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Kramer, Johannes (1998): „Die Sprache Gibraltars.

Le Yanito“, in: Holtus, Günter/Metzeltin, Michael/Schmitt, Christian


(Hgg.): Lexikon der Romanistischen Linguistik (LRL) Bd. VII. Kontakt, Migration und Kunstsprachen. Kontrastivität,
Klassifikation und Typologie. Tübingen: Max Niemeyer, 310-316.

310 VII. Kontakt, Migration und Kunstsprachen

471. Die Sprache Gibraltars wirklich eingehalten, so daß in der Mitte des
18. Jh. die Zahl der Juden (575) der der Genue-
Le Yanito
sen (597) fast gleichkam (Howes 1982, 3). Die
Juden kamen meist aus Marokko und bedienten
1. Charakteristik der Sprachsituation Gibraltars
2. Äußere Sprachgeschichte Gibraltars
sich als Umgangssprache der nordafrikanischen
3. Die soziolinguistische Situation in Gibraltar Variante des Judenspanischen (Kramer 1987,
4. Charakteristika der Sprache Gibraltars 50-51), die sich bekanntlich durch zahlreiche
5. Desiderata Andalusismen auszeichnet (Wagner 1931, 225).
6. Anhang: ein Text aus Gibraltar Der Zustrom von Spaniern war zunächst be-
7. Bibliographie scheiden, weil es viele juristische Restriktionen
gab, die allerdings nie so scharf befolgt wurden,
1. Charakteristik der Sprachsituation Gibraltars wie sie klangen (Howes 1982, 12-13). Die Zahl
der ansässigen Spanier betrug 1753 nur 185 bei
Gibraltar stellt in Europa den einzigen Fall einer einer Gesamtzivilbevölkerung von 1816 Perso-
typisch kolonialen Sprachgeschichte (Vertrei- nen (Howes 1982,3); man darf aber eine gewisse
bung der ursprünglichen Bevölkerung, Neube- Dunkelziffer sowie die sicherlich zahlreichen
siedlung durch Menschen unterschiedlicher Her- Grenzgänger nicht außer acht lassen.
kunft und Sprachzugehörigkeit, Übernahme der Die Bevölkerungszusammensetzung Gibral-
verbreitetsten Verkehrssprache der Region bei tars in der zweiten Hälfte des 18. Jh. wird von
starker Beeinflussung durch die Sprache der Ko- einem Zeitgenossen, Don Ignacio L6pez de Aya-
lonialmacht) dar. Heute gehört Gibraltar wie et- la (1782, 373-374), wie folgt beschrieben:
wa einige Gebiete der USA (Puerto Rico, frühere
mexikanische Südstaaten, Teile von New York) «Ademas de la guarnicion habitan en tiempo de paz
und frühere Teile des britischen Empire (Belize) corno tres mil personas de ambos sexos i de todas eda-
zu den Gebieten, wo Diglossie zwischen Englisch des: quinientos son lngleses, corno mil Judios, i hasta
mii quatrocientos Catolicos Portugueses, ltalianos, al-
(high variety) und Spanisch (low variety) besteht,
gunos Espaiioles, i la mayor parte Ginoveses .... Las
wobei eine starke Beeinflussung des Spanischen casas mas ricas son lnglesas, i ademas de los militares, i
durch das Englische festzustellen ist. otros empleados por el gobierno, hai lngleses de varios
oficios, i con casas de posada. Los J udios son por la
mayor parte tenderos 6 corredores, tan puntuales alli
2. Äußere Sprachgeschichte Gibraltars corno en todas partes en engaiiar, i prestarse a las logre-
rias mas enormes .... Los Ginoveses son mercaderes, i
Die eigenständige, vom andalusischen Hinter- en mayor numero pescadores, marineros i hortelanos, i
land zu unterscheidende Sprachgeschichte Gi- tante estos corno los Judios hablan bien 6 mal el Caste-
braltars beginnt am 4. August 1704, als Sir lIano e lngles, i un dialecto 6 jerga comun a todas las
George Rooke die Kapitulation des spanischen naciones, sin excIuir las Africanas».
Befehlshabers der Garnison entgegennahm; fast
alle Einwohner der Stadt folgten den abziehen- Es herrschte also bereits im 18. Jh. eine weitver-
den Soldaten, obwohl ihnen Wohnrecht zugesi- breitete Mehrsprachigkeit, wobei sich offenbar
chert worden war (Schneider 1939, 22-24). Es bereits Englisch und Spanisch als Verkehrsspra-
blieben etwa dreißig Familien zurück, bei denen chen herauszukristallisieren begannen; daneben
es sich meist um Fischer genuesischer Herkunft fungierte auch noch die «lingua franca», die L6-
und Muttersprache handelte (Howes 1982, 2). pez de Ayala mit seinem «dialecto 0 jerga comun
Als Gibraltar im Vertrag von Utrecht 1713 auch a todas las naciones» wohl meinen muß, als Hilfs-
rechtlich an die britische Krone abgetreten wur- sprache, von der wir jedoch später nichts mehr
de, machten Genuesen bei weitem den größten hören (Kramer 1987, 53).
