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Abstracts

Bernhard v. Guretzky

Synchronizität

Ziel dieses Papiers ist es, den Jungschen Begriff der Synchronizität als Theorie
bildende Metapher aus dem rein psychischen Bereich herauszuholen, um ihn auch
in anderen Bereichen einzuführen. Dazu werden zunächst die Verbindungen
zwischen den physikalischen Begriffen der Komplementarität und Kausalität
dargestellt, um dann eine Beschreibung der Synchronizität zu versuchen, die sich
stark an diese beiden durch die Quantenphysik geprägten Begriffe anlehnt. Die
Beschreibung wird mit Beispielen unterfüttert. Darüber hinaus wird die Bedeutung
von Synchronizitäten für die Kreativität herausgearbeitet und deren strukturierenden
Funktionen im Unus Mundus beschrieben.
Die vorliegende Abhandlung ist auf naturwissenschaftlichem Hintergrund
entstanden und versucht so eine modifizierte Sichtweise auf die Begriff
Synchronizität und Unus Mundus.

Schlüsselwörter: Komplementarität, Kausalität, Synchronizität, Kreativität, Unus Mundus

Synchronicity

The aim of this paper is to show that Jung's notions of synchronicity and the unus
Mundus can be used as metaphors for other theories than psychology as well. To
achieve this, the close correspondence between synchronicity and the quantum
mechanical notions of complementarity and causality will be shown together with a
comprehensive list of examples to illustrate the wide range of the synchronicity
concept from physics, the individuation process, to history of science, politics and
biology.
This paper arose against a scientific backdrop and thus can be considered as an
attempt to approach synchronicity and unus mundus from an altered perspective.
Keywords: complementarity, causality, synchronicity, creativity, unus mundus

Bernhard v. Guretzky, Dr. rer. nat., Studium der Mathematik und Physik in Berlin. 20-
jährige Tätigkeit in Industrie und Forschung als Informatiker zuletzt in München. Seit 10
Jahren selbstständiger Unternehmensberater und seit ca. 7 Jahren systemische
Aufstellungsarbeit und Forschung an den philosophischen, physikalischen und
psychologischen Grundlagen von Aufstellungsphänomenen. Türkenstr. 53, D-80799
München. E-Mail: guretzky@gmx.net
Bernhard v. Guretzky

Synchronizität
Things derive their being and nature by mutual
dependence and are nothing in themselves.
Nagarjuna

Einführung

Eine Theorie ist eine geistige Projektion, in der bestimmte Nuancen herausgehoben
werden. Als Abstraktionen eines größeren Kontextes sind Theorien notwendigerweise
Provisorien, wie übrigens auch der Kontext, in dem Theorien entstehen,
Veränderungen unterworfen ist. "Theorien sind Instrumente und keine Antworten auf
Rätsel, auf denen wir uns ausruhen können", wie sich C. G. Jung ausgedrückt hat.
Dem hält der Nobelpreisträger und "Mephisto der Quantentheorie" Wolfgang Pauli
(1900-1958) entgegen: "Theorien kommen zustande durch ein vom empirischen
Material inspiriertes Verstehen, welches am Besten im Anschluss an Plato als zur
Deckung von inneren Bildern mit äußeren Objekten und ihrem Verhalten zu deuten ist"
(Atmanspacher 1995, S. 46). Basiert dieses Verstehen auf mathematischen
Gleichungen, die beschreiben, wie dieses empirische Material zu verknüpfen ist, so
erhält man eine physikalische Theorie, die man dann innerhalb der Begrenzung ihres
Anwendungsbereiches als "Modell der Wirklichkeit" bezeichnen kann (Pauli 1957).
Pauli betrachtete die physikalischen Theorien als unvollständig in Bezug auf die Welt
als Ganzes, jedoch aus einem anderen Grunde als Einstein, der gerade die
Quantentheorie mit ihren indeterministischen Aussagen als nicht vollständig ansah,
sondern vielmehr deshalb, weil sie die menschliche Realität mit ihren Gefühlen und
Werten unberücksichtigt lässt. Seit Plancks Entdeckung des Wirkungsquantums war
die Physik gezwungen, ihren Anspruch aufzugeben, im Prinzip die ganze Welt
verstehen zu können. Die Aufgabe dieses mechanistischen Weltbildes könnte aber zu
einem Gesamtweltbild führen, in welchem die Naturwissenschaften nur ein Teil sind
(Jung-Pauli 1952, S. 163f). Pauli kam auf den Gedanken, dass in dem Bereich, der von
der modernen Atomphysik und der modernen Psychologie betreten wird, eine
Einheitssprache gesucht werden könnte, die die Gegensätze von Physik und Psyche,
von Außenwelt und Innenwelt überwindet. Diese Suche nach einem einheitlichen
Weltbild ist inzwischen zu einem generellen Bedürfnis herangewachsen und
angesichts der zunehmenden Vernetzung der einzelnen Wissenschaften und der damit
einhergehenden zunehmenden Komplexität wird ein ganzheitliches Denken immer
notwendiger. Dass bislang noch kein einheitlicher Rahmen, in den die
Einzelwissenschaften passen, gefunden wurde, ist ja gerade der Grund für
Zersplitterung der Wissenschaft. Die Forderung, eine solche stimmige einheitliche
Sprache zu finden, bedeutet nicht nur, das Erfassbare sondern auch das Unfassbare

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im Auge zu behalten und eine adäquate Beschreibung des Unfassbaren jenseits
unseres Bewusstseins zu finden (Atmanspacher 1995, S. 115).
Dies ist das Hauptthema des fast 30 Jahre währenden Briefwechsels zwischen Pauli
und Jung (Jung-Pauli 1992). Er war nicht zuletzt deswegen so fruchtbar, weil beide die
Verbindung von Physik und Psychologie für außerordentlich bedeutsam hielten: Aus
der Sicht des Physikers ist es eine ungeklärte Frage, wie der Prozess der
Theoriebildung abläuft, welche kognitiven bzw. psychischen Prozesse dabei wirken,
welche vernachlässigt werden, und wie dies den Naturwissenschaftler als Menschen
im Umgang mit sich selbst und seiner Umwelt prägt. Für die Psychologie ist
anzunehmen, dass ihre naturwissenschaftliche Hinterfragung ihrer konstruktiven
Weiterentwicklung dient (Atmanspacher 1995, S. 262), wie die zunehmende Klarheit in
Jungs Begrifflichkeiten diesem Briefwechsel zeigt, wofür Jung Pauli auch ausdrücklich
dankbar war.
Pauli stellte sich den Erkenntnisprozess als Interaktion zwischen den psychischen
Strukturen (Konzepte und ihre formalen Darstellungen) und den physikalischen
Strukturen (Beobachtungen von Objekten und ihre Verbindungen untereinander) vor.
Die formalen Darstellungen werden dann auf die Realität "projiziert" und die
Ergebnisse mit den empirischen Daten verglichen, was im folgenden zu einer Korrektur
des Konzepts und der formalen Darstellung führen kann. Das ist soweit klassisches
Verfahren in den Naturwissenschaften. Das innere Bild der Realität in der Vorstellung
des Wissenschaftlers entsteht dabei unter dem Einfluss strukturierender Elemente, den
Archetypen, die "an sich" nicht erkennbar sind wohl aber über ihre Manifestation oder
"Konstellation", wie es auf jungianisch heißt. Neue Theorien, neues Wissen entsteht
dann, wenn das innere Bild mit den externen Bildern zu Deckung kommt. Das mag
erklären, wenn rein mentale Konzepte wie etwa die allgemeine Relativitätstheorie
(John A. Wheeler: "Die Masse hat den Raum im Griff, indem sie ihm vorschreibt, wie er
sich zu krümmen hat, und der Raum hat die Masse im Griff, indem er ihr vorschreibt,
wie sie sich zu bewegen hat.") korrekte Voraussagen über das Verhalten von Körpern
machen können (Gieser 2005, S. 208). Pauli sah in den statistischen Aussagen der
Quantentheorie das Äquivalent zu Jungs Archetypen. Beider Sicht überführt den engen
Begriff des Determinismus in ein erweitertes Verständnis der Beziehungen "psycho-
physischer" Probleme (Sparks 2007, S. 75f).
Jung nahm Paulis statistische Sicht der Archetypen begeistert auf und sah in diesen
die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten psychischer Ereignisse. Er verstand sie als
Anordner von Ideen, Konzepten und Vorstellungen, die nicht nur Geist und Trieb
motivieren, sondern auch in physisch materiellen Ereignissen nachzuweisen sind. Dies
wird in der Synchronizität empirisch erfahrbar (Atmanspacher 1995, S. 97). Das
Konzept der Synchronizität stellte Jung 1952 in (Jung-Pauli 1952) vor, ein Buch das er
zusammen mit Paulis Kepler-Aufsatz veröffentlichte, meines Wissens das einzige
gemeinsame Werk eines Physikers und Psychologen, das sich deshalb wohl auch als
ein gemeinsames Programm verstehen lässt. Ein Programm, Geist und Materie mit
einer gemeinsamen Sprache zu beschreiben, die auf den Säulen der
Komplementarität, der Kausalität, der Synchronizität und des Unus Mundus ruht. Pauli
selbst erkannte die Bedeutung dieser gemeinsamen Arbeit und bezeichnete sie als
schicksalhafte Synchronizität. Ganz bewusst wird hier die Verbindung zwischen der

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inhärenten akausalen Natur der Quantenphysik und der Synchronizität hergestellt. Es
kann durchaus sein, dass Pauli in der Synchronizität eine Möglichkeit sah, den tieferen
Sinn der Akausalität in der Natur zu verstehen (Stapp 2009, S. 155) und dem reinen
Empirismus der modernen Wissenschaft wieder eine spirituelle Komponente, die sich
so häufig in seinen Träumen gezeigt hatte, zur Seite zu stellen.

