Matrix 171,200
13 natürliches Geschlecht
mehrgliedrige Namen 172,217
8,10,23,33 Nebenüberlieferung
metaphorisch 85ff.
17 Negation
Mimation 22,31,45
113 Neuägyptisch
Minäisch 95
97, 195, 199 Neuassyrisch
Mittelägypten 85, 109f., 117
85 Neubabylonisch
Mittelägyptisch 2, 85, 109f., 115,117
95 nickname
Mittelassyrisch s. Spitzname
109 Nisbe
Mittelbabylonisch 185
113, 117 nomenwertige Namen
Mittelsabäisch 8
195, 199 Nominalphrase
Mode 11
142 Nominalsatz
Modename 16,38,41
135 Nominalsatzname
Morphem 188
185 Nominativ
Morphologie 111,210
109, 117f., 120 Nordwestsemitisch
Musiker 51, 85ff.,211
2 Numerus
Mutter 185
171 Nunation (arab.)
Nachkommenschaft 210
51 Objekt
Namengeber 23,43,58,210
11, 171, 189, 218f., 221 öffentl ichkeitswirkung
Namenmode 205
123f. Orakel
Namensinhalt 90,20 lf.
126 Orthographie
6, 187, 119 (s. a. Archaismen)
238 Indizes

Örtlichkeit Phrygisch
34 77
Ortsbezeichnung Plural
41,43 217
Ortsname Plural Obliquus
76, 185-186, 188,210 112
(s. a. Toponym) politsch-ideologische Namengebung
Pantheon 205
8, 145, 197f. Polytheismus
(s. a. Lokalpantheon) 131
Papponymie Possessivartikel (äg.)
143, 203 96
Parallelbildung Possessivpronomen
29 49
paronomatische Namengebung Possessivsufifix
204 41,43
Partizip Postposition
51 42, 44
Passiv (arab.) Prädikat
214f. 55, 132,218, 220
Perfekt (akk.) prädikatives Namenelement
114, 118 180
Perfekt (arab.) Prädikatsnomina
210 16
Perfektname Präfix (sum.)
211 22
Periode Präfixkette (sum.)
173 22
Perser Präfixkonjugation
93 195, 197f.
Perserzeit Präfixvokal (arab.)
85, 97 21 lf.
Persisch präsargonisch
215 8f., 12-14, 20, 48, 50
Personenbezeichnung Präteritum (sem.)
14 222
Personenklasse Präteritum (akk.)
12 113f., 115, 118
Pförtner Präteritumfunktion
129 197
Philologen Prekativ (akk.)
213 115
Phöniker Priesterfamilie
86 143
Phönikisch Priesterin
87ff„ 93f. 2
phonographisches Prinzip Produktivität
2 196, 222
Phonologie Pronomen
109, 117f., 120 12, 34
Indizes 239

Prosopographie Schreibvariante
7, 125,211 4
Protohattisch Schul- und Literatursprache
79f. 118
Pseudonym Schutzgottheit, persönliche
172 8
Ptolemäerzeit Semitisch
92 s. Gemeinsemit.
Qataban Sex
199 172
Qatabanisch Siegel inhaber
195 128
Rechtsurkunde Siegellegende
119 20, 128
Reduplikation Siglen
19 55
Resultativ Sozialbezug
51 172
römisches Namensystem soziales Geschlecht
123 172
Rufname Sozio-Onomastik
172 173
Sabäer Spätaltbabylonisch
197 124
Sabäisch Spätbabylonisch
197,211 109, 115, 117, 119
Sabäistik Spätsabäisch
195, 200 203.216
Sache Spitzname
33 123, 146, 172
Sachobjekt Spottname
37,41 172
Sachverhalt, isoliert vergangener Stadtgottheit
112, 115 127, 135
Safaitisch Stadtname
220 136, 145
Sandhi Stamm
117 185
Satz Stammesname
93 217
Satzart Stammsilbe
188 212
Satzbauplan Statuette
189, 192 200
Satzname Status
9f, 13ff., 23,51,55,77,81, 185
174, 179 Subjekt
Schimpfname 43.55.210.216
172 Substantiv (hethit.)
Schreiber 76
2
240 Indizes