Teil der Zivilbevölkerung aus (Kramer 1986, Einen entscheidenden Einschnitt in die Ge-
263). schichte Gibraltars stellt die "Große Belagerung"
Die offizielle Sprache wurde natürlich das Eng- ("Great Siege", 13.9. 1779-12.3. 1783) dar, vor
lische, und Englisch war die Sprache, in der die der ein Teil der Bevölkerung die Stadt verlassen
neuen Herren mit allen ihren Untertanen ver- hatte, während die Zurückgebliebenen in enge-
kehrten. Die Genuesen behielten ihr Genuesisch ren Kontakt mit der britischen Garnison kamen,
bei; bis 1836 erschienen sogar Bekanntmachun- als es bis dahin üblich gewesen war, wodurch die
gen, die für die Bevölkerung bestimmt waren, auf Stellung des Englischen durchaus gestärkt wurde.
Italienisch (CaviIla 1978,4). Für die Sprachgeschichte Gibraltars waren die
Die erste größere spanischsprachige Gruppe ersten Jahre des 19. Jh. entscheidend. Die Kon-
der Bevölkerung waren die sephardischen Juden. takte zum Hinterland wurden immer enger, weil
Artikel 5 des Vertrages von Utrecht untersagte Gibraltar nahezu seinen gesamten Bedarf von
zwar den Aufenthalt von Juden und Arabern in dort bezog. Wirtschaftlich ging es Gibraltar weit
Gibraltar, aber diese Bestimmung wurde nie besser als den kleinen andalusischen Städtchen
471. Die Sprache Gibraltars 311

der Umgebung, was einen beständigen Zustrom 51). Jedenfalls ist ebenfalls spätestens vom Be-
spanischer Arbeitskräfte bewirkte. Eine beson- ginn des 19. Jh. an davon auszugehen, daß die
dere Rolle spielte hier das meist weibliche Haus- Umgangssprache der einheimischen luden Gi-
personal, das oft in einheimische Familien einhei- braltars sich nicht mehr von der Umgangssprache
ratete (West 1956, 152). der Katholiken unterschied, wenn man einmal
Eine wichtige Rolle für die Sprachentwicklung vom religiösen Sonderwortschatz absieht.
hatte sicherlich die katholische Kirche, die nie Das Spanische südandalusischer Prägung war
aufgehört hatte, sich des Spanischen zu bedienen, es also, das sich seit Beginn des 19. Jh. in Gibral-
während etwa das Italienische in den Kirchen tar als Umgangssprache durchsetzte, obwohl der
Gibraltars kein Heimatrecht bekam. Der Klerus Anteil der Spanischstämmigen an der Bevölke-
kam bis in die Dreißigerjahre des 19. Jh. norma- rung der Stadt sogar damals noch weniger als ein
lerweise aus Spanien; erst dann nahm der Einfluß Drittel betrug (Dennis 1977, 104). Es gibt drei
des britischen Episkopats zu. Gründe dafür, warum sich nicht das Englische als
Unter diesen Umständen ist die Sprachloyali- Umgangssprache durchsetzen konnte:
tät der Genuesen sicher als gering einzustufen.
Wenn selbst 1860 die Analphabetenquote - und 1. Die Katholische Kirche verwendete das Spa-
das bedeutet ja zugleich Quote derer, die nur nische, während das Englische die Sprache der
Dialekt und nicht die Nationalsprache beherr- Protestanten war (erst um 1830 begann das
schen - in Ligurien noch 54% betrug (De Mauro britische Episkopat sich um Gibraltar zu küm-
1976,43 und 95), dann kann man sich vorstellen, mern und englischsprachigen Klerus zu ent-
daß von den genuesischen Fischern Gibraltars senden).
kaum jemand die italienische Schriftsprache be-
2. Die übergroße Mehrheit der Katholiken war
herrschte (Kramer 1985, 93). Der genuesische romanischer Muttersprache (italienische, ka-
Dialekt steht außerdem relativ fern von der italie-
talanische, spanische und portugiesische Va-
nischen Schriftsprache, während er durchaus rietäten), so daß die Konvergenz in Richtung
einige Gemeinsamkeiten mit dem Spanischen auf eine romanische Sprache - und natürlich
aufweist (Kramer 1987, 48). Es ist also keines-
auf die in der Gesamtregion vorherrschende -
wegs verwunderlich, daß die Genuesen im Ver-
viel näher lag als das abrupte Aufgeben der
laufe einiger Generationen ihre eigene Sprache
eigenen Sprache zugunsten des strukturell völ-
aufgaben und das andalusische Spanisch über-
lig verschiedenen und daher keine Übergangs-
nahmen. Man muß ja auch bedenken, daß ange-
formen erlaubenden Englischen.
sichts der sprachlichen Nähe zwischen den beiden
romanischen Idiomen Übergangs- und Mischfor- 3. Gibraltar ist zu klein, um eine sprachliche Ab-
men durchaus denkbar sind. So gibt es im Tief- kapselung vom Hinterland zu ermöglichen.
land des Rio de la Plata ein «Cocoliche» genann- Das Englische hätte als Umgangssprache nur
tes Italo-Spanisch (Meo Zilio 1964; -7 484, in einem größeren Territorium eine Chance
5.2.5.), und bekanntlich schrieb auch der Genue- gehabt. "If the population of Gibraltar had
se Columbus immer nur ein mit Italianismen und been spread over a larger area, even as far as
Lusitanismen durchsetztes Spanisch, während La Linea at the northern end of the peninsula,
der einzige Text von seiner Hand, der italienisch its history might have been very different",
gehalten ist, zeigt, wie wenig ihm die Schriftspra- bemerkt Michael West (1956, 151) völlig zu
che vertraut war (Malmberg 1970, 55-58). Recht.