Komplementarität
Das Ausschließungsverhältnis zwischen den verschiedenen messbaren Eigenschaften
eines mikrophysikalischen Gegenstandes nennt man Komplementarität (Jordan 1951,
S. 74). Die mathematische Deutung ist wie folgt: Zwei (physikalische) Variable, die
durch die Operatoren P und Q dargestellt werden, heißen komplementär, wenn sie
nicht-kommutativ sind. Aus der Vertauschungsrelation ,
folgen die Heisenbergschen Unbestimmheitsrelationen für Ort und Impuls
bzw. für Energie und Zeit , wobei bzw. die
Messgenauigkeit des Impuls- bzw. Ortsoperators und und die der Energie und
Zeit bezeichnet1. Mit anderen Worten: In der Quantenmechanik unterscheidet sich das
Ergebnis einer Messung von P und einer darauffolgenden Messung von Q von dem
Ergebnis einer Messung von Q und der darauffolgenden Messung von P. Seinem
Freund Heisenberg beschrieb Pauli diesen Sachverhalt mit folgenden Worten: "Man
kann die Welt mit dem P-Auge und man kann sie mit dem Q-Auge ansehen, aber
wenn man beide Augen zugleich aufmachen will, dann wird man irre."
Komplementarität durchzieht die gesamte Quantenmechanik (etwa die Spin-
Komponenten der Elementarteilchen, weshalb es keine definierten Rotationsachsen in
der Quantentheorie gibt), doch in unserer Alltagserfahrung begegnen wir ihr scheinbar
nur selten.
Komplementäre Erkenntnisse gehören zusammen, sofern sie Erkenntnisse desselben
quantenphysikalischen Systems sind, sie schließen einander jedoch insofern aus, als
sie nicht zugleich und für denselben Zeitpunkt erfolgen können. "Die Struktur des
Objekts, die darin zum Ausdruck kommt, dass es komplementär erfahren und
beschrieben wird, kann mit Bohr als Individualität oder Ganzheit bezeichnet werden"
(Atmanspacher 1995, S. 161). Welche Kenntnis gewonnen und welche andere
Kenntnis unwiderruflich verloren ist, bleibt der Wahl des Experimentators zwischen
einander ausschließenden Versuchsanordnungen überlassen: Die Messung des
Ortsoperators erzeugt dabei das "Teilchenbild", während die Messung des
Impulsoperators bzw. der Frequenz das "Wellenbild" ergibt. Das unter verschiedenen
Versuchsanordnungen gewonnene Material kann also nicht mehr in einem einzelnen
Bilde erfasst werden. Erst die Gesamtheit aller Phänomene gibt erschöpfend
Aufschluss über die Objekte: So ist mit der Bewegung eines Teilchens stets eine Welle
verbunden (Bohr 1985, S. 38). Die Unabhängigkeit der quantenphysikalischen
Phänomene von der Art der Beobachtung ist also nicht mehr erfüllt, und die
physikalischen Objekte erhalten einen mehrdeutigen und daher symbolischen
Charakter (Pauli 1950).

                                                                                                               
1
Für eine ausführliche Einführung in die algebraische Darstellung der Quantenmechanik siehe Primas, 1981.

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Dies führt zu der sog. Kopenhagener Deutung der Quantentheorie, nach der es im
Kern nur dann sinnvoll ist, von einer physikalischen Größe – eben vom Ort oder dem
Interferenzbild – zu sprechen, wenn diese tatsächlich gemessen wird und die Messung
des einen die Beobachtung des anderen ausschließt. Ansonsten hat man darüber zu
schweigen – was sich fast schon wie der letzte Satz aus Wittgensteins Tractatus
anhört. Oder wie es Bohr ausgedrückt hat: "Es ist einfach falsch zu denken, es wäre
Aufgabe der Physik herauszufinden, wie die Natur beschaffen ist. Aufgabe der Physik
ist vielmehr, herauszufinden, was wir über die Natur sagen können." Eine ausführliche
Beschreibung der Kopenhagener Deutung findet man in (Primas 1981, S. 98ff).
Übrigens ist die Kopenhagener Deutung nur eine von mehreren der Quantentheorie:
Louis de Broglie, David Bohm und vor allem Einstein, wenn er noch gelebt hätte,
vertraten 1957 die Interpretation der versteckten Variablen, die gewissermaßen
deterministische Instruktionen tragen. Im selben Jahr schlug Hugh Everett die sog.
Multiversentheorie vor, eine ebenfalls deterministische Interpretation, die von den
meisten Stringtheoretikern und vielen esoterisch angehauchten Physikern wie etwa
Fred Alan Wolf verfochten wird.
Herrschte in der klassischen Physik die Vorstellung, dass die physikalische Welt
unabhängig von der Beobachtung ist, so erscheint in der Quantenphysik eine
unanschauliche "Hintergrundswelt" – so ein von Pauli eingeführter Terminus, aus der
das beobachtete Phänomen erst in der Beobachtung hervortritt. Oder wie es Bohrs
Schüler John A. Wheeler auf den Punkt gebracht hat: "No phenomenon is a
phenomenon until it is an observed phenomenon." Diese Hintergrundswelt
repräsentiert das potenziell Mögliche und erst in der Messung erfolgt der Übergang
von der Potenzialität zur Aktualität. In der Messung tritt also immer nur ein Aspekt einer
zugrundeliegenden Wirklichkeit in Erscheinung.
Hier ahnt man schon die Verbindung zur Jungschen Begriffswelt, und Pauli selbst hat
eine psychologische Analogie zur Komplementarität genannt: die Seele ist eine Einheit
aus Bewusstem und Unbewusstem. Die Untersuchung einer Seite jedoch schließt die
gleichzeitige Untersuchung der anderen Seite aus. Die Untersuchung des
Bewusstseins schließt die gleichzeitige Untersuchung des Unbewussten aus und
umgekehrt. Und doch kann kein Aspekt der Seele jemals den anderen ersetzen, noch
können wir eine Seite vernachlässigen und dennoch ein Gesamtbild von der Person
erhalten. In diesem Sinne ist das Unbewusste dem Bewussten komplementär
(Mansfield 1998, S. 150).
Für Bohr reichte die Komplementarität über die Grenzen der Physik hinaus. Er
verstand sie als Grundprinzip des Lebens, das sich in Gegensatzpaaren von Leben
und Tod oder Liebe und Hass manifestierte. Auch für Pauli ist Komplementarität eine
Theorie des Werdens, da sie die paradoxe Qualität der Natur beschreibt und nicht
versucht, das Paradoxe zu vermeiden. Dies ist nicht etwa als ein Anzeichen für die
Unfertigkeit der Quantentheorie zu sehen, wie das Einstein bis zu seinem Lebensende
meinte, sondern als eine endgültig errungene Erkenntnis zu bewerten (Jordan 1951, S.
74). Im selben Sinne ist das Unbewusste nicht als nicht vorhandenes Bewusstsein
anzusehen (Pauli 1954). Bewusstwerdung ist vielmehr gleichbedeutend mit Trennung,
mit Loslösung eines Inhalts vom Unbewussten, wie etwa das Heraustreten und

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Konkretwerden eines Zustandes aus der Fülle der möglichen Zustände beim
physikalischen Experiment (Atmanspacher 1995, S. 188).
Falsch wird eine Beschreibung, sobald sie als einzig wahre behauptet wird. Nur die
Gesamtheit aller komplementären Beschreibungen kann die Welt beschreiben. Die
Notwendigkeit einer solchen komplementären Beschreibung ist eine Folge der Natur
der materiellen Realität selbst, und ist nicht etwa auf Einflüsse der Psyche oder der
Beschränkungen der Messapparaturen zurückzuführen. Die Struktur der Welt, die
dadurch zum Ausdruck kommt, dass sie komplementär beschrieben werden muss,
reflektiert einen ganzheitlichen Aspekt der materiellen Welt. Die Quantenmechanik als
eine Theorie der Materie macht keinerlei Aussagen zum Problem von Geist und
Materie. Aber die Tatsache, dass sie eine holistische Theorie ist, die widerspruchsfrei
gegenseitig sich ausschließende Sichtweisen (Welle-Teilchen) erfassen kann, legt es
nahe, dass die hierbei zum Zuge kommenden Komplementaritätsverhältnisse eine
über die Physik hinaus reichende Gültigkeit haben könnten (Atmanspacher 1995, S.
216). Pauli selbst hat dazu das Teilchenbild mit der Materie und das Wellenbild mit der
Psyche verglichen und damit einen Erklärungsversuch zwischen der "Interaktion" des
Bewusstseins (des Beobachters) und dem beobachteten System gewagt. (Laurikainen
1997, S. 66)
Der Chemiker Ilya Prigogine hat die komplementäre Sichtweise auf die Natur
poetischer ausdrückt:
"Die Welt ist reicher, als es sich in einer einzigen Sprache ausdrücken lässt. Die Musik
erschöpft sich nicht in ihren aufeinanderfolgenden Stilen von Bach bis Schönberg. Genau
so wenig können wir die vielfältigen Aspekte unserer Erfahrung zu einer Beschreibung
kondensieren. Wir müssen uns zahlreicher Beschreibungen bedienen, die nicht
aufeinander zurückgeführt werden können."