Substitution 188, 195, 197f., 201,210,217,


86, 89 219
Substrat Thronname
75, 79, 209 99,205 (s. a. Akzessionsname)
Südbabylonien Tiemame
111 212
Suffixpronomen Titel
65 19
Sumerisch Toponomastik
lff., 78, 111, 125, 137, 146 209
Sumerogramm Toponym
111 3, 15, 46, 55, 65, 100
Synomym (s. a. Kulttoponym, Ortsnamen)
94 Transkription
Syntagma 78, 95, 186f.
93 Transliteration
Syntax 186
109, 117f. tribale Namen
Syrien 209
2 Übersetzungsdilemma
Tabu 195
199 Ugarit
Tempelbeamte 174
129 Ugaritisch
Tempelname 220
2, 14, 138, 140, 145 Umbenennung
Tempelgemeinschaft 202
146 Umdeutung
Tempus 197, 223
110, 222 Umgangssprache
Terminativ 114, 118, 120
110, 113f. Umlaut
Texte, kultisch-literarische 116
119 Urgroßvater
Textil 143f.
34 Urkunde
Theologie 124
119 Vater
Theonym 171
10, 47f., 59, 173, 178,210 Vatemame
(s. a. Göttemamen) 123
theophore Bildung Ventiv (akk.)
77 23
theophore Namen
80, 92, 198,218 Verbalklasse
theophorer Bestandteil 213
100 Verballhornung
theophores Element 35
8, 19,94, 97, 119, 125-127, Verbalpräfix
13 lff., 139, 140ff., 145, 173, 43
Indizes 241

Verbalstamm Vorsumerisch
192,213 1
Verkürzung Vortonsilbe (karisch)
197 91
Vertrauen W estsemitisch
124 174, 196
Vertrauensname Wiedergabe, griechische
173, 175 95
Verwandtschaft Wohnort
123 ff. 142
Verwandtschaftsbezeichnung W ortart
16 190
Verwandtschaftsname Wortgruppenart
177 188
V erwandtschaftstermini W ortstellung
6, 14, 47,55 113f.
viergliedrige Namen Wunsch
24 124
Vokalharmonie (assyr.) Zärtlichkeitsname
116 146, 175
Vokallängung Zitierform
212 112
V olksetymologie Zitierkasus
200 111
Volksglaube zweigliedrige Namen
119 1 9 ,3 3 ,4 6
Vorfahren
142ff, 146
Ugarit-Verlag Münster
Ricarda-Huch-Straße 6, D-48161 Münster (www.ugarit-verlag.de)

Lieferbare Bände der Serien AOAT, AVO, ALASP(M), FARG, Eikon und ELO:

Alter Orient und Altes Testament (AOAT)


Herausgeber: Manfried DIETRICH - Oswald ĹORETZ

Bd. 43 Nils P. HEEßEL, Babylonisch-assyrische Diagnostik. 2000 (ISBN 3-927120-86-