In Gibraltar erfolgte das endgültige Aufgeben
des Genuesischen erst im ersten Drittel des Die Tatsache, daß das Englische nicht zur alltägli-
19.1h. (Cavilla 1978,4: Kramer 1987, 56), wobei chen Umgangssprache der Einheimischen wurde,
man sich vorstellen muß, daß der Übergang zum bedeutet aber noch lange nicht, daß seine Rolle
Spanischen nicht abrupt, sondern allmählich im unbedeutend wäre. Das Gegenteil ist vielmehr
Laufe von zwei Generationen und wohl unter der Fall.
Zwischenschaltung einer Mischform erfolgte. Zunächst ist festzuhalten, daß Gibraitar seit
Für die Juden lag das Aufgeben ihrer eigen- dem frühen 19. Jh. ein ausgezeichnetes Schulsy-
ständigen Sprachform, die ja mit dem Andalusi- stem hat, in dem gründliche Erlernung der engli-
schen eng verwandt ist (Wagner 1931,225), noch schen Sprache von Anfang an höchste Priorität
näher. Die Tatsache, daß das Judenspanische genoß (Kramer 1987, 31-46); alle von Hause aus
aufgrund seiner größeren Archaizität Gemein- spanischsprachigen Bürger Gibraitars (auch die
samkeiten mit dem Italienischen aufweist, die das Frauen, denn Mädchenschulbesuch war immer
Spanische seit dem 16. Jh. abgelegt hat (Wagner selbstverständlich) verstehen und sprechen also
1914, 152), mag dazu beigetragen haben, daß die zumindest bis zu einem gewissen Grade das Eng-
sprachlichen Gegensätze zu den Genuesen nicht lische. Für die von Hause aus englischsprachigen
als gravierend angesehen wurden (Kramer 1987, Einwohner Gibraltars (durchschnittlich zwischen
312 VlI. Kontakt, Migration und Kunstsprachen

einem Viertel und einem Fünftel der Zivilbevöl- so wahrscheinlich, daß man sich entschloß, die
kerung, außerdem noch die Soldaten der Garni- gesamte Zivilbevölkerung zu evakuieren. Das er-
son) gilt nicht etwa umgekehrt das Gleiche: Spa- ste Ziel war Französisch-Marokko, aber nach
nischkenntnisse sind nicht sehr verbreitet. Somit Frankreichs Kapitulation im Juli 1940 mußten die
ist das Englische die übliche Verständigungsspra- Flüchtlinge das Land wieder verlassen: einige
che zwischen Bürgern britischer und mediterra- gingen ins internationale Tanger oder auf das
ner Herkunft. portugiesische Madeira, aber die meisten kamen
Das Englische war und ist die einzige Sprache, nach Großbritannien, einige auch in britische Ko-
die im öffentlichen Leben eine Rolle spielt. Alles, lonien wie Jamaika oder die Bahamas (Kramer
was über den Familien- und Bekanntenkreis hin- 1987,39-40).
ausgeht, abgesehen vom kirchlichen Bereich, Diese Massenevakuierung hatte selbstver-
spielt sich in englischer Sprache ab. Besonders ständlich auch große sprachliche Auswirkungen:
wichtig ist es, daß von jeher das Englische als wenn auch infolge der Zusammenfassung der
ausschließliche Schriftsprache fungiert. Durch Flüchtlinge in Lager der Kontakt mit der einhei-
die starke Ausrichtung des Schulsystems auf die mischen Bevölkerung meist nicht sehr eng war, so
Erlernung des Englischen haben sogar viele spa- spielte doch die Tatsache, daß man nun einige
nischsprachige Einwohner Gibraltars Schwierig- Jahre in einer englischsprachigen Umgebung leb-
keiten, korrekt spanisch zu schreiben, und sie te, für die Festigung der Stellung des Englischen
ziehen auch für ihre privaten Aufzeichnungen das eine große Rolle. Es ist auch wichtig, daß man
Englische vor. Zeitungen, Zeitschriften, Bücher trotz aller Unannehmlichkeiten das Gefühl be-
usw. wurden und werden nicht aus Spanien, son- kam, ein anerkanntes Mitglied der anglophonen
dern aus dem englischsprachigen Raum bezogen, Gemeinschaft zu sein: "many Gibraltarians have
und die einheimischen Medien (Tageszeitung, memo ries of being warmly welcomed" (Dennis
Wochenzeitung, Rundfunk, Fernsehen) sind na- 1977,91).