Komplementarität überwindet das tertium non datur; die Welt ist viel zu komplex, als
dass man sie mit einer zweiwertigen Logik vollständig erfassen könnte. So zeigt uns
die Quantentheorie die Notwendigkeit, scheinbar sich gegenseitig ausschließende
Betrachtungsweise einzunehmen.

Kausalität
Die klassische Physik war noch davon überzeugt, dass wir die Natur dazu provozieren
können, uns unsere Fragen zu beantworten. Solange Gegenstände und Ereignisse
klar voneinander zu trennen und zu unterscheiden sind, solange Kräfte exakt definiert
sind und die Zeit für alle gleich und unbeirrt fließt, solange wirft das Konzept der
Kausalität keine Probleme auf. In dem Maße aber, in dem die Wissenschaft tiefer in ein
Universum innerer Strömungen und dynamischer Entwicklungen eindringt, in Bereiche
subtiler Einflüsse und sich kreuzender Skalen, lassen sich keine Kausalketten mehr
auffinden, die sich auf lineare Verbindungen einzelner Ereignisse reduzieren ließen
(Peat 1989, S. 53). Vielmehr determiniert die Art und Weise unserer Fragen an die
Natur die Antworten, die wir bekommen. Wir können die Natur nicht zu einem Monolog
veranlassen, stattdessen "müssen wir in einen partizipatorischen Dialog mit der Natur
eintreten" (John A. Wheeler in: (Mansfield 1998, S. 136).

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Am Beispiel subatomarer Teilchen lässt sich die durch die Komplementarität gesetzte
Begrenzung der Kausalität dadurch hervorheben, dass im Rahmen der klassischen
Physik zur Vorausberechnung der Bahn dieses Teilchen eine gleichzeitige Kenntnis
der Anfangswerte von Ort und Geschwindigkeit nötig ist – also eben das was
quantenphysikalisch wegen der Unbestimmtheitsrelation unmöglich ist. Deshalb kann
man die Komplementarität als Verallgemeinerung des Kausalitätsideals ansehen.
(Bohr 1985, S. 40).
Akausale physikalische Phänomene sind:
• der radioaktive Zerfall,
• die Unbestimmtheit von Ort und Impuls bzw. Zeit und Energie quanten-
mechanischer Teilchen und
• die Nicht-Lokalität verschränkter Teilchen (die im selben Augenblick aus
derselben Quelle hervorgegangen sind).
Die Kausalität in der Physik beruht stets auf einer Idealisierung. Selbst die Vorstellung,
die Bewegung der Planeten in beliebiger Genauigkeit voraussagen zu können, ist ein
Mythos, denn deren Bahnen weichen schon nach relativ kurzer Zeit vom berechneten
Kurs ab, weil die Vielzahl der Einflüsse der Himmelskörper in unserem Sonnensystem
nicht mehr exakt bestimmt werden kann. Henri Poincaré hat bereits 1890 gezeigt, dass
das Problem der Bewegung zweier Planeten im Gravitationsfeld der Sonne nicht mehr
allgemein lösbar ist und keine konvergenten Störungsentwicklungen für das langfristige
Verhalten des Systems angegeben werden können. Die vielfältigen und subtilen
Einflüsse der Realität sind zu komplex, als dass sie mit einem System von
Bewegungsgleichungen auf der Basis von Hamilton-Jacobi exakt beschrieben werden
könnten. Damit war die Grundlage für die in den 1960er entstandene Chaos- und
Komplexitätstheorie gelegt. Lineare Systeme, bei denen Ursache und Wirkung
proportional sind, entsprechen einer starken Kausalität. Schwache Kausalität, bei der
Ursache und Wirkung nur determiniert sind und deren dynamischen nicht-linearen
Gleichungen auch Rückkoppelungen beschreiben, lässt auch Chaos zu, das durch
seltsame Attraktoren und Fraktalität fern jeder Regularität bestimmt werden kann.
Solch instabiles, aperiodisches Verhalten ist in hohem Grade komplex, es wiederholt
sich nicht und fährt fort, die Effekte jeder kleinen Störung zu offenbaren. Die klassische
Mechanik kann also höchstens als Metapher für Muster und Bewegungsformen
angesehen werden. Der Reduktionismus auf der Basis dieser Theorie, die
Linearisierung komplexer Systems in einfachere Teile, ist schlicht begrenzt.
Im Unterschied zu quantenphysikalischen Systemen, in denen prinzipiell die Kausalität
durch die Komplementarität und der daraus folgenden Unbestimmtheitsrelation
ausgehebelt wird, sind nicht-lineare Systeme, abhängig von den
Ausgangsbedingungen. Sie sind das in dem Maße, dass der zukünftige Zustand nur
dann mit Sicherheit vorausgesagt werden kann, wenn die Randbedingungen mit
absoluter Genauigkeit bekannt sind. Diese Genauigkeit ist gerade bei
Phasenübergängen (fest – flüssig – gasförmig) zwar prinzipiell zu erreichen, praktisch
aber nicht, denn in der Nähe solcher Grenzwerte werden solche Systeme instabil, weil
nicht nur die Bestimmung der Anfangsbedingungen aus den genannten Gründen
ungenau sind muss, sondern auch die nicht-linearen Bewegungsgleichungen nur noch
näherungsweise lösbar sind. Kleinere Änderungen der Parameter zeigen damit große

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Wirkung. Oder wie es Jung ausgedrückt hat: "Die Natur erfordert vielmehr
pluralistische Beschreibungen, und wir können jetzt schon annehmen, dass dieser
Pluralismus sowohl kausale als auch akausale – synchronistische – Aspekte enthalten
muss" (Peat 1989, S. 80).
Gödels Entdeckung des Unvollständigkeitstheorems im Jahre 1931 und die
Notwendigkeit der Aufgabe des Kausalitätsprinzips haben die uralte menschliche
Ambition, ein vollständiges und in sich logisches System für die Beschreibung der Welt
zu finden, zu Grabe getragen und anstelle dieser fin-de-siècle Mentalität, deren
vehementester Vertreter David Hilbert war, neuen Denkweisen Platz gemacht. Jung
erkannte hier, dass die Physik den Weg bahnte, akausale Prozesse auch in anderen
Bereichen menschlicher Erfahrung zu untersuchen, (Mansfield 1998, S. 102), auch
wenn Einstein bis zu seinem Tode der Akausalität und dem Indeterminismus
Widerstand ("verborgene Variablen") entgegen setzte und dabei in dem berühmten
"EPR"-Papier2 die Unvollständigkeit der Quantentheorie nachzuweisen glaubte, eben
weil sie bei der sog. Verschränkung von Zuständen zu Widersprüchen führt. Bohr
entkräftete damals die Schlussfolgerungen aus dem EPR-Papier mit dem Hinweis,
dass Komplementarität und damit auch Unbestimmtheit "über Distanz" wirke. Daher
rührt die Bezeichnung Nicht-Lokalität für mikrophysikalische Systeme. Doch erst 30
Jahre später beendete Bell3 mit seiner nicht minder bahnbrechenden Arbeit alle bis
dahin immer wieder geführten EPR-Diskussionen und führte Einsteins Forderung nach
versteckten Variablen in der Quantentheorie ad absurdum. Pauli hat diese
Bemühungen Einsteins als "regressive Tendenz erkannt, wieder zum alten Ideal des
losgelösten Beobachters zurückzukehren".
Jung führte diesen in "uns" vorhandenen Widerwillen gegen eine Aufgabe der
Annahme von Kausalität auf die archetypische Natur des Determinismus zurück: Das
Denken ist prädisponiert, sich aufgrund einer a-priori-Tätigkeit des Verstandes eine
deterministische Welt vorzustellen. Laut Kant war Kausalität eine fundamentale
Kategorie des Denkens, die in jedem Denkvorgang zum Vorschein komme: So wie das
Denken seine Wahrnehmungen in Zeit und Raum hinausverlegen muss, muss es auch
zwangsläufig die Kategorie der Kausalität anwenden (Mansfield 1998, S. 100). Bohr
dagegen erkannte: "Wir können Kausalität als eine Art der Wahrnehmung auffassen,
mit deren Hilfe wir unsere Sinneseindrücke ordnen", und stellte sich damit auf die Seite
von Kants schottischem Zeitgenossen David Hume, für den die Verbindung von
Ursache und Wirkung zur bloßen Gewohnheit geworden ist.
So zeigt sich die Kausalität als eine Denkweise, die unser gedankliches Erfassen eines
Bündels von Ereignissen befriedigt, aber nicht völlig in den Kern der Naturgesetze
eindringt; es erfasst lediglich allgemeine Tendenzen und Möglichkeiten.
Synchronistisches Denken könnte man dagegen als ein Feld-Denken bezeichnen,
dessen Zentrum die Zeit ist (Balmer 1995, S. 12). Kausalität ist die Art, wie wir uns die
Brücke zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ereignissen vorstellen. Synchronizität
aber bezeichnet den zeitlichen und sinngemäßen Parallelismus von psychischen und
psychophysischen Ereignissen, welche unsere bisherige Erkenntnis nicht auf ein

                                                                                                               
2
Einstein, Podolsky, Rosen: "Can quantum-mechanical description of physical reality be considered complete?"; Phys.
Rev. Vol. 47, 777-780
3
J. S. Bell: "On the Einstein-Podolsky-Rosen Paradox"; Physics, Vol. 1, No 3, 195-200 (1964)

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gemeinsames Prinzip reduzieren konnte. Es ist die moderne Psychologie, welche
dartut, dass die Kausalität eine gewisse Anordnung der Ereignisse nicht erklärt und
dass als Erklärungsprinzip in diesem Fall ein formaler Faktor – nämlich die
Gleichzeitigkeit oder eben Synchronizität – in Frage kommt (Jung-Pauli 1952, S. 88).