3), XII +471 S. +2 Abb., e 98,17.
Bd. 44 Rykle B o r g er , Zeichenlexikon 2002 (ISBN 3-927120-82-0) (i.V.)
Bd. 245 Francesco Pomponio - Paolo X e l l a , Les dieux d ’Ebla. Étude analytique des
divinités éblaites à ľépoque des archives royales du Ille millénaire. 1997
(ISBN 3-927120-46-4), VII +551 S„ e 59,31.
Bd. 246 Annette ZGOLL, Der Rechtsfall der En-hedu-Ana im Lied nin-me-šara, 1997
(ISBN 3-927120-50-2), XII +632 S„ G 68,51.
Bd. 248 Religion und Gesellschaft. Studien zu ihrer Wechselbeziehung in den Kulturen
des Antiken Vorderen Orients. Veröffentlichungen des Arbeitskreises zur
Erforschung der Religions- und Kulturgeschichte des Antiken Vorderen Orients
(AZERKAVO), Band 1. 1997 (ISBN 3-927120-54-5), VIII +220 S., G 43,97.
Bd. 249 Karin REITER, Die Metalle im Alten Orient unter besonderer Berücksichtigung
altbabylonischer Quellen 1997 (ISBN 3-927120-49-9), XLVII +471 +160 S.
+ 1 Taf., G 72,60.
Bd. 250 Manfried D ietrich - Ingo K o ttsieper , Hrsg., "Und Mose schrieb dieses Lied
auf. Studien zum Alten Testament und zum Alten Orient. Festschrift Oswald
Loretz. 1998 (ISBN 3-927120-60-X), xviii +955 S., G 112,48.
Bd. 251 Thomas R. KÄMMERER, Šimã milka. Induktion und Reception der mittelbaby­
lonischen Dichtung von Ugarit Emār und Teil el-'Amăma. 1998 (ISBN 3-
927120-47-2), XXI +360 S„ e 60,33.
Bd. 252 Joachim M arzahn - Hans N eum ann , Hrsg., Assyriologica et Semitica.
Festschrift für Joachim OELSNER anliißlich seines 65. Geburtstages am 18.
Februar 1997. 2000 (ISBN 3-927120-62-6), xii +635 S. +Abb., e 107,88.
Bd. 253 Manfried D ietrich - Oswald L o r etz , Hrsg., dubsar anta-men. Studien zur
Altorientalistik. Festschrift fü r W.H.Ph. Römer. 1998 (ISBN 3-927120-63-4),
xviii +512 S., € 72,60.
Bd. 254 Michael JURSA, Der Tempelzehnt in Babylonien vom siebenten bis zum dritten
Jahrhundert v.Chr. 1998 (ISBN 3-927120-59-6), VIII +146 S., G 41,93.
Bd. 255 Thomas R. K ä m m er er - Dirk S chw idē RSKI, Deutsch-Akkadisches Wörter­
buch. 1998 (ISBN 3-927120-66-9), XVIII +589 S„ € 79,76.
Bd. 256 Hanspeter S ch au dig , Die Inschriften Nabonids von Babylon und Kyros' des
Großen 2001 (ISBN 3-927120-75-8), XLII +766 S.
Bd. 257 Thomas RICHTER, Untersuchungen zu den lokalen Panthea Süd- und Mittel­
babyloniens in altbabylonischer Zeit. 1999 (ISBN 3-927120-64-2), XXII +518
S., e 85,39.
Bd. 258 Sally A.L. BUTLER, Mesopotamian Conceptions ofDreams andDream Rituals.
1998 (ISBN 3-927120-65-0), XXXIX +474 S. +20 PI., G 75,67.
Bd. 259 R alf R o t h e n b u sc h , Die kasuistische Rechtssammlung im Bundesbuch und ihr
literarischer Kontext im Licht altorientalischer Parallelen 2000 (ISBN 3-
927120-67-7), IV +681 S„ G 65,10.
Bd. 260 Tamar Z e w i , A Syntactical Study o f Verbal Forms Ąffixed by -n(n) Endings in
Classical Arabic, Biblical Hebrew, El-Amama Akkadian and Ugaritic. 1999
(ISBN 3-927120-71-5), VI +211 S„ G 48,06.
Bd. 261 Hans-Günter BUCHHOLZ, Ugarit, Zypern und Ägäis - Kulturbeziehungen im
zweiten Jahrtausend v.Chr. 1999 (ISBN 3-927120-38-3), XIII +812 S., 116
Tafeln, G 109,42.
Bd. 262 Willem H.Ph. RÖMER, Die Sumerologie. Einführung in die Forschung und