hezu ausschließlich in Englisch gehalten (Kramer Nach der Heimkehr der Flüchtlinge (die letz-
1985,94). ten kamen erst 1951 zurück, Dennis 1977,95) war
Die äußere Sprachgeschichte Gibraltars im die Stellung des Englischen stärker als vorher: die
20. Jh. ist von einem ständigen Ansteigen der Schule wurde jetzt nicht mehr, wie bis dahin üb-
Bedeutung des Englischen in allen Sektoren des lich, mit Spanisch begonnen, von wo aus man
Lebens und von einer immer eindeutigeren Zu- langsam zum Englischen überleitete, sondern es
rückdrängung des Spanischen auf die Ebene der wurde rein englischer Unterricht von der ersten
rein privaten, informellen Umgangssprache ge- Klasse an eingeführt, übrigens mit voller Zustim-
kennzeichnet, wobei dieser Prozeß von der Zu- mung der Bevölkerung, die sich eher daran stieß,
stimmung des überwiegenden Teiles der Bevöl- daß überhaupt noch etwas Raum für Spanischun-
kerung getragen ist. terricht reserviert wurde (Kramer 1987, 42).
Das Prosperieren Gibraltars als Hafen auf dem Der zweite für die Sprachentwicklung entschei-
Wege von Großbritannien über das Mittelmeer dende Vorgang ist die spanische Blockade von
und den Suez-Kanal nach Indien führte dazu, daß 1969 bis 1982. Spanien hatte unter Berufung auf
auch aus anderen Teilen des Empire (besonders juristische Spitzfindigkeiten (Fahl 1970; Eise-
Malta, Indien, Hongkong) Personen nach Gi- mann 1974) die Gültigkeit des Vertrages von Ut-
braltar kamen und sich dort niederließen; für die- recht und damit der Abtretung Gibraltars an
se Gruppe war selbstverständlich das Englische Großbritannien immer in Frage gestellt, aber erst
das einzige Kommunikationsmittel, und die Nei- Franco beende te eine lange Periode ziemlich un-
gung, Spanisch zu lernen, blieb gering. gestörter Koexistenz. Seit Anfang der Sechziger-
War Gibraltar vom Ersten Weltkrieg noch we- jahre drängte er mehr und mehr auf "Entkolonia-
nig berührt worden, so machten sich die Auswir- lisierung", das heißt auf Einverleibung Gibraltars
kungen des Spanischen Bürgerkrieges und des ohne Rücksicht auf die Wünsche der Bevölke-
Zweiten Weltkrieges umso mehr bemerkbar. rung (über die es keinen Zweifel geben konnte:
Während des Spanischen Bürgerkrieges gab es bei einem Referendum im Jahre 1967 hatten
zeitweise bis zu zehntausend Flüchtlinge in Gi- 12138 Bürger Gibraltars für eine weitere Zugehö-
braltar (Dennis 1977, 89), deren Anwesenheit rigkeit zu Großbritannien und nur 44 für einen
nicht etwa, wie man meinen könnte, zu einer Anschluß an Spanien plädiert, Kramer 1985,90).
Stärkung der Stellung des Spanischen beitrug, Um seinem Ziel näher zu kommen, unterbrach
sondern im Gegenteil die Verwendung des Engli- Spanien im Juni 1969 alle Verbindungen mit Gi-
schen auch unter Einwohnern von Gibraltar ver- braltar.
stärkte, denn man wollte sich, wo es ging, also Diese Isolierung, die erst im Dezember 1982
auch sprachlich, von den ungeliebten Flüchtlin- teilweise und im Februar 1985 vollständig aufge-
gen absetzen. Bei Ausbruch des Zweiten Welt- hoben wurde, hatte den gegenteiligen Effekt von
krieges hielt man einen Angriff auf Gibraltar für dem, was Franco sich erhofft hatte. Die Einwoh-
471. Die Sprache Gibraltars 313

ner Gibraltars orientierten sich jetzt ausschließ- 3. Die sozio/inguistische Situation in Gibraltar
lich nach London, und die spöttisch "garlic wall"
(Ellicott 1975, 127) genannte Grenzsperre wurde In Gibraltar haben wir den Fall von Diglossie mit
zum Symbol dafür, daß man von Gemeinsamkei- unterschiedlichem Prestige der beiden betroffe-
ten mit Spanien nichts mehr wissen wollte. «En nen Sprachen, aber ohne bemerkenswerte inter-
una palabra, Gibraltar se hace, al paso de estos ne Sprachvariation vor uns: Englisch ist die Pre-
once afios de incomunicaci6n, cada vez me nos stige-Sprache (high variety) und tritt zumindest
andaluza» (Gran Enciclopedia Andaluza, vol. 4, der Intention nach nur in seiner Standard-Form
1700). auf, die einheimische Form des Spanischen ist die
Das Gefühl der Bedrohung der Eigenständig- unprätentiöse Alltagssprache (/ow variety) , die
keit Gibraltars durch spanische Forderungen nicht von der spanischen Schriftsprache, die in-
führte dazu, daß man in weiten Kreisen der Be- nerhalb Gibraltars keine Rolle spielt und höch-
völkerung Wert darauf zu legen begann, die Un- stens im Kontakt mit Spaniern aus weiter entfern-
terschiede zu Spanien hervorzuheben und die ten Gegenden angewendet wird, überdacht wird.
