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JUNI 2006

BEGEGNUNG

KÖNIZER ZEITUNG

75

DER SENSETALER

Wenn alle Riemen reissen

TCS-Patrouilleur Heinz Fankhauser verhilft Gestrandeten zur Weiterfahrt

Wenn Heinz Fankhauser in seinem gelben Dienstwa- gen am Horizont auftaucht, atmet so mancher gestran- dete Fahrzeuglenker auf. In acht von zehn Fällen gelingt es dem TCS-Pa- trouilleur, den Schaden am Auto soweit zu beheben, dass eine Weiterfahrt bis zur nächsten Garage mög- lich ist.

14.09 Uhr – SMS-Alarm! Es ist soweit. Heinz Fankhauser aus Niederscherli macht sich auf zum nächsten Einsatz. Der Weg zum Pannenort ist diesmal nicht weit, denn TCS-Patrouilleur Fankhauser hat genau hier bei der Grauholz- Raststätte auf seinen nächsten Auf- trag gewartet. Der Hilfesuchende ist schon von Weitem zu erkennen:

mit verzweifelter Miene steht er vor der geöffneten Kühlerhaube seines Minivans. Ein erleichtertes Lächeln huscht über sein Gesicht als er den gelben Patrouillenwagen am anderen Ende des Parkplatz ein- fahren sieht. «Mal schauen, ob er nach meiner Diagnose immer noch lächelt.» Fankhauser steigt aus.

«Das wird teuer!» Nach einem kurzen Blick in den Motorraum des Wagens ist der Fall klar: «Der Zahnriemen ist ge- rissen. Das ist leider nichts mehr für mich.» Der Minivan muss von einem Kollegen Fankhausers abgeschleppt werden. Schlechte Nachrichten für den Geschäfts- herrn der einen wichtigen Termin um 18.30 Uhr auf keinen Fall verpassen will. Doch Fankhau- ser kann den gestressten Mann beruhigen: «Mein Kollege wird Sie und Ihr Auto zu einer Garage nahe Ihres Wohnorts fahren.» Das Pannenopfer lässt erleichtert sein Handy sinken. Doch wahre Freude kommt bei dem Herrn nicht auf, denn er weiss: «Das wird teuer!» Der Ersatz des beschädigten Rie- mens und das Beheben der daraus erfolgten Schäden wird ihn um die 5‘000 Franken kosten.

erfolgten Schäden wird ihn um die 5‘000 Franken kosten. Patrouilleur Heinz Fankhauser erklärt dem Hilfesuchenden

Patrouilleur Heinz Fankhauser erklärt dem Hilfesuchenden warum dessen Wa-

Foto: B. Imboden

gen nicht mehr läuft.

Nachdem Fankhauser den Ab- transport von Fahrer und Auto organisiert hat, begibt es sich wieder auf Achse. An diesem ru- higen Freitagnachmittag hat es nicht viel Verkehr auf der Auto- bahn. «Eigentlich sollte es bald losgehen», erklärt der gelernte Automechaniker. Freitagabend hätten er und seine Kollegen nor- malerweise alle Hände voll zu tun. Doch es scheint, die meisten Pendler haben sich den Tag nach Auffahrt frei genommen: erst um 17.10 Uhr geht der nächste Auf- trag per GPS ein.

Einsatz in der Tiefgarage Alle relevanten Daten zur vorlie- genden Panne kann Fankhauser von einem kleinen Bildschirm ablesen:

«Ein Mercedes springt in Liebefeld nicht an.» Per Knopfdruck nimmt Fankhauser den Einsatz an. Es dau- ert nicht lange und Fankhauser fährt mit seinem Dienstwagen in die an- gegebene Quartierstrasse ein. Der Hilfesuchende winkt den Patrouil- leur in eine Tiefgarage. Mehrfach versucht Fankhauser zusammen mit dem Besitzer den Wagen zu starten. Das Auto gibt nur ein leises Zischen von sich: «Der Anlasser ist defekt.» Dem Hilfesuchenden bleibt nichts anderes übrig, als den Wagen mit externer Unterstützung zu starten. Nach kurzem Überlegen und Zwiesprache mit seiner Frau verzichtet er jedoch auf die Hilfe