Bibliographie in Auswahl (zweite, erweiterte Auflage). 1999 (ISBN 3-927120-
72-3), XII +250 S„ G 61,36.
Bd. 263 Robert ROLLINGER, Frühformen historischen Denkens. Geschichtsdenken
Ideologie und Propaganda im alten Mesopotamien am Übergang von der Ur-
III zur Isin-Larsa Zeit (ISBN 3-927120-76-6)(i.V.)
Bd. 264 Michael P. S t r e c k , Die Bildersprache der akkadischen Epik. 1999 (ISBN 3-
927120-77-4), 258 S., G 61,36.
Bd. 265 Betina I. F a is t , Der Fernhandel des assyrischen Reichs zwischen dem 14. und
II. Jahrhundert v. Chr., 2001 (ISBN 3-927120-79-0), XXII +322 S. +5 Tf„
G 72,09.
Bd. 266 Oskar K a ELIN, Ein assyrisches Bildexperiment nach ägyptischem Vorbild. Zu
Planung und Ausführung der „Schlacht am Ulai". 1999 (ISBN 3-927120-80-
4), 150 S„ Abb., 5 Beilagen, G 49,08.
Bd. 267 Barbara B ö CK, Eva C a n c ik -K ir s c h b a u m , Thomas R ic h t e r , Hrsg., Munuscu-
la Mesopotamien Festschrift für Johannes Renger, 1999 (ISBN 3-927120-81-
2), XXIX +704 S„ Abb., G 124,76.
Bd. 268 Yushu G ong , Die Namen der Keilschriftzeichen 2000 (ISBN 3-927120-83-9),
VIII +228 S„ G 44,99.
Bd. 269/1 Manfried D ietrich - Oswald L o retz , Studien zu den ugaritischen Texten I:
Mythos und Ritual in KTU 1.12, 1.24, 1.96, 1.100 und 1.114. 2000 (ISBN 3-
927120-84-7), XIV +554 S„ G 89,99.
Bd. 270 Andreas SCHULE, Die Syntax der althebräischen Inschriften Ein Beitrag zur
historischen Grammatik des Hebräischen 2000 (ISBN 3-927120-85-5), IV +
294 S„ G 63,40.
Bd. 271/1 Michael P. STRECK, Das amurritische Onomastikon der altbabylonischen Zeit
1: Die Amurrite r die onomastische Forschung, Orthographie und Phonologie,
Nominalmorphologie. 2000 (ISBN 3-927120-87-1), 414 S., G 75,67.
Bd. 272 Reinhard D ittm ann - Barthel Hrouda - Ulrike Löw - Paolo M atth iae -
Ruth M a YER-Opificius - Sabine THÜRWÄCHTER, Hrsg., Variatio Delectat -
Iran und der Westen Gedenkschrift für Peter CALMEYER. 2001 (ISBN 3-
927120-89-8), XVIII +768 S. +2 Faltb., G 114,53.
Bd. 273 Josef TROPPER, Ugaritische Grammatik. 2000 (ISBN 3-927120-90-1), XXII +
1056 S., G 100,21.
Bd. 274 Festschrift für B. Kienast. 2001 (ISBN 3-927120-9l-X)(i.V.)
Bd. 275 Petra G ē SCHE, Schulunterricht in Babylonien im ersten Jahrtausend v.Chr
2001 (ISBN 3-927120-93-6), xxxiv +820 S. +xiv Tf„ G 112,48.
Bd. 276 Willem H.Ph. RÖMER, Hymnen und Klagelieder in sumerischer Sprache. 2001
(ISBN 3-927120-94-4), xi +275 S., G 66,47.
Bd. 277 Corinna F r ie d l , Polygynie in Mesopotamien und Israel. Sozialgeschichtliche
Analyse polygamer Beziehungen anhand rechtlicher Texte aus dem 2. und 1.
Jahrtausend v.Chr. 2000 (ISBN 3-927120-95-2), 325 S„ € 66,47.
Bd. 278/1 Alexander M ilita rev - Leonid KOGAN, Semitic Etymological Dictionary. Vol.
I: Anatomy of Man and Animais. 2000 (ISBN 3-927120-90-1), cliv +425 S.,
G 84,87.
Bd. 279 Kai A. METZLER, Tempora in altbabylonischen literarischen Texten 2002
(ISBN 3-934628-03-6), xvii +964 S„ G 122,-.
Bd. 280 Beat Hu w y ler - Hans-Peter M ath ys - Beat W eb e r , Hrsg., Prophetie und
Psalmen Festschrift für Klaus SEYBOLD zum 65. Geburtstag. 2001 (ISBN 3-