Synchronizität
Jung kam zum Begriff der Synchronizität (Σ) – Gleichzeitigkeitsrelation – über
Schopenhauers Aufsatz "Über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des
Einzelnen" in Parerga und Paralipomena, der – tief verwurzelt im Determinismus des
19. Jahrhunderts – nach Kausalketten zur Erklärung sinngemäßer und gleichzeitiger
Koinzidenzen suchte. Andererseits stieß Jung durch seine Beschäftigung mit der
chinesischen Philosophie und hier insbesondere mit dem I Ging und dem Tao Te King
auf den Begriff des Tao ("Sinn"), der ihn darauf brachte, das westliche Denken in
Gegensatzpaaren in anderem Licht zu sehen: "Durch die Entfaltung von Bejahung und
Verneinung verblasst der Sinn; er wird verdunkelt, wenn man nur kleine fertige
Ausschnitte des Daseins ins Auge fasst" (Jung-Pauli 1952, S. 73). Jung erwähnte das
erste Mal den Begriff der Synchronizität im Zusammenhang der Veröffentlichung von
Richard Wilhelms I Gings im Jahre 1930. Mit kräftiger Unterstützung und wohl auch auf
Drängen von Pauli überführte er im Laufe der 40iger Jahre die Σ aus der Ecke der
Schafgarbenstengel und der Orakel hinüber in die Welt der Psychologie und Physik.
Bei einem synchronistischen Ereignis spiegelt das äußere Geschehen unerwartet die
innere Stimmung oder ein inneres Bild des Beobachters. Bei diesen Koinzidenzen sind
Innen und Außen, Psyche und Materie nicht durch eine Wirkung ("akausal") sondern
durch einen Sinn verknüpft, wobei unter Sinn nicht etwas Partielles, wie z.B. der Sinn
eines Satzes sondern der "sinnvolle Zusammenhang des gesamten Seins" verstanden
wird (Atmanspacher 1995, S. 174). Synchronizität ist also keine philosophische
Ansicht, sondern sie wird durch eben diese Sinnhaftigkeit zu einem empirischen
Begriff. Als Phänomen ist sie nicht rätselhafter ist als es die Diskontinuitäten der
Quantenphysik sind. Es ist nur der in uns tief verwurzelte Kausalitätsbegriffs, welcher
dem Verständnis synchronistischer Phänomene Schwierigkeiten bereitet und der es
als undenkbar erscheinen lässt, dass ursachelose Ereignisse vorkommen (Jung-Pauli
1952, S. 99f). Der "Zufall" soll dann die Gültigkeit des seit Descartes und Spinoza nicht
mehr hinterfragten Kausalitätsprinzips wiederherstellen. Synchronizität ist jedoch mehr
als lediglich eine zufällige Anordnung nicht verbundener Teile zu einem Muster, denn
sie schließt eine Verbindung des Individuellen mit dem Allumfassenden ein und
entsteht aus dem Wirken eines tiefgreifenden Prinzips, das Elemente zu
grundlegenden Mustern zusammenfasst (Peat 1989, S. 111). Diese grundlegenden
Muster – Archetypen – unterstreichen die Bedeutung synchronistischer Ereignisse.
Jung und Pauli waren der Ansicht, dass die Synchronizität Eigenschaften besitzt, die
für die Aufklärung der vermuteten Komplementarität von Geist (Psychologie) und
Materie (Physik) in Betracht kommen könnten (Atmanspacher 1995, S. 162); denn
synchronistische Ereignisse werden als Einmaligkeiten verstanden, in denen
sporadisch die Einheit der Welt, von Psyche und Materie (der sog. Unus Mundus)
aufblitzt. Jung drückte das wie folgt aus: "Da Psyche und Materie in ein und derselben

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Welt enthalten sind, überdies ständig miteinander in Berührung stehen und schließlich
beide auf unanschaulichen transzendenten Faktoren beruhen, so besteht für mich
nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass
Materie und Psyche zwei Aspekte ein und derselben Sache sind.
Synchronizitätsphänomene weisen in diese Richtung, indem ohne kausale Verbindung
Nicht-Psychisches sich wie Psychisches und vice versa verhalten kann" (Mansfield
1998, S. 224).
Ein Synchronizitätsphänomen besteht aus zwei Faktoren:
• Ein unbewusstes Bild direkt – wörtlich bzw. indirekt – symbolisch oder
angedeutet im Bewusstsein als Traum, Einfall oder Ahnung.
• Mit dem Inhalt dieses Bildes koinzidiert ein objektiver Tatbestand.
Es sagt also aus, dass die Glieder einer Koinzidenz durch Gleichzeitigkeit und Sinn
verbunden sind und der Sinn sich durch innere Bilder manifestiert. Worin dieser "Sinn"
sich offenbart, entzieht sich zunächst der unmittelbaren Erkenntnis (Jung-Pauli 1952,
S. 111). Den Terminus "Synchronizität" wählte Jung, weil ihm die Gleichzeitigkeit
zweier sinngemäß, doch akausal verbundener Ereignisse als wichtiges Kriterium
erschien. Wesentlich ist jedoch die Sinnverbundenheit von Ereignissen, die sich
sowohl in der Materie als auch im Geiste zeigen, in der sich eine tiefere Ordnung
entfaltet. Σ ist deshalb der Ausdruck des Potenzials, der in einem bestimmten Punkt
der Existenz vorhanden ist. Sie wirkt als Hinweis auf den Sinn, der in einem
individuellen Leben, einer Beziehung oder in einem historischen Augenblick verborgen
ist. In dieser Beziehung zwischen der Anordnung geistiger und physischer Ereignisse,
liegt die "numinose" Bedeutung der Synchronizität (Peat 1989, S. 103). Das äußere
Ereignis, die Materie wird dabei zum Träger eines tieferen Sinns.
Bei einem Synchronizitätsphänomen benehmen sich die inneren und äußeren Fakten
so, als ob ihr Sinnzusammenhang "irgendwo gewusst" wäre, jedoch nicht von unserem
eigenen Bewusstsein. Es scheint bewusstseinsunabhängig und -transzendent zu sein.
Ein Synchronizitätsphänomen will uns etwas mitteilen; die Sinnhaftigkeit will
verstanden werden; es trägt eine Botschaft aus der Gegenwart in die Zukunft, im
Gegensatz zur Kausalität, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Deshalb
ist in Synchronizitätserlebnissen der Blick zurück und die Suche nach den Ursachen
kontraproduktiv; vielmehr geht es um einen Wechsel der inneren Einstellung in der
Gegenwart (Sparks 2007, S. 54). Wenn sich so das innere Bild in der äußeren Welt
manifestiert, berührt uns das, und in uns wächst der Wille zum Verständnis. Das liest
sich wie eine Beschreibung von systemischen Strukturaufstellungen, und
möglicherweise kann die Synchronizität ein Erklärungsmuster für das Wirken der
Aufstellungen liefern. Dieser These soll in einer späteren Arbeit nachgegangen
werden.
Wo immer also Innen und Außen, Subjekt und Objekt, Psyche und Materie in unserer
Wahrnehmung vertauscht in einer uns sinnvollen Art und Weise in Erscheinung treten,
geht es um persönliches Wachstum. Dies geschieht oft an kritischen Punkten im Leben
eines Menschen. Synchronizitäten sind schöpferische Augenblicke, in denen sich
mögliche zukünftige Ordnungsmuster zeigen (Peat 1989, S. 171), welche das
bewusste Wissen übersteigen. Sie sind die "Joker im Kartenspiel der Natur" (Peat),