Gemeinsamkeiten zu minimalisieren. Für die Für den Grad der Zweisprachigkeit ist es wich-
Sprache bedeutet diese Haltung, daß das genaue tig, ob jemand aus einer primär spanischsprachi-
Gegenteil von Sprachloyalität eingetreten ist: je- gen oder primär englischsprachigen Familie
der Fortschritt des Englischen wird begrüßt, je- stammt. Sprachstatistiken gibt es nicht, und sie
des Ansteigen der Zahl von Anglizismen im Gi- würden angesichts der politisch antispanischen
braltarspanischen wird als positiv angesehen, je- Einstellung der Mehrheit der Bevölkerung auch
des Abweichen der Stadtmundart von den Varie- keine brauchbaren Resultate erwarten lassen
täten des spanischen Hinterlandes wird hervorge- (NeIde 1983, 6-10). Aufgrund der Religionsan-
kehrt. Einige Familien sehen sogar die Tatsache, gaben und anderer Kriterien läßt sich schätzen,
daß überhaupt in Gibraltar das Spanische hei- daß von den 26479 Einwohnern Gibraltars (1981)
misch ist, als Gefahr an, weil ja die Gegenwart "etwa 17000, höchstens 18000 spanischer Mutter-
der spanischen Sprache einen Vorwand für spani- sprache" sind (Kramer 1985, 93). Nur für diese
sche Territorialforderungen darstellen kann, und Personen gelten die im folgenden beschriebenen
beginnen, in den Familien und vor allem mit ih- Sprachverwendungsmechanismen in vollem Um-
ren Kindern ausschließlich Englisch zu sprechen. fang; Personen, die aus englischsprachigen Fami-
Die jüngere Generation sieht immer mehr das lien stammen, können natürlich, wenn sie in Gi-
Englische als ihre eigentliche Sprache an (Kra- braltar aufgewachsen sind, normalerweise etwas
mer 1987,58). Spanisch, aber sie kommen kaum dazu, es auch
Einen wichtigen Faktor für die Stellung des aktiv anzuwenden, weil man mit ihnen gewöhn-
Englischen stellte während der Blockade der lich englisch spricht. Ebenso ist Englisch die
ständig steigende Touristenstrom aus Großbri- Sprache, die im Verkehr mit Fremden verwendet
tannien dar, der die Wichtigkeit des Englischen wird; Ausnahme bilden hier die Spanier, mit de-
für ökonomisches Prosperieren augenfällig nen man spanisch spricht. Ein wirkliches Aufge-
machte. ben der spanischen Umgangssprache zugunsten
Nach dem Ende der Blockade machen sich des Englischen ist hingegen nicht übermäßig häu-
heute ein Abflauen der Emotionen und eine rea- fig, obwohl ein einheimischer Beobachter "a ten-
listischere Einschätzung der Verhältnisse be- dency to move more towards English in the youn-
merkbar. Man beginnt einzusehen, daß auf Dau- ger groups of the population" ausmachen zu kön-
er Gibraltar nur dann seine einzigartige Sonder- nen glaubt (Holmes 1967,56).
stellung bewahren kann, wenn es zu einem ver- Im Vergleich zu anderen Gebieten, in denen
nünftigen Ausgleich, zu einem Miteinander mit die offizielle Sprache nicht mit der Umgangsspra-
Spanien, der das unfruchtbare Gegeneinander che der Bevölkerungsmehrheit koinzidiert, fällt
der Franco-Ära ablösen muß, kommt. Sprachlich es in Gibraltar auf, daß es keinerlei "Ianguage
bedeutet das, daß man den Wert des Spanischen loyalty" gegenüber dem Spanischen gibt (es fehlt
wieder zu schätzen beginnt, ohne deswegen den z. B. an Sprachpflegevereinen, Forderungen
geringsten Zweifel daran zu lassen, daß man das nach Sprachrechten usw.); eine emotionale Bin-
Englische mehr liebt und für wichtiger hält. Der dung liegt vielmehr nur gegenüber dem Engli-
Versuch, dem Spanischen im Unterricht eine et- schen vor. Wohl fast alle Bewohner Gibraltars
was stärkere Position zu vermitteln, scheiterte empfinden sich als Teil der englischsprachigen
kläglich am Widerstand der Eltern: nach allge- Völkergemeinschaft und würden eine Zuord-
meinem Konsens muß eine möglichst vollständi- nung zur "hispanidad" vehement ablehnen:
ge Beherrschung des Englischen oberstes Unter- "Certainly although their mother tongue is Spa-
richtsziel bleiben, während das Spanische nur für nish they are not Spaniards" (Ellicott 1975, 126).