934628-01-X), xi +315 S„ 10 Abb., G 70,56.
Bd. 281 Oswald L o retz - Kai METZLER - Hanspeter S ch au dig , Hrsg., Ex Mesopota­
mia et Syria Lux. Festschrift f ü r Manfried D ie t r ic h zu seinem 65. Geburtstag.
2002 (ISBN 3-927120-99-5), XXXV +950 S. +Abb., G 138,00.
Bd. 282 Frank T. Z e e b , Die Palastwirtschaft in Altsyrien nach den spätaltbabyloni­
schen Getreidelieferlisten aus Alalah (Schicht VII). 2001 (ISBN 3-934628-05-
2), XIII +757 S., G 105,33.
Bd. 283 Rüdiger SCHMITT, Bildhafte Herrschaftsrepräsentation im eisenzeitlichen
Israel. 2001 (ISBN 3-934628-06-0), VIII +231 S „ G 63,40.
Bd. 284/1 David M. CLEMENS, Sources for L/garitic Ritual and Sacrifice. Vol. I: Ugaritic
and Ugarit Akkadian Texts. 2001 (ISBN 3-934628-07-9), XXXIX +1407 S.,
G 128,85.
Bd. 285 Rainer A l b e r t z , Hrsg., Kult, Konflikt und Versöhnung. Beiträge zur kulti­
schen Sühne in religiösen sozialen und politischen Auseinandersetzungen des
antiken Mittelmeerraumes. Veröffentlichungen des AZERKAVO / SFB 493,
Band 2. 2001 (ISBN 3-934628-08-7), VIII +332 S„ G 70,56.
Bd. 286 Johannes F. Diehl , Die Fortführung des Imperativs im Biblischen Hebräisch.
2002 (ISBN 3-934628-19-2) (i.D.)
Bd. 287 Otto RÖSSLER, Gesammelte Schriften zur Semitohamitistik, Hrsg. Th. Schnei­
der. 2001 (ISBN 3-934628-13-3), 848 S., G 103,-.
Bd. 288 A. K a ssia n , A. KoROLËvt, A. S id e l ’TSEV, Hittite Funerary Ritual šalliš
waštaiš. 2002 (ISBN 3-934628-16-8), ix +973 S., G 118,-.
Bd. 289 Zipora C o ch a vi -R a in e y , The Alashia Texts from the I4,h and 13lh Centuries
BCE. A Textual and Linguistic Study. 2002 (ISBN 3-934628-17-6), xi + 132
S. (i.D.)
Bd. 290 Oswald L o r etz , Götter - Ahnen - Könige als gerechte Richter. Der "Rechts­
fall" des Menschen vor Gott nach altorientalischen und biblischen Texten
2002 (ISBN 3-934628-18-4) (i.D.)
Bd. 291 Rocío Da R iv a , Der Ebabbar-Tempel von Sippar in frühneubabylonischer Zeit
(640-580 v. Chr.), 2002 (ISBN 3-934628-20-6), xxxi +486 S. + xxv* Tf.
(i.D.)
Bd. 292 Achim BEHRENS, Prophetische Visionsschilderungen im Alten Testament.
Sprachliche Eigenarten Funktion und Geschichte einer Gattung. 2002 (ISBN
3-934628-21-4) (i.D.)
Bd. 293 Amulf Ha u sleit er - Susanne KERNER - Bernd MÜLLER-NEUHOF, Hrsg.,
Material Culture and Mental Sphere. Rezeption archäologischer Denkrichtun­
gen in der Vorderasiatischen Altertumskunde. Internationales Symposium für
Hans J. Nissen Berlin 23.-24. Juni 2000. 2002 (ISBN 3-934628-22-2), xii +
391 S„ G 88,-.
Bd. 294 Klaus K iesow - Thomas M eu r er , Hrsg., „Textarbeit“. Studien zu Texten und
ihrer Rezeption aus dem Alten Testament und der Umwelt Israels. Festschrift
für Peter WEIMAR zur Vollendung seines 60. Lebensjahres. 2002 (ISBN 3-
934628-23-0) (i.D.)
Bd. 295 Galo W. V era C hamaza , Die Omnipotenz Aššurs. Entwicklungen in der
Aššur-Theologie unter den Sargoniden Sargon II, Sanherib und Asarhaddon.
2002 (ISBN 3-934628-24-9), 584 S„ G 97,-.
Bd. 296 Michael P. S tr eck - Stefan W eninger , Hrsg., Altorientalische und semitische
Onomastik 2002 (ISBN 3-934628-25-7), vii +241 S. (i.D.)