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weigern sie sich doch einerseits, Regeln zu folgen, und deuten sie andererseits darauf
hin, dass wir bei der Suche nach einer Erklärung unserer Welt bedeutende Fingerzeige
übersehen haben. Es zeigt sich dabei, dass das Innen, d.h. die Traumwelt oder das
Unbewusste, etwas über das Außen weiß, aber auch das Außen, die belebte oder
sogar die unbelebte Materie, etwas über das Innen. Synchronizitätsphänomene sind
Spiegel, in denen Teile unseres Selbst sichtbar werden.
Obwohl der Sinn eines solchen Phänomens nur subjektiv erlebbar ist, legt die
Tatsache der Koinzidenz, bei welcher sich auf beiden Ebenen, der psychischen wie
der physikalischen, der gleiche Sinn manifestiert, doch den Gedanken nahe, dass
dieser Sinn ursprünglich auch im objektiven Geschehen selbst vorhanden sein könnte,
dass also in den "Dingen" selbst etwas Sinnartiges stecke. (v. Franz 1970, S. 178f)
Diese nur subjektive Wahrnehmung unterscheidet übrigens Synchronizitäten im
psychischen Bereich von denen im physischen, die ja in einer festgelegten
Versuchsanordnung statistischen Gesetzmäßigkeiten folgen. Im
Synchronizitätsphänomen findet eine Verbindung oder, um den Ausdruck von Jung
hier einzuführen, eine Conjunctio zweier kosmischer Prinzipien statt, nämlich der
Psyche mit der Materie. Dabei geschieht tatsächlich eine Vertauschung der Attribute,
denn in solchen Augenblicken benimmt sich die Psyche, als ob sie materiell wäre, oder
die Materie, als ob sie zu unserer Psyche gehöre (v. Franz 1970, S. 257).
Die synchronistische Art des Denkens ist eine Differenzierung des primitiven Denkens,
in dem die Unterscheidung zwischen psychologischen und physikalischen Wirkungen
aufgehoben wird. Für die synchronistische Denkweise ist es sogar wesentlich, beide
Bereiche der Realität zu beobachten und zu registrieren, dass in dem Moment, da man
diese und jene Gedanken oder Träume hatte (was psychologische Ereignisse wären) ,
diese oder jene physikalischen Ereignisse eintraten (v. Franz 1987, S. 13f). Oder um
es poetischer auszudrücken: "Das synchronistische Prinzip sagt: dass die Sonne in
diesem Moment am Himmel steht, Wolken in bestimmten Formationen daran
vorbeiziehen, hier ein Mensch einsam in seinem Zimmer arbeitet, anderswo ein Kind
geboren wird, wieder anderswo jemand auf den Tod krank ist; also alles das, was in
einem bestimmten Augenblick geschieht, ist nicht Zufall, sondern darin waltet ein Sinn
oder ein Gesetz. Darum kann der, der einen Teil dieser Situation erfasst, daraus das
Ganze konstruieren" (Balmer, 1995, S. 38).
Um des Merkmals der Gleichzeitigkeit wählte Jung den Ausdruck Synchronizität, um
damit einen hypothetischen Erklärungsfaktor zu bezeichnen, der der Kausalität
ebenbürtig gegenüber steht und eine psychisch bedingte Relativität von Raum und Zeit
darstellt (Jung-Pauli 1952, S. 19). Diese Verbindungen hatte Jung ursprünglich in
einem Viererschema (Quaternio) dargestellt – solche Diagramme waren für ihn
Urformen von Mandalas:

  11  
Auf Anregung Paulis änderte Jung das ursprüngliche Quaternio, um die Ausweitung
des Begriffs der Synchronizität auf nicht psychische, materielle Phänomene deutlich zu
machen und damit den psychoiden Faktor mit in die Beschreibung der materiellen
Natur einzubeziehen. Pauli war davon überzeugt, dass nur eine quaternär
ausgerichtete Form von Wissenschaft wieder geistig fruchtbar und ethisch
angemessen zugleich sein kann.

Dieses Quaternio symbolisiert die Gegensätze zwischen Energie und Raumzeit


einerseits und Kausalität und Synchronizität andererseits: Energie und Raumzeit sind
Metaphern für unsere Erfahrungen in der Welt. Aufgrund der Heisenbergschen
Unbestimmtheitsrelation sind Energie und Raumzeit komplementäre Kriterien für
Ereignisse, so wie unser Verständnis der kausalen Welt durch eine andere Art von
Verbindung, nämlich der durch Sinn oder Synchronizität, ergänzt werden muss. Diese
Quaternio soll die Brücke zwischen Geist und Materie, zwischen Psychologie und
Physik symbolisieren. Pauli sah darin sogar neben den deterministischen und
statistischen Gesetzen der klassischen - und der Quantenphysik einerseits und der des

  12  
Zufalls andererseits eine dritte Möglichkeit von sog. "Simultangesetzen" (Fischer 2004,
S. 175), wie sie etwa in der biologischen Evolution zum Tragen kommen.
Für Jung war ein einheitliches Verständnis von Natur und Mensch wichtiger als eine
neue Therapieform auf der Basis seiner Psychologie. Die Jung'sche Analyse ist
weniger am Ego des Einzelnen interessiert, als vielmehr daran, wie ein sinnvolles
ganzheitliches Leben geführt werden kann. Für Pauli bedeuteten diese Vorstellungen
ein Wiedererwachen alchemistischer Gedankengänge in den Naturwissenschaften, in
dem er den Begriff der Synchronizität als Fortgang der Physik von der klassischen
Trinität (Raum – Zeit – Kausalität) zu einer Quaternität der Grundbegriffe verstand, in
der dann die Diskontinuität und Akausalität der postklassischen Physik ihren
methodisch begründeten Platz finden. Ihn selbst könnte man daher als modernen
Alchemisten bezeichnen. Für beide wurde damit das Konzept der Synchronizität zu
einer in die Zukunft weisenden Naturphilosophie (Jung-Pauli 1992, S. 107f) Ja man
kann die gleichzeitige Entstehung und Formulierung der analytischen Psychologie
durch Jung und die Formulierung der Quantenmechanik durch Bohr, Pauli und
Heisenberg selbst als synchronistisches Ereignis bezeichnen, das seinen Niederschlag
25 Jahre später in der gemeinsamen Veröffentlichung der Essays über die
Synchronizität und Kepler und Fludd gefunden hat.
Pauli wies einem Synchronizitätsphänomen die folgenden empirisch nachprüfbaren
Eigenschaften zu (Gieser, 2005, S. 282) und versuchte damit, es vom Odium der
Subjektivität und Unwissenschaftlichkeit zu befreien:
• Koinzidenz oder das zeitliches Zusammentreffen von Umständen: Warum
passiert etwas zur selben Zeit?
• Numinosität oder das besondere Empfinden für ungewöhnliche psychische
Zustände.
• Korrespondenz oder Analogie, Sympathie, Harmonie, Ähnlichkeit oder
Zusammenwachsen
• Automorphismus oder die Idee einer sich selbst reproduzierenden "Gestalt"
des psychischen Geschehens, auch "Archetypus" genannt.
• Schöpfung oder das Neue, Einzigartige
• Transzendenz oder die Parallelität zweier psychischer Zustände, eines
psychischen Zustandes und eines physikalischen Systems oder zweier
oder mehrer physikalischer Systeme.
Pauli und Jung sahen die Welt als ein einziges, ungeteiltes Ganzes, dessen Muster
und Formen aus einem Untergrund auftauchen, eine Zeitlang aufrechterhalten werden
und dann zurückfallen. Dieses ungeteilte Ganze, der Materie und Geist gemeinsam ist,
kann als Platz für das Bewusstsein verstanden werden (Peat 1989, S. 94).
Synchronizitäten haben ihren Ursprung in einem Grunde, der jenseits der
konventionellen Wissenskategorien liegt und der sich allen Versuchen widersetzt,
Grenzen zu ziehen oder Trennlinien zwischen den besonderen Erfahrungsbereichen
aufzustellen. Es gibt Ereignisse, die sich zu sinnvollen Mustern bündeln, ohne sich der
üblichen Schub- und Zugkräfte der Kausalität zu bedienen. Deshalb überschreiten
Synchronizitäten die normalen Gesetze der Naturwissenschaft und das simplifizierte
Modell von Kausalketten muss ersetzt werden durch Kausalnetzwerke, in denen
letztlich "Alles alles andere verursacht". Jungs und Paulis Anliegen war es,

  13  
Synchronizität als Brücke zu sehen, deren einer Pfeiler in der "Objektivität" der
Wissenschaft steht und deren anderer sich auf die Subjektivität persönlicher Werte
gründet.
Synchronizitäten und quantenmechanische Korrelationen sind zweifelsfrei
beobachtbare Phänomene: Die nicht vorhersagbaren und ursachelosen
Quantensprünge von Elektronen sind nach Paulis Verständnis nicht nur selbst
synchronistische Phänomene, sondern auch umgekehrt die Ursachen, die
Synchronizitäten in der Natur überhaupt ermöglichen (Sparks 2007, S. 46). Wie weit
sie in unser Leben hineinragen ist heute nicht abschließend zu beurteilen. Wenn
Synchronzitätsphänomene jedoch an die Wissenschaft angeschlossen werden
können, so könnte das nur über die quantenmechanischen Effekte in unseren
Sinnesorganen möglich sein, also in erster Linie die Unschärfe bei der Tätigkeit der
Hirnrinde, und der Tunneleffekt bei den elektrischen Vorgängen im zentralen
Nervensystem ("spin as a mind-pixel") (Cramer 1998, S. 147f). Physikalisch könnte
eine Synchronizität als quantentheoretische Verschränkungen zwischen Geist und
Materie verstanden werden, wobei Symmetrien oder Resonanzen als Medium der
Übertragung verantwortlich sein könnten.