Fankhausers: «Wir brauchen den Wagen übers Wochenende nicht. Deshalb bringe ich ihn lieber erst montags in die Garage.» Man könnte meinen, Fankhauser ver- lasse den Pannenort unverrichteter Dinge. Doch: «Auch hier konnte ich Hilfe leisten. Oft ist der Auto- mobilist schon froh, wenn er weiss, was mit seinem Fahrzeug nicht in Ordnung ist.» Im Rückspiegel verabschiedet sich der Mercedes- Fahrer an der Seite seiner Frau mit einem dankenden Winken. Auf einem Parkplatz in der Nähe von Niederwangen wartet Fankhauser auf seinen nächsten Einsatz. Er beobachtet die Fahrzeuge auf der Strasse. Bei fast jedem kann er Schwächen und Stärken aufzählen:

«Geht ein Auftrag von der Zentrale bei mir ein. Mache ich mir bereits Gedanken darüber, mit welchem Problem ich es am Pannenort zu tun haben könnte.» Häug liegt Fan- khauser mit seinen Vermutungen richtig: Die 16 Jahre Berufserfah- rung machen sich bezahlt.

Rasche Hilfe Ein weiterer Hilferuf erscheint auf Fankhausers Bildschirm. Dank GPS weiss die Zentrale in Schön- bühl genau, wo die Patrouilleure zum Zeitpunkt der Meldung ste- cken: «Wer sich am nächsten bei der Pannenstelle aufhält, bekommt den Auftrag», so Fankhauser. Da- mit gewährleistet der TCS, dass

den Hilfensuchenden rasch gehol- fen werden kann. Im Durchschnitt müssen sie nur eine halbe Stunde auf den Patrouilleur warten. Dies erfährt nun auch der ältere Herr aus dem Berner Ostring: Zwanzig Minuten nach Anruf behebt Fan- khauser den Schaden am rechten Hinterpneu des Kleinwagens. Mit geübter Hand zieht der Patrouil- leur einen kleines Metallstück aus dem Gummi: «Kaum zu glauben, was die Leute alles in ihre Pneus einfahren!» Fankhauser lässt den alten Herrn einen Blick in sein «Schatzkästchen» werfen: neben Schrauben, Nägeln und weiteren Metallstückchen bendet sich auch ein Hausschlüsseln unter den Übeltätern. Den zerstochenen Pneu ickt Fankhauser nur provi- sorisch: «Mein Ziel ist es nicht, die liegen gebliebenen Wagen zu reparieren; ich sorge dafür, dass sie ohne Gefahr bis zur nächsten Garage gefahren werden kön- nen.» Der ältere Herr honoriert Fankhausers Einsatz mit einem Trinkgeld. Er ist nur einer von vie- len, die dem TCS-Patrouilleur für die heute erbrachten Leistungen dankbar sind.

Barbara Imboden

Der Patrouillen-Dienst des Touring Club Schweiz BI. Der Touring Club Schweiz beschäftigt derzeit 273 Pa- trouilleure. 450 Vertrags- garagisten unterstützen sie in ihrer Arbeit. Bei Tag und Nacht, Wind und Wetter sind die Patrouilleure unterwegs um gestrandeten Verkehrsteil- nehmenden zur Weiterfahrt zu verhelfen. Dank eines unver- gleichlichen Pannennetzes und einem mit modernsten Mitteln ausgerüsteten Team kann die Fahrt in 84% aller Fälle gleich weitergehen. Und auch bei den übrigen 16% wird dafür gesorgt, dass die Hilfesuchen- den ihr Ziel erreichen. Weitere Informationen zum TCS und zur TCS-Patrouille sind unter www.tcs.ch zu nden.