Alltagszwecke ausreichen muß (Kramer 1987, Mit dieser Haltung hängt es zusammen, daß
46). das Einströmen nicht nur englischer Wörter, son-
314 VII. Kontakt, Migration und Kunstsprachen

dern ganzer Satzteile in die Alltagssprache allge- Der Ausgangspunkt des Yanito ist in den anda-
mein keineswegs verurteilt, sondern sogar be- lusischen Dialekten des Hinterlandes zu sehen,
grüßt wird, weil es als Zeichen sprachlicher Ei- denen es im frühen 19. Jh. gelang, sich als Um-
genständigkeit gegenüber dem spanischen Hin- gangssprache in Gibraltar durchzusetzen (cf. 1.).
terland angesehen wird (Kramer 1987, 61). Folglich weist das Yanito die Charakteristika des
Ein auf den ersten Blick vergleichbares Neben- Südandalusischen auf (--7 394,7.-9.): Yefsmo
einander von Englisch als high variety und Spa- mit «tendencia al rehilamiento» (Zamora Vicente
nisch als low variety findet man in Teilen von 1974, 311), wobei die Entwicklung in Gibraltar
Südstaaten der USA und in Puerto Rico (West bis [3] ging ([a3'e r], [a3un'ar]); Beibehaltung der
1956, 148). Die für das texanische Spanisch be- Aspiration aus etymologischem f (['xambre],
schriebene "tendency to switch from one langua- [xa'se']); [ßw] > [yw] ([a'ywElo]); Ausfall des in-
ge to the other in the middle of a sentence" (Lan- tervokalischen d ([kwa'drao] usw.; Kramer 1987,
ce 1975, 138; --7 397, 3.) liegt in Gibraltar eben- 84-85).
falls vor, und wie dort ist der Grund für das Über- Daneben gibt es aber lautliche Züge, die, ob-
wechseln in die andere Sprache nicht etwa in wohl prinzipiell andalusisch, das Yanito doch von
sprachlichen Defizienzen zu suchen: man kann den Dialekten des Hinterlandes unterscheiden.
meistens davon ausgehen, daß die Sprecher das, Hier ist zunächst der Seseo zu nennen. An der
was sie auf Englisch einfließen lassen, auch auf ganzen Küste zwischen Huelva und Almeria tritt
Spanisch hätten sagen können (abgesehen von nur Ceceo auf, während der Seseo eigentlich ein
termini technici usw.). "The language switching weiter im Norden, im Tale des Guadalquivir, auf-
does not occur simply because the speaker does tretender Zug ist (Zamora Vicente 1974, 302).
not know a particular word in one language or the An der Küste hat einzig und alleine das Yanito
other; rather the word or phrase that is most Seseo und nicht Ceceo: [ka'ßEsa], ['braso], ['siTj-
readily available at the moment for some usually ko]; es wird hierbei das alveodentale [s] gespro-
unexplainable reason is the one that comes out" chen, das im Yanito allein vorkommt.
(Lance 1975, 138). Am Silbenende erfolgt in allen andalusischen
Es gibt jedoch zwei wichtige Unterschiede zwi- Dialekten eine Aspiration der Sibilanten, die
schen der Situation in Amerika und der in Gibral- phonetisch zu unterschiedlichen Resultaten führt
tar. In Amerika gibt es ein ständig zunehmendes (Zamora Vicente 1974, 318-321): Im Yanito er-
Wertbewußtsein für das Spanische und zumin- folgt im absoluten Auslaut völliges Verstummen,
dest unter Intellektuellen eine ausgeprägte während innerhalb eines Wortes oder eines «mot
"language loyalty" (Navarro 1966, 222; Burma phonetique» partielle oder totale Assimilation an
1974, New Preface), das in Gibraltar fehlt, so daß einen folgenden Konsonanten erfolgt; bei folgen-
es auch kein Ankämpfen gegen die Sprachmi- dem Vokal bleibt das s erhalten: [dje] = diez,
schung gibt. Anders als in Amerika erfolgt die [dE'nuo] = desnudo, [loz do'miTjgo] = los domin-
Sprachmischung in Gibraltar nur in einer Rich- gas, [los a'migo] = los amigas, [lokkat'ti30] = los
tung: wenn man die Absicht hat, englisch zu spre- castillos. Phonetisch entstehen hierbei zum Teil
chen, läßt man kein Spanisch einfließen, nur das Langkonsonanten wie im Italienischen.
Umgekehrte wird toleriert. Die für das Andalusische typische Velarisie-
Der im Anhang aufgeführte Text, ein Aus- rung des auslautenden n und die Nasalierung von
schnitt aus der wöchentlich in der beliebten Zeit- Vokalen vor n (Zamora Vicente 1974, 323-324)
schrift Panorama erscheinenden Rubrik "Ca- fehlt im Yanito: [raison], [ka'mino].
lentita. The Telephone Conversation of Cloti and Im Andalusischen werden I und r schlaffer als
Cynthia" mag trotz seiner literarischen Über- im Standardspanischen ausgesprochen; daraus
zeichnung einen Eindruck von den Mechanismen resultiert der Wegfall des Auslaut-r sowie des r in
des "code switching" geben (cf. Kramer 1987, der Gruppe rl (Entwistle 1962, 222). Diese Phä-
89-91). nomene sind im Yanito unbekannt; normal ist
lediglich eine schwächere Realisierung von r im
absoluten Auslaut, die aber nie zum völligen
Wegfall führt.