Beispiele
Für Jung wie für Pauli war die Synchronizität nicht nur ein gedankliches Konstrukt,
sondern beide verstanden sie als einen empirischen Begriff (Jung-Pauli 1952, S. 99).
1. Radioaktiver Zerfall. Die Zeitmomente des Zerfalls der Einzelatome sind nicht
determiniert und existieren nicht unabhängig von ihrer Beobachtung in geeigneten
Experimenten. Die Beobachtung des Einzelatoms löst diesen aus dem Zustands- d.h.
Sinnzusammenhang mit den anderen Atomen und verknüpft es stattdessen mit dem
Beobachtenden und seiner Zeit. Daraus ergibt sich folgende Analogie mit den
synchronistischen Phänomenen auf archetypischer Grundlage: Der Fall, in dem vom
einzelnen Radiumatom nicht festgestellt werden kann, ob es sich im Anfangs- oder
Endzustand des radioaktiven Zerfalls befindet, entspricht der Verbundenheit des
Einzelindividuums mit dem kollektiven Unbewussten durch einen ihm unbewussten
archetypischen Inhalt. Die Feststellung der Bewusstseinslage des Individuums, die es
aus dem kollektiven Unbewussten heraushebt und die das synchronistische
Phänomen zum Verschwinden bringt, entspricht der Bestimmung des Energieniveaus
des Einzelatoms durch ein besonderes Experiment (Jung-Pauli 1992, S. 45). Daher
stand in den zahlreichen Träumen von Pauli der radioaktive Zerfall auch als Symbol für
die Synchronizität (Lindorff 2004, S. 208).
2. Die Naturkonstanten haben genau den Wert, der notwendig ist, damit die komplexe
Selbstorganisation in Schwung kommt, um bewusste Wesen wie die Menschen zu
ermöglichen. Dazu gehört auch die berühmte Feinstrukturkonstante (1/137; Pauli
erschrak, als er kurz vor seinem Tode ins Krankenhaus mit der Raumnummer 137
eingeliefert würde und wusste, dass er dort nicht mehr lebend rauskommen würde), die
mit der Elementarladung e, dem Planckschen Wirkungsquantum h, der
Lichtgeschwindigkeit c und der elektrischen Feldkonstanten ε zusammenhängt. Warum
die einzelnen Konstanten die Werte haben, die sie haben, kann bislang nicht erklärt

  14  
werden. Dies lässt auf das sog. "anthropische Prinzip" schließen, nach dem die Natur
sich so organisiert, dass sie Bewusstsein hervorbringen kann. Der renommierte
englische Physiker Paul Davies sieht dahinter ein Synchronizitätsphänomen (Davies,
1989), und dass Pauli ähnlich dachte, zeigt sein Schrecken über die Einlieferung in
Krankenzimmer 137 und die Gewissheit, dort sein "Bewusstsein zu verlieren".
3. Auch gesellschaftliche Veränderungen lassen sich auf die Synchronizität
zurückführen, wenn nämlich Menschen, die in keinerlei Verbindung zueinander stehen,
gleichzeitig sehr ähnliche Gedanken, Ideen oder Entdeckungen verfolgen. (Yasuo
2008, S. 166) Umgangssprachlich gibt es dafür den Ausdruck, "die Zeit sei reif".
Beispiele für solche Phänomene sind etwa die gleichzeitige, sonst aber völlig
eigenständige Entwicklung des Differentialkalküls durch Newton und Leibniz (Yasuo,
2008, S. 196), des Periodensystems der Elemente durch J. L. Meyer im Jahre 1868
und ein Jahr später durch D. I. Mendelejew oder die 68er Bewegung, die sich um den
ganzen Globus von der Kulturrevolution Maos über die Studentenbewegungen in den
westlichen Industriestaaten bis zum Prager Frühling verbreitet hat. Im
erdgeschichtlichen Kontext ließe sich vielleicht sogar die "Kambrische Explosion" als
synchronistisches Ereignis verstehen, als vor ca. 540 Millionen Jahren viele neue Arten
sich entwickelten und grundlegend neue genetische Baupläne entstanden. Bei diesen
u. ä. Synchronizitätsereignissen muss die Frage nach dem Sinnzusammenhang neu
gestellt werden, denn bei ihnen geht es wohl nicht vorrangig um ihre Bedeutung für
eine Einzelperson. Der Sinn solcher Synchronizitätsphänomene ist m. E. vielmehr im
kollektiven Erreichen einer höheren Bewusstseinsstufe der menschlichen Entwicklung
zu suchen. Denn das oberste Ziel sowohl der Evolution als auch der persönlichen
Entwicklung – der Individuation – kann mit Jung die individuelle und kollektive
Bewusstwerdung angesehen werden (Stevens 1982, S 75). So lassen sich derartige
synchronistische Ereignisse als Hinweise auf den teleologischen Faktor (Laurikainen,
1997, S. 91), der unser Leben bestimmt, deuten.
4. Folgendes Beispiel wird gemeinhin als paradigmatisches Beispiel für die
Synchronizität zitiert: Eine Patientin Jungs träumte von einem Skarabäus, und zu
seiner Überraschung flog ein gemeiner Rosenkäfer ins Zimmer, während sie den
Traum erzählte. Ohne einen geschulten Beobachter hätte es nur eine Ähnlichkeit
zwischen dem äußeren und inneren Ereignis gegeben; nur wenn man weiß, dass der
Skarabäus ein Symbol des wiedergeborenen Sonnengottes ist, d.h. eine Wiedergeburt
des Bewusstseins bedeutet, wird das Ereignis sinnvoll. Synchronistische Ereignisse
bilden also Augenblicke, in denen ein "kosmischer", ein "größerer" Sinn einem
Individuum bewusst wird; das ist im Allgemeinen eine erschütternde Erfahrung. Man ist
betroffen, weil man spürt, dass eine höhere Macht auf einen zielt, häufig indem es
einem einen Streich spielt (v. Franz 1988, S. 331).
5. Eine Patientin Jungs erzählte ihm, dass beim Tode ihrer Mutter und Großmutter
sich vor dem Fenster des Sterbezimmers eine große Zahl von Vögeln versammelt
hätte. Nach Abschluss der psychologischen Behandlung ihres Mannes traten bei ihm
Symptome auf, die auf eine Herzerkrankung hinwiesen. Ein zugezogener Spezialist
konnte jedoch bei der ersten Behandlung nichts Besorgniserregendes feststellen. Auf
dem Heimweg von dieser Konsultation brach der Patient auf der Straße zusammen.
Als er sterbend nach Hause gebracht wurde, war seine Frau bereits in ängstlicher

  15  
Unruhe, weil ein ganzer Vogelschwarm sich auf ihrem Haus niedergelassen hatte
(Jung-Pauli 1952, S. 23).
6. Der Umfall des Bücherregals, als Freud Jung zum Kronprinzen auserwählen wollte
und Jung gegen den Widerstand Freuds auf seiner Interpretation des Ereignisses als
"katalytische Exteriorisation" bestand.
7. Sokrates träumte, er habe einen jungen Schwan auf seinem Schoß gehalten, der,
als er größer wurde und sein Gefieder voll entwickelt war, mit lauten Jubeltönen in die
Lüfte emporgestiegen sei. Am Tag darauf wurde ihm der junge Plato vorgestellt. In
dem Vogel hatte Sokrates sogleich seinen neuen Schüler erkannt.
8. 1954 träumt Pauli: Ich bin zusammen mit einer "dunklen Frau" (Direktor "Spiegler",
wie sie in späteren Träumen heißen soll) in einem Raum, in dem Symmetrie-
Experimente durchgeführt werden. Während die anderen im Raum die Spiegelungen
als reale Objekte betrachten, besteht zwischen der Frau und mir das Einvernehmen,
dass es sich nur um Spiegelbilder handelt. Drei Jahre nach diesem Traum entdeckten
Yang und Lee, dass die Spiegelsymmetrie (parity) bei schwachen Wechselwirkungen
verletzt wird, d.h. dass es notwendig ist, zwischen Objekt und dessen Spiegelung
(Umkehrung der Vorzeichen der Raumkoordinaten) zu unterscheiden, sehr zum Ärger
von Pauli, der noch 1955 in einer Festschrift sein sog. CPT-Theorem (charge, parity,
time) aufgestellt hatte. Der Traum nahm also die Entdeckung der Verletzung der
Symmetrie voraus. Pauli tat sich zunächst schwer damit; so machte der Witz die
Runde, dass er nach seinem Tod im Himmel Gott aufforderte, ihm den Grund für die
Symmetrieverletzung zu beweisen, was dieser natürlich nicht konnte. Pauli suchte
deshalb nach allgemeineren Symmetrien, wobei es notwendig war, tiefer in die
Strukturen der Materie vorzudringen, weil er weniger Symmetrieeigenschaften in
Teilaspekten von Ladung, Raum und Zeit vermutete: das Symmetrieproblem betrifft
das Verhältnis zwischen dem Archetyp des Selbst und dem des Egos. Der Archetyp
selbst wird damit zu einem unsichtbaren Spiegel (Gieser 2005, S. 327). Heraus kam
eine weitere bahnbrechende Arbeit Paulis, die erst Ende der 90ier Jahre mit der
Entdeckung der Verletzung der Zeitsymmetrie experimentell bestätigt wurde, nämlich
dass Symmetrien immer als Ganzes – als C+P+T und nicht als Einzeleigenschaften –
betrachtet werden müssen. Paulis erweiterter Symmetriesatz hat in der Tat
weitreichende Konsequenzen, erklärt er doch, warum nach dem Big Bang die
gleichviel vorhanden Teilchen und Anti-Teilchen sich nicht augenblicklich in Energie
verwandelt haben, was letztendlich die Ursache dafür ist, warum wir überhaupt in einer
stofflichen Welt leben.
9. "Man hat den Eindruck, dass die äußeren physikalischen Umstände einerseits und
ihnen angepasste erblichen Veränderungen der Gene andererseits, zwar nicht kausal-
reproduzierbar zusammenhängen, aber doch einmal – die zufälligen Schwankungen
der auftretenden Mutationen korrigierend – sinnhaft und zweckmäßig zusammen mit
den äußeren Umständen aufgetreten sind. Gemäß dieser Hypothese, die sich von der
Darwin'schen unterscheidet, begegnen wir hier einem dritten Typus von
Naturgesetzen, der in einer Korrektur der Schwankungen des Zufalls durch sinnhafte
Koinzidenzen nicht kausal verbundener Ereignisse besteht. Dieses ganzheitliche
Auftreten sinngemäßer Koinzidenzen (Synchronizität) in der biologischen Evolution
könnte einen psychischen Faktor anzeigen und der auf einer höheren Stufe als