Elementa Linguarum Orientìs (ELO)


Herausgeber: J o s e f TROPPER - R ein h a rd G. LEHMANN

Bd. 1 Josef TROPPER, Ugaritisch. Kurzgefasste Grammatik mit Übungstexten und Glossar.
2002 (ISBN 3-934628-17-6), xii +168 S„ G 28,-.

Altertumskunde des Vorderen Orients (AVO)


Herausgeber: M a n fried D ie t r ic h - R ein h a rd D it t m a n n - O sw a ld LORETZ

Bd. 1 Nadja C h o lidis , Möbel in Ton 1992 (ISBN 3-927120-10-3), XII +323 S. +46
Taf., G 60,84.
Bd. 2 Ellen REHM, Der Schmuck der Achämeniden 1992 (ISBN 3-927120-11-1), X +358
S. +107 Taf., G 63,91.
Bd. 3 Maria K r a feld -D a u g h erty , Wohnen im Alten Orient 1994 (ISBN 3-927120-16-
2), x +404 S. +41 Taf., G 74,65.
Bd. 4 Manfried D ietrich - Oswald L o retz , Hrsg., Festschrift für Ruth Mayer-Opificius.
1994 (ISBN 3-927120-18-9), xviii +356 S. +256 Abb., G 59,31.
Bd. 5 Gunnar LEHMANN, Untersuchungen zur späten Eisenzeit in Syrien und Libanon
Stratigraphie und Keramikformen zwischen ca. 720 bis 300 v.Chr 1996 (ISBN 3-
927120-33-2), x +548 S. +3 Karten +113 Tf., G 108,39.
Bd. 6 Ulrike LÖW, Figürlich verzierte Metallgefäße aus Nord- und Nordwestiran - eine
stilkritische Untersuchung. 1998 (ISBN 3-927120-34-0), xxxvii + 663 S. + 107
Taf., G 130,89.
Bd. 7 Ursula M agen - Mahmoud R a sh a d , Hrsg., Vom Halys zum Euphrat Thomas
Beran zu Ehren 1996 (ISBN 3-927120-41-3), XI +311 S„ 123 Abb., G 71,07.
Bd. 8 Eşref ABAY, Die Keramik der Frühbronzezeit in Anatolien mit »syrischen Affinitä­
ten«. 1997 (ISBN 3-927120-58-8), XIV +461 S., 271 Abb.-Taf., G 116,57.
Bd. 9 Jürgen SCHREIBER, Die Siedlungsarchitektur auf der Halbinsel Oman vom 3. bis zur
Mitte des 1. Jahrtausends v.Chr. 1998 (ISBN 3-927120-61-8), XII + 253 S„
G 53,17.
Bd. 10 Iron Age Pottery in Northern Mesopotamia, Northern Syria and South-Eastem
Anatolia. Ed. Arnulf H au sleit er and Andrzej REICHE. 1999 (ISBN 3-927120-78-
2), XII +491 S„ G 117,60.
Bd. 11 Christian GREWE, Die Entstehung regionaler staatlicher Siedlungsstrukturen im
Bereich des prähistorischen Zagros-Gebirges. Eine Analyse von Siedlungsverteilun­
gen in der Susiana und im Kur-Flußbecken. 2002 (ISBN 3-934628-04-4), x +580
S. +1 Faltblatt (i.D.)
Abhandlungen zur Literatur Alt-Syrien-Palästinas
und Mesopotamiens (ALASPM)
Herausgeber: Manfried DIETRICH - Oswald LORETZ