4. Charakteristika der Sprache Gibraltars
Eine Erklärung der phonetischen Charakteri-
Die Bewohner Gibraltars nennen ihr Idiom Yani- stika des Yanito (ausführlicher Kramer 1987,
to; «eI apelativo no es considerado ofensivo por 82-87) ist am leichtesten, wenn man davon aus-
los gibraltarefios que 10 emplean a diario» (Cavi- geht, daß wir es mit «andaluso in bocca genovese»
lla 1978,4). Die Bezeichnung dürfte Ausdrücken zu tun haben, also mit einer Adaptation des von
wie Plattdeutsch oder plain English an die Seite zu den mehrheitlich genuesisch sprechenden Be-
stellen sein und "einfache Sprache" (zu llano 'c1a- wohnern Gibraltars im 18. und frühen 19. Jh.
ro, evidente, corriente') bedeuten (Kramer 1986, übernommenen südandalusischen Dialektes an
266). genuesische Aussprachegewohnheiten. Die Un-
471. Die Sprache Gibraltars 315

terschiede, die zwischen der Lautung des Südan- literarischen Spanisch ebenfalls in mehr oder we-
dalusischen und des Yanito bestehen, lassen sich niger identischer Form vorkommen, gehalten
nämlich größtenteils aus einer Tendenz zur Be- sein sollte.
seitigung von Zügen, die typisch spanisch sind, Ein zweites großes Desiderat wäre eine Samm-
erklären: alveodentale statt koronaler oder prä- lung authentischer Texte, die einen besseren Ein-
dorsaler Aussprache des s, Ersatz des [6] durch druck vom "Ianguage switching" vermitteln
[s] und somit Seseo statt Ceceo, Ausfall oder könnten, als das durch Augenblickseindrücke
Assimilation oder Bewahrung des Auslaut-s statt möglich ist.
Aspiration, die zu phonetisch komplizierten Er- Schließlich wäre es wichtig, daß dem Yanito
gebnissen führt. Die äußere Sprachgeschichte Gi- der gebührende Platz in der iberoromanischen
braltars paßt bestens zu der hier geäußerten Dialektologie zugebilligt würde.
Theorie: das Yanito als Südandalusisch mit ge-
nuesischem Substrat. Auch für die Bewohner Gi-
6. Anhang: ein Text aus Gibraltar
braltars, die von Hause aus weder genuesisch
noch andalusisch, sondern ein anderes romani- In der Wochenzeitung Panorama erscheint je-
sches Idiom (Judenspanisch, Portugiesisch, mi- weils auf der letzten Seite die beliebte Spalte
norkinisches Katalanisch usw.) sprachen, war die «Calentita», in der ein Telephongespräch zwi-
Abschleifung der schlimmsten phonetischen schen zwei typischen Hausfrauen, Cloti und Cyn-
Schwierigkeiten des Andalusischen sicher nicht thia, über die Wochenereignisse dargestellt wird.
unwillkommen. Hierbei wird versucht, das typische "Ianguage
Was den Wortschatz anbelangt, so ist heute switching" darzustellen; trotz einiger Übertrei-
natürlich der Einfluß des Englischen am stärk- bungen erlaubt die Rubrik, sich in etwa ein Bild
sten: angesichts der generellen Zweisprachigkeit über die Sprachverwendung zu machen.
aller Yanito-Sprecher kann jedes englische Wort Im folgenden ist das Gespräch, das am 17.
problemlos übernommen werden, und es ist für März 1986 (Nr. 1013, S. 16) erschien, unverän-
einen Außenstehenden kaum möglich, okkasio- dert abgedruckt; es sind lediglich die Teile, die
nelle Entlehnungen von festen Bestandteilen des englisch sind, durch Kursivdruck hervorgehoben,
Yanito-Wortschatzes zu trennen; es finden sich um ein auf den ersten Blick deutlicheres Bild zu
jedenfalls in allen Lebensbereichen Anglizismen, erzielen.
wobei eine besondere Häufung in den Begriffsfel- ~ Good day, corazon.
dern "Staat und Verwaltung" sowie "Technik" zu ~ A mi no me lIames corazon que me vayan a
bemerken ist (Krämer 1987, 68-75). confundir con Aquino.
Aufgrund des kleinen Dialektwörterbuches ~ Blimey, my dear C/oti, it's beller that they think
(Cavilla 1978) lassen sich ungefähr vierzig genue- you are Corazon Aquino and not Ferdinand
sische Reliktwörter im Yanito feststellen (Kra- Marcos.
mer 1987, 76-80); gäbe es ein umfangreicheres ~ Eso se 10 dices al Solomon que se la marco bien
Wörterbuch, ließe sich diese Zahl sicher erhö- con Ferdinand.
hen. ~ Mind you, el Chamber es 10 importante ahora.