  16  
Emotionalität bzw. Erregung erscheinen könnte". (Pauli: "Die Klavierstunde" in:
Atmanspacher 1995)
10. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Während regelmäßiger Aufenthalte in den USA
besuchte ich immer wieder einen spirituellen Lehrer der Advaita-Linie. Einige Zeit nach
meiner Rückkehr aus den USA fühlte ich mich innerlich leer und war unschlüssig über
meine berufliche Zukunft. Dieser Zustand währte einige Zeit. Im Moment einer
depressiven Phase erhielt ich einen Brief von diesem Lehrer, in dem er mir versicherte,
dass alles gut werden würde. Dazu ist zu sagen, dass dieser Lehrer nur über eine
Postfachadresse erreichbar und ich ihm nie vorher meine postalischen Koordinaten
mitgeteilt hatte. Dass dieser Brief mich im Moment einer großen inneren Not erreicht,
gab mir meinen Mut und meine Zuversicht zurück.
11. In den sog. prognostischen Träumen erkennt man Zusammenhänge im täglichen
Leben zwischen den morgens erinnerten Traumbildern und nachfolgenden
Tagesereignissen. Was im Tagleben geschieht, nehmen solche Träume fast
wortwörtlich vorweg. So lassen sich Tagerlebnisse "manipulieren", wenn einem die
zugehörigen Traumerlebnisse nicht gefallen. Dabei ist darauf zu achten, im Wachleben
nichts von dem zu tun oder zu sagen, was zuvor im Traum getan oder gesagt wurde.
Solche prognostische Träume offenbaren, dass die Psyche anderen Zeitläufen folgt als
die "chronologische" Zeit unserer Umwelt (Adler 1989, S. 24ff).
12. Wo Sinneswahrnehmungen an sich unmöglich sind – etwa bei Nahtodes- oder
Außerkörpererfahrungen – kann es sich wohl um gar nichts anderes handeln als um
Synchronizitäten (Jung-Pauli 1952, S. 96).
13. Psychische Korrelationen zwischen zwei Menschen, wofür es zahlreiche Beispiele
gibt. Solche Synchronizitätsereignisse sind weit häufiger zu erfahren als diejenigen
zwischen einem geistigen und materiellen Zustands eines Menschen.
Hat man selbst den Zufall als beliebtes Erklärungsmodell ausgeschaltet und nimmt die
mögliche Bedeutung und die Gleichzeitigkeit von Synchronizitätserlebnissen ernst, so
wird man nach einer Weile eine ganze Reihe solcher Phänomene auch bei sich selbst
entdecken.

Synchronizität und Kreativität


Synchronizitätserlebnisse sind Fälle, in denen die Kreativität die Schranken des Selbst
durchbricht und das Reich des Bewusstseins durchdringt. Sie weisen uns darauf hin,
dass das Bewusstsein und der Geist tiefere Schichten enthalten, die bis zu einer
Quelle unkonditionierter Kreativität hinabreichen. Synchronizitätserlebnisse sind also
Hinweise auf ein verbindendes Prinzip zwischen den Schichten unseres Selbst und der
Welt. Ihre Symbolhaftigkeit wird damit zur Quelle von Kreativität, erlaubt sie uns doch
einen Blick in eben diese Schichten, in denen wir uns mit unserer Intuition, unseren
Gefühlen und Emotionen verbinden können. Kreativität gehört nach Jung – neben
Sexualität, Arbeit, Hunger und Selbstbetrachtung – zu den fünf wesentlichen Instinkten
des Menschen. Das Materielle und das Geistige gehören auf der "synchronistischen
Ebene" nicht länger verschiedenen Ordnungen der Erfahrung an sondern sind die
beiden Seiten einer Münze. Einem Geist, der ständig für Veränderungen

  17  
aufgeschlossen ist, wird Synchronizität als etwas sehr Natürliches erscheinen, enthüllt
sie doch die umfassenden Muster der Natur und des Geistes und bietet einen
Zusammenhang, in dem gleichzeitige Geschehnisse ihren Sinn erhalten.
Im Gegensatz zur rein empiristischen Auffassung, wonach die Naturgesetze allein aus
dem Erfahrungsmaterial entnommen werden können, ist inzwischen auch von vielen
Physikern und Mathematikern die Rolle der Richtung der Aufmerksamkeit und der
Intuition bei den über bloße Erfahrung hinausgehenden, zur Aufstellung eines Systems
von Naturgesetzen nötigen Begriffen und Ideen betont worden (Jung-Pauli 1952, S.
111). Zahlreiche Beispiele seiner Kollegen und seine eigenen Erfahrungen brachten
Pauli auf die Idee, dass es eine enge Verbindung zwischen archetypischen inneren
Bildern und der Lösung naturwissenschaftlicher Probleme gäbe (siehe Beispiel 8),
denn Archetypen organisieren Bildern und Ideen im Bereich der Psyche. Der Physiker
Roger Penrose versuchte kürzlich, Neurophysiologie und Physik zu kombinieren und
so zu einer Erklärung des Denkprozesses und der Intuition zu kommen: Für Strukturen
innerhalb der Neuronen gilt die Unbestimmtheitsrelation, also haben logische Prozesse
keine alleinige Gültigkeit; Ungewissheit und Vieldeutigkeit wird eingeführt und damit
der Wirkstoff für die Intuition (Miller 2009, S. 275).
Der Uroboros (vgl. Abb1. und Abb. 2), der mandalaförmige, sich in den Schwanz
beißende Drache, symbolisiert seit alters her Selbstreferenz, Rekursion und die
Vereinigung von Gegensätzen. Er ist das alchemistische Symbol der Verfeinerung der
vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zum magischen fünften Element, der
quinta essentia, dem ultimativen Zustand der Erkenntnis. Die symbolische Bedeutung
des Uroboros lässt sich als Integration der vier Funktionen Denken, Fühlen, Empfinden
und Intuition – dem Zustand der Individuation – interpretieren. Der Zustand, in dem die
linke – rationale – und die rechte – irrationale – Hirnhälfte im Einklang sind. In unserer
von der Rationalität beherrschten Zeit bedeutet das eine vermehrte Hinwendung zu
Irrationalität, zum Eros, um die Einseitigkeit der westlich-rationalen
Wissenschaftskultur zu überwinden und der Kreativität einen neuen Schub mit der
Einbeziehung des Fühlens und Empfindens zu verleihen. Das ist genau der Schritt,
den Pauli mit seiner Kepler-Fludd-Arbeit beschritten hat. Der Uroboros steht also für
Neubeginn und Kreativität, für den Stein des Weisen, den "lapis philosophorum", und
Synchronizitätsphänomene sind die Hinweise auf dem Weg der Integration von
Rationalem und Irrationalem.
Jung hat das wie folgt formuliert:
"Die Psychische Matrix ist die Quelle, aus der uns Träume zustoßen, die seltsam mehr
wissen als das Bewusstsein. Von dort stammen die Einfälle und Ideen, von denen wir
'ahnen', dass wir sie nicht selbst 'gemacht' haben. Da die 'objektive Psyche' nicht auf die
Person begrenzt ist, wird sie auch nicht durch den Körper begrenzt. Sie manifestiert sich
daher nicht nur im Menschen sondern in Tieren oder physikalischen Gegebenheiten.
Diese letzteren Phänomene bezeichne ich als Synchronizität" (Atmanspacher 1995, S.
94f).