Bd. 1 Manfried D ietrich - Oswald L o r etz , Die Keilalphabete. 1988 (ISBN 3-927120-
00-6), 376 S„ G 47,55.
Bd. 2 Josef T ropper , D er ugaritische Kausativstamm und die Kausativbildungen des
Semitischen 1990 (ISBN 3-927120-06-5), 252 S., € 36,30.
Bd. 3 Manfried D ietrich - Oswald L o retz , Mantik in Ugarit. Mit Beiträgen von Hilmar
W. Duerbeck - Jan-Waalke Meyer - Waltraut C. Seitter. 1990 (ISBN 3-927120-05-
7) , 320 S„ G 50,11.
B d. 5 Fred R en fro e , Arabic-Ugaritic Lexical Studies. 1992 (ISBN 3-927120-09-X). 212
S., G 39,37.
Bd. 6 Josef T ropper , Die Inschriften von Zincirli. 1993 (ISBN 3-927120-14-6). XII +364
S„ G 55,22.
Bd. 7 Ugarit - ein ostmediterranes Kulturzentrum im Alten Orient. Ergebnisse und Per­
spektiven der Forschung. Vorträge gehalten während des Europäischen Kolloquiums
am 11.-12. Februar 1993, hrsg. von Manfried Dietrich und Oswald L oretz .
Bd. I: Ugarit und seine altorientalische Umwelt 1995 (ISBN 3-927120-17-0). XII
+298 S., G 61,36.
Bd. II: H.-G. B u chholz , Ugarit und seine Beziehungen zur Ägäis. 1999 (ISBN 3-
927120-38-3): AOAT 261.
Bd. 8 Manfried D ietrich - Oswald L o r etz - Joaquín S an m artín , The Cuneiform
Alphabetic Texts from Ugarit Ras Ibn Hani and Other Places. (KTU: second,
enlarged edition). 1995 (ISBN 3-927120-24-3). XVI +666 S„ G 61,36.
Bd. 9 Walter M a y e r , Politik und Kriegskunst der Assyrer. 1995 (ISBN 3-927120-26-X).
XVI +545 S. G 86,92.
Bd. 10 Giuseppe VISICATO, The Bureaucracy o f Šuruppak Administrative Centres, Central
Offices, Intermediate Structures and Hierarchies in the Economic Documentation of
Fara. 1995 (ISBN 3-927120-35-9). XX +165 S. G 40,90.
Bd. 11 Doris PRECHEL, Die Göttin Išhara. Ein Beitrag zur altorientalischen Religions­
geschichte. 1996 (ISBN 3-927120-36-7) — Neuauflage geplant in AOAT.
Bd. 12 Manfried D ietrich - Oswald L o r etz , A Word-Ust of the Cuneiform Alphabetic
Texts from Ugarit Ras Ibn Hani and Other Places (KTU: second enlarged edition).
1996 (ISBN 3-927120-40-5), x +250 S., G 40,90.