Die Zahl der Arabismen scheint klein zu sein, Dicen que los sefioritos deI Chamber have ne-
was sich leicht daraus erklärt, daß der Kontakt zu ver worked so hard. AI Solo mon no hay quien
dieser Bevölkerungsgruppe immer schwach war. le pare.
Die Hebraismen beziehen sich nahezu aus- ~ Corno se enteren algunos civil servants they'll
schließlich auf die Religion; nur jajam konnte in make sure he never becomes Chief Minister.
der Bedeutung "wichtige Person" Allgemeingut ~ Caramba, corno te escuche my dear husband te
werden. pega. He has always been anti-Sol since the days
ofthe Piazza y la marcha funebre.
~ Que buena memoria tiene tu Charlie, y eso que
S. Desiderata
es joven que mi Juan.
Die Forschung zum Yanito steckt noch völlig in ~ The truth is that everyone wants to be Chief
den Kinderschuhen; Fortschritte werden weit- Minister. You will have heard 10 que dijo el
gehend davon abhängen, daß sich Einheimische Pink Panther cuando le preguntaron on the
um die sprachwissenschaftliche Erfassung küm- telly. No se puso mi pink, let alone colorao,
mern, denn vieles muß Fremden in einer sozio- when he announced he would be el next Chief
kulturell komplizierten Stadt wie Gibraltar unzu- Minister.
gänglich bleiben. ~ Y todavia no le han preguntao al Bossano.
Das wichtigste Desiderat stellt zweifellos ein Aunque haya descubierto America, ya no se le
größeres Dialektwörterbuch dar, das im Gegen- puede llamar Colombo porque his image has
satz zu Cavilla 1978 nicht als Idiotikon, sondern changed completely. Ahora, hasta se peina.
als Handbuch, das auch die Wörter erfaßt, die im ~ Mind you, si vienen los Americano a 10 mejor le
316 VII. Kontakt, Migration und Kunstsprachen

hacen President, or at least secretary-general of Holmes, N. c., Gibraltar: Funclion, Economy, and Po-
NATO. pulation, Diss. Durham, 1967.
- And whilst they all play politics, el real Chief en Howes, H. W., The Gibraltarian. The Origin and Deve-
Londres a recibir una medaIla mas. Segun el lopmenl of the Population of Gibrallar from 1704,
Gibraltar, Mediterranean Sun, 21982.
Area, que no se equivoca, le van a dar la Orden
Kramer, Johannes, Bevölkerung und Sprachen in Gi-
de San Miguel y San Martin. braltar, EEth 42 (1985), 88-96 und 206-207.
- Y ahora con Spain in NATO, mi Charlie dice Kramer, Johannes, Zur Herkunft von Yanito. Die
que corno no cambiemo el constitution for the Selbstbezeichnung der Bewohner von Gibraltar, BNF
better, y pronto, nos juegan la dei chino. N.F. 21 (1986),263-266.
- Obviously, without the Mons Calpe, we don't Kramer. Johannes, English and Spanish in Gibraltar,
stand a chance of becoming full NATO mem- Hamburg, Buske, 1987.
bers when we become independent, porque co- Lance, Donald M., Spanish-Ellglish Code Switching, in:
rno vamos a controlar el Strait? Hernandez-Chavez, Eduardo/Cohen, Andrew D./
Beltramo, Anthony F. (edd.), EI Lellguaje de los
- Whatever you do, don 't ask the RAF. All they Chicanos, Arlington (Va.), Center for Applied Lin-
can do es chocar sus barcos contra las costas guistics, 1975, 138-153.
espaiiolas which is the nearest so far to a British L6pez de Ayala, Ignacio, Historia de Gibraltar, Madrid,
invasion of Spain. Antonio de Sancha, 1782.
- Adio mi alma. Malmberg, Bertil, La America hispanohablante, Ma-
- Tally hof drid, [stmo, 1970.
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1989. Johannes Kramer, Trier

472. Baskisch und Romanisch qui tente une approche comparative entre le bas-
Basque et roman
que et les autres idiomes europeens, on doit se
rappeier d'abord que cette langue, jusqu'ici tota-
l. Preambule et introduction historique
lement isolee tant du point de vue typologique
2. Substrat, adstrat et superstrat basques en (les affinites sont ponctuelles et n'interessent ja-
roman mais qu'une partie du systeme) que du point de
3. Adstrats et superstrats latino-romansen vue genetique - en depit des efforts de maints
basque comparatistes -, offre une structure si etrangere a
4. Conclusion celle des «romans» voisins qu'on voit mal com-
5. Bibliographie ment on pourrait depasser dans celte confronta-
tion le niveau phonetico-phonologique et celui du
1. Preambule et introduction historique lexique; ensuite, que peu de «points fixes» assu-
rent la stabilite de nos echafaudages: tandis que
1.1. Preambule
les contacts s'echelonnent de l'epoque du latin
Pour comprendre les graves difficultes, souvent republicain jusqu'a nos jours, et que par conse-
insurmontables, auxquelles se heurte le linguiste quent le developpement des langues romanes