  18  
Abb.1: Zeichnung aus einem griechischen Manuskript von 1478

Abb. 1 Fries in einem Kloster aus dem 13. Jahrhundert südlich von Siena (Torri)

  19  
Synchronizität und Unus Mundus
Insofern sich im Synchronizitätsphänomen die gleichen Strukturen in der unbewussten
Psyche und in der Materie manifestieren, rückt die schon von den Alchemisten hinter
dem Dualismus von Psyche und Materie geahnte Einheit des Seins in empirisch
fassbare Nähe. Diese Einheit des Seins hat Jung als Unus Mundus bezeichnet, der die
Annahme zugrunde liegt, dass die Vielfältigkeit der empirisch erfassbaren Welt auf der
Grundlage einer Einheit derselben beruht, und dass nicht zwei oder mehrere prinzipiell
verschiedene Welten zusammen existieren oder miteinander vermengt seien. Vielmehr
gehört alles Getrennte und Verschiedene in ein und dieselbe Welt, die allerdings nicht
"sinnenfällig" ist (v. Franz 1970, S. 16). Im Unus Mundus ist die Spaltung von Psyche
und Materie noch nicht vollzogen und die Trennung von Subjekt und Objekt nicht
vorgenommen. Der Unus Mundus entspräche dann letztlich der Idee einer Beseeltheit
der Materie, der Geist ist noch an die Materie gebunden. Aufgrund dieser
ursprünglichen Einheit sind beide Bereiche noch korreliert, durch ihren Sinn
verbunden, obwohl es keine kausale Brücke gibt. Der Begriff selbst geht auf den
belgischen Alchemisten Gerhard Dorn zurück. In neuester Zeit werden die
komplementären Aspekte von Psyche und Physis mathematisch als nicht-kommutative
Banach-Algebren – übrigens dieselbe Klasse von Räumen, der auch die
quantenmechanischen Zustandsoperatoren angehören – symbolisiert und damit ein
abstraktes Modell für den Unus Mundus geschaffen (Atmanspacher 2009, S. 179).
Die Idee des Unus Mundus hat mit der Entwicklung der Quantentheorie zusätzliche
Bedeutung bekommen: Oben wurde bereits erwähnt, dass diese als eine holistische
Theorie der Materie zu betrachten ist, die keinerlei Unterscheidung zwischen
materiellem Objekt und der Messapparatur kennt, in der also Subjekt und Objekt nicht
getrennt sind und eine Symmetrie herrscht, die keinerlei Strukturen erkennen lässt. Im
Moment des physikalischen Experiments wird diese Einheit jedoch aufgeben und das
Objekt der Beobachtung von dessen Umgebung getrennt. Diese willkürliche Zerlegung
eines Gesamtsystems in seine Teile heißt "Heisenberg-Schnitt" und definiert
Messobjekt und Messapparatur. Dieser Vorgang führt dann zwangsläufig zu einer
irreduziblen Beschreibung, welche nur noch Wahrscheinlichkeitsaussagen erlaubt.
Andererseits wird durch die Symmetriebrechung der Beobachtung erst eine Struktur im
Gesamtsystem sichtbar. Eine Synchronizität, die ja innere Strukturen im äußeren
System aufzeigt, lässt sich somit als Symmetriebrechung im Unus Mundus verstehen
(Atmanspacher 2009, S.186 u. 229). Für Pauli war Symmetrie ein Archetyp, der
tieferliegende Erkenntnisse über die Natur offenbart, als man sie in den
Elementarteilchen findet. Symmetrie bestimmt für ihn den Unus Mundus (Peat 1998).
Der Hauptaspekt des Unus Mundus ist, dass er eine einheitliche "Welt der
Möglichkeiten" ist, die noch nicht in konkrete, in der Raumzeit existierende Objekte
auseinandergebrochen ist. Jung beschreibt das als "potenzielle Welt des ersten
Schöpfungstages, als noch nichts in actu war". Diese potenzielle Welt ist analog der
einer Messung vorausgegangenen Wellenfunktion ψ. Ebenso wie das unbeobachtete
Quantensystem besteht der Unus Mundus aus Möglichkeiten und Potenzialitäten:
Indem ein individueller Geist den Möglichkeiten im Unus Mundus objektive Existenz

  20  
verleiht und so die Welt miterschafft, bringt er unvermeidlich einen besonderen
Gesichtspunkt, eine subjektive Einzigartigkeit mit ins Spiel (Mansfield 1998, S. 266). In
den Synchronizitätserfahrungen erhaschen wir einen Blick auf den Unus Mundus.
Mehr noch: Synchronistische Phänomene sind der empirische Beweis für dessen
Existenz; ohne sie wäre er reine Spekulation. Damit ist die enge Verbindung zwischen
Synchronizität, Archetyp und kollektivem Unbewussten hergestellt (Donati 2004, S.
713).
Man kann also sagen, dass die Physik Ordnungen schafft im Psychischen und die
Psyche im Gebiet der Materie. Marie-Louise v. Franz, eine enge Vertraute von Pauli –
zu eng nach den Vorstellungen von Paulis Witwe, die deren Briefe an ihn nach seinem
Tode allesamt verbrannt hatte – nahm diesen Gedanken auf und verstand als
ordnendes geistiges Prinzip die Zahl, also die Mathematik (Sparks 2007, S. 121).
Diese uns innewohnende mathematische Struktur dient unserem Wachstum und
unserer Selbsterkenntnis. Sie wird uns laut v. Franz durch Symbole in
Synchronizitätserlebnissen sichtbar gemacht, die so etwas wie Botschaften des
Urgrundes in dem Einzelnen wirken und die auch nur vom Einzelnen wirklich
verstanden werden können (v. Franz 1970, S. 267).
Jung selbst war ein großer Verfechter der Zahl "Vier", deshalb wohl seine Vorliebe für
Quaternios. In der Vier sah er die Rückkehr zur Ureins, wo der Mensch noch kritiklos
und unbewusst in seiner Umgebung lebt. Auf der Zwei-Stufe mit einem dualistischen
Welt- und Gottesbild hingegen entsteht Spannung, Zweifel, Kritik an Gott, an dem
Leben, an der Natur, an sich selbst. Der Dreizustand bedeutet demgegenüber Einsicht,
Bewusstwerdung, Wiederfinden der Einheit auf höherer Stufe, mit einem Wort
Erkenntnis (v. Franz 1970, S. 118). Dem rationalen "trinitarischen" Denken (Plato,
Kepler, Descartes, Einstein) fehlt aber eine weitere, die vierte Stufe, schließt diese
doch Gefühle, Werte und das Irrationale ein, die laut Aristoteles uns erst von anderen
unterscheiden und so zur Voraussetzung der Individuation wird. In der "Rückkehr" zur
Vier wird die Intuition einbezogen. Vertreter dieses "quaternarischen" Denkens sind
Pythagoras, Parmenides, Kant, Schopenhauer, Bohr und natürlich Pauli, die der
westlichen Tradition des "Entweder-Oder" ein "Sowohl-als-Auch" gegenüberstellen. Ein
schönes Beispiel dafür ist die Einführung des Begriffs der Komplementarität in der
Physik. Hier stellt sich auch die Frage, ob die prozessuale Logik des Tetralemma (v.
Guretzky 2005) nicht genau diesem "quaternarischen" Denken entspricht. Dies ist an
späterer Stelle noch zu klären.
Den Zahlen "Eins" bis "Vier"4 lassen sich also vier Grundprinzipien zuordnen: "Der
Empfindungsvorgang stellt im Wesentlichen fest, das etwas ist, das Denken, was es
bedeutet, das Gefühl, was es wert ist und die Intuition ist Vermuten und Ahnen über
das Woher und Wohin." Diese beiden Gegensatzpaare Denken/Fühlen und
Empfinden/Intuition repräsentieren komplementäre Aspekte psychologischer Typen.
Daraus ergibt sich folgendes Viererschema (Atmanspacher 1995, S. 206), das den

                                                                                                               
4
Das "quaternarische" Denken geht möglicherweise auf den frühmittelalterlichen Neuplatoniker Johannes Scottus
(John the Scot) zurück, der die Wirklichkeit in vier Stufen einteilt: (1) Das, was erschafft, aber nicht erschaffen ist - Gott.
(2) Das, was erschaffen ist und erschafft – Gottes Sohn. (3) Das, was erschaffen ist und nichts erschafft – der Heilige
Geist. (4) Das, was weder erschaffen ist, noch erschafft – die Rückkehr zu Gott.

  21  
Erkenntnisprozess im Unus Mundus widerspiegelt:

Paulis Bemerkung, dass "man es im 17. Jahrhundert zu weit getrieben hätte", bezieht
sich darauf, dass "in der kartesischen Wissenschaft die Hauptfunktion das abstrakte
Denken ist, welches versucht, die Tatsachen der Außenwelt in allgemeinen Begriffen
zu erfassen. Seit ihrem Siegeszug sind die in der Naturwissenschaft dominanten und
hochentwickelten Funktionen das Denken und das Empfinden. Sie bestimmen die
kollektiv gültigen naturwissenschaftlichen Normen." (Atmanspacher 1995, S. 207) Als
einer der ganz wenigen Naturwissenschaftler von Weltruhm war es Pauli jedoch klar,
dass zum Wesen der Naturwissenschaft auch der Schatten gehört, der
kompensatorisch in der Hintergrundwelt wirkt. Diese "dunkle" Seite des Fühlens und
der Intuition sind in der modernen Wissenschaft weit minder differenziert, ja sie wird
bei vielen heute aktiv wenn nicht bekämpft so doch vernachlässigt. Trotzdem sind
diese Funktionen von gleicher Bedeutung wie das andere Gegensatzpaar "Denken –
Empfinden". Denn nur sie erlauben den Naturwissenschaften einen Zugang zu der
Welt des "Imaginalen". Die heutige Wissenschaftstheorie kümmert sich fast
ausschließlich um die lichten Aspekte, um empirische und theoretische Ableitungen,
vernachlässigt jedoch den Entstehungskontext und damit die Fragen des
Sinnzusammenhangs (Atmanspacher 1995, S. 207). Dieser Schritt, den Descartes im
17. Jahrhundert eingeleitet hatte, war für die Mathematisierung der
Naturwissenschaften notwendig, sie hat aber auch ein folgenschweres Vakuum
entstehen lassen, auf das Pauli mit seiner Bemerkung hinweist.
"Der kartesische Dualismus ist ein Holzweg, aber wir kommen nur auf diesem Holzweg
weiter – freilich nur wenn wir einsehen, dass das ein notwendiger erster Schritt war."
(Atmanspacher 1995, S. 213)

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