Forschungen zur Anthropologie und Religionsgeschichte


(FARG)
Herausgeber: Manfried DIETRICH - Oswald ĹORETZ

Bd. 27 Jehad ABOUD, Die Rolle des Königs und seiner Familie nach den Texten von
Ugarit 1994 (ISBN 3-927120-20-0), XI +217 S., G 19,68.
Bd. 28 Azad HAMOTO, Der Affe in der altorientalischen Kunst 1995 (ISBN 3-927120-30-
8) , XII +147 S. +25 Tf. mit 155 Abb., G 25,05.
Bd. 29 Engel und Dämonen Theologische, anthropologische und religionsgeschichtliche
Aspekte des Guten und Bösen. Hrsg, von Gregor A hn - Manfried D ietrich , 1996
(ISBN 3-927120-31-6), XV +190 S., (vergr.)
Bd. 30 Matthias B. L a u er , "Nachhaltige Entwicklung" und Religion Gesellschaftsvisionen
unter Religionsverdacht und die Frage der religiösen Bedingungen ökologischen
Handelns. 1996 (ISBN 3-927120-48-0), VIII +207 S„ e 18,41.
Bd. 31 Stephan A hn, Sǿren Kierkegaards Ontologie der Bewusstseinssphären Versuch
einer multidisziplinären Gegenstandsuntersuchung. 1997 (ISBN 3-927120-51-0),
XXI +289 S„ e 23,52.
Bd. 32 Mechtilde B oland , Die Wind-Atem-Lehre in den älteren Upanişaden 1997 (ISBN
3-927120-52-9), XIX +157 S., e 18,41.
Bd. 33 Religionen in einer sich ändernden Welt Akten des Dritten Gemeinsamen Sym­
posiums der Th e o l o g is c h e n F a k u l t ä t d e r U n iv e r s it ä t Ta r t u und der D e u t ­
s c h e n R e l ig io n s g e s c h ic h t l ic h e n S t u d ie n g e s e l l s c h a f t am 14. und 15. November
1997. Hrsg, von Manfried D ietrich , 1999 (ISBN 3-927120-69-3), X +163 S„ 12
Abb., e 16,87.
Bd. 34 Endzeiterwartungen und Endzeitvorstellungen in den verschiedenen Religionen
Akten des Vierten Gemeinsamen Symposiums der THEOLOGISCHEN FAKULTÄT DER
U n iv e r s it ä t Ta r t u und der D e u t s c h e n R e l ig io n s g e s c h ic h t l ic h e n S t u d ie n g e ­
s e l l s c h a f t am 5. und 6. November 1999. Hrsg, von Manfried DIETRICH, 2001

(ISBN 3-927120-92-8), IX +223 S., ĉ 16,87.


Bd. 35 Maria Grazia L a n cello t ti , The Naassenes. A Gnostic Identity Among Judaism,
Christianity, Classical and Ancient Near Eastem Traditions. 2000 (ISBN 3-927120-
97-9), X I I +416 S . , e 36,81.
Bd. 36 Die Bedeutung der Religion ftĩr Gesellschaften in Vergangenheit und Gegenwart-
Akten des Fünften Gemeinsamen Symposiums der THEOLOGISCHEN F a k u l t ä t d e r
U n iv e r s it ä t Ta r t u und der D e u t s c h e n R e u g io n s g e s c h ic h t u c h e n St u d ie n g e ­
s e l l s c h a f t am 2. und 3. November 2001. Hrsg, von Manfried D ietrich , 2001
(ISBN 3-934628- 15-X) (i.V.)

Eikon
Beiträge zur antiken Bildersprache
Herausgeber: Klaus S t ä h le r

Bd. 1 Klaus S tä h ler , Griechische Geschichtsbilder klassischer Zeit. 1992 (ISBN 3-


927120-12-X), X +120 S. +8 Taf., e 20,86.
Bd. 2 Klaus S t ä h ler , Form und Funktion Kunstwerke als politisches Ausdrucksmittel.
1993 (ISBN 3-927120-13-8), VIII + 131 S. mit 54 Abb., € 21,99.
Bd. 3 Klaus S t ä h ler , Zur Bedeutung des Formats. 1996 (ISBN 3-927120-25-1), ix +118
S. mit 60 Abb., e 24,54.
Bd. 4 Zur graeco-skythischen Kunst. Archäologisches Kolloquium Münster 24.-26. Novem­
ber 1995. Hrsg.: Klaus STÄHLER, 1997 (ISBN 3-927120-57-X), IX +216 S. mit
Abb., e 35,79.
Bd. 5 Jochen Fo r n a sier , Jagddarstellungen des 6.-4. Jhs. v. Chr. Eine ikonographische
und ikonologische Analsyse. 2001 (ISBN 3-934628-02-8), XI +372 S. +106 Abb.,
e 54,19.
Bd. 6 Klaus S tä h ler , Der Herrscher als Pflüger und Säer: Herrschaftsbilder aus der
Pflanzenwelt 2001 (ISBN 3-934628-09-5), xii +332 S. mit 168 Abb., e 54,19